Morgenausgabe �'2 Jahrgang Wöchentlich LS Pf., monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands' abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 5,— M. * Der.Vorworts" erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Moniags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". IlUistrierre Beilage.Volk und Zeit". Ferner.Frauenstimme". „Technik",„Blick in die Bücherwelt". .Iugend-Lorwärt«"»»..Stadtbeilage" f Aerlinsr Voltsblatt Sonnabend 3.Zanuar 1951 Groß-Verlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 8t) Pfennig. Reklame�eile 5.— Reichs- mark...Kleine Anzeigen� das.ettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 1? Pfennig. Stellengesuche das erste Wort lö Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschäst Lindenstraße 3, wochentäglich von 8Va bis 17 Ubr. Jentvalorgan der- auf 2 Prozent geantwortet. Diese Maßnahme, die nicht nur der französischen Wirtschast zugute kommt, wird weitgehende Folgen haben und es ist so gut wie sicher, daß nunmehr auch die Bank von England, die in der Besorgnis vor wetteren Goldabflüsien nach Frankreich die Maß- nahmen der Pariser Notenbank abwartete, diesem Beispiel folgen wird. Damtt wäre eine neue internationale Zinssenkungs- welle in Bewegung gekommen, die auch vor Deutschland kaum haltmachen dürfte. Di« Reichsbank hat sich im Oktober infolge der katastrophalen Goldabflüsse nach den Reichstagswahlen gezwungen gesehen, den offiziellen Wechselzinssatz in Deutschland von vier auf fünf Prozent heraufzufetzen, eine Maßnahme, die für die Wirffchaft eine neue Belastung darstellte. Es liegt jetzt aber nach dem Lorgehen Frankreichs nahe, daß auch die Reichsbank eine Senkung des Distonffatzes wenigstens um«inhalb Prozent vornehmen wird. Im Befinden Zoffres ist immer noch keine Aenderung eingetreten. Seit über 24 Stunden liegt der Kranke in todesähn- licher Ohnmacbt. tief und regelmäßig atmend, ohne aber auch nur ein Glied zu rühren. Da die Nahrungsaufnahme beinah« unmöglich geworden ist, suchen die Aerzte ihn mit Serumeinspritzungen zu stärken. Der Kommunismus in China. Einige E>chlußbeirnchiungen/ Von Emile Vandcrvcidc. Cs geht nicht an, Reiseberichte über(£hina abzuschließen, ohne einige Worte über die kommunistische Frage zu sagen. Osfensichtiich vermag sich die 3. Internationale von der Vernichs tenden Niederlage nicht zu erholen, die sie im Jahre 1927 selbst heraufbeschwor, als sie den wahnwitzigen Versuch unternahm, China zu bolschewisieren. Joffe, der erste außer- ordentliche Gesandte, den Moskau nach Peking entsandte, hatte die Dinge viel klarer gesehen, als er 1924 in Schanghai mit Sun- y a t s e n zusammentraf. Was ihm der Begründer des Kuomintang damals über die Mentalität der chinesischen Massen auseinander- setzte, die den kommunistischen Theorien vollkommen abgeneigt seien, leuchtete ihm so ein, daß er mit ihm eine gemeinsame Er- k l ä r u n g unterschrieb, die anerkannte, daß der Kommunismus in China nicht eingeführt werden könnte. Unter dem Vorbehalt dieser Erklärung sicherte Joffe Sowjet- rußland eine sehr starke Stellung in China. Es durfte der Ratio- nalistenpartei zivile und militärische Berater zur Verfügung stellen und eigene Vertrauensleute in das Zentralkomitee des Kuomintang entsenden: die Russen galten in den Augen der Chinesen als die einzige Großmacht, die ihren nationalen Forderungen günstig gesinnt waren, und dadurch verschafften sie sich eine ungeheuer starke Opera- tionsbasis in dem Weltkampf, den sie namentlich gegen den britischen Imperialismus führen. Von dieser Politik, die in ihren Anfängen von kühnen und geschickten Männern geleitet wurde, die daraus große Ergebnisse erhofften, bleibt heute, das muß man wohl sagen, überhaupt nichts übrig. Die Kommunisten, die der Z e l l e n b i l d u n g überführt wurden, flogen au? dem Kuomintang hinaus. Auch mit dem linken Flügel des Kuomintang haben sie ebenso vollkommen gebrochen wie mit Tschanokaischek und dem rechten Flügel. Die Affäre der o st- chinesischen Eisenbahn und das Eindringen der Sowjets in die Mongolei haben Jungchina davon überzeugt, daß der Moskauer Imperialismus nicht weniger gefährlich sei als der Jmperialisnms der anderen Mächte. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der chinesischen Republik und der USSR. sind abgebrochen, das russische Generalkonsulat in Schanghai ist ein leeres, zerfallenes Haus, das ehemalige Hauptquartier von Borodin in Kanton ist einer Amerikanerin oermietet, die russischen Instruk- tvren der Militärschule von Wampeu sind durch deutsche Ossi- ziere ersetzt, die„roten Kadetten", die den Aufstand von 1927 leiteten, sind in die Provinzen des Inneren geflüchtet, die G e- werkschaften haben sich von kommunistischen Einflüssen befreit und scheinen sich dem IGB. zuzuwenden. Mit einem Worte: ge- rode in den Industriebezirken, wo eine proletarische Be- wegung Zlussichten hat, ist die rote Jlul unzweifelhaft vollständig verebbt. Man hört zwar noch in den Fremdenkonzefsionen von Schanghai von einer kommunistischen Gefahr, von unterirdischen Fortschritten der kommunistischen Propaganda unter den Massen des Proletariats: aber man erfährt bald, daß in Wirklichkeit das Wort.Fbmmunismus" absichtlich gebrauäst wird, um alle mehr ofstr' minder so ziäklsk'ische n Absichten zu diskreditieren und z« bekämpfen, die der Regierung nicht genehm sind. Wenn in einer Stadt wie Schanghai ein politischer Gegner beseitigt, eine Zeitung unterdrückt, eine Gruppe aufgelöst werden soll, dann behaupten ein- fach die Behörden, sie seien„tonmmnistisch". Das gilt jedenfalls für die Städte an der Küste. In den Gebieten im Innern, südlich des Jattgtsefwsses, mag es_ wohl anders sein. Dort werden wohl im Zeichen des Kommunismus Gewalttaten verübt. Aufstände versucht und manchmal auch ganz gewöhnliche Banditenaktionen unternommen, die man bisher nicht wirksam zu unterdrücken vermocht«. Und sicher ist auch, daß es dort einen sehr starken Jndustriebezirk gibt, den die beiden Zwillingsstädte H a n k a u und W u h a n bilden, wo es immer noch aktive kommunistische Elemente gibt. In diesem Bezirk freilich herrscht„Ordnung" und die wird durch grausame Präventiv- maßnahmen aufrechterhalten, die die Todesstrafe für bloße Meinungsvergehen vorsehen. Es ist mehr in den Agrarbezirken van Hunan und Hupeh, in Ktangtsi und Fullen, daß sich in den letzten Monaten „rote Armeen" gebildet haben, d. h. zahlenmäßig starke Bon. den, die mehr oder minder gut bewaffnet und diszipliniert sind, deren Führer unzweifelhaft Kommunisten und sogar bekannte, meist aus Kanton stammende Kommunisten sind, deren Masse aber aus armen Bauern, aus Hungerleidern aller Art besteht, die durch den Bürgerkrieg runiert, durch die Requisitionen und Steuerlasten erdrückt und durch buchstäbliche Hungersnot zum Aeußersten getrieben worden sind. Man darf nämlich nicht glauben, daß überall in China die Bauern kleine Grundbesitzer sind, zwar arm, aber wenigstens Eigen- tümer ihres Ackers. In Wirklichkeit leidet die Agrarbevölkerung im Gebiet der Reisplantagen— d.h. gerade jener Gebiete, wo die kommunistischen oder angeblich kommunistischen Aufstände vor- konnnen— entsetzlich unter der dreifachen Plag« der enormen Steuern, der W u ch e r z i n s e n, die oft weit mehr als 29 Proz. betragen, und der Pachtzinsen in Geld oder in Naturalien, die ihnen den größten Teil der Früchte ihrer Arbeit rauben. Daher weist der chinesische Professor Tatschen von der Amerikanischen Universität von Honolulu aus die Bildung von Pächterorgan i« s a t i o n e n hin, ähnlich wie die Arbeitergewerkschaften, aber viel zahlreicher und mit dem Ziel einer Agrarrevolution, die er für eine nahe Zukunft voraussogt. Unterdessen agitieren in den Gebieten, die am meisten leiden, die Kommunisten und zetteln wahre Bauernaufstände mittelalterlichen Charakters an, von denen die Ereignisse in T s ch a n g t s a, der Hauptstadt der Provinz Hunan, ein typisches Beispiel waren. Wenn man den Berichten über dies« Vorgänge Glauben schenken darf, sind die Kommunisten bei dieser Gelegenheit wie auch bei manchen anderen nicht gerade sanft vorgegangen. Während ihrer kurzen Herrschaft über Tschangtsa sollen die Verwalllmgs- gebäude in Brand gesteckt, die Beamten, die nicht rechtzeitig flüchten konnten, geköpft, die wohlhabenden Viertel ausgeraubt und die Kulis requiriert haben, um ihre Beute außerhalb der Stadt zu bringen, wo das Gros ihrer Truppen lagerte. All das läßt aller- dings einen einheitlichen Plan vermisien und man sollt« in diesen Aufständen keinen Versuch erblicken, regelrechte Sowjetrepubliken zu errichten. Tatsächlich sind die bewaffneten Banden, die man, reichlich übertrieben, als„rote Armeen" bezeichnet, sehr lockere Gebilde, die kommen und gehen, die sich zerstreuen, sobald regu- läre Truppen auftauchen, und die letzten Endes ihre örtlichen Teil- erfolg« nur dem Versagen der Regierungstruppen verdanken, die übrigens anderswo durch den Kampf gegen Feng und Pen in An- spruch genommen waren. Deshalb muß man damit rechnen, daß, sobald die Regierung von Nanking nach dieser Seit« entlastet sein wird, sie bald dieser Aufstände Herr werden wird, deren Grausam- keit die Bevölkerung mit Schrecken erfüllt. Uebrigens ist schon jetzt überall dort, wo die Regierung das Feld behauptet hat, der Abwehrlerror genau so barbarisch gewesen, wie der kommunistische Angrifssterror. Die„Chinesische Nationalruirdschau" hat kürzlich geschildert, wie verhastete Kommu- nisten rethenweise hingerichtet werden: Ein Soldat nähert sich den angebundenen Opfern und jagt ihne aus einer großkalibrigen Pistole eine Kugel in den Nacken. Dieser Vorgang wiederHoll sich in kurzer Reihenfolge, bis der letzte Körper leblos zu Boden gefallen ist. Jeden Abend drängt sich gegenüber dem Hinrichtungsfeld eine dichte Menschenmenge zusammen, in der Hoffnung, einer solchen Hin- richtungsszen« wenigstens aus der Ferne beiwohnen zu können. Wohlgemerkt, es handelt sich hier nicht um Aufftändige, die etwa mit der Waffe in der Hand gefangen genommen wurden, sondern um Männer und Frauen, deren einziges Verbrechen darin besteht, Kommunisten zu sein oder als Kommunisten denunziert worden zu sein, oder schlimmstenfalls kommunistische Flug- blatte r oerbreitet zu haben! Unter solchen Umständen ist es anzunehmen, daß die Kommunisten, nachdem die Regierung von Nanking wenigstens vorläufig mit den Rebellen im Norden fertig geworden ist, in Hantau und Tschangtsa genau so niedergeworfen werden dürsten, wie es mit ihnen bereits in Kanton und Schanghai geschehen ist. Aber die U r s a ch e n, die die kommunistische Welle erzeugt haben, bleiben zumeist be- stehen. Daher ist die Frage von entscheidender Bedeutung für die nächste Zukunft Chinas, ob die Bewegung der Arbeiter- und Bauern- masien die rohen Formen einer elementaren Reaktion gegen die Mißstände und Mißhandlungen behalten wird, denen sie ausgesetzt sind, oder ob diese Bewegung sich nach der Richtung eines Klassen- t a m p f e s entwickeln wird, mehr oder minder ähnlich den Methoden in jenen Ländern, wo Demokratie und politische Freiheiten kein leeres Wort sind. Zum Schluß möchte ich betonen, daß die Sympathie, die ich vor meiner Reis« für das chinesische Volt empfand, durch meinen sechswöchigen Aufenthalt in seiner Mitte nur gesteigert worden ist. Ich weiß, daß man mir entgegnen wird, daß ich nur mit einer Elite zusammengekommen sei, daß ich von Leuten freundlich empfangen wurde, die ein offenkundiges politisches Interesse daran hatten, mich gut zu behandeln. Man wird mir unter diesen Um- ständen entgegnen, daß mein Urteil leicht wiege im Vergleich zu dem von Männern, wie Dr. Legendre oder Rodney Gilbert, dem maßgebenden Wortführer des berühmten englischen Klubs von Schanghai. Letztere, die jahrelang in China gelebt haben, die die Chinesen gründlich kennen, haben sich in stark dokumentierten Büchern bemüht, nachzuweisen, daß die traditionelle Politik Chinas fremden- feindlich und orientalisch-hinterhällig fei, und daß obendrein die Chinesen vollkommen unfähig seien, sich selbst zu regieren. Aber es gibt auch andere Zeugen, die ganz anderer Ansicht sind. Das sind vor allem die M i s s i o n a r e, die trotz aller Ge- fahren, denen sie dauernd ausgeätzt sind, übereinstimmend die tiefe Sympathie bekunden, die sie für die Chinesen, namentlich für das „kleine Volk", empfinden. Auch gibt es z. B. Geschäftsleute und Bankdirektoren in Schanghai, die das alt« Regime gekannt, und die keineswegs nur gute Erfahrungen mit dem neuen Regime gemacht haben, und die dennoch ganz anders über China urteilen als es in Europa üblich ist. Alle bestätigen, daß trotz alledem da» neue China ungeheure Fortschritte macht. Alle loben dieses geduldige und arbeitsame Volk, das in feinen Reden durchaus friedlich und ehrlich ist, und das nur das Eine wünscht: sein bißchen Reis in Ruhe genießen zu können und nicht dauernd ausgehungert und ausgeplündert zu werden durch Gewaltmenschen, die meist gleicher Farbe sind. Wenn man bedenkt, was die Chinesen seit einem Jahrhundert erduldet haben, dann müßte man eigentlich bei ihnen noch einen viel größeren Fremden- haß erwarten. Die Wahrheit ist, daß China sich gegenwärtig sozusagen in den Wechseljahren befindet. In diesem Reich, das größer und stärker bevölkert ist als Europa, beginnt das national« Gewissen zu erwachen. Und es wird sicher noch lange dauern, bis die neue Ordnung endgültig gegründet sein wird. Aber der g e i st i g e und moralische Wert der Führer Jung-Chinas steht nicht hinter dem der europäischen Staatsmänner zurück. Es mögen im Kuomin- tang tiefe Gegensätze über soziale und polllische Fragen und Methoden herrschen. Allen Führern gemeinsam ist aber die absolute Uneigennützigkell, die Treue zu den Grundsätzen Sunjatsens und der Wille zur Entwicklung Chinas in der Richtung der Demo- kratie. In etwa zwanzig Jahren wird man aus der größeren Perspektive der Geschichte allgemein anerkennen, daß sich diese Männer um die Sache der Revolution verdient gemacht haben. Die Llkrainergreuel. Wie einst gegen die Armenier. London, 2. Januar. „Times" veröffentlicht Ausführungen der aus Ostgalizien zurückgekehrten Miß Sheepshanks, in denen es u. a. heißt: Ich habe gefunden, daß die Polizei- und Militärüberfälle auf Hun- derte Dörfer gemüßt eines vom Hauptquartier ausge- gebenen Planes erfolgten, daß ein allgemeines und brutales Aus» peitschen der männlichen Bevölkerung ohne vorheriges Ver- fahren geübt wurde, daß Sachlieferungen erhoben, daß Kaufläden und Bibliotheken sowie Werkzeuge, Maschinen und Hausgerät in großem Maße z e r st ö r t und Priester geschlagen wurden. Die Behörden haben strenge Maßnahmen getroffen, um zu ver- hindern, daß Einzelheiten über die Vorgänge bekannt wer- den. Jeder, der Ausländern Informationen erteilt, kann zu fünf Iahren Gefängnis verurteilt werden. Nichts vom pilsudski! Der sozialistische„Robotnik" meldet, daß der ehemalige Präsi- dent der polnischen Republik Wojciechowsti mit dem Un- abhängigkeitskreuz ausgezeichnet worden sei, dieses jedoch nicht angenommen habe. Der Orden sei mit einem entsprechenden Anschreiben unverzüglich zurückgesandt worden. Auch der päpstliche Nuntius soll den ihm verliehenen Orden nicht an- genommen haben. Dem vor einigen Jahren verstorbenen Abg. Perl, Chef- rcdakteur des„Robotnik" schon in der Zeit des illegalen Erscheinens unterm Zarismus, sollte jetzt der Unabhängigkeitsorden„verliehen" werden. Frau Perl hat das Zeug sofort zurückgeschickt. Tausch Eurtius-Henderson. CurtiuS hat freie Hand für den Minderheitenkampf. Mit dem englischen Außenminister Henderson ist der Tausch des Ratsvorsitzes vollzogen worden. Während Henderson den Vor- sitz der I a n u a r- Ratstagung übernimmt, wird Reichsaiißenminister Curtius der nächsten Ratstagung präsidieren. Mohammedanerschuh in Indien. Hindus Bereitschaft für eigene Wahlregister. - London, 2.