MofgenausgaVe Mittwoch Söch-ntlich KSPs. m°na!I>ch Z�SS M. I I jttf 2(U�tt)ö[ri� 15 Pf. - Mrcu»MSlbQr,«°»!.»,ugW I W M M W» � M W M>>- inIchlieklich SoP!. Poll, eiii:»»-. und WW �W> WM �M IM, H WM �M H WS H#/ H-----// 2 Ps.Pos!d«st-llg-buhr.n. Auslnnds- �WW illMW W W> �M H H MW H W> B»M> W>|B I //£"„,'"J''"' bonncmtnt 6,— SR. uro ÜKonat; für �HMSKI MW WW Wll WW WM DW MM W>— J WD BB[ SO fjennio, Scf-amricilt 5,— Reichs' landet mit ermäßigtem Drucksachen. WWW I W W W WM M M WS MM M M» mar?.„Kleine Anzeige»- ieNge> nana S.- M I �W W B �W 1k«M jW na MM W/ druckte Wart 2o Psenmg(zulässig zwei �W I �W W MM �n- vlW.- W sellgedruckle Warles weitere War * WM I WM � MR X' �W 12 Psenmg. Stellengesuche da» erfti üer„Bonnärts" erscheint wachentag- W» I WMi. W/ �W/ �m/ �WRV /r W> Wart 15 Psennig, jede» weitere War ich zweimal, Sanntag» und Mantag»-w/ f /" A' 10 Psennig. Worte übet 15 Buchstabe! '»mal. die Abendausgabe sur Bertin � �W/ zahlen für zwei ÜBorte. Arbeitsmart tnd im Handel mit dem Titel.Der V ip, eile CO Pfennig, fjamillenanzeigcn 3«ili Ibenb". IlluftneNe Beilage.Aalt Ä � � X_ iftjtk-\Ä � M mi*<0 Pfennig. Anzeigenannahme imhaupt WSSLS VoAmM! VpßWd«�-isM»«--' Jentvawvsan der«Sozialdemorvatischen Partei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 �ernsvrcchert Dönboss 292—297 Tclcstramm.Adr.: Sozialdemokral Berlin. Wir gehen alle mit! Der Körper des ermordeten WilliSchneider nimmt heute seinen letzten Weg vom Friedrichshain nach der Gericht- straßc zum Krematorium. Wir alle werden ihn dorthin ge- leiten. Was ist es, was uns auf diesen Weg treibt mit einer Macht, der wir uns nicht entziehen können? Es ist T r a u e r um sinnlos veniichtetcs junges Menschenleben, Mitgefühl mit einer Familie, aus deren Mitte heraus dieser junge Mensch niedergeknallt worden ist, Empörung, heiße Empörung über eine feige, niederträchtige, noch ungesühnte Mordtat. Es ist aber noch mehr. Was uns in den Bann dieser Trauerkundgebung zieht und uns zwingt, an ihr teilzunehmen, das ist unser entschlossener .Kampfwille. Jeder Mann, jede Frau, die sich diesem Leichenzuge anschließen, sie legen damit ein Gelöbnis ab, nicht nur für heute und morgen, sondern für alle kommenden Tage dem Banner zu folgen, das der Tote, als er noch lebte, ihnen oorangetragen hat. Dieses Banner ist kein� Banner der brutalen Gewall. Es ist kein Banner der Blutrache und der bitteren Vergeltung. Es ist das Banner des geistigen Kampfes für Freiheit und Menschenwürde, das Banner des Protestes gegen Verrohung und Verviebuna des öffentlichen Lebens. Es ist das Banner der Demokratie und des Sozialismus. Unsere Beteiligung an dem Leichenbegängnis des von ihnen ermordeten Willi Schneider soll unseren Feinden zeigen, daß man die moderne, sozialistische Arbeiterbewegung nicht aus der Welt schießen kann, nicht mit Revolvern, nicht mit Maschinengewehren oder Feldgeschützen. Sie sollen dessen ge- wahr werden, daß jeder Tod, den sie über einen einzelnen von uns verhängen, für das Ganze, das wir darstellen, nur eine Zunahme an Kraft bedeutet. Unsere Beteiligung an diesem Leichenbegängnis soll eine Kundgebung sein für den tiefen Sinn unserer großen geistigen Bewegung und gegen die Sinnlosigkeit der Gewalt. Wir wissen, daß wir mitten in einem großen Klassen- kämpf stehen, über dessen Ausgang die Kraft der O r g a n i- f a t i o n entscheiden wird. Die Kraft einer Organisation ist aber immer die Kraft einer Idee. Es ist die letzte Höllenlist unserer Gegner, daß sie uns ihre Truppen entgegenschicken in der Verkleidung einer„sozialistischen" Partei und einer„Ar- beUerpartei". Die kapitalistischen Scharfmacher schießen nicht selber auf sozialdemokratische Arbeiter, das besorgen andere Leute. Teile und herrsche! W o sich Proletarier gegen Proletarier hetzen lassen, da steht die Macht des Kapitals unerschüttert. Den großen Haufen der Nachläufer stellt der versinkende Mittelstand. Aber die aktiven Elemente, die für den Nah- kämpf zu gebrauchen sind und die wie die Hetzhunde losgelassen werden— das sind irregeleitete junge Proletarier! Wen sucht die Polizei als den mutmaßlichen Mörder und feine Spießgesellen? Einen Kaufmannsgehilfen, einen Maler, einen Maurer! Seien wir uns klar darüber: die Vcrgcltungsparole ist sinnlos. Der moderne Klassenkampf kann nicht geführt werden nach den Regeln und mit den Mitteln der albanischen Blut- räche. Daß wir uns zur Wehr setzen und unfern Mann stellen, wenn man uns angreift, ist selbstverständlich. Daß wir unseren Genossen und Kameraden, wo sie angegriffen werden, Schutz gewähren, ist noch selbstverständlicher. Aber kein So- zialdemokrat, kein Reichsbannermann wird Gewalt üben, wenn er nicht durch Gewalt der Gegenseite unmittelbar dazu herausgefordert wird. Politischen Gegnern nachstellen, sie niederknallen, die Flucht ergreifen, leugnen, wenn man gefaßt wird— o nein, so etwas ist niemals sozialdemokratisch, das ist immer nationalsozialistisch! Der Gedanke, man könne eine Bewegung venüchten, in- dem man einzelne ihrer Anhänger vernichtet, ist nicht sozial- demokratisch— nicht nur, weil er unmenschlich, sondern auch, Vorwäris-Verlaa G. m. b. H. Zsciei' frvigs�sk'kseksktttcko �rdsitsi', Angestellte und Beamte beteiligt sich an der Trauerfeier für den ermordeten Kollegen Schneider Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Ortsausschuß Berlin Bredow Allgemeiner freier Angestelltenbund OrtsKartell Graß-Berlin Flatau Petersdorf Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Bezirksautschuß Graß-Berlin Heyne Verschiedene Anzeichen lassen darauf schiieQen, daß bei der heutigen Trauerkundgebung vereinzelte Störungsversuche unternommen werden könnten. Wer solche Störungsversuche unternimmt, ergreift damit die Partei der Mörder und kennzeichnet sich selbst— mag er mit dem Hakenkreuz oder mit dem Sowjetstern geschmückt sein— als ein Achtgroschenjunge Adolf Hitlers. Das rechtzeitige, massenhafte und entschlossene Auftreten der sozialdemokratischen Arbeiter, der Reichsbannerkameraden und der Gewerkschaftsgenossen wird etwaige Störungsversuche, gleichviel, von welcher Seite sie kommen sollten, schon im Keime zum Scheitern bringen. weil er entsetzlich dumm ist. Jeher Sozialdemokrat. der von politischen Gegnern getötet wird, wirkt als Blutzeuge für die Sozialdemokratie und noch nach seinem Tode als Werber. Gilt aber nicht dasselbe auch für jeden National- sozialisten, der anders als in gerechter Notwehr getötet wird? Hat die stumpfsinnige Kommunistenparole:„Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!" etwa verhindert, daß die Faschisten bei den letzten Wahlen fünfzig Prozent Stimmen mehr bekommen haben als die Kommunisten?! Kein Sozialdemokrat, kein Reichsbannermann denkt dichter verhöhnen die Republik! Neuer Iustizskandal in Mitteldeutschland.— Die Straf- fammer Halle pfeift auf das Tteichsaencht halle, 6. Januar.(Eigendericht.) Der einstige Wasfenstillstandstonnnissar und heutige Kostgänger der Republik, Oberstleutnant D u e st e r b e r g, der zweite Bundes- Vorsitzende des Stahlhelms, hatte in einer Rede zum Volksentscheid gegen die Fürstenabfindung erklärt, Minister G r z e f i n s k i habe wegen seiner Dienste als ausführendes Organ der Fei nd- b u n d m ä ch t e den Orden der Ehrenlegion verdient. Wenn er stch den auf seinen Frack hefte, könnte man ihn bei seinen Gelagen wenigstens vom Kellner unterscheiden. Den Merseburger Regierung-- Präsidenten v. H a r n a ck nannte crschlinimeralsdenJudcn I s ch a r i o t, denn der ging wenigstens hin und hängte sich aus für seinen Verrat. Das hätte v. Harnack nicyt getan. Wegen dieser unerhörten Beschimpfungen erhielt Duesterberg vom Großen Schöffengericht Eislebcn eine Geldstrafe von 50Y M. Die Bcrufungsstrafkammer in Halle, unter dem Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Bühnemann, ermäßigte die Strafe auf ISO M. Gegen dieses Urtcll legte die Staatsanwaltschaft Revision ein. Das Reichsgericht hob das Urteil mit der ausdrücklichen Feststellung aus. Postscheckkonto: Berlin 27 529.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B.u.Dize.-Gcs.,Dcpositcnk.,Jcrusalcincr Str.böM daran, einzelne Nationalsozialisten physisch vernichten zu wollen. Unser Ziel ist höher gestellt: wir wollen die nationalsoziali st ischc Bewegung selbst ver- nichten. Wir wollen diesen Ungeist, der das deutsche Volk vergiftet, ausrotten mit Stumpf und Stiel. Wir wollen er- reichen, daß ihr„großer" Hitler in ein paar Jahren ebenso ein abgespielter Komödiant ist wie seine Borgänger: Wilhelm II., Erich Ludendorff und weiland„Reichskanzler" Kapp. Wir wollen über das Feld, auf dem früher eininal die Nationalsozialistische Partei gestanden hat, unsere Fahnen vorwärtstragen. Das werden wir nicht können, wenn wir uns zu einem Guerillakrieg in den Schluchten der Großstadt verleiten lassen, aber wir werden es können, wenn wir kaltblütig unsere große geistige und moralische Ueberlegenheit in die Waagschale der Entscheidung werfen. Wäre nicht diese unsinnige, verbreche- rische Spaltung, so stünden wir heute schon von einem Ende des Reiches bis zum andern den Hakenkreuzhorden mit doppelter Uebermacht gegenüber. Aber trotz der Spal- tung sind wir ihnen überall, vor allem hier in Berlln, weitaus überlegen, nicht nur an Zahl, sondern vor allem auch an jenen tiefen MachtqireUen, die immer aus geistiger Kraft strömen. Unsere Gegner sind hassenswert und wir hassen sie. Aber selbst unser Haß muß uns sagen, daß wir uns im Kampfe gegen sie keine Blöße geben dürfen. Weil es ums Ganze geht, müssen wir kaltblütig �nd besonnen sein! Fast jeden Tag fällt in Deutschland ein junger Mensch im schleichenden Bürgerkrieg. Wir wollen ein Ende dieses elenden, schmutzigen erbärmlichen Mordens! Wir wollen, daß Schluß gemacht wird mit der Politik des blutigen Dolches und des rauchenden Revolvers. Wir wollen die moralische Gesundung des deutschen Volkes, seine einmütige Abkehr von jenen Ele- menten, deren Weg von E i s n e r und G a r e i s, von Rathenau und Erzbcrger angefangen bis zu Schneider und Graf, mit ungezählten Opfern des Meuchelmordes bedeckt ist! Wir wollen nicht den Kampf Mann gegen Mann. Dazu sind wir uns zu gut und sie uns zu schlecht. Aber wir wollen den Kampf unseres Geistes gegen ihren Ungeist, unserer Menschlichkeit gegen ihre Roheit. Wir wollen die Vernichtung nicht einzelner Menschen, sondern die Vernichtung dessen, was jene ihre„Idee" nennen. Zu diesem Kampfe treten mir an, und darum gehen wir heute mit! Alle! baß die Schwer« der Beleidigung eine höhere Strafe gerechtfertigt erscheinen lasse. Am Dienstag fand in dieser Sache Verhandlung vor der Straf. kammer unter dem Vorsitz desselben Landgerichts- direktors Bühncmann statt. Der Richter wurde nicht müde, immer wieder seine Unschuld an der nochmaligen Verhandlung zu beteuern und immer auf das Reichsgericht zu verweisen, das die Ver. Handlung veranlaßt habe. In der Bewcisaufimhme leistete sich Duesterberg fortgesetzt neue Unverschäintheiten. Unter anderem meinte er, der Staatsanwalt fei die letzten zwölf Jahre wohl scheintot gewesen, denn sonst hätte er merken müssen, daß die Revolution das größte Verbrechen und ein Hoch- und Landesverrat gewesen sei, der die Justiz und das Recht erschüttert habe. Das Reichsgericht habe nur aus politischen Gründen eine Ver- urteilung verlangt. Das Gericht sehte dieselbe Strafe van löO AI. fest. Aus der Urteilsbegründung ist die Bemerkung des Landgerichts- direktor interfsant, daß man aus die wirtschaftliche Lage des Auge- klagten(Duesterberg) ist Oberstleutnant und bezieht Pension) Rück- ficht nehmen müsse und den Abbau der Pension bei der Höhe der Geldstrafe berücksichtigt habe. 3m Kampf gegen die Filmzensur. Oer Leiter der Filmoberprüfstetle versucht sich im Zfondsunk zu verteidigen. Dos Verbot des Remarque-Films hat plötzlich die Ausmerk- samkeit auf die Ftlmzeitsur gelenkt. Der Ministerialrat Dr. S e e g e r, unter dessen Vorsitz die Obcrfilmprüfstelle entscheidet. mußte sich gestern im Rundfunk gegen die Angriffe des Kritikers chcrbert Jhering verteidigen. Man merkte bei jedem Satz. daß der Herr Ministerialrat Dr. Seeger selbst das Gefühl hatte. auf ein totes Gleis rangiert worden zu sein. Jhering beginnt die Debatte nnt der These: Die Kunst ist seit 19l8 frei. Im Gegensatz dazu steht die Filmzcnsur. Welchen Zweck hat sie? Herr Sceger antwortet darauf: Die Filmzensur tritt nur dann in die Erscheinung, wenn ein Film zum Klassenhaß aufreizt, die Volksgcsundheit oder das religiöse Empfinden beleidigt oder aber verrohende und ent- sittlichende Wirkung zeitigen könnte. Hinzu kommt die Herabsetzung der nationalen Ehre oder des deutschen An- s e h e n s im Ausland. Herbert Jhering bemerkt dazu, daß der Klasienkampf ebensogut durch Studentenfilme aufgereizt werden kann, durch Filme, in denen die zukünftigen Volkslchrer und Volksrichter als unverbesserliche Trinker und Nichtstuer hingestellt werden. Ist Wahrheit überhaupt verboten? Wenn ein Film eine natur- getreu« Photographie von dem Wohnungselend in den Ar- beiterquartieren gibt, ist das Aufreizung zum Klassenhaß? Sind friderizianiische Parademärsche nicht ebensogut verwerfliche Momente wie Elendsschilherungen oder wie die Aufdeckung des wahren, kriegerischen Gesichtes? Was heißt denn laxe Auffassung der Moral? Gerade in den süß-lieblichen Kitschfilmen, an denen wohl kultivierte Menschen Anstoß nehmen, aber die eine Filmzensur ungekürzt spielen läßt, zeigt sich eine absolute Laxheit der ehelichen Moral, wenn auch das tisppzc end nach amerikanische.» Muster alles in Ordnung bringt. Es handelt sich im Grunde nur um subjektive Maßstäbe. Wo bleibt die Objektivität? Die Film- oberprüfstelle gibt vor, diese Begriffe auf Grund einer langjährigen Uebung formuliert zu haben. Ist es aber nicht nur ein Traditions- recht, das hier spricht und sind diese Begriffe nicht auszulegen„wie ich die Sache auffasse"? Wie ist überhaupt die Zusammen- s e tz u n g der Filmoberprüfstelle? Hier versucht der Vorsitzende ent- gegengesetzte Weltanschauungen auf einen Generalnenner zu bringen. Also ist die Entscheidung über dcw Schicksal auch sehr hoch- wertiger Filme von der zufällige«* Zusammensetzung der Kammer abhängig. Basiert nicht die Unsicherheit der deutschen Filmindustrie auf dieser sehr anfechtbaren Grundlage? Herr Dr. Seeg er verteidigt sich: Der Vorsitzende hat keinen Einfluß auf die Zusammensetzung der 60 Beisitzer, die jährlich not- wendig sind. Das Los entscheidet. Einmal im Jahre ist die Auslosung. Bei der ersten Sitzung nach Neujahr hat jeder Beisitzer eine Urne vor sich und zieht daraus die Lose. Das heißt: der Hüter für die Kunst zieht die künstlerischen Beiräte, der volksgcsundheit- liche Kandidat die Vertreter seines Faches. Ein Abbau des kost- spieligen Apparats wäre zu wünschen, denn dieser große Apparat arbeitet ins Leere. Jhering weist auf die Theaterkritik hin, die auch ohne Zensur den sexuellen Schund der Nachkriegs- und Inflationszeit abgebaut hat. Warum wird der Film kindlich bevormundet? Herr Seeger antwortet: Eine Sicherheit bietet die Provinz, aus der sich eine große Zahl der Beisitzer rekrutiert. Auch aus die Frage Jherings, ob es nicht Unfug ist, für Verlin einen Film zu verbieten, wenn vielleicht ausgerechnet Mcseritz dagegen Einspruch erhebt, weiß sich Herr Dr. Seegor keinen Rat. Herr Seeger schweigt auch aus die B c h a u p t u n g I h e r i n gs, daß die Zusammensetzung der Filmoberprüfstelle bei Verbot des Remarque-Films von vornherein aus ein Verbot schließen ließe Ja, die Kammer ist geheim, bemerkt Jhering, aber es geht nicht an, daß politische Hintergründe entscheidend für die Ablehnung eines Films ohne Hinzuziehung der Oesfentlichkeit bleiben. Herr Dr. Seeger erklärt dagegen, daß Pressevertretern der Ein- tritt niemals versagt worden ist. Nur bei dem Rcmarque-Film mußte diese Entscheidung aus rein räumlichen Gründen gefällt werden. Er wollte außerdem nicht, daß seine Beisitzer in der Presse bloßgestellt werden. Jhering'entgegnet: Jede öffentliche Persönlichkeit muß in i t ihrem vollen Namen die Verantwortung lragcn! Auf Jherings Angriff, daß die Filmzensur zu einer behörd- lichen Beamteninstitution geworden ist, kann Seeger nur antworten, daß die Beisitzer aus dem ganzen Reich gewählt worden find. Er gibt dann zu, daß politische Filme gefährlich sind. Jhering antwortet darauf sehr richtig, daß die bisher vor- liegenden Entscheidungen die deutsche Filmproduktion hemmen. D i e Angst vor Verboten macht mutlos, da ein Verbot eine nicht vollkommen sicher fundierte Filmgesellschaft ruinieren kann. S e e g e r s Antwort, daß im letzten Jahre nur zwei bis drei Prozent aller eingereichten Filme verboten worden sind, deutete Jhering daraufhin aus, daß nur unbestimmte Themen zur Aufführung ge- langen und daß die deutsche Filmzensur verantwortlich ist für ,ch i c Generallinie des Kitsches", auf der sich der deutsche Film bewegt. Die ernste Filmprobuktion wird dadurch gehemmt. Ach. alles sieht so schön und nett aus der Perspektive der Filmoberprüs- stelle aus.