Morgenausgabe Nr. 31 A 16 4S.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich 3,60 M. im voraus zahlbor. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Uostzeitun gs- und 72 Pf.Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- parto 5,— M. * Der„Dormarts" erscheint Wochentag- üch zweimal. Sonnvzgs und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme-, „Technik".„Blick in die Bücherwelt", „Jugend-Dorwärts�u.„Stadtbeilage" P- AcrUner Volksblatt Dienstag 20. Januar 1951 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeil« 60 Pfennig. Reklame �eUe o,— Reichs» mark,„kleine Anzeigen� das>ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort III Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäst Lindenstraße 3. wochentäglich von bVj bis 17 Ubr. Jentrawvsan der Sozialdemosratifchen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher! Dönbofs 292—297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 53(5.— Bankkonto: Bank d«r Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr.Z,Dt.B.».Disc.-Gef.,Dcpostt«nr., Jerusalemer Str-Kö/KS. Der Warschauer Terror. Auflösung des Zunstenverbandes. W a r s ch a. 19. Januar. fEigeirbericht.) Die Behörden habe« heute de« Polnischen Juristen- verband, der alle Juristen Polens umfaßt, geschlossen und dessen Lokal versiegelt. Als Ursache für diese Maßnahme wird amtlich angegeben, daß der Verband durch seinen jüngsten Beschluß zur Brester Affäre seine Befugnisse überschritten und durch die Beurteilung der amtlichen Tätigkeit des gegenwärtigen Justizministers rechtswidrig gehandelt habe! *- Ire dem Verbandsbeschluß, der in der Presse beschlagnahmt war, heißt es u. a.:„Die bekanntgewordenen Tatsachen aus Brest-Litowsk stellen eine In der Geschichte Polens nie dagewesene Vergewaltigung des Rechtes und der Moral dar. Die polnischen Juristen verurteilten die Gewaltsiaten und die Rechtswidrigkeiten von Brest-Litowsk und drücken ihre Entrüstung über die U n t ä t i g k e i t der Staatsbehörden aus. Da zu den Mit- gliedern des polnischen Iuristenverbandes auch der ehemalige Justiz- minister E a r und der frühere für Brest-Litowsk zuständige Staats- anwalt und gegenwärtige Justizminister M i ch a l a w s k i gehören, die für das Schicksal der Brester Gefangenen verantwortlich sind, wird beschlossen, dem Vorstand des Verbandes die Beurteilung der Tätigkeit der genannten Verbandsmitglieder zu empfehlen.— Diese neueste Ilnterdrückungsmaßnahme hat unter den polnischen Juristen große Erbitterung hervorgerufen. Allgemein wird darauf hingewiesen, daß der Juristen- verband selbst doch wohl am besten wissen mußte, wann sein Der- halten rechtswidrig ist und wann nicht. Die Rcchtswidrigkeit dieser Maßnahme der polnischen Regierungsstellen ist um so offensichtlicher, als der Verband ja, wie es jeder Vereinigung übrigens zusteht, die Tätigkeit Cars und Michalowskis nur unter dem Go- sichtspunkt ihrer Zugehörigkeit zum Iuristenverband und nicht, wie es in der offiziellen Begründimg heißt, ihrer„amtlichen Tätigkeit" beurteilen wollte und noch nicht einmal beurteilt Hot. Der Vorstoß des Faschismus. Mit Deutschland vor Genf verabredet— meldet Rom. Rom, 19. Januar.(Eigenbericht.) Der Genfer Bericht des Chefredakteurs des„Giornale d' I t a l i e" gibt an, daß in der ain Montag stattgefundenen ein- ftündigen Besprechung zwischen Curtius und dem italie- nischen Außenminister vor allem über das Problem der Abrüstung verhandelt wurde. Die„Tribuna" bestätigt am Montag abend diese Meldung. Danach verteidigte Grandi weiterhin mit aller Energie grundsätzlich den Standpunkt, daß ohne vor- h e r i g c Abrüstung das Zustandekommen der Vereinigten Staaten von Europa unmöglich fei. Die ganze Haltung richte sich gegen Frankreichs Prinzip der Sicherheit und seine in der Konferenz nicht zu schlagenden Rüstungen. Wie man hier aber wirtlich über Briands Europa-Plan denkt, das zeigt die gleiche Nummer der„Tribuna" in einer Glosse. Dort heißt es nach dem Beispiel des Witzes über die Herstellung einer Kanone:„Wie macht man Paneuropa? Man nehme ein Loch und drehe Phrasen darum. Die Hauptsache ist das Loch".> Im übrigen wird aus Grandis Umgebung gemeldet, daß die Einladung Rußlands und der Türkei zu den Verhandlungen jetzt schon als sicher gelten darf. Das sei ein Sieg des italie- nischcn Vorstoßes, der gemeinsam mit Deutschland erfolgt sei. Cr wurde vorbereitet in den Verhandlun- gen, die Botschafter von Schubert im Berliner Austrag mit Grandi vor dessen Abreise nach Geist führte. Die„Tnbuna" wehrt sich gegen die französischen Borwürfe, daß Italien die Polstik der Besiegten führe. Es mache weder die Po- link der Besiegten noch der Sieger, sondern die Politik einer Groß- in acht, die, wie es an anderer Stelle heißt, Frankreichs Spiel um die Vorherrschaft in Europa nicht mit- mache, auch wenn sie dieses Spiel unier der Maske eines Pan- «uropa oerberge. Im Schseppisu iNomS. Rom. 19. Januar.(Eigenbericht.) Die faschistische Presse weist übereinstimmend darauf hin. daß Deutschland und Italien zur Zeit in Genf außerordentlich stark zu- sammenwirken. Wenn auch Curtius auf der Tagung der Europa- Konferenz zuerst gesprochen habe, so sei er doch dem italie- nischen Antriebe gefolgt. Auch der Antrag auf Einladung Rußlands und der Türkei sei bauptsachlich auf die Initiative der italienischen Regierung zurückzuführen. Es ist darüber hinaus be- merkenswert, daß die italienstche Presse sich außerordentlich scharf gegen die Intentionen der französischen Politik wendet. Anderer- seits lehnen Blätter wie der„Messagero" und„Popolo di Roma" die französischen Behauptungen, als ob Italien mit Deustchland ein gemeinsames und vorher verabredetes Spiel treibe, enstchieden ab. Einladung nur zur Wirtschast. Das Europakompromiß über die Sowjetunion. Genf, 19. Januar.(Eigenbericht.) Der deutsch.italienische Vor stoß in der Europa» kommission dürste nur teilweste gelingen. Die Kommission hat eine Entschließung des Sechserausschujses vorliegen, nach der sich die Arbeiten dieser Tagung nur auf die Wirtschaftsfragen er- strecken und zu diesen Wirtschastsberatungen Rußland und die Türkei zur Mitarbeit eingeladen werden sollen. Damit dürfte aller- dings die Teilnahme dieser Staaten zunächst einmal beschlossen werden und ihre Entfernung von der Behandlung der politischen Fragen Europas dürste später kaum durchführbar sei». Anderer- seits sind gleichzeitig alle Probleme außer den wirtschaftlichen auch von dieser Tagung auf Mai verschoben worden. Inzwischen wird der noch einzusetzende Unteransschuß sämtliche Fragen zu möglichen Lösungen vorbereiten müssen. Die Mitarbeit Rußlands und der Türkei wird selbst unter Boraussetzung der Annahme dieser Einladung sür die augenblicklich« Tagung wegen der Kürze der Zeit praktisch nicht mehr möglich sein. Den größten Teil des Nachmittags hatte die geheime Sitzung des Sechserausschujses eingenommen, so daß erst noch 6 Uhr die öffentliche Vollsitzung der Kommission eröffnet werden konnte. In Fortsetzung der Wirtschaftsausjprachc betonte M o h w i n ck« l- Norwegen, die Zukunft der europäischen Völker hänge von der Zusammenarbeit zur Beseitigung der Zollschranken ab. Das Handelsabkommen zwischen den skandinavischen Staaten sei direkt im Sinne der Europe.ldee und könne für andere Staaten- gruppen ebenfalls für deren besondere Bedingungen als Beispiel dienen. H y m o n s- Belgien unterstrich diese Ideen und verlangte regionale Verständigungen sür Industriestaaten, was im wefent- lichen auch von P r o c o p 6- Finnland angeführt wurde. In- zwischen wurde der Wortlaut der Entschließung verteilt, die folgender- maßen lautet: „Angesichts der Entschließung der Vollversammlung des Völker- blindes vom 17. September 1930 beschließt der europäische Aus- schuß, di« Weltwirtschaftskrise zu studieren, soweit sie die Gesamtheit der europäischen Staaten interessiert, und durch den Generalsekretär die Regierungen von Island, der Türker und Rußland einzuladen, an diesem Studium teil, zunehmen." Da inzwischen dieser Wortlaut im ganzen Saal bekannt ge- worden war, schlug Henderson unter stürmischer Heiterkeit vor. dies« Entschließung öffentlich zu diskutieren, weil sie doch in der gesamten Presse am Dienstag zu lesen sei.— Briand lehnte das als Vorsitzender jedoch ab mit dem Hinweis darauf, daß nach den Ge- pjlogenheiten des Völkerbundes solche politischen Diskussionen in ge- Heimen Sitzungen stattfinden müßten. Nach einer kurzen Antwort Hendersons beschloß der Ausschuh, die Einladungsentschließung am Dienstag nachmittag öffentlich zu diskutieren, „Knede" in Liberia. Genf, 19. Januar.(Eigenbericht.) Nach siner Rote Liberias an den Völkerbund, lehnten es auf den Rücktritt der Regierung King hin einige Dörfer ab, weiter Steuern zu bezahlen..Eine Regierungskommission wurde mit Gewalt ver- trieben. Daraufhin wurden die Dörfer durch Truppen befriedet". Angeblich ohne jede Gewalttat und oh"« persönlichen oder ma- teriellen Schaden für die Bewohner. Dieser Ausstand wurde hervorgerufen durch das Bekanntwerdcn der großen Wirkung des Völkerbundsberichtcs über die Sklaverei. Der Umfang der Reo olle dürfte wesentlich größer sein, als die libe- r'stch« Rote zugibt. Man kann sich bei den dortigen Verhältnissen vor» stellen, wie ine„Befriedung" und die Rückkehr zum Steuerzcchlen in Wirklichkeit durchgeführt werden. Vemneim'gtes Europa! Deutschlands Rolle in Genf. V. Sch, Genf. 19. Januar. Reichsaußenminister Dr. Curtius ist gewiß kein be* neidenswerter Mann. Wie seinem Vorgänger Stresemann steht auch ihm der unversöhnliche Haß seiner nationalistischen Gegner und der schleichende Argwohn seiner eigenen Partei- freunde gegenüber. Stresemann nahm den Kampf mutig und vor aller Welt auf, und das verschaffte ihm im Auslande jene Popularität und jenes Prestige, dem er einen wesentlichen Teil seiner Erfolge verdankte. Dr. Curtius hat es n o ch schwerer, nicht nur well er als Nachfolger Stresemonns auch von seinen Verhandlungs- partnern unwillkürlich immer wieder mit seinem sehr ver- mißten Vorgänger verglichen wird, sondern auch weil sich die außenpolitische Lage Deutschlands seit den R e i ch s t a g s w a h le n ungeheuer ver- s ch l e ch t e r t h at. Das weiß draußen jedermann und auch in der Wllhelmstraße kann man sich auf Grund der warnenden Berichte aller diplomatischen Vertreter darüber nicht im un- klaren sein. Aber in Deutschland selbst gibt es etliche Millionen Kindsköpfe, nicht nur unter Hitlers Wählern, sondern sogar in der Partei des Außenministers, denen man eingeredet hat, daß Deutschlands Stellung in der Welt durch das überraschende An- wachsen der„nationalen" Opposition sich enorm verbessert habe, daß sich die Siegerländer vor Deutschlands„Erwachen" fürchten und daß es also Dr. Curtius nun erst recht ein leichtes sein müßte, in Genf„Erfolge" zu erzielen. Aber das Ausland ist um so weniger geneigt, dem Reichs- außenminister solche„Erfolge" zu gewähren, als es sich keines- falls vor Deutschland fürchtet, wohl aber den Eindruck ge- wonnen hat, daß Dr. Curtius sich vor den nationalistischen Schreiern fürchtet. Seine Rolle beim Verbot des R e m a r q u e- Films ist keineswegs in Vergessenheit geraten, zumal hier bekannt wird, daß der Film gerade jetzt in Genf gezeigt werden sollte, aber von deutscher Seite d i e Ve r s ch i e- b u n g dieser F i l m a u f f ll h r u n g bis nach der Rats- tagung erbeten und erreicht wurde. Diese Aufführung wäre zwar nicht für das Ansehen Deutschlands, wohl aber für das Ansehen der Reichsregierung recht peinlich gewesen. Dadurch, daß Dr. Curtius es bisher versäumt hat, den Kampf gegen den nationalistischen Wahnsinn offen und vor aller Welt aufzunehmen, hat er nicht allein seine Aussichten verringert, Erfolge heimzubringen, sondern er sich obendrein immer wieder zwischen zwei Stühle gebracht. Ein paar Bei- spiele mögen das illustrieren: Noch in Berlin war ein großer amerikanischer Rundfun k k o n z e r n an ihn mit der Bitte herangetreten, von Genf am ersten Sonntag eine Ansprache an Amerika zu halten. 18 Sender mit 36 Millionen Hörern sollten seine Rede über die ganzen Vereinigten Staaten übertragen, ähnlich wie kürzlich Mussolinis Neujahrsrede. Nach anfäng- licher Zustimmung bekam Dr. Curtius in Genf anscheinend Bedenken und sagte wieder ab. Offenbar wollte er der natw- nalistischen Meute keine Gelegenhell zu einer neuen Hetze gegen den„schlappen" Außenminister bieten. Die ameri- kanische Gesellschaft wandte sich darauf prompt an den polni- scheu Außenminister Z a l e s k i, der es sich nicht zweimal sagen ließ und die Gelegenheit benutzte, am Sonntag nach- mittag an dreißig Millionen Hörer eine Pro grammrede für Polen und gegen die Revision der Friedensverträge zu halten. Ein anderer Fall, der schon in den eigentlichen Rahmen der Ratstagung fällt: Auf der Tagesordnung steht ein Be- richt der Untersuchungskommission des Völkerbundes in L i b e r i a, die das Fortbestehen der Sklaverei in der Reger- republik in grauenhaften Formen festgestellt hat. Diese An- gelegenheit interessiert in hohem Maße die öffentliche Meinung der angelsächsischen Welt, teils aus puritanisch- Humanitären, teils aus kapitalistischen Gründen(weil sich eine große amerikanische Gummi-Plantagengesellschast, die Firestone Rubber Co. durch das Massensterben der Negersklaven in ihren Interessen bedroht fühlte). Als Ratsvorsitzender trug Henderson Dr. Curtius die Berichterstattung an. Damit hätte sich dieser in Amerika und England ein großes Renommee oerschaffen können. Aber mächtige deutsche Kolonialinteressenten, die vor allem in der Deutschen Volkspartei einflußreich sind, be- fürchteten eine Verschlechterung der deutschen Handelsposllion in Liberia, wenn der Enthüllungsbericht von dem deutschen Ratsmitglied verlesen wird. So glaubte Dr. Curtius diesen Bericht ablehnen zu müssen. Statt seiner wird nun Z a- Die Aktien der Mittelstandsvank. Wie Drewitz mit einer französischen Bankengruppe verhandelte. lcsti den Ruhm eines Verfechters der Menschenrechte für sich einheimsen. Zum dritten: Der Rat wird jetzt Ort, Datum und Vor- sitzenden der Weltabrüstungskonferenz zu be- stimmen haben. Bereits auf der Dezembertagung der vor- bereitenden Abrüstungskommission hatten die Delegierten im inoffiziellen Meinungsaustausch über die Person des Vor- sitzenden gesprochen. Und der tschechoslowakische Außen- minister B e n e s ch wurde damals allein als der fähigste Mann für diesen wichtigen Posten anerkannt. Frellich ist er der Vertreter einer bestimmten Gruppe, die nicht gerade zu den abrüstungslüsternen Staaten gehört, und sein Name ist auch mit gewissen für Deutschland peinlichen Erinnerungen an eine allerdings schon ferne Vergangenheit verknüpft: aber erstens gibt es keinen sachlich Qualifizierteren, zweitens könnte gerade er als Vertreter der Kleinen Entente Kon- zesfionen den großen Weltmächten abringen, und schließlich ist er doch Mitglied einer Koalitionsregierung, der d e u t s ch e Parteien seines Staates angehören: Wenn Benesch für die Deutsch- Böhmen tragbar ist, sollte er auch für Deutschland tragbar sein.» Ursprünglich schien man in der Wilhelmstraße gegen seine Ernennung nichts einzuwenden zu haben. Da setzte aber der „nationale" Pressesturm in Deutschland prompt ein. Gleich- zeitig machte E r a n d i in London Bedenken geltend, L i t- w i n o w machte Berlin gegen Benesch scharf, und nun war Deutschland auf dem besten Wege, sich als Sturmbock gegen Benesch mißbrauchen zu lassen. Sicherlich vergebens: denn die großen Mächte des Rates würden zweifellos an Venesch festhalten. Dann würde sich Curtius nur eine überflüssige Niederlage holen und obendrein ganz unnötig den künftigen Konferenzpräsidenten und eine ganze Reihe von Staaten vor den Kopf stoßen. Wahrscheinlich wird man sich auf ein Kom- promiß in der Form einigen, daß als Vizepräsident der dänische Außenminister Münch, ein Vertreter der söge- nannten neutralen Staatengruppe und radikaler Ab- rüstungsvorkämpfer, dem Vorsitzenden Venesch beigegeben wird. Vielleicht wird man, um Deutschland entgegenzu- kommen, auch den Termin der Konferenz etwas vorverlegen. Aber schon jetzt rüstet die„nationale" Presse, um aus dieser Lösung eine schwere Niederlage von Curtius zu konstruieren und ihm einen Strick zudrehen. Der Strick wird ihm doch gedreht. Wie er für Strese- mann gedreht wurde. Aber, wie gesagt, der wehrte sich! Schließlich muß nochmals auf die eigenartige Rolle hin- gewiesen werden, in die sich Deutschland im Europa-Komstee hat hineinmanövrieren lassen. Daß sich die deutsche Delega- tion in die vorderste Reihe der s ch u tz z ö l l n e r i s ch e n Staaten drängt, ist leider kein Wunder angesichts der Tatsackze, daß das ostelbische Großagrariertum heute in der Reichsregierung tonangebend ist. Der fast verzweifelte Not- schrei des holländischen Berichterstatters E o l i j n. der vor den unabsehbaren Folgen eines wirtschaftlichen Nationalis- mus warnte, ist auf eine ganze Reihe von Staaten ohne Eindruck geblieben. Dia südosteuropäischen Agrarstaaten unter Führung von Marinkowitfch- Südslawien brach- ton ihre landwirtschaftlich protektiomstischen Thesen vor und der Industriestaat Deutschland, der auf Export wie kein an- derer angewiesen ist, stellte sich auf ihre Seite! Einstweilen muß man sich aber mehr mit dem eigen- artigen Ausgang befassen, den der deutsch-italienische Vorstoß zugunsten der Zuziehung Rußlands und der Türkei zum Europa-Komitee genommen hat. Als das Ergebnis eines zweieinhalbstündigen Ringens in einem Unterausschuß ist der Beschluß entstanden: Rußland, die Türkei und obendrein Island werden eingeladen, aber nur zur Teilnahme an den wirtschaftlichen Untersuchungen des Europa- Komitees. Ein zweideutiger Beschluß, der zur Ursache neuer Kon- flikte werden dürftel Daraus kann sich zweierlei ergeben: Entweder nimmt Rußland diese verklausulierte, beschränkte Einladung an, was zwar eine große Blamage für die Einladenden, aber praktisch vielleicht das beste wäre, oder es kommt nach Genf, und dann kann es unmöglich von gewissen Sitzungen wieder aus- geschlossen werden mit der Begründung, daß jetzt auch poli- nsche Probleme zur Beratung gelangen sollen, für die die Einladung nicht gelte. Dann wird man darauf verzichten müssen, jene politischen Probleme im Abrüstungskomitee zu behandeln, die Deutschland und Italien neuerdings für wich- tiger erklären als die wirtschaftlichen. Das wäre wohl an sich kein Schaden: denn all diese Probleme— Abrüstung, Gleichberechtigung usw.