-Januar.(Eigenbericht.) Auf der Indienkonferenz führte der Lordkanzler Lord Sankey aus, daß man sich in der kurzen zur Versügung stehenden Zeit nicht mit allen Einzelheiten der Verfassung Indiens beschäftigen könne. Man müsse sich damit begnügen, die allgemeinen Grund» linien zu umreißen. Diese Aeußerung erfolgte, nachdem sich die Hindus grundsätzlich damit einverstanden erklärt haben, daß die Mohammedaner die von ihnen gewünschten eigenen Wahl- reg ist er erhalten sollen. Die Frage, ob es gesonderte Wahlkörper für einzelne Gruppen in Indien geben sollte, oder ob das Wahlrecht durchweg ein allgemeines gleiches sein sollte, war bisher die Haupt- fchwierigkeit, über die die Verhandlungen nicht hinwegkommen tonnten. Man muß abwarten, ob die Zustimmung der Hindus nicht mit irgendwelchen Einschränkungen begleitet ist, die den Wert der grundsätzlichen Bereitschaft entwerten. Hugenbergs pleiteladen. Hugenberg:„Meine schönsten Neujahrsaufrufe ziehen nicht. Die Stammkundfchast laust trotz allem zur Konkurrenz!" Rationalisierung im Ruhrbergbau. Mehrleistung wird mit Lohnkürzung bestrast. Der Ruhrbergbau erfreut sich gesetzlicher Monopol- preise; er hat es bisher auch meisterhaft verstanden, sich der Forderung nach einer durch die Absatzlage gebotenen Preis- senkung zu entziehen. Außerdem erzielte der Ruhrbergbau ungeheure Rationalisicrungs gewinne, d. h. die Arbeitskraft des Ruhrbergmannes, dessen Lohn jetzt gekürzt werden soll, hat sich in den letzten Jahren beispiellos oerbilligt. .hier ein lleberblick über die seit l924 fortgesetzte Leistungs- st e i g e r u n g, verbunden mit einem fortgesetzten Abbau der Belegschaft: lSlZ in Kilogramm. Untertage- Gesamt» arbeit« belcxschaft Stärke der Belegschaft (pro Kops und pro Schicht) 1161 943 426 000 Mann 1924 in Kilogroinm... 1079 8S7 463 000 Mann in Prozent von 1913 92,9 90,9 109,6 1927 in Kilogramm... 1386 1I3Z 408 000 Mann in Prozent von 1913 119,3 120 95,8 1929 in Kilogramm... 1558 1271 376 000 Mann in Prozent von 1913 134,2 134,8 88,3 Januar 1930 in Kilogramm... 1585 1299 383 000 Mann in Prozent von 1913 136,5 137,8 89.9 . September 1930 in Kilogramm... 1725 1387 311 000 Mann in Prozent von 1913 148,6 147,1 73.9 Bis zum Oktober 1930 ist die Belegschaft weiter allf30ZOOO gleich 71,1 P roz. des Friedens st andes abgebaut morden. Dadurch wurde eine weiter erzielte Mehrleistung sichtbar, denn die Leistung pro Kops und Schicht der Gesamtbeleg- schast steigerte sick) von 1ZS7 Kilogramm im September auf 1415 Kilo- gramm im Oktober 1930. Nimmt man also die Gesamtbelegschaft, so erhöhte sich die Leistung pro Kops und Schicht von 94Z Kilogramm im Zahre 1913 auf 1415 Kilogramm im Oklober 1930, d. h.. die Leistung pro Kops und Schicht lag im tierbsl 1930 etwa um 50 Proz. höher als im Zahre 1913. Alit- hin hat sich, wcun man nur den Lohn an sich betrachtet, der Preis für die Arbeitskrast halbiert. Diese Ziffern geben eine kleine Vorstellung von den Rationalisicrungs- erfolgen, aber auch von den Rationalisierungsgcwinnen im Ruhrbergbau. Wenn man auch berücksichtigt, daß die Rationali- sicrung viel Geld gekostet hat und daß zur Anschaffung der neuen Maschinen große Sunnnen zur Verfügung gestellt werden nrußten, ändert das nichts an dem Ergebnis. Der Ruhrbergbau hat die Rationalisierung zum größten Teil aus seinen Gc- Winnen finanziert: seine Ansschreibnngssätze sind in den letzten Jahren immer als zu hoch angegriffen und kritisiert worden. Auch die Ilmstellung in der Kohleiwerwertung, z. B. der Bau von Zentralkokereien, dürfte den Ruhrbergbau nicht mit einem unerträglichen Kopitaldicnst belastet haben. Angesichts der hohen Kohlcnpreise, die Monopolpreise sind, dürften die Verhältnisse im Ruhrkohlenbergbau günstiger liegen als anderswo. Dos geht besonders aus einer internationalen Ver- g l e i ch n n g hervor, die die Reichskreditgescllschast in ihrem letzten chalbjahresbericht über die Entwicklung der Arbeitsleistung im europäischen Kohlenbergbau veröffentlicht: 1925 1929 Di« ersten acht Monate l9Z0 Ruhrgebiet England. Frankreich Belgien Holland. (je Kopf und Schicht der Gesamtbelegschaft, 191 3-->00 gefegt) 100,3 134,8 140,9 86.1 107,7 102,8 79,6 92,2 91,3 90,2 111,3 110,2 113,6 157,2 156,5 Eine größere Leistungssteigerung ist nur in Holland zu konstatieren. Das erklärt sich daraus, daß es sich in Holland um neu erschlossene Gebiete handelt, die mit großen Anlagen und mit den modernsten Maschinen arbeiten. Für den Wettbewerb kommt Holland aber kaum in Frage, da es eine Jahressörderunq hat, die eben an eine Monatssörderung im Ruhrgebiet langt. Durch die Rationalisierung hat der Ruhrbergbau ohne Zweifel hinsichtlich Arbeitslohn und Lohnkosien eine Sonderstellung erreicht, die den beabsichtigten Lohnraub nur noch ungerechtfertigter macht. NGO. für Zechenbesiher? Ein Versuch, die Einheiiösront der Kumpels zu sprengen. Lochum. 2. Januar.(Eigenbericht.) Zu den Teilstreiks im Ruhrgebiet teilt der Bergbail-Jndustrie- orbeitcrvcrband mit. daß nach genauen Feststellungen von der Margenschicht im Ruhrgebiet rund 11 Prnz. der Belegschaft der'Arbeit ferngeblieben sind. Die Arbeitsniederlegung wurde fast überall veranlaßt durch kommunistische Stoßtrupps, Erwerbslose usw., die die Bergleute mit Gewalt von der Arbeil abhielten. Bei der Mittagsschicht wiederholten sich diese Versuche gewalt- samer Arbeitsverhinderung vielfach. Die Mittagsschicht ist aber weit besser eingefahren als die Morgenschicht. höchstens 6 bis 7 Proz. der Belegschaften sind, durch den Terror oerhindert, nicht eingefahren. Die einzig« Zeche, deren Belegschaft in der Mittagsschicht vollzählig streikte, ist Thyssen 11/ VII. Streikgebiete sind wie heute früh der Ham- b o r n e r und der Gladbeck-Bottropper Bezirk. In Moers hat sich die Lage gebessert. Im Essener, Bochumer und Dortmunder Revier ist es ruhig. Auf der Zeche Adolf von Hansemann kam es auf dem Jechenplatze zu einer Schlägerei zwischen Arbeitswilligen und Streikenden. Im Hammer Revier wurde auf der Zeche de Wendel in geringem Um- fang(150 Mann von der Mittagsschicht) gestreikt. Polizei ist noch nirgends eingesetzt worden. " Wie unser Korrespondent noch erfährt, ist die gewaltsame Arbeitsoerhinderung. wie sie sich am Freitagmorgen auswirkte, ausschließlich von der kommunistischen Partei in Szene geseht worden. Die„Erwerbslofenstasfeln* wurden direkt dem Befehl der zentralen Streikleitung unterstellt. Proletarischer Massenterror gegen „Streikabwürgcr". Christliche und SPD. wurde als selbstverständlich vorgeschrieben. Unterbrechung der Gas-, Wasser- und Strom- Versorgung wurde als notwendig bezeichnet, doch sollen diese Maß- nahmen den internen Funktionären überlassen bleiben. Des ferneren wurde die Ueberwachung von Gewerkschastsbüros, Versammlungs- lokalen und Polizeiunterkünften vorgeschlagen. Di« Bergarbeiter- verbände haben sich heute nachmittag mit folgendem Flugblaft an die Bergarbeiter gewandt: .Lameraden! Die Unternehmer des Ruhrbergbaus haben die Kündigung aller Arbeitsverträge zum 15. Januar ausgesprochen. Mit brutaler Gewalt soll die Lohnkürzung, die bei den Schlichtungs- Verhandlungen nicht erreicht werden konnte, durchgesetzt werden. Die Rot der Bergarbeiter soll noch vergrößert werden. Sie sollen die Schäden der Krise allein tragen. Macht die Absicht der Bergwerks- besitze? zuschanden, zeigt, daß ihr nicht gewillt seid, euch dem Diktat der Unternehmer zu beugen. Lehnt den Abschluß von neuen Arbeits- oerträgen ab. Weigert euch, die Bedingungen der Arbeftgeber an- zvnchmen. Bon eurem Berhasten hingt der Ausgang des Lohn- lonflittes ab. Vertraut euch der Führung der vier Bergarb eil er- oerbände an. Kameraden! Weist die kommunistischen Parolen zurück. Sie haben nur den Zweck, euch in einen aussichtslosen Putsch hineinzutreiben. Sie dienen nur der Reaktion und fördern die Diktakurgelüste der Unternehmer. Lehnt diese Parolen ab und folgt den Weisungen der vier Berg- arbeiterverbände!" Wenn es möglich sein soll, den Versuch der Zechenbesitzer, die Löhne um 12 Proz. zu kürzen, abzuwehren, dann ist die geschlossene Einheitsfront aller Bergarbeiter die Voraussetzung dazu. Das Ein- greifen der KPD., das sich direkt gegen die Beschlüsse der Gewerkschaften richtet, kann also nur den Zechen- besitzern nützen. Die Frag« ist also berechtigt: Steht die RGO. im Dienst der Zechenbesiher? Einzelhändler gegen Kauftrast. Hungergehälter sollen noch mehr abgebaut werden. Mft dem Gehastsabbaukonflikt im Berliner EinzelhandÄ be- schäftigt« sich gestern abend eine außerordentliche Funktionärkonfe- r«nz der im ZdA. organisierten Einzelhandelangestellten. Der Bevoll- mächtigte Genosse G o t t f u r ch t schilderte kurz den Verlauf der Der- Handlungen vor dem Schlichtungsausschuß. Di« Unternehmer erklärten auch hier wieder, daß sie„nur schweren Herzens den Gehaltstarif zum 31. Dezember gekündigt haben, weil sie selbst wissen, daß die Gehälter ihrer Aogestellkeu au sich sehr gering siud". Da sie angeblich ober nur an dem Gehaltsunkostenkonto sparen könnten, müßten sie die Kürzung der Gehälter um 10 Proz. verlangen. Davon, daß sie sich mit der Reduzierung der Gehälter auf den Stand vor der letzten Gehaltserhöhung, also um 5 Proz. zufrieden geben würden, war keine Red« mehr. Die Gewerkschaftsvertreter haben an der Forderung nach u n- veränderter Verlängerung des Gehaltstorifes festgehalten. Die Ausführungen der Unternehmer liehen den Eindruck aufkommen, als ob sie der Mithilfe des S ch l i ch tu ng s a u s s ch» s s e s beim Gehaltsabbau schon sicher wären. Das ging besonders aus der Erklärung des Gcwcrberats Körner hervor, er könne nach den Ausführungen des Herrn Hack von den Unternehmern nicht mehr den Vorschlag machen, den Gehaltstaris bis zum 28. Februar zu verlängern. Für die„soziale Erkenntnis" der Unternehmer war deren Antwort aufschlußreich auf die Frage des Gewerberats Körner, ob sie auch ein Interesse an einem Schiedsspruch hätten, der die Angestellten der am schlechtesten bezahlten Gruppe I vom Gehaltsobbau aus- nimmt.(Nach dieser Gruppe— 88 Mark monatlich sür weibliche Angestellt«— werden mehralsL0Proz.der gesamten Einzel- Handelsangestellten entlohnt.) Die Unternehmer beantworteten dies« Frage prompt intt einem Nein. Mit allem Nachdruck wurde auch von den Gewerkschaftsvcr- trctern darauf hingewiesen, daß bereits in den ersten Spezial- geschästcn in der Leipziger Straße ein Abbau vollzogen worden ist durch die Kürzung der übertariflichen Gehälter. Das Bezeichnende an dem Konflikt ist, daß er eine Unternehmer- gruppe betrifft, die noch vor wenigen Monaten in aller Oeffenllichkcit betonte, daß jeder Abbau vou Gehältern unier 3000 Mark uukerblewcn möffe. da dadurch die Kaufkraft der breftcn Massen geschwächt würde. Wenn auch die Unternehmer inzwischen ihre Meinung geändert haben, so wäre es doch trotz der Erfahrungen mit den Schlichtungsinstonze» in den letzten Wochen eine Unmöglichkeit, wenn der Schlichtungs- ausschuß diese elenden Gehälter der Eiiizclhondelsangestelltcn noch weiter senken würde. Der ZdZl. wird die Zeit bis zum 9. Januar nützen, um die Oeffentlichkeit über das skandalöse Borgchen der Berliner Einzel- Händler genügend zu unterrichten. Vorbedingung für dos erfolgreiche Arbeiten der Organisation ist, daß die Angestellten in den Betrieben nicht nervös werden, sondern ruhig die An- Weisungen und Mitteilungen des Verbandes abwarten. In der Aussprache kam die völlige Uebereinstimmung der Funk- tionäre mit den bisherigen Maßnahmen der Organisationsleitung zum Ausdruck. Die Konferenz stand im Zeichen geschlossener Kamps- bereitschost und Disziplin. Chronik des Lohnabbaus. Die Massenkaufkrast kann nicht genug gekürzt werden. Der Reichsverband der Deutschen Schuhindustrie hat gleichzeitig namens und im Austrage sämtlicher schuhinduslriellen Arbeitgeber- Verbände den seil dem 1. April 192S in Geltung befindlichen Reichs- larifverlrag für die Schuhindustrie gckündigk. Gleichzeitig wurde dos gellende Lohnabkommen gekündigt. Es wird eine Ermäßigung des Ecklohnes um etwa 15 Proz. verlangt. Die derzeitige Tarif- und Lohnregelung in der Schuhindustrie erreicht damit am 31. März 1931 ihr Ende. Der Reichslarif umfaßt annähernd 100 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Der an sich schon außerordentlich niedrige Lohn wird außer durch den„kalten" Lohnabbau noch dadurch verkürzt, daß nnr mehr ein kleiner Teil der Belegschaften voll arbeilet. Soweit die Arbeiterschaft nicht arbeitslos ist. steht sie in der großen Mehrheit in Kurzarbeil. q- Der Arbeitgeberoerband der Rohproduktenbetriebe Berlins Hit die bestehenden Löhne zum 31. Dezember 1930 dem Gesamtverband gekündigt und fordert ab 1. Januar 193l sür alle Gruppen einen Lohnabbau in Höhe von 1 5 P r o z. Es wird im Schreiben extra darauf hingewiesen, daß in der Zwkscbenzeit in sehr vielen Branchen bereits ein« Herab- setzung der Löhne stattgefunden habe. Auch der Arbeitgeberverband sür Handel und Industrie in Berlin-Lichtenberg(Gruppe Alt-Papier) hat-inen Lohnabbau von 10 Proz. ab 1. Januar 1931 für alle Gruppen gefordert. Da in einer Borverhandbing eine Verständigung nicht zu erreichen war, ist von den Arbeitgebern der Schlichtungs- ausschuß angerufen worden. * Peine, 2. Januar. Zur Beilegung des Tarifstreits beim Peiner Walzwerk und der Jlseder Hütte halle der Regierungspräsident in Hiidesheim die Parteien für Mittwoch zu einer Besprechung gebeten Auch diese Verhandlungen brachten keine Verständigung. Die Werksleitung macht heute durch Anschlag in den Betrieben bekannt, daß die Zahl der Unterschriften derjenigen Arbeiter, die sich zur Weiter- arbeit zu den im Schiedsspruch festgelegten Bedingungen(a ch t- prozentige Lohnkürzung) bereit erklären, nicht g e- nüge, um den Betrieb wirtschaftlich aufrecht zu erhalten, und daß demnach die Stillegung der Werke am 3. Januar erfolgen muffe. Stillegung zwecks Lohnabbau. Frankfurt a. d. O.. 2. Jamiar.(Eigenbericht.) Die bekannte Firma Mantz u. Gerstenberger, Möbel- fabrik in Frankfurt a. d. Oder, hatte kurz vor Weihnachten ihre rund 1200 Mann starke Belegschaft angeblich wegen Mangel an Arbeit entlassen. Bereits am 31. Dezember erhielten 300 bis 400 Arbeiter die Mitteilung, daß sie am 2. Januar 1931 die Arbeit wieder aufnehmen könnten. Bedingung sei jedoch, daß die Arbeiter mil einem Lohnabbau von 15 Proz. einverstanden seien. Eine außerordentlich gut besuchte Versammlung der bisherigen Belegschaft beschloß e i n m ü t i g, den Lohnabbau mit allen Mitteln abzuwehren. Da die Firma mehrere hundert Adressen von Kollegen in Schlesien und anderen Landesteilen besitzt, an die sie sich wahrscheinlich jetzt wenden wird, warnen wir vor jedem Zuzug nach Frankfurt an der Oder. Der Gauvorstand des Deutschen Holzarbetterverbandes. Widerstand gegen Lohnabbau. Köln, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Im Tarifkonflikt in der Kölner Metallindu- st r i e haben die am Tarisverirag beteiligten Gewerkschaften in einem Ausruf ihren Mitgliedern empfohlen, das von uns bereits mitgeteilt« Angebot der Arbeitgeber in der Form, wie es gemacht worden ist, unter allen Umständen abzulehnen, da- gegen der Firma anzubieten, die Arbeit zu den alten Arbeits- bedinzungen solang« fortzusetzen, bis der Lohnstreit in der Metall- industrie vor den Schlichtungsinstanzen erledigt ist. In Güdwales streiten 4S0 000 Bergarbeiter. London. 