Morgenausgabe Oonnersiag «WA#»### tärr «Sch-N.nch ssPf, 3K«. H W W W W Ms �. Auswärts 15 Pf. im clirous zahlbar, Postdezug 4,32 M. I�U WiW fl RH BW CKj �B y|R�- -m'chlietzlich S0Ps> Poslz-wm g«. ��Bb DB M) WW Bjk! IM>W ��0 ���7/ 72 Pf� Pos, d-il-llg-düh»». Auslands. LUJ�W W W H W»» MW W»M> W �\7/ l»-«Inlpallige N°np°r-!ll-,eII« eidonnem�nt 6.— M. oro Monat; für WUBI'■BB W W W WWW WW W � W WI�«0 Pfennig. R-tt°m-»iI. S.- Re.ch,. Lander Mit ermäßigtem Drncklache». VMW! WW W W W W W W W W W W mark...«leine«nzeigen- das l«Ug°. vorlo s— M. � WW WW W W �W B». W W! druckte Won 2S Pfennig IgnInIIig zwei -fc WD WW W �Bv �BDv DB/ fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort ?«r.Borwörts- erscheint wochentZg. W|Hl WM> 7/ W � Ps-"Nig Stellengeluch. das erst« iich zweimal. Sonntag, und Montags M�> V*' WWV // W feimig ledes weitere Wort einmal, die Abendau-gab. für Berlin iBl 3°™ U.l"t �.�u-hstaden und im Handel mit dem Titel»Der t.adjfn für zwei Worte. Arbeitsinarkt MMMZ VeAinev VvWSbßM»iZM-W« Jenteawvgan der GoziatdemoSvatischen Vaviei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 �crnsprcchcr: Döndoff 292—297 Telcgramm.Adr,: Sozialdemokrat Berlin. Die Schande von Brest. Die Angst vor der Untersuchung. Warschau, 21. Januar. sEigenbericht.) Die Regierungsmehrheit der Rechtskommissio« des Sejm hat den reÄ,tsopPositionellen und den ukrainischen Antrag auf Untersuchung der Vorgänge in Vrest-SHtowsk und Bestrafung der Schuldigen abgelehnt. In der vorher geführten Debatte war der sofortige Rücktritt des Iustizministers M i ch a l o w f k i gefordert worden, der als der veri antwortlichs Staatsanwalt von Brest-Litowsk jetzt feine eigenen Verbrechen als Minister vor der Ahndung schützt. Der greise Nationaldemokrat. Dr. v. Trompcziiniki, ehemaliger Senatsmarschall. bis 1918 polnischer Fraktionsführer im Preußischen Landtag, führte aus, daß der Kampf um die Untersuchung von Brest, falls sie nicht erfolge, zur Losung für einen Bürgerkrieg in Polen werden könne. Der Sozialist Z u l a w s k i, Führet! der freien Gewerkschaften, wies auf P i l f u d s k i als den Urheber der Vorkommnisse hin. den man zur Verantwortung ziehen müsse. Den Vorsitz führte der frühere Justizminister Cor. der für Brest mitverantwortlich ist. Tie Aufforderung der Oppoption. als Angeklagter den Vorsitz niederzulegen, lehnte er ab! Wie der„Robotnik" berichtet, verweigern die aus Brest in chrc Dienstorte zurückgekehrten Gendarmen auch ihren Borgesetzteu jehe Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Auskunft darüber, was sie dort gemacht haben und erklären, selbst dem Staatsanwalt und dem Gericht nichts zu sagen. Als man weiter in sie drang, teillen sie mit, wer ihnen das Schweigen auserlegk habe— und seither wagt kein Borgesehker mehr, aus Aussage zu dringen. Der„Robotnik" sagt nicht, wessen Name so gefürchtet wird— aber jeder weiß es. Kränzen bewaffnet Bürgerwehr Bewaffnung einer staatsfeindlichen Organisation. Braunschwelg, 2t. Januar.(Eigenbericht.) Die Aufforderung der republikanischen Bevölkerung nach so- sortiger Auflösung der faschistischen Bürgerwehr in B e l p k e. die sich dort prompt nach einem mysteriösen, bisher ungeklärten Dynamilanschlag bildete, beantwortete der braun- schweigischc Polizeimwister Franzen damit, daß er durch die ihm unterstellt« Arrivdirekiion in helmsteht der Bürgerwchr kostenlos Waffenscheine besorgen lieh, mithin die ungesetzliche Ve- wassnung einer stoatsscindlichen Organisation sörderte. Der republikanischen Bevölkerung hat sich angesichts dieser Provokation eine große Erregung bemächtigt. Postscheckkonto: Berlin 37 53S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lind«nstr.3,Dt.B.u.Dise.°Ges.,Deposit«nk.,Jerusaleincr Str. 65.66. Lm Schatten vonBrefi-Litowsk Oer Terror vor dem Genfer Gericht. V. Scli., Genf, 21. Januar.(Eigenbericht.) Die Institution des Völkerbundes ist heute gewiß noch sehr unvollkommen. Aber wer kann noch mit gutem Glauben bestreiten, daß seine Existenz schon einen fühlbaren Fortschritt darstellt! Selten empfand man dies deutlicher als in der heuti- gen Sitzung, in der sich der Vertreter der polnischen Regierung vor aller Welt für den Terror verantworten mußte, mil dem das Regime Piisudski bei den Novemberwahlen seinen Sieg der Gewalt und des Betruges über alle Oppositions- Parteien erfochten hat. Ohne Völkerbund wäre es nicht mög- iich gewesen, diese Gemeinheiten vor einem internationalen Tribunal zu enthüllen und zu brandmarken. Daß das über- Haupt möglich war, verdankt man dem Bestehen der Minder- heitenschutzoerträge, die ebenso unvollkommen sind wie der Völkerbund selbst, die aber eine solche Erörterung gestatten. ohne daß sie mit dem üblichen reaktionären Argument der „Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souvc- ränen Staates" verhindert werden können. Scheinbar stand nur die Verfolgung der deutsche n Minderheiten zur Debatte. Aber ein jeder fühlte: Hier steht das ganze Regime Piisudski unter Anklage. Der deutsche Vorstoß kommt auch den übrigen natio- nalen Minderheiten und überhaupt allen Opfern der Ver- folgungswut Pilsudskis zugute. Es muß deshalb besonders begrüßt werden, daß Dr. Curtius in seiner Anklagerede, die zweifellos tiefsten Eindruck hinterließ, in einer geschickien Nebenbemerkung ausdrücklich die Notwendigkeit für den Rat betonte, sich auch der mißhandelten ukrainischen Minder- heit anzunehmen. Wahrend er sprach und die