— können ja doch nur im Rahmen des gesamten Völkerbundes gelöst werden, während im euro- paischen Völkerbund praktische Arbeit einstweilen nur auf wirtschaftlichem Gebiet geleistet werden könnte. Jedenfalls hat Deutschland mit seinem ganzen Vorstoß zu- gunsten Rußlands zwar die Einladung an Moskau erreicht, im übrigen aber das Gegenteil von dem bewirkt, was es ursprünglich wollte. Dos hat freilich nur wenig praktische Be- deutung. denn nach dem ganzen Verlauf der europäischen Be- ratung ist es jetzt klar, daß auf Jahre hinaus nichts Konkretes dabei herausschauen wird, mag Rußland daran teilnehmen oder nicht. Aber das Ergebnis dieser Taktik verdient doch fest- gehalten zu werden. Seit dem 1-L September jagen Millionen von Deutschen dem Phantom einer neuen Mächtegruppierung Deuts chland-Jtalien-Rußland nach, wie sie ur- sprünglich nur von Eitler und Freytagh-Loringhoven propa- giert wurde. Die Wilhelmstraße hat nicht den Mut, dieser Illusion entgegenzutreten. Unter dem Vorwand der„Ak- t i v i t ä t" läßt man sich von Litwinow und Grandi am Gängelbond führen, erfüllt man die ganze übrige Welt mit Mißtrauen, begibt man sich in zunehmendem Maße seiner Handlungsfreiheit und vernachlässigt obendrein seine eigensten Interessen und seine aktuellsten Ziele. Wann wird Dr. Curtius endlich den Mut aufbringen, sich zu der Linie seines Vor- gangers Dr. Stresemann zurückzufinden, der sich nicht ins Schlepptau der Faschisten und Bolschewiken nehmen ließ? Ein sehr interessander Prozeß, der den Vertauf eines Aktienpaketes ber Deutschen Mittel st andsbank an eine französische Bankiergrupp« zum Gegenstand hatte, beschäftigte am M cmtag die 10. Zivilkammer des Landgerichts III. Im Jahre 1926 mar die Deutsche Mittelstandsbant entschlossen, einen Teil ihrer Aktien zu verkaufen, und der da- malig« Geschäftsführer Lorcnzen und der Abgeordnete Dannenberg hatten einen Kaufmann namens Kaller beauftragt, zur Durchführung dieses Geschäftes Verhandlungen mit kapitalkräftigen Gruppen anzu- knüpfen. Von diesem Projekt hörte auch der Bankier Hans Schar- lach, der wahrend der Inflation bekanntlich die Steinbank besaß und sie später an Kutisker verkaufte. Er fuhr n a ch P a r i s und setzte sich dort mit dem Bankier Raymond Lepercq in Verbindung. die durch den aus mancherlei Affären bekannten früheren Berliner• „Bankier" Johannes Wölpe hergeflellt wurde. tepercq trat dem Geschäft näher und war bereit, für 350000 Mark Aktien der Deutschen Mitlelstandsbank zu einem Kurs von 150 Proz. zu taufen. Der französische Bankier kam mit sechs anderen Pariser Herren nach Berlin und verhandelte hier mit dem Aussichtsrat und den Geschäftsführern der Deutschen Mittel st ands- dank. Den Pariser HerrAt wurde der Status der Bank vorgelegt und man besichtigte mit ihnen dann große Ländereicn in Teltow, die aller- dings der Deutschen Mitielstandsbank noch nicht gehörten, die man aber erwerben wollte, wenn Lepercq sich zum Ankauf der Aktien ent- schließen sollte. Bei Abschluß des Vertrages wurde nun ein Kaufpreis der Aktien zum Kurse von 120 proz. feslzelegi, um die Sieuer für die nicht unerhebliche Differenz von 30 Punkten zu ersparen. Wegen dieser Differenz ist es dann zu Streitigkeiten gekommen, die jetzt auch den schwebenden Prozeß mit veranlaßten. Der Kläger. der Kaufmann K ö l l e r, der inzwischen den Antrag auf E r- öffnung des Konkurses gegen die Deutsche Viillelstandsbank gestellt Hot, hatte nämlich von dein damaligen Geschäftsführer der Bank einen Provifion sfchein erhallen, der ihm ein« Prämie zusicherte für den Fall, daß das Geschäft mit Lepercq abgeschlossen würde. Nun ergab sich jedoch, daß die Kursdifferenz zwischen Hindenburg wird Kaiser. Ein Vorschlag SeS Luvgdeutschen. Die offiziellen Kreise des Deutschen Reiches haben am Sonntag ein Kaiferfest ahne Kaiser gefeiert. Das war— jedermann wird das zugestehen müssen— nichts Halbes und nichts Ganzes. Zu einem Kaiserfest gehört nun einmal ein Kaiser. Man stelle sich vor, wenn das Nooemberverbrechsn nicht passiert wäre, dann hätte Wilhelm II. Allerhöchstselbst die Festrede gehallen, und dann wäre die Sache erst richtig gewesen! Immerhin Hot das Fest den Barteil gehabt, den �Zungdeutfchen" ans eine gute Idee zn bringen. Er schlägt nämlich bor, den Reichs- Präsidenten von Hindenburg durch eine» Beschluß des Reichs- tags zum„Reichspräsidenten auf Lebenszeit" zu machen. Wir sehen nur nicht ein, warum damr Herrn von Hindenburg nach das Prädikat oorenthallen werden soll, das allen Staatsoberhäuptern auf Lebens- zeit zusteht. Solche Leute nennt man doch Majestät. Ebensowenig ist einzusehen, warum nicht auch gleich der Harr Sohn zum lebenslänglichen Nachjolger bestimmt werden soll. Dann wären wenigstens künftige Reichskanzler die Verlegenheit los, mll was für einem Hoch sie ihre Festreden schließen sollen: mit einem Hoch auf „das in der Republik geeinte Vaterland", wie«s früher üblich war, oder nur mit einem militärisch schlichten Hoch auf„d a s Dater- land". wie das am Sonntag Herr Brüning tat. Die Formel würde dann klar und einfach lauten:„Es leb« die kaiserlich deutsche Republik!" Der„Jungdeutsche" begründet seinen intercsianten Vorschlag mit einem noch interessanteren Bericht über eine Rede des Stahlhelm- führers Seldte, in der dieser von der Reichspräsidentenwahl des nächsten Jahres sprach und dazu seine gemeinsame Aktion mit Hitler und Hugcnberg ankündigte. Der„Iungdeutsche" er- gänzt die Erklärung des Stahlhelmführers durch die Mitteilung, ihm fei bekannt, daß„Ausschüsse, Klubs und Konventikel tagen, in denen um die Kandidaten für die Reichspräfidentenwahl ge« Eine Milliarde für den Osten. Das neue Osthilfegeseh.— Mittwoch Entscheidung des Reichskabinetts. Zn den lehle« Tagen haben zwischen dem Reich und den preußischen Ressorts noch eingehende Verhandlungen über die endgültige Ausgestaltung der Osthilse staitgefunden. Am Mittwoch wird nunmehr das Reichskabinett seine endgültige Entscheidung treffen. Wie der„Demokratische Zeitungsdienfi" mitteilt, sind von der Reichsregierung zwei Gesehentnnirfc fertiggestellt worden, und zroor da« O st h i l s e g e s e ß und ein Gesetz zur Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung. Räch einer überschläglichen Berechnung werden auf Grund dieser beiden Gesetze durch den Sechsjahresplau dem deutschcu Osten Mittel in der höhe von annähernd einer Milliarde Mark zur Bersügung gestellt werden. parlamenisregierung in Indien. Konferenz beendet/Weg zu endgültigen Vereinbarungen frei London, 19. Januar.(Eigenbericht.) Noch einmal hatten sich am Montagnachmittag die Delegierten der englisch-indischen Konferenz zu einer Sitzung im St.-Iames-Palast versammelt. Eine schwere und feierliche Stim- nning lag über dem Raum. Noch einmal erhoben sich die Delega- tionesührer der verschiedenen Parteien, Klassen und Nationalitäten, um ihre Wünsche und Hoffnungen vorzutragen. Dejonders ein- dringlich waren die Worte S a p r n s, der um der Verständigung willen die Freilassung der politischen Gefangenen tn Indien forderte, damit die neue Aera dem indischen Volke weit sichtbar werde, eine Aera der Versöhnung und de- Fortschritts. 120 und ISO Proz. ebenfalls s e h r u m st r i t t«» umr. Der Bankier Scharlach beansprucht« sie sür sich, um sein« Hintern, ärmer ahzusinben. hatte sich aber schrifrlich verpflichtet, die Hälft« des Reingewinns, näm- lich etwa öS 000 M., an einen„Dispositionsforch" der Deutschen Mittelstands baill abzuführen. Die Franzosen wiederum verlangten die präzise Erklärung der Mittelstandsbank, daß dex gesamte Betrag sür die Aktien, nämlich S2S 000 M. in die Kasse der Bank fließen sollte. Lepercq hatte bei Abschluß«des Vertraget« der Deutsche» Mittelstandsbank einen Wechsel in Höhe von SW OLiO M. übergeben, der als Sicherheit sür die genau vereinbarten Zahturyen dienen sollte. Die Mittelstandsbank bekam jedoch nun selbst Belnmken, und sie zog es vor, das Geschäft nicht zu mach«N und präsentierte auch den Wechsel für den Ankauf der Aktien am Ver- fallswge tatsächlich nicht in Paris. Sie tat dos. nachdan am 28. März 1928 der Bankier Lepercq mit den Po rteworsitzenden Drewitz, Dannenberg und dem V or sta n,dsm i tgli ed Kliem eine Sitzung in Berlin abgehalten hatte, bei der festgestellt wurde, daß Scharloch Lepercq verschwiegen hotte, daß die Kurs- differenz zwischen ILO und ISO Proz. für ihn bestimmt war und daß die Hälfte dieses Betrages nach Abzug der Unkosten der Mittelstands- dank zufließen sollte. Der Pariser Bankier erblickte hierin«in« Täuschung durch Scharlach und erhielt seinen Wechsel zurück. Der Kläger Köllsr begründet seine Klage gegen die Deutsche Mittelstandsbank damit, daß er das Geschäft rechtswirksam zum Abschluß gebracht habe und deshalb die ihm zugesicherte Provision er- halten müsie. Das Geschäftsei lediglichaus politischen Gründen rückgängig gemacht worden. Bei der gestrigen Verhandlung drehte es sich hauptsächlich um die inzwischen in Paris vor dem dortigen Friedensrichter erfolgte Bernehmung des Bankiers Lepercq. Von dem Anwalt des Klügers wurde der Anttaz gestellt, den Reichstagsabgeordneten Drewitz nochmals zu ver- nehmen und zu vereidigen, da sein« bisherigen Aussagen nicht stimmen könnten. Weiter soll der La n dtag s a bg« o r dn e t« Dannenberg, der inzwischen aus dem Borstand der Lank aus- geschieden ist, als Zeuge vernommen und ferner der Bankier Scharlach vereidigt werden. Vom Gericht wird zur Entscheidung dar- über ein neuer Termin anberaumt werden. haudeltand gefeilscht wird". Wir nehmen an. daß es sich hier um ein« tendenziöse Entstellung handelt, denn„Handeln und Feilschen" ist jüdisch und deutscher Männer durchaus unwürdig. Der .Lungdeutsche" spricht aber von einem„Handel um die Kandidaten" in einer Weise, al» handle«s sich um einen ganz starken Andrang nationaler Männer zu der— doch nur für Sozialdemokrateu bestehenden—„Futterkrippe". Aus all« Fälle, dem.Lungdeutschen" ist vor den KandSaten des Dritten Reichs so himmelangst geworden, daß er in seiner 35er- zweislung auf den oben gemeldeten Vorschlag gekonvnen ist. Und das läßt allerdings tief blickent Wer schreibt das? „Das Reich war eine stolz«, staatliche BBmng. fr et im Innern und frei nach außen. Nicht die restlose Erfüllung der deutschen Sehnsucht und des ewigen deutschen Traumes: ober«in Anfang,«in Weg. ein Durchbruch,«in Staat. d«r feineu Bürgern Brot gab und vor der Welt den Scksild der Ehre hochhielt. Wenn nicht gekiebt, so doch geachtet oder mindestens ge. fürchtet.... Mit aufrechtem Stolz stehen wir auf dieser Tradition." Wer schreibt das? Herr v. Oldenburg-Ianuschau im„Tag"? Oder der General o. Einem in der Deutschen Zeitung"? Oder Herr EoerLng i» der „Kreuz- Zeitung"? Nein, dos schreibt Goebbels im„Angriff". Dieser junge Mann, der das Kaiserreich nur als Kind erlebte, hat so schlecht©e- schichte gelernt, daß er das Reich des Sozialistengesetzes und des Dreiklassenwahlrechts„frei nach innen" nennt. Er meint, es habe seinen Bürgern Brot gegeben"— er weiß nicht, daß jenes Reich mit seinen vielen unermeßlich rckichen Leuten für die Arbeitslosen keinen Pfennig hatte und daß hier die arme Republik erst nachholen mußte, was vom reichen Kaiserreich versäumt worden war! Die Helden des Dritten Reichs stehen fest und treu zur Tra- ditwn des WilhÄmimswas» Darum uenneu sie sich ja auch„Revo- lutionärc". i. i Im gleichen Sinne sprachen sie alle ustd selbst die Wort« de« Ver- treters der englischen Konseroallven atmeten Ausgleich. Als letzter erhob sich Macdonald. Sein« Warte hinter- liehen tiefen Eindruck von dem chrllchen Willen der Arbeiterregie- rung, Indien zum Dominion st aat umzugestalten. So tief war dieser Eindruck, daß sich zum Schluß dl« Delegierten zu elnem spontanen dreifachen Hoch«ruf den Mittisterpräsidenten erhoben. Einstimmig wurde darauf die Entschließung angenommen, die den Verfasiungsentwurf als wertvolle Grundlage für die künf- tige Verfassung der indischen Föderation begrüßt. Danüt schloß diese historische Konferenz, die nach Macdonalds Worten „das Buch des Schicksals und der Zukunft für beide Völker auf- geschlagen hat", Ttoihilfe der Reichswehr. Der Reichswehrminister hat einen Erlaß über Hilfsmaß- nahmen der Wehrmacht zur Linderung der all- gemeinen Not herausgegeben. Darin werden die Wehrkreis- kommandeure des Reichsheeres und die Stationschefs der Marine angewiesen, in engem Zusammenarbeiten mit Behörden, gemeinnützigen Vereinen, amtlichen und privaten Wohlfohrtsstellen die Hilfsmittel der Wehrmacht einzusetzen. Im Rahmen dieser Hilfs- maßnahmen werden Feldküchen zur Speisung Bedürftiger, Fahr- zeuge zu Materialtransportcn und auch personelle Kräfte zur Ver- fügung gestellt. Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden soll verhindern, daß Arbeitslose geschädigt werden. Der preußische Handelsminister hat an das Provinzialschul- kallegium Berlin und RegicrungxprSsidenlen einen Erlaß ge- richtet, in dem zur Beschulung erwerbsloser Jugend- ! i ch c r an den Berufs- und Fachschulen die Schaffung entsprechender Einrichtungen gefordert wird. Di« jugendlichen Arbeitslosen, die auf Grund amtlicher oder privater Initiative bereits ausreichend beschnlt sind, bleiben von dem Erlaß unberührt, Der Oberbürgermeister von Köln. Eine Berichtigung. Wir hattrn vor einiger Zeit eine Betrachtung über Ober- bürgermeistsrgehälter veröffentlicht, wobei wir die Bezüge des Oberbürgermeisters von Köln, Adenauer, wie folgt be- rechneten: 41 250 M. Gehalt mit Frau- und Kinderzuschlägen. 43 000 M. Wohnungsgeld, 10 000 M. Aufwandsentschädigung, 14 000 M. Tantiemen von der Prov.-Feuerversicherung zur freien Verfügung, insgesamt 108 250 M. Wir hatten ferner festgestellt, daß davon 70 000 M. pensionsfähig find. Herr Adenauer schickt uns nun die folgende Be- richtigung: ..Die wirklichen Bezüge des Kölner Oberbürgermeisters sind folgende: Geholt: 36 000 M. wie die Oberbürgermeister von Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hannover, dazu die üblichen Kinderzulogen. Aufwandsentschädigung: 10 000 M., ferner wie fast alle Oderbürgermeister freie Wohnung. Bezüglich der Wohnung ist folgende Sonderregelung aetroffen, die notwendig wurde, weil das von den beiden früheren Obechürgsrmeistern bewohnte städtische Haus als Wohlfahrtsschule u-'rwendet wurde. Vom Jahre 1917 bis 1926 hat Oberbürgermeister Adenauer has von ihm als Beigeordneter 1910 bis 1911 erbaute Haus weiter bewohnt und dafür Zinsen nach dem Zinssatz der ersten Hypotheken der städtischen Sparkasse in Köln von dem durch einen vereidigten Sachverständigen auf 160 000 Mark geschätzten Wert dieses Hauses er- halten. Das Haus ist, da es als Dienstwohnung nicht mehr g s n ü g t, im Jahre 1926 bei einem Bauindex von an- nähernd 200 durch einen Anbau, den das städtische Hochbauamt -Sir 149 992 Mark ausgeführt hat, erweitert worden. Diesen durch Vorlage der Rechnungen von ihm als verausgabt nachgewiesenen Betrog erhält der Oberbürgermeister in der oben angegebenen Weise verzinst. Der Oberbürgermeister hat sich mehrfach bereit erklärt, das Hajis zum S« l hst k o st e n p r e i s an die Stadt gegen Fortfall stdex Zinszahlung an ihn zu übertragen. Da das Haus keines- wegs gröber als derartige Dienstwohnungen ist, hat der Ober- bürgermMer irgendeinen besonderen Vorteil gegenüber anderen Chefs von Behörden nicht. Her Oberbürgermeister ist ferner Vertreter der Stadt im iekufsichtsrat der Rheinischen A.