BERLIN Nettag 2. Zanuar 1931 10 Pf. Nr. 2 Bl 48. Jahrgang Erscheillttiglich außerS»nntaa». ?ugleich Ibesdausaabe dc«.VorwSrtt". Beiugsxrei� beide Ant�e» SS Pf. xrvWoche.»r» Menar. RcdflltW und Expedition; Berlin@2368, kindensto. s SfiaJaiUtfaSe Jßh Anieizen«rei«:Die einspaltige Nonpareilleieile 60 Pf., Reklamczeile o M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts�Vcrlag G. m. b. H.. Berlin Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Döndoss-292 bis 297 Zwei Genoffen ermordet! Bluttat eines Nationalsozialisten in Berlin K0 Das republikanisch gesinnte Berlin steht an der Bahre zweier junger Menschen, die in der Neujahrsnacht von der Hand eines nationalsozialistischen Mordbubcn als Opfer ihrer> republikanischen lleberzeugung gefallen sind. Die Sozial-, Die Hakenkreuz-Bluttat Die Opfer Schneider Graf demokratle und das Reichsbanner müssen abermals zwei Ge- nassen und Kameraden zu Grabe tragen. Wieviele waren c» jchon, wieviele sollen noch folgen? Adolf Hitler Hut einen Neujahrsruf erscheinen lassen, in dem er das Blut seiner AnHanger beklagt, das im vergangenen Äahre so oft geflossen sei. Bergeblich sucht man aber in diesem Aufruf auch nur ein Wort, das die verblendeten Anhänger mahnt, von den Methoden abzulassen, die zur Ursache eines nicht mehr versiegenden Blutstromes geworden find. Während die Sozialdemokratische Partei und die chr nahestehenden Organisationen immer wieder ihre Anhänger auffordern, sich auf die Anwendung geistiger Waffen zu be- schränken, während die sozialdemokratische Presse täglich gegen die Verwilderung des politischen Lebens, besonders der Jugend, zu Felde zieht, führen die Nationalsozialisten ständig gegen ihre Gegner eine Sprache, die direkt als Aufreizung zu Gewalttätigkeiten wirkt und offenbar auch so wirken soll, zumal Warnungen vor Gewaltanwendung in der national- sozialistischen Presse nicht zu finden sind. Die Republikaner Berlins, die die große Mehrheit der Bevölke«ung bilden, fragen sich, wie lange das noch so weitergehen soll. Die Verantwortung für das vergossene Blut trägt die Nationalsozialistische Partei, mit ihr tragen sie alle, die diese Partei unterstützen, ganz besonders die H u g e n- berg-Preffe, die stets die Partei der Raufbolde und Qchießhelden ergreift, wenn sie aus dem Hitlerlager stammen. Herr Hilgenberg und seine Leute sollen sich sagen lassen, daß sich die republikanisch gesinnte Bevölkerung Berlins das nicht mehr ruhig gefallen lassen wird. Wenn, wie das in Stuttgart in der Neujahrsimcht geschehen ist, ein N a t i o n a l s o z i a l i st getötet wird— dort waren die Täter Kommunisten—, so verurteilen wir eine s»lche Tat nicht minder scharf. Die Sinnlosigkeit solcher Tot- schvjgereicii ist schon deshalb nicht mehr zu übertreffen, weil es sii(, in allen diesen Fällen um junge Menschen handelt, die noch wandlungsfähig sind, die man also zu der eigenen lieber- zeugung bekehren mag. ohne den Dolch oder den Revolver anzuwendea. Ist es n»,hr, daß wir schon mitten im Bürgerkrieg leben? Nein, diese nicht enden wollenden Schießereien und Messerstechereien sind ein schwelendes Feuer, das eines Tages zur Flainft� des ostenen Bürgerkriegs ausschlagen kann. Dorum können diese Erscheinungen von den leitenden Männern des Staates gar nicht ernst genug betrachtet und behandelt werden. Genügen die bisher angewandten Mittel nicht, um dcr Seuche des politischen Totschlags Herr zu werden, so wird man zu schärferen greifen müssen. So wie bisher geht es auf keinen Fall weiter. Vor allem muß man sich wieder i n der Republik zu der Republik bekennen dürfen, ohne Gefahr, dafür erschossen zu werden. Es ist Sache der Ver- antwortlichen, olles dazu Notwendige zu tun, um grenzen- tosez Unheil zu vermeiden! Tie Berliner Nationalsozialisten haben ihr Blntkonto > in der Tilvesternacht um zwei neue Morde vermehrt. In der H n fe 1 a n d st r a ß e im Nordosten Berlins feierten in zwei nebeneinander liegenden Häusern Reichsbanner- tcute und Nationalsozialisten Iilvester. AIS früh gegen vier Uhr einige Teilnehmer der beide« Parteien aus die Straße ginge», tam es zu einer«chlägerei, die zunächst ohne ernste Folgen blieb, später aber einen tragischen Ausgang nahm. Als die»treitendeu sich bereits getrennt hatten, kehrte ein bis jetzt noch unbekannter Nationalsozialist zurück und betrat das Ii» garreuge schüft Schneider, wo die Reichsbanner- i leute zu Besuch ivrilten. Der Nazimann zog, ohne | irgendwie bedroht zu sein, plötzlich eine Pistole und i feuerte mehrere Schüsse ab. Ein Schuß traf den 2Z Jahre alten Btilti Schneider, Hufelandstraße 3 1. in den Leib, ein zweiter den ÄS Jahre alten Bankbeamte» Herbert Graf, Hufelandstraße 33, 1» den stopf. Tie beiden Verletzten starben nach ihrer Einliefernng in das Krankenhaus Friedrichshain. BiS jetzt haben die Fahndungen der Polizei nach dem Mörder noch zu keinem Ergebnis geführt. Dieses neueste Verbrechen in der Reihe nationalsozialistischer Mordtaten, das nach dem Belanntwerden in dem ganzen Stadtteil unter der republikanischen Bevölkerung hellste Empörung ausgelöst hat, stellt zweisellos den gemeinsten Racheakt der Hitlerschen Mord- lniben der letzten Zeit dar. Bereits am Donnerstag früh sind durch die Politische Polizei mehrere Festnahmen erfolgt. Ob sich unter den Verhasteten der Reoslverschütze befindet, wird die nähere Unter- suchung ergeben. Im Laufe des heutigen Vormittags ist bereits «ine ganze Anzahl von Zeugen verhört worden. Die Untersuchung! wird von der Polizei mit aller Energie durchgeführt. Das Nazi-Mördernest. Am Prenzlauer Berg, in der Gegend der H n f« l a n d st r a ß? befindet sich schon seit langem ein Rest der Nationalsozialisten. Ihr Verkehrslokal haben sie im Hause H u s e l a n d st r. 31. Wiederholt sind in dieser Gegend Reichsbanncrleut« von de» Nationalsozialisten bedroht und überfalle» worden. Dos in der Nähe liegende Reichsbannerlokal Samatzki war schon häufig das Ziel natiopaljozialistischer Sturmtrupps. In der Silvesternacht be- fanden sich im Lokal einige Rcichsbannerlcute mit ihren Angehörigen, »M dort Silvester zu feiern. Im Hause Huselandstr. 32 wohnt der Parteigenosse Sch n e i d er, pder Bezirksvorsitzender des Arbeiter- jängerbundes ist. Er unterhält dort ein Zigarrengeschäft. Der Sohn Schneiders ist Mitglied des Reichsbanners. Gegen Schneider sind von den Nationalsozialiften wiederholt Drohungen laut ge- worden. Man wollte ihm das Geschäft kurz und klein schlagen. Schneider hatte in der Silvesternacht mehrere Partei- freunde zu einer gemeinsamen Feier eingeladen. Bor dem Laden Schneiders lungerten mehrere Nationalsozialisten herum. Schneider, der sich bedroht fühlte, rief ans dem Verkehrslokal des Reichsbanners Unterstützung herbei. Dabei entstand eine geringfügige Plänkelei., die ohne Folgen verlies. Das herbeigerufene- U eberfall- kommando konnte, ohne eingreifen zu müssen, wieder abrücken. Parole an der Ruhr Sich nicht provozieren lassen- weder von den ilnternehmern nvch von KPO. und RGO. Bochum. 2. Januar.(Eigenbericht.) .„Die Bergbau-Jnduslrie", das Organ des Verbandes der Bergbauindustricarbeiter, zeigt die Hetze zum politischen Massenstreik aus. die von der KPD. mit Hochdruck durch ihre NGO. betrieben wird und mahnt die Bergarbeiter zur Einigkeit und Geschlossenheit. Vertrauen zur Organisation ist das Gebot der Stunde. Gefährlicher aber, als die kommunistischen Parolen es sein könnten, ist das Verhalten der Zeche übe sitzer, das die Bergarbeiter schwer enttäuscht und verbittert. Die Haltung des Unternehmertums ist es, die den Hetzparolep der KPD. vor allem unter den Unorganisierten einige Bedeutung»erschafft. Gegen eine wilde Streikbewegung bilden die drei großen Organisationsgruppen der Bergarbeiter, Bergbauinduftnearbeiter- Verband, Christen und Hirsche, eine geschlossene Front. ' An, Ncujahrstag waren im Ruhrrcoior zahlreiche Bergarbeiter- Versammlungen, in denen zu dem negativen Ausgang der Schlich- Mngsverhandlungen Stellung genommen wurde. I» allen Versammlungen kam die große Enttäuschung der Bergarbeiter über die Ergebnislosigkeit der Verhandlungen zum Ausdruck. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Kohlenkrise eine Teilkrise der Weltwirtschast sei. und sich nur durch internationale Vereinbarungen in der Absatz- und der Arbcitszeltsrage mildern lasse Eowjeikurier ermordet. 3ur Berbindervng der Ausreife. Warschau. 2. Januar. fEigenvericht.? Ter sowjetrussischc diplomatische Kurier Stolarow ist aus der von Mockau nach Warschau von Agenten der GPU. ermordet worden. Stolarow soll wichtige politische Dokumente mit sich geführt habe», u. a. einen deutscks» russischen Geheim vertrag. Er stand im Verdacht, daß er diese Dokumente im Anstand ver- ösfeirtlichen wollte. Feierschichten. Entlassungen und Kurzarbeit, sowie die Steigerung der Sozial- und Steuerlasten Höllen die Lohnlage der Bergarbeiter bereits genügend gedrückt. Der Riihrbergbau müsse und könne auch ohne Lohnsenkung durch- kommen. Der Ausruf der Bergarbeiterverbände mil der Aussorderung an die Belegschaften, keine neuen Arbeitsverträge ab- zuschließen, die die vom Zcchenverband gewünschte Lohnherabsetznng versehen', wurde in allen 14 Funktionärtonserenze» gutgeheißen. Die Lösung des Lohnkonflikles könne nur gefunden werden, in- dem sich alle Bergarbeiter einmütig hinter die Beschlüsse der Funktwnärlonserenzen und die Anweisungen der Bergarbeiter- verbände stellen. Die christlichen Bergarbeiter solidarisch. Essen, 2. Januar. Der Christliche Bergarbeiterverband hielt gestern, am Neujahrs- tage, ebenso wie die anderen Gewcrkschajten, im Rnhrgcbict Ber- sammlungen der Bergarbeiter und Konserenzen der Funktionäre ab. In diesen Konferenzen wurde der Aufruf der Bergarbeitervcrbünde gutgeheißen und verlangt, daß nach diesem Aufruf gehandelt werde. In allen Konferenzen herrschte große Erregung. Wilde(Streiks. Dvrch Terror der KpO. erzwungen. Essen, 2. Zanuar. Ans einer ganzen Anzahl von Zechen im Ruhrgebiet kam es heute früh unter dem Drnck von Arbeitslosen, die die Zechenlore beseht hatten, zu wilden Streik». Während aus einzelnen Zechen nur ein Teil der Belegichast nicht eingefahren ist, ruh« ans anderen Zechen de» Bezirks die Arbelt vollständig. Soweit sich bis jetzt feststellen lassen konnte,«erden»o»*fe|eg Streiks eknn, 20 Zechen de»«uhrbeegban, betlroge». Mosens flehen K4 Uhr wollten sich die Gäste Schneiders nach »aujc begeben. Das Haus war aber wiederum von 5ta,is umstelll. Einige zuin Schul; herbeigeeilte Reichsbannerlcutc gaben zusammen mit Schneider und seinem Sohn den Gästen das Geleit. Schneider Ichrtc mit seinem Sohn nach einiger Zeit zurück und fand seine Frau im Wortwechsel mit einem Nationalsozialisten, der in den Laden eingedrungen war. Als Schneider mit seinem Sohn und einem bekannten Reichsbannerkameraden das Geschäft betrat. schoß der Nazi ohne jeden Anlaß den jungen Schneider nieder. Als der Täter aus dem Laden flüchtete, schoß er auch den des Weges kommenden Zgjährigen Bonkbeamlen Herbert Graf, der gar nicht dem Reichsbanner angehört, wohl aber der Sozialdemokratie, nieder. Wie festgestellt wurde, hat Graf mit den Vorfällen nicht das geringste zu tun gehabt. Cr kam zufällig an dem Laden vorbei, und eilte hinzu, als er die Schüsse hörte. Durch das Ilcberfnllkonunando wurden die beiden Verletzten in das 5lrantcnhaus am Friedrichshain gebracht, wo die Unglücklichen kurze Zeit nach der Cinlieferung st a r b c n. Protestkundgebung des Reichsbanners. Der Gau des Reichsbonners Schwarz-Rot-Gold wird für den kenlinendtn Sonntag seine Mitglieder zu einer Protestaktion gegen die nationalsozialistischen Mordbubcn aufrufen. Die Ber- sanimlungen finden im SaalbauFriedrichshain und in den Sälen am Märchenbrnnnen statt und beginnen um 11 Uhr. Bezeichnend für die mitunter seltsam„unpolitische" Haltung de» Rundfunks ist die Tatsache, daß der Dradao-Dienst am Sonntag zwar die Erschießung zweier Menschen aus politischem Anlaß meldete, aber die Organisationszugehörigkeit der G e- töteten wie des Täters verschwieg. Macht man das immer �so, wenn Nazis die Mörder ssnd?! Unruhiger Silvester. 353 Personen festgenommen. Am Silvesterabend und in der Neujahrsnacht find in Groß- Berlin insgesamt 383 Personen s i st i e r t und zum Polizeipräsidium gebracht worden. Die Ursachen zu den Zwangs- gestellungen sind verschiedener Art. An der Spilze marschieren die Teilnehmer an Schlägereien mit 104 Sistierten, sodann folge» 40. Sistierungen wegen groben Unfugs, 40 wegen Trunkenheit, 29 wegen Sachbeschädigung. 28 wegen Beleidigung. 25 wegen Hausfriedensbruches, 24 wegen Diebstahls, 20 wegen sonstiger Aus- fchreilnngcn. 19 wegen Körperverlelzung, 16 wegen politischer Schlägereien, 13 wegen unpolitischer Vorfälle 7 wegen Fahrgeldhinterzichung, 3 wegen Widerstandes, je 2 wegen Elnbruch- diebstahls. Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen, Familien- strcitiokeiien und Zlbbrennens von ��xriverkskörpern, serner je ciue Sistierung wegen Mietstreiligkcilen und wegen unbefugten Waffentragens. So„feierte" New �orf. New Port, 2. Januar. i Die-Zahl der am Steujahrstag« durch Unfälle verletzten Per. jonen ist außerordentlich hoch. Unter den T o d e's o p f c Vn des Tages befinden sich drei Polizisten, die bei Schießereien getötet wurden, öl) Gäste eines New>Norker hstels wurden lvährend einer Neujahrsfeicr von drei bewaffnoten Banditen über- fallen und ausgeplündert. Kn einem anderen Lokal wurden zwei Banditen, die sich imter den Gästen befanden, nach kurzem Feuergefecht verhaftet. Im Verlauf des Kampfes wurde ein Polizist getötet und zwei schwer verletzt. 