Morgenausgabe(Sonntag �, y"irr«" «Sch-naich SS PI. m<>»awchz,so M. DU I>M'' Ml H HB Wf 18Ä1 Auswärts 20 Bf. im noraus Jö�Ibor, �oftbeiug 4,32 2�. H l Hl H M H // H■ WD W H»U�- �4Bh�, .wich,i�(ich soPs. Pofiz.Ztung». und JM\ K-W«■ H B un H H B B B B A M Auswnds. JjHH EjEg; BB B�BBB BB B US B B/ vi-..n,»....g. N°np°r.m.z.n Äir rn�--�'.',r°�0ü? i,ur BiB' rH B B B B B B B B B � B B mL«o PI-nnig. Siettnm- eil. s.- Reichs Lander mtt.rmllh.gi.m Drucks-ch.n. j WW B B B B B B fl B B H mark...«Irin- Anzeigen- das enge porto s, M. W» �8 BLv �H Bl HB �1 druckle Morl 2S Pi-nnig tzuläilig z-a- � Hl �1 L Bl ��HU> JK\ Mai ��W/mU I-Itaedruckt- Marie», iedes meliere Mai Der„vorm Sri-' erlcheini macheniZg. Hl �U> BH�> B\ 7/ B» S-.lleng.>uch' da» erst lich zweimal. E-nniag- und Moniags �Hk BBV // B ffiort 16 Pi-nn.g. jede« wett-re Ma. einmal, die Ab-ndau-gabe für Berlin BB V�- W>'0 Ps-nnig. Marie übe, IS Buchsiab.i und im Hand«, mir dem Tilel.Der iSh-n lue zwei Marie. Zlrdeilsmar Abend' Illuslriert« Beilage.La» � � � Jfc».ak»*' Äfm'?fclnl6- Fam.Ilenanzeig.n Z.i MM-ss Veviinev VvWKbtM Jentvalorgan der Gozialdemokvaiifchen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönboss 222— M Telegramm-Adr.: Sozialdemokral Berlin. Gegen die polenhehe? Wer den Frieden schützt, schützt Deutschland! Am 18. November 1936 forderte der ,.V o r w ä r t s" als erstes Blatt, daß die Reichsregiexung beim Völkerbund Ein- fpruch gegen die Behandlung erheben solle, die die deutsche Minderheit in Polen aus Anlaß der Pilsudski-Wahlen erfahren hatte. Einen solchen Einspruch zu erheben, ist Deutschland auf Grund der bestehenden Verträge berechtigt, denn die Minderheiten der neugeschaffenen Oststaaten stehen unter dem Schutz des Völkerbundes. Daß die Pllsudski-Wahlen überall, also auch in den gemischtsprachigen Gebieten, ein einziger großer Skandal waren, darüber gibt es auch in Berlin, London und Paris kaum Meinungsverschiedenheiten. Und wenn die regierenden Herren Polens glaubhaft versichern können, daß sie chre eigenen Landsleutc zum Teil noch ärger mißhandelt haben als ihre anderssprachigen Mitbürger, so ist das nur eine sehr schlechte Ausrede. Wenn Polen von Polen unterdrückt werden, so darf sich der Völkerbund nicht einmischen; er darf es aber, wenn die Unterdrückten Deutsche sind. Die regierenden Herren Polens sollen also gehalten werden, die deutsche Minderheit anständig zu behandeln— und wenn daraus in Polen inner- politisch der Schluß gezogen werden sollte, man dürfe die völkerrechtlich nicht geschützten Polen nicht schlechter behan- dein als die völkerrechtlich geschützten Deutschen— welcher Segen wäre das für das ganze Land! Unser Vorschlag, den Fall der ostoberschlesischen Wahlen vor den Völkerbund zu bringen, entsprang also nicht blindem Polenhaß, fondern im Gegenteil dem Wunsche, zugleich mit der deutschen Minderheit dem polnischen. Vplk selbst einen guten Diepst zü erchtssen. Vom Völkerbund aber ist zü ver- langen, daß er die Pflichtc.n erfüllt, die ihm die bc- stehenden Verträge auferlegen und weiter nichts. Leider ist seit dem 18. November in Deutschland sehr viel geschehen, was den regierenden Herren in Polen nützt und der deutschen Minderheit schadet. Man muß sich vor allem darüber klar sein, daß die Pro- paganoa für eine Revision der Ost grenze auf die deutsche Minderheit genau so wirkt, als ob man ihr einen Mühlstein um den Hals hinge. Durch die Revisionspropaganda wird Polen geradezu her- ausgesordert, seine Grenzgebiete. hundertprozentig zu poloni- siereu und die Deutschen als irredentistischer Umtriebe verdächtig zu behandeln. Dagegen wehren sich die Deutschen mit Leibeskräften. Sie wollen von der polnischen Regierung als loyale polnische Staatsbürger betrachtet und be- handelt werden, und sie geben sich die größte Mühe, um zu beweisen, daß sie das auch wirklich sind. Am 11. März 1936 kam es im Verfassungsausschuß des polnischen Sejm zu einer Aussprache über kriegerische Eventua- litäten. Dabei tat der polnische Abgeordnete Komarnicky den Ausspruch:„Es kann ein Krieg kommen, bei dem eine nationale Minderheit in Polen sich in einer äußerst schwie- rigen Lage befinden wird." Darauf antwortete ihm namens des Klubs der deutschen Abgeordneten— wohlverstanden, der bürgerlichen!— der Zlbgeordnete Will: Wenn solch ein Krieg kommt, so finden sich auch die Polen aus der anderen Seite der Grenze als nationale Minderheit in dieser schweren Lage. Die beste Methode wäre also einen solchen. Krieg zu verhindern, bei welchem ein Teil der Bevölkerung in eine schwere Loge kommen kann. Wenn aber solch ein Krieg kommt, so wird diese nationale Minderheit ans dieser Seite der Grenze ihre Pflicht gegen- über dem Staat höher stellen, als ihre Zugehörig- keit zu ihrer Ttation. Mit Schmerz im Herzen werden die j Angehörigen der nationalen Minderheit ihre Pflicht als potnitche Staatsbürger nicht verraten. Ebenso hat sich erst vor wenigen Tagen der Führer der deutschen Katholiken in Ostoberschlesien, Dr. Pont, gegen den Wojwoden Graczynski gewendet, der die Deutschen beschuldigt hatte, sie hätten sich in die Revisionsbestrebungen mithineinziehen lassen. Dr. Pant entgegnete, die Deut- schen seien loyale polnische Staatsbürger und hätten mit den Revisionsbestrebungen nichts gemein. «- Diesseits der Grenze gibt es gewiß keinen Deutschen, der die Grenzziehung für vernünftig und für gerecht hält, es gibt keinen, der auf eine Revision verzichten wollte, die für eine angemessene Gegenleistung zu haben ist. Aber das ewige Reden von der Revision, ohne daß man weiß, wie man Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. zu ihr kommt, ist vom Uebel nicht nur für die Deutschen drüben, sondern auch für die Grenzbevölkerung auf d e u t- scher Seite. Es ist ein Unrecht, dieser Grenzbevölke- rung einzureden, sie könne bei den heutigen Grenzverhältnissen nicht existieren. Sie muß es können, weil wir für absehbare Zeit kein Mittel an der Hand haben, diese Verhältnisse zu ändern. Gewiß ist auch der Grenzbcvölterung nicht damit geholfen, daß man durch Schuld auf beiden Seiten die Grenzgebiete in ständiger Un- ruhe erhält. In einer Gegend, in der man stets in der Sorge lebt, heute oder morgen könne es losgehen, kann das Wirt- schaftsleben nicht gedeihen. Wir können gegen Polen keinen Krieg führen— also müssen mir mit ihm in Frieden leben! Wir können keinen Krieg gegen Polen führen, weil wir durch die Völkerbundakte, den Locarnovertrag und den Kellogg-Pakt dreifach gebunden sind. Ohne dreifachen Ver- tragsbruch können wir keinen Krieg beginnen. Wir können außerdem keinen Krieg gegen Polen führen, i weil wir bei dem gegenwärtigen Verhältnis der Rüstungen jeden Krieg verlieren müssen. Das sind Tatsachen, gegen die keiner ankommt, er stehe auf welchem politischen Standpunkt immer. Für uns als Sozialdemokraten fügen wir hinzu, daß wir auch keinen Krieg wollen und daß wir jeden als einen Verbrecher am deutschen Volke und an der ganzen Menschheit betrachten, der mit dem Gedanken eines neuen Krieges spielt. * Wir können gegen Polen keinen Krieg führen, also müssen wir mit ihm i n F r i e d e n leben, das heißt: vor allem auch im Wirtschaftsfrieden. Der Handelsver- trag und dos Liquidationeabkommen sind nicht geschlosien worden, um den Polen ein Geschenk zn machen, sondern um den Deutschen zu dienen. Es ist kindisch. die Polen dadurch strafen zu wollen, daß man sich selber in Postscheckkonto: Berlin 37 53k.- Bankkonto: BankdcrArbciter, Angestellten und Beamten, Llndenstr.Z,Dt.B.u.Di»c..GeI..Deposltenk..JeruIalemer Str. KS, k«. den Finger schneidet. Darum ist die Inkraftsetzung der Ver- träge dringend zu wünschen. Wir Sozialdemokraten fühlen wahrhaftig für die Mächte, die jetzt in Polen herrschen, nicht die geringste Sympathie. Desto stärke? ist unser Mitgefühl mit den Bürgern der polni- schen Republik, die unter der Herrschaft leiden, vor allem mit unseren deutschen Volksgenossen, aber auch mit den Ukrainern, den Weißrussen und den Polen selbst. Für sie wie für uns wünschen wir den Frieden. Wir verurteilen die blinde bös- artige nationalistische Hetze gegen Polen, wie sie zum Beispiel jetzt wieder wegen des wahrlich nicht allzu belangreichen Fliegerzwischenfalls von Oppeln in Erfchei- nung tritt. Wir suchen Recht beim Völkerbund und versuchen, die Lage unseres Volkes durch Verständigung mit den Nachbarvölkern zu verbesiern. Von diesem Weg lassen wir uns durch das Indianergeheul der Hakenkreuzler nicht ab- bringen. Dieses Geheul beweist nur. wie wichtig und ernst die Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie ist, gemeinsam mit den anderen Parteien der Sozialistischen Internationale über der Erhaltung des Friedens zu wachen. Es ist wahr, daß die Völkerbundspolitik, die Verständi- gungspolitik nur allmählich aus dem Abgrund herausführt, in den Deutschland von seinen einstigen Beherrschern ge- stoßen worden ist, es ist wahr, daß auf diesem Wege Rück- schlüge und Enttäuschung�., nicht ausbleiben. Aber ein Mörder am deutschen Volke ist derjenige, der rät, andere Wege einzuschlagen. Es gibt keinen anderen Weg, es sei denn der Weg in den Krieg! Nicht erst aus Bülows Memoiren wissen wir, daß man auch ohne eigentlichen Willen aus kraftmeiernder Dummheit oder dummer Kraftmeierei in einen Krieg geraten und ihn verlieren kann. Wir wissen auch, daß Schwäche an entschei- dender Stelle, wie sie B e t h m a n n gezeigt hat, zum Ver- hängnis wird. Darum fordern wir von allen Einsichtigen und Verantwortlichen im Kämpf gegen das Hakenkreuz und seine Nachläufer Mut, Mut und noch einmal Mut— um Deutschlands willen! Polen und Oeuischland. Briand will strikte Neutralität Frankreichs in Genf wahren. Paris, 16. Januar. lEigenbericht.) Briand setzte am Sonnabend in einem Ministerrat. der zu der bevorstehenden Tagung des Bölkerbundsrats in Genf Stellung nahm, auseinander, daß Frankreich alles Interesse daran habe, in dem deutsch-polnischen Kon- flikt, der die französischen Interessen nicht berühre, strikte Neutralität zu wahren. Wir erfahren dazu, daß der Ministerrat sich»ach ein- gehender Aussprache dahin geeinigt hat. die Ueberweisung der deutschen Beschwerde an eine internationale Unter- suchungskommission zu befürworten. Zaleskis Programm. Ztatifijierung des deutsch-polnischen Handelsvertrags. Soviel Sicherheit— soviel Abrüstung. Warschau, 16. Januar.(Eigenbericht.) In, Außenpolitischen Ausschuh des Sejms hielt Außenminister Zaleski ein längeres Expose über die außenpolitische Lage. Cr führte aus, daß die polnische Außenpolitik sich heute mehr denn je auf die im Parlament vereinigten Kräfte der Bevölkerung stütze. Di« gegenwärtige internationale Wirtschaftskrise ermögliche durch ihr« Einwirkung aus die politischen Verhältnisse eine psychische Stimmung, die eine Besserung der Lage auf dem Wege p o l I- tischer Veränderungen erstrebe, was feiner Anficht nach sehr gefährlich sei. Polen habe in letzter Zeit 87 verschiedene Ab- kommen mit andere» Staaten unterzeichnet,- ein Teil dieser Ab- kommen sei bereits dem Sejm zugegangen, der Rest werde demnächst folgen. Seit der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Handels- Vertrages durch Deutschland seien gewisse Maßnahmen erfolgt, die die Grundlage dieses eBrtrages verkleinert hätten, so daß Polen ge- zwangen gewesen sei, gewisse Maßnahmen(gemeint ist die Erhö- hung der polnischen Industrie-Einsuhrzöll«) zur Wiederherstellung des Gleichgewichts anzuordnen. Die polnische Regierung habe sich, trotzdem die gegenwärtigen Grundlagen des Vertrages nicht seinen (des Außenministers) Absichten entsprächen, entschlossen, den deutsch-polnischen Handelsvertrag dem Sejm zur Raiifizierung zu unterbreiten, da sie auf dem Standpunkt stehe, daß die anormalen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, die sich wirtschaftlich gegenseitig ergänzen, nicht länger ohne Schaden für beide bestehen könrrtea. In bezug auf die Abrüstungsattion des Völkerbundes erklärte Zateski, der Hauptgrundsatz für Polen sei: Soviel Abrüstung wie Sicherheit. Die Grundlage der polnischen Politik gegen- über Sowjet-Rußland bilde die Herstellung gegenseitiger guter politischer und wirtschaftlicher Beziehungen. Jede in dieser Richtung gehende Anregung, wie etwa der Litwinow-Pakt, werde bei der polnischen Regierung stets volle Bereitwilligkeit zu tätiger Zusammenarbeit finden. 3n Uebereinslimmung mit seinen internationalen Dcrpslich- luugen in der lüioderheitenfrage wünsche Polen, den Minder- heikgvölkern seines Landes volle Bewegungsfreiheit auf nationalem, religiösem und kulturellem Gebiet zu sichern. Mit Entschiedenheit wird es sich allen Versuchen widersetzen, diese Frage für Nebenziele und st a a t s f e i n d l i ch e B e st r c- b u n g e n mißbrauchen zu lassen, auch angesichts des jüngsten Auftretens unseres westlichen Nachbars auf diesem Gebiet, das nach Form und Mitteln eine Verschiebung dieses Problems von dem rein sachlichen Gebiet aus das der all- gemeinen Politik zu bezwecken scheint. Ich zweifele daran, ob eine solche Haltung den Interessen der Minderheiten und ihrem guten Verhältnis zu dem polnischen Volke dienen wird. Peinlich berührt werden müsse da» polnische Volk durch dieses wiederHolle Auftreten jenseits der Grenze, aas sich gegen alles richte, was polnisch sei. Es bezwecke, das Ansehen des Landes in der Welt zu mindern, und was noch schlimmer sei:. es ziele sogar gegen die ltnantastbar- keit des Staates. Geduld inid Kaltblütigkeit habe.Polen oft be- wiesen. Aber man dürfe nicht vergessen, wenn man auf einer Seite Hetze, es schwer sei, von der anderen Seite Liebe zu fordern. Die polnische Stellung sei in der Note umrissen, die er dem Sekretariat des Völkerbundes gesandt habe, und an der sich die Ratsmitglieder von dem tatsächlichen Stand der Dinge, überzeugen könnten. Aus dieser Antwort ergebe sich klar das ousrichlige Bestreben Polens zu loyaler Ausklärung der Lage und zur Beseitigung aller Beibungsslächen zwischen dem po- nischcn Volk und der INinderhen. Polen werde in seinen Bemühungen zur Erleichterung der Bezie- Hungen mit seinem westlichen Nachbarn fortfahren. In diesem Hugenberg kapituliert vor Hitler. Die deutschnationale presse in Pommern wird nationalsozialistisch! Sietlin, 10. Januar.(Eigenbericht.) Nachdem der Reichstag im Sommer 1330 aufgelöst war, erließ Hugenberg einen Aufruf, der die Verbindung zwischen„national- revolutionärem Angriffsgeist und ftaatspolitifchsr Beherrfchtheit', d. h. zwischen den Nazis und den Resten seines Trümmerhaufens forderte. Die Hakenkreuzlsr pfiffen ihm damals etwas, und der „Völkische Beobachter" nannte die deutfchnationale Politik„staats- politischer Beherrfchtheit" eine„schamhafte Umschreibung für Speck- zoll und Dividende". Das hinderte jedoch die nach der Spaltung bei Hugenberg ver- bliebenen Pommer fchen Junker nicht, in einem Wahlaufruf des Pommerjchen Landbundes von der Landoolkpartei, der politischen Interessenvertretung des Reichslandbundes, offen abzurücken und eifrig für Hitler zu agitieren. Hugenberg selbst setzte, nachdem er bei der Reichstagswahl 1S30 rund die Hälfte seiner pommerschen Stimmen zum größten Teil an die Hakenkreuzler ver- loren hatte, sein Liebeswerben um Hitler uitentwegt fort. Es ist in Pommern kein Geheimnis mehr, daß die Ver- bindung Hugenberg-Hitler, wenn auch nicht offiziell, aber faktisch bereits vollzogen ist. Was gehl im pommerschen Hugenberg-Lager vor? Schon unmittelbar nach der Reichstagswahl nahm die unter Hugen- bergs Einfluß stehende pommersche Kreisblattpresse unverhohlen für Hitler Partei. Wahre Begeisterungskaskaden ergossen sich aus den dunklen Quellen Hugenbergfcher Korrespondenz- verlage in die Spallen der pommerjchen Promnzblättchen. Auch im Provinzialausschuß, in den Kreis- und O r t s p a r l a- m e n t e n rückten die Hitler- und Hugenberg-Leute mit hörbareni Ruck zusammen. Die„Pommersche T a g e s p o ft", das führende Blatt der Deutschnationalen, solgte nur mit Widerwillen, sie hielt bis zuletzt ein« gewisse Distanz zu der Verbrecherpartei Hitlers. Diese Haltung Hitlers ging den Plänen Hugenbergs, eine gemeinsame Front mit Hitler zu bilden, wider den Strich. Der bisherige Chefredakteur der„pommerschen Tagespost" ist seines Postens enthoben worden, und voraussichtlich wird ihm der gesamte Redaklionsstab folgen. An ihre Stell« werden Angestellte aus Hugenbergs journalistischer Meinungsfabrik treten, die vom Geiste des„dritten Reiches" durchdrungen find. Zwar erheben sich im deutschnationalen pommerschen Landes- verbände nicht ungewichtige Stimmen gegen diese Vergewaltigung, aber was hilft das alles? Herr Hugenberg ist der Mächtige, in dessen Händen die finanziellen Fäden der deutschnationalen Presse letzten Endes alle zusammenlaufen, und er hat auch seine Helfershelfer. Ein Herr von Olfzewski, der Inhaber der Verlagsdruckerei Hessenland in Stettin, Aktionär der„Pommerschen Tagespost". scheint nicht geringen Appetit zu haben, an dem Schlachtfest, das Herr Hugenberg veranstaltet, kräftig mitzusrühstücken. Dieser Herr von Olszewski hat ab 1. Januar den Druck der„Diktatur", des pommerschen Nazi-Wochenblättchens, übernominen, der bisher in Pyritz erfolgte. Diese Doppelrolle Olszewskis als Wilinhaber der„pommerschen Tagespost" und Drucker des Aaziblällchens, deutet daraus hin, daß die Vereinigung beider Blätter nur noch eine Frage der Zeit sein dürste. Hitler frißt Hugenberg! Das ist die sicher« politische Prognose für Pommern. Die Vorgänge in Pommern weisen deutlich auf die kommende Entwicklung im Lager der Rechten hin. Sie zeigen aber gleichzeitig die Interessenverbundenheit der Hakenkreuzler nicht nur mit den Großindustriellen, sondern auch mit'den Großagrariern! Siime habe er dem Parlament auch den deutsch-polnischen Vertrag, der vor allem für die nationalen Minderheiten große Bedeu- tung befitze, zur Ratifizierung vorgelegt. England widerlegt Pilsudski-Propaganda. London, 13. Januar.(Eigenbericht.) Die Terrorisierung der Völker Polens durch das Pilsudski- Regime und besonders die an der deutschen und der ukrainischen Minderheit begangenen Brutalitäten haben in England eine sehr tiefe Bewegung ausgelöst. Der Dank hierfür gebührt in erster Linie dem„M anchester Guardia n", der durch seinen Berliner Korrespondenten während des polnischen Wahlkampfes die Minder- heitsgebiete besuchen ließ. In eingehenden, mit bestem Beweis- Material gestützten Artikeln wurde dadurch in England der ganze Schrecken des Pilsudski-Kurses offenbar— aber auch, wie störend diese Behandlung der polnische» Minderheiten auf das europäische Gleichgewicht und auf die europäische Verständigung wirken mußten. Die unmittelbare Folge der Berichte des„Manchester Guardian" war eine an das Auswärtige Amt in London gerichtete Petition der englischen Liga für demokratische Kontrolle. KZ Abgeordnete, zum größten Teil Mitglieder der Arbeiterpartei, hatten diese Eingabe unterschrieben und zweimal im Unterhaus zur Sprache gebracht. Außenminister Henderson konnte selbstverständlich die Unter- Zeichner nur aus Gens verweisen, als den für die englische Regierung allein zuständigen Ort für die Fragen der nationalen Minderheiten. Der polnischen Regierung waren sowohl die Petition der Liga für demokratische Kontrolle wie die Artikel des„Manchester Guardian" s e h r u n a n g e n e h m: die polnische Gesandtschast ver- schickte in London eine Woche lang gedruckte Bulletins, die die Ar- ritel des„Manchester Guardian" entkräften und widerlegen sollten. Diese polnischen Gegenberichte find Makulatur geblieben: von England aus wurde der polnischen Regierung deutlich zu verstehen gegeben, wie im Mutterland der Demokratie und des Parlamentarismus der Terror pilsudskis beurteilt wird. Wie auch die Verhandlungen in Genf ausgehen mögen: Warschau weiß heute, wie das offizielle und das inoffizielle England über die Mißhandlung der polnischen Minderheiten und über die Aus- Hebung aller Berfassungsgarantien in Polen denkt. Die Verbrechen in den polnischen Gefängnissen, begangen an wehrlosen Menschen, haben die Empörung noch vergrößert. Lloyd George hat einen eigenen Vertrauensmann nach Polen gesandt, der an Ort und Stelle Beweismaterial sammeln und die Lage der Minderheiten prüfen soll. Wie wir ersahren, ist ein Do- kument ausgearbeitet worden, daß zahlreichen bedeutenden Poli- titern, Kirchenleuten und anderen Persönlichkeiten zur Unterzeich- nung vorliegt. Diese Darstellung der Vorgänge in Polen wird nach der Unterzeichnung dem Völkerbund überreicht werden: ste dürfte geeignet sein, alle offiziellen polnischen Ableugnungsversuche zu entkräften. Die Knechtung Polens. Anprangerung im Sejmausschuh. Warschau. 13. Januar. Gleich der erste Tag, an dem der Sejm, zunächst durch feinen Haushaltsausschuß, in sachliche Arbeit eingetreten ist, brachte eine Reihe hochpolitischer Momente. Und zwar hat die Aussprache über den zuerst zur Verhandlung gekommenen Etat des Innen- Ministeriums zu äußerst heftigen Auseinandersetzungen über Fälschung und Terrorakte bei den Parlamentswahlen, über die Affäre Brest-Litowsk und die berüchtigten Strafexpeditionen gegen die Ukrainer in Ostgalizien geführt. Zunächst kommentierte der Referent Polakiewicz(Regierungsblock) den Ausgabenetat des Innenministeriums, dessen Gesamtbetrag von 252,4 Millionen Zloty zur Hälfte für die Pol iz e i bestimmt ist. U. a. wurde dabei mit- geteilt, daß die Polizei und das militärisch organisierte Grenzschutz- korps demnächst neue Waffen erhalten sollen. Ersparnisse sollen durch Vereinfachung der Verwaltung gemacht werden, die innere Organisation des Staates soll in nächster Zeit durch Auflösung von fünf Wojewodschaften und 33 Bezirken nicht unwesentlich verändert werden, eine Reform, von der die nationalen Minder- Helten sich nichts Gutes zu versprechen haben. Die Oppositions- redner wie C z a p i n s k i(Sozialist), R y m a r(Nationaldemokrat) und M a l i n o w s k i(Vereinigte Bauernparteien) griffen das Innen- Ministerium wegen der Wahlmißbräuche aufs heftigste an. Auch die Affäre Brest wurde zur Sprache gebracht und auch hierbei die Polizei als miffchuldig angegriffen. Der Ukrainer Matschak(Sozial- radikale Partei) schilderte in erschütternder Weise den Vernich- tungskampfgegen die UkrainerOstgaliziens während der sogenannten Befriedung: weder Menschen noch Sachwerte wurden geschont, ohne Gerichtsurteile, ohne Untersuchung wurde ein ganzes Volk für unaufgeklärt gebliebene Sabotageakt« verantwort- lich gemacht, die die polnische Regierung lediglich zum B o r w a n d für ihre Aktionen nahm. Di« Ukrainer werden gegen das Budget stimmen. Der Ukrainer Luzkyj von der ukrainischen Nationaldemo- kratischen Vereinigung erinnert« an die von Polen den Westmächten gegenüber übernommene Verpflichtung zur Gewährung einer Autonomie für das ukrainische Ostgalizien. Er forderte ferner sofortig« Antwort darüber, ob die Regierung ihre bisherige Politik fortsetzen werde. Der Minister des Innern, General Stladkowski, erging sich in seiner Antwort in oll- gemeinen Redensarten, mit welchen er die Angriffe abzuwehren ver» suchte. Oie Oppelner Miegerlandung. Sie hatten sich verflogen. Oppeln. 13. Januar. Die Vernehmung der beiden bei Oppeln gelandeten polnischen Piloten ist abgeschlossen. Die Piloten sind noch in Polizcigewahrsam. Die Flugzeuge werden von der Reichswehr bewacht. Einer der Piloten, der deutsch spricht, gibt an, H u g o Wolf zu heißen, 1836 im Kreise Beuthen geboren zu sein und früher in der deutschen Armee gedient zu haben. Er ist etatsmäßiger Feldwebel im Flieger-Regiment 2 in Krakau. Er hotte angeblich den Auftrag er- halten, als Führer-Pilot drei Maschinen von Krakau nach Graudenz zu führen. Die Maschinen seien 12,33 Uhr in Krakau gestartet und hätten sich bei dem diesigen Wetter verflogen. Während des Fluges sei ihnen die Karte auf den Boden des Führersitzes gefallen und beiden sei es unmöglich gewesen, die Karte wieder aufzuheben. An- xevlich soll auch der Kompaß auf einmal nicht mehr funktioniert haben. Die beiden anderen Piloten seien nach Angabc Wolfs blind- lings hinter ihm hergeslogen. Angeblich hätten sie Oppeln für T h o r n und die Oder für die Weichsel gehalten. Oer deutsche Gesandte in Warschau. Als Nachfolger für den verstorbenen Gesandten Ulrich Rauscher werden der Dirigent der Ostabteilung im Auswärtigen Amt. von Moltke, der frühere Gesandte Richard Meyer, jetzt im Auswärtigen Amt tätig, und Generalkonsul Z e ch l i n- Leningrad gcnannt. Die Entscheidung dürfte kaum vor der Januartagung des Völkerbundsrats fallen. Llfa-Reklame. Straßenhändlerreklame mit dem Krieg. Der Remarque-Film„Im Westen nichts Neues", der angeblich wegen Gefährdung des deutschen Ansehens im Ausland verboten wurde, wurde wie folgt angekündigt: „Dieses Werk soll weder eine Anklage, noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation ,zu berichten, die vom Kriege, zerstört wurde, auch wenn sie seinen Granaten entkanr. Es zeigt den Krieg, wie er wirklich war." Ein Hugenberg-Kino in Stettin, der Usa-Palast. kündigt in der„Stettin«? Abendpost" einen Weltkriegsfilm in folgenden Worten an: „Die Völker in Waffen Millionenheerc standen bereit. Der Auszug unserer Truppen. Lieb Vaterland... der Aufmarsch und — Lüttich siel! Sieg in Lothringen, überall sind die Deutichen »ieger! Siegesmarsch auf Paris. Aber in Ostpreußen? Russische liebermacht! Hiiidenburg macht bei Tannenberg 33 333 Ge- fangen«. Ostpreußen frei. Im Welten vor. Paris. Hindenburg vor Warschau. Sieaesrausthen. Schlachtenwende, die Marne. schlacht mit dem verhängnisvollen Rückzugsbefehl, in Flandern rettet der Tod. Immer mörderischer werden die Waffen, flüssiges Feuer, Minen, Giftgas, Fliegerbomben, Tanks. Die Jugend hat Zutritt." Eine marttschreierlschere, abstoßendere Retlame war nicht gut denkbar! Der Unterschied.zwischen der Ankündigung des Remarqu«- Fllms und der Straßenhändlerwerbettommelei der Ufa fft genau der Unterschied zwischen dem Sinn des Remarque-Films und dem, was die Ufa will. Die Jugend hat Zutritt— nämlich zur Kriegspropaganda, die die Hugenbergsche Ufa systematisch durchführen will! Oeutschnationale Kutturbringer. Nach der Probe, die wir oben aus der Ufa-Propaganda wieder- geben, überrascht sicher kaum noch die Tatsach«, daß die neueste Ausgabe der offiziellen„Mitteilungen der Deutsch- nationalen Volkspartei" die„Ufa als Kulturpropa- g a n d i st i n" feiert! Das parteioffizielle Organ des Herrn Hugenberg muß die„Ufa" des Herrn Hugenberg loben. Zu dem Zwecke wird ein übles reaktionäres deutsches Wochenblatt in Holland zitiert, das sich sonst in Beschimpfungen der deutschen Republik zu ergehen pflegt. Für den Reklmnedienst der Hugenberg- Ufa ist sein Zeugnis gerade gut genug, um der Welt offiziell mit- zuteilen, daß Deutschnationale Partei und die Hufa wescnseins und von gleicher Kulturbedeutung sind. Vom Nationalkapiialismus. Hugenberq liefert Goebbels' Meinung. Der„Angriff" des Herrn Goebbels nannte die Notver- ordnung über das Schlichtungswesen am Freitag einen„Schlag gegen die Arbeiterschaft". Am Sonnabend war daraus ein„marxistischer Erfolg" geworden. Das Urteil vom Sonnabend stammt aus dem Hugenberg» s ch e n„Deutschen Schnelldienst". Die Nationalsozialisten lassen sich ihr Urteil über Arbeiterfragen aus der Hugenberzschcn Meinungsfabrik liefern. Da Herr Hugenberg kein Sozialist ist, müssen die Hakenkreuzler notwendig Kapitalsknechte sein. Bürgersteuer und Pfändung. Keine Beitreibung bei den Zahlungsunfähigen. Die Bürgcrsteucr wird ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lcistungsfahigkett erhoben. Dieser rohe Charakter der Bürger st euer tritt selbst dort hervor, wo sie im Wege des Lohnabzuges von den Arbeitern und Angestellten einbshalten wird. Auch bei den Lohnsteuerpflichtigen wird die Bürgersteuer Härten heroorrusen, ohne daß für diese Fälle Milderungen oorge- sehen sind. Noch größer aber werden die Härten von denen emp- sundcn werden, die kein L o h n e i n t o m m e n haben und denen, weil sienichtlohnsteuerpflichtig sind, die Bürgersteuer nicht bei den Lohnzahlungen angerechnet werden kann. In diesen Fällen wird die Bürgersteuer von den Gemeindebehören eingezogen. Per- sonen, die nach ihren Einkommens- und Bermögensoerhältnisien außerstande find, die Bürgersteuer zu zahlen, müßten sie an die Eenieindelassen abführen. Unübersehbare Schwierig- leiten und Härten wären die Folge. Das hat selbst die i Reichssinanzvcrwaltung eingeschcn. Darum wird in den Durch- j fiihrungsbestimmungen, die der Reichsfinonzminister zur Bürger- steuer herausgegeben hat, folgendes betont: „Ist die Beitreibung der Bürgersteuer von vornherein aussichtslos. so wird hierauf zur Vermeidung onnökiger Berwalkungs- kosten der Bürgersteuer Rücksicht zu nehmen sein: es braucht also in den Fällen, in denen mit Sicherheit anzunehmen ist. daß die Bürgersteuer nicht beigetrieben werden kann, der Versuch einer Beitreibung nicht gemacht zu werden." Diese Stellungnahme des Reichsfinanzministers muß besonders von den Gemeindebehörden beachtet werden. Von ihnen ist zu fordern, daß ste bei der Erhebung der Bürgersteuer a u f d i e p e r- sönlichen wirtschaftlichen Verhältnisse weit- gehend Rücksicht nehmen. In allen Fällen, in denen die Bürgersteuer nicht gezahlt wird und es offensichtlich ist. daß die wirt- schaftliche Läge des Betreffenden die Steuerzahlung unmöglich macht, muß auf die B e i t r e i b u n g der Bürgersteuer verzichtet werden! Hakenkreuz-Totfchläger veruriei«. Soziatdemokrattscher Ziedatteur ohrfeigt S-A-Mann. Detmold. 