-G. für Braun- kohlenbergbau und Brikettfabrikation und des Rheinischen Elektrizitätswerks. In der Verwendung der Aussichtsratstantiemen ist er gebunden. Er ist ferner nicht als Vertreter der Stadt Mitglied des Aussichtsrats der Deutschen Bank. Vor seiner Wieder- wähl sind Vertreter der Stadtverordnetenversammlung an ihn herangetxeten und haben ihn gebeten, auf die Tantieme hieraus zugunsten der Verwendung für Beamte und Museen zu verzichten, wolle man ihm dann die Vergütung der Provinzial- Feuerversicherungsanstalt, die seine Vorgänger zur freien Verfügung hatten, belassen. Darauf ist der Ober« bürgermeister eingegangen. Die bisherigen Angaben seiner Bezüge in der Presse waren, wie bereits bemerkt, alle falsch. Die Verzinsung der von ihm für das Haus aufgewendeten Kapitalien ist fälschlich als '..ohnungsgelb bezeichnet und als reines Ein- lotnrnen aufgeführt worden, und es ist nicht dabei bemerkt worden, daß diese Beträge keineswegs re'nes Einkommen sind, sondern daß er dafür die Zinsen der für das Haus benötigten Kapitalien seinerseits zu zahlen hat. Bei der Aufzahlung des aus der Prvvinzial-Feueroersicheruugsanstalt herrührenden Betrages ist unterlassen worden, zu sagen, daß er dafür auf Privateintommen m annähernd gleicher Höhe verzichtet hat/ Wir geben diese Berichtigung wieder, aber wir sehen darin nur eine Bestätigung unserer Angaben. Herr Adenauer mehrt sich vor allem, daß wir ihm 43 000 M. Wobnungsgeld berechnet haben. Er meint, das sei kein Einkommen. Dazu bemerken wir zunächst, daß von diesen 43 000 M. 20 000 M. als pensionsfähig anerkannt worden sind. Ferner ober: wie man diese 43 000 M. auch benennen will, so ist die Tatsache nicht zu leugnen, daß Herr Adenauer von der Stadt Köln als Leistuua die kostenlose Benutzung eines Hauses er- hall, für dessen Verzinsung die Stadt Köln Herrn Adenauer, der Eigentümer des Hauses ist, 4 3 0 0 0 M. jährlich zahlt. Wenn das nicht Einkommen im Sinne des Einkommensteuergesetzes ist, dann gibt es überhaupt keins! Im übrigen: ein Haus im Werte von 160 000 M. zu klein für emeu Oberbürgermeister? Die Ttachbeier des Spions. Wer ist Herr von Derendt? Man schreibt uns: Dem früheren Flügeladjudaillen des ehemaligen Kaisers, General v o n C r a m o n, der sich nicht scheute, bereits gerichtlich widerlegte Lügen des französischen Spions Crozicr-Desgranze» gegen bis deutsche Sozialdemokratie zu wiederholen, gesellte sich, wie Sie meldeten, in einem Artikel in der„Deutschen Zeitung" ein General der Artillerie vonBerendt zu. Er nannte die Schreibereien des Spitzeis„bedeutungsvoll" und gab an, von ihnen„durchaus den Ein» druck einer ernsten Arbeit" zu haben. Wer ist der General der Artillerie von Berendt? Sie finden seinen Namen in der Rangliste des deutschen Reichsheeres. Er ist dort verzeichnet unter dem 3.(preußischen) Artillerieregiment mll den Worten:„Die Uniform des Regiments mit den Gencrälsabzeichen trägt General der Slrtillerie a. D. von Berendt, zuletzt Oberbefehls- Haber der Gruppe I." Sein Patent als General der Artillerie trägt das Datum vom 1. September 1921. Herr Richard von Berendr, der, gestützt auf einen französischen Spion, gegenüber der Sozialdemo- tratie politisch« Ehrabschneiderei treibt, wurde also zum General der Artillerie durch den Reichspräsidenten Friedrich E b e r t, Mitglied der deutschen Sazialdempkratie, befördert. Be> ruscn von dem Reichspräsidenten Ebert, dient« Richard von Berendt in einem der höchsten Vertrauensposten des Reichsheeres der Re- publik, als Oberbefehlshaber eines der beiden Gruppenkommandos, aus denen sich die Armee zusammensetzt. Di« Höhe seiner Pension richtet sich nach dem Grade des Generais der Artillerie, zu dem ihm der Sozialdemokrat Ebert, den er jetzt durch sein Bekenntnis zu Erozier-Deszranges über das Grab hinaus schmäht, ernannt hat. Danerkläger Grühner abgewiesen. In dem Zivilprozeß des Senatspcähd«nt>-n Dr. G-ützner gegen den preußischen Staat, in dem sich das Gericht mit der rechtlichen Grundlage des Rotopfers zu befassen hatte, hat' die achte Zivilkammer beim Landgericht I am Montag folgendes Urteil verkündet: Der Kläger wird mit der Klag« abgewiesen und verurteilt, dieKosten desRechtsstreits za tragen. Die Milchkuh. 60000 Mark Neingewinn und 65000 Mark Aufsichtsratstantieme, kein Wunder, daß die Kuh dabei schlapp macht! Die Politik als Schicksal. Giaaissekretär Trendelenburg über die Wirtschastskrise.— Genosse Tornow über Lohnabbau und Preishöhe. Nach Slbschluß der Beratung des Haushalts des Reichskanzlers und der Reichskanzlei begann der Haushaltsausschuß des Reichstags mit der Behandlung des Reichswirtschafts» Ministeriums, die eingeleitet wurde, durch eine Rede des Staatssekretärs Trendelenburg über die Ursachen und die Ausdehnung der Weltwirtschafts- kri se. Tccndelenburg führte aus: „Die herrschende Weltwirtschaftskrise erfaßt alle Länder der Wqlt. Ihr« letzten Ursachen zeichnen sich noch nicht deutlich ab Anscheinend haben aber d'e internationalen Finanzleute recht be- halten, welche schon Ende 1919 auf die internationale Kriegsverschuldung als Hindernis für die Rekonstruktion der Well hingewiesen haben. Das wichtigst« Symptom der Krise ist die Verschiebung des Wertverhältnisses zwischen landwirtschaft- lichen Produkten und industriellen Rohstoffen«imerseits und industriellen Fertigerzeugnissen andererseits. Das ZUißberhällvis der Wertbamelsung zwischen lcmdwirischasi- lichcn Produkten und industriellen Rohitossen cinerseikz und industriellen Ferligwaren andererseits muß beseitigt werden. Hieraus hat die Reichsregrerung die Folgerung einer Senkung des industriellen Selbstkosten- und Preisniveaus gezogen. Bei der Durchführung dieses Prozesses müssen wir darauf Rücksicht nehmen, in welchem Maße labil die deutsche Wirtschaft, insbesondere nach der Kreditseit« und noch der Seite des Ver- traueirs hin. ist. und daß wir dezhalb Erschütterungen vermeiden müssen. Ich bin daher bemüht, auch da. wo zur Beschleunigung und Erleickftenmg dieses Anpassungsprozesses staatliche Eingriffe er- forderlich sind, diese Eingriffe auf das unbedingt Roiweudige zu beschränken und im Rohmen der Entwicklung der privaten Initiative der Wirt» schaftskreise, aus denen ohnehin der unentrinnbare Druck der Marktlage lastet, Spielraum zu lassen. Dies gilt namentlich auch für die Handhabung der K a r t e l l n o t v e r o r d n u n g. die auf«in« gewisse Lockerung des starren Gesüges der kartcllmäßigeu Bindungen hinwirken soll. Angesichts der Arbeitslosigkeit kommt der deutschen Ausfuhr, die hauptsächlich aus Jndilstrieorzeugnissen besteht, besondere Bedeutung zu. Die industriellen Unternehmer- und Arbeiterkreise er- heben daher mit besonderem Nachdruck die Forderung, daß das bestehende handelsverlragssystem vor Erschütterungen bewahrt bleibe und die Handelspolitik ihre bisherige Richtung beibehalte. Dies gilt insbesondere für daH Prinzip der Meistbegünstigung. Zum Schluß seiner Red« führte Staatssekretär Dr. Trendelenburg aus, man werde wohl nicht von ihm erwarten, daß er für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft eine Prognose stelle. Vom Stündpunkt rein wirtschastiicher Betrachtung aus könne mit Sicherheit festgestellt werden: Die deutsche Wirtschaft ist, was den Produktionsapparat und die Arbeitswilligkeit und Arbeitsfähigkeit des Volkes anlangt, im Kern durchaus gesund. Doch besteht aller Anlaß, auf wichtige Funktionen dieses großen Körpers einschließlich der psychischen Funktionen mit besonderer Sargjall zu achten. Stärker aber als in anderen Juten ist die wirtschaf.Hch« Entwicklung von Faktoren abhängig, die außerhalb der Wirtschaft und ihrer Normen liegen. Eine wirkliche Prognose läßt sich daher auf Grund ökonomischer Betrachtungen allein nicht stellen. Im Augenblick ist nicht die Wirtschaft, sondern die Politik unser Schicksal." Nach den Referenten, dem nationalsozialistischen Abgeordneten Reinhardt und dem Zentrumsab geordneten Schlack, kam in der Diskussion dann Abg. Genosse Tornow als Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion zu Wort. Er stellte fest, daß das Wirtschastsminifterium sich in keiner beneidenswerten Lag« befinde. Staatliche Machtmittel gegen die Krise gebe es nicht Dir Wirtschaftspolitik sei eben auch Ergebnis der Gesamt», besonders der Außenpolitik. Dazu komme, daß«s neben der Ver- elendnng durch die Reparationslasten auch eine Verelendung durch politische Dummheit gebe. Die Wahl des 14. September habe die Zinsknechtschofl um 2 Prozent erhöht. Leider hat die Regierung zur Milderung der Krise nicht all« Ein- ftußmöglichkeiten ausgenutzt. Die Regierung hat sich von Anfang an hinter die Devise des Lohnabbaues gestellt. Damit wollte sie auch die Preissenkung einleiten. Run ist der Lohnabbau schon im allgemeinen viel weiter gegangen, als die Oeffenllichkeit weiß. Denn schon vorher waren die Csfektivlöhne gesunken. Mit dem jetzigen Stand des Lohnabbaues muß das Ziel der Regierung erreicht sein. Dagegen sind im Preisabbau die Versprechungen nicht erfüllt. In früheren Wirtschaftskrisen sind die Löhne nicht abgrundtief ge- funken, sondern nach den Feststellungen sind erst die Preise gesunken und dann sind die Löhne gefolgt. Frühere Krisen haben sogar eine Slufhöhung der Reallöhne gebracht. Di« Regierung hat dies- mal den umgekehrten Weg gewählt. Sie hat die Linie des ge- ringsten Widerstandes gesucht Dabei hatten wir eine außerord nt- lich starke Investition neuer Mittel. Nicht woniger als zirka 65 Milliarden sollen bei uns investiert fein. Das beleuchtet kraß die Behauptung von der fehlenden Kapitalbildung! Den Prelien gegenüber ist die Regierung mit rhetorische«. beim Lohnabbau mit sehr realen Maßnahmsn vorgegangen. Die Erfolg« hier und dort sind dementsprechend. Im weiterair Verlauf seiner Rede polemisierte Genosse Tornow gegen die Wirtschaftspolitik der Kartell«, die chre Lasten in der Hauptsache den Verbraucherkreiselt aufbürdeten, ohne trotz der Not der Zeit die eigen« Rente zu schmälern. 'Zenirale für Heimaidienst. Der Ausschuß lehnte die'Anträge der Kommunisten, National- sazialisten und Deuischnationalen ab, die eine Streichung der Etatzansätz« für die Zentrale für Heimatdienst gefordert hatten. Ebenso lehnte er die Streichung der Stelle von Reichsminister Treviranus ab. Girafella in Berlin. Ein unwillkommener Besucher. Am 19. September 1930 hat der Wiener Presserichter, der olles «her als irgendwelcher Sympathie für— Marxisten verdächtige Dr. P o w a l a tz, in dem Beleidigungsprozeß des Dr. S t r a f e l l a gegen die„Arbeiter-Zeitung" nach eingehender Beweisaufnahme ein ilrteil gefällt, das dem Herrn Dr. Strafella„unsauberes und inkorrektes" Verhalten bescheinigt Dieses Urteil ist bisher von der Berufungsinstanz noch nicht oerhandelt worden. Jen« Kennzeichnung bezog sich besonders auf Häuserschiebungen Strafellas im Deutsch«» Reich während der Markinflation. Inzwischen ist der so gekennzeichnete Strofella zum General- direltor der Oesterreichischen Bundesbahn gemacht worden. In dieser Eigenschaft, also offiziell, besucht er jetzt Berlin. Die Achtung und die freundlichen Gefühle, die man sonst den Besuchern aus dem Brndcrland«ntgegeichringt, erstrecken sich nicht ans di esc n Gast Handlungsfreiheii beim Wehreiai. Sozialifiifcher porteiausschuß und Regieruna Steeg. Paris, 19. Januar.(Eigenbericht.) Der am Sonntag in Paris stattgefundene kleine Parteitag der Sozialistischen Parte! hatte sich außer mit dem Fall Renaudel als Budgetberichterstattcr fiir das Luftsah rtministerium vor allem mit der heiklen Frage zu befassen, weiche Haltung die sozialistische Parlamentssraktion in der Budgetberatung bei dar Ge- nehmigung der M i l i tä r k r e d it e einnehmen solle. Durch Jntor- vcntionen von B l u m und Grumbach ist es gelungen, der Par- lamentsfrattion volle H a n d l u n g sf r e i h e i t zu lassen. In der Entschließung heißt es zwar, daß diese Handlungsfreiheit der Parteidoltrin und den früheren Partcitagsbeschlüssen Rechnung zu tragen habe. Gleichzeitig wird aber auch ertlärt, daß es die Haupt- aufgäbe der sozialistischen Parlamentarier sein müss«, der reaktiv- nören Tardieu-Mehrheit die Rückkehr zur Regierung zu ver- sperren. Damit ist die Parlamentsfraktion im gegebenen Augen« blick vor die Alternative gestellt, was sie für das kleinere Uebel hält. Die französischen Sozialisten befinden sich also gegenüber dem Kabinett Steeg in der gleichen Lage wie die deutschen Sozioldcmo- lraten gegenüber der Regierung Brüning. Um Schlinuneres zu verhüten, können sich die französischen Sozialisten sehr wohl genötigt sehen, für die Regierung zu stimmen, nicht etwa, wie Lepn Blum ausdrücklich erklart«, um ihr Leben zu verlängern, sondert, um die Reaktion zu bekämpfen, Nationaler Massenwahn. Wie Goldmacher Tausend den großen Ludendorff hineinlegte. München. 19. Januar. Goldmacherprozeß Tausend wurde der Angeklagte über seine „Erfindung" und seine Gesellschafleu vernommen. Zunächst kommt die Gründung der Tausend-Rienhardt- Gesellschaft zur Sprache. Tausend hat damals bekanntlich 100 000 Mark erhalten; einen Teil des Betrages verwendete er für das Laboratorium, den Rest von 7S000 Mark verbrauchte er zum Ankauf von Immobilien. Er sei es, wie er aussagt, von Jugend auf gewöhnt, daß um sein chaus herum auch Grundbesitz liege.— Dann kommt der Ankauf des Süd- tiroler Schlosses Paschbach zur Sprache.— Das Schloß sei, erklärt Tausend, damals eine Ruin« gewesen und von ihm wieder ausgebaut worden. Was die Tausend-Rienhardt-Gesellschaft angehe, so habe er sich um die geschäftlichen Dinge nicht gekümmert; er habe nur im Laboratorium gearbeitet, während die kaufmännischen Ar- bciten von Rienhardt erledigt worden seien. Auf die Frage, ob er sich schon früher auf die Herstellung von Gold verlegt habe, gab der Angeklagte eine verneinende Antwort und erklärte, er sei nur durch einen Zuiall darauf gekommen. Einmal sei eine Mischung explodiert und in dem an die Wand geschleuderten Rest habe man Gold s eftgestellt. Auf wiederholte Aufforderungen des Vorsitzenden, seine Theorie zu erläutern, erklärt Tausend, wenn er vor Fachmännern einen wissenschaftlichen Vortrag halten könnte, so würde er sicher recht bekommen. Er habe seine Erfahrungen geheimgehalten, und mit Recht, denn nirgends werde soviel gestohlen wie in der Chemie. Tausend verbreitete sich dann über die Beziehungen zwischen Musik und Chemie. Die wiffenschaftliche Atomlehre sei ein Konglomerat von mathematischen Irrungen. Seine chemische Lehre verstehe nur der, der gleichzeitig musikalisch sei. Di« mathematische Chemie beherrschenichteinmaldasEinmaleins. Ganze Bücher über Molekulargewichte seien grundfalsch. Was die Professoren heute lehren, sei ein Herumführen der Schüler an der Nase. Die Chemie sei heute gar nicht in der Lage, ein Experiment vorher zu berechnen. Er mache seine Berechnungen immer im Gegensatz zur Chemie und baue darauf seine Experimente auf, unbekümmert darum, daß seine Arbeiten als Dilettantismus und Stllmperwm bezeichnet würden. Ludendorff als Treuhänder der Luther-Regierung. Tausend erklärt dann, daß er bei einem bayerischen Finanz mini st er gewesen sei, der sich auch bereit erklärt habe, seine Versuche im Münzamt prüfen zu lassen. Der Mann sei mufi- kalisch gewesen und habe seine Darlegungen auch verstanden, es sei aber nicht zu dem Berfuch gekommen, da verschiedene Beamte Plötz- lich Bedenken bekommen hätten. Er habe sich dann a n di e R e i ch s- kanzlei in Berlin gewandt. Dort sei ihm der Bescheid ge- worden, daß ein Treuhänder in München die Goldverfuche prüfen sollte. Dieser Treuhänder sei General Ludcndorsf ge- wcsen. Vors.: Der ist ober doch kein Chemiker? A n g e k l.: Ich sage ja Treuhänder. Exzellenz L ud e n d o r f f hat einen Chemiker namens Kummer beauftragt, die Bersuche zu prüfen. Das war im Frühjahr 19Zö. Es mußte eine neue Arbeits- stelle geschaffen werden, um die Versuche geheimzuhalten, da im Laboratorium sehr oft Besucher, darunter hauptfächlich Chemiker, vorsprachen. Das neue Laboratorium verlegte Tausend nach Gilching, einem kleinen Vorort von München. Er stellte auch Leute an, die sich in die Goldherstellung einarbeiten sollten. Bei der Goldher- stellung sei es ihm gelungen, einen Naturprozeß, der sich auf unge- heure Zeiträume erstreckt, auf Sekunden zusammenzudrängen. Seift, Erträgnis habe etwa 7 Gramm betragen, doch habe er es allmählich vervierfachen können. Er habe dann mit Ludendorfs nach einer Besprechung im Juni 1925 einen privatverlrag geschlossen, in dem er ihm seine synthetische Goldherstellung als Treuhänder zum Nutzen des deutschen Volkes überließ. Cr, Tausend, habe auf jeden Nutzen dabei verzichtet. Am 21. Oktober 102Z schloß Tausend mit Ludendorff einen formellen Vertrag, in welchem Tausend auf Wunsch Ludendorffs fünf vom Hundert des wirtschaftlichen Ertrages zugesprochen wurden. Am gleichen Tage wurde der Gesellschaftsvertrag zur Gründung der„Gesellschaft 1 6 4" geschlossen.