Morgenausgabe Sonntag Tir. 29,„ t,. � � 18.3anuar 1931 - 4S. Jahrgang\i �WnB' A A Av Mffi A �.Ml Groß-Serlin 15 Pf. WSS« k-D■ZTMlf■(■■ mT�lr Ausw�s 20 pf. 77 K �oftbf HeHgebü l�ren. Suslanb� H I I H H B HB B W H ütr e t n| p a 1 1 1 g e-Ug- �r'�H I Hj H|■ MW WM oriiikle Won 25 Pfennig7 W™?fe,1niÄ1 Stkll.ng-fuch. d.,«ch l'dj zmeonal, Sonntag» unö SKontag«|W\ �WV>7 W Won 15 Ffknntg. f«d-5 w.tt-re Wo, einmal die Abendausgabe für D«fln.!öh?,n fnr.w?i Wnn�«rt�lfirnnri und Im ijandel mit d-rn Ittel.Per ▼/ i V eJX,, 3®lor!5.' Arb«iI-maN üliend-. Sttuftrierte Beilage.Soll �» id.A /-\xf\M MM � Ä m- Ps-m»g. FamlNenanzeigen Ze> ZMs«s Vevttnev VvwSbtM««V» Jentvawvsatt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönbofs 292— LS? Telepramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Genf, 17. Januar.(Eigenbericht.) Im Europa-Ausschuß traten am Sonnabend Deutschland und Italien für sofortige Einladung Rußlands und der Türkei ein. England will für die Behandlung der Wirtfchaftsfrogcn nicht nur Rußland und die Türkei, sondern alle bisher nicht vertretenen Staaten der Welt eingeladen haben. Die Schweiz, Holland und Belgien find entschieden gegen die Einladung Rußlands und der Türkei, während Frankreich und Rumänien durch das Sekretariat bei Rußland und der Türkei anfragen lassen wollen, ob si« zur Mitarbeit bereit sind. Ein Komitee, dos aus je einem Vertreter Deutschlands, Italiens, Rumäniens, der Schweiz und England mit Briand als Vorsitzenden besteht, soll nunmehr versuchen, eine E i n i- gungsformel vorzuschlagen. Sie ist wahrscheinlich Montagnach- mittag Gegenstand der Aussprache. In der öffentlichen Sitzung wurde die Wirtschastsdebatte fortgesetzt. Nach einem wirkungsvollen Appell von Hcnderson an die europäischen Regierungen, die Geduld der Freihandelsstaaten nicht zu überspannen, hielt Marinkovitsch-Iugoslawicn eine aus- gezeichnet« Rede, in der er hauptsächlich den Vortrag von Colijn ergänzte. Er sagte, man dürfe nicht von„entweder Freihandel oder Schutzzoll" sprechen, sondern müsse die verschiedenen Systeme neben- einander bestehen lassen. Auch könne man nicht«in einheitliches Netz von Abkommen über ganz Europa ziehen. Treviranus gegen Curtius. Ein harter Kritiker— aber auch ein Berufener? Die„Volkskonservativen Stimme n", das Organ von Minister Treviranus, üben außerordentlich heftige Kritik an der Haltung oder vielmehr der Haltungs- losigkeit des Auswärtigen Amts. Sie kritisieren zugleich die Selbsttäuschung der bürgerlichen Presse über die außenpoliti- schen Möglichkeiten für Deutschland. Wir lesen: „Wenn man einmal ein paar Tage außerhalb der Grenzen Deutschlands gewesen ist, andere Zeitungen gelesen, andere Sorgen kennengelernt hat, und dann nach Deutschland zurückkehrt, ist man betrofsen durchdie Stimmung, die man in Deutsch- land vorfindet. Besonders an den großen national- liberalen Blättern fällt einem eine neue Art von höchst kokettem, im Grund« aber timiden Optimismus unangenehm auf,«in Rauschzustand, hervorgerufen durch die Narkota der national- sozialistischen Wählerniassen. Dieselbe Stimmung findet man auch in den Stuben, Büros und auf der Straße. Man hat nicht den Eindruck, als stünden uns noch viel Nervenrefcrven zur Verfügung. Das treibt die Leitartikler dazu, Erwartungen zu wecken, die in absehbarer Zeit nicht befriedigt werden können. Die Schreiber wissen das selber ganz genau. Wir sahen es alle als Verheißung an, daß die in Deutschland angesponnene Revisionsdebatte so rasch auch im Ausland um sich griff. Es ist aber eine schwer« Sünde unserer außenpolitischen Vorwärts-Verlaa G.m.b.H. Colijn mochte nochmals auf die Bedeutung des Zollwaffen- stillstandes aufmerksam, ohne den es keinen Fortschritt in Europa gebe. Aber er fügt« hinzu, daß daneben die Vielfältigkeit der Frage eindeutig sei und Prvduktionsbaschränkungen bei der Landwirtschaft sowie Agrarkredit« der nächste Schritt sein müßten. Man weiß noch nicht, ob ein Unterkomit«e für die praktischen nächsten Schritte gebildet werden soll, oder ob die versteckte englische Anregung der Einberufung einer Weltwirtschosts- konferenz der Regierungen durchgeführt wird. Brüning und Curiius besuchen Wien. Genf, 17. Januar. Di« deutsche Abordnung gab folgende Verlautbarung ans: Der österreichische Vizekanzler und Brindesminister für die aus- wärtigen Angelegenheiten, Dr. Schober, hat den deutschen Reichs- außenminister besucht. Er kib erb rächte eine Einladung der österreichischen Regierung nach Wien für den Reichskanzler und den Außenminister. Der Reichsaußenniinister nahm diese Einladung nach Verständigung mit dem Reichskanzler dankend an Der Besuch wird im Februar erfolgen. Die Zusammenkunft gab Gelegenheit zu einer Aussprache über die im Rahmen des europäischen Studien- tomitees Deutschland und Oesterreich besonders berührenden Fragen. E!« stellten vollständige llcbereinstimmung der Auffassung lest- Führung, daß diese Debatte sich später vollkommen play- und ziel- los aus alles und jedes verbreiterte. Außenpolitische, territoriale Revision— alles auf einmal! Man wird sich bemühen müssen, der deutschen Oeffentlichkeit Sinn und Verständnis für die Etappen beizubringen, in denen wir vorgehen können, um nicht alle Welt auf ein- mal gegen uns auszubringen und das, was sich eben an- schickt«, auseinanderzulaufen, wieder zusammenzuschließen. Man hat sich bisher sogar nicht einmal bemüht, klarzustellen, daß auf der be- vorstehenden Tagung über eine Revision gar nicht geredet werden kann." Das ist alles durchaus richtig gesehen und schwerwiegend. Nur muß man hinzufügen, daß gerade Herr Treviranus ein gerüttelt Maß von Schuld trägt an der optimistischen Verblendung, in der große Teile des deutschen Bürgertums heute befangen sind. Er hat durch feine Rede jenen kurz- sichtigen Nationalismus der Phrase mit aufgepulvert, der sinnlose Erwartungen hervorruft und schließlich aschgrauen Katzenjammer zur Folge haben wird. Herr Treviranus hat sich selbst benommen wie der Leit- artikler eines großen nationalliberalen Blattes, der Erwar- tungen weckt, an die er nicht glaubt. Er hat vom Standpunkt dieses„höchst Koketten, aber im Grunde timiden Optimismus" Herrn Curtius außerordentlich scharf kritisiert. Das war vor Genf. Jetzt zielt feine Kritik wieder auf Curtius, diesmal aber gerade von der entgegengesetzten Seite her. Jetzt kritisiert er, daß in der Haltung von Curtius die Komponente Treviranus zu stark sichtbar wird! Postscheckkonto: Berlin 37 ö3K.— Bankkonto: BankderArbeiter.Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Tt.B.ll.DiSc.-Gcs.,Dcposit«nk., Jerusalemer Str. KS/SS. Tag der Besinnung. Reichsverteidigung, nicht Reichsgründung! Das politische Bürgertum unter Führung der Reichsregie» rung der Republik feiert heute den Sechzigjahr-Tag der R e i ch s g r ü n du n g. Gibt es da einen besonderen Anlaß zur Feier oder des feierlichen Gedenkens. Hat die Gegenwart überhaupt noch eine unmittelbare Verbindung mit jenen Stunden, da man im Spiegelsaal zu Versailles unter steter Furcht, die belagerten Pariser könnten durch einen Ausfall die ganze Aktion stören, den alten widerstrebenden Preußen- könig zum deutschen Kaiser inachte und damit einer durch preußisch-innerdcutsche Erober ungs- kriege gegebenen Tatsache den äußeren Abschluß gab? Zwischen den Problemen, die die Welt von 1871 bewegten, und denen von heute liegen nicht nur sechzig normale Jahre. Sie sind getrennt durch eine rasende Entwicklung aller gesell- schaftlichen Beziehungen, getrennt vor allem durch weit- geschichtliches Geschehen, wie den Völkerkrieg von 1914— 18, hinter dessen Ausmaßen und Folgen die„Blut- und Eisenpolitik" des Junkers Bismarck weit zurücktreten muß. -!° Reichsgründung! Ein Wort, das geschichtliche Geltung und Wertung beansprucht, wenn es wieder einmal mit be- tonter Gegensätzlichkeit zur Republik in den Vordergrund gedrängt wird. Das Kleinftoatenelend, durch Dutzende von Dynastien aufrechterhalten, hatte Jahrzehnte vor der Reichsgründung den Widerwillen der besten Geister des Volkes wachgerufen. Der Drang nach Einheit und damit nach innerer Freiheit war aus der Tiefe des Volkes immer stärker hervorgedrungen. Aber die„von Gottes Gnaden" haßten den Einheitsgedanken wie die Pest. Ihre„Unter- tanen", die den schwarzrotgoldenen Cinhcitsträumen nach- hingen, wurden durch Polizei und Gerichte immer wieder daran erinnert, daß diese Träume Träume bleiben müßten. Was sich am 18. Januar in Versailles abspielte, war ein Fürstentheater, nichts weiter. Die Vorgänge, die hinter den Kulissen dieses Theaters sich abspielten, sind viel inter- essanter als das öffentliche Schaustück. Weiß man doch, daß der alte Preußenkönig, der 1848 als„Lehmann" vor dem Berliner Volk flüchtete und 1849 als„Kartätschenprinz" in die Geschichte einging, von dem Einigungszauber absolut nichts wissen wollte, daß er den Titel„Deutscher Kaiser" immer abgelehnt hat mit der kennzeichnenden Begründung: „Was soll mir der Charaktermajor?" Wie er, so seine Paladine. Ist das historische Wort des Kriegsministers von Roon bereits vergessen, daß nun„das Kaiser Hühnchen aus dem Ei gekrochen" fei? Ist jene Perle preußisch-junkerlicher Gesinnung ganz aus der Erinnerung verschwunden, die sich in dem Worte ausprägte: „Wir wollen Preußen bleiben— Der Teufel hol das Treiben, Dos Deutschland fabriziert Und Preußen ruiniert..."? Und soll man in diesen Stunden aufgepeitschter„nationaler" Begeisterung noch besonders daran gedenken, daß der alte Hohenlohe— nach einer Festsitzung mit norddeutschen Adligen— in seinem Tagebuch vermerkte, die„preußt- schen Junker pfeifen alle auf das Reich!"? «- Der Sechzigjahr-Tag der Reichsgründung gibt keinen An- laß zum Festeseiern. Waren doch die Träger des Einheits- gedankens nicht die Fürsten und ihr junkerlicher Troß, sondern das damals liberale Bürgertum und die in ihren Anfängen steckende Arbeiterbewegung. Das liberale Bürgertum— die Nationalliberalen marschierten in den ersten Wahlen zum neuen Reichstag mit 119 Mandaten von 397 weitaus an der Spitze aller Parteien, im Jahre 1874 schnellten sie gar auf 152! Wo sind sie geblieben? In den Reichstag von 1931 brachten ihre Nachfolger ganze 36 Ab- geordnete, von denen zwei auch nur durch Listenverbindung mit den Demokraten erlangt wurden. So ist die„Partei der Reichsgründung", wie sie sich gern nannte und nennt, zusammengeschrumpft zu einem be- deutungslosen Häuflein, das bei den Fabrikanten betteln geht, um auch nur den Schein einer Parteiorganisation austecht- zuerhalten. * Reichsgründung! Da gibts heute nichts mehr zu feiern. Und was als Feier heute von Scholz bis Hugenberg ausge- geben wird, ist wieder nur Schaustück, um die Aufmerksamkeit abzulenken von der Tatsache daß heute Reichsverteidi- g u n(t gegen die inneren Feinde des neuen Reiches das Ge- polen erwacht. Steigende Empörung. Warschau, 17. Januar.(Eigenbericht.l In der Etatsberatung des Sejmausschusses forderte Njedzialkowsri(Soz.) Rechenschaft über Brest-Litowfk und Luzk. Da der Justizminister Michalowski, der Staatsanwalt von Brest, die Rechenschaft verweigerte, verließ die Opposition den Ausschuß. Die Warschauer Sektion des polnischen Juristen» Verbandes nahm eine Entschließung an, in der die Brester Vorkommnisse gebrandmarkt werden und gegen die Ver» antwortlichen, den früheren Justizminister Car und seinen Nachfolger Michalowski. als Mitglieder des Juristenverbandes, ein Verfahren vor dem Standes» gericht des Verbandes beschlossen wurde. In der Debatte erklärte der Präsident des Oberste» Gerichtshofes, S u p i u s k i, daß er die Brester Vorfälle aufs schärfste mißbillige. Die Haltung der gesamten polnischen Gesellschaft müsse derartige Vorfälle für die Zukunft unmöglich machen. Er schäme sich angesichts der öffentlichen Meinung des Auslandes und vor seinem eigenen Gewisse«. Deutsche Lehrer gemaßregelt. koilowih, 17. Januar. Die Disziplinarkommission beim Kattowitzer Appellationsgericht hat die Entlassung von 5 2 deutschen Lehrkräften bestätigt. Weitere Untersuchungen sollen noch gegen 12S deutsche Lehr«r im Gange sein. Es handelt sich um die Annahme von Unterstützungen deutscher Minderheitsschullehrer in Ostoberschlesien von einer reichsdeutschen Lehrerorganisation, die von den polnischen Schulaufsichtsbehörden als N e b e n g e h ä l t e r für die deutschen Lehrkräfte angesehen wurden. Die entlassenen Lehrer haben bei der Disziplinarkommission des Ministeriums in Warschau Berufung eingelegt. Wahlsieg in Bristol. Oer Iustizminister gewählt. London, 17. Januar. Bei der Parlamentsnachwahl in Ost-Bristol wurde der Kandidat der Arbeiterpartei, der Solioitor-General Sir Stafford Eripps, gewählt. Auf ihn entfielen 19261 Stimmen. Der konservative Kandidat crhisll 7937 und der liberal« 4619 Stimmen. Bei der letzten Wahl hatte der Arbefterkandidat 24 197 und der libe- rale Kandidat 12576 Stimmen erhatten. Genfer Wirtschastsdebatte Unterausschuß für die Rußlandfrage. bat de« Stunde kst.i Erheben doch dte geschworenen Gegner der republikanischen Selbstbestimmung immer unverhülltter die Fahve des Hochverrats gegen den Staat, der auf die demokratische Verfassung von Weimar gegründet ist. Verte-sdiguiiig dieses Reiches, in dem auch die arbeitenden Ktföfsen gleichberechtigt mitbestimmen und lrast ihrer Zahl schicksalgestaltend wirken, Verteidigung dieses Reiches gegen die offenen Feinde und die halben Freunden— das ist die Aufgabe, die an diesem Sechzigjahr-Tag der Kaiserhrönung besonders klar uns auf- gezeigt wird. Da hat der„Stahlhelm" soeben eine Proklamation er- laffen, in der er offen aufruft zur Zerschlagung der Republik: Es steht das Staatsbild. Es steht der Plan zum Aufbau. Es steht unsere atl«gesuchte Führerschicht und es steht der in bitterer Not 9« borene eiserne Angriffswille des neuen deutschen Staatsbürgers. Wir haben die Männer, die es können. Ist das nicht eindeutisz genug? Soll da noch eine Er- iäuterung gegeben werden? Was der„Stahlhelm" in so un- zweideutige Worte faßt, isV der Wille und das Sehnen all jener Schichten, die durch dü: Demokratie unseres Verfaffungs- lebens aus dem Genuß alter Borrechte entfernt find, und die es nicht ertragen kövmen, daß sie nicht mehr„Führer", sondern nur Gleichberechtigt«! sein dürfen. Bereit sein zur Verteidigung der Demokratie, bereit sein, denWegzumSozialismus freizuhalten, ist alles! Man spielt mit dem Geitianren an den Bürgerkrieg. Die Sturmabteilungen der.hakenkreuzler wissen, was ihr Propaganda»chef Goebbels meint, wenn er sie auffordert, ihre„Ehre" mit der ihrer Partei gleichzusetzen und privat „Ehrenschutz" jju nehmen. Die Blutopser der Repu- b l i t a n e r sirtd diesen Helden noch nicht zahlreich genug. Es soll n 0 ch mehr gemordet, die Erbitterung der Republi- kaner und ihres festesten Kerns, der sozialdemokratischen Arbeüerschaft, aufs Höchste gesteigert werden. Wenn dann die Abwehr erfolgt, glaubt man, den letzten Anstoß zur Kriegserklärung gefunden zu haben. Daneben ist die„nationale" Presse gefällig am Werk, von Bürgerknegsoorbereitungen der Sozialdemokratie und des Reichsbanners zu fabulieren. Und die Kommunisten leisten ihnen freundwillige Hilfe, um nach Art bezahlter Provokateure Material zu besorgen. So glaubt man, werde das deutsche Volk in einen Bürgerkrieg hineinschlittern, wie welland in den Weltkrieg... * Ader die Herrschasten dürfen nicht die wilhelminische Staatskunst der in jahrzehntelangen Kämpfen gestählten Eni- schlofsenheit der sozialdemokratischen Arbeitermassen gleich- setzen. Wir leimen da» Wort, da» unsere Borkämpfer präg- ten, als die Agenten des.Meichsgründers" Bismarck sie auf die Barrikaden locken sollten:„Laßt euch nicht provo- zieren!" Wir chenken nicht daran, den Goebbels, Seldte und THÄmmn, auf ihren Leim zu» kriechen.; Wohl aber wissen wir, daß j, e d e r m a n n b e r 0 rt s e i.p muß, j cd en Angr i f f a b z u m ehr e n. Wohl aber wissen mir, daß die beste Abwiche der In griff ist) nicht mit den Waffen der Barbaren, sondern mit den Waffen des Geistes, der Aufklärung und der Werbung! Auch wenn sie nicht mit Trommel- und Paukenschlag die Welt unsicher machen, so legen die Sozialdemokraten doch nicht bequem die Hände in den Schoß. Sie werben und wecken unausgesetzt, sie wissen, daß alle Anschläge gegen das Recht und die demokratische Freiheit zerschellen müssen vor dem Wollender Millionen, die entschlossen sind, vorwärts und nicht rückwärts zu gehen! Deshalb gedenken wir heute nicht in feierlicher Stimmung des Fürstenspiele von Versailles, das einst das Kaisertum pomphaft inthronisierte, sondern der Aufgaben, die uns der letzte Kaiser hinterließ: Das Reich zu erneu- ern und zu festigen auf der breiten Grundlage des Willens der arbeitenden Massen! Ihr Wohl ist der Inhalt unserer Arbeit! Ihr Wohl gilt es, wenn wir jeden einzelnen oufrusen. an unsere Seite zu treten, um die Bahn steizuhalten für die sozialistische Gesellschaft! Was wird aus Berlin? Zum Berliner Selbstverwaltungsgeseh. Das Schicksal des Entwurfs zum Berliner Selbstverwaltungs- gesetz ist noch immer ungeklärt. Bekanntlich, hatte der Staatsrat gegen die Borlage schwere Bedenken erhoben und ihre Ber- abschiedung vor der allgemeinen Reform der Kommunalverfassung in Preußen nicht für zweckmäßig gehalten. Der Preußische Landtag hatte sodann am SO. Oktober nach Dornahme der ersten Lesung die Vorlage dem Gemeindeausschuß überwiesen. Zu einer Beratung ist es bisher im Ausschuß nicht gekommen. Im No- oember hatte Minister S e v e r i n g durch den Leiter der Kommunal- abteilung, Ministerialdirektor Dr. van Leyden, erklären lassen, daß er persönlich dem Ausschuß die Stellungnahme des Staatsministeriums zu dem Entwurf vortragen werde. Bisher ist das noch nicht geschehen. Nunmehr ist der Gemeinde- ausfchuß sür Montag, den 26. Januar, zu einer Borde- s p r e ch u n g über die Art der vorzunehmenden Beratung des Berliner Selbstverwaltungsgesetzes eingeladen worden. In dieser Sitzung wird der Minister Severing darlegen, welch« Stellung dos preußische Kabinett dem Entwurf gegenüber einnimmt. Oer Krach in der Wirtschastspartei. Konkursantrag gegen die Mittelfiandsbank. Ein Gläubiger der Deutschen Mittelstandsbank, die eine Gründung der Deutschen Wirtschaftspartei ist, hat gegen diese Institution beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Kon- kursantrog gestellt. Der Gläubiger wirft dem Unternehmen Billmzfälschungen vor, so daß sich auch die Staatsanwaltschaft mit der Sache wird befassen müssen. Der Fraktionsoorsttzende der Wirtschaftspartei im Sächsischen Landtag. Obermeister Kaiser- Dresden� hat seinen Sitz im Reichsparteivorstaud der Wirtschastspartei niedergelegt. Zentrum gegen Hakenkreuz. Eine begrüßenswerte Ertlämng. Im Regierungsbezirk Trier wird von den Nationalsozialisten nicht nur die Sozialdemokratie, sondern auch das Zentrum sehr heftig bekämpft. Die Sozialdemokratische Partei führte gegen die Hetze einen äußerst aktiven Abwehrtampf, während die Haltung der ort- lichen Zentrumssraktion bisher zu den verschiedensten Deutungen Anlaß gab. Die Redaktion der sozialdemokratischen Trierer„Boll s- wacht" wandte sich daher an ihren Trierer Mitbürger, den Bor- sitzenden der Deutschen Zentrumspartei, mit der ofsenen Anfrage: Herr Dr. K aas, wo steht das Zentrum? Kaas hat die an ihn gerichtete Anfrage in einem Schreiben beantwortet, dem wir folgendes entnehmen: „Wenn Sie in dem genannten Artikel sragen, wo das Zentrum im Kampf gegen den Nationalsozialismus stehe, so kann ich nur darauf hinweisen, daß die bisherige Arbeit der Partei ein so klares und überzeugendes Bekenntnis zum republikanischen Staat und damit auch eine so entschiedene Ablehnung jeder den deutschen Bolksstaat antastenden Bewegung darstellt, daß ich eine sachliche Berechtigung für die von Ihnen gestellte Frage nicht an- erkennen kann. Die Tatsache, daß in der letzten Trierer Kundgebung des Reichsbanners der Redner ein Mitglied des Windhorst-Bundes war, ist ein hinreichender Beweis dafür, daß die Partei ihren Mit- gliedern bezüglich ihrer Beteiligung beim Reichsbanner volle Freiheit läßt. An dieser ihrer Haltung hat sich auch während der Zeit meines Vorsitzes nichts geändert. Im übrigen bin ich der Meinung, daß es jeder politischen Partei freigestellt bleiben muß, mit welchen Methoden und in welchen organisatorischen Fronten sie den Kampf gegen volksstaatsfeindliche Bewegungen aufnimmt. Meine Partei glaubt am stärksten und wirksamsten diesen Kamps aus der ihr eigenen Staats- und Weltauffassung führen zu können. Das schließt nicht aus, daß sie, wie in der Vergangenheit, fo auch in der Zukunft, mit jedem gerne zusammenarbeitet, der in der Der- teidigung des Vvlksstaates und einer dem Frieden dienenden Gesamt- Politik mit ihr gleiche Wege zu gehen bereit ist." Versammlungsschlacht bei Göttingen. Seltsames Verhalten der Polizei. Hannover. 17. Januar. sEigenbericht.) In Weende bei Göttingen nahm eine nationalsozia- listische Versammlung, die in der Hauptsache von R c- publikanern besucht war, durch die Schuld der Nazis ein b l u t i g es E n d e. Die Bersammlmrg verlief zunächst ungestört, bis plötzlich die Nationalsozialisten ohne irgendeinen Gmrtd zum Angriff auf die Versammlungsbesucher übergingen. 15 Rationalsozialisten zerbrachen Stühle und schlugen wahllos auf die Versammlungsbesucher ein. Plötzlich kamen aus einem Nebenzimmer weitere 30 bis 60©21.= Leute, die sich aus der Göttinger Unterwelt rekrutierten, so daß in wenigen Minuten oll« Versammlungsdefucher aus dem Saal hinausgehauen waren. Die Nationalsozialisten hatten große Steine mit in den Saal gebracht, die sie als Wurfgeschosse benutzen wollten. Zahlreiche Stühle wurden durch die Fenster geworfen. 18 Fenster- scheiben, 23 Stühle, mehrere Tische und 45 Biergläser wurden zertrümmert. Als der Saal leer war, wurde von den National- sozialsten schließlich aus Wut noch das restliche Inventar zer- trümmert. Zahlreiche Verletzte mußten zum Arzt geschafft werden. Ein Ueberfallkommando, das aus Göttingen herbeigerufen wurde, brachte die Nationalsozialisten nach Hause. Sonderbar ist, daß kein einziger von ihnen von der Polizei fest- gestellt wurde. Nazis in polizeimänieln. Eine dunste Schiebung aus Württemberg. Stuttgart. 17. Januar.(Eigenbericht.)' Die sozialdemokratische„Schwäbische Tagwacht" de- richtet: Die Stuttgarter uniformierten Landsknechte der National- sozialisten, die S A.- L e u t e, brauchten Mäntel, und da sie einen geschlossenen Sturmtrupp einer Partei bilden, waren sie auf ein- heitlich« Mäntel bedacht. Seit einigen Tagen sind sie im Besitz solcher Mäntel, und zwar Mäntel der württembergischen Schutzpolizei. Der Preis, den sie für die Mäntel, etwa 70 an der Zahl, bezahlt haben, bezifferte sich auf ganze 7 Mark pro Stück. Die Mäntel sollen angeblich für die Polizeibeamten zu klein sein. Für die Nazigardssten sind sie nicht zu klein. Man sieht sogar sehr lange Kerls darin herumlaufen. Nicht einmal die Uniformknöpfe sind daran durch andere ersetzt worden. Innen ist sogar noch der Stempel„Württembergische Schutzpolizei" eingedrückt. Die Mäntel sollen aus der Polizeischule in Weingarten im Schwäbischen Oberland stammen. Wie die Nationalsozialisten zu diesen billigen Pollzeimänteln gekommen sind, ist bis jetzt nicht festgestellt. Die„Schwäbische Tag- wacht" fragt deshalb den württembergischen Innenminister und Staatspräsidenten Bolz, ob er davon Kenntnis habe, daß die An- gehörigen einer Bürgerkriegspartci in Polizeibeamtenuniform öffentlich austreten können. \~ Wir ordnen an! Iritk feiert Zieichsgründung. v. Im Drange seiner oielseitigest Tätigkeit zur Vorbereitung des Millen Reichs ist. Herrn. Frick etwas verspätet eiNgesaftglCdäß sich der 18. Jamw? sehr chohl für die hohe Ausgab«, nutzbar machen ließe, die er sich gestellt hat: Thüringen zu einem Bollwerk natio. Halen Widerstands-, Wahr- und Fraiheitswillens zu machen. Er hat deshalb schnell eine besondere Nummer des Amtsblattes her- ausgegeben, die lediglich folgende Verfügung enthält: Am 18. Januar jährt sich zum 60. Vlal« der Tag der Aufrich tung des Deutschen Reiches unter Kaiser Wilhelm I. im Spiegelsaale zu Versailles. An diesem Tage des Jahres 1871 fand der deutsche Einheitsgedanke zum ersten Male nach schwerem Kampf durch die Fühmkraft und männliche Politik deutscher großer Männer wie Bismark, Roon und Moltke seine Er- füllung. Di« Bedeutung dieser Tatsache muß gerade in jetziger Zeit als Wegweiser aus unserer Rot zur Freiheit betont und hoch eingeschätzt werden. Wir ordnen daher an, daß am Montag, dem 13. Januar. der Unterricht in allen öffentlichen schulen aus- fällt und statt dessen in würdiger und angemessener Weise des 18. Januar als des Tages der 60. Wiederkehr der Reichsgründung durch eine Schulfeier gedacht wird. Dabei ist auf die Bedeutung der Männer, die dieses große Werk geschaffen haben, besonders hinzuweisen. Die Schüler der Grundschule sind am 13. Januar ganz schulsrei. Weimar, den 10. Januar 1331. Thüringisches VolksbildungsmiNistcrium. Dr. Frick. Sinn und Absicht dieser Verfügung ist klar. In schreiendem Widers pruch zur geschichtlichen Wahrheit soll die Reichsgründung lediglich als das Werk einiger großer Männer hin- gestellt werde. Als einzig gangbarer Weg zu ihr soll den Schülern die folgenschwere Blut- und Eiseupolitik Bismarcks er- scheinen. Durch solche Darstellung soll in den Schülern die Ueber- zeugung geweckt werden, daß das Führertum großer Männer und eine von ihnen betriebene Gewaltpolitik die„Wegweiser aus unserer Not zur Freiheil" seien. Die„großen Männer" sind in der Person Adolf Hitlers aus Braunau und des Herrn Dr. FYick von Pirmasens bereits da, die deutsche Jugend muß sich lediglich, eingedenk des 18. Januar 1871, ihrer glorreichen Führung anver- trauen. Verschwiegen werden muß natürlich das, was wirklich zur Einigung Deutschlands geführt hat, der Zwang der wirk- schaftlichen Estwicklung und der Wille ihrer Träger, des freiheitlich gesinnten Bürgertums und vor allem der Arbeiterklasse! Verschwiegen werden muß, daß die Nutz- nießer der Zersplitterung Deutschlands, die D y- nastien und der Adel, aus nacktem Egoismus die Einigung Deutschlands im Rahmen der großdeutschen Republik in den vier- ziger Jahren erfolgreich sabotiert baden. Verschwiegen werden muß, daß Bismarck in der Form eines Klein-Deutschland in der Führung des halbabsoluten Hohenzollern-Preußen eine falsche, innerlich nicht lebensfähige Lösung der deutschen Frage herbeigeführt hat, daß er durch seine Blut- und Eisenpolitit schon die Grundlage sür den Weltkrieg, durch die reaktionäre Lösung die Voraussetzungen für d»n Zusammenbruch geschaffen hat. Verschwiegen werden muß, daß die kleinlichsten Jntriguen der scheinbar so glänzenden Theaterszen« im Spiegelsaal von Versailles vorausgingen, daß der willelsbacher förmlich bestochen und der nur preußisch gesinnte hohenzoller überrumpelt werden mußten. Solche an die Stelle geschichtlicher Wahrheit den- galischc Beleuchtung setzende Ges.chichtsklittern ng erscheint Herrn Frick geeignet, die deutsche demokratische Republik herab- zusetzen, die sich mühsam aus dem Trümmerhaufen des Welt- krieges emporarbeiten muß. Sie erscheint geeignet, vor allem die Sozialdemokraten als„Novemberverbrecher" an Stelle der wirk- sich Schuldigen am. Zusommeubruch bei den Schülern verhaßt zu machen, �»ie SozcäldeMvk.ratie/die als einzige 1870/71 per- zebens Wie warnende Äjnvffe. erhoben hat, vä> oie heute bestrebt ist. nicht von oben her. sondern durch die gemeinsam« Anstreugvng des arbeitenden Volkes eine bessere, gesicherte Zukunft eines wirk- lich geeinten Deutschland herbeizuführen. Aber eben das wA die Machtgier und die Gewaüpolitss ver- antwoktungsloser„Führer" vom Schlage de« Herrn Frick nicht. Deshalb muß der 18. Januar für seine volks- und friede ns- feindlichen reaktionären Absichten mißbraucht werden. Obstruktion in Oanzig. Gegen Ovrchpeitfchung der Finanzreform. Danzig, 17. Januar. Im Lolkstag stand das Ermächtigungsgesetz, durch das die Stoatsfinanzen im Verordnungswege saniert werden sollen, zur zweiten Beratung. Die Regierungsparteien hatten die Absicht, dieses Gesetz noch in der gestrigen Sitzung in zwester Lesung zu verab- schieden. Dagegen trieben jedoch die Sozialdemokraten und kkonnnu- nisten stärkste Obstruktion durch lange Reden. Ein Kommunist sprach annähernd sechs Stunden. Gegen 2)4 Uhr nachts fehlte bei einer namentlichen Abstimmung eine nach Zeugenaussagen a b- gegebene Stimme, deren Fehlen aber das Haus beschlußunfähig machte. Infolge der vorgerückten Stunde wurde die Sitzung auf nächsten Mittwoch vertagt._ Oer Oeuifchlandbund. Der Deuts chlondburtd veröffentlicht ein Rundschreiben, in dem es heißt: Der Deutschlandbund ist keine Partei und kein Verein, er ist eine Gesinnungsgemeinschast. Die Ziele des Deutsch- landbundes sind: anständige politische Sitten, ein starker, gerechter und sauberer Staat, ein freies, zuversichtliches und kulturell hochstehendes Deutschland. Der Deutschlandbund will keine eigens Politik treiben, sondern mithelfen, daß die sittlichen Voraussetzungen einer guten deutschen Politik geschaffen werden. Zu diesem Zweck stellt er sich folgende Aufgaben:.1. Kampf gegen Luge und Ver- leumdung, gegen Eigennutz und Korruption im öffentlichen Leben; 2. Kampf gegen Gewalt und Terror im Streit der politischen Parteien: 3. Kampf gegen die Herrschost der Phrase, gegen unsachliche Auseinandersetzung und politische Berslachung; 4. Kampf gegen politisch« Gleichgültigkeit und Entmutigung, aber auch gegen poli- tische Großmannssucht und wirtschaftlichen Dilettantismus; 5. Kampf gegen die Ausnutzung wirtschaftlicher und seelischer Notzustände des Volkes zu politischen Abenteuern. Als Mittelpunkt und Arbeitsstelle unserer Gemeinschaft ist ein„Büro Deutschland" errichtet worden. Seine Adresse ist Berlin NW. 87, Siegmundshof 12. Das Rundschreiben ist unterzeichnet von Dr. Fo ehr, dem Leiter der M ü ck e- V e r sam m lu n g im Berliner Sportpalost. Die Beisetzung des Abg. Herold fand gester« in Amslsbuer-m statt. Vertreter der Reichs- und Staatsregierung, zahlreiche Ab- geordnete des Reichstags und des Landtags waren erschienen..