54 Scheiben zersplittert. ! Die Folgen eines üblen Silvesternlks. In große Aufregung wurden in der Nacht zu Neujahr die Bewohner des Hauses Gabelsbergerstr. 7, an der Ecke der Samariter- ftraße, versetzt. Das Quergebäude ist begrenzt van den senjtcrtosen Rückseiten der Häuser aus der Samariterftraße. Um 12 Uhr, als in den Wohnungen die Leute sich zum Reuen Jahr begrüßten, ertönte plötzlich aus dem Hofe eine starke Detonatio», ein Heller Lichtschein leuchtete auf und alle Fensterscheiben zersplitterten. Ins- gesamt gingen öi Scheiben, vom Erdgeschoß bis in das dritte Stockwerk hinauf, i n T r ü m m« r. Die erschreckten Hausbewohner riefen die Polizei. Diese stellte fest, daß ein unbekannter Täter aus einem Fensterchen im Dachgeschoß einen K a n o n e n s ch l a g auf den engen Hof hinabgeworsen hatte. Durch die Cxplosson dieses starken Feuerwerkskörpers waren die Fensterscheiben zerstört. Lleberall Nazi-Terror «Sie provoziere» in Berlin- Zwischensatt im Sisenbahnzug Das Ende des Trinkers. In der Notwehr von seinem Sohn erschlagen. Im Allgusle-Viktoria-Krankenhaus in Schöneberg verstarb mn Silvesterabend der 60 tzahre alte Ijeizer Friedrich ftrügeV, der in der Sl... slraße In Berlin wohnte. Damit hat eine Familientragödie ihren Abschloß gesunden. Der Heizer war Gewohnheitstrinker und mißhandelte und bedrohte, wenn er angetrunken nach Hause kam, leine Frau und besonders seine» 13 Jahre alten Sohn Hans, der als Lehr- ling Arbeit hat. Am 23. Dezember mar der alte Krüger wieder angetrunken nach Hause gekommen. Bald nach ihm kam sein Sohn »»»s und legt? sich zu Bett. Plötzlich erwachte der junge Mensch Und sah sich von seinem Vater, der init einein Messer in der Hand an seinem Bett stand, bedroht. Da der Alt« unter der Einwirkung des Alkohols schon öfter Tobjuchtsansälle bekommen hatte, sträng der Junge aus dem Bett und wollte flüchten. Der Bat« packte ihn aber, stieß ihn.zu Boden und fuchtelie beängstigend mit dem Messer umher, �m Falle« war Hans K. gegen eine Kiste geschlagen, aus der zusällig ein h a m rn e r lag. In größler Bedrängnis ergriff der junge Mensch den Hammer und versetzte dem Vater damit einen Schlag aus den Kops. Der Heizer brach zu- summen. Die Familie sorgte für seine Uebcrsührung nach dem Krankenhausc, wo er, wie. erwähnt, am 21. Dezember verstarb. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß Hans K. zweifellos in Nouvehr zum Hammer gegriffen hat. Der junge Mann erfreut sich des besten Rufes. Deslzalb wurde er auch nach seiner Vernehmung über die Aorfälle wieder entlassen. tzossre liegt seil Donnerstagoormitr.lg eis Uhr in todesähn- licher Ohnmacht.— Poincare lmt die Erlaubnis, der Aerzte erhalten, täglich mehrere Stunden«st zu fein. In der Neujahrsnacht gegen 1 Uhr grijfcn etwa 13 junge Burschen, Angehörige der NSDAP., vor dem Schank- lokal Schioelbeiner Str. 13 Mitglieder eines Radfahrerklubz tätlich an. Dabei wurden vier Personen verletzt, und zwar einer davon durch einen Dolchstich. Während die herbeigeeilte Polizei sechs der an dem Raushandel beteiligten Personen festnahm und der Abteilimg IA. zuführte, wurde der Verletzte nach der nächsten Rettungsstelle geschafft.— Um 1 Uhr nachts kam es in dem Lokal von B r o m e r in Iii e u k ö l l n, Z i e t h« n st r. 3, wegen politischer Meinungsverschiedenheiten zu einer Schlägerei. Fünf Personen. darunter zwei Nationalsozialisten, mußten den Weg zum Polizeipräsidium antreten.— Bor dem Hause S i ck i u g c n st r. 4 kam es gegen 4 Uhr morgens zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu einem Zusammenstoß, wobei die Fenster- scheiden des Lokals von«chall zertrümmert wurden. Zwei Kommunisten. die erheblich verletzt waren, wurden durch das alarmierte Uebersallkommondo der Rettungsstelle Moabit zugeführt. Bon den Tätern wurden vier tzditionalsozialisten und zwei Kommunisten festgenommen und der politischen Polizei übergeben. (Zifenbahnpassagiere überfatten. Ralhenow, 2. Januar.(Eigenbericht.) In einem Ciscnbahnzug auf der Strecke zwischen Berlin und Rathenow haben hakenkreuzler eine wüste Schlägerei hervorgerufen. Ein Trupp von R-tthenower Nazis, der am Ncujahrstag von Berlin zurückkehrte, belästigte die mitfahrenden Passagiere durch provozierende Deklamationen. Als«in Reisender sich die Belästigungen verbat, fielen die Rowdys über ihn her, und da ein Teil der Passagier« dem Geschlagenen zu Hilfe eilte, kani es zu einem wüsten und gefährlichen Durcheinander, so daß kurz vor Rathenow von den bedrohten Passagieren die N o t b r e m s« gezogen wurde. Beim Aufsichtsdienst in Rathenow behaupteten die Nazis frech, daß sie. angegriffen worden seien. Dabei steht fest, daß sogar ein Teil ihrer Anhänger aus anderen Abteilen auf den Trittbrettern des Zuges entlang in das Abteil eindrang, wo der Streit entstanden war. Ein Erstochener in Stuttgart. S t u l t g a r l. l. tzonuor. kurz nach 2 Uhr morgens drang eine Anzahl Kommunisten in eine Wirtschaft ein, in der Nationalsozialisien eine Sil- vestersZer abhielten. Es entspann sich eine Schlägerei, die sich aus der Slraße fortsehte und in deren verlaus nach bisheriger Fest» stellung drei Kommunisten und acht Nationalsozia- listen v e r l e h l wurden. Einer der letzteren erhielt eine» Such in die Brust, der nach kurzer Zeil dessen Tod zur Folge hatte. Kommunistischer Silvester mit Domben. Gotha, 2. Januar. In der Silvesternacht kurz vor Mitternacht verübten bisher unbekannte Täter in der Hünersdorfstraße 2, in der sich die Gc- schäftsstelle der NSDAP., Ortsgruppe Gotha, befindet, ein Spreng- sioffattentat. Die Täter haben nach der polizeilichen Darstellm,.; eine in einem 63 Zentimeter langen Stahlrohr untergebrachte Sprengstossladung unter der Haustür hindurchgeschoben und durch eine Zündschnur zur Explosion gebracht. Die Sprengladung war mit einem Papicrpsropsen abgcdickstct, die. wie die Polizei feststellte, aus Teilen der kanununisüschen illustrierten Arbeiterzeitung bestund. Durch die Explosion ist nur geringer S o ch- schaden entstanden; es wurde die Zwischentür aus dem Rahmen gerissen und eine Anzahl Fensterscheiben zertnimmert Der Todesschuß in der„Blauen Donau Wieder die feindlichen Ningvereine U Am Neujahrsabeud spielte sich in einer tvastwirlschast eine schwere Bluttat ab, die den Tod eine» Menschen zur Folge hatte. In der Wirtschaft„An der schönen blauen Donau" an der Ecke der Danziger- und Dunckerstraße sah mir anderen Gästen am Tisch der 24 Jahr« alle Polier Richard Tänzer, der in der Lychener Straße wahrste. Tänzer war Mitglied des Vereins„N o r d r i n g". Einige Zeit später betrat der ebenfalls 34 Jahre atte Arbeiter Otto Schüler aus der Prenzlauer Allee auch das Lokal. Er stellte sich an die Theke und trank dort ein Glas Vier. Nach den Aussagen des Wirtes und der anderen Anwesenden ist es zwischen den beiden Mäpnern weder zu einem Wortwechsel noch zu Tärlichkeiten geköminen. Plötzlich ging Schüler aus Tänzer zu, zog eine Pistole und schoß ihn nieder. Die Kugel drang zwischen den Augenbrauen in die Stirn ein und führte den sofortigen Tod herbei. Ehe die überraschten anderen Gäste ihn festhalten konnten, war Schüler aus der Wirt- schaft verschwunden-. Von der Reservemordkommission wurde der Tatbestand festgestellt und die Nachforschungen nach dem Schützen aufgenommen. Der Grund zu der Bluttat schien- zunächst rätsel- Haft, heute, Freitag früh, meldete sich Otto Schüler im Raubdezernat des Polizeipräsidiums. Er hatte auch seine Frau mitgebracht. Er rechnet damit, daß man ihn einsperren werde und wünschte, daß man seiner Frau hierüber eine Bescheinigung aus- stellte. Dann würde sie in ferner Abwesenheit Ilnterftutzirng de- ziehen. Seine Aussagen über den Mord macht Schüler in aller Ruhe und Bcsonnenheir. Er gibt an, daß er seil 1926 Mitglied des Vereins„Nord ring" gewesen sei. Nach einem Streit mit Vereinsbrüdern fei er aber ausgeschieden und habe sich dem Derein„Santa Fe" angeschlossen. Seit dieser Zeit hätten ihn die Nordringleute ständig verfolgt und bedroht. Ex sei auch mehr- mals oerprügelt worden und Hobe sich zu seinem Schutze eine Pistole angeschafft. Da er wußte, daß das Lokal„Zur blauen Donau" kein Berkehrslotal der Lercine ist, hebe er d5rt kein Glos Bier winken wollen. Zufällig habe Tänzer in dem Lokal gesessen. Er, Schüler, habe sofort gesehen, daß Tänzer die anderen ouszuhctzen versuchte; damit-sie über ihn hersieten. Nach seiner Darstellung hat er Tänzer gewarnt und ihm erklärt, er werde ohne K-ach die Wirtschaft verlassen, wenn si: ihn in Ruhe ließen. Cr beobachtet« weiter, daß mehrere Männer ihre Plätze wechselten und, wie ihm schien, ihm den Rückzug durch die Tür abschneiden wollten. Da ahnte er, daß es zu einem Zusammenstoß kommen würde. Da tr deutlich an den Umrissen sah, daß Tänzer ein« Pistole in der Tasche hatte, sei er auf ihn zugegangen un» habe geschossen. Schüler oer- tritt den Standpunkt, daß er in Notwehr gewesen sei. Er wird in Hast behalten und dem Uittcrsuchuugsrichter vorgeführt werden. Der Streit zwischen den Bereinen„Nordring" und„Santa ist nicht von gestern und heute. Dem Verein„Nordring" gehöreil als Mitglieder Kellner, Geschäftsführer usw. an. während sich bei „Santa Fe" mehr jüngere Burschen zusammengefunden haben. Zu ihnen gesellten sich auch' die, die aus dem..Nordring" ausgefchied.'n waren.' Wo auch die Mitglieder sich in Gruppen trafen, kam cs immer wieder zu Rempeleien und Schlägereien. Neujahrsreden. Die Empfänge beim Reichspräsidenten. Beim Neujahrsempsang denn Reichspräsidenten wurden Reden über die Weltkrise und das Problem der Arbeitslosigkeit gewechselt. Der apostolische Nuntius, Monflgnor Orfemgo, wies in seiner Ansprache daraus hin, daß die Erfahrung immer wieder erneut den Beweis erbringe, daß ohne die volle und aufrichtige Ein- tracht der Nationen cs nicht möglich sei, ein« wirkliche wirtschaftliche W i e d e r g e s u n du n g der Völker herbei- zuführen. Hoffen wir, so betont« dar Nuntius, daß auch die wirt- schaftliche Not ein Antrieb werde zu neuen ernstgemeinten V«r- suchen, um eine innere Einigung der Geister und Herzen bei den Rationen zu erreichen, die allein eine sesle Gewähr für eine gesicherte Freiheit und Ruhe unter den Völkern biete. Der Reichspräsident erklärte in seiner Antwort, daß die Auswirkungen der Weltwirtschaitskrise mit besonderer Wucht das deutsche Volk ttqssen. Die'Hoffnung Deutschlands auf eine dauernd! wirksame Besserung der Lage sei auch von Umständen abhängig, über die das deutsche Volk nicht allein Herr sei.„Mit steigender Spannung", betonte Hindendurg,„erwartet das deutsche Volk,.daß die i n t e r n a t i o ir-a l e Zusammenarbeit sich im kommenden Jahre als wirksam genug erweist, um das deutsche Volk vor weiteren schmerzlichen Enttäuschungen zu bewahren. Der Ausgleich der starken Interessengegensätze, die allenthalben das politische,!>ri- schasiliche und soziale Schicksal der Völker brdrohen, kann nicht von den einzelnen Ländern, kann nicht in Vereinzelung vollzogen werden. Zusommenarbcit aller, Jusommensassung vller positwen Kräfte zur Neber windung der Krise, zur Beseitigimg der Hindernisse für den Fortschritt der Menschdeit ist die große Friedens«, ttgabe. an der Deutschland mitzuwirken entschlossen ist." In seiner Antwort auf die Ansprache des Reichswehrministers, der daraus hüuvies, daß die Reichsregierung vor die ernste Frage gestellt sei, ob das deutsche Volk die in dem neuen Plan vor- gesehenen Lasten zu tragen vermöge, wandte sich der Reichspräsident init besonderem Nachdruck gegen eine künstliche Verschärfung der polttischen Gegensätze. Den unfreiwillig feiernde» Händen Wiederbeschästigung zu schassen und dem deutschen Landwirt seine Existenzmöglichkett zu er- hatten, sei aus den, Gebiete der woere» Palütt die erste Sttqgabe Oer Kapitalismus versagt. Englands Premierminister spricht cs aus. London. 2. Januar. „Tailt, Herald" veröffentlicht einen Neufastrearticel Mardonaldö. in dem es heißt: 1st3t> war ein schwercs Jahr. Niemals vorher in der Geschichte der Welt wurde ein solcher Praktischer Nachweis von der Richtigkeit des sozialistischen Standpunktes erbracht, daß die Maschinerie deS Kapitalismus zusammenbrecipen muß.- Macdonald ist jedoch optimistisch und glaubt, daß die Auswärtsbcwc- gung eingesetzt hat. Macdonald hebt eingehend hervor. was die Arbeiterregierung für das Land getan habe, und schließt mit der These, daß niemand jetzt Neuwahlen wolle. Flottenpakt in Krast. parter Gilbert- Kompagnon Morgans. Washington, 2. Januar.(Eigenbericht.) Präsident Hoooer hat zum Jahresende erklärt, daß der Londoner Flottenpakt mit Irlands Rattfizierung in Kraft trete. ParkerGilbert, der frühere Generalagent für die beut, che Reparation, ist als Teilhaber in das Bankhaus I. P. Morgan U. Co. wieder eingetreten._ Neue Abweichung. Bei den Neujahrsbällen in Moskau war der— Foxtrott behördlich verbot«», weil dieser Tanz«ine bürgerlich« Degeneration serscheinung sei. Tanzt Staiin jetzt linientreuen Tango. Blues oder gar Black bottom, der freilich in Red Bottam mn;u- noniien märe?! Der Volkskommissar für Tapz soll mehr für die 5)tnrichtungspolra sein. ' Weißgardistenbauden sollen an der O st ch i» e s i s ch e n E i s e n- bahn wieder aufgetaucht sein. Die Sowjetregierung hat immer wieder von China die Ausweisung dieser Element« nicht nur aus dem Bahngebiet, sondern auch aus der Mandschurei gefordert, ohne das bisher erreicht zu haben. Wetter für Berlin: Uedergang zu vcrändcUichen, W«!t:r. Temperaturen über Null.,— Für Deutschland: In West- und Mittel- Wilhelm Mlsche Zu seinem 70, Geburtsiag. ÄHthdm Sölsche ist bcr erste Jubilar bss Jahres 1931. Am �tfcn Januartage langt er an der Siebzigerecke an, und nicht zu zählende Glückwünsche wallfahrten heute in danlbarem Gedenken nach fein'er Villa Carmen zu Schreiberhau im Riesengcbirge. Sein Name gehört für die Dauer der deutschen Geistesgeschichte an als der des dichterisch begabtesten Naturwissenschaftlers uird des Wissens- reichsten dichterischen Gestalters unseres Zeitalters, mehr aber noch als der des phantasieoollsten, anregendsten und erfolgreichsten Ver- breitcrs der grohcn Naturerkenntdisse Darwins u. a. in weitesten Aolkskreisen. Noch im Siebziger sehen wir die Inkarnation des lunstheiter sonncnhasten Slhemländertums.