BERLIN Montag 5. Zanuar 1931 10 Pf, 6 Sc» 48. Jahrgang E r s ck e< n I täglich außcrSountag«. Zuglcich Adcudausgabc de«.Vorwärts". Bttuzsxreie beid« Auszaben 8SPs. pro Woche, 8,60 M. pro Monar. Rrdakrivn und Ervedition: DcrlinSDM.Lindenstr.Z �>» i e i q e Ii p r e i«: Die eiuiraltig« Noupattiileicile »9 Pf.» Rellnnieitile h M. EnuäKi-iuugen nach Tarif. P v si sch« ck k v u t v i VorwärtS-Berlag G. m. d.H.. B:r!iu?lr. S7SN6. Fernsprecher: Di'Ndoff Avz bis yr>? Mittwoch Leichenbegängnis Machivolle Protestkundgebung im Kriedrichshain Die Leiche des erschossenen Reichsbannerkameraden Willi Schneider wird am Zftiltwoch, dem 7. Zanuar, von 2—4 Uhr nachmittags im Garkensaal des Saalbau Ariedrichs- Hain öffentlich aufgebahrt. Um M-S llhr beginnt die Trauerseier. Um K Uhr wird die Leiche nach den: Krematorium in der Gcrichkstrahe übergeführt. Varkci, Gewerkschaften und Reichsbanner stellen den Trauerzug. Zur Zeit finden noch Verhandlungen im Polizeipräsidium statt über die Straßen, durch die der Trauerzug geführt werden soll. Die Vorbereituugen werden mit großer Sorgfalt getroffen, da es sich voraussichtlich um eine der gewaltigsten Trauerkundgebungcn handeln wird, die Verlin feit Zahren erlebt hat. Protest der Masten. Fort mit dem.Hakenkreuzterror? Zu einer möchtiacn Protestkundgebung gegen den von Rolional- sozIaUsten verübten �Meuchelmord an dem Relchsbanncrmann Willi Schneider und dem Parleimitgljed Herbert Graf hallen das Reichsbanner, die Partei, der ADGv. und der AsA-vund gestern aufgerufen. Zehniauscndc sülllen olle Säle und den großen Garten des Saalbaues Friedrichs Hain: in lohender Empörung Über den feigen Mord vereinigten sich die versammelten in der Erkenntnis: Es ist genug der Talen eines polltischen Verbrechertums! vis hierher und nicht weiter— Republik werde hart! i Bereits mg 10 Uhr rückten die ersten Reichsbannerkameraden an. 'In losen Trupps— es besteht immer»ach des von den Rational- sözialisten provozierte Temonstrationsocrbot— kommen sie, Ernst und Entschlosicnheit auf den Gesichtern. Die Leitung lägt alsbald alle PnifornAerten in den freigemachten Garten treten, während die inzwischen in hellen Scharen anströmenden anderen Versammlungs- besucher in�>!c Säle geleitet werden. Um>-11 Uhr schon wird der große Saal polizeilich abgesperrt, nachdem Parterre, Tribünen und Gonge gestopir voll Menschen sind. Man entfernt Tische, Stühle, um noch Raum für einige hundert zu schaffen. Bald ist auch der kleinere Saal und der große Garten saal ü b e r f ültt, im Garten stehen die Formationen der aktiven Reichsbannerkameraden— eine! Riesennersaminlung von Republikanern hat sich eingefunden, um in' legier Stunde alle zu warnen, die es angeht. Umflorte Reichs-! bannerfohnen, die Fahne der 2Z. Parteiabteilung, der die Ermordeten � angehörten, umrahmen das Podium, auf deni». a. der alte Genosse � Schneider, der Pater des ermordeten Willi und dessen zukünftiger! Schwiegervater Plag genommen haben.' Ein dumpfer, kurzer Trommelwirbel, dann spricht vor der stehenden Persammlung der sozialdemokratische Lantiagsabgeordttsie Fechner ehrende Worte iür die Toten: Ein feiger Mord der National- sozialisten Hot wieder zwei Kompskameraden dahingcrasft: Schneider und Graf sind die Opfer. Wir trauern mit den Angehörigen und sie sollen die Gewißheit haben, daß wir zu ihnen stehen in einer Zeit, wo der Mord das Kampfmittel politischer Gegner ist. An der Bahre der Toien fordern ivir gerechte Sühn« für die ruchlosen Täler, schärfstes Eingreifen des Staates, damit solche Mordtaten endlich aufhören.— An Stelle des erkrankten Ge- nassen Wels war der parieivorsihende Cnspien als Redner erschienen. Er knüpfte an die Worte Fechners an. Ein Schrei der Empörung, sagte er, kam in diesen Tagen aus den gc- guölten Herzen der republikanischen Bevölkerung. Der Schmerz, die Anteilnahme sind groß, wenn der natürliche Tod liebe Verwandte, Wilder Streik erlischt. Sireikbeteiligong an der?tohr auf 1 proz. zurückgegangen. Essen. Zanuar. Ts« Meldungen über die«treiktagc bei den einzelnen Zeche« lasse«� einen starken Rückgang der Streik- beteiltgnug erkennen. Am Sonnabend streikten bei der Frühschicht 11,9« Proz. der Belegschaft, heute früh da- gegen fehlten trotz der am Sonntag betriebenen eifrigen Agitation nur«',19 Proz. Tiefes b> rgcbnis läßt darauf schließen, daß mit einem baldigen Erlöschen der Ttreikbewegung gerechnet werden kann. (Weitere Nachrichten 4. Seite.) treue Freunde hinweg nimmt. Aber zu dem Schmerz gesellt sich Empörung, Wut, wenn junge Menschen, die das Leben noch vor sich hatten, die erst anfingen zu wirken, fallen von ruchloser Mörder- Hand. In unserem Gedenke» leben die Kameraden Schneider und Gros fort, so wie alle unsere Toten fortleben, weil unsere Bewegung selbst nicht stirbt. In der deutschen Geschichte fand sich immer die Tatsache, daß in Zeiten der tiefsten Not sich die herrschenden Klassen vor der Verantwortung drückten und dem Volk die Lasten und die Opfer überließen. Zu den Opfern gehören auch die Toten. Heute, wo Deutschland aus tausend Wunden blutet, sind es die K a p i t a l i ft e n, die Militaristen, die sich auf das nn- glückliche Volk stürzen, um es auszusaugen,: zu knebeln und zu knechten, um schließlich ihre alte Herrschaft wieder aufrichten zu können./ Die Ralianalsozialisten sind die besten Helfer dabci: sie bedienen sich aller Milte!, um ihren Anslraggebcrn gerecht zu werden, und sie glauben auch die verruchteste Tal glorifizieren zu könne», i wenn sie sich naiional nennen. In den Nazis wachst ein zu' Krieg und Mordbrennen erzogenes Gc-; schlecht heran, das von Lehrern und Studienräten in der ungc-, sundcstcn Ausfassung von Volksgcist und Volksgemeinschaft erzogen| wird.(Sehr richtig!) Wieviele solcher Volkserzieher sitzen allein! in der Reichstagsfraktion? Die Taten der Rationalsozialisien i> der Reujahrsnacht sind! keine politische» Mordtaten mehr, fuhr Cri spien fort, es sind gemeine Verbrecher, ja, es heißt sast die Verbrecher beleidigen, wollte man die nationalsozialistischen Tüter, die in Wohnungen friedlicher Republikaner eindringen, dort plündern und morden, und dann sage», sie hätten eine„autiinarxistische" Tat voll- bracht, auf eine Stufe mit ihnen stellen. Man kann es verstehen, wenn im ersten Gefühl der Empörung und der Wut über solche Mordtaten die Republikaner sagen: Zahl ist es genug, jetzt heißt es: Auge um Auge. Zahn um Zahn!(Stürmischer, langanhaUendcr Beifall.) Aber wir dürsten nicht verantwortungsbewußte Klasseickämpfer sein, wollten wir Terror dem Terror entgegensetzen.?R!t Gewalt und Unterdrückung führt die Sozialdemokratie ihren Kamps um die Frei- heit nicht(lebhaftes Bravo), denn man kann nicht Menschen tat- schlagen, um Menschen befreien zu wolle»! Organisation, Disziplin, planmäßiger Kampf, das sind die gesetzmäßigen Mittel der modernen Arbeiterbewegung und o» unserer Gesetzmäßigkeit werden unsere Gegner kaputigchen.— Mit den» Abbau der Löhne und der Sozialrechte, niii dein Raub der Ärbeitcrrechte wollen die Kapitalisten. die furchtbare Krise, die nicht zuletzt Schuld an dem Anwachsen der nationalsozialistischen Be- wegung.ist, beheben. Darauf gibt es nur eine Antwort: Rur de r Sozialismus wird Krisen u n ni v g l i"ch m a ch c n! Wir wären auf dem Wege zu ihiii schon ein gewaltiges Stück weiter, wenn alle die, die uns Sozialisten und Republikanern jetzt Lauheit und Unentschlossenheit vorwerfen, sich schon in unsere Kampffront eingereiht hätten. Man kann von anderen nichts verlangen, woran man selbst nicht mitarbeitet.(Lebhaftes Sehr richtig!) Und Kämpfende anzuklagen ist eine Schande für die Ankläger. Trotz alledem: Wir dürfen uns durch den Terror, die Verleumdungen and die Morde der Faschisten nicht znm Gcgenlerror provozieren lassen: der Erfolg wäre der Putsch, der Bürgerkrieg, der den Boden bereiten soll für die faschistische Diktatur. Die moderne Arbeiterbewegung, die Republik sollen nicdergetranipclt werden, dam'it die Arbeiterschait ohnniachtig gegenübersteht der Gewaltherrschaft der Rationalisten, Kapitalisten, Militaristen. Nie und nimmer wird sich die Sozial- dcnwkraiie ihre Taktik vom Gegner vorschreiben. lassen, wir schreiten aus unserem Wege fort, der sich, durch die Wissenschaft, nicht durch die Faust begründet, noch immer als der richtige erwiesen hat. NR)t mutlos, nein, eisenhart stehen wir gegenüber dem Kapitalismus und seinen Helfern, den Nationalsozialisten!(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Oer Vater des Erschossenen, der alte Partei-, Gewerkschasts- und Sängcrgenojje Paul Schneider erbat sich dann das Wort, um die Lügen, Vsr- icumdungen und Verdrehungen des„Aiigriss", Herrn Goebbels' Organ, sachlich zu widerlegen. Ich habe es mit lange überlegt. iagtc Schneider, ob es der Würde der furchtbaren' Situation eni- ipricht, wenn ich hier rede. Aber Entschluß kann zur Pflicht werden angesichts der Unflätigkeiten und Gemeinheiten dieses Blattes gegen die Toten. Als die Nationalsozialisten de» ersten Ueberfnll in der Neujahrsnacht ans uns machten, war von uns vorher niemand«ist der Straße: wir kämpften ohne Waffen unser j ü n s gegen eine 11 e b e r in u ch t von z w v l s c n. Als das vorbei war und unsere Gäste, unter denen sich nur mein Sohn als Reichs- baniern.anr, denn aber noch drei junge Sangesbrüdcr bcfo.nd'cn, lud).fjüufc gehen wollten, sagten wir uns: Ist man denn als anständiger Arbeiter in Deutschland so wehrlos, daß man zun, Ber- lassen des Hauses nidst einmal die Tür bcniiizcn darf? Und wir gingen durch die Tür, nicht aus Hinterwegen aus die Straße! Wir halten die Pflicht zum Bckenncrmut, Nachgeben wäre zum Ber- brechen geworden.(Lebhafter Beifall.) Genossen, Republikaner, seht euch diese drei hier an(neben Schneider sitzen die drei Freunde des ermordeten Willi), so sehen die republikanischen„Jämmerlinge" des„Angriss" aus. Es find ehrliche, anständige, junge Arbeiter, zu leiner Gewalttat sähig. Daß die Nazis sid) in Notwehr befunden hätten, ist eine infame Lüge; niein Sohn ist. ehe er tn der Wohnung überhaupt an den Hatenkreuzler herankommen tonnte, von ihm er- schössen worden.(Stürmische Pfuirufe.) In der Partei kann id) die Lücke, die der Tod meines Sohnes reißt, nicht mehr ausfüllen, id) bin feit Jahrzehnten Parteimitglied. In der Gewerkschaft kann ich ihn auch nicht ersetzen, der gehöre ick) ebenso lange an. Aber dar Reichsbanner findet mich fortan als Mitglied und Mitkämpfer! Stürmischer Beifall dankte dem ungebeugten Vater für seinen Vekennermut in dieser schweren Stunde. Der Vorsitzende F e h n e r schloß die Versammlung mit der Er- llärung: Es ist genug, wie lange sollen wir noch Opfer bringen? Das Nazilokal „Wenn die Polente anrückt, dann sind wir harmlose Gäste. Und Louis verdustet durch den Hinterausgang." Wir geloben an dieser Stell«: dem strauchelnden Bruder die Hand, dem Gegner aber die Faust aufs Auge! Im Geiste der Ermordeten kämpfen ipir weiter, aber picht in der Verteidigung, sondern in erster Ängriffslimc!~> In das Hoch auf die Republik stimmten die Versammelten be- geistert ein. Inzwischen hatte Genosse Eri Spien nod) zu den Tausenden im Garten gesprod)en. Immer neue Massen rückten an. Sie füllten mit den starken Reidisbannergruppen bereits den Garten, der sofort zu einer weiteren P a r a l l e l o e r s a m m l u ng benutzt wurde. Bis an die Cingangstreppen standen die Zuletztgekommenen. Im kleinen Saal sprach der Vorsitzende des Bezirksver- bandes Berlin, Reichstagsabgeordneter Z�eichsiagsabg. Litte, nachdeni Kamerad Stelling in ergreifenden Worten der Er- mordeten gedacht hatte. Der Redner kennzeichnete unvorhüllt das Wesen der Nationalsozialistischen Partei, die den traurigen Mut ve- sitzt, einen Fememörder in den Reichstag zu entsenden, der sich mit dem offenen Mord an Wehrlosen brüstet. Der Redner hiell auch mit seiner Kritik an den Behörden nicht zurück, die dem Terror der Haken- kreuzler viel zu wenig Aufmerksamkeit schenke. Genosse Lstke zeigte an treffenden Beispielen aus Italien, wie sich der Faschismiis in Wirklichkeit auswirke, daß er sich, einmal über das Land gekommen, nur durch blutrünstige Gewaltpolitik am Ruder hält. Immer wieder >:>>d wieder wurden die?lusführungen des Redners von Empörung?- nsten unterbrochen. Unter gemeinsamen Gesäugen und dem Hoch auf die Jntcrnat'.o- aale schloß auch hier die«indrucksoalle Kundgebung. Es währte ziemlich eine Stunde,«he die Säle sid) von den Versammlungsteilnehmern leerten. Auch die ausströmenden Massen zeigten muster- gültige Rul>e und es kam an keiner Stelle zu Zusammenstößen, die cin Eingreife» der Polizei notwendig gemacht hätten. Der A b m a r s d) der Versammlungsteilnehmer ging in aller Ruhe und Dlfziplin vor sich. Nationalsozialisten und Kommunisten hatten sich in ihre Schlupfwinkel zuruckgezagenz angesichts das starken Polizeiaufgebots wagten sie keine Störung. In den dem Wohnhaus« Schneiders benachbart«» Straßen bildelen sich eine größere Anzahl van Gruppen erregt diskutierender Anwohner, die immer wieder die blutigen Vorgänge in der Neujahrsnadzt besprachen. Die Polizei benahm sid) sehr zurückhaltend, fand aber auch keinen Anlaß zum Einschreiten. Wachsende Erregung. Polizei aus der Mörderfährke.— Noch keine Verhaftung. Eine außerordentlich erregte Stimmung henjchte in den gestrigen Mlttagssiimdcn in der H u st e l a n d st r a ß e. Eine große Menschenmenge hatte(ich dort angesammelt, die eine so drohende Haltung gegen das Nazilokal einnahm, daß die Polizei Mühe halle, ernstere Zwischenfalle zu verhindern. Die Erbitterung der Bevölke rung ist aufs äußerste gestiegen und mehr als einmal kam aus Hunderten von Kehlen der Ruf.Eitler verrecke— Republik erwache!", der an den Häuserfronten ein donnerndes Echo fand. -tOOtt Mark Belohnung. Wie bereits beridstet, verfolgt die politische Polizei mehrere Nationalsozialisten, die im dringenden Verdacht stehen, den Doppel- mord verübt zu haben und seit der Mcrdnackt, geradezu wie vom Erdboden verschluckt, verkchwunden sind. Entweder sind die Mörder in die Provinz geflüchtet, oder sie werden in Berlin verborgen Krauen in den Lüsten Venische pilotin auf der Kahrt nach Westafrika- Amy Johnson hat Panne Die Ungunst der Jahreszeit und der Wetterlage hält Flieger und neuerdings besonder» auch Fliegerinnen nicht ab. iore kühnen Flugpläne durchzuführen. Der augenblicklich im Vordergrund des Zaleresses stehende Flug der englischen Fliegerin Zlmy Johnson erlitt in Polen infolge 3tol- l-indung der Pilotin zunächst eine llnterbrechnng. In Berlin hingegen begann die deutsche Fliegerin Elli Beinhorn ihren Westasrikaslug. Fräulein Ellj Beinhorn, die erst kürzlich mit dem Silbernen Sportsliegerabzeichen ausgezeichnet wurde, startete am Sonntag früh um 9.45 Uhr auf dem Flugplatz Staaken mit ihrem 40-?S- Klemm-Flugzeug zu einem Fluge nach Westafrika. Der Flug geht über Südfrankreich, Spanien, nach Marokko, von dort der Küste entlang über Easablanca, Agadir, Port Etienn«, Dakar nach Bissao in Porlligiesisch-Westafrika. Dort wird sie mit der wissenschaftlichen Expedition des Forschers Bernatzik und Prof. Dr. Struck-Dresden zusammentreffen, um mit ihrem Flugzeug zu Forschungsflügen zur Verfügung zu stehen. Di« Fliegerin gedenkt etwa vier bis fünf Monate in Afrika zu bleiben. Die er sie'Etappe hatte die Westasrikafliegerin glücklich zurückgelegt: am Sonntagnachmittag landete sie auf dem Flugplatz Böb- l i n g e n in Württemberg. Warschau. 