2. Januar.(Eigcuberichl.) Seit Reujahr streiken in Südwales 150 000 Bergarbeiter. Der Streik wird mindestens bis zum Sonnabend dauern, da erst dann versuche zu einer Einigung unternommen werden können. Im Augenblick sind in den großen Städten von Südwales bereits private Besprechungen zur Beilegung des konjlikles im Gange. Alle Versuche. neue Verhandlungen herbeizuführen, sind bisher an der Weigerung der Grubenbesitzer gescheitert. Für Sonnabend ist ein Schlichtungsausschuß nach Cardiss zusammenberufen worden. Jubiläum von Hollands Gewerkschastszenirale Amsterdam. 2. Januar.(Eigenbericht.) Anläßlich des 25jöhrigen Bestehens des nieder. ländischen Gewerkschastsbuiides fand am Freitag eine große historisch- Festsitzung im Gebäude dcs Niederländischen Diamantarbeiter-Berbandes statt» an der alle noch am Leben befind- lichen früheren Vorstandsmitglieder teilnahmen. Die Festrede hielt Genosse Henry P o l a k, der vor 25 Jahren bei der Abtrennung von der früheren Landeszentrale, dem nationalen Arbeitssekretariat, der erste Borsitzende der neuen Zentrate war. Aus eigenem Erleben wußte er in sesielnder Weise Sarzulegen, wie dos alle Arbeitsfekre- tariat zu einem Tummelplatz des Syndikalismus und Anarchismus geworden war, so daß die Errichtung einer neuen Zentrale zu einer Notwendigkeit wurde. Aus den damaligen 18 000 Mllgliedern, die sich der neuen Zentrale anschlössen, seien jetzt fast 300 000 Mitglieder geworden. Alle großen gewerkschaftlichen Verwaltungsgebäude Amsterdams sind am Freitag und an den nächsten Abenden illu- miniert. Die Zahl der Arbeitslosen in England stieg von 2 209 592 um 108 779 aus 2 408 371 am 22. Dezember. SPD.-Kolzurbcilce,«ejtrt Osle» 2. Versammlung am Sonntag, 4. Januar, 19 Uhr, im Lakai Wittschuß. Petersburger Str. 5. Voll» zahliges Erscheinen aller Eeuoisen wird erwartet. l i W n S i�reic Gewerkschafts-Lugen v Berlin Arbeitsgemeinschaft der Funktionäre der ffGI. und ZdA. um 19 Ufit im Unterricht»i,iminer der Gewerkschaftsschule. Engelufer St— 25 kGe- mcrtschastshaus).— Die Teilnehmer am Iugendspicl»Wir und Sic" treffen sich in Mable-dorf Zur isrouenveraustallung der SPD. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff! Wirtschaft: S. Kliagelhäfer: Gewcrkschaftzbcweguna: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. Zohn Schikowati: Lokales und Sonstiges: ffrik Karstädt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag D. in. b. K.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Lerlagsanstall Paul Sing« u. Co.. Berlin SZS.«, Lindenstraße z. Kieq», Beilage». Nr. 3• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 3. Januar 4931 Der Doppelmord der Hahcnkreuzlcr. Das Bötzowvierlel in Erregung.— Wie das Verbrechen geschah. Venn man hinunter zum �Vöhowvicrlel" kommt und in die dunkel liegende huselandstraße einbiegt, so merkt man im Augen- blick, dag etwas Besonderes die Menschen vor den Haustüren auswühlt und erregt. Gespräch aller ist die Bluttat des hakenkreuzlers. der völlig grundlos zwei junge Menschen wie Zagdwild niederknallte, nur weil sie Sozialisten und Republikaner waren. „Das geht nun seit Monaten schon so--" rust mit Erbitterung in der Stimme eine ältere Frau,„meinen Mann hoben sie dieser Tage auch übersallen und niedergeschlagen. Rur weil er dos Parteiabzeichen auf dem Mantel trug.„Alles Lausejungen, und jeder hat einen Revolver in der Tasche-- sagt ein Arbeiter. Bei den Eliern des Ermordeten. Abendliche Ruhe liegt über der. h u f e la n d st ra ß e, die in der Silvesternacht der Schauplatz des neuen Verbrechens der haken- kreutzler gewesen ist. Auch am Tage herrscht in dieser Seiteisttraßc der Prenzlauer Allee kein starker Verkehr. Unweit des Arnswalder Platzes hat im Hause hufelandstratze 31 Genosse Schneider, der nrit seiner Frau und mehreren Töchtern den Tod seines Sohnes, der von Mörderhond siel, zu beklagen hat, sein Zigarrengeschäst. Durch einen sauberen, einfcnstrigen Laden gelangt man in die Hinteren Räum«, die aus zwei Stuben und Küche bestehen. Im Wohnzimmer stehen noch auf dem Tisch die Weihnachtskuchenteller. Der utiglück- liehe Vater erzählt, daß in der Mordnacht die hakcnkreuzlcr, deren Berkehrslokal im Rebcnhaus liegt, es ofsensichtlich auf«inen Ueberfall abgesehen hotten. Rur zu oft waren gegen ihn und seinen Cohn schon früher Drohungen von den hakenkreuzlern ausgestoßen worden. Sie haßten den stillen und ruhigen Mann, weil er ein Funktionär der Sozialdemokratie war. Sie hatten dem Sohn Rache geschworen, weil er das Abzeichen des Reichsbanners trug. Gegen V'd Uhr nahm das Verhängnis seinen Ansang. Atemlos kam der Parteikafsierer Sch., der im selben Hause wohnt, von der Straß« herein und bat durch Klopfen an der Ladentür um Einlaß, da er von ha t« nk r e u zl e rn aus, dem Heimweg bedroht worden sei. Sch. wurde eingelassen und der Ladenbesitzer ließ die Jalousien herunter, um zu verhüten, daß ihm die Scheiben eingeworfen werden. Es dauert« nicht lange, als die Ladenkiinke unaufhörlich geräusch- voll herauf- und heruntergedrückt wurde. Als Schneider nachsehen wollte, sah er vor seiner Ladentür mehrere Nationalsozialisten stehen. Einer der Burschen rief dem bejahrten Mann zu:„Komm raus, dich machen wir fertig." Die Lage für Schneider und seine Gäste, es handelte sich um nahe Verwandte, war so bedrohlich, daß der junge Schneider ans Telephon ging und das Reichsbanner- ,Iokal in der Allen st einer Straße anrief. Er bat um hilf«, da die. Nazis das Haus umstellt i hätten. Gleichzeitig rief Schneider junior das Uebersallkommando an. Ais das Kommando erschien, hatte sich auf der Straße bereits ein« Schlägerei abgespielt. Die Nazis halten die Flucht ergriffen und dabei zwei bis drei Schüsse abgefeuert. Nach diesem Awischenfall schien die Ruh« in der stillen Straße wieder hergestellt. Die Gäste Schneiders rüsteten zum Aufbruch. Man wollte die Verwandten, unter denen sich mehrere Frauen befanden, nicht allein gehen lassen und begleitete sie«in Stück die Straße hinunter. Unglücklicherweise hatten die in der Wohnung Zurückgebliebenen, die Mutter des Ermordeten und zwei Schwestern, vergesien, die Ladentür abzuriegeln. Plötzlich lral ein kräftig gebauter Mann mit brauner Loden- jacke ein. Der Mann, der die 5>and in der rechten Hosentasche hielt, ging an den erschrockenen Frauen vorüber und durchschritt die beiden Zimmer. In der Schlafstube riß er ein Jackett vom Kleiderhaken. Es war ein Rock des jungen Schneider, an dem sich dos Parteiabzeichen befand. Der Eindringling schleuderte die Jacke auf das Bett und rief, als Frau Schneider ihm aus der Wohnung weisen wollte: „Setzt bin ich hier Herr im Hause." Er stieß die alte Frau beiseile, ging zur Küche weiter und riß die Tür zum Korridor, der zum Seitenflügel führt, auf. Nachdem der Bursche sich überzeugt hatte, daß von den Männern niemand in der Wohnung weilte, ging er wieder langsam noch dem Laden. In diesem Augenblick kam der jung« Schneider, dicht gefolgt von seinem Vater, zurück. Auf den Alarmruf der Muttek, daß sich ein fremder Mann in der Wohnung befinde, wollte der junge Mensch nach hinten eilen. ! Da trat ihm dem Bursche entgegen, riß eine Pistole au» der Tasche und drückte ab. Die Kugel traf so unglücklich, daß der junge Schneider zusammen- brach. Der Täter flüchtete und entkam. Entkam in der ersten Verwirrung, da sich die alten Leute zuerst um ihr nieder- geschossenes Kind kümmerten. Auf der Straße vor dem Laden spielte sich dann die zweite Bluttat ab, die sich jetzt erst langsam durch Zeugenaussagen zu lichten scheint. Der Bankbeamte Herbert G r a f,«in völlig unbeteiligter, der mit noch zwei Leuten, die Straße herunterkam und noch etwa 3 bis 4 Meter vom Laden entfernt war, brach von einer Kugel in die Stirn getroffen, leblos zusammen. Zuerst schien es, und es ist noch nicht widerlegt, daß der Täter, der den jungen Schneider kaltblütig niederknallte, auch der Mörder des Bankbeamten Graf sein mußt«. Das scheint nach unseren Er- Mittelungen zweiselhaft. Von einer Zeugin, einem jungenMäd- ch« n, das in«inem Haus« gegenüber wohnt, ist folgendes beobachtet worden. Das junge Mädchen erzählt. Auf der Straße war weit und breit niemand zu sehen, als der später getötete Graf und zwei Passanten, ein Herr 5?. und D., die ebenfalls in der Hufelandstraße wohnen, sich dem Hause näherten. Plötzlich kracht« in der menschenleeren Straße der Schuß. Nach den Wahrnehmungen des jungen Mädchens kam d«r Schuh nicht von der Straße, sondern ans einem höheren Stockwerk de» Haufe» hufelandslraßc 30. in dem sich dos Roziiokal befindet. Dort wohnt im 3. Stockwerk ein hakenkreuzler, der beim Magistrat angestellt ist und auch bei d«r letzten Wahl eine schwarzweißrote Fahne mit eingezeichnetem Schandkreuz gehißt hatte. Es muß sich bei der Obduktion des toten Graf ja feststellen lass-m, aus wesä�r Nietung der Schuß abgefeuert worden ist. Der Verlaus des Schußkanals wird dann weiteren Aufschluß über den mutmaß- lichen zweiten' Mörder geben.— Eine nicht unerhebliche Rolle' hat bei den nächtlichen Vorkommnissen der SA.- Führer Presset gespielt, der mehr als einmal rief: „Zurück oder ich schieße." Zeugen wollen in der rechten izand des Mannes auch eine Pistole gesehen haben. Presset ist ein früherer Forstbeamter. Wie aus Reichsbonnerkreisen noch mitgeteilt wird, war durch- gesickert, daß die Nazis auf das Reichsbonnerlokal in der Silvester- nacht einen systematischen Ueberfall geplant hotten. Es ging das Gerücht um, daß die Nazis„das Reichsbannernest mal richtig aus- nehmen wollten". Das Lokal halt« schon aus diesem Grund« ver- stärkten Schutz erhalten. Im R e i ch s b a n n e r l o k a l von S a w i tz k i in der Allensteiner Straße sitzen die Kameraden.der Ermordeten und erzählen von ihrem gefallenen Freund Willy... Schildern seine Menschlichkeit, sein Kameradschastsgesühl, seine Ehrlichkeit und Opferbereitschoft... Und klagen die Mörder an... Die Erregung ist so groß, daß der besonnene Kameradschaftsführer seinen ganze» Einfluß ausbieten muß, um die empörten Kampsgenossen Willy Schneiders von Unbesoimenheiten zurückzuhalten. Der Kameradschaftsleiter weiß etwas recht Merk- würdiges vom Führer des Ueberfallkommandos zu erzählen. Als ihn der Reichsbannerfunktionär angesichts der beiden Ermordeten ersuchte, die Nazimörderhöhle, aus der der Schütz« ge- kommen war, zu durchsuchen, zuckte der Führer die Achseln und wandte dem Reichsbannermann, ohne ein Wort zu sagen, den Rücken zu.— Hier wird wohl noch genauer nachzuforschen sein. * Der ermordete Bankangestellte Herbert Graf war ein Mensch, der viele Freunde, aber sicher keinen einzigen persönlichen Feind hatte... Ruhig, besonnen, liebenswürdig, ein überzeugter Sozialist und eine Persönlichkeit, die jedem Streit zutiefst abgeneigt war. Herbert Graf, der Nemuindzwanzigjährige, war verlobt und stand kurz vor der Heirat... Oer Täter, der nachweislich den tödlichen Schuß auf den jungen Schneider ab- gegeben hat, wird übereinstimmend folgendermaßen beschrieben: Er war 1,68 bis 1,70 groß, hatte fehrbreitenOberkörper und trug eine braune Lederjacke. Nolles ovales Gesicht, mit einem kleinen dunklen Schnurrbart, sogenannt« Fliege. Die Kopfbedeckung bestand aus einer hellen grauen Mütze, die Hosen halten dunkle Farbe. Mordhöhsen der Nationalsozialisten. Der Meuchelniord an den Reichsbannerleuten Schneider und Graf zwingt u. a. zu folgender Betrachtung. Die Stammlokale der Nationalsozialisten wachsen sich je weiter je mehr geradezu zu einer öffentlichen Gefahr aus. Sie sind Brutstätten des Verbrechens, Ausgangspuntt« politischer Bluttaten. Der Mordbube, der die beiden Reichsbannerleut« ums Leben gebracht hat, kam aus dem Verkehrslokal in der Hufelandstraße. Die Totschläger im Röntgentaler Prozeß wurden telephonisch aus einer Berliner Nazikneipe herbeigeholt und von einer Röntgentaler Nazikneipe marschierten dann die geschlossenen Trupps gegen die Reichsbanner- leute los. Dos Stammlokal der Nationalsozialisten,„Ameise", spielte eine Rolle bei der Ermordung des Zeitungshändlers Heimburger usw. usw. Wollte man die Bluttaten der Nazimörder allein aus dem letzten Jahre sich näher ansehen, so fände man immer wieder bald das eine, bald das andere hakenkreuzgestempelte Berkehrslokal als Ausgangspunkt des Mordes. So hätte die Polizei olle Ursache, diese Lokale unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht wäre es angebrocht, in ihnen von Zeit zu Zeit Razzien zu unternehmen, die Besucher dieser Lokale auf Waffen zu untersuchen und in einem oder dem anderen Fall« diese Mordncster auszuräuchern, ähnlich wie dies mit den Kneipen um den Schlefifchen Bahnhof ge- schieht. Di« Lokale der Ringvereine und Zuhälter sind in Wirklich- keit viel ungefährlicher als die Räuberhöhlen der Nationatsozialisten. Es wäre auch allen Ernstes zu erwägen, ob nicht verstärkte Polizei- Patrouillen sich öster in der Näh« dieser Lokale zeigen sollten. Sandow staunte, als er am Abend die Abschlüsse sah. ..Mensch, das hatte ich dir nicht zugetraut!" rief er aus. Dieses Lob des sonst so ruhigen und nüchtern überleg- kamen Mannes spornte Ludwigs Draufgängertum nur noch mehr an. und so machte er sich denn am nächsten Tage, einem Sonnabend, auf in die Höhle des Löwen. Wie einst vor zwanzig Jahren fuhr er gegen zehn Uhr vormittags beim Moritzplatz zu Himmelsbach. Er fand die alte Firma unverändert. Auch das Büro bot das gleiche Bild wie damals bei seinem ersten Besuch. Kein Möbelstück schien in der Zwischenzeit von der Stelle ge- rückt zu sein. Nur die Kontoristin hatte gewechselt. An Stelle der früheren, die hübsch und jung gewesen war, tippte jetzt eine an der Moschine, die noch jünger und noch hübscher war. Ludwig stellte das auf den ersten Blick fest. Nur Himmelsbach selber, der gleich nach Ludwig ins Büro kam, hotte sich bedeutend geändert. Immer noch ele- gant und gepflegt wie früher, immer noch mit viel zu vielen blitzenden, glitzernden Ringen an den gepflegten Händen. Aber dicse�Hände waren nicht mehr voll und fleischig, sondern knochig. Sein Haar schimmerte grau wie ungebleichter Flaäzs. Dazu trug er einen goldenen Kneifer, der ihn sehr kleidete. Seine Kleidung jedoch: grauer, eleganter Rock, gestreifte Hose, Halbschuhe, über denen blütengelbe Gamaschen wie große Farbflccke saßen, gab ihm im Berein mit vornehm tuender Haltung das Ansehen eines alten Gecken. Er sah beinahe so aus wie ein Lehemann in den Witzblättern. Ludwig hotte Mühe, bei seinem Anblick ein Lächeln zn verbeißen. Himmelsbach, nachdem er seinen Spazierstock mit der schönen silbernen Knicke in die Ecke gestellt hatte sah Ludwig eine Welle überlegend an. grüßte dann, als habe er vergessen, den ihm zuerst gebotenen Gruß zu erwidern, und sagte dann näselnd und gedehnt: „Wir kennen uns doch. Mir scheint, wir haben uns dach schon irgendwo gesehen? Wenn ich nur gleich wüßte, me» ich por mir habe!" t „Ludwig Eisermann, Herr Himmelsbach!" „Eisermann? Eisermann? Kenne ich nicht. Wüßte nicht, wann, wie und in welcher Form ich mit dieser Firma je in Verbindung gestanden hätte. Wo war doch gleich die Fabrik, bitte?" „Früher in der Gürtelstraße, Herr Himmelsbach. Jetzt in der Frankfurter Allee 3l>7." „Ach ja, richtig, vorn im Haus befand sich ein Schuster gleichen Namens." Himmelsbach zog den Stuhl an den Schreibtisch, setzte sich, stützte den Kopf in die Hand, um sich besser erinnern zu können und fuhr dann heftig aus: „Ach so. Sie sind der Herr, der mich damals quasi