Morgenausgabe Jlr.ll A 6 4S. Jahrgang TVöchelHllich SdPf� monatlich Z,SO M. im van*i» zcchlbor, Postbezug 4,32 M. einschließlich SO Pf. Poftzeitun gs- und 72 Pf. Postbesrellgebühren. Auslands' abonnemem 6,— M- uro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto S,— M. Der„Vortpärts" erscheint wochentSg- sich zweimal, Sonvtags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im fymdei mit dem Titel„Der Abend". Illufbrierte Beilage„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme", „Technik",„Slirf in die Büchenvelt", „Jugend'Vorrl»ärts"u.„Stadtbeilage" 1. Berliner Voltsvlatt Oonnersiag 8. Zanuar 1981 Grc'ß-Äcrlin pf. Auswärts 45 pf. rie k i n s I- a l l I g t Nonpore!lle�ell« SO Psennja. Ktriamnelle 5,— Reich»- marl.„flUtn« iln�clasn' hos enge- hruift« Bort 23 Pfennig(julälflg jmtl fcttgebrutfic ffiorl»), Ith« meliere ffiort 12 Pfennig. StcUengeludje hos erste Bort 15 Pfennig, iehes meliere ffiorl 10 Pfennig, ffiorte übet 13 Duchstoden öhken för zwei ffiorte. firbeitsmorll �eile 60 Pfennig. Fomilienonzelgen Zeile 0 Pfennig. Pnjeigenonnohme imHoupi-' gefchöfl Cinhtnflrafee 3, rnochentSglich von SVi bis 17 Uhr. I Jentvalorga« der SozialdemotvaMchen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW K8. Lindenstr. 3 Kernsprcchcr: Dönboss ZgZ— 2S7 Telegramm-Adr.: Sozialdemolral Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto! Berlin 37 536.— Bankkonlo: Bank der Arbeiter, Angestellten und Seanilen, Lindenstr. 3, Dl. B. u. Ti?c..Gcs.. Tcpositcnk., Jerusalemer Sir. GZ-KS. Dem mbekaniilenSoldiilen deiAepuNl Hunderttausende ehren den toten Willi Schneider. Wer war Willi Schneider, wer kannte diesen ZZjährigen jungen Mann außer seinen nächsten Parteifreunden und Reichsbawnerkameraden vom Prenzlauer Berg und seinen Arbeitskollegen van der Allgemeinen Ortskrantenkasse? Und dennoch waren die Männer und Frauen des arbeiten- den Volkes BeiZins zu vielen Zehntausenden dem Rufe der Partei, de- Reichsbanners, der Gewerkschaften gefolgt. Bom Friedrichshain bis zum Krematorium in der Gcrichtstrahe, durch den ganzen Nordosten und Norden Berlins, marschierten sie st u n d e n l a n g in der feuchten Kälte dieses Ianuarabends, ein Zug in Sechser-, Achter-, stellenweise sogar Zehnerreihen vop mehr als vier Kilometern. Als die Spitze bereits die halbe Strecke dieses weiten Weges zurückgelegt hatte, konnten sich erst die letzten Abteilungen am Friedrichshain in Bewegung setzen; als der Sarg des Opfers nach der Trauerfeier im Krematorium in die Tiefe sank, traf gerade der Schluß des endlosen Zuges am Ziel ein. So ehrten Hunderttausende— wenn man die dichten Spaliere der Zuschauer hinzurechnet— den jungen Willi Schneider, der, 23 Jahre alt, an der Schwelle des neuen Jahres durch Anhänger Hitlers aus sinnlosem Haß erschossen worden war. Die trauerumflorten Fahnen der Partei, des Reichsbanners, der Gewerkschaften gaben ihm das Geleit. Solch einen Leichenzug hat Berlin seit Jahren nicht gc- sehen, er galt einem jungen Kämpfer, dessen Namen die allermeisten, die ihn gestern ehrten, erst durch die Nachricht seiner Ermordung überhaupt erfahren hatten. Gerade darin aber lag die Bedeutung, die Größe, die Symbolik dieser Massenfeier: der Zug der Zehntausende, das Spalier der Hunderttausende galt gewissermaßen dem Unbekannten Soldaten der Republik, dessen Opfer, zugleich mit dem seines Freundes Herbert Graf, die Massen der Werktätigen Berlins ukid ganz Deutschlands aufgerüttelt, zu dem Entschluß angespornt hat:„Jetzt aber Schluß!" Schluß mit der nationalsozialistischen Mordpest, Schluß mit den blutigen Verbrechen und Provokationen der Hakenkreuzler— wir wollen zeigen, daß wir die Stärkeren sind! Wehe denen, die unsere Zahl, unsere Entschlosienheit, unsere Disziplin, unsere Solidarität unterschätzen und einen Bürgerkrieg durch Einzelmorde provozieren! Eine Willenskundgebung der Solidarität war es, die die Massen aus ganz Berlin nach dem Friedrichs- Hain und von dort in fast dreistündigem Marsch nach dem Krematorium des Nordens in Bewegung gesetzt hatte. Es marschierten hinter dem Sarge der Präsident der deutschen Volksvertretung Paul Löbe und zahlreiche Reichs- und Land- tagsabgeordnetc der Partei, auch Vertreter anderer republika- ntscher Parteien standen in Reih und Glied unter den unifor- mierten Reichsbannerkameraden, und weiter Junge und Greise, Frauen und Mädchen, Männer in Trauertracht, in Arbeits- kleidung, in Beamtenuniformen, Reichsbannerdeputationen und Schutzpolizisten trugen Kränze, Fanfaren, Trommelwirbel und Fackeln kündeten von weitem dos Herannahen des Sarg- wagens, Fahnen und immer wieder Fahnen, Masien und immer neue Massen— so ehrte das republikanische Berlin den Unbekannten Soldaten der Republik. Störungsversuche, die von kleineren kommunistischen Gruppen ausgingen, konnten der Macht und Würde der ge- waltigen Kundgebung keinen Eintrag tun. Trotzdem, daß sie unternommen wurden, bleibt Schande genug. Die kam- mumstischen Störungskolonnen haben das Gefühl aller Ar- beiter gegen sich aufgebracht, sie haben damit sich selber den schlechtesten Dienst geleistet. Di? Massen des republikanischen, sozialdemokratischen Volkes Berlins haben von Willi Schneider, dem Unbekannten Soldaten der Republik, würdig und machtvoll Abschied ge- nommen. AU denen, die selbst aus den fernsten Vororten der riesigen Stadt gepilgert waren, wird dieser Abend unvergeß- lich bleiben. Mögen nun in ihrem eigenen Interesse auch unsere Feinde die Lehre dieser Kundgebung ziehen und die ernste Warnung erkennen, die dieser Massenaufmarsch gerade für sie bedeuten sollte! Die Trauerfeier. Totenseier für Willi Schneider! Zm Garlensaal A m Friedrich k. Hain, unweit seiner Wohnung, wo er lebte und starb, hat da, Reichsbanner den toten Kameraden aufgebahrt. Es siud ihrer viele, die dem teuren Toten im Leben nahe standen und die seht von ihm Abschied nehmen wollen. Um 2 Uhr sollte der Saal freigegeben werden, aber schon lange vorher war die Umgebung des Saalbaues, war die Sirahe Am Friedrichshain und der Hain selbst schwarz von Menschen, die alle gekommen waren, um von dem Toten Ab- schied.zu nehmen. Bereits eine halbe Stunde später war der Andrang so groß, daß die Polizei Sperketten bilden muhte, um den Ansturm zurückzuhalt rn. Reichsbanner- leute leiteten den Anmarsch der Massen zum Saale hin, nur trupp- weise wurde eingelassen. Immergrune Blattpflanzen geben dem Katafalk einen seierlich-ernsten Hintergrund, das Banner der Republik liegt über dem toten Kämpfer für Reckst und Freiheit. Uniformierte Rcichsbannerleute, den Sturmriemen übers Kinn, halten die Ehrenwache, Fahnendelegatione» flankieren im Halbkreis den Sarg: Die 25. Partciabteilung. Schneiders Abteilung, der AfA- bimd, die. Allgemeine Ortskrankenkasle,. wo: er. beschäftigt, war, haben ihre Fahnen und Banner entsandt. Bor der Bähte häufte' sich eine Fü ll e v on- Kranz- spenden der verschieden st en Organisationen. Bom Reichsbanner hatte der Bundesvorstand, der Gauvorstand,, die ver- schiedensten Ortsoereine und die Jugend besonders prächtige Kratt.z- gebinde niedergelegt. Die Parteileitung und die Abteilung, in der der Verstorbene wohnte, der„Vorwärts", das AfA-Ortskartell, der ADGB., der Allgemeine Deutsch« Beamtenbund, die Allgemeine Ortskrankenkasse, der Volkschor Osten, dessen Mitglied Schneider war, die Bezirksamtssraktion Friedrichshain, das Personal der Druckereien Ullstein und Scherl, ein Kranz der Ullstein-Redakteure und ein Blumenarrangement der Belegschaft der Berliner Elektri- zitätswerke feien aus der Fülle hervorgehoben. Der Wgemeine preuhischc Polizeibeamtenverband lieh durch sechs uniformierte Polizeibeamte ebensalls einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife am Sarge niederlegen. In nufyt enden wollendem Zuge defilierten die Massen am offenen Sa r g e vorbei, aber noch immer ist kein Ende abzusehen, immer neue Besucher drängen heran, die Fabriken, die Werkstätten und Büros haben Feierabend, nochmals verstärkt sich der Andrang, mir mit Mähe können die Ordner ihr Amt ausüben und alles in ruhige Bahne» lenken. Die Trauerfsisr beginnt. Kurz nach 4 Uhr wurde der Saal geschlossen, aber es dauerte noch fast eine halbe Stunde, bis die letzten Besucher gegangen waren. Schnell richteten Reichsbannerleute den Raum für die eigentliche Trauerfeicr her. Als die Angehörigen Willi Schneiders, feine Eltern, seine Braut den Raum beiretcn, spielen sich herz- ergreifende Szenen ab. Die Trauer um den loten Angehörigen ist zu groß, als daß sie nicht in lauter Klage ihren Ausdruck fände. In den ersten Stuhlreihen sieht man neben den Angehörigen den Genossen C r i s p i e n als Vertreter des Parieivorstandes, Litte und Holz vom Bczirksocrbaiid, K r o h n und L e m m e r vom Bundesvorstand des Rcichsbancrs. Stelling vom Gauvorftand Bcrlin-Brandenburg, den Rcichstagspräsidenten Genossen Löbe und Rektor K« l l e r in a n n als Vertreter der Zentrumspartei im Reichsbanner. Langsam füllt sich der Saal mit besonders geladenen Reichsbaunerkameraden, Parteigenossen, Kollegen und Freunden des Toten. Leise tönt Aases Tod aus„Peer. Gynt", von der Musik gespielt/ tonn singt der Friedrach-Hegar-Chor„Unsterbliche Opfer, ihr sänket da hin, V... Die Trauerreden. Im Namen her R c i ch s b a n n e r- K a in e r ad s chaf t A r n s w al d e r Pia tz sprach als Erster der Vorsitzende Schulczik, der u. o. sagte: Wer Schneider näher gekannt hat, der weih, daß er politische Händel nie suchte. So wie er stets ein Gegner der Gewalt war, so trat er auch in der Bewegung immer für die Anwendung friedlicher Mittel ein, er kämpfte mit den Waffen des Geistes, nicht der Gewalt. Für die LS. Abteilung der Partei sprach Genosse Werschnihky: „In jungen Iahren hast du dich, dem Beispiel deiner Eltern folgend, in unsere Scharen eingereiht. Die Sache der Arbeiterschaft war auch die deine. Deine Zuversicht richtete Zweifelnde auf, deiner Jugend Lust und Freude half uns über manche schwere Stunde hinweg. Froh und hoffnungsvoll ging Willi Schneider in das neu« Ehrenwache des Reichsbanners am Sarge Jahr, da riß.ihn die mörderische Kuzel feiger Gesellen jäh aus dem Leben. Ein Schrei des Schmerz« durchzitterte die Partei, ein Schrei des Zornes«ntranz sich dozi gesamten Proletariat. Aber wir wären schlechte Brüder eines io tapferen Streiters, wenn wir uns vom Schmerz übermannen ließen, wenn wir nicht Trost suchten und fänden. Die Lücke, die der Tod Schneiders in unsere Reihen gerissen hat. ist ausgefüllt: der Vater, der in seinem Alter schon glaubte, in die Reservearmee der Paotei eintreten zu können, er füllte die Lücke im Reichsbanver aus. So zeigt sich der Geist der Fgmilie Schneider als der rechte Geist, der in der Arbeiterschaft lebendig ist und an dem unsere Gegner zerschellen werden. Wenn y>ir zurückschauend die Zeit betrachten, in der das Volk seine Ge- schicke selbst in die Hand nahm, dann schen wir, wie die Gegner des Volkes sieh immer frecher hervorwaAten, wie sie Mordtat an Mordtot reihten. Wir fordern nicht Rache, wohl aber gerecht« Ver- geltung, und wir werden nicht eher ruhen, als bis sie geworden ist! Genosse Sietting sprach für das Reichsbanner dem Toten den Dank der republikani- schen Organisation für seine Arbeit im Dienst« der Republik aus. Unsere Trauer ist gepaart mit dem Bewußtsein, daß wir eine große, gewaltige Aufgabe zu lösen haben: den großen harten Kampf um das Volk und die Republik. Das soll unser Gelöbnis am Sarge Willi Schneiders fein! Genosse Goitfurcht feierte als Gewerkschaftsvertreter den Gewerkschastsgenossen. Mit den Eltern, die um den Sohn trauern, mit der Braut, der der Lebenslamerad genommen wurde, mit dem Reichsbanner, dos einen seiner Besten ünd mit der Partei, die ein junges, Hofs- nungssrohes Mitglied verloren hat, trauern die Mitglieder des AfA-Bundes und der übrigen freien Gewerkschaften um den toten Kollegen. Sutmer wieder war Willi Schneider das Beispiel von Solidarität, die Mein geeignet ist, uns aus den Tiefen der Zeit cmporzuführen. ftente sieben die Gcwcrkschaftskollegen an der Bahre im Bewußtsein der Verbundenheit mit der Partei, die nötig ist, um solche feigen Mordtaten unmöglich zu machen. Das Reichsbanner und die Sozialdemokratische Partei Ost- sachsens hatten einen Vertreter entsandt, der der Trauer, aber auch der Empörung über den Mord an Willi Schneider Ausdruck gab. Die Feier im In der Gen'chtstraße. Wenige Stunden, bevor wir von unserm Freunde Willi Schneider letzten Abschied nahmen, wurde im Krematorium in der Gerichtstraße ein alier Partciveran, der Genosse Grosse, von der 125. Abteilung, der seit über dreißig Iahren der Sozialdemokratie seine Kräfte gewidmet Hot, dem Feurr übergeben. Ein Symbol, daß wir Sozialdemokraten, auf Geschichte zurückblickend, Jung und Alt umfassen. Das Reichsbanner bildet Spalier; aber hinter den Reihen in der Windjacke und mit dem schwarzrohgoldenen Abzeichen staut sich die Menge, die auch teilhaben will. Es wird 1!) Uhr, es wird 20 Uhr, der Trauerzug oerzögert sich, allzu groß ist die Zahl der Teil- nehmenden, allzu allgemein ist der Wille gerade der Menschen, die in diesem Stadtviertel des Proletariats leben, den Gegnern zu 'eigen, daß diese gemeine Wuttat auch die bisher noch Säumigen aufgeschreckt und an ihre Pflicht gemahnt hat. Fackeln werden dem Toten zur Ehre entzündet, als der Leichenzug naht. Kränze über Kränze werden am Sarge niedergelegt. Die Sangesbrüder des toten. WUli Schneider leiten die Trauer- kundgcbung ein. Der Redner des Frehdenkerverbandes spricht: „Im Mai des Lebens ist den Ellern und der Braut und uns ollen«in junger Kämpfer entrissen, der sein Leben in den Dienst der Freiheit und der Republik gestellt hatte. Fanatische Rohlinge haben ihn ermordet, aber in der Gewißheit, daß so sittenloses Tun sich selber richtet, wissen wir, daß unser das Banner des Sieges ist. Wie die Eltern, die einen guten Jungen, wie die Braut, die einen lieben Verlobten verlor, sind auch wir schmerzerfüllt, aber ungebeugt. Auf deinem Banner stand: Es werde Licht. Dein Banner ist in guter Hand." Die Arbeitersänger geben dein Toten den Abschiedsgruß: „Ueber allen Wipfeln". Dann nimmt im Namen der Sozialdemokratischen Partei das Wort Genosse Erich Kuttner: „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands entbietet ihrem treuen Mitstreiter, dem Freund und Kampfgenossen Willi Schneider, durch mich den letzten Gruß. Nächst der Familie, nächst den An- gehörigen, denen unsere wärmste Teitnahrne gill, haben wir Sozial- d.'mokraten dos Recht und die Pflicht, um den Toten zu trauern. Dieser Tote w'a r unser, lind wir nehmen dieses Recht der Trauer in Anspruch gegen eine Presse, die uns«ine Gemeinschafts» trauer als geschmacklos verwehren will, und gegen jene, die sich nicht geschämt haben, als Andersdenkende diese Feier unter der Maske heuchlerischer Sympathie zu entwürdigen und zu stören. Wir sind mehr als eine Partei, als eine Organisation, als ein bloßer Berein. Wir sind die lebendige ringende Gemeinschaft der Arbeitenden, der Unterdrückten, der für die Zukunft der Menschheit Schafsenden. Wie ein jeder, der zu uns tritt, uns Herz und Kampjescifer beflügelt, so tut es uns innerlich weh um jeden, der von uns gerissen wird. Wir fühlen den Derlust des verblichenen Kameraden jeder„als wärs ein Stück von mir". Aber an der Bahre dieses Toten empfinden wir noch etwas darüber hinaus. Wir können nicht Abschied von ihm nehmen in jenem geklärten Schmerz wie etwa unlängst von unseren toten Führern" Eduard David und Adolf Hoffmann, wo der Trsstgedanke zur Seite stand: Ein reiches Leben hat sich nach siebzig Iahren vollendet. Erschüttert sind wir von der Disharmonie dieses Todes, dem gewallsam tragischen Abschluß eines jungen Lebens, das als bewußtes Dasein doch erst zu beginnen war. Wir kommen nicht hinweg über die Brutalität, daß Willi Schneider Opfer seines Gemeinschaftsgefühles, Opfer seiner sozialdemokratischen Ueberzeugung wurde. Seiner Ueberzeugung? Nein, unserer aller Ueberzeugung! An jeden von uns hat der Tote ein Anrecht. Wir stehen in iciner Schuld. Das laßt uns nie vergessen! Und weil wir den Gedanken der Gemeinschaft innerlich erleben wie ihn der Tote erlebt hat, deshalb ist unsere Trauer«cht und stark. Dieser Geist der Gemeinschaft, wie er lebendig ist unter Eogialisten, befähigt uns auch aus Klagen und Schmerz zu neuem Willen und neuer Tat. Weil wir uns dessen bewußt sind, daß der Schuß des Mörders uns allen gall, daß heute oder morgen das Schicksal Willi Schneiders das eines jeden von uns sein kann, so schrecken uns die Todes- drohungcn aus den völkischen Zeitungen, aus den Parlameutsreden der �Nationalsozialisten und aus den Plakaten an den Anschlag- Mächtig klangen die Rhythmen des Liedes„Tord Foleson" empor, die Banner senkten sich, Reichsbannerkameraden tragen den Sarg hinaus— die Trauerfcier für den von Nationalsozialisten aemeuchellen Kämpfer für die Republik war beendet. Massen gaben das Trauergeleit. In der Straße Am Friedrichshain unii in der Bötzow- ft r a ß e hatten inzwischen die Reichsbannerforwationen, die Partei- ongchürigen und die Gewerkschaftemitglieder Ausstellung genommen. Unter dumpfem Trommelwirbel wurde der Sorg auf den Wagen gehoben, der Kondukt setzt sich in Bewegung. An der Spitze ein Reichsbannertambour- u»d Musikkorps, an beiden Seiten von Fackelträgern begleitet, dann mehrers Ehre»hundert- schaften des Reich sbairners, gefolgt von den Kranz- delegationen, so nahm der Zug seinen Anfang. Eine unüber- sehbare Menschenmenge säumte die Bürgersteige und den halben Fahrdamm ein, an den Fenstern und auf den Ballonen standen die Anwohner der Straßen, immer neue strömten hinzu, oft war der Andrang so groß,!