5. Januar. Die englische Fliegerin A m y Johnson, die am Sonntag früh in Berlin zum Weiterflug noch Peking gestartet war, verlor infolge dichten Nebels die Orientierung und mußte am Sonntognoch- mittag bei dem Darf A m e l i n in der Nähe des Städtchens Przasch- nitz, 95 Kilometer Nördlich von Warsd>iu, notlanden, wobei das Untergestell des Flugzeuges leicht beschädigt wurde, so daß der Weiterflog unmöglich war. Die Fliegerin selber erlitt keinen Schaden. Die englische Botschaft in Warschau, die tclcgraphisch verständigt wurde, entsandte ein Auto, das die Ftie- gerin nach Warschau brachte, lieber den Weitcrflug verlautet im Augenblick noch nichts. Amerikaniscker Ozeanflug gescheitert. New Jork. 5. Januar. Kapitän William Maclaren und Frau Baryl Hart, die Sonnabcndmittag(MEZ.) zum Ozeanflug nach Paris mit Zwischenlandung aus den Bermudasinseln gestartet waren, mußten nack) dem-°«uncrikanischcn Fcstlande zurückfliegen, da ihnen die Linse des Sextanten während des Fluges zerbrach. Sie landeten im Marinsflughaken von Hamptonroads bei Norfolk im Staate Virginia. -i° Do. X am 20. Januar starkbereik. Nach einer Meldung des „New Uork Herald" aus Lissabon, koll das deutsche Flugschüf Do. X nad) Ausbesserung der Brandschäden an de» Tragflächen nunmehr am 20. Januar wieder startbereit sein. Der Pfennig regiert die Stunde Käufermaffen strömen zu den Znventurverkäufen Was weihnachtlidzc Kauflust übrig ließ, oder wegen allzu schmalen Geldbeutels übrig lassen mußte, das wurde eiligst beiseite geräumt und blieb liegen— bis zum Jnventuroerkauf. Berge hauch- seiner S« ide n st r ü in p f e, die sich unheimlichen Fingern gleich ineinanderversdstingen,«ine haushohe bunte Hutpyramide, wahllos aufeinander gepackt, das Oberste zu unterst, verbeult, vcr- drückt, jetzt Ramschwar«, deren Preis auf Pfennige herabgesetzt ist. Flinke Verkäuferinnen, denen man die Schwerstarbeit der letzten Woche kaum noch anmerkt, haben nicht Hände, Beine, Augen und Ohren genug, das Heer der Kauflustigen zu bedienen. Großkampftag ist am Lager der billigen und billigsten Bedarfsartikel. Angestaubte Handtücher und andere Wäschegegenstände gleiten durch fachmännisch prüfende Housfraiienhänd«, die Loger der Stoff- reste und lächerlich billigen Stoff— Musseline das Meter zu 25 Pf., Flanell 65 Pf.— werden von einer undurchdringlichen Menschen- mauer umringt. Strümpfe, Hüte usw. werden wahllos, fast ohne hinzusehen, angefaßt und gekauft. Die Spiegel sind dicht umlagert. Kaum ist ein Fleckchen vorhanden, um sein Konterfei betrachten zu können. Wirtschaftsartikel sind sehr begehrt, Töpfe»nd Teller werden liebevoll beäugt, auch hier wiederum die Lager der beschädigten, iehlerhastcn und darum herab- gesetzten Ware. Billig, billig ist die Devise, der Pfennig regiert. In den Schuhläden sitzen sie dichtgedrängt. Die pilieinen, glänzenden Lackschuhe für ein Fünfmartstück ziehen magisch an: da wird probiert, die Verkäuferin muß rate», mitbcwundern, Akrobatenkunst- stücke auf der Leiter vollführen, wo sie all die Heißbegehrten aus den Regalen holt. Strümpfe. Ueberschuhe und wiederum dos Lager der ganz preiswerten Rest- und Einzelpaare. Drinnen tobt der Kampf der Käufer, gibt das Berkausspersonal sein Letztes an Kraft. . Die großen Warenhäuser und Spezialgeschäfte wurden von den Käufers«Haren seit dem frühen Morgen blockiert. Infolge des un- gewöhnlich starken Andrangs wurde z. B. dos Haus N. Israel schon in den ersten Vormittagsstunden mehrfach geschlossen. Erst um II Uhr konnte der zweite Käuferschwarm das Haus betreten. Aehn- lich ging es an anderen Stellen zu. Die sämtlichen zur Stadt führenden Verkehrsmittel waren am Morgen vollkommen überfüllt. geHallen. Der Polizeipräsident hat jetzt 1000 Mark Belohnung ausgesetzt, die dem zufallen, der zur Ermittelung der Flüchtigen beiträgt. Vermutlich werden schon t:n Laufe des heutigen Tages an den Anschlagsäulen die Aufrufe des Polizeipräsidenten, die u. a. ein« eingehende Beschreibung des Haupttäters enthalten, plakatiert werden. In der Syloesternacht wurde der lOjährige Eduard Reiser aus der Danziger Straße 75 in der Näh« seiner Wohnung von politischen Gegnern im Verlaufe einer Schlägerei durch«inen Stich niedergestreckt. Der Verletzte fand im Krankenhaus Am Friedrichshoin Ausnahme, wo er am Sonntag g est o r b« n ist. Di« politische Polizei hat die Nachforschungen nach dem Täter ausgenommen._ Kaas gegen Httler. Eindeutige Erklärungen des Zentrumführers. In Kastel Hai sid) am Sonntag Erstaunliches zugetragen:«in bürgerlicher Parteiführer hat die Kühnheit besessen, den National- sozialisten einige Wahrheiten zu sagen. Nach der allgemeinen Katz- buckelei vor den Siegern des 14. September, wie sie im bürgerlichen Lager fast allgemein üblich geworden ist, wirkt die Rede, die Herr K a a s gestern auf einer Beamtentagung gehallen hat, beinahe als Sensation. Das ist um so mehr der Fall, als Herr Kaas sonst kein großer Freund von Eindeutigkeiten ist. In Kassel aber, von einem Zwischenrufer herausgefordert, sagte er: „Wenn ich den Nationalsozialisten raten soll, dann so: nehmen sie Urlaub von der Politik! Aber möglid)st ohne Retourbillett! Denn nur so können Sie dem deutschen Volk«inen Dienst erweisen! Wenn uns nicht die Verantwortung abhielte, dann würden wir aus pädagogischen Gründen den Nationalsozialisten Platz machen, damit das dcutsd)e Volk ihre blutige Ignoranz erkennt. Aber dos Experiment scheint uns zu gewagt, weil ich nicht glaube, daß es nachher noch etwas zu retten g e b e n w ü r d e." Dr. Kaas warf dann den Nationalsozialisten vor, daß sie aus dem Reichstag ein« Aasd)emmc machten und sagte weiter: „Wir sind im Verlangen bescheidener, obwohl wir selbst mehr Wert auf den Schädel i n h a l t legen als sie aus die Schädel form. Ueberschötzung der eigenen Kraft hat das deutsche Volk zweimal ins Unglück geführt: in den Weltkrieg und in den Ruhrkampf. Diese Spuren sollton schrecken und zu anderer Erkenntnis leiten." Die Aeußerungen des Herrn Kaas sind um so erfreulicher, als sie Seltenheitswert besitzen. Denn im allgemeinen haben die bürgerlichen Parteien den Kampf gegen den Nationalsozialismus so gut wie allein der Sozialdemokratie überlassen.." Wirifchastspartei deck/ Drewitz Eolosser soll ausgeschlossen werden. Der Reichsausschuß der Wirtschastspartei bekundete am Sonn- tag dem Reichstagsabgeordneten Drewitz sein Vertrauen. Das Verhallen des Abg. E o l o s s e r, der in letzter Zeit wiederholl gegen Drewitz öffentlich hervorgetreten ist. wurde mißbilligt. Eolosser wird aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Parteigericht einstimmig aus der Wirtschastspartei ausgeschlossen werden. Der engere Prüfungsausschuß hatte den Rücktritt des gesamten Parteivorstandes oerlangt. Eurtius'(Sioßgebei. Eine Nede vor den Dolksparteilern in Pforzheim. Aus einer volksparteilichcn Tagung in Pforzheim hielt der Reichsaußenminister Dr. Curtius eine Rede, in der er sagte, er wolle ,sich für seinen„schweren Gang nod) Gens" das Vertrauen seiner nächsten Parteifreunde sichern. Der Minister fuhr dann fort: „Ich kann Ihnen nicht versprechen, daß wir in Genf in den entscheidenden Fragen unseres Vaterlandes große außen- politische Erfolge werden erzielen können, id) kann Ihnen aber wohl versprechen, daß id) meine ganze Persönlichkeit für Deutschland und für Deutsdzlands Ehre einsetzen werde. Id» hoste, den WiderHoll der ganzen Nation daiür zu finden, was id) in Genf zu erklären habe. Im gegenwärtigen Augenblick stehen die Fragen des nationalen e-taates und der nationalen Idee im Bordergrund unseres gesamten innerpolinichen Geschehens. Sie sind leider zu einem parteipolitijd)«» Kampfobjekt erniedrigt." „Das Tragische an der Lage des Außenministers ist, daß er genötigt ist, fortwahrend seine ganze Kraft darin.zu setzen, die nationalen Leidenschaften zurückzudämmen und sie in ein Klär- decken der Bernunst zu leiten, und daß manchmal auch die eigenen Parteifreunde nicht verstehen, worum der Außenminister so und nicht anders gehandelt hat." Dazu ist zu bemerken, daß kein vernünftiger Mensch von der bevorstehenden Ratstagung„große Erfolge in entscheidenden Fragen" erwarten kann. Aber selbst wenn diese Tagung mehr bringen sollte. als eigentlich zu erwarten ist, so würde Herr Curtius doch bei seiner Rückkehr mit einem vielstimmigen„Verräter"-Gcbrüll empfangen werden. Dazu sind alle Vorbereitungen bereits getrosten und die Ausführung des Programms kann durch kein Genfer Ergebnis beein- fluht werden. Die Lage des Außenministers wäre gar nicht so tragisch, wenn er nur den Mut hätte, die elend« Demagogie der Hakenkreuzler und die hoffitungslose Dummheit de- Spießbürgertums ins rechte Licht zu setzen._ Erdrutsch im Gaartal. Wohnhaus von Gcsteinsmossen zrrtrümmert. Köln a. Rh.. 5. Januar. Im unteren Saartal ereignete sich am Sonntagmiltug ein Bergrutsch, durch den ein Wohnhaus zum Einsturz gebracht wurde. Die Regenfällc der letzten Zeil hotten die Gesteiusmassei, eines mit Bäumen bewachsenen Derganlcils eines Fcldufer» unter- spült, und am Sonalagvormittag gerieten nun die Srd- und Geslelnsmasfea plötzlich tu Bewegung und verschütteten das daruntersteheud« Wohnhaus. Die auf das haus herabfallenden mehrere hundert Zentner schweren Erdmassen zerstörten da« Haus fast vollständig. Sin Rachbarhaus, für da, man gleichfalls das schlimmste befürchtete, muhte geräumt werden. Glücklicherweise kamen Personen nicht zu Schaden. „Der Pol Einzelheiien über den Stambul, 3. Januar.(Eigenbericht.) Die Untersuchung gegen die türkischen Putschisten, die kurz vor Weihnachten in M e n e m e n das kemaliftifche Reginie zu stürzen und den alten 5lhalifatsstoat wieder aufzurichten suchten, zieht immer weitere Kreise. Die Putschisten haben, wie einwandfrei festgestellt worden ist. sämtlich dem Derwischorden„Naksch- bcndis" angehört. Dieser große mohammedanische Mönchsorden u?urde im Jahre 192Z, als er sich feindlich gegen das Regime der Kcinalisten einstellte, mitsamt allen übrigen religiösen Orden gesetzlich oerboten und polizeilich aufgelöst. Jetzt stellt sich jedoch heraus, daß dieser Orden seither unverändert im geheimen weiterbe- standen l>at, in den meisten türkischen Städten„Tekke's", d. h. „Klöster", unterhielt und ungezählt« Tau sende von Mit- gliedern haben mutz. Der Putschversuch in Mcnemen ist von der Ortsgrupe Manissa dieses Ordens ausgegangen. Die Putschisten haben mst den meisten übrigen Ortsgrupen des Ordens in Korrc- spondenz gestanden: die Korrespondenz ist auigesunden worden und Hot den Anlaß zur Verhaftung der führenden Naksch- b e n d i s in Stambul, Smyrna, Konya, Balitessir, Alaschenir und Manissa gegeben. Die Nakfchbendis hatten sich im geheimen sogar wieder ein Oberhaupt gewählt, das den alten mystischen Titel „Pol der Pole" trug: dieser Führer des geheimen Ordens ist in der Stamüuler Vorstadt Erenköj in der Person eines im Rufe großer„Heiligkeit" stehenden Scheichs E s s a t ermittelt worden. Wer die Verhält- msse in den islamischen Mönchsorden kennt, der weiß, daß nornialer- der pole" puisch der Oerwische weise in diesen Orden nichts geschieht, was nicht die Ordenskeitcr befohlen haben, und die Regierung argwöhnt nun, daß Scheich Essat den Befehl zum Putschversuch in Menemen gegeben habe, um vor einem größeren Anschlag zunächst einmal die Stimmung im Lande zu sondieren. Uebcr den Putschversuch selbst werden weitere beinerkenswene Einzelheiten mitgeteilt. Es ist jetzt festgestellt, daß die Putschisten bereits zehn Tage vor dem Putsch von Manissa auszezogen find, überall in den Dörfern die Bauern zum Aufstand gegen die Regierung ausreizend. Nicht eine einzige Gemei'.rdever' tretung hat die Provinzialbehörden von dem Treiben der Auf- rührer unterrichtet; vielmehr haben die Dörfler überoll den Aufsländischen Rahrungsmittel gegeben. In Mcnemen selbst haben in dem Augenblick, als der Aufstand los- brach, die verantwortlichen Beamten der Stadt— der Präfekt, der Gendarmeriekommandant und der Staatsanwalt— in einer Weife versagt, die gegen sie den Verdacht des geheimen Einverständnisses mit den Putschisten rechtfertigt. Nur dem selb- ständigen Vorgehen eines UnterführersderGendarmerie gegen die Aufruhrer ist es zu verdanken, daß die Erhebung im Keim« erstickt wurde. Kein Wunder, daß die Zentralregierung im höchsten Grade beunruhigt ist. In Stambul hat eine Konferenz der kemalistischen Führer stattgefunden, in der beschlossen worden ist, im Notfalle über die Smyrnaprovinz den Belagerungszustand zu verhängen und die früheren Ausnahmegerichte wieder einzusetzen. Wilhelm Lehmbruck. Der fünfzigste Geburtstag eine« großen Künstlers. Am 4. Januar 1931 wäre LehmbruckSO Jahre alt geworden: er ist 1881 in Duisburg-Meiderich als Sohn eines Berg- mannes geboren. Er gehört zu der Generation der Marc, Hecket» Kokoschka, S ch m i d j- R o t t l u s s. zu der kühnen Avantgarde, die um 1919 eine neue verinnerlichte Kunst ans Licht der Oefsent- lichkeii hob. Im Jahre 1910 geschah Lehmbrucks„Envcckung", seine Befreiung von den Fesseln akademischer„Richtigkeit". Das konnte für einen Bildhauer kaum anderswo sich vollziehen als in Paris, unter dem wohltätig lösenden Eindruck des großen M o i l l o l und seiner ruhevollen Plastik. Schon 1911 schuf Lehmbruck dann sein Hauptwerk, die unsterbliche„Kniende", von der ein schönes Exemplar im Berliner Äronprinzenpalais steht. Und nun würde der stille Bergmannssohir seinen fünfzigsten Geburtstag erleben und als Deutschlands größter Bildhauer gefeiert werden, wenn er nicht am 2S. März 1919 in Berlin seinem Leben selber ein End« bereitet lstitle: wie man sagt, aus unglücklicher Liebe zu einer Schauspielerin, die erst einige Jahre nach seinem Tode ihren Aufstieg zu plötzlichem und beispiellosem Ruhme erlebt hat. Es lag freitich schon immer ein Hauch von Schwermut und gefährlicher Empfindungstiefe um diesen Mann; wer ihn gekannt hat, wird dem schweigsamen grüblerischen Bastler ein gewaltsames Ende auch aus weniger tief fundierten Gründen zugetraut haben. Lehmbruck liebte feine Kunst sehr; er dachte an nichts anderes, als seinen Gestalten die letzte Vollendung zu geben. Jinmer arbeitete er an ihnen weiter, bisweilen sogar noch, wenn sie schon fertig und ausgestellt waren. Um«ine Figur hat er drei Jahre gerungen, und er begnügt« sich nicht mit plastischen Schöpfungen, sein« Phantasie war so erfüllt von lebendigen Gestalten, daß er immer neue zeichnen, radieren und malen mußte, Kompositionen, die ausschließlich dem nackten Menschen galten, meistens dem weiblichen, in einigen Fällen dem Jüngling, Abbild seines eigenen melancholischen Wesens, wie dem„Emporsteigenden" und dem„Sitzenden" Jüngling und. Frucht seiner Trauer um das furchtbare Aölkerschlachten, den „Sterbenden Kriege r". Denn es gab für Lehmbruck nur ein Problem, als tiefsten Ausdruck feines schmerzhaften Lebensgefühls: Darstellung des inner- lich leidenden Menschen. Die verdoppelte Schwere dieses Problems war es, daß er oerlangte, seelisches Empfinden ganz rein durch Körperbewegung auszudrücken, und nur durch sie. Das bildhauerischc Handwerk beherrscht« er, dank seines rastlosen Fleißes, vollkommen. Aber es genügte ihm nicht, das schöne Dasein des nackten Leibes in seinen tausend Variationsmöglichkeiten zu erschöpfen, sondern ihm war dieser Leib nur Träger eines Höheren, eines leidoollen und tiefbewegten SeeleiMstandes. In feiner„Knienden", einem weiblichen Torso, seinen Jünglingen und Brustbildern hat er unsterbliche Gleichnisse von der Seele geschaffen, die sich ihr irdisches Gehäuse nach einem unsichtbaren Bilde erschafft und dies Gehäuse zugleich sprengen möchte wie der Schmetterling seine Puppe, weil es ihrem Drange nach Freiheit und Selbstbewährung nicht genügt. Das war der schwere Zwiespalt in feiner Kunst, den er gleichwohl glorreich überwunden hat. Der Sohn des Meidericher Bergmannes befaß ei» zu heißes und zu sehr von Liebe und Künstlerstolz erfülltes Herz, um nicht zuletzt an seiner Aufgabe zugrunde zu gehen. Wie P a s c i n, der im vorigen Jahre ihm im selbstgewählten Tode nochfolgte, hat er an einem letzten, vielleicht halb zufallsmäßigen Widerstande des Lebens zerbrechen müssen und sein Werk als Torso hintertasscm —_________________ i.