Gewalttaten und Schikanen aufzählte, denen die Deutschen in Polen ausgesetzt gewesen sind, mußte ein jeder daran denken, daß die polnischen S o- z i a l i st e n, die demokratischen Bauern, die Ukrainer und sogar die Nationaldemokraten ähnlichen, ja viel schlimmeren Drangsalierungen ausgeliefert waren. Der Schatten von Brest-Litowsk schwebte über dem Saal, obwohl kein deutscher Führer von den dortigen sadistischen Henkern des kranken Marschalls gepeinigt worden ist. Polens Außenminister Zaleski war in einer wenig be- neidenswerten Lage, wie überhaupt der polnischen Regierung die öffentliche Erörterung dieser Vorgänge außerordentlich peinlich ist. Es ist das Recht eines jeden Angeklagten, sich zu verteidigen, so gut er kann. Zaleskis Verteidigungsrede war relativ nicht ungeschickt, indem er zwar manches zuzu- war relativ nicht ungeschickt, indem sie zwar manches zuzu- geben und zu verurteilen schien, aber die Vorkommnisse doch gewissermaßen als unvermeidliche Begleiterscheinungen eines jeden Wahlkampfes hinstellte und dabei auf die Gewalttätig- leiten bei den deutschen Reichstagswahlen hinwies. Es war freilich eine schwere Taktlosigkeit, daß er, um den Wojwoden Graczynski, den Ehrenvorsitzenden der Aufständischen Verbände in Schutz zu nehmen, bemerkte, daß Reichspräsident von Hindenburg den Ehrenvorsitz im Stahlhelm führe und doch nicht für jeden Ge- waltakt der Stahlhelfner verantwortlich gemacht werden könne. Dr. Curtius hat diesen Vergleich in seiner Nach- mittagsrede mit Recht und in schärfster Form zurückgewiesen. Auch in französischen und englischen Delegationskreisen hat man diese willkürliche Hineinziehung des deutschen Staats- Oberhauptes als wenig taktvoll empfunden. Es wäre aber nicht objektiv, wollte man behaupten, daß diese undiplomatijche Erwähnung Hindenburgs ihren Eindruck bei weiten Kreisen vollkommen verfehlt habe. Denn für die Stellung Deutsch- lands in der Welt, selbst in den Augen seiner aufrichtigsten Freunde, ist dies ein wunder Punkt, der auf die ganze Pro- blematik der gegenwärtigen Zustände in Deutschland ein be- denkliches Licht wirft. Der Versuch Zaleskis, gewissermaßen als Retourkutsche, die Lage der polnischen Minderheiten in Deutschland in den schwärzesten Farben zu malen, war zu erwarten. Er ist vollkommen mißglückt. Es war für Dr. Curtius ein leichtes, in seiner Replik am Nachmittag diese Gegenklage eindrucksvoll zu widerlegen. In der zweiten Rede hat er an Hand der ausgezeichneten Denkschrift des Deutschen Volksbvndes für Oberschlesien den Wahlterror noch stärker unterstreichen können als am Vormittag. Mag die Replik etwas zu lang und mit manchen überflüssigen Einzelheiten beschwert gewesen sein, sie konnte die Wirkung nur verstärken. Zaleski konnte diesen Ausführungen nichts entgegensetzen. Was wird nun geschehen? Bestimmt formulierte Forderungen hat Dr. Curtius bisher nicht erhoben, wohl aber der Deutsche Volksbund, der am Schluß seiner Eingabe an den l Rat die Feststellung beantragt, daß die durch die Genfer Kon- Haushaltsausschuß aufgeflogen. Grobe Parteilichkeit des nationalsozialistischen Vorflhenden. l Am Tienstagnachmittag kam es im Haushaltsaus- scßust des Reichstags bei der Beratung des Etats des Reichsjustizministeriums infolge der Parteiischen Ge- schästsführung des stellvertretende» Vorsttzeudeo, des Abg. Reinhardt sNatsoz.) zu einem schweren Kon- f l i k t, iu dessen Verlauf die Sitzung aufflog. » Abg. Bosenfeld führte als Sprecher der Sozialdemokratie v. a. aus, daß sich in der r« i ch s g« r i ch t l i ch e n Rechtsprechung zum Hochverrat bisher trotz aller Kritik nichts geändert habe. Endlich habe man einmal einen Prozeß wegen nationalsoziatlftischer hochoerrätcrischer Betätigung eingeleitet. Aber wie ganz anders habe sich dieser Prozeß abgespielt als die üblichen Hochveratsprozesse gegen Kommunisten. Zunächst habe man die Zahl der Angeklagten auf drei beschränkt. Diese drei, man möchte sagen, unglücklichen Offiziere seien doch offensichtliche Werkzeuge in den Händen von Drahtziehern der Nationalsozialistischen Partei. In diesem Prozeß seien selbst des Hochverrats Verdächtige als Zeugen vernommen worden. Der Höhepunkt sei gewesen, als man dem H o ch o e r- rä t c r Hitler das große Wort gestattet habe. (Zuruf von nationalsozialistischer Seile:„Das wird Ihnen teuer zu stehen kommen.") Abg. Biedermann:„was soll das heißen?" Das feien die üblichen Drohungen, die man schon gewohnt sei und über die man sich schon gar nicht mehr aufrege. Mit fast der- selben Begründung wie in den üblichen Kommunistenprozessep könne man ohne weiteres auch Nationalsozialisten oerurteilen, weii deren aufreizende Redewendungen noch schärfer seien als die der Kommunisten. Trotzdem geschehe nichts. Auch dem Herrn Goebbels nicht,. der erst vor wenigen Tagen, wenn auch in versteckter Form, zu Gewalttätigkeiten aufgefordert habe. Es zeuge nicht von beson- derem Mute, wenn Goebbels feine Aufforderung zur Gewalttätig- keit in die Form gekleidet habe, er fordere zwar niemanden auf, aber er könne auch nicht kontrollieren, was geschehe. Auch die Recht- sprechung in Landesverratssachen zu beklagen. Der Fall Bull er- j a h n sei noch nicht geklärt. Beim Reichsgericht scheine sich weder innerlich noch äußerlich etwas geändert zu haben. Der nationalsozialistische Abg. Schwarz-Memmingen nannte Rosenseid einen marxistischen Juden, der einer Partei angehöre, die seit Jahrzehnten