(Die Ziffer 164 sollte der Deckname für Gold sein.) Tausend behauptet, daß dieser Vertrag über seinen Kopf hinweg gemacht wurde. Er sei am Schramm berufen worden, wo der Ver- trag bereits vorgelegen habe. Es seien allerdings schon viele Schulden vorhanden gewesen. Die Zahlungen der früheren Geldgeber wurden mit in die neue Gesellschaft über- nommen. Auf die Frage des Vorsitzenden, wo das Geld hingekommen sei, meinte Tausend, das frage er sich selber auch. (Große Heiterkeit bei den Zuhörern.) Auf wiederholle Fragen er- klärt schließlich Taufend, daß die Gelder wohl für politische Zwecke der hinter Luden dorfs stehenden Kreise ver- wendet worden seien. Welche Partei etwas bekommen habe, wisse er nicht. Er sei kein Politiker und gehöre keiner Partei an. Ludendorff sckließt einen Vertrag. Der Vorsitzende verlas sodann den Gesellschastsvertrag, in dem Ludendorff im Mittelpunkt steht. Er wird als Vertrauens- mann bezeichnet, dem 75 Proz. aus den Erträgnissen der Gold- macherei zufließen sollten, ohne daß er über die v erwen-- chung Rechenschaft abzulegen brauche. Im Anschluß hieran weift Tausend darauf hin. daß Ludendorff mit sechs Herren, teils Chemikern, teils Vertrauensleuten, bei ihm in Gilching gewesen sei. Die Versuche seien damals positiv verlaufen. Unter anderen Leuten, die sich in der Folgezeit einfanden, befand sich auch der Chemiker Doering. Er habe sich die Experimente genau besehen, habe sich Notizen gemacht und sei dann zu Ludendorff gegangen mit der Erklärung, er könne jetzt auch Gold machen, und zwar in größeren Mengen als Tausend. Doering hat auch später eine eigene Gesellschaft zur Herstellung künstlichen Goldes gegründet. Nach der Darstellung des Angeklagten fei auch eine Vorführung der Goldherstellung vor hindenburg in Aussicht genommen gewesen. Auf präzise Fragen des Vorsitzenden mußte Tausend zugeben, daß ihm eine persönliche Einladung nicht zugegangen sei, er behauptete aber, daß ihm von seiten Ludendorffs mitgeteill worden fei, Hinden- bürg wolle sich während seines Besuches in München einen Versuch zeigen lassen. Wegen des Zwistes zwischen Ludendorff und den bayerischen Generalen sei der Besuch Hindenburgs bei Ludendorff damals abgesagt worden, und damit sei auch die bei dieser Gelegenheit beabsichtigte Vorführung der Goldherstellung sowie die Uebcr- gäbe seiner Erfindung an das Reich nicht möglich gewesen. Die Verhandlung wurde hierauf auf Dienstag vertagt. Die Wahlreform in Großbriiannien. London, 19. Januar. Heute wurde der Wortlaut der Regierungsvorlage über die Wahlreform veröffentlicht, der folgende Hauplbestimmungen emhäll: Die Wahlen zUm Parlament erfolgen auf Grund des alter- n a t i v e n Wahlrechtes. Elf doppell vertretene Wahlkreise werden zerlegt. Die Universitätswahlbezirke werden abgeschafft. Außerdem wird die Benutzung von Wagen für die Beförderung von Wählern eingeschränkt und ein Höchstmaß für die Wahlausgaben festgesetzt. Bulgarische Faschisten gegen Remarque. In den letzten Tagxn erhielten alle Soiioler Kinobesitzer und Filmverleiher ein anonymes Schreiben mit der Warnung, den R e m a r q u e � F i l in„I m Westen nichts Neues" in der bulgarischen Hauptstadt aufzuführen. Im Falle einer Zuwiderhandlung würden die Brief- schreiber vor keiner Gewalt zurückschrecken, um die Vorführung des Films unmöglich zu machen. Man oennutet hinter den Schreibern der Drohbriefe nationalistische Verbände, vor allem den faschistischen Heimatschutz, der sich des Wohlwollens weiter Regierungskreise er- freut._____ l Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.? Böräntwörtli����PoMil��r��o��eyör�Wirtschaft�S�Sliilg�hSftr: Eewerklchacksderoeoung: I. Stein«: Feuilleton: ft.$. Dölchcr: Lolale» unt» Sonstizes: zeit, gorstädt: An, eisen: Td. Stotfe; sämtlich in Berlin. Vcrlaa: Vorwärts-Derlag®. rn. b. 53., Berlin. Druck: Borwiirts.Buckdruckerei und Verlagsanstalt Paul Linne? u. Co.. Berlin SW, 68, Lmdcnstrniie ll. Kier,u I Beilagen. WERTHEIM Zusendung von 5 M an Obst, Gemüse u. verderbliche Arlikei werden Leipziger Str.(Versand-Abi,'' Königsfr. Rosenthaler Sir. Moritzplatz"icbt zugesandt Frisch. Fleisch Kalbskamm. Kalbskofeleft Suppenfleisch Liesen..... Inn ■vu Rinderkamm k-wno Schweinebauch Pfund 0.84 Sdiwelnerücken Pfund 0.90 Hammel•Vorderfl. 0.98 Fr.Brafwursf SpeiÄd1.16 . Pfund 0.80 . Pfund 1.34 . Pfund 0.82 .Pfund 0.64 'n ftc Pfund*»*»3 Bru.f 0<90 Ohst«. Gemüse Mandarinen.. Pfund 0.28 Zitronen outzand 0.38 0.48 Apfelsinen vuy. 0.35 0.55 Kaiif.Aepfel Pfd. 0.38 0.45 Bananen.... 3 Pfund 0.98 Möhren». Zwiebeln, Pfd. 0.05 Rot- u. Weihkohl Pfund 0.06 Sellerie.. Pfund 0.06 0.09 Blumenkohl Kopf von an 0.25 Rosenkohl... 2 Pfund 0,35 Fische KabeljaufiÄte: 0.14 Schellfisch Pfund von an 0.1 4 Rofbars.. Pfund von an 0.14 Kabeljaufilef Pfd. v. an 0.22 Grüne Heringe 3 �an 0.44 Leb. Karpfen Pfd. v. an 0.88 Räiicherwaren Bücklinge Pfund von an 0.26 Sprotten an'0.38 Kitfeh. 0.42 Fleckheringe Pfd. v.an 0.48 (BWiie Hehensmittel Wurstwaren so-weit Vorrat Leberwurst �RMwunt 5 50 Teewurst 1.60 grata 1.70 Speck tTan 0.86 magar 1.15 varnpl» u. Rofw. p». 0.98 Landleber- u. Maffwunil.20 Jagd-, Kümmelwurst 1.40 Käse u. Fett Konserven Camembert v°sd.ad.fai 0.25 Harzerkäseod-JpÄ0.52 Dan. Schweizer'pfund 0.80 Tilsiter vollta», Pfd. von an 0.88 Holländer"�.fÄnd 0.90 Margarine Pfund 0.40 0.52 Tafelbutter Pfund 1.50 1.60 Dan. Butter... Pfund 1.72 _*1 Karotten gatdmlttan.. 0.27 Schnittbohnen 0.39 0.50 Gemüse-Erbsen... 0.52 Haushalt-Gemüse.. 0.70 Pflaumen........ 0.60 Senfgurken...... 0.75 Marmelade � vj-fm,1! 0.80 Aprikos.-Konf itüre.1.10 Gänse v�n gefroren frisch 76, 90p. Enten Hahnw 95 er. Pfund m» gestreift Hasen � Pfund 7 A-. von sn» Irl. Hirsch Pfund von an Ragout BIStfer 35, 85 pt. Pertrix- Batterien sind durch längste Lebensdauer imr Gebrauch am billigsten/ Gaststätte Rosenthaler Platz Inhaber: Max Hunderl 1 24. 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Für die vielen Bekundungen wärmster Teilnahme anläßlich des Hinscheidens des Dichters Dr. Franz Roinenieltier spreche ich im Namen der Ängehörigeö allen Beteiligten den herzlichsten Dank aus. Wilhelm Roihenfclder. Eichwalde(Kr. Teltow), Steinstr. 8. 19. Januar 1931. Am Freitag, dem 16, Januar, verstarb unsere fleißige und tüchtige Mitarbeiterin Clara Conradi im 46. Lebensjahre. Ein arbeitsreiches Leben hat damit vorzeitig ein Ende gefunden. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten. Konzenfraiion A. CL Sozialdemokratische Druckerei- und Verlagsbehiebe Die Einäscherung findet statt am 22. Januar, ISVe Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Midier MelsIlartieiter-VeM Verwaitungsslelle Berlin Nachruf Den Mitgliedern jmr Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Ricksnt Kofi geboren 9. Sepientder t869, um 12. Dezember 1930 geliorben ist. Ehre seinem Anbeuten. Vf. OrtsverwaltaDX. Die EinSscherung hat bereits statt. gefunden Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes iags ich diermit der SPD.. 101. Ad!. Treptow, sowie dem Redner Herrn Oderüder, meinen besten Dant Haida Goehlidb nebst Hinterbliebenen. Am 15. Januar verschied noch langem schweren Leiden unsere liebe Schwägerin Anna Fen«Iel im KZ. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebene» Familfc Siegfried Feadcl. Die Einäscherung findet am Mitt» woch. dem 21. Januar, vormittags II Uhr. im Krematorium Gericht- strahe statt. Duilcsagnng ssliz die uns erwielene Anteilnabme beim Hinscheiden unseres lieben Baters Paul Kunth sagen wir allen Freunden und Je. kannten sowie den Genossen der 79. Adteilnug, Bezizt Ii, unseren herzlichsten Dank. vte trauernden ffivierMiehevev Am 16. Januar, vormittags S»/, Uhr, entschlief nach langem, mit groher Geduld ertiagenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Dater und Schwiegervater Ferdinand Seiler im 66. Lebensjahr. In tiefer Trauer kr»» Marie Seiler,. gel» Jakob Else Knhe, geb. Sedler Karl Kuba Di« Einäscherung findet am Dien«. tag. dem ZV Januar, um lS Uhr im Aremaiorinm Wilmersdorf, Berliner Straße, statt. EM VerOand der BuGüinder und Papierverarbeiter Deotsdilands Ortsverwaltung Berlin Todesanielge Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin Helene Pieper gestorben ist. Ehr« ihrem Andenken! Die Beerdigung sindel am Dienstag, dem 20 Januar. U' a Uhr. auf dem Neuen Thamastirchhof, tn Neukölln, ffatt. Um rege Beteiligung ersucht ver Vorstand, Wim. sehnen B&agesätäft svÄ ladenaushasfeia Neukölln« Okerslratjc 3 Fenupxedeer Neukölln izjj ?kr. 31* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oienstag, 20. Januar 1931 Schiffahrt auch im Winter T�~ W' chM. Berlins Bedeutung als Bin- nenhaf en ist von Jahr zu Jahr mehr in die Erscheinung getreten, und die vom Magistrat geplanten großzügigen neuen S chleusen- anla gen zeigen, wie günstig in maßgebenden Kreisen die Zukunft sentmicklung der „Hafenstadt" Berlin beurteilt wird. Auf Spree und Havel ruht der für die Versorgung der Viermillionen' stadt so wichtige Schiffahrtsverkehr auch im Winter nicht. Unser Bild zeigt einen von Hamburg kommenden Schleppzug auf der Havel von der Heerstraßenbrücke aus gesehen. Die Havel führt noch Hoch- �• iv a s ser, ihr Wasserspiegel ist aber gegenüber dem Stande im Herbst erheblich zurückgegangen. Gleichwohl sind die vor Spandau gelegenen Tiefwerderwiesen noch ein einziges Ueberschwemmungs- gebiet. W ährend die stillen Buchten der Havel auf dem W ege nach Potsdam alle zugefroren sind, ist der Strom selbst zurzeit noch völlig eisfrei Fran Horian hat die WaluHdf �csagl Also bleibt es bei der früheren Strafe Im weiteren Verlauf der Verhmidkung gegen den Stadtamt-- mann Schwarz aus Brandenburg werden noch einige Zeugen darüber vernommen, ob die Schwester Florian nicht mit be- > anderer Vorliebe«inen laxen und freien Ton gegenüber den Beamten des Wohlfahrtsamtes angewandt hat. Es wird dann der Sachberater für Iugendfachcn, Magistratsbcamter A.. oernmmnen. Diesem Zeugen ist der freie Ton der Schulschwester Florian gegenüber dem Zlngeklagten Stadt- amtmann Schwarz besonders aufgefallen. Eines Tages kehrte Frau Florian von einem städtischen Kindertransport, den sie nach Schreiberhau degleitet hatte, zurück-, sie begab sich sofort in das Amtszimmer des Angeklagten und renommierte damit, daß sie in Schrsiberhau tüchtig den Rodelsport betrieben hätte. In ihren Kleidern habe sie allerdings den Sport nicht ausüben können, doch habe sie die Bekanutschast eines SÖjährigcn chexrn gemacht, destsa �hofeil sie auf dem Zimmer dieses Äerrn angezogen" habe. Damit habe sie den Schoeesport tadellos ausüben können. Auch hatte Schwester Florian gesagt, daß der-»Herr, dessen Sporthosen ste sich gestehen hatte, sie heiraten wolle. Als der Angeklagte sie fragte, weshalb sie den Herrn nicht wolle. Hab« Frai� Florion geantwortet: Wenn ich heiraten sollte, kämen nur oic, Herr Schwarz, in Frage. Am späten Nachmittag wird denn die Beweisaufnahme geschloffen. Oberstaatsanwalt Tetz la ff kommt dann auf den Ton zu sprechen, der zwischen den Beamten in, Wohlfahrtsamt herrschte. Er sagt wörtlich:„Wahrlich, ein wunderbarer Ton herrscht auf dem Brandenburger Wohlfahrtsamt. Da werden Witze gerissen und Beamtinnen gekrabbelt. Da erzählt eine Schulschwcstcr von ihrem Erlebnis mit einen, Herrn auf einem Kindertransport, von den Hosen, die sie angezogen, und anderes mehr/ Dann kommt der Oberstaatsanwalt auf die Kneiperei im Branden- burger Ratskeller, an der Beamte und Beamtinnen des Wohlfahrtsamtes teilgenommen haben und wo eine Dame, und zwar die Schulfchwcster Florian, 10 bis 12 Liköre trank. Er geht auch auf die Waldpromenaden des Angeklagten mit der Schul- schwester ein. Aber alles das gibt dem Angeklagten noch nicht die Berechtigung, die Schrilfchuxstcr so zu beleidigen, wie er es an, 17. September 1929 im Schwcstcrnzimmer durch seine unsittlichen Anträge getan hat. Zahlreiche Schuldbeweise sprechen nach Ansicht des Anklagevertreters für den Angeklagten, so daß er bestraft werden müsse. Der Angeklagte habe sich als hoher Becunter an einer Angestellten vergangen- Der Staatsanwalt beantragt wie der Dorderrtchter wegen tätlicher Beleidigung einen Monat Gefängnis:- Seine Bmstung, die auf versuchte Notzucht hinausging, ließ der Anklagevertreter fallen. In den späten Abendstunden kam das- Gericht zu folgendem Be« fchluß: Die Potsdamer Strafkammer oerwirft die Berufung des Stadtamtmannes Schwarz aus Brandenburg, der vom Branden- burgcr Schöffengericht wegen tätlicher Beleidigung der Schulfchwestcr Frau Hedwig Florian zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden ist. Dem Angeklagten ist jedoch Strafaussetzung auf die Dauer von drei Jahren zugebilligt mit der Maßgabe, daß er an die Gerichtskasse 390 Mark zahlt. In der Begründung führte der Vorsitzende aus, daß das Gericht die volle Ucberzeugung erlangt habe, daß Frau Florian die Wahrheit gesagt hat. Sie ist weder sexuell ausschweifend noch neigt sie zur Hysterie. Dem An» geklagten dagegen hat das Gericht nicht vollen Glauben schenken können, da er sich in vielen Punkten wider- sprachen und oft nicht die Wahrheit gesagt hat. Klugunglück in England. Das fünfte im neuen Jahr.— 3 Offiziere getötet. London, lg. Januar. Schon wieder wurde die englische Tstililärfliegerei von einem schweren Unglück belrosfen. Am Montag nachmittag stürzte auf dem Flugplatz Worthy Down bei Winchester während des Landungsmanöocrs e i» großes Bombenflugzeug ab. Der Apparat wurde voll- kommen zertrümmert. Dabei fanden drei Offiziere die zur Besatzung des Flugzeuges gehören, den Tod, mährend acht w e i terePerfonen zum Teil schwer verletzt werden.— Seit Beginn des neuen Jahres ist dies bereits der fünfte schwere U u- glückssall in der englischen Militärsliegerei. Die Zahl der seit dem 1. Januar tödlich venmgliickten Militärflieger ist damit auf zehn angewachsen.___ Oer Lteberfall in der Hufelandstraße. Voruntersuchung gegen 11 Personen ist eingeleitet worden. wegen Verdachts der Teilnahme an jenem schweren Zusammenstoß vor dem hause hufelandstr. ZI, bei dem der Reichsbannerkame- rad Willi Schneider und unser Parleimitglied h e r b e r l Graf ermordet wurden, wurde soeben aus Antrag der Staatsanwaltschaft die Voruntersuchung gegen den privatfärster Kurt Dresses und zehn Genossen eröffnet, vressel wird außerdem die Abgabe eines Schusses, durch den aber niemand verletzt ist, vorgeworfen. Er befindet sich zur Zeit in Untersuchungshaft. Der Angeschuldigte Becker st eht in dem Verdacht, den tödlichen Schuß aus Schneider mit Ueberlegung abgegeben zu haben. Er ist s l ü ch t i g und gegen ihn ist Q a s t b e s e h l n nd Steckbrief erlassen, ebenso gegen die sliichtigen Angeschuldigten. Maler hauschke und Maurerlehrling Sollacz. Von der Giraßenbahn überfahren. Schwerer Unfall eines Landgerichtsdirettors. Am Montagabend ist der CTjährgie Landgerichtsdirekto r A u g u st Wetzel aus der Gioselerstr. 15 in Wilmersdorf das Opfer eines schweren Straßenunsalles geworden. Der alte Herr wollte an der Ecke der Gieselerstraße und Hohen- zollerndamm die Straßenbahngleise überschreiten. Er übersah dabei einen herankommenden Wagen der Linie 92 und wurde über- fahren. Wetzel erlitt einen Schädelbruch und schwere innere Per- letzunzen. Der Verunglückte, der im Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbächstraße Aufnahme fand, liegt bedenklich danieder. Llnfatt eines Veichsbanner-Auios. 20 Teilnehmer stürzen ab.- 4 Schwer» und SLeichtverlehtc. harburg-wilhelmsburg. 19. Januar. Als am Somttag etwa 35 Reichsbannerleute in einem Lastzüge von Hamburg nach Harburg unterwegs waren, um dort an einer Kundgebung teilzunehmen, löste sich plötzlich die Seitcnwaick» des Vorderwagens; über 20 Insassen stürzten äus dem fahrenden Wagen onf die Straße. 