„fauk g. Andree-Ausffeslung in Giockhokm. Die große Ausstellung der Ueberrefte der Andräe-Expedition wird am Dienstag in Stockholm eröffnet. Besonders auffallend ist die große Anzahl der auf der Weißen Insel gefundenen Gegenstände, die die drei Forscher viele hundert Kilometer weit auf ihren Schlitten über schwierigstes Gelände gezogen haben. Einige Aufzeichnungen. die man früher nicht bemerkt hatte, find inzwischen noch gesunden worden. Während man früher glaubte, daß die Eintragungen vom 17. Oktober das letzte Lebenszeichen gewesen sind, ist jetzt in Strind- bergs Kalender eine Notiz vom 18. Oktober über Andröes Geburtstag gejuirden worden. Neben Strindbergs Kalender befindet sich ein tieines Buchzeichen mit dem Bild des Ballons und den Worten„Ich tonn dir nicht folgen". Man vermutet, daß es der Abfchicdsgruß von Strindbergs Braut war. Emiriii der LtSA. in die Rerner Konveniion Dem amerikanischen Abgeordnoienhause liegt ein Gesetzentwurf des Abg. Albert H. Vestal vor, der den Eintritt in die Berner Ilebercintunft zum Schutze der Werke der Literatur und Kunst vor- bereitet. Die Patentkommijsion, der die Bill überwiesen wurde, Hai in den letzten Monaten unter Vestals Vorsitz 52 Sachverständige und Intcresscnoertreter aller Zweige des Urheberrechts befragt. Ihre Mehrheit Hot den Eintritt der US'A. in die Uebcreinkunft empfohlen. Die Vill würde, wenn sie Gesetz wird, die beiden Haupthindernisse eines Beitritts der USA. beseitigen: die Copyright- und die Manu- facturmg-Klousel. Die erster« Zwingt bekanntlich, jedes in den Bereinigten Staaten zu schützende Werk mit einem besonderen gesetz- lichen Urheberrecht svorb« halt zu veröffentlichen. Ferner müssen vor jedem Vorgehen wegen Copyright-Verletzung zwei bzw. ein Abzug beim Copyright-Amt hinterlegt werden. Beide Bestimmungen will die Vcstal-Bill beseitigen. Sie sieht eine Registrierung beim Eopyright-Amt in Washington in der Art eines Grundbuches des Urheberrechts vor. Endlich will die Vestal-Bill die Manusacturing- Ktausel auf die Werke der Bürger der USA. beschränken. Mary Mgman aus der Amerikasohrk. Mary Wiginan hat, wie uns telegraphiert wird, ihre amerikanische Tournee mit einer Reihe von Tanzabenden in New Jork begonnen. Das Chanin-Theater, in dem die Künstlerin austrat, war seit Wochen ausverkauft. Mary Wigman wurde von dem Publikum stürmisch gefeiert; die New- Dorker Zeitungen brachten spaltenlange Berichte über den„größten Erfolg, den eine deutsche Tänzerin in Amerika je gesunden hat". Der Danziger Rechlsblock ersetzt den langjährigen Präsidenten Dr. Sah in durch Dr. Z i e h m lDnat.) und verteilt die zwölf hauptamtlichen Scnotorposten aus Deutschnationale, Deutsche Volks- Partei. Wirtschoftspartei und Zentrum. Die Sozialdemokraten sind ausgeschieden. Der Reichskanzler hat seine Ostreise angetreten, er ist heute in Lauenburg in Pommern. Der Remarque-Tilm..Im Westen nicht» Neues" ist trotz Verbot In Linz geladenen Gästen vorgeführt worden: deshalb fall ein Straf» verfahren eingeleitet werden. Welker für Derlin: Zeitweise heiter mit Nachtfrost, auch Tages- temperaruren nur wenig über Null. Abflauende westlich« bis nord- westliche Winde.—.Tür Deutschland: Im größeren Teile des Reichs ruhiges, vielfach heiteres Wetter mit verbreiteten Nachtfrösten. Im Nordoste» noch unbeständig. Das Kind auf dem Blumenbrett Wird von der Feuerwehr im Sprungtuch aufgefangen. Minuten fieberhafker Spannung erlebten am Sonnkag- abend die Tußgänger In der Renen k ö n i g st r a h c, un- weit des Alexonderplahes. Die Eltern eines vierjährigen Knaben hatten ihr Kind ins Bett gebracht und waren nach einiger Zeit in dem Glauben, daß es .schlief, noch etwas ausgegangen. Das Kind aber stieg, nachdem die Eltern fort waren, aus dem Bett, Uetterte aufs Fenster, drückte die Fensterscheibe ein und kroch dann, ohne sich merkwürdigerweise zu verletzen, auf das Blumenbrett. Das alles vollzog sich in der Höhe des vierten Stockwerkes. Die Fußgänger, die das Klirren der Scheibe gehört hatten, sahen zu ihrem Entsetzen das Kind, das vor dem Fenster iin vierten Stock herumkroch. Sie riefen die Feuerwehr, die nach ein paar Minuten erschien. Mit einem schnell ausgebreiteten Sprungtuch fing sie den Knaben, der tatsächlich hcruntcvsprang, ouf; er war unverletzt. ablesen. Kaum mar er im Korridor, da betrat durch die Laden- tür ein anderer junger Mensch das Geschäft. Frau D. ging nach vorn, weil sie annahm, daß es ein Kunde sei. Der Mann tat, als ob er etwas kaufen wolle and zeigte auf«inen Gegenstand, der in einem Regal war. Als die Frau sich umwandte, wurde sie auch schon von dein falschen Gasmann niedergeschlagen. Auch der vermeintliche Kunde ,tnm hinter den Ladentisch und stürzte sich auf sie. Frau Dahlkc, versuchte, um Hilf: zu rufen, die Räuber aber drückte» sie niedeir und stp-ks�- ihren Kopf in den mit Wasser gesülltcn Auiwisch-eimer. zg�.id der eine sie festhielt, riß der andere die Kaste aeif. in fc-er h-�rau die kassierten Mieten zun: Abholen bereitgell igt atte. Es waren etwa 139 9 Mark, die der Täter an sich'„.--m. Beide Leute flüchteten und entkamen, nocks ehe die Freu sich erHoll hatte. Vollkommen durchnäßt lief sie uwicr lauten Hilferufen den Räubern auf die Straße nach, sie waren aber bereits verschwunden. Beide müssen die Verhältnisse ganz genau gekannt haben. Dos Geld sollte heute abgeholt werden. Davon müssen die Burschen Kenntnis gehabt haben und verübten die Tot, noch che jemand kommen konnte. Raubübersall im Laden. PZÖO Mark Mietegelder geraubt. von zwei tmbekannlen Burschen wurde heule früh in Moabit im hause Ealoinstraße 1 ein Uebersall verüb«. Auf dem Grundstück Eatvinstraße 1 betreibt die 32 Jahre alle Frau Anna D a h l k e ein kleines Weißwarengeschäft. Das Haus bildet init dem Hause All-Moabit 112 eine Ecke, die der Grund- stücksgesellschast Hungaria gehört. Frau Dahlke ist nebenbei auch Verwallmn und beauftragt, die Mieten einzuziehen. Am Montag- früh war sie gerade damit beschäftigt, ihren Laden aufzuwischen Plötzlich klingelle es an der Hintertür und es erschien«in jüngerer Mann, der angab, er wolle den Gasmesser Spritdiebsiähle in Breslau. Breslau. 5. Januar. Bei der Reich s monop vlo er w altung für Bronnt- wein, Abteilung Breslau, sind in den letzten Tagen von der Zoll- fahndungsstelle Breslau große Diebstähle von Monopolbranntwei» festgestellt worden. Nach den vorläufigen Angaben sollen etwa 19999 Liter Branntwein im Werte von 59 bis 69999 Mark ge- stöhlen worden sei». Als Täter wurden ein Buchhalter, ci» Expedient und drei Arbeiter ermittell und in Haft genommen. Als Abnehmer des gestohlenen Sprits wurden einige Breslauer und auswärtig« Gastwirte und Aussteller festgestellt, die zum Teil fest- genommen wurden. Nähere Angaben können zur Zeit im Interesse der weiteren Ausklärung noch nicht gemacht werden. „Lieber Freund Bölsche!" Gerhari Hauptmanns Glückwunsch. Gerhart Hauptmann, einer der Freunde aus dem Kreis von Friedrichshagen, hielt bei der Feier, die von der Gemeinde Schreiberhau zu Ehren des 79Iähr:gen Wik- Helm Bölsche veranstaltet wurde, eine Ansprache an den alten Freund und Mitkämpfer aus der Zeit des Na- luralismus: Lieber Freund Bölsche! Wenn ich mich erhoben habe als letzter Redner, bevor wir aus- einandergehen, ist es nur, um den immerwährendeii Glückwunsch meines Inneren für Dich in diesem weihevollen Augenblick nicht unausgesprochen zu lassen. Siebzig Jahre, znin größten Teil der Arbeit gewidmet, l'-egen hinter Dir. Es war Arbeit für die deutsche und die Menschhcits-» Kultur. Scheinlos, treu, ausdauernd hast Du in diesem Leben gedient und den Dank Deines Volkes in Deinem Wirken gesunden. Als ein wahrer, freier und echter Aolkslehrer hast Du Hundert- tausend«, ja Millionen von Deutschen. Männer. Frauen aller Stände, jung und alt, belehrt und ihnen das Walten Gottes in der Natur und d«r Natur in Gott erschlossen. Du hast ihnen die Arbeit ihrer Dichter, Denker und Forscher immer wieder vorgeführt und Dir so von dieser wie van jener Celle allgemeinen Dank verdient. Das Interesse für die Natur und für die Wissenschast von der Natur ist, zumal in Deutschland, zu einem sehr erheblichen Teil allein durch Dich geweckt, gefördert und lebendig erhallen worden. Was sich in deinem Wesen manifestiert, ist allerdings weniger der Geist der platonischen Akademie und ihrer deutschen Ableger, als etwas vom Geist des Sokrates, der gleichsam spielend lehrte, wo er gerade ging und stand, aus Gasten, Märkten oder Turn- platzen, unter einer schönen Platane gelegentlich, aber wohl kaum 1« in einem akademischen Zllrditorium. lind wer Dich kennt, Deine Schriften lenill, der kennt auch Deine solratisch« Ironie, eine Ironie verbunden mll Güte, die Du, mild, verstehend und verzeihend, auch der Mens�enwell entgegenbringst. Und, lieber Freund, in Deinen Adern rollt Dichterblut- Wie bei Goethe und Ernst Haeck.l, denen sich ein wahloerwandtes Wesen innig verbunden ljat, hat der Forscher den D chter nicht unterdrückt. u>ch diese Verbindung von Dichten und Forschen begründete Dein naturhajtez Sehcrtum. Ost, wenn ich Dich beobachtete, lieber Freund in Deiner heiteren, gelassen in sich ruhenden Menschlichkell. oder wem: ich an Dich dachte, wie Du in den Wcrldbcrgen Schlesiens gleichsam eingewurzelt lebst, kam es mir vor, als ob Du dem Herzen der Natur weit enger als wir anderen verbunden feist, daß Du mehr misten müßtest als wir von den Geheimnissen de? Baumes, des Wassers, des Gesteins und der Lust. Gewisse Schranken, so schien mir, die uns abschließen, bestünden für Dich nicht, vielleicht vernichtet durch Deine N a t u r l i c b e. Himviederum war es, als ob ihrerseits die Natur Dir ein« schützende Hülle umgelegt hätte gegen die Unbilden der Menschen- meli Ich erkannte wohl, daß Dir Sucht nach äußeren Ehren und gegnerisches Gebaren keine Stunde verderbe» tonnten. Immer, soweit ich Dich kennengelernt habe, gab es in Deinem Gemüt nur zwei Zustände: den sachlichen Ernst des Lebens und der Arbeit und die große, überivindende Heiterkeit. Etwas dazwischenliegendes Süßsaures gab es bei Dir nicht. Und wo ich das Glück Halle, mit Dir zusammen zu sein, bist Du im Gang der Gespräche immer unmittelbar von einem Zustand in den andern übergesprungen. In diesem Zeichen grüße ich Dich, nämlich dem Zeichen des Rrnstes, in dem Zeichen der überwindenden Heiterkeit. Oft und oft im Lause des Lebens ist das eine und das andere von Dir auf mich übergeströmt, und es ist mir vergönnt gewesen, oft und oft von Dir belehrt zu werden und mich an Deiner naturgegebenen Weisheit zu warmen. Dafür sage ich Dir heute und immer innigsten Dank, und ich lege zum Schluß den Finger auf jenen Goethe-Vers, der ein Lieblingsvers Ernst Haeckels war und uns ollen geläufig ist— eine heiter gelassene Frage—, die zugleich die Antwort enthält—. es ist recht eigentlich Dein« Frage imd Deine Antwort: Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen, Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare. Aii»ifc»rmg javaniichcr Walerei. Wie bce Amtliche Preußische Presse- diclnt imltcilt. wird die große Autltellunc, von Werken lebender jap anijcher M o I e r om SonvaberS, dem 17. Fanvar, mittag» 13 Ubr, iwr geladenem Publikum eröffnet werden,-sie wird vcranitaltet in den Räumen der Akademie der Kilniie am Pariser Platz 1. Die AuSitelllmg besiebl auS 169 durch ein belondcreZ Komitee in Japan autgeiräblien Vi dern. ..Ilvnd um den Pülen-prah" Ist der Tilcl des dieSffibrlcen Koi'üin'effcS. da» die PoilSdübne gemeiniam n-it dem Personal ibrcS Tbcaler» am Alllow» i'iatz am Sonnabend, dem SI tZanliar, im Sportpalast veranst-ület- Zur Mitwutiilia wmdcn u.a. ftnit iRenobmigung der Direktion der eoeala) die Alired Iackwii-EirlS vcrpstichtct. Auch andere lstnstlcrische Darbietungen werden stattmide». Cinlatztmten 2,00 Work, Rlchiinitglieder zahlen 50 Pf. um Saaleiiigang nach. Klarheit im Ruhrgebiet Abwehr gegen die Llniernehmer und gegen das Treiben der RGO. Bochum, 5. Oatiitar,(Eigenbericht) Die beiden großen Konferenzen in Bochum, die Ruhrreoier- Konferenz des Bergorbeiterverbandes und die Tchachtdelcgierten- konferenz der' RGO., haben über die Logs im Ruhrbergbau die wünschenswerte Klarheit gebracht. Die Borgänge auf den Ruhr- zechen tn den letzten Tagen lassen sich nick)t mehr als Streik bezeichnen. Es geht bei diesen Kämpfen nicht um die Lohn- frage im Bergbau. Eigentlich überhaupt nicht um die Interessen der Bergarbeiter, deren Lage in dieser tariflosen Zeit gewiß nicht rosig ist. Der NGO. kommt es, wie es von langer Hand geplant ist. «« auf eine Zertrümmerung und Diskreditierung der Gewerkschaften und auf die Gründung eines roten Bergorbeitcrnerbandes an. Dieser Zweck wird mit allen Mitteln des Terrors verfolgt, mit der Zlbrieiselung der Zechen durch Jrauen- und Kinderkolonnen und durch Erwerbsloseaftoßtrupps, die vielfach gor keine Bergarbeiter sind, durch Mißhandlun- qe«. angefangen vom Schlagen bis zum Schießen, und durch«ine fchamkose Lügenpropaganda in Flugblättern und in der Presse. Denn dal>er auf einzelnen Zechen über öl) Proz. der Belegschaft nicht einfahren, und wenn heute auf 30 bis 3Z Zechen 30 000 bis 35 000 Bergarbeiter Nicht zur Schicht jjehen, so sind das noch lange keine streikbereite Arbeiter. Die Bcrgarbciierverbönd« sind entschlossen, das Porgehen der RGO. sich nicht länger gefallen zu lassen. Die Bergarbeiterschaft wird schon am Montagmorgen bei der Frühschicht geschlossen und gerüstet den Weg zur Arbeit nehmen, da die RGO. am Sonntag in Bochum beschlossen hat, am Monkolg mit alter Gewalt die Wege zu den Zechen zu oerriegeln. Wüster sollen die Nergarbeiierführer H u s t ma n n und I m b u s ch -• R0Ö-«Äonfer angeblichen Schachtdelegicrtcn und 4t'(gchfr m" besucht war und in der der berüchtigte Verbrecher M a r g i r.