BERLIN Zrettag 16. Zanuar 1931 10 Pf. ?lr. 26 B 13 48. Lahrgang Srscheiattißlich außerSvnut«gs. Zugleich Äbendamgabe de«.VvnrSrtt'. Bezugsrreis deide AuSzaben SSPf. pro Woche. S.60M. pro Monat. Redaktion und Lrredition; BcrliiiSWes.Lindenstr.ö SfiaJauJtfaäe x/ei AuzeisellpreiC Di« eiuspaltige Nouparelllezei!« SO Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigunzrn Nack) Tarif. Postscheckkonto: BorlrSrts.-Vcrlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bü 297 Das Nest der Mörder Vier Fememörder in einem Haufe Nremu», Iii. Januar. sVigenbeririptr) Ter Toi» des Fememörders Fahlbusch wird immer rätselhafter. Ter Rechtsanwalt des Verstorbenen erklärt, das: Fahlbusch ei« kerngesuuder Mensch war und keinerlei Selbstmordgedanke» hatte. I» diesem Zusammenhang ist die Tatsache wichtig, das: au st er Fahlbusch auch noch die Fememörder Ober- lentnant Schulz, Oberleutnant E«k e r m a n n und Oberleutnant Fuhrmann auf einem Gehöft an dem FlSHchen Hamme in der Nähe Vrenrenö hausen. Sie be- woh»ten dort das Haus eines Bremer nationalistischen 5»anfmannö Weder man», bei dem schon vor Fahren ein großes Waffenlager ausgehoben wurde. Tie Fememörder sind immer reichlich mit Geld ver- sehen gewesen, obwohl sie nicht arbeiteten, und haben sehr off Trinkgelage veranstaltet. Bei der Aufklärung des Falles wird die Staatsan- waltschaft nicht nur die mit Fahlbusch zusammenwohnen- de» drei andere« Fememörder vernehmen, sonder» auf dem eiusam gelegene» Gehöft' auch Tnrchsuchnngen nach Waffeu' vornehmen müssen. Kohlenoxydgas als Todesursache? WTB. teilt mit: Heute wurde die Leiche des früheren Feldwebels August F a h k b u s ch vor dem zuständigen Richter obduziert. Die Leichenöffnung wurde durch zwei Kreisärzte in Gegenwart des ersten Staatsanwalls von Wesermunde vorge- nommen. Die Leiche wies keine äußeren Verletzuugen auf.. Die Obduktion hat vollständig einwandfrei ergeben, daß der Tod durch Kohlenoxydgasvergiftung eingetreten ist. als Fahlbusch in der mit diesen Gosen angefüllten Kaiüttc eines Motorbootes übernachtet hatte. I' Krach im Zieichstagsauefchuß Anstandstehre für die Nazis Die paneuropa-Konferenz. Heute mittag in Genf eröffnet. Genf, 16. Januar. Die zweue europäisch« Konferenz, zu der 27 europäische Minister rmd viele hohe Beamte der 27 europäischen Aiißcinninisterien er- schienen sind, wurde heule vormittag in der großen Akosveranda des Völkcrbundshauies durch den französischen'Außenminister Briand. der von der ersten europäischen Konferenz zum vorläufigen geschastsfuhrenden Präsidenten gewählt worden ist, eröffnet. Vor der Sitzung, die mit großer Verspätung begann, war in den Gängen ein fortwährendes Begrüßen. Man sah, wie Briand spontan auf Dr. i! u r t i u s zutrat und mit ihm einige freundliche Worte wechselte. Weiter beniertte man, wie Dr. Curtius in einem längeren Gespräch init dem italienischen Außen- lninister Grandi verweilte. Um 11.30 Uhr erklärte L r i a n d die Konferenz für eröffnet. In feiner Ansprache wies er zunächst auf die weiter fortgeschrittene Zerrüttung d�er europäischen Wirtschaft Hill, die den verantwortlichen Staatsmännern die Pflicht auferlege, gemeinsam nach Mitteln und Wegen zur Wiederherstellung des gestörten Gleich- gewichts in sturopa zu suchen. Curtius spricht. In der anschliaßenden Aussprache erklärte als erster Redner der deutsche Außenminister Dr. Curtius, es könne nicht sein« Aufgabe fem, die Ausführungen dos Vorsitzenden über die Rotwendig- lest einer europäischen Zusammenarbeit und die Herstellung des furopoijchetj Friedens nochmals zu unterstreichen. Deutschland erstrebe einen gerechten Ausgleich der Interessen aus dem Boden der völligen Gleichberechtigung. Unter der Wirtschaftskrise, auf di« der Vorsitzende näher eingegangen sei, leid« Deutschland in be» sanderem Maß«: 4,1 Millionen Arbeitslose! Deutschland leide unter außerordentlich starken Kapitalmangel und unter einem Kapitalabfluß, für den keine Gegenwerte vorhanden seien. Deutschland sei berechtigt, jeden Weg mitzugehen, um gemeinsam mst anderen Ländern die Wirtschaftskrise zu beheben. Er mein« ebenso wie Briand, daß die jetzige Tagung sich vor allem mit den Maßnahmen beschäftigen müsse, die geeignet seien, einen Ausweg aus der Wirtschaftskrise zu finden. Darum solle die Kon. jerenz zunächst den Vorsitzenden der Wirtschastskonsereuz anhören. Im Ausschuß für den Reichshaushalt kain in der Freitagsitzung in der fortgeführten Aussprache über die Finanzpolitik ose Reichsregierung zunächst der in den Ausschuß neu eingetretene staatsparteiliche Abgeordnete Dr. S t o l p e r zum Wort. Er begann seine theoretisch gehaltene Rede mit dein Hinweis, daß der Staat, das heißt Reich. Länder und Gemeinden zusammen den bei weitem größten Teil des deutschen Vostscintomlnens kontrolliere. Er werfe die Frage auf,, ob es möglich sei, die Verantwortung für das wirt- schostliche Geschehen zu übernehmen, mit einem aus ganz andere!? Verhältnisien stammenden Finanzsystein. Freilich könnte man in den stünuischen Zeiten, in denen sich Deutschland jetzt besiude», nicht an de» nomnndigen großen Umbau des Finna, zgebäudes denken, fmidern man müsse eben versuchen, auf den Wegen weiter zu kommen, die der Ncichsfinanzinimster Dietrich gewiesen habe. Man müsse«inH sein, den Etat durch noch weitere Abstriche zu sanieren, vor all«!» auch einig in dein Bestreben, zur'Abwehr des herrschenden- allgemeinen Mißtranens und Pessimismus, der die Lage nur noch verschlimmere.■ Der dann> zu- Wort kommende»atioualsozialistischc Abg. Alb recht knüpfte an«ine Bemerkung, die der Abg. Hergt(Dnat.f gestern am Schlüsse seiner Rede gemacht hatte. Er führte ans, das, was 12 Jahre lang in Deutichland regiert habe, habe mit dein Wohle des Vaterlandes überhaupt nichts zu tun. Man habe das Volk belogen und betrogen. Der Vorsitz eude griss hier ein und ersuchte den Redner in schärfster Form, in seinen Ausführungen sachlich zu bleiben, große Parteien nicht schwer zu beleidigen und nicht persönlich verletzend zu sein, wie er c» dein Abg. Müller-F ranken gegenüber mit Absicht geworden sei. So stürmische Verhandlnnge» im Ausschuh auch schon im Lause der bahre gepflogen seien, habe er noch niemals notwendig gehabt, von Ordnungsmaßnohmen Gebrauch zu machen. Ivenn die Mitglieder der Rationalsozialistischen Partei indessen beabsichtigen, in der von dem Abg. Albrechl angeschlagenen Tonart hier weiter zu verhandeln, so würde er ungern, aber rücksichtslos alle ihm zur Verfügung flehenden Mittel zur Anwendung bringen. Für diejenigen Mitglieder, die die Geschäftsordnung vielleicht nicht genau kennen, bemerke er. daß alle dem Präsidenten für die Verhandlungen im Plenum zustehenden Befugnisse sinngemäß dem Ausschußvorsihcnden für die Ausschußberatungen zustehen. Gymnastischer Ausbildungskursus für das dritte Neich (Zuerst eingeführt von der Vollspartei in Braunschweig) Der nztionalsozialistijche Redner trat sofort einen Rückzug an, indem er ausführte, sie seien eben diese Art der Rede von ihren Volksversammlungen her gewohnt, aber sie würde» sich schon»och abschleifen. Er hielt daraus ein: Stunde lang eine sachliche Rede, die aus den Ton gestimmt war, daß. solange eine Regierung, nicht die Frage der Reparationen in den Vordergrund stelle imd sie als Hauptpunkt betrachte, sie wie alle vorhergehenden in den Abgrund schliddern würde. Alle diejenige», die den Aoung-Plan unterschrieben haben, würden sioz vor dem kommeichen Staatsgerichtshof zu verantworten haben. Denn-s müsse nuik eichlich Schluß mit den Tributzahlnngcn gemacht werden. Der Minister sei niit seiner Politik ideell gescheitert und materiell ban.kero.rk geworden.„Treten Sie ab, Herr Minister, so schnell als möglich, jeder Tag länger, den Sie im Aint bleiben, wird d.e Lage von Ihnen und Ihresgleichen vor dem Staatsgerichts- hos. des Dritten Reiches, verschlimmern/' �Kriechen!'' Lorenz gestorben. :Oer prasiSent sies Hochverrats-Senats. Leipzig, IL. Januar. Der Präsident des vierten Strassenats des Reichsgerichts. Lorenz, ist in der Nacht zum Freitag gestorben. Lorenz war der Nachfolger des Präsidenten N i e d n e r in der Leitung des Politischen Strafsenats des Reichsgerichts. Er war Lorsitzender in einer großen Anzahl von wichtigen politischen Prozessen. Sein erster großer Prozeß war der sogenannte Honnefer Kommunistin» Prozeß, sein« Urteile gegen den sogenannten literarischen Hochverrat. den die Komniiinisten begangen haben sollten, waren von eintöniger Harte. Nationalsozialisten wurden dem Senat schon gar nicht erst vorgeführt. Senatsprösident Karl Lorenz wurde 1808 in Berlin geboren. Seine juristische Laufbahn führte ihm bis zum Kammergerichtsrat. 1017 wurde er Reichsgerichtsrat und 1028 Präsident des vierten Strafsenate. Selbstmord aus Verzweiflung. Wieder Tragödie eines arbeitslosen Familienvaters. Die grauenhafte Tragödie eines arbeitslosen Familienvaters hat am Freitag vormittag In Spandau allgemeines Aussehen hervorgerufen. In der Moltkestroße 5 wohnt der ZZ Jahre alte Former S.. der verheiratet und Vater mehrerer Rinder ist. S. teilt da» tos der Abertausende, die seit Monaten ohne Arbeit sind. Ja seinem hause wuchs die Rot von Tag zu Tag und brachte den Mann an den Rand des Wahnsinn». In einem Ansatz geistiger Trübung verließ S. am Freitag vormittag seine Wohnung und irrte auf der Straße umher. Vor den Augen zahlreicher Vassauleu zog er plötzlich an der Ecke der Mollke- und Vismarck- straße sein Taschenmesser hervor und schnitt sich beide Vulsodern auf. Damit nicht genug, brachte er sich auch noch k Messerstiche in die Brust bei. Blutüberströmt brach der Unglückliche zusammen. Vassanten und Polizcibeainle brachten Ihn nach der nächsten Rettungsstelle, wo er Rotverbände erhielt. Iiv Spandauer Rrankevhause konnte er nicht aufgenommen werden,, da alle Rekten mit Grippekranken belegt sind. Ma» brachte S. deshalb nach dem Virchow-Krankenhau». 0b er zn retten fein wird, ist noch fraglich. Ell» Beinhorn in Afrika. Labal. 16. Januar, Die deutsche Fliegerin E l l i Beinhorn ist am Donnerstag nachmittag, von Sevilla kommend, in Rabat gelandet. Damit hat sie Afrika erreicht und wird nun, an der Westküste entlang, ihre Er- pedittonsbasis Bisjao in Portugiesisch-Guinea ansteuern. Die Siri-rfe ist ungefähr 4000 Kilometer lang. Der Weiterflug soll angetreten «erden. Di« Fliegerin hofft, bis Agadir zo gelangen, Aufgebot der Republikaner Riesenkundgebungen gegen Willkür. Weimar, 1K. Januar.