Morgenausgabe Kreiiag »s«£H JU SU ifi 1 1 1■»Irr � äsm BH H flnli BB H WS B mir-.n,p°...g. N-np-r«. sanb«°"��i».-mvn.«,°ch.n. WW\fm B B B B 1 m B B B W irte"�ri«eÄ«'s�.w� * UW j B H aAV �HL• jBR�..IKa\ jHa, SÄ1 HH B �KKTWUf druckte Worl ZS Ps-nnlg. jSm\'JM �W/W» leltgedruck«« Wortej, jede« weitere Wort Der.Borwirts"-rlchelttt wochentZg- D�U I HH( SS» 7/ BH 12 Pfennig. Stclleug-Iuche das erste lich zweimal. Sonntag« und Montag» BjKkS �r/// MMniV // II Wort 15 Psennig. lebt» weitere Wort einmal, die Abendausgabe sür Berlin HH Iv Psennig. Worte üder 15 Buchstaden und im Handel mir dem Titel»Der AWBJtJ3'**\ zäiilen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Abend" Illustriert« B-ilog».Boll*.M V 4..4 A ✓~v.� �seile 50 Pfennig. Familienanzeigen geile und Zeit". Feri«r»Frauenstimme".' tr AAM AAA-A»D A WarTE__ Hl tM-AJlfljd. Kg*/, bis 17 Ubr Jentvalovgan der GoziatdemoSvattfchen Oavtei Deutschtands Redaktion undBerlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Kernsprecher: Dönhoff A2— 297 Tclearamin.Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Im Lohnkonflikt im Ruhrbergbau sind die Parteien zu neuen Schlichtungsverhandlungc« auf morgen. Tonnabcndvormittag 9'A Uhr, nach Essen einberufen worden. » Di« Aussichten für eine Lösung des Lohn- konflikts im Ruhrbergbau in den Schlichtungsoerhand- lungen am Sonnabend sind sehr gering. Der Zechenverband hält an einem Lohnabbau von mindestens 8 Prozent fest und die Ge- werkschaften erklären mehr als 4 Prozent für untragbar. Di« Fällung eines rechtsgültigen Schiedsspruches wäre daher nur denk- bar, wenn man die bestehende Schlichtungsordnunz ändert. Diese Aenderung mühte den früheren Zustand wieder- herstellen, wonach der staatliche Schlichter unabhängig von den Par- teien einen Schiedsspruch fällen könnte. Falls dieser Weg nicht beschritten wird, ist zu erwarten, doh die Unternehmer ab 15. Januar oersuchen werden, den Lohnabbau der- art durchzuführen, dah sie die gekündigten Arbeitsverträge mit niedrigeren Lohnsätzen neu in Kraft zu setzen versuchen. Gegen diesen Plan dürsten sich die Gewerkschaften jedoch ganz energisch zur Wehr setzen, und zwar zunächst, indem sie die Belegschaften aus- fordern werden, keine neuen Arbeitsverträge mit niedrigeren Löhnen abzuschließen. Es besteht auch kein»Zweifel darüber, daß die Ruhrbergarbeiter dem Ruf der Berg- Vorwäris-Verlaa G.m.b.H. arbeiterocrbände Folge leisten. Praktisch würde das bedeuten, daß es die Ruhrunternehmer am 15. Januar zu einer Aussperrung kommen lassen. Die Bergarbeiterverbände treffen alle Vorbereitungen für den Fall der Aussperrung chrer Mitglieder. Nowerordnung des Reichspräsidenien? voraussichtlich wird heule das Schlichtungsverfahren durch eine Rolverordnung des Reichspräsidenten dahin g e- ändert, daß der Schlichter in Zukunft unabhöngigvoadem Votum der Parteien entscheiden kann. Die zuständigen Zn- stanzen der Reichsregierung hoffen, die einer derartigen Rotverord- nung' bisher noch im Wege stehenden politischen hlnder- nisse überwinden zn können. Kommunistische iNuhrattion erledigt. Bochum, 8. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Im Ruhrbergbau streikten am Donnerstag von rund 132000 Bergarbeitern noch 859, und zwar auf Zeche Westfalen 215, de Wendel 270, Thyssen Ill/VI1 143. Thyssen Vl/VlII 34. Beckerwerth 75, Neumühl 30, Thyssen II/V 46 und Lohberg 240 Mann. Der kommunistische Streik kann nunmehr als völlig zusammen- gebrochen gelten. Postscheckkonto: Berlin 37 536— BanRonlo: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Diic.-Ges., Deposttenr.,Jerusalemcr Str. K5.'66. Hoffnungsloser Fall! Oeulscke Außenpolitik und«.nationale Opposition�. C u r t i u s fährt in der nächsten Woche nach Genf. Er hat den Vorsitz an Henderson abgegeben, weil er bei der Besprechung des deutfch-polnischen Minderheitenkonflikts nicht durch formale Geschäfte gehemmt sein will. So gut das von ihm gemeint war, so hat doch die„nationale Opposition" einen Riesenlärm darüber gemacht.„Warum", so fragt sie entrüstet,„ist der Minister so schlapp und verzichtet aus den Vorsitz?" Hätte Curtius den Vorsitz behalten, so wäre der Lärm genau ebenso groß geworden.„Warum", so hätte es dann ge- heißen,„läßt er sich mit Formalitäten belasten? Wohl, well es ihm um die Vertretung der deutschen Interessen nicht Ernst ist!" Curtius hat in einer Rede gesagt, daß er in Genf keine besonderen Erfolge erwarte. Also heißt es in der Presse der nationalen Opposition:„Er sagt seine eigene Nieder- läge voraus." Hätte Curtius gesagt, es könne in Genf vielleicht doch etwas Vernünftiges herauskommen, wie hätte man den„un- oerbefferlichen Illusionisten" gehöhnt! Curtius kann es machen, wie er will, auf alle Fälle macht er es verkehrt. Dieses aber ist die Hauptthese der Anklage gegen ihn: Er oersteht es nicht, die„nationalen Energien", die durch den 14. September entfaltet worden sind, für Deutschland nutz- bar zu machen. Darum muß er fort und ein anderer an seine Stelle, der diese Kunst besser versteht. Die Anklage ist nicht neu. Sie wurde auch gegen Stresemonn erhoben. Die nationale Opposition, sagte man, sei für jeden Außenminister„ein wahres Gottesgeschenk". Denn erstens sei sie geeignet, ihm„den Rücken zu stärken", und außerdem könne er sie bei allen Verhandlungen„als Trumpf ausspielen". Man sieht, ein Gegenstand von vielseitigerer Verwend- barkeit ist nicht so leicht zu finden. Schade nur, daß die „nationale Opposition" von den vielen ihr nachgerühmten Eigenschaften keine einzige besitzt! Jeder, der sich mit offenen Augen in der Well umsieht, weiß, daß die außenpolitische Lage Deutschlands seit dem 14. September nicht besser, sondern schlechter geworden ist. Besser hätte sie nur werden können, wenn die Well, vom Siege Hitlers erschreckt und nun a u s A n g st zur Nachgiebig- keit geneigt wäre. Aber jedermann weiß, daß dieser Effekt nicht eingetreten ist. Das Zittern gekriegt hat nur das deutsche Bürgertum; die meisten seiner Führer verharren gegenüber dem Sieger vom 14. September in demutvoller Ergebenheit. Bei den leitenden Staatsmännern des Auslandes ist aber eine ähnliche Wirkung nicht zu bemerken. Was der 14. September draußen geweckt hat, ist nicht Angst, sondern Mißtrauen. Mißtrauen in die Ver- tragstreue Deutschlands, Mißtrauen in den Friedens- willen Deutschlands, Mißtrauen in die politische Stabilität Deutschlands. Dadurch wird wieder der deutsche Kredit geschädigt und die deutsche Wirtschaftskraft geschwächt. Ein wirtschaftlich und politisch zerrütteter Staat ist— selbst wenn er eine größere Militärmacht besitzt als das gegenwärtige Deutschland— nicht stark, sondern schwach. Ein schwacher, ringsum in Mißtrauen eiugesponnener Staat kann keine starke Außenpolitik treiben. Wenn trotzdem an der Theorie von dem„Gottesgeschenk der nationalen Opposition" festgehalten wird, so geschieht das zum Teil aus jener Unfähigkeit, auch nur die einfachsten poli- tischen Zusammenhänge zu begreifen, die für weite Kreise des Bürgertums typisch ist, zum andern Teil aber aus innen- politischer Spekulation. Es kommt den Herrschaften gor nicht darauf an, eine bester? deutsche Außenpolitik zu erzielen. Sie wollen viel- mehr nur die Außenpolitik als Vorspann benutzen, um zu ihren innerpolitischen Machtzielen zu gelangen. Zu H e l f f e r! ch s Zeiten hat die„nationale Opposition" immerhin etwas mehr Intelligenz, aber nicht weniger Fana- tismus und Lungenkraft entwickelt als heute. Bald darauf erklärte Stresemonn, er werde genötigt sein, die Deutschnatio- nalen in die Regierung hineinzunehmen, sonst würden sie sa stark, daß die Führung der deutschen Außenpolitik unmöglich werde. Die Deutschnationalen wurden in die Regierung ge- nommen und fetzten eine Zollerhöhung nach der an- dern durch. Aber außenpolitisch wurden sie fromm wie die Lämmer. Damit soll nicht gesagt sein, daß es ein andermal wieder so kommen müßte! Im Gegenteil! Bekämen die R e v e n t- low und Rosenberg Einfluß auf die Außenpolitik, so Geschästsgeheimnisse Hugenbergs. Verschwundene Akten.— Wie A!k-Preußen den Gcherl-Verlag rettete. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages über die Vorgänge bei der Preußischen Zentralgenossenschaftstasse nahm am Donnerstag einen P o r b c r i ch t entgegen, den der Berichterstatter Ä u t t n e r(Soz.) über die Sanierung des Scherl-Aer- l a g c s ans Mitteln des Staates durch die Preußenkasse gab. Der Verlag August Scherl kam im Jahre 1913 infolge unsinniger Spetu- lation seines Begründers August Scherl ins Wanken. Scherl plante den Verkauf seiner Stammanteile an die Firma Rudolf Masse, die bereits seit 1911 eine'Anteilsminorität besaß. Darob großer Schrecken in höchsten und allerhöchsten Kreisen! Wie der Professor Ludwig Bernhard, ein Intimus Hugenbergs, in seinem Buch über den Hugen- berg-Konzcrn ausführt, fürchteten der Kaiser und seine Umgebung damals eine„V e r j u d u n g" des konservativen Berlages. Sie wandten sich in ihrer Not als Retter an die Bankiers— Baron Solomon von Oppenheim und Louis Hagen(vormals Levy). Durch diese wurde die Verjudung abgewendet(Stürmische Heiter- keit). v. Oppenheim und Hagen gründeten den Verlagsverein, der durch besonderen Erlaß des Preußischen Innen- und Justizministers die Rechtsfähigkeit erhielt. Ein außergewöhnlicher Vorgang! Obwohl dieser Verein TA Millionen Mark in das bankerotte Scherl- Unternehmen steckte, mußte er im Jahre 1915 erkennen, daß min- destens weitere 8 Millionen fehlten. Der Berein wandte sich in einem Schreiben an den Ministerialdirektor im Landwirtschaftsministerium Herrn v. H a m m e r st e i n, der damals die Ucbernahme des Scherl- Berlages organisiert hatte mit der Beschwerde: die Regierung hätte den Verein hereingelegt, sie müsse jetzt zur Sanierung weitere acht Millionen zahlen, davon 6 Millionen sofort. Abschrist dieses Schreibens, das im Weigerungsfalle der Regierung mit Konkurs- anmcldung des Vereins drohte, erhielten der Reichs- kanzler n. Bcthmonn Hollwcg und der Landwirtschaftsminister v. Schorlemcr, die sich gleichfalls seinerzeit um die Sanierung des Scherlverlagcs bemüht hatten. Die Regierung erklärte jedoch, aus „unbekannten Fonds" nur eine Million beisteuern zu können. Wegen des Restes wandte sie sich an die rheinisch-westfälische Schwer- industrie. und zwar an die Herren v. Kirdorf, Krupp, usw. Diese bcauslragten den ersten Direktor der Firma Krupp, Herrn Alfred hugenberg, mit der Durchführung der Transaktion. Die Sache wurde, wie Prof. L. Bernhard mitteilt, da sie der Regie- rung sehr peinlich war, mit äußerster Verschwiegenheit durchgeführt. Es wurde so wenig wie möglich Schriftliches zu den Akten gegeben, die Korrespondenz erfolgt« unter Decknamen. Hugenberg gründete, um die Sache noch unausfälliger zu machen, einen Verein mit dem Sitz in L ü b e ck und schob unbekannte Personen in den Vordergrund. Im übrigen stellte Hugenberg bei einer Revision fest, daß nicht 8, sondern 17 Millionen insgesamt Defizit vorhanden waren, nämlich 7 beim Verlagsverein und 10 beim Schcrl-Verlag. Um die 7 Millio- neu des Derlagsoereins zu decken, zeichneke die Schwerindustrie 6 Rlill., 1 Rlill. gab die Regierung. Obwohl die 6 Mill. gegenüber den bereits vorhandenen TA Mill. Anteilen des Perlagsöcreins eine Minderheit darstellten, errang die Hugenberggruppe gleichwohl die Majorität im Verlagsverein, da sie sich sür ihre Anteile doppelte» Stimmrecht erzwang. So wurde die Hugenberg-Gruppe unbeschränkter Diktator im Scherlschen Verlagsunternehmen. An dies« Darstellung Ludwig Bernhards knüpft« der Bericht» erstatter die Bemerkung, daß der Ausschuß festzustellen habe, ob außer der von Ludwig Bernhard festgestellten 1 Million noch w e i- t e r e Regierungsgelder direkt oder indirekt(z. B. in der Form von Darlehen an den Verlagsverein) in diele Transaktion geflossen seien. Im Landtag hat der Llbg. Heilmann sich aus ein Schreiben vom Jahre 1914 bezogen, worin der damalige preußische Innenminister o. Dallwitz die Prcußentasse anweist, dem Verlagsverein das not- wendige Geld zur Verfügung zu stellen. Der ehemalige Vizepräsident der Preußenkasse, Herr Geheimrat Gläser, habe auch bereits er- klärt, daß er seinerzeit auf Anweisung etwa 5 Millionen Mark an den Verlagsverein ausgezahlt habe. Auf Ansroge erklärte der Vertreter der Preußcnkasse, daß trotz eifrigen Suchens Aklenvorgängs bei der Preußenkasse nicht mehr aufzufinden seien. Die Akten seien entweder im Jahre 1924 unter der Präsident- schaft des Geheimrats Semper vernichtet worden oder aber der zur Zeit der fraglichen Vorgänge im Amt gewesene Präsident Heiligen st adt habe sie zusammen mit seinen Privat- a k t e n kurz vor seinem Tode im Jahre 1921 verbrannt. Diese Mitteilung erregte um so größeres Aufsehen, als gleich darauf ein Brief eines jetzigen Oberlandcsgerichtsrats in Celle, damaligen Just!» tiar bei der Preußenkasse verlesen wurde, aus dem hervorgeht, dah unter der Prässdcntschast Heiligenstadk umfangreiche K o n s e r e n- z e n stattgefunden haben, die sich mit der Kreditgewährung oder Geldauszahlnng an den Verlagsverein beschäftigt haben. Die Bc- tenerungen des deutschnationalcn Abg. Kaufhold, daß bei der Sa- nierung des Scherl-Verlages kein Pfennig Staatsgeld beansprucht worden sei, tonnten angesichts dieser Ttitsachen nur ironische Heiterkeit erregen. Der Ausschuß beschloß, das Staatsministeriuni z» ersuchen, bei sämtlichen Rlimsterlen Umfrage zu halten, ob Akten über diese Vorgänge vorhanden sind. Der Berichterstotter betonte, daß die Schrift Ludwig Bernhards Anhaltspunkte dafür gebe, daß trotz aller Geheimniskrämerei noch gewisse schriftliche Auszeichnungen vorhanden sein müssen, Herr Bernhard solche zum Teil wörtlich zitiere. Der Ausschuß beschloß ferner, eine Anzahl Zeugen zu vernehmen, darunter Gc- heimrat Gläser von der Preußenkasse, den ehemaligen Ministerial- dircktor v. H a m m e r st e! n, der jetzt deutsch-hannoveranijcher Reichstagsabgeordnctcr ist, Prof. Ludwig Bernhard und ferner den ehemaligen Ministerialdirektor im Finanzministerium Meiden- b a u e r, der zur Zeit der Scherl-Sanierung Referent für die Preußenkasse war und jetzt einer der führenden Männer des Hugen- berg-Konzerns ist. Schließlich soll auch vernommen werden Ministe- rialdirektor a. D. K a u tz. der zur fraglichen Zeit in der Preußen- kasse führend tötig war. was der deutschnationole Abg. Kaufhold mit großem Eifer, aber vergeblich abzuleugnen suchte. Die Vernehmungen werden Anfang Februar stattfinden. Man kann darauf gespannt sein, ob sie in eine der mysteriösesten Ange- legenheiien de» Kaiserreiches Licht bringen werden. Oer Mhrkonflm. Morgen Gchlichiungeverhandlungen/ Tteues Schlichtungsverfahren? 4352000 Arbeitsuchende. Zuwachs vom 16. bis 31. Dezember: 350000. gäbe.es bald keine D.umn!heit mehr, die noch nicht gemacht wäre! Das mag nvn sein wie immer, Tatsache ist. daß die „nationale Opposition" gar nicht daran denkt, sachlich« Außen» Politik zu treiben. Sie will nur zu Zwecken der inneren Machterccherung die Außenpolitik demagogisch ausnutzen. Darum verbreitet sie den Schwindel, die außenpolitische Lage sei seit dem 14 September günstig, bloß die Regierung ver- stehe nicht, ste auszunutzen. Wahrheit ist» daß angesichts derkotostrophalenBer- s ch l e ch t e r u.n g der Lage, diechurch den Wahlsieg Hillers bewirkt ist, kein deutscher Staatsmann für eine starke außen- politische Initiative die notwendigen Voraussetzungen finden wird. Es ist ja ohnehin weiter nichts als ein gemeiner Volksbetrug, wenn man die Dinge so darstellt, als wären Zahlungserleichterungen, Aenderungen der Rüstungs- bcstimmungen, Revision der Ostgrenze und wer weiß was noch sozusagen reife Früchte auf dem Baum, und man brauchte sie nur herabzuschütteln. Es ist doppelter Volksbetrug, wenn man so tut, als wäre durch das Vordringen der Nationalsozialisten die Lösung dieser Probleme nicht erschwert, sondern erleichtert worden. Das Aufspringe» des Nationalismus in Deutschland hat die Verstärkung gleicherStrömungen im Aus- lande und damit der Widerstände zur Folge gehabt. Die Nationalisten aller Länder vereinigen sich in dem Bestreben. Europa zu veruneinigen und neue Kriegsgefahren hervorzu- rufen. In einem neuen Krieg würde vermutlich ganz Europa zugrunde gehen— ganz bestimmt würde das aber für Deutsch- land der Fall sein, das, wie kein anderes Land, um wieder zu Kräften zu kommen, den Frieden braucht. Durch den Nationalsozialismus ist Deutschland nicht stärker geworden, sondern schwächer. Durch ihn ist die deutsche Diplo- matie erst recht gezwungen, kurz zu treten. Eine aktive Außen- Politik wird erst dann wieder möglich sein, wenn die bisherigen Nachläufer des„Antimarxismus" begriffen haben werden, daß man mit Kriegervereinsphrasen und Biertischphantasien keine Außenpolitik machen kann. �-„Sozialismus". NechiVrtigung des Kapitalprofits. Die Berliner Nationalsozialisten veranstalten für ihre Funk- tionäre Schulungsabende, auf denen ein gewisier K l a g g e s gegen den Marxismus predigt. Darüber wird dann im„Angriff- lang und breit berichtet. Diesem glücklichen Umstand« verdanken wir die Kenntnis der folgenden Weisheiten: Da der Mensch der Zweck der Wirtschaft ist und das Leben des Menschen eine llmsetzung von Kraft bedeutet, kann man alles das als Wert definieren, was dem Menschen Kraft liefert. Kraft, also Werte, schafft ober nicht die Arbeitskraft des Menschen allein, sondern erst im Zu- sammenwirken mit der Natur(Köhle usw.). Zur fruchtbaren Wertgewinnung gehört ferner nicht nur die Arbeitskraft, sondern auch die Anwendung der L rbeitsmittel. Der Mrkschasksgcwlnn rührt also kemosweg» allein von der' lebendigen Arbeitskraft, sondern auch von de« Arbeitsmittel«. 1 Der Gewinn muß also zwlschen der lebendigen Arbeitskraft und> den Arbeftsmitteln bzw. ihrem rechtmäßigen Besitzer ge- teilt werden. Die Beendigung des Klassenkampfes auf der Grundlag« einer gütlichen Einigung ist sehr wohl möglich, wenn man jedem Teil das �erkennt, was ihm zukommt und als Maßstob dafür die Leistung wertet. Die oberste Kontrolle darüber hat der Staat zu führen. Nack) deutlicher als bei Feder entpuppt sich bei Klagges die ganze volkswirtschaftliche Weisheit der Nationalsozialisten als ein Neuaufguß der alten vormarxistischen Dulgärökonomi«, die in der Rechtfertigung des Kapitalprofits ihre Haupt- aufgab« erblickte. Was die vergessensten Klopffechter des Kapftalis- nms gepredigt haben, feiert in den Theorien der Hakenkreuz- gelehrten fröhliche Auferstehung. So ist das oft zitierte Wort des Berliner Unternehmerblattes. der„DAZ.-, doch nicht umsonst gesprochen:„Der National- sozialismus muß kanalisiert werden I- Die natioimlökonomisch« Weisheit der Hakenkreuzler ist schon so gründlich„kanalisiert-, daß man es meilenweft riecht. Herzoglicher Raubbau am Walde. Faschistische Roheiten parlamentarisch unqerügt. Weimar, 8. Januar.(Eigenbericht.) Im Gesetzgebungsausschuß des Thüringischen Landtags«reigneie sich am Donnerstag bei der Beratung der Forstordnung ein b e> zeichnender Zwischenfall. Der sozialdemokratische Abgeordnet« Dr. Brill stellte im Ler- lauf der Debatte u. a. fest, daß der ehemalige Herzog von Koburg- Gotha um 4000 Festtneter Holzeinschläge mehr vorgenommen habe, ol» gesetzlich zulässig sei. Wahrscheinlich habe der Herzog zur Unterstützung der Faschisten Geld benötigt. Daraus«r- widerte der Nazi-Abgeordnet« Hennicke:.Wir brauchen das Holz, um die Marxisten aufzuhängen!- Brill ent» gegnete sofort, daß man dazu doch nicht den Wald abzuholzen brauche, der Latcrnenpfahl vor dem Landtagsgebäude ge- nüge doch. In Erwiderung auf diese Aeußerung bemerkte Hennicke gegenüber den sozialdemokratischen Ausschußmitgliedern:.Euch hängen wir nicht erst auf. Euch schlagen wir gleich tot!- Die bürgerlichen Abgeordneten schwiegen sich zu der Roheft ihres Koalitionsgenossen aus. Auch der Ausschußvorsitzende, der Landbündler Fock«, griff nicht ein. Er erteilte dem nationalsozia. listischen Abgeordneten nicht einmal einen Ordnungsruf. Oeffentlich zur Denunziation aufgefordert. Braunschweig. 8. Januar.(Eigenbericht.) In einer öffentlichen Versammlung erklärte der nationalsozia- listische Präsident des Braunschweigischen Landtags. Z ö r n e r, daß demnächst noch weitere sozialdemokratische Bc- amte auf die Straß« gesetzt würden. Bei den entlassenen 26 dissidentischen Lehrern werbe es nicht bleiben. Zunächst wür- den die beiden sozialdemokratischen Professoren Dr. Rietet und Jensen, die beide von der sozialdemokratischen Regierung für die Lehrerbildung angestellt worden sind, entlassen werden. Zörner forderte die Versammlungsbesucher schließlich auf. ihm noch wettere Vorschläge für zu entlassende Beamte zu machen. Als ihm die Namen nur so an den Kopf flogen, rettete er sich, indem er sagt«, am Schlüsse der Versammlung könnten ihm wefter« Vorschläge gemacht werden. Vom 16. b!» zum 31. Dezember 1930 ist die Zahl der h a n p 1- unlcrsiühuagsempsänger in der Arbeitslosenversicherung um rund 210 000 auf rund 2 155 090 gestiegen, in der Krisensürsorgc um rund 64000 auf 66700 0. Es Ist bcmerkeuswerk. daß ia der eulsprecheuden Zeil des vor- johres der Zogaog an hauplunterstühungsempsängern in der Ar- beilslosenverficherung\\d) auf 340 000 belies: die Aeberhöhuug ia dieser Einrichtung ist von rund 5SS000 Ende November auf rrnid 381 000 Ende Dezember zurückgegangen. Die Zählung der arbeitslosen Arbeitsuchenden am 31. Dezember ergab rund 4 357 000, d. h. gegenüber Mille des Mo- nats ein Anwachsen um rund 380 000 Personen. Ende Dezember des Vorjahres wurde— nach einer Zunahme um rund 489 000— eine Zahl von rund 2 851 000 Arbeilsloseu erreicht. Das Bauern gegen Großgrundbesihpoliiik. Für die Verbilliqung der Produktion. Hannover, 8. Januar.(Eigenbericht.) Die Hannoversch« Bauernschaft wendet sich in einer Enffchließung gegen die bisherige Agrar-, Zoll- und Handelspolitik der Regierung Brüning. Darin heißt es u. a.: „Die ordenlliche Mitgliederversammlung der hannoverschen Bauernschaft, zu der die bäuerlichen Familienbetriebe aus allen Teilen Hannovers ihre Vertreter entsandt hatten, sieht in der seit mehr als Jahresfrist betriebenen Agrar-, besonders aber der Zoll- und Handels- Politik der Reichsregierung eine Politik, dieeinseitigdieJnter- effen des Großgrundbesitzes begünstigt. Dagegen sind die Interessen der bäuerlichen Deredelungswirtschaft völlig vernachlässigt worden. Zugleich sind durch diese Polttik den bäuerlichen Familienbetrieben, die von der allgemeinen Not der Volks, und Landwirtschaft nicht minder betroffen werden als alle übrigen Berufe und Erwerbszweige, so groß« Opfer auferlegt und so schwere Schäden zugefügt worden, daß die Gefahr einer Ver- nichtung ihrer Existenz immer bedrohlichere Formen annimmt. Die Mttgliederoersammlung der hannoverschen Bauernschaft warnt die Regierungen, Parlamente und Parteien nachdrücklichst, diese Wege. die über kurz oder lang zu einer K a t a st r o p h e für den gesamten deutschen Bauernstand und damit für die deutsche Volkswirtschaft führen müssen, weiter zu gehen. Die Rentabilität der bäuerlichen Bc- triebe und ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland ist nur dadurch wiederherzustellen und auf die Dauer zu erhalten, daß der gesunkenen Kaufkraft der Verbraucher die Kosten der landwirtschast. lichen Produktion angepaßt werden. Dazu ist in erster Linie er- forderliche Beseitigung des Systems der Verteuerung der die Höhe der Erzeugungskosten beeinflussenden Rohprodukte(Pro- duktionsmittel) durch ein« schrankenlose Zollpolitik. Der deutsche Bauernstand kann die ihm obliegende, volkswirtschaftliche Funktion, den Nahrungsmittelbedarf der deutschen Voltswirtschaft von d�r Belastung einer ungeheuren Einsuhr cm Veredelungserzeugnissen zu befreien, nur erfüllen, wenn statt einer Verteuerung mtt allen Mitteln eine Verbilligung der Produktionstosten, insbesondere der Dünge- und Futtermittelpreise angestrebt wird, und durch ge- setzliche Maßnahmen die Voraussetzungen für ein« Bereinigung des zurzeit völlig oerwahrlostcn Inlandsmarktes durch eine den wirt- schastlichen Notwendigkeiten enffprechende Absatzregnlierung geschaffen werden! » Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages, der sich zur Zift mit dem Haushalt der landwirtschaftlichen Der- waltung für 1931 beschäftigt, erklärte der Berichterstatter. Abg. Peters- Hochdonn(Soz.), am Donnerstag, der Klein- und Mittelbesitz könne sich halten, unrettbar sei aber der Groß besitz. Die bisherige Schutzzollpolttik bringe nur zwei Zehntel der Landwirtschaft Vorteile, während acht Zehntel vielfach durch sie geschädigt würden. Der Ruf nach Schutz der Ver- «delungswirtschaft sei sehr gefährlich und könne bei Der- «irllichung bedenklich« Folgen für Deutschland habe». Abg. Zunahmelempo hol sich im Dezember 1930 gegenüber dem Vorjahr erheblich verlangsamt. Die geringere Zunahme der Arbeitslosen und der Unterstütz t-u gegen die gleiche Zett des Vorjahres— auf die der amtliche Bericht hinweist— ist nicht von Bedeutung, da wir mit absolut höheren Ziffern als im Vorjahre zu rechnen haben und je höher dieje sind, um so geringer muß schließlich dos Tempo des wetteren Anwachsens werden. Der Zuwachs in der zweiten Dezemberhälfte wird, wie schon der Zuwachs in der ersten Hälfte, auf überwiegend in der Jahreszeit liegende Gründe zurückgeführt. Vielleicht befaßt man sich bald einmal gründlich mit der Frage der Arbeitsbeschaffung, um eine Abnahme der Arbeitslosen in einem gewissen Tempo herbeizuführen. Brandenburg(Soz.) sprach sich gegen Abbau der Landarbeiter aus. Unter keinen Umständen dürsten Ausländer beschäftigt werden. Auch dürfe man den Landarbeiter nicht gegenüber dem Industtiearbefter zurücksetzen. Beim Lohnabbau stehe die Land- Wirtschaft an erster Stelle. In Schlesien würde ein Lohnobbmi von 30 Proz. verlangt._ Eisenbahner vor dem Gefängnis. Republikanische Demonstrationen in Madrid. Madrid, 5. Januar.