>aß der Zug sich nur mit Wiche seinen Weg bahnen koimte. Entblösten Hauptes ließ die Menge den Leichen- wagen vorbeiziehen, dem die Wagen mit den nächsten Angehörigen folgten. Dann kam der endlose Zug der anderen Kreise und Ab- teilungen und der Gewerkschaften. Immer wieder Fahnen und Banner, immer wieder andere Organisationen und Vereine! Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, die republikanischen Studenten, die bundestrcuen Arbeitsrsportler, die Sozialistische Arbeiterjugend, die Arbeitersänger, so gaben sie alle dem Toten die letzt« Ehre. Unter den Gruppen der Belegschaften, die sich im Trauerzuge be> fanden, bemerkte man auch die dienstsreien Arbeiter und Angestellten der Berliner Elektrizitätswerke und der Hoch- und Untergrundbahn mit ihren Fahnen. Musterhafte Ordnung herrschte im Zuge, frei- willige Ordner walteten ihres Amtes, doch die Massen der Spalier- bildenden waren diszipliniert genug, das Leichenbegängnis nicht zum Ankaß irgendwelcher Uebergriffe zu nehmen. Einige kommunistische Störungsversuche wurden rasch abgewiesen. An den großen Verkehrsknotenpunkten unterbrach die Polizei hin und wieder den ungeheuren langen Zug, um nicht zu starke Verkehrestockungen ein- treten zu lassen. Aber stets füllten sich die Lücken wieder auf, der Zug war und blieb ein geschlossenes Ganzes. Ueber onderihalb Stunden lang dauerte der Vorbeimarsch. Krematon'um. säulen nicht. Jene Armseligen leben in dem Glauben, den Geist töten zu können, indem sie einzelne Menschen umbringen. Für den Sozialisten gibt es nur eins, sich durch Drohungen nicht um Haares- breite von seiner Pflicht abbringen zu lassen. Wenn wir für die glucklichere Zukunft der Menschheit arbeiten, so darf unsere Person in keinem Zusammenhang mit der Frage stehen, ob wir persönlich an dieser Zukunft teilhaben werden. Haben Lassalle, Bebel, Wilhelm Liebknecht, Ludwig Frank ge- fragt, ob sie den Tag der Freiheit und des Glückes persönlich schauen würden? Ihr Glück lag in dem Bewußtsein, für diesen Tag zu arbeiten. Es kommt nicht auf mich und mein Schicksal, fondern auf das Schicksal der Menschheit an. Die Familie Schneider diene uns als Vorbild. Wie hier der sozialistische Gedanke sich fort- erbte vom Vater auf den Sohn, so wollen auch wir nur an jene denken, die nach' uns kommen. Verhindern wir wettere Opfer, indem wir vor ollem der faschistischen Verrohung, die sich in solchen Taten enthüllt, es unmöglich machen, jemals die Macht über Deutschland zu gewinnen, jemals die Arbeiterbewegung niederzuwerfen und zu knebeln. Für«ine Sache gestorben sein, heißt: in der Selchs weiter- leben. Willi Schneider, du lebst in uns, in deinen Millionen Kameraden. Unsere Trauer dir, dem Toten! Den Dank, den wir dir schulden, wollen wir den Lebenden abstatten. Di« Arbeitersänger leiten über zu den Abschicdsworten des Sprechers des Bundesvorstandes des Reichsbanners, K r o h n: „Wer Willi Schneiders entseelten Körper heute im Friedrichs- Hain sah, erblickte ein schönes, klares und freies Antlitz, und er stellte sich die stumme, zornige Frage: Mußte das sein? Er, der gemordet wurde, weil er Höherem nachstrebte, mahnt uns, noch wacher zu sein. Wir klagen weniger den Menschen an, dessen Hand ten tödlichen Schuß abgab, als jene Führer, aus deren Hirn die Mordhetze entspringt. Wir verlangen von der Staatsgewalt: Schluß mit dem Verbrechertum! Wir unterstützen die republikanischen Ge- wallen in jedem Schritte, den sie gegen die Hakenkreuzseuche unter- nehmen. Wir stehen da, Hirn gegen Hirn, ober auch Faust gegen Faust. Wie wenige wird unser'Kamerad Schneider von uns be- stallet. Wir treten an seine Stelle, wir gehen den Weg weiter, auf dem er gewandell ist, und mit dem Gelöbnis zu Freiheit und Republik nehmen wir von ihm Abschied." „Ich hatL einen Kameraden!"— Der Sarg versinkt. Wir aber gehen, in dem einen starken Willen, daß dieses deutsche Vaterland, daß unser Volk, dem wir dienen, daß Deutschlands Arbeiterschaft befreit werden muß von Mord- und Bluthetze des Hakenkreuzes! Störungsversuche. Aus' dem Wege zum Krematorium kam es infolge k o m m u- nistischer Provokationen zu einigen Zwischenfällen mit den polizeilichen Beglellmannschaften. Diese Vorfälle sind um so bedauerlicher, als sich die Schupobeamten in irnkens- und anerkennenswerter Weise Mühe gaben, für einen ungestörten Ver- laus der gewalligen Trauerkundgebung Sorg« zu tragen. Während das Reichsbanner in der Gerichtstraßs Spalier stand, wurde der Reichsbannerkamerad Hans Iakoneit von der Kamerad- schaft Kreuzberg durch einen Messerstich in den Rücken erheblich verletzt. Der Täter entkam unerkannt. Im Laufe des Abends erfolgte eine Reche von Festnahmen. So wurde u. a. an der Kreuzung der Schwedter und Bernauer Straße aus der Menge heraus ein Mann festgenommen, der ein d o l ch- artiges Messer in der Hand hiell und damit herumfuchtelte. Protest gegen Franzens Kulturreakiion Lleberfüllte Massenversammlungen in Braunschweig. Braunschweig, 7. Januar.(Eigenbericht.) In zwei wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossenen, von un- gefähr 4000 Personen besuchten Protestkundgebungen de» weltlichen Elternbundes, in denen u.a. Prof. Geiger. Reichstagsabgeordneter Löwenstein und abgebaute sozialistische Lehrer sprachen, wurde schärfster Kampf gegen die Absichten des Naziministers Franzen, durch Lehrerentlaffungen und andere Maß- nahmen die weltlichen Schulen zu zerschlagen, angekündigt. Eine gegen kleine kommunistische Minderhcllen. die auch diese Einheit?- front zu schwächen versuchten, angenommene Resolution stellte sich hinter den weltlichen Ellernbund und unterstützt seine»?lbivehr- kamps gegen Kulwrabbau und reaktionäre Willkür. Die Bürgersteuer. Wer muß sie zahlen und wie wird sie eingezogen? Die Bürgcrsteucr ist endgültig durch die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 eingeführt worden,«ie wird zum erstenmal für das Rechraingsjahr 1930(1. April 1930 bis 31. März 1931) erhoben. Um nicht den ganzen Steuerbettag mit einem Male zu erheben, soll die Bürgerjtcuer in zwei gleichen Teil- bettägen nach dem 10. Jammr und nach dem 10. März eingezogen werden. Unter welchen Voraussetzungen muh die B ü r g e r st e u e r e n t r i ch t e t w e r d e n? Di« Bürgerfteucr wird erhoben, wenn sie von der Gemeinde beschlossen oder von der Zlus- sichtsbehärde eingeführt ist. Das trifft nicht für alle Gemeinden zu. In diesem Falle wird die Bürgersteuer nicht erhoben. Wer ist bürgersteuerpflichtig? Die Bürgerfteucr wird grundsätzlich von allen natürlichen Personen erhoben, tue am 10. Oktober 1930 im Gemeindebezirk wohnten und an diesem Tage das 20. Lebensjahr erreicht oder überschritten hatten. Personen, die am 11. Oktober 1930 20 Jahre alt geworden sind, brauchen also für 1930 keine Bürgerstcuer zu entrichten.'Auch Ehefrauen sind steuerpflichtig, allerdings nur zur Hälfte des Betrages des Ehegatten. von dieser aligemeinen Sleuerpslichi sind jedoch süns lpersonenkreise befreit. So darf die Bürgerstener nicht erhoben werden von Personen: 1. die am FäUigkeiisiag Arbeitslosenunterstützung oder krisenunter st ühung empfangen, 2. die am Fälligkeitstag lausend össenlliche Fürsorge genießen, Insbesondere die Kleinrentner, Z. die am Fälligkeitstag Renten aus der reichsgcsch- lichen Sozialversicherung empfangen. Die Sozio' renkner sind jedoch nur dann von der Bürgerstcuer besreih s fern ihr gesamtes Jahreseinkommen 900 Reichs marl nicht übersteigt, 4. die am Fälligkeitstag eine Zusatzrenke nach Z SS des Reichs» versorgungsgefehcs empfangen. Das sind also im wesentlich?» die Kriegsbeschädigten, und schließlich S. die Personen, die am Stichtag(10. Oktober l9Z0) v o m Wahlrecht ausgeschlossen oder rechtlich in der Ausübung ihres Wahlrechts behindert waren oder bei denen an diesem Tage die Ausübung des Wahlrechts ruhte. Zu den am 10. Oktober vom Wahlrecht ausgeschlossenen Per- sonen zählen die Entmündigten und Bevormundeten oder die Per- sonen, die die bürgerlichen Ehrenrechte verloren halten. Zu den Personen, für die die Ausübung des Wahlrechts ruhte, zählen vor allem die Angehörigen der Reichswehr und der Reichsmarinc. Die steuerfreien Personen, die rechtlich in der Ausübung des Wahlrech!; behindert waren, sind solche, die wegen Geisteskrankheit oder Geistes- schwäche in einer Heil- oder Pflegeanstall untergebracht waren, ferner Sttaf- und Uittersuchungsgefangene usw. Zu den unter 1. bis 4. aufgezähllen Befreiungen ist zu beachten'. daß die Voraussetzungen der Befreiung am Fälligkeitstage der Bürgcrsteucr vorliegen müssen. Die Befreiung gilt nur für die am Fälligkeitstag zu entrichtende Rate. Bezieht z. B. ein Arbeitsloser am 10. Januar 1931 eine Arbeitslosenunterstützung. so ist die am 10. Jamior fällige Bürgersteuerrate nicht einzuziehen. Das gleiche gilt für die Rate vom IE. März. wenn der Arbettsllrse auch an diesem Tage eine Unterstützung empfängt. Empfängt der Arbettslose nur am 10. Januar oder mir am 10. März ein« Unterstützung, so ist er nur von der Emrchtutig der betrefsenden Rate zu befreien. Wie hoch ist die Bürgevsteuer? Für das Rechnungsjahr 1930 bettägt die Bürgerfteuer für Per- lonen mit einem Jahreseinkommen von nicht mehr al: 8000 Mark 6 Mark. Der Steuerbetrag ermäßigt sich ui d i e H ä l f t e 1. für die Personen, die e i n k o m m e n st e u e r i r- sind. Alle Personen also, die nicht mehr alz 1200 Mark im Johl-. .verdienen, zahlen nur 3 Mark Bürzersteuer. Die Ermäßigung um die Hälfte gilt 2. für die Ehefrauen, sofern die Ehegatten»ich! dauernd voneinander gettennt leben und der Ehemann zur Bürger- steuer herangezogen wird. Bei den Ehegatten bestimmt sich der für den Ehemann gellende �teuerbettag nach dem Jahreseinkommen. das die Ehegatten zusammen haben. Wie wird die Bürger st euer«ingezogen? Für die Lohn- und Gehallsempsänger wird die Bürgersteuer im allge- meinen auf der Steuerkarte angefordert, die den Lohn- steuerpflichtigen bis zum 1. Januar zugegangen ist. Diese Ein- ziehung, der für die Gemeinden bestimmten Bürgersteuer im Wege des Lohnabzuges läßt sich jedoch nicht allgemein durch- führen. In vielen Fällen ist z. B. die Bürgcrsteuer von der Ge- meinde erst beschlossen worden, nachdem die Vorbereitungen für die Ausstellung und Zusendung der Lohnsteucrkarten abgeschlossen waren. Darum wird in diesen Fällen die Bürgcrsteuer nicht vom Arbettgeber im Wege des Lohnabzuges einbehalten und der einbehaltene Betrag wird nicht auf der Steuerkarte vermerkt. Die Ein- zishung der Bürgersteuer liegt dann den Gemeinde- behörden ob. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wird die Bürger- steuer jedoch auf der Steuortarte angefordert, und der Arbeitgeber ist verpflichtet, die am 10. Januar und 10. März 1931 fälligen Raten bei den auf den Fälligkeitstag folgenden-Lohn- zahlungstagen einzubehalten und an die Gemeindekasie abzuführen. Die Einbehallung der vollen Rate würde aber bei Zlrbeitnebinern, die wöchenttich entlohnt werden, zu Härten führen. Um diese Härten zu vermeiden, sind die Arbeitgeber ermächtigt worden, b e i wöchentlichen Lohnzahlungen den Abzug jeder der beiden Bürger steuerraten auf mehrere Löhn- Zahlung en zu verteilen. Grundsätzlich soll bei wöäzeiülicher Lohnzahlung die Bürgersteuerrate auf zwei Lohnzahlungen verteilt werden. Statt eines einmaligen Wzugss von 3 Mark bzw. 4,20 Mark(Verheiratete) kann ein zweimaliger Abzug in Höhe von je ILO Mark bzw. 2,2S Mark(Verheiratete) erfolgen. Diese Regelung tritt jedoch dann nicht ein, wenn ein. Arbeit- nehmer vor Ahlauf des 14tägigen Vertcilungszeitraumds aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet. Für diese Fälle ist vorgesehen, daß der Arbeitgeber den an der vollen Bürgersteuerrate noch fehlenden Bettog bei der letzten Lohnzahlung cinzubehalten hat. Rußland ersthießt Priester. Reue Hinrichtungsreihe. Riga, 7. Januar.(Eigenbericht.) Aus Anordnung der russischen Regierung wurden der Pfarrer Schwalbe in Turolensk und der Geistliche Kaut. man« Wege«„konterrevolutionärer" Gesinnung erschossen. Weitere Erschießungen von Geistlichen solle« bevorstehen. Loffres Staatsbegräbnis. Riesige Beteiligung. Paris. 7. Januar.