— An Stelle des vsrfrorbenen Abg. Herold tritt Frau Helene D r i e s s« n(Bocholt i. W.), in den Reichstag ein. Nur wirkliche kiöinpser will der Micholkowitzer Bürgermeister F 0 j t i S im„AufftSndischen Verband" haben: deshalb macht er eine Neugründung.— Wie jähen allerhand„Wehrverbände" in allen Ländern aus. wenn nur ehemalige Frontkämpfer drin wären! Freie Sozialistische Hochschule. OttoLaudsberg spricht über:„Krise des Parlamentarismus- Im dichtgefüllten Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses sprach gestern in der Freien Sozialistischen Hochschul« Genosse Rechtsanmolt Otto Land-bcrg über die«Krise des Parlamen- tarismus*. Morgen jährt sich der Tag. an dem vor 60 Jahren in V«r° sailles das Kaiserreich proklamiert und damit der Einheitstraum der Deutschen zu einem erheblichen Teil verwirklicht wurde. Aber es war eine Einheit ohne Freiheit. Die Macht regierte. Zeit- weise war Bismarck sogar gewillt, auch die Einheit des Reiches mit Rücksicht aus die Auswirkungen des allgemeinen gleichen Wahl- rechts wieder aufzugeben. Damals sagte ein Sozialdemo- krat im Reichstag unter der Heiterkeit des Hauses:«Machen Sie die Reichsbude zu, so machen wir sie wieder a u f." Dieser Mann, Jgnaz Auer, war ein Prophet. Als noch dem Zeugnis Bethmann-Hollwegs das Kaiserreich, das aufgebaut war auf der Persönlichkeit des Hausmaiers, an den Unzulänglich- leiten seiner Verfassung zusammenbrach, stellte sich die So- zialdemotratie vor das Reich, während sich zentrifugale Kräfte bemerkbar machten. Die Sozialdemokratie erhielt das Reich, indem sie ihm d i e Freiheit der Demokratie schenkte. Jene, die damals ver- sagten, rufen heute nach dem Obrigkeitsstaat und der Diktawr. Man spricht von einer Krise der Demokratie und des Parlamentarismus, von der in den alten parlamentarischen Staaten, Amerika, England und Frankreich, nichts zu spüren ist. Narren und Skandalmacher wollen statt der parlamentarischen Demokratie weiße Mäuse und Blindschleichen in die politische Arena lassen. Die mit der Diktatur gesegneten Staaten haben sie zum Teil schon wieder ver- worsen, wie Spanien und Litauen zeigen; und in Italien, Polen und Rußland zeugt das Verbot aller Freiheiten der Presse, der Meinung und der Koalition für die Unzufriedenheit der Beherrschten. Wenn ein Mann wie Professor Leopold Ziegler die Parteien verwirft, so sei ihm gesagt, daß er wohl«in großer Philosoph sein mag, aber ein schlechter Politiker ist. Die Parteien, auf Weltan- schauung gegründet, sind unentbehrlich, und weltanschaulich begründete Parteien leitet nicht die Laune eines Agitators, sondern bestimmt die gesellschaftliche Struktur. Diese angefeindete Demokratie stellte Deutschland immerhin Staatsmänner vom Format eines Friedrich Ebert, eines Otto Braun, eines Karl Seoering, eines Gustav Stresemann. Wenn eine Fraktion heute Mimsterkandidaten präsentiert, so ist größere Gewähr für die Tüchtigkeit als damals, da ei» einzelner, der Monarch, den Minister ernannte, und nur das Vertrauen des Monarchen für Belastung und Enthebung maßgeblich war. Das Austreten so zahl- reicher Splitterparteien beweist nur, daß die Belastung mit den Eindrücken des Obrigkeitsstaats noch nicht überwunden ist. Di« Partei, die heute in ihrem langen Ramen die Worte Sozialistisch und Arbeiter führt, in Wirklichkeit aber letzte Zuflucht des Kapitals ist, bildet gleichfalls einen Beweis für die unserer noch wartende Erziehungsarbeit. Zu den Nationalsozialisten werden die Menschen uicht aus der Verzweiflung an der Demokratie, sondern aus Ver- zweiflung am Kapitalismus getrieben. Hierfür zeuge« die Kassandraruf«, die der kapitalistisch eingestellte Professor Bonn in der„Frankfurter Zeitung- erhob. Wir Sozialdemokraten stellen uns vor die Demokratie und des Parlamentarismus, weil wir über die Demokratie auf evolutionärem Wege zum Sozialismus, zur klaffealojen Gesellschaft kämmen wollen. Wir sind das sieghaste Schiff, das, wie das Schiff der Sag«, aus den Fahrzeugen der alten Parteien das Eisen, die Arbeiter zieht. Well wir der lleSerzeugung sind, daß nur auf diesem Wöge der Sieg unserer Idee möglich ist. gehen wir unbeirrt unseren Weg, der aus historischer Notwendigkeit zum Ziele führen muß.- Goebbelssche Verleumdungsexzesse. 16 Strafverfahren. Der Geschöftsordnungsausfchuß des Reichs- tags ist für Mittwoch, den 28. Januar, zu seiner ersten Sitzung nach der Wechnachtspause einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehen nicht weniger als 52 Anträge, die sich mit Privat- klagefache» und Ersuchen um Strafverfolgung gegen Abgeordnete befassen. Bon den Nationalsozialisten liegen Anträge vor, die m 16 Fällen die Einstellung verschiedener Strafverfahren gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Goebbels verlange n. In 12 Fällen wird die Einstellung von Strafverfahren gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten Koch- Ostpreußen beantragt, in 7 Fällen die Genehmigung zur Strafverfolgung des kommunistischen Abgeordneten Schneller. Ein Verleumder freigesprochen. Dortmund. 17. Januar. Vor dem hiesigen Schöffengericht stand am Sonnabend der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Josef Wagner» Bochum. Eine Offizialklage legte ihm zur Last, am 7. März 1930 in einer öffentlichen Versammlung den Reichsminister Dr. Wirth der Spionage zugunsten Frankreichs dadurch beschuldigt zu haben, daß er behauptet haben soll, Dr. Wirth habe einen politische» Spitzel Clernenceaus fortlaufend über vertraulich« Be- ratungen der deutschen Regierung unterrichtet. Wagner bestritt dies und will die Aeußerung gegen Erzberger getan haben. Ebenso bestritt Wagner, den Minister in einem Artikel beleidigt zu babeu. Der Artikel, in dem dem Minister vorgeworfen wurde, er habe eine ftanzösischc Privatsekretärin, sei von einem Kollegen während seiner Abwesenheit gebracht worden. Der Staatsanwalt hielt trotzdem die Schuld für erwiesen und beantragte sechs Wochen Gefängnis. Das Geeicht folAc jedoch den Ausführungen des Verteidigers und»kannte auf Frei- s p r u ch. da die Beweisführung für ei« Verurteilung keine aus- reichende Grundlage gegeben habe. Münchmeyer soll vorgeführt werden. Hannover, 17. Januar. sEigenbencht.) Der nationalsozüAlMche Reichstagsabgevrdnete Münch- m ey er, der sich wegen Vergehens gegen das Republikschutzgefetz vor dem Schöffengericht in Aurich verantworten sollte, kniff und erscknen nicht. Das Gericht boschloß deshalb, ihn zwangsweise vorführenzu lassen.__ Der Verein der ausländischen Dresse zu Berlin Hot feinen neuen Vorstand gewählt. Borsitzender ist Mar Blokzijl sHalland), Stellvertreter Rothay Reynolds(England), Schriftführer Karl A. Mayer(Holtach), Stellvertreter Grete Reubeiser(Amerika), Schatz- meister Eugeni Tammar(Spanien), Kontrolleur L. Suß(Frankreich). llvboffame Flieger. Der Chef des portugiesischen Flugwesens. Oberst Caduart. wurde seines Amtes enthoben und mit dreißig Tagen Feftuno bestraft. Er soll au der letzten Aufftand-bewegung b-ilgenmmueu haben, Der gute Kamerad— Stahlhelm gibt Ehrengeleit. Nachdem er zum Saufen ihn eingeladen, Erschoß er den ersten Kameraden. Den zweiten lud er ins Auto hinein. Vom Hintersitz aus killt sich's fein. Ocfc bätf einen. Tfcmeraderz, Und weil geklappt der Laden, zieht jetzt der Stahlhelm mit: „Ich hatt' einen Kameraden, einen bessern findst du ait.. Prüfung der Haushaltsrechnung. Vorstöße gegen Treviranus im Haushaltsausschuß. Der Ausschuß für den Reichshaushalt beschäftigte sich in sein« Sonnabendsitzung zunächst mit der Feststellung des Berichtes feines Rechn un g s un te ra usf ch u ff e s über die Haushaltsrechnung 192 9. Damit ist das seit langem er- strebte Ziel erreicht worden, daß der Haushaltsausschuß vor Beginn der Etatsberatungen für 1931, d. h. vor der Beschlußsaifung üb« die Höhe der für die einzelnen Zwecke im kommenden Rechnungsjahr angeforderten Geldmittel, genaue Klarheit üb« die Art der Verwendung dieser Mittel im abgelaufenen Rechnungsjahr erhält. Wsnu man daran denkt, daß noch vor verhältnismäßig kurz« Zeit Deutschland selbst mit ein«' oberflächlichen Rechnungslegung und Parlamentär ifchen Rechnungsprüfung lahrelang zurückgeblieben war, und weit Alfter England und änderen Staaten zurückstand, während es setzt mit genau« Rechnungslegung und Prüfung weitaus an der Spitze marschiert und den denkbar schnellsten Stand erreicht hat, wird man den ganze«, durch die Sozicckdemokratie herbeigeführten Unterschied zwischen früh« und jetzt würdigen können. Bon allen Diskussionsrcdnttn, ohne Unterschied der Parteien, wurde denn auch dem Rechmmgsausschuß der Dank ausgesprochen. Dies« Dank gebührt neben dem Vorsitzenden Dr. Kohl« vor allem dem unermüdlichen Bericht erstotter Genosse» Heinig für den schnellen, gründlichen und überaus wichtigen schrfftlichen Bericht, der ohne Aenderung vom Haushaltsausschuß genehmigt wurde. Ab« auch das Reichssinanzminffterium hat sich große Verdienste um die Rechnungslegung erworben, denn es hat in vorbildlicher Art Ine Riesenarbeit bewältigt, die Haushaltsrechnung bereits fünf Monate nach Abschluß des Rechnungsjahres dem Reichstag vorzulegen. Unter Bezugnahme auf feinen schriftlichen Bericht konnte Ec- nasse Hein ig sich darauf beschränken, heroorzuheben, daß der Rechnungsunterausschuß es als eine seiner Hauptaufgaben betrachtet, nachzuprüfen, ob auch die Beschlüsse des Reichstages sinngemäß aus- geführt werden und dabei strengste Durchführung des Haushalts- rechtes gewahrt wird. Man müsse dahin gelangen, daß Beamte, die das Haushaltsrecht nicht achten, persönlich dafür haftbar ge» macht werden. Es habe sich jetzt auch herausgestellt, daß in weitem Umfange Institutionen, Verbände, Bereine und d«gleichen mehr vom Reich erhebliche Mittel beziehen, ohne daß genügende Kontrolle über die B«- ausgobung erfolgt. Hi« fei jetzt auf Borschlag des Rechnungs- Unterausschusses durch die Schaffung einer Zentralmeldestelle beim Reichsfinanzministeriuin ein Riegel dagegen vorgeschoben worden, daß etwa mehrfache oder sonst unberechtigte BewWgungea«folge». Der Rechnungsunterausschuß sei dieses Jahr auch Wied« d« in der Oeffmtlichkeii aufgestellten Behauptung üb« Verschwendung von Reichsmitteln beim Auswärtigen Amt und anderen Ressorts auf das genaueste nachgegangen. Hierbec, wie auch bei der Räch- prüfung aller Repräsentationsfonds habe sich ergebeil, daß die Vorwürfe jeder Grundlage entbehren. Das sei das einstimmige Votum des Unterausschusses, ohne Unter- schied der Parteien. In d« Diskussion wurde von den Abgeordneten Reinhardt (Natfoz.) und Hergt(Dnat.) auf das schärfste gegen die zw» Schutze d« Republik ausgegebenen großen Summen protestiert. Un- berechtigterweise habe der Reichsinnenminister sine genaue Auskunft und Auffpaltung all« dies« Aufgaben dem Untercuisvchutz ver- weigert. Di« Naiwsalsoztalrsten brachten daher einen Antrag ew. den Reichs innam imlist« zu srfuchen. eate genaue AufftMmg darüber zu geben, an welche Personen und Organisationen Summen zum Schutze der Republik und m welch« Höh« ausgegeben»wichen feien.) Nach Genehmigung des Berichts trat der Ausschuß in die Be- ratung des Haushalts des Reichspräsidenten ein. D« Haushalt wurde nach Ablehnung eines kommunistischen An- trage«, der(Behalt und Aufwandsentschädigung des Reichspräsidenten streichen wollte, genehmigt. Es folgt die Beratung des Haushalts des Reichsmiuiste- riums, des Reichskanzlers und der Reichskanzleien. Hierzu lagen gleichlautende Anträge der Nationalsozialist«» und der Deutschnotionale» auf Streichung der Stelle eines Reichsminist«« ohne Geschäftsbereich(Treviranus) vor. Darüber hinaus beantragten die Kommunisten auch die Streichung der Bezüge des Reichskanzlers. Auf eine Frage des Abgeordneten Müller- Franken(Soz.), wie lange man einen Mi- nister für die Ostfragen für nötig halte, erwiderte Staatssekretär Pünder, daß ein nennenswerter sinauzieller Unterschied sich nicht daraus ergeben würde, ob im Etat ein Reichs- minist« oder ein Reichstonunissar mit wichtigen Aufgaben geführt werden. Sowohl der Reichspräsident wie d« Reichskanzfer feien der Ansicht, bei d« großen Wichtigkeit der Ostfrage» sei es geboten. daß diejenige Persönlichkeit, hier also Herr Treviranus, d« diese Interessen vertrete, nicht nur Ätz, sondern auch Stimme im Reichs- kabinett haben müsse. Aus diesem Grund« habe sich die Notwendig lest«geben, die Stelle eines Reichsmmffters ohne Geschäftsbereich zu schaffen. Di« Abstimmung über die Airträge mußte auf Montag vertagt werden, da die Mehrzahl d« Zentrumsabgeordneten weg«« her Leerdigungsfeierlichkeiten für den oerftorbenen Abegordneten Herold d« Sitzung ferngeblieben waren Gchreckensiat eines Geisteskranke«. Em Tobsüchtiger bedroht seine Familie. ?m Hcmfe Auguststraße Zbb wohnt der 56 Jahre alle Eisenbahn- angestellte Georg ürappih mit sein« an» Frau und zwei Töchtern bestehenden Familie, heute abend geriet krappitz plötzlich in Tob- sucht und ging gegen seine Frau und seine beiden Töchter tätlich vor. Cr würgte die beiden Kind« und»«letzte die Frau mit einem w«kzeug leicht. Es gelang den drei Familienmitgliedern, die Flucht zu ergreifen. Sie liefen zum nächsten Bolizeirevier und er- statteten dort von dem Vorgefallenen Zlliktellnng. Zwei Bolizeibeamte begaben sich sofort nach der Wohnung, die ob« verschlossen und verbarrikadiert wcrr. Aach gewaltsamer Oeff- nnvg der Sorridortür verspürten die Beamten starken Gasgeruch, so daß sie annehmen mußten. Srappltz habe die Gashähne geöffnet. Auf Ihre Zurufe, h«auszukommcn und mit zur wache zu gehen, bewarf der Tobsüchtige die Beamten mit eisernen Werkzeugen und schlenderte eine Belroleumlampe gegen sie, so daß sich die Flüssigkeit üb« sie«goß. Da Explofionsgefahr vorlag, konnten die Beamten kein Licht anzünden und gaben schließlich einen Schreckschuß ab. um Lrappitz gefügig zu machen. Da ab« d« Schuß keinerlei Wirkung auslöste, gab ein« d« BoKzei Wachtmeister noch einen zweiten Schuß ab. durch den Srappitz an der rechten Höste leicht verletzt wurde. Zinn gelang es ihnen, den wütenden zu LberwälSgen: sie brachten ihn nach der nächsten Rettungsstelle und dann nach dem Bolizelkrankenhau». Rotstandsprogramm in Krankreich. Kredite einstimmig bewilligt. Baris, 17. Januar.(Eigenbericht.) Das Kabinett Steeg hat den ersten Abschnitt des stark modifizierten Fünfjahrplans sein« Vorgang« zur Annahme gebracht. um dessen Verabjchiedung Tardieu ein volles Jahr lang ver- geblich gekämpft hat. Die von ihm geforderten Kredite von 670 Millionen Franken sollen zur Durchführung von Notstandaarbeiton zur lieb«Windung der Krise gedacht sein, die sich auch in Frankreich seit einig« Zeit stärker fühlbar macht. Die Annahme der Regier» ngs vorläge ist einstimmig erfolgt. Von den 670 Millionen sind rund 100 Millionen für Straßenbau, 70 Millionen für Hofendauten, 120 Millionen für Trinkwasserversorgung, 120 Millionen für Elektrifizierung des flachen Landes und 210 Millionen für Schulbauten bestimmt., «daffchi weftgenchtIprästdenl. Der Internationale Gerichtshof im Haag wählte zu feinem Vorsitzenden den Japan« Adatfchl. Italien rüstet gegen Deutsche. Militärstraßenbau und Kaschistenpläne. Innsbruck, 17. Januar.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische„Volks-Zeitung" veröffentlicht folgende genau festgestellten Tatsachen: Schon vor einiger Zeit waren in Nordtirol Gerüchte verbreitet, daß die Faschisten an der tirolisch-italienischen Grenze eine Reihe strategischer Straßenbauten und Bahnhofsrampen errichten. Das italienische Konsulat in Innsbruck Hot sich damals beeilt, diese Gerüchte als unwahr zu dementieren. Mit welchem Rechte, zeigen nachstehende Mitteilungen, die wir aus informierten Kreisen erhalten haben: Di« Italiener haben die Straße vom Brenner bis Ala auf eine durchschnittliche Breite von acht Meter gebracht, beziehungsweise stich dabei, die letzten Stücke im Gelände zwischen Sterzing und Bozen auf diese Breite auszusprengen und auszubauen. Man hat diese Verbreiterung der Brennerstraße als eine Nofftandsarbeit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bezeichnet. In Wirklichkeit aber waren es strategische Rücksichten, die diese„Nofftandsarbeiten" auslösten. Eine acht Meter breite Straße vom Brenner bedeutet nichts anderes als eine doppelte Aufmarschstraße, nicht nur für Infanterie, sondern auch für Artillerie samt Train, das heißt, daß g u t nebeneinander zwei Heereskolonnen gegen Norden marschieren können. Dazu kommt noch, die doppelgleisige Bahn bis zum Brenner, so daß man eigentlich von einer vierfachen Auf- marschlinie reden kann. Diese Annahm«, die keine bloße Annohm«, sondern eine Tatsache ist, wird wohl am besten dadurch bekräftigt, daß die Italiener an der Bahnstrecke Bozen— Brenner eine Reihe von VahnhSfen mit großen Ausladerampen versehen, deren Zweck nur ein mllitärisch-strategischer sein kann. Die größte dieser Rampen zieht sich von dem Orte Freienseld beinahe bis Sterzing und ist so lang, daß bequem drei Militärzüge gleich- zeitig Innerhalb zehn Minuten ausgeladen werden können. Daß gerade bei Sterzing diese große Ausladerampe vor- gesehen, ist durchaus kein Zufall. Wie man nämlich erfährt, sind Italiener auch daran, zwei Militär st raßen aus der Linie Sterzing— Gosfensaß zu erbauen. Die erste geht durch das Viitscher- tal zum Pfitscherjoch. Von dort aus ist der Uebergang von Gebirgs- truppen mit Gebirgsartillerie ins Z i l l e r t a l nach den Erfahrungen des Wellkrieges durchaus möglich. Was ein Einbruch der Italiener ins Zillertal für Innsbruck und Nordtirol bedeutet, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Ein« zweit« Abzweigung geht durchs Pflerfchtal gegen die Tribulaungruppe, von wo dann sowohl der Uebergang über das Sandesjöchl ins Obcrnberg- und ins Gschnitztal möglich ist. Sowohl die rechts- wie linksseitige Straße flankieren den Brenner nicht nur, sondern gestallen auch weitgehend« Umgehungen des Brennerfattels. Die strategische Bedeutung dieser Straßen als Ein- bruchsstellen ins Jnntal fällt auch dem Laien ohne weiteres auf. Eine dritte strategische Straßenverbindung geht von Meran durch das Pasieiertal nach St. Leonhard. Moos und Rabenstein, von wo dann der Bau einer Militärstraße— angeblich soll es eine Touristenstraße werden— zum Timmlerjoch, also zum Uebergang ins Oetzt.al geplant, beziehungsweffe bereits im Bau fft. Dabei ist zu erwähnen, daß von St. Leoichard im Paffeiertal wiederum d« bereits bestehende Iaufenstraße nach Sterzing abzweigt. Man stelle sich nun die Situation vor. Di« ehemalige Reichs- straße von Meran durch Dintschgau an die fetzige Grenze bei Nauders wird ebenfalls verbreitert. Ein« Milllärftraße von Meran durchs Paffeiertal führt zum Uebergang ins Oetztal. Dann kommt die vierfache Aufniarfchlini« zum und über den Brenner mit den beiden Umgehungsstraßen zum Pfitscherjoch ins Zillertal und über di« Tribulaungruppe ins Gjchnitz- und Obernbergtal. Nimmt man dazu noch die Ausgestaltung der Bahnanlagen auch in der Richtung P u st« r t a l, und den angeblichen Plan, von Brixen aus an der rechten Teilselle gegen das Pustertal hin eine Abzweigbahn in dieses Tal zu bauen, so springt der gewaltige strategische Hintergrund aller dieser Bauten ohne weiteres ins Auge. Was gelten nun diese militärischen Bauten? Gellen sie Oester- reich, gellen sie Deutschland!? Ihre Zielrichtung würde dies eigent-! lich annehmen lassen. In Wirklichkeit mag gewiß di« Verteidigung i der Brennergrenze gegen Norden für die Errichtung dieser militä-( rischen Anlagen maßgebend gewesen sein. Der Hauptgrund liegt aber in weitergehenden Plänen des faschistischen Italiens, die auf die Schaffung eines großen mitteleuropäischen faschistischen Blocks, bestehend aus Oesterreich, Deutsch- l a n d, Ungarn und Italien mit der Spitze gegen Frankreich und die klein« Entente hinzielen. Erst vor einigen Tagen ist in der in Frankfurt erschienenen Broschüre„Alarmruf aus Oesterreich' auf derartige Pläne Italiens hingewiesen worden. Diese Pläne werden um so interessanter, kennt man die engen Fäden zwischen dem Stabschef der Sfierreichischeu Helmwehrbewegung, dem preußischen Putschmajor Pabfi und den Faschisten in Italien. Pabsts Pläne, di« konform mit den Plänen der Hakeukreuzler und des Stahlhelms in Deutschland gehen, sie sind di« Pläne Mussolinis, sie sind aber auch die Pläne gewisser österreichischer Heimwehrführer, wie die Enthüllungen aus dem steierischen Heim» wehrlager, die ein Zusammenarbetten mll Italien gegen Iugo- slawien vorgesehen haben, beweisen. In diesem Zusammenhang ist es auch gut, zu wissen, daß die Stabsleitung der Heinuvehren m Innsbruck ehemalige k. u. k. Offizier«, di« schon während des Welt- krieges AusfpShungs- und Spionagedienste geleistet haben, des öfteren als Kuriere zu den Faschisten nach Italien entsendet wurden. Und noch interessanter wird die Sache, wenn man weiß, daß solch« Kuriere in Innsbruck auch Zusammenkünfte mit jugoslawischen Agenten hallen. Dom Standpunkte Tirols und Oesterreichs«Nd darüber hinaus auch Deutschlands verdienen diese Bauten und die mll chnen ver- bundenen Pläne Italiens alle Aufmerksamkeit. Oer Mailänder Lockfpihelprozeß. Locarno, 17. Januar. Während der Faschismus in allem, was Reklame und zum Handwerkklappern gehört, unbestrillcner Wellmeister ist, umgibt er seine Prozesse vor dem Spezialgericht immer mit dem Schleier keuscher Zurückhaltung. Um dies« Verhandlungen wird wenig Lärm gemacht. In der Praxis ist das Publikum aus- geschlossen, denn alle der Oeffentlichkeit reservierten Plätze sind von Polizisten besetzt. Von auswärtigen Journalisten haben nur die dreimal Frommen Zutritt, und die Presse muß die Der- urteilungen mit wenigen Worten abtun. Man kann daher sicher sein, daß die große Beachtung, die der bevorstehende Prozeß im Ausland, besonders in England und Amerika, gesunden hat, dem Faschismus im hohen Maße unangenehm ist. Denn, je länger das Spezialgericht besteht, um so mehr zeigt es sich, daß es weniger ein Mlltel fft, den Gegnern Angst einzujagen, als vielmehr eine Aeußerung der eigenen Angst. Und es kann dem Faschismus unmöglich daran gelegen sein, diese seine eigene Angst an die große Glocke zu hängen. Auch der Prozeß gegen die vierundzwanzig Mailänder Anti. faschisten fft ein L ock s p i tz e l pr o z e ß. Der Lockspitzel, der die Leute ans Messer geliefert hat, ist ein gewisser Carlo del Re, in Venedig geboren und bis jetzt in Mailand ansässig,. 31 Jahre all, akademisch gebildet. Er war gegen Ende. 1929 durch einen angesehenen Antifaschisten der Organisation„Giustizia e Liberia' vor- gestellt worden und halle sich mll der Verteilung der ille- galen Literatur beschäftigt. Es hätte von Anfang an stutzig machen sollen, daß der Mensch immer die Propaganda durch wart und Schrift al» werklo, hinstellte und Toten forderte, nämlich Attentate. Als Chemiker soll er auch Bomben hergestellt und diese in den Wohnungen der heutigen Angeklagten untergebracht haben. Damit war die Falle fertig— die„Tat' getan.