-.'.Bochum spr ach, erklärt in einer Entschließung äusdrück- lich als einen roten Bergarbeiterverband zu gründen im» sprach sich chfien aus, daß in dem jetzigen Terror die einzige Möglichkeit dazu lieg«. In den nächsten Tagen würden im Rnhrgebikt Mafsenipeisungen von der IAH durchgeführt werden. Die Konferenz des Vergbemindustriearbeiterverbandes befaßte sich mit den Lohnnerhandlungen im Ruhrbergbou. Das Bor- � ständsmitglied Mar t m ö l le r berichtete eingehend über die Sohn- Verhandlungen. Er wies darauf hin, daß die Unternehmer«inen Lohiwbbaü von 1Z Proz. forderten mit dem Bemerken, daß eigeni- lich sinsfLohnssnkung von 2 0 Proz. notwendig wäre, Sie beriefen sich' M den Praduktsonsriickgäng»nd die' Kohlenstreissenkiing," nach ihrer Angabe eine EbläSMindcruNg von'I.SO'M o'itt hr'O Tonne bringe. Außerdem verwiesen sie ous'd i'e r ü ck lau f i g e Bewegung des L e b e n s h a l t u n g s i n d c x(!). Am Ende der zweitägigen Schlichtungsvsrhandlungen End« Dezember waren die Unternehmer bereit, sich mit einem acht- prozentigen Lohnabbau abzufinden. Di« Berg- arbeiter Vertreter waren bereit, unter den gegebenen Bcr- 1 HSUnissen für vier Prozent zu stimme». Zu diesem Entgegenkommen veranlaßte sie nicht die Ueberzeugung, daß die wirtschaftliche ' Lage des Ruhrbcrgbaues dieses Angebot orsordere, sondern die Erwägung, auf diese Weise zu einer Lösung des Lohnkonflikts zu kommen. Da der Schlichter auch nicht mit den Arbeitnehmern «stimmte, mußten die Verhandlungen scheitern. Es ist also nichtsowiedieKommunistcnbehaupten, daß die Gewerkschaftsvertreter für einen siebcnprozentigen Lohnabbau waren. „Nachdem wir," so schloß M a rt m ö lle r,„auf diese Weise einen tariflosen Zustand erreicht hoben, ist«s zunächst die Hauptausgabc der Delegschasken, einen neuen Abschluß von Arbeitsverträgen mit uiedrigercn Löhnen abzuwehren. Wenn die Grubennniernehmer es dann aus eine Aussperrung ankommen laffen. dann werden wir dcu uns aufgezwungenen Abwehrkamps mit Entschlosieuheit führen. Dieser Kampf wird eine andere Note tragen als der unsinnige Putsch der Kommuuisteu. der 1 nur den Unternehmern nützt." In der Aussprache wurde die Haltung der vcrbandsleituug einmütig sür richtig anerkannt. Ganz entschieden wurde die kommunistische Pulscherei verurteilt.„Die Armut der Bergarbeiter." so führte ein Bergmann aus,„verträgt keine wilden Streiks." Mit scharfen Worten wurde auch da? verhalten der Gruben- Unternehmer gebrandmarkt. Die Itollage in den Bergarbeiter- familieu sei infolge der Millionen von Feierschichten ungeheuer groß. Es sei ein sehr gefährliches Spiel, durch rigorose Lohnabbausorde- rungen die Bergarbeiter in eine Verzweiflungsstimmung hineinzutreiben. Nachdrücklichst wnrde noch betont, daß sich die Bergarbeiter auch weiterhin vertrauensvoll hinter die Organifationslettung stellen wer- den und bereit sind, ihren Anweisungen zu folgen. Als Ergebnis der' Beratungen wurde einstimmig eine Eni- schließung angenommen, in der die maßlosen Lohn- abb au forde rungen der Zechcnbcsitzer als ein wirt'chqttiches und soziales Unrecht mit Entschiedenheit abgewiesen wurden. Di« . Bergarbeiter werden ausgefordert, keine neuen Arbeits- Verträge zu niedrigeren Löhnen abzuschließen. Die Konserenz verurteilt aufs schärfste die unsinnigen arbeiterfeindlichen Putfchver- suche der Kommunisten, die die Interessen der Bergarbeiter schädigen und nur Wasser aus die Mühlen der Unternehmer sind. Mit Eni- rüstung wendet sich die Konferenz gegen die groben Lügen der kommunistischen Presse und Redner über die Führer des Verbandes und spricht tu?r Organisationslcitung das Vertrauen aus. Am Sonntag nachmittag waren im Ruhrgebiet zahlreiche Versammlungen, in deren Berläuf sich die Bergarbeiter mit den Be- schlüssen und dem Beriauf der Konferenz einverstanden erklärten, Welch großes� Interesse Maskau an den Vorgängen im Ruhr- gebiet'.nimiirt,, zeigt die Anwesenheit zweier, Vertreter der „P r a w d a". die versuchten, in bis Reoierkonserenz des Berzarbeiter- verbästdxs. zu,sgelangeu,. v,,: � Gtegerwald will vermitteln. Reichsarbeltsminlster Dr. Skegerwald Hot sich heute in dos Auhrgebiet begeben, um an Ort und Stelle vor dem Beginn der Schlichtungsverhandlungen mit den Parteien Fühlung zu nehmen. Heute nachmillag um 3 Uhr ist in Dortmund«ine Besprechung i zwischen dem Reichsarbeilsmin isier und dcu führenden Persönlich- l kette» der Sergarbeiter. einige Vertreter der Antermchmer find z» Besprechungen mit dem Minister ans S Ahr abends ebenfalls noch Dortmund geladen worden. Der Schlichter. Prof. Dr. Brahn. hol die am Lohnkonflikt im Ruhrbergbau Beteiligten beider Parteien zu Mittwochvor- mittag W/s Ahr zu Schlichtungsverhandlungen in Essen eingeladen. Das Treiben der Gireikmacher. TZerbrecherische Llebersällc auf Arbeiter.- Sturm auf Polizeiwache.- Sabotageakt. Dortmund. 5. Januar.(Eigenbaricht.) In Dortmund-Mongede verübten die Kommunisten am Sonnabendabend einen planmäßigen Ueberfall auf zur Nachtschichr gehende Arbeiter, die von einem Garten der Kolonie in der Dönn- straße aus beschossen wurden. Zwei Söhne eines Bergmanns, die ihren Vater begleilelcn, wurden von Pistolenkugcln getroffen. Der eine worde durch einen Bruftschuß getötet, der zweite durch einen Obcrschenkelschuh schwer verletzt. Als die Täter kommen der Mengeder K o n, m u n i st e n f ü h r e r Kirch und ein gewisser Josef Eckert in Frage. Eckert wurde am Sonntagmorgen ver- haftet, Kirch ist noch flüchtig. Die Polizei beschlagnahmte kurz nach der Tat z a h l r e i ch e S ch» ß- u n d S ch l a g w a f j c». Meers, a. Rh., 3. Januar.(Eigenbericht.) In Lintfort bei Moers oersuchten mn Sannabend in später Abendstunde etwa 2000 Tunmltuonten die Polizeiwache z n stürmen und zwei Verhaitete zu befreien. Als die Polizei schließlich gezwungen wurde, nach dem mißlungenen Sturm einzugreifen. wurde aus feiten der Angreifer ein Mann gctötcr. Zwei Personen wurden schwer und zehn leicht verletzt. Von den Leichtverletzten sind kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus zwei geflüchtet. , Bochum. Z. Januar.(Eigenbericht.) Auf Schacht Wilhelm der Zeche Pluto bei Wanne-Eickel wurde am Sonntagabend ein Sabotageakt oerübt. Zwei F ö rde r wagen wurden von bisher unbekannten Tätern in den Schacht geworfen, mn die Förderung unmöglich zu machen. Der Schaden beträgt etwa 23 000 Mark. Ein Teil der Belegschaft konnte nicht einfahren. Rollkommando ausgehoben. .3m parieibüro der KPO. Bochum, 5. Januar.(Eigenbericht.) Die Bochumer Polizei hat in der vergangenen Rachl das Partei» büro der KPD. ausgehoben, das einer Erwerbslosenstafscl als Nachfrager diente, die die Aufgabe Halle, am Monlagmorgen oui den Bochumer Zechen, insbesondere auf der Zeche Präsident, gegen die Arbeitswilligen vorzugehen. Ueber 100 Mann tonnten überraschend festgenommen werden. Unter den verhafteten befinde!, sich fast sämtliche Führer der örtlichen Kommunistischen Partei. Gevering spricht! An Stelle des Interviews, der Woche spricht heute. Ist. 13 Uhr,. im Programm der Aktuellen Abteilung Dr. Carl Severing, der preußische Minister des Innern, über„Die Lage im Ruhr- gebiet". Scrantwortl. für die Redaktion: K«rd»t L«»e«e. Berlin: Äiuieizen: Td. 6I»rfe, Berlin. Berten: Vorwärts Berte»©. m. I>. S.. Berlin. Bruck: Lorwärts Bue» druckerei und Brrlazsaustelt Paul Singer 6c Co.. Berlin SB KS, Liudcnstruile Z. Aierzu 1 Beilage. Winn*r -Oarfen 8 � Hin. Ztolr. 2819. budin ertwM. Codonis/ Lettscl/ S Sang* 8 Süperb'* /■ Broker'» BSranscHau usw. ROSE TH B ATE R | Cral* Frank, artrr Strtfa 132 | Biileilt»««: Alex 3«22 n. 3*9-1| ir-Soie: atnmben«: Fltti) I U«9l»«r DieDoIIarprinzessin schrf Ilit die Fre#»es „Bhctzavbert BührnnMHtr, 1 vetHärktes OrcheslertVer. I gvoßtrirr Chor st* Caminn 1 DovsteJltr sichern dem Volks• f theater im Berliner Osten viele j atmet kaufte V erstell wegen.* TdgUdi 8.15 Uhr Sonntags 2.30, 5.45 find 9.00 Uhr. { g!. 8. 1 5. Sonna b. 7.00 o. 1 0.1 5| I Familien- Nachmittafe 530 uhr 1«!td, Mamsell Nitoodie Opereue von Hctve TtilniBB. AdäOlCTt liilwl Piscalnr-SOimc (U'allner- Theater) Alex. 4592-93 8'/« Täglich 8 V« Mond tod links Preise 8.50-6.08 M. Ehigspiel in vielen Bilder«. I Csm. Splr*. Hansen. Ueske, Wallharc. Arno. Jnnhnlin, Panl HSrbicer, I�nr-, Sehne(fers, Wlnhelstern. Boll*, Demi, Stark.«stetteabauer. «rlginal Tiroler Hatseheatgaser. Original Tiroler Jodlerlnnen-Onlntrlt,! Hnsik-Trl* ans Sebllersce. j Jara-Band; Girl* n. Kojs/ Grosse Chftre. i entspreehond sind, trots de- Ii! J*" �«"»r-enge». oe >dl« Goaren preise»n, aftei»/ 0 mkMlgt. .Sonntag»S B 1 1—— Origlnsibeicizoag Nadmlllag Billige Preise Regie• Sufc Jamwsky-ilBliiiRi Tbeaier Ib der StmtflMDBSTr. S1/« Uhr Gastspiel Ein idealer Satte mit Harry Licdtkc Komödienhaus »'/« Uhr Cocktail von kolliomlw nJeatfly BerlificrTkcaf. S1.� Uhr ElisäOtth gerprr in Mn. Cheney? S'afiü (.astspieihaus Kurt Götz Täglieli SVi Uhr Vom lieben und Ladien uer�uie INSvZl euieshnder Kottbusser Str. 6 F. 3. Oberb. 6070 Tägl SU« Uhr Sonntags nO S' iUST .Da.: ivtsclit uns keiner nach' küt Cj«:»!(! Clalrt WBIdOlt! ilrtte. imHirt knlo! Betts hnait« km .Tlrlmif'iMo", M». ieübttten, Tlurteer- s-ctratra, ilixi!:. tenaufs. SeN.r, Gi&rr.arhefittonc. achtzehn, ficiitfiobrn Musikinstrumente kinlpiaust, Aieeau» ptelowtrt. IBtenotabrit Link, jStonnenftcoSt 33. Tticaier am SdiiffDauerdamm Norden 5813 u. 0281 Figllch 8V« Uht Die Ünadralor des Kreises Lustspiel v. Katalea ait:(Srbtr, 1«;j, Rah- Bin. Um. litjis, Preise von l— 12 M {Blsats- tnfiqeL stRitfenlafl«, Bech. »ein, Ihrer. löteinnsct), Schtvech. _______________ ten. �nlonutenos IMiN i. ÄAlKüt�brauchte AbÄ Täglich 6'. �74��°""' 8e»«atj»»eller Dperettesertalkt 4 Vikionis unailiekilussr lilejne5 Thvitt. Täglich 8'/« Uhr: Oer gr. Lacherfolg Oer WüstBrne»? Seh trank in 3 Akten jKauiBssüciiel Adb«aebi5«, |g?teti»k*hHl0t. C3f* siiTU. Blei. Oufcf. Klbcr,SiIbenÄme'ze (öolbfcfcmp.l'.rrci CTbctflionör, bTöpes ntd'ffrflrtine 30- »clttürüe Adalberts ilräieo• Aeilage Montag 5. Januar 1931 OrrAbfnÜ Sfmlrmlpißi Jm l6f»tü6 Fridericus and die Folgen Wie die Hohenzollem die„Wacht am Rhein" hielten Der neue Fridericus-Film rujt die Crimierung an einen Prozeß «ach. in dem die chohenzollern ebenfalls eine bedeutsame Rolle spielten und— eine empfindliche Niederlage erlitten. Im Verlag der„Hannoverschen Landeszeitung" hat Dr. Paul Bartels miter dem Titel„Die preußische Geschichte vor den Schranken der Justiz" die aktenmäßige Darstellung eines Presse� Prozesses gegeben, der vor fast 40 Jahren vor dein Landgericht in Kassel und dann vor dem Reichsgericht verhandelt wurde. Der Prozeß ist deshalb interessant, weil der damals Angeklagt», der Re- dakteur W. Hopf von den„Hessischen Blättern", mit einem Teil der Hohen zollern-Legende und mit der offiziellen Ge- schichtssälschung erfolgreich aufgeräumt hat. In mehreren Artikeln hatte Hopf die preußische Geschichte von 1648 bis 1866 au Hand sorgfältig zusammengetragenen Materials einer scharfen Bs- leuchtung unterzogen und den Nachweis erbracht, daß die Politik Preußens in jenem Zeitraum fast niemals etwas anderes als reichsfeindlich gewesen und bei vielen Gelegenheiten sogar auf planmäßige Reichsverrälerei hinausgelaufen ist. Hopf wollte den der damaligen öffentlichen Meinung Preußens unmöglich erscheinenden Beweis erbringen, daß die Politik dieses Staates erst ganz zuletzt(nämlich als feine Vormachtstellung in Deutschland gesichert war) auf die Schaffung eines«inigen Deutschen Reiches— früher dagegen nur auf dessen Schwächung und Zerschlagung— gerichtet gewesen sei. Zum Nachweis dessen erwähnte Hopf vor allem die Durch- ftechereien und Reichsverrätereien des sogenannten Großen Kur- s ä r st e n, das Streben Friedrichs I. noch Frankreichs Unter- stützung bei der Erlangung der Königskrone, ferner die von Zeit- genossen„Wegelagerei" genannten schlesischen Raubkrieg« Friedrich II.(Großen), deren zweiten er— wie er während des Krieges selbst an Ludwig XV. schrieb— nur unternahm, um Frankreich das Elsaß zu retten. und schließlich die mit viel Geld unternommenen Persuche Friedrich II., die Türken, die damals eine europäisch« Gefahr bildeten, zum Kriege gegen Oesterreich, also die Haus- macht des Deutschen Kaisers, dessen Untertan er war. anzustiften. Friedrich II. reichsfeindliche Haltung war schließlich so ausgeprägt, daß der russische Minister Graf Ponin Preußen als einen russischen Vorposten in Deutschland bezeichnen konnte. Hopf zeigte vor ollem, daß die Ueberflutnng Preußens durch die Franzosen im Jahre 1806 nicht möglich gewesen wäre, wenn die Preußenkönige Friedrich 9$! l h« l m IT. und Friedrich Wilhelm III. sich nicht zu sorgfältigen Sachwaltern Frankreichs gegen die Interessen des Reichs hergegeben hätten. Noch nach der Niederlag« Oesterreichs bei Austerlitz(2. Dezember 1806), also kaum ein Jahr vor dem Zusammenbruch Preußens, ließ Friedrich Wilhelm III. sich das Reichskurfürstentum Hannover schenken, um dafür das Recht Frankreichs auf Eroberungen im Reiche ausdrücklich anzuerkennen. Die auf zahllose Beweise gestützte Behauptung Hopfs, daß der sogenannte deutsche Benif Preußens und dessen deutsche Politik erst eine Erfindung der letzten 60 Jahre sei, glaubte die Staatsanwaltschaft in Kassel nicht unwidersprochen lassen zu dürfen. Sie eröffnete gegen Hopf ein Verfahren wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen(nämlich des preußischen Königtums), groben Unfugs und Majestätsbcleidigung, obwohl die Könige, von denen er die geschichtliche Wahrheit ausgesprochen hotte, längst tot und lebende Angehörige des Hauses Hohenzollcrn gor nicht erwähnt worden waren. Di« Strafkammer des Landgerichts Kassel lehnte die Eröffnung des Haupwersahrens ab. Eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht hatte den Erfolg, daß dann tatsächlich vor dem Landgericht verhandelt und Hopf freigesprochen wurde. Der von der Stoatsanwaltschoit geladene Sachverständige hatte, obwohl er der kleindeuischen, also preußisch orientierten Schule angehörte, bestätigen müssen, daß Hopfs Feststellungen geschichtliche Tatsachen sind. Gegen das freisprechende Urteil des Landgerichts meldete die Staatsanwaltschaft Revision an. Die Verhandlung vor dem Reichsgericht endete wiederum mit der Freisprechung Hopfs. So sehr man sich auch über die krompshasten Versuche, die Ehre Preußens durch ein Gerichtsverfahren zu retten, wundern nmß, so sehr ist die Publizistik der Staatsanwaltschaft geradezu Donk schildig, daß ihr Gelegenheit gegeben wurde, wesentliche Momente teils aus dem Dunkel, teils aus der höfischen Verklärung der preußsschn Geschichte herauszuheben und von einem königlich preußischen Gericht als wahr feststellen zu lassen. In seiner Verteidigung?