12 mußten mit Verletzungen ins Krankenhaus geschallt werden, von denen acht inzwischen wieder entlassen werden konnte». Was finge der Arbeiter ohne Unternehmer an? Kre- pieren würde er, elend vor die Hunde gehen. Tausend Lei- spiele bewiesen das. � Also gibt es nur eines, um das Wirtschaftsleben in Schwung zu halten: die Kraft des Unternehmertums zu stärken. Dann hat der Arbeiter Brot und die sozialen Nöte verschwinden. An dieser seiner neuen Ueberzeugung, die den Unter- nehmer sozusagen als Werkzeug der Vorsehung stabilisierte. konnte niemand rütteln. Selbst sein alter Vater nicht, der ihm von seinein sozialistischen Standpunkt aus klar zu machen versuchte, daß das Mißverhältnis zwischen Kapital und Arbeit auf ganz andere Art zu beseitigen und wegzu- räumen sei. Ludwig blieb hartnäckig. Di- sonntäglichen Diskussionen mit seinem alten Herrn steigerten sich oft zu solcher Lautstärke, daß die Parzellcnnach- Kam aufhorchten und sagten: „Die Eisermannschen haben wieder mal ihren politischen Lautsprecher aufgestellt! Ludwig versuchte, die theoretischen Ausführungen seines Vaters mit Beispielen aus seiner Praxis als Großunternehmer zu schlagen. Zu einem gemeinsamen Endergebnis kamen die beiden Strcithähne nie; aber die Diskussionen befruchteten beide. Wenn dann Ludwig an den Sommersonntaaabenden von den Eltern Abschied nahm, freute er sich, mit seinem Vater ordentlich zusammengeraten zu sein. So ein Schuß Streitsucht tat gut. das frischte sein etwas träge gewordenes Blut auf. Ohne es zu wollen, nahm er doch manches von den An- sichten seines alten Herrn an. Seine Verhandlungen mit dem Betriebsrat zum Beispiel hatten längst die frühere Schärfe verloren. Je besser es ihm materiell ging, desto mehr hängte er als Unternehmer die menschliche Seite heraus. Wenn es nicht zu seinem Schaden ausschlug, war er auch gefühlsmäßigen Erwägungen zugäng- üch. nicht nur rechnerischen. Er hielt darauf, daß die Löhne, die er seinen Leuten zahlte, stets über die tariflichen Bestimmungen hinausgingen. Das tat er mit Bedacht. Nichts aus Sentimentalität, son- dem aus der richtigen Erkenntnis seines geschäftlichen Nutzens. Dadurch hielt er seine Arbeiter bei der Stange; sie waren ihm durchwegs geneigt und willig, trotzdem er durch sein System ein Höchstmaß von Leistung von ihnen forderte und auch herausholte. Die ursprünglichen Spannungen im Betrieb, durch die Einführung des Teilsystems hervorgerufen, hatten sich längst gelöst.., Er sah keine Probleme mehr. Zufrieden mit sich und der Welt, wie sie war, verdichteten sich seine Anschauungen über sich selbst im besonderen und über das Unternehmertum im allgemeinen dahin, daß die Not aus der Welt geschafft werden könnte, wenn alle Unternehmer so menschlich dächten wie er. Ja, wenn...! Es sollte ein utopischer Traum sein, aus dem er bald auf- geschüttelt wurde. * Die Firma Ludwig Eisermann, Möbelfabrik, erhielt trotz aller Prosperität, einen gehörigen Knacks. Himmelsbach hielt wieder einmal, ohne jede vorherige An- kündigung, mit einem plötzlichen Ruck, alle Aufträge zurück. Diesmal war es dein Großhändler wirklich nicht um einen Preisdruck zu tun. Der Grund lag tiefer. Der alte, elegante Herr konnte tatsächlich keine Ware mehr anbringen, trotz seiner glänzenden geschäftlichen Verbindungen und trotzdem er in seinen Preisen unerhört billig war. Absatzstockung bösester Art, trotzdem die Geldscheine nur so flogen und man schon nach Billionen rechnete. Ludwig geriet in die alte Wut. „Lohnt mir der Schurke so das blinde Vertrauen, das ich in ihn fetzte?! Meine Leute wollen doch arbeiten! Nun, ich will dem alten Gecken ordenllichden Kopf waschen!" Er warf sich in seinen Wagen und fuhr in rasendem Tempo zur Prinzenstraße, wo ihn die beiden gelben Pekineser- Hündchen entgegenkommend bereits an der Kontortüre er- warteten. Ludwig nerfuchte gar nicht erst in der ihm widerlich ge- wordenen zerknitterten Faltenmaske des andern zu lesen, son- dern überschüttete ihn vom ersten Augenblick seines Eintretens an mit einer Nut von Vorwürfen, die nicht besonders ge- wählt klangen. Zu seiner weltmännischen Erscheinung wollten die Vor- stadtausdrücke, die er in verschwenderischer Fülle hinwarf, gar nicht recht passen. Himmelsbach kam dieses Wutgespucke Ludwigs possierlich vor. Er genoß es, wie einen Auftritt im Theater. Amüsiert lehnte er sich in seinen breiten Klubsessel zurück, tatschte mit beiden ringgeschmückten Mumienhänden das glänzende Leder und lachte dem zornigen Besucher geradwegs ins Gesicht.: „Wenn Sie mit ihrem Wortschwall fertig sind, Eisermann, können Sic mir ja'ne Depesche schicken!" Dieser unverhüllte Zynismus stoppte tatsächlich Ludwigs Rede. Er schwieg, schritt aber erregt von einer Ecke des Privatkontors zur andern. Nun legte Himmelsbach los. „Aus ist es, mein lieber Freund, vollkommen aus. Mein Export nach dem Westen ist völlig lahmgelegt. Das Ausland hat sich völlig an unserer Ware sattgesaugt. Kein Interesse mehr daran. Eine sture Gesellschaft, diese Holländer. Wenn sie's nicht zur Hälfte geschenkt bekommen, diese Miinheers, taufen sie lieber im eigenen Land. Ich habe es satt, Möbel zu verhandeln, Eisermann! Das Geschäft ist auf mindestens Jahre hinaus versaut. Mögen sich andere damit plagen! Jüngere, Kouragiertere! Ich werde mich zur Ruhe setzen, Eisermann!" Ludwig unterbrach einen Moment seine Wanderung und schaute Himmelsbach überrascht in die Augen. „Ihr Ernst, Himmelsbach?" Die Hände des Möbelhändlers waren völlig zur Rube gekommen und lagen da wie opalisierendes Wachs.. „Mein völliger Ernst, Eisermann!" „Und Ihr Geschäft hier?" „Das wird mein Nesse übernehmen!" „Dann werde ich eben mit ihrem Herrn Neffen Geschäfts- beziehungen anknüpfen müssen!" sagte Ludwig trocken. „Damst werden Sie kein Glück haben, Eifermann! Der hat bereits feine eigenen Lieferanten!" Himmelsbach grinste schadenfroh. Wieder setzten sich seine Hände in Bewegung, freudig erregt darüber, den schärfsten Pfell aus seinm Köcher abgeschossen zu haben. Ludwig schien es, als ob ihm der Boden unter den Füßen hinweg glitte. Aber nur für eine Sekunde. Dann hatte er sich wieder vollkommen in der Gewalt. Instinktiv begriff er Himmelbachs Rache. Dieser tödlich verwundende Satz war die Quittung für den Hinausschmiß da� mals in der Gürtelstraße vor... wie lange war es doch her? weiß der Teufel, vor jüufuudzwaozig Jahren. �(Forst folgt.) Autotaxen 10 Pfennig billiger. polizeikontrolle über Versicherungspflicht der Unternehmer Der Polizeipräsident hat durch Bekanntmachung vom 19. Januar d. I. den Sonderzuschlag zum Kraftdroschkentaris von 20 Pf. aus 10 Pf. herabgesetzt. Die Bekantmachung tritt mit ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt für benannten Polizeibezirk a m 2 4. d. M. in Kraft. Die Tarifsenkung wird damit begründet, daß die Benzin- und Gummipreise nicht unerheblich gefallen sind. Den Sonderzuschlag ganz fallen zu lassen, erschien bei der mißlichen Lage im Kraftdroschkengewerbe nicht angängig, zumal in dem Zu- schlag ein Teil der bei Einführung des Einheitstarifes weggefallenen Vorfahrtgebühr liegt. Bei Besserung der wirtschaftlichen Verhält- nisse wird zu prüfen sein, ob der Sonderzuschlag ganz aufgehoben werden kann, bzw. ob eine weitere Tarifsenkung durch Aenderung der Taxen- und Grundgebühr vorzuziehen ist. In diesem Zusammenhange hat der Polizeipräsident, um zu verhindern, daß immer noch neue mit unzulänglichen Mitteln bs- gonnene und unwirtschaftlich geführte Betriebe entstehen, an- geordnet, daß die Konzessionssperre in Zukunft ohne jede Au s-n ahm« durchgeführt wird. Cr hat sich ober ferner auch zu einer genauen Nachprüfung der Droschkenunter- nehmungen veranlaßt gesehen, deren Zuverlässigkeit nicht zweifeis- frei erscheint und die insbesondere ihrer V«rsicherungs- Pflicht gegenüber den Fahrgästen nicht nach- kommen, sowie ihrer öffentlich-rechtlichen Verpflichtung nicht genügen. Lokomotivführer betrunken. Zum Eisenbahnunglück bei Gdingen in Polen. D a n z i g, 19. Zanuar. Wie aus Edingen eingetroffene Reifende und Augen- zeugen berichten, bietet die Unfallstelle, auf der sich Montag früh die Eifenbahnkalastrophe crcignelc. ein Bildgraucn- h öfter Verwüstung. Wie nunmehr mit Sicherheit feststeht, ist der rangierende Güter- zug 127 in den von Neustadt nach Gdingen fahrenden Personenzug hineingefahren, als der Personenzug in den Bahnhof von Gdingen einfahren wollte. Den Lokomotivführer des Güterzuges, Stanislaw Zielinfki, der überdies betrunken war, trifft die volle Schuld an der Katastrophe, da er ohne Erlaubnis auf dem betreffenden Gleis rangierte. Cr gab bei seiner Vcrnch- mung an, daß ihm die Uebersicht durch ein dort befindliches Wärter- Haus verdeckt war, so daß er den eingelaufenen Personenzug nicht habe sehen können. Im Bereich der deutschen Reichsbahn besteht ein strenges Ver- bot, unmittelbar vor dem Dienst und während desselben Alkoholika zu genießen. Dasselbe Verbot besteht auch für die Angestellten der Berliner Verkehrs-Gesellschaft. Ein Baumeister iobt in Moabit. Vier Zeitungen wegen übler Itachrede von ihm verklagt. ...�.Baumeister" Drietrich, bekannt durch das phantastische Märchtac voll' setner' Etltsührung und durch Leu.Uebcrsgll am. Schlesischen Bahnhof, der ihm die'Brieftasche kostete"— der Räuber" EhsdorowstHburde seinerzeit zu 2% Iahren Gefängnis verurteilt—, ist ein äußerst ruhmbegieriger Mann. Nicht genug, daß er nach zenem Uebcrsall seinen guten Namen durch alle Gossen schleppen ließ— nachdem er ihn schon vorher in den Kneipen am Schlesischen Bahnhos riskiert hatte—, riskierte er es jetzt, vor dem Amts- gericht Berlin-Mitte auch noch den Rest zu verspielen. Er hatte nicht weniger als vier Berliner auf Sensationen eingestellt« Blätter wegen übler Nachrede verklagt. Die Zeitungen, so sagt er, haben Schauermärchen von ihm erzählt, um den Gaumen der scnfntions- lüsternen Menge zu kitzeln, haben zu Unrecht von seinen Wildwest- Phantasien und seiner dunklen Existenz gesprochen, ihn„Baumeister" in Gänsefüßchen genannt, ihn des Wuchers bezichtigt, durch die Ber- leumdungshetz« seinen Kredit erschüttert und seine Gesundheit geschädigt. Also verlange er nicht nur Bestrafung, sondern auch von zwei Blättern eine Geldbuße von je 1000 M. und von den zwei anderen eine solche von je 000 M. Auf der Anklagebank saßen die verantwortlichen Redakteure der beklagten Blätter: Dr. fj i r s ch. Dr. Manfred Georg, Earo und D u s ch i n s k i. Bor ihnen die Berteidigcr, vier an der Zahl. Ihnen gegenüber als Nebenkläger der Baumeister Dietrich.'Neben ihm sein Vertreter. Es wurde eine lustige Verhandlung. Schlechte Gc- sellschaft verdirbt gute Sitten. Also schimpfte der Baumeister wie ein Rohrspatz. Als einer der Verteidiger eine Untersuchung seines Geisteszustandes beantragte, rief er ihm zu:„In welcher Irrenanstalt haben wir zusammen gesessen, unverschämter Anwalt? Wir müssen uns in Deutschland von diesem Zeilungsgesindel viel gefallen lassen. Man sollte den Revolver nehmen und auf die Bande schießen." Mit der Beweisaufnahme hatte er wenig Glück. Man erfuhr aber manches Amüsante über den Wettlauf um Kerrn Dietrich. Die Berichterstatter des einen Blattes erhielten von Frau Dietrich sine Abfuhr: cherr Dietrich sei nicht zu chause. So ließen sie vor dem Haus ein Auto halten, setzten sich hinein und warteten, daß er vielleicht doch noch kommen würde, plötzlich sahen sie den Bericht- erstellter eines anderen Blattes mit großer Geschwindigkeit die Barriere zu Dietrichs Wohnung nehmen. Er war ihnen also eine Kopfeslänge voraus.„Kollege, das ist die Konkurrenz", rief einer der Herren dem anderen zu.„Schnell hinterher." Der von der Konkurrenz war aber bereits oben,„llntcn sind zwei Schnüffler", sagt« er zu Herrn Dietrich.„Lassen Sie diese nicht herein."(Der Zeuge behauptete gestern, er habe das nicht gesagt, das sei eine der Dietrichschen Lügen, Dietrich warf dagegen dem Zeugen Lügen vor.) Also waren alle drei Herren oben. Sie rückten Dietrich auf den Leib und bekamen von ihm das zu höre», was sie hinterher in ihren Zeitungen verösfentlichlen. Als der Baumeister das las, fühlte er sich aber beleidigt. Für Dietrichs guten Namen war nichts zu retten. Die Explosion des Baumeisters vor Gericht nutzt« ihm nichts. Er fiel den Anwälten ins Wort, beleidigte sie und schrie schließlich den Richtern an:„Das ist eben kein deutsches Gericht." Der„nicht- deutsche" Richter sprach sämtliche Redakteure frei. Die Zeitungen haben in Wahrnehmung berechtigter Iitteressen gehandelt. Noch ein Protest flehen das Ailmverbot. Der„F r i ede n s bu n d ehemaliger Kriegsteilnehmer" erhebt«ulschiedeirden Protest gegen das Verbot des Remarque-Films„Im Westen nichts Neues". Er wendet sich da- gegen, daß ahnungslosen Generationen die Kenntnisnahme der Schrecken und Greuel des fluchwürdigsten Verbrechens an der Menschheit: des Krieges, systematisch und vorsätzlich verschwiegen werden soll. Der„FdK." erblickt in diesem Verbot eine unerträgliche Das Gchnell-Gchöffengericht. Noch manches an ihm reformbedürftig. Seil Anfang Zcmucrr arbeilen in Woabil Schnellschöffen- g e r i ch l e— dreimal in der Woche je eine Abteilung des Schöffen- gerichts Berlin-Wille. Die Sachen, die zur Verhandlung kommen, unterscheiden sich vorläufig ia der Regel durchaus nicht von den üblichen Schnellgerichlsfachen. die feil Jahren vor dem Einzelrichlcr am Polizeipräsidium zur Aburteilung gelangen. So z. B. die zwei Sachen, die gestern zur Verhandlung anstanden. In dem einen Falle waren es vier junge Burschen im Alter von 20 bis 2-Z Jahren, zwei von ihnen unvorbestraft, einer wegen einer geringfügigen Unterschlagung, ein anderer zwecmil wegen Diebstahls vorbestraft. Der Fünfte von der Gesellschaft, der „M a x e", konnte nicht ausfindig gemacht werden. Gerade dieser Maxe solle es aber gewesen sein, der nach einer gemeinsamen Zecherei auf dem Nachhausewege wohl mit dem Rücken die Fensterscheibe eines Radiogejchäfts eindrückte. Zwei von den Burschen nahmen aus der Auslage einen Radioapparat und einen Akkumulator. Dann machten sich alle aus dem Staube. Also wieder einmal mehr eine betrunkene Angelegenheit als eine Diebstahlesache. Zwei von den Burschen wurden freigesprochen! einer der Nichworbestrasten erhielt vier Monate Gefängnis und wurde aus der Haft entlassen, der zweimal oorbestraste Zwanzigjährige erhielt neun Monate Gefängnis und blieb in Haft. Im zweiten Fall waren es drei vielfach oorbestraste Einbrecher, die einen Einbruchsbeutezug in ein Zigaretteltengros- g e s ch ä f t bewerkstelligt und für etwa 5000 Mark Ware davon- getragen hatten. Hier lautete da; Urteil gegen zwei der Einbrecher auf je zwei Jahre Gefängnis, für den dritten ein Jahr Gefängnis. Im Anschluß an diese beiden Prozesse wäre folgendes zu bemerken: In beiden Fällen waren es Einbruchsdiebstähle, wie man sie sonst vor dem Schnellrichter am Polizei- Präsidium erlebte. Es bestand aber feit jeher die Tendenz, nach Möglichkeit Berbreckzen vor das Schöffengericht zu bringen, und diese Absicht soll nun konsequenter durchgeführt werden. Das Schöffen- gericht befindet sich jedoch in so mancher Hinsicht im Vergleich zum Einzelschuellgericht im Nachte i l. So hält es nur dreimal in der Woche Sitzungen ob; dadurch wird die Polizeihafl der Befchuldigien oerlöngcrt und die Vorführung vor den Richter dem Gesetze zuwider hinaus- gezögert. Bis zur Anberaumung des Termins vor dem Schnellschöffengericht vergehen nicht selten fünf Tage, während bei dem Schnellgericht zwei bis drei Tage die Norm ist. Der Staatsanwnlt begibt sich gleichfalls nicht öfter als dreimal in der Woche, am Borabend des Verhandlungstages, ins Polizeipräsidium, um dort auf Grunkt der Akten festzustellen, welche Sachen vor oas Schnellschöffengericht zu bringen sind. Er verfügt die Borladung der Zeugen, die Bor- legung des Strafregisters und fetzt sich auch, fasern«rfordcr- lich, mit der Sozialen Gerichtshilfe in Verbindung. Die Verhafteten werden aus dem Polizeigesängnis nach Moabit über- geführt. Ist die Zeitspanne cinersetis für dsn Staatsanwalt viel zu kurz, um die erforderlichen Recherchen vorzunehmen, so cnt- steht andererseits für das Untersuchungsgefängnis eine überstüssige Wehrarbeil, da die Angeklagten nicht selten bereits am nächsten Tage ihre Freiheit wiedererlangen. Im Gegensatz zum Schnellgericht unterliegen dem Schnellschöffen- gericht nur die Haftsachen aus dem Bereich des Land- gerichts I, nicht jedoch auch die aus dem Bereich der Landgerichte II und III. Und während beim Schnellgericht die Einheitlich- teit der Schnellrechtsprechung mehr oder weniger durch das Vor-; handsnfein nur zweier Richter gewährleistet ist, sind es vor dein Schnellschöffengericht drei Richter, die Recht sprechen. Aus allen diesen Feststellungen ergeben sich für das Schnell-, fchöffengericht bestimmte Forderungen. Das Schnellschöffengericht sollte seine Sitzungen täglich abhalten, und zwar gleich dem Einzelrichler im Polizeipräsidium selbst. Dadurch wäre die Möglichkeit einer schnelleren Anberaumung der Termine gegeben. Cs sollten zwei Richter sein, die abwechselnd drei Tag« in der Woche Sitzungen abHallen. Dadurch würde auch eine Entlastung der beiden Einzel richtet herbeigeführt werden, die mit zwölf bis zwanzig Sachen, die sie mitunter im Laufe des Tages zu erledigen haben, viel mehr leisten als«in Richter. der nicht nur die Tat, sondern auch den Täter beurteilen soll, zu- gemutet werden kann. Die Verhandlungen im Gebäude des Polizs:- Präsidiums würden auch eine engere Zusammenarbeit mit der Sozialen Gerichtshilse. die Recherchen zu machen und Betreuungen durchzuführen hat, erleichtern. Schließlich sollten sämtliche in Frag« kommenden Haftsachen ohne Unterschied, zu welchem Landgerichtsbezirk sie auch gehören, dem Schnellschäfsen- gericht unterstehen. Der im Augenblick herrschende Zustand, bei dem die Schnellschöffengcrichtssachcn gewissermaßen in den Nach- Mittagsstunden zur Verhandlung kommen, kann nicht gutgeheißen werden: die Richter können nicht an die Sachen mit der erfordcr- lichen Frische herangehen. Das Schnellschöffengericht ist zwciselsohne zu begrüßen. Den gerügten Mängeln wäre mit Leichtigkeit abgeholfen. böswillige Willkür, durch die der Nachkriegsgeneration die Wahrheit über das verabscheuungswürdig«, verbrecherische Wesen des Krieges vorenthalte» werden soll,— dagegen aber ontipazifistische, anti- republitamsch«, byzantinische Tendenzen in Film und Radio be- güystigt werden. wird Abstellung dieser unwürdigen einseitigen HmiÖhabang, di:r'3«�urjDarIprigt.iäX• r l Aufforderung zur Sfemrverweiaerung ist strafbar' In verschiedenen Stadttellen sind anläßlich der Einführung der Gemeindegetränke- und Bürgersteuer kommunistische Flugzettel verteilt worden, die die Ausforderung enthalten, die Zahlung der Steuer zu verweigern. Ter Städtische Nachrichtendienst macht darauf auf- merkspm, daß nach dar Verordnung des Reichspräsidenten vom 17. September 1923(RGBl. I S. 879) jeder, der dazu auffordert oder anreizt, einer Steucrpslicht nicht zu genügen, sich strafbar macht. Die Verordnung sieht Gefängnisstrafen nicht unter einem Monat und Geldstrafen in unbeschränkter Höhe vor. Gegen die llrheber der Aufforderung znm Steuerstreik ebenso wie gegen die Verteiler der Flugblätter wird strafrechtlich vorgegangen werden. Die interessanteste Veranstaltung des Sonntags„Musik zum Hörspiel" fällt aus. eeonst bietet das Programm keine hervor- stechenden Höhepunkte. Franz Blei, der Scchzigjährigc, liest „Erzählung seines Lebens". Das Geburtstagskind bietet keinen un- getrübten Genuß. Die Sprache dieser Erzählung ist gequäll. Sic sucht besondere Pointterungen, neuartige Wendunzen und Bilder, jedenfalls Originalität um jeden Preis. Man weiß, alles geht ein- fachet zu formen, plastischer und eindringlicher. Es ist ein Jonglieren, eine Spielerei mit Worten. Die Geschliffenheit geht bereits ins Groteske. Blei offenbart hier ein unfruchtbares Aesthetentum, mit dem der Hörer nichts anfangen kann. Eva Liebenberg singt Lieder von Hugo Wolf. Dieser schöne, dunkle und gesättigte All kommt im Radio zu guter Wirkung. Stark ist seine Aus- drucksfähigkcll. Das Lied wird immer als Lied behandelt, wenn auch die Sängerin die dramatischen Partien in ihrer Interpretation betont. Ein gutes Abendtonzert, das im zweiten Teil Ouoer-ären von Richard Wagner bringt. Diese Art orchestraler Darbietungen eignet sich fiir den Sonntag am besten. Wenn am Montag Dr. Lea S ch w e r i n g in seinem Vortrag ,.F ü r st B ii l o w— August Bebe l" die beiden Redner und politischen Gegner kontrastiert, so tut er es auf Gniiid der im Reichstag vorliegenden Referate. Nur ganz kurz gibt er dazu charakterisierende Erläuterungen und bleibt dabei ein sachlicher Be- urteilet. Bülow erscheint als der elegante spielerische Fechter, der keine Sache vertritt, sondern nur Fveude am Fechten hat und mit witzigen Tiraden in die Arena tritt, während Bebel, ebenso ge- schickt und ebenso bereit zum Angriff und zur Verteidigung, das neue Ethos, die neue Weltanschauung des Proletariats zum Siege fuhren will. Auch bei ihm dieselbe geniale Geschicklichkeit in der Beherrschung der Rede, doch diese Virtuosität ist nicht Selbstzweck, sie dient einer Idee. Und so fühlt der Hörer allein aus der Gegen- Überstellung, ohne daß Dr. Schwering darauf hinweist, die große Ueberlegenheit Bebels.