aus seiner Werkstatt herausgeschmissen hat und der mich nachtrüg- lich noch so viel Geld für den Rechtsanwalt kostete. Und alles das nur, weil ich mir erlaubte, den Herrn an seine mir gegen- über eingegangenen Verpflichtungen zu erinnern! Um was handelte es sich gleich? Aha, ich hab's! Um einen Posten Schreibtische, den mir der Herr noch liesern sollte. War's nicht so?" „Ja!" sagte Ludwig und lachte. „Dann habe ich mit Ihnen nichts abzumachen, Herr..." und Himmelsboch schnippte mit dem Zeigefinger seinen pein- lich sauberen Aermelausschlag, um da ein soeben entdecktes Staubkörnchen wegzubefördern. „Was geschehen ist, ist vergessen!" sagte Ludwig. „wenigstens von mir, Herr Himmelsbach!" „Aber von mir nicht!" „So? Dann eben nicht! Aber warum annoncieren Sie dann in den Fachblättern nach leistungsfähigen Firmen?" ant- wartete Ludwig fast erbost. Himmelsbach wandte Ludwig voll feine zerknitterten Züge zu, und die Gläser seines Kneifers funkelten boshaft: „Für mich kommen nur noch Großfirmen in Betracht, Herr Eisermann. Ich habe es längst schon satt bekommen, mich mit kleinen Meistern herumzuschlagen. Bei mir geht alles nur noch kontraktlich. Schriftlich, verstehen Sie! Kontrakte, auf Grund deren ich die Leute belangen kann, wenn Sie mir gegenüber ihre Lieferfristen nicht einhalten!" „So. so.. sagte Ludwig gedehnt. „Ja, und Sie werden mir nicht leistungsfähig genug sein; denn damals, wissen Sic..." Ludwig wurde ehrlich wütend über den näselnden, mäkelnden Ton des Großhändlers. Erbost schlug er mit der Faust aus den Tisch: „Zum Donnerwetter, Herr, bin ich hier, um mir Ihre sauren Moralpredigten anzuhören. Einmal muß doch das Ge- quatsche aufhören, auch bei Ihnen! Zeit ist Geld, besonders jetzt. Wollen Sie mit mir arbeiten oder nicht?" Däs Fräulein hatte bei Ludwigs Ausbruch mit Tippen aufgehört und starrte ängstlich auf den aufgeregten Menschen. Himmelsbach war in die äußerste Kontorecke zurückgewichen. Als er aber inne wurde, daß dem ersten Ausbruch kein zweiter nachfolgte, trat er auf Ludwig zu und sagte mit Würde: „Sie scheinen auch draußen im Felde gewesen zu sein, wie ich merke. Die Leute sind heute alle so furchtbar aufgeregt. Das kann einen alten Mann wie mich direkt nervös machen. Lieber Freund, beruhigen Sie sich. Liebster, bester Herr Eisermann, wir werden vernünftig miteinander sprechen!" Er schob Ludwig hinüber in das feudal eingerichtete Privatkontor und lud ihn ein, in einem der riesigen Leder- sessel Platz zu nehmen. Himmelsbach setzte sich ihm gegenüber und bot ihm zu rauchen an, Importen mit breiter Leibbinde. Ludwig versank schier in der Polsterung. Behaglich ließ sich Ludwig das edle Kraut schmecken, schlug ein Bein übers andere und blies, während der Großkaufmann redete und ihm die Lage erklärte, einen kunstvollen Rauch- ring nach dem andern. Himmelsbach erzählte„im Vertrauen", daß die Zeiten schlecht, wären, sehr schlecht sogar. Aber in einigen Monaten würden sich die politischen Verhältnisse so kristallisiert und ge- festigt haben, daß nian mit Hochdruck an die Arbeit gehen könne. Gewiß, auch jetzt sei schon Bedarf genug vorhanden. Aber die Käufer wagten sich erst zaghast heraus. Würde schon noch kommen, daß sie ihre Vedenklichkeit und ihre Vorsicht verlören. Dann gäbe es einen Markt, der sich gewaschen hätte. Doch das Wichtigste sei der Absatz im Auslände. Waggonweise ließ sich die Ware ins Ausland verschieben, falls sie billig genug wäre. Billig produzieren, sei die Parole. Nur Geduld. Nur etwas Zuwarten. Die deutsche Industrie würde schon wieder hochkvmmen, ja, sich zur ersten der Welt ent wickeln. Nicht wahr? Ludwig sagte zu allem„Ja!" und sreute sich, einem so wohlunterrichteten und weitblickenden Geschäftsmann gegen- über zu sitzen. Himmelsbachs Ansichten deckten sich zum größten Teil mit den seinigen. Behielt der Möbelhändler recht, so hatte er richtig kalkuliert. „Wie groß ist denn ihr jetziger Betrieb?" fragte schließlich Himmelsbach.(Fortsetzung folgt.) Nationalistischer Gchimpfbold. Verust sich auf die Verfassung und schmäht die Republik. Zu Ü«» Menschen, die die unerhörte wirtschaftliche Not der Zeit, an der die gesamte Arbeiterschaft und Angestelltcnschast leidet, nur als ihre persönliche Angelegenheit betrachten und sich zu Exzessen hinreißen lassen, gehört auch der 26jnhrige nationalsozialistische Angestellte Schmidt, der sich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen öffentlicher Beleidigung des Reichearbeilsininisters Steger- mold und Beschimpfung der Republik zu verantworten hatte. Zum Glück griff Schmidt nicht, gleich dem Manne, der vor einigen Tagen im Reichsarbeitsministerium eingedrungen war, zur Waffe, sondern machte sich nur in Postkarten Lust. Sch. war am 1. Januar v. I. arbeitslos geworden. Die Arbeitslosenunterstützung genügte ihm nicht. Cr wandte sich an verschiedene Verbände und Körperschaften mit der Bitte um Arbeit, wurde aber überall ab- gewiesen. Darauf schrieb er einen Brief an den Reichs- a r b e I t s m i n i st e r Stegerwald und bat unter Berufung auf die Reichsverfassung, die jedem Deutschen ein menschenwürdiges Dasein verbürge, ihm Arbeit zu verschaffen. Der Reichsarbeitsminister leitete den Brief weiter an den Präsidenten der Reichsanstnlt i ii r A�r b e i t s v e r in i t t l u n g und Arbeitslosenversicherung und 'eilte Sch. dies mit. Der Präsident der Reichsanstalt erklärte sich für nicht zuständig und leitete auch seinerseits den Brief weiter. Sch., durch all« Widerwärtigkeiten In eine äußerst erregte irelische Verfassung geraten, schickte nun an den Arbeitsminister Stegerwald zwei offene Postkarte», in denen er nicht nur den Minister, sondern nuch die Republik, ans deren Berfafsung er sich soeben berufe» hatte, in unerhörter Weise be- i ch i>» p s t c. Den Minister nonnte er einen großen Gesinnungs- lumpen und einen Verbrecher. Von der Republik schrieb er, sie soll« zum Teufel gehen, er pfeife auf die Republik. Während die Minister gut lebten, könnten die Arbeiter verhungern. Der Staotsanmalt beantragte wegen Beschimpfung der Republik und öffentlicher Beleidigung des Ministers drei Wochen drei Tage Gefängnis. Das Gericht erkannte demgemäß, stellte aber dem Angeklagten Bewährungsfrist in Zlussicht. Lunge Menschen als Räuber. Wie aus Erwerbslosen Verbrecher wurden. Kaffenräuber in Ostsriesland. Lleberfall auf eine Sparkasse.- 10000 M erbeufet. Emden, 2. Zanuor. Auf die Spar, und Darlehenskasse in Marlen- h a f e(Oslfriesland) wurde ein Raubüberfall verübt. Den Talern— cv handelt sich um drei Personen— sollen nach ersten Mitteilungen rund 10000 Mark in die Hände gefallen sein. Einzelhellen fehlen noch. Auf Benachrichtigung von Land- iögern hat sich eine Anzahl von Emdener Kriminalbcamlen nach dem Takort begeben. Emsam gestorben! Neim Nachtlager auf der Treppe vom Tode ereilt. Das St-roeoett der Heimatlosen in der Weltstadt ist hart und von keiner Liebe gepflegt. Der da gestern auf dem obersten Treppenabsatz dos Haufss Dem min er Straße 28 tot aufgefunden wurde, war ein alter Mann. Man vermutet, daß es sich um einen Bettler handelt, der auf dein Boden nächtigen wollte. Neben dem Alten lagen»och etwos Brot und einige Wurstzipfel. Er hatte sich mit seinem Mantel zugedeckt. Die Kriminalpolizei zog einen Arzt zu Rate, der feststellte, daß der Mann vermutlich e � n c in Herzschlag erlegen ist. Ein fremdes Verschulden kommt jedenfalls nicht in Betracht. Die Leiche des Unbekannten wurde beschlagnahmt und dein Schau hause zugeführt. Der Tote ist etwa 60 bis 05 Jnhre alt. ' Der Schuß aus dem Hinterhalt. Ein seltsamer Vorfall spielte sich gestern in einer Parterre- wohnung im Hause Am L ü tz o w 16a in Charlottenburg ab. In der Küche weilte dort die iKsährige Erna K. zusammen mit einem ZZsährigcn Gerhard R. aus der Wallftraße 41 in Chnrlottcnburg. Ein noch unbekannler Mann hatte sich in die Wohnung Einlaß ver- schafft und durch die Tür eine» Schliß in die Küche abgefeuert. Das Mädchen wurde von der Kugel in den Oberschenkel ge- troffen. Die Angeschossene fand im Westend-Krankenhaus Auf- nähme. Ob es sich um den Racheakt eines abgewiesenen Liebhabers handelt, ist noch Gegenstand der polizeilichen Untersuchung. Schweres Bobunglück in Oberhof. In O b e r h ö f Ist die B o b- M o. n n s ch a f t des Ver- liner S ch l I t t f ch u h k l u b mit Bob Nr. 1? verunglückt. An der Kronprinzenkurve sauste der Bob über die Polsterung hinaus und landete im Fichtengebüsch. Die Verletzungen waren recht erheblich. Einem Mann ciaf der Fuß zerschmettert, ein an- derer halte schwere Schulter- lind Armixrletzungen erlitten, während bei einem dritten ein Nervenschock eingetreten war. Berliner Vartilgendsjen, die Im benachborten Lorcnzstist Erholung suchen, leisteten erste Hilfe. Prozeß um ein Titelblatt. Ei» Kongreß von Künstlern und Kunstschrift- st e l l c r n fand vor den, Schöffengericht Berlin- M i t t e statt. Das Gericht hatte darüber zu entscheiden, ob«in Titelblatt als unzüchtig zu betrachten sei. Die Staatcanivaltschaft Irltte ein Beksahren auf Unbrauchbarmachung der Titelzeichming von Wilhelm Faber zu einer Broschüre„L l u t w u n d e r und Llöbeowah»*, deren Verfasser Dr. Felix Teilhaber ist, ein- geleitet. Die Titelzeichming versucht, den Zusammenhang zwischen Erotik und mystischer Ekstase zu symbolisieren. Zu der gestrigen Brrhandsiing waren nicht weniger als 10 Sachverständige geladen, dlrunter Professor Ludwig Lettmann, Professor Sandkuhl, Pro- jessor.Hans Balnfchck, Dr. Max Osbarn, De. Jahn Schikowski. Klaus Pringsheiin, Eugen Spiro. Das Gericht beschloß die U n- brauchdarmochung der Titelzeichnung. Speck für kinderreiche Familien Der Verband der Berliner Fleischwareniabriken E. V., Berlin» Schöneberg, hat der Stadt Berlin die Lieferung von 40 Zentner geräucherten M a g e es p e ck zugesagt. Diese Spende bietet den Bezirtswahlsahrts- und Jugendämtern die Gelegenheit, einer Anzahl bedürftiger kinderreicher Familien eine besondere Beihilfe zu- kommen zu lassen. Die Verbrechen, die ihren Ursprung in der wirischaftlichen Not haben, nehmen zu. Es vergeht fast keine Woche, in der nicht von ein, zwei oder mehreren Raubübersällen berichtet würde. In der Regel sind es junge Leute, unvorbestraft oder mit nur ganz geringen Vorstrafen. Unerfahren in Verbrechen hoffen sie durch plötzlich« Uebcrriimplung ihres Opfers leicht zu Beute zu kommen. Die Gemeingefährlichkeit des Treibens liegt auf der Hand. So be- klagenswert das Schicksal dieser jungen Leute auch sein mag, so be- unruhigend ihr Tun für die Oeffentlichkeit. Die Gerichte glauben, mit harten Strafen abschreckend wirken und diesem Treiben Einhalt bieten zu können. Auch die S ch n e l l s ch ö f s e n g e r i ch t e, die seit dem 1. Januar d. I. in Funktion getreten sind, werden sich nicht zuletzt mit Raubüberfällen zu befassen haben. Schon die erste Sitzung des Schöffengerichts am gestrigen Tage sah zwei solch siigendlich« Räuber ans der Anklagebank. Der Fall war Verhältnis- mäßig harmlos. Zwei junge Burschen aus Deutfch-Polen, seit Jahren in Berlin in Arbeit, mit unbedeutenden Vorstrafen, werden im Dezember erwerbslos. In der Nacht von 28. zum 29. Dezember 1930 spielen sie Villard, und trinken mehr Zllkohol, als es ihnen gut tut. Gegen 3 Uhr befinden sie sich aus dem Heimwege. Der Artist der Plaza, Navallo, gleichfalls reichlich bezecht, öffnet gerade die Tür seines Hauses, als er einen Schlag über den Kopf erhält. Er fühlt, wie feine Taschen durchsucht werden und bleibt betäubt liegen. Sein Stallmeister, der im nächsten Augenblick hin, zukommt, stolpert über seinen Körper, sieht drei Leute davongehen, fragt sie, ob sie nicht jemanden lzaben flüchten sehe» und erhält eine ver- neinende Antwort. Gleich daraus machen sich aber die drei jungen Leute aus dein Staube, zwei werden gefaßt, der eine läßt einen Selbstbinder und Taschentuch fallen, bei dein anderen findet man auf der Wache eine Krawattennodcl und ein Etui mit Brille— alles Eigentum des Artisten Navallo. Die jungen Leute bestritten gestern vor Gericht, die Täter zu sein.— Trog der schweren Indizien. Das Gericht verurteilte sie dem Zlntrage des Staatsanwalts gemäß zu neun Monaten Gefängnis. Oer Lleberfall auf den Konsum. Schlimmer lag der Fall vor dem Schöffengericht Wedding. Hier war der jugendliche Räuber noch jünger: bei Begehung der Tat zählte er noch nicht 20 Jahre. Eben erst war er wegen eines Dieb- stahls unter Zubilligung einer Bewahningssrist zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, als er auf den unsinnigen Gedanken kam, ohne Komplicen, mit einem schwarzen Strümps als Maske vor den Augen und einer Pistole in der Hand, die Kasse der Filiale Reinickendorf der Konsuingeiiosscnschaft auszuplündern. Er drang in den Laden, rief dein Geschäftsführer mit vorgehaltenem Revolver zu: Hände hoch, dos Geld heraus! Dieser wies ihn an den Kassierer, der Kassierer gab ihm«inen Schlüssel, der zur Kasse nicht paßte, und während der Räuber vergeblich die Kasse aufzuschließen ver- suchte, wurde er von den Angestellten gepackt. Zwar richtete der Uebeltäter auf einen der Angestellten seine Pistole, drückte sie sogar ab, die Waffe war aber nicht geladen. Bor Gericht sah man einen Burschen, der nicht sonderlich nach einem Räuber aussah. Den Revolver wollte er in einem. Park gefunden haben. Mit dein er- hossie» Geld« wollte er sich ein Paar Stiefel kaufen und seinen am nächste» Tage stattsindenden 20. Geburtstag feiern.„Ich dachte ja nicht, daß sie mir dabei kriegen", sagte er. Sie hatten ihn doch gc- kriegt. Nun wird er seine Dummheit mit einem Jahr drei Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust zu büßen tzaben. MeiieiMiWMliiiIi!. Kreis FriedrieüsKsin Unsere Arbeit von Januar bis März 1. Arbellsbreis Bemslein. Jeden Sonnabend von 19 Vi Ubr bis 21 V« Edr im Jug-ndbeim. Tilsiter Straße 4. Thema; ÜBSCr TflfiCS' Kampf am Sozialismas und Staat. Die Rcichsverfassung in Theorie und Praxis— Die Krise der Demokratie und des Parlamentarismus— Der Versailler Verlras und der Young- i'lan— Deutschland im europäischen Siaatensystcm. Erweiterung und Ergänzung vorbehalten. Gemeinsamer Besuch der Vorträge an der Sozialistischen Hochschule. Beginn am 10. Januar. 2 Arbeitsäemeinsdialt 1. P. Mayer. Jeden Dienstag von 19 V« Uhr bis 22 Uhr in der Schule, Rizaer Straße 8, Zeichenseal. Thema: Der Kampf der poliflsdien Parteien um den Staat. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge der Gegenwart— Arbelier. Angestellte. Mltielstand— Die Programme der polltischen Partelen— ihre Stellung zur politischen Praxis— Nationalsozialisten. Kommunisten. Zentrum— Politische Schulung der Teilnehmer für die Agitation in Betrieb. Büro und Werkstatt Beginn am ll Januar. a Arbeitsdcmeinsdiatl Dora Fabian. Jeden Freitag in der Schule. Petersburger Straße 4, Zimmer 6. von 20 bis 22 Uhr. Thema: Die Wellwirtsdiafl In der NadiKrlegszell. - Entwicklung des modernen Imperialismus— Kampf um die Rohstoffe und Absatzmärkte— Verschiebung des Schwergewichts von Europa nach den Vereinigten Staaten— Die Indnstriaiisierung der Oberseeischen Länder — Koioniaipolitik des englischen Imperiums— Der Befreiungskampf der unterdrückten Nationen— Die Stellung der Internationale. Beginn am 16. Januar. Je 8 AbCndC. Teilnehmergebühr für jeden Kursus 2.- Mark, Jugendliche 1.-, Erwerbslose Irel.