Morgenausgabe Nr. �9 � Al0 4S.Iahrgang Wöchentlich SSPf� monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 5.— M. Der„Vorwärts" erscheint Wochentag- Itch zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme", »Technik".„Blick in die Bücherwelt", „Iugend-Vorwärts-u.»Stadtbeilage" Berliner Volksblatt Dienstag T3. Zanuar 19)1 Groß-Äerlin 1V Z)f. Auswärts �5 pf. Die e t n I p a I t t g e Nonpareillezeile 8Ü Pfennig. Reklame'eile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen' das ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort IÜ Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. 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Von vornherein hatte niemand Zweifel daran, daß dieser Antrag kompletten Unsinn darstellte— wie immer, wenn'die Wirtschaftspartei in Wirtschafts- Politik macht. Das Ergebnis dieser Besprechung war von vorn- herein klar. Eingeladen waren die Epitzenorganisationen der Gewerkschaften und der Unternehmer, die R e i ch s a n st a l t für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, der Reichsausschuß der deutschen Jugend- verbände sowie verschiedene in der Arbeitsdicnstpflichtfrage sach- verständige Wirtschafter und Pädagogen. Da die Veranstaltung des Arbeitsministeriums in der Ocfscnt- tichkeit etwas merkwürdig berührt hatte, sah sich Staatssekretär G e i b veranlaßt, in seiner einleitenden Ansprache ausdrücklich zu betonen, daß die Anberaumung der Besprechung durch das Ministe- rium keineswegs eine Aendcrung in dessen Stel- lungnah uue zur Frage der Arbeitspj licht bedeute. Die in der Presse vielsach aufgetauchten Andeutungen über einen Zusaminenhang zwischen der Rede des Reichssinanzministers Dietrich.zur Arbeiteloscnfrage und der Besprechung über die Zlrbeitsdienstpslicht seien völlig gegenstandslos. Was war nun das sachliche(Ergebnis der Aussprache? Es bestand in der Feststellung, daß die Vorschläge und Anträge aus Einführung der Arbcitsdienstpflicht aus finanziellen, arbeitsmarktpolitischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen eine glatte Unmöglichkeit darstellen. Lediglich Herr Sachsenberg von der Wirtschaftspartei, der sein eigenes Kind nicht verleugnen wollte, was anderer Meinung. Alle übrigen Teilnehmer an der Besprechung mußten die er- drückende Beweiskraft der von Ministerialrat Dr. Lehseldt vor- gebrachlen Argumente gegen die Einführung der Arbeitsdienst- Pflicht anerkennen. Nach den bisher aufgetauchten Plänen über die Art der Durchführung der Arbeitsdienstpflicht braucht— wie aus Lehfeldts Darlegungen hervorging— die in Aussicht ge- nommene Arbeitsarmee von etwa 1 Million Arbeitssoldaten rund 20l10tt0 Angestellte für die Zwecke des Unterrichts, der Arbeitsleitung, Organisation, Verwaltung und so weiter. Die kosten für einen Arbeitstag würden sich pro Jeschäsliglen aus lS bis?0 Mark stellen. daneben dem Unterhalt des Arbeitenden und die Kosten für Leitung, Verwaltung und dergleichen auch die ülu'wendungen für Werkzeuge, Arbeitsmaterial, Maschinen usw. in Betracht gezogen werden müssen. Es wären also Milliarden notwendig, wichrend auf der anderen Seite der Ertrag dieser Pslichtarbcit vorher über- Haupt nicht berechnet werden kann. In der Ertragsfrage weiß man nur eines posttiv: jede Zwangsarbeil bringt erheblich weniger ein als freiwillig geleistete Arbeit. Diese Auffassung der Dinge, die weitgehend Uebereinstimmung fand, führte dazu, daß nicht einmal der Vorschlag des Herrn Sachsen- berg, wenigstens einen Unter suchnngsausschuß zur Prü- fung der Kostenfrage einzusetzen, Gegenliebe fand. Für die Gewerkschaften erklärte Graßmann mit aller Deutlichkeit, daß die Arbeiter die Arbeitsdienstpflicht grundsätzlich ablehnen und die Pläne fiir ihre Einführung energisch b c- kämpfen. Der Leiter der Besprechung konnte abschließend nur feststellen, daß der Gedanke der Arbeiksdienstpslichi abgelehnt werde und eine Foriführung der Aussprache nicht in Frage komme. Nach Abschluß der Besprechung der Arbeitsdienstpflichtsrage kam noch das etwas sonderbar anmutende Thema„f r.e i w i l l i- g e r A r b e i ts d i e n st" zur Erörterung, ein neues Schlagwort. über dessen Sinn seine Propagandisten selbst nicht- einig sind. Die einen sprechen von. Jnteressierung städtischer Jugendlicher sllr den Siedlungsge danken, die anderen von Pflichtarbeit für unter 21 Jahre alte Arbeitslose: jedcnsalls konnte in der Be- sprechung von niemand irgendein konkreter Borschlag gemacht werden. Von de» Gewerkschafte» wurde demgegenüber mit Nachdruck darauf oerwiesen, daß he.ute nicht einmal die notwendig st en Fürsorge maßnahmen für die erwerbs- losen Jugendlichen, soweit sie noch berufsschulpslichtig seien, durch- gesllhrt werden' könnten, da es überall an Mitteln fehle. Wer für die jugendlichen Arbeitslosen etwas tun wolle, der brauche nur bei den verantwortlichen Stellen dafür einzutreten, daß die von B c- russschulen, Jugendpflege, Arbeitsäintern und den Organisationen eingeleitete Fürsorge für die erwerbslose Jugend finanziell sichergestellt werde. Das sei wenig- stcns etwas. Diesem praktischen Vorschlag der Gewerkschaften stimmte die Konserenz einmütig zu. Um zu einem solchen Ergebnis zu kommen, wäre wirklich keine besondere Besprechung notwendig gewesen: denn Einmütigkeit in der Förderung der Fürsorge für die erwerbslose Jugend durfte man sicherlich von vornherein bei allen Teilnehmern der Be- sprechung erwarten. Allem Anschein nach spielte noch etwas anderes eine Roste. Man wird die Bermutung nicht loSf daß bei dem„frei- willigen Arbeitsdienst" an eine Förderung der Bestrebungen ge- dacht ist, die von den Vätern des Arbcitsdienstpflichtgedankens heute bereits in die Wege geleitet werden. So spricht Professor Schöpke, der Versasser des Buches„Deutsches Arbeitsdienstjabr statt Arbeits- loscnwirrwarr"' offen nus, daß die Arbeitsdienstpflicht erst im Dritten Reich verwirklicht werden könne: von dem jetzigen S y st e m könne man nur verlangen, daß es die Versuche und Vor- bereiwngcn nicht störe. Wahrscheinlich will man ober doch noch etwas mehr als— nicht gestört werden. Man will— Geld. Man möchte von ötfentlichen Stellen finanzielle Hilfe für die Vorbereitung des Dritten Reiches! Ruhrfchiedsspruch verbindlich. Die Neichsreqieruncz übernimmt die �Verantwortung. Ter Neichsarbeitsminister hat am Montagabend den Ruhrschiedsspruch, der eine Lohnkürzung um « Proz. vorsieht, für verbindlich erklärt. Die Nach- Verhandlungen waren, wie vorauszusehen war, ergebnis- los geblieben. Dieses Ergebnis war zu erwarten. Nachdem der Reichs- arbeitsminister durch den Erlaß der Notoerordnung die Schwierigkeiten, zu einem Schiedsspruch zu kommen, aus dem Weg räumte, war es klar, daß die Negierung selbst die Ver- antwortung übernahm. Daß der Lohnabbau auf der Linie des Abbaus der B e a m t e u g e h ä l t e r liegen würde. war demnach gleichfalls unschwer vorauszusehen. Damit erwächst für die Reichsregierung aber auch die Pflicht, jetzt mit aller Energie den Preisabbau zu be- treiben und der Arbeitslosigkeit zu Leibe zu gehen. daß das nicht geschehen kani� auf dem Wege der Aufrecht- crhaltung der allgemeinen 48-Stunden-Woche. oder gar einer noch längeren Arbeitszeit, wie bei der Reichsbabn— di-ien Skandal behandeln wir an anderer Stelle—, liegt auf der Hand. Der Schiedsspruch für den Ruhrbergbau ist nur er- träglich unter der Voraussetzung, daß die Regierung bis zu Ende die Verantwortung übernimmt. Ein toigeborenes Kind. Essen, 12. Januar.(Eigenbericht.) Die S t r e I k p a r o l e des am Sonntag in Duisburg gegründeten kommunistischen Bergarbeilerverbandes ist ohne jede Wirkung verpuff t. Aus allen Zechen des Ruhrgebieics wird ungestört gearbeitet. Die neueste RGO.-Gründung begann also ihr Dasein mit einer Blamage. Die TZiederlage Kn'cks. Keine Auflö ung Dcr Neichsbanneraruppe(Stj. Amtlich wird mitgeteilt: Die Reichsregierung sieht nach ein- gehender Prüfung den Tatbestand des Reichsgcsetzes vom 22. März 1921 zur Durchführung der Artikel 177. 178 des Versailler Vertrages durch die Betätigung der Ortsgruppe Gera des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold nicht als erfüllt an und hol sich daher nicht entschließen können, dem thüringischen Ministerium des Innern ihre Zustimmung zur Auslösung dieser Ortsgruppe zu er- teilen. Reaktion und Film. Warum Ziemarque-Verbot ln Oesterreich? Vor» E'rto ckrled Austerlitz, Wien. Das Schicksal, das die Reichsregierung dem Film:„Im Westen nichts Neues" bereitet hat, hat ihn nun auch in Oesterreich ereilt: nachdem er in Wien an drei Abenden vorgeführt wurde, hat der Innenminister die Vorführung für das ganze Bundesgebiet verboten. Während man aber in Berlin die Vorführung des Inhalts wegen untersagt, sich aber dagegen, daß das Verbot unter dem Druck der Straße erfolge. ausdrücklich verwahrt hat, ist es in Oesterreich umgekehrt: wegen des Inhalts, also wegen seiner angeblichen Tendenz, konnte der Film in Oesterreich überhaupt nicht verboten werden, vielmehr mußte die Regierung offen bekennen, daß sie das Verbot nur wegen der Exzesse erlassen hat, die die Nationalsozialisten auf den Straßen„betrieben" haben, kann also nicht bestreiten, daß sie dem„Druck der Straße" unter- legen sei. Man weiß wirklich nicht, welches Borgehen das jämmerlichere ist: sich dem Druck des Hakenkreuzterrors zu unterwerfen, es aber zu leugnen, oder offen zuzugeben, daß man den Film, der von Rechts wegen gar nicht verboten werden kann, deshalb verbietet, weil man frechem Terror ent- weichen will. Der Haupttrumpf bei dem Verbot war, daß der Film dem deutschen Ansehen im Ausland abträglich sei. Aber daß die, die die Vorführung, so in Deutschland wie in Oester- reich, verboten haben, damit zur Mehrung des Respekts vor dem deutschen Namen beigetragen, dürfen sie sich weiß Gott nicht einbilden. Sie haben diesen Namen lächerlich gemacht. Das Verbot in Wien zustandezubringen, war deshalb keine einfache Sache, weil es in Oesterreich keine Film- zensur gibt, die gesetzliche Handhabe, seinen Inhalt zu ver- werfen und darauf das Verbot zu stützen, nicht vorhanden ivar. Das Kinowesen ist nämlich in Oesterreich Sache der Länder, also hatte die Bundesregierung überhaupt nichts zu verfügen. Aber sie wollte, wobei es von Berlin aus an Er- inunterung wohl nicht gefehlt haben dürfte, die Vorführung doch unterbinden, und so suchte sie das Verbot v 0 n h i n t e n- herum herbeizuführen: indem sie den Landesregierungen durch„Rundschreiben"„eindringlichst nahelegte", die Vor- führungen„hintanzuhalten". Aber die Rechnung hatte gleich zwei Löcher. Erstens, daß auch vor den Landesregierungen eine verfassungsgesetzliche Bestimmung stand, die ihnen das Eingreifen sehr beschränkte. Oesterreich hat nämlich ein Ver- fassungsgesetz, das bestimmt: jede Zensur ist, als dein Grundrecht der Staatsbürger widersprechend, als rechts- ungültig aufgehoben. Dieses Verfassungsgesetz geht auf einen Beschluß der Provisorischen Nationalversammlung vom 36. Oktober 1918, also des Revolutionsparlaments zurück, und wenn der Beschluß ursprünglich vielleicht nur die Preß- zensur im Sinne hatte, so muß doch auch wieder die' Tatsache, daß er im Jahre 1926 zu einem Verfassungsgesetz erhoben wurde, ihre Bedeutung haben; jedenfalls wird er vom Ver- fassungsgerichtshof feit langem konsequent als die Aufhebung „jeder", also auch der Theater- und Kinozensur ausgelegt. Wenn nun auch die Landesregierungen, die in den Bundes- ländern zumeist in klerikalen Händen find, vorweg bereit ge- wesen sein mögen, der„Empfehlung" der Bundesregierung gerecht zu werden, so war ihren. Verboten doch eine Grenze gesetzt, und auch christlichsoziale Landesregierungen sträubten sich, dein Hakenkreuzlertuin in Form des Verbots einen Anti- kriegsfilms Reverenz zu leisten. Aber jene Rechnung hat noch ein anderes Loch: eine der Landesregierungen, an die die Bundesregierung appellierte, ist die von Wien(Wien ist in der österreichischen Bundesverfassung Gemeinde und Land). Der Wiener Landeshauptmann, der sozialdemokratische Bürgermeister Seitz, war selbstverständlich nicht geneigt, I das Verbot eines echten Kulturfilms auszusprechen. Nun kam es aber vor allem auf Verbote von Vorführungen in Wien an: denn was hatte schließlich die Bundesregierung davon, daß der verhaßte Film vielleicht in Bregenz nicht auf- geführt iverden konnte, wenn er in Wien vorgeführt wurde? Gesetzmäßig konnte die Vorführung in Wien überhaupt nicht verhindert iverden, weder vom Bundesininister, noch vom Landeshauptmann, noch vom Polizeipräsidenten. Auch durch einen Druck auf den Kinounternehmer nicht. Die Ge- sellschaft, die die Vorführung in Wien unternahm, ist ein sozialdemokratisches Unternehmen. Hier kamen der in die Sackgasse geratenen Bundesregie- rung die N a t i 0 n a l s 0 z i a l i st e n zu Hilfe. Sie„demon- strierten" auf den Straßen— was ober in Wien, wo die I Nationalsozialisten bei den Noveinberwahlen von 1,2 Millionen Wählern wohlgezählte 27 546 Stimmen erhalten haben, natür- lich vorweg wenig Imponierendes hatte und schon gar nicht (icciflnct schien, auf die Staatsgewalt furchterregend zu wirken. Äber nach zwei Adenden war die Polizei mit ihrem Latein zu Ende. Man kann nicht behaupten, daß sie es an Kraftent- faltung hätte fehlen lassen, im Gegenteil: auf jeden der De- manstranten dürften zwei Polizisten gekommen sein: aber man hatte doch den(Kndruck, daß das Wacheaufgebot, das nicht einmal das Einschlagen von Fensterscheiben zu verhindern vermochte, nur das Alibi für das vorher schon beschlossene Verbot sein sollte. Auf das Verbot wurde jedenfalls bewußt hinge st euerbl Entscheidend war für die Haltung oer österreichischen Regierung die Solidarität mit den deutschen Rcichsministerien. die sich für das Verbot eingesetzt hatten. So abgeschmackt das klingt, für die gegenwärtige österreichische Vundesregierung war das Verbot sozusagen eine Anschluß- frage. Natürlich mußte, damit der Bundesminister ick einer Sache ein Reichsverbot erlassen konnte, dem Gesetz noch ein weiterer Stoß versetzt werden. Das Verbot der Vorführung des Films ist nämlich keineswegs ein Verbot der Vorführung wegen des I n h a l t s des Films, sondern eine Maßregel zum „Schutze der körperlichen Sicherheit von Menschen und des Eigentums"— was, da doch diese(angebliche) Gefahr weder von den Bildstreifen ausgeht, die im Schwedenkino gezeigt wurden, noch von den Menschen, die in dem Kino versammelt waren, einfach toll erscheint: aber was soll eine Regierung machen, die eine Vorführung verbieten will, wenn ihr dabei nicht der Schatten eines Rechtsgrundes zur Seite steht? Da verfällt sie eben auf Ausreden! Es sind nämlich in Oesterreich die Sicherheitsbehörden berechtigt,„zum Schutze der gefähr- deten körperlichen Sicherheit oder des Eigentums innerhalb ihres Wirkungsbereiches die zur Abwendung der Gefahr er- forderlichen Anordnungen zu treffen": und als eine solche „Anordnung" gibt sich das Verbot der Vorführung des Films aus! Daß aber auch diese Zlnordnungen„nicht gegen be- stehende gesetzliche Vorschriften verstoßen dürfen"— hat die Regierung nicht gekümmert, wohl aber wird ihr die weitere Bestimmung, daß solche Abkommen aufzuheben sind,„sobald der Grund zu ihner Erlassung weggefallen ist", noch schwere Sorgen bereiten. Denn als einen Dauergrund wird man die Möglichkeit hakenkreuzlerischer Aufregung nicht hinstellen können. In absehbarer Zeit muß also das Verbot hinfällig 'werden. Eines wird mit immer brennender werdender Deutlich- keit klar: die Schlacht gegen den Hakenkreuz- lerifchen Faschismus wird in Deutschland geschlagen. Das ist nun für die Schicksalsfrage des europäischen Sozialismus der Haupttriegsschauplatz— Oesterreich, so wichtig auch seine Sozialdemokratie für den großen Kampf ist, ist doch nur ein Nebenschauplatz. Nie wäre in Oesterreich die Regierung auf den absurden, die deutsche Kultur so kompromittierenden Einfall des Verbotes dieses Antikriegsfilms gekommen: nie hätte sich hier gegen den Film, der dem so überwiegend pazifistischen Charakter Oesterreichs ganz entspricht, überhaupt ein Protest hervor- gewagt: wenn nicht die Reaktion vorher in Berlin gesiegt hätte! Die deutschen Sozialdemokraten sind es heute, die den Hauptkampf führen, auf deren Mut, Kraft und Elan der Sozialismus in Europa vor allem hofft: und deshalb ist dieses Filmverbot, eine Ausstrahlung des in Deutschland gegenwärtig herrschenden Geistes nach Oesterreich, ein Anlaß, des Kampfes der deutschen Sozialdemokratie bewundernd zu gedenken und ihm Gedeihen, Erfolg und Sieg aus ganzer Seele zu wünschen! Deutsche Hakenkreuzstinkbomben in Riga. Riga, 12. Januar. Während der Premiere des Remarque-Films„Im Westen nichts Neues" wurden heute im Forum Kino Stinkbomben geworfen. , der Arbeiterschaft. Da sonst keine Gewähr für eine Dauer irgendeines Fortschrittes vorhanden sei, so könne die europäische Einigung nicht allein das Werk von Politikern und Wirtschaftlern sejn, sondern sei nur möglich im engsten Zusammenwirken zwischen der internatio- nale» Arbeitsorganisation und dem europäischen Komitee. In dem mnfangreichen Schriftstück wird ferner betont, daß es natürlich keine Arbeit sfrage gebe, die Europa ausschließlich angehe. Doch gebe es eine Reihe von Fragen, die Europa in erster Linie beträfen und in Europa am dringendsten gelöst werden müßten. Als wichtigste Ausgaben werden verzeichnet: Die Arbeitszeit in Kohlenbergwerken, ohne deren Regelung keine Wirtschaft- liche Einigung möglich sei, die Arbeitsbedingungen und die Sozial- Versicherung in der Fl u ß s ch i f f a h r t, die Vorbeugung gegen Unglücksfälle im Transportgewcrbe, vor allem bei der Ver- kuppelung von Cifenbahnwaggons, die Regelimg der Freizügigkeit von Arbeitern in allen europäischen Staaten nnd des Schadenersatzes für ausländische Arbeiter vei Arbeitsunfällen. Schließlich wird noch betont, daß die Einsbnnng der Zollschranken die Arbeitslosigkeit herobdrücken könnte, wodurch eine der furchtborsten Krisenerscheinungen gemildert werde. Alle Wege über Paris. Zalesti wirbt um„wohlwollende llnterstützung". Paris, 12. Januar.