— Die Vierundzwanzig wurden verhaftet und unser Lockspitzel verschwand von der Bild- fläche. Man kann sicher sein, daß er nicht einmal als Zeuge gegen seine Opfer austreten wird. Besonders tragisch bei der Sache fft. daß dieser Lump auch den Selbstmord von Umberto Ceva auf dem Gewissen zu haben scheint. Ceva wurde am Weihnachtstag in seiner Zelle tot aufgefunden. Es heißt, er hätte selbst den Tod gesucht, um nicht einen Gefährten anzugeben, der die chm zur Last gelegte Handlung begangen halle. Und dieser Gefährte warCarlodelRc. Man hat ein schon wiederholt in italienischen ktnteefnchungsgesängnkssen angewendete» Mittel gebraucht, mn die Lerhafteten zum Sprechen zu bringen, nämlich Injektionen mit einem Hyoscyaminpräparat— einem im Bilsenkraut, in der Belladonna und im Stechapfel befindlichen Alkaloid—, das eine haltlose Geschwätzigkeit und ein« Unfähigkell zur Ueber- legung und Beherrschung herbeiführt. Ceva sagte sich, daß er unker dem Einfluß diese» Gifke» den Freund verraleo würde— und dieser„Freund" war ein Zudas und hakte ihn schon verkauft. Uebrigens ist die Familie des Gestorbenen, die junge Witwe und zwei kleine Kinder, gleich nach dem Tode aus ihrer Wohnung exmittiert worden. So greift beim Faschismus alles herrlich ineinander. Es gehen allerlei Gerüchte um, deren Wahrheitsgehall nicht leicht zu erkennen fft. Es verlautet, daß ein Offizier der Luftschiffahrt, der mll einem Dienstflugzeug über Mm fliegen und Propagandaschristen abwerfen wollte, furzer Hand und ohne Urteil erschossen worden wäre. Gleichzellig bringt man den plötzlichen Tod eines Attaches der Sowjetbotschaft in Rom in einen geheimnisvollen Zusammenhang mit den Kommunisten- Verhaftungen in der Mmagna, und zwar oerlautet, der Beamte hätte seine kommunistische Parteisolidarität höher gestellt als die ihm von seiner Regierung zur Pflicht� gemachte Solidarität mll der befreundeten Diktatur. Auf beiden Seiten, der der Antifaschisten und der Faschisten, fft die Phantasie überhitzt. Das Urteil gegen die Mailänder Mllglieder von Giustizia e Liberia wird uns einen guten Gradmesser der Angst des Regimes geben. Auch darum wird man gut tun, in den nächsten Tagen den Blick aus Rom zu heften. Aufruf gegen römische Schandjustiz. Einem Aufruf englischer Intellektueller entnehmen wir: Ein« amlliche Millellung der italienischen Regierung vom 3. Dezember 1939 veröfsenUichte eine Liste von 24 Verhafteten, gegen di« wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Organisation mit dem Ziel, Verbrechen gegen die Regierung oorzuberellen, ein Gerichtsverfahren eingeleitet werden solle. All« Verhafteten gehören gemäßigten politischen Parteien an: unter ihnen sind Anwälle, öfsenlliche Beamte, Journalisten, Gymnasiallehrer, Ingenieure und Männer mll Aus- Zeichnungen für Heroorragende ZZerdienste im Kriege. Die amlliche Mitteilung besagte, daß die Angeklagten vor den „Sondergerichtshof zur Verteidigung des Staates" gestellt würden. Den Vorsitz in diesem Gericht führt ein G e n e r a l des Landes- Heeres, der Marine oder der Lufllruppen, oder der Faschistenmiliz. (Der gegenwärttge Inhaber des Amtes, Herr Cristini, ist General der Faschistenmlliz.) Di« Richter sinp Offiziere vom Oberstenrang. olle aus der Miliz, und demgemäß natürlich Mitglieder der Faschistenpartei. Der Vorsitzende hat das Recht, nicht nui' jede Untersuchung geheim abzuhallen, sondern auch die Angeklagten zu oerpflichten, Offiziere als Verteidiger zu nehmen und es kann geschehen, daß die Angeklagten und ihre Berater von dem Beginn des Verfahrens erst am Tage der Verhandlung Kenntnis erhalten. Gegen den Spruch des Gerichts gibt es keine Berufung. Die Unterzeichner bitten die italienische Regierung, den Ange- klagten. den Vorzug öffenllichen Verhörs zu gewähren, die Wahl eines eigenen Verteidigers und die rechtzeitige Mitteilung von Beginn der gegen sie gerichteten Verhandlung. Diesem englischen Aufruf schließen sich in Deutschland mit aller Dringlichkeit an: Prof. Dr. Ernst Cassterer-Hamburg, Frau L o u i f e E der t-Beklm, Prost v»: Hcrttiaistr H e iler- Berlin, Geheilnrat Prof. Dr. H. Herkucr, Frau Riccarda Huch-München,-Frotn Katharina von Kardorff-Bcrlin, Frau Dr. Gertrud Klausner-Bcrlin, Frau Prof. Käthe K o ll w I tz- Berlin, Pros. Dr. Thomas Mann-München, Prof. Dr. August Muller, Staatssekretär a. D., Berlin, Prof. Dr. Ouidde, Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, Pros. Dr. R a d b r u ch- Heidelberg, Eduard Rcinacher-Aicheuberg, Prof. Dr. Doßler-Münchcn, Prof. Dr. Wiera- szowski, Senatspräsident a. D., Köln, Prof. Dr. Hermann Z o n d e ck- Berlin, Oberbürgermeister Dr. Luppe-Nürnberg, Unioersitätsprofessor Dr. Martin Rade-Marburg, Unioersitätsprofessor Dr. G r o t j a h n- Berlin, Reichsjustizminister a. D. Koch-Weser. _ f Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.)_ Lerantwqrilich fijt Politik: flidot Dchist: Wirtschaft:®. flllngelfiifer; SUBctlfdxifUbeirtniiitfl: Z. Sitintt; Feuilleton: 6. DSIchrr: Lokale» unt> Sonstiges: girit, ftorftäbl; Anzeigen: Th.»lock«: sämtlich in Berlin. Bcrlag: Porwärt-.Lersgg S. m. b. H.. Berlin. Druel: Borwärts.Buchdruckerei und Berlogsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 8. inetMt 3 Beilage»»Hb»Blick in die Düchcrwelt". mi'.....'nr-- ivUrfafu m jLl Srhlaf liww«'«Ä'tt LJst QA�OO Sehrank 180 cm, 2 Bett«'*"!" ° r-rÄ«-"- 695— WIRTSCHAFTSWAREN Einige Beispiele der grossen Leistungsfähigkeit Totletteneimer c»»III«, wein, ml» 1££ 81, al. 2» a» HSb« I mam Reibemaschine mtt welssaa, enoll* W lartaw Bakckltar I mmm Plättbrett A ml) ,»«»», gapol- 25 slcrlaw ALPAKA verchrom», nicht rostend, säurebeständig Kaffeelöffel 0,25 E s s I 5 f f e I 0,45 Essbesteck Messer TOStfrciO Klinge I/O 5 EMAILLEWA R E N gut« fehlerfrei« Qua- Iit8t«n,«norm bllligl Verlangen Sie bitte kostenlos Möbi Brotschneidemaschine a mit Kundmessw 4,80 M JQ mi» Feliaassar Heizsonne .Morkenfabrikot�DegocT jm Reflektor messingvernik- 7 S kelt, 28 cm Oarchmesser Tafelwaage.» mit zwei runden Messing- 23 schalen,£ kg wiegend AluminiumtSpfe Satz, bestehend aos 5 Stück, Mit Deckel, 45 un bordiert, zusammen W»WWW Zinkwanne � 10erZink,m.Vehtii u.Holz- �3 45 boden, 90cm 11,25 80cm JT mam >1-Kaf al og M ö/L BERLIN C2 SPANOAUER STRASSE KDN1GSTRASSS Nr. 29 ♦ 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 48. Januar 4934 HoteLJ Grammophon, Rasiermesser und Schlüsselbund. Auf einer Bank am D ö n l> o f f p l a tz findet sich zu nächtlicher Stunde hungernd und frierend der erste. ,/)ast du keine Bleibe, Jung?" „Mann, ich habe heute mein Schlafgeld nicht zusammengekriegt, ich sehe auch keinen von meinen Kumpels. Die würden mir schon die Mark pumpen."„Wie ist denn dos in deiner Penne, gibt's da Strohsäck« oder Federbetten?"„Feine Federbetten, mein warmes Bett muß ich haben. Aber trotzdem ich schon ein dreiviertel Jahr im Hotel Poppkarton wohne, will der Bater dort jeden Tag Geld sehen."„Warum heißt denn der Laden „Hotel Pappkarton?"„Weil die Leute alle nur Pappkartons haben, die bei uns wohnen. Wenn sie überhaupt nock) einen Pappkarton in ihrem Schrank zu stehen haben."„Wie lange kann man denn zu euch kommen?"„Die ganze Nacht."„Dann können wir ja noch einen Becher trinken." Wir schlendern durch die verlassenen, winkligen Gassen des beginnenden S ü d o st e n s. Mehr Süd als Oft. Als wir eine Kneipe vorschlagen, lehnt der Junge ab. da hätten er und neun seiner Komplicen unlängst den Budiker über den Ladentisch gezogen unds sürchterlich'verdrofchen. Weil er ihnen kein Bier � ausschenken wollte, als sie zehn Mann hoch von einer Saustour aus Neukölln kamen. Einen konnte die Polizei noch erwischen. Das Urteil lautete: vier Wochen Gefängnis oder 150 M. Geldstrafe und Er- satz der Arztrechnung in Höhe von 50 M. Die Clique, man kann nicht von einer ausgesprochenen Band« sprechen, beschloß, die 50 M. pro rata auf jeden der z'ehn umzulegen, den Geschnappten die vier Wochen Knast aber absitzen zu lassen. So ge- schah es auch. Wir suchen uns deshalb eine andere Kneipe, werfen ein paar Groschen ins Orchestrion, rauchen, trinken und dann ist es soweit, der Junge schildert jene entscheidende Stunde, als er sein Elternhaus verließ. Wir wollen ihn selbst reden lassen: „Mein Pater trinkt. Morgens niuß er erst sein« drei Kognaks haben, sonst zittern ihm die Hände. Kostgeld sieht meine Mutter nur wenig. Ich hott« meiner Mutter«in Grammophon geschenkt. Eines Abends kam mein Vater wieder stcnthagclooll nach Hause. Er weckte uns auf und verlangte das Grammophon, er wollte noch mal runter und unten Musik machen. Da er den Apparat entweder kaputt gemacht oder doch nur vcrlloppt hätte, gaben wir ihm das Grammophon nicht. Darüber wurde er so wütend, daß er sein Rasiermesser holt« und meiner Mutter die Kehle durchschneiden wollte. Ich sprang so- fort aus dein Bett, umklammerte seine Beine, so daß er hinfiel. Auf die Schreie ineiner Mutter hin holten unsere Nachbarn die Grünen. Die unternahmen aber nichts weiter,, mein Bater legte sich dann auch schlafen. Plötzlich stand er aber wieder auf und wollte sich auf mich stürzen. Da rückt« ich aus. Als ich nach einigen Tagen zurückkam, hotte mein Vater das Sicherheitsschloß ändern lasten, so daß ich nicht mehr in die Wohnung tonnte. Hier ist noch das alte Schlüsselbund. Bald danach wurde ich auch auf meiner Stelle arbeitslos, und um für die linterstützuug eine feste Bleibe zu haben, meldete ich mich in unserer Penn« an. Wir schlafen da fünf Mann in einem Zimmer, du kannst noch init reinkonimen in unser Zimmer."„Wieviel Stütze kriegst du?"„Etwas über 10 M. Die Hälfte davon geht für Schlafgeld drauf, sattessen kann man sich van dem Rest nicht." Dieser Junge ist nun 17 Jahre alt und steht mit seiner Mutter in dauerndem Bricfwcckstel. Manchmal treffen sie sich heiin- lich bei seinem Vetter. Aber der Vater läßt ihn nicht wehr zurück. „Sage mal, sind in deiner Penne auch nach jüngere als du?"„Na, laß dir erzählen. Da kam immer einer mit einem richtigen 5)and- fegerkreu.z. Wir überlegten schon, was das für einer ist, da zeigte er uns Papiere, nach denen er 10 Jahre alt war. Wir bekamen bwß noch heraus, daß die Flebben falsch waren, er hatte ste irgend- wo gekauft und gab damit reichlich an. Eines Tages war er ver- schwenden, ich fragte unseren Alten(damit ist immer der Besitzer der Herberg« gemeint), wo der Clown geblieben ist, da sagte der. den hat die Fürsorge abgeholt, der Bengel war erst 13 Jahre!" Oer Wirt mit der Leibwache. „Wenn du hier«intrittst, laß jede Hoffnung hinter dir!" steht über den, Eingang der Danteschen Hölle. lieber diese,«„Hotel Pappkarton" müßte«och ganz etwas anderes stehen. Wir gehen über den Hof und sehen«inen Tanzsaal vor uns. Mit großen, ronxanischen Bogenfenstern. Wir klinken die Tür auk, treten in den Porraum, weiter gehts nicht: Qhn« Anmeldung, und ohne Führung keinen ZstteM! �Dvunerwcue�" ich,»3BBS ich HU» aac AmptÄma Die Zeilen des Bürgerkriegs und der Hungersnöte ließen in Rußland den Typ des„Besprisorny" entstehen, Entrourzelte, vagabundierende Kinder, die, in Banden auftretend, nur allzu schnell den Weg vom verbummelt en Taugenichts zum hartgesottenen Verbrecher machten. Buchstabengetreu übersetzt ist ein„Besprisorny" nur ein Unbeaufsichtigter. JVenn mir jedoch den Ausdruck„Venvahrlosier" mahlen, treffen mir den Typ des„Besprisorny" besser. Die Wirtschaftskrise in Deutschland, die mit besonderer Schmer c auf der Millionenstadt Berlin lastet, marf Tausende und aber Tausende blutjunger Arbeitsburschen, Laufjungen, Hotelpagen aus ihrer ohnehin schon schmalen Bahn. An der Grenze zmischen dem Konfektions- und dem Zeitungsviertel ist einer ihrer hauptsächlichsten Schlupfwinkel. Im nachstehenden Bericht ist jedes Wort bittere Wahrheit, hätte."„Laß man," antworten die Jungen,„wir werden die Sache schon machen. Los, geh vor!" Wir kommen in die Anmeldung. Der dicke Wirt sitzt aus einem Sofa vor einem mit Speisen und Ge- tränken überladenen Tisch. Statt eines Kragens trägt er um den Hals einen grauen„Knipper", wie ihn die Kutscher haben, nur stehen ihm die Enden der Schleifen wie Eselsohren unter dem roten Kinn hervor. In der rechten Hand hält er ein Stück Wurst, in der linken ein Messer. Bei diesem allnächtlichen Bacchantenmahl Helsen ihm noch zwei Mann. Für st«, als die Leibwachs des Wirts stehen zwei Pritschen in dem Zimmer. Denn der Wirt hat Angst,«in bc- Blick in eine der Schlafkojen. sosfener Gast könnte doch einnull Amok laufe». Erst vor vierzehn Tagen sing einer an: er hatte den»„Freier" 120 M. gestohlen, sich betrunken und kommt in die Herberge. Irgend etwas steigt jetzt in ihm auf, er reißt sein Messer heraus, springt aus den Tisch und schreit:„Jada verreck«! Deutschland erwache!" Springt wieder runter vom Tisch und will sich auf den Wirt stürzen. Mit Mühe und Not wurde der Junge gebändigt,„hier gleich um die Ecke haben wir ihn dann in einen Hausflur gepackt", erzählte man uns. Also wir klinken die Tür auf und für einige Sekunden stellen die drei das Kauen ein..Mann man bei Ihnen schlafen?" frage ich. „Selbstverständlich!" antwortet einer von der Leibwache.„Das kostet?"„Eine Mark pro Nacht." Die Iungens bezahlen auch" es muß jetzt übrigens 2 Uhr nachts sein— und sagen zu de», Wirt:„Wir nehmen den Reuen gleich mit auf unser Zimmer." Das war alles. Es würde auch nicht anders sein, wenn ein Raub- mördcr käme. Keine Kontrolle, keine Eintragung, nichts. Jetzt die große, breite Treppe hinauf. Immer noch liegt der rote Kokosläufer wie einst, als lustige Tanzpaare über diese Treppe gingen. Was aus cincin Tanzsaal alles werden kann. Ii» ersten Stock liegt der Saal. Wir lassen die Tür auf, damit von der Treppe Licht herein kann. In dem Halbdunkel erkennen wir eine Flucht eiserne Garderobcnschränke, die aus der linken Seile des Saales einen Gang machen. Rechts hinter den Schränken stehen die Bette», immer sechs Betten durch eine zwei Meter hohe, aber nur dünne Holzwand voneinander getrennt. Bevor wir unser Zimmer auf- suchen, klettern wir noch schnell in den zweiten Stock, hier sind wieder Einzelzimmer. 3n jedem schlafe» zehn Mann. Der Saal I unten ist nur halb besetzt, erst mal ist es noch sehr früh und zweitens scheint die Höhe des Schlasgcides einem slottmn Geschäftsgang im Wege zu stehen. Federn oder Kapok? „Na, nun faß mal an, feine Betten, hier kann man doch schlafen." Ick) greife mir das Kopfkissen, es ist so winzig, daß man es in einer Faust zusammenpressen könnte, aber Federn,»ein, das sind doch keine Federn, diese harten Klumpen, natürlich, Kapok ist das, gewöhnlichst« Pflanzenfaser. Diese Gäste halten das für Federn. Sonst besteht die Einrichtung des Zimmers aus den sechs Bette,:, mehr Pritsche als Bett, drei kleinen eisernen Rachttischci, und einem Stuhl. Wir ziehen uns schnell aus, krauchen in die Fallen und knipsen das Licht aus. Wieviel in dem Bett schon vor mir gelegen haben, weih ich nicht. Hoffentlich keiner mit Krätze. Da die Tür zu dem Saal mir locker schließt, ist jedes Geräusch zu hören. Man hat den Eindruck, in einem Sägegatter zu nächtigen. Nach einer halben Stunde kommen zwei Betrunken«. Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis sie sich endlich beruhigen und in ihre Nester gehen. Um Mi Uhr kommt der dritte unseres Zimmers. Vielleicht siebzehn Lahre alt. Zieht sich sofort aus und huscht unter die Kapokdecke. Die Jungens haben einen unruhigen Schlaf. Der Kleine rechs in der Ecke stöhnt, der andere dort, von de», nur ein flachsblonder Haarbüschel zu sehen ist, spricht im Schlaf zusammenhanglose Worte. In dem Saol nebenan muß es langsam voller werden, oft klappt die Tür unten. Man hört auch Tritte. Zwei haben sich wohl in'die Haare gekriegt und reden nun ununterbrochen aufeinander ein. Uni lzelb fünf schlafen auch diese beiden ein. Ich frage nämlich jeden, der kommt, wie spät es ist. Also um halb fünf kommt„och einer in unser Zimmer. Um fünf der letzte. Cr läßt das Licht„och eine Weile brennen� und lieft in einen, Witzblatt. Als er damit fertig ist, sieht er sich seinen nackten Körper aii. Nach einigen Minuten knipst er das Licht aus. Plautz, schmeißt er den Stuhl um. Alle fünf Jungens drehen sich in ihren Betten m„, der neben mir hat seine Decke auf die Erde gestrampelt. Morgen wird er einen Husten haben. Halbstündlich kontrolliere ich, ob meine Brocken noch vollzählig sind, ja, es ist noch alles da. Keiner hat also Bcrdacht geschöpft, das; die Sache mit dem„Neuen" nicht echt wäre. Sonst wäre man hier oben geliefert. Man taxiert das letztcmal in dieser Nacht die Zeit, neunundneunzig- inal hat man es schon getan, es muß jetzt viertel sieben sein. Raus aus der Kapokfalle, die Sachen an, man hat soviel Zeit, sich die Iungens anzusel)C>i: da liegt das nun mit seinen sechzehn, siebzehn, acht- zehn Jahren und hat schon alle Beziehungen zur Familie, zur Gesellschaft abgeschnitten. Wenn sie morgen kein Essen haben, werden sie stehlen gehen. Man knipst das Licht ans und die schweigende Nacht liegt wieder über den fünf Iungens. Der Weg zurück ist schwieriger, weil er allein gemacht werden nruß. Mit zwei Streichhölzern geht's durch den Saal, mit einem die Treppe hinunter, Gott sei Dank, die Tür ist auf, die drei aus dem Meldezimnwr schiiarchen, über den Hof, das Haustor ist auch auf, jetzt die letzte Tür und man atmet die taufrische Morgenluft. Nektar und Ambrosia können nicht würziger schmecken. Gleichsam neugeboren geht man in den Morgen hinein. Und wohl dem, der nicht in Kapok schlafen braucht! Jubiläum der Reichshauptstadt Ein 60. Geburtstag mit Nachgedanken Wenn auch staaksrcchtlich Berlin e r st am IS. April IS71 durch die verkündung der Verfassung des Deutschen Reiches Reichshauplstadt wurde, bemüht sich dach ein Teil der Presie. in Erinnerung an den IS. Januar 1671. an dem in Versailles das deutsche Kaiserreich ausgerufen wurde, den 16. Januar 1031 als 6 0. Geburtstag der Reichshauplstadt Berlin zu seieru. Berlin mar Haupt st adt schon jahrhuiGertelang gewesen. 1186 hatte Kurfürst Johann Cicero aus dem Hause Hohenzollern Berlin endgültig zur landesherrlichen Residenz gemacht. Die Rechte der Stadt waren schon vorher durch Friedrich II. beseitigt worden. Seitdem waren bis zum Jahre 1018 die Begriffe Berlin und Hohenzollern aufs engste in Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Man erinnert sich bei dieser Feststellung daran, daß nach dem Dreißigjährigen Kriege Berlin nur noch 7500 Einwohner zählte, weil die durch kurfürstliche Schuld schlecht gefestigte Stadt wiederholt gebrandschatzt wurde. Wetter weiß man, daß unter dem zweiten Friedrich Berlin zweimal von feindlichen Truppen heim- gesucht wurde, und unvergessen ist, daß nach dem Zusammenbruch von Jena Napoleon seinen Einzug in Berlin hielt. 1848 erließ Friedrich Wilhelm IV. nach dem revolutionäre» Ausbruch vom 13. März seinen berühmten Zlufruf„Au meine lieben Berliner". 1867 wurde Berlin die Hauptstadt des Norddeutschen Bundes. Wenn man von einem Geburtstag spreche» will, so darf man «msthmn», dos die Geburt zur„R«».ck>shoa4»tjtad«" rw Loh« 1871 schwer mar. König Wichel», I. von Preußen hatte nicht nur gegenüber den monarchische» Beschränktheiten seiner süddeutsche» Kollegen von Bayern und Württemberg durch seinen Bundeskanzler Bismarck Türen und Tore aufzuschlagen, nein, er mußte noch viel mehr sich selbst Zwang antun. Der König von Preußen weigerte sich mtt Verbissenheit, als„Charoktermajor" deutscher Kaiser zu werden, wäre es nach seinem Willen gegangen. Berlin»uärc damals nicht Reichshauptsladt geworden, sondern preußische Hauptstadt geblieben. Freilich, als Bismarck dann aus dem französischen Kriege 5 Goldmilliarden nach Deutschland brachte, da begann Berlin in einer gewissen Bevölkcrungsschicht sich als Hauptstadt eines großen mächtigen Reiches zu fühlen. Der Wahnwitz der Gründer- Periode begann. Das Aktiengesetz vom 18. Juni 1870 hatte schon die Aktiengesellschaften von jeder Genehmigung und Aufsicht des Staates gelöst. Ein Strudel war es dann, i» den namentlich Berlin hineingerissen wurde. Es dehnte sich aus, es veränderte sein Gesicht aber die Wohnungsnot für die Nichtbesitzenden und Nichtbegüterten stieg ständig. Draußen, vor dem Frankfurter, Potsdamer und Landsberger Tor lebte die unbemittelte Bevölkerung in selbst gebauten Lauben und Baracken. Di« Grundstückss,�klckanteii indessen verdienten, während die Teilnehmer am iogenamuen Blumenstraßenkramall vom Juli 1872, als die Vertriebenen, di Menschen ohne Heim protestierte», zu uisgejamt 100 Jahren Zuchthaus lwd 50 Jahren Gefängnis oerurteilt wurden. Ein schlefischer Magnat verdiente durch Berliner Haujersyekukttioven in weMgen Einer von Hunderttausenden. Hungern und nicht rauchen dürfen... Es frnnmi nicht alle Tage vor, daß ein A r b e i t s l o s e r, der nicht einmal ein Stück Brot zum Beißen hat, in einen Zigarren- laden eindringt, weil er auch um den Preis einer schweren Strafe rauchen muh. Noch seltener kommt es vor, daß der ertappte Arbeitslose dem Schnellgericht, vor dem er sich wegen schweren Diebstahlversuchs zu verantworten hat, weismachen will, der Zigarrenladen sei bereits von anderen aufgebrochen gewesen: er brauchte nur einzutreten und die Rauchwaren an sich zu nehmen. Das Gericht schenkt dem arbeitslosen Ott» P. Glauben und billigt ihm mildernde Umstände ' zu. Denn es stellt sich heraus, daß dieser kaum 25jährige, seit 4 Sahren beschäftigungslose Arbeiter eine große Leidenschast hat. die ihn sogar zum Dieb werden läßt: er kann ohne Rauchen nicht leben, hungert schon seit vielen Monaten, muß aber rauchen, wenigstens eine Zigarette täglich, sonst geht er zugrunde. Er erzählt seine Lebcnsgeschichte, und man sieht es ihm an, wie ihn jede Zwischenfrage des Gerichts aus der Fassung bringt.„Sch bin nicht vorbestraft, Herr Richter", erklärt er heftig,„aber vielleicht können Sie mir sagen, wie man b e i 12 Mark Unter stüßung und 5 Mark Wochen miete auskommen soll. Wäre der Zigarrenladen nicht schon auf- gebrochen gewesen, so hätte ich weiter Zigarrenstummel gesammelt. Aber ich hatte nicht die Kraft, vorbeizugehen und die ganze Nacht nach Abfällen herumzulungern, ich mußte endlich einmal wieder eine frische Zigarre rauchen." Der Staatsanwalt verlangt 4 Wochen Gefängnis. Der eben noch so heftige Angeklagte verliert vollends die Fassung und weint: aber er verzichtet auf jedes Einspruchsrecht. Und jetzt geschieht noch etwas Sonderbares: Der Richter, sicher auch ein leidenschaftlicher Raucher, gibt dem Angeklagten eine Bc° währungssrist und entläßt ihn sofort. 50 eingeschlagene Zensterscheiben. Ein früherer Zremdcnlegionar macht sich Lust. Die dreißig eingeschlagenen Fensterscheiben des Polizei- Präsidiums fanden endlich vor dem Einzelrichtcr Bcrlin-Mitte ihre „Sühne". Der eigentümliche Mensch, der seinem bedrängten Herzen am Neujahrsmorgen auf so eigenartige Weise Luft gemacht hotte, war mm auf Veranlassung des Einzelrichtcrs auf seinen Geistes- zustand untersucht worden, und sollte Frage und Antwort stehen. Man wurde aber aus ihm ebenso wenig klug wie in jener Sitzung vor dem Schnellrichter. Er ist im Söhre 1911 in Dillingen a. d. Dorum ckls Sohn emos Tagelöhners geboren, wurde als Hütejunge früh nut Wetter. Wind und Natur vertraut und begab sich als noch ganz junger Bursche. ruhelos und unstet wie er war, auf die Walze. lieber Luxemburg. Holland, Belgien kehrte er nach Deutschland zurück ins besetzte Gebiet und ließ sich hier für die Fremdenlegion anwerben. Er hielt die vertragsmäßigen fünf Söhre durch und war nun wieder in Deutschland. Was sollte er aber hier in geordneten bürgerlichen Verhältnissen? Es trieb ihn zurück zur Fremdenlegion. Vielleicht wäre er mich noch heute dort und die Fenster im Polizei- Präsidium heil geblieben, wenn er im Kampf mit den Riffkabylen nicht verwundet worden wäre. Eine Beinocrlctzmrg machte ihn dienstuntauglich, eine Abfindung in Höhe von 3900 Franken zum „reichen" Mann. Das war das erste und«inzigcmal, daß er Geld in Händen hatte. Was tut damit ein Hütejunge, Walzbruder und Frcmdenlegionär? Er frißt es an Ort und Stelle auf, sagte der Sachverständige Dr. Eoers. Dann fand er den Weg nach Berlin, konnte nichts und wurde Penner. Er handelt« mit Postkarten und schlief in den Männerasylen. Kleine Strafen wegen Bettelei, Bann- bruch, Sachbeschädigung unterbrachen nur auf kurze Zeit sein bc- schauliches Dasein. Am I. Januar mag er wohl schlechte Geschäfte gemacht haben. Etwas bedrängte ihn, irgendwelche aufgestaute Kräfte bewirkten die Explosion. So fand er wieder Ruhe. Das Gericht verurteilte den Fensterstürmer zu zwei Wochen Ge- fängnis, die durch die Polizei- und Untersuchungshaft bereits verbüßt waren. Der in hohem Grade schwachsinnige Mensch, meinte der Sach- verständige, gehöre in eine Anstalt. Da würde er sich wohl bei ent- sprechender Arbeit ebenso bewähren wie in der Fremdenlegion. Gekängnis für eine grobe Beschimpfung. Wegen Beleidigung des Ministerpräsidenten Dr. Braun war der rvnmmnistifche Stadtverordnete Hutarbeitcr Willi Scholz aus Luckenwalde zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Ange- Nagtcr und Statsanwolt hatten Berufung eingelegt. Scholz hatte in einer Versammlung vor der Reichsragswahl, in der er als Redner auftrat, in bezug auf den Ministerpräsidenten die Worte gebraucht:„Elender Betrüger," als er auf den Artikel 48 der Notverordnung zu sprechen kam. Vor der Potsdamer Strafkammer, vor der die Berufungsverhandlung stattfand, beantragt« der Ober- stoatsanwalt Tetzlaff' drei Monate Gefängnis. Di« Strafkammer verwarf beide Berufungen, so daß es bei einem Monat Ge- fängnis verblieb. Monaten 399099 Taler, vor den Toren wurde die Quadratrute mit 50 bis 500, in der Stadt mit 1009 bis 10 909 Taler bezahlt. Sn den Vororten gab es die Millionenbauern, die vor kurzem noch in Schöneberg ein zwar gutgehendes Bauerngrundstück besaßen, dann aber durch den Goldrausch der Gründerzeit zu.Groß ein- n e h m e r n wurden. Ein und dasselbe Haus, ein und dasselbe Grundstück wanderte an einem Tage durch zwölf und mehr Hände, und jeder verdiente dabei 5000 bis 20 000 und auch 25 000 Taler. Rudolf Lindau hatte in seiner„Gegenwart" berechnet, daß von der französischen Kricgskontribution auf jeden lebenden Deutschen ein 2 Lot schwerer goldener Teelöffel entfallen würde, in Berlin hatten jedoch Tausende nicht einmal einen warmen Löffelstiel in der Hand. Der große, unvermeidliche Krach kam durch den Berliner Börsen- Zusammenbruch am„Schwarzen Freitag" des 9. Mai 1873, die Armen hatten schon vorhel schwere Lasten getragen, jetzt trafen die Verluste an der Berliner Börse, die Millionenziffern ausmachten, auch den Mittelstand! Schwere Arbeitslosigkeit folgte, einzelne hatten sich bereichert: die Berliner Bevölkerung aber, bis in die Kreise der Arbeiterschaft hinein stolz darauf, Bewohner der„Reichs- h a u p t st a d t" zu sein, hatte gelitten. Unter Wilhelm II. blieb Berlin, was es vorher war: Die Residenz der Hohenzollern. Der Kaiser und König beglückte sie mit den Ausgeburten feiner größenwahnsinnigen Phantasie, der Siegcsallee, der Kaiser-Willzelm-Gedächtniskirche, den Denk- mälern seiner Eltern am Brandenburger Tor, dem Denkmal des ersten Kaisers an der Schloßfreiheit und was dergleichen Geschmack- lofigkeiten mehr waren. Für die Untergrundbahn, die den Be- wohnern des ins Riesenhafte wachsenden Berlins Bewegung?- Möglichkeit geben sollte, hatte er nur die Bezeichnung„Bazillen- kutsche". Der Kommunalfortschritt, dessen Vertreter im Magistrat und in der nach dem Dreiklassenwahlrecht gewähllen Stadt- verordnetenversammlung die Vorherrschast hatte, wußte sich gegen dynastische Einflüsse des Hofes nicht durchzusetzen. Unvergeßlich ist dem Berliner aus der Vorkriegszeit das Bild aus dem damals noch nicht reaktionären„Kladderadatsch", auf dem bei strömenden Regen der Oberbürgermeister mit gelüftetem Zylinder und tiefer Beugung des Rückens auf Seine Majestät am Brandenburger Tor wartet. Wirtschaftliche Notwendigkeiten konnten unter den Hohenzollern nicht in gebührendem Maße berücksichtigt werden. Charlottenburg. Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg, Spandau, Wilmersdorf und zahlreiche andere kleine Vororte waren selbständig. 