— Wir bitten die Genossinnen und Genossen des Bezirks Friedridtshain um recht zahlreidien Besuch. Der KreisbildnndsansKbnD. Vergehen an der Tochter. Nach der Tat mißlungener(Selbstmordversuch vor etwa drei Wochen sprach die Potsdamer Slraskammer den Zgjährigen Landwirt und Obstzüchter Wax h a a s e aus Glindow von der Anklage der Blutschande frei, nachdem ihn das Potsdamer Schöffengericht vorher in dieser Sache zu einem Jahr sechs Wonale Zuchthaus verurteilt hatte. Die beiden Töchter des Angeklagten im Alter von vierzehn und achtzehn Jahren hatten ihn auf das schwerste belastet. Der Angeklagte war nach seiner Frei- sprechung wieder zu seinen Kindern gezogen und lebte mit ihnen zusammen, da seine Frau in der Irrenanstalt ist. Am Silvesterabend erschien seine ISjährige Tochter Hedwig bei ihrem Vormund, einem Lehrer in Glindow, und erzählte ihm weinend, daß der Bater sich wieder an ihr vergangen habe. und zwar In demsetben Bett, in welchem ein 1� jähriges Brüderchen lag. Die Polizei sowie ein Arzt begaben sich sofort in die Wohnung des Landwirts, der aus einem Fenster flüchtete. Im Garte» versuchte sich hoase dann mit einem Rasiermesser den Hals zu durchschneiden. Die Beamten rissen ihm das Weiser weg. Haose wurde in ein Potsdamer Krankenhaus gebracht nnd von dort als Unlersuchungsgefangener in das staatliche Lozoretk in der Schorn. horslstrohe in Berlin übergeführt. Todesflurz eines Kranken. Von einem Glasdach zerschnitten. Köln, 2. Januar.(Eigenbericht) heule nachmittag stürzte sich in einem hiesigen Krankenhaus ein Kranker aus dem zweiten Stockwerk auf den hos. Er fiel durch ein Glasdach und wurde� so schwer verletzt, daß er mach einigen Stunden verstarb. Der verunglückte ist vor einiger Zeit operiert worden, jedoch hat sein Zustand zu Bedenken keinen Anlaß ge- geben, heule nachmittag schickle er die Krankenschwester heraus, um Ersrischungen zu holen. Als die Schwester zurückkam, war der Kranke verschwunden. � Die erste Abrechnung der Getränkesteuer. Nach der A e t r ä n k e st e u e r o rd n u n g der Stadt Berlin hat bis spätestens zum 10. Januar 1931 erstmalig die Wrechnung und Zahlung der Getränkesteuer zu erfolgen. Da zu erwarten ist. daß bei der ersten Abrechnung und Zählung der Getränkesteuer ein großer Teil der Steuerpflichtigen persönlich zum Steueramt kommen wird, wird den Steuerpslichtigen zwecks Vermeidung längeren Wartens in ihrem eigensten Interesse empfohlen, die Cinreichiing der Steuererklärung und Zahlung der Steuer nicht bis zum letzten Tage(10. Januar 1931) aufzuschieben, sondern nach Möglichkeit schon in den ersten Januartogen zu bewirken. In Ausnahmesällen kann auf besonderen Antrag, der an das zuständige Bezirkssteueramt zu richten ist, die Frist zur erstmaligen Abrechnung und Zahlung über den 10. Januar 1931 hinaus vor- längert werden._ Sprechchor siit Proletarische Jctersiunbcii Sonntag, den 1. Januar, vormittags 10 Uhr, in der Nrbeilcrbildungsjchuie. Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr. rechts. Uebungsstunde. Es wirb geprobt für die Schulseier, daher müssen alle pünktlich kommen. Durch Explosion gerettet! Raffinierter Mordanschlag am Bruder— Gasrohr im Schlafzimmer. Es ist unglaublich, welche Schlauheit, welches Raffinement oft Verbrecher bei der Begehung ihrer Taten entwickeln. Ein be- sonderes Beispiel von Raffincsse zeigte der Kaufmann Fritz Braunstein, als er seinen' Bruder, nach dessen Vermögen er trachtete, beseiligen wollte. Braunstein hatte sich vor dem Schwurgericht in G o t h a r wegen versuchten Totschlags zu verantworten. Beispiellos ist die Art, wie er bei seinem Vorhaben zu Werke ging. Er glaubte es besonders geschickt anzufassen, wenn er den Anschein erweckte, sein Bruder habe Selbstmord verübt. Die Verljandlung enthüllte nun die Einzel- heilen der geplanten Tat. In Abwesenheit seines Bruders Hermann hatte Braunstein ein K a e r o h r in dessen Schlaszimmer geleitet, durch das er, als sein Bruder zu Bett gegangen war, Gas ausströmen ließ. Der Schlafende wäre unweigerlich vergiftet worden, wenn nicht ein Zufall den vernreinllichcn Selbstmordversuch im letzten Augenblick vereitelt hätte. Braunstein Hatto damit garechnet. daß in der allgemeinen Aufregung, die nach der Aufdeckung der Tat entstanden wäre, niemand nach der Herkunft des Gases forschen würde und somit fein schändliches Verbrechen unentdeckt bliebe. Er wollte, sobald sich Arzt und Feuerwehr aus dem Hause entfernt hätten, das Gaszuleitungsrohr wieder entfernen. Es kam j-doch anders. Braunsteins Schwägerin hatte des Abends bei Bekannten einen Besuch gemacht. Als sie nach 5zause kam, nahm sie in der Küche einen»erdächtigen Gasgeruch wahr. Das elektrische Licht funktionierte nicht. Gedankenlos entzündete sie ein Streichholz— es gab einen Knall! — glücklicherweise richtete jedoch die Explosion keinen größeren Schaden an. Hermann Braunstein erwachte und wurde dadurch vor dem Tode bewahrt. Bald waren Feuerwehr und Polizei zur Stelle. Nach wenigen Minuten hatte man im Fußboden des Schlafzimmers das Loch entdeckt, durch das das Gas ausgeströmt war. Man holte schnell einen Sachverständigen, um den Verlaus des Rohres zu ver- folgen. Als dieser aber kam, war das Rohr bereits verschwunden! Der Täter hatte es inzwischen heimlich entfernt. Als man Hermann Braunstein hiervon Mitteilung machte, meinte er sofort:„Dag lang nur mein Bruder Fritz gewesen sein!" — Dieser leugnete mit oller Entschiedenheit, so daß der vernehmende Polizeibeamte die Untersuchung abbrach und das Haus verließ. Kaum war er fort, als Hausbewohner auf dem Dach des Brounsteins6)cn Hauses eine verdächtige Gestalt bemerkten. Wieder wurde die Polizei alarmiert. Zwei Beamte nahmen die Verfolgung auf und ver- hafteten schsießlich Fritz Braunstein, bei dem man auch dos Gas» rohr fand. Nun legte er ein umfassenden Geständnis ab. Er gab die Tat in vollem Umfang zu. Als Grund bezeichnete et Erbstreitig- keitcn. Infolge einer Auseinandersetzung mit seinem Bruder sei er so in Erregung geraten, daß er beschlossen habe, den Bruder zu be- fettigen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen ver- suchten Totschlags zu vier Iahren Zuchthaus un5 fünf Jahren Ehrverlust. Aus der Arbeit der Bezirke. AenderungeninderKrankenbehandlung 1. Bezirk— Tiergarten. Die Bczirksversammlung verabschiedete eine Lorlage zur A»- inietung neuer Räume in dem Hause Turmstraße 70, da die bisher sür die Wohlsahrtsempsänger der verschiedensten Art �lr Verfügung stehenden Räum« nicht mehr ausreichen. Die Anmietung ist aus Antrag der sozialdemokratischen Fraktion an die B e d i n- g u n g geknüpst worden, daß die Räume n i ch t t e u r e r sein dürfen als die übrigen im gleichen Hause vom Bezirksamt schon er. mieteten Räume. Schon damals ist die Herabsetzung der Mietpreise von 22 M. aus 11 und 10 M. je Quadratmeter nur der Einwirkung der sozialdemokratischen Fraktion zu verdanken gewesen. Heute fordert das Bezirksamt Ig M. pro Quadratmeter an. Eine Anfrage der Demokraten wegen des schlechten Zustandes der Baracke 28 im Krankenhaus Moabit, in welcher die gynäko- logische Abteilung des Krankenhauses untergebracht ist, führte zu längeren Auseinandersetzungen, bei denen die Sozialdemokraten dafür eintraten, daß ein Teil der Tuberkulosekranken nach Buch und Beetz-Sommerseld verlegt und die gynäkologische Abteilung in dem dadurch srciwerdenden Teil des Krankenhauses untergebracht werden soll. Ein Antrag der Deutschnationalen, die Wohnungs- Zwangswirtschaft zu lockern, um auch den Reflektanten auf kleinere Wohnungen diese zu verteuern, scheiterte an dem Widerstand der Sozialdemokraten. Ein seinem Inhalt nach unverständlicher Antrag der Nazis wurde durch Annahme eines sozialdemokrati- scheu Antrages ersetzt, der sich für die vor dem 3. November gül- tigen Richtsätze sür Wohlsahrtserwerbslose aussprach. Die übrigen 'Anträge der Nazis, die sich sür Aushebung des Aoung-Planes, Auf- Hebung des Demonstrationsoerbotes und ähnliches aussprachen, wurden von der Versammlung durch llebcrgang zur Tagesordnung erledigt, wobei es interessant war, zu beobachten, daß sich besonders die Kommunisten aufregten, obwohl es sich doch ausschließlich um die Anträge der Nazis handelte. lDöß die Tribüi»- entsprechend mitwirkte, soll nur darum hervorgehoben werden, weil von den 'Nazianhängern säst ausschließlich 16- bis 17jährigc Jünglinge er- schienen waren. Der dcutschnationalc Vorsteher der Versammlung schloß die Versammlung in übergroßer Nervosität etwas vorzeitig. ttusrndungen für dies« Ztabrtt sind »» r l l» SW 68, Li»d«»Itrner kurzen Aussprache sandrn die.Kommunisten sich mit den gegebenen Tatsachen ab. In der Debatte über den Antrag 1er KPD., eine Vertretung der Wohlsohrtserwcrbslosen in dem Bc- triebsrat beim Bezirksamt zuzulassen, legt« Genosse Kraatz dar, daß der bestehend« sehr rührige Betriebsrat yls Sochverwalter der gewerkschaftlich orientierten Belegschaft auch die Iiüercssen der nicht ständig beschäftigten Wohlfahrtserwerbslosen vertrete. Es lieat also keine Veranlassung vor. etwa einer Vertretung von Unorganisierten eine Bedeutung zu verschoifen, die ihr nicht zukomme. Der kommu- nistische Antrag wurde abgelehnt. Im weiteren Verlaus der Der- sammlung wurde»ach einer Begründung durch die Genossin Faustmann beschlossen, daß der Magistrat allen Wirtschaits-, Krisen- und Notstandsunterstützungsempfängern, Kriegsbeschädigten- und Kricgerhinterbliebenen W i n t e r f« u e r u ng in der Höhe des Vorjahres gewähren möge. Einstimmige Annahme fand ein Antrag, der von, Bezirksamt die Einrichtung geeigneter Räume zur Unter- bringung von Fahrrädern für die Besucher des Wohlfahrts- amts Kottbusjer Damm 2ö/26 fordert. Einen eigenartigen Rückzug traten die Kommunisten bei Be- ratung eines Antrages an, der die Liescrung von warmem Schuhzeug an die Wärterinnen der im Bezirk liegenden Bedürfnisanstalten aus Vorbchaltsmitteln forderte. Ilm ihrem Frnktionsführer, dem unbesoldeten Stadtrat und Stadtverordneten G e h l m a n n als zu- stäiiingen Bezirksdezerncnten, die Abgabe der Erklärung zu er- sparen, daß im Haushaltsjahr 1930 keine Mittel sür diesen Zweck vorhanden seien, änderten die Kommunisten ihren Antrag dahin- gehend um, daß der Magistrat gebeten wird, im Etat Mittel bereit- zustellen. Die Versammlung quittierte mit verständnisinnigen, Ge- lächter, doch«s sollte noch besser kommen. In einem langen A»! trag, der sich mit den Arbeitsbedingungen der Wohlsohrtserwerbs- losen beschäftigt, sordertcn die Kommunisten neben vielen Selbst- Verständlichkeiten, die, wie ihnen Genosse Grün»achweisen konnte, längst durchgesührt find, vollen Lohnausgleich zwischen 48stündiger und 40stündigcr Beschäftigung, außerdem ein« Lohnerhöhung von 20 Pf. pro Stunde aus den bisher gezahlten Tariflohn. Bevor überhaupt in die Beratung eingetreten wurde, zogen die Kommu- nisten dieses Hauptstück ihres Antrages zurück. Der„R e f o r n, i s- m u s" der kommunistischen Fraktion im Bezirk Kreuzberg unter Gehlmanns glorreicher Führung berechtigt zu allerlei Hoffnungen für die Zukunft._ praktische Arbeit wird sabotiert. Bezirk— Treptow. Wie der„Vorwärts" bereits berichtete, wurde die letzte Bezirks- Versammlung infolge tätlicher Angriffe der Kommunisten ausgelöst, nachdem sie trotz des wiederholte,, Radaus der Kommunisten noch einige wichtige Angelegenheiten erledigt hatte. Zunächst nahm die Versammlung davon Kenntnis, daß von der Schaffung eines Zu- ganges zur Birkenallee in A d l e r s h o f der verhält,, isniäßig hohen Kosten wegen abgesehen wird. Auf eine Anfrage, ob durch dos Bezirksamt Treptow Ncueinstellungcn von Arbeitern unter Um- gchung des Arbeitsnachweises vorgenommen worden sind, antwortete das Bezirksamt, daß alle Einstellungen über den Ärbeilsnachweis eriolgen. Ein Kommunist gefiel sich in Änwürfen gegen den deutsch- nationalen Vorsteher und Protokollführer, denen er vorwarf. Pro- inkolle der Versammlung zngunsten der sozialdemokratischen Ans- fasfung„frisiert" zu haben. Der Kommunist war der Meinung, daß ein Wohlfahrtskommissionsmitglied, dessen Posten unser« Fraktion zu besetzen hat, bereits gewählt sei. Der Vorsitzende des Wahlaus- schusics, Genosse Neumon», stellte die Dinge richtig und schloß sich der protokollarischen Niederschrift an. Auch der Vorsteher be- tonte, daß die Erledigung der Angelegenheit gemäß der Protokoll- Niederschrift erfolgt sei. Für den Ortsleil Johannisthal wird eine neue Wohlfahrtskomn, isston 12a gebildet, zu der die einzelne:, Fraktionen gemäß ihrer Stärke Vertreter entsenden. Der Anstellung von drei Beamten wird zugestimmt. Infolge erheblicher Unruhe, ver- ursacht durch die Kommunisten, vertagt der Vorsteher die Versamm- lung auf fünf Minuten. Noch Wiedereröffnung der Sitzung stimmte die Versammlung den, Erwerb von Straßenland zum Bau der O b e r s p r e e st r a ß c in Berlin-Niederschöneweide bzw. Adlcrshof vom preußischen Forstfiskus zu. Mit der Verlegung des Kinder- Horts Johannisthal von Kaiscr-Wilhclm-Strahe 4.Z nach dem früheren Rathaus Königsplatz 1 erklärt sich die Versammlung ein- verstanden. Die für die Einrichtung der neuen Räume benötigten Mittel wie die lausenden Betriebskosten sollen beim Magistrat be- antragt werden. Für M a r k t z w c ck c wird dem Ankauf eines 4800 Quadtatmeter großen Grundstücks an der Trojanstraße in Baumschulenwcg zugestimmt. Ferner stimmt' die Verstimmlung noch zwei Bebauungsplänen im Ortsteil Treptow zu: Die eo o z i a l- demokraten hatten den Antrag gestellt, den Kindern aller Er- werbslosen wie bisher weiter'A Liter zu verabfolgen. Die Koni- munisten beantragten nicht A Liter, sondern 1 Liter Milch zu geben. Die Genossin Todenhagen stellte fest, daß wohl die Kommu- nisten alle möglichen Anträge auf die Ausgabenscite stellen, sedoch nicht den Versuch unternehmen, die notwendigen Mittel sür diese Anträge zur Verfügung zu stellen. Genosse Strieder wies auf die Verhältnisse in Rußland hin und empfahl den Kommunisten, den deutschen Sozialverhältnissen die Objektivität entgegenzubringen, die sie sonst von uns für die russischen Verhältnisse verlangen. De», sozialdemokratischen Antrage stimmte die Versammlung zu. Zu dem kommunistischen Antrage auf Entfernung der beiden Staats- kommisiare und Aushebung der durch die Notverordnungen cinge- führten Steuerlasten hatte die sozialdemokratische Fraktion einen Abändcrungsantrag eingebracht, der durch den Genossen L c m p c r t begründet wurde. Bei der Behandlung dieses Antrages kam es zu der schon mitgeteilten Schlägerei, in deren Verlaus die Ber- sammlung durch den Vorsteher geschlossen wurde. wekteraussichten sür Berlin: Zeitiveisc ausheiternd, keine er- beblichen Niederschläge, Tagestemperaiuren über Null.— Für Deutschland: In, Osten noch trübe mit Niederschlägen: in, übrigen Reiche Besserung des Wetters. Am Neujahrsvormittag brachte Willi S ch ä f f e r s mit seinem Kabarettnachwuchs„Neujahrsglückwünsche" dar. Die Funk- Hörer wurden durch wirkliches Können, echte Heiterkeit und funk- wirksame Vorträge eerfreut.— Dann folgte eine halbe Stunde mit Gesangvorträgen ans Schallplatten: Caruso wurde wieder lebendig in den, wunderbaren Wohlklang seiner Stimm«.— Sonst brachte der erste Tage des nccuen Jahres viel gutdurchschnittlichc Unter- haltiingsmusik. Am Abend gab es eine erlesen schöne Ausführung der Scndcbnhne: Generalmusikdirektor Otto Klcmperer dirigierte Verdis„Othello". Die Rollen waren— nicht nur in den Hauptdarstellern— stimmlich vortrefflich besetzt. Die„Jugendstunde" ha! durch die Vorträge von Dr. Elise Baum-Gärtel eine sehr erfreuliche Bereicherung erfahren. Ihr Bericht über„Lebende und tote Zeugen am Monte Gargano" bot eine anschauliche und fesselnde Schilderung von Ausgrabungen, die sie zur Erforschung von Vorzeitkulturcn in Italien vorgenommen hat, und zwar wurden nicht nur die wissenschaftlichen Ergebnisse dar- gestellt, sondern heiter und plastisch auch von Landschast und Menschen erzählt. Durch eine etwas langsamere Vortragsweise, vor allem durch ein klares Herausheben der den Jugendlichen ungcläufigc Begriffe und ihre Erklärungen hätte der Bortrag„och an Wert ge- Winnen können.