(Eigenbericht.) Die von Frick am Donnerstagabend in Apolda verbotene Demonstrationsoerlammlung de« Reichsbanner», die als Gegendemonstration gegen ein« Versammlung der National» sozialisten. in der Abg. Streicher sprechen sollte, gedacht war. hat trotzdem stattgefunden, und zroar aus einem anderen Platz, als ursprünglich vorgesehen war..Es beteiligten sich über 2c>0l)Personen an der Kundgebung. Frick harte zwei Hundert- schaften Polizei nach Apolda geschickt. Die Versammlung oerlies ohne jeden Zwischenfall. An dem Umzug der Nationalsozialisten be- teiligten sich ungefähr 80 Mann. Die Polizei war stärker vertreten als die Teilnehmer der Nationalsozialisten. Die Republikaner schickten nach ihrer Kundgebung eine Abordnung in die Streicher-Versnmni- lung und oerlangten, daß ihnen freier Eintritt und freie Redezeit ge- Doppelehe des Kriegsinvaliden Alex Pageis, der verdienstvolle Kassenführer des Sozialdemokratischen Bezirksverbandes Berlin, kann heute auf ein Vierteljahrhundert ununterbrochener Tätigkeit in seinem verantmortlidien Amtsbereich zurüdcblicken. Unsern Glückwunsch dem Jubilar I währt werden sollte für einen Reichsbannerinann und einen Sozial- Demokraten. Das lehnte Streicher ab— aus Gründen, die dem Mute dieses Apostels des Hakenlreuzlers entsprechen. Massenkundgebung in Weimar. In Weimar fand am Donnerstagabend eine überfüllte Protest- versaninilung statt, die sich mit Fricks Aersammlungsverbot gegen das Reichsbanner in Weimar beschäftigte. Der Re- ferent, Abg. G r ü n d l e r, betonte, daß Frick die Mayr-Dersammlung wahrscheinlich nur deshalb verboten habe, weil er persönlich zu dieser Versammlung eingeladen war und weil sich die Versammlung in der Hauptsache mit der Person des Herrn Frick beschäftigen sollte. Das V»r bo t s e i ungesetzlich gewesen, denn in dem Kommentar der Landesvcrwaltungsordnung werde gesagt, daß in Fällen wie dem vorliegenden die Gegendemonstration der Nazi» oer- boten werden mußte. Die Versammlung war polizeilich über- wacht. Frick l)atte Anweisung gegeben, daß die Polizei sofort ein- schreiten solle, wenn Zwischenrufe aus der Versammlung kommen oder wenn der Referent selbst beleidigende Aeußerungen gebrauchen sollte. Die Versammlung oerlief ohne jede Störung. Gestöhrte Neichsfeier Das Hakenkreuz will die Verfassung schuhen. Der Abgeordnete S t ö h r hat an das Relchsministerium de» Innern folgendes Schreiben gerichtet: „Wir geben Ihnen wunschgemäß die uns übermittelten zehn Eintrittskarten zum Festakt aus Anlaß des KU. Reichsaründungs- tages im Reichstagsgcbäude am Sonntag, dem 18. d. M.. hiermit wieder zurück, da wir nicht beabsichtigen, davon Gebrauch zu machen. Wir müssen es ablehnen, uns an einer Feier zu beteiligen, die von einem Kabinett ausgeht, dem zwei Minister angehören, gegen die den begründeten Vorwurf zu er- heben wir uns gezwungen sehen, daß sie schuldhasterweise die Reichsverfassung verletzten und von denen der eine sogar der eigentliche Träger der ganzen Veranstaltung ist. Es handelt sich, wie Sie wissen, um die Minister G r o e n e r und Dr. W i r t h. Unsere Anträge, diese Herren gemäß Artikel 59 der Reichsverfassung vor dem Staatsgerichtshos für das Deutsche Reich anzuklagen, sind dem Reichstag schon vor längerer Zeit zugegangen" Die Republikaner vom Reichsinnenministerium hätten sich diese Brllskierung ersparen können, wenn sie erstens auf die Veranstaltung zur Erinnerung an die Kaiserreichs-Gründung verzichteten und zweitens die Nazis gar nicht erst eingeladen hätten. Hakenkreuz-Ftegeleien. Linter vem Schuh des Herrn Ministers. Braunschwelg. IS. Januar.(Eigenbericht.) Weil der Rektor der Braunschweigischen Hochschule den Nazistiidenten oerboten hatte, aus einer Reichxgrllndungs» seier in Braunhemden zu erscheinen, hat gegen die Hochschul- lehrer eine wüste Hetze eingesetzt. Als in einer öffentlich«» Versammlung, mit dem für braunschweigische Prllfungsfragen zuständigen Naziminister Franzen als Redner, das Verbot bekanntgegeben wurde, ertönten Zwischenruf« wie„Auemisten! Aufhänzenl usw.". ohne daß der Hakenkreuz mini st er davon abgerückt wäre! An dieser Versammlung nahmen zwölfjährige Schüler in Hitler- Uniform teil. Ein Versuch der Nazistudenten, die gesamten Studentenverbänd« zum Boykott der UnIversitStefeicr zu bewegen, wurde mit den Stimmen der Stahlhelmvsrtreter im Studenteneu-schuß abgelehnt. Mein Gewissen ist rein Eine Doppelehe, unker ganz besonderen Vedlngungeu zustande gekommen, beschäftigte heule morgen da» Schössen. gericht Tharloltenburg. Ein Vollinvalide lernt im Krankenhaus eine Schwester kennen. Spät«? pflegt sie ihn zu Haufe. Die Beziehunzen werden intim. Die Schwester kommt in andere Umstand«. Noch der Geburt eines gesund«� Kindes schwebt sie tagelang zwischen Tod und Leben. Der Kriegsinvalide belauscht ein Gespräch zwischen zwei Kranken- schwestcrn über uneheliche Kinder und Immoralität der heutigen Zeit. Er möchte das Kind gern legalisieren, denn er weiß, wie sehr seine Freundin unter dem illegitimen Verhältnis gelitten hat und im Augenblick noch leidet, �lls der Professor ihm dann sagt. daß der Zustand der Kranken zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gibt, aber hinzufügt, daß es gut wäre, wenn er der Frau etwas Liebes erweise, entschließt er sich schnell zu einer Not» t r a u u n g. Di« Schwester bleibt am Leben. Die neugebackenen Eheleute ziehen zusammen. Der Jnvalidenrentner meldet da» Neu- geborene bei der Dersorgungsbehörd« zwecks Unterstützung an. Di« Behörde stutzt: Der Mann ist doch vrrhelrakel, hat Iran und vier Kinder. Woher das Neugeborene und die ander« Mutter? Ist denn die erste Ehe geschieden? Anfrag« beim Standesamt. Bescheid: D i e Ehe besteht noch Anfrage beim Invalidenrentner. Reu- mütiaes Geständnis. Verfahren wegen Bigamie. Was sagt aber der Invalidenrentner, ein Intelligenter Mann und Schlcsier von Berus?»Ja, ich Hab« wohl Frau und vier Kinder. Der jüngste Junge ist 18 Jahre alt. Bis zuletzt ließ ich meiner Frau Unterstützung zukommen. Seit zwei Jahren sieh« ich mit ihr jedoch in keinerlei Verbindung. Die Ehe war nicht immer glücklich Ich Hab« auch des öfteren mit meiner Frau von einer Scheidung gesprochen. Die Schwester wußte, daß ich ver- heiratet bin. Als sie nach der Nottrauung fragt«, wie hast du das alles so schnell erledigt— sie meinte wohl, wie hast du dich so schnell von deiner Frau scheiden lasten können— da Hab« ich sie beschwichtigt: es ist alles in Ordnung. Sie war zu schwach, um mehr zu fragen. Später lebte sie im Glauben, ich sei geschieden." „Wie haben Sie sich denn das gedacht? Sie hatten also zwei Frauen?" sagt der Vorsitzende.„Wußten Sie nicht, was darauf steht?"„Ja" antwortet der Dollinvalide.„Ich wußte wohl, fünf Jahre Zuchthaus als Höchststrafe, sechs Monate Gefängnis als Min- deststrafe. Strafrechtlich ist das ein Verbrechen, was ich getan habe. Mein Gewissen aber sagt mir. daß ich kein verbrechen begangen habe." „Schön", meint der Vorsitzende,„aber trotzdem.. Ueber„trotz- dem" gab der Sachverständige Dr. Leppmann Aufklärung. Es war doch kein Zufall, daß gerade dieser Mann sich zur Doppelehe ent- schlössen hatte. Vor dem Kriege und während des Krieges litt er an Verwirrungszu ständen und mutzt« mehrfach in Irre», anstalten untergebracht werden. Auch Selbstmordversuche beging er. Jeder seelisch« Konflikt schleudert« ihn aus dem Gleise. So fand er auch diesmal keinen Ausweg au» der schwierigen Situation; er dachte einfach nicht an die Folgen der Nottrauung. Der Staatsanwalt beantragte trotzdem die Mindeststrafe m Höhe von sechs Monaten. Das Gericht verurteilte den Vollinvaliden zu sech» Mo» noten Gefängnis unter Zubilligung einer Bewährung«- f r i st. In der Urteilsbegründung heitzt es unter anderem: Die Tat ist nicht aus landläufigen Motiven begangen, ein Notstind liegt aber nicht vor. Denn selbst wenn die Nottrauung zur Rettung der Krankenschwester erforderlich gewesen wäre, so handelt es sich in diesem Fall« nicht um eine nähere Verwandte, sondern um«ine Konkubine, die nach reichsgerichtlicher Entscheidung nicht als nähere Verwandte zu betrachten ist. Die Tat des Angeklagten fei aber zur Rettung der Schwester gar nicht notwendig gewesen. pilsudski am Pranger Dandervelde rust das Weltgewiffen auf Brüssel, 16. Januar. Der sozialistische„Peuple" veröffentlicht einen Leitartikel Emil Vanderoeldes unter der Ueberschrift:.Die Schrecken von Brest- Lilowsk". Vandervelde prangert die Zustände in Polen, wie sie sich besonders bei den letzten Wahlen in einem namenlosen Terror der ganzen Welt ossenbart haben, an. Er schreibt, daß es sich bei diesen Vorgängen nicht allein um eine Frage der Unter. drückung der Minderheiten handle— dies« Frage werde ja durch men anderen Staat vor dem Völkerbundsrat zur Sprache ge- bracht—, sondern in gleicher Weise um eine Frage des Rechts der Mehrheiten. Nach seiner Rückkehr aus China Hab« er, Van- derveld«, von den Vorgängen in Polen gehört; wohl weise die Ge- schichte der Diktaturen der letzten Zeit manche blutige und schreckliche Seite auf, aber keine, so wag« er zu sagen, sei so schändlich wie die Wahlvorgänge in polen. Es sei einer Regierung, die es noch wage, sich als Vertreter«Ines freien Volkes in Genf vor dem Völkerbundsrat zu gebärden, überlassen, gegen alle Menschenrechte und gegen olle Einrichtungen der Demokratie in einer Weise vorzugehen, wie es Europa seit zehn Jahren nicht erlebt Hab«. Man könne nur ein Wort dafür ver- wenden, und dieses sei: tumperelk Bei den letzten Wahlen seien Exzesse von Brutalität und Sadismus von den ausführen- den Organen Pilfudfkis begangen worden, nur um«inen Wahlerfolg zu erzielen. , Nach einer eingehenden Schilderung dieser Gewaltmaßnahm�i | schreibt Vandervelde zum Schluß, es sei nötig, ohne jede Verzöge- f rund und ohne Einschränkung die volle Wahrheit zu erforschen. Besonders diejenigen Staaten, die die Befreiung Polens vom Zoch ausländischer Mächte mit stiller Sympathie begrüßt haben, dürfen nicht Stillschweige« bewahren zugunsten einer unmenschlichen brutalen Diktatur. Im letzten Satz hebt Vandervelde hervor, daß er mit diesem Artikel im Namen der Sozialistischen Internationale habe sprechen wollen. Dieser Leitartikel Vanderoeldes bildet die Einführung in«ine Broschüre der Enquelekommission der Internationale, die ihre Nach- sorfchungen über die Lage der politischen Gefangenen in einer Veröffentlichung niedergelegt hat, deren Verbreitung in pol- nischer, französischer, englischer und deutscher Sprache bevorsteht. Oaö anvere Brest. Warschan. 16. Januar. Im Haushaktsausschuß des Sejm hat der Innenminister, Ge- neral Sklakowski, die Entsendung einer ilntersuchungskommission angekündigt, um d.« Tätigkeit der Polizei In dem ostpolnischeN L u z k zu prüfen. Man wunderte sich über diese Ankündigung des Ministers, zumal von Luzk ungleich weniger die Red« gewesen ist als von Brest Die Aufklärung gibt ein kommunistischer Antrag. der zwar„aus formellen Gründen" zurückgewiesen wurde, von dem aber die Oppositionspresse sagt, wenn auch nur der zehnte Teil seines Inhalts wahr sei, dann müsse Ungeheuerliches an den Häftlingen in Luzk verbrochen worden sein! pilsudski vermißt seinen Eäbel. Warschau. 16. Januar.(Ost-Cxpreß.) Von Madeira, wo sich Pilsudski von der Marterung seiner Opfer und der Knechtung seines Volkes erholt, ist der polnischen Botschaft In Pari» die Nachricht zugegangen, daß dem Marschall Pilsudski während der Durchreise durch Frankreich sein Säbel abhanden gekommen ist. Die Botschaft wurde beauftragt, nach dem Säbel suchen zu lassen. Aus ihre Anfrage bei den sronzösischen(Eisen- bahnb« Hörden erhiell sie die Antwort, daß Pilsudski in einem pol- Nischen E senbahnwagen durch Frankreich gereist ist und datz dieser Wagen sich jetzt in Bordeaux befindet. Da der Wagen plom- biert ist und polnisches Staatseigentum darstellt, so hält sich die französische Cisenbahnbehörd« nicht für berechtigt, den Wagen öffnen und dort nach dein verschwundenen Säbel suchen zu lassen. in der Wirtschastspartei, betonte er, feien bereits bei der Wahl des Reichstagspräsidenten aufgetreten Seiner Meinung nach sollten Differenzen in der Führung innerhalb der Partei aus- getragen werden. Die Gegenseite aber habe der Linkspresse Material gegen ihn in die Hände geliefert, das gewaltig aufgebauscht worden sei. Nur das Bestreben, die Beschlüsse der Parteiinstanzen abzu- warten, habe ihn bisher daran verhindert, die Sache der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Nachdem aber das Ehrengericht einmütig Herrn Eolosser ausgeschlossen habe, sei der Weg zur gerichtlichen Austragung frei. Krakeel der Spießer. Orewih vroht mit dem Staatsanwalt. Zena, 16. Januar. In einer öffentlichen Versammlung der Wirtschaftspartei sprach gestern abend der Abg. Drewitz über den in der Wirtschaftspartei herrschenden Konflikt. Die Meinungsoerschiedenheiteu Oer Ausstand in Durma. Roch nicht erloschen. London. 16. Januar. Aufftändische in Burma überfielen zwei Dörfer und brannten sie nieder, weil die Einwohner der Regierung treu ge- blieben waren. Viele Dorfbewohner wurden getötet, oer- wundet oder weggeschleppt. Englische Militärpolizei hat die Ver» s o l g u n g der Aufständischen aufgenommen. � Der Führer der Burma-Rebellen. der sich zum König von Burma machen wollt«, ist nach englischen Meldungen verhaftet worden. Kampfiag in Bombay. Bomba?. 