„Im Westen nichts Neues" schadet dem deutschen An- sehen? Aber Herr Hugenberg ließ in seinen Theatern den amerika- Nischen Fliegerfilm„Wings" laufen, dessen deutschfeindliche Tendenz im ganzen Ausland anerkannt wurde. Am Schluß findet Herbert Jhering eine gute Formulie- rung. Jede Filmindustrie, gleichgültig, ob sie rechts oder links ein- gestellt ist, hat heute Angst vor deutschen Themen. Wer weiß, was diesen Filmen geschieht? ★ Noch keine Zensur hat der Kritik standgehalten. Die Filmzcnsur hat sich der Kritik gestellt und hat eine vernichtende Niederlage erlitten. Was Witt Dietrich? Eine unklare Rede über die Arbeiislofenfrage. ReichsfmonMiNister Dietrich hat auf der Landesverfamm» lung der württembergischen Demokratischen Partei in Stuttgart eine programmatische Rede gehalten, in der er Andeutungen über Pläne der Reichsregierung zur Milderung der Arbeitslosigkeit machte. Dia Aeußerungen Dietrich- sind so unbestimmt gehalten, daß ein« eingehende Auseinandersetzung mit diesen Projekten vorläufig nicht möglich erscheint. Die S o z i a l de m o k r a t i e und die Ge- werkschafcen haben von der Regierung schon vor Monaten p o j i> tioe Maßnahmen zur Verringerung der außer- ordentjlichen Arbeitslosigkeit gefordert. Die Ge- werkschaften haben in erster Reihe gesetzliche Maßnahmen zur ge- rechteren Verteilung der Arbeitsgelegenheiten durch Verbot der Ueberstundenarbeit, Einführung der dvstündigen Arbeits- woche unter Heranziehung der freiwerdenden Unterstützungsmittel verlangt. Die Sozialdemokratie hat sich diese Forderungen zu eigen gemacht und bereits im Ottober im Reichstag entsprechend« Anträge eingebracht. Die Durchführung dieser Forderungen ist bis- her am Widerstand der Industrie- und Arbeit- geberoerbände sowie der bürgerlichen Parteien gescheitert. E- muß vorweg betont werden, daß die Grundlage der Ar- beitÄosenfürsorge die Unterstützung der unverschuldet aus dem Ar- beitsprozeß herausgeschleuderten Arbeiter und Angestellten bilden muß, und daß keinesfalls die notwendigen zusätzlichen Maß- nahmen zur Wiedereinreihung von Arbeitslosen in den Arbeits- prozeß die finanzielle Sicherung der Unterstützung gefährden dürfen. Vielmehr ist die dringlichste Aufgabe auf diesem Gebiete die Sicherung der Unterstützung für die langfristi- gen Erwerbslosen durch eine vereinheitlichte Arbeits- losenfür sorg«, die den Kommunen die nicht mehr zu tragende Last der Wohlfahrtsunterstützung wesentlich erleichtert. Die Sozialdemokratie hat in ihrem I n i ti a t i v g e s e tz zur Arbeitslosenfürsorge hierfür den Weg gezeichnet. Gewisse Aeußc- rungen in der Dietrichschen Rede, die gegen das System der Ar- bcitslosenuntcrstützung gerichtet sind, wie z. B. die Aeußerung, daß „durch die Arbeitslosenversicherung der Verantwortungssinn der Familienangehörigen gelockert sei und eine Un- menge Not auf diesem System beruhe", müssen mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Eine Unmenge Not hat die Planlosigkeit des kapitalistischen Systems, hat die furchtbare Krise hervorgerufen und die Arbeitslosenversicherung hat wenigstens das Ausmaß dieser Not ein wenig gemildert. Die Dietrichschen Pläne der Lohnzuschüssc für einzelne In- duftriezweige müssen stark« Bedenken erwecken. So richtig die Absicht ist, Arbeitslosen Beschäftigung zu geben, so scheint doch in Dietrichs Plan die Gesahr einer ungerechtserligte» Bevorzugung einzelner Industriezweige und einer ujerloscn Subveiitwnswirtschast enthalten zu sein. Die schon längst in Aussicht gestellte Senkung der Eisen- preise ist überfällig. Bisher aber haben sich die Erzeuger hartnäckig geweigert, sie vorzunehmen. Man hat den Eindruck, ass ob der Plan Dietrichs dem Ziel dienen soll, die Senkung der Eisen- preise, statt aus den Mitteln der Eisenwirtschast, aus den Mitteln des Staates zu bestreiten. Wir sind ober der Auffassung, daß eine fühlbare Preissenkung, die die Regierung mit dieser Aktion ver- binden will, auch ohne die Lohnprämien durchsührbar ist und bei energischer Haltung der Rcichsregicrung gegenüber den großen monopolistischen Organisationen auch schon längst hätte durchgesetzt werden können. Wir würden es für falsch und nicht fiir verantwortbar halten, wenn die Regierung volkswirtschaftlich erforderliche Preissenkungen mit derartigen Lohnprämien erkaufen müßte. Das Schwergewicht der Aktion muß unseres Erachtens auf die Wiedereinreihung von Arbeitslojen gerichtet fein, und wir glauben nach wie vor, daß der von den Gewerk- schaften und der Sozialdemokratie hierfür ausgezeigt« Weg der wirksamste und zweckmäßigst« ist. Man wird zu den Regierungsplänen, wie schon anfangs bs- merkt, erst dann abschließend Stellung nehmen können, wenn sie in ollen Einzelheiten und begründet vorliegen. Di« Regierung muß unverzüglich in der Oesfentlichkeit und dem Parlament die näheren Angaben unterbreiten. Die Regierung hat ebenso die Pflicht, sich nochmals mit den Forderungen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften zur Eindämmung der wachsenden Arbeits- losigkeit zu beschäftigen. „Gefeffelte Justiz." Wie ein Reichskanzler im wilhelminischen Deutschland die Justiz dirigierte. Der alldeutsche Verlag I. F. Lehmann, München, hat eine Schrift herausgegeben, die— man falle nicht vom Stuhl— erweisen soll, daß die preußische Justiz in republikani- s ch e m Sinne unlauter beeinflußt werde! Zu diesem Zweck wärmt der Pseudonyme Verfasser, dessen Person nicht allzu- weit von der Firma Kußmann-Knoll zu suchen sein dürste, eine Anzahl abgestandener Borwürfe aus alten Skandalfällen auf, die schon ein dutzendmal in ausführlichen Verhandlungen und Untersuchungen des Preußischen Landtags widerlegt worden find. Selbst der hugenbergfromme„Lokal-Anzeiger" sieht sich genötigt, mit leiser Mißbilligung von einigen„über das Ziel hinausschießenden" Vorwürfen der Schrift abzu- rücken, für deren tendenziösen Charakter vielleicht das sicherste Kriterium. Das Ganze ist natürlich geschrieben, um gegen- über der gänzlich kvrrnpten Republik die absolute Sauberkeit des altenSyftems bengalisch erstrahlen zu lasse». Ja, ja, die Sauberkeit und Lauterkeit des alten Systems! Ganz zu- fällig ist gerade dieser Tage dafür ein Beleg erschienen, der um so beweiskräftiger ist, als sein rechts st ehender Autor bei der Veröffentlichung sicherlich nicht von bösen Absichten gegen den wilhelminischen Staat als solchen geleitet wurde. Der Tübinger Geschichtsprofessor Dr. I. H a l l e r macht ge- legentlich seiner Kritik der B ü l o w s ch e n„D e n k w ü r d i g- k e i t e n" in der„DAZ." auch folgende Ausführungen: „Höchst sonderbar ist Bülows Stellung zu H a m m a n n, seinem Preßdczernenten. Er gibt unverblümt zu, daß dieser Mann, durch den die öffentliche Meinung Deutschlands geleitet wurde, in einem unsauberen Scheidungsprozeß«inen Meineid geleistet hatte." „Leider" habe der Staatsanwalt eingegriffen, doch sei schließlich cm Freispruch erfolgt. Den Zusammenhang errät der Leser, wenn er ihn nicht schon kennt: der Reichskanzler hat durch einen starken Druck— nnerhörle Einschüchterung der Zeugen, durch Slaaksmuvall und Vorsitzenden— den Freispcuch des Angeklagten bewirkt, von desien Schuld er selber überzeugt war. Der Zynismus, mit dem der Fürst den Fall bespricht, ist er- staunlich, und er sagt noch lange nicht die ganze Wahrheit. Er verschweigt, daß er ldie Anklage gegen Hammann längere Zeit oerhindert hat, bis Hammanns Gegner durch eine Eingabe an alle Reichstagsabgeordneten sie erzwang." Dies Genrebildchen gibt eine gewisse Anschauung von der „Sauberkeit und Lauterkeit" der Justiz im alten Obrigkeits- staat. Hinzuzufügen zu Hallers Darstellung wäre höchstens: wenn damals jemand ein Buch„Gefesselte Justiz" geschrieben und in diesem das Verhalten Bülows in der Sache Hammann oder gar die noch viel tolleren Eingriffe Bis- in a r ck s in die Justiz gebührend beleuchtet hätte, dann wäre das Buch am nächsten Tag beschlagnahmt und der Autor wäre von einem„unbeeinflußten Gericht ins Gefängnis gesteckt worden!____ Oer Prozeß Kränzen. Endlich Vereidigung der Zeugen. Vrannschweig.& Januar.(Eigenbericht) Die Unberlassungsklag« des Nazimiuisters Franzon gegen den slyialdemvkratischen„Volksfreund" in Braunschweig ist immer noch nicht erledigt. Sie schwebt zurzeit vor der vierten Zivilkammer des Landgerichts Braunfchweig. Bor dem Oberlandesgericht hat nur das Verfahren über den Erlaß einer einstweiligen Berfiigung sein« Erledigung gefunden. Am Dienstag find nun in Braunfchweig die Berliner Polizeibeamten, Polizeimojor Heinrich, Hauptwachtmeister Gehrmnan und Kriminalassistent Graf unter Eid vernommen worden. Die Zeugen sagten ohne Einschränkung wie in den früheren Terminen aus. Auch die durch Minister F ranzen benannten Zeugen, die Reichstagsabgeordneten Thormählen und Meyer- Q u a d e, der Landtaysabgeordnete L o h f e und der Landwirt G u t h wurden vernommen. Bis auf Guch wurden auch diese Zeugen vereidigt. Guths Vereidigung hat sich der bcauf- tragte Richter vorbehatten. Meyer-Ouade und Thormählen konnten natürlich nur über das aussagen, was ihnen Franzen nach Schluß seines Abenteuers erzählt hatte. Lohst, der ebenfalls vereidigt wurde, hat in der letzten Gerichtsverhandlung ausdrücklich erklärt, daß er der preußischen Polizei gegenüber immer die Unwahrheit sagen werde. Ein neuer Verhandlungstermin ist auf den 15. Januar angesetzt worden. Oemokratendämmerung. Die Staatspartei in Hessen in voller Auflösung. Die DeutscheStaatsparteiinHesfenMinvoller Auflösung begriffen. Der bisherig« Fraktionsführer der Demo- traten, Abg. R e i b e r, hat feinen Austritt aus der Staatspartei er- klärt. Der demokratffch« Minffter für Arbeit und Wirtschaft. K o r e l l, ist der Deutschen Stoatspartei überhaupt nicht erst bei- getreten. Ein dritter Abgeordneter lehnte seinen Bettritt ebenfalls ab. Bon den ursprünglichen Demokraten im Hessischen Landtag ge- hören nur zwei der Staatspartei an. Auch im Lande treten die entschiedenen Demokraten aus der Deutschen Staatspartei aus. Ende der Woche dürsten sich R e i b e r und K o r e l l entscheiden, zu welcher politischen Gruppe sie sich in Zukunft schlagen. Ein Repräsentant Oeutschlands. Wenn Prinzen reisen... Zürich, 6. Januar.(Eigenbericht.) In der Schweiz hat sich kürzlich folgender kleine Vorfall zugetragen. Stößt da ein hochherrschastliches Automobil unachtsamer- weise gegen einen Radfahrer. Der Mann kommt zu Fall und verletzt sich. Der Herrschaftswagen, der augenscheinlich zuerst daoonrasen wollte, hält nach 50 Metern. Zufolge der Wucht des Anpralls war das Fahrrad am Automobil hängen geblieben und mitgeschleppt worden. Die vom Bezirksamt Bossau(St. Gallen) an Ort und Stelle und sofort nach dem Vorfall durchgeführte Untersuchung ergab folgende Feststellungen: Der Chauffeur führt« zu seiner Entschuldigung an, er habe während der drei vorangegangenen Tage ins- gesamt nur sü ns Stunde» g es ch lasen. Zur Rede gestellt, gab der von einer Dame begleitete Besitzer des Wagens, der sich zuerst während der Befragung des Chauffeurs schlafend gestellt hatte, diese Auskunft:„Für einen Deutschen sind die fünf Shm- den Ruhezeit in drei Tagen genug. Er hat schon mehr geleistet!" Als den Herrschaften die Pässt abgefordert wurden, um ihre Identität festzustellen, begann die Dame den Beamten in englischer, sranzöstschcr, aber auch noch in deutscher Sprache zu b c- schimpfen. Ihr Benehmen, war gar nicht iadylrke. Sie warj mit dem Ausdruck„Gemeinheit!" nur so um sich. Aus dem Paß ergab sich, daß der Reisende niemand aiwers war als— Prinz Friedrich Leopold von Preußen. Englands Arbeitslosenziffer ist in der letzten Woche um 2 3 4 7 5 6 weiter gestiegen. Die Gesamtzahl beträgt jetzt etwa 2 6 4 3 0 0 0(in der gleichen Zeit des Vorjahres 1 132 896). Oer Zar bleibt fern. Stalin meldet den Genossenschastskonqreh Das Präsidium der sowjetrussischen Bundesgenosstiffchasten hat beschlossen, die Sitzung des Plenums vom 8. Januar auf den 17. Januar zu verlegen. Die Verlegung hängt zusammen mit weiteren Veränderungen in der Leitung der Genossenschaften. Stalin, der im Plenum eine Rede halten wollte, hat jetzt aus bisher unbekannten Gründen auf sein persönliches Erscheinen verzichtet. Lenins Witwe unterwirst sich. Di« Witwe Lenins, Krupftaja, die zur Rechtsopposition gehört und sich bisher weigerte, die Politik Stalins zu unterstützen, hat jetzt ihre«ablehnende Haltung gegenüber der Parteileitung auf- gegeben. Trotz dieser Unterwerfung wurde Frau Krupskaja ihrer sämtlichen Aemter» enthoben. Sie soll nur Ehrenämter bekleiden. Illusionen»er Abrüstungspslitik Von Professor Dr. Julius Wolf. Wir veröffentlichen gerne die folgende Zuschrift des angesehenen Volkswirtschaftslehrers als einen bemerkcns- werten Beitrag zur intcrnanonalen Diskussion über die Abrüstimg. In den Aussprachen, die zu Beginn des neuen Jahres zwischen Reichspräsidenten und Reichsministerium gewechselt wurden, wurde übereinstimmend betont, es sei Pflicht der Reichsleitung, auf Einlösung des ihm in Artikel 8 des Per- soiller Vertrages gegebenen Versprechens einer Abrüstung der Alliierten zu bestehen. „Roch iminer", führte der Reichswehrminister als Per- tretcr des Reichskanzlers aus,„ist die feierlich übernommene Verpflichtung auf Abrüstung durch die anderen Mächte nicht in die Wirklichkeit umgesetzt, und noch immer muß sich Deutsch- land in seiner Sicherheit bedroht fühlen." So werde es denn auch weiter„Aufgabe der Reichsregierung sein, dafür einzu- treten, daß der Grundsatz gleicher Sicherheit für alle Völker. ohne den eine wahre Befriedung unmöglich ist, sich durchsetzt." Die Antwort des Reichspräsidenten war auf den gleichen Ton gestimmt:„Mit Ihnen bin ich der Ansicht, daß die Durchfüh- rung der allgemeinen Abrüstung nicht nur ein Gebot inter- nationaler Gerechtigkeit Deutschland gegenüber, sondern auch das sicherste Mittel zu einer wirklichen Befriedung der Welt ist und daher mit allen Kräften angestrebt werden muß." So gering die Person des Schreibers dieser Zeilen sein mag, wird er doch aus tiefinnerer Ueberzeugung heraus, der er übrigens, gelegentlich schon vor Monaten in einem Kreise politisch Interessierter Worte lieh, seine gegenteilige Meinung äußern dürfen. Und dies mit um so größerem Rechte, als er sich darauf berufen kann, daß er mit seinen Ouitsiderratschlägen von Deutschland bereits mehrfach Unheil hätte abwenden helfen, wenn man sie befolgt hätte. Auf zweierlei nur sei hier hingewiesen. Den Verfasser hat die Inflation schon in ihren Anfangsstadien beunruhigt. Er warnte den Reichsbankpräsi- deuten bereits im Frühjahr 1915, verlangte von ihm ein ener- gischcs Veto gegen die unsinnige Helfferichsche Kriegs- finanzierung, ihre Ersetzung durch eine der englischen ange- paßte, die jedem Zensiten den furchtbaren Ernst des Krieges auch materiell zum Bewußtsein gebracht und Alldeutsch- land das verruchte Vabanquespiel verleidet hätte. Eine andere zum Schaden des Reiches unbeachtet gebliebene Warnung galt der Provozierung der Ruhrbesetzung. In der Sachverständigen- sitzung, die kurz vor Eintreffen von Poincares Ultimatum in der Reichskanzlei unter dem Vorsitz des gegenwärtigen Innen- Ministers stattfand, riet ich, ohne bei den übrigen Mitgliedern mit Ausnahme eines einzigen(Melchior) Verständnis zu finden, zu weitherzigstem Entgegenkommen. Dazu entschloß sich erst Stresemann, um dem Aberwitz des„Ruhrkrieges", der unsere Währung zum Gespött der Welt machte, ein Ende zu bereiten. Im Glauben, auch diesmal der besseren Einsicht zum Durchbruch oerhelfen zu können, stelle ich hier mit allem Nach- druck das Folgende fest: Wie weit immer die bisherigen Mächte ab- rüsten mögen, sie werden uns, so lange der 5. Teil des Vertrages von Versailles, der die Artikel 159 bis 213 um- faßt, bestehen bleibt, überlegen fein und überlegen bleiben. Ist es uns doch schon versagt, wesentliche technische Behelfe des Krieges, wie Tanks und Flugzeuge, zum Bestand- teil unserer Rüstung zu machen.„Gleiche Sicherheit für alle Völker", die Forderung, die Minister Gröner aussprach, wird es, soweit immer die Abrüstung der früheren Alliierten gehen mag, nicht geben. Diese Tatsache vor Augen hat Deutschland kein Interesse daran, immer neu durch seine Abrüstungsforderung sich in Gegensatz zu seinen früheren Gegnern zu stellen, immer neu Gegnerschaft und Mißtrauen zu säen. Im Gegenteil: Aus der Notwendigkeit heraus das engste Einvemehmen mif Frank- reichs überlegener Kapitalsmacht zu pflegen, hat Deutschland die„taktische Pflicht", die Rüstung Frankreichs soweit zu— tolerieren, daß das Vertrauen des französischen Volkes in den Friedenswillen des deutschen das vollkommenste wird. Nur derartiges kann auch der Abrüstung förderlich sein. Doch weiter: Deutschland hat bei der Weltlage von heute und dem ausgesprochenen Friedenswillen auch des französischen Volkes nichts von Frankreichs militärischer Macht zu fürchten. So wenig es aber von Frankreich zu fürchten und an Abrüstung ül glauben Grund hat, so viel hat es von Frankreichs wirt- schaftlicher und finanzieller Macht gleichzeitig mit jener der Bereinigten Staaten von Amerika zu erwarten. Auf Sand gebaut sind alle Hoffnungen auf Ueberwindung der Krise im Jahre 1931, wie sie auch in den Neujahrsansprachen bei uns zutage traten, wenn nicht französisches und amerikanisches Kapital sich Deutschland zur Verfügung stellt. Ueberwinden läßt sich die Krise nur durch eine Verstärkung der Kaufkraft. Dazu bedarf es entweder eines Preisabbaus unter möglichster Schonung der Einkommen oder einer Heranziehung zufätz- lichcn Kapitals. Da die Reichsregierung politisch zu schwach ist und die Technik der Wirtschaft ihr die Möglichkeiten nicht bietet, einen Preisabbau in dem gebotenen Umfang zu er- zwingen und er überdies nicht immer frei von Bedenken ist, kommt für die Ankurbelung der Wirtschaft ernstlich und durch- greifend nur die zweite der Eventualitäten in Betracht: Die Heranziehung von Kapital aus dem Auslande. Ueberfluß an Kapital hat zur Zeit Frankreich allein. Die ganz unbedeutende Arbeitslosigkeit daselbst führt sich nicht auf Kapitalmangel zurück. Sie läßt sich restlos aus der Arbeiterzuwanderung aus den Grenzländern und der Lage des oußerfranzösifchen Markts, im wesentlichen aus den Expörtschwierigkeiten auch Frankreichs erklären. Milliarden französischen Geldes und Kapitals liegen brach. Sie wären für Deutschland erlangbar, wenn der deutsche Friedenswille über jede Anzweiflung er- haben wäre. In der Aera Stresemann war Deutschland auf dem besten Wege dahin. Seit den letzten Wahlen zum Reichs- tag mißtraut aber Frankreich dem deutschen Friedenswillen, beunruhigt durch den Stimmenzuwachs der„subversiven" Ele- niente die Schwierigkeiten, die ihrer Bekämpfung auf dem „Rechtsweg" entgegenstehen. Nur wenn Deutschland dieses Mißtrauen auf anderem Wege zu bannen vermag, kann es hoffen, in absehbarer Frist und nicht erst nach einer Reihe von Jahren die Krise zu überwinden, von der es heute geschüttelt wird. Unsere Abrüstungspolitik, genauer unsere Politik des Drängelns zur Abrüstung der anderen Staaten ist nicht zuletzt Prestigepolitik. Die Unterschiebung liegt auch allzu nahe, daß Deutschland weniger an der allgemeinen Abrüstung, als an der eigenen Wiederaufrüstung liegt. Daß alle Wiederaus- rüstung Deutschland auf absehbare Zeit hin nicht zur mih- tärischen Vollwertigkeit, d. h. zur Ebenbürtigkeit mit den ehe- Die Toten an die Lebenden. O, steht gerüstet! seid bereit! o, schaffet, daß die Erde, darin wir liegen strack und starr, ganz eine freie werde! Kreiligrath. Brüning in Königsberg. Ernste Warnung vor den Katastrophenpolitikern./ Treviranus ist vorlaut. Der Reichskanzler wurde gestern auf seiner Ostreise im Ober- Präsidium in Königsberg von zahlreichen Vertretern der Provinz Ostpreußen empfangen. Die Reden, die aus dieser Ver- sammlung an den Reichskanzler gerichtet wurden, waren politisch sehr stark pointiert. Zunächst wies der Ober Präsident auf die völlige Iso- lierung Ostpreußens hin. Ostpreußen müsse so gekräftigt werden, daß es so lange aushallen könne, bis die wirtschaftliche Vernunft in der Welt sich durchsetze gegenüber der Zerschncidung Deutsch- lands in zwei Stücke.