13. Januar.(Eigenbericht.) Das hiesige Schöffengericht verurteitte die Nationalsozialisten Winkelmann zu 4 Monaten und Siegmund zu 13 Ta- gen Gefängnis. Beide waren wegen gefährlicher Körperverletzung angellagt, Winkelmann außerdem noch wegen des Versuchs der Verleitung zum Meineid. Der Anklage lag ein Uebersall zugrunde, der von S.-A.-Leuton in der Weihnachtsfeier der Nationalsozialisten(Dezember 1323) aus ein mißliebiges Mitglied Lerch verübt wurde. Lerch hatte dem da- maligen Bezirksführer der Nazis Bruno Fricke— bekannt aus dem Parchimer Fememord an Kadow— den Vorwurf gc- macht, Parteigelder unterschlagen zu haben. Dafür sollte er sich verantworten. weigerte sich aber in die Mitgliederversammlung zu kommen. Die Folge war. daß einige S.-A.-Leute über ihn herfielen und ihm die Kleider vom Leib risien. Winkelmann schlug hinterrücks mit einem Bierseidel zweimal auf Lerchs Kopf. Der Ueberfallene wurde erheblich verletzt und muhte ärztliche Hilf« in Anspruch nehmen. Während das Gericht sich zu seinem Beschluß zurückzog, lcun es zu einem Zwischenfall. Der Redakteur des sozialdemokratischen Or- gans in Detmold, Felix F e ch e n b a ch, der als Berichterstatter an der Verhandlung teilnahm, wollte während der Pause den Gerichts- saal oerlassen, als er von einem der im Zuhörerraum befindlichen S.-A.-Leute beleidigt wurde. Er erwiderte die Beleidigung auf der Stell« mit einer schallenden Ohrfeig«. Der Vorsitzende drohte, den Zuhörerraum räumen zu lassen, wenn Pressevertreter weiter belästigt würden. Als im Laufe der Verhandlung das blutige Hemd des über- follenen Lerch vorgezeigt wurde, äußerte der Mitangeklagte Münz- n e r, der übrigens freigesprochen wurde, zu seinem Mitangeklagten: „Das ist nicht das letzte blutige Hemd in Detmold! Nächstens gibtes noch mehr!" Demokratische Zersplitterung. .Oemokratlsche Bereinigung in Hessen" gegründet. Darmstadt. 13. Januar. In einer aus Darmstadt und von auswärts zahlreich besuchten Versammlung wurde Freitagabend in Darinstadr die„D e m o- krotische Bereinigung in Hessen" gegründet. Eine Reihe von Persönlichkeiten, die in der seitherigen Demokratischen Partei Hessens ecne führende Rolle gespielt haben, haben sofort ihren Beitritt erklärt. Em vorläufiger Borstand, dein u. a. auch Landtagsabgeordneter R« i b e r angehört, wurde mit der Aus- arbeitung eines Programmcntwurfs und mit der Ausstellung von Richllinlen sür die Agitation beauftragt. Ihre Mitarbeit haben auch die Landtagsabgeordnetcn Donat und Eberls in Aussicht gestellt. Ferner haben einige Persönlichkeiten, die kürzlich ihren Austritt aus der Staatspartei vollzogen haben, ihren Beitritt be- reits vollzogen oder in Aussicht gestellt. Um den Remarque-Film doch;u sehen, werden die Wiener Genossen serienweise in Sonderzügen nach Preßburg fahren. dos nur ein««tunde entfernt ist. In der Tschechosloiväkci wird der Film ungehindert vorgeführt., Generalkonsul Haas, der deutsche Konsul in Klogenfurt, ist im 43. Lebensjahr plötzlich gestorben. Die Kanzlerreise. Entlauschuna bei Nationalsozialisten und Hugenbern-Hehern Der Reichskanzler hat seine Reise durch Ostdeutschland abgeschlossen. Die Reise verfolgte den Zweck, dem Kanzler und den mit der Durchführung der Osthilfe beauftragten Be- amten die Möglichkeit zu geben, an Ort und Stelle die Probleme der Ost Hilfe zu prüfen und mit den Be- Hörden und Nächstbeteiligten die Frage der Not des deutschen Ostens zu besprechen. Im Verlauf dieser Reise hat sich er- geben, daß die Fahrt zugleich den Zweck erfüllt hat, die Gerüchte zu zerstreuen, daß die Reichsregierung wie die Preußenregierung ihre Pflicht gegenüber dem Osten vernach- lässige und die bedrängten Ostgebiete versacken lasse. Die Kreise, für die die wirtschaftliche Not des Ostens lediglich der Anlaß ist, ihre innenpolitischen und außenpoliti- schen Parteizwecke zu verfolgen, haben sofort den Versuch unternommen, diese Reise zu einer außenpolitischen Demonstration umzugestalten und eine Kundgebung für die Revision der deutschen Ostgrenze daraus zu machen. Darauf hatte die nationalistische polnische Presse nur gewartet, und sie hat sich mit Eifer auf gewisse deutschnationale Reden gestürzt, die wäbrend der Ostreise Brünings gehalten wurden. Der Reichskanzler hat sich nicht auf diesen Boden ziehen lassen. Er hat in ruhiger Zurückhaltung vermieden, den Ton seiner Reden und den Stirn seiner Reise durch diese Kreise bestimmen zu lassen, er hat ferner ausdrücklich erklärt, daß er keine außenpolitischen Zwecke mit seiner Fahrt nach dem Osten oerfolgt Hobe. Auch in einem anderen Punkte hat diese Reise jene Kreise enttäuscht, die die Ostnot zu deutschnationaler und national- sozialistischer Agitation ausnutzen. In diesen Kreisen glaubt man um so bequemer gegen die Reichsregierung und gegen die Preußenregierung agitieren zu können, je bedrohlicher die Wirtschaftslage im Osten ist. Wie die Nationalsozialisten die große Wirtschaftskrise auf den Poung- Plan zurückführen, so die Deutschnationalen im Osten die Wirtschaftsnot der Grenzgebiete auf die Preußenregierung. Was für die einen der Poung-Plan ist, ist für die anderen die Preußen lasse. Es ist infamste Agitationspolitik, die sich gerade gegen die Einrich- tungen wendet, die im größten Umfange geholfen haben und für zweckmäßige Hilfe jederzeit eintreten! Der Reichskanzler hat wiederholt sowohl in Königsberg als auch in oberschlesifchen Städten mit Nachdruck darauf ver- wiesen, daß staatliche Hilfe nur möglich fei, wenn nicht Fehlerquellen und Hemmungen in den O st- gebieten selber die Hilfsmaßnahmen durchkreuzen. Ein jeder hat verstanden, woraus Herr Brüning abzielte. Er hat wiederholt den Finger in offene Wunden gelegt und deut- liche Worte gegen parteipolitische Sabotage der Ostbilfe ge- braucht. Er ist ebenso nachdrücklich gegen Kata- strophenpolitiker und Panikmacher aufgetreten. So hat die Reise des Reichskanzlers dazu geführt, daß die Stimme der politischen Vernunft und die ernste Mahnung zur Verantwortung in Kreise im Osten getragen worden ist, die bisher die Dinge fast ausscbließlich durch die Brille deutsch- nationaler und nationalsozialistischer Parteipolitik angesehen haben. Bei diesen Kreisen hat die Kanzlerreise an Ort und Stelle ein bezeichnendes E�io gefunden. An mebreren Stellen ist der Reichskanzler das Objekt feindseliger Demonstrationen ge- worden. Es waren nicht nur die K o m m u n i st e n, die gegen ihn demonstrierten, sondern vor allem auch die Nationalsozialisten. In Oberschlesien haben national- sozialistische Großgrundbesitzer ihre verhetzten Landarbeiter zu Demonstrationen gegen den Kanzler befohlen. Diese feind- selige Einstellung findet einen Widerhall in der deutschnatio- nalen und naKonalsozialistischen Presse. Die wüste Agitations- Politik, die Verdächtigung der Reichsregierung und der Preußenregierung und das blödeste nationalistische Geschwätz — das ist das Echo der Brüning-Reise in der deutschnatio- nalen Presse. Das deutschnat'onale Echo. Breslau, 10. Januar.(TU.) Von deutschnationaler Seite wird mttgeteill:„Der Oberpräsident der Provinz Niederschlesien und der Magistrat der Stadt Breslau veranstalten aus Anlaß der Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Brüning Empfänge. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete von Freytagh-Loring Hoven und der Landtagsabgeordnete Conrad haben sich nicht in der Lage gesehen, den an sie er- gangenen Einladungen zu diesen Empfängen nachzukommen, nach- dem die Herren Dr. Brüning und Treviranus durch die in ihren Reden vorgebrachten Angriffe gegen die nationale Rechte ihrer aintlichen Reife den Chärakter einer parteipolitischen Agitationsrcise gegeben haben." Schwere Ausschreitungen in Breslau. Breslau, 10. Januar. Der Polizciberichl meldet: Bor dem Eintreffen des Reichskanzlers hallen sich in den Zusahrtsslrohen zum Areiburger Bahn- hos elwa 10C0 Personen angesammelt. Der Vorplatz des Areiburgcr Bahnhofs war abgesperrt. Nachdem die Reisenden des Zuges den Vorplatz pasjierl hallen, wurde dieser Platz gesäubert, hierbei muhte eine Person wegen Nichlbefolgung polizeilicher Anordnungen fest. genominen werden. Am Ring hatte sich gleichfalls eine grohe Menschenmenge angestaut, die verschiedentlich Ruse gegen die Regierung ausbrachte und die Internationale sang. Die Polizei schrill zur Räumung des Ringes, wobei auch berittene Polizei eingesetzt und gegen Widerstrebende der Polizeikouppel augewendet wurde. Ein Pferd bekam aus der Menge heraus einen Schlag auf den Kopf. Es stolperle und stürzte. Der Reiter, ein Polizeiosfizier, wurde am Auh verletzt. Ein weiterer Polizeibeamler erhielt einen Schlag aus den Kopf, so daß er bewuhllos zusammenbrach. Es gelang, den Täler festzunehmen. Die in die Nebenstraßen abgedrängte Menge stieß nach der Ankunft des Kanzlers nach dem Ring erneut vor, so daß eine nochmalige Säuberungsaktion durchgeführt werden muhte, hierbei ivurde auf Polizeibeamte eingeschlagen. Am Ring bzw. dessen unmittelbarer Nähe muhten insgesamt 15 Personen wegen Nicht- bcsolguug polizeilicher Anordnungen se st genommen werden. vor der Ankunft des Kanzlers im sürstbischöflichen Palais bildeten sich auch am Vomplah Ansammlungen, so daß dieser Platz schlich- lich geräumt werden muhte. Auch hier muhte der Pollzeiknüppel angewendet werden. Nach der Abfahrt de» Reichskanzlers zum Savoy-Holel versuchte die Masse wieder vorzudringen, so daß der Domplatz unter Anwendung des Pollzeiknüppel, erneut geräumt werden muhte. Znsgesamt sind 13 Festnahmen erfolgt. Die kubanische Regierung hat angesichts der ungeklärten politischen Lag« neun führende hauptstädtische Zeitungen und Zeit- schristen auf unbestimmte Zeit verboten. H aller-Mvue. Nach der Sarstelluna des Historikers Professor Hatlcr befand sich Mirst B ü l o w m sklavischer Abhängmkeit vom Geheimrat-Opekulame» von Holstein, weil dieser Liebesbriefe der Müstin gestohlen hatte. In finsterer Rachk stahl der Wirkliche Geheimrak im Auswärtigen Amt Holstein eine Kassette mit Liebesbriefen der 5 ü r st i n B ü l o w an den Pianisten Karl Tausig. Hierdurch bekam Admiral von T i r p i h freie Hand im Floiienbau: die deutsche Floltenrüsiung und die Kriegs- poliiik gegen England sehten sich durch. Infolgedessen hatte Holstein den Fürsten Bülow in der Hand. Wimmernd mußte der Reichskanzler vor seinem Geheimrat niederknien und ihm die Akten der Verständigung mit England aushändigen. So geriet Deutschland in den Weltkrieg hinein. Holstein aber halle mit Erfolg an der Börse spekulierk, da er Rüstungsaklien gekauft hatte. Konferenzen der Internationale. Krauen in Prag.— Arbeilslofigkeii, Abrüstung und Exekutive in Zürich. In den ersten Monaten des neuen Jahres hält die Sozialistische Arbeilsrinternationale ein« ganz« Reche wichtiger Konferenzen ab. Sie beginnen mit der Tagung des Internationalen Frauen- k o m i t e e s der TAI. in Prag, am 11. und 12. Januar. Am heutigen Sonnabend tritt das Präsidium des Internationalen Frauenkomitees, bestehend aus I. L. Adamfon(London), Marie I u ch a c z(Berlin), Betty Karpifkova(Prag), Alice P e l s(Brüssel), Adscheid Popp(Wien), zur Vorbereitung technischer Fragen zusammen. Das Frauentomitee wird sich in erster Linie mit der Vorbereitung der großen Internationalen Frauen- konferenz beschäitigen, die unmittelbar vor dem Internationalen Sozialistenkongreß in Wien im Juli 19Z1 zusammentreten wird. Am 21. und 22. Januar tagt in Zürich die vom Jnter- nationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Arbeiter- internationale gemeinsam«ingesetzte Kommission zur Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit. Diese Kommission tagt unter dem'Vorsitz von Waller M. Citrine(London) und Louis de Brouckere(Brüssel). Seit ihrer letzten Tagung in Köln haben ein« Reihe von Unterkommissionen in Berlin getagt und wird eine wettere Unterkommission am 20. Januar in Zürich zusammen- treten. Da der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Ausführung der Beschlüsse des Stockholmer Kongresses beschloflen hat, in Zukunft gemeinsam mit der Sozialistischen Arbellerinter- national« die Verwaltung des Matteotti-Fonds zu leiten, wird am 23. Januar in Zürich eine konstituierende Sitzung des nunmehr aus Vertretern des JGB. und der TAI. bestehenden Komitees zur Verwaltung des Malleotti-Fonds stattfinden. In dieser Sitzung wird vor allem auch geprüft werden, wie die Ein- nahmen des Matteotti-Fonds gesteigert werden können, um den in der Periode der Reaktion immer steigenden Anforderungen zu entsprechen. Am 21. und 22. eventuell 23. Februar wird die Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale in Zürich ihre ordentliche Frühjahrstagung abhalten. Die Lerhandlungen wird Emile Vanderoelde, der von seiner Reise nach Ostasien zurückgekehrt ist und die Geschäfte des Vorsitzenden wieder übernommen hat, leiten. Die Tagung wird sich einerseits mit den drängenden Pro- blemen der politischen Lage, insbesondere der A r b e i t s l o s i g- k e i t und der A b r ü st u n g beschästigen, andererseits die Vor- berettungen für den Vierten Kongreß der Sozialistischen Arbeiter- internationale, der im Konzerthaus in Wien am 2S. Juli 1931 zu- sammentritt und bis zum 1. August tagen wipd, treffen. Der Sitzung der Exekutive geht eine Sitzung des Büros der TAI. am 20. Februar, sowie eine Beratung der Kommission für die Probleme des Völkerbundes vom 17. bis 19. Februar und eine der Kommission für die Abrüstung am 18. und 19. Februar voran. Die Weisen aus dem Morgenlande. Zentrumsveschwerde über Sozialvemotraten. Der Führer des preußischen Zentrums, Abg Heß, hat, nach der„Germania", an den preußischen Ministerpräsidenten Braun einen Beschwerdebrief über Veröffentlichungen in sozialdemokratischen Blättern gerichtet und ihn aufgefordert, dafür zu sorgen, daß religiös« Gefühle der Katho- liten nicht durch sie oerletzt würden. Anlaß zu solcher Beschwerde gab die Tatsache, daß in einer Beilage zu einem Parteiblatt«in Gedicht von Klabund über die „Weisen aus dem Morgenland" abgedruckt wurde. Herr Heß nennt es ein„Hohngedicht auf die Heiligen drei Könige" und meint, daß durch den Abdruck die„selostverständliche Voraussetzung jeder vornehmen Journalistik mit Füßen getreten" werde. Um die Gefährlichkeit des Gedichts zu erweisen, druckt die„Germania" es im Wortlaut«nach. Man erkennt sofort, daß es sich bei diesem Sang um das Widerspiel eines Brauches handelt, der in weiten Bezirken des Reiches noch üblich ist, daß nämlich am 6. Januar, dem sogenannten Dreikönigstagc, auf den Dörfern junge Burschen umherziehen, um, mit den„Jnstgnien" der morgcnländischen Weisen angetan, und entsprechende Lieder„singend", sich eine Festgabe zu- sammenzusechten. Mit dem religiösen Sinn des katholischen Feiertags haben diese Lieder nichts zu tun und Klabunds Nach- bildung eines solchen Fechter-Sangs schon gar nichts. Aus diesem Grunde scheint uns die Aktion des Zentrums- führers von übertriebener Empfindlichkeit beeinflußt zu sein. Wenn das burschikose Lied in einer illustrierten Beilage abgedruckt wurde, so bedeutet das noch keineswegs, daß die Redaktion de» Blatte» es als ein« religiös« oder antireligiöse Bekenntnisschrift angeschen und die Absicht gehabt hätte, religiöse Gefühle zu verletzen. Im übrigen ist die gleiche Ausgelassenheit Klabunds schon«in- mal Gegenstand katholischer Beschwerde im Landtag gewesen. Da- mit hätte es wohl genug sein sollen. Denn daß der preußisch« Ministerpräsident, nur weil er Sozialdemokrat ist. nun die Stelle eines Oberzensor» über sämtliche sozialdemokratische» Der» öffentlichungcn übernehmen könnte, d i e Vorstellung ist doch zu weltabgewandt, als daß man sie auch nur im Morgenlande für durchführbar halten sollte. Litauische Willkür. Deutsche Memelabgeordnete Surfen nicht nach Genf. M e m e l, 10. Januar. Tie Abgeordneten ber deutschen Mehrheitsparteien, G u b b a und M e h e r. die bereits auf der vorigen Völkerbundsratssitzung als memclländischc Vertreter waren, sollten durch Beschluß der Mehrheitsparteien auch diesmal nach Genf entsandt werden. Der Gouverneur hat beiden Abgeordneten ohne Angabc von Gründen die Erteilung des Ausreisevisums verweigert. Auf der Völkcrbundstagung werden auf Grund der im S c p- t c m b c r eingereichten Beschwerden der deutschen Regierung gegen Litauen wegen Bruch der Memclkonvcnticin folgende vier Fragen zur Verhandlung gelangen: l. Der Finanzausgleich zwischen dem Mcmelgebiet und Litauen(Aufteilung der Einnahmen aus den Zöllen und Monopolen des Memelgebiets zwischen Litauen und dem Mcmelgebiet, entgegen dem Memelstatut bisher noch immer nicht endgültig geregell). 2. Das Vetorecht des litauischen Gouverneurs gegen die Gesetze des Landtags. Die Beschwerde verlangt, daß einem Veto «iye eingehende Begründung gegeben wird, um die Zulässig- k e i t des Vetos nach Artikel 16 des Memelstatuts festzustellen und gegebenenfalls Abänderungen oerlangen zu können. 3. Die Aufhebung des Belagerungszustandes im Mcmelgebiet, der seit dem litauischen Staatsstreich besteht. 4. Die Plenarentscheidungen des litauischen O b c r t r i b u- n a l s, das entgegen dem Memelstatut bei Vergehen memelländischer Beamten Entscheidungen getroffen hat, während allein die in der Wehrhett aus Memelländern zusammengesetzte Memelkammcr des Obcrtribunals zuständig ist. Gegen parteiische Richter. Eine Erklärung Oes Republikanischen Richterbundes. Am 22. Dezember hat Landgerichtsdirektor Lau, Glogau, bei der Verkündung eines freisprechenden Urteils von der Anklage eines Vergehens gegen das Gesetz zum Schutz der Republik die Revolution von 1018 als„Meineid und Hochverrat" bezeichnet, der die Truppen wehrlos gemacht habe. Hierzu erläßt der Republikanische Richterbund jetzt fol'gende Erklärung: .1. Dieser Vorgang bedarf der scharfen und sofortigen Zurück- Weisung nicht nur durch die Presse, sondern auch durch die republi- kanische Richterorganisation. Die verkündete Urteilsbegründung ent- hält eine in dieser Zuspitzung bisher kaum erreichte richterliche Herausforderung der Republik. 2. Es erscheint nicht erträglich, daß die Verwendung staatsseind- licher Richter in der Strafjustiz vom Ermessen des Gerichtspräsidiums im Wege der alljährlichen Geschäftsverteilung allein abhängt, v'el- mehr ist es dringend erwägenswert, daß eine gesetzliche Mit- bestimmung des parlamentarisch verantwortlichen Justizministers bei der Geschäftsverteilung der Gerichte geschaffen wird. 3. Von neuem muß angesichts solcher nicht mehr vereinzelten Urteile die Forderung erhoben werden: Der Nachwuchs der Juristen ist staatspolitisch besser auszubilden. Ihm find die grundlegenden ge- schichtlichen Tatsachen zu vermitteln, daß die deutsche Um- wälzung von 1918 wie jede geschichtliche Bewegung dieser Art die Folgeerscheinung von tiefgreifenden staats- politischen Fehlern der früheren Machthaber ge- wesen ist." Die Erklärung ist unterzeichnet von Reichsgerichtsrat Dr. Großmann, Staatsanwalt Dr. H ö g n e r, Kammergerichtsrat F r e ym u t h, Landgerichtsdirektor Karow, Oberverwaltungsrat Krahne, Ministerialrat Dr. R o s e n f e l d, Ministerialdirigent Steinbrecher u. a._ Ganz legal! Anonyme Bedrohung des Dortmunder Polizeipräsidenten. Der Dortmunder Polizeipräsident Luebbring, dem schon mehrfach anonyme Schreiben aus nationalsozialistischen Kreisen zugegangen sind, erhielt am 6. Januar«ine Postkarte zugeschickt, folgenden Wortlauts: „Ihre verbrecherische Tätigkeit soll nicht ungesühnt bleiben. Ihr Todesurteil ist bereits gefällt worden. Wenn die Köpf« rollen werden, dann wird Ihrer einer der ersten sein, der vom Schicksal ereilt wird. Glauben Sie doch nicht, daß wir nicht längst erkannt haben, daß Sie die Polizei parteipolitisch beeinflussen und dadurch Ihren überfälligen Marxismus retten wollen. Auch nicht mit Hilfe Moskowiter Asiaten. Wird uns in unserem Vaterlonde nicht mehr das gebührende Recht, dann werden wir es uns selbst zu verschaffen wissen. Roch lebt em Gott, zu strafen und zu rächen." Zur Ermittelung des Schreibers wird die Karte veröffentlicht werden._ Prof. pr. Slrakhmann(Christl.-Soz.) tritt an Stell« des bts° herigen Reichstagsabgeordneten Kling, der sein Mandat nieder- gelegt hat, in den Reichstag ein. Der Danziger Volkstag wählte den neuen, aus dem Zentrum und den Rechtsparteien zusammengesetzten Senat. Die Nazis find nickst beteiligt. Senatspräsident ist der deutschnationale Verwaltungs- richter Ziehm. Beginn der Etatsberatung. Wird der �eichshaushalt für-1931. parlamentarisch erledigt werden können? Der Ausschuh für den Reichshaushalt wird als erster im neuen Jahr am Dienstag, dem 13. Januar, seine Arbellen wieder ausnehmen. Seine Hauptausgabe wird in der Beratung des Haushalts 1331 bestehen, doch wird er zwischendurch noch eine Fülle anderer wichtiger Arbeiten zu erledigen haben. Der Ausschuß besteht aus 35 Rlitgliedern und seht sich, nachdem die Deutsche Staalspartei Froklionsstörke erlangt hat, wie folg» zusammen: Sozialdemokraten 3 Rlilglieder, Rationolsozialisten 7!Nit. glieder, Kommunisten 5, Zentrum 4. Deutschnatlonale 2 Deutsche Volkspartei 2, Deutsches Landvolk 2, IVIrtschaftsparlei 1, Christlich- Soziale Vereinigung 1, Bayerische Volkspartei 1, Deutsche Staatspartei 1 Mitglieder. Die sozialdemokratische Fraktion hat nach ihrer Stärke das Referat resp. Korreferat über den Haushalt de» Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, des Auswärtigen Amtes, des Reichsarbeitsministeriums, des Reichswehrministeriums, de» Reichsjustizministeriums, des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, der Reichsschuld, der Reichspost und über da» haushaltegeselz. Die Beratungen am Dienstag werden nicht mit dem Etat, sondern zunächst mit dem Entwurf eine» Gesetzes über die Er- ftallung von Kciegswohlsahrtsausgaben beginne«. Roch Erledigung dieser Arbeil sollen daua die Etalsberalungen aufgenommen werden, als deren Einleitung der Reichsfinanzminister Dietrich eine Rede über die Fiaanzlage halten wird, der eine allgemeine Aussprache folgen soll. «> Die Beratung des Haushaltsentwurfs ist stets die wichtigste Aufgabe des Parlaments gewesen. In diesem Jahr aber hat die Haushaltsberotung noch eine besondere Bedeutung. In dem letzten Halbjahr ist der Reichstag praktisch von der Gesetzgebungs- arbeit ausgeschaltet gewesen, hat die Reichsregierung ohne ihn und gegen ihn regiert. Durch die Beratung des Haushaltsplanes fällt dem Reichstag wieder eine sehr wichtige positiv« Aufgabe zu. Gelingt es ihm. sie zy lösen, so wird er nicht nur etwas von dem verloren gegangenen Slnsehen wieder zurückgewinnen, sondern auch seinen Einfluß auf die Politik vergrößern. Alle diejenigen, denen die Er- Haltung der Demokratie und des Parlamentarismus am Herzen liegt, werden deshalb bereit sein, um dieser hohen politischen Ziele willen die Verhandlungen liber den Haushaltsentwurf in jeder Weise zu fördern. Diese Slbsicht stößt bei den Gegnern des Parlamentarismus und der Demokratie auf großen Widerstand. Es sind nicht nur die Nationalsozialisten, sondern nnndestens auch die Deutschnationalen, denen jedes Mittel recht ist, um die Parlamentsarbeit zu erschweren. Man muß deshalb damit rechnen, daß Ihnen die nicht rechtzeitige Erledigung de, Elot», durch die ueue politische verwick- lungen hervorgerufen werden könneu, sympathischer ist al» die glatte parlamentarische Erledigung. Aber auch die sachlichen Schwierigkeiten, die bei der Etatsberatung austauchen werden, sind Überaus groß und werden ununterbrochen seine parlamentarische Erledigung be» drohen. Sollte es bereits in normalen Zeiten keine Meinungs- Verschiedenheiten darüber geben, daß das oberste Prinzip jeder veranwortungsvollen Finanzpolitik ein ausgeglichener Etat ist. bei dem die Ausgaben durch die Einnahmen gedeckt werden, so ist das gegenwärtig noch notwendiger. Nur bei einem aus- geglichenen Etat wird die Kreditfähigkeit der ösfentlichen Hand aus- reichend sein, um diejenigen Mittel auf dem Krcditwege zu be- schaffen, die zur Aufrcchterhaltung der Zahlungsfähigkeit unerläß- i lich sind. Jede Schädigung des öffentlichen Kredits aber schädigt auch den Kredit der privaten Wirtschaft, vermehrt die Arbeitslosig- keit und verhindert, daß die saisonmäßige Besserung im Frühjahr zu einer Belebung der gesamten Wirtschast führt. Da Kommuni st en und Nationalsozialisten sich aber nur von agitatorischen Gesichtspunkten leiten lasten, so werden sie auch die Beratung des Haushaltsentwurfs benutzen, um ihren gläubigen Anhängern vorzutäuschen, sie brächten ihnen Erfüllung ihrer Wünsche. Die schon jetzt vorliegenden Anträge dieser Parteien zeigen bereits eine unübertreffbare Gewissenlosigkeit. Es kann nicht oft genug betörst werden, daß sowohl die Vorschläge der Kommunisten als auch der Nationalsozialisten letzten Endes dazu sühren, daß die Mittel für die jetzigen Unterstützungen der Erwerbslosen, der Sozial- und Kleinrentner und der Kriegsbeschädigten nicht mehr zur Verfügung stehen und daß diese schon ohnedies schwer leidenden Volksschichten in noch drückenderes Elend hineingestoßen werden. Das bedeutet natürlich nicht, daß der Entwurf des Haushalts- plans, wie ihn die Reichsregierung vorgelegt hat, nicht verändert werden dürfe. Im Gegenteil, solche Veränderungen sind dringend notwendig. Wie immer, wenn die kapita- listischen Gruppen die Politik allein bestimmen, so sind auch dies- mal die sozialen Interessen der minderbemittelten Volksschichten in dem Etat sehr zu kurz gekommen. Das gilt besonders für die Für- sorge für die Erwerbslosen. Die Notverordnung hat die finanzielle Bewegungsfreiheit der Gemeinden so eingeschränkt, daß sie nicht in der Lage sein werden, für die dauernd noch steigende Zahl der Wohlsahrtserwerbslosen ausreichend zu sorgen. Zusammenbruch von Gemeiuden oder Abänderung der Regelung für die Unterstützung der wohlsahrtserwerbslosen und der Srisenunierstützten ist deshalb die Allernaliv«. Di« sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in ihrem Gesetz- entwurf zur Neuregelung der A r b c i t s l o s e n f ü r- sorge die Wege ausgezeigt, die einen Ausweg darstellen. Sic wird deshalb auch die Etatsbcratung benutzen, um auf diesem Gebiet vorwärts zu kommen. Gewerkschaftliches siehe Z. Beilage. Berantwortlich Mr Politik: Pitt»« Schill! Wirtschaft:®. yll»»«ll>ös-r: Lokalrz Sewerkfchaftsdeivcauno: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. Job» Schikoweki: Loka unt> Sonstiges: firift Secstöbi; An, eigen: Zch. Stocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwürts-Verlag®. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerri und Berlagsanslalt Paul Singer u. To.. Berlin EW. W, Lindenstralle li. Sierzn« Beilagen. 1?»»