Morgenausgabe 4S.Hchrg Berliner volksvlali Oiensiag 6. Januar 1931 Groß-Äerlin 1U Pf. Auswärts i.5 Pf. Die e i n i P a I! i g e NonparetllezeNe 80 Pfennig. Reklame'eile S,— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� da» ettge- druckte Wort 25 Pfennig tsuläfsig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort il) Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 4() Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäft Lindenstraß« 3. wochentägiich von 8V, bis 17 Uhr. Jenteaiovgan der«Sozialdemosratifchen Oastei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Kernsvrecher: Dönhoff S92— L97 Telegramm-Adr.: So,iald«viokrlit Berlin. Borwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkontos Berlin 37 336.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und veanaen, Lindenstr. 3, Dt. B. u. DiSc-Ges., Dcpositcnk., Jcrusalemer Str. 65/66. Die Leiche unseres ermordeten Genossen WIHI Schneider ist am Mittwoch, dem T.Januar, in der Zeit von 14 bis 16 Uhr, im Saalbau Friedrichshain, Gartensaal, aufgebahrt. Von 16.30 bis 17.30 Uhr findet dort die Trauerleier statt. Im Anschluß daran Ueberführung der Leiche nach dem Krematorium Gerichtstraße. Die Parteigenossen, das Reichsbanner und die freien Gewerkschaften stellen das Trauergefolge. Die Kreise treten wie folgt an: Spitze: 4. Kreis Prenzlauer Berg, Straße am Friedrichshain, an der Bötzowstraße. Die übrigen Kreise von 1—20 schließen sich dann an. Der Trauerzug passiert folgende Straßen: Bötzow-, Elbinger-, Oanziger-, Eberswalder-, Bernauer-, Acker-, Garten-, Gerichtstraße, Nettelbeckplatz, Krematorium Gerichtstraße. Umflorte Banner und Fahnen werden mitgeführt. Alle Parteigenossen beteiligen sich] Der Bezirksvorstand. » Der Cauvorstand Berlin• Brandenburg des Reichsbanners„Schwarz- Rot-Gold" teilt mit: Bei der Trauerfeier für den von Nationalsozialisten erschossenen Kameraden Willi Schneider, im Saalbau Friedrichshain und bei der Ueberführung nach dem Krematorium GerichtstraBe, beteiligt sich das Reichsbanner wie folgt: Ehrenwache von 8 Mann stellt Kameradschaft Arnswalder Platz. Dazu das Gaubanner, Ortsvereinsfahne Prenzlauer Berg, Kameradschaftsfahne Arnswalder Platz. Antreten 13.30 Uhr, Saalbau Friedrichshain, Gartensaal. Die Ehrenkameradschaft stellt Prenzlauer Berg. Antreten 16 Uhr, Saalbau Friedrichshain, Garten. DieMusikkapelle stellt Weißensee. Antreten 16 Uhr, Saalbau Friedrichshain, Garten. Die Splelleute stellen Prenzlauer Berg und Wedding. Antreten 16 Uhr, Saalbau Friedrichshain, Garten. Spallerblldung In der GerichtstraBe: Hieran beteiligen sich sämtliche Berliner Kreise. Antreten für alle 18 Uhr, wie folgt: Kreis Norden: Ruheplatzetraße, Spitze GerichtstraBe Kreis Westen: Kolberger Straße, Spitze GerichtstraBe Kreis Sflden: Hochstraße, Spitze Gerichtstraße Kreis Osten: Grenzstraße, Spitze Gerichtstraße. Anzug: Bundeskleidung(Kniehose), schwarze Krawatte. Fahnen mit Trauerflor. Splelleute und Musiker ohne Instrumente. Die Treffpunkte sind unter Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen. Geschlossene An- und Abmärsche dürfen wegen des bestehenden Demonstrationsverbötes nicht stattfinden. Weitere Anordnungen ergehen noch schriftlich an die zuständigen Führer. Berlin gibt das Beispiel. Wie Arbeitslosigkeit und Wohlfahrtslasten vermindert werden. •5m Gegensatz zu den privaten Arbeitgeberoerbänden haben sich der S t ä d t c t a g wie der Reichsarbeitgebervcrband der kommunalen und anderen össentlichen Betriebe aus den Standpunkt gestellt, daß die gewerkschaftliche Forderung der Verkürzung derArbei-tszeit richtig und zweck niäßig sei. Das Präsidium des Deutschen Städletages hat die angeschlossenen Städte aus diese Mahnahme im besonderen hingewiesen, und der Vorstand des Reichsarbcitgeberverbondes bat sich in einer Sitzung am 15. November mit diesen Fragen und den Fragen der Lohn- Politik beschäftigt und seine Stellungnahme in zwei Entschlie- Hungen niedergelegt, in denen er den Gemeinden en, pfähl, zwecks Einstellung weilerer Arbeitskcäfke aus der Zahl der Wohlsahris- erwerbslofen eine Verkürzung der Zlrbeitszeii ohne Lohnausgleich überall da einzuführen, wo die betriebstechnischen und wirtschaftlichen Verhältnisse solche ermöglichen. Wo infolge Arbeitsmangels eine volle Beschäftigung der Beleg« schaft nicht mehr möglich ist, soll vor Arbeiterentlassungen eine Streckung der Arbeit vorgenommen werden. Auch die Reichs« und Staatsbehörden sollen ersucht werden, in gleicher Rich« timg in ihren Betrieben vorzugehen. Alle Bestrebungen auf Senkung der Preise, besonders auf dein Gebiete des not- wendigen Lebensbedarfs, sollen nachdrücklichst unterstützt werden. Hierzu gibt der Reichsarbeitgcbervcrband im.�entralblatt" für die össentlichen Verwaltungen und Betriebe die Erklärung ab, daß von einer Senkung der Löhne und Gehälter im öfsent- lichen Dienst in den Fällen abgesehen werden kamz, alz durch den mit einer Arbeitsverkürzung verbundenen Lohn aussall bereits vorübergehend die Grenze für eine mögliche Minderung der Bezüge der Arbeiterschaft erreicht ist. In der Folge haben zwischen dem Gesarntverband als gewerkschaftliche Vertretung der in den Gemeindebetricben beschäftigten Arbeiter und dem Rcichsarbeitgeberverband B e r h a n d- l u n g e n staltgesunden, zu dem Zweck, etwa 50 600 Erwerbslose wieder in den produkiionsprozeh einzureihen. Es ist zu einer Vereinbarung gekommen, die bestimmt, daß sämtliche lieber stunden abgefeiert werden müssen, alle Mehrarbeitsabkommen außer Kraft gesetzt werden, in Schichlwechselbetrieben die 48stündlge Arbeitszeit durch- geführt wird und eine allgemeine Herabsetzung der Arbeitszeit stattfindet. Der Zweck dieser Vereinbarung ist die Beschäftigung von Tvohlfahrlserwerbslosen, die aus Gemeinde- Mitteln bisher unterstützi werden muhten. Diese Vereinbarung oerlangt von den Belegschaften ein O p s e r. Eine Verkürzung der Arbeitszeit von vier Stunden wöchentlich be» deutet einen Lohnausfoll von über 8 Prozent. Der Gesomtverband hat aber diesen Appell an das Solidaritötsempsinden semer Mitglieder nur machen können, in der Erwartung, daß von einer Kündigung der Lohntarife Ab st and genommen würde, wie dies auch der Rcichsarbestgebervcrband seinen Mitgliedern anheimstellt«. Obgleich das Abkommen am 4. Dezember abgeschlossen wurde, haben bisher nur die Bezirke Hamburg, Frankfurt a. M. und Pommern von der Vereinbarung Gebrauch gemacht. Dagegen haben die Verbände für den Freistaat Sachsen, Westfalen, Ostmark und Köln. Bayern und Hannover die B e z i r k s l o h n- tarife gekündigt, ebenso eine Anzahl von Gemeindeverbänden die Angeftelltentarife. Die Gemeindearbeiter waren bereit, durch die Verkürzung der Arbeitszeit freiwillige Lohneinbuhen auf sich zu nehmen, unter der Voraussetzung, doh damit den Erwerbslosen Arbeitsmäglichkeiten gegeben werden. Sie sind aber entschlossen, sich gegen eine Lohnsenkung zur Wehr zu setzen, di« außerdem den Gemeinden die Erhöhung der Wohlfahrtslasten bringen muß. Erfreulich ist es. daß nunmehr auch Berlin eingerückt ist in die Reihe der Städte, die eine Entlastung der Wohlfahrtsausgaben und des Arbeitsmarktcs durch Verkürzung der Arbeitszeit anstreben. Zwischen der Stadt Berlin, der Bewag, den Städtischen Gas- und Wasserwerken auf der einen und dem Gesomtverband auf der anderen Seite ist nunmehr ein Abkommen getroffen worden, wonach für rund 35 000 Arbeiter, die van der Stadt Berlin oder den angesührten Werken beschäftigt werden, die 44.Stunden-Wochc eingeführt wird. Die Durchführung erfolgt im Laufe des Monats Januar j« nach deii technischen Möglichkeiten. Dadurch werden etwa 1500 Ent. lassungen vermieden und 2000 Reueinstellnngeu vorgenommen. Die Reueinstellungen sollen ausdrücklich aus den W o h l f a h r t s- erwerbslosen entnommen werden, um dadurch die Finanzen der Stadt Berlin zu entlasten. Be! einigermaßen gutem Willen geht es also. Wenn jeder Unternehmer unmittelbar die Losten aufzubringen hätte für die Unterstützung der Arbeitslosen, so würde z. B. die Reichsbahn sich längst bereit erklärt haben, die 4S-Stunden. Woche durchzuführen. Es könnte dann nicht vorkommen, daß ei» Unternehmersyndikus es bedauert, daß die Leiter eiues Unternehmens nicht in Schutzhaft genommen werden können, weil diese die Arbeitszest auf sechs Stunden verkürzt halten! Statt der Lohnsenkungen, die die katastrophale Arbeitslosigkeit nur noch verschärfen, würde man eben die Arbeitszeit verkürzen, die Belastung der Betriebe und der ösfeutlichen Finanzen durch die hohe Arbeitslosigkeit ent- sprechend vermindern und so wirklich zu der nun bereits geradezu berüchtigten Ankurbelung der Wirtschaft etwas beitragen. Es ist soviel gegen Berlin und seine Verwaltung geschrieben worden, daß man sich um so mehr freut, hier Berlin als gutes Beispiel voranzustellen. Drei Kämpfe ums Mcht. Bullerjahn, Frieders, Haismann. Von Gustav Radbruch. Wer sich für die Gerechtigkeit in deutschen Landen mitverantwortlich fühlt, ging mit belastetem Gewissen in das neue Jahr. Ein Mann fitzt, aebrandmarkt als käuflicher Landes- Verräter, feit Jahren im Zuchthaus, obgleich das gegen ihn ergangene Strofurteil in seinen Grundlagen erschüttert ist— Bullerjahn. Seit Sohren lebt ein anderer ohne Amt und Brot im Exil, weil er in der Heimat die Vollstreckung eines gleichfalls der Ueberzeugungskraft inzwischen entkleideten Strafurteils wegen abgeblichcn Falscheides erwarten mutz— Frieders. Ein Jüngling, dem durch ein ebenso fragwürdi- ges Strafurteil Totschlag am eigenen Vater zur Last gelegt wird, harrt, nach Jahren der Strafverbüßung endlich be- gnadigt, der Wiederherstellung seiner Ehre— H a l s m a n n. Das Jahr 1S31 muß die deutsche Rechtspflege— in die ich die Justiz des österreichischen Bruderstaates einbegreife— von diesen Flecken reinigen. Alle drei Urteile sind in der Presse so vielfach erörtert worden, daß die Kenntnis der ihnen zugrunde liegenden Sach- verholte vorausgesetzt werden kann. Die Verurteilung Vullerjahns wegen Landes- verrats zu fünfzehn Jahren Zuchthaus stützt sich zu einem Teile auf die Aussage einer„ungenannten Vertrauensperson", die „in Ansehung ihrer Glaubwürdigkeit und persönlichen Un- beteiligtheit über jeden Zweifel erhaben" sei. Die Aussage ist dem erkennenden Gericht durch das Zeugnis der Kriminal- kommistare und der Untersuchungsrichter zugänglich geworden. vor denen sie abgelegt wurde. Diesen Zeugen hatten die vor- gesetzten Behörden die Aussage nur mit der Einschränkung gestattet, die Person ihres Gewährsmannes nicht nennen zu dürfen. Ich frage: Kann dem Untersuchungsrichter, der unab- hängiger Richter auch dann bleibt, wenn er über die Vor- Untersuchung als Zeuge vernommen wird, eine Beschränkung seiner Aussage über Tatsachen auferlegt werden, die, wenn es mit rechten Dingen zugei� aus den Akten der Voruntersuchung ersichtlich sein müssen? Ich frage: Wie soll es gerechtfertigt werden, daß diese Tatsachen im vorliegenden Falle aus den Akten der Voruntersuchung nicht ersichtlich waren, daß die Protokolle über die Vernehmung der„unbekannten Vertrauens- perfon" weder die Angabe über ihre Persönlichkeit noch ihre Unterschrist enthielten? Das Verfahren, das zu dem Buller- jahn-Urteil führte, ist also mit Ordnungswidrigkeiten belastet. Auf das Urteil selbst aber wirft einen dunklen Schatten eine Prcsseäußerung, durch die der Urteilsverfasser und Bericht- erstatter es zu rechtfertigen versucht Hot, eine Aeußerung, von der ein so besonnener Kritiker wie Professor M i t t e r m a i e r» Gießen gesogt hat:„Sie hat der Würde des Reichsgerichts sehr geschadet". Er hat damit, wie ich zu glauben Anlaß habe, einer auck) in den Kreisen des Reichsgerichts selber geteilten Ansicht Ausdruck gegeben. Die„ungenannte Vertrauensperson" ist überdies heute nicht mehr unbekannt, und ihre Glaubwürdigkeit und Un- interessiertheit erscheint jetzt nicht mehr als so„über jeden Zweifel erhaben", wie das Gericht es in seinem Urteil an- nahm. Weiter lzat der angebliche Empfänger der landesver» räterischen Mitteilung, ein ehemaliger französischer Offizier, sich zu einer für Bullerjahn entlastenden Aussage bereit erklärt. wenn seine vorgesetzte Behörde ihm die Erlaubnis zur Aussage erteilt. Angesichts dieser„neuen Tatsachen" wäre es ein fach' liches Unrecht, wollte man der Wiederaufnahme formalistische Hindernisse in den Weg legen. Es wäre ein schwer verstand- licher Formalismus, wenn man aus Grund der Fassung des Urteils behaupten wollte, die Aussage der unbekannten Ver- trauensperson über Bullerjahns Täterschaft sei angesichts des ohnehin schon geführten Indizienbeweises auf die Entscheidung ohne Einfluß gewesen— zumal da das Urteil in einem Atem- zuge diesen Einfluß leugnet und doch anerkennt, daß die Aus- sage für die Entscheidung von„großer Bedeutung" sei. Es wäre ein noch schwerer erträglicher Formalismus, die Zu- lässigkeit der Wiederaufnahme von der Entscheidung über die Zuständigkeitsfrage abhängig zu machen, wer sich um die Aussageerlaubnis für den ehemaligen französischen Offizier zu bemühen habe, die Verteidigung oder die staatlichen Bs- Hörden. Wir begrüßen es deshalb, daß entgegen der vor- läufigen Stellungnahme des Oberreichsanwalls der derzeitige Verweser des Reichsjustizministeriums fein Eintreten für die Zulassung der Wiederaufnahme in Aussicht gestellt hat. Im Gegensatz zum Fall Bullerjahn liegt der Sachverhalt des Falles Frieders völlig klar. Der Weimarer Ober- ftaatsanwalt Frieders hatte als Zeuge bei seiner eidlichen Ver- nehmung bekundet, in dein Verfahren gegen den thüringischen Bankpäsidenten Loeb sei ihm ein Antrag eines ihm unterstellten Staatanwalts, in dem zwar Loebs Außerverfolgungfetzung be- antragt, aber durch die Art der Begründung dem Gericht nahegelegt war, das Verfahren trotzdem zu eröffnen, nicht vor- gelegt werden. Es stellte sich aber heraus, daß dieser Antrag von Frieders gegengezeichnet war. Der unterstellte Staats- anmalt hatte nämlich unerhörterweise einen von dem Ober- ftaatsanwalt bereits gegengezeichneten früheren Antrag, der eindeutig auf Loebs Außerverfolgfetzung gerichtet war, zer- rissen und ihn stillschweigend durch den soeben erwähnten An- trag ersetzt; dieser neue Antrag war im normalen Geschäfts- gang mit anderen Schriftstücken dem Oberstaatsanwalt zu- geleitet und von ihm ohne genauere Prüfung gegengezeichnet worden in der Meinung, nur die vergessene Gegenzeichnung des ursprünglichen Antrags nachzuholen. Auf diesen Sach- verhalt wird die Verurteilung wegen fahrlässigen Falscheides gegründet, und war eine Verurteilung zu einer Strafe, deren ungewöhnliche Höhe— fünf Monate Gefängnis— nur verständlich ist, wenn man in ihr eine unbewußte Berdachtsstrafe für einen nicht erweislichen Meineid erblickt, Ein Jurist und Forscher von hohem wissenschafllichen Ansehen, der Professor der Staatswifsenschaften an der Univerfi-/ 'tat Berlin. I. Jastrow, hat es sich nicht verdrießen lassen, dem Fall Frieders einer so umfangreichen, grundsätzlichen und eindringlichen Analyse und Kritik zu unterziehen, wie sie selten einem Fehlurteil zuteil geworden ist. Denseiben Mann, der sich schon anläßlich des in unserer Partei unvergessenen Essener Meineidsprozesses von 1895 der Sache der Unterdrückten an- genommen hat, hat sein Rechtsgewisien genötigt, in seinem Alter noch einmal einen großen Kampf ums Recht auf sich zu nehmen. Sein Buch zeichnet auch die politischen Hintergründe des Falles Frieders. Wenn dieser Fall in der Oeffentlichkeit bisher nicht den gleichen Widerhall gefunden hat wie andere verwandte Fälle, so hat dies seinen Grund darin, daß Frieders höchst unglücklich zwischen sämtlichen parteipolitischen Stühlen . zu sitzen gekommen ist. Bon einer Linksregierung aus Preußen nach Thüringen berufen, war er d« Rechten überdies noch durch sein« jüdische Abkunft verdächtig: von der Rechts- regierung in politischen Prozessen gegen die ehemaligen sozial- demokratischen Amtsträger in den Bordergrund geschoben, ver- darb er es auch mit der Linken. Gerade deshalb ist es für alle, denen nicht nur die Gerechtigkeit gegen die eigenen Ge- sinnungsgenosien, sondern die Gerechtigkeit um ihrer selbst willen am Herzen liegt, Ehrensache, sich für Frieders' Rehabili- tation einzusetzen, und zwar ohne Rücksicht auf die abweichende Beurteilung dieses Falles durch einen uns zu früh entrissenen verehrten Parteigenossen, durch Paul L e v i— sie hält der eingehenden Erörterung des Falles durch Jastrow nicht stand. Am rätselhaftesten liegt der Fall H a l s m a n n. Auf einer Wanderung im Zillertal mit seinem Sohn, dem Stuben- ten Halsmann, kommt der Zahnarzt Halsmann aus Riga ums Leben. Der Sohn behauptet, er habe den Vater an einer be- stimmten Stelle abstürzen sehen. Der Befund der Leiche er- gibt aber, daß er nicht durch Absturz umgekommen ist, sondern durch Totschlag. Für die Täterschaft des Sohnes spricht ledig- lich, daß er der Begleiter des Vaters war und daß er den Ab- stürz von einer Stelle aus gesehen zu haben behauptet, von der die Sicht unmöglich war— irgendein glaubhafter Beweggrund zu einer so furchtbaren Tat ist bei ihm nicht aufzufinden, man müßte denn aus das psychoanalytische Schema des Oedipus- Komplexes zurückgreifen wollen. Die Absturzbehauptung und der Totschlagsbefund lassen sich aber™ auch abgesehen von der Annahme einer Wahrnehmungstäuschung des Sohnes sehr wohl in Einklang bringen: an den» vor den Augen des Sohnes Abgestürzten kann, während der Sohn Hilfe herbei- holte, ei» Dritter den Totschlag verübt haben; Anzeichen eines Raubmordes liegen in der Tat vor, der Sohn aber kommt als Täter eines Raubmordes nicht in Betracht. Dennoch wurde der Student Halsmann auf die Autorstät eines Gutachtens der Innsbrucker Medizinischen Fakultät wegen Totschlags zu vier Lahre» schweren Kerkers oerurteilt. Zwar hat ein so kenntnisreicher Kriminalpsychologe wie Hans v. H e n t i g Halsmanns Verurteilung für berechtigt er- klärt, indem er freilich zugleich zugab, ohne Kenntnis der Akten und der Person Halsmanns eins endgültige Urteilsbosis nicht zu haben. Aber dieser vorläufigen Stellungnahme steht gegenüber die eingehende Untersuchung des Falles Halsmann durch den Wiener Rechtslehrer Josef Hupta und die eindrucksvolle Stellungnahme des großen Strafrechtslehrers und Schöpsers des schweizerischen Strafgefetzentwurfs Carl Stoyß.