„Gerade wer ein wirtschaftliches Zusammen- arbeiten mit unseren politischen Nachbarn aus wirtschaftlichen und politischen Gründen wünscht, der wird eine ver stand ige Vereinbarung überdie Regelung des Korridor- Problems für unumgänglich halten. Die Provinz Ostpreußen jedenfalls wird auf ihr sehnlichstes' Verlangen einer Wiederherstellung der gemeinsamen Grenze mit dem übrigen deutschen Baterlande niemals verzichie» können." Der Vorsitzende des Prorinziallandtages, von Bcrq- Ma r k i e n e n, sprach: Man habe von Polen einen Generalangriff gegen Danzig, Pommerellen und den Netzebezirk zu erwarten, der Ostpreußen ganz besonders treffen müsse. Ostpreußen wolle sich nicht von Polen schlucken lassen, sondern brauche eine Revision der Ost grenze. Deswegen habe man schwere Bedenken gegen das Liquidotlonsabkommen und gegen die Minderheiten- und Schulverordnungen in Ostpreußen. Reichskanzler Brüning sah sich auch hier genötigt, den Treiben!, die unter der Maske der Not des Ostens Partei- politische Ziele verfolgen, kritische Worte zu sagen. Er führte aus: „Wir würden mit vielen Maßnahmen, die auch schon von den der jetzigen vorangehenden Regierungen getroffen worden sind, sowohl vom Reick)« als auch vorn Lande Preußen, vielleicht in mancher Beziehung weiter gekommen sein, wen» die einmütige, reibungslose und fehlerfreie Zu- sammenarbeit zwischen den einzelnen Stellen und Organi- sationcn in den letzten Iahren s i ch c r g e st e l l t worden wäre. Daran hat es nicht durch die Schuld der Reichs- und Staats- behörden oder der Selbstverwaltungsbehörde», aber durch gewisse Anschauungen und Entwicklungen be- dingt gelegen, daß wir in der ganzen Wiedernufbauarbeit noch nicht weiter gekommen sind." Nach dieser Zurechtweisung der deutschnationalen Hetze betonte er, daß man mit einer reinen Suboentionspolitit im Osten nicht weiterkomme. Reichsregiernng und Staatsregie- rung würden. gemeinsam daran arbeiten, zunächst einmal inner- politisch und wirtschaftlich die eiternde Wunde im Osten zu schließen. Das andere müsse der Gerechtigkeit überlassen bleiben: „Der Wohlwollende und Einsichtige erkenne, was hiermit gesagt sein solle? der Kanzler hat manchmal den Eindruck, daß Stimmungen aus dem Lande gewisse experimentelle E n l- s ch l ü s s e erkennen lassen oder den Wunsch, zunächst einmal, banal anegedrückl, alles zu zerschlagen, und dann von Grund aus wieder aufzubauen. Gegen diese Stimmungen müsse der Kanzler als verantwortlicher Leiter unserer Politik sich aufs schärfste wenden:" Der Reichskanzler hat bisher auf dieser Ostreise staolsmhnnische Zurückhaltung gezeigt. Herr Treviranus, der ihn begleitet, hat dagegen noch kurz vor der Abfahrt des Sonderziige, d« Presse eine Erklärung Wer die Frage gegeben, ob die Zinsen der II w- schuld ungshppotheken gesenkt werden können. Cr erklärte, bei allen Umschuldungshypothcken aus den Iahren 1928 und 19?9 sei eine Senkung auf 5 Proz. vorgesehen, während sie sich bei erst- stelligen Hypotheken grundsätzlich nicht ermöglichen lieh. Im übrigen glaube er, daß die Rundfahrt die Möglichkeit ergeben würde, die rund 26 Millionen Mark für Ostpreußen in Frag- kommenden Steuern zu streichen. Wenn Herr Treviranus von vornherein so genau unterrichtet ist, welches das Ergebnis dieser Rundreise sein wird, so hätte sich die Regierung eigentlich diese Reise und die dadurch entstehenden Kosten sparen können! maligen Siegermächten führen wird, sollte aber auch für den glühendsten Patrioten nicht zweifelhaft sein. Wiederholt sei also: Niemals in absehbarer Zeit werden wir es durchzusetzen vermögen, daß die Abrüstung der Sieger- staaten so weit geht wie die Abrüstung, die uns durch den Friedensvertrag aufgezwungen worden ist. Selbst eine Lockerung dieser Grenzen würde uns wenig weiter bringen. Aus dieser sicheren Erkenntnis gilt es, nicht zuletzt im Interesse der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Deutschlands, die auch die übrige Welt befruchten wird, die Konsequenzen zu ziehen! König Alfons verliert an Boden. Llnbeugfamer Wille der Republikaner. Aus Madrid wird uns geschrieben: Die Partei der K o n st i t u t i o n a l i st e n soll sich bereit erklärt haben, mit dem König über die Einberufung einer ver- fassunggebenden Nationaloersammlung zu ver- handeln, stellen ihm jedoch eine Bedingung: daß er das Land verläßt und erst nach den Wahlen zurückkehrt. Die Konstitutionalisten haben ihre Haltung den leitenden Kreisen der republikanischen Bewegung zur Kenntnis gebracht. Sie haben ihnen sogar eine Koalition auf der Grundlage einer Verfassung- gebenoen Nationalversammlung vorgeschlagen. Doch haben die Republikaner einschließlich der in Haft Befindlichen geantwortet, daß sie bindende Verpflichtungen eingegangen wären, die sie zu halten entschlossen seien: Wenn di« Regierung Berenguer oder jede andere unter dem jetzigen Regime Wahlen ausschreibt, werden die Republikaner Stimmenthaltung üben. Wenn dagegen Wahlen durch eine national« Regierung mit dem Ziele der Ein- benifung einer verfassunggebenden Nationalversammlung ausge- schrieben werden, so werden die Republikaner den Kamps auf Grund ihres eigenen Programms führen. Finden lein« Wahlen statt, so werden die Republikaner die Entscheidungsschlacht auf anderen Gebieten führen. In der Arbeiterschaft gibt es nur eine Stimme für die Abschaffung der Monarchie und zugunsten der Republik. Die republikanische Flut ist weiter im Steigen be- griffen. Ueberall wird republikanische Propaganda getrieben, in den Cafehäusern, im Theater, mitten aus der Straße. Als a m Neu- j a h r s t a g nach altem Brauch in vielen Theatern, Kinos und Gast- Häusern der Jahreswechsel mit dem„5königsmarsch", der bisher als Nationalhymne galt, begrüßt wurde, benutzte das Publikum diese Gelegenheit zu lärmenden Kundgebungen gegen die Monarchie. Dagegen werden in einem Lichtspielhaus, wo ein Tonfilm„Trafalgar" oufgesührt wird, einige Sätze aus der „Marseillaise" mit Begeisterung ausgenommen, weil diese als das Kampflied der republikanischen Revolution angesehen wird. Gchmeling verliert Weltmeistertitel. New Port. 6. Januar. Die New-gorker Voxkom Mission hat Schmeling de» Deltmetslerschasislitels für verlustig erklärt, nachdem der Maneger Jacob» sich weigerte, den Titelkamps seines Schützlings Schmeling gegen Sharkey im nächsten Juni ohne vorherige Ausscheidungs- kämpfe anzunehmen. Hände hoch! Das Geld her! Sin neuer Raubübenatt.— Täter entkommen. Zwei jung« Burschen versuchten an, Dienstagabend aus eine Butterfilialc der Firma Muth in der Rudowcr Alle« 52 in Neukölln einen Raub- Überfall auszuführen. Sic hatten die Gesichter mit Taschentüchern verhüllt und betraten kurz nach Geschäftsschluß mit Revolvern in den Händen den Laden. Ihr Anrpf: „Hönde hochl Das Geld her!" wurde von der Leiterin der Filiale, einer Frau Genz, nicht beachtet. Die Frau lief sofort in die Wohnung und benachrichtigte ihren Mann, der auch in wenigen Augenblicken im Laden erschien. Er stürzt« sich sofort auf die beiden Räuber, die einen Schuß abgaben, der aber glücklicher- weife niemanden traf. Der Mann war aber durch den Schuß nicht eingeschüchtert, ergriff im Gegentsil ein großes Messer. Jetzt slüch- teten die beiden Räuber auf die Straße und entkamen im Straßen- gewühl. Die Leiterin der Filiale gibt an, daß sie schon einige Tage vorher beobachtet habe, wie jung« Burschen vor ihrcm Gffchökt herumlungerten. ANGEBOTE rNVENTUR- AUSVERKAUF Woll-Natte 135 grotm FarbsorKmenr.......................••Astar{Mst I Tweed-Schotten 175 der neueste Kleiderstoff.................... Meter|etzt■ Crepe Georgette 090 reine Seide, gute Kleiderware........... Meter(etsf Mm Honan asiatische Quafltflt, farbig, weiss und naturfarbig......................... 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Alle Exemplare der Beilage»Stimme der Werttäiigen" zum„Polls-Echo", Nr. 78 und 1», vom 22. und 23. Januar 193U. sowie die zu ihrer He:stellung deftimmlen Piallen und Formen sind unbrauchbar zu machen. Dem Ersten Biirgermeister Stall steh! die Besugnio zu. den erkennenden Teil des Urteils ittnerhaid eines Monats nach Zustellung einer mit der Bescheinigung der Bollftreekdarkeit versehenen Austerti- gung durch einmalige Etnriickung im „Bolks-Echo" und im»V.'rwärts- auf Rosten des Angektagien öffenlltch bekannt- zumacken Ansgelerligt: Berlin, den 26. Oktober 1330. L. S. gez. Unterschrift: Justizangrstellter als Urkundsbeamier der Geschäftsstelle. Nr. 9• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 7. Januar 4934 Das Märchen von der Millionenerbschaft Wie Oberwinter und andere seiner Art hineingelegt wurden Das Schofsengerichk verlin-Tempelhos»erurleille gestern den früheren Rechtsanwalt Oberwinler wegen B e- truges und Untreue zu 1 Zahr K Monaten Gefängnis. Bei der Strafzumeffung berücksichtigte das Gericht..feine geringe Intelligenz und feine Dummheit". Der Staatsanwalt hatte 2 Iahre 6 Monate Gefängnis und 5 Zahre Ehrverlust beantragt. Dr. Oberwinter hat die Strafe angenommen. Räch verbühung eine» Teiles soll er Bewährungsfrist erhalten. Der Prozeh des Rechtsanwalts Dr. Oberwintcr gestattete wieder einmal einen Blick in die fast grenzenlos menschliche Dummheit, der Sone Dummheit, die seiner ebenso grenzenlosen Goldgier entspringt. Der chcld des Prozesses war eigentlich nicht so sehr der Angeklagte Oberwinter, als die Hauptzeugin Frau Götte. Kaum glaublich, in welch hervorragender Weise diese Frau es verstanden hat, den Rechts- anwali Oberwinter und eine große Anzahl nicht minder akademisch gebildeter Herren hineinzulegen. Vor dem Zeugentisch sah man gestern eine Neine wenig schöne Frau mit einem mächtig großen Mundwerk, dem selbst der Vorsitzende und der Staatsanwalt zeit- wciiig Gefahr liefen, zum Opfer zu fallen. Der erste Mann, dein sie den Erbschaftsbären aufgebunden Hat, war der Ingenieur W. Frau Götte, obgleich verheiratet, war seine Haushälterin und Geliebte. Kaum lzatte sie den Ingenieur fest zn Händen, als sie ihm das Märchen von der It-Z-Millionen-Erbschaft präsentierte. Daß ihr Mann nur nichts davon erfahre! In Wirk- lichkeit war er ihr Spießgeselle. Der Ingenieur zweifelte. Sie fuhr mit ihm zum Amtsgericht. Ein Wachtmeister händigte ihm dort drei versiegelte Briefe mit den..Originaldokumenten" ein. Die Briefe sollten erst geöffnet werden, falls von irgendeiner Seite an ihn des- wegen herangetreten würde. Ein anderes Mal gab sie dem Ingenieur ein versiegeltes Paket mit 23 000 M.— einem Teil der Erbschaft. Herr W. legte sämtliche Briefe dem Gericht vor— tatsächlich un° geöffnet. Ihr Inhalt war— Zeitungs- und Briefpapier. Auch Rechtsanwalt N., Dr. Oberwinters Vorgänger in der Erb- ichaftsaffäre, zweifelte keinen Augenblick an der Güte der Götteschen Behauptungen. Für seine Bemühungen hatte er sich ein Sonder- Honorar von 20 000 M. ausbedungen. Eines Tages erschien Frau Götte freudestrahlend in seinem Büro, ließ sich von einem Auto zu irgendeinem Haus fahren, wo 625 000 M. Erbschafksgelder ausgezahll werden sollten. Der Rechtsanivalt blieb unten und erhielt wenige Minuten später ein Paket ausgehändigt mit den 623 000 M. Von diesem Gelde sollte er auch sein Honorar bekommen. Das Paket enthielt— Zeitungspapier. Der Rechtsanwalt legte den wertvollen Inhalt dem Gericht oor. Bei diesem Rechtsanwalt ist auch die Generalvollmacht für den Versicherungsdirektor K. ausgestellt worden. Dieser sollte 3 Proz. von den 1 380 000 M. erhalten. Der Spaß kostete ihm 2000 M. Kennengelernt hatte der Versicherungsdirektor Frau Götte imüt den Aschüigcc-Scschäfisfuhrxr ,P.'Auch dieser crhigtt eine Generalvollmacht auf Erhebung der Erbschaft: sie wurde beini Notar Abramschick ausgestellt. Um P. von der Existenz der Erbschaft.zu überzeugen, legte Frau Götte ihn, irgendein Schrift st/ick mit Siegel und Schnur vor; er durfte aber nur die letzte Seite sehen: die genügte ihm natürlich. Nicht minder überzeugend erschien ihm die Behauptung des Wachtmeisters im Amtsgericht, daß tat- sächlich ein Testament vorhanden sei. Seine Vertrauensseligkeit kostet« ihm nur 800 M. Rechtsanwalt Oberwinter befindet sich dennoch in guter Gesell- schalt. Bei der„geringen Intelligenz", die ihm vom Gericht nun attestiert worden ist, erscheint es weiter nicht verwunderlich, daß auch er sich mit Hilfe der Erbschaft zu sanieren hoffte. Er steckt« in Schulden, hotte Mandantengelder unterschlagen, noch bevor er Frau Götte kennenlernte und verlor den Rest von Standcsmoral und Ehrlichkeit, als er diese Frau zur Klientin bekam. Er unter- stützte monatelang sie und ihren Mann—«in intimes Verhältnis bestreitet er ganz entschieden— und brach die Beziehungen mit ihr selbst noch ihrer Verhaftung nicht ab. Vom Juni bis Oktober hielt er sich verborgen, beging Zechprellereien im Hotel Fürstenhof, auch Autoschwindeleien und wurde schließlich beim famosen Ingenieur W. verhaftet. Es wird ihm nicht leicht fallen, nach Rückkehr in die Freiheit sich eine bürgerliche Existenz zu schaffen. Frau Götte wird man aber noch Gelegenheit haben, näher kennenzulernen. Zugzusammensioß bei Gleiwitz. Heizer schwer, 29 Fahrgäste leicht verleht. Gleiwih. 6. Januar. Ilm Dienstag gegen 17 Uhr stieß der SchnellzugVerlin— Beuthen bei der Ausfahrt aus dem Gleiwiher Bahnhof mit dem perfonenzug Beuthen— Gleiwih zufammen. Trotzdem die Fahrgeschwindigkeit der Züge verhältnismäßig gering war, war der Zufammenprall außerordentlich heftig. Die beiden Lokomotiven wurden schwer beschädigt, die des Schnellzuges wurde umgeworfen. Ein Lokomolivheizer und 20 R e i f e n d e erlitten Verletzungen. Lebensgefahr besteht, soweit sich bisher übersehen läßt, bei keinem der Verunglückten. Die Reisenden sind in der yauptsache durch Glassplitter verletzt worden. Aerztc und Rettungsmannschaften waren bald nach dem Unglück zur Stelle. Ein Teil der Verletzten konnte bereits entlassen werden: nur wenige. darunter der Heizer, wurden ins Krankenhans gebracht. Eine Unter- suchung über die Schuldfrage ist im Gange. Der Eisenbahnverkehr erleidet durch den Unfall eine empfindliche Störung, da insgesamt drei Gleise gesperrt sind. Sozialdemokratie für Heimstätten. Wiederwahl des Nathaus-Frattionsvorstandes. In der nächsten Sitzung der Stadtverordneienversmnmlnng wird die sozialdemokratische Fraktion folgenden Dring- l i ch k e i t s a n t r a g einbringen: Die Stadtverordnetenversammlung woll« beschließen: Der Ma- gistrat wird ersucht, sofort das am 15. Dezember 1027 bzw. 19. Sep- tember 1029 von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedete Ortsgesetz über Reichsheim st ätten-Gactengebiete und D o u e r k l e i ii g ä r t e n im Amtsblatt der Stadt Berlin zu ver- künden, soweit es städtisches Gelände betrifft, damit die schon seit Jahren in den Reihen der Berliner Kleingärtner herrschende Un- a e>v ktz'h« i t en d k i ch b e t e i t i g t wird. Dieser Antrag ist von echt bodenresormerischem Geist getragen, und die vielen leider noch immer in bürgerlichen Parteien herum- hockenden bürgerlichen Bodenresormer täten gut, einmal bei ihren Stadtverordnetenfraktionen nachzufragen, was denn sie e.igenttich sür kommunale Bodenresornipraxis zu tun gedenken. e- Die sozialdemokratische Stadtverordneten- fraktion hat in ihrer gestern zum ersten Male im neuen Jahr abgehaltenen Sitzung den bisherigen P o r ft a n d einstimmig wiedergewählt. Ausgeschieden ist Genosse Clajus, der wegen starker beruflicher Inampnichnahme als Direktor des Freibades Wannsee bat, von seiner Wiederwahl Abstand zu nehmen. Der Bar- sitzende, Genosse Flatau, sprach dem Scheidenden den Dank für seine langjährige Mitarbeit im Fraktionsoorstand aus. Eine Ersatzwahl für Elajus fa«d nicht statt. Vorsitzende der Fraktion sind wieder die Genossen Flatau und Riese: dem Vorstand gehören scrner an die Genossen Robinson, Krille, Barth, Bublitz, Dr. Käthe Frankenthol und Urich. Hastbefehle gegen Nazis. Sieben Festgenommene leider wieder enilassen. Die Staatsaawallschast hat gegen den kausmann Rudi Becker, den RIaurerlehrling Rl a x K o l l a h und den ZNaler Max h a u s ch k e. die der Ermordung zweier Rcichsbannerleute verdächtig und flüchtig sind, den Erlaß von Haftbesehlen zum Zweck steckbrieflicher Verfolgung beantragt. Die Staatsanwalt- f