«»» hoehwartign Halbstores mit Stickerei oder elegantem Filet antik statt bis 12.50 setzt V o I I v o i I förGardinen, farbig bedruckt, Indanthren, ca. 110 cm breit, statt bis 3.00 jotlt Dekorationsstoffe �90 I20cin, Indanthren, statt bis 5.75 jetzt Daunendecken vorzügliche kunstseidene Oberseite, jm Dounensatinrödcseite, gute Daunen- föilung, ca. 1501200 cm jetzt flüf Diwandecken GobelingewSbe,mifFronse,ca.l40 280 und 150/300 cm statt bis 21.00 setzt Kunstseidener Volle bedruckt, vorzügliche Qualität, in modernen WM Mustern, ca. 100 cm breit, 145 statt bis 5.90 setzt Im»» CrSpe de Chine reine Seide, grosse Farbenauswahl, 19 5 statt bis 5.90 setzt leeei Crepe marocain bedruckt, reine Seide, neue Muster, �595 ca. 100 breit setzt nur Jmmmm Damen-Kleider out reinwoll. Stoffen,! statt bis 35.00 setzt I Damen- Mantel reinwoil. 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Dabei braudien wir gar nidit einmal an Asthma oder an Rheuma zu leiden, um vom Wetter so stark wie diese Kranken beeinflußt zn sein: Der erste Blick am Morgen in den Himmel genügt auch für den Kerngesunden, sein Gemüt für den kommenden Tag auf Dur oder auf Moll zu stimmen. Aber der der Natur entrückte Städter ist nur allzuleidtt geneigt, aus seiner Unkenntnis der Wilterungserscheinungen heraus das Wetter quasi als eine l'ügung des Sdiicksals hinzunehmen. Regnet es, dann dürfen wir eben den Regenschirm nicht vergessen. Basta. Dodi es brauchte so nicht zu sein. Jedem Tag fein Sprüchlein. Ein Bauer begegnet einem auf einer Wanderung und sagt: �Gehen Sie nicht weit, es regnet heute»och!* Und auf das er- staunte Warum meinte er:..Weil heute kein Tau gefallen ist," Am Rachmittag goß es dann in Bächen. Dabei stimmt die Tatsache, daß kein Tau fällt, wenn Regen nahe ist. völlig mit den wissen- schaftlichen meteorologischen Beobachtungen tiberein. Sind nämlich die oberen Luftschichten trocken, dann lann sich die untere warme und feuchte Luft abkühlen: es fällt Tau. Sind die oberen Luft- schichten aber selbst mit Feuchtigkeit gesättigt, können sie keinen Wasserdampf mehr ausnehmen, dann bleibt es bei uns schwül. Kein Tautropfen glitzert am Morgen und nicht lange, dann fällt der oben verdichtete Wasserdampf als Regen hernieder. Der Bauer hat das aus jahrzehntelanger Naturbeobachtung auch so gewußt, ohne Me- teorologie studiert zu haben. Zweifellos liegt in den sagenannten ..Bauernregeln', die sich auf die mannigfaltigsten Naturerscheinun- gen stützen, wie Färbung des chimmels, Formen der Wolken. Rich- tung des Windes. Funkeln der Sterne, Sichtbarkeit ferner Gegenständ«, Verhalten der Tiere und noch vieles mehr herunter bis zum Summen der Telegraphenstangen, viel Wahres. Und wir könnten eine ganze Spalte von Meteorologen anführen, die diese Ansicht testen. Als sich jedoch in diese bäuerlichen Wettervorhersagen aber- glaubt s ch e Vor st c'l l st n g c n wischten, ate man aus dem Aus- tauchen von: Mandhosen, Nebensonnen, Regenbogen und.-Stern- schnuppen mehr das Schicksal zu deuten als das Wetter zu prophc- zeien suchte, arteten viele dieser hausbackenen Bauernregeln zu in y st ff che ni Unfug aus, wozu man auch den„5iundertjährigen Kalender', den der Äbt des Klosters Langheim bei Kulmbach, Mauritius Knauer, im Jahre 2(353 erfand, rechnen kann. Aber wenn wir auch die Spreu vom Weizen scheiden, bleiben noch genügend Erfahrungen einer schon mehr als feinfühligen, bei- r.ahe scharfsinnigen Naturbeobachtung übrig: Erfahrungen, die aufs tiefste im Volke verwurzelt und länger als alle Bücher lebendig geblieben sind. Wenn der Bauer jetzt in diesen Tagen sagt:.,Jni Januar muß der Frost nur so knacken, dann wird im Sommer das Korn gut sacken', dann ist dieser grobe Reim wohl keine überragende Weisheit, aber innner noch hinreichend gut, um von dem lief die Erdscholle lockernden Frost aus ein künftiges gutes Erntejahr schließen zu lassen. Ein paar Wochen trennen uns noch vom Februar, dann mag der Bauer vors Haus treten und überlegen, was an dem Wort: „Hat die Gans im Februar Wasser, hat das Schaf im Mai Gras' noch Wahres ist. Ein dunkler, wolkenverhangener, aber milder Februar, wo kein Frost die Teiche und Pfützen mehr gefroren hält — die Gänse also Wasser haben—, läßt den nahen Frühling ahnen, aber ein heller, sternenklarer und kalter Februar wird den Winter noch lange im Lande halten, und die Schafe iverden erst spät auf die Weide gehen können. So hat jeder Monat sein llcines Sprüchlein, ja sogar jeder Tag hat eins. Der Mai das auch uns bekannte: „Mai kühl und naß, füllt dem Bauer Scheun' und Faß.' Vom Juni hat sich folgende Regel überliefert:„Schreit der Kuckuck noch lange nach Johanni(24. Juni), dann kommt«in kalter Winter. Uebrigens, was gibt es nicht alles für Reime auf die Vögel, auf den Kuckuck, den Storch, den Kiebitz und die Gans. Dann weiter in den Herbst hinein:„Mel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember', und wenn um diese Zeit die Zugvögel ihre Reise nach dem sonnigeren Sude» antreten, dann sieht der Bauer den Störchen nach und denkt:„Fliegen die Störche hoch, wird es im Frühjahr Hochwasser geben, streichen sie niedrig, wird die Flut nur gering fcin.' Was ist hier Wahrheit, und was ist Dichtung? Stumme Propheten. Wir wollen noch ein wenig zu den F ö r st e r n und den Gärtnern gehen. Auch sie vermögen manches zu sagen über jene Zeichen in der Natur, die auf das Wetter deuten. Nehmen wir nur das Laub der Bäume im Herbst. Bor zwei Jahren, im Anmarsch auf einen der strengsten Winter, den wir m unseren Brettengraden erlebten, waren Mitte Oktober alle unsere Laub- bäum« schon vollkommen entblättert. Im vorigen Jahr dagegen, mit seinem milden Winter, trugen die Laubbäume bis in den No- vembsr ihr Laubkteid. Ebenso einfache wie sinnfällige Vorberei- lungen der Natur für den Winter; wir brauchen nur gut Obacht zu geben. Auch die jungen Knospen, die sich vor eisigen 5tälte- Perioden immer mit einem silzigen, schützenden Haarkleid umgeben, haben im vergangenen, erträglichen Winter lange kein so dichtes Haarkleid angesetzt wie sonst. Andere sehr vorsorgliche und sehr empfindliche pflanzen lassen ihre Wurzeln oder Knollen stets so weit ins Erdreich wachsen, wie sie„denken', der Boden könnte gefrieren. Deshalb gingen vor zwei Jahren die Zwiebeln der Herbstzettlos«. bis zu 80 Zentimeter tief in die Erde, im vorigen Jahr aber nur ZO bis 40 Zentimeter. Noch wunderlicher oder wohl richtiger gesagt noch zutreffender sind die Zeichen in der Tierwelt, �iere haben eine feine, untrügliche Witterung: wenn es nur auf die Sinne ankäme, wären sie uns hundertfach überlegen. Menschen zum Bei- spiel werden kaum jemals den Ortssinn einer simplen Brieftaube erreichen. Tiere sehen und riechen eben anders als Menschen. Wir haben dies, und die Tiere haben das; Hunde können bester riechen als die Menschen, aber bedeutend schlechter sehen. Ziehen die Schwalben nicht schon sehr früh, so gegen Ende August, nach dem warmen Süden, wenn wir einen Winter vor uns haben, daß uns Nasen und Ohren erfrieren? Und im vergangenen Jahr? Bis in den Oktober tummelten sich die Schwalben bei uns. Oder die Feld- mause. Noch im Spätherbst sahen die Förster und die Jäger bei iynen junge Nachkommenschaft, währenddessen Vertreter der Sonnen- flcckenthcorie kamen— die ihre Ansicht nuf die Wiederholung der Witterung nach immer neun Sonnenflcckenperioden~ 100 Jahre gründen— und prophezeiten uns einen bitterbösen Winter. Aber die Mäuse behielten recht, wir brauchten unsere Pelze, die wir gar nicht haben, nicht hervorzuholen. Und wenn die Gärtner im H-rbst ihre Scholle umgraben, stoßen sie auf die Vorratskammern anderer Ragetierc. Jahrzehntelang beobachten diese der Natur aufs engste verbundenen Männer diese Vorräte, dze sich die Tiere für den Winter hinlegen, und immer ergibt sich das gleiche Bild: harter Mnter— große Vorräte: milder Winter— geringe Vorräte. Im vorletzten Winter konnten die Nager nicht genug Körnerfrüchte auf- stapeln, für den letzten Winter sorgten sie sich nicht weiter. Aber naß wurde der hinter uns liegende Winter, und die Landlente be- richteten von vorsorgenden Bauten der Hamster und Maulwürfe, wie sie die Eingänge ihrer Höhlen alle nach oben gerichtet hatten: aus Furcht vor Ueberschwemimingen. lind die Ameisen taten ein übriges und zogen mit auf die Hügel. Schade, daß wir Großstädter, die wir eingespannt sind in den zermalmenden Trott unseres Be- rufslebens, nicht die gleichen Beobachtungen machen können. Aber unter den Asphaltdecken unserer Fahrdämme nisten ja keine Mäuse, und wenn dreist da oder dort welche wären, dann dürfen wir auch lange keine Hacke nehmen und di« Straßen aufpicken, um nachzusehen, wie groß die Vorräte der Mäuse sind. Zwischen Tau und Regen. In einem schönen alten Licde heißt es:„Wacht auf! Es triefen die Dächer./ Den Frost zerschlug in der Nacht/ Ein West mtt klirrendem Fächer." Hier sagt es der Dichter, wie der Westwind wärmeres, wenn auch meist feuchtes Wetter mitbringt. Landleute und Seefahrer kennen den Wind. Auch wir müßten öfter nach Westen sehen:«venu dork abends eine hohe, dichte Wolkenschicht liegt, über der der Himmel dunkelrot von den Strahlen der unter- gehenden Sonne beleuchlei ist. dann kommt Regen und Wind. Oder wenn vom Westen her, falls am Morgen kein Tau gefallen ist, dünne Federwolken heraufziehen und schließlich den ganzen Himmel ver- düstern, auch dann wird es regnen. Tann ein paar kleine Wink« für die Erwartung schönen Wetters: leichte Abendröte, Wolken mtt goldigem Rand oder mn Morgen ein großer rotglühender Sonnen- ball, alles Zeichen schönen Wetters; im Winter eines klaren, frostigen Tages. Oder erschrecken wir nicht Über den starken Dunst, der an vielen Tagen Über der Erde liegt, freuen wir uns, denn er verkündet einen warmen Tag. Und wenn wir an einen Kanal vorübergehen, wollen wir immer schnuppern. Stinkt das Wasser und geht dazu die Sonne fahlgelb unter, dann ist der Wind schon unterwegs. Stinkende Kanäle bedeuten nämlich sinkenden Lustdruck, weil aus dem Wasser die Sumpfgase aufsteigen. Und sinkender Lustdruck heißt immer Wind und Regen. Wir könnten das auch am Barometer ablesen. Könnten es, wenn wir erst einige Erfahrungen gesammelt haben. Denn die Einteilungen an unseren Barometern „beständig, schön, veränderlich. Regen, viel Regen, Sturm' haben wirklich keinen Sinn Genuß, sinkt das Barometer schnell, folgt Sturm, aber nur im Sommer; im Winter ist es gerade umgekehrt, da bedeutet schnelles Sinken wärmeres Wetter. Die Masse sieht aus das Barometer und sagt:„Das stimmt doch alles nicht.' Nebenbei gesagt, setzt ja auch das Vorhersagen der Witterung aus dem Barometerstand ein s ort wahren des Ablesen und Vergleichen voraus; ein Barometer ist kein Chronometer, das uns sofort sagt, wie spät, und kein Thermometer, das uns verkündet, wie warm es im Augenblick ist. Ganz abgesehen davon, daß eine ernst- zunehmende Wettervorhersage kaum mit einem der uns bekannten Metallbarometer durchzuführen ist, Wetterwarten haben natürlich hochempfindliche Quecksilberinstriimente. ch Diese guten Ratschläge und weisen Lehren nützen in der Grop- stadt wenig. Der Tautropfen auf dem Alexanderplag ist sicher eine Kuriosität. Und jeden Morgen nach dem Grunewald spazieren, um nachzusehen, wie es mit dem Tau steht, das können wir leider nicht. Wir sind doch arme Leute. Eifersuchtstragödie in Spandau. Schüsse auf einen amerikanischen Studenten.- Selbstmordversuch der Täterin. Eine blutige Tragödie, deren Gründe bisher noch nicht einwandfrei geklärt sind, spielte sich gestern abend in der Genzenbergstraße II in Spandau ab. Im zweiten Stockwerk wohnt dort der Vollziehungsbeamte P. mit seiner ZZjährigen Frau Lina. Bei den Eheleuten logiert seit etwa einem Jahr der amerikanische Staatsangehörige Harry Barel, der aus New Dork stammt und an der Universität in Berlin studiert. Am Sonnabend nachmittag war der Ehemann fortgegangen. Bald darauf hörten Hausbewohner mehrere Schüsse fallen. Der Student stürzte aus der Wohnung auf den Treppenflur hinaus und rief laut:„Ich bin geschossen worden!' Dann brach er bewußtlos zusammen. Hausbewohner trugen ihn in die Wohnung hinein und fanden dort Frau P. mit einem Kopfschuß auf der Erde schwer verletzt auf. Durch die Feuerwehr wurden die Ver- letzten ins Spandauer Krankenhaus gebracht. Frau P. ist so schwer verletzt, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Bei dem Studenten wurde von den Aerzten ein B r u st s ch u ß festgestellt, man hofft, ihn am Leben zu erhalten. Die Gründe zu dieser Tat sind noch nicht ganz geklärt. Es wird vermutet, daß Frau P. zu dem jungen Amerikaner in Be- Ziehungen stand und in einem Anfalle von Eifersucht nach einem vorausgegangen Streit auf ihn geschossen hat. Volle Klarheit wird jedoch erst die Vernehmung Barels erbringen, der zur Zeit noch vernehmungsunfähig daniederliegt. Zugkatastrophe— 470 Tote. Eisenbahnzug in Süvamerika durch Erdrutsch verschüttet New H o r k, 10. Januar. Wie„Associated Preß" aus Guayaquil(Ecuador) berichtet, wurde auf der etwa 113 Kilometer von Guaha« quil entfernt liegenden Station H nigra ein Eisen- bahnzug durch einen Erdrutsch verschüttet. wobei 170 Personen den Tod fanden. Hnigra hat etwa 300 Einwohner und ist eine kleine Eisenbahn- station, wo die Züge gewöhnlich längere Zeit halten, um den Passagieren Gelegenheit zur Einnahme von Mahl- zeite« zu geben. »TS»* u.wW'Jjf5- «etl- in Äfel'»--' � tat Die Kirchen feinde von Seelen feld Es hagelt Kirchenaustritte--- Wo Ludendorff begraben sein will 3n Seelenfeld, einem kleinen Dörfchen im Kreise 2Uin- den, ist fast die gesamte bäuerliche Bevölkerung aus der eoau' gelischen Landeskirche ausgetreten und hat die Einrichtung einer bekennlnisfreien Schule verlangt. Es handelt sich hier um einen einzig dastehenden Joll, der den Behörden Kopf. schmerzen bereitet, denn die Einwohnerschaft ist llnhängcrin von Ludeudorsfs„Deutschzlauben" und wünscht ihre Schule auch in diesem Sinne geleitet zu sehen. Der Fall hat eine kuriose Vorgeschichte. Seelenfeld, ein llwnes Dörfchen von rund 300 Einwohnern, hatte einen recht st reitbaren Pfarrer. Der Gottesmann ging mit Feuereifer daran, die verderbten Sitten seiner stramm nationalen Gemeinde etwas aufzufrischen. Er sing damit an, daß er dem Männer- gesangverein das Singen auf dem Friedhof verbot, weil dieser immerhin weltliche Verein seinem Jünglingsvcrein die Mitglieder fortlockte: dann behauptete er vom gleichen Männergesangoerein, daß dieser die Trunksucht und Unzucht ins Dorf gebracht habe. Dem tonangebenden Kriegerverein trat er ähnlich auf die Hühneraugen, und ausgerechnet am Volkstrauertog predigte er von der Kanzel: ,Lhr seid Helden im Saufen, Helden im Tanzen und Helden im Skatspielen r" Vielleicht hat der Luther von Seeilenfeld den Kern der Sache getroffen, aber die Kirchen- besuche? gerieten in helle Wut. Einer hätte ihn am liebsten von der Kanzel geholt— sagte er später vor Gericht—, denn ein großer Beleidigungsprozeß folgte diesen Auftritten. Ueber 100 Zeugen machten ihre Aussagen: der Pfarrer schnitt sehr schlecht ab. Es stellte sich nämlich heraus, daß er auch bei den Wahlen zur Kirchenoertrewng despotisch und unkorrekt vorgegangen war. Da besuchte nun eines Tages Herr Ludendorff mit seiner Gattin Mathilde das fülle Dörfchen. Er kam natürlich genau so zufällig nach Seelcnseld, wie«r sich zufällig denn Kapp- Putsch am Brandenburger Tor eingefunden hatte oder dein: Bürger- bräuputsch in München. Angekommen, vesuchte er die Seelen- felder für seinen neuen Glauben zu begeistern.„Deutschglauben" nennt sich diese Sache, die die„Einheit von Blut, Glauben, Kultur und Wirtschaft"- im deutschen Volke hergestellt haben will und gc- eignet genug ist. einfältige Gläubig« beduselt zu machen.'Der Kern dieser neuen Religion ist die Ablehnung des Christen- t u m s und«in Bekenntnis zu einem Kult, den man vielleicht ain besten mit Wotanismus bezeichnen kann. Wotan ist in Seelensetd groß und Ludendorff sein Prophet. Nun hagelte es in dem Dörfchen, in dem man sozialdemokratische Stimmen an den Fingern abzählen kann, Kirchenau stritte. Hierbei war man g«nau so einmütig, wie zu früheren Zeiten, als man kontrollierende Finanzbeamle mit Forken und Sensen zum Dorf« hinausprügelte. Der Pfarrer wehrte sich so gut er konnte. Er drohte und wetterte, aber das machte die Bauern nur noch halsstarriger. Selbst der Hinweis darauf nützt« nichts, daß eine Beerdigung auf dein Kirchen- friedhof natürlich nicht mehr in Frage komme. Denn jetzt kaufl«n sich die„Tannenbergsr" m der großen Scelenfeldcr Heide«in vier Morgen großes Grundstück, auf dem sich übrigens auch die beiden freie Sozialistische Hochschule Sonnabend, den 17. Januar 19'/, Uhr, Im PienanMl de« ehemalig cn Herrenhauses, LeipiUcr Sfreiic 3 Vortrag de« Genossen Rcchlsansrall Otto Landsberg M.d.R. über „Krise des Parlamentarismus" Karten rum Preise von 50 Pf.(einschl. Garderobe) sind an folgenden Stellen zu haben: Büro des Bezirksbildungsausschusses. Lindenstr. 3, 2. Hof links, Z Treppen. Arbeiterjugend Gros-Berlin, Lindenstr. 3. 2. Hof links. 2 Treppen Buchhandlung J. H. W. Dletz Nachf. Lindenstr 2. Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Wallstr. 65. Deutscher Holzarbeiter-Verband, Am Köilnischen Park 2 und Rungestr 30. Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstraBe Ecke Luisenufer; Zigarren- geschäft Horsch. Engelufer 24/25. Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundstr.S. Zentralverband der Angestellten, Hedemannstraße 12. Vetlagsaesellschaft des ADCB. Abteilung Sortiment, Inseistr. 6 3. Frauensekretariat der SPD., Lindenstr Z, 2. Hot links 2 Treppen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt Lindenstr 3, 2. Hot links, 2 Treppen. Qeschäfisstelle des Touristenvereins Naturfreunde, Johannisstr. 13, und an der Abendkasse. größten Hünengräber der Gegend befinden. Das Land ist für den Verein„D-utschvolk" inst dem Sitz in München aufgelassen worden. Sämtliche verstorbenen„Tannenberger" sollen hier bestattet werden — ja, sogar General L ude n da rf f will hier ein st ruhen. Denn es fei die einzige Stätte, so sagte er, wo er noch wahrhasttge Deutsche angetroffen habe. Gegenwärtig wird also uni die bekennt iiisfreie Schule gestritteiL Si« wurde vom Elternbeirat sowohl wie vom Schul- vorstand und der Gemeindevertretung beschlossen. Vorerst wurde aber der einzige Schulmeister der Gemeinde versetzt. Ein neuer Schulamtsoorsteher kam ins Dorf, aber der weiß mit den„deutsch- gläubigen" Jdc«n nicht viel anzufangen. Zreiheiisberaubung? Wie ein Mann seine schimpfende Frau einsperren lieh. Der Pokzeiwachimeister M. hatte, wie das Schöffengericht Schöneberg ihm das gestern bescheinigte, seine Frau gegen ihren Willen, ohne das Vorhandensein eines ärztlichen Attestes und ohne Zuhilfenahme der Behörden in eine Anstalt sperren lassen. Und das kam so: Der Polizeiwachtmeister M. hatte erst im April 1329 geheiratet. Gegen den Willen seiner Angehörigen, insbesondere gegen den Willen d«r Schwester. Dies« soll von vornherein gesagt haben:„Diese Ehe werde ich lösen." Und die Ehe war auch tatsächlich nach kurzer Zeit gelöst. Durch wessen Schuld mag dahingestellt bleiben. Die junge Ehefrau schiebt sie der Schwägerin zu. Dies« habe ge- fordert, daß das Ehepaar zu ihr ziehe: sie oerdien« nicht genug und habe den Bruder auspressen wollen. Der Mann sei geizig gewesen, habe ihr, seinem Weibe, kein Geld gegeben, so daß sie schließlich gezwungen gewesen sei, eine Stellung anzunehmen. Der Wacht- meister behauptet dagegen, die Frau trage die Hauptschuld. Er habe ihr alle zehn Tage 50 Mark gegeben, sie aber habe das Geld verschwendet. Es sei mit der hysterischen Person überhaupt nicht auszukommen gewesen. Tatsächlich war der Wachtmeister zweimal mit der Frau bei Aerzteu. Das letztemal, acht Tage vor dem kritischen Tag, erklärte der Zlrzt: die Frau leid« an einer schweren psycho- genen Neurose, einer Unterbringung in einer Heilanstalt wäre vielleicht durchaus nicht abzuraten. Am 3. Oktober 1323 brauchte die Frau wieder Geld. Sie bat den Mann um 10 Mark. Erhielt sie aber nicht. Der Wachtmeister suchte mit seiner Schwester und«inem Freunde ein Lokal auf und glaubte nun, vor seiner Frau geborgen zu sein. Er hatte sich geirrt. Sie stellte sich vor die Tür, schrie ins Lokal hinein:„Du verpraßt das Geld." Der Wachtmeister, in voller Uniform, fühlte sich beunruhigt. Cr ging ans Telephon und rief das Rettungsamt an: man solle aus seiner Wohnung sein« Frau holen, die«inen Tobsuchtsanfall be- kommen habe. Er brachte sie nach Hause,— die Frau behauptet«, daß sie geschleppt worden sei. Bald darauf erschienen die Pfleger mit der Bahre des Rettungsamtes, die Frau widersetzte sich, schrie immerzu:„Ich bin doch nicht verrückt!" Es wurde ihr ein Tuch über den Kopf geworfen, man schnallte sie an der Bahr« fest und brachte sie ins Virchow-Krankenhaus. Nach einem ärztlichen Attest hatten die Pfleger überhaupt nicht ge- fragt: si« glaubten, so sagten sie vor Gericht, daß ein solches vor- Händen sei. Die Aerztin fand aber die Pattentin am nächsten Morgen vollkommen ruhig und geordnet und enttieß sie aus der Anstalt. Die Frau erstattet« gegen den Ehemann Anzeige wegen Frecheitsberaubung: der Ehemann reichte 14 Tage später gegen sie die Scheidungsklage ein: mahl warf er ihr Ehebruch vor. berief sich aber durchaus nicht auf ihre Geisteskrankheit als Scheidungsgrund. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten zwei Monate Gesängnis. Das Gericht sprach ihn frei. Es erkannte wohl seine Handlungsweise als w i d e r r e ch t l i ch an, glaubte jedoch, ihm das Bewußtsein der Widerrechtlichkeit ab- sprechen zu können. Freispruch imVrandWerprozeß Gefängnisurteil gegen Frau Ziadde aufgehoben. P r e n Z l a u. 10. Ianuar. Zm Prenzlauer Vraudstislerprozcß fällte das Gericht soigcndes Urteil: Da» Urteil des Sckzöffengerichts gegen die An- gcklagie Rodde wird hiermit ausgehoben und die Angeklagte freigesprochen. Die kosten des Verfahrens werden der Staatskasse auferlegt. In der B e g r n n d u n g d e s Urteils heißt es:„3m Verlaus dieses Prozesses sind einige Momente, die ungünstig sür die Angeklagte waren, in Fortsall gekommen. Nach den Gutachten darüber, ob Wolf das Feuer selbst angelegt hat oder nicht, erscheint es nicht mehr denkbar, daß er die Tat selbst be- gangen hat. Der Beweiswert des Geftändinsses ist dadurch bedeutungslos geworden. Auch das Gutachten des Krnninalrats Schneikert über die Urheberschaft des anonymen Briefes war heute viel präziser als in der ersten Verhandlung. Es ging dahin, daß die Angeklagte wahrscheinlich den Brief selbst geschrieben hat, während früher nach den Gutachten die Wahrscheinlichkeit bestand, daß Wolf den anonymen Brief selbst geschrieben hat. Nicht die Unschuld des Gutsbesitzers Wolf ist in diesem Versahren nach- gewiesen worden, aber die Zwcisel an seiner Schuld sind doch sehr erheblich geworden. Es bleiben doch noch viele Unklarheiten trotz dieses Prozesses übrig. Die Selbstbezichtigung des Wolf hat aber soviel Unwahrscheinlichkeit, daß man ihr keilten Wert mehr beizu- messen vermag. Was übrig geblieben ist von den Verdachtsmomenten gegen ihn, genügt nicht, um ihn zu überführen oder zu verurteilen. Deshalb mußte auch die Angeklagte frei- gesprochen werden. Ick) bcdaure, dem Gutsbesitzer Walf hier attestieren zu inüssen, daß nur eine ganz unglaubliche Torheit und Weltfremdheit ihn das Tatsgeständnis hat ablegen lassen. Die übriggebliebenen Verdachtsmomente reichen nicht aus, um in ihm den Täter zu sehen. Ist aber Wolf nicht schuldig, so fällt auch das.Nachverfechren. nämlich die Begünstigung seiner Tat durch die angeklagte Rodde aus. Denn wenn kein Täter vor- Händen ist, so kann auch keine Begünsttgung durch die Angeklagte stattgefunden haben." Durch dieses freisprechende Urteil wird dem Gutsbesitzer Wolf nunmehr die Möglichkeit erschlossen, das Wiederaufnahmeverfahren zu betreiben, um nachzuweisen, daß er den Brand nicht angelegt hat. Wolf war bekanntlich zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, doch hatte das Justizministerium die Aussetzung seiner Strafe verfügt, bis das Verfahren gegen die jetzige Angeklagte, Rodde, entschieden war. Freie Betten für Grippekranke. Das Berliner Nachrichtenamt teill mit: Ein Berliner Mittagsblatt behauptet, daß die gestrige Mit- toilung des Hauptgesundheitsamtes der Stadt Berlin„Genügend Rsscrvebetten frei", unbegreiflich sei, wenn tatsächlich Schwerkranke nur mit größter Mühe in Keankenhäusern unterzubringen seien und olle Krankenhäuser„belegt" und überbelegt melden. Wie das Hauptgesundheitsamt hierzu mitteilt, standen dagegen für die Auf- nähme innerer Kranken am Sonnabend, dem 13. Januar, in den städtischen Krankenhäusern 232 Betten, in den nicht- städtischen Krankenhäusern 75 Betten, insgesamt also 277 Betten frei. Darüber hinaus wurden im Laufe des Sonnabends noch wettere 50 Betten(für Frauen) im Krankenhaus Buch und. 33 Betten(für Männer) im Krankenhaus Pankow berettgeftellt, um mich am Sonntag allen Anforderungen genügen zu können. Es fei auch hier nochmals darauf hingewiesen, daß man sich in allen Fällen an den Zentralen Bettennachweis des Reitungs- ttmtes(Anruf: Dl Norden 0013) wenden möge, um unnöttge Ber- zögerungen zu vermeiden. Slntouufall des ReichsfinanMinisters. Am Großen Stern im Tiergarten stieß gestern abend ein Privatauto, in dem sich R e i ch sf, i n a n z m in ist e r Dr. Dietrich mit feiner Frau befand, mit einer Autodrofchke zusammen. Beide Fahrzeug« wurden erheblich beschädigt. Die In- fassen blieben glücklicherweise unverletzt. Treuherzig blickte er ihm in die Augen:„Bater, du hast heute meinen Betrieb gesehen. Und nun kannst du dir denken, daß ich keine Zeit hatte, dich zu besuchen. Mir ist im letzten Jahre allerlei durch den Kopf gegangen. Du weißt selber, von nichts wird nichts. Man muß höllisch auf dem Damm sein, wenn man in solcher Zeit einen solchen Betrieb aufrechterhalten will. Ja, das muß man! Ich will dir einen Vorschlag machen, Bater! Meine Parzelle da draußen verwildert, das Häuschen steht leer. Ich habe keine Lust, im Garten etwas zu schaffen. Ich bin froh, wenn ich nichts zu tun brauche und Ruhe, Ruhe habe. Die kurzen Sonntage da draußen sind meine einzige Erholung: mehr habe ich nicht von meinem Leben! Willst du nicht mit der Mutter hinausziehen? Deinen Laden..., den überlasse mir. Ich stelle ein Musterzimmer darin aus. Das geht. Du erhältst von mir genug zum Leben. Du kannst draußen was tun oder auch nicht, ganz wie du willst. Deine müden Knochen wollen doch auch mal Ruhe haben. Du ver- stehst mich doch, Vater? Nicht wahr, im Grunde sind wir zwei doch immer einig gewesen?!" Des Wien Augen leuchteten. „Gedacht Hab ich an einen solchen Ruhesitz auch schon, Ludwig. Aber du weißt, ich habe es nie schaffen können. Es würde ja das Beste sein für Mutter und mich. Meine Schn- sucht war es ja immer, endlich einmal aus dem Häusermeer herauszukommen. Wenn du nun denkst, daß ich dir alles rscht mache, mein Junge... Seine Stimme überschlug sich. Er konnte vor Rührung nicht westersprechen. Auch Ludwigs Augen wurden feucht. „Ach was. Dater, wemr du nichts machst, ist es auch gut. Dann habe ich Sonntags wenigstens deine Gesellschaft. Also abgemacht. Bater, du ziehst noch diese Woche raus! Die an- deren Angelegenheiten überlaß alle mir. Die merd ich schon ordnen! Der Mte faßte dankbar nach seines Sohnes Hand. Ludwig entzog sie ihm:„Laß das, Vater! Du bist doch immer gut zu mir gewesen. Ohne dich stünde ich ja nicht hier. Jetzt kann ich dir beweisen, daß du dich in mir nicht getäuscht hast. Also aus Wiedersehen Sonntag!" Istha mußte eine Taxe holen. Ludwig brachte seinen Vater selbst in das Auto. Der Alte, überwältigt von der Liebe seines Jungen, wehrte ab:„Ich kann ja zurück laufen, Ludwig. Ein Auto kostet viel Geld. Und außerdem fährt es so schnell!" Lachend und doch mit großer Behutsamkeit schob er seineu Vater in den Wagen und gab dem Chauffeur den Auftrag, so langsam als möglich zu fahren. Der Mann nickte und steckte dankend die reichlich bemessene Taxe ein. Ludwig blieb stehen und sah dem entschwindenden Auto nach, bis er die müde winkende Hand seines Vaters nicht mehr sah. Istha stand neben ihm, und ein fremder Zug in ihrem Gesicht verriet, daß sie nicht begreifen konnte, warum ihr Papa so viel Wesen um den klapprigen, schlechtgekleideten Großvater machte. Er erriet ihre Gedanken. „Ja, Istha, nimm dir den Großvater zum Beispiel. Der hat gearbeitet ein ganzes Menschenleben lang, und du...?" „Ich bin ja noch jung, Papa!" gab sie trotzig heraus und schürzte unwillig die Lipvcn. „Ja, jung und faul! wollte Ludwig sagen. Aber er oer- schluckte den aussteigeilden Zorn, drückte ihn hinunter und sagje, weiter nichts als:„Komm! Aber dies kleine Wort klang scharf wie ein Peitschenhieb. Wahrhaftig, die schöne trotzige, immer sich auflehnende Jscha zog für einen Augenblick zusammenfahrend die Achseln ein. Das Loch im Westen, durch welches bisher nicht nur Möbel, sondern auch Jndustricerzeugnisse aller Art hindurch- geschlüpft waren— obwohl im Inlands selber genug Bedarf gewesen wäre— schien durch irgendeine geheimnisvolle Kraft oerstopft zu sein. Die Rachfrage wurde kleiner und kleiner: der Absatz kam schließlich ganz ins Stocken. Himmelsbach, wie immer der Zeit um Handbreite voraus, zog aus der neuen Lage die Konsequenzen und annullierte der Firma Ludwig Eisermann einige hundert Zimmer, die er zwei Wochen zuvor in Auftrag gegeben hatte, Der eingeschriebene Brief mit dieser Unglücksbotschaft traf Ludwig wie ein Faustschlag. Mehrmals las er die Zeilen durch, die die viel beschäftigten seidenen Florstrümpfe mit Kopierband auf Himmelsbachs schwungvoll beschrifteten Briefbogen niedergehauen hatten, und wollte seinen Augen nicht trauen. Aber die Annullierung war da und blieb. An der nüchter- nen, trockenen Absage des Möbelhäudlers war nicht zu deuteln. Ganz klar und deutlich stand da:„Ich ziehe demgemäß die noch laufenden Aufträge zurück!" Wie kam Himmelsbach dazu, so was zu schreiben? Das ging doch einfach nicht. Die Hölzer lagen ja zum größten Teil schon in der Trockenkammer. Für ungezählte Millionen Mark Kapital steckte darin. War dieser Obermacher in der Prinzenstraße denn verrückt geworden? Handel und Wandel besteht aus klaren, unverwischbaren Rechtssätzen. Einer der wichtigsten heißt: Bestellung ist Bestellung! Jawohl, so heißt er. Ludwig dachte nach. Er erinnerte sich aber eines Falles, wo auch einer Bestellung Bestellung sein ließ. Wen hatte es damals getroffen? Himmelsbach!" „Aha!" redete er sich ein,„dieser Brief hier ist die Quittung für damals? Der Herr hatte sich seine Rache auf Eis gelegt und wichst sie jetzt heraus!" Dreiviertel Stunden später saß er vor Himmelsbach und schrie ihm seine Meinung ins Gesicht. Der kannte ihn in dieser Hinsicht und ließ ihn ruhig gewähren. „Mein lieber Eisermaim, ich kann Ihnen nicht helfen!" sagte er dann achselzuckend. Ludwig protestierte:„Sie könnten wohl, Sie wollen bloß nicht!' Himmelsbach sah eine Weile nachdenklich die Lackspitzen seiner braunen Halbschube an. Dann rieb er die Knöchel seiner ringbesetzten Hände aneinander und schaute Ludwig voll ins Gesicht:„Im Vertrauen. Eisermann, Ihre Ware ist für heute zu teuer. Andere Finnen fabrizieren billiger. Sehen Sie mal her..." Er dirigierte Ludwig mit einer Handbewegung in den riesigen Lagerraum nebenan und zeigte ihm ein fremdes Musterzimmer. Ludwig sah sich die Ware eingehend an mid prüfte die kleinsten Einzelheiten. Dann strich er sich über die Stirn und ftagte nach dem Preis.