- rede war es Hopf möglich, ziemlich ausführlich auf die Einzel- heiten einzugehen, die er in den Artikeln der„Hessischen Blätter" nur streifen konnte. Eine ganze Reihe der Ereignisse, von der die olkizielle Geschichtschreibung nichts wissen will, sind in der später 1 erschienenen.Höhenzollern-Legende" Maurenbrechers behandelt worden. Die Darstellung des Prozesses in Broschürenform gibt ein sehr gutes Material in die Hand, das zeigt, wie gut die verschiedenen Inhaber des preußischen Thrones sich mit dem„Erbfeind" standen. wenn er ihnen Vorteile gewährte. So schloß der sogenannte Große Kurfürst mit Frankreich am 24. Februar 1666 ein Defensivbündnis, in dem er sich verpflichtete, den, französischen Könige gegebenenfalls eine ansehnliche Truppenmacht „für Metz, Toul. Verdun, das Elsaß, den Sundgau, Breifach, Philippsburg, in Summa für alle durch den Münsterfchen Frieden (gn Frankreich. D. Red.) abgetretenen Territorien" zur Verfügung zu stellen. Das Bündnis sollte eine Zurückeroberung des Elsaß durch den Kaiser verhindern! Aus einem am 21. Dezember 1660 zwischen dem Großen Kurfürsten nnd Ludwig XIV. von Frankreich abgeschlossenen G-hermvertrag geht hervor, daß der Kurfürst schon früher im Solde Frankreichs gestanden hotte. In dem Vertrag von 1670 garantierte der Kurfürst den Truppen Frankreichs, wen» sie ins Reich kämen, den Durchzug durch seine Staaten. Der brave Hohenzoller, Untertan des Kaisers, verpflichtete sich in dam Vertrag auch, bei der nächsten deutschen K a i s e r w a h l seine Stimme dem König oder dem Kronprinzen von Frank- reich zu geben. Der Vertrag von 1681 galt der Unterstützung Frankreichs durch den Kurfürsten bei dem damals beabsichtigten Raub Straßburg s. Durch den Vertrag von 1682 übernahm der Kurfürst die ausdrückliche Verpflichtung, Frankreich im Besitze Straßburgs zu erhalten. Die Wacht am Rhein stand damals also besonders treu und fest! Diese Hüterschast und andere reichsfeindliche Leistungen wurden dem Kurfürsten weist durch französisches Geld honorier!, das er in Farm von Jahressolden bis zur Höh« von 900 000 Livrcs bezog. Friedrich Wilhelm II. oermietete im Hanger Vertrag vom IS. April 1804 60000 Mann seiner Soldaten an die Seemächte Holland und England gegen hohen Jahressold. Um sich aus Kosten des Reiches Vorteile auf dem rechten Rheinuser zu sichern, überließ die Regierung dieses Königs Frankreich in einem Soicherablommen das ganze linke Rheinuser, über das Preußen übrigens gor nicht zu verfügen hatte. Als Gegendienste ließ sich Preußen von Frank- reich eine Entschädigung in Deutschland zusichern! das heißt, es gestand den Franzosen ein E i n in i s chu n g s r« cht in deutsch« Angelegenheiten ausdrücklich zu. Gerade durch diesen Verrat legte die preußische Krone den Srnnd z« der späteren französischen Fremdherrschaft über Deutschland. Die lange Reihe der überaus traurigen Beispiele dafür, wie die Vorführen des letzten Hohenzollcrn, der sein Volk besonders. großzügig ins'Unglück stürzte und dann im Stich ließ,„treu und fest die Wacht am Rhein" hielten, ließe sich beliebig verlängern. Wer der heute in dem Kampfe gegen die Republik-hartnäckiger denn je verbretteten Gejchichtelüge, daß die Hahenzollern kein anderes Ziel als die Erstarkung und das Wohl des Deutschen Reiches im Auge gehabt hätten, erfolgreich entgegentreten will, der wird sich zu seinem Material auch die Broschüre„Die preußische G>sschichke vor den Schranken der Justiz" anschössen müssen.£ ■Hermann(a>,ansc. Aus Bölsches Erinnerungen Jugendtage des deutschen Naturalismus- Di« Fußspuren der beginnenden naturalistischen Bewegung sind heute schon vielfach verweht worden. Man hat namentlich ver- gcssen, daß diefe Bewegung wie das griechische Drama einen Cho- r o s hatte, der sich sehr wirksam auf der Bühne betätigt« und sein« stärksten Anregungen von dem sozial gestimmten Friedrichshagen er- hielt. Die Literaturgeschichte hat sich zwar der„Friedrichshagener Dichterkolonie" bemächtigt, aber sie versponn leider die schlichte ..Wahrheit" dieser Kolonie zu schlechter„Dichtung". Der schönste und wichtigste Teil der Fricderichshagener literarischen Bewegung ist nun erfreulicherweise wieder durch die Herausgab« der„A u s- gewählten Werke Wilhelm Bölfches(Verlag E..Haber- laich, Leipzig) lebendig geworden. In dem fünften Band« der aus- gewählten Werke Bölsches, in dem Bande: Au f dem Menschen- stern bildet �der. Essay: F r i« dr i ch s h ag« n in der Litera- tur. Ein paar Farbenspritzer von«Hedem,«in« ganz hervorragende Bereicherung unserer Kenntnis der beginnenden naturalsstifchen Literaturperiode. Bölsch« war«in sehr entschiedener Vorkämpfer des deutschen Naturalismus und half ihm das Existenz- recht erstreiten, und in dem Bild« der so vielseitigen Persöntichkett Bölsches würde sicher ein ch a r a k t« r i sti s ch e r Z u g fehlen, wenn wir dieser seiner bahnbrechenden Tätigkeit hier nicht gedenken würden. Friedrichshag«« i» der Legende. In feinem feinfinnigen Essay: Gerhart Hauptmami. eine Milien- siizze, macht sich Bölsche in folgendem der Wirklichkett nochgesormtcn Zwiegespräch herzlich lustig über die schon bestehende Friedrichs- Hagener.Literaturlegend«". „Er(Hauptmann) hat dort viel« Jahre das Haupt der„Dichter- tolonie" gebildet. Seinen Monatswechfel teilte er mit seinen Freunden. So liest man in der besten Berliner Literaturgeschichte, die es doch wissen muß." „Wissen sollte. Es ist Legend« ohne ein Fünkchen Wahrheit." „Aber wer anders als.Hauptmann soll denn die„Neu« Gemein- schaft" begründet haben, die doch, wie Sie wissen, in Friedrichshagen immer noch in hoher Blüte steht? Ich habe das doch in einem an- gesehenen Blatt gelesen. Die Mitglieder dieser genialen Hauptmann- schen Schöpfung leben bekanntlich nicht nur in Liebstengemeinschaft, sondern sogar in Suppenkommunismus. Die letzte Einrichtung soll, wie ich von anderer Seit« hör«, sich so ausgezeichnet bewährt haben, daß der Dr. Wille dabei bereits ein Gewicht von zwei Zentnern fünfzig erreicht hatte." „Lassen wir das. Aber beruhigen Sie sich: auch die lange wieder ausgelöste„Neue Gemeinschaft* bestand-»eder in Friedrichshagen, noch war Gerhart ihr Gründer, noch gehörten Wille und ich zu ihr." „3a, da müssen wir wohl alle fürchterlich belogen werden." „Fürchterlich nicht, denn so wichtig ist die Sache nicht. Blaß lustig." Gerhart Hauptmann hat nie in Friedrichshogcn gewohnt. Ich Hab« ihn selbst nur einmal in dem von Bölsche getapsten Friedrichs- Hagener„Gespensterhouse" begrüßt, das ich mit diesem gemeinsam geteilt habe. Hauptmann wohnte zeitweilig in Erkner, und hier lernt« ihn Bölsche kennen ..Vor Sonnenaufgang"— Der Verein Duröh. Zwischen Wacholder und Heidekraut lös Hauptmann an einem Sommertage sein eben entstandenes Drama: Vor Sonnenauf- gang feinen Freunden Böllche und Wille vor. In beiden rumorte damals eine kampflustige Austehnung gegen die bestehend» Literatur- richtung, und beiden schien dieses Drama wie„die„Tat" zu ihren Gedanken:„Die Gedanken", so bemerkt Bölsch« in seinem Essay: Friedrichshagen in der Literatur,„die Gedanken schweiften ja über vielerlei Gebiete damals: neues Regen auf sozialem, aus moralischem Baden: olles mit einem wunderbaren Idealismus: in dem neuen Drama schien das wie in einem ästhetischen Brennpunkt gesammelt. Es entschied in gewissem Sinne darüber, daß aus allgemeinem Gären des jungen Mösts äußerlich sichtbar zunächst eine ästhetische Bewegung mit ihrem Schwerpunkt im sogenannten naturalistischen Drama hervortreten sollte." Dem Drama„Vor Sonnenaufgang" war eine lebhast«, stark rötlich« Morgendämmerung voraufgegangen. Der sozialistische Ge- dank« hotte in literarischen Kreisen gezündet. In Berlin waren namentlich die Gebrüder Hart— Heinrich Hart war schon vor dem Sozialistengesetz mit der sozialdsmoiratische>„Berliner FrcieiLressc" und mit Johann Most in Verbindung getreten— die Apo'kl eines allerdings nach recht schwärmerischen Sozickrftogrus. DieserTo.zialix- mus lohte auch dann und wann hell in dem Vertto-er Ver-»„Durch" auf, der aber doch im wcsenllichen mehr„literarische."als politische „Revolutionäre" umfaßte. Diesen Verein schildert Bölsche mit diesen Worten:„Cr hatte einen ruppigen und putzigen Zug, bestand neben Leistern auch aus hohlen nnd unproduktiven Mitschwätzcrn— ober es war der erst« wirkliche ästhetische Verein in Berlin, den ich kennengelernt habe; denn ich konnte journalistische Vereine, wie die„Berliner Presse?, nicht in dieses echte Gebiet mit- rechnen: Einzelne Elemente allerdings, die ich hier zuerst traf(z. B. E o n r a d A l b e r t i),. haben mit.dem späteren Friedrichshagener Kreis auch niemals etwas zu tun bekommen. Den im Namen an- klingenden Conradi habe ich nicht mehr erlebt, übrigens auch nie ein Verhältnis zu feiner Dichtung gefunden. Aber gleich am zwetten Abend traten mir in dem dumpfen Stäbchen die Gebrüder Heinrich und Julius Hart entgegen: aber abermals sprang jener Funk« fast unmittelbar über. Wich sie wüteten kritisch, ober doch eine unendliche Stufe höher als B l« i b t r e u, und jedenfalls ging«in« unglaubliche Suggestion damals auch von ihnen aus— großen Traumkindern aus der roten Heide, wie sie im Innersten stets ge- bliebe», doch vom harten Leben zu verwegensten Weitkindcrn gebeutelt." Auf HauMmann hatte, wie Bölsche bemerkt, Holz„sormal" eingewirkt, aber doch,„wie immer bei echter Kunst, nicht bestimmend, sondern nur auslösend". Von der„Freien Viihne" zur„Freien Volksbühne". Inzwischen war im Winter 1859/1890 die„Freie Bühne" gegründet worden. In dieser„Bühne" ereigneten sich beispiellos« Skandale bei der Ausführung des Hauptmünnfchen Dramas. Vor Sonnenaufgang. Di«„Freie Bühne" llafft« in zwei Rich- tnngen auseinander: die Vertreter des jungen Naturalismus stießen heftig mit den Anhängern des alten und veralteten literarischen Kon- nentianakismus zusammen. Bölsche skizziert den sich an da» Drama Hauptmanns anknüpfenden Aufstieg des Naturalismus mit diesen Worten: �Hauptmann wgrde in Berliner Tbeaterkreisen an und für sich ein„Ereignis". Man weiß, wie diese„Freie Bühne" zunächst nur dem Berliner Theaterwesen etwas mehr Vcwcguiigsr.iögl!chk..'it hatte schaffen wollen, wie dann den meisten Mitgliedern die Hühner- angst vvr dem schwimmenden Schwan dieser wirklich neuen Kaiust ankam, wie aus dem älteren Kreise fast nur der greise Fontane mit- ging— wie aber auch diese Opposition sich rasch verlor vor dem un- zweiselbar strahlenden neuen Stern." Die junge neue Kunst wurde von den ausstrcbenden Elementen des Berliner sozialdemokratischen Proletariats zum Teil begeistert aufgenommen. In den Berliner Ä r b e i t« r b i s k» t i e.r- klubs, in den Vereinen„Lessing",„Heinrich Heine",„Darwin", „Mte Tante", halsten die Kriegsparolen der jungen ngfuralsstischen Richtung wider.' In die sozialistisch«„B,erlin«r Volks- tribüne" strömte der neue Geist des mohernen Naturalismus voll- kräftig«in. Der Redakteur der„Berliner Volkstribüns". Max S ch i p p e l. förderte mit Umsicht und Nachdruck hie neue literaxisch« Bewegung. Grundrisse der„Familie Seelicke" von Holz und Schlaf, diesen Stürmern des modernen Naturalismus, er- schielten in dieser Arbeiterzeitung. Bruno Wille wurde«in eifriger Mitarbeiter der„Berliner Volkstribüne". In„La Revue Soejaiiste" hat der ehemalig« Buchbinder und nachherige Journalist Willy Wach eine äußerst anschauliche Schilderung der Wissenschaft- lichen und ästhetischen Kulturbewegung gegeben, die mit dem zur Neige gehenden Sozialistengesetz die aüfftrebend« Arbetterschaft Berlins erfaßt hatte. Wach war Mitglied d es wurde eine ungewöhnlich gehaltvolle Stunde, eine Rückschau auf. wirklich wesentliche Ereignisse, die in raschen Hör-Monlentaufnahmen' vorüberzogen. Die Ausammenstellung dieser Bilderfolge bewies sehr vidi Takt, echte Einfühlungsfähigkeit und guten Geschmack. Leider mar trotz mancher wertvoller Darbietungen der Beginn des neuen Funkjohrcs weit weniger vielseitig und infolgedessen für viele Hörer sicher auch weit weniger befriedigend. Die Unter- haltungskonzerte am Neujahrstag brachten mittags, nach- mittags und in den frühen Abendstunden das für solche Darbietungen übliche Musikgemisch, nicht schlecht in der Qualität, in sauberer, ge- schmackvoller Ausführung. Aber dreimal ähnliches, mit geringen Qualitätsunterschieden, wird langweilig. Gab es für die Neujahrs- lonzpr'e keine Solisten? Waren alle Einfälle für eine gefällige und wechselungsreiche Gestaltung des musikalischen Funtpro- grarmvhc.für Silvester verbraucht worden? Die Aufführung von V- r d,? � O p e r„Othello" in hervorragend guter Besetzung l-reiteke sicherlich vielen Hörern große Freude. Doch nmßten des- j 'alb alle jei�c, denen das Verständnis für anspruchsvolle Musik 'ehit, zum M.'thciren oder gar zum völligen Verzicht auf Funtdar- bietungen gezw ungen werden? Ein heiteres Abendprogramm auf einem der Berlüt S Sender hätte gewiß viele dankbare Hörer ge- ' v- T Doch nicht nur'«• im musikalischen Teil war der erste Funltag de- nxue,, Jcu/res mmbesriedigend. Anch die übrige Programm- gest�ung bewies weni'g-i Rücksicht auf die Wünsche großer Hörer- kreise. In de» frühen irNachmittagstunden gab es anderthalb S tu ih<>n S p o rt v o-r t rä g e: zuerst eine Uebertragung von dem F»balltulnier.'oann— für die Jugend— einen Bortrog über Fechten. Die �äbinutung, daß eine weit größere Anzahl Jugend- lichcr für p ie Untsrholtungsstunde dankbar gewesen wäre, scheint den Leitern der Jugendstunde nicht gekommen zu fem. Während Berlin diese Veranstaltungen gab, schwieg die Deutsche Welle. Wer nicht zuhören mochte, konnte seinen Apparat abstellen. Wölkte man den Willen zur Sparsamkeit— d. h. zur Pro- grammeinschränkung— im neuen Jahr betonen, indem man gleich a u ch a m f o l g e n d e n T a g auf das Doppekprogramm am Abend ver, sichtete? Das Berliner Programm, obwohl Höchstleistungen darin fehlten, war zwar vielseitiger als ain Ncujahrstag: jedoch kam diesmal der einigerinaßen anspruchsvolle Hörer zu kurz. Ein Hörspiel von Geno Ohlischlaeger„Der Taxichauffeur" ivnr zwar sehr nett inszeniert und gut