(Eigenbericht.) Der polnische Außenminister Z a l e s k i ist am Montag, wie er es vor jeder Völkerbundstagung zu tun pflegt, in Paris«inge- troffen. Sein Besuch gilt offenbar dem Ziele, die„wohl- wollende Unterstützung" des Quai d'Orsay im deutsch-pol- nischen Konflikt zu erwirken. Nach der Haltung der französischen Presse zu urteilen, ist man in Paris geneigt, die Streitigkeiten zwischen Deutschland und Polen sowohl hinsichtlich des Minderheitenschutzes wie auch der jüngsten Fliegerlandung in Oppeln durchaus sachlich zu beurteilen. Der sozialistische„Populaire" steht heute nicht mehr allein mit der Forderung nach einer unvoreingenommenen Untersuchung der deut- schen Beschwerden und mit der Erklärung, daß gerade Frankreich als der Verbündete Polens die Pflicht habe, seinen Einfluß auf die palnische» Machthtiber in die Waagschal« zu werden. Auch die bürgerliche Linkspresse verlangt volle Klarstellung und„sollt: sie auch zur Verurteilung Polens führen". Sozialistisches Flamenblati. In Gent der neue„Vooruit" eingeweiht. Genl, 12. Januar.(Eigenbericht.) In Gent wurde am Sonntag das neue Gebäude des flämischen sozialdemokratischen Tageblattes„V o o r u i t" feier- lich eingeweiht. Die Feier gestaltete sich zu einer machtvollen Kund- gebung der belgischen Sozialdemokratie, der über 1000 Delegierte der Arbeiterorganisationen aller Gaue des belgische» Landes sowie Vertreter verschiedener riusländischcr Bruderparteicn und sozialdemokratischer Zeitungen beiwohnten. Das neue Gebäude und seine Cinrichtungen sind der Stolz der Kcnter Arbeiterschaft und das mit Recht. Nach dem«instnnmigen Urteil aller Sachkundigen ist der neue„Vooruit" einer der modernsten und schönsten Zeitungsbetriebe der Welt. Sowohl die architektonische wie die innere Einrichtung: Setzerei, Druckerei, Büros usw. entsprechen den höchsten technischen und ästethischen Ansordcrungen, wobei auch den harmonischen Farben- und Lichteffekten die größte Aufmerk- samkeit geschenkt wurde. Dieses Meisterwerk verdankt die belgische I Sozialdemokratie dem Architekten und sozialdcmakratischen Abgeord- neten D r u n f a u t. A n s e e l e, der Gründer der belgischen Arbeiterbewegung, hat an dem neuen Werk tatkräftig mitgewirkt. Das' hauptverdienst fällt jedoch seinem jungen Nachfolger, dem Abgeordneten und Chef- redatteur des„Vooruit", Balthasar, zu. Die Kosten von ins- gesamt 5 Millionen Franken sind von den Gcwcrkschasts- und Ge- nossenschaftsorganisationen West- nnd Ost f l a n de r n s aufgc- bracht worden. Obwohl die Bevölkerungszahl des gesamten Verbreitungsgebietes sich nur auf etwa l'.a Millionen beziffert, ist es der Genter Sozialdemokratie gelungen, die Zahl der Abonnenten in den letzten zwei Jahren um etwa 15 000 zu vermehren. Sie beträgt heute 45 000. Dieses Wachstum ist mit ein Zeichen des kulturellen Ausstiegs der flämischen Volksmassen in den letzten Jahren Im Verlauf der Feier im Fcstsaal des Gcntcr Bolkshauses über- brachte Viktor Schiff- Berlin die Grüße und Glückwünsche der deutschen Sozialdemokratie. In seiner groß angelegten Festrede hob Vandervelde die Macht der deutsche n Sozialdemokratie her- vor, bezeichnete st« als einen Staadt im Staate und gab seiner Ueberzeugnng dahin Ausdruck, daß sie imstande sein werde, den Sozialismus und die Demokratie gegen olle ihre Feinde siegreich zu verteidigen. Heimwehrspaliung zu Nazis Gunsten. Die teilwtise Derföhnung mit(5hristlichsozial,n. Innsbruck, 12. Januar.(Eigenbericht.) Eine Führertagung der heimwehren in Innsbruck führte, wie von der Pressestelle der heimwehr mitgeteilt wird, zu einer Per- söhnung zwischen den Christlichsozialen und der h e i m w e h r. S t e i d l« habe sich darauf bereit erklärt, die Führung der Tiroler heimwehr wieder zu übernehmen. Dazu berichtet die sozialdemolratssche„Voltszeitung", daß der Tiroler Bauern bustd, die stärkste christlichsoziale Organi- sation Tirols, auch weiterhin von Steidle nichts wissen will. Die Opposition in der heimwehr habe die Absicht, endKiitig mit der Organssation zu brechen und sich den Nationassozialistcn anzuschließen' Di- J otschas tcrkonscrenz. die seit Jahren völlig in den hinter- grund gedrängt worden ist, hat am Quai d'Orsay wieder eine Sitzung abgehalten. Sie galt, wie ein amtliches Kommi, nique erklärt, der Erledigung„laufender Angelegenheiten". Die Wahrheit über das Hakenkreuz. Was hat Ff ick in Thüringen geleistet? Siel. 12. Januar.(Eigenbericht.) Abrechnung mit Frick und der nationalsozialistischen Mißwirt- schüft in Thuringejn hielt hier in einer von mehr als SlH)0 Menschen besuchten Massennersammlung der ehemalige sozialdemo- kratische Ministerpräsident von Thüringen Frölich. »Klar und deutlich," so betonte Frölich,»sei festgestellt, daß, als die Sozialdemokratie aus der thüringischen Regierung ausscheiden mußte, es kein« Mißwirtschaft gab. Sie ist erst eingerissen, als die Nationalsozialisten und die bürgerlichen Parteien an die Regierung kamen. Die sozialdemokratische freiheitliche Gesetzgebung wurde abgebaut, die Regelung, daß das Schulgeld nach dem Ein- kommen der Eltern gestaffelt zu erheben ist, wurde abgeschafft. Die Gewährung der Erziehungsbeihilfe ist eingeengt worden, die moderne Wohlfahrtsgesetzgebung der Sozialdemokraten wurde auf- gehoben und dafür von den Nazis einer nochmaligen Abfindung der Fürsten zugestimmt. Die Steuern wurden für die Besitzenden niedrig gehalten. S o erhöhten sich die schwebenden Schulden des klei- nen Thüringen auf 120 Millionen. Als die Sozial- dcmokraten aus der thüringischen Regierung ausschieden, waren keine Schulden, sondern es war ein Kassenbestand von 2,5 Millionen Mark vorhanden. Vor der Landtagswahl hatten die Nazis ver- sprachen, niemals neue Steuern zu bewilligen. Als sie in der Regierung waren, haben st« eine Landeskopfsteuer in chöhe von sechs Mark festgesetzt und jeden Mieter durch 24 Mark besondere Steuer im Jahre vorbelastet. Ueberdies schufen sie noch die Sonder- besteuerung für die Konsumvereine, die gleichfalls eine ungeheure Belastung der Konsumenten darstellt. Die Sozialdemokrati« hatte in jedem Jahre eine Weihnachtssonderunterstützung durchsetzen können. Als sie vergangene Weihnachten 250000 Mark für Weih- nachtsunterstützungen beantragte, lehnten die Nazis den Antrag ab und ließen eine Sammelaktion in die Wegs leiten. Diese amtliche Bettelei erbrachte mit Mühe und Not ganze 100 000 Mark. Wie „Ernst" es den Nazis mit dieser Sammelci war, beweist das Bei- spiel eines kleinen Ortes mit 6000 Einwohnern. In diese,« Orte waren bei der Landtagswahl 1250 nationalsozialistisch« Stimmen abgegeben worden. Für die amtliche„nationalsozialistische" Gamm- lung wurden aber nur ganze zwei Mark gezeichnet. Di« Nazis erklären in der Oeffentlichkeit, sie hätten in wenigen Monaten die ganze Schuldenlast von 120 Millionen Mark restlos abdecken können. Diese Behauptung ist eine unverschämte Lüge. Tat- sächlich ist oo-n den 120 Millionen Mark Schuldenlast bisher auch nicht ein roter Pfennig abgedeckt worden. Die Faschisten werden ihre Absicht um so weniger verwirklichen können, wenn sich alle wehr- sähigcn Republikaner restlos dem Reichsbanner anschließen, an dessen lebendigem Wall jeder faschistische Ansturm zerschellen wird." Das dritte Reich bei Kuhrmaun. Oer Hakenkfeuzführer von Lippe als Ausbeuter. Der Bezirksführer der Rationolsozialisten in Lippe ist der �-aNatKriumsbesitzer Dr. Fuhrmann, der früher Irrenarzt in der Hell» und Pflegeanstalt Brak« in Lippe war. Die lippischen Nazis sind also in richtigen Händen. Fuhrmann ist zugleich Halb- blutpole(seine Mutter war eine Polin), weshalb es sich be- sonders merkwürdig ausnimmt, wenn dieser Mann für reinrassiges Germanentum eintritt. Sein Sanatorium befindet sich nahe beim Hermannsdenkmal, der Wallfahrtsstätte oller urteutfchen Teutonen. In diesem Sanatorium betätigt sich der Naziführer seinen Angestellten gegenüber als rücksichtsloser Ausbeuter, wodurch er besonders geeignet erscheint, Führer der Nazi-.Arbeiter"- Partei zu sein. So teilt das Detmolder Organ der Sozialdemo- kratie, gestützt auf Mitteilungen eines Sanatoriumsgastes und auf Aussagen früherer Angestellter des Nazi-Sanatoriums, mit, daß der Bezirksführer der lippischen Nationalsozialisten seinen Gästen und Patienten 10 Prozent des Rechnungsbetrages als„Bedienungs- geld" anrechnet, dieses Bedienungsgcld aber nicht an die Angestellten abführt. Eine Angestellte des Sana- roriums berichtet darüber: „Wir waren gegen Lohn und Trinkgeld(Bedienungsgeld) an- gestellt. Das bekamen wir eine Zeitlang. Es machte etwa 40 Mark in, Monat aus. Plötzlich wurde uns im Büro mitgeteilt, dos Trinkgeld(Bedienungsgeld) könne nicht mehr ausbe- zahlt werden. Als Dr. Fuhrmann erfuhr, daß wir unser Recht beim Arbeitsgericht suchen wollten, kündigte er uns. Unseren Lohn bekamen wir fast niemals am 1. des Monats. Wir mußten oft wochenlang auf unser Geld warten. Einmal hatte ich dringende Einkäufe zu machen und ersuchte deshalb, mir endlich mein Geld auszubezahlen. Dar- auf wurde mir gesagt:„Es ist kein Geld da!" Ich bestand aber aus meinen rückständigen Lohn, weil ich dringend- Einkäufe zu machen hatte. Darauf sagte man mir:„Sie brauchen nicht früher etwas zu kaufen, als bis Sie Ihr Geld bekommen!" Fuhrmann hat als Führer der lippischen Nazis ein Volks- verlangen mit dem Ziel der Landtagsauslösung eingereicht. Der Antrag dazu ist unter anderem von einer großen Anzahl höherer Offizier«, von Adligen, Mitgliedern der«hemali- gen Hofgesellschaft, einer lippischcn Prinzessin, einer Hofdame und von Fabrikanten und sanftigen Unternehmern unterzeichnet. In diese Gesellschaft paßt der Sanatoriumsbcsitzcr, der seinen Angestellten das Bedienungsgeld vorenthält, ausgezeichnet. LLP. und Labour-partei. Frattionsbildung der schottischen Gebellen. London, 12. Januar. Mit 92 gegen 61 Stimmen wurde auf der Tagung der schottischen unabhängigen Arbeiterpartei eine Entschließung angenommen, wo- nach die unabhängige Arbeiterporteigruppe im Parlament wiederhergestellt werden soll. Diese Fraktionsbildung würde bedeuten, daß deren Mitglieder die Politik der offiziellen Arbeiterpartei nur unter- stützen dürfen, wenn die unabhängige Parteileitung hierzu von Fall zu Fall ihr Einverständnis gegeben hat. Hierdurch würde sich natürlich die Gefahr einer vollständigen Absplitterung der Gruppe von der Arbeiterpartei vergrößern. Auf der letzten Tagung der un- abhängigen Arbeiterpartei fand sich für diesen Vorschlag nur eine verhältnismäßig geringe'Minderheit: jetzt hat sich die schottische Gruppe der Partei dafür ausgesprochen, jedoch wurde eine Eni- ichließirng mit 112 gegen 25 Stimmen abgelehnt, die die Trennung von der Arbeiterpartei forderte. Nach größeren Beispielen. Der Völkerbund stellte fest, daß in dem Reger- staat Liberia umfangreiche Sklaverei herrscht. Was,— das Vaterland der Neger will Liberia fein,— und gerade hier herrscht noch Sklaverei!" Nun ja, weißer Massa,- Sowjetrußland will doch auch das Vaterland der Arbeiter sein..." Vier Inder-Hinnchtungen. Massenstreiks und polizeitämpse die Kolge. Bombay, 12. Januar.(Eigenberich!.) Trotz zahlreicher Begnadigungsgesuche, die aus allen Teilen der Bevölkerung eingegangen waren, wurden am Sonntagabend im Gc- fängnis zu Poona vier Inder hingerichtet, die bei dem vcrjährigen Aufstand in Scholapur zwei Polizisten getötet hatten. Die Urteilsvollstreckung hat in allen indischen Städten große Empörung und neue Unruhen hervorgerufen. In Poona waren Tausende nach dem Gefängnis gewandert und nur dos Eingreifen der Polizei verhinderte ernstere Folgen. Sofort nachdem die illachricht von der Hinrichtung in Bombay und Karachi bekannt geworden war, versammelten sich riesige Menschenmengen zu Demonstrationen, die bis in die frühen Morgenstunden des Montag andauerten. Frauen legten sich auf die Straßen und behinderten so den Verkehr. Die Straßenbahnen wurden mit Steinen bombardiert, ebenso die später anrückenden Polizeitruppen. In beiden Städten kam es zu schweren Kämpfen zwischen Polizei und Demon- stranten. Viele Hunderte von Indern wurden doch S t o ck s ch l ä g« verwundet. In Bombay mußten 25 Schwerverletzte ins Krankenhaus gebracht werden. Zahlreiche Männer und Frauen such »erhastet worden. Der Montag war zum Zeichen des Protestes als Trauertag proklamiert worden. Die Mehrzahl der Geschäfts in Bombay blieb geschlossen, die Arbeiter streikten. Seit den Unruhen in Scholapur ist fast ein Jahr vergangen. Schon deshalb mußten die nachträglichen Hinrichtungen der vier Inder als Provokation wirken. Eine vernünftig« Politik hätte gerade jetzt vor dem Abschluß der englisch-indischen Konserenz ein solches Vorgehen vermieden. Mit Gewalt und Hinrichtungen läßt sich in Indien nicht mehr regieren. Solche Methoden versperren selbst den gemäßigten Parteien den Weg zum Frieden. Bundesstaat Indien. London, 12. Januar.(Eigenbericht.) Der Verfaffungsausschuß der englisch-indischen K o n f e- renz hat am Montag der Bollkonferenz seinen Bericht vorgelegt. Die Vorschläge des Ausschusses gehen im großen und ganzen dahin, daß Indien zu einem großen Bund es staat zu- fa m mengefaßt wird und die Geschicke Indiens in Zukunft in die Hände des indischen Volkes gelegt werden. Die Zentral- regierung soll«in aus dem künftigen Parlament zu ernennendes Kabinett sein, über dem der Stellvertreter der englischen Äryve steht. Dieser soll vor allein Dollmacht über die Verteidigung und das Militär haben. Soweit sich aus den bis jetzt bekanntgewordenen Nachrichten ersehen läßt, wird die vorgeschlagene Per- fassung, wenn sie die Bolllonferenz bestätigt, ein Indien schassen, das staatspolitisch etwa dem Deutschland der Vorkriegszeit ähnlich fein wird. Thüringische Sabotage. Bewußte Verzögerung von Eiubiirgeruagssachen. Im preußischen Landtag hatte der Abg. Nuschle(Staatsp.) in einer kleinen Anfrage auf«inen Beschluß des Landtags hm- .gewiesen, wonach bei der Behandlung von Einbürge- rungsanträgen die Praxis geübt werden soll, nach der Aus- .länder, die sich im Inlands zehn Jahr lang aufgehalten und ein- wandfrei geführt haben, eingebürgert werden. Es wurde erklärt. daß sich trotz dieses Landtagsbeschlusses die Fälle häuften, in denen völlig einwandfreie Persönlichkeiten, die nicht nur 10, sondern 20, 30, 40, ja zum Teil mehr sogar als 50 Jahre in Deutschland an- iäissig seien, vergeblich auf die Aushändigung ihrer Einbürgerung«- Urkunde warteten. Die zuständige preußische Stelle habe aus An- frage den Bescheid erteilt, daß die Schuld hieran nicht die preußische Regierung treffe. Nach dem Reichs- und Staatsangehörigkeitsgef-tz von 1913 hätten die übrigen deutschen Länder die Möglichkeit, gegen ein Ein- bürgerungsvorhaben Bedenken zu erheben, über die dann der Reichsrat zu entscheiden habe. Obgleich von dieser Möglichkeit in den vorliegenden Fällen nur ein einziges Land Gebnuch gemacht habe, fei es bisher noch nicht möglich gewesen, eine Eni- scheidung des Reichsrats herbeizuführen. Das Staitsministerium wurde gefragt, ob diese Auskunft zutreffend und die Bermutung richtig fei, daß das genannte Land Thüringen ist. Ferner wurde das Staatsminifterimn um Auskunst ersucht, ob es gewillt fei, zu dulden,„daß H e r r F r i ck monatelang die Wünsche des preußischen Landtags und die Absichten der preußischen Verwaltung s a b o» tierc, oder ob es auf beschleunigte Entscheidung des bieich-rats drängen werde". In der nunmehr ergangenen Antwort des preußischen Innen- Ministers heißt es, daß die Staatsregierung nach wie vor den Wünschen des Landtags Rechnung trage und auch der Reichs- innenmini st er sämtliche Landesregierungen gebeten habe, ihre Einbürgerungspraxis in