— Abends die Aufführung der„Pickwickier" nach dem gleichnamigen Dickensschen Roman, den Alfred Wolfenstein zum Hörspiel umgearbeitet hat. Zwischen Roman und Hörspiel be- stehen künstlerische Unterschiede, auf die hier oft hingewiesen morden ist. Wolfenstejn wahrt die ethisch« Linie, er reiht einzelne S>enen aneinander, er gibt viel Milieu und arbeitet das Charakteristische heraus, die komischen Tnpen, er versucht die Unterschied« zu über- brücken und führt zwei Erzähler ein. Damit hilft er sich über die Schwierigkeiten des Szenenwechsels hinweg. Aber es gelingt ihm nicht immer, die einzelnen Situationen ins Akustische zu übertragen. Trotzdem bleibt das Ganze sehr unterhaltend, und auch in dieser Bearbeitung spürt man den Geist Dickens. Gesprochen wurde sehr klar und scharf akzentuiert.?. Lad. Zugend, Kn'ede, Kreiheii, Nechi. Die Iugendarbeitsgemeinschaft der Deutscheu Liga fiir Menschenrechte veranstallete im Plenarsaal des früheren Herrenhauses«ine sehr gut besuchte öffentliche Kundgebung. ;, Nachdem der Vorsitzende dzraus Hinzswielen hatte, daß-- die Grundlagen jeder'wahren Etneuerung der Jugend die Begriste. Frieden, Freiheit und Recht sein müßten, sprach Gras Area zum Thema„Technik und Friede".„Es ist bedauerlich, daß allzu oft die Sprache der Wirklichkeit nachhinkt. Der Begriff Krieg hat seit dem Trojanischen Krieg bis zum Weltkrieg und noch mehr bis zu einem Kriege, der 1931 ausbrechen würde, so sehr seinen Inhalt gewechselt, daß er ein völlig anderer geworden ist. Er wurde aus einer mehr persönlichen eine rein maschinelle Angelegenheit. Der Soldat bedient heute mit möglicher Vollkommen- bell die Schöpfungen der Technik. Das sagen schon die Wort« Motqr, Gas, Elektrizität, Aeronautit und Funk. Darüber hinaus ist der Krieg nicht mehr Sache der an der Front Stehenden, sondern alle Glieder' der kriegführenden Völler wurden Kämpfend«. Die Erkenntnis dieser Zusammenhänge allein macht den Kampf für den Frieden notwendig."— Oberstudien- direktor Genosse Kawerau erörterte i» tiefdurchdachtcu Aus- führungen den ZwiospaltdcrIugend vonheute. Cr wies darauf hin, daß die völlijche Jugend belogen würde, wenn man sie als Nachfolgerin der lleberlieferungsn der Freiheitskriege bezeichne. Die Bewegung von 1813 eriolgte gegen den Willen der Herrschenden, geoon alle, die rückschrlltliche Anschauungen verfolgten. Ihre Streiter Stein, A r n d t, S ch l e i e r m a ch e r und G n e i s e n au wurden von den Regierenden ver- folgt: ihr Kampf ging für äußere und für innere Freiheit. „Die Jugendbewegung von heute scheint manchmal eine äußere Erkrankung, will aber in Wahrheit nur die Abstoßung von Ungesundem aus dem Gesamtkörper. Diese zu erkennen und danach zu handeln, ist die Ausgabe aller wahrhaft Jungen im Grau. topf oder im jugendlichen Blondkopf." Kawera.it schloß seine mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede mit einem flammenden Bekenntnis, Altes zu lösen und Neues zu schaffen. Als dritter Redner richtete Ernst Toller einen Appell an die Jugend, gegen faschistische Bestrebungen für den Frieden und die sozial« Um- geslaltung zu kämpfen. Zugzusamulensioft in Dnsselborf. Im Hauptbahnhos von Düsseldorf stihr am Sonntag abend gegen 10 Uhr«ine Rangierabteilung, deren Personal die von zwei Rangierern gegebenen Haltesignale nicht beachtet hatte, beim Ansetzen von Wagen auf den besetzten Personenzug 2368 D o r t in u n d— A a ch e n. Elf Reisende haben sich als ver- letzt gemeldet, eine Person wurde in Viersen in das Krankenhaus gebracht. In Sibiric» zu taU, nm zn reisen. Die jugendliche englische Fliegerin Amy Johnson ist auf dem Heimweg von ibrem nur bis Warschau durchaeführten„P e- king-Flug" am Montag nachmittag um 14.30 Uhr mit ihrem Flugzeug wieder in Berlin eingetroffen. Sie war bekanntlicb be- reits am Sonntag in Warschau abgeflogen, mußte aber in Polen eine Notlandung in der Nähe eines kleinen Ortes vornehmen, von wo sie dann gestern vormittag um II Uhr startate. Die Fliegerin will heute früh nach Köln weiterfliegen. Bezirksamt Tiergarten. Mittwoch, den 21. d. M., 18 Uhr. in der Aula des Friedrich-Wcrdersckien Gymnasium), Bochumer Straße 8, wichtige Bezirksoersammlung. Ein soziologischer Streiszug durch die Geschichte der Stadt Berlin. Vortrag des Reichstaqsabgcordnetsn Genossen Gg. Engelbert Graf. Mittwoch, den 21. Januar. 20 Uhr, in der Aula der Sopbienschule, Welnmeisterstr. 16'17. Partei- und Iugendgenosien sind eingeladen. Unlostenbeitrag 20 Pf. �9.Jan.�93�.abds SQrg� i'±tz�u W(jr«fi l V 0\M!l!<8nlos.0heihBr.9hslbbedeckr ~ 0 wolkig,® bedeckt®RegeiwiGrjup»ln —«SdinefcSNebcl�Gewirtat�WiiidtHII« QHadhi Hat Berlin ein Asphaltmonopol? Auch Gieinpflafier hat sich bewahrt. Vom Zentrolverhand der Steinarbeiter erhalten wir eine Zuschrift, der wir felzendez entnehuien: Das sogenannte Notprogramm will möglichst vielen Arbeitslosen praktische HUfe durch Beschattung von Arbeitsmvglichkeit bringen. Es ist beschlossen worden, eine Summe von 13,33 Millionen Mark vornehmlich für Um-- undNeupflasterungen, resp. Asphaltierung einer Aniahl Berliner Straßen zu verwenden, um die. mal, wie gesagt, langfristig Erwerslosen Arbeit zu geben und zweitens die Berliner Berkehrsvsrhältnisse zu oerbessern. Seit Jahren wird nun vom Zentraloerbanddcr Stein- arbeiter aus verschiedenen Gründen eine stärkere Verwendung des Steinpflasters sKlcinpflaster auf Betonunterbettung mit Zement- verguß) propagiert. Einmal deswegen, weil es vornehmliche in Straßen mit starkem Berkehr in wirtschaftlicher Beziehung das beste Vflaster mit unbegrenzter Haltbarkeit ist, zweitens, weil das Roh- Material(die Steine), direkt in Deutschland gewonnen wird und da- durch verhindert wird, daß jährlich enorme Summen ins Auslarrd zur Beschaffung ausländischen Straßenbaumaierials gehen, drittens, weil durch die Bearbeitung des in Deutschland gewonnenen Rohmaterials große Mengen einheimischer Zlrbeilcr Beschästigung finden und nicht der Arbeitslosen, resp. Dohlsahrlspslege zur Last fallen, und vie-rtens, weil das Steinpflaster in Hursicht auf Berlehrssichcrheit das Asphaltprlaster weit überragt. Letzteres wird von jedem Kraft- Wagenführer rückhallslos anerkannt werden und man kann ohne Ilebertreibung behaupten, daß 70— SO Proz. der täglichen Unfälle im Berkshrsleben, entstanden durch den schlüpfrigen Asphalt, ocrmicden werden könnten. Gegen diese Dorschläge für eine stärkere Verwendung des Stein- Pflasters wurde von ganz bestimmte» Stellen immer wieder folgendes eingewandt: 1. Das Steinpflaster sei durch sein« längere Haltbarkeit auf die Dauer wohl billiger, aber in seiner Herstellung bedeutend teurer als Asphalt und da die Gemeinden wenig Mittel zur Ver- iügung hätten, müßte» sie Asphalt nehmen. 2. Das Steinpflaster verursache zuviel Geräusche und Erschütterungen. Beide Ein- w ä n d e t r e f s e n n i ch t Z n. Es ist durch Vergleiche bereits mehr- iach nachgewiesen, daß Steinpflaster, sogenanntes Kleinp'Iaster ans Beton in Zementmischung verlegt, in der Herstellung sich absolut nicht teuerer, sondern sogar noch billiger stellt als Asphalt. Be- sonders wenn man die h o h e n K o st e n mitrechnet, die in letzter Zeit durch die künstlich« Aufrauhung des Asphalts mit Maschinen und durch lausende Reparaturkosten entstehen. Andererseits machen sich bei solchem Steinpflaster Erschütterungen nicht mehr bemerkbar als wie bei Asphalt, weil durch das Ein- schlemmen in Zement eine gleichmäßige, ebene Straßendecke erzeugt wird, über die alle schnellfahrenden Last- und Personenwagen, die heute durchweg Gummibereifung haben, mit weniger Erschütterung hinwegrollen, als wenn sie sich auf einer Hundertemal ausgeflickten Asphaltstraße bewegen. Jeder Krastwagensührer kennt die berüchtigten Schlaglöcher, die sich bei jeder Asphaltbahn bereits nach kürzerer Zeit zeigen. In Preslau z. B. wird fast nur Steinpflaster in obengenannter Aonn perwandt. In.Verlin ist man üb er einzelne schüchterne Versuche nicht hinausgekoinmen. Wo diese aber gemacht wurden, sind sie, was besonders betont fei, zur vollsten Befriedigung ausgefallen. Vorstehendes ist den verschiedensten Herren der Stadtverwaltung mündlich und schriftlich immer und immer wieder vorgetragen worden und es war möglich, eine Reihe von Mitgliedern der Tief- baudcputation und des zu dieser Korporation gehörenden so- genannten P f la st c r a u s s ch u sse s von der Richtigkeit obiger Ausführungen zu überzeugen. Aus diesem Grunde wurde auch für eines der größte» Objekte des sogenanmen Notprogramms, für den Ausbau der Aranksurler Allee, der wichtigsten Ausfall- siraße im Osten der Stadl Berlin, Steinpflaster vorgesehen. Für die lange erwerbslosen Berliner Steinsetzer und Berufsgenossen schien auf einige Wochen Arbeitsmöglichkeit vorhanden. Zu gleicher Zeit hätte ein« große Anzahl deutscher Steinbruchsarbeiter dem Pro- Otflenlftdie Versammlung in Zehlenäerl Mittwoch, den 21. Januar, 19.30 Uhr im Lindenpark. Berliner- Ecke Gartenstrabe. Landtagsabgeordn Kuttner spricht Ober: Nationaler Sozialismus- Volksbetrug wanncr und krauen, crsdiclnl In Massen! duktionsprozcß zugeführt werden können und allen Ansprüchen, welche die Berliner Bevölkerung hinsichtlich hochwertiger Verkehrsstraßen stellen kann, wäre Rechnung getragen worden. Aber es ist etwas ganz anderes gekommen. Ohne daß die gewählten Vertreter der Berliner Bevölkerung unterrichtet wurden, wurde von der Zentral« diktiert, daß die Frankfurter Alles statt Steinpflaster Asphalt erhält. Ausschlaggebend bei diesem Diktat sind ein- z e l n« Berliner Stadtbauräte gewesen. Aus welchem Grund« sie sich für Asphalt entschieden haben, steht noch nicht fest. Fest steht nur, daß bei Ausführung in Steinpflaster bedeutend mehr Erwerbslose beschäftigt werden können, abgesehen davon, daß zu gleicher Zeit auch viele heute im Elend hinoegetieren.de deutsche Steinbrucharbeiter Arbeit bekommen würden. Fest steht auch,-daß bei Herstellung in Steinpslaster sämtliche aulgewendcten Mittel in Deutschland bleiben und nicht, wenn auch nur zum Teil, ins Ausland gehen würden. Was ist der Grund? Es liegt sicher im Interesse der Berliner Bevölkerung, wenn von maßgebender Stelle schleunigst kiipp und klar erklärt wird, aus welchen sachlichen Gründen von zenkraler Stelle, ohne Mitwirkung gewählter Vertreter der Bevölkerung, ver- anlaßt wird, bereits feststehende Projekte umzuändern zum Schaden einer großen Anzahl Erwerbsloser sowohl in Berlin wie im übrigen Deutschland. Vorträge, Vereine undVersammlungen. „ätniwaafl«!', Muavcrbmi!» b« Werktätigen, ft V., BeurkZgruppe fift. Dienstag, 30. ganuar. 20 Übt im.Peooler Lcrcinsbaus", Ztcvaser Ecke Eimon, TcchrStvaste, Portraa bes Kameraden Tsscheile übet;„Die Einführung in die SegeMegrret". Bauabend« leben Montag. Dienstag. Mittrooch und Donners-. tag von 18 bis 21 Ubr in b«r Dcrlsiatt des BezirlsaAUs ssrirbrichsbain, Brolnmvsrr. X._________ Allgemeine Wetterlage. Zieulöllner Pollsto», schar. Am Mittwoch, dem 21. Januar, findet wieder wie alliäbrlich ein neuer Bollstanttehrgang für Anfänger statt. Genossinnen und Genössen, welche Interesse am Potts- und Iugendtans hoben, werden blcrniit eingeladen. Der Kursus läuft jeden Mittwoch in der Turnhalle der Karl-Marr-Echule, Neulölln, Laifer-Isriebrich-Etr. 308— 210, in der Zeit von 20 Iis 22 Uhr. Pcrcinigung ehemaliger Kriegsgefaugencr, Bcrlin-Südea. Mitgllederucr. lammlung am Donnerstag, dein 22. Januar, 20!.s Uhr, bei Krüger, Grimm- strafte 1. Perlincr ärztliche Ecsellicheft für paragsiichilche Forschung. Siftung am Freitag, dem 28. Januar, 20 Uhr. im qroften Saal des ehemaligen Herrenhauses. Berlin, Lewziger Sir. z. Tagesordnung: Herr Uniuersttätsprofessor Driefch-Lelpzlg:„Der Spiritismus im£;ch:c der modernen Wissenschaft". schwach� Punkt••• Der größte Teil Deulschlonds, besonders das Gebiet östlich der Weser, log am Montag noch in, Bereich der polaren Äaltlustmassen, die Ende der vergangenen Woche nach Mitteleuropa geströmt waren. lieber Westeuropa waren aber schon an, Sonntag milde ozeanische Luftmassen erschienen, die jetzt Westdeutschland inil Temperaturen von 4 bis 7 Grad Wärme ereicht haben. Gleichzeitig hat sich über Skandinavien im Bereich der dort lagernden Kaltlustmassen ein kleines Hochdruckgebiet gebildet, das noch in weiterer Verstärkung begrifsen zu sein scheint. Aus ihm beginnen jetzt schon die nördlichen Luftmassen nach Süden abzufließen. Die Erwärmung dürfte daher nur vorübergehender Natur sein. -> Welleraussichieu für Berlin. Nach vorübergehender Milderung mit etwas Re�en wieder Temperaturen in der"Nähe des Gefrier- Punktes mit Schneefällen.— Aür Deutschland: In der nördlichen Hälfte westostwärts �fortschreitende noriibergehende Erwärmung mit Niederschlägen: im Süden mild, trübe und regnerisch. Gurgle trecken mit Wybert— und Du ersparst Dir Erkältungen. bei der Abwehr von Erkältungskrankheiten ist nun mal der Hals. Dort beginnen die Bakterien ihre gefährlichen Angriffe auf den Körper. Das sicherste Vorbeugungsraittcl wäre also regelmäßiges Gurgeln. Aber gurgeln ist scheußlich, und gurgeln Sie mal im Konzert! Große Dose Wybert Kleine Dose Wybert Gurgeln Sie doch trocken mit Wybert! Das können Sie unbemerkt überall tun. Es schützt und desinfiziert, schmeckt vorzüglich und erfrischt— und bewahrt Sie vor Husten und Halskratzen. Id.-?.