(Er ist der Sohn eines vier Jahrzehnte an der„Kälmschen Zeitung" als Schriftleiter tätig gewesenen namhaften Journalisten.) Als Sechsundzwomzigfahriger zog er zu den jungen Stürmern und Drängarn jener Zeit, zu den Brüdern chart, chartleben, chaupt- n-.ann, cholz und Bruno Wille, und von Friedrichshagen bei Berlin ans, Gamals einem kleinen Schifferdorfe, wanderte er in den tuhtziger und neunziger Jahren allsonntägtich zur freireligiösen Gemeinde in !L«rlin und hielt in einem Tanzsaale seine Erbauungsstunde ob oder s�ach in der Arbeiterbildungsschule dichterisch beschwingt von der dichtenden Natur als rhythmisch sich verschwendender Erzeugerin oder dergleichen. Und seine begeisterten chörer wanderten an seiner chand durch die Natur wie in einem chimmcl voll herrlichster Garten- schönhcit. Damals gründet« er mit anderen die Freie und die Neue freie Volksbühne in Berlin und leitete deren Zeitschriften, war auch eins der eifrigsten Mitglieder des literarischen Vereins„Durch", einer der geistigen Bruderschaften jener Zeit, deren schöpferischen Meinmigsaussprachen die auch darin verarmte Gegenwart nichts an- nähernd Gleichwertiges an die Seite zu fetzen vermag. Damals schrieb er unter dem Titel„Naturwissenschaftliche Grundlagen der Poesie"«ine„realistische Aesthettk", in der er vom Dichter natur- wissenschastliche Schulung und von der Dichtung Anpassung an die Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Forscherarbeit verlangte,«ine Forderung, die schon 40 Jahr« vorher Wilhelm Jordan, der sich später .der Dichter der wiss«nschasitichen Erkenntnis" nannte, aufgestellt hatte und die„natur"gkmäv unerfüllt blieb und immer bleiben wird. Der liebe alte Lölsche, der Mann mit dem schönen weißen Forscherkops und der schönen braunen Samtjacke, ist allzeit aus lebendiger Kunstnäh« an sein« Darstellung«» aus dem weiten Gebiet« der Naturwissenschaft«», und mit der gediegenen Ausrüstung lies- dringend unterrichteten naturwissenschaftlichen Sachverständnisses an seine iabuli«rfreudigcn poetischen Lebensgeinälde herangetreten. Davon zeugt einmal sein betanntester, übrigens unverkennbar halb sclbstbiographijcher Roman„Die Mittagsgöttin", in dem ein Zweifel- geistiger Lebcnsvcrnciner und sehnsuchtsvoller 5)»ngcileidcr nach dem Uncrreichlichenzu vernunsrbestimmier Mäßigung uferloser Neigungen und Veranlagungen und zur geistig-persönlichen Harmonie des Lebensbejahers sich nnporläutert: und auch sein schalkhaft Humor- volles, doch ernsthaft unterkellertes, den Seelenraufch rechtfertigendes „Römer- und Germanenmärchen vom Ursprung des Biers" unt«r dem Titel„Der Zauber des Königs Arpus", eine seiner frühesten Dichtungen, die erst unlängst in 15. Auflage heraus kam. Ebenso nachhaltige Zeugnisse dessen sind seine an«igenwüchsigen Ideen reichen prächtigen und naturwissenschaftlichen Schriften„Bon Sonnen und Sonnenstäubchen",„Stirb und werde",„Lichtglaube" usw., und vor allen anderen sein berühmtes dreibändiges.Liebesleben in der Natur", das die Geheimnisse von der Geburt alles Lebenden mit der seelischen Zartheit einer aller Kcutschhcitswunder vollen Mutter enthüllt. Immer hat sich Bölsche mit großem Glück bemüht, die Forderung zu erfüllen, die er an die Dichter in seinem Jugcndwerke stellt:„den idealen Faden, den fortwirkenden Hang zum Glucke und zur Gesund- heit. der an allem Vorhandenen hastet, durch«ine gewisse geschickte Behandlung deutlicher herausleuchton zu lassen". Jedes seiner Werke erinnert uns an das schön« Dürer-Wort von der in der Natur stecken- den und aus ihr herauszureißenden Kunst. Und gern schließen wir uns der 5)offnung seines Zukunftstraumes an, daß dereinst der Mensch- in einer sreigeistigen Friedcnszeit voll höchster ästhetischer und ethischer Kultur sein« Welt bewußt zu einem Sesamtkilnstwerke umzuschassen sich berufen fühlen werde.?au1 Wittko. Gastod eines Ehepaares. r" Selbstmord in höchster wirtschafilicher Not. Im Badezimmer ihrer Wohnung in der Ansbacher Str. 42 mürben heule vormittag der Ibjährigc Kaufmann Oskar Villa und jeliw 45 Zahre alte Frau Erna durch Gas verglftek tol auf- gefunden. Villa war Auslandsdeulschcr und vor etwa drei Jahren nach Deutschland zurückgekehrt. Trotz aller versuche gelang es ihm nicht, hier sestea Fuß zo sassrn. Einige verlrstungen. die er er- morben hatte, warfen so wenig ab. daß er mit seiner Frau in immer größere Not geriet. Schließlich kamen beide zu dem Entschluß, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Am Neujahrelage schritten sie zur Ausführung der Tat. V. hatte an der Wohnungslür noch ein Schild beseftigt„Vorsicht, Gas!", wodurch Hausbewohner aufmerksam wurden und die Polizei alarmierten. Furchtbarer Roheitsakt. Mu unbekannt gebliebenen Personen geriet in der Reusa h r s n a ch t der 87 Jahre alte Arbeiter Willy Kar, der in der Kolonicstr. 71 am Wedding wohnt, vor dem Hause Sir. 69 in einen Streit. Seine Gegner zogen plötzlich die Messer und brachten Kor mehrere schwere Kopfverletzungen bei. Durch einen Stich wurde auch ein Auge zerstört. Die Messerstecher flüchteten und sind noch nicht ermittelt. Der Schwerverletzte wurde nach dem Jüdischen �rrinkenhouse gebracht, konnte aber noch nicht vernommen werden. Man weiß deslfalb nicht, ob Kar die Leute kannte und aus welchen Gründen es zu dem Zusammenstoß gekommen ist. Zeugen, die den Vorgang, der sich kurz noch 1 Uhr abspielte, beobachtet haben oder über die Täter etwas wissen, werden gebeten, sich ans dem 48. Polizeirevier in der Koloniestr. S zu melden. Guisbesitzer erstochen. Freiherr v.Maltzahn von feinem Schäfer im Streit erstochen Malchin, 1. Januar.(Eigenbericht.) Am Doirnerstag mittag ereignete sich auf Schloß Gruben- Hagen eine schwere Bluttat. Der Rittergutsbesitzer Freiherr von Maltzohn, der einer alteingesessenen mecklenburgischen iAdelssamUi« angehört, geriet mit seinem Schäfer Jako b i in Streit. Jokabi zog plötzlich sein Messer und brachte dem Baron mehrere tiefe Stiche in den Rücken und in den Hals bei, so daß dieser nach wenigen Minuten verstarb. Der Schäfer leistete bei seiner Verhaftung heftigen Widerstand und gab auf die Landjäger iii« h r« re S chüsj« ab. Er wurde gefesselt in das Amtsgerichts- gesängms Güstrow eingeliefert. Erdbeben bei Wien. Wien,?. Januar. Am Neujahrstag« ist um 5Vs Uhr morgens in dem in nächster Näh« von Wien gelegenen Kurort Baden ein Erdbeben wahrgenommen worden, das in nordsüdlicher Richtung verlief. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde durch ein domieriihniiches Rollen aus dem Schlaf geweckt. Das Beben dauerte jedoch nur einige Sekunden und richtete keinen Schaden an. Silvesteroper und Silvesterkonzert Spiel oder Ernst? „Spiel oder Ernst?"— Die Frage, die I. N. von Rrcznizeks heiterer Opernakt führt, gewinnt am Premieren- abend symbolische Bedeutung. Das Silvesterprogranun der Lindcnoper huldigt altem Theaterbrauch, der für die letzten stunden des Jahres Ausgelassenheit und sorglos frölstiches Spiel Schreibt; die Volksbühne schafft sich ihre eigene lieber- und erhöht mit der Aufführung der Neunten die Mitter- nacht y,,, gnjjresujenbe zur ernsten Feierstunde. Ist, was da im burgen�n im proletarischen Theater offenbar wird, ist ein Kontrast � Klassentempcramente. die derselbe Anlaß auf so gegen- »'gliche Ari Spiel oder Ernst, in der Frage scheiden sich Hergedracht"N�xliche und sozialistische Einstellung zur Kunst, n.chl- nt'r Zur des Theaters. Dort: Kunst als Spiel, das, ohne innere �unl Leben, seinen Zweck darin erfüllt, von dtefern abzulenken..»�r. K�nst und Leben in befruchtender Wechsel- Wirkung: da? Leben � f�mer Wirklichkeit als Kraftquelle aller Kunst: lind die Kunst(as konzentrierter Ausdruck des Lebens, steigernder, verdichtender �r es aus feiner Alltagseben« hebt.- Einakterabend in der Lindenoper. Die Hauptfiguren des aus dem beinahe Ernst wird, lind Opernsänger: Schauplatz Ist �stre Opembnhne: die Bühne der Lindcnopcr, die ohne Vorhang und ohne Dekoration offensteht wie ö» einer vormittägliche» Theaterprobe. Man erwartet ein l'irnndelleskes Hin und Her zwischen Bübnen- und Lcbcnsreakität: oder zumindest eine moderne Lache-Bajazzo-Komödie. Aber bald erweist sich die anspruchsvolle, wenn auch nicht mehr originelle Auf- machung eben imr als ,. Aufmachung" als mangelhaft ausgenutzte Drapierung eines schwanihaften Eifersuchtsspicls zwischen zwei Männern, von denen der eine Operntenor ist,„dumm" wie dee Tenor der Opcrnlegende, der andere Opcrnbassist. Daß der Tenor in solchem Spiel, das bewährte Theaterscherze würzen, seine Eignung zum Opern-Othello erprobt, ist wohl die einzige Idee dieses auch dramaturgisch recht harmlosen Stückchens. Immerhin gibt das Libretto Poul K n n d f e n s dem Komponisten Gelegenheit, seine Meistcrschast auf dem Geßiet der Komischen Oper und im anspruchs- vollen Rahmen kleinster Opernsormen zu zeige». Seine Musik. freilich nicht reich an fubstanziellcn Werten, hat spielerische Leickstig keit und Liebenswürdigkeit, ohne ihren Untergrund ernstesten Mu- fikcrtums zu verleugnen. In einer hübschen Ausführung ein unbe- strittoner Erfolg., Der Wllle des Publikums, den Abend in vergnügtester Laune zu verbringen, droht in Unwillen umzuschlagen, als ihm sin Tonz- spiel„DUvesterspuk" von Tansman-Laban vorgeführt wird, dessen tänzerischer Sinn und Reiz ihm offenbar ebensowenig eingeht wie der Rhythmus der wesentlich aus Strawinsky-Klischees zusammengesetzten Musik: obendrein wird diese unzulänglich gespielt: das beste sind die Tanzplatien eines Ultraphonapparates. Den ge- lährdeten Abend rettet Of send ach, dessen uralle„Verlobung bei der Laterne" zum künstlerischen Höhepunkt wird. Viel Beifall für den Dirigenten Leo Blech und für olle.Hrmn Darsteller: Vera Schwarz, Tilly de ffiaviiTO, W i t t r i s ch, GuUmonn, Ernster, Henke. Die Neunte in der Volksbühne. Beethovens lfteunte Sinfonie in der Silvesternacht, das war vor drei Jahren in der Volksbühne ein Versuch von revolutionärer Kühnheit. Heute ist es ein Ereignis, ausgestattet mit der Gültigkeit guter Tradition. Aller Veranstaltungen des Berliner Kon- zcrtwinters haben die schlechte Konjunktur dieses Notjahres zu spüren: für dies Silvesterkanzert müßte das Hans am Bmawplatz um ein Vielfaches größer sein, um olle als Besucher aufzunehmen, die daran teilhaben wollen. In der ersten Stunde des Jahres Schillers Hymne ans die Freude, Beethovens Internationale der Menschenliebe: das Bekenntnis zur Völkerverföhnung und zum Völkerfrieden, in solcher Stunde im Arbeitertheater verkündet, ge- wmnt diesmal mehr denn je menschlich-polllijche Bedeutung. Die Aufführung, für die der Kölner Eeneraimusikdireitor Hermann Abendroth als Leiter berufen wurde, hält sich aus der Höhe der Aufgabe und des Anlasses: mit dem Philharmonische» Orchester, dem Berliner V o l k s ch o r, dessen Leistung besonders zu rühmen ist, und mit einem erlesenen Solistenqirartett. Die Le- geisterung der Hörer ist nicht nur schöner, sie wirkt auch echter und überzeugender als die verschlissene Ulkstimmung. die sieh das Siloesterpublikum der bürgerlichen Theater Jahr für Jahr abringen läßt. Rlans Pring.-heim, Silvester im Schiller-Theater. „100000 Taler.* Sil nester will der Bürger fröhlich sein, die Not des Lebens ver» gejsen und, weim's geht, auch einmal über die Stränge schlagen. Die alle Thcatersllte, diesem Verlangen entgegenzukommen, hatte das Schiller-Theoier veranlaßt, David Kalischs alle Posse„106 000 Thaler" aus dem Jahrs 1847!) auszugraben und neu montiert vorzuführen. Wer hätte auch heute den Mut, ein Stück zu verfassen, das Silvester» slimmung bringen könnte. Aber mit der Alt-Berliner Posse, die ja wesentlich aus den Namen Kalischs geht, ist es auch so'ne Sache. Das Beste an ihr ist der Alt-Berliner Witz, diese im Grunde ge- inütliche und gutmütige Schnauzigkeit. Die Handlung ist meist nach französischen Vorbildern geschaffen und von einer typisch klein- bürgerlichen Moral fundiert. Di« Bearbeiter Emil Ramean und Hans Halden haben außer ein paar Aktnalisierimgen und Umdichtungen der Couplets sich wesentlich an das bewährte Alte gehalten, sie spielen den seligen Äalisch mit einer Andacht, als ob es ein Klassiker wäre, von dem lein Wart verloren gehen dürste. So dauerte die Sache dreieinhalb Stunden und beweist wieder einmal, daß zuviel Diät nur schadet. Man müßte gehörig kürzen und das Tempo beschleunigen, dann würde die Vergnüglichkeit zunehmen. Aber das Publikum amüsierte sich auch so: es war ja dazu hergekommen, und in dieser witzlosen Zeit schlagen auch manche der»essen Worte des späteren Kladdera- datsch-Dichters noch«in. Vor allem lzatte man den volltoinmcnsten Genuß an einer richtigen Berliner Soubrette, wie wir sie seit vielen Jahren nicht mehr gehabt haben. Lneic Mannheim umgab das mundfertige Dienstmädchen Wilhelmine mit sowiel Anmut und an- steckender guier Laune, daß man die Längen und Breiten der allen Posse gern in Kauf nahm in der fröhlichen Aussicht, zur rechten Zeit durch diese graziöseste aller Wilhelminen und ihre pointenrciche Coupletsing�rei wieder entschädigt zu werden. Die drei Berliner Iungens. die so unerwartet z u Seid und ums Geld kommen, wurden von Paul Bildt, Veit Harlan und Franz Weber mit all der Freiheit und Ausgelassenheit gespielt, die man am Silvesterabend gern konzediert. Paul Bildt schuf ein« echte Berliner Type mit seinem Stullmüller, und Veit Harlan spielte sich als Bullrich auf den wilden Mann hinaus. Rosa P a t e g g als Obstfrau, Elsa Wagner als Coupletsängerin, Hans L e i b c l t als Hausbesitzer trugen jeder zur Förderung der Lustigkeit bei. Es gab allerlei gut gemachte Milieus und eine Walzereinlage von Strauß, die zu den Krinolinen- kostümen gut paßte. v. Im Westen m'chis Neues. Verschüttete sollen ausgegraben werden. Paris, 2. Januar.