1912 endlich wurde ein Zweckvcrband Groß-Berlin gegründet. Aber erst der Snitiative der Sozialdemokratie war es zu danken, daß unter der Herrschaft der demokratischen Republik am 1. Oktober 1929 das Groß-Berlin von heute geschaffen wurde. Schwungvolle Leitartikel, deren politischer Zweck nur allzu deullieh sichtbar der Gruß an den 18. Sanuar, den Tag der Aus- rufung des Kaiserreiches, ist, gehen allzu leicht an der historischen Wahrheit vorbei, will Berlin zu seinem Jubiläum als Reichs- haupkstadt einen Glückwunsch haben, so sprechen wir ihn in dem Sinne aus, daß die Entwicklung, die es seit 1918 unter sozialdcmo- kratischem Einfluß zum Besten seiner Bevölkerung genommen hat, anhalten möge. 1871—1931. Schon rein äußerlich— unter dem Gesichtspunkt des Gebiets» umfanges betrachtet— erstand aus der ehemaligen Residenz Bur- lin, deren Stadtgebietsfläche mit rund 6990 Hektar etwa der Größe des jetzigen Verwaltungsbezirks Zehlendorf entspricht, durch den aus oerwailtungstechnsschen Gründen erfolgten Zusammenschluß von 8 Stadtgemeinden, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken jenes riefenhafte Stadtgebilde, das heute mit einer Fläche von 88 000 Hektar den lltuhm für sich in Anspruch nehmen darf, neben Los Angeles die ausgedehnte st e Stadt der Welt zu sein. Gleichen Schritt nnt dem Wachstum des Stadtterritoriums hielt die Bevölkerungszahl, die von 932 000 Einwohnern im Sahre 1871 infolge des nach Beendigung des Deutfch-FranzLsischen Krieges machtvoll einsetzenden Zuges nach der Hauptstadt bereits 1890 auf 1960 099 Personen(einschließlich der Bewohner der Vorstädte) an- gestiegen war. Das beständig anhaltende Tempo der Entwicklung wurde jäh durch den Weltkrieg unterbrochen und erst nach Ueber- Windung der Nachkriegs- und Snfjlationswirkungen nahm die Einwohnerschaft ihr Wachstum wieder auf. Durch die Eingemeindun- gen bei der Schaffung der neuen Stadtgemeinde Berlin(Gesetz vom Der dickgewordene Sandow in seinem Glaskasten hüpfte wie ein Affe, um allen Anforderungen gerecht zu werden. „Was sollen wir nur tun? Die Hobelspäne wachsen uns ja über den Kopf! Wir können den Schwindel allein gar nicht mehr schaffen!" Ludwig wußte Rat. Die Belegschaft vergrößern, den Betrieb auf Dauerschichten umstellen! Wo ein Platz frei war, stellte er neue Leute hin, die fabrizieren mußten. Im Kontor warf er Zscha heraus, die sich immer noch nicht abgewöhnen konnte, während der Bürozeit die sauberen Nägel noch sauberer zu putzen und laute Unterhaltung mit der Tante zu führen, die das andere Personal beim Arbeiten störten. An ihre Stelle kam ein vereidigter Bücherrevisor, der die Aufgabe hatte, gegen ein anständiges Gehalt Ordnung in die immer wilder anstürmenden Ziffernkolonnen zu bringen. Das war keine leichte Arbeit-, denn Ludwigs Besitz wuchs und wuchs. Immer mehr Ware schaffte der Betrieb „Ludwig Eisermann, Möbelfabrik" aus dem Fabrikgebäude, und immer größere, phantastischere Summen flössen ihm zu. Er rechnete schon gar nicht mehr. Ihm genügte der Ueberschlag: drei Häuser, die Fabrik, sechs Lieferwagen, das Auto, die Lagerschuppen und, was er im Eifer beinahe vergessen hätte, die ausgedehnten Waldungen in Polen. Verdammt, falls er Zeit hatte, mußte er doch wieder mal hinfahren. Notizbuch heraus und notiert, damit die aufregende tägliche Devlseniagd nicht diesen guten Gedanken verschlang! Die vierhundert Hektar waren das Anschauen wert! * Mia, ganz zur.Dame" geworden, suchte und fand in» dessen Anschluß an Kreise, in denen Geld keine Rolle spielte. Ihre Einkaufswut hatte sich inzwischen etwas gelegt: dafür verlegte sie sich jetzt auf den Besuch mondäner Zirkel und Gesellschaften, in denen sie gute Figur machte, um so mehr als sie ständig von Jscha begleitet wurde. 27. April 1920) trat die deutsche Reichshauptstadt, deren Bevölke- I rung sich nach den vorläufigen Ermittlungen am 1. Sanuar 1931 aus 4332000 Personen bezifferte, in die Reihe der Weltstädte ein. Zunahme der Grippe. Anstalt Blankenburg und Zieservebaracken geöffnet. Das haupkgesundheiksamt keilt mit: Die Zahl der Renerkrankungen an Grippe scheint, soweit sich dies aus den täglichen TReldungen der Allgemeinen Ortstrankenkasse Berlin beurteilen läßt, eine geringe Zu nähme erfahren zu haben. So haben die Reuzugänge bei dieser Kasse stall wie bisher etwa 500 in den letzten Tagen 580 bis 620 betragen. Durch den Zealralbeltennachweis sind am 14. Januar 157, am 15. Januar 145, am 16. Januar 146 Krankenhausbetten für Grippekranke vermittelt worden. Sämtliche Kranke konnten dank der Snbetriebnahm« von Reservekrankenhäusern und-stationen ohne Schwierigkeiten untergebracht werden. Da mit einem Abflauen der Grippcerkrankungen für die nächsten Tage wohl nicht zu rechnen ist, sind das zur Zeit Das schöne Mädchen fiel auf, war ständig umworben und umschwärmt und genoß nun nach den langen Monaten Kontorhaft die wiedergeschenkte Freiheit in vollen Zügen. Seit er sich mit seiner Frau wieder verstand, war Ludwig auch zu Jscha nicht mehr so streng. Er ließ die nun bald Zwanzigjährige tun und lassen, was sie wollte. Im stillen imponierte es ihm, daß sie nicht zu praktischer Arbeit zu gebrauchen war, dafür aber einen Wesenszug an sich hatte, der den Gegenwartsforderungen bestimmter bürgerlicher Kreise entsprach. Wohl schüttelte er manchmal den Kopf über die Art ihrer Aergnügungen. Die waren ihm. der trotz aller Wand- lungen innerlich doch einfach und primitiv geblieben war, völlig fremd und unverständlich. Er sah ein, daß er die Jugend von heute nicht verstand und sie auch nie verstehen lernen würde. Für ihn rauschte Jscha durch das volle Leben wie eine Märchenfee. Sie repräsentierte seinen gesellschaftlichen Aufstieg, seinen Reichtum. Manchmal suchte er ihren Erlebnishunger zu dämmen mit der Begründung, ihre Gesundheit leide unter den-Älzu- vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen. Dann beschwichtigte ihn das Mädel mit einem Kuß und rief lachend: „Aber, Papa, das verstehst du nicht. Ich kann mich doch nicht einfach drücken! Schau mal an, was für eine Menge Kavaliere ich habe. Was würden die sagen, wenn ich weg- bliebe? Und vor ollem Hans, der reelle Absichten hat und schon zweimal sagte, er wolle mich heiraten?!" „Liebst du chn denn, Jscha?" fragte Ludwig. „Ach weißt du, Papa, was man so Liebe nennt. Was ist denn überhaupt Liebe?" „Na. erlaube mal, Jscha!" „Papa, glaub mir, was du so Liebe nennst, ist heute nicht mehr Mode. Die Hauptsache ist, daß Geld da ist, und daß man in der Ehe ein anaenehmes Leben führen kann. Dann kommt die sogenannte L'ebe schon von selber!" „Hat denn dein— na. wie hieß er doch gleich?— ach, Hans, auch etwas, Mädel?" „Und ob. Papa! Sein Vater ist Großhändler in Süd- früchten. Sechs Autos hat er laufen!" Jscha schmiß das heraus, als wäre es eine Selbstver- ständlichksit. Ludwig horchte auf.„Sechs Autos?" Mehr hatte er ja auch nicht. Da schien schließlich doch eine gute Partie da- hinter zu stecken. * I geschlossene Krankenhaus Blankenburg und weitere Rescrvebarackca erössnet worden. Für eventuell bereitzustellende weitere Bettenrescrven werden noch Assistenzärzte benötigt. Um umgehende Bewerbun- gen, die an den Magistrat, Deputation für das Gesundheitswesen (C. 2, An der Fischerbrücke 1s), zum Zeichen Ges. 4 zu richten sind, wird gebeten._ Die Geschäfte der Giadischastsbank. Versahren gegen die deutschnationalen Direktoren. Der Berliner INagistrat hat gegen die Direktoren des Pfand- briefamtes Wege und L e V i s e u r bei dem Obcrpräsidenlcn von Vertin-Vrandenbarg ein Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung beantragt. Den beschuldigten Direktoren werden sahungswidrige Geschäfte und die Beteiligung au merkwürdigen Transaktionen der Sladtschaslsbonk vorgeworscn. Wie es heißt, sollen auch noch andere Mitglieder des Aufsichtsrats dieser Bank, und zwar ausschließlich Persönlichkeiten aus der Deukschnationalen Partei und der Wirt- Ichast spart ei, an den Transaktionen beteiligt und durch die bereits seit Wochen eingeleitete Untersuchung stark belastet sein. „Wie alt ist denn der junge Mann?" fragte er jetzt sehr interessiert. „Wie alt? Na, wart mal, Papa, so um dreiundzwanzig rum!" Ludwig schüttelte den Kopf, als hätte ihn eine Fliege gestochen. „Mädel, das ist doch noch kein Alter zum Heiraten!" „Das Alter tut doch nichts zur Sache, Papa! Heut- zutags heiratet alles jung!" Das war mit einer solchen Sicherheit gesprochen, daß Ludwigs Bedenken umschlugen, um so mehr, als Mia, die dem Gespräch bisher mit einer gewissen Langweile zugehört hatte, sich aufräkelte, lächelnd die oberen Goldzähne sreilegte und sagte: „Laß doch das Mädel, Ludwig! Sie wird schon ver- stehen, ihr Glück zu machen!" *• Mißmutig warf Ludwig sein Notizbuch zur Seite. Rein unmöglich, daß er seine Absicht, die ihm gehörenden Waldungen in Polen aufzusuchen, in absehbarer Zeit aus» führen konnte. Neue Verpflichtungen stürzten auf ihn ein. Er war als Beisitzer in das Jnnungsschiedsgericht be- rufen und faß dort als Arbeitgebervertreter oft in tage- langen Sitzungen, um, gemeinsam mit einem Arbeitnehmer- Vertreter und einem unparteiischen Richter, das Recht zu finden in all den Hundertelei Konfliktfällen zwischen Kapital und Arbeit, die hier zur Entscheidung anhängig gemacht worden waren. Eine schwierige Aufgabe, die ihn oft genug mit sich selber in Widerstreit brachte. Trotz seinem Unternehmertum sah er ganz genau die sozialen Nöte der Zeit und erkannte immer tiefer, daß das früher bestehende sogenannte patriarchalische Verhältnis zwischen Meister und Geselle rettungslos zum Untergang verurteilt war. Beinahe jeder Fall, den das Schiedsgericht zu entscheiden hatte, bewies das. Was etwa an gutem Willen noch im Meister und Go° fellen war, wirst die Zeit glatt hinter sich. Die reinliche Scheidung zwischen Kapital und Arbeit ist da. Die Klassen sind klar getrennt. Und jede mußte auf ihre Weise versuchen, die eigene Existenz zu behaupten. Er als Unternehmer muß sich wehren, um sich die Substanz seines Kapitals zu erhalten und dieses nach Mög- lichkeit zu vergrößern, und zwar schon im Interesse der eigenen Arbeiter.(portsetzung folgt.) Nach zwölf Jahren verurteilt. Ein Lebensmittelkartenschieber vor Gericht. Ein Prozeß, der vor zwölf Iahren spielen sollte, fand in der ersten Instanz vor dem Schöffengericht Berlin-Nliile seinen vorläufigen Abschluß. 3m Jahre 1918 machte sich geradezu eine Völkerwande- rung von Hannover nach Berlin bemerkbar. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht in irgendeine Berliner Brotlommission Hannoveraner mit polizeilichen Mmeldungen aus der Lebensmittel» Versorgung Hannover und Berliner polizeilichen Anmeldungen*um Lebensmittelkarten nachjuchten. Die Bescheinigungen schienen in bester Ordnung, die Brotkommissionen hatten olle Hände voll zu tun, die Brotkartenempsängcr gingen im Borgesühl der sie erwar- tenden angenehmen Sättigung ihrer Wege. Aber eines Tages wurde eine junge Dame verhastet; die von ihr vorgelegten Bescheini- gungen waren gefälscht. Sie hatte als Witwe mit fünf Kindern Lebensmittelkarten erhalten wollen. Die Polizei kam hinter den Fälscher, den Kaufmann R. Vierzehn Tage später wurde er aus der Haft entlassen. Die Brotkommissioncn hatten wieder alle Hände voll zu tun. Die Sache wurde so schlimm, daß der Polizei- Präsident von Berlin an den Herrn Staatssekretär des Kriegs- crnährungsamtcs dieserhalb berichtete und beim Oberkommando in den Marken den Erlag einer neuen Verordnung beantragte. R. wurde steckbrieflich verfolgt, in den Zeitungen wurde vor ihm öffentlich gewarnL die Polizeipräsidenten und Brotkommissionen wurden angewiesnr, polizeiliche Anmeldungen von Personen aus Hannover sofort anzuhalten und auf die Echtheit auf das genaueste zu untersuchen. Mit dem hannoverschen Stempel hatte es nämlich einen Haken: die Schwänze der Löwen zeigten eine falsche Richtung. R. konnte schließlich verhaftet werden. Von April 1918 bis 6. De- zember 1918 saß er fest, dann wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen und war seitdem verschwunden. Die Anklage- schrift, im März 1919 verfertigt, konnte ihm nicht zugestellt werden. Wo war R. geblieben. Er hatte aufgehört zu existieren. Er war nicht mehr R., sondern R.; nicht mehr der wegen Urkundenfälschung und Nötigung vorbestrafte Mensch, sondern er war ein ehrbarer Kaufmann. Bis er eines Tages auf Anraten seines Anwalts das Inkognito zu lüften beschloß; er stellte sich den Behörden, um nach zwölf Iahren die gerichtliche Sühne entgegenzunehmen'� Das Urteil gegen den einstmaligen Lcbensmittelkartenschicber lautete aus acht Monate Gefängnis; die Strafe ist durch die Untersuchungshaft verbüßt. Abschied von Franz Nothenselder. In der kleinen schlichten Halle des Gemeindefriedhofcs von Eichwalde stand der Sarg mit den sterblichen Resten des Genossen Franz Rothenfelder. Di« Nacht über hatte der Iannarstur.n getost und Bäume gebrochen, Aeste geknickt. Um die dritte Nach- Mittagsstunde, da die Trauerfeier für den toten Dichter beginnt, hellt stch der Himmel und eine zaghafte Sonne wagt sich hervor. Die Kapell« ist dicht gefüllt, draußen stehen die Freunde vom Proletarischen Sprcchchor.um ihrem Sänger letztes Lebe- wohl zu sagen. Arbeitersänger leiten die Feier ein, dann nimmt Ec- vosse Pfarrer Franke das Wort und umreißt noch einmal«indringlich und ergreifend Leben und Ringen des toten Franz Rothenfelder „Mit Leidenschaftlichkeit stellte sich unser Freund an die Seit« der ArMen und Unterdrückten. Er bekannt« sich zum Sozialismus, und gleichwohl glaubte er an einen Gott über uns. Sein Ringen und Kämpfen war schwer, aber wir wissen, daß er jetzt Ruhe hat und daß er nach dem Psalmworte, das die Suchenden tröstet, den Frieden faird." Im Namen oller, die dem Menschen und Dichter Franz Rothenfelder nahe standen, spricht Genosse Henning Duderstadt letzte Worte des Abschieds. Genosse Albert Florath dcmkt in schlichten Worten dem toten Dichter für alles, was er dem Proletarischen Sprechchor und damit der Arbeiterbewegung gegeben hat. Mit größter Wirkung trägt dann zum Abschluß der Abschiedsseier der Proletarische Sprechchor ein Werk Rothenfelders vor, dem Konrad Ferinand Meyers Gedicht von den Heeren der Toten zugrunde gelegt ist. Der Sarg wird hinausgetragen. Kränz« und Blumenspenden der Redaktion des„Vorwärts", der AsA, des Sprechchors der reli- giysen Sozialisten und aller die dem Toten nahestanden, werden am Grabe niedergelegt. Drei Hand vpll Erde! Aber das Gedächtnis an Franz Rothenfclder und das. was er schuf, werden unvergessen sein! wer Lohnsteuer zuriicK erhält. Anträge müssen bald gestellt werden.— Was beachtet werden muß. �00 vvo-Mark-Spende für die Winterhilfe. Wie die Berliner Winterhilfe mitteilt, ist ihr ein« Spende im Betrage von 100 000 IN. von der S ch u l t h e i ß- P a tz e n h o se r Brauerei- A.-G. zur De-lügung gestellt worden. Außerdem wird die Brauerei in sämtlichen ihrer sechs Berliner Abteilungen von Montag, den 19. Januar, ab täglich bis auf weiteres je 190, zusammen also 699 Portionen Mi t�n g s« s s e n an Not- leidende kostenlos verabreichen. Die Berliner Winterhilfe hat nach dem Eingang der ersten größeren Spenden ihre Arbeit mit der Bereitstellung von Ernährungsgeld für die zu Unterstützungen nunmehr aufgenommen. Weiter« Spenden sind dringend erwünscht und wer- den von der Preußischen Staatsbank(Seehandiung) auf Konto Berliner Winterhilfe Nr.-1�9 370, den Groß-Berlincr Banken und Bankgeschästen, der Berliner Stadtbank, den Berliner Sparkassen und den Groß-Berlin«? Zeitungen entgegengenommen. In den Graben gestürzt und ertru»!ken. Aus dem Königsgraben in Lichtcrfelde-Ost wurde am nachmittag die' Leiche eines älteren Mannes geborgen, der von der Polizei als ein Mjähriger Arbeiter Emil Hardt aus der Großbcerenstraße 8 identifiziert wurde. H. war in einem Lichter- f-lder Betrieb beschäfligt und hatie am Freitagnachmittag seine Löhnung erhallen. Gegen 19 Uhr ist er noch von Kollegen gesehen worden. Man nimmt an, daß Hardt auf dem Heimweg in der Dunkelheit in den etwa drei. Meter tiefen Graben gestürzt und hilflos ertrunken ist. Siebe« Jahre Gemeinschaftsschule. Uebe? 7 Jahre besteht die Lebensgemeinsämstsschule in Niederschönhausen. Jetzt naht wiadär die Zeit der Ein- schulung und damit sind viele Elten, vor die schwer« Frage gestellt, wem sie die Erziehung der Kinder anvertrauen sollen. Am Man-, tag. dem 19. Januar. 20 Uhr, findet in der Aula des Lyzeums in ?Uederschönhausen, Kaiser-Wilhelm-Str. 69, ein Vortrageabend des Schulvereins statt. Es werden sprechen der Leiter der Gemein- schgktsschule, Rektor A/Zichert. über das Thema:..7 Jahre Gemein- schaftsschule— erprobte neuzeitliche Sibulerzichung", sowie ein Vertreter des Elternausschusses über: Elternschaft und Gemein» schaftsjchul«. Anschließend FragebcaNtwortnng. Sein 70. Lebensjahr vollendet an, Montag, dem 19. Januar, der Schriftsteller und Journalist Ma� Bauer. Der Siebzigjährig« D unter bat Journalisten vertu» eine sehr bekannte Erscheinung, Die Zahl der Lohnsteuerpflichligeil, die im Z ihre 1930 wegen Arbeikslosigkeik. Streiks, krankheil usw. einen Lohnaussall holten und denen deshalb der steuersreie Lohnbetrag wegen der aus- aesallenen Lohnzahlungen nicht angerechnet werden konnte, ist gegenüber dem Vorjahre erheblich angewachsen. Der kreis der Personen, die A a l r ä g e aus Erstattung zu viel gezahlter Lohnsteuer stellen können, ist also sehr viel größer geworden. Wer ist erstatiungsberechiigt? Wer im Jahre 1930 einen Berdienstousfall gehabt hat, z. SS. wegen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Streik, Aussperrung, Krank- heit usw. und dadurch nicht in den Genuß der steuerfreien Beträge gekommen ist; wer durch besondere wirtschaftliche Verhältnisse in seiner Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt worden ist, z. B. durch Unterhalt oder Erziehung der Kinder oder mittelloser Ange- höriger, durch Krankheit, Unglücksfälle oder durch besondere Auf- Wendungen für seine berusliche Fortbildung: wer Lohnsteuer gezahlt hat, obwohl der Arbeitslohn nicht höher war als der lohnsteuerfreie Betrag. � Wenn ledig« Steuerpflichtige vom 1. September 1930 ab zu ihrer Lohnsteuer noch eisten Lcdigenzuschlag entrichten muhten, weil sie einen Antrag aus Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrags wegen Unterstützung bedürftiger Eltern oder Unterhaltsgewährung an die geschiedene Ehefrau rechtzeitig, d. h. vor dem l. Juli 1939, nicht gestellt hatten, wird die durch den Ledigenzuschlag erhöhte Lohn- steuer zurückerstattet. Lcdtngung für die Erstattung ist jedoch, daß eine der sonstigen oben besprochenen Voraussetzungen für die Er- stattung vorliegt. Wo und wie sind die Am'räge zu stellen? Die Anträge müssen in der ZeU vom 1. Januar 1931 bis zum 31. März 1931 gestellt werden. Anträge, die später einlaufen, werden nicht berücksichtigt. Die Anträge sind dem Finanzamt einzn- reichen, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer am 19. Oktober 1930 seinen Wohnsitz gehabt hat. Die Anträge wegen Berdienstausfall müssen durch Einreichung eines vorgedrucktcn Formulars, das auf den Finanzämtern kostenlos erhältlich ist, gestellt werden. Den Anträgen wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse muß «ine eingehende Darlegung dieser Berhältniss«, sowie die Höhe der besonderen Auswcndungcn, beigegeben werden. Welche Unterlagen müssen nun dem Antrag beigefügt werden? Die Steuerkarte 1930, wenn sie sich im Besitz des Steuerpflichtigen befindet. Bescheinigungen der Arbeitgeber über die Höhe des Lohns, der einbehaltencn Lohnsteuer und eventuell über die Dauer der Krankheit usw. Wenn Steuermarken verwendet worden sind, müssen die beklebten und entwerteten Einlagebogen oder die Bescheinigung des Finanzamts über die bereits erfolgte Ab- lkfernng dieser Einlagebogcn dem Antrag beigefügt werden. Wenn der Verdienstausfall wegen Krankheit erfolgte, muß die De- ichdnigung der Krankenkasse, und wenn der Verdienstaussall wegen Erwerbslosigkeit erfolgte, die Bescheinigung der Erwerbslosen- fiirsorge oder eines Berufsverbondes beigefügt werden. Wieviel wird erstattet? Niemals mehr als im Kalenderjahr 1930 an Lohnsteuer gezahlt worden ist. Bei Verdienstausfall für jede volle Woche(6 Wochentags zu je 8 Stunden— 1 Woche) werden folgende nach dem Familien- stand abgestufte Pauschbcträge erstattet: ledig lohne Lcdigenzuschlag)......... 1,80 M. (mit„)......... 2,00„ verheiratet ohne Kinder........... 2,00„ „ 1 Kind 2,20 ,, „ 2 Kinder............ 2,69„ „ 3„„ „ 4„ 3,90„ „ 5 ,«•*>•••*««••• 6,9a§f „ 6 ,»»»,,,»»»»» 8,8.)„ 7„............ 10,73„ „ 8„............ 12,70„ 9.............. 14,60„ Bei besonderen wirtschaftlichen Berhällnisscn wird ein Betrag erstattet, der vom Finanzamt nach pflichtgemäßem Ermessen festgesetzt wird. Bei einem Jahreseinkommen, das die Freigrenze nicht über- schritten hat, wird der volle abgeführte Lohnsteuerbetrag zurück- erstattet. Bei Kurzarbeitern und sogenannten unständigen 'Arbeitern wird der llntcrschiedsbetrag erstattet, der sich zwischen der einbehaltenen Steuer und der nach Absetzung der Freibeträge und Familienermäßigungen sich errechneten Steuer ergibt. Iahrcsbcträge unter 4 Mark werden nicht erstattet. Neues Erdbeben in Mexiko. Wieder zahlreiche Menschenopfer. N e w B o r r, 17. Januar. I» her mexikanischen Bundeshauptstadt sind aus dem Staate Laxaea Berichte über ein neues Erdbeben einge- gangen,' das Caxaea am Mittwoch heimgesucht hat. Hier- nach habe« in der Stadt Jimatlan 5t Personen ihr Leben eingebüßt. Nach einer Meldung der„Asso- ciated Preß" find in dem Dorfe Quelapova. etwa 30 Kilo- meter westlich von der gleichnamigen Hauptstadt des Staates Laxaca, 3V Kilometer südlich von Caxaea, 3 0 Personen ums Leben gekommen. In dem Dorfe Huixtepcc, etwa 30 Kilometer südlich von Qaxaca, soll durch Einsturz einer alten Kirche eine größere Anzahl von Personen, die sich in der Kirche be- fanden, getötet worden sein. Freitod eines Gelehrten. Gießen. 17. Januar. Der Professor der Forstwirtschaft an der Universität Gießen, Dr. H. W. Weber, hat seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. Was den 4Zjährigen Gelehrten, der auf eine glänzende wissenschaftliche Laufbahn zurückblickt und sich durch bedeutende Werke auf dem Gebiet der Forstwirtschaft einen Ruf von internationaler Bedeutung erworben hatte, zu dem Selbstmord veranlaßt hat, ist unbekannt. Paler Adols Innerkosler, der Bruder des im Weltkrieg gefallenen Tiroler Bergführers, trifft am Montag, dem 19. Januar, in Berlin ein. und wird am selben Abend im Vereinshaus Deutscher Ingenieur«, Friedrich-Ebcrt-Straße 27, einen Vortrag über die Süd tiroler Verhältnisse nach dem Schober-Bertrag halten. In seiner Begleitung befindet sich yngomar Derhouz, der achtzehn Monate m italienischen Kerkern gesangen gehalten wurde, weil er angeblich eine Organisation zur Befreiung Südtirols gründen wollte. Der Bortrag selbst, dem ein Lichtbildervortrag über Südtirol von Ingomar SSerhouz beigefügt wird, ist jedermann zugänglich. „Weisie Woche" 1931. Die im Jahre 1926 in einer Versammlung gewählte Kommission von maßgebenden an der Frage der einheitlichen Veranstaltung der„Weißen Woche" beteiligten Firmen hat in ihrer diesjährigen Sitzung beschlossen, für die Veranstaltung folgende Regelung zu treffen: Bis zum 30. Juni 1931 soll nur eine derartige Veranstal- tung stattfinden. Als„Weiße Woche" wird die erste Kalender- woche des Monats Februar vereinbart. Ein Vorverkauf soll nicht vor Freitag, dem 39. Januar, abgehalten werden. Es besteht ferner Uebereinstimmung darüber, daß auch gleichartige Veranstaltungen mit anderer Bezeichnung nicht vor Freitag, dem 30. Januar, mit einem Vorverkauf oder in ähnlicher Meiie beginnen sollen. Als Nachverkaufs- oder Abbantag der„SVeißien Woche" soll Montag, der 9. Februar, dienen. Soll die Veranstaltung dar- lliur hinaus erstreckt werden, so ist an Stelle der Bezeichnung„Weiße Woche" eine andere Bezeichnung zu wählen, Elternlehrgang(INutlerschulkursus) des BezirksjuqendrMes Neukölln.'Auch in diesem Jahre veranstaltet das Bczirlsjugcndamt Sleukölln einen Mutterschulkursus. Die Themen lauten: die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett und aiischlie'|(nd in vier Borträgen Pflege, Ernährung, Krankheiten und körpeiüch« und geistige Entwicklung des Säuglings, das Kleinkind, das S hul. tind, die geistige Entwicklung des Schulentlassenen, die Serualitär in der Entwicklung des Kindes, Schwierigkeiten in der Erziehung und Gemeinschaft und Erziehung. Die Vorträge werden teilweise durch Lichtbilder ergänzt. Der Elternlehrgang beginnt Freitag, den 3P. Januar, 2 9 ilhr, in der Aula der l. Mädchen- Mittelschule, 9k e» k ö l l n, Donaustraße 127. Die Teilnahme am Kursus ist unentgeltlich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Hinter den Kulissen einer Revuepleite Lange, bevor e s brenzlich zu werden begann, hatte der männliche Star des Ensembles, an dessen schwindelnder Gagen- forderung der Herr Direktor kaputt gegangen zu sein behauptete, einer klugen Ratte gleich das sinkende Schiff verlassen. Ihm nach folgte die Diva, an deren Stelle man sich eine ebenso preiswerte wie bestempfohlene junge Dame verschrieb. Das war also die erste Garnitur. Der Stab der mittleren Darstellerkräste, denen Engage- meiits schon nicht mehr wie gebratene Tauben in den Mund fliegen, hat die Pleite Zwar miterlebt, aber da sie nur einen achttägigen Gagen- auesall bedeutet«— wenn man die acht- bis zwölfstündigen unoe- zahlten Nachtproben nicht hinzurechnet—, ward die Sache nicht allzu tragisch. Als alter Theaterhase ist man derlei Ueberraschungcn ge- wohnt. Das war die zweite Garnitur. Aber jetzt kommen die einzigen wirklich Leidtragenden, die süßen kleinen Mädels, die Girls, die Stützen der Rcvua. zwar nicht im künstlerischen, aber im dekorativen Sinne. Es gibt kein anstrsnaenderes Engagement als das eines Rcvue-Glrls. Sie werden gedrillt wie Galeerensträf- lingo, man holt das Letzte an Kraft aus ihnen heraus, indem man sie, meist untätig, tage» und nächtelang auf der Bühne herumstehen laß': in dünnen Fähnchen, dreiviertel nackt am kallen, zugigen Bühnen- räum. Sie kommen während der Proben und der Vorstellung über- Haupt nicht von der Bühne. Sie müssen sich x-mal umkostümieren, fix, six, bei offenen Türen und erhitztein Körper. Mit eingefrorenem Lächeln stehen sie dann draußen im Rampenlicht, hüpsen zwischen dep' Geschehen hin und her, oder postieren sich dekor.'liv an der ihneis zugewiesenen Ecke. Schwups Heist es dann plötzlich in Rech und Glied gestellt und exaktest mit Kopf, Armen und»einen tänzerisch eruzürt. Aber wie all« Qual einmal ei» Ende hat, so auch die Dar- slcllung: Nun hat aber im 2. Akt in der 5. Szene der Komiker. zu früh seinen Kalauer losgelassen und der Lacher ging in die Binsen. Also lautet der direktoriale Befehl: Nach der Vorstellung Probe fürs gesamte Personal. Die Girls sind wieder mal mit von der Partie. lind als da einmal eine kleine 68-Mark-Künstlerln schlapp machte und wie ein Stück Holz umfiel, da ward der Gestrenge aber wütend und es hätte nicht viel gefehlt, er hätte die„Missetäterin" an die frische Luft befördert Wozu hat man denn schließlich acht- tägige Kündigung in den Kontrakt gesetzt? 