ch a f l I hat weiterhin beim vernchmungsrichtcr im Polizei- präfidium den Erlaß von Haftbefehlen gegen sämtliche acht Festgenommene, die der RSDAP. angehören, wegen schweren Landsriedensbruchs, Raushandels und gemeinschaftlichen Totschlag» beantragt. Der Vernehmungsrichter Hot einen Haftbefehl nur gegen den Privatföcster Kurt v r e f f e l wegen des Verdachtes des versuchten Totschlages erlassen, die übrigen Festgenommenen aber entlassen, da gegen diese nur der Verdacht de» Londfriedensbruche», ober weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr begründet erschien. Bresiet soll nach Angaben eines Zeugen bei der Schlägerei geschossen haben. Er selbst bestreitet die«. Selbstmord im Waffengeschast. VerzweiflungSiai eines Berliner Bankiers. In der bekannten verliner Woffenhandlung 5?. Barella. die ihr Hauptgeschäft in der Französischen Straße 24 hat, versuchte sich gestern nachmittag der 40iährige Bankier Fritz Steinseldt zu erschießen. Schwerverletzt wurde der Lebensmüde nach der Klinik in der Ziegelstraßc gebracht, wo er alsbald feinen Verletzungen erlag. SteinfeldI erschien in dem Laden und ließ sich unier Vorzeigung seines Waffenscheines rnehrcre Pistolen vorlegen. Schließ- lich entschied er sich für«ine 6,Zg-Millimcter-Mauserpistole und kaufte auch gleich die dazugehörige M u.n i t i o n. Der Bankier lud die Waste sogleich an Ort und Stelle und steckle sie dann in seine Manteltasche. Kurz nachdem Steinseldt den Kaufpreis bezahl: hatte, zog er plötzlich die Pistole wieder hervor und schoß sich zum Entsetzen der Angestellten eine Kugel in die Schläfe. Die Tat kam um so überraschender, als der Käufer vorher nicht die geringst« Erregung gezeigt hatte. Ob der Bankier mit dem Leben davonkommen wird, ist noch zweifclhäst. Steinseldt ist Mit- i n h a b e r des Bankgeschäftes R. u. F. Steinseldt. dos sich eines guten Rufes besonders an der Börse erfreut. Dos Motiv zur Tat ist noch ungeklärt. Ztaubüberfall im Hausflur. Gestern. abend wurde auf den Ingenieur Alfred I., der in: Haufe W a ll» c.r t h e a t c r str a ße 19 wohnt und dort gleichzeitig tke Verwaltung ha'f, ew R-aübübiir�al l verübt. Wie I. an- gibt/ wollte er die emkaffierten M rei e n in Höhe v o n 1 0 0 0 Mark, die er in einer Aktentajche trug, an den Hauswirt abliefern. Als er den Hausflur betreten wollte, seien ihm plötzlich dr e i Burschen entgegengetreten, die ihn mit vorgehaltenen Pistolen zwangen, die Tasche herauszugeben. Obgleich I. gleich um Hille ge rufen habe, fei es den Burschen gelungen, zu entkommen. Die Polizei hat die weiteren Ermiiteilmgen aufgenommen. Razi» überfallen Jugendliche. Zu unserer Notiz über die Halen- kreuzlerüberfälle möchten wir bemerken, daß die Zusanimenkünstc in dem Jugendheim selbstverständlich von der Sozialistischen A r- beiterjugend und nicht, wie e? versehentlich bei uns hieß, von der aufgelösten Jiingsozialistischen Vereinigung oeranstalter worden sind. Drei Tage vor der festgesetzten Frist fuhren große Zwei- spännermöbelwagen mit dem ersten Dutzend der bestellten Zimmer noch der Prinzenstraße. Himmelsbach, eben in die Betrachtung der florseidenen Strümpfe seines emsig arbeitenden Tippfräuleins versunken, unterbrach sichtlich ungehalten seinen Gottesdienst, als ein vier- schrötiger Kutscher durch die Tür polterte. Aber seine umwölkte Miene heiterte sich auf als er hörte, die erste Eisermannsche Lieferung wäre da. In seiner Freude vergriff er sich sogar in der Zigarrenkiste, so daß der Mann in der Lederschürze zum erstenmal im Leben zu einer Importe kam. Eine Stunde später standen die Zimmer in den von Himmelsbach angewiesenen Kojen. Ludwig, der inzwischen nachgekommen war, half die Zimmer in den richtigen Farbtönungen zusammenstellen. Himmelsbach, seine gelben Gamaschen schlenkernd, besah sich die Arbeit genau und schmunzelte. „Lieder Eisermannl" sagte er schließlich,„Sie sind wirk- lich ein Prachtkerl! Um den Hals fallen könnt' ich Ihnen!" „Na, na!" wehrte Ludwig ab.„Es wird Menschentinder geben, die zum um den Hals fallen besser gebaut sind als ich!" Die kleine Kontoristin bekam einen roten Kopf und ver- schwand. Ablenkend bot Himmelsbach fein Zigarrenetui an. „Wirklich, Eisermann, Sie sind ein Prachtkerl. Sie scheinen wieder gutmachen zu wollen, was Sie dereinst an mir gesündigt haben!" Ludwig lochte und steckte die dargereichte Zigarre an. „Geschäft ist Geschäft, Himmelsboch. Weiter gibts wohl nichts?" „Doch. Kommen Sie mal in mein Privatkontor. Dort gibts einen famosen Kognak, an dem Sie sich erst mal stärken sollen." Himmelsbach stellte zwei Gläser auf und schenkte ein. „Hier, Prost! Wisse': Sie. Dreiqesternter! Sozusagen die erste Importware aus Frankreich! Famas, was?" Ludwig wischte sich die Lippen. „Wirklich gut. Sie können ruhig noch einen stiften!" Himmelsbach verzog sein Gesicht in hundert Grinsfältchen und schenkte nochmals ein. Dann klopfte er Ludwig vertrau- lich auf die Schulter. „Wissen Sie, Eisermann, Sie haben den richtigen Tip erfaßt! Schmettern Sie jetzt Ware raus, soviel Sie können! Die Hochsaison sängt an. Man kann gar nicht genug liefern. Direkt heißhungrig sind die Menschen geworden. Erstklassig sind ihre Zimmer, Eins A! Arbeiten Sie, Sie werden ver- dienen noch und noch!" Ludwig, der eben den zweiten Kognak hinuntergestürzt hatte, antwortete nicht sogleich. Er war von dem ungewohnten scharfen Getränk etwas eingenebelt. Himmelsbach, die gute Wirkung seines Kognaks sehend, griff wieder zur Flasche. „Wünschen Sie noch ein Gläschen, Eisermann?" Ludwig schaute ihn mißtrauisch an. „Der Bruder betrügt dich, wenn du dich besäufst!" dachte er. Darum winkte er ab: „Nein, jetzt nicht, Himmelsbach, später! Erst wollen wir mal das Geschäftliche erledigen und dann das Vergnügen!" Er holte die Rechnung heraus und legte sie vor Himmels- dach auf den Tisch. Himmelsbach studierte sie mit der gleichen Genauigkeit, wie anderthalb Stunden zuvor die Florstrümpfe seiner Kontoristin. Ja, um besser zu sehen, wischte er sich sogar den Kneifer. Doch je mehr er darauf sah, desto finsterer wurde sein Gesicht. Die tausend schmalen Fältchen sammelten sich zu einer dräuenden Gewitterwolke, und schließlich konnte er sich nicht mehr halten und donnerte barschen Tones los: „Was haben Sie denn da zusammenaddiert, Eisermann? Die Rechnung stimmt doch nicht!" „Die Rechnung stimmt, Herr!" sagte Ludwig seelenruhig und streckte behaglich die Beine aus dem feudalen Ledersesiel. „Die Rechnung stimmt nicht, Eisermann! Sic haben pro Zimmer fünfundzwanzig Mark mehr gerechnet, als kon- traktlich ausgemacht ist!" „Soll ich vielleicht umsonst arbeiten, Herr Himmelsbach?" „Bitte, erklären Sie sich deutlicher, Herr Eisermann!" Ludwig tat erst mal zwei tiefe Züge aus der wirklich aus- gezeichneten Havanna und beeilte sich durchaus nicht mit der Antwort. Ihm war nicht entgangen, daß sich der Möbel- Händler in sehr gereizter Stimmung befand. Innerlich freute er sich darüber. Jetzt war der Moment gekommen, wo er den Stier an den Hörnern packen und dahin bringen konnte, wo er ihn haben wollte. �.Lieber Herr Himmelsbach!" sagte er dann, jedes seiner Worte betonend und den Klang der eigenen Stimme aus- kostend,„als ich mit Ihnen vor vier Wachen den Preis des Einzelzimmers festsetzte, hatte ich die damaligen Gestehungs- kosten zugrunde gelegt. Inzwischen sind die Preise für Materialien in die Höhe gegangen. Auch die Löhne sind nicht stabil geblieben. Da werden Sie wohl zugeben, daß ich an: Abliefcrungstag bei Ihnen etwas aufschlagen muß, um die Geldentwertung auszugleichen." „Das geht mich einen Dreck an, Ihre Geldentwertung! Ich muß meine Kunden auch mit festen Preisen bedienen!" Himmelsbach war in der Erregung aufgesprungen und rannte gestikulierend im Zimmer umher, wie ein Tobsüchtiger. „Beruhigen Sie sich doch, Himmelsbach! Kommen Sie her! Setzen Sie sich wieder hin! Ich schlage Ihnen vor, wir machen Kassapreise, die dem jeweiligen Tageskurs entsprechen. an dem die Ware geliefert wird. Das ist doch die einfachste Rechnung, nicht wahr, Himmelsbach?" Ein Unterton von Ironie schwang bei dieser Frage in Ludwigs Stimme. Himmelsbach fuhr von neuem hoch: „Unter solchen Umständen möchte ich auch Fabrikant sein!" „Bitte sehr, Himmelsbach! Fangen Sie man gleich an! Ich stelle Ihnen sofort meine Fabrik zur Verfügung. Heute schon! Sie zahlen mir eine anständige Pacht, so wie ich Sie kenne, und ich brauche mir dann nicht mehr den Kopf zu zer- brechen!" Die gelben Gamaschen hüpften durchs Zimmer wie wild- gewordene Pekineserhündchen. Schade, daß sie nicht bellen konnten! Das besorgte jetzt ihr Träger. Er fauchte und knurrte. „Das ist Betrug, Eisermann, reiner Betrug. Empörend, ihre Forderung, glattwegs empörend! Hätte ich das geahnt, würde ich keine Berbindung mit Ihnen eingegangen sein! Sic hoben mich reingelegt!" Wieder trippelten die beiden Pekineserhündchen durchs Zimmer, immer noch aufgeregt, aber doch, wie es schien, gegen früher etwas weniger heftig. Plötzlich hielten sie in ihrer Wanderung inne. Himmelsbach war � stehen geblieben und schrie, beide Hände gegen die Kontordecke schüttelnd, so daß ihm die Manschetten ans den Aermeln rutschten: < Fortsetzung folgt,* j Das Hochwasser am Mein. Man erwartet keinen allzugroßen Llmfang. Köln, 6. Januar. Das neue Hochwasser wird aller Voraussicht nach in keiner Weise den Umfang erreichen, dcu es imltovember vorigen Jahres halte. Die lehlen Uleldungen besagen bereit», daß die größte Gefahr vorüber ist. Der Pegelstand des Rheins zeigt Montag vormittag 6 Uhr in Koblenz 3,38 Meter. Seit Sonntag morgen ist das Wasser hier um 87 Zentimeter gestiegen. Zurzeit steigt es stündlich noch Um etrna 2 Zentimeter. Man glaubt ledoch, daß das Wasser höchstens noch um etwa SO Zentimeter höher steigen wird. In Köln betrug der Pegelstand Montag morgen 3,68 Meter. Stündlich steigt der Rhein um 3', 4 Zentimeter. Lorsichtsl>alber hat dos Hafenbau- anit den Bewohnern der Rheinuferstraßen eine Warnung zur R ü u m u n g der Keller zukommen lassen, da bei dem zu erwarten- den Höchststand van etwa 6, lg Meiern das Grundwasser in die Keller eindringt. Trier meldet seit Mitternacht ein Fallen der Masel. Der Höchststand betrug 5,33 Meter. Weiß'blauer Frohsinn in der Hasenheide. Mün6>en führt, wie üblich, auch in diesem Jahr sein Zwei- nianats-Faschingsprogramm durch: am Rhein denkt, wi« üblich, auch in diesem Jahr kein Mensch daran, aus sein Karnevals- vergnügen zu verzichten. Warum also soll inan auch in Berlin nich: fröhlich sein. Die„Reue Weil" in der Hasenheide— her Name allein wirkt schon wie ein ganzes Programm— gehört zu den Gast- und Vcrgnügnngsstüiten in Berlin, die den ehrenvollen Beinamen„volkstümlich" ganz besonders verdienen, und sie hat es sich auch in diesem Jahr wieder angelegen sein lassen, dem nun ichoi, traditionell gewordenen bayerischen Bockbierfest einen besonders lustigen Rahmen zu geben. Es wird wenig bekannt sein, daß die i» Berlin einzig dastehende Alpeirdekoration der beiden großen Säle einen Auswand van.'500 000 Mark beansprucht hat. Ci» Tcrrasscnbn» in fünf Stufen steigt bis zur Höhe des Saales empor. Dazu mimpelt überall in den luftigsten Höhen, mif den Scitenhalkonen(will sagen auf„Kammwegen", von denen man herabschaut m die Täter des Vergnügens), auf allen Seitenwegen, das freundliche, bayerische Weiß-Blau, das zweifellos viel netter aussieht als das preußisch. ernste und steife Schwarz-Weiß. Blau und weiß, da denkt man sofort an blauen H im mal und weiße Walken. Biaumciß lausen auch die vielen süßen Maderln und stattlichen Frauen herum, die den Gästen den braunen Labetrunk kredenzen. Es sind wbhl ausschließlich süddeutsche Mädchen und Frauen: man merkt es sofort an ihrem Dialekt, der nicht auf Reu- köllner Asphalt gewachsen ist. Echt Bayerisch sind auch die meisten Musikiapellen(im ganzen sind sieben da), die unermüdlich spielen. Om Tanzsaal vernimmt man nalürlich die modernen Schlager, aber wo die bayerischen Bläser heimisch sind, da sind Tango und Foxtrott verpönt und man läßt sich ihre harmlosen volkstümlichen bieder und Märsche wohlgelaunt gefallen. Der bewährte und be- liebte Wirt und B-sitzer her„Reuen Welt", Herr Arnold Scholz, hat der Zeit entsprechend die Preise für Getränke und Speisen gestaltet, so daß es auch dem weniger Bemittelten mal möglich ist, sich mit der Familie einen wirklichen fröhlichen Abend zu vcr- schaffen. Fabrlkbrand in Oberschöneweide. Großfeiicralarm lies gestern abend bei der Feuerwehr aus den Kabelwerken Wtlhelminenhof, Taborstr. 6/7, in Ober- fchöncwcide, ein. Bon vier Löschzügrn, die an die Brandstelle eilten, brauckitcn jedoch mir zwei Züge in Tätigkeit zu treten, da die Gefahr nicht so groß war, wie es zuerst den Anschein hatte. Im Emaillier- werk brannte im zweiten Stockwerk die i-mfongreiche Crhaukter- anlag«. Starke Quolmentwtcklung erschwerte das Bordringen der Löschmannschaften gegen den Brandherd. Trotzdem gelang es, das Fester schnell einzukreisen und unter Einsatz von drei Schlauch- lcitungen zu ersticken. Blaner„Montag". Vom Gau vor st and des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold wird uns folgendes mitgeteilt: In dem H u g e n b e r g- B l a t t„Der Montag" wurde in einem Bericht über angebliche Ausschreitungen des Reichsbanners anläßlich der Protefttundgebung für die von den Nationalsozialisten Erschossenen behauptet, daß das Restaurant„K« g l e r h e i m Hufeland", Hufelandstr. 4ö, ein Dertehrslokal der?totionalsogia- listen sei. Eine bei der Redaktion des Hugenbcrg-Blattes von dem Besitzer des Lokals, Herrn Max Iahnsch, gewünschte Berichtigung wurde mit dem Bemerken abgelehnt, daß diese Notiz geschäft- (ich nur zu seinem Bortet! sei. Herr Iahnsch bittet uns, öffentlich festzustellen, daß die Behauptung, sein Lokal sei ein Verkehrs- lokal der Nationalsozialisten, nicht zutrifft. Seine Gaststätte stehe jedermann zur Verfügung und würde auch von Republikanern gern besucht. Wir bitten unsere Kameraden und Gesinnungsfreunde, hiervon Kenntnis zu nehmen, damit für die Frlgc(Kißhelligketten vermieden werden. Elly Beinhorn in Lyon. Lyon, 6. Januar Die Asrikafliegerin Elly Beinhorn Ist heute nachnnttag um 3 Uhr mif dem hiesigen Flugplatz gelandet. Sie war um 12 Uhr mittag? in Basel gestartet, mußte aber nach kurzer Zelt wegen des sehr schlechten Wetters zurückkehren. Die Fliegerin hofft, bis Barcelona durchzukommen. Der Flug über den Golf von Lyon ist jedoch für eine derartig kleine Maschine nicht ohne Schwierigkeiten, da der dort oft auftretende Mistral sehr leicht die Flugzeuge ins Atittelmeer abtreibt. Sie wird daher wahrschein- lich den Weg über einen der Pyrenäenpafse nehmen Ein Siebzigjähriger. Heute feiert ein verdienter Sozialdemokrat, der Genasse Hermann Gries, Berlin-Stralau, seinen 70. Ge- b u r t s t a g. Wir ichermitteln dem treuen Freund, der schon a n der Z ch a s s ii n g des„Vorwärts" tatkräftig m l t h 0 l s und sich auch in der G e w- r k f cha f t s b e w e g u n g sehr oerdient gemacht hat, unsere herzlichsten Glückwünsche. Deutscher Arbeiter- Sängerbund. Die Sangesbrüder trefien sich heute, Mittwoch, den 7. Januar, 16H Uhr, im Garten- saal des Saalbau Friedrichs Hain zur Trauerseier für den erschossenen Sgngesbrudcr Willi Schneider(„Bolkschor Osten") und nehmen anschließend an dem Trauerzug nach dem Krematorium Gerichtstrahe teil. Näheres über Marschrichtung usw. in der heutigen Morgennummer. Der Gauvorstand: I. A. Schulz. wettcraussichlen sür verlin. Teils wolkig, teils heiter, nur noch unbedeutende Schneefälle. Temperaturen meist unter Null,—(für Deutschland: Im Ülordosteu noch leichte Schneefälle, im übrigen Reiche sortzchreitcnde Wetterbesserung, Nachts allgemein Frost, Tagestemperaluren nur im Westen einige Grade über Null. Ginge, wem Gesang gegeben... Oer Herr Tenor.- Geiner Stimme konnte niemand widerstehen. Man erlebt mitunter in Moabit Verhandlungen von unbeschreiblicher Komik. Angeklagte, die jedem erstklassigen Kabarett Ehre machen würden, Vorsitzende, die in der Meisterung der Situation und der Zuhörerschaft als Konserencirr die größten Heiterkeilserfolge zu erzielen wüßten — mit einem Wort, man amüsiert sich manchmal wirklich köstlich. Bor dem Schöffengericht in Charlottenburg waren gestern ein Tenor und seine Frau wegen mehrfachen Betruges angeklagt. Eigentlich ist er nur ein„verunglückter" Tenor, dieser 39jährige Mann mit seinem Bubenschopf und seinem operettenhaften Auftreten. Seine geistige Entwicklung mag im Alter von 13 Jahren am Endpunkt an- gelangt sein. Er sang sein ganzes Leben lang! Während der Schulzeit begann es, später studierte er Gesang, bald hier, bald da, wähend des Krieges fang er in seinem Regiment, während die anderen an der Front lämpsten, und nach dem Kriege studierte er wieder Gesang. Auch mit diesem Studium wurde er nicht fertig, ganz wie mit seinem Abitur. Im Jahre 1921 lernte er seine zu- künftige Frau kennen. Sie hatte Geld, das Paar machte gemein- same Reisen, kam auch nach Monte Carlo, spielte hier nach einem bestimmten System, verlor und erfuhr dann von einem eng- tischen General das richtige System, nach dem trnn bloß gewinnen konnte... Das nnfeblbare Spielsystem, vorübergehendes Singen, Hundeziichterci, Automobil- und dergleichen Geschäfte reichten selbst für ein Existenzminimum nicht aus. Als die Eheleute in Braunschweig einen Bekannten anpumpen wollten, verwies dieser sie nach Berlin an den Kaufmann B., der ihm 30 Mark schuldete. Alles wurde verspielt. Das Tenorehepaar erzählte ihm von dem unfehlbaren" Roulette- spielsystem, die Frau des Kaufmanns fuhr mit den Eheleuten nach Z o p p o t, die erste Rate in Höhe von 500 Mark und eine zweite in Höhe von 600 Mark waren bald verspielt. Die versprochenen Gewinn« blieben aus. Eines Tages erschien alter ein Herr K l e v e r auf der Bildstäche. Der Kaufmann B. schuldete ihm Geld: da er nicht zahlen konnte, verwies er ihn an den Tenor, der beim Roulettespiel gewinnen sollte. Herr Klever sah sich das System an, faßte Ber- trauen und begab sich mit dem Tenorehepaar nach Monte Carlo, um dort das„unfehlbare" System zu durchschlagendem Erfolg zu bringen. Vorher wurde zwischen dem Tenor und Herrn Klever ein Bertrag ausgesetzt. Herr Klever verpflichtete sich, den, Tenar für die„besprochenen llntcrnehmungen" 3000 resp. 6000 Mark zur Verfügung zu stellen, wofür dieser sich verpflichtete, bis zum 13. Januar 1927 12000 M. resp. mindestens 23 000 M. wiederzugeben. Der Tenor durfte an den Arbeitstagen arbeiten so oft und so lange er wollte. 