systematisch Hoch- oerrat gegen das Deutsche Reich betrieben habe, wie das schon in den verschiedensten Prozessen sestgestellt worden sei. Ein parteiischer Vorsitzender. Als der Vorsitzende nicht einschritt, wurde ihm von dem sozial- demokratischen Abg. Roßmann zugerufen:„hören Sie denn gar nicht? wissen Sie nicht, was Ihre Pflicht als Vorsitzender ist?" Als Reinhardt wieder nicht reagierte, bezeichnete Rohmann die Ausführungen von Schwarz als Verleumdung. Abg. Keil(Soz.) fragte zur Geschäftsordnung den Borsitzenden, warum er den Abg. Schwarz wegen seiner Beleidigungen nicht zur Ordnung gerufen hätte, die darin bestandeil hätten, daß er den Abg. Dr. Rosenseid beschimpfenderweise einen marxistischen Juden genannt habe und der Sozialdemokratischen Partei vorgeworfen habe, daß sie plann, äßig fahrzehntelang Hochverrat getrieben habe. Vorsitzender Abg. Reinhardt(Raffoz.) erwidert, diese Beleidi- gungen seien erst die Folge der Beleidigung des Parteiführers Adolf Hiller durch Afeg. Dr. Rosenfeld gewesen. Abg. Landsbecg(Soz.): Adolf Hiller ist kein Reichstag sab ge- ordmter! Vorsitzender Reinhardt: Da» ist gleichgüllig. wer Adolf Hitler beleidigt, beleidigt uns. Abg. Seil(Soz.) fragt noch einmal, ob ein Ordnungsruf an den nationatsozialistischen Beleidiger erfolgen solle. Borsitzender Reinhardt: Nach dem Gesagten sehe ich hierzlu keinen Anlaß. Die Gozialdemokraien verlassen den Saal. Abg. Seil(Soz.) erklärt hierauf, daß die sozialdemokratischen Au»schllßm>tglieder unter diesem Vorsitzenden nicht mehr tagen und den Saal verlassen würden. Die sozialdemokratischen Mitglieder verließen darauf den Saal. Nunmehr versuchte Abg. Dr. Gerecke(Landvolk) dem Borsitzen- den eine Brücke zu bauen. Er führte aus, daß es sich hier um«inen Porollelfall zu den, Vorfall im Auswärtigen Ausschuß handele und daß der Vorsitzende doch auch die sozialdemokratischen Zwischenrufcr mit Ordnungsrufen belegen müsse, die auf die Beleidigung des natio- nalsoziolistischen Abg. Schwarz mit Beleidigungen geantwortet Hütten. Abg. Schelter(Z.) und Abg. Slöcker(Komm.) erklärten, daß ihre Fraktionen die Ausschußverhandlungen nicht mehr mitmachen wollten. Abg. Cremer(Dp.) erklärte nunmehr, daß sich der Vorsitzende einer so gröblichen Verletzung der ihm obliegenden Pflichten als objcttiver Vorsitzender schuldig gemacht habe, daß seine Freunde genötigt seien, sich den Erklärungen der Vertreter des Zentrums anzuschließen. hierauf ruft der Vorsitzende, Abg. Reinhardt(Rat.-Soz.), den Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.). den Abg. Roh mann(Soz.) und den Abg. Schwarz(Rat.- Soz.) zur Ordnung. Auch der Abg. Dr. t ö w e n t h a l(komm.) erhielt wegen einer Veleldi- gung Hitlers(!) einen Ordnungsruf vom Vorsitzenden. Ein Vertreter der Wirtschaftspartei ersucht nunmehr den Vorsitzenden, der sozialdemokratischen Fraktion niitzuteilen, daß der Abg. Schwarz zur Ordnung gerufen worden sei und daß die Be- ratungen fortgesetzt werden könnten. Es wurde eine Pause von 3 Minuten verabredet, um festzu- stellen, ob die Sozialdemokraten in den Ausschuß zurückkehrten. Nach Ablauf dieser 5 Minuten stellte sich heraus, daß die Sozial- demokraten es ablehnen, unter dem national- sozialistischen Vorsitzenden weiter zu tagen. Abg. wegmann(Z.) stellte den Antrag, die Sitzung ab zu- brechen und die Beratungen am Donnerstag vormittag sortzu- setzen. In der Abstimmung hierüber stimmten die Nationalsozialisten, die Christtich-Sozialen, das Landvolk und die Kommunisten gegen eine Vertagung, wodurch der Antrag mif Vertagung mit 13: 9 Stim- mcn abgelehnt wurde. Die Sitzung aufgeflogen. Als nunmehr der Vorsitzende die sachliche Beratung fortführen wollte, verliehen die Vertreter der Deutschen Volkspartei, des Zentrums. der Bayerischen volkepartei und der wirtschaslsparlei den Saal, so daß die Sitzung wegen Bcschlußunfählgkeit a gebrochen werden mußte. pcnfifln verbrieften Rechte der deutschen Minderheiten in Oberschlesien verletzt worden sind, ferner die Bestrafung der schuldigen Beamten zwecks Verhinderung ähnlicher Vor- commniffe und schließlich die Aufhebung der Sonderstellung der Aufständischen Verbände durch die polnische Regierung fordert. Zur allgemeinen und angenehmen Ueberraschung hat Zaleski sich am Schluß seiner sonst recht unerfreulichen Rede mit den Forderungen des Deutschen Voltsbundes im Prinzip einverstanden erklärt. Das allein bedeutet schon einen erheblichen moralischen Sieg der Ankläger. Deutschland kann natürlich nicht gut viel weiter gehen, als die deutsche Minderheit selbst, und deshalb machen die beut- schen Nationalisten aus ihrem Aerger über den Deutschen Volksbund kein Hehl, der ihren eigenen Scharfmachereien einen Riegel vorgeschoben hat. Dr. Curtius kann nur gewisse Garantien dafür fordern, daß die von Zaleski grund- sätzlich akzeptierten Forderungen des Deutschen Volksbundes tatsächlich erfüllt werden. Er dürste auch versuchen, einen Beschluß des Rates zu erwirken, der sich speziell gegen den Hauptverantwortlichen, gegen den Wojwoden Graczynsti, wendet. Solche Forderung ist gerecht, und wir müssen sie unterstützen. Denn es ist klar, daß kein wahrer Friede in Oberschlesien wiederkehren kann, solange dieser be- amtete Bandenhäuptling seines Amtes waltet. Ob ein solcher formeller Beschluß erreicht werden kann, erscheint allerdings all denen zweifelhaft, die mit den Methoden des Vd'lkerbundsrates vertraut sind. Ltnd das war Reichswehrgeneral! Kaum