16. Januar Im Hinblick auf den Versuch der Kongreßpartei, heute als Protest gegen die in Poona erfolgten Hinrichtungen alle Be- triebe und den Verkehr stillzulegen, ist die ganze Polizei, lnsgesomt 5000 Mann, in Alarmbereitschäft. Der Polizei ist autzer- � dem Militär zugeteilt worden. ! Von 80 Baumwollspinnereien arbeiten nur 12, da 100 000 Ar- j beiter streiken. Siädichen im Ounkew. Protest gegen hosse Strompreise in Zossen. Daß bei einem elektrischen Strompreis von 60P f. pro Kilo- w a t t den Ladeninhabern, von denen man energssch Abbau der Preise sondert, die Galle übergeht und sie den Streik und Boykott propagieren, kann nicht wundernehmen. Das Zossener Elektrizitätswerk ist in der Lage, den genannten Preis ihren Abnehmern vorschreiben zu können— ob noch aus lange Zeit—, dos ist die Frage, um die es sich bei der gegenwärtigen Zossener„Bewe- gung" handelt. Die Ladenbesitzer haben beschlossen, von der elektrischen Beleuchtung den denkbar geringsten Verbrauch zu machen und daher die„Reklamebeleuchtung" eingestellt. Wo früher das Abendlicht die Käufer anlockte, brennt jetzt«ine Flamme, und die Hauptstraßen sehen aus, als ob man immer vor feindlichen Fliegern sich schützen müsse. Die Ladenbesitzer haben sich auch an das private Publikum gewandt und es aufgefordert—„noch mehr als bislzer" mit Licht zu sparen. Waffensuche in einem Ledigenheim. Am heutigen Freitagmorgen fand in dem Ledigenheim „B o l k s h o t e l A.- G." in der D a n ck e l m a n n st r a ß e 47 in Charlottenburg eine unerwartete Waffensuche aus Veranlassung der Abteilung I A durch Kriminalpolizei und Schupobeamte statt. Da, Ledigenheim beherbergt Unverheiratete aller Altersklassen und aller Parteien. Ende vorigen Jahres waren mehrmals Un- ruhen in dem Heim vorgekommen, und bei dieser Gelegenheit äußerten namentlich die jüngeren Elemente dem Hausverwalter gegemibe- wiederholt, sie würden eines Tages„die Bude mit Hand- granaten ausräuchern". Da auch später ähnliche Aeußerungen fielen, wurde die Polizei benachrichtigt, die heute morgen unvermutet die Durchsuchung vornahm. Eine Anzahl Personen wurde ins Polizeipräsidium gebracht. Franz Kotzkel Das politische Propagandastück piscatorbühne:„Tai �ang erwacht". Piscator polemisierte, erklärte und rühmte gegen die alten und gesinniingsschwachen Krämer mit drainaturgischer Fabrikware:„Wir. d. h. ich, der entschiedene Regisseur und mein Dramatiker Fried' rich Wolf, wir haben mit unserem Gedankenkapital ein« sowjeti- stische Theater-G. m. b. fj. gebildet. Wir sind also verantwortlich, soweit wir wollen, ich, der Regisseur, und Wolf, der Dramatiker. Wir wollen„das psychologiedurchwachsene Gesellschaftsdrama der bürgerlichen Welt" wegschaffen und den verwesenden Leichnam durch das lebendige„politische Theater" ersetzen." Piscator und Wolf machen das Stück gemeinsam. Es gelingt ihnen vollkommen, was sie wollen. Sie statten den Zuschauerraum mit Plakaten aus, die über alle Rangbrüstungen hängen. Sie plakatieren:„Wir sind sowsetrussisch ohne Kompromiß. Ihr werdet es sehen, sobald der Vorhang aufgeht!" Der Vorhang geht aber nicht auf. Sobald wir in den Bühnen- gucktasten blicken, sehen wir die offenen Theatergarderoben. Dort kommen die Schauspieler zusammen, um sich für die Aufführung an- zukleiden und zu schminken. Sie reden, als wenn noch niemaird im Theater sähe, unter sich und über das, was sie spielen werden. Da» heißt: sie diskutieren ihren Stoff, einen chinesischen Revolutionsstoff. einen an sich exotischen Ideenkreis, von dem sie Parallelen zu unseren deutschen Röten ziehen. Die drüben im fernen Osten werden vom Imperialismus hunderttausendfach geschunden, umgebracht und um die nationale Freiheit betrogen, sie werden ausgeliefert an das Kapital der angelsächsischen Mächte. Ihr versteht doch, wie die Welt klein wurde, da auch bei uns an der Spree und am Rhein, an der Ruhr die Proletariernöte am laufenden Band fabriziert wird. Die Frag«, ob nun Goebbels in Berlin seine Mäusekavalleristen ad- kommandieren wird, um in den nächsten Tagen diese gewiß nötige und ernsthaste Diskussion zu stören, wird aufgeworfen und als grimmiger Witz von den inzwischen Platz nehmenden Zuschauern gebührend belacht. Dann stellt die Bühne ein« Ehlnesenhütte vor. x$ie gelbe Proletancrmutter mit den beiden Töchtern Tai und Ma hockt auf dem Boden. Tai ist 18 Jahre, Ma 12 Jahr«. Sie sind Fabrik- arbeiterinnen, erbärmlich bezahlt und viehisch behandelt von Tschuh Fu. dem Landsmann und Millionär. Tschuh Fu holt die hübschesten Proletanerinnen zu sich ins Prioatkontor und dann--- Diese Gemeinheit erörtern die Kostgänger der Alten, der Hafenarbeiter, in dessen Kopf das ganze Klasienkampfprogramm parat ist. der Dauer, der fein Programm instinktiv herstammelt,«ine Urgroßtant«, «in« Art Volksprojchetin. die tmrch ihre Schlichtheit und Ehrwürdig- lest alle cherzen gewinnt, schließlich der Gewerkschaftsführer, der als ein allzu bedachter und zaghafter Mann entlarvt und lächerlich ge- macht werden soll. Die zwölfjährige Ma will weg von der Seidenfadenwäscherei. wo ihr das kochende Wasser die Hände ekelhaft verbrennt. Kann sie weg. dann nur durch das. Prioatkontor Tschuh Fus, neben dem auch die Schlafftube de» Ausbeuters liegt. Da springt die Sckwasier Tai auf:„Ich werde mich opfern, damit es der kleinen Ma und euch allen besser geht, und ich werde euch Angenehmeres verschaffen als ranzigen Reis und oerfaulten Salzfisch." Tai opfert sich, sie wird akzeptiert, da sie hübsch ist. Tschuh Fu, der seine Mädels am Webstuhl greulich malträtiert, wird weich vor Tai, er wird leider noch weicher vor den Pankees, die ibn durch Boykostdrohung zum Verschachern seiner Fabrik, der größten von Schanghai, nötigen. Umsonst, daß ihn Hung Ming. einstmals der Freund Suniaffens. setzt Chinas reinste Seele und Verteidiger des gewaltlosen Patriotismus, ins Gewissen redet. So kommt, was be- fürchtet wird. Die Kulis und 100 000 Proletarierinnen revoltieren. Sie wollen die ausländischen Kapitasisten und Imperialisten au» dem Lande haben. Sie wollen Rache an dem Landmann und Millionär, der ihr Land und ihre Arbeitskraft den angelsächsischen Imperalisten verkauft. Zwei Fronten sind da, immer nur diese beiden Fronten: Proletarier gegen Imperialisten. Die junge Tai, der die Villa und das Auto und das sonstige Zubehör der Lady«ine Weil« gefallen, steht noch unschlüssig zwischen den Fronten. Dann, als die Ihrigen geköpft oder niedergeknallt werden, als der weise Hung Ming aus Verzweiflung Selbstmord begeht, erkennt sie ihre Pflicht. Sie er- wacht und schlägt sich tapfer zu den Klassenkämpfern. Sie organisiert den Proletarierausstand. Frei ist die Bahn für die Märtyrer, die mit sowjetistischem Bekenntnis den Kopf hinhalten. Die Besten fallen. Roch scheint es, als wenn die imperialistischen Bestien triumphieren sollen. Aber kein Zweifel: aus dem Proletarierblut wird das Geschlecht der Zukunft erstehen. Das Licht kommt vom Osten, die ganze Welt, auch Deutschland, wird es spüren. Die Plakat«, die über die Bübne getragen werden, klagen die Vergangenheit an, sie preisen die Zukunft. Diese Plakate sind die Hauptdekoratlon. Sie sind Piscators eigene Erfindung, und er hat sich durch Mittellung an sämtlich« Berliner Bürgerblätter diese Re- gisseurserfindung selber patentiert. So ist er sicher, daß ihm nie- mand seinen Ruhm bestreiten kann. Wenn das Hörspiel und Lehr- spiel abgehandelt wird, werden immer neue Plakate herangefchleppt und geschwenkt. Diese Ncuerunq bringt zunächst Leben auf die Böhne. Bald kennt man den Trick und ist nach einer halben Stunde übersättigt. Aber die Worte des Dick'�stonsstückes! Geredet wird ein ber- linerndes Sowjetzellendeuffch. Getrommelt werden die Phrasen der Moskauer Ideologie. All dieser Schwung und Rebfftrom. der m Dolksverfammlungen unter Dach oder freiem Himmel mitreißt, ver- pufft, da er von Komödianten produziert wird. Denn d'efe braven Schauspieler wissen kaum von dem, was sie deklamieren. Sie müssen sich schminken und beschmieren, um Ihre Kulissenreißerei zu betreiben. Sie wenden gezwungen, Ausschreier zu sein. Sie sind unglücklich, da sie sich heiser brüllen müssen und immer nur den nümlicken Text monoton zu wiederholen haben. Alles das Gerede und Geschrei« kann in der Volksversammlung packen. Wer in Reih und Glied des Revolutionetrupps mitmarschiert, dem kann dieser Lärm bis ins kleinste Blutkörperchen gehen, da der Nachbar am Nachbarn da» Innere Feuer fühlt und selber Funken fängt. Tarnend, hunderttausend Menschen entzünden sich aneinander, wenn die Wirklichkell auf» peiffchend und lebenegefährlicb um ste tobt. Do:b dieser Abklatsch der Wirtlichkeit, dieser tragsche Schauspieler-, Regisseur- und Bühnen- malertrick macht nur schloff und müde. Man ist betrübt, da man merkt, daß Piecator gar nickt» mehr kann. Er predigt nur noch, er prustet und poltert nur noch So borniert wegen der einzigen und gröbsten Propagandawirkungen alle anderen Wirkungen des Tbeaters befestigen, dos ist Vluff, wenn man den Erfinder bö�wilbg ansieht, das ist absolute Verdummung des Thocrtermanncs Piscator, wenn man ihn wohlwollend beurteilen will. Die fetzt im Schatten und im Schoß Pi-cators unterkriechenden ..Mitglieder der Jungen Volksbühne", d'efes da» Heldentum der Langeweil« glanzvoll ertragende Häuflein der Ge- | treuen, sie wollen nur dieses Theater und hissen Piecator, und«x j kriecht ihnen überall hinein, wo ste wünschen. Und es ergötzen sich ; mit ihnen die Snobs, die sich nach der Vorstellung hei ganz anderen Vergnügungen erholen dürfen, während die heldenhaften und be- doiiernsWerten Proletarier verurteilt sind, in die Aermlichkeit ihrer Wohnung und in das finstere Schicksal ihres Stemplerdafsins zurück- zukehren. Hocheiorf. Am Donnerstag verstarb in der Charste unser Genosse Franz Kotzte, Gauleiter im Deutschen Textilarbeiter- verband. Zwei Jahre nach der Gründung des Verbandes trat ihm der am 2. Juni 1858 in Berlin geborene Teppichweber Franz K o tz k e bei und stellte ihm seine ganze Kraft als Funktionär zur Verfügung, Im Jahre 1906 wurde er als Gauleiter des Verbandes für den Bezirk Berlin-Brandenburg bestellt. Auch in der Sozialdemokratischen Partei stellt« Kotzke seinen Mann. Die Partei übertrug ihm ein Stadtverordneten- Mandat in Berlin, das er von 1903 bis 1909 innehaU«. Im Jahr« 1900 wurde er als Delegierter zum Internationalen Sozialistenkongreß nach Paris entsandt. Der Wahlkreis Frankfurt an der Oder wählte Franz Kotzke im Jahre 1920 in den Reichstag, dem er mit kurzen Unterbrechungen bis 1929 angehörte. Als Mitglied des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags hatte er besonder» Gelegenhest, seine reichen Ersahrungen im Interesse der Arbeiterschaft zu verwerten. Die Verdiensl« des Verstorbenen in ihrer ganzen Bedeutung zu würdigen, ist nur dann möglich, wenn man den außerovdentlich stei- nigen Boden kennt, den zu beackern Franz Kotzke sich zur Ausgabe gestellt hatte. Wenn die Sozialdemokratie wie auch die Gewerk- schaftcbewegung In der Provinz Brandenburg und dar- über hinaus heute eine achtunggeb'.etende Macht ist, dann hat Franz Kotzke fein gut Teil an dieser Machtstellung beigetragen. Die Sozioldemokrati« wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Montag, dem 19. Januar, nachmittags 2.30 Uhr, von der Halle des Friedhofs ip Baumfchulenweg, Kief- holzstraße, statt._ Agrarische Giudenien. Sie demonstrieren gegen Rektor und Minister. Der Deuffche Studentenverband teilt mit: An der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin soll im Wintersemester 1930/31 aus Anlaß des SOsährigen Bestehens der Hochschule eine große Feier veranstaltet werden. Der Rektor A e r e b o e wollt« zu dem geplanten Fest- essen die Vertreter aller an der Hochschule bestehenden Organifa. tionen hinzuziehen. Er benachrichtigte alle Gruppen von seiner Absicht und bat dech Borsitzenden der Allgemeinen Studentenvereini- gung, die sich stolz als Mitglied der Deutschen Studentenschaft bezeichnet, eine Besprechung mit den übrigen Gruppen herbeizu- führen. Hierauf erlaubte sich der Astavorsitzende folgendes: In einem Schreiben an den Rektor machte er die Teilnahme an der Feier von der Wiedererlangung der staatlichen An- «rkennung abhängig. Die Allgemeine Studentenvcreinigung. an deren Wahlen im W.