(Fortsetzung folgt.) Verleumdungshehe gegen Aydahl. Kommunist und Oeutschnationaler auf d«r AnNaqeban� Aton erlebte gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mtte ein seltenes Schauspiel: die„Deutsche Tageszeitung" und die„Rots Fahne" sriedlich-kameradschafttich aus derselben Anklagebant wegen Beleidigung des Stadtschulrats Nydahl. Im Hintergrund des Verleumdungsprozesse- stand die Affäre des Sladtinspektors Borchard, der beschuldigt war, Schmiergelder bei Bestellungen erhalten zu haben. Stadtschulrat Nydahl hatte mit der ganzen Sache nichts zu wn. Für die nationale und bolschewistische Presse waren aber die genannten Verfehlungen ein erwünschter Anlaß, eine Verleunrdungskampagne zu erössnen. Und obgleich?!ydahl in einer seinerzeit veröffentlichten Erklärung in allen Einzelheiten die gegen ihn aufgestellten verleumderischen Be- hauptungen widerlegt hatte, waren die angellagten Redakteure Metternich von der„Deutschen Tageszeitung" und Wilde von der „Roten Fahne" gestern doch nicht gewillt, die Ehrenerklärungen abzugeben, die Rechtsanwalt Landsberg für Nydahl faiderte. Die „Deutsche Tageszeitung" halte am 39. April in einem Artikel„Was ist los, cherr Nydahl: Schmiergelder in der Stadtverwaltung?" mit der Anfrage der deutjchnationalen Fraktion in der Stadtosrordneten- Versammlung wiederholt die Frage ausgeworfen, ob es zutreffe, daß Stadtschulrat Nydahl von diesen Dingen(das heißt den Bor- chardschcn Schmiergeldern) gewußt habe, und von sich aus einige verleumderische Behauptungen aufgestellt. Die„Rote Fahne" hatte ihrerseits am 1. Mai dieselben verleumderischen Behauptungen in einem Artikel„Stadtschulrat Nydahl und seine Gräfin" wiederholt und eine weitere hinzugefügt. Nydahl, als Zeuge vernommen, hielt sich im großen und ganzen an fein« im Mai in der Press« veröffentlichte Erklärung. Er habe von den Borchardschen Schmier- oeldern erst nachträglich durch die Untersuchung erfahren. Einer Beantwortung der Anfrage über Borcl)ards Verhalten in der Stadt- vcrordnetenoersanmllung habe er sich in keiner Weife entzogen. Er habe am Mittwoch, als der Arzt ihn wegen seines Leberleidens veranlaßt habe, sofort niederzulegen, noch nicht gewußt, daß am Donnerstag die deutschnationale Anfrage zu beantworten sein würde. Er sei damals vierzehn Tage bettlägerig gewesen und habe nach seiner Rückkehr aus Marienbad selbst beim Magistrat beantragt, ihn amtsärztlich untersuchen zu lassen. Was die Anwürfe gegen ihn in Verbindung mit der Gräfin Talleyerand betreffe, so habe er erst später erfahren, daß sie an einer Firma teilhabe, die übrigens schon seit Iahren den Magistrat belieserc. Den Auftrog, den sie von ihm erhalten hatte, galt einer ganz anderen Firma. Ebenso energisch müsse er den Vorwurf zurückweisen, als liabe er sich bei Bestellungen von Pianos etwas zuschulden kommen lassen. Die Verteidiger der angeklagten Redakteure wollten sich mit diesen eindeutigen Erklärungen des Stadstchulrats Nydahl nicht zu- frieden geben und erklärten, den Wahrhsitsbeweis antreten zu wollen. Sie stellten eine Reihe Beweisanträge, die das Gericht vcranlaßlen, die Verhandlung zu vertagen. Wasseu gegen Ratio ualsoziali-mus und politisches Rowdytum. Die verfassungstreuen Schlllerschasten im Stadtbezirk Berlin veranstalten am Dienstag, dem 13. Januar l93l, pünktlich 17,30 Uhr (:>,30 Uhr nachmittags), im Saal des Jugendheims, Charlottenburg, Sprecstraße 30(Nähe Wilhelmplaß),«inen öffentlichen Schulungs- kurfus. Oberstudienrat Dr. Wilhelm Blankenburg spricht zu dem oben genannten Thema. kerlin, die„Elf-HügdUStadi U Hügelstädte haben in der Geschichte sich ihren Namen gemacht. Auch Berlin war einmal eine Hügelstadt, ohne jedoch sich diesen Charakter zu bewahren. Im Gegenteil. Vor etwa SO Iahren setzte die große Nivellierungsperiode ein,, die Berlins Hügel „nach biblischem Vorbild" in die Täler schüttete, sie dem Erdboden gleichmachte, so daß von dieser stolzen Hügelzahl nur eine„eins" übrigblieb, nämlich der Kr e uz b erg. Er ist das letzte Abbild der ehemaligen Berliner Berge. Ursprünglich bestand Berlin aus einem rechts und links der Spree gelegenen tiefen Becken, zu dem rundum die Hügel und Hänge zweier Plateaux hinabstiegen. Noch heute finden sich am Rande der Berliner Altstadt ein« Reihe von Straßen, die nach außen hin ansteigen und besonders jetzt bei dem regnerisch- schneeigen Frost- und Tauwetter sowohl der Straßenbahn als auch anderen Fahrzeugen Schwierigkeiten bereiten. Am bemerkbarsten ist dos Ansteigen der Belle-Alliance- und Friesenstraße am Tel- tow-Plateau und der Christinen-, Choriner und Greifswalder Straße sowie der Prenzlauer und Schönhauser Allee am Barnim- Plateau. Ursprünglich sah der K r e u z b e r a stolz auf seine Kollegen zur Rechten und Linken herab, die zum Teil 1862 par- zelliert wurden. Nichts hört man mehr heute von den Tempel- hoier Bergen, die später Köllnische Weinberge hießen, und auf denen eine alte Weißbierstub«,„Der duftere Keller", war. Jenseits der Hasifheide, Rixdorf zu, lagen die«R o l l b e r g s" in der Gegend der heutigen Mainzer und Herinannstraß«. Hier führte eine alte Landstraße über den von Weidcnbäumen cinge- faßten Rixdorfcr Damm nach Dresden. Im Norden Berlins, am Treffpunkt der Bernauer, Neuen König- und Greifswalder Straße lagen zu beiden Seilen der heutigen Friedenftraße der„Bcß- mannsch« W e i n b e r g", auf dessen nordöstlicher Seite sich heute die Bartholomäuskirche erhebt und der„Ottosche W e i n b c r g". Dieses Terrain wurde vor etwa 100 Iahren parzelliert. Weiter nördlich erhoben sich die„M ü h l e n b e r'g c" und der„Wind- mühlen b e rg". Am heutigen Weinbergsweg log der„W ol- lanksche Weinberg", und an der heutigen Bergstraße der „Kleine Weinberg". Zum Humboldthafen jenseits der Alsen- b rücke wurde der ehemalig«„Hohe Weinberg", der also eine merkwürdige Wandlung mitmachte. Das Moabiter Land beherrschte der„M oabiter Vera" auf einer Landzunge, die umspült war von der Spree und der„Wulwe-Lanke". Er war einer der land- schaftlich reizvollsten Punkte in Berlin und wies einen statllichsn Bestand von schattigen Laubbäumen auf. Zum Schillerpark wurden die teilweise eingeebneten„R e h b« r g e" und zum„Volkspark" in der Iiingsernheid« die ehemaligen„L c u t n a n t s b e r g e". Soweit es sich bei diesen Bergen nur um Sandhügel handelte, trugen sie sich zum Teil selbst ab durch den herunterrieselnden Sand, in den der Wanderer knöchelties einsank. Von den 11 Hügeln sind in Berlin nur wenige Reste übrig geblieben. 20 Arbeiter verschüttet. Katastrophe beim Tunnelbau in Kalifornien. Rew Po rk. 10. Januar. Nahe bei Lrvermare, etwa 80 Kilometer östlich von Sa« Franz ist o in klalifornien sind bei dem Ban eines Tunnels durch einen(Srdentsch 2 0 Arbeiter der- schüttet worden. Der Tunnel sollte in 700 Meter Tiefe angelegt werden. Die HilfSarbetten sind im Gange, jedoch besteht wenig Hoffnnng auf Rettung der Verschütteten. Gin Gasbehälter explodiert. Zwei Arbeiter tot, mehrere Verletzte. Kopenhagen, 10. Zanuar. Gestern explodierte aus dem Grundstück eines stlllgeleglen Gas- werks im Süden von Kopenhagen ein Gasbehällcr, der abmontierk wird. Als ein Monteur eine Schraube nicht losbekommen konnte und deshalb mit einer eiserneu Stange dagegen- lief, entstanden Funken, die die Explosion verursachten. 3m Gasbehälter befand sich Knallgas, das sich durch Lusielndringen gebildet hatte. Ein Rohrleger wurde auf der Stelle g e l ö l e t. Seine Leiche liegt vermutlich in dem Z Meter tiefen Loch, wo der Gasbehälter gestanden hatte. Ein anderer Rohrleger wurde schwer verwundet und st a r b aus dem Transport zum Krankenhaus. Mcr Arbeiter und einige Bewohnet benachbarter Häuser wurden leicht vcrlehl. Durch die Explosion wurden zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Todesopfer eines Autounglücks in Charlottenburg. Die Autorascrei hat gestern wieder ein Todesopfer g�- fordert. An der Ecke der Wiebestraße und Kaiserin-Augusta-Mce ist ChaAolteiiburg mußte der Fahrer eines P r i o a t a u t o s, das in sehr schneller Fahrt herankam, plötzliä) scharf bremsen, um einen Zufanmienstoß mit einem Lieferauto zu verhüten. Dos Prioaiauto rutschte mit angezogenen Bremsen auf dem vereisten Fahrdamm noch viele Meter weiter und überschlug sich dabei mehrmals. Das Auto wurde völlig zertrümmert. Der Führer, ein 30jShriger Walter Hamann aus der Nordhausencr Straße, konnte nur noch als Leiche aus den Trümmern geborgen werden. Zugeodweihe» der Sozialisten, Freidenker und Gewerkschaften. Lichtenberg: Für die 34., 35. und 38. VollSschulc beginnt am Dienstag, dein tS.o. Mls., I6P. Uhr. die Lcbenskundc in der Schule Scharnweberür. IS, .'Ummer 29.— Für die 36., 37. und 39. Volksschule beginnt ebenfalls am Dienstag, dem 13. d. Mts., die Lebenstunde in der Schule Marktstratze um 16'/. Uhr. Jngendweiheannieidungei! loerdcn dort noch entgegengenommen. Eiiikchreibegebübr 50 Pf.— Die Jugendweihe selbst findet am Sonntag. dem 29. März, statt. Stuhlverstopfung. Nach den an den Kliniken für innere Krank- hellen gesammelten Erfahrungen ist das natürliche„Franz-Josef"'- Bitterwasser ein äußerst wohltuendes Abführmittel. In Apoch. erh. 'ZVJSt A'ä/OttOTi.2»-.»?.' J.AVt . i.. V A,C Von unserem Gesamtpersonal von ca. 2500 Personen sind durch gewissenlose Hetzer 140 Chauffeure und Handelshllfsarbeiter unter dem Vorwand, dass wir einen Lohnabbau beabsichtigen, in einen wilden Streik gedrängt worden. Die Arbeitseinstellung ist gegen den Willen der Gewerkschaften erfolgt, die ausdrücklich erklärt haben, dass für die Mitglieder ihrer Organisation ein Streik bei uns nicht bestände. („Vorwärts" vom 9. Januar 1931.) Ein Lohnabbau ist bei uns nicht erfolgt! Die bestehenden Tariflöhne sind von uns bis zum 31. März 1931 fest zugesichert. Die von den wild Streikenden verlangte sofortige zehnprozentige Lohnerhöhung haben wir jedoch ablehnen müssen. Wie unberechtigt diese Forderung ist, wird bewiesen durch die aussergewöhnlichen Vorteile, die wir unseren Arbeitern und Angestellten durch übertarifliche Leistungen gewähren. Das gesamte Personal unseres Kraftwagenparks und ein grosser Teil unserer Handelsarbeiter erhalten freiwillige Leistungszulagen, die um 5 bis 250/o den tariflichen Wochenlohn von M, 54,50 für Chauffeure und M. 46,50 für Handelsarbeiter, zuzüglich Sozialzulagen für Verheiratete und Kinder, Ubersteigen. Im Erkrankungsfalle erhalten sie eine freiwillige Beihilfe zum Krankengeld, so dass sie auch in diesem Falle annähernd ihren Tariflohn erreichen. Sie erhalten ausserdem eine freiwillige aussertarifliche Urlaubszulage, die im Jahre 1930 M. 35,— pro Person betrug. 800/o unseres Personals erhalten freiwillig gewährte übertarifliche Bezüge. Jeder Angestellte und Arbeiter unserer Firma erhielt ein Weihnachtsgeschenk. In unserer Schuhfabrik und Reparaturwerkstatt zahlen wir die höchsten Löhne, die in der deutschen Schuhindustrie überhaupt gezahlt werden. Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in weitem Masse gleichlaufend sind, und dass auf die Dauer kein Arbeitgeber erfolgreich sein kann, der seinen Mitarbeitern keine Möglichkeit zur Verbesserung ihrer sozialen Atmosphäre bietet, Berlins arBsstes SchuhHaus Techniker zur Kalenderreform. Der Relchsbund Deutscher Technik, Ortsgruppe Berlin, nahm in einer sehr stark besuchten Versammlung im Haus der Technik Stellung zur Zroge der Kolenderrejorm. Den Anlaß dazu bot der Umstand, daß das im letzten Sommer vom Reich gebildete Studienkomitee zur Prüfung der .�alenderfrage die verschiedensten Wirtschaftsorganisationen und Vcr- waltungen um gutachtliche Aeußerungen ersucht hat. Den Vortrag des Abends hielt Dr. B l o ch m a n n � Kiel, der seinen bekannten R« f 0 r m v 0 r s ch l a g erläuterte, nach weichem jedes Vierteljahr drei Monate von 31, 30, 30 Tagen mit derselben Anzahl von 26 Werktagen erhalten und Ostern stets am Sonntag, dem 8. Apnl, gefeiert werden soll. Der die vollen Woche störende 363. Tag des Tages soll als Blankotag ohne Wochentagsnamen in seine Mitte gelegt, der Scholtttag, ebenfalls ohne Wochentagsnamen, ans(knde des Jahres gesetzt werden. Dadurch wird ein immerwährendes Kalcndarium,«in für alle Zeiten gültiger ewiger Kalender, ermög- licht. Neben diesein Vorschlag unterbreitet das Studienkomitee auch den von Cots worts zur Acußerung, der 13 gleich lange Monate zu je vier Wochen vorsieht, den Blankotag ans Ende des Jahres und den Schalttag hinter den 6. Monat setzen will. Blochmann wandte hiergegen ein, daß ein imnierwährendes Kalendarium, ein wesentliches Ziel der Reform, hierdurch vereitelt wird, daß ferner die Vierteilung des Jahres, ivelche durch die Jahreszeiten mit ihrem Wechsel von Sprießen, Blühen, Reifen und Ruhen durch die Natur selbst verlangt wird, unmöglich gemacht werde, und daß schließlich der 13-Monate- Kalender für die Wirtschaft keine Erleichterung, sondern erneute Belastung bringe, weil all« Abschlüsse und sonstigen monallich vor- zunehniendcn Arbeiten 13- statt IZrnal erledigt werden müßten. Aus diesen Gründen verwarf auch die Versammlung den Cots- wvrtsschen 13-Monat«-Kalender und erklärt« sich einstimmig für den Blochmannschen Vorschlag. Wie muß man Heizkissen behandeln? Zu dem schrecklichen Verbrennungstod eines Kindes, verursacht durch ein vergessenes Heizkissen, über den wir berichteten, erhalten wir von zuständiger Seite folgende Ausführungen: Bisher galt mit Recht als besonderer Vorzug der elektrischen Energieversorgung im Haushalt die so gut wie 100prozentige Sicher- heit bei der Benutzung elektrischer Geräte. Die Millionen Heizkissen- bescher brauchen daher ihre Heizkissen nicht außer Betrieb zu setzen, weil unglücklicherweise ein kleines hilfloses Kind einem Heizkissen- brand zum Opfer gefallen ist. Die Benutzung elektrischer Oualitäts- Heizkissen muß nach wie vor absolut als ungefährlich bezeichnet werden. Allerdings sollte es selbstverständlich sein, daß man ein Heizkissen keinerlei Beschädigungen irgendwelcher Art aussetzt. So ist allgemein bekannt, daß man ein Heizkissen nicht scharf umknicken darf, weil dann trotz bester Bauart die sehr feinen Heizkörper und die darin verwendete Glimmcrisolation oerletzt wer- den kann. Man wird den Schaden vielleicht monatelang nicht be- merken, bis er sich dann aber doch einmal spürbar macht. Noch wichtiger ist, darauf zu achten, daß Heizkissen niemals feucht werden, selbst das Eindringen von Schweiß kann auf die Dauer auch das beste Heizkissen ruinieren. Ileberdies leitet bekanntlich jede wäfsrige Flüssigkeit den elektrischen Strom, weshalb ja auch für Badezimmer und feuchte Räume besondere Jnstallations- Vorschriften berücksichtigt werden müssen, und weshalb auch niemand so unvorsichtig sein wird, mit nassen Händen elektrische Leitungen Oer Herr mit dem vielen Gepäck. Eine Gpitzbubengesellschast für Ltntermieter- Diebstahl. „Möblierkes Zimmer zu vermiete o. Röhe. res bei...." Immer, wenn dieses Schild in der Melchior-, der Franz-, der Zosephftraße, kurzum in der Gegend um den Michaelkirchplah herum zu sehen war, meldele sich ein junger Mann, um zu mieten. Der Herr machte einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck. Er leistete eine Anzahlung, er war liebenswürdig und höflich, med vor allem, er brachte nicht weniger als drei odcrvierKofjer mit. Manche unvermögende Vermieterin ivar froh, in dieser Zeit-der Not endlich einen anständigen Mann, der noch dazu über Geld zu verfügen schien, für ihr Zimmer gefunden zu haben. Ilm so größer war ihre Enttäuschung, die schon nach der zweiten oder dritten Nacht einzutreten pflegte. In den Koffern war werkloses Zeug, das weg- geworfen wurde: dafür packte, während die Wirtslcute schliefen, der vor wenigen Stunden noch so zuvorkommende junge Mann hinein, was nicht niet- und nagelfest ist; Wäsche, Bettzeug, Geschirr, die Weckeruhr, Geld, das in der Küchenschub- lade war, alles irgendwie Groislxir«! Bor der Tür oder am Fenster warteten seine Freunde, um das gestohlene Gut in Empfang zu nehme». Gemeinsam verscheuerten es die Kumpane, um das bei .Hehlern oder im Asyl erstandene Geld in der Kneipe zu versaufen oder sonstwie zu verjuxen. Auf der Dienststelle des Polizeipräsidiums hatte man bald heraus, daß es sich um ein und dieselben Spitzbuben. also um eine organisierte Bande lzandeln mußte. Nach längeren Ermittlungen gelang es, die Burschen in einem Quartier m der Gormannstrahe ausfindig zu machen und festzunehmen. Es handelt sich um einen 24jährigen Chauffeur, einen Jugendlichen, der als Bcruf.Boxcr angibt, und einen Menschen, der sich zu Unrecht Arbeiter nennt. Ein Vierter, der 26 Jahre alte Schmied Otto Fürstenberg, wird noch gesucht. Die Dienststelle<3 6 im Polizeipräsidium bittet das Publikum, sie bei der Sache zu unter- stützen. Das öffentliche Interesse an der Dmgfestmachung auch des letzten Mitgliedes der Bande ist um so größer, als es sich bei den Bcstohle- »en durchweg um unbemittelte Leute handelt. Ein großer Teil des Diebsgutes ist leider nicht mehr herbeizuschaffen, da die erbeuteten Sachen von den Spitzbuben sofort weiterverkaust wurden. Amtsunierschlagungen eines Postbeamten. Bor dem Schöffengericht Tcmpelhof hatte sich der Postschaffner Sch. wegen schwerer Amtsuntcrschlagung zu verant- warten. Er war am Schalterdienst tätig und hatte schon im Jahre 1929 einen Fehlbetrag von 400 Mark in der Kasse, den er dadurch oerschwinden ließ, daß er Postanweisungen und Zahl- karten bis nach der Abrechnung zurückhielt und erst nachher in den Dienstzang brachte. Den Fehlbetrag ersetzte er durch ein Darlehen. Dann aber entstanden bei ihm während des ganzen folgenden Jahres neue Fehlbeträge in Höhe von annähernd 2000 Mark. Die Entdeckung verhinderte er durch eine Fälschung der Ein- zahlungsliste. Dos Gericht kam auf Grund der Beweis- aufnähme zu der Ueberzeugung, daß ein so großer Fehlbetrag nicht. wie der Angeklagte behauptete, aus Versehen entstehen könne. Mit Rücksicht auf die Notlage, in der sich der Angeklagte durch d>e Krankheit seiner Frau befunden hatte, wurden ihm mildernde Umstände bewilligt. Er wurde wegen schwerer Aims- Unterschlagung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. zu berühren, selbst wenn sie isoliert sind. Daß danach ein Heizkissen im Bett eines Säuglings nicht unbeobachtet gelassen werden sollte, versteht sich von selbst, besagt aber i.ichls gegen die Zuverlässigkeit von guten Heizkissen, die man im allgemeinen gut unbesorgt mit ins Bett nehmen kann. Zum Schutz gegen Feuchtigkeit kann man die Kissen notfalls mit einer Gummihülle beziehen, wie sie in jedem Fachgeschäft erhältlich ist. Das Kabarett der Komiker hat alles auf Lachen eingestellt. Lord and Reeoes steppen, und Ducy Esengcri tanzt, wenn man diese gc- schickt ausgeführte Gymnastik überhaupt nock» als Tanz ansehen kann. Die Conference führt wieder Maria Ney, die nun alle mensch- lichen Schwächen genau studiert hat, besonders die der Männer(über die der Frauen geht sie kainerakfchaftlich hinweg). Eine kleine, nur, wie er selbst sagt, feine Szene hat Kurt Robifichek inszeniert. Aus Franz Molnärs Buch„Buben und Mädels" sind ein paar Bilder entstanden,„Der erste Schritt" nämlich aus dem Wege zu Lug und Trug, der zwei jungen talentierten Schauspielern Gelegenheit gibt, diese Probleme der seelischen Konflikte originell zu lösen. Die beiden Darsteller sind Ellen Schwannecke und Peter Wolfs. Paul Graeß als Straßsnhändlcr verzapft eine Bierteistunde lang Berliner Dialekt und Berliner Witz, den kein anderer so treffend darzustellen weiß. Für den Text dieser Szene zeichnen drei Autoren: Adolf Glas- brenner, Egon Jacodsohn und Marlin Löwe. Akuell ist eine lhius- liche Szene.Inventurausverkauf" von der Frau, die auszog, um eine Krawatte für ihren Mann zu erstellen und 4 Warenhäuser säst leer kaufte. Die Hauptattraktian des Abends ist die i-hwarz- braune singende und tanzende Nina Mae Mc. Kinneys Kollegin Josefine Bakers, die Paul Morgan aus Hollywood ins Kabarett der Künstler geschickt hat. Jugendweihen der Sozialislev, Freidenker und Gewerkschaften, 13. kreis: Die FrubjalnSjugendweihe sindcl am 22 März in den Äa!i-Lichtlplelcn. Maricndors, Chausseestr. 303 statt.— Die LebenSlunde wird jede» Donners taq von 16—18 Uhr in der Schule Känigstratzc zu Maricndois von Herrn Lehrer Pirienz durchoesührt. Anmeldungen werden dort noch entgegen- genommen. Ein'chreibegcbühr S0 Pf. Die cebell»kulldcvorbe> eilimg für die Zugeadw'ihen in der Voltsbühne beginnt Ansang nächsten Monats. Die bis seht gemeldeten Kinder erhalten Ausgang Januar nähere schristlichc Nachricht.— Jugendweiheannahme. stellen, die noch Jugendwcihearimelbunaen liegen haben, werden gebeten, fie sosort dem Jugendweihesekretariat,(££>68, Lindcnstr. 3, einzusenden. Die groß« Selegenheit, Qualilätsklcidung zu unglaiiblich billigen Preisen ziz kaufen, besteht noch, d. h. der Inoenturvcrtauf der[Ziriria S. Adam. Leip. zrger Ecke sZriedrichstrahe geht weiter. Noch erhalten Sic mit Ausnahme der Überaus gllnirigcn Sonderangebote i» allen Ableitungen M Prozent Ermäßigung für alle fertigen Waren auf Preise die den Zeitvcrl>ältiiisscn entsprechend. bereits weit hcrabgefißt und. Decken Sic iich rechtzeitig ein. Z« Nahmen des Znocnwrvcrlauf» bringt die(Zirrna Wertheim jeßt auch Glas. Porzellan und Wirtfchaftsartikel. Dadurch hat dir Lausfrau Erlegen heit für den Haushalt Änsäxiffungen zu Preisen zu mache», wie sie so billig seit vielen Iahren nicht dagewesen find. Namentlich sollte man es nicht vcr- säumen, wertvolles Nasenthalpvrzcllan und Bleikristall zu erwerben, das jeßl außergewöhnlich preiswert ist. Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Außergewöhnlich günstige Kaufgelegenheit dnvendus»- Derkauf Beginn 5. Januar Glas Porzellan Wirtsehafts-Artikel Glaswaren Rosenthai- Porzellan Obstteller„ am---- 0.55 Fruhstücksgcdedc i.95 VaSe mit Poliargoldrand.. 2,95 Katfeeservicc 30 Teile, für 12 Personen Tafclscrvice IVpV«: 45.00 77 Teile, für 12 Personen"II 8.00 Rosenthal-Porzellan Salalieren, Sauderen, Kaffee-, Teekannen mw. Kaffee- u. Tafelgeschirr Maria weiljz Porzellan bunt dekoriert Kuchensatz.. 1 1,»« i.50 Salatschalen 2.25 Frühstückservice. 5 Teile, für 2 Personen Z«Ov> Kaffeeservice, Q_ 5 Teile, für 6 Personen 16 Teile,£ Ort 30 Teile, für e<7 arA f. 12Pers. 12 Person. 38.00 28.00 Tafclscrvice m t.h., für 4 Personen, von an*■ OaCsU Blauband Milcht Opfc... von an 0.38 Dessertteller..... 0.40 Tasse............ 0.48 Kaffeekannen von«n 0.90 Solinger Srahiwaren Obstmesser. 0.45 Eßbesteck ml« Sad-ank«» 0.45 Salatbestcck Horn. 0.65 Taschenmesser 0.65 Eisenwaren Ofenvorsetzer 1.65 Waschtisch Ofenschirm-ad-i.r, 5.25 Weiß Porzellan mit Fehlern Dessertteller 0.16 Tasse.�0.16 dem, 0.25 Salafschalen von.n 0.28 Speiseteller flach 0.25 Kaffeekanne Teekanne von an 0.60 Saudere........ 0.65 ßratenplaften T 0.65 Ragoutschüssel 0.95 Terrine.........1.90 tief 0.32 r o.50 Aluminium Maschinentopf... 0.90 Teekannen. 0.90 1.10 Kasserolle ÄÄ 110 Plcifkcsscl tör I rLHer 1.45 �IckeSwaron Kanncnuntcrsctzcr-.. Messing vernick. Rand, dekor. Kakaokannc 1.10 Tortenplatte 1.60 KompOttcller gepralp 0.07 Tcebccher........ 0.12 Bicrbcchcr n 9"*'- */„ Ur.. SOfliert V.IO U.ZO Butterdose g.praht.. 0.25 Kompottschalen. 0_ Früchte mattiert, Satz 7 Stuck**�3 Likörglas m» Henkel.. 0.25 Rotweinglas'«"Ä 0.32 Garnitur»Walter", gescfaUffea Likörglas.......'. 0.25 Portweinglas..... 0.28 Rotweinglas...... 0.32 WeiH weinglas... 0.38 Blechwaren Vorratsdosc..... 0.35 Mcrkiafcl........ 0.40 Gamierspritze. mit verschied. Tüllen, Im Karton"*" Brotröster 0.75 Sahneschläger 0.80 Kartoffelpresse 0.85 Kindertablctr 1.35 Brotbüchse 1.75 Steingut Kakaokahnen n 0- mit Metalldeckel, von an � Salafschalen 0 95 Kochtopf braun, feuerfast 1.00 Waschschüssel... 1.55 Waschgarnituren � 5 Teile, von an*»*03 Tafclscrvice bunt, 0»,» 23 Teile, für 6 Personen � � � Küchcn-Etagerc mit Schubfächern, 13 Teile AZ.XJ Handmolerei, mit kleinen Fehlern Milchtöpfc bunt, von an 0.25 Dessertteller cm 0.25 Tasse bunt......... 0.25 Frühstücksgedcdc 0.50 Teekannen.. von an 0.95 Gaskocher 2 Loch 5.7 5 geschl. 8.2» 2 Loch, geschlossen, 4 Kl emailliert 3 Loch, geschlossen, fit emaillier» Gasherd 3 Loch emailliert, mit Brafofen 73.09 Nr. il?- 4S. Iahrgang 2� Sonntag ill. Januar �93il Verstaatlichung des Lleberseefunks. Oer Streit um die Transradio A.-G. Die Reichspost hat sich entschlossen, die private Transradio A.-G. für drahtlosen Ueberscevcrkehr. die das F u n k m o n o p o l für den überseeischen Ziachrichtenoerlehr besitzt, zu übernehmen und dainit die gesamte drahtlose Telegraphie zu verstaatlichen. Darob hat sich ein Sturm der Privatwirtschaft, insbesondere der an der Kabeltele- graphi« interessierten Kreise, erhoben, die in Eingaben und Presse- Polemiken den Plan der Reichspost aufs schärfste angreifen. Der Schnellnachrichtendicnst erfolgt im Inland so- wie nahezu im gesamten europäischen Verkehr durch die Reichs- p o st. Dagegen liegt der überseeische Telegraphenverkehr bisher in den chänden von Privatgefellichaiten. Die deutschen lieber- stetabel gehören der Deutsch- Atlantischen Telegraphvngefellschafl (DAT.), während der Ueberseekabelbcirieb in vollein Umfange bei der Reichspost liegt. Das überseeische Funknionopol wurde löl!