Morgenausgabe Tit. 1 AI 4S.Iahrgang Wöcheu�llich 85 Pf� monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4�2 M. einschließlich 60 Pf. Postzeiwn gs« und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» abonnement 6,— M. pro Monat; für Lander mit ermäßigtem Druckfachen» porto 5,— M. -st Der.Vorwärts� erscheint Wochentag» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilage„Dolt und Zeit". Ferner.Frauenstimme", �Technik",.Blick in die Dücherwelt", �Iugend-Lorwärts"u.„Stadtbeilage� Neettnsv VoUSblat» Oonnersiag 1.. Januar 19)1 Groß-Äerlin 10 Z>f. Auswärts 45 Z>f. Ore einspaltige Nonporeillezeile 80 Pfennig. Reklame�eile ä.-- Reichsmark,„KlSins Anzeigen' das ettge» druckte Wart LS Pfennig(zoläsfig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfonnig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» zcschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8Va bis 17 Ufer. Jenteawrsan der GozialdematraMchen Kartei Dentschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprechern Dönboss 292—29? Telcaronrn-Adr: Sozialdemokro! Berlin. Vorwarts-Verlag G.m.b.H. ' Postscheckkonto! Berlin 27 53K�— Bankkonto! BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. I, Dt. B.u.Disc-Ges., Teppsitenk., Jerusalemer Str. KZ/KS. Zu neuen Ufern! WeZiwirtschast/ Weltschicksal. Von Friedrich Stampfer. Was kann es zum neuen Jahr Besseres geben als neue Erkenntnis? Wie millkommen müßte der erscheinen, der in die Wirren unserer Zeit neues Licht zu bringen, neue Aus- wege ans ihnen zu zeigen vermöchte! So mag es denn auch nicht-unnütz sein, auf Wahrheiten hinzuweisen, die längst schon von vielen erkannt, nur noch lange nicht genügend gewürdigt sind, Wahrheiten, die auf den ihnen gebührenden Platz zu stellen, eine politische Notwendigkeit geworden ist. Bon der Gründerkrise in den siebziger Iahren des vcr- gangenen Jahrhunderts erwartete Karl Marx, sie werde „durch die Allseitigkcit ihres Schauplatzes, wie die Intensiv!- tat ihrer Wirkung" aucb widerstrebenden Köpfen„Dialektik einpaukend An Allseitigkeit des Schauplatzes und Iptsn- fwitstt der Wirkung übertrifft die gegenwärtige WeUwirt- jchaftskrise den Gründerkrach um ein Vielfaches. Die Wir- kungen, die von ihr ausgehen werden, find noch unübersehbar. Eines aber müssen wir schon jetzt aus ihr gelernt haben, näm- lich, daß die Verwirklichung des Sozialismus l.n ganz anderem Maße ein internationales Problem ist, als den meisten von uns bisher zu Bewußtsein gekommen i st/ Liegt nicht in der Vernachlässigung dieser Wahrheit die Hauptursache für viele Unklarheiten in unseren Reihen? Was die Stärke des wissenschaftlichen Sozialismus aus- macht, das ist die Geschlossenheit seines Systems, die Un- beirrbarkeil seiner Konsequenz. Im Versprechen einer besseren Zukunft kann ihn jede Demagogie überbieten— im Erklären dessen, was ist, kommt ihm keine andere Lehre gleich. Durch ihn lernte die Arbeiterklasse sich selber verstehen, erhielt sie eine Vorstellung ihrer großen Mission, und dieses idea- listische Moment wirkte viel stärker als die Aussicht auf irgend- einen weit in der Ferne liegenden materiellen Vorteil. Praktisch geworden, hat der Sozialismus nicht mehr nur gelehrt, sondern auch g e l c i st e t. So beklagenswert die Lage der Arbeiter in dieser Krise ist, sie würde zweifellos noch viel elender fein ohne die große, fleißige und gewissenhafte Arbeit, die von Partei, Gewerkschaften und Genossenschaften geleistet worden ist. Dennoch ist die Sozialdemokratie von Selbstzufriedenheit weit entfernt. Wenn man sagt, daß sie als Schutzwehr des Friedens nach außen, der staatsbürger- lichen Freiheit nach innen, als Wall gegen soziale und polt- tische Reaktion eine ganz unentbehrliche Funktion ausübt, so ist das nach unser aller Ueberzeugung hundertmal richtig— und dennoch verfolgt uns angesichts des Massenelends dieser Tage stets der Gedanke, wie weit wir noch von unserem Ziel entfernt sind. Wir sind es— nicht nur, weil uns in Deutsch- land die Mehrheit fehlt, sondern auch, well dieses wellweite Problem niemals in einem Lande allein ganz gelöst werden kann. Gewiß, für eine Sozialdemokratie, die, auf die Volksmchr- hell gestützt, regiert, ergeben sich weitgehende, unschätzbare Möglichkeiten. Solange jedoch auf dem Gebiet der Weltwirt- schaft der gegenwärtige Zustand der Anarchie weiter besteht, Mrd jeder Bau des Sozialismus, der auf nationalem Boden errichtet wird, von schweren Erschütterungen bedroht sein. Ä>i sich ist ja diese Erkenntnis so wenig neu, daß sie schon im„Kommunistischen Manifest" zu finden ist. Aber die Vor- einigung d«r Proletarier aller Länder, soweit sie seitdem voll- zogen worden ist. hat mehr der Erhaltung des Friedens und dem internationalen sozialpolitischen Fortschritt gegolten, als dem Kampf für«me internationale sozialistische Wirtschaftspolitik. Bescheidene Ansätze in dieser Richtung sind auf internationalen Sozialisten- und Gewerk- fchaftskongressen gemacht worden, serner auch in einem Mc- «wrandum der Labour Party vom Jahre 1927 über die„Oeko- nomischen Tendenzen, die geeignet sind, den Weltfrieden zu berühren", und auch, was der jetzige Unterstaatssekretär im Foreign Office. Genosse Hugh Dalton. in seinem Buch „Dorvarci the Peace of Nations"(Dem Völkerfrieden ent- gegev) über die. mternationclleu Wirtschaftsproblsne ausführt. ist in hohem Maße bemerkenswert. Vieles ist in Zeitschriften und Zeitungen verstreut. Die Erkenntnis, daß auf diesem. Boden noch gewaltige, entscheidend wichtige Aufgaben zu lösen sind, ist zweifellos im Wachsen. Aber von fertigen Formeln ist man noch weit entfernt. Eine politische Macht, die imstande wäre, im Weltmoß- stab regulierend einzugreifen, sieht man kaum erst andcutungs- weise im Völkerbund entstehen. Die Versuche, die er in dieser Richtung unternommen hat, zeigen nur, daß die Dringlichkeit des Problems weit über die sozialistischen Kreise hinaus empfunden wird, sie waren jedoch bisher fast nur im Negativen lehrreich und keineswegs ermutigend. Das Problem der Regulierung des Weltmarkts schließt alle dornenreichen Probleme des internationalen Verkehrs von Kapital, Arbeitskraft und Ware und damit auch die Probleme des Schutzzolls und der Einwände- r u n g in sich ein. Aber ohne Lösung dieser Probleme wird auch die vollständigste nationale„Sozialisierung" Stückwerk bleiben und der Gefahr erschütternder Stöße von außen aus- gesetzt sein. Wir Sozialdemokraten können uns unmöglich auf den bequemen Boden der Kommunisten stellen, die da meinen, alle diese Dinge würden sich von selber spielend lösen, wenn erst einmal die ganze Welt sowjetisiert sein wird. Bis dahin können wir mit unserer Arbeit nicht warten! Jedem verständigen Kranken ist eine richtige Diagnose lieber als ein Quacksalberrezept. Ihm die Wahrheit zu ver- hüllen ist der Arzt nur dann berechtigt, wenn sie ihm nicht mehr helfen kann, das heißt, wenn er ein sicherer Todes- kandidat ist. Die Arbeiterklasse aber ist kein Todeskandidat, sie wird, mögen noch soviel einzelne von ihr dahingehen, als Ganzes weiterleben, Kraft gewinnen und ihr Lebensrecht durchsetzen. Darum hat sie auch ein Recht auf die Wahrheit, die ganze Wahrheit!> Von der sozialistischen Bewegung gllt noch heute das Wort, daß sie keine fertigen Lösungen bringt. Der Strom der Entwicklung stellt sie vor immer neue Fragen. Aufgaben, an deren Lösung sie arbeitet, ändern Gestalt und Gesicht. Ohne ständige Selbstkritik gibt es auch für sie keinen Fortschritt. Wie kurzsichtig ist doch die Meinung, die Sozialdemokratie könnte durch Flucht in eine verantwortungslose Opposition die Kraft gewinnen, die sie braucht, um die Befreiung der Ar- beiterklasse aus den Fesseln der Lohnknechtschaft herbcizu- führen! Nein, wir dürfen uns von den praktischen Aufgaben nicht drücken, wir müssen, immer enger an sie heran! Haben wir doch den Mut auszusprechen, daß diese große soziale Bewegung, von deren Sieg oder Niederlage ein Welt- Schicksal abhängt, noch weite Strecken zu ihrem Ziel zu durch- messen hat, daß sich auf ihrem Weg ungeheure Schwierig- kellen auftürmen, und daß mir Sozialisten keine Hexenmeister sind, die alles wissen und können, sondern— obgleich schon Vielerfahrene— doch noch Lernende und Suchende. Die Weltwirtschaftskrise hat das Problem einer s o z i a- l ist! scheu W e l t w i r t s ch a s t s p o l i t i k riesengroß in unseren Weg gestellt. Wir- sind gezwungen, uns mit ihm noch viel ernster auseinanderzusetzen, als das bisher geschehen ist. Wir können damit auch nicht warten, bis überall in der Welt sozialistische Parteien zur Herrschaft gekommen sind: die Notwendigkeit, mit Verwirklichungen zu beginnen, wird schon viel früher gegeben sein. Eine Welt, in der zwanzig Millionen Arbeitslose herumlaufen, und in der auch Wo bleibt der zweite Mann? «Sin Kuk zum MamvKabr iQSl. von otto weis. Die Jahreswende, sieht die Partei' in höchster Aktivität. Es gab keine Ruhe seit der Wahl vom 14. September und es darf keine mehr geben! Partei, Gewerkschafken, Arbeitersportorganisakii»en und Reichsbanner formieren sich zur großen, geschlossenen Ver- teidigungsarmec der Republik. Drüben schwingen Prinzen, Fürsten, Grafen und Barone das Banner der neuesten„Arbeiterparlei". Als Befreier spielen sie sich auf, sie, die, solange sie Konnken, das Volk knebellcn und in polikischer Unmündigkeil erhielken, die es im Skahlbad des Krieges zügrunde richteten, um am Ende sich selber schnellstens in Sicherheit zu bringen. Gewisienloses Demagogentum spielt mit dem Gedanken eines neuen Krieges. Einigkeit und Geschlossenheit im Kampf gegen die Demagogen der Diktatur muß die Parole sein. Was aber tun die Kommunisten? Zum Vorteil der Reaktion versuchen sie weiter, die Arbeiterbewegung zu spalten und zu zertrümmern. Gelänge ihnen das, so wäre den schlimmsten Arbeiterfeinden. der Sieg gewiß. Für uns Sozialdemokralen kann es in diesem Jahre nur eine Parole geben. Das ganze arbeitende Volk muß einheitlich zusammenstehen in der Sozialdemokratischen Partei, in den Gewerkschaften, in den Sportorganisationen, im Reichsbanner. Für das stärkste Wachstum unserer Organisationen und unserer Presie muß die letzte, die äußerste Kraft aufgeboten werden. Dieser Auf geht an jeden und an jede. Mindestens ein. Mitglied für die Partei, mindestens einen Abonnenten für die Parteipresie in dem heute beginnenden Jahr zu gewinnen, ist eine Pflichtaufgabe für jeden Genossen und jede Genossin. Sichtbar und hörbar, immer wieder an die Gewissen pochend, muß olle bei ihrer Arbeit die Frage begleiten: Wo bleibt bev zweite Wann? Was hast du.in diesem Jahre schon getan, um der Organisation ein neues Mitglied, der Presse einen neuen Abonnenten zu werben? Denke an deine Pflicht! Eile, damit es nicht zu spät wird! In unserer Presse, in unseren Versammlungen, überall, wo Genossen m weiterem oder engerem Kreis zusammentreffen, immer wieder muß an alle einzelnen die Gewissensfrage gerichtet werden, ob sie ihre Pflicht gegenüber der Partei erfüllt haben: Wo bleibt dsV zweite Wann? Wir sind stark in der Verteidigung. Wir müssen stärker werden zum Angriff. Daß Jahr 1931 muß für uns ein Jahr des Triumphs, für die Feinde der Arbeiterklasse aber ein Jahr der schmählichen Niederlage werden! Darum nütze jeder jeden Tag und jede Stunde? Darum richte immer wieder jeder an jeden, vor allem aber an sich selber die drängende Gewissensfrage: Was hast du getan, um die Macht der Arbeiterorganisationen zu stärken? tvo bleibt de«»weite Mam»? die Kapitalisten die. Zukunft mit den schwärzesten Wolken ver- hangen sehen, ißt gt-ten Lehren nicht unzugänglich. Stellen wir die�se Dinge in den Vordergrund, so scheinen mir zunächst schon ztmi Vortelle gewiß. Erstens einmal muß jede ernste Durchleuchtung der Weltwirtschaft zu der Erkenntnis führen, welcher Unsinn es ist und welcher Schaden für alle daraus entstehen muß, wenn man einen erhebliche� Teil des internationalen Zahlungs- verkehrs auf Jahrzehnte' hinaus in den unbeweglichen Mecha- nismus einer sogenannten„R e p a r a t i o n s r e g e l u n g" hineinpressen will. Diese Erkenntnis wird für eine endgültige Lösung der Aeparationsfxage mehr bedeuten als ein über- betonter Finav�egoismus, sei es der Gläubiger, sei es der Schuldner. Zum zweiten aber kann der Humbug des„N a t i o n a l- s o z i a l i s m u s" nicht besser entlarvt werden als durch die fortschreitende Erkenntnis, daß in dieser Welt des inter- nationalen Kapitalismus es keinen anderen Sozialismus geben kann als den Jnternationalfozialismus! . Wirtschaft ist Schicksal, und so ist Weltwirtschaft— W e l t s ch i ck s a l. Wie dieses Weltschicksal alle Volksschicksale überschattet und alle Errungenschaften der Arbeiter in ein- '.einen Ländern in Frage stellt, das erleben wir jetzt alle Tage. Nimmer kann die Sozialistische Ardeiterrnternationale diesem Weltschicksal gegenüber fatalistisch die Hände in den Schoß legen, sie muß ihm entgegentreten, um es zu meistern. Die Frage, wie im Interesse der arbeitenden Massen Weltwirtschaftspolitik getrieben werden kann, brennt heute einer Milliarde Menschen auf den Nägeln. Nur der internationale Sozialismus kann sie beantworten. Er muß mit seinen Aufgaben wachsen und so das alte Wort mit neuem Sinn erfüllen: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Cramon dankt Oesgranges! Oer deutsche General dankt dem französischen Spion. Am 20. Dezember berichteten wir über eine Gerichts- Verhandlung vor dem Amtsgericht Berlin, welche die Ver- leumdungen des französischen Offizierspions C r o z i e r- Desgranges gegen die deutsche Sozialdemokratie zum Gegenstand hatte. Die deutschnationalen Angeklagten mußten einen kläglichen Rückzug antreten und gestehen, keinerleiBeweismaterialfür Beziehungen zwischen Crozier-Desgranges und Führern der deutschen Sozial- demokratie zu besitzen. Wir kennen die Methoden der nationalen Ehrabschneider und wissen, daß solche bei drohender gerichtlicher Verurteilung angetretenen Rückzüge keineswegs ver- hindern, daß die gleiche Verleumdung an anderer Stelle und in etwas veränderter Form wieder auftaucht. Der General- leutnant von Cramon, dessen Treiben hier schon einmal als„verächtlich" gebrandmarkt wurde, wärmt im„Deut� schen Schnelldienst" vom 31. Dezember. Morgenausgabe, den Schwindel dos Spions neuerdings auf. Ja, General- leutnant von Eramon hat für dem französischen Spitzel die wärmsten Worte des Dankes, weil- dieser dem deutschen Volke mit seinem Buch„einen großen Dienst erwiesen" habe. Ohne zu prüfen, welche Glaubwürdigkeit ein Spion im allgemeinen und dieser, dessen Behauptungen mit Absicht jeden nachprüfbaren Tatbestand umgehen, im besonderen verdient, erzahlt dann der General seinen Lesern: Die Sozialdemokraten Deutsch kands lehnen es bekanntlich mit Empörung ab, wenn sie»an dem Dolchstoß schuldig" bezeichnet werden. Die Richtigkeit dieser Be- s chu ldi g u ng ist ihnen zwar schon oft bewiesen worden, wenn aber nun ein Franzose, ein Angehöriger der Nation, die sie anbeten(?!), uns eröffnet, wie gerade durch die Sozial- demokratie im Verein mit Herrn Desgranges die Reoolutionierung des deutschen Volkes und des deutschen Heeres im Jahr« 1918, und noch dazu teilweise mit srauzöfischem Gelde erfolgte, dann wird die Schuld dieser D o l k s k l a s s e, respektive ihrer F ü h r e r so in die Oeffentlichkeit gerückt, daß allen den nationalen Männern, die den Kampf gegen den Marxismus auf ihre Fahne geschrieben haben, hierdurch eine stark« Stütze in ihrem Kampf entsteht, der hasfentlich zum Sieg« führen wird. So begegnen sich ein deutscher General und ein fran- zösischer Spion in dem gemeinsamen Bestreben, einen Teil des deutschen Volkes in der gemeinsten Weise zu verleumden. Es ist nicht schwer zu entscheiden, wessen Treiben v e r ä ch t- l i ch e r ist, das des Franzosen oder das des Deutschen, der sich der Hilfe dieses Franzosen gegen die eigenen Volks- genosien bedient. Kränzen wütet im Schulwesen. 26 Volksschullehrer entlassen. Braun schweig, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Minister Frenzen tobt sich in einer geradezu sadistischen �Weise im Volksschulwesen des Landes Braunschwelg aus. Er hat am Mittwoch 26 dissidentischen Volksschull�hrern mit- teilen lassen, daß sie zum 31. März 1931 entlassen seien. Unter den 1869 Lehrkräften an Mittel- und Volksschulen des Landes Braunschweig befinden sich 96 Dissidenten, von denen S0 unwider- ruflich angestellt, 26 innerhalb der ersten drei Jahre widerruflich angestellt und 29 als Hilfslehrer beschäftigt werden. Die 26 wider- ruflich angestellten Lehrer sind also am 31. März entlassen, während die 29 dissidentischen Hilfslehrer gar nicht mehr zur Anstellung gelangen sollen. Kahrs Nachfolger. Staatsrat Schmtlzle oberster bayrischer Züchter. München, 31: Dezember.(Eigenbericht.) Zum Präsidenten des bayerischen Verwaltungsgerichtshofes wurde durch Ministerratsbeschluß Staatsrat S ch m e l z l e ernannt, der bis Ende August 1939 bayerischer Finanzminister gewesen ist. Schmelzle, der im 56. Lebensjahr steht, ist somit der Nachfolger des wegen Erreichung der Altersgrenze pensionierten Herrn v. Kohr, der für die Hochzüchtung der Hitler-Banden in den Jahren 1921/23 und seine hochverräterischen Bestrebungen gegen das Reich mit dem höchsten Richteramt in Bayern belohnt wurde. Vor seiner Minister- tätigteit war Schmelzle der Staatsrat sämtlicher Ministerpräsidenten seit 1929 in Bayern und gilt für den«genllichen Inspirator des -veitz blauen Föderalismus. Hitlers Bürgerkriegsarmee. Oer Putschist Z�öhm Chef des Stabes. hat einen Neujahrsappell an feine Bürgerkriegs- sA.- und die SS.-Leute gerichtet, in dem es heißt: Hitler armee, die „Steht nunmehr treu hinter mir. Ich verlange von Euch nichts Ungesetzliches, fordere nichts,-was Euer Gewissen in Konflikt mit dem Gesetz bringt, verlange aber, daß Ihr mir auf dem Wege, den das Gesetz genehmigt und mir mein Gewissen und meine Einsicht vorschreiben, in Treue folgt und Euer Schicksal mit dem meinen verbindet. Jyi 12. Jahr des Ringens unserer Be- weguug weiß ich, daß der Sieg nunmehr weniger von Erkenntnissen abhängt, sondern in der Kraft der Treu« liegt. Wenn wir sie in diesem Jahre zum Fundament unserer Gemeinschaft erheben, wird nach weiteren zwölf Monaten der Weg zur deutschen Freiheit offen sein." Die Prophezeiung, daß noch im Laufe des Jahres 1931 die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland errichtet werden würde, kehrt in diesem Aufruf ebenso wieder wie der falsche Schwur, daß diese Diktatur„ganz legal" errichtet werden würde. Die wahren Absichten der Nationalsozialisten werden dadurch erhellt, daß Hitler den früheren Hauptmann Ernst Röhm zum Chef des Stabes der SA. er- nannt hat. Röhm, der vor kurzem aus Bolivien nach Deutschland zurückgekehrt ist, ist einer der bekanntesten alten.Putschisten. Er war es, der am 9. November 1923 mit den Mannschaften des Verbandes Reichskriegsflagge im Hitler-Putsch das Kriegsministerium in München besetzte. Er hat sich damals am längsten bon den putschistischen Kampforganisationen ge- halten und hat erst kapituliert, als bereits alles verloren und Hiner auf der Flucht war. Röhm selbst hat seine Bemühun- gen um die Aufstellung militärisch organisierter Kampf- verbände zu putschistischen Zwecken in seinem Buche„Er- innerungen eines Hochverräters" geschildert. Dort hat er ohne jede Beschönigung mit großer Offenherzigkeit sowohl den militärischen Charakter der nationalsozialistischen Organisa- tion, wie auch ihre hochverräterischen-�Absichten dargelegt. Wer das wahre Wesen der Hitlerschen SA.- und SS.-Leute kennenlernen will, mag dies Buch des neuen SA.-Führers nachlesen. Die Ernennung dieses Mannes zum Chef des Stabes der SA. zeigt, was es mit den Beteuerungen Hitlers auf sich hat, daß er von seiner Bürgerkriegsarmee„nichts Ungesetzliches" verlangen werde. Diese Betonung der Gesetzlichkett ist nur für Regierungen und Justizbehörden bestimmt, die sich täuschen lassen wollen— außerhalb dieses Kreises weiß ein jeder, daß Hitler und seine Leute die gesetzlichen und ver- fassungsmäßigen Zustände von heute eben nicht als gesetzlich ansehen und daß sie Sophisterei betreiben, wenn sie von der nationalsozialistischen Revolution auf legalem Wege sprechen. Der militari st ische Charakter der Hitlerschen SA. wird durch diese Ernennung nur unterstrichen. Wenn Herr Röym als der Chef des Stabes bezeichnet wird. fo muß auch ein militärischer Stab vorhanden sein. Und wo ein militärischer Stab ist. ist auch eine militärische Organisation. Darf sich in Deutschland unter den Augen republikanischer Behörden und republikanischer Ge. richte eine regelrechte Bürgerkriegsarmee sammeln, organi- sieren und ausbilden, darf diese Armee in aller Oeffentlichkeit ihre Führer erhalten und herausstellen? Die National- sozialisten scheinen der Ansicht zu sein, daß die Gesetzlichkeit. in Deutschland im Jahre 1931 noch stärker durchlöchert sein wird als in Bayern im Jahre 1923. Die Erinnerung an jene Zeiten ist bei den deutschen Republikanern nicht erloschen und sie werden sich auf energische Gegenwehr vorbereiten müssen, wenn die Bildung einer Bürgerkriegsarmee der Rechts- Putschisten in Deutschland geduldet wird! Die Naziverbrecher von Koburg. Milde Sühne für schweren Landfriedensbruch. Koburg, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Am 28. November veranstaltete die Sozialdemokratische Partei in Koburg eine Kundgebung, in der der Reichstagsabg. Dr. Hoegner sprach. Als die Teilnehmer an der Kundgebung aus der Gegend von Neustadt in s.echs Lastautos nach Hause fuhren, wurde aus sie durch im Hinterhalt lauernd« Nazibanden«in plan- mäßiger Ueberfall ausgeführt. Die sechs Autos wurden mit Steinen, Bierflaschen und anderen Wurfgegenständen bombardiert, so daß die Fenster der Führersitze zertrümmert, wurden. Der Chausfeur des letzten Lastautos' wuxde durch eine Bierflasche- so- schtder am Kopf oeNeßh.' daß er-'die Gewalt Über-den'WägeN'vertor. Das' Auto stürzte übc-t die Straß« nböschiing'hinab und überschlug sich. 43 Menschen befanden sich in dem Auto, von denen mehrer« schwer oerletzt wurden. Die Polizei stellte die Täter fest, die sich am Dienstag und Mitt- woch vor dein Kovurger Gericht wegen La ndf r i e den s b r u ch s zu verantworten hatten. Der Hauptangeklagtc erhielt sechs Monate Gefängnis, zwei Angeklagte je vier Monate Gefängnis und zwölf Angeklagte je drei Monate Gefängnis. In Anbetracht der Tatsache, daß diese Hakenkreüzstrolchc mehr als 199 Menschenleben gefährdet und. stsbem erhehsichem Sachschadsn- ernste Verletzungen von mehreren Personen herbeigestihrt haben, ist. dies Urteil aüßerördentlich milde! Llfa und Remarque-Film. Wollte sie ihn erwerben?- Schwerwiegende Enthüllungen aus Amerika. Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht ein Aufsthen erregendes Telegramm seines New-Porker Berichterstatters, uns dem wir folgende gravierende Behauptungen entnehmen: „Als der Generaldirektor der Ufa. Herr Ki-itzsch, sich vor einigen Monaten in Amerika befand, Haider sich bemüht, den Remarque.Film für die Ufa zu erwerben. Seine Berhandlungen, die in New Park geführt würden, sind dann zu keinem positiven Ergebnis gekommen. Man weiß, daß dann auch noch in B e r- l i n von leiten der Ufa Versuche geinacht worden sind, den Film für die Ufa zu erwerben." Die letztere Behauptung ist zwar von Ufa-Seite bestritten worden, aber der Wert dieses Dementis erscheint recht zweifelhaft angesichts der präzisen Angaben, die von der Gegenseite aufgestellt worden sind./ Neu und geradezu sensationell ist die positive Behauptung, daß der Ufa-Generaldirektor Klitzsch in New Jork über die Er. Werbung des Filmes für Deutschland verhandelt hat. Die spätere» Berliner Bemühungen lassen kaum einen Zweifel daran, daß diese Angaben richtig sind. Die Ufa wird sich zu dieser schwer- wiegenden Enthüllung unbedingt äußern müssen, und zwar muh Herr Klitzsch selber Rede und Antwort stehen. Der Ufa�Skandal stinkt zwar ohnedies zum Himmel. Aber wenn auch noch diese neuen Angaben wahr sind, dann wäre der ganze Hugenberg-Feldzug gegen den angeblichen„S'handfilm" als ein« der größten Heucheleien entlarvt, die sich dieser politischen Geschäftemacher in„nationaler Gesinnung" jemals geleistet hätte. Hugenbergs Inventurausverkauf. Seine goldenen Sonntage waren pleitetage. Nach Art der großen Männer, zu denen er selber wenigstens sich rechnet, erläßt auch Hugenberg einen Neujahrsausruf an das deutsche Volk. Er spiegelt sich in seinen Worten als in die Politik verschlagener Krämer und Normalbürger, dessen Denken trotz aller politischen Anwandlungen mns teure„Geschäft" kreist. Kuriositätshalber wollen wir aus diesem Aufruf zitieren. Hugxg- berg redet also:/ ..Dem deutschen Bolke ein gutes neues Jahrl Goldener Sonntag 192 9: Abstimmung über das Volksbegehren.. Goldener Sonntag 19 3 9: Nie war das Weihnachts- qeschäft so schlecht. Die Straßen sind schwarz von Menschen, aber die Läden sind leer... Goldener Sonntag 1931: Was wird inzwischen das deutsche Volk zu seiner Rettung getan haben? Hugenberg." Wir wollen es Herrn Hugenberg verraten: aus die goldenen Sonntage fallen regelmäßig die Inventurausverkäufe. Und da für die Deutschnationale Bolkspartei unter seiner gloriosen Führung die Zeit der goldenen Sonntage gründlich vorüber ist, so wird Herr Hugenberg gut tun, selbst einen möglichst umfasienden Inventurausverkauf zwecks Räumung des Rechtsbestandes an unabsetzbaren politischen Projekten zu veranstalten. Allerdings ist zu befürchten, daß Hugenbergs Geistesprodukte mich zu Schleuder- preisen keinen Absatz finden werden. Cowsser gegen Orewitz. Abgeordneter Eolosser bekennt sich zu seiner Oenkschrist. Der Reichstogsabgeordnetc Eolosser, der feil vierzehn Tagen von Berlin abwesend ist, hat der BS.