80 Proz. des Verdienstes erhielt Herr Klever, 20 Proz. der Tenor. Die 3000 M. waren bald verspielt. Herr Klev-r fühlte sich betrogen, ebenso der Kaufmann V. Das andere Lockmittel des Tenors war seine Stimme. Zlui dieser siel ein Landinspektor herein. Er glaubte, daß dem „großen Sänger" tatsächlich ein Engagement als lyrischer Tenor bei der Stoatsoper winke und borgte ihm Geld. Er verschonte ihm auch ein Darlehen aus der Kriegsbeschädigtenfürsarge und vom Rotett Kreuz. Betrogen fühlte sich noch ein Berliner Gesang- lehrer, dem der Angeklagte von einem reichen Onkel und von einer Tante erzählte, von denen er Geld zu bekommen hätte. Ontel und Tante existierten nicht und der Gesangiehrcr kam um sein Honorar. Der Tenor wollte niemanden betrogen haben. An das Roulett-- spielsystem hatte er geglaubt, und die Darlehen wie seine Schulden wollte er zurückzahlen, sobald er dazu imstande sein würde. Gn Millionenbetrug. Aus Düsseldorf wird gemeldet: Nach einer MitMung des Polizeipräsidiumck wurden zwei hier wohneudo Kousteiite wegen betrügerischen.Bankrotts, Urkundenfälschung und Betrugs in großem Umfange festgenommen. Es bandelt sich um den Kaufmann Ernst Bergmann und seinen Geschäft-führer Harry Rottsiepen. Beide hgben durch ihre Machenschaften hiesige und auswärtige Firmen in ejr h c b l i ch e rn Maße gaschndigt. Bergmann war alleiniger Jnhabev der Exportfirma Bergmann u. Co., Rottsicpen war Geschäftsführer der Firma. Berg- mann, der eine Zeitlang Subdirektor eines Versicherungskonzerns war, hat seine vielfältigen Geschäftsverbindungen bei der Führung seines Exportgeschäfts ausgenutzt. Er täuschte Sicherheiten vor, die in Wirllichkeit nicht vorhanden waren. Als die Banken auf Angabe des Status drängten, legte er w i ll k ü r l i ch e Bilanzen vor. Für das Jahr 1929 bestanden drei verschiedene Bilanzen, die für verschiedene Banken bestimmt waren. Im ganzen hat Bergmann die Firmen um mehr als eine Million Mark geschädigt. tlvs««d»ng,» für»trs« R-dril find »« r l i» SB LS, Llndrnstrazr 3. Parteinachrichten für Groß-Nerlin stet» an«, nehmen. Treffpunkt Saalba» Friedriilwhain 1«% Uhr. 12. Are!» Stegtih, jjichterfelde, ljankwih. Die vorjähriar Arbeiisaemeinfchaft von Genossen Artnr Eoidstein übet:„Reliaion, Philosophie und Go,ia- Usmils" wird am ssreita«, dem 8., und ssrei'a«, dem IL. Januar, 20 Uhr, im Lesesaal der Stadtdücherei, Grunctvaldsir. 2, fortgescül. Der neue Kursus über:„Bür«er!!che und so,!alistisch« Kultur" beginnt am 25. 3a» nuar am gleichen Ort. All« interessertcn Genossen und Genossinnen werde» dringend um Teilnahme gebeten,(bebiihr für 5 Doppelstunden 3 38. Bon erwerbslasen Genossen wird krlne Gebühr erhoben. 15. steei» Treptow, Wir heteiligen uns geschlossen an der Beisetzung de» Genossen Schneider, Treffpunkt IS Uhr Strafte Am Trietrichshain Ecke Braunsbergcr Strafte. II. strei« Köpexilk. Gemeinsamer Treffpunkt vir Teilnahme an der Trauer- feier des Genossen Willi Schneider sür alle Abteilungen de» iL. stpelse» NM 17',, Uhr Arn lsriedrlchshain Ecke Braunsderger Strafte. Die Abtei» lungabnnner sind miivtdringe».._ 17. strei» Lichtende eg. Sämtliche Abteilungen beteiligen sich mit Banner und lsahn-n on der Einäscherung unseres erschossenen Genossen Willi Schneider beute, Mittwoch. Abmarsch 18 Uhr vorn Saalbau ssriedrichshatn. U5. Abt. stellt da, Kreisbanner. Die für heute, Mittwoch, angesetzte Kreisvorstands. sttzung findet morgen, Donnerstag, 8. Januar, 1»ZH Uhr, im Sitzungssaal des Kathaute» statt. 18. fteeia«eitzensee. Wir nehmen an dem Trauerzug teil. Treffpunkt I7t4 Uhr Dawiger Ecke Greifswalder Strafte. Die Borstandchitzung der Abt. Weiften, see fällt heute auc. Iii. strei» Pankow: Alle Genossinnen nnh Genossen tresfen sich pünktlich 1 7's Uhr mit Dahnen und Banner Böftowstrafte, am ssriedrichshain. 27. strei, Reinickendorf. Sämtlich« Genoffen nehme»«» der T-ni-erkundgeheen, lue de« ermordeten Genossen Schneider teil. Zahne» und Banne, sin» mitünbeingen. Treffpunkt 1714 Uhr Brauerei ssriedrichshai». Beteiligung Ehrenpflicht. heule. Mittwoch. 7. Zanuar: 2. Abt. Die Genossinnen und Genossen nehmen an der Trauerfeier he» erschossenen Genossen Schneider teil. Treffpunkt 17(4 Uhr Bbtzow strafte Eck ssrildrichshain. für» Das Programm bietet«ine Reihe beachtenswerter Vortroge. Oberregierungsrot Dr. v. K ö b k e behandelt„Handwerkliche Zeit- ui»d Streitfragen". Es ist eine Slnalyje des äugen- blickiichen Zustandes im deutschen Handwerk, eine Analyse vor allem der wirtschaftlichen Berhältnisse. Köbke weist auf die Noiwendigkeit dieses Wirtschaftszweiges hin. Es ist nicht nur ein« Slotwendigkeit ökonomischen, sondern auch qualitativen Charakters. Aber ist Las Handwert überhaupt noch Handwerk im eigentlichen Sinne? Ueberall ist Motorbetrieb eingeführt morden. Diesen ganzen Problamtreis lastet Köbke ob, er deutet eindringlich darauf hin, und schon dieser Hinweis ist wichtig.— Der Begründer und Leiter der Treptower Sternwarte, Dr. Archenhold, gibt einen Rückblick über die Leistungen der Treptower Sternwarte anläßlich ihres 3 3jährigen Best ehe ns. Bor allem liegt der.Hauptakzent auf der Tatsache, daß hier in Treptow dem Laien die Ergebnisse astro- nonnscher Forschung leicht faßlich vermittelt werden. Das Institut ist im besten Sinne des Wortes populär gehalten, ohne daß es da- durch in irgendeiner Beziehung an wissenschaftlichem Wert einbüßt. Dr. Hansjürgen Wille spricht im Rahmen der Bücherstunde über„'Romane jüngerer A u t o r c n". Seine Kritiken der Werke sind außerordentlich einprägsam, sie bemühen sich, die künstle- rischen Eigenschaften eines Buches herauszumeißeln, aber nur die künstlerischen. Will« spricht als Aesthet, als einfühlender, sensibler Mensch, er oergißt leider, daß der Roman auch«:n soziologisches Gebilde ist, Ausdruck der sozialen �struktur einer Zeit. Und gerade diese Struktur müßte betont werden,— Zu erwähne» ist noch das sehr gute Eellokonzert, das Edmund Kurz, außerordentlich fein von Julius Bürger begleitet, absolviert. Kurz spielt mit größter Musikalität, und es fasziniert besonders fein breiter, gesättigter Strich,' F, Seh. 2*. Abt.„Unser Weg" ist wm Ablellungskafsieret!»hzuhaleit. 38.»dt. Die Mitglieder beteiligen sich restlos an der Trnuerkundgenung und am Geleit für den ermordeten Genossen Schneider, Banner umflort zur Stelle. Sammelpunkt der Abteilung 1744 Uhr Strafte Am ttriedrichshain, 57. Abt. Eharlottenburg. Die ssunktianärversaminlnnq fällt heilte� aus: dalnr om ffreitag, dem 9. Januar, 20 Uhr. bei öchvon. Krumme Str. 32. Wie beteiligen uns geschlossen an der Beisetzung des Genossen Schneider. Treff. Punkt Saalbau Triedrichshaln. 74b. Abt. Zehlendorf-Süb. Kur Teilnahme an de« Tranerfei« mttz dem Trauer. zu« ist jeder pünktlich im Eaalbau IZriedrichshain, 81. Abt. Zur Trauerkundgebung für den Genossen Schneider treffen sich die Genossen um 1614 Uhr vor dem Märchendrimneu, ssrlebrichsbaju. 82. Abt. Steglitz. Die ffunktwuärpersammlun« fällt aus. Di« Abteilung nimm: geschlossen on der Trauerseier für den erschossenen Genossen Willi Schneider teil: Abteilungsbanner ist mitzubringen. Treffpunkt 1« Uhr«n der Kirch: om griedeichshain. 84. Abt. Lankwitz. Die Genossen und Genossinnen beteiligen sich an der Trauer- feierNchkeit. Treffpunkt vor der Brauerri ssriedrichohain um 17Z4 Uhr, dadurch perschiebt sich die ssuntrionärsttzung um eine halbe Stunde später. 88. Abt. Lichtrorod«. Die Genossen treffen sich um 1714 Uhr bei der Kreis irandarte des 13. Kreises im Triedrichshain, Die angesetzte Borstands- und TunktianSrversammlung findet um 20 Uhr statt. Reuläll». 9«. Abt. Die Zunktionärsitzuna findet au»-ahmsweise am Montag, dem 12. Januar, statt.— 98. Abt. Wir Beteiligen uns heute restlos au der Trauerseier im ssriedrichshain, Genossen, welch« Zeit haben, treffen sich lö'/4 Uhr beim Genoffen Schmiedel. Knesebeckstr. 96, zum Abholen des Banners. 192. Abt.»aumschulenweg. Zu? Trauerfeier steht die Abtetlnng um T7Vt Uhr mit umflortem Banner und ffahnen in der Strafte Am griedrichshain lKSnigstor). III. Abt. Bohnsdorf. Die Parteibibliothek befindet sich Im Lokal»on Pou! Sei mann. Waltersdorfer Str. 100, und steht Parteigenossen unentgeNIich zur Verfügung, Geöffnet von 2044 bis 2114 Uhr. 12#. Abt. ffriedrichsfelde. Wir brteiligen uns restlos mit Banner am Trauer. zuge. Gemeinsame Abfahrt um 1714 Uhr von Schwarz, Gaprtviallee. 127. Abt. Lohenschönhousen. Die VorstondÄltzung fällt heut« au». Dafür am Montag. 12. Januar, 20 Uhr, bei Schiewe. 137. Abt. Reinickenborf-vst. Die Genossinnen und Genossen beteMgen sich restlos an der Trauerfeier im Saalbau ssriehrichshain. Morgen. Donnerstag, S. Januar: 38. Abt. 18>4 Uhr Vorstandssitzung. 1944 Uhr isunktwnärnersammluna bei Losah. Beylnestr, S. /Sie noch ausstehenden Staliftikkarten werden unbedingt benötigt. IL. Abt. 19»4 Uhr ssunktionlirsitzuna Bei Busch, Tilsiler Str. Sk. Der Ab!e:- lungsvorstand um 19 Uhr ebenda. Zahlreicher Besuch unbedingt notwendig, 198». Abt. Köpenick snärdlich dcr Spree). 19V4 Uhr Sitzung aller lsunktiouär, mit dem Abteilungsvorstand. Stellungnahm« zu den Zteuwohlcn. Klose, Mohlsdorfer Str. 1. Lichtenberg. 114. Abt. 19'? Uhr Junltiouörsitzuno be! Schwarzer. Gabriel- Mor-Str. 17.— 117. Abt. 1914 Uhr Tunktiouärsitzuug Bei Siewert, Koni- Eck» Schillerstrafte.— II». Abt. 20 Uhr bei Bartz. Möllentsrfstroft:, ssunktionärntzung. Kolonie Alpenberge. Zahlabend 20 Uhr bei Klemmer, Alpenfchlöftchen. Thema „Wer sind die Nazis?" » l. Abt. Am Freitag um 191,4 Uhr Zunlrionärrcrfainmlung be! Spiegel Ackerstr. 1. Stellungnahme zur Wahl der Abteilungsleitunz. Sozialistische Sludenienschofk, Orksgruppe Berlin. Wir beteilige» u», an»er Zrauerfrier. Treffe» siehe Krri» Mitte. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrk. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Der Kursus:„Die Tsirsorgepffichlverordnung" Sleferenl: Genosse Nosemonn, beginnt endgültig am 1«. Januar im Vczirkeouu, Danziger Etc. 04, 20 Uhr(Dauer 4 Abende). 137. Abt. Reinickendors-Weft. Donnerslag, 8. Januar, 20 Uhr, im Volks Haus wichtige Besprechung sämtlicher Funktionäre. Seminar für Wohlfahrtspslege. Freitag, 9. Januar, 20 Uhr, im Coph!:,:. Lozeum, Wcinmeisierftr. 19—17, Fortsetzung des Kursus überi»Psychologie der Gegenwart". Leiter: Genosse Dr. Einst Hering. Es wird»m pünlllichrs Erfchrinen«rbeten. Arbeilsgemeinschafk der kinderfreunde Groß-Berlin. K««I» Prenzlauer Berg, Gruppe Freiheit. Di« Sruppenzusammenlüusie be- ginnen wieder morgen, Tonnersiag. 8. Januar, 17 llbr. im Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Sonnabend, 19. Januar, 19 Uhr, bei Lücke, Stolpische Strafte 19, 1, wichtig« Selfevsitzuna, Anschlieftend JuMapo der Helfer. Zriedrichshai». Gruppe Landsberger Plaft. Der heulige Abend lallt b-r Trauerdemonstration wegen aus. Kreis Kreuzbeeg. Wir tresfen uns zur Nestfalkenfahrt am Sonnabend, dem 10, Januar, 1674 Uhr, Schlesischer Bahnhof, Haupteingang. Die Kreisheiser. sitzung für Doniierstag, 8, Januar, niuft ausfallen, sie findet erst 13. Januar, 20 Uhr, Porckftr. 11, statt. Alle Krcisveranstaltungcn im Januar fallen eben- falls aus. Geburksiage. Jubiläen usw. 8. Abt. Unserem Genossen Karl Dow« zu seinem 79. Geburtstage die herz- lichste» Glückwünsche. 21. Abt. Unserem liebe» Gcnosscn Wilhelm Helsf, Utrechter Sir. 21, ,» sein«« 79. Geburtstag.- die herzlichsten Glückwünsche. 33. Abt. Unserem lieben Genossen Hermann CSrieft, Stralau, Kracht str. 11,, zum 70. Geburtslage und SOjährigew Parteijubiläum die herzlichstt» Glück- wünsche. 37. Abt. Alfred Stephan. Gl-erthsir. 32, blickt am 7. Zanunr ans eine 23iährige Parteiin Itgliedschost zurück. Ebenso ist er seit 23 Jahren ssualtinnar nnh Bezirtslassierer he, Berbaude» her Nahrungsmittel- und Geiranlearbeiier. Gleickzeitig wirb er in diesem Jahr« 39 Jahre alt. 96. Adt. ReulSll». Am 1. Januar feierte Genosse Dtto Winkler, Talk- strofte II, sein 23jährige» Parteiiubiläum.— Am 7. Januar feiert die Genalnu Anna Matke. Prinz Saudjery-Str, 37, ihren 63. Geburtstag.- Auch Genosse Zranz Uhleman». Zögerstr. 15, feiert seinen 66. Sebrrtstn«. Wir wünichra, alle noch recht lange in unserer Mitte zu sehen. Es ift genug! �Wir formierea uns heute zuiu Trauerzug— Die Toten klagen � Es i/l genug! Seit Iahren Berleuurdung und Heherwvrt, seit Jahren politisier-DNeuiellnord. Äus dem Hinterhalt, im Duutel der flacht wurden ÄNeuschen wie Wild zur Strecke gebracht. Blühendes 5eben ward viehisch zerstört, der Böehruf der Eltern blieb uugehört— Die Gpser sind stumm— die DHötbcr schrei». Soll das so bleiben?'Wir rusen: O�ein! itnb abermals: Dlcinl Es ist genug! Die Reihe der Gpser ist endloser �Zug! Wir dulden nicht länger£Blord nud Gewalt! Das SÖIaK ist voll! Böir ruseu: Halt! Zrauheit muß salleu,— Erstarrung vergehn! -Kein Republikauer darf abseits stehu! Die Reihen gefüllt und Tritt gefaxt! . Die toten Genossen stnd mahnende!ast— BZir tragen sie mit uns in unserem Lug, sie sind uns �Mahnung: Es ist genug! 'Walter Dehme! Äs«„ewige'''Zündholz Ei» Patent Dr. Ferdinand Ringcrs-Wis», ein ewiges Zündholz herzustellen, erregt mit Recht in der Oeffentlichkeit großes Aufsehen, denn die Streichhölzer sind in ihrer heutige» Form durchaus keine ideale Einrichtung. Sie verlöschen an unrechter Stelle, die brennbare Kapsel springt ab und erregt Feuerschaden, Brandwunden, und schließlich ist es nicht unseren Fortschritten auf dein Gebiete der Technik entsprechend, daß wir riesige Wälder abholzen müssen, uin die Welt mit Feuerzeug zu versorgen. Die sogenannten schwedischen Streichhölzer bedeuteten schon einen großen Fortschritt gegenüber den Schweselhölzern aus unserer früheren Zeit, die bekanntlich mit un- geheurem Gestank allmählich das kleine cholz zum Brennen brachten. Nun kam Dr. Ringer auf den guten Gedanken, eine, wie es in der Patentschrift heißt,„geformte Masse aus Nitrozellulose, Biscose herzustellen und die ganze Masse in Stabform zu bringen, auf passend« Längen zu schneiden und auf diese Weise gebrauchsfertig zu »lachen." Um ein„ewiges" Streichholz herzustellen, das allerdings nicht ewig ist, sondern sür ungefähr 500 bis 600 Zündungen ausreicht, mußte Ringer auf das Holz verzichten, das bisher die chaupisache des Zündholzes bildete. Das Brennmaterial muß nämlich für ein mehrfach zu benutzendes Streichholz richtig imprägniert werden, um zu verhüten, daß die ganze Stange sofort in Brand gesetzt wird. Holz ist auf dies« Weise nicht zu bearbeiten, damit es sür den Massengcbrauch verwendbar wird. Ringer muhte also auf ein anderes Brennmaterial zurückgreifen, das, wie aus der oben- genannten Patentschrist hervorgeht, aus holzähnlichcn Stoffen wie DisSis« und Nitrozellulose besteht und fifr derartige Zwecke richtig imprägniert werden kann. Diese Stoffe haben in der letzten Zeit aus techmschcm Gebiete eine hervorragende Verwendung erfahren. Man denke nur an die Kunstscidenfabrikation. Jetzt sollen sie zur Fabrikation des ewigen Streichholzes dienen. Um die Moste brennbar zu machen, muß sie andererseits so präpariert werden, daß ste wie eine Art Zündholztopf wirkt. Es gibt mehrere derartige Zündmastcn wie Kaliumchlorot, Braunstein usw. Falls die Masse derartig prä- pariert ist, wird ste aufgewalzt und in Stäbchenform geschnitten, genau wie Streichhölzer, woraushin sie sofort gebraucht werden kann. Bon dem gewöhnlichen Streichholz unterscheidet sie sich durch das Material, aus dem das ewige Zündholz hergestellt ist, und durch die Art der Verarbeitung. Als Reibfläche wird man ähnliche Vor- krhrungen verwenden können wie bei den sogenannten schwedischen Streichhölzern. Diese Neueinrichtung wird, falls sie sich bewähren sollte, eine starke Beeinträchtigung der schwedischen Zündhölzer hervorrufen, und es kann wohl möglich sein, daß Joar Kreuzers Millionenindustrie dadurch gefährdet wird. imi: 9m Jugendgericht Franz Bczelnik, geboren am l6. Mai l903 zu Martinswolde in Pommern, unehelicher Sohn des Schnitters Alfons Bczelnik und der Melkerin Maria Dumdereit, steht vor den Schranken des Jugend- gcrichts. Der Richter hat dos umfangveiche Anklogeregifter verlesen. Mehrfacher Diebstahl, schwerer Einbruch, Unterschlagung und einige Betrugsfälle wechseln in bunter Folge. Franz Bczelnik vernimmt stehend, mit zusammengepreßten Lippen die einförmige Borlesung. Seine Mutter sitzt in sich zusammengesunken. Tränen rollen in ihren Schoß. Der erste Zeuge, ein Kaplan, marschiert auf. Franz war Mitglied des Jünglingsvereins und hatte aus des Kaplans Wohnraum im Pfarrhaus einen Zwanzigmarkschein in einem günstigen Augen- blick vom Schreibtisch an sich genommen. Der Junge gesteht. Bon einem Arbeiter lieh er sich ein Fahrrad und verkaufte es für zehn Mark am Schlesischen Bahnhof. Mit der Fahrrodlampe eines Zweiten machte er es ebenso. In mehreren Kleinhandels- geschäften hatte er eine Sammelliste des Katholischen Pfarramtes vorgelegt und die gezeichneten Beträge für sich oerwendet. Bei einer älteren mitleidigen Frau in der Provinz, die dem abgerissenen, zigeunernden Burschen ein Nachtquartier gewährte, nahm er aus verschlossenen Schränken Wäsche an sich, um sich Geld zu schaffen. Einem Gastwirt in märkischem Dorfe stahl er während des Schlafes dreihundert Mark aus der Hosentasche. Nach diesem Beutezug war «r in Gesellschaft einer Dirne vom Aeranderplatz aus per Auto in die Provinz hinausgefahren und im Dorfgasthaus abgestiegen. Die Augen der Obrigkeit schöpften schon ain nächsten Tage Verdacht. Das Mädchen war gegen Mittag bereits verschwunden. Franz Bczelnik wurde festgesetzt. Von dem Geld besaß er nur noch fünf- zehn Mark; den übrigen Teil hatte seine„Freundin" mitgeh«» heißen. Bevor der Bursche jedoch einer katholischen Fürsorge- erziehungsanstalt in Ostpreußen überwiesen werden konnte, mußte er erst die Geschlechtskrankenstation des Städtischen Krankenhauses passieren. Die beiden Bänke vennochtcn kaum die abtretenden Zeugen zu fassen. Franz Bczelnik leugnet in keinem Falle. Feindselige Blicke der Zeugen fielen dem untersetzten Burschen zu. In ung«- lenken Worten gestand er alles. Seine Stimme klang gepreßt: das Gesicht aber blieb unbeweglich. Die Augen blickten starr zu Boden und hoben sich kaum beim Sprechen. Der Staatsanwalt fand selten einen Anlaß zum Eingreifen, währenddem sich der Jugendrichter unermüdlich bemühte, Trieb- kräfte und Milicueinslüsse bloßzulegen. Die Mutter wurde befragt. Mit weinerlicher, kaum vernehni- barer Stimme antwortete sie. Als alleinstehende Frau schaffte sie tagsüber in der Fabrik. Der Ounge war wechselweise als Lauf- und Arbeitsbursche in verschiedenen Betrieben tätig. Er mußte Geld verdienen. Von ihrem geringen Einkommen konnte sie ihn nicht noch Jahre hindurchschleppen. Unbekannt war ihr bis vor einen: Vierteljahr, daß er über ein Jahr schon ohne Arbeit, tagsüber herumstrolchte und sich das Geld „so" beschaffte. Hinter der niederen Slirn des Lungen arbeitete es plötzlich fieberhaft. Er platzte mitten in der Mutter Rede hinein:„Hätt'st du mir doch Maurer lern' lasten!" Die Frau zuckte nur stumm und verzweifelt mit den Schulter» und trat zurück. Der Staatsanwalt hatte ein leichtes Spiel. Cr wies auf die „unzweifelhaft verbrecherische Anlage" des Angeklagten hin und beantragte noch kurzer Rede unter Hinweis auf die niedere Ge- sinnung, die sich besonders in einzelnen Taten aufweise, eine Gesamt- strafe von einem Jahr und neun Monaten Gefängnis. Franz Bczelnik wurde erregt. Er bat im Schlußwort—„wenn et s«in muß!"