(Eigenbericht.) Wie der sozialistische„Populaire" milteill, sind ehemalig« deutsche Offiziere auf dem Schlachtfeld de» Beil Armand in den Bogesen ein- getroffen, um Ausgrabungen vorzunehmen, da, wie sie angaben. 80 Mann ihres einstigen Regimentes in einem bombensicheren Unter- stand verschüttet und bisher nicht wieder vorgefunden worden feien. Diese Laichensuche kann mir mit Erlaubnis der französischen Regierung geschehen. Will das Auswärtige Amt nicht vor- beugend für die Möglichkeit sorgen, Photos der Funde zu verbieten� Sollte sich aber der Verlag Hugcnberg das Monvpol daraus gesichert haben, so entfiele natürlich die Notwendigkeit irgendwelcher omt- lichen Erwägungen. * Der christlichsoziale Landeshauptmann von Oberöstorreicht, Schlegel, hat sich beeilt, dem„Anraten" der Bundesregierung folgend, den Remarque-Film zu verbieten. Am Premierenabend in Wien machen die Kriegsbedürftigen eine Meng« Versammlungen: aber das Schivedentino ist auf drei Wochen an die Sozialdcmo- kratische Kunsthalle ausverkauft! Die Direktion haller hat wegen finanzieller Schwierigkeiten am Silvesterabend ihre Tätigkeit eingestellt. Der neue Reißer„Aus den Fleck" hat das Defizit der„Czardasfürstin" nicht wiedergutmachen können. Die Hausbesitzer lassen durch einen VertrmiSnsmann das Repertoirestück vorläuflg weüerfpielen, so daß keine Entlassungen vorgenommen werden müssen. Königsgräber vom Ur freigelegt. Die- Expedition, die von dem Archäologen Wooley geführt wird, hat in Ur im alten Chaldoa wichtige Entdeckungen gemacht. Wie das britische Museum bekannt gibt, sind die Gräber dreier Könige von Ur freigelegt worden. Die Könige sollen der dritten Dynastie ron Ur angehören und um 2400 bis 2300 v. Chr. regiert haben. Es handelt sich um die Gräber der Könige Ur-Engur, Dungi und Bur-Sin, die in der genannten Reihenfolge den Thron von Mc�ipotamicn inneliattoii. Friedrich Maesl liest aus Einlntmng der BolkÄbijhnie Montag. 5. Januw: 20 Udr. in der Siula des(ßhinnafiumä zw» Grauen Kloster,.Klosterslr. T I, aus den..33 Anekdoten" von lLilfjelm Schäfte. Vi« Audslcllunz„Deutsch« Kunst der ÖJegeauxut" wurde m den Räumen der Wiener Sezession durch den Bundespräsidenten MtkloS feierlich eröffnet. Kuastflihruogen. Sonntag sprechen: 9 Ubr. Dr. Blüm«! über den Pcrgamoiiallar nnd seinen GiganteiisricS im Pergamon-Muleum:>0 Uhr, Dr. Drey er über KUIchriltliche flunft im Vaiser-Friedilch-Muleum. ilcrauimottl. für die Rcdai'ion: ö-l-ert Lc»er«, Berlin! Anzeigen: ii. Jictün.'Leilag: äleimötls Verlag&. m. b. Jä., Berlin. iTnicE: Lorwärt- rirthv(«ttlrtiT X-(TtV ßfi. P.rtlhff.llfl __ Steife, Berlin. Verlag: Vurwärla Verlag ib. m. v. u.. Vernn. utua: Lorwiir!» Buck- druck, rei und B-rlagaanstalt Paul Lingcr K Co.. Berlin EW 05, Lintel, straffe 3. Hierzu 1 Beil»»e. Reichshailen-Theater Ubecds Iii Sanolaj Kjdiaiittag FT7"! Uhr Das proBe lanuar-Proor. der stenmer ssinger Nachm. ermäßigte Preise: Dönhoff> Brettl: Das hervorragende Variete-Programm! InvenMiir-AusverKauf i Kleines TheaM Täglich 8V« tjhr: iDcrgr Lacherfolg! unserer Detail�Abteilung in fast allen Abteilungen zu bedeuten d npn Miictannattp herabgesetzten Preisen ♦ Verkauf eigener und anderer Fabrikate r';. f~,,B ,— Schwank mJ Aklen | Verkaufszeit S bis 17 Uhr, Sonnabends 8 bis 14 Uhr e Beginn 5. Januar Beriin-AdlersheF, Adlercsestell 265 fennTr-:»«"W"7, 238, 2t Mechanische Feinweberei Adlershof A.-G. ilamnierspiele 8'.« Uhr: Juäes uücite uiten von Tristan Bernard Reqie: Rnt Dcppe Die Komddie S'/» Uhr Die Fee voi Franz Moinar Regie: Stefan Rod!. SüDlsöies Ibgaier 8 Uhr Elisabeth von England »od Fern. BnioKncr Regie: Heinz Hilpert ttn ''ufeSsim Singspiel in Tiden Bildern. rsi:l,' Stark.«»tot tenbauer, original Tiroler Wat*ebent«nier. 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Ander, P. Henckcls Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen lag geöffnet! Das Land des Lächelns mit Richard Tauber— Jugendliche haben Zutritt 9" W e s ko n fc Primus-Palast Potsdamer Stk 19 Ecke Margaretenstr. Der Tonfilmschn-ank; Drei Tage MlUelarrest mit Luelc F-ngli-th, Fritz Schulz, Max Adaiberl. f Frledfich»t«dt M Franziskaner Oeorgcnstraßc(Ecke Friedtichstraac) II, 2. 5, 8 und II Uhr: Das Erlebnis einer Nacht 12. 3. 6 ünd 9 Uhr; Zimmer 107<6 mal verboten) Ein spannender Sketseb 12.45. 3.15. 6.45. 9.45 Uhr: Da* Donkosakcn.led— Neueste Kultur- und Woohcucfaau— Revue Täglich 3. 5. 7, 9 Uhr Die Kamera Unter den Linden 14 K rnfopp vor SO Jahrcja Die Konsenenbraut— Engelein inr» w 6.45 u. 9 Uhr yy eil-nmo Sonntags ab 4 Uhr Mt-Moabit 99 Jugendl. Zutritt Tonfilm- Humoreske: Der tatsche Feldmarschall mit Vlesta Buriao, Roda. Roda, Fee Malten, H. Frank, Micky Mau*— Beiprogramm W_ Chaiiottenburg b Kant-Lichtspiele Kamslr 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilm; Er oder Ich mit Harry Plel— Gutes Beiprogramm Moabit .5 Artushof-Lichtspiele PcTloberjJer Straße 29 Film- und 5Qbncnschau Woclicnt. ab Sonnt ab o llti Der widerspenstigen Zähtnvnd mit Doogios Fairbapks*— Ktczmarrk Schlüter-Theater Schlütcrstr. 17 Beginn; 5, 7, 9 Uhr Stg ab 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Tonfilm: Liebling der Götter mit Emil Jannlngs— Tonvoche D WHmarsUorf Atrium Beba-Palasl T�p�uhr Kaiserallee. Ecke Berliner StraBe W. 7,9.15 U. Sonnab. u.Stg. 5, 7, 9.15 U. Tonfilm Uraufführung: Tingcl-Tangcl mit Ellcabclh Pinajcft, Emst Vcrebes, Frtlz Kampers g Scrtöeöütuer-5|*~~*T� Titania Schönebg. HauptstraBe 49 lOOpiOz. Tonfilm: Der Hampelmann mit Max Hansen Lohntag mit Charlie Chaplin Ab Sonntag: Leutnant warst da einst bei den Husaren Friedenau Kroucn-Lichtspicle Rheinstr. 65 W. 5, 7. 9 Uhr Sonntags ab 3 Uhr Tonfilm-Operetlc: Liebesparade Beiprogramm W Stegiat»> Titania-Palast sJg.cMo'ou. Steglitz. Schlofstr.ä. Ecke Qutsmuthsstr Zwei Mensdien mit Cnsiav Fröhlich Charlotte Susa— Tonbeiprogramm (g Eehtenberf-Mlttb"� Wochentsps 7. 9.10 Uhr Sonntags 5. 7, u.10 I hr Potsdamer Sir.SO Stg. 230: Jgd-Vorst. Die' singende Stadt mit Brig. Helm, J. Kicpura— Jugendliche Zutritt Zcli UMarlcadorlcr Licbtspirlr Wochentc ab 7 Uhr Ma Ciiaussecstr. d'J5 lOUproz. Tonfilm: Das Land des Lächelns— Bcipr,- Jugendl. Zutritt Tampelltor Tivoli Berliner Str. 97 Bcg. 5, 7, 9, Sonntags 3 Uhr: Jug.-Vorst 109 proz lonfilm: Er oder Ich der erste Harry-Piel-Tonfilm Micky Maus als Pampasreiicr Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. Lo. ab 3 U. Krimfnaltonfilm; Der Schuft Im Ton filmatelicr mit Gerd« Maams Fox-Tonwodbc— Beiprogramm FUm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7. 9. Stg- ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: Bin M&dcl von der Eeeperbabn m. Trade Berliner Beiprogramm • sa««n« Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbansir. 72/76 Beginn Sonnatd. Z 7, 9 U-, Sonnt. ab�7, Liebesparade mit Ernst Lnbitsch Die schönste Torfilmoperette der Saison Böbnenschau Oas gute Beiprogramm Th. am Moritzplatz Bcg.: Wöchig, ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Liebling der Götter mit Emil Jannings Grefte* Beiprogramm W WukftHn"Tl Mercedes- Palast Hermannstraßc, Ecke JägerstraQe Werktags ft3'« Uhr, Sonntags 3 Uhr lOOproz. Tonposse: Der falsche Feldmarschall mit Rod« Roda, Wilhelm Bendow Bühne- Gastspiel Wilhelm Bendow u. Hilde Aocn in Die TheaTerscbaile tfiilriylf W'och e n t. 6,45,"9 U. AUKUiL Neujahr ab.4 Lhr Kottbusser Dainrn 92 J 00 pro�-Ton posse! Drei Tage MIHeI«rrc«t mit Loelc Englisch, Fritz Schulz Beiprogramco Südosten Filmeck Skalitzcr StraBe, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6J0 und 9 Uhr Sonntags; 3, 5, 7, 9 Uhr 100 proz. Tonfilm: Fat und Fatachon .1000 Worte Deutsch- Beiprogramm— Böbnenschau Jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater Relchenbergcr Str. 34 Anf. W: 6 30 u. 9 U. Stg. 3. 5, 7, 9 U. Tonoperette: Liebesparade mit Maurice Chevalier Böbnenschau Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 6.30.» U. Sonntags ab 3 Uhr Der größte Lacherfolg des Jahres! 100 proz. Tonposse: Drei Tage Mittel arrest mit L. Englisch, Fritz Schulz Beiprogramm— Böbnenschau Sternwarte- Treptow Sonnabend 8; Sonntag 4. 6, 8 Uhr- Film: Die heiligen drei Brunnen mit Lni* Trenker W Nordosf«i W JSly SIUITI Prenzlauer Alfee 56 W. 5.15, 7. 9.15. S- 3.15,5, 7.15, 9 15 Uhr Drei Tage Miilelairest Bühne: Fredy Rolf* Jaza-Synphon Tönende Wochcnschan J* y n"* 1 W ochenr. 6 45, V U- LfAL�IMOr Sorntags ab ,4 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße I9i" lOOproz Tonfilm: hohlhimels Töchter mit Hcnny Porten, Kempers Pelprot-rarom jugendl. haben Zutritt Stern, Hermannstraßc 49 Wochentags 6 45. 9. Sonntags ab 3 Lhr 109 protj Tonfilm: Da» Land des Uichelns mit Richard Tauber Beipiogramm Jugendliche haben Zutritt Flora-Lichtsp. Tägl. 6.30, 9 U.. Sbds. 5 U., Slgs. ab 3 ü. Tonfilm: Der Hampelmann mit H. Hansen, Lien Deyer* Greftes Beiprogramm ■ g*««»» Germania-Palast Fr.inkfurtei�Allep 314 Beginn der ersten VörMellungtn Wochcn gs. 6 30 U, Sbds 5, Stgs 3 U. Der größte Lacherfolg des Jahres! lOOproz Tonpo�sc: Drei Tage Milfcl- «rrest mit Lude Englisch, F. Schulz Auf der Bühne: Dorin und Partner, Musikalische Extravaganzen Luna-Filmpalast f�u. Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilmerfolg: Oer Hampelmann mit Max Hansen, Llon Ocycrs Bü.; 6 Ponolas, Harfen und Gesang Pratcr-Lichtspicl-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 5, Stgs. 31/. LL Rothaut mit Rieh. Dix Wellen der Leidenschaft Bühne: BaUeltrevoe Schwarzer Adler I»«« Woch. 5. 7, 8.45. Sonntg. 3, 5, 7, 8.45 U. lOOproz Tonfilm: Das gestohlene Gesicht mit M. Adalbert Micky Maos als Badenixe Comcnius-Lichtspiclc Mcmeler Str. 67 W 6 Vi, 9 U. Sias ab 5 U. Tonfilm: Die lustigen Musikanten (Laubenkolonie) Gutes Beiprogramm Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3>'- U. Tonfilmoperette: Da« Land de» Lächelns mit Richard Tauber Grones Beiprogramm Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U.. Stg. ab 3 U. lOOproz. Tonfilm: Der falsche Feldmarschall mit Roda Roda Bühne: Die einzige deutsche Damen' fazzbandkapehc iugendl Zutritt Vikforia-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7, ca 8.45. Stg, 3, 5. 7. 8.45 U. 100 proz Tonfilm: Kohlhlesels Töchter mit H. Porten, Kampers Tonbeiprogramm Jugendl. Zutritt R neTn"'S Kosmos-Lichtspiele LOckstraBe 70 Beginn Woch. 5, 7, 9 U. lOOproz. Tontilin: Stg. 3. 5. 7. 9 U Kohlhietcl* Töchter mit H. Porten, Kampers— Gnies Beiprogramm g Frieorlchsfelda p Kino Busch Alt-Friedrichsfelde j Beiprogramm P«t und Palach cm als KunstsÄützcn Die leichte Isabell mit Lee Patry, Gustav Fröhlich Sdlloftpark FOm- Bühne Berliner Alice 206— 210 Böbnenschau Tonfilm. Der keusche Josef mit Liedtke. Bender Cr. Beiprog Alhambra|\ük'iTcerS36 lOOproz Tonposse; Drei Tage Mitte!- arrest mit L. Englisch— Micky Maus Pharus-Licfctspiclc Alüllerstr. 1 42 � 5, 7. 0 U 100 proz Tonopcrctlc Das Land des Lächelns mit Richard Tauber Beiprogramm Jugendliche Zutritt Mila-Licfatspicl-Palast Schönhauser Allee 130 W.S'b, 5.4'* Tonoperetie: Die Cslkosbaronc� mit Qxctl Theimer Böbnenschau Pankow Palast-Theater Breite StraBe 21 a W. 6.30, 9, Stg. 4,6.30, 9 1Ü0 proz. Tonfilm: Scuanne macht Ordnung mit 7. von Aalten Grofte Bühne»*™*0 Tivoli, Pankow w 6,30. 9 u.. Berliner Straße 27 Sonnab. 5 U.Stg ab3L). TonMmt Die singende Stadt mit Brigitte Helm, Jen Klepnra i.g: Lilian Hellen(v. Wintergatte nl �W«waerwhanh»u»eH FUm-Palast Ä;— 1? Blankenhureer Str. c So 2',? JpL»V, Wochig. 6J0, 9 U., So. 4 30. ö-«.' U Tonf.lm: Kohlhlesels Töcht-r mit Henny Porten, frlf* Kamp-'« Lustig. Beiprogramm Jutcndl. Zutr. c Tasel Filmpalast Tegel suaSe 2 Stgs. 2 U Jgd.-VOMI, VV.6. S*-&. 4',« LI. Tonlustspiel: Pension Schöller mit Jak. Tirdtke, E, Brink; Fr. Schulz Ab Sonnen: fonfüm: Fla0»smavn a.s Erzieher mit AHred Brann Union-Theater Hauptsu a Sig. 2 Jgd-V, W e.SVr.Stg-i'.Vö' z. 8'< U. Nischen mit Harry Ued.'ke Am Tode vorbei Hennisidorä Ib Filmpalast s,g Berlinet StraBe 59 stg. 2 u iua.