(Eigenbericht.) Zlm Mittwoch, einem herrlichen talten Wintertag, nahm die Pariser Bevölkerung von Marschall Joffre Abschied. Schon am frühen Morgen zogen die Pariser mit Stühlen und Decken aus, um sich in einer der Strotzen, die der Leichenzug passieren sollte, einen Platz zu sichern. Große Polizeiabteiwngen und republikanische Garden waren zur Ausrechterhaltung der Ordnung zur Stelle. Sn der Kathodrale Notre-Dame. wo die sterblichen Reste des Marschalls seit Dienstagabend in einer provisorischen Kapelle ruhten, war im Mittelschiff unter einem hohen schwarzen, mit Hermelin bedeckten Baldachin ein grandioser Katafalk errichtet, auf dem der Sarg mit blou-weiß-rotem Fahnentuch überdeckt placiert war Um zehn Uhr setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Er wurde von Kürassieren der republikanischen Garde eröffnet. Ihr folgten Ab- tcilungen aller Truppengattungen. Von den alliierten Armeen waren ein Bataillon belgischer Infanterie, die pittoreske englische Garde, sowie amerikanische Füsiliere zum Trauer- geleite erschienen. In großem Abstand solgte die F e l d st a n d a r t« des toten Marschalls, von seinem Adjutanten getragen. Ihr solgte das herrenlos gewordene Pferd des einstigen Generalissimus in -iner schweren, schwarzen, silbernen Schabracke. Auf einer von sechs hwarzen Pferden gezogenen Artillerie-Lafette war der Sarg des iarscholls aufgebahrt, von der Trikolore überdeckt. An den Seiten '•ritten die drei letzten noch lebenden Weltkriegsmarschälle P 6 t a i n, ! ij a u t e y und d'Esperey, denen die Familie folgte. Der Präsident der Republik eröffnet« den zweiten Teil des Trauerzuges. Nach ihm kamen die Mitglieder der Regierung, des ' Senats, der Kammer sowie das unübersehbare Heer der Würden- träger und Mitglieder der Academie Fran?aise. Es war um die Mittagsstunde, als der mehrere Kilo- m e t c r lange Zug am Jnvalidenplatz ankam. Bor dem Gebäude waren drei schwarz verhängte Tribünen errichtet worden, wo die osjiziellcn Vertreter Frankreichs sowie die Delegationen der sremden Staaten Platz nahmen. Äm Angesicht der MitteltrMne war ein hoher Sockel errichtet worden, auf dem der Sarg des Marschalls placiert wurde, um ein letztes Mal die Reime seiner Truppen abzunehmen. Die Trauerrede hielt Kriegsminister B a r t h o u. Er rühmte •ie Schlichtheit und Einfachheit des Siegers in der Marneschlacht, der •ine Soldaten so gut in der Hand gehabt habe, daß sie dem„G r o tz- i a t e r Joffre" nach vielen schweren Niederlagen und nach einem ermüdenden Rückzug doch zur siegreichen Offensive an der Marne gefolgt seien. Joffre, so betonte Barthou weiter, habe nie das Wort „Revanche" ausgesprochen. N i« auch habe Joffre ein b e l e i d i- g e n d e s Wortgegen Deutschland oder die Deutschen gesagt. (Wenn das stimmt, dann hat sich Joffre sehr vorteilhaft von seinem Nachfolger unterschieden. Red. d.„V.") Herriot läßt im Rathaus verhasten. Pari». 7. Januar.(Eigenbericht.) Der ehemalige Ministerpräsident Herriot hat am Dienstag im Rathaus von Lyon in seinem Amtszimmer einen Erpresser verhaften lassen. Der Schuldige, ein Ingenieur namens Sauze, hatte bei c'nem Prozeß zwischen der Stadt Lyon und der Gasgesellschast als Sachverständiger gewirkt. Dabei hatte er sich von der Gasgesellschast mit einer Million Franken b e st e ch e n lassen, um ein ihr günstiges Urteil abzugeben. Von Herriot verlangte er mir 250 000 Franken, damit er ihm die Beweise für die Schuld der Gasgesellschast aus- händige. Herriot ließ sich auf keine Verhandlungen ein, sondern rief die Polizei herbei._ Verschleierte Inflation. Gutscheine statt Geld in Sowjetrußland. Angesichts des dauernden Mangels an Zahlungsmitteln— einer Folge des Verfalls der russischen Währung— hat die Sowjetrcgie- rung zu einem neuen Experiment gegrissen: für die Arbeiter der Unternehmungen mit über 5000 Beschäftigten werden besondere ltzenossenschaftsläden eingerichtet, die allein der Verfor- g»ng die-ser Arbeiter dienen. Die gleiche Einrichtung wird getrossen Üir Fabriken, die für das K r i e g s k o mm i sf o r i a t arbeiten. lBekannllich gibt es in Rußland zur unbedingten Sicherstellung der Armceversorgung besondere mllitarisiene Betriebe.) Die Belieferung der Arbeiter durch die geschlossenen Genossen- ichaftsläden geschieht nun in der Weise, daß die Arbeiter einen Teil ihres Lohnes statt in barem Gelde in Gutscheinen erhallen, gegen die chnen der zuständige G-nosseirschaftsladen Waren verabfolgt. Natürlich können die Genosfenschastsläden auf jlie Gutscheine dauernd nur Ware verabfolgen, wenn ihnen der Staat diese in Geld einwechselt. Es handell sich dalier bei diesem Gutscheinsystem in Wir Mich feit um die Schaffung zusätzlicher Zah- lungsm.ittel. also um ein inflationistisches Manöver, das zwar nicht so plump ist wie da» Tappeldrucken von Tscherwo- netznoten. aber in seiner Wirkung auch zu weiterer Wert- Minderung des Geldes führen muß. Es ist eine ähnlich« Er- scheinung, wie wir sie in der Inflation erlebten, als allenthalben besonderes Stadtnotgeld, Fabriknotgeld usw. entstand. Bon der Seite des Arbeiters gesehen, bedeutet das Gutschein- system eine Rückkehr zu den Methoden des roh« st«n „K r i e g s k o m m u n i s m u s". Statt des Barlohnes bekommt der Arbellcr wieder seinen„Pajock" kriegskommunistischen Angedenkens, d. h. eine Anweisung auf Lebensmittel und bestimmte Waren. Etwas anderes ist der Gutschein nicht, höchstens ein„Pajock" in etwas ver- feinerter Form. Jedenfalls schränkt er wie dieser dl« Freiheit des Arbeiters in der Verwendung feines Lohnes außerordentlich ein. Massenausweisung aus Amerika. 100000 betroffen.- Einwanderungsquote auf 10 Prozent verkürzt. woshingtoo. 7. Januar.(Eigenbericht.) Der Einwaicherungsausschuß des Repräsentantenhauses lehnte am Dienstag den Antrag eines Abgeordneten auf zweijährige Unterbrechung der Einwanderung ab. Er stimmt« dagegen dem Vorschlag des Staatsdepartements auf Minderung der Ge- jamtquote um SO Prozent zu. Damit Ist auch di« Bevor- zugung solcher Einwanderer gefallen, di« Verwandte in Amerika haben. Der Arbeitsminister beantragte beim Senat die Verschärfung der Bestimmungen über die Ausweisung von Ausländern, ins- besondere die Befugnis zur Ausweisung beim Vorliegen irgend- welcher strafbarer Handlungen. Wie inzwischen amllich festgestellt wurde, hallen sich zur Zell 400 000 Ausländer ohne Patz m Amerika auf. Bon ihnen dürften demnächst 100 000 ausgewiesen werden. Deutsch- polnischer Gerichtskampf. Die Prozesse Golaffowih, 7t,kolaiken, Reuhöfen. Rybnik. 7. Januar. Im Prozeß gegen die acht Golossowitzer Einwohner wegen der Auflehnung gegen den Terror der polnischen Aufständischen und der Tötung des Polizisten Schnapka— über den Anfang haben wir schon berichtet— wurde der Antrag des Verteidigers Dr. Vaj, den Prozeß zu oertagen, well nach der Verlegung des Prozesses von Kallowitz nach Rybnik die in der Strafprozeßordnung vorgesehene Terminsfrist nicht eingehallen worden sei, abgelehnt. Die Anklageschrist erwähnt auf acht Seiten eine ausführliche Darstellung der Vorgänge am 22. November. Auffallend ist, daß darin die Person des Pastors Harlfinger. der von der polnischen Presse als der Urheber der Zwischenfälle bezeichnet wurde, mit keinem Wort erwähnt wird. Eigenartig ist, daß bei jedem Angeklagten die „deutsche Nationalität" besonders betont wird. Die Tätigkeit des Aufftändischenoerbandes wird als recht harmlos hingestellt. Da- nach seien die Aufständischen, etwa 15 an der Zahl, in Uniform auf einem Lastauto nur gekommen, um für die Regierungspartei die übliche Wahlpropoganda zu betreiben. Die Aufständischen hätten lediglich das Vereinshaus, in dem die deutsche Schule unter- gebracht ist,„besichtigt" und dabei die Lehrerin Fuchs„beruhigt", indem ihr ein Aufständischer erklärte, daß die Schule nur dann in die Luft fliegen würde, wenn die Kinder im ankistaallichen Geiste erzogen würden. Die Aufständischen seien dann weitergefahren und hätten sich auf der Rückkehr nicht mehr in Golassowitz aufgehalten. Am Abend hätten sich die Dorfbewohner auf ein vereinbartes Signal mit Stöcken, Zaunlatten und Messern bewaffnet, um die Kirche und um das Vereinshaus versammelt. Die Angeklagten Ku b la und W a t u t hätten sich auf Patrouille begeben und seien dabei aus den Polizei- kommandanten Schnapka gestoßen, der ebenfalls ans die Alarm- signale nach dem Vereinshaus eilte. Hierbei soll es zwischen dem Polizeibeamten und Bauern, die den Polizeibeamten überfallen hätten, zum Kampf gekommen sein, wobei Schnapka schwere Ver- letzungen erlitt, an denen er verstarb. Ein aus dem 6 Kilometer entfernten Nachbardorf gerufener Arzt lehnt« Hilfeleistung ab unter dem Vorrvand, daß es Nachtzeit wäre und ihm die anrufenden Personen unbekannt seien. Laut Anklageschrift haben sich sämtliche Personen zu der Tat bekannt: die Beweggründe der Tat sind nicht in der Selbstverteidigung der von den Aufständischen terrori- sierten Ortsbevölkerung zu suchen, sondern„in der deutschen Agi- tation, in dem Nativnalitätsantagonismus und in dem Haß gegen das polnische Staatswesen bei den Angehörigen der natio- nalen Minderheit". Die Anklageschrift schließt mtt den Worten: „Dies findet seine Erklärung in der seil einiger Zeit verstärkten organisatorischen Agitationstätigkeit der deutschen Minderheit und in der Taffache, daß alle Angeklagten zur deuffchen Minderheit gehören." Die acht angeklagten Angehörigen der deutschen Minderhell stehen im Alter von l0 bis 60 Jahren: sie weisen zum Teil noch beträchtliche Verletzungen auf und heißen Johann Kubla, Joses W a t u t, Adolf S w i e z y, Wilhelm B r z e z e k, Johann K o r ch e l. Johann W a c l a w i k, Oskar S z y m i t und Kurt Szym ik. v Zunächst wurde der Hauptangeklagt« Kubla gehört, der den Mitangeklagten Watut st a r t b e l a st« t e. Nach den Schilderungen Kublas hat Watut dem Kubla einen Stock aus der Hand gerissen, im gleichen Augenblick wurde beiden von einer dritten Person mit einer Taschenlampe in? Gesicht geleuchtet. Watut schlug nunmehr mit dem Stock zu. Es Handelle sich, wie sich später herausstellte, um den Polizeibeamten S ch n a p t a. Watut habe noch mehrere Male auf ihn eingeschlagen, und auch Kubla gab zu. daß er mit einem Küchenmesser dem Schnapka einen Stich in den Hinlerkopf verfehl Hab«.— Die weitere Vernehmung der Angeklagten ergab zahl- reiche Widersprüche, da sich die Angeklagten größtente'ls auf ihre Angaben vor dem Untersuchungsrichter nicht mehr be- sinnen können. Die Verteidigung erklärt« die Widersprüche da. mit. daß Kubla und Watut vor ihrer Vernehmung durch den Unter- suchungsrichter mit K o l b e n s cht ä g e n und Fußtritten bearbeitet wurden und bei einem glühenden Koksofen knien mußten, bis sie ohnmächtig zusammenbrachen. Der Staats- anwall, dem diese Feststellungen offensichtlich sehr un° angenehm waren, verlangte Ausschaltung dieser Fragen aus der Verhandlung, da sie auf den Verlaus des Prozesses keinen Einsluß hätten. Der Vorsitzende bemüht« sich, aus dem Wirrwarr der Aussagen ein klares Bild zu gewinnen. Ein Gegenprozeß in Westpreußen. Marienburg. 7. Januar. Am Mittwochvormlltag begann hier vor dem Schöffengericht die Derhandlung über die N i k o l a i k e r Zwischenfälle. Dort wurden Ende Oktober 1930 polnischen Einwohnern die Fenster- scheiden eingeschlagen. In einer Nacht durchlief«ine Horde den Ort und demolierte planmäßig polnisches Eigentum. Namentlich war es auf die M i n de r h e i t e n s ch u l e abgesehen. Es wurden vier Personen verhastet, die jetzt vor Gericht stehen: Rechtsbeistand Patczin s ki aus Nikolaiken, Kaufmann C hole vi u s- Könige. berg, Arbeiter Gottschewski und Chaussee Wärter(Bufowski aus Nikolaiken. Rechtsbeistand P a t c z i n s k i gab an. früher in Soldau gewohnt zu haben, dann aber, da er für Deutschland optierte, ausgewiesen worden zu sein. Er habe sich dann nach Nikolaiken begehen, wo er mehrfach unter dem Verdacht, für Polen zu agi- tieren, oerhastet worden sei. C h o l e v i u s erklärte, er sei in Nikolaiken wiederholt von Polen angepöbell worden, da er sich zu seinem Deutschtum bekannt habe. Gottschewski schilderte es ähnlich Auch er fei als Deutscher gehaßt worden und habe keln« Beschäftigung gefunden. Sodann wird der erste Fall der Beleidigungen gegen den Hausbesitzer Hans Albers in der Volksbühne Franz Mo'nar.„Liliotn*- Wieder einmal«in Volltreffer der Volksbühne. Beglückt sieht man dreieinhalb Swnden lang ein in bestem Sinne großartiges Theater und weih, warum es so lange Jahre gedauert hat, bis diese prachtvolle Lorstadtlegend« von neuem auf der Bühne erschienen ist. Weil man bis dahin keinen so wundervollen, leicht- lebigen, lustigen, sich in die Herzen spielenden Llliom entdeckt hatte, wie es Han» Albers ist. Dxr. Ossiliski verhandelt, der sich nicht als Pole bekennen will. Zeugen sagen aus, daß Ossinfki oft auf Deuffch« geschimpft habe. Zu einem kleinen Zwischenfall kommt es. als eine polnische Zeugin erklärt, „wir P o l a k« n sollten alle nach Polen", wobei sie also selbst das „Schimpfwort" benutzt, dos bei dem Angeklagten Gottschewski be- anstandet wurde. Oer polensp'on vorm Reichsgericht. Leipzig. 7. Januar. Der 4. Strasfenoi des Reichsgerichts Hot die Verhandlung im Spionageprozeß Biedrzynfki öffentlich fortgesetzt. Es ist noch nickst geklärt, welcher polniiche Beamte geschossen hat. B. leugnet. geschossen zu haben. In diesem Zusammenhang fragt der Dvr- sitzende: Warum sind fünf Beamte mit Ihnen über die Weichsel gefahren? Angeklagter: Das weiß ich nicht. Ich habe mich auch nicht darum gekümmert. Der verantwortliche Vorgesetzte hat uns darüber nichts gesagt.. Als wir an der Grenze angekommen waren, gab er uns einen Wink mit der rechten Hand, ihm zu folgen. Weiter haben wir nichts erfahren. Vors.: Als de» erst« Schuß in der Paßkontrolle gefallen war, setzte doch auch draußen ein leb- Haftes Feuer ein. Wie erklären Sie' sich das? Angekl.: Die haben doch sicher aus eigenem Antriebe geschossen. Sie glaubten vielleicht, wir seien in dem Kohlcaraum in Gefahr. Vors.: Die Pistole des Leskjewicz, der tödlich verletzt wurde, ist erst am nächsten Tage in dem Kohlenraum gefunden worden. Angekl.: Es ist möglich, daß man uns zugerufen hat, wir sollten uns ergeben. Ich weiß es abe" nicht. L. wurde angeschossen in dem Augenblick, als wir aus dem Sohlenraum herauskamen. Ich sah, daß der deutsche Beamte Sender seine Pistole tief hielt, doch kann ich nicht sagen, daß Sender auf L. geschossen hat. Wahr- scheinlich dachte Sender, er müsse sich vor uns schützen. Uebrigens hat L. gar nicht deutsch oerstanden. Er konnte also auch den Zuruf, sich zu ergeben, nicht verstanden haben. Einen Warnungs- schuß hat Sender abgegeben. Damit ist die Vernehmung beendet. Das Gericht tritt in die Beweisaufnahme ein. Ein Direktor der deutschen Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen erklärt, daß aus her beschlagnahmten Pistole des L. ein Schuß nicht abgegeben worden sei, aber mit vollkommener Sicherheit festgestellt werden konnte, daß aus der Pistole des Angeklagten Biedrzynfki kurze Zeit vor der Beschlagnahme geschossen worden war. Sodann wurden Zeugenaussagen darüber verlesen, welchen De- fund die Paßkontrollstell« am Morgen des 25. Mai aufwies. Dabei ist merkwürdig, daß die Aussagen der Landjäger recht eindeutig darstellten, daß in der Paßkontrolle die Ausräumungsarbeitc» nach der ausregende« Ikachk reckst schnell angeordnet und durchgeführt, oder doch mindesten» von den Beamten der Kontrolle geduldet wurden, so daß eine Spurensicherung im kriminalistischen Sinne des Wortes nicht erfolgt ist. Auch die Behandlung der aufgefundenen polnischen Dienstwaffen ist nicht mit der nötigen Sorgfalt geschehen, ebensowenig hat man über di« Aufsuchung der beweiserheblichen leeren Patronenhülsen einwandfreie Angaben von den Beteiligten«rlängsn können. Dem Gssängntsinspellor von Marienwerder hat der Angeklagte Bjedrzyns kl nach seiner Einlieterung erklärt, man habe die neuesten Gasmasken aus Deutschland angeboten bekommen, es sollten 2500 Mark dafür bezahlt werden, sie, die pol- Nischen Beamten, hätten aber nur 250 Zloty mitgenommen. Wenn es gelungen wäre, diese Gasmasken zu beschaffen, dann hätte der Angeklagt« einen hohen Orden bekommen. Im übrigen habe der?lngeklagte schon 1925 eine neue Quarzlampe aus Berlin auf diesem Wege„besorgt". Der Angeklagte bestreitet die Rich- tigkeit dieser Darstellung. Der erste Zeuge, Krlminalbezirkssekretär S t u l l i ch aus Ma- rienwerder, wird gefragt: Wer hat den ersten Schuß abgegeben? Der Zeuge schilderte seinen Standort in der Paßiontrolle und er- klärte, daß der später verletzte Sender neben ihm gestanden babe. Aber, sagt der Zeuge, der Sender hat nicht geschossen. Ein Sckniß ist hinter mir abgegeben worden. Ich habe den bestimmten Ein- druck, daß dieser Schuß von einem der beiden polnischen Be- amten abgegeben worden ist. Nach diesent ersten Schuß folaten mehrere innerhalb des Hauses. Daun sah ich, daß Sender blutete. Aber auch außerhalb des Hauses ertönten tu dieser Zeit Schüsse. Vors.: Hatten Sie den Eindruck, daß die draußen Schießenden auf der Lauer gelegen hatten? Zeuge: Jawohl, den Eindruck habe ich heute noch. Die pol- Nischen Posten haben wit ja gesehen und sie sind sicher auch vom Kommissar instruiert gewesen, alsbald zu schießen, wenn irgend etwas vorgeh«. Wir haben zunächst kein« Schüsse abgegeben. Später, als Sender getroffen war, haben auch unser« Beamten ge- schössen. Wir haben den schwerverletzten Leskjewicz vorsichtig zum Zollamt getragen, und zwar auf Hinwegen, weil die Straße von den Polen.u nterFeuer gehalten wurde. Weiterverhandlung: Donnerstag vormittag. pilfudsti schädigt Polen. Genf wird es beweisen. Warschau. 