— um Gefängnis!„Lieba will ick ins Jefängnis als nochmal in Fürsorjeerziehung!" Mit tränenerstickter, heiserer Stimme sprach er weiter:„Da lernt man ja erst, wie't jemacht wird... Ick wollte Maurer lern'. Do homse bloß imma jelacht, wie ick mir det jcwllnscht Hobe. Ick wär'n anständijer Mensch jeword'n, wennse mir hätten lern'n lassen." Jäh brach ex ab. Der Richter zog sich mit den Schöffen zur Beratung zurück. Nach halbstündiger Unterbrechung wurde das Urteil verkündet: „Ein Jahr und drei Monate Gefängnis: nach sechsmonatiger Straf- 3>er Schöpfer des WeUpoffrereins Zum heutigen f 00. Geburtstag ffleinrich Stephans Noch heute nennt man wohl den Briefträger„Stephansboten", ein Beweis dafür, wie tief das Wirken des Schöpfers des deutscheu Postwesens Heinrich Stephan in das Bewußtsein des Volkes ge- drungen war. Freilich, vieles von dem, was dieser Mann nicht nur für sein Vaterland, sondern sür die ganze Welt geschaffen, ist unter- dessen verschüttet, doch in der Weltgeschichte des Post- und Nachrichten- wesens wird sein Name fortleben als der eines Genies, das für dieses Gebiet eine besondere Begabung besaß. Stephan war ein Selfmademan, der sich sein universelles Wissen auf eigene Faust aneignete. Daß in dem Sohn des Schneiders Stephan in Stolp, als er mit 17 Jahren als Postschreiber in den preußischen Postdienst ausgenommen wurde, bereits eine Ahnung seines künftigen Aufstieges bestand, zeigt seine Aeußerung:„Ein schlechter Kerl, der nicht denkt, Generalpostmeister zu werden." Freilich, leicht wurde ihm die Erreichung dieses Zieles nicht. Er war vor allem ein erstaunlicher Arbeiter, der sich durch nächtliche Studien das ungeheure Wissen aneignete, das ihn später dazu besähigte, seine grundlegende» Werke zur Geschichte des Verkehrs und der Post zu schaffen.„Weil ich beim Nachtarbeiten manchmal die Füße in kaltes Wasser setze, ist mir die Schleimhaut im Halse und auf der Brust zerrissen", schrieb«r damals beiläufig in einem Brief an den Vater. „Der Brusthusten war so arg, daß ich fürchtete, es säße in der Lunge. Aber eine ärzttiche Untersuchung hat das nicht bestätigt." Weil er�sich nicht zu Spitzeldiensten in seiner Zeit der„schwarzen Kabinette" hergeben wollt«, war er aus dem Generalpostamt, in das man ihn seiner Befähigung wegen früh gebracht hatte, straf- versetzt worden, und das Gehalt war so gering, daß er, den heutigen Wttkstudentcn vorauseilend, in einem Tanzlokal mit seiner Geige ausfpialte. Doch sein« überragende Begabung ließ sich nicht ner- kennen, und so holte der damalige preußische Gencralpostmeister Schmückert 1856 den vielversprechenden jungen Beamten als seinen Gehilfen noch Berlin, und schon mit 27 Jahren war er Postrat. Bon nun an beginnt seine großartig« Tätigkeit im Dienst und zum Nutzen der Weltpost. Sein« erste Erfindung war die der P o st k a r t e, deren Ein- fllhrung er 1865 in einer Denkschrift befürwortete. Aber damals war schon sein Freund Schmückert dahingegangen: sein Nachfolger suchte das ausstrebende Genie in jeder Weise zu behindern, und so war es die österreichische Postverwaltung, die die Idee Stephans 1860 verwirklichte. Durch seine geschickten Verhandlungen hatte er damals, noch vor der Reichseinheit, bereits ein« deutsche P o st- Einheit zusammengebracht, und 1867 schuf er als Schrittmacher der deutschen Einheit als Einheitsporto die S i l b e r g r o s ch e»- m o r t e. Gewiß eine Großtat, die man damals ganz anders empfand als heutzutage, da die Zahl der verschiedenen Brieftaxen im deutschen Postvcrkehr bei Stephans Eintritt»och etwa 2000 betragen hatte. Endlich 1870 zum Generalpostdirektor ernannt» schuf er zunächst die mustergültige Organisation der Feldpost im deutsch- sraiizösische» Kriege und machte dann durch sein« umfassenden Reformen die deutsche Reichspost zu einer Musteranstalt, die in der ganzen Welt bewundert wurde. Letzt konnte er auch seine Pläne zur Vereinheitlichung des internationalen Postwesens, die er seit 1860 verfolgte, durchsühren. und ihre Krönung war die Schöpfung des Weltpostvereins, die erste universelle Vereinigung der Nationen des Erdballs, die als seine gxjjßte Tor bezeichnet werden kann. Auf seinem Gebiet blieb er führend. Er schuf u. a. die R o h r p o st und war der erste, der die Bedeutung der neuen Erfindung des Fernsprechers erkannt«. Zwei Monate bevor dos Bell-Telephon In seiner Heimat Amerika zur Verwendung gelangte, übergab es Stephan, der diese Erfindung Fernsprecher getaust hat, in Deutschland dem öffentlichen Verkehr, und zwar am 12. November 1877. Zehn Jahre später wies Berlin die meisten Sprcchstellen i» der Welt auf. Sogar die Bedeutung der L u f t s ch i s f a h r t hat er bereits vorausgeahnt, als er 1874 in seinem Dortrag„W«ltpost und Luftschiisahrt" erklärte, nur mit einer starken Ärastmaschin« werd« sich dieses Problem lösen lassen. Dadurch wurde er zum Anreger des Grafen Zeppelin, der öfters gestanden bat, daß der Wunsch, ein lenkbares Luftschiff zu schaffen, in ihm durch den Vortrog Stephans wachgerufen worden sei. vcrbüßung bei guter Führung Bewährungsfrist und Ueberweisipsg in Fürsorgeerziehung." Der nächste Fall wurde ausgerufen. # Emil Peschke, Arbeiter in einer Mctallwarcnsabrik, siebzehn Jahre alt, hat sich wegen groben Unfugs und Körperverletzung zu verantworten. Emil ist ein großer, vierschrötiger Bursche. Fortwährend fährt er sich mit dem Finger zwischen Hals und Kragen. Er knöpft sein Jackett auf. Alles ist ihm unbehaglich eng. Nach den üblichen Formalitäten bittet ihn der Vorsitzende, den ganzen Vorfall noch einmal im Zusammenhang zu schildern. Also beginnt er:„'t war Himmelsohrt. Da sind wir raus- jejangen. drei Mann un ick, und ham da in Jarten jesesjen. Draußen uff de Wiese ham'n paar Fußball jespiclt und denn ham wa uns den Ball jegrissen und wollten ooch'n bißkcn knebeln. Do is denn der Vota von die Jungen jekomm' und wollte den Ball wiedaham. Und wie wa'n nich jejeben ham, da kamen plötzlich noch zwec Männer und wollten'n uns mit Jewalt mcchnehm'. Aba so einfach jing det nich. Ra und so isset gekonim'!" Der Richter hatte ihn ausreden lassen. Nunmehr stellte er ver- schieden« Fragen:„Waren Sie zuvor auch noch in anderen Wirt- schoflen? Nach einigem Schweigen gesteht Emil Peschke, mit seinen Freunden noch in zwei anderen Ausflugslokalen dem Alkohol zuge- sprachen zu haben.„Aba't war'n bloß sechs bis acht Moll'n!" Der Vater der bedrängten Jungen und die beiden Zeugen be- künden übereinstimmend die starke Trunkenheit des Angeklagten. Da braust Emil Peschke höhnisch und zugleich beleidigt auf:„Nee. meine Herrn— von soon paa' Moll'n sind wa noch nich besoff'n! Der Herr da," und er weist dabei auf einen der Männer,„hat mir sehr unsanft onjefaßt und da hob ick'n bißken feste znjedrückt. So war et." Der„soon bißken jedrücktc Herr" hat dem Gericht ein ärztliches Attest eingereicht, auf welchem bescheinigt wird, daß dem Zeugen zwei Rippen durch die Gewaltanwendung angebrochen sind. Bei Verlesung dieser ärztlichen Feststellung huscht ein zufriedenes Lächeln über des Burschen Gesicht. Der Iugendaintsvertreter bittet um Stellung unter Schutz- aufsicht. Der Staatsanwalt beantragt unter Berücksichtigung der bis- herigen llnbescholtcnhcit des Angeklagten eine Gesängnisftrase von drei Wochen. Das Urteil lauicte auf fünfzig Mark Geldstrafe und Stellung unter Schutzaufsicht des Jugendamtes. Der Angeklagt« bittet, in Wochenratcn zahlen zu dürfen. Die Bitte wird ihm gewährt. * Wegen fahrlässiger Tötung ist der Lehrling Fritz Horwitz an- geklagt. Sein Vorrnund ist mit ihm gekommen. Zur Verhandlung ist ein Sachverständiger hinzugezogen. Er hat eine Situationskarte aus dem großen Tisch vor sich ausgebreitet. Der Verhandlungsleiter skizziert»och einmal an Hand der Akten den Sachverhalt: Während der Mittagspause am 17. Septem- der fuhr der Angeklagte ohne Führerschein mit einer schweren v-Maschine aus der verkehrsarmen Linkestraßc. Aus dem Soziussitz saß der inzwischen verstorben« Helmut Könnecke. Himer der Straßenkreuzung Linke- und Lobanstraß« streifte das Motorrad das Auto einer Wäschesirma und kanr ins Schleudern, wobei der Mit- fahrende Könnccke von seinem Soziussitz gegen die Bordschwelle ge- schleudert wurde und einen Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen er am nächsten Toe verschied. Der Zlngeklagtc blieb unverletzt. Die Maschine war, von einigen leichten Schrammen abgesehen, un- versehrt. Fritz Horwitz zitterte am ganzen Körper. Blaß und befangen schildert« er den unglückseligen Zwischenfall, gab auf die vcrfäng- lichen Fragen des Sachverständige» leise, doch klare Auskünfte, die � an Hand der Planskizz« und mit Hilfe von Berechnungen der Fahrt- geschwindigkeiten schnell geklärt wurden und durch die Aussagen des Chauffeurs und Mitfahrers im wesentlichen bestätigt werden konnten. Der Vertreter des Jugendamts sowie der Vormund der Halb- wais« gaben dem Angeklagten einen guten Leumund. �Der Vor- niund wies im besonderen auf die Strebsamkeit seines Schützlings hin, der nach Beendigung seiner Lehre als Autoschlosser sich später auf die Fahrerprüsung vorzubereiten beabsichttge. Durch eine Ver- urteilung werde ihm dieser Weg verbaut. Der Staatsanwalt aber plädierte nach wi« vor auf sahrlässige Tötung. Sechs Monate, die Mindeststrafc. seien geignet, in diesem Fall eine harte, doch unabwendbare Mahnung erstehen zu lassen. „Bei der Strafzumessung," fügte er hinzu,„ist der allseitig ovo-- führte Leumund bereits in Betracht gezogen." Der junge Angeklagte ist erschüttert. Er findet kein Wort zu seiner Verteidigung. Richter und Beisitzer verschwinden im Beratungsziininer. Während der fast dreiviertelstündigen Urteilssindung im Reben- zimmcr herrscht im Saal ein bedrückendes Schweigen. Der junge Mensch verharrt regungslos. Sein Vormund stiert iiw Leere. Tröge rinnt di« Zeit. Vierzig Minuten werden zur Ewigkeit. Qualvolle Ungewißheit zerrt an den Nervensträngen. Weiß wie di« Wand erhebt sich Fritz Horwitz bei der Urteils- verkiindung. Ein dumpfer Druck im Hirn läßt alle Worte an ihm abgleiten wie Wasser von einem Wachstuch. Nur ein Wort fast sein Gehirn: Freispruch! Kaum noch hört er von der Geldstrafe wegen Fahrens ohne Führerschein. Tränengas für Tiere. Unter den Ausrüstungsgegenständen einer Forschungscxpcdition. die zum Zwecke zoologischer und ethnologischer Studien in diesen Tagen die Ausreise von New York nach Venezuela angetreten hat, befinden sich auch Träiisngasboinben sowie sogenannte„hypodermische Kugeln". Die Bomben dienen dazu, die Tiere. die photographiert werden sollen, vorübergehend bewegungslos zu machen, während die Kugel» die Tiere betäuben und dadurch ihren Fang erleichtern sollen. Fernerhin will sich die Expedition, die ihre Opcrationsbasis in Marida, etwa 350 Meilen landeinwärts, aufzu- schlagen gedenkt, eingehend mit dem Eingeborenenstamm der Ehibchos beschäftigen, einem interessanten primitiven Volk, von dem bisher noch wenig bekannt geworden ist. Bergsteigen verboten. In dem mongolischen Lande Airido befindet sich das große lamaiftifche Kloster Lawran, das am Fuge hoher und schön gesonnter Berge liegt. An das Besteigen freier B-rg« hat sich nun seit alterher«in merkwürdiger'Aberglaube geknüpft. Es heißt nämlich, daß jeder, der als erster den Gipfel eines Berges besteigt, bcstinunt sei, der Herr über die ganze Gegend zu werden. Um dies zu verhindern, besteht nun tatsächlick, ein Verbot, die Berge um das Kloster Lawran herum zu besteigen, denn dos Besteige» wäre gleichbedeutend mit dem Verlangen, das Land beherrschen zu wollen. Aus diesem Grunde wird es auch den Forschern sehr erschwert, Mestungen auf diesen Bergen auszuführen. Sozialistische Ardelterjugend Groß-Verliv Einsendungen für diese Rubrik mir an da< Jugend sekretariat. Äeriin SW SS. finden strake Z wir beieiligen uns heute an der Ueberführung der Leiche unseres ermordeten Genossen Willi Schneider. Treffpunkt t7.Z0 Uhr Strohe Am Ariedrichshain an der vöhowstrahe. Alle Dahnen mit Trauerflor. Sondcroorstellun« V»ll»biih»r am 2S. Januar, 15 Ubr. Gespielt wird „?a-- Wintcrmärchcn", iZÄouspicl von Shakespeare. Karten fitr Iuaendliche nai'. I i bis 18 Jahren zu 80 Pf. sind zu haben. Zeatraler Bortrahsabend Uber„Arbeiterdichtuna" Montoz, 12. Januar, 1!>>4 Uhr, im Sihunassaal des Bezirksamtes Kreuzbern, Dorekstr, 11. Referent: Genosse?r. Karl Schröder, Äabcltursus über Zraueasragea: Besinn niorqen, Donncrstaa, pünktlich 20 Uhr, im Portraassaal des Parteivorstandes, Lindenllr. Z, II, Hof. 2 Trp, Genossin Mathilde Wurm, M. d. R,. spricht über:„Die ssra» in Staat und Politik". Allc Mädel müssen kommen fauch die Burschen können teilnehmen). Streichorchester Grog-Berli»: Heute, 1914 Uhr, Pflichtprob« im Altersheim, Danziaer Str,«2. Abteilunasleiterl Gebt umaehend den Berichtsbogen für das!>'. Quartal ab. Zahresmitgliederverfammlungen heule. Mittwoch, 19� Uhr: Gesundbrunnen n: Seim Christiamastr. 38.— Gesundbrunnen(Üt.-S.): Schule Gotcnburqer Str, 2,— Frankfurter Viertel: Heim Frankfurter Allee 307. — Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 38.— Luisenstabt: Heim Wassertvr- strahe«,— Charlottenbura-Rort» fAeltcre): Heim Olbersstrahe.— Wannse«: Srlnile Charlotlenftrahe,— Faltentxrq: Heim auf dem Gutshaf.— Kau!«- darf: gchnlc Adolfstr, 25.— Lichtende ra-Rord: Seim Gunterstr, 4t,— Mahl«» dors: Heim Melanchthonslrahe,— Pankow', Uhr im Heim Kanner Straste. 8- Serbebezirk Prenzlauer Vera: Am Eonnabend, dem S. Januar, verstarb unser Genosse und 1. Porststender der Abteilung FaSplast I, Herbert Hoff» mann, nach kurzem Leiden. Er war einer der jungen Genossen, der in voller Hingebung und vielem Fielst stir das Borwörtskonrmen der Jugendbewegung gearbeitet hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Ein- äscherung findet am Freitag, dem g. Januar, im Krematorium Gerichtstraste um 10>z Uhr statt. Die Genossen, die an der Einäscherung teilnehmen, treffen sich um löM Uhr an der Gleinistraste Ecke Falkplast. Fahnen mit Flor versehen. Werbebezirk Lichtenberg: Die Besichtigung der Parteibetricbe am 11. Ja» nuar findet nicht statt. Die„Offene Singestunde" mich wegen Raumschwierig- keiten vom 17. Januar auf Donnerstag, 22. Januar, verlegt werben. Voriräge,VereineundVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E 14. EebaManstr, 37—38, Hol!.?r Gauvorstanb. Alle stir Mittwoch, 7. Januar, angesestten Bei- anstaltungen fallen wegen der Beisestunq des Kameraden Schneider aus. Die Kreise Osten, Tuben und Westen treten«ine halbe Stnnd« später an al« bisher bekanntgegeben. Köpenick(Ortsverein). Treffpunkl l~% Uhr Bahnhof Wedding. Abfahrtszeiten: Friedrichshoqcn 17,03, Köpenick 17.08, Evindlersfeld 17.09 und Bohnsdorf. Grünou 17.10 Uhr, Fahnen mit Trauerflor,— Donnerstag, 8. Januar. Schönebcrg- Friedenau. Iungbanner, 20 Uhr Jahresversammlung, Will, Wartin-Lifiher-Str, 69, Lharlottenburq fTain- dourkorps). 20 Uhr llebungsstunde. Sanitäter. 20 Uhr Sanitätsführerststung im Gauststunqssaal. Wassersportabtcilung. Fug Obcrsprec. 20—21 Uhr Kastenruder», Stralau, Tunnelstr, 3—1.— Freitag, 9. Januar. Tiergarten. Kameradfchast Westen. 20 Uhr Jahresversammlung bei Ziickcrt, Steinmeststr. 20«. Buch. kontrollc. Kameradschaft Moabit. Die Jahresversammlung findet erst am Freitag, dem 9, Januar, 20 Uhr, bei Röskel, Putliststraste 10. statt. Prenzlauer Berg fOrtsverein). Ab 20 Uhr Badeabend in bekannter Salle. Treptow lOrtsverein). Die für Mittwoch, 7, Januar, festgesestte General- Versammlung wird in Folge der Trouerfeier für den Kameraden Schneider auf Freitag, 9, Januar, im Nestaurant„3uc Rennbahn", am Ringbahnhof Treptow, verlegt, Beginn 20 Uhr, Weisteasec fOrtsverein). 