pensioniert, schon Stahlhelm /uhrer und schwätzt Unsinn Auf der Stahlhelmfeier in Celle am 18. Januar hielt der Führer des Landesverbandes Hannover des Stahlhelm, Ge- neralleutnant von Henning auf Schönhoss, eine Rede, aus der die stahlhelmfreundliche„Cellesche Zeitung" folgendes berichtet: Zwei Silberstreifen gebe es am politischen Hünmcl Deutsch» lands. Der erste ist der wirtschaftlich« Zusammen- bruch der Rand st aalen, vor allem Polens und Rumäniens. Dann aber auch die Wirtschastskrise in England, Frankreich, jq neuerdings auch in Anierita. was den Feind schädigt, komme uns zugute. Der zweit« Silberstreifen sei der mächtige Aufschwung, den die national« Rechte genommen hat. In der Zukunft werde es nur zwei Parteien geben: die nationale Rechte und die Kommunisten. Alles, was zwischen beiden Fronten steht, wird zerrieben. Der Stahlhelm aber steht über den heutigen Rechtsparteien, er ist dos Bindeglied zwischen ihnen. Die Frontstellung ist klar vorgezeigt. Sie geht gegen den > Marxismus und seine politische Festung, das Preußenkabinetl: dann aber auch gegen das Kabinett Brüning, da es zur Gefolgschaft des Marxismus gehöre. Die politische Lage ist ernst. Eine Linksdiktaiur liege nicht im Bereich der Unmöglichkeit. Sie bedeute aber den Bürgerkrieg. Wenn die roze Fahne auf der Straß« weht, muß der Stahlhelm mar- schieren. Ein« andere Möglichkeit, und diese muß man erhoffen, ist die Rechte-diktatur. Rar hierdurch wird der Bürgerkrieg vor. mieden.■-. (Segen hunderttausend Mann Reichswehr, anderthalb Millionen S-kohthelmer und sechs Millionen Rationalsozlallsten wird sich auf der Linken kein widerstand erheben. Heut« hallen wir ein« Diktatur des Brüning-Kabinetts; daß diese noch einmal durch eine parlamentarische Regierung abgelöst wird, sei ausgeschlossen. Bei der tomnienden Diktatur werde es sich also nur darum handeln, ob sie van rechts oder links kommt. Wirtschasllüh erstrebt der Stahlhelm die nationale Wirtschaft, d. h. ein Zurückschrauben der Uebermdustrialisierung und ein« Rückkehr zum Agrarstaat. Sein politisches Ziel ist die Abkehr von der Erfüllungs-, der Knecht- schaftLpolitll, mithin die Befreiung Deutschlands. Ist Deutschland aber frei, dann werde auch die im Rhein versunkene Kaiserkrone wieder gehoben werden. Für jeden Stahlhelmer gelte nach wie vor der seinem König geleistete Fahneneid. Dieser Mann, der in seiner Phantasie die Reichswehr mit Stahlhelm und Nationalsozialisten gemeinsam aufmar- schieren läßt, war bis vor zwei Jahren Generalleutnant in der Reichswehr und Kommandeur der 1. Kavalleriedivision Frankfurt a. d. O. lieber die moralische Seite der Angelegenheit— daß ein Mann von solcher Gesinnung es fertig bringt, gegen Lohn der Republik seine Dienste zur Verfügung zu stellen— wollen wir uns nicht weiter auslassen. Hier ist offenbar ein so großer Unterschied der Begriffe von Ehre vorhanden, daß eine Auseinandersetzung zwecklos ist. Was uns ober wirtlich erschüttert, das ist dos i n- tellektuelle Niveau dieser Rede eines Reichswehr- generals a. D. Hier ist doch die Grenze, die Politik und Schwachsinn von einander trennt, schon um mehr als Kilometerweite überschritten. Es ergibt sich also die Frage, wie lange man mit einem solchen geistigen Habitus noch einer der höchsten Generale unserer Armee bleiben kann. Oer Krach in der Wirtschastspartei. Die sächsischen Abgeordneten für Drewitz. Die sächsischen Reichstagsab geordneten der Wirt- schaftspartei teilen mit, daß sie f e st„z u de r g e g e n w ä r t i- gen Parteileitung halten" und es sich bei den Disferenzen zwischen der sächsischen Wirtschaftspartei und der Parteileitung in Berlin um ein Vorgehen der Parteibürokratie in Sachsen handle. Im Gegensatz zu der obigen Feststellung, die das D u r ch c i n- ander in de r� Wirtschaftspartei noch weit größer er- scheinen läßt, als man bisher angenommen hat, erklärt der Abg. C o- l d s s c r und Antipode des Herrn Drewitz, daß Ende der Woehe an einem Ort außerhalb Berlins ein« große politische Besprechung zahlreicher führender Persönlichkeiten der Wirtschaftspartei mit den sächsischen Dissidenten stattfinden werde. In der Sitzung werde man sich über die weitere Stellungnahme zur Parteiführung des S)orrn Drewitz schlüssig werden. Europa-Manifest an die Völker. Gegen Kriegslärm und Wirtschastsstörung. Genf, 21. Januar.(Eigenbericht.) Die Europa- Sommission hat am Mittwochabend ihre Veratungen mit einer großea politische» Seusatioo a b g e s ch l o s s e u: Aus Vorschlag von England, Deulschlaud, Italien und Frankreich nahm die Kommission einstimmig unier stärkstem Beifall folgendes Manifest an die Völker Europas an: „Wir haben während der letzten Tage die Probleme studiert /und beraten, die sich unsere Regierungen stellen, und es wurde uns völlig klar, daß eines der Hindernisse für den wirtschaftlichen Wiederausbau der Mangel an Vertrauen in die Zu- , tun st ist, der von der Angst. herrührt, welche, die politische Si- tuotion beherrscht. Diese Angst wurde�gesleigert durch gewiss? Gerüchte, die von unverantwortlichen Stellen kamen, über die Möglichkeit eines internationalen Krieges. Wir erkennen an. daß augenblicklich in Europa politische Schwierigkeiten bestehen und daß sie noch vermehrt werden durch die Unsicherheit und das wirt- jchastliche Unbehagen, die von der allgemeinen Krise herrühren. Das beste, was wir zur Besserung der wirtschaftlichen Situotton tun können, ist, nicht on