-Korrespondenz folgende Er- klärung mit der Bitte um Veröffentlichung gegeben: „?lus der Presse entnehme ich, daß schwerwiegende Teile der gegen den Vorsitzenden der Wirtschaftspartei, Abg. Drewitz, er- hobenen Vorwürfe der Oeffentlichkeit bekanntgeworden sind. Ich er- kläre zunächst, daß ich dieser Veröffentlichung fern stehe, sie nicht vorgenommen habe. Mit dieser Veröffentlichung ist nun das ein- getreten, was ich dem«ingesetzten Prüfungsausschuß der Wirtjchasts- Partei bei seiner letzten Sitzung angekündigt habe, nämlich, daß ein Vertuschungssystem keinen Zweck mehr habe, daß der Kreis der Wissenden durch die Maßnahmen des Abgeordneten Drewitz(Kündi-- gung und Entlassung von Parteibeamten usw.) bereits zu groß ge- worden fei und daß die Partei keinerlei Einfluß auf diesen Kreis der Wissenden mehr habe. Es muß jetzt also öffentlich Farbe bekannt werden. Lügen und Ableugnen hat keinen Zweck niehr. Ich erkläre, daß mein Kampf gegen Drewitz und seine Geschäfts- führung in der Wirtschaftspartei nicht erst von heute datiert. Schon seit langer Zeit bitte ich einflußreiche Parteitreise, einzugreisen. mir zu helfen, die Partei stünde wegen Drewitz in schwersten Ge» fahren. Es ist unwahr, daß ich meine Vorwürfe gegen Drewitz jemals zurückgenommen habe, im Gegenteil, ich muh leider feststellen. daß im wesentlichen das verosfenklichie Material ans Wahrheit beruht, abgesehen von geringfügigen Irrtümern. Die Zeugen für. alle diese Dinge, sind vorhanden, und zwar mit dokumentarischen Beweisen. Im übrigen wird sich ja jetzt das Parteigericht mck» der Reichs- ausschuß mit diesen Dingen zu beschäftigen haben." Olympiade und Kongreß. Wien im Jahr 1931. Wien, 31. Dezember.(lKgenbericht.) Die sozialdemokratische Parieivertretung erläßt zu Neujahr einen Aufruf an die Partei mit g l i e d e r, der einen Rückblick auf das vergangene Jahr und eine Darstellung über die bevorstehenden Kämpfe gibt. In dem Ausruf heißt es denn u. a.:„Wir führen unseren Kampf gegen die kapitalistische Klassenherrschaft im engsten Einvernehmen mit den Proletariern aller Länder. Im kommenden Jahr wird die A r b« i t e r- O! y m p ia de die Arbeitersport! c? Europas in Wien versammeln. Ihr wird der internationale Soziali st enkongreß in Wien folgen. Zum erstenmal werden die Vertrauensmänner der sozialistischen Arbeiterpartei aller Länder in Wien versammelt sein. Wir wollen sie würdig empfangen." Zum Schluß heißt es:„Die Not der Zeit muß unser« Anstrengungen ver- doppeln. Was immer das neue Jahr bringt, es soll uns gerüstet finden." Zehn Jahre Reichswehr. Von Dr. Julius Leber, M. d. R. „Möge sie weiterhin ihre Ehre dorm sehen, in Gehorsam und treuer Pflichterfüllung dem Paterland« zu dienen" Dies ist der Lchluftsatz der Kundgebung des Reichspräsidenten an die Reichswehr zum Gedenktag lhres zehnjährigen Bestehens in der heutigen Form Aber Hindenburg benutzte diese Kundgebung auch um der deutschen Wehrmacht den Namen Friedrich Eberts ins Gedächtnis zu rufen, des Mannes, unter dem sie entstand:„In Zeiten tiefster vater- ländischer Not wurde sie unter meinem Amtsoorgänger geschaffen." Auch das republikanische Deutschland überschaut zur Jahres- wende das erste Jahrzehnt deutscher Wehrmacht. Und es sieht die Spannung und Unsicherheit der ersten Jahre, die von der Erinnc- rung an den Kapp-Putsch und an manches andere überschattet und verdüstert sind. Es sieht aber auck die allmähliche Entspannung und die schliehliche Anbahnung größeren Vertrauens zwischen den Gewalten des neuen Staates und den eigentlichen Trägern der inilitärischen Macht.> Republik und Reichswehr— welch vielbesprochenes Thema in republikanischen Kreisen! Reichswehr und Arbeiterklasse— wie lange war dieser Gegensatz das Sorgenkind und zugleich der schwerste Belas-ungsposten der Republik.» Echt- Kritik hat die Pflicht, von allen Dingen beide Seiten zu sehen. Es ist nicht zu leugnen, daß sehr ost von der Reichswehr Haltung und Anschauung verlangt wurden, die von ihr den Um- ständen nach überhaupt nicht zu verlangen waren. Auch die Bildung und Entstehung der deutschen Wehrmacht war viel zwangsläufiger, als viele heute anmhmen. Der Vertrag von Versailles, die vor- haudenen Truppenbestände und die strenge Ablehnung durch die Arbeiterschaft waren es, die so vieles bedingten. Aber«ine Kritik an der Entwicklung der Reichswehr hatte unbedingte Gültigkeit lind sie hat sie heute noch. Aus dem Umweg über die sogenannte„Tradition" und über gewissen gesellschaftlichen Ehrgeiz des Offizierkorps hat sich die Reichswehr sehr zu ihrem Nachteii allzusehr fesseln lassen an jene Kreise des deutschen Volkes, die der Republik fremd und kühl gegenüberstehen. Und sie hat aus demselben Grunde keinerlei innere Fühlung mit der deutschen Ar- beiterschaft finden können. Und doch ist hoffentlich jeder Reichswehr- angehörige von der gewaltigen Richtigkeit dieses Satzes überzeugt: Tie Reichswehr wird nur dann stark lein, wenn die deutschen Arbeiter hinter ihr stehen. Wir wissen, daß mehr als einer der maßgebenden Reichswehr- iiihrer von der Gültigkeit dieser Feststellung überzeugt ist. Und es wäre dringend zu wünschen, daß die gesamte Wehrmacht daraus ihre Schlußfolgerungen zöge und in manchen Dingen den Zeichen unserer Zeit Rechnung trüge. Gerade für diesen Gedenktag mag manche Einzelkritik schweigen, »m Platz zu machen für Auseinandersetzungen um das Größere, Grundsätzliche. Die älteren Reichswehrführer haben in sich selbst ein Kompromiß geschlossen: sie tun ihr« Pslicht, mehr kann der Staat nicht verlangen Der Leipziger Prozeß hat bewiesen, daß die jüngere Reichswehrgeneration mit dem Begriffe der Pflicht allein nicht aus- komnit. Sie verlangt darüber hinaus— wie Jugend immer— ideale Symbole, ethische Eesühlsw-rt«! In dieser Richtung hat die Reichswehrleitung sicher i-ictzt ihre volle Pflicht getan, aber die Republir auch nicht! Jeder nationalen Phrase laufen manche jungen Offiziere nach. Weshalb? Weil sie es für etwas Gutes und Hohes halten! Weil sie Nicht'�wissem daß der äbzebrouchte Begriff.national" der ver« istnkcnen Zelt des'Obrigkeitsstaates angehört, daß der neüen Zeit sin anderer Begriff Wert und Inhalt gibt: das Soziale! Erst aus sozialer Wiedergeburt entsteht die Nation. Und deshalb kann diese Nation nur die Republik sein, und deshalb auch ist die soziale Republik das Wahrzeichen nationaler Freiheit. Diese Auseinandersetzung ist heute so dringlich wie nur etwas. Möge auch in der Reichswehr manche neuere und besser« Erkenntnis einziehen. Denn sie muß mehr als heute werden, ein Kernstück des Doppelbczriffs: Republik und Nation. Das ist beinahe die größte und höchste politisch« Ausgabe, die die deutsch« Gegenwart zu stellen hat. Wird die Reichswehr dieser Aufgabe gewachsen sein? Die Cniiäufchung der Abgewiesenen. Das erfolglose Oebeowerben um die Hakenkreuzler Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" hatte eine Rundfrage über die Regierungsbeteiligung der National- f o z i a l i st e n veranstaltet. Sie hat ssch vom„Völkischen Beobachter' eine schr schroffe Antwort zugezogen. Es stehe für die Zukunft nicht zur Debatte, so schrieb das Hitler-Blatt, ob man Hitler sich mit- beteiligen lasse, sondern mit wem Hitler einst regieren werde. Die Hitler-Partei lasse sich nicht in die„sogenannte" nationale Front eingliedern. Eine Koalition auf Grund des jetzigen Reichstages komm« auch nicht mehr in Frage, und es sei deshalb als erst« Tat des Jahres 1331 die Auslösung des Reichstags und des Preußischen Landtag? zu fordern. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" macht gute Miene zum bösen Spiel, sie erklärt, diese Antwort sei höflich, und fügt dann hinzu: „Die Ausführungen des„Völkischen Beobachters" scheinen uns auch die K r a f t f a k t o r« n, die sich mit größerer oder geringerer Stärke nicht nur gegen alleinige Machtübernahme der National- sozialisten, sondern schon gegen chre Mitbeteiligung an der Regierung- erheben, ganz erheblich zu unterschätzen. Trotz alledem ist das Ergebnis dieser Aussprache wertvoll. Auf alle Fälle hat sie die Klarheit über eine der wichtigsten inner- politischen Fragen der nächsten Zeit vermehrt, den Verlaus der Frontlinien deutlich aufgezeigt und die Nationalsozialistische Partei veranlaßt, in ihrem offiziellen Organ über ihr« Taktik Aufschluß 3> geben." �anz anders als die„DAZ." in diesen ausweichenden Be- merkungen antwortet die parteiamtliche Korrespondenz der Land- ooltpareeü Sie nennt die Ausführungen d�s„Völkischen Beobachters" �grotesken Größenwahn" und setzt hinzu: „Man tahn diese einer üppig wuchernden Phantasie cntstammenden Sätze nur dahin verstehen, daß die National- soziallsten ernstlich hoffen, im nächsten Reichstag die Mehrheit der Sitze zu erhalten. Ganz bescheiden darf daran erinnert werden, daß sie es bisher noch nicht auf ein Fünftel der Reichstagsmandate gebracht haben, und dah selbst die Sozialdemotratte im Sieges- rausch ihrer höchsten Blüte— mit fast dop pell soviel Wähler- stimmen— ein solches Maß von Ueberheblichtett nicht zustand« gebracht hat. Wenn weiler gesagt wird, dort, wo der Nattonal- sozialismus stehe, sei heilte Deutschland, so muh diese üble Herabsetzung und Verunglimpfung nicht weniger nattonal fühlender Parteien als dumme An m a h u n g scharf zurückgewiesen werden." Dies« Auflvalltmg hindert natürlich nicht, daß die Abgewiesenen -195-1 hält Einzug. „Schöne Wirtschast Hai mir der Alte da hinterlassen!" Hundertmal besser in Deutschland! Brief eines deuischen Arbeiters aus Muffolinien. Uns wird folgender Brief im Original zur Verfügung ge- stellt, den ein aus Westdeutschland nach Italien ausgewan- derter deutscher Arbeiter an einen Kollegen gerichtet hat. Der Verfasser war, ähnlich wie manche Kommunisten, die nach Rußland auswandern, aus faschistischer Ueberzeugung nach dem Lande Mussolinis ausgewandert, als er hier er- werbslos wurde. Er hat, wie man sehen wird, innerhalb weniger Monate gründlich umgelernt: „Endlich komm« ich dazu, Ihnen zu schreiben. Also, ich habe kaum Zeit zu schreiben. Viel Arbeit, wenig Verdien st, ich verdiene etwas mehr wie bei Ihnen auf dem Platz. 1 2 b i s 14 Stunden tägliche Arbeit. Bekomme dafür Essen, Schlafen und 8 8 Mark im Monat. Aber schwere, angestrengte Arbeit. Es ist großer Mist hier. Essen in Menage, Schlafen in Kasematte. Ich halte mich hier solange ich kann. Sie müssen sich ab«5 nicht wundern, wem, ich eines Tages wieder bei Ihnen bim Es ist für einen deutschen Arbeiter hier kaum zum Aushallen. Große Arbeitslosigkeit auch hier. Man gehl in Deutschland doch noch anständiger mik dem Arbeiter um. Man schimpft viel in Arbeitskreisen nuf den Faschis- mus. Der Arbeitgeber kann mit dem Arbeitsmann hier machen, w a s« r w i ll. Sogen Sie jedem Kollegen, sie möchten ruhig in Deutschland bleiben, dort ist e» doch noch hundertmal besser wie im Ausland. Wenn ich das Gerede der Leute nicht scheute, käme ich sofort wieder zurück. Aber ich halte aus, unter allen Umständen. Bei meinen 50 Mark monatlicher Itnterstühung stand ich mich Hunderlmal besser. Grüßen Sie bitte alle Kollegen auf dem Platze und sagen Sie, sie möchten mir einmal schreiben. Ich warte hier sehnsüchtig aus jedes deutsche Wort. Sie werden mir doch sicher sofort wieder schreiben, nicht wahr? Alle Italiener hier, die einmal in Deutschland gewesen sind, sprechen sehr gut über deutsche Zustände. Wir Deutsche wissen gar nicht wog wir an unserem Baterlande haben. Diese D r e ck i g k e i t hier. Dieses Antreibersystem hier, daß man dem Arbeiter nicht in den Arsch tritt, ist alles. Bon morgens 6 bis abends 8 Uhr. Ich bin in einer großen italienischen... sabrik. Später schreibe ich Ihnen mehr. Ihren Nachrichten entgegensehend ...... Ihr H. B." i' Die BegWerung, die Httter ünV Konsorten fur das faschistische Italien an den Tag legen, ist durchaus verstand- lich: denn diese National„sozial!sten" sind ja in Wirtlichkeit nur die Schrtttmacher der brutalsten, rückständigsten Kapita- listen. Und daß für die Unternehmer der faschistischs „Korporativftaat" ein- Paradies ist, dafür legt dieser Brief eines deutschen Arbetters Zeugnis ab, dessen faschistischer Traum gründlich ausgeträumt, ist. Vielleicht wird der Brief- fchreiber in Zukunft nicht mehr wie früher nach faschistischer Art auf die„deutsche Sau- und Judenrepublit" schimpfen, die selbst für den Arbeitslosen„hundertmal besser" sorgt als Hitlers italienische Vorbilder für den 12 bis 14 Stunden am Tage beschäftigten Proletarier. den Hakenkreuzlern wieder nachlaufen werden. Die eifrigen Be- mühungen um Hitler haben ja schon fast unwürdig« Formen an- genommen! Diese politische Rundfrage ist von der„DAZ." veranstalte! worden— das heißt von den Kräften, die hinter der„DAZ." stehen Daß die Hapag sich um Hitler bemüht, ist ihre Privatsache: denn sie ist ein Prioatunternehmen. Wer die Reichsbahn ist schließlich ein öffentliches Unternehmen, das dem Volke dienen soll! prosit Hitterjahr! Wie der„Matin" es auffaßt. Paris, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Auf Grund zahlreicher Unterredungen mit deutschen Recht- lern glaubt der„Matin" dem deuischen Volk für das kommend« Jahr eine recht dü st«rePrognose stellen zu sollen. Der Reichs- tag werde, so behauptet das Blatt, wahrscheinlich spätestens im Mai aufgelöst werden. Länger werde es Brüning nicht gelingen, eine Mehrheit zu erhalten. Von den Neuwahlen sei ein neues An- wachsen der Nazis zu erwarten, so etwa auf 180 Mandate. Rechne man dazu noch rund 100 Sitze für Deutschnationole, Deutsche Volks- parte! und die reaktionären Splitterparteien, so ergebe sich eine Recht« von 280 Stimmen. Eine Schwierigkeit hätten allerdings die Reaktionäre in Deutschland noch zu überwinden: es fehle ihnen an Führern. Deshalb dürsten sich die Nazis im Falle ihres Sieges mit dem Reichstanzlerposten und dem Wehrminifterium begnügen, während die übrigen Ministerien, die politische Vor- kenntnisse verlangten(die der Reichskanzler also nicht braucht!. Red. d V.), vor allem das Außenministerium, den anderen Parteien über- lassen bleiben. „Spiel oder Ernst?" Silvester-premiere in der Lindenoper. E. R. v. R e z n i c e k s einaktige Oper„Spiel oder Ernst?" fand gelegentlich ihrer Berliner Erstaufführung sehr freundlichen Beifall, Die zweite Premiere des Abends, ein Tanz- lpiel„S i l v e sie r s p u t" mit Musik von Talisman begegnete frostiger Ablehnung. Die Stimmung des Abends riß Offen dach mit der„V e r l o-b u.n g b« i d e r L a t e r n e" heraus.■ K. P., Feuer in der Beuffelfiraße. Brand im Kaufhaus preuh Gestern kurz vor Witlernacht brach in der Beusselstrahe 77. Ecke Huttenstraße, ein größeres Schadenfeuer aus. Es brannte im Sani- haus Preuß in der ersten Etage. Die Feuerwehr rückte mik fünf Löschzügen aus. Aach einer halben Stunde war die Gefahr beseitigt. Zeiiungsdirektor steckt ein. Wieder ein Betrüger de«� Betrügers Oustric. Paris, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Die parlamentarische' Untersuchungskommission im Oustric- Skandal ist zu einer neuen gerichtlichen Anklageerhebung ge- schrillen. Der Direktor her„Depesches' de Tour s". Ro b« n n e, der in der vorigen Woche vor der Kommission als Zeug« vernommen worden war, ist wegen Unterschlagung und Be- trug in den Anklagezustand versetzt wordeu. Robenne hatte, wie die Kommission feststellen konnte, von Oustric 100 000 Franken für finanzielle Propaganda erhalten. Zunächst weigerte«r ssch. in seiner Zeugenaussage vor der Kommission anzugeben, wen er mit diesen Propagandageldern bedacht hotte. Nach 24stündiger lieber- legung aber gestand Robenne, daß er die Summe selbst e i n g e- steckt ljabe. 20 000 Franken davon habe er dem ehemaligen Unter- staatssekretär Vi dal als Kommission gegeben. Reichspräsident und Reichskanzler haben aus Anlaß des Neu- jahrsfestcs Glückwunschtelegramme gewechselt. Zofsre im Todeskamps. Die langsame Agonie Ioffres dauerte auch noch am Mittwoch an. Dex Kranke verlor von Zeit zu Zeit das Bewußtsein, stemmte sich aber mit aller Gewalt gegen den Tod und war zuweilen bei vollem Bewußtfein. Die Herztätigkeit, die immer schwächer wird, und die Unmöglichkeit der Nahrungs- aufnahm« lassen jedoch den baldigen Tod voraussehen. Der deutsche Botschasler von hoesch, der während der Wechnachtsseiertaae mit dem Reichsaußenminister Dr. Curtius zu- sammenzutressen Gelegenheit hatte und der am Dienstag von seinem kurzen Urlaub wieder nach Paris zurückgekehrt ist, hatte am Mittwoch eine längere Unterhaltung mit B r i a n d über die schwebenden politischen Tagessragen. Die Krise in ItSA. Sechs Banken, deren Depositen sich aus ins- gesamt 1730 000 Dollar belaufen, lKiben im Staate Mississippi ihre Geschäft« geschlossen. erkürzt die Arbeitszeit! Arbeit den Arbeitslosen! Von Rudolk Wisseil. Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland von Monat zu Monat rapid gestiegen. Sie wird auch weiter steigen, denn der ersahrungs- gemäß tiefste winterliche Stand ist noch nicht erreicht.' Die Versuche, Arbeit aus künstliche Weise zu beschaffen, haben nur ein sehr mageres Ergebnis gehabt, und bei ihnen handelt es sich auch nur um Vorwegnahme von Arbeiten, die früher oder später doch gemacht werden müssen; sie werden späterhin wieder fehlen. Bei dieser Sachlage unuß gefragt werden, was zur Beruhigung der innerpolitischen Aimosphäre und was zur. Beseitigung der lata- strophalen Auswirkungen der Unterstützung so vieler Millionen für die Gemeinden zu geschehen hat. Fast ein Jahr lang habe ich um eine Erhöhung der Beiträge für die Arbeitslosen- Versicherung gekämpft, ohne sie durchsetzen zu können. Dieselben Kreise, die sie bekämpft haben, haben sich dann kurze Zeit darauf doch mit einer Erhöhung aus 61b Proz. abfinden müssen. Aber auch diese hat nicht bewirken können, daß die Lage der Gerneinden auch nur im geringsten sich gebessert hat. Sie hat es nicht verhindern können, daß wir heute vor einer Sprengung des Rahmens der gesetzlichen Grundlag« der Versicherung stehen. Der Bezug von Ätzbeitelosenunterstügung ist nicht mehr die normale Unterstützungs- form bei eintretender Erwerbslosigkeit, sondern nur eine zeitlich be- grenzte Station auf einem Wege, der von der Reichsanstalt über die Krisenfürsorge zur gemeindlichen Wohlfahrt s'pflege führt. Die Sanierung der Reichsanstalt durch die Erhöhung der Beiträge hat mcht die Lösung des finanzpolitischen Problems ge- schaffen, da- sich aus der Ueberlastung des Arbeitsmarktes ergibt. Er ist ernster und schlimmer geworden, auch durch die furchtbare Sorg« der noch in Arbeit Stehenden, über kurz oder lang selbst die Zahl der Arbeitslosen vermehren zu müssen. Natürlich veranlaßt diese Sorge sie, das nicht absolut Notwendige an Lebensbedürfnissen zurückzustellen. Freiwillig wird die Kaufkraft der in Arbeit Stehen- den eingeschränkt und bringt von ihnen nicht gewollt weitere Absatz- stockung und damit verminderte Arbcitsmöglichkeit. Bei dieser Sachlage ist die Frage sehr naheliegend, ob nicht durch Arbeits st reckung die Erwerbslosigkeit gemildert werden könne. Natürlich handelt es sich dabei nicht um die Beschaffung neuer Arbeit, sondern lediglich um die Verteilung der vorhandenen Arbeit auf alle Arbeitswilligen. Nach dem letzten Bericht des Instituts für Konjunkturforschung haben� wir in Deutschland noch etwa 8,2 Millionen beschäftigte Industriearbeiter, 1,8 Millionen arbeiten bereits verkürzt. Diese müssen heute schon mit einem wesentlich geminderten Verdienst durchzukommen suchen; da liegt die Frage auf der Hand, ob nicht die Vollbeschäftigten für eine Zeit des Ueberganges bis zur Neubelebung der Wirtschaft zugunsten ihrer Arbeitslosen mit einem geringeren Verdienst vorlieb nehmen sollen. Der Gedanke einer Arbeitsstreckung m i t Lohnausgleich würde bei der heutigen Wirtschafislage auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Soll die Arbeitsstreckung erfolgen, so kann sie nur b e i entsprechender Verdien st senkung erfolgen. Auch so stößt eine solche Maßnahme auf außerordentlich groß« Widerstände. und zwar in erster Linie gerade bei den Arbeitgebern, die doch eigentlich auch das größte Interesse mit daran haben müßten, daß wir ohne ernste Komplikationen zum mindesten durch die schweren Monate dieses Winters hindurchkommen müssen. Auch die Gemein- den, die unter der Last der Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen fast zusammenbrechen,.würden wesentlich günstiger dastehen können. So ganz verschließt sich auch der heutige Arbeitgeber nicht mehr diesem Gedanken. Die Vereinigung der Arbeitgeberverbände hat am 3. Oktober Richtlinien bekanntgegeben, die, soweit Maß- nahmen zur Hebung der Arbeitslosennot in Betracht kommen, dahin gehen: „Gesetzlicher Zwang kann zu keiner Besserung führen. Da- gegen ist mit Nachdruck zu betonen, daß jeder Betrieb es als eine selbstverständliche Pflicht ansehen muß. zu prüfen, inwieweit er im Rahmen seiner besonderen Berhältnisse zur Milderung der Arbeitslosennot beitragen kann." Mit Entschiedenheit haben sich für diesen Gedanken der Arbeits- streckung auch einige deutsche Industrielle eingesetzt. Verwirklicht ist er leider nur erst ganz vereinzelt, z. B. von den Harburger Oel- werken Brinckmann und Mergelt. Seit Ende Oktober hat diese Firma nach Uebereinkunft mit ihrem Betriebsrat die regst- mäßige tägliche Arbeitszeit von 8 auf 6 Smnden herabgesetzt und so Platz für die Neueinstellung von 350 Erwerbslosen geschaffen. Die Firma veröffentlicht jetzt in einer Sonderschrift Gedanken und Erfahrungen über diese Maßnahme und sie konnnt zu diesem Er- gebnis, daß die Erfahrungen nur günstig seien. Sie habe zwar eine Mehraufwendung für alle soziale Lasten für den Betrieb zu buchen, die jedoch nicht 1 Proz. der Lohnsumme betrage. Diese Mehrbelastung sei erheblich geringer, als die für die Arbeitslosenversicherung schon jetzt zu zahlenden Beiträge; sie könne nicht ins Gewicht fallen angesichts der Erwägung, daß Reichsanstalt wie auch Gemeinden zur Aufbringung der Unkosten für die Er- Haltung der Erwerbslosen die Betriebe noch im stärkeren Umfange werden belasten müssen. Die Firma sieht keinen Grund dafür, daß man die Beschäftigung, dv man einem großen Teil« der Erwerbs- losen durch Verkürzung der Arbeitszeit schaffen könne, deswegen ausschlage, well man nicht restlos alle unterbringen könne. Wenn 2 Millionen oder gar mehr Menschen der Ver- zweiflung der Arbeitslosigkeit entrissen werden könnten, so wäre da- ein so ungeheurer Erfolg, daß es sich schon lohne, deswegen gewisse Ansangsschwiengkeiten zu überwinden. Der Bericht der Firma verweist auf die Tatsache, daß sich die freien Gewerkschaften zu einer Arbeitsstreckung im Prinzip bereit erklärt hätten und beklagt es, daß die meisten Unter- nehmer und Unternehmerverbände anstatt diese günstige Situation auszunutzen, die Arbeitszeitverkürzung brüsk zurückgewiesen hätten. Ja, die Unternehmerseite hätte sich nicht nur abwartend verhalten, sondern der Firma wegen der Verkürzung der Arbeitszeit an manchen Stellen den offenen Kampf angesagt. Der Ge- schäftsführer eines Unternehmerverbandes habe sich zum Wortführer mancher Unternehmer gemocht, als er in ihrer Gegenwart feiner Meinung dahin Ausdruck gab, es sei schade, daß Leute, die solche Ideen nur erSrtern, nicht in Schntzhaft genomme« werden könnten! Ich bin der lleberzeugung, daß wir vor einer Strckturwandiung unserer Wirtschaft stehen und daß nur dauernde Ber- kürzung der Arbeitszeit uns aus unserer Not heraus helfen kann. Wenn es nicht anders möglich ist, als durch Verzicht auf einen Teil des Lohnes, dann muß auch der in Kauf genommen werden. Wie haben die deutschen Gewerkschaften nicht in der Vor- kriegszeit jede Arbeitszeitoerkürzung begrüßt, auch wenn kein Lohn- ausgleich erfolgte. Sie haben auf die kommende Zeit nicht mit Un- recht vertraut. Aber diese sich eröffnende Möglichkeit neuer Freizeit für de» Arbeitenden scheint es wohl zu fein, der viele Unternehmer abhält, ernstlich den einzigen Versuch zu machen, der uns aus unserer Not heraushelfen kann. Zngenieurselbstmorde in Moskau. „An meinen Aussagen kein wahres Wort!" Dem Berliner Organ der ruissischen Sozialdemokraten, dem „Sozialistischen Boten", ist folgender Bericht aus Moskau zugegangen: Wir erfahren von dem Selbstmord hes Ingenieurs Schein. Er war im Schödlingsprozeß ein wichtiger Belastungs- zeuge. Nekch Beendigung des Prozesses hat er sich in der Gefängnis- zelle erhängt! Beharrlich hält sich das Gerücht, daß ProfefsorFedotow, einer der Hauptangeklagten im Ramsin-Prozeß, plötzlich im Gc° fängnis— gestorben sei. Dieser Tage hat der Ingenieur Klark durch Sturz agz dem 4. Stockwerk Selbstmord verübt. In einem hinterlassen«* Brief erklärt er, nach Lage der Dinge sei es doch unvermeidlich, d-cß man als Ingenieur früher oder später zum Schädling erklärt wird! Zusammen mit seiner Frau tötete sich der stellvertretende Direktor des Gummitnists, Ingenieur Lisizin. Auch er hat den Freitod dem Grauen vorgezogen, dem die technischen.Kräfte, wie der Moskauer Prozeß gezeigt hat, ausgeliefert sind. Einer der wichtigsten Belastungszeugen der Anklagebehörde, der sich jetzt im Gefängnis befindet, sagte zu seiner Frau, die ihn be- suchte:„In meinen Aussogen ist kein wahres Wort." Theaierkrise in Essen. Das(Städtische(Schauspielhaus wird aufgegebeu. Essen, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Der Kunstausschuß der Stadt Essen will, da Opef und Schauspiel zusammen wegen der finanziellen Belastung der Stadt nickst mehr zu halten sind, das Schauspielhaus aufgeben. Es werden dadurch 439000 Mark jährlich eingespart. Die Oper zu schließen war wegen der langfristigen Verträge mit dem Personal nicht möglich. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilase.1 Verantwortlick, filr Politil: Victor Schill; Wirtschaft:».«liaaelhöl«»: Gcwcrkslliaftsbcwcauiio: 3. Stein»; ffruilleton: Dr. Jahn Schilowrli: Lotalcs und Eonstigcs: Krit, Narstädt; Slnzcincn: Th. Slocke; sömtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag cs m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckcrct und Vcrlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin<5W. 68, Lindcnstraß« 3. bietjn 3 Beilagen. M JH M IPs&K Q> BBIi R HL JS&«• Sottnahend, aowoeit(Vorrat W E RT HEIM■fiel(crt«m»«cl Leipziger Str.(Versand-Abi) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Zusendung bei Besfellung von 5 M an Obst, Gemüse a. alle leicht verderblichen Artikel sind vom Versand ausgeschlosaen Fyfscli. Fleisch Kalbskamm...PfunrfO.82 Kalbsnierenbraten n 00 und Kalbsbrust, Pfund"«Cv Kalbsschnitzel Pfund 2.00 Gulasch j ftffc Cchackfes ng Pfund Pfunaö.85 Liesen....... Pfund 0.75 Suppenfleisch..Pfund 0.84 Rinderkamm"■'pfUTd 0.90 Schmorfleisch 1.1 0 1.24 Roastbeef mit«noch., Pfd. 1.10 Rückenfcft bra,,ortfe„d 0.80 Hammel-Vorderfl. 0.98 Schweinerücken Pfund 0.94 Schweinebauch 0.88 Fr. Bratwurst 5peiÄI.16 Fr. Rinderzungen Pfd. 1.20 Kahler niitdgaialzen. Pfund 1»03 Nierentalg au,9*lap,if!£d 0.50 Konserven I �"ügeLWild Br.- u. Schnittbohnen 0.50 Karotten gautmittm.. ,0.28 Gemüse-Erbsen... 0.58 Zunge Erbsen uin... 1.00 Haushalt'GemQse.. 0.70 Gemischtes Gemüse n 00 mlttelfaln v.VO Spargelköpfe grau.. 2.00 Stangenspargel"JZ 2.60 Pfifterlinge v.o. 0.78 1.35 Sellerie v, Dom 0.45 0.70 Senfgurken....... 0.75 Pflaumen»«»0.38 0.60 Pflaumen oh»« sww.. 0.76 Kyrbis........... 0.75 Kalif. Pfirsiche■/.**** 1.25 Marmelade(VI**bim« 0.85 Aprikosen>Konf. eiLt 1*1 5 Pfund pi. Pfund von an Stüde Hühner Pfund QO von an wdfc Pf. Enten u. Puten Schneehühner von an Perlhuhner stock von an Hirschfleisch Pfd.venan Hirschbläffer P'd. von an Ii gostfa u. ausgeworfen, naSCn Pfund von an 0.98 1.65 1.65 0.35 0.85 0.90 Fische Seelachs ohne Kopf, ganze-._ Fische, Pfund von an U»?? Kabeljau ohne Kopf, n CA ganze Fische, Pfund von an* Kabeljaufilet Pfd. v. an 0.22 Grüne Heringe 3 pv� 0.68 Zander gaff.. Pfund von an 0e58 Schellfisch 12 pt. Pfund Räucherwaren Schinken gekodst, geschnitten, •.UHUrtc ffS FH '/< Pfund 9 U Pf- Fettbücklinge a„ 0.38 Sprotten Pfd.0.42 kisw». 0.48 Schellfisch Pfund, von an 0.36 Seelachs ,n Ä"™.n 0.38 Kieler Bücklinge � 0.55 Spickaal.. Pfund von an 2.40 Bundaale Bund von an 0.28 Lachs In stocken, Pfd. v. an 1.35 Wurstwaren Käse u. Fett Obst u. Gemüse Kaffee •to*n« Rdttor«! i qo Pfund von«n■«*** Tiroler Äpfel 3 Pfund 1.00 Amerik. Äpfel 3 Pfund 1.00 Schöner v. Boskop 0.40 Tafeläpfel au» der Krim Mg u, Kalifornien« Pfund Kiste ca. 45 Pfd. brutto 15.75 Mandarinen.. Pfund 0.26 Apfelsinen vuiz. 0.40 0.60 Zitronen neue, Dutzend 0.�5 Bananen■.. Weihkohl.. Rotkohl— Wirsingkohl . 3 Phmd 0.98 .. Pfund 0,05 ,..Pfund 0.05 ...Pfund 0.05 Tee Mlsdiungen P*M?n« f 45 von an n Möhren gewaseh. 5 Pfund 0.20 Rote Rüben.. 4 Pfund 0.20 Sellerie-.. Pfund 0.96 0.09 Sdiwarzwurzeln Pfd. 0.20 Brot vorgeschriebe Gewicht llt Vt 20pf.40 pi. Dampf- u. Rotw. Pfd. 0.98 Fleischwurst... Pfund 1.05 Sdilnkenpolnlsche 1.20 Landleber-■. Mettwurst 1.20 Kümmel- 1.40 Leberwurst �PiMwant 1 50 Zervelat u. Salami 1.55 Teewurst 1.60 grob. 1.70 Zervelatwurst Fe,pd(u™ 1.80 Speck it an 0.98 mager 1.30 Schlnkenspeck' s,�'S 1.60 Königstr� Rosenthaler Str., Morltzplat,. Blut-, Leberwurst 0.72 Speckwurst... Pfund 0.80 Camembert sä'IÄ« 0.25 Emmenthal. Art'Vtol* 0.68 Tilsiter votltelt, P(d.vonan 0.88 Dän. Schweizer p'tund 0.84 Limburger 0.55 �'0.90 Slelnbu$ehervoMfett,P(d. 0.90 Holländer"«mÄnd 0.90 Briekäse voiitett.. ptund 0.95 Schweizer"�nd 1.28 Margarine Pfund 0.40 0.52 Molkereibutter Pfund 1.40 Tatelbutter Pfund 1.52 1.64 Dän. Butter Pfd. 1.64 1.78 Kolonialwaren Viktoria-Erbsen pfd.»»0.18 Gelbe Erbsen'pm.* 0.30 Weihe Bohnen pfd.»ji 0.1 8 Linsen..... Pfund«os 0.1 8 Haferflocken•.• Pfand 0.24 Tafelreis-.Pfund 0.20 0.34 Makkaronl""wind w» 0.44 EieraSchnltf'Nud."� 0.48 Kalif. Pflaumenpfd.».« 0.32 Gem. Backobst.MtO.45 Kalif. Birnen Pfund t�» 0.58 Kalif. Pfirsiche Pfd. wi 0.60 Kalif. Ringäpfel Pfd.«3« 0.84 Kalif. Aprikosen 0.72 Wein Pralta(Br'n Flaschs, ohrva Staitz? Oberhaardter Tisch w. DJS 1?2? Dürkheimer rot. Tisch«. 0.80 Roter Tarragona...... 0.95 1928 Oittelsh. Kloppberg 0.95 1928 Senheimer Kirchberg 0.95 Domaine St. Coloma spanischer Rotwein 0.95 1928 Niersteiner...... 1.25 1928 Clottener Bosenberg 1.25 1922 Chat. La Grolet NaturgewSdis, Bordaaux 1 1927 Oppenh. Goldberg tdO Billig. Elnh.ltsllkdr.1 Cura�ao braun, KlosterKkar. Kirschlikör, Stonsdorfer 2 95 Deutscher Weinbrand A. Descieux»88 5.lnl Wein vom Fa* zu billigen Prellen dnoentur-�usverieauf Die billigsten Preise seit vielen Jahren (Seginn 5.&anuar He.i* 48. Iohrgaa» 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag. 4. Iauuac l9Z t Ohne Margmroi und ohne einen Sonnerutrahl erroachie der letzte Tag eine» trüben, bangen Jahres. Schläfrig und fröstelnd huschten durch den naßkalten Frühnebel die Bewohner der Riesenstadt zur Arbeit. Kund um die gelblich und müde schimmernden Lampen glitzerte die kristallene Mosaik des frischgefrorenen Glattelse*. Um diese Stunde kam ein Mann über die UaoelrDiesen geschritten. Er mar lange gelaufen und kam aus einer fernen Gegend; nach jedem Atemzuge blies aus seinem Munde eine dichte Dampf mölke Aber jede dieser Wolken zerzauste im Nu der Morgenwind. Wie es schien, legte der fremde Mann keine Eile an den Tag. Erst der nächste mitternächtliche Glockcnschlag sollte ihn zur Arbeit rufen. Bis dahin mollle er unbemerkt und unerkannt in Berlin ein wenig Umschau halten. Fahrt in die Stadt. In einem entlegenen, einsamen Dorf, da- zwischen den Diesen lag, fand der Mann trotz der Morgensrühe schon eme Ströhen- bahn. Do er noch nie m einer Strahenbahn aesssse» hotte, freute er sich auf die Fahrt.„Geben Sie mir einen Fahrschein nach Berlin". sagte er zu dei.. Schaffner, der sich von seinen Handschuhen die Fingerlinge abgeschnitten hatte.„W ir si n d i n Be r! i n, m e i n cherr*. entgegnete der'Schaffner. Hähne, die zu früh krähen,.triezt des Mittag; der Fuchs, dachte der Fremde bei sich und wandt« sich dem Schaffner zu: Warum uzen Sie mich, dieses Dorf ist doch nicht Berlin."„Glauben Sie es mir, auch dieses Dorf ist Berlin," ant- rrortete der Schaffner,„oen"" n»io die Dürfer und Wälder jenseits des großen St-i»uneers, in das wir jetzt fahren." Dann zog der L-chaffner an einem Lederriemen, eine kleine Glocke machte«innul ..kling" und die Fahrt begann.„Wir werden Sie mitnehmen bis zu,» Rathaus, dort können Sie umsteige» und bis ans andere Ende von Berlin fahren, der Preis ist inimer derselbe."„Wie lange wird das dauern?" fragte der Fremde.„Nicht lange," der Schaffner zog fein« Ubr und begann zu rechnen.„Sie kommen zum Mittagessen ucch zurecht."„lind das kostet?"„Fünfundzwanzig Pfennige, mein Herr."„Und wenn ich nur über diese Bruck« hier fahre?"„Auch fünfundzwanzig Pfennige, mein Herr." Nach einigen Minuten suyr die Bahn durch«ine Stadt.„Rathaus!" rief der Schaffner an der Haltestelle. Der Fremde sprang auf, doch der Schaffner bat ihm, ruhig wieder Platz zu nehmen, das wäre erst das Spandan er Rathaus. Das Mißtrauen des Fremden stieg. Mit leinem Mantelärmel wischte er die schwitzende Fenstericheibe trocken und preßte die Stirn gegen das Glas, um besser sehen zu können. Die Häuser der kleinen Stadt hatten längst aufgehört, wieder roll!« die Bahn über weite Felder. Oftmals hielt der Wagen, Menschen stiegen aus und ein, und während das Herz des Freniden zu pochen begann über dieses s«nsr Meinung nach ziellose Fohren, saßen seine Fahrt- genossen unbekümmert da und losen die Zeitung. Diese Eilige- borencn müssen einen besonderen Sinn haben, der ihnen anzeigt, wo sie aussteigen, dachte der Fremde. Da rief der Schaffner zum zweiten Mol«:„Rathaus!" Der Fremde rannt« zur Tür, aber der Schaffner lachte:„Warum wollen Sie denn immer aussteigen. wir sind doch erst in C ha rl o t t e n b u r g!" Doch der Fremde sagte gar nichts mehr, sondern blieb aus der Plattform stehen und suchte die Wagennummer, um sich über den Schaffner zu beschweren. Niemand hÄie ihm ausreden können, daß ihn der Schaffner nur foppen wollte. Nichts war dem Fremden klarer als das, wo die Fahrt schon wieder durch einen enWosen Wald ging. Das war der Tiergarten. Don Sekunde zu Sekunde stieg seine Wut, an der Siegesallce glaubte er, ein ganzes Battaillon weißer Gespenster ocr- folgte ihn, tollkühn sprang er vom Wagen und siel einem Zeitung?.- Händler in die Arm«. Rote Kinger zeigen auf ibn. „Aller Segen kommt von oben, Sie hätten sich anständig ihre Birne stoßen können, wenn ich hier nicht gestanden hätte", meinte der Zeitungsmann. Der Fremd« keuchte nur:„Wo bin ich?"„Wo sollen wir sein, im Westen", gab der Händler zurück.„Großer Gott," stöhnte der Fremd«,„joie soll das enden, zwei Stunden bald unter- wegs und immer noch im Weitem" Dann bät er um eine Zeitung, bezahlt», las und erreichte mit dem rechten Ann gerade noch einen Baum, um sich festzuhalten. So war ihm der Schreck in die Glieder gefahren. Mittag sollte es schon sein, wo die Uhr eben noch halb acht gezeigt hatte? Mit dem kalten Rücken seiner linken Hand begann sich der Fremd« die heiße Stirn zu kühlen. Er schleppte sich yi dem Zeitungsmann zurück und schrie ihn an:„Was lall das hcisiem mi: am Morgen schon eine Äsitagszeitung zu geben!"„Watt denn, matt dem«. Herr, Sie jchoinen noch neu in Berlin zu sein, kommen Sie mal«b, paar Stunden später und Sie tonnen bei mir die Zeitungen vom nächsten Tag hoben", fietostigte sich der Händler Wer den nnwlssend«» Fremden. Aber dieser Fremde sab nur oll? feine bisherige», einfachen, kerngesunden Zeit- und Raumdegriffe in? Wanken kommen. Denn die Morgenzeitungen schon am Abend kommen, welchen Sinn hat dann noch die Mitternacht, diese Frage legte er sich immer wieder vor. Schließlich wurde e» ihm grün, gelb und rot vor Augen und aus den Rebenstraßen schössen sortgesetzt dunkle Ungetüm« heraus, die einen glühend roten Finger vorzechen, wenn sie um eine Ecke bogen. Der Fremd« glaubte, all« dies« roten Finger wiesen auf ihn. Gr begann zu laufen, nur fort von hier, und, ehe er sich vor. fehon haUei stand er mitten in dem Wirbel des Sarufiellverkehrs vor dein Brandenburger Tor. Er mußte durchs lamme was da wolle. So kümmerten ihn nicht weiter die bunten Lichtaugen der Verkehrsampeln, er sah nur noch das groß« Tor, das ihm wie die Eingangspforte zu dem gesuchten Berlin erschien; schnurstracks schritt er auf den Mittelbogen zu. ,challa> der Herr dort, wo wollen Sie denn hin? Kommen Sie bitte mal hierher!" stoppte jedoch«in energischer Ruf seinen eiligen Schritt. Der Fremde erblickte einen Schupomann und erbleichte. In seinen Schläfen hämmerte es immer toller, in einer plötzlichen Vision sah er sich schon auf dem Schaffort. Kalter Schweiß perlte ihm von der Stirn und seine Hände zitterten. Er wollt« noch etwa- stammeln, aber die Stimme oersagte ihm. Da fragte ihin der Schripomann:„Ist Ihnen schlecht."„Ja", lwuchte der Fremd«, ließ das Brandenburger Tor links liegen und drückt« sich scheu am Tiergarten entlang, dem Potsdamer Platz zu. Er erhä t eine Steuerkarte. Eme Menichemnenge hemmte seinen Weg. Fünf Männer be- schimpften sich gegenseitig.„Sie sind ein schamloser Betrüger!" „Halten Sie ihren losen Mund, bezahlen Sic lieber ihre Steuern, sonst hole ich die Polizeil"„Sie lönncn uns den Buckel runter- rutschen, wir haben den Kognak ja auf der Straße verzehrt!"„Das geht mich nichts an, wenn Sie den Kognak aus meinem Lokal mif die Straße schleppen, was sind das überhaupt für Manieren!" Haaa, hoao, grunzte die Menge, die Iungens sind richtig, echote es, Getränk« im Straßenverkauf sind steuerfrei,„watt will denn der Assenbudika", da wird es dem Freniden zu bunt, beschwichtigend hebt er seine Arme. Aber er kam nicht weit, von hinten pusste ihn jemand auf den Hut, vor ihm gestikuliert« ausgeregt ein kleiner dicker Mann: „Iestatten Sie mal, mein Name ist Pachulke, erster Vorsitzender des Vereins gegen schlechtes Bierein'chenken, sollen wir uns vielleicht alles gefallen lassen..." Dann niußte auch der kleine, dicke Herr abbrechen, denn alles wandte sich gegen den Fremden:„Der ist vom Majistrat! An die Laterne mit dem Blmsauger! Der Fettwanst röchelt noch?" Da hielt es der Fremde an der Zell, spurlos zu ver- schwinden. Auf dem Wege durch die Friedrich st raße kam er an einem Finanzamt vorbei, das heißt, es waren gleich drei Finanz- äinter da. zum Aussuchen. Da er den Zivilisten nach seinen bis- herigen Erfahrungen in Berlin nicht mehr traute, fragte er den Portier nach dem Weg. Dieser stutzte aber sofort und horchte:„Sie sind fremd hier, mein Herr? Ja, dann kommen Sie doch mal herein. Gehen Sie in den dritten Stock, Zimmer 386, hier die Mitteltreppe hoch, rechls den Gang entlang, dann links um die Ecke, stolpern Sie nicht über die Stufen, ich sage inzwischen Bescheid." Der Fremde dachte, was haben mm diese Menschen wieder mit mir vor, aber kaum hatte er die Klinke zur Tür de- Zimmer Nr. 386 in der Hand, da bekam«r von dem freundlichen Beamten eine Karte in die Hand gedrückt.„Als zukünftigen Einwohner von Berlin überreiche ich Ihnen hiermit ihre Steucrkarte. Wir haben unseren Steuerkarten diese-mal eine etwas neuartig« Form gegeben, zur Erleichterung für Sie haben wir noch vier kleine Felder fiir die Kopfsteuer angefügt. Genieren Sie sich nicht und kommen Sie am 16. Januar wieder mit heran zur Begleichung der ersten Rate. Wenn Sie dann auch die anderen Termine rechtzeitig innehalten, werden Sie niemals Schulden drücken." Modernes Märchen. Als der Fremde das Oranienburger Tor passierte, sielen ihm die Fensterscheiben der Autodroschkcn auf, die mit einem Male so blank waren. Er erinnerte sich, heute morgen am Brandenburger Tor alle Scheiben mit einer großen 10, 20 oder gar 50 bemalt gesehen zu haben. Er wischte sich eigens noch einmal über die Augen. aber er täuschte sich nicht, die Zahlen an den Scheiben waren weg. Da sprach er einen einfachen Mann an und erkundigte sich nach diesem phänomalen Verschwinden der großen, weißen Buchstaben. „Ja," sagte der einfache Mann,„vor langer, langer Zeit ging ein Gebot aus, daß jedermann die Preise senken sollte. Die Menschen fielen sich in die Arme und sagten:„Bruder, wann senkst du deine Preise?" Und alle Brüder setzten sich hin und warteten darauf, daß der andere den Anfang mache. Aber keiner machte den Anfang und so blieb alles beim alten. Die Autodroschkcn lzatten nur au- Ver- sehen die Preise gesenkt und die anderen wehklagten, ihre.Kinder müßten Hungers sterben, sie gäben sowieso schon fünf Pjennige an jedem Pfund zu. Wir haben, seitdem die Fensterscheiben der Autos wieder blank geworden sind, dann nichts mehr von jenem Märchen vom Preisabbau gehört." Da wurde der Fremde traurig und ging weiter. Bis in den späten Abend wandert« er durch die große Stadt. Auf den Arbeitsnachweisen sah er rüstige Männer sonder Zahl, die sich die Zeit mit Kartenspielen vertrieben. Nur Arbeit gab es nickt. Vor den Asylen der Stadt waren schon am Nachmittag Tauscndc von Obdachlosen anqetreten. Die Karpfen- Händler machten lange Gesichter und gössen ein paar Gläschen Schnap- in die Bottiche.„Darimi inachen Sic das?" fragte der Fremde.„Weil die Fische dann noch zwei Tage lebendig bleiben, heute sind die Leute arm und haben fast nichts gekaust", antworteten die Karpienhäirdler. Vor einem hellerleuchteten Kino erschrak der Fremde, eine weiße Maus war ihm über den Wea gelauien.„O weh," dachte er,„jetzt kommt mir etwas weg, Mäuse sind ein schlechtes Zeichen." Aber er kam nicht weiter zum Denken, eine Horde Halbwüchsiger kam aus dem Kino gestürzt, umzingelte den Fremden und schrie:„Du Rabenaas, dir werden wir schon die Flötentönc beibringen!" Als der Fremde sich der tosenden Menge entwinden wollt«— es war schon ein Viertel nach 11 Uhr, und um 12 Uhr mußte er seinen Dienst antreten—, suckte man ihn mit den Worten:„Hier ist er ja! Freundchen, du bist unser!" in das Auto zu zerren. Dock plötzlich schrie jemand:„Verduften, � verduften, die Rasierpinsel sind da!" und in wilder Hast stieb alles auseinander. -i» Zehn Minuten spater hatte die Straße wieder ihr friedliches Aussehen. Alle Fenstern in den Häusern waren crleuchiet, von den Stroßenbahnmasten flatterten die ersten Papierschlangen,«in junges Mädchen überschüttete den Fremden mit Konfetti, Trompeten bc- gaimen zu bläken, Radauplatten zu knallen, überall warteten die Menschen gespannt auf den ersten befreienden Gwckenschlag. Der Fremde tief ans Leibeskräften, von einer Schijserssrau om Mühlendamm borgte er sich noch schnell einen Besen aus, viel Unrat ist wegzuräumen, sagte er vor sich hin, und genau ans den ersten Glockenschlag stand er oben auf dem Rathausturm und entbot den Berlinern ein gutes und gesundes Reujas, rk Im Zweikampf erschossen. Von dem üeliebten bedroht.- Verzweifelter Kampf in der Wohnung. Husum, 31. Dezember. sEigenbcrichi.) Am heutigen Millivochnachmitlag ereignete sich hier ein auf- regender Vorfall. Der hiesige Polizeibeamte Holm erschoß in einer JOcchnacg in lex Südcrslcaße im verlause eines hmidgenienges den ZSjähligcu Arbeiter Willi p a u n e r l aus Friedrichstadl, der hier zu Besuch bei ieincr Geliebten weilte. Panuerl war mit seiner Äeiieblon. einer verhetratrien Frau Voß in Streit geraleu und hatte sie mit einem Messer bedroht. Die Frau rief daraus die Polizei um hilse. Als der Polizeibeamte Holm in der Wohnung in der Südcrsiraß« erschien, kam es zwischen Ihm und Panne-t zu einem verzweifelten F w c i k a m p s. Der Beamte grijs in der Notwehr zur S ch u tz w a s s e und lötete Panuert durch drei Schüsse in den Ober- körver. Holm«--hielt eine liefe Stichwunde im Oberornz und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Drei junge Menscken vergiftet Frankfurt a. M.. 31. Dezember. In den» Sladiteil Riedcrrad ereignet« sich om Mittwoch- mittag«in schweres Unglück durch ovsftrvmendes Gas. In dem Haufe Voldsteinstraße 36 wurde der 21iährige Heinrich K r ä in s r tot und zwei weitere junge Leute bewußtlos aufgefunden. Wie die Gasvergiftung zustande kam, konnte bisher noch nicht fest ncstellt werden. Meeresbeben kündigt sich an Santiago de Chile. 31. Dezember. Die Bewohner zahireicher Küstenstädte Chiles befinden sich in einem Zustand grotzer Aufregung und Bestürzung. In den letzten Tagen ist in diesen Städten ein unterirdisches Rollen wahrgenommen worden, das angebtich von einem heftigen Meeresdeben in: Pozifik herrühren soll. Das Meereswaffer hat an der Küste Chiles eine eigenartige grüne Färbung angenommen und einen unnatü- lichen Geruch. Man glaubt da; darauf zurückführen zu können, daß Millionen von Fischen durch dos Beben getötet worden ünd. Einc Untenuchung Hot ergeben, das; dos Meevsswal-er ungewöhnlich m»l Fijchkadnver enthält. Berlin an der Jahreswende! Abgewendete Gefahren/ Weg frei zu weiterem Aufstieg durch Vertrauen und Tatkraft/ Von Ernst Reuter gär die Stadt Berlin ist das Jahr 193» wie für fast alle deutschen Städte ein unsagbar schweres gewesen. Vielleicht war am Ende des vorigen Jahres der äußere Druck, der auf der Stadt lastete, spürbarer. Der Sklorck-Skandal mit seinen aufwühlenden Folgen, die O b c rb ll r g e r m e i sie r k r i s e, die drohende Zahlungsunfähigkeit im Dezember 1329 zeigten immittelbar drohende Gefahren auf. Aber diesen Gefahren stand der s e st e Wille gegenüber, sie zu meistern und unter allen Um- ständen, koste was es wolle, Berlin durch die beinahe über Nacht bereingebrochenen Schwierigkeiten hindurchzusteuern. Mit drakonischen Maßnahmcii, rücksichtsloser Sparsamkeit und Konzentration aller Kräfte, auf die unter allen Umständen unmittelbar zu lösenden Aufgaben ist dieser Versuch unternommen worden. Cr bat im Laufe des Jahres zweifellos zu Erfolgen geführt. Die gewöhnliche Skandalhetze ist mehr oder minder zu Ende gegangen. Der Ausschuß des Preußischen Landtags, der die sogenannte„Miß- Wirtschaft" bei der Stadt Berlin untersuchen sollte, hat schließlich selbst das richtig« Gefühl gehabt, daß er besser daran tat, seine Arbeiten einzustellen, weil aus dieser Blüte kein Honig mehr zu saugen war. Die G e f a h r, die Ende 1929 drohte, daß alle Bauten der Stadt zum Erliegen kommen würden, ist abgewendet. Insbesondere ist es möglich gewesen, die großen Untergrundbahnbauten soweit zu finanzieren, daß sie im Lauf« dieses Jahres restlos dem Betrieb übergeben werden kannten. Die neugegründete Verkehrs- gesellschasl war in der tage, die Gelder auszunehmen, deren nähme der Stadt nach wie vor unter dem Druck der Anieihe- becatungsstelle unmöglich war, und damit die Ferliastellung dieses gewaltigen Werkes sicherzustellen. Wenn mit der Inbetriebnahme dieser Bauten die Entwicklung auf diesem Gebiet auch vorläufig zum Abschluß gekommen ist, so hat ste doch so weit gefördert werden können, daß die vei-kehrliche Neuerfchließun g des Nordens und Ostens der Stadt möglich gemacht wurde. Die Besserung der Geldmarkt- Verhältnisse in der ersten Hälfte des Jahres und manche sonstigen wirtschaftlichen Besserungssymptomc schienen eine Stabil isie- r u n g und später einen allmählichen Abbau der schwebenden Schulden zu ermöglichen, der vorübergehend in den Sommermonaten auch tatsächlich«ingetreten ist. Trotz unerhörter politischer Schwierig- kellen, die sich aus der Zusammensetzung der Stadivcrordnetenver- sammlung ergaben, schien es eine Zeitlang möglich zu fem, den Haushall im Gleichgewicht zu halten und damit die Voraussetzungen •ür eine wirtschaftliche Gesundung zu schaffen. Diese Hoff>m»rg«n sind durch das katastrophale Weiterabglellen der wirtschostlicheii Konjunktur und durch die Auswirkungen der Septemberwahlen gründlich zerstört worden. Das Anichwellen der Arbeitslosigkeit, und insbesondere das ständige Wachsen der Zahl der Wohlfahrtserwerblosen droht in Berlin wie in den anderen Städten die ganze Gemeindewirtschast über den Haufen zu werfen. Man muß sich einmal vor Augen halten, was es für den Etat selbst der Stadt Berlin, die gewiß mit größeren Summen zu rechnen gewohnt ist, bedeutet, wenn der im April des Jahres 1930 aufgestellte Haushaltsvoranschlag allein aus dem Gebiete der Wohl- sahrt rm 50 bis 69 Millionen Mark überschritten sst. Dadurch«nt- stehe ein Geldbedarf, der mit den brutalsten Steuererhöhungen und mit den rücksichtslosesten Einsparungen nicht zu beschaffen sein wird. Denn zu diesen Mehrausgaben, die ausschließlich das Gebiet der Wohlfahrt und des Uirterstützungswesens betreffen, kommen die Mindereinnahmen, die als zweite Folge der Konjunktur zwangsläufig bei den Steuern und bei den großen Wirt- schaftsilntemehmungcn der Stadt eintreten. Der Steuerminderertrag für das Etatsjahr 1930 wird, ganz gering gerechnet, auf 30 Millionen Mark zu schätzen sein. Die Berkehrsgesellschaft erleidet unter den Auswirkungen der allgemeinen Depression einen Verlust von etwa 20 Millionen, und der Rückgang des Konsums erstreckt sich auch auf die Elektrizitöts. und Gaswerke. Gin schwacher Trost. Es ist ein schwacher Trost für die Stadt Berlin, daß ihre Nöte genau so in fast allen anderen deutschen GroßstäLte» sich bemerkbar