£aß diese Auffassung sich durchzusetzen beginnt. zeigt die Begnadigung Halsmanns,„das letzte und menschlich schönste Werk der Regierung Schober". Möge der Begnadi- gung die Wiederaufnahme folgen!— Es bleiben Zweifel in dsm einen oder dem anderen Falls t- gewiß: die Wiederamnabme ist dazu da, sie zu klären. Es sind weniger sympathische Züge des einen oder des anderen Angeklagten, Ungeschicklichkeit«: und Fehlgriffe an de» Tag -getreten— vielleicht: denn sonst wäre es nicht nötig, sich für sie einzusetzen, ohne solche Unstimmigkeiten pflegt es ja zu Fehlurteilen nicht zu kommen. Das Nechtsgefühl eines Volkes ist meßbar an der Heftigkeit, mit der es auf Rechtsverletzungen auch dort antwortet, wo die Verletzung des Rechts nicht zu- gleich.'Verletzung, fei es eines eigenen Interesses, sei es eines Interesses der Gruppe ist, zu der man sich rechnet. Hier sind drei Fälle, an denen solches Rechtsgefühl sich erproben kann. Reichsbanner steht bereit! Ein Aufruf des Bundesvorstandes. Magdeburg 5. Zauuar.(Eigenbericht.) Der Buudesoorftand de» Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat am Montag, dem ö. Januar, folgeudeu Aufruf erlassen! Am Vundesgründungstag: marschbereit? Sameroden, in wenigen Wochen jährt sich zum siebenten Male der?ag der Gründung unseres Bundes, aber noch find die Ans- gaben, die uns eine Zeit der Wirrnis und der Rot gestellt hat. nicht gelöst. Nichts als die Verheißung eines Deutschland der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung hielt uns, als wir aus Rot und Tod des Krieges heimkehrten. Auch diese Verheißung soll un» genommen werden. Ans Befihtnm, das wir während de» Krieges mit verteidigten, wird seil Jahr und Tag der innere Krieg gegen die Deutsche Republik sinanziert. Eigennuh, Machthunger und Machtdüukel Hetzen ehemalige Soldaten gegen Kameraden von einst. Der einfache Mann, avf dessen Schultern die Last des Krieges am härtesten ruhte, soll auch die Kosten tragen, soll als Staatsbürger entrechtet werden! Roch ist es nicht möglich gewesen, den neuen Staat der Deutschen zu unerschütterlicher Einheit zu formen. Schwerer als j« zuvor wird Im nächsten Jahre der Kamps unseres Bundes werden. Wieder wie in den verhängnisvollen Zahlen 192212) nähren auswärtige Mächte die inneren Konslikte Deutschlands. Wieder sind Deutsche bereit, Landskncchlsdienste sür fremde Staaten gegen da» eigene Volk zu leisten: Kommunisten folgen den Moskauer Befehlen, Siahlhelmer nnd Rational- sozia listen paradieren vor Mussolini. Die einheitliche Führung der deutschen Außenpolitik ist durch da» Treiben insbesondere der deutschen faschistischen Verbände iu Frage gestellt. Die Faschisten aller Länder werf« ffch dl- Bälle zu. Die Gefahr ist groß, daß saschistische Zellabe die Szenen beschrieben, stellt der„Populaire" fest, da G a l l i c n i entrüstet in den Ministerrat hineingeplatzt sei und in höchster Aufregung die Verteidigung von Paris gefordert habe mit der Begründung, daß der Generalissimus systematisch jede Schutzmaßnahme unterlassen habe. Die Regierung sei tagelang schwankend gewesen, bis in der entscheidenden, überaus dro- matischen Beratung I» l e s Guesde aufgesprungen sei und zitternd ausgerufen habe:„Die Hoffnung tes Hauptquartiers, daß die kampflose Ueberlassung von Paris die Stadt schonen werde, ist falsch Zu dem Augenblick, da die feindlichen Truppen einmarschieren werden, wird es aus allen Fenstern der Pariser Arbeiterwohnungen schießen, und die deuischen Truppen werden die Stadl zur Strafe in Flammen stecken." Erst die Iitteroention des sozialistischen Mi- »isters hat die Regierung zu bestimmen vermocht, gegen das Haupt- quartier die Verteidigung von Paris anzuordnen, und dieser Bc« schluß habe automatisch die Schlacht an der At a r n« zur Folge gehabt, in der die Armee Galliönis die entscheidende Rolle gespielt habe. Dieser Sachverhalt, so schreibt der„Populaire". sei bereits vor Jahren von B r i a n d ansdrücklich bestätigt worden. Am Sonntag, dem L Januar, früt) 6 Uhr,«itschlief nach langem, in großer Geduld ertragenem Leiten, mein Ileoer Mann, mein guter Later, Bruder, Schwager und Schwiegersohn Wilhelm Eisner im 3S Lebenijahr«. In tiefet Trauer Frieda Eltner, geb. Harllg ondToditer Edith. Berlin, den 5. Januar ISSI Slev hanstr, II. Tie Beerdigung findet am Miit- woch, dem 7. d, B!., nachm. Uhr, van der üap lle des Neuen Et. Ja- Hannes» Friedhofes in Plötzensee aus, statt. Kuifssenspeicher der Siaatslhcaier, 40 Meter tief, 12,5 Me er breit, etwa 10 Meter hoch für SüortzweiKe.aisVßrsaniiß- !!ingsrauiBn.a.ÄVeDu'ia Chorlner Str. 25, Humboldt 5771. 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I Ort Menganabgaba vorbahalten. Hiermit geben wir auch auf diesem Wege bekannt, daB unser einziges Kind, unser guter Sohn, mein lieber Bräutigam Willi Schneider uns w der Silvesternacht In den Morgenstunden des 1. Januar 1931 jäh entrissen wurde. Die heimtückische Mordtat eine» Haken- krenzlers brachte seinem hoffnungsfrohen Leben im 23. Jahre ein ailzufrühes Ende. In Trauer und zornigem Schmerz Berlin NO, Hufeiandstrafie 31. Panl Scfanefder und Frau Anna, geh Hitziger. Berit« O, BödlkerstraSe 1. Anna Peizold. Im Namen der Hinterbliebenen Aufbahruna Mittwoch, den T.Januar, nachmittags 2(Hl Uhr, im Saalbau Friedrichshain, Gartensaal. Trauerfeier dortselbst 4Vs Uhr. Einäscherung um 8(20) Uhr im Krematorium Gerichtstr. Durch Mörderkugel eines Nationalsozialisten fiel in der Silvesternacht unser Kollege Willi Schneider Wir verlieren in ihm einen zu den größten Hoffnungen berechtigenden, ehrlichen und überzeugten i'erbandskollegen. Beschäftigt bei der Allgemeinen Onskrankenkasse der Stadt Berlin. war er auch seinen engeren Kollegen ein lieber Freund, dessen Andenken ins'eiondere in der Fachgruppe Sozialversicherung In Ehren gehalten werden wird. Zentral verband der Angestellten Ortsgruppe Groa-Berlin Zahlreiche Beteiligung der Koliegenschaft zum letzten Geleit wird erbeten. Aufbahrung der Leiche Im Gartensaal des Eia- blissemcnts Friedrichshain am Mittwoch, dem 7. Januar 1931, 16';, Uhr. Abmarsch von dort zum Krematorium um IT1;, Uhr. IMer Metallarbeiter'Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Scn Mitgliedern jur Ncchrichl, hetz unser jiallege, der Klempner Josef Zornig gek. 29. Juli 187 L am 31. Dezember an Nierenleiden gestorben ist. Die Beeidigung findet Mittwoch. dem 7 gannar 1931, 11'/, Uhr, van der Leichenhalle dea Gemeinde-Fried- Hose» in Bcumschuienweg ans ftaii. gerner fiard am 3. Icnncr an Herz- leiden unser Kollege, der Nevclver- drehet Wilbeim Magdeburg geb. 20. September 1865; Di« Beerdigung finde! cm Freitag, dem 9 Jänner, ll'/j Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde Friedhofes in Baumichulenweg ans ftaii. Rrge Beieiiigung wird erwartet. Ehre ihrem Andenfen. venhsagungl Für die vielen Beweise beim Heim- gange meines liebe» Mannes sage ich allen Deiwandien nnb Belannien der SP?., dem Melallar beilerver dand. der Schmiedefasse, der Firma Rüsche! u. HemMderg, dem Pfianzeivevein Blumenau meinen innigsten Danf Ida Halchln. Am 2. Januar 1931 verschied nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, der GewerksobaftsangesteUte Louis Nixdorf im 6ä. Lebensjahr. Berlin, den 5. Januar 1981. Rytestraßo 2. In tiefer Trauer Panllnc Klixdorf, geh. Bürgel, WI1U ,\lxdor(, als Sohn, Dorothea Nixdorf, als Schwiegertochter. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 8. Januar, im Krematorium Gerichtstraße um 19 Uhr statt. 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Der BetHner Polizeipröfident wendet sich jetzt mit einem Anfrvi. den wir bereits gestern abend ankündigten, an die Oeffentlichkeit und bittet die Verld'er Levölkerung unter Hinweis auf die t000 Mark Belohnung, wl der Ermittlung und Ergreifung der flüchtigen hakenkreuzler, die in der Silvesternacht den Reichsbannermaun Willi Schneider und den Parteigenossen Ernst Graf kaltblütig niederknallten, talkräftig mitzuarbeiten. Der Politischen Polizei waren die Namen und Adressen von drei N a tr on a ls oz i a l ist e n, die für den Doppelmord als Täter in Frage kamen, bereits seit Togen bekannt. Es handelt sich um den Zchährigsn Kaufmann Rudolf Becker, Am Zriedrichshain 7. den 24iLhrigea Maler Max hanfchke ans der Rastenburger Straße?l und dsu lSjährigen Maurerlehrling Haus Sollacz aus der Ehodowieckiftraße 8. Zunächst wurde von einer Veröffentlichung der Namen aber abgesehen, da auf Grund des umfang- reichen Fahndungsdienstes mit einer Verhaftung der Flüchtigen beinah« stündlich gerechnet werden konnte. Diese Hoffnung hat sich leider als trügerisch erwiesen, deun die Gesuchten haben feit der Mordnacht weder ihre Wohnungen ausgesucht noch sind sie später irgendwo gesehen worden. Entweder haben die Täter bei ihren Komplicen in Verlin Unterschlupf gefunden und werden vorsichtig verborgen gehalten oder sie sind unmittelbar nach der Tat in die Provinz geflüchtet. Wie die Mörder aussehen. Nach den bisherigen Ermittlungen hat Becker den jungen Schneider erschossen, houschke und Kollacz sind die mut- nützlichen Mörder des Parteigenossen Graf. Rudolf(Rudi) Becker ist etwa l,72 bis l,7S Meter groß, hat eine untersetzte Ge- stakt und ovales Gesicht mit starken schwarzen Augenbrauen. Er trägt einen kleinen schwarzen Bort, hat schwarze haare und trug in der Neujahrsnacht eine mittelgrau« sogenannte Schiebermütz«, Leder- sacke von mittelbrauner Farbe mit 3 bis 4 Zentimeter breitem Riegel und lange dunkle Hose. Nach den Zeugenaussagen flüchtete Becker, als er den tödlichen Schutz abgefeuert hotte, durch die hufelandstratze in Richtung Friedrichshain. Der Maler h a u s ch k e wird als ein etwa 1,65 Meter großer, schlanker Mann mit ovalem Gesicht und hellblonden haaren geschildert. Heber einer braunen Kletterweste oder braunem Hitlerhemd trug er einen dunklen lvtantel. Hans Kollacz ist 19 Jahr« all, etwa 1,77 Meter groß, schlank und bort- los. Er war mit einem dunkelblauen Anzug und blauer Tuchmütz« bekleidet, auf der ein sogenanntes Poung-Abzeichen angebracht war. Alle Mitteilungen, die streng vertraulich behandelt werden, sind an dos Polizeipräsidium, Abteilung IA, Zimmer 294 und 2396(hausruf 606 und 617) zu richten. Nazis überfallen Zugendliche. Welchen beispiellosen Terror die hokenkreuzker nn Nord- ästen Berlins, vornehmlich auch in der Umgebung der Danziger Straße und Prenzlauer All« ausüben, beweisen die zahllosen Uebersälle in der letzten Zeit aus Mitglieder der S o z i a l i st i» schen Arbeiterjugend. In der Barocke III in der Danziger Straße 62 befindet sich ein Jugendheim, in dem die Jungsozialisten häufig zu Diskufsions- und Gruppenabenden zu- sammenkommen. Auf diese Jugcndgenossen haben es die Hitler- gardisten, die stets in großer Uebermacht erscheinen, abgelten. In den letzten 14 Tagen sind von diesen Burschen nicht weniger als vier organisierte Uebersälle aus heimkehrende Jugendgenossen verübt worden. Die Burschen schreckten nicht einmal davor zurück, auf wehrlose Mädchen einzuschlagen. Das Polizeirevier in der Rykestraße hat häufig eingreifen müssen. Die Polizeihilfe, die wiederholt angefordert werden mußte, war aber zahlenmäßig so schwach, daß inrm.'r wieder Uebersälle der hakenkreuzler erfolge» konnten. Es ist unbedingt notwendig, den Polizei- streisendienst in dieser Gegend erheblich zu verstärken. Giftgas auf Anna II! Bier Bergleute ohnmächtig aufgefunden. Aachen, S. Januar. Auf der Grube Anna II, aus der sich vor einigen ZRo- unten die furchtbare Katastrophe ereignet hat. wurden 4 Bergleute mit Gasvergiftung aufgefunden, doch besteht keine Lebensgefahr. lieber die Ursache des Unfalls wird mitgeteilt: Der Eduardschacht war seit dem großen Unglück überdeckt. Mm hatte nun am Freitag die Decke weggenommen, wodurch eine Aenderung in der Wetterführung eingetreten war. Der Schacht, der die Bewetterung bisher vom Wilhelmsschacht au» er- halten hatte, bezog nunmehr auch F r i s ch l u s t durch den Eduard- schat. E» entstand ein sogenannter Sack in der Witte der Strecke, in der sich die Abgase der B e n z o ll o k o m o t i v e n sammelten. Die letzten Grofcken der Arbeitslosen. Ein genieiiier Schwindler, der nicht einmal davor zu- rückichreckte, Arbeitslosen den letzten Groschen abzunehmen, wurde gestern von der Polizei f e st g e n o m m e n. Es ist ein 27iähriger Kürt Vogel, der im vergangenen Lahr wegen ähn- licher Betrügereien zu Gefängnis verurteilt wurde, nach seiner Entlassung das alte Gewerbe aber gleich wieder aufnahm. Boges suchte die Bekanntschaft von stellungslosen Schlächtern und früheren Schlachthofangestellten, denen er Beschäftigung versprach. Er wußte die Leute geschickt zu überreden, sich einen Arbeits- k i t t« l anzuschaffen, den er angeblich„unter der Hand" für zehn bis zwölf Mark besorgen könne. In der Aussicht, wieder Arbeit zu bekommen, fielen die Leute auf den Trick herein. Sie mußten dann zu ihrer Enttäuschung erfahren, daß sie einem Schwindler in die Hände geroten waren. B. wird min wieder dem Richter vorgeführt werden. Matrosenmeuterei in plymouih 44 Mann in Host. London, 5. Januar. 42 Mann der Besatzung des englischen Unterseebootmutterschisfes „Lucia" wurden am Sonntagabend verhaftet und in die Kaserne der Werft von Plymouth gebracht. Die Marincleitung hat bekannt- gegeben, daß sie von disziplinarischen Unregelmäßig» leiten an Bord des Schiffes unterrichtet worden fei. Wie es heißt, hat eine Anzahl Matrosen den Gehorsam verweigert. In Plymouth wurden beurlaubte Mannschaften angewiesen, sich zur sofortigen Rückkehr an Bord ihrer Schiffe bereitzuhalten. Ueberall in der Stadt konnte man in den Straßen Gruppen sehen, die den Vorfall besprachen. Eine starke Matrosenabtcilung bewacht die Ein- gänge zur Werft. Schlechtes Flugwetter. Schneetreiben und Nebel zwingen wieder zur Notlandung. Bafel, S. Januar. Die Fliegerin Elly Beinhorn, die heute früh um 19,20 Uhr in Stuttgart Zli ihrem Afrikaflug nach Lyon weiter ge- startet sst, imißte wegen des schlechten Wetters bei Bessingen im Schwarzwold landen. Sie geriet bald nach ihrem Start in dichtes Schneetreiben und Nebel, so daß sie sich zu einer Landung auf einem Feld entschließen mußte. Nach zweistündigem Aufent- halt erhob sie sich mit ihrem Ktennn-Flugzeug vom völlig»er- schneiten Feld, und nach kurzem Weiterflug landete die Fliegerin in Basel. Die Fliegerin wird morgen früh, falls das Wetter günstig ist, ihren Weiterflug nach Lyon antreten. Vom Auio überrannt. Gewissenloser Bursche überfährt Oberkellner und flüchtet. Am vergangenen Sonnabend wurde um 21.15 Uhr der SZjährig« Oberkellner Hermann G ä d i ck e aus der Lrückenstr. 