der Sicherheit und Zuver- lässigkeitdes Friedens in Europa zweifeln zu lassen. In unserer Eigenschaft als Außenminister und verantwortliche Vertreter der europäischen Staaten fühlen wir uns verpflichtet zu erklären, daß wir in ehr als je entschlossen sind, un» der Einrichtungen des Völkerbundes zu bedienen, um jeden Rück- griff auf gewaltsame Entscheidungen zu ver- meide n." Der Ausschuß nahm dann noch den Bericht des dänischen Außen- Ministers entgegen, der einen schriftlichen Meinungsaustausch zwischen den Regierungen über die vertagten Tagesordnungspunkte bis zur Mottagimg atiregte. Ferner beantragte er die Bildung eines Unterausschusses zur Vorbereitung der methodischen Behandlung dieser politischen Fragen auf der nächsten Tagung. Brian d schlug vor- die Organisationslommission recht groß zu bilden und nach Sachgebieten aufzuteilen. Als Mitglieder wurden einstimmig gewähll: Deutschland, England. Frankreich. Griechenland. Polen, Italien, Spanien, Jugoslawien, Portugal, die Schweiz, Finn- land und Dänemark. Auf Vorschlag Briarids wurde die vom Rc- daktionskomitee vorgelegte Entschließung«instinrnviz angenommen. Sie besagt, daß in kürzester Zeit die Sachverständigen der interessierten europäischen Staaten zu einer Konferenz über die Agrarkrise zusammentreten und besonders die Unterbringung der Ueberschüsie an Getreide beraten sollen. Außerdem soll eine neue Studienkommission hie Agrarkreditfrage für die kommenden Ernten beraten. Schließlich wird ein Zollkomitee gebildet werden, das die Wirtschaftskommission über den Zollwafsenstillstand mög- iichst bald zu seiner Annahm« reif machen sollte. Bricnd schloß die Sitzung mit dem Hinweis, daß eine nützlich? Arbeit geschassen würde. Mit starkem Beifall dantt-n ihm Henderson und Motto unter Hervorhebung der Bedeutung der erfolgten Friedensmanisestation für die Völker Europas. Eine Anregung von Henderson. V. Leti. Genf, LI. Januar. Die gemeinsame Erklärung von Henderson, Briand, Curtius und Grandi, die sich scharf gegen jede Kricgspanit wendet und das un- «rschiitterliche Festhalten an der Völkerbundspolitik verkündet, ist auf die Initiative Hendersons zurückzuführen. Die führenden englischen Finanz- und Wirtschastskreis« sollen darauf gedrängt haben, daß eine solche demonstrative Geste der vier Großmächte erfolge, weil der K r i e g s l ä r m. der sich feit den Reichstagswahlen in ganz Europa gesteigert hat, einen katastrophalen Einfluß auf die gesamte Welt- Wirtschaft ausübe. Polen gibt Vertragsverletzung zu. Oie AusstänHjschen-Organisaiion muß weg! Labovr in der Minderheit. Im Unterhaus blieb die Regierung .bei Jier Abstimmung über einen Nachtrag zum Schulgesetz mit 33 Stimmen in der Minderheit. Ministerpräsident Macdonald gab stdoch bekannt, daß das Kabinett der Angelegenheit keine entscheidende Bedeutung beimesse. Genf. 21. Januar. Der polnische Außenminister Zaleski antwortete aus die Rede des deutschen Außenministers folgendes: „Die Reden des Ministers Treoiranus hätten in Polen eine ungeheure Erregung hervorgerufen. Solch« Er- klärungen, wie sie Dr. Eurtius über die deutschen Absichten aus polnisches Gebiet abgegeben habe, müßten die Beziehungen der Länder sehr verschärfen und den Minoritäten abträglich sein. Seine Regierung bestreite nicht eine gewisse Anzahl von Gewaltakten, aber die Schuldigen seien den Gerichten ausgeliefert worden. Auch die schuldigen Beamten seien bestraft. Der Wahlkampf Hi Polen sei gewiß �ehr hart gewesen, aber nicht schlimmer als in anderen Länderti'ib letzter' Zell. Mehr als 300 Versammlungen der deutschen Minderheit wären ruh ig verlaufen. In Deutschland hätte es bei den Septem d erwählen viel Auffuhr und auch Tot« gegeben. Dt« Toten in Oberschlesien gehörten der Mehrheit an. Von SSO angesiilhrten Emzelfällen des deutschen BolkSbundes seien niel« schon gerichtlich gesühnt. Die deutsch« Regierung Hab« in einer Not« 30 000 Streichungen au» Wahllisten erwähnt. Der Volksbund habe das nicht wiederholt und wirtlich seien nur 4800 zu oerzeichnen. An diesem Indiz könne man die übrigen deutschon Be- schuldigungen ermessen. Die Minderheit selbst habe sich ja auch ver- trauensooll an die polnischen Gerichte gewandt. Obwohl ihr Patrio- tismus sehr stark sei, bilde die Jnsurgentenorganisation keine polittsch« Gruppe, sondern es feien ehemalige Kriegsteilnehmer. Herr Eurtius habe in Deutschland genug zu tun, wenn er sich mit den gleichen Taten des Stahlhelms befasien wolle. Wenn auf den polnischen Stach die ganze Schuld für alle Taten der Insurgenten fallen sollte, weil der Wojewode von Oberschlesten deren Ehrenvor- sitzender sei, so müsse auch auf Deutschland alle Schuld sür die Taten des Stahlhelm geladen werden, dessen Ehrenvorsitzender sogar der Präsident der Republik sei. Die Klage des Volksbundes nehme er insgesamt im Prinzip an. Die M i nd e r h e i t e nv e r- träge seien tatsächlich verletzt worden. Er versichere aber dem Rat, daß die Schuldigen destraff und die Fehden wiedergutgemacht würden und so die friedliche Zu- sannnenarbeit für all« Einwohner Polens garantiert fei. Die polnische Regierung werde alles tun, um die Rechte der deutschen Minder- heiten künftig zu schützen. In der Nachmittagssiizung wandte sich Dr. Eurtius gegen den polnischen Außenminister Zaleski. Der Rückgang der deutschen Stimmen in den einzelnen Gebieten sei nur durch die Terrorakte während der Wahlzeit zu erklären. Bis zum Mai 1930 hätten die