(Eigenbericht.) Die Regierung hatte die Nachricht verbreitet, daß die Eisenbahnen während der revolutionären Ereignisse ihren Dienst nicht unter- brachen hatten, weil die republikanische Bewegung unter den Eisen- bohnern keine Anhänger habe. Um dieses Manöver unwirksam zu machen, beschlossen die Eisenbahner von Madrid gestern(Sonntag), vordem Gefängniszudemonstrieren, wo die republika- nifchen und sozialistischen Führer eingekerkert sind. In kurzer Zeit hatte sich vor dem Gefängnis eine große Menge angesammelt, die in der Hauptsache aus Eisenbahnern bestand. Die Demonstranten gaben vor, die Gefangenen besuchen zu wollen. Die Polizei schritt ein und zerstreute die Menge. Der Haupttrupp der Demonstranten begab sich daraufhin nach dem Zentrum der Stadt, nach der Puerto del Sol, wo sich das Innenministerium befindet. Eine Kommission verlangte den Minister zu sprechen, der sich aber weigerte, sie zu empfangen. Die Demonstranten riefen darauf:„Nieder mit dem König! Es lebe die Republik! Es lebe Largo Caballero! Es lebe Fernando de los Rios!- und stießen ähnsiche Rufe aus. Die Polizei schritt aufs neue ein, zerstreute die Demonstranten, die sich aber wiederum zu einem Zuge formierten. Es gab einige Ver- mundete und viele Verhaftungen. Die Regierung hat beschlossen, die politischen Gefangenen besonders streng zu behandeln. Nach den üblichen Gefängnis- Vorschriften können sie zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags Besuche empfangen. Bon jetzt ab sind alle Beziehungen mit den Gefangenen strengstens untersagt. Dies« Maßnahme wird nur dazu beitragen, das allgemein« Unbehagen, das im Volke herrscht, zu erhöhen. Admirale und Stahlhelm. Die Wilhelmshaoener Ortsgruppe des Stahlhelm gab ihrem nach Hannooer übersiedelnden Bor- sitzenden Kapttän a. D. Lattorf einen Abschiedsabend, an dem u. a. auch der gegenwärtige Chef der Marinestation der Nordsee, Vizeadmirat T i l l e s s e n in Zivil teilnahm. Wie eng die Be- Ziehungen zwischen Stahlhelm und Marine sind, ergibt sich u. a. auch daraus, daß Lattorss Nachfolger als Vorsitzender des hiesigen Stahlhelms der erst kürzlich aus der Reichsmarine auszefchiedene Admiral M a t t h ä i ist. Zm Spionageprozeß vor dem Reichsgericht schilderte der Kriminalassistent Sender den Feuerkampf mtt den in den Grenz- hinterhall qelockten polnffchen Spionen. Er erhiell selbst drei Schüsse, bevor sie sich ergaben. Sinowjew nach Moskau berufen. Der ehemalige Vorsitzende der Kommunistischen Internationale, Sinowjew. jetzt Rektor der Universität Kasan, ist nach Moskau berufen worden, um ein Amt in der neuen Komintern zu übernehmen. Bülows Dolchstoß. Oer kaiserliche Kanzler über den Kriegsausbruch. Bernhard B ü l o w, einer der eitelsten Schwätzer, die je gelebt haben, ist gewiß kein vollgültiger Zeuge für geschicht- liche Vorgänge. Immerhin war er viele Jahre lang der erste Repräsentant des kaiserlichen Deutschland nach dem Kaiser selbst und über alle Regierungsvorgänge aufs genaueste unter- richtet. Wenn sich dieser Mann jetzt als Ankläger gegen die kaiserliche Politik zur Zeit des Kriegsausbruchs aus dem Grabe erhebt, so ist das keine gleichgültige Sache. In dem neuesten Abschnitt seiner im Ullstein-Verlag er- scheinenden Denkwürdigkeiten, der soeben in der„Vossischen Zeitung" im Vorabdruck veröffentlicht wird, gibt Bülow eine Darstellung der Kricgsentstehung, die für die These von der erheblichen Mitschuld des kaiserlichen Deutschland am Ausbruch des Weltkrieges schwerwiegendes Material liefert. Zwar erklärt auch Bülow, nicht die Lenker der deutschen Po- litik, sondern die Poincar4 und Delcassch die englischen Iingoes und Nikolai Nikolajewitsch seien es gewesen, die den Krieg gewollt hätten. Mit der schärfsten Entschiedenheit setzt er aber auch auseinander, daßDeutschlanddenKrieg hätte vermeiden können, wenn es nicht eine so bodenlos schlechte Politik getrieben hätte. In diesem Zusammenhang spricht Fürst Bülow von den „vier oder fünf Personen, die uns ins Ver- derben führten". Diese Personen beschuldigt er.„die englischen Vermittlungsvorschläge abge- lehnt, verschleppt oder sabotiert" zu haben. Bülow setzt dann weiter auseinander, die Behauptung der deutschen Regierung, sie hätte das österreichische Ultimatum nicht gekannt, sei eine Lüge gewesen. Die deutsche Regierung hätte 18 Stunden Zeit gehabt, die Ueber- gäbe aufzuhalten und dadurch hätte nach Bülows Meinung der Krieg überhaupt oerhindert werden können. Gegen die Auffassung, der Weltkrieg sei ein unentrinnbares Fatum ge- wesen, wendet er sich aus das lebhafteste, um abschließend zu versichern:„JedenfallsbrauchtesichdasDeutsche Reich nicht unter einer derartig ungünstigen Situation in so ungeschickter Weise am Gängelband Oesterreichs in diesen furcht- baren Krieg verstricken lassen." Das ist eine Paraphrase des bekannten Äusfpruchs eines andern kaiserlichen Paladins, des Großadmirals v. T i r p i tz, Deutschland sei in den Weltkrieg„hineingeschlittert." Am 14. Dezember 1914 verabschiedet sich Bülow von Wilhelm II., um seine bekannte, später gescheiterte Mission in Rom anzutreten. Er trifft den Kaiser„in zuversichtlicher und gehobener Stimmung" und erhält aus kaiserlichem Munde folgende Darstellung von der Entstehung des Weltkriegs: Sein Vetter, der König von England, und sein Vetter, der Kaiser von Rußland, hätten sich im Mai 1913 während der Hochzeitsfeierlichkeiten anläßlich der Vermählung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Herzog von Braunschweig gegen ihn verschworen— die Geschichte aller Zeiten kenne keine größere Niedertracht. Tücke und Verrat im herzen— hätten die beiden „vettern und Kollegen" sein armes Kind zu Gottes Altar geführt. Dafür werde sie Gottes Strafe treffen. Als er am Tage vor der Hochzeit im Berliner Schloß unvermutet bei dem König von England eingetreten fei, habe er ihn im Tete-a-Tete mtt dem Zaren über- rajcht. Beide wären erschrocken aufgefahren. Damals hätten sie die letzten Verabredungen für den Ueberfall auf Deutschland getroffen. Und s o wurde Deutschland noch vier schöne Jahre wester- regiert, bis das„Novemberverbrechen" dieser Herrlichkeit ein Ende berestete. Von der jetzigen deutschen Regierung fordert man immer wieder, sie solle eine offizielle Aktion„gegen die Kriegsschuld- lüge" in Szene setzen. In Zukunft könnte es leicht passieren, daß den deutschen Diplomaten, die bei auswärtigen Regie- rungen gegen den bekannten Artikel des Friedensvertrags protestieren— die Denkwürdigtesten des Fürsten Bülow als Äntworr überreicht würden. Voreilige Drohung. Goebbels:„Wir hätten nicht so viel von Köpfe rollen reden sollen. Man weiß nicht, gegen wen das am Ende ausgeht.' Remarque-Verbot in Wien. Der Zweck der Aazi-Krawalle erreicht. Wien, 8. Januar. Die Wiener Polizei hat die 7-Uhr- und die S-Uhr-Vorstellungsn des Remarque-Films im Schwedenkino oerboten. Oer Innenminister gegen Seih. Der Innenminister W i n k l e r hat an den Bürgermeister von Wien, S e i tz, ein Schreiben gerichtet, in dem er niit Rücksicht aus die gewaltigen Kosten, die die polizeilichen Borkehnmgen bei einer Fortsetzung des Films„Im Westen nichts bleues" noch verursachen würden, und unter Hinweis daraus, daß der K u l t u r w e r t des Films wohl in keinem Verhältnis zu den Schädigungen Wirtschaft- l icher Natur steht, den Bürgermeister dringend ersucht, unverweilt die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, damit die weitere Fort- führung des Films unterbleibt. » Die Straßenkrawalle der Wiener chatenlreuzbubsn, angefeuert und ausgenutzt von der Presse des Herrn Seipel, haben ihr Ziel er- reicht. Der Innenminister Wintler, ein Landbündler, hat sich dem Willen des W e h r m i n i st e r s Baugoin löblich unterworfen, Außenminister Schober hat sich der Hetze gefügt und„aus Gründen der öffentlichen Ordming" hat man den Film„Im Westen nichts Neues" oerboten. Das hatte die Bundesregierung, die über eine Fitmzenfur nicht verfügt, den Landesregierungen gleich nach dein Heldenstück des Auswärtigen Amtes und des Reichswehr- Ministeriums in Berlin, vollzogen durch die FUm-Oberprüfstell«, zu tun enrpsohlen und sie hatten gehorsam eingeschwenkt. Nur die ein« Landesregierung, die nicht unter bürgerlicher Leitung steht, die sozialdemokratische Landesregierung Wiens, hatte dem Film kein Hindernis bereitet. Die Wiener Polizei hat sich als stark genyg erwiesen, um die Vorführungen störungsfrei zu erhalten. Hätte man durchgehallen, so hätten sich die Radauburschen, besonders nach ge- bührender Bchandlimg, verlausen und wären nicht wiedergekommen. Das Nachgeben ermuntert sie zu weiteren Versuchen, ihren Willen über Recht und Gesetz zu stellen— wie bei uns. Der polenöberfall auf deutsche Schule. Steine ins Lehrerinnenzimmer.— Der getötete Polizist. Oer Papst gegen die Krauenbefreiung. Geburtenregelung„naturwidrig"— Unterordnung soll bleiben. Rom, 8. Januar. Die neue Enzyklika des Papstes über die christliche Ehe wird hcitie abend im Osservatore Romano im lateinischen Originallext l ervffenllicht. Sie trägt das Datum des 8l. Dezember 1930, bc ginnt mit den Worten„Casri connubii" und befaßt sich nach Mit- icilungen aus dein Vatikan mit den hauptsächlichen modernen Ehefragcn, zu denen sie eine cindeiuige, klare Stellung ein- nimmt. Nack; einer Darlegung der einschlägigen christlichen Glau- kenslehre und des christlichen Eheideals nimmt die Enzyklika in ihrem zwellen Teil gegen die sogenannt« Kameradschafts» che und ähnliche Erscheinungen Stellung und verwirft grundsätz- lich jede Sexualbeziehung außerhalb der Ehe als sittlich unzu- lässig. Jeder Mißbrauch der Ehe(Geburtenkontrolle) und jede direkte Vernichtung des keimenden Lebens wird als dem Gesetz Gottes entgegen und naturwidrig zurückgewiesen. Dabei sagt der Papst in seinem Rundschreiben, kein Umstand, der mit der Gesundheit oder mit wirtschaftlichen Verhältnissen zusammenhänge, könne eine Entschuldigung bieten. Desgleichen wird die auf eugenischer Indikation aufbauende Sterilisation schuldloser Personen abgelehnt. Unter Aufzählung der verschiedenen Irrungen gegen die Treue wendet sich die Enzyklika gegen jede Umstoßung oder Abänderung der von Gott gegebenen inneren Verfassung der Familicngemeinschaft durch Aufhebung jeder U« b e r» und Unterordnung, um dann in besonders«ingehenden Darlegungen der Verweltlichung der Ehe und dem unberechtigten und leichtfertigen Abschließen von Mischehen und insbesondere der heutigen Ehescheidungsreform entgegenzutreten, die eine erleichterte Auflösung des Chsbundes erstrebe. In dem päpstlichen Rund- schreiben wird hier auf die verhängnisvollen Folgen der Eheschei- dung nicht nur für die Familie, sondern auch für die staatliche und menschliche Gesellschaft hingewiesen. Eine solche Gesetzgebung könne Staat und Volk nur einer unheilvollen Zukunft entgegen- nihren. Im dritten Haupttteil schließlich werden religiös-sittliche, aber auch Heilmittel sozialer und politischer Natur namhaft gemacht. Die Enzyklika weist in diesem Zusammenhang nachdrück- Üchst auf die mißlichen Wirtschastsverhältnisse hin, die nicht an letzter Stelle an der Entartting des ehelichen Lebens schuldig seien, und schlägt Mittel zu deren Behebung vor. Dabei wird auch aus die Notwendigkeck und Bedeutting der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat hingewiesen, um so dem weiteren Verfall und völligen Ruin der ehelichen Gemeinschaft entgegenzuwirken. Weiterhin wird die dreifache Emanzipation der Frau verurteilt, die physiologische, die sie von den ehelichen und mütterlichen Pflichten befreien solle, die wirtschaftliche, die ihr in der Abwicklung der Geschäfte des Alltags eine verderbliche Ilnabhängigkeit einräumen soll, und schließlich die soziale Emanzipation, durch die die Frau in die politischen Wirrnisse hineingezogen wird. (Soweit dürfte ober auch der Papst nicht gehen, die Wieder- obschafsung des Frauenwahlrechts zu verlangen, zumal die katholischen Parteien überall, wo es eingeführt ist. mit seinen Ergcbnisien sehr zufrieden sind.) Das Gokd strömi nach Krankreich. Und Papiergeld in die franzöfische Wirtsckafi. Paris. 8. Januar.(Eigenbericht.) Die Fehler der französischen Gold Politik, die sich in immer unnatürlicherer Anhäufung der Goldreserven und einer imaufh altsamen Preissteigerung äußern, haben augenscheinlich die Bank von Frankreich endlich zu besserer Erkenntnis gebracht. ttm den Zustrom neuen Goldes nach Paris zu verhindern, hat die Bank von Frankreich annähernd eine halbe Milliarde Devisen in der Woche vom 26. Dezember bis zum 2- Januar aufgekauft. Ihre Devisenreserve stieg damit aus über 26,5 Milliarden. Trotzdem hat sich auch der Goldbestand wieder um 160 Millionen Franken auf die Relordzisfer von 53,7 Milliarden Franken erhöht. Mit ihren Devisen- und Goldkäusen aber mußte die Bank neues Papiergeld in den Verkehr pumpen, so daß der Notenumlauf um genau 2,5 Milliarden auf die Riesenziffer von 78,g Milliarden Franken in die Höhe schnellte. Diese gefährliche neue Inflo- t i o n ist es, die das französische Zentralnoteninstckut zu der jüngst " oerfügten Diskontsenkung bestimmt hat, und es nach Mitteln und Wegen suchen läßt, dem Äapitalüberfluh in Frankreich, der durch die aktive Zahlungsbilanz immer höher steigt, Abfluß nach außen zu verschaffen. Nußlands Arbeiissystem. Molotoff bestreitet ArbeitSswang. Moskau. 8. Januar.(Amtlich.) In seinem Berichte vor der Tagung des Zentralexekutiokomitees der UdSSR, kam Molotoff auch auf die Antisowjetkampagn« zu sprechen und erklärte u. c.: In der letzten Zeit entwickell sich in England unter besonderer Unterstützung durch konservative Politiker eine Antisowjetkampagne. Die Konservativen suchen sich als Be- schütz« der freien Arbeit gegen die angeblich in der Sowjetunion bestehende Zwangsarbeit aufzuspielen. Tatsächlich wird in der Sowjetunion für alle Arbeiter der sieben st ündlge Arbeitstag durchgeführt, während die englischen Konservativen die grimmigsten Verfechter jener Ordnung sind, die jetzt zu wetterer Verläng«- r u n g des auch ohnehin schweren Arbettstages bis zu 10 und 12 Stundei�führt. Dabei ist noch folgendes zu berücksichtigen: Wenn es in der«owjetunion eine„Zwangsarbeit" gäbe, wie hätten sich denn da der sozialistische Wettbewerb, die Stoßbrigadenbewegung und die von Arbeitern aufgestellten Gegenpläne sowie andere höchste Methoden proletarischer Aktivität entwickeln können? Dafür herrscht in jenen Ländern, wo die Arbetter nicht befugt sind, auf legalem Wege für ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse einzutreten,„freie Arbeit". Es ist klar, daß das, was für die Konservativen als„sreie Arbeit" der Arbeiter gilt, von den Arbeitern lediglich als kapita- listisches Joch betrachtet wird. Und bald wird auch der letzte Arbeiter im Auslande erkennen, daß die Sowjetunion, wo den konferoattven Blättern zufolge die Arbeiter unter Zwangsarbeit leben, in Wirklich- keit das Musterbeispiel eines Landes ist wo die Macht in den Händen der Arbeiter liegt, wo die allseitige Verbesserung der Lage der Werktätigen die Hauptaufgabe dieser Macht ist und wo diese Aufgabe tatsächlich auf der Grundlage der gewattigen Aktivität der Arbeitermassen, ihres Enthusiasmus und Heroismus im Aufbau der freien sozialistischen Gesellschaft verwirklicht wird. Wieder Beamlenhinrichlungea in Sowjetruhland. Das oberste Gericht der Sowjetunion oerurteilte fünf Beamte der Genossen- schatten wegen Schädigung der Interessen des Staates zum Tode durch Erschießen. Die Beamten haben angeblich Waren für mehrere Millionen Rubel verschleuderl.„um dadurch Stimmung gegen die Sowjets im Dorfe zu machen". Die Todesurteile wurden durch die Wachen der OGPU.»ollstreckt. Rybnik, 8. Januar. Am zwecken Verhandlungstage im Prozeß gegen die Golasso- witzer Bauern wurde mit der Zeugenvernehmung begonnen. Der Organist B i g a l k« aus Golassowitz schilderte, wie er an dem frag- lichen Tage von den Aufständischen versolgt worden sei und wie er in das Haus des Angeklagten Waclawik flüchtete. Die Auf- ständischen folgten ihm nach und verlangten von ihm die Herausgabe deutscher Stimmzettel. Als der Zeuge erklärte, daß er keine Stimm- zettel besitze, wurde er von einem Ausständischen ins Gesicht ge» schlagen. Sie durchsuchten dann die Wohnung des Angeklagten Waclawik sowie die des Lehrers Merva, wobei sie heftige Drohungen besonders gegen den abwesenden Waclawik ausstießen, dem sie „ordentlich mitspielen" würden, weil er allein schuld daran sei, daß in Golassowitz bei den früheren Wahlen soviel deutsche Stimmen abgegeben worden seien. Wenn die antistaatliche Propaganda nicht aufhöre, dann würden sie das Gemeindehaus in die Luft sprengen. Der Zeuge Bigalke meldete diesen Vorfall dem Polizeikommissariat. Vor Gericht machte er noch näher« Mitteilungen über die Alarmierung der Dorfbewohner am Abend des 23. November, die erfolgte, als in seinem Hause gegen 21 Uhr die Fenster- scheiden«ingeworfen wurden. Daraufhin eillen etwa 20 Gemeinde- mckglieder nach dem Gemeindehaus, butu-er der Pastor Harlfinger, der die Leute beruhigt« und sie bat. friedlich auseinanderzu- gehen. Plötzlich wurde Geschrei hörbar und es verbreitete sich das Gerücht, daß drei Aufständisch« im Gemeindehaus gewesen wären, von denen einer erwischt worden sei. �Später stellte es sich heraus, daß es sich um den Polizeibeamten S ch n a p k a handelte. Pastor Harlfinger empfahl, den verletzten Schnapka zum Arzt zu schiffen. und telephonierte selbst nach einem Arzt, bekam aber keine Der- bindung. Man bemühte sich dann um ein Gespann und fuhr zum Dr. Scheja in das Nachbardorf Pawlowckfch. Der Zeuge Lux fchil- derte dann die Vorgänge bei dem Arzt, der es ablehnte, mitzu» kommen. Der Zeuge Lux tat darauf noch ein übriges und hinterließ auf dem Polizeikommisfariet in Pawlowckfch einen Zettel mit der Nachricht, daß«in verwundeter Polizeibeamter in Golassowitz auf- gesunden worden sei. Dann schilderte die Lehrerin Erna Fuchs als Zeugin den llebersall der Aufständischen auf die deutsche Schule, der um Mittag erfolgte, als die Zeugin gerade Unterricht erteilt«. Die Aufständischen, etwa 15 uniformierte und mit Revolvern und Gummiknüppeln bewassnete Leute, rissen die Klasscntür auf und forderten die Zeugin auf, mckzulonAnen. Sie durchsuchten sodann das Schulgebäude nach deutschem Agitationsmateriol und fragten noch dem Schuldiener, dem Angeklagten Waclawik. Während der Durchsuchung äußerte ein Aufständischer:„Wenn ihr oerfluchten Lehrer mit der ontistaatlichen Erziehung der Kinder nicht aufhört, dann fliegt ihr mit der S ch u l e i n d i e Luft." Erst um 16.30 Uhr nachmittag fuhren dann die Aufständischen nach Pilgramsdorf. Die Lehrerin erklärte weiter, daß die Aufständischen vor ihrem Abmarsch S&S& die Schulkinder aufgefordert haben, Hochrufe aus Pilsudski auszu- bringen. Die Kinder waren vollständig eingeschüchtert und begannen zu jammern und zu weinen. Sie konnten nur mck Mühe von der Lehrerin beruhigt werden. Gegen 21 Uhr flogen dann d r e i S t e i» e in das Zimmer der Lehrerin, wobei die Fensterscheiben zertrümmert wurden. Dann erfolgte der Alarm, und die Gemeinde- Mitglieder saiü>en sich zum Teil im Gemeindehaus ein. Aus die Frage des Richters nach dem Grund des Alarms erwiderte die Zeugin, daß man auf diese Weise Hilfe herbeischaffen wollt«, da man einen erneuten Uebersall der Ausständischen befürchtete. „pollacke' ist keine Beleidigung.— Schwachsinnige Zeugen in Marienburg. Marienlrarg. 8. Ionugr. Am zweiten Derhandlungstag« wird zunächst die Vernehmung über die Vorgänge in der Nacht zum 21. Oktober fortgesetzt. Es handelt sich um eine Schlägerei zwischen einer Horde Polen und den beiden Angeklagten Gusowfii und Eholewius. Im Verlaus dieser Schlägerei sollen die beiden durch das Dorf gezogen sein und unter- weg? noch einmal drei Polen bedroht haben/ wobei der Pctoführer Lewicki, der hinzukam, geschossen haben soll. In d« Hauptsache dreht sich die Verhandlung wieder darum, ob der Ausdruck„P o l l a ck" eine Beleidigung ist. Der Zeuge Lewandowski erklärt, wenn man einen Polen„Pollack" nenne, sei das keine Beleidigung, er als Deutscher habe sich jedoch dadurch beleidigt gefühlt. Später wird noch einmal festgestellt, daß sowohl Ausdrücke wie„Pole" und „Pollack" keine Beleidigungen feien, Riß ferner„Pole" und„Pollack" gleichbedeutend feien, und daß diese beiden Ausdrücke nur eine Be- lerdigung fein könnten, wenn eine bestimmte Betonung auf sie gelegt werde. Einem polnischen Besitzer sind Fensterscheiben eingeschlagen wor- den, der Sohn des Besitzers wurde tätlich beleidigt. Der als Zeuge auftretende Sohn des Besitzers ist schwachsinnig und gibt gang verwirrte Antworten. Auch dem Dolmetscher gelingt es nicht, in sein Stammeln und seine Gesten einen richtigen Sinn zu bringen. Der Vater, ein 72 Jahre alter Mann, macht ebenfalls einen etwas g e- störten Eindruck. Zuckermassen verbranni. Kleinbauernrevoite in Kuba wegen der pre'ssstine. yabana, 8. Januar.(Eigenbericht.) In den Zuckergcbieten von Kuba ist infolg« der schlechten Wirt- schaftslage unter den Bauern eine große Terrorbewegung ausgebrochen, die sick» darin austobt, daß überall Zuckerfelder in Brand gesetzt werden. Bis jetzt sind nicht weniger als 7000 Tonnen Zuckerrohr cckigeäjchcrL worden. Di« Regierung hat nun- mehr einen großen Polizei- und Militärapparat aufgezogen, um wettere Brandstiftungen zu verhindern. p| M(Stillte ßehensmiMel MM WBo H n W> H HB B B WÜ Zusendung bei Bestellung von 5 M an Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstraße Frisch. Fleisch Konserven Rosenthaler Str. Moritzplatz Zusendung bei Bestellung von 5 M an Obst, Gemüse N, aHe leicht verderblichen Artikel sind vom Versand ausgeschlossen Rinderkamm'"'ünd 0.90 Schmorfleisch 1.1 0�, 1.24 Roastbeef mit Knodv. Pfd.|.1 0 Guiesch 4 mm Gehacktes n n- ffund l«Uv Huna V. 05 Liesen....... Pfund0.65 Hammel•Vorderfl. 0.98 Kalbskamm...Pfund 0.84 Kalbsrücken"K*lÄ,,0.92 Kalbsschnitzel Pfund 2.00 Schweinebauch"fw 0.90 Sdiweinerüdcen Pfund 0.94 Fr. Bratwurst Sp#lÄ 1.16 _'/, Do«. Br.- U.Schnittbohnen 0.39 Br.- u. Schnittbohn. 1 0.62 Gemüse-Erbsen... 0.54 Erbsen cm 1.00 � 1.15 UaushalicGemüse-■ 0.70 Gemischtes Gemüse A oa sehr fein 1.ÖO miHelfefn"»"0 Bruchspargel mitfei>iark 2.05 Stangenspargel 2.70 Pfifferlinge 7. d. 0.78 1.35 Sellerie 7. Do» 0.45 0.70 Pflaumen.. 0.60 0.75 Kirschen»ur.0.60 0±n' 1.10 Obst u. Gemüse MusBpfel...... pa Uhr Muß die Kuh Milch sehen? mit IIHert Hassermann Sonntag, II. Jan 3.30 Uhr Tonintersudnnig Kleine Preise IHM il. IM; Täglich Wb Scntatioaeller O per ctlencr f ol g Viktoria undlhrHusar Was man auch sag(> ist zu wenig— Die Codonas Die Leitzel Die Barracetas riuss man sehen I Sonnabend und Sonntag Ja 2 Vorstollungon 4 Uhr und 8.15 Uhr 4 Uhr kleine Preise. rw-P*-- weSdau Singspiel in vielen düdern. Cum. Splra, Hansen, I.leaka. Wallbnrc. Arno, Janknbn, Panl Uftrblgrr, Jana. Setaaeflrrs, WinhaUfern. Bolls. Dasnl, 1 Stark.