9!a schließlich blieb sie aber doch, was sie weniger seinem guten Herzen als einer in ltzer- gessenheit geratenen Bagatelle zu verdanken hatte. Gott, wenn man es so nimmt, ist die Angelegenheit nicht mal ganz so bagatellmäßig zu betrachten. Das kleine Mädel hatte nämlich ein bißchen wenig Mark jzi den Knochen(nicht bloß in der Tasche). Sie wird Hunger gehabfyaben und Schlaf und wenig Blut und wenig Widerstands- kraft. Vielleicht hätte ihr eine bloß« Tasse Kaffee wieder auf die mageren Beinchen geholfen, aber solches gab? hier nicht. Lediglich wenn die nächtlichen Proben sich so der fünften, sechsten, sogar achten Morgenstunde näherten, genehmigt« der Herr Direktor ein Auto. Eines schonen Tages hieß es. morgen ist Schluß der Vorstellung Ja, aber der Kontrakt lautete dock> bis Monatsende und man scbrieb erst den 21.? Kommentar überflüssig, man legte dem Personal einen Bogen zur Unterschrift vor, daß sie sich damit elnveritan'en erklären und auf weitere Ansprüche verzichten. Und wer da? brav tat, der bekam ein funkelnagelneues Engagement— in Aussicht gestellt! Na, sowas zieht doch immer und so ein kleines Mädel, das noch den nötigen Optimismus besitzt, sagt dazu prompt Ja. Noch dazu handelte es sich, bis auf ganz wenig« Ausnahmen. um unorganisiertes Personal, das keinen gewerkschaftlichen Schub im Rücke» hatte. »Sie hören Tokio", so heißt eine Veranstaltung, die Beispiele japanischer Musik und Deklamation bringt. Herr Noharra spricht die verbindenden und erklärenden Worte, und die Darbietungen sind aus tochallplatten aufgenommen. Zwei Szenen werden gespielt, ein« aus dem tlassischen Theater, die andere ans dem modernen. Auf der einen Bühne übersteigerte Deklamation, während man bei der realistischen Gestaltung an eine Konvcrsationsszene auf dem europäischen Theater erinnert wird, jedenfalls in bezug auf Rhythmus und Art der Dialogführung. Dann japanische Balladen- simger, die eine jahrhundertalte Tradition pflegen und int Gegensatz dazu Liedergesang in abendländischem Stil. Die Veranstaltung, so lückenhaft sie fein muß, vermittelt ein Bild von den Gegensätzen in Japan zwischen der Tradition und dem immer beherrschender ljervor- tretenden europäisch-amerikanischen Geist. Sie vermittelt vor allem stimmungsmäßige Momente. Sehr hübsch die Abendveranstaltung „Alt- Verl in tanzt" mit Musik aus vergangenen Tagen. Reizende Melodien werden ans der Mottenkiste hervorgeholt, Melo- dien, die früher einmal populäre Schlager waren, aber auch Schinalz und Sentimentalität tauchen auf. Es war also auch in der Ver- gangenheit nicht besser. Rhein-Angelegcnheiten werden ebenfalls auf- getischt, mit Witzen nett garniert und gut ausgemacht. Klara Bohm-Schuch spricht über das Thema �,Frau und Mutter als Kameraden". Es handelt sich darum, erfolgreich gegen die Tücken des Alltags anzukämpfen, denn daxin liegt in erster' Linie die Gefahr für das Zusammenleben. Es find kluge, verständige Worte, von etnem wissenden Menschen gesprochen, der den Willen hat zu helfen med Uebelstände abzustellen. F. Seh. «- Am Freitagabend kam das Hörspiel„Kaspar Hau- se r" von Erich Ebermeyer zur Uraufführung. Es versucht nicht, die historischen Zusammen häirge von Kaspar Hausers Leben und Sterben zu kläre»! es will nur>das menschliche Leid dessen zeigen, der aus Dunkel und Einsamkeit kam und seine Zukunft In Dunkel und Einsamkeit steht.. Ebermeyer macht in seinen Worten diese Gestalt nicht ganz deutlich: aber manchmal glückt es ihm, si« im Lichtstrahl einiger Sä ff? ausleuchten zu lasten. Das künstlerische Erlebnis dieser Aufführung bot Hermann Vallentin, der den vor- nehmen Drahtzieher an Kaspar Hauserz Schicksal spielte. Diese Ge- statt ist von Ebcrmeyer nicht zu Ende gezeichnet. Der Hofmann, der Befehle ausführen läßt, auch wenn ihr Inhalt„Mord" heißt. stößt zum erstenmal in seinem Leben auf bedingungsloses Vertrauen. Dafür liebt er Kaspar Häuser: er will ihn, den er ver- Nichten soll retten. Das war Vallentins große Szene und der dramatische Höhepunkt des Sendespiels. Aber damit läßt Ebermeyer diese Rolle ausscheiden. Der Hörer erfährt nur, daß der einmal gegebene Befehl weiterläuft und Kaspar Hauser auf dem Wege zur Rettung ermordet wird. Ebermeyer hat nicht empfunden, daß die Tragik dieses Ausganges sich auf den Ueberlebcnden, nicht auf den Sterbenden bezieht._ Tcs. Vorträge, Vereine undVersammlungen. g\ m Reichsbanner..Schwarz-Rot Gold". EetibSktskill»: Berlin E 14. Cebaltiangr 37—38. Sof 2. Tr Sonntos, 18. Januar. Bttis Wrstrn: OtlsDCttiur Charlottenburg und fflilmctadocf um lO'j Uhr Saalschuh Spichernsöle.— Montag, lt. Januar. Prenzlauer Berg, Nameradschoft Srnrseldlrvlatz: Unser Äamrrnd ffritz Blihm ist verstorben. Einäscherung um 11. Uhr Nrematorium Gericht. sroatze. Pflichtveranstaltung für dienstfreie Kameraden der 2. Kameradschasl. RrUtnUHaHai» tJungbonncr): 20 Uhr Versammlung im Jugendheim Frankfurter Mee, ssriedricho5b«:t», Zimmer.. Referat. Erscheinen Vslicht,— Dienstag, ZI, Zamuae. Fried-tchsh-i», Kameradschaft Stralau« 20 Uhr«ameradschasto- Versammlung bei Wertalla, loohcnlohcstr.. 3. Delcgicrtenwähl.. Prenzlauer oeffenflldie Versammliing in Zelilendorl Mittwoch, den 21. Januar, 19.30 Uhr im Lindenpark, Berliner- Ecke Gariensirabe. Landiagsabgeordn. Kultner . spricht Ober: Nationaler Sozialismus— Volksbelrng Männer und Frauen, ersdieini in Massen! Berg: 20 Uhc tZameradschaftontzungeu in den bclannten Lokalen. Sanitäter: 20 Uhr Sanitatsvollversammlung des Kreises Osten im Kausitzungssaal. Kreis» fanitiitsrithrcr um 19 Uhr.— Mittwoch, 21. Januar. Friedrichshain, Kamerad- schoir Andreas: 19�, Uhr Gencralverlauimlunq bei Schmidt, Fruchtftr. 36a. Wohl der Kameradichaftsleitung und Delegierten. Funktionäre 19 Uhr. Sien» tölln-Britz. 1. Kameradschaft, l, und 2. Zuq: 20 Uhr Zugvcrsammlung bei Schulz, Reuterstr. 47. Neuwahl der Zuglcitung. Werbebezir! Tiergarten: Ocffentliche Versammlung„SoziaNmnus W W oder Ratio nalfozialisnius?" Referent Max Westphal. Armurius-Säle, I-s Bremer Str.<2. h. Werbe brzirl Wedding, Tambourlapclle: Ucbcn 20 Uhr Sccstr. 3t l Da rocken. schule). Werbcbczirk Reukölln: Kaunrr Strohe: Ordnersitzung. Zutritt hoben nur die von den Gruppenleitern aufgeforderten Genossen gegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches. Brbeiter Radio.Vunb Deutschlaads, e. V., Orlsgruppc Groh-Berlin. Unter- gruppc Prenzlauer Berg: Dienstag. 20. Januar. 20 Uhr, Lokal Klug, Danzigcr Strohe 71:„Schwingungen der Socki- und Niederfrequenz".— Untergruppe Friedrichs Hain: Donnerstag, 22, Januar, 20 Uhr, Lokal Wertalla, lsohcnlohe- ftrahe Experimentiervortrag des Genossen Vrusch über„Wir arbeite ich am besten mit Spulen?" Gäste willkommen. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu Slnseudungen tär diese lKvdrtt nur a» da« Zuaenble'reiarCar dlerltn GW Stz.«indenllraSe? Jagendvorstrlung der Volksbühne, 23. Januar. Iii Uhr:„Da» Winter. märckxm", pou Shakespeare. Karten zu 80 Pf. fllr Iugendliäi« sind noch er» hältlich. Abteilungsleiter, reicht umgehend das Fcbruarpmgramm und den Berichts-- bogen inr das 4. Quartal ein! Mädcllursns über Fraucnfragen, 3. Abend. Donnerstag, 22. Januar, pünit- sich 20 Uhr, im Vorlragssaol des P.-V., Lindenstr. 3, 2. Löf, 2 Tr. links. Ec- nossiil Tvni Pflllf, M. d. R., spricht Uber„Die Frau im Rcchtslcben". heute, Sonntag. Heimabende: Oranienburger Tor: Ticckstr. 18, 18 Uhr:„Chinesischer Abend".— Rosen. «Haler Barst» dt: Besuch der Gruppe Oranienburger Tor.— Arnswalder Platz I: Rastenburger Str. 16. Funklionärtursus bei Erter.— Arnswalder Platz II: Rastenburger Str. 16.— Fallplatz II: 10 Uhr„Rote Ecke" zur For- d-rerwerbun«.— Selmhsltzplatz: Danziger Str 62, B. 11.— R-rd-sten I: Danziger Str. 62. B. 3.— Rordoften II: Immanuelkirchstr. 24, Tagesheim.— Schönhauser Borstadt! Schänflicher S'r 7.— Stralancr Viertel: Eohkerstc. 61: Jahre-mitgliederversammlung.— Köpenick«? Viertel: 19Vt„Roter Treff". Bc, such der W..B.-Vera»staltung.— Rcutillu IV und IT: Kanncr Strahc. kAuch die Fahrtjeilnehmer müssen erscheinen.)— Reutoll« VI: Treptower Str. 9.1.— Köpenick I: Grünauer Str. ö:„Unsere Bilanz".— Fried richshagcu: Friedrich- Strohe 87. Reinickendors-West: Seidesstr. 1. Werbe bezirt Mitte: 10V, Uhr ll-Bhf. Fluabosen...Sturmvogcl"-Besichti- gung. Interessierte Parteigenossen sind eingeladen. Wcrbedcziri Tiergarten: Genthiner Str. 17. 19 Uhr: Sprechchorprobe.— I9'a Uhr Lichtbilder:„Heinrich Zille". Treffpunkt für Moabit 1» Uhr Kleiner Tiergarte». Werbebezir! Wedbinq: Besuch der Gräber Liebknechts und Luxemburgs. Tresipunkt 9V> Uhr Bhf. Wedding. Abends Willdenowstr. ü: Liebknecht, und Luxemburg-Feier. Wcrbebrzirl Kreuzberg: Lindenstr. 4. 1914 Uhr: Schallplattcnahend. Werbebezir! Westen: Wilmersdorf, Wilhelmsaue 123, 18 Uhr: Feierstunde— drin S-denIcn Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs gewidmet.—„Rote Rebellen." Werbebezir! Teltowlaaal: Rowgwes,»>.4 Uhr: Arbeitsgemeinschaft der Jüngeren. Ab 18 Uhr Heimabend. Werbebezir! Tempelhof: Tcmpclhof, Sötzstrahe, lü Uhr: Delegiert-nronfe. rcnz.— 19 Uhr Leimohcnd. Werbebezir! Neukölln: Kanner Strohe, 9 Uhr: Delegiertenkonferenz. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Berbandshnch auheedcm mitbringe». Werbebezir! Baumichulenweg: Obcrschäncwcide, Laufcner Str. 2: 914 Uhr Funktionärschulungskunus. Werbebezir! Lichtenberg: Suntrrstr. 44: 18 Uhr Delcgiertenkonkerenz. ZNorgen. ZNontag, Uhr: Arnswalder Platz II: Rastenburger Str. 1«:„Arbestsdienstpfticht— 9. Schulnngsiahr— Erwerbslosigkeit— Jugend".— Fallplatz I: Sonnen. burger Str. 20:„Staat. Nation und Arbeiterschaft".— F-llplatz U: Sannen. burgcr Str. 20:„Die Elemente der kapitalistischen Wirtschaf!".- Schön bausee Porstadt: Svnnewburger Str. 20:..Grahsdadtgefahren und Jugendorganisation".— Stralauer Viertel: Gohlerstr. 61: Arbeitsgruicinschaft�— Hallesche, To«: Porckstr. 11:„Das Wellbild".— Westend sAeUere): Sportplatz Westend: Arbeitsgemeinschaft.— Baumichulenweg: Ernststr. 16: Lichtbilder:„Wo waren mir 1930?"— Prenzlauer Dorstadt: SIeimstr. 33— oZ:.Ziele und Aufgaben der SAI." Allgemeine Wetterlage. 47Jan.>193>labds. OwDlkenlas.O heitcr.Oha'ibbwjeckl '3wüU(ig,*be(Jsckr,»Rege-tAGr3upelg l.st Gewistec@Windsi itle Ein Ausläufer der Nordmeerdeprefston ist unter starker Ver- iiefung nach Estland pewandert. Sein Vvrüberganq brachte namcnlliai in der Nacht zmn Sonnabend neben stärkeren Rcgcnfällcn tn gav) Deutschland stürmische westliche Winde. Auch am Sonnabend selbst stielten die starken Westwinde an. wobei vielfach teils Regen-, teils Schiiceschauer vorkamen. Aus Westdeutschland wurden vereinzelt auch Gewitter gcnicldct. Die Temperaturen logen überall über dem Gefrierpunkt, waren aber abends fast allgeniein im Sinken begriffen. Denn auf der Westseiie der cstländischcn Sturmdepression dringen küstler« Lustmassen nördlichen Ursprungs gegen Mitteleuropa vor, die uns bei sinkenden Temperaturen auch morgen unbeständiges Wetter bringen dürsten. * Wetleroussichkcn für Berlin: Bei sinkenden Temperaturen noch unbeständig mit einzelnen Schauern, böige nordwestliche Wind«.— ?ür Dentschlapd:..Uxbcrall.unbeständig, namentiich im Nardostcn Pllch.starke bis stürnüsehe nordwestliche Winde, WERTHEIM . Leipziger Str.(Versand- Abt> Königstraße Rosenthaler Str, Moritzplatz Kleider Tweed Frfihjahnmuster, Meter 2 40 Jumper JerMy, Welle ml» Kunstseide 6 90 Pelzgarnitur Bubikragen und Man- sdietten 12 50 Regenschirm fdr Damen, Kunstseide, 1< teilig 4so PUmPS Damm #90 b. Spmgensdiuhe, CrOpe de Chine u. 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Der Rückgang der Einfuhr beziffert sich demnach auf rund 3 Milliarden, was einem Wcrtrückgang von 25 Proz. entspricht. Dagegen ist die Einfuhrmenge nur um etwas mehr als 10 Proz. ge- funken, so daß sich also in dem scharfen roertmößigen Sinken der Einfuhr nach Deutschland der Preissturz auf den Weltmärkten be- sonders deutlich ausprägt. Im übrigen ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts der tatsächliche Einsuhrwert im Jahre 1930 noch um 200 Millionen zu hoch angesetzt, da sich infolge der Lagerabrechnuvgen zeitliche Verschiebungen bei den statistischen Er- sassungcn ergeben. Die Ausfuhr ist ohne die Reparationssachlieserungen von 12,7 Milliarden im Jahre 1929 auf 11,3 Milliarden im letzten Jahr zurückgegangen. Unter Hinzurechnung der Reparationssachlieserungen stellt sich die Ausfuhr 1930 auf rund 12 gegenüber 13,5 Milliarden i m Vorsah r. Die Gcsamtausfuhr weist also einen Rückgang um 1,5 Milliarden, also 11 Proz. auf. jedoch spielt auch hier der Preisabbau«ine große Rolle, denn die Ausfuhr- ni e n g e Deutschlands ist nur um 5 Proz. gegenüber 1929 gesunken, was in Anbetracht der schweren Weltwirtschaftskrise und der verschärften Schutzzollpolitik im Auslande«ine bedeutend« Leistung darstellt. Die Handelsbilanz von 1930 weist unter Berück- sichtignng der durch die Lagerabrechnungen bedingten Korrektur der Einfuhrzahlen um rund 200 Millionen einen Ausfuhrüber- s ch u ß von 1,1 Milliarden Mark ohne die Reparationssachlieferungen und unter Einschluß dieser Reparationsleistungen einen Exportüberschuß von insgesamt ifi Milliarden Mark auf. Die gewaltigen Verschiebungen, die Deutschlands Außenhandel im letzten Jahr erfahren hat, kennzeichnet die Tatsache, daß der Exportüberschuß im Jahre 1929 sich auf nur 3ß Millionen Mark belief. Im einzelnen stellten sich bei den wichtigsten Einsuhr- waren die wertmäßigen Rückgänge wie folgt: Textilrohstoffe aller Art— 640 Millionen, Metalle— 274 Millionen, Brotgetreide und Müllereierzevg- nisse— 239 Millionen. Futtermittel— 228 Millionen, Oelfrüchte und Oelsaaten— 215 Millionen, Garne aller Art— 112 Millionen, M o lk e re i p r o du kt e— 107 Millionen und Holz— 103 Millionen. In diesen Posten kommt einmal der ganz besonders schwere Preisembruch bei der Baumwolle und Wolle wie auch der durch die Krise stark verringerte Bedarf der deutschen Textilindustrie zum Ausdruck, bei den Metallen gleichfalls die völlig« Umwälzung der Preisbasis, während die be- trächtlichen Rückgänge der Lebensmitteleinfuhr auch stark von den Zollerhöhuugen in Deutschland beeinflußt sein dürsten. Der Aussuhrrückgang beziss«rt sich bei den wichtigsten Ausfuhrwaren auf: 1212 Millionen bei den Eisenwaren,— 146 Millionen b ei Geweben aller Art,— 134 Millionen bei Tcxtilrohstofsen»— 98 Millionen bei Kohle und Kok» und 90 Millionen bei Farben und sonstigen Produkten der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Angesichts der scharfen Drosselung der amerikanischen und englischen Maschinenausfuhr muß die Steigerung des deutschen Maschinenexporls in diesem schweren Kriscnjahr als ein ganz besonders günstiges Ergebnis bewertet werden. Jedenfalls beweist diese Tatsache sowie der hohe Stand der gesamten deutschen Fertigwarenausfuhr, die sich auf 9 gegen 9,8 Milliarden gehalten hat, daß von e x p o r t- drosselnden Löhnen in der verarbeitenden deutschen In- dustrie nicht die Rede sein kann. Die Unternehmer, die mit diesem Argument schon in der Vorkriegszeit Lohndruck betrieben, sollten in Zukunft mit diesem alten Ladenhüter vor keiner einzigen Spruchkammer mehr operieren dürfen. Das äußerlich glänzende Bild des deutschen Außenhandels in der schwersten Wirtschastsdepression. die seit Jahrzehnten die Welt erfaßt hat, hat allerdings auch seine Kehrseite. So notwendig eine starte Ausfuhr auch für die deutsche Wirtschast ist, und so erfreulich der hohe Stand des deutschen Exports im letzten Jahr bleibt, so besteht doch kein Zweisel, daß mit der Zuspitzung der innerdeutschen Krise vielfach Zwaugsexporle durchgeführt wurden. Der Inlandsmarkt ist und bleibt, das hat die erst kürzlich erschienene Untersuchung des Eiiqueteausschusses erneut bewiesen, für die Konjunktur in Deutschland der ausschlag- gebend« Faktor. Betragen doch die Inlandsumsätze nach den Schätzungen des Enqueteausschusses 80 bis 90 Proz. des volkswirtschaftlichen Gesamtumsatzes in Deutsch- land. Wenn der Anteil des Inhalts an bestimmten Fertigwaren, wie z. B. Maschinen, in normalen Zeiten auch erheblich geringer war und nur etwas über 60 Proz. betrug, so kennzeichnet doch die Schwere der innerdeutschen Wirtschaftskrise nichts deutlicher, als daß sich im Maschinenbau da» Schwergewicht des Absahes nach dem Auslande zu verlagern scheint. Jedenfalls hat bei einer großen Anzahl unserer führenden Maschinrnsabritcn der Export den Inlandsabsatz im letzten Jahr übertroffen. Um die Verluste verschiedener Exportindustrien in der jetzigen Krisenzeit zu verhindern, oder wenigstens teilweise zu'verringern, müßte allerdings der Preisabbau bei den deutschen Monopol- industrien schärfer durchgeführt werden, als es bei den Kohlen- wie auch bei den Eisenpreisen der Fall war, die bei den letzteren immer noch ein« große Spanne gegenüber den Weltnwrktspreisen offen lassen. » Für den Monat Dezember werden im einzelnen folgend« Auhenhandelszifsern ausgewiesen: Die Einfuhr ist von 734,3 �Millionen im November aus 681,3 Millionen zurückgegangen. Die Senkung ist zuni größten Teil auf saisonmäßige Ursachen zurückzuführen. Die Ausfuhr hat im Dezember nur um 28,4 auf 903 Millionen Mark abgenommen. Di« geringe Ausfuhr- s s n k u n g im Dezember ist um so bemerkenswerter, als sie u m etwa 25 Proz. geringer ist als aus jahreszeitlichen Gründen zu erwarten war. Devisenverluste der Reichsbank. Mein in der lehten Woche 162 Millionen. Der Reichsbankausweis vom 15. Januar bringt eine weitere kräftig« Entlastung. So ging die gesamte Kapital- anlag« der Bank in Wechseln, Schecks, Lombards(Kredit« gegen Verpfändung von Wertpapieren und Effekten um 369,6 auf 1896,2 Millionen Mark zurück. Von d«n zur Ueberwindung der Zahlungs- ansprüche am Jahresende bei der Reichsbank genommenen Krediten der Wirtschaft sind in der zweiten Januarwoche b e- rcits 1,03 Milliarden Mark zurückgezahlt. Hierbei haben sich in der Berichtswoch« die Wechsel- und Scheckbestände um 402,7 auf 1078,7 Millionen Mark verringert, während sich die Lom- bardbestände auf 114,9, also um 48,3 Millionen Mark verstärkt haben. Im Zusanimenhang mit der weiteren Zurückzahlung von Krediten und der Entlastung der Kapitalanlagen sind in der Berichtswoche 369,2 Millionen Mark an R«ichsbanknoten und Rentenbankscheinen in die Kassen der Reichsbant zurückgeflossen. D«r Umlauf an Reichsbanknoten hat sich damit auf 3962,3 Millionen(— 363,5) und der Umlauf an Rentenbankscheinen auf 399,7'(— 5,7) Millionen gesenkt. Die fremden Gelder(Giroguthaben) sind um an- nähernd 100 auf insgesamt 322,8 Millionen Mark gesunken. Trotz des Steuertermins vom 10. Januar haben bei dieser erheblichen Ver- ringerung der Giroguthaben Abrufe von öffentlichen Stellen erheblich mitgewirkt. Die normale Entlastung der Reichsbank, die sich in der zweiten Ianuarwoä)« nach der schon starten Erleichterung ihres Status vom 8. Januar sortgesetzt hat, wird durch die weiter« unerfreuliche Entwicklung auf dem Devisenmarkt gestört. In der Berichtswoche betrugen die Verluste an deckungs- fähigen Devisen bei der Rcichsbank 132,3 Millionen Mark, nachdem in. der vorhergehenden Woche bereits ein Abfluß von 68,7 und in der letzten Dezemberwoche Verluste von 66,8 Millionen eingetreten waren. Es sind somit in den letzten drei Wochen fast 270 Millionen Mark Devisenverluste eingetreten. Die Störungsmomente, die diese unerfreuliche Entwicklung hervorgerufen haben, sind verschiedener Art. Abgesehen davon, daß von den Banken zur Verstärkung ihrer Auslandsguthaben und Vergrößerung ihrer Liquiditätsreserv« so gut wie gar kein Devisenangcbot kommt— auch von den aus den Außen- Handelserlöselt«ingchcndrn Devisen nicht—, haben in der Berichts- zeil auch wieder Abrufe ausländischer Gelder, mit Aus- nähme ainecilanischer, stattgefunden. Daneben fällt auch noch ins Gewicht, daß im Januar eine Reparationszahlung in Höh« von 100 Millionen fällig ist. deren LcjchsKmg sich anj dem Devisen- markt verknappend auswirtt. Außerdem-aber scheint auch wieder in einem gewissen Umfang eine Kapitalflucht aus Deutschland eingesetzt zu haben, die offenbar auch darin ihre Bestätigung findet, daß die Ncueinreichungen von Wechseln bei der Reichsbank stärker sind als in der gleichen Zeit des Januar 1930, obwohl der Geldbedarf der Wirtschast infolge der anlMltenden Krise weit geringer sein muß als vor einem Jahr. Offenbar werden von diesen Stellen die Devisen» kaufe durch Wechseleinreichuugen finanziert. Es liegt aus der Hand, daß bei dieser'Ungünstigen Situation auf dem Devisenmarkt an eine Senkung des Reichsbankdiskonts als Folg« der New-Porker und Pariser Diskontabbauten nicht mehr zu denken ist. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen D e v i f e n sind in der Berichtswoche nach der genannten Berringe- rung um 132,4 Millionen aus insgesamt 2483,9 Millionen Mark ge- funken. Hiervon lzaben sich die Goldbestände aber nur um 10V 009 Mark aus 2215V Millionen gesenkt. Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhte sich von 51,2 Proz. in der Vorwoche auf 55,9 Proz., diejenige durch Gold und dcckungefähige Devisen von 60,5 auf 62,7 Proz. Gebührensenkung bei der Post. Der Verwaltungsrat der Deutschen R e i ch s p o st befaßte sich in seinen Freitag- und Somiabendsitzungen mit der Borlage des Reichspostministers wegen Senkung verschiedener Po st- gebühren. Ferner stand der Ankauf der Transradio A.-G. zur Diskussion. Die Vorlage des Ministers wegen der Tariffenkungen wurde mit großer Mehrheit angenommen. Im einzelnen handelt es sich hierbei um Einführung einer 20-Gramm-Stufe für Drucksachen und eines dementfprechcndcn Vier-Pfennig-Tarifs. Die Gebühr für Postwurffendlmgeii soll auf 2 Pf. ermäßigt und bei Paketen von mehr als 10 Kilo Gewicht die sogenannten Kilogrannnzuschläge um 5— 10 Pf.(für die zweite bis fünfte Zone) herabgesetzt werden. Wesentlich ist auch, daß für dringende Telegramme und Fern- gespräche künftig nicht mehr das Dreifache, sondern nur noch das Doppelle der Nonnalgebühren erhoben wird.— Der Antrag auf Uebernohme der Transradio A.-G. für drahtlosen Ileberseeverkehr durch die Reicöspost, der bekanntlich in den letzten zwei Wochen heftige Angriffe des privalen Elektro- kapitals und der hinter chm stehenden Großbanken zur Folge hatte» wurde«be-jolls«st großer Mehrheit a.o gen o mm e n. Konfektions-Milliarden. Zahl der Heimarbeiter um 50 proz. höher als die der Betriebs ardeiter. Produktionsstatistiken haben in DeutschlaiÄ» Seltenheits» wert. Um so erfreulicher ist es, wenn das Statistische Reichsamt sein Arbeitsgebiet allmählich nach dieser Richtung hin ausdehnt. Jetzt werden zum e r st e n Male Zahlen über die Produktion der Bekleidungsindustr-ie im Jahre 1928 veröffentlicht. Erfaßt wurden 5801 Betriebe der eigentlichen Konfektion und Eigenbeiriebe des Einzelhandels. Die Gesamtproduttion hatte einen Wert von annähernd 2 Milliarden Mark. Beschäftigt wurden in Betriebsstätten der Konfeltion 163 587 berussgenossen- schaftlich versichert« Personen, von denen 75 Proz. Frauen waren. Bedeutend höher aber war die Zahl der Heimarbeiter mit 220 000 bis 250 000. Die Gesamtsumme der Löhne und Gehälter machte 25 Proz. des Produktionswertes, also etwa 500 Mill. M. aus. Etwas niedriger als der Durchschnitt war mit 22 Proz. der L o h n a n t e i l in der Herrenkonfektion, etwas höher (26 Proz.) in der Wäschesabrikation. Für Rohstoffe, und zwar überwiegend für Gewebe, mußte mehr als eine Milliarde Mark aufgewendet werden, das sind 53 Proz. des Gesamtwertes der Produktion. Diese Zahlen geben Anhaltspunkte für die Beurteilung, wie stark Senkungen der Rohstoffpreise sich auf die Preise der Konsektion auswirken können. Vom Gesamtumsatz entfallen fast zwei Drittel auf Ober- kleidung. Während bei Männerkleidung 36 Proz. des Umsatzes in Anzügen, 23 Proz. in Mänteln bestand, war das Verhältnis der Frauen- und Mädchenkleidung umgekehrt: hie? entfielen auf Mäntel 54 Proz. und auf Kleider nur 37 Proz. Der Einzel- Handel ließ im Jahre 1928 in eigenen Betrieben nur noch Männeroberkleidung in größerem Umfange herstellen. Alles übrige also bezog der Einzelhandel von der eigentlichen Konfektion. Hauptort für die Bekleidungsindustrie ist Berlin. Hier ist etwa die Hälfte der Gesamtproduktion tonzentriert.— Für die deutsch« Filzhutindustrie sind neben Berlin die Städte der Provinz Brandenburg von besonderer Bedeutung: in diesen zusammengenommen werden sogar annähernd 80 Proz. der ganzen Filzhutindustrie hergestellt. Der Export betrug im Jahre 1928 etwa 182 Mill. Mk� mochte also nur 9 Proz. des Gesamtumsatzes aus. Für die einzelnen Zweige der Konfektion ergeben sich aber ganz ver- schiede ne Anteilsziffern. In Kleidern betrug der Export- anteil 13 Proz. des Gesamtumsatzes, in Mänteln 17 Proz. und in Filzhüten und Filzstumpen fast 25 Proz. Es bleibt also für die übrigen Bekleidungsarten ein Exportanteil von nur 4 Proz. Sollten hier nicht noch Möglichkeiten zur Steigerung des Exports liegen?_ Kapiialherabsehungen. Ein Mittel zvr Stärkung der Macht der Großaktionäre. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Aktiengesell- schasten ihr Kapital durch Einziehung von'Aktien herabsetzen. Sie werden dazu veranlaßt durch den überaus niedrigen Börsenkurs, der ein Aufkaufen von Aktien mit Verhältnis- mäßig geringen Mitteln gestattet. Aber in allen Fällen bleibt ein solcher Aufkauf ein Zeichen für eine sehr hohe Liquidität der Bilanzen, für das Vorhandensein starker flüssiger Geldmittel bei den Unternehmen. Die Gruschwitz-Textilwerk« A.-G., Neusalz«r. O., schlügt der Generalversammlung eine Herabsetzung des Kapitals von 13,26 auf 11,26 Millionen Mark durch Einziehung von 2 Millionen Mark Aktien vor. Der Börsenkurs steht zur Zeit auf nur 50 Proz. Wenn also diese Aktien zum Börsenkurs gekauft werden, so braucht man für die Aktien im Nennwert von 2 Millionen Mark nurlMillionzu zahlen: man macht also«inen Buchgewinn von 1 Million Mark. Dieser Buchgewinn wird zu Abschreibun- gen verwendet werden, entweder auf die Vorräte, deten Preise ja in letzter Zeit gesunken sein dürften, oder aus die Anlagen. Zweifellos werden durch eine solche Kapitalherabsetzung die Rentabilitätsaussichten verbessert: der Gewinn des Unter- nehmens, das ja als Fabrikation sbetrieb völlig un- oerändert bleibt, verteilt sich auf eine geringere Kapital- summe. Nun werden die Aktien erworben von einer Tochtergesellschaft, der Textilwerke A.- G., Berlin, die schon seit längerer Zeit 17 Proz. des Kapitals der Gruschwitz-Textilwerk«, also 2,25 Mit- lionen Mark Aktien, besitzen soll, während im Besitz der Gruschwitz- Textilwerke sich 55 Proz. des Kapitals der Textilwerke A.