besetzt: aber die beste Jnszenie- rung, die tüchtigsten Sprecher können Unsinn nicht in Sinn vor- wandeln. Wodurch Herrn Ohlischlaeger die Ehre zuteil wurde, in Berlin zum anerkannten Hörspieldichter zu avancieren, wäre zu ci fahren recht interessant. Bei der hünmelschrcienden Unfähigkeit, die sein Werk verriet, muß inan doch annehmen, daß hier die Katze im Sack gekaust wurde, d. h. das Werk eine bestellte Arbeit ist, die dann notgodrungen zur Aufsührung kam. Für Januar verhieß in der Programmoarsckzau Edles Koppen allerlei Hörenswertes. Hoffen wir. O»ß wir trotz des nicht allzuviel versprechenden Anfangs mit den Funkdarbictungen des bctzinncwden Monats, des beginnenden Jahres zufrieden fein können. Eine kleine Bereicherung, die vorläufig nur der Jugend- stunde zugute kommt, hat sich am Ende des alten Jahres angekündigt und sich nun im neuen Jahre bereits bestätigt: die a r ch ä o- logischen Vorträge von Dr. Elise Baumgärtcl. Die Johl der Wissenschaftler, die von großen und bedeutenden Dingen in einfochcn Sätzen reden können, schein: nach den Er- fahrungen, die man mit Rundfunkrcdnern machte, außerordentlich klein-u sein— oder verstand man es bisher nur schlecht, die ge- eigneten Menschen heranzuziehen? Jedenfalls sei dankbar fest- gestellt, daß Frau Dr. Baumgärtel allem Anschein nach die Gabe besitzt, ihre Schilderungen dem Borstcllungskreis jugendlicher Hörer anzupassen, uud dabei wrrklich anregende, unterhaltende Dar- stellungcn zu geben. Ihre eigene Zlusgrabungstätigkeit dürfte allerdings einen für die Allgemeinheit wenig ergiebigen Vortrags- stoss bieten: weiß sie jedoch auch andere Gebiete ihrer Wissenschaft in gleicher Weife verständlich und anschaulich zu gestalten, so würden sich gewiß zahlreiche Hörer freuen, außerhalb der Jugendstunde, also zu einer Zeit, während der Berufstätigen das Abhören möglich ist, interessante Themen von ihr behandelt zu hören. Es gab in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr noch manche besonders gute, leider auch noch manche unzureichende Dar- bietung: aber keine, deren Bedeutung über den Einzelfall hinaus- zureichen scheint. Und aus billiges Lob wie auf kleinliche Nörgelei wollen wir verzichten. Eine Tatsache aber hat sich erfreulich deutlich gezeigt:, die Sl u s w ä r t s b e wc g u n g in der Qualität der literarischen Darbietungen.'Natürlich können nicht alle für jeden Geschmack zugeschnitten sein: alle aber beweisen, daß es dem Leiter dieser Veranstaltungen Ernst damit ist, jung« Verheißungen und unbekannte Talente zu fördern, daß er aber darüber nicht seine Hauptaufgabe vergißt: dem Hörer zu dienen. Tcs. Uebevbexahlang/ Uebcrsiundten Das Landesarbcitsgericht Berlin fällte folgende Entscheidung. die rechtskräftig ist:„Der Arbeitgeber kann sich gegenüber der Forderung des Arbeitnehmers auf Bezahlung der U c b e r st u n d e n nicht darauf berufen, daß er ihm einen übertariflichen Loh» gezahlt habe und bei der Lohnvereinbarung der Arbeitnehmer gewußt habe, daß der Betrieb ein« erhöhte Arbeitszeit beding«. Es hätte eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen werden müssen, daß durch die Ueberbezahlung der Uebcr stunden- lohn abgegolten sein sollte." Dieses Urteil ist sehr erfreulich. Bei der heutigen Arbeitslosig- keit sind flebcestunden überl)anpt nur in den seltensten Fällen zu rechtfertigen, zu allermeist sind sie das Ergebnis einer unzulässigen> Einsparung von Arbeitskräften Für den Arbeitnehmer bedeuten sie eine starke gesundheitliche Belastung und tragen wesentlich zu einer schnelle» Abnutzung seiner Arbeitskraft bei, andererseits sind sie bei den heutigen niedrigen Löhnen und Gehältern infolge ihrer höheren Bezahlung eine starke Lockung. Dagegen läßt sich, wie die Umstände liegen, natürlich nichts sagen, auch ist ja ein Arbeit- nchmer kaum je in der Lage, Uebcrstunden zu oerweigern, ohne seine Existenz zu gefährden Uni so schärfer muß man allen Bestrebungen entgegentreten, diese Ueberstunden auch noch unbezahll zu verlangen. In der Praxis kommt es ja, besonders im Angestelltenvcrhältnis immer noch in gewissem Umfang dazu(Aufräumen nach Laden- jchluß usw.). Gäbe aber übertarisliche Bezahlung dem Arbeitgeber schon dos Recht auf Ueberstunden, so könnte das zu grenzenloser Ausbeutung der Angestellten führen, die sich dadurch unter Um- ständen weit schlechter als die tariflich bezahlten stehen könnten. Da sich die Versuche zu einer Arbeitszeitverlängerung mit ge- wisser Hartnäckigkeit immer wiederholen, ist die Kenntnis dieser Gerichtsentscheidung für die Angestellten von Wichtigkeit. Dr. Camilla Slicnier. Vorsicht bei Versicherungen J Eine große Rolle in unserem Wirtschastsleben spielt das Per- sicherungswesen. Es gibt eine außerordeiülich große Anzahl von privaten Bersieherungsgesellschaften. Eine ganz besondere Bc- lvandtnis Hot es mit den Gesellschaften, hinter deren Namen die un. scheinbaren Buchstaben„a. G" stehen. Dies bedeutet nämlich, daß diese Versicherungsgesellschaften„aus Gegenseitigkeit" be- ruhen. Die dort Versicherten sind am Gewinn und Verlust der Ge- sellschaft gleichermaßen beteiligt, und es ist äußerst wichtig, sich darüber klar zu sein, welche Verpflichtung man bei Abschluß einer solchen Versicherung übernimmt. Di« Beteiligung am Gewinn ist ja durchaus klar, aber anders liegt die Sache, wenn bei der Gesell- schaft durch besonders groß« Auszahlungen eine Unterbilanz entsteht, und sie iizre Mitglieder zur Zahlung eines Nachschusses heranzieht. Welche Rechtsfolgen auch bei vorsichtigem Verhalten bei Abschluß einer solchen Versicherung entstehen können, zeigt folgender Fall: Ein kleiner Landwirt hall« seine Pferde bei einer Viehoersiche- rung a. G. versichert. Der Agent, der den Versicherungsantrag auf- nahm, erklärte, daß nur die feste Prämie zu zahlen sei, und keinerlei Nachschüsse erhoben würden. Unter dieser ausdrücklich Zuge- sicherten Bedingung wurde die Versicherung abgeschlossen. Die übliche Klause!, daß mündliche»ereinbqrnnsev kein« Gültigkeit haben, befand sich zwar in dem gedruckten Fornmlar. der Agent erklärte aber, daß er berechtigt sei, die Zusicherung des Weg- falls irgendwelchen Nachschusses verbindlich abzugeben. Das ging einige Jahre ganz gut, bis in diesem Jahre durch besonders viele Schadensfälle die Versicherung große Zahlungen zu leisten hatte und dementsprechend mit Nachschußforderungen an alle Mit- glieder, auch an unseren Landwirt, herantrat. Diesem war inzwischen ein Pferd geiallen, er hotte den Fall sofort dem Agenten angezeigt, die Schadenssumme aber nicht erhalten. Er verweigerte die Zahlung des Nachschusses auf Grund der ihm gemachten Zusicherung, und zahlte auch bei Fälligkeit die Prämie nicht, indem er mit seinem Schadensanspruch wegen des gefallenen Pferdes gegen die Versiehe- rung aufrechnete. Es kam zur Klage. Die Versicherung verlangte Nachschuß und Prämie, der Beklagte erhob Widerklage auf Zahlung der Ent- schädigung für das gefallene Pferd. Mit dem Anspruch auf Nachschuß wurde die Klägerin abgc- wiesen. Nach Treu undGlauben konnte der Beklagte sich auf die Zusicherung des Agenten, die dieser im Prozeß als Zeuge auch gar nicht bestritt, verlassen. Zur Zahlung der Prämie wurde der Beklagte verurteilt, weil im Vertrag die Bestimmung enthalten war, daß mit Schadensersatzfordernngen gegenüber der Prämie nicht aus- gerechnet werden dürfe. Auf die Widerklag« wurde die Ver- sicherungsgesollschaft verurteilt, die S ch a d e n s s u m m e zu zahlen. Sie hatte eingewendet, daß der Schadensfall ihr nicht direkt, sondern nur dem Agenten angezeigt worden war. Mit diesem Einwand drang sie nicht durch, denn wiederum nach Treu und Glauben konnte der Beklagte annehmen, daß eine Anzeige bei dem Agenten, mit dem er ja bis dahin allein verhandelt hatte, genügen würde. Dieses vom Amtsgericht gefällte Urteil kann aber mit der Ve- rusung angefochten werden, und es ist durchaus nicht sicher, ob das Berufungsgericht zu einer dem Beklagten ebenso günstigen Entschei- dimg kommen wird. Man möge daher aus diesem Fall dreierlei lernen: l. Daß man sich mündliche Zusicherungen des Agenten von der Versicherungsgesellschaft schriftlich bestätigen lassen soll, 2. daß man Schadensfälle nicht nur bei dem Agenten, sondern auch noch bei der Gesellschaft durch cingeschrtebe- n e n Brief anzeigen soll, 3. daß man den unscheinbaren Buchstaben„a. G." eine ganz besondere Beachtung schenken soll. dlargarete illallccnkelck. üb. braven:„'Der tKarren" Dort m den Hochgebirgen Mexikos, wo weder Eisenbahnen noch Autostraßen existieren, werden Gütertransporte aus zweirädrigen Ochsenkarrcn befördert. Die Wege befinden sich in schlimmem Zu- stand, sie sind ausgewajchc» und durchlöchert. Jeden Augenblick können Menschen, Tiere und Wagen abstürzen. Indianer, nur schlecht und recht von der europäisch-amertkanischen Ziockisatwn übertüncht, sind die Führer der Karrenzüge und miserabel bezahlte Angestellte eines Unternehmertums, das nur einen Grundsatz kennt: reich werden. In dieses Milieu der„Carrateros" führt„Der Karren"(Verlag Düchergüde Gutenberg), das neue Buch B. Travens. Eine einfache Geschichte. Der Indianer Andren Ugatdo, als Sohn eines Dieners auf einer Hazienda aufgewachseiz, wird Carra- tcro und erlebt wohl auch Abenteuerliches, aber ün«runde nichts weiter als das typische Schicksal dieser Msnschm, die aus den Ge- gebenheiten des Landes und einer rigorosen Wirtschaftsform heraus ein entbehrungsreiches, gefahrvolles und mageres Leben führen müssen. Entscheidend bleibt nicht der Ablauf dieses Lebens, sondern die Deutung, die chm Traoen gibt, das Einordnen des einzelnen in die wirtschastliche Struktur und die Kritik, die über die ganze Gesell- schaftsordnung gefällt wird. Immer stärker tritt bei Traoen die Kritik hervor. Die allgc- meine glossierende Betrachümg spielt jetzt fast die selb-> Rolle wie die Gestaltung des Geschehens. Bereichen etwa mit dem„Schatz in der Sierra SRadre" sind die reinen Handlungsoorgänge im„Karren" nicht mehr so wichtig. Wieder der Gegensatz zwischen dem entfachen, in Natur und alter Tradition verwurzelten Indio und dem aus- beutenden weißen Kapitalisten, der Gegensatz von intuitiver An- ständigkeit und der die höchste Gewinnquote berechnenden Profit- gier. Diese mexikanischen Kapitalisten sind Ausbeuter schlimmster Sorte, aber die Zluegebeuteten, die erst aus der Vorstufe intellektueller Erkenntnis stehen, sehen sie in einem anderen Licht, denn es war innner so, und der Indianer Zentralamerikas ist alles«her als ein revolutionierendes Gemüt. Aber sind diese Kapitalisten als Individualitäten verbrecherische Existenzen? Das kapitalistische System trägt die Schuld. Traveii zieht Parallelen, er sucht Bergleiche und weist darauf hin, daß zu jeder Zeit von den herrschenden Gewalten alles aufgewandt wurde, um die Arbeitenden zu unterdrücken und dumm zu halten und um aus seder Sache ein Geschäft zu machen.5 Inmitten dieser Anklagen, dieser beißenden Satiren, dieser ironischen und sachlichen Menschenschilderung stehen plätzlich Szenen, in der Ugaldo seine grau findet, Szenen ohne jede Sentimentalität aber sehr zart im Gefühl und in der sprachlichen Formulierung. Das Ganze leidet unter einer Unausgeglichenheit, die bereits in der „Weißen Rose" zu finden war. Betrachtung und Darstellung bilden keine geschlossene Einheit. Felix Scherret. WAS DER TAG BRINGT Wochenragout Em jugendlicher Einbrecher wurde in Bad Kreuznach aus frischer Mit überrascht. Zu den Einbruchswerkzengen, die man bei ihm jand, gehörte merkwürdigerweise auch ein dicker Stoß Detektivromane. An Hand dieser Bücher, so erklärte der Ertappte, wollte er nachprüfen, ob Einbrüche wirklich so durchführbar sind, wie sie darin beschrieben werden.— Das erste Ergebnis spricht ja nicht gerade dafür. Allerdings hat Sherlock Holmes meines Wissens bei keinem seiner Gegn-r gedruckte Gebrauchsanweisungen vorgefunden. Und schließlich klemmt nnin sich ja auch nicht den Vandevelde unter den Arm. wenn man zur Geliebten geht. Nur: wenn zum Beispiel die Leser der Frau Hedwig Eourths-Mahler, deren Romane immer bei sich führen und nachprüfen würden, od das Leben wirtlich so stattfindet, wie diese Dame es schildert— dann hätte der junge Mann aus Bad Kreuznach nicht umsonst gelebt... Ehikagos Bürgermeister hat eine Lotterie veranstaltet, bei der die Preisträger nicht durch eine Ziehung, sondern durch den Geist des früheren Präsidenten Cleveland bestimmt werden sollen. Mit Hilfe eines Medium- wird der Bürgermeister sick» mit Mister Eleve- land in Verbindung fetzen, und der, so hoffen die zahllosen Käufer der Lose, wird das in Ihn gesetzte Vertrauen als Unparteiischer recht- fertigen.— Wenn der Bürgermeister nicht von allen seinen guten Geistern verlassen werden soll:«— seine Chikagoer sind es bereits! Die sechzehnjährige Tochter eines englischen Gutsbesitzers eilt täglich im eigenen Kleinflugzeug zur Schule.— Die Zeiten werden noch besser! Heute gibt es schon Schüler, die in die Schule hinein- fliege»: zu meiner Zeit flog man eigentlich mehr hinaus. Europa passiert Revue Sie haben ihn schon vor vielen Monaten hinübergeschleppt: ihn, Zaro Aga. der für amerikanische Begriffe am deutlichsten die alle Welt repräsentiert, weil er ihr ältester ist: einHunderts echsm�funszig Jahre behauptet er jetzt.zu sein. Sie haben drüben allerlei von dem angestellt, was europäische Gealtertheit als geschmacklos, als amen- konisch geschmacklos bezeichnet.