— Tiergeschichten unier den, Titel„Bon Sperlingen und Rollmöpsen" sprach Otto Ernst Hesse. Sein Blick und seine Liebe umfassen Tier und Mensch zugleich: er sieht in beiden die Kreatur aeschafsen.„zu leiden, zu weinen, zu genießen und zu freuen" sich. Einen Ueberblick über Wilhelm Bölsches Leben und Werk gab Hans von Hülsen in einem Bericht, den seine freundschaftliche Breite allerdings denen, die Bölsches Schaffen bereits kennen, mehr bot als jenen Hörern, die durch diesen Lortrag zur Lektüre seiner Werke angeregt werden sollten.— Ilebcr das neue Buch von Heinrich Lersch„Hammerschläge" berichtete Dr. Georg Schwarz in der Bücherstundc. Er verniittcüs mehr als nur ein kritisches Referat über ein Buch: aus der Skizze feines Inhaltes deutet««r den Dichter Lersch an, in flüchligeu, aber sehr charakteristischen Umrissen. Tcs. Zum Notopfer für die Erwerbslosen wurden van der De- legschaft der LtomsumgenossenscHaft Bertin und Umgegend als 5. Raie 825 M. an die Bczirkskassc abgeführt.— Von den Angestellten der Reichssektion Gesundheitswesen in, Gesamt- oerband 30 M.— Von, Mieterbund Kreuzberg durch eine amerikanische Auktion IS, 03 M.— Allen Spendern hierdurch herz- lichen Dank. � 3. A.: Alex Pagets. Der gemeinschaftliche Abhörabend am Lautsprecher, Lindenstr. 3, vorlragssaal des PH., Zwiegespräch Pros. Rölting und Dr. Feder — Sozialismus und Nationalsozialismus—, beginnt heule abend 7 Uhr. Danach folgt Aussprache unter sachkundiger Leitung, interessierte Parteigenossen bitten wir. recht pünktlich zu erscheinen. Bez.-Ausschuß für Soz. Bildungsarbeil. * 7.«t«i» thailottentur«»»d Spa»d,u. guristilchc Sprcchliulidc liiidc't a», (Sonn«b»ni, 3. Januar, von 17—1« Uhr, im Iugrndhcim Ziosinenftr. 1. siatl. Gelrgenhrit zum jtirchcn»u»tritt: heule. Sonnabend. Z. Januar. 14. Abt. 20 Uhr Wcihnacktssricr sür die Hin«« all« Partcil>cnoll.n dcr 44.«btrilu»« i« Rrichrnberger Aas. Rrichcnb-rgcr Str. 147. Sinlah arge» b« von btn Btorisfijhrcrn an�hänbiatcn«u,w»is«. 131.«bt. Ritdcrschiinhausrn. 20 Uhr im Lokal Zkobrrl ZUindk, Ilm ssrirdrns. platz. Tunktio»är.,usammriitur>f>. Morgen. Sonnlag, 4. Januar. � � J—'. 1 i � � � Fl 4. Abk. 16 Uhr si»»«t i» den Sälen I nnh ,1«X, Gowertschafc,.!=? k i hnusc«,«»aclnscr. ante«>Vcihnachc»b«schrrana stakt,»«banbrn mit R f) Aussührantzen, Rcutakione», Vorlosaape» asa». Wir bitten am recht R iahireiche« Erscheiara. Aaschlikhend aemätlichc« Beisammenseia. � f � �: t-|____ f:! 98. Abt. Rrakvlln. Belichtiaana der l1Iua.,euae des„Ciurnwoacl", gluaverkood der Werttäiioen, auf hem Tempelhofcr ireid, ZeniraMuahoien. Wir treffen uns um 10 Uhr am Einaana cum Eporiplatz, Eieqkrirdstratze, Temprlhofer ffeld. Zlicht SZH Uhr, wie vorher betanutgegede». Arbeitsgemeinschaft der ftindcrsreunde©tofe-Betlin. Äwi» Zriebeichghain! Conniag, 4. Januar, Nrrisfahrt und Lchnitzeliaad nach Wuhlheide. Treffen her Grupprn 8 Uhr auf ihren«ommclplätzeu. «reisireffpunki Sl-j Uhr öcblesischer Bahnhof. Einaana Madaiftratze. Soften 20 Pf. fiit Rote und Ciunqfaften, für Nestfalken 10 Pf. Wimpel mitdriuaen.— Krappe Lanbsberaer Platz c Äb Monlag, ö. Ianuar, finde» die Sruppenobendc wieder rcaelmähia ftoit. Geburlslage. Jubiläen usw. 14. Abt. Hallten verehrten kenoffen Paul eifetmann, Krell str. 42, Pinna Lehmann. Kreüswalder Str. 47. Gustav P l u f ch> e, Stratze ZI, Nr. 38 and Ialias Schal,. Zablvafkiftr. 9, ,a ihrem ZZjährigen Partei judiläam die heimlichsten kliulrvänfche. 34. Adt. Unierem alten Kämpfer, dem kenasten«aanst Schnell, Saaerstr. 1*. ,nm 7». Gebartstaae die her,lichften klüctwänfche.— Der Ab- t«tlana»aarftaad. 93. Abt. Neukölln. Unserem treuen lieben kenoffen K n st a v Müller ,nm 63. Gebartataae hertzlcchste«lültwänfche. Wir hoffen. Ihn nach lanae Zahre bei defter Sefandheit in anferer Mitte ,n sehen. Sterbesafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 22. Abt. Unser Genosse st a r I B a e l ck c ist am Zl>. Tezember l9Z0»erstorben. Ehre seinem Andenken! Emäfchenma am Lannabend. 3. Ianuoi. 20'- Uhr. Krematorium Gerichtstrahe. Die Mitaliedrr treffen ssch vorher, um 10U Uhr, bei Senkel. Uirechlcr Sir. 10. Wir bitten um rege Peieiliauna. >5. Abt. Parteiaenassea! Unsere kenossen Willi Schneider, Kafe- laadstr. 34. av» Krrbrrt Graf, Anfelandstr. 33, find von»alitifchen Geqrern erschossen worden. Es ist Eheenpflicht aller Parteiaenassen. an d r liffentlichen Aundtzebana im Taalbaa Kriedrjchshain teilzanehmen. Pressena-H- richten dstte beachten. Sozialistische Arbeiterjugend Groj}- Berlin climendunaen ff e dieke Ztvbrtt nur an dcw Zatzendlrlretarlat Serlia SÄ> 66.(indenftrafa J Abteilanasleiter, nebt umaehend den Brrichisboaen für das 4. Quartal ab! Rädelkarfn» stier Arauenfraaen mit fola.-nden vier Themen: 1.„Die W Trau in Staat und Politik." Nefereukin Mathilde Wurm, M. d. R. W 2.„Die grau im Wirliehaetslebe»." Referentin Gerlricd Sauna. M. d. L. kZ 3.„Die Trau im Nechisleben." Referentin Toui Pfstif. M. d. N. � 4.„Die Trau in der Parle,." Nefereuiiu lläihe Äer». Begiii» am W Donnersiag, 8. Januar, püutilich 20 Uhr, im Voriraassaal des Partei- fZ Vorstandes. EW. 68, Lindenstr. 3, 2. 6of, 2 Treppe» links. Burschen P3 ..... � k fr l tw l i Tat m 1 W m H m W. £b sind eingeladen. heule. Sonnabend. Sottbusser Tor: Weihnachtsfeier der Parte! im No!ll>eubcrgcr Sof.— Süden: Seim Porckstr. 11. Zimmer 3: 19 Uhr Tunktionärverfammluna. Morgen Treffpuntt ,ur Tahri»all, Erkner 7 Uhr„Rote Ecke".— Südwesten: Seim Lindenstr. 4: Vorftandsnhniia.— Pankow, z>. T.c Tunktionärfitzuiln 20 Uhr im Seim Gärfchfcr. 14, nicht«iffinaenstrohc. Erscheinen ist Pflicht.— Neu- lölln VII:]9i,Ä Uhr ssnnktionärverfammlnna im Seim Schierkefir. 44— Reu- lolln XI: 1 9 1: Uhr Tnnkiionärverfommluna Im Seim Tinghafcnfir. 68. Werbedezlrk Westen: W.-B.-B.-Sitzuna. Keim Rofinenfir. 4, 20 Uhr. Mv»> tca Politischer tznformationsabeiid ebendort. Werbet«, irk Teltawtanal: W.-B.>V.�itzung, Zehlendorf, Bahnhofstr. Z(nicht Etealitzf. Werbe b«,irk Neukölln: Prabc für den„Querschnitt" im Keim statiner Cirahc pünktlich 19 Uhr. Werbet«, irt Tiergarten: Morgen, 19V; Uhr, im Seim Lehrter Str. 18—19: Offene Einaestunde unter Leitnna non ssritz Loffmann. Liederbücher»nd In- strnmenie nicht»ergesse».______ Vorirage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz Rot Gold". flflA Erfchäftsstell«: Perlin 6. 14. Cebastianftr. 37—38. Lot 2. 5t kaa»«rstaad. Sonntag, 4. Januar, 11 Uhr. Proteftkandgebniig. Näheren durch Nachrichtendienst,— Teepiaw: Sonnabend, 3. Januar 20 Uhr Versammlung bei Kam. Man,. stiefl>ol,fik. 21. Disknffionsabend.— Winterfpaetabtciluag: Tonniag. 4. Januar, Ankunft der Tirolfahrer 7.33 Uhr Anhalter Vahnhoc.— Webding cOrtsverein): Sonntag. 4. Januar. 8 Uhr, Treff» pnnti Bhf. Wedding l Waldlauf).— Prcn, lauer Berg(Tambonrtorps): Mo::> tag. 5. Januar, ab 20 Uhr. an bckannter Stelle.— Tchäneberg-Kriedenan, stameradscha-fi Friedenau: Montag, fi. Januar. 20 Uhr, stmeradschaftsver. sammlung Im Ncstanrant statz. Bornstr. 5. Referent stam. Polizeihauptman» Excke. Thema:»Erziehung ,ur Dölkeroerfähnung. Köpenick(Orisverein): Sonntag. 4. Ianuar, ab 9!» Uhr, Uebungsfchiehen in Wilhrlmshos, am Bhf. Sirfchaaricn. Neicbnband der»riegnbeichädigten. Kriegsteilnehmer und Arieqerhiatrr- bliebcnen, Bezirk Zentrum. Montag. 3. Januar, 20 Uhr, findet in den!?efi. fülen Hackcfcher Soi, Rofenthaler Sir. 40—41, die Eencraiaersanunlung fto:i. Tagesordnung: Wahl des Borfiandes. Der Iuagr Ehar. Conniag, 4. Januar, Wanderung Rahnsdorf— Eichberge- Woltersdorf-stranichsbcrgc— Erkner. Treffpunkt 9ar gm Weltmarkt gegenwärtig(o niedrig wie nie zuvor und unsere regulären Piene liegen setzt schon um 10 Pro,, unier denen des Borjahres. Trotzdem ersuch« ich Li« drcnaeiid. für den Iuveniurverkanf bei allen Waren nochmals bis zu 30 Pe»,. abzusetzen. Machen Sie mir zunächst einige Ernzeworschläge! Erster A b t e i I u n g-s I e i t e r: Ich würde z. B. den blauen Zweireihcr-Iacken- anzug aus reinwollenem Melton. meinen Souptfchlaaer für die 10- bis 14iähr>. gen. von 24 M. auf 18L0 M. herabsetzen. Er kostete vor einem Jahr noch 29 M. Und unseren blauen stqmmaaenanzna lilr inuge Serren, der ielnerzcii für 63 M. und jetzt Mir 32 M. verkauft wurde, möchte ich auf 43 M. beruuier- zeichnen. Zweiter: Ich werde». a. eine» Scrrexanzng ans kchwerem rein- wollenen Kammgarn bringe». Sein Preis war 1929 nach 97 M, 1930 schon 73 M. Jetzt: nur noch 63 M. DerChef: Meine.Herren, ich sehe aus diese» Beispielen, datz Sie die Situation erfatzt haben. Sorgen Sic dafür, das, wir bleiben, was wir find: Leineweber, das Haus, das feden anzieht! Haupt- geschäfi: Kdllnischcr Iischmarkk, Zweiggeschäft: Brimneustr. 171. �, � Hyi�p/ � m Sonnabend, 3. 1. Staats-Oper Unter d. Linden 124. A.-V. 20 Uhr Ring des Nibelungen Vorabend DasRhcingold (UngekörrteVorstslIung) Ende �.22�/2 Uhr Sonnabend, 3. 1 staut, oper Bismarckstr. .Turnus III 19 Uhr Tannitauser (Deutsche Fassung) Ende 23 Uhr Staats-Oper Am Platz der Republik. 20 Uhr Oer{liegende Holländer Olflnll. Kartenverkauf Enden. ZZ'.'a Uhr Schauspb. da rmen markt). Staatl. lam üenaarrnenniarl 107 A.-V. 20 Uhr Ein besserer Herr Ende n. 22 Uhr Staati. Sehiller-Tlieater.Cliarltbg. 20 Uhr NORA. Ende 22'/, Uhr ptAZA Alex. E 4 8066-63 ■ Täsl.&, 8U Sonnt. 2, R, 8� 1 ■ I. Vorstellung 50 Pf. bis � M. D Ii. und III. Vorstelig. 1 bis 2 M.; ■ Heute Premiere: I Kurzes Gastspiel des wsItbsrOhmtsn FRATELLINI Trio Me*'«ino, Im I Oustavo w er, CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. Neu! Neu! Biederleute und das neue Januarprogramm! für die Leser Gutschein 1—4 Personen. J-auteuil 1,25 M., Sessel 1.73 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pf., Rang 60 PI. ROSE THEATER I Große Frankfurter Straße 132| Itilletlkasse: Alex 3422 u.3494 | Jetzt auch U- Bahn: Strausberg.riatz| Täglich 8 Vi Uhr: Die Dollarfir inKewsln | Sonnabends auch 7 und lOJj I Sonntags aueb 2�.5� u.9Ubr| Voranreljfe s Ab 9. Januar jed. Dienst., MIttw., Donnerst, u. Freit. 5, �Uhr wieder 1 ! 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Bruder, Schwager und Onkel, der Ocwerkschaftsangestcllte Karl Bölcke im Alter von 45 Jahren. In tiefer Trauer Witwe Marth* Bölcke, geb. Wcjlph«! Berlin N, SchulstraBe 12 Die Einäscherung findet heute, 20>/. Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statu I Oer Zelt ontspreehend»Ind. trotz des I riesigen Andranges, C 0 /. er. > die Rassenpreise»n> /O niässlgt. Sonntag 9 lllaw Originalbetelznag Nadimittag<9 wF III Billige Freite Rose-Theater Gr.FranlilBrl8rSir.i32 Tel. Alex 3422 u.3494 4.15 Uhn Basteihans und Quasseigrate 7 Uhr und 10.15 Uhr Die Dullarprinzessin Dealer il. Westeos Täglich 8V» Sciuaiioiiellcr Oper dien er folg I Viktoria undihrHusar Kleines Theat. Täglich 8'/. Uhr: Der gr Lachcrfolg! Der mustergatte Schwank in 3 Akten l.eising-Theater Täglich 8'. Uhr Mamsell Nltoudte Operette von Her vc Tcllmang, Adalbert, iöken BeiteiKBettfedern alle tnen BaumMlwaren billig und dauerhaft bei Ed. 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Der Bericht sagt hierzu: „Die Produktionsfähigkeit ragt über den Bar krieg s- stand hinaus, der Austausch der Leistungen bleibt hinter ihm zurück. Für diesen Mangel.zahlt die Welt mit Ar- beitslosigkeit und Entbehrungen. Sie zahlt in ver- schiedenen Ausmatzen je nach der Abhängigkeit des Landes... Aufgabe des lausenden Jahrzehntes ist es geworden, den Rück- stand zu beseitigen, Produktionsfähigkeit und Leistungsaustmisch gleiclnnätziger zu entwickeln." Der Bericht sieht also, wie dies auch von uns immer wieder betont wurde. in der ouseioanderklasfenden Schere zwischen den übersteigerten Leistungen des Produktionsapparates in der ganzen Welt und dem durch mannigfach« Stockungen kranken und geschwächten Güteraustausch die wahren Ursachen der jetzigen Leidenszeit. Dielleicht zu stark in den Vordergrund gestellt scheint bei der weiteren Untersuchung die Frage der Kapitalbewegung, der die Reichskreditgesellschost als Bankunternehmen ihre ganz be- sondere Aufmerksamkeit widmet. Die mangelhafte internationale Zusammenarbeit führt der Bericht, allerdings mit vollem Recht, zum großen Teil auf die unzweckmäßigen und zuweilen Wirtschaft- Uch sinnlosen Kapitalbewegungen zurück, die die wirtschaftliche Welt zwingen, einen Teil ihrer Kräfte brachliegen zu lasten und Not aus Ilcbcrfuß zu schaffen. In diesem Zusammenhang heißt es: „Unzweckmäßig ist in erster Linie jede Knpitalbewegung, die Kopital van den Stätten des Mangels zu solchen des Ueber- rlustes bringt, anstatt es den uuigskehrten Weg zu führen. Unzweckmäßig und den Wohlstand der Welt hsrabdrückend sind deshalb die Reparationszahlungen. die eine einseitige Kapitalabgabe eines Landes des Kapitalbedarfs an Länder des Kopitalüberschusses darstellen. Unzweckmäßig sind sie insbesondere, wenn die die Zahlung empfangenden Länder � keine Verwendung für das empfangende Kapital haben und des- halb ihre Ucbertragung in Gold verlangen, das sie auffckiatzen und damit für die übrigen Länder, die seiner bedürfen, verteuern." Neben den Reparationszahlungen greift der Bericht an unwirt- fürstlichen und schädlichen Kapitalwanderungcn besonders die Kapitalflucht aus Deutschland, die Zurückziehung scanzöstscher Guthaben aus aller Welt und den Zustrom inter- >r*::Mwi«r Lapitalcen nach den.Dürfest dep VereiMten. Stgaten zu rein spekulativen Zwecken heraus. Der Bericht kommt hierbei zu dem Schluß, daß es möglich fein muß, in die internationalen Dkmderungen des Kapitals ebenso Ordnung hinein- zubringen, wie es andererseits möglich gewesen ist, den Prc- tultionsap parat der Welt im Laus« des letzten Jahrzehnts wieder in Ordmrng zu bringen. Voraussetzung für diese Neuordnung sei aber eine vertrauensvolle internatioriale Z u f a m n> e n a r b e i t, sowie Herstellung und Befestigung internationaler Sicherheit. Mit einer Fülle von Zahlen und graphischen Darstellungen ist der Kern der Untersuchung über die Entwicklung der Produktion und der Preise, Löhne, Arbeitslosigkeit und Kaufkraft versehen. Die industrielle Produktion ist im Verlauf des letzten Jahres nahezu in der ganzen Welt und säst ohne Unterbrechung g c- funken. Eine Ausnahme machte in Europa im ersten Halbjahr nur Frankreich, das aber seit dein Sommer sich gleichfalls, wenn auch in erheblich langsamerem Tempo, der allgemein rückgängigen Entwicklung anschloß. Es ist jetzt an der' Jahreswende noch nicht zu erkennen, ob die P r o d u t t i o n in Deutschland und in anderen Ländern bereits ihren Tiesstond erreicht iKit, oder den gegenwärtigen Stand noch unterschreiten wird. Da- gegen ist es wahrscheinlicher geworden, daß der Produktionsgang— ruhige und weltpolitische Entwicklung vorausgesetzt— spätestens im Laufe des Jahres l??1 sein Ende linden wird. Das Mißverhältnis zwischen Produktions- und Absatz- sähigkeit hat Preiseinbrüchc auf den verschiedensten Gebieten zur Folge gehobt. Diese Bewegung hat alle Länder ergriffen. Soll die Schere zwischen Erzeugung und Absatz verringert werden.