-VorkL TonlLmoperettet Das Land Lächelns mit Richard Tanb>.r Grones Beiprogramm de« <0eifoge Freitag, 2. Januar 1931 dwOrBl �tr.cjUuLHysße An loft&tisi* Der friderizianlsche Soldat Das Bild der Geschichte neben dem Oeldruck Hugenbergs fletn Sokdnt ist wie der preußischc. so erbärmlich gepeitscht ivorden S ch a r n h o r st. Wemi gegen Ende des dr-rch und durch verlogenen„Flöten- kanzcrt"-Films die Fahnenkompogni« mit den mehcuizen Feldzeichen vor Herrn Gebühr in der Fridericuo-Moske im Stechschritt die Beine schmeißt, bubdern die Herzen aller hysterischen alten Jung- fern— es grbt auch solche männlnhen Geschlechts— und die nativ- nalisti>chen Hosenmätze— es gibt auch solche mit Vollbart— übere schlagen sich in kreischender Begeisterung. Sie berauscht die absolute Oberfläche, die reine Zleußcrlichkeit, der schöne Schein: Präsentier- griff. Parademarsch, Blechmützen und Blechmusik: selbst sie würde ein Grauen ankonrmeir, wenn sie einen Einblick in das wahre Wesen des fridecizianifchen Heeres hätten. Das Preußen Friedrich Ii. war eine einzige Ka- ferne: einer, der selbst den Ringkrogen des friderizionifchen Oifizisrs getragen hotte, von Behren hör st, nannte die preußische Monarchie sehr treffend„nicht ein Land, das eine Armee. sondern eine Annee, die ein Land hat". Als Friedrich den Dhron bestieg,.zählte das Heer lOltlKXI Mann, die von den sieben Millionen Talern Staatseinkünfte nicht weniger als fünf Millionen verschlangen: im Lauf seiner Regierungszeit schwoll die'bewaffnete Macht auf 200 000 Mainz an, deren Unterhalt dem Lande dreizehn Millionen Taler jährlich kostete. Aber mit einem modernen Volks- Heer Holle das nichts zu schaffen: vielmehr bildete die sriderizianische Armee eine große Fremdenlegion. Als der junge Friedrich seinen„A n t i m a ch i o v e l l" schrieb, gestand er zwar bereitwillig zu, daß„die besten Truppen eines Staates die einheimischen" seien und„daß Lohnsoldatcn einem Staate schlecht dienen", aber dieser theoretischen Erkenntnis entsprach die Praxis keineswegs. Das Kantonaleditt von l7l!3 war nicht, wie es manchmal heißt, ein Auftakt zur allgemeinen Wehrpflicht, son- dcrn nur ein Ausfluß des Grundsatzes Friedrich Wik'- h« l m s l.:„Die ewige Seligkeit i st vor Gott, alles andere aber muß vor inir sein." Es teilte dos Land in so und so viel Kantone, von denen es je einen jedem Regiment zur Werbung zuwies. Aber von denen,' die.chcin Regi- nicnt obligat", dos hieß: oushcbbar waren, gab es zahllose Aus- nahmen. Wohl griff der General von Krockow 777? den schul- Meister in Neukirch mitten aus dem Unterricht heraus, weil der Kerl 5 Firß 9 Zoll 3 Strich messe und zu Lehrern kleinere Leute gechtgten, und als der hart Betrostene stch mit emeni Gesuch bis aievden König wandte, wurden ihm obendrein vierzig Stockprügel oiDgezöhlt. Aber in der Regel wo reu es lediglich die erbunter- tonigen Bauern, die den Kuhfuß schultern mußten: nur zu e i n e in Drittel setzte sich das Heer a u s solchen„E in l ändern" zusammen. Friedrich selber sträubte sich mit Händen und Füßen da- gegen, daß sein schwachbevölkertes Land schärfer herangezogen wcrd«: der Ilntertan war als Steuerzahler wichtiger denn als Soldat, und dos erst recht in Kriegszeiten! Ve! Beginn des zweiten schl est sehen Kriegs verbot er seinen Ossizicren, auch nur einen einzigen Mann„aus des Königs Landen" zu nehmen, und auch sonst bekannte er sich zu der Ueberzeugung, daß man während des Krieges nur im Fall äußerster Notwendigkeit die Landeskinder aus den Kantonen zum Heeresdienst hermcholen dürfe. Zum Krieg- führen waren die Ausländer da, die anzulocken Werbe- osfiziere überall in Deutschland herumzogen und kein Mittel der List, des Betrugs und der Gewalt verschinähten: Wein und Weiber mußtxn häusig Herhollen, junge Burschen zum Empfang des Handgeldes kirre zu machen. Freilich waren nur die wenigsten derer, die den Werbern auf den Leim gingen, tumbe Parzioale. Di« Mehrheit— und aus einer solchen Mehrheit bestand Friedrichs Heer— bildeten internationale Berufslandsknechte, die sich aus dem Lumpenproletariat ganz Europas ergänzten und bald hier, bald dort in Sold traten. Häufig waren es die besten Brüder nicht. Karl Friedrich von K l ö d« n spricht in seinen„Jugenderinnerungen" von den Söldlingen,„die sich oft nur anwerben liehen, um dem Zuchlhause zu entgehen": auch andere zeitgenössische Berichte erwähnen die„gröbsten Ber- b recher" und„ausgelassensten Vagabunden" in den Reihen des Heeres, und Scharnhorst zählte„die Vagabunden. Trunken- botde, Diebe. Taugenichtse und anderen Verbrecher aus ganz Deutschland" als wesentliche Bestandteile des sriderizianischen Heeres auf. Eben Fremdenlegion! Da diese wüsten Kerle kein inneres Band an die Fahne fesselte, war die Desertion so an der Tagesordnung, daß einer der preußischen Militärreforiner, Generalscldnmrschall B o y e n, von den Ausländern in der Truppe sagte, baß sie„das Desertieren von emein Heere zum andern zu dem G-iverbe ihres Lebens machten". Rückte die Armee ins Feld, war gar aller Sinn aufs Ausreißen gespannt. Das treuherzige Wort, womit ein unter den Soldaten Friedrichs gesteckter Hans Naivus feine Fahnenflucht vor sich selber' vechtsertigte: Was gehen mich eure Kriege an!, war der Lcllgcdanke aller Geworbenen und Gepreßten unter den Fahnen des Preußenkönigs. Daß bei der Gefangennahme nichr nur einzelne, sondern ganze Truppenieile in den Dienst des Feindes übertraten, galt nicht als Seltenheit. Im Dezember 1744 führte Fürst Liechtenstein der Kaiserin Moria Theresia ein neues öfterrctchischcs Regiment vor, dos ans lauter preußischen Deserteuren bestand, und nach der Kapitulation von Breslau nahm so ziemlich die gesamte preußische Garnison, rund 4000 Mann, obwohl auf freien Abzug entlassen, bei den Oesterreichcrn Handgeld. Friedrich war sich auch durchaus im klaren, daß„Ausländer, die sich für Geld haben anwerben lassen, nur aus die Gelegenheit warten, wieder durchzugehen," und erörterte in seinen militärischen Schriften wieder und wieder die Mittel zur Verhütung der Descr- tion: er warnte u.'o. vor Nachtmörschen und vor Lagern dicht am Walde und schlug aar, Infanterie, die ein Gehölz durchziehe, wie eine Kolonne Sträflil»ge rechts und links durch Husaren geleiten zu lassen. Aus dem Jahre l74? berichtete der französische Gesandte V a l o r y, der im Gefolge des Preußenkönigs den Feldzug mit »mäste, aus Furcht vor Desertionen habe man sich nicht getraut, Patrouillen auch nur ein paar hundert Schritt weit anszusenben. Um diese Ausreißer von Beruf zu den willen- fo fe n Schießautomaten zu drillen, deren man ans dem Schtachtseld bedurste, schien eine barbarische Disziplin ronnötcn. Da nach einem Wort Friedrichs die Offiziere eine „despotische Autorität" ausüben mußten, war der sriderizianische Soldat eine der verprügeltsten Krealuren Europas. Selbst von den aus den Kantonen stammenden Landeskindcrn er- zählt ein so lauterer preußischer Patriot wie Nettelbeck, daß die jungen Leute beim Exerzieren von vertierten Drillmeistcru „aufs grausamste mißhandelt" wurden: alle zeitgenössischen Berichte stimmen in dem Urteil über die unmenschliche Bchandlimg überein:\ nach dem Zeugnis Scharnhorsts konnte jeder sechzehnjährige Fähnrich und jeder rohe Umerossizie? jeden allen Sotdoten wegen eines unbedeutenden, unschuldigen Exerzier- und Putzfehlers halb zu Tode prügeln. Unter den offiziellen Strafen stand das Spieß- r u t e n l a u f e n obenan: der Delinquent mußte, die Hände gc- scsselt und den Oberkörper entblößt, zwifchen zwei Gliedern seiner Kameraden durchschreiten, die mit Weiden- und Birkennitcn»n- barmherzig zuschlugen: wer zu sechsunddreißigmaligem Spießruten- lauf verurteilt ward, für den brachte man den Sarg gleich mit. Ulrich B r ä ck c r, der„arme Mann von Toggenburg", erinnerte sich aus seiner Dienstzeit, wie man Deserteure„durch zweihundert Mann achtmal die lange Gaste auf und ab Spießruten lausen ließ, bis sie atemlos hinsanken, wie sie des folgenden Tags wieder dran mußten, die Kleider vom zerhackten Rücken heruntergerissen, und wie wieder irisch drauslosgehanen wurde, bis Fetzen geronnenen Bluts ihnen über die Heyen hinobhingcn. Dann sahen Schörer und ich uns zitternd und todblaß an und flüsterten einander in die Ohren: Die verdammten Barbaren! Auch auf dem Exerzierplatz mar des Fluchens und Karbatfchens von vrllgelsüchtigcn Jünkerleins und hinwiederum des Lauientiercns der Geprügelten kein Ende". Welche Gefühle die Gepeinigten gegen ihre Peiniger beseelte, durchschaut« denn Fridericns, der ein Mcnscheiiverächter war, ober sich keinen blauen Dunst vormacht?, recht wohl; zum Alten Dessauer sagte er einst bei einer Truppenschau über 60 000 Mann:„Das Wunderbarste für mich ist, daß wir mitten unter diesen Leuten in Sicherheit sind, ist doch jeder von ihnen Ihr und mein unversöhnlicher Feind!" Auf ein inneres Verhältnis, zur Armee legte, er glich nicht den geringsten Wert: Kanonen chttcr war sie, dos er rücksichtslos ver- brauchte: der Soldat, den Verwundung oder Alter dienstunfähig gemacht hotten, zählte nicht mehr. Obwohl der König ein Invaliden- haus errichtete, wimmelten die Landstraßen von ausgemusterten Kriegern, die, mit dem„Gnadentalcr" abgefunden, sich bettelnd durchs Land schlugen: Run, Bruder, häng' den Schnappsack um, • Du bist. Soldat gewest! Besser waren die Ossiziere daran, schon weil sie zum Adel gehörten, als dessen König sich Friedrich recht eigentlich fühlte. Noch seiner Meinung fehlte Bürgerlichen die Eignung zum Ossi zier, weil ihr Sinn nicht aus Ehre, sonder» auf Erwerb gerichtet sei: da er vom Einbruch Nichtadliger in das Offizierskorps Verfall und Sturz der Armee befüxihtete, stieß er, so er unter den ihm vorgestellten Osfizier-Asvirantcn einen Bürgerlichen entdeckte, ihn eigenhändig mit dem Krückstock aus der Reihe. Selbst Fomilienoerbindungen mit dem verachteten Bürgertum verhinderte er: einem Oberst, der für die Heirat eines seiner Leutnants mit einer Taktorswitme ein gutes Wort einlegte, verwies er solche Wcichherzigkeit:„Ihr l>abet die Eurigen aus alle Weise davon abzuhalten, denn Ihr s o n st bald lauter Bürger zu Offiziers kriegen wcrd- l." Als die Ofsizlersuerluste des Siebeujährigen Krieges es mit sich brachten, daß auch Abkömmlinge guter Häuser ohne von vor dem Namen das silberne Portepee erworben, wurde nach Friedensschluß reiner Tesch mit ihnen gemacht: ihre Kzout zu Markt trogen, waren die Bürgerlichen gut genug, die Ehren des privilegierte» Standes in der Garnison zu genießen, kam ihnen nicht zu. Zahlten auch die adligen Onizicre auf den Schlachtfeldern nichr sparsam mit ihrem Blut, so wäre die auf unserer Rechten beliebte ilnterjcheidung: Hie Helden, hie Händler! doch ganz unangebracht. Vielmehr waren die frideriziamschen Offiziere Helden und Händler in einem. denn die sogenannte Kompagniewirtschaft stempelte de» Kompagnie- ches, den Hauptmann oder Kapitän, zu einer Art„Unternehmer an der Spitze einer Wafsengenossenschast": die Gewehre der Mann- Ichaft, ein Teil des Lederzeugs, der Proviant- und der Stobswagen galten als sein Eigemum und mußten ihm vom neuen Jichabcr der Kompagnie abgekauft werden. Dazu legten es die Hauptlcute darauf an, bei der Uniforinierung und Ausrüstung der Soldaten in die eigene Tasche zu sparen: der Wafsenrock aus schlechtestem Tuch, die Weste verschwunden bis ans einen au die vordere» Rockklappen genähten Lappen, olles Zeug so knapp zugeschnitten, daß sich der Mann kaum zu rühren vermochte! Größeren Gewinn noch warfen die Beurlaubungen der„Kantonisten" ab. die bis auf vio Excrzierzeit April-Juni in ihre Heimat entlasten wurden, dock) auch Ausländer� erhielten als sogenannte„Freiwächter" Urlaub in die Garnison, wo sie einem Gewerbe nachgingen: den Sold der Beur- lautsten aber durste der Hauptmann einstecken, sc daß er sich in zehn Jahren ein nettes Vermögen zu erübrigen wußte: ganz allgemein wurden die Bezüge von einer Kompagnie, die sich auf mindestens viertausend Taler im Jahr beliesen, den Einkünften aus einem Rittergut gleichgestellt. Dazu kam unerlaubte? Profit, indem Offiziere bei der Aushebung in den Kantonen Erpressungen be- gingen, sich für Beurlaubungen schmieren ließen und sich aus Grund gefälschter Bestandslisten größere Beträge aus der Äriegskasse er- schwindelten, als ihnen zustanden: Boyen warf dein System vor. daß es aus Offizieren„wuchernde Krämer" gemacht hahe. cmd Scharnhorst sagte. ihm noch, daß es die Armee um die Achtung des Zivils und des Auslandes gebracht, dem Offizier die Liebe des geinemen Mannes geraubt und die Möralität vieler sonst braver Männer verdorben habe. Die Achtung des Zivils— in der Tat verhielt sich das Bürgertum dem Heer gegenüber ganz ablehnend. Ofsizieren, dcren Bildung meist so sadenscheimg mot wie ihr Dünkel hoch- trabend, ging man im Bogen aus dem Wege, zum Soldaten fetzte sich ein honetter Bürgersmann so wenig an den Tisch wie ein sran- «ösifcher Bourgeois von heute zu einem Fremdcnlcgionär, ein Mädchen, das sich mit buntem Tuch einließ, war allgemein unten durch, und ob der Ausmerzung der bürgerlichen Elemente aus dem Ofsizierkorps nach dem Siebenjährige» Kriege„murrte" nach der Bekundung des loyalen Hofhistoriographen Friedrichs, Rein- hold Koser,„das ganze Bürgertum". Dem Bürgertum unfercr Tage oder vielmehr feinen nationalistisch verseuchten Teilen blieb es vorbehalten, diesem König und dieser Armee auf der Leinwand zuzujubeln und sich so als Nachkommen jenes verkümmerten und ver- mickerten Untertanenschlags zu entpuppen, auf den das grimme Wort des sterbenden Fridericus gemünzt.war:„Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen." . Hermann Wendel. Nachtasyl Mit BeachCombesfs In den Schlupfwinkeln des Hamburgei* Hafens Der Vorsetzen in Hamburg in der Gegend des Baumwolls, die La Boca in Buenos Aires, St. Kilda Beach in Melbourne und The Golden Gate in Frisco find die vier Ecken der Welt für den von ahasvcrifcher Untuhe gepeitschte» Ssemann, der von jedem Schiff desertieren muß: für den internatisnalen Beaebeomtzer. Solange es noch Schiffe gibt, wird diese ungebändigte Spezies Mensch nicht aussterben. Und kein« Aufsichtsorzane werden diese Geselljchast aus- rotten können. Der Dämon Unruhe, ein Schuß Abpntcurerlust, jagt diese Leute von Küste zu Küste. Das Schiff ist für sie nur noch ein Besörderungsmiitel..Heute noch Matrose oder Segctmachcr, nach ein paar Tagen Holzfäller in den Lumbcr Camps der omeriko- nifchen Wälder,.. Und einige Monate später errötet die Brooklyn- Brücke nnter dein Mennigepinjel des aus schwindelnder Höhe gleich- gültig herunterspuckenden Bcaebec>mbers. Eben noch die Taschen voller Geld, bereits morgen bargeldloser Verkehr. Never mind(es ist alles ganz gleich) heißt seine Philosophie, und die Sorglosigkeit ist sein Kopfkissen. Meistens find es Standinavier. Stimme äiis der Dunkelheit:„How about a srnoke tor a bardup sador?" Zigarette für einen Seemann im Druck? Vs- kannte Stimme? Im stahlen Licht der Laterne steht ein Kerl von einigen 40 Iahren, das Gesicht zerknittert und durchfurcht wie die Fjorde Skandmaviens, einen Kragen um den Hals tätowiert, im rechten Ohr ein Messingring. „By Jove Brass'?