7. Jaimar.(Eigenbericht.) Der sozialistische„Robotnik" schreibt, datz die deuffch-polnische Kontroverse tn Genf unabhängig von ihrem Verlaus und Ergebnis Polen großen Schaden zufügen müsse. Vor allein werde die Well etwas über die letzten polnischen Wahlen erfahren. Abgesehen von diesem moralischen Nachteil werde die Genfer Disku'st m Polen auch politische Schäden zufügen, da die deuffch-palnischen Beziehun- gen. deren Besserung alle Verständigen wünschen, durch den Konflikt ein« bedeutende Verschärfung erfahren und die deutsshen Chauvinisten dies zu einem Feldzug gegen das Kabinett Brüning und gegen die bisherige deutsche Außenpolitik benutzen würden. Außerdem sei zu befürchten, daß die deutsch-polnische Diskussion in Genf einen ungünstigen Einfluß auf die beabsichtigte Einberufung der A b- rüstungskonferenz haben werde. In diesem Falle würde die öffentliche Meinung der Well zum mindesten die Hülste der Schuld daran Polen zuschreiben. Die Polen-Dtskusston in Genf, so schließt der„Robotnik", wird demnach beweisen, daß di« Pllfudski-Regierung durch ihre Taktik das beste Propagandamaterial gegen Polen liesert. Di« Regierung von Kuba hat eine Verschwörung entdeckt, die die E i n ä s ch e r u n g d e r Z u ck e r r o h r p l o n t a g e n auf ganz Kuba vom 15. Januar ab zum Ziele hatte. Sie N-t ftrenze Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. ANGEBOTE Inventur. AUSVERKAUF Damen-Schlüpfer 135 KuiistMid* mit ang«fouht«m Futter.•••••.Stüde(•Vzl Unterkleider 095 Charm«UM, reich garniert.............. StOdt|Mx> Jum Bubikragen.» M 75 Mansdietten, aus Kunstseidenrips...Garnitur(«tst m Ripswesten QKL gebogf and mit Faltchen garniert...... Stüde Jetzt Damen-Handschuhe �.o gotridd, rein. Wall....... faar j.tzt 1,85, 95 Pf., �#Pf. Damen-Handschuhe 050 Nappastepper, durchgeh. gefütt.. Paar|«Ht 4,30,%# Damen-Schuhe �60 ladt mit Wildleder kombiniert............ Paar(«tzf Damen-Mäntel zi.... ooso Wollquolitaten. mit Pelzkragen und Manschetten, Stüde letzt �■1 dr MM__ IwiAm�sn r rsrlcss Kroam«., �oo mwm\0 1 Iii%#%i aus gutem Flausch- Stoff, mit eleganter Kunstseidengarnitur.............. 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Wir verlieren in dem Verblichenen einen treuen, stets pflichteifrigen Beamten, der in seiner mehr als fünfjährigen Tätigkeit durch sein freundliches und aufrichtigesWesen uns allen ein lieber Mitarbeiter war und der sich auch In unserer Kundschaft des besten Ansehens erfreute. Sein Hins beiden bedeutet für uns einen groüen Vezlust. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Berlin-Stralau, den 6. JanuarlbJI. Direkiloa dir EnäiBurdt-Srau'rei-Wisagesellahaft. Verband der Bndiblnder und PaDierverorbclier Deotsdilands Ortsverwallung Berlin Den-UUtglicbrru zur Nachricht, bafi unser Knllege. der Buchbinder Lmil Simon Lachmannstraße l. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frettag, dem ü. Innuae. nachmiitag» 2 Uhr. auf dem Niuldllner chemeindesriedhos. Mariendorfer Weg, itaii. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortoverwalliuig. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß aar S. Ja» nnar meine liebe Frau Klara Heinrich geb. Sdtw.be im 6T. Ledensiahr verstürben ist. Die« zeigt iiesdelriibt an Oikar Heinrich, Drunnenftr. 159. Die Trauerfeier findet am Sonn» abend, dem lk>. Januar, nachm 5>/, Uhr. im Krematorium Gertchlstraße Natt MMelMdM-MiliU! Achtung I Verwaitirngsmitgileder! Am Frett»', dem». Januar, abends 7 Uhr, Sitzung der Mittleren Vermal tnirg. Die Orlivcr wallaug. Paul Horscli Berlin- Qewerkschaltshaus . TaboKworea erst. Firmen 1172. Das Beste zu liefern bleibt mein Piinzip! Feinster Apfelwein,.ÜB........ Jetzt Liter 0.72 Johannis- und Stachelbeerwein, süfi.. jetzt„ O.SB Feinster echter Tarragona....... Jetzt„ 1.20 Echter Griechenwein, süB, golden... jetzt M 1.20 Feinster echter Malaga........ jetzt„ 1.36 Prima Weißwein„St. Martiner Berg". Jetzt Fl. 0.7 6 Prima Rotwein............ jetzt'/, FI. 0.75 29 er Liebfraumilch- Nienteincr,...jetzt FL 0.06 Echte rote Bordeauxweine....... Jetzt von 1.20 Echte feinste Weiße Bordeanzwcine.... 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Hufeisen-Siedlung Britz Erweiterungsbau Eiulamilieuhäasar mit Garten: 3er an erster Stell«. Hier treten die Personen plastisch und scharf umrissen hervor, und hier wird ein zwangloser Zusa-mnieichang gewahrt. Wie bei Balzac oder Gottfried Keller ist nichts hinzugesetzt. Alles stammt aus dem Werk des Dichters. Hans Georg Vrennert erweist sich von neuem als geschickter dramaturgischer Bearbeiter, der nicht nur sinn- gemäß, sondern auch nach dem Stimnmngsgehalt die einzelnen Szenen verknüpft oder sie komrastiert. Was ist der Zweck dieser Veranstaltungen? Es gilt, einen weiten Hörerkreis mit dem Schaffen des Dichters bekanntzumachen, darum werden einzelne prägnante Szenen aus dem Ganzen herausgeschält und zu einer neuen drama- tisch-rhapsodischen Einheit verbunden. Bei Keller mißlang es, hier aber ist ein Erfolg zu verzeichnen. Durch die Szenen hindurch kommt die Persönlichkeit Gogols zum Ausdruck. Man fühlt die Kraft dieses Gestalters, dieses Schöpfers des realistischen Romanes in Rußland und dieses Romantikers, der auch Heldenlieder auf vergangene Zeiten sang. F. Sch. Drei Morde an einem Nachmittag in New�ork London. 1. Januar. Blättermeldungen aus New Yov! zufolge wurden gestern nach- nnttag in New Port nicht weniger als drei Mordtaten verübt. In einer Konditorei auf dem Broadway schlug ein allbekannter Täter einer neunzehnjährige» Kontoristin mit einem Hammer den Schädel ein. Ein junger Ilaliener, der Mitglied einer Verbrecherbavde war. wnrde in der 177. Straße mit einem Kopfschuß tot anfgefunden und in Brooklyn wurde ein öOjähriger Saufmann durch eine Salve von Revotverschüssen getötet, die von den Insassen eines Krattwagens abgegeben worden war._ Das Urteil im EÄttger-Schwiubelprozeß. Der Abschluß des-Tenor-Betrugsprozesses, über den wir gestern berichtete», gestaltete sich recht versöhnend. Der Sachverständige- Dr/ Le-p pm cnvn erklärte bat Tenor für tnso Ntrl— was weiten rücht ÄrwunderUch war Rechtsanwalt Dr. Re rw al d-plädierte für Freispruch, der Staatsanwalt beantragte sieben Monate Gefängnis und dos Gericht verurteilte den Ehemann wegen Betruges in einem Falle zu 150 Mark Geld- strafe und sprach die Ehefrau frei. Der Herr Tenor war nahe daran, dem freundlichen Vorsitzenden einen Handkuß zuzuwerfen. Er empfahl sich unter vielen Verbeugungen. Ganz wie m einer Operette. Dos Ianuarpkogramm der Plaza bringt zunächst das Elown- trio der Frätellinis. Zwar sollen das nicht die richtigen Fratellinis sein, aber wenn der Berliner sie sieht, wird er trotzdem bestimmt sagen: Die Sache ist richtig. Notabene.'wenn er vor Lachen überhaupt dazu kommt, etwas zu sagen, denn der Zauber. den die drei verzapfen, ist wirklich toll. Man muß sich vor Lachen biegen. Eine ganz kesse Bolle ä la Etaire Waldvfs ist.Ada Daros im hnmoristischeu Kraftakt der beiden Daros. Erstaun- lich ist es, wie urplötzlich auf allen Varietes sich di« alz längst überhott geglaubten Schlangenmenschen wieder bemerkbar machen. (Ehester Kingston, in der Maske eines Ehinesen, vollbringt mit seinem scheinbar knochenlosen Körper in der Tat unfaßlick: Dinge. Die zwei Frindt- sind ausgezeichnete Parterreakro- baten. Die sechs Orelli- Akrobaten würzen ihre prächtigen Künste dadurch, daß sie sie von zwei wunderbaren Pudeln um schwärmen lassen. Ein besonderes Wort der Anerkennung verdient Kapellmeister Otto Stenzel, der nicht mir temperamentvoll. sondern auch mit liebenswürdiger Laune dirigiert. Die Bitte für den Weltfrieden. Gen. Pfarrer Vleier. der be- kannte Kanzelrcdner und Pazifist, spricht aM Sonnabend, dem 10. Januar, abends 7 Ii- Uhr, im Rohmen einer pazifsstischen Feier- stund« im Gemeindesaal in Berlin Steglitz, Mittelstr. 33(Zuganc, Brette Straße) über das Thema:„Die Bitte für den Weltfrieden." £s QG&t weiter! 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Ein Posten wundei-voller Fohienmäntel bellet Slurl Studolf tieuberl: Slllltdß Hilf Ich sehe euch zu. chr lieben Kinder. Hinter der Gardine stehe ich und achte auf euer Spiel. Ich sehe eure Augen leuchten und die junge Krcrt in jeder Bewegung. Wenn ich die Augen schließe, llingen eure lauten Kinderstimmcn gedämpft, und ich habe einen ichöncn Traum. Ich weiß nicht, ivas besser ist: wenn uirscr Leben Traum wird oder unser Traum Leben? Aber ich will jetzt nicht so weit denken, ich will mit euch plan- dern, ihr Jungen und Mädchen, es soll eine seine Stunde werden. Tot und schrecklich wäre dieses große Haus, wenn ihr nicht märet, ihr Jungen und Mädchen. Ihr aber macht es lebendig mit eurem Lachen, das niemals müde wird. Es wird mir warm ums Herz, wenn ich euch auf der Treppe höre, auf dam grünen Rasen tanzen oder in der Laube Schule spielen sehe. Eure Stimmen werden dann oft laut und klingen durcheinander, und es ist keine Ordnung bei euch. Die großen Leute im Hause werden bald un- willig und s6)elten euch von den Fenstern. Wenn ihr einmal über- inäßig laut seid, dann stelle ich mich nur ans Fenster und schaue euch an. Da seid ihr still, und es wird wieder Ordnung bei euch. Junges Voll muß manchmal laut fein, darum schelte ich euch nicht, über ich freue mich, daß ihr meinen Blick versteht. Warum soll ich euch schelten? Das Laute an euch rst drängende Kraft. Eure frohe Kraft jauchzt auf, um ihr eigenes Jauchzen zu hören. Und hinwiederum seid, ihr manchmal so recht still und fein. Da bleiben die Bälle und Reifen auf der Erde liegen, und ihr sitzt und plaudert von kleinen, dummen Dingen so ernst, so klug, und eure Kinderwünsche steigen aus dem pochenden Herzchen. Dann trete ich lcise ans Fenster und höre und lächle, bis einer von euch nicht inehr stille sitzen kann irnd mit dem Reifen davonläuft. Daim iprrngen die aicheren lachend noch, und eure Kindersorgen»lid Kiudcrwünsche sind im Nu vergessen. Wie wünsche ich mir manchmal, daß ich so leicht vergessen könnte wie ihr. Kinderkuimner Hot hell«, leichte, slüssige Tränen. und dieser Stroin kindlicher Tränen schwemmt alles Betrübende aus den kleinen Herzen fort. Aber die Tränen der großen Menschen. Viele verbluten daran, denn sie können nicht weinen und lachen in einein Atcniziige wie ihr. Weinen und lachen in einem Atem- zugc, ihr könnt es, ihr dort uMer meinem Fenster. Ihr wißt nicht, welch tiefer Sinn in curein Spiel liegt. Jh.' spielt das Leben. Vorwärts kommt, wer feine Hände regt. Aber auch hier sehe ich, daß die Tücke des Nächsten oft über die Anftän- digkcit des andere» triumphiert. Da hilft' keine Aufmerksamkeit, kein Regen der balllzoschenden Hände, wenn es dem bösen Nach- iKtrn nicht gefällt. Und mit Triumphgeschrei stürzen sich die Lauern- den auf den frcigewordenen Platz. Ihr spiell draußen auf dem Hofe, und ich sitze hier im Zimmer und-red« zu euch, ohne daß ihr es hört. Und jader von euch, den ich so frage, so lzeimlich unhörbar frage: gibt mir auch Antwort, ohne daß er es weiß. Was an euch ist, gibt mir die Antwort, euer Blick, eure Stimme, euer Gebaren. Wenn ich dich, blonder Hans, so heimlich, unhörvor frage, was du wohl werden möchtest, so antwortet mir, ohne doß du es weist, dein heller, suchender Blick. Und wenn ich dich, kleines. zortcs Grctcl, so heimlich, unhärbar frage, ob du gern singst, ob du die Vögel liebst und die weißen Wolken, so antwortet mir, ohne doß du es weißt, der verträumte Klang deiner Stimme. Ihr hüpft, lacht, singt, und ich schaue euch.zu. Und es wächst das Wissen in mir, wer von euch der Mutter gern folgt, wer ihr schwere Stunden bereitet. Da schelte ich dich, wilder trotziger Huern, der du den Ball immer so wirfst, daß dein Nachbar ihn unmöglich saugen kann. Es ist ja nur ein Spiel, und der Zweck dieses Spiels, den anderen vau seinem Platz zu vertreiben, aber dein Lachen, Hugo, ist so grell, und kein.