> aus politischen Erwägungen einer Privatgesellschaft, der Trans- radio A.-G., übertragen, die die Funkstationen, Sender und Emp- fangeanlagen, insbesondere die G r o g f u n k st a t i o n Nauen unterhält und bedient und heute über ein ausgedehntes Funknetz verfügt. Beide Eesellschafien siicd bisher in erheblichem Umfange aus ösfemlichen Mittel» subventioniert worden. Di« Deutsch- Atlantische Telegraphcngejellschart hat teils mit Reichsentfchädigun- gen, teils mit Mitteln aus einer amerikanischen Anleihe, für die das Reich die Bürgschaft und Zinsengarantie übernommen hat, die neuen Kabelvcrbindunge» geschaisen: die Gesellschaft erhält umfang- reiche Gratislei st ungen sowie Zinszuschüssc durch die Reichspost. Ja noch stärkerem Maße Hot die private Fnnkgesell- schaft, an der die großen Elettrizitätskonzcrne AEG., Siemens, ferner Telefunken und die DD.-Banken beteiligt sind, öffentliche Mittel in Anspruch genommen. Auf Grund eines äußerst un- günstigen Konzessionsvertrages aus dem Jahre 1921 hat die Reichs- p o ft eine 7proz«ntige Dividendengarantie übernehmen und feit Iahren den chauptteil der Dividendenzahlungen an die Großaktionäre bestreiten müssen. Das Unternehmen hat ferner in- folg« mangelnder Rentabilität völlig unzulängliche Ab- f ch r e ib u n g c n vorgenommen, so daß die Anlagen größtenteils entwertet sind. Alle erforderlichen N e u i n ve st i t i o n e n, ins- besondere die notwendig« Umstellung der Stalionen von Langwcllcir- auf Kurzwellensender, find aus Mitteln der Reichspost bestritten worden, die allein in letzter Zeit etwa 4 Millionen Mark Darlehen an die Gesellschaft gewährte. Der Sparkommissar und der Rechnungshof haben mit Rücksicht auf den uirgünftigen Konzejfions. vertrag und die hohen Zuschußpflichten der Reichspnst angeraten, von ihrem Recht zur Uebernahme der Gesellschaft Gebrauch zu machen, was die Reichepost nunmehr getan hat. Die finanzielle Abwicklung— die Reichspost muß die Anlagen nach den außer- ordentlich ungünstigen Vertragsbestimmungen mit 4 0'Prozent über den buchmäßigen Anlogewerten übernehmen, also weit überbezahlen— stößt auf keine Schwierigkeiten, da die Reichspost feit mehreren Jahren bereits die notwendigen Mittel zur Uebernahme der Funkanlagen angesammelt hat. Trotz der hohen Aufwendungen ist die Verstaatlichung den jetzigen unHalt- baren Subventionsvcrhältnissen unbedingt vorzuziehen. Schon aus grundsätzlichen Erwägungen erscheint die weitest- gehende Eingliederung des Schnellnachrichtenver- k e h r s in den gesamten öffentlichen Nachrichtendienst erforderlich, da nur dieser, unbehelligt von privaten Einflüssen, die gesamtwirt- schastlichcn Vcrkohrsintcressen wahrnimmt. Hierzu koimn! im Falle der Transradio A.-G., daß das Unternehme» dauernde Millionenzuschüsse erfordert, nach Feststellung der Reichspost heute u n w i r t- schaftltch arbeilet, aber nach einer Reorganisation durch die Post nach vorsichtigen Ertragsbercchnungcn zu einem Gewinn- betrieb entwickclt werden kann. Es sei noch bemerkt, daß allein an Direktorcngehältern und Aussichlsratstavüemen mehr als 100 000 Mark im Jahre einsparbar sind und daß fcrnir das Unternehnren durch die Verstaatlichung von der heute bestehenden starken Abhängigkeit von den Lieferindustrien be- freit wird. Die bisher erforderlichen großen Zuschüsse für den privaten überseeischen Funkverkehr werden aus den Erträgnissen des posta- lischen Funkverkehrs, also in erster Reihe aus den lieber- schössen des Rundfunks bestritten. Wenn auch die durch die Verstaatlichung des lleberseefunks zu erwartenden Ersparnisse nicht eine generelle Ermäßigung der Rundfunk- gebühren ermöglichen werden, so dürfte doch der an dieser Stelle bereits geforderte Gebührenerlaß für Arbeits- lose ohne weiteres hieraus zu bestreiten sein. Diese Maßnahme ist um so dringlicher geworden, als die Zahl der Rundsunkabinclduugen aus wirtschastlichen Gründen, wohl in erster Reihe infolge der wirt- schaftlichnm Not der Arbeitslosen, in starter Zunahme begriffen ist. Trotzdem also stichhaltige Gründe für die Besitzübernahme der Transradioanlagen durch die Post sprechen, wird die öffentliche Mei- nung d u r ch d i e Interessenten gegen die Transaktion mobil- gemacht. Zu diesen Angriff I)at der„Vorwärts" bereits kritisch Stellung genommen. Dr. S o l m s« n von der DD.-Bank hat in seiner Eigenschaft als Aussichtsratsvorsitzender der Deutsch- Allan- tischen Telcgraphengcscllschast. zugleich aber wohl auch in Wahr- nehmung der Interessen der Großbank und der Elektrizitütskonzerne an der Transradio A.-G., ein« D c n k sch r i s t der Oesfentlichkeit übergeben und eine Eingabe an den Reichskanzler gegen die Ver- staatlichung des lleberseefunks gerichtet. In dieser Eingabe wird der p r i v a t w i r t s ch a f t l i ch« Betrieb für die drahtlose Fern- telcgraphie aus technischen, verkehrspolitischen Gründen usw. a l s unentbehrlich bezeichnet. In einer Gegendenkschrist hat das R e i ch s p o st in i n i st e r i u m die Einwendungen ausführlich widerlegt, insbesondere darauf hingewiesen, daß die Post über weitgehende Erfahrungen im europäischen Funk- verkehr verfügt und daß sie an den technischen Verbesserungen des Funks wie des Kabelverkehrs in den letzten Jahren entscheidend mitgewirkt hat. Der gegen den össenllichen Betrieb erhobene Vorwurf, daß„die Beamten eines öffentlichen Unternehmens jede Mehrung der Kund- schaft als vermehrte Belastung empfinden" und daß im öffentlichen Betrieb jede Initiative einer Berkehrssteigerung fehlt, ist von der Post bereits mit Entschiedenheit zurückgewiesen worden. Die Post bezeichnet mit Recht die DAT. als ein aus besonderen Grün- den(wegen der Schwierigkeiten des Erwerbs von Boden, Landungs- rechten usw. im Ausland für ein staalliches Unternehmen) privat- wirtschaftlich aufgezogenes Organ der Reichspost, dessen Existenz durch Zuschüsse und umfangreiche Graiisleistungen der Reichspost erhallen wird. Es muß stark befremden, wenn der Auffichts- ratsvorsitzende eines feit jeher subventionierten Unternehmens in einer derartigen Tonart völlig ungerechtfertigte Vorwürfe gegen den öffentlichen Betrieb erhebt. Hinter den volkswirtschaftlichen Argumenten stehen aber sehr reale Interessen. Dr. Solmscn strebt nämlich die Fusion des privaten Kabelunternchmens mit der privaten Funkgesellschaft an. Nach dem der Post gemachten Dorschlag soll die Sanierung der Transradio A.-G. aus öffentlichen Mitteln erfolgen. Die Post soll, ohne Gegenwerte zu erhalten, die gleichen 28 Millionen als verlorenen Zuschuß leisten, mit denen sie jetzt die Transradioanlagen zu erwerben beabsichtigt. Dein neuen Privat- unternehmen soll für den gesamten überseeischen Nachrichtenvcrkehr eine Konzession auf 50 Jahre erteilt werden: die Post soll sich dar- über hinaus zu jährlichen Zuschüssen in Höhe von mindestens 2'4 Millionen Mark verpflichten. Es versteht sich von selbst, daß dieses Angebot der Privatwirtschaft absolut indiskutabel ist und von der Reichspost abgelehnt werden mußte. Die Absicht der Reichspost zur Uebernahme der Transradio A.-G. muß bei objektiver Würdigung volle Billigung finden. Dr. Paul Hertz, M. d. R., Mitglied des Verwaltungsrats der Reichspost. Die probe aufs Exempel. Reibungslose Umstellung bei Arbeiiszeilverkürzung.- Keine Steigerung der Gestehungskosten. Als der Allgemeine Deutsch« Gewertschaftsbund sich vor Wochen mit der Aufforderung an die Oesfentlichkeit wandte, durch ein« all» gemeine Acrkürzung der Arbeitszeit Arbeitslose in den Produktionsprozeß einzureihen, fand er nicht das Verständnis, das man angesichts der verheerenden Situation auf den Arbeits» Märkten hätte erwarten können. Obwohl das Konjunkturforfchungs- instltut ausrechnete, daß bei Durchführung der gewerkschastlichen Pläne 700 000 Mann, unter Umständen sogar 1,5 Millionen Mann mehr beschäftigt werden könnten, stieß der Plan gerade in der Industrie auf Ablehnung. Man hat sich im Unternehmerlager noch nicht einmal die Mühe ge- macht, sich darüber klar zu werden, daß hier nicht eine Arbellszeii- Verringerung dekretiert werden sollte, sondern daß es sich um einen technifch-organisotortschen Akt handelte. Auch die Debatte in der bürgerlichen Presse hat diese Erkenntnis vermissen lassen. So war man auf das Experiment angewiesen. Dieses Experiment ist gemacht worden, und man kann sagen: es ist geglückt! Die Harburger Oel werke haben vor einem Vierteljahr eine Arbeitszeitverkürzung vorgenommen. Sie setzten die tägliche Arbeitszeit von 8 auf 6 Stunden herab. Damit ging man bei durchgängiger Arbellszell von drei Schichten zu vier Schichten über. Ermöglicht wurde dadurch die Einstellung von 3Z0 Mann bei bisher 1000 Bcschäjtigten. Diese Umstellung ist im Einvernehmen mit dem Betriebsrat und der örtlichen Vertretung des Fabrikarbeiter-Verbandes zu? Durchführung gelangt. Von den Unternehmern ist da» Vor» gehen des Werks scharf a n g e g r i j s e u worden. In der bürger- lichen Press« sind unwahre und entstellende Behauptungen über die betrieblichen Auswirkungen der Arbeitszeitverkürzung erschienen mit der deutlichen Absicht, derartige Arbeitsstreckungsmaßnahmen als praktisch undurchführbar hinzustellen. Die Harburger Oelwerke haben sich dadurch veranlaßt gesehen, in einer Broschüre ihr« Ge- danken zur Arbeitszeitverkürzung als Mittel zur Behebung der Er- wcrbslofcniwt und zugleich ihre eigenen praktischen Erfahrungen darzulegen. Dieser Rechenschaftebericht stellt zunächst fest, daß die betrieb- liche Umstellung, die Verkürzung der Arbeitszeit van 8 auf 6 Stun- den, die Neueinteilung einer vierten Schicht für die Schichtarbeiter usw. sich ohne Schwierigkeiten vollzogen haben. „Die Gestehungskosten sind nicht gestiegen, im Gegenteil, in mehreren Wochen war die Loynsumme sogar niedriger als vor- hcr." Auch die Zftehrbelcstung durch Soziolbeilräge ist relativ geringfügig. Insgesamt betragen diese Mehraufwendungen für alle sozialen Lasten noch nicht 1 Proz. der Lahnfumme. Diese Mehrbelastung fällt, wie mit Recht unterstrichen wird, gegenüber den sonst erforder- lichen Unterstügungssummen für die Erwerbslosen nicht in» Ge- wicht. Es wird ausführlich berichtet, daß naturgemäß die Arbeiter des Betriebes die beträchtliche Lerdienstlürzung schwor empfinden, daß von kommunistischer Seite her die Aktion zu Angriffen gegen die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie benutzt wurde, daß aber insgesamt die Belegschaft trotz ihrer eigenen großen materiellen Opfer Verständnis für die Maßnahme aufgebracht habe. Es wird ferner noch gegenüber tendenziösen Prefsemittellungen richtiggestellt, daß das Unternehmen weder von der Reichsanstalt noch von sonstigen Institutionen Subventionen für die Ar- beitsstreckungs- und Neueinftellungsmaßnahmon erhalten habe. Dos Wohlfahrtsamt der Stadt Haiburg hat lediglich mit dem Fabrik- arbciter-Verband eine Vereinbarung getroffen, daß für jeden Wohl- fahrtserwerbslosen, der neu zur Einstellung gelangt und mindestens acht Wochen aus der Wohlfahrtspflege ausscheidet, ein e i n m a l i g« r Betrag in Höhe von 00 Mark dem Verband zur Verfügung gestellt wird. Die Broschüre begnügt sich aber nicht allein mit einem tatsäch- lichen Bericht über die reibungslose Durchführung der Arbeitszeit- vertürzung und der dadurch ermöglichten Mehreinstellung von Ar- bcitskräften, sondern sie übt zugleich scharfe Kritik an der Haltung der Unternehmer gegenüber den gewerkschaftliche,: Forderungen auf gerechtere Ar- beitsverteilung. Es heißt hier wörtlich:„Es ist«in kaum wieder- gutzumachender Fehler, daß man in der Oessentlichkeit das ethische Moment, das in dem freiwilligen Verdienstoerzicht der Arbeiter zugunsten der Erwerbslosen liegt, so wenig beachtet und für die Unterbringung der Erwerbslosen nicht ausgenutzt hat." Diese aus der bittersten Krisennot geborene Forderung, die zugleich einen Be- weis für die Solidarität in der Arbeiterbewegung darstellt, ist von den Unterneljmern schroff zurückgewiesen worden. Es ist kein Zweifel— das wird auch in dem Bericht ausdrücklich betont—. daß in den messten anderen noch voll beschäftigten Be- trieben bei gutein Willen sich ohne nennenswerte Schwierigkeiten die gleiche Regelung durchführen ließe, daß ferner die Betriebe in viel stärkeren: Maße als bisher geschehen zur Kurz- arbeit zwecks Vermeidung von Entlassungen übergehen können. Die gegen die Arbeitsstrecknng erhobenen Einwendungen sind größten- teils nicht stichhaltig. Die Unternehmeroerbände haben bisher die Arbeitsstreckung sabotiert, um die Lohnabbmiaktion um jeden Preis durchführen zu können. Das Unternehmen richtet einen neuen Appell an die Vernunft der Unternehmer, den von den Gewerkschaften gezeigten und bereits in Einzelfällen durchgeführten Weg zu beschreiten. Es wird darauf hingewiesen, daß es zur Zeit„keinen anderen Weg gibt, die grenzen- lose Not von Millionen von Volksgenossen sofort zu lindern, und daß daher olle kleinlichen Bedenken überwunden werden müssen". Wird diese dringliche Mahnung und Warnung aus dem eigenen Lager das deutsckzc Unternehmertum jetzt endlich zur Besiimunn bringen? Chemie-Konjunktur hält sich. Der Vierteljahrsbericht der Z. G.-Farben-Induflrie. Nach dem jetzt veröffentlichten letzton Ouartalsbericht des Deutschen Chemietnifts, der I. G.-Farben-Jnduftric A.-G. in Frankfurt a. M., hat sich die Ehemiekonjunktur auch rn den letzten drei Monaten des abgeschlossenen Geschäftsjahres 1930 Verhältnis- mäßig gut behauptet. In dem Bericht wird festgestellt, daß das allgemeine Bestreben nach Verringerung der Vorratsläger auch bei der Käuferschaft des Farbentrusts erkennbar sei, in denen nur für den notwendigen Bedarf Austräge erteilt würden. Das neue Jahr dürste daher bei den Verbrauchern nicht mit größeren Lagern vorbelastet sein. Im einzelnen hat sich der Farbenabsatz trotz der allge- meinen schlechten Lage in der Textilindustrie gut geheckten. Unter anderem gelang es, durch den Umschlag der Mode zu dunkleren Farbtönen und durch die verhältnismäßig gute Beschäftigimg ver- schiedencr Epezialindustrien, besonders der Papierindustrie, einen großen Teil der Umsatzverluste wieder auszugleichen, die durch den Rückgang im Textilgcschäft nicht zu vermeiden waren. Die Farbenausfuhr hat sich auch im Bcrichtsqliartal auf der gleichen Höhe gehalten wie der Export der übrigen Länder. Nach wie vor u n g ü n st i g lagen die Absatzverhällniffe für Chemikalien und Lösungsmittel. Auch bei Stickstoff- düngemittcln ist zum Teil durch die vorhandene Ueber- Produktion, zum Teil durch die internationale Agrarkrise eine rück- läufige Bewegung des Gesamtumsatzes im Inland wie im Ausland festzustellen. Die Lage des Photomarktes wird im Hinblick auf die herrschende Depression als befriedigend angesehen. Die Umsätze in Rohfilmen und Amateur-Kinoartikeln haben sogar zu- genommen. Die Kunstseideprcise sind in der Berichtszeit weiter gesunken, insbesondere durch einen verschärften Druck der Auslands- konkurrcnz. Die internationale Verständigung in der Kunstseiden- industric ist noch nicht vom Fleck gekommen. Im allgemeinen konnten jedoch die Kunstseidefabrikcn des Chemictrufts ihre Pro- duktion ohne Schwierigkeiten abfetzen. Auch der Ver- kauf pharmazeutischer Produkte blieb rege. Die Gesamtlage der Gesellschaft wird angesichts der schweren Krise als durchaus zu- friede n stellend bezeichnet. 30 Prozent(!) Neschastigungsgrad. Die Not ver Eisen- und Stahlwarenindustrie. Die Organisation der Eisen- und Stahlwarcn- industric, der Estibund, bezeichnet die Entwicklung in diesem Industriezweig in: Monat Dezember als nach wie vor schlecht. Ganz abgesehen von der allgemeinen Zurückhaltung der Käufer Hot auch die Verzögerung der Eisenpreissenkung durch die Stahlmagnaten die Unsicherheit in der oerarbeitenden Industrie noch verschärft. Die Beschäftigung war im Dezember sogar noch schlechter als im Vormonat und in verschiedenen Distrikten wurden neue zahlreiche Entlassungen vorgenommen. Auch erfolgten zahlreiche Anträge aus Betriebseinschränkung. In der Eisenfertigwaren-Jndustrie, die schon seit Iahren unter stärkstem Aufkragsmangcl leidet, ist der durchschnittliche Beschäfti- gungsgrad aus 30 Prozent gesunken, eine Feststellung, die für das Elend der zahlreichen Arbeiterschaft in diesem Industriezweig Bande spricht. Auch die Betriebe, die für Eisenbahnbedarf arbeiten, hatten weiterhin einen gänzlich unzureichenden Auftrags- Bll-XbIT.imD BUCSPRvF'imCL� ✓ GUTACHTEN TREUHÄNDER WILHELM ROSE ALLEINIGER INHABER DER FIRMA: WILH.ROSE fräher 20 Jahre Bankleiter in der Industrie. Provinz Berlin W 30, Schwäbische Stralie 9/ B 6, Cornelius 5486 Telegrammadresse: TRECHAN DRUSE ORGANISATION ✓ BERATUNG/ VERWALTUNG bestaub zu verzeichnen. Die Automobilindustrie, Bau» und Lanb- Wirtschaft versagten als Auftraggeber oolllommen. Ganz besonders leiden unter der Krise die Bezirke Iserlohn und Lüdenscheid, deren Werke hauptsächlich Gußwaren wie Armaturen, Baubeschläge und Schisfsbeschläg« herstellen. Nicht viel günstiger sieht es in den Betrieben der Bergischen Werkzeugindustrie sowie der Schloß- und Beschlagindustrie aus, in denen durchweg stark einge- schränkt gearbeitet wird. Mit Ausnahme einer kleinen Belebung im Auslandsgeschäft hält die Depression mit gleicher Schärfe wie bisher an. Die Nöte dieser vielverzweigten Industrie, die weit mehr Ar- bester beschäftigt als die großen Eisen- und Stahlkonzerne, zeigt ganz klar, daß die Sabotage der Eisenpreissenkung durch die schwerindustriellen Syndikatsherren ein Verbrechen on der Volkswirtschaft ist. Apoiheten im Zahre �9S0. Oie Auswertungen ver Juli-Nolverordnung. 'Nach einer Zusammenstellung des Deutschen Apotheker- Vereins gab es Ende 1930 in Deutschland 6800 Apotheken. Sie dürften im ganzen Jahre 1930 etwa 340 bis 380 Mill. Ntk. Umsatz gehabt haben, eine Apotheke im Durchschnitt also etwa 60 000 M. Der Reingewinn macht nach Feststellungen des Reichs- wirtschafts Ministeriums aus dem Jahre 1928 IS, 6 Proz. des Umsatzes aus: da in diesem Verhältnis keine wesentliche Aenderung eingetreten sein dürfte, so stellt sich der durchschnitt- l i ch e Reingewinn einer Apotheke im Jahne 1930 auf etwa 7S00 M. Natürlich haben eine große Anzahl diesen Satz nicht er- reicht, so vor allem die 2000 deutschen Apotheken, die o h n e H i l f s- personal arbeiten und einen weit unter dem Durchschnitt liegen- den Umsatz ausweisen. Gegenüber 1929 ist der Umsatz allgemein zurückgegangen. Ein- mal war der Gesundheitszustand besser(keine Grippewelle wie Anfang 1929), zum anderen machte sich die gesunkene Kauf- krast unangenehm bemerkbar. Bor allem aber waren es die Be- strmmungen der Juli- Notverordnung— die Einführung der Krankenscheingebühr, die Beteiligung an den Arznei- kosten—, die eine erhebliche Senkung des Umsatzes zur Folge chatten. Der Krankenkasienumsatz ist um 2S bis 33 Proz. zurück- gegangen: da er S0 Proz. des Gesamtumsatzes ausmacht, so ist dieser also um 12 bis 17 Proz. gesunken. Es ist erklärlich, daß durch diesen Umsatzrückgang die(bisher außerordentlich günstige) Lage der Apotheken sich verschlechtert hat, zumal die Konkurrenz unter ihnen in den letzten Jahren schärfer geworden ist, da eine ganze Anzahl neuer Apotheken, besonders in Berlin, konzessioniert wurden. Wenn also auch die Zahl der Konkurse steigt,.chesorgnis- erregend" ist die Lage der Apotheken darum noch nicht. Die Wirtschaftskrise gefährdet eben auch den solidesten Geschäfts- zweig. Und ein wenig frische Lust durch verschärft« Konkurrenz konnte nicht schaden, zur besseren und billigeren Per- sorgung der Kranken mit Arzneimitteln, zur Beseitigung u n- gerechtfertigter, aus längst verschollenen Zeiten stammender Privilegien. Gonderkonjunkiur für Versicherungen. Mit der zunehmenden Verschärfung der Krise hat sich im Der- sicherungswesen eine Sonderkonjunktur heraus- gebildet. Der wachsende Bedarf der Bevölkerung an Versicherungen muß als eine Reaktion gegen di« zunehineni« Existenzunsicherheit infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse angesehen werden.:...... Bei dem größten deutschen Versichcrungskonzern, d«r Allianz und Stuttgarter Verein A.-G., prägt sich diese Sonder- konjunktur besonders deutlich aus. Im Dezember hatten die An- träge bei der Allianz und Stuttgarter Lebensoer- s! ch e ru n g s b a n k A.- G. mit einem Antragszugang von 13 400 Versicherungen über 53 Millionen Mark Versicherungssumme nahezu wieder den Rekord st and vom November erreicht, in dem eine Versicherungssumme von 54 Millionen ausgewiesen wurde. Der gesamte Antragszugang im direkten Geschäft stellt« sich im Jahre 1930 auf 134 000 Anträge mst einer Versiche- rungssumme von 550 Millionen Mark, während im vorhergehenden Jahr nur 80 000 Anträge mit einer Versicherungssumme von 464 Millionen Mark einliefen. Großhandelsindex Im Dezember. Die für den Monatsdurch- schnitt Dezember berechnete Großhandelsindexzifser des Statistischen Reichsamts beträgt 117,8(1913— 100) gegenüber 120,1 im November 1930. Wodienpi'OKi'simn des Berliner Rundfunks. Sonntag, 11. Januar: 7: Funksymnastlk. Anschließend Frühkonzert. 8: Für den Landwirt. 5.50: Morgenfeier Anschließend Glockengeläut des Berliner Doms 10.05: Wettervorhersage. II: Clternstundc. 11.25; Aus dem Herrenhaus: Ausschnitt aus der Feier anläßlich des 40jährigen Bestehens der Arbeiterhildungsscbule, Berlin. 12: Aus Leipzig: Konzert 14: Jugendstunde. 14.30; Konzert 15.30: Heinrich Lersch liest aus eigenen Dichtungen. 16: Chansons.. 16.25; Aus der Philharmonie r Ausschnitt aus dem Bunten Nachmittag. 17: Aus Königsberg; Volkstümliches Orchesterkonzert 18: Zehn Jahre Berg- und Sportfilrac. 18.30: Chöre. 19: Sportnachrichten� 19.15: Ein Negergottesdienst in New York. 20;„Goctze— Jessel— Kneif44(aus ihren Operetten). 22: Wetter-» i Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Montag, 12. Januar: 7: FunJurmnastik. AnscbJieSend Frühioazert. 13.. 1U: Ucttermelduagen für den Landwirt. I4i Schallplattenkonzert. 15.20> Vogel and Katze. IM*: Zu Unrecht vergessene deutsche Dichter. lü-M: Deutsche Musikromantik am Anfang und Ende. 16.30: Konzert. 17: Lieder. 17,30: Jugendstunde. 17.50: Josef Magnus Wehner liest eigene Pichtangen. 18.10: Zeitgemäße Reklame. 18.30: Hermann Kesser liest aus eigenen Werken. 18.58: Drei Minuten vom Arbeltsmarkt. 19: Unterhaltungsmusik. 30.30: Wovon man spricht. 21: Tagesund Sportnachrichten. 21.10: Johann Christian Bach(Konzert. Danach Tanzmusik. Dienstag, 13. Januar: 7: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzerl 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 18.20: Frauenlehen in angelsächsischen Ländern. 18.40: Ans der Geschichte der deutschen Arbeiterpresse. 16.05: Der Schmerz— unser bester Freund. 16.30: Konzert, 17.30; Jugendstunde. 18: Bücherstande. 18.30: Deutsche Technik Im Ausland. 18.58: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19: Unterhaltungsmusik. 19.48: Filme, die man nicht dreht 20.30: Anton Gabele liest aus eigenen Werken. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10:..Die Geschichte vom Soldaten" von Igor Strawinsky. 22.15: Politische Zeitungsschau. Mittwoch, 14. Januar: 7: Funkgymnasfik. Anschließend Friihkoazert. 9: Von der deutschen Welle: Schulfunk. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: 25 Jahre Säuglingsfürsorge. 15.40; Plagiate, die man nicht verfolgt. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30; Unterhaltungsmusik. 17.30: August Schölts liest eigene Arbeiten. 17,50: Musikalische Jugendstunde. 18.20: Aus dem politischen Leben Frankreichs. 18.40: Kapital und Arbeitslosigkeit 19.05; Gerhard Menzel liest aus eigenen Werken. 19.25: Drei Minuten vom Arbeltsmarkt 19.30: Die Entwicklung de» Walzers(Konzert). Fred chiidenbrandt sprach im Programni der Aktuellen Abtei- lung über die Dichterakademie. Man Hört und liest jetzt öfter von ihr, leider nur davon, daß sie langsam auseinanderzufallen droht. Ihren Präsideisten hat sie schon verloren: einzelne Mitglieder scheiden aus. Nur solche negativen Dinge erfährt man von ihr. Was aber leistet die Dichterakademie? Was könnte, was sollte sie bedeuten? Eine geistige Macht: sehr geistig allerdings— denn über Geld verfügt sie nicht, weder für sich selber, noch für jung«, neu zu entdeckende Talente. Fred Hildenbrandt hat gewiß recht: Dichter sind schwer unter einen Hut zu bringen, deutsche Dichter besonders schwer. Aber hätte nicht trotzdem, wenn auch nur gelegentlich und auf kurze Zeit, Einigkeit unter ihnen möglich sein müssen, dann nämlich, wenn es galt, den Geist zu verteidigen gegen kleinliche Schikanen irgendeiner bürokratischen Apparatur?— Von Erlebnissen beim Ausverkauf erzählte Hellmut H. Hellmut.„Acht Stunden hinter dem Ladentisch" hieß sein Vortrag, und dieser Titel war wörtlich zu nehmen. Genau acht Stunden, einen Arbeitstag lang, hat der Redner hinter dem Ladentisch als Verkäufer gestanden, manches gesehen von dem harten Arbetts?ämpf, der sich hinter ewig liebenswürdigen Verkäukergesichtern verbergen muß: trotzdem hat er nicht genug gesehen. Denn in seinem Herzen saß nicht die tägliche Lebensangst des Verkäufers um seine Stellung, nicht seine später heimliche Sorge um den Ausgleich zwischen Haushalt und GeHall, nicht das Gefühl des unauflösliä�n Verbundenseins mit diesem Beruf, der ihm heute Brot gibt und ihn morgen vielleicht dem Hunger ausliefert. Davon könnte nur jemand erzählen, der Jahre und Jahrzehnte hindurch acht Stunden täglich hinter dem Ladentisch verbringen muh.— Das Kabarettprogrämm am Abend wurde um nahezu eine halbe Stunde verlegt zugunsten einer Re- portage vom Tennis-Wettkampf Berlin— Paris. Daß damit vielen Hörern ein« Freude bereitet wurde, ist zu bezweifeln.„Die attuelle Kleinkunstbühne", wohl sonst auf Zeitkritik eingestellt, mußte vor dem strengen Rundfunkzensor ein irsundliches Gesicht zeigen und sich mit Darbietungen begnügen, die sanft und reibungslos an allen wirklichen Schwierigkeiten unseres deutschen Alltags oorbeiglitten. Don dem Besten, was sie zu geben hat, bekamen die Hörer daher wahrscheinlich keine Kostproben. Trotzdem war es ein ergiebiger Abend. Wir möchten aber bald einmal das wirkliche, ungeschminkt«, zeitkrttische Gesicht dieses jungen Kabaretts sehen. Tee. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10:„Hanneles Himmelfahrt4' von Qcr- hart Hauptmann. Danach Tanzmusik. Donoerstag, 15. Januar: 7: Funkgymnastü. Anschließend Frflhkonzert. 1136: Die Vicrtclstonde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Frauenarbeit in zwei Welten. 15.40: Die Gcburtsslunde der modernen Bakteriologie. 16.05: Zum 80. Geburtstag Alexander Moszkowskis. 16.30: Streichquartette. 17.30: Jugendböhnc. lh.30: Gewisses und ungewisses Recht 19: Unterhaltungsmusik 19.25: Interview der Woche. 19.45; Musik der stummen Dinge. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Unterhaltungen mit Theodor Fontane. 21.45: Zum 30. Todestage von Arnold Böcklin. Danach Tanzmusik. Freitag, 16. Januar: 7: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert 12JÖ: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 1820: Die Amerikaoerin in Alltags- nähe. 15.40: Berufliche Fortbildung und UmscfaiAung. 16.05: Warum Hallen- Sportfeste? 16.30: Aus Meiningen; Wllhelm-Berger-Feier. 17.30: Jugendstunde. 17.55: Drei Minuten vom Albeltsmarkt. 18: Programm der Aktuellen Abteilung. 18.25; Lieder und Duette. 19: Das neue Buch. 19.10: Quellen des Kadikalismus. 19.35: Das literarische München um die Jahrhundertwende. 20: Unterhaltungsmusik. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10; Uraufführung; „Kaspar Hauser". Hörspiel von Erich Cbermayer. Anschließend Unterhaltungsmusik. Sonnabend, 17. Januar: 0 7: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. tZJti Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 1UO: Jugendstunde. lJL4f: Das Land der schwarzen Berge. 16.05; TelepHonle-Modnlation und gegenseitige Störungen von Rundfunksendern. I(L30: Unterhaltungsmusik. Als Einlage: Zehn Minuten Film. 18: Die Erzählung der Woche. 18.3«: Sie hören Tokio(eine unterhaltsame Stunde). 19.10: Johannes Brabms(Konzert). 19-31: Frau und Mutter als Kameradin. 