machen. Di« Einsetzuckg von Staatskommissaren zur Einführung unbeliebter Steuern, ein früher überlzaupt für praktisch un- möglich gehaltener Vorgang ist zum alltäglichen Ereignis geworden. Aber auch Staatskommissare werden nach menschlichen Ermessen die Aufgaben nicht lösen können, die den Städten dadurch erwachsen, daß Reich und Land die einfache aber bequeme Methode befolgen, zu- n ä ch st sich s« l b st zu sanieren und im übrigen die Gemeinden ihrem Schicksal zu überlassen. Dringender als je wird die Forderung nach Arbeitsbe- j cha f f u n g erhoben werden müssen. Es würde ein wirtschoftücher Widersinn ohnegleichen sein, wenn die ausgleichend« Tätigkeit der öffentlichen Hand durch Ardellsoerxebung nur sich darin äußern würde, daß im Augenblick alle Aufträge künstlich auch über das Maß des Notwendigen hinaus gedrosselt werden, um dann später bei sich bessernder Konjunktur neu einzusetzen. Bisher hat die Stadt lediglich aus dem Gebiete des Tiefbaus für Stroßenbauarbeiten die Finanzierung von Aufträgen in Höhe von etwa 13 Millionen Mark möglich machen können, die im Frühjahr zur Vergabe kommen werden. Es muß unbedingt von allen öffentlichen Körperschaften gemeinsam der Versuch gemacht werden, sowohl durch V e r k ü r- zung der Arbeitszeit wie durch Schaffung neuer Arbeit das Heer der Arbeckslosen zu vermindern, denn den An- sorderungen, die an die Unterstützungskassen gestellt werden, sind die Gemeinden in ihrer Mehrzahl und bestimmt die Stadt Berlin aus die Dauer nicht mehr gewachsen. Wetter fester Wille zur Gparsamtett Es soll keineswegs verkannt werden, daß die Stadt weiter die Aufgabe hat, ihren Willen zu sparsamer Wirtschast auf allen Zweigen der Verwaltung zu bekunden. So klein die Beträge im einzelnen sein mögen, in ihrer Gesamtheit machen sie sich doch für die Hauswirtschast bemerkbar. Davon wird die Stadt sich auch nicht durch den Widerstand der O e s f e n t l i ch k e i t abhalten lassen können, die auf der einen Seite ununterbrochen nach Sparsamkeit ruft, aber in jedem einzelnen Falle sich jedesmal mit gleich heftiger Kritik gegen Ersparnismaßnahmen wendet. Aber eine Lösung der Schwierigkeiten ist durch diese kleinen Mittel allein nicht zu erreichen. Es muß unter allen Ilmständen im kommenden Jahre der Versuch gemacht werden, durch größere Aktionen den Finanz- bedarf der Stadt sicherzu stellen und außerdem überoll da, wo es irgend möglich ist, Arbeit zu beschaffen. Diese Forde- runz muß insbesondere an die Reichsrcgierung gerichtet werden, die ihr bisher negatives Programm des Abbaus unter allen Umständen durch positive Maßnahmen wird ergänzen müssen. Berlin leidet noch mehr als andere Städte unter den jetzigen Schwierigkeiten, weil zu den rein materiellen Schwierigkeiten die psychologischen Hemmnisse hinzukommen, die aus der Llngeklärtheit des Iührerproblems und der organisatorischen Fragen sich ergeben. Die Stadtoerord» netenocrsammlung hat endlich sich dazu aufgesch.oungsn, die Neubesetzung der Oberbürgermeisterstelle in die Hand zu nehinen. Es wird unendlich viel davon abhängen, ob hier bald klare Verhältnisse geschaffen werden, die neues Vertrouen auszulösen imstande sind. Auch wenn man die Bedeutung organisatorischer Maßnahmen zu überschätzen nicht geneigt ist, weil wichtiger als neue Maßnahmen neue Menschen sind, wird man doch aner- kennen müssen, daß die vollkommene Unklarheit über das Schicksal des Groß-Beriin-Gefetzes auch eine schwere Belastung ist. So oder so werden die in Frage kommenden Stellen, in Berlin die Stadt- vcrordnetenversammlung und im übrigen die Staatsregierung und der Landtag, endlich handeln müssen, um eine neue Basis zu schaffen, auf der weitergearbeitet werden kann. Berlins Verwaltung ist weder korrupt, wie man eine Zeitlaug in allen Gassen behauptet hat.«och ist ste in Unordnung. Aber eine Stadt von der Bedeutung Berlins kann unter den heutigen Verhaltnissen nicht jahrelang unter den personellen und organisatorischen Bedingungen arbeiten, denen fie heute ausgesetzt ist. Es muß der Weg zu neuer Arbeit freigemacht werden und das Vertrauen geschasse» werden, daß die Tuch- tigkeit und die Intelligenz, die Tatkraft und der Fleiß seiner Bevölkerung und seiner Verwaltung einen neuen Aufstieg herbeiführen können. „FassadenkarF' gefaßt! Internationale Beutezüge eines ausgebrochenen Zuchthäuslers. Gestern konnte in einer Pension im Westen Berlins der seil langem gesuchte internakiouale Fassadeoklellerer Albert Hecken, der in seinen Kreisen den bezeichnenden Namen«Aassadenkarl" führt, verhaftet werden. Auch die Aren nd in Heckens. die sich in seiner Begleitnog be- fand, wurde als Mitwisserin seiner Benkezüge festgenommen. Das„Arbeitsgebiet"„Fassadenkarls" erstreckte sich über den ganzen Kontinent. Seine Spezialität waren Juwelen, die er aus großen eleganten Hotels und Villen stahl. Hunderttausende fielen ihm allein in den letzten beiden Jahren in die Hände. Hecken war wegen mehrerer großer Diebstähle im Frühjahr' 1929 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Seine Strafe sollte er in der Anstalt Wehlheide bei Kassel verbüßen. Nach kurzer Hast gelang es ihm aber, offenbar mit Hilf« von Komplicen, aus dem Zuchthaus zu entweichen. Schon bald zeigten neue Diebstühle an, daß Hacken wieder seine Hand im Spiele hatte. Die Polizei war ständig hinter dem Verbrecher her, ohne daß er zur Strecke gebracht werden konnte. In letzter Zeit wurde er ständig oon einem jüngeren Mädchen, der Tochter einer angesehenen Frankfurter Familie, die völlig unter seinem Einfluß geraten war, begleitet. Bei der Festnahme der Beiden, die völlig überraschend erfolgte, wurde viel belastendes Material gefunden, wodurch die Polizei gleichzeitig auf die Spur einer wohlorganisiertcn internationalen Diebesband« ge- kommen-st. In den nächsten Tagen dürfte mit werteren Verhaftungen int Westen des Reiches sowie in Paris zu rechnen fein. Die nSchfke Ausgabe des„DonvSrls" erfcheiul wegen de» New jahrstages erst am Areikagnachmillag. „Da kämen wir also gerade recht?" meinte Ludwig. „Warte noch ein wenig zu!" riet Sandow.„Nimm die Fabrikation erst auf, wenn auf den Straßen keine Schüsse mehr knallen. Es hat keinen Zweck, anzufangen, wenn man noch Gefahr läuft, morgens auf dem Wege zur Bude erschossen zu werden!" Ludwig nickte. „Du hast recht, Sandow, noch etwas zuwarten. Du kommst aber doch, wenn ich dich hole?" „Jeden Tag, wenn du willst!" * Inzwischen hielt Ludwig Ausschau nach geeigneten Werkst atiräumen. Wochenlang suchte er ohne Ergebnis. Da führte ihn im Frühjahr an einem Wochentag der Weg durch die Artillerie- und Oranienburger Straße. Er kam am Haupttelegraphenamt vorbei und stutzte. An der dem neuen prächtigen Gebäude gegenüberliegen- den Ecke stand ein Haufe Halbwüchsiger. Der älteste mochte etwa zwanzig Jahre alt sein: es waren aber auch welche dabei, kaum der Schulbank entlaufen. Alle waren bewaffnet und trugen Znfanteriegewehre über die Schulte� gehängt. Bei vielen Gewohren vertrat ein Bind- faden die wtelle des Gewebrriemens. Das sah komisch aus, iml so mehr, als viele der Gewehrträger so klein waren, daß die verrosteten und verdreckten Kolben auf der Erde schleiften. Ludwig mußte bei diesem seltsamen Bi£>e unwillkürlich lachen und blieb stehen. Da sah er, wie sich die Gruppe um einen älteren gut- gekleideten Mann scharte, der ansing, eine Rede zu halten. Aha, das Haupttelegraphenamt sollte gestürmt werden. Einige der Mutigsten richteten bereits ihre Gewehrläuse aus die Fenster des Gebäudes. „Nicht so voreilig! Nicht so unbesonnen!" rief der Mann. ..Wartet noch eine Stunde, bis wir Verstärkung bekommen, dann kann es losgehen. Aber bis dahin, bitte» unterlaßt jede Individualaktion!" Ludwig unterbrach seinen Geschäftsgang und trat in eine Kneipe, um sich die kommenden Ereignisse aus sicherer Deckung mit anzusehen. Im Postamt hatte man indessen alle Türen fest ver- schlössen. Hie und da zeigten sich die ängstlichen Gesichter der Tür- Hüter an den Parterrefenstern. Im ersten Stock zeigten sich gut ausgerüstete Soldaten, die das Häuflein Halbwiuhsiger beobachtetem Plötzlich trat ein riesenhafter Soldat ans offene Fenster, riß eine Handgranate ab und warf sie hinunter aufs Pflaster. Eine scharfe Detonation, unmittelbar gefolgt von furcht- barem Geschrei. Einem vollständig unbetelligten Passanten, der ahnungs» los vorbeigegangen war, hatte die Handgranate das rechte Bein am Kniegelenk abgerissen. Brüllend lag der Mann in seinem Blute. Eine schauerliche Szene! Bon den jungen Gewehrträgern verlief sich daraufhin einer nach dem andern. Nur noch ein paar Männeken blieben stehen und gafften neugierig zu den Soldaten hinüber. „Wer sind die jungen Leute eigentlich?" fragte Ludwig seinen Tischnachbar. „Spartakisten, die Befehl haben, das Haupttelegraphen- amt zu nehmen!" Da lachte Ludwig wie ein Verrückter, so daß die Gäste wütend auf ihn wurden und laut losschinipften. Er zahlte schleunigst und ging. Bei sich selber dachte er: Abgesehen von dem Soldaten, der tollwütig die Handgranate warf und einen Unbeteiligten opferte, wirkte das Ganze wie ein schlecht aufgezogener Spaß. Wenn man auf diese kindliche Art gegen die Regierung revoltiert, dann ist der Staat längst nicht mehr gefährdet. Ich kann also unbesorgt an den Auf- bau meiner neuen Eristenz denken! Sehr vergnügt führte er seinen Geschäftsgang zu Ende und kam pfeifend in die Wohnung zurück. Alle Bedenklichkeitcn und zögernden Erwägungen waren durch das Erlebnis vor dem Haupttelegraphenamt von ihm abgefallen. Er schritt zur Tat. Drei Tage später übernahm er für den Nest seines Ka- pitals eine große Fabrik. Sie stammte aus einer Konkurs- masse und war, wenn er das mitübernommene reichliche In- oentar vom Preis der Liegenschaften abrechnete, mehr als billig, ja, geradezu geschenkt. So war er mit einem Schlage beinahe sein gesamtes Bar- geld los, dafür aber Besitzer eines Fabrikationsbetriebes, der, wenn er ihn richtig ankurbelte, fein Glück machen tonnte. » Leicht war es nicht, der Fabrik neuen Odem einzublafen. Es gehörte Ludwigs ganzes Können dazu: außerdem Sandows gute Ratschläge und, was vielleicht das allerwich- tigjte war, eine gehäufelte Portion voll Glück. Er und sein treuer Sandow, den er als Ersten der alten Garde wiedergeholt hatte, waren sich keinen Augenblick im Zweifel darüber, daß das Ganze, trotz aller Raffinesse der Anlage und trotz aller Geschäststlugheit schief gehen konnte. In diesen unsicheren und unberechenbaren Zeiten, zudem ohne einen Pfennig eigenen Kapitals einen Betrieb aufzumachen. war ein Vabanquespiell Wenn Ludwig sich jetzt in den Karten vergriff und eine falsche zog. war olles auf einen Schlag kaputt! Aber er hatte den Mut zum Wagnis, und siehe da, es ging, wenn auch zunächst unter erheblichen Schwierigkeiten. Ludwigs erster Gang war zur Bank, wo er bisher all die Jahre hindurch sein Guthaben stehen gehabt hatte. Er verhandelle mit dem ersten Direktor anderthalb Stunden hinter dicken, gepolsterten Türen, und das End- ergebnis war, daß ihm die Bank gegen Verpfändung der neu- erworbenen Liegenschaften und Maschinen einen Kredit ein- räumte, der sein bisheriges Vermögen beträchllich überstieg. Ludwig, sehr zufrieden mit dem Erreichten, strahlte über das ganze Gesicht, als er Sandow Bericht erstattete. „Gut!" sagte der,„ober jetzt, Ludwig, mst Volldampf ran mr die Herren Holzhändler! Verseure die Hobelspäne, solang sie noch knistern und gut im Harz sind!" Ludwig, einmal im Zug, fuhr sofort los und graste seine ehemaligen Holzlieferanten ab. Diese kamen ihm. da sie il,n von früher her als prompt zahlenden Abnehmer kannten, sehr verbindlich entgegen und bewilligten ihm, was er nur haben wollte. Die Händler, denen die wirkliche wirtschaftliche Lage vor lauter politischen Unruhen noch immer nicht aufgegangen war, waren frob. ihr« überfüllten Lager wenigstens einigermaßen räumen zu können. Sie boten Ludwig vierteljährliches Ziel an und billigten ihm Preise zu, die weit unter den Tagesnotierungen lagen. Ludwig griff zu und kaufte riesige Posten Schnittware. Außer- dem schloß er laufende Lieferungen ab und verstund es, selbst bei diesen Kreditgeschäften die an und für sich schon billige» Preis«»och weiter zu drücken.(Fortsetzung fviK.) HPas sagt öen Bcln? ¥** �freunden Zum Jahrcswcdiscl •Uen VerTandtea, Bekannte, Kollegen, Fremdca i und GeaoueB: he zücken Glüdcwunsch! August Rod«, DlettenbadwtraSe 36. Allen meinen Gösten und Freunden ein fröhlidics und gesundes Neues Jahr! Otto Schilling und Frau Lidiiertcldcr Festsäle UAierWde, Zehlendorfer Straß 3 5 Allen meinen lieben Gästen ein fröhliches und gesundes Neues Jahr Kurt Walther Raslaurani lucullus, B«lle-AII!anc»-PIati 16 ii"5"......................................'-tj fj Meinen lieben Gasten u.Genossen A A ein fröhliches und gesundes | Neues Jahr! U Karl Brunner, Gitschinerstr.109 y (j Schulthelss-Patzenhofer() :;: ..... ••••?•»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»••••«•«..M*»»»«»«M..*»...»»•...»•»».!,! Allen lieben Gästen und Genossen ein fröhliches und gesundes Neues Jahr HERBERT KREBS , Broustübl", Belle-Alliance-Platz 6 Restaurant und Caf6| Erich Jänidce; wOnscht allen seinen Gästen. Freon- 1 den und B.ltannteh» et» frohes und gesundes> neues Jahr! arBtsMliuig ents, Budowsr Ul«t 99 1 „W-klMlUMlIK" KSestfcauranM und Fesdeäftlas MAX FRICKE, Berlin A5g«B JoalcubsgraO« 1ZS s Dönhoff 3584 empfiehlt seine SSIe und Vereinszimmer für Festlichkelten, Hochzeiten, Versammlungen hei beste 1 Bedienung.— Neue Gesehäftsleitung. Btllisie Wohnungen »lue Zuscnafl— atne MicicrflarisfiB I%-,l V�KT-Wohnüngen Warmwasserbereititng ,_____________________ I, Ofenheizung mit geschl.] Ixiggia u. Vlrtschafisbalkon. 1 grofco e. 1. kleine Zimmer schon fCr 75 Merk I Landsberger Chausseo(Ecke GensIerslraS«) i Verbindungen: Linie 56 U. 43 bis Weeneuch Str., AnscftLOmnih 41; Liriie 53,63.175 bis Heabergstr, LckeSiegfriedstr.: Linie S b Landsberger Chaussee 1 venniBi: Tägi.«-7 Uh r reraspr: E 5 lltfUtnb. 4377 UNKMt der RMumiiz Zentrale: Düsseldorf. Filialen; Aachen, Essen, Köln, Trier. Wir haben den freihändigen Verkauf der reichsmündelsicheren ?'!■ amii■ mimiiii■ sciiüHiBf stwioioM ...................................................................................■wiiihii der Landeshanii der meiminz(5. dsisgade) zum Kurse von 9VU0/o wieder aufgenommen. Zinstermin: April— Oktober— Tilgung: 1 Proz zuzüglich ersparter Zinsen, erstmals 1. April 1932.— Verstärkte Tilgung und Gesamtkündigung; frühestens 1. April 1935. Zulassung zum Börsenhandei und zur Beleihung bei der Reichsbank wird nachgesucht Stückelung: RM. 10000.—, 5000—, 2000.—, 1000.—, 500.— Stücke sofort lieferbar. Außerdem geben wir, solange Vorrat, unsere älteren Emissionen zum jeweiligen Tageskurs ab. Kaufaufträge werden von uns, den Girozentralen, Landesbanken, rheinischen Sparkassen, allen sonstigen Banken, Bankiers, Sparkassen und Kreditgenossenschaften entgegengenommen., Oaaksagtmg SOt tri« Sitten Btsstst Htrzllchti Zeilnahmt bertn KtwHangt weine? liehen j ottxs unb Oifel» fogt idi bletmü all tu SttmatiMen nnö St- toiraten, Ben SPD. tmb Bern«au- �etscrtsbnnb meinen innigsten Dan! Gustav Beckmann, als Sohn nebst Ipinieebliebtnen k Nach Uiähriger chiruralschet Tätigkeit davon mehr als 5 Jähriger Oberarz zeit am stadtischen Kr-m- kenhaus Chatlottenb«rg-Wes end (Abt Prol.A.W. Meyer habe ich mich als Facharzt für Ctilrurgi« niedergelassen Dr. msa. Arttier Dzu:oszynsk! Berlin-Charlottenburg 5 Kalserdamra 99 Telephon: C3, Westend 8885 Sprechstunde: f>— 2"' Meillelalltttei-lleM Achtun cl Verwaliungsmütgiiederi Äm Freite dem Z. f.annar, keine Sitzung der Mittleren Pi rwaitunc. Die Ol tr»crwalt»ng. S,..7 Ä tftähmr'-Ä: Stores Bettdecken Um unsere riesigen Läger ru räumen, haben wir sämtliche Waren zur Hälfte ermäßigt fünstler-Garnitur....>.75 SeitdeckcD....... 2,50 Store*..... 1,25 I Poeten Dekoration*- and TUUtaffe p Mtr.... 1.25 Werkstinen für eleg Dekorationen seit 23 Jahren Im Hause, daher konkorrenzlo* billig Aeltcate* Äpczlal- Etagrngesdiäit fn Neukölln �peziai-CarilinEn-Werkstätten S. Krüger, Neukölln. Bergstr. 87 r. Stock direkt am Rlngbahnnot Kein Laden— Gegründet 1907 1— / � für'Wohnungen in äffen Siifarien efpeziafbefeuchiungen für'Verkaufsräume, Schaufenster, Werkstätten �eilzahtungen können aaf Wunscß vereinbart werden tMGQ- fß efeacßlangskörp er g.m.b.a. fffaus der Technik, Triedrichstraße 110-112 Üdniergt undbahn; Oranienburger �Cor/ blasgang Süd Berlin S.O. Oranicnslr. 12 Fernruf; FlMorifzpiofz 035 Verlangen Sio reichtHusirierl-e Preieliste B DAS GLÜCK der Besitzer eines behaglichen Heims zu sein, können Sie sieb IM JAHRE 1931 durch unser neues Preis- Sy stem leicht verschaffen. Bei GLEISER r finden Sie jetzt Preislagen, die Ihnen che Anschaffung bester' MÖBEL bequem machen. Die um- I fangreiche Ausstellung am 5 Alexanderplatz erleichtert Ihre Wahl FiwäaS«« Ltetetusi—.MibcLuta*— FtoitU.iteg>A. 53 l**- Ttr.i* 4S. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 4. Januar �931 Arbeiterpolitik in der Wirifchastskrife. Die große Verteidigungsschlacht und der dauernde Angriff. Von Fritz Naphtali. Die Erkenntnis der Ursachen der Wirtschaftskrise ist für uns kein Selbstzweck. Sie Hot ihre Bedeutung nur als Wegweiser in den Kämpfen, die wir um eine neue bessere Ordnung auf der Grundlage einer planmäßigen Senkung der gesellschastlichen Pro- duktwkräste führen. Niemals.zuvor war der Glaube an den Segen des kapitalistischen Systems in weiteren Kreisen erschüttert, als in dieser Wirtschaftskrise. Selbst die kleine Schar der unentwegten Verteidiger des Kapitalismus wagt es nicht mehr, wie in der Jugend Maienblüte, von den„ökonomischen Harmonien" zu sprechen, son- dem ihre Rede ist resigniert mir auf dem Unglauben an ein besseres System' aufgebaut. Wir wissen die Bedeutung dieser geistigen Erschütterung der kapitalistischen Welt wohl zu schätzen. Aber es wäre verfehlt, aus ihrer Erkenntnis die Illusion abzuleiten, als ob die Arbeiterklasse in dieser Krise im Sturmtempo der Ver- wirklichung ihrer sozialistischen Ideale entgegengehe. Nicht die Verbreitung von nebelhaften Illusionen, sondern das offene „Aussprechen dessen, was ist* hat sich stets als die wirklich vorwärts- treibende Kraft in der modernen Arbeiterbewegung erwiesen. So müssen wir auch jetzt gerade, um den Kampf wirksam zu führen, unumwunden aussprechen, daß die Arbeiterklasse, die deutsche Sozial. demokratie im besonderen, in dieser Periode der Wirtschaftskrise ein« große Verteidigungsschlacht ans der ganzen Front zu führen hat: daß sie gegen eine feindliche well ihre sozialen und politischen Positionen zunächst verteidigen muß um die vasis für den dauern- den Angriff aus den Kapitalismus nicht zurückverlegen zu lassen. Eine Krise von unerhörtem Umfange, die ein Millionenheer von Arbeitslosen geschaffen hat, unterhöhlt zwar den Glauben an den Kapitalismus, aber sie hemmt zugleich den Ausstieg der Arbeiter- klasse, sie zwingt, im Augenblick mehr um die elementaren Lebensbedingungen zu kämpfen als um die grundlegenden Umgestaltungen des Wirtschaftssystems. Daß es so ist, ist gerade ein« Folge des Wachstums der Arbeiterbewegung, des Zlusbaus ihrer politischen und gewerkschaftlichen Machtpositionen in den letzten Jahrzehnten. Wenn wir das feststellen, so handelt es sich nicht um einen für die gegenwärtige Lage zurechtgemachten Trost, sondern um eine fest begründete Erkenntnis. Es sei mir gestattet, zum Beweis einige Zeilen wiederzugeben, die Anfang 1923 geschrieben wurden, als unsere Kämpf« noch durchaus d?n«harakter der Auffchwungsperiod« wid-rfplegetten"): su* auch heute noch Krisen die Zeiten der stärksten Demonstration der Mängel und Mißstände des kapitalistischen Systems. Aber wir wissen ganz genau, daß. wenn in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, in Zeiten der schlimmsten Krise stellenweise Arbeitslosenunruhen und Hungerrevolten ausbrechen, darin nicht das Gl ück de r m odern en A rb e i t e rb e weg u n g liegt. Durch die Elendsreoolten wird die Entwicklung im großen nicht vorwärtsgetrieben. Sie mögen innner noch am Rande aufrüttelnd wirken, aber im Zentrum der Arbeit stehen diese Bewegungen nicht. Die Krisenzesten wirken vielleicht immer noch an manchen Stellen revolutionierend auf die Köpfe ein. aber es sind gleichzeitig heute die Zeiten, in denen die Macht der Orga- nifation der Ärbeiterklasse geschwächt wird. Die Gewerkschaften und die politischen Parteien verlieren in der Krisenzeit an Mit- gliedern. Die Gewerkschaften werden finanziell geschwächt und sind nicht entfernt so kampffähig wie in Zeiten des Aufschwunges. Auf der anderen Seite kann nicht mehr davon die Rede sein, Auf- schwungszeiten als Ruheperioden der Arbeiterbewegung zu be- trachten...*. Die erste Folgerung aus dieser Auffassung ist, daß die Arbeiter- klasse kein Interesse an einer Verschärfung oder Verlängerung der Krise hat, sondern in llebereinstimnmng mit dem persönlichen Interesse jedes Arbeitslosen darum ringen muß. d i« K r i s e zu überwinden, auch innerhalb des Fortbestandes des Kapitalis- mus die Wege zu neuem Aufschwung zu ebnen. Die zweite Forde- rung ist, daß die Verteidigung der errungenen Positionen mit größter Zähigkeit das Gebot derStunde ist.» Es fragt sich nun, was wir im einzelnen zu verteidigen haben und an welchen Stellen die Kräfte zu konzentrieren sind. Demokratie und Frieden. Man wird vielleicht erwarten, daß der Wirtschaftsbetrachter hier die Fragen des Reallohnes, der Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik an die Spitze stellen müßte. Aber so wichtig sie sind, der erst« Ps� gebührt ihnen in diesem Augenblick für die Politik der deuffchen Arbeiterklasse nicht. Wenn der Boden erschüttert fft, aus den, sich der Kampf der Arbeiterklasse abspielt, dann wird seine Sicherung die erste Aufgabe. Um den Baden der Demo krakle hat die Arbeiterklasse Jahrzehnte hindurch gekämpft bis zur Verwirklichung der Republik im Jahre ISl«. Aas dem Loden der politischen Demokratie beruht seitdem die Freiheit und das Wachstum der Arbetterorgani- sasionen, auf ihm erwuchsen die Ansätze zu einem neuen Arbeit»- recht, die Fortschritte der Sozialpolitik, vor allem die Arbcitslosenoersicherung. aus dem Loden der politischen Demokratie vollzog sich der Ausbau der öffentlichen Wirsichast, und nu» aus dem voden der polltischen Demokratie kann der vielfältige kamp� am die Demokratisierung der W i r t s ch a s t als Weg zui� Sozialismus vorwärksgetrieben werden. Wenn s a s ch i- st i s ch o Prüfte diese Grundlage bedrohen, so gefährden sie durch die polilisch- Unsicherheit den Weg zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise, sie gefährden aber darüber hinaus alle in Jahrzehnten behattlicher Arbety ausgebauten Organisationen und Einrichtungen der Arbeiterbewegung. Faschismus und Diktatur bedeuten Gewaltanwendung gegen den Geist und die Träger der Arbeiterbewegung. stp bedeuten Willkür gegeu«echt und sie bedeuten Schuh der kapi- talistifchen Privilegien gegen die umgestaltenden Kräfte der sozialistischen Arbeiterbewegung. Das wissen wir aus den Erfahrungen in Italien, in Polen und Südslawien, wir wissen es aber auch aus der Koalition von Gene- *) Vgl. meine Schrift„Konjunktur, Arbeiterklasse und sozia- Htijche Wirtjchaftspolstik*. I. H. W. Dietz Nächst. 