(.'Stet tenbaner, Original Tlrolrr HalscIienlAnsar. Original Tiroler Jodlarinnan-Qnlntatt,| Mnaik-Trla ans aehllrrsre. I Jaaa-Band/ Girls n. Bojs I Grosso Ctifira. J Oer Zelt entsprechend sind, trnts des j riesigen Andranges, db BS 0/« er. Jdla Kassen preise Um dbS /0 niässlgc. Sonntag O I Ifta es Originatbefelxtang Nadimltlag am UHtIb Billige Preise Rose-Theater flr.Fraiiklarttr5tr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 5.30 U. Premlere Zwangs- elnquartierung 8 15 Uhr Die ODlIaipiinzessiD Komische Oper 87» Uhr Reppina Operette von Robert Stolz. iBilna-Iteter Täglich 87. Uhr Mamsell Nitoudie Operette von Hetve Tellmänii. Adalbert. RrnoW Bamowsky-BiltiDen Tkiaigr in der Sirssemanaitr. 87« Uhr Gastspiel Ein Idealer Gatte mit Hsrry Liedtkc KomSdlanhsus 87. Uhr Cocktail von fonnoillir iBmatzky Berliner TheaL 87. Uhr Elisabeth Bargoer in flrs. Cheneys Ende Kietropoi-Iheater Täglich 87, Uhr Schön ist die weit Operette von Lehär RidnnfTiiubtr.RittaAliiar. SdiHtzeiiilorf. Neues Theater »w»BM» am Zoo■— AnRahnb. Zoo. StpL 655» Täglich 87« Uhr Der fr. Lachenolgl Guido Ttiielsctier Das onenuiche Aergernis Preise 1 bis 8 M. Sonntag 3 Uhr Caspars Wanderkabinett Arnold Schols U-Bahn Hermannplatz Nasenheide 108-14 Täglich Gr. Bochbierfest in Ober-Bayern 7 Ks pellen, neue Dekorationen, bayr.BedleBaae l Einlaß 6 Uhr. Sonnabend u.Sonnta"S; GR ALPENBAIjL. Theater am SdUflbaoerdamm Norden 5813 u. 0281 Täglich 87. Uhr Die Quadratur des Kreises Lustspiel v. Katajew Rigii; v. Mindslsobn Preise von 1—12 M. Lustspieinaus Kurt Götz Täglich 8>/» Uhr Tom Liehen und Ladien Plscator-Bfihne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. 87« Täglich 8«/. Mond tob links Preise 0.50-6.00 M. Kleines Theat. Täglich 87. Uhr: Der gr Lacherfolg Der niustergatte Schwank In 3 Akten ElUe. elegante neue Garderobe zu stau- nend billigen Prei- sen. Gelegenheit»- läuft in Herren, und Damenvel.zen. Leihhaus Lowick:. �Prinzeitstrahe 105. eine Treppe, Keine __ Lombardware._ Verleih hocheleganter Gesell ichakis-Anzllge, Leihhaus Lswicki, Priit> «enstrake lOö Tamenmäniel. Riesen. Inoeninr- Ausverlauf ad 5, Wintermäntel, lrü- her 20,— jegt 2.—, Oiwinanrnäntel, früher 30,—, legt 10,—. Alenr. de. Laine- Mantel, frü- her 40.—, seht 20,—. Modellmäntel, frü- her 60,—, seht SO.—, Modellmäntel, kell- der 90.—, iekt 45.—, Damenkleider 3,—, 5,—, 10,—, 15,—, 25,—. Echmechel, Ginostr, 13, Bahn. hol Börse.• ir.s&Bi Familien- Nachmittage 530 Uhr irledar ab S. Jaotiar jeden Dlemtag. 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Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der die gesonderte Unterbringung schwer erziehbarer und psychopathischer Jugendlicher in gesonderten A n st a l t e n verlangt(siehe„Abend" vom Dienstag!), konnte nicht sofort an einen Ausschuß überwiesen werden» da die Kommunisten widersprachen. Genosse Flalau gab sofort folgende Erklärung ab: Die Kommunisten machen durch ihren Widerstand die Durch- führung von Maßnahmen unmöglich, die im Interesse der Förderung und Verbesserung de» Fürsorgewesens dringend ersorderlich sind. Ware der Widerspruc? nicht erfolgt und der Antrag dyn Ausschuß überwiesen worden, hätte diese Angelegenheit in einer Woche im Plenum verhandelt werden können. So sabotieren diese„Arbeiter» Vertreter" praktische Arbeit.(Sehr richtig! bei den Soz.) Bei kam- munistischen Dcmonstrationsanträgen wurde die Dringlichkeit dann ebenfalls nicht anerkannt, was die Konununistcn mit dem bei ihnen üblichen Spektakel ausnahmen. Die in der Sitzung vor Weihnachten abgebrochene Debatte über die Berliner Verkehrögefellfchast wurde gestern fortgesetzt. Bekanntlich hate der zuständige Stadt- verordiretenansschuß sich mit neun großen Anträgen, die in 27 Einzclforderungen zerfielen, zu beschästigen. Die Deutsch- nationalen, die Nationalsozialisten und die Koinmunistcn hatten es insbesondere auf den sozialdemokratischen Direktor der BBK., Brolat, abgesekjcn, dem sie politische Motive bei den Entlassungen vorwarfen. Die anderen Anträge wandten sich gegen die Eni- lassungen, die Tarifpolitik und den sonstigen Betrieb bei der BMG. lieber die Ausschußberatunqen hätte in der letzten Sitzung be- reits Genosse Schäfer berichtet. Gestern sprach sür di« sozial- demokratische Fraktion Genosse Vnrgemeisler. der gehörig mit den Antragstellern abrechnete. Di« Deutschnatio- nalen, sagte der Redner, lonnien sich bei der Behandlung ihrer Anträge im Ausschuß nur auf Zeitungsausschnitte st ü tz e n. ohne eigenes Material zu Hadem Trotzdem forderten sie nicht mehr und nicht weniger als die sofortig« Entlassung des Direktor Br�olat, der der ocutschnätionale Antrag> wird verständlich!— Sozialdemokrat ist. Eüte einfache Änsroge in der iStadtverordnsteiioirsäuiMlünq chatte deni Deuifch aatio aalen jede Auskunft gebracht und ihren lächerlichen DemonslrationsaMrog un- nötig gemacht. Die in dem Antrag ausgesprochen« Meinung der, Deutschuatioualen, der Ruf der Stadt müßte gewahrt werden, sollte, 1 so hoffen die Sozialdemokraten, auch noch Gemeingut der anderen Parteien des Hauses werden. Genosse B u r g e m e i st c r behandelte «dann noch einmal kurz die Borgönge. die zu den Entlassungen in der BVG. führtem Damals war die Absicht der Direktion, durch Arbeits st rcckunq Entlassungen zu vermeiden, von der durch die Kommunisten und die Nationalsozialisten auf- geputschten Belegschaft vereitelt worden, so daß die Entlassungen unvermeidbar wurden. von politischen. Blolivcn bei den Entlassungen konnte keine Rede sein; das hat ja auch der Ausschuh einwandfrei festgestellt, denn von den Hunderten von Einsprüchen wurden im Ausschuh ganze drei anerkannt. Das ist wirklich ein sehr mageres Ergebnis der Beschwerden.(Sehr richtig bei den Soz.) Zu den Klagen vor dem Arbeitsgericht wurden die Kläger von den Nazis gezwungen, teilweise unter Drohung mit Waffengewalt.(Lebhafte Bewegung im ganzen Hause.) Ein entlassener Nazi hat seine Dienstuniform nicht abgegeben,«r ist, durch die Uniform legitimiert, kostenlos aus den städtischen Ber- kehrsmitteln unchergcfahren und hat allerlei Unfug am den Bahn Höfen verübt. Auf dem Bahnhof Nollcndorfplatz beispielsweise hat er in seiner Dienstuniform Hitler hochleben lassen, so daß lebhast« Beschwerden an die Direktion gelangt sind. Direktor Brolat von der BBG. hat im Ausschuh nachweisen können, dah er strengste Anweisung gegeben hatte, jeden Unterschied in gewerkschaftlicher oder politischer Hinsicht bei den Entlassungen zu vermeiden. Bor der Einreichung der Klagen haben die Nationalsozialisten sich Beträge von mehreren Mark von den Entlassenen zahlen lassen, haben osso bei der Aktion ein sehr gutes Geschäft ge- macht. Dah der Prozeh wegen der Unfähigkeit der nationalsozio- listischcn Prozehvcrtretcr vertagt werden muhte, ist wirklich nicht die Schuld der BVG. oder der Sozialdemokraten. Wie ernst die Nazis es mit ihren eigenen Anträgen meinen, ergibt die Tatsache. dah sie bei der Behandlung der Anträge im Ausschuh nicht einmal anwesend waren. Den Kommunisten hielt Genosse B u r g e m e i st e r vor, dah sie in ihren eigenen Parteibctneben alles binauswerren, was nicht linientreu ist. hier aber beschweren sie sick>. wenn An- gestAltc entlassen werden, die fortoeletzt gegen die BBG. arbeiteten. Der kommunistische Redner Schilf war nach den mageren Ber- handlungseraebnissen im Ausichuß sehr kleinlaut: er war gegen alle sonstige Gepflogenheit sehr schnell mit seiner Rede fertig. Stadtv. Engel(Natsoz.) meinte, der sozialdemokratische Direktor Brolat habe Tausende nur deshalb ins Erwerbslosenelend gestoßen, um skin Gehalt zu retten. Nach dem„Stadtv. Steiniger(Dnat.) sprach Stadlrat Reuter(Soz.). Der Redner trat insbesondere den Ausführungen des Nationalsozialisten Engel entgegen. Es seien falsche und den Tatsachen wider- sprechende Behauptungen, wenn, entgegen allen iDrtersuchungs- eraebnissen, immer wieder gesagt wird, die Entlassungen bei der BMG. seien nach einseitigen und politischen Gesichtspunkten vor- genommen worden. Auf Wunsch Reuters, der Magistratsdezernent für die städtischen Verkehrsbetriebe ist, hat die Di rettton alles unternommen, um die Entlassungen zu ver- meiden. Es wäre allerdings von der Belegschaft kollegialer ge- handelt aewescn, wenn sie sich von den nationalsozialistischen und kommunistischen Agitatoren nicht hätte betören lassen und der Ar- beitsstreckung zugestimmt hätte. Dann hätte, wie es jetzt auch in Freitod eines Klinikleiters. prof. Dr. Hornung tötet sich durch einen Gchläfenfchusi. Professor Dr. Richard horuung. der stellvertretende Dlrektor der Unloersitälsfraventtinik. hol in seiner Wohnung. Ariedrichsgrachl 57. Selbstmord durch Er- schieben verübt. Dr. hornung, der erst im N. Lebensjahre stand, hatte sich sehr früh einen Namen gemacht. 1928 erhielt er eine Professur an der Universität Berlin. Seine Dorlesungen behandelten besonders die Geburtshilfe und Gynäkologie. Die Gründe, die hornung zu der Verzweiflungstat getrieben haben, sind noch unbekannt, dürsten aber ofsenbar ii, Schwermut zu suchen sein. Professor hornung kehrte mittags heim, und währeich er in seinem Arbeitszimmer weilte, schoß er sich eine Kugel in die Schläfe. In schwerverletztem Zustande wurde E. in das Nordsanatorium gebracht, wo er bald nach seiner Estilieferung starb. den technischen Abteilungen der BVG. der Fall ist, keir� einziger Arbeiter und Angestellter entlassen werden brauchen. Aber es scheint. fast, als wenn es den beiden radikalen Parteien im Interesse ihrer Agitation nur erwünscht war, daß Entlassungen erfolgten. Die D e u t sch n a t i o n a l e n haben bei der Stellung ihrer Anträge nicht fair gehandelt. Anstatt daß sie als Antragsteller die Last der Beweisführung übernahmen, wälzte» sie sie auf die Direk- tion ob. Auf die Auseinandersetzung des Stadtverordneten Engel mit den Sachverständigen über„Tarisfrcuden" freue sich er, Reuter, jetzt schon. Stadtrat Reuter wandte sich dann mit aller Entschieden- heit gegen die Behauptungen des nationalsozialistischen Rednerz, daß die BBG. eine ungeheure Mißwirtschaft treibe und fast pleite sei. Selbstverständlich leidet die Gesellschaft, so wie alles andere auch, unter der Wirtschaftskrise: die Loge hat sich aber in den letzten Monaten ganz außerordentlich gebessert, sie nächsten Bilanzen werden das ausweisen. Schließlich erklär!« Genosse vurgemeisler, noch einmal zu Wort gekommen, der kommunistische wie auch der nationalsozialistische Redner hätten besser getan, ihre gestern vorgebrachten Einwände in den Ausschußsitzungen zu erheben, dann hätte man den Sackzen auf den Grund gehen können. Den Nationalsozialisten stehe es schlecht an. über Ausbeutung bei der BBG. zu schimpfen: für ihre eigenen Betriebe suchen sie Chausseure sür monatlich 7ll (s i e b e n z i g) Mark und Stenotypistinnen, die im„Pri- vatkonior" des Herrn Goebbels gratis arbeiten.(Lebh. hört, hört! bei den Soz.) � Der von de» D e u t s ch n a t i o n a l e n im Ausschuß cmge- brachte Antrag, wonach sesäwstellt wird daß parteipolitische Wo- live in keinem(solle zur Entlassung eines Angestellten geführt haben, daß vielmehr van der Direktion rein sachlich und nicht parteipolitisch gehandelt wurde, wurde auch gestern im Plenum angenommen. Die Anträge der Nazis und der Kommunisten, die eine Hera b- setzunq der Tarife verlangten, wurden dem Maaistrat zu- oeleitet, der sie der BBG. bei einer etwa später notwendig werden- den Tnrisänderung zur Berücksichtigung überweisen soll. Prüfen soll die BMG. auch weiter, in welchem Umfange Reparatur- und Unterhaltsarbeiten mehr als bisher in eigener Regie aus- geführt werden können. Abgelehnt wurden im Ausschuß wie auch vom Plenum folgende Anträge der Kommunisten: 1. Entlassung aller reaktionären und arbeiterfeindlichen Beamten und Angestellten der BBG.(Herr Wisnewski sagte: Alles, was rechts von den Kmnmuniften steht, ist reaktionär!) 2. Aushebung der Aktienqesellschastsform der BBG. und Weiiersübninq als Kammereibetrieb. 3. herabseßung der Arbeitszeit auf 7. Stunden bei vollem Lohnausgleich. 4. Wsiterführung von Bahnbaute». Ab- gelehnt wurde auch die Herabsetzung der Anqestelltenqehälter in dem van den NoUs geforderten Umfange und die Einstellung von Bahn- bauten in Siedkungsgeaenden und die Inangriffnahme von Bahn- Neubauten in volkreichen Gegenden. 'fe Bezeichnend sür die von den Koimnnnisten so oft betonte Fürsorge, für.die Kleingärt ner, ist ihr Einspruch gegen einen Dringlichkestsantrag der' S o z r a l d e m o k ton, in dem die so- sortiq« Verkünhung des langst hkschlosfersen R e i ch s h e i M sta t t« n- ae se tz SS im AmtsblaN der Stn-dr Verlin gefordert- wird, um der ltnsichcryrit der Klemgärtiter K steuern:' Südtiroser in Nerlin. Der Südtiroler Volksschuß veranstaltet am Montag. dem 19. Januar 1931, abends 8M Uhr, im Verein Deutscher Ingenieure, Fricdrich-Ebert»straße 27, einen Vortragsabend über „Di e gegenwärtige Lage in Sndtiro l". Der Führer der Südtiroter Bewegung, Pater Jnnertofler, kommt zu diesem Vortrag noch Berlin und wird sprechen. Außerdem wird Jngnmar Be r h o u z, der aus dem Veroneser Hochverratsprozeß bekannt ist, eine der schönsten Lichtbildserien von Südtirol vorführen. Eintritt S0 Pf. Eintrittskarten sind erhältlich an der'Abendkasse und nn heim des Reich-Berlag, Berlin NW. 10, Kronprinzenufcr 19. EteS Eisennanns Ruf in der Fachwelt festigte sich. Bedeutende Cngrosfirmen traten an ihn heran, um Ware geliefert zu bekommen. Er lehnte höflich, aber entschieden ab. Für ihn gab es mir einen, für den es sich zu arbeiten lohnte, das war Himmelsbach. Mit aller feiner seelischen Kraft hing er an dem alten Gecken, der ihm geradezu als eine Art Schutzheiliger erschien, als Talisman, der ihm Glück brachte. Gewiß. Himmclsbach inochte in feinen Geschäftspraktiken nicht ganz einwandfrei fein, dies und jenes mochte incht stimmen, seine Kontrakte zum Beispiel waren Musterbeispiele formaler Bcrdrehtingskunst, die Sache mit dem jungen Büro- sräulein war auch nicht nach Ludwigs Geschmack, aber all das konnte ihn nicht in seiner festen Ueberzengung wankend machen, daß er seinen Aufstieg und seinen täglich sich mehren- den Reichtum niemand anders zu verdanken habe als eben dem zerknitterten Lebemann und Händler sngros. Daß gerade er, Ludwig selber, das allermeiste dazu bei- getragen hatte, um hochzukommen, und immer noch beitrug, daran dachte er nicht und konnte auch gar nicht daran denken. Seiner ganzen Wesensart nach war ihm der objektive Blick auf sich selber verschlossen. Sein ureigenstes Werk, die Fabrik, stand ihm so augennah, hielt seinen Blick so gefangen, daß ihm jeder Maßstab, jegliche Bergleichsmöglichkeit mit anderen Be- trieben und Unternehmungen gleicher Art fehlte. Ihm genügte, was er auf der Hand sah.' Sein Unlnernehmen setzte jetzt pro Monat sür Millionen von Mark Ware uin. Die Lieferanten rissen sich geradezu um seine Gunst. Schon längst hatte sich die Firma Ludwig Eisermann emanzipiert und war über das eigentliche Lohn- und Auf- tragsgeschäft hinausgewachsen. Schon seit geraumer Zeit baute die Firma Ludwig Eiser- numn eigene Modelle; Himmelsbach oerhandelte sie nur noch. Die Firma Ludwig Eisermann schafft einen eigenen Stil, der den Markt unterwarf. Die Firma Ludwig Eisermann hatte ihr eigenes Beiz- verfahren, ihre eigenen, in Herstellung und Verarbeitung geheimgehaltenen Farben. Die Konkurrenz bemühte sich zwar krampfhaft, alles nachzumachen. Es blieb aber bei Pfusch und Nachahmung: erreicht wurde das Borbild nie. Was die Firma Ludwig Eisermann lieferte, war erst- klassig, von niemand zu schlagen. Mit einem Wort: die Firma Ludwig Eisermann war in ihrer Branche führend geworden. Himmelsbach wußte das und freute sich. Auch die Kon- kurrenz wußte das und ärgertck sich. Nur einer wußte es nicht, und zwar der. den es eigent- lich am allermeisten anging, nämlich der Chef der Finna Ludwig Eisermann selber. Immer war er daraus aus, noch besser, noch billiger, noch schneller zu liefern. Um die Unkosten noch weiter herunterzudrücken und den Lieferantengewinn auszuschalten, fuhr er in feinem Auto nach Polen hinein und kaufte ganze Waldungen zu billigen Va- luten. Und Himmclsbach zahlte per Kaffe... und den jeweiligen Tagespreis. �% Wer Geld hat, dem rennt das Geld nach! Ludwig bekam die Wahrheit dieses Wortes zu spüren. Was er anfaßte, verwandelte sich zu Geld oder Eeldeswert. Geld lief durch feine Hände, mehr Geld, als er fassen konnte. Aber das Schlimme war. das Geld lief auch durch seinen Kopf. Mit der Zeit wurde er nur noch eine Additions- und Multiplikatioiismaschine. Die Zahlen, mit jedem Tag der Inflation inehr in die Höhe schnellend, machten ihm allmählich zu schaffen. Bald bewältigte er sie nicht mehr so spielend wie früher. Die Nerven, die so lange gewaltsam daniedergehalten, meldeten sich wieder. Das Herz drohte. Ludwig Eisermann war krank. Cr spürte es selber. Der Arzt kam, untersuchte und verordnete dann stritte Bettruhe. Ludwig, von Hvrzschmerzen zermürbt, nickte müde: „Ja, ja!" In Wirklichkeit beschloß er. nicht länger als zwei Tage das Bett zu hüten. Das war Ausspannung genug. Länger konnte er seiner geliebten Fabrik nicht fernbleißen. Unter keinen Umständen. Was sich diese bearzteten Burschen so denken, einen wegen einer einfachen Herzattacke wochenlang in die Falle stecken zu wollen. Abgespannt nahm er die verschriebenen Beruhigungs- tabletten, drehte sich zur Seite und schlief eitt. Volle sechsunddreißig Stunden hintereinander schlief er. Dieser Dauerschlaf war die Folge seiner Erschöpfung. Als er erwachte, fühlte er sich uni Vieles wohlcc., Niemand war um ihn in dem schon längst luxuiös eingerichteten Schlafzimmer. Ganz allein lag er, wie ver- lassen... Er rief nach seiner Frau. Doch statt Maria kam seine Schwiegermutter ins Znmner. Sie sah ihn erschrocken an. „Wo ist denn Maria?" Die alte Dame mich feinem unruhigen Blick verlegen aus. „Sic kann im Moment nicht abkommen. Du weißt doch, wir haben die Schneiderin im Haus. Maria und Istha probieren ihre Kostüme sür den morgigen Maskenball an! Willst du sonst was?" Er schüttelte verneinend den verschwitzten Kopf:„Nein! Danke!" Die alte Dame huschte eiligst hinaus, froh, nicht mehr seinen seltsamen flackernden Blick in ihrem Gesicht zu spüren. „Maskenball!" Ludwig lächelte höhnisch vor sich hin. Maskenball! Er lag hier und quälte sich mit seinen Ge- danken ab, und morgen tanzten die Leute in seinem Hause Maskenball. Vom Nebenzimmer her klang Klavierspiel. Der Anschlag war hart und gewalttätig. Seine Tochter Jscha, die Sechzehn- jährige, spielte einen Marsch. Er überlegte: der Radetzki- marsch, so schneidig im Vorgefühl des morgigen Maskenballes.. Es war Ischas erster Ball. Er dachte nach und ließ alle seine Bekannten Revue passieren. War da etwa einer darunter, dessen Tochter mit kaum sechzehn Iahren zum Maskenball ging? Nein, nicht einer! Aber» Istha durfte es sehen, natürlich, der Vater ist ja Fabrikant, der kann das Geld mit vollen Händen zum Fet$er rausschmeißen. Aber wartet nur. überlegte er weiter, es scheint mir ja hier im Hause ein ziemlich loses Regiment eingerissen zu fein. Da werde ich mal abstoppen, aber ganz gehörig! (Fortsetzung folgt.) Oer Schuß auf den Nebenbuhler. Zwei Lahre Gefängnis für den Mann, der den Liebhaber seiner Krau erschoß. Das Landgericht I verurteilte deu Händler der am 2t September vorigen Zahres den Geliebten seiner Jrau, den Ar- beiter P. tötete, ,u 2 Jahren 1 Monat Gefängnis. Der Staatsanwalt halte wegen Totschlages und unbefugten Masfen- besihes i Jahre 3 Monate beantragt. * Den Schlüssel zur Lösung des Rätsels der Ehetragödie des An- geklagten gab in der gestrigen Verhandlung seine Frau. Ihre Aus- sage atmete hast gegen den Mann, leidenschaftliche Lieb« für den Toten. Sie hatte jenem nie verziehen, daß er sie im zar- testen Alter mißbraucht, kaum vierzehnjährig zur Mutler gemacht und schließlich in die Fürsorgeanstalt gebracht.„Nicht aus Lieb« Hobe ich ihn geheiratet", sagte sie,„sondern weil ich von klein auf on ihn gewöhnt war." Und der Mann, der bei dem Kinde die Sinnlichkeit allzufrüh entfacht hatte, forderte von ihr. der Frau, Treue. Di« tonnte sie ihm aber nicht halten. Sie gestand auch vor Gericht osscn ein, ddß sie Beziehungen mit verschiedenen Män- nern gehabt habe. Weshalb soll ich nicht die WahrheU sagen. Ich habe mich vor meinem Mann geekell. Weshalb hat er mich nicht gehe» lassen. Nur um der Kinder willen bin ich zu ihm zurück- gekehrt. Ich habe ihn immer gebeten: Laß mich doch fort. Ich liebe dich nichl, ich lieb« den anderen. Ich will von dir keine Ali- mente. Er ließ mich aber nicht von sich. Weshalb hat er nicht mich, sondern T. erschossen?" Der Angeklagte aber liebte seine Frau leidenschastlich, machte Gedichte auf sie, schrieb ihr von den Jahrmärkten zärtliche Briefe, schickt« ihr regelmäßig Geld. Dann reiste in ihm der Gedanke, de» Nebenbuhler zu beseitigen und die jähre- lang aufgespeicherte Eifersucht drängte zur Tat. Schon zu Pfingsten sagte er, als dos Gespräch auf eine Lösung der Ehe kam: Ich werde das Verhältnis lösen; aber nicht meins. Am nächsten Tage schnigle er die kugeln zur Pistole an. Kurz vor der Tat steckte er die Waffe ein, machte sie schußberest und lauert« den Liebhaber der Frau auf. N a ch der Tat sagte er:„Ob ich auch gut getrossen habe?" Er hotte tatsächlich gut getroffen: seine Schießübungen im Keller hatten seine chand sicher gemacht. Di« Ehe ist nun doch aus. Durch die Tat hat der Bater auch den Anspruch ans die Kinder oerscherzt. Er wäre bester gefahren, wenn er den Bitten der Frau nach- gekommen wäre und sie hätte gehen lassen. Oes Amies unwürdig. Zwei Berliner Polizeibeamte zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die vlerke Strafkammer des Loadgerlchts II Berlin-Neukölln verurteilte Zwei polizeibcam.c zu G e- fängnis st rasen. Für den Polizeiwachlmeister Häven- st e i n erkannte es wegen uuberechligter Festnahme und Körper verlehung aus vier Monate Gefängnis, für den Bolizeiwachtmeister U l l m a n n wegen unberechtigter Feft- uohme auf drei Monale Gefängnis. In der Vorinstanz war.hauenstein wegen Nötigung im Amte in Tateinheit mit unberechtigter LwangsgcstellUng und wegen Körperverleßung im Amte vom Schöffengericht Neukölln zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden, während UUmann unter Freisprechung von der Anklage der Körperverletzung vier Monate Gefängnis erhalten hatte. Die Dcrurteittcn hotten B e r u f u n ch eingelegt. Am 29. Juli 1939 waren die beiden Be- amten aus ihrem Revier fortgegangen, um für ein Vergnügen der Polizeiinspoktion ein Lokal zu bestellen. Beide hatten dem Alkohol weit über das Maß hinaus zugesprochen und torkel en schwer be- trunken zur Mitternachtsstunde durch den Treptower Port. Ull- mann tat nun mit.en auf der Vertehrsstraße etwas, was man sonst möglichst abseits und fern vom Publikum zu oerrichten pflegt. Die Beamten, die in Uniform waren, lenkten die Aufmerk- samkett des Pubtikums durch ihr Verhalten auf sich, und mit Recht niachlen Passanten sehr abfällige Bemerkungen. Darauf griff sich UUmann einen jungen Tischler und oersetzte ihm mit dem Knie mehrere Stöße. in den Rucken. Ein ätterer Mann namens König stellte den Beamten zur Red« und hielt ihm vor, daß gerade Beamte der Schutzpolizei dem Publikum mit g u tei» B e is p I e l vorangehen müßten. Daraus erhielt er von haoenstein einen Faustschlag ms Gesicht, wobei der Beamte brüllte:„Was, du Schwein willst einen Beamten beleidigen:" König wurde aufgefordert, zur Wache zu kommen. Er leistet« keinen Widerstand und wurde gleichwohl von Ullmann am Kragen gepackt, Haoenstein versetzte dem Unschuldigen mit der Faust mehrere Schläge aus den Kopf, so daß König aus Mund und Rase blutete. Haoenstein legte dem widerrechtlich Festgenommenen sogar eine Handschelle an, die er so stark anzog, daß König sich vor Schmerzen krümmte. Mit gezogenem Dienstrevolver bedrohte während dieser Handlungen Ullmann die Umstehenden. Der verständige Tischlerlehrling hatte inzwischen ein« Polizeistreife herangeholt, auf deren Verlangen die Angeklagten den widcrrecht- lich Festgenommenen freigaben. Konig war vierzehn Tage long in ärztlicher Behandlung und die Aerzte haben an ihm schwere Spuren der Mißhandlungen festgestellt. In der Urteilebegründung des Schöffengenchts hieß es, daß nicht der geringste Anlaß zu einer Zwangsgestellung vorgelegen habe und daß die Beamten eine große Roheit an den Tag gelegt hätten. Der sehr bedauerliche und verurteilcnswerte Fall der beiden Polizeibeantten gibt Beranlaflnug zu einigen grundsätzlichen Be- merkungen: Das Wort Polizei leitet sich aus dem griechischen „polis" ab, das„Staat, Stadt, Gemeinschaft" bedeutet. Der Poli.zeibeamte, der die Ehre hat, in der Republik die Unifonn des Staates zu tragen, ist Diener der Gemeinschaft. Er ist als solcher nicht weniger und nicht mehr als jede» andere Staats- bürge», ob dieser nun einen Arbeitskittel odek einen Galarack trägt. Der Beamte, der besondere Rechte hat, hat auch besondere Pflichten. Die Schwere seines Dienstes, gerode in un- nihkgen ZeUen. tM« den gegenwärtigen, wird in jeder Wehe, anerkannt. Gleichwohl darf der Polizeibeamt« niemals die Grenze überschreiten, die ihm die Pflicht gegenüber seinem Amt« und gegenüber dem Volksganzen, dem er zu dienen hat, auferlegt. Fünf Meineide aus Mitleid. Mißbrauchte Eideshilfe.