20 Uhr Generalversammlung im„Berliner Hof", Antonplast, Jahresbericht und Neuwahlen. Erscheinen Pflicht. Funktionär« um 19 Uhr._ Reich« bnnb der Krjegsbeschiitägten, Kriegstrilaehmer und Kriegerhinter- bliebenen. Ortsgruppe Neukölln. Die Ortsgruppe Neukölln beteiligt sich an dein Leichenbegängnis des erschossenen Reichsbannerkameraden Schneider und marschiert im Trauerzug hinter der Ehrentameradschaft des Reichsbanners. Treffpunkt 17 Uhr vor dem Saalbau Friedrichshain fam Königstor). Arbeiter-Radio-Bund Deutschland, E. V. Ortsgruppe Grost Berlin. Unter- grnppc Friedrichshain. Lokal Wertalla, Hohenlohestr. 3. Donnerstag, 8. Januar. 20 Uhr. Mitgliederversammlung und Rückblick auf das Jahr 1930, Generaliiersaminluag de- Reichsbunde« der Kriegsbeschädigten und Hinter- bliebenen, Ortsgruppe Osten ö, findet am Mittwoch, dem 7. Januar, 20 Uhr. im Bereinslokal, Schmidts Eefellschastshaus, Fruchtstr. SO«, statt. Arbeiter-Absfinenten-Bund Berlin. Selferausiprach- am 7. Januar um 20 Uhr in der alkoholfreien Gaststätte, Skalistcr Str. 0. ÄS: t.\'l-'r'r; ■' 1'iv1' >-csT,. iMMjettr ß-Ltge/yoie Beginn; 5. Ja mar Wollstoffe, Charmeusa..... jetzt Mk. 10.00, 8.00, Damen-Mäntel Gummi- oder Loden-Mäntel...... Mk, 9.00, 8.00, Kmderkleider Wollstoffe, Schotten od.Woschsamt. Mk. 10.00,5.00, 3,00, 6°° 500 Marocain, Wiener Jersey Kleider. Mk. 25.00, 20.00, Frauen-Mäntel rei»� Quollt, teils m. Pelzbesatz bis Gr. 52 Mk. 59.-, 39.-, 15 oo uni u. gemusterte 90 Strümpfe für Damen, Waschseide, Flor, echt ägyptisch Mako...... Mk. 1.25, Pf. 95, 25°° 3 Pyjamas oso Batist mit langem Arm................. Mk. |6 engl. gem.*300 Manch., dklbl. u. Waschsamt. 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So wichtig aber auch die Preissenkungen der I n d u st r i e st o s s c für die Ankurbelung der Konjunktur sind, so bleiben die Preissenkungen für Lebensmittel und lebenswichtige Bedürfnisse zunächst doch für die werktätigen Massen, deren Lebensstandard jetzt von allen Seiten angegriffen wird, ent- scheidend, Die vom Statistischen Amt der Stadt Berlin alle 14 Tage heraus- gegebenen Berliner Wirtschaftsberichte haben sich dos Perdienst erworben, ständige Preisuntersuchungen aus allen Gebieten der Nahrungsmittel in zweiwöchentlichem Abstand zu veröffentlichen. Der neueste Bericht des Statistischen Amts, der die beiden Wochen vom 3. bis. 17, Dezember umfaßt, stellt fest, daß sich das langsame Absinken der Kleinhandelspreise, illr Lebensinittel, namentlich bei Fleisch und Fleischwaren, weiter fortgesetzt hat. Der Umfang des Preicabbaues in der Berichtszsit blieb jedoch sehr gering und betrug bei allen von der Statistik er- faßten Fleischwaren nur 1 bis 3 Pf. j e K i I o. Den stärksten Preisabschlag haben Schweinekamm, roher Schinken sowie Fleisch-, Jagd- und Leberwurst erfahren. Von Fischen sind Schellfisch und Kabeljau billiger geworden, während Schollen, grüne Heringe und Bücklinge sogar gestiegen sind. Im übrigen sind die Preise für Brot, Mehl und Nährmsttel in den beiden Wochen vom 3. bis 17. Dezember im ivessntlichen unverändert geblieben, desgleichen auch die Eier-, K'artossel- und Zuckerpreise. Infolge der Jahreszeit sind auch die Gemüseprcije etwas gestiegen und Butter hat sich sogar um 4 Pf je Kilo verteuert.- Die Jndexpreise im Kleinhandel, die auf der Grundlage 1ll13 gleich 100 errechnet sind, ergeben für die einzelnen Gruppen von Lebensmitteln folgenden Stand: Im einzelnen haben seit dem Oktober 1930 von den vom Statistischen Amt erfaßten S9 verschiedenen Lebensmitteln ledig- li�Eier eine Preiserhöhung erfahren imd zwar um 1 Pf. oder 7,1 Prozent. Di« Preise für Rückenfett und Wirsingkohl sind un- verändert geblieben. Alle übrigen Lebensmittel sind im Preise ge- funken, allerdings in einem sehr verschiedenen Ausmaß. Die größte Preisermäßigung weisen prozentual Kabeljaumit3 3,4Proz sowie weiße Bohnen, Kartosfeln und Kohlrüben mit über 17 Prozent, auf. Um mehr als 10 Proz. im Preise zurückgegangen sind außerdem noch Weißkohl, Mohrrüben, Linsen und Margarine. Der Brotpreis hat sich seit dem Oktober um 7,5 Proz. ermäßigt. Das Gesamtergebnis der Preirfenkungsaklion auf den Lebens- mittelmärkten in Berlin seit dem Oktober ISZS ist folgendes: Die Ernährungskosten einer fünsköpsigen Familie innerhalb von vier Wochen sanken für Fleisch- und Wurstwaren von 20,2\ Ist. auf 19,58 ZN. „ Fett. Wilch. Eier. Safe..„ 30,28„. 29,27„ „ Brot, Gemüse. Kartoffeln, 34,92„„ 32,44„ „ sonstige Lebensmittel...„ 10,08„„ 9,97„ Die gesamten monatlichen Ausgaben für Lebensmittel bei einer fünsköpsigen Familie waren also seit dem Oktober ISZO von 95,40 Mark auf 91,26 Mark gesunken, das ist ein Rückgang von 4,23 Mark oder 4,4 Prozent. Das Gesamtergebnis der Preisscnkungsaktion ist also äußerst kümmerlich. Es gehört schon eine ganze Portion Anmaßung dazu, bei derartigen geringen Preisabschlägen von einem.Erfolg" der Preissenkung zu sprechen. Es liegt eine ganze klare Drosselung des Reallohnes und der Lebenshaltung der werktätigen Bevölkerung vor, die in der Sprozentigen Lohnkürzung für-130 000 Berliner Metallarbeiter besonders kraß in Erscheinung tritt. Es kommt noch hinzu, daß bisher nurbei Lebensmitteln und Textilien eine Preissenkung spürbar geworden ist, also bei dem Bedarf, der mit rund SO Proz. einen Arbeiter- und Ange- stelltenhaushalt belastet. Für die andere Hälft« seiner Aus- gaben, wie Miete, Verkehr, Wasser- und Clektrizitätstarife ist aber in BetM bisher überhaupt noch keine Verbilligung, und im Reiche erst an wenigen Stellen, eingetreten. Die Dinge liegen ganz klar: Wenn es nicht gelingt, den breiten Masten eine wesentliche Erleichterung durch Senkung der Mieten, der Verkehrs- und anderer zwangsläufiger Ausgaben zu verschaffen, so muß sich der bereits vollzogene Lohnobbau in einer scharfen Senkung der Kaufkraft auswirken, deren Nackenschläge die Wirtschaft selbst erst im Laufe dieses Jahres zu spüren bekommen wird. Wären unsere Unternehmer nicht so machtpolitisch verbohrt und vernünftigen wirtschaftlichen Gedanken zugänglich, so müßten sie selbst im ureigensten Interesse die Bewegung abbremsen, die sie mit der Parole„Herunter mit den Löhnen" willkürlich ausgelöst haben. Der Kalibergbau in Deutschland ist wohl die einzige Industrie, an der die beispiellose Krise des legten Jahres so gut wie spur- los vorübergegangen i st. So hielt sich nach dem jetzt vor- liegenden Jahresbericht der G e b r ü d e r° D a m a n n- B a n k in Hannooer der Absatz in den ersten zehn Monaten de? letzten Jahres vollständig auf der Höhe des sehr guten Kalijahres 1029. und nur im November trat ein einmaliger stärkerer Absatzröckgang ein. Insgesamt setzte das deutsche Kalisyndikat im vergangenen Jahr 13 50 Millionen Doppelzentner Reinkali gegenüber 14,01 Millionen Doppelzentner im Vorjahre ab. Der Erlös dürste sich ein- schließlich der Nebenprodukte auf rund 250 Millionen Mark belaufen. Der Minderabsatz von rund 450 000 Doppelzentnern ent- fällt überwiegend auf den Inlandsmarkt. Die Ausfälle im Exportgeschäft sind dagegen nur ganz geringfügiger Natur. Von Bedeutung für die künftige Absatzentwick'ung im neuen Jahr ist die am 1. Dezember 1930 getroffene Neuregelung der Bezugs- bedingungen, die unter anderem Frachtvergünstigungen auf weite Strecken bis zu 37 Proz. vorsehen. Eine bedeutende Rolle bei der weiteren Absatzausdehnung spricht der Bericht der Kalibank der M i s ch d ü n g e r f r a g e zu. Bekanntlich ist der Wintershall-Konzern auf diesem Wege schon vorangegangen. Wenn die übrigen Großkonzerne sich diesem Vor- gehen bisher nicht angeschlossen baben, so spricht neben technischen Erwägungen sicherlich auch das Bestreben, eine Rolle mit dem C h e m i e t r u st(I. G Farbenindustrie), die mit ihrem seit Jahren eingeführten Mischdünoeprodukt(Nitrophosga) einen großen Vor- sprung besitzt, möglichst gemeinsam vorzugehen. Die Kaliförderung bzw.-Verarbeitung wurde wieder von etwa 40 Schächten und 30 Fabriken betrieben. Die Letstungs- fähigkeit der Werke war im letzten Jahr schätzungsweise zu 70 Proz. ausgenutzt. Auegeschieden sind die beiden Lieler- werke der Preußag bei Vienenburg, die im Mai durch die Wasser- katastrophe zum Erliegen kamen und nicht mehr zu retten waren. Gireilbares Braukapiial. Gegen„ungeheuerliche Steuer-Ungerechtigkeit".— Spar- same Wirtfchast. Das Braukapital hat eine Kampagne gegen die Bier- beste n crung eröffnet. Wies ma> bei Schuitheiß-Patzenhofer angesichts der respektablen Dividende'und der starken Reserven mir guter Laune und etwas Elegie auf die starke Belastung durch die Steuern hin, so sucht man bei Löwen-Böhmisch durch Auf- 'ühlung schreckhaft hoher Zahlen Eindruck aus wenig infor- mierte Köpfe zu machen. Deutlicher war das, was Generaldirektor N a ch e r in der Generalversammlung der Engel- h a r d t- B r n n e r e i zu diesem Thema ausführte. Die Auslassungen des Geschäftsberichts gegen die„sinnlose und durch nichts begründete Bevorzugung gowisser Produzenten- und Verbraucherkreise in der Besteuerung" seien in keiner Weise gegen das Prinzip der Staffelung der Steuer gerichtet. Was dann als Erläuterung folgte, war allerdings doch gerade gegen die Stasfclung gerichtet, zum mindesten gegen die o c r ni e i n t l i ch c II e b e r t r e i b u n g der Staffelung. Schon die lleberführung der „Abteilungen" in selbständige Aktiengoiellschafte», um die „Segnungen des B r a u st e u e r g e s e tz e s" ausnutzen zu können(die Tochtergefellichaften zahlen als„Mittelbetriede" niedrigere Steuersätze), stellt sich als Demonstration gegen das Staffelprmzip dar. Ganz besonderen Unwillen hat aber die.,P e st der sog. Hausbraucreien" erregt. Diese seien zu einer Gefahr für„die Wirtschaft" und die Einnahmen des Reich? geworden. Allein im Finanzamtsbezirk Schwein- f u r t seien.P' 000 solcker Hausbrauereien vorhanden, die natürlich von keiner Behörde der Welt kontrolliert rucroen konnten. Und diese Hausbrauereien vermehrten sich dauernd, weil sie nur 2 Mark pro Hektoliter Vier, die gewerblichen Brauereien aber 9,50 bis 12 Mark Steuer zablten. Warum müsse der norddeutsche Bauer für das Liter Bier 10 Pfennig mehr als der bayerische zahlen? Gegcu diese„n ngehcuerliche Ungerechtigkeit" müsse sich die Brauindustric bis zum letzten wehren. Die B e- vorzugung Bayerns durch das Reich— die zweifcll is mit einem gewissen Recht geradelt wurde— zeige sich auch vor allem darin, daß bayerische Bierproduzenten die Steuern auf 4 bis 5 Monate gestundet bekämen, während einer Berliner Groß- brauerei nicht einmal ein Großbankscheck abgenommen würbe, sondern nur ein bestätigter Reichsbankscheck. Der Absatzrückgang hat im Jahre 1929/30 durchschnittlich 5,2 Proz. betragen: bei der E n g e l ha r d t-B r a u« r e i er- reichte der Rückgang nur 3,5 Proz. Uns scheinen diese Zahlen, gemessen an der stark gewachsenen Arbeitslosenziffer und mit Rücksicht auf das nicht gerade gute Wetter recht günstig, jedenfalls wenig geeignet zu sein, daraus eindeutig eine stark hemmende Wirkung der Steuercrhöhung ab 1. Mai 1930 abzulesen. In den Winternwnaten hat sich der Rückgang ver- schärft: nach einer Umfrage im Rheinland um durchschnittlich 25 Proz. Bei der Engelhardt-Brauerei war der Rückgang i n Industriegebieten 20, in ländlichen Bezirken 10 Hs 15 Proz. Darin drückt sich sehr scharf der Einfluß der Arbeitslosig- ieit aus den Bievabsatz aus. Uns scheint nicht z weiselhaft, daß bei gutem Wetter und eimgemuzßen erträglicher EntwiElung des Arbettsmarktes die heutige hohe Bierbesteuerung noch trag- bar ist. Zum Schluß betonte auch Generaldirektor Rächer, daß es der Engelhardt-Brauerei noch recht gut gehe. 13 Proz. Divi- dende wie im Vorjahre und sehr erhebliche ofsene und still« Reserven sind das beste Zeichen dafür, zumal stets höchstes Arbeits- prinzip„sparsame W i r t s ch a�f t" gewesen sei. Ob dies Prinzip der Sparsamkeit sich auch bei der, Bemessung der Direktorenzehaiter durchsetzt? Inlandsmarkt entscheidet. Enqueteausschuß über Derflechtunc, der Wirtschast. In seiner neuesten Beröffentlichung— erschienen bei Mittler u. Sohn, Berlin— versucht der Enqueteausschuß im Rahmen einer großen Erhebung der inneren Verflechtung der deut- sehen Wirtschast näherzukommen, wobei vor allem die sachliche und räumliche Verflechtung der verschiedenen Wirtschaftsgruppen und Wirtschaftsgebiete in den Vordergrund gestellt wird. Die sachliche Verflechtung erscheint in horizontaler und verti- kaler Richtung. Die horizontale Verflechtung, also die Bildung von Kartellen und Konzernen wird wegen der bereits hierüber angestellten Untersuchungen nur summarisch dargestellt, während die sogenannt vertikale Berslechtung, das heißt die gegenseitige Abhängigkeit, der verschiedenen Wirtschaftszweig« voneinander, sehr eingehend behandelt wird. Wesentlich ist die Feststellung des Untersuchungsausschusses, daß diese innere Verflechtung unserer Wirtschaft ganz beson- der? für die Preispolitik zutrifft, deren Wechselseitigkeit in kiesen Wochen des Preiskampfes auf allen Gebieten von ganz de- sonderer aktueller Bedeutung ist. Sehr aufschlußreich ist auch der Abschnitt über die räumliche Verflechtung, der aufzeigt, daß jedes Wirtschaftsgebiet, sei es industrieller oder agrarischer Natur, zugleich gebender und nehmender Teil in der Volkswirt- scheut ist. Das wesentlichste Ergebnis der vorliegenden Untersuchung, das wichtigst« l o h n p o l i ti s ch e Folgerungen in sich schließt, ist aber die Herausarbeitung des Verhältnisses zwischen Binnenmarkt und Außenmarkt. Es zeigt sich hier, daß regelmäßig 8 0 bis 90 Prozent der deutschen Produktion im In lande abgesetzt werden. Das Schwergewicht der deutschen Wirtschaft liegt also, was von unserer Seite immer wieder hervorgehoben worden ist, in einem kaufkräftigen Inlandsmarkt, auf dessen gesunder Grundlage sich erst der Auslandsmarkt gedeihlich entfalten kann. Deutsche Seefischerei im November. In der Nord- u n d O st- se« wurden im November 1930 insgesapit 20 8 Millionen Kilogramm Im Werte von 0,92 Millionen Mark Seetiere gefangen bzw. Er- Zeugnisse.davon gewonnen. In der Nordsee wurden 19,17 Millionen Kilogramm Fisch« im Werte von 4.55 Millionen Mark, in der Ostsee 2.2 Millionen Kilogramm Fische im Werte von 0,07 Mil- lionen Mark gefangen. Dazu kamen in der Nordsee S ch a l t i e r e in einer Menge von 0,80 Millionen Kilogramm(0,1 Millionen Mark) und 4,53 Millionen Kilogramm Erzeugnisse von verarbeiteten See- tieren(1.0 Millionen Mark). Im Bodensee und im Rhet.n wurden 14 800 Kilogramm Fische im Werte von 22 700 Mark ge- fangen. Aogqenanbau wird emaeftbränki. Nach den Feststellungen des Statistischen Re'chsamts ist die Roggenanbauftäche im Rcichsdurchschnttt um 9,0 Proz. bei einer gleichzeitigen Zunahme der Veizenanbaukläche um 0,9 Proz. eingeschränkt worden. Noch deutlicher tritt die Abkehr vom Noggenanbau bei den Veröfsentlichnnzin des Deutschen Landwirtschastsrats hervor, dessen Preisberichtsstelle letzt eine Um- frage über den Anbau von Wintergetreide veranstaltet hat. Auf Grund der hierbei erlangten Ziffern ist die Anbaufläche von Winterroggen gegenüber dem Borjahr sogar um 18 Proz. eingeschränkt worden, während andererseits der Anbau von Winterweizen um 10,7 Proz. zugenommen hat. Es zeigt sich also, daß die schon seit zwei Jahren an die Landwirtschaft gestellte Forderung, den. Preisejnbrüchen am Roggenmarkt und der Wand- kling des Konsums durch Einschränkung des Roggenänbaues Rech- nung zu tragen, jetzt von den fortschrittlichen landwirtschaftlichen Betriebsleitern endlich in die Tat umgesetzt wird.\ Arn 1. Januar IPJI wurde unser Kollege Willi Schneider im Alter von 23 Jahren von Nationalsozialisten c schössen. Der unter so tragischen Umständen in seiner schönsten Jugend aus den. Leben Geschiedene hat es verstanden, sich die Liebe und das Vertrauen aller Mitarbel er während seiner Täiirkeit bei der Allgemeinen Ortskrankenkas e der Stadt Berlin zu erwerben. Sein Andenken wird von uns stets in Ehren gehal en weiden. An der Leberführun» der Leiche vom Saalbau Friedrichshain nach dem Krema orium GerichtstraBe wird sich die Belegschaft der AOK. restlos beteiligen. Die Kolleginnen und Kollegen der Allgemeinen Oriskrankenkaäse der Stadt Berlin. LA.: Der Betriebsrat. Nach langem, schweren Leiden verschied am 2. Januar 1931 zmser Kollege ■ Louis Nixdorf im bö. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen jederzeit pflichttreuen Alitarbt itar und vorzüglichen Kollegen. Gasamtverband der Arbeitnehmer der ölfentllchcn Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs- ßezirKs- und Orlsverwallung Berlin. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 8. Januar. 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt üSDtSdier MIIMIN MW VcrwjiltunvssicJIe Cerlln Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Arbeiter ?sul Niendorf l aeb. 8. Februar IS74, am 4 Januar an Schlogaiiiall gestorben ist. Die Einäscherung findet Freitag. den 9 Januar. 16 llhr, im Krcma- lorium Gerichlftrage srart. Nege Beteiligung wird erwartet. Kachrut Am 24. Dezember star'> fcruei unser Kollege, der Goldschmied lVildelm v/egener Die Beerdtgung hat bereits statt- geiunden Ehre ihrem Andentco vi« OrtsverwaUiing;, Danksat ucg. Fitc dt- mir bewiesene Teilnahme onläulith bei Einäscherung meine« lieben Mannes Karl Bölcke saqe ich allen leinen llallegen und Kollenlnnrn vom Mesamiocrbtmd, In«- besondere Serr» Rarbeleben illr seine trostreichen Wort«, sowie allen Freunden, Retannten und der.'2 Ab» tetlnng ter SPD. meinen herzlichsten Sant Wilwe Marth« Bölcke. Stempel- Hecht mh,: Altred SchncJler Berlin S 14. Annenatr. 