gleichem Sinne auszuüben. Es fei richtig, daß in den erwähnten Fällen lediglich Thüringen Ein- Wendungen erhoben habe. Die preußische Staotsregierung Hobe sich bereits um eine beschleunigte Entscheidung des R e i ch s r a t s bemüht, die etwa in einem Monat zu erwarten sei. Austritt aus der Dichterakademie. Wie vom Amtlichen Preußischen Pressedienst mitgeteilt wird, haben zum Bedauern der Sektion für Dichtkunst die Mitglieder Dr. Erwin Guido K o l b e n h e y e r, Dr. li. c. Wilhelm Schäfer und Dr. Ii. c. Emil Strauß ihren Austritt erklärt, weil sie die Aufhebung einer von der Hauptversammlung im Oktober vorigen Jahres angenommenen Geschäftsordnung mißbilligten. Diese G«- schäftsordnung hatte sich nach Ansicht der Sektion für Dichtkunst als undurchführbar und satzungswidrig erwiesen, da sie nur der einmal jährlich stattfindenden.Hauptoersammlung Beschlüsse gestattet und so während der ganzen übrigen Zeit die Arbsitsfahig- lebt der Sektion unterband. Das Kriegsopfer. Keine Nachuntersuchung auf Grund der Notverordnung. Aus dem Reichsarbeitsministerium wird uns geschrieben: Im„Vorwärts" Nr. 591 vom 18. Dezember 1930 wird in einem Aufsatz unter der Ueberfchrift:„Das Kriegsopfer. Folgen des Lungenschusses— ein Opfer der Notverordnung!" der Fall eines Kriegsbeschädigten G. erwähnt, dem die Vcrsorgungsrente infolge der Besserung seines Zustandes von 100 Proz. auf 70 Proz. herabgesetzt worden sei. Der Verfasser des Aufsatzes meint, daß die stattgefundene ärztliche Nachuntersuchung und die darauf folgende Kürzung der Rente auf Grund der Vorschriften der Notverordnung der Reichsregierung erfolgt sei. Diese Ansicht ist irrig. Auf Grund der Notverordnung finden keinerlei Nachuntersuchungen statt. Schon Anfang 1929 ist hie terminmäßige Nachuntersuchung wieder ausgenommen worden, die wegen Ueber- lostung der Versorgungsbehörden eine Zeitlang ausgesetzt war. Der in dem eingangs erwähnten Aufsatz genannte verheiratete Beschä- digte mit einem Kinde bezog bisher eine Rente von 137,35 M. und die dazugehörige Zusatzrente von 52,05 M. monatlich. Ferner wird eine Invalidenrente von monatlich 38,80 M. gezahlt. Insgesamt erhielt er also 228,20 M. monatlich. Vom 1. Januar 1931 ab erhält er, da sich sein Zustand infolge einer Badekur nach ärztlichem Urteil wesentlich gebessert hatte,«eben der Invalidenrente von 38,80 M. eine Rente von 83,80 M. und eine Zusatzrente von 34,70 M., ins- gesamt also 157,30 W. monatlich. Da G wegen der Herabjetzung der Rente Berufung eingelegt hat, wird ssch demnächst das Ver- sorgungsgericht mit der Angelegenheit zu befassen haben. Außerdem steht es ihm frei, beim Berforgungsgericht die Erhöhimg seiner Rente zu beantragen, wenn er die Verschlimmcruiu, eines seiner Versorgungsleiden glaubhaft machen kann. Die Blutrache blüht noch immer. 30 Morde jährlich in Korsika. Poris, 12. Januar.(Eigenbericht,) Das„Journal" veröffentlicht eine Statistik über da« Räuber- Unwesen auf der Insel Korsika. Heute lebten noch 14 Räuber außer- halb des Gesetzes In der Wildnis. Die Ziffer fei Verhältnis- mäßig gering, wenn man bedenke, daß sie noch im letzten Jahrhundert durchschnittlich 200 betragen habe. Alle diese Räuber seien recht ehrenwerte Männer, gute Patrioten und brave Familienväter, die lediglich einen Mord aus Blutrache auf dem Gewissen hätten. Sie seien des allgemeinen Ansehens sicher, und wenn die Polizei ihnen auch manchmal Schwierigkesten bereite, so führten sie deshalb doch ein durchaus ruhiges Leben. Die Zahl der Morde aus Blutrache betrage augenblicklich noch 30 im Jahr«. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts habe man durchschnittlich nicht weniger als 28000 bis 29 000(?) Blutrachemorde im Jahre gezählt, ivys bei einer Bevölkerung von 120000 Seelen eine recht hohe Ziffer ge- wesen sei. Im letzten Jahrhundert sei die Zahl der Blutrachemor�e auf durchschuittlich 150 gefallen. Kriegsschuldendiskussion in LlSA. M. Warburg fordert Erleichterungen für Deutschland. In den Vereinigten Staaten ist die Diskussion über die inter- alliierten Kriegsschulden und das Re parations- Problem jetzt in Fluß gekommen. In den letzten Togen haben zwei der bedeutendsten Bankiers des Landes, M. W a r b u r g in New Uork und Dr. W i g g i n, der Leiter der National Chase-Bank, der größten Bank der Welt, sich zu diesen entscheidenden Problemen eingehend geäußert und zwar bei Gelegenheiten, die ihren Aeuße- rungen programmatische Bedeutung zukommen läßt. M. Warburg sprach aus der Generalversammlung der M a n h a t t a n-Bankvereinigung, deren Vorsitzender er ist, über die Ursachen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise und warf im Ver- laus dieser Red« der amerikanischen Regierung vor, daß sie eine Politik treib«, als ob die Vereinigten Staaten sich von den Wirt- schaftskräften der übrigen Welt isolieren könnten. Die augenblickliche Krise aber zeige, daß diese Vogelstrauhpolitik auf die Vereinigten Staaten selbst zurückschlage. Das natürliche Er- gebnis dieser Politik sei der Zusammenbruch der«uro- päischen Kaufkraft. Besonders eingehend befaßte sich Warburg sodann mit den deutschen Verhältnissen. In Deutschland hätten die ordnungs- und rechtliebend«» Kräfte gerade eine schwere Schlacht für die Erhaltung der Demokratie und des Landeskredits gewonnen. Deutschland habe alle Kräfte eingesetzt, um in seinem Hause Ordnung zu schaffen. Die Vereinigten Staaten sollten ihm daher Unter- ftlltzung in moralischer und materieller Hinsicht gewähren, damit Deutschland den Druck der Krise, der auf ihm als erschöpftem mrd seiner wirtschaftlichen Reserven beraubtem Land«, das zudem noch schwere Reparatianslasten zu tragen habe, überwinden könne. Eine Voraussage sei nichl möglich, ob Deutschland zu der Klausel des ?oung-plans seine Zuflucht nehmen würde, die für den un- geschützten Teil der Reparationen Zahlungsausschub vorsehe. Zweifellos aber würde die Lage des Welthandels einen derartigen Schritt rechtfertigen. Zu gleicher Zeit hat sich der Leiter der National-Chase- Bank, Mr. W i g g i n, in dem soeben veröffentlichen Jahresbericht dieser Riesenbank für eine Herabsetzung der inter- alliierten Kriegsschulden eingesetzt. Wiggin erklärt in dem Bericht, daß die Senkung der Kriegsschulden eine iveit größere Bedeutung besitze als die D o l l a r h ö h e der Schulden selbst. Es sei unmöglich, daß das Ausland, und in erster Linie natürlich Europa, ständig enorme Beträge zur Zinsen- und Schulden- rllckzahlung in Dollar aufbringe und zugleich ein guter Kunde für amerikanische Exportwaren bleiben könne. Ohne aus die vielen Grünte des Für und Wider einer Schuldcnregelung näher einzu- gehen, stellt der Bericht ausdrücklich fest, daß es für die Vereinigten Staaten gerade im gegenwärtigen Augenblick ein gutes Geschäft sei, ein« Herabsetzung dieser internationalen Schulden einzuleiten. Die zusammengeschrumpfte Aussuhr der Vereinigten Staaten sei ein Warmmgssignal dafür, in wie starkem Maße die jetzige zugespitzte Situation auch auf Amerika zurückwirke. In der Frage der Konjunkturbelebung erklärte Mr. Wiggin, daß die Depression ihren Tiesstand bereits erreicht habe, und daß zum mindesten in den Vereinigten Staaten mit einem baldigen Auf- schwung zu rechnen sei. Er erwarte, daß die Wirtschaftslage Ende 1SZI erheblich bester sein werde als Ende des letzten Jahres. Bei der hervorragenden Stellung, die M. Warburg und Mr. Wiggin im amerikanischen Wirtschaftsleben einnehmen, muß diesen Aeußerungen eine Bedeutung zugemessen werden, die weit über das bei derartigen öffentlichen Erklärungen sonst angewandte Maß hinausgeht. Das Urteil von Golassowitz. Drei Angeklagie sind Naiionalpolen./„Rationale" Anklage zusammengebrochen. Rybnik, 12. Januar. Oer Golassowiher Prozeß ist schneller zu Ende gegangen, als man erwarten konnte. Bald nach 8 Uhr abends verkündete der Vorsitzende folgendes Urteil: Sieben von den acht Angeklagten werden für schuldig befunden. Es werden verurteilt: Die An- geklagten Kubla und Watut zu je 1)4 Jahren Gefängnis, der Angeklagte Swierze zu 1 Jahr Gefängnis, die Angeklagten korchcl, Waclawik, Oskar Szymik und Kurl Szymik zu je b Monaten Gefängnis. Der Angeklagte Brzezek wird freigesprochen. Die Untersuchungshaft wird sämtlichen verurteilten in voller höhe angerechnet. Auch in der Urteilsbegründung ging der Vorsitzende mit keinem Wort aus politische Momente ein, wie sie in der Anklageschrift erörtert wurden. Die Verhandlung vor der Strafkammer gegen die acht Bauern von Goliassowitz, die der Tötung des Polizisten Sznapka beschuldigt sind, cizdete mit einer unerwarteten Sensation. Nach der Beendigung der Zcugenvernehiming verlangte der Verteidiger Dr. Bas, daß das Gericht die Angeklagten nach ihrer Nationalität befrage. Unter allgemeiner Beweguiw) im Zuhörerraum bekannten sich drei der acht Angeklagten, darunter auch der Hauptbeschuldigte Kubla, zur polnischen Nationalität. Damit war der Versuch des Staats- anwalts, den bedauerlichen Gollassowitzer Raufhandel politisch gegen die deutsche Minderheit auszuschlachten, zusammengebrochen. Dieser Versuch, dem Prozeß eine politische Tendenz zu unterschieben, ging aus folgenden Sätzen der Anklageschrift hervor.„Die Beweg- gründe des Ueberfalls auf den Polizeibeamten Sznapka sino nur in der p o l i t i f ch e n Agitation, in dem Gegensatz der Nationali- täten und in dem Haß der Mitglieder der nationalen Minder- h e i t gegen den polnischen Staat zu suchen. Dies findet noch seine Bestätigung in der seit einiger Zeit verstärkten organi- sat arischen T ä t i g? e i t der deutschen Minderheit im dortigen Gebiet und in der Tatsache, daß alle AngeNagten der deutschen Minderheit angehören." Das Urteil im Nitolaiker Prozeß. Marlenburg, 12. Iaimar. Nach vierstündiger Beratung erklärte der Vorsitzende folgendes Urteil: Der Angeklagte Gottschewski wird wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, tätlicher und sonstiger Beleidigung zu vier Monaten und einer Woche Gefängnis, der Angeklagte C h o- l c v i u s aus denselben Gründen zu einem Monat Gefängn!? und 20 Mark Geldstrafe, und der Zlngeklagte P a t c z i n f k i zu 20 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung verurteilt. Der Angeklagte Gusowski wird freigesprochen. Der oberschlesische Terror. Völkerbund vom Deutschen Volksbund angerufen. Kaltowih, 12. Januar. Die Beschwerde des deutschen Volksbundes, der offiziell an- erkannten deutschen Minderheitsorganisation, an den Völkerbund zählt über hundert Terrorakte gegen die deutsche Minderheit aus, die besonders im Oktober und November oerübt worden sind und durch ausführliche Protokolle auf 50 Ouartseiten belegt werden. An den Ausschreitungen haben sich nach der Beschwerdeschrift nicht nur die Aufständischen beteiligt, sondern auch zahlreiche Beamte. Die Terrorakte setzten nach der bekannten Wahlrede des Ministers Treviranus ein, gegen die in ganz Polen eine Reihe von Protestkundgebungen veranstaltet worden waren. und steigerten sich in Ostoberschlesien ganz besonders nach der„a» t i- deutschen W o ch e", die vom Aufständischenverband veranstaltet wurde. Nachdem die Vertreter der deutschen Minderheit beim Wme- woden Graczynski vergeblich Schutz der deutschen Minder- hcitsangehörigen verlangt haben, wandten sie sich am 1. November lelegraphisch an den Innenminister, und als dieser Schritt ebenfalls erfolglos blieb, an den Präsidenten Calondcr von der Gemischten Kommission für Oberschlesien. In einem besonderen Abschnitt der Beschwerdeschrift wird der Wahlverlauf und die Wahl behandelt, gegen die in allen drei schle- fischen Wahlkreisen von der Deutschen Wahlgemeinschaft Einspruch erhoben wurde. Das Ergebnis der Untersuchung sämtlicher Terror- aktc hat Calonder der polnischen Regierung zur Stellungnahme über- reicht, die daraufhin die Zusicherung gegeben hat, daß die schuldigen Beamten disziplinarisch bestraft und gegen die Täter ein Straf- verfahren eingeleitet werden wird. Bisher find nach der Erklärung der Regierung gegen 17 Beamte Disziplinarverfahren eingeleitet und gegen 9Z Zivilpersonen Strafverfahren eröffnet worden. Da sich die Regierung nicht entschließen konnte, die Verletzung der Genfer Konvention zuzugeben, hat sich der Deutsche Volksbund ver- anlaßt gesehen, eine Beschwerde an den VöUerdundsrat mit dem Ersuchen zu richten, festzustellen, daß die Artikel 75 und 8? der Genfer Konvention verletzt worden sind, und serner zu beschließen, daß die Wiederholung derartiger Vorkommnist« aus- geschloffen ist. Ebenso soll geprüft werden, ab die dem Auf» ständischenvcrband eingeräumte Sonder st ellung aufrechterhalten werden kann. Ein neues Osthilfegesetz. Zieickskonzler Dr Brüning über das Ergebnis der Ostreise. Reichskanzler Dr. Brüning gewährte nach seiner Rückkehr von der Ostgrenzreise einem Vertreter des WTB. eine Unterredung. Er führte etwa folgendes aus: Die Fühlungnahme mit Vertretern aller Kreise der Grenzgebiete hat dem Bilde van der örtlichen Rot, der Wirkung der bisherigen Hilfsmaßnahmen und den dringenden Erfordernissen nächster und fernerer Zpkunft neue und richtunggebende Züge eingefügt. Dia Verwaltungsmaßnahmen und die Entschließungen der Ministerien des Reiches und von Preußen, die in enger Verbindung mit den örtlichen Stellen durchzuführen sind, werden mit möglichst geringen Mitteln m ö g l i ch st st a r k e Wirkungen auslösen müssen. Sie werden sich mit der Z i n s f r o g e zu befassen haben. Die Herabsetzung der Zinsen der alten Umschuldungshypotheken auf den Zinsbetrag der neuen wird zur Entscheidung stehen. Die Vereinbarungen zwischen den örtlichen Kreditinstituten über die Zins- höhe, die für Ostpreußen unter ßeitimg des Reichsbankpräsidsnten abgeschlossen worden sind, werden durch entsprechende Verhandlungen auf die anderen Ostprovinzen ausgedehnt werden müssen. Die K a p i t a l o e r s o r g u n g der Wirtschaft in allen östlichen Grenzbezirken wird zum Gegen st nnd ernster Beratungen mit den in Frage kommenden Kreditinstituten zu machen sein. Wie weit bei Schulden, die aus Anlaß dringendster Notstände eingegangen worden sind, Entgegenkommen möglich ist. bedarf in diesem Zu- sammenhange rascher Klärung. M ä n g e l, die sich in der O r g a n i- sation des Kreditwesens, insbesondere bei Weiterleitung der Kredite zentraler Siellen durch die Genossenschaften«!- geben haben, müssen beseitigt werden. Mittel des Betncbssicherungs- fpnds sind im Rahmen des Mögliä�en sofort dort einzusetzen, wo die Not besonders groß und die Aussicht auf Erfolg gegeben ist. Zahlreich sind die Wünsche, die auf der Reise entgegengenommen wurden. Sic liegen auf dem Gebiete der Verkehrspolitik, der Steuerpolitik und der Unter st ützung in Sonder- fällen. Die Windbruchgebiete sind eine schwere Gefahr für den Bestand des deutschen Waldes. Die Reich-regierung wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen müssen, daß die notwendigen Mittel bereit- gestellt werden, um diese Gefahr zu bekämpfen. Auch die anderen Anträge werden mit aller Sorgfalt zu prüfen und beschleunigt zu entscheiden sein. Es wird alles geschehen, was in den Kräften der Regierung steht, um die möglichen Maßnahmen rasch wirksam werden zu lassen. D i e Vorlag« des Entwurfes eines neuen Osthiife- gesetzes steht unmittelbar bevor. Von der Verständnis- vollen Mitarbeit der Bevölkerung hängt aber der Erfolg zum wefent- lichcn Teile ab. Oer Kompaß war in Ordnung! Der polnische Pilot hat nach dem Reichökanz'er aesragt. Oppeln, 12. Januar. Nach dem vorläufigen Abschluß der Vernehmung der beiden in Oppeln gelandeten polnischen Flieger wurden die Ermiitlnngen fortgesetzt. Das Ergebnis der Untersuchung scheint, soweit darüber näheres bekanntgeworden ist, die Polen schwer zu belasten. Die aus Offizieren der 2. Kavalleriedivision bestehende Untersuchungs- kommission hat entgegen den Angaben des polnischen Piloten Wolf einwandfrei festgestellt, daß der Kompaß des Führerfluazeugcs vollkommen in Ordnung war. Es find auch«niste Zweifel darüber aufgetaucht, pb die Angabe des Fliegers Wolf, in Krn kn u in Garnison zu stehen, de» Totsachen entspricht. Es wird vielmehr vermutet, daß er der K a t t o w i tz e r Flicgergarnison angehört. Es steht fest, daß Wolf unmittelbar nach seiner Festnahme durch den wachthabende» Reichswehrobergefreiten an diesen die Frage gerichtet hat: Ist Reichskanzler Brüning heut« in Oppeln?" Diese unbedachte Frage spricht dafür, daß der Führerpilot wußte, daß er sich über Oppeln und nicht, wie er später angab, über Thorn be- fand. Die Unglaubwllrdigkcit der Vel)auptung, die Oder mit der Weichsel verwechselt zu haben, wird durch seine Frage noch aug«»- scheinlicher. Der polnische Generalkonsul Hot den Antrag gestellt, die in Schutzhaft besmdlichen Piloten in einem Hotel unterzubringen. Die Komniondatur Oppeln hat diesen Antrag abgelehnt. polen bedauert. Amtlich wird milgeleill: Die polnische Regierung hol durch ihre Berliner Grsandlsthast wegen llebersliegung deutschen Gebiets durch polnische Rlililärflieger der Reichsregierung ihr Bedauern ausgesprochen.