deutschen Stimmen ständig zugenommen und seien dann init eineinmal zurückgegangen. Der Völkerbund sei verpflichtet, dieses Verfahren zu untersuchen. Ausländische Korrespondenten hätten die Lag« in Oberschlesten gesehen und seien zu erschreckenden Ergebnissen gelangt. Dr. Curtius verwies ans einen Artikel in der englischen Zeitung„Observer", worin festgestellt wird, daß in Ober- schlcsten Verbrechen begangen worden sind. Es feien Strafverfahren eingeleitet worden: damit könne sich aber die deutsch« Regierung nicht begnügen. Wichtig sei es. die Zusammenhänge zwischen den Behörden, der Polizei und den Ausständischen näher aufzuklären, und dieses müsse durch eine Untersuchung des völkerbundsroles geschehen. Der polnische Außenminister habe heute morgen den Stahlhelm mit dem Ausständischenverband verglichen. Der Stahlhelm sei keine Aus- ständischenorganisation, nicht militärisch organisiert, und er begehe keine Gewalttaten gegen andere. Die Aufständischenorgani- sattonen seien dagegen militärisch organisiert und hielten militärische Hebungen und Manöver ab. Dr. Curtius zitierte sodann eine Reihe von Wahl ausrufen des Aufständischenverbandes als Beleg für dessen terroristische Haltung. Der Äufftändischetlverband bedeute eine dauernde Bedrohung für das Leben der Bevölkerung. Kennzeichnend für die Rolle des Wojewode» G r a c zy n s k i sei eine Rede, die er am 17. November 1928 gehalten habe, und aus der kirr hervorgehe. daß Graczynski das geistige Haupt der Ausständischenorgani- satton sei. Dr. Curtius.erwähnt« dann verschiedei!« Beispiel«, um zu zeigen, wie gerade der Wojewode Graczynski wirtschaftlich« Druck- nnttel zu seiner Entdeutschungsmcrhode benutze. Er nannte u. a. die Fäll« Pleß, Kallenborn und Pitfch. Er weife es mit Empörung zu- rück, daß der polnische Außenminister den Wosewoden Graczynsti mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg in einem Atemzuge ge- nannt Hab«. Es sei verwerflich, Graczynski mit Hindenburg zu vergleichen, dessen Dercnrtwormngsgefühl und Gerechtigkeitssinn allgemein bekanm sei. Es fei eine gute Gepflogenheit in den parla- mentarischen Ländern, das Staatsoberhaupt nicht in die Debatte zu ziehen und er möchte wünschen, daß diese Gepflogenheit auch im Völkerbund gelte. Was die von Zaleski angegebene Zählung über die polnischen Minderheilenschulen in veukschland o.ngeh«. so seien allerdings SI Schulen der polnisch«» Minderheit i» D�ttchland vorhanden. Von diesen würden adtr nür 28 benutzt: 23 stunden leer, weit die Eltern es vorziehen, ihre Kinder in di« deutschen Schulen zu schick««. Was die polnischen Fragen angehe, so Hab« die Minderhettenbeschwerdc der deutschen Regierung keinen Anlaß gegeben, dies« Fragen auszuwerfen. Er betrachte e» aber als Feigheit, wenn er nicht bei dieser Gelegenheit dargelegt hätte, w-ie das �deutsche Volk über die Ostfrag« denkt. Er wiederhole aber seine heutige Erklärung, daß das deutsch« Volk seine politischen Ziele nur auf friedlichem Wege und aus dem Vertragsboden zu erreichen strebe. Zu den Schlußfolgerungen übergehend erklärte Dr. Curtius, er habe mit Genugtuung festgestellt, daß der polnisch« Außenminister eine Verletzung der Bestimmungen der Artikel 75 und 83 der Genfer Konvention zugegeben habe, daß eine Reihe von Verfahren ein- gekettet seien und daß beabsichtigt sei, Schadenersatz und Sühn« zu leisten. Aber das genüge nicht. Es müsse auch für die Zukunft ge- sorgt werden, daß solche Dinge sich nicht wiederholen. An der Frage der Ausständischenorganisalion und ihrem Zu- sammenhang mit den Behörden köuuc man nicht vorübergeheu. Der Völkerbundsrat müsse zu diesen Dingen Stellung nehmen, denil er sei der Hort der Minderheiten. In einer kurzen Entgegnung meinte Zaleski, die deutsche» Minderheiten hätten ja die Möglichkeit, sich an den obersten polni- schen Gerichtshof zu wenden, wenn sie glaubten, daß fhne» während der Wahl Unrecht geschehen sei. Als Beweis für die an- gebliche minderheitenseindliche Haltung der deutschen Behörden führt« Zaleski eine Entscheidung des Breslauer Derwattungsgerichts vom 4. Oktober 1923 an, worin dem„«chulverein für Nieder- s ch l e s i e n" die Errichtung von polnischen Minderheit« ni'chulen untersagt worden sei. Zaleski mutzke sich allerdings durch einen Zwischenruf von Dr. Curtius belehren lassen, daß diese Entscheidung van der nächsthöheren Verwaltungsstelle sofort ausgehoben worden ist. Nach den Ausführungen Zaleskis vertagte sich der Völkerbunds« rat aus Donnerstag früh 11 Uhr./ Kaschistenbeifall für Polen. Wo es darauf ankommt, läßt Rom Verlin im Stich. Rom. 21. Zanuar.(Eigenbericht.) Zu der für Deutschland wichtigen Frage des Schuhes der denk- schen Minderheiten in Voten findet die viel beachtele Genscr Zusammenarbeit zwischen Deuischlandund Italien augenscheinlich keinerlei Bestätigung So berichtet zwar der Chefredakteur de»„G i o r n a l e d' Z t a l l a" aus Genf spallenlang über die Genfer Debatte am Mittwoch, aber schon rein äußerlich ist den polnischen Argumenten Zaleskis fast der doppelte Raum eingeräumt wie der deutschen An- klage. Die Rede Curtius' wird als„ungehobelte und heftige An- Nage", die vo» Zaleski dagegen eine„glatte und energische Verteidi- gung" bezeichnet.' Die eifrige polnische Propagoudo in Zlalie« hat also offenbar ihre Mirkung getan. Daß Curtius das Probten, der Rechte drr nationalen Minderheiten auch allgemein aufgeworfen und den Schuh des völkerbundcs verlangt