10 Fernruf F 7 'JannowitzSöia Hiefert Stempel jeder Am V Arbeitslosenfürsorge. Ein Antrag der sozialdemokratischen �eichstagsfraktion. Nach emgehcnÄen Beratungen mit den Spitzentörperschasten der freien Gewerkschaften hat die sozialdemokratische Reich stagsfraktion dem Reichstag den Entwurf eines„0 e- setzos über Ar b eits l o se n f ü r so rge" unterbreitet, wo- durch die Erwerbslosen, die jetzt entweder Krisenunter- st Ätzung oder kommunale Wohlfahrtsunterstützung beziehen, in einer einheitlichen Unterstiitzungseinrichtuiig zu- sammengesatzt werden sollen. In allen Kreisen, die am Arbeitslosenschutz interessiert sind, ist man sich schon längst darüber klar, daß die Unterstützung der Er- werbslosen in der jetzigen Form nicht mehr länger ausrecht erhalten werden kann. Die Arbeitslosenversicherung ersaßt heute eigentlich nur noch die kurzfristige konsunkwrellc Arbeitslosigkeit, aber nicht in ehr die langfristige Arbeitslosigkeit, die durch die Strukturwandlungen m der Wirtschaft und dergleichen hervorgerufen worden sind. Die Unterstützung dieser letzteren Er- werbslosen, die alle ein Recht auf die Erhaltung ihrer Existenz haben, obliegt zurzeit fast zu gleichen Teilen der Kriseusürsorge oder der kommunalen Wohlfahrtspflege. Die Krisenunterstützung sollte eigentlich die Ergänzung der Arbeitslosenversicherung sein. Diesen Zweck erfüllt sie aber nicht, auch nicht nach der Neuregelung im Herbst vorigen Jahres. Durch diese Neuregelung wurde zwar den Forderungen der Gewerkschaften und der Städte nach Ausdehnung der Krisenfürsorge aus alle Berufe Rechnung getragen, jedoch bei gleichzeitiger Verschlechte- rung ihrer Leistungen, wie z. B. der Verkürzung der Unterstützungsdauer von auf 32 Wochen, der Einführung einer ziemlich schikanösen Bedürftigkeitsprüfung usw. Durch die Neuregelung in der Krisenfürsorge sind den Kommunen noch mehr finanzielle Lasten aufgebürdet worden. Die Finangnot der Gemeinden ist nicht zuletzt aus das unsinnige Nebeneinanderbestehen dieser beiden Fllrsorgearten zurück- zuführen. Die Gewerkschaften und die Partei sahen sich daher veranlaßt, die Zusammenfassung beider Ilntcrstützungszwcige zu for- dern. Träger dieser Fürsorgceinrichtung sollen nach dem Gesetz- entwurs die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung sein. Die Fiirsorgeunterstützung soll »ohne Einhaltung einer Wartezeit für die ganze Dauer der Arbeitslosigkeit" gezahlt werden, an„Arbeitslose, die arbeitsfähig, a r b e i t s- willig, aber unfreiwillig arbeitslos und bedürftig sind und überwiegend als Arbeitnchnier tätig zu sein pflegen"- sobald sie keinen versicherunasmäßigen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung hoben. Die Höhe der Unterstützung richtet sich nach dem letzten durchschnittlichen Arbeitsentgelt, jedoch sind die Unterstützungen begrenzt bei einem Arbeitsentgelt von mehr als 42 Mark durch die Unterstützungssätze der Lohnklasse VIII der Ar- beitslosenoerstcherung, von mehr als 24 bis 42 Mark durch die Lohn- Nasse VII und von nicht mehr als 24 Mark durch die Lohnklasse IV. Um aber zu verhindern, daß die Unterstützung aus der Arbeitslosen- fürsorge geringer ist als die örtliche Wohlfahrtsunter- stützung, wie es heute vielfach bei der Krisensürsorge der Fall ist, ist in dem Gesetzentwurf vorgesehen, daß mindestens der am Wohnorte des Arbeitslosen geltende Richtsatz für die Wohl- fahrtsunter stützung eingehalten werden muh. Die Bedürstigteitspriisung ist zwar gleichfalls vorgesehen, doch in einer wesentlich milderen und gerechteren Form als in der Krisensürsorge. An den Kosten dieser Arbeitslosensürsorge sollen das Reich zur Hälfte und die Länder und Gemeinden je zu einem Viertel beteiligt werde». Wenn die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosensürsorge die Zahl der Hauprnnterstützungs- empfänger in der Arbeitslosenversicherung im Durch- schnitt eines Monats um mehr als Sl) Proz. übersteigt, soll die Reichsanstalt für diesen Monat ein Drittel des auf die Länder entfallenden Zlnteiles übernehmen. Damit soll erreicht werden, daß die Arbeitsämter das gleiche Interesse an der Vermittlung von Fürsorgeempfängern haben sollen, wie an der Vermittlung von Unterstützungeempsängern aus der Arbeitslosen- Versicherung. Rechnet man für das kommende Geschäftsjahr mit einer Durchschnittszahl von 3 Millionen Erwerbslosen, wovon die Reichsanstalt bei der jetzigen Beitragsleistung 1,7 bis 1,8 Millionen durchhalten kann, dann bleiben für die Arbeitslosen- fürsorge im Durchschnitt rund 1,2 Millionen Erwerbslose zu unter- stützen übrig. Zurzeit werden in der Krisenfürsorge rund tzOOOOll Erwerbslose und in der kommunalen Wohlsahrtsfürsorge rund 700(KK), also zusammen etwa 1,3 Millionen Erwerbslose unterstützt. Die dauernde Unterstützung von 1,2 Millionen Erwerbslosen in der neuen Arbeitslosenfürsorge würde etwa 000 Millionen Mark bis 1 Milliarde Mark erfordern. Beim Reich stehen im Etat für die Krisensürsorge 420 Millionen Mark, wozu noch die Gemeinden ein Viertel, also 103 Millionen Mark beisteuern müssen. Es stehen dein- nach 325 Millionen Mark bereit. Die Gemeinden bringen jetzt schon ungefähr 500 Millionen Mark jährlich für die Wohlsahrtseriverbs- lofen auf. Die benötigte Summe wäre also schon vorhanden, nur würden die Gemeinden um 250 Millionen Mark entlastet, und die Länder midiem gleichen Betrag belastet werden. Die Entlastung der GemWzen ist aber neben der Vereinheit- l i ch u n g der beiden Unterstützungsarten der Hauptzweck dieses Gesetzentwurfs. lieber diesen bedeutungsvollen Antrag der soz!nldemokratisck)e!i Rcichstagssraktion referierte am Montagabend Gen. Dr. B r o e k e r vom Bundesvorstand des ADGB. in der Plenaroersammlung des Ortsausschusses Berlin, die den Antrag lebhaft begrüßte und ihm vollinhaltlich zustimmte. Die große Koalition. Gelbe,(Stahlhelm, Nazis und 7NGO. gegen Gewerkschaften. Jin Kabelwerk des Sienicne Konzerns war vor einigen Wochen Betriebsratswahl. Früher dominierten dort die Kommu- nisten unbeschränkt. Die Folge: Nazis, Gelbe und Stahlhelm nisteten sich sin. Das Ergebnis der Wahl ließ immerhin erkennen, daß sich die Gesundung Bahn zu brechen beginnt. Bei der WM zum Arbeit errat erhielten die freien Gewerkschaften 1549 Stimmen, die RGO. 1053, die Gelben 400, die Nazis 390, der Stahlhelm 300 Stimmen. Bei der Wahl zum Angestelltenrat erhielt der ZlfA-Bund 205, der nationalsozia- listisch verseuchte Dcutschnationale Handlungsgchilscnverband 765 Stimmen. Die Mandate verteilten sich solgendermaßen: freie Gewerkschaften im Arbeiierrat 8(im Betriebsrat 7 und 1 der An- gestellten), RGO. 6(im Betriebsrat 5), Nazis 2(1), Gelbe 2(2), Stahlhelm 1(1). DHV. lm Angeftelltenrat 9(4), AfA-Buwd im An- gestelltenrat 3(1). Uebcr dieses Ergebnis war große Freude in der kommunistischen Presse. Diese Freude war zunächst für das Hir» eines nornialen Men- scheu unverständlich. Jetzt weiß man. warum man sich im Karl- Liebtnecht-Haus gefreut hat. Es fand die Wahl der Vorsitzenden des Betriebs-, Arbeiter- und Angestelltenrats und z u den verschiedenen vom Betriebsrat zu erueimendeu Kommissionen statt. Es standen einander im Betriebsrat gegenüber 8 Freigewerkschafter, 5 RGO.-Kommunisten, 4 DHV.-Leute, 2 Gelbe und je 1 Nazi und Stahlhelmer. Auf Grund der Listenwahl kamen in den Be- trieb sausschuß 2 Freigewertschaster, je ein Gelber, ein NGO.- und ein DHV.-Mann. Nun stieg die Wahl d�s Vorsitzenden. Ans Vorschlag des Gelben wurde mit dessen Stimme und der Stimme des DHV.-VIannes und seiner eigenen Stimme der Wann der soZenannten Revolutionären Gewerkschajlsopposition gewählt. Hell Stalin! Heil Hitler! Hell H u g e n b e r g! Dasselbe Schauspiel miederholte sich bei der Wahl der Kom- misslone». Aus Vorschlag des Gelben wurden nur die koa- litionsfühigen Gelben, Nazis und Kommunisten gewählt.„Schlagt die Faschisten, wo Ihr sie trefft!" Im Arbeiterrat erwies sich diese große Koalition der Ge- werkschastsscinde nicht minder zielbewußt. Auch hier wurden zum 1. und Z. Vorsitzenden auf Vorschlag der Gelben zwei chemisch gereinigle, behördlich geprüfte, parteiamtlich abgestempelte Kommunisten gewählt. Ein überwältigender Siegdes Bolschewismus. Die Weltr e o o lut i o n marschiert. Den Arbeitern im Kabelwerk ober ist ob dieses Sieges speiübel. Gleiche Brüder, gleiche Waffen. Sie hassen vereint, sie schießen vereint. Dortmund, ö. Januar.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit dem am Sonnabendabend in Dort- mu«d-Meng«de erfolgten Feuerüberfall, in dessen Verlaus »in Bergarbeiter getötet und drei schwer oerletzt wurden, waren von der Polizei mehrere Schlag- und Schußwaffen beschlagnahmt worden. Di« Waffen wurden, wie wir nachträglich erfahren, bei Leuten gefunden, die der NSDAP, sehr nahe stehen. DI« Zeche Adolf von Hansemann, in deren Kolonie der Uebersall vor sich ging, hat als einzige Ruhrzeche national» sozialistisch« Betriebszellen aufzuweisen. Reichsbahn vergrößert Arbeitslosigkeit. Der Protest der Eisenbahner. Bekanntlich hatten die am Tarifvertrag mit der Deutschen Reichs- bahn beteiligten Gewerkschaften es abgelehnt, den von der Reichsbahn bis zum 28. Februar geforderten wöchentlichen Feier- schichten zuzustimmen, und zwar wegen der immer noch gefox- derten lieberstunden. Darauf erklärte di? Reichsbahn Verwaltung, daß sie nunmehr Kündigungen in größerem Ilnisange vornehmen müsse. Zu diesem wirtschaftlichen Druck kam ein groß angelegtes Verwirrungsmanöver, indem für jede Dienststelle unerfüllbare Er- klärungsfristen angesetzt wurden, so daß ein erheblicher Teil der über das-Direktionsgebiet verstreuten Eisenbahner nicht inchr dazu kam, Einspruch zu erheben. Ein willfähriger Helfer erwuchs der Verwal- tung noch in dem Treiben der sogenannten RGO., die die Parole auegab, gegen die Feierschichten nichi zu protestieren, da das angeblich keinen Zweck habe. Mit dieser Parole waren alle Leisetreter und Schwankenden und die Reichsbahn einverstanden. Im Reichsbohndirektionsbezirk Berlin hat die Reichsbahn oer- schiedentlich schon Kündigungen ausgesprochen— bezeichnenderweise wegen Arbeitsmangel!—, auf vielen Dienststellen aber noch nicht. Doch selbst bei den Gekündigten ist die Situation nicht einheitlich. icilwelse sind diesen Eisenbahnern neue Einzelarbeitsver- r r ä g e angeboten worden, andernteils auch wieder nicht. Um über alle diese Dinge genügend Klarheit zu schaffen, vor allem in bezug auf die jetzt zu ergreifenden arbeltsrechllichen Sicherungen, hatte die Bezirksleitung Berlin des Cinheitsoerbandes der Eisenbahner eine Funttipnärkonferenz der Werkstätten- und Bahnunter- Haltungsarbeiter zu gestern abend nach dem Großen Saal des Ge- werkschaftshaufes einberufen, auf der Genosse D r e s s e l referierte. Nach einer mehrstündigen lebhaften, aber durchweg sachlichen Debatte wurde«ine Entschließung einstimmig angenommen, in der es heißt: Die Funktionäre verpflichten sich, nach wie vor Aufklärung unter den Belegschaften zu schassen, daß nur die bisherigen und die kommen- den Anweisungen der am Lohntarifoertrag beteiligten Gewerkschaften durchzuführen sind. Die verlangte Bereiiwilligkeit, erneut Opfe» zu bringen, soll von den Tarifgcwerlschaftcn von ihren Mitgliedern so» lange abgelehnt werden, bis die 180 000 bzw. 200 000 Eisenbahner, die heute noch 54 bis 62 Stunden pro Woche arbeilen, auch den Achtstundentag haben. Immer iotler mit dem Lohnabbau. (Schuhfabrikanten verlangen bis 40 Prozent. Die Schuhfabritanten haben mit ihrer L o h» a b b a» f o r d e- rung da» Unternehmertum der übrigen Berufe weit übertroffen. Sie verlangen einen Lohnabbau bis zu 40 Proz. Vor allem rvollm sie die Löhne der weiblichen Arbeiter kürzen, obwohl doch gerade deren Arbeit als besonders hochwertig zu betrachten ist. Eine ganze Anzahl hochqualisizierter Arbeiter soll künftig mir noch als Hilss- a r b e i t e r bezahlt werden. Für den Mantel vertrag verlangen die Unternehmer künftig selbstherrliche Bestimmung der Löhne wie der Arbeitszeit. Sie wollen sich weder von«den einzelnen Arbeitern noch von der gesetzlichen Betriebsvertretung irgendwie dreinreden lasten. Die bis- lang bestehenden, ohnehin sehr unzulikiglichen Bestimmungen über die Feriengewähruirg sollen so verschlechtert werden, daß in Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit Ferien in der Praxis überhaupt nicht mehr in Frage kämen. Der Zentraiverband der Schuhmacher hat zum ■ 1 Januar seinen Beirat zusammengerufen, um zu den unerhörten Forderungen der Unternehmer Stellung zu nehmen. Die Arbeit« sind entschlosten, zur Wahrung ihrer Rechte den Abwehrkampf bis zum äußersten durchzuführen. Oer Lohnabbau in der Metaflindustrie. Stuttgart, 6. Januar. Di« vom Schlichter für Südwestdeutschland, Dr. Kimmich, auf heute nach Karlsruhe einberufenen Nachverhandlungen verliefen e r- g e b n i s l o s. Der Lande-schlichter hat daraufhin den Schieds- fpruch vom 29. Dezember 1930 für v e r b i n d l i ch erklärt, der für die Tarif- und Zeitlöhne eine Lohnermäßigung von 5 Proz., für die Akkorde von S Proz. vorsieht. Kastel, 6. Januar. Unter dem Porsitz des stellvertretenden Schlichters für Hessen, Regierungsrat Dr. Kollaih-Wieebaden, fanden gestern Verhandlungen zur Beilegung des-Lohnionflikts in der Kasseler Metallindustrie statt. Auf Grund der Vorschläge des Schlichters einigten sich die Par- teien dahin, daß ab 12. Januar die Löhne in der Spitze v o n 8 3 auf 81 Pfennig für Facharbeiter herabgesetzt werden. Dk prozentual« Verringerung der anderen Löhne ist geringer und beiäusi sich auf 3 bis 4 Pro;. Die Akkorde sind um 6 Proz. gesenkt worden. Die„Weltrevoluiion" in MiiielSeutschsand nach der pleite im Ziuhrgebiet. Die Kommunisten versuchen nach der Pleite im Ruhrgcbiet im mitteldeutschen Jndu st riegebiet, vor allem in der Papierindustrie und im Braunkohlenbergbau, Streikbe- wegungen anzuzetteln. Bis jetzt waren ihre Bemühungen ohne jeden Erfolg. Auch der Versuch eines RGO.-Kommandos zwecks Stillegung der Betriebe in den Papierfabriken von Krölwitz und Ammendorf ging völlig daneben. ... und im Hamburger Hafen. Hamburg, 6. Januar. Bereits seit Tagen versuchen kommunistisch« Agitatoren im Hamburger Hafen Stimmung für einen wilden Streik zu machen, der sich auf die ganze Wasserkante einschließlich der Schiff fahrtsbetriebe ausdehnen soll. Es werden täglich große Mengen Flugbläiter an die Hafenarbeiter verteilt. In der kommunistischen „Hamburger Volkezeiiung" wird die Errichtung von„roten Bc- tricbswehren" empfohlen, die als aktive Kampftruppen wirken sollen, wenn der Kampf beginnt. SPS.»?<»bri1a»b«itee! Die tu bkule einberufene graktionsversammluni, mug weeui der Trancrfeier für den ermordeten Eenosscn Schneider auf Mon- W.i, 12. Januar, verlegt werden. ��reie Gewertschasts-Lustend Verlin HtKtt, Miltmoch. 19':. Udr. tagen di- Srupp-n:»aumschulenwrg: Iuqentlielni e-rnstllr. 10. S-imbcsvrcchung.— Rculiilln: Sruvvendeim . B-rgi!r. 2S, Sief- Heimbesprechung:„Unsere Arbeit im neuen Iabr".— Südwest«,-- S'ädt. Ingendbeim gtorckstr. 11, ssa>,rUqeb.s»de. Scimbefvrechuno l'eraa ndsbnchkoin rolle.— glvg Hasen: Inaendhrim Neukölln.(Zlugboicustr. 6S. Keimöl sprcchung. Nachsilvcslerspuk.— Weibe»!««! Jugendheim Parkstr. ZV Leimdespiechnna.— Nordring: Jnaci-dbcim Eonncnburgar Str. 20. Vortrag: „Unscre Bcrliner PoUl-i'.— Schön-Herg: Jugendheim Sanvtstr. IS. Lustiger Jahre?an'gnn.— Kuwdoldt: Jugendheim ffirarn- fete Lorh'ngstrabe. Keun- besprechung. Vcrbandobnriitoittrolle. Vortrag:„Die deutsö)« Jugendbewegung einst und ietp". ®Fupendarupve deei?ensrowerk'0nt>es der Anaesteltten Heute. RNtwoch, folgende Veranstailungcn: Ersnndbrnn»«»: Jugend- heim o-NSdenowstr. S. Aussvracheabcnd:„Das a'tc Jahr ist iriN vorbei- mit frischem Mut in- neue Jabr".— Reinickendors: Jua-ndheim Lindaurr Strafte 2 sVarockcZ. Lustiger Iahreeanfang.— Eharlotteudnrg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Bunter Abend.— Hchäncberg: Jugendheim Kauptftt. 13 kSoi- gkbäudc. Eachs«n»inimer). Brettspletabend.— Schönbanser Borstodt! Jugend- heim der Schule«astanienallee$1. Äuslvrachsabtnd. Leiterin: Eva Sadowst!. — Obersvree: Niedcrschönewelde, Berliner Str. ZI sSchnleZ, Eingang Kassel. «crder Straft-. Wir besuchen di« Versammlung d-o Werbedeiirko.— Siordoft: Jugndheim Danagcr Str.«2(Varacko ZI. Arbeit�iemeinschas«:.«lntllhrung in di- soiiolisrische-Sedankrnw-lt". Si«fere»t! Wilhelm L-win-ki.— Stralau: Jugendheim der Schule Goftlerftr. kl. Aussvracheobend.— Reukölln: Jugend- heim Böhmische Str. 1—1, E-tc»anner Strafte. Wir besuchen die V-rsamm tun, unsercs W-rbcbe.ckrts.— Südost: Jugendheim Wrangclstr. 12«. Vortrag: ..Bolkodichter ffri» Reuter". R-serenn A-tur Ziachow.— Spandau: Jugend- beim Liudenufcr 1. Heimabend.—«»»enick: Jugendbeim Dahlwiftcr wir. 15 sKa-anstatt. am Bahnhof»övenickl. Ärettfpielabend.— Polsdam-Rowawes: Jugendherberge Rowawro, Vriesterstrafte. Lluospracheadcnd über die Jugend- sunttionärversammlun« im Deiember. Verantwortlich slle Politik: Viktor Schill! Wirtsrliaft: 9. ftsingelhöser: Gcwcrkschalisbcwegnng: 3. Steinet;'Zeuilleton: De. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Irl» jaeftädt: Vn, eigen: Zh.«loSc; sämtlich in Berlin. Verlag: Torwärte.-V«e!ag ig. m. b. H.. Berlin. Druct: Vo-wärts-Buchdruelerel und Vcrlagsanstall Paul Singer u. Co.. Berlin SB. SS, Lindenstrafte Z. Hier,» 2 Beilage». KLEINE ANZEIGEN W Jedes Wort 12 PI. Das fettgedruclitB Wort 25 H.(ru lässig zwei tcitgedruckte Wone). itcikngesuchc das erste Won(fett) 15 PI., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zähien doppelt. I Anzeigen, welche für die nächste 1 Nummer hestimtnt sind, müssen ) tils-i" Uhr nachmittags inderliaup:- I evpedition des Vorwärts, Berlin SW, 1 UndenstralleZ, abgegeben»erden. 1 Dieseibe istvon murgensS'/eUhrbi» nehm. SUIn- ununterbrochen gedlfnet IMü!g Teppichhau» Emil Leiövre. 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