« Siegcrsreudc. nur Schadenfreude gliinmt in deinen unruhigen Augen, wenn du dein Ziel erreicht hast. Da schelte ich dich, so heimlich, unhörbar. Und mir ist bang um dich. Aber bald gibst du mir Gelegenheit dein« Rstterlichkcit und deinen Mut zu bewundern. Die kleinc Hanne l>at-den Ball in mein Zimmer geworfen, er ist verloren, gefangen, alle sind ratlos. Ich fetze ein recht böses Gesicht ouf und schaue zum Fenster. Da ist der Schwärm in alle Wind« zerstoben. In die Laube, hinter den Roscnbusch, in die Housecke haben sie sich geflüchtet. Befriedigt trete ich zurück. Hinter der Gardine warte ich die weitere Entwicklung der Dinge ab. Langsam kommen sie aus ihren Verstecken hervor. Sie wagen sich bis zu meinem Fenster und beratschlagen. „Hann? muß ihn holen!" brandet, die öifentliche Meinung unter.neinein Fenster in immer lauteren Wogen. Hanne fürchtet sich. Hanne weint. Da wirft sich Hugo in die Brust und sagt heroisch:„Ich gel)«!" Sie lasse» ihn ziehen, in ein ungewisses Schicksal. Ick) habe den ivilden Kerl sthon manchmal über das Knie gelegt, wenn seine Streiche das Maß überschritten. Hugo klingelt jetzt. Erst zaghaft. Dann lauter. Ich öffne nicht. Aber aus dem Hose bittet jetzt Gretol so lieb, daß ich den Ball freiwillig zurückgebe. Eine Stunde ist vergangen. Der Kinder Spiel ist nicht mchr � so laut. Manchmal ist alles ganz still. Nur eine Stimme scheint noch Geltung zu haben. Es ist Gretels seine, träumende Stimme. Ick) stehe wieder vom Schreibtisch aui und trete ans Fenster. Da sitzen sie alle in der Laube, und Gretel liest Märchen vor, mond- ichdn, zarte Märchen. Hugo ruft zwar:„Quatsch! Lies lieber was von Räubern!" Aber man aastet nicht auf ihn. Ich höre ein Weilchen z», imd«ine stille Andacht kommt in mein 5)erz. Wanim Hab ich euch so lieb, ihr Jungen und Mädchen? Weil ihr die Augen niederschlagen müßtet und eure Wangen rot würden, wenn ihr einmal unwahr reden wolltet. Darum Hab ich euch so lieb, weil ihr ein schlimmes Wort, das ein böser Mensch zu euch spräche, nicht verstehen könntet. Weil eure 5)erzen rein sind. Und darum muß ich euch so lieb haben— nur ist meine Liebe hier bang und traurig—, daß es einmal sein könnte; daß ihr unwahr reden könntet, ohne die Augen niederschlagen zu müssen, ohne rot zu werden; daß ihr einmal das schlimme Wort, das ein böser Mensch zu euch spricht, verständet. Weil eure Herzen nicht mehr rein sind... Ich habe euch so lieb, ihr Jungen und Mädchen. Es ist euch eine große Macht gegeben, ihr kleinen Menschen. Ich kenne Große, die sich verloren hatten und nur durch das Kind, chr Kind sich von neuem fanden zu besserer Gemeinschaft. Da steht dos unschuldige Wesen zwischen den beiden Meivchen, die sich nickst mehr lieben zu können glauben, und es wird ihnen alles wieder klar vor lange verdunkelter Seele, was sie sich gewesen sind, was sie sich gegeben haben. Da stürzen sie sich wohl wieder in die Arme... Ich glaube, wenn jeder Mensch im entscheidenden Augenblick daran denken würde, wie rein sein Herz, seine Gedanken waren, als er, ein aushorchendes Kind, zu der Mutter Füßen faß, ich glaube, wir hätten nicht soviel selbstverschuldetes Elend in der Welt, es gäbe weniger Diebstähle, Morde, Ehebrüche. So sinne ich, und die Kinder sitzen in der Laube und Gretel liest Märchen vor mit ihrer singenden Stimme.. Da rufen die Mütter. Leben kommt in den Kreis. Man springt auf. man bittet laut:„Noch nicht! Noch nicht!" Nur Gretel sitzt ganz füll. Aber dieses Mädchens Mutter ruft am lautesten. Es ist keine schöne Stimme, die da ruft:„Gretel, Herrgott, wo steckst du denn?" Da wundere ich mich, woher das Mädchen disfr singende Stimme hat. Nein, ich wundere mich gar nicht, warum das Mädchen Märchen so liebt... Mit heißen Wangen, zerzausten Haaren gehen die Kinder, gehorsam, traurig zwar. Der Hof ist leer. Ar. 3k. Srmnce: 9>flansenleben in heiftemWatfer Wenn man glaubt, daß bei 40 Grad Wasierwärme. also in einem Waffer, das uns brühheiß erscheint, alles Leben erstorben sein müsse, so täuscht man sich. Ich kenne einen Punkt der Erde. wo ei» Pflanzenlcben in heißem Wasser vorkommt. Die wunder- schöne Stadt Budapest in Ungarn ist nicht nur einer der land- schaftlich und baulich merkwürdigsten Orte in Europa, sondern auch eine Bäderstadt. Auf der Gebirgsseite der Doppelstadt an der Donau rauschen überall heiße Quellen in überwältigender Mächtigkeit, und wo man den Boden durch artesische Brunnen in der Tiefe erschlossen hat, da dringt ein heißer Sprudel in solcher Menge hervor, daß man den größten Teil ungenützt verrinnen lassen muß. So hat man es auf der M a r g a r e t e n i n se l getan; einen Bruchteil des 70 und 80 Grad heißen Wassers verwendet man zu Bädern; den größeren Rest ließ man in einem dampfenden szeißwasserfall in die Donau rauschen. An diesem Wasserfall: der die Hand verbrühte, die unbedacht hineingrifs, habe ich früher oft gesessen. Denn mir gefiel das hübsche, malachitgrüne und bron.zebraune Wallen und Gleißen auf den Sprudelsteinen, und es zog mich immer gelieimnisvoll an, doß in diesem fast siedenden Wasser auch Leben war. Das wußte ich näm- lich; hatte ich doch mit meinem Vergrößerungsglas schon manchen Spaziergang in dieser merkwürdigen Heißwasserau unternommen. Ein üppiges Pflanzenlcben herrschte in diesem ivahr- hasten Kochtops. Da waren blaugrüne Fäden, schraubenförmig gewunden; voll lustiger Beweglichkeit krochen sie durcheinander wie kleine Schlangen. Da sahen ganze Polster von amethystblauen, türkischgrünen oder brandroten Kleinpflanzen, und winzige dlamani- glänzende Silberjchistchen zogen vorbei; erfüllt von Goldkörnern. und frisch, unversehrt, quick-lebendig, trotzdem das Wasser, in dem sie leben, brodelte und danipsie. Ucbrigens mar das, wie ich wohl ' wußte, nicht der einzige Fundort für„Thermalalgen", aber ihn habe ich am besten studiert, und ich habe mich davon überzeugt, daß diese Kleinpfianzen nicht gedeihen, sondern sogar bald absterben, wenn man sie in kühlerem Wasser' oder gar in eissrischem Wasser hält. Man hat an anderen Orten, zum Beispiel im Karlsbader Sprudel, der 72,5 Grad l)«!ß ist, auch in Japan und Amerika, Thermalalgen kn 85 Grad heißem und ssedendcm Wasser gesunde»? :?si, wieder anderen Stellen seh man mit ihnen auch.Schnecken einträchtig in 60 Grad heißem Wasser beisammenleben. Jedenfalls ist es durch diese übereinstimmenden Zeugnisse sichergestellt, daß es auf Erden im ersten heißen Urmecr Pflanzen gegeben höben kann. Das ist ober noch nicht alles. Man hat entdeckt, daß es Bazillen gibt, die noch weit mehr Hitze ausl)alten. Es ereignet sich in der Landwirtschast immer wieder einmal, daß eine Heumiete, namentlich nach vorausgegangenem langen Regenwetter, unter Umständen ab- brennt, die jeden Verdacht der Brandlcgirng oder Unvorsichtigkeit russchließen. Man spricht dann von Selbstenlzündung des Hedes und hat nach langem Bemühen auch den Ucbeltäter entdeckt. Man nemtt ihn den wärmeliebenden Bazillus— Thermophilus heißt dos in der Wissenfchaftssproche— und man glaubt, sein Leben in folgender Art andeuten zu können. Er atmet so heftig, daß er davon heiß wird. Bis zu 110 Grad, also über Siedehitze, kann er seine Umgebung erwärmen. Zwar stirbt er selbst oft daran, aber doch nicht immer. So ist er ein Zeuge dafür, daß es wirklich fo etwas wie Feuerwefcn gibt und natürlich auch früher gegeben haben kann. Daß es gerade einfache und allereinfachste Geschöpf« sind. denen das Leben in so einem Kochtopf behagt, schmeichelt natürlich der zudringlichen Vorstellung, daß einmal alles Wasser auf Erden Therm alwasfcr gewesen sei. Sosort ist die Phantasie bereit. ein Kolosialgemälde zu entwerfen von einem dampfenden Urmeer, das belebt ist von buntfarbigen Algen, die eben überall ausgestorben sind, seitdem dieses Meer aufgehört hat zu dampfen, und die sich nur dort erhalten haben, wo als die letzten schwachen Erinnerungen an die viillanische Glut des Erdinnern noch heißes Wasser ans Licht dringt. Man hat dieses Bild auch weiter ausgemalt, denn, so merkwürdig es klingt, die gelehrt« Phantasie steht der künstlerischen in nichts noch. Es gibt an den Universitäten genug hochansehnliche Werke, in denen man die„Hypothese" vom kochenden Urmeer ganz ernsthast verkündet lesen kann. Aber wie van einer fernen und uralten Sage ist davon vielleicht gerade nur ein einziges Wortchen wahr und wirklich, nämlich: daß es heute ein Leben in heißen .Quellen gibt. Alles übrige ist Zutat- der Phantasie, Wunsch. Sehnsucht nach Wissen, die ein Lustschloß gebaut hat. 3)r.%runo S&ordiardi: Hat diese Frage überhaupt einen Sinn? Kann.man denn die Erde auf eine Waagschale legen und durch Gewichte ihren Druck auf die Unterlag«, also ihr Geruicht, bestimmen? Nun, das kann man ganz gewiß nicht, und doch ist die Frage nickst so unsinnig, wie es auf den ersten Blick scheinen möchte. Freilich ist sie nicht ganz korrekt, es handelt sich nicht sowohl um das Gewicht der Erde, als ! um ihre Masse. Im allgemeinen interessiert uns die Masse eines ' Gegenstandes viel mehr als fein Gewicht; wenn die Hausfrm ein ! Pfund Butter oder Zucker oder sonst etwas kauft, so kommt es ihr auf die Menge, nickst auf das Gewicht an, und nur weil die Massen- emheit mit demselben Worte Pfund bezeichnet wird wie die Ge- wickstseinheit, fetzt man die beiden im allgemeinen Sprachgebrauch gleich und wird sich nicht klar darüber, daß es im Gninde zwei ganz verschiedene Begriffe sind. Die Masse eines Körpers ist etn>>is Unveränderliches, überall Gleiches, während sein Gewicht durchaus von seiner Umgebung abhängt; wenn wir Gepäck von 50 Kilo- graimn auf die Reise nach Aegypten mitnehmen, ja ist es dort etwa 100 Gramm leichter geworden, während es bei einer Reife in die Polorgegcnden um etwa l00 Gramm schwerer wird. Mit einer gewöhnlichen Waage können wir das freilich nicht feststellen, weil ja die Gewichtsstücke, die wir zum Bergleichcn benutzen, ebenso viel an Gewicht zu- oder abnehmen wie unser Gepäck. Mittels einer Feder- waage, bei der das Gewicht durch die Alisdchnung einer elastischen Feder gemessen wird, würden wir die Gewichts verändern».; sehr wohl feststellen können. Sie rührt daher, daß wir wegen der Gestalt der Erde, die nicht genau tugelsörmig ist, in den Polargegenden dem Erdnüttclpunlt, der zugleich ihr Schwerpunkt oder Anziehungspunkt ist, etwas näher sind als in unseren Breiten, und hier noch etwas näher als in Aegypten oder gar am Aequator. Aach beim Auf- steigen im Luftballon oder Flugzeug kann man mit einer seinen Faderwaage den Gewichtsverlust jeder Masse sehr wohl feststellen. Denken wir uns gar irgendein Massenstück aus den Mond versetzt, so würde es dort erheblich weniger wiegen als aus der Erde, nur etwa den 6. Teil, auf der Sonne dagegen würde es 27'- mal so schwer sein, obwohl die Masse hier wie dort unverändert dieselbe wäre. Aber hat denn auch die Frage nach der gesamten Masse der Ende einen Sinn und läßt sie sich überhaupt beantworte»? Nun, Interesse hat die Frage vor allem für die Astronomie. Die astro- nomischen Berechnungen beruhen ja auf dem allgemeine» Massen- anziehungsgesetz, das von Newton am Ausgang des 17. Jahr- Hunderts(1686) aufgestellt worden ist, und nach welchem sich di? Massen der Sonne, des Mondes, der Planeten in Vielfachem der Crdmass« ohne weiteres bestimmen lassen. So finden wir, doß der Mond mir ein Achtzigstel, der große Planet Jupiter das Zillfache, die Sonne gar über das Z�llOYfache der Erbmasse enihält. Schv» um die Kräfte, welche zwischen diesen Massen wirksam sind, genau zu bcstitmncn. wäre es wichtig, die Massen selbst nicht nur im Ber- gleich zu derjenigen der Erde, sondern ihrem absoluten Werte nach zu kennen. Astronomen waren es denn auch, welche die ersten Messungen zur Ermittlung der Erbmasse anstellten. Die lieber- legung dabei war solqende: Man weiß, mit welcher Kraft irgend- ein Körper an der Oberfläche der E�e, also in der Entfernung ihres Halbmessers von ihrem Schwerpunkt angezoaen wird. Ließe sich bestimmen, mit welcher Kraft auf denselben Körper eine be- tonnte Masse in einer genau bestimmten Entfernung an.zieliend wirkt, so würde eine sehr leichte Rechnung das gewünschte Resiiltot ergeben. Der erste, der sich an diese Aufgabe wagte, war der eng- lische Astronom Maskelyne im Jahre 1771. Er sagte sich, doß ein gewalliger Berg wohl imstande sein müßte, ein leichtes Pendel aus seiner vertikalen Lage, also aus der Richtung nach dem Erdmittelpunkt.«in wenig abzulenken und auf sich hinzuziehen. Die genaue vertikale Lage legte er durch astronomische Beobachtungen iest, und in der Tat zeigte ein Pendel in der Nähe eines großen Berges in Schottland hiervon eine geringe Abweichung. Man gibt nun gewöhnlich nicht die Masse der Erde selbst an. die ja«ine un- geheure Zahl ist, sondern teilt sie durch ihren Rauminhalt(1083 Trillionen Kubikmeterl, n>odurch man die durchschnittliche Masse eines Liters erhält, die man als Dichte bezeichnet. Für diese Dicht« fand Maslclyne das überraschende Resultat 1,7, d. h. im Durchschnitt entl)äll die Erde in einem Liter 4,7, also fast fünfmal so viel Masse als das Wasser, von dem l Liter einem Kilogramm entspricht. Ileberroschend war das, weil ja die Gesteine, welche die harte Erd- lruste bilden, kaum mehr als ein halbmal so dicht sind. Es Ist nicht verwunderlich, daß man daher nach genaueren Meßmethoden, womöglich mit Benutzung einer Waage, suchte, zumal ja die Mass« des Berges von Maskelyne mir ungenau hatte geschätzt werden können. Nun war zur Ermittlung magnetischer und elektrischer An- Ziehungen die sogenannte Drehwaagc konstruiert worden. An einem seinen Seide, ifaden hängt waagerecht ein leichter Stab, der an seinen Enden kleine Kugeln trägt. Nähert man diesen große Bleikugeln, so können sie deren Anziehung im> so leichler folgen, als sie sich ja nur horizontal, also nicht gegen die Schwere bewegen, sondern nur durch die Drillung des Seidenfadens in ihrer Lage gchallen werden. Sie gel)en also ans ihrer Lage heraus und nehmen nach einigen Schwankungen eine neue Gleichgewichtslage an. Aich diesem Wege bestimmte L ord Henry Ca vcndish, ein Sonderling, der sich als Chemiker verdient gemocht hat, die Dichte der Erde zy 5,45, also fast 55$, ma« sicherlich ein genauerer Wert mar als der früher von Maskelyne gefundene. Die genaueste Bestimnuing ist am Ende des vorigen Iah!.'- Hunderts von einigen deutschen Physikern, Arthur Käueg. Franz Richarth, Otto Arigar-Mcnzel, mit Hilst der Waage, die miittcrweile ja zu einem sehr genauen Präzisionsinftru- ment geworden war, ausgeführt worden. Man baute einen ungeheuren Bleiklotz von mehr als 100 000 Kilogramm in den Kasematte» von Spandau auf, über den man eine sehr genaue Präzisianswaoge stellte. Zln den Waagschalen waren fein« Fäden befestigt, welche durch den an den betreffenden Stellen durchbohrten Blcitlotz hindurch gingen und an ihren unteren Enden wieder Waagschalen trugen. so daß die Waage je zwei Schalen über und unter dem Bleiklotz hatte. Legte man nun von zwei als ganz gleich sestgeftellien Massen die eine ouf eine obere, die andere auf die ihr das Gleichgewicht haltende untere Schale, so blieb die Waage nicht im Gleichgewicht, da ja der Bleiklotz auf die eine Masse herabziehend, auf die andere herauf- ziehend wirkte. Natürlich wurden alle Vorsichismaßnahmen, di« bei Präzifionswägungen notwendig sind, wie Schutz gegen Luftbewe- gungen durch Glaswände, Bermeidung jeder Temperaturänderung, daher Beobachtung durch Fernrohre, automatisches Auflegen und Entfernen der Gewichtstücke von den Schalen usw. auch bei diesen jahrelang fortgesetzten Messungen beachtet. Die Sorgfalt, mit der vorgegangen wurde, ist wohl daraus zu ersehen, daß nn Jahre 1881 mit dem Zlusbau zu den Messungen begonnen wurde, und erst im Jahre 1898 der Bericht über die Messungen und ihre Ergebnisse der Berliner Akademie der Wissenschaften vorgelegt werden tonnte. Als Resultat ergab sich 5,505, welche Zahl seitdem als der sehr gut ix- stimmt« genaue Wert für die Dichter der Erde gilt. Um die Mass« der Erde selbst zu erhalten, ist dies« Zahl»och mit ihrem Rauminhalt, also mit 1083 Trillionen Kubikmetern zu mulliplizieren, wobei, um die Masse in Kilogramm zu erhalten, noch zu beachten ist, daß ein Kubikmeter 1000 Liter enthält. Es ergibt sich die ungeheure Zahl von 5 961 915 mit 18 angehänzten Nullen, d. b. 5 961 915 Trillionen Kilogramm oder auf Zentner umgerechnet fast 120 000 Trillionen Zentner oder 6000 Trillionen Tonnen. Falls die Erde, wie manch« annehmen, durch Zusammenstur; von Meteoren entstanden ist, wie sie mich jetzt noch beständig durch das Auffallen von Meteoren wächst, und wenn wir annehmen, daß in jeder Sekunde ein Meteor von einem Zentner hinzugekommen sei, so waren doch 1000 Billionen Jahre nötig gewesen, um dle ge- waltige Mass: der Erde zusamckien zubringen. Bei so ungeheuren Größen verschwindet jede Möglichkeit einer Zlnschauung. Um so bewundernswerter bleibt es. daß wir imstande waren, aus den lang- samen Schwingungen unif kleinen Ausschlägen einer Waaae im sorg- fällig abgeschlossenen Raum Schlüsse über sa unfaßbare Größen mit derselben Sicherheit zu ziehen, als handeüe es sich um ganz alltiigliche und jedem verirnnte Dinge. Allgemeine Wetterlage. 7. Jan. 4934, abds. 0vwjll4 Uhr Funküsnärststuna bei Grvmmcck. Eanderstr. 10.— 0». Abt. 10i... ufo bei Schabe ikow. Wcichselstr. Z, Funktionärverl-mmlung. — 03. Abt. ISZH Uhr Funit-onärversammluna bei König, Böhmische Strafte. Jeder Bezirk mnft vertreten sein.— 96. Abt. 19V? Uhr bei Keusch. Jäge-str. 10, Sistuuq des Lorstandes mit allen Funktionären, Kommisstons- milgliedern und Beiriebsnertrauenslsuten. Jeder Bezirk muft oertreten sein. — 07. Abt. 19 Uhr Funktionärststung bei Rohr, Sicgfriedstr. 