1328. S. 9. rälen, Großindustriellen und abgesetzten Fürsten in Deutschland mit de» kleinbürgerlichen Nationalsozialisten, die sich„von Gottes Gnaden* den Tstel einer„Arbeiterpartei" beigelegt haben. Die Demokratie zu verteidigen, mit allen Mitteln der politischen Taktik und der Abwehr von Gewalt durch Gewalt, dos ist die erste Ausgabe, die wir aus dem Jahre 1930 in das neue Jahr zu übernehmen haben. Es ist die beherrschende Ausgabe, um deren Erfüllung willen, wenn es nottut, selbst manche bittere Pille geschluckt werden muß. In engster Verbindung mit der Verteidigung der Demokratie steht die Verteidigung des Friedens, die Verteidigung der Außen- Politik, die auf Verständigung der Völker aufgebaut ist. Wenn die deutsch« Wirtschaft nicht in ihrer besonders scharfen Krise verharren soll, auch wenn in der Welt das Konjunkturbarometer wieder im Steigen sein wird, so darf Deutschland nicht die Atmo- sphare des. Mißtraue,� oerewigen, durch Abkehr von der Politik der Völkerverständigung und ihren Ersatz durch hohe kriegerische Phrasen. Seit 1918 hat die Sozialdemokratie trotz aller Schwierig- gleiten gegen den Revanchcgeist, für die Politik der friedlichen Ver- ständigung gekämpft. Die Sozialdemokratie, nicht seine eigene Partei, war die Stütze der aus Frieden und Freiheit gerich- teten Außenpolitik Stresemanns in den letzten Iahren. Sie muß aus wirtschaftlichen und moralischen Gründen dieses Erbe ver- teidigen. Wir wissen und wir haben es immer wieder betont, daß der Friedensvertrag von Versailles abgeändert werden muß, daß auf dem Wege der Reparationsrege- lung auch der Noung-Plan nur«ine Etappe sein kann. Aber unsere grundsätzliche Kriegsfeindschast, unsere poli- tische Vernunft und die Wahrnehmung der Lebensinteressen der deutschen Gesamtwirtschaft und der Arbeiterklasse im beson- deren zwingen uns gleichermaßen zur aktiven Verteidigung einer auf Völkerverständigung zielenden Außenpolitik. Der Weg zum Anfftieg des deuffchen Volkes führt einzig und allein über dornen- volle und schwierige Zlrbeit an der EinigungEuropas, zu der die deutsch-französische Zusammenarbeit politisch ,rnd ökonomisch der wichtigste Schritt ist. Es widerstrebt meinem Geschmack, in der Frage der Politik des Friedens das ö k o n o n, i s ch e Argument in den Vorder- grund zu stellen. Denn für uns Sozialisten sind die Ziele der Völkerverständigung nicht nur wirtschaftlich sundicrt. Aber wenn man sieht, wie Kreis«, die die Lebensbedingungen der deutschen Wirtschast keimen sollten, wie Industrielle und Bankdirektoren, un- bekümmert politischen Kräften Vorschub leisten, deren nationa- listische Phraseologie allein— selbst wenn es nur beim Maul- aufreißen bleibt— verhängnisvoll wirken muß, so drängt sich doch die Frage auf: Wie denken sich diese„Wirtschaftsführer* den Verlauf der Krise, wenn politisches Mißtrauen den deutsche» Kredit in der Welt untergräbt? Wissen sie nicht, was es bedeuten würde, wenn die Milliarden kurzsristiger ausländischer Kredite, die heute noch in Deutschland arbeiten, abgezogen würden? Glauben sie, daß selbst eine augenblickliche völlige Einstellung der Repara- tionszahlungen das Unheil abwenden würde, daß von solcher Erschütterung ausgehen müßte? Wollen sie die Millionen der Arbeitslosen verdoppeln? Wir wissen nicht, was sich die Be- günstiger eines primitiven Nationalismus denken. Wahrschein- l i ch gar nichts. Aber wir wissen um so mehr, daß es die Auf- gäbe der Arbeiterklasse ist, um Deutschlands Schicksals willen, die Vernunft der Llußenpolitik zu verteidigen und zu er- zwingen. Schuh der Arbeitslosen. Erinnern wir uns des Wortes eines Großindustriellen aus der Zeit der Pariser Poung-Plan-Verhandlungen, als eine schwere Repa- rationskris«.drohte:„Diese Krise kann ich gerade gebrauchen.* Nun haben wir eine Wirtschaftskrise, die aus einem Zusammenwirken von internationalen und natioimlen Faktoren schlimm genug ge- worden ist. Und der Stoß gegen�die Sozialpolitik wird entsprechend geführt. Solange den Arbeitslosen die Wieder- einoliederung in den Wirtschaftsprozeß nicht oerschafft werden kann, ist ihre Versorgung mft einem Mindestmaß an Lebensmöglichkesten die erste soziale Aufgabe, das brennende Interesse der ganzen Arbeiterklasse. Zuerst ging der Kampf um die Arbeitslosenversicherung. Der Angriff wurde, wenn auch nicht mit vollem Erfolg«, so doch im.wesentlichen, abgeschlagen. Aber je langwieriger die Arbeitslosigkeit wird, desto mehr werden Krise nfürsorge und Wohl fahrtsunter st ützungen zu Angelpunkten der Versorgung. Hier droht die Gefahr von den finan- ziellen Röten der Gemeinden. Die Arbeiterklasse muß das System des Zlnfpruchs auf Versorgung durch den Arbeitslosen mit allen Kräften verieidigen. Solange es noch weite Kreise gibt, die in vollem Wohlstand leben, kann das Argument, daß die stencr- liehen Quellen erschöpft sind, nicht anerkannt werden. Wir sind für gcorkinetc Finanzen, wir sind auch siir Sparsamkeit. Aber sparen muß man dort, wo entbehrliche Ausgabe» gemacht werden, nicht an den Arbeitslosen. Die Unterstützung der Arbeitslosen fft unentbehrlich und wichtig. Aber je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto dringlicher wird der Ruf nach Einschaltung einer größeren Zahl durch Ver- kürzung der Arbeitszeit der Beschäftigten. Soeben hat der hambuxgisch« Staat in seinen Betrieben ein neues Bei- spiel dafür gegeben, daß sich manches auf diesem van den Gewerk- schaffen vorgeschlagenen Wege praktisch erreichen läßt. Wie weit soll die Verzweiflung steigen, ehe der gute Wille auch bei den privaten Unternehmern sichtbar wird? Llm den Reallohn. Daß der Lohnabbau die Ueberwindung der Krise nicht erleichtert sondern erschwert, ist unsere ost dargelegte Ueberzeugung. Daß die gewerkschaftliche Organisation nach nicht mächtig genug ist, uin die Senkung der Löhne in der Krise zu verhindern— wenngleich der Grad der Senkung natürlich vom Stand der Organisation jeweilig abhängt—, haben die letzten Monate gezeigt. Die Bcrtetdi- gung des Lohnniveaus und damit des Lebensstandards muß gerade deshalb auf zwei Fronten erkämpft werden. Einmal muß, soweit die Kräfte reichen, der Lohnsenkung Widerstand g e- leistet werden, zweitens aber muß die eingetretene Lohnsenkung nach Möglichkeit durch Druck auf die Preise in ihrer Bedeutung für die Massenkaufkwft gemildert werden. Die Tragikomödie des bisherigen Verlaufs der Preissenkungsaktion der Regierung Brüning kann uns nicht hindern, den Drück vor allem auf die Preise, die durch M o n o p o le künstlich hochgehalten werden, immer wieder zu fordern. Dieser Preisdruck dient bei den Konsuln- waren unmittelbar der Besserung des Reallohnes, bei den Produktionsgütern der Besserung der Beschäftigungsmöglich- keilen. Beides ist gleich wichtig. Der Ausbau der Kartell- und Monopolkontrolle, wie ihn die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in einem Gesetzentwurf fordert, ist deshalb von größter Tragweite. Gleichzeitig bildet aber gerade dicse�Gegenwarts- forderung auch«inen Bestandteil des dauernden Angriffes auf das kapitalistisch« Wirtschaftssystem, denn sie versucht an der Stelle seiner höchsten Entwicklung zum Monopolkapitalismus durch Einschränkung der privatkapitalistischen Verfügungssreiheit der plan- mäßigen gemeinwirtschaftlichcn Regelung der prodnk- tiven Kräfte den Weg zu bahnen. Oer Weg aus der Wirrnis. Wir haben zur Jahreswende hier einen Blick geworfen auf die wichtigsten Aufgaben der Arbeiterpolitik, wie sie aus der schweren Wirffchaftskrise erwachsen. Wir haben gesehen, daß die deutsche Arbeiterklasse, und damit die Gewerkschaften und die Sozialdemo- kratie, in einer großen. Verteidigungsschlacht stehen. Wir wissen, daß der Verteidigungskampf schwerere Anforderungen an die Nerven stellt als der Angriff. Wir haben die Zuversicht, daß mit der Schwere der Aufgabe die Kräfte nur wachsen werden. Denn in unserem Kampfe gehen Verteidigung und Angriff in- einander über. Die Verteidigung gilt nicht der Erhaltung des Be- stehenden, sondern sie ist Durchgang«punkt für die Ueberwindung des Kapitalismus durch den Sozialismus. So fei die Mahnung, mit der unser Heidelberger Genosse Lederer sein« Betrachtung über den„Weg aus der Krise* schließt, auch von uns in das neue Jahr übernommen: „In diesen Wochen liefer Depression dürfen wir den Wut nicht verlleren und nicht die Lesinnung, müssen die kühle Vernunft behalten vnd die Leidenschaft des Willen», denn wir sehen den Weg. den einzigen Weg. der aus der Wirrnis führt." Flickarbeit mit Lteberstunden. Westdeutsches Zementsyndikat notdürftig zusammengekittet Wie der Deutsch« Zementbund mitteilt, konnte bei den Verhandlungen um die Verlängerung des Westdeuffchen Zement- syndikats, die bereits seit Wochen laufen, auch gestern, am letzten Termin, noch keine endgültige Ver Bändigung erzielt werden. Da der bisherig« Vertrag mit Jahresende abläuft, wäre somit das Kartell gesprengt. Um diese letzte Konsequenz aber zu vermeiden, haben sich die Syndikatsmitglieder entschlossen, vorläufig eine Verlängerung des Vertrages bis zum 31. Januar vorzu- nehmen. Bis auf«inen Betrieb halten sich auch die Außenseiter- werke an diesen Beschluß gebunden. Das zähe Ringen um den neuen Syndikatsvertrag zeigt, daß die Syndikatsherrcn in der Zeinent- industrie vor nichts mehr Angst haben als„vor der kartellosen, der schrecklichen Zeit*. In dieser wären allerdings auch die fetten Jahre der bequemen Monopolgewinne endgültig vorüber. LlGA-Außenhandel sKrumpfi zusammen. Die Wirtschaftskrise der Vereinigten Staaten von Amerika prägt sich jetzt auch immer schärfer in der Einengung des Außen- Handels aus. So ging nach den Mitteilungen des ainerikanischen chjandeieamtes die Ausfuhr von Rohstoffen im November auf 90.9 Millionen Dollar gegenüber 144,7 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres zurück. Die Rolsstajf e i n j u h r ist inst 53,2 Millionen Dollar um mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft. Wie stark die Ausfuhr von Fe r t i g fa br i k a t e n durch die Weltkrise beeinflußt wurde, geht daraus hervor, daß diese im November nur noch 115,8 gegen 132,7 Millionen Dollar im Oktober betrug. Der Rückgang gegen November 1329 beträgt hier über 33 Proz. Nicht in dem gleichen Maße, aber doch auch sehr stark fft die Einfuhr von Fertigfabritaten gesunken, die im Berichtsmonar nur noch 50,8 gegen 82,1 Millionen Dollar zm Vorjahr ausmachte. Rin in die Kartoffeln— raus aus die Kartoffeln. Das amerikanische Kupferkartell hat jetzt den Exportpreis wiederum von 10.5 auf 10,8 Cent je Pfund heraufgesetzt. In den letzten sechs Wochen ist das die siebente Preisveränderung, init der das amerikanische Kartell die europäischen Käufer beglückt. Daß es mit dieser letzten Preiserhöhung noch nicht sein Bewenden hat, bewies schon der gestrige Londoner Kupfcrmarkt, der bereits wieder finkendeTendenz zeigte. Wenn also nicht alles täuscht, werden die amerikanischen Kartellmagnaten alsbald wieder eine Revision ihrer Preise vornehmen Müssen. Dieses Auf und Ab und Hin und Her legt in der Tat glänzendes Zeugnis von der Plan- Mäßigkeit kapitalistischer Wirtschaftspolitik ab. Filmfabrikakion bleibt ein gutes Geschäft. Die A.- G. für Filmsabrikation in Berlin, die vom Ufa-Konzern kon- trolliert wird, kann ihre Dividende für das am 30. September ab- geschlossene Geschäftsjahr von 6 auf 8 Proz. heraufsetzen. Der Umsatz ist im Berichtsjahr noch gestiegen. Die wiederum sehr hohen Abschreibungen von rund 143 000 Mark, die fast das Vierfache des ausgewiesenen Reingewinns betragen, werden mst den durch die Einführung des Tonfilms notwendigen Umstellungen begründet., Wohin gehen wir? �SM ein Zahr schwerer Kämpfe. Nie ist es leichter gewesen als jetzt, die Verderblichkeit der kapita- listischen Wirtschaft nachzuweisen, die absolute Notwendigkeit einer organisierten Bedorfswirtschast, also der sozialistischen Wirtschaft. Soweit das deutsche Unternehmertum in seiner Gesamtheit sich heute noch von allgemeinen wirtschaftlichen und nicht von Geschästsinter- elsen leiten läßt, kennt es nicht mehr positive Aufbaupläne, sondern nur die negative Erwägung:„Gegen den Sozialismus." Der deutsche Unternehmer glaubt nicht mehr an der Ueberlegenheit des Kapitalismus, er wird beherrscht von der Furcht vor dem Sozia- lismus. Nirgends tritt das deutlicher zutage als in den Lohn- kämpfen. Die furchtbare Wirtschaftskrise, die über uns herein- gebrochen ist, hat ihre Quelle in dem Mißverhältnis zwischen der produklions- und der Verbrauchs- fähigkeit. Darüber besteht nirgends eine Meinungsverschiedenheit. Auch alle Kreise, die sich von den Forderungen der Unternehmer, nach Lohn- abbqu beeinflussen lassen, begründen ihre„chaltung" mit der Forde- rung nach einer durchgreifenden Preissenkung. Die Unter- nchmer selbst erklären ja, daß sie die Löhne nur senken wollen, weil sie die Selbstkosten und damit die Preise senken möchten, um aus diesem Wege„die Wirtschaft anzukurbeln". Wie man das Problem also auch verkleiden mag, es kommt immer auf die eine Frage hinaus: Wie schafft man Käufer für die ungeheure Masse von Produkten, die man mit dem rationalisierten Produktion«! pparal bei durch- schnittlick) achtstündiger Arbeitszeit erzeugen könnte, wenn dieser Apparat und die gesamte Arbeiterschaft voll beschäftigt wären. Ob man es auf dem Wege der Preissenkung oder der Arbeits- zcitverkürzpng, oder mit beider Hilfe versucht, ob man voranstellt die Erhöhung der Löhne, Preissenkung und Arbeitszeitverkürzung als minder wichtig betrachtet, es kommt im Kern imlner wieder auf die Feststellung hinaus, daß die Gesamtkaufkraft zurückgeblieben ist hinter der Gesamterzeugungsfähigkeit. Es wäre also Sache der Verteidiger des bestehenden Systems, nach einem Ausweg zu suchen. Es gibt keinen anderen Ausweg als die Wiederherstellung des verlorenen Gleichgewichts zwischen Erzeugung und Verbrauch. Die Löhne müßten also— im Interesse des Fortbestandes des kapitalistischen Systems— erhöht, die Arbeitszeit müßte verkürzt werden. In den Vereinigten Staaten, wo man noch an den Kapitalismus glaubt,- gibt es daher nicht nur bürgerliche Theoretiker und Politiker, die die fortgesetzte Erhöhung der Löhne und die Kürzung der Arbeitszeit predigen, sondern auch Praktiker von der wirtschaftlichen Bedeutung eines Ford, die diese Theorie auch anwenden. Freilich bleiben dies« Praktiker auch in Amerika in einer verschwindenden Minder- heit, und. damit wird ihre Praxis unwirksam. Aber wo gibt es in Deutschland unter den Unternehmern«ine solche Minderheit? Mo sind, in DeutsMand �« bürgerlichen Politiker, dse sich für«me Erhöhung der Kähne und..eine Verkürzung. der'ArbeiksMt einsetzen?" her amerikanische Handels-" minister für die Notwendigkeit der Lohnsteigerung zur Ueberwin- dung der Wirtschaftskrise eintritt, betreibt sein deutscher Kollege, Herr Stegerwald, den allgemeinen Lohnabbau. Damit wird die Krise verschärft. Auch wer die Augen vor den Tatsachen verschließt, der wird heute die Verschärfung der Krise durch den Lohnabbau nicht mehr leugnen können. Denn was die Schlichter als Angestellte des Reichsarbeitsministers heute tun, wenn sie die Höhne durch Schiedssprüche kürzen, statt, wie sie müßten, sie zu erhöhen, ist ja nur ein zweiter oder dritter Lohnabbau nach dem mehr oder weniger großen Abbau der übertariflichen Löhne. Nur wo die Arbeiter sozusagen ausnahmslos organisiert sind, hat dieser kalt e L o h n o b b a u im allgemeinen verhindert werden können. Nicht verhindert konnte aber auch da werden, daß die notwendig« weitere Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit zum Stillstand gekommen ist und also auch hier die Krise verschärft wurde. Und nun fällt Schiedsspruch auf Schiedsspruch und verkürzt den Lohn weiter— und damit die Kauffähigkeit. Die Folge diese» Lohnabbaues ist die Entlassung von Arbeitern und Angestellten. d. h.«ine weitere Verringerung der Kaufkraft, eine Erhöhung der Selbstkosten, denn ob Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, ob Reichs- und Gemeindesteuern, ausgebracht müssen die Mittel werden, um die Arbeitslosen irgendwie zu unterstützen. Dies« Politik der Verzweiflung an sich selbst ist eingegeben von der Furcht vor dem Sozialismus. Jede Verkürzung der Arbeitszeit, jede Erhöhung der Löhne sehen die Unternehmer als ein Stück Sozialismus an. Ihre einzige Sorge ist nur noch:„Wie schwächenwirdieSozialdemokrati«, wieschwächen wirdie Gewerkschaften?" Es ist nicht unser« Sache, den Unternehmern gute Ratschläge zu geben, wie sie am besten sich gegen den Sozialismus schützen. Wir wären übrigens nicht Sozialdemokraten, wenn wir an der Heilkraft eines solchen Mittels glaubten. Eines wissen wir aber und können es auch laut aussprechen: der versuch, auf dem Wege des Lohnabbaus die Gewerkschaflen zu schwächen, ist jetzt schon gescheitert. Eine Umfrage bei den Gewerkschaften, wie die Wirtschaftskrise und der Lohnabbau aus ihre Mitgliederzahl gewirkt hat, ergab die zu- nächst überraschende Tatsach«, daß im Jahre 1930 wohl etwa zwei Millionen Arbeiter aus der Produktion ausgeschieden sind, die Mit» gliederzahl der Gewerkschaften sich aber nur un- wesentlich vermindert hat. Im Metallarbeiterverband, wo der Lohnabbau im letzten Vierteljahr mit Hochdruck betrieben wurde, ist gerade während dieses Zeitraums die Mitgtiederzcchl stabil geblieben, während sie während der ersten neun Monate sich nur um einige Tausend oermindert hatte. Man kann daher ohne Uebertreibung sagen, daß der Aalest der freigewerkschafilich Orgauisierlcu bei deu De- schästlgten am 1. üanuat 1931 größer ist als er es am t. Zanuar 1930 war. Gewiß wird die Zahl der Tarife und der tariflich Entlohnten am Jahresschluß nicht unerheblich geringer sein als am Jahresanfang. Doch man kann«s mit Ruhe abwarten, ob diese Aufhebung der tarif- lichen Bindungen sich nachteilig für die Gewerkschaften auswirken wird. Immer noch haben die Gewerkschaften durch den Kampf im Endergebnis gewonnen. Die Unternehmer hoffen allerdings von der politischen Seite die Festigung ihres unmöglich gewordenen Systems. Aber wohin find die politisch noch unreifen Massen gelaufen, die die Wirtschasts- trise aus dem Gleise geworfen hat? Nicht«ine offen kapitalistische Partei hat Zulauf bekommen. Glauben die Unternehmer ernsthaft, daß die große Masse derer, die zunächst zum„nationalen Sozialismus" gelaufen sind, wieder in die kapitalistische Hürde zurückkehren wird, sobald sie erkannt hat, daß dieser„Sozialismus" nur ein Aushängeschild ist, hinter dem sich nichts weiter verbirgt als das Eingeständnis, daß man heute die Massen mit dem Kapitalismus nicht mehr in Bewe- gung bringen kann! Es ist klar, daß die Unternehmer an eine ruhige Entwicklung zu ihren Gunsten nicht mehr glauben. Mit um so größerer Entschlossenheit und Zuversicht wird die Arbeiterschaft den Kämpfen. entgegengehen, die ihrer im Jahre 1931 harren. In den Wirtschaft- lichen Kämpfen sind die freien Gewerkschaften die unerschüttert« Macht, die mit dem gefestigten Glauben an den Sozialismus die Massen der Lohnarbeiter führen wird. Textl'ibarone greifen an. Nochmals 255 000 gelündigf. Chemnitz, 31. Dezember. Wie der Verband von Arbeitgebern der sächsischen Textilindustrie mitteilt, sind von ihm alle abgeschlossenen Tarifverträge für die Arbeiterschaft zum 28. Februar 1931 gekündigt worden. Es werden davon über 200 000 Arbeiter betroffen. Zittau, 31. Dezember. Der Arbeitgeberverband der Textilindustrie O st- sachsens in Zittau hat heute die Arbeiterlohntarif- Verträge für den Bereich der ostsächsischen Textilindustrie zum 28. Fabruar 1031 gekündigt. Von der Kün- digung werden etwa 33 000 Arbeiter betroffen. > Nachdem bereits rund 160 000 Arbeitern und Arbeiterinnen der Textilindustrie' die Tarife gekündigt sind, sind nunmehr 4 0 0 0 0 0 Textilarbeiter vom amtlichen Lohnabbau bedroht. Von den Textilbaronen ist nichts anderes zu erwarten, sind daß das etwas neuartig« Vertrauen der Unternehmer in die. Schlichtung unter Stegerwald gerechtfertigt ist, bedarf weiter keines Beweises. -10'/- Prozent Lohnabbau! Oos nennt tzerr Körittr emeit �(SchitstssptAch". Der Schlichiungsausschuß hat für das Berliner Möbel- tran Sportgewerbe einen Schiedsspruch gefällt, mit dem die Unternehmer zufrieden sein werden. Nach dem Schiedsspruch sollen die Löhne sämtlicher Arbeiter in drei Elappea um etwa 10/4 Proz. abgebaut werden, und zwar für. die Kutscher und ständigen Arbeiter ab 1. Januar von 66 Mark auf 63 Mark, ab 16. März auf 61 Mark und schließlich ob 16. Mai auf 59 Mark. Die unständigen Arbeiter sollen n den gleichen Tagen die Löhne in gleichem pro- zentualen Verhältnis gekürzt werden. Das Lohnabkommen soll bis' zum 30. September 1931 gelten. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 6. Januar. Der Verein Berliner Möbeltransporteure hatte bei den ständigen Arbeiten! sogar einen Lohnabbau von 16% Proz. und bei den un- ständigen Arbeitern einen Lohnabbau von 12 Mark pro Woche gefordert. Wenn der Schlichtungsausschuh dem Antrag der Unter- nehmer nicht in volle m Umfang« nachgekommen ist, einzelne Positionen des Lohntarifoertrages, wie zum Beispiel die Sonder- bezahlung für Geldschranktransporte sowie Büro- und Fabrikumzüge völlig zu streichen und diese Extravergütungen„nur" in dem gleichen Umfange wie die Löhne gekürzt hat, so ist der Schiedsspruch deshalb nicht weniger ein Skandal. Der Schlichtungsausschuß hat sich von den„hohen" Löhnen der Möbellronsportarbeiter düpieren lassen, dabei aber außer acht ge- lassen, daß diese„hohen" Löhne grösttenteils nur auf dem Papier stehen. Von den 660 bis 700 Arbeitern im Berliner Möbeltransportgewerbe sind nur etwa 300 ständige Ar- b e i t e r, der Rest dagegen ist u n st ä n d i g beschäftigt und arbeitet inderWochedurchschnittlichnurzweibisdreiTage. Einen Anspruch auf Erwerbslosen unter st ützung er- werben diese unständigen Arbeiter fast n i e. Aber auch die ständigen Arbeiter müssen mehrmals im Jahre aussetzen, so daß man auch bei ihnen nicht von einem dauernden Wochen- verdienst von 66 Mark reden kann. Schließlich ist das Transportieren von Möbeln oder Geld- schränken eine Arbeit, die' besondere Kräfte erfordert. Die Eni- scheidung des Schlichtungsausschusses ist ohne das geringste Ver- ständnis für die Eigenart des Berufes erfolgt und ein Schlag ins Gesicht der Arbeiterschaft. Die Möbeltransportarbeiter werden sich in einer Volloer- sammlung am 5. Januar mit diesem Produkt des Berliner Schlichtungsausschusses befassen. Lohnabbau verbindlich. 5 Prozent in der Weißhohlqlasindustrie. Dresden, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Das Reichsarbeitsministerium hat den Schiedsspruch für die Weißhohlglasindustrie, der einen Lohnabbau von 3 Prozent vor- sieht, für die Bezirke Sachsen, Lausitz, Schlesien und Brandenburg für verbindlich erklärt. Im Bezirk Thüringen soll in der nächsten Woche noch verhandelt werden: doch ist auch dort mit Verbindlich- keitserklärung zu rechnen. �_ Braunkohlenfchiedsspruch verbindlich. halle, 31. Dezember. Der Reichsarbeitsminister hat den lUehrheilsschiedsspruch für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau für verbindlich erklärk. Es geht auch ohne Lohnabbau. Skala und Plaza schließen Tarifvertrag ab. Seit etwa einem Jahr bemühte sich der G e s a m t o e r b a n d darum, die Lohn- und Arbeitsbedingungen für das technische Personal der beiden Barietäs Skala und Plaza tariflich zu regew. Nach Ueberwindung dieser Schwierigkeiten ist es dieser Organisatio« nunmehr gelungen, zu einem Abschluß mit der Direktion zu kommen. Die Direktion hatte anfänglich die Absicht', einen Lohntarif- vertrag nur abzuschließen, wenn dieser Abschluß mit einer Ver- Minderung der jetzigen Löhne um 6 Mark pro Woche verbunden ist. In erfreulichem Gegensatz zu den meisten Unternehmern ließ sie sich aber davon überzeugen, daß dieser Lohnabbau besonders in der jetzigen Zeit eine Ungerechtigkeit wäre. Sie ver- z i ch t c t e also darauf, die große Lohnabbaumode mitzumachen und vereinbarte mit dem Gesamtoerbond die zur Zeit in beiden Varietes gezahlten Löhne tariflich. Der Lohntarifvertrag gilt bis zum 30. September 193 l. Gleichzeitig wurde ein Manteltarifoertrag abgeschlossen, der neben der Weiterzahlung des Lohnes bei Krankheit und anderen sozialen Bestimmungen dem gesamten technischen Personal einen Anspruch auf Urlaub sichert. Der Manteltarssvertrag läuft bis zum 30. April 1932. Dieser Abschluß der Lohnbewegung, der sich von den meisten Tarifabschlüsscn vorteilhaft abhebt, ist in erster Linie auf das un- ermiidliche und zielklare Wirken des Gesamtverbandes zurllckzu- führen. Das technische Personal der beiden Varietes hat nunmehr die Aufgabe, durch emen noch festeren organisatorischen Zusammen- schluß die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß diese Errungenschaften nicht nur gehalten, sondern im Laufe der Zeit noch verbessert werden können. Vertrauen in den Gchlichtungsausschuß Die Lohnabbauer hoffen auf ihn. Vor einigen Tagen berichteten wir über die Spitzenleistung in Lohnabbauanträgen, die die Berliner Fuhrherrninnung vollbracht hat. Sie fordert« bekanntlich einen Lohnabbau für die Arbeiter des Schwer- und Leichtfuhrgewerbes zwischen 12 und 42 Proz. Nach heftigen Auseinandersetzungen in den ersten Verhandlungen erklärten die Fuhrherren, daß sie noch einmal in einem kleinen Kreis« zusammenkommen und dann dem Gesamt- verband mittellen wollen, ob sie den Schlichtungsausschuß anrufen oder überhaupt einen Tarifvertrag mehr abschließen werden. Durch die Einladung des Schlichtungsausschusses zu Vorverhand- lunaen für das Schwer- und Leichtfuhrgewerbe am 7. Januar erfuhr die Organisation erst, daß die Fuhrunternehmer den Schlichtungs- ausschuß um Hilfe angerufen haben. Ele erwarten wahrscheinlich von ihm eine ähnliche Entscheidung wie im Möbeltransportgewerbe. In einem Rundschreiben macht der Vorstand der Fuhrherrn- innung seine Mitglieder aber auf den Ablauf des Lohiüarif- Vertrages am 1. Januar aufmerksam und empfiehlt ihnen, b e- triebliche Vereinbarungen über die Bezahlung der Arbeiter zu treffen. Offenbar als Richtlinie für diese Verein- barungen sind dem Rundschrerben die Lohnabbauforderun. gen beigefügt' worden. Der Gesamtverhand hat seine Mitglieder angewiesen, unter Hin- weis M die bwsrstehxndey� �lichtungsveich�lunzen jede de- trieblich« B>r h'a nb'lumV. abzKt.