-S. 30 sich genau SO Proz. der Studierenden beteiligt hotten, soll wieder die Vertreterin oller Studierenden werden und zu ihrer Amtsausübung Räume in der Hochschule zur freien Benutzung erhalten. Der Rektor leitete den Brief pflichtgemäß an das zuständige Ministerium weiter und bat den Astavorsitzenden noch einmal, an der Feier teilzunehmen. Die Allgemeine Studentenoereinigung faßt« auf ihrer Bersamm- lung den Beschluß, Ihre Bedingung aufrechtzuerhalten und der Feier fernzblelhen. Um aber zu zeigen, daß sich ihr Kamps nur gegen den Staat richtet, will sie noch in diesem Semester von sich aus einen Kommers veranstalten und dazu alle Prosessoren einladen, um gegen das Ministerium zu demon- ftrieren! Dieser Festkommers soll am 1. Februar stattfinden. Wenn man auch schon daran gewöhnt ist, daß die Deutsche Studentenschaft ihre Hauptaufgabe darin sieht, gegen den bestehenden Staat zu wühlen, so berührt ihr Vorgehen doch um so eigenartiger, als zu dieser Ber- enstallung Professoren hinzugezogen werden sollen. Man wird in der Zukunft nicht allein diese„Allgemeine Studentenvereinigung", fondern auch all die Professoren, die an dieser Demonstration gegen den Staat teilnehmen, im Auge behalten müssen. Oer„ZMl Bundhund" erlediai. Die Klagesache des Landesarbeitsamts gegen den Autor des Arbeitslosenromans„Der Fall Bundhund", Bruno Relliffen Haken, wurde vor dem Hamburger Arbeitsgericht durch Vergleich beigelegt. Haken erklärte, daß er in den Figuren seines Buches nur Typen aus seinem bisherigen Arbeitsgebiet habe zeichnen wollen, ohne bestimmt« Persönlichkeiten zu treffen. Da» Amt nahm dies« Er- klärunz entge-ien und oerpflichtet« sich, den Autor des Romans, der fristlos entlassen war, ein endgültiges Zeugnis auszustellen und ihm fein Gehalt bis Jahresschluß 1930 nachzuzahlen. Oas Abkommen im Waliser Bergbau London, 16. Januar. Das Abkommen im Waliser Kohlenbergbau, das noch der Genehmigung durch die' am 17. Januar in Cardiff zusammen- tretend« Delegiertenkonferenz bedarj. sieht vor. daß die Arbeit zu den im November gültigen Lohnsätzen wieder aufgenommen wird. Die Arbeitszeit unter Tage beträgt 711 Stunden an jedem Wochen- tag. Das Abkommen läuft nach�spätestens drei Jahren ab. Wird das Abkommen am«onnabend genehmigt, so werden am Montag etwa 170 000 Bergleute die Arbeit wieder ausnehmen. »Feinde der Schule". In dem Auffatz im heutigen„vorwärts" mit dieser Ueberfchrist muß es�im vorletzten Absatz richtig heißen: Auf den 50 Berliner weltlichen Schulen wird ein nicht geringer Pro- zentsatz Kinder kommunistischer Eltern(nicht„Lehrer", wie zu lesen steht!) unterrichtet. Alberi-Tt-emann-Zeker. Anläßlich des hundertsten Geburtstages Albert Niemanns, des berühmten Opernsängers und langjährigen Mitglieds des einst könig- liche» Opernhauses Unter den Linden, fand gestern im Museum der Staatstheater vor einem kleinen Kreis geladener Gäste eine eindrucksvolle Feier statt. Da» Thema der Deranstallung „Albert Riemann und seine Zeit" wurde durch die zahl- reichen Bilder, Theaterrequisiten, Schriften. Reliquien illustriert, die der stille Raum aus den Zeiten einer glanzvollen, erloschenen Theateroergangenhelt aufbewahrt. Nach einer kurzen musikalischen Einleitung entwarf Georg Dröscher, der ehemalige Oberregisseur der Oper, ein lebensvolles Bild von der Person und dem Wirken des Künstlers Albert Niemann, der als erster und größter Darsteller der Heldengestalten Wagners der Welt und Nachwelt«in vollendetes Vorbild des neuen Stils gegeben hat, wie Ihn das Wagnerfche Musik- drama von der Opernbühne forderte. Die Ausführungen des Redners ergänzte der Sohn Albert Niemanns, der in der Ver- anftaltung dieser Gedenkfeier zugleich ein Bekenntnis der Berliner Oper zur Tradition erblickte. Die Feier klang in einem kurzen Dankeswort des Generalintendanten Tietjen aus. Volkskunst und Höhenkunst. Die„Sozialistischen Monatshefte brachten Im Dezemberheft einen längeren Artikel„Cofima Wagners Ringen um den Parfifalfchutz" von Fritz Kunert. Es werden darin zwei Briefe von Cosima Wagner an unseren Genossen Kunert und seine Antworten behandelt. Der zweite Wagner-Brief, der von dokumen- tarischem Wert ist, wird wörtlich dargeboten. Der Briefwechsel fällt In die Zeit der Reichstagsberatungen des Urheberrechtes von 1901. Cosima Wagner kam»s vor allem. ja einzig und allein auf den Schutz des Buhnenweihfestspielss Parsisal an. Sie erstrebte diesen Schutz unter Lerzichtleistung aus die Erträgnisse der verlängerten Schutzsrist. In dem zweiten bedeutsamen Schreiben gab sie hierzu«ine sehr eingehende, höchst geistvolle Begründung.— Kunert stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, daß der gewünschte Schutz«in Monopol für die Familie Wagner einschließe, und zwar für ganz unbeschränkte Zeit. Er bedauere, einem solchen Gesetze seine Zustimmung nicht geben zu können. Je mehr das Volk geistig vorankomm«, desto mehr werde es Musteraufführungen verlangen. Zu diesem Zwecke müßte da» geistig« Gcsamtnioeau des Bolkes aus dumpfen Tiefen des Daseins zu intellektueller, sittlicher und ästhetischer Sonnenhöhe hinauf. geführt werden. Voraussetzung sei, daß die Existenz des einzelnen und der Masse gesichert sei. Daß trotz größter Gegensätze gegenseitige. Verstehen möglich ist, zeigt die Veröffentlichung dieses interessanten Briefwechsels. Lore Zevssch und Aurel von TNIlloß geben am t8.. mittag»>/,l2 Uhr eine Tanzmatto«» im Theater am R»ll»«d»rjpl«itz , „Oer Weg nach Mo." (kin Film gegen den Mädchenhandel. Gleichzeitig«startete im M o z a r t s a a l wie im T t t a n i a» Palast des kürzlich verstorbenen Manfred N o a letzter Film. Er behandelt in der Form des Tonfilms ein im stummen Film bereits öfter angeschlagenes Thema, ohne ihm gerade wesentlich Neues abzugewinnen. Neu ist nur der Schluß, da die Internationale Polizei eingreift und einem der brutalsten Kerle, den es bei einem Verbrechen ertappt, das Handwert legt. Im übrigen wird das Schicksal des etwas leichtsinnigen Tippmädels Inge Weber gezeigt, die aus Deutschland flüchtet, weil sie mit ihrem Freund, einem Chauffeur, auf einer Schwarzfahrt einen Menschen überfahren hat. Sie gerät in die Hände eines Mädchenhändlers, der sie nach Rio verfrachtet und dort weiter verschachert. Nach anfänglicher Wcige- rung erliegt sie schließlich ihrem Schicksal, und so kann denn das Animier- und Bordelleben dieser hierfür berüchtigten Stadt mit mehr oder weniger Deutlichkeit vorgeführt werden. Zuvor gab«s schon tesse Szenen mit der Kupplerin in Hamburg. Der Freunp, der inzwischen seine Strafe in Deutschland abgebüßt hat, erscheint als Rächer in Rio, und so endigt das Ganze mit einer moralischen Tendenz und abschreckenden Mahnung.» Maria S o l o e g sucht für das Tippmädel Sympathie zu ge- Winnen, indem sie zunächst den Kamps tapfer aufnimmt und erst In der größten Rot den Verlockungen erliegt. Der Film ist angelegt aus Milieumalerei, sowohl die Hamburger zweifelhafte Pension wie das Nachtleben RIos werden eingehend dargestellt und mit an- rüchigen Typen illustriert. Senta Soeneland als Pensions- inhaberin und Oskar H o m o l k a als Mädchenhändler sowie Kurt G e r r o n als Direktor eines Kasinos bemühen sich um die Wette, ihre Figuren interessant zu gestalten, ohne daß das Penetrante uns allzu sehr in die Ras« steigt. Hertha von Walter gibt«in« bereits Gefallene, die zur Liebhaberin des Mädchenhändlers auf- gerückt ist, mit Diskretion. Julius F a l k e n st e i n und Eduard von W i n t e r st e i n sind in prägnanten Nebenrollen eingesetzt, r. Theodor Tagger— F. Bruckner. Der Rat der Stadt Leipzig gibt bekannt, daß in der Urheberrechtseintragungsrolle, die in Leipzig geführt wird, Theodor Tagger, geboren in Sofia, das Urheberrecht der unter dem Pseudonym Ferdinand Bruckner im Derlag v. Fischer in Verlin erschienenen nachoenannten Werte in Anspruch nimmt: „Krankheit der Jugend". Schauspiel.„Die Derbrecher", Schauspiel. „Die Kreatur", Schauspiel,„Elisabeth von England". Schauspiel. Rteßsche» Rachlaß. Unter dem Titel„Friedrich Nietzsche. Nach. saß" erscheint in zwei Bänden oder in einem Dünndruckbande bei Alfred Kröner in Leipzig ein» Ausgab«, in der Prpf. Alfred Bäumler- Dresden da» Bedeutsamste au» Nietzsches Nachlaß oeretmgt hat. Die Ausgab« verspricht, die notwendig«, seit langem erwartet« Er- gänzung und in manchem der Schlüssel zu den Werken zu werden. da Nietzsche im Nachlaß sein Werk gleichsam noch einmal und un- bekümmert um die Wirkung geschrieben hat. Aussperrung in England? Abstimmung der SkwerkschofiSmitglieder. London, IK. Januar. In B u r y oerhandelien die Vertreter der Webergewerkschast über die Frage der Einführung des Systems„Mehr Webstühle auf den Weber" und den Streik in Burnley. Es. wurde eine Abstim- inung der Mitglieder der Gewerkfcha'tcn beschlossen. Da die Arbeit- geberverbande die Aussperrung für Sonnabend verkündet hoben, bleibt die Lage in der Webindustrie sehr ernst. Da die Abstimmung kaum noch nor dem Ablauf. der. Kündigung erfolgen kann, mit dem morgen Sonnabend die Aussperrung von bM Lüg Arbeikern und Angestellten beginnen soll, haben sich Vertreter des Arbeitsministenums im Automobil nach Burnley begeben Sie leiteten dort neue Verhandlungen mit den Gewerkschaften ein. Die Unternehmer sollen aufgefordert»erden, die- Aussperrung solange zu verschieben, bis das Ergebnis der-Abstimmung vorliegt. Das Unternehmertum sucht den Druck seiner Aussperrungs- drohung zu nützen, um die Weber zu zwingen, ihren Widerstand gegen die Bedienung von acht statt vier Webstühlen aufzugeben. Oas Alkoholverbot in Amerika. Oer amerikanische GewerlschastSbund für Milderung. Bern York. 16. Januar.(Eigenbericht.) Das Exeklitivkomüee des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, dos zur Zeit in Miami tagt, beschloß, eine energische Kampagne zur Milderung der Prohibitionsgesetzgebung. Die Kampagne wird unter Leitung besonderer gewerkschaftlicher Ami- prohibitionskomiiees stehen und insgesamt 14 000 gewerkschaftlich« v?sa»is«tor«» v»d Sandarred««, fe» schäktigen. Der Gewerkschaftsound sieht in der Beseitigung des gegen- wärtigen Pohibitionssystems eine bedeutsame Waffe gegen di« Arbeitskrise. » Es sind also rein wirtschaftliche Gründe, die die Gewerkschaften Amerikas veranlassen, gegen eine muckerische Gesetzgebung aufzu» treten, die größere Schäden stiftet als sie verhüten soll. Eichwolde. Sonntag, den 15. Januar, vormittags 10 Uhr, Flugblattverbreitung bei Lindncr Es ist Pflicht aller Parteigenossen ifi erscheinen. Weller für Berlin. Trübe und regnerisch mit weiterer Mil- derung und lebhaften westlichen Winden,«für Deutschlavd: Ueberall chiv».. vielfach Regenfälle, im Küstengebiet stürmische Westwinde. kneiizg, 16. 1. Staats-Oper Unter d. Linden 137. A.-V. 20 Uhr Der LieDesm Ende 22 Uhr Freitag, 16. 1. Stadt. Oper . Bismartkstr Turnus I 15V; Uhr Pique Dame En Je g.22a!i\jhr Staats-Oper Sn Plat: der Repcbliit. V-B. U'.i Uhr Der Freisfliiltz OtfluH. KartenTerkitl Ende g.iZ': Uhr Staat!. Suiaaspti, (an Cndamenorttl. US A.-V. 20 Uhr Die lungfrau von Orleans Enden 22' a Uhr Staati.Scbiller-Tliealer.Cliarittig. 20 Uhr 109000 Taler Ende nach 22. Uhr •�brCASINÜ-THEÄTER-uh. Lothringer Strafe 37. mmi »Qartefift S � lllir. tob, 2819. lüuiten erlaubt. Codonas« Leitzcl Barracetas» 5 Songs Breker's Bärenschau U5W Sonna�nd und SoDolag je 2 Yorsleliuogeo 4.gird UV Uhr. 4 Uhr kleine Fe.- TSsrI. 5, S'S Sonnt, 3, 6, S'S f- Vorstellung 50 Pf. bis I V. II. und III. Vorstellg. I bis 2 M. Heute Premiere-; ' Original- mit neuen Tän�ea Willy Bolesko Lachen olmc Ende. 8 Abdullah Bonamanos .Ar.ibiscfce Sprlngertruppo• oad weitere Spitzen-LeiBlnngeB I esslna-Tliealer Uawiderruflicb nur bis 30. Jannar: Biederleute uad eia erstklassiger bunter Teil. Sonnabend, 51. Jannar zum I. Male OnHel Kühn aus Neurupp n Gnlsdseln 1-4 Personen Fauieuil 1.25 ,VL. Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.- Parken 75 Pf.. Rang oO PI. , Täglich 8V. Uhr■ Mamsell ülloudie Operette von Heive Eriki t. Tbelmm Max Adalbert PIscalor-Bäiine (Wallner- Theater) Alex. 4552-93. SV» Uhr „Tai Yangj erwacht" von Friedrich W'OH Regie: E Piscator i Neues Tliealer ........ am Zoo— Araflabub.to. StpLSSSk Täglich 8"« Uhr Der pr. Lacherfolg I Guido Tfilelscher Das oflenuiehe Aargernis Preise I bis 8 M Voibsbtthne Theater an BQIowclalr. 