__ Admirale und Slaylhelm. Wie das Reichswehrministerium mit- teilt, hat der Che! der Marinestation der Nordsee, Vizeadmiral Till essen nicht an einer Abschiedeieier für den von Wilhelms- Häven megzielienden Stahlhelmführcr Lattort teilgenommen, auch sei es nicht richtig, daß Admiral M a t t h ä i Lattorfs Nachfolger geworden sei. lGcwcrkichaftlirhcs siehe 2. Beilage.) Verantwortlich für Vol-Iit Victor Schiff; Wirtichott: f>. Kllnarlhiiscr; Dewcrklchattsbewcaono: Z. Stcin«; sscuilleton: ft. l> lölch», Lotale» Iint» Sonftiocs: Stfift Korftädi; An«iacn: Th. Slockr: sämtlich in Berlin. Bcrtaa: Vorwärts-Berlao ffi. m. b.£>.. Berlin.®rid: Vorwärts-Buchdrucker«! und Bertagsanstall Paul Sinoer i,. Co.. Beriin 6®. 68, Lindenstraße 3. Ki«r»» 2 BeUaaeo. WERTHEIM Zusendung von 5 M an Obst, Gemüse u. verderbliche Ariikel werden Leipziger Sir.(Veisand-Abt.) Königsfr. Rosenthaler Str. Moritzplatz nicht zugesandt Fyisch. Fleisch Rinderkamm■p'ünd 0.90 Ouleich,, nn GchaeklesÄ fi, Pfund 1-UU Huno Liesen....... Pfund 0.65 Rückenfett b,sl,#rti&ind 0.68 Hammel-Vorderfl. 0.96 Kalbskamm... Pfund0.34 Kalbsschnitzel.�Pfund 2.0C Schweinebauch PfundO.68 Schweinerücken Pfund 0.94 Fr. Bratwurst Sp"S 1.16 Rinderleber gefror., ptd. 1.18 Konserven V» Dos® Karotten g®schniM®n...0.28 Cemüse-Srbsen... 0.54 Junge Erbsen mmeifein0.75 Haushalf'Gemüse■. 0.70 Wnrstwaren Dampf- u. Roiw. pto. 0.98 Landieber-■>. Mettwunt 1.20 Leberwurst!>"/?, 1.50 Zervelafw.u. Salami 1.55 Teewurst 1.60 grobe 1.70 Leipziger A!Ier!ei. 0.78 Pfiaumen........ 0.60 Preiselbeeren 0.93 Ptlaumen. ßu� 0.28 Fett Ptd. 0.18 0.24 0.24 0.3 0 0.46 0.30 0.45 2.40 Margarine p'und 0.40 0.52 Tafsibutfer ftund 1.52 1.60 Dän. Butter... Pfund 1.76 Ofrst Mandarinen...Pfund 0.24 Zitronen outiond 0.38 0.48 Apfelsinen Du*;. 0.38 0.58 Kaüf.Aepfel pfd. 0.35 0.45 Bananen.... 3 Pfund 0.98 Gemüse RotI, einer der crlt.'n dänischen jZcnner des iZerncn Ostens, spricht in einer Eondcr- vortcagsrcilie in der Deutschen Lochschule für Politik über die Stadien der chinesischen Zieoolution. Der Eräffnungsoortraa über die»lhe. schichte der chinesischen Rcvolu'ion" linkt am ssreitag, 16. Januar, 19 JBit, tm großen Lärsaal der Hochschule, Schinkelplak 6. Natt. Eintritt frei. Stadtverordne�enfraktion. Heute, Dienstag abend, Punkt K Mir, müssen alle Fraktionsmitglieder im Zimmer 109 des Berliner Rat» Hauses anwesend sein. Wichtige Entscheidungen! Der Fraktionsvorstand. -i- 1. flrei» Mitte. Der Kursus ssränkel findet nicht am Dienstan. 1Z. Januar sondern am Donnerstag. 22. Januar, in denselben Schulräumen wie bisher statt. 1. Kreis Friedrich shaia. Pildunasausschuli: Heute Dcoinn des Kursus..Der I.'amrf der paii'ische» Parteien um den Staat" pünktlich l9?j llfrr in der Schule ifrott Str. 8.?.e chei'Iaal. . Kreis Sharlatteubnra. Donnerstag, 15.?anuar. 20 Uhr. Heim �dünen. ttrahe 4, Suacr.ilommifltoittWwftn. Daaesa dnuna:.»rc-rb und Partei". ii). Kreis"ehleudo s. Brbe.terwoblfabr': Pm 18. tzanuar. Lokal ron Schnorre Zeblendorf. Poledamrr Sir. 8. Kreisausschuft-, Helfer, und Helferinnen. litluna um 20 Uhr. Neuwahlen. ,8. Krei» illlreihc' lee. Heule, Dienstag. 18. ganuar. lgiH Uhr, im alt'n Lnzcum, Parkftr. 1b, Beginn des Kursus„Die Völker Zentralaiiens". Kurfuslchrcr Dr. München. Lörgelt kür 8 Abend« 2 M. heute, Dienstag. 13. Januar. k.«dt. ISZH Uhr Dobrohiaw Swincmllnder Str. II. Dunkt'onärsihung, 6.«tt. 20 Uhr Nickert. Stcinmrhltr 8ka. Dunkt'onärlihung. 18. Abt. 30 Uhr Ziälicl, Putlihsirahe, Dunktionärlihung. Miigliederversammlungen und Zahlabende morgen. ZNiklwoch, 14. Januar, in nachstehenden Lokalen: 1. Aht. 19 z-, Uhr Haekekcher kos. Rofcnthalcr Str.«0—41..Wirtschaftskrise� Nefercnt Dr. Oito grledtänder. 2. Abt. 19ZH Uhr Lokal Lohann. Brllberfir. 16.»Die Reichsgrüudung von 1871." Peferentin Hanna S. Kamm Neuwahl. 8. Abt. 1SZ4 Uhr Saal I Gewerls chastihaus, Engelufer 24—26. Jahresbericht, Neuwahlen. 4 Abt. 19% Uhr Lokal Dclv-bere. Alerandcrftr. 21. Neuwahl. S. Abt. Milgliederverfammluna im /»lenthaler kof. 9»fenthäler Str. 11—12. Tagesordnung: Bericht vom Kreisr-orftand und Neuwahl der Abteilung»- leitung. 7. Abt. 19ZH Uhr gahlabende in den bekannten Lokalen. 8. Abt. 30 Uhr fiahlabcnde in den bekannten Lokalen. 9. Abt. 19% Uhr. Lokal Kcalcrh'im, Ouihowstrahe Eck« Pcrleberger Strohe: „Wirtschaft und Politik". Neferent Kurt Seinig. M. d. R. Neuwahlen. 16.«bt. 19% Uhr. Schule. GcrhardtstraKe: Jahresbericht. Neuwahlen. Zu- tritt nur mit Niiteliedsbr ch. 11.«bt. 19% Uhr. Berg er, Lcvetwwftr. 31 Ecke ftagowstraße, Neuwahlen. ' 2. Abt. 19% Ubr. gifcher, Beuffclftr. 82. Neuwehlen. 18. Abt.>9% Ubr, Arminiushallcn, Bremer Strohe 72,78. Neuwahlen. 16., 18., II., 28. Abt. Wedding. 19% Uhr, gahlabcnde in den bekannten Lokalen. 24. Abt. 19% Uhr, gahlabende in den bekannten Lokalen. 26. Abt. 20 Uhr, Gartensaal des Saalbau isriedrichshain. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Neuwahlen. 26. Abt. 19% Uhr, 2. Gruppe: Peinlich, Weihenburaer Str. 26. 8. Gruppe: Bogen, Schwedler Eirahe. 1. Gruppe tagt am isrcitag, 16. Januar, bei Heiles um 19% Uhr. Stellungnahme irar Neuwahl. 27. Abt. 19% Uhr, Zahlabcnbe in den bekannten Lokalen. 28.«bt. 10% Uhr. Solfmanns iZelilälc. Echwedtcr Str. 28. gutritt nur mit Mitgliedsbuch. Um>8% Uhr lZunktionärhhuna, cbendort. 39. Abt. 19% Uhr. Allersheim, Dcmaiger Str. 62:„Die Kinderfreunde- bewcgung". Referent Mar Schmidtbauer. Neuwahlen. Mitgliedsbücher lind»ur Kontrolle vor�uüelaen. 86. Abt. 19% Uhr» gahlabend« in den bekannten Lokalen. 81. Abt. 19% Uhr, ßahlabende in den bekannten Lokalen. 82. Abt. 19% Uhr. gahlabcnde in den bekannicn Lokalen, gahlabend der Gruppe Meyer, Donnerstag, 16. Januar, bei Valentin. Bezirk 804, 806, bei Schräder, Kriedrichsfclder Strohe, am 14. Januar. 8.1. Abt. 19% Uhr, Zchl'bende in den bekannten Lokalen. 04. Abt. 10% llhr, Zablabende in den belanntcn Lokalen. 16. Abt. 19% llhr, znhlobende in den bekannten Lokalen. 86. Abt. 19% Uhr, klahlabende in den bekannten Lokalen. 88. Abt. 19% llhr. Kahlabende in sämtlichen Bezirken. 01. Abt. 19% Uhr Sihungssaal de» Daugewerksbunde,. Srohbeerenftr. 86: .Demokratie aber Diktatur". Referent L-nbtagsvrästdent ffriedrich Bartels. Neuwahlen. Vier Darbietungen der„Deutschen Welle' am Sonntag: eine Folge mustergültiger Veranstaltungen. In der Vortragsreihe „Menschen im Beruf' wurde ein Chauffeur über seinen Berus befragt. Cr gab einfache, beinahe sachtechnische Antworten. Aber gerade daraus offenbarten sich die wesentlichsten Probleme seines Berufs: der tägliche Kamps mit der Straße: plötzlich fühlte sich jeder Hörer an den Platz gestellt, von dem aus sich die Perspektive in den wirklichen Arbeitstag eines Ehauffeurs weitet.— Es folgte ein von Schallplatte» erläuterter Vortrag von Dr. Hoff- mann- Harnisch über„Große Schauspieler", der Per- treter der klassischen Schauspielkunst lebendig machte.— Max Metzger erzählte von der Insel Madagaskar, von deren märchenhaften Landschaft und eigenartigen Bevölkerung heute die wenigsten Menschen eine Borstellung haben: sein Vortrag erweckte den Wunsch, mehr von ihm zu hören über dieses Land, das er so gut kennt und so anschaulich zu schildern weiß.— lieber„Ehre n- rettung der Mutterschaft" sprach Wilhelmine Mohr. Sie trat ein für das Recht auf Mutterschaft, aber gegen die vom Staat diktierte Pflicht, Kinder in die Welt zu setzen. Geburtenbeschränkung erweist sich in der Praxis nur als ein Angleich der Geburtenzahlen in armen Bezirken an die in reichen Bezirken. Die arme Frau aber muh Geburtenkontrolle üben, eben weil sie ihre Kinder liebt und sich verpflichtet fühlt, ihnen«in menschenwürdiges Dasein zu söhasfen. Die Unterscheidung zwischen ehelich und unehelich geborenen Kindern muß ganz fallen.— Im Rahmen der Darbietungen der Funk- stunde las Heinrich Lersch aus seinen Werken. Er hat seine Dichtungen, die immer wieder die Vselt der Arbeit und Armut, der Hochöfen und Schmiedehämmer schildern, erlebt in sich selber, in den Eltern und Geschwistern, in den Arbeitsgenossen. Eindringlicher als wohl jeder Rezitator verstand er sie vor dem Mikrophon nach- zuschassen. � Am Montag sprach Gerhard Pohl über„Zu Unrecht vergessene deutsche Dichter. Die ineisten, die er in seinem Vortrag erwähnte, sind heute nicht einmal niehr dem Namen nach bekannt. Man braucht nicht mit allem, was Pohl aus Jahrzehnten und Jahrhunderten des lirerarischen Schafsens ausgegraben hatte, völlig einverstanden zu sein: die Anregung, die sein Vortrag gab, war für jeden wertvoll. Literarische Neuerscheinungen der eigenen Kritik zu unterwerfen, den Inhalt, nicht Reklame. Qualität, nicht Ouantität zu werden.— Sehr verlockend schilderle Dr. Christian Pfeil in der� Jugendstunde die Herrlichkeit der winterlichen Berge, die sich dem Skiläufer erschließt. Wenn nur die Menschen heute nicht gar so arm wären, so daß sehr vielen Freunden des Wintersports selbst die kleinste Fahrt in die Berge, wie viel mehr denn eine Reise in die Alpen unmöglich ist.— Im Programm der Deutschen Welle las Grete Maria Markstein „Liebesbriefe großer Männer".— Eine etwas konventionelle Zusammenstellung. die wenig wirklich charakteristisch« Züge der Ab- scnder oder Empfänger enthüllte. Te«. 81». Abt. klahlworae». Stfii 6 Ute, Lokal Markaraseneck, Mark- n-nft ratze. Ecke«effelftieche,»orte-gi.Deutschland— Pulen". Raser« nt Paul Bernstein. Neuwahlen. 41. Abt. 19% Uhr Kahlabende in den bekannten Lokalen. 42. Abt. A Uhr, Kahlabend« in den bekannten Lokalen. 43. Abt. 19% Uhr, Kahlabende in den bekannten Lokalen. 44. Abt. 19% Uhr, Sckiulaula, MariannenOr. 47:„Wirtscheflzknile und Sozial- demokratie". Referent Hermann Harnisch. M. d. L. 48. Abt.>9 Uhr, Zahlabende in den bekannten Lokalen. Gruppe Hohlstein in der sZriedcnshlltte. Wiener Str. 67». Referate in allen Gruppen. 46. Abt. 19% Uhr, Kahlabende in den bekannten Lokalen. 47. Abt. 19% Ubr, Kahlabend- in den bekannten Lokalen. 48. Abt. Di- am Mittwoch. 14. Januar, fällioe Iahresmitoliederversammlun« findet umständehalber an-wem späteren Termin statt. Bitte Partei. Nachrichten zu bcochten. Eharlottenburg. 61. Abt. 20 Uhr. Iahlabende tn den bekannten Lokalen.— 52. Abt. 20 Uhr Koste, Kaiserin-Augusta-Allee 80. Jahresbericht. Neu- wählen. Nur Mitglieder haben Zutritt.— 60. Abt. 19% Uhr Iahlabende in den bekannten Lokalen.— 64. Abt. 20 Uhr gablatendc der drei Gruppen in den bekannten Lokalen. Neuwahlen. Funktionare laden ein.— SS. Abt. 20 Uhr Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Geschäftsbericht. Neuwahlen.— 57. Abt. 19% Uhr Iahladende in allen bekannten Lokalen. — 68. Abt. 20 Uhr Rankestr. 4, vorn 4 Treppen.„Zur politischen Situation". Referent: H. Becker. Abrechnung vom 4. Quartal. Reu- wählen. 62. Abt. Siemensstadt und die 62. Abt. Gruppe Iungferaheide. Lokal„Zum Heidekrug", Sicmenostadt, Nonncndamm-Allee 89. 20 Uhr im Jahres- »ersauunlung.' Parleiängelegeicheiten. Anträge zum Kreisvcrtretertag. Jahres- und Kassenbericht des Borstandes. Neuwahlen. Wahl der Delegierten zum Krcisvertretertag. 67. Abt. Grunewald. 20 Uhr Wurzbacher, Bahnhossrestaurant. Jahresbericht. Neuwahlen. 66. Abt. Kalenfe«. 20 Uhr Sandmann, Westfälische Str. 42. Jahresbericht. Neuwahlen. Wllmeraborf. TL Abt. 20 Uhr Lau, Hildegard str. 14. Aktuelle Stunde und Neuwahl.— 72. Abt. 20 Uhr Rosenau, Warziner Str., Eck« Laubacher Strohe. Zahresbericht. Neuwahlen. Verschiedenes. 78. Abt. Schmargeudors. 20 Uhr Deutsche, Haus, Breite Str. 84.„Diktatur oder Demokratie". Referent: Dr. Norbert Marx. Neuwahlen. 74. Abt. Iehlendors.Mltte und-West. 20 Uhr Schneider, Potsdamer Str. 26. Jahresbericht. Neuwahlen. 74. Abt. Ichlendorf.Sleblnng. 20 Uhr Waldhaus, Spandauer Str. Jahres. berickt und Reuwahl. 76. Abt. Dahlem. 20 Uhr Schilling, Sänlgin-Luise-Str. 42. Berichte. Neu- wählen. Schänebera. 77. Abt. 19% Uhr Iohlabonde in den bekannten Lokalen.— 78. Abt. 30 Uhr Iohlabcnde in den bekannten Lokalen.— 8. Bezirk. Thiele, Ebcrsstr. 18.— 79. Abt. 20 Uhr Eejellschaftshaus des Westen», Sauptstr. 80/81. Neuwahlen. Mitgliedsbuch dient als Ausweis Zahl- abendc fallen aus.— 79». Abt. 30 Uhr Ignatius, Ledigenheim, Ey!h- ftrahe 37. Neuwahlen Mitgliedsbuch legitimiert.— 80. Abt. 30 Uhr Sclmholh.Gymnastum, Rubcnsstrahe. Bericht« und Neuwahlen. 81. Abt. Friedenau. 20 llhr Iahlabcnde in den bekannten Lokalen». 82. Abt. Steglitz. 30 Uhr Iahlabende in den bekannten Lokalen. 80. Abt. Lichterfclbc. 20 Uhr Rohde, Hindenburgdamm Ecke Roonstraße„Die Strolcke der Remiblik" lSowictun'on). Neferent: Genosse SchLmpelter. 84. Abt. Lankwitz. 20 Uhr Lehmann, Kaiser, Wilhelm. Str. 29/81. Die Bezirk»- sührer treffen ssch bereits um 19 Uhr. 98. Abt. Tempelhos. 19% Uhr Iahlabcnde in den bekannten Lokalen. 86. Abt. Mariendors. 20 Ahr Iahlabende in den bekannten Lokalen. 87. Abt. Marienfelde. 20 Uhr Schuster, Kirchstr. 68. Berichte. Neuwahlen.. 88. Abt. Lichtenrade. 19% Uhr in der Schul- Roonstraße. Neuwahl. Neukölln. 96. Abt. 20 Uhr Iahlabende in den bekannten Lokalen.— 93. Abt. 20 Uhr Iahlabende in den bekannten Lokalen.— 94. Abt. 19% Uhr Iahlabende in den belannten Lokalen.— 96. Abt. 19% Uhr Friedersdorf, Iägerstr. 8. Berichte. Neuwahlen.— 17. Abt. 11% Uhr Meilel, Festsäle, Konasftr. 22..Sozialdemokratie und Aktienrecht". Referent Dr. Theodor Tichaucr. rote Hände: Creme Leodor Die kühlende und heilende Wirkung der sduieeig-weißen Creme Leodor tritt besonders in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte im Winter stark oerölet sind. Audi bei spröder und aufgesprungener Haut leistet die Creme bei dem so lästigen ludcreiz der Haut sowie als Puderunlerlage vorzügliche Dienste. Tube 60 Pf. und 1 Mk.. wirksam unterstützt durch Leodor- Edelseife, Stück 50 PL In allen Chlorodont-Verkaufsstellen erhältlich. M.«it. vrik.Biulow Ifl'.i TCf/t Zahlabeilix! nt tax Mtmrsim EoMm.— Buckow-West, tfl'.o Uhr Dlscher, Lhausseestr. 12. tili.«it. Nudow. 2» Uir Ruvoert. Rcuköllncc StraK«. Bericht. Neuwchlcu. „Sie volttisch« Saae". Reserent: Stadtrat Hermann Radtke. KU. Abt. Treptow. 19V.. Uhr, Zahlabende in den bekannten Lokalen für die Bezirke 1 bis b. Der K. Bezirk tagt im Lokal Paradies-Slause. Alt- Treptow Berliner Partei- Organisation| 38. Abt. Unsere Genossin Johanna Almendinger ist am 25. 12. 1900»er- ihrem Andenke und Funktionäre und wir verlieren t» ihnen zwei rew deren Andenken wir In Ehren halten werden.— Die Trauerfeier für de» Genossen Henkel findet statt Dienstag, 13. Januar, 18% Uhr, im Krematorium Baumichulenweg.— Für den Genossen Hofmann am selben Tag und Ort um 19% Uhr. Rege Beteiligung wird erwartet. W Soziallstische Ardeiterjugend Groß-Berlin «ns-ndangen ich diese Rolnfl nur«» da« Zuaevdleliekntat Nerti» G7S«8. lkdeoch-4« Z Mädellnrsu« übe« Frauenseagen: 2. Abend Donnerstag, 15. Januar, pünkt. lich A> Uhr, im Vortragosaal de» P.-B., Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Cr. Ililk». Genaiiin Gertrud Hanna, M. d. L., spricht über„Die Frau im Wirtschafts- leben". Alle Mädel l-uch die Burschen) find zur Teilnahm«-ingeladen. Jugendoorstelln»,»er Bolksbsthne am 25. Januar, 15 Uhr. Karten ZU 60 Pf. find noch erhältlich. Der Berief Udoqen für da» 4. Quartal mutz von ollen Abteilungen, sowel. noch nicht geschehen, umgehend abgeliefert werden. Heute, Dienstag. Uhr: Arkonaplass: Schule Elisabetkckirchstr. 19: Uebungsabend.— Gewerkfchaits- bans: Heim Köpenicker Str. 92:„Aufgaben der SAZ."— Köllnischer Varl: Seim Waisenstr. 18;„Tagespolistk".— Oranienburger Tor: Leim Tieckstr. 15: 10-Minutsn, Referate.— Gesundbrunnen I: Schul« Eotrnburger Str. 2: „Kameradfchofr, Freundschaft. Liebe".—«runnenpla» und Locholass, Heim Gerichtstr. 12—13: �anuackämpfc".— Lumda Idthaiv: Heim Putbusser Str. 3: .Erwerdslostgteit der Jugend".— Leopoldplass: Schule Ulrcchter Ecke Türmer Strasse:„Tagevpolt'ik".— Schillerpart: Schule Schüningstr. 17: �Taaespelitik'. — Sedding: Heim Rilldenvwstr. 5:.Arbeitsdienstpfltcht".--» W«ddi»g-N»r«: Heim Turiner Eck« Seessruss«: Tagespolitik".— Bedding, N. F.: Heim Dill» denowstr. ö; �adcn wir ein Vaterland?"— Arniwplatz und Schönhauser Bor- stadt: Schul« Sonnenburqer Str. 20: stSiedknecht-Luremburg-Seden? stunde".— Arnswalder Platz I: Leim Rafteuburger Str. 19:„Vom Sandeverk zur In. dustrie".— Balkan: Schule Mandelstr. 2:„Gemeinschoktserziehung".— Äslw- holtzplatz: Heim Davziger Str. 92, B. 2:„Sozialismus und Kolonialfrogen'.—- Stordasten i; Heim Dan, iget Str. 92, V. 3:„Rosa Luxemburg und tte Keit".— Wörther Platz: Schule Kastanicnallc« 82: Gruppenabend.— S-lenheide:»eio- WasserDrstr 9:„Sa« wir wollen".— Köpenicker Viertel: Besuch Gruppe Neu» kölln I. Trefpuntt 19% Ubr„Roter Treff".- RetchenbergerViertel: Helm Reichenberger Str. 98:„Arbeitsdienstpslicht und«AI."— Südwesten: Heim Lindenstr. 