hat. be r ü h r t in Ztalien wegen der Minderheiten in Südtirol besonder» stark. Dezhalb neigt die Sympathie ganz offensichtlich den ErNärungcn der Pcleu zu. Mit einer Unterstützung durch Ztalien in dieser Frage scheint, auch wenn sie erstrebt würde, auf k c i n e n Fall zu rechnen zu sein. Der schamhafte Goebbels. Oer Schleier über die nicht vorhandene Vergangenheit. Der„Angriff" des Herrn Goebbels tobt über die Be- dingungen, die das Reichsbanner für eine Diskussion mit den Nationalsozialisten gestellt hat. Er nennt sie„unverschämte Bedingungen, die allein in ihrem Wortlaut so echt jüdisch , r e ch sind, daß jeder anständige Mensch es ablehnen muß, sich damit zu befassen". Da ist Herr Goebbels aus der Fassung geraten, so sehr, daß er seinen Parteifreunden dia Bedingungen unter- schlägt. Wir wissen, weshalb. Vor allem hat es ihm die Nr. 1 der Bedingungen angetan: „1. Sie stehen uns dafür ein, daß Herr Dr. Goebbels, der nie im Kriege war, sich nicht untersteht, über den Krieg etwas zu sagen." Herr Goebbels will seine Vergangenheit schamhaft zu- decken— nicht wegen dem, was darin zu finden ist, sondern vielmehr wegen dem, was man dort vergebens sucht! Es ivar schon schlimm genug, daß die Anhänger von Herrn Goebbels erfahren mußten, daß die belgischen Gefäng- nisse nicht zu seinen Erfahrungen gehören, und nun sollten sie auch noch hören, daß er nicht im Kriege war? Das Reichsbanner hat bei Herrn Goebbels genau den Punkt getroffen, an dem er schamhaft ist! Sie wissen nicht, was sie schreiben. Tlationassozialist Frank gegen Nationalsozialist Rosenberg. Der Strafrechtsausschuß des Reichstages besprach gestern einen sozialdemokratischen Antrag, nach dein Lebensgeiährten, die im eheähnlichen Verhältnis leben, als Angehörig« ang.sehsn werden sollen. Der sozialdemokratisch« Antrag wurde ab- gelehnt Vor der Abstimmung entstand eine lebhafte Debatte aber das Thema Konkubinat und Ehe, in der die Grundsatzlosigkeit der Ztationalsozialisten wieder einmal scharf hervortrat. Der nationalsozialistische Abgeordnete Frank sprach gegen den sozialdemokratischen Antrag. Die Ehe gelte als cm heiliges Sakrament und es dürfe ihr deshalb ein bloßes Zu- sammenleben zweier Menschen nicht gleichgestellt werden. Genosse Dr. H ö g n e r machte nun Herrn Frank darauf aufmerksam, daß er sich im Widerspruch zu einer Schrift seines Partei- und Fraktionskollegen Rosenberg bestnde. Rosinberg habe ausgeführt, daß die Germanen die abendländische Welt nur hä.ten erobern können, weil sie mehr Frauen gehabt und deshalb mehr Kinder erzeugt hätten. Man müsse an die zahllosen Frauen denken, die keinen Mann bekommen und denen man nicht zumuten dürfe, alte Jungfern zu werden. Während Herr Frank sich als Hüter der Ehe ausspiel«, denke Herr Rosenberg über die Ehe und das Zusammenleben außer der Che ganz anders. Herrn Frank war diese Feststellung sehr unangenehm. Er versuchte durch Zwischenrufe die Nichtigkeit der von Hägner vor- velragenen Zitate zu bestreiten, mußte jedoch später zugeben, daß Högner das Buch von Rosenberg durchaus richtig - i t i e r t habe. Er müsse allerdings gestehen, bäß er das Buch selbst nicht gelesen habe. Da da» Buch Rosenbergs aber '«ms parteiamtlich« Verlautbarung- fei, fet es für ihn nicht mäh. gebend! Selbstverständlich wurde Herr Frank von den folgenden sozial« demokratischen Rednern auf sein« wundervollen Geständnisse ge- bhhrend festgenagelt. Bersammlungsskandal in Weimar. Hakenkrevztrommler gegen den Reichstagspräsidenien. Weimar. 21. Januar. Reichstagepräsident L ö b s sprach am Dienstag in Weimar in zwei sozialdemkratischen Massenversammlungen. Im Kolonialheim, wo der Reichstagsprästdent zuerst sprach,«er- suchten die Nationalsozialisten unter Führung des thüringischen Gauleiters und Führers der Landtagsfrattion, S a u ck e l, durch Trommelwirbel, Gebrüll und Schlagen gegen die Tür des Versa m nilungslokals sowie durch Ausstellung eines � Tromm! er korps im Keller unter dem Saal die Versammlung unmöglich zu machen. Die Polizei verhielt sich völlig untätig, und als schließlich auf energisches Verlangen der Versammlungsleitung ein Polizeibeamter sich ins Nebenzimmer begab, wo die nationalistische Meute wie wilde Vsstien hausten, wurde dieser Beamte Fricks mit einem mörderischen Geheul empfangen. Die Stimmung unter den etwa KKK) Versamnllungsbesuchern stieg bis zur Siedehitze, und nur der'Autorität Lobes und der des Versammlungsleiters ist es zu danken, daß es nicht zu einem Ausbruch kam. Lobe setzte sich auch ohne Polizei durch, als er seinen Zuhörern '(igte, die nebenan tobende Horde seien die Leute, die angeblich die sittliche Erneuerung Deutschlands anstreben, und darum müsse der Sieg auf der Seite der republikanischen Massen sein. Gtudenientrawall in Heidelberg. Polizeiverstärkungen von auswärts notwendig. Heidelberg. 2l. Januar.(Eigenbericht.) Am Mittwochnachmiltag kam es zu einem großen Studenten- lrawall auf dein Universttälsplatz. Die Polizei bemüht« sich vcr- geben» um die Räumung. Als sie Verstärkung von auswärts zu- gezogen hatte, ging sie gegen die Studenten vor, die auf die Poll- z sten einschlugen. Schließlich wurde der Platz geräumt. Macdonald rundfunkgestöri. Von der Station Mühlacker. London, 21. Januar.