- Ein Geständnis. Ein Massenmeioeidsprozeh beschäftigt gegenwärtig das Schwurgericht II. Unter der Anklage, nicht weniger als fünf Meineide geleistet zu hoben, hat sich die 42jährige Ma r l h a k). zu verantworten. Mit ihr ist angeklagt, sie in allen diesen Fällen zum Meineid angestiftet zu haben, der Ztzjährigc Maler Friedrich M i e t l e y. Er wird auch noch der Berleitung zum Meineide in mehreren Fällen bezichtigt, dem» seine Mitangeklagte hätte noch mehr Meineide ge- leistet, wenn sich nicht zu ihrem Glück in den anderen Fällen schon ohne weiteres ihre Unglaubwürdigkeit derart erwiesen hätte, daß man von einer Vereidigung Abstand nahm. Die Angeklagt« war mit der Familie Miekley seit langem befreundet. Mietley selbst führte mit seinen Auftraggebern, für die er Maler- und Tapezierarbeiten ausgeführt hatte, dauernd Zivilprozesse. Er erhob übermäßige Forderungen und stellte in Zlbrede, daß er schon zeitweise Zahlungen erhalten hatte. In allen diesen Prozessen trat die Mit- angeklagte H. als seine Kronzeugln auf. Sie beschwor, daß sie Farben und andere Materialien in bestimmten Mengen an die Arbeitsstätten gebracht habe, ferner behauptet« sie auch unter Eid, daß sie die Rechminqen vorgelegt, ober keine Bezahlung erhalten habe. Jetzt ist die Angeklagte in vo.llem Umfange gestän- big, auf Betreiben von Miekley in sämtlichen Prozessen falsch geschworen zu haben. Er habe ihr genau vorgesagt, was sie auszusagen habe, und sie auch noch auf dem Gerichtskorridor instruiert. Zwar habe er ihr für ihre Eideshilf« 5 9 Mark versprochen, das Geld habe sie aber niemals erhallen. Das sei auch nicht der Beweggrund gewesen, vielmehr habe sie aus Mitleid mit der in Not bciindlichen Familie so gehandelt. Trotz des er- drückenden Belastungsmaterials bestreitet Miekley alles. Er stellt sich als. einen schwerkranken Mann hin, der sich an nichts erinnern könne. Nach dem Gutachten der Aerzte. die ihn im Gefängnis beobachtet haben, simuliert er aber und übertreibt auch seine Schwerhörigkeit. Die letzte Verhandlung erlitt ein« vorzeitige Unterbrechung. Der Verteidiger erklärte, daß er sein Mandat als Wahlverteidiger niederlegen müsse, da er. nicht bezahlt worden sei. Er beantragte, ihn als Offizialoerteidiger zu bestellen. Landgerichtsdirektor Hartmann wies aber den Verteidiger darauf hin, daß er das doch schon vor dem Termin gewußt habe, und er lehnte es auch ab, den bisherigen Nerteidiaer von Amts wegen zu bestellen. Das Gericht wird einen Offizialverteidiger nach eigener Wahl bestimmen und setzte die Ber- Handlung bis zum nächsten Sonnabend aus. Der Prozeß wird mehrere Tage dauern. Diebesjagd durch die Siraßen. Ein geglückter Griff und eine mißglückte Flucht. Eine wilde Diebcsjagd entspann sich gestern abend in der Weißenburger Straße im Nordosten Berlins. Ein jnnger Mann, der im Flur des Hanfes Weißenburgcr Straße 2S. wie Zeugen beobachtet hatten, längere Zeit herumlungerte, schleuderte plötzlich einen faustgroßen in Stoff gewickelten Stein gegen dos Schaufenster des Goldwaren- und Uhrengeschäftes von Neumann. Der Bursche griff durch die zertrümmerte Scheibe und rafft« zusammen, was er im Augenblick fassen tonnte. Der Inhaber des Geschäftes, der kurz nach Ladenschluß noch in de» hinteren Räumen weilte, eille sofort auf die Straße und nahm mit einigen Passanten die Verfolgung des Täters auf. Es entspann sich eine wNUiT Jagd durch die Weißenburger Straße. Eäniae Straßen- züge weiter konnte der Flüchtling, der seine Beute, goldene Uhren und Ring«, unterwegs fortgeworsei» hatte, festgehalten und der Polizei übergeben werden. Aus dem Polizeirevier wurde der Täter als ein 22jähriger Schlosser Karl E. festgestellt. Er gibt on, aus Not gehandelt zu haben.- 7 Kriminalpolizei untersucht Todesfall. Im Keller des Hauses Danziger Straße 84 wurde am Donnerstag vormittag die 49 Jahre alte Friseuse Olga Mühlert erhängt aufgefunden. Frau Mühlert betrieb zusammen mit ihrem Manne in dem Hause ein Friseurgeschäft. Sie war sehr nervös, und besonders in den letzten Tagen siel an ihr ein nieder- gedrücktes Wesen aus. Einen Grund dafür konnte niemand finden. Die Frau war oennißt worden und beim Absuchen des Hauses wurde sie schließlich im Keller gesunden. Nacb den Ermittlungen ist einwandfrei festgestellt, daß Frau Mühlert freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Der Grund zu der Tat dürfte in Schwermut und N-rvenüberreiztheit zu stichen sein. Die Gcala im Januar. Das S c atL- P r o g r a m in für den Januar 1931 zeichnet sich durch Vielseitigkeit der artistischen Darbietungen aus: Fast alle Zweige der Vorietökunst sind vertreten. Eine Spitzenleistung ist dos tomische Eime-Trio in Aufmachung und Spiel. Wenn die beiden Ziehmänner die Kiste mit dem„toien Mann" aus die Bühne bringen und alle möglichen Experimente mit ihm an- stellen, so wirkt das nicht nur komisch, nein, jede Bewegung zeugt von gut durchdachter Arbeit. 0 k i t o, der chinesische Zauberer, läßt aus dem Nichts Mädchen und Enten entstehen, er zaubert überhaupt mtt sovigl Liebenswürdigkeit, daß er wiederum großen Erfolg hat. Das Schimpansenpaar, das Fred Scar- l e t h vorführt, muß sine wirklich gut« Kinderstube gehabt haben. Dann gibt es amüsante Taubendresiuren von Konrad Hamilton, die sicher viel Mühe gekostet haben, aber diese Mühe wohl kaum auf die Dauer lohnen werden. Ganz Neues geben Harry Ben- teil und Helen Gould, die tanzenden tzytlophonisten. Den weiblichsten aller Tänze taust Lola in ihrem Schlangentanz Die Bewegungen, mit denen sie ihren Partner Harald in des Wortes wahrster Bedeutung umstrickt, scheinen wirklich den Schlangen abgesehen zu sein. Auch Norah Morris gefällt in ihren» Tricktanz. Sehr lustig und nett sind die beiden Radfahrer Maurice und May, die aus Rädern unmöglichster Konstruktion ihre Kunst zeigen. Fast den ganzen zweiten Teil des Programms füllen Schäfers 39 Liliputaner aus. Im Können sind sie ebenso groß wie ihre norntal gewachsenen Kollegen, ob sie nun retten, tanzen, sich als Gladiatoren produzieren, Freiheitsdresseure von Format sind oder geigen. Der Apostel als Heiraisschwindter. Wie er Glaubensfanatiker und junge Mädchen betrog. Ein h e i r a l s b elr ü g e r, der es verstanden hat, zu gleicher Zeit nach zwei Seiten zu schwindeln, wurde von der Kriminalpolizei festgenommen. Es ist ein 39 Jahre alter früherer Modelltischler Richard M o z i n g. Schon früher trat er als Heiratsschwindler auf und gab sich damals für einen Landgerichtsreserendar und Dr. jnr. et rcr. pol. aus. In anderen Fällen wollte er„nur" Kaufmann scin. Neuerdings näherte er sich der Tochter einer angesehenen Berliner Familie und spiegelte ihr vor, daß er Assistenzarzt an der Chartte sei. Der Bruder der jungen Dame aber war mißtrauisch, er forschte dem angeblichen Doktor nach und stellte fest, daß dieser in der Ehante unbekannt war. Jetzt erstattete die Familie Anzeige. Mozing wurde gesucht, und man ermittelte ihn schließlich im Norden Berlins und nahm ihn fest. Bei seiner Vernehmung kam sein zwiespälligcs Leben ans Licht. Den Familien gegenüber, um deren Töchter er sich beworben hatte, trat er gls Sohn eines verstorbenen Oberstleutnants auf und prunkt« mit seiner gitten Erziehung. The aber seine Bräute soweit waren, daß sie ihm Geld zur Bersügung stellten, hatte er ein zweites Eisen im Feuer. Es war ihm gelungen, Zutritt zu einer weitverbreiteten religiösen Gemeinschaft zu erlangen, un!> diesen gutgläubigen Leuten gegenüber war er der Abkömmling eines Fabrikarbeiters, der sich durch eigene Tüchtigkeit Studium und Erwerb ermöglicht habe. In seiner freien Zett hiett er sich in öffentlichen Bibliotheken aus uno las dort eifrig in reli- giösen Schriften. Mit seinem so„erlesenen" Wissen bluffte er die Mitglieder der Gemeinschaft, die ihn nicht nur mit Geld- Zuwendungen unterstützten, fondern ihm auch gestatteten, Vorträge zu halten. Er wußte sich so einzuschmeicheln, daß er zu Konzilien nach dem Haag und nach Göttin gen mitgenommen wurde. In der Gemeinschaft hatte niemand eine Ahnung, daß sich unter dem Eiferer ein Heiratsschwindler verbarg. Durch gutes Gedächtnis war es ihm lange Zeit möglich, sich zu halten, ohne auf seinen Lügen ertappt zu werden. Eine Frau, die Mitglied der Gemeinschaft ist, hatte ihm sogar aus Mitleid, weil er über Geldmangel klagte, Quartier gewährt. Dort wurde er zum größten Erstaunen seiner Wirtin von den Kriminalbeamten heraus- geholt. Bisher haben sich drei Fälle von Heiratsbetrug in Berlin feststellen lassen, bei denen der falsche Arzt jedesmal über 19 9 9 Mark erbeuteic. Er lebt seit Iahren von seinem Schwindel und macht keine Anstrengung, sich einem redlichen Erwerb zuzu- wenden. Es ist anzunehmen, daß ihm noch wettere Betrugsfälle zur Last gelegt werden müssen. Betrogene Mädchen und Frauen. werden ersucht, sich bei der D i e n st st e l l e D 3 im Polizei- Präsidium zu melden._ Beisetzung des zweiten Mordopfers. Auf dem St.- Georgen-Friedhof in der Landsberger Allee wird heute nachmittag um IS Uhr das zweite Mordopfer der Hakenkreuzler. Genosse Herbert Ärof, beigesetzt werden. Nach einem Wunsche der Angehörigen wird die Beerdigung in aller Stille vor sich gehen. Ein„nationalistischer Schimpsbold". Vor einigen Tagen brachten wir einen Bericht über die Gerichtsverhandlung gegen den arbeitslosen Angestellten Schmidt, der in mehreren Postkarten den Reichsarbeitsminister Stcgerwald und die Republik beschimpft hatte. Herr Schmidt bittet uns, unsere Mitteilungen dahin zu berichtigen, daß er nicht Nationalsoziali st sei, auch nicht der NSDAP, oder irgendeiner Partei angehöre, und daß er nicht „Ich pfeife auf diese Republik", sondern nur„Ich verzichte aus diese Republik" geschrieben hätte. Es ist sehr anerkennenswert, daß er von den Nationalsozialisten ausdrücklich abrückt. 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Es dürste daher inler- essant sein, die Enislehuugsgeschichie der verliner Schnell- bahnen noch einmal lebendig werden zu lassen. Di« erste Schnellbahn erhielt Berlin mit der Ring- und Stadtbahn, die in ihrer ursprünglichen Form in den Jahren l87l bis 18L2 vollendet wurde. Die Plön«, die zur Schossung der ersten Hoch, und Umergrundbahnstrecke sichren sollten, gehen bis in das Jahr 1891 zurikT Damals legte Siemens u. chal-ke einen umfassenden Plan zur Anlage von Hochbahnen innerhalb Berlins vor. Werner von Siemens mußte sich auf Hochbahnen beschrän- ten, weil Berlin damals mit der Anlage seiner Kanalisation be- schästigt war; vielleicht aber scheute«r auch die technischen Schwierig- keiten, die dem Bau von Untergrundbahnen im Urstromtal der Spree entgegenstanden. Zwei Jahr« später, 18 9 3, wurde die Streck« Warschauer Straß e— N o l l e n d o r f p l a tz mit einer Anschlußlinie nach dem Potsdamer Platz durch eine Kabinettorder genehmigt. Es dauert« jedoch noch bis zum Jahr« 1897, bevor die Gesellschaft für elek- irische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin durch Siemens u. Halsk« und die Deutsch« Bank gegründet wurde. 1896 hatten t«r«its die Bauarbeiten begonnen, nachdem die Stadt Charlottcn- burg der Weiterführung der Bahn übqr den Nollendo, fplatz bis -um Zoologischen Garten zugestimmt hatte. Zahllose Berhand- iungen, zahllos« Schwierigkeiten mußten überwunden werden, be- vor das erste Berliner Schnellbahnprojekt dieser Art zur Verwirk- lichung kam. Am 18. Zebruar zggz fonnfc die erste hoch- oud Untergrundbahn aus der Strecke Stralauer Tor— Potsdamer plah eröffnet werden. In der Zwischenzeit waren weitere Verhandlungen zur Durch- -iihrung neuer Schnellbahnstrecken im Innern der Stadt mit den Stadtgemeinden Charlottenburg und Schöneberg gefüh t ivorden. Unter anderem hatte sich die„Continental« Gesellschaft für«lektrisch« Unternehmungen" mit allem ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für den Bau einer Schwebebahn eingesetzt. Ihre Projekte aber fanden keine Gegenliebe, die Gemeinden ent- ichlosten sich vielmehr für den Bau von Untergrundbahnen. Im Herbst 1994 wurde mit dem Bau der Untergrundbichnstrecke Knie— Wilhelmplatz begonnen, nachdem im Dezember 1992 die etwas über einen Kilometer lange Strecke Zoologischer Gatten— Knie vollendet war. Ende Mai 1995 wurde die Untergrundbahnstrecks Bismarckstraß«— Reichskanzlerplatz begdstnen. Am 14. Mai 1996 war die Strecke Knie— Wiihelmplatz eröffnet worden. Trotz des scharfen We.tstreites mit der Großen Berliner Straßenbahn gelang es der Hochbahngefellschaft, die Genehmigung zur Durchführung der U-Bahnstrecke Potsdamer Pla tz— R ingbahnhof Schönhauser Allee zu erhalten. Am 1. Oktober 1998 hatten die Berliner die Möglichkeit, mit der Untergrundbahn über den Potsdamer Platz hinaus bis zum Spiitelmarkt zu»ahren. Di« ge» samte Strecke Potsdamer Platz— Nordring konnte etwa ein Jahr vor Beginn des Weltkrieges, am 27. Juli 1913, eröfinct werden. Die Strecke Bismarckstraße— Reichskanzlerplatz konnte am 29. März 1998 der Oeffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die Berliner Stadtverordneten genehmigten im Jahre 1995 den Entwurf einer U-Bahn, die von der Seeftraße unter die Friedrich-, Charlotten-, Markgrafen- und. Porckstroße nach Schöneberg führen sollte. Dieser Entwurf muß e später ob- geändert werden, im die Stadt Schöneberg die Linie Nollendoif- platz— Hauptstraße baut« und von der Hochbahngesellschaft, zunächst in Tarifgemeinschaft, ab 1. Dezember 1919 betreiben ließ. Ein Jahr später übernahm die Hochbahn als Detriebsgesellfchoft die Schöneberger Strecke. Im Juli 1911 wurde mit dem Bau der Strecken Wittenbergpla tz— U h l a n d st r a ß e und Witten- bergplatz— Nürnberger Platz begonnen. Die Eröffnung der beiden Strecken tonnte am 12. Oktober 1913 erfolgen. Am gleichen Tage konnte auch die von der Stadtgemeinde Wilmersdorf gebaute so- genannte Wilmersdorfer Bahn über Nürnberger Platz hinaus bis zum Breitenbachplatz und die vom Fiskus geschaffene Streck« nach Thiel platz eröffnet werden. Auch hier wurde der Betrieb von der Hochbahngesellschaft geführt. Im vorkriegssahr IStZ begann nach die AEG. mil dem Van der Strecke Gesundbrunnen— Neukölln. Sie stellte ein Tunnekstück von 1699 Meter Länge in der Brunnen- straße fertig und vollendete außerdem ein Tunnelstück von 159 Meter Länge in der Brückenstraße. Krieg und Inflation ver- hinderten sowohl die Fertigstellung der Gesundbrunnen— Neukölln- Bahn wie. der am 2. Dezember 1912 von der Stadt Berlin be- gonnenen Nord-Süd-Bahn. Di« Nord-Süd-Bohn könne am 39. Januar ihren Betrieb aus der Strecke Stettiner Bahnhof— Seeftraße ausnehmen. Die Nord-Süd-Bahn-Gesellschaft war am 2. Mai 1922 mit einem Aktienkapital von einer Million Mark ge- gründet worden. Bon ihr sind säm liche, seit Ihrer Gründung bis Ende vorigen Jahres, eröffnet«» Untergrundbahnlimen gebaut worden. Di« Nord-Süd-Bahn wurde schließlich m folgenden Etappen fertiggestellt: 19. 4. 1924 Abschnitt Hallcsches Tor— Gncisenaustraße: 14. 12. 1924 Abschnitt Gneisenaustraße— Hasenheide: 14. 2. 1926 Abschnitt Belle-Alliance-Straße— Kreuzberg: 11. 4. 1926 Abschnitt Hasenhcide— Bergstraße; 10. 9. 1927 Abschnitt Kreuzberg— Flughasen; 22.12.1929 Abschnitt Flughafen— Tempelhof(Südring): 21. 12. 1939 Abschnitt Bergstraß«— Grenzallee. Am 22. Dezember 1929 wurde auch di« Verlängerung der Schnellbahn über Thielplatz nach Krumme Lank« und Sta- dion— Ruhleben dem Verkehr übergeben. Bei der Schnell- bahn Gesundbrunnen— Neukölln, di« von der AEG. wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht weitergebaut werden konnte, vollzog sich die Ausnahme des Betriebes in folgender Weise: 17. 7. 1927 Eröffnung der Teilstrecke Boddinstraße— Schön- loinstroße; 12. 2. 1928 Schönte instraße— Kottbuster Tor; 6. 4. 1928 Kottbuster Tor— Neanderstraße; 4. 8. 1929 Boddinstraße— Leinestraß«: 18. 4. 1930 Neanderstraße— Gesundbrunnen. Am 29. Juni 1930 wurde der Bahnhof Vi n e t a st r a ß e in Pankow dem Verkehr übergeben. An diesem Tage war da, Schnellbahnneh, das nunmehr seit dem 1. Januar 1929 von der BVG. betrieben wurde, aus 70,8 kitameler angewachsen. Am 21. Dezember 1930 wurde endlich noch die 7,8 Kilometer lange Schnellbahnlini« Alexanderpla tz— F r i e d r i ch s f e l d e in Betrieb genommen. Da außerdem der Berkehr auf der Strecke Bergstraße— Neukölln aufgenommen wurde, erreichte das U-Bahn- netz«in« Länge von 89.1 Kilometer. Damit stt der Ausbau des Berliner U-Bahnnetzes zu einem gewissen Abschluß gelangt. Erst' dann, wenn die Wirtschastsnot und die damit verbundene Finanzknappheit der Geineinden über- wunden fein wird, können die weiteren Pläne, Schaffung der City-Li nie über Alexanderplag hinaus nach'dem Berliner Westen, di« Verlängerung der Nord-Süd-Bahn und der Gesund- brunnen— Neukölln-Bahn ins Auge gefaßt werden. gurgle IrocKe Große Dose Wybert Kleine Dose Wybert Der Arzt sagt, daß Gurgeln das beste Vorbeugungsmittel gegen Erlciltungen sei. Aber man tut's ja doch nicht Denn Gurgeln wie man's bis jetzt verstand, ist scheußlich— übrigens auch nur zu Hause möglich. Aber gurgeln Sie doch trocken— mit Wybertl Das können Sie überall unbemerkt tun, es ist weder listig noch zeitraubend und erzielt die gleiche Wirkung. Denn Wybert desinfizieren und schützen die Schleimhäute. Wybert können Sie sich auch richtig schmecken lassen. Auch der schwächste Magen verträgt sie. Wozu also das geräuschvolle Gurgeln, wenn man mit ein paar erfrischenden Wybert das gleiche erreicht? M-t-r Pflege Deinen Hals taglich— gurgle trocken mit Wybert. v Lungenkranke brauchen Lust. Oeshalb bringt man sie aus Großstadtkrankenhäuseru in die Heilstätten! Links- und rechtsradikale Blätter erheben in letzter Zeit«in großes Geschrei über die Umvcrlegung der Tuberkulose- kranken des Krankenhauses Moabit. Dazu wird uns von unterrichteter Seite geschrieben!' Die feindlichen Bruder haben sich mal wieder zur gemein- samen Aktion zusammengefunden, um den Stadtmedizinalrat wegen einer Verfügung anzugreifen, die durch einstimmigen Beschluß aller Parteien, also auch der Nazis und Kommunisten, zustande gekommen ist. Es handelt sich dabei um folgendes: Die städtischen TuberkuloseheilstäUen in Buch wiesen seit einiger Zeit Hunderte von freien Betten auf. Diese mit allen wissenschaftlichen Mitteln ausgestattet«!!-, völlig im Freien gelegenen Anstalten, erfüllen alle Anforderungen, die man an eine moderne Lungenheilanstalt in der Nähe der Großstadt stellen kann. Um sie der Bevölkerung zu er- halten, wurde der Beschluß gefaßt, die Lungenstationen in den städtischen Krankenhäusern zu verkleinern und die Kranken den viel geeigneteren Heilstätten zuzuweisen. Damit wurde eine Forderung erfüllt, die schon seit Jahren von den namhaftesten Hygienikern und Lungenärzten erhoben wurde. Die Lungenkranken gehören nun eimnal hinaus in Luft, Licht und Sonne und nicht in die Birkenstratze, ins traurigste Proletarier- viertel. Deshalb ist die Unwerlcgung der Kranken aus dem Krankenhaus« Moabit aufs wärmste zu begrüßen. Um so mehr, al» der Pavillon zur Behandlung der Frauenleiden Verwendung finden soll. Diese Frauen, die zum größten Teil« schwere Operationen und wochenlanges Krankenlager durchmachen müssen, sind nämlich heute noch in einer Baracke untergebracht, die als wahrhaft menschenunwürdig bezeichnet werden mutz und deren Unhaltbarkeü bei einer Besichtigung durch die Gesundheitsdeputation einstimmig betont wurde. Entgegen den Angriffen muß gesagt werden, daß auch weiterhin im Kronkenhaus eine Isolierung der vorübergehend aufgenommenen Lungenkranken durchgeführt werden kann, und zwar auf einer Barocke, die durch geringe Aenderungen den zu stellenden Anforderungen gerecht wird. Die Kranken b«sscr unterzubringen, wie es durchaus wünschenswert ist, verbietet leider die traurige Finanzlage der Studt. Unter den gegebenen Be- dingungen aber den Kranken die besten Heilungsmöglichkeiten zu schaffen, muß Slufgab« der Gesundheitsbehörden sein. Deshalb ist diese Umgruppierung im Krankenhaus Moabit trotz des Pressewiderspruches der Nazis und Kommunisten, d i e selbst dafür gestimmt haben, aufs wärmste zu begrüßen. Die Bevölkerung wird für eine so zweckmäßige Maßnahme den ärztlichen Behörden nur dankbar sein. Die ewige Hauszinssteuer. Wer wird von ihr befreit? Für den Mieter, der mit seiner Wohnungsmiete die Hauszins- steuer an den Hauseigentümer abzuführen hat, ist es von Wichtig- keit, zu wissen, unter welchen Voraussetzungen er die Hauszinssteucr nicht zu zahlen braucht. Dos Gesetz kennt hauptsächlich nur zwei Fälle: Die Hauszins- steuer ist zu stunden und nicderzuschlaq«», wenn das Ein- kommen des Nutzungsberechtigt«»(Mieters jährlich 1200 Mark nicht ü b e r st c i g t. Für die Ehefrau und jeden zum Haushalte gehörenden Familienangehörigen erhöht sich der Betrag von 1200 M. um 100 M. im Jahr, vom vierten Familienangehörigen jedoch gerechnet, um 200 M. Kleinrentner, Sozialrentner, Kriegs- beschädigte, Kriegshinterbliebene, soweit sie össeniiiche Ilntcrstütznng erhalten und die volle gesetzliche Miete nicht zahlen können, sind ebenfalls von der Zahlung der Hauezinssteuer befreit. Das Gesetz spricht dann weiter noch von bedürftigen Personen und kinder- reichen Fiinilien. Doch ist auch in diesem Falle der Begriff sehr dehnbar. Als bedürftig im Sinne des Gesetzes wird derjenige anzusehen sein, der durch wirtscharlliche Verhältnisse, obwohl er ein höheres Einkommen als das im Gesetz begrenzte hat, Verpflichtungen irgendwelcher Art, die gesetzliche Miete nicht zahlen kann, sei«s, daß er durch Krankheit in der Familie oder Berufsausbildung seiner Kinder größere Aufwendungen hat. Als kinderreich nach den üblichen Gepflo'geicheiten gllt derjenige, zu dessen Haushalt mehr als drei Kinder zähleni In diesen beiden geschilderten- Sonderfällen irüt also Befreiung von der Zahlung der Hauszins- stpier ein. Es bedarf in jedem Falle erst der Stellung eines Antrages, damit die Hauszinssteuer erlassen wlrd. Die Befreiung erfolgt jeweils nur auf ein halbes Jahr. Der Antrag, auf Niederschlagung ist jeweils am 1. Oktob«r bzw. 1. April jeden Jahres zu wiederholen. Zur Stellung des Antrages ist nur der Hauseigentümer sür den Mieter berechligt. Gegen die Entscheidung der Steuerkasse oder des Katastcramts ist Einspruch, Beschwerde und Klage möglich» Tritt der Fall ein, daß ein Beamter oder Vehördenanaestellter bzw.