4:„Togespolitischer Ausblick".- Schoneberg X: S-'m kauotitr. IS: Arbeitsrecht:„Ta-ism-len".— Schöneberg III: Seim Hauprstr. 15: Sabrtenerleb- nisse".— Schöneberg 17: Selm Sauptftr. 15:„Rückblick auf inuen. und äugen- politische Ereignisse 1980".- Schöneberg V; Heim baup'str. 15: Erlrbnnse der Walzbrüder".— Eharlottendurq.Rord(Acllrre): Heim Olbersstrasse(»vor!- platz):.Kirche,«rbeiterschak w,d Staat".- Siemevsstadt: Schule: Buh und Mädel".- Rarleudorf II: Siedlung Daheim 159120: Arbellsgcmemichakt. — Britz: Rathaus, Ebausseestr. 38:„Erziehung zur Gemeinschalt'.— NeuteL» I: Heim Sander- Ecke Sobrechtstrasse:„Unsere Arbeitersührrck'.— Ziculöll» II: Seim Eteinmetzstr. 94:„Di- deutsch« Minderheit in P-I-n"— RcnWlln M: Seim Jiethenstr. öS:.Seschicht« der Arbeiterbewegung", 1. Teil.— Reulpllu VI: Heim Treptower Str. 95-09:„Arbeitedienstpwcht".- R-ulölln�vil:«LS., Kalser-Friedrich-Strasse:„Kommunalpolitik".—«euköll» VM: schule RütU- strassc: �aespolitik".— ReulöLu IT: Heim Schierkcsrr 44: �lamuadschaf s- ehe".— ReuISIu-V; Seim Fluahafenstr. 96:„Tagespolitik".— Schöneweide: Schule Berliner Str. 3l:.Sexuelle Fragen"- Tegel: Seim Bahnborstr. 15: Iahresm italiedervcrsammlung.— Buchlpzlz: Sd)iilc Berliner Str. 19:»Ge- fängniswesen". 3. Seil.— Riederschönhaulen: Heim Lindenstr. 4::„Sexuelle Fragen".— Pauk»» I und U: Heim Görschstr. 14: lO-Minulen�Rclerate.— Wittenau: Heim Rosenthaler Sir. 15: Jahresmitgliedervemammlung. Mit- gliedsbuch als Ausweis. ,, — 5. Pankow: Heim Kisfingenstr. 48: 17% Uhr:„Die Einheitsschule' Werbedezirt Prenzlauer Berg: Eiwerbslosenkursus ab 9 Uhr Bolksdibliothek, Dunckerstr. 09..Nationalsozialismus."» �, Berbebezirk Osten: Laien-Spielgruppe, Heim Litauer Str. 18. Ausgabe der Eisbahnkarten. Eamaritcrzimmer(Sportplatz). Beginn des«nrius der Ar- beitcr-Bildungsschul«. Litauer Str. 6. Voriräge,Bereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwar;-Rot-Gold". Eelchäktsstell»: Berlin s 14 Sebastianstr 37— SZ s-k 2. Sc. Wilmersdarf. Kameradschait Süd: Dienstag, 13. Januar Kamerad. lchastsversammlung bei streif. Gasteiner Ecke Holst-inilch« Strasse.— Äilmersdori: Sonnabend, 17. Januar, gemütliche, Beisamm-nsein der Schurv- Abteilung in den Sesamträumen der Svichernsäle am Nürnberger Platz,«ame. roden der Zlachharvereine und Gestnnungssreunde sind hierzu eingeladen. Ein- tritt 1 M. einschliesslich Tanz. Karlen bei den Funktionären und an der Abendkasse erhältlich.— Wedding. Radfahrer, und Nachrichtenabteilung:? lene. tag, 13. Januar. 20 Uhr. ausserordentliche Sitzung bei Bondtte, ipchulstr.<4. Eriche inen aller Kameraden, die im Besitze eines Fahrrades sind, ist Pflicht. Der Arbeiter, Randolinisten.Bund, Gruppe Schöne bei«, b-ablichtiat die Gründung einer Kindergrupp«. Eltern, deren Kinder Interesse am Mandolrnen- und Gitarrcspiel zeigen, werden gebeten, Voranmeldungen an den Genossen Kurt Sau. W. 57, Steiumetzstr. 4«(Pallas SWS), zu ruhten.„ Gemeinverständliche und unentgeltlich« Bort rage.m �seu» für Natur- In»de, Invalide nstr. iS, Mittwochs 18 und 20 Uhr pstnUlrch. 14. Januar. 18 Uhr:„Der Vogelzug"(Dr. Scharnke): 29 Uhr:.Dichtung und Wabrlnnt über Schlangen"(Dr. Ahl). A. Januar, 18 Uhr:„Bom Adam-llo zum S-tnck'(Prot. Ramme): 20 Uhr:„Zooloei'-tic Eindri'cke airt einer Reise um die Erde gegen Ausgang de» Krieges, I. Didierien"(Dr. Arndt) i onrfellow Entzlitzli Debniii g Club: Mittwoch. 20 Uhr, Zahntzrrteliaus BUlo»- straCe 104. Ouitmannsaal:„Mr. W. P. Jones; The human Hand as a Guide lo HeaUh& Character"_ Di« bekannte Fluid» sau-Gefellschast hat ein neuro Sustenpräparat in den Sandel gebracht, das von Aerzten gilt beurteilt ist lind das ein guter Schutz vor Grippe, Austen, Heiserkeit und nllen anderen Erkrankungen der Aiimmqs- organe ist. Dieses Präparat— Ltchontd— erhalten St« tn Apotheke» und Drogerien. � Theater, Lichtspiele usw. Dienstag, 13« 1. Stuls-Opor Unter d. Linden '»4. /UW: ..�20 Uhr■ Ein Ende g. 73 ühr SlMtt-OüBP 1» Pietz tn Frrubiik. V-B. 20 Uhr Oeftct!. Rirtanzhit Ende g. 23 Uhr Dienstag, 13>. Stadt. Oper «IsmarcKstr Turnus I: . 20 Uli»..... Sisiooe Boccanegra Ende 22g« Uhr Stsatl (za tjrakjmtaaurVti. 115 A..V. 20 Uhr Oedipus Ende 23 Ubr Staatütbiller'TIieater.Oiarltli!) 20 Uhr Die Journalisten _ Ende gegen 23 Uhr \kii nf" sv« uhr caswo-theater Lothringer Sirene 37. Neu! Neu! Biederleute und das neue Januarprogramm I Für die Leser Outschein 1—4 Personen Fauleuil 13 Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pt, Rang 60 PI. THEATER AD MIR ALS PALAST Tfi. iVi Tel.: Merkur 9901. 9177 Auf den Fleck SenaatlonsntOck aus Chlkago« Unterwelt von EDGAR WAULACE Prois-Abbau PniM dar pmn o.Te bk•»• m FolKsbütme Ditatsr Mi BDlmptetl. 8 Uhr Liliom von Franz Moinar Regie; Karl Bei, iz Ka/Iin StaatLSdilller-Ib. 8 Uhn Die Joarnallsten. Thuier um Sthinoainmimm r.ll Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper Am Pl.d. Republik 8 Uhr Hans Helling Sarnowsiy- Salinen Tlnin in dir StrtsciHuttr. Vit Uhr Mzli testv'iiß! Ein idealer Gatte Mittvodi d. Dcmnentag gescblotsinl Komödienhau« SV« Uhr Cocktail von toniBMlIii uBiietiiv Berliner Tüeat. VI, Uhr Gastspiel d Th a Schiffbaileidamni Die '" fT. (Mu Tüeaier 8 Uhr Elisabeth von England von rem Bnicbser Rigl«: Belitz Hilpert Kammerspiele 8 Vi Uhr; Jules »neue uilen von Tristan Bemard fleji«: flot Dezi» Die Komödie 8V« Uhr Die Fee ni Franz Moinar Regie: Stein Rudi. Piscator-BQhne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Dinütsg mit Hitiwodi geablosuDl Donnerstag, 15 Jan 8 Vi Ohl UranffOhrung „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf Regle: E Piscator Zimmer iBelt M.8..b.11. 2BeIt 14.- bis 22.- BndM.3, Selon 10 da�Io HOTElaAnMitz EXCELSIOR Ralchshalien-Thoator Atemb QT) Santig ladmiltig jVZ Bb Das orcBc laauar-Progr. der Stettiner senger Nachm. ermäStgt« Preise: Dönhoff- Brettl: Das bervorratfeede Varlotch�Proeragia) I Singspiel tp vielen Bildern. Cum. Sptra, Hauaen. Menke, Wsllbarg, 'Arno. Jonltalui. Fknl Hdrbigor, Lenr. ' SobacOen, W4iikel»«crn, Kollp, Ueszzt, Stark- Gate« tanbauer. OrlglueJ Tiroler Wassebrotaiiaor. I Original Tiroler Jodlerinnen�aUitett, SCoalk-Trk» aus Sehileraee. I JMx-Baaid l CleU o. Boy», CromeCfa»re. Oer Zelt eotspreebend»lud. trete de» J vteelr-u ADdrange». znc 0«r- | dl»«taaaen preise Um JLtS/ 0 ma««lct. Soaotsg OBIka Origlnelbocizang Nedmtttag mm Zoe«MW»» lgililuili.ZM. StpLSSK Täglich»>/, Uhr Oer pr. laeherfolt' Guido Thiolscher Das BttenUiehQ Aergarnis Preise I bis 8 M. Lustspieinaus Kurt QOtZ Täglich S>tz Uhr Vom lieben nnd Ladien Kleines Theat. Täglich 8Vi Uhtr j Dergr Lacherfolg Dar itiustergatte Schwank in 3 Akten I ettina-IlieatDi Täglich VI, Uhr Mamsell lUtoudie Operette von Heive Erat v. Tlnlmaaa. M&x Adalbert Pnilharmonie h Übt Solaßie-KoDtett d.Pbiiltarmon.Orch. Dir. Prot. J. Prüwer viol-Konz A-moJI- CrerriiktW Hank«! 1. Slnfonle-Brahms Eintritt t M. Tbeiteram Schlifliaaerdaflim Norden 5S13 u. 0281 Täglich VI* Uhi Die Quadratur des Kreises Lustspiel v. Katajew Regie: t. Nudelsoho Preise von 1—12 M. Ml Veltens Täglich S'/t Sonntag 2% u. VI* tepaaUanelkr OpcretleacrlolS I Viktoria undihrHusar mmm BETRIEB �% KEMP1NSKI« J Bernner lllkTriO N•« k B 1 1■. w Lohnatr. 74/7ä.l Komiseno opar 8% Uhr Reppina Operette von Robert Stolz. eiiicsanöer Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6970 Tägl. 8% Uhr Sonntags u K 800 W. 34965 82730 84416 102073 109380 126373 172242 178307 200417 201768 202638 214781 234091 282162 233828 296045 300701 308339 316311 360632 379790 385381 38«.luinxc iv 300 VL 5027 45261 47104 49406 6764) 102554 142886 157010 269211 276537 279122 313088 386809 366923 372440 377743 379896 381717 387414 3rt der heutigen Nachmittagsziehung wurde» Gewinne über 300 M. gezogen 2 Gswtnn« ,» 60000 TBL 379360 2«dnUu t« 10000 TBL 327827 2»«loinn« ,» 5000 TBL 137378 12«ewin», i« 2000 W. 31080 74788 97170 302131 379619 395309 24«awinn» ,» 1000 W. 978S 15097 21408 34879 61 807 62656 223358 269280 279581 31S6S2 340450 381381 30 Sewi.n,»n 800 W. 20742 6S740 67606 105246 120255 124437 1 2841 4 162997 17II13 206484 211514 222832 322237 355857 391284 42««wns iu 500«H. 8652 8716 29148 76350 88823 108626 122538 27320 166994 173910 180138 182019 180043 213843 223232 271211 ?kr. 19• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag- 13 Januar 1931 Bändigung der Wirtschast. Oer Mensch braucht Freiheit. Die letzten Wochen des verflossenen Jahres haben eine bittere Enttäuschung gebracht. Seit September bestand wenigstens in einem Teil der von der Krise ergriffenen Länder die Hoffnung, daß der Tiefpunkt der Depression schon Überschritten und die Wiederankurbelung der Wirtschaft in Sicht ist. Man hörte vor allem in den Vereinigten Staaten und auch in England hoffnungs- vollere Töne. Man sah schon in den beiden genannten Ländern einige Ansätze der Belebung in den für den breiten Konsum arbeitenden Industrien. Die Abwärtsbewegung der Großhandelspreise schien schon zum Stillstand gekommen oder unmittelbar vor ihrem Abschluß zu sein. Die Einzelhandelspreise paßten sich zwar nur sehr langsam an die veränderte Kauf- kraft an, im Herbst schien aber schon eine ziemliche Anpassung erreicht zu werden, und die Umsätze des Einzelhandels haben im Oktober und November, unter Berücksichtigung der Preissenkung, eher einen größeren als einen geringeren Umfang als in der ent- sprechenden Zeit des Vorjahres gehabt. Alles schien dafür zu sprechen, daß die erste Stufe der Stabilisierung der Beschäftigung, nämlich die Festigung des Geschäfts auf dem Gebiete der wichtigsten Konsumgüter schon erreicht sei. Auch ine Nachrich.en aus mehreren anderen Ländern klangen etwas optimistischer. Der Ausklang des Jahres war aber um so enttäuschender. Die einzige optimistisch« Note war eigenllich die vorsichtig ausgesprochene Hoffnung, daß vielleicht die neue Vertiefung der Depression im Laufe des Dezembers endlich den Tiefpunkt der Depression bedeutete. Wörtlich schreibt der englische„Economist" vom 27. Dezember in seiner letzten monatlichen Uebersicht: „Mehr als einmal im Laufe der letzten zwölf Monate schien der Tiewunkt der Depression schon erreicht zu sein, jedesmal aber drehte sich nach wenigen Wochen der Hoffnung die Kurve d«r Entwicklung wieder einmal unzweideutig nach unten. Im Dezember hat sich leider die gleiche Geschichte wiederholt."' Aus Amerika wurde von einem neuen Rückgang der Preise gemeldet, sowie von einem weiteren Rückgang der Güter- besörderung durch die Eisenbahnen. Die Stahlerzeugung sank in der zweiten Dezembcrhälste auf 34 Proz. der Produktionskapazität. Am 1. Januar hat der amerikanische Wirtschastsminister Lamont zwar mit dem üblichen offiziellen Optimismus über die Zukunft gesprochen, hat aber nur wenige Ansätze zur Besserung an- führen können. Er erwähnte nämlich die Zunahme der Spar- cinlägen, das gute Geschäft m der Lebensversicherung, eine scharfe Abnahme der Lagerbestände und eine gewisse Steigerung des Einzel- Handels. Daher leitete er die Hoffnung ob, daß eine„Kauf- bewegung" der breiten Schichten, die ihre Ersparnisse dazu ver- brauchen werden, demnächst einsetzen wird. Wir in Deutschland haben noch weniger Grund anzu- nehmen, daß der Tiefpunkt der Depression schon hinter uns liegt. Die unglückselige Verknüpfung des Preisabbaus mit dem Lohnabbau. dieser Auswuchs des blutigsten wirtfchaitlichen Dilettantismus, droht vielmehr noch sehr viel Unheil anzurichten. Zu dem neuen Herd der Verschärfung der Krise droht zugleich die Verschlechterung der Wirtschaftslage in Frankreich zu werden. Die französischen Arbeitslosenziffern erscheinen uns zwar fast gleich Null, sie erfassen aber nur die französischen Bürger. Von der Verschlechterung der Beschäftigung werden in Frankreich zunächst nur die e i n g e- wanderten Arbeiter betroffen, wie überhaupt die Abschwächung der französischen Konjunkwr zunächst die Zunahm« der Arbeits- losigkeit weniger in Frankreich selbst bewirkt als in den Ländern. aus welchen sonst die Arbeitskräfte zu dem französischen Arbeits- markt(Polen, Italien) zu strömen pflegen. Die Verschlechterung im Dezember war sozusagen nicht pro- grammäßig. Sie wirkte enttäuschend, weil man auf Grund der vorhandenen Anzeichen, den für normal gehaltenen Entwicklungs- gang vorausgesetzt, wenigstens mit der Stabilisierung der Beschäf- tigung rechnen durste. Es stellte sich hiermit heraus, daß man bisher das Ausmaß der Krise immer noch unterschätzt«. Es ist aber auch das Gefühl wiederum stark geworden, daß der Ent- wicklungsgang nicht„normal" ist, daß der übliche Ausgleich der wirtschaftlichen Verhältnisse durch etwas gestört wird. Die kapitalistische Wirtschaft werde, so hört man allerorten, durch etwas verhindert, ihren wunderbaren Anpassungsmechanismus in vollem Maße zu entwickeln. Sie sei in chrer Bewegungsfreiheit durch außerwirtschaftliche Kräfte gehemmt. Also ist die Parole da: ..Die Wirtschaft braucht Freiheit!" Wohlbemerkt: diese Parole ist nicht erst jetzt entstanden, die traurigen Erfahrungen des verflossenen Jahres schienen aber dazu geeignet, die Forderung nach der„Befreiung der Wirtschaft" einen besonderen Nachdruck zu verschaffen. So lesen wir z. B. im Jahresbericht des„Zweckoerbandcs der Industrie- und Handelskammern zu Bochum, Dortmund, Essen und Münster": „Verfolgt man die Ursachen der deutschen Wirtschaftskrise und die Möglichkeiten ihrer Beseitigung, so wird man feststellen müssen, daß das Schwergewicht bei der staatliche« Wirtfchajts- Politik liegt. D i e Wirtschaft braucht Freiheit. Der Staat muß die Z w a n g s b e w i r ts ch a f t u n g der Arbeitstraft und von Rohstoffen ausgeben. Di« augenblickliche Lohn- und Preissenkungspolitik der Regierung wäre bei freier Wirtschaft und nicht überhöhten Lasten gar nicht notwendig geworden. Die Regierung aber hat bei der herrschen- den Zwangswirtschaft in Verfolg ihrer Preissenkungsaktion fast immer am falschen Ende angepackt, nachdem sie nach dem ersten Anlauf zur Lohnherabsetzung immer wieder nur die Preise zwangsmäßig herabdrücken wollte. Jeder Preissenkungsaktion muß die Senkung der Löhne und der überhöhten öffentlichen Lasten vorausgehen." Schon aus diesen Sätzen sieht man, wie wenig aufrichtig, ja. wie verlogen die Forderung nach der Freiheit der Wirtschaft in manchem lDtunde ist. Wovon soll die Wirt- schoft befreit werden? Von jeder Bevormundung durch den Staat. von jeder staatlichen Beeinflussung und Unterstützung? Wollen die Verfasser des zitierten Jahresberichts fordern, daß der Staat z. B. jede protektionistische Zollpolitik aufgibt? Ist die deutsche Eisen- und Stahlindustrie wirklich so weit, sehnt sie sich so stark nach ihrer Freiheit, daß sie die zollfreie Einfuhr von Eisen- und Stahlerzeugnissen nach Deutschland befürworten will? Keine Spur davon! Man will keine allgemeine Beseitigung der staat- tich-m Eingriffe, sondern wendet sich nur gegen befummle Eingriffe mt �Zwangsbewirtschastung der Arbeitskraft und von Rohstoff««" also Schlichtungswesen sowie den Reichskohlenrat. Man wirst der Regierung vor, daß sie„fast immer am falschen Ende angepackt hat", indem sie angeblich nur bei„dem ersten Anlauf zur Lohn- Herabsetzung" stehen geblieben ist und dann„immer wieder nur die Preise zwangsmäßig herabdrücken wollte". Nicht alle Unternehmer sind so plump und drücken ihren ftlasjenegoismus in einer solchen geradezu naiven Form aus wie die teutschen Schwerindustriellen und die von ihnen abhängigen Kreise. Es muß auch zugegeben werden, daß die sich in der ga n z c n Welt ständig vermehrenden Versuche der weitgehenden staatlichen Beeinflussung der wirtschaftlichen Borgänge manche Volkswirte mit der ehrlichen Sorge um das Schicksal der Volkswirtschaft und nicht bloß um die Interessen der einzelnen Kapitalisten erfüllen. Bei der Uebersicht verschiedener staatlicher Eingriffe, die wir hier demnächst vorzunehmen beabsichtigen, werden wir selbst manches einer scharfen Kritik unterziehen müssen. Das ist aber kein Grund, die Notwendigkeit der regelnden Einmischung des Staates überhaupt zu verneinen. Wer eine solche Schlußfolgerung ziehen will, muß auch nicht mir jede Zoll- und überhaupt jede Handels- Politik, sondern auch z. B. die Diskontpolitik der Zentralnotenbanken verneinen. Wir sind von den Ergebnissen der bisherigen staatlichen Ein- griffe auch sehr wenig befriedigt, und sind der Meinung, daß viele Regierungen„am falschen Ende angepackt" haben. Wir haben auch in diesem Artikel schon darauf hingewiesen, daß z. B. die Verknüpfung des Preisabbaus mst dem Lohnobbau durch die deutsche Regierung zur Vertiefung der Depression beigetragen hat. Nicht deshalb aber, weil durch diese Politik die„Freiheit" der Wirt- schaft angetastet, sondern vielmehr deshalb, weil die„Freiheit" einzelner kapikaliftischer Gruppen zu sehr geschont wurde. Richtig ist auf jeden Fall, daß die Prajris der staatlichen Eingriffe viel mehr