>a . gibt es keinen anderen Weg als Preissenkung und Ordnung der internationalen Kapitalmanderung. Besonderes Gewicht muß hierbei aus diejenigen Wirtschaftsgruppen und Länder gelegt werden, die an und für sich«inen großen, aber nicht kaufkräftigen Bedarf haben Wesentlich ist die Unterstkchung über die Preisentwicklung in Deutschland, wo sich das Preisniveau gegenüber dem Druck der Krise am widerstandsfähigsten verhäst. Die Forderung der Reich:- lr«iditgesellschaft, die inländischen Preise entschlosten den Weltmarkt- preisen anzupassen, ist hauptsächlich an die Adresse der deutschen starlelle gerichtet.— Bei freiem Wettbewerb vollziehe sich der Preisabbau vielleicht mit Uebertreibungen von selbst. Wo Preisbindungen bs- stehen, müßten die preissestsetzende» Stellen den Preisabbau bewußt herbeiführen, wollten sie nicht ihre Ausgabe verkennen, der großen Linie der Entwicklung besser Rechnung zu trogen, als es der freie Markt könne. Nur eine schnelle und ausreichende Preisherabsetzung ici geeignet, die U.iternehir.ung-liist anzuregen und den Kreis dcc Käuse.r wieder zu erweitern. Die anhaltenden Lohnkämpse der letzten Wochen haben es mit sich gebracht, daß die Untersuchung der Reichskreditgejellschast auf diesem Gebiet hinter den bereits vollzogenen Tatsachen herhinkt. Aber auch die Feststellungen des Berichts, daß die„Lohnzahlungen auch an die in Arbeit verbliebenen Beschäftigten bei wenig ver- änderten Tariflöhnen mehr oder weniger erheblich gesunken" scisn. meksen deutlich aus die schon seit einem Jahr ini Gonge befindlichen Attacken aus die Akkordlöhne hin. In diesem Zu- f-ammenhong ist die Bemerkung mefeiMich, daß trotz der Kauf- troltminderimg zunächst sich mar ein unwesentlicher Derbrauchs- ruckgcmg einstelle. Erst bei sehr starkem Druck gebe der Ver- brauch:- wtlle vach, was jodann zu einer allmählichen Wandlung vom verfeinerten zum gröberen Lebensgenuß führe Diese Feststellungen scheinen uns durch die Entwicklung der Krise und des Verbrauchs im letzten Jahr bestätigt zu sein, und wenn der Bericht der Reichs- kreditgefellschaft weiterhin sagt, daß Verbrauchsschwankungen weniger Konjunkturursachen als Konjunkturfolgen sind und infolFc- dessen ein weiterer Verbrauchsrückgang im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen ist, so wird man ihm auch hierin in gewisser Hinsicht zustimmen können. Jedenfalls bestätigt die Reichskredst damit, daß die Lohnabbauaktionen schwerwiegende Folgen für den Verbrauch im nächsten Jahr haben werden. In dem Ausblick des Berichts wird nochmals auf die Not- wendigkeit einer schnellen Anpassung der politischen Verpflichtungen, deren fix« Last die schwerste sei, an die veränderten Leistungen und Werte gefordert. Ohne daß sich der Bericht auf«in Prophezeiung festlegt, wird ausgesprochen, daß die sich über die ganze Welt er- streckenden Wcrtverschiebungen und Preiseinbrüche und damit auch die Dispositionsstörungen noch nicht überall beendet sein dürften. In Deutschland sind Reich, Länder und Gemeinden mit großer Anstrengung am Werke, die Ordnung der öffentlichen Finanzen sicherzustellen, und damit ein« der Ursachen mangelnden Vertrauens und Kapitalausgleiches in Deutschland zu beseitigen. Ausgabe der Unternehmungen ist es, den Leerlauf der Betriebe zu vermindern. Dazu bedarf es, bei der gegenwärtigen Ungunst der Kopital- bewegungen, harter, zielbewußter Arbeit und Opser aller an der Produktion Beteiligten. Jede Verbesserung des Beschäftigungsgrades jedoch, die sie ermöglichen, beeinflußt, indem sie dos Bertrauen zu Deutschland erhöhe, die Bewegung der Kapitalien zu Deutschlands Gunsten. Lieber 10 Milliarden Spareinlagen. Günstige Entwicklung der Spartätigkeit. Wenn auch die Endzahlen flir die Monate November und Dezember noch nicht vorliegen, so kann man doch schon mit einiger Sicherheit den B e st a n d der Einlagen bei den deutschon öffentlichen Sparkassen angeben: er betrug am Jahresende 193l) etwa 10,4 Milliarden gegen rund 9 Milliarden am Anfang des Jahres. Die Zunahme im Jahre 1930 belief sich also auf 1,4 Milliarden, während sie im Jahre 1929 noch 2 Mil- liarden ausmachte. Dieser Rückgang ist aber nicht die Folge eines Rückgangs der Spartätigkeit, sondern einer starken Steigerung der Auszahlungen. Gemessen an der durchschnittlichen Iahreszunahme in der Vorkriegszeit von etwa 800 Mil- lionen Mark mutz der Einlagenzuwachs im Jahre 1930 als durch- aus günstig bezeichnet werden: allerdings scheint die Periode des Wiederaufbaus in den ersten Jahren nach der Inflation mit den anormal hohen Ziffern des Spareinlagenzuroachscs beendet zu sein. Die Stärke der Spartätigkeit zeigt sich darin, daß die Ein- Zahlungen in acht der ersten zehn Monate von 1930 die Ziffern des Jahres 1929 übertrafen. Die Verschärfung der W i r t f ch a f t s- k r i s e bewirkte andererseits, daß die Auszahlungen im Jahre 1930 dauernd höher als im Jahre 1929 waren. Fast scheint es so, als ab bei den Auszahlungen ein Umschwung eintritt: im November blieben nämlich die Auszahlungen der preußischen Sportassen nicht nur unter allen anderen Monatsziffern des Jahres 1930, sondern auch unter den Zahlen für die meiste» Monate des Jahres 1929. Daß diese Tendenz sich durchsetzt, ist dringend im Interesse des Kapitalmarktes und einer besseren Kapitaloersorgung der Wirtschaft zu wünschen. Elekirokapital aus dem Balkan. Ausdehnung internationaler Elektrizitätskonzerne. Ungeachtet der Krise werden in den südosteuropäischen Ländern ocoße clektrizitätswirtschaftliche Arbeiten eingeleitet, durchweg unter Führung großer Finanzierungsgesellschaften. In einigen Fällen handelt es sich um außerordentlich umsangreich« Projekte,«in Zeichen für den Optimismus der beteiligten Kapitalisten. In Jugoslawien hat sich z. B. der schwedische A s e a- K o n z e r» in den Besitz großer nordserbischer Elektrizitätswerke gesetzt und verhandelt nunmehr mit einer Reihe weiterer Städte über die Erwerbung von kommunalen Elektrizitätswerken. Es ist die Absicht des schwedischen Konzerns, das gesamte nordserbische Donaugebict einheitlich mit Strom zu versargen und in der Nähe von Belgrad ein neues Großkraftwerk zu errichten. Insgesamt sollen hierfür nicht weniger als 200 b i s 230 Millionen .Mark aufgewandt werden. Durch Ausbau der Vertcilungs- netze. Rationalisierung der Elektrizitätscrzeugung und-Versorgung, allgemeine Senkung der Stramkosten, erhoffen die Unternehmer eine starke Hebung des allgemeinen Elektrizitätsverbrauchs. Es handelt sich bei dem genannten schwedischen Konzern um den größten Elektrokonzern Schwedens, in dem der Hauptteil der ftarkstrom- technischen Fabrikation seines Landes ziisainmengesaßt ist und der außerdem an zahlreichen elektrizitätserzeugenden Gesellichaften des Auslands beteiligt ist. Durcb diese Beteiligungen schafft sich der Konzern große Absatzgebiete für seine Erzeugnisse. In Rumänien dehnt die H y d r o f i na- Gruppe, die dem schweizerischen Elektrokanzern Brown-Bavcri nahesteht, aus gleichen Motiven ihr Interessengebiet immer stärker aus. Daneben interessiert sich die amerikanische Electric Bond and Share Ca. für den Aiiebau der Bukarcster Elektrizitätsversorgung. Es ist dies das erstemal, caß dicscr große amerikanische j Elektrizität: kanzerii, der in Nord-, Mittel- und Südamerika, in China und Indien große Elektrizitätswerke kontrolliert, in Europa Fuß fassen will. Die Electric Bond an Share Co. arbeitet gemeinsam mit der General Electric Co., dem größten Elektrokonzern der Bereinigten Staaten. In Ungarn hat die Züricher E l e k t r o- B a n k gemein- hm mit der größten unZarische» Kohlengcscllschasl, der Salgo- Tarjancr Steintohlenbergwerk A.-G. eine neue Gcsellschast j , seile her attackiert werden kann, ohne daß die ganze Wirt- schost darüber zugrunde geht. Es will mir scheinen, daß die der- zeitige Problemstellung in ihrer Grundlage falsch sei. Die tyciitic:« Wirtschaftslage ist nicht geeignet, einen Kampf auf Leben und Tod auszutragen, sondern muß ans Ausgleich, auf Abschwöchung der Gegensätze eingestellt sein. Die Parole„Kampf gegen den Marxismus' enthält viel u»eingestandene Selbst- f n ch t und ist nicht frei von gesühlsniäßiger Einstellung, die man etwa.Klassenkampf van oben' nennen könnte." Wir wissen, daß Stimmen wie die des Gutsbesitzers Squenz nicht ganz so selten sind. Die Landwirtschaft wird es bald merken, welches Unheil die einseitige Lohnabbaupsychose unserer Industrie- prominenten anrichtet. Richtig ist auch die Bemerkung, daß der „Kampf gegen den Marxismus" ein Klassenkampf von oben, d. h. ein wirtschaftlicher Jntcrcsscnkampf und Raubzug auf die Taschen der breiten Bevölkerung ist. Das weiß der Gutsbesitzer Squenz, aber die Hunderttausende, die den nationalsozialistischen Scharlatanen nachlausen, haben es bis jetzt noch nicht gemerkt. Kohlenabsatz um 20 proz. gestiegen! Der Dczemberbcricht der preußischen Industrie- und Handel: kommern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertage kann weder in der Weltwirtschaft,»och in der Wirtschaft Deutsck lands Anzeichen einer Besserung feststellen.. Zlbcr eine A u s n a h m ist dach festzustellen: der deutsche K o h l c n a b s a tz ist ii Dezember gegenüber deni Varnionat gestlogen. Die arbeitstäglich Kohlenförderung bob sich von 330 80» auf 348 SM Tonnen, de arbeitstögiiche Absatz des Kohlensyndikats von 20(5 200 auf 242 39 Tannen. Diese„durch den Preisabbau bedingte" Belebung des Ab satzcs scheint uns nicht„klein", sondern recht beachtlich z sein, betrug sie doch nahezu 20 Proz. Hier ist als prompt das eingetreten, was wir stets vorausgesagt haben: die(rni 6 Proz. recht geringe) Preissenkung hat eine merkbar Absatzbelebung zur Folge gehabt. Wie lange noch soll di deutsche Wirtschast auf die Eisenpreissenkung warten? Bank für Deutsche Beamte— Liquidation oder Konkurs? Die Liquidation der Lank für Deutsche Beamte e. G. m. b. H. i. L. stößt aus Schwierigkeiten. Die Genossen haben sich zu einem Gcnossen-Schutzverband zusammengcschlossen und weigern sich, die Nachzahlung von 80 M. auf ihre Anteile zu leisten. Es schwebt eine Reihe van Prozessen, die bis zum Reichsgericht von beiden Seiten durchoekämpst werden, in denen es daruni geht, ob die Beichiüsie der Vertreterversammlung(zuständig wäre die Generalvcriainmlung gewesen) nichtig sind oder nicht. Er- klärt das Reichsgericht die Nichtigkeit dann brauchen zwar die Genossen nicht die 80 M. zu zahlen, dann ober wird die Durch- führung des Vergleichs uninögtich und der Konkurs nicht zu ver- meiden sein. In der Abwickluna des Konkurses würden die. Genosse»» mit einer Haftsumme von 50 M. in Ansprucki genommen werden. Aktwiert sind diele Forderungen, die nominell 6 Mill. Mark aus- »lachen, mit 2,4 Mill. Mark. Je länger die Abwicklung dauert best-, unsicherer wird dieser Posten: schon jetzt sind ettvo 1000 Gb- Nossen oder 7 Proz. der Gesamtzahl nicht mehr feftzustell«». Be- kanntlich haben Bilderiköuse bei den Geichäiten dieser Beamtea- bank eine verhängnisvolle Rolle gespielt. Die sinstwerlige Verfügung, die gegen die Versteigerung dieser Bilder erwirkt war, ist jetzt ausgehoben worden: die Bilder sollen im Kunsthandel verlauft werden. max Dortu: A?e 9tifel ßlobmfon Sin Seglerfiück Frei-Welt: allen greunien in der Hennat? Da wären wir nun auf der Robinson-Insel— wir Weltenfegier, an Bord des„Campo", an Bord des„Blitz", beheimatet in Trieft: auf Reifen rings nm die Crde. Robinfon-Jnfel, wie die liegt? Einsam in der Sudse«, irn chilenischen Ozean,(37l) Kilometer von Valparaiso— das wäre so weit wie von Hamburg nach London. Die Robinsan-Jnsel heißt in der Lokalsprache: Mas-a-tierra, auf deutsch: Mehr dem Lande zui Im Westen liegt noch'nc Schwestcrinsel: Mas-a-suera: Insel mehr draußen! lind dann is noch'ne ganz lleine Insel der: Santa Clara, nicht viel größer als ein Möwenei. Alle drei Inseln heißen, die Jsolas Juan Fernande;— nach ihrem Entdecker: dem Tenor Aben- teurer Juan, der sie auf einer spanischen Karaoelle ums Jahr 1572 entdeckte. Im ZK. und 17. Jahrhundert wehte auf den Fenondep Inseln die rote Seeräuberflagge— Flibustierschifse, schnell fahrende ichlanle Segler— hatten hier ihre Schlupfwinkel: hierher brachten die Flibustier die geraubten Frauen: braune und weiße und schwarze. Die Fcrnandez�Inseln waren Raub-, Sauf- und Liebes- inseln! Mas-a-tierra, der schottisch« Seemann Alexander Selkirk lebte Her einsam von Anno l7tzk--171l>. Sein Leben hat der englische Dichter Defoe verglorifiziert— als Robinson rornantrsch gestaltet. Bon der ganzen Romantik des Robinson leben auf Mas-a-tierra nur noch einige hundert oerwilderte Ziegen. Die heutigen Bewohner von Mas-a-tierra sind alles andere— nur nicht romantisch ver- anlagt: sie kämpfen einen bitteren Kampf mit der See— Fischer sind sie: hart und schweigsam und ckiißttauisch— ihre Sprache ist ein alter spanischer Dialekt, Ueberbleibsel aus der fpawolifchen Eon- quiftadorenzeit. Wie groß die Robinson-Jnfcl ist? So groß wie Sylt— genau lo groß: Sylt hat Ski Quadratkilometer Flächengehatt— uird die Robinson-Insel hat Sä Quadratkilometer. Sylt zählt SOOO Bewohner— und Mas-a-tierra hat 300 Einwohner— das is n Unterschied, gellet? Kürzlich hat die Rabinfon-Irrsel noch hren Bürger zubekommen— erschreckt nicht: unsere Kameradin— unser Bordmädel Lucia, die bat'n Kind gekriegt! Ogotwgottogott: herriseh, herrijoi—*n Kind, die Lucia? Wer is denn der Bater? Der Vater is unser Capitanos, Genosse Bortolo, Kommandant des .Lampo", der„Blitz" jagt um die Well! Nun erzähl doch mal— wie ging denn das zu mit dem Kind— und was sagt denn die blonde Grete! dazu— und was denkt Rani und Spitzbart drüber?— Caracho, was soll'n die drüber denken: die freuen sich natürlich— ein junges Menschenleben is immer wie 'ne aufgefangene Sternschnuppe: das Glück stiegt dir vom Himmel herab— halte mal immer die Hände auf, dann fängste auch bald das Glück— Liebe weht über alle Meere. Na, ich will nial erzählen: Alles haargenau! Von Panama aus kreuzten wir immer Kurs Süd— weit ab vom Land— kein Segel, kein Much, keine Möwe— wochenlang nur fliegende Fische um uns. Drüben, wußten wir: da liegt Land Peru— aber unser Ziel war Robinson-Insel: und unsere Ziele erreichen wir immer— die Mannsckaft vom„Blitz" hat einen eisernen Willen. Immer gegen den harten Wind an— gegen den Südpassat— und gegen Strom auch noch— rauschend stand der Perustrom gegen uns— wir kamen nur langsam vorwärts. Es war eintönig an Bord. Dann aber ward es zwcitönig: eines Abends erklärten uns Bortolo und Lucia, daß sie sich verloben wollten— mir andern, wir waren wie aus dem Wasser gezogenr�vor UeberrafchtMg'— Verlobung auf dem„Lampo"? Womit sollen wir das denn feiern? Keinen Wem, keinen Whisky und keinen Brandy an Bord— womit sollen wir das prosten? Bielleicht mit dem warmen öligen Tankwasscr? Aber wir haben doch gefeiert— wir haben nen starken schwarzen Tee gekocht—'ne Büchse Zungcnragout machten wir auf: leider war sie faul— nrarsch: über Bord damit! Grete! wußte Rat: sie buck Pfannekuchen— dazu gab es Orangengeloe— und den starken Tee dabei— für die Damen Zigaretten— und für uns Männer Zigarren— jedem drei. Lange saßen wir in dieser Nacht auf Deck— die Sterne spritzten Feuerwerk— die See stnzg an Bug und Heck rauschende Sirenenlicdcr— und wir andern, wir sangen europäische Heimatslicder: Barcarole und Serenaten und deutsche Volkslieder: italiciusch und deutsch immer schön Mischmasch Um ein Uhr wurden wir dreie müde— das Brautpaar aber blieb munter, Bortolo hatte Steuerwache— und seine schwarzhaarige Lucia blieb bei ihm: seine Segelmaatm: fier die Schot! Schaa— un was kam dann? Dann kamen Wochen auf Wochen— alle gleich lecr, wir kriegten große Sehnsucht auf Land— sollen wir auf Ehile'ruber holten: auf Iquique oder auf Anto- saaasto— wollt ihr, sollen wir? No S'.gnorc— sempre avanti: Jsole Fernande;! An Deck: ahoi— Land rorneaus! Aah, die Herzen klopften! uns höher: wir umarmten uns alle— da oorne steigt es braun- und hoch auf: Insel Robinson! Mitten im chilenischen Ozean. Wo! landen wir? In der Bai San Juan Bautista— im Hasen des Johannis: Johannis des Täufers. Die Bai— im Norden der[ Insel, geschützt vor den schweren Sübstünnen. Im Hafen liegen' .