-arbeiter seinen Antrag auf Niederschlagung der Hauszinssteuer mit schlechten wirtschaftlichen Berhältnissen begründet(Krankheit der Frau oder der Kinder), so verweist der Vorsitz«nde des Grund- stcuerbcrufungsausschusses den Antragsteller nach ständiger Praxis auf den Weg einer N ot st a nd s b e i h il f e oder Unterstützung durch seine Behörde. Ein derartiges Verfahren ist völlig unzu- lässig. Es empfiehlt sich, eine solche Entscheidung mit der Klage anzufechten: den die Hauszinsstcucroerordnung kennt einen der- artigen Hinweis nicht. Die im Gesetz festgelegten Einkommensrichtsätze entsprechen nicht mehr den heutigen wirtschaftlüt�n Verl)ältnisj«n. Eine Er- höhung der Richtsätze um mindesicns SO Proz. wäre Nur gerecht« fertigt.. Maria Moniessori und ihre Getreuen- Im Haufe der geschäftsführenden Vorsitzenden der deutschen Landcsgruppe der Montessori-Schulen, Hubertnsallee 31, hatte Maria M o n t« s s o r i, die am 10. Januar in der Universität einen Bortrog hält, zu einer zwanglosen Aussprache geladen. Eine Reihe bekannter Pädagogen hatte sich eimgestutden, darunter Anna und Hill« von G i c r k«, die Leiterinnen der Fröbel-Anstall und des Vereins der Jugendheime, Dr. Klopfer vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. Fräulein R o u b i c z e t, die Leiterin der Wiener Mvniessori-Sckzulen, Mrs. Pflaum, die in Palästina die Mentesiori-Bewegung� gründete. Schulrat Zucker m g n n- Zehlcndorf, und andere mehr. Die umwälzenden und nouschafsen- den Probleme auf dem Gebiete der modernen Kindererzichung, die Maria Montessori angeschnitten hat und die ihre Erfüllung darin finden sollen, das Kind aus der beengten, allzu begrenzten cmtori- tatioen Herrschaft des Erwachsenen zu befreien, bilden das Thema des Vortrags am 10. Januar. Maria Montessori sieht die Kinder als eine Menschenklasse mit sozialem Bedürfnis an, die nicht berück- sichtigt werden. Die Fragen der Erziehung interessieren heute nicht nur den Fachmann, sondern alle Menschen, die in Berührung mit dem Kinde komnien. Es handelt sich bei der Erziehung des Kind?» nicht nur darum, ihm dos nötige Wissen beizubringen, sondern es muß vor allem der erzieherische Hauptwert darauf gelegt werden, hem Kinde güilstig« Lehensbedkngktngen zu schaffe». Das Kind ist in der Well der Erwachsenen ein asoziales Wesen, es leidet unter deni Zwang» einer Welt, die nicht seinen Gesetzen entspricht. Drei neue Großbauten in Berlin. Vtflthfsbimd— Konsumgenossenfchafi- Krankenkasse. Berlins Süden wird in diesem Jahre drei neue reprä- sentatioe Großbauten erhalten, von denen der erste, der gewaltige Neubau, den der Deutsche Verkehrsbund für seine L« r l a g s a n st a l t„Courier" errichtet hat, bereits fertig- gestellt ist. Das Gebäude befindet sich am Michaellirchplatz, an dem zu einer Grünanlage umgestalleten Engelbecken. Das neue Haus, das das Gesicht dieser bisher farblosen Gegend völlig verändert hat, weist als interessante Neuerung eine Oelheizungsonlage auf. Als zweiten Großbau im Süden errichtet die Konsum- Genossenschaft Berlin am Oranienplatz einen E r- weiterungsbau ihres Warenhauses, dem acht Wohn- Häuser weichen mußten und der im Herbst dieses Jahres seiner Be- stimmung übergeben werden soll. Der Neubau, in dem das alte Gebäude' architektonisch einbezogen wird, erhält sieben Stock- werke und an der Prmzessinnenstraße einen turmartigen Aufbau mit Dachgarten. Bei der Einrichtung dieses neuen Warenhauses werden die modernsten technischen Erfahrungen des Warenhausbaues angewandt werden. So wird der Neubau zum Beispiel eine moderne Sprinkler-Feuerschutzanlage erhalten. Schließlich hat jetzt die Allgemeine O rt s k ra» ka ss c der Stadt Berlin ihren seit längerem geplanten Neubau eines Verwaltungsgebäudes in der Rungestraße, einer Nebenstraße der Köpenickcr Straße, in Angriff genommen. Neuerung bei der BVG. Straßenbahn vermeidet Störung des Rundsunkempfanges. Die BVG. hat in diesen Tagen die ersten Versuche zur Ver- meidung der Rundsunkstörungen durch die Straßen- bahnen unternammen. Eiivige Wagen der Linie üb(Behren- strahe— Stahnsdorf), sind mit einem neuartigen Stromabnehmer, einem Gleitschuh aus Kupfer, ausgerüstet, der ohne die den Rundsunkcmpsang so störenden Geräusche der bisher üblichen Rolle arbeilet. Gleichzeitig bringt der Gleitschuh euch für den Le- trieb Vorteile, da er gegenüber der Rolle eine größere Fläche zur Stromabnahme besitzt, geschmiert werden kann und dadurch den Droht schont. Von dem Erfolg dieser Versuch« wird es abhängen, ob die Gleitschuhe in weiterem Umfange eingeführt werden. Ein Tingel-Taugel. Hochkonjunktur in Kabarcll-Gründungen! Das haben die klein- künstlerischen Studios auf dem Gewissen, die uns mit Nachwuchs überschütten, der nun nach praktischer Betätigung drängt. Bedürfnis- frage?— Friedrich Holländer, der einfallsreiche Musiker und Textdichter, hat in den Räumen der ehemaligen„Wilden Bühne", Kant strahe 9, mit- einer Schar Kleinkunstnovizen und einigen erprobten Könnern das„Tingel-Taugel" eröffnet. Er stellt eine Bilder-Reoue parodistischcr Witzeleien, guter, maller und ganz schlechter, mit ehrlicher Begeisterung und teilweise netter Begabung. Di« Themen sind im parodistischen Kabarettstil ein wenig Schablone geworden, es gibt kaum mehr anderes als die üblichen Tagcsglofseu zu hören, Hehr witzig Hermann S p.«,' e l m a n s von der Bollsbühne als Boxer-Chowpion und nlbbedrückter Filmgcwaltiger, pußig und sehr begabt Hedi' Scho dp in einer„Riller-oom-Steuer-ParoZie". Der Star des Abends, Blandine E b i n g e r, unbedingt heute eine unserer Besten, als sich selbst persiflierende Hysterikerin, dann als spielwütige Ehargendamc. Ein« Neuakquisitiou Mar B a l t r u s ch a l. der den Sprung von der Schlosserwerkstatt aufs Brettl wagte und in einem Mehringfchen Matroscnsong stimmliche Begabung zeigt. OK man ihm zu diesem Berufswechsel so unbedingt gratulieren soll? PerantworUIlb tllr Politit: Bieter Schift: Wirtschaft: w. ZUinarlhüIer: (StrDcrtfdwfi�riBCflun«: S. Eicintr: Feuilleton: Dr. Iol»« Schilow-li: Loialco un» Sonfliftes: Fri» Sarftgfct;-Anzeiaen: Th.«lock»: siimtlich in Berlin. Berlaa: Vorwckrte-Lcrlaa.n. 1.20 29er Burg. Haienlfiufer Vi m. H. 1.40 29erUngstein.(Rotw.) Vim.Fi. 0.90 Schaumw.Schloßblume m.stauer 3,75 BUTTER UND KÄSE Molkereibuttor....... Pfd. 1.42 Tafelbutter........... Pfd. 1.52 Dänische Butter...... Pfd. 1.78 Bratenschmalz....... Pfd. 0.70 Kokosfett............ Pfd. 0.4Q Margarine............ Pfd. 0.40 Fst. Bayr. Schweizer. Pfd. 1.1 8 Tilsiter, voflfett....... Pfd. 0.88 Holländer....... 20("o Pfd. 0.68 Limburger...... 20% Pfd. 0.48 Camembert vollf... Schcht. 0. 1 8 Butter-Käse.......... Pfd. 1.20 Harzer Käse..... Pfd.-Pak. 0.38 Estländer Eier....10 Stck. 0.88 Enten-Eier........ 10 Stck. 1.35 DE LI KATESSEN Olsardinen.........5 Ds. 0.85 Jap, Krebs............ Ds 2.25 Pilchards i. Tom........ Ds. 1,1 0 Fetlheringe i. Tom. Ds. 0.75 0.55 Salm............... Os. 1.50 0.80 Mayonnaise....... GL 0.86 0.55 Brat-, Bismarckheringe Ltr. Ds 0.83 Senfgurk. 2 Pfd.-Ds 0.95 1 Pfd. 0.55 Ochsenfleisch i.eig.Saft Ds. 1.10 Würstchen...... 5 Paar-Ds. 0.88 Ochsenmaulsalatco.i pm.-Ds.0.65 Fettbücklinge...... an Ptd. 0.35 Rotbars geräuch....... Pfd. 0.48 Sprotten----- ca. 1 Pfd.-Kist. 0,48 KONSERVEN Jg-Schnittbohnen v, Ds. 0.39 'g. Brechbohnen v, Ds. 0.39 g. Erbsen.... vs. 0.58 g. Erbsen mitteif.'/, Ds. 0.68 g. Erbs. m.gasch.Kar.1/, Ds. 0.68 Spinat...... Vi De. 0.38 Karotten geschn. Vi Ds. 0.28 Grün, Rotk., Kohirb. 3■/, Ds. 1.00 Steinpilze....>/: Ds. 1.10 Heidelbeeren. 1/1 Ds. 0.70 Reineclauden.>/, Ds. 0.78 Orang.Konf.ca.3Pfii..Eini. 1.35 Himb.-Konf.<0.2 Md.-tim. 1.35 Anan.-Konf.ca.2Pfd.-E!m. 1.40 KONFITÜREN Kokosmakfonen..... Pfd. 1.00 Teegebäck........... Pfd. 1.00 Herrenkringel........ Pfd. 1.00 Mürbegebäck m.Schok. Pfd. 1.20 Kolonialkeks m. Schok. Pfd. 1.20 Malzbonbon.......... Pfd. 0.50 Cachoubonbon...... Pfd. 0.80 Haushalt-Kakao...... Pfd 0.58 Burgm. Kakao........ Pfd. 1.00 Burgm.Vollm.Schok.ioogr. 0.25 Burgm.Vollm Krak.Schok.iOOgr. 0.25 Burgm.Krok. Dreiecke Pck. 0.50, 0.25 Burgm. Pralinen 200 gr. Pack. 0.25 Voflm.-Schok.-Bruch..Pfd. 1.00 GEFLÜGEL U. WILD Suppenhühner....an Pfd. 0.95 Wolgahühner..... an Pfd. 0.93 Oderbr.MastgänseanPfd. 0.94 Junge Enten...... an Pfd. 0.92 Mast-Puten........ an Pfd. 0.98 Hirschkeule........ an Pfd. 1.15 Hirschrücken...... an Pfd. 0.90 Rehkeule.......... an Pfd. 1.86 Rehblatt........... an Pfd. 0.98 Wildschweinkeule an Pfd. 1.10 Wildschweinblatt an Pfd. 0.86 Hasen g«str.,autgew. an Pfd. 8.80 Kassler........ Pfd. l03 FRISCHE FISCHE OBST UND GEMÜSE Apfelsinen......... 5 pfd. 0.78 Mandarinen.......... Pfd. 0.26 Amerik. Tafeläpfel. 2 Pfd. 1.00 Krim-Äpfel........... Pfd. 0.45 Bananen........... 3 Pfd. 0.98 Jaffa-Apfelsinen...3 Pfd. 0.93 Rot-, Weiß-, Wirsingk. Pfd. 0.05 Mohren, gewaschen Pfd. 0.05 Kohlrüben............ Pfd. 0.04 Rosenkohl.......... 2 Pfd. 0.45 Blumenkohl....... an Kopf 0.30 Sellerie............. 4 Pfd. 0.20 In der Dachhalle: Täglich ab 3 30 Marek Weber KOLONIALWAREN Bruchreis............. Pfd. 0.17 Burma-Reis........... Pfd. 0.22 Weizenmehl 000____ Pfd. 0.22 Wien. Auszugmehl 5 Pfd. 1.35 Erbsen, Bohnen, Linsen an Pfd. 0.18 Haferflocken......... Pfd. 0.22 Kartoffelmehl........ Pfd. 0.16 Eier-Bandnudeln..... Pfd. 0.46 Eier-Makkaroni...... Pfd. 0.56 Eier-Hütchen, Sternch. Pfd. 0.55 Graupen, grob........ Pfd. 0.23 Tafelöl............ an Liter 0.78 Sultaninen......... an Pfd. 0.48 Kalif. Ringäpfel..... Pfd. 0.80 Kalif. Pfirsiche..... on Pfd. 0.60 Kalif Pflaumen____ an Pfd. 0.30 Kalif. Aprikosen...an Pfd. 0.68 Kalif. Mischobst...an Pfd. 0.35 Kaffee, stets ffilch... an Pfd. 1.90 WURSTWAREN Dampfwurst.......... Pfd. 0.93 Würstchen............ Pfd. 1.20 Blut- u. Leberwurst... Pfd. 0.68 Landleberw.Hausm.Art Pfd. 0.98 Feine Leberwurst..... Pfd. 1.30 Bauernieberw. i.Rg...Pfd. 1.23 Sülzwurst............. Pfd. 0.78 Speckwurst...........Pfd. 0.83 Fieischwurst.......... Pfd. 0.98 Jagdwurst............ Pfd. 1.15 Filetwurst............. Pfd. 1.58 Streichmetfwurst..... Pfd. 1.18 Schinkenpolnische...Pfd. 1.18 Nußschmken......... Pfd. 1.85 Schinkenspeck......... Pfd. 1.65 Kabeljau o.Kopf. imGz. Pfd. 0,24 Seelachs o. Kopf, im Gz. Pfd 0.22 Rotbars ohne Kopf... Pfd. 0.24 Kabeljaufilet......... Pfd. 0.36 Zander gefr........ an Pfd. 0.42 Grüne Heringe..... 3 Pfd. 0.48 Lebende Karpfen.an Pfd. 0.95 Muscheln........... 3 Pfd. 0.40 Gänse gefroren. an Pfd. we!r O Lulchtvurdurbllche War» ist vom Vorsand ausgaschlasssn» Zusendung nur bai Bastallung von Mk. 3.00 an BESSER ESSEN• WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURCH KARSTADT-LEBEN SM ITT EL 5lr. 13» 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 9. Januar 1931 Oberschlesische Spannungen. Der Lohnkonflikt im Zechenrevier. Leulhen, 8. Januar.(Eigenbericht.) Am Freitag werden die Lohnverhandlungen ini oberschlesischen Stemkohlenreotcr beginnen. Der von den Unternehmern beabsichtigte Lohnabbau ist um so unverständlicher, weil der oberschlesische Stein- kohlenbergbau zu jenen Bergwerksrevieren gehört, die in der N a ch- kriegszeit einen außerordentlich starken Entwicklungegang zeigten. Die Gründe dafür liegen zum Teil in der Abtrennung des größten Teils des früheren deutschen Gebietes an Palen. Die Beleg- schaftsziffer und die Produktion haben sich seit Beendigung des Krieges von Jahr zu Jahr gesteigert. Während in allen anderen Steinlohlengebieten des Deutschen Reiches die Belegschafts- Ziffern vermindert wurden, sehen wir hier das Gegenteil. So betrug in dem jetzigen deutschen Oberschlesien die Produktion im Jahre 1kll.Z 11091 000 Tonnen und die Zahl der beschäftigten Arbeiter 31 739. Dagegen war die Kohlenproduktion im Jahre 1929 aus 21979000 Tonnen mit einer beschäftigten Arbeitenahl von rund 59 000 gestiegen. Diese Entwicklung ist im Jahre 1930 durch die allgemeine Weltwirtschaftskrise unterbrochen worden. Die Produktion fiel im Monatsdurchschnitt des Jahres 1929 von 1833 000 Tonnen auf 1634000 Tonnen im September 1930. In derselben Zeit fiel die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 59 000 auf 45 586. Neben der verringerten Produktion ist also eine sehr wesentliche Ber- Minderung der Arbeiterzahl festzustellen. Jedoch steht die ver- ringerte Produktion in keinem Berhältnis zu der reduzierten Zahl der Arbeiter. Der Förderanteil je Mann und Schicht hat im Laufe des Jahres 1930 cineSteigerung ersahren. Er betrug im Durchschnitt des Jahres 1913 je Mann und Schicht 1139 Kilogramm, im Januar 1930 1355 Kilogramm, im Juli 1930 1463 Kilogramm und im September desselben Jahres 1515 Kilo- gramm. Aus dieser Entwicklung ist zu schließen, daß auch das letzte Quartal des vorigen Jahres eine weitere Steigerung des Schicht- förderanteils gebracht hat. Der oberschlesische Steinkohlenbergbau hat auch in den schlimmen Jahren 1925/26 ein Ausnahmefall unter allen anderen Steinkohlen- reoieren des Deutschen Reiches, von einer Krise nichts gemerkt. Während in allen anderen Revieren zu jener Zeit erhebliche Feierschichten wegen Mangels an Absatz eingelegt werden mußten, konnte der oberschlesische Steinkohlenbergbau seine Pro- duktion nicht nur halten, sondern sogar noch verstärken. Trotzdem werden hier die denkbar schlechtesten Löhne gezahlt. Schon in der Porkriegszett hatte Oberschlesien die l ä n g st e Arbeitszeit(10 bis 11 Stunden unter Tage) und den niedrigsten Lohn. Den niedrigsten Lohn zahlt Obcrschlesien aber auch noch heute. Darin wird es nur noch von N i c d e r s ch l e s i c n übertrosfen. Der niederschlesische Steinkohlenbergbau hat aber einen Förderanteil je Mann und Schicht, der im Monat September des vorigen Jahres 872 Kilogramm ausmachte gegenüber 1515 Kilo- gramm in Oberschlesien. Der Lohn je Mann und Schicht in Ober- schlesien betrug für den einzelnen Arbeiter im September 1930 6,88 M., während der Bergarbeiter an der Ruhr einen Durchschnitts- lohn je Mann und Schicht von 8,99 M., der im Aachener Revier 7,90 M. und der Bergarbeiter in Sachse» 7,90 M. hatte. Nur der Bergmann im niederschlesischcn Steinkohlenrevier stand mit einem Lohn von 6,57 M. im September 1930 noch um einige Pfennige niedriger als der in Oberschlesien. Man darf aber nicht vergessen, daß der Förderonteil in Niederschlesien um 700 Kilogramm je Schicht niedriger ist als in Oberschlesien. Der oberschlesische Steinkohlen- bergbau hat also nach diesen Feststellungen die höchste Produktton je Mann und Arbeitstag. Die Gründe hierfür liegen in den guten geologischen Derhältnissen und der Mächtigkeit der Flöz«. Trotz dieser günstigen Lage versuchen aber auch hier die Unter- nehmer, die Krise auf d i e Arbeiterschaft abzuwälzen. Auch sie verlangen einen Lohnabbau von 12 Proz. Es ist eine eigen- tümliche Erscheinung gerade im Steinkohlenbergbau, daß die Unter- nehmer Selbstkosten senken wollen, wo bereits durch steigende Leistung stärkste Senkung der Selbstkosten eingetreten ist. Di« Produktionskosten je Tonne haben in allen Stein- kohlenrevieren«ine fortwährende Senkung erfahren. So betrugen die Lohnkosten in Oberschlesien im Jahre 1929 je Tonne Kohlen 4,92 Mark, im Januar 1930— 5,04 Mark und im Monat September 1930— 4,34 Mark. Für die Monate Oktober, November und De- zember wird ganz gewiß eine weiter« Senkung derselben erfolgt sein, da eine Steigerung des Förderanteils eingetreten sein muß, wie das auch in anderen Revieren bereits festzustellen war. Ebenso wie mit dem Lohnanteil steht es aber auch mit einer anderen Po- sition der Selbstkosten, mit den M a t e r i a l k o st e n. Die Preise für Grubenholz, Baumaterialien und Oele sind im Lause der letzten Monate sehr stark im Preise gesenkt worden. Bekannt ist aber, daß gerade die Materialkosten'einen wesentlichen Bestandteil der Selbst- kosten ausmachen. Zwei der wesentlichen Selbstkostenelemente, Lohn- a n t e i l und Materialk osten, sind also ganz erheblich ge- senkt und daher Akttoposten für die Grubenverwaltung geworden. Die Unternehmer in Obevschlesien wollen aber trotzdem die Löhne kürzen, ohne daß eine Berechtigung dazu vorliegt. Man will also den Zug der Zeit mitmachen: will den Lohnabbau aus jeden Fall, obwohl der oberschlesische Steinkohlenbergbau die Wirtschaftskrise tragen kann, ohne seinen Arbeitern den an sich niedrigen Lohn noch mehr zu drücken. Querireibereien gegen die Michspost. Der Fuchs prev'gt den Hühnern. Der Streit zwischen den privatkapitalistischen Interessenten und der Reichspost um die Transradio A.-G nimmt seinen Fortgang. Zum Wortführer der privatkapitalistischen Gruppen hat sich der Direktor der Deutschen Bank, Dr. S o l m s s e n, ausgeworfen, der u. a. darauf hinweist, daß nach dem ersten Vorschlag für die Fusion der Transradio und der Deutsch-Atlantischen Telezravhengesellschast, den die Reichspost wegen zu ungünstiger Bedingungen abgelehnt hat, der Reichspost ein zweiter Vorschlag unterbreitet worden sei, durch den die Post finanziell weit geringer belastet worden wäre. Zu diesem Vorschlag Hube sich die Post überhaupt nicht geäußert. Wir können das der Post wirklich nicht verdenken, und so ist keine Antwort auch eine Antwort. Im übrigen führt Dr. Sottnsien..olle Kamellen" gegen die Aktion der Reichspost ins Feld. In allen äußert sich der Unwille darüber, daß die Post die Nachrichtenübermittlung durch Funk und Kabel, wo starkc'Allgemeininteressen zu wahren sind, nicht de in Privatkapital überlassen will. Zum Schluß wirft Dr. Solmssen der Reichspost vor, daß sie bei der Transradivaktion die verkehrspolitische Bedeuttmg der Angc- legenhett nicht berücksichtige. Es handle sich um einen lebensvollen Organismus, der sich ausdehnen wolle und deileii weitere Eni- wicklung gefährdet sei, wenn sie sich nicht in enger Verbindung mit der Industrie vollziehe. Demgegenüber hat die Reichspast schon mit Recht betont, daß sie die Transradio A.-G. in privatwirtschost- licher Betriebsform aufziehen wolle und daß sie in der Lage sei, billiger arbeiten zu können, als es bisher dieser Gesell- schast möglich war. Die Reichspost habe die Aufgabe, dem Verkehr die Wege zu weisen, auf denen er ain schnellsten und sichersten abge- wickelt werden kann. Wir wollen hoffe», daß die Reichspost und auch die Reichsregienmg, an die sich Dr. Solmssen mit einer Protest- denkschrift gewandt hat, auf dem einmal bsschrittenen Wege bleiben. Millionen für die Ruhr? Dunkle Pläne der Reichsregierung. Nach einer Meldung des.Berliner Tageblatts" aus Düsseldorf soll der R« i ch s a r b e i t s m i n i st e r nach dem Mißerfolg der bisherigen Derhandlungen an der Ruhr den Plan einer d i r e!< ten Subventionierung durch ein kurzfristiges und b i l l i» ges Reichsdarlehen oder einer Reichsbürgschaft in die Debatte geworfen haben. Es werden in diesem Zusammenhang bereits Summen bis zu der enormen chöhe von 120 Millio- nen genannt, wobei der Zinsfuß so niedrig bemessen werden soll«, daß der Bergbau zusammen mit der Lohnermäßigung eine Selbstkostenersparnis erhalien würde, die der von den Unter-' »ehmern geforderten 8proz«ntigen Lohnsenkung ent- sprechen würde. Dieser Plan ist so phantastisch, daß wir ihn nur als einen Versuchsballon ber Unternehmer ansehen können, gar nicht davon zu reden, daß das Geld für die Durchführung dieses ebenso unsinnigen wie gesähvlichen Projekts gar nicht vorhanden ist. Sollt« aber Herr Dietrich mit seinen dunklen Anspielungen in Stuttgart und Heilbronn bereits dieses Projekt gemeint haben? Hier ist umgehende und rückhaltlose Klarheit dringend geboten. Konsum in der Krise. Dezemderumsah nur wenig gesunken. Der Dezemberumsatz des Jahres 1929 belief sich in der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend auf 8)4 Millionen Mark, was als ein Rekordergebnis zu werten war. Unter den überaus erschwerten wirtschaftUchen Verhältnissen konnte im Dezember 19 30 der gleiche Urnsatz nicht in voller Höhe erzielt werden. Der Gesamtumsatz des Monats Dezember 1930 in Höhe von 7 906276,23 Mark blieb um 4,3 Proz. hinter dem Umsaiz im gleichen Monat des Jahres 1929 zurück. Die Zahl der Arbeitslvien tn Groß-Berlin hat sich innerhalb Jahresfrist von 223 415 auf niehr eis 400 000, also um das Doppelt« gesteigert; Lohnsenkungen in maßgebenden Berufszweigen trugen weiterhin zur Kaustraft- Minderung breiter Verbraucherschichten bei, wodurch bedeutend« Umsatzausfäll« herbeigeführt wurden. Hinzu kommt, daß durch Preissenkungen bei einer Reihe von Wareng.rttungen die wertmäßige Umsatzhöhe beeinflußt wurde. Es unter- liegt keinem Zweifel, daß im Dezember die Berliner Verbraucher- Organisation mengenmäßig dem gleichen Monat des Borjahres gegenüber«ine nicht unbeträchtliche Umsatzsteigerxmg aufzuweisen hat. On ziemlich gleichbleibendem Fluß bewegt sich der Mitglieder- Zugang. Es schlössen sich im Dezember weitere 2153 Haushaltungen der Genossenschaft an, womit die M i t g l i e d e r z a h l die Ziffer 204090 erreicht«. Für das erste Halbjahr des 32. Geschüftsjc.hres (Juli/Dezember 1930) ergaben sich 16 007 Aufnahmen. In der genossenschaftlichen Sparkasse standen den Ein- nahmen in Höhe von 2 197 986 Mark 2 262 000 Mark Auszahlungen gegenüber: das Mehr an Auszahlungen findet seine Erklärung in dem Umstand, daß rund Million Mark über Spareinlagenkonten gehende Rllckvergütungsbettäge abgehoben wurden, um zu weih- nachtlichen Wareneintäusen verwandt zu werden. Ende des Monats Dezember betrug der E i» l a g e n b e st a n d 48 363 412 Mark. Das Abgabe st ellennetz der Genossenschaft erfuhr ein« Erweiterung durch Eröffnung von 2 Lsoenzmittelabgabestellen (Berlin N., Mllllerstr, 96; Treptow, Köpenicker Landstraße 77) und 2 Fleischabgabestellen(Berlin N., Mllllerstr. 96; Zehlendorf, Pvts- damer Straße 33). Znkeressengemeinschafk in der Zellstoff- und Papierindustrie. Di« Generalversammlung der Königsberger Zellstoff-Fa- briken und Chemische Werke Koholyt 2L-G.. Berlin. genehmigte den Abschluß des Jnteressengemeinschastsvertrages mit der Feldmühle A.- G,, Stettin. Donach gelten alle Betriebe der Koholyt-Gesellschaft vom 1. Juli 1930 als für Rechnung der Feldmühle geführt. Die Mehrheit des 2lktienkapitals befindet sich im Besitz der Feldinühle; von dem Kapital von 17,6 Millionen besitzen„freie" Aktionäre nur etwa 800 000 Mark, denen eine Dividende in einem bestimmten Berhällnis(welchem?) zur Feld- mühlr-Dividende garantiert wird. Der Abschluß dieses Vertrages sieht einer Fusion zum Verwechseln ähnlich. Braiwurfl-Generalversammwngen. Etwa 10000 Bratwürste, 2500 Zigarren, ungezähl!« Mengen von Exportbier, Bockbier, Weinbrand und andere er- heiternd« Dinge wurden kürzlich bei dem Dividendenschmaus der Brauhaus Nürnberg A.-G. konsumiert, an dem etwa 700 Aktionäre— kostenkos natürlich!