* ,Ay, ay Sir." Einer der bekanntesten internotionalen Strandläufer, wegen des Messingohrringes Braß bespitznamt lehnt in phlegmatischer Pose am Laternenpfahl. die Beine m«inen Achtknoten verschlungen. Unsere Betanntschast rührte von einer gemeinsamen Segelschisireise vor dem Kriege her. An der australischen Küste, die auf diese Typen eine geheimnisvolle Anziehungskraft ausübt, war Braß unter Hinterlassung eines ansehnlichen Debets in der„Schloppkiste", eine Art.Kleiderversorgung für private Rechnung des Kapitäns, wegge- laufen. Unter Kameraden ehrlich bis auf Tabak und Zigaretten- papier, ist's für den Beachcornber Ehrensache, den Alten anzu- schmieren. Wo Braß logiert? Großangelegte Handbewegung: I m H a f e n. Ob er mich mitnehmen will? Ja, aber nicht i» der Aufmachung, und's Maul halten. Im„B lauen Affen" wartet Braß, nach vorheriger Bestimmung des Niveaus der Zeche. Mit einer alten Hvsc und Jacke, einem blauen Schal und einer Fixpcnce-Mützc wirkt man in der Maskerade unter diesen Leuten erst echt und glaubhaft» wenn man sich durch den Jargon als zur Seefahrt gehörig ausweise» kann. Die Berührung mit den Ratten der Landstraße lehnt der Beacbeornber glatt ab. Aus dem Wege nach dem Hafen via Kornhausbrücke erzählt Braß, daß er kürzlich mit einem deutschen Dampfer als Usber» arbciter von der Saison der Solmen-Fifcherei in Alaska S00 Dollar auf der Naht, in Hamburg eingetroffen, um nach lö Iahren seine Leute in Nholmen wiederzusehen. „Aber solange die Bahn nicht längsseits des Schisses fährt, komme ich in diesem Leben kaum nochmal heim. Das P'loficr ist zu glatt hier. Nack» drei Tagen war ich wieder pennylcß— ohne einen Piennig. Di« Ausrüstung natürliä) auch verglitschi. Wen» ich nächstens wieder ein Schiff habe— God strike me dead—, kein Cent wird mehr rausgeschmisten, und die Zunge fall mir verdorren. wenn ich auch noch«inen Trapsen.. lnß bloß die Flasche Rum' nicht fallen." In der Dunkelheit taucht ein leerer Möbelwagen auf, die Türen sind geschlossen, unter dem Boden, im Spiegelkasten, liegen drei Mann im Heu, ängstlich ziisommcNfnhrend. als Braß die Klopp» türe fahren läßt. „Hier habe ich kürzlich auch mal gepennt," meint der Bummler, „atcr zwischen den Handwerksburschen hielt ich es nicht länger aus: der Cognac-Dampser da drüben oersorgt mich täglich mit Frühstück, Tabak und Zigarcltcnpapier— sind verdammt gute Kerls, diese Franzosen, aber von ihren Schiffen sind sie nicht wegzu- schlagen. Das englische Tonrcnboot, da unten am Schuppen— die Brüder müssen sich selber verpflegen, außer flüssiger Nahrung haben die nichts anzubieten, als den ekelhaften Plattentabak. Da ist der Holländer auf der anderen Seite ein ganz anderes Unternehmen, da gibts, wenn man an den Wachtmann vorbeiflitzen kann— sonst gehts eben über die iieinen—, was Vernünftiges zwischen die Zähne, und wie kürzlich, noch ein Päckchen Unterzeug für die nächste Reise. Auf dem Schoner, der dort verlassen an den Pfählen liegt, haben wir mal mit 1ö Mann und 6 Nationen gehaust, bis das Boot verschwunden war, mit dem wir uns rüder- setzten, so, und hier sind wir im Hotel Svea." Die ilmrisse eines riesigen Kessels tauchen im ze- spenstischen Dunkel eines weiten, menschenleeren Platzes auf. Das Auge, an die Dunkelheit gewöhnt, entziffert aus der weißen An- schrist: Gewicht 50 Tons, nach Dalny via Schanghai. Di« Ohr- inuschel an das taufeuchte Eisen gepreßt, vernimmt noch ein Summen von Stimmen, ein Phosphorholz wird gerode an der Innenseite ongeratscht. Braß klopft ein bestimmtes Signal. In etwa 3 Meter Hohe, obcrl?alb des Kessels, wird ein schwerer Mannloch- decke! bewegt.„Hven er der?" Wer da?„Braß! Luk dörcn op." Eine W u r f l ei n e fliegt über die Seite,, an der man sich niühsam über die Kossclrundung hochzieht. Mit zwei Griffen und einem Sprung befindet man sich in der Unterwelt des Kessels, ein einziger Hohlraum ohne Röhrenwindungen. Was ist das? Man traut seinen Augen kaum. An das Halb- dunkel der fahlen zitternden Kerzeirbeleuchtung gewöhnt, sieht man hier ein phantastisch groteskes Bild. Erster Eindruck, wenn man sich von seinem Staunen erholt hat: einen Regisseur her! So muß künftig Gorkis Nachtasyl inszeniert werden. In dickem Tabaksqualm erkennt man die Umrisse von f ü n f K e r l s, die nebeneinander auf einer Schicht leerer Säcke liegen, in Segeltuchfetzen ein- gehüllt, soweit die wenigen Wolldecken nicht ausreichen. Ein pasr magere Bündel, die Ausrüstung für die nächst« Seereise, als Kopf- kiffen. Langsam e.rtzifsert man die bartlosen Gesichter: Vertrauen- erweckende Augen in dunklen und blanden Köpfen. Braß über- nimmt die Vorstellung. Auf den Besucher deutend:„dieser Mann ist allright, Hab mal eine Reise mit ihm gemacht, it's a long time ago, hat nun ein Job an Land und will mal sehen, wie wir hier wohnen." Und zu seinen Genossen gewandt:„Der rothaarige Ketl da unten, ein Russe, will blaublütig sein, wir nennen ihn. wcil's ihn ärgert, Towaritsch. Und der hier, das ist Barsen, stammt aus Fredcriks- ftadt und ist ständig blau, wogegen der hier, der„Konsul", komm' du fauler Hund, bring den Spirituskocher in Gang, jetzt wird Grog gekocht. Wozu Nanren, fünf Mann, drei Nationen. Und emn komm mal ruber mit der R u m f u p p s!" Aus leeren englischen Zigarettcndosen wird das heiße Zeug, den Zucker mit dem Taschenmesser verrührt, gierig weggeschlappert. Der Gast ist als Unparteiischer der Mixer. Die Alkoholwirkung stellt sich Haid ein.„Jazzband her!'' Der Konsul zaubert aus einem Lumpen- bündel ein Bandonion hervor, zusammengeklappt nicht größer als ein Wecker, das der Kerl virtuos spielt. Durch den Kessel zittert ein« schwermütige Melodie seiner nordischen Heimat. Slal, stal. prost, prost, das bittere Gesöff heizt die Gesellschaft ein und„A Yankee doockcl came to town". Die ganze Gesellschaft stept auf dem Eisen, daß die Wände wackeln. Ich stehe wie aus Nadeln. Wenn jemand vorbmläust, muß der Radau gehört werden. Die Sache wird mulmig. Wer die Skandi- navier kennt, weiß, daß zwischen Stepptanzen und einer Prügelei oft nur eine Zwischenpause von einem Schluck ist. „Gentlemcn, setzt mich cm Land, muß weg." „Laßt ihn laufen, der Rum bleibt ja da." „Mange tag, danke paa genzyn, Wiedersehen." Ein Sprung vom Kessel. Durch die samtweiche Mondnacht fächell eine kühle Brise, die die Lungen gierig einpumpen. Das farbigste Bild der letzten Jahre ist wie ein Spuk verschwunden. Xapitän GaukeL die SA. der Nationalsozialisten, Oberland, Werwolf und Iuugdo. 'Alle diese Bünde hängen einer neuen Idee des Nationalismus an. Ihr Erstarken veronloßte 1024 die Gründung des Reichsbanners, das infolge seiner Massenorganisation und seiner Anlehnung an die Idee der Republik kein eigentlicher Bund ist. Auch der Rote Front- kämpferbund wird in diesem Zusammenhang berührt. Posse vermetM unbelegbare Prognosen, er zejgt die Verhält- nisse so, wie sie sind, ober er läßt doch deutlich erkemren, daß sich die Arbeiterschaft in ihren politischen und gewerkschaftlichen Organtsa- tionen nicht mutwillig ihre Rechte wird rauben lassen. Unsere politischen Funktionäre werden aus Passes Arbeit reiches Material schöpfen können. J. P, Mayer. � Buch ä)cr Weg sunt'i'otksfluai „Darstellung des Werdens der Republik", das ist der Leit- gedanke des Buches, in, dem die beiden Verfasser Karl Teicher und Willibald Kühn unter dem Titel„Der Weg zum B o l k s st a a t", eine vammlung von Urkunden und Berichten von der Gründung des Deutschen Reiches 1871 bis zur Räumung des Rheinlandes 1930 für den Geschichtsunterricht zusammengestellt haben. Die beiden Verfasser wollen dem neuen Staat, der am Ansang einer Entwicklung steht, den Weg bereiten helfen, indem sie der Lehrerschaft die Geschichtsstofse zugäDglich machen, die sie bei der Behandlung der deutschen republikanischen Staatsform zur Hand haben muß. Das schwierige Unternehmen, in einer ausschließlichen Ouellensammlung das Bild einer geschichtlichen Entwicklung zu geben, ist glänzend gelungen, die Dokumente und Tatsachenberichte sind mit erstaunlicher Sicherheit und einem guten Blick für das Typische und auch heute noch Aktuelle ausgewählt. Um nur ein Beispiel zu wählen: das Erstarken des Sozialismus und der Demokratie wird nicht mir aufgezeigt an Erinnerungen von Sozialisten(Auer. Frohme, Lily Braun), sondern auch durch Dokumente wie die bekannten Reden Wilhelms II. an die Ab- crdnung der streikenden Bergleute und die Arbeitgeber im Bergbau, besonders aber durch die berüchtigte Rede zur Rekrutenvereidigung, in der die entsetzlichen Warte stehen:„Es kann vorkommen, daß ihr eure eigenen Bernxindten und Brüder niederschießen und-stechen müßt." Besser koirnte ein System gar nicht illustriert werden. Dieses ausgezeichnete Handbuch denrokratisch-republikannchcr Erziehung(erschienen in der Dürrschen Buchhandlung. Leipzig) möchte man bald im Besitz eines jeden Lehrers wissen. Piedarck Junge. Die polilij'chen Wainpfbihide tDeulfdilands So ist eine Arbeit von E r n st H. Posse betitelt, die in der neuen Sammlung„Fachschriften zur Politik und sdaatsbürgertichen Erzichung"(Verlag Junker und Dünnlzaupt, Berlin) erschiemm ist. Bosse slizzicrt die soziale Situation, aus dar die deutschen Kampf- bände ciüstaicd-m sind. Es galt nach dem Zusammenbruch von 1918 „Ruhe und Ordnung" wiederherzustellen, junge Frontostiziere, die im Kameradschaftsgeist des Schützengraben, ein«„Lösung" des Klassenproblems zu sehen venneinten, wurden die Führer dieser Bünde. Sie waren ursprünglich Wehr- und Schutzorganisationen, die von den staatlichen Organen stark gefördert wurden. Erst als sich herausstellte, daß die wiederhergestellte Ordnung die Ordnung der republikanischen Gewalten bedeutete, vollzog sich«ine entschiedene organisatorische und geistige Wandlung der Bünde. Posse geht dieser Wandlung sorgfältig nach und schildert Stahlhelm, Eltern troLgen an Sjeziebunff zuvVevaniwcrtlichbeif „Verantwortlichkeit" ist ein Wort, das oft, leider nur allzu oft, zum mißverstandenen Schlagwort, zur gedankenlosen Phrase wird. lind doch beruht auf dieser Eigenschaft die ganze soziale und moralische Einstellung des Einzelmevschen. Daraus folgt ihre große Bedeutung für die Erziehungsarbeit. Was ist Verantwortlichkeit bzw. Verantwortlich ieits- g e f ü h l? Es ist die aus dem Bewußtsein der gesellschaftlichen Verbundenheit hervorgegangene Fähigkeit, sein Handeln jederzeit auf die Bedürfnisse und das Wohl der menschlichen Gesellschaft und der durch die einzelne Handlung besonders betrossenon Personen einzustellen. Der verantwortlich handelnde Mensch wird also nicht nur sein eigenes Ich im Auge haben, sondern auch das Du des Nächsten und die Gesaimheit der Gesellschaft. Wie erzieht man zur Verantwortlichkeit? Voraussetzung dieser Eigenschaft ist zunächst'das Wissen um die Zusammenhänge der natürlichen und sozialen Erscheinungen. Man kann sein Handeln nur dann der Rücksichtnahme auf das Wohl anderer und der Gesamtheit unterwerfen, wenn man die Folgen dieses Handelns auf die Umwelt auch kennt. Wenn jemand z. B. nicht weiß, daß unter sozial ungünstigen Umstanden oder von kranken Eltern keine gesunden und glücklichen Kinder aufgezogen werden können, so wird er un- bekümmert um das wahre Wohl seines Nachwuchses Kinder in die Welt setzen, wenn es ihm im Augenblick bequemer ist, oder weim er glaubt, die Kinder würden ein angenehmes Spielzeug für ihn sein. — Wir müssen also den Kindern rechtzeitig das Wissen um die natür- lichen Tatsachen und Zusammenhänge über unsere Gesellschaft und die von ihr getragene Kultur übermitteln. Die Kinder brauchen keine Theoretiker zu werden: es genügt, wenn sie soviel wissen» wie sie für das praktische Leben brauchen, nicht nur zur Verfolgung ihrer eigenen physischen und beruflichen Interessen, sondern auch, um die soziale Tragweite ihrer Handlungen richtig abschätzen zu können. Die Schule wird hier in manchen Punkten versagen: diese Lücken müssen von dem Elternhaus ausgefüllt werden. Vor- aussetzung dazu ist natürlich, daß die Eltern das selbst wissen, was sie ihren Kindern klar machen sollen. Dazu dienen ja die A r b e i t e r- bildungskurse, die Volkshochschulen und!n neuerer Zeit verschiedentlich auch schon Elternkurse: und schließlich gibt es ja auch noch Bücher, von denen manche, und durchaus nicht immer die schlechtesten, auch unter bescheidenen Verhältnissen er- schwinglich sind. Aber das Mssen allein macht es nicht, zumal zu diesem Wissen auch das gehört, daß die Menschen nicht so gut sind, wie sie sein sollten und wie es von dem Kinde verlangt wird. Wenn man also überhaupt noch erreichen will, daß das Kind sich in dieser Richtung. nämlich zu einem verantwortungsvollen Verhalten, Mühe gibt, so mutz man selbst so weit wie möglich mit gutem Beispiel voran- gehen. Es ist muner dasselbe: Das Beispiel ist stets entscheidend in der ganzen Erziehungsarbeit. Darum stellen auch die in un- sozialen Familien aufgewachsenen Kinder und die meist erziehlich schwer benachteiligten unehelichen Kinder einen