- Engagiert von den Verfechtern der Prohibition, hat er im Kreise sacharinsüß lächelnder Girls sich als Beweis für die Segnungen der Enthaltsamkeit beglotzen, knipsen. filmen und aushauen lassen müssen. Ein Autounfall blieb ihm nicht erspart: die Sache verlief harmlos: Böswillige behaupten, daß auch diese kleine Episode von tüchtigen Reklamemännern gemanagt worden sei. Trotzdem: anch dies Mittel scheint nicht mehr zu verfangen: auch drüben scheint das Interesse für junge Mädchen größer zu sein als das für alte Männer: und man fand einen neuen Weg, um es wieder auizustacheln: man engagierte ihn sür die Revue. In New 'Jork wird er die Rolle eines Sultans spielen, die man ihm auf den h und ertsechsundfunfzigj ährigen Leib schreiben wird. Man wird ihn gut bezahlen, zweifellos. Man kann sichs leisten, gottlob, für gute Dollars die alte Welt vor sich Reoue passieren zu lassen. Und das scheint befriedigender als die sinnigen Interviews, mit denen man Europas Nestor bisher auszuschlachten versuchte. Zaro Aga, der brave und geschäftstüchtige Kurde, war kein Keyserling-Schüler: die Schule des Lebens war ihm keine Schule der Weisheit gewesen, un) auf die Frage nach der Quintessenz seiner fünseinhall, Generationen antwortete er, getreu seinen Auftraggebern, lediglich mit Mahnungen zur Mäßigkeit— das heißt mir in bszug auf Alkohol. Ansonsten scheint es Herr Aga nicht nnt dieser Forderung zu hallen. Wenigstens hat er erklärt, er werde das verdiente Geld verwenden, um noch- mals zu heiraten. Womit die mnerikanische Ucberlegenheit über die alte Well doch noch gerechtfertigt erscheint. Zweihundert Jahre können diese Europäer alt winden— und machen immer noch die alten Fehler.... Chikagos Brüder Saß Berlin hat seine Brüder Saß, und Ehikago hat seinen Al Eapone. Gewiß, bei den Brüdern Saß hat sich's nur um Juwelen und Bankpapiere gehandelt— bei Eapone geht's um Alkohol und auch wohl mal um ein Menschenleben: aber dafür haben wir ia eben hier bloß Berlin, dort aber Ehikago. Jedenfalls hoben die Firmen Saß und Eapone das eine gemeinsam, daß man sie poljzei- licherseits aller möglicher dunklen Geschäfte bezichtigt, von denen ihnen auch nicht eins nachzuweisen ist: denn beide haben sich trotz dringender dahingehender Wünsche der Kriminalpolizei noch nicht entschließen können, eine genaue Buchführung über ihre Unter- nehmungen einzurichten. Somit ist denn bei beiden die zuständige Behörde bisher gescheitert, und ihr Frieden schien gesichert— da aber ist man in Amerika auf einen geradezu infernalischen Ge- danken gekommen. Nämlich aus den, daß Al Capones Geschäfte, wenn schon nicht bestraft, so doch— besteuert werden müssen. Und so hat sich das Steueramt Herrn Capones liebevoll angenommen. Sobald ein neuer Eoup bekaimt wird, geht dem Unternehmer die Stouerveransch lagung darüber zu. Wenn Eapone nicht reagiert, greift das Steueramt zu mündlichen Anfragen. Und der große Gangster muß den Wertzuwachs seines Vermögens durch seine Raubübersälle und Schmuggelfahrten versteuern, und wenn er zu hohe Spesensätze für Bestechungen der Prohibllionsbeamlen in Abzug bringt, macht j man ihm Schwierigkeiten. Wir wollen den Brüdern Saß ja nichts j Böses wünschen, man soll das ja nicht, sondern soll Gutes von andern j reden und alles zum besten kehren, und von unfern Juwelen lag nichts in den Safes am Wtttenbergplatz— aber wie, wenn das Finanzamt sich ihrer mal annähme? Das bekäme ohne Frage noch mehr heraus, als sie tatsächlich verbrochen haben sollen.., Arbeiter-Serienspiele Fußball/ Handball/ Wasserball Vor ungefähr 500 Zuschauern standen sich in der Hetzheide in Luckenwalde die Fußball m ei st er des 2. und 4. Bezirks im Ausscheidungsspiel um die Kreismeisterschast gegenüber. Wohl niemand von den Zuschauern ahnte bei Beginn des Spiels, daß der Kampf erst nach zweimaliger Verlängerung entschieden werden würde; legten doch dt« Karower gleich mit großem Elan los. Die sehr ballsichere Verteidigung der Luckenwalder oerhinderte, manchmal nicht gerade sehr fair, jeden Erfolg. Auf der Gegenseite war es die Läuferreihe Karows, die den Luckenwalder Sturm nicht zur Geltung kommen ließ Beim Stande von 0: 0 wurden die Seiten gewechselt. Kurz nach der Pause erhielten die Karower einen Elfmeter zu> gesprochen, der aber vom Luckenwalder Torwart gehalten wurde. Die Gelegenheit, in Führung zu gehen, war vorbei. Fünfzehn Minuten später gelang es den Luckcnwaldern, den Karower Torwart zu bezwingen. Lange sollte die Freude jedoch nicht dauern. In der sünfundzwanziosten Minute gab es wieder einen Elfmeter, der diesmal vom Mittelstürmer Karows, mit großer Schärf« getreten, glatt verwandelt wurde. Trotz beiderseitiger Anstrengung blieb es bei diesen, Resultat(1: 1) bis zum Schluß der regulären Spielzeit. Die erste Verlängerung von fünfzehn Minuten sah zunächst die Karower ohne Erfolg im Angriff. Dann kamen die Einheimischen wieder mehr nach vorn. Aber erst die zehnte Minute der zweiten Verlängerung brachte ihnen den langersehnten Siegestreffer Luckenwalde V hatte sich durch diesen 2: l-Sicg die weitere Bc- tcilioung an den Kreismeisterschastsspielen gesichert. Einen zweiten Meisterschaftskampf gab es in der Jugend- gru ppe A. Lichtenberg II und Minerva?8 standen sich auf dem völlig aufgeweichten Platz in der Normannenstraße gegenüber. Wenn die Neuköllner auch die technisch Besseren waren, so hätte das Resultat auch ebensogut umaekchrt lauten können. Das Innsntrio der Lichtenberger schafste so manche heikle Situation vor dem Mmervator, ohne jedoch zählbare Erfolge zu erringen. Die Neu- köl'ner dagegen wußten die Situationen in Lichtenbergs Tornähe besser auszunutzen. Beim Stande von 2:2— Lichtenberg hatte einige Minuten nach der Pause das Unentschieden erzwungen— spielten beide Mannschaften auf Sieg. Erst zehn Minuten vor Schluß gelang es den Neuköllnern, das dritte und damit auch das Siegestor zu schießen. Die beiden noch cmsstehcnden Spiele sollten für Minervas Jugend kein Hindernis zur Erringung der Meisterschaft bedeuten. Die Männermannschaften von Lichtenberg II und Oberspree, die anschließend an dieses Treffen ein Gesellschaftsspiel aus- trugen, sahen sich einem Meer von Morast gegenübergestellt. Trotz- dem hielten alle zweiundzwanzig Spieler durch bis zum Schlußpfiff Obersprce konnte mit 6: 4(3: 2) die Siegcslorbcercn ernten.— Union 28 und Saxonia trennten sich beim Stande von 5: 3. Saxonia 2 gegen ASV.-Neukölln 2 9:1.— Luckenwalde I(Jugend) gegen Luckenwalde II 0:2. Saxonia gegen Britz 88 8:0. Die Wasserballserie Am Sonntagabend lieferten sich genannte Mannschaften im Lunabad einen von Anfang bis zu Ende spaimeilden Kampf. Gegen die mäßige Leistung gegen Weißensee am Vorsonntag spielle die „Zweite" von Hellas wie ausgewechselt. Die balltechnische lieber- legenheit der Spandauer erwies sich in Anbetracht des Spieleifers der Hellasleute nicht so maßgebend sür das Spielende, wie man es allgemein erwartet hatte. Der Ausgleichstrcsfer sür Hellas hing sozusagen in der Lust, als das Spiel abgepfiffen wurde. Zun, Spieloerlauf selbst ist zu berichten, daß Spandau durch gute Stllrincrleistungen vor dem Hellastor mit drei Toren klar in Führung ging. Einen Freiwurf geschickt ausnützend, setzte dann Hellas seinerseits den ersten Erfolg entgegen. Nach zwei weiteren Torschüssen von Spandau, bei denen allerdings den, sonst auftnerk- samen Torhüter der Ball regelrecht aus der Hand glitt, glaubte man schon cm eine hohe Niederlage von Hellas. Doch während nun Spandau im Tempo sichtlich nachließ, kämpfte Hellas unsntwegr weiter. Mit einen, guten Durchbruch des Mittelstürmers wurde noch in der ersten Spielhälste ein Tor aufgeholt. In der zweiten Halbzeit war zunächst Spandau noch einmal erfolgreich. Was jedoch den Hellasleuten an Technik mangelte, glichen sie durch vor- bildlichen Eifer aus. Nicht weniger als viermal mußte sich der Torsteher von Spandau geschlagen bekennen, während Spandau selbst nur noch eiinnal durch gute Kombination erfolgreich war. Gemessen am Kampfgeist von Hellas hätte ein unentschiedenes Resultat zustande kommen müssen. MuvidJoaW Die Resuliaie von gestern Weddings 1. Mannschaft fertigte die Freie Sportvereinigung Tegel 10: 1(3:0) ab. Trotz reichlicher Schußarbcit kam Tegel erst kurz vor Schluß zum Ehrentor. Weddings 2. Mannschaft gewann gegen FTGB.-Nordring 1 zum Schluß doch noch mit 4:2, obwohl es zehn Minuten vorher noch 2: 2 stand. Wedding gelang es bald in Führung zu gehen, bald folgte jedoch der Ausgleich. Wieder waren es die Weddinger, die das zweite Tor schössen. Das nach ungefähr fünf Minuten folgende Ausgleichstor von Nordring war etwas zweifelhaft. Bei diesem Resultat blieb es vorläufig, trotzdem es auf beiden Seiten sehr lebhaft zuging und mit aller Kraft um den Sieg gekämpft wurde. Zum Schluß stellte sich Nordring auf Verteidigung ein und zog die ganze Mannschaft nach hinten. Trotzdem konnte Wedding durch«inen Weitschuß das dritte Tor buchen, dem bald ein viertes folgt«.— Welding 3 und Nordring 2 trennten sich 9:1 (3; 0). Die 5. Mannschaft von Wedding gewann gegen Moabit 2 mit 3:1.— FTGB.-Nordost 1 gewann in Bornstedt gegen die dortige 1. Männermannschaft mit 3: 2(4:0).— FTGB.-Pankow 1 mußte Nordost 2 mit 2:1(2:1) den Sieg überlassen. Das Arbeiterolympia im Rundfunk Der technisch« Leiter der Sozialistischen Arbeiier-Sportinter- nationale Karl Bühren, Leipzig, spricht am 9. Januar 19.25 Uhr für die Sender der Mirag(Leipzig und Dresden) und der Norag (Norddeutschtand) über: Das 2. Arbester-Olympia in Wien. Ceroßmaebt ßß Ein neuer Film von der größten Sportorganisation der Welt Rund 350 000 Mitglieder zählt heute der Arbeiter- Rad. und Sraftfahrcr-Bund�Solidarität". in gleicher höhe bewegt sich die Auflagezifscr der Lundeszeitung: ein« eigene Fahrradfabrlk in Osfenbach am Main, ausgestattet mit allen Errungenfchaslen der modemcn Technik, liefert die betannien..Frisch-Auf'-Räder. während sich eine besondere Abteilung der Fabrik der Herstellung von Motorrädern widmet. Diese kurzen Angaben dürften genügen, um die Größe der in der internationalen Sportbewegung einzig dastehenden Organisation zu zeigen, deren Ortsgruppen in die Tausend« gehen, die es sich wiederum zur Pflicht gemacht haben, den Körper des Arbeiterradlers im sportlichen Wetitampf zu stählen. Mit wieviel Liebe und unter Beibringung persönlicher Opfer die Arbeiterradler ihre Organisation hochhalten, darüber ist hier schon mehrfach geschrieben worden. Heute berichten wir über«inen Film, der auf dem Bundestag in 2 r e s d e n in den Iulitagen des Vorjahres gedreht und der gestern im Beisein der Vertreter der Reichs-, Staats» und Stadtbehövden sowie der Partei» und Sportorganisationen in den„Baoaria"- Lichtspielen, Friedrichstraße, uraufgeführt wurde. Es ist der zweite, den„Solidarität" herausbringt. Luridesoorsitzcnicr N i e m a n n- Osfenbach hob in einer Ae- grüßungsanlprache die schwierigen Vorarbeiten zum Dresdener Aundc'sfeft hervor, die dank der tatkräftigen Hilfe aller Mitglieder befriedigend durchgeführt«erden konnten. Und dann rollte der Film: Er zeigt uns zunächst gut gelungene Aufnahmen vom schönen Elbflorcnz, dazwischen aber auch Dresdener Micikosernen mit dunklen Hinterlwfen, gewaliige Industrieanlagen und dann das Heim der organisierten Arbeiterschaft, das Volkshaus. Selbstverständlich ist die Dresdener Verlaufzsiliale der Ossenbacher Fahrradfabrik nicht vergessen. Weiter rollen die Bilder. Wir sehen de» Aufbau des für das Bundessest eigens zu schaffenden Stadions und machen nun die Veranstaltung in allen ihren Phasen mit. Die A n k u n f t d e r Teilnehmer aus allen deutschen Landen ist in originellen Momenten festgehallci� wuchtigpackend wußte der Kameramann den Einmarsch der Bannergruppen in das Stadion cinzufangen: ein Bild einer mitreißenden Demonstration, und Nienwnn tritt vor das Mikrophon:„Wir wollen Zeugnis ablegen von der Größe unserer Organisation." Jetzt kommen die Akteure zu ihrem Recht. Flott gelangen die Vorführungen der insgesamt 35 R a d s p o r t a r t e n zur Ab- wicklung. Riesige Zuschauermengen, die trotz vieler Regenhuschen ihren Platz nicht räumen, verfolgen Interessiert die Darbietungen der Radballspieler, der Gcschicklichkcttsfahrer, der Rcigenfahrcr und wie sie alle im sportlichen Betrieb genannt lverden mögen. Jung- radler vollbringen Glanzlei st ungen auf Einer- rädern, während bei den Reigenfahrcrn die gewaltige Beteiligung imponiert: der 48er Reigen wird durch den 64er, der 64er durch den 160er und dieser durch den 600er Masscnreigen abgelöst! Auch die Wettbewerbe der Rennfahrer auf der Bahn in Heidenau und auf der Landstraße sind im Film vortrefflich festgehalten. Das Sprechchorwerk„Dom anderen Ufer", das in später AbcndstuiüZs mit bengalischer Beleuchtung am Elbufer.zur Aufführung kam, und die am Sonntagmittag abgehaltene Heerschau, die alle Teilnehmer vereinigte, krönen das Ganze. Doch damit hat der Kameramann, noch nicht genug. Er packt seinen Äurbelkasten, verfolgt hartnäckig die Sporigenossen, die schnell noch der„Sächsischen Schweiz" einen Besuch abstatten wollen und vermittelt uns so noch manche sehens- werten und lustigen Momente. Alles in allem«in Film, den die Arbeiterradler des Reichs gern erwarten. Der„Deka", die den Film dreht«, sei zum Schluß das Gelingen ihrer wahrlich nicht leichten Arbeit lobend bescheinigt. -i- Vor Beginn der Vorführung gedachten die Anwesenden der von National,.sozjalislen" ermordeten Genossen Gras, und Schneider. Landtagspräfident Bartels sprach ehrende Worte für die gefallenen Kämpfer und forderte zur Verteidigung der republikanischen Staai-form aus! Anschließend wurde der Tonsliin von der Trauerfeicr für den verstorbenen Reichstagsabgeordnetcu Dr. David gezeigt. R. Seil. 72 Meter gestanden Reit»rd-Skisprünge in Davos Die Elite der schweizerischen Skispringer sowie der von Sieg zu Sieg eilende Nein«?Iorwegcr Sigmund Rund gaben sich bei der internationalen Sprungkonkurrenz auf der neuen Bolgenschmze in D a v o s ein Stelldichein. Trotz des T-ruwetters nahm die Ver- cmstattunz einen glanzvollen Verlaus und in der dritten Serie gab esSenlationsleistungenvonüber70M«terzu jehen. Der Held des Tages war Bruno T r o j a n i. Geftoad, dem es gelang, den Schanzenrekord beim dritten Versuch auf 72 Meter zu verbessern. Ihm stand der Schweizer Meister Fritz Kaufmann nicht nach, cr schaifte es zwar nur auf 71 Meter, da aber feine anderen Sprünge etwas besser waren als die von Trojani, reichte es für die Gesamt- Wertung sogar noch zum Siege. Der Norweger Ruud sprang in seiner gewohnten eleganten Manier, ohne jedoch allzu viel zu riskieren. Die Klassierung war folgende: 1. Fritz Kaufmann- (Örindelwald 327,30 Punkte(06, 65, 71 Meter): 2. Sigmund Ruud- Zürlch 823,80 Punkte(56. 64. 66 Meter): 3. B. Trojani-Gestaad 322 Punkt«(52, 63, 72 Meter): 4. C. Chiogna-Sl. Moritz 308,50 Punkte. Deutscher Eishockeysieg. Das internationale Eishackeisturnier um den Goldpokal von A r o s a nahm für die einzige teilnehmende deutsche Mannschaft, Brandenburg-Berlin, einen recht ver. sprechenden Ansang. Die Berliner hatten es in ihrem ersten Spiel mit einer Mannschaft des Wiener Eislausvcreins zu tun, der sie glatt mit 4:2(0: 0. 