— teilnahmen. Diese „Aktionär-Frühstücke", die sich oft bis in die späten Abendstunden hinziehen, stellen wohl eine Spezialität großer bayerischer Braue- reien dar; sie finden alljährlich bei allerdings nicht immer so starken Andrang nach den Generalversammlungen statt und erscheinen namentlich den Kleinaktionären der Brauereigesellschaften als wertvolle— im Kurszettel nicht notterte— Sonderprämien neben der Dividende. Diese Sondergeschenke hoben bei Durchschnittsdividen- de n von 12 bis 16 Proz. die ärmen Brauereiakiionäre auch ganz besonders notwendig. Na, dann Prost auf die schlechten Zeiten im Braugewerbe. Höhere �ußland-Auftrage. Die Berliner S o w j« t h a n d e l s v e r t r« t n n g hat im November Bestellungen in Höhe von 53,8 Millionen Mark vergeben. Dieser Bettag übertrifft den vom Oktober mit 39 Millionen um 38 Prozent, den vom November 1929 init 43 Millionen um 25 Prozent. Die ersten 11 Monate des Jahres 1930 brachten mit 484,2 Millionen Mark gegenüber der gleichen Zeit des Vor- jahres mit 409 Millionen Marl eine nicht unerhebliche Steigerung; sie betrug 75,2 Millionen Mark oder 18,4 Prozent. Von diesen Bestellungen entfielen in der Zeit vom Januar bis November 1930 zum Beispiel auf Einrichtungen für die Schwerindustrie 97,4 Millionen Mark, auf Werkzeug- Maschinen 67,9 Millionen, auf Clektroimport 65,4 Mil- lionen, auf Landwirtschaftliche Maschinen 35.5 Mil- lionen Mark. An Kinos scheint in Rußland starker Bedarf zu sein. Di« Kinoabteilung der Handelsvertretung bestellte für den verhältnismäßig hohen Betrag von 7,5 Millionen Mark. Das Zucker-Welikartell kommt! Das Ergebnis der Berliner Verhandlungen. Es ist damit zu rechnen, daß das Zuckerausfuhrtortell nun doch noch zustande kommt. Die Brüsseler ZZerhandlungen Ende des vorigen Jahres zwischen allen Zuckerproduzenten der W e l t inußten bekanntlich abgebrochen werden, als«ine Einigung mit den deutschen Produzenten nicht erziel! werden konnte. Zwischen den deutschen Forderungen und dem Angebot der übrigen Länder blieb«ine Differenz von 800 000 Tonnen, auf fünf Jahre zu- sammengerechnet. Vor wenigen Tagen ist min der Kubaner Ehadbourne als offizieller Vertreter der kubanischen und javanischen Rohrzuckererzeuger nach Berlin gekommen, um neue Ver- Handlungen mit den europäischen Rübenzuckerproduzenten zu führen. Ueberraschend schnell hat sich Ehadbourne mit den Produzenten Polens, der Tschechoslowakei, Ungarns und Belgiens geeinigt. Zllle Exportländer der Welt haben Deutschland«in neues Angebot unterbreitet, das von den deutschen Delegierten und dem Direktorium des Bereins der deutschen Zuckerindustrie bereits angenommen worden ist; endgültig wird eine Versa mm- ung aller deutschen Zuckerfabriken schon am 12. Ja- nuar über die Annahme beschließen. Das Ausfuhrkartell wird auf fünf Jahre geschloffen. Die Partner verpflichten sich, nicht mehr Zucker als die zugebilligte Quote auf den Weltmarkt zu bringen, um endlich die Ueberfchwem- mung des Marktes und die daraus folgenden Preisunter- bietungen zu beseitigen. Nach dem neuen Vorschlag darf Deutschland im Jahre 1930/31 500 000 Tonnen, im Jahre 1931/32 350 000 Tonnen, in den drei folgenden Jahren je 300 000 Tonnen ausführen. Die Differenz zwischen der geforderten und der jetzt angebotenen Exportmenge beträgt nur noch 100 000 Tonnen (gegen 800 000 Tonnen in Brüssel). Ermöglicht wurde dies erhöhte Angebot dadurch, daß Ehadbourne auf 500 000 Tonnen Ausfuhr- quote des Rohrzuckers und die übrigen europäischen Rüben- zuckerländer mrf je 4 Proz. ihrer Quote, in Sumnia etwa 200 000 Tonnen verzichtet haben. Die deutsche Zuckerindustrie hatte geplant, 25 Prozent der Zuckerproduktion, das sind nach den letzten Ziffern 625 000 Tonnen, zu exportieren. Nach Annahme des Angebots würden also nur 20 Prozent ausgeführt werden können. Da aber eine Regelung des Zuckerexports aller Länder der Welt mit Notwendigkeit eine Erhöhung des Weltmarktpreises zur Folge haben muß, so werden die deutschen Zuckerproduzenten sicher die vorgeschlagene Regelung annehmen. Die angebotenen Exportquoten für die nächsten Jahre dürften ausreichend sein, da man ja nicht so bald mit einem derartig glänzenden Ernteergebnis wie in diesem Jahre rechnen kann. Kommt die Einigung zustande— woran ja nicht mehr zu zweifeln ist—, so ergeben sich daraus wichtige Folgerungen. Eine bedeutent« Steigerung des Weltmarktpreises wird a u t o- matisch eintreten. Man scheint in Kreisen der Industrie sogar damit zu rechnen, daß der Weltmarktpreis so st a r k steigen wird, daß er die G e st e h u n g s k o st e n der deutschen Produzenten deckt. Die Ausfuhrverluste, die in diesem Jahre bei den jetzigen Preisen den Betrag von 100 Millionen Mark weit überschreiten würden, werden dann in Fortfall kommen. Damit ergibt sich die Möglichkeit, den deutschen Inlandspreis ganz be- deutend zu senken. Die in dem sozialdemokratischen Antrag vom Dezember vorgeschlagene Senkung um 3M. pro Zentner müssen wir als M i n d e st b e t r a g bezeichnen. Der jetzt gültige Höchstpreis Ist ja auch mit Rücksicht auf die Aussuhroerluste so hoch festgesetzt worden. Die Preissenkung ist notwendig, damit der Konsum sich hebt. Es darf aus keinen Fall geschehen, daß die starke Belastung des deuischen Zuckerkonsumenten zum Ausgleich der bisherigen Ausfuhrverluste aufrechterhalten bleibt, damit die Zucker- industrie daraus von nun ab eine Exlrarenle bezieht. Schluß mit der Verelendungspolitik Arbeitsbeschaffung anstatt Hungergroschen. Cs gibt im Versicherungswesen nicht eine Untsrstiigungsform, hie zerrissener ist wie das Untsrstützungswcsen für die Erwerbslosen. Von den aus den Arbeitsämtern gemeldeten Personen erhalten rund l 650 000 Arbeitslosenunterstützung. 560 000 Krisenunterstützung und "50 000 werden durch die kommunalen Wohlfahrtsämter unterstützt. Diese Unterstützungsformen find mit der Steigerung der Krise im Lause der Jahre immer mehr zuungunsten der kom- munalen Wohlfahrtspflege einer starken Veränderung unterworfen. Während noch zu Beginn des Jahres 1930 nur 80 Proz. der Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung und nur 11 Proz. in der Wohlfahrtsfürsorge unterstützt wurden, ist die Zahl in der Arbeitslosenversicherung auf 67 Proz. gefallen und in der Wohlfahrtsfürsorge auf 25 Proz. ge- stiegen. Dieser Prozentsatz erhöht sich aber noch um mindestens 30 Proz. von Zusatzunterstützungsempfängern, weil die Unterstützungssätze in der Arbeitslosenversicherung in den meisten Fällen zur Deckung des Lebensunterhaltes unzureichend sind. Dieser Zustand tritt besonders bei den Krisenunter st ützungs- empfängern. deren Zahl im Laufe des Jahres 1930 v o n r u n d 250000 auf 560000 ge st legen ist, in Erscheinung. Eine fast unerträgliche Belastung der Gemeinden sind die 750 000 Wohlfahrtserwerbslosen. Berechnet man deren Unterstützungen nach den Richtsätzen Berlins f«r den Haupt- Unterstützungsempfänger mit 42 M., für Ehefrauen einen Zuschlag von 21 M. und für jedes Kind 13 M. monatlich, so erfordern die- selben für die 750 000 Hauptunterstützungsempfänger 31 500 000 M. und an Zuschlägen für rund 75 000 Ehefrauen 1 575 000 M. und für Kinder 2 700 000 M., also einen Gesamtbetrag monatlich von 35 775 000!ll. Diesen Unterstützungssätzen sind aber noch S a ch- leistungen und Mietunterstützungen hinzuzurechnen, wodurch sich der Betrag auf mindestens 50 Millionen Mark erhöht. Nach einer Mitteilung aus wirtschaftspolitischen Kreisen soll bis zum Jahre 1940 mit einer ständigen Crwerbslosenzahl von 3 Mil- lionen zu rechnen sein. Die Kommunen müßten also, selbst wenn ein geringes Abflauen der Arbeitslosigkeit in Betracht gezogen wird, in den nächsten neun Jahren mindestens 4 Milliarden Mark zu Unterstützungszweckcn aufbringen und das Reich in derselben Zeit. nach dem für das Etatsjahr 1930 eingesetzten Betrage von 730 OSO 000 M. für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, die Summe von 5,50 Milliarden Mark, also zusammen rund 10 Mil- liarden Mark aufbringen. Angesichts dieser kolossalen Summe, für die nicht ein Atom pro- duttive oder kulturelle Arbeit geleistet wird, ist die Forderung auf Arbeitsbeschaffung dringlicher denn je, weil sogar die Gefahr besteht, daß rund 30 Proz. der Erwerbslosen noch einer aufgezwungenen Arbeitspause von rund 10 Jahren aus dem Arbeitsprozeß überhaupt ausgeschlossen werden, weil ein Tell derselben bereits das 45. Lebensjahr überschritten, also nach Ansicht des Unternehmertums dt« Grenze her Erwerbsunfähig- keit erreicht hat, während der andere Teil durch die langjährige Hungerperiode, weil den Erwerbslosen durch Unterstützung das Existenzmimmum durchaus nicht gesichert ist, nicht mehr in der Lage sein wird, mit einem durch Hunger dezimierten Körper eine Arbeit zu leisten. Diese Wirtschaftskatastrophe ist, wie bereits von bürgerlichen Wirtschaftspolitikern bestätigt wurde, auf das Versagen der kapital! st ischen Wirtschaftspolitik zurückzuführen. Also ist das Ankurbeln der Wirtschaft durch die kapllalistische Gesell- schaft nur in geringem Maßstabs zu erwarten, wenn sie nicht genau so ein Versager ist wie das Versprechen, daß mit der Senkung des Lohnniveaus und ohne Verkürzung der Arbeitszeit eine größere Zahl von Arbeitslosen eingestellt werden könne, während tatsächlich in der Zeil der Lohnsenkung die Zahl der Arbeikslosen von 3.5 Millionen aus über 4 Millionen gestiegen ist. Es bleibt also das Problem zu lösen, wie die große Zahl der Arbeitslosen versorgt werden soll. Die Mittel zu den Unterstützungen in der gegenwärtigen Form in den nächsten Jahren aufzubringen, wird selbst mit den schärfsten Maßnahmen einer neuen Notverord- nung, über die schließlich die Regierung Brüning stürzen würde, unmöglich sein. Es bleibt also nur die Arbeitsbeschaffung durch Reich, Staat und Kommunen. Es dürfte zu prüfen fein, ob nicht von den im Etat eingesetzten 730 000 000 M. 30 Millionen Mark und von den voraussichtlich in den nächsten 10 Jahren benötigten 5,50 Milliarden Mark 70 Millionen Mark durch eine langfristige Anleihe, also eine Summe von rund 1 Milliarde Mark zur Arbeitsbeschaffung zur Verfügung gestellt werden kann. Zugleich müssen sich aber auch die Städtetage mit der Kreditbeschaffung der Kommunen beschäftigen, um gemeinsam mit den Staaten unter Berücksichtigung eines vernünftigen Finanzausgleichs e i n Arbeitsbeschaffungsprogramm aufzustellen und durch- zuführen, wozu auch die Reichsregierung die weitestgehende Unter- stützung zusagen muß. Die Kommunen sind am Ende des Tragbaren im Unterstlltzungs- wesen. Die Not der Arbeitslosen noch mehr zu steigern, würde uns in eine nicht auszusprechende Wirtschasts- und politische Katastrophe hineinführen. Darum darf mit der Arbeitsbeschaffung nicht mehr gewartet werden. Berlin zeigt am Beispiel die Möglichkeit, wann folgt das Reich? Luxen Losemsnn. Der wilde Streik bei Leiser. Oer Gesamwerband hat nichts damit zu tun. Vom Gesomtverband geht uns zum Streik, bei der Firma H. Leiser folgende Mitteilung zu: Die Arbeitseinstellung der Hand«rsarbsitor und Kraftfahrer am 3. Januar erfolgt« ohne Au- stimmunz und ahne vorherige Kenntnis des Gsfamtoerbandes. Auf wisderhalt«? Drängen der Mitglieder des Gefamtverknmdes hat die Verbandsleitung im Beisein einer von den Strsikenden gewählten Kommission der Derbandsmitglieder wiederholt Verhandlungen mit der Firma Leiser geführt. Der Berbqndsleitung war es aber nicht möglich, das Ergebnis der Verhandlungen ihren Mitgliedern zu unterbreiten, da die RGO.-Streikleitung jedes Zuswichekommcn einer Versanrmlung der Derbandsmitglieder hintertrieb. Die Firma Leiser hat nunmehr der Verbandsleitung als letztes Zugeständnis folgendes unterbreitet: Di« Arbeitsaufnahme kann heute, Freitagvornnttag 8 Uhr. unter folgenden Bedingungen erfolgen: Sämtliche streikende Mitglieder des Gesamtoerbandes werden zu den alten Be- dingungen weiterbeschäftigt mit Ausnahme von vier Arbeiterratsmitgliedern, welche nach Ansicht der Firma für den wilden Streik verantwortlich sind. Die NGO., die den Streik„führt", trägt die volle Verantwortung für den ungünstigen Ausgang der Bewegung. Die„Rote Fahne" hat vergessen, eine Anzahl R G O.- M i t- glieder. welche die Arbeit als Reparaturschuhmacher in mehreren Filialen bereits aufgenommen haben, zu veröffentlichen. Falls die „Rots Fahne" die Namen nicht kennen sollte, können wir ihr die- selben auf Wunsch mitteilen. Da die A r b e i t s e i n st e l l u n g ohne Zustimmung des Gesamtverbandes erfolgte und die Streikenden in den wiederholt angesetzten Versammlungen des Verbandes nicht er- schienen sind, erklären wir hiermit, daß für die Mitglieder de? Gesamtverbandes ein Streit bei der Firma Leiser nicht besteht._ Oer Arbeiiszeiisireit bei der Reichsbahn Wiederaufnahme der Schlichiungsverhandlungen. Am Donnerstag wurden die Schlichtungsverhand- langen zur Beilegung des Arbeitszcitftreites bei der Deutschen Reichsbahn wieder aufgenommen. Die Schlichtungskammer hatte durch einen Teilschiedsspruch das Schlichtungsverfahren am 13. Dezember unterbrochen. Die Unterbrechung wurde damit begründet, daß die Kammer zunächst einige Besichtigungen in Reichs- bahnbetrieben vornehmen müsse. Am Mittwoch ist die Schlichtungs- tommer von ihrer Informattonsreis«, die sie in verschiedene Direk- tionsbezirk« der Reichsbahn geführt hat, noch Berlin zurückgekehrt. Tanfveriragskündigung. Bei der Reichsanflalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Auf dem Wege über die Notverordnung zwingt die Reichs- rsgierung die Sozialoersicherungsträger, den allgemeinen Gehaltsabbau mitzumachen. Auch die Angestellten der Reichsanstatt für Arbeitsvermittlung und Arbettslosenoerficherung werden davon be- troffen, trotzdem sie niedrigere Gehätter als die Beamten beziehen. Di« Reichsanstatt hat, wie wir vom Zentraloerband der An- gestellten erfahren, auf Grund der Notoerordnung zum 31. Januar 1931 den Gehattstarif gekündigt. Gleichzeitig ist aber auch eine Kündigung des gesamten.Tarifvertrages zum 31. März 19 31 erfolgt. Die Absichten— selbstverständlich B er- DicL Arbeitslosigkeit m DcutsclilanS und Gpo ßlnütannien 368i -inoe. 5410 «b* 151* CJIIS DeulscKTand I I i.l■.1■ G r o ßVr i i atmie n ■ I 1 ,l' J FMAK-J J ASONDJ FMAMJ J ASOND 19 4 9 1930 schlechterungen— hat die Reichsanstalt bereits in 1 0 P u n k» t e n ihres Kündigungsschreibens den Verbänden mitgeteilt, sich aber deren Erweiterung ausdrücklich vorbehalten. Was hierbei als Beseitigung von Unebenheiten be» zeichnet wird, hätte sehr gut im Wege direkter Verhandlungen ohne Tariftündigung geklärt wsrden können. Scheinbar sind aber die Ein- flüsfe der Unternehmer und ihr gesinnungsoerwandter Elemente im Lorstand der Reichsanstalt so stark, daß man glaubt, es den An- gestellten der Arbettsämter bieten zu können, in dieser Zeit über- menschlicher Anforderungen an die Arbeitskrast des einzelnen auch noch Tarrfverfchsechterungen herbeizuführen. Glücklicherweise ist das Personal der Arbeitsamter in ganz Deutschland verhästnismäßig gut organisiert, und Mar über- wiegend beim ZdA. Seine weitere Stärkung durch die noch Unargani- Herten wird dazu bettragen, daß die Verschlechterungsabsichten der Reichsanstalt nicht verwirklicht werden. KpO. als Scharfmacher. Oie.Welt am Abend" verurteilt. Bekanntlich wurde am 10. Oktober v. I. zwischen einer Lohn- konimrssion der sogenannten Revoluttonären Gewerkschastsoppositton und dem neuen einheitlichen Verlag der„Roten Fahne",„Wett am Abend" und„Berlin am Morgen" ein„Tarifvertrag" abgeschlossen, durch den die Lohn- und Arbeitsbedingungen des Zeiwngsaustrage- Personals erheblich verschlechtert wurden. Dieser ,.P»r- tragsabschluß" erfolgte, ohne daß die bisherigen Dertröge mtt dem Gesamtoerband(Verkehrsbund) gekündigt worden wären. Eine ganze Anzahl von Austrägern und Austrägerinnen wurde fr ist- los entlassen, d. h. gemaßregett, weil sie sich weigerten, zu diesen verschlechterten Bedingungen zu arbeiten. Eine Austrägerin verklagte die„Wett am Abend" wegen der Nichteinhaltung der gesetzlichen vierzehn- tägigen Kündigungsfrist. Sie begründete ihten Klage- anspruch damtt, daß der Tarifvertrag mtt dem Gesamtverband heute noch Geltung habe. Der Vertreter der„Welt am Abend" versuchte, dem Gericht weiszumachen, daß durch den neuen RGO.-Bertrag der des GesamttZerbandes„abgelöst" worden sei. Nach diesem „Mustervertrag" der NGO. hätte nämlich die Klägerin«inen An- spruch auf eine vierzehntägige Kündigungsfrist nicht geltend machen können. Das Arbeitsgericht unter Borsitz des Amtsgerichtsrats Dr. de Witt entschied aber, daß dieser unter dem Druck wirtschaftlicher Lerhäktnisie erzwungene RGO.-Vertrog rechtsungSktlg fei und der mtt dem Gesamtverband abgeschlossene Vertrag nach wie vor bestehe. Die„Well am Abend" wurde verurteilt, der Klägerin den Lohn für die oierzehntägige Kündigungszeit nach- zuzahlen.____ Nevoluiionare Heuchelei. Kampfausfchuß-Levte als llnschulSelämmer. Auf der Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund wurden bei einer Massenenllassung auch die drei Prominenten des„Revo- lutivnärsn Kampfausschusses" entlassen. Diese drei Helden haben dem Dortmunder Arbeitsgericht daraufhin folgenden Schrift- satz eingereicht: „Antwortlich der vom Arbettsgericht aufgegebenen Aeußerung über die Ziele und Zwecke des Kampfausschusses haben wir folgendes zu erklären: Die Aufgaben des Kampsausschusses inner- und außerhalb des Betriebes dienten... die regste Werbung unter den llnorgaaisierken für die freien Gewerkschaften zur besseren betrieblichen Znteressenocrlrekung zu entfalten.... Wenn wir darüber befragt werden, wie sich der Kampfausschuß innerhalb der Belegschaft betätigt, so erklären wir, daß es zu einer Betätigung im Sinne oben formulierter Forderungen gar nicht kain, weil wir während der Vorbereitungsarbeiten schon entlassen wurden." Die schon bei den Borbereitungsarbeiten verhinderten Gewerk- fchaftsfprenger werden uns entgegenhallen, daß sie sich auch hier im Rahmen ihrer revoluttonären Kampfmoßnahmen hielten, wenn sie die Lüge als K a m p fe s m i t t e l benutzen. Verbindliche Meiatlschiedssprüche. Für Südwestdeutschland. Karlsruhe, 8. Januar. lieber die für die badische Metallindustrie gefällten Schied-- sprüche, die für die Bezirke Mannheim— Ludwrgshafen und Frantental«ine Senkung der Akkordlöhne um 6,5 Proz. und der Zeitlöhne um 6 Proz. bei gelernten und angelernten und 5 Proz. bei ungelernten Arbeitern, für die Bezirke F r e i b u r g und S e e k r e i s allgemein von 5 Prozent vorsehen, wurde nach- verhandelt. Die Schiedssprüche waren von den Unternehmern ab- gelehnt, von den Arbeitern mit Ausnahme Mannheim— Ludwigs- Hafen angenommen worden. Nach längeren Beratungen wurden die Schiedssprüche für verbindlich erklärt. Vereinbarung in Kassel. iLohnsentung von 3 bis 4,7 Prozent in der Metallindustrie. Kassel. 8. Januar.(Eigenbericht.) Für die Metallindustrie Kassel wurde unter Bor- sitz des stellvertretenden Schlichters Dr. Kollath ein« freie Der- einbarung zwischen den Parteien getroffen, nach der unt'r Aufrechterhaltung des bisherigen Schemas der Pjlichi- leistungs- und Oualitätszulaoen sowie der bisherigen sozialen Zu- lagen die bisher güttigen Stundenlöhne in der Spitze ab 12. Ja- nuar 1931 wie folgt herabgesetzt werden: Facharbeiter von 85 auf 81 Pfennig= 4,7 Prozent, angelernte Arbeiter von 77 H auf 74 Pfennig 4L Prozent, ungelernte. Arbetter»an 7SL auf 71 Pfennig 3,4 Prozent, Arbeiterinnen von 43L auf 47 Pfennig --- 3 Prozent. Di« zur Zell bestehenden Akkorde werden um 6 Prozent heraboesetzt. Die Lehrlingslöhne bleiben nnverondctt. Gülligkett bis 31. Juli 1931. Der Schiedsspruch für die Siegen'er Metallindustrie ist nicht mtt den Stimmen der Arbeiter, fondern gegen deren Stimmen zustand« gekommen. Der Schiedsspruch baut die Lohne in der Spitze um 7 Prozent ab, außerdem noch einen Teil der Zulagen. Lohnkürzung um 6 proz. verbindlich. Im sächsischen Steinkohlenbergbau. In der Lohnstrettigtett im sächsischen Steinkohlenbergbau hat der Reichsorbeitsminister den Schiedsspruch vom 31. Dezember 1930, der eine Senkung der Tariflöhne um 6 Proz. vorsieht, für verbindlich erklärt.______ Mahnung zum Zusammenschluß. Di« in Kairo in arabischer Sprache erscheinende Zeitschrift de? Wafd-Partei„Abul-Hool"(Die Sphinx) mahnt die Mumassil. was sowohl die Berufsbezeichnung für Schauspieler wie für Artisten ist, zum Zusammenschluß. Diese Zeitschrift, die sich selbst rühmen dari, für die Weiterentwicklung der ägypttschen Bühne tätig zu sein, verlangt den Zusammenschluß der Schauspieler und Artisten, damit die Kunst gehoben wird und ihr neu« Kräfte zugeführt werden. Ein Fortschritt der Schauspielkunst bedeute eine Propaganda für das Vaterland. In Aegypten sähe man unier den Künstlern Zerrissenheit. Feindseligkeit und Neid, ein jeder suche auf Kosten des anderen hoch» zukommen. In Europa aber sei es anders, denn dort stützten sich die Künstler gegense'ttig durch ihre Organisatton, worum denn auch in beredten Worten den Künstlern diese Organisation als Vorbild und zur Nachahmung anempfohlen wird. In dem Lohnstreik der milkeldeukfchen kalk- und Zement- industrie wurde in Magdeburg ein Schiedsspruch gefällt, wo- nach mtt Wirkung ab 5. Januar der Ecklohn der Lohntafel 66 Pi. (bisher 70 Pf.) beträgt. Alle übrigen Bestimmungen und Schlüssel des Tarifs sind geblieben wie bisher. Beide Parteien haben den Schiedsspruch angenommen. �reieGewerkschatts-InaendNerltn Seute, ffrcilog, 19H Uhr. to(Un die ffiructK'n; N»idri«a: Iuaenddelm. Schule Sonnenburner Str. 20. Traven-Mend.— Kerrna»»?!-«: ©nippcndcint Canderstr. 11, Ecke Sobecchtstrabe. Diekulilonsaeend: .Warum bin ich in bei gXSI.?"— Süden- Drupvenheim Wassertorftr. 9, v. pt. Mädchcnarbeit in der S®I..— Zeppelin»lad: kiuaendlieim Turiner Eck« See. strafte lEinaana Turincr Strafte). Portraa: Internationaler Eeiocrklchails- bund und Rote Gewerkschaft-internationale.» @�ll<'endc>rupve ves�enkralverbandes ver AnaesteNten Heute, greitaz, finden folaende Beranstaltunaen statt: Südwest: Zuaend- heim Porckstr. 11(II. Hof, Queraebitude 1 Trepp«. Zimmer 5). Portraa: Heinrich Zille". Referent: Erwin Diirina.— Rordeu: Jugendheim Loeftina- strafte 19. Portraa. stcitfraaen:..Arbeitsdienstpflicht und neunte« Schullahr". Referent: Artur Rachow.— Die Photo-Gemeinschaft kommt jeden iZreitaa um 20 Uhr im Zugeudwarteraum unseres Berdandsbaufe».»usammeo. WWWW; Ertsültungsaranbheiten, Handeln, tfalsenüünoungen nAsnwM S.A.MSVSI-- Ein&rühwerk von Warx und Engels Würdigung der unveröffeniliditen Keile des„Sankt 7tlaxu 1. Zur Geschichte des Manuskripts»Sankt Max". Die Handschrift»Sankt sDiaj"*) ist der umfangreichste TeU der ..Deutschen Ideologie", die seft einigen Jahren im Mittelpunkt der Marx-Forschung steht. Die„Deutsche Ideologie" wurde von Marx, Engels und Moses Hetz gemeinschaftlich im Jahre 1845/46 abgefaßt. Marx hat die Bedeutung und das seltsame Schicksal dieser umfang- reichen Auseii»andersetzung mit der nachhegelschen deutschen Philo- sopyie in seinem bekannten Vorwort„Zur Kritik der politischen Oekonomie" selbst dargestellt:„Friedrich Engels, mit dem ich seit dem Erscheinen seiner genialen Skizze zur Kritik der ökonomischen Kategorien(in den„Deutsch-Französischen Jahrbüchern") einen steten schriftlichen Ideenaustausch unterhielt, war auf anderem Wege(»gl. seine.Lage der arbeitenden Klasse in England") mit mir zu dem- selben Resuftat gelangt, und als er sich im Frühling 1845 ebenfalls in Brüssel niederließ, beschlossen wir den Gegensatz unserer Ansichten gegen die ideologische der deutschen Philosophie gemeinschaftlich aus- auszuarbeiten, in der Tat mit unserem ehemaligen philosophischen Gewissen abzurechnen. Der Vorsatz ward ausgeführt in der Form einer Kritik der nachhegelschen Philosophie. Das Manuskript, zwei starke Oltavbände, war längst an seinem Verlagsort in Westfalen angelangt, als wir die Nachricht erhielten, daß veränderte Umstände den Druck nicht erlaubten. Wir überließen das Manuskript der nagenden Kritik der Mäuse um so williger, als wir unseren Haupt- zweck erreicht hatten— Selbstverständigung." Erst Engels erwähnt die„Deutsche Ideologie" 1888 wieder. Er schreibt in der Vorbemerkung zu der Schrift„Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen Philosophie", daß er„das alte Manu- skript von 1845/46 nochmals herausgesucht und angesehen" habe. „Der Abschnitt über Feuerbach ist nicht vollendet. Der fertige Teil besteht in einer Darlegung der materialistischen Geschichtsauffassung, die nur beweist, wie unvollständig unsere damaligen Kenntnisse der ökonomischen Geschichte noch waren". Wir denken heute, wie weiter unten gezeigt werden soll, weniger bescheiden als Engels über die Bedeutung dieser frühen Arbeit. Mehring hat die„Deutsche Ideologie' in seiner im übrigen sonst für die Marx-Forschung epochemachenden Nachloh-Ausgabe im Jahre 1803 nicht aufgenommen.„Das Werk über die deutsche Ideologie befindet sich, soweit es überhaupt vollendet worden ist, im Hand- schriftlichen Nachloh der beiden Verfasser, ist eben deshalb(!) auch von dieser Sammlung ausgeschlossen. Es muh um so mehr der Ver- öffentlichung durch eine spätere Gesamtausgabe vorbehalten bleiben, als es in erster Reihe zum Zweck der Selbswerständigung geschrieben, und sobald es nicht an die Oeffcntlichkeit gelangen konnte, von Marx und Engels„der nagenden Kritik der Mäuse" überlassen worden ist." Eduard Bernsteins Verdienst war es dann, sehr im Gegensatz zu Mehrings obiger„Begründung", diese„Selbstoerständigung" von Marx und Engels für wichttg genug zu hallen, um nach Erscheinen des zweiten Bandes der Mehringschen Nachlaßausgabe in den„Do- kumenten des Sozialismus" weniger als die Hälfte des Manuskripts „Sankt Max" mitzuteilen. Daß schon in diesem von Bernstein publizierten Teil der„Deutschen Ideologie" das fehlende Glied in der Entwicklungsgeschichte des Marxschen Denkens vom„realen Humanismus" der„Heiligen Familie"(1845) bis zum ökonomischen Materialismus des„Anti-Proudhon"(1847) zu sehen gewesen wäre, blieb von der Marx-Forschung unbemerkt. Erst durch die Verösfenllichung des JL Tandes von Gustav Mayers Engels-Biographie(1320) wurde wiederum die Aufmerksam- k.eib auf die„Deutsche Ideologie" gerichtet: In bezug auf den„Sankt Max" scheint jedoch Gustav Mayer keine vollständige Älarheft ge- wann«, zu haben. Er hielt„den weitaus größten Teil des„Heiligen Max" für publiziert. Angeregt von Gustav Mayers Ausführungen über die„Deutsche Ideologie" hat sich dann Rjasanoss um das Schicksal der Handschrift der„Deutschen Ideologie" mit Erfolg bemüht. Das erst« Ergebnis war die bahnbrechende Veröffentlichung des„Ersten Teils der Deutscheu Ideologie" im 1. Band des Marx-Engels-Archivs. In der Einleitung zu dieser Ausgabe hat Rjasanosf das Schicksal und den kompositorischen Ausbau der„Deutschen Ideologie" auseinander- gelegt. 