- lEaldimir Xidin: Die icher vom Sismeer Ich führe einige bläuliche, vom Ozean gut geschliffene Steine mit mir. Äch habe sie zum Andenken an die Erde mitgenommen, auf der ich— wahrscheinlich zum einzigen Mal« in meinem Leben — eine Stunde verbracht habe. Auf dem Torfboden dieser Ozean- ins«! logen runde, unter den Füßen trocken knirschende Steine in chavsen. Und auf diesem Torfboden wohnt in einem Dutzend 5)äuser die Bevölkerung der Insel. Bor Jahren war ein Robinson— der erste Kolonist—, der Norweger Jndriksen hierhergekommen. Er baute sich ein tzäuschen am Ufer und fischte. Ein kleines Grab mit einem eisernen Kreuz, unter dem sein Erstgeborener, der ein Jahr alte Kornelius Jndriksen, schläft: das ist olles, was als Andenken von seinem schweren Leben hier geblieben ist. Aber auf seinen Spuren kamen andere Leute, bauten Häuser, hängten die Netze aus— und die Insel wurde eine russische Siedlung, Und auch von den neuen Leuten gibt es am User schon einige ernste Gräber— Haufen runder, vom Ozean geschlissener Steine. Auf Stricken zwischen den Häusern hängen Ketten von Stock- sischkapscn. die zu Dung verwendet werden. Auf dieser unergiebigen Erde bekommen auch Kühe sie zu fressen— weshalb die dünne, armselige Milch nach Fisch stinkt. Nach Fisch und seinen faulenden Eingeweide» stinken alle Siedlungen der Murmanküste. Und auch die Menschen riechen nach Fisch. Tausende von Zentnern Stockfisch, ohne den diese Menschen keinen Tag leben können, werden hier eingesalzen und auf Dampfer geladen. In ihren Booten fahren die Fischer 10 bis IS Meilen in den Ozean hinaus und verbringen zwei bis drei Tage beim Fang, aber manchmal treibt sie das Wetter wochenlang im Ozean herum, sie verlieren die Stellen, wo sie ihre Drci-Etagen-Netze ausgelegt haben — wenn dann das Wetter nachläßt, fahren sie wieder hinaus und finden ihre Netze immer, weil sie den Ozean besser kennen als ihr armseliges Festland. Im Sommer Butte, Scewols, Kabeljau, im Herbst Heringe, die als eine dichte unterseeische Mauer in die Schären konunen— dann lohnen zwei Tage Erfolg einen ganzen Sommer gefährlicher, ununterbrochener Arbeit. Erst Ende Mai geht das Treibeis fort; der Ozean ist noch unruhig, Frühlingsstürme rasen über ihm. Während dieser Stüpme werden die Robbenfänger auf den Eisschollen ins Meer hinaus- getrieben— und Ende Mai werden die Jäger von den Fischern abgelöst. Ein, zwei Monate Stille über dem Ozean und dem Weißen Meer, ein, zwei Monate blutige Mitternachtssonne— und schon kommen Herbststürme, Zyklone, kurze Polartage und endlose Nächte. Ende August muß der Sommerfang in Fässern eingesalzcn sein, damit schwere Schiffe sie nach Murmansk und Archangelsk bringen. Ende August werden die Siedlungen leer, die Menschen kehren in die Städte zurück, und es bleiben nur die, die kein anderes Heim haben— die Kolonisten. Hier, zwischen den Steinen, verbringen sie beim stürmischen Wintergebrüll des Ozeans die Polarnacht: schon im Januar gehen sie auf den Robbenfang aus. Der Südwind zerkrümelt am Ufer das Eis. Am Ufer bewegt sich das Eis hin und zurück, und über dieses Kriiincleis dringen die Jäger auf die Eisfelder. Im Januar bekommen die Robben Junge. Sie liegen in Stapeln stahlgrau mit ihren Kleinen aus den Schollen. Sie sind ergeben, sanft und schützlos. Sie liegen unbeweglich und blicken neugierig auf die Jäger. Sie lieben grelle Farben— den roten Anstrich der Schiffe und. die Mailnigfaltigkeit in der Eintönigkeit der Eiswüste... die Menschen. T>er alt« Bulle schlummert, hebt von Zest zu Zeit den Kopf, blickt ringsum und schlummert wieder. Di« Jäger ziehen ihre Boote aufs Eis und schießen in die Luft. Der Bulle hebt den Kopf, hört das Schießen— aber alles ist ruhig, und er träumt weiter. Er wird als erster getötet. Er darf nicht verwundet werden, denn dann geht er ins Wasser und ihm nach stürzt die ganze Herde unters Eis— und die Jagd ist verloren. Er muß sofort getötet werden. Dann ist alles einfach. Die Jäger gehen an die Weibchen heran und schießen sie direkt in den Kopf, schlagen mit den Haken- stanzen den Kleinen den Schädel ein— aber die Tiere gehen nicht weg. Ergeben liegen sie in Haufen und erwarten ihr Schicksal. Rur die Robbemnütter weinen. Große weiße Tränen rollen aus ihren sanften Augen. Sie haben die Gefahr noch nicht so begriffen, um zu flüchten, aber ein letztes Entsetzen ist in ihnen— und die Tränen rollen— wahrscheinlich die Tränen der Mütter um ihre Jungen. In Februar, wenn die Haufen sich in Herden sammeln, treiben die Jäger sie mit Stricknetzen ans Ufer und schütten vom Ufer aus mit Schaufeln Sand in die offenen Mäuler der Tiere. Die Erde der Fischer ist das Wasser. Rur auf dem Wasser sind sie zu Hause, und von den ersten Tagen an gewöhnen sie ihre Kinder ans Wasser. Mit sechs Jahren beginnt der Fischerjungs zu ver- dienen. Bon sechs bis neun Jahren hat er die Netze und Haken in Ordnung zu halten— und bekommt Fische für sein« Arbeit. In Reihen sitzen die Kinder, durchsuchen mit ihren Kinderhändchen die Netze und singen ein trauriges Kinderlied, das dieses getähriiche und schwere Leben geboren hat. Sie singen von Geschlecht zu Geschlecht das gleiche Lied von Fischern, die hinausgegangen und uicht zurück- gekehrt sind. Mit zwölf Jahren wird der Netzjunge zum Köder- jungen, der sechs Jahre die Köder besorgt. Mit achtzehn wird er Ruderer, erstarkt an den Riemen und wird mit zweiundzwanzig „Zieher", das heißt Netzzieher. Darüber gibt es nur noch eine Stufe: Steuermann. Der Steuermann ist der Kapitän. Er hat seinen eigenen Segler, wirft seine Netze aus. Hundertmal hat ein solcher Eismeerkapitän den Ozean überquert, war in ausländischen Gewässern, spricht englisch, norwegisch, holländisch, kennt große Häfen und wäre wohl imstande, Kapitän eines große» Dampfers zu sein— bleibt aber bis zum letzten Sturm seines Lebens in dein gleichen zerbrechlichen Boot. Mit demselben Segelboot jagt er die Robben und den Haifisch, der zu groß ist für sein Fahrzeug, und dem sie die Leber ausnehmen und die Eingeweide aufblasen, um ihn dann ins Schlepptau zu nehmen. Mit demselben Boot fahren sie nach Nowaja Sjemlo, wo sie die Walrosse jagen. Ein ver- wundstes Walroß ist nicht wie eine Robbe. Es stürzt sich auf das Boot, packt mit den Hauern den Rand und wirst es wie eine Nuß- schale um. Des Fischers Glück ist's, wenn feine Kugel richtig trifft. Im Aug erst, wenn die Dampfer kommen, werden sie von Dutzenden von Booten aller Art umgeben. In Jacken aus Robben- fcll und Südwestern kommen die Seeleute auf Deck, stehen breitbeinig da und riechen scharf noch Schnaps. Ohne Schnaps kann der Fischer im Eismeer nicht leben. Mit Schnaps färbt er sein schweres, gefährliches Leben rosig, in Schnaps ersäuft er die Herbst- stürme und die Polarnächte. Cr tauscht daiür viele Zentner Fisch ein. für Schnaps gegen die Samojeden Pelze und Renntiere hin, und ein Jäger liefert auch das ein,zigarlige Exemplar, die seltenste Beute, einen herrlichen, lobendigen Schwarzfuchsrüden, für Schnaps ab. Betrunkene Fischer schwanken dann auf dem festen Deck des Schiffes, aber sie sind außerordentlich fest und sicher in ihren schwankenden Booten, wenn sie sie, vollgeiadm mit Mjs-rn, ans Ufer rudern. Da werden sie eins mir dem..Boot, wie die Steppen- reiter eins mit ihren Pferden find. c�bKtmtn von M. c&ewt.) Die wicMigUen drei 3>flanmen Von 3)r. R. Srance Ein ganz ergötzliches Experiment, das mit unfehlbarer Sicher- heit jederzeit gelingt, ist, in einer Gesellschaft die Frage aufzu- werfen, welches wohl für den Menschen die wichtigste und un- entbehrlichste Pflanze sei. Drei Biertel aller Antworten werden das Getreide erwähnen: solche, die in ilebcrsee waren und von der großen Bedeutung der„Kopra" gehört haben, werden aus die Kokospalme raten, andere, denen die Greuel der Kautschuk- gewinnung im Kongostaat und neuestens in Südamerika noch frisch in der Erinnerung sind, und die aus dem Eifer, mit dem man nach Kautschuk fahndet, auf dessen großen Wert schließen, werden die Kautschukbäume nennen. Solche, die in fast ganz Asien die ungeheure Bedeutung des Reises als Volksnahrung gesehen haben und daran denken, daß die zwei größten Völkergruppen, nämlich die Menschen beider Indien und die von China und Japan, aus- schließlich Reisesser sind, werden für die R«ispflanze stimmen. Eine gar nicht so unebene Antwort nannte die Kartoffel, die bei uns in Europa, aber auch in allen Ländern der Erde mit gemähigt kühlem Klima geradezu zur Lebensbedingung der Bevölkerung ge- wordeil ist. Klug ist auch die BermuMng, daß angesichts des Brenn- holz-, Bauholz- und Zeitungspapierbedorfs auf der ganzen Erde die Holzarten, also die nutzbaren Bäume aller Arten für den Menschen den kostbarsten, weil völlig unersetzlichen Besitz aus dem Pflanzen- reiche darstellen. lind doch sogt keine dieser Antworten die volle Wahrheit. Es ist dem Bewußtsein des Gebildeten völlig verborgen, daß ein Pilz den Anspruch nicht nur der wichtigsten Kulturpflanze, sondern des materiell wertvollsten Gewächses überhaupt machen kann. Ein« ganz unscheinbare, ja so kleine Pflanze, daß sie einzeln dem un- bewaffneten Auge gar nicht sichtbar ist— nämlich der H« f e p: l z. Er ist es, dem man im Verein mit einigen Bakterien die Brot- bercitung verdankt, insofern ist er Freund des Menschen und eine Äullurpslanze in jedem Sinne— er ist aber auch zugleich ein furchtbarer Feind unseres Geschlechts, dem er sich in der heim- tückischsten Form als„Sorgenbrecher" und„Freudenbringer" ein- schmeichelte. Der Hefepilz ist nämlich auch der alleinige Erzeuger von Alkohol. Und es ist ein Äultuvdokument von traurigem Wert für das zwanzigste Jahrhundert, daß auf der ganzen Erde, neben dem täglichen Brot, das alkoholhaltige als das über die Sorge und da» Unbehagen de« Augenblicks hinwegtäuschende Getränk, sei es nun Wsin, Bier. Schnaps. Reisbranntwein oder gegorener Agaoensaft oder sonst das Gärungsprodukt Irgendeiner tropischen Frucht, dem Menschen als das„kostbarste" Gut erscheim. Sonst hätten nicht Indianer und Südsecinsulaner. Sibirier ui»d afrikanische Reger für Feucrwasser Ländereicn hergegeben, so groß wie ein europäischer Staat, sonst würde nicht die Iahresansgabe des deutschen Volkes für alkoholische Getränke über drei Milliarden, die der ganzen Kulturmenjchheit an IS Milliarden Mark betragen! Das ist viel mehr, als für alle kulturellen Bedürfnisse zusammengenommen geopfert wird. Wären die Menschen bester über die Dinge der Natur unter- richtet, als sie in ihrer Allgemeinheit sind, hätten sie auch, so wie sie eine Alkoholpoesie schufen, den kleinen zierlichen Hesepilz kiinst- lcrisch„verherrlicht", so wie sie schon längst den Palmenstamm und die Papyrusstaude idealisierten in der Säule, die Lotosblume in der indischen Baukunst, die Fichte im gotischen Dom, den Buche»- bochwald im Netzgewölbe des Kirchenschiffes, wie sie die Rose und Arumblume verewigten und die Akonthusstaude iin Säulenkapitäl, und zahlreiche andere Pflanzen, was alles eigcMlich noch nicht gebührend studiert und in seinen inneren Zusammenhängen aus- gedeckt ist. Dabei gebührt aber dem Hesepilz, so seltsam das auch klingen mag, doch die Bezeichnung einer Kulturpflanze: denn er ist heute kein wildes Gewächs, sondern durch jahrtausendelange Kultur nicht weniger veredelt, in Rassen gesondert, in seinen Eigenschaften hoch- entwickelt worden, wie Weizen und Roggen oder Wein und Zucker- rübe, diese„Kulturpflanzen an sich", die durch zu viel Veredelung alle mehr oder minder schon an Widerstandskraft und robuster Lebenstuchtigkeit verloren haben, wie wenn sie Kinder eines ur- alten Adelsgeschlechts wären. Man züchtet heut« den Hefepilz in den Laboratorien in Rein- kulturen: denn seine„Rassen" haben sehr wohl merkliche und in Geld ausmünzbare Eigenschaften. Von der„Rasse" hängt es ab, welchen Geschmack der Wein oder das Vier, das mit ihr vergoren wird, schält.*' Neben dieser Kulturpflanze treten an materieller— leider auch an„dichterischer" Bedeutung alle anderen Kulturgewächse zurück. Am nächsten kamen ihr bis vor kurzem— und auch das ist wohl wieder eine Ueberraschung für die meisten— nicht die Getreidearten. sondern die Kokospalme. Denn das Verbreitungsgebiet der Kokos umfahl heute die gesamten Tropen, soweit sie der See- wind erreicht: sie ist für die ganze Bevölkerung der heißen Südsee die wichtigste Lebensbedingung, ebenso an den Ufern des Indischen Ozeans, sie ist von enormer Bedeutung für einen Teil von Afrika und Wcstindien. Und auch darüber hinaus ist ihr getrocknetes Nähr- gewebe, die Kopra, und das aus ihr. gewonnene Speisefett für Europa und Nordamerika unentbehrlich geworden. Wenn der Araber von seinem unentbehrlichen Lebensgenossen, der Dattelpalme, im Sprichwort sagt, sie s«i zu hundert Dingen nütze, so gilt dies mit dem gleichen Recht von der Kokospalme, die nicht einen einzigen Bestandteil hat, der nicht von dem Menschen verwendet werden könnte und auch verwendet wird. Erst in dritter Reihe konunen für das Menschengeschlecht die � Getreidearten, die freilich an die zweite Stelle vorrücken, i wenn man ihnen Reis lind Mais beigesellt und dann die Gruppe der Gräser mit der Kokospalme oergleicht. Europa im allen Sinne ist längst nicht mehr die Kornkammer der Erde, so wie auch Ungarn seinen Ruhm als erstes Getreide baneckdes Land längst an Rußland hat abgeben müssen. Und auch dessen mrgehenre Steppe wurde im letzten Mensch« naßer durch die Vereinigten Staaten und Zbanada übertroffen, seitdem sich deren alte Prärienromantik in die Idylle riesiger wogender Getreide- selder gewandell hat. Budapest, Odessa, Ehikago sind nacheinander die Hauptstadt des Getreidehandels geworden, und schon tauchen neue Rivalen auf, und die nächste Generation wird das Bild wieder verschoben finden. Denn jetzt treten die riesigen Pampas von Argentinien und die Steppen von Sibirien mit ein in den Weit- bewcrb. Sind sie erst völlig kultiviert, wird das Getreide die alle, von soviel Romantik und Idealen umsponnene„Palmenkullur" end- gültig in den Hintergrund gedrängt haben, dann wird auch das kulturelle Schwergewicht neue Verschiebungen erleiden. Die treppe Wenn man von der 5. Etage über das Geländer der Treppe hinunter sah, so blickt« man in eine Spiral«, die in vielen Windungen sich in der Tiefe verlor. Es war eine phantastische Sache, dieses gähnendes Loch. Fremde, die diese Wirkung nicht kannten, fühlten ein eiskaltes Entsetzen im Rücken, das sich erst wieder löst«, wenn man zu ebener Erde auf der Straße stand. Natürlich dachte niemand daran, sich von dieser Treppe hinabzustürzen. Doch die Mieter auf den verschiedenen Absätzen der Treppe und vor den Wohnung?� einmiindungen fühlten alle das Unheimliche, das sich in diesem Treppenhaus verbarg. Ging eine Frau die Treppe hinauf, so hatte � sie das Gefühl, als schliche einer ihr nach. Sie warf einen Blick über das Geländer und rannte, wenn sie von unten ein paar Beine auf den Stufen heraufkommen sah, und war erst froh und bcruhigr, wenn die Tür der Wohnung hinter ihr zuschlug. Einmal arbeiteten Handwerker auf dem Dach des Hauses. Sie hoben einen Teil des Glasdaches über der Trepp« ab und zogen ihr Material in Eimern zwischen den Treppenwindungen an einer Winde hinauf. Es war ein lautes Schalten und Walten im Hause und die Mieter waren in diesen Tagen froh, daß eine Art künstlicher Fahrstuhl das Loch im Treppenraum füllt«. Das war in den Tagen des Dezember, es war naßkaltes Weller und nachts hatte es meist gefroren. Das Glatteis aus dem Dache hatte das Unglück verursacht. Der Arbeiter, der die Eimer im Treppenhaus hinaufzog, war aus- geglitten. Er fiel in den furchtbaren Schacht zwischen den Treppen hinab. Mit den Füßen voraus mußte er ausgerutscht sein, seine Finger waren zerschnitten, die am Rand des Glasdaches einen Halt gesucht hatten. Kopf, Rücken und Arme waren mehrfach aus dem Geländer aufgeschlagen und die Gewalt des Sturzes harte den schweren Körper von der einen Seite der Treppe auf die andere geworfen. Nirgends fand der Mann einen Halt und überall sah man Spuren des Falles. Der gellellde Schrei der anderen Arbeiier erschütterte das Haus. In allen Wohnungen öffneten sich die Türen und die Mieter erblickten das Grausige, das sie in bangen Ahnungen von jeher oersoigt hatte. Inmitten des Treppenschachtes auf dem unleren Podest hing über dem Geländer ein lebloser Körper, wie eine Puppe in allen Gliedern zerbrochen. Frauen bekamen Schrei- krämpse und sanken ohnmächtig an den Eitterstäben der Treppe nieder. Aber kein Weinen und Wimmern vermochte den Toten zum Leben zurückzuführen._ T. N. Wie rechuel der fölil&rechner? In Varietes und vor gelehrten Körperschaften treten inuuer wieder Rechengcnies auf, die die erstaunlichsten Leistungen vollbringen Aber nian darf d« Wesen.MitzrechNern" keine großen algebraisch,»' Kennmisse oder besoiiberen Verstandeskräftc vermuten, sondern sie sind nur im Besitze eines außergewohnluhen Zahlengsdächt nifses und läsen die ihnen ausgegebenen Probleme durch„Versuch und Irrtum". Der französische Astronom Abbe Th. Morcur, der sich mit der Psychologie dieser„Rechenwunder" eingehend beschäftigt hat, erläutert die Besonderheit dieses hervonagenden Zahlengedächtnisses an den beiden bekanntesten französischen Blitzrechnern Mondeux und Jnaudi.„Es gibt Gedächtnisse, die für das Behalten gewisser Dinge besonders begabt sind", schreibt er.