Konsequenz er- sordert, als dies bis jetzt in irgendwelchem kapitalistischen Lande der Fall war. Die Schwäche der staatlichen Wirtschaftspolitik bestand bis jetzt überoll darin, daß sie entweder ihre Maßnahmen durch die Interessen einiger engerer Gruppen bestimmen ließ oder aber nur einen engeren Ausschnitt aus der Wirtschaft zu beeinflussen versuchte, ohne zusammenhängende Vorgänge zu sehen oder an sie heranzu- treten zu wagen. Die Lehre aus dieser Praxis ist nicht die, daß man die„Freiheit der Wirtschaft", die gar nicht mehr existieren kann, erstreben muß, sondern die, daß jeder staatliche Eingriff, auch wenn er sich unmittelbar aus ein beschränktes Gebiet erstreckt, das Ganze der Wirtschaft im Auge hoben und in bestimmter, bewußt gewordener Richtung beeinflussen muß. Dieses Bewußtwerden der wirtschaftlichen Zu- sammenhänge und ihr« zweckentsprechend« Beherrschung wird uns, wenn nicht die Freiheit der Wirtschast, so die Freiheit des Menschen in der Wirtschaft schaffen. Die kapitalistische Wirtschast hat selbst das früher so gerühmte „freie Spiel der Kräfte" wesentlich eingeschränkt, sie bewegt sich aber immer noch so frei, daß der arbeitende Mensch der Sklave seiner Werkzeuge bleibt. Durch die Entwicklung � der Technik hat sich der Mensch in starkem Maße Freiheit den Natur- kräften gegenüber verschafft. Er muß sich jetzt durch die planmäßige Lenkung der wirtschaftlichen Vorgänge aus der Sklaverei befreien, in die ihn das ungezügelte walten der wirtschaftlichen Kräfte bringt. In dieser Wirtschaft ist auch die Freiheit des Unternehmers sehr bedingt. Sie wollen aber für sich wenigstens die Freiheit der Ausbeutung der Arbeitskraft, und sie erheben die Forderung nach der Freiheit der Wirtschaft, wenn sie sich in den Möglichkeiten der Aus- beutung eingeengt fühlen. Für den arbeitenden Menschen beginnt seine wirtschaftliche Freiheit dort, wo die kapitalistische Aus- beutung aufhört. Diese Ausbeutung kann aber nur durch die Bändigung aller wirtschaftlichen Kräfte, durch ihre Unterordnung unter die Ziele der gesamten menschlichen Gesellschaft überwunden werden. C*. Decker. Deutsche Anleihen begehrt. Kräftige Kurssteigerungen in New �ork. Die deutschen Dollaranleihen zeigen nach den empfindlichen Kursrückschlägen des vergangenen Jahres, die das Kursnioeau der an der New-Porker Börse gehandelten 7prozentigen Bons(festverzins- liche Wertpapiere) um durchschnittlich Proz. und der ö�pro- zentigen Anleihen sogar um 23 Proz. herabdrücktcn, in den letzten Tagen in der Wall Street bemerkenswerte Ansätze zu einer Kurserholung. In der nachstehenden Tabelle ist die Kurs- entwicklung einer Reihe wichtiger Amerika-Anleihen Deutschlands im neuen Jahre veranschaulicht. Der Genauigkeit halber sei bemerkt, daß bei der Auswahl nur diejenigen Papiere berücksichtigt worden sind, die seit Jahresbeginn nennenswerte Kursbefestigungen aufzuweisen haben, wobei jedoch hinzugefügt werden muß, daß sich die deutschen Dollaranleihen, die von der Haussebewegung bisher nicht erfaßt wurden, bei weitem in der Minderzahl befinden. Donng'Anleihe Dawes-Anleihe Giroverbaud. Berlin.,. Bremen... Nenlenbank.. Deutsche Bank. Zinsfuß .- ZV, •. 7 .. 7 :: .. 7 .. 6 Kurs am Z0 lS.30 5. 1.31 ®l/a 68.75 100,75 75,87 70 89 77 96,50 79,50 68,12 69,25 74 73,75 89,50 81,50 59,75 71,25 101 77,62 75 90,37 84 97 80,75 71 71,75 80 78 91 84 62,25 Letzter ftnr« 74,25 102,25 81,25 75 93,37 83,12 97 80,75 73,75 74,75 80 80 96 85 65,25 Commerzbank.. ö'/s Berliner Hochbahn. 6'/2 Bewag... R.W.E...... 6 Sächsische Werke.. 7 AEG....... 7 Bordlloyd. 6 Karstadt..... 6 Die in der Tabelle aufgezählten 15 repräsentativen deutschen Dollaranleihcn haben sich in der Zeit vom 30. Dezember bis zum 5. Januar um durchschnittlich zirka 3'A Proz. und seitdem weiter um ZVi Proz. befestigt. Insgesamt haben dies« Anleihen somit im neuen Jahr« bereits Kursgewinne von nahezu 6 Proz. erzielt. Di« erfreulich« Kurserholung der deuffchen Bons entspricht dem in den letzten Tagen allgemein festzustellenden stärkeren Inter- esse der Wall Street für festverzinsliche Wertpapiere, das sich u. o. auch in einer namhaften Belebung der Bonsumsätze an der New- Porker Börse äußert. Es hat den Anschein, daß das den amerika- nifchen Besitzern zum Ianuar-Coupontermin in Gestalt von Zinsen und Dividenden zugeflossene Kapital— es handelt sich um einen Betrag von über einer halben Milliarde Dollar— augenblicklich vorzugsweise am Anleihemarkte Anlage sucht. Beschleu- nigt wird der Reinvestierungeprozeß durch die am Geldmärkte Herr- schenden ungewöhnlich niedrigen Zinssätze. Der offizielle Zinssatz für tägliches Geld ist seit Jahresbeginn auf 11- Proz. gesunken, während außerhalb der Wall Street Abschlüsse zu überwiegend 1 Proz. getätigt werden. Auch in Termingeldern liegt starkes lieber- angebot vor. Der Zinssatz für Geld auf drei Monat« stellte sich zuletzt nur noch auf 2lA bis 2K- Proz. Oer englische Naumwollkampf. (Znnnerungen an die Weberstürme. Der jetzt im englischen Baumwollzentrum Lancashire au-ge- brochene Arbeitskonflikt ruft die Erinnerung an die tragischen Zeiten wach, wo die ihrer Existenz beraubten Ha n d w e b e r um die Wende des 18. und im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zum Sturm aus die Maschinen schritten. Zwar sind bei dem jetzigen Konflikt von den britischen Baum- wollwbern nicht!ie Maschinenhallen mit den modernen Webstühlen erstürmt worden, doch sind die Ursachen des jetzigen Kampf. s in der Hochburg der englischen Textilindustrie die gleichen, die zu den schweren sozialen Unruhen in der Zeit des Frühkapitalismns führten. Die Baumwollweber in Lancashire sind in den Streik getreten bzw. ausgesperrt worden, weil sie sich gegen die von den Unternehmern besch'oslene Anwendung des„A ch t st u h l- s y st e m s" wehrten. Dieses neuartige Achtwebstuhlsystem, das an die Stelle des bisherigen Vierstuhlsystems treten soll, würde natür- lich neben einer weit stärkeren Ausnutzung der mensch» lichen Arbeitskraft zwangsläufig Entlassungen in großem Umfange zur Folge haben. Die augenblickliche Situation im Lancashire-Revicr ist sehr zu- gespitzt. Die Unternehmer haben erklärt, daß sie zu einer Ge- samtaussperrung, die 250 000 Arbeiter betreffen würde, noch diese Woche schreiten, wenn die Teilstreiks nicht abgebremst würden. Bei der allgemeinen Unruhe in diesem Distrikt, die infolge de: anhaltend großen Arbeitslosigkeit und des Lohnabbaudiktats von 1929 herrscht, ist auf eine gütliche Einigung kaum zu rechnen, so daß in Londoner Regierungskroisen ein Eingreifen des Arbeits- Ministers erwartet wird. Oie Krise in Großbritannien. Zusammenqeschrumpster AustenhanOel. Der Umfang der in England herrschenden Wirtschaftskrise prägt sich in dem jetzt veröffentlichten Ergebnis des britischen A u ß e n- Handels im Jahre 1930 mst aller Schärfe aus. Sogar das schwärzeste Jahr in der Wirtschaftsgeschichte Englands nach dem Kriege, das Jahr 1926 mit seinem siebenmonatigen Kohlenstreik hat noch günstigere Außenhandelszahlen aufzuweisen, als das abgelaufene Krifcnjahr. Der Gesamtumsatz des britischen Außenhandels ist um fast 6,7 Milliarden Mark zusammengeschrumpft. Um mehr als 21 Proz. ist Englands Ausfuhr mit 1,14 gegen 1,45 Milliarden Mark gesunken. Auch die Einsuhr nach England ist von 24,4 auf rund 20 Milliarden Mark zurückgegangen, doch wirken hier weit stärker als bei der englischen Ausfuhr die Preiseinbrüche auf dem Weltmarkt mit. Während sich der Export von Kohle, der nur einen fechsprozentigen Rückgang(wertmäßig) aufweist, Verhältnis- mäßig gut erhalten hat, ist die Entwicklung des bedeutendsten eng- tischen Ausfuhrpostens, der Textilfertigfabrikate, lata- strophal gewesen. Der Wert des Exports von Baumwollwaren hat mit rund 1,7 Milliarden nur noch wenig mehrals 60 Proz. des Ausfuhrwertes von 1928. Nicht viel besser sieht es mit der Ausfuhr der Wollindustrie aus. Dagegen konnte sich unter Berück- sichtigung der allgemeinen Preissenkungen der Export der Fahrzeug- industrie und auch von Teilen des allgemeinen Maschinenbaues ver- hältnismäßig gut behaupten. Welizuckerkariell feriiq. Was wir vor wenigen Tagen als höchst wahrscheinlich be zeich- nelen, ist geschehen: die Versammlung aller deutschen Zuckcriabrikca hat gemäß dem vdcschlag des Vereins der Deutschen Zuckerindustrie das Angebot der übrigen Zuckerexportländer angenommen. Das Zuckerkartell aller Produzenten der Welt Ist damit Wirklichkeit ge- worden. Der Weltmarktpreis für Zucker wird also wefent'ich steigen: die Ausfuhrverluste der deutschen Zuckerindustrie werden sich im gleichen Maße verringern. Die Aussuhrmenge ist fest begrenzt: da- mit der Verbrauch der Produktion entsprechend steigt, ist eine de- deutende Senkung des Znlandpreises notwendig. Sie ist möglich. jetzt mehr denn je! Eine Kontingentierung der Zuckererzeugung. über die die Fabriken beraten, steht im Gegensatz zum Interesse wichtiger Teile der Landwirlschast. Europas Zuckerproduktion. Nach der Januar-Umfrage der Internationalen Ver- einigung für Z u ck e r st a t i st i k werden mehr als 600 Fabriken in 15 europäischen Staaten im Betriebsjahr 1930/31(1. September bis 31. August) 39,5 Mill. Tonnen Rüben verarbeiten, also 18,8 Proz. mehr als im Vorjahre(33,2 Mill. Tonnen). Deutschland steht mit 15,85 Mill. Tonnen an der Spitze und hat in der Rübenvcrarbeitung gegenüber dem Vorjahr«(11,94 Mill. Tonnen) eine Zunahme von 32,8 Proz. zu verzeichnen. An zweiter Stelle steht die Tschechoslowakei mit 6,75 Mill. Tonnen(plus 21 Proz.), an dritter Polen mit 4.55 Mill.(minus 10 Proz.). Die Zuckererzeugung wird mit 6,17 Mill. Tonnen die des Vorjahres von 5,52 Mill. Tonnen um 12 Proz. übertreffen. Die deutsche Produktion wird mit 251 Mill. Tonnen angegeben, also um 26.4 Peez, höher als in: Vorjahr(1,98 Mill. Tonnen). Die tschechische Erzeugung wird mit 1,13 Mill. Tonnen um 9 Proz. größer, die polnische mit 0,78 Mill. Tonnen um 15 Proz. kleiner als im Vorjahr sein. Will die Reichsbahn einen Streik? Entschlossene Antwort der Eisenbahner. Dresden, 12. Zanuar. Der Streit zwischen der Reichsbohndirettitm Dresden und den �«senbahnarbeitern wegen der beabsichtigten Einführung von Feierschichten hat sich in bedrohlicher weise verschärft. Die Arbeiter hatten unter dem ausdrücklichen Vor- behalt ihrer Rechte aus dem Einzelarbeits- und dem Tarif- vertrag sich den Mahnahmen der Verwaltung bedingt gefügt. Dies hat die Reichsbahn aber nicht als Zustimmung angesehen und infolgedessen in Sachsen über 10 000 Arbeitern gekün- digt. Die Kündigungsfrist läuft am 16. Zanuar ab. Der Einheitsoerband im Bezirk Sachsen befähle sich am Sonn- lag in einer Vertreterkonferenz, zu der ooin Hauptvorstand das Vorstandsmitglied A p i tz s ch- Berlin entsandt war, mit dem von der Reichsbahndirektion heraufbeschworenen Konflikt. Es kam zur einmütigen Annahme lolgende Entschließung: Am 11. Januar 1931 tagt im Saal des Hygiene-Mufeums in Dresden eine vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands einberufene außerordentliche Bezirkskonferenz, die von Z34 bevollmächtigten Zahlstellenleitern und Betriebsratsvorsitzenden besucht ist. Die Konferenz billigt einmütig die von der Organisation in der F e i e r s ch i ch t e n s r a g e getroffenen Abwehr- maßnahmen. Die Verbandsfunktionäre betrachten es als ihre gewerkschaftliche Pflicht, dafür zu sargen, mit allen Mitteln die Maßregelung der Kollegen, die lediglich wegen eines Rechtsvorbehalts brotlos ge- macht werden sollten, zu verhindern. In den örtlichen Verbandsstellen sind ohne Verzug alle Vor- bereitungen für den uns von der Reichsbahn aufgezwungenen Arbeitskampf, der alle Eisenbahnarbeiter des Reichsbahndirektions- bezirks Dresden umfaßt, zu treffen. Bis zum Ablauf der Kündi- gungsfrift darf kein an de» Feierschichte» unmittelbar beteiligter Kollege eine weitere Erklärung gegenüber der Reichsbahn abgeben. Die Verbandsrichtlinien sind strengstens zu befolgen." Ein unmöglicher Schiedsspruch. Vom Einheitsverband der Eisenbahner wird uns geschrieben: In dem Schiedsspruch für die Reichsbahn tritt nicht nur in Erscheinung, daß es. von einigen Ausnahme» abgesehen, bei der bisherigen Arbeitszeit bleibt, sondern in einigen Dienstzweigen ist die bisherige Arbeitszeil von dem Schlichter sogar verlängert worden. Das S ch i f s s p e r s o n a l, vor allen Dingen die in dem schweren Heizerdienst auf den bahneigenen Fähr- schiffen Beschäftigten, hatten bisher eine achtstündige Arbeitszeit. Durch den Schiedsspruch ist für diese Arbeiter jetzt die Arbeitszeit der Beamten übertragbar. Damit ist regelrecht eine neunstündige Arbeitszeit feftgefeht, denn die Arbeitszeit der Beamten kann willkürlich von der Reichsbahnverwaltung festgesetzt werden. Das Skandalöseste an dem Schiedsspruch ist jedoch der Umstand, daß der Schlichter, ohne daß ein Antrag der Parteien hierzu vorlag, den Arbeitern, die auf Grund ihrer regel- mäßigen Beschäftigung zur Sonntagsarbeit verpflichtet waren, eine zusätzliche Sonntagsarbeil aufoktroyierte, die nicht als lleberzeit- arbeil bewertet wird. Für diese Arbeiter war bisher schon die achtstündige Arbeitszeit vorgesehen. Rur waren sie oerpflichtet, auf Grund von Vereinbarungen eine zusätzliche Arbeits- zeit von einer Stunde täglich zu leisten. Hierzu wurde ein Zu- schlag von 25 JJtoz. gezahlt. Sie erhielten also ohne weiteres schon dann Ueberstunden- Zuschlag, wenn sie über 48 Stunden hinaus arbeiteten. Jetzt sind diese Arbeiter sogar verpflichtet, bis zu 56 Stunden in der Woch> zu leisten, ohne daß ihnen der geringste lleberslundenzuschlag gezahlt wird. Die Einseitigkeit des Schlichters in diesem Schlichtungs- verfahren ist unzählige Male in Erscheinung getreten. Auch hat es nicht an verschiedenen groben Unkorrektheiten gefehlt, so daß sich die vertragschließenden Organisationen sicherlich noch ge- zwungen sehen, offiziell Beschwerde gegen diesen Schlichter zu führen. Der gesamte Schiedsspruch läßt an Durcheinander und Unverständlichkeit nichts zu wünschen übrig. Trotzdem ist die Erklärungsfrist der Parteien auf Dienstag, den 13. dieses Monats, mittags 12 Uhr, festgesetzt. Bis zur Stunde ist abe>r der Schiedsspruch den Parteien noch nicht zuge- st e l l t! Durch eine solche Handhabung wird die Schlichtungs- ordnung zur Farce und zu einem Ir�trument, das den Arbeit- nehmern Bedingungen aufoktroyiert, die im freien Spiel der Kräfte kaum möglich wären. Sicher wird sich der Reichsarbeitsminister noch mit dieser An- gelegenheit zu befassen haben. Es kamt nur der Hoffnung Aus- druck gegeben werden, daß von dieser Seite alles getan wird, um für die Zukunft solche Erscheinungen unmöglich zu machen. Ein solcher Schlichter eignet sich vielleicht als Syndikus der Unternehmer, aber nicht als unparteilicher Schlichter. Naziklage abgewiesen. Entlarvung der Oemagogen vom Hakenkreuz. wie vorauszusehen war. sind die hatenkreuzler mit ihrer klage gegen die Verkchrs-A.-G. vom Arbeitsgericht a b g e- wiesen worden. Aber was macht das diesen Leuten schon aus! Sie veranlassen 129 Entlassene, die teilweise srelgewerk- fchaftlich organisiert und Gegner der hakenkreuzler waren, unter der Vorspiegelung, sie wieder in Arbeit zu bringen, der sogenannten Rationalsozialistischcn Arbeiterparkei b e i z u- treten, um sie derart als„politisch Gemaßregelte" zu mos- kiercn. Ralurlich müssen die Genassührlen noch zahlen. Rachdem sie gemeinsam mit den Kommunisten es zu den Entlassungen getrieben hatten, die die Direktion der BVG. gerade verhindern wollte, stellen sich die Razis hin und spielen sich als Beschützer von Arbeitern auf. die gerade durch die hakenkreuzler ins Unglück geritten wurden. Das ist die„Moral" von Landsknechten, die für Geld zu allem fähig find. Die von nationalsozialistischer Seit« veranlaßt« arbeitsgericht- liche Massen klage gegen die BVG. und deren Arbeiterratsvor- fitzenden Flieger und L o l l wurde am Montag wieder verhandelt. Bon den im Aortermin aufgetretenen 146 Klägern find noch 139 übrig geblieben. Die anderen haben inzwischen ihre Klagen zurück- genommen. Bekanntlich wollte die BVG. durch Einlegung von Feierschichten die Entlassungen vermeiden. Dieser Vorschlag ist aber von der Belegschaft unter dem Einfluß von rechts- und linksradikalen Elementen abgelehnt worden. Die BVG. hielt di« Entlassung von 1399 Personen für notwendig. Durch Verhandlungen mit der Vertretung des Gefaintverbandes wurde diese Zahl auf 869 herabgesetzt. Dabei stellte die BVG. aber die Be- dingung, daß sie die Auswahl in erster Linie nach der dienst- liehen Eignung der zu Entlassenden treffe. Erst in zweiter Linie sollten die persönlichen Verhältnisse und die Dauer der Dienst- zeit maßgebend sein. Wie es mit der Behauptung steht, die Entlassungen seien unter Mitwirkung des Arbeiterrats und der Funktionäre des Gesamtver- bandes erfolgt, darüber sagte Genosse S e h n e r vom Gesomtverband: Von allen Klägern gehörten vor ihrer Kündigung nur 17 der Rationalsozialistischen Arbeiterpartei oder deren Betriebszelle an. Erst nach der Kündigung ist von nationalsozialistischer Seite eine Versammlung der Gekündigten einberufen, denen»tan versprochen hat, gegen ihre Kündigung Schritte zu unternehmen. Bei dieser Gelegenheit sind dann die Kläger zu„Mitgliedern" der NSDAP, bzw. der Betriebszelle gemacht worden. Es kann also keine Rede davon sein, daß di« Arbeiterratsvorsitzenden oder die Funktionäre der freien Gewerlschaft die Kündigung der Betreffenden wegen deren„nationalsozialistischer Gesinnung" betrieben hätten. Uebrigens sind von denen, di« erst n a ch der Kündigung den National- sozialisten beigetreten sind, zehn bis zu ihrer Entlassung Mitglieder de, sreigewerkschafllichcn Gesamlvcrbandes gewesen. Bezeichnend ist, daß keiner der beim Arbeiterral erhobenen Einsprüche sich aus Enl- lassung aus politischen Gründen beruft. In allen Fällen ist die Entlassung nur als„unbillige Härte" bezeichnet worden. Die Behauptung, es lägen Entlassungen aus politischen Gründen vor, ist den Entlassenen erst nachträglich durch die Rotionalsozialistische Partei suggeriert worden. Die freien Gewerk- schasten hoben keine Veranlassung, wegen einer politischen E a i s o n e r s ch e i n u n g, wie es die iiatioitalsoztalistische Bewegung ist, eine Aktion zu veranstalten, wie es die Kläger glauben.