3: 2, 1: 0) das Nachsehen gaben. Zwei Tore für Brandenburg schoß Grahl, eines kam auf dos Konto von Herker, während der vierte Zählsr für die Deutschen aus einem Eigentor der Wiener resultierte. Schlittschuhclub— Davo» 3: 1. Die Eishsckeymann'choft des Berliner Schlittschuh-Club gab am Sonnabend auf der Eisbahn in Davos ein Gastspiel gegen den dortigen Eishockey- club und siegte verdient mit 3:1(1:1, 1:0, 1:0). Der erste Spielabschnitt war ziemlich ausgeglichen, jede Partei kam zu einem Tor, Berlin durch H. Brück, die Einheimischen durch Torrioni. In den beiden nächsten Dritteln hatten die Berliner Oberwasser, R. Ball legte ein zweites Tor vor und im letzten Abschnitt stellte der Mann- schaftssührer Dr. Hcilsboer das Endergebnis auf 3: 1. Deutschland— Schweden im Eishockey. Die Verhandlungen zwischen den Eislaufvorbänden von Schweden und Deutschland zwecks Austragung eines Eishockcy-Länderkampfes sind nunmehr zun: Abschluß gelangt. Das Tressen findet am 17. Februar im Stockholmer Stadion statt. Die deutsche Mannschaft wird sich aus den besten Spielern des Berliner Schlitischuh-Club und des Sport Club Rießersee zusammensetzen. So geht es vorwärts Neues von den Noturtrcundcn Der Touristenverein„Die Naturfreunde" hat in letzter Zeit eine Anzahl neuer Stützpunkte und Ferienheime errichtet. So eröffnete die Ortsgruppe Urberach im Odenwald ein neues Wanderheim und die Ortsgruppe Wetzlar erbaute bei Villmar im L a h n t a l an Stelle des alten ein völlig neues und stark ver- größertes Ferienheim, das auch dem Wintersport im Westerwald zum Stützpunkt werden kann. Insbesondere aber dienen die neue Schutzhiiite auf der oberen Ehrenbachalpe(1554 Meter) am Hahnen- kämm bei Kitzbühel und ein großes, neu geschaffenes Ferienheim der Niedersachsen bei Oderbrllck im Harz, unweit des bekannten Oderlctches, dem Wintersport. Neben den kleineren Heimen bei St. Andreasberg, Seesen und Halberstadt und dem schönen Braun- schweiger Haus bei Harzburg bietet dieses Haus eine treffliche Er- Weiterung des notwendigen Naturfrcundehüttennetzes im von Ar- beitersportlern violbefuchton Harz. Als besonders erfreulich darf die Erweiterung des i n t e r- nationalen Gedankens in der Naturfreuiidebcwcgung bezeichnet werden. Lange war es unmöglich, die Arbeiter-Touristenbewegung über die deutjchsprechcnde Bevölkerung in den Ländern hinauszu- tragen. Erst im letzten halben Jahre hat sich die„Internationale" wahrhaft bemerkbar gemacht. Die gute Ausbreitung der Sektionen in Nordamerika, die Schaffung einer dänischen Gruppe in Kopenhagen, die Gründungen in Kreisen der romanischen Volksschichten— Paris und Nancy in Frankreich, Guadolasara in Spanien und Brüssel in Belgien— wurden bahnbrechend. Neuerdings sind in der Bildung der Ortsgruppen Selestat in Frankreich und Lugano in der italienischen Schweiz weitere Stütz- punkte des internationalen Gedankens im Arbeitersport geschaffen. Ein neues Ferienheim haben die Gruppen in den Weststaoten iü USA. in der High Sierra gefckiafsen. Der Festigung der inter- nationalen Bindungo» wird neben der Olympiade in Wien auch ein internationales Naturfreundetteffen am aus dem Weltkrieg so im- rühmlich bekannten Harimannsweilerkcpf im Elsaß dienen, zu dein französische, deutsche und Schweizer Raiiirfreunde schon jetzt rüsten. Wertvolle wissenschaftliche Arbeit»eistete ferner vor kurzem die Alpini st engilde der Wiener Naturfreund«. Unter Führung von Dr. Fritz K o l b wurde eine Forschungsexpedition in den un- bekannten Kaukasus durchgeführt. In sieben Tagen wurde bei der dieser Fahrt neben einer Anzahl Bergerschließungen durch erst- malige Besteigungen mehrerer Gipsel von 3700 bis zu 5600 Meter Höbe reichhaltiges wissenschaftliches Material erbeutet. Durch Vor- meffungsarbeiten und werwolle Photoaufnahmcn wurden die Er- gebnisse gleichfalls gut gewertet. Der Erfolg dieser Expedition ist besonders bemerkenswert, weil Hilfsmittel nur aus Sammlungen der österreichischen— vor allem der Wiener— Arbeiterschaft zur Verfügung standen._____ Kleiner Sport von überall Auch Rapid-wie» bewies große Klasse. Die Berliner Fußball- gemeinde hatte am Sonntag Gelegenheit» noch Ungarns Meister Hungaria auch den vielfachen österreichischen Meister und Mittopa- Pokalsieger R a p i d- W i e n kennenzulernen. Wie nicht anders zu erwarten war, machten die Wiener einen ganz ausgezeichneten Eindruck und schlugen die Mannschaft von Minerva leicht mit 4:2(3: 2) Toren. Die Wiener sind Berufsspieler. Ivinierfahrt des RIDD. Der Motorclub von Deutsch- land veranstattet auch diesmal seine Winterfohrt noch Hirsch- borg, die wieder für Wagen und Motorräder offen ist. Der Start befindet sich auf der Trabrennbahn Mariendorf. Bon dort geht es über Zossen, Lübbe», Lübbenau, Kottbus, Görlitz, Lauban, Greiffsn- bach nach Hirschberg. Bei günstigen Witterungsoerhältnissen folgt »och eine Gebirgsschleife durch das Riescngebirge. Die Strecken sind 276,7 bzw. bzw. 379 Kilometer lang. Für die Bewertung sind die Wagen in zwei, die Motorräder in drei Gruppen eingeteilt. In der Ausschreibung ist besonderer Wert auf die Innehallung der polizeilichen Bestimmungen, der Ausweich- und Ueberholungsregcln und der innerhalb geschlossener Ortschaften vorgeschriebenen Fahrt- gcschwindigkeiten gelegt. Skilaud Oesterreich. Soeben ist im Berlage Wiegandt u. Grieben, Berlin, ein praktisches Austunftsbuch für den deutschen Besucher der österreichischen Stigebietc unter dem Titel„Skiland Oesterreich" erschienen. Das wohlfeile Bändchen, das alle Wissens-. werten Daten, wie Standorte, Schutzhütten, Seehöhen, Bahn- und Kroftposwerbindungen mit fünf instruktive Kartenskizzen enthält, kommt gerade zu rechter Zeit heraus und wird von den Freunden des Skisports sicher gut aufgenommen werden. ASS.««ptu». Weiß,»?««. Tie für Diensta«. 6. ganuat, anflcftfctf gincklionä�- und jlodtanfcäfiliunjj findet nicht bei Sur«, sondern im neuen Bereinslotal von Miincheberg, Echiinbauser Allee 252. flntt. 3TSS., Sejitt ahxrlottenbue«. Mit Iabresdeginn verlesen wir unfcren Turnbctrieb fiir alle Atleilunaen!n die Turnhalle Lvrerstr. 29—00. Turnabenbe für Männer und Iu«end Montoa und Dvnncrsiag, grauen und Iungmädchen Türnula« und grrituo. Stadsahree,.Solidarität-'. Montan, S. und Ii Januar, findet der«urfus der Saalfabrer statt, Lotal Lsdann, Srllderstr. Iii, SV Uhr. Jede Abteilun«. dir Saalsport detreibt, ist perpflichtet einen Vertreter au senden. SafteroeteiR.Colleflia". Generalversanim lunq Sonnta«, 11. Januar. 11 Uhr, in Gatmp, Restaurant„Zur Linde". Nächste Mitaliederversonunlun« Zreila«, 9. Januar, 20 Uhr, bei Tdunai, Charlottenbur«. Zuielandstr. 4. Reu- oufnahmen dort. Tonnerotans Zstoldlaus. VoNspark Redderse. 20 Uhr Treff» puntt am Brstckrnhaus. Sannabends Kostenrudern. Ruderanlage Tiergarten. Touristruerein.Tie Noturserunde", Zentrale Wien, lvieuotn«, S. Z«n»ar. 20 Uhr. Aoi. griedrichodain! granlsurter Allee zai.— Abt. grieder.au.- Offen» boüer Str. 5«.— Abt. Norden: Sonnenburger Str. 20.„Ritckblick und Aua- blich."— Ab!. Reulölln, Iugendarupve: gluabascnstr. SS.— Abt. Weddin«: Willdenowstr. 5.— Abt. Sumbvltthain: Schllnstedtstr. 1.«artenlesen, gäbrte»- teckmlk.— Abt. Südost, gugendgruppe: Wranqelstr. 128.— Naturkundliche Abt.: Iodauniästr. 13— Mittwoch, 7. Aauuar, 20 Uhr. Augendgruppe Osten: fftoitf- iurter Allee 307.— Vdo'o« melnschaft Abt. Mitte: godamnostr. 1ö.— Donner,- tag,».?»nu»r. 20 Uhr. Abt. Lichtenberg: ibunterstr. 41.— Abt. Lichtenrade: Wh Ubr bei Ted'am. Sadnbvf» Ecke iSvldstraste.— Vdotogemeinfchaft Abt. Norden: Pank» Ecke Wiesenstraße.— Streichorchester: 19— ZI Uhr bei Weifte». beraer. Treiligratdstr.!i, rorn 1 Tr.— Mandolinenorchester: 19—21 Ubr Iabannisste. 13.— Ab!. Vre», lauer Berg: Danüiaer Str. 02. Deneralverfamm. lun«.— Abi. Südwest:»orckstr. 11.— Abt. Rsulölln: Bergstr. 29.— Ali:. Tiergarten: Lebrier Str. ig— Ig.— Abt. SSeiftensee: Pistoriusftr. 21.— Abi. cwntgu; Zindenufer I. r Regierung und Ruhrkampf Die Ltuternehmer berufen sich auf Brüning. Als im Oktober vorigen Jahres die Reichsregierung mit dem Ruhrkohlensynüikat die Kohlenpreissenkung oerhandelt hotte, wurde cmschließend die Nachricht verbreitet, dah dem Ruhr- kahlenbergbau eine wesentlich� Lohnsenkung zum Ausgleich für die Preisherabsetzung in Aussicht gestellt worden sei. Diese Nachricht wurde vom Reichsarbeitsministerium vor dem Eintritt in die Verhandlungen über den jetzigen Konflikt demen- t i« r t. cherr Dr. Pinkerneil, der journalistische Verfechter der bergbaulichen Untornehmerinter-ssen, befaßte sich nun in einem längeren Aufsatz mit dem Dementi der Reichsregierung, worin«r schreibt: „Aber das darf versichert werden, daß bei den Verhandlungen seitens des Reichswirtschaftsministeriums unter Zustimmung des Reichskanzlers eloe achkprozentige Lohn- senkung als notwendig anerkannt wurde." Roch deutlicher wird ljerr Pinkerneil an einer anderen Stelle seines Aufsatzes. Dort heißt es: „Daß der.Sch lichter sich nicht dazu hat verstehen können, einen Schiedsspruch zu fällen, der diese(gemeint ist die nchtprozentig« Lohnsenkung. D. Red.) im Okwber ausdrücklich von Stellender Reichsregierung— ich wiederhole die da- n:als gefaßte Formulierung— als notwendig vorsah, das hat zu einer Situation geführt, die bedrohlich ist." Nach dieser von Herrn Pinkerneil gegebenen Sachdarstellung soll die Reichsregiernng eine achtprozentige L o h n- ! e n k u n g a l s n o t w e n d i g anerkannt und dann sogar als notwendig vorgesehen haben. Diese Behauptungen sind im Ruhr- rcvier von den Kommunisten und den Nazis aufgegriffen worden und haben zu einer wüsten Hetze gegen die Bergorbeiter organisationen geführt. Bon den Kommunifien und Nazis wird zum Kampf„gegen die Po ung-Diktatur" aufgeiordert, von welcher der Lohn- abbau ausgehe. Der Nazireichstagsabgeordnete und Gauleiter der Nationalsozialisten. Te r b o v e n, erklärt in einem Aufruf, daß eine von der Arbeiterschaft getragene Aktion die Nationalsozialisten geschlossen an der Seite der Bergarbeiter finden würde. Er ruft auf, den Kampf zu führen zum»Sturz des Kabinetts Brüning und für Neuwahlen". Angeuchts dieser Situation ist die Regierung verpstichtcl. klar zu erklären, wo sie in dem Ruhrkoaftikl steht. Di« Gewerkschaften, die in diesem Konftikt größte Besonnenheit wahren, haben ein Anrecht auf Klarheit. Sic wollen wissen, ob die Regierung«ine achtprozentige Lohnsenkung in Aussicht gestellt hat oder nicht. Diese Angelegenheit ist jür die Gewerkschaften von höchster Bedeutung. Aus dem angezogenen Artikel des Herrn Pinkcrneil ist noch folgender Satz von großem Interesse:„Die Lohnsenkung ist hart, ob sie 6 oder 8 Proz. beträgt." Es ist gut, daß dem Sachwalker der Unternehmerinteressen dieses Geständnis in der Hitze des Gefechts eutschlupft ist. Cr wird nicht bestreiten können, dah eine Lohnsenkung von 8 Proz. härkcr als eine solche von 6 Proz. ist und da auch diese noch als hart bezeichnet wird, kann auch davon keine Rede sein. Erdbeben in Griechenland. Starke Erdstöße in Athen und Korinth Athen, 5. Januar. In der Nacht auf Somckog, gegen 2 Uhr, wurden in Athen mehrere starke Erdstöße verspürt, so daß die Häuser er- zitterten rmd die Bevölkerung erschreckt aus den Häusern stürzte. In K o r i n t h wurden gleichfalls starke Erdstöße verzeichnet, wobei die Ruinen der beim letzten Erdbeben zerstörten Häuser einstürzten. In Assos war das Erdbeben so stark, daß zehn Häuser mid eine Kirche einstürzten. Unter der Einwohnerschaft brach eine allgemeine Panik aus, die Menschen stürzten halbnackt ruf die Straße und verbrachten die Nacht unter freiem Himmel. Der Herd des Erdbebens lag bei Korinth. Die Regierung hat eine große Hilfsaktion eingeleitet und über taufend Zelte in die bs- troffeuen Ortschaften geschickt. Der Sachschaden ist bedeutend größer, als anfangs angenommen wurde. Menschenleben sind dagegen nicht zu beklagen. Dieses Erdbeben ist etwa ebenso stark wie die Beben von 1858 und 1928. Schneesportunfälle>» Frankreich Elf französische Sportleute vermißt. Paris, 5. Januar. Drei schwere Unglücksfälle haben sich in den letzten Tagen in dem verschneiten französischen Alpengcbiet ereignet. Wie aus B r i s a n? o n gemeldet wird, wurden sechs f r a n- zö fische Skifahrer, die von dem italiensschen Dorfe Elavieres aus einen Ausflug unternahmen, von einer Lawine ver- schüttet. Hundert Skifahrer eines französifchen Infanterieregiments und italienische Alpenjäger sind zur Hilfeleistung auf- gebrochen. Sie fanden die Unglücksstelle, konnten jedoch infolge der zehn Meter hohen Schneemassen noch keinen Körper finden. Die Ausgrabungen werden mit fieberhafter Eile fortgesetzt. Weiter wird aus Brisan?on gemeldet, daß zwei französische Studenten von einer Lawine überrascht wurden: während einer gerettet werden konnte, wird der andere noch vermißt. Ferner wird aus N o n t i e r s an der italienischen Alpengrenze gemeldet, daß vier junge Skifahrer seit zwei Tagen ver- mißt werden. Der tschechische Fliegerleulnanl Sehor ist im Juni v. I. von Olmütz nach Breslau desertiert. Das Flugzeug wurde zurückgegeben. Nun wird auch Sehor ausgeliefert, aber unter der ausdrück- lichcn Bedingung, daß Sehor nicht wegen Fahnenflucht und Dieb- stahls des Flugzeugs, sondern lediglich wegen verschiedener Betrüge» reien abgeurteilt wird, deren er beschuldigt ist. Friderimsfilm ausgepfiffen. Vorstellung in Mannheim unterbrochen. Mannheim. 5. Januar.(Eigenbericht Bei der gestrigen Aufführung des Filmes„Das Flöten« konzert von Sanssouci" im'Mannheimer Hugenberg- Theater„Universum" kam es gegen 5 Uhr nachmittags zu erheb- licheu Protesten. Von verschiedenen Stellen des Saales ertönten bei besonders provozierenden Stellen des Filmes Rufe wie„Nie wieder Krieg!",„Gebt uns den Film„Im Westen nichts Neues", „Nieder mit Hugenbcrg und seiner Schmiere!" Im Saal anwesend« Kriminalbeamte schritten ein, konnten aber die Fortsetzung der anti- militaristischen Demonstrationen nicht hindern, woraus die Vor» stellung unterbrochen werden mußte. Bei Eintreffen des Notrufkommandos der Polizei kam es vor dem Theater zu größeren Aufläufen und Ruhestörungen. Fabrikbrand in der Schillingstraße. Im Lager der Jute- und Sacksabrik Kohlbaum, Schillingstraße 14, brach hsu!e vormittag Feuer aus, das an den leicht brennboren Stoffen und Feriigfabrikoten reiche Nahrung fand. Die Flammen griffen sehr schnell um sich, so daß die Feuerwehr mehrere Stunden zu tun hotie. Die Entstehungsursache ist bisher unbekannt. Montag, 5. Januar. Berlin. lö.OS Das Gesiclit unserer Jugend.(D. OönUier Deün.) 16.30 Giuseppe Martucci(geb. 6. Januar 1S56). 1. Zwei Capricen. B-Mull und G-MoII. op. SO. 2. Trio Rs-Dur für Klavier, Violine nnd Cello, op. 62.(Winfried Wolf, Tlügel: KonzerUn. F. r. SzpanowsVi, Violine und J. Bürger, Cello.) 17.30 Das Heldische in der heuligen Dichlung. Gespräch zwischen Marli» Beheim-Schwarzbach und Joach. MaaC. 17.53 Alinisterialdir. Prof. D. Dr. Richter: Universität und Berufsvorbildung. 18.20 Arbeltsmarkt. 18.25 Unterhaltungsmcsik.' 19.45 Interview der Woche. 20.15 Singakademie i Sinfoniekonzert. Dir.: Nicolai Melke. Solist: C�uarä Erdmann. Flügel. 1. Autbell: Capriccio für Orchester(Erslanfführnng). 2. Mozart: Konzert für Klavier nnd Orchester, C-Moll(K.-V. 49l). 3. Schostakowitseb; Suite a.„Die Nase"(Erstaufführung). 4. Mia.- kowskl: V. Sinfonie(Berliner Funk-Orchester). 22.15 Wetter». Tages- und Sportnachrichten. AnschlieSend bis 0.30 Tanzmusik. Königs wnsterhaaeee. 16.00 Paul Reiniger: Möglichkeit des Gesangsunterrichts i» der oinklassigen Landschule. 17-30 Gedenkstunde für Karl Storck. 18.00 Dr. Kahn: Hnngerkünstler und Vielfresser.• 18.30 Prof. Dr. Karl Schmitt: Der moderne Staat. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Prof. Dr. Ritter: Die Bedeutung volkswirischaftliclier Kenntnis für den Landwirt 20.00 Dr. Engen Diesel; Mensch und Maschine. BERLIN-SCHONE BERG— HAU PT-STR ASSE. 163