„Die einen behalten Wort« otut, andere Oertlichkeiton, wieder ander« Zahlen: sie haben in ihrem Gc- dächtnis„Multiplikationstafeln" aufgespeichert, die in die Hundert- tausende gehen. Mondeux z.B., ein Kinder der Touraine, löste schon mit 12 Jahren in der Schule von Tours die schwierigsten Rechenaufgaben, als ihn aber dann der Schulleiter besonders aus- bilden wollte, fand er, daß das Kind nur sehr mittelmäßige Fähig- leiten besaß und daß sein« Studien auf Rcchenbcgabung nicht im geringsten Einfluß hotten. Ebenso war es mit Jnaudi. Sie haben beide keine Kenntnisse der höheren Algebra, mit denen man diese Ausgaben verhältnismäßig leicht lösen kann, sondern sie vollbringen ihre Leistung dadurch, daß sie die Produtte sehr vieler Zahlen aus- wendig wissen, und daher blitzschnell eine Reihe von Proben machen und die Irrtümer ausschließen, bis sie das gewünscht« Resultat haben. Diese Erklärung ist mir von Jnaudi selbst gegeben worden. Ich hatte ihm eiire überaus komplizierte Rechenaufgabe gestellt. Er sagte, er werde mir die Antwort in einer Minute geben, und tat es auch. Als ich ihn nach seiner Methode fragte, ertlärie er, er habe einfach 60 Lösungen hiMcreinander versucht, je«ine in einer Sekunde, und während dieser Proben hatte er den Fehler gefunden, der zwischen einer vermuteten Zahl und der, die er sucht«, bestand. Dazu gehört eine außerordentliche Kenntnis von Multiplikattonsergebnissen. Wie wir soft ohne Ileberlegung sagen:„4 mal 8 ist 32", ebenso rasch sagt Jnaudi. daß 433 mal 637 283 793 ist. Alle außerordentlichen Gedächtnisformeit beschränken sich auf ein« Klasse von Dingen. Die Rechner behalten nur Zahlen, andere nur Worte, noch andere nur Namen ufw. In den meisten Fällen beruht das Gedächtnis hauptsächlich aus Gehörseindrücken, so bei Jnaudi. Zlber als ich noch Lehrer war, konnte ich eine beträchtliche Anzahl von Schülern, die mit einem vorzüglichen Gesichtsgedächtnis ausgestattet waren. Man kann nicht entscheiden, ob ein Gedächtnis auf der Grundlage von Gehörs- oder von Gesichtseindrücken vorzu- ziehen ist, aber es ist die Aufgabe jedes Erziehers, die Art des Ge- dächtnisses bei seinen Schülern herauszufinden und seine Ausbildung zu unterstützen. Diese Methode führt zu fast erstaunlichen Ergebnissen. Ich kanitte einen jungen Mann von sehr mäßiger Intelligenz, der schwer auswendig lernte. Es gelang mir, ihn für Botanik zu inter- efstsrnr. nach wenigen Jahren konnte er außerordentlich viele Pflanzen auswendig benennen, und nun entwickelte sich sein Ge- dächmis ausgezeichnet. Nicht dadurch, daß man die Kinder aus- wendig lernen läßt, stärkt man ihr Gedächtnis, sondern dadurch, daß man sie für gewisse Dinge interessien und die natürliche Fähigkeit chrcs Erinnerungsvermögens anregt." JTcu« weizenarlen. In einem der ältesten Weizenländer der Welt, nämlich in Rußland, sind nach einem Bericht der„Umschau" neue Weizenarien gesunden worden, darunter allein im Kaukasus sieben verschiedslie Formen von wildem Weizen und drei von wilder Gerste. Besondere Bedeutung besitzt eine dieser Varietäten, die kurzhaimig ist, schwere Aehren hat. sehr schnell reif wird und auch auf kaltem Boden wächst. Die kaukasischen Bauern säen diesen Weizen im Frühjahr sofort-73-£ Di« Staatsanwaltschaft hat gegen das freisprechende llrtefl Berufung eingelegt. Infolgedessen wurde die Angelegen- heit am Montag vor dem Landgericht verhandelt. Der Angeklagte oersucht«, di« Ueberschreitung der Arbeitszeit aus der Eigenart des Betriebes als notwendig und unvermeidlich zu er- klären. Nicht durch fein» Schuld, sondern durch di« Schuld seiner Auftraggeber, der Großhändler, di« das Abladen der War« ver- zögerten, erkläre sich die Ueberschreitung der Arbeitszeit, di« zum Teil nur Arbcitsbereitfchaft fei. Die„Eigenartigkeit des Markthallenfuhrbetriebes", die eine Arbeitszeit bis zu 16 Stunden notwendig machen soll, besteht nach dem Gutachten des Genossen Sehn er vom Gesamtverband darin, daß die Großhändler, weil e» für sie vorteilhaft ist, die waren nicht erst in die Markthalle schassen lassen, sondern vom Wagen aus auf der Straße vor der Markthalle an die Kleinhändler verkaufen, was allerdings viel Zeit in Anspruch nimmt, die aber von den Fuhr. Unternehmern dadurch ausgenutzt wird, daß sie chre Kutscher unter- dessen mit anderen Fuhren beschäftige.» Der Staatsanwalt beantragte«ine Geldstrafe von 60 Mark, well rechtlich eine Ueberschreitung der'Arbeilszeitverordnung vorliege. Das Gericht erkannte auf 50 Mark Geldstrafe mit der Begründung, auch für das verkehrsgewerbc sei die Arbeitszeit. Verordnung grundsätzlich anzuwenden. Sie gelte also auch für den Angeklagten. Die in der Arbeitszeitverordnunz vorgeselzenen Zl u s> nahmen träfen hier nicht zu. Beim Strafmaß(ei die bisherige Straffreiheit des Angeklagten berücksichtigt worden. Diese Entscheidung ist von grundsätzlicher Bedeutung für oll« Markthallenflihrbeiriebe, denn was jetzt für den Einzelnen als strafbarer Verstoß gegen die Gesetz« festgestellt ist, das gilt auch jür alle anderen Fuhrunternehmer. SPZ>.-»«noI1ea»irchowt-ank-ilhau«! Mittwoch, 1« Uhr, Vrrfamm. R 0 lung Ftthrerstr. 7. Deutscher Holzarl'«iterverba«d. Einsetzer. Heute, 17 Uhr, DersammlunA im Verband ehaus, Runge str. 33. �reie Gewerkschasts-IusendNerii" deute, Dienstog. IflVi Uhr. lauert die(Stuwen: Tredto«: Vrupl»». heim, Schule Wildcnbruchftr.»1(SorMimmer). SoTtrafl! ,rie Arbeiterbewejlunu in•äRitftlaiid".— SportWn; Eruvvenheim, CtüM- Iueendbeim LIndenuier 1. zchn-Miiuilen-Referate.— Rranifutter Allee: Etädt. Inaendheim Litauer Str. 18. Urauffiihruna:.2000 Iadr« Musik".— Lichi-ndera: Tossestr. 22. Reihenvortraa:..ArbciteeMhrer: Friedrich iknaeli".— Neu-Lichlenbceq: Iuaendsicim chunterst. 41. Varlraa:„Interessante, an« Amerila".— Panloir: wruppensieim Vankaw, Nissinarnsir. 4«. Dartraa:„.-»sin Iasirc Schutivaliiiri",—«»a:Fretdenler.Senossen bei Grund. Meininqer Sir. 8. 18. Kreis Weißensee. Heute, isla Uhr, im alten Lnaeum, Bariftr. 15, Beginn der Vortragsreihe des Crvediwnsteilnehmers Genossen Dr. Manchen über: „Die Volker Assens.— Bon Sibirien bis»um Himalaja.— Von China bis»ur Wolga." 19. Krei» Panlow. Bildunasausfchuß! Zu den Donnerstaa stattfindenden Bor. stellungen de» Pankow er Theater» lLinders Kon�erthau») haben unsere Genossen Preisermässigung. Heute. Dienstag. 20. Januar: und 18. Abt. Gemeinsam« Mitgliederve rsommluna in den Arminiussälkn, Bremer Strasse, 20 Udr. Referat:»Arbeitslos, akeit und Volkagefundheit". Refcveut: Genosse Dr. Iuliu« Mose».„Vormärt»", Leser sind mit eingeladen. Abt. Paniam-Sild. Marketiempsanq und Abrechnung jesst beim Genossen Karl Meyer. Remnannstr. 50, II, welcher die Kassengeschäfte über- »ommen hat. Morgen, Mittwoch, 2t. Januar: Abt. IS'h Uhr im Konfcreniuiinmer de» Gewerkschaftshause» wichtige Bor, stand ssissung. «dt. A Uhr Funktionärssssung bei Lemmie, Eckreinerstr. 38. «bt. Charlotte»bsrg. 20 Uhr hei Echlwy, Krumme Sir. 32, wichtige Funk- tionärssssung. Abt.(Siemeyistodt. Haselhorst. 20 Uhr beginnt in der Cchulaula der 11. Gemeindeschule, Siemenzstadt, der erste Teil eines Kursus mit dem Genossen Dr. Friss Lewn. der 4 Abende umfassen soll, mit dem Thema: „Die nnrlschaflliche Enimickluna bis ji:c Geaenwart und unsere soiia- listischen Forderungen". Der zweite Teil folgt dann anschliessend mit der Senosstn Anna Hartoch. in dem dann weiter in gemeinverständlicher Form die sozialistische Ideologie praktisch fllr unser Leben und imferen Kamps entwickelt werden soll. Dieser Kursus hat den besonderen Zweck, in un» das Berantwortungshemusstsein und dir Bereitschaft für den sozialistischen Kamps zu wecken. Wir rufen daher alle Genossen, insbesondere die jüngeren, die«benfall» diese Notwendigkeit erkannt baden, 2U dieser Arbeit auf. Abt. lO'-t Uhr Kundgebung, Zehlendars, Lindeupark. . Abi. Zehlendors-Süd. IS'o Übe Kundgebung im Lindenpark. Genosse Erich Kuiiner über:„Nationalsozialismus— Volksbetrug". Die Versammlung giit als Ml'gliedernerlammlnng für Monat Februar. Daher alle erscheinen. Abi. Stegliss. Iahresmitglikderpersammluiig 20 Uhr im Lokal Sthellhale, Abornstr. 15,». Jahresberichte. Neuwahlen. Abt. Lichterselde. Alle Beztrkssührer und sonst tätige» Vartetgenosssnnen und-genossen treffen stch zur ausserordentlichen erweiterten Vorstandsstssung um 20 llbr beim Genossen Willi Fritsch, Berliner Str. 123b. Abi. Ncutolln. 19lh Uhr Zusammenkuilsi der jllngercn Genossen im Lokal Balewski. Weisestr. 02. Abt. Lichtenberg. 19lh Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. 1. Gruppe boi Schade. Rusche Ecke Normannenstrasse. Bortrag:„Wesliold bin ich Sozialdemokrat?" Reserent: August Niemann. Abt. Rciuickendors.Weft. 19 Uhr Geneealoeesammlnng bei Heese. Berliner Strasse 73. Berichte und Neuwahl. Anträge zur Arcisgeneratversammwng und Verschiedene». Abi. Tegelort. Die Bersammlung findet nicht am Mittwoch. 2l. Januar, sondern erst am 28. Januar im Restaurant„Zum Schwan" statt » Abt Donnerstag, 21. Januar, pünktlich IW» Uhr, bei Neumann. Gubener Strasse 45. Bersammlung der jüngeren Genossen. Wir veeweisen aus unsere Einladungen. Genosse Dr. Friedländer spricht über: ,3uger>d und Faschismus". Zrauenveranstallungen. 9. 128. 85. 67. 62, 82. 83. «. 118. 137. 139. 54. � 11. Kreis Schöneberg. Mittwoch, A. Januar. 20 Uhr, in her Hohen. � zollcrnschule. Belziger Ecke Eisenacher Strasse, öffentliche Frauenver- s? sammllmg. Genosstn Mathilde Wurm. M. d. F.. spricht über:„Tre Frau im Dritten Reich". Frauen, erscheint in Massen! «WWilM�W�WWWW 17. K»I, Lichtenberg. Donnerstag, 72. Januar, 19 � Uhr, bei Hsnleler. Lichtenberg, Lorhagener Str. 82, Ecke Neue Bahnhosstrassr, Lrei-ifrauen. abend. 1. Abend der Vortragsreihe der Genosstn' Kä'he Korn über:„Die mirtschaftlkchen und gesellschottlichen Wandlungen de? 19. Iahrbundert»". 58. Abt Charlottenburg. Mittwoch. 21. Januar. SO Uhr, im Sissungssaal Rankesrr. 4:„Sozialistisch» Erziehung� Reserentin: Anna Hartoch. Arbeiksgemeinschafk der Swderfreunde Groß-DerNn. Helferstssung morgen. Mittwoch, in der Aula der Schuf« Kaiser-Fi�edrlch- Strasse 4, Neukölln.(Nähe Hermannolass.) Berichte der Kreise und Aussprache. Geburtslage. Jubiläen usw. 85. Abt. lemvelhos. Unserem Genossen Ernst Arndt nebst Frau- Fricdrich- Fraoz-Sir. 19, zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 21. Abt. Unsere Genossin Anna Fendel, Reinickendorfer Str. 45, ist per. starben. Ehre ihrem Andenken. Einäscheruna Mittwoch, 2l. Januar, U. Uhr, im Krema orium Gerichtstrasse. Um rege Beteiligung wind gebeten. 77. Abt. Schöueberg. Unsere Genossin Else Dieek ist im Alter von 28 Iahren persiorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung Mittwoch, 21. Januar- 17 Uhr- Krematorium Wilmersdorf. 101. Abt. Treptow. Am 18. Januar verstarb nach längerem Krankenlager unsere Genossin Clara Conrads im Alter von 45 Iahren. Ehre ihrem An- denken. Einäseherung Donnerstag. 23. Januar- 13 ip Uhr. Krematorium Baum- schulenweg. Rege Beteiliguno erbeten. 137. Abt Reinickendors-West. Unser si-ber alter Genosse Franz Müller ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag. 22. Januar- 18 Uhr- Krematorium Gerichlstraße. Rege Beteiligung wird erbeten. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliu Einsendunaev ffir diese liudttl 1 Lettin GW tu. lwdenOe»«,> r a Da» Iuoendsekretattm. Heule. Dienslag, 20. Januar: Relnickeudorf-vft: Lindauer Str. 1.„Proaramm der NSDAP."— Süd- westen: Lindenstr. 4.„Aus dem Leben eines Kumpels."— Hochplass: Gericht. strass, 15—13.„Politische»der sozio,- Demokratie."— Lichterselde: Albrecht. 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Oould, Umm-Trio Scharf er a Kiinatlcr- Revue Ufte. 1 ngl 5 n. I Sonnt. 2, 5. u. S" I AI«. I. 4 8066 Vorsitilung 5 0 Pf. bis 1 M. II. und III. Vorstellung 1 bis S M. 15 Alfred Jackson- Girls Willy Botcsko um. VoiKsbilhne ümtBr an Bülowulatz. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von Franz Molnar Regte; Rafl Hein Martin Slaafl.Sdiiller-ni. 8 Uhr Nora Tiieaier am SchlifiiauerdBmm 81/, Uhr DieQnadralor des Kreises Staatsoper Am PI. d Republik Vh Uhr Louise OT'üh' CASINO-THEATER Lothringer StrnAe 67. ■MninHniiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiMiiiiiiiiniuiiiiiiiiiiHiitmniMi Unwiderruflich nor bis 30. Jannar: Biederleute md ein erstklassiger bunter Teil. -Sonnabend, 31. Jannar zum]. Male OnBel KUlm aus Neuroppln Gnischcin 1-4 Personen Fauteujl 1,25 M.. Setsei 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 PI.. Rang 60 PI. Deotidies meatei 8 Uhr Elisabeth von England ron Fen Irockner Regte; Bein Bilperl Kammersplefe 8','t Uhn Beate letzte(uffOliiiiiig! Jules Eltlette uiien von Tristan Bernard Rzjk; Km Czjpi Die Komödie 8-/1 Uhr Die Fee von Franz Molnar Regie; Slefu»«t. Banmwsliy-fiatiDen Theaiu Ii Guido Thieiscfier Das ottentliche Aergernts Preise I bis 8 M. Singspiel in vielen Bildern Hanaon, Cam. Splra, Llaaka. Wallburg, Arno, Jankuhn, Paul NOrblger, Lonx Schaeffars, Wlnkelatorn, Rolls, DoanW Stark-Gstettanbauar, Original Tiroler Watschantlnsar, Original Tiroler Jotflarlnnen-Qulntott, Muslk-Trlo aus Schliersee, Ja»«- Band, Olrlau. Boya, CroseeChBre Der Zelt entsprechend sind, trotz des riesigen Andranges, AK 0/_ er. die Kassenpreiso um /" mNsalgt Sonat a, J Uhf?rlS)?«!k»«etzoa, NadtmlUa, Billige Preise <&lcde& Reichshallen-Theater RdeAk[ä] Sonütag Hadraiittig FTTl Ohr stettiner Singer „Faurenfles Voffi" ein Zirkusbild r. Meysel. laito. hafte Preise, nifes Progr.! Tel.: Zenirum 11263 Dönhoff> Brettl Das fabelhatte[anuar-Programm! Rose-Theater Gr.rmkIaiUrstr.ia2 Tel. Alex 3422 u. 3494 5J0 Uhn Zwangs- RicAant Oswald* 1914- Die CefstenTäge vor dem We&CrainSk THEATER QroS« Frankfurter Stral« 162 U-Bahn; Strauakerger Plate T Agil di 8.13 Uhr Sonnabcnda 7 u. 10.15 U. Sonntags 2.30, 5 45 n. 9 U. Je Bollanteaiii" Berliner Tageblatt schreibt: „Eine bllteblanke, von Hans Rose geleitete Aufführung, in die auch der Verwöhnte getrost hineingehen ks�no, denn die Roses bieten etwas auf der Berliner Operettenbühno Seltenes: fleißig gepflegte Ensemble- knnst* Familien- Nachmittage Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, 530 O.SO bis 1.80 Katffeepanse S Kaffee mit Kuchen 0.30 ZU. REKLAMEBALL SONNABEND, 24. JAN. 1931 IM ZOO Tanzkapellen: Oa{os BelcS mit seinen 25 Jazz-Sonsren# Otto Kermbach, Frnd Blrd u. a. m, (7 Kapellen— 7 BechsteinfICgei) Die beliebten Spenden I Z. B. für dl# Dam.ni„Nosllo'* Frlg.No» Mandeln"— Pralinen—(di. groß. Originalpackung) u. a. m- fOr dl. H.rr.ni Ihn komplaftor„Partrtjc Leuchtstob"• Zigaralten„Haus Berg» mann- Broadway" und den kOnstl». risch.n Festalmanach, g.itiftel von dar Firma W. BUxonstaln, Barlin SW 48 Dberroschungen versehledenerArtl dloSaatdekorationen.ine künsd.risdi.HSchstleistung DAS GROSSE WOHLTATIGKEITS- KOSTÜMFEST Für die onspruchivolbtcn DaDbajucibtf# Keine Tombola 1# Keine Sondergusgaben I# Kein Kostümzwang1 Saafkarf-en 8,-RM, erhSIflkb ImFestburo, Unter dcnLinden59a# bei Wertheim, Tiste, Invalidendank, U. d. L. 24, Bot®& Bock, leipziger Str. 37 und Tauentetenstr. 7 b, im Zoo, Budapester Str. 9, logen k. 12.— und 15.- RM. nur im Jcstböro (Platzk.2.-RM. nur Im Zoo,BudapesterStr.9- Kartendüsweis 1} Oenisches lOnsder-Theil. Barbarossa 3937. SV* Uhr Zun goldenen Anker Dil»III» DonD \ur noch wenige Vorstellungen Jonub. oid Zig. f Uhr: Emila die Detekliie Renaissance- 1 Dealer Steinplatz 678» 8'/s Uhr MuB die Kuh milch sehen? mit mbert Bisstrnznn Meid.WuteDS Täglich 8'.V ScBsationellcr Opcretteacrfolgl Viktoria undihrHusar Plscator-BBhne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Täglich«i-j Uhr „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf Regie: E Piscator PDüDarmonle 8 Uhr SnloDie-M d.Phlihsrmon.Orcb. Dir. Prof. J. Prower Zum Gtüdiiim» dm nnt. Cöniiir d.Orditsttn Pal WiMkiUnsit Eintritt I M. Zimmer 1 Bett M 7.-b. 11-, 2 Bett 1 4.- bis 22.- BodM.3, Salon 10 1 Tauen+tien VORVBRK.: 11-1 u.ob 4 Uhr Sfpl. 6036 THEATER l' V.. X TH AD Iii RAIS PALAST Td.BV, Tsl.: Mtrkur 8901, M77 Auf den Fleck SensatlonsstQck au* Chikagos Unterwelt Vbn EDGAR WALLACE Preis-Abbau Preise der Pllln 0,75 bis 6.- h Komische Oper 8'b Uhr Reppina Operette von Robert Stolz. MKS« _.iugwi0 Kgsiaißiit Berlin.« BETRIEB Alk KEMPIMSKlO meiropoi-ifieater Täglich S'k Uhr schon ist ms weit Operette von Lehär RidBfdlaabii.GütjlUpBi. StbütendBrl Lnilw-TliMt« Täglich 8'/. Uhr Mamsell Niiomhe Operette von Heive Eiiiu r. TMÜnusn. Max Adalbert Lustspieihaus Kurt GStZ Täglich S'lj Uhr Oer Logner o. die nenne Kleines Theat. Täglich 8'.'» Uhr: Der seelenforscher RmSdis vib Fritz Mali Traute Flamme. Kaufmann, Farenbur- £lUe>$ancer Kottbusser Str. 6 F. 8. Obecb. 6670 Tägl S'/.Uhr Sonntags ndi y /a Diu .Das macht uns keiner nach' Im Babslil Clllr« wamoltl Fi*™, irailtisfi Praie I B esonden wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vorwärts" und trotzdem RDllli»n MdieiMIarlieiMrM Oonamstag. ben 22. Jannar. abrnB. 7 Ahe. im ßlkang.faal 6«. Oerbaabsbcufe*. CinlenfFe. 89)86 □ Konferenz der weint. Vertrauenspereoneii und Betriensrate Xag esoTbauas: eidllMIbetoortrag; ,94« R'tch, hl ttt RactCatur* Bgrferent; De Rieb MUl Deul|chen 5reibenfet-9etbank Da bec Dortraa für alle oraanlNerten Rolleginnen von großem Interesse Ist. wer» den die Funft onärr ersucht, sllr die Der» anftaltung rege Propaganda zu machen und pjlutllich zu eescheinen Organisierte Rolleginnen tonnen als Gäste an der Ron» srrrnj teilnehme». voaarralog, da» 22. Zaaucr. abends 7 Ahr. im Verbunds hau». Ltateaftr. 83 86. Poerol I,(Eixung». zimmer 3, III) Versammlung •lltr imDealscheB Mel.U.rbclfer- Verb.nd orgaatslerian Kollege» der Flagzcag-Iaduslrle Die Taoeäorbnung wird i» der Der» sammlung bekanntgegeben. Ohne Mitgliedsbuch tetn Antritt. T» ist Psiicht aller Rollegen und Rolle« ginnen, an dieser Lerl-mmiung bestimmt teilzunehmen.____ Connersfag, ben 22. Zunaur. ab»». 7 Ahe. im Gemerkt diastuhuu», Sngrtasrr 24/25(Gratzre Saal) Branchen- Versammlung der Rohrleger und Heiter Tagesorbnnng: L Verbands» und Dranchenangelegett» deiien Z. Verschiedenes. Milgliedsduch legitimiert! zahlreicher Besuch wird erwartet. SSS«- •uetin HOTELcAMlM CXCCLSIOR I Arnold Scholz U-Bahn Hermannplatz Hasenheide 108-14 Großes Bockbierfest I Grohe Scfaweiaebraterei und Prämlierimg der ähnUdMlea Fi eundlnnen. . 5 Geldpreise: SO, 40, 30, 20, 10 Mark I 7 Kapellen, neue OekoralioBea. hayr.Bedleaoas| EtnlaB: Wochentags 6 Uhr.. Sonntags 4 Uhr. Achtung, modeilschiosserl Tceilag, den 23. Jannot, abends 7 Ahr. im Betbandshan», Siatcaslrabc 63/86 Versammlung •Her Im Ocnischen Metallarbeiter» Verband organisiert, Modcllsdiiosser Die Dageeordnung wird in der Lew sammlung bekanntgegeben. Ohne Mitgliedsbuch kein zutritt! Zahlreicher Desuch wird erwart rt. ptd Qrtkwcrwgltot*