-wei oder drei Rahensegler. am Großmast die freudige weißrote i Flagge, mit dem blausilbernen Stern: Freistaat Ehile! Wir tippten! mit unserer roten Sozialistenflagge— unser„Blitz" warf Anker. I Hafen Robinson. Lucia und Bortolo erklärten uns ganz energisch: hier machen I wir zwei Hochzett! Ba bene. All right. Gut also. Wir nehmen j Quartier an Land— in der„Stadt": etwa hundert arme Fischer-. Häuschen sind die Stadt San Juan. Es ist auch eiu solides festes! Haus da— hier wohnt der Gouverneur, der Staatsbeamte der chlienilchcn Provinz Balporasso. Staatsamt und Standesamt: beides verwaltet der Gouverneur. Cr war sehr höflich und gefällig, der Sior Jao Panorum: er reichte uns Brautzeugen mit einer tiefen Berbeugung die rote Feder, mit roter Tinte schrieben wir den Kontrakt. Bortolo und Lucia sind Eheleute! Nach vierzehn Tagen schrieben wir nochnial was beim Sior Jao Panorum, wieder mit roter Tinte— diesmal waren wir Geburtszeugen:«in kräftiger zunger Seemann is da, das Kinb von Lucia und Bortolo— er beißt: Robinson Blitz! Er soll dereinst die Welt durchsausen wie cin rotes Gewitter: Freiheit allen Segeln der Welt! Wir hobeit der Lucia Mich was zur Hochzeit geschenkt— ein Hündchen. Biba heißt sie: ein Monstrum aus sechs verschiedenen Rassen, eine Hündin: nicht Pudel und nicht Spitz, nicht Affe und nicht Papagei— aber unsere Biba hat treue braune Augen: gerade solche Augen wie unser liebes Hündchen Albaturco sie hatte; der istrianische Zottestpitz. den uns die wilde Karibische See in einer Qrkannacht von Deck riß. Nun noch was von unserer Insel. Das Klima ist hier wie auf Madeira: mild und feucht— Insel Robinson liegt aus dem gleichen Breitengrad wie Madeira und Marokko: mir südlich des Aequators. Die Insel ist vulkanisch— einst von mächtigen Titmienhönden c-us der See herausgehoben. Die Titanen der Unterwelt wollten Freiluftarbeit machen— sie Hummern immer noch: jode Nacht, droben am tausend Meter hohen Amboßberg: am Cerro del Uunque — wie Funken spritzen die Sterne— der schwere Südpassat donnert um Mas-a-tierra. die Insel zittert im Sturm! Wir schlafen wohlig in der gemieteten Fischerhütte— aus einmal wachen wir auf: erschreckt— was is denn los— mordsjämmcrlich schreit unser kleiner Mbmson: Lucio, gib ihm doch Futter! Tagsüber machen wir Ausflüge: durch die Schluchten bergauf. Durch Urwald bahnen wir uns mühsam vor. Ei, du meine Güte: was gibt es dahier für Pflanzen: so was kennen wir ja gar nicht, derlei Pflanzen haben wir noch ni- gesehen— Pstanzcn, wie aus einer Urwelt: halb Schachtelbaum, halb Rieienfarn— dies« Insel hat ihre besondere Flora. Große Käfer in Bernstein und Gold— nachts, wenn sie stiegen, trogen sie grüne Laternen. Wie's duftet, die Bluten von irgendwo: Duft wie Vanille! Wir fahren mich mit den Fischerbooten aus die roten Klippen und Schären hinaus— da fangen wir Langostas: eine Hummer- art— gesotten: geben die'ne gute Krebssuppe, wir tuen Peperoni und Reis dran. Was wir trinken? Robinsanwein— er ist tintig und süß, er schmeckt ein ganz bißchen nach Schwefel— vulkanisch. Soo— das war unser Bericht. Und nun-proviantieren wir unseren Spottkutter gut ein— vor allem viel Trinkwasser— und getrocknete Makrcelen und Feigen in Bastkörben. Wir haben'ne weite Tour vor uns—. Wir fahren quer durch die Südsee nach Samoa. Wenn wir gut hinkommen: dann schreiben wir euch mal wieder. Schreiben wir nicht— dann sind wir tot, dann hat Bater Neptun uns alle sechst in sein rotes Korallcnschloß hinabgezogen— wer weih, wie's wird? Niemand weiß da«. reckt, umgeben von schweigenden Baumen. Dort ist der Markt,»nd um ihn herum alle Häuser, die in dieser Nacht mit dem Echem unnahbarer Vornehmheit umgeben sind.„Obdachlosenasyl" steht an dem«inen,„Polizeiwache" an dem anderen Eingang. Etwas weller ein Denkmal. Der Mond wird auch müde. Wolken umhüllen sein mildes Lächeln. Laternenlicht zaubert groteske Schatten. Das olles ist wie ein großes Wunder, denn schon eine Viertelstunde später hat die Straßenbahn die Grenze der kleinen Stadt weit hinter sich gelassen, ist im Bereich de? nachbarlichen Riesen, der klingenden, der leuchten- den, der hastenden Weltstadt. Dort gibt«s keinen Schlaf und leine Stille. Hier kann der Mond nicht mehr verweilen, hier packt ihn die jagende Hast, hier geht sein Glanz unter in den flutenden Wellen der Lichtreklame und der zahllosen elektrischen Lampen. Um so größer ist das Wunder der nächtlichen Kleinstadt, die zu Füßen dieses ewig wachen Riesen schläft.... .Ilexandfr ron Sadier lUalonh: Willy Vlöbus: JilemStadt vor den%oren llächllicher Qang durch Geltow Der Mond steht in einem hellen Kreis von Violett, von Blau und Grau. Durch emeo'Schlcicr fällt sein Glanz auf unsere Welt. Er geht mit uns durch die Straßen der kleinen Stadt, durch diese seltsamen, leeren, breiten Straßen. Er leuchtet heller als die Flammen der Laternen, die in dieser Nacht eigentlich schlafen könn- ten. Dann wäre der Zauber vollendet, der Zauber einer unbegreis- liehen Stille eines seltsamen Ausruhens. Da stehen Häuser, wie man sie auf alten Stahlstichen und Kupfern sieht. Steif, glatt, mit Fenstern, die so geradezu in die kahle Front hineingekrochen wurden, viereckig, ohne jeden lieber- gang. Niedrig sind diese Häuser, sie ducken sich am Tage unter den Strahlen der Sonne, in der Nacht lastet das Mondlicht auf ihnen. Selbst der Sternenglanz reißt sie nicht zum Himmel empor. Sie verkriechen sich vor den fallenden Flocken des Winters, sie frieren, wenn der Regen fällt. Brell aber führen Treppen zu vielen Häusern«mpor. Schmied« gaben ihnen kunstlose Geländer. Ihre Stufen sind ausgetreten von zahllosen Tritten. Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte sind über sie hinweggeschritten, haben den Stein gewetzt, gehöhlt, geschlissen. Sie trogen die Zeichen der Zeit. Diese Treppenschlisse zeigen auch in der Nacht, daß die kleine Stadt nicht tot ist. daß Menschen in ihr wirken und nicht nur hinter verschlösse- iren Türen und Fenstern geheimnisvoll verborgen sind. Das ist eine jener Städte, die Andersen kannte, als er dem Monde gebot, ihm seine Geschichten zu erzählen. Andersen war ein kluger Mann. Er wußte, daß der Mond viel« Geschichten kannte, er wußte, daß ein Dichter mit dem Monde Freundschaft halten soll. Der Mond sieht unendlich viel, dieser Mond, der mii uns gemächlich durch die Straßen gleitet, der stehenbleibt, wenn wir oerweilen, der Zeit hat. wenn wir st« haben, der mit uns eilt, wenn uns die Hast ergreift. Aus einer schmalen, langen Fensterspalte fällt ein zarter Licht- strahl auf die von nächtlichem Glanz erfüllte Straße. Der Mond schaut durch ein Gewirr von gestickten Bochängen durch diesen Spalt i» eine kleine Stube. Do ficht ein Tisch Großmutter sitzt einsam, itt Brill« tief auf der Rast. Großmutter«est. Vor ihr ew dicke« Buch. Ihre Lippen bewegen sich. Großmutter denkt wohl an den Mond der Vergangenheit. Sie sieht nicht die Gegenwart. Viele Jahre ist sie über die Straßen der kleinen Stadt gewandert und hat sich gewundert, wie die Weltstadt von Norden her immer näher und näher kam, wie sie ihre Boten: Eisenbahn, Straßenbahn und Auto- bus, herüberschickte. Gottlob, di« Eisenbahn liegt noch einige Kilo- ineter weit vor der Stadt, Straßenbahn und Autobus fahren nur durch wenige Straßen. Aber dicht daneben lebt noch die Vergangen- hest mit stillen Gassen, kleinen Häusern und engen Gängen. Da gibt es auch noch breit« Eingangstore mit starken, gemauetten Pfeilern und schweren eichenen Flügeln. Aus den Höfen sind noch wie«inst die Holzstöße geschichtet, die der winterlichen Kälte ge- opfert werden. Da sind auch noch die kleinen Hütten für die Hund«, die wachsam auf sanften Füßen schteichen. Zuweilen bellen sie den Mond an, denn gegen stde Neugier sind sie mit starkem Mißtrauen erfüllt. Großmutter nickt, ihr Kinn senkt sich herab, ihre Augen sind müde vom Lesen und vom Schauen vergangener Dinge. Leise, leise, Großmutter will schlafen. Hauchstill gleitet der Moird davon. Der Duft einer Taverne liegt über der Straße. Aus einer winzigen, dicht verschlossenen Gaststube dringt Stimmengewirr. Sticht laut, nicht deutlich. Die Luft der kleinen Stube ist sicherlich mit Müdigkeit gefüllt. Der Geruch von Bier und Schnaps zieht in breiten Schwaden dahin. Auch das gehört zu der kleinen Siadt. So haben es die Großväter geHalen, so ist es geblieben bis heute. Gut, daß die Gaststube so klein ist.... Und dann wieder dunkle Fenster, aber aus einem Eckfenster leuchten die Kerzen eines Weihnachtsbaumes und Kinderstimmen singen etwas von einer stillen Nacht. Der Mond bleibt stehen und horcht. Aber der Gesang verklingt, die Lichter löschen aus, eines nach dem anderen. Nun ist alles wieder still und stumm. Aus der Ferne klingt der helle Pfiff einer Lokomotive, zuweilen hört man den dunklen Ruf des Autos, den grellen Klingelklang einer Straßenbahn. Aber da» ist irgendwo da draußen. Hier ist Ver- lagenhett, da steht die Kirche, die ihren Turm dem Monde entgegen- 3>er graue Togei Bon der Welt trennte ihn das große Viereck des Dachiensters über seinem Kops. Zwei Scheiben waren zersplittert: Es war Winter. An den Oeisnungen strich grauer Dunst vorüber. Irgendwo hinter den dumpfen Konturen der Stadt spannte die Dämmerung, ein großer Vogel, ihre Schwingen aus und kam näher. Die Scheiben erblindeten davon. Seine Nahrung seit drei Tagen waren Gedanken. Er erzeugte sie selbst und verbrauchte sie dann gewissenhaft.„So habe ich mich redlich aus mir selbst ernährt", dachte er gerade ab- schließend und schloß die Augen... Wenn wir in wachem Zu- stand in«inen dunklen Raum tteten, sind unsere Sinne geschärst für Geräusche. Und so hört jetzt er, der durch das einfache Zu- klappen seiner Augendeckel all« Lichter der Welt für sich selbst souverän verlöscht hatte, die Geräusche der Stadt, die aus der großen Tiefe sonst nur schwach zu ihm herausdrangen. Den Rest des Lärms verschlang die Gewöhnung. So zerpflückte er wie ein Gott, der, das All durchdringend, überall beheimatet ist, den tausendfältigen Lärm. Vieles oerstärkte er in sich und ließ es immer wieder und wieder er- klingen.„Das sind die Räder", dachte er,„die ich aus meiner Kind- heit kenne". Und es sielen ihm Sinnsprüche ein, wie„Die Zeit rollt wie ein Rad durch das All" oder„Du wirst unter die Röder kommen, wenn du so weiter machst, mein Junge!" Das waren die Worte des Vaters. Erfreut griff er nach neuer Nahrung. Einmal ging er vor langer Zeit in einer anderen, kleineren Stadt neben dem Vater in die Dämmerimg hinein. Ein großer und«in kleiner Mann auf dem Heimweg in eifrigem Gespräch. Denn er reichte dem Bater damals kaum bis an die Hüfte. Da sah er dieses Bild zum erstenmal. Einmal blieb er stehen und zeigte auf die Stadt, die näher kam, und hinter die verstreut aufblitzenden, ersten Lichter in die Ferne, wo die Kette der Berge verblaßte: „Was ist das für ein großer, grauer Vogel hinter der Stadt?" „Das ist die Dämmerung", jagte der Bater und sah ihn be- kümmert an. „Kein Beruf, der seinen Mann ernährt, Gedanken aufzuschreiben oder Gefühle." Er war ein gutes Stück gewachsen und kam einmal in jene Stadt heim. Ziemlich abgerissen und verlottert. Sie führten keine langen Gespräche mehr. Denn er war durch die kleine Tür einer hohen Mauer eingetreten in«ine andere Welt, und als er sich umblickt«, konnte er den Vater und die anderen nicht mehr sehen Und es stimmte, daß er immer mehr unter die Rader kam. Die Räder stießen ihn blutig, öffneten viele Wunden an seinem Körper. und durch di« Wunden drang ein fremdes, seltsames Leben in ihn ein, stark ichmcrzend, ohne daß er dafür konnte. Lang« Zeit wohsne er überhaupt nicht �........ Hier brach die Gedankenkette ab.„So konnte man seine Bio- graphie beginnen", sagt« er, die Augen öffnend. Das Viereck des Fensters war verschwunden, die Dunkelheit herrscht«. Als er oiii- stand, nm einen Gang durch die Stadt anzutreten, kam er sich wie«in geprellter Betrüger vor. Denn in der rechten Rocktasche spürt« er di« Zehnpfennigmünze, um die es an jenem Nachmittage gegangen war. Ein heftiger Kampf war ousgefochten worden. denn im Dachroum, den man, wenn man Lust hatte, auch hochtrabend„Atelier" nennen konnte, befand sich ein Gasautomat— Gas sür zehn Pfennige reichte zwar nicht zu einem soliden Selbst- mcrd, aber es war angenehm, diese verlockende Möglichkeit, die man aus kurzen Zeitungsnotizen kannte, vor Augen zu haben. Andern- teils konnte man für zehn Pfennige drei Brötchen kaufen. Jeizi war auch das vorbei, denn die Läden schlössen um sieben. Gedanken Nahrung füllte den Magen nur mangelhast.„Wir gehen aus", sagte er zu feinem schäbigen Ueberzieher, während er ihn anzog. Aus den Straßen herrschte ungewöhnlich reges Leben, die Gegend der Gedächtniskirche war hell erleuchtet, die Kafsees, Bars und Tanz- lokale waren vis auf den letzten Platz besetzt und er begegnete aus seinem Weg zum nahe gelegenen Künstlerlokal etwa zwanzig Be trunkenen. Raketen und Feuerwerk flogen durch die Luft. Im kleinen Lokal war die Stimmung weit fortgeschritten. Er geriet mitten in eine Gesellschaft unbekannter Leutchen, die seine traurige Gestalt mit großem Hallo begrüßten und ihn sofort in ihre Mitte luden. Viele Getränke unbestimmbarer Natur rannen während der nächsten zwei Stunden durch seine Kehle und sein ausgehungerter Magen rragiettc prompt auf den Wink des Alkohols. Ilm zwöli Uhr wurde er dattibcr aufgeklärt, daß alle soeben über die aus- getreten« Schwelle des allen hinüberstiegen in ein neues Jahr, und er freute sich kindisch darüber, dieser Zeitspanne, die ihm viel Hunger und Entbehrung gebracht hatte, mit heiler Haut entronnen zu sein. Später teilte sich die im Lokal anwesende Gesellschaft in zwei Gruppen, die verschiedenen radikalen politischen Richtungen an- gehötten und eröffneten die Feindschaft. Einige Fensterscheiben und Spiegel wurden zertrümmert. Gegen drei Uhr morgens befand er sich am Arm einer jungen Dam«, die Hilde oder ähnlich hieß und gerade über kein passendes Nachtlogis verfügte, auf dem Heimweg. Er berichtete überschwänglich von seiner prachtvollen Wohnung. Die junge Dome hatte zwei Stullen in ihrem Handtäschchen, die noch im Treppenflur unter großem Lärm und Gepolter verzehrt wurden. Oben angelangt, kamen sie nicht in die Verlegenheit, Licht zu machen. denn di« Leitung war infolge chronischen Richtbezahlens der Licht- rechnung schon seit langem gesperrt. Es herrschte empfindliche Kälte im Raum, aber da es keinen Ofen gab, spotten sie die Mühe, Feuer zu machen. Als er sich im Dunkeln neben die neu gewonnene Ge- sährlin unter die einzige Decke legte, die er besaß, wunderte er sich über di« Leere des Zimmers. Und nach einer Weile, als bereits vollkommen« Stille herrschte und nur die Fugen des Dachgebälks leise im Wind knarrten, der durch die zerbrochenen Fensterscheiben strich. fuhr er noch einmal auf und sagte laut in das Schweigen: „Die Gedanken sind fott, ich bin hungrig!" Zlbcr niemand antwortete ihm. Durch Trockenlegung der durch Sturmsluten entstandenen Meerbusen in den Niederlanden haben die Holländer im Lause der Zeit ein Gebiet im Umfange von 3600 Quadratkilometer dem Meer zurückgewonnen. Dieses ist«in« Fläche, die etwa dem Areal von Braunschweig gleichkommt.,