1 vor All-Trepww 2/3 von einen, Privatauto überfahren und getötet. Der Führer des Autos gab Vollgas und entkam rnh erkannt. Zeugfin, die den Dorfall beobachtet haben, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen dem nächsten Polizeirevier mitzn- teilen. Bei einer Probefahrt mit einem neuen Wogen stieß der 45jährige Industrielle Werner von Siemens in der Berliner Straße in Lkchterfelde mit einem Brauereiauto zusammen. Das Privatauto wurde schwer beschädigt; von Siemens erlitt durch Giosspcitter eine leichte Verletzung über dem rechten Auge. Gelbstmord eines Berliner Giudenien. Im Niesengcbifge tot aufgefunden.— Gift als Ursache. In der Bähe der Ortschaft Freiheit im Rieseagebirge wurde, einer Meldung aus Hirschberg zufolge, der Verlin« Student Heinz Vrenning. der einzige Sohn des in Bcrlin- Mariendorf wohnhaften Ehemigrapheu B.. tot aufgefunden. Anfangs wurde angenommen, daß der Student bei ein« Skitour den Weg verfehlt habe und dann e r f r o r e n fei. Bei d« Obduktion der Leiche hat sich ab« überraschend h«ausgcstellt. daß V. ein starkes, noch unbekanntes Gift zu sich genommen hat, das seinen Tod herbeiführte. Es wird vermutet, daß er die Tat au- Schwermut begangen Hot. * Ein aufregender Lorfall spielte sich gestern abend an der Tegeler Strandpromenade ab. Passanten beobachteten um 22 Uhr«in junges Mädchen, das den Steg der Pieperfchen Bade- anstatt überkletterte und sich dami ins Wasser stürzt«. Die Lebensmüde ging sofort unter. Es handelt sich um eine Ichährige Maria Rietze aus der Gleimstraße 2.— In feiner Wohnung in der Neftorftroße 14 in Halensee erschoß sich gestern der KSsähnge Staatsanwcrltschaftsrat a. D. Gustav Olt ro g g e. O. war früher bei der Staatsanwaltschaft III tätig. Fünf Todesopfer bei einem Fußballkampf. Lima, 2. Januar. Vor einer ungeheuren Zuschauermenge fand hier der Fuß- ballwetrkamps Uruguay-Peru statt. Dabei kam es zu wüsten Ausschreitungen der Zuschauer. Di« dem Kampf beiwohnen- den Soldaten zeigten sich besonders rabiat. Fünf Personen wurden getötet und zahlreiche ander« oerletzt. Bis in die späten Nachtstunden saßen sie beieinander und überlegten und rechneten. Tausend Einzelheiten waren zu erwägen, wenn alles klappen sollte. Doch Ludwig ermüdete nicht. Er fühlte, hier lag die große Chance seines Lebens. Noch vor Ende des Monats waren die Vorbereitungs- arbeiten für die in Angriff zu nehmende Serienanfertigung soweit gediehen, daß der Zuschneidemeister— es war Ludwigs ehemaliger Geselle Heinrich— rund um seine Maschine hohe Stapel holz liegen hatte. Heinrich mar mit Feuereifer bei der Sache. Er halte zwar im Kriege das linke Bein verloren. Aber trotz diesem Mangel umturnte er die mannigfachen Holzstöße ganz gewandt und schrie, als die Säge sich zum erstenmal kreischend ins holz fraß: „Nur gut, Chef, daß mir die Bagage damals vor Wilna nur den Fuß abgeschossen hat! hätt's die Hand getroffen, müßt' jetzt ein anderer hier sägen!" Als genügend Material vorgeschnitten war, telephonicrte Ludwig zum Arbeitsnachmeis. Die Einrichtung funktionierte prompt. Schon nach einer Stunde meldeten sich die ersten Gesellen. Scharenweise kamen sie nachher angelaufen. Sie drängten sich förmlich, um in die neue Firma zu kommen. Ludwig suchte sich die erfahrensten Leute aus, und einen Tag später schrie wieder der Lärm der Maschinen durch die Säle der so lange still und tot gelegenen Fabrik, schier die Trommelfelle zerreißend. Für Ludwigs Ohren war dieses tolle, ungebändigte Maschincngeschrci, dieses Aufbegehren gemarterten Holzes, die schönste Musik. Mit Wollust konnte er diesem Kreischen zu- hören. Stundenlang. War es doch für ihn nichts anderes als Üias mächtige, rasende Geburtsgcschrei des Werdenden, und, jtpar feines Werdenden. Jetzt begann sich alles das in Tat i umzusetzen, was er all die Jahre hindurch in langen schlaslosen I Nachtstunden erplant und errechnet und erwünscht und ersehnt hatte. Alles war im voraus bis in die kleinste Einzelheit fest- gelegt. Nirgends gab es eine Stockung. Das holz wanderte van einer Maschine zur anderen. Schon am zweiten Tage lichteten sich die Haufen, die Heinrich zugeschnitten hatte; die Arbeit sortierte sich in die Hände der einzelnen Arbeiter. Ludwig hatte seine Augen überall. Nichts entging ihm. Wo etwas nicht klappte, sorgte er aus der Stelle für Abhilfe. Auch Sandow tonnte nicht genug die Beine fliegen lassen, um überall nach dem Rechten zu sehen. Morgens, längst bevor die ersten Gesellen antraten, stand Ludwig schon im Kesselhaus bei den Heizern, kontrollierte den Dampfdruck, ging dann durch die großen weiten Säle, in- ipizierte die Maschinen, die Wertzeuge, das daliegende Material und verhandelte dann zum Schluß seines Rundgangs mit den Fahrstuhlführern über die Transporte, die tagsüber vorgenommen werden sollten. Die Leute staunten. Dieser Chef hatte es in sich. Der war ja überall, bekümmerte sich um die kleinsten Einzelheiten, steckte seine Nase in jeden Leimtopf. In den ersten Tagen kam jedermann mit Sonderwünschen zu ihm. Soweit sie die Arbeit betrafen, erfüllte er sie ohne weiteres. Waren sie dagegen persönlicher Art, so lehnte er sie ab. „Meine Firma sst eine Möbelfabrik!" pflegte er zu sagen, „Extrawürste werden hier keine gebraten!" " Ws die Arbeit weiter fortgeschritten war, stellte er noch mehr Leute ein. Je sechs Mann stellte er zu einer Kolonne zusammen, die speziell auf einzelne Möbelstücke eingedrillt wurden. Diese Kolonnen arbeiteten im Akkord. War die bestimmte Lieferung fertig, so wurde abgerechnet. Ludwig hielt streng darauf, daß tüchtig geschinnaggelt wurde. Faulenzen duldete er nicht. Er selber ging mit gutem Beispiel voran, indem er überall Zugriff, wo Not am Mann war. Er scheute sich nicht, den Saaltarren schieben zu helfen, der hochbepackt mit holz von einer Maschine zur anderen fussr. Sein Arbeitseifer brachte ihm bald einen Spitznamen ein und anzügliche Redensarten. „Karrenschiebcc" nannten ihn die einen: die anderen sagten:„Unser Chef ist unser letzter Hausdiener!" Er hörte wohl das Gewisper, das manchmal von Mund I zu Mund flog: Achtung, der Hausdiener kommt. Aber er be- achtete es nicht. Im Grunde seines Herzens gab er den Gesellen recht. In der Tat war er der Karrenschieber und der Hausdiener seines Unternehmens und mußte es auch sein. Für ihn ging es in diesem Falle um Sein und Nichtsein. Reüssierte die Fabrik nicht, so ging nicht nur sein Vermögen verloren, sondern dann brach auch sein sorgfältig erklügeltes Arbeitssystem zusammen. Es war ja sein System, das er hier ausgezogen hatte und das die Feuerprobe bestehen sollte. Gemessen am bisherigen, war sein System kühn, ja, geradezu umwälzend. Keine andere Werkstatt, keine andere Fabrik arbeitete in dieser Weise. Daher auch sein Vorsprung in bezug auf äußerste Kalkulation. Aber dieses System kostete Kraft und Nerven! Vor allem Nerven. Er mußte aus dem Damm sein. Auch Sandow. Höllisch mußten sie aufpassen. Ludwig, immer tiefer in die Mechanik und Zwangsläufig- keit des Produktionsprozesses eindringend, hatte noch kühnere Pläne bezüglich der Arbeitsrcrionalisierung. Es war möglich, die Gestehungskosten noch weiter zu senken. Aber an dieses Experiment, das er sogar vor Sandow noch geheim hielt, wollte er sich erst wagen, wenn die Ergebnisse des Kolonnen- Systems endgültig vorlagen. Bis dahin hatte es noch Zeit. Besonderen Wert legte er auf den Ausbau der Beizerei. Er holte der Konturrenz einen Meister weg, der mit den neuesten Methoden auf diesem Gebiete vertraut war und der nun nach seinen Anweisungen Laboratoriumsversuche machen mußte. Der Beizmeister, ein äußerst intelligenter Mann, be- griff sofort, worauf Ludwig hinauswollte, und hatte schon noch vierzehn Tagen ein Verfahren entwickelt, das konkurrenzlos war. Ludwig, bestrebt, das Geheimnis der Beizcbereitung zu wahren und es keinen fremden Leuten anzuvertrauen, hotte sich zwei seiner Brüder her, Paul, den Fabrikarbeiter, und Richard, den Dreher. Unter Anleitung des Beizmeisters waren sie bald zu tüchtigen Fachleuten ausgeblldet. Auch die Witwe seines gefallenen Bruders stellte er ein und beschäftigte sie mit Kontorarbeiten. Die noch jugendliche Frau arbeitete sich überraschend schnell ein, war gelehrig und interessiert und erwies sich in der Folge als eine Kraft, auf die er sich vollauf verlassen konnte. „Sie ist treu wie Sandow!" Das mar das höchste Lob, das er geben konnte. Darüber hinaus statte die Skala keine Einteilung mehr.(Fortsetzung folgt.) Krawall im Lugendheim. Verhehte jugendliche Erwerbslose als Zerstörer. In 6em Zugendheim des Lezirksamls Wedding in der Wisdenswstr. 5 kam es gestern nachmittng Aus- schrcitungcn irregeleiteter Erwerbsloser. Kurz vor 17 Uhr entstund plötzlich ein regelrechter Krawall. Ein Teil der anwesend«» Jugendlichen zertrlimniert« die Einrich- tungsliegenftünde, zerwars die Fensterscheiben und schüttele da» Ssscn aus den Iuhboden. Der Grund zu diesen Zwischenfällen ist in einer Bekanntmachung des chcinUcüers zu suchen, wonach ab 7. Januar Jugendliche über IS Jahre nach einer Bestimmung des Landes- jug.'Ndamte» in dem Heim keine Aufnahm« mehr' finden sollten. Von den? Heimleiter mutzt» schliztzlich das Nebsrsallkommando gerufen mrrden, doch hatten die Täte? bereits die Flucht ergrissen, als die Beamten eintrafen. Die Rädelsführer des Tumults find jedoch bc könnt. Allgemein besteht für die Jugendheim« die Vorschrift, Jugendlichen icher 18 Jahren den Aufenthalt nicht zu gestatten. Allerdings hott» man. so auch im Jugendheim in der Willdenowstraße, in Aus- nahmefällen auch Jugendliche» aber 18 Jahre die Anwesenheit ge- stattet, wenn sie dem Heimleiter persönlich bekannt waren und ihr Verhalten zu keinerlei Beanstandungen führte.(5s scheinen sich jetzt aber Unzuträglichkeiten herausgestellt zu hasten, die dem 5)cimleiter zu der Matznahnie Veranlassung gegeben haben. VerValierin überfallen. Ei«» Mieter als Retter. Sie Täter entkamen. Erst gestern mutzten wir über einen gelungenen Rauhscherfall berichten, bei dem die Täter i» her Eglvinstllctzi 1 in Moabit eine Ladcnbcsitzerin niederschlugen und 1800 38, erbeuteten. Ein ähnlicher Uebcrfall wurde gestern abend auf die Hgusoerwaltcrin Lina P. aus der Bochum er Straße perübt. Frau P. hatte Im Hause Brüsseler Straße sin Norden Berlins die Mieten einkassiert. Das Geld trug sie in einer braunen Aktentasche. As? die Frau den Hof überschreiten wallte, vertraten ihr plötzlich zwei Männer den Weg. Einer entriß ihr die Akten- tosche, mährend der andere sie durch einen B o x h i c b zu Boden streckte. Ein Mieter des Hauses, der in diesen, Augenblick den Hof betreten wollte, eilte der Ucberfallenen zu Hilfe. Die besdxn Täter stießen d«n Mann beiseite, tpars«n aber ans der Flucht die Tosche fort, in der sich 2000 M. Geld befand. Die Tqter sind gn- erkannt entkommen. Di« Verwalterin hatte am Unterkiefer durch den Boxhieb so erhebliche Berletzuflgen davongetragen, daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben muß!«. Harry Domesa geht es schlecht. Wegen«iner in, Okiober vorigen Jahres verübten Schwini»«!«! wurde Harry D o m t l a vom Schöffeugericht Nürnberg zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. In seinem Verhör gab Domela an, daß er an seinen, bekannten Buch 15 000 Mark verdient habe, davon ob«? kestren Pfennig mehr besitze. Der von Domcla au einem Baumeister ver- übte Betrug, bei dem es sich um einen Betrag von ZO Mark handelt, wurde vom Gericht als Notbetrug angesehen. Ein neues Kabarett der Zungen. Berlin hat ein neues Kabarett— und man kann nur wünschen, iuitz wir es genau so lebendig und frisch, wie es sich au seinem ersten Tage präsentierte, noch recht laug« behalten werden. Denn die„P i» g- P o>, g"- Leute, die sich� kürzlich in der„K a s f e e p l a n t a g e" am Kursürstendamm vorstellten, sind alle tüchtige und mutige Kerle. Sie haben vor allem einen famosen Textdichter, Rodert S ch i f t a n, und auch die Musik, für die Wen, fr Michel verantwortlich zeichnet, steht weit über dem Durchschnitt und ist oft recht originell. Wir wollen hier nicht alle Namen der viele» Mitwirkenden aufzählen, die sich am Eräfsnungs- tage einen netten Erfolg erkämpften. Als stärkste Talente ragen aus der Scl)ar Franz Fiedler u»d Max Fromm her- vor. Bis auf wenige Ausnahmen, die auf das Konto des weih- lichen Teiles gehen, ist allen gemeinsam jener Hauch ungezwunge- »irr Nolürlichkeit und jenes Fehlen routtmerter Spielereien, das M.r sonst so ast vermissen müssen. Wenn das so bleibt, merden veiadc dadurch sti« ,.Pi»g-Poi,g"-Lellt« i», Berliner Kabarett eine ganz besondere Stellung einnehmen. Die„Leitung" der Gruppe liegt bei Siegsried Schapira»nd dem in seiner natürlichen Schüchternheit besonders sympathischen Kurt Egon Wolfs, die i» der.Hauptsache auch die Conference besorgen. Wir hoffen, baß die Leute von der„Kasfeeplantage", deren Hauptstärkc in der politischen Satlre zu liegen scheiut, an der einmal eingeschlagenen Linie festhakten und»och bestehende kleine Unobe>,h-iten ausgleichen , verde». Dann werden sie trotz„Wohnungsnot" und der vielen rinderen Miseren Ihren Weg machen! Nie �px«che als Mittet zur Völterverständiquug. Heute mehr denn je bedürfen wir der persönlichen Freundschaften untsr Gleichgesinnten der uns am nächsten gelegenen Länder. Die international« Schittstilsverbrntdenheit des Proletariatz persönlich auch zu pflegen, das Ist die hohe Aufgabe der„Fredita'. Englische und sranzösis che Ansängerkurse sollen daher bereit» schon im Januar wiederum im Zentrum der Stadt neu eröffnet werden, Bestehende Kurse verschiedener Stufen in beiden Sprachen nehmen noch einige weitere Teilnehmer auf. Ab Mai siudcii wieder allmüchentlich die Zusammenkünfte mit ausländischen Genossen Im Gewerkschastshmi?, Engelufcr 24, statt. Vom Mai bis September sollen einige g e in e l n s a m e Fahrten unternommen werden»ach England. Schottland. Belgien, Frankreich, Holland, Schweden und l» die T s ch e ch o- s l o w a k e i. 25 Juyendgenossinnen und Genossen laden eine ebenso groß« Anzahl Gesinnungsfreunde Deutschlands ein, In der letzten Juliwache nach Mittelen gk a n d zu kommen, um alsdauu in der «rstou Augustinoche hier, eventuell in einen, Lager, gemeinsanie Tage zu verbringen. Sonst kommen nur Privatquartterc in Frage. Der , h i o ii i c r", resp,„'l be Licmecr", der in Kürze auch in iranzösischcr Sprach« erscheinen wird, ist das Organ der Vereinigung. 3l n- Meldungen interessierter Gesinmingzsreunde sollten umgehend schriftlich an dio Geschäftsstelle der..Fredita'(Genosse 23. Flperke) Berti«€58.19, Kurstr. 