8 Uhr Lilioen von Fran; Motnar 8egi«; Karl Heinz Martio Staatl.SAiller-Tb. 8 Uhr- 100 000 Taler Tnsatir am Stniiioauerdamm 8V» Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper Am Pl.d Republik 7V; Uhr Dei FieisAitz Qeotsdtes TDeaiet 1 8 Uhr Elisabeth von England von Fem Bruckner, Regie: Hiinz Hilpert Kammerspiele SV» Uhr; ules uiiette uilen von T rlstan Bernard Regit: Hier Oeppe Ji SM» isj|k<«erst.— Tel. WcirJennantm UM». I uckm.«IL Uhr: 30 Fig.—R.SO Mk.| | abends 8, Uhr: 30 PI»- 3.- Mb| 16. Jan Progranunweclisei: 14 oege Welstadtattrakllogen. Die Komödie Sr» Uhr Heute zun 25. Male: Die Fee von Franz Mlnsr Regie; Stefan Hedu filUC'Sanöer Kottbusset Str. 0 F.S. Otierb.,6U70 Tägl SV. Uhr Sonntags etdi 3}/; übr .Das macht uns keiner nach dvu Ciehpid' ciaire waldein Kai#s.,ermH:3le RrtiUf! lusfspteihaus KUPt Götz Heute 8 Uhr ■Neu einstudiert Oer LOgner u. die nenne von Kurt Götz Rose- Theater Gr.franklaiterSlr.133 Tel. Alex 3422 u. 3494 1.• 8-50- Uhix Zwangs-. einquartlerung . 8 18. Uhr. Hie IlgliaTsiTim»!! Tdesteram Slvmdsuerdsmm Norden 5813 u. 0281 Pä�licli SU L?n» Die Quadratur des Kreises Lustspiel v.Kataiew Regie: v. MenHelsnlu Preise von 1—12 M. Ii. a. I Pallas lOSI| Tägl. 8'.» Hur kurzea Gastspiel| voruniersültianu Inen Rubeig u.te 1 Sonnt'nachm 4 I halbeKassenpr.| Kleines Tbeai; Täglich 8V» Uhr: Der gr Lacherfölg Der musiergane ScljsvankinS Akten Reichshallen-Theater Rdernk(T| Senntag Nidmittag I»>-1 Ohr Stettiner Singer „Fahrende Volk" ein Zirkusbild v Mcysct Hathni. halhe Preise, volles Progr.l Tel.: Zentrum 11263 k Dönhoff- Brettl; Das fabelhafte lanuar-Programm ■Vipatuasu. Singspiel in. vielen Bildern Hans«n, Com. Spiro, Llaske, Wallburg, Arno, Jankuhn, Paul HSrbtgar, Lenz Schaaffers, Wlnkalstern, Rolls, Deanl, Stark-Gstettenbauer, original Tlrolar Watachentlnzer, Original Tiroler Jodleiinnon-czulntett, Muslk-Trlo aus Schllarsae, Jazz-Band, Qlrt» u.Boy», CrossoCharn Der Zeit ontsproehond sind, trotz dea riesigen Andranges, OK O/' er- die Kassenpreiee um'/p mBselgt Sonntag■■■ew Originalbesclniag Na<*n>lö«8<9 UTIr Billige Prelte ßZegie: Barnowsky-SOiinsn Thcuier in der Slresenidnasir. T.i Uhr DeutsHi; Ursisführjpg! Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Bamovsky Komödienhauo 8U Uhr Cocktail von Vellinoeiier u.Beealikj Berliner Theat. SV« Uhr Gastspiel d Th a. Scliiffbauerdamm Die von Donizetfi Meril. Westens Täglich 8U Sonntag 21 v u.SVi Sensationeller Operetten erfolg! Viktoria undihrHusar Oeutsches KOnstler-Theal. Barbarossa 3937. 8V» Uhr Zum goldene» Anker mit Käme Dursfl) Nur noch wenige Vorstellungen Spunab. upiI Stg. 4lilir: Enilo. die Detektive Renaissance- Theater Steinplatz 6780 Uhr mufi die Kuh miicn gsvsn? mit Rlbirt Bassermann metropoi-Tiieater Täglich 8V» Uhr schon ist die weit Operette von Lehdr Ridnnl Taub«, Gitta llpar. Sdiützadprf. Komische Oper SVu Uhr Reppina Operette von Robert Stolr. GARDINEN Stores Bettdecken Um unsere riesigen Läger zu räumen» haben wir sämtliche Waren zur Hälfte ermäßigt. Tünsilcr-Garnilur.... 1,75 Bettdecken....... 2,50 Stores... 1,25 1 Ponten Dekoration»- and Tülbloffe p Mtr.... 1,25 Werkstätten für eleg Dekorationen seit 28 Jahren im Hause, daher konkurrenzlos billig Acllcstes Spczial- EtagengcsdidÜ tn Neukölln Spezial-GariliDEH-Werkstätten S. Krüger. Neukölln, Berusir. 67 2. 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Mickv Maas ant dem Wlloeaball Titania-Palast S'0 g_Z«hl«ntforF-H.vt« M 7t*U WochenfacS 7. 9 Uhr Sonntags 8, 7, 9 Lhr Potsdamer Str. 80 Stg. 230: Jgd.-Votst. Tonfilm; Laad des Lldielns mil Ri, tarismus eingetauscht wurde. Es ist eine große Auszeickx.nmg. eine vortreffliche Rsklome und außerdem ein köstlicher Witz, daß sich unsere deutsch«» Reiter drüben im Lande der Cowboys, deren Kunststücke wir im Kino mit aufgerissenem Mund zu bewundern pflegen, olle die besten Preise geholt haben. Wie weit wirs im Boxen, im Florettfechten, im Fußball und auf vielen anderen sportlichen Gebieten und Nebengebieten gebracht haben, liest man nnt Genugtuung in den Zeitungen, in denen die« portrubrik«» MaiichiuÄ die Hälfte des'RvUines einnehmen— die andere Hälfte- reicht mir ein sportbegeisterter Freund immer gleich über den zu: sie interessiert ihn nicht weiter. Es interessiert ihn(und wie viel andere?) überhaupt kam» etwas anderes ernstlich als Sport, Sport. Sport(drin wir Deutsche nicht wie die Engländer das Psrsön- lichkeitsideal zur Seite stellen). Unsere Ehampians werden nun also draußen van de» Konsul» empfangen, wir starren zuhause ihr Bild an, wo immer es Platz finden kann, wir lesen alles auf sie Bezügliche bis auf ihre Unter- hosenmorke und brüllen als gute Staatsbürger fleißig hurra. Sehr mehl. Aber eine richtige Herzensfreude hätten wir (Nichtnurspvriler) an all diesen täglichen Ruhmestaten doch mir dann, wenn das Spiel unserer Geisteslräste ebensoviel (wenn schon nicht so häusige) Anerkennung wie das Muskelspiel erfahren würde, wenn andere als Sportchampionc zu ähnlicher Gel- tung kämen, wenn auch geistige„tearns" in die Welt hinausfahren, Tournicre aussechten und ihre Lorbeeren einheimsen könnten. Dazu ist kein Geld da— oder keine Gelegenhell? Stubenhocker Geist. Der K ö r p e r i st international, seine Leistungen werden überall verstanden und gcwertet— der Geist i st Stuben- Hocker geblieben! Und während ein Spvrtrekord den ändern lagt, sinkt dos geistige Niveau langsam aber stetig herab. Was wir onk der einen Seite gewinnen: auf der anderen verlieren wir es wieder. Wir glänzten einst malen als«in Volk der Denker und D i ch t e r.- H e n t e sind wir(es wäre gut, wenn man sagen könnte„auch") gute Tennisspieler geworden. Warum gehen Denker, Dichter, Maler, alles, was nicht rein utilitarifche Geistesarbeit ausführt, mit solch um E n t s ch u l d i g u n g flehenden Blicken herum, während die Körpermenschen wild gestreift und triumphierend auftreten?! Gibt es nicht genug neu? Probien,« zu lösen? Die ganze Welt muß neu umgedacht werden, wenn uns nicht die Leere verschlingen soll: das Ueber- wiegen des Erlebnisses über den Gedanken. Ter nackte Mensch. Auf noch eine andere Weise bietet sich heute der Körper, nämlich ungeschmückt als solcher: das heißt nackt— was wieder eine „neue", nicht minder seelen- und geistlose, innerlich unbefriedigend« sogenannte Kultur in sich birgt. Luft und Sonne soll der Körper haben und Porenatmung wo immer angängig. Es ist gesund, es ist heroisch(und auch ein wenig spaßhast), es tötet falsche Scham und vielleicht einiges Laster ab, wenn Meiriche» sich zur Ausgabe machen, eine längere Reihe von Wochen oder gar Monaten ohne so viel wie eine„Hutschnur" an osfentlich herum- zulaufen. Wenn mir jemand in diesem Aufzug auf der Trepp« begegnet, werde ich versuchen, alle mir zu Gebote stehende Un- befangenhell an den Tag zu logen, wie icks vom Meeresstrand und Bällen her gewohnt bin. Ich bw bereit, mich vor der MajestA des Körpers zu verneigen. Nur wieder das eine, immer selbe, muß unter allen Unsständen Protest herausfordern: wenn die Nacktjünger oder -jungfrauen Mienen auffetzen, als wären durch die bloße nackte Tat- sach« ihrer Nacktheit schon die Rätsel der Welt gelöst.. während tausend andere, wichtigere Ausgaben nach Lösung schreien De» Körper allein, auch der schönste nackte Körper ist z u wenig. Man sagt: sa, und...? Man wartet auf einen Gedanken. Je einseitiger man den Körper betont, desto mehr fordert man den Geist heraus. ttsnricll Hemmer. Sltevn f vagen an Die grenzen der£rzieZiungr Nachdem an dieser stelle so oft und eindringlich auf die große Tragweite und Bedeutung der Erziehung, der richtigen wie der falschen, hingewiesen wurde, könnte vielleicht jemand aus den Ge- danken kommen, die Pädagogik s»> ein Allheilmittel und könne in jedem Falle, sosern nur richtig angewendet, Wunder wirken. Dem ist aber nicht so. Denn erstens läßt sich die richtige Erziehung eben leider nicht überall anwenden, weil es oft an den sozialen und noch öfter an den psychologischen Boraussetzungen dazu fehlt, und zweiten» hat die Erziehung auch noch andere Grenzen. Die Grenzen der Erziehung ergeben sich von drei Selten her: seitens des Kindes, seitens des Erziehers und seitens der Gesellschaft(dem Milieu).— Die erzieherischen Grenzen im Kinde selbst können zwei verschieden« Gründe haben: Entweder ist die eine Komponente des Charakters, die E r b a n l a g« so schlecht, daß eine erfolgreich« erzieherische Beeinflussung praktisch ausgeschlossen erscheint: oder(bei einer vielleicht ganz guten Erb» anlag«) waren die Umweltseinslüsse der ersten S bis 10 Jahre so ungünstig, daß nun die Grundlagen des Charakters für die zukünftige Entwicklung nur mehr wenig Gutes erhoffen lassen. Zwar ist es schon richtig, daß der menschliche Charakter sich während des ganzen Lebens durch die Einflüsse der Umgebung ständig ändert, aber«ine gewisse Grundhaltung bleibt meist gewahrt, und dieses Fundament ist bereits durch die ersten und dadurch tiefsten Eindrücke des Lebens gelegt. Wenn man der Sache auf den Grund geht, so spielen die sozialen und pädagogischen Schädigungen während der ersten Kindheit für die Mißerfolge späterer besserer Erziehung eine viel größere Rolle als die schlechte Erbanlage: denn ein so schlechtes Erbgut, daß oller pädagogisch« Hopsen und Malz ver> laren ist, bringt kaum ein menschliches Wesen mit auf die Welt, es fei denn, daß das Kind schon mit einem geistigen Defekt geboren ist. Aher auch in der Seele des Erzieher» schlummern Gefahren, die zu wichtigen praktischen Grenzen seiner lätigkeit werden können. Wir Kulturmenschen des 20 Jahrhunderts sind ja alle das Produkt einer viele Jahrtausend« alten Entwicklung der menschlichen Gesellschaft, und wir schleppen noch alle in den(heute nicht mehr unersorschlichen) Gründen unseres Unbewußten allerlei Triebe und Regungen mit, die einer sachlichen und fördern. den Erziehung unserer Kinder nicht zuträglich sind. Tendenziöse Haß- und Liebeeasfekte erschweren uns die richtig« Behandlung der Zöglinge, und unsere Straf- und Belohnungsmaß» nahmen sind durchaus nicht immer durch so objektive Gründe geleitet, wie es uns selbst, d. h. den Bernunstüberlegungen unsere» Bewußtseins, erscheint. Besonders den eigenen Kindern gegenüber sind wir in diesem Sinne mehr denn je Partei, und deshalb ist es auch viel schwerer, eigene Kinder als fremde zu erziehen. Die Eltern werden immer dazu neigen, alle Regungen des Kindes, deren eigene Berdrängung ihnen nur schlecht gelungen ist, ganz besonders hart zu verfolgen, andere vielleicht wichtigere Fehler, ganz zu über- sehen und vieles aus dem Kinde herauspressen zu wollen, was ihnen im eigenen Leben an Wünschen unerfüllt geblieben ist. Letzleres kann den Kindern oft zum Perhängnis«erden, well nach den Gesetzen der Vererbung die Kinder durchaus nicht die gleichen Anlogen zu haben brauchen wie die Eltern und sie in diesem Falle durch eine einseitige Erziehung der Eltern, etwa durch Ausbildung zu einem Beruf, der ihnen gar nicht liegt, in ihren wirtlichen An- lagen gehemmt und für das Leben schwer geschädigt werden können. Die schwersten Beeinträchtigungen erfährt aber die Erziehung»- arbeit immer noch durch das sozial« Milieu,»n dem da» Kind aufwächst. Was allein können nicht schon die Wohnungsoerhältnisie für verheerende Folgen haben?! Wahrscheinlich noch für sehr lange Zeit wird es vielen Boltsgenossen aus wirtschaftlichen Gründen überhaupt nicht möglich sein, ihre Kinder nach den besten Methoden erziehen zu lassen und in die ihren Wünschen entsprechenden Schulen zu schicken. Diese durch die Rot gegebene Beschränkung des elter. lichen Erziehungswillens ist allerdings nur dort bedauerlich, wo die Eltern wirklich wisien. was ihrem Kinde frommt. Anderenfalls kann der Zwang zur Gemeindeschule des Ortes geradezu ein Segen fein: sind doch schon heute vielfach die öffentlichen Schulen erheblich bester als die immer noch recht zahlreichen privaten Schulen, die eine angeblich höhere Bildung verzapfen, und in der die retchen Leute ihre Kinder