-G. be- finden— ein typisches Zeichen für die Verschachtelung der deutschen Aktiengesellschaften. Diese Verschachtelung wird also durch den Uebergang der 2 Millionen Mark Aktien fast beseitigt, und vielleicht wird auch der Rest von 0,25 Millionen Mark verkauft werdcn. Der unmittelbare Einfluß der Familie Gruschwitz, die 20 Proz. des alten Kapitals(also 2,65 Millionen Mark) besitze» soll, auf die Gruschwitz-Textilwerk« wird durch die Herabsetzung des Kapitals verstärkt, da ihre Stimmenzahl dann automatisch von 20 auf 24 Proz. der Gesamtzahl steigt. Und vielleicht wird nur deshalb das ganze Geschäft unternommen. Das miernationale Waggonfariett. Die verfchiedentlichen Meldungen über„Quertreibereien von Außenseitern" auf dem Waggon-Weltmarkt werden vom Waggon- k a r t e l l jetzt dahin berichtigt, daß hiervon keine Red« sein kömie, zumal in der letzten Zeit aus dem Weltmarkt überhaupt keine Geschäfte zum Abschluß gelangt seien. Dagegen wären Außenseiter auf dem französischen Inlandsmarkt aufgetreten, wo sie auch einige Aufträge für sich hereingeholt hätten. Dies sei aber nur daraus zu erklären, daß die dem Kartell angeschlossenen französischen Waggonwerke zur Zeit derart stark besetzt feien, daß sie diese betressendcu Geschäfte, die nur zu schlechten Preisen zu haben waren, ausgeschlagen hätten. Zu der Frage einer gemeinsamen Finanzierung von ausländischen Geschäften durch das Kartell wird noch mitgeteilt, daß an diese gemeinsame Finanzierung erst dann gedacht werde, wenn sich das Kartell, dos zunächst nur bis Ende dieses Jahres läuft, sich auch wirtlich bewährt habe. Das Jahr 1931 muß daher in diesem Zusammenhang für die Tätigkeit des internationalen Waggon- kartells als ein reines Versuchsjahr angesehen werden. Großhandelsindex gesunken. Der oam Statisttschen Reichsamt berechnete Großhandelsinder(1913= 100) stand am 14. Januar auf 115V» ist aljo gegenüber der Vorwoche um 0,9 Proz. gestiakea, Oer Arbeitsmarkt am Lahresende. Keine Arbeitsstreckung.— Lohndruck steigert die Arbeitslosigkeit. Die Dezember-Berichte der Gewerkschaften über die Arbeits» losigkeit unter ihren Mitgliedern b e st ä t i g e n das düstere Bild, das uns aus unmittelbarer Beobachtung den Pressemeldungen über die neuen Entlassungen sowie aus den Mitteilungen der Reichs- anstalt für die Arbeitslosenversicherung bereüs bekannt war: Im Dezember hat sich die allgemeine Lage weiter verschärft. Nach den Berichten der Gewerkschaften waren von 100 der Mitglieder arbeitslos bzw. standen in Kurzarbeit: Unter Umrechnung der Kurzarbeit in Vollarbeitslosigkeit betrug die gesamte Arbeitslosigkeit unter den Gewerkschaftsmitglie ern Ende 1S29 22,5 Proz. und Ende 1930 rund 37 Pro.}., vollbeschäftigt waren vor einem Jahre 71,5 Proz.. jehl sind es nur 51,9 proz. Die unerfreuliche Entwicklung des Arbeitsmarktes im Dezember 1930 läßt sich im wsscn. ki chen auf dreierlei Faktoren zurückführen: 1. Saisonmäßiger Rückgang der Beschäftigung, der in diesem Jahre nicht so groß wie im Vorjahre war, weil der Be- jchäftigungsgrad schon vorher viel niedriger war(vgl. besonders die Zahlen für die Saisongruppe). 2. Verschärfung der kon- junkturellen Depression, die sich bereits Ende 1929 fühl- bar machte und seitdem unaufhaltsam fortschreitet. 3, Auswirkung der falschen Politik der Untern eh- mer und der von ihnen inspirierten und geleite- ten Reichsregierung. In der S a i f o n g r u p p e hat sich die Lage in sämtlichen Be- rufsgruppen gleichmäßig verschlechtert. Die Arbeitslosigkeit ist ge- stiegen � beim Baugewertsbund von 50 auf 04,3 Proz., bei den Zimmerern von 56 auf 65,6 Proz., bei den Malern von 53,2 auf 62,5 Proz., bei den Dachdeckern von 42,5 auf 66 2 Proz., bei den Steinarbeitern von 53,2 auf 71,5 Proz. Im großen und ganzen war das Baugewerbe Ende Dezember etwa so beschäftigt wie Ende Januar(der schlechteste Monat des Jahres) 1929 und 1930. Im Dezember war bis jetzt dieser Tiefstand noch niemals erreicht worden. In der Konjunkturgruppe eilte, wie gesagt, die Ar- bcitslösenzahl von 20,6 auf 24,3 Prox. ck». h. um 3,7 Proz., empor. Zum Teil trist auch in diesem Fall die Auswirkung der Jahreszeit in Erscheinung, da am Jahresende die Beschäftigung in verschiedenen Industrien nachzulassen pflegt. Dieser Faktor sällt aber neben dem Abschwung der Konjunktur nicht schwer ins Ge- wicht. Unter den Verbandsmitgtiedern waren arbeitslos bzw. standen in Kurzarbeit: Bergbauarbeiter.. 7,6 Metallarbeiter... 22,7 Textilarbeiter.... 18,2 Schuhknacher.... 23.9 Sattler.... 40.4 Holzarbeiter.... 35,5 Nahrungsmittelarbeiter ll,6 Besonders ist die Lage waren arbeitslos! standen in Kurzarbeit Ende> Ende Ende Sem. j Oll. Noo vre,| Pro, I Pro, Ende Ende' ?el. Sepl.! Pro,' Pro,.. Ende Ende I Ende Oft. 1 Noo. I Dez P 0, I Pro, I Pro,. 8,6 23,9 18,2 22,1 40,1 35,9 12,8 der in 9,4 10,6 19,8 25,5 28,0 24,4 19,6 21,1 38,1 25,3 30,3 41,7 41,7 47,7 21,5 38,2 46,3 14,1 13,4 16,0 tj 7,9 Tabak indu st rie 22,0 1 18,9; 22,9 24,0 25,6; 26,9 38,0 40,3 i 40,9 47,4 56,8, 6,6 20,4 21,1 22.3 13,3 14,3 1 13,6 12,6 17,2 j 19,0 hervorzuheben, die infolge der neuen steuerlichen Belastung im Dezember eine sprunghafte Steigerung der Arbeitslosigkeit aufweist. Em« Oktober waren unter den Mitgliedern des Tabakarbeiterverband.s 17,3 Proz. arbeitslos und 29,9 Proz. standen in Kurzarbeit, im November ging die Zahl der Arbeitslosen auf 9,7 Proz. und die der Kurzarbeiter auf 4,9 Proz. zurück, am Jahresschluß erreichte die Arbeitslosigkeit 42,9 Proz., wobei weitere 10,7 Proz. der Verbandsmitglieder verkürzt arbeiteten. In der von den Gewerkschaften geforderten Ak.ion der Ar- beits st reckung war im Dezember kein. nennenswerter Fortschritt zu bemerken. Freilich verbreitete sich die Kurz- arbeit(von 15,6 auf 16,3 Proz. der Gewerkschaf smi glteder), aber nur in Ausnahmefällen handsste es sich dabei um bewußte Ar- beitsstrcckung. Iu mehreren Berussgruppen verminderte sich gleichzeitig mit dem Anwachsen der Vollarbeitslosen- zahl die Zahl der Kurzarbeiter. So ging z. B. unter dcn graphischen Hilssarbei.ern die Zahl der Kurzarbeiter von 6,2 auf 5,7 Proz. zurück, während die Vollarbeitslosigkeit von 18,8 auf 21 Proz. anstieg. Eine ähnliche Verschiebung läßt sich bei dcn Lederarbeitern und Holzarbeitern f Mellen, wo die Kurzarbeiter- zahl von 22,1 bzw. 14,3 auf 21,4 bzw. 13,6 Proz. zurückgegangen ist, während die Arbeitslosigkeit von 19,2 bzw. 38,2 cuf 24 bzw. 46,3 Proz. stieg. Auf den opferwilligen Vorschlag der Zlrbeitsstreckung durch die Arbeiter haben die lln.ernehmer mit d r Verzehnfachung des Lohn drucks geantwortet. D:e ver- sprachen sich und der Oeffenstichkeit. auf diese Weis« di« Arbcitslosig- keit herabzudrllcken. Die Entwicklung des Arbeusmarktes in den letzten Monaten beweist aber, daß die aus unzähl'ge Millionen Mark laukenden„Ersparnisse" in den Lohnkantra keinem einzigen Arbeitslosen Beschäftigung zu schaffen oermochten. Trotzdem bleibt die Reichsregierung für die Forderung der Arbei sstreckung stumm. Sie hat wichtigere Sorgen als die Arb its- befchaffung, und eine dieser Sorgen ist, den Unternehmern bei dem Lohnabbau zu helfen. Auf diesem G biete— aber leider nur auf diesem Gebiete— hat sie erheblichen Erfolg erzielt. Aber mit jedem Schritt in dieser Richtung sinkt die Be» schäftigung der Industrie tiefet und tiefer, verschärft sich die Ar- beitslosigkeit. Zugleich aber ver schär fr sich auch die allgemeine politische Lage, die eine verhängnisvolle Wirkung auf die Wirt- schaftslage ausübt. Wl. W. Nochmals„freiwilliger Arbeitsdienst". Die(Steuerzahler sollen aber zwangsweise blechen. Arn Sonnabend fand im R e i chs a rb e i t s m i n i st e r i u m mit„Vertretern der A rb e i t s d i e n st b e w e g u n g" eine Be- sprechung statt. Erörtert wurden versstiedene Projekte zur Em- sührung eines freiwilligen Arbeitsdienstes. Der Ver- treter des Arbeitsministerinms teilte mit, daß einzelne solcher Pro- jelte zur Zeit geprüft werden. Vorläufig stünden jedoch die amt- liehen Stellen den ganzen Arbeitsdienstbestrebungea noch skeptisch gegenüber. Auch die Einsührung eines freiwilligen Arbeitsdienstes kostet Geld. Woher nehmen? Von der Arbeitslosenversicherung? Ganz abgesehen davon, daß dies eine grundlegende Slenderung des Gesetzes zur Voraussetzung hätte,, würde die ohnehin dcsizitäre Versicherung damit rettungslos der Pleite oerfallen. Oder will man staatliche Subventionen? Ein„frei- williger" Arbeitsdienst, zu dem die Steuerzahler, die ja doch wohl nrch so viel verstagen können, zwangsweise herangezogen werden fallen! Wir sind der Meinmig, das Reichsarbeitsministorium soll niit diesem Humbug endlich Schluß machen und sich einer ernsthaften Arbeitsmarttpolitik zuwenden. Schiedsspruch für Schuhmacher. Tarifvertrag wieder in Kraft. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen den Arbeiter- gewerkschaften und dem Verband der selbständigen Schuhnwcher des Stadtkreises Berlin war eine Verständigung erziest, wonach der bisherige Tarifvertrag mit einigen Abijnderungcn wieder in Kraft gesetzt wird, unter der Voraussetzung, daß auch die dem Jnmmgsvcrband nicht angeschlossene Schuhmacher- zwangsinnung zu Berlin dem zustimmt. Mit den Unter- nehmern der orthopädischen Betriebe sollte eine besondere Verständigung herbeigeführt werden. Da letztere weitere generelle Lohnherabsetzungen verlangte, kam ein Abschluß nicht zustande. Aus Anruf der Gewerkschaften hat nun am 16. Januar 1931 der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin einen Schiedsspruch gefällt folgenden Inhalts:. 1. In dem Geltungsbereich des Tarifvertrages werden die Schäftemachereien miteinbezogen. 2. Die Heimarbeiter erhalten für Furnituren statt 10 Proz. des Verdienstes 8 Proz. als Entschädigung. 3. Alle Agoarbeiten werden wie genagelte Arbeiten bezahlt, mit Ausnahm« solcher Neuarbeiten, die mit Rand eingestochen werden. 4. Bei Reparaturen werden die Akkordsätze' für Herrenabsätze um 10 Ps.. bei Damen-, Knaben- und Äinderabsätze um 5 Pf. reduziert. Mit diesen Aenderungen wird der bisherige Tarifvertrag mit Wirkung ab 26. Januar 1931 wieder in Kraft gesetzt mit Ausnahme des Abschnitts für orthopädische Arbeiten, die einer besonderen Regelung vorbehalten werden. Er- klärungsfrast der Parteien innerhalb einer Woche. Entscheidend für das Zustandekommen eines Tarifvcrstages auf Grund dieses Schiedsspruches dürste die Haltung der Berliner Schuh- macherzwangsinnung sei». Lehnt sie den Spruch ab, so hat sie die Verantwortung zu tragen, wenn durch nicht geregelt« Lohnverhältniss« eine weitere schwer« Schädigung de» Schuhmacherhandwerks herbei- geführt wird. KpO. als Scharfmacher. Oie„Welt am Abend" verurteilt. In Nr. 13 des„Vorwärts" veröffentlichten wir den Bericht einer Arbeitsgerichtsverhandlung über eine Klage einer Zeitungs- ousträgerin gegen den Verlag der„Welt am Abend". Dazu er- halten wir vom Kosmos-Verlag folgende Berichtigung unter Be- rufung auf das Pressegesetz: „Es ist unwahr, daß„Die Welt am Abend" und„Berlin am Morgen" und„Die Rote Fahne" in einem gemeinsamen Verlag erscheinen. Wahr ist vielmehr, daß in unserem Verlag lediglich„Die Welt am Abend" und„Berlin am Morgen" erscheinen und unser Verlag mit der„Roten Fahne" nichts zu tun hat. Unwahr ist, daß unser Verlag«inen Tarifvertrag mit den Zlusträgern abgeschlossen hat bzw. hotte. Da unser Verlag keine Austräger beschäftigt, ist es auch unwahr, daß Austräger von uns fristlos entlassen wurden. Unwahr ist, daß gegen„Die Well am Abend" Klage erhoben wärdc, und darum ist es auch unwahr, daß„Die Well am Abend" vom Arbeitsgericht verurteill worden ist." Diese„Berichtigung" ist wohl der Gipfel kommmzistischcr Un- oerfrorenheit. Wir haben gar nicht behauptet, daß die drei ge- nannten Zeitungen in einem einheitlichen Verlag erscheinen, sondern daß zwischen der sogenannten„revolutionären Gewerk- schastsopposition" und einem neuen einheitlichen Verlag dieser Zeitungen ein„T a r i f o c r t ra g" für das Ausstagepersonal abgeschlossen wurde, durch den die bisherigen Lohn- und Arbeits- bedingungen erheblich verschlechtert worden sind. Dieser „Tarifvertrag" gill, wie an seinem Kopf ausdrücklich vsr- mertt ist, für das Auslrageperfonal der Zeitungen„well am Abend",„Verlin am Worgeo" und„Role Fahne" und ist von der 1 „Allgemeinen Zeitungs- und Zeitschriftenvertriebsgesellschaft rn. b. H." unterschrieben. Die drei kommunistischen Zeitungen erscheinen also gegenüber der O e f f e n t l i ch k o i t in zwei verschiedenen Verlagen. Unter- nchmcr des Austragepersonals aller drei Zejtungen ist zur Zeit jedoch diese„Allgemeinen Zeitungs- und Zeitschriftenverstiebsgesell- schaft m. b. H." Der Unternehmer des Ausstagepcrsonals der drei kommunistischen Berliner Zeitungen ist offenbar je nach Bedarf auswechselbar.'. Wenn in der„Berichtigung" zum Schluß bestritten wird, daß gegen die„Welt am Abend" wegen der fristlosen Entlastung einer Austrägeriu Klage erhoben wurde und die„Welt am Abend" oerurteilt worden sei, so ist das eine unverschämte Ablcug- n u n g einer gerichtcnotorischcn Tatsache. Die Klage ist gegen d i«„W e l t an, Abend" gesührt worden im Beisein eines Vertreters des Gesamtverbandes, mit dem Erfolg, daß di« „Well am Abend" verurteilt worden ist. Oer Lohnabbau. Der Schiedsspruch für die mitteldeutsche Me- tallindustri«, der eine Lohnkürzung von 5 Proz. vorsah, Ist für verbindlich erklärt worden. Für die württembergische Metallindustrie wurden für Manteltaris und Lohn zwei Schiedssprüche gefällt. Der Manteltaris soll danach mit nur geringen Aenderungen wieder in Kraft steten, während der Lohn um rund 4,4 Proz. gesenkt werden soll. Für den Lohntaris ist eine Laufdauer bis Ende Juni vorgesehen. Durch den Austritt der drei Mörtelfirmen„Vereinigte Berliner Mörtelwerke",„Gebrüder Tdbbert" und„Gustav Weidmann" aus der Fuhrherreninnung besteht für die Arbeiter dieser Betriebe eine tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht mehr. Die Verhandlungen über den Neuabschluß eines Lohntarifes haben zu einem Ergebnis nicht geführt, so daß nunmehr der Schlichtungsausschuß über den Lohnstreit zu entscheiden hat. Di« Firmen verlangen einen Lohnabbau voo durchschnittlich 12 Biark pro Woche bei Löhnen, die jetzt zwischen 62,50 und 68 Mark liegen! Die Unternehmer waren nur dazu zu bewegen, die Verpflichtung einzugehen, bis zum 15. Januar die alten Löhne weiterzuzahlen. Ab 15. Januar wollen sie die Löhne um 8 bis 10 Mark pro Woche abbauen. Die Differenz, die sich aus dem derartig reduzierten Wochenlohn und dem in den späteren Verhandlungen festgelegten Tariflohn ergeben sollte, wollen sie jedoch großmütig nachzahlen. Herrn Münzenberg ins Stammbuch. .Kopltallflische AuSbeutermetboden." Ailläßlich des Maschinensetzer st reiks in der City- Druckerei der Berliner„Roten Fahne" greift das rechtskommu- nistische Opposilionsblatt der Brandlcr-Gruppe die„k a p i t a l i st i- ichen Ausbeutermethoden Münzenbergs" besonders scharf an. Dieser sei prominentes Mitglied der heutigen KPD.- Führung und gehöre dem Zentralkomitee und dem poli- tischen Büro an Cr sei der Hauptschuldige an den Eni- lassungen und am Streik, nur weil eine kapitalistisch« Druckerei u m einige Pfennige billiger als der Parteibetrieb arbeit«. An Gesinnungsschnüffelei übertrcfse er jeden kapita- listischen Ausbeuter. Wer in seinem(Münzenbergs) Betriebe Zweifel an der Unfehlbarkeit seiner Politik hege, werde unter Androhung der Entlassung gezwungen, die„Linie" zu vertreten:„Wäre— so fährt das Blatt wörtlich fort— in der obersten KPD.-Bürolratie die politisch« Verlumpung und Korruption nicht zur Norm geworden dann müßte ein Münzenberg mit Schimpf und Schande aus der Kommunistiicken Partei gejagt werden."� Derselben Quelle zusolo« befinden sich unter den 29 Streikenden 13 eingeschriebene K P D.- M i t g l i e d e r. In der söge- nannten Belegschaftsversammluno. in der die Streikenden als„Werk- zeuge der sozialfaschistischen Gewerlschaftsbürokratie" hingestellt wurden, seien von 150 Mann nur wenige linientreue anwesend ge- wesen. In fast allen Peuvag-Druckercien, so in Solingen, Holle, Leipzig usw. ist von der KPD.-Zentrale genau wie in Berlin gegen die Setzer vorgegangen worden. Höhnisch fragt das kommunistische Oppositionsblatt zum Schluß, wie die KPD.-Strategen die Haltung in den eigenen Betrieben in Einklang bringen wollten mit ihrer Forderung, bei Arbcitemangel die 40-Stund«n-Woche unter vollem Lohnausgleich durchzu- sühren. Es gibt eben Politiker, die einer Partei dienen. Es gibt aber auch Politiker, die sich einer Partei bedienen. Kiekeri Göbne und Ckaußen. In Ost. 610 des„Vorwärts" von, 31. Dezember 1930 veröfient- lichten wir«ine Notiz, daß die Firma Kielert Söhne auf dem Oieubau der Firma P.asf, Maydachuser, Bauanschläger unter Tarif einzustellen such«. Dazu schickt uns die Firma unter Berufung auf das Preßgesetz folgende„Berichtigung": „Die Finna Arn kiekcrt Söhne kann keine Bauanschläger unter Tariflohn beschäftigen, da ja die Firma Arn. Kiekert Saline. Berlin SW. 61, Teitower Str. 56, Anschläger überhaupt nicht beschäftigt." Hier die Tatsachen: Am 12. Dezember 1930 erschien in der Nr. 29 der..Oberleitung" in Frantfurl a. d. O. ein Inserat, in dem «in Herr C l a u ß e n in Berlin, Telwrver Str. 56,„Tüchtige Bau- anschläger auf Fenster" sucht«. Bauanschläger, die sich daraufhin in der Teltower Str. 56 im-ldeten, fanden dort einen Herrn Elaußen nicht vor, aber die Firma Arn. Kiekert Söhne. Bon dieser Firma wurden die Bauanschlüger nach dem Neubau der Firma Pfaff, Moybachufer, zu Herrn Elaußen geschickt, der ihnen Arbeit anbot, zugleich aber erklärte, den T a r.i f l o h n nicht zahlen zu können Die Zusammenhänge zwischen Herrn Elaußen und der Firma Arn. Kiekert Söhne sind also wohl derart, daß man Herrn Elaußen von der Firma Kiekert«öhn« kaum unterscheiden kann. Achtung, Einsetzer! Die Einsetzarbeiten der Firma Donar Türen sind wegen Lohndisserenzeu auf nachsteheiiden Bauten gesperrt: Marrendorf, Eiseuacher Straße Eck« Rixdorfer Straße: Spandau, Mertenftraße, Beamtenbauverein: Lankwitz, Kaiser- Wilhelm-Sstaße. Bauherr: Lenz u. Co. Deutscher holzarbeilerverband. Ortsoerwavung Berlin. Deutscher Bekleidungsarbeiter-Verband Filiale Berlin. ittttn-.«nabcil. nnb Bursche», sonne Enanni-Äanfeftian, Snschncibtt uni Znlchneibeeinncn. Sckl»« der,■Bönlet sonne Näherinnen! Broadicttoetfornmlun!, ant Slcnota«, 20. Januar, IWo Uhr, in den ScjtdcitvffsWaTcn, fanisbecqjc Straße 31. Stellunqnahme mr(Bcfamtfüntiinuno d-r Tacift, Mitto:Iui>qen und Verschiedenes. Nur Mitglieder haben gutritt. Mitaliedsausrneis ist mit- zubringen. Di« Branchenlomniilga». Z BDS. Bersanrmluna aller SDD �Senoisen der Zahn- und Signal. N meiitereien der U-Tabn am Dienstag, 20. Januar, 15% Uhr, bei ££3»rüger. TempeNiofer Ufer. SPD.-?r»ltii>n de» Ttädt. Schlacht» nnd Viehhofe« und der ssleisch» W beschau. Morgen. Montag. IS Uhr. Lokal Nioaer Str. 33. wichtige jp graktionsversauunlung. Mitgliedsbuch zwechs»ontrolle mitbringen. A�reie GewerNchakts-Luaend Berlin Seutc, Conntaq, 18. Januar, finden folgende Veranstaltungen statt: Lltkrei»: Um 20 Uhr Im Jugendheim Sauif. Eike Lelilngstraße, Eatiri- scher Abend: Obrigkeit und Militär in der guten, al'en Zri>d:ns- zeit".— Rordkre:,: Um 20 Uhr im Jugendheim Graun, Ecke Eorfc'ngftraRe, . llarl-Liebknecht. und N o�a.Luremburg�Z'edentabei'd".— Rardwesttreis: Um 20 Uhr im Jugendheim Lehrter Str. 18— lU. Lichtbildervortrag:. Eine Gruben. fahrt".— Morgen. Montag. 13. Januar. 8ne-mwentunst aller Grnvven. leitnngea um 19% Uhr im Eißungssoal des DZttV.. Linienftr. 83- R->. Tages. Ordnung: 1.„Aue sseage des neunten Schuljahres". Referent Otto Keßler, Vildnngzsckretär des ADDB. 2. Mitteilungen. Fuaends'rnpve 0e«l?ei'u"'dvarst»v»no der Boltebllhne am 24. Januar zum Presse von 80 Pf. sind im Zugendfek-eiar at zu haben.—»arten zum Jugendkarneval am 8. jsebruar find im Jugend- selretarial zu baden. W&hiit wir�keuie? Sonntag, tz 1 staats-Oper niet d. Linden 139 A.-V 19 Uhr icnnliLüfßr (Pariser Fassnng) nde g. 23s»,4 Uhi staais-Oper i Pliti w Rrpobiil 190- Uhi Carmen jetttoll- Rartnnrkain- Ende 3?/a Uhr Sonntag. IS I. staut, oper BismarcKst? Turnus 1 20 Uhr Fon Pasquale Enden.tfVsUhi Siaatl. tchausph. an 0 re damit trartt 120 A.-V. 20 Uhr Ein Desserer Herr Ende n. 22 Uhi taat.SdilDer-UteatEt. üiatitiig 20 Uhr Florian Geyer Ende gegen la1.- Uhi Älf. ieiti. 2619. hsudien erlactrt. Cedon s � Leltzel/ S Songs 8 Superb's' Breker'« Bärenschau usw. H e u t e 2 Vorstellungen 4 und"s Uhr. 4 Uhr Kleine Pr. Tägl. 5 u.« s Sonnt. 2, 5, u. 3" AI». E. 4 8068 i. Vorstetlung 50 PI. 81t I M. II und III. Vorstellung 1 bis 2 M. IS Alfred Jachaon- Girl* Willi Bolesko ustc TQI.8V4 Tai.; Merkur 9901, 9577 Auf den Fleck Sensatlonsstück •ut Chikagos Unterwelt von EDGAR WALLACE Preis-Abbau Preise der Platze 0,76 bis S.» n LICHT Die SensmwDrdigken Berlin* Die tunrenne uaneia- and«imbuiwe Üireküon.- Lais Gutiaan Bei 1 in• Getundbrnn nen i Freitag. 16 lau. 0isD0tnetsta5.22.ian. KIVAKA. (Kino- Variete- Kabarett) tOH VENTEIL Lldtibarg-Ordiesisr Saite. Dar», straass Lid-Iborgt aV tuellcr ölldcrdlenxt Fred Berger konferiert Terra, Scneltnaieien in Ton. Die lustige Kabarett-Attraktion 2 Sorlxu. die komisch. Musikanten Gastspiel WILHELM BEN DOW in seiner lustigen Szene.Eine Nockeplnne so rerkanfen' mit Baßy Orev und Bert Bloem FILMTEIL Der neueste Tonfi Im-Erfolgl Rani Kenckels In Schneider Wifibel Ein Sprech-Tonfilm nach der rheinischen Komödie von Hanns MO ler-Schtösser Wochentags: 4. S1�, 81. Uhr, Sonntags 3 5'.», S>/, Uhr. Eintrittspreise M I,—, 1.20. 1 50(Logen 2,—), Sonntags 3 Uhr Einheitspreis M. I,— Berliner IIlh-TriO N e B k ö 1 1 a. Lahnetr 74/76lI VoiKsbflhne Theater an Bülowalatz. 3 Uhr 8 Uh. Hans Albers in Liliom von Fran- Molnar Sagte: Karl«ainz Martin üaatl. tdiillei-Tb. 8 Uhr Florian Geyer Theater am SchLiDauerdamm SV« Uhr DicCuadratar des Kreises Samowskj-KOhDen Tbtatir la der siresemanotn. »>', Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Vieler Bantowsky Komddienhau. 8V, Uhr Cocktail von ionmoctlez li.Benatzkj Berl.nerTheaL 8;» ScBMitODclIer OperetleDCT folg 1 Viktoria undihrHusar VORANZEIGE FRITZ KORTNER CASINO-THEATER 8,"Uhi Lothringer Strake 37 Uauiderrutlich nur bis 30. Jaottar: Biederleute aod ein erstklassiger bunter Teil. Sonnabeiid, SI. Januar zum 1. Male Onüel liUbn aas Neumpp n CaUdicln 1-4 Personen Fameuii 1.25 M- Sessel 1,75 M Sonstige Pr. Parkett 75 Pf., Rang 60 Pi. RE IC LAME BALL im zoo SONNABEND, 24. JAN. 1931 Tanikapelient Dolos Bold mit seinen 23 Jazz-Sottslen, Otto Kormbach, Fred Blrd u. a. m. (7 Kapellen- 7 BedisteinflOgel) Die beliebten Spenden 1 Z. 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Budapester 5fr. 9, logenk. 12- und 15— RM. nur im Festburo (Platxk.2.-RM. nur im Zoo.BudapesterSfr.9- Kartenausweis I) DAS GROSSE W O H L T ÄT I G K E I T S- K O S T U M P E S T FOr die anspruchsvollsten Ballbesucher• Keine Tom bela I• Keine Sonderausgaben I• Kein KosfOmzwang1 oeuiscnes Küasller-Thcai. aarbarossa 3937 8V, Uhr Zum goldenen Anker mll Kauia Oont» Nur noch wenige Vorsteilungtn SQiigh.oodStj.lDhz: EsiilD dieOQicktive Renaissance- Ihealer Stein platz 6780 8>, Uhr Gtsdilosstoi Vorstg. muß die Kuh milch gehen? mit tlbtrt Bisscnnaan Kleines Theai. Täglich 8'/, Uhr: Der seeientorscher Kcntidie von Fritz Madi Traute Flamme. Kaulmao n, Farenburg I bbIm-Tlieaier Täglich S1/, Uhr Mamsell Nltondie Operette von Heive Erika i. Tfletoi. Max AdUbert DANTON Ein Tonfilm v. Heinz Goldberg. Dialoge mit Benutzung v. Originaltexten von Rehflscli REGIE; HANS BEHRENDT Robespierre...... Gründgens Louise Gel/...... Mannheim Harat.......... Granach Desmoulins... v. Wangenheim Saint Just.......... 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So war es ja immer während des letzten und ersten Tages zweier Monate, dah sich die Ereignisse überwürzten. So war es immer, dah aus Herrn Kleinchens Schultern die ganze Vcrant- wortung lastet«, die da hieh: Die LUiputanertruppe muh pünktlich sein! Und, tatsächlich, seit Herrn Kleinchens Tätigkeit als Truppen- ches und Truppenältester, als Zugnummer des Liliputanervarites hatte alles geklappt, war nichts„durch die Lappen gegangen"... Micky-Mikros, der Ballettmeister, steigerte nebenan seine Kam- mandostimme zu schrillster Disionanz, gar zu laut Nappten die kleinen Füße der Petitula, Paroaletta und Littluli aus die Dielen. Aus den Korridoren der Artistenpension machte sich anwachsendes Brummen bemerkbar. Ach, Kleinchen kannte das olles so genau. Er kannte den Damenimitawr, kannte die„Drei Bidpites", den Parterreakrobaten und den Musikalclown, der nichts tragischer nahm. als wenn man seinen Schlummer vergewaltigte, er kannte alle, alle; in unzähligen Programmen, in vielen Städten, vor den ver- schiedensten Menschen, die immer an denselben Stellen lachten oder gebannt starrten, hatte Kleinchen mit ihnen zusammen gearbeitet... Es klopfte. Dos hübsche Zimmermädchen der Artistenpension brachte den Kaffee. Sie war groh und schlank, hatte dunkle, braun« Augen mit goldenen Punkten, und der Gang ihrer hohen Bein«, das Wippen ihrer runden Brüste zeichneten sich unter dem Servier- klcid ab.„Na, Fräulein Ursel, was gibt's? Sie sind betrübt! Ich seh's ja...*, sagte Kleinchen von seinem Bett aus und be- trachte!« das schöne Mädchen, das das Tablett auf den Nachttisch stellte, und dem er so etwas wie ein Beichtvater war, sehr zu seinem heimlichen Kummer, Beichtvater deshalb, weil er für Fräulein Ursula ein Neutrum war,«ine kleine Sündenabladestell«, etwa wie eine Granimophonplatte, die man mit einer Beichte besprach, während man die andere Seite nur unter die Nadel zu legen brauchte, um den betreffenden Trost zu hören... Ja, Fräulein Ursel setzte sich auf das Bett, an die Seite des Liliputaners, der in den Variete- agenturen als„Komischer Kraftakt" gebucht war. setzte sich und schüttete ihr Herz aus. Wie gern hätte Kleinchen auch ihr eine Sehnsucht gestanden. Aber das durste er nicht, denn ein Liliputaner, der Abend für Abend als„komischer Kraftmensch" aus einem un- übersehbaren Publikum Lachkrämpfe hervorkitzelt, legt natürlich im Privatleben Wert darauf, ernst genommen zu werden... Ja, das Zimmermädchen beichtete, zwischendurch warf Kleinchen einen Pantoffel gegen die Wand, worauf die Kommandowokte des Herrn Micky-Mikros abebbten. Ja, Kleinchen spendete Trostwort«, und das Mädchen ging erleichtert hinaus. Dann frühstückte er, überflog di« ersten Lobeshymnen der Varietezensenten in den Blättern, er zog sich an, begrühte das Strahensängerehepaar, das unter dieser Firma die Welt bereiste, den Tierbändiger und die beiden Brüder, die tagsüber kein Wort miteinander sprachen, verfeindet waren und ab«nds als Groteskduo auftraten... Es zog ihn zu seiner Truppe. Di« rotblonde Littluli hatte Magenschmerzen. Er mußte für alles sorgen. Und immer noch hatte er nicht jenen Ge- danken zu Ende gedacht, der ihn jedesmal, wenn er in dieser Stadt mit seiner Gruppe gastierte, mit einer vehementen Unruhe überfiel... Wie war denn das, wieviel Jahre waren seicher vergangen, seit er in dieser Stadt als Kind„normaler Eltern" gelebt hatte. Wie lange war das vorbei, ausgelöscht, erledigt, daß er als Vierzehnjähriger einsah, daß«r nicht mehr wachsen werde und mit seinem frühreifen, durch Verbitterung, Neid und Benachteiligung überjcharsen Verstand erkannte, er müsse einen Schlußstrich ziehen...? Jetzt, da er di- Artytenpcnsion allein verläßt, denn es ist ein probenfreier Vormittag, jetzt, da er vorbei geht an dem kolossalen Narietegebäude, vor dem auf bunten Plakaten der Name seiner Truppe prangt, in dessen Schaukästen seine Bilder angebrocht sind, denkt er zurück an dies Damals, an dies Früherl Da steht er vor leinen Photos, von denen das eine ihn zeigt, wie er mit letzter Kräfteanspannung ein überdimensionales Gewicht ausstemmt, während das andere den komischen Moment festhält, bei dem die Menschen sich vor Lachen umkrampfen, wie er nach dieser vermesnt- lichen Leistung das Gewicht mit zwei Fingerspitzen auf die Erde wirst und es sich herausstellt, daß es aus Gummi ist... Da stsht er nun und denkt an das Dämmer des Wanderpanoptikums, an den Modergeruch, der über den starräugigen Wachspuppen lastete, an die triefäugig«, immer besoffen«„Madame" und daran, wie man ihn em«r gaffenden Johrmarktsmeut« als„Marsmenschen" ausposaunt«, ihn, der doch in dieser Stadt, als Kind normaler Eltern geboren worden ist. Und nun, während die geschäftigen, hastenden Wclsstadtmenschen sekundenlang stehen bleiben, um sich das anzusehen:„Kleinchen, der Liliputaner clown, vor seinen Photos!", nun, während neugierige, sensationslüsterne Blick« ihn streifen, überkonimt ihn plötzlich«ine heiße, ungestüme Sehnsucht, di« sich heraussehnt aus dein ewigen Einerlei der Proben, der Auftritte, des Kontrakte-Unterzeichnens, der Abfahrten am Ultimo, der Ankünfte am Ersten, die sich heraus- sehnt auch aus dem ewigen Einerlei seiner Truppe, die ihn mit den Klauen einer Familie, mit dem Bewußtsein des Aufeinander- angewiesenscins festhält, und die etwas sucht, das man nicht be° schreiben, nicht niederschreiben kann und das man am besten mit „einer Anerkennung seines menschlichen W«rts durch Normale" be- zeichnen könnt«,.mit einem Ernstnehmen durch Nichtliliputaner und Richtartistcn"... Herr Kleinchen tritt in einen Zigarrenladen,«r läßt sich das Adreßbuch geben und blättert seinen bürgerlichen Namen aus. Da steht auch schon„Erwin Kleinicke, Bertreter", und dieser Erwin Äleinicke ist sein Bruder... Dann nimmt sich Kleinchen ein Auto und fährt zu feinem Bruder. Sindergeschrei hinter der Wohnungstür in der vierten Etage eines schäbigen Kleinbürgerhauses In einer verarmten Gegend. Kindergeschrei und eine besänftigende Fraucnstimm«. Er klingelt. Es wird geöffnet. Ein Jung« von vielleicht sieben Jahren steht vor ihm und will wohl ein einstudiertes„Bater ist nicht zu Hause" auf- aber die Worte bleiben ihm im Halse stecken, er starrt den Kleinen an. läßt die Tür auf und stürmt ins Zimmer mit den Worten:„Mutter, Mutter,«in Zwerg!" Die Frau kommt heraus. Sic muß einmal sehr schön gewesen sein, aber ihr Gesicht hat herbe Züge der Entbehrung...