33, am Sprttekmorkt, 1. Aufgang, Anruf: Merkur 21W, mit 15 Pf. Porto, emzerekcht werden. Drei Weisen aus der Hasenheide Zm tznstlkuk für Scrualwissenschost werden vom Januar ab au den ersten drei Montagen jede- Monats im Crnst-Haeckol-Saal (In bon Zelten 9 a. Eingang Garteilpdrtal) ssrualwiiseuschastliche Frageabende abgehalten, von denen der zweite Monlagabend nur für Fronen unke? Leitung von Frau Dr. F ü r st statlfmdet. Beginn 20 Uhr, Unkostenbeltrag 20 Pf. Erwerbslose die Hälfte. Vor vielen Jahren wurden in Berlin um den Dreikönigötag herum((5. Januar) von der Jugend V o l k s s p i e l e aufgeführt. Auf den beiden ehemaligen Ratshäusern zu Cölln a. d. Spree und Alt-Verl in und in den Kirchen ergötzte man sich an den „Dreikönigsspielen". Zluch am ehemaligen kurfürstlichen Hof wur- den sie gepflegt. So berichtet der Chronist von 1589»„In Engelsgcwondung trug ein neunjähriger Sprößling den heiligen drei Königen den Stcm voraus, die von den jugendlichen Mark- grasen dargestellt wurden, wie alte Stiche sie überliefern. Diese Spiele hielten sich i» Berlin sehr lange und noch voröOJyhren wurden sie auf den Strotzen oder Gassen und in den Wirtschaften pon Pichelsdorf und Tiefenwerder ausgeführt. Einem Berliner Brief von 1789 zufolge, trugen die durch die Straßen der Residenz ziehcirdcn Berliner Stroßcijunceu weiße Gewänder, die sie mit Gold- und Silberpapier beklebt Fitten. Ihre Häupter schmückten Papierkronen. Als Abzeichen ihrer Würde trugen die„drei Weisen aus der Hasen Heide" Stäbe oder Stern« oder Pritschen in der Hand. Einer der Berliner drei Könige hott« sich da- Gesicht geschwärzt, die Obren mit großen Ringen dchangen, und nannte sich„König aus Mohrenland". Außer dem Sternen- träger waren die drei Könige noch begleitet von„Judas", der einen künstlichen Höcker sich zulegte und beim Surren der vorauf- getrogenen Sterne Grimassen schmtt. Jedesmal, wen» die drei Könige vor einem Haus oder in einer Weihbierstube Ihr Sternenlied abgesungen hasten, sammelte Juhgs in einer Büchs« die Dreier und Sechser ei«. Der Chronist will erlebt haben, daß in Wirt- schast«n diese Sternensänger bei der ZKrtcilung der ersungenen Gaben so unetns wurden, haß schließlich der Judas mst dem Stern perprügelt wurde. In Pichelsdorf und Ticsenwerder gab es noch per Z0 Iahren„Dreikönigslieder',„Dreikönigsknaben' und„S t« rn e n b i e r". Der Tiefenwerder Stern mar drehbar in einem großen, mit bunten Bändern und Bildern ausgeputztcu Kranz befestigt. Er wurde rechts und links von zwei Stcrn- drehen, begleitet, die abwechselnd an Schnüre,, zogen und ihn so surren ließen. Außer den Berliner Sternsinger-Figuren spielten in diesen Ortschasten noch Herodcs und dessen.Kriegsknechie sowie ein kleiner Chor von Sängern mit. Das Pichelsdorscr Drei- känigslied erzählt, wie die„drei Sternkundigen" nach Bethlehem wallten und vor Herodes Haus kamen. Auf dessen Frage, warum der mittlere König so schwarz sei, erhielt er zur Antwort:„Schwarz bin ich, die Schuld ist meine picht, die Schuld ist meiner Kindcs- nwgd, die mich nicht meißgewaschen hat." Dieses Dreikönigslied schließt in seinem ersten Teil mit de», Betreten des bethleheinitischen Stalles und einem Widmungsvers für diejenigen Personen, die die Sternsänger beschenken. Die uralte Sitte des„Bohncnlöiiigs" am Abend des„Dreikönigsiages" Ist in Berlin noch nicht ganz ver- Messen. Noch vor 50 Jahren beherrscht« gerade der„Bohnonkonig" am b. Januar die Serkiner Lalljälc. Eine Stephan ZubiläumSpostkarie. Zum 7. Januar 1931, dem hundertsten Geburtstage des Generalpostmeisters Heinrich poi, Stephan, gibt die Deutsche Reichspost«ine besondere Postkarte zu 8 Pf. heraus. Die Karte trägt auf den, linken Teil der Vorderseite ein Bildnis Stephans und in der oberen rechten Ecke eine eingedruckte Freimakke, die der 1875 für die erste» Postkarten verwendeten violetten Marke ähnlich ist. Bild und Marke der neue» Stephanskarte sind dunkel grau. Der Verkauf der in sehr beschränkter Ab klage hergestellton Aorten beginnt gm 7. Januar an den Pvskscholten,. parteinachfichten »ich«»»»»«» ffi« elf,»«HrtcU pnd «cell* 3««, gtnfechttrt* 4. furGroß-Berlin stet»«n»«* V«)littf«!rttarUt r.S»l. 2$, crem»««.t-ri-bte» Achtung, Kassierer? Der letzt« Termin zum Abrechne», ist nunmehr schon wieder um eine Woche über- schritten, ohne daß die Abrechnungen schon in größerer Anzahl vorliegen.— Die Kassierer werden deshalb noch- mals ersucht, aus Rnekficht auf den fertigzustellenden Jahresbericht und das Jahrbuch des Parteävorstandes die Abrechnungen zu beschleunigen. I. A.: Alex P-gel«. * 1. 9«i« 3HM'.«l>t«u»»q 1 W» 7. Di- H-noü-n tt-'s-n ki« Zu« V-is-Kuv« d«s-rscheiseivm r�malscm Schncidk« iimwn, Mittwoch. 17,.' Uhr, gm Stifbrichsham,<5ckc!Söic»»st-««n g-b-ten. roch I'-sonhcrs-imuladtti. Kanne« und gabnen sind mihubrinq-n. i. Srci» i'rfnclaact B«rg. Di« ajnöichkrung nat««»»«tttotbtmn chcnoff«» MUi Schr-idrr fi»0!t am Mittwach, de» 7. Sauna«. Ä» Uhr. i» Nr«»«,' t,riu««crichlltras,« siatt. Tfau-rsei» um ,«>!- Utf im«k»«t-os»»l IX» Soalbau z«i-drj»»da>». Di« Leich« ist d»»t i» der 3-it»»- t4~t« Uhr auta-dahrt. Nach de« Z»an«ft«iei llebfrfohrung d«r L«ich«»ach dem Kr«ma- Kerichtftraz«.«d-warlch ,» Ud«. Ter«. tlrel» tritt>» d»« Ptrahe am Fricd-lchahai».»n de« S-damsurü«,«u. All« Rdtrilungabann«« uud . rlfIt 9ttfillnuttq. godnen mijgcn ,nt®t«B«(«in. Bit erwarten De« SfrifMiitand. Mitglied«« dr» 2. 5, reis«, Tiergarten! s?»e alle Ritglieder d«, Z.»reise, t»»,«°b r« ap» l i cht, an der Traue«s«ier fü« de»-fmardete» Seuaks«, Schnei der ieittuiodmen. De- T-aueung nimmt am Wittawch. dem 7. Sannar, 1713 vi,-, an de« Branetei grs�rickwdain«assteluNZ.»t««dtchlnagen »ringen all« Zadncn»it. ». grei, Wilmer�ors. Am Miiiuoch. dem 7. Januar, nebm-n siimiliche Paeleigenossen an der Trauerseier iiir dtit n-rsiorbenen Genossen Schneider teil. Trekivuntt 17 V« Uiir Braucrci ssricdrlchsbain, Banner und ssahnen sind mii�udrlngen. (7,»rei, Lichteobs-g. Sitortliche«bteilun-i-n beteiligen sich Mit Banner und iVadnen an der Einäscherung des erschossenen Genossen Schneider am Mittwoch, dem 7.?a»ua«. s» Uhr, im Sremnioriunc Gerrchisleatz«. Ad- n!arsch tiä Uhr Brauerei stricdrichshain. Heute. Dienstag, ö. Januar: tl». Abt. xichtenderg.?ie Grum-eukaiiier-r werden gebeten, umeehend.Unker Weg" oom Genossen Grovvler absuho-cn. H0a."Iii. Witten-». 20 Uhr?l»«sprach-ahend der sängeren Barteigenossen in der Roiiutbolcr Ar, lo. Morgen. Mittwoch, 7. Januar: «. Abt. lau Uhr im Jugendheim«enthiner Str. 17, Quergebäude z Trp. I.. ,. Ausinracheabend fiir jüngere Parteigenossen. Thema!„«ian-nlgmvf der Gcq-nwart. Charlottenbur». öl.«dt. tS Uhr Äbteilungsvoritandsndung. um üii Uhr Tunt. tionärssdung hei Lehmann. ÄSnigsweg 8.— 57, Abi. 20 Uhr wichtige sÄrnktionarnhung bei Schiwg, ttruuuno Str. W. � 58. Abt. zo Uhr Bor» ftairdo- und spunktionärfihung in der Nankesir. 4. v. IV Trp. 7«.«dt.?,thl«»d»r>-Li«dlung. 21 Uhr Tunktionärülcuna im.Daldbaus". Snandauer Stroh«..... 8». Abt. griebeua». Bildimgskrcls iüngerer Parteigenossen. 20 Uhr ict ftloh«. Landserystr.«0-�1. Referrnt: Grnossa Schumr, über!»lNll�ibhreavlan in �awietrnhland" c.Voc-tsednngi........ 82. Ab». Dieglig. 20 Uhr ss-nnttionärslhung bei Schellhase, Ahornstr. ,5». All- Tunktianäre müssen erscheine». 83. Abt. Lichterseldo. AUe Becirisführer und sonsligen tätigen Partelgenosünnen und Parteigenossen trcksen sich?ur erweiterten Ahtrilungsoorstandssssiung um 20 Uhr deiur Genossen grig Quandl, Woittestr. hl. Eck« Kindenburg» dämm. Wichtige Tagesordnung. Ausgabe von»Unser Weg". 84. Abt. Lanlwih. 20 Uhr TunktionSroersammlung hei Lehmann, gaimr. Bithel»!.Strasse. Mit Rücksicht auf die Saupdoerkammlnn, ist pünttliche, lind vollrähUge, Erscheinen her Funktionäre erforderlich. 88. Abt. Lichtenrade, istz, Uhr bei Dehlam Vorstands- und ssilnktionärstdung. 98. Abt. 140.. ,41. und 142. Be,iri l»>.o Uhr B«.iirf»8ahlabei>d. Renwohl der Pe-irkzlt>tunarn. Letal Kundler, Delbrückstr, 55. ,04. Abi. Ricderschaneweide. Jm llhr bei Tomalla, Brrlincr Elr. 88. Schung des Porstandes mit den sstun>»ionä«en. 125. Abt, Weihenler. 20 Uhr AdieUunasearstandslldung dt! Gallas. ,4«. Abt. Reichidrnckerei. 16 Uhr Mitgliederocrsamiulung im Lokal toiiittel- markt krsscr. Brnlhstr. ,9— 5ü. Sagesaodnnng: Wahl des sfrakkiononorftnndcs. Bartrag de« Genossen Walter Schmidt über:»Di« Reichsverfassung im Spiegel der Palitik". Verschiedene». Alle Bkilglicder unserer Partei in der A'S. ssnd eingeladen. Parteibücher sind oor,u4«Igen. ,40,:. Abt. Wittena». 20 Ubr findet bei Aldcrt Schub,, chauplstr. 56,«in« Ver» sammlung de» Reichadanner« mil dem Thema:»Paiigei und Rennblik" statt. Asse oh:rtelgcno!sen werdcn aujgesorderi, stch hieran M beteiligen. Di« für den 7. ssanuar govlonte Tunktionänsihung n»ird aus Tonneratog. 8. Januar, 20 Uhr, hei Heese, Berliner Str. 78, verschoben. * Achtung! Schwor,-ireihcr Schal ist am Sonntag im Saalban ssriedrichohain gefunden worden. Ad,»holen bei Sowassii. Allenstriner Str. 28. Zraucuveranstaltungen. 9. Abt. Donncretag, 8. Iainlar, A Uhr, bei Hübner, Wilsuacker Str. 84. „Trauen und Tasäiismu»." Resercntin: Luise Kahler, R. d. L. 31. Abi. Mittwam. 7. Januar, 19U Uhr. bei Rross. Uircchter Str. 2».„Die Siechtolage der ssrau i» der ikamilie." Reseeenti»! Margaret« Barh. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlsahrt." N. sseib Lchünckerg.?i« ordentliche Helkrrsstcun» der Arhei!arniohl>ahit sindet am Drrnstag. dem 6. Januar, wegen Erlrankung der«rcisleiterin nicht statt. Toneinar für Woh,sahrt»pfl«s«. ffreitag, 9. Januar, 20 Uhr, lugluiU die ssottlegunq da» Äucfu»;.Psncholngie dar Gogenvxrriss in dein Svphian-Leigeum, Wwneneisterstt. 16—47. Zellare Genosse Sr. Ernst Strinz. Es wild übt»üutt- licha» Erscheinen gebeten. Arbeiter-Bilduugsschule. Mittwoch. 7. Januar. I9'j Uhr, tw Utgrordneteudan». Priar-AI brecht. Strasse sFrodttonolaal der SP3M. znfewiawntmft de« Go-enttn. avttn-wMnttt. sämtlicher Mitzliagei der Vildung-'auzlchsssie. LreioleUrn an» AbteUnagovor ftsseuden. Thema:..Alinalineruna der Vilbnugaarbaii". Rcferanti»: A. Stein. Parteigenössilche Interessenten sind williowwen.— ssor die Mitglieder der BUdiulgsaoaschäflc Auegabe der ssrsttartea iguao 11. Iannar. stnesuaoblente und stnrsnohäeee werden gebeten, die skr st» rosernierten Testkart, n ,ur 4«. Zahee» seier der Schule»an unserem Vitra ebzuhateie. Arbeilsgemeinschasl der Sindcrfrcunde Groß-Bcriin. stusu» Psuchologie nimmt seine Tortsrssung heute, igt» Uhr. Der Baftcltnriu, beginnt am Donnerstag, dem 8. Januar. 30 Uhr- Der äSufilfurfuB beginnt wieder am Freitag, dem 9. Januar, 20 Uhr, Schule Neukölln. Äaiser.tzrledeiäd-Str. 4. Die Selserversammlunq für Januar findet statt am A. Januar. Ort und Zeit wird»och veröffentlicht. Do» Mitteilungeblatt wird in den nächste« Tagen ausgegeben. Der Sursue für Vewegungechar beginnt am ssrejtag, den, 16. sftnuar. Da» Büro ist während der üblichen Eeschäftsstundcn wieder geöffnet. Der Organisationa- und Auestellungaauoschnss zur lichoi-hreofeicr haben die erste gemeinsame Sitzung am Rai, tag, dem 12. tzonvgr, 20 Uhr, ist de« Se» schäftsiteste, Liirdenittasse. st-ei, Renleln. Der Sinackreis übt wieder morgen Mittwoch um 17 Uhr W der Mildlben-Mtttcischule Tonauftr. 126. Liederbücher mitdrtngen. chrnZrc LichUäwrifer. Alle Talken sind heute um 17 Uhr im Jugendheim Bergstrqsse iur chemeinichast-itunde. Sr«i» stehleudvrs. Gruppe Otto Braun. Die Heimabende beginnen wieder. Zungfalkcn und Not: Jalkest Mittwochs von 18 bis A Uhr und Ncstfalkcn Donnncrstags von 1« di» 18 Uhr in der Nordschnl«. Geburkskage, Jubiläen usw. A» 7. Januar begeht«iner unserer Partcloeteeaueu, der Genosse Herr- mann Grire. seinen 70. cheburt-iag und sei» Sejäbrigcs Parteijnbiläum. Von Bakus Dreher hat er sich icho» in jungen Jahren der Partei, und Gewerl- schastobewogun« angeschlossen und in selten« Treue unter de» Sckiaud�sess tri neu Mann qestanden. Dass er sür sein mgnnhaste« Eintreten, für srin« Sruudsägc öster ans» Pflaster geworfen wurde uud unter harten Entdehrnugen sich und seine Jowilic durchdringe» wnsste, Hot seinen nampfeswillc» nickt gelähmt. Erst al» Srantenlasseuanges' ter kowe» IL« ihn defferr Zeiten. Auch heute noch tämpst unser Geburtetagziind Sckulter an Schulter mit leinen Genossen für den endgültigen Sieg seiner Znqendideale. und wir wünschen und hoffen, doss c* ihm oergönnt sein möge, noch recht lang« in geistiger und lorporlicher TUsche oereint piit uns weiter, uiönrosen. 8. Abt. Unserem Genossen Varl Dorne»n sein«« 7». Gcburietog« die he»- lichften Glückwünsche. Schon nuter dem So-ialifteuges«ss läwpstc er mit in unseren«leihen und betätigt sich b-nte noch->, Znnltionär in»er Porteioebeit. «ir hoffen, noch recht lange mit ihm ,nsnm«enurbeit«n»u können und wünschen ihm einen recht««,»nd«n und srohen Lebensobeod. 18. Abt. Unter«« lieben Genossin Berthe Stieb-, Rnppine. St«. 39.»u ihre» heutigen 70. Sedurtotogl die herzlichsten Hlüchwünschf. wir arotulleren besten» und wnnschen einev noch langen und ungetrübte» Lebensabend. Di« Abtoilungaleitun». s Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 8. Abt. Unser G-noffe Karl Euhrgweit, Jion-ktrchslr, öl, ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Dienstag, 6. Januar, 18 Uhr. int Prem«. torium Gerichtstrasse. 9, Abt. Am Sonntag verstarb unser Genosse, der Ireurilvehrmaun Wihelm Elsner. Stevhanstr. I,. Ehre scineiu Andenken. Die Beerdigung findet am Mi:,- »och, dem 7. Januar, 14ie Uhr. auf dem Neuen Johaimisfriedhof, Piötzeusee, statt. Wir erwarten rege Betttliauna. ,7. Abt. Unsere Genossin Martha Grosse, Mülleritt. 154.>,t veritoide». Ehre ihrem Andenken. Einiischenmg Mittwoch, 7. Januar. 19 Uhr, im grema- lorium Gerichlstratze. Nege Beleiliguim wird erwartet. 25. Abt. Mittwoch. 7. Januar, tO'e Uhr, ahrenferer Mr Genossen Will: Selineidcr im Gartensaal Saalbau Kriedrichohain. Aufbahrung und Ehren- wache des Reichsbanner» ab 14 Uhr. Die Einäscherung des Genossen Schneider findet 20 Uhr im stremaloriu»! Gcrichtstrassc statt.— Beerdigung de« Genossen Herbert Graf findet ssreitag, 15 Uhr, auf dem Ecorgenfriehhof, Landsberger Allee, statt. 94. Abt. Unser alter Parteigenosse Ernst Werneck«, Neukölln, Stcinmcss- stratze 48. ist verstorben. Ebre seinem Andenken. Einäscherung Miiiwoch, lZ>ch Uhr. Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. >25. Abt. Weisse»?»«. 71 m 31. Januar verstarb unser Genasse Ernst Grosse. Wilhclmstr. 43. Er war einer von den Alton in voller Hingebung und mit vielem Jleiss illr das Vorwäriotoinmen der Arbiitcrbcwequng auf allen Ge- bieten still gearbeitet hat. Wir werde» ihm ein ehrendes Andenken dewahren. Einäscherung MiUnroch. 7. Januar, 17 Uhr, im«rcinatvrium G«rlchlstrasse. Um rege Beteiligung wird gebeten. SPD.-W-rblon«sch»h gencrwehr. Am Sonniag. dem 4. Januar, entschlie- nach langem, in geosser Geduld ertragene» Leiden unser lieber Genosse Wilhelm Elsner im 38. Lebensiahre. Ehre seinem Andenken. Die Peerdigung findet am Mittwoch, dem 7. Januar, 14>7 Uhr, von der ttapclle de» Neuen St. Jo> Iiannis.ssriedhofez in Plvtzensce«US statt. Um reg« Beteiligung bittet Der Wcihcansschnss. Voriräge,VereineundVersammlungen. Reichsbanner �Schnzarz-Roi-Gold". «DSD.' Geschäft, stell«: Berlin S. 14. Schastianstr S7-3S. D°>?. Tr. Dienstag. 8. Zannor.«itte. 4. Kameraorämft. IVA Uhr Aersvmm. 9k«» lunq„Rofenlhaler Hol". Neuwahlen. Pantow. Kameradslhafr Eüd. 20 Uhr Kameradsämftsversammlung hei Kobcr, Berliner Str. 86. Kamera». schgft Nord. 20 Ubr Kavrergdlchaftsveriammlung im.Türkische» Aett". Breite Strasse 14. Kameradschaft Niederschönhausen, 20 Uhr UomeradschattsveriomM- ,ll»g b-t Klindt. Jriedenkplotz.— Mittwoch. 7. Januar. Ticrqattcn. Kamerad. schoft Moabit. Jahresvcrigmmluna bei Rdstek, Putlitzstr. 10. Vvchtontrolle. Aricdrichohain. Kameradschaft sfrantsurt. 20 Ubr Gcueraiversammluiu, drr Kameradschait. Wahl der Kameradschaftsleitung und Stellungnahme zur Gene- ralvcrsammiung des Orisvercins. Erscheinen PNicht. Neicksnrrband ehemaliger stremdenleglonäre gleich welcher Ration. Oeffent- liche B-rfammlung Mittwoch, 7. Januar. 20 Uhr, hei Deutschmann. Blumen. strasse 80. Gäste wAlouunen. Vereinigung der Zrcunlx für Religion und Böttersrieden. Sonntgz. N. Januar. 18 Uhr, findet eine rcligidse sseierstnndc m der Trinitatiskirche. Beriin-Ehgrlo ttrnbirrg..Karl.Ainvist-Plar, stott. Pfarrer Bleirr spricht über da» Dbrma:-Ist Dcindrsliede möglich 2" Verband lür Eyerachtoresorm. Eist Bettin. Oefigntliche Borsammsung gm Mittwoch, dem 7. Januar. 20 Uhr. Im Restaurant«Zum oiieii. Askanier', Ber- lin SW. 11, Anhaltstr. 11, 1 Trappe rechts. Tagesrtnpng: 1. Jahr»-« und eefvtar. .Spiele und Sprache der Tiere" ab. Mr. Rem ie Srnilh- London.'»Ziiglicd in Ilvie'-hauttS mrt, Prir,!. igiretär dos ctigUschci: Atthcttinttliilertz, lvrtcht au Oowieuel tq. dem yEmuac 1931,'20 Uhr, im großen Hin mal der Deutjchnr Dochichuig sijr itik(Schmkelplatz 6) über diu.Zlirglo-inbifche Kotiserevz In London und die Zuknnft Indiens." Etnlritt frei." Dagmar Sperk:«Jcll tVßfdß Ich werde also am Ersten aueziehen, wie man aus allen möblierten Zimmern einmal auszieht. Vielleicht wird es an diesem Tage gerade regnen und ich werde traurig sein, des Wetters wegen imd auch wegen de» Abschieds, damit die Wirtin über meinen Mangel an Anhänglichkeit nicht getränkt ist. Bar einein l)alben Jahr bin ich eingezogen und jedesmal, wenn mich mährend dieser Zeit jemmrd besuchte, Härte ich;.Scheusstich ist die Bude!" und nach einer kleinen Pause:„Na, und was zahlst du?" Ich nannte den Preis.„Unpcrschämtheit van der Wirtin, so viel zu perlangen."