so hohen Prozentsag von gesellschaftlichen Schädlingen. Es ist durchaus nicht immer die Vererbung(dann würde es vielleicht noch viel mehr Verbrecher geben), sondern das schlechte Beispiel in der Erziehung hat oft das Entscheidende getan. Wie man es auch drelzen und wenden mag: Auch die Erziehung zur Verantwortlichkeit fängt bei den Erwachsenen an. Ein bedenklicher Fall.' Frage: Ich habe eine Freundin, 17 Jahre alt. Sie geht noch aus die Schule. Die Mutter erzähst der Freundin heute noch, daß sie der K l a p p e r st o r ch gebracht hat. Nun ist die Freundin schon im zwesten Monat schwanger. Die Atutter erklärt das Aus- bleiben der Regel als starke Erkästung. Das Mädchen hat keine Lust zur Schule, sie möchte gerne arbesten. Die Ellern haben ihr schon die Schule verekelt. Run drohen sie, ihre ungeratene Tochter unter groben Schimpswortcn in Stellung zu bringen. Ich setze, daran, daß die Arbeit als Strafe wirken soll. Kann diese Art der Erziehung nicht das Klassenbewußtsein zerstören? Der Vater ist Kutscher und Genosse. Meine Freundin ist in der SAI. Antwort: In diesem Fall kann man nicht ohne weiteres entscheiden. Das eine ist aber ohne weiteres ersichtlich: den größtG Teil der Verantwortung trägt der Vater des kommenden Kindes. Er muhte sich von vornherein darüber im klaren sein, daß sein Ver- hallen der 17jährigen Schülerin einen inneren und äußeren Schaden für ihr ganzes Leben bringen konnte. Cr zeigt einen unverantwortlichen Mangel an Disziplin und Veront- wortungsgefühl. Sein Verhalten ist in höchstem Grade unsozial. Von dieser Tatsache ausgehend und unter Berücksichtigung der Art der Anfrage kommt man zu der Vermutung, daß weniger die Eltern als der Vater des kommenden Kindes es ist, der das 17jährige Mädchen der Schule und den Eltern entfremdet hat und es so in eine tragische Situation hineinstößt. Aus der Zuschrift scheint weiter hervorzugehen, daß die Eltern kein« Ahnung von ihrer Tochter und dem Zustand der Tochter haben. Sache des Vaters des kommenden Kindes wäre es, sich de» Eltern gegenüber zu bekennen in dem vollen Bewußtsein, daß er diesen Eltern einen furchtbaren Sä) lag zugefügt hat, Sache dieses Vaters wäre es. alles zu tun, um das 17jährige Mädchen mit den Ellern und auch mit der Schule wieder auszusöhnen. Am besten wäre es, wenn derDaterdes Kindes sich zunächst mündlich mit uns berät. Der Sohn lügt, aber nur zum Vater. Frage: Mein Sohn ist 20 Jahre alt. Cr belügt mich, trotzdem er des öfteren überführt wird. In der Kindheit sagten die Lehrer zu mir, es wäre mehr Flunkern als Lügen Ich beobachte letzt, daß er einzelnen anderen Menschen gegenüber bei der Wahrheit bleibt. Er offenbart sich ihnen selbst, während ich aus ihm nichts herausbekomme. Welches sind die Ursachen des Lügens, und wie kann ich dem Uebosstande abhelfen? Antwort: Der junge Mann scheint doch kein„schlimmer" Lügner an sich zu sein. Er hat vielleicht eine etwas rege Phantasie (dos meinten wohl die Lehrer mit„Flunkern"), in ihm stecken aber sicher noch die Wurzeln zur Wahrhaftigkeit. Nur auf die Ent- wicklung kommt es an, und an der ha?en Sic als Vater natür- tich Ihren Anteil von Einfluß. Einstweilen ist jedenfalls das Vertrauensverhältnis zwischen Ihrem Sohn und Ihnen gestört. Es wäre sehr gut gewesen, wenn Sie auch angegeben hätten, worin der Sohn Sie belügt. Man hätte dann besser fest- stellen können, welches die eigentlichen Ursachen zu diesem Verhalten sind. Wahrscheinlich bringen Sie entweder nicht genügend kameradschaftliches Verständnis sür seine Interessen auf, oder es fehlt Ihnen an der Fähigkeit, Ihrem Sohn« auch da ein freundlicher Berater zu sein, wo er einmal wirklich eine Dummheit oder Unrechtmäßigkett begangen hat. Jedenfalls muß es an Ihnen liegen; denn sonst würde sich ja der Junge nicht anderen anvertrauen. Den genauen Grund können wir(mangels näherer Angaben) natürlich nicht raten und deswegen einen konkreten Ausweg nicht angeben. Sie werden ihn aber jetzt vielleicht schon von selbst finden. Der rätselhafte Ausschlag. Frage: Ich habe ein« kleine Tochter von ZI- Jahren Bon 1 bis ZH Iahren litt sie an einem bösen Ausschlag(Ekzem). Nachdem ich Mehrere Aerzte erfolglos konsultiert hatte, fanden wir endlich einen tüchtigen Kinderarzt, welcher sich sür mein Töchterchen sehr interessierte und sie nach einjähriger Behandlung heille. Nun stellen wir aber täglich fest, daß ihre Haut gegen äußere Einslüsie sehr empfindlich ist. Zum Beispiel darf ich«nein Mädel keinen Fisch berühren lassen und sich ins Gesicht oder an einen beliebigen Körperteil fassen lassen. Sofort entsteht ein Nesselfieber- artiges Aussehen, welches starkes Jucken verursacht. Biel weniger darf mein Mädel Fisch essen. Nach dem Genuß von einem erbsengroßen Stück Fisch stellte sich sofort eine starke Schwel- ung der Lippen und der Gesichtsparticn ein. Nach ein bis zwei Stunden ist alles wieder verschwunden. Diese Erscheinung stellten wir immer fest, wenn Fisch zur Mahlzeit war. Der Arzt be- hauptet, daß Fischflcisch derartige Erscheinungen nicht hervorrufen kann. Ich habe es aber in monaielangen Beobachtungen festgestellt. Was kann ich dagegen tun? Wie behandle ich mein Kirch? Antwort: Trotz der gegentelligeu Behauptung Ihres Arztes: Es Handell sich hier ganz offenbar um eins Ueberempfmdlichkett des Kindes für die Eiweißstoffe des Fisches(sog. Anaphylaxi«), früher sagte man Idiosynkrasie). Aehnliche Erscheinungen haben manche Menschen bei dem Geimß von Eiern, Erdbeeren oder Krebsen. Auch das Heufieber ist mit diesen Krankheiten verwandt.— Einst- weilem bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Speisen, die dos Kind nicht verträgt, in seiner Kost zu vermeiden. Später, wenn es erwachsen ist. ist eventuell eine Heilung durch mehrmalige Impfungen mit entsprechenden Eiweißstofsen möglich. Doch soll man das nicht beim Kinde versuchen, sondern erst dem selbstverantworttichen Er- wachsenen di- Entscheidung darüber lassen, ob er mit seiner Diät weiterleben oder dies« Behandlung versuchen will. FÜR DEN KLEINGÄRTNER Der Kleintierhof im Januar Da der Januar der unangenehmste Monat sür das Kleinvieh ist, muß der Tierhalter ihm in dieser Zeit besonders gute Pflege angedeihen lassen. An milden Tagen lasse man die Ziegen. Schafe und Schwellte ins Freie und lüfte die Ställe inzwischen gut durch. Gesäubert werden die. Ställe am besten in der Mittagszeit, weil es dann etwas wärmer draußen ist. Sollten die Tiere an Rheumatismus erkranken, so mache man Einreibungen mit Kamferspiritus, Salmiakwasser oder Brenn- spiritus. Die gefürchtete Maul- und Klauenseuche bekämpft man zweckmäßig durch Einreiben mit Eisenvitriol und Holzteer. Ziegen, die sehr frostempfindlich sind, müssen vor Wind und 'Niederschlägen unbedingt geschützt werden. Di« Temperatur darf im Stall nie unter den Gefrierpunkt sinken. Die Tränke, die reichlicher als im Sommer bemessen fein muß. wird— wie auch in den meisten anderen Ställen— leicht verschlagen gereicht und an Futter gebe man gedämpfte Kartoffel, etwas— nicht zu viel— Hafer, Klecheu, viel Rauhfutter und, wenn man hat, Stroh von Hülsenfrüchten und Gerste. Das regelmäßige Striege'n der Ziegen sollte bei alledem nicht vergessen werden. Im Kaninchen st all muß nach wie vor auf sauberes. trockenes Lager Wert gelegt werden. Mit der Zucht fängt man zweckmäßig erst im Februar an. Tiere, die sich auch dann noch im Haarwechsel befinden, können zum Decken nicht verwendet werden. ?k«s dem Geflügelhof sorge man sür abwechAung»r«ches Futter: Einseitigkeit kann sich hier sehr nachteilig auswirken. Die älteren Tiers, die bis zum Herbst gsmarssert haben, brauchen noch settbildende Nahrung, die blutbildende und kalkhaltige Stoff«, sowie Kieselsäure enchoüen soll. Man füttert im allgemeinen zweimal nur, wenn die, Tiere infolge zu großer Kälte im Stall bleiben müssen, teilt man das Quantum d->r Margenmahlzeit in zwei Mahlzeiten und füttert morgens, mittags und abends. Tauben füttert man noch am Morgen und am Nachmittag, da sie augenblicklich auf den Feldern so gut wie gar nichts finden. Mit der Zucht wartet man bis Februar. Die Nester der Enten und Gänse müssen nun in Ordnung gebracht werden: denn Ende Januar beginnt das Wassergeflügel mit dem Eierlegen. Zu dieser Zeit muß ihnen dann, wenn irgend- möglich, Gelegenheit zu freier Bewegung aus dem Wasser gegeben werden. Ist kein Wasser vorhandeil, so muß wenigstens für um- fangreichen Auslauf gesorgt werden. Die Ställe müssen sestrswer- ständlich nach wie vor sauber, trocken und warm glatten werden. G.L. Vom Pflanzenkrebs Im letzten Sommer, dessen zwett» Hälfte viel Nässe brachte, wurde sehr über das Austreten des Tomatenkrebses geklagt. Wer die Krankheit in seinen Kulturen gehabt hat, wt gut. auch die Tomaten st äbe zu desinfizieren. Man legt sie in ein zweistündiges Bad einer �proz. UspulunlöfungftS Gramm Ufpulun auf 1 Liter Wasser). Um etwaigen Besorgnissen zu begegnen sei bemerkt, daß der Pflanzenkrebs nicht identisch- mit dem Tier- oder Menschenkrebs ist. Neujahrs �Wintersport Skispringen/ Eishockey/ Bobrennen/ CissdmeUaufen Sslfo aus Skiern. Eine sensaiionclle No:e erhielt das am Ncujahrstage auf der Graf-Eotthardt'Schanze bei Bad Fl ins- b e r g durchgeführte Skispringen durch die Varsührung eines S a l- tos aus Skiern. Vor zahlreichen Zuschauern glückte dem Wornrbrunner P. D a m k e dieses Kunststück in einwandfreier Weise. Er erhielt für seine artistische Leistung starken Beifall. Das spart- liche Pragramm befriedigte ebenfalls vcllauf, denn es gab nicht nur kaeite, sondern auch in bester Haltung ausgeführte Sprüirge Besonders zeichnete sich hierbei Friiz Lauer- Pohlaun aus. Der in Berlin domizilierende Norweger Astrup sprang zwar einmal 47, ein zweites Mal 4g Meter, hatte sich dabei ober zuviel zu- gemutet, denn er konnte diese Sprünge nickst durchstehen. E r g c b- uisse: Klasse I: 1. F. Lauer-Pohlaun(46, 46, 4Si4 Meter) 16,138- Klasse II: 1. F. Holubar-Pohlaun(44)4, 4454, 41% Meter) 18,361; 2. Astrup-Berlin 43, 47 gest., 46 gest.) 13,988. I u n g m a n n e n: 1. Mohwinkel-Berlin(42%, 43, 43 gest.) 11,888; Jugend: 1. Drößlcr-Pohlaun(37, 37, 36% Meter) 18,791; 2. H. Ressel-Hirschbcrg 31, 29, 29 Meter) 11,697. Skispringen in Wattersdorf. Auf der Lauscheschanze bei Waltersdorf kam am Neujahrstage ein für den Ekwerband Sachsen, Schlesien und den Hauptverband Deutscher Wintersport- vereine in der Tschechoslowakei offenes Skispringen als Eröffnungs- Veranstaltung zur Durchführung. Best« Schnecverhältnisse be- gunstigten zwar den Verlauf der Prüfung, aber trotzdem waren etwa 23 Prozent aller Sprünge gestürzt. S t r i s ch e k- Bad Rein- erz belegte mit der Note 334� und drei gestandenen Sprüngen von 32. 33 und 35 Meter den Platz in der Klasse I. Auster Konkurrenz war Strischek bei 38 Meter zu Fall gekommen. Zweiter Preis- träger wurde Winsch(HDW.) mit 275.3 vor Böhm-Dresden mit 245. In Klasse II siegte Böttrich- Attenberg(29. 32%. 34 gest.) mit Note 263,25, bei den Iungmannen Hein(HDW.) mit Not« 206,75. Skispringen in Parlenkirchen. Das Ncujahrs-Ckispringen auf der Olympiaschanze am Gudiberg bei P arten kirchen ging bei schlechten Schneevcrhältnissen vor sich. Die tags zuvor noch eis- Harle Aussprungbahn war in mühevoller Arbeit hergerichtet worden, so das; die bctelligtcn 63 Springer noch leidlich gute Leistungen zeigen konnten. Neben dem Sieger Helmuth Lantschner- Inns- brück gefiel besonders der erst 16jährige D u r a n c e- Wcrdenfels, der in der Jugendklasse mit beachtlichen Sprüngen von 3», 34 und 33 Meter aufwartete. Helmuth Lantschner schaffte mit 39 Meter den weitesten Sprung des Tages. Bei den Iungmannen tat sich wieder O st l e r- Partenkirchen mit Sprüngen von 32, 37 und 38 Meter besonders hervor. Einzelergebnifs«: Jugend- klaffe: 1. Durance- Werdenfels(30, 34, 33 Meter) 298,2; 2. Hutter-Werdenfels(26, 31. 31 Meter) 264,10. Iungmannen: 1 Ostler-Partenkirchen(32, 37, 38 Meter) 316,8; 2. Poeltle-Murnau 30, 33, 36 Meter) 293,7: Klasse II: 1. A. Bader-Partenkirck)en (30. 34. 34 Meter) 299,7; 2. Boglmeier- Partentirchen(30. 33, 32 Meter) 283,2. Klasse I: 1. H. Lantschner-Innsbruck(33, 36, 39 Meter) 31Z.Z; 2. Wocrndle-Partenkirchcn(32, 38, 37 Meter) 313,3; 8. Werneck-Partenkirchen(32, 35, 83 Meter) 303,0; 4. Reiser- Parrcntirchen(27, 34, 37 Meter) 302,9. Altersklasse I: 1. Huber-München(30, 34. 