2. Die»Deutsche Ideologie" im besonderen„Sankt Max" im Urteil von Mehring. Gustav Mayer und Rjasanosf. Die Geschichte der Handschrist„Sankt Max" ist selbstredend von der Geschichte der Marx-Forschung nicht abzulösen. Auch die Marx- Forschung kann ihrerseits nur sinngemäß aus der jeweiligen gesell- schaftlichen Gesamtkonstellation oerstanden werden, die auch sie trägt. Die Geschichte der Marx-Forschung kann, dem angedeuteten Leitfaden gemäß, hier nicht entworfen werden. Wir wollen nur an die Be- urteilung der„Deutschen Ideologie" durch Mehring, Gustav Mayer, endlich Rjasanoss kurz erinnern, ehe versucht werden soll, im An- schkuß an Rjasanosf die„Deutsche Ideologie", im besonderen hier den „Sankt Max" kurz zu würdigen. Mehring führt in seiner Marx-Biogrophie, in der er das Fazit seiner Marx-Forschimg zieht, folgendes aus:„War ihre gründliche und allzu gründliche Abrechnung mit den Bauers schon eine harte Nuß für die Leser, so wären diese beiden starken Bände von zu- sammen fünfzig Druckbogen noch eine viel härtere Nuß für sie ge- wefen. Der Titel des Werkes lautete: Di« Deutsche Ideologie, eine Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten Feuerbach, Bruno Bauer und Stirner sowie des deutschen Sozialis- mus in seinen verschiedenen Propheten. Engels hat später aus der Erinnerung gesagt, die Kritik Stirners allein sei nicht weniger um- fanzreich gewesen, als das Buch Stirners selbst, und die Proben die inzwischen davon veröffentlicht worden sind, lassen diese Erinne- rung als durchaus glaubhaft erscheinen. Es ist eine noch weit- läufigere Ueberpolemik, als schon die Heilige Familie in ihren dürrsten Kapiteln aufweist, dafür sind die Oasen in der Wüste viel spärlicher gesät, wenn sie auch keineswegs völlig fehlen. Und wo immer sich dialektische Schärfe zeigt, artet sie alsbald in Haarspalts- reien und Wortklaubereien mitunter recht kleinlichster Art aus. Gewiß ist in diesen Dingen der heutig« Geschmack viel heikler, als der damalige Geschmack war. Ader damit ist nicht alles ge- *) Das Original der Handschrift„Sankt Max" befindet sich im Archiv der Sozialdemokratische» Partei Deutschlaichs in Berlin. Die Arbeft ist zum größten Teil von Engels egschrieben: von Moses Heß' Hasch sind 40 Manuskriptseiten. In Marx' Handschrist erscheinen Einfügungen, Streichungen, Korrekturen. Das innere Verhältnis der drei Verfasser ist jedoch mit diesen Angaben nicht bestimmt In der Tat handelt es sich um eine Kollektivarbeit, in der m. E. Marx jedoch der Führende war. Gustav Mayer hat über das Verhältnis von Marx und Engels in bezug auf die Autorschaft der„Deutschen Ideologie" in seiner Engels-Biographie Band 1«efte 241 sicher das Wesentliche gesagt. Der Anteil von Moses Heß ist jedoch nur im Rcchmen einer Spezialuntersuchung näher zu bestimmen. Di- Hand- schrist„Sankt Mar ist mft III numeriert, war also der dritte Teil der„Deutschen Ideologie", deren Gesamtaufbau von Rjaiänosi im 1. Band des Marx-Engels-Archivs S. 203 ff. erstmalig vollständig rekonstruiert wurde." Ueber den Ausbau des„Sankt Max" soll an anderer Stell« gehandelt werde». klärt, zmnal da Marx und Engels vorher und nachher und selbst gleichzeitig gezeigt haben, daß sie über eine epigrammatisch scharf« Kritik geboten, wie denn ihr Stft zum wenigsten an Weitschweifig- keft litt. Entscheidend war, daß sich diese Geisteskämpfe in einem ganz kleinen Kreis abspielten, wozu denn noch die meist große Ju- gend der Kämpfer kam. Es war ein« Erscheinung, wie sie ähn- lich die Lfteraturgeschichte an Shakespeare und seinen dramatischen Zeitgenossen beobachtet hat: eine Redewendung totzuhetzen, der Rede des Gegners durch buchstäbliche oder mißverständlich« Deutung einen möglichst törichten Sinn zu unterstellen, die Neigung zum Gesteigerten und Grenzenlosen im Ausdruck— alles das war nicht auf das große Publikum, sondern auf das verfeinert« Verständnis der Fachzenossen berechnet. Was uns heute an Shakespeares Witz ungenießbar oder selbst unverständlich erscheint, erklärt sich daraus, daß ihn bei seinem Schaffen bewußt oder unbewußt der Gedanke begleitete, wie Green und Marlowe, wie Ionson, Fletcher und Beaumont darüber urteilen würden. So etwa mag man sich den Ton erklären, in den Marx und Engels bewußt oder unbewußt verfielen, wenn sie es mft Bauer und Stirner und sonst alten Kumpanen der reinen Hirnweberei zu tun hatten." Soweit Mehring. Gustav Mayer gibt im Kapitel 9 seiner Engels-Brographie ein zusammengedrängtes Referat des Inhalts der„Deutschen Ideologie": sein Urtell saßt er dahin zusammen: „Weil die Verfasser aber die„Deutsche Ideologie" mehr zu ihrer Selbstoerständigung und zu ihrem eigenen Frommen als um der Well willen schrieben, so vernachlässigten sie die Form, und bei vielem Witz und ungeheurem Geistreichtmn im einzelnen sprengt in dem Manuskript, das uns vorliegt, eine weitschichtige, mit un- endlichem Behagen sich ins Detail verlierende Polemik völlig den ursprünglich vorgeschriebenen Rahmen. So wt man den Verfassern kein Unrecht, wenn man ihr Werk, das vielleicht noch Umgestallungsn erfahren hätte, wie einen Steinbruch betrachtet, aus dessen Material sich ihre Geschichtsauffassung, wie sie sich in dieser frühesten aus- sührlichen Formulierung darstellt, zum erstenmal im Zusammen- hang aufbauen läßt." Man sieht, wie G. Mayers Urteil nur in einem, allerdings sehr zentralen Punkt, von dem Mehringschen abweicht: er sieht>n dem Steinbruch dieses Frühwerks die Materialien zum Ausbau der ersten Formulierung der materialistischen Geschichtsauffassung von Marx und Engels. Damit waren die Voraussetzungen gegeben, um Rjasanoffs Forschungen möglich zu machen, deren Ergebnisse er im 1. Band des Marx-Engels-Archioes mitgeteilt hat.„Wir wissen jetzt", er- klärt dort Rjasanosf,„daß die materialistische Geschichtsauffassung, wie sie im„Elend der Philosophie" und dem„Kommunistischen Manifest" dargelegt wurde, von Marx und Engels nicht später als im Herbst 1845 formuliert wurde."„Die Handschrift", Rjasanoff spricht vom ersten Teil der„Deutschen Ideologie",„gibt die Möglichkeit, ein für jede wissenschaftlich« Erforschung der philo- sophischen Entwicklung des Marxismus wichtiges Faktum festzu- stellen... Die Philosophie als besondere Wissenschaft über den allgemeinen Zusammenhang der Dinge und des Wissens, wird über- flüssig. Von der ganzen früheren Philosophie bleibt nur die Wissen- schaft von den Denkgesetzen: die formal« Logik und die Dialektik." — Soweit Rjasanoff.(Schluß folgt.) xurune: Ein neuer beginnt... Aus einem Haufe kommt ein Mann. Er schlägt den Mantel- kragen hoch und geht die dunkle Straße hinauf. In leinen Kleidern ist noch der Geruch einer muffigen Stube. Seine Absätze sind schief von achtzig Treppenstufen null x. Der Wind pustet die ab- getragenen Hosen des Mannes auf, pfeift in die Rockärmel. Eine Schupopatrouille mustert mißtrauisch den Mann. Der geht weiter. Die Hände in dm Hosentaschen. Der Kanal wälzt sein öliges Wasser lautlos durch die Stadt. Laternen spiegeln sich im Wasser. Es schimmert grün und bläulich. Auf der Brücke bleibt der Mann stehen. Er spuckt erst mal aus. Er spuckt den faden Geschmack einer Existenz aus, die auf dem Lotterbett, der Stempelkarte und dmi abgerissenen Jackett besteht. Der Mann lehnt sich an das Brückengeländer. Das rechte Bein hat er über das linke gestellt. Er hat eine Zigarette im Munde, die nicht mehr brennt. Es ist nur ein Stummel. Ein Auto fährt über die Brücke. Bei dem Hupm dreht sich der Mann nachlässig um und sieht deullich die Frau und den Mann ün Wagen. Sie hat einen hellen Pelz, der ihr von den nacktm Schullern gerutscht ist. Der Herr trögt einen schwarzen, steifen Hut. Sie kommen von einem Ball. Als sich der Mann wieder zurückwendet, läßt er den Stummel in den Kanal fallen. Daun kommen zwei Männer. Sie gehen schnell und sehen sich an der Ecke vorsichtig um. Sie haben ein Paket unter dem Arm. Tinbrecher! denkt der Mann. Er spuckt wieder aus. Das Wasser des Kanals ist schmutzig von den Abwässern der Lastkähne. Die Sp:egAaug«n der Laternen Mern im ruhig fließenden Strom. Der Mann glaubt, daß es hier nach oerfaullmi Obst riecht, nach krepierten Hunden und Katzen, die im Wasser schwimmen. Man müßte, denkt der Mann, um hier herurfterzuspringen, schon einen Menschen umgebracht haben und dann noch, denkt er, und sieht schaudernd in die trübe Tiefe, dann noch würde man zurückschrecken und e» vorziehen, sich auf die Schienen der U-Bahn zu werfen. Er hat aber keinen Menschen umgebracht, nicht mal einen Hund, eine Katze, er hat bloß Hunger. Darum lehnt er hier am Brückengeländer und springt nicht hinunter. Er erschrickt, denn ein Liebespaar aus dem Volke geht dicht an ihm vorüber. Sie- sliistern. Das Mädchen sagt: Was soll ich denn bloß tun??? Es ist bald zu spät. Der Mann an ihrer Seite antwortet: Ja, mein Gott, es ist doch schon der vierte Monat! Der Mann am Geländer vergißt, in den Kanal zu spucken.. Und plötzlich steigt wie eine Vision, wie ein Geist,«in Mann in einer weißen Schürze vor ihm auf. Es ist ein Bäcker, der nachts von Lokal zu Lokal zieht, um Salzstangen zu verkaufen. Er erblickt den Mann am Geländer und ruft:„Salzstangen, Nußstangen gefällig!" Der Mann läßt ihn vorübergehen. Seine Hand hat krampfhaft einen Groschen in der Tasche gefaßt. Der Bäcker ist schon«in paar Schritte vorüber, da ruft ihn der Mann zurück: .Hallo, mal ein« Salzstang-I" Er beißt tief hinein. Cr kaut mit Arrdacht. Auf der anderen Seft- der Straße steht jetzt ein Mädchen. Pfui Teufel, eine Betrunkene, denkt der Mann. Dos Mädchen hast sich an einem Lateruenpfahl fest. Es würgt Speisereste aus der Kehle. Die schmale Figur schwankt um den Lateruenpfahl. Da läuft der Mann herüber und steht Blut. Es ist keine Betrunken», es ist etwas anderes mft ihr. Sie erholt sich bald. Das Gesicht bleibt leichenblaß. Ihr Taschentuch hat Blutflecke. Sie schleppt sich und das Leben in ihrem noch nicht gewölbten Leib wefter. „Soll ich Sie nach Haus« bringen?" fragt der Mann. „Rein, danke," antwortet sie furchtsam und strebt fortzukomme», „mir ist schon besser." Es wird langsam heller über den Kanal. Die Lichter verwischen. Die grünliche, bläuliche Farbe des Wassers wird nüchtern grau. Auto hupen öfters. Frauen kommen mit Markt körben. Lastwagen rattern über die Brücke. Ein neuer Tag beginnt. tVHhetm Schön: Sportrekorde der Were In der Zeit der Rekorde ist es vielleicht nicht ganz uninteressant, einmal zu sehen, was für Leistungen die Tiere aus Gebieten voll- bringen, auf denen ihnen der Mensch gern Konkurrenz machen möchte. Da ist zuerst einmal der Lauf. Der Negersprinter Tolan hat die 100-Meter-Streck« in der Rekordzeit von 10,2 Sekunden zurückgelegt. Rechnet man den Verlust am Start ab, so hat Tolan in jeder-se- künde 10 Meter zurückgelegt, und das ist schon ein« große Leistung. Doch was ist das gegenüber den Tieren? Das Wildpferd erreicht als schnellstes Tier Geschwindigkeiten bis zu 22 Meier pro Sekunde. Dann erst folgt der Windhund mit 18 Meter. Uebrigens bringt es der als schwerfällig angesprochene Elefant auf die Rekordleistung von 17 Metersekunden. Ebenso schnell ist der Hase. 16 Meter läuft der Vogel Strauß. Fliegen kann der Mensch noch nicht, dafür hat er sich Flug- zeuge gebaut. Aber nur wenige dieser Apparate, nur Spezialtypen und auch diese nur auf gewissen Strecken, erreichen Geschwindig- leite n, die über denen der schnellsten Vögel liegen. Wenn ein Apparat 275 Kilometer in der Stunde zurücklegt, dann ist das schon eine ganz hübsche Leistung, denn das sind 73 Meter pro Sekunde. Der Mauersegler aber fliegt 80 Meter in der Sekunde oder 288 Kilo- meter pro Stunde. Erst dann kommt die gewöhnliche Schwalbe, die es auf 61 Meter in der Setmide bringt, vor dem Falken mit 55. der Brieftaube mit 53 und dem Sperber mit 28 Metersekunden. Wenn unsere Flugzeug« über derselben Stelle kreisen, dann können sie sich sehr lange in der Lust halten, wie die amerikanischen Brüder Hunter bewiesen haben, aber wir haben noch keinen Apparat, der es fertig brächte, den Stillen Ozean trotz Sturm und Wetter pausen- los zu überqueren. Di« Brieftaube, der Wanderfalke und einige andere Vogelarten legen derartige Strecken zurück, ohne sich unter- wegs ein einziges Mal auszuruhen. Auch den Höhenrekord halten die Vögel, denn der in Südamerika lebende Kondor steigt bis zu 14 000 Meter hoch, während die höchste erreichte Höhe mit dem Flugzeug etwas über 10 Kilometer liegt. So hoch steigen andere Geierarten und der Steinadler auch. Im Springen haben wir es schon weit gebracht. Den Well- rekord im Hochsprung hält Osborne mit 2,05 Meter, den im Weit- sprung der Neger de Hart-Hubbard mtt 7,89. Es soll allerdings in Afrika Negerstämme geben, deren Leute bis zu 250 Meter hoch und 9 Meter weit springen. Doch was ist das gegen die Tiere? Das Känguruh springt, ohne sich anzustrengen, glatt seine 14 Meter weit, der Löwe 10 Meter, andere Katzenarten bis zu 8 Meter. Den Hochsprungrekord des Löwe» mft 3 Meter hat bisher»och kein lebendes Wesen erreicht. Auch das Pferd schafft 2,50 und mehr. Beim Schwimmen fallen wir ganz ab. Selbst die phänomenale Leistung eines Weißmüller, der die 100 Meter in 57,4 Sekunden zurücklegte, dabei also 1,7 Meter pro Sekunde schaffte, verblaßt gegenüber den Fischen. Der Delphin ist von keinem zu erreichen, er kommt auf 14 Meter in der Sekunde, was einer Leistung von mehr als 50 Stundenkilometer entspricht. Der schwere Grönland- wal steht mit 7 Meter in der Sekunde an zweiter Stelle vor dem Lachs, dem Schwertfisch, dein Hai und dem Thunfisch, die es auf 6 Meter bringen. Einen einzigen Weltrekord hält allerdings auch der Mensch, und zwar im Gehen. Unsere besten Geher schassen 13 Kilometer in der Stunde und lassen die besten Geher der Tierwelt weit hinter sich. Noch einige andere Rekorde seien erwähnt. Vom Klettern wollen wir schon gar nicht reden, und wenn Affen Kokosnüsse vis zu 100 Meter weit werfen können, so stehen wir beschämt da und bekennen uns geschlagen. Aber wir haben Leute, die 40 Tage hungern können. Nicht bei uns, doch in Indien. Die Cobra kann 2 Jahr« ohne Nahrung leben, einzeln« Fischarten nehmen viele Monate hindurch keinen Bissen zu sich, der Grizzlybär frißt wäh- rend des Winters überhaupt nichts. Das Kamel braucht tagelang in der größten Hitze nichts zu saufen und kommt viele Wochen ohne Nahrung aus. Den eigenartigsten Rekord stellt übrigens der Floh auf. Es ist bekannt, daß es nicht viele Lebewesen gibt, die ihre«i�ne Höh« mehr als doppelt überspringen können. Nur einige Katzenarten, die Hunde und Gazellen sind hierzu imstande. Der Floh ober überspringt seine eigene Höhe mehr als hundertmal. Das werden wir ihm niemals nachmachen können. Eine Znjel ohne Bakterien. Nach russischen Forschungen, deren Ergebnisse unlängst der Oeffcntlichkeit bekannt gemacht worden sind, ist die Insel Now.ija Semkja im nördlichen Eismeer völlig frei von Bakterien. Bei den Versuchen bedienten sich die Wissenschaftler mit Nährböden angefüllter Gefäße, die längere Zeft hindurch an den verschiedensten Plätzen von Nowaja Semlja zur Aufstellung ge- langten und völlig ungeschützt waren. Bei keinem Versuch konnte die geringste Entwicklung von Batterien festgestellt werden. Das bemerkenswerteste Experiment aber gelang bei der Aussetzung frischen Fleisches verschiedener Tiere, das trotz mehrmonatlichen im- geschützten Lagerns nicht die geringsten Fäulmr-spuren aufwies. Der Schlittschuh al» Sporkgeröt. In den Niederlanden ver- wendete man Schlittschuhe als Sportgerät zuerst im 17. Jahrhundert. Von dort gelangten sie allmählich nach England und Deutschland. Es ist bezeichnend, daß Klopftocks Odem(„Der Eislauf" u. a.) be- sonders dazu beitrugen, das Schlittschuhlaufen in Deutschland volks- tümlich zu machen. Wafcnbuagtn für blcfe Shibtll sind B C 1 1 i■ SS 68. LindeusiraK« 3. parke, nachrichien für Groß-Derlin stet» an da» Bez>rl»s«tretariai 3. Hof, 2 Treppen reiht», zu richte» «. Äwi» Pr«n,la»er Berg. Sonntag, 11. Januar, pünktlich 1» Uhr, Sihnna der Ärelaleihtng mit den Abteilungsleitern an bclanntcr Stelle. !6. Ärcis Pankow. Am Montag, dem 12. Januar, pünktlich IS Uhr. bei Metier, «Türkisches Seit", Pankow, Breite Sirahe, Kreisdelcgierteimrsammlmig. heuke. Freiiag, S. Januar: ». Abt. Vorsigndsühung um IS Uhr, ssunktionllrsihung um Zy Uhr bei Äübner, Wilsnocker St?. 34..Stellungnahme Vorstands, und Abtei- lungslciterroahlen. Keiner darf fehlen. 47. Abt.„Unser Weq" und Markenmaterial kann abgeholt werden. Neukölln. St. Abt. Uhr Funktionärs! j�ung bei Koste?, Karlsgartcnstr. 4.— 93. Abt. Die heutige Funkt onärsthnng um 20 Uhr findet nicht bei König, sondern bei Schauer, Treptower Str. 9t, statt. Morgen, Sonnabend, 10. Januar: 5. Abt. 20 Uhr s7unkt'onarkonfe?cm bei Perschke, Georgenkirchstr. 14. 12. Abt. Bon 18 bis 2ll Uhr Ausgab« von Material und„Unser Weg" bei Schmidt, Wiclesstr. 1?. Zt. Abt. 20 Uhr SiKmia der Ab>eilllngslei.tuna bei Goldschmidt. Montag, 12. Januar, 20 Uhr, ssunktionärsihuuq cbeudort. 52. Abt. Sharlottenburg. 20 Uhr ssunkiionärübun» bei Bade. Erscheinen samt» licher Tunk'ionäre ist Pflicht. S2. Abt. Reukölln. 20 Uhr isunktionärperfammlung im Lokal Wolfs, Kaiser» ssriedrich-Str. 17X 101. Abt. Treptow. 18 Uhr in der„Torwärts'-Spcdition, Erachsir. SO, Bor- siaudssibung. 107. Abt. Alt-Elienickc-isallenberg. i» Uhr im Gemeinschaft-bau« der Garten» stadt sialkenberg Generalversammlung. l. Jahre», und Kassenbericht. 2. Partciangelcgcnb-itcn. 3. Renwabl des Abtcilnnasvcrstondes. ltl. Abt. Lichtenberg. 20 Uhr im Lokal non Morr, Neue Babnbofstr. 28, wich» tige Tunktionärbesprechung. Betriebsoertraucnsleute müssen ebenfalls er» scheinen. IS. Abt. Weihcnsee, 10 Uhr Vorsiandssismng bei Gallas. Sonnlkkg. 11. Januar: JA». Abt. Borsigwalde. VA Uhr Im Lokal oon Möbiu». Reue Eenftstrahe sBSHow.Scke), Borstaids» und isunktiouärsihung. Pünktlich«» Erscheinen alle, Znnktionäre wird erwartet. * IM. Abt. Riederschönewrlde. Mi Vorstandssitmna findet am nüchsicn Mittwoch <14. Januar), 18lh Uhr, im Lokal von Kuback statt. Bezirksausschuß für Slrbeikerwohlfahrl. 2«. Krei» Reinickcndors. Alle Abtcilungslciterinncn sowie Helferinnen der Arbeiterwvhlsahrt treffen sich am Eonnabend, dem 10. Januar, IVA Uhr, in Tegel, Schöncbergcr Str. 3. bei der Genossin SchrSder. Wichtige Besprechung wegen Winterhilfe und Rcuwabl. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Verlin. Srei« Neukölln. Grnppe Sturmfalke. Am Connlag, dem 11. Januar, treffen sich die Noten Falken um 8'� Uhr KMS. Schule. Tahrgeld mitbringen. Kreisvollvcrsammlung am Dienstag, dem 13. Januar, 17�2 Uhr, im Jugendheim Böhmische Ecke Kanner Straße für alle Iungfalken und Noten ssalken. ssalken- rat. Am Montag, dem 12. Januar, 17'� Uh?, im Seim Ganghoferstraße, tagt der s�alkenrat..____. Gruppe Landsbergee Plah. Heute, Freitag, 18 bis 19% UHt,®rupt>cn- abend für Note �alkrn und Iungfalken. Sonntag Treffen zur Selferfahrt Erkner-Rüdercdorf 8 Uhr Schlestscher Dahnhof, Eingang Madaistraße. SAI.. Genossen willkommen. Geburlstage. Jubiläen usw. «. Abt. Unserem Genosse» Emil Pannen erbieten wir ,u seine««oiährigea Gebnrtstag« die besten Glückwünsche. Sozialistische Arbeiterjugend GroS-Berlio «lnsendunaen fllr diese Itntril nm«» da» IvanilXttrttortot llerlln GW 68. rlnbenüroSe 5 Jngendrorstcllnng der DoNsbühn« am 2Z. Januar, 18 Uhr. Gepielt wird: „Das Winteunärchen". Schauspiel von Shakespeare. Karten zu 80 Pf. für In» gendliche sind erhöltlich. Jentralcr Vortragsabend„Arbeiterdichtung" Montag, 12. Januar, pünkt» lich WA Uhr, im Schungssaal des Bezirksamts Krcuzberg, Porckstt. 11. Rcfe» rcnt: Genosse Tr. Karl Schrcdcr. Der Berichtsboqen für da« IV. Quartal musi umgehend von allen Abtei» hingen eingesandt werden. heute, Freitag, 9. Januar, Igt- Uhr: Arkonaplah: Schule ElisabetHkirchfir. 19.„8 218."— Sewerlschaltshaus! Heim Köpc Nicker Str. 02. 10-Minnten-Ncferaic.— Köllnischer Bark! Heim Waisenstr. 18. iiad oabcnd.— Oran cnburacr Tor: Heim Tieckstr. 18.„Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts". I. Teil.— Rolenthaler Vorstadt: Schule Elisabethlttchstr. 19. Tagespolitik.— Zentrum: Heim Landsberacr Str. S0. „Warum Soualist und nicht Kommunisi?"— Hansa: Heim Bochumer Str. 8t>. Jabresmitglicdervcrsammlung.— Moabit I: Schule Waldcnscrstr. 20.„Die Ziotverordnungcn".— Arnimplag: Schule Sonnenburger Str. 20. Tagespolitik. — Aruswalbcr Plag I und II: Heim Rastenburgcr Str. 1«. Karl-Liebknecht- „Der Schriftsteller und das geistige Eigentum" ist der Titel des Vortrags, den Dr. Artur E l o e s s e r im Berliner Sender hält. Eine geistreich formulierte Plauderei, die aber trotzdem einem ernsten Stoff durchaus gerecht wird. Denn was Eloeffer hier mit größter Sachkenntnis erzählt, ist der Leidensweg des geistigen schreibenden Menschen, dessen Produkte erst bei kürzerer Zeit vor Diebstahl ge» schützt sind. Angewiesen auf die privaten Wohltaten eines Mäcen mußten bekannte Dichter im Altertum und Mittelalter und selbst in der Neuzeit ein Schnorrerdäsein führen. Das Werk war vogelfrei, und nur der Verleger verdiente. Ein entwürdigender Zustand, ein Raubbau am schafsenden Menschen. Wie gesagt, ein guter instruk- tiver und auch unterhaltender Vortrag. Unter Leitung von Georg Oskar Schumann singt der Berliner Lendvai-Chor Volks- lieber. Dieser Chor leistet wirklich Hervorragendes. Ganz abge- sehen von seinen schönen stimmlichen Qualitäten steht die Durch- bildung des Chors in bezug auf Ausdruck, rhythmischem Empfinden und Tonschattierungen auf hohem Niveau. Alfred Braun richtet Hebbels fünfaktige Tragödie„Herodes und Marianne" zum Sendedrama auf etwa anderthalbstündige Spieldauer ein. Sehr geschickte Kürzungen. Nebensächliches fällt fort, das nur den bunten> Hintergrund für die beiden Hauptpersonen bildet. Die Umrisse der Tragödie treten scharf hervor. Die Handlung ist stark konzentriert, nur die Musik erscheint überflüssig. Für Hebbel ist die Bühne be- sonders hier nicht notwendig. Die Menschen erklären stch ollein durch das Wort. Allerdings bleibt die an sich schon überspitzt« Problematik des Dramas im Rundfunk schwer verständlich. Alfred Braun stellt seine Regie aus breite Basis. Er überhitzt nicht das Tempo, er belvnt die Schwer« dieser Sprache. Kortner ist Herodes, ein begnadeter Sprecher, dessen geschmeidige und metallische Stimme die Gestalt zur größten Intensität steigert. Reben ihm hält sich nur die Alexandra Leontine Sagau. Lad. Tel er.— B-Ik»»: GAbI* Äutdekkte. 1 Bto» OUiB»— Schult Saitucnbutfl« Str. 20.„Proletwrlsche Run«."— Helmdoldpl-di Donziger Str. 62, B. 2.„Sozialismus und Kol-nialf-age."— S»«»»»»>»»: Speiseholle Gleimsirasie fhinter dem Solosseum)..®U Gewerkt chaften.— Andrcasplaft: Heim Brommpstr. 1.„Die Bedcutuna des Preusenkabinett» Mr die SPD."— Baltenplah: Heim Tilsiter Str. 6—5. Iahresmi tgriederversamm- lung.— sirlcdrichshai»: Leim Diesteltneperstt. 5—6. Tagespolitik.— Brtpr»- liutgct Viertel: Seim Ebertisstr. 12.„Bursche und Mädel in der GemeinichaV — Stralauer Viertel: Heim Goßlerstr. 61.„Sexuelle ssragen.— Warschanek Viertel«ad Warschauer Viertel(•■»..£.): Heim Litauer Str. 18. Iahresmtt» gliederversammlung.— Süden: Heim Porcksir. Ii.„Sexuelle fsragen", I. Teil. Schöneherg I: Heim Hauptstr. 15. Jahresmitgliederversammlung.— Schanc» berg lV: Heim Soupistr. 15. Drei-Iahr-Teier und Referat über:„Eduard Bernsiein".— Schöncber« V: Heim Saup'stt. 15. Jahresmitgliederoersammlung. — Charlattenburg: Heim Ronnenstr. 4. Jabresmitglied-rp-rsammluna.— Ehar- laltenburg.Süd: Seim Eocthcssr. 11. Jahresmitgliederversammlung.— Wilmersdorf sAelterc): Seim Wilh-Im-aue 123.„Deutsche und englische Arbeiter' bcwegung".— Laukwih: Gemeindeschule Schulsirasie. Iahresmitgliederperiamln- lung— Eteglipias,Hexenschu6 o. Erkältungskrankheiten. Entferntd. Harnsäure! 6000 Arzte-Gutachten!| Vollkommen unschädlidi. Frag. Sie Ihr. Arzt Preise nur Frei fdq und Sonndbend.Heiscn und leichrverderbhche'Wdren vom Versand aus-' geschlossen. Verkauf soweit Vorrat Mehgenabgabe vorbehdlten.OieZusehdunq von iebensmifteln erfolgt bei ßesfellunqen ■ von S.oo Mh dn.'. QJ TD c_ 42 OJ CÖ c. Ä Suppenhühner 0,95. Wolgahühner 0,96. HaSCfl festreift and aasgeworfen» Pfd. 0,80. Gefrorene Gänseft-Tn russische....... 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Pfd. 0,35 Seelachs geiiachert,...... Pfd. 0,42 RofbarS gerönehert........ Pfd. 0,48 Sleinbeisser geräuchert...Pfd. 0,60 Slücken}lunderngerittch.,pfd. 0,60 SardinenMirke„Hciiie",Ds.v. 0,50 w Schweinebauch» pid. 0,90 Sdiweinesdtinken»hm»... oder-SdiullcrJlatt......... Pfd. 0,98 Rüdcenfetf bratfertig...PH. 0,74 Eisbein m. spitav, g,p9k„ Pkd. 0,76 Kaibskamm-.«..Pfd.»« 0,84m Kalbsbrust...... ptd. ton 0,92« Kaibsrüdcen...Pfiron 0,92� Kalbskeule du# nd. schwer, ganz od. geUill Pfd. T. I ,OZan Kalbskotelett. nd. vo» 1,48 m Kslbsroulade£Jafa3Prd0,93 Mandariaea.................. pta, 0,26 BaoasBa................... ipia.0,98 weMaatttf» Tafelipfel, na. 1,00 Weiss-, Bot-, WirslDfikolil..Pfd. 0,05 fiele Rfibeo, Möhren........ m 0,05 BränkoM.................. ipta. 0,15 Sellerie.............„...apfd. 0,20 GROSSER INVENTUR- Beginn 5. Januar AUSVERKAUF Eaarm Mili� iwetoft m Öles, Poraellan m mschoftsortM Nr. 13* 45. Jahrgang S Beilage des Vorwärts Freitag/ 9. Januar 1931 /�rkeiferbilciungssckvle Ssrlm ir— März 1931. Zentralkurse im Hause Lindenstraße Z. S. Hof(2 Treppen). GrundsäKe sozialistischer a h a m: Ein Ganz durch BlSutag: Dr. Alfred BrauntKal: Mrisäiaflspolitik.— Rudolf Abco die Reichsverfafjung. Dienstag: Dr. Siegfried Beresfeld: Kuilurpsychologische jtaaen.— K ä t h e K« r n: Die organisalorifcheu und program- maiiickcn Grundlagen der Partei. Tonnerstag: Alexander Stein: Kapitalismus, Proletariat, Arbeiterbewegung. Freitag: Paula Kurgaß: Die Frau in Wirtschaft und Politik. Diese Kurse beginnen in dieser Woche. Kurse, die in den Kreisen stattfinden: 1. Kreis Mitte: Dr. Kurt M e n d e l s o h n: Oesfentliche Wirtschaft. Die Wesensunterschiede zwischen kapitalistische? und sozialistischer Wirt- schafr.— Die Ummandiungstendenzei, im Kapitalismus der Gegen- ivart. Diechistorische Entwicklung d«r öffentlichen Wirtschaft in der Neuzeit.— Momog von WA bis 21 Uhr in der Schule Weinmeister- srrafie 16/17. 8 Äbende. Hörgeld 2 M. Beginn am Montag, 12. Januar 1931, WA Uhr. 3. Kreis Tiergarten: Dr. Dora Fabian: Die Slaals- und Gesellschaslslehre des Marxismus. Die mflKnalistische Geschichtsauffassung.— Klasse. Staat und Gesellschaft.— Das Verhältnis von Staat und Wirtschast. — Die geistige und ökonomische Lage des Proletoriats hl der bürgerlichen Gesellschaft, Donnerstag von 20 bis 2VA Uhr im Jugendheim Bremer Straße. 8 Wende. Hörgeld 2 351. Beginn am Donnerstag. IS. Januar 1931, 20 Uhr. Krpi» Wcdding: Dr. I. Schlesinger: Wirtschaft und Staat. Die Wirtschafte- bilanz Deutichla,u)ü.— Der Aufbau des Finanzsqft-mz. � Handels- Politik.— Die Stellung der sozialistischen Parteien zu den Industrie- und Agrarzöllen.— Der Arbeitsmarkt.— Die wirtschaftlichen Forderungen der Sozialdemptratie.— Der Komps mn die Macht im Staate. Freitag von IVA bis 21 Uhr in der il&elrtichen Schule Pank- Eche Wiezenfrraße. 8 Abende. Hörgeld 8 M. Beginn am Freitag, S. Januar 1931, WA Uhr. 4, Kreis Prenzlauer Berg: Dr. Arkadif Gurland: Slasienkmupf um de« Alliag. Ar- beiterhewegung und kapitalistische Stabilisierung.„Unpolitische" Stumnungen in der Arbetterklasse.— Politik und Lebensgestaltung. — Di? Frau in der Bewegung.— Jugend und Sozialismus.— Der Sozialist in der Oestemlichkeit med im Alltagsleben. Donnerstag von 19JJ bis 21 Uhr Danziger Straße 64. 8 Wende. Hörgeld 2 M. Beginn am Donnerstag, 18. Januar 1331, 1916 Uhr. 5. Kreis Friedrichshain: I. P. Mayer: Die politischen Parteien in Deutschland der Nachkcieaszeil. Es soll versticht werden, in Form'' einer-Arbeits- gemsinschsft Klsssonpaoblems und Parteleistwickümgen im Deutsch' land der Nachkriegszeit zu heaxboiten. Dienstag von 30 bis 31 H Uhr. Jngondheim ZMter Straße i/%. 8 Slßenöe. Hürgslh 3 M. Dar Kursus hat bereits an, Dienstag, dem fl. Januar, begonnen. Dr- Doxa Fabian: Waltwirtschastllche Probleme der Jtoch- friegszett EMwickkung des modernen Imperialismus.— Verichiehu�iq des Schwergewichts pou Europa noch den Vereinigten Staaten.— Die Jndustrwlisicrung der überseeischen Länder,— Die Stellung der Internationale. Freitag von 20 bis 82 Uhr Schul« Petersburger Straß« 4. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn am Freitag, S, Ja- nuar 1931, 20 Uhr. 6. Km» krcuzbcrg: Baltin Hurtig: Die Arbeiter Dculjchlaads im Kamps um Demokratie, wirtschaftliche und politische Macht. Das neue Europa nach der großen französischen Revolution und den auf si, solaende» Kriegen. Die ersten Regungen sozialistischer Ideen in Deutschland- — Die Arbeilcrbildunosvereim,— Die Sozialdemokratische Partei entsteht.— Gewertschastcn werden gegründet.— Dos neue Reich,— Die Acit des Sozialistengesetzes.— Der Krieg.— Friedensvertrag. — Äe Arbeiter-Kukturoroanisationen. Arbeiterbüdungswesen. Notmendigkeit de? Kulturdemakratic. Dienstag von 1956 bi? 21 Uhr. Lesesaal de? Gesundheitshouses Kreuzberg, Am Urban 10/11. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn am Dienstag, 13. Januar 1931, WA Uhr. 7. Kreis Charlottenburg: Arthur Goldstein: Bnrgerlichc und sozialistische Kultur. Begrisssbestunmung: Was ist Kultur?— Was versteht das Bürger- Probleme der Areuenerwerbsarbcik. ge'chlossenen tum unter Kultur?— Die Problemstellung im wifssnsckzoftlichcn Sozialismus.(Da klassenmäßige Denken.) Wesen der sozialistischen Kultur.— Die gesellschaftlichen Fundamente. Donnerstag von 1956 bis 21 Uh? Jugendheim Rostnenstrahe 4. 8 Abende. Hörgeld 5 M, Beginn am Donnerstag, 1Z. Januar 1931, 1951 Uhr. 8. Krciö Spandau: W a t h. W u r in. M. d. R. Frauenarbeit in der Bedarfsdeckung und geschlossenen Hauswirt schaft.— Eintritt der Frau in Berufs- und Erwerbsleben.— Die Revolutionierung durch die Maschine als Ursache der Fraueneriverbs- arbeit.— Frauenarbeit in den ersten Fabriken.— Die Entwicklung her Frauenarbeit von ihren Anfängen bis zu», Zeitaller der Ratio- nalifierung. Montag von WA bis 21 Uhr Aula der Oberrealschule Moltke- Ecke Friedrichstraßc. 8 Abende. Härgeld 2 M. Beginn am Montag, 12. Jawiar 1931. Friedrich Olk: Wirtschaftskrisen und ihre Auswirkungen. Montag von 195- bis 21 Uhr Oberrealschule Moltkestraße. 8'Abende. Hörgeld 2 M. Begiim am Montag, 12. Januar 193l, 1956 Uhr. Dr. Hans E p e i e r: Die Wittschast der wichtigsten Länder. Donnerstag von 195- bis 1 Uhr Jtigendheim Spandau. Linde nstr. 1. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn am Donnerstag, 2. Februar 1931, 1956 Uhr. 9, Kreis Wilmersdorf: Dr. I. Schlesinger: Bolschewismus und Faschismus. Vier Diskussionsabende. Dienstag von 195- bis 21 Uhr Viktoria-Lmse- schule ilhlaiidftraße 91/93, Ecke Gasteiner Straße. 4 Abende. Hör- geid 1 M. Beginn am Dienstag, 14. Januar 1931. 1956 Uhr. Dr. Dora Fabian: Einsührung in den Marxismus(Fort- sejzung). Dienstag. 4 Weiche. Hörgech 1 M. Beginn am Diens- tag, 13. Jnauar 1931. Dr. Dora Fabian: Dos Heidelberger Programm. Dienstag von 1956 bis 21 Uhr Jugendheim Wil-hestnsaue 124, olle zwei Wochen. 8 Weiche. Härgeld 8 M. Beginn am Dienstag, 84. Februar 1931, 1956 Uhr. 10. 54 reis Zehlendorf. Dr. Otto Manchen: Sowjelrußland. Das Erbe(bis zum WWWWWWWW�WWWWWWW» I Nep.— Mnf- fahresplan.—-'DU kulturelle Revolution.— Gesamtbild.— Möglichkeiten der Zukunft. Freitag von 1956 bis 21 Uhr Jugendheim Bahnhofstraße 3. 8 Abende. Härgeld 2 M. Beginn am Freitag, 1«. Januar 1931. 1956 Uhr. II. KreiS Schönevcrg: Ministerialrat Dr. Joachim: via Gruudfrageu de, Soziolrechts des neuen Reichs. Tarifvertrag und Schlichtungswesen. Di« Betrichsverfasiuno.— Der Arbeitsvertrag. Die Arbestz- gsrichtSbarkeit. Arbeitsschutz.— Die Neugestaltung der Sozial- Versicherung(insbesondere der Arbeitslosenversicherung).— Die Regelung des Arbeitsmarktes. Ddimerstag von 1956 bis 21 Ulzr bei WUst Martin'Luther'Straßo 69.$ Weiche,'Hörgeld. 3 M. Beginn am Donnerstag, 15- Januar 1931, 1956 Uhr:-- IS. Kreis 3rt£jlh: Be wb Wesen der sozialistischen Kultur.— Die gesellschaftlichen Fundamente. geld 8 M. Beginn am Freitag, 16. Januar 1931, 1956 Uhr. 13. 54rcis Zirmpelhof: Dr. Ostrowski: Die Verfassung der Stadl Berlin. Das Gesetz Groß, Berlin in alter und neuer Fassung. Die Bermoltungs» organe.— Sozialistische Kommunalpolitik usw. Freitag von 195- bis 21 Uhr Bezirksamt Tempelhof. Dorft'traßs 42. 8'Abende. Hör- geld 2 M. Beginn am Freitag, 16. Januar 1931, 1956 Uhr. 14. Kreis Neukölln i Paul Bernstein: Geschichte der deutschen Republik. Da» Wich Bismarcks und Wilhelms ll.— Der Wellkrieg.— Marne- schleicht.— Diktatur der Obersten Heeresleitung. Januarstreik 1018. Motrosenausstand in Kiel.— Pom 9. Novencher bis zur Rational- Versammlung.— Waffenstillstand.— Bon Weimar bis zum Kapp- Putsch.— Der erste Reichspräsident.— Die Parteien. � Der Frieden.— Die Bersassung.— Dawes-Plan.— Hindcnburg-Wabl. r- Von Locarnp bis zum'i)oui,g-Plan. Donnerstag pm, 195- bis 21 Uhr Jugendheim Neukölln, Bergstraße 89.. 8 Weiche. Hörgeld 2 M- Beginn am Donnerstag, 15. Januar 1931, 195- Uhr. Paul Bernstein: England und das britische Weltreich. Gegenwärtige politische Situation.— Junen- und Autzenpoistit.— Verfassung. Parlament und Parteien.— Arbeiterbewegung.— Wirtschaft.— Kultur.— Das Wellreich. Mittwoch van 195- bis 21 Uhr Jugendheim Neukölln, Bergstraße 29. 8 Abende. Härgeld 2 M. Beginn am Mittwoch, 21. Januar 1931, 1956 Uhr. Mathilde Wurm, M. d. R.i Geschichte der Soziologie der Frauenbewegung. Geschichte der Frauenbewegung.— Eintrnt der Frau in die Industrie.— Heulige Probleme der Frauenbewegung. — Die Frau in der Erwerbsarbeit.— Die Frau in Familie und Hauchalr.— Die Frau in der sozialistische!, Erziehung. Die Frau in der Politik.— Di« Frau in Gewerkschaft und Genostensckzait.— Die Frau und die Internationale.— Die grau als Borkampierin der Fnedeusidee. Freitag von 1956 bis 21 Uhr Jugendheim Neukölln, Bergstraße 29. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn am Frei- tag, 16. Januar 1931, 1956 Uhr. II. Krete Treptow: Dr. I. Schlesinger: Bolschewismus und Faschismus. Bier Diskussionsabende. Dienstag von 1956 bis 21 Uhr. Adlershaf' Falkenberg. 4 Abende. Hörgeld 1 M. Beginn am Dleustog, 10. Februar 1931, 1956 Uhr. 16, Kreis Köpeniek: Dr. A r k u d i j G u r l a n d: B. Das Wesen der neuen©esell- schasl. Der moderne Staat und die Klassen: Werden der Klasse.— Klasse und Stand.— Klasse und Partei.— Klasse und Einzelpersönlichkeit.— Der Aufbau der modernen Gesellschaft.— Der moderne Unternehmer. Freitag von 195» big 21 Uhr. Köpenick, Schloß- straße 27. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn am Freitag, 16. Ja- nuar 1931, 1956 Uhr. 17. Kreis Lichtenberg: Alexander R o s a m: Mensch und Maschine. Eine sozio- logische Einführung. Begründung der Aktualität des Problems als Emleitung: Die moderne Gesellschaft in ihrem Ringen um den Ueber- gang von, Kapitalismus zum Sozialismus muß eine grundsätzliche ' lärung der Stellung der Maschine mid der Technik überhaupt inner- ~' des Gesellschaftskörpers herbeiführen. Donners- halb der tag von 19'- Hörgeld 2 Vi. is 21 Uhr Eöcilien-Lnzeum, Rathausstraße. 8 Abende. Beginn am Donnerstag, Ig, Jaimax 1931, 195- Uhr. 18. Kreis Weistensee: Dr. Otto Mönchen: Die Völker Zcnlralasieus.(Mll Licht- bildern und Führungen im Museum für Völkerkunde.) Von Sibiricn bis zum Himalaja, von Ehina bis zur Wolga.— Die Rassen.— Die Sprachen.— Wirtschaftsfonnen.— Religionen.— Kunst. Dienstag A*HEFTER SEIT IS SAHREN Hefftcrf®ualitat$yieiKhwaren nach Wunsch küchenfertis hergerichtet: la Ochsenflsiseh feinster Stallmast la Lammfleisch feinster Stallmast la Hastkalbfieisch Hefters feine Wursiwaren Fordern Sic unsere bekannten Sonderhelten: aulefiaiechwurst, Qulaiaberwurat, Hausmacher» laberwurel. 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Der Kursus hat am Donneretag, dem 8. Januar, begonnen. Dr I. Schlesinger: Die Arbeiter im politischen und wirf- schaftlichen Tageskamps. Wcscn, Ziel und Weg der sozialdemokrali- schen Arbeiterbewegung. Führer und Denker der deutschen Sozial- demokratie: K. Marx, Fr. Engels, Ferd. Lassalle.— 21. Bebel, K. Kautsky.— Die wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen des Befreiungskampfes. Donnerstag von 20 bis 22 Uhr Reinickendorf- West, Auguste-Vikroria-Allee 37, S. Schule, Lehrerzimmer. 8 Wende. Hörgeld 2 M, Leo'IM am Donnerstag. 15 Jannor 1931, 20 Ulir, Dr. I. Schlesinger: Geschichte des Sozialismus. Begnf- des Sozialismus.— Ansänge des Sozialismus.— Die großen Utopisten bis zum 18. Jahrhundert.— die Große Französische Re- volution.— Der Sozialismus in Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.— Ansänge der englischen Arbeiterbewegung.— Marxismus der Gegenwart. Montag von 20 bis 22 Uhr Reinicken- dorf-Ost, Holländeiftraße 26, 6. Volksschule, 8 Abende. Hörgeld 2 331. Beginn am Montag, 12. Januar 1931, 20 Uhr. Anmeldungen zu diesen Kursen beim Beginn des Unterrichts in den Kursuslokalen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Zk L a Reichsbanner„Schworz-Rot Gold". G>«k>!liMsIi«lt»' Stfrtin c 14 Ecbnftionftr S7-38 6o( 2. Tr Freitag. 9. Januar. Mitte. 5. Kameradschaft. 20 Uhr Generalver. fairantuna.? osenthaier SSjf". Neuwahlen, ffi-f önctcta-ilticbenau. Kameradschaft Insel. 20 Uhr Kamcradschaftsversamintuna bei Sttgsried- Zirahe 9. Nefcrent: Kamerad EalinarS. Thema:.,EIurin,-,e!ch«n".— Tempel- das: Kamerad tchakt Lichtenrade� 20 Uhr Ecncraluertammluna bei Nohrmann.— Sonnabend, 19. Jan. Wilivcrcdorf. Kam. West, 20 Uhr Kameradschastsversaunn- luna bei Walter, Westfälische Etr, Sä.— Sonn aa, lt. Januar. Mitte. 3. Käme- radschakt, 914 Uhr Kencralversammluna. Nunaestr. 30. 6, Kameradschaft. 9 Khr bei Kundert.(ElfälTci Str. 86. Ncuroahten. Jeden Montan nun 30% bis 22 Uhr Babeabcnb des Ortsaercins im Stodtdab vart-nstraiie, Mitaliedsbuch nicht ver- gesten. Ruberricae. Gruppe Oberspree. 10 Uhr Arbeitcbienst ImNoo-haus Köpenick— Treptow sAamcradschaft Schöurweidc-Johannisthal). Die für Sann- abend, 10. Januar, angesetzte Generalversammlung findet erst eine Woche später i» gleiche» Lokal statt._ Arbeiter Samariter-Bund e. TS.. Kolonne Berlin. Sefchiistastell«! R. 24, Gr. Kamburger Str. 29. Tel.! VI Norde» 3346, slreitag. 9. Januar, Kreuaberg: Lokal Krupp, Nlanufcr 7»— 76. Steglitz: Lokal Nohde. Lichtcrfclde, Z'aonstratzr. Tempclliof: Lokal Lindisch, Mariendorf, Z athansstraste.— Montag, 12. Janrar. Schönederg: Lokal Grhrke. Gbersstr, 66, Neukölln: Lokal Schrcitcr. Kirchbofstratze. Sohns- dorf: Lokal Seimann, Waltersdorfer Str. 1l>0, Köpenick: Lakai Hing, Schöner- linder Str. Z. We.tzcnsce: Lokal Stärke, Charlottcndurqer Str. 3,— Dienstag, 13. Januar, griedrichshain: Lokal Susch. Tilst'er Sic. 27. Wilmersdorf: Lo. kal Kro hs, Loisteinifche Str. 60. Treptow: Lokal Graetz. Ecke WIldrnbruchstratze, Kermsdorf: Turnhalle ffreiherr-vom-Ctein-Slratze,— Donnerstag, 13. Januar. Mitte: ASS., Geschäftsstelle, N. 24, Grosie Samburger Str. 20. Eharlotten- bürg: Jugendheim Nostnenstratze.— fZreitag, 16. Januar. Lichtenberg: Lokal Seipke, Kronprin�enstr. 47. Neinickendorf: Lokal Matter, Eichbornstr. 9t.— Donnerstag, 22. Januar. Adlershof: Unfallstation Tricdlander Straße.— Sonn- abend. 24. Januar. Prenzlauer Berg: Lokal Koffmann, Ltzchencr Str. 8.— Montag, 26, Januar. Wedding: Lokal Dnwe, Schulstr, 109,— Dienstag. IS. Januar. Spandau: Jugendheim Ncuendorfer Straße. Berliner Ginggemeiafchaft 1936. Unter diesem Namen hat die Glternschast der 39. und 18l. weltlichen Schulen. Diistclmencrstr. 8, einen Ei'erachor Ins Leben gerusen, der stch dem Deutschen Arbeitcr-Eänger-Bund angcschlosssn hat,: Der Etjor Hot sofort eingeschriebene Mitglieder zu verzeichnen. Alle ehcmatigrn Angehörten der weltlichen Schulen Diestelmencrstraße und der mit ihnen Sympal h'ücrcndön werden gebeten, sich dem Chor anzuschließen. Uebungsabend jeden Montag von 20 bis 22 Uhr in der Schulaula Diestelmenerstr, 8. Diri- gcnt: Henrich Tschöpe, Birchowstr. 10. Anschrift des 1. Borsttz:nl>:n: Willi Brumm. O. 84, Po': lcr Str. 16, III. Nrdeitcr-AlPiitenten-Pnrd, Be-irksgr: ppe Prenzlauer Berg. Portrag a:n 9, Januar vo.i Genossen Eharlet über: kommunale Ecsundheitssürsorgc" im Cafe„Burgfrieden". Danziocr Str. 24. Gäste willkommen. lienostr Pfarrer Bleier spricht am Sonnabend, dem 10, Januar. 19% Uhr im Gerne ndchous, Berlin-Ltealitz, Mitlelstr. 38 IJnaana von der Breiten E'raßei. über das Thema:.Bitte um den Weltfrieden" sinustka9cche Um- rakmnng). Es ist das erstemal, daß uns kirchliche Räume zur Beifügung gc- stellt wurden. Bae da nie: Orchester-Perci» Norden 1912. Sonntag, 11. Jani-ar. im Jellcn- gcfängnis Perlin, Lehrter Straße, Polkslilmliches Untrrhaltungskon-crt. Jrcie Arbe'ter.Sienographcn.Pcrciniguyg Groß-Berli». W, 2'irdel, Berlin- Spandan, Wustermarker S!r, 16, l. Unsere neuen Anfänaerkurse in der Reichs-, i frezschr ft beginnen wie folgt: Trciiag, 16, Januar: Norden in der Gememde-> schule Schulstr, 99.— Tonnersiag. 13, Januar: Nordosten in der Gemeinde-.\ schule Serie felderstr. 6. Osten in der Gcmcindeschule Trankfurtcr Allee 37.— Dienstag, 13, Januar: L chtrnderg in der Eemeindcfchule Scharnwrberstr. l9.— Jreitag, 16, Januar: Si'dw-sten in der Gemeindeschule Eneisenaustr. 7.— Dienstag. 13, Januar: Neukölln in der Karl-Marr-Schul», Ka'ser-lsriedrich- Straße 2-69—210.— Tür Sto'-e-Schrep lAnsänaer und Tortgeschrittenei nur in der Sophicnschulc, Weiume ft'rftraße. zur Porlesprechuna am Isreitag, dem 16. Januar, Alle Kurs- beginnen 19% Uhr. Kursuedaner 13. Abende, Das Kurfusgeld beträgt einschließssch Lrhrmater'a!belief»rung für Erwachsene 16 M., für Jugendliche 7,59 M. Erwerbslose zahlen 30 Proz, der angegeb-nen Sätze. Die Anmeldung ersolqt am ersten Abend in den genannten Bezirken. E g isst Convc SjM mal C uo founded 7. Mcetin s every Fnday 8 p. m König, Leipziger Str. 117/118. L'Cturer; Mr. Potter on: Mistakes'. WetterauLsichten für Berlin: Teils wolkiges, teils heiteres Frost- wetter, kein« oder nur unbedeutende Schneefälle, schwache Luft- beweguna.— Für Deutschland: Ueberoll ruhiges, teils wolklges, teils � heiteres Frostwetter, nur vereinzelt noch leicht« Schneefälle: im Nord- wcsten etwas Milderung. MMDWMW Das Weißb'er-Zubi aum. Im Jahre 1880 war es, als die Berliner ein regelrechtes Volks- fest veranstalleten,«in Volksfest zum 200. Geburtstag des Berliner Weißbieres. Da soll es fröhlich zugegangen fein: wissen doch die Aelteren unter uns so manche lustioe Momente von diesem eigen- artigen Geburtstag wiederzugeben. Weitere SO Jahre sind ins Land gegangen, die kürzlich den Anlaß boten, des 250. Geburtstages der „kühlen Blonden* zu gedenken Die Hüterin der Berliner Weiß- biertradition, die Brauerei Landrä-Breithaupt. hatte histo- risches Material über die Geburt des„Wsi.zenbieres* zusammen- gestellt. Im November 1680 befaßte sich erstmals eine Verordnung mit dem Malzoerbraucb und der Bereitung des Berliner Weißbieres mls Gründen— der Besteuerung. Weißbier wurde höher besteuert als das Gerftenbier, bis dann sin zweites Staatsdokument vom 25. Februar 1681 bei! cn Bieren gleichen Rang gab. Das Jahr 1680 ist jedoch nicht als eigentliches Geburtsjahr des Weißbieres anzu« sehen: denn schon 1526 brauten Hamburg und Hannover und 1574 Halberstadt diesen mousierenden Stoff, der noch dem ersten hau- noverscben Weißbierbrauer Broihanz den Namen„Broyhmi* er- bielt. Plaßmanael verbietet es uns, weiter auf die Geschichte des Bieres einzugehen, erwähnt fei aber, daß um 1675 in Berlin von -wei'Arten von Berl'ner Weißbier erzählt und geschrieben wird. Noch 1680 ging es mit dem Konsum aufwärts. Das Getränk feßte sich dank qualitativer Verbesserungen durch und wurde in„Be- gleittmg" der„Strippe* eine ureigene Berl'ner A"gelegellheit aller Kreise. Im Jubeljahr 1880 zählte der Verein Berliner Weißbier- wirte 2000 Mitglieder. Heute sieht es anders aus. Hat doch auch hier die schwere wirifchoftliche Krsse ihre Breschen geschlagen. Bor- bei die Romantik Alt-Berliner Weißbierstuben, um deren Aufer- stehung sich die Firma Landre-Breithaupt lebhaft bemüht. Am 5. Januar wurde nach kurzem schweren Leeden unser Kollege und Mitarbeiter mm Knebel iml4 Lebensjahre aus unserer Mittegejissen."Wir werden'Jrm, der von uns allen durch seine Pflichttreue und lauteres Wilsen so hoch geschätzt wurde, ein treues Andenken bewaUren. Der VerbancSsvorslanä und das Personal des Deutschen Freidenker• Verbandes f. V. Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 10. Januar, abends 19'/, Uhr im Krematorium Gerichtstraßo statt. Danksagung In den schweren Stunden vom tragischen Tode bis zur Beisetzung unseres Sohnes Willi Schneider sind uns so viele Beweise herzlicher Teünahum und seelischer Verbundenheit geworden, daß es uns nicht möglich ist. persönlich zu danken. Wir diücken deshalb im Geiste die Hand all den Heben Freunden aus Partei, Keichsbanner, Gewerkschaft und Arbeitersängerbund. wie den Ueberbringern der Blumenspenden und der letzten Grüße, Wir danken auch den ungezählten Tausenden. die den Toten auf seiner letzten Fahrt ehrten. Uns werden diese Beweise der Liebe und Solidarität unvergeßlich sein. Berlin, den 8. Januar 1931. Anna und Paul Sthneltfer Anna Petsold und Familien. :- ,3,': üMM MeiaitaroeileHemaoi! Vervaliun. ssieile cerliu Todetanzeige Den MUgUebern zur Nachricht, baß unier Kollege, der Älempnec Rudolf Putensen geb. 1 2. März.»II. am 6. Januar an BUnddarun-ntzündung ge.orbra iu. Die Ei älcherung findet Sonnadend. den>0 Januar. II Uhr, Krema- lvrium werich.straße üalt. Ncge Beleurgung wird erwartet, KacAruf Am 26. Dezember starb an Lungen- leide» unier Kollege, der Wa.zweil- ardeiier Närtin Zedlufde geb, 23. Oaobct I87i Die Beerdigung hat bereite stall- geuirden,___ Ferner starb am 27 Dezember an Herzschlag unjere Kollegin, die Aldeilerur vorotdou Schnorr D e Beeidigung hat bereil» stall- gesanden. Ehr« ihrem Andenken! Die Ortsverwolfong. Am Neniahieiage erlag e nem un verschuldelen likckilchen Uedeif ll unser einzigstes, geUebres Kind,| der Bantbeamte Herben Gral in(einem 29 Lebensjechre. Um stMes Belleid bitten die lief- gebeugten EUem Otto Graf and Frau Anika geb. Kraha Beerd'gunq heute, Freilag. den 9. Janwor, nachmittags 3 Uhr, auf dem St Deorgenjttedhof. Landsberger Allee, Bon Kondolenzbesuchen bitle freund- Ilchst abzusehen. Vsngriu& Butz Elektr.LidiK Kraft- tLRIlngeltmlag�a Konzess. fstr sämtl. elektrische Weg-ke r n Bln.-NeQkölln V n f.i Hobrechtstg. 59- 60 f Jl "*' Telephon. Neukölln 51«4" 4» Preise nur Freitag und Sonnabend Butter u. 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Mengenabgabe vorbehalten Wurstwaren p�. 0.60 0.68 0.78 0.38 0.88 0.95 0.98 0.9L 0.98 0.98 1.10 Blut- od leheruiurst. Stiizwst...... "illrh, leuerworsl.. SpoGhuiurst..... Spech feiler...... Hausm.-ieherufurst. Fteiscnuiursi Strelchmetlivurst... Berilner illettuiursl.. jagduiursi..... Karotten geschniuen."iDom 0.2S ConsumgemQse st. Daae 0.46 Sp nat...... i/, Dose 0.3» Gem. demUse... 6,65 Brethbohnenfadi>/.D<»e O.SO*pan. Aprikosen halbe. 1.10 Ftufierdem: Großer Frische Gänse Pfand ab 94. Frische Enten _ Pfand ab 2>. rrlsche Suppenhühner _ Pfand ab, Hasen gestreiit Pfand ab 80. Hirschfleisch _ Pfand ab 45, Gänsekeulen- s,atke- 125 Pld. 10 Eier 90 Roh- gg,. schmalz p{(L04� Ausl. Liesenschmalz pid. 74 INVENTUII AUSVERKAUF m last allen Ahieiiunoen Beginn 9. laanar 1931 licrabgcActst tdüi�bebi�ur blsherijger- , PreLssehkiirigl Hier nur einige Beispiele aas der gewaltigen Fälle ansrerAagebbte 40 OamenstrUmpfe Mako oder leiden! or, früher bis 95 Paar Iptzt nur OamenstrUmpfe t-ünst1. WuschseUe sehr iemmsEchiiz, IT.Wahl, fr' her 1.95.* aar jetzt nur Notmol-Unkerhesen uroilgemischt, tflr H rren. Stück/..... jetzt nur Farbige Herren* garnliuren Jacke und Hose ---- jetat■ 25 1 95, früher S.9ü 95 TrSserhemden iür uamen, n.jt Stickerei- karoierung. StUck fetzt nur Nachthemden für üameu, weiß, mit farblge-n Besa z... ttück jetzt nur PrlnseBröcke Kuns seide, ob«, und unten mit O'e.ter cpi'ze.. Stflnk jetzt nur Damen-Pyjamas aus gestreifem rlanell Stück jetzt nur @5 -4 l75 39a Frottierhandtücher wclü mit itrei nmubter Gr 55x110 8 Uck jetzt nur W.schtOchar rein Leinen, t«. und geb., rot- kariert, 30X31- mm..... Betünlette«,«> en. icderdicht. in 50 oder rotrob apeitralft, i50 cm br«iT.. Meter jetzt nur Tischtuch 110X150. voll weiße haltbare Oualitit Slflck........ jetzt nur 68, 25* d|85 1 45 Kunstseidene Dekorallons- Sloffe in venchirdenen IS* Mn. tem, z m Aussuchen � j rjÄ Me er jetzt nnr 2.66 1.65 937"mP � Ha bsiores vom Meier. 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