mit Hilfe von ärztlichen Attesten so gern unter- bringen. Schlechter Umcfarttj? Frage: Mein Junge ist seit Ostern In der Schule. Wir sind keine„feinen Leute", aber in unserem Hause wird sehr viel aus gute Manieren gehalten, und der Junae war auch schon ganz gut dorm gewöhnt. Seit er nun in der Schule ist, schließt er sich besonders gern an die derberen Kinder an. von denen er manche Unarten lernt und nachmacht. Er hatte das Unglück, gerade in eine ziemlich un- gezogene Klasse zu kommen. Der Junge gebraucht z. B. Ausdrücke. die er bei uns niemals gehört hat. Und nicht nur während der Pausen, sondern auch des Nachmittags während der Freizeit spielt er am liebsten mit den schlimmsten Rowdys. Wir sind schon ganz verzweifelt und wisien nicht was wir mit dem Jungen machen sollen. Antwort: Die Erfahrung, die Sie mit Ihrem Sohne machen. ist ebenso häufig wie natürlich. Es kann nicht n u r das Etternhaus allein erziehen, obwohl es vielleicht in den ersten Jahren der ge» gebene Ort der Erziehung ist. Di« allmählich, gerade etwa zur Zeit des Schulbeginns auftretenden Einflüsie von anderer Seite sind un» vermeidlich und auch zur Entwicklung de, Kindes notwendig. Die ausschließliche Bindung des kleinen Kindes an die Eltern nruß schließlich einmal abgelöst werden, und wo das nicht etwa schon der Kindergarten besorgt hat. da muß es die Schule mit ihrem neuen Aufgabenkreis tun. Die Bindung der Kinder aneinander, die ganz ne�en Milieueinflüste. die sich aus der kindlichen Gesellschaft ergeben. sind sehr wichtige Ergänzungen der Familien- erziehung. Es wäre also falsch, wenn Sie Ihren Einfluß mit rein äußerlicher Autorität dazu gebrauchen würden, das Kind In der Familie möglichst zu isolieren, weil Sie sonst leicht ein„Mutter- söhnchen" heranbilden könnten. Run ist es freilich unerfreulich, wenn der überwiegend« Teil der Schulkamerai'en das Kind nniünftiq beeinflußt. Aber vielleicht l-q-n Sie hier den„guten Manieren" einen zu hohen Wert bei. Die guten Manieren sind viel, aber nicht alles. Bohl ist es gut. wenn das Kind sich an Pünktlichkeit, Ordnung und Sauberkeit gewöhnt, wenn es höflich und zuvorkommend ist: aber wichtiger noch sind die Tugenden z B. der Wahrhaftigkeit und �«» persönlichen Mute». Und es wird leider nur allzu oft von den Eltern ü�rseben. dasi solche Eigenschaften und ihre Aeu�eru-ven im kindlichen Leben sehr oft mit den guten Manieren in Widerstreit geraten. In solchen Fällen wäre ein Herausstellen der guten Manieren geradezu ein» Hemmung der Tlmraktererzlehung. Wir «erden auch am Erwachsenen in kritischen Situationen die Charakter- feftigkeit höher zu schätzen wisien al» die guten Formen. Schließlich dürfen Sie nicht vergesien. daß das Kind in einer ganz anderen Welt lebt als wir Erwachsenen, die wir es zwar der» einst in unsere Welt einzuführen trachten, wobei wir aber niemals «in« Entwicklungsstufe überspringen können. Wir müsien uns da- mit abfinden, daß das Kind seinen eigenen Gesetzen lebt, und in dieser Well haben die guten Manieren keinen allzu hohen Kurswert. Immerhin muß man natürlich versuchen, einer übermäßigen Derlotterung EinHall zu gebieten. Dazu wäre es wohl gut. wenn Sie zu Haus« zunächst einmal weniger von den Umgangsformen reden, sondern sich einsach mit dem Beispiel begnügen wollen. Nach Ihrer Schilderung hat es nämlich durchaus den Anschein, als ob Sie dem Knaben zuviel Berhallensvorschristen gegeben haben, so daß der Junge, dadurch sich beenat fühlend, nun in der Schule um so williger die Gelegenheit ergriffen hat, sich im Kreise seiner Kameraden nach deren Sitte auszutoben. Außerdem bleibt Ihnen aber immer noch positiv die Möglichkeit, die Gespielen Ihres Sohnes möglichst oft in Ihr Haus einzuladen, um so wenigstens indirekt dämpfend zu wirken.— Bor allem aber dürfen Sie den Jungen nicht brüskieren, dadurch daß Sie ihm den Um- gang mit diesen wilden Klassenkameraden„verbieten" wollen. Erstens wird Ihnen das nicht gelingen und zweitens dürften Sic mit einem derartigen apodiktischen Berbot eher das Gegenteil erreichen. V ttr cht vor der'Dtmhelheil Frag«: Unser fünfjährige« löchterchen fürchtet sich so sehr vor der Dunkelheit. Es will im oollkomnien verdunkelten Zimmer nicht allein schlafen; entweder muß jemand dabei sein, oder wir müssen etwas Licht vom Fenster hereinlasieti. Bvr allen Dingen ist da, Kind aber nicht dazu xn bewegen, allein ein dunkke« Zimmer zu betreten. Wir haben ihm nie Räuber- oder Spukgeschichteu erzählt, und das Kind weiß auch ganz genau, daß keine Geister in dem Zimmer sind. Trotzdem ist es nicht von seiner Furcht zu befreien. Was kann man dagegen machen? Antwort: Die Angst vor der Dunkelheit ist gerade bei Km- dern von drei bis sechs Jahren ein« außerordentlich verbreitete Er- scheinung. Sie ist darauf zurückzuführen, daß dos Kind ßch im Dunkeln hilflos fühlt, weil es niemand siehi und sich so v» � o- c schützenden Liebe seiner Pflegepevsonen verlassen glaubt. Wenn z. B. jemand in dem dunklen Zimmer mll dem Kinde lpricht. fürchtet es sich meist nicht mehr.. Diese fehlende Liebe als Ursache zur Angst ist dem Kinde selbst unbewußt, und deshalb bleibt dann auch alles Zureden umsonst., well da» sich ja nur an den bewußten Intellekt des Kindes richtet. Das Kind sagt dann:„Ich weiß, es tut mir dort niemand etwas, aber ich fürchte mich nun einmal." Weil diese Art Angst aus fehlender Liebe entspringt, so finden sich auch erfahrungsgemäß unter den einzigen Kindern, also den besonders verwöhnten, auffallend viele„Angfttinder", namenllich solch«, die sich im Dunkeln fürchten. Nicht selten entspringt auch die Dunkelangst tatsächlich u nver- antwortlichen Schauererzählungen lremder Personen. die sich in die Erziehung einmischen Es ist sehr schwer, solche Ursachen aufzudecken, von denen man nichts weiß Es ist richtig, daß Sie selbst das Kind mll solchen Geschichten verschonen und daß Sie es über die Nichtigkeit der Geistererscheinungen aukklären Mehr aber können Sie nicht tun, und eine elementar sich äußernd« Du-- etang;t müssen Sie einstweilen aus sich beruhen lassen, bis sie sich ent» weder von selbst gibt oder bis sie in späteren Jahren von einem Seelenarzt geheill werden kann Buch Jose ftlariii Lpa de Queirost Jost Maria E y a de Quetroz wurde während des portugiesischen Bürgerkrieges im Jahre 1843 geboren: er erhiell eine gut« Erziehung, studierte auf der alten Universität in Coimbra, wurde Rechtspraktrkant und Schriftsteller in Lissabon, schließlich Konsul In Bristol, Havanna und Paris. Hier starb er am 1(5. Au- gust 1900. Schilderungen von Zeitgenossen und Bilder zeigen ihn al» sehr gepflegten, im eleganten Modegeschmack gekleideten Herrn. Als Konsul in Havanna kämpfte Queiroz gegen den Sklavenhandel auf Kuba und setzte es schließlich durch, daß ein amtliches Berbot dagegen erlasien wurde. Seine Bücher sind noch heute von der katholischen Kirche ihren Gläubigen verboten. Das Bildnis von Oueirog ziert die portugiesischen Zehn-Escuden- Schein«: doch seine Bücher können erst nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist dem Ausland in Uebersetzungen zugänglich gemacht wer- den, da sein Sohn und Erbe Antonio, der Leiter der portugiesischen Lufthansa, sich dieser Berbrellung der Schriften seines Daters entgegenstellt. Das Porträt, das hier nur in kurzen und trockenen Sätzen entworfen werden konnte, läßt seltsame Kontraste zwischen der glatten weltmännischen Oberfläche dieses Lebens und seinem Ke-m ahnen. Aber der heut« als portugiesischer Klassiker anerkannte und trotzdem noch immer angefeindet« Queiroz hat, soviel wir wisien, die Spannung zwischen diesen beiden Polen seines Seins nur in seinen Büchern entladen. Er war— außer in seinem Eintreten gegen den Sklavenhandel—«in Zuschauer der Dinge, kein Mitkämpfer. Gerade deshalb aber sind seine Bücher für uns heute so wertvoll. Sie sind Dokumente, keine in leidenschafllicher Erregung zugespitzten Aufrufe. Queiroz moralisiert nicht; er.st nur bemüht. Zusammenhäng« Im gesellschaftlichen Geschehen aufzu- zeigen, klarzulegen, was ist Als zweites seiner Werke liegt jetzt „Das Verbrechen des Paters A m a r o' in deutscher Uebersetzunz vor(Neuer Deutscher Verlag, Berlin). Dl« Menschen dieses Buches find unheimlich lebendig, unheimlich menschlich, die Vertreter der triumphierenden, beherrschenden Kirche wie die Ner» treter der in ihrer Dummheit und Dumpshell beherrschten portu- giesischen Bourgeoisie. Vor dem Götzenbild des kirchlichen Dogmas wird die Menge zu widerlich oerzückten Zeremonien und Devotion». Übungen aufgestachett. während in seinem Schatten die Priester sich von der erzwungenen Enthaltsamkeit in spießerhaft schmutzigen Orgien befreien. Dabei sind diese Diener der Kirch« in ihrer Gier und Geilheit und Lumperei ohne Haß gezeichnet, nur mit Mitleid und Ekel vor soviel armseliger Menschlichkeit. Und das gleiche Milleid, den gleichen Ekel wie vor diesen „Herrschern" empfindet Queiroz vor den Beherrschten: vor dem engstirnigen Bürgertum seiner Zell, das sich vor der mit dem Adel verbündeten Kirche dumm und ergeben beugt. Doch aus dieser Verneinung weist Queiroz nicht den Weg in die Bejahung«iner neuen Gesellschaftsordnung, den Weg in den Sozialismus. Er st ein So'hn des liberalen Zeitällers, in Lebensführung und Geisteshattung nicht seinem jüngeren spanischen Zeitgenossen Jbanez, dem leidenschaftlichen Freiheitskämpfer, verwandt, son- dern viel mehr den klug zeitkrllisch. aber abseits vom Getümmel beobachtenden französischen Brüdern Goncourt. Der Staats» beamte Queiroz schrieb Schilterungen nieder, nickst persönliche Meinungen, Warnungen oder Schlußfolgerungen. Well es ihm mehr auf die künstlerische Geschlosienheit seiner Bücher ankam, oder well er aus seine Stellung Rücksicht nahm? Man hat viel mehr den Eindruck, daß ein starker und mutiger Mensch hier gab, was er geben konnte, und daß er die letzten Antworten auf die Fragen, die er selbst aufgeworfen hatte, schuldig blieb, weil-er aus seiner Wellperspektive keine befriedigende Antwort darauf sehen konnte. Drucke E. Schulz. FÜR DEN KLEINGÄRTNER ....................................................................................................................................................................... Erste Arbeit im Mistbeet Schon im Januar ist es möglich, für die neue Ernte tätig zu sein, sofern man über«in warmes Mistbeet verfügt. Sollte man nicht da» verhältnismäßig bescheidene Quantum Mist erhalten können, das dafür notwendig ist, so versuche man es mit der Er- wärmung des Mistbeets durch Wollstaub den man zentnerweise beziehen kann und der nach Gebrauch als Dünger auch seine Dienste tut. Ausgesät werden kann eine Frühsorte von Blumen- kohl sowie Treibsorten von Karotten. Als Blumenkohl- sorten empfehlen sich allerfrühester Erfurter Zwerg, Haagescher aller- frühester Zwerg-, Sechswochen- und allerfrühester Schneeball. Berliner Treib ist trotz seines Namens nicht als eine der frühesten Sorten anzusehen. An Karottentreidsorten stehen zur Verfügung: Pariser Treib und deren Verbesserung Pariser Markt, sowie Gonstnhelmer Treib und Marktkä...gin. Ist der Blumentohlsamen ausgegangen, so verpflanzt man mehrer« Male, um kräftige Pflan- zen zu erhalten, die nach Aushören der strengen Fröste ins Land gebracht werden. Pflanzweite bei den Frühsorten 50 bi» 60 Zentimeter in allen Richtungen. Bei späterer Aussaat ist nur einmaliges Pikieren notwendig. Der. Blumenkohl verlangt besten Boden. viel Hacken und Gießen, auch wiederholte Dunggüsse. Für den Herbstbedarf wähle man die Sorten Ron plus ultra, Frankfurter Riesen(auch italienischer früher Riesen genannt) und Florentiner großer später. Es sind dies hochstrunkige Sorten, deren Entwicklung «ine langsame ist. Man soll sie daher nicht später als Ende März oder Ansang April aussäen. Ein Praktiker über Ohstbaumschadlinge Im Geleitwort zur Obst- und Gartenbauausstellung In Berlin- Kaulsdorf hat Genosse Alfred Mießner beachtencwerte Mitteilungen über Bekämpfung der Schädlinge im Obst- bau gemacht. Für den Kalkanstrich empfiehlt er als Zusatz zur Kaltlösung die au» frisch