«hn7« n" und felffc" Verschlechterung der b ish er igen Entloh nung anzuerkennen. Die Mitglieder werden weiter aufgefordert, sofort die Organisation zu benachrichtigen und gegebenenfalls d i e A r b« i t einzustellen, wenn einzelne Fuhrunternehmer diktatorisch die jetzigen Löhne herabsetzen wollen. * Der verband Berliner Spediteure hat das Lohnabkommen für die Speditionsarbeiter, zum 15. Januar gekündigt. Obwohl in dein Kündigungsschreiben eine Begründung für diesen Schritt nicht ent- halten ist, steht außer Zweifel, daß auch die Spediteure in die Lohn- abbaufront einschwenken wollen. Verhandlungen sind bis jetzt noch nicht festgesetzt worden._ Neujahrswünsche der Ltniernehmer. 31 Tarifkünöigungen an einem Tag. Wie uns vom Gau Berlin-Brandenburg des Bundes der technischen Angestellten und Beamten mitgeteilt wird, sind gestern, den 31. Dezember, nicht weniger als 31 T a r i f k ü n d i» g u n g e n der Unternehmer eingetroffen, die sich sowohl aus Berlin wie auch aus die Provinz Brandenburg erstrecken. 31 auf einen Tag! Aber Klassenkampf gibt es nicht. Und die Störer des sozialen Friedens sind natürlich die Gewerkschaften und die verfluchte Sozialdemokratie. Schiedsspruch im sächsischen Kohlenbergbau. Die Verhandlungen der Schlichterkammer im sächsischen Stein- kohlenbergbau haben zu folgendem Schiedsspruch geführt: Di« Lohn- Ordnung für den sächsischen Steinkohlenbergbau vom 1. Januar 1929 wird über den 31. Dezember 1930 hinaus mit der Maßgabe ver- längert, daß die Grundlöhne um sechs Prozent herab» gesetzt werden. In demselben Ausmaß verringert sich apch der Durchschnittslohn des Vollhauers. 6 Prozent in Remscheid. Die Gewerkschaften der Eisen- und Metallindustrie von Rem- scheid und Umgebung hatten am 16. d. M. einen Schiedsspruch, der eine siebenprozentige Lohnsenkung vorsah, abgelebt t, worauf der Arb e itgeberocrband die.V e r b i n dl i ch k ett s- erklärung beantragt. Es fanden jetzt Verhandlungen ror dem staatlichen Schlichter statt, die zu einer freien VereinZarunz geführthaben, wonach vom 1. Januar 1931 ab die Böhne um g Proz. gesenkt werden. Das neue Abkommen. gilt zunächst bis. zum 30. Juni 1931. Ferner kam es zu einer freien Vereinbarung über die Neuregelung der Nebenabkommen sowie die Verlängerung des Arbeitszeitabkommens bis Ende Juni 1931. tftreie Gewerkschafts-Lugend Verlin Heute Iugendoorstellun« der Volksbtihue, 15 Uhr, im Theater am Blllowplah.«arten sind an der Kasse noch zu haben.— ffeciloa �unktionärsshuna der Gruppe SO., Gemerlschaftshauo, Zimmer 2«. .�uaendorupve dessZenlralverbondeS Ver Anaesiettten Südwest: Inacndlicim Yorckftr. 11(2. Hob Lucrgebäud« 1 Treppe, Zimmer 5). Mit Sinaiana und«tinaklana ins neue 3ahr.— Rorden: Iupenhheiqx Lorhingstr. lg. Wir besuchen hie Bersammiung des Werbebeziri». Winter ★ Garren* 8" Uhr.— Zentrum 2819.— Rauchen erlaubt Heiite4u.ii.8" Premiere GROSSES TÄQl.SuHk. «Öl Godonas» Lillian Leitzel 5 Songs* 8 Snperb's» Breker's Bärenschau usw. Codonas und leffzel 1 i elnmalld in der wcli»■ Singspiel in trielen Bildern. Owm. Spira, Hansen, I.leskc, Wallbnrg, Arno, Janknhn, Panl ll&rblger, l«ns, Sehaoflcrs, Winhelstcrn. Bolls, Dem), Starb- Gstet tenbaner. Original Tiroler BatsebentAnscr, Original Tiroler Jodlerlnnen-tinlntett,{ Hnsik-Trlo ans Sebllorsee. | Jazs-Ban«!/ GlVls n. Bors I Grosso Ctaftre. Der Zeit entsprecliond sind, trots des I riesigen Andranges.«Dg» g/ er | die Kassen preise u m JL9/ 0 »ntissigt. Heute; Beginn 7 Uhr Sonntag O I C fca m Originalbeselzong Nadbmittag«5 UP 181 Billige Preise ß&J&e: Neues Theater —~ am Zoo- SraBahnh-Zoo. StpL 655« Täglich 8V- Uhr Oer pr. Lach erfolg I ÖOiÖO aas otfentiiche Aergsrnis Preise I bis 8 M. Heute 3 Uhr Caspars Vanderkablnett ElifeSänücr Kottbusser Str. 6 F.8. Oberb.6070 Tägl Si/i Uhr Sonntags i»td 3lä Uhr .Das macht uns keiner nacb' im SnhpW Ciaire waidoni UiöiB. inniBigii Pmul ROSE TH EATE R 1 Grats Frankfurter Strafe 132 1 BfflHfloust: Alei 3422 a.34»a Itifi tueta ü-B»Iio: Striu4ber8.Pliti Täglich 8>/4 Uhr: Die Dollarprinsessln I Sonnabends auch 7 und 1 0;, J | Sonntags auch 2� 5� o. 9Ubr j Voranzeige l { Ab O.Januar jed. Dienst., Mlttw., Donnsrtt. u. Freit. S jsUhr wieder FaDllicn-Nacbmittagc| Aufgeführt wird ggZw&ngseinqaartienmg44 | Preise von-30 Pf. bis 1.50 M] Programm u.Gard er. je lOPf, Kaffee mit Kuchen, Bier mit j Salzbrot je 30 Pf. | Verireig. t Konzs-Dir. Wolff o. Sachs| | NcneAalAd.Friedridi-WilhelmfUlkivcrsUlig Kaiser- I | Franz-Joseph-Platz 2 Somiaber.dg 10. Jan., U.; j FnJr. Kiene DIOIITESSORI Die soziale Stettung'des Kindes | Kart. b. Bote S Bode n. Wertheim I > wo süMgt Ran DM UM millD? eross-"Berlin Alcxandarplatc Aisw»D Plscator-Bflhne (Wallner- Theater) Alex. 4502-93. SVt Täglich 8-/4 Neujahr 3'b u. 8-/4 U. Hond von links Preise 0.50-0.00 M. Täglich 8V4 Uhr Mamsell iUtomve Operette von Heive Tilliuan, Malbert. Jöken Lustspieinaus Hurt Götz Täglich 8Vj Uhr Vom Lieben und Lachen MsrlWete Tägljch 8-/4 Sensationeller Cperettenerfoig! Viktoria undihrHusar Philtiarmonlc 7-/, Uhr KOIIZERT d.Philharmon.Orch. Dir. Prol. J. Prüwer Eintritt I M. Thealer im Ädmiraispalast■ | Heute Uhr:[ Edgar Wallacel Au! denl JUERGEN5 Aloxanderplatz Neu« Könlg8tri43 'KlMMP Restairanf Berlins! BETRIEB A% KEMPIHSKIVj Reichshallen»Theater inte Hadiiittag rVTl nnil Abeuds|T| Uhr Stettiner Sönger Das oroBe lanuar-Progr.I Nachm. ermäBigle Preise: Dönhoff- Brettl: Das grohe nene Jan oor- Progr a m m! Arnold Schol. U-Bahn Hermannplatr Hasenheide 108-14 Täglich Gr. Bockbierfest TANZ in den bayr. Alpen 7 Kapellen- Neue Dekorationen Bayr. Bedienung Einlaß 4 Uhr Anfang 5 Uhr uSnd™oÄ Großer Alpenball REKLAMEBALL Sonnabend. d. 24 Januar 1931 im Zoo Theater, Lichtspiele usw. Donnerst, 1. 1. Stasts-Oper Unter d. Linden 122. A.-V. W Uhr Dur Rosbb- kavaller Ernte 23 Uhr Staals-Qper km Wi dir RasiUIL 107. IL-S. IS-A Uhr Louise OiflMß.Iarianitiit Ende 23 Uhr Donnerst, I, 1 staut. Oper Bismarckstr. Turnus I» 19 Uhr Hinsei n. arewi DM Fuppentea Ende Jl-b Uhr Staat). (an Cimlinmuuiltl. 105 A.-V. 20 Uhr Godiäti Cotttrit- dimvon Berlidiingen BittoeiMmeaHaml Ende g. 23-/» Uhr Oeatsdies THeaier 8 Uhr !M.iMMKUVM7»voR England — 30 Uhr von Fem Erecltgsr NORA. Regie: Beim Hilgert Tljl Ii. 5 u, 8' jUbr— BS Barb. 9256 Naohm. M Pf, bis 3 M. abends 1-6 M Heute Premiere: | Zum L. Male in Europa!| Benteil u.Gould Tanzende Xylophonlsten Llme-Trio Amerik. contors. Akt Carl Schaefers Revue nf\ kleinst. KOnsUsr O W crBBtee Klus, n.w, TolHsbUhne Ibeater in Mlow pleti. 3 Uhr Mississippi 8 Uhr: Die Defraudanten Staat!. Sdiiiler-Tti. 8 Uhn Nora Theater am schtttaauerdamm 8-/4 Uhr Die Quadratur des Kreises Kammersplele 8-/4 Uhr; Juies utiette uüan von Tristan Bemaid Rtglt: Hm Otw PLAZa Tlgl.« i Eis Sonnt.2,S u.ß» | Als*. E 4 8088 I. Vorstellung 60 Pf. bis 1 M II. und III. Vorst. 1 bis S M FR ATE LI. I N I-Trio Max, GIro, Guetavo nevr. 'UhT CASINO-THEATER">» Loihrindcr Strafte 37. Nenl Neu! Qjederleute nd das neue Januarprogramm! Dr die Leser Gutschein 1—4 Personen. Fauieuil|Ä Sessel 1.75 M jnstige Pr.: Parkett 75 Pf.. Rang 60 Pt. Die Komödie 8-/4 Uhr Die Fee tou Franz Moloar Regit: Stefan Ho Hl Saroowsly-Sfllioen Ttrain u der streinnagDstr. 8-/4 Uhr Qastspiel Ein idealer Gatte mit Harr; Liedtke Komddl.nh.u. 8-/4 Uhr Cocktail von rollnotller aBmatzky DerlinerTheaL 8-/4 Uhr Eüsabetli Bergeer in ffre. ebenere Ende Tanzkapellen: Osjo. BelA mit seinen 25 Jazz- Solisten, Otto Herrn onpb, Fred Bird n. a. m (7 Kapellen. 7 B e o b s t e 1 n f I fi g e 1) j rigl. 2«ot..- t«b Weiaesoamm 3840 lüSaJTüE 3SK-.:,i5_0K- Heute Galapremiere! Voktündlg neue Attraktlanen! ISVorsitiiangen; l1!», 5•- fflitl Theater am Stfiinhauerdamm Norden 5813 u. 0281 Täglich 8-/4 Uht Die Quadratur des Kreises Lustspiel v. Katajew mit: Rörttr, Lfflja. Bah- maan. Um, Liugen, Preise von 1—12 M Komiscne Oper 8-8 Uhr Reppina ' Operette von JLobgxt Stolz. Kleines rneai. Töglich 8Vi Uhr: Öfcr gr Lacherfolg vsr mustergatte Schwank In 3 Akten ntetropoi-Tiieater Täglich 8-/4 Uhr schön ist nie ureit Operette von Lehar RiMTaubtr.Gitti llpar. ZMiuljoft. Rose-Theater ar.FnioklDrt8rSlr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 5,45 und 9 Uhr Deuisehes Känsller-Theai. Barbarossa 3937. Sl/4 Uhr Zum goldenen Anker mit Kaue uorsm SiiHnab.iiiiilSIg.iUhr: Emilu diu Detektive Renaissance- 1 Dealer Steinplatz 6780 8"» Uhr MuB die Kuh milch geben? mit Aibef! Bassermann Sonntag, 4. Jan. 3.30 Uhr Vonntersudiung Kleine Preise 0. MAI-2.AUGUST Abteilung A: Internationale Ausstellung für Städtebau und Wohnungswesen verbunden mit Abteilung B: Das Bauwerk unserer Zeit Abteilung C: Die Wohnung unserer Zeit Abteilung D: Das neue Bauen Abteilung E: Landwirtschaft!. Bauwesen Abteilung F; Garagen- Ausstellung Alle weiteren Auskünfte durch die Geschäftsstelle der Deutschen BauausfteMung, Berlin-Charlotten- bürg 9, Königin-Elisabefhstr. 22. Auch starke Figuren finden bei uns eine große Auswahl in s Ken Abteilungen. Kcnrwwuz/i/L Saji djOJYAjJt vSw Siz rvuldcv- fot�icuLb becLLe�v&yi D.e beliebten Hpenden! 2. B für die »amen:„keitlc'i Pr üciia-MamSeln"- Pralinen—(die große Originalpackung) u.a.m. illr die Herren: ein Komp eller„Perlr IX- L-niMS HP", Zigaretten„Haus BerlmniKl- Broadway* und den hapsüer�sdiea Fe*i- aimamacll. gestiftet ron der Kirir.a W. BUeasteln, Berlin 3W 48. üeberraschungen verschiedener Art! Ol« SaaMekoratlcian•in« kOnstlerlsche Höchstleistung Saalkarten 8.— RM. erhältlich im Festbüro, Unter den Linden 59a bei Wertheim. Tiefz, Invalidendank, U. d, L. 24, Bote& Bock, Leipziger Str. 37 u. Tajuenlzienstr. 7b, im Zoo, Budapester Str. 9. Logenk.>2.— u. 15.— RM. nur im Festbüro(Platzk. 2.— RM. nur , im Zoo, Budapester Str. 9— Karlenausweis 1) DAS GROSSE WOHLTÄTI6KEITS-KOSTÜMFEST FCr die insprucHsrollstsn Ballbesiictier._ Keine Toiaboia! Keine Soaderautgaben! Kein Kostümzwang! Eigenheime SÄ»« am - Bahnhof Onkel Toms Hütte in der Groß-Siedlung Zehlendorf- Mitte zu günstigen Erwerbsbedingungen mit 3 oder 4 Zimmern, Kammer, glasgedeckter Veranda, KQcfae, Bad, Waschküche, Keller- und Bodenraum, Haus- und Ziergarten. i BaokOro am U-Bahnhof In der RtemeUtenfraie anHer Sonnabends, Sonntags Gaststätte Rosentiiaier Ml Anmeldung/ Beslditlgnngt Wochentag# 13 bis 17 Uhr, 14 bis 16 Uhr. Anfragen sind zu richten; GenieiDs&tzige ReMIMar- nnfl»n-MMMM BstliQ SO 16. KöpenitoStr. 80-82. Tel.: Janoowiti E7 Ki86 Inhaber; Max Hundert N 24, Elsasser StraBc 88—88:: Am Kosenihaler Platz Empfehle meine neu eingerichteten Räume Anerkannt vorzügliche Küche üutgeptlegte Getränke Berliner Kindl MolSe 25 Pfennig MQndiener Psdioirbrao Pilsener Drqoell Behaglicher Aufenthalt uerHäute SiBoIcnm, SjiDot, Kolonicftt.fl: Hisidungsstochs. ui&scna usw. m PREUSSISCHE LANDESPFANDBRIEF- ANSTALT Berlin W 8 Frankfurt/M. Essen MQnchen Zum Anlagetermin empfehlen wir unsere reichsmündelslcheren Goldmark-Pfandbriefe u. Komm.-Obüsationen zur hochverzinslichen Kapitalsanlage Von ftnaalicten tneniggefrasene und neue Iackettamüqe. Gmotingansüne, ffrndonjliqe, Bauch. ansäge, Ulfict, P«. letots. jede STigut passend, Herren.'und ?amenueUe enorm billig. Leibbaus isriedrichlkaße 2, HalleschesTor Steine Lamdardware. Wenig geirageue Itavaliergarderobe van Millionaren. iler,ten.«nmälten. iTadelbaft billige Preise. Empseble Taillenmäntel.Pale. lots, ssracks. Gmo- kings. Gebr�an. ettae. Hofen. Spaet,. ®ebnelje. Gelegen. bcitsföufe in neuer Garderobe. Weite. sler Wea lobnend. Lotbriiiaerstroüe 5S, 1 Treppe. Rose». tbaler Dl-K' rngm» Mabagani» Schlas, immer, schwere Verardei- tung. Anlleide- schrank. 18» Zenti- me;»r. mit Innen. spiegel, entillckende j?e!lieetoiletle. kam- Plett 87» M. Moritz Sirschowitz. nur Südosten, Skalitzer- steatze ZZ. Hochbahn Ziottbnsser Tor. Gediegene Möbel iu, anerkannt bis. ligen Preisen sin- den Sie im Möbel» bans Osten. An- dreasstratze 30. gc. genübet Markthalle. Uimuqsbalbcr: 3 Bettstellen mit Patent-Böden, Waschtoilette, Iink- wanne, Waschtopf billig. Raoo, Lützomstratze IS. Rielenansroabl! Wichtig für Uder. mann. Täglich werden verlauft; guterbaltene Kleidersvinden. Pertikos 24,—, Bett» stelle» 22,—, Ilur. schränke. Waschtoi. leiten 24,—, Ehaise. longues 24,—, kiom- moden 19,—, Bücher» svinden. schreib» tische 32.—. Bükktts 75,—. Trnmeaus 29.—. Etanduhren 68.—. Grotze Bus» wohl in Klubsessel», Flügeln. Pianos. 30» Teppiche. Kü- cheneinrichtnngen Z,—. Riesenaus. Linkptano«. wohl, alles fpott. Überaus preiswert billig. SveiseHm�Pianpsabrik Link. mer, gulerbolten. Drunnenstraße 3Z' komplett 225.—,!----- Herrenzimmer, fast P;anos— Flügel. neu. kompl. 22?,—. Riefenlager. Bech. Sveisejlimmer.wenig stein. Blütbner gebraucht. Brei. Eteinwan. Cchwech. Meter-Büfett. kam» ten. Talonvianos plett 590.-. Schlas. 275.-. 390.—. 425.—. iiiinmer, fabrikneu, gebrauchte Abend- komplett 268.—, roth. Potsdamer- Wobnsalon. wenig stiake 74 benutzt, 195.—. Au musiK- insirumenia iHauigesuctie Iabugebiss«, P!ati»gbfulle. 284- Sinn. Blei, Queck- silber.Silberschmelse Goldschmelserei Cbristiongt. Lope. nickerstrasie 39. Haltestelle Adalbert- stratze.' I üa:epr!cttt| tike Möbel, darunter Biedermeier-, Ba- rock, und andere Stilmöbel, sowie komplettes Bieder. meier, immer ivott- billig. 10» Küchen, entzückende Modelle. Gebrauchte 48,—. Staegardts Möbel- u. Lombardspeicher, Prenzlauerstr. sechs, Ecke Linienstrasie. am Prenzlauer Tor. Strabenbahnlinien 1. 2. 60. 61, 62. 71. 72. 73, 74. 174. Autobus 8, 12. 14, 30. Ilntergrundbabn Schönhauser Tor.- Küchen 120-00. Weitzsack- schränke 45,00. Sab- lungscrlcitb'erung. Kainerling. Kastg» nUnatttt 56. 20«,—, 300,—, 350—, ge- Krauchte Klaviere, neue preiswert. Teilzablung. Lierer. Briuzenstratze neunzig._ Zunger Engländer unterrichtet Eng- lisch, besteurpfoblen. Schnellmetbode, Stunde 0.50..Lgst. L. 7392", Rudolf Blosse, Königstr. 19. Bereins-Zimmer mit Klavier zu per» geben. Bier-Quelle Tempo, Paul-Ein» get-Slraftc iL* WSsctigreien Pianos 120.—, 130—.175,—, 420,—, gebraucht,_____„■»- I______ grobe Auswahl.in! bereAbendlehrgänge Deuische und Raöow» kaufmänlllsche Pri- oatsckule, W. und Dr. A.Rackow, W;i- helmstrabe 49, nahe Leipzigerstrabe: Tauentzienstrabe 1: AleranderplatzöO.- Januar beginnen Vierteijgbres-.Salb- iahres- und Jahres- Lehrgänge zur Aus- bildung in Buchital- iungs-, Korrespoii- denz- bzw. Sekreta- riatsarbeiten oder für allaemeineBüro- tätigkeit.— Wabl- freieEinzelfächer für Erwachsene. Beson-i Bäscherei. Kubasch, Köpenick. Grünauerstrabe 4Z sTelephoh L 4 0587). wünscht allen seinen Stunden und Genes. sen ein gesundes neues Jahr. Stube und Stü'e an Mobubercchtiete gegen Abstand alzu- geben. Große ssmuk» urterstr.84.-orir C neuen, langiäbrige Olarantie. üerer, Brunnenstrabe lSl, eine Treppe, Rosen- tbaler Platz. Teil- Zahlung. Tlertnarüt{ Kanarienbähne 6 Mark an verkauft Q'remba, Melchior- straße 30. ausländischeSprach� lehrer. Jeder Ehe!. zieht Bewerber mrl Svrachkenntnissen vor! Drum lern» Sprachen>n der Berlitz Schoo!. Lr;p- ziger Strabe 11». Kurfürsten» dämm 26s. Einzel- lintereichh Zirkel Preisabbau: 1»"In. |_niietgtsüs!ie"|| P�rteiaenosse furfu* füc Anw na Isnuar gut ms- dliertcs Zimmer, Osten oder östliche Vororte. Offerten unter Ä 1 � die Erpedition des „Vorwärts". CM-FsbriK sucht zur Vergrö- Berungdes Abseuzes am doiiieen flaize lüchti e Mitarbeiter Nur schrifii Werbe- ätigkeit, bei garantiert Einkommen mit 153 M. Gehalt. Bewe- bürgen erbet ,n Postfach 2S4 .Braunschweig B lt Er. 1* 48 Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 4. Januar 4934 Die ffiemegtmgsregie in der Oper Sine Umfrage Das Problem der Bemegungsregie, d. h. der einheitlichen rhythmischen Gestaltung des bemegten Szenenbildes, ist eins der roicktigsten im gegenwärtiäen Entwicklungsstadium der Oper. Von seiner Lösung mird die Zukunft des musikalischen Bühnenkunst' werkes zum großen Teil abhängen. Wir haben eine Anzahl prominenter Opernpraktiker und Tanzfachleute eingeladen, ihre Meinung über dieses Problem kundzutun, und veröffentlichen heute die Acußerungcn von Rudolf von Laban, dem Ballettmeister der Staatsoper, Dr. Kurt Singer, dem Intendanten der Städtischen Oper, und Lizzie Mo udrik, der Balletfmeisterin der Städtischen Oper. Weitere Beiträge folgen demnächst, Teuilletonredaktion des„Vorwärts". ffiudolf mn£aban: Weder das Schauipiel noch das Bühnentanzwerk stellen so vielseitige Anforderungen an die Bewegungsgestol- tung wie die Oper. Neben die. mehr oder wenige? realistische Bewegtheit des Schauspielers und über die rhythmisierte Bewegungsstilisierung des Tänzers hinaus gibt es hier noch ein drittes: die Bewegung des Sängers mit ihren technischen Notwendigkeiten und Grenzen und noch ein viertes: den dieser Kunstgattung eigenen Stil der bewegten Raumform, die sich der Musik und dem Ge- sang mit seinem textlichen Inhalt anpassen muß. Der Opernrcgisseur muß demnach ein vollendeter Bewegungsregifleur sein, der die eben erwähnten Be- wegungsarten nicht nur beherrscht, sondern auch takisicher auseinanderzuhalten versteht. Ein großer Irrtum der jüng- sten Zeit ist die Meinung, daß man der Oper oder dem Theater überhaupt irgendeinen festen Dewegungsstil geben kann, der dann für alle Zeiten und Gelegenheiten paßt. Einer will das bewegte Theater und läßt die Darsteller mehr oder weniger tänzerisch herumsausen und gestikulieren. ein anderer verachtet diese Quecksilbrigkeit und schwört auf das Statuarische, während ein dritter Natürlichkeit und All- tagsgebärde vorzieht. Aber in fast zeder theatralischen Dar- bietung und ganz besonders in der Oper sind alle diese Momente vereint und treten in einem merkwürbigen Wechsolrhythmus innerhalb des Werkes auf. Das Wesen des Bewegungsgeschehens in der Oper ist durch diesen Wech'selrhychmus geradezu charakterisiert. Schon rein uirizerHch gesehen wird die musikalisch ge- führte Phantasiebegabung meist neben der pantomimischen Geste und dem rein rhythmischen Schritt stehen. Und zwar nicht nur in eingegliederten Tanzszenen, sondern im Spiel der Sänger selber. Das pantomische Spiel ist aber auch wieder gegliedert. Einfachste— sagen wir natürliche— Darstellung gleitet oft plötzlich unter dem Einfluß der Ge- sühlswelle der Musik in ganz naturferne, geometrijch-abstrakte Symboltk hinüber und folgt dann der Emotionswelle des Werkes in wetteren ähnlichen Brüchen und Wandlungen. Man könnte von hier aus eine Gesetzmäßigkeit der Opernbewegung zu ergründen trachten, müßte aber tatsäch- lich dabei den weiteftgespannten Maßstab anlegen, den weder die Tanzkenntnis noch aber die theatralische Mimik oder sonst irgendeine wissenschaftliche oder künstlerische Bewegungsforschung voll zu erfassen pflegt. Es wäre unter anderem auch noch an die Vielfalt der darstellerischen Gruppenbewegung oder Massenbewegung zu denken, die in der Oper eine besondere Note und Aufgabe hat, und die irgendwie mit dem Aufbau und der Dynamik, der orchestralen Begleitung zwangsläufig parallel geht. Der Opernregisseur muß u. a. auch mehr vom Maler und Plastike? in sich haben, als der Schauspiclregisseur. Die Wellen, Formen und Farben der Dekorationen find hier viel abhängiger, d. h. inniger verbunden mit der Musik und vor allem mit der Bewegung. Diese fast willkürlich herausgegriffenen, der Praxis ab- gelauschten Streiflichter zeigen schon, daß der Opernregisseur ein ungeheures Blickfeld rhythmischer Formen beherrschen sollte..Es gibt besondere Regiebegabungen mit solch an- geborener umfassender Bewegungsphantasie. Es sind das Bewegungsmenschea i« einem tieferen Sinne und geborene Opernregisseure. Der häufigste Ausgangspunkt der Opernregie von der Musik oder der schauspielerischen Darstellung her wird nie befriedigen können. Auch vom Tanz her kann man nur die in der Oper enthaltenen tänzerischen Momente— wenn auch im weitesten Sinne— bewältigen. Die Bewegung ist in der Oper ein zen- l r a l e s E le m e n t. Man kann sie nicht einmal als sekundär neben der Musik empfinden, sonst wäre die Musik eben keine Opernmusik, sondern ein selbständiges Gebllde. Opernmusik verlangt nach sichtbarer Bewegung, ähnlich wie die Tanzmusik. Da es aber in dieser Verbundenheit, zu der auch noch der mehr oder minder starke Zusammenhang mit dem Text kommt, da diese Amalgamierung und Wechsel- Wirkung wieder tausend Nuancen aufweist, in denen mal das eine mal das andere oder gar das dritte und vierte, das bitd- hafte Element vorherrscht, darf der Opernregisseur nicht etwa bloß bewegungsbesessen sein, sondern er muß seine Be- wegungseinfälle auch noch in zartester oder tollster Weise dosieren können. Kurzum, es ist eine eigene Begabung, ein besonderer Beruf, in deren Zentrum aber jene eigenartige Bowegungsintuition steht, die hier flüchtig auszudeuten versucht wird. In Musik, dramatischer Handlung, Wort und Bild wird den guten Opernrcgisseur vor allein das Motorische im höheren Sinne ansprechen. Diesen rhythmisch ab- laufenden Formenakkvrd wird er zu gestallen versuchen. Mir einem Wort: der gute Opernregisseur ist vor allem Bewegungsregisseur. Xissie WLa Krisen überall find modern. Ueber die Opernkrise wird — wer weiß wie lange schon— orakelt.— Die letzten Dinge der Bewegungsregie zu erörtern kann hier gerade so wenig versucht werden, wie darzulegen, von welch eminenter Be- deutung eine befriedigende Lösung des Bewegungsproblems für die Existenz der Oper ist.— Es mutz das den Berufenen überlassen werden; mir fei nur gestattet, kurz festzustellen, daß ein Großteil unseres Unbefriedigtseins, das uns angesichts so mancher Opernaufführung erfaßt, zurückzuführen sein mag auf die Diskrepanz zwischen dem musikalischen Gehalt der Komposition und dem gegenständlichen Geschehen, mit dem sie verflochten ist. Die Präponderanz dieses musikalischen Geholtes hat das Feingefühl für den gegenständlichen Hintergrund in der Tat einschlummern lassen, eine Tatsache, die selbstver- ständlich da am deutlichsten in die Erscheinung tritt, wo sich Wesen und Wesenloses berührt, mischt, um das Kunstwerk der Oper auszumachen, am Sänger. Der Sänger singt.— Mit diesem Satz hat man die Auf- gäbe des Sängers festgelegt und— verkannt. Man muß spitzfindig werden und fragen, was denn das Primäre sei, der Ton oder der Mensch, und zwar der bewegte Mensch, der nicht nur Brustkorb und Kehlkopf zu betätigen hat, sondern der zu allererst von einem Gefühl ergriffen sein muß, das zur Aeußerung drängt, zu Aeuherungen aller Art, von denen der Ton nur eine darstellt. hier wird viel gesündigt; ich greife ein ganz banales Beispiel heraus: Der innige Zusammenhang zwischen Kapellmeister und Sänger darf während der Aufführung in keinem Augenblick unterbrochen werden.— Selbstverständlich. Aber selbst die kühnsten Regisseure machen sich scheinbar selten Gedanken darüber, zu welch grotesken Folgen die Ueberspitzung dieser Forderung führt. Das Einsatzzeichen des Dirigenten sehen zu können ist neben der Rücksichtnahme auf die Stimmbildung doch häufig der einzige Gesichtspunkt, unter dem sich der Sänger auf der Bühne bewegt. Muß es denn wirklich fest- 3Dr. 3lurl Singet*: Man sollte annehmen, daß in einer Zeit, die der sport- lichen Ertüchtigung des Körpers so viel Zeit und Gelegenheit bt?tet, auch auf der Bühne die Erfolge eines solchen Trainings ZU fühlen wären. Aber das, was im privaten Leben bei Män»cim und Frauen 1930 fast eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt auf der Bühne sine Ausnabme. Dabei ist die Bewe- Fungsreg�. der Massen und der einzelnen auf der Operitbühne »iuc ablosute Forderung des Tages. uttd die gitten Regisseure lernen hier von der Tanzregie aus Gesetze für die Lockerung und B« Möglichkeit der Ehöre imd der Solisten. Die Ausgabe ist nicht leicht, da durch den Gesang und die Sprache die Ablenkung vom Körperlichen aus das Seelische und Musikantischc stark ist und weil die Mimik des Singenden Hemmungen für die Bewegung des Körpers auferlegt. Wirtlich lebendiges Operntheater ober kann nur erwachsen aus einem Zufanunenklingeu von musikalischem Ausdruck, beseelter Sprache und nicht minder beseelter körperlicher Gebärde, hier liegt die Schwierigkeit nicht nur in der• Schwerfälligteil der sportlich nicht gescheuten Darsteller. Mdoc» auch tu der Mnßksprache selbst. Das Temperwwmt. I diktierew das durch die italienische Musik etwa bedingt ist, muß im Körperausdruck gedämpft und sublimiert werden, damit es uns in Deutschland nicht als überschüssig und dadurch gesähr- lich erscheint/ Bei der Wagnerschen Musik ist sowohl durch die Vorschriften des Meisters in bezug auf szenische und dar- stellerische Leistung der Willkür des einzelnen ein Riegel vor- geschoben, sondern auch das Pathos des Gesamtlunstwerks Wagners erlaubt gar nicht ein Zuviel der Bewegungen der Körper und Arme. Würde man hier mit den Mitteln der modernen Bewegungsregie Wirkungen erzielen wollen, die neu sind, so würde das Neue nicht mehr stilvoll und schön wirken. Am sichersten und wirkungsvollsten trifft der moderne Regisseur die Loslösung der einzelnen und der Gruppen von der Starrheit früherer Zeiten in der modernen Oper. d. h. in einer, die aus dem Schauspielerischen heraus szenische Effekte und lebendige Darstellung erstrebt. In den letzten Iahren ist sehr viel Arbeit, gesunde und fruchtbare, auf das dekorative Element in der Oper verwandt worden. Die nächste Zukunft wird dem Opern- r e g! s s e u r als m e s c n t! i ch st e Ausgabe die B e- genagelt werden, wie geradezu katastrophal es ist, wenn der Sänger in den Augenblicken des höchstgesteigerten Gefühls- ausdruckes die Kette seines Agierens, die allein ihn doch mit dem Gegenständlichen verbindet, zerreißt» um nach dem Dirigenten zu schielen und auf den Einsatz zu warten?! Ist es denn wirklich wahr, daß der Sänger die dauernde Hilfestellung des Dirigenten nötig hat?