19.— 08. Abt. 101*. Uhr Funktionärststung bei Roack, Juliusstr. 21. 00. Abt. Brist. Buckow. 20 Uhr Funktionäroersannnlung bei Bericr, Brist, Elmussetstr. 97. 1«. Abt.«anmlckulenweg. 19U Uhr Funktionärststung im Lokal von Saft, 108. AW. Köpenick(südlich der Spreel. 20 Uhr Sistung des Abteiluugsvor standes mit allen Funktionären. Stellungnahm« zu den Reitwahlen. Stippe» kohl, Schönerlinder Str. st. >18. Abt. Lichtenberg. 19V� Uhr Funktionärkonferenz bei Sartmann, Rosen- thaler Ecke Jrenenstrafte. Stellungnahme zur Reuwahl de« Borstandes. Alle Funktionäre müssen»scheinen. 121. Abt. Mabledoet. 20 Uhr im Lokal E, Anders, am Bahnhof, wichtige Sistung aller Funktionäre der Abteilung. 121a. AW. Mahlsbors, Süd. 20 Uhr bei Traber, Uhlandstr. 18, Funkiionärststung, 129. AW. Pankow-Rol». 20 Uhr Funktionärkonferenz mit den po» den Bezirken gewählten Bezirksführcrn. 130. Abt. Reinickendorf. Oft. Freitag findet keine Abrechnung beim Genossen M-iscr statt. Fraueoveranstaltung. 130». Abt. Tegel. Frei« Schalle. Donnerstag, 8. Januar. 20 Uhr. im Jugrnb- heim Hrrmsdorfer Strafte Frauenabend. Berich:« und Reuwahlen. Vezirksausschuh für Arbeiierwohlfahrt. 1. Keei, Mitte, 7. Abt. Freitag. 9. Januar, 20 Uhr, bei Betrau, Pflug- strafte 1. Sistung aller in der Wol>,'ahr:st'flcge tätigen Genossinnen und Sc- Nossen, Wichtige Besprechung. Erscheine» aller notwendig. Arbeitsgemeinschaft der kinderfrcunde Groft-Äerlin. Krei» Weiften'ee. Am nächsten Donnerstag, dem IZ. Januar. Kreishelfer- ststung um 20 Uhr beim Genossen Schulz, Hohenschönhausen. Am Faulensre 3. Ersuche alle Leise!: stch diesen Tag frei zu halte» und pünktlich zu erscheinen. Elternobleute und hiermit ebenfalls oinqelode». Sohenschinhansen. Ab heute beginnen wieder unsere ZusamineiMust«. Leute, Donnerstag, im Jugendheim Freienwalder Sir. 6, 17 Uhr. Faliennoll- Versammlung. Wir ersuchen alle pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Eltern schickt die Beiträge mit. Geburtstage. Jubiläen usw. ». Abt. Unser langjährige« Mitglied, Gen. Keinrich Ibold, Rathenow» Strafte 1», wird am heutigen Tage 70 Zahee alt. Wir gratulieren herzlichst nnb wünschen, daft er nach manche Jahre in aller Frische für den Sazialismu» mit uns gemeinsam wirken möge. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 33. Abt. Am 1. Januor verstarb nach langem, sckiwcren Leiden unser lieber Genosse Rudolf Kieneri. Eldena» Str, 30. Ehre seinem Andenken, Di« Beerb!- gung sinbct heute, Donnetstog, 13 Uhr, von her Lalle des Jentraüricdho's Friedrichsfcldc aus statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 80. Abt. Neukölln. Am 3. Januar verstarb unser« Genossin Helen« Grenz, Nansenstr. 31. Ehre ihrem Andenken, Die Trauerfei» findet Donnerstag, 8. Januar. I8V2 Uhr, im Krematorium Serichtstrafte statt. Rege Beteiligung wird erwarlet.' 90. AbL Brist-Bucko«. Am Dienstag, dem 8, Januar, starb umcr i'lenoste Kurbel, Euderoder Sit. 1, an den Folgen einer Grippe und Lungenentzündung im 11. Lebensiahrc. Wir verlieren in ihm cinen rührigen und üderzeugungs- treuen Genossen, dessen Andenke» wir in Ehren haltcu werdest. Di» Ein- üscherunq findet statt am Soilnadsnd, dem 10. Zanuar. 191- Uhr, im Krema- torium Gericht ftrofte. Um rege Beteiligung wird gebeten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin aiasendmiae» ffa»lese Bub est« Seelto S7S«8. ckdenOmbe J e an da« JuaoiMefretaitot Sondervarfiellnng der Lalksbühne am 2l>, Januar. In Uhr, Gespielt wird »Das Wintcrmärchcn", Edmulpiel von Shakespeare. Karten zu 80 Pf. für Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren stnd zu haben. »Arbeiterdichtung". Zentraler Vortragsabend am Montag, dem 12. Januar. pünktlich 19'., Uhr. im Sistungskaal des Bezirksamtes Kreuzberg. Porckstr. 11. Referent: Genosse Dr. Karl Schröder. '■ Leute Beginn de, MädcUursna über Franensragen pünktlich tr-J 20 Uhr im Borlragsiäal des Larlrivorstandes, SW.. Lindcnstr. 3,' l�i ll. Lok. 2 Treppen links, Dcnosst» Malhilde Wurm, M, d, R,. spricht 1 sss über:»Die Frau in Staat und Politik", Alle Mädel müssen kommen, t die Burschen stnd hierdurch ebenfalls eingeladen. Abteilungsleiter! Reicht umgehend den Bmichtsbogen für das IV. Quor- tal ein. Jahresmiigliederversammlungen. heule. Donnerstag, 19'■- Uhr; Norden: Leint Lorsting- Ecke Graunstrafte,— Falkplost l: Schule Soiiiien- burger Str, 20.— Köpenicker Viertel: Sck.ule Wrangelstr, 128.— Kottbnsser Toe: Leim Brister Str. 27—30.- Südwest: Leim Llndenstr. 1.— Schöne- Weg IN: Seim Lauptstr. 13.— Rriaickendors-West: Seim Seidelstr. 1, Aenswolber Plast N: Seim Rastenburger Str, 16. Tagespolitik.— R-rd- oft«» Ii! Leim Jiilinanutlkirchstr, 21.»Einführung>» den Sozialismus, I. Teil.— Prenzlauer«orftodt: Seim Sleimstr. 33- 33(Volks, peuehallel,„® c gehen wir auf Fahrt?"— Schönhauser voistadt: Schule Sonnenburger wtr. AI, „Das neue Ruftland,"— Lalleschrs Tor: Leim Borckstr. 11. Arbeitsgemeinschaft. — Lichtenberg.Rordwest! Baracken. Funktionärststung.— Tegel: Leim Bahn- hofstr. 13. Tagespolitik,— Wittenau: Bestiä) des Kursus der Arbeiterblldungs- schule, Reinide, idors.West. Auguftc-Viktprio-Allee 3(Schult. Lchrtrzimmerl. Thema:»Bolschewismus unk Faschismus". Lördelrag IM.— Rieberschön- bausen: Kursus 11 bei Laftlorlk. Eichenste. 30.»». Werbedezirk Mitte: Heim Köpenickcr Str. 92, vistung des engeren Wrrdi bezirtsvorstandes,....,...»» �-. Aerbebezirl Reulölln: Die Aebeitsgemeiuschait Mit drr Genosstn Torhorit fällt aus. Nächste Fufamineickuirft Donuerstag, 13. Januar. 3n der Dachhallc des korstadt-haus« herrichte lehensaefährlicher Andrang: Die Kupellc Starikow- Stupel veranstaltete ihr .300. Konzert. Ihre schmissigen Darbietungen wurden bereichert durch Gcsangsoorträge von Rudi F e r n a u und Kammersänger Wilhelm/ der u. a. die„Gralserzählung" aus Lohengrin und deutsche, nissische und italienische Lieder vortrug. Paul E r d t° in a n n hatte die Conference übernommen: er produzierte sich eben- falls als Sänger, auch in Gemeinschaft mit dem Lautenhumoristen Louis Frank. Als ganz große Nummern waren T r a n s l o t« u r aufgeboten worden, der zwei seiner Walzer dirigierte, und� Willi Rosen, der am Flügel seine allerneuesten Schlager,„Tert und Musik von mir", zu Gehör brachte. Das Publikum fang die Refrains mit, laut, vergnügt und— musikalisch: ebenso, raie es beim Schwung Translaicurfcher Werke sinnvoll im Takt klatschte, Der zwölfjährige Josef Starikow bewies sich als talentvoller, wenn auch technisch noch nicht ganz fertiger Violinvirtuose. Bad Kudowa. Der Bcsuck des silr Wintrrkuren bestens«'ngeriHteten Badr s war bisher durchaus bcfcicbiftwib. Die feftöne neue Trink- und Wanoelhalle blnvcihi-t sich auch in'de? ksstt«» IahreS�kis äus«7e�ichnl'l: sie in uefrFn brn 5?irrfc«I Aum aJliitclpunki,' des Winterlichen. Surledeus geworben, zu desieu Br lcdunq die täglichen Konzcnc einer guten Kapelke Ves�ntjich beitragen.?:e sogenann-ten Pausätalkuren, bei welchen für den ermoftiaten Preis von 238 M. für eine 28tägigc Hur Wohnung, Berpfleaung, Trinkgelder, die naiürliäx'n �.ur mittel(kohlensaure Bäder) sowie är�Uiche Becjoaur.ig geboten werden. tcftcuen stch, wie es anpesiihts der derzeitigen wirtsdxrstlikheii Verhaltnisse verständlich ist, stciaender Beliebtheit. Verantwortlich ftlr Politik: Birtor Schift: Wirtschaft: G. KNnaelbifer: Scwkrisd'astsbewrni'na: I, Steiner; Feuillet»»: Dr. John Schikoipsli: Lokales und Sonstiaes: Frist KnrstäW; Anzeiaen: Tb.«locke; sämtlich in Beilin. Verlag: Vorwärls-Bcrlaa G m. b. L.. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckerei und Berlagsanftall Vau! Siuaer u. Eo.. Perlin SW«8» Lindcnftrafte 3. Hierzu 2 Pritaaen und.Frauenstimme". Theater, Lichtspiele usw. WinNsj, > Garten■ Tlol. 5 u.»'/, Uhr— B 5 Barb. 92&6 Nachm. 60 Pf." bis 3 M,«bonds 1— S M Bfnt«U tu. Goftld, TAtns-Trio ScJifir/cr» Kiinttler- Revue u#tr. VoiKsbtthne Thnitr M BSIonplitl. 8 Uhr Liliom von Franz Molnar Dkg«: Kill Heinz Katlift StiatLSAillsr-Ih. 8 Uhr: 100 000 Taler Theater am Schinhaoerdamm 8'/« Uhr DieQnadratar des Kreises 8i, Uhr Reppina Operette von Robert Stolz. DtPtsebes IBnsder-Theal. Barbarossa 3937. Uhr Zorn ooldeoen Anker mii Kaue Dann Nur noch wenige Vorstellungen Somut. gid Stg. iWir EBilidis Detektive Renaissance- Theater Steinplatz 6780. S'b Uhr muB die Kult milch geben? ni» HlliHt EiSHniiarii Sonntag, 11. Jan 3.30 Uhr Kleine Prei se THEATER IM, A D Mi P ALS PALAST PI» Aza Tagt. 6 o. 815 1 Sonnl.2,6 u.B*-* | Alex. E 4 8066 I. Vorstellung 50 Pf. die 1 M II. und III. Vorst. 1 ble 2 M FR ATELLI N I«Trio Max, Glno, Gamtavo aeiw. Berliner IJIkTriO N e a k e 1 1 n. wLabjisU. 74/7SU Tgt-ev. TtL; Merkur 9001, 9677 Auf den Fleck SensatlonsstGck •u* Chikagos Unterwelt von EDGAR WALLACE Preis- Abbau Preise Oer Pilue 0,79 bis«,- h Oeotn!)» Ibeater 8 Uhr Elisabeth von Enoland voa Ford Britkner etftic Heinz Mist Kammerspiele r/. Uhr: Jules uneite uiiei von Tr istan Birna? d ftifif: Hm Dipm GROSSES TÄGL 8.UHR,' r Die Komödie SV« Uhr Die Fee m Frani Molnar Htftii: Stiln Hock. Lustspieiheus Kurt eotz Täglich 8>/a Uhr: Vom Lieben and Ladicn Theater am Sdüftbaoerdamm Norden 3813 u. 0281 Täglich SV« Uhi Die üuadralur des Kreises Lustspiel v. Katajcw Bit: Rsrber. Unia, Um, linfta. Matthis Preise von 1— 12«M 55� "üfe&Jert Singspiel in vielen Bildern. ram. Splra, Hannen,■.lenke. Wallbnrr, Arno, Janknlin, Panl Hörblger, Lcnr. Sehaeflern, Wlnkelntrrn. Kölln, n.snL, 1 Stark» Clntel tenbnnrr. »Hclnal Tiroler Walneheninnacr. •rlclnal Tirol, r äodlrrlnnrn-ltnlutet«.{ Muntk-Trlo aus Seh Ii* rare. [ Kaan- Band I«Irin n. Roy«; Grosse Cbbre. , Wer Zelt entspreehend«Ind. trotn de» J rlesicen Andranges. dkC 0'«r- [ dl« H aasen preise Qrn X J/ 0 mttsslgt. Sonntag 99 I I Sn n Originaibrsnzung Nscbmtttsg«A kFIbl Billige Preise Regie&iik.'€ßa\eßl Neues Theater i am Zoo—— linlalnli.Zft«. StpL(SSI Täglich 8V. Uhr Der gr. Lacherfolg! Buido mieisctier Das onentuche Aergernis, Preise I bis 8.\L 1 Reichshallen-Theater iU>»ii Hl SoftilJä SidiiBittzg ITm Olu Das ornfle lanaar-Proor. der Stettiner Sänger Nachm. ermäßigte Preise: Dönhoff- Brettl: Das hervorragende Vart ei �'Programm! Kleines Thea!. Täglich 8V« Uhr: üiift 25. Halt: Der gr Lacherfolg r RlDStergatte Schwank in 3 Akten BarnowskHDhnen Tbeoier l« dir Strcseminiiilr. 8V« Uhr Gastspiel Ein idealer Galle mit Harry Liedtke Komödienhaus 8>.'i Uhr Cocktail von TolMlir u.Benatzky CASINO-THEATEH» Neu! Neu! Biederleute Piscator-Bahnü (Wallner- Theater) Alex. 1302-93. ]8"< Täglich 8>. Mond von links ' Preise 0.50-6 00 M. Theater 1 Wesleas Täglich 811 SenaatioBellcr | Oper ctiencr folg! Viktoria undihrHvsar Rose> Theater ftr.rraBktuiierSir.i32 Tel. Alex 3122 u. 3191 8 15 Uhr Die Dollarprinzessin Lenin»-IlieatB Täglich 8'.'. Uhr Sonntag 11- u.«V» Mamsell Nilondie Operene von Heive TiIIimii. Miltef, Initt 'MikrJMM Arnold Scholz U-Bahn Hermannplaa Hasenbeide 108-11 Gr. Bockbiertesi m Ober-Bayern und Großes Schweineschlachten | 7 KapellcBj neac DekorailoaeB, bayr.Dedfman,'; Einlaß 6 t'hr. Berliner Theat. 8'/. Uhr ETisaM Bergner in Urs. Cheneys F.nde metropoi-Theater Täglich S". Uhr schön ist die weit Operette von Lehäi Ridianl Taolm.eiltillpzr. SMtiinilgrL URANIA Morgm. Fnäag, e.JinmrJ abends 8l/< Uhr im Lasjenleck-Mo»- Baas, luiunstr. 53-59 Kurt Hlelscher| .Ooiö: Daliatien dü nadi| Sül-Miz'deiiicg" ; x'ortrag mir Lieh- bilden». und das neue Januarprogramm! Für die Leser Gutschein I— 1 Personen. l auteuil 1,25 M-, Sessel 1.75 M. 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Januar 1931 Kunstseidendämmerung. Krisenabfchluß bei Remberg. Der mächtig« Aufschwung der Kunstseiden industrie in der Nach- kriegszcit hotte bis zum Jahr« 1926 auch den führenden deutschen Konzernen Glanz stoff und der mit ihm verdundenen Bcm- b e r g AG. in Barmen ein« phantastische Entwicklung gebracht. Die mehrfachen Kapitalerhöhungen und riesigen Ausbauten der Pro- duktionsanlagen, deren künftige Auswertung von den Kunstseide- Unternehmern mit größtem Optimismus betrachtet wurden, zeugten von einem regelrechten Gründungsficbsr dieser hingen Industrie. Auch ohne die schwere Weltkrise des letzten Jahres hätte es bei der planlosen Ausdehnung der Kuustscidcsabrlkatia» aller Länder in dieser Industrie kurz über lang zum Klappen kommen müssen. An- zeicken hierfür waren bereits Ende 1928 und dann im Jahre 1929 genügend vorhanden. Zeigte schon der Jahresabschluß der Pcmbcrg AG vom 39. Scp- tember 1929, in dem die Dividende von 11 Proz. auf S Proz. herabgesetzt wurde, daß der ununterbrochene Aufstieg dieses Unter- nehmen? zu Ende sei, so läßt der jetzt veröffentlichte Jahresabschluß für das am 39. September beendete Geschäftsjahr 1929'39 erkennen, in welche ernsten Schwierigkeiten die führenden fuinslstide- konzcrne Deutschlands durch Ueberkapitalificrung «nd die vorhandene Weltüberprodutlion geroten sind. Der Aufsichtsrot von Bemberg genehmigte gestern den Abschluß, der nur einen kleinen Ueberschnß von Ilö 718 Mark aufweist. Dem- gegenüber stehen in den letzten drei Jahren Reingewinns von 3.12 im Jahre 1926/27, 1.27 im Jahre 1927/28 und 3,21 Mil- l i o n e n Mark im Jahre 1928/29. Aber auch dieser kleine Rein- gewinn des letzten Jahres ist eigentlich nur bilanzmäßig kon- struiert, denn das Unternehmen hat sich gezwungen gesehen, Conderabschreibungen in Höhe von 11,3 Millionen auf seine Beteiligungen und Anlagen abzufetzen, die nicht mehr aus dem Geschästsgrwinn, sondern nur unter Zuhilicnahme des Reservefonds bestritten werden. Demnach ergibt sich also als tatsächliches Ergebnis des letzten Tetricbsjahres ein Verlust von rund 14 Millionen Mark bei dem Bemberg-Konzern. Di« bei Bemberg sehr stark« Reserve von rund 18 Millionen bei einem Gesamikapital von 19 Millionen Mark schrumpft durch diese Reinigungsaktion auf 1 Millionen zu- sainmen. Die Hauptgründe für diese enormen Abschreibungen liegen, neben der notwendigen Wertminderung der vielfachen Bemberg-Be- tcüigungen, in der Uebersteigerung der Werksaus- bauten, für die angesichts der jetzigen Lag« Millionen nutz- los zum Fenster hinausgeworsen sind. So kam das große neue Werk in Siegburg überhaupt nicht in Betrieb, und ob es bei einem Anhalten der Kunstseidestagnation überhaupt jemals von Bemberg in Betrieb genommen wird, ist noch sehr die Frage. Ob mit dieser Aktion der Sonderabschreibungen die Reinigung der Bemberg-Bilanz erledigt ist, dürfte sehr bezweifelt werden. Im vergangenen Jahr betrug der Gesamtumsatz des Konzern» 57'A Millionen und der reine Kunstseidenumsatz öl'.