— Der Arbeiterrat besteht aus 15 sreigewerkschastlichen und 15 Mitgliedern anderer Organisationen. Er hat also weder eine freigewerkschastliche noch ein« sozialdemokratische Mehrheit. Da die von den Gekündigten eingelegten Einsprüche mit 17 bis 21 Stimmen zurückgewiesen wurden, kann es sich also nicht um eine sozialdemokratische oder frei- gewerkschaftliche Aktion handeln. Das Gericht trat in die Beweiserhebung ein über die von den Klägern aufgestellt« Behauptung, der Funktionär des Gesamtver- bandes, Fahrer M., habe in einer Gastwirtschaft eine Liste von Ange- stellten gezeigt, die zur Entlassung kommen sollten. Zu dieser Ange- legenheit wurden sechs Zeugen vernommen, aber keiner von ihnen weiß etwas von einer derartigen Liste oder davon, daß M. mit der Auswahl der zur Entlassung Bestimmten etwas zu tun hatte. Auf Antrag der Kläger wurde DirektorBrolat telephonisch geladen, um zu beeiden, daß er keine Entlassungen aus politischen Gründen angeordnet Hab«. Direktor B r o l a t leistet« folgenden vom Gericht formulierten Eid: „Ich habe weder mit dem Betriebs- noch mit dem Arbeiterrat oder mit einzelnen Mitgliedern der Betriebsvertretung vereinbart, daß die Entlassungen im Herbst 1939 nach politischen Gesichtspunkten ersolgen sollen: ich habe auch keinem Angestellten der BVG. dement- sprechende Anweisungen gegeben." Nach der Eidesleistung bemerkte B r o l a t noch, er habe die Arbeiterratsvorsitzenden Flieger und L o l l sowie dem Personal- chef Heidenreich dringend aufgefordert, bei der Auswahl der zu Entlassenden nach streng sachlichen Gründen zu verfahren ohne Rücksicht auf politisch oder gewerkschaftliche Zugehörigkeil. Nachdem die Sitzung von 9 bis 5 Uhr ohne wesentliche Zwischenfälle verlaufen war, machten einige der Kläger den offensichtlichen Versuch, die Verhandlung wieder auffliegen zu lassen. Einer der Kläger wurde in ein« Ordnungsstrafe von 99 Mark, im Falle der Nichtzahlung 3 Tag« Haft, genommen. Um 7 Uhr verkündete der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Richter, das Urteil: Die klage wird abgewiesen, die Kläger haben die kosten zu tragen. Die Urteilsgründung sagt im wesentlichen, die Behauptung der Kläger, die Personalabteilung der BVG. Hab« unter Mitwirkung der Betriebsvertretung die Entlassungen nach politischen Gesichtspunkten vorgenommen, ist nicht erwiesen. Ein Schadenersatzanspruch aus Z 826 BGB.(Verstoß gegen die Sitten), auf den allein sich die Klage gründen könnte, ist nicht gegeben. Durch den von den Klägern beantragten Eid des Direktars Brolat ist erwiesen, daß eine Vereinbarung mit der Betriebsvertretung, wonach politische Gesichtspunkte für die Entlassungen maßgebend sein sollten, nicht erfolgt und auch an die Zlngestellten der BVG. eine dahingehende Zlusforderung nicht ergangen i st. Schiedsspruch im Spediiionsgewerbe. Für dos Berliner Speditionsgewerbe, wo die Unter- nehmer das Lohnabkommen zum 13. Januar gekündigt und einen hinsichtlich der Höh« nicht näher bezeichneten Lohnabbau verlangt hatten, ist am Sonnabend ein Schiedsspruch gefällt worden. Der Schiedsspruch sieht ab 17. Januar einen Abbau der Wochen- löhne um 2 M. und ab 17. März um eine weiter« Mark vor. Dos Lohnabkommen soll bis zum l. Mai d. I. gelten. Die Erklörungs- trist läuft bis zum 13. Januar. Beide Parteien haben sich über die Annahme oder Ablehnung dieses Schiedsspruches noch nicht ent- schieden. Streik im Fuhrgewerbe? Oer Lohnabbau überschlägt sich. Die Ftchrherreninnung hat dem Gesanttverband, wie bereits mitgeteilt, das Lohnabkommen für das Schwer- und Lsichtfuhr- gewerbe zum 31. Dezember gekündigt und einen Lohnabbau gefordert, der für einzelne Gruppen teilweise bis zu 42,8 Prozent betragen sollte. Da die direkten Verhandlungen ergebnislos verliefen, rief die Fuhrherreninnung den Schlichtungsaus» schütz an, der zum 14. Januar Schlichtungsverhandlungen an- beraumt hat. Ohne den Ausgang dieser Verhandlungen abzuwarten, hat der Vorstand der Fuhrherreninnung seinen Mitgliedern in einem Rund- schreiben nahegelegt, von sich aus die Löhne betrieblich neu festzusetzen, also nach eigenem Ermessen abzubauen. Einige Fuhrunternehmer sind dieser Aufforderung auch prompt nach- gekommen und haben ihren Arbeitern bei der Lohnzahlung am Freitag einen um 8 bis 10 Mark geringeren Wochenlohn ausgezahlt. Erst als die Arbeiter dieser Fuhrbetriebe mit der Arbeits- e i n st e l l u n g drohten, nahmen die Unternehmer ihr Lohnabbau- diktat zurück, und erklärten sich bereit, bis zum Abschluß der Lohn- Verhandlungen die alten Löhne weiterzuzahlen. Lediglich der Fuhrunternehmer W. L i e s e g a n g in der Restdenzstr. 132, in Reinickendorf-Ost, der seinen Arbeitern den Wochenlohn um 9 Mark kürzte, weigerte sich, diese Maßnahme rück- gängig zu machen, worauf am Sonnabend die Arbeiter in den Streik traten. Seinen Herrenstandpunkt glaubte dieser Unter- nehmer besonders damit herauskehren zu müssen, daß er dem Gesanttverband gegenüber die Streikenden als fristlos ent- lassen erklärte, und ankündigte, mit Hilfe von Streik- brechern seinen Betrieb aufrechterhalten zu wollen. Es haben sich leider einige„Aucharbeiter" gesunden, die die Fuhr- und Lohnabhaugeschäfte des Herrn Liesegang besorgen. Der Gesamtverband hat daraufhin für seine Mitglieder über den Betrieb die Sperre verhängt. Die Empörung unter den Arbeitern des Schwer- und Leicht- fuhrgewerbes ist durch das Vorgehen der Unternehmer noch weiter verschärft worden, so daß es in den nächsten Tagen bestimmt zu einem allgemeinen Streik kommen wird, wenn die Unternehmer ihre unannehmbaren Lohnabbauforderungen nicht preisgeben oder gar der Schlichtungsausschuß ihr Vorgehen durch einen Lohnabbauschiedsspruch rechtfertigen sollte. Hugenberg als Ltniernehmer. Dreißig Mark Wochsnlohn für geistige Arbeiter. Eine der Haupteinnahmequellen des Hugenbergscheu Scherloer- lages ist das B e r l i n e r A d r e ß b u ch. Schon bei den Vorarbeiten dazu kann man sein blaues Wunder erleben. So gewöhnliche Menschen, wie einfache Arbeiter, werden von den Hauslisten gar nicht erst ins Manuskript übernommen resp. einfach gestrichen. Von den gleichen Leuten aber, denn größtenteils sind die Portierleute solche, oerlangt der Verlag, daß sie ohne jede Vergütung treppauf, treppab rennen, um die Mieter zu veranlassen, die oft gar nicht einmal gewünschten Eintragungen zu machen. Genau so filzig verfährt der Berlag auch gegen seine Angestellten. Der Manuskriptarbeiter erhält für diese gewiß nicht einfache Arbeit ganze fünf Mark pro Tag. Aber auch Korrettoren muß man in einem solchen Betrieb haben. Da geht man nun einfach hin, sticht sich unter den Tausenden von notleidenden Intellektuellen di« besten heraus und verlangt von ihnen eine die Nerven zerrüttende Tätigkeit kür 33 Mark pro Woche! Ein glotter Tartfbruch. Dabei steht ober auch hier dauernd ein Antreiber dahinter: Es muß mehr geschafft werden. Als nun einmal einer dieser Hugenberg- Tagelöhner zu dem tech- nischen Leiter B. ging und um lumpige 39 Pfennige Tageszulage bat, erwiderte ihm dieser:„Ich denke gar nicht daran, Ihnen mehr zu geben. Im übrigen müssen Si« froh sein, daß Sie für diesen Lohn noch hier sitzen können." Herr B. erhält für sein Ausnutzungstalent nur 24 999 Mark im Jahr. Heber diesem steht der Direktor T., der für die hirnverzehrende Arbeit der Unterschriftleistting jährlich nur: 66 999 Mark erhält. Achtung. Tischler und Mäbclpollerer! Da am 7. Januar die Firma S ch ö n d o r f f, Düsieldorf, ihre Belegschaft ausgesperrt hat, sind iür Tischler und Möbelpolierer die Aibeiten in den Villen Schöndorfs senior und junior, Berlin-Grunewald, Reinerz- und Auguste-Viktoria-Straß«, sowie Villa Spiegel, Westend, Ahornallee 7, gesperrt. Deutscher Holzarbeiteroerband. Deutscher Baugcwerksbund. Fachgruppe der Töpfer. Die Firma Gustav Brünner, Königswusterhausen, ist mit dem heutigen Tage wegen Lohndisferenzen gesperrt. Die Bezirksleitung. Für die Reichs- und preußischen Sloalsaagestellten sind Schlich- tungsverhandlungen zur Klärung des Tarifslreits— es handelt sich um eine sechsprozentige Gehaltskürzung— auf den 15. Januar anberaumt worden. Locwr, KPD.-Fraiti»a! Donnersta-I, IS'/Z Uhr, bei Oeischläger,' t Perlichinnenstr. Z, �roktionsiihunn. AN- Genossen von Lonne und W! Tvvogranh werden gebeten, bestimmt und nunltlich ,u erscheinen. W Der groktjonevorstand. g Freie Gewerkschafts-Luaenö Verlin Seute, Dienstag. Uhr, tagen die Gruvven.- Treptow: Srunvenbeim löchule Wildenbruchssr. 5S— öt lSort, immer). Gnulabcnd.— Spandau: Srunperobend Stadt, gugeudbeim Linbcnufer t. Vortrag:.Die An'- gaben der freien Gctuerlschaftsn".— Arautsuiter ANee: Städt. Iugendheinr Litauer Str. 18. Rctchstag-nssuna. Tagesordnung:.Lohnabbau und Breis- lcukung".— Lichtenberg: Lichtenberg. Dosscstr. 2t. Vortrag:»Die Bedeutung des M-tallarbeiterftreils".— Neu-Lichtendeeg: Jugendheim Gunteritr.-44. ..Berlin, wie es weint und lacht".— Pankow: Gruppenheun Pankow,«isssnaen- strafte 48. Diskussion der Mädrls und Burschen:..Gewerkschaftlich« Mädchen- ctbetl".— Kewertschastshau«: Grupvcnhcim Engelufer 24— 2S, Eaal 11 des �abrikarbcitcrverbandes. Portrag:..Warum Lohnabbau?"— Schöneweide: Jugendheim Nicderschöncweide, Berliner Etr. 81. Sichtbildervortrag:„Alt- Berlin".— Adlcrshos: Iuftendheim Bismarckstr. t. Liederabend mit Osttreis- tovclie.— Bkdding: Jugendheim Willdcnowstr. 5. Vortrag:„Zehn Jahre Cchutipolizci". �uaendaruppe Seel�entralverbandes der Angestellten Heute, Dienstag, folg-ende Veranstaltungen: Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Kurzreferate Uder Tagesfragen.— Lichtevberp: Iugcndkieim Gunter sir. A-i. Kurzreferate.— So rech, und Beweguagschor: Uebüngsabend pünktlich Ä) Ahr in der Turnhalle Baruthcr Str. 20. Leitung: Otto Volcmann.— Karten für die Iuqcndvorstellung ber Volksbühne am Sonntag, 25. Januar,.zum Preise von 80 Pf., sind im Iugen-dsetretariat zu haben. Grippe I bei Husten�L' Heiserkeü 'und silan ErkronKuna der Atmungsorgane � UpMte il togcritn«riuIUkk- orfrilchl u. belebt » cm Mesum Der Zug stampfte durch die Ebene. Weiden, Felder, in der Ferne eine kleine Ansammlung von niedrigen Häufern, Bäume an einer Cljoussce. Der Himmel hing tief und grau. Die Dame stand am Fenster des Abteils und sah mit einem Lächeln hinaus. War ihr der Anblick so sremd? Erschien er ihr sa bezaubernd? Ein junger Bolksschullehrer, der für die Zeit seiner Ferien auf Besuch zu seinen Eltern reiste, sah sie im Prafil, und sah dies sonderbare Lächeln. Er unterhielt sich immerfort mit seniein Nachbarn, einem Landsmann, aber er dachte immer nur an die Dame am Fenster. Für alle stand es fest, daß die Dame in einen Badeort an der Nord- see wollte! und alle fragten sich: warum sie wohl dritter Klasse reiste? Sie war kostbar gekleidet, trug an oerfeinerten Fingern ausfallende Ringe und war offensichtlich gepudert.(Nicht alle im Abteil hatten schon mit einer gepuderten Dame zwischen vier Wänden gesessen, ja, um die Wahrheit zu sagen, einige hatten solch eine Dame bisher überhaupt noch niemals gesehen.) Und diese Erregung, die als Lächeln in ihrem Gesicht geschrieben stand! Der Volksschullehrer hätte es leicht gewagt— auf ihr« freunMichen Mienen hin—, ein Gespräch mit ihr anzuknüpfen: aber, wie gesagt, in Haltung, Bewegung und Kleidung, dieser deutlich gezogene Tmmingsstnch hielt ihn immer wieder davon zurück. Als aber das majestätische Bild eines breitblitzeirden Kanals in das Blickfeld des Fensters fiel und in den Augen der Dame ein entzückendes Ah! hervorrief, sprang er auf, stand direkt hinter ihr und sagte: „Das ist einmal ein schöner Kanal, wie?" Die Dame sah sich zu ihm um, sie sah ihn mit lo freundlicher Neugier an, daß er fast zusammenzuckte. „Ja", sagte sie dann und sah wieder hinaus. „Sie reifen gewiß an die See?" fragte der Volksschullehrer. Sie sah ihn wieder mit diesem eigentümlichen Interesse an, die hohe, klargezeichnete Stirn, das ruhige Blau seiner Augen... Der Lehrer war frappiert und beglückt. So deutlich gab sie ihm zu er- kennen— und im ersten Moment—, wie sehr er ihr gefiel? Donnerwetter, dachte er, als Frau mächt ich ja lieber eine, wie sie hierzulande sind, zurückhaltend und treu: aber wie nett, wenn eine so aufgeschlossen ist wie diese... Aber da sah er zu seiner Verblüssung, daß die Dame, die nun mit dem Rucken zum Fenster stand, alle Insassen des Abteils mit dieser warmen Neugier betrachtete. Ihr Blick war groß und die Naisenflügel ein wenig gebläht, als atnrete sie diese Atmosphäre. Dann erschien ein mädchenhaftes Lächeln auf ihrem Gesicht, das neben den Mundwinkeln zwei Grübchen hervorrief. Sie zog aus dem bunten kostbaren. Täschchen ein spitzenbesacimtes Tuch und drückte es an die Lippen, um den glücklichen Ausdruck zu verbergen, und saß wieder in ihrer Fensterecke und sah hinaus. Auch der Voltsschullehrer war rot geworden und setzte sich. Er kam sich blamiert vor: offenbar, er hatte sich übernommen. Plötzlich sah die Dame ihn an und fragte: „Wie heißt die nächste Station?" Das ganze Abteil rief sofort mit lebhafter Stimme den Namen der Kleinstadt aus, und die Dame hob ihr Lederköfferchen vom Netz herunter. Der Lehrer war von seinem Mißgeschick, das er soeben erlebt hatte, noch zu sehr verwundert, als daß er, feiner rnnersten Absicht folgend, hilfreich oa zugesprungen wäre.— Die Dame machte sich zum Aussteigen fertig. Das heimliche Lockren bildete wieder zarte Schattierungen in ihrem Gesicht.— Will die zu uns? dachten .diejenigen, die in der kleinen Stadt ansässig waren: was will sie, zv wem, wen kennt sie bei uns im Ort? Nach dem Aussteigen hielten sich alle in ihrer Nähe: man meinte, sie würde sich wohl nach einem Namen, nach einer Straße, einer Ortschaft oder nach einer Zugverbindung erkundigen. Genau sa geschah es. Und nun wußten alle: Sie wollte nach einer Station. die als vierte auf der Kleinbahnstrecke lag. Die Leute kannten den Flecken und seine Bewohner genau. Sie stierten dumm vor Er- staunen. Zu wem dort wollte die Dame nur? Die Dune sah mit leuchtende» Augen die Menschen, die Station, die Weiden, den Himmel. Der Bolksschullehrer nmßte auch mit der Kleinbahn fahren. Jetzt, auf der Bahnsteigbonk neben ihr sitzend, fand er seinen Mut wieder. „Wollen Sie eine Erfrischung?" „Wenn Sie so gut sein wollen..." Er sprang zum Büfett der Bahnhofswirtschaft und brachte ihr ein hohes Glas: andächtig oder wie ein Kind sah sie aus, als sie trank. „Haben Sie Verwandte im Dorf?" fragte der Lehrer. Ihr Kopf machte antwortend eine Bewegung, die aber keine Antwort war. Sie war rot geworden.„Man riechr hier schon die See", sagte sie. Trotzdem machte der Lehrer noch einen Versuch. „Nämlich meine Eltern wohnen ein« Station vorher, wir kennen die Leute rundherum alle gut." Aber die Dame wollte nicht. Jetzt schien es ihr sogar Spaß zu machen, wieder auf ein anderes Thema zu springen. Sie hält mich sür einen ungebildeten Menschen, dachte der Lehrer und gab seine Versuche auf.* In der Kleinbahn kam er gleich mit einigen von früher bc- tannten alten Frauen ins Gespräch. „Wohin will denn das feine Mädchen da?" fragten die Frauen. Er gab Auskunft.„Aber zu wem sie gehört, sagt sie nicht." „Sie hat Farbe ins Gesicht gemalt", sagte eine der Alten.