gelöschtem Kalk hergestellt sein muß, ein keimtötendes M>Uel wie Lysol oder Formalin. Hinsichtlich der che- mischen Spritzmittel steht Mießner auf dem sehr richtigen Standpunkt, daß gerade für den Kleingärtner Güte u'n d Billigkeit gefordert werden muß. Ein diesen Anforderungen«nisprechendes Mittel für die Winterspritzung, also für Bäume in unbelaubtem Zu- stände, ist die van Obstbaulehrer Hartwig empfohlene Aetznatron- seifenbrühe: 6LZ Gramm Aetznatron und 560 Gramm Schmierseife auf 100 Liter Wasser. Nach zweimaliger Anwendung bis Ende Februar folgt dann eine zweiprozentige Kupferkalkspritzung mit Zusatz von 100 Gramm Uranwgrlln oder Bleiarsenat. Auf die energische Durch- führung der Winterbekämpfung ist da, Hauptgewicht zu legen: dazu gehört natürlich auch das Anlegen von Klebegürteln an Baum und Pfahl, aber auch eine Kalidüngung(1 Kilogramm Kali auf 12,5 Liter Wasser) des Bodens um den Stamm zur Tötung der dort über- winlernden Blutläuse. Daß genügend weite Pflanzung der Bäume, ihre gute Ernährung, sowie Schutz der Vögel durchaus notwendig« Dorbeugungsmittel sind, sollte der Kleingärtner nicht vergessen. Spargel�rüße und-gewicht Auf der Dezembertagung der Spargelanbauer in Magd«. bürg sind die Mindestgewichtsgrenzen für Frischmai kt- spargel wie folgt festgesetzt worden: 33 Gramm je Stange für die er st« Sortierung und 22 Gramm je Stange für die zweit« Sortierung— dabei soll die Länge nicht unter 1? und nicht über 24 Zentimeter sein. Alles übrige ist dritte Sortierung, die früher« vierte fällt fort. Bei der ersten Sortierung wird noch unterschieden: Spargel mit reinweißen und mit blauen Köpfen. Schon bei der zweiten Sortierung ist denen Mischung zulässig. Was nun den Spargel erster Sor.ierung betrisft, so wird die Praxi» den MIndessiatz des Gewichts bedeutend überschreiten müsien. denn der von Rudolf Ocklig in der.Gartenbauwirtschaft" gegebene Bciiht über den Berliner Verkauf 1930 nennt als erste Oua'ität solchen Spargel, bei dem 7 bis 8 Stangen auf«in Pfund gehen. Dieser ist immer schlank abzusetzen gewesen— sofern er e I n w a n d- frei sortiert gewcscn sei. Noch immer werde„geputzt", d.h. oben liegt der gute, während unten Stangen sich vorfinden, die nicht von gleicher Qualität sind. Die 20-Pfund-Spankörbe wären die chesten für ben Transport: bei Mchrgewicht entsteht leicht Erhitzung. Auf der Magdeburger Tagung wurden manche Klagen laut: der Anbau hat zugenommen, die Konservenindustrie will die Preise noch mehr drücken und ihren Bedarf einschränken, Spargcls/iege und Rostbefall tragen das ih-lge dazu bei. daß der Anbau unrentrb 1 werde. Man wünscht energisches Vorgehen gegen die Schädlinge des Spargels, die freilich noch zu wenig erforscht sind. Um die zu groß- Belastung des Frischmarktes zu verhü en. wurde angs"«gt. daß dt« Erzeuger überschüssige r Rohware auf dem Weg« des Lohnoustraqes konservleren lassen sollten. E» ist die» jeden- falls eine vernünftigere Anschauung als di« jüngst von dem Der- bandblatt gemeldete Zerstörung von Tausenden van fruchttragenden schwarzen I o b a n n I» b e« r N r a u. ch e rn mittels Sp-'enapa ronen. well der bisherige Abnchmcr der Früchte,«in für Apotheken arbeitender Saftfabrltant, einen zu niedrigen Preis zahlen wollte. Mexiko schützt seine Kakteen, Das Sammeln von Kaktuspflanzen zu Ausfuhrzwecken ist von der mexikanischen Regierung auf di« Zeit vom 1. Januar bis 81. Juki jeden Jahres beschränkt worden. Das Landwirtschafts- Ministerium wird jedes Jahr eine List« der zur Ausfuhr freigegebenen Kaktusarten oeröffentlichen. Zur Ausfuhr muß«in Herkunits- zeugnis von dem nächsten Inspektor des mexikanischen Forstdiensteq beigebracht werden. Kanada— 1 Der Abschluß des Die Eiehockeysaison hatte gestern abend zweifellos ihren größten Tag, als im überfüllte» Sportpalast die kanadischen Eis» hockcymcister in einem unerhört aufregenden Spiel das euro- päifchs Team mit 4: l> Toren besiegten. Das Publikum raste mi- nutcnlang Beifall, wenn die Läuferreihen in einem Mordstempo hin und her rollten. Die Kanadier habe» gestern abend bewiesen, daß sie nicht zu überwinden sind und es besteht jetzt kaum noch ein Zweifel, daß der Berliner Erfolg der Beginn einer ununier- brochenen Erfolgserie bei der Fahrt durch Europa sein wird. Mit 4: 0 mußten die Vertreter des Kontinents geschlagen abtreten, ob- wohl so ausgezeichnete Leute wie Torriani(Davos), Malecek(Prag), Lulle Johansson(Schweden), sowie Rudi Ball, Jaenccke und Brück im Europateam mitwirkten. Bei den Kanadiern brillierten wieder Blake Watson, der seine Mannschaft fest am Zügel hielt und zu einem oerdienten Siege führte. Die Kanadier hatten sich nach den beiden vorangegangenen Tressen vollkommen mit den Derhältnissen im Berliner Sportpalast abgefunden und beherrschten die Situation größtenteils. Die ver- schiedenen Durchbrüche der Europäer waren tellweise recht gut an- gesetzt, scheiterten aber kurz vor dem Tor oder an dem kanadischen Torhüter Puttee. Im ersten Drittel legte Mac D e y in kurzen Abständen zwei Tor« vor, Watson erhöhte auf 3:0. Im zweiten «kickte" frißt alles weil es die KPD. besiimmt Die kommunistischen Sportler Berlins müssen jetzt sämtlich dem Verein„Fichte' beitreten. Das ist der Sinn einer seit Monaten mit viel Geschrei betriebenen„Zentralisationsarbeit' der kommunisti- schen Kampfgemeinschaft gegen den Arbeitersport. Die eigentlichen Beweggründe, di« hinter den ideologischen Phrasen vorsichtig ver- borgen gehalten werden, liegen in den immer weiter um sich greifenden Abfalls- und Zersetzungserscheinungen, die eine stets zunehmende Rückkehr zu den alten Verbänden zur Folge hatten. Um diesem Zersetzungsprozeß zu steuern, wird den bisher selbständigen Bereinen das Recht, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden, genommen. Auch über ihr Vermögen sollen di« Bereine nicht mehr selbständig verfügen können. Nach außen hin wird die Invasion Fichtes �als eine große revolutionäre Tat gepriesen. Sieht man aber den Satzungsentwurf durch, fo sucht man vergebens nach dem leisesten Bekenntnis zur Moskauer Kirchenlehre. Die Satzungen sind auch sonst so mangel- Haft, daß der Eindruck entsteht, als sollten sie nur eine Kuliise dar- stellen, um harmlose Gemüter hinters Licht zu führen. Der§ 2. der den Zweck des Vereins umschreibt, lautet: „Der Zweck des Vereins ist die Ausübung aller Sportarten, der Gesundheitspflege, der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen und der proletarischen Kultur sowie die ideologische Aufklärung und Schulung der Mitglieder im Interesse der Arbeiterklasse für den Sozialismus, d. h. di« sportliche und kulturelle Tätigkeit der Mitgliedschaft bezweckt die Stärkung der Klassenkrast des Proletariats.' Offenbar ist den Verfassern selbst nicht ganz wohl bei dieser Harmlosigkeit gewesen, und sie haben deshalb in einem Nachsatz zu deuten oersucht, was der Sinn der Rede sein sollte. Ein Meister- stück Ist dos nicht, und das ist der einzige„revolutionäre' Satz des ganzen Statuts. Ob der Zweck der Uebung erreicht wird, muß dahingestellt bleiben. In vielen Vereinen sind starke Minderheiten gegen die Aufgabe des Eigenlebens: sie trauen den Absichten der Schieber nicht. Viele hängen auch an den allen Vereinsnamen und befürchten auch wohl, daß die aufgegebenen Firmen eine anderweitige Fortsetzung finden könnten. Solche Bedenken sind wohl auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Absplitterungen sind bei der diktatorisch vorgenommenen Aktion ohnehin nicht völlig zu vermeiden, und di« alten Verbände hoben gute Aussicht, die einzigen Gewinner bei der Partei zu sein. Selbst bei Fichte gibt es Leute, di« von der BUdung des ichthyosauren Ungetüms nicht erbaut sind, es schwebt ihnen wohl das Bild von dem„Koloß auf tönernen Füßen' vor, das früher gern auf Ruß- land angewendet wurde. Di« bundestreuen Sportler haben längst erkannt, daß hinter den' kraftgeschwollenen Phrasen von der Geschlossenheit der Kampf- gemeinschaft gegen den Arbeitersport der nackte Jammer lauert. Sie wissen, daß ein auf Lug und Trug ausgerichtetes Gebäude keinen festen Stand haben kann. Die Tore der alten Verbände sind weit geöffnet, um allen ehrlichen Arbeitersportlern herzliche Aufnahme zu gewähren. Amateure fahren auf Rollen Die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer-Union wartete gestern in den Prachtsälen am Märchenbrunnen mll einer neu- artigen Veranstaltung auf. Max Hahn, der bekannte frühere Ak. tive im deutschen Radsport, hat einen Hometrainer-Appa- rat für Mannschaftsrennen konstruiert, den nun Union-Amateur« ausprobierten. Vorweg gesagt: die Probe fiel gut ausl Die Be- sucher verfolgten mit Jirteress« den Kamps auf Rollen, den fünf Mannschaften zum Austrag brachten. Di« Distanz ging über eine Stund«. Quindt-Giel, die die Schnellsten des Abends waren, fanden in Rauhut-Wiesenbcrg harte Gegner, die sich dann auch als recht gute Zweit« placierten! Di« Rahmenrennen bildeten ein Jugend- fahren, das Püchel gewann, und«in Vereins-Mannfchaftsfahren, daß an die Sportvereinigung Rennhahn fiel. Die Beranstaltung hat gezeigt, daß für ehrlich durchgeführt« Hometrainer- Rennen ein Publikum zu interessieren ist. Darüber hinaus bieten die Hometrainer-Apparate im Winter den Rennfahrern vorzügliche Möglichkeiten zum Hallentraining. Weitere Veranstaltungen dieser Art sind für Berufsfahrer und Amateure geplant._ Fertig zum Weltrekord Der bekannt« englische Automobllrennfahrer E a m p b t l l hat sich von Southampton aus mit der„Homeric' nach Amerika eingeschifft. An Bord des Dampfers befindet sich auch fein 1400?5 starker Ueberrennwagen„Blauer Vogel II', mit dem er in de? Zeit vom 1. bis 10. Februar an der Küste von Daytona Besch in Florida Angriff« auf den Segraveschen Geschwindigkeits-Weltrekord unternehmen will. Auch Campbells Landsmann und Kollege Kap« D o n hat die Vorbereitungen für seine Wellretordversuch« mll dem Motorboot abgeschlossen. Sein Rennboot, di« aus dem Nachlaß des verunglückten Maior Segraoe gekauft«„Miß England II', ist bereits nach Irland verladen worden, wo im Laufe der nächsten Zell in der Näh« von Belfast Versuchsfahrten stattfinden. JNis} uiropa 4:0 Eishockeyturniers Spielabschnitt konnte Morris den vierten Treffer anbringen. Das letzte Drittel verlief torlos, dank der ausgezeichneten Störungsar- bell beider Mannschaften. Dazu hatte Leineweber im Tor der Hiesigen recht viel Glück mit seinen Abwehraktionen. Leider ver- sagte Leineweber, für den man lieber Link« im Tor gesehen hätte, im ersten Drittel völlig. Dreimal ließ er die Scheibe pas- sieren, dreimal hätte er aber erfolgreich abwehren können, wenn er weniger nervös gewesen wäre. Im zweiten Spiel, das erwartungsgemäß gegen das Hauptspiel abfiel, siegte Brandenburg gegen Königsberg mit 2: 0 Toren. Herker und Heinrich waren die Torschützen. Es war zeitweise ein mehr als ein übles Durcheinander, das langweilte und einen großen Teil der Zuschauer zum vorzeitigen Ausbruch ver- anlaßte. Zum Schluß bliebe noch etwas über den famosen Weltmeister Gillis Grafström zu sagen, der wieder Verblüsfendes in der Hohen Schule des Kunstlaufs zeigte. Der junge Schwede, der über ein außerordentlich vielseitiges Repertoire verfügt, fand so stürmischen Beifall, daß er trotz seines dreimaligen Erscheinens in der Arena noch Zugaben machen muhte. Gillis Grasström möchte man bald wieder t» Berlin begrüßen. England II" ist mit zwei überkomprimierten Rolls-Royce-Flugzeug- motoren vom Typ Schneider-Pokal ausgerüstet, di« mehr als 4000 entwickeln sollen. Am 20. Februar tritt Kaye Don die Reift nach Buenos Aires an, wo Im Mörz die Motorboot- Weltrekordversuche vor sich gehen werden. -ARBEJTEiruSSBALL Die Spiele am 1 S. Januar Die Serie 1930 ist beendet: die Vereine rüsten zur neuen Jagd noch den Punkten. Um im Training zu bleiben, werden Gesell- schaftsspiele veranstallet. Lichtenberg II erwartet um 14 Uhr auf dem Sportpalast in der Normannenstraße die in letzter Zeit sehr aufgekommenen Strausberger, während die zweite Mannschaft der Lichtenberger um 12, Ib Uhr gegen Kagel 1 spielt.