-? Millionen, so daß das Kapital von 19 Millionen noch nicht einmal anderthalbfach umgeschlagen wurde. Die Bemderg-Aktien haben in den letzten zwei Iahren der Börsenkrise einen Kurssturz erlebt, der wohl zu den sensationellsten seiner Art gehörte. Don ihrem Höchstkurs von 669 Proz. im Jahre 1926 sind die Bemberg-Kurse Ende Dezember 1939 bis auf 13 Proz. gefallen. Eine Tausendmarkaklie, für die 1926 noch 6699 Mark bezahlt wurden, hat also zur Zeit nur noch einen Kurswert oon 139 Mark, ist also aus weniger als ein Fünf- zehntel zusanmiongeschnimpit. Das zeigt, abgesehen von den oll- gemeinen katastrophalen Kursstürzen sämtlicher Aktiengruppen in Deutschland aber doch, daß in Kapitalistenkreisen nicht mehr die Hoff- »mng besteht, daß da» stark verwäsirrte 40-Millioa«». Kapital von Bemberg t» absehbarer Zeit überhaupt wieder eine Dividende bringt. Die Bcmberg-Vsrwaltung wird daher wohl kaum darum herum kommen, ihr 49-Millionen-Kapital auf eine Basis zusammen. zustreichen, hie die Möglichkeiten einer künftigen Rentabilität in sich schließt. Jedenfalls wird kaum»in anderer Weg vorhanden sein, um die Sünden der Vergangenheit wieder guizumachen. Industrie forderi Tarifsenkung. Scharfe Angriffe gegen die Neichsdahn. Bon verschiedenen Seiten der deutschen Industrie, besonders auch der Eisen verarbeitenden Industrie, wird die bisherige Pv- litik der Reichsbahn im Rahmen der Preissenkungsaktion einer scharfen Kritik unterzogen. Es wird mit Recht darauf hingewiesen, daß die 4ü Millionen Mark, die die Reichsbahn für eine Tarissenkung aufwenden will, im ganzen 9.98 Pro- zent(!!) der Reichsbahneinnahmen im letzten Jahr ausmachen. Daß dieser lächerliche Prozentsatz den Preisabbantendenzen der Re- g erung entspricht, glauben wir auch nicht, denn schließlich hat die Reichsbahn als größter Käufer der Industrie im Lanfe des letzten Jahres von Preissenkungen bis zu 19 Proz. und darüber profitiert. Ferner wird in der Kritik an der Reichsbahn daraus hin- gewiesen, daß die Einnahme im Krisenjahr 1939 gegenüber der Hochkonjunktur von 1927 nur nm 9,14 Proz. gesunken sei. Wenn man berücksichtige, daß 1930 der Wirtschaft im Durchschnitt Mindereinnahmen von 29 bis 39 Proz. gebracht haben, so könnte man eigentlich der Reichsbahn zu ihrem Abschluß noch gratulieren. An die Regierung wird schließlich die Forderung gestellt, dafür zu sorgen, daß össcntliche Unternehmen von der wirt- s-Hastlichen Bcdeutnnjj der Reichsbahn sich beim Preisabbau nicht ein unser st öndl'ches Sonderrecht anmaßten, denn da- durch würde die Bereitwilligkeit der Wirtschaft, den Preisabban- wünschen der Regierung zu folgen, ein schwerer Stoß versetzt. Zahlungsaufschub für denpleh-Konzern Jie df und Preußen greifen ein. ♦ Gestern fand In Berlin die entscheidende Gläubige rsitzung der Stick st osfwerke A.- G. Waldenburg statt, die ein Haupt- besitzlum des schlesischen Magnaten Fürst P l e ß darstellt Noch dem Bericht des Borsitzenden Dr. Paulig sind insgesamt 11 Mil- lioncn vorberechtigte und 11 Millionen ungedeckte Forderungen vor- Händen. Nach den Aeußerungcn von Sachverständigen dürsten die Betriebe der Stickstosfwerke A.-G. rentabel gestaltet werden, weim sie mit Vollbetricb arbeiteten und weiter ausgebaut seien. Wir halten diese Feststellungen der Gutachter angesichts der schon vor- handenen starken Ucbcrproduktion an Stickstoff in Deutschland für lehr optimistisch, ganz abgesehen davon, daß für den weiteren Ausbau der Werks zunächst wohl erst noch Betriebsmittsl bcschtfft werden müßten. Dieser Bedarf cm flüssigen Mitteln ist übrigens, wie Rechts- anwatt Dr. S ch a ch i a n feststellte jetzt bereits vorhanden. Dr. Schachian machte weiter die Mitteilung, daß das Reich und Preußen im Interesic des Waldenburger Notstandsgebietes be- reits eingegriffen hätten, und daß bereits ein Sanierungsausjchuß unter Vorsitz des Generaldirektors van der Porten, de? Leiter» der Reichäindustriewerke. gebildet« sei, um die Perhältnillc bei Plcß gründlich zu überprüfen. Von dem Ergebnis dieser Prüfung wir» es abhängen, ob der Staat von sich aus in die Sanierungsaktion eingreifen wird. Auf Antrag von Dr. Schachian beschloß die Gläubigerversamm- lung. dein Pleß-Konzern bzw. der Waldenburger Stickslokf werke A.-G. ein Moratorium(Zahlungsausschltb) bis zum 31. März 1931 zu gewähren._ Mit! onenverlust der Terra. Die Terra-Film A.-G hat sich infolge der durch die Tonfilm» revolution eingetretenen Umwälzungen zu einer Heraussetzung ihrer Abschreibungen oon 119 999 aus 1,14 Millionen Mark g<- zwungen gesehen. Daher wird für das Geschäftsjahr 1929/39 wieder ein Verlust von 9,73 Millionen Mark ausgewiesen, womit der Ge» jamtoerlust des Unternehmens sich auf 1,33 Millionen erhöht Ein« Zufainmenlegunz des Kapitals von 3 Millionen steht bei der Verwaltung offenbar nicht zur Debatte, da der gesamte Verlust auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Die knüftige Entwicklung wird im übrigen von der Verwaltung ziemlich o p t i- m i si i s ch beurteilt. Di« Bewertung der allen und neuen Filme sei sehr vorsichtig, unter anderem sind 21 ältere Filme überhaupt nicht und die Film« der Saison 1928/29 nur mit 119999 M. bewertet. Luch die Verbindung mit der United Artist? Company hat sich günstig ausgewirkt. Der modernste Fernsprechdienst Europa»— In Rumänien? Das amerikanische Elekttokapllal dringt in immer neue Gebiete vor. Desondere Erfolge hat in letzter Zell die Schwachstromindustrie errungen. Die International Telephone and Tele- graph Corporation(ITT.) hat setzt ler rumänischen Regie- rung Netz und Betrieb des Fernsprechverkehrs für 1.5 Mil- lionen Dollar abgekauft, nachdem sie vor einiger Zell Spaniens Fernsprcchbetried übernommen hatte. Bekanntlich ist dieser Kon- zern über die Tochternefellschaft Standard Elektrizitäts- Gesellschaft A.-G. auch an der deutschen Schwachstrom-, KaS-l-'md Annarc'tcl'a"-Jndustri? mofiqeMi'li b-teiliat(Lorenz A.-G., Mix u. Genest Schuchhard. Telephonfabrik Berliner). Damit in Rnmäi/en las gesamte Fernsprechnetz erneuert und der Betrieb in 13 Stalten aus Selbstanschlußbetrieb umgestellt werden kann, wird eine Fabrikat lonsgesellschast(Standard Elertrica Rom-'na)-gegründet. Es wird ober wobl noch einige Zeit dauern, bis Rumänen den„modernsten und vollständigsten Fernsprcchdicnst Europas'(wie die Verheißung lautet) haben wird! Verfehlte Spekulationeu. Frankfurter Netallkonzern muß mit Dividenstenfenkung quittieren. Der größte deutsche Metallkonzern, die Frankfurter Metall- gefellscholl A.-G., die mit einem Kapital von 59 Millionen Mark arbeitet, schließt ihr Geschästsiahr 1929/30 mit einem um 2 Millionen verringerten Reingewinn von insgesamt 4.91 Milli men Mark ab. Die Dividende wird entsprechend von 8 auf 5 Proz. herabgesetzt. Dieser verschlechterte Gewinnabschluß des führenden deutschet! Mctalluntsrnehmens ist im Hinblick auf die allgemeinen Schwierig- kellen In der internationalen Metnllwirtfchoit und die aiiholtende Unruhe, die besonders in preispolllischcr Beziehung durch die plin- losen Mnnipulc-tionen des amerikanischen Kupferkartells hervor- gerufen wurde, nicht überraschend. Auch bei vorsichtigster Betnebsführung waren sicherlich bei den Zustanden des letzten Jahres größere Verlust« nicht zu vermeiden. Es Ijo.t sich jedoch auch bei der Frankfurter Gesellschaft die Notwendigkeit ergeben, bestimmte Spekulationen, die fehl- schlugen, zu liquidieren. In erster Linie steht hier wohl das Ge- schäft mit den S t o l b e r g- A k t i e n. das schon für den bekannten Mansfeld-Konzern eine recht faule Geschichte wurde. Zwar hat der Frankfurter Konzern Wert daraus gelegt, in der Oeffenttich- keit zu erklären, daß er durch Abmachungen vor Verlusten bei dein Stolberg-Geschnft gesichert(?) sei. Und in der Tat werden auch di« höheren Abschreibungen in der Bilanz ausschließlich mit dem Hin- weis auf die entwerteten Meiallbestände begründet. Inwieweit aber diese offen ausgewiesenen Abschreibungen und nicht die in den Vorräten enthaltenen siillen Reserven zum Ausgleich für den Mctallpreissturz gedient haben und wieviel für die«vtol- berg-Aktien abgesetzt wurden, läßt sich bei der Undurchsichtigkett der Bilanz nicht feststellen._ Reichsfinanzen Ende November 1930. Sefamtdefizit 913 Millionen. Jetzt erst liegt der Monatsausweis des Reichs- finanzministeriums für November über Einnahmen und Ausgaben des Reichs vor. Danach hat sich das Defizit fest dem Vormonat von 722,1 Will, a u f 9 1 2. 7 M i l l.. also um 190,6 Mil. lionen Mark erhöht. Im ordentlichen Etat hat das Defizit die Höhe von 579,6 Mill. Mark erreicht. Von dieser Summe entfallen 65 Mill. auf das Vorjahr, während in diesem Jahr m den Monaten April bis November ern neues Defizit von 511,6' Mill. durch Einnahmeausfall entstanden ist. Im Monat November betrugen die Einnahmen 713,8 Mill., wahrend di« Ausgaben einen Betrag von 879,3 Mill. ausmachten, also die Einnahmen um 165,5 Mill. übertrafen. Die Einnahmen der Monate April bis November zusammen in Höhe von 7061,8 Mill. blieben hinter oen Ausgaben in Höhe von 7576,1 Mill. um 511,6 Mill. zurück. Im außerordentlichen Etat betrugen die Ein« nahmen im November nur 4,3 Mill., in den Monaten April bis November 674,4 Mill. Die Ausgaben beliesen sich ün November auf 29,4 Mill., in der Zeit April bis November auf 235,8 Mill. Im außerordentlichen Etat ist also für dieses Jahr bisher ein« Mehreinnahme von 438,6 Mill. zu verzeichnen. Aus dem vorangegangenen Rechnungsjahr mußte aber ein Fehlbetrag von 771,7 Mill. übernommen werden, so daß sich im Endergebnls ein Defizit von 333,1 Mill. ergibt. Wieder freie Dreicbildunq für PorzeUanaeschirre. Der Der- band Deutscher Porzellangeschirrsabriken beschloß, daß die einzelnen Werke statt nach den M i n i ma l p r e i s e n (die vom Verband festgesetzt werden) nach ihren i n d l v i d u e l l e n Gestehungskosten vorkousen. Damit gibt ein Kartell offiziell zu, dag es seine Preispolitik des Hochhalte»? ungerecht kertigter Preise nicht durchführen kann. Schon jahrelang unter- vieten sich die deutschen Gefchirrsabriken gegenseitig. Dieser Beschluß hinkt der tatsächlichen Entwicklung nach; der Markt ist damit für jeden Preiskampf freigegeben. Schuhzölle in Llebersee. Gefahren für Europa. Nachdem vor einigen Monaten Kanada und Australien ihre Zölle teilweise aus das Bielsache früherer Sätze erhöht hatten, scheint nunmehr Chile mtt der Verwirklichung umsasicnder Schutz- zollpläne zu folgen. Nock) stärker als bei Australien ist diese Ab- ficht bei Chile eine unmittelbare Folg« der Weltwirt- s ch a f t s k r i s e, d. h. in erster Linie der rückgängigen europäischen und nordamerikanischen Rohstoffkäuse, die zu einem Sturz der inter- nationalen Rohstosspreifc geführt haben. Chlle exportiert insbesondere Chilesalpeter und Kupfer. Im Jahre 1929 Hot Chile für 2,3 Millior- den Pesos Waren ausgeführt: hiervon entfielen etwa 16 Proz. auf Salpeter, 3 Proz. auf Jod, 32 Proz. aus Äupjer. zusammen also mehr als vier Fünftel auf diese Bergbau Produkte. Das Jahr 1939 hat nun infolg« geringerer Absatzmengen und gesunkener Preise einen Rückgang der Ehileansfuhr um niad 40 Proz. zur Falo« gehabt. Die Wareneinsuhr aus Europa und den Per- einigten Staaten sank demgegenüber nur um 19 Proz., so daß im Jahr« 1939 zum erstenmal seit langer Zeit die Außenhandelsbilanz Chiles p a s s lv gewesen ist. Um wieder eine aktive Handelsbllanz herzustellen, will nach New-Porker Meldungen di« chilenische In- dustrie diese Gelegenheit benutzen, um umfangreiche Zollwünsche zu verwirklichen, insbesondere auf dem Gebiet von Lebensmitteln, Bau- sioffen und solchen fertig! ndustriellen Erzeugnissen, die auch im In- land selbst ohne besondere Schwierigkecken hergestellt werden könnten. Als während des Krieges die damals noch großenteils vor- kapitalistischen Ueberseeländer von der Zufuhr industrieller Erzeugnisie plötzlich abgeschnitten waren, begann überall«» lebhafter In» dustriallsierungsprozeß� wobei vor allem solch« Industrie- zweig« bevorzugt wurden, in denen nur geringe Kapitalinvestierungen erforderlich waren, und die auch an di« Ausbildung der Arbeiter und Angestellten nicht allzu hohe Anforderungen stellten. Lebens- mittel-, Textil- und gewisse andere Industriezweig« entwickelten sich überall rasch. In der folgenden Nachkriegsperiode verlangsamte sich die Industrialisierung wieder und geriet teilweise volllommen ins Stocken. Die im Kriege vor sich gegangene Aenderung genügte jedoch, um der europäischen— insbesondere britischen— Industrie, vor ollem textil- und metallverarbeitenden Uickernehmungcn. dauernde Absatzveriuste zuzufügen, der z. B- in der ununterbrochenen Arbeitslosigkeit vieler hunderttausend englischer Arbeiter zum Aus- druck kam. Wenn di« erwähnten chilenischen Schutzzollbemuhungen Erfolg haben, so werden wahrscheinlich andere südameriianische Länder folgen. Nehmen wir hierzu die verschärfte australische Zollpolitik, die zur Zeit zahlreiche neue industrielle Betriebe in Australien erstehen läßt, die Bersewstäiidigung der großen asiatischen Länder, so ergibt sich die Schlußfolgerung, daß die gegenwärtige Wellkrise, wenn sie noch weiterhin in solcher Sck.wcre andauert,, eine neue ZnÄosirlalisierungsepoche der Ileberseegebieb: einzuleiten scheint, die Kehrseite davon, daß Europa zur Zeck auf den großen internationalen Rohstoffmärkten Baumwolle, Iutc, Kupfer, Getreide, Kaffee usw. zu phantastisch niedrigen Preisen einkaufen kann. Visher war es noch günstig für die Fertigwaren ausführenden Länder Europas unh die Bereinigten Staaten, daß im Absatz nach den überseeischen Ländern nur ein verhAtnismähiz geringer Rückgang eintrat. Die Schutzzollbestrebungen in der Uebersee werden sich um so stärker bemerkbar machen und die europäische Warenausfuhr um so mehr bedrohen, als man in Europa, von den sonstigen Krisen- erscheinungen abgesehen, dazu übergeht, sich gegen die Einfuhr van aus den überseeischen Gebieten llammenden Erzeugnissen— Weizen. Gefrierfleisch. Milchprodukte usw.— durch besondere Schutzzölle ab- zusperren. Der in der ganzen Well herrschende Zollvotekiiotüsmus zeitigt also immer neue Auswüchse, die im gegenwärtigen Krisenstadium nur dazu dienen, die internationalen Wirtschaitz- schmierigkeiten durch neue Störungsaktionen im Wclthande! v.r- schärfen. Aussperrung der Holzarbeiter. Lohnabbau mit Hungerpeitsche. Der Arbeitgeberverband der deutschen Holzindustrie und des Holzgcwertes will jetzt den Abbau der Löhn« mit Gemalt durch- setzen. Durch einen am S9. Dezember gefaßten Beschluß seines Ausschusses find die Mitgliedsoerbänd« verpflichtet morden, spätestens bis zum IS. Januar eine Herabsetzung aller Löhne um L pro;. durchzuführen: eine Herabsetzung der Löhne um weitere 7 P r o z. behalten sich die Unternehmer für einen noch festzusetzen- den Zeitpunkt vor. Das letzte Lohnabkommen für die deutsche Holzindustrie ist infolge Kündigung durch den Arbeitgeberoerdand a m 1 August 1S3l> abgelaufen. Der alsdann vom tariflichen Lohnamt gefällt? Schiedsspruch, der die Geltungsdauer des seitherigen Lohnabkommens verlängert, aber unter gewissen Bor- aussetzungen eine Revision der Akkordsätze zulassen wollte, wurde von den Unternehmern abgelehnt. Mitte Dezember kam der Arbeitgederverband erneut mit dem Vorschlag,«In neues Lohnabkommen mit>S proz. Lohn- färzung zu vereinbaren. Inzwischen hatte er aber den Mantel- vertrag zum Ablauf am 15. Februar 1331 gekündigt. In den am lS. Dezember gepflogenen Verhandlungen behielten sich die Unter- nehmer in der Frage der Erneuerung des Mantelvertrages völlig rtrie Hand vor, sie wollten lediglich ein Lohnabkommen treffen, das bis zum 15. Februar 1S31 gelten und zugleich mit dem Mantel- vertrag ablaufen sollte. Dafür war der Deutsche Holz- arbeiterverband nicht zu haben und so blieben die Der- Handlungen ergebnislos. Der Arbeitgeberverband suchte mm Hilfe beim Relchsarbeits- Ministerium. Hier wurde ihm der gleiche Rat erteilt, wie ihn schon die Vertreter des Deutschen Hol.zarbelterverbandes gegeben hatten: die Unternehmer sollten ihre Vorschläge für den Mantel- vertrag der Gegenseite unterbreiten und dann sofort in die Verhandlungen über den Mantelvertvag und«in Lohn- abkommen eintreten. Das war jedoch nicht nach dem Sinn des Arbeitgeberverbandes. Sein Ausschuh faßte statt dessen den oben