— Ist er denn kein musikalisch gebildeter Mensch, der die Partitur kennt, und dem das Orchester und die Partie seines Mitspielers etwas sagen?— Ich stelle die Tänzerinnen daneben, die wahr- hastig keine musikalische Fachausbildung haben: ihnen sind Einsatz- und Vortragszeichen unbekannt, und der Zusammen- fall von Ton und Schritt ist auch bei dem kompliziertesten Tanz nicht weniger korrekt, als beim Sänger zwischen ihm und dem Orchester. Aber ich weiß, wie jeder Eingeweihte, daß hier Bequemlichkeit und leider auch lleberheblichkeil ein entscheidendes Wort mitsprechen.—„Wer ein Organ hat wie ich. der hat den anderen Kram nicht nötig. Dem Publikum genügt's, wenn ich finge." Nein, ich finde, wer so denkt, der bleibe in Gottes Namen im Konzertsaal! Zur Oper gehört mehr als eine gute Stimme, oder unsere Bühne wird zur Schmiere, der das Publikum das Kina vorzieht. Man überschätze meine Schärfe nicht! Im Gegenteil, ick? kann auch von anderem berichten, denn der Verfechtung dieser Forderungen waren in meinem engen Wirkungsbereich bereits Erfolge deschieden, auf die stolz zu sein ich offen ein- gestehe. Wie stets: die Größten machten den Anfang. Ich nenne Maria Müller, die es als erste auf sich genommen hat. Ausdrucks- und Bewegungskunst systematisch aufbauend zu pflegen. Es war eine der schönsten Aufgaben, der ich mich je unterzogen habe, mit dieser Künstlerin im intensivsten Studium zusammen zu arbeiten, und ich brauche nur an ihre „Elisabeth" in der Tannhäuseraufführung unserer Städtischen Oper zu erinnern, um der Zustimmung aller, die sie gesehen haben, gewiß zu sein, daß auf diesem Tätigkeitsgebiet noch viele wertvolle Arbeit zu leisten ist. Oder ich verweise aus L. h o s m a n n als„Ionny": bis der singende und tanzende Nigger so„saß", wie er sich auf der Szene präsentierte, war viel ernste Klein- und Spezialarbeit, vor allem aber die Initiative nötig, bei der Lösung der Frage— wie bewege ich mich richtig?— etwas tiefer zu schürfen. Mehr sei hier nicht gesagt: vor allem des überragend wichtigen, heute fast noch ganz brachliegenden Gebietes der richtigen, d. h. disferenzierkeu Bewegung des Chores konnte bei der Enge des Raumes hier nicht gedacht werden. Jedenfalls, soviel steht fest, daß sich die Einsicht in die Bedeutung der Pflege der Bewegungsregie i n d e r O p e r ü b e r a l l d u r ch s s tz t; es ist zu wünschen, daß vor allem die Regisseure hieraus energisch die Konse- g Uenzen ziehen, und die llnbekümmercheit des zumeist ge- botenen, oft recht primitiven Bewegungsaufbaues durch ein sauber ausgearbeitetes Spiel des Ehores ersetzen, so daß dem Beschauer eine geregelte Belegung nicht stets nur von der Tanzgruppe geboten wird.— Ich persönlich sehe eine Lc-ung der Frage nur in eine? engere n Z u s a m nt e n■ w e g u n g s r c g i e der einzelnen und der Massen! a r b e i l des Bswegungsregisfeurs mit d e m [jcmcilisc |ca Spielleiter. Warcella: Seit Sonnenaufgang hatten die zwei Männer schon gegen dreißig Tonnen Sand verwaschen, als sie zu arbeiten aufhörten. EI« warfen ihr Gerät zu Boden, nahmen die wenigen Pepiten, die auf dem Grund der Schleuse lagen, taten sie zu den anderen in ihrem Lederbeutel und machten sich aus den Weg, der zu ihrer Hütte führte. Man hörte nur das Tosen des Nukuk, des großen grünlichen Flusses, den der Frost bald auf Monate versteinern würde.... Rund hemm nichts als Schnee und unendliche Einsamkeit. Sie gelangten zur Hütte, die von der Rückseite wie em Schnee- Hügel aussah. Sie waren müde und hungrig, nahmen aber zuerst die Teilimg des Goldes vor. Die Pepiten wurden gewogen, dann abgeschätzt, nach festen Regeln, die von der Quelle bis zur Mündung des Bukou gellen. Jeder der beiden tat seinen Anteil Gold in den Ledergürtel, den er trug und sing dann an, sich um die Fütterung der Hunde zu kümmern, die vor Hunger winselten und bellten. Die Männer paßten aus, daß jedes Tier feine Ration bekam, incht mehr und nicht weniger, indem sie die Schwächeren durch Peitschenhiebe verteidigten Dann gingen sie in die Hütte zurück und dachten nun endlich an den eigenen Hunger und die eigene Müdigkeit. Sie aßen langsam, ein Stück geräucherten Lachs und Schifszwieback, ohne zu sprechen, zündeten dann die Pfeife an und setzten sich ans Feuer, das soll dem Marge» brannte. Es waren Mäwier von fünfu'nddreißig bis vierzig Jahren, schweigsam und rauh. Vor drei Jahren hatten sie sich zufällig in Dawson kennengelernt. Da jeder ungefähr das gleiche Kapital hatte, hatten sie gemeinsam eine Konzession am'Kukuk erworben, und seit drei Jahren wohnten sie zusammen in der Hütte, die sie mll eigenen Händen erbaut hatten, da, wo sich der Sand als ergiebig erwiesen. Sie wußten so gut wie gar nichts voneinander: den Namen, das Vaterland, kaum mehr. Sie sprachen fast nie, hatten dazu keinen Anlaß und keine Lust. Tagsüber war die Arbeit schwer, und abends rauchten sie ihre Pfeife am Feuer, um sich dann müde auf ihr Lager zu werfen, lu tiefem, schwerem Schlaf, bis der Tag graut«. An jenem We»d jagt« einer der beiden, nachdem er eine Zeit. lang schweigend ins Feuer gestarrt hotte: „Weißt du, daß heute der letzte Tag de, Jahres ist? Ich habe es eben ausgerechnet.'" „So...* sagt« der andere gedehnt, und dann schwiegen sie wieder. „Was meinst du,!wenn wir ein Spiel machten?" Kartei, spielen? Acr andere dachte nach. Es wäre das erstemal. Alle 14 Tage ging einchr von ihnen abwechselnd nach Ruppert Eich, 40 Stunden Schlittenftchrt südwärts und kam erst zurück, wenn Spiel, Whisky und Wciibor alles Gold verschlungen hatten, das er bei sich trug. Aber hier, in der Hütt«? Zusammen hatten sie nie gespielt. Hier war der Ort, wo man arbeitete, wo man der Erde das Gold entriß. Hier gab es weder Alkohol, noch Spiel, noch Weiber... Aber heute war der letzte Tag im Jahr... „Na, gut", entschied er endlich, nahm die Waage und stellte sie auf den Tisch. Die beiden setzten sich einander gegenüber, zogen aus ihren Gürtolli ein Häufchen Pepiten und wogen den ersten Einsatz ab. Es war ein primitives, dummes Glücksspiel, wie es Kinder spielen, die sich langweilen. Nach«Imger Zeit stand der jüngore der beiden auf, nahm aus der nunmehr leer gewordenen Tasche des Gürtels einen Schlüssel und öffnete damit die eiserne Kassette, die unter seinem Lager stand. Er nahm daraus eine Handvoll Münzen und legte sie auf den Tisch. Dann spiellen sie weiter, aufmerksam, ernst, schweigsam. Nur einmal fragte der Aeller«:„Wollen wir aufhören?" Aber der andere schüttelte den Kopf. Als auch die Kassette leer war. zog er aus einer Brieftasche, die er auf der Brust trug, einen Stoß Papiergeld. Nach einiger Zeit fragte der Aellere noch einmal:„Wollen wir aufhören?" Wieder schüttelte der andere den Kopf und fetzte die letzten Dollarnoten. Er schien ruhig, aber sein« Hände zitterten. Cr verlor wieder. Beide schwiegen. Dann sagte der Aeller«:„Gehen wir schlafen, es ist schon spät" und blickte aus seino alle Uhr.„Schon eins." Damit packte er das gewonnene Geld zusammen. Der ander« sah ihm zu und sagt« dann: „Ich setzte meinen Anteil an der Konzession gegen dies alles"— und seine Handbewegung deutete auf das Häufchen Pepiten, das Papiergeld und die Münzen. „Alles auf einmal?" « .La.* Der Aektere dachte ein wenig nach.„Und wenn du verlierst?" Der andere machte eine unbestimmte Bewegung und fragte seinerseits:„Ist es dir recht?" Ein längeres Schweigen. Der Aeller« rechnete. Endlich antwortete er: „Also gut..." und sie gaben einander die Hand. Ez ging um mehr als 100 000 Dollar. In dem niedrigen Raum, den ein« flackernde Laterne notdürftig beleuchtet«, hörte man eine Zeitlang nichts als das Rascheln der Karten. Plötztich stand der Jüngere auf, fluchte, schob die Pfeife in den Mund und warf sie dann mll einem Ausdruck des Widerwillens auf den Tisch. Er sah einen Augenblick um sicki, wie ein verfolgtes Tier. Ferne wilde Instinkte wurden in ihm wach... Sic gehörte ihm nicht mehr, diese unendliche in Schnee und Einsamkeit gefaßte Ebene, in deren Eingeweiden das Geld versteckt lag, das Haus war nicht mehr sein, das seine Hände hotten bauen helfen. Unter dem machsamen, kalten Blick des Gefährten zitterte er krampshaft. von dumpfer Wut geschüttell. Langsam, mit plumpen, unsicheren Be- wegungen, fing er an, die auf seinem Lager liegenden Felle zu- sammcnzurollen. Die eiserne Kassette betrachtete er unschlüssig: „Willst du sie kaufen?" fragte er endlich„Sie ist mir zu schwer, und, wer weih, wie lange ich keine brauchen werde..." Der Aellere besah die Kassette genau, prüfte die Festigkeit der Wände und des Schlosses und antwortete: „Gut. ich nehnie sie... für 100 Dollar." Der Jüngere rechnete nach. In San Franziska hatte er 10 Dollar dafür bezahll. Hier war alles zehnmal soviel wert. Der Preis war also richttg, nicht zuviel und nicht zu wenig. Er nahm das Geld, das der andere ijjni reichte, tat es in den Gürtel und fuhr fort, seine Sachen zusammenzupacken. Aufmerksam und kalt folgte sein Gefährte seder seiner Bewegungen- „Willst du gleich weg?" fragte er nach einiger Zeit. „Ja, die beiden Welfon brechen übermorgen bei Tagesanbruch auf. Vor 14 Tagen suchten sie einen Träger mit Schlitten. Für den Anfang wär' das nicht schlecht...' „Da hast du recht. Denn ist es besser, du gehst gleich." Worte und Stimme waren ruhig, aber die Blick« spähten argwöhnisch und feindlich. Sie zogen die Pelz« an und gingen hinaus. Die Luft war schneidend kalt. Di« Hunde schliefen in ihren Schneehütten und wurden nill Pellschenhieben herausgetrieben. Man spannte die fünf, die dem Scheidenden gehörten, vor den schon belodenen Schlitten. Aber der Leithund war unruhig, wollte sicki nicht anschirren lassen. Beide Männer beugten sich über ihn, dicht nebeneinander. In dem 'Augenblick zuckte der Schein einer Klinge durch das Dunkel, blitz- schnell. Aber der, der Im Spiele gewonnen hatte, war die ganze Nacht über aus seiner Hut gewesen und hatte jede Bewegung des Gefährten belauert. Im Nu ergriff er den erhobenen Arm und wand ihn gewaltsam. Die Hand, die die Waffe hioll, öffnete sie und der Dolch fiel auf den gefrorenen Schnee. „Feiner Griff", sagte der Jüngere und rieb sich den 2lrm.„Wo hast du den gelernt?" „Das ist japanisch... Domll geht es nie fehl. In New York Hab ich es gelernt, vor vielen Iahren..." Und damit beugte er sich wieder zu dem Hund«, diesmal, ohne sich um den Gefährten zu kümmern. Der würde nicht wieder an- sangen, das wußte er. Jetzt war alles fertig. Der Schlitten bepackt, die Hunde angespannt. .Hast du nichts vergessen?" „Nichts." „Also, dann: Lebwohl und viel Glück..." „Viel Glück, adieu." Ohne Haß, ohne Bitterkeit, ohne Sympathie drückten sie einander die Hand. Dami ließ der, der abfuhr, die PeUfche durch die Luft pfeifen und rief den Hunden zu:„Vorwärts." Ehe die Schncewälle sie versteckten, wendete er sich noch«in letztes Mal nach der Hütte um, in der er drei Jahre gelebt hatte. Der Zurückbleibende rief von neuem:„Viel Glüi." Dann ging er langsam in die Hütte zurück, schloß sorgsam die Tür, warf sich aufs Lager und verfiel sofort in tiefein Schlaf. Inzwischen saust« der Schlitten über den gefrorenen Schnee. Und der Mann, der ihn lenkte, dachte, daß er vielleicht in 40 Stunden in Rupper-CUy fein konnte und so noch Zeit haben würde, einen guten Teil seiner 100 Dollar in Whisky auszugeben, ehe er weller nach Norden fuhr. EwtoriRert« lleberfetuuq au» de« ZtaNenilche» von Oda Serda-OIdemO ssruimtogei: SUveflere Di« letzt« Stunde eines lebensmüden Jahres. Elf Schläge der Uhr, beachteter als fönst, füllten Karl Perys Arbeitszimmer mll leise verzllterndem Klang, und wieder tickte die gleichgülttge Monotonie des Pendels: Sinn— los. Sinn— los. Sinn— los.. .Lächerlich sinnlos!" riß nach einer Weile Dr. Pery sich aus der Troftlosigkell erinnerungsgequällsr Gedankenfetzcn frei.„Wüßte man wenigstens, ob eine Piftolenkugel tatsächlich das Ende bedeutet — aber nicht einmal das kann man mit dieser albernen Vernunft- funzel erkennen!" Höhnisch und bitter musterte er die Bücherreihen seiner Bibliothek. Tausende von Bänden, in denen er viele Jahr« kostbar« Jahr«„die Wahrheit", Deutung und Sinn seines Lebens gesucht hatte. Bi» er fchliehlich, ausgebrannt von Fiebern frucht- kosen Denkens, merkte, daß aus ihnen nur der Widerspruch stalle Wahnsinn einer verpfuschten Well ihm«nigegengrinsie. Da hörte er auf, nach dem Sinn seines Lebens zu grübeln, allmählich glitt er hinab in die freudeleercn Tiefen eines nutzlosen Daseins. Heiß war es im Zimmer. Pery schaltete die Heizung aus und öffnete ein Fenster. Etliche Betrunkene gröhllen schon ihre verfrühten Alkoholekstasen in die Nacht. In jähem Entschluß fuhr Pery in die Stadt. Teilnahmslos beobachtend schlenderte er durch das Prost-Neu- fahrl-Lärmen m den Straßen. Im Wartesaal des Hauptbahichofs kaufte er Zigaretten. Als er ans den Querbahnsteig trat, bat ihn«in heruntergekommener Mensch um Feuer für seinen Zigareitenstummel. Pery wunderte sich, daß man«in so winziges Zigaretteirr estchen noch anzündet und daß jener Mensch so traurig« Augen Halle, als würde mit feiner Seele der Tragödie letzter Akt gespielt. Darum fragte er, Selbstironie gab seiner Stimme einen fast feindseligen Klang.„Sie sind wohl auch nicht in der erforderlichen Neujahrsstimnrung?" Lich habe Hunger!" antwortete der Obdachlose, Pery gab ihm Geld und entfloh verwlrr!, hastig den verblüfften Dankesworten des andere ir. Hunger. Und Dr. Karl Pery trank in einer Bar, zwischen den Pot- ponrris«iner JazzkapeiSe, eine Flasche Schwedenpansch.-- Als er am nächsten Morgen mit dumpsschmerzendem Schädel erwachte, erinnerte er sich noch an Bruchstücke eines Traumes, den der Alkohol durch seinen Schlaf gehetzt hatte. Ein Traum, wie die nieisten. erfüllt von bizarren Bildern, hinter denen eine Vernunft sich verbirgt: Unheimlich hoch wölbt« sich eine gewaltige Halle, durchsnmmt von rotgelben Lichtern, und von der Kuppel herab rieselle hilslos« Angst und schlich bang durch die törichte Leer« der Halle. Dann waren unfaßbar plötzlich zahllose Menschen da. Uiunög- lich viele. Fremdartige Gewänder serner Länder oder längst verflossener Jahrhunderte. Würde war ihr weihevolles Schweigen. Auf einmal wußte Pery, daß jene Leute die geist- und sprach- gewaltigen Denker aller Völler und Zellen waren, die großen, weit- weisen Priester der Philosophie. Manche erkannt« er nun wieder. Dann begannen sie zu reden. Von der Wahrheit sprachen sie, von Sinn und Wert des Lebens und von den höchsten Gütern. Anfangs war sehr gut ihren hehren Worten zu laufchen. Aber jeder von ihnen wüßt« ein« ander« Wahrheit. Und fo singen sie an, miteinander zu streiten... Bis zuletzt der Lärm eines Irrenhauses durch die hohe Hall« tobte, die Kuppel bog sich vor Lachen, und andauernd verlosch das Licht. Die Philosophen aber prügelten sich und sprachen von/ Sinn und von der Wahrhell... Plötzlich zerstob die erschütternde Lächerlächkell, alles Acht verlosch. Irgendwo fern in der Nacht rief eine Stimme:„Ich h.abt Hunger!" .Hunger!" echote schaurig dir Kuppel... Der Jtame des Roten Meere». Das Rote Mee? hieß bei den Römern Am bischer Meerbusen, bei den Griechen Erythraisches Meer. Da' die Wasserfarbe blaugrau ist. erscheint es immerhin ausfällig. daß man ihm den Namen Roiss Meer gezeb«» hat. Vielleicht rührt dies« Nams von dem rötlichen Schimmer her, den feine Obersläche zeitweise infolge Massen« nttolcklung einer kleinen Alz« annimmt. Eine andere Erlläruna lellel ihn von dem„Roten Land" her. der arabischen Bezeichnung für Libyen und Arabien im Gegensatz zu dam �Schwarzen Land", de« WtUmh. ä)er Sßergmann von 3alun Selifame Qefchichte des tllals 9fraelsfon Die Geschichte des schwedischen Bergmanns Mats Israel sson ist oerichiedentlich in die Welllllerarur eingegangen: Friedrich Rückert Hot sie in der„Goldenen Hochzeit" behouKelt, Hoffmann, Oehl- schläger, die Italienerin Mancini haben dos Thema vorgenommen; sie hat den Text zu einer früher sehr bekannten Oper geliefert, zu Holstins„Elis und Valborg". Noch im Jahre 1887 hat sich der Berliner Schriftsteller Dr. Georg Friedmann mit den Schicksalen de» Schweden besaßt in der Schrift:„Die Bearbeitungen der Geschichie von dem Bergmann von Falun." Folun ist ein bekanntes Bergwerksftädtchen in Dalarna(Schweden). Es gibt dort Kupfergruben, die früher sehr ergiebig und weltberühmt waren. Di« Männer von Falun arbelleten in diesen Gruben, selbst- verständlich auch der junge Mals Ifraelsson. Der schöne, lieben?- würdige Mats war mit einer Nachbarstochter verlobt; die beiden waren glücklich und warteten ungeduldig auf die nahe Hochzeit. Es war im Jahre 1670. Wenige Tag« vor der Hochzell fuhr Mats ollein in den Stolleu ein. Der junge Bergmann weilte noch in den Gruben, als ein Erdrutsch eintrat, der den Zugang zum Stollen völlig verschüttet«. Man war damals noch nicht so weit, den Der- schütteten retten zu können; man mußte ihn seinem Schicksal über- lassen. Mats kam nicht wieder zum Vorschein. Man trauert« um ihn; nur seine Braut erklärte immer wieder, sie wisse bestimm«, daß sie ihren Mais noch einmal wiedersehen würde. Fünfzig Jahre waren sell diesem Unglückstag vergangen. Es war im Jahr« 1720, als man im Faluner Bergwerk einen Durchstich machte und einen allen Schacht auspumpte. Die Bergleute betraten den allen Schacht, und sie blieben wie erstarrt stehen: da, an der Wand, lehnte sitzend«in Mann, in B«rgmamis- Ueidung, der scheinbar vor einer kurzen Zell eingeschlafen war. Erst bei naher Betrachtung sah man, daß man es mll einem Toten zu tun hatte, dessen Körper ganz frisch und so gut erhallen war, wie der eines lebendigen Menschen mll weicher Haut und mit gesunden Farben. Die seltsame Kunde verbreitete sich schnell. Bon fern und nah strömten die Menschen herbei, das Phänomen zu sehen. Niemand erkannte den seltsamen Toten. Bis ein altes Mütterchen herbeigehumpelt kam. Schluchzend sank die all« Frau an der Leiche zusammen. Ei« hatte den Toten erkannt. Es war Mats Jsraelsfon, ihr Verlob!er. der vor sünsziz Jahren verschüttet worden war. Ihr Glaube hatte sie nicht betrogen: sie hatte ihn wiedergesehen. Namhafte Gelehrte, darunter der berühmt« Naturforscher Linnö, hatten damals den Körper des Mals Jsraelsfon genau untersucht und in vielen Abhandlungen beschrieben. Das Vitriolwasser. das die olle Grub« gefüllt, hatte den Körper des Bergmanns völlig konserviert, und«r sah— nachdem er fünfzig Jahre tat war— noch genau so gesund und jugendlich aus wi« damals, als» ln die Grube stieg. Mau legte den Körper in einen Glassarg. und man wallsahrtete zu diesem gläsernen Sarg, der jahrzehntelang als eine der größten Sehenswürdigkeiten Schwedens galt. Es dauert« sast dreißig Jahre, ehe die Leiche so vermoderte, daß man sie in der Kirche von Kopperberg beisetzen u rußte. Bei der Restaurierung dieser Kirche, im Jahre 1860, wurden die Gebein« Mats Jftaelssons in «ine Kiste gelegt und beiseite gestellt. Erst jetzt, nach 260 Iahren. wurden sie" auf dem Friedhof von Falun zur ewigen Ruhe be- stattet._■__.~ St F. Xcinr.&emmer: �tClifahVSfVCUdß Nicht nach den trivialen kleinen Freuden des Lebens sehnte sich Sin Song, die hatte er nie gekannt und dazu war es auch viel zu spät. Wenn man 90 Jahre all und ein armer Chinese ist, der sohr- aus jahrein keinen Tag und keinen Quadratmeter Raum für sich ge- habt, sehnt man sich nach Ruh« und der Liebe der Menschen. Nun begann sie endlich sich zu regen. Man hatte gesammell, ein mildtätiger Verein das seine getan und heille, am Neusah rstag, würde es ihm geschenkt werden, das Haus. Ein Hau», für sich ganz allein, in dem es nichts als Ruhe und Frieden geben wird, das Haus der Ewigkell— Sin Songs Sarg. Bald wird er nicht mehr für die andern sich rackern und plagen müssen. Die Well wird sich jetzt um ihn kümmern. Sein« Kinder und Kindeskinder und Geschwisterkinder werden zu ihm hinaus- pilgern In hellen Scharen, ihm Speisen darbieten von den besten, ihn anrufen und sürbitten, zarte Wort« der Liebe zu ihm herabflüstern. in sein Haus, wo er der ewigen Ruh« pflegen wird: Sin Songs Sarg. Als aber nach einem ungewöhnlich üppigen Neujahrsmale von Hirsedrei und in Sesamöl gebackenen Kuchen wirklich ein großes Möbel hereingetragen wurde, das vier Mann kaum zu schleppen vermochten, stieß Sin trotz allen Wissens einen Schrei der Heber- raschung aus. Was man da brachte, war der große schöne Sarg vom Laden, den er so oft sehnsüchtig bewandert hatte, wie ein kleines Mädchen eine Schauftnsterpuppe. Wie solide und komfortabel war doch das Haus der Ewigkeit. Seine dürren Finger glitten zärtlich über die eingekerbten Wellen und Tränen der Freude kollerten über seine pergamentenen Wangen: so ergriffen war er. Ist es möglich: er, das kleinst« Partikelchen Menschheit, wird ein allgemein ver- ehrter, wohlbestallter Ahne werden, dem Ehren und Titel zufließen, auf den der künstig« Glanz seines Vaterlandes zurückstrahlt, der über den Dingen dieser Erd« wallet. Es war der Freude zu viel: Der Greis fiel in seinen Stuhl zurück. Schwer sank der blei-he Kürbiskopf auf seine welk« Brust Er war in Schlaf verfallen, den ewigen Schlaf. Nur die Augen sahen noch wach und wonnig hinüber nach dem Hans, das«r gleich beziehen sollte, dem Haus der Ewig- leit: Sin Songs Sarg.— Wann erfc/tien das erfle Jinrsbudi? In den Kindheitstagen der Eisenbahn konnte man nirgend; ersehen, wann die Züge an ihrem Bestiminungcort zu erwarten waren. Die erste Dampseisenbahn von wirtschaftlicher Bedeutimg, die zwischen Liverpool und Manchester verkehrte und 1826 genehmigt wurde, gab ein Kursbuch erst im Jahre 1839 heraus. Es war ein dünnes Heft, das die Fahrten in.stanze" und„kurze" eütteille, je nachdem sie über 40 Kilometer hinausgingen oder darunter blieben, die kurzen Strecken begannen schon mll 10 Kilometer. Im Jahre 1841 schloß die Gesellschaft mll einem Gastwirt aus der Hallestelle Swindon einen Berttag auf 99 Jahre, der sie verpflichtete, alle Züge mit Reisenden auf dieser Station 10 Minuten hallen zu lassen. Ms beim Aufschwung des Verkehrs die ungewöhnlich lange Hallezell an dem kleinen Ort ausgegeben werden mußt«, hatte die Gesellschaft dem Bahnhosswllt 2 Millionen Mark als Entschädigung zu zahlen. Wie das„Buchhändler-Börsenblatt" im Anschluß an dies« Erinnerungen mitteilt, erscheint„Hendschels Telegraph" fest 1847. das„Reichs-Kurcbuch" ist«ms dem 1850 zuerst erschienenen amtlichen Fahrplanbuch der preußischen Poswermaltung hervorgegangen. Das ällcske Parlmneat auf dem«itrvpäisthen Festland ist der Schwedische Reichstag, der als Ständevertretung zum erst«, Mole 1435, ots» vor uohezit 300 Iohr«», zusammentrat. SMer Siweflerabend... (Sm ungewöhnlich«, fast bedrückende Stille beherrscht« in diesem Sah* die?lb endstunden vor der Silvesternacht. Keine Arbeit, kein 060», fetm Stimmung. Am Vormittag stärkerer Andrang auf die Lager der Lebens- mittel, der Glückwunschkarten und der kleinen Scherzartikel. Dann eckt olles heimwärts, die Hausfrau mit vollein Einkaufsnetz, die Jungens im glücklichen Besitz von Knalls rö schen und Raketen. Den Nachmittag über kiegt beinahe seiertägliche Stille über Berlin. Es wird dimkel. aber immer noch setzt kein richtiges Leben ein. linentwegl und unverdrossen stehen die Strastenhändler und warten «Iis Käufer, aber es will nichts Rechtes werden. Geschäfts- schluß. Der Strom der Angestellten belebt das Stratzenblld. Die ersten Knallfrösche stiegen in die Lust. Vergnügt tummeln sich einige Jungen in den Straften. Sie sind vielleicht noch die einzigen, die das unbesthmnt« Gefühl einer übermütigen Freude besitzen. Sie singen und rnfen Prosit Neujahr, dies zu einer Stunde, wo der Zeiger der llhr noch einen dreistündigen Marsch zurückzulegen hat. Später füllen sich dann die Verkehrsmittel mit festtäglich Gekleideten, die, in der Hand die Tüte mit dem kostümhaften Kopfputz dem Silvestervergnügen zustreben. In den Gaststätten dröhnt und hämmert und quäv die Musik den Menschen Stimmung in die OHku und Frohsinn ins bedrückte Gemüt. Es beginnt die Polonäse der Zaungäste, der Sprechchor der Straßenhändler schwillt zum Fortisfmw. Stimmung formt sich, kläglich gewaltsam, um in den späten Nachtstunden in fröhlichem Silvestertmbei ihren Abschluß zu finden. Oer Tote vom Werbellinsee. Man weiß noch gor nichts.