„Mein Gott, uws willst tu, sie ist dach eine Witwe!" Und jetzt werde ich ausziehen aus diesem Fuchsloch, dessen Lecke ia niedrig ist, daß ich sie mit den ausgestreckten chänden berühren kann. Ich teil« es allen Bekannten mir, die ich treffe, und schreibe es seit drei Wochen dick unterstrichen in jedem Brief, aber erst vor drei Tagen, am 23., geschah es, daß diese Tatsache wirNich>n mein innerstes Bewußtsein eindrang. Es war Sonntag und ich wurde uni 9 Uhr auf taktvolle Weise von meiner Wirtin geweckt..Sie müssen aufstehen, wenn Sie noch was brauchen. Um%iO Uhr werden die Eeschäfte geschlossen." Sie schlurfte in ihren Pantinen in die Küche und holte Wasser, dann kam sie zurück und sagte:„Uebrigens können Sie mir bei der Gelegenheit gleich was mitbringen. Sie müssen sich aber beeilen, sonst spring ich lieber selbst rasch runter." Am Schluß ging ich. Es war ziemlich kühl unten, öfter sonnig und herrlichster blauer chimmel. Da? hatte ich in meiner Kammer nicht gemerkl. Alles war beglückend frisch«md hell, als wäre es ein Morgen im zeitigen Frülstahr. Ich lief z» einem Bäcker, bei dem man zu 25 Pfennig ein ganzes Kuchenbrot mit einer Unmenge Tvofmcn bekommt.„Das gibt es gewiß sonst nirgends in ganz Berlin'." f chr es mir durch den Kopf,„schon sicher nicht in meiner neuen Gegend." Es Ist sonderbar, aber dieser albern«, lächerliche Gedanke, d eisen ich mich entschieden schäme, macht« es mir bewußt, daß ich nun iortziehe. Di« Straße und das Haus und die Leute, mit denen ich zu- famm«» wohnte, hos alle?, was ich ein halbes Jahr hindurch tag- lich gesehen habe, drängt sich als ich wieder in meiner Kammer sitz«, auf einmal mit Hartnäckigkeit in meine Gedanken. Di« Straße hat ihr«igmes Leben und das Haus mit dem Hof und die Menschen: ober sie find durch eine traurige Parallelität des Schicksals mitein- ander verbunden. Es ist wie in einem großen Roman, in dem sich alles dem Ende entgegenforint, aber es liegt nicht fern wie dieser, sondern ganz, ganz nah« dem eigenen„Ich". Di« Häuser sind alt. Sie werden abgerissen, neue aufgebaut. Immer geht man an Bauzäunen entlang. Die Straße ist so ständig in einem Uebergangsstodium. Daneben sind Geschäfte, die pleite machen, nnd andere, die einen unvermuteten Auftchwnng nehmen. Eine» jeden Schicksal vollendet sich hier rasch schneller alz anderswo, und die ganze Straße ist Zeuge. Zum Verbergen. z>mi schonungsvollen Kaschieren bleibt keine Zeit. Eine Eeschirrhondlung war in der Straße, zwei große Schau- sonst«? mit Ware. Jeder konnte sehen, daß die Geschäft« nicht recht gingen. Wsa rote Zettel mit:„Vollständiger Ansverkaus". Ein paar Tage lang billige Töpfe und Pfannen. Der Rest wird dann eines Morgens auf einem Wagen fortgebracht. Vorbei. Aus. Wenige Tage später drängen sich schon wieder die Leute vor den- selben Scheiben. Ein„Domenmodenhaus" hat sich im gleichen Loden etabliert. Nichts scheint gewiß in dieser Straße, nichts als der Zusammen- brsich hat' hier feine sichere Heimat. Ost stehen an den Ecken Straßen Verkäufer, ein ossene,.Kofferchen vor sich mit nnwahrschein- lich billigen Dingen. Waren rnis der Konkursmasse irgendeiner großen Firnm. Unverrückbarer aber noch in ihrer Existenz hier als die Straßenoerkäuser siud die geschniliikten Mädchen, die nach- mittags und abends und die ganze Nacht durch bis In die Morgen- stunden an den Ecken auf und ab promenieren. Sie sitvb immer da. Vielleicht stnd sie das einzig Bleibende und wirklich Fest- stehende, sie gerade, die gestrandet, die ganz entwurzelt sind. Do» Haus, in dem ich wohne, ist schäbig und alt. Oft iunktio- niert das Licht nicht und manchmal läßt sich die Haustür nicht richtig schließen. Es ist ein Haus, das so, wie es ist, geradä in die Straße paßt. Zu Beginn meiner Aera war ein munteres, verträgliches Lcbcii in der Wohnung. Alles war besetzt. Die Wirtin hatte nur ein Zimmer für sich behalten, und das teilte sie noch mit einer Bett- xeherin. Als die auszog, nahm sie gleich eine noue. eine Hübich« bland« Verkäuferin. Das große szinterziminer bewohnte ein« Mutter samt Tochter und Bräutigam.„Vorne heraus" hotte ein schon längere Jahre verheiratetes, aus Mecklenburg stannnende? Ehepaar gemietet, und in der früheren Badestubs hauste ich. Alles mär« ruhig und frisdlich geblieben, hätte die Wirtin nicht das blond« Fräulein genommen und wäre nicht Mutter samt Tochter und Bräutigam ausgezogen und statt ihrer ein zweites Ehepaar ge- kommen. Leute vom Lande.— Der Mann war von Beruf Bau- orbeiter. Die Frau lzatte einmal früher bei einem Studienrat in Lichtcrfelde als Mädchen gedient und war ielia, endlich wieder in der Großstadt zu sein. Sie war glücklich über den Gaskocher in der Küche und daß man das Wasser nicht vom Dose holen muhte, und dann noch elektrisches Licht überall! Dem Mann hatte man Arbeit versprochen, und sie wollte sich«ine Stelle als Aufwartung fachen. Vorläufig war aber jedenfalls noch etwas Geld da. denn die Frau hatte, als sie nach der Stadt zogen, ihr kleines Erbe v«r° lauft.„Wenn wir dann überhaupt erst beide verdienen, dann werd'n wir uns schon fest« was jparV, sagte die Frau. In der Küche sprachen wir immer alle zusammen. Die beide» alten Frauen und die Wirtin redeten von: Kochen, und die Männer kamen nachsehen, wie long's noch dauert. Am Sonntag nachmittag saßen die Reuen in ihrer Stube, und das andere Ehepaar kam zu ihnen auf Besuch Der Mann war auch lange schon ohne Arbeit. aber er hatte auch nicht einmal eine Aussicht, welche zu bekommen. Seine Frau war flink und geschickt und nähte für ein Geschäft Blusen, Stück zu 60 Pfeimig. Er hingegen ging stempeln, lang- wellte sich und wenn er konnte, nerschrrxnid er ins Wirtshaus auf einen Skat. Ä„ einem solchen Sonntagnachmittag kam ihm der Gedanke: „mal mit dem andern zusammen loszuziehen".— Di« Frauen machten Einwände, aber nach einer hallten Stund« gondelten die. beiden Kanätior« doch las. Die vom Lande legte sich gleich nachher jw Bett. Die andere, wütend, zog ihr bestes Kleid an und entschied sich s-'fsir, rmt der blmidan Dcrkouferin in ein Tanzlokal zu gehen. SM b«vi«» Kavalier« zogen gegen 4 Uhr früh mit leeren Tosthem hevn.„Beim Skat verloren."--- Einige Tag« später trrm es aber heraus, daß sie das Geld mit Frauenzimmern verton halt«,. Es gab Skandal und Tränen, nicht sehr arg. aber die Etlnnnimg blieb von Nim an gedrückt. Die Männer gingen zuweilen Semeiasom weg. Tags aufs Arbeitsamt und auch anderswohln. Di- Flink« nähte weiter Wuse» fürs Geschäft, aber sie hetzte sich nicht ivchr t». Dfe«ntere fand eine Stelle als Aufwartung und Abwaschen!! in einem kleinen Ease. In der Früh um 7 Uhr ging sie fort und kam erst abends wieder. Sie bekam voll« Wer- pilegung und brachte den größten Teil davon nach Hause.„Eiu Mann der muß doch ordentlich zu essen haben!" Manchmal war er nicht da, wenn sie kam, dann wußte sich die Frau vor Unruhe und Unrast nicht zu lassen, Sie ging vom Zimmer in die Küche immer hin und her, kromse nervös in sämtlillun Schüben und Kästen bei sich und legte sich dann schließlich zu Bett. Bielleicht, daß sie an diesem Zlbcnd noch unruhiger gewesen war'? Ich weiß es nicht mehr. E» war schon spät nachts, aber das Licht brannte noch bei ihr im Zimmer. Illi tonnte es vom Fenster meiner Kammer aus sehen.--- Die Flurtür wurde geöffnet und wieder erbgeschlosien. Der Manu war nach Hause gekommen.„... und ich inöcht wissen, was de mit die jemacht hast, mit die zwanzig Mark, hörst«?"— „Da... hoste dafür, da!"— Irgend etwas, ein nasser Lappen oder ein Handtuch, klatschte auf nacktes Fleisch. Noch!... noch!„Sei du nur janz schichtcrn, sei du nur janz schichtern—" In einer Nacht geschah es zum erstenmal. � In der Straße weht eine scharfe Lust, Rasch, vorwärts, eines jeden Schicksal muß sich hier bald rollenden.— Die Frauen sind nicht mehr sehr befreundet.„Der hat bloß mein' Mann verdorben, vorher war der gar nich so!" sagt jede, Auch di« andere Frau scheint jetzt manchmal Arbeit außer Hause zu haben. Ihr Mann muß meisten» selbst für sich kochen, und dos blande Fräulein, sie ist übrigens inzwischen auch stellungs- los geworden, hilft ihm aus Gefälligkeit öfter dabei. Eines Morgens bekommt die Frau„unerwarteten Besuch".— Ts ist der Tag. an dem ihr Mann immer stempeln geht.— Kaum ist der weg, packt sie in fieberhafter Eil« ihre Sachen zusammen. Schon den Koffer in der Hand, reißt sie bei der Verkäuferin noch die Tür aus:„So, jetzt können Sic sich mit meinem Mann alleine amüsieren" und— peng— knallt hinter ihr die Tür in» Schloß. Die Frau ist also dem Mann davongelaufen. Er schreibt ihr eimnel, zweimal, hofft ein paar Tage lang, daß sie vielleicht doch wieder zu ihm zurückkehrt. Dann sieht er ein, daß seine Be- mühungen hoffnungslos find. Am 15. hat er gekündigt. Er wird sich jetzt ein kleineres Zimmer nehmen. Der Bauarbeiter hat noch immer keine Arbeit bekommen. Der andere hat zum Bummeln keine Lust mehr, so zieht er alleino los. Wenn die Fron desivegcn einmal aufmuckt, so drischt er sie.—„Der wird die Frau noch mal totschlagen", sagen die Leu!« im Haus. Sie haben oft Gelegenheit, es zu sagen. Eines Tages, vielleicht war der Mann noch rabiater als sonst, haben,» die Leute mit der Angst bekommen und haben die Polizei geholt. Schutzleute kamen in die Wohnung, zwei, drei, und schaffen Ruh?. Es gibt großes Aufsehen Im Haus, und die Wirtin sieht sich genötigt, den beiden zu kündigen.„So'ne Schande kann ich in meiner Wohnung nicht dulden." „Die werden also auch ziehen... und überhaupt in Berlin". sagt die Frau einige Tage später zu mir,„misse» Se, da ist wirklich nrfcht los, reine jar nischt."— Voll Verachtung sagt sie das und ist in Wirklichkeit nur fürchterlich beschämt und enttäuscht. Dos blonde Fräulein wird zu ihrer Tante ziehen. Sie ist ja auch arbeitslos, und dort kann sie umsonst wohnen. Di« Wirtin wird allein zurückbleiben.— Vor kaum mehx als einem Monat, wie sonderbar, dachte noch keiner on wegziehen. Keiner ahnte sein Schicksal. � Vielleicht wäre die» anderswo mit ihnen allen milder gewesen und hätte länger gezögert sich zu er- füllen oder hätte wenigstens den nahenden Ausammenbnich schonungslos vor fremden Augen verborgen. Ich werde jetzt In eine andere Straße ziehen, wo die Häuser ruhig und gepflegt sind und Leute mit wenigstens nach außen hin gesichert erscheinender Existenz wohnen. Auch ihr Leben im ich sich vielleicht nur durch eine dsinne Wand ogn mir getrennt obspielen, aber ich werde mahrseheinlich nichts von den Erschütterungen ihrer (ixifUnz wahrnehmen. Und es wird, wenn ich schon längst wieder weggezogen bin, sich ihr Leben kaum von einer Phase zu seiner nächsten gewandelt hoben. Der Schwanz de» Eichhörnchens. Wenn wir ein Eichhörnchen gewandt daherlaufen sehe», fällt uns nicht zum wenigsten sein langer buschiger Schwanz auf. Dieser soll aber nicht die Schön- heit de? Tieres erhöhen, sondern er dient Ihm während des Sprunges auf den Bäumen gewissermaßen als Fallschirm, als Balancierstange und als Steverrvte. Der Schwanz fordert die Weile der Sprünge, Hilst dem Körper das Gleichgewicht halten und besahigt das Eich- Hörnchen, selbst während des Sprunge» die Richtung z» ändern. 9)r. SSruno äSordiardl: •Oer dlan Wer ist Ra m a n und was ist der R a m a n- E f f e k t? Beide Worte find in sehr vieler Leute Munde, ohne daß diese doch eine bestimmte Vorstellung damit verbinden. Zwo? wer Roman ist, weih man zur Rot noch; Tschandrasechar Venkatram R a m 0 N ist ein jüngerer indischer Physffer, der in Kalkutta wirkt und vor wenigen Wochen mit dem diesjährigen Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde, und zwar für seine Slrbelten auf dem Gebiet der Lehre vom Licht, insbesondere für die Entdeckung einer neuen Erscheinung, die man eben noch ihm den Raman-Esfekt nennt. Wenn es noch Einsteins treffendem Wort beschämend ist, daß so viel« Menschen die Darbietungen des Rlindfunks gern on- annehmen, ohne von seinen Grundlogen mehr zu wissen als d':« Kuh von den Eigenschaften der Pflanzen, die ihr zur Nahrung dienen, so fällten auch alle, die von Roman und dem Ramon-Effekt sprechen, oersuchen, sich eine Vorstellung davon zu bilden, um was es sich dabei handelt. Uebrigens ist es überaus iuteresjaist, dgß die neue Erscheinung, di« Raman vor 2hs Jahren nachweisen konnte, schon fünf Jahr« vorher von einem deutschen Physiker, Adoti Sme kack, auf Grund logischer Ueberlegungen vorhergesagt wurde. Er ging dabei»an der modernen von Planck und Einstein begründeten Lehre von den Lichtquanten aus, wonach in Lickstwellen sogenannte Lichtquanten vorhanden sind, welche bestimmte Energjequanten mit sich tragen. Stoßen nun solche Lichtquanieu mit den kleinsten Teilchen der Körper, in die das Licht eindringt, zusammen, so kann es nickst ausbleiben, daß verschiedentlich Lichtquanten Energie an di« Körperteilchen(Moleküle) abgeben und mit geringerer Energie weiter gehen. Noch der Ouantenlehre hängt aber die Energie der Lickstquanten mit der Farbe zusammen: je mehr diese sich dem violetten Ende des Spektrums nähert, um so größer Ist die Energie, je weiter die Farbe nach rot liegt, um so geringer ist die Energie. Verlieren also Lichtquanten violetten Lichtes einen Teil ihrer Energie, so muß dos Licht in seiner Farbe geändert werden. Diese Erscheinung als wirklich vorhanden nachzuweisen, gelang Raman nach angestrengter fiinsjähriger Arbeit, die an die Experimentierkunst die höchsten Anforderungen stellte. Als Licht- ouellen kann ntaürlich nicht das weiße Licht der Sonn« oder einer Bogenlampe benutzt werden, in welchem alle möglichen Farben- arten vorhanden sind, wie man ja bei der Zerlegung in ein Spekerimi erkennt, denn das Spektrum besteht aus einem von violett bis rot reichenden Farbenband. Raman benutzte das Licht glühenden Quecksilberdampfes, das bei der spektralen Zerlegung einzelne getrennte helle farbigen Linien zeigt. Läßt man solch Licht, durch eine Linse konzentriert, in eine klare Flüssigkeit fallen, so erblickt man darin«inen sehr schwach bläulich leuchienden Kegel, dessen Licht bei spektraler Zerlegung wieder die Linien des Queck- silberdainpjes(kurz gesagt die Quecksilberlinien) zeigt. Raman gelang nun der Nachweis, daß entsprechend der Voraussage Smekals neben den Oiiecksilberlinien noch andere nach dem roten Ende des Spektrums verschobene Linien austreten, die eben den Raman- Effekt darstellen. Bei der großen Lichtschwachheit der Erscheinung kann sie nur mit Hilfe der photographischen Platt« nachgewiesen werden, die sa auch die schwächsten Lichteindrück« bei genüge ist» langer Belichtung aufnimmt. Uw was für geringe Lichtstärken, um was für zarte Ericheinungen also es sich handelt, und welche Geduld zum Roch- weis gehörte, wird einem klar, wenn man hört, daß bei den ersten gelungenen Versuchen Rainans Belichtungen bis zur Dauer von 100 Stunden notwendig waren, um das Spektrum des bläulichen Lichtschimmers mit den gegen die Ouecksilberlinien verschobenen Linien auf der Platte sichtbar zu erhalten. Seitdem ist in allen Kulturländern an dieser Erscheinung vielfach gearbeitet und di« Technik erheblich verbessert worden, so daß man heute mit Be- lichtuugen von 2 bis Stunden auskommt. Einen unmittelbaren praktischen Nutzen Hot die Erscheinung. von der wir hier nyr den einfachsten Grundzug schildern käniie», durchaus nicht, und es ist auch gar nickst abzusehen, ob sie ihn je erlangen wird. Danach tragt ja aber der Forscher, der die uns wngebenda Natur zu«kennen sucht, in keiner Weis«, ihn treibt lediglich der Erkenntnisdrang, in dessen Befriedigung er seinen Lahn und sein Glück findet. Die wissenschaftliche Bedeutung der Ramanschcn Entdeckung liegt in der schönen Bestättgung, die die Quantenlehre durch sie" gefunden hat, und in den vermehrten Ein- blicken, die sie uns in di« innersten Vorgänge der kleinsten Körper- teklche» z« gestatten verheißt, e™, mim: JlrabiSchetlamen Di« arabisch« Kultur ist uralt, sie Ist von größtem Einfluß auf Europa gewesen und doch ist sie uns im Wesenskern heut« wieder fremd. Es mangelt an den richtigen Dennittlern. Wir lesen Rejse- beschreibungen über Arabien, die im leichten Plauderjan zufällig Interessantes für Typische» ausgeben, wir bekommen politisch oder wirtschaftlich gefärbte Berichte zu Gesicht, die letzte» Endes persuchen, den Leser in den Interessenkrei» des Schreibers einzuspannen und — Arabien selbst bleibt uns fern. Es hat bestimntt enorm« Schwierig- leiten für den Europäer, sich geistig mit Ihm bekannt zu machen, da die arabisch« Sprach« zu den schwersten Sprachen der Welt gehört. die nur ein ganz besonders Sprachbegabter lernen kann, falls er in der Soge ist, diesem Studium mehrere Jahre seines Lebens zu opfern. Ein interessantes Kapitel sind schon die arabischen Namen. Bei ihnen ist ein großer Unterschied zu machen betreffs der Zeit vor und nach dem Islam. Während vor dem Islam dje Kinder nach Steinen, Tieren, Blumen. Waffen und Notnrereignlssen genannt wurden, tritt nach der Stiftung der neuen Religio» durch Mohammed in der Namensgebung ein bedeutende? Umschwung«in.