(Eigenbericht.) Am Dienstagabend sprach Ministerpräsident Macdonald im Londoner Rundfunk über die Ergebnisse der englischändischen Konferenz. Am Mittwoch wurde von der englischen Presse Klage d: rüber geführt, daß diese Rede von der deutschen Sende- station Mühlacker empfindlich gestört worden sei. Stellen- weise wäre es dadurch unmöglich gewesen, Macdonald zu ver- j'.ehen. Als der Ministerpräsident die künstige Selbstverwallung Indiens berührt habe, sei in deutscher Sprache dazwischengerufen worden:„Ich glaube es nicht". Ludendorffs„Eslein- streck- dich!" Krage: Wer ist hier der Esel? Skandal um die Osthilfe. Schwere Angriffe gegen den Generallandschastsdirekior Herrn von Hippel. Muffehls Mcktrittsgesuch. Während das Reichskabinell noch das neue Osthilfegesetz berät, ist die Rücktrittsaffär« des Ministerialrats M u s s e h l, des Leiters der Landstelle Königsberg, zum Ausgangspunkt eines Skan- dals geworden,. in dessen Mittelpunkt die O st p r e u ß i s ch e Generallands chajt und ihr Leiter Herr von Hippel stehen. Die Afsäre ist jetzt zum Skandal geworden durch sehr schwer« Anschuldigungen, die in der bürgerlichen„K ä n i g s b e r g e r Hartungschen Zeitung" gegen Herrn von Hippel erhoben werden. Das Oeschäftsgebaeen der ostpreußischen General- landschastshirektion ist danach von machtpolitischen Gründen be- cmslußt. Es wird der Nachweis geführt, daß die Generallandschast aus Umwegen einen beträchtlichen Teil der gewährten Osthilsemiklel zur eigenen Stärkung, aus kosten der privaten und öffentlichen Gläubiger der nmgeschuldetrn Belriebe benutzt. Ungefähr 40 Proz. der gewahrten Umschuldungthypothelen gingen auf dies« Weise bei den uinzeschuldeten und landschaftlich bolieheneN Betrieben zusätzlich verloren. Entweder würden dadurch die nach- «ingetrogenen Gläubiger oder Reich. Staat urtd Provinz auf das schwerste geschadigt Da ungefähr 2b Millionen Mark Umschuldungs. Hypotheken gefährdet seien, so bedeute ein« solche Verlusterhöhung «inen gewaltigen Aussall auch für die beteiligten estpreußischen Wirtschaftekreise. Di«„Hartungsche Zeitung" wird dann gegen HerrnvonHippelsehrdeutiich. Es sei Herrn von Hippel dringend anzuraten, so schreibt sie, in diese Seite der Angelegenhell Mussehl endlich volles Licht zu bringen. Wer von erhöhter Stelle der Osthllfe Steine in den Weg werf«, müsse wenigstens den voll- gewichtigen Sauberkeitsbeweis dafür erbringen, daß es ihm bei solcher Hallung nicht um persönliche Macht, nicht um die Wahrung des Cliquenstandpunktes gehe. Diesen Beweis sei Herr von Hippel bisher schuldig geblieben. habe Herr von Hippel etwa zu scheuen,„daß bei der Durch- leuchtung de» Kreditstandes der ostpreußischen Landwirtschaft Vorwürfe gegen sein Geschäftsgebaren Bestätigung finden könnten"? Bei der sehr schwerwiegenden sachlichen Kritik der„Hartungschen Zeitung" handelt es sich gerade um jene Tatbestände, um derentwillen Herr Mussehl seinen Rücktrllt angeboten hat, weil er die Durch- iührung der Umschuldung für gefährdet erachtet. Die anders An- klage der„Hartungschen Zeitung" ist aber der denkbqr schwerste Vorwurf gegen die geschäftliche Sauberkell der Politik des Herrn von Hippel. Herr von Hippel hat nun eine Erklärung erlassen, in der er sagt, das von der Generallandschast angewendete Verfahren, um dessentwillen der Landstelle Müsse hl zurücktreten will, sei mit Herrn Treviranus, dem Leiter der Oststelle, im Dezember vorigen Jahres vereinbart worden. Auf.die gegen ihn er- hobenen sonstigen Vorwürfe geht er nicht ein. Wir stehen hier einmal vor der Tatsache, daß hohe Beamte der Oststelle von Herrn Treviranus ihren Abschied verlangen, wenn bestimmte Hemmungen nicht beseitigt werden, und zum airderen be- ruft sich Herr von Hippel auf Herrn Treviranus mit der Behauptung, daß diese Hemmungen mit der Osistelle vereinbart seien. Hier stimmt sehr vieles nicht. Hier ist eine sofortige Klärung not- wendig. Die gegen Herrn von Hippel aber erhobenen Vorwürfe zwangen zu der Forderung, daß das Geschäftsgebaren der General- landschaftsdirektion sofort einer scharfen öffentlichen Durchleuchtung ausgesetzt wird, weil sonst die Schäden für die Durchführung der Osthilf« nicht mehr abzusehen sind! Treviranus gegen Hippel. Zu der Prssseoeröffentlichung. in der die ostpreutzische Geverol- landschäftsdirektion zu dem Rücktrittsgesuch des Leiters der Land» stelle Königsberg, Ministerialrat Musieht, Stellung nimmt, wird durch die Ost stelle bei der Reichskanzlei folgendes nnt- geteilt: Es ist nicht zutreffend, daß im Dezember v. I. zwischen der Oststelle bei der Reichskanzlei und der Ostpreußischen Land- schaft ein Einverständnis über das von der Landschaft in Zwangs- »srsteigerungsiällen eingeschlagene Verfahren crziell ist. Richtig ist nur, daß Reichsminister Treviranus sich in Ver- Handlungen mit dem Generallandschaftsdirektor forlgesetzt bemüht hat, die Grundlage für eine Verständigung über die Zusammenarbeit zwischen Landstelle und Landschaft zu schaffen. Auf den persönlichen, vermittelnden Charakter dieser Berhand- langen ist der Esnerallandichaftsdircktor wiederholl hingewiesen worden.'Auch sind hierbei Vereinbarungen, die dos von der Land- schaft eingeschlagene, für das Räcktrittsgesuch des Ministerialrgts Mussehl maßgebliche Verhalten endgültig als berechtigt anerkennen, nicht getroffen worden. Im übrigen glaubt die Oststelle, bei der Roichskanzlei angesichts der Tatsachen, daß der schwebende Fragenkomplex in den nächsten Tagen Gegenstand erneuter Verhandlungen mit der ostpreußische» (Senerallandsclfaftsdirektion bilden wird, von einer Fortsetzung der Presseerortcrungen absehen zu sollen. �