33 Meter) 290,2. Klasse II: 1. Reichord-München(28, 30, 32 Meter) 269,5. Skispringen in Ponkresina. Das Skrispringen aus der Bernina- Schanze in Pontresina hatte eine gute internationale Besetzung auszuweisen. Der Norweger Signumd Ruud erwies sich einmal mehr als«ine'Klasse für sich, er sprang in blendendem Stile, 62, 57 und 65% Meter weit und besetzte mit 340,9 Punkten den ersten Platz von seinem ebenfalls in Zürich ansässigen Landsmann Kielland mit 303,3 Punkten. Dritter wurde C. Chiogna-St. Moritz mit 297,9 Punkten vor den Tiroler Springern Seiler und Hrabe mit je 293,6 sowie Reindl mit 287,4 Punkten. Dem Schweizer Meister- springer Adolf Rubi-Grindelwald ging diesmal nicht alles nach Wunsch; er mutzte sich bei 287,1 Punkten mit dem siebenten Platz begnügen. Prag gewinnt den Spengler-Pokal Vor einer grasten Zuschau�unenge fand am Silvester auf der Davoser Eisbahn das Endspiel um den Spengler-Pokal statt, für das sich aus den Gruppenspielen die Eishockeymannschaften des Lawn-Tennisclub Prag und des Cishockeyclub Davos qualifi- ziert hatten. Die P r a g« r konnten die vor zwölf Monaten gs- wonnene Trophäe erwarwngsgemöß mit Erfolg verteidigen, sie siegten mit 4:1(3:0, 1:1, 0:0). Wie schon aus den Teil- ergebnissen hervorgeht, war der Kampf mit Ausnahme des ersten Drittels, in dem sich die Schweizer von den wild anstürmenden Pragern überraschen lietzen, ziemlich ausgeglichen. Für die sieg- reichen Tschechen störten der Canadier Dr. Watson zweimal, Dr. Pus- bauer und Malecsk je einmal, Davos kam durch Geromini zum Ehrentreffer. Anschließend trugen der Akademische Eishokey-Elub Zürich und eine kombiniert« Münchener Mannschaft ein Freund- schaftsspiol aus, das unentschieden 1:1(0:0, 1:1, 0:0) endete. Bobrennen in Schreiberhau. Bei besten Bahnverhältnissen ge- langten am Donnerstag in Schreib erhau gut besetzt« Fünfer- Bobrennen zum Austrag. Der Schreiberhauer Bob.fBerghoil" mit Eifert als Führer und Weidncr an der Bremse siegte mit einer Gesamtzeit von 4:36,7 für zwei Fahrten(2:14,9; 2:21,8) vor Bob „Sturm"(Eiiermann-Schuronz. Schreibcrhau) mit 5:10,7 und Bob„Zackelfall"(Wunsch- Rösler, Schreiberhau) mit 5: 55,2. Deutscher Rekord im Eisschnelläufen. Die Eisschnellauf- Meisterschaft des Bayerischen Eissport-Berbandes, die am Reu- jahrstage auf dem Siaffelfee bei Murnau zur Durchführung ge- langte, stand im Zeichen des Müncheners Sandner, der alle drei Läufe über$00, 1500 und 5000 Meter gewann und sein«: Titel mit Erfolg verteidigte. Obwohl das Eis ziemlich weich war und auch ein starker Wind sich störend bemerkbar machte, gelang es Sandner im Lauf über 1500 Meter, den Im Jahre 1925 von Bollstedt-Altona aufgestellten deutschen Rekord um Vi» Sekunden auf 2:39 6" verbessern. In einem Schaulaufen zeigte der deutsche Kunstlauf- meister M a i« r- Labergo(München) sein vielseitiges Kürprogramm. Ergebnisse: 500 Meter: Sandner-München 51 Sekunden: 2 Richter-München 52,7: 8. Donaubouer-München. 1 5 0 0 Meter: 1. Sanüner- München. 2: 39(deutscher Rekord): 2. Dommbauer: 3. Höfner-Münchm. 5 00 0 Meter: 1. Sandner 10:14; 2. Do- naudauer 10: 18; 3. Mayer-München. Die Olympia-Festschrift für Techniker ist erschienen Gerade zu Beginn des O l y m p i a- I a h r e s der Arbeiter- sportter wird die„Technische Festschrift", die jetzt in den Händen der Besteller ist, besondere Freude auslösen. Die Festschrift bringt in sauberer Ausführung auf Kunstdruckpapier zunächst die Musik der Kinder-, Frauen- und Mäunermassenübungen. Die Drucklegung der Noten zu den Frauen- und Männerübungcn er- folgte klar und übersichtlich, so daß ein Spielen vom Blatt ohne weiteres möglich ist. Die Noten der Kindcrübungen, die Volksliedern entlehnt sind, wunden aus Platzmangel leider in zusammengedrängter Form gebracht. Wertvoll sür jeden Uebungslester Ist die illustrative Ausstattung der Festschrift. Alle Uebungen werden bildlich wieder- gegeben, wodurch Lernenden und Lehrenden die Arbeit wesentlich erleichtert wird. Die„Technische Festschrist" enthält ferner noch die Gerätepflichiübungen sür den Sieben- und Zehnkampf der Männer und den Sechs- und Neunkampf der Frauen. Eine wertvolle Bereicherung des Inhalts ist die Sprung- tabelle für die Wassersportkämpfe. Die Sprünge vom Sprungbrett und vom Turm werden in 28 Bildern wied«:gegcben, die es jedem Springer ermöglichen, sich mit den Bedingungen der einzelnen Kunstjprünge vertraut zu machen. Welchen Anklang die „Technische Festschrift" in den Kreisen der angeschlossenen Verbände findet, beweist die Tatsache, daß die erste Auslage nahezu vcrgrisfen ist. Sollte die Nachfrage im gleichen Matze anhalten, wird eine zweite Ausloge herauskommen. Wie der„Abend" bereits mitteilte, wind die Olympiade-Musik zu den Massenübungen auch auf Schall- platten herausgebracht. Di« erste Auslage dieser Schallplatte ist restlos vergriffen! Da? sind gewiß gute Zeichen für die intensive Mitarbeit für das größte oller Arbeiters est« in Wien. lim das Ab- schreiben oder Instrumentieren der Musik zu ersparen, wird die Musik zu den Massenübungen in Orchesterbesetzung zur Ausgabe gelangen._ ftwlc Schwimmer Stenn XU. IabrisaentraloersammZung«onnlafl, U, Zonuat, 15 Uhr. bei Schellhase, Stegiii,, Ah-rnstr. 12-, Die tzunitianär. Fifcung, die aut ivenerolaersammluna Stellung nimmt, findet Dienstag, K. Januar, 20ii Uhr, in der Lportzentrale statt. Kartei füe«rbeitcrsport und«örpeepslege, Vtgtrk«harlattenbut«. Eihun« Dienstag, 8. Januar,„Adlerllause",«aiser-Kriedrich- Ecke SrUustraB», 30 Uhr, Die Vereinstechniler nehmen an der Eihung teil. VS. Roabit,--—-- Laste willtomme». Socke y. Sitzung 8. Januar,?0 Uhr, bei Siöstel, PuMtzstr. 10. *RßE!m WSSSALL Oer Kreismeisterschaft entgegen Am kommenden Sonntag beginnen die Spiele der vier Bezirks- meister um die Beteiligung am Endspiel um die Kreis- Meisterschaft. Bekanntlich müssen die Bezirksmcister in zwri Auss che idun gsspielen den Gegner des Kreismeisters ermitteln. Die einzelnen Bezirksmeister sind im 1. Bezirk Minerva 28°Neukölln, im 2. Bezirk FTGB.-Karow, im 3. Bezirk Spandau 25 und im vierten Dezirk Luckenwalde V. Die Auslosung der Gegner hatte folgendes Ergebnis: 1. Bezirk gegen 3. Bezirk und 2. gegen 4. Bezirk. In Luckenwalde stehen sich Karow(2. Bezirk) und Lucken- wolde V(4. Bezirk) gegenüber. Im allgemeinen gelten die Karawer als die Favoriten. Ein schneller Sturm, vereint mit einer guten Hintermannschaft berechtigen diese Annahme. Auf der anderen Seite Haben die Luckenwaldcr den Borteil des eigenen Platzes für sich, 'v daß ein Sieg auch im Bereich der Möglichkeit liegt. Di« Leitung des Spiels liegt in den Händen des Schiedsrichters Schmeer(Ober- spree), der für ein einwandfreies Ergebnis sichere Gewähr leistet. Das zweit» Treffen, Minerva 28(1. Bezirk) gegen Spandau 25 (4. Bezirk) muh wegen Plotzschwierigkeiten aussallen. Herthas„Blitzturnier4' Eine Neuerung für den Fustballsport brachte Hertha BSC.: Ein Turnier der spielstärksten Mannschaften. Jedes Spiel dauert nur 20 Minuten. Es hietz also, in dieser kurzen Zeit alles daran- setzen, um zum Siege zu kommen. Der Veranstalter schnitt aller- dings am schlechtesten od. Tennis-Borussia, Meister der Gruppe B, zeigte sich von der besten Seite. Von den drei Spielen konnten die Borussen zwei gewinnen, während das dritte unentschieden endete. Viktoria gelang es ebenfalls, dem deutschen Meister die Punkte zu nehmen, wenn auch nur mit viel Glück. Bei Minerva reichte es nur zu zwei unentschiedenen Spielen. Hertha mußte zwei Niederlagen einstecken, wahrend das Resultat gegen Minerva nur unentschieden lautete. Die Veranstaltung war ein voller Er- folg für Herthas Kasse. # Beim Fustballturnicr verunglückt. Gestern nachmittag verun- glückte beim Futzballlumier auf dem Herthaplatz der 27 Jahr« alte Fußtzballfpieler des Klubs Minerva Josef Gott schalt aus der Berlichingenstr. 12. Er kam beim Fußballspiel so unglücklich zu Fall, daß er einen Bruch des rechten Unterschenkels davontrug. Der Verunglückte muhte noch dem Moabitcr Krankenhaus gebracht werden. Reklame 5 Amerikanisches Um ReName zu machen, sind den Amerikanern alle Mittel recht So hat man jetzt den englischen Mittelgewichtsbormeister Leu H a r v e y. der am 9. Januar sein Amerikadebut gegen Bince Dundee >m Ncw-Porker Madison Square Garden geben soll, in das berüch- tigfte aller amerikanischen Gefängnisse, dem Sing-Sang, geführt, wo er den Strafgefangenen Schattenboxen, Boxen am Sond- sack und Seilspringen zeigen mußte. Die amerikanischen Zeitungen berichten darüber in großer Aufmachung. Meldungen aus New Jork zufolge hat jetzt der amerikanische Tennis-Altmeister William T. Tilden auf seine Amateureigen- s-haft. um deren Erhaltung er oft genug mit seinem Verband in Streit lag, freiwillig verzichtet. Tilden will ebenso wie der Golf- champion Bobby Jones in Zukunft sich beim Film betätigen. Man wird abwarten, ob es Tilden wirklich Ernst mit dem Verzicht auf die Amateureigenschaft ist oder ob der Held taulender Schlachten im„weißen Sport" nur einmal wieder etwas die Reklometrommel für sich gerührt hat. 1 Freitag, 2. Januar. B• r 1 1 ii. 15.00 UjiterbaUangsnrasik. 17.13 Zeuges der Urzoj*. gm Moste Cergano.(Dr. tlist- BmasitifH 17J3 Du neu« Buch. Helsrich Lej&cli: Hemmereehllte.(Sperahottr, Um« nover.) Am Mikrophon: Dr. Oeorg Schwirr. 17.43 Hins von IfiUeen: Wilhelm Bölscha. 18.10 Von Sperlingen und RoHniBpscn.(O. E. Hesse.! 18-58 Chargestege, 18.53 Arbeltsmarkt. 19.00 Cdlef KCppes: Programm des Moual» Jansar. 15.30 Tasetbeni 20.30 Interview der Woche. 20.30 Fortsetzssg des Tancabends. 21.30 Tages- ssd Sportnachrichten. 21.40 Urauifühmng; Der Taxlehenftear. Hörspiel in drei Episode* tos Gene Oblischllger. 22.50 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten Anschließend: Gnterhaltungsmnslk. KOstgewssterhanseu. 14.00 Willy Slrelchan: Bilder ans dem Qcsamtnnlerricht einer elnklaaiiges Landschule. 16.30 Leipiig: Konzert. 17.30 Anton Ooeggl; Der Blinde und das Publikum. 18.00 Dr. A. Qrabowsky: Amerika In der Krise. 18.30 Prof. Dr. Korkt: Der Geist der Klassik, 19.00 Englisch fßr Fortgeschrittene. 19.30 WtsaenscbaflUcher Vortrag ftr Aergte. Die in der Neujahrsnacht arbeiteten Das Rocht auf Freude, wie er sie aussaht, läßt sich der Mensch so leicht nicht nehmen, besonders dann, wenn er noch nicht in den Strudel der Arbeitslosigkeit hineingezogen worden ist und ein paar Mark erübrigt, um sich einen fidelen Silvester- abend zu machen. Das Polizeipräsidium hatte ja dieses Recht auf Freuds ausdrücklich anerkannt, kndem es für die Silvesternacht die Polizeistund« aufhob. In weitgehender Weise hatte auch die BVG. dem gesteigerten Nachtverkehr Rechnung getragen und die U-Bahnen die ganze Nacht lausen lassen. Die S-Bahnen hatten Nachtbetrieb bis zu einer Zeit, in der sechs Monate später die Sonne bereit, am Himm«! steht Auch Autobusse und Straßenbahnen hatten aus bestimmten Linien ununterbrochen Nachtbetrieb. Das Publikum nimmt solche Freiheiten und Vir- günstiglingen als selbstverständlich hin, denkt aber nicht daran, daß ihm oll« dies« Bequemlichkeiten in der Nacht der Nächte gar nicht möglich wären, wenn es nicht einen bestimmten Bruchteil der Ve- völkerung gäbe, der bereit wäre, dem anderen auf Frohsinn und Vergnügen eingesteMen Teil durch ernst Pslichterfüllung Heiterkeit und Lust überhaupt erst zu ermöglichen. Das sind die vielen Be- amten, Angestellten und Arbeiter aller Art, männliche und weibliche, die in ihrem Beruf die Nacht zum Tage machen müssen. Den schwersten Dien st hatten bestimmt die vielen Tausend« von Verkehrsan gestellten und Be- amten, die Ihre Nerven bis in den frühen Morgen hinein strapa- zieren mußten. Es ist weder am Weihnachtsabend noch in der Neu- johrsnocht ein Vergnügen, durch die Straßen der Riesenstadt zu fahren, überoll Lichterbäume und froh« Menschen zu sehen und selber durch den Beruf ausgeschlossen zu sein von diesem Kreis fröhlicher Menschen. Nicht leicht hat es auch die Feu erwehr, wenn sie auch bis zur Minute des Alarms nicht hinaus auf die Straße braucht. sondern es sich in den Wachtswben ein wenig bequem machen kann. Aber eine Wachtstub« ist eben keine gemüttiche Wohnstube. Das wissen nur zu gut auch die Tausend« der Berliner Schutzpolizei- b e a m t« n, die gerade in der Silvesternacht keinen bequemen Dienst hotten Immer wieder wurden die Ilebcrfallkommandoz alarmiert. Tausende von Postbeamten waren gleichfalls bis zum Zusammenbrechen beschäftigt, um die Hunderttausende von Glück- wnnschkarien und Briefen zu stempeln, zu sortieren und zu expedieren. Andere Tausende mußten an: Neujahrstag. als sich noch alles aus- schlief, hinaus in de» Dienst. Dienst gab es auch trog des Neujahrs- tages für die vielen wackeren Frauen und Mädchen und Jungen, die in aller Frühe schon mit schweren Zeitungs- packen durch die Straßen rennen, in denen es noch immer von fröhlichen Zurufen hallt. Schweren, verantwortlichen Dienst hatten die vielen durch schwere Arbeit und Sorgen still gewordenen Manier, die in den Gas-, Wasser-, Elektrizitäts- und Pump- werken dafür sorgten, daß in dieser tollen Nacht Licht, Wärm« und Sauberkeit nicht ausgingen. Unermüdlich mußten auch die Wach- männer der Wach- und Schließgesellschaft ihre Kon- trollgänge durch die Rocht machen. Der Berliner Rettungsdienst mit seinem großen auf 45 Berliner Rettungsstellen verteilten Sanitätspersonal hat in solchen Rächten nichts zu lachen. Und während es durch die Straßen lacht und schreit, müssen viele Krankenschwestern bereit sein, mit stillen, sanften Hände» kranken Menschen zu helfen. Hat schon jemals einer darüber nachgsdacht, was es für die Scharen der Musiker, Sänger und Tänzer bedeutet, in den rauchgeschwängerten, mit den Ausdünstungen Tausender von Menschen durchzogenen Räumen ganz tief und immer wieder tief atmen zu müssen, um«ine vollendete Leistung zu bieten? Denkt man jemals der K e l l n e r, denen die Freude auf ein gutes i-iloestcr- trinkgeld dadurch vergällt wurde, daß ihnen Gäste mit der Zeche durch- gclien? Denkt man der viele» bescheidenen Frauen, die die lost- barsten Pelze und Mäntel bis früh zum Morgen hüten mußten, der vielen jungen Mädchen und Boys in den Hotels, Restaurants und Cafös, die nicht eine Minute Müdigkeit zeigen dursten? Man kommt immer sehr eilig mit der Erklärung, daß sie alle ja dafür mit erhöhten Tarifen bezahlt werden. Aber mancher würde den Lohn gerne drangeben, wenn er mitschwimmen könnte in dem Strom allgemeiner Freude und Ausgelossenhett, von dem«r sich doch, der eine mehr, der andere weniger, ausgeschlossen vor- kommt. Um so mehr ist es an uns, aller dieses unserer Arbeits- brüder und Arbeitsschwestern und ihres schweren verantwortlichen Amtes zu gedenken. Wenn st« zu Dienst, Arbeit und Pflicht für die anderen nicht wiffig wären, würde Silvester Vme stille und dunkle und unbedeutende Angetegenheit sein. 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