-Atta Namen z. B. sind Essad(Löwe), Djahsch(Esel), Xtjcoloba(Fuchs), Haisschor (Stein), Saif, geissal, Hisam(Schwert). Bart(Blitz), Abb Schams (Sklave der Sonne) usw. Nach Mohammed aber gab man den Kindern die Namen de, Propheten und seiner ersten Gesährten. Ebenso wählte man die Bezeichnung der guten Eigenschaften als Vornamen. Darin liegt eine ganz ungeheure, fein durchdachte seelisch« Beeinflussung: denn der Mensch, der seineu Namen voll- inhaltlich kennt, ist bestrebt, ihm gerecht zu werden. Die Erziehung tut dann das ihrige, damit das Kind sich seinem Namen gegenüber verpflichtet fühlt. Wi« eben im ganzen islamischen Orient nicht der durch irgendwelche Zusälligkeiten berühmte Mann, sondern der gute Mensch als Vorbild dient. Tagesberühmtheiten und Reichtum spielen keine bedeutende Rolle, der gute, weise Mensch aber lzat tiefest Ein- sluh im Volk. Bei den Namen unterscheidet man, auch heute noch, drei Kate- gorien. Ism(Vorname), Kunia(Familien» oder Stammesname) und Lakab(Spitzname). Untereinander nennen sich die Araber nur mit ihrem Vornamen. Die Familiennamen hingegen sind vielfach identisch mit den Stammesnamen, wie überhaupt in der arabischen Gesellschaft Stamm und Familie nicht poneinander zu trennen sind. Diese Namen zerfallen, nach der Größe des Stammes, in Untergruppen oder, durch Wanderungen usw. hervorgerufen, in Ab- änderungen. Dabei ist in Arabien die Familien- und Stammeskunde außerordentlich genau überliefert. Während man in Deutschland jetzt erst begiimt Bürger- und Familienlunde zu treiben, ist dieses Wissen um die Vorfahren in Arabien auf das allersorgfältigste ge- pflegt. Der einfache Mann in Deutschland, der in der Schule freilich stark mit dem'Auswendiglernen der Herrscher- und Fürstenfamilien in Haupt- und Nebenlinien behelligt wurde, weiß kaum, was sein« Graßmutter für eine Geborene ist. In Arabien jedoch tonnen viele Familien 1500 Jahre nnd noch mehr zurückrechnen. Der Spitzname kann von ungeheurer Bedeutung werden. Es Ist sehr üblich, sich seiner zu bedienen und die Gemeinschoit warnt sich förmlich vor einem Menschen,«der einen schlechten Spitz- »amen hat. Wieviel man aus einen Beinamen gibt, mag solgende lleine Geschichte erläutern. Ein Herrscher hatte einen ihm politisch uuangenehmen Menschen aufhängen lassen. Da ward aber der Hin- perlchlele von Dichtern besungen, die ihm einen guten Namen bei- legten. Die Lieder drangen ins Volk, wurden Allgemeingut und der ehrgeizige Herrscher sagte traurig:„Ach, wäre ich doch der Auf- gehängte". Er wußte ganz genau:„Mein Name wird vergessen, jedoch der Mensch, dem man die vielen gute» Eigenschaften noch- rühmt, dessen Andenken bleibt, denn es lebt fort im Herzen des Volkes". Für die F r a u e it-v o rn a m« n wählt man meistens Blumen- namon oder die Rainen der Frauen, die im Lehen des Propheten eine Rolle spielten. Da? waren Aischa, Khadidscha. Zeinob als F«n«n, Faknna ol? Tochter, Aerrstna als Mutter. Unter den Blumen nam«, hat man viel« Zahra(Blume), War da(Rase) und Nardschi«(Narzisse). Sehr»st werden Frauen mit Kosenamen ge- rufen, wobei au» Acminn Ammum wird, wo« so viel bedeutet, als od wir unfern Vornamen ein„chen" oder„lein" beifügen. Die Frau behält auch in der Ehe ihren, das heißt, ihre? Vaters Stammesnamen; denn daß die Frauen, als ob sie Sachgut wären, mit ihrer Berheirawng den Namen ihre» Mannes annehmen, diese Mode blieb der europäischen Kulwr vorbehalten. Zu begrüßen ist es, daß das Sonntagspragramni wieder Schallplattenkonzerte berühmter Sänger aus- genommen hat. Nun besteht kein.' Notwendigkeit, immer wieder Richard Tauber zu mobilisieren. Andere Sänger verfügen über ähnliche und auch bessere Qualitäten. Diese Reihe könnte einen Ueberblick über die gesanglichen Leistungen bekannter Künstler geben und müßte von der Berliner Funkstunde systematisch ausgebaut werden. Dann eine Reportage aus der Kamera„D e r F i l in vor zwanzig Jahre n". Alfred Braun leitet die Unternehmung so geschickt, daß der Hörer einen ledendigen Eindruck von diesen v«c- gcssenen und heute unbedingt komisch wirkenden Filmen erhält, ohne daß die Komik in der Schilderung der Borgänge übertrieben wird. Abends die Berliner Posse ,,21 uf eigenen Füßen" van Pohl und Wilkens. M. Felix Mendelssohn reinigt sie von dem Staub der Zeit und oerleiht ihr durch 2lnspislung aus aktuelle Dinge ein lebhaftes Aussehen. Die Zlufsührung unter Brauns Regie arbeitet Witz und Pointen gut heraus, und der Abend gestaltet sich unterhaltend und amüsant. Bielleicht könnte die Funkstunde öfter als bisher Sendespiele in dieser Art aufführen und auch auf den Bestand der älteren Lustspielliteratur zurückgreifen. Ministeriofidirektor Prof. Dr. Richter erörtert am Montag dos problematische Thema„Universität und�Berufs- Vorbildung". Ausgehend von der Inflation der Studierenden in allen Ländern, kanimt er zu dem Resultat einer Berschärfung der Examen und vor allem einer stärkeren Zluslese während der Stüdienzcit. Merkt der Dozent, daß sich der Studierende wemg sär einen akademischen Berus eignet, so müßte er ihm zur rechten Zeit einen Berufswechsel vorschlagen, und auch für die lieber- führung in den neuen Beruf Sorge tragen. Dies Prinzip setzt aber ein« Vermehrung der Dozentenschast voraus, damit sich der akademische Lehrer intensiver mit dem einzelnen beschäftigen kann. Sehr geistreich und sprühend verläuft das Gespräch zwischen Joachim M a a ß und Martin BeHeim- Schwarzbäch über das„Heldische in der heutigen Dichtung". Es ist ein Feuerwerk von Einfällen, aber es bleibt bei dem Feuerwerk, es kommt zu keinem Resultat. In erster Linie litten die Bortragenden Wert auf eine soziologische Bcrankerung des Heldenbcgriffes legen sollen. So aber ist die Veranstaltung nichts weiter als ein witziges Jon- gtieren mit Begriffen. Das'Abendkonzert wird aus der Sing- akadcmie übertragen. Unter Leitung Nikolai M a l k o s konzertiert das Funkorchester, lieber das Konzert wird an anderer Stell« berichtet.?. Lok. EfiiB Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Berlin H! KS J9 OMntenimi fflr Sfef« otvtHT BIT aa M JneniMcfrttari* Tterlta»W 63.£te6cT«T«4t, aSäberfatfit» jiber Araneofraoen. Beginn Banntrsloz. 8. Januar, püntt» Uch 20 Ubr, im Bartraasfaal des Bart-ivorstandr», SW.. Lindenitr. 3, n. S»f. 2 Treppen links, ffitnoffin Mathilde Murin, M. d. R., Ivricht über:„Die grau in Staat und Volitik". Alle Mädcl lund auch die Burschen) sind zu diesem Kursus einaeladen. Berunreiae! Zentraler Bartraasabend über Brbeiterdichtuna. Mantaq, l?. Januar, im Sisiunassaal des Bezirksamtes Kreuzberq, Parrksir. 11. Best» rrnt: Dr. Karl Schriidrr. Abteilnnaslciter! Weift in euren Gruppen auf diesen zentralen Abend bin. StreiSnirchester Grnsi-Berli»! Mprgen, IS'.» Uhr, BNichtprabc im Alter»- heim Danzipcr Str. 02. Jahresmilgliederversammlungen heule, Dienstag. 13'* liht: Heverkschaftsha»»: Heim SSpenickn Str. VC. Rosen tbole? Vorstadt: Schule Elisabk't-hki'rchstr. 19.— Zentrum: Heim Landsberger Str. ZV.— Brunnenplast: Heim Pankftr. 21. HPsnadbrunne« I: Schule Gotenburqer Straße 2.— Kochplast: Heim Gericht-str. 1Ä— II.— Hnmbolbtboin: Heim Vut- kmffer Str.»— keopokvplast: Schute Aiiechter SGe SurtM« Graste.— SchiAerpart: Schule Schöningstr. 17.- Woddiug: Heim Billdenowste. b,— W8.— Kcr?nsdors: Heim Roonsteaße(Mitglieds- bii6>er nicht vergessen).— ReiaiSendorf'Ost: Heim Liudauer Straße.— Buch- hol�: Schule Berliner Str. 19.— Pankow 1: Heim Görschstr. 14.— Arkna plast: Schule Elisabethkirchstr. 19. Ilebungsabend.— Aöllnischer Park: Heim Waisenstr. 18...Friedrich Engels."— Arnswalster Plast I: Heim Raftenburger Straße 10.„Bom Handwerk auc Industrie."— Balkan: Schule Mandelstr. 2. „Ärbeiterdichter."— Helmholstplast: Heim Dan?iger Str. 02. B. 2. �Unsere Arbeit im neuen Jahr."— Nordost I: Der Heimabend fällt aus. Beachtet die nächste Noti� an dieser Stelle.— Köpcuicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128 „Reichsbanner und SAI."— Reichenberger Viertel: Heim Rcichenberge'.- Straße 04.„Unsere kommende?lrbeit."— Charlotten bürg(Aeltere): Heim Olbersstraße. Kirche, Arbeiteri'ckiaft und Staat."— Charlottenburg-Srd (N.-Z".): Heim Goethestr. 14. Mitgliederversammlung.—> Mariendorf II: Heim Siedlung Daheim 159/120. Arbeitsgemeinschaft.— Köpenick I: Heim Grünauer Straße 5. Lichtbilder:„Neues Wohnen, neues Bauen".— Bitteuau: Zusammen- kun/ft der jüngeren Parteigenossen im Heim Rosenthalcr Str. 15(keine Iabresversammlung). SSG. Pankow: 17% Ubr im Heim Kissingenstr. 47 Kurzreferate. Welteraussichlen für Verlin: Zeitweiie leitet ohne wesentliche Niederschläge, nichts leichter Frost, ani Tage Temperatur etwas ül>er Null, abflauende westliche Winde.— Jör Deutschland: Im größten Teil des Reiches ruhiges Wetter ohne wesentliche Niederfchläge. ver- breitete Nachtfröste: nur im Nordosten noch unbeständig mit Schauern, Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: G. Kliagrlhöfcr: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowaki: Lokales und Sonstiges: Frist Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Vcrlag G. m. b. H-, Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerci und Verlagsanstalt Paul Singer u. Ca.. Berlin SW. 58, Lindenstraße 3. Hierza 2 Beilage». l ) � 1 iu**� � tv z � z � x.-*«> � � Theater, Lichtspiele usw. Piscator-BUUne (Wallner- Theater) Alex. 4592-M. !'/« Täglich 8 V. Mond von links SVeise 0.50-6.00 M. Rose-Theater Er.Ff»iiWartcrStr.i32 Tel. 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Atexanderplatz Neu. König8tr.43 IMll MUlVM'Nijilllij Funktionäre Am Mittwoch, dein 7. Zanuar ISZl. findet in folgenden Lokalen die Bezirks-verlrauensmänner-konserenz statt: 1. Bezirk, Lokal«allas. Briß«i>see. Lchderftr. 12.'. um 5 Uhr '2..„ Smmidts SelelltchnNshaus. Fruchtftr. 3ßa. um 5 Uhr 3.,, öftplr. Etdncnberg, Kronprinzen!tr. 47, um 5 Uhr 4.,„ öennallli. tlralaucc Allee 47. um s Uhr 5,, ftwold. Staiitzec Str. 128, um 5 Uhr *>.,„ emlitteit. Zteutölln. Wipper», Ecke Airchsiraße, um 5 Uhr 1.,_ ffmalö, Sialifter Sir. 126. um 5 Uhr 8,,, Srwetkichasishuus. Enal.1, Cugetufec U/25, um 5 Uhr Sa.,„ Roenspieg Wassertorsir. 7L um 5 Udr 0.,, Lohnnn. Briiderftr 16/18, um 7V» Uhr 10.«„ zum Mohren, Jerusnletner Str. 9, um 5 Uhr II.„„ Sehrts, Gdtäncberp. Eberssir. 86, um 3 Übt 12..„ Borcktinann. Etepliti, Rheiitttr. 40. um 5 Uhr 13.,„ Bctmcr, Eharlotlenburg. SSilmertborfcr Str. 21, um ö Uhr 14.„„ Arminius-Sdie. Bremer Str. 72, um 4''« llbr 15.„ Sihunftssaal. B-rbandshaus. Linienstr. 83/88. um 7 Udr 16.„, Beeidete, Schroderhaus, Liebenwnlber Str. 36/36, um 40« Uhr 17.»» Bruseberg, Serlchtftr. 71, um 4'» Uhr t r 18., Sitzunesianl 4. Berdandshaus. Linienstr 83/85. um 5 Uhr IS.,, Jugendheim DMV, Linienstr 83/85, tmt 6 Uhr iO.,„ Wende. Äolonleftr 147. um 5 Uhr 21.„„ Einsied er, Iohannisthul. Sterndamm, um 4>A Uhr 23.,„ Germania-Säle. Spandau, Stresotpplatz, um 4>A Uhr. Die Beltra,ien«mLnnerkonfer«nz im 22. Bezirk ift am Donnnrstarg. dam 3. bonuar 1931, 4>, Uhr. im Lotal Schulz, Köpenick, Bahnhusstr. 34. Tagesordnung in allen Konferenzen: Jahresbericht und Neuwahl der Bezirksleitung. Ansierdem finden am»llftnach, de» 7. Za»u»r 1931,!Zer!rauenemänner> konterenzen statt. 2t. Bezirk. Lotal Sitzungssaal des Berdandrhanses. Linienftr. 33 55. n:n 4 Uhr 25.,, Zur Wnriburg. Siemrnsstadt.�ionnenDammaUee Ecke Zieissteage. um 4': Uhr. Hier ein neues Präparat, das zum ersten Male auf Grund präziser wissenschaftlicher Expetimente u. Forschung aufgebaut, einen wirklichen Verjüngungs- und Heilwert hei vorzeitigem Altern(sexuelle Neurasthenie), nervösen Depres- sionszuständen usw. hat und sich sowohl im Tierexperiment wie bei Menschen in jahrelangen klinischen Prüfungen bewährt hat. Die Wirkungen der Sexualhormone sind bereits bekannt— aber— bisher war es noch nicht gelungen, diese so zu gewinnen, daß sie in präparierter Form immer ihre Wirksamkeit behielten. Sie wurden entweder bei der Prä- paration durch zu große Hitze oder durch Chemikalien geschädigt. Nach dem neuen Verfahren des Instituts für Sexualwissenschal: zu Berlin, Dr.-.Magnus-Hirschfcld- Stiftung, ist es jetzt ermöglicht, das kostbare Hormon so zu gewinnen, daß seine spezifische Wirkung ganz erhalten bleibt. In den..Titus- Perlen" haben wir also zum ersten Male ein Präparat, welches nachweislich das blshc vergeblich erstrebte VerfOngang»- Hormon in ge- sidicrlcr standardisierter Form enthält.„Titus- Perlen" wirken also meist auch da, wo andere Mittel versagten. Lassen Sie sich zunächst über die Funktionen der menschlichen Organe durch die zahlreichen farbigen Bilder der wissenschaftlichen Abhandlung unterrichten, die Sie sofort kostenlos (verschlossen-neutral) erhallen durch die Friedr- Wilhelmstädt. Apo'hcke, Berlin NW lA, Luisenstr. Ist. Originalpackung 100 Stück für Männer RM. 0.80(für Frauen RM. 10BO). Zu tauben I n allen A*»«»9taetaen- Jedes Wort 12 Pf. Das fettgedruckte Wort 25 PL(zulässig zwei fettgedruckte Worte). Stellengesuche das erste Wort(fett) 15 Pf., jedes* eitere W ort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen doppelt. 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Die geldlichen Leislungen des Reichs für die Landwirtschast betrugen in den Zahren 1924 bis 1929 alles in allem genommen annähernd 1% Milliarden Mark. Hierbei sind aber nur die ziffernmäßig erfaßbaren Aufwendungen berücksichtigt, n i ch t die von der Allgemeinheit im Jnteresie der Land» Wirtschaft getragenen Opfer, wie z B. die Verteuerung der Lebens- Haltung durch die andauernden Zollerhöhungen. Di« Summe von 19t Milliarden setzt sich zusammen aus Krediten und Sub- vemionen.. Genau trennen kann man Kredi'e und Subventionen nicht, da bisher amtliche Veröffentlichungen, die über die Verteilung der Gelder und di« Rückzahlung der Darlehen Auskunft geben könnten, in ausreichendem Umfang nicht existieren. Wertmäßig erfaßbar sind auch nicht die von der Reichsregierung getroffenen gesetzgeberischen und organisatorischen Hilfsmaßnahmen für die Förderung der Milcherzeugung, der Ausgestaltung der Absatzorgani- iationen für Getreide, Kartoffeln und Zucker. Auch die preußische Landwirtschaft ist in der Nach- lriegszeit so reichlich mit Mitteln unterstützt worden wie niemals f r ü h e r. von 1924 bis 1939 sind in die preußische Landwirlschast im ganzen b7S Mill. Mark an Krediten. Darlehen und direkten Unterstützungen geflossen. Für die Landeskulturverwaltung wurden im Jahre 1913 nur 13,4 Mill., im Jahre 1939 dagegen 22,2 Mill. bereitgestellt. Für die wissenschaftliche Forschung und den landwirtschaftlichen Unterricht sind die Ausgaben noch mehr gesteigert worden. 1913 wurden für dies« Zwecke nur 4,4 Mill., 1939 dagegen 13,2 Mill. vor- gesehen. Ebenfalls sind die landwirtschaftlichen Verwaltungs- ausgaben von 39,7 auf 73,6 Mill. gestiegen. Dazu tritt noch das großzügige Gesetzgebungswerk Preußens für die Landwirtschaft. Auch in anderen Ländern sind die Ausgaben für die Landwirtschaft außerordentlich gesteigert worden. Es sei hier nur erwähnt, daß in Bayern die unmittelbaren Aufwendungen zur Förderung der Landwirtschast sich aus 3 4 bis 35 Millionen jährlich stellen, während für den gleichen Zweck vor dem Kriege noch nicht 19 Millionen Mark ausgegeben wurden. In S a ch s e n standen 1913 nur 2 Mill. zur Förderung der Landwirtschaft zur Verfügung, während in den letzten Jahren durchschnittlich 3,4 Millionen aufge- wandt wurden. Sozialdemokratie für Bauernpolitik. Um zu zeigen, wie sich die Förderungstätigkeit der Links- regierung von der einer Rechtsregierung in den einzelnen Ländern unterscheidet, sollen hier nur Beispiele aus Mecklen- burg-Schwerin angeführt werden. In der Zeit von 1919 bis 1924, während' der die Regierung immer unter dem Einfluß der Sozialdemokratie stand, wurden jährlich 2599 Hektar Land besiedelt. Im Jahre 1925, als die Deutschnationalen, die Deutsche Bolkspartei und die Völkischen den Haushaltsplan verabschiedeten, wurden nur 299 Hektar Land besiedelt. In den folgenden Jahren, als wieder die Linksreaierung ans Ruder gekommen war, verstärkt« sich die Siedlungstätigkeit wieder auf durchschnittlich 2299 Hektar. Daß die Großgrundbesitzer diese Agrarpolitik natürlich nicht gerne sehen, wird aus folgendem Beispiel verständlich: Es zahlte bei der Rechtsregieruag bei der Linlsregicrung ein Bauer Grundsteuer. 