- Oer Schädel wird untersucht. Der schauerlicho teichenfund om werbelllnsee ist noch völlig unaufgeklärt. Wie der„vorwärks" bc- rkchkekr. vcrmulel man. daß der junge Mann, vermullich ein Student, einem Derbrechen zum Opfer gefallen ist. Krimi na Itommisiar Q u o o s vom Berliner Polizeipräsidium, der mit der Untersuchung betraut war. ist am Mttlwoch von Lichterselde nach Berlin zurückgekehrt. Er brachte den Schädel des Toten mit und übergab ihn zur Untersuchung dem Pros. Müller» Herz vom Institut für gerichtliche Medizin. Es soll festgestellt werden, ob die Schußverletzung am Hinterkopf eine Ein- oder Ausschußöffnung ist. Daraus würde man entsprechende Schlüsse ziehen können, ob der Unbekannte sich selbst tötete oder hinterrückts erschossen wurde. Trotz aller Nachforschungen ist sS noch nickst gelungen, die Person des Toten festzustellen. Für Mllteilungen aus dem Publikum, die hier- über Aufklärung geben können, ist jetzt ein« Belohnung von stM M. ausgesetzt. Unter den Verschwundenen, die der Vermißten- zentral« des Polizeipräsidiums gemeldet worden sind, befindet sich kein Mann, besten Beschreibung auf den in Lichterseide gefundenen paßt. Zlnch Ermittlungen in Mecklenburg sind erfolglos ver- laufen. Sie wurden angestellt, weil in der Krawatte des Toten eine mecklenburgisch« Finna verzeichnet stand. Ob der Unbekannt« ein Berliner war oder aus d«r Provinz stammte, ist gleichfalls noch eine ungelöst« Frag-._ Falsche Anwürfe gegen Bahnpolizei. Kein« Verhasiung der A-amten. Braunschweig. 31. Dezember. Zu der Aeitungsmeldung aus Braunschweig über die Verhaftung des angeblichen Anstifters der zahlreichen Brcuwjchweiger Eisen- bahnattentote wird uns von zuständiger Stelle mi geteilt, daft es sich hier mn eine Sache handelt, die mindestens schon acht Tag-.'> zurückliegt. Von verschiedenen Seiten waren, wahrscheinlich aus politischen Gründen, gegen einige Beamte des Halberstädier Bahn- I schütze z Vorwürfe er hoben worden, sie seien selbst die Urheber dieser Attentate. Diese so Beschuldigten wurden doraufs nach Braun- schweig ins Polizeipräsidium gebeten, von einer verhaslnng kannte leine Sed« sein, da die Beschuldigungen nicht mit der geringsten Begründung belegt waren. Die Beamten wurden von der Braun- schweige? Polizei wieder entlassen, da sich die Haltlosigkeit dieser Beschuldigungen herausstellte. In der letzten Ausgabe des„A b e n d' hatten wir eine Meldung verösfentlicht, die besagt«, der Leiter der Braunschwciger Bahn- polizei sei als Urheber der Attentate entlarvt und verhaftet worden. Nach der Klarstellung der Vorgänge bedauern wir es außerordent- lich, einer Falschmeldung zum Opfer gefallen zu sein. DienffmbisZum am Aoflzei'tungsamt. Der Leiter des Postzeitungsamtes, Herr Oberpostdirektor Krause, begeht am 2. Januar 1931 sein-tOjähriges Dienst» j n b l l ä u m. Oberpostdircktor Krause leitet das Postzeitungsamt seit 7 Jahren. Wir übermitteln dem verdienten Direktor, mit dem auch der„Vorwärts"-Aerlag stets auf das beste zusaniinengearbellet hat. unsere besten Glückwünsch«. Unter seiner Leitung hat sich das Postzeitungsamt den verschiedensten Wünschen und An- regungen der Verleger niemals engstirnig verschlossen. „Silvefler-Wahrsags- G.m.b.H. „Magnetische Einfühlung" für �5 Pfennig.- Die mißglückten Zwillinge. Berlin ist um«in neues Gewerbe reicher.— Ein Silvester- g c w erbe allerdings, ganz einschlägig auf die Tageskonjunktur eingestellt. Es gibt in Berlin jeit etwa einer Woche so etwas wie«ine „S i l v« st e r w a h r s a g«- G. m. b. H.*, bestehend aus drei Damen schon reiferen Allers, die sich geschworen haben, vom jrühen Morgen bis in die späte Nacht untenvegs zu sein, um die Einheimischen über ihre persönlichen Erlebnisse im kommenden Jahr« schon vorzeitig aufzuklären— gegen entsprechende Barzahlung natürlich. Seit fünf Tagen sind sie unterwegs— und man sollle es nicht glauben, aber die Damen bestätigen«s einem persönlich: auch die skeptischen, schnoddrig-aufgeklärten Berliner haben abergläubisch« Komplexe. Sin Blick tostet 45 Pfennig. Am Oranienburger Tor, um die Mittagszeit, lernte ich vor ein paar Togen die originelle Siloestersirma kennen. Ein solid« und gemütlich aussehendes Müllerchen, das mir bereits vorher aufge- fallen war, weil es sämtliche Passanten ansprach, trat auf mich zu und murmelte:„Lasten Sie sich einmal fest in die Augen sehen... Ich gebe Ihnen wahrheitsgetreu die wichtigsten Ereignisse ihres Lebens im kommenden Jahr bekannt. Magnetisches Einfühlungssystem. Wenn Sie IS Pfennig zahlen, kann es gleich losgehen.. Ich zahlte fünfzehn Pfennig und erfuhr, schnarrend und schnell herausgestoßen.«ine Anzahl vordatierter, nicht sonderlich veunruhi- gender Informationen über kommende Ereignisse. Daß mir meine Frau Zwilling« schenken, daß ich ungeheures Glück in der Klassenlotteri« haben würde, war wohl das Wesentlichste.... Gestern habe ich nun, unwell des Potsdamer. Platzes, di« Kollegin der Pythia vom Oranienburger Tor kennengelernt... Nachdem ich den obligaten lS-Pfennig-Obulus entrichtet und erfahren Holle, daß meine Frau in Bälde sterben und ich selbst«Inen großen Verlust an der Börse erleiden werde, fühlt« ich der„magnetischen Einfühlung" auf den Zahn... Wobei ich mir noch sachlich kurz feststellen möchte, daß ich wedcr eine Frau, noch Börsenpapiere, noch ein Los der Klassenlotterie besitze. »Keine Einfühlung ohne Aue'nahme Und sie gestand mir alles.. daß sich drei Frauen zusammen- getan haben, die Dritte grast im Berliner Westen, ich habe sie leider nicht kennengelernt, daß die Geschäsle gut gehen und bis jetzt noch keine Klagen gekommen sind... Und wenn ich nicht ganz zufrieden wäre, sie wäre bereit, mir auch die fünfzehn Pfennige der Kollegin zurückzugeben... Ich dankte, bekam ein erleichtertes„Ach" und die drollige Er- klärung:..keine Einführung ohne Ausnahme! Sie sind eben klärung:„keine Einfühlung ohne Ausnahme! Sie sind eben G. m. b. H. von drei Kunden an aufwärts 10 Proz. Rabatt zu geben pflegt... Und da sag« noch einer, daß es in Berlin keine Romantik mehr, gäbe! Der Nachtbetrieb der Linie 69 wird zwischen Lichtenberg. Siegfriedstraß«, und Leipziger Platz ab 2. Januar 1931 versuchsweise verlängert. Die Wagen fahren von Lichtenberg bis 3.23 Uhr, vom Leipziger Platz bis 1.99 Uhr in Abständen von IS Minuten. • mvpf*•"-* r, Der Nacht- und Sonnlagsdienst in den Apolheken Berlins ist so geregelt, daß die Arzneiversorgun« zu jeder Tag- und Rächt z e> i und auch an Sonn- und Feiertagen gewährleistet ist. In jeder Apotheke ist durch Aushang bekanntgegeben, ob diele selbst oder welche nächst gelegenen Apotheken nachts und Sonntags dienstbereit sind. Auch geben die Apotheken für Kiren Bezirk ans Verlangen Zus-nnmensteslungen ab,'die die Apotheken benenn:«. welche in einer bestimmten Woche außerhalb der gewöhnlichen Ber- »"usszeiten zur Abgabe von Arzneimilleiln verpflichtet sind. Die VerschMUNöene Kassette. l�l>riräge,VeremeunbVersammlungen. Oie Weihnachtsbescherung des Jleischermeisters. Das Weihnachtsgeschäft eines Berliner Fleischermeisters erlitt am Heiligabend einen ganz unerwarteten Abschluß: seine Kassette niit 6110 Mark war plötzlich spurlos verschwunden. 'Allerdings hatte er für sie einen eigenartigen Zlufbewahrungsort gewählt: im Schlafzimmer unter der Bettdecke. Vielleicht glaubte der Fleischermeister, die Kassette würde sich tagsüber unter der Bettdecke ebenso sicher fühlen wie er des nachts. Das erwies sich aber als Irrtum. Um 17 Uhr war die Kassette noch da: um 17 VI Uhr war sie verschwunden— mit ihr der zukünstige Schwager, ein Milchhändler. Der Fleischermeister war sogleich hinter ihm her. In seiner Wohnung sagte er ihm auf den Kopf zu:„Du hast die Kasselle mit den 6110 Mark geklaut." Der zukünftige Schwager saß da und schwieg.„Verstockt wie immer", meinte der Fleischer- meister vor Gericht.„Dann erhob er sich, sagt«, ich werde gleich einen Grünen holen. Blieb eine Dreiviertelstunde weg und kam ohne Grünen zurück, obgleich an der Ecke„janze drei Jrüne" standen. Er hat die Kassette geklaut, sein janzes Verhalten spricht dafür. Mein Vetter hat ihn im Schlafzimmer jesehen, meine Braut, die Schwester seiner Frau, hat ihn am Hosfenster jesehen und seine Frau später auch die Kassette in seinen Händen. Er ist wahrscheinlich durch den anderen Ausgang fortgegangen."„Gibt doch acht", sagte der zukünftige Schwager vor Gericht,„nmftt mich doch schon kennen." „Ich kenn dich j a n i ch", war die erboste Antwort. Und dann kamen die Zeugen. Der Vetter des Fleischermeisters saß eigentlich so, daß er das Schlafzimmer nicht halle sehen können. Er wollte aber trotzdem wissen, daß der Milchhändler ins Schlafzimmer gegangen war. Der Zli, geklagte behauptete dagegen: Ich bin im Schlafzimmer nicht gewesen Die Braut des Fleische rmcifters hatte den Milchhändler am Hoffenster bemerkt. Was hatte er überhaupt da zu tun.„Ick; bin am Hoffenster nicht gewesen, es ist nicht wahr." Du lügst ja wie immer. Es folgte ein energischer Austausch von Freundlichkeiten, wie es auch sonst zwischen Schwäger und Schwägerinnen nranchmal vorkommen soll. Endlich die Frau des Milch- Händlers als Zeugin: Sie erklärte, daß sie, durch die Behaup- tungen ihrer Schwester und deren Bräutigam beeinflußt, zu ihrem Mann gesagt habe: Wenn Du genommen hast, so gib doch die Kassette her. Im übrigen habe sie wirklich den Eindruck gehabt, daß er. der Mann, es gewesen sein müßte. Der Milchhändlcr blieb ober dabei: ich war es nicht. Der Staatsanwalt beantragte Frei- spruch, die letzten Zweifel an der Täterschasi des Angeklagten glaubte er nicht beseitigt. Das Gericht war derselben Ansicht. Trotz des dringenden Verdachtes, hieß es in der Urteils- begründnng, sei auf FreSspnich zu erkennen gewesen. # Reichsbanner„Sckiwarz-Rok-Gold". Tekai'tsstcll»:»crlln 6 U. E-b°NIans!r 37-38, Sof 2.£r. Boh»Ä»o»I�SrSe.»», glinqbaniier: Steitec. 2. Januar. 20 Ulit. Lichtbildervortrag im Seim Wachtelstr. 1.— Lichtenbcrg, �rriiag. 2. gauuar, 20 Ubr, baden Bersaminlunnen: Nameradülxrtt Traveplatt bei Celpke,»roicprinMu- Ecke Scharnwcberstrabe! Namerud'choii von stau Tempel de! Tode aast, ziormanneultr. 38.— iflcifter.fcc lvrtaverein): Sie am 2. Januar fällige MitgNederversavnnlnna fKcneralvcrsawmluugi findet an ernem anderen Tage statt,.zcrtungsnatij ist»u beachten. {frei««rbeiter.Stenagrapbcn.Dercinign»-, Seafc-bSttlin. Unsere Sc:!. schritts- und Ilebuugskurle in der RcichsZiNüschrift begiunen mu der in der Wache vom s. bis tu. Januar, und itwar: Norden: CjemeiuMchule Sfliut- strafie 09, jeden Dienstag unter 80 Silben: iede» Donnerstag stb:r?0 Silben. Nordosten: Gemeindelchulc Senefeldcrfir. 0, jeden Dienstag. Itbce 80 Silben Osten:(Semeindeschnlc fliankfurter Allee 37, irden Srdlog unter 80 SUb.m. Rentölln: Larl-Mar,. Schuir, Suiscr-Srirdrich-S r 200—210, jeden Sreitag unter 80 Silben: jeden 2. Sreitag Uder 80 Silben: jeden Dienstag»»ter 30 Silben; Dedattenkursus jeden Donnerstag über 100 Silben geutrnm: Sopbien-Schulc. Weimneisterstrustc, nur Mr Stoize-Sckren, Barbelprechun« Srrttag. 70. Ianngr. Alle Nurle beginnen um Ig'-O Ubr. Der Manatodeitrag berrägt futvErwachsene 1 SM., für Augen bliche 76 Vi. Renaufnobmen werden dortlelbst jn>er»ci» vor- genommen. Untere Anfängerlurse beginnen in der Soch« vom 12. bis 17. Januar. Nähere Delanntmachnua erfolgt noch. Schriftlich« Anfragen beantmortet W. Riedel. Spandau, Wustrrmarkcr Str. 10 l. Bund der SIlm-Amatcnre, e.«. OieWMostelle: Berlin.Dnnkew. Borkum. strafte 22. Telephon v 0 Destaloni 3289. Torlragoabcnd am Donnerstag, 8. Januar, 20 Uhr. lm SIlm. und Bildamt der Stadt Berlin. Moabit, Lcvehowstr. 1—2 tan der Gohkowskvbrücke). Sabctvcrbindungen: Straft::.. bahnen 6, H. 15, 98, Autobus 1«. 1. Dr. Hart Iaeobsobn lBdisA.): Nach!- aufnahmen lmit Silmdenuinstrationen). 2 Wilhelm Kuhlmaun lDdSA.f: Wir kann der Silmfachmann durch Kritik dem Amateur nllgrn? 8. Werner Cell: Als Silmvmaleur in Afrika.— Sin Amatkur-Rormalfilm. 4. Dis, lufstair. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Kinlendunaea ich diele Nubrlf NM an das Jugendiedetari«, Nerllv GW 68. etndenchach 9 Achtung. Abteilungsleiter, gebt den B«richt»bggen für das 4. Quartal ab. Achtung, erwerbrlofc Genaiilnue» und tSenofse»! Wir geben heute.! j t; soweit Karten Vorhand!« find, M der Vorstellung„MUitsstppi" in der f"l Volksbühne um 13 Uhr Steiforten gegen Vorlegung des Mitglieds»' i dnches und der Stempelkarte aus. H t-4-: t t-- heule, Donnerstag. Berlins NeujahrSwünsche für Hindenburg. Bürgermeister S ch o l tz und Stadtoerordnetenvorsreher Haß haben im Namen beider städtischer Körperschaften dem Reichs» Präsidenten das nachstehend« Telegramm gesandt:„Dem Herrn Reichspräsidenten sprechen wir Namens de» Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung zum Jahreswechsel herzliche Glück- wünsch« aus." Sozialismus und Nakonalsozialismus. Dar kurzem fand ein Ruildsunkgespläch unseres Par. eigenoffen Professor N ö l t! n g mit dem natioiKiliozialistischen Reichst« cpobgeordneten Feder Üb« dos Thema Sozialismus und Nationalsozialismus ltoit. Am Sonnabend, dem 3. Januar, abends 19.15 Uhr bis 19.55 Uhr werden die Funksreunde die Fortsetzung dieses Gesprächs hören, das auf die meisten deutschen Sender übertrogen wird. Stanlfntict Viertel: Treffpunkt Jim: Vcsnäi der Volkshvhn« 11 Ahr Balten- plaft.— Stpcnitfct Viertel: Treffpunkt-um Brsuck der Volksbühne 130« Uhr Schlestsches Tor.— Neukölln lV: Treffpunkt»um Bcsucki der Bolkebühnc 14 Uhr Bhf. Lernmnnstrafte. Ig Uhr im Leim Kanner Strafte Lichtbilder. Zahresimkgliedemrsaimnlungen. morgen. Areikag. 19� Uhr. Arlonaplah: Schule Elisabethkirchstr. 10.— Vreuiendurgei tat: Leim Tieckstr. 18— Balkan: Schule Mandelstr. 2.— Kelmholbplah: Leim Dangiger Strafte 62, 33. 2.— Nordosten l: Keim Dangiger Str 62. B. Z.— Andrea,- plaft: Keim Brominnstr. 1.— Sriebrickohain: Stirn Diestelinegerstr. 5—6.— «ctrreburger Viertel: Keim Ebertnstr. 12.— Treptow: Keim Elsenstr. 3.— Köpenick 1: Stirn Erünauer Str. 3.— Karlshorst: Gtimnaflum Trcokowaller. Aunklionärversammlungen. Arnswalher Bläh Ii! Bei Grete Geitner, Grellstr. 17, 20 Uhr.— Sranl- fnrtei Viertel: Keim Srankfurter Allee 307.— Kallesche» Tor: Keim Botck- strafte 11.— SBefkitb: Leim aus dem Sportplaft Westend.— Renkölln I: Keim Sander- Qcke Kobrechtstrafte.— Johannisthal: Keim int Rathaus. * Arnimplaft: Schul» Sannenbirrqer Str. 20: Gruppensatire.— Sartplah N: Schule Sonnendurger Str. 20:.SAI. und Arbeitodienftpflicht".— Valtenplah: Leim Tilstter Str. 4— 5: ssahrtenbericht.— Stralaue: Viertel: Keim Goftier- Strafte 61: Iahresrückliftan.— Wilmersdorf fAeltere): Keim Wilhelmeane 123: .Das Kommunistische Manifest'.— Lankmih: 15. Demeiudcschule, Schulsrrafte: ..Alkohol und Nikotin".— Warlenbors, R. Alte Schule, Tvrfstr. 7: ,.SA.1. und Wehrmacht'. Neukölln II: Keim Steinmeftslr. 94: Arbeitsgemeinsckmft.— Neukölln lV. N. F.: Keimabend fällt an». Nächste Zusammenkunft 0.?anuae. — Köpenick II; Seim Dahiwifter Str. 15:.Arbeitsdienstpflicht und CZlZ."- Nicderschönbonse»: Belprechung ter Sähet. «erbebe, Irt Prenzlauer Berg: Alle erwerbslosen Mitglieder des W.-B. he. teiligen sich an der Zusammenkunft um 9 Udr In der Lesehalle, Duncher- straft- 66-67< Schule). Werbede,irt Weste«: Sonnabend, 20 Uhr, im Helm Rollnenstr. 4: W.-T.- llZorstandssiftung. FesHage ohne Magenbeschwen Sodbrennen, Verdauungejt6rungon find Söjftg folgen unregelnn66)gen Essens oder einer Ueberonctrengung des Magens; sie werden durch etwas»Bullrich-Solz« [auch In Tablenen* nadi jeder Mahlzeh vermieden, resp. sofort beseitigt >Mlridi-Salz« isi seh Ober 100 Jahren In der ganzen Welt als unübertroffenes Mittel bei Magenbesdiwerden bekonnt. Millionen nehmen es töglidu Es ist selbe» bei dauerndem, johretongem Gebroudi vollltommon unschädlich und von stets gleichbleibender prompter Wirkung.— In allen Apotheken und Drogerien BuUricH- parieinachrichien für Groß-Berlin r{xfeakBsg«K f8t dies« Katctt sind V( x I i s SW«3, Cintenftraje 3. fixt*»» da tSfjirtifefwtedoi 2.A»s, aStexve« rrchi». zu richte» Sonnabend, Z. Zanuar, im VvrtcagKsaal dez Parteioorflandes. Linbenstr. Z. Z. kos. Z Treppen»n»?. gemein�iasti'cher Abhörabend des Zwiegesprächs am Rundfunk. Prof. Erik Rölting und Dr. Feder über Sojigli-imus und Rakionolsozialismus. Danach Aussprache unter fachmrsläiidiqer Leitung. Znteressierte Varteiaenosseu sind hierzu eingeladen. >7. Sttrt Sichtenden». Biii»u»»s«it«?chu�: Äurfu» fte iänfltt« �trietgenÄlTen S«Z.-MitgUet>«r an Montag. 5 Januar. 20 Uhr, im SraenV uni> ältere beim(Sunterttrr+z. ."akubowiez. Thema!„Materioiistisch««cschlchtsaiisfassuna". Leiter: Donnerstag, i. Zanuar. 52. Übt.>darlotte»hsra. Gruvr« Iungsernheide: AUen Drut>?«nanä«h!Kiä«n ein frohe« und gesundes Zieujahr rostnscht die Sruppenleitnnei. Nächster Zahlabcnd am 7. Januar. Freitag. 2. Januar. 7g.«dt. 30 Uhr �unktionärversammlung des Raiho, Prinz- cheorg�tr. 10.— 8«.»bt. ÄI Uhr hei Sstrlich, Bega-str. f. wichtig« ssunktionärsthung. Zrmien Veranstaltungen. ssii« hen am Soon-dend, 17. Zannae. 19-i Uhr. im«lenarsaal de» eh« '«liqen Arrrrnhauses. B«elin W.. Leipziger Str. 3, im Sefc-r«» der Areien „Vakiftischr» KochiSmle stattsjadend«» Zoetrag des chenosten Otto Lagd-derg, R. d. R.. über.Äri!« de» Parlameutarism»," find»arte» zum Preis,»»» 3# Pf., einschließlich«arderndengedütr, im Zfxanensekretariat»«, Pezirtmeee- da»»«»«arlin der SP»., SB.»8, Lindenftr. z, 2. Aas. 2 Treppe«. Zimmer 1. z» habe». Sa» Zraucnsetretariat. S»m Zreitag. Januar. Uhr. find« im SachMitsfaal der h' h-l Sophieu-Sale, R. 54. Saphicnstr.>7—18.«in» Zniktionäeinnenlanferenz '-5 P*"' an' Genosse Karl Litte, R.». 9L, über„Unser Stomp) gegen i? W»U Sazi-lre-Nion» sprechen wird. Zutritt zu dieser»onserr-z haben As die politischen Zunktionärinne« nnr gegen Dorzeiqung de« grünen S M Z-nkti-nä-torte und».'» RitgliedsbU'he«. Türlontroü«: 1.«res. Ritte, iis 4.«bt. Unsere Weihnachtsfeier findet gemeinsam mit der Ab'eilunz am Sonntag. 4. Januar, IS Uhr. int Gerne rkschafishaus. Sngelufer, Sag! 1 und 2, statt. ZtindeNbeschatung. ktinderaufführunken, Lichtbildervorführung: „Sine wundersame Reise". Eintritt frei. TS. Abt. Wannsec. ssreitog, 2. Januar. 20 Uhr, im„Reichsadler", König- strafie 27:„Die sfrau im Recht". Referent Dr. Walter Gotthardt. IM.«bt. Rahlsdorf. Sonnabend. 3. Januar, 19 Uhr, bei Anders, an: Bahn- Hof, Bunter Abend. Mufik, Rezitationen, Speechchor, Mitwirkung der Jugend. Vortragender ifranz Soscmann. Ansprache der Genossin Gertrud Hanna, M. d. L. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Arbeiksgemeinschafk sozialdemokrakischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, Dezirksgruppe Verlin. ttle Krejskafsterer rechnen bestimmt am Montag, 5. Januar, in der Zeit »«n IS bis IS Uhr beim Genossen Walter Jung, H-rmannstr. IV, ab. Arbeitsgemeinschaft der ülndersreunde Groß-Verlin. Kreil Zriedrichshain: Sonntag. 4. Januar. Kreisfabrt und Schnigeljagd nach Wuhlheide. Treffen der Gruppen 8 Uhr auf ihren Cammelplägen. Kreis- treffen pünktlich 8s, Uhr Schlestfcher Bahnhof, Ginganq Madaist-rage. Kosten 20 Pf. für Rote und Jungfalken. für Restfalksn 10 Pf. Wimpcl nutbringen. bei gutem Rodclwctter Schlitten mitbrlugen. Geburtslage. Jubiläen usw. Ich.«bt. Unserem Genosse«« iktor Be«rdtkt i» sein«» Biiihrige» Portetjndilönm die herzlichsten Glüetwünsche. 18. Abt. Dem Genosse» k» p k c. Demmi»«« Str. 21, 9» sei»«« ZöjShriWn PerteijubilSum die besten Glüstwünsch«. 17.»bt. Kente feiert der veuolse Friedrich See. Toxfstr. 14, da, selten« tffft der goldenen Kochzeit. 42 Jahre gehört er de, Partei an»nd bat t» diese, Zeit in allen Situationen seine» Rgn» gestanden. Lir über- mittel« ihm»nser« herzlichst«»«lückwünsche. 1». Abt. Unserem liebe» Genosse» Richard Stade, Bell«»»»»»- slrahe 17. z» seinem Bsährige» Parteijnbilönm die berzlichste» Glüst wünsche. Genosse Grad« ist langjähriger«»«snmnertreter unserer«bteilnng und überall ______ Sd der«ahNdhetapflb» stoht m...____________ liche, für die«rleilerlchast. W r wünsche» ihm noch viele Jahr« ersprießlich« «ebeit für da» Proletariat. .88. Abt. Unserem Eenossen G m i l T:« t t i n. Kop Lehenssreude wögen er. shur noch lang« gestatte»,«ltiue»«nteil an»nsercm Kamps zioe Wahle»er otoestenden Beuülkeiunq ,» nehme». M. Abt. ReuköLu. Unserem Genoss»» Mag Saale. Maurer, Renköü», Weilestr. 47» zum 25iöhrigen ParteisubUänm die herzlichsten Glückwünsche.— Unserem Genosse» Robert Gronowski zn seinem 80. Geburtstage die herzlichste» Glückwünsche. Wir wünschen ihn Gesundheit»nd ein recht long«» Berdleibc» in»aserrr Partei.— Die AbteUnngeleitang. 10«.«dt. Zohanni,thal. Unserer Senosfi» Zrird« Kissner, Eiben- weg 5»,»nd unterem Abteilungsleiter Genossen Albert Scharr, West- sträß« I. z« ihrem ZSsahrigen Parteijubiläum die herzlichsten«Mckwünsche. Rögen fie noch»iel« Jahre in unserer Ritt« de, Partei dienen. ll?. Abt. Lichtenberg. Unser alter, s» seiner Parteiarbeit»och so snngl Seiwss« Ars« Berger. Karlshorfter Str. Z. ist am 1. Iannar 45 Jahr» Parteimitglied. Jahrzehntelang haben die Senoffen-hren Zeig das Lertrane» geschenkt, die Partei arit seiner Person z»»ertreken. Sei«, al» Gemeinbc- «ertreter»der al» ASteIIung»leit«r, überall bat Arth seinen Mann gestanden. Anch heute noch mit seinen«» Jahre» fehlt ssri» bei leiner islngbiattoee. breitnng. An der Seite seiner Rarie, dir an» anck bald M Jahre ircuc«?■ nosfin ist. wünschen wir uni-eem Zrjg noch recht»iel« Jahr«»er nngetrübte» Zrende an seiner Parteiarbeit.— Senosse Sermann Wottle, Smannrl- ftraße 4. unser langiahriger Bezirkssührer, feiert sei» Zbiährige» Parteijubilänm. die Eenojse» Richard Selchow, vtto Sartmann. Zriß Germer, Richard Kolfteia feiern am 1. Zoanar ihr 2Siähriae« Parteijubilänm. Allen Senoffen die herzlichftr» Glückwünsche.— Der Ab- teilangs-orsiand. Attgemeine Wetterlage� Sterbetafel der Groß- Berliner Vartei« Organisation I 84.«bt. Zlach langem krankenlagtr verschied unser langjähriger Genosse Wilhelm Tu eng es. Posenee Straße. Ehre seinem Andenken! Gin- Lscherung Sonnabend, 8. Iannar, 12� Uhr» im Kremaipmam Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeien. 1l7.«bt. Lichtenberg. Unser, lieb« Genvsfin Eli« Schatthaulr ist veestorb-n. Ehre ihrem Andenken! Trauerfeier Sonnabend, Z. Januar. ZV Uhi, im Krematorium Baumschuleuweg. Rege Beteiligung wird erwarte:. Tex„Iohresrückblick auf Vkatiku"«ik> in ein«? stunde eine Revue van politischen, kultur- und wirtschastspolitischen > Geschehnissen des vergangenen Jahres.— Eine fast trostreich« Hör- folge. Denn sie erinnerte daran, das; in dem trüben Jahr 1930 doch wenigstens auch einig« helle Tage waren. Eine scharte Silhouette der politischen Zusammenhänge oermochte diese Stund« aus naheliegenden Gründen nicht zu bringen; aber Intendant Dr. Hai« F l e f ch war doch um ein annähernd ehrliches Bild des scheidenden Jahre» bemüht. Die gewählten Plattenausschnitte waren zum größten Teil klanglich gut und im Inhalt charakte- ristisch.— Einen musilali sehen Rüerblick auf das Funkjohr 1939 boh ein Potpourri aus Opern lmd Operetten, die im Lauf der nsrilofsenen zwölf Monate auf der Sendebühne zur Aufführung kamen. Es war eins gefällige Hörfolge, die aber sicherlich vielen Hörern noch größere Freude bereitet hätte, wenn Titel oder Charakter der Werke im Verlauf der musikalischen Darbietung angedeutet worden wären. — Dem üblichen heiteren Jahresschluß wurde«ine„E r n st e Stunde" vorangei'chickt: Musik von Bach und Beethoven, vom Fmit tnrchefter unter Bruno Seidler-Winkler gespielt, Dichtungen von Matthias Claudius, gesprochen von Walter Fried. Eine schöne und würdige Veranstaltung. Um Mitternacht wird Beethovens Neunte mit der Ode an die Freude aus der Volksbühne übernommen. Tes. 7S0= 34. Oer. 4930.abds. »w!keolofi,3 heiW.OWb bedeckt tfwolkig.�bedecict�Regeo�Cravpdfl Scfcft8t=NeW,�Gewittec®Mnto,luft nun inzwislken beinahe bis zum Rhein gelangt: sie wird unseren Bezirk am Neujahrstag überfluten und das Wetter bei uns etwas unbeständig gestalten. * Detteransstchtea für Berlin: Wechselnd bewSlkt. Tem- pcraturen noch über Null, geringe Nisderfchlägc, Winddrehung auf westliche Richtungen.— Für Deutschland: Im Nordosten Milderung und trübe mit Niederschlagen, im übrigen Reichs wechselnd bewölki ohne wesentliche Niederschläge; Temperaturen noch über Null. Briefkasten ver Redaktion. K. K. 1. Avterienvrrkallung. Zahllo» sind die Wünsch« an da« nen« Zahn,«raff find die Anfordern-». gen, die jeder fteW. denn das alte Jahr hat niemanden vevmülsnt. Gewaltig find daher die Vorberciwnnen. die das bekannte Spezialbans für Teppich«, Läufer ftoffe, Gardinen. Dekvrativud- und Wöbelstofsc, die Jirma Tevvi6> Bursch. Berlin E. 2, Spandauer Str 32. aetrvffen bat, um mit dem dies, jährigen Inventurausverkauf, der am Montag, dem 5. Zanuar, ff Uhr, beginnt, wiederum eine Steigerung in der nicht endenwolleicden Serie der auffep- gmvöhnllchen Beranstaltungen dieses Sauses»l dringen.