„Treten Sie doch ein!" sagt sie.„Sie sind doch der Bruder von Erwin, nicht wahr? Treten Sie doch ein! Mein Mann hat mir schon viel von Ihnen erzählt. Gar nicht nett, daß Sie so furchtbar lange nichts haben von sich hören lassen!" So sehr die Mutter sich Reserve aus- erlegt, so sehr sie ihre lleberraschung verbirgt und ihre Gefühle be- herrscht, um so ausgelassener gebärden sich die Kinder, das zwölf- jährige Mädchen und der Junge... Dann kommt der Bruder. Der kräftige, gedrungene Mann zeigt «ine überschwängliche Freude. Er drückt den Kleinen an sein Herz. Aber mit dem geschärften Verstand des Benachteiligten und dem noch schärferen Gefühl des Clowns für private Wirkungen erkennt und unterscheidet Kleinchen die Freundlichkeiten des Bruders, der Schwägerin und der Kinder. Die Freundlichkeit des Bruders soll den Neid auf den großen Geldverdiener, die seiner Frau das Mitleid einem Fremden gegenüber, die der Kinder die Freude, einen„Zwerg" zu sehen, überschminkcn... Und Kleinchen bleibt zum Essen. Und Kleinchen opfert einige Nachmittagsstunden. Und da sagt der Bruder:„Wenn es nicht uu- verschämt ist, möchte ich dich um Freikarten für das Variete bitten, in dem du auftrittst. Du weißt: man hat heute so selten Gelegen- heil!" Und nun überfällt Kleinchen plötzlich der ganze Jammer seines Bajazzodaseinsl Er weih— ganz unvermittelt—, daß diese fremden Menschen hier, die er sein« Verwandten nennt, ihn während seines ganzen Besuchs auf komische Gebärden, aus drollige Aussprüche hin untersucht haben. Er weiß: auch sie werden einstimmen in das brausend« Gelächter seines Publikums bei seinem Austritt, in dies Gelächter, über dem immer irgendwie— und nur für die Ohren der Liliputaner erfühlbar!— ein leises Protzen mit der eigenen Stärke, mit der eigenen, normalen Beschaffenheit,«in leiser Spott über die cmbryonenhaften Gesichtsfalten Kleinchens, Petitulas, Parvalettas, Liltlulis und des Micky-Mikros liegt... Er schreibt hastig die Freikarte für vier Personen aus. Dann geht er. Er geht noch ein paar Straßen, bevor er sich ein Auto winkt. Da weiß er auf einmal: man wartet ja auf ihn! Man braucht ihn ja! Er ist eine Zugnummer des großen Varietes, er, Kleinchen, der nun um eine Sehnsucht, um eine Illusion ärmer ist... Tolkmar Jro: &hiitveüe des OialkuUa-SEyklons Eine der grauenhaftesten Sturmkatastrophen des 19. Jahr- Hunderts war der berüchtigte„Kalkutta-Zyklon" vom 5. Oktober 1864, dessen 12 Meter hohe Flutwelle vom Bengalischen Golf über das Ganges-Delta hinaufzog und gegen hunderttausend Menschen- leben verschlang. Die Erinnerung an jenen Schrcckcnstag ist noch heute in der ganzen Bevölkerung des Uferlandes um Kalkutta lebendig, und in der kleinen Stadt Burai, die ungefähr dreißig Kilometer von der Küste entfernt liegt, wird zum Andenken an diesen Tag olljährlich eine merkwürdige Feier veranstaltet. Die Stämme von zwei auffallend hohen Königspalmen im Nordviertcl der Stadt werden mit Blumenkränzen umwunden, und die ganz« Bevölkerung legt Opfergaben vor die Palmen, in deren Kronen eine Schar von Jungen fitzt, die den ganzen Tag oben verbringen und erst mit Einbruch der Dunkelheit wieder herunter- klettern. Dann macht sich das hungrig« Rudel über die gespendeten Reistöpse, Fischgerichte und Früchte her; an dieser Bewirtung nimmt auch die übrige Jugend der Stadt teil und man würde bei diesem fröhlichen Wettessen der braunen Bengel nie auf den Ge- danken kommen, daß es sich hier um die Erinnerungsseier an eine Katastrophe handle, wenn nicht auf einem blumengeschmückten Karren ein altes Schilfdach von kahlköpfigen Mönchen feierlich durch die Straßen geführt würde. Auf diesem Schilfdach sitzt ein festlich gekleideter Knabe, und die wenigen Fremden, die diese Feier be- suchen, erfahren für einige SUberrupien von den Mönchen den symbolischen Sinn des Festes und die Geschichte der Rettung des jungen Uaram, der als einziger von sämtlichen Bewohnern der Stadt bei jenem Zyklon mit dem Üeben davonkam. Der zwölfjährige Param war der Sohn des Töpfers Nangun und hatte an jenem verhängnisvollen Mittag beim Brennen der Schüsseln und Töpfe mitgeholfen. Schon am späten Vormittag war eine schwarze Wolkemnauer vom Meer her ausgezogen, die dann plötzlich näher.kam, aber man hielt die von Blitzen durch- zuckte Wand nur für ein schweres Monsungewitter, und der alte Nangun gab seinen Söhnen noch Austrag, rasch das Geschirr unter die Trockenhütte zu bringen und die Sarongs und Wäschestücke, die zwischen den zwei benachbarten Königspalmen aufgehängt waren, zu holen, als der Zyklon schon losbrach. Binnen wenigen Minuten war der größte Teil der leichten Bambushäuser eingestürzt, der Sturm warf Jaram und seine Brüder, die zu den Palmen gelaufen waren, zu Boden, sie konnten nicht mehr zurück und hörten jetzt trotz des Tobens des Zyklons ein Brausen, das immer gewaltiger an- wuchs und dann brandete schon die erste seichte Welle der Sturm- flut an. Daram kämpfte sich durch das Wasser bis zu den Palmen durch, kletterte schnell hoch, sah, wie sich ein riesiger Wasserberg über di« Stadt wälzte, sah, wie einer seiner Brüder an der zweiten Palme heraufklettert«, während der Dritte in den gelben Wellen verschwand. Die Palmen schwankten im Sturm wie Halme, aber Param hielt sich in der Krone fest, klammerte sich wie ein Affe mit Händen und Füßen an. sah knapp unter sich schreiende Menschen, brüllendes Bieh, Hütten und Bäume oorbeitreiben und das Wasser immer höher steigen. Nach einigen Stunden hatte er weniger Mühe, sich festzuhalten, denn der Zyklon zog schnell landeinwärts, aber die ungeheuren Wassermengen, die der Wirbelwind mit sich gezogen hatte, fanden keinen Abfluß, und der Junge mußte bis zum nächsten Morgen in der Krone hängen. Sein Bruder hatte in der Nacht wiederholt herüber geschrien, daß er sich nicht länger halten köime und war in der Dämmerung abgestürzt. Als am Vormittag ein Schilfdach an die Palmen angetrieben wurde, kletterte Daram mit dem Aufgebot seiner letzten Kräfte hin- unter, hockte sich auf das schwankende Fahrzeug, band es mit seinem Sarong an der Palme fest und konnte erst am Nachmittag durch den Schlamm waten, der die Ueberreste der Stadt bedeckte... Jetzt sitzt sein ältester Enkel, der ebenfalls den Namen Torom trägt, alljährlich am 5. Oktober auf diesem Schilfdach, und die Mönch« ziehen ihn feierlich durch die Stadt, die schon längst wieder übervölkert ist. Xuri Sfhmellxer: 3)ie Würzburger Xügenfteine Der Name des Ephiaves ist wegen schnöden Verrats an seinem Dolk auf di« Nachwelt gekommen: der Name des hochgelehrten Würz- burger Profesiors Johann Bartholomäus Adam Behringer, Doktors der Medizin und Philosophie, wäre längst und mit Recht vergessen, wenn die Welt nicht einmal unbändig über ihn gelacht hätte. Das kam so: Er war wohl ein sehr aufgeblasener und auf seine Gelehrsamkeit übermäßig stolzer Herr, und sein« Studenten zerbrochen sich den Kopf, wie sie ihn einmal gründlich hereinlegen möchten. Nun war damals(anno 1726) die Paläontologie, die Wissemchast von den vorwestlichen Geschöpfen,«ine Sache, wegen de? di« Herren Professoren weidlich viel Time verspritzten. Unseres ehrenwerten Professors Beringer Steckenpferd war diese neue Wissenschast, und er buddelte eifrig in Würzburgs Umgebung nach versteinerten Pflanzen und Tieren und redete und schrieb gelehrte Sachen darüber� Da kam einer seiner Studenten, ein spaßiger Kops, auf den Einsall, künstliche Versteinerungen zu fabrizieren. Gedacht, geran: man Holle Platten und Blöcke aus Mergelkalk und schnitt und meißelte die abenteuerlichsten„Fossilien" hinein, an die hundert, mengte sie vorsichtig mit echten Bersteinerungen und vergrub sie bei Nacht und Nebel an einem Ort, den man dann dem Famulus des Professors, Georg Ludwig Hueber, unter dem Siegel der Ver- schwiegenheit entdeckte. Der berichtete natürlich von den seltenen Funden eilig seinem Herrn und Meister. Bei Fackelschein in aller Heimlichkeit und Stille grub man nachts an dem bezeichneten Orte, grub, suchte und fand. Staunte und freute sich unbändig über die nie gesehenen hochinteressanten Stücke, die man da hervorholte. Da gab es die seltsamsten Wesen, Eier, Pflanzen, eine Spinne, die samt ihrem Netz versteinert war, einen Kometen mit Schweif, einen Urmenschen und gar einen Stein, auf dem der Name des Allmäch- tigen Jahwe in herbäischcn Lettern zu lesen war. Aber selbst das konnte den gelehrten Herrn nicht stutzig machen, tobte doch der Streit noch erbittert über den Charakter aller fossilen Funde. Professor Dr. Johann Bartholomäus Adam Beringer ließ seinen Famulus und auch die Studenten, die eifrig beim Suchen halfen, heilige Eide ablegen, Stillschweigen über diese welterschütternde Sache zu bewahren, bis der Fundort ganz ausgebeutet fei. Und man beutete aus. Der Professor, weit entfernt an eine Blasphemie zu glauben, schrieb im Verein mit seinem getreuen Famulus«in grundgelehrtes schwer wissenschaftliches Werk, die„Lithographia Wirceburgensis"« lateinisch natürlich, wie es damals üblich war, beschrieb sein« Fund« und ihr« Wichtigkeit eingehendst, fügte auch auf 21 Kupfertafeln die wichtigsten im BUde bei und wurde täglich stolzer auf sein Glück und aus seine Gelehrsamkeit. Das Werk nahm seinen Weg in die wissenschaftliche Welt und erregte ungeheures Aussehen. Wie sich die Studenten den Buckel voll lachten, braucht kaum gesagt zu werden. Aber der Spaß wäre ja nicht vollkommen ge- wesen, wenn man den Gelehrten in seinem stolzen Glauben gelassen hätte. Und so grub eines Tages der Herr Professor höchst eigen- händig eine Steinplatte aus mit einer sonderbaren Bersteinerung: da stand wahr und wahrhaftig sein eigener Name Beringer ver- steinert in einer Platte zu lesen. Ein wahnsinniges Gelächter tobte los. Was sollte der arme Gefoppte tun? Er kaufte sämtliche erreichbaren Exemplare seiner ach so gelehrten.Litographia Wirceburgensis" aus und vernichtete sie. Das Gelächter tobte weiter, und olle Exemplare seines in- zwischen weitoerbreiteten Buches konnte er ja doch nicht mehr er- reichen. Und 49 Lahre später, 1766, erschien eine Neuauflage zu seinem lächerlichen Ruhme. Aber das erlebte er zu seinem Glück nicht mehr. Zweifell jemand an dieser wahrljflftigen Geschichte, so kann er im Bamberger Naturalienkabinett, auch im geologischen Institut der Universität Würzburg noch heutigen Tages die„Würzburger Lügen- steine" ansehen, die die Originalausgrabungen der von den Studenten verfertigten Fossilien sind. Auch die„Lithographia Wirceburgensis" ist noch in mehreren Exemplaren erhalten und wird von den Diblio- theken, die sie besitzen, als besondere Kuriosität geschätzt. Wundert man sich, wie ein gelehrter Herr auf diesen Unsinn hereinfallen konnte, zumal auf den versteinerten Namen Jahwe, so darf man nicht vergessen, daß vor zweihundert Jahren die Natur- Wissenschaften noch arg in den Kinderschuhen steckten, menschliche Schwäche, Eitelkeit, Freude über den Neid der Kollegen kamen hinzu, den armen Professor zu irritieren, und fiel nicht erst vor wenigen Iahren ein bekannter Autographensammler auf einen Originalbrief Napoleons herein, den der Fälscher versehentlich in— deutscher Sprache geschrieben halte?_ wo wird das meiste Bröl gegessen. Der Brotkonsum ist in jedem Lande verschieden. Am meisten Brot wird in Belgien ge- gessen, und zwar kommen hier 273 Kilogramm pro Jahr auf den Kopf der Bevölkerung. An zweiter Stelle steht Frankreich mit 239 Kilogramm, es folgen die Niederlande mit 219, Ungarn und die Tschechoslowakei mit je 291, Spanien mit 199 und Rußland mit 189 Kilogramm. Der Italiener verbraucht jährlich im Durchschnitt 173, der Engländer 179 und der Amerikaner 169 Kilogramm. An vorletzter Stell« steht Deutschland mit 133 und an letzter di« Schwei; mit 199 Kilogramm. Deutschland hat cinen�sehr starken Verbrauch an Kartoffeln, währeird in der Schweiz an Stelle des Brotes mehr Milch und Milchprodukte verzehrt werden. Die..Wollspinne", ein Gewächs, das man vielfach in Süd- amoriko findet, gehört zu den seltsamsten Geschöpfen der Pflanzen- well. Es ist ein Strauch, der dieses seltsame Wesen erzeugt. Die „Wollspinne" hat einen dicken Leib und ist mit kräftigen Beinen versehen, an deren Enden sich kleine Widerhaken beiinden. Es kommt sehr oft vor, daß sich die„Wollspinne" in das Fell der weidenden Tiere einnistet und sich somit überall verbreiten läßt. Den Tieren selbst setzt es sich in die Hufe und zwischen die Zehe» und verursacht dort gefährliche Geschwürs, an denen das Tier meistens eingeht. Die Zeiwngstilanen der USA. Räch neuen Berechnungen über- steigt die Auslage, die von den Zeitungen der Vereinigten Staaten von Nordamerika erreicht wird, bereits 44 Millionen Exemplare. Diese Zahl bedeutet eine außerordentlich große Zunahm« gegenüber dem Rechnungsjahre 1929. Infolgedessen dürfte sich auch die Summe, die von den amerikanischen Jellungcn für Inserate eingenommen wird, und die im Jahre 1929 auf rund 899 Millionen Dollar geschätzt muvde, um ein Beträchtliches erhöht haben. '.Hermann dlieher: Sechmig Jahre �Berliner Es ist heute weniger als je statthaft, die Baugeschicht? Berlins vom rein ästhetischen Standpunkt aus zu betrachten. Wir können es den wohlhabenden Bürgcrkrcisen und ihren literarischen Trabanten überlassen, von einer Stadt wie Paris als von einem„Kunstwerk" zu schwärmen. Gewiß ist der Städtebau eine Kunst, und es soll gar nicht geleugnet werden, daß der Neuaufbau Wiens nach der Türkenbclagerung oder Dresdens nach der großen Feuersbrunst am Ende des Z7. Jahrhunderts, in den ersten Regiernngsjahren Augusts des Starten, architektonische Großtaten waren. Gerade der Barock- stil hat— man kann auch an Versailles erinnern oder an Nancy, auf deutschem Gebiet an Stuttgart, Würzburg, Salzburg, Potsdam — der planmäßigen Stadtanlage besondere Sorgfalt gewidmet. Es wird niemandem einfallen, die Reichshauptstadt etwa mit jenen künstlerischen Schöpfungen zu vergleichen. Die Hohen, zollern haben es meisterhaft verstanden, jede Gelegenheit zu einer sinnvollen, einheitlichen Gestaltung ihrer Residenz zu verpassen. Man steige auf die höchsten Türme oder überfliege Berlin im Flugzeug: nirgends wird sich die Stadt, oud) in ihrem ältesten Kern nicht, als eine geschlossene, planvoll organisierte Siedlung darstellen. Das Stadt- bild zerbröckelt einem sozusagen unter den Händen. So trostlos rönnen nur amerikanische Großstädte aussehen. Die zaghaften Ver- suche, mit der Prachtstraße Unter den Linden, dem Pariser Plaß und Gendarmenmarkt monumeistale Mittelpunkte zu schaffen, waren bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts als gescheitert zu betrachten. Wenn schon in Alt-Berlin die Friedrichstadt und die Neustadt, Dorochcenstadt, Luiscnstadt, Kölln, der Friedrichswerder, die Stra- lauer und Spandaucr Vorstadt auscinandersiclen— was sollte dann erst werden, wenn sich fest Mitte des 19. Jahrhunderts die modernen Vorstädte airgliederten, namentlich im Westen! Der Lokalpatriotismus hat den Einwand bereit: Berlin ist ja gar keine historische, sandenr eine moderne Stadt! Wir sind nicht so engherzig, uns auf romantische Schönheitsbegriffe fcftzalegen. Wir wissen wohl, daß die ästhetischen Vorzüge der alten Städte mit schweren Opfern an Wohnungshygiene und Volksgesundheit erkauft worden sind. In Wien und Rom, in Prag und Paris haben die kunstsinnigen Herrscher ihre Untertanen in schauerlich enge Gassen zusammengepfercht und ihnen weder Lust noch Licht gegönnt. Die hohen Herren hatten ja nicht darunter zu leiden— sie flüchteten sich aus dem Pferch in ihre Sommerrcsidenzen, noch Versailles oder Schönbrunn. Für die menschenunwürdigen Wohstungszustände ihrer getreuen Lairdeskinder halten sie die Entschuldigung der„Sicherheit": ihre Hauptstädte behielten den Festungscharatter. Für Berlin galt diese Ausrede nicht, denn es war seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine offene Stadt. Die Residenz der preußischen Könige konnte sich frei entfalten. Warum hat sie es trotzdem nicht getan? Warum mußten sich auch aus ihr die Herrscher flüchten nach Charlottenburg und Potsdam? Warum hat der Renommiermonarch Friedrich der „Große", nachdem der unsinnige Festungsgürtel, den mit französi- schen Bestechungsgeldern der„Große" Kurfürst angelegt hatte, gefallen war, keine anständige und vernünftige Siedlungspolitik verfolgt, fondern feine Berliner in Mietskasernen zusammen- gepfercht? Und zwar so gründlich, daß in seinem Todesjahr 1786 Friedrich Nicolai in seiner„Beschreibung Berlins" berichten mußte: „Fast die Hälfte der Häuser haben ansehnliche Seiten- und Hinterhäuser, welche in manchen Gegenden der Stadt beinahe stärker bewohnt sind als die Vorderhäuser Es gibt Häuser, in welchen an 16 Familien wohnen. Sehr wenige Städte werden in nicht völlig 6S00 Häusern 145 000 Einwohner haben." Warum das? Aus zweierlei Gründen. Durch seine rein kapitalistische Hypothekengcsetzgebung erzwang er geradezu die rücksichtsloseste Ausnutzung der Baustellen. Zugleich begünstigte er dermaßen seinen Landadel, die nach Arndts Worten„nnleidlichste monarchische Aristo- kratie", daß die entrechteten und ruinierten Bauern in Massen in die Hauptstadt strömten und hier ein Proletariat bildeten, das zur Verteuerung der Wohnungsmieten und Verschlechterung der Wohn- verhältnisie mißbraucht werden konnte. So hatte also die preußische Hauptstadt die Nachteile historischer Städte ohne ihre Vorzüge. Sie hat geradezu himmelschreiende Woynungsoerhällnisse ohne archi- tektonische Reize. Oder um mit Werner Hegemann zu reden: „Berlin erstickt in dem steinernen Sarge, in den es gezwängt wurde und den es selber bauen half." Wer den ganzen Jammer, der sich„prcußisch-deutsche Geschichte" nennt, nicht vor Augen hat, wird erstaunt fragen: Wie war es möglich, daß die Sünden der alten, längst vermoderten Despoten 150 Jahre lang nachwirken konnten?«Die preußische Staatsweisheit hatte ein fast ebenso zähes Leben wie die Architektur, die bekannt- lich mit Jahrhunderten rechnet. Die preußisch- Bürokratie, die „Maschine", wie Arndt sie bezeichnete, nach Bismarck„unfruchtbar an höheren staatsmännischcn Begabungen und unwillig zur Uebernahme eigener Verantwortlichkeit": diese seelenlose Maschine wurstelte bis 1918 weiter. Sie hat alles zermalmt, was an neuen schöpferischen Ideen auftauchte. Sie hat auch die Städtcordnung des Freiherrn vom Stein von 1808 zu Fall gebracht und durch die Städteordnung von 1853 vollends erledigt. Der Kurs ging rückwärts. Seit 1850 wurden die Berliner Stadtverordneten nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt, von dem gar Bismarck bekennen mußt«, es sei„nichts anderes als die Re- Präsentation des G-ldkapitals mit dem lügnerischen Schein, daß es eine Vertretung des Volkes wäre". Eine Stadtverwaltung, die aus- schließlich die Interesse» dieser„Geldaristokratie", den schamlosesten Bodenwuchcr, vertrat, hat dann in trautem Verein mit der königlich preußischen Bürokratie jenen haarsträubenden Bebauungsplan des Tiefbauingenieurs Hobrccht vom Jahre 1862 hergestellt, der die „ansehnlichen Seiten- und Hinterhäuser" samt Kellerwohnungen zur Regel macht. Dieser Bebauungsplan, dem keine Stadt der Well etwas Aehnliches an die Seite zu setzen hat, war die fluchbeladene Erbschaft des„neuen Reiches". Die Hauptstadt des siegreichen Deutschen Reiches hatte 1871 ein Wohnungsclend, das dem heutigen, nach dem verlorenen Weltkrieg, nicht nachsteht. Ein Fünftel seiner Einwohner waren, je 7.2 Per- sonen in einem Raum, in Kleinwohnungen zusammengedrängt, die aus einer Stube mit Küche bestanden. Kaiser Wilhelm und seine Paladine haben keinen Finger gerührt, um dies« Not zu lindern. Ein Vergleich sagt alles: London, die größte Stadt der Welt, zählt auf jedes Haus 8 Einwohner, New York, die Stadt der Wolkenkratzer, 20, die Festungsstadt Pari, 38. Berlin aber seit Gründung des Reiches— 78. Erst 1925, unter Führung der Sozialdemokratie, ist eine neue Bauordnung eingeführt worden, die mit den Greueln der monarchistisch-kapitalistischen Wucherwirtschaft, mit Hinterhäusern und Kellerwohnungen, aufräumte. Das mögen diejenigen beherzigen, die sich an dem miß- verstandenen Kursürstcndamm-Amerikanismus oder gar an dem wilhelminischen Fasiadenschwindel begeistern. Vorrvärts! © Volt, rvie dunkel dein©esi�lzt! c5n deinem Namen brüllt der VölGt. Es blies der süzroarze �ügenrolnd Den Spiegel deiner Seele blind. Wo ist das Herz, das selbstlos schlug? Es schlägt berechnenden Betrug! Im Äcker selbst verfault die Saat: Es mächst kein �.örnlein aus Verrat! © Volk, mo ist der Flammenschein, Der Rausch, das Ziel, der Sieg, der Vöeiu? Die Lichtidee, des.Herzens Schmung, Die stürmende Begeisterung? Jetzt wird gerechnet und gezätzlt» Begeifert und mit Lust gequält. ULnd deinen Namen schänden sie, Und deine Äugen blenden sie. Nun endlich lodre hell und klar Die Flamme, die schon immer mar, In ihrem©rund ein Lächeln fltzt» Tl.m ihre Stirn©emitter blitzt! Ihr Änblirk reiße uns hiuau BZie ehedem, als es begann, Das milde Stürmen in die Tat, Der Liöruermurs der neuen Saat! Begeisterung! Dort liegt das Ziel! Stürmt au und stürzt das falsche Spiel! Der Lügner fällt» sein TLort zerbricht, Tim eure Stirnen lodert Licht! Dann steht das Volk mohl Arm in Ärm, Die Freiheit ruft„Älarm! Älarm!" Das Volt mill Brot und Frieden sehn: Daun erst kann Deutschland auserstehu! Httax Barchel. Am Freitag, tem 16 i>. Ai.ift unsere liebe Mutter. Schwiegermutter, Eroß- mlltier. Urgroßmutter Cäcilie Luckow im Alter van 71 Jahren nach kurzem Krankenlager sanft enlschlasen. Im Namen der trauernden Linier- dlirdenen Friedrich Luckow ]er Str. I Sie Einäscherung findet am Minwach. dem gl d. M., 21 Uhr, im Krematorium tüerichtstraße statt. Am st. d M.. abend« S'/, Uhr, entschlief laust nach einem langen mit Geduld ertrag eneu Heiden meine geliebte Frau, meine guie Mutti, unsere lnnlgsigeliebie Tochter, Schwieg er- lochler. Schwester und Schwägerin tos Cosradtg-b. k�z im vollendeten 4S. Lebeu-sahr. Erich Covradl, Hans Conradt Paul Karg, Anna Karg geb. Krütine als Eltern AnnaConradt als Schwiegermutter Egbert Karg und Frau Panl Karg nnd Frau Die Einäscherung stndel Donnerstag. den 22. Januar, nachm. l'/s Uhr. im Krematorium Baumschulenweg slalt. Am 16 Januar 1931, mittag» I2>/, Uhr. entschlief nach langem, mit großer Geduld ertrogencm Leiden mein lieber Btann. unser guter Bater Franz Müller im 68. Lebensjahr. In liefet Trauer Frau Lahe Malier, geb. Arnold und Kinder Reinickeudorj-W., Echarnwebersir. 109 Die Einäscherung findet am Donners- tag, dem 22 Januar 1931, um IS Uhr im Krematortum Serichtstraße statt. Nach langem Leiden verschied am 13. Januar mein lieber Mann, unser guter Baier, der Tischler Julius Stiller im 87 Lebensjahre. Mit ihm ist ein alter Kämpfe-, der schon unrer dem Eozlatistengeseß stlr die Partei tälig war, zur Buhe gegangen In tiefet Trauer Paoltne Stiller nnd Kinder. Die Einäscherung findet Montag, den 10 Januar, 17".. Uhr. im Krematorium Gerichtstraße ltatt. Am lZ.l|anuar,abends7lJhr,'wurde plötzlich und unerwartet meine liehe unvergeBliche Frau, ein- rige Schwester. Schwiegertocbttr, Schwügcrin und Tante ELsabeih Rokkc geb. Volter tm Alter von 42 Jahran au» Ihrem muhenden Leben dahingeralft Dies zeigen tiefbetrübt an Paul Rokke Berlin N. 1 13, Malmöer Str. 24 Carl Wolter Berlin-Mahlsdorf nebst Angehörigen. Diefiinäscherungfindctam Diens- iag, dem 20. Januar, nachmittags IS(6 Uhr), im Krematorium Qericht- straBe 37(große Halle) statt. Statt Karten. Für die überaus zahlreiche Beteiligung sowie die herrlichen Kranzlpen- den beim Heimgange meines lieben Mannes, guten Vaiera und Sohnes Hermsim Martin sagen wir allen Verwanbten. Freunden und Belaunlen unseren tiesgesühlten Dank. t rau Wwe. Margarete Marita, Willi Martin, nnd die tlcfgebcogie Mutler. Danksagung. Für die uns erwiesene Anteilnahme beim Hinscheide» unseres lieben Taters Marlin Kuskeika sagen wir allen Freunden und Be- rannten, sowie den gemmleu Ver- bandskollegeu, den Genossen der >9. Abteilung. Bezir! 