erwähnten Beschluß, die Holzarbeiter durch Aussperrung seinem Willen gefügig zu macheu. Aus einer ganzen Reih« von Orten liegen bereits Mitteilungen über erfolgte Kündigungen vor. Es ist selbstverständlich, daß der Deutsche Holzarbeiter-Verbond den Lohnabbau nicht ruhig hin- nehmen wird. Wir stehen also oumitielbar vor dem Ausbruch eines Sampfes lu der deulscheu Holztudustrie, der um so größeren Umfang annehmen dürfte, als auch andere Unternehmeroerdänd« des Holz- gewerbes, die diesem Arbeitgeberoerbond nicht angehören, sich dessen Lohnabbauattion angeschlossen haben. Oer Geist von vorgestern. Innungen und Handwerkskammer. Nach dem Geschäftsbericht der Handwerkskammer Berlin, die den Regierungsbezirk Potsdam mit umsaßt, für das Rechnungsjahr 1929/30, gab"es an« 31. März 1930 im Handwerkskammerbezirk Berlin insgesamt 97 963 I n n u n g s b e t r ie b e mit 236 679 Arbeitnehmern und 57 790 Lehrlingen. Von den 746 Innungen, die der Handwerkskamnier am gleichen Tag« angehörten, waren 27l freie und 475 Zwangsinnungen. Interessant ist die zahlenmäßige Verteilung der Innungen auf die«Inzelnen Handwerke. Unter den 6? im Innungsverzeichnis aus- geführten Handwerken sind 17. von denen jede» zehn und mehr Innungen aufweist. An erster Stelle marschieren da» Bäcker gewerbe mik 7S Innungen, da» Fleischerhandwerk mit 70. die Schuhmachermrister mit 64, die Schneider mit 62. die Schmiede mit 61. die Tischlermeister mit 55 Innungen. die Friseure mit 36. die Maler mit 32, die Müller mit 28. die Sattler mit 25, die Schlosser- und Stellmachermeister mit;« 24. di« Maurerund Zimmermeister mit 22, die Töpfer mit 20 und die Uhrmacher, Damenschneider und Böttcher mit je 10 Innungen. In dem Geschäftsbericht der Handwerkskammer wird ziemlich ausführlich auf das Urteil des Reichsarbeitsgerichts vom 22. Januar 1930 hingewiesen, wonach es gesetzlich unzulässig ist. einen Lehrling bei verabredeter vierjähriger Lehrzeit noch über da, vierte Jahr hinaus durch Krankheit verlorengegangene Arbeitewochen nach- lernen zu lasten. Der Hinweis in diesem Urteil, daß der Lehr- Herr bei wiederholter Erkrankung des Lehrling» gesetzlich das Recht Vir Lösung des Lehroertrage» habe, veranlaßt die Handwerks- kammer zu folgendem„von sortschrittlichcm Geist" zeugenden Kommentar dazu: „Es liegt also sowohl im Intereste des Lehrherrn als auch des Lehrlings(!), wenn in Fällen voraussichtlich längerer Krankheit de« Lehrlings das Lehroerhältnis wegen Unfähigkeit zur Fortsetzung der Lehre vom Lehrherrn gelöst wird." Den gleichen sozialreaktionären Geist atmet die Entschließung der Handwerkskammer vom 6- November 1929, in der die Aufstellung von Richtlinien über die Urlaubsgewährung für Lehrlinge als„unmöglich und nicht zweckdienlich" bezeichnet wirt». weil das„für den einzelnen Lehrmeister ein direkter Eingriff in seine Rechte" bedeuten würde. Die Gefahre» der Wirtschaftskrise auch für die Ausbildung der Lehrlinge zeigt die Aufstellung über die Zahl der Auflösungen der Lehrverhältnisse. Vor Beendigung der vertraglichen Lehrzeit sind im Berichtsjahr bei Iniiungs- und Nichtinnungsmitgliedern 3396 Lehrvertröge aufgelöst worden, davon allein wegen BetriebsauflSsung 342 und wegen Arbeitsmangel 529. Im gegenseitigen Einvernehmen und au» anderen nicht näher bezeichneten Gründen wurden 973 Lehrverträge aufgehoben und wegen Krankheit des Lehrlings 181 Verträge. Die Handwerkskammer genehmigte von 853 Gesuchen um Ab- türzung der Lehrzeit und Zulastung zur Gesellenprüfung 714 Gesuche, von denen«in großer Teil mit wirtschaftlicher Rot der Eltern oder Erziehungsberechtigten der Lehrling« degründet«vor. Aus dem Abschnitt über da» Tarifvertagswesen spricht die Feindschaft der Handwerksmeister gegen die torlfliche Regelung der Lohn- und Arbeitszeiten der Lehrlinge. Mit Bedauern wird darin z. B. festgestellt, daß«nicht gelungen sei, bei der Allgemein- Verbindlichkeitserklärung des Tarifvertrag«, für die Berliner Damenkonfektion den bisher üblichen Ausschluß der Lehrlingsbestimmungen zu erreichen. Darauf kritisch«inzugehen, wie in dem Geschäftsbericht dl« Wirtschoftsfragen behandelt werden, tu übrigt sich bei der bekannten meist mittelftändlerischen Einstellung der Handwerksmeister. Erirmert sei an ihre Feindschaft gegen Waren- Häuser und Konsumgcnossensihaften und an die Bildung von Preis- Vereinigungen im Handwerk, die auch in dem Geschäftsbericht der HaiKnverkskammer als eine der Formen der Selbsthilfe des Handwerks angeblich gegen die Schmutzkonturrenz von Schwarz- arbeitern und weniger leistungsfähigen Betrieben bezeichnet wird. J�evoluiionäre Wette aus Giotiern. Nur nicht dränget»». Die Koinmunisten bemühen sich auch im oberschlesischen Steinkohlenrevier seit Tagen, einen wilden Streik in Szene zu setzen. Das Ziel der Aftion ist, die Kampagne im Ruhr- gebiet zu unterstützen. Im Verfolg der Hetzereien trat am Mittlvoch ein Teil der Belegschaft in den Ausstand. Inzwischen ist der Ruhrstreik elend zusammengebrochen. Die „Hilfe" der oberschlesischen Bergarbeiter kommt also zu spät. In gleich Hellem Licht erstrahlt die verbrecherische Unfähigkeit der kommunistischen Streikbonzen durch Anzettelung eines Streiks der Hafenarbeiter von Duisburg und Düsseldorf aus Solidarität mit den Ruhrbergarbeitern, die entweder gar nicht ge> streikt oder die Arbeit wieder oufgenonnnen haben. Vermutlich werden die genialen Streikstrategen der KPD. morgen, wenn die Solidaritätsstreik» in Oberschlesien, Duisburg und Wsseldorf zlisammengebrochen sein werden, irgendwo die Arbeiter anderer Betriebe zum Solidaritätsstreik mit den oberschlesischen Berg- arbeitern iriw. oukrnsen. Stur nicht drängeln, es kommt jeder einmal dran. Was dabei bernnskommt? In Moskau schwinmit man in heller Begeisterung über dl« marschierende Weltrevolution, in Deutschland werden einige gutbezahlte Slgenten Moskau» eingestellt und einige tausend ichlechtbezahlte Arbeiter, die diesen Agenten aus den Lein, krochen, entlassen. Auf die eigentlichen Wirtschaftskämpie bleibt dieses Theater ohne jeden Einstuß. Oer Sireik bei Leiser. Der Streik, der vor«inigen Tagen in der Zentrale der Schuh- sabrik Leiser in der Schmidistraße von den Hausdienern und Chauffeuren begonnen wurde und dann aus die Repa- raturwerkstatt übergriff, hat sich gestern auch aus die gesamte Belegschaft der Schuhfabrik in der Großen Frank- furter Straße ausgedehnt, die in Stärk« von etwa Z2ö Mann «lstchfalls In den Ausstand getreten ist. Entsprechend einer Ausforderung der Firma hat inzwischen schon «fana die Hälft« der streitenden Handelsarbeiter die Arbeit bereits wieder aufgenommen. Der Gesamtverband hat schon einmal auf Wunsch der Belegschaft Verhandlungen mit der Finna geführt, um den Streik noch zu einem einigermaßen erträglichen Abschluß zu bringen. Das ist ihm aber infolge der Quertreibereien der RTO. leider nicht gelungen. Offenbar werden die Streikenden von ihrer Streikleitung falsch informiert. Da die Firma sich bereit erklärt hat. nochmals mit der Kom- misston der streikenden Handelsarbeiter irnd Kraftfahrer zu verhandeln. beruft der Gesarniverbaitd seine Mitglieder zu einer Be. sprechung ein, die heute vormittag, 11 Uhr, im Konferenzsaal des Verbandshauses, Iobannisstraße 17, stattfindet. Mitgliedsbuch ist mitzubringen._ Sachsens Metattindusinette sind hette. Sie diktieren, was sie ablehnen. Dresden. 7. Januar.(Eigenbericht.) Der Lohnschiedsspruch, der am 29. Dezember vom sächsischen Schlichter für die sächsische Metallindustrie gefällt wurde und für die Zeltlohnarbeiter einen Abbau de» Grundlohnes von 4 Proz. und für Akkovdarbeiter von 5 Proz. vorsieht, wurde bekanntlich von den Tlrbeitern angenommen, da bei den gegenwärtigen wirt° schaftlichen Verhältnissen durch Kampfmaßnohmen und die damit verbundenen Opfer voraussichtlich ein wesentlich bessere» Ergebnis nicht erzielt werden könnte. Die Metallindustriellen haben dagegen den Schiedsspruch ab-' gelehnt. Gleichzeitig haben sie aber in den Betrieben nach einheit- lichem Muster die Kündigung der Arbeitsverträge für Mitt- woch, den 7. Januar, resp. für den Ablauf der im Betriede maß- gebenden Kündigungsfrist vorgenommen. Sie bieten ein neue« Arbeitsverhältnis an mit neuen Festsetzungen der Grund- löhne, die sich im Rahmen des Schiedsspruches halten. Diese Regelung soll nur„bis auf weiteres" gelten, während der Schiedsspruch bis 31. Mai die Löhne regelt. Obwohl also die Unternehmer sich— wohl auf Anweisung des Gesanrtverbandes der Metallindustriellen—«wer Derbindlühkeit». erklärung widersetzen, bieten sie ihren Arbeitern, die.allerdings gut organisiert sind, dieselbe» Bedingungen an. die sie vor de» Schlichtungzinstanzen ablehne». Diese» Doppelspiel beweist zum mindesten, daß der Schiedsspruch für die Metallindustriellen durchaus annehmbar ist. Schließ llch bedeutet er für die Metallarbeiter«in schweres Opfer. Die Lerbandsleitung des Deutschen Metallarbeiter-Derbandcs empfiehlt den Arbeitern, die gesetzlichen Betriebsvertretungen zu beauftragen, den Maßnahiven der Unternehmer zu wider- sprechen und im übrigen«in« abwartend« Stellung einzunehmen, bis über den Schiedsspruch endgültig entschieden ist. Nach der Entscheidung des Reichsarbeitsn«misters ergehen weitere Anweisungen an die Belegschaften. Sollten aber die Unternehmer etwa Entlassungen einzelner Arbeiter vornehmen oder Aussperrungen durchführen, dann werden sic auch die Gewerkschaften zum Kampfe gerüstet finden. Dom Eaulus zum Paulus? Dlohm& Boß verkürzt die Arbeitszeit. Bei Llohm u. Boß in Hamburg wurde die Arbeits- z e i t für die Schiffbauabteilung von 48 auf 24 Stunden ge- kürzt. Damit soll die Entlastung von 500 Arbeitern vermieden werdeni. Gegen«in« Aeußerung eines Mitinhaber« der Firma Blohm und Voß in den ,F)amburger Nachrichten", der die Verlängerung iyr Arbeitszeit und die Senkung der Löhne fordert«, wandte sich der Fabrikbesitzer Erich Ledermann. Dieser wies nach, daß nur die Ver- kürzung der Arbeitszeit auf 40 Swndcn mit einem teilweifen Lohn- ausgleich aus der Krise herausführen könne. Die Birma Blohm und Voß scheint sich nunmehr auf dem Wege nach Damaskus zu befinden. Lohnkampf m den Vuchblubereien. Unternehmer kündigen sämtliche Lohatarife. Zu Beginn de? neuen Jahres befindet sich numnehr auch der Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter tn der Abwehr des Lohnabbaues für etwa 85 000 Arbeiter und Arbeiterinnen ün gesamten Reichstarifgebiet.' Der Lohntarif zum Reichsmanteltarif für die paplerverarbeilcnd: Industrie(Brtesumschkg-, Geschäftsbücherbranche usw.) ist von den Unternehmern zum 14. Januar gekündigt worden. Dieser Lohntarii. der sogenannte„A p i"-Tarif, hat für etwa 20 000 Arbeiter und Ar- beiterinnen Geltung. Ebenso hat auch der Deutsch« Buchdrucker- verein und der Bund deutscher Buchbinderinnungen, die beide au diesem Reichslohntorif beteiligt sind, den Vertrag zmn gleichen Termin gekündigt. Bon der Tartfkündigung in den Buchdruckereien werden etwa 14000 Arbeiter und Arbeiterinnen und in den Innung?- betrieben rund 5000 betroffen. Zum gleichen Termin ist auch vom Verband deutscher Buch- btndereibe sitzer der Reichslohntaris für die Großbuchbinde- reien(VDB.-Tarif) gekündigt worden, der etwa 12 000 Beschö'- tigte ersaßt. Schließlich ist noch der Reichslohntaris für die Kar- tonnagenindustrie zu Mitte Februar geiiuüngt worden. Durch dies« Kündigung werden rund 35 000 Arbeiter und Arbeiterinnen mit dem Lohnabbau bedroht. Daß die Unternehmer aller Branchen die Lohntarife geklutdigr haben, um die Löhn« in dem jetzt üblichen Maß« herabzudräcken. steht außer Zweifel. Ihre Forderungen haben sie bi, setzt noch nicht bekanntgegeben. Die BerhanWungen über den Neuabschluß des „Api"-Tarifs finden am S. Januar statt, die für die Oroßbuchbuide reien am 13. Januar und die Verhandlungen für die Kartonnag?u- indvstrie End« Januar. Gesperrte Gastwirlsbrtriebe. Wegen Differenzen wurden für die Mitglieder des Zentralverbandes der Hotel», Restaurant- und Eafe-Angestellten folgende Gastwirtsbetrieb« gesperrt. Norden: Restaurant„Goldenes Kalb", Reinickendorfer«traßc Ecke Ravene- siraße. Großdestillation„Martini", Inh. Otto Martini, Badstr. 8n. Mitte: Engelhardt Bierausschank, Änh. Geisler, Münzstr. 20. O st e n: Tanzpalost„Möwe", Inh. Helene Kindors, Große Frankfurter Straße 85. Palais des Ostens, Inh. Pseilstifter, Warschauer Straße 35. Süden-Reukölln:' Case„Hasenheide", Inh. Spedowski, Hosenheide. Restaurant„Sprechallon", Inh. Frau Katharina Hubregtse, Brückenstr. 12. Wegen Lohndifserenzens ist für Einsetzer der Bau Mariendors, Eisenacher Ecke Rixdorser Straße, gesperrt. Die Einsetzorbeiten gehören der Firma Donar- Türen, Tempelhos. Deutscher Holzarbeiteroerband. VBS., All« Srao ginnen und Stnosseu 6rt«iUat» Es !-Z sich an»[Tttltoa an den Stifairnnlunoen vm 10 und 30 Ufie im Lokal r: Zi neüje:. ZtmptCfaftt Str. 30. Xu Zlaltio-ooerftand de« SPS. m I Gctoreintanb See Zwei t-«d»er der»ffenUUt«« Betrieb««r» bei»cr- tantn-»üb«arenuertchro. Saibrexche. Sliidiische GasmtiU. ssret'ag. 19 Udr, BerN» N., S'osenibaler Stt. 10— 41. Sockescher fof. Barterrrsaal.«Ectaidnc Bertrauenemennerverfamuduns. ffooeeotdnuns:«tutfflinma der 44-Siiintrii. Boche. Der Sutriit /tu bleuet Bctfammluii« ist nur oeaen Lorzeinun� Sur/tianStausaitKes und Mitgliedobuche» der frrieu«Sewerkschaften nrdeNch. Dir Brancheuleituse. Z««. Bro»tbciwrr Straße«"»>. 9r. T*nt SHtitet. fftelia«, 9. 3a»uar. 10 Uhr. graltlonwersammluna mit SlMvaihisterend-n bei Wende,»a'in'.e- straße 147. Der Zravi»»»»»rstaud. Gewerksckasts,Iuaend Reriin Heute, Donnereiaa. ISZb Ul>r. tauen die Gruppen: SSpeuick: guarnd- bdnt Gronauer Sit. f. Seimbesprechunq. ZlilckbNck und Ausblick.— Echönbaufrr Tor: Auaendhrim Tieckftr. 18. izcimbesvrechunn. Rückblick und Ausblick.— Gefundbrunnen: Iuoendheim.«fole Schul«, Golrnburn-r Strafie 2. S-imbefprechung. Bilckblick auf da« vrrsana«»« Jahr.— Sstdoslen: Srupp-nheim Reichenberser Sit. 66(itemrmthrljaua). Lrirnbesurechuns. l'o:■ Wirts mit neuer Kraft.— Tempelhof: Gruppe nhrim, Lmrum Sermon'ostr. 9(8, Sin-zana SSdstraü«. Lriurdefprechuna. Wir lesen aus: von Itrtnn cintlait.— iCrabit: Iuaeudh« m Lehrter Str. 18—19. Leimbefprechuug. Luder- abend.— Neu-stichtluderA: guaendhrwl Gunterstr. 18—19 Bortta«:.381« verbalten wir uns auf Banderunaen'.— Sich trübe r«: Suaendheim Sauff- st ratze, an der Lefstusstratz«. Lust'«-» stleinhols von Guthill.— Lardsberger Plaf» Zuuendbeim Dicstelmcperstr. 5. Seimdlfprcchema. Buckkon' rolle.— Achtung. STäM tnlutfr«! D!« JfotlfcSuno• unf«re» MOdch-nkursu«:.grauen wirken— grauen schaffen� findet statt am Sonnian, dem 11. ganrar, 1» Uhr, Im Ettzunaolaal de» Buchhinderp-rbandes. E-merkfchaftshan-, Gngelufrr A?ä, Aukaana C. 3 Treppen..Die Frau in der TertNIndufttle.* Deferentin: Else «rumntfchuiidt.»Dir israu tu der chemischen Industrie.' Rcherntln: Anna gammert. .�unendprvvpe drs?enkrowerfande6 der Anaestelkt?», «eute, Donnerstag, kwden tolgende Veranstaltungen statt: Vanlow- Sitederschönhauseu: Jugendheim Gdrschstr. 14 sgrotzes KimmerV Au-. spracheabend.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Abend«igeerer Ausgestaltuna.— Treptow: Zsgendbeim der Schul« WUdenbivckür. 58(Au- gana von der Groeststraßs tu Trephrw). 1930— 19M.— tellckönck und Ausblick.— SchZurterg: Jugendheim Kaurustr. lö schofgebiude. Sachsenz:mme:>. Wir besuchen bi» Lersammlung da» Berbebeoiri». der beste Wund.v er band '?:i. i-r-j.f.is*.i i s:i juf" rirr::-*<