29 M. Grundsteuer.. 29 M Mietzinssteuer 59, Erhöhung 59 Proz Wegeabgabe 19 M 19 39 M. 89 M. Differenz zugunsten des Bauern 59 M. ein Gutsbesitzer Grundsteuer.5999M. Grundsteuer. 5999 M Mietzinssteuer 1999, Erhöhung 59 Proz 2599 M. Wegeabgabe. 299„ 7599 M. 6209 3)1. Differenz zuungunsten des Gutsbesitzers 1399 M. Der Vorwurf, daß di« Regierungen in der Nachkriegszeit und namentlich die unter sozialdemokratischer Führung stehenden nichts für die Landwirtschast getan hätten, wird durch die Broschüre der Agrarpolitischen Zentrale als unwahr erwiesen. Zugegeben soll werden, daß jetzt die Regisrunoen, wenn Sozialdemokraten an ihnen beteiligt sind, nicht niehr so einseitig wie die Regierungen vor dem Umsturz die Jmeressen der Großgrundbesitzer wahrnehmen. Das aber entspricht der agrarpolitischen Bcrminft, und darauf ist die Sozialdemokratie stolz. -V.» Dunkle Einflüsse. Herr peischek hinter den Kulissen? Im Ruhrrerler und auch im sächsischen Steinkohlengebiet lLugau-Oelenitz) ist es den Kommunisten und der Revolutionären Gewerkschaftsopposition gelungen, die Erbitterung der Bergarbeiter über den beabsichtigten Lohnraub auszunutzen und Teile der Beleg- 'chaften in einen wilden putschistischen Streik zu treiben. Die ganze Bewegung hat in erster Linie politisches Interesse. Der Prozent- iatz der Belegschaften, der der kommunistischen Agitation und dem kommunistischen Terror unterliegt, ist vorläusig nicht von wirtschift- licher Bedeutung. Die Bewegung dürste auch in Sachsen bald zurückgehen, wie sie im Ruhrgebiet im Anfang der neuen Woche nachgewssen hat. lind doch sind die Blicke der Wirtschaft auf di« Steinkohlenreviere gerichtet. Die Börse hat auch am Montag eine Kursaufbesserung der Montanpapiere gebracht. Wie es heißt, als Folge der Streik- läge in England. Aber man weiß, daß die Bewegung iin Ruhr- revier und im Revier von Lugau-Oelsnig die Kursaufbesserung der Braunkohlenpreife am Montag ebensosehr, wenn nicht mehr beein- ilußt hat als di« Ereignisse im englischen Koylenrevier. Wer irgendwie an der Braunkohle interessiert ist, erwartet ron einem Anschwellen der Bewegung, von einem längeren Streik in den Steinkohlenrevieren eine ähnliche Wendung, wie sie nach der Krise im Jahre 1926 durch den großen englischen Berg- nrb'citer streik eingetreten ist. Mit anderen Worten: Die Braunkohle sieht den Streik in den Steinkohlenrevieren nicht ungern. Das ist vom Standpunkt des Aktionärs und des Dividenden- cmpfängers aus verständlich. Wenn in der Steinkohle nicht geför- dert wird, wenn sich in der Steinkohle die Räder nicht drehen und die Kohle von den Halden, die nach Millionen Tonnen zählt, nicht abtransportiert werden kann, dann blüht der Weizen der Braun- kahle. Die Braunkohle hat es diesmal aber auch nöiig. Die Stapelvorräte werden allein für das Ostelbisch« Syndikat mit unge- lähr 1 Million Tonnen angegeben. Das ist unerhört hcch. Die Braunkohle kannte jahraus und jahrein keine Stapelvorräte. Sie mar es nur gewohnt, daß Nachfrage da war und hat sich bisher um ihren Absatz nicht zu kümmern brauchen. Der Verkauf der Braun- fohle war— gluckliche Zeit!— ein Ding, das sich von lelbst erledigte. Auch die Preissenkung hielt z. B. das Ostelbische Syndikat !ür eine überflüssige Angelegenheit und machte durch Schliche und Tricks den unter Druck der Oeffentlicksteit zugestandenen Preisnach- laß illusorisch. Nun hat man die Produktion in der Braunkohle bereits seit Wochen gedrosselt. Man bat Entlassungen voraenommen >iiid wird, trotz gegenteiliger Versprechungen um die Wcihnachts- zeit, weiters Entlassungen vornehmen müssen. Im Bezirk von Senftenberg allein sollen 2000 Mann vor der Kündigung stehen. Der Absatz wurde beim Ostelbischen Syndikat Ende Dezember auf 39 Proz. der Produktion geschätzt. Man kann es schon verstehen, wenn die Braunkohle einen Streik in den Steinkohlenrevieren nicht ungern sieht, wenn man gewissermaßen mit der B e w e- gung in den Steinkohlenrevieren sympathisiert. Und in unterrichteten Kreisen will man wisien. daß man dieser Sympathie auch anderweitig Ausdruck gegeben hat. In diesem Zusammenhang wird der Rame des Braunkohleuindustriellen Petschok genoimt. Das erscheint{lieht ausgeschlossen. Man n-acht gerade in der ostelbischen Braunkohle Petschek für die gegenwärtige katastrophale Absatzlage verantwortlich, wobei man auf seine Machenschaften als Händler hinweist. Jedenfalls könnte ein steigender Absatz in der ostelbischen Braunkohle und auch in der rberschlesischen Steinkohle, wo Petschek ebenfalls interessiert ist, durch«ine Entblößung des Marktes von Ruhrkohle ihn über zahl- reiche Schwierigkeiten hinweghelfen. Man sagt Petschek nach, daß er vor dem Kriege die böhmischen Bergarbeiter in einem Streit ausgespielt hat, weil er damals entsprechende langfristige Lieferung?- vertrüge aus anderen Revieren hatte. Ohne Zweifel hat Petschek auch 1927 den mitteldeutschen Bergarbeiterstreik provoziert, um bei den in Frage kommenden Stellen der deutschen Kohlenwirtschast höhere Preis« zu erzwingen. Möglich ist schon, daß Petschek diesmal mit denselben Karten spiell. Vieles, was in der deutschen Oeffentlichkeit in den Jahren seit dem Zusammenbruch mtoerständlich und unerklärlich geblieben ist, erklätt sich erst aus derartigen Einfüssen, und zweifellos wird nach soundsoviel Jahren, wenn die Akten offen liegen, die Oeffentlichkeit staunen, wie stark derartig« Einflüsse gewesen sind. Alte erprobte Gewerkschaftler können ein Lied von den dunklen und fremden Einflüssen singen, die in besonders kritischen Kampf- zeitcn von den verschiedensten arbeiterfeindlichen Seiten ausgehen. Auch heute kann es im Ruhrkampf nur ein« Parole geben: die Parole der Gewerkschaften. Jedensolls sollen sich die Drahtzieher gesagt sein lassen, daß die Ruhrkumpel nicht dazu da sind, daß sie ihre Haut für Dividenden und Aktionärsinteressen der Braunkohlen- industrie zu Markte tragen. Kreuqer kurbelt an. Kapitalerhöbung beim Zündholztrust. Der schwedischeZündholztrust Svenska Tändsticks A.B. beabsichtigt, sein Aktienkapital von 259 aus 369 Millionen schwedi- sche Kronen zu erhöhen. Diese Kapitalerhöhung würde, da dle neuen Aktien zu einem Kurs von 159 Prozent ausgegeben werden sollen, dem Konzern einen Barmittelzufluß vonrund 159Millionen Mark bringen. Die Kreuger-Gruvpe ist einer der wenigen internationalen Kon- zerne, die trotz der Weltkrise ihre Machterweiterung in kaum ver- ringertem Umfang und Tempo fortsetzen. Di« drei wichtigsten Aus- dehnungsmaßnahmen des vergangenen Jahres waren die endgültige Monopolisierung des deutschen Marktes und der Uebergang der großen amerikanischen Zündholz-Gesellschaft Dia- wand Match Company an die Svenika-Gesellschoft für rund 50 Millionen Mark, ferner die beherrschende Einflußnahme Jvar Kreuge.'s auf den schwedischen Telephonbau- und Betriebstonzcrn von L. M. Ericsson. Die Stärke der Kreuger-Gruppe gerade in der gegenwärtigen Periode beruht in der Beherrschung von Wirtschaftszweigen, die von Konjunktureinflüssen im weitesten Maße unabhängig sind: Zündholz- und Fern- sprechindustrie. Sollte die beabsichtigte Kapitalerhöhung ver- wirklicht werden, so kann mit neuen starken Eroberungen gerechnet werden. Bezeichnend für di« günstiae Lage des Zündholztrustes ist auch das an der Stockholmer Börse verbreitete Gerücht, daß bie Dividende, die seit einigen Jahren gleichmäßig 15 Prozent betrug, nunmehr auf 17 Prozent erhöht werden soll. Die Eisenkrise in der Welt. Rückgang der Produktion um über 22 Prozent Nach den Mittellungen der Fachzeitschrift„Stahl und Eisen" ist die Produktion von Rohstahl und Roheisen im letzten Jahr infolge der Krise allgemein stark zurückgegangen. In Europa ist Deutschland, dessen Stahlwerksproduktion von 16,2 auf 11,5 Millionen Tonnen, also um rund 29 Proz., und dessen Roheisenproduktio» in fast dem gleichen Umfange, nämlich um 27 Proz. von 13.4 auf 9,7 Millionen Tonnen zurückgegangen ist, von der Krise am härtesten betroffen. Dicht aus folgt dann Groß- Britannien mit einem Produktionsverlust von 23 Proz. bei Rohstahl, dessen Jahreserzeugung von 19,1 auf 7.8 Millionen Tonnen zurückging, und 29 Proz. bei Roheisen mit einem Erzeugungsausfall von 7,7 auf 6,33 Millionen Tonnen. Frankreich ist dagegen in seiner Stahlerzeugung, die sich fast auf dem Stande des Vorjahres halten konnte, von der Welteisenkrise so gut wie gar nicht in Mit- leidenschaft gezogen, denn auch die Roheisenproduktion der sran- zösischen Hochöfen weist eine verhältnismäßig sehr geringe Ein- buchtung um 19 Proz. auf. Fast so stark wie Deutschland sind auch die Vereinigten Staaten von Amerika von der Eisenkrise mitgenommen worden. Die Stahlproduktion sank von 57,8 auf 42,5 und die Roh- eisenproduktion von 43.3 auf 32 Millionen Tonnen, nlso in beide» Fällen um rund 26 Proz. gegenüber dem Vorjahre. Damit ist die Wellerzeugung an Rohstahl im letzten Jahr mit insgesamt 95,7 Mit- lionen Tonnen auf 78,6 Proz. des Vorjahres gefallen. Europa steht mit 49,3 Millionen Tonnen um fast 6 Millionen vor Gesamtamerika. Bemerkenswert ist die Kräfteverschiebung innerhalb der führenden europäischen Eisenindustrieländer. Zum ersten Male ist es Frankreich gelungen, hinter Deutschland den zweiten Platz einzunehmen und Groß-Britannien an die dritte Stelle zu drängen. Dasselbe ist bei der Rohncisenerzeugung der Fall, wo im letzten Jahr Frankreichs Produktion die englisch? um mehr als 39 Proz. übertrgf. Großhandelspreise-1930. In Deutschland fielen sie am wenigsten. Eine Gegenüberstellung der Großhandelsindizes der wichtigsten Länder zeigt, daß Deutschland mit der Entwicklung aus dem Weltmarkt nicht Schritt hält, eine Feststellung, die mit Rücksicht auf den deutschen Export und die deutsche Konsunkturlage wenig erfreulich ist. Die Durchschnittszahlen für die Monat« Januar und Dezember 1939 wurden wie folgt berechnet: Januar Dezember Deutschland... Vereinigte Staaten Frankreich... England.... Italien..... 98.8 93,3 85,2 .86,9 69,3 89,5 79,7 76,7 70,1 56,8 Differenzen in Proz 9.5 14 19 19 19 Die Zahlen für die ersten drei Länder wurden von dem umerika- nischen Nationalökonomen Irving Fisher, die Zahlen für Eng- land von Mr. Crump und die für Italien von der Handels- kommer in Mailand berechnet. Wenn sie auch direkt wegen ihrer verschiedenen Berechnungsgrundlage nicht ver- glichen werden können, so kann man doch aus ihrer Ver- änderung in einer bestimmten Zeit Schlüsse ziehen. Im Jahre 1939 sind die Großhandelspreise am meisten in England und Italien, nämlich um 19 Prozent, gesunken: a m w e n i g st e n sanken sie in Deutschland, nämlich nur um 9,5 Prozent. Der A b st a n d zwischen den Indizes von Deutsch- land und der Vereinigten Staaten, der im Januar 5,5 Punkte betrug, hat sich bis zum Dezember mit 9,8 Punkten beinaheoerdoppeit. Der Grund für diese Entwicklung ist bekannt: die große Bedeutung in der deutschen Wirtschast und also für den deutschen Großhandels- index der„gebundene n" Preise, derjenigen Preise, deren Höhe von den Kartellen bestimmt und deren Sinken von ihnen verhindert wird. Diese„gebundenen" Preise sind nicht die letzte der Ursachen, die die Krise in Deutschland so verschärst habei. Mllionenpleiie am Hausvogieipwtz. Die Berliner Blusen- und Kleiderfabrik I. Brotzcn u. Co. am Hausvogteiplatz, die seit 26 Jahren besteht, hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Ursachen der Insolvenz sind noch nicht genau bekannt, doch sollen sie weniger in schlechter Geschäftsentwicklung als in Bürg- schaftsoerpflichtungen, die der«ine Mitinhaber Großbanken gegen- über für Hypothckcngeschäfte eingegangen sein soll, zu suchen sein. Der Status ist noch nicht aufgestellt: die Passiven werden auf 2.5 Millionen Mark geschätzt. Es wird ein außergerichtlicher Pergleich angestrebt. 10 proz. Zuckerdividende. Der Rheinische Aktien- oerein für Zuckcrsabrikation in Köln kann auch für das am 31. Juli 1939 abgelausene Geschäftsjahr 1929'39 wieder 19 Proz. Dividende(Kapital 1,4 Millionen) verteilen. Ent- sprechend der großen Zuckerüberproduktion ist unter den Aktiven des Warenlagers von 9,89 auf 9,93 Millionen gestiegen. Auch die Schuldner erhöhten sich van 9.45 auf 9,59 Millionen, denen aus 1 33(1,05) Millionen erhöhte Schulden gegenüber- stehen. Im Geschäftsbericht wird geklagt über den Zwang zur Ausfuhr, da der Verbrauch im Inlands nicht gewachsen Ist. Die Verluste aus dem Ausfuhrgeschäft scheint man, nach der hohen Dividende zu urteilen, mit Erfolg aus die r ü b e n l ie f e r n d e Landwirtschaft abgewälzt zu haben. Der Rheinische Aktien- verein ist mit Wirkung ab 1. August 1939 mit der Raffinerie Pfeifer u. Langen A.-G. in Köln fusioniert. Efseklen-Kalendcr 1931. Ii» Verlag„Das Spezial-Zlrchio der Deutsche» W i r t s ch a s t", R.». H. H o p p e n si e d t, Berlin S W 19, ist soeben in erweiterter Form der..Effekten- Kalender 1931"(96 Seiten, 1,23 M.) erschienen. Dies Büchlein ist geeignet, allen, die irgendwie die Börsenentwicklung oder die K u r s c n t w i ck l u n g einzelner Aktien zu verfolgen genötigt sind, gute Dienste zu leisten. Eine kleine Einleitung behandelt di« Kursfestsetzung an der Berliner Börse. Den Hauptinhalt bildet eine Zusammenstellung für die Jahre 1927 bis 1839 der Dividenden und der höchsten und niedrigsten Kurse aller an der Berliner Börse notierten Aktien. Ergänzt wird das Tabellen- werk durch die gleichen Angaben für die Terminpapiere aller übrigen deutschen Börsen. Eine andere Tabelle gestattet, für di« Dividenden- sätze von 1 bis 29 Prozent die tatsächliche Verzinsung bei Kursen von 55 bis 259 Prozent abzulesen. Ein Kalender und Formularblätter gestalten ergänzende Notizen. Gturmwehen im Ruhrbergbau. Ist der Lohnabbau berechtigt? Bochum, 5. Januar.(Eigenbericht.) Im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier gärt es. Wieber ein- mal hält das schwarze Land an der Ruhr, der Lippe und an der Emschor den«tag einer politischen Krise und Wirtschaftskrise aus. Im Krieg und in den ersten Nachkriegsjahren, als der Hunger die Ruhrknappen zu Skeletten abmagerte, verlangte man von diesem Land Kohlen und wieder Kohlen. Sie lieferten Kohle; die Leute an der Ruhr taten ihre Pflicht. Dann kam die Ruhr- b e s e tz u n g. Die Nation appellierte an das schwarze und rauchige Land. Und das Land tat seine Pflicht; die Franzosen zogen ab. Man erwartete Jahre der Ruhe und der wirtschaftlichen Er- holung. Aber es kam die linistellung im Ruhrbergbau, die Leistungssteigerung pro Schicht und pro Kopf, die die Arbeitstraft maszlos verbilligte und Zehn tausende über- flüssig machte. In jener Zeit des Rationalisierungsaufschwunges haben die Kohlenbarone Blillionen um Millionen verdient. Sie haben ihre Werke modernisiert. Sie haben sie im Werte ver- vielfacht. Sie haben die Profite gesteigert. Die Ruhrknappen be- zahlten diesen Reichtum mit einer beispiellosen Wirtschaft- l i ch e n Unsicherheit. In den Jahren seit der Besatzung sind die Belegschaften im rheinisch-westfälischen Steinkohlenrevier von 500 000 aus Z00 000 Mann abgebaut worden. Arbeitslosigkeit und Feierschichten zogen in das Revier. Bon dieser Bevölkerung, deren Einkommen an sich schon glatt halbiert ist, verlangt- man jetzt eine Senkung der Lebens- Haltung ins Unmögliche. Weil das die Kohlenpreis- senkung erfordere. Man darf sich nicht wundern, wenn die Spannung in diesem Land aufs h ö ch st c g c st i c g c n ist. Fordern doch die Bergbau- Unternehmer eine Reduzierung der Arbciterlöhnc um rund lZ proz. Der bisherige Listenpreis für Fettfördcrkohle ist von 16,83 M. auf 15,40 M. je Tonne gesenkt worden; in einem ähnlichen Verhältnis wurden auch die Preise für die anderen Kohlensorten herunter- gesetzt. Die Behauptung der Unternehmer, daß die ermäßigten Kohlenpreise eine Erlösvcrminderung um durchschnittlich 1,80 M. je Tonne ergeben würde, entspricht nicht der Wirtlichkeit. Richtig ist. daß bisher schon im unbestrittenen Gebiet der jeweils volle Listenpreis gezahlt werden mußte und daß für die auf dem Land abgefetzte Kohle noch ein erheblicher Zuschlag zu den Listenpreisen genommen wurde. Eine Erlösminderung unter den festgesetzten Listenpreisen kann jedoch nur eintreten bei den Absatz- mengen, die ins b e st r i t t e n e Gebiet beförderr werden. Dort gab es bisher schon einen Preisnachlaß. Di« offi- ziellen Listenpreise konnten infolge der Konkurrenz nicht gehalten werden. Wiederum aber ist es Tatsache, daß trotz dieser Preis- nachlasse die D u r ch s ch n i t t s e r l ö s e in den ersten neun Monaten des Jahres 1350 gehalten wurden. Für die letzten drei Monate des vorixen Jahres ist leider der Durchschnittserlös I noch nicht bekannt geworden, weshalb sich ein Pergleich nicht an- I stellen läßt. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß nach den herabgesetzten Kahlenprcisen der Erlös sich je Tonne um nicht mehr als uni 1 M. verringern wird. Das sind rund b Proz. Dagegen fordern die Unternehmer offiziell 12 Proz. Lohnabbau. Einen wichtigen Maßstab im Kohlenbergbau bilden die S e l b st k 0 st e n und hier insbesondere die Höhe der Löhne bzw. die L 0 h n k 0 st e n je Tonne Kohle. Der Förderaziteil betrug im April 1928— 1172 Kilogramm, die Lohnkostcn stellten sich auf 7,04 Mark je Tonne. Im Monat Oktober 1930 betrug der Förderanteil 1415 Kilogramm, die Lohnkosten je Tonne bc- trugen 0,30 M. Das bedeutet eine Senkung der Lohnkosten um rund 10 Proz. Hierzu kommt, daß im Verlauf der letzten Monate die Preise für Holz, Oele, Fette und andere im Grubenbetrieb notwendige Materialien ganz erheblich im Preise gefallen sind. Die Unter- nehmer haben die von den Gewerkschaftsvertretern ausgemachte entsprechende-Selbstkostenberecbnung nicht entkräften können(sie war aufgebaut auf der Grundlage, wie sie das Reichswirtschafts- Ministerium wiederholt zur Anwendung gebracht hat). Wenn dennoch die Vertreter der Arbeiter in den Verhandlungen am 30. Dezember 1930 geneigt waren, in einen Lohnabzug bis 4 Proz. einzuwilligen, dann geschah das nur aus der allgemeinen Wirtsä)afts- läge heraus und insbesondere mit Rlllksicht auf die Prcissenkungs- aktion. Die Unternehmer aber forderten als letztes mindestens einen Abbau der Löhne um 8 Proz. Die Folge? 5)cute ist die Stimmung im Ruhrrevier äußerst gereizt. Das Treiben der Konnunnistifchen Partei spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Einfluß besitzen sie nur auf wenige Schacht- anlagen. Auch der größte Terror, wie er von jener Seite verübt worden ist, hat die Belegschaften nicht in den Streik zu treiben vermocht. Ueberall haben sich die Gewerkschaftsfunktionäre und weite Teile der Belegschaft entschieden gegen den Terror der Kommunisten zur Wehr gesetzt. Stellenweise sind sogar kommunistische Streikbefürworter aus den Belegschafts- Versammlungen hinausgeprügelt worden. Die Belegschaften bauen aus die Macht und Verantwortung der Gewerkschaften. Das ist bisher bereits überall unzwei- deutig zum Ausdruck gekonnnen. Die überaus gespannte Stimmung, die vorhanden ist und nicht erst in �den letzten Wochen entstand, beruht auf dem Tempo des jetzigen Arbeitssystcms, dem Einmanngedinge, der An- treiberei und der Behandlung der Arbeiter, wo- zu die jetzige Haltung der Unternehmer in der Lohnabbaufrage den Schlußstein bildet. Es unter- liegt gor keinem Zweifel, daß die Belegschaften einem Ausrufe der Bergarbeikerverbände restlos folgen werden, kommt eine annehm- bore Lösung bis zum 15. Januar 1931 nicht zustande dann steht der Ruhrbergbau vor einer tieserschütlcrnden Bewegung. Die Ohnmacht der KpO. Sie Probe aufs tkxempet. Seit vier Monaten hat die KPD. einen Befehl aus Moskau in Händen, in Deutschland kommunistischeGewerlschasten aufzuziehen. Der Zweck dieser Spaltung der Arbeiterschaft ist die beliebige Entfesselung von Känipfen in Deutschland, je nachdem wie es die inneren Verhältnisse Sowjetrußlands erfordern. Die Diktatur der Bolschcwiki wird unter anderem damit ausrechterhalten, daß man den russischen Arbeitern weismacht, die Arbeiter in den kapitalistische» Ländern lebten noch schlechter als sie und seien demzufolge stets bereit, die„Weltrevolution" zu entfachen. Wenn dann irgendwo in irgendwelchen Betrieben einige hundert Arbeiter streiken, indem sie glcichzcilig Ergebenheitsadressen an die Sowjet- regierung beschließen, dann wird das den russischen Arbeitern als Beweis der kommenden Wcltrevolution vorgesetzt. Da solche „Beweise" von den freien Gewertschasten nicht zu haben sind, sollen kommunistische Gewertschasten gegründet werden. Die KPD. flunkert so gewaltig von ihrem Einfluß auf die Arbeitermassen, daß auch sonst durchaus enisthafte Beobachter der Arbeiterbewegung darauf hereinfallen, zumal sie sich auf die Zahl der abgegebenen Stimmen bei den Reichstagswahlen be- ziehen. Es ist aber etwas anderes, seiner Verbitterung und seinem Haß gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung hinter dem wohlgeborgenen Wahlgeheimiü? Ausdruck zu geben, und es ist wieder etwas anderes, Gewerkschaftsbeiträge zu zahlen und wirtschaftliche Kämpfe gegen diese kapitalistische Gesell- schaftsordnung zu führen. Der KPD. kommt es bei den Wahlen und bei allen sonstigen passenden und unpassenden Gelegenheiten nicht darauf an, ihren Nachläufern das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen. Daß die NGO.„führt" und daß sie allein gegen den Lohnabbau kämpft, ist das mindeste unter diesen Flunkereien. Tatsächlich hat die KPD. und ihre NGO. bisher gar nichts gegen den Lohnabbau getan. Sie hat zum Beispiel behauptet, daß die Berliner Metallarbeiter zu Zehntausendcn dem kommunistischen Metallarbeiter-Derband zuge- strömt seien. Getan hat sie aber gar nichts. Genau so verhält es sich im R u h r k 0 n f l i k t. Obwohl die S t 1 m m e n z a h l der KPD. im Ruhrgebiet eine ganz außerordent- lich hohe ist, hat sich nur eine verschwindende Anzahl von Bergarbeitern freiwillig bereit gesunden, der Parole der RGO. Folge zu leisten. Nun ist auch dieser monatelang vorbereitete Streik elend zusammengebrochen. Wieder ist die Ohnmacht der KPD., wenn es ernsthaft zu kämpfen gilt, offenbar geworden. Oer Zusammenbruch. Es ist wieder nichts mit der„Weltrevolution". Esseu. 5. Januar. Die Meldungen über die Streiklage bei den einzelnen Zechen• lassen einen starken Rückgang der Streitbeteiligung erkennen. Am Sonnabend streikten bei der Frühschicht 11,95 Proz. der Belegschaft, heute früh dagegen sehlten trotz der am Sonntag betriebenen eifrigen Agitation nur 740 Proz. Die Gesamtzahl der Streikenden betrug 5007 gegen 10 849 in der Mittagschicht vom Sonnabend. Dieses Ergebnis läßt darauf schließen, daß mit einem baldigen Erlöschen der Streikbewegung gerechnet werden kann. Dortmund, 5. Januar. Im Dortmunder Bezirk ist der Streik söllig erledigt. Aus allen Zechen des Polizeipräsidialbezirks ist die Mittagschicht voll eingefahren. Zu weiteren Zwischenfällen»st es nirgends gekommen und auch besondere polizeikräste brauchten nicht eingSseht zu werden. Recklinghausen, 5. Januar. Räch den Anfahrtszissern zur Rochmittagsschicht aus den Zechen im Bereich des Reglinckhausener Polizeipräsidiums kann die kam- muaistische Streikbewegung als restlos g e s 6) e i l e r t bezcichncl werden. Bei einer Gesamlbelegschast von 91 000 Mann auf den Zechen Recklinghausen fehlten zur Mittagschicht nur noch 51S Berglenke. Auf den Zechen in Recklinahausen selbst blieb nicht ein Mann der Mittagschicht fern. Riesenkampf in Engiand. ZOO 000 Texiilotbeiier wehren sich London, 5. Januar.(Eigenbericht.) In einem grossen Teil der Lancashire-Baum- Wollindustrie ist die Arbeit am Montag e i n g e- stellt worden, da die Arbeiter sich weigern, die Ein- führung des neuen Arbeit«) h st ems anzunehmen, nach dem ein Arbeiter statt vier acht Spindeln überwachen soll. Tie Arbeiter sind gegen das neue System wegen der Belastung der Arbeiter nnd weil sie niit Siecht als Jiolge dieses Systems Entlassungen befürchten. Falls es ,zu keiner Einigung in der für Dienstag ange- setzten Zusammenkunft zwischen den Unternehmern und den Gewerkschaftsvertretern kommt, ist mit einer Aus- dehnung deb Streiks auf die gesamte Baumwoll- industrie zu rechnen. Davon würden.Ivll 000 Arbeiter betroffen werden. Die Zahl der gegenwärtig Streiken- den beläuft sich auf ungefähr 3500. GcharfsterKampfimenglischenBergbau Regierung macht neue Vernwteluilgeverfuche. London, 5. Januar.(Eigenbericht.) In ungebrochener Kraft verharren die Bergarbeiter von Süd- Wales im Streik. Angesichts der von den Unternehmern, ge- forderten Lohnherabfetzung, die nur eine Vorprobe für einen Generalabbau der Löhn« wäre, besitzen die wolifer Ausständigen, deren Zahl täglich zunimmt, die unge- teilte Sympathie der gesamten Arbeiterschaft. Am Montag verhandelten die Führer der Streikenden mit der cngiisschcn Rc- gictung. Cook wies auf die erbittert« Stimmung der Berg- arbeiter I/in, die im vergangenen Monat zur Frage dcr Arbeitszeit bereitwillig auf den gesetzlich gewährleisteten 7',-!-Stunden-Tag verzichtet hätten. Trotz dieses Opfeks verlangten die Unter- I nehmer jetzt noch«inen Lohnabbau. Eook erklärte, wenn»s der Regierung nicht bald gelinge, die Bergwerksbesitzer zur Lernunst zu bringen, so wäre es den Gewerkschaften unmöglich, die eng- lischen Bergarbeiter von einem General st reik abzuhalten. Die Regierung hat Vertreter der Bergwertsbesitzer für Diens- tag nach London geladen. Die Bergarbeiterdclegationen bleiben bis auf weiteres ebenfalls in London, um das Ergebnis der Bc- sprechungen zwischen Regierung und Bergwerksbesitzern abzuwarten._ Meiatlschiedsspruch für Siegen. Lohn um 5 Pfennig und Zulage abgebaut. Siegen, 5. Januar.(Eigenbericht.) In dem Lohnstreit in der Siegerländer Metallindustrie wurde ein Schiedsspruch gefällt. Dcr bislzenge Lohntarif wird vom l. Januar an mit der Maßgabe in Kraft gesetzt, daß der Tariflohn des Facharbeiters über 24 Jahre 08 Pfennig beträgt. Der bisherige Lohnsatz betrug 73 Pfennig. Die Unternehmer hatten einen Lohnabbau bis auf 63 Pfennig vorgeschlagen. Pon den sazialen Zulagen fällt die Berheiratetenzulage weg. während die Kinderzulage bestehen bleibt. Der Tarif läuft bis zum 31. Mai 1931. Der Schiedsspruch wurde gegen die Stimmen der Unter- nehmer gefällt._ Ltnd der Schlichter absolut... Aussperrungsdrohung als Druck auf den Schlichter. Mannheim. 5. Januar.(Eigenbericht.) Die Gastwirteinnung Mannheim hat beschlossen, ollen Ange- stellten die Arbeitsverträge mit 14 Tage Frist aufzukündigen und alsdann auszusperren, falls die Angestellten auf die von den Gastwirten gestellten Bedingungen nicht eingehen sollten. Zahlreiche Betriebe hoben bereits gclündigt. Die Kündigungen sollen den Zweck hoben, einen Druck auf den Sä) lichter auszuüben, damit dieser den neuen Lohnschiedssprucb nicht für verbindlich erkläre. Dcr Schlichtlingsausschuß Mannheim hat durch Schied-- spruch den bisherigen Lohntarif bis zum 28. Februar 19Z1 unverändert verlängert. Dagegen kämpfen nun die Gastwirte an. Der Syndikus Dr. Göller erklärte vor dem Schlichtungsausschuß in Karlsruhe:„Wir wollen im Januar und Februar unbedingt t a r i f l 0 s sein".__ Fristlos entlassen. Weil er eine angedrohte Schießerei verhindern wollte. Ein Gutsbesitzer klagt beim Arbeitsgericht gegen einen fristlos entlassenen Landarbeiter aus Räumung der Werts wohnung. Der Vorsitzende stellt fest, daß die Wohnung nicht unter Mieterschutz steht, und daß si« nach dem Ltbeitsvertrox: vierzehn Tage nach der Entlassung geräumt werden muß. Da de. Arbeiter wegen der im August erfolgten fristlosen Entlassung nicht geklagt lzabe, halte er diese doch wohl für berechtigt, also müsse ee auch die Wohnung räumen. Der Arbeiter persichert, sein« Entlastung sei durchaus-unbere-h- tigt. Geklagt habe er nicht, weil er glaube, er müsse Kostenvorschuß zahlen, und dazu habe er kein Gelo. Eine andere Wohnung könn er nicht bekommen. Um zu beweisen, daß kein Grund zur Entlassung vorgelegen lzab«. wolle er den Borgang erzählen. Tier Borsitzende wehrt ab. Da-. interessier? nicht. Der Fall sei ja klar. Der Betlagte lzab« gegen seine Entlassung»Ich: geklagt— Kostenvorschuß werde ja nicht erhoben—, also müsse er auch die Wohnung räumen. Nach vielem Hin- und Herreden gelingt es dem Beklagten schließ- lich. den Borgang, der zur Entlassung geführt hat darzulegen. Er war dazugekommen, als der Gutsherr, der mit drei Schnitiera wegen Bezahlung der Sonntogsarbeit in Streit geraten war, in die Gesäßtasche griff und den Schnittern zuriet: j„Drei Schritt vom Leibe oder ich schieße." In diesem Augenblici ! habe er, dcr Beklagt«, die anscheinend nach einer Wosse greisende ! H and des Gutsbesitzers von hinten erfaßt, um ih> zu entwaffn«» und Blutvergießen zu verhindern. An dem Streil selbst sei er gor nicht beteiligt gewesen, er�'ci dann, ebenso wie die Schnitter, fristlos entlassen worden. Es habe sich zwar gezeigt, daß der Gutsherr keine Waffe in der Tasch« hatte, aber er, der Beklagte, habe geglaubt, daß der Gut- Herr, der früher einmal seinen Verwalter tatsächlich mit einer Schuß- waffe bedroht habe, auch in diesem Falle zur Waffe greif«» würde. Der Beklagt«, der einen durchaus glaubwürdigen Eindruck macht. hat ohne Zweifel in gutem Glauben und in der Absicht ge handelt, Unheil zu verhüten. Aber das Gericht hätt sein Verholten gegen den mit Schießen drohenden Gutsbesitzer für unberech- tigt. Cr wurde v e r u r t e i l t, d i e Wohnung zu räumen und für deren Benutzung nach der Entlassung 45 M. an den Gnu besitzer zu zahlen.— Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrot A h r e» s. sagte in der Urteilsbegründung, der Beklagte habe kein Recht xeha'.'!. den Gutsbesitzer, der sich in Notwehr befand, anzugreifen.' Es ist unverständlich, wie der Vorsitzende zu der Annahm; krmmt, es habe Notwehr vorgelegen. Festgestellt ist das nicht! Uebrigens ist ja dem Gutsbesitzer, auch nachdem sich heraus- gestellt hatte, daß er keine Waffe bei sich hatte, nichts geschehen. m I W I 9 M Mi s m Mi DPD..?raIlion im Sciamtsnli-nit. Mittwocki. R Ukn. im Türkisch?» 3rlt. Paakow, Vre»« Etroßr.!?rak:!o»sversammlun»/..LUllnnit dir 9>attci jit dcn 3!oh!crarbnimn;n." 3'tfrrcut: GnioZe Mar Hrvdrmait». Tos Crlchrincn aller©rnolfrn ist Pflicht. Crmuachistcrrndr to vrillkomm?».?cr?>!artio!-s»»rs!a!-d. Pettielltfrattion der SPD. im Peiurteamt ZUemberq. Donner 20 Uhr, im Restaurant Ewnid. Slalidrr Str.»es. Iadrcshaiivtvrv. sanimlmia der Tetrieds'raktion. Danecotbmmq: 1.?a!irrebrricht. Rc. fetent:(Sciioffc Schtoll. Anschliekenb Aussprache, z. Nassenl-erich- !i. Rnneahlen brr Dienst stell.niobleute. 4. Neuwahl bts Vorstanbes. 5. Miltrttunqen. 0. Pertchicbenes Der Araktionsporstanb > tuh- ß l r t trffFfcl ��reieGewerkschafts-�naendVerw' Äfutc. Dienotao. W/j Uhr, tagen die Gruppen: Treptow: Gruppenheim. vp(j>ulc Wilden pruchstr.»3— 54(Hort�immer). Heimbcsprccdung t..Unsere -Ardett un neuen Ialir".— Spandau: Grnppenhcim, Stad'. Jugend- nc int, Ltndenufer 1. Seimbesprechung.— frankfurter«llec: Stttdt. Jugend- neun Litauer Str. 18. Heimbesprcchung. Kontrolle der Vcrbandobücher.-- «.tchtenberg: Ingcndlze.in Dosscstr. 22. Heiinbeiprechung.— Ncu-Licktcnberg: Jugendheim Gunterstr. 4 t. Selmde sprechung. Rückblick— Ausblick.— �onkoP'.- �'Mnaenstr. 48. Seimbeiprcchunq und Liederabend.- GeVerksckeftshane: Grupptnhe»m, Engelufer 24-.*;,&ial 11 de» fabeiferbeiter verbände». 5e im belvrechunq und Berbandsbuchkontrolle.— Schönewe h?: I,- aendheim Nlederschoneweide. Berliner S't. 31. Heimdespreckung.—«dlershos �ugcndhnm BlSMarckstr. 1. Seimdelvrechnna.— Gedding: IngendHe.m Windcnoamr. 5. Seimbefprechung. Kritik an unserer Arbeit. Bringt Verbands .Itcher und Heimausroeise zur Kontrolle mit. § �vsendoruvpe oes�etttnstveft'onttes ver Anaeflellten ücutc, Dienstaq, finbrir fbiflciibc PcrnnstzNui'.stcn statt: Rrrbwrrt: IuflcnbHuim Lahr«» Str. Runter Abrnb.— Lichtdlberb: Iugenbheim Gunter ltr. 44. Wir besuchen die Periaimniuna bes Aerbebeziri».— Sund,- und Denr.-flniiß-chof: Ucbunasadcnb pünktlich Zll Uhr in brr Turnholl der Schule Barnther Str. 20. Scituna; Otto Pol« mann,