810. unseren herzlichsten Dan!. Die trauernden Hinterbliebenen. Stall Karten I Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Mannes und guten Vaters Otto Henkel sagen wir allen, die dem teuren Entschlafenen das letzte Geleit gegeben haben, unseren innigsten Dank. Margarete Henkel und Tochter Herta Die Beisetzung der Aschenkapsel findet Dienstag, d. 20. Ja n„ IS Uhr. auf dem Gemeindefriedhof Neukölln, Mariendorfer Weg, statt. Zurück Dr. Erich Wossidlo Nieren-, Blasen-, Harnleiden Potadamer Strage<2la(Prlvatstrachc) 4—6, Sonnabend SV,— 10 Von der Rclss zurück: Dr. Erich Hurwitz Fadbarzl lür Bcl.leidcn', StfaOnbantcr Allee 67 OrtskraiMässe der Mofter, Optiker DDeverw.OewetliezQfierliQ Bekanntmachung Die vom Ausschuß in der Sitzung vom 17. Dezember 1930 beschlossene A.Sagunga änderung ist vom Oberversicherunasamt Berlin in abgeänderter Form genehmigl morden und ist riickwirfend am t. Januar 1931 in Stroit getreten. Die Aenderung betrifft die§§ 12, 19, 21, Ria und 44. Für versicherte.»1. la» Falle der KcbellsanftifligreU einen Rechtaan- sprach auf Lohn oder(Behalt für mludesten« 4 Wochen vom Tage de« Einlritt« der Krbelt»un>dhigte>t an haben, ist der firantenfaffeabeifeag aus 3 pro, oom(Brandlohn ab l. Zauuar 1931 feflgefcht»erden Diese versicherten find der Sasse umgehend namhaft zu machen. Bei der Anmeldung ist anzugeben, filr welchen Zeitraum dieser Anspruch auf Fortzahlung besteht. Wen» erst im Laufe des Beschäl- tiaunasverhältnisses eine Vereinbarung Uber den Eutgeltsbezug von entsprediender Dauer im Falle der Arbeitsnnsähigteit getroffen wird, dann muß dlefe» innerhalb drei Tagen der Siasse nlllgeteilt werden. Die Sranteuschriuaadühr für vor sicherte ist für die Lahnslafrn A, 1—4 auf 23 ps., für die Lohnstaseu 5-10 auf 50 pf. sestgesetz! worden. Ebenfo Hai das Hansgeld eine Steigerung er- fahren. In AamUlenhllfefOOeu werben TO vom Hundert der Soften jstr Arinei und Verbandstoffe als Zuschuß unter den defannten Voraussetzungen gewährt.— Druckflüde der 26. SatzungSabändernng find im Kassenbüro erhältlich— Alls da» den Arbeitgebern zugehende Rundschreiben wird verwiesen. Berlin, den 17. Januar ISSl. Der KatecuTortlaad. Betriebskrankcnkatse der Stadt Berlin. Der V. Nachtrag der Satzung, betreffend Aenderung der Zlf 10, 12, löa, 22 und 66, ist vom Ober-Verficherungsamt Berlin am 9. Januar 19Z1 genehmigt worden. Hierdurch find insbesondere die Beiträge auf 5,7 v. H.• w°iu" Wohnungen 1. AfA-HOf, Treptow am PUntenraU 2 o. 2'/, Zimm, Bad, Balkon, van BK 65.— an. trtl. Garten Emtamilienhänser mit Garten: 3% Zimmer RK 110.—, 4'/, Zimmi» SM 130.— Anskuntt: Co penicker Landstrata 149, am Zentnl- waachhara. tfUlieh. aoeh Sonntao, Ton 11— 17 Ute 2. Hufeisen-Siedlung Britz Erweiterungsbau Kbifamilimhtnaer mit Garten: av, Zimmer RH 105.—.«'/, Zimmer BX IB.— Aosktmlt; An Ort nnd Stalle, Britz, Talbergitr. Sc Zugang Farcbimer Allee, UgL 13-18, Sonst. 11-17 3. Einzel-Wohnungen von l'/s, 2, P/i, 3'/, u. S Zimmern mit Bad nnd Balkon in mehreren unserer Siedlungen, in den verschiedensten Gegenden Grotz-Berlins Aaiknntt: Elnla, KBpenicker Schr. SO, Tat F 7 Jannowita 1747,«ochent. 9-15, Soonab. 9-12 Jd-FMligidiaiis" Restfaurantf uimi Festottle MAX FRICKE. 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Zanuar, 20 Uhr, findet im Lokal Besse!, Bremer Strasse ib. eine Holzarbeiternersammlung der SPD.- Genossen der S. und 18., sowie der 52-, 53. Abt. statt. 4. ÄMis Prenzlauer Berg. Sitzung des Bildungsausschusscs Dienstag, 20. Januar, 20 Uhr, bei Klug. Dantiger Str. 71. Vertreter der Krauen, Kindersreunde, SAI.-Sportler, Kreien Schulgcmcinde sind eingeladen. 6. Kreis Kreuzberg. Achtung i Vollversammlung der Ordner Wontag, 19. Januar. 1 Uhr, Loock, Schönlcinstr. 0. Neuwahlen. 7. Kreis Tharlottenburg. Bezirkaoerordnetenfraktion mit samtlichen Börger- deputierten Montag, lg. Januar, ISid Uhr pitnltlich, Rathaus Charlotten- dura, Sitzungszimmer 1. 9. Kreis Wilmersdorf. Am Dienstag, 20. Januar, 20 Uhr, Krcisvorstands- sitzung mit den Abteilungsleitern, den Obleuten der Unterorganisationc» bei Kroiss. Solsteinische Etr.«0.— Di« Vortragsreihe„Bolschewismus und Koschismus". Dozent Dr. I. Schlesinger, beginnt nunmehr destimmt am Dienstag, M. Januar, lgto Uhr, in der Viktoria-Luilen-Schulc, Uhland- strasse 91193, Eingang Goslciner Strasse. Bei der Aktualität dieses Bor- tragsthcmas ist recht starte Beteiligung sehr erwünscht. 11. Kreis Neukölln. Kroktionssitzung Montag, 1Z!H Uhr, im Rathaus, Kimmer Nr. 137. Ii. Kreis Cöpenick. Versammlung der Elternbeiräte und deren Vertreter von sämtlichen Schulen des Kreises am Mittwoch, 2K Januar, Ig'/i Uhr, Cöpcniik. Echlossstr. 27, l. Vortrag des Genossen Verussschuldirelior Thomalla über.'.Das S. Schuljahr". 17. Kreis Lichtenberg, ssraktionssitzung der Bczirksvcrordneten und Bürger- dcputicrtcn am Montag, 19. Januar, erst um 19 Uhr, im Zimmer 2« des Rathauses, Möllendorsfstr. 0. ZNonlag, 19. Januar: 19. Abt. 10 Uhr ssunltivnärsitzunq Basiianftrass«..Vorli>örts"�p«dition. 33. Abt. lg>� Uhr Zusammenkunft aller in der Wohlfahrt», und Iugendpslege tätigen Parteigenossen bei Wcrtalle, Hohenlohestr. 3. Intercfsicrtr können ebenfalls beiwohnen. 91. Abt. lg Uhr Barftands- und 20 Uhr s?unkttouärsitzuiig bei Rcisch, Eadiner Strasse 10. 13. Abt. 20 Uhr lrnnltionärsitzung hei Keller, Zllrltensir. 1. Stellungnahme zur Neuwahl. Die Borstandsmitgliedcr treffen sich bereit, um IS Uhr dort. , 77. Abt. Schoneberg. Vorfiandsfitzung bei Koichcnz, Apoflel.Paulus-Etr. 27. 101. Abt. Tocptow. Igf,; Uhr bei Manz, Kiefholzsir. 2l. gross« frunktionärsitzung. 192. Abt. Baumfchulcnweq. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der 1114 Uhr stattfindenden Deerdigung des Genossen fsranz Kassie auf dem ssriedliof Baumschulen weg. 103. und 108a, Abt. Copeiuch. igVe Uhr IahrcsutitgNederversammlung im Stadt- theatcr, ssricdrichstr. 8, grosser Saal. Bericht des Vorstandes und Neu- mahlen der Abteilungsleitung. 1814 Uhr Sitzung des Abteilungsvorstandcs, edendort. 127. Abt. Hohenschönhausen. 18 Uhr?! lugblaii Verbreitung für die neueröffnete Konsumabgabcftrll« durch den Ort. Dienstag. 20. Januar: Reukölln. 99. Abt. Arbciiskrcis der jungen Parteimitglieder: Ausspracheahend Uber da» nationalsozialistische Programm. Rcscrent Gerhard Ott. 20 Uhr, Lokal Löfflet. Weichselsirasse E-ke Oss-straß-,— 92. Abt. J91-' Uhr Zu- satnmcnkunft der jüngeren Parteimitglieder. Berliner Str. 03,1. Vorirag: ..Di« Aufgaben der Demokratie und ihre Grenzen". Referent Erwin Mar. quardt.— 91. Adt. IZ14 Uhr im grossen Saal de» Lokals Bergschwsshöhe, Karlcgarteniirasse 0—11, Mitgliederversammlung:»Unser Kampf gegen den Faschismus". Referent Karl Dressel. Il7. Abt. Lichtenberg. 18 Udr, wichtige Sitzung bei Brunn. 121. Abt. Mahlsdors. Wldungrabend fllr die jüngeren Darteimitglleder 20 Uhr, Nordstern. Sönower Strasse:»Sozialistische Lcbcnsgcstaltunz". Referent Anna Hartoch. Frauenveranstaltungen. 11. Kreis Schönebeeg. Mittwoch, 21. Januar. 20 Uhr, In der Hohenzollern- schule Belziger Ecke Eisenacher Strosse. Oeffentliche Frauenoersanunlung. ..Die ssimu und das dritte Reich". Refcrentin Mathilde Wun» M. d. R. 11. Kreis Renlölln. Diestag, 20. Januar, isla Uhr, Funltwnärinnensissung an betanntsr Stell». 13. Kreis Teepd». ssrritag, SS. Januar, 19% Uhr. ff-nktionilrinnrnsissung in Oberfchöneweide. S Hillerglocke. Schillerpromenode. 2». Kreis Reinüleadors. Dienstag, 20. Januar, 20 Uhr, in Reinickendorf-Ost, Sauptsirasse Ecke Schillcrpromcnadc, Altes Rathaus, Zimmer 17, Funk- tionärinncitsissung. Don de» nachstehend aufgesührien Zrancnabeode» finden sie die Abtei- lungen, bei denen au» Raumersparnis kein Thema angegebcn ist, Antikricgs-Werbcabcndc entweder mit dem Thema„Im Beste» nichts Neues— aber im Osten",„Der Krieg im Spiegel der Literatur" oder„Kriegsgefahr und Kriegshetzer" statt. Zu diese» Werbeabendcn sind besonders die Frauen der Genossen und mit uns Sympathisierende eingeladen. ZNonlag, 19. Januar: 2./3. Abt. 20 Uhr im Gewcrkschaftshaus, Engelufer, Saal s. Vortragsabrnd des Genossen Theo Aiaret. Neuwahl. 7. Abt. 20 Uhr bei Petra», Schfegelstr. 3. Refirat Dr. Hans Eohn. 23. Abt. lg'i Uhr bei Heintze. Barfus-, Ecke Glasqowcr Strasse. Refcrentin Luise«ähler. M. d. L. Ausserdem Neuwahl der Leitung. 31. Abt. 20 Uhr bei Goldschmidt, Etolpische Str. 36.„Kominunalpolitischc Fragen". Referent Genosse Krentziger. Bericht« und Neuwahlen. 10. Abt. A> Uhr bei Förster. Drcibundstr. 11. Refcrentin Käthe Kern. Neu- wählen. Eharlottc-burg. 31. Abt. Ig'H Uhr hei Cchcllboch, Königin-EIisabelh-Str. 0. Referent Gottlieb Reese.— 53. Abt. 20 Uhr bei Äampel, Ufenau. Ecke Sickingcnstrasse. Vortragender Hans Fuhrmann.— 57. Abt. 19'4 Uhr bei Arndt. Kantstr. 51. Refcrentin Minna Todenhagen, Stadtverordnete. Neu- wähl der Leiterin. 92. Abt. Neuhölln. 20 Uhr bei Schwabe, Rosegger» Ecke Wilhelm-Dusch. Strasse. Referentin Ella Kay, Stadtverordnete. 103. Abt. Oberfchöneweide. l9>2 Uhr in der Schillcrglocke, Schillerpromenode. Referent Dr. Julius Moses M. d. R. 121. Abt. Mahlsdors. 1914 Uhr im„Nordstern". Hönower Strasse.»Die neuen Rotverordnungen". Rrserent Hans Woywod. Stadtverordneter. 128. Abt. Pankow. 1944 Uhr bei Kober, Berliner Ecke Prinz, Heinrich. Strasse. Ncfercnk Willi Wolfs. Dienstag, 20. Januar: 29. Abt. 20 Uhr bei Bontkc, Schulstr. 71. Refcrentl» Stadtverordnele Ella Kay. 21. Abt. und 21. Abt., 3. Gruppe. 19% Uhr im Altersheim, Danzigcr Str. 02. Referentin Klara Bohm-Schuch M. d R 28. Abt. 20 Uhr bei Bartelt, Börther. Ecke Rqkestrah«. Referentin Mari« Kuncrt M. d. R. Neuwahl der Leitung. 15. Abt. 20 Uhr bei Winzier. Reichenberger Str. 104.„Ernstes und Heiteres." 9«. Adt. Britz. 19% Uhr bei Becker, Cliaussecstr. 97. Funktiouärinnenfitzutig. Reuwahl der Leiten» und der Funktionärinnen. 197. Abt. Falkcnbeeg.Bli. Glienicke. 19% Uhr bei Meier, Strasse am Falken. bcrg. Referentin Luise Wogner. 117.«bt. Lichtenberg. 10% Uhr bei Pslu«. Leopold. Ecke Emanuelstrasse. Reftzrent Dr. Bernhard Adler. 129. Adt. Pankow. 20 Uhr im„Türkischen Zelt", Drcite Etr. 14. Referent Paul Bernstein. 119a. Abt. Wittenau. 20 Uhr im Lokal Schulz am Bahnhof. Vortragende Friede! Hall. ZKillmoch, 21. Zanuar: 31. Abt. Eharlottenburg. 19% Uhr im Jugendheim Rosinensir. 4. Refeventin Luis« Wagner. Neuwahl. 79. Abt. Schönebeeg. Unser ssraucnabend wird wegen der Kreisveranstaltung auf den 28. Januar verfchohen. 81. Abt. Friedenau. Der sür den 21. Januar angesetzte Fratienab-nd muss wegen der Kreisveranstaltung ausfallen. Die Genossinnen beteiligen sich hieran geschlossen. III. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bci Heimann, Waltersdorfer Ctr. 100. Referent Max Hcydcmann. Donnerstag. 22. Zanuar: 83. Abt. Tempelhof. 20 Uhr bei Pommcrening, Berliner Str. 100. Rcfcrrirtlll Klara Bohm-Schuch M. d. R. Freitag. 23. Januar: 110. Abt. Grünau. 20 Uhr bei Werner, Köpenicker Str. 123. Referentin Lisbeth Meyer. 138. Abt. Hermsdorf. 20 Uhr im Jugendheim Roonstrassc. Referentin Hermine Scheibner. ZZezirksausschusj für Zlrbeiterwohlfahrt. 10. Krei« Zchlendors und 12. Km» Steglitz. Montag, 19. Iairuar, 30 Ubr, im Rathaus Steglitz, Kursus„Arbeitslofenversichcruna". Referent Genosse Ru- dolf Karsten. 137.«bt. Reinickcndors-Wcst. Montag, 19. Januar, 20 Uhr. im Pollshaus Funktionärsitzung. Sozialistische Studentenschaft. Ortsgruppe Berlin. Sektion Universität. Montaq. 19. Zanuar, inristische Fachschaft, Wirtschaft»- rechtliche Arbeitsaemeinschaft. Referent Genosse Lotzvrüvcr:„Der Eineutum»- begriff"; bei Mcnaer. Mittwoch, 21. Zanuar, medizinische Fachschaft. Besuch des Untersuchungsgcfällqnisses Moabit. Donnerstag, 22. Zanuar, marxistischer Brbcitsrreis für Anfäuaer. Medizinische Fachschaft, 20 Uhr, Bund. Kommuual-. politische ArbeitsgeckeiusKaft, Dr. Zeserich:„Kommunale Verwaltunqsrefvr»"« Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Bcrlin. Mittwoch, 21. Januar, Helsersitzung in der Schule, Kaiscr-Friedrich-Etr. i iRähc Hcrmannplatzl, Neukölln. Kreis Mitte. Montan, 19. Januar, 20 Uhr. im Heim, Landsberger Str. 50, Helferverlammtung. Hans Weinberger spricht über:„10 Jahre Rindcrfreunbe". Ellern und intercssicrlc Genossen sind eingeladen. . Kreis Krcuzbera. Matci'ial.Sprcchswnde, Freitag, 23. Januar, von 18 bis 20 Uhr, Waldcinaritr. 77. Schule. Keller.— Morgen, Montag, 19. Januar. letzter Anmeidctermin silr die Jungfalken am Lt. ,'25. Januar nach Raucn d« H. Kiunkc, Berlin S 42, Gitschiner Str. 82. Gruppe Gewerkschaftshavs: Wir treffen uns um 9% Uhr vor unscrcm Jugendheim zur Flugliafenbesichtiguiig. Kreis Prenzlauer Berg: Rote Fassen Viktor Adler: Danzigcr Str. 02, 18—20 Uhr, Dienstag:„Unser Winterfest". Freitaa: Zeichnen und Modellieren. Gruppe Freiheit: Treffpunlt»im Chaplin-Film heute 15 Uhr Bhs. Schönhauser Allee s20 Pf.). Montag: Bastclabend der Grsantiqruppe. Dienstag: Turnen. Donnerstag für Jung- und Nestfalteii Breitspiclabend. Freitag für Rote Falken Liederabend. Gruppe Friedrich Ebert: Heute zum Film 15 Uhr Hock»- bahnhof Danzigcr Strasse. Monivg für Jung, und Rotfalken Boden im Etadtbad Mitte. Treffpunkt wie heute. Dienstag: Tanz- und Spielabend der Gefamtgruppc. Donnerstag für Rot. und Freitag fllr Jungfalken Bastei- «bcnd. Mittwoch: Turnen Danzigcr Etr. 23. Kreis Renlölln. Wir trcfscii uns zur Helfcrzufammenkunft heute. Sonn- tag. um 19 Uhr, Ganghofcr- Ecke Bergstrasse. Am Rontag ist Arbeitsstunde ob 18 Uhr In der Baracke, Eanghofcrstrassc. Zur Singcstunde am Mittwoch, um 17 Uhr, in der Schule. Donaustraßc. kommen alle sangeslustigcit Jung- und Rote Falken. Liederbücher mitbringen., Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation{ 8. Abt. Am 10. Januar verstarb unser treuer und bewährter Genosse Ferdinand Seiler nach langem schwere» Leiden im Alter von 01 Jahren. Wir werden seine Pflichterfüllung und Opfcrfrcudigkeit in ehrendem Andenken halten. Die Einäscherung findet am Dienstag, 20. Januar, 18 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Berliner Strasse, statt. Um rege Beteiligung bittet die Abteilungsleitung. 29. Abt. Einer unserer lieben Alten, Genosse Fritz Müller, ist im fast vollendeten 77. Lebensjahre von uns gegangen. Ehre feinem Andenken.— Einäscherung Mittwoch. 21. Januar, abends 7 Uhr(19 Uhr), Krematorium Gerichtstrass«. Rege Beteiligung wird erwartet. 95. Abt. Neukölln. Am 25. Dezember v. I. verstarb Unser Genosse Liersch, Leylcftr. 1.— Ehre seinem Andenken. Togal gegen Grippe. Mit Togal wurden laut zahlreichen Mitteilungen aus der ärztlichen Praris bci der Behandlung von Grippe und Influenza sehr bemerkenswerte Erfolqe erzielt. Deutliche Abichwächung des Fiebers, Einfchrän- kuug des Echweisses und Verminderung der schmerzhaften Beschwerden trat bald noch Einnahme der Tabletten ein. Unangenehme Nebenersck>«>nungen konnten nicht bcobachiet werden. Selbst bei Herzschwächen und magenkranken Leute» wurde ein« schädliche Einwirkung nicht konstatiert. Schreiben Sie schon elektrisch? Grosser Auslandsersolg deutscher Büro» Maschinen. Das Wiener psychotechnische Institut bat vor kurzem die gpbräuch- lichsten Schreibmaschinen in langen Reihenuntrrsuchuugeu einer Eignung«- Prüfung unterzogen. Die Untersuchungen dürfen, nach dem Bortrag zu schliessen. überaus weitgehend gewesen sein. Nicht nur Schreibschnelligkeit. Leichtigkeit des Typenanschlages, durchschnittliche Schreibleistung. sondern auch einzelne Bedienungselementc, wie Tasten und Umfchallhebel, wurden auf ihre Signung und die Bequemlichkeiten, die sie dem Schreiber bieten, untersucht. Besonders wertvoll war es, dass sich diese Untersuchungen nickst etwa auf eine Maschine ollein beschränkt haben, sondern die gebräuchlichsten Maschinen des internationalen Marktes umfasst haben. Sie brachten das überralifteirde Ergebnis, dass die deutschen Fabrikate, insbesondere die Mercedes. Elettra,«US überlegener Sieger aus der Prüfung hcroorgingeii. wirkungsv&U und M££i& : ueritöute| Tapete». Ezillot. Kslsnic strasse 9" T-ppichhau, Emil Lofdvre. Bev lin. seit 1882 nur Oranienstrasse 158. Zahlvnaserleichtc. rimg ohne Ausschlag. 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NikolaUiraHc tflw Wir suchen für unser Hau» Belle-AIIiance-Straße fachkundige Verkgufer für die Lebensmittel- Abteilung Votf�tiuogvee-S-MXtibrwwm. MtmM A N N TIKTZp AIR L I N I Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonniag, 18. Januar: 7: FunksymnasUk. AnschlieCend; Früli&onzcrt aus Leipzis, 8: Für den tanduirt 9.50: Glockengeläut des Berliner Doms. 10: Festgottesdienst anläßlich des 60. Relcbsgründungstagcs, 11.15: Aus dem Reichstag: Festakt der Reicksregierung aus Anlaß des 60. Reichsgründungstages. Anschließend: Vor dem Reichstag. Anschließend! Aus Dresden: Mittagskonzert 14: Clternstundc. 14.30: Jugendstunde. 15.05: Musik zum Hörspiel. 15.45: Lieder zur Laute. 16.05: Adele Gerhard liest eigene Dichtungen. 16.30; Selten gehörte Walzer. 18.30;„Lrzählung eines Lebens'* von Franz Blei. 19; Hugo Wolf-Lieder. 19.30; Charlie K. Roellinghofi liest eigene Humoresken. 19.50: Sportnachrichten. CO; Orchcstcrkonzcrt. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Montag, 19. Januar: 7: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert 15.20: Frauen helfen Frauen. 15.40; Recht und Unrecht im täglichen Leben. 16.05: Politische Gegnerschaften. 16.30: Arien. 16.50: Konzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Zehn Jahre Reichswehr. 18.15: Das Wahlrecht in der Demokratie. 18.40: Ungarische Volks- Ücder. 19.05; Dichtung oder WahrheiL 19.30: Unterhaltungsmusik. 20.30: Wovon mau spricht 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10:„Die Pick- wickier". episches Hörspiel von Wolfcnstcin. 23: Die Funkstuude zieht um? Dienstag. 20. Januar: «.?»: Ans KönizsbcrE: Friihturnstundc. AnschlieBend; Frühkonzcrt!•: Aus Lcipzis: Wirtschaftsnachrichten. 10.05; Wetterdienst und Verkehrsfunk. 19.13: Was die Zcitune bringt. I0_M: Schulfunk. 12: Schallplattenkonzert. 12.55: Naucner Zeitzeichen. Anschließend: Schallplattenkonzert. 11.15: Aus Leipzig: Orgelkonzert. IS: Aus Dresden; Gymnastisch-tänzerischer Kinder- Unterricht der Mary-Wiiman-Schulc. 15.49: Wirtschaftsnachrichten. 16: Der Kinfluß des Wetters auf den Rundfungemplang. 16.30: Nachmiltagskonzert, 18.05: Die Soziaibeamtin. 18.45: Aus Breslau: In dem Atelier der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe. 19.30: Aus Königsberg: Unterhaltungskonzert. 3K20; Aus Leipzig: Konzert. 22.20: Nachrichtendienst. Mittwoch, 21. Januar: 6.30: Aus Königsberg: Frühturnstunde. Anschließend: Frühkonzert. 10: Aus Leipzig; Wirtschaftsnachriohtcn. 10.05: Wetterdienst und Verkehrsfunk. 10.15: Was die Zeitung bringt. 10.50: Geselligkeit von heute. 11.15: Aus Königsberg; Landwirtschaflsfunk. ILIO: Schallplattenkonzert. 12.55; Nauencr Zeitzeichen. 13.10; Pressenachrichten. 13.30: Schallplattenkonzert. IS: Land- wirtschaftlicbc Preisberichte. 15.20:„Rübezahl**, sfeben Hörbilder nach den bekannten Rübezahl-Sagen. 16: Elternstunde. 16.30: Konzert 17.45: Volks- I gcsundheitspflege. 18.10; Eisberichte. 15.23: Bläser-Kammermusik. 19: Aus Leipzig: Berufswettkämpfe. 19.30: Wie schützt man sich vor Verlusten Im Kreditverkehr? 20: Aus Königsberg:„König Mi das". Komische" Oper von Kempff. 21.10; Aus Leipzig: Ossip Kalenter liest eigene Kurzgeschichten. 21.30: Tänze von gestern. 22.20; Nachrichtendienst. Anschließend: Aus Königsberg: Tanzmusik. Donnerstag, 22. Januar: 7: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 11.30; Die Kriminalpolizei. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Die Amateurfrage— das Problem des Sports. 15.40: Der Künstler und seine Zeitgenossen. 16.05: Jugendstunde 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.30; Programm der aktuellen Abteilung. 17.55; Konzert. 18.40: Wesen und Wert der Astrologie. 19.25: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.30; Zeitgemäße Unterhaltung. 20.40: Tages- und Sportnachrichten. 20.50; Ansprache des Rundfunkkommissars. Anschließend: Sinfonie-Konzert Danach: Tanzmusik. Freitag, 23. Januar: 7: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 9: Von der deutschen Welle: Schulfunk. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert 15.20: Soziale Frauenberufe. 15.40: Schwarzer Optimismus. 16.05: Die Berliner Stadt-Rohrpost. 16.30; Wiener Unterhaltungsmusik. 17.30; Das neue Buch. 17.40: Jugendstunde. 18.05; Die Praxis der Astrologie. 18.50; Volkstümliche Kammermusik aus Rußland. 19.40: Interview der Woche. 20: Quer durch das Haus des Rundfunks. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; Afaenduntcrhaltung. Sonnabend, 2-1. Januar: 7: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert 15.20: Jugendstunde. 15.45: Medizinisch-hygienische Plauderei, 16.05; Schachstunde. 16.30; Unterhaltungsmusik. 17.55; Die neuen Rundfunk-Aufnahmeräume und ihre Akustik. 18.30; Vioiinvorträge. 19; Für und gegen Berlin. 19.30;„Die Zauberflöte'*, Oper von Mozart 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachfichten. Danach: Ans dem Marmorsaal im Zoo: Rcklaraeball 1931. Königswusterhausen Sonntag, 18. Januar: Ab 7: Uebcrtragung aus Berlin. 18; Die Kunst Jn der Dorfkirche. 18.30; Ein Besuch auf den Azoren. 19: Josef Soyka liest aus eigenen Werken. 19.30: Die Hclgoländer. Anschließend: Uebcrtragung aus Berlin. Montag, 19. Januar: 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Berlin: Nachmlttagskoiuerl. 17-39: Das Kärntner Volkslied, 18: Medizin und Musik. 15.39: Der moderne Staat. 19: Englisch für Anfänger. 19.30: Stunde des Landwirts. 29: Deutschland« sender: Aus München: Konzert. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 20. Januar: 16: Ans Leipzig: Der Einiluß des Wetters auf den Rundfunkempiang. 16.39: Nachmittagskonzert. 17.23: Ans Hamburg: Eine halbe Stunde im Beratungszimmer der Auswanderermission. 18.05: Aus Leipzig: Die Soziaibeamtin. 18.30: Der Geist der Klassik. 19: Aus Breslau: Wetterbericht für die Laudwlrtschalt. 20: Deutschlandscnder: Aus Hamburg:..Der lustige Krieg". Operette von Johann Strauß. 22.30 Aus Hamburg: Aktuelle Stunde. 23: Aus Hamburg: Unterhaltungsmusik. Mittwoch, 21. Januar: 16: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17,30: Aus Hamborg: Die neuzeit- liehe Jugendbewegung. 17.45: Aus Hamburg; Drei Jahre praktisches Arbeitsrecht. 18.30: Der Geist der Klassik. 19: Aus Hamburg: Tim Kröger. Aus dem Leben und Schallen des Dichters. 19.25: Aus Hamburg: Ein Jahr unter Chinesen. 19.50: Aus Hamburg: Wetterbericht und Abeudbürse. 20: Deutschlandsender: Aus Leipzig;„Das Erwachen des Löwen", Singspiel nach einer französischen Idee. Musik von Brandl. 21: Ans Leipzig: Nachrichtendienst. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 22. Januar: 16: Von der Glaubwürdigkeit Jugendlicher. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.39: Hausmusik. 18: Vom Wintersport der Dentschen. 18,30: Der moderne Kapitalismus. 19: Stunde des Kaufmanns. 19.30: Stunde des Landwirts. 20: Deutschlandscnder: Aus Hamburg: Uraufführung;„Das Wasser" von Paquet. Anschließend: Uebertragnr.j aus Berlin. Freitag, 23. Januar: 16: 25 Jahre preußische Naturdenkmalpflege. 16.30; Aus Leipzig: Nach» raittagskonzert. 17.30: Das Fliegen und die Naturgesetze, 18: Der Wandel der Wirtschaftsauffassung in England im Spiegel der Empire-Konferenz. 18.30; Vom Sklaven der Antike zum modernen Arbeitnehmer. 19: Englisch rür Fortgeschrittene. 19.30: Wisscnschattlicher Vortrag für Tierärzte. 19.55? Wetterbericht für die Landwirtschaft. Anschließend: Uebertragung aus Berlin- Sonnabend, 24. Januar: 16; Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg; NachmittagskonzerL 17.30: Vom deutschen Feuilleton. 18; Französisch für Fortgeschrittene. 18.30: Grundproblcme der Lehre vom Leben. 19: Die Welt des Arbeiters. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. BEITFEDERIt »3*». erster Hand Gl,« 0.90, 0.73, 0.00 Weih 5.-, 4,-, 3.50, 1.00 feinm 9.—, 7.—, 4.— Oiutetl stielt 12.-, 9.50, 7.5:,. 6.00 Rina gif.S.S ,3.50,2.40 Oenam-terttH..»1 SO und andere Sorten in großer Auswahl. 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Dem Deleldiglen, dem früheren Reichs» nüniltrr Dr. Senering wurde die Befugnis zugeiprochen. inuerhalb e nes Monats nach ßnftcUung einer mit Rechtstraitaiteft ver» lehenen llrieitsauslertigung den ver» fügenden Teil des Urteil» duieh die.3lole Fahne", den»Vorwärls", das„Berliner Lageblalt" und den J&ainbnrgct Anzeig er" einmal auf Soften des Angeklagten nffenllich belaintt zu machen. Die noch vorhandenen strafbaren Stellen der„Roten Fahne" vom 4 Januar 1930 und 14. Januar 1930. sowie derjenige Teil der Planen und Formen, aul welchen die Stellen sich befinden, sind unbrauchbar zu machen. Die Kosten des Verfahrens trägt der AugeUagte. Der SeneralstaalsanwaN bei dem Landgericht L PREISE BEDEUTEND HERABGESETZT I SIEGEL* Co. STRASSE 33 auch in MONAXS-RATEN Kaufen oh De Anzahlung jetzt Zahlen l fuuxnun» Februar ßerlialjeipzigeöfr.122-123 Cicnlng, den 20. Zannar. abend» 7 Ahr, Im verbandohao», Cinieastcafte 83/86. Branchen-Versammlung der Bauanschläger Tagesortnung: 1. Bericht von den Bethandlungen mit den Ardeitgebern. 2. Stellungnahme dazu. 3. Verichiedenes. Ohne Witgliedebuch tein Auirittl Die Funktionäre treffen sidi eine Stunde früher im Sitzungssaal l. Alle Kollegen find verpflichtet, wegen der Widstigteii der Tagesordnung die Versammlung zu de» suchen.__ Dienstag dea 20. Zaauar. abends 6 Ahr, in Ewalds verein». Hans, Stallher Straft» 328 Branchen-Versammlung der metaildrocker und Pollerer Tagesordnung: L Vortrag über die neuesten Vetannb niachnngen der Srwcrbslosen-Vev ficherung. 2. Bericht. 3. Vcrba»d«ang«IegcnHeite» und Ver» fchiedene» Ohne Mitgliedsbuch kein liulritt. Wegen der Wichtigleit der Tages. ordnung erwatlen wir. daß olle Kollegen ericheincn Die Vertrauensleute sind ver» pflichtet, für einen guten Besuch Sorge zu tragen._ Mittmoch, den 21. Jannar. add». 6 Ahr. In den Sophien-SSIen, Sophlenflrahe 12-1» Branchen- Versammlung der Bau- und Beidscnranh- schiosser Tagesordnung: I. Die Lehren des letzten Streit». 2. Distulston. 3 Branchrnangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein gulriit. Das Erscheinen aller Kallege» ist Pflidii Mittwoch, den 21. Zannar, add».2> zAhr, im Ei«wertichaft»hon» Engeinser 24 28(Grober Saal) Branchen- Versammlung der fflechanlKer, Optiker. Uhrmacher. Elcher und Eicherinnen Tagesordnung: L„Unter Kampf gegen den Faschismus/ Aelrrenl: Senoffe Ollo Meier, Mit- gtied des Landtags. 2. Distulston 3. Vranchenangelegenheilen. Mitgliedsbuch, mit einem der obigen Beruie versehen, legitimiert. E» ist Pflicht aller Kollegen, pünktlich und zahlreich zu ericheinen. Zpielplsn nnferer«ntturadtettnng. Zu der Woche vom IS. bis 25. Januar: I. Laila(Die Tochter des Nordens). 2. Ttchnilcher Film. 3. Humoreste. Zn der Woche oo« 2S. Jan. bis 1. Febr.: l. Dürfen wir ichwcigenl(Se�uaifilm) 2. Hygieue-Film Ar. 8. 3. ipumoccste Zu der Woche oom 2. bis 8. Februar: L Die heilige» drei Brunnen«Srofier Berg- u. Sporisilm mit Louis Trenteif. 2. Hygieue-Film Nr 0. 3. Humoresre. Ansrogen wegen Ueberioffung und Bc inch der Ablctlimg sind tclephonisch oder ichristiich an die Kulturadleilung (Büro L!nienstrV3/S5,Ztmmrr 20) zu richten. DI« Orltverwaliang. IAIs Baugeld oder zur Hypothekenablösung I Keiniiioilen-Sparaiir.ehen zn 3°.° and AmenUanon öescnai«pianmanig. I Prospekt, Ver treter besuch kostenlos ticiimlätMreiiQi G. m. d. 1. BamparkäSM, I Berlin-Tegel, Hsupistr. 32. 1 Landesberatungsstelle: O v. Krause, I Berlin-Tempelhof, Kaiser-Korso 76, Telephon; Baerwald 3032 I(Bena nt Baun 955180««Mau Terktuf an»»!«»«rrtj Mtnncnabgtb« vorbekaltaal . AS» eieid w w"m'.... V TanxW®®"lr.0 4 rein- 6eid« -gg ESÜS�fÄs �UUewsvew-. At Kinder-Wlta �vexacbled-aw- ÄnXUS verÄcieo ............ 75 /illiillUI!'""" *»90 BattSchu�e-.-d S9anB5?Ä,5 ■sfe-..rfe) mm9Q Btehu* (ftr vawrs. yeiflearo« et. SSÄ#- sf!°?Sr..-.95. Unterkleid J95 Charmeuse, selir elegan..»•• Hemdhose 2®5 Charmeuse. ECQnstlerdecke merz. Ci�pagcwebe. aparto Dekors, ßß QS handgespritzt, ca. 130/160 cm 5,75. 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