„Z'.i wem die wohl gehört? Zur Erholung kommen Fremde doch niemals hierher. Ob sie sich bloß nicht verlaufen hat, in den falschen Zug?" Mütterlick)-neugierig fragte eine der Frauen vorsichtig on. Die Dame betrachtete mit ihren leuchtenden Augen dies einfache Gesicht. Dann nickte sie freundlich, dos war ihre Antwort. Kurz bevor er ausstieg, stellte sich der Lehrer noch einmal«den sie ans Fenster. Unendliche Weiden unter tiefen Wolken: Kühe lagen reglos still. „Wie schön ist dies alles", sagte die Dame. „Ich muß jetzt aussteigen, ich wünsche Ihnen gute Erholung", sagte der Lehrer und verbeugte sich. Eine Station weiter stieg die Dame aus. Zwei Frauen aus demselben Abteil, die in diesen Ort gehörten, folgten ihr auf dem Fuß. Vom Bahnhof ging es in eine Straße hinein, in der ver- ein, zelte kleine 5)äuser standen, von Gärten umgrenzt Die Dune verlangsamte unmerklich den Schritt— plötzbch blieb sie stehen... und die beiden Versolgerinnen mußten an ihr vorüber. Mit schnellen Schritten ging sie zurück zur Station, über die Gleise und dann ein Stück Weges zwisthen den Wiesen. Neben einem Telegraphcnmast setzte sie sich au den Abhang des Grabens. „Dies ist also meine Heimat... wie schön sie ist... Wie ein- jach die Menschen... ihre Sprache so herzlich... Die Gesichter so fest, so gesund ihr Wesen.. Ich habe eine gute Heimat, ich habe einen guten Fundus von Hause her... Mit solch einer 5zeimat im Blute brauch« ich mich vorm Leben nicht zu fürchten— wenn ich auch zweimal zusammengeklappt bin, ich komme schon wieder richtig hoch..." Sie hielt mit den Armen die Knie umschlungen, es war später Nachmittag, ein Wind spielte mit Kleid und Haar. „Meine Heimat? Ist es denn meine Heimat? Ich sehe sie heute zum erstenmal. Ich bin nicht einmal hier geboren, lind doch mein« Heimat? Ja, mein Fleisch und mein Blut ist von hier..." Als es dämmerig wurde, stand die Dame auf, ging eilig den Weg zur Station und fragte einen herumstehenden alten Mann nach dem Bauern Markussen. Er wies ihr den Weg, und sie hörte ihm zu, als würde sie einer großen Ehre gewürdigt. Diese ruhige Stimme, das dichte weihe Haar, diese Art, wie er die Pfeife vom Munde nahm... Ruhe und Kraft, die sie mit Stolz ans ihre Heimat erfüllte.— Ilm zu dem Hause des Bauern zu gelangen, brauchte sie nicht durch den Flecken zu gehen, sie nahm den Wbg zwischen Weiden und Eisenbahndamm. Eine flatternde Krähe, ein fernher bellender Hund, vereinzelte niedrige Häuser in der Fern«, selbst- bewußtes Ausruhen der Arbeit und Frieden. In kurzer Entfernung sah sie einen Wagen herankommen, der Bauer oben, wohlhabend gelleidet, ließ die Peitsche sacht auf den Rücken des Pferdes wippen. Offenbar wollte er zu Besuch ans einen anderen Hof oder zur Geselligkeit in ein Gasthaus. Er trug den runden Hut ein wenig aus der Stirn gerückt, und die Dam«, aus lauter Vergnügen und Freude an diesem kräftigen, wenngleich be- jährten Mann, beschloß, ihre Frage nach dem rechten Weg zu wieder- holen. „Markussen?" sagte er,„dat bin ich." Die Dance wurde ganz blaß. Die letzte Helle des Abends be- leuchtete ihr in Lächeln erstarrtes Gesicht. „Würden Sie nicht einmal heruntersteigen?" fragte sie, bittend und heiser. Der Bauer kletterte gehorsam vom Bock. Von unten her sah sie ihm mit dem großen blauen Blick ins Gesicht. Wie schön er ist, welche Kraft. Sie war dunkelrot bis ans blonde Haar. „Ich bin Ihre Tochte", sagte sie. Bewegungslos stand der Mann, sah ihr steif in die Augen. „Wat?" fragte er dann. „Meine Mutter heißt mit Mädchennamen Christine Voß", sagte die Dame. Der Bauer tat einen Schritt rückwärts,»och einen— so daß er ein? Stütze am Wagenrad fand. Unwillktfrlich setzte er sich auf das Rad. Die Dome sah sein vorher braunrotes breites Gesicht wie im Augenblick eingefallen. Seine Augen gingen in ihren Augen herum. Dann hefteten sie sich an einen Punkt irgendwo in der Ferne. Meine Augen... dachte die Dame. „Freuen Sie sich nicht, daß ich gekommen bin?" srcigte sie.„Ich bin gekommen, weil ich Ihnen eine Freude d.�init machen wollte." Der gute Blick, mit dem sie ihn ansah, nahm dem Bauer jeden Argwohn, daß sie einen Vorwurf gegen ihn aufgespart hielte. „Wollen Sie nicht mit mir nach Hause fahren?" fragte er. Sie sah ihn nur an. Dann machte sie sich ans Aufsteigen. Aber ihre Kleidung war für solche Bemühungen nicht gemacht, ersichtlich wußte sie nicht, wie sie hinaufkommen sollte. Der Vater, der für einen Augenblick die schlanken angespannten Glieder betrachtet hatte, machte sich am Rad zu schassen. „Willst du mir nicht helfen?" fragte sie. Da hob er sie hinauf. &aul&.Schmidi:!/• Siim(50.(jeburtsiage Als der Architekt Gontard starb, am 23. September 1791. war der Klassizismus seiner Schüler und Nachfolger, der Gentz,. Langhans und Gilly in siegreichem Vordringen. Er selber hotte schon in seiner Jugend etwas von dem strengeren Geist« gespürt, der seit der Mitte des 18. Jahrhunderts durch die europäische Baukunst zu wehen begann. Am 13. Januar 1731 in Mannheim geboren, hatte Gontard 1750 bei Blondel in Paris das Aufkeimen des Klassi- zismus miterlebt. Wer er selbst war seiner ganzen Natur nach Vertreter der älteren, der zur Neige gehenden Richtung des froh und schwungvoll bewegten Barock: seine Hauptwerke beweisen es alle: die Eremitage in Bayreuth, die Communs im Neuen Palais und das chinesische Techaus im Park von Sanssouci, die Spittel- und Königskolonnaden in Verlin. Und wenn er an den beiden Türmen des Gendarmenmarktes, seinem schönsten und berühmtesten Werk, mit den Tempeljassaden und Säulenstellungen unter den Kuppeln stärler an klassizistische Allüren erinnert, so mag man dabei wohl an seine Lehre bei Blondel denken: als Ganzes ober sind auch diese merkwürdigen Vorsatzbauten barocken Geistes, nämlich eine prächtige aber inhaltlose Dekoration,«ine architektonische Geste voller liebenswürdiger Heuchelei. Denn in ihnen gibt es kein« Zweckräumc, sie sind den vorher entstandenen kleinen Zwillingskirchen lediglich als Vorhallen vorgesetzt, und wenn sie mit ihren gewaltig empor- strebenden, das Stadtbild Berlins so pompös bereicliernden Kuppeln die eigentlichen Kirchen so ganz in den Schatten stellen und beinah« unsichtbar machen, so liegt in dieser Verkehrung baulicher Funk- tioncn eine durchaus barocke und ganz und gar nicht klassizistisch- moderne Gesinung. Sie beweisen aber, daß Karl v. Gontard wohl nur eines andern Bauherrn bedurft hätte, um zum Vorläufer der reinen Klassizistcn zu werden. Seine reiche und schmiegsame Begabung stand im Dienste eines Herrschers, der in all seinen künstlerischen Neigungen ebenso undeutsch wie rückständig war. Friedrich kl. übernahm Gontard von seiner Schwester, der Markgräsin Wilhcliuine: schon bei dieser hatte er sich in Bayreuth im wesentlichen in den heller- prunkvollen Dekorationslmuten des Schlosses und der Eremitage versucht. In Potsdam, wohin er 1764 berufen wurde, fand er ähnliche Aufgaben vor: die Eonununs hinter der langen Front des Neuen Palais sind mit ihrer großartig leeren Säulenkolonnade, ebenso wie die reizenden im Park verstreuten Antiken-, Freund- schafts- und China-Tempelchen zweckbefreite Kulissen von einer sorglosen Beschwingiheit, die ihre Bestimimmg vollkommen aus der Rokokogesiiinung Friedrichs erhielt. Des Königs Geschmack war nicht dem Modernen zugewandt, sondern der barocken Vergangenheit. Darum hatte er sich niit Knobelsdorfs entzweit, der emsthaster und gerader dachte, und darinn war ihm das gefällige Barocktalent Gontards so überaus willkommen. Man möchte nicht sagen, daß er es mißbraucht l>abe. Alles, was Gontard für ihn baute(und erst reckt, was er für Private schuf), ist künstlerisch von hnchslem Reiz. so daß mir es als wahre Bereicherung der Residenzen und der Bau- traditiou empfinden. Vielleicht aber hätte er unter einem moderneren Bauherrn, der nicht bloß auf den dekorativen Prunk seiner Schöpfungen sah, eine segensreichere und wahrhaftigere Tätigkett Als sie oben waren, sagte sie: „Bitte, fahre recht langsam, ich mochte recht viel sehen.— Da wolltest wohl gerode zu Besuch bei Bekannten?" „Ja" „Wie schön alles hier ist. Das hübsche Pferd. Wie heißt es?" „Stine." „Stine?" „Ja." „Hast du ein tüchtiges Stück Bauerngut?" „O ja." Nach einer Pause schluckte er. Er fragte: „Und wie geht es ihr?"> Sie verstand ihn falsch. ,.O, mir geht es gut. Ich habe das Glück gehabt, vom Film entdeckt zu iverdcn. Dabei verdient man viel Geld." „Nein, ihr—?" „Seitdem geht es Mutter auch gut. Weiht du, daß Bater lange ohne Stellung war? Nein, du hast ja so lange nichts von uns gehört Damals n>ar«n wir alle schrecklich in Not. Wir wußten nicht, was aus den kleinen Geschwistern werden sollte. Vater war sehr verbittert. Am meisten aber l)atte ich zu leiden, weil Mutter mich ja mit in die Ehe gebracht... Zlch so..." Sie wurde rot, wußte nichts zu jagen. Der Bauer sagte auch nichts.— Das ist mein« Tochter, dachte er, der Donner, ein feines Mädchen, böse ist sie mir nicht wegen ihrer Mutter. Es wir ganz dunkel geworden, als der Wagen langsam ins Gehöft einbog. Der Hofhund bellte. Irgendwoher murrte eine Kuh.— Als sie, auf seine Schulter gestützt, herabgestiegen war, hielt sie die starken Finger fest in ihrer Hand, und als sie so zu- lammen das Haus betraten, suhlte sie sich neben ihm wie eine Braut. Die Wirts chaftssrau machte riesenruude Augen: der Bauer ließ sie in der Küche das Abendbrot zubereite», aber in die gute Stube trug er es selbst, einen Krug mit Milch, weißes und dunkles Brot, Käse, Schinken und gelbe Butter. Sie stand am Fenster, atmete, Weiden, Nacht und die ferne See. ,Du mußt lange bei uns bleiben", sagte der Bauer. „Morgen früh reise ich weiter", sie nannte ihm einen Badeort, „ich wollt« nur meine Heimat gesehen habe», und dich." Später verließen sie beide das Haus, er trug eine Laterne und leuchtete nach links und rechts. Vom wolkenschweren tiefen Himinel kam schwaches Li äst. „Hier sind die Ställe... Bis an den Damm hinaus reicht meine Üfteibe... Das Vieh ist unruhig, sie fürchten Gewitter... Komm... Sieh hier, dieser Nußbaum..." Er stand still und sah leine Tochter an. Die Laterne flackerte hin und her und warf Schatten von unten nach oben. Sie sah ihn an.„Komm.." Sie gingen.„Dieser Nußbaum... deine Mutter kennt ihn auch... Wenn sie gut an mich denkt und gut von mir spricht, kannst du ihr nur sagen, ich sitze noch manchmal unter dem Nußbaum und Hab Gedanken an früher." Sie schritten den ganzen Besitz des Bauern ab: er kannte jede» Stein, der im Wege lag.— Am nächsten Bormittag spannte er Stine ein und fuhr seine Tochter zur Kleinbahnstation. Ihr Gesicht, ungepudert, war rosenrot von Sonne und Lust. Der Wagen hielt an der weißrotgestreiften Schranke neben der Station, der Bauer saß oben wie von Erz. Seine Tochter, am Fenster des Abteils, sah zu ihm herüber. Als der Zug sich vom Bahnsteig löste, stand er auf und legte die Peitsche an den Hut. Dann nahm er den Hut vom Kopf und streckte ih» dreimal zur Seite. Nach schwach und winzig sah er das rosenrote Kleid und da« weiße flatternde Tuck).— Die Schranke war in die Höhe gegongen und Stine trottete langsam nach Haus, entfalten können, so wie es später der ethisch fundierte Klassizismus Schinkels vollbracht hat. Man darf bei dieser meist zu wenig beachteten Seite der Gon- tardschen Architektur und der Kunstpslege Friedrichs II. überhaupt etwas nachdrücklicher verweilen, weil sie den ungeheuren Einfluß des Bauherrn offenbart, der letzten Endes stärker ist als das besondere Talent des Künstlers, und das eigentliche Baugesicht der Zeit intensiver bestimmt als alles ander«. Der trübe Anblick der wilhelminischen Acra ist fast ausschließlich von der unglücklichen Phantasie des obersten Bauherrn und seiner Geschmacksdespotie per- ursacht: ebenso wie auf der anderen Seite die erfreuliche und tröst- liche Gegenwart durch die fortgeschrittene Gesinnung der Gewcrk- schasten und gemeinnützigen Baugesellschasten, die sich die modernsten Architekten für ihre großen Gebäude aussuchen. Gontards Bauten hat das Glück, das eigentlich mit dem langen Unglück der Berliner Baugeschichte identisch ist, auch nicht immer gelächelt. Es ist da zu erinnern an den Abbruch seines Oranieu- burger Tors, seiner Spittel- und Köiiigskolouuaden, die eine schnöde Gegenwart zerstört oder versetzt hat. Die Königskolounadcn haben im Kleistpark, halb erdrückt und halb beglückt von der Nachbarscistist des Kathremer-Hochhauses Bruno Pauls noch ein relativ günstiges Slltersheim gefunden: die Spittelkolonnoden werden es hoficutlich. nach dem Borschlag der Bau- und Finanzdirektion, ähnlich gut im Park von Niederschönhausen finden. Gut. daß der Bcrkehrsgötze wenigstens die Anwesenheit d/r Türme auf dem Geiidaniienmarkt erlaubt und den Park von Sanssouci nicht antasten darf, in dem Gontards kostbare Dekorationen die Jahrhunderte übevdaueni. Wie die tPofaunen von Jericho ivirklen Der bekannte englische Archäologe Prof. I. Garstang, der die Ausgrabungen an der Stätte des einstigen Jericho in Palästina geleitet hat, begibt sich wieder au Ort und Stelle, um weitere Forschungen durchzuführen. Aber bereits jetzt glaubt er angeben zu können, wie die Mauern Jerichos tatsächlich umgesallen sind. Nach der biblischen Schilderung waren es nämlich die Posaunen und das Feldgeschrei, die dabei eine wichttge Rolle spielten. Garstang hielt vor seiner Abreise in Liverpool einen Vortrag, i» dem er zunächst betonte, daß er Dutzende von biblischen Stätten ausgegraben habe, aber niemals feststellen konnte, daß die Darstellungen in der Bibel tatsächlich unrichtig gewesen seien. Dies bestätigt sich auch nach seiner Anficht bei der Geschichte des Falles von Jericho.„Nach dem Befund der Grabungen", so führte er aus,„scheint es, als ob die äußere Mauer von den Angreisern unterminiert war. Diese Sprengungen waren also die Ursache ihres Zusammensturzes, und nicht die Posaunen, aber diese wurden während des Falles der Muuern ge- blajcii, und daraus ist die Erzählung zurückzuführen. Es sindei, sich Spuren eines riesigen Feuers: zerborstene Steine, verkohlte Hölzer, Asche und Mengen von Holzkohle. Nach meinen früheren Grabungen ist es sehr wahrscheinlich, daß die Hauptbcfefttgung Jerichos um dos Jahr 1400 v. Ehr. aus zwei parallelen Mauern bestand, von denen die äußere etwa 2 Meter und die innere 3?4 Meter dick waren. Die äußere Umwallung hat von dem Feuer am meisten gelitten und stürzte über den Abhang nach außen herunter. Die innere Mauer ist nur an den Stellen«chatten, wo sie die eigentliche Burg in einer Höhe von 6 Meter umgab." Meosntkgtbe vorbehalte! Verkauf aovelt Vorrat Baelmi 8. Januar AN G E B OTE Inventu r- AU SVE R K AU F Damen-Pullover qjs Original Wien, r»in« Wölls....................••••Stüde(atzt ir Blusen av» rs?n»sidsnsm CrKp« da Ckins od«r loilv 5 de soie........................................... Stüde letzt Damen-Pyjamas 165 moderne Form. .Stüde|«tzt Nachthemden weiss, mit apartem farbigem Besatz..••••••••«••••. Stüde jetzt I95 Grosse Posten Glas-Porzellan-Wirtschaftsartikel Enorm billig! 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Januar, nachmittags 1 Uhr, im Krematorium Baumschu'enweg. Kieiholzstraße 221. Deiitsdier Metallarbeiter Verband Verwaltunrsstelle Berlin Todesanzalgcn Den Mitgltebcrn zur Nachricht, baß unser Kollege, bei Anlchlilger Albert Wegeaer am 2. Januar gestorben ist. Di« Einüscherung finbet Dienstag, ben 18 Januar. IS Uhr, im Krema- rorium Serichistraße statt. v«ii«MIgung Am 5. Januar starb unser Kollege, her Fahrstuhlführer Riebard Reichhelm Die Beerbigung finbet Dienstag, ben 13. Januar, chon 14 Uhr. von ber Leichenhalle bes Heilaubs-Kirch» Hofes in Plötzensee aus statt. Ehre ihrem Andeuten. Reg» Beteiligung wirb erwarteL Die Orisverwaltung. OeoisdieillletalliMtn-VeM Oonnerstog, den 18. Fanaar. abends S1* Ahr, im verbaadshause, £inienfltabe 83/85. Zimmer 28, IV. Branchen- Versammlung alier schnittarheiter und Brbeiterinnen, Stanzer, Presser, Zuschneider Taaesorbnung: X. Die wirtschaftliche Lage. Referent: Kollege Paul Eckert. 2. Branchenangeiegenheiten. 3. Perschtebenes. Ohne Mitgliebsduch lein gutritt. Es ift Pflicht aller Kolleginnen unb Kollegen, zu bieser Versammlung pllnfttich zu erscheinen._ Connerslag. den 15 Fanuac, abb». 7 Ahr, im Fugendhetm bes Oetbanbabanses. Cinieafit. 83 85 1. Portat, 2 Treppen Branchen> Versammlung der schwelBer und schweiBerlnnen Tag esorbnung: L Vortrag/ Die Wirtschaftskrise unb ihre Ursachin. 2. Bericht Uber bie Schweißerprüsungen 3. Versdiiebenes. Ohne Mitgliebsduch fein gutrittl Vollzähliges Eischeinen ist unbedingt notwendig Die Branchenfonserenz Im Januar fällt au». Die Oi teverrraitung. Für ble vielen Beweise herzlicher Tetlnahme beim Hinscheiden unseres lieben Sohne» Herbert sagen wir allen Freunden. Genossen, sowie dem Werbebezirl Prenzlauer Bora ber EAI unseren herzlichsten Familie Th. Hottmann. Von der ReUe znrQckl uSSSSKi Dr. Bakolen Klopsiockslra�e 44. Zarück Dr.ffuskaj MBWUH. BBntsen, Oesdiäftsverlidote aller Art lchnellstens Li>iiiiinsd3>l«!V> Potsdamer Str. 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