20: Alt-Berlin tanzt 22: Wetter-, Tages* und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, II. Januar: ♦ Ab 7: Uebertragung aus Berlin. 18: Menschen tm Beruf. 1338: Grote deutsche Schauspieler. 19: Madagaskar, die Heimat des Vogels Rock. 193«: Ehrenrettung der Mutterschaft Anschließend Uebertragnng aus Berlin. Montag, 12. Janaar: 16: Pädagogischer Funk. 1630: Ans Bertin: Naehmlttagskanzert 17.30: Chor. Motette and Sololied. 18: Viertelstunde ffir die Gesundheit Der moderne Staat. 19; Stunde des Landwirts. 20.30; Liebesbriefe großer Männer. 19.30: Dentschlandsender: Ans Leipzig: Konzert Anschließend Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 13. Januar: 16; Künstlerische Handarbeiten. 16.3«: Uebertragung aus Letpslg; Nach- mittagskenzert. 17.30; Einführung in die neue Musik. IS: Typen der werktätigen Jugend. 18.30: Hochschulfunk. 19; Französisch für Anfänger. 19.30: Wie kommen die Preise zustande. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Deutschlandsender: Aus Breslau;,.Heimat in Schlesien". 21; Uebertragung aus Berlin. 21.10: Aus Hamburg; Kleines Konzert. 22.15: Uebertragung aus Berlin. 22.50; Ans Hannover: Unterhaltungskonzert und Tanzfunk. Mittwoch, 14. Januar: 16: Die innere Umstellung der preußische« Volksschule. 16.30; Aus Harn- bürg: Nachroittagskonzert. 17.30: Joseph Haydn. 18: Gibt es einen Maßstab für die Bewertung des Menschen? 18.30: Hochsehulf unk. 19: Deutsch für Deutsche. 19.30: Die Disziplinargerichtsbarkeit in Reich und Lindem. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 20: Deutscblandsender: Ans Basel: Schweizer Nationalabend. Anschließend Uebertragung aus Berti». Donnerstag, 15. Januar: 16: Das Experiment In der Berufsschule. 16.3«: Ans Berllu: Nachmittagskonzert. 17.30; Hausmusik. 18: Verträge and Verträglichkeit. 1830: Neue Probleme der Erkenntnislehre. 19; Aus der Praxis des Arbeitsrechts 19.4«: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. I9.55i Wetterbericht ffir die Landwirtschaft. 20: ProzeL und Ocffenlllchkelt. 20.30: Deutscblandsender: Aus München:..Ein kurzes Leben", Oper von Manuel de Falle- 31.28: Von der deutschen Welle: Arnold Bfickllu und seine Kunst. Anschließend Uebertra. gung ans Berlin. Freitag. 16. Januar: 16: Ein Arbeitstag in der Hochschule für Lefbesfibtmgen. 16.30: Ans I einzig: Nachmittagskonzert. 17.30; Entstehung der Tierzucht und Ihre Bedeutung ffir die Menschheitsgeschichte. 18: Wie kommen die Preise zustande? 18.30: Deutsche Geschichte und deutscher Charakter. 19: Englisch lür Fortgeschrittene. 19.30: Wissenschaftlicher Vortrag ffir Aerzte. 19.88: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Prbletarisierung der bürgerlichen Welt. 20.30: Deutscblandsender: Uebertragung ans Berlin. 21: Ans KSIn; Uraufführung:„Die kleinen Sorgen". Ein Hörspiel von Palitzsek. Anschließend Uebertragung ans Berlin. Sonnabend, 17. Januar: 16: Bildungsziele und Bildungsstoffe der neuen Aufbauklasse cn 4ce Berliner Volksschulen. 16.30: Aus Hamburg: Nachmlttegskonzert 17-30: Porza, eine Gemeinschaft geistig Schaffender. 18: Französisch für Fortgeschrittene. 1&30: Grundprobleme der Lehre vom Leben. 19: Die Welt des Arbeiters. 19.30: Stille Stunde. 19.55: Wetterbericht fflr die Landwirtschaft. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Der gewaltige Strom der Besucher, der alle unsere Erwartungen fibertraf, hat viele Tausende am richtigen Einkauf gehindert. Ihnen allen ist noch Gelegenheit gegeben, von der ans Wunderbare grenzenden Billigkeit zu profitieren, d:e GADIELS ■Inventur- Ausverkauf so unvergleichlich macht. Die un�raehöpfllehan Vorräte unserer Läger enthalten immer noch eine Riesenfülle prächtiger Qualitätskleidung t Nebenstehende Angebote sind nur einige Beispiele ffir unsere airfa ftuOarata gaaenktan Pralaa. Daher: Auf zu Gadiel! HearlBn 5. Jatinar Winter-Mäntel jeder Art, vom einfachen bis rum elegantesten mit vornehmem echtem Palawark in UberwUItlgender Auswaßl xu ganz fle/gesenk/en Preisen. Aach für atarha Damen stets Passeades vorhanden. Ein groß. Poetin wundervoll. Kleider a ib vorzüglich. Lindener Velvet teilweise m. Pelzgarnit. Jetzt nur 19; Ein iroBor Posten oleoantor NachmitiafisHIeider 1. Flameugo, Veloutine, Marocoin durchweg Jetzt nnr 15: km sahr groB. 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Es fehlt bis jetzt immer noch der Nachweis dafür, daß die sächsischen Metallindustriellen die bisherigen Löhne nicht mehr zahlen können. Es ist aber auch nicht einzusehen, warum gerade die Arbeiker bei schlechtem Geschäftsgang das Risiko tragen sollen. Man schließt sie ja auch aus von der Leitung der Wirtschast, ganz abgesehen davon, daß auch die sächsischen Metallindustriellen in guten Zeiten den Arbeitern nicht einen Tell des Dividendensegens überlassen. Die sächsischen Metallarbeiter sind gut organisiert: sie denken deshalb sehr realistisch. Sie haben wohlweislich abgewogen, ob es besser ist. jetzt mit den Unternehmern«inen Strauß auszu- fechten, um den Lohnabbau ganz oder wenigstens teilweise abzu- wehren, oder ob sie, die Opfer gegeneinander abwägend, dem Schieds- spruch zustimmen sollen. Sie haben sich für letzteres entschieden und, eben weil sie gut organisiert sind, die volle Verantwortung für ihr« Stellungnahme übernommen und beim Reichsarbeitsminister die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Die sächsischen Metallindustriellen haben den Schiedsspruch durchgeführt, ihn aber in ihrer Antwort an den Schlichter grundsätzlich abgelehnt und sich gegen sein« Derbindlichkeits- erklärung gewandt. Sie sind aber noch«inen starken Schritt weiter gegangen. Sie haben den Reichsarbeitsminister gewisiermatzen beim Reichskanzler denunziert und die erpresserische Drohung txu' es prochen, einen großen Teil der sächsischen Alelallinduffrie stillzulegen. wenn der Schiedsspruch verbindlich erklärt wird. Diese Drohung ist schon der Form nach eine Herausforderung des Reichs- arbeitsministers. Was wird min eintreten? Entweder der Reichsarbeitsminister klappt vor den sächsischen Metallindustriellen zusammen und lehnt die Verbindlichkeitserklärung ab. In diesem Falle würden die Löhne, die der Schiedsspruch festsetzt,„bis auf weiteres" in Kraft bleiben, ohne daß eine Stillegung der sächsischen Metallindustrie einträte. Man könnte auch annehmen, daß die sächsischen Metallindustriellen dann den Versuch machen würden, die Löhn« noch weiter abzu- bauen. Mit Sicherheit würde dann gerade das eintreten, was die sächsischen Metallindustricllen für den Fall der Verbindlich- keitserklärung des Schiedsspruchs androhen: die Stillegung der sächsischen Metallindustrie. Denn es ist ohne weiteres klar, daß die gut organisierten sächsischen Metallarbeiter ein derartiges Lohndiktat nicht ruhig hinnehmen würden. Oder aber der Reichsarbeitsminister erklärt den Schiedsspruch für v e r b i n d l i ch. Es würde damit an den gegenwärtig in Kraft l>«sindlichen Lohnsätzen nichts geändert. Wenn die sächsischen Metallindustriellen ankündigen, daß sie im Falle der Verbindlichkeits- erklärung ihre Betriebe stillegen würden, so hat der Kenner der Verhältnisi« nur«in Lächeln für diese Drohung. Solche Scherze können sich die Unternehmer in guten Zeiten leisten, wenn sie nicht Gefahr laufen, daß ihnen ihre Austräge von der in- und auslän- bischen Konkurrenz weggeschnappt werden. Die sächsislhen Metallinduslriellen haben alle Ursache, dafür zu sorgen, daß ihre Betriebe im Gang bleiben. Ihre Drohung zeigt aber, wie„mäßigen d* der Lohnabbau wirkt. Durch ihn werden die Scharfmacher nochmals schars ge- macht. Oh der Reichearbetsminister vor der Drohung der Unternehmer zusammenklappt oder nicht, ist zunächst seine Angelegen- heit. Sicher ist aber, daß die Gefahr einer Stillegung der sächsischen Metallindustrie akut wird in dem Augenblick, wo der Reichsarbeitsminister sich den Metallindustriellen unterwirft und dies« dann einen Freibrief in der Tasche zu haben glauben, die Löhne noch weiter abzubauen. Wie die RGO. bei Leiser führt. Zusammenbruch des Streits in der �eparaturwerksiatt. Vom Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwallung Berlin, wird ups mitgeteilt:.'£[.. Vor einem Jahr wurde a ü f 33 el e hl d e r KPD. der Zentral- verband der Schuhmacher in Berlin gespalten. Die kommunistische Solittergruppe stellte sich willenlos unter das Diktat der KPD. und i' /sr RGO. I isere Leser sind über den Streik der Handels- und Kraftwagen- führer unterrichtet. Er ist inzwischen zusammengebrochen, wie das bei Streiks, die die KPD. inszeniert, an der Tagesordnung stt. Dieser Streik wurde nach der üblichen Schablone»verbreitert". Die RGO. zog auch die Arbeiter der R e p a r a t u r w« r k st a t t und der Schuhfabrik mit in den Streik, ohne die Belegschaft über- Haupt zu befragen. Da die Anhänger der RGO. dort in der Mehr- heit sind, also selbst nichts zu bestimmen haben, kann sich die KPD. ja solche Scherze leisten. Die Mitglieder des Zentralverbandes der Schuhmacher gingen mit der übrigen Belegschaft aus dem Betrieb. Sie wollten einmal der RGO. Gelegenheil geben, zu zeigen, was sie kann und dieser nicht den Dorwand liefern, die Schuld an dem uno-r- meidlichen Zusammenbruch des Kampfes auf die Mitglieder der freien Gewerkschaft abzuschieben. Allerding» blieben schon am ersten Tage verschieden« Mitglieder der RGO. im Betrieb, andere nahmen die Arbeit bald wieder auf. Von den 18 Schuhmachern, die der RGO. angehören, und in den Filialen Beschäftigten, arbeiteten am 9. Januar bereits wieder 17. Dos hinderte den Leiter der RGO. der Schuh- macher nicht, in der Streikverfaimnlung am 8. Januar die Mit- glieder der freien Gewerkschaft als Streitbrecher, sozial- faschistisches Lumpengesindel usw. zu beschimpfen und im Hitler-Stile von den köpfen, die rollen werden. zu sprechen. Die Mitglieder der freien Gewerkschaft verließen darauf den Saal und berieten über die Lag« in einem anderen Lokal. Nachdem einwandfrei festgestellt war. daß 1. die Arbeitsplätze der Handelshilfsarbeiter und Kraftfahrer fast restlos besetzt sind, 2. die RGO. alle Mittel anwendet um die Mitglieder der freien Gewerk- schaft aus dem Betriebe von Leiser zu entfernen(es wurde sogar von der Betriebsleitung die Entlassung des Vertrauensmannes der freien Gewerkschaft unter Streikandrohung verlangt), 3. siebzehn RGO.-Mitglieder in den Filialen als Schuhmacher arbeiten, 4. in der Reparaturwertstatt eine groß« Zahl der Arbeitsplätze bereits mit Betriebsfremden besetzt ist, 5. von RGO.-Mitgliedern bei der Betriebsleitung stoßweise Dellelbriefe eingelaufen waren, in denen sie sich zur Arbeit anboten, 6. RGO.-Mitglieder der Fa- brik bereits die Papiere wieder zurückgebracht haben und sich bereit erklärten, am 12. Januar die Arbeit wiederaufzunehmen, verlangten die Mitglieder der freien Gewerkschaft von ihrer Ortsverwaltung eine geheime Abstimmung, ob die Arbeit in der Reparaturwerkstatt wieder aufgenommen werden soll. Obwohl die Ortsverwaltung auf dem Standpunkt stand, daß es die Pflicht der RGO. ist, alle Ar- beiter wieder in den Betrieb zurückzuführen, wurde in geheimer Abstimmung mit allen gegen eine Stimme die Arbeitsaufnahme am 12. Januar beschlossen. Mit diesem Beschluß besteh« ein Streik in der Reparaturwerk- stall der Firma h. Leiser für die Mitglieder des Zentralverbaudes der Schuhmacher nicht mehr. Ein Schandfleck. Schieds'prvch gegen Eisenbahner. Bald 4% Millionen Arbeitslose gibt es in Deutschland. Die Reichsbahn, das größte Unternehmen Deutschlands, hält aber an der neunstündigen Arbeitszeit fest, als ob wir einen Mangel an Arbeitern hätten. Gestern ist nun unter dem Borsih des bekannten Dr. Völker ein Schiedsspruch gefällt worden, der ein Skandal souder- gleichen ist. Es bleibt beim Reun stunden tag. Rur für einen kleinen Teil, den Arbeitern der Reparaturwerk- statten, wird der Achtstundentag eingeführt. Für die Arbeiter Güterböden mit mehr als 2S Mann Belegschaft wird zwar scheinbar der Achtstundentag eingeführt: sie müssen aber aus Verlangen Sonntags arbeiten, so daß unter Umständen eine Arbeitszeit von Sb Stunden die Woche herauskommt. Diese Sonntagsarbeit gilt nicht als Uebcrarbeil, das heißt es wird für sie ein Zuschlag nicht gezahlt. Ein derartiger Schieds- spruch ist ein Schandfleck, der getilgt werden muß. Oer Ruhrschiedsspruch. Beide Parteien lehnen ihn ab. In einem Teil unserer gestrigen Abendausgabe haben wir be- reits den Schiedsspruch für den Ruhrbergbau mitgeteilt, der eine Lohnkürzung von 6 Proz. auespricht. Er bringt für die Ruhrderg- arbeiter einen Gesamtlohnausfall im Jahr von 40 bis SV Millionen. Unternehmer und Arbeiter lehnen den Schieds- spruch ab. Das bedeutet für niemanden eine Ueberraschung. Für die Bergarbeiter bedeuten die 6 Proz. Lohnabbau eine schmerzliche Einbuße. Daß auch sie nicht ohne Lohnabbau durchkommen würden, darüber waren sich alle Kumpels in den. Gruben im klaren, auch die. denen kommunistische Phrasen leicht den Kopf verdrehen. Nur eins hätte den Bergarbeitern höchstwahrschein- lich ein besseres Ergebnis gesichert: eine r e st l o s g e- schlössen« Front. Daß sie nicht da war, verdanken die Bergarbeiter den Kommunisten. Wie immer und überall, so haben sich auch im Ruhrlohnkampf wieder einmal die Kommunisten als die Helfer des Unternehmertums gezeigt. Ohne ihren Streik- putsch hätten die Gewerkschaften eine bedeutend bessere Stellung in den Verhandlungen gehabt. Wer ifl«irSektslss? Die Fieichsanstalt versucht eine Llmschreibung. Heber die Gruppe der nichtunter stützten Arbeits- losen macht die R e i ch s o n st e l t einige Angaben, die eine Art Beruhigungspille darstellen. Ausgehend von der Arbeitslosenzohl vom 1. Dezember, errechnet sie einen Rcstbestand von rund GM 000 Arbeitslosen, die weder von der Versicherung noch von der Krisen- oder der Wohlsahrtsunterstsitzung„ersaßt werden, lieber diese Gruppe sagt sie folgendes: „Ein wesentlicher Teil von ihr erklärt sich aus der.natürlichen,-. und zu jedem Zeitpunkt stattfindenden Fluktuation aus den Arbeitsmarkt. Beispielsweise betrug im November 1930,— also in einem einzigen Monat, der zudem in vielen Berufszweigen bereits winterliche Arbeitsruhe brachte— der Zu- und Abgang von Arbeitsuchenden bei den Arbeitsämtern zusammen über 2 Millionen. Bei der Bestandszählung an einem Stichtage, zumal an den besonders verkehrsreichen Tagen Mitte und Ende des Monats, werden demnach viele Arbeitslose miterfaßt, die sich gerade im unmittelbaren Wechsel zwischen Arbeit und Unterstützung befinden. Dazu kommt, daß sich unter den nichtunterstützten Slrbeitslosen eine sehr große Zahl solcher Personen befindet, für die am Stichtag die Wartezeit für die Arbeitslosenunterstützung läuft. Ferner sind diejenigen Arbeitslosen abzurechnen, die als Jugendliche in der Familie leben, oder die wegen mangel n- d e r Bedürftigkeit nicht in die Krisen- oder Wohlfahrts- Unterstützung übernommen wurden, die eine S p e r r f r i st� zurück- zulegen haben oder ohne Kenntnis des Arbeitsamtes kurze Zeit krank sind. Bei dem dann noch verbleibenden Restbestand handelt es sich in der Hauptsache um Arbeitslose besonderer Art, wie zum'Beispiel Ehefrauen, die kurzfristige Aushilfsarbeiten(Reinigungs- gewerbe) suchen, Gelegenheitsarbeiter, Sozial- rentner und beschränkte Arbeitsfähige. Von diesen Arbeitslosen würde bei günstigerer Wirtschaftslage vermutlich ein gewisser Teil noch mitbeschästigt werden, während ein anderer Teil auf Erwerbssähigkeft verzichten würde." Dieser Versuch der Reichsanstalt, die Gruppe der nichtuntcr- S4S.Ue�1liisve]*kcml Hat alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt.— Der erzielte grosse Erfolg sagt alles.— Diese Woche neue grosse P r e i s e r m ä s s i- gungen.— Unsere Läger werden täglich durch neue Preisschlager ergänzt Beginn: S.Januar stützten Arbeitslosen statistisch etwas stärker zu durchleuchten, und damit alarmierenden Uebertreibungei, entgegenzutreten, ist ocr- ständlich. Aber wenn man Klarheit schaffen will, warum wird denn bei uns in Deutschland nicht, wie in England, die Zahl der Teilarbeitslosen statistisch genau erfaßt? Zweifellos gibt es eine ganze Menge von Arbeitskräften, die Gelegenheits- arbeiter, Aushilfsarbeiter usw. sind. Sind sie deswegen besser gestellt als die Arbeiter mit einem festen Beruf? Wenn aber schon die Statistik der Arbeitslosigkeit oerbessert werden soll, was nur zu wünschen wäre, dann müßten auch die T e i l a r b e i t s l o j e n erfaßt werden. Kür Kürzung der Arbeitszeit. Stellung der Vertrauensleute der Gas» und Wasserwerte. Wie im„Vorwärts" bereits ausführlich mitgeteilt wurde, hat der Gesamtoerband u. a. mit der Direktion der Städtischen Gas- und 'Wasserwerke vereinbart, daß die Arbeitszeit auf 44 Stunden die Woche verkürzt wird, um Entlassungen zu vermeiden und die Neu- cinsiellung von Erwerbslosen zu ermöglichen. Mit dieser Vereinbarung beschäftigten sich am Freitag die V c r- trauen sleute der Städtischen Gaswerke. Der Branchenlciter Genosse G e ß n e r legte den Funktionären ausführlich die bekannten Gründe dar, die die Organisationsloiter veranlaßt haben, einen der- artigen Nachtrag zum Lohntarisvertrag abzuschließen. In der aus- aiebigen Diskussion fand sich lediglich ein einziger t o m m u- n i st i s ch e r Redner, der gegen die Vereinbarung sprach. Alle anderen, auch die übrigen kommunistischen Vertrauensleute erklärten sich mit ihr einverstanden, obwohl sie den noch in Arbeit Stehenden ein beträchtliches Opfer auferlegt. Die Funktionäre wünschten� daß es den Gewerkschaften gelingen möge, bald zu weiteren derartigen Abschlüssen im ganzen Reichsgebiet zu kommen. Gemeinden fürErhöhung derWohlfahrtslasten Im hellen Sachsen. Dresden, Ist. Januar.(Eigenbericht.) Heute fanden in Dresden Lohntarifverhandlungen zwischen dem Gesamtverband und dem Bezirksarbeit- geberoerband für die sächsischen Gemeinden statt. Die Unter- nehmer fordern, die gegenwärtigen Löhne um 6 Proz. abzu- bauen. Demgegenüber erklärten sich die Arbeiter bereit, V e r- kürzungen der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich auf sich zu nehmen, wenn hierfür Arbeitslose eingestellt würden. Der Bezirksarbeitzeberverband lehnte diese Vorschläge ab. Die Arbeiter lehnten unter diesen Umständen die Anträge auf Lohn- Herabsetzung ebenfalls ab. Das Vorgehen des sächsischen Arbeitgeberverbanoes steht in direktem Widerspruch zu den zentralen Vereinbarungen zwischen dem Gesamtoerband und dein Reichsverband der Arbeitgeber kommunaler und öffentlicher Betriebe. Der Arbeitgebervcrband hat die Bezirkskchiedsstellc sofort angerufen, die am Montag zu- sammentritt. Offenbar sind den sächsischen Gemeinden die Wohl- fnhrtslasten noch nicht hoch genug. Oer Buchbindereikonfliki. Unternehmer wollen Lohnabbau um ll5 Prozent. Die Verhandlungen am 9. Januar über den Neuabschluß des „Api">Tartfs sind gescheitert. Die Arbeitervertreter verlangten die N ertürzun g der Arb eitszeit von 48 auf 40 Stu nden. uch«inen Teil der Arbeitslosen wenigstens wieder in die Betriebe zki bringen. Für dieses wichtige Gebot der Stunde zeigten die Unternehmer kein Verständnis. Umgekehrt haben die Arbeitnehmer kein Verständnis für eine Verkürzung ihrer Löhne um 15 Prozent. Die Verhandlungen führten unter diesen Umstanden zu keinem Erfolg, so daß die Parteien sich im Reichsarbeitsministerium weiter sprechen werden, RGO. und Nazi blamieren sich. Die Berliner Ortsgruppe des Einheitsvcrbandes der Eisenbahner hatte zu gestern abend nach den Musikersälen eine öffentliche Eisen- bahnerversammlung einberufen, die von etwa tausend Personen besucht war. In einem fesselnden Referat legte Genosse Emil Barth die Ursachen der katastrophalen Wirtschaftskrise dar, dabei besonders. herausstellend, daß jetzt das Stadium der Entscheidung zwischen kapitalistischer und sozialistischer Wirtschaftsordnung herbei- gekommen sei. In diesem Zusammenhang geißelte der Referent scharf das arbeiterfeindliche Treiben der Nazis und der R G O.- L e u t e, die die Kräfte der Arbeiterschaft zersplittern, anstatt sie für den Entscheidungskampf gegen den Kapitalismus zu sammeln. Je einem NGO.- und N a z i m a n n war für die an- schließende Diskussion eine halbe Stunde Redezeit zu- gesichert worden. Der NGO.- Mann bemühte sich zehn Minuten lang in sehr konfusen Redensarten, die Versammelten für die „Einheitsfront" zu begeistern, wie sie von der KPD. verstanden wird. Als er nichts mehr vorzubringen wußte, forderte er seine Anhänger auf, denn Saal zu oerlassen. Dieser Aufforderung kamen gerade ein Dutzend kommunistischer Anhänger nach, die unter dem Gelächter der Versammlung„demonstrativ" von bannen zogen. Der nationalsozialistische Diskussionsredner redete ein so wildes Zeug zusammen, daß er schon nach dem ersten Wortgestammcl der Lächerlichkeit anheimsiel. Gehattsabbau in Lippe. Selbst die Hungergehätter werden gekürzt. Detmold, Ist. Januar. In den Schlichwngsoerhandlungen über eine Reuregelung der Augestelltengehälter in der lippischen Industrie wurde ein- stimmig ein Schiedsspruch gefällt, demzufolge die Gehälter bis käst M. um fünf Prozent und die Gehälter über löst M. u in sechs Prozent gekürzt werden. Diese Neuregelung gilt bis zum 30. September 1931. Schiedsspruch für die Frankfurter Metallindustrie. Frankfurt«. J1L, 10. Januar. Der Frankfurter Schlichtungsauslchuß fällte heute für die Frank. surter Metallindustrie folgenden Schiedsspruch: Ab 12. Januar werden die Stundenlöhn« in der Spitze gesenkt, und zwar von 89 auf 84 Pfennig, und ab 7. April aus 83 Pfennig. Das bedeutet also«ine Senkung von 5,5 bzw. 6,7 Prozent. Gleichzeitig wird die Mkorddasis ab 12. Januar von 80 auf 76 Pfennig und ob 7. April auf 75 Pfennig gesenkt. Die Erklärunzsfrist läuft bis 15. Januar, 12 Uhr mittags. SPD.-Isralti»n beim£iu,bcMibci*umt Brandeabura. Dicnstaq, 16Vi Uhr. bei Behlall. Sronprin�ünufür 12. grakt'anssihunli sijmtlichcr beim Landcsarbüitsamt büslhäftiqten partüiacnössischün Arbeiter, An- gefteilten und Beamten. Beserat des Eenassen Mar Lcndemann Über: .,IS3t— das Jahr der Borbereitunacn". Stellungnahme ,ur Betriebs- ratswabl und Anaestelltenmahl. Parteimitnliedsbuch und Sewerkschafts- buch find mitzubringen. Bctricb-sraltiaa der SPD. beim BezirisanU Zemvelhss. Dienstag. 20 Uhr, bei Pinger, Tcmpelbaf, Dorfstr. S0, Versammlung aller SPD.- Arbeiter,»angestellten und-beamten. Bortr. des Gen. Dr. Lulkow llberr ..Politische und wirtschaftlichc Lage". Um bestimmte Teilnahme aller Genossen wird gebeten. Mitgliedsbuch mitbringen. �reie Gewerkfchafts-Luqend Berlin Seutc. Sonntag, finden folgende Beranstaltungen statt: Mädchenlursu«: 10 Uhr im Eihungssaal des Buchbinderverbandes, Gcwerkschaftshaus, Engelufcr 24—25, Aufgang C, 3 Treppen.„Die ssrou in der Tertil- industrie." Ncferentin: Else Krummschmidt.»Die grau in der chemischen In- dustrie." Reserentin: Anna klammert.— Nordkreis: 20 Uhr im Jugendheim Spandau, Gärschstr. 14. Lichtdilderoortrag:„Vorarlberg und Tirol in Wort und Bild".— Rordmesttrei»: 20 Ubr im Jugendheim Spandau. Lindenufer 1. Grosser gilmabend:„Unser Jugendtreffen in Lamburg". Jährt der schwimmenden Jugendherberge Sachsen.".Bimmel-Bammel-Bommel."— Südrreis: 20 Uhr im Jugendheim Gcwerkschaftshaus, Engelufer 24—25.„Bon Müttern und Kindern". Bezitation: Klara John.— Morgen, Montag, 12. Ja». Iugend- gruppc des Deutschen Deileidunasarbeiterverbandes. 19% Uhr im Jugendheim Eebastianstr. 37—3«. gachabend für Jugendliche der Damenschneidcrei. lDamcn- mgss-, Damenlonfektions-, Blusen» und Kleiderkonfekt ion, Pelznäheri.)— Gruppe Spandau: 20 Uhr Iugendkursus im Jugendheim Lindenufer 1.— Iugendoorstcllnng der Bolksbiihne am 25. Januar. Karten sind zum Prcue von SO Pf. i» der Iugendzentrale erhältlich. @Iuaenk>oruvve des?entralverbandes der Anaestettten Heute, Sonntag, finden folgende Beranstaltungen statt: Sonntagsver- anstaltungen im Jugendheim Lehrter Str. 18— 19, von 19% bi» 22 Uhr: Jugendheim Tilstter Str. 4—5, von 18 bis 21� Uhr: Jugendheim Charlottenburg, Wallftr. 70. von 18 bis 22 Uhr: Jugendheim Lorssingstr. 19, von 18- bis 22 Uhr: Jugendherberge Rowawcs, Priesterstrasse, von 18 bis 22 Uhr.— Heute lommcn die Funktionäre und Helfer unserer Iuaendbezirle zu einer Aussprache über das Thema:„Unsere Werbefeiern im April" im Jugendheim Neukölln. Bergstr. 26, zusammen, Dauer der Veranstaltung von 9 bis 13 Ubr.— Heute findet die Arbeitsgemeinschaft:„Wie böre ich Musik", unter Leitung von Dr. Herbert, um 18 Uhr im Jugendheim Lehrter Etr 18— 19, statt.— Morgen, Montag, finde» folgende Veranstaltungen statt: Wedding: Jugendheim Tu» riner Elke Scestrasse, Bortrag:„Moderne Schulreform". Referent: Artur Bochow. - Brih: Städtisches Jugendheim iBatlmus). Kunterbunter Abend.- Urban: Jugendheim Hobrecht- Ecke Sanderstrasse. Lustig« Spiele.— Weissenscc: Jugendheim Pistoriusstr. 24. Kurzreferate über Tagesfragen.— Die Musitgrupve übt jeden MoiUag von 20 bis 22 Uhr im Berbandshaus.— Karten für die Iugcndrorstellnng der Volksbühne am 25. Januar zum Preise von 80 Pf. sind im Iugcndsekrctariat zu baben.......... SPD.-graktion im Sefamtverband, Sektion Gesundheitswtse». Dienstag. 13. Januar, 19 Uhr, im Sackeschen Sof, Rossnthaler Strasse, Lochzeitssaal. wichtige Traktionsssssung. Erscheinen aller Genossinnen und Genossen ist Pflicht, Der graktjonsvorstand. SPD.-Fabrikarbeiter! Morgen, Montag, 18% Uhr, im Saal 1 des Gewerk. schaftshauscs wichtige Versammlung aller EPD.-Fadiikarbeiter. Vollzähliges Erscheinen ist notwendig, Partei- und Berbandsbuch legitimiert. Der Werbeausschnss. Deutscher Sattler., Tapezierer- und Portefenilleruerband, Ortsverwaltung Berlin. Jahresversammlung der Lederwarcnbranche Dienstag, 13. Januar, 19 Uhr, Gewerlschaftshaus, Saal 4, Vorkrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold*. Geftbäktsttell»: Berlin E 14. SebattianNr 87—38. So? 2. Te. Gauvorstand. Jeden Dienstaq ab 20 Ubr Schukfportkursus in dsV Turnhalle Albrechtstr. 20.— Montag. 12, Iaarar. ArirdrichOda»» (Iungbanner): 20 Uhr Jugendheim frankfurter Ällee 307. Erscheinen Pflicht. Vortrag Kam. Paqels. StegliK(Kameradschaft): 20 Uhr bei Schulz. Brrkbmch- strafte 90. Iahreshauptversammlunq. Jahres- und Kassenbericht. Neuwahlrn. Nenkollit'Brifc(Iunabanner): 20 Uhr Monaisvcrsammlung im„Idcal-Kanno, Weichselstr. 8. Vortrag Kam. Orsolek.— Dienstag. 13. Iauna?. Wedding (Ortsvcrein): 20 Uhr aufterordentliche Liftung bei Bondtke, Samlstr.<4� erscheinen Pflicht. Prenzlauer Berq(Iunqbanner): 20 Uhr an bekannter Stell?. Schöneberg-Friedeuau, Kameradschaft Nollendorf: 20� Ilhr Kamerad schaftsvci- sammluna bei Iürqens, Varbarossastr. 5a. Referent Kamerad Pollzelobermacht. meiste? Batge. Thema:..Nationalsozialisten in Thüringen". ISVfc Uhr fUttT- tionärsiduua. Wilmersdorf: 20 Uhr Kameradschaftsversammlung bei Kroi�, Gasteiner Ecke Solsteinische Strafte.— Mitte(Iungbanner): Montag. 12. Januar, 20 Uhr, Jahresversammlung im Jugendheim Tieckstr. 18. Ericheluen Pflicht Reicksbund der Kriegsbeschädigte«. Krieasteilnehmer und Krieqerhiuter. blieben««, Ortsgruppe Westen. Generalversammlung am Mirtmoch. 14. Januar, 20 Uhr, im Schubert-Saal, Bülorv-str. 104. Geschäftsbericht, Wahl des Vor- stanin:s. Die„Freie Arbeiter. Stenograph eu Verei a igung Groft-Berliu" meist nochmals auf den Beginn ihrer Anfängerkurfe in der Reichslurzfchrift im Inseratenteil hin. Alle Stolze-Sckrenianer machen wir auf unsere» Spcziallursus»ach Stolze-Cchrcn aufmerksam, Vorbesprechung am greitaa. 16- Januar, ,n der Sophien-Schule, Weinmeistcrstrassc. um 20 Uhr. In unieren Tor.schrlns- und Uebungskursen werden jederzeit Anmeldungen entgegengenommen. Auskuntt erteilt W. Riedel, Berlin-Spantau, Wustcrmarker Str. 10 I. R-ichsbund Deutscher Mieter, Verband Berlin, e. V. Montag, 12. Januar. 20 Uhr, im Bathaus Berlin, Saal 109. Eingang Iüdenstrassc, lüristicher Bor. trag des Landgerichtsrats Lilienthal über..Die miet- und wohnungsrc cht llcden Bestimmungen der Notverordnung vom 1. Dezember 1930". �n Anbetracht des altuellcn Themas bitten wir um rege Beteiligung. Mjcterverband Berlin, 5. Berwaltnngsbezirk,«. B. Grosse öffentliche Blr. fammluna am 15. Januar, 19% Ubr, Andreas-Zeftfäle, Andreasstr. 