— In Pankow, Kissingenstraße, stehen sich die erste Mannschaft der Pankower und Ib-Mannschaft von Eiche-Köpenick gegenüber. Vorher treffen sich auf dem gleichen Platz Pankow 2 und VfK. Neukölln. Einen schönen Kampf wird es in Reinickendorf, Scharnweberstraß«, geben. Ein- tracht-Reinickendorf erhält hier mit zwei Mannschaften den Besuch von Eiche-Köpenick. Beide Mannschaften werden auch In der kom- inenden Serie bei den Spielen in der Kreisklasse Gelegenheit haben, ihre Kräfte zu messen.— Auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee spielt Saxonia mit zwei Männermannschaften gegen den Arbellersportverein Neukölln, während die Jugendmannschaft gegen Lichtenberg I antritt. Weitere Spiele: Britz 88 gegen Osten. Hoppegarten gegen Herzfelde. Wansdorf gegen Brieselang. Kladow gegen Lichtenberg I. Potsdam gegen Nowawee. Butab gegen Oberspree. Friedenau gegen Union 28. Schöneberg gegen Wacker 30.— Zweite Mann- s ch a f t e n: Britz 88 gegen Osten. Pankow 03 gegen Drewitz. Wansdorf gegen Brieselang. Kladow gegen Lichtenberg 1. Potsdam gegen Nowowes. Butab gegen Friedenau. Schöneberg gegen Herz. selbe.— Iugendmannschaften: Britz 88 gegen Wilmers- dorf. Brandenburg gegen Minerva 2. Lichtenberg II gegen No- wawes. Werder 77 gegen ASV. Neukölln. Vorwärts gegen No- wawes 2. Beginn der Spiele: 1. Mannschaften 14 Uhr. 2. Mann- schaften 12,15 Uhr. Jugendmannschaften 10 Uhr. Arbeiter-ttockey Der Athletik-Sport-Club und Tenms-Rot treffen sich um 14.30 Uhr in der Laskerftrahe, Platz Oft. Der ASC. dürfte noch nicht wieder so weit sein, um einen Sieg der Tennisspieler verhindern zu können. Um 13 Uhr spielen auf dem gleichen Platz Athletik- Sport-Club 2 und Freie Turnerschaft Groß Berlin, Osten 1. Die Osten-Mannschaft dürfte einen der ersten Siege erkämpfen. In der. Schönhauser Alle« spielen um 13.30 Ul?r Freie Turners�aft Nord- ring 2 und Tennis-Rot 2 und im Tiergarten Sportverein Moabit 2 gegen FIGB. Nordring 3 um 8.30 Uhr. Weiter haben die Frauen um 10.30 Uhr von Tennis-Rot I und II ein Spiel auf dein Platz Oft.— I.Kreis: Schicdsrlchterkursus, Montag 19. Januar, in der Kreisgeschäftsstelle. Warum Arbeiter Der Arbeiter- Lichtbild-Bund hält am kommenden Sonnkag, 10 Uhr. seine 1. Hauptversammlung im Filmsaal des Partei- Vorstandes. Lindenstraße 3. ab. Der Arbeiter-Lichtbibd-Bund ist zwar eins der jüngsten Glieder der Arbeiterbewegung, trotzdem beweist die kurze Zell seines Bestehens bereits seine Notwendigkeit. An allen größeren Orten sind der kommunistischen Organisation der„Arbeiter- Fotografen', die unter dem besonderen Protektorat Münzenbergs stehen, sozialdemokratisch orientierte Photovereinigungen entgegen- gesetzt. Begünstigt wurde diese Zusammenfassung dadurch, daß an vielen Orten Photogruppen der Naturfreunde, der Gewerkschafts- jugend, der Arbeitersportler bestehen, die aber isoliert blieben und oft nicht ihre Arbeiten der Oeffentlichkeit unterbreiten tonnten. Der Arbeiter-Lichtbild-Bund will alle diese Photogruppen zusammen- fassen, ihre photographische Arbeit anregen und vertiefen, vor allem durch Wettbewerbe und kollektiv gestellte Aufgabenthcmen. Die illustrierte Arbeiterpresse braucht die Mitarbeit der Arbeiter- Lichtbildner, nicht die gelegentlich« eines einzelnen, sondern die dauernde ganzer Gruppen, die sich selbst besllmmte Aufgaben gestellt haben. Nur so können Arbeiteramateure der gemeinsamen Sache dienen. Die kommunistischen„Arbeiter-Fotografen' werfen dem Arbeiter-Lichtbild-Bund Spaltertätigkeit vor. In Wirklichkell ist es so, daß durch die kommunistische„Durchsetzung' der anfangs neutralen„Arbeller-Fotografen' eine Tätigkeit oder Mitarbeit eines Nichtkommunisten nicht möglich ist. Interessant dürfte für die Kommunisten die Mitteilung sein, daß ihr Organ Berliner bürgerlichen Verlagen zum Kauf angeboten wurde, verlangt wurde nur die Bezahlung der laufenden und in Aussicht stehenden Inserate. Trotz dieser geringen Forderung über- nahm kein Verlag diese Zeitschrist. Kleiner Sport von überall „Skisahrt durch Norwegen', so betitelt sich der Film, den der republikanische Deutsche Wintersport-Berband Freitag, 23. Januar 20 Uhr, im Film- und Bildamt des Magistrats Berlin, Leoetzow- straße 1/2, zeigt. Der Film, welcher das wundervoll« Erleben einer Skifahrt im Lande der Mitternachtssonne veranschaulicht, soll gleich- zeitig als Propaganda für eine Skifahrt nach Norwegen, die der Verband vom g. bis 23. März veranstaltet, dienen. Der Pr.'is dieser Sportreis« beträgt einschl. aller Unkosten ab Berlin bis Berlin 265 Mark. Was wird aus Prenn? Eine für den deutschen Spitzenspieler Daniel P r e n n peinliche Angelegenheit wurde vor dem Amtsgericht Charlottenburg aufgerollt. Prenn mußt« sich wegen ver- leumderischer Beleidigung eine Geld st rase von 3 00 Mark gefallen lassen. Diese Angelegenheit hat eine Bor- geschicht«. Bekanntlich mußte sich Prenn im vorigen Jahre beim Deusschen Tennis-Bund wegen Verletzung der Amateurbestimmungcn verantworten. Er sollte von einer Tennisschläger- fabrik 3000 Mark verlangt haben. Damals leugneic Prenn und bezeichnete die Behauptungen der Fabrik als erlogen. Dem Tennis-Bund blieb nichts anderes übrig, als Prenn mit weiß- gewaschener West« zu entlassen. Vor dem Gericht stellte sich jedoch heraus, daß die Behauptungen der Fabrik auf Wahrheit beruhten, daß also Prenn bei der seinerzeitigen Disziplinaruntersuchung ge- flunkert hatte. Nach diesem Ausfall der Gerichtsverhandlung wird dem Tennis-Bund nichts anderes übrig bleiben, als nochmals»in Verfahren gegen Prenn einzuleiten. Reni Küppers Schwimmlehrerin. Eine der besten deutschen Kraulschwimmerinnen. Reni Küppers-Erkene, hat ihre Amaleureigenschaft ausgegeben und ist eine Verpflichtung als Schwimmlehrerin auf den Ozeandampfern des Norddeutschen Lloyd eingegangen. Sie hat mit der.Bremen" Ihr« erste Fahrt bereits angetreten. Seifried boxt in Rom. Der frühere deutsche Weltergewicht meister im Boxen, Hans S e! f r i e d- Bochum, gibt Ende dieses Monats ein Gastspiel in Italien. Der Westdeutsche, boxt am 25. Januar in Rom mit dem italienischen Weltergewichtsmeister Vittorio V e n t u r i, der an diesem Tag« ursprünglich mit dem Belgier Roth die Europameisterschaft seiner Gewichtsklasse be- streiten sollte. Ueber 120 000 Mark an Preisen beim Berliner Reitturnier. Nachdem das Internationale Berliner Reitturnier um zwei Tage erweitert werden mußte, und nun vom 2. Januar bis zum 8. Fe- bruar in der Halle am Kaiserdamm stattfindet, wurden auch di« Geld- preise erhöht. Nicht weniger als 20 000 Mark werden der ursprüng- lichen Preissumme hinzugefügt, so daß 120 000 Mark an Geld- preisen gegeben werden. Eine sehr interessante Schaunummer im Rahmen des Gesamtprogramms wird eine Quadrille von Trabrennpferden fein. Herabgesetzte Arnissahrpreise. Die Avus-Direktion gibt im An- schluß an die kürzlich veröffentlichte Notiz über die ab 1. Februar in Kraft tretende Gebührenermäßigung nunmehr die neuen Be- nutzungsgebühren bekannt: a) Wagen: Einfache Fahrt 1 M., Doppel- fahrt 1,80 M., Zehnerkarte 8 M., Wochenkarte 8 M.. Monatskarte 29 M., Jahreskarte 290 M.: b) Motorräder: Einfache Fahrt 0,60 Mk., Doppelfahrt 1 M., Zehnerkarte 4,50 M., Monatskarte 13,50 M. Internationales Amateurborlurnier. Der Deutsche Reichs- verband für Amateurboxen, der sein schon für Dezember vorgesehenes Internationales Iubiläumsboxwrnier verlegen mußte, veranstallet es nun endgültig am Freitag, 30. Januar, 20 Uhr, in den Germania» sälen, Chausseestraße 110, und ckm Sonntag, 1. Februar, vormittags 1114 Uhr, in der„Lichtburg' am Bahnhof Gesundbrunnen. Der Reichsvsrband hat insofern Glück gehabt, als die für die Dezember- Veranstaltung vorgesehenen ausländischen Kämpfer auch für diese Veranstaltung ihre Zusage erteilt haben: so ist es ihm möglich, ein gutes internationales Programm zusammenzustellen. Volkssvort Nkuiölln B'Ui. TeNnclnner aar iZeier in Luckenwaide. Sonnabend, 17. ganuar, Uhr, Anlwlter Bahnhof(Sammelfahrschein Ii. Alkers- ab'eiluna. Sonnlas, IL. Iaiuiar, Taarswandcruna. Treffpunkt bis 8 Uhr Bah». Hof Renkölln. Tonriftenoerein„Die Raturfrennde", Orispeuppe Berlin, S. V. Die Bei- sliurna Dr. gran» n'olhenfcldcrs findet Sonnadcnd, lö Uhr, auf dem Äe- mcindcfriedhof in Eichwalde(Bahnflaiion Schmockwihi flatt. Bear Brleiliaun, wird rrwartct. gZSB., Befiel Osten. 17. Januar, 19(4 Uhr, im Bahrnhofer-Ansschank, Landsdcraer Alice Ecke Tilfller Skrahe, gahreshauptverfammlmn,. greie Wagcrfahrer„Aufwärts- C. V. Tonnlaq, 18. Januar. Fahrt nach Frohnau— Hcnniasdorf� Trcffpnnkt SÜ> Uhr Buhnkiof grohnau. De« Arbeiter.Sport.stmeillud.Borwirt»- keaelt jeden iZreitaa um 20 Uhr. challrnbahnen Thomashok,(Sarlenstr. 41. Mitglieder werden noch aufaenomincn. 'Lichtbild-Bund?> Der Arbeiter-Lichtbild-Bund wird weiter angegriffen wegen seiner angeblich nicht kollektiven Arbeitsweise. Es ist doch so, daß ein Einzelphoto meistens nur von einem gestaltet werden kann, so wird es auch bei den„Arbeiter-Fotografen" fein. Wenn diese vor- schlagen, Vergrößerungen am laufenden Band, also kollektiv, herzu- stellen, so kann man ebensogut zum Photohändler gehen, denn gerade die. i n d i v i d u e l l e Tätigkeit macht ja erst den wahren Amateur. Dagegen können Photomontagen, Lichtbildserien und anderes gemeinsam hergestellt werden. Hier nehmen die„Arbeiter-Fotografen" zur Abwechselung den gegenteiligen Standpunkt ein, sie meinen, der Amateur soll die Hände von Photomontagen lassen, das könnten nur Künstler gestalten! Es wird augenblicklich sehr viel gesprochen über das Thema: „Ist das Photo Kunst?' Es ist absolut nebensächlich, wie diese Frage geantwortet wird. Für den Arbeiter-Lichtbildner muß an erster Stelle die Frage stehen: Vermag das Photo«ine Wirkung auszuüben? Bejaht er diese Frage, so ist seine Aufgabe gelöst, damit entfällt für ihn auch die Frage, ob das Photo Kunst ist. Wenn jeder feine Photos nach diesem Leitsatz aufnimmt, ganz gleich, welcher Art auch das Photo ist, so wird die Produktio". des Arbeller-Lichtbildners in der Güte bestimmt steigen. '* Für alle diese Fragen Richtlinien für den Amateur festzusetzen. ist Zweck der Reichskonferenz des Arbeiter-Lichtbild- Bundes. Durch diese Richtlinien wird eine Förderung der gemeinsamen Arbeit eintreten. Weiter sollen Photolehrlichtblld- vortrage ausgearbeitet werden, die besonders den Photogruppen in der Provinz zugute kommen werden. Und das ist der Zweck des Arbeiter-Lichtbild-Dundes— nicht etwa der, die Zahl der Organi- sationen um eine vermehrt zu haben. Rundfunk am Abend Frettas, 16. Jairaar. Berlin. Ifi.05 W. Licsener;„Warum Hallcnsportfestc?** 16.30 Von Meiningen: Wilhclm-Bergcr-Feier. 17.30 Jugendstunde.(Sprecher: Dr. Walter Benjamin.) 17.55 Arbeitsmarkt. 18.00 Programm der Aktuellen Abteilung. 18.25 Lieder und Duette von James Rothstein. lf.00 Das ztut Buch. 19.10 Kagencck:..Qucllea des RadNcaltsmus". 19.35 Das literarische München um die Jahrhundertvcadc(Erich Mühsam). 20.00 Unterhaltungsmusik. 21.00 Tages- und Sportnachrichten, 21.10 Uraufführung:„Kaspar Häuser", Hörspiel von Erich Cbermayer. Regie: Alfred Braun. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Anschließend bis 24: Unterhaltungsmusik. Königswustcrhanse«. 16.00 Dr. H. Sippel; Ein Arbeltstag in der Hochschule för Leibesübungen. 16.30 Leipzig: Konzert. JTJfe Prof. Dr. Köppern; Entstehung der Tlefsseht nsd ihre Bedeutung ft? ckq Menschheitsgeschichte. IS.Ö0 Schindler: Wie kommen die Preise zustande? 18.30 Oberreg.-Rat Dr. Pciscr: Vom Sklaven der Antike zum modernen Arbeit nehm er 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Acrzte. 20JZ0 Prof. Dr. Hcllpach: Prolctarisierung der bürgerlichen Welt, 21.00 Köln: Uraufführung:„Die kleinen Sorgen" Sercntmorfl. füc bie NedaPion: Herbert Lep- re, Berlin? Anzeigen: Th. Älackr. Berlin. Berlar: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch« bruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co Berlin SW 68. LindcnUraKe 2. Hiera» i Beilage. �(Befchäfie'Jti#rfger fäezitfc JloTd.cn- Cften Fenster- und oebäude Relnigungs Beseiischaft m.b.H. 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