21. Thema: „Senkt die Mieten! Rettet den Mietcrfchuss!" Arbeiter. Radio. Bund De-tschla-d-,«„ Ortsgruppe Gross. Berlin, Unter- aruppe Pre», Inner Berg: Dienstag, 13. Januar, 20 Ubr. Lolal Klug, Danz ger Strasse 71. Lesen von Schaltunqen.— Unterarupve gricdmchshain: Donners. tag, 15. Januar, 20 Uhr. Lokal W-rtalla, Hohenlobcstr. 3, Bastelab-nd— Sprechstunde: Dienstags und Freitags 17-19 Uhr im Lab-rator.um, Berlin 6.42, Al-randrinenstr. 37a, Hof 2 Tr, Fernruf: A 7 Donhost 860.— Bastcl- fchnle: Der mündliche Unterricht der Bast-Ischvl- beginnt am 3. Februar um 19 Uhr im Echulraum Al-iandrinenstr, 37a. Hof II. Lehrplan und Anmeäun- gen sendet auf Wunsch der Technische Reicheausichu«, Berlin«W. 61, Porck- strasse 14, und der Verlag des„Arbeitcrfunl", Berlin S,42. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilncbmer und Krieg erhinter- bliebenen, Bezirk Wedding. Generalversammlung gm Dienstag, dem 13. Januar. 20 Uhr, im Lokal Pahenbofer, Cbausseestr, 64. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Wahl des Vorstandes. 2. Bezirksgngclcgenheiten. 4.«er- schiedenes. Briefkasten derRevakkion. «. s. 1931„E". Drei-Masken-Verlag, München 2. Karolincnplass 3. Vera fgsser: Ebereff. Hiermit die traurige Mitteilung, daß ganz plötzlich und unerwartet uj�er Freund und Kollege, der Qew'erkschaftsangestellte Otto Henkel darch Herzschlag im Alter von 47 Jahren verstorben ist. In treuer Pflichterfüllung hat er seine ganze Kraft in den Dienst der Organisation gestellt, und verlieren wir einen braven Mitstreiter für unsere gemeinsame Sache. Seinen Mitarbeitern war er ein guter Kamerad� Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. Deutsdier Metaliarbei'er-VerDand. Verwaltunosstelle Berlin Olc OrtsverwaUang and die AngeslelUea. Die Einäscherung tindet am Dienstag, dem vi Januar, Ws Uhr. im Kwmatorium Baumschulenweg Statt, Rege Beteiligung wird erwartet Deotsüier Metallarbeiter-VerbaDd Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, dgss unser Kollege, der gahrstuhtführer kiedsrS Relclidelm am 5 Januar aeü orten ist Die Beerdigung findet Dienstag, den 13, Januar, IS Uhr. von der Leichenhalle des Heilands-Kirchhofes in Piötzenjee aus statt. Am 5 Januar starb unser Kollege. der Arbeiter August Knüppel geb. 12. Döremder 1360. Die Einäscherung findet Mittwoch, den 14 Januar. 18 Uhr. un Krematorium Gerichlstrasse statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Kachruf Am 24. Dezember starb unser Kollege, der Elektromonteur Karl Nennrnnu Zfie Beerdigung hat bereits statt- geiunden. Ferner starb am 2. Januar unser Kollege, der Klempner Otto Wegener geb. 16. Dezember 1869. Di« Beerdigung hat bereits statt- gerunden. Ehre ihrem Andenken vi« 0rtn»erw»ltaiig. Plötzlich und unerwartet verschied Donnerstag, den 3. Januar, an Herz- schlag mein lieber Mann und guter Vater, der Gewerkschastsangestellte Otto Henkel im Alter von 47 Jahren. Im Ramen der trauernden Hinter- bliebenen dlargarete Henkel and Tochter Herta Die Einäscherung findet am Diene- tag. dem 13 Januar. 180, Uhr. im Krematorium B-umschulenwea statt. Von Kondolenzbesuchen und Kranz- spenden bitten wir abzusehen Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung menes lieben Gatten, den Oberfeuerwehrmann Miildeim Etaner sage ich meinen herzlichen Dank. Insbesondere den Beamten der Feuerwehr und der Musik, sowie den Genossen des Krerjes Tier- garten der SPD. Frieda Eisner. Wangrin& Butz Eieklr. Ii At-, Krall- a.Klinaelanlagen Konzess. für särntl. elektrische Werke r 0 Bln.-Neuköiln r Q r jl Hobrachtitr. 59-60 f 9»» ü Telephon: Neukölln 5157 u MMM ZM i\W3ren Sonder- s Bekanntmachung betreffe ud Ablieferung der Einkommen- strnermartcn. IederArbcitnehmer. iür den im Kalender- iahre 1930 Stenermarten verwendet worden find, ist verpstichtet. spätesten« bis zum 20. Zanuar 193t feine Steuerkarte iür 1930 und die Einlageboge« mit de« im Kalenderjahre 1930 verwendeten Steuer- marken an das Finanzamt abzuliefern. in besten Bezirk er am 10. Okioder 1930 seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aui- enthalt harte. Dabei hat et die Rummer der Steuerkarte tür I93l und die Gemeinde- behörde. die diele Sieuerlarte ausgestellt hat. anzugeben. So'ern die Steuerkarte 1930 vom'Ardettnehmer nicht eingejandt werden kann, weit sie etwa bei«wem Ardeitgeberfür die Lohnsteuer de'che!nlaung Verwendung findet, find Name und Wob» nuna dseiesArbetigebers beider Einsendung der Einla-edogen vom Arbeitnchmrr genau anzugeben. Arbeitnehmer, ivctcheewen Er- itattungsawrag bei dem Finanzamt lbres Wohnsitzes am IE Ott oder 1930 stelle« wollen, können mit ihm die Einreichung der Steuerkarte 1930 und der Einlageboge« verbinden. Die Arbeitgeber stvd ver- pflichtet, durch Anschlag in den Arbeits- und Geschäftsrärrmen aus die Adliejerunz«- Pflicht binzuwetsen. Di- Emlagebogen müssen vom Ardeitgeber ordnungsmäßig ausgeiüllt und aufgerechnet sciu. Berlin, im Januar 1931. Vie Finanzämter de» Oandenstnanz- amtsbezirk» Berlin. ÜMlIiffUlZÜMes'WZ!»! aomung. LsusnscmZgsi'i Die Branchen-Uersammiung der Bauanschl&ger findet nmilänbehnlber erst am Mithood), dem 14. Zaonar, abends 7 Uhr. im Verbaad»hause. Linien. strosze«3 SS, parterresonl, statt. Tagesordnung: t. Bericht von der Verhandlung mit den Arbeitgebern 2 Dis'uiston Die Vertr'nensleute werden ersucht, um 6 Ubr zur Sitz mg zu erscheinen. Ohne Mügliedsbuch lern Zutritt! Aciming, Drahterbelterl Ctcnslaa den 13. Ziannar, abend» T Ahr. im Lokal oen Aiollschlägsr.«dalbertslrahe 21 Branchen-Versammlung der Drahtarhelter Tagesordnung: t Bericht über unsere Lohnvirhand- tungen. 2. Diskniston. Z Branchenangelegenheiten. Die Bertrauensieukr we:den ersucht. >/, Stunde früher ,u erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Achtung. Drücher! Von letzt ab find n un'ere veelratse»»- wänn er- Konferenzen nicht mehr im Lakai von Ewa d. sondern im Losal von Fdrster. verlin SO 36, Farster Strohe 19. zu der üblichen Zeit(nach- mittags 5 Uhr) statt. Ach'vng! AutosenschwerBeri Die Branchenkon fcreuz der Schweißer fällt am Donnerstag. IS. Januar, au». 5pßelplsn unserer Snltnrabtellnag. Zn der Woche vom 12. bi» 18. Januar: 1. Der gigantische Strom(Amazonen- Strom i. 2 Der Sieichrichter. 3. Humoreske Zn der Woche vom>9. bis IS. Januar: 1. Carla{Die Tochter des Nordens). 2. Technisther Film. 3 Humoreske Zu der Woche vom 26 Jeu. dt» l. Febr.: 1. Dür en wir ichweigen?(Serua.fiim) 2. Hygiene-Ftim Nr. 8. Z Humores:« Z« der Woche vom 2. bis 8. Februar: 1. Die heiligen drei Brunnen{Grosser Sera- u. Sporrstlm mit Lours Trenler). 2. Stzgiene-Fiim Nr 9. 3 Humoreske Antragen wegen Ueberlassung und Be- mch der Abteilung sind telephonisch oder ichriftlich an die Kulturadteiiung {Büro Linienstrd!3/85. Zimmer 20) zu richten. vi« Ol kseervaitn»«.__ Lernt stenographieren! Für ieben vorwärtsstrebendcn Arbeiter oder Angestellten ist und bleib! die Steno- graphie das unentbehrliche Hilfsmittel zur Erlernung jeglichen Wn ens. vie krete»rvetter-Stevodrsphen-Vereln Kons bürgt jllr gmc und gründliche Au diidung im Kreise Gleichgestnmer und war: to der Aeichokurzschrist: Norden: Freitag. d 16. Jan 31. n der Gcmeinderchu!« mms Jhft*. aus erster Hand Cm» 0.90, 0.75, O flO Weiß« 5.-, 4,-. 3,59, 1.90 [In.'to 9.—, 7.—, 4.— »derdett zrtM I2.-,9.S0, 7 J'. 6.90 Kitten gef.S.o 3�0,2.40 iUonsc-lllnrtetl.. 31 JO und ander« Sorten in großer Auswahl Danplremigung für unsere Knudeu gratis. SACHSEl* STADLER BOhmlsßies Betnedern-Sosilal-Haui C.25, LandsberecrStr.43/4'. nUWInaUerpl.l JlocSo.te«: Donnerstag.„ 15 ODea: Donnerstag,„>5 Lichtenberg. Dienstag.„ 13. Sfibnefken: Freitag.„ 16. nealSB«: Dienstag,„ 13. Schulürasse 99 31,,,, Seneieldei strasse 6 äl,, m, ffr�n.rurier Allee 17 31,..» Scharnwed rur.>9 31. �„- ffinellen u strasse 7 31,,„ Karl-Marx. Schul,. Kaisei.Frie.r ch- ' Strasse.09, 10. fffle Stolze-Schre«:., Anfänger und Fortgeschrittene) nur in der Sophionichu'e. Weinmeisterstrasse, zur Bordespr chung Freitag, den 16 Januar IWt. Alle Kurse beginnen abends st.8 Uhr Kuisusdaucr lö Abende Das KurfUeoeld beträgt eintchl Lehrmaterialdelisrerung fllr Erwachsene Mr 10.—, tür Iugerzdliche Mi. 7L0 Erwerbslose zahlen 50 Proz. der angegebenen Sätze. Die Anmeldung erfolgt am ersten Abend in den genannten Bezirten Auskunft-ttcili: w. Riedel, Vertln-Spandatt, wuflermarker Strasse 10 I. Ctaftabsagcn ffit Btclia 6S 68, [c Äubrtf find ■";taSe 3, pariemachrichien für Groß-Verlin stet, an da»«ejirfefefrelotlnl 2. �af, 2 Steppen recht», z» richte» Z. ftrei« Ziergarte». Mnntaa. 12. Januar, 19Vi Uhr, bei Landow, ftlens, durger St. 3, ftceisaocftanbsiifciing mit den 1. übteilungsleitern und Bei- fttzern.— Bildvn!>-an«sch»h! Alle Genossinnen und Genossen seien darauf aufuierlsam gemacht, daß am Donnerstag, 1Z. Januar, 20 Uhr, unter der Seitiino der Genosfin Dr. Dora ssabian der Rurfus.Die Staat», und Ge» sellschafislehre des Masismus" beginnen wird. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Solal Ziöstel. Puttli�'tr. 10, nicht tut Jugendheim Bremer Straße, wie de- reit» angefünbigt. 3. Ätet, Wedding. GlterabeirSte. Rreieoerfammtung Dienstag, IS. Januar, 30 Uhr, bei Sorgaß, llferstr. 12. Elle Martin-Lpid-Etraße(Restaurant). .Das 9. Schuljahr�. Die genössifchen Lehrer werden gebeten, au erscheinen. Interessierte Eltern können teilnehmen. WMMWW�W Ron' Bortrae Sählreit.....______________ 3. Rtei» Zniedrichshain. Montag, 12. Iannar, 19 Uhr, in Schmidt, Gesell. schaft-han,,«rnchtstr. 36a, Rreisfnnktionärssanng. Tagesordnung: 1. Rteic aagelegenheiteu. 2. Vortrag de, Genossen Dr. Rnrt Löwenftei», M. d. St., Übet:»Unsere nächsten Ausgaben im Reichstag". Analtiouärlarte und Mit. glirdsbuch mitbringen. 6. R»ei» Rrrucherg. Die Funktionäre werden gebeten, alle Genossinnen und Genossen auf den am Dienstag, 13. Januar, 19V4 Uhr, im Lesesaal de» Gesundheitshauses beginnenden Rursus des Genossen Hariiq über:»Die Ardeiter Deutschlands im Rampf um Demokratte, wirtschaftliche und politische Macht- hinzuweisen. Rursusdispofition stehe Funktionärmittri- lunasdlatt. 13. Rreis Tempelhos. Rontag, 12. Januar, 19 id Uhr, Dorfstr. 62, Fraktion«. stßung. 13. Rrei». Dienstag, 13. Januar. 19H Uhr, Rreisnorstandsfitiung in Tempelhol. Fricdrich-Rarl. Ecke Werderstraße, Lokal»Zur Linde", Jnh. E. Rangk. 1». Rrei». Montag. 12. Januar, 19ii Uhr. in Riederschöneweide, Berliner Straße 38, Rreisoorstandsstßunv mit den Abteilunqsleitern. 1«. Rrei». Montag, 12. Januar, 19% Uhr, in Röpenick, Echloßstr. 27, 1, wichtige ktreisvorstandssttiung. stontag, IL. Jonitar. 20 Uhr, im Jugendheim Gunterstraße. Leiter Jakubowiez.— Da« Beethoven.Ronzert im Realgymnasium an der Barkaue findet Mittwoch. 14. Januar, 20 Uhr, statt. Raiten in den Vorwärts svedilionen in Lichlendcrg und an den durch Plakate kenntlich gemachten Stellen,— Donnerstag, 15. Januar, 19% Uhr, Rursu»»Mensch und Ma. schine". Leiter Alexander Rosam im Roihau« Mällendorfstraße, Sißungs» »immer 25, nicht>m Eaeilieuluaeum. 19. Rreis Pankow. ArbeiterbUduagsschule: Berichtigung! Infolge Aendenmg des Ilnterrichtslokal» durch da» hiesige Beairksamt findet der Rursus von Dr. Friß Lewy im Jugendheim, Gärschftr. 14, am Donnerstag, 20 Uhr, stall. Beginn Donnerstag, 15. Januar, 19 Uhr. Funktionärfihungen morgen, ZNonlag, 12. Iannar, in nachfolgenden Lokalen: 7. Abt. 19% Uhr Bärwalde, Schltgelstr. s. 9. Abt. 30 Uhr Hllbner, Wilsnacker Str. 84. � 16. Abt. 20 Uhr Landow, fflensdurger Str. s. Stellungnahme zur Reuwahl. 15. Abt. 19% Uhr Obiglo, Slralsunder Str. 11. 16. Abt 19% Uhr Rinzel, Usedomftr. 22. Stellungnahme zur Neuwahl. 17. Abt. 19% Uhr Dose. Nordhafen 6. 18. Abt. 19% Uhr Schade, RBsIinet Str. 9. 19. Abt. 19% Uhr Echrevel, Grstnthaler Str. 13. 26. Abt. 20 Uhr Pose, Roloniestr. 15. 21. Abt. 19% Uhr Rroll, Utrechtcr Sir. 21. 22. Abt. 18 Uhr Borstandsfißung. 19% Uhr FmikttonSrfitzung bet Senkel, Utrechter Sir. 10. 23. Abt. 19% Uhr wichtige Funktionärversammluna de, Grmnvalb. Rameruner Straße 19. � 24. Abt. 19% Uhr Röhler, Gretf-walber Str.«d.„..„ 25. Abt. 18% Uhr Porandsstßung. 30 Uhr Funktion!! rflßung. Lokal Rramer Cotheniusstr. 8. 27. Abt. t9% Uhr Ree», Sonnenburaer Etr. 1. 31. Abt. 20 Uhr Soldschmidt, Stolvischc :H, Abt. Alle Genossinnen und Str. 30. inosfen beteiligen sich an der Einäscherung ......«...............— lO V-*- 1 1 U 1 1 1 ti'• der verstorbenen Genossin Hertel 12 Uhr Rrematorium Baumschulenweg 39. Abt. 19% Uhr Jurtstische Sprechstunde, Lindenstr. 3. Besprechung der Bor. Äbrechnm tlDl. UOt �UCIUMUJC---- . Mt�20�lh-' M?taUed?"öersammlung bei Förster. Dreibundstr. 11. Borirog des Genossen Erich Ruttner. M. d. L, Neuwahl der Abteilungsletwng. —"0 Uhr Ltpfert, Mariendorfer Str. 0. 9% Uhr Wiersdorif, Urbanstr. 0. 9% Uhr Rrepv, Planufer 75/76. Uhr Ewald, S kalißer Str. 126.., Uhr Zorstandsstßung bei Bartsch, Wtener Straße. Anschließend «I. Abt. 20, 42. Abt. 19% 43. Abt. 19'' 44. Abt. 19' 45. Abt. 19%------------ edeudort Funktionärsißung. 47. Abt. 19% Uhr Wilhelm Grosser, RZpemcker Etr. 30a. Zorberettungeu zur 54. Abt.�EbarwÄnburg. 19 Uhr Borstand-sttzung. 20 Uhr Fuicktionärsttzung im Jugendheim. Rostnanstr. 4..____ 76. Abt. Wllm»r»d«rs. 20 Uhr hei RuHa, Lauenburg cr SV. 21. Mrlglied eroer. saminluna. Rekerent Dr. Friß Lewn- Thema:»Proletariat und Demo. kralie". Neuwahlen.__„ 76». Abt. 19 Uhr Engel, Rdblingstr. 1«, Borstandsstßung. 30 Uhr tbenbort. 86. Abt. Marler Dorf. 20 Uhr Funktionärssßuna bei«Srli». Eha-ss-estr. 19. Stettin». 94. Abt. 19% Uhr Schröder, Steinnuchstr. 52,—»6. Abt. 19% Uhr 127. Uhr im Lokal Ftebe. 1<1. Abt. Rosenthal. A Uhr Frische, Niederstraße. Dienskag. 1Z. Zaauar: 56.»bt. Sbarlottenburg. 30 Uhr MitgUederversammlung hei Beutel, Roifet. Fried rtchssStraße 6.3. Reuwahl des Vorstande«. Abrechnung des Rassterer». Bortrag:»Wage zur Verwirklichung de» Soztaltsmus. Referent Dr. Franz Nemnann» 69. Abt.«ilmeradorf. 20 Uhr bei Rustka. Lauenburger Etr. 21. Bortrag: Poli. tische Tageskragen. Referent Sottlieb Reese...__ 85.«lbi. Tempelb-s. 20 Uhr Sahlabend de» 4. Bezirk« bet Poimncrentng, Ber. liner Str. 100. Mittwoch. 14. Zanuar: 143. Abt. valbwanaalast. Bezirk-fllhrer laden zur Hauptversammlung ein. Freie Schalgemeiud- Tiergarten. Di- Interessenten an der Arbeitsgcmein- schait Brak. Adramowitich— Arbeiterschaft und e-aialogi-— nehmen an dem Zentrallursu» der Arbeiter-Bildungsschulc teil. Beginn Freitag, 10. Januar, 30 Uhr, Schule Danaiger Str. 23. s-ilnchm-r««bllhr 2 M., Erwerbslose fret. Der oon un, beabstchtigte Rursu» findet nicht statt. Irauenveranstalwngen. lt. S-si, Zlenlül». Die Genolstnnen werden gebeten, stch zahlreich an dem am Freitag, dem 10. Januar, 19% Uhr. Im Jugendheim Neukölln, Berg. straße 29, beginnenden Rursu» der Genosstn Mathilde Wurm au beteiliaen. Thema de» Rursus:»Geschichte und Eoaioloate der Frauenbewegung. Da» Hörgeld beträgt siir den 8. Abend- umfassenden Rursu» 2 Mark. 5k. Abt. Sharlattenbuig. Dienstag, 13. Januar, 20 Uhr, bei Baabe, Raiserin- Augusta-Allee SL: �stn Westen nichts Reue»— aber im Osten". R-fercnt: Sans Bauer. 78, Abt. Schönederg. Mon'a«. 12. Januar. 20 Uhr, bei Sochgeschurz. Mühlen. straße 9, wichtige Besprechung. 88. Abt. Buch,». Dienstag, 18. Januar, 20 Uhr, bei Dietrich, Dorfstr. l. »Rriegsgefahr ttnb Rriegsh-ßer." Referent: Rar! Dr«ss-I. 168. Abt. Röpenick. Montag. 12. Januar, 19% Ubr. in der Rvnditorei Becker »Freiheit", Echloßstr. 13.„Im Westen nichts Neues— aber im Osten." Neserentin: Räthe Rern. 136. Abt. Retuickeudorf-Vft. Tonnersiaa. 15. Januar, 20 Uhr, in der Lindauer Straße.»Rriegsgefahr und Rriegsheßer." Referentin: Hertha Gotthelf. Außerdem Stellungnahme aur Neuwahl. 137. Abt. R-iuickeuboef.West. Freitag, 16. Januar, 29 Uhr, im»Volkshaus", Scharnweberstr. 114 Wahl ber Leitung 140. Abt. Borssgwalde. Mantag. 12. Januar, 19% Uhr, bei Woilschach. Ernst. straße 1.„Geltwirtschast und Einkaufslord." Rcferentin: Else Michaeli». Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrk. 26 Rrei, Reiaick-nborf. Di« Besschüguna des Waisenhauses Rummelsbur» in Lichtenberg, Kauptstr. 7, findet am Montag, dem 12. Januar, statt. Treff» Punkt unven vor dem Bahnhof Etralau-Rummelsburg pünktlich 13% Uhr. Wer Verdlndung mit Straßendahnlinie 13 bat, kann bis aur Hauptstr. 7 fahren. Vom Bahnhof aus 25 Minuten Weg. Sozialistische Sludenkenschasl. Wachenprogramm der Sektion Univerfität: Sonntag. 11, Januar. Fahrt nach Zeuthen. Treffpunkt 9% Uhr Görlißer Bahnhof. Montag, 12, Januar. Mitaliederversammlu»« im Beairksverbandssaal, Lindenstr. 4. 39 Uhr. Rcse- rent: Genosse Dr. Rloß. Dienstag, 18. Januar. Vormittags Mediainlsche Fachschaft. Besuch des städtischen Instituts für Knochen- und Gelenlkranle. Eoaialölonomiiche Fachschaft. Genosse Ministerialrat Dr. Joachim:»»Der poli- tische Lohn". Ort: Studentenwerk. Johannisstr. 1, Zimmer 153. Pädagogische Arbeitsgemeinschast der philosophischen Sfaefifchaft. 20 Uhr Bund. Donnerstag, 15. Iannar. Soaialötonomische Fachschaft. 30 Uhr H!N. Genosse Dr. Mitnißki: „Marristische Arbeitsaemeinschaft". Mediainlsche Fachschaft. Morristische Ar» beitsqemeinschaft für Anfänqer. Leitung: Genosssn Anna Lartoch. Freitag, 10. Januar. Sozialökonomische Fachschaft. Arbeitsgemeinschaft:„Wege der So» aialiücruna". Leiter: Genosse Dr. Falk. 20 Uhr SfP. Sektion landwirtschastliche Hochschule. Am 12. Januar Miigliederabend der Sektion LS. 20 Uhr im Bund. Referat über die Schrift Otto Bauers:»Wege attm Soaialismus". Referent: ffi. Heinrich. Arbeiisgemeinfchaft der Kinderfreunde Groß-Lerlln. «rbeiisgemeinschast, Kreis Mitte, Gruppe Mattcotti. S-uIe, 18 Uhr, im Heim Elisabethkirchstr. 19 hoben wir einen lustigen Heimabend, Mittwoch, 17% Uhr, in der Badeanstalt Gartenstraße Badeobend. Rote Falkkn, Man» tag, 17% Uhr. Ausspracheabend:..Arbeiterführer". Freitag. 17% Uhr, Volks» tänze. Iungkalken A; Dienstag. 17% Uhr. Basteln: Freitag. 17% Uhr, Volks» tänze: Junafalken B: Montag, 17% Uhr, Heimabend: Freitag. 17% Uhr. Volks» tänae: Nestfalken: Dienstag, 17% Uhr, Heimabend. Am Freitagabend per» anstallet die Gruppe Arkonaplaß der EAJ,-inen Elternabend. Auch unsere Eltern werden aufgefordert, ssch daran au beteiligen. Karten und Auskunft bei den Helfern. Rreis Seißenfee. Am Donnerstag, dem 15. Januar, ist Rreishelferssßung bei Genossen Schulz, Lohenfckiönhaufen, Am Faulenfee 3. Wir bitten, pünltlich zu erfdxinen. Koh-nschönhausen. Montag. 12. Januar, sind wir in ber Echu Iba packe Dingelstädter Straße von 17 bis 19 Uhr und spielen. Mittwoch, 14. Januar, basteln wir von 17 bi» 19 Uhr bei An»! Schul,. Am Faulenfee 8. Donners- tag, 15. Januar, find wir von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim Freicnwalder Straße. Gesellschaftsspiele. Prenzlauer Berg. Donnersiaa um 19% Uhr Abrechnungen vor der Haupt» Versammlung. Gruppe Friedrich Ebert. Menstag Mi tglir derversammiung. Donnerstag Rote Falken und Freitoq Iungfalken. Rolleiroerteilung. Gruppe Freiheit. Jugendheim Sonnenburaer Str. 39. 17 bis 19 Uhr. Montaa Iulklapp der Roten Falken. Bunter Abend für Rest- und Iungfalken. Dienstag Turnen der Gesamtgruvpe. Lallenschuhe nicht vergessen. Donnerstaa fallen die Zu» fammenkllnste der Rest- und Junafalken aus. Dafür Freitag Filmabend der Gefamtgruppe. Um 20 Uhr im Btblwthckaimmcr Elternvcrsammluita ebenfalls Freitaa. Reftfallsukurfu, findet Montag, 20 Uhr, im Ingendheim Wassert»r» firvße statt. Rrei, Frieveich�ain: Montag, 12. Januar, 20 Ulfr, wieder Bastelkurfus im Heim Litauer Str. 18. Dienstag. 13, Januar, 20 Uhr, Rurfus mit Mara Löwenstein im Heim Dicstklmeyersir. 5—0. Lichtrnberaer Genossen sind ein- geladen. Donnerstag, 15. Januar, 20 Uhr, Kreishclfersißung im Heim Diestel» mcyerstr. 5—0. Rrei» RentSI». Arbeitsstunde um 18 Ubr in der Baracke Ganghoferstraße. Abrechnungen erledigen. Der Fallenrat tagt am selben Tag und Raum um 17% Uhr. Alle Gruppen müssen vertreten sein. Zur Volloersammlung am Dienstag, dem 13. Januar, 17% Uhr, im Seim Böhmische Ecke Ganghvkerstraße kommen alle Iungfalken» und Ziote Falkengruvpen. Die Heimabende fallen aus. Geburtstage. Jubiläen usw. 38. Abt. Unserem lieben alte» Parteigenosse» Karl Mündt, Libaner Etr. 19, zu seinem 80. Geburtstage am 12. Januar schon beute die herzlichsten Glückwünsche. Genosse Murdt gehört zur alten Garde und war bereit» I» den ersten Jahren»ach der Gründung der Partei ibr rühriger Funktionär. AI die schweren Rämpse hat er mit durchfechten helfen. Karl Mündt hat allezeit treu zur Fahne gestanden. Wir wünschen ihm-ine» glücklichen Lebensabend und werden ihm seine Arbeit danlen, indem wir ihm nacheifern.— Unserem lieben Genossen Max Ber«. Hohenlohestr. 7, zum 25jährigr» Parteijubiläum die herzlichste»»wcktrnaiche. 37. Abt. Unser Genosse»lfreb Sievban ist 25 Fahre Mitglied der Partei. Wir kennen ihn nur al» stet» bereiten Mitarbeiter für Partei. Gewerlschast und Ruaiambewegunq. See Jugend zum Vorbild. Ihm unsere Gratulation. 114. Abt. Lichtenberg. Unserem Genosse» Rodert Preuzel. Erosse» er Str. 3, SN seine» 25jähriscn Parteijuülänm die herzlichsten Glückwünsche. Gterbetafkl der Groß- Berliner Partei> Organisation| Partcioeterane»! Einer unserer Varkeioeteranen, der Genosse Rudolph Kioizsch ist am 7. Januar plößlich verstorben. Mit dem Genossen Klojzsch ist wieder einer der alten von un« geschieden, der in schwerer Zeit stet, topfer seinen Mann gestanden bat. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Einäscherung findet am Menstag, dem 13. Januar, 13% Uhr, im Krema. torium Serichtstraßc stakt. Dir bitten die Parteiveteranen d-i der Einäscherung vollzählig zu erscheinen. 34. Abt. Am 0. Januar verstarb unsere Genosssn Moria Hertel nach langem Leiden. Als DeairksMbrertn des 820. Bezirk» hat sse immer ihre Pfiicht für die Partei getan. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung Montag, IL. Januar. 12 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 95. Abt. Rrnköln. Unsere Genossin Hedwig Wunsch. Ziethenstr. 11, ist am 7. Januar im 73 Lebensjahr verstorben. Ehr« ihrem Andenken. Die Einäscherung findet am Montag, dem IL. Januar, IT Uhr, tm Krematorium Baumschulraweg statt. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio «nsevdunaen für diese Avbrt? aur a» das joaendfefretaeftü JVrrtn GW ÜS. Cfndenftrafa 3 Zentraler Vortragsabend..Arbeiterdichtung" morgen, Montag, pünktlich 19% Uhr, iw Si»uaa»!»al de» Bezirksamtes Rreuz. berg, Porckftr. 11. Referent: Genosse Dr. Karl Schräder. -!> RSbelknrsn« über Franensragen: Fortschuna Donnerstag, 15. Januar, pünktlich 20 Uhr, im Vortragssaal des Parteioorstandes, EW., Lindenstr. 3. II. Los, 2 Treppen links. Genossin Gertrud Hanna, M. d. L., spricht über: »Die Frau im Dtrtschakisleben". Alle Mädel fauch die Burschen) find zur Teil» »ahme eingeladen. Jngendnorstrlnng der«olksbübne am 25. Januar. IS Uhr. Gespielt wird: „Das Wintermärchen", Schauspiel von Shakespeare. Karten zu 80 Pf. ssnd noch erhältlich. Der Vcrichtabogen fit bat IV. vnartal muß umgehend von allen Abtei. lvngen soweit noch nicht geschehen, abgegeben werden. Heule, Sonntag. 11. Iannar: Arnswalder Plah 1: 15 Uhr Funllionärkursus beim Genossen Erler,— Reulölln II: 9 Uhr Seim Ranner Straße Funktionärsshung.— Friedrichshagen: Heim Friedrichstr. 87. Generalocrsammlung.— Relnickevborf-Wcst: Heim Seidelstr. 1. Heimabend.— Tegel: Stirn Schöncberaer Sir. Ab 18 Uhr Heim- abend.— Marienbors: Trrffvunti zum FR. 7% Uhr„Ma-Li".— Südwest: Treffpunkt 8 Uhr Belle-Allianee.Plah zur Fahrt. Bei Echnecwetter Schlitten mitbringen.— Hermsdars: Treffpunkt zum Wintersport 9 Uhr und II Uhr Ecke Ludwigsluft. Werbe bezirk«ebbing: Berbebezirksdclegierienversammluna IS Uhr im Seim Willdenowstraße 5. Eänttlichc Gruppenleiter müssen die Bertchlsbogen mit» bringen. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Werbebkzirksdelcgierlenversammlung 18 Uhr Altersheim Danziger St. 02. Mitgliedsbücher mitbringe». Werbebezirk Schöncbcrg: 9 Uhr Ledigenheim in Llndenhok. Fortschunq des Funktionärschulungskursu». Leitung: Georg Aldrecht. 20 Uhr Seim Hauptstr. 15. »Kampf gegen Echmuß und Schund." Rescrent: Genosse Dr. Karl Schröder. Werbebezirk Tempelhas: Fortsehung des ssunttionärschulungstursus im Ledigenheim Lindenhof.(Endhaltestelle der 00.) Beginn 9 Uhr. 15 Uhr Werbe» bezirksoorswndssshunq Siedlung Daheim 159-120. i 1 M M rnw) rr�:l.>! bi- it. i Werbebezirk Renkölln: Ewdtsaal Bergstr. 147. Politisch.salirlscher i'l Abend.„Querschnitt 1930." Einlaß 19% Uhr. Beginn 20 Uhr. Ein.(W tritt 40 Pfennig.'> l.l.l.j.-l:. t I I.lr.l).4 t t.J i tt fe4.*:t.tt*4-i til Morgen, Montag. 12. Iannar, ISVz Uhr: Haasat Leim Bochumcr Etr. 8b.»Die 10 Gebote Adolph Hoffmanns."— Moabit Ni Heim Lehrler Str. 18—19. Iahresmitgliederversammlung.— Westen: Seim Genihin« Etr. 17. Ueberführung der Kinderfreunde.— Falkplaß 1 und 17: Schule Sonnenburger Sir. 20. Karl-Liebknecht-, Rosa-Luxemburg- Feier.— Nordoste» II: Heim Immannelkirchstr. 24.„Wirtschaftsdemokratie."— Schänhanfer Borstadt: Schule Sonnenburger Sir. 29.„Pfadfinderorganisativnen." — Frankfurter Viertel: Treffpunkt zur.zeniralen Vcranstaktnng Baltenplaß.— Fr.edrlchshai»: Heim Diestelmeyerslr. 5—0. Arbeitsgemeinschaft.— Stralaner Viertel: Heim Goßlerstc. 01. Schallplattenabend.— Hallelche» Tor: Heim Porckstr. 11.„Wie stellen wir uns zum Arbeitsdienstpfiichtqescß?"— Lindenhaf: Stirn der Siedlung.»Das wahre Gesteht Rußlands."— Westend(Aeltere): Heim auf dem Evortvlaß Westend. Ardciisgem-inschast.— Reukölln III: Heim Ziethenstr. 58. Funkttonärfißung.— Johannisthal: Raihaus.„Reichsbanner und EAJ."— Pankow III10.Jan. �93�.abds.�l| Ow«Ui- Uht Staat). lau Geadanneamarkti II« A.-V. 20 Uhr Die tungfrau von Orleans Ende 22 Va Uhr SlaatJcIiillBr-Mer.Cliaritlig 20 Uhr 100000 Taler Ende nach 22V, Uhr Winten » Garten- Zenti. 2819. UuQen erlnobt. Codon%/ Leltzel/ 5 Songn 8 Superb's/ Breker'o BBrenschau usw. He nie 2 Vorstellungen 4 und 8». Uhr. 4 Uhr Kleine Pr. mmmmmmaam VtAZA Tagl. 6 D. 815 | Sonnt. 2. 5 u. 8� ! Alex. E 4 8066 I. Vorstellung 50 Pf. bis 1 M II. und III. Vorst. 1 bis 2 M FRATELLI N I-Trio Max, Glno, Gastavo nsw. •vaohr CASUliO-THEATER Lothringer Strafte 57. Neu! Neu! 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Modi Weddina 1727 Berlin N 20, Soldiner StraBe 57, Wienand Relnidtendorf-Osl, BrettkoplstraBe 43. Sdimidl Pankow, Trel eborger StraBe 41. eekrendt Pankow 3596 Adlersbol, RronprimenstraBe 120, Frledrim Adlershot 7788 Sleglin. OpltistraBe 5. Boikvitz Steglitz 8084 Wohnungslianflesellsdiaft.Eintradit' Berlin W 33, Potsdamer Str. III Kurfürst 3814-3817. Unserer heutigen ffltaötonfloge liegt ein Ptofpeft der Firupi Herrn. Tieta, Bctüb. bete„inTenta,•Ausverkauf*' bei, woraus wir unsere Leser besonders hluwesteu. Jir. 17• 4i. Jahrgang eonnfo«, ll Iaimar 1931 john steed: ffiroadtvay IflacM Der ZcUui�sverkäufcr an t«r Eck« des Broadway und der 89. Avenue war<\n sauber gekleideter Mann mit grauem Backenbart, gutmütigem Gesicht und einer Brille vor freundlichen Augen. Er tonnte im Nebenberuf Prediger einer Friedenssekte sein. Ein« hohe Reklamepappc„Der Heiratsmarkt" war rund um das Band seines Filzhutes gebogen. Ein gleiches Plakat umspannte leine Brust und ein drittes schwang er in der rechten Hand. Unter dem linken Arm hielt er einen Stapel Zeitungen. In kurzen Abständen psalnwdierte er feierlich wie ein Pre- dioer:„Der Heiratsmarkt!— Fünf Cent die Nwmerol— Für jeden. der eine Geliebte oder einen Geliebten sucht, das ganze Lebensglück für ein einziges Nickelnück!"— Er fang feine Litanei und lächelte das Gewoge des kommenden und gehenden Menschenstromes an. Grelle Lichtbundel warfen abwechselnd ihre weihe, grüne, gelbe, blaue und knallrot« Farbenglut auf ihn nieder. An den steilen Häuserfronten arbeiteten die Lichtreklamen. Eine Rieseukatze spielte mit einem roten Ball. Ein Adler spreizte seine Flügel. Riesige Zahnbürsten leuchteten wie Hieroglyphen als Hiimnelszeichen, verlöschten und leuchteten wieder auf. Ein baumlanger Schotte sprang im Nntionaltanz. Zwei Boxer gaben sich Kmnhaken, ohne zu ermüden. Leuchtende Getränke sprudelten aus Flaschen und stiegen schäuinend in Gläsern hoch. Unsichtbare Transparente schrieben Lichtworte an den schwarzen Himmel, und mitten in dem Lichte rspuk schnellten Lichtschlangen in Serpentinen und Zickzacklinien hinauf und hinab. „Für jeden, der eine Geliebte oder einen Geliebten sucht, das ganze Lebensglück, für fünf Cent, für ein einziges Nickelstück!" In den herabfallenden Llchtkntarakten und den vorübcrflutenden Menschenwirbeln stand der Mann wie angekettet. Die Portole der Theater öffneten ihre Türen. Hunderte und aber Hunderte Autos— qualinend und hupend, bremsend und niit wieder anspringenden Motoren wogten heran und vorbei, stoppten, wendeten blitzschnell mit langgezogenein Hupengehenl. Die Menschen- summe» ertranken im Gebrüll der Motorortane. Frauen in zartester Blässe, daraus mattbliihendes Rot... kostbarste sibirische Pelze, Pariser Schmuck und Putz, silberdurchwirkte Seide über kastanienfarben« Haarwellen. Seidenschuhe mit afnka- uischcn Diamanten, Schminke, Puder... Schlanke Männer mit nichts- oder allesfagendon Gesichtern, engen und flachen Diplomatcnbrüsten, daraus lange Geierhälse. Tremolierend zum Takt der Pulse nahe Musik aus einer' kreisen- den Kafseehaustur. Akzente, Reflex«, Parfüms, gläsernes Lachen— und im Abstand folgen langsam schlendernd Frauen zu zwei und zwei... „Für jeden, der eine Geliebte oder einen Geliebten sucht, das Lebensglück für ein Nickelstück!— Der Heiratsmarkt für fünf Cent! — Für jeden..." Ich trat an den Mann heran:„Unter Garantie�" Der Dcrkäufer sah mich lächelnd an und nahm mein Nickel- stück. „Schlagen Sie bitte aus'— Seit« 2!— Sehen Sie die Photo- '.oraphie?— Bitte lesen Sie die Annonce: Äinges hübsches Mädchen, achtundzwanzig Jahre alt, gesund, Erbin von 500 000 Dollar, wünscht Briefwechsel zwecks Heirat mit seriösem Junggesellen.— Tausend« haben durch uns ihr Glück gefunden. Sollte «s uns nicht gelingen, Sie voll und ganz zufriedenzustellen", dabei sah er mich über seine Brillengläser hinweg ernsthaft an,„dann zahlen wir Ihnen das Geld zurück!" Er mutzte das Gespräch unterbrechen und wandte sich an die dichter vorüberflutende Menge. „Für ein Nickelstück dos ganze Lebensglück!— Wer«ine Geliebte oder«inen Geliebton sucht, das Lebensglück für ein einziges Nickelftückl— Der Heiratsmarkt!" Dann wandte er sich zurück. „Ich habe es nicht versucht. Ich bin schon 52 Jahre alt. Bor acht Jahren starb meine Frau. Ich kenne das Leben. Ich habe es hinter mir. Warum soll ich es noch einmal versuchcn?" ,L>as kann doch nickst Ihr Ernst fein!— Denken Sie an Walt Whitman und an Su.zanne B. Anthony!— Mit 52 ist man doch noch nicht verbraucht!" „Ihre Herrschaften kenne ich leider nicht. Aber ich sage Ihnen, junger Mann, ich habe mein Matz geleert bis zum letzten Tropfen." Wieder wandle er sich der Stratze zu. „Äausen Sie den He:ratsmarkt!— Das ganze Lebensglück für ein einziges Nickelstück!— Für jeden, der eine Geliebte oder«inen Geliebten sucht!" „Meine Eltern waren Arbeiter", fuhr er fort.„Die Trans- miistnn, die meinen Baler zermalmte, läuft heute noch im Ma- schinensaal der Wasserwerke im Zentralpark. Meine Mutter sah Tag und Nacht bei mühseliger Heimarbeit. Sie starb an Tuber- kulose. Ich war ein kränklicher Junge und noch ein Kind, als ich in einem Cisenmarengeschäft Laufbursche wurde. Ich war Boy in einem Hotel, Radfahrer für eine Zeitung. Bei einer Demonstration trugen sie mich halbtot von der Strohe ins Spital. Dann arbeitete ich in verschiedenen Büros. Zuletzt bei einem Börsenmakler— in einem Bankaeschöit. Ich begann aufzuatmen..." Erneut wandte er sich an die Passanten: Kaufen Sie den Heiratsrnorrt!— Füx jeden, der ein« Geliebte oder einen Geliebten sucht..." Das Leben des Broadway lärmte und kochte stärker in die Nacht Iiineln. Mädchen mit unbeirrbare� Augen belauerten den Menschen- ström, um von den Lichtecken chre Beute in die engeren Netze der Nebenstraßen und ihrer helfenden Dunkelheit zu ziehen. „Mit 27 Jahren heiratete ich zum ersten- und letztenmal. Ich brauche Ihnen den Kampf um das Dasein nicht ausführlicher zu erzählen. Das erste Kind kam, und es starb bald. Mein Verdienst reichte nicht für eine eigene Wchnung mit genügend Licht und Luft. Später wurde ich Bürochef, und es kam das zweite Kind, ein Mädchen. Ich kaufte gegen Jahresraten draußen>n White Klaim ein Häuschen, und nun mutzten wir erst recht sparen und jeden Cent dreimal in der Hand umdrehen, ehe wir ihn ausgaben. Wir mutzten si wiel entbehren, datz ich mich damals oft genug gefragt Hab«, ob das Entbehren und Sparen überhaupt von Nutzen für einen Arbeiter sein kann?—* Unsere Unterhaltung kam ins Stocken. Di« Erinnerung hüllte ihn für einen Augenblick in tiefes Schweigen. Dos Durcheinander der Lichtreklamen besprang uns mit sprühendem Feuerregen. Für einen Augenblick blendete uns scharlochrotes Flammenspiel. Immer mehr Frauen mischten sich unter die Passanten. Sie liehen ihre ?lugen aufmerksamer spielen. Von neuem pries mein Freund seinen Heiratsmarkt an. „Unser Töchterchen wuchs heran. Es lernte schon sehr früh Klavier spielen. Es sollte eine berühmte Pianistin werden. Wir sahen die Lichtreklamen ihren Namen und ihre Berühmtheit in die Straßen rufen. Das Mädchen war siinf Jahre, da kam ein Junge. Er sollte ein berühmter General werden. Jedoch ein Jahr später starb dos Rcädchen an Typhus." Er wandte sich wieder der Stratze zu:„Für jeden, der eins Geliebte oder einen Geliebten sucht, für fünf Cent der Heiratsmarkt! — Das ganze Lebensglück für ein einziges Nickelstück!" Die blendenden Namen und Bilder der illuininisrten Fassaden verloschen und zuckten wieder auf. Die kleineren Läden des täglichen Bedarfs verloschen allmählich. Ihre Interessenten lagen nun müde und abgespannt zu Bett. Nur die Schaufenster der Juwelenläden blitzten und sprühten hinter feinmaschigen Eisengittern, denn die großen Kokotten der Lebewelt, die jetzt den perlenden Champagner aus geschliffenen Kelchen schlurften, waren noch unterwegs. „Meine Frau konnte den Verlust des einzigen Töchterchens nicht verschmerzen. Unglücklicherweise verfiel sie wieder. Aber sie war viel zu schwach für die Schwangerschaft. Die Aerzte weigerten sich, etwas zu tun. Wir versuchten uns selbst zu Helsen. Es kam zu einer Frühgeburt. Das Kind war tot, und die Mutter starb im Wochenbettfieber." Seine Stimme bekam einen anderen Klang, als er sich wieder der Stratze zuwandte. „Für jeden, der eine Geliebte oder einen Geliebten sucht, das ganze Lebensglück für ein einziges Nickelstück!— Der Heirats- inarkt?... Das Lebensglück für ein Nickelftückl... Für jeden..." C. P. diesgen.) Jtalleluia,[Kyrie eleifon, Salve, MeSeda Eine sonderbare Wortzusammenstsllung! GM, einsam ist diesen fremden Ausdrucken die Befehlsform. Das hebräische Halle- tu ja bedutet: Preiset Iehovoh! Wir könnten dafür sagen: Go:t sei Lob oder Preis(und Dank)! Kyrie eleison, die aus«in!- gen Kirchenliedern bekannte griechische Formel für: Herr erbarme dich!, hatte zeilweise die Kraft einer Zauberformel: besonders zauberkräftig galt sie als Schlachtruf. Auch die Salven, die bei besonderen Gelegenheiten wie auch im Kriege abgefeuert werden, sind aus einem Befehlswort zu erklären, aus dem lateinischen Salve, das uns in Hauseingängen und noch sinniger auf Fußabstreichern entgegenblickt, auf deutsch: Sei gegrüßt! Ihm gegenüber ist als Abschiedsgrutz das B a l« t e, d. i. Lebt wohl!, jetzt wohl nur nach aus dem Liede: Zjalet mutz ich dir sagen, bekannt. Eine Art Ab- schiedsgrutz spricht auch der Pfianzenname Reseda aus, ttne Vc- fehlsform, die die Römer unter Anwendung der wohlriechenden Pflanze gebrauchten, besonders in dem Zauberspruch: morbos, reseda= still« wieder die Krankheiten, stille wieder (namentlich Entzündungen und Geschwülste). Hier läßt sich noch das Faktotum anreihen, die Bezeichnung für einen allseitig nützlichen Diener, die im lä. Jahrhundert bei uns austritt, ei gen t- lich ein„Mach alles!" Daß auch ln Neueren Sprachen Befehls- formen zu Hauptwörtern werden können, zeigt dos französtsche Rendez-vous, d. h. Begebt euch hin! Campe hat es etwa 1800 sehr glücklich durch Stelldichein ersetzt. C, M. Jlus Schaliapim fflungeriahren Man schreibt uns: Schaljapin, der Immer noch bestbezahlte Sänger der Welt, will, einer eigenen Erklärung zufolge, in diesem Jahre der Opernbühne, die ihn aus den Tiefen des Daseins auf die Höh« des Weltruhms gehoben hat, endgültig Balet sagen. Der Sänger teilt in einer russischen Emigrantenzeitung unbekannte Epi- soden aus seiner entbehrungsreichen Jugend mit.„Ich war 17 Jahre all", erzählt er,„erfreute mich eines ungeheuren Appetits und hatte keinen Pfennig in der Tasche. Da lernte ich einen treuen Freund und späteren Gefährten meines Bohemelebens kennen. Hungrig und einsam schlenderte ich den Rewsky-Prospekt (die Hauptstraße Petersburgs) entlang. Ein in Schwarz gekleideter Mann kam nur entgegen und berührte meine Hand.„Ich heiß« Grigori Jseroff", sagte er.„Ihr Gesicht gefällt mir. Wollen Sie mit mir koinmen und für das Seelenheil meiner armen Frau trinken?" fragte der sonderbore Mann weiter Ich sagte zu, wir begaben uns auf einen Friedhof, wo wir ein Gastmahl— Jseroff hatte Essen und Schnaps bei sich— veranstalteten. Mein neuer Freund erzälsste unaufhörlich, mit Tränen in den Augen, von den unzähligen guten Eigenschaften und Tugenden seiner verstorbenen Frau.„Ist sie hier begraben?" fragt« ich.„Rem", erwidert« Jserosf mit einem seltsamen Blick,„sie ist in meinem Herzen de- graben. Gestern ist sie mit einem Musiker einer Zigeunerkapelle durchgebrannt." Aus dieser tragikomischen Bekanntschast wurde dann eine große und eng« Freundschaft. Grigori, der«in« klein« Tenorstimm« hatte, verstand sein Talent auszunutzen und verkehrte in Häusern, wo man ihn zu opulenten Mahlzei.en einlud.- Bei Tisch verlor Grigori keine Zeit, ah für zehn, während die Gast- geber seinen Liedern lauschten, die den Preis für die Gastfreund- schast repräsentierten. Dabei vergaß er mich niemals. Er schob den Teller beiseite und pflegte traurig zu sagen:„Wie schön wäre es, wenn ich dieses Huhu mit meiner armen Lola teilen konnte!" „Wer ist Lola? Ihre Frau, Ihre Mutter"" ertönte ein Chor teil- nahmsvoller Stimmen.„Nein, Lola ist eine alte, krank« Hündin, die auf mich zu Hause wartet." Es folgte eine sentimentale Ge- schichte, die ein Herz aus Stein erweichen könnte: Lola war eine Hündin, di.> seinen blinden Vater geführt hatte, während Grigori in Dörfern sang. Mein Freund erschien dann zu Hause mit schmack- haften Sachen beladen, die mich für zwei Tage satt machten. Der alte, kranke Hund— war nämlich ich! Vergebens suchten wir Arbeit und vergeblich boten wir uns vielen Impresarios an. Endlich mieteten wir bei einem Bekannten einen schmutzigen Saal, bekamen ein verstimmtes Klavier und einen entsprechenden Pianisten und gaben ein Konzert auf eigenes Risiko. Wir wollten das Konzert anfangen, sahen aber im Saat nur zwei Zuschauer. Ihr Aeutzeres und ihre mehr als bescheidene Kleidung flößten wenig Bertrauen ein, immerhin waren es die einzigen Leute aus der Zwei-Millionen-Bevölfcrung der Stadt Petersburg, die an unsere Kunst und an unser Talent glaubten, weshalb sie unsere wärmste Sympathie erworben hatten. Mit dem verführe- rischsten Lächeln erschien ich auf dem Podium und sagte:„Wenn die Herren nichts dagegen haben, können wir noch ein bißchen war- ten." Ein« brummige Stimme erwiderte mir:„Wozu noch warten, fangt schnell an. Wir warten hier und bringen dann das Klavier zurück." Offenbar hatten die Leute zu uns kein allzu großes Per- trauen: Wir-ensschlossen uns, bald nach Moskau zu übersiedeln." Zehn Jahre später erntete Schaljapin, als erster auswärtiger Sänger, den größten Triumph an der Nassischen Stätte des Beftanto, in der Malländer Scala. Dr. P. Gerdiand: S�wischetifiiU in der Surchlhur Gelächter zu ersticken suchte. Das hier war ja alles nur eine Travestie, eine bizarre, pittoreske Lächerlichsprcchung diverser Alp- träume, war ja nur ein Auswuchs der verbogenen Phantasie«im- ger reicher Snobs, war nichts weller als«in En, gegenkommen dem jeligmachendcn„Publikumsgeschmack" des Kurfürstendamms, der augenblicklich Schveckenskammern nnd gruselig« Attraktionen favorisierte, das hier war ja nur ein Amüsement, dessen Original!- tät wenige Wochen später überlebt sein würde, abgetan, erledigt. Als der seltsame, klem« Mann mit den entzündeten Augen, den wirren Haarsträhnen und den flatternden Händen eintrat, wurde gerade das Hausbollett der„Skelett-Girls" stürmisch applau- diert, die Jazzband der„Henkersknecht-Boys" schmetterte einen Tusch, Madame Skelett tänzelte hervor und warf neckische Kuß- Händchen in die entfesselte Menschheit, dankte im Namen der Girls für den stürmischen Applaus, die Bardarne„Jlsebill mit dem finste- ren Blick" mixte dein dicken Kommerzienrat einen„Original- Guillotinen-Eocktail" und blickte kurz auf, als der seltsam«, kleine Mann sich in einem der bequemen Schaffottblocksessel niederlieh. „Sehnse sich mal den da an. Dickerchen!" ermunterte sie den Kom- merzienrat, mit dem Finger aus den Kleinen weisend.„Der sieht ja ganz komisch aus, der paßt hier wirklich rein!" Auch die anderen Gäste der„Furchtbar", jenes„Schreckens- kammerlokals", das die neueste, attraktionelle Sensation einer mii neroenpeilschenden Genüssen schwach gekitzelten Menschheit bildete, waren inzwischen auf den Neuankömmling aufmerksam geworden. „Blutlachen-Kasimir" erkundigte sich nach seinen Wünschen und nahm achs�zuckcnd die Bestellung eines„Gummizellen-Mokkas" zur Kenmnis. Der späte Gast saß ganz einsam auf seinem Schasfottblock- scssei, er stierte vor sich hin, achtete nicht der erregenden Vorträge von„Marterpfahl-Jsalde", von„Stick-Krawaiten-Selma" und „Totenmasken-Amadeus", die sich in schaurigen Details überboten, achtete nicht der wiederholten Aufmunterungswinke und Blicke der „Sarkophag-Anirniermädchen", er starrte vor sich hui, mit einem schmerzohnmächtigen, wutverbrannten Gelächter aus den blutlosen, schloffen Lippen, mit einem irren Flicker-Flackem in den ent- zündeten Augen. Schon überlegte der Besitzer der Furchtbar, ob es nicht ratsam fei. den seltsamen Nachtvogel' als ständige Attraktion zu verpslich- tcn, denn der bizarre Kontrast zwischen seiner schäbigen Schein- eleganz, den Hungerfurchen seines Gesichts, den Schlatterfaltcn seiner Kleidung und der gesättigten, wohlhabenden Behäbigkell der anderen Gäste wirtte ungemein auf die brillantbehängten Damen, di« hier das Gruseln erlernen wollten, schon überlegte der Bor- besttzer, wie man dem Gast das Angebot Übennitreiln könnte, da schrillte ein spitzgftller Schrei spritzend empor und Übergoß oll« mit einem lallen En.sctzen. Eines der Sarkophagmädchen, di«„Leich n- bitter-Adoftine", die sich keß an die Seite des Unnahbaren, Ein- samen gesetzt hatte, um ihn zum Trinken und-Spendieren zu ani- mieren, hatte den Schrei ausgeschaudert. Der kleine Mann hatte Blutspritzer an seiner Kleidung. „Also, das sst ja großartig, haha!" lachte der Kommerzienrat. bereils vor dem achten„Sternickel-Cobbler" hockend,„das ist ja großartig, der paßt hier wirklich rein!" Die Damen und Herren jedoch, die noch nüchlerner waren, beschlich nun ein Grausen, das man in einem feucht-fröhlichen Kreischen, in«inen» überlegenen Nun haben die blendenden Luxussrauen, die feisten Herren mit den prallen Bäuchen die neueste, furchtbare Attraktion der Furchtbar mll einem kallen Grauen zur Kenntms genommen. Nun wenden sie sich wieder ab. Die Skelettgirls tanzen wieder ihren klappernden Knochenstepp auf der aufgerollten Jalousie, die Henkersknechtboys blasen die Schalmei, klimpern und tuten und leiern und»rvmpeten. Der kleine Mann sitzt ganz einsam da und stiert vor sich hin. In den Scparatkabinetts— in anderen Bars werden sie schlicht Separöes genannt— beginnt jetzt die Vorführung mll.etalterlicher Folterwerkzeuge, der Daumenquetsche und so weiter am lebenden Objekt. Jetzt ist der vordere Raum fast leer geworden, sogar die „Jlsebill mir dem finsteren Blick" hat sich nach hinten begeben, um ihre Käste im gegebenen Moment an die Bar zurückzuführen. Nur der dicke, schwammige Kommerzienrat hockt mit einem Brumm- schädel vor der Theke, und der Keine mit den Blutspritzern, der aus eine seltsame Weise hierher paßt, sitzt an seinem Tisch und löffelt in dem Kaffee. Plötzlich bellt ein Schuß! Und es ist ganz sellsam: dies« reichen Leute, die in den Extrakabinetts sitzen, um sich nichts von dem inszenierten Hokuspokus entgehen zu lassen, stürzen nicht davon, greifen nicht noch ihre» Mänteln. Sie stehen da mit weitaus- gerissenen Augen und starren einander angstvoll an. Es ist ganz sellsam: eine Art Krampf ist über sie gekommen, ein« ungelöste Panik. Sie haben plötzlich Furcht, di« Damen uird Herren, Furcht vor etwas Unfaßbarem, Grauenvollem, dos in der Furchtbar vor sich gegangen ist. Si« stehen hier in den Schreckenzkammern, die von schwülen, sinnlich verhängten Amplln beleuchtet sind, sie stehen hier und trauen sich nicht zurück in die Bar. Polizei erscheint auf der Blldfläche. Ein Arzt. Ja. der klellic, seltsame Mann hat sich entleibt. Di« Kugel, in den Mund gezielt. hat di« Mrbelsäill« durchschlagen. Ueber all dem, über dem Chaos der hinauseilenden Gäste, der eindringend-.» Neugierigen, der inzwischen eingetroffenen, unnötiger- wesse alarrmerien Mordkommission, thront der dicke, schrvommig« Kommerzienrat auf seinem hohen Hocker. Seine schwimmenden Augen blicken trunken in das Tohuwabohu, das er in seinem Zu- stand nicht begreift, und seine schivere Zunge lallt die Worte: „Der paßt hier reim.,» Der paßt hier«irkllch rein!" Armin ÄC. Wegner: 3)er See der Terbannien i, Die Straße steigt und windet sich wie ein Fragezinchen. Schnee, Schnc«. Schnee. Vor acht Stunden sind wir aufgebrochen; Eriwan unter der blauen Dämmerung war noch nicht aus dem Todesschlas seiner kalten Nächte erwacht. Vierzig Werst liegen hinter uns, und der Weg steigt noch immer. Wir müssen zweitausend Meter hoch sein. Die Berge des kleinen Kaukasus, weiß und rund wie Wolken, heben sich unter mir auf: immer häufiger fallen die ermüdeten Pferde unseres Schlittens in Schritt. Werst folgt auf Werst, wieder ein Dorf, wieder die Cinfanlkeit, wieder nur der schwarze Faden, den der Telegraph wie eine Spinne des Todes über das Schneefelb zieht. Schon fahren wir auf dein Rücken einer anderen Wolke entlang, die von der sinkenden Sonne golden umrandet wird. Die Schotten der Pferdebeine sind zu langen Stelzen geworden, auf denen sie gc- spensterhaft dahingehen. Unser« Köpfe stoßen an den gegenüber- liegenden Berg. Das Kumnrelleder der Pferde jault, die Schellen läuten. Niemand spricht mehr ein Wort. Der Schnee schreit. Als wir gegen Abend in Ielenowka eintrafen, stand mitten auf der noch hellen Dorsstrahe ein verlassenes schwarzes Pferd, so schwarz, als hätte es alle Finsternis aus dieser weißen Landschaft in sich ge- sammelt. Plötzlich tönen unvermutet die Laute der russischen Sprache wieder an mein Ohr. Zweistöckige Holzhäuser mit Galerien reihten sich aneinander, spitzgieblige Dächer, mit Glasfenstcrn versehen« Wände. Inmitten der armenischen Landschaft und ihren armseligen Erddörfern, glaubt man sich auf einmal an die Ufer der Wolga ver- setzt. Hier wohnen die Mollokaner, zu deutsch ,chie Mtlchtrmtcr", blonde Russen, unter denen es drei verschiedene Sekten gibt. Bor sechzig Jahren lebten noch keine Menschen hier oben. Erst zu jener Zeit hat die zaristische Regierung diese hartnäckigen Beter, die Feinde der strenggläubigen Kirche sind, an diese trostlosen Ufer verbannt. Sie glaubten an die baldig« Wiederkunft Christi und hielten die Regierung des Zaren als ein« Herrschaft des Antichrist. Seit ihrer Verbannung von den Ufern der Wolga in die Berge Armeniens ziehen sich ihre großen Dörfer um alle Buchten des Sssewansees: ihre Bewohner nähren sich von Fcldlwu und dem Fang der zahl- reichen Fische. Aber auch bis in die Stille ihrer Verbannung fuhr der sengende Atem der Zeit, denn dicht an der Hauptstraße erhebt sich die schwarze Ruine der Synagoge, deren Volleichung das glaubensfeindliche Gesetz der russischen Revolution verhindert hat. Die Nacht hielt das Dorf schon gefangen, ich wagte mich nicht mehr hinaus. Es schien, als wäre das einsame schwarze Pferd auf der Straße plötzlich ins Riesenhafte gewachsen und erdrückte mit seinem mächtigen Leib das ganze Dorf. Ein paar junge Komfzomolzen zogen draußen unter den Fenstern vorüber, und ihr sehnsüchtiger Gesang, ein fremdartiges Liebeslied, wie es ihre Großväter einst aus den Ebenen mit heraufgebracht hatten, tönte voll von Heu- aeruch und der schwermütigen Weichheit der Steppen, durch das eisige Dunk«! ihrer Verbannung. II. Es gibt Tag«, die niemals ein Ende nehmen, obwohl man sie ganz allein mit sich selber erlebt. In der Frühe ging ich allein hinab an. den Sseewans««. Ueber die dunkle stahlblaue Wasserfläche ziehen Scharen kleiner weißer Nebelwolken heran wie Reihen fliegender Wildgänse, die mit den Füßen fast die Wellen berühren. Der See hat die Form eines gewalligen Sackes, dessen zuge- bundenes Ende im Westen bei Jelenowka liegt, wo die Sseewanga als ein lächerlich dünnes Rimtfal aus ihm heraussickert. Sein« Länge beträgt siebzig Kilometer und seine breiteste Stelle erreicht mehr als die Hälfte davon. Er ist der höchst gelegene See der Erde in dieser Ausdehnung. Seine Tiefe gleicht der Höhe der Berge über ihm. Und in dieser Tiefe bewahrt er trotz der furchtbaren Kälte einen zauberhaften Reichtum von Fischen, es sind fast alles Forellen, nianche von ihnen ermchen das kaum glaubliche Gewicht von vierzig Pfund. Ich selber habe ein« von der Größe eines Säuglings gesehen. Die Sonne, tausendfach widergestrahll vom Wasser, ist von glühender Wildheit. An manchen Tagen sieht man die Wölfe Im hellen Licht dicht über d«n Dörfern auf dem Schncehang der Berge sitzen: jedes Jahr werden bei Einbruch der Dunkelheit einige Bauern von ihnen getötet und in der Frühe findet man nicht selten bei ein- somen Häuseril ihre Knochen vor der Tür. In der nördlichen Bucht ragt auf einer steilen runden Felscninsel im See Sseewanga, das schwarze Kloster. Die Fischer von Zamakabcrt rudern mich zu vieren auf einem alten plumpen Kahn hinüber. Seine Planken sind von Frost aus- e!nanderg«preßt, uird bei jedem Wellenschlag dringt das Wasser m Mengen herein. Schwere Eisklumpen haben sich auf dem Grund des Bodens gebildet. „Schöpft doch!' sage ich. Die Fischer lächeln und meinen, das halle nichts auf sich: aber gleich darauf beginnen sie selber voll Eifer zu schöpfen. Das wieder- holt sich sechsmal, che wir die Insel erreichen. Mit hochgehobenen Füßen sitze ich auf der Bank über dem halb mit eiskaltem Wass«r gefüllten Boot, und der See spuckt seinen eisigen Speichel über uns, der unter dem Frost sofort auf meinem Pelzmantel wie zu weihen Stearintropfen gerinnt. Aus der Insel gähnen Leere und Tod. Die finsteren Klosterzellen auf der Landungszung«, zugige Baracken, in die man einst die unlieb- samcn Mönche des armenischen Landes verbannt hat, stehen offen. In der leetcn Klosterkirche röchell der Wind. Auf dem höchsten Riick«n der Insel sitze ich wi« auf d«!N Sattel eines gewaltigen Pferdes, das duretMie schäumende Flut watet. Abgrund der Welt! Ich zittere und atme tief voll Entzücken wie in dem Rausch einer Liebe. Schwindel ersaßt mich, nicht in die Tiefe, sondern in die Höhe zu stürzen. Hier ist nur die Einsamkell, hier bin ich dem Unendlichen näher um einen Schritt, und ich sehe es an und spreche: Raum, Tiefe, Gewicht! Hast du es gewollt? So sprich doch, Sinn ohn« Sinn! Du antwortest nicht, als ewige Leere schallst du mll deiner großen Glocke von Eis. Du kennst nicht den furchtbar«» Zweifel, gefrorener Spiegel unseres Ich, und wie der singend« Kreisel hörst du alleine dich selber! Voll Frost und Wollust schaudernd hebe ich mein« Arme in den Wind: und während die Gedanken erstarren, werde ich selber zur Muschel, in deren leeren Gängen der Raum singt. Alte, erkaltete Lmxtströmc bedecken die Felfenufer, Schluchten durchziehen das Ge- bir�die fernen Dörfer rollen sich frierend im Schnee zusammen wie Hasen in ihrer Grub«. In der blauen Luft über mir kräuselt sich«in schwacher Nebel- streifen, wie die weiße Haarlocke eines Greifes. III. Ich bin nach Alexandrowka hinübergerillen. Es ist Sonnlag. Der Weg führte mich um die zugefrorene Bucht. Der Gottesdienst der Bauern hatte schon begonnen, aber sie erhoben sich sofort, um einen Platz für mich auf der Bank der Aeltesten freizumachen. Männer und Frauen sitzen getrennt in dem einfachen Raum. viele Männer mll langen rotbraunen Bärten. die weißen Strümp'« schwarz und rot gewürfelt: im Winkel an einem schiefgestellten Tisch steht Absalon Isaak, ein alter Fischer und Priester und liest aus der Bibel. Auf einmal werden die Bänke zusammengeräumt, Absalon Isaak beginnt laut zu singen. Steif und hölzern steht er da, sein langer weißroter Bart zittert und sofort fällt die Gemeinde in den Rhythmus der kurzen abgehackten Töne ein. Jetzt fängt eine Frau mit den Schultern und dem Kopfe zu zucken an wie eine Krank«, dann hebt sie die Knie und bewegt sich in kurzen Sprüngen über die Diele. Mütter heben ihre lleinen Kinder in die Höhe und lassen auch sie unter den Zuckungen ihrer Hände erbeben. Steigert sich der Gesang, wird der springende Tanz schneller. Einige scheinen von Krämpfen befallen. Schweiß rinnt von den Stirnen, der Atem geht schwer.„O Geist, heiliger Geist!" fleht eine Stimme. Eine blasse Frau, die seit fünf Tagen nichts mehr gegessen hat, stürzt plötzlich zur Erde. Man erzählt, daß sie die Gabe der Weissagung besitzt; die anderen springen um sie her. „A... jo, a... ja", ertönt der Gesang lauter.„Wir all« sind böse." Die Bastschuhe schleifen. Plötzlich ruft eine oerzückte Stimme:„Siehe, er fährt, siehe er fährt... der heilige Geist fährt!" Alle rasen durcheinander. Hier dreht sich eine Gruppe von Wahnsinnigen, ihre Augen sind irgendwo in die Ferne gerichtet. Schaum steht vor ihrem Mund. Unter ihnen schwankt ein kaum vier- jähriges �Rädchen, das traumhaft wie eine Mondsüchtige zittert, man glaubt, daß sie jeden Augenblick hinstürzen muß. Stöhnen, Schreie, Stampfen. Man fällt sich in den Arm und ruft: „Gott ist gekommen, wir alle sind Schwestern... wir olle sind Brüder!" Die Diele staubt, die Fenster klirren. Die Gesichter der Frauen glühen unter ihren Kopftüchern, die breiten Rasen blähen sich auf wie in einer fanatischen Ausschweifung und der Liebcslust einer göttlichen Kirmes. Inmitten dieser allgemeinen Wildhell bewahrt Absalon Isaak allein seine Ruhe. Er steht da wie ein Kapellmeister, sein Herz, wie sein kühl beobachtender Blick blieben unberührt. Endlich schweigt sein Gesang, und die zuckenden Leiber fallen zusammen. Nur eine einzelne Frau hüpft noch immer in der Mitte des Zimmers wie ein betrunkenes Huhn. Da stampft Absalon ärgerlich mll dem Fuße auf. Auf der Straße lachte man schon, während olle plaudernd nach Hause gingen, um gemeinsam den Tee zu nehmen. Die Sonne schien auf den starrenden Frost und ich blickte hinaus auf den einsamen See, aus dessen Wellen sich fern ein dreieckiges, schneebedecktes Fels- stück hob, wie ein zierlicher Segelkutter. Di« weißen Kuppen der Berg« nahmen die Farbe des rosa Fleisches der Lachsforellen an und dicht über ihren Zacken zog sich ein grüner Lichirand entlang, über dem in der wolkenlosen Luft ein zweiter örtlicher Schein wie«in Nordlicht glühte. kiesei Teppic CO 170x250 LJT L) ß-AUSVE ß KAU «ea-�S50 •8Ö.--39.50 9a- 54- Stellung der bisher gülH�cn ppich~Qua Ii toten einzelnen Harken • e? •Jtondell'sich_________ aufgeführt, sonderrrs Riesenposten j Boucle- Teppiche! allererste Qualitäts- Marken in allen Größen J Riesen posten Teppiche ca 200x300 «lOQWß50 • 146.-• 73.- 230.-98.- "bis Riesenposten Teppiche ca 250x360 jWt160!-Je»89- . 232.-- 119 ■«334---I45- Riesenposfen Teppiche ca. 230x330 staft I -190.w98: Riesenposfen Tcppiche 400x600 ca. statt- 374�269 Riesenposten Teppiche \1 .- Marten-Qüalihähs izKin�n narKen/' /&&&*." aurgsrunrr,5on«Kirvjp� oringen nur eine Gegenüber|'n 0''2n Großen rkaufspreise unf.! 1 ußCieUlß H u unterPreis! statt 21 4:-jeteI- 4�- • 253h• 173.- Riesenposfen Tcppiche Riesen postenTcpp Sehe Stoff 750rjetef 500" eaJ 300x400 stattSl�lehflSft »60:. 198: BeH'umrandungen Prima Ve lou r, schwerste Qualität moderne Muster.lLöuferoa 70-340 "2ÄÄto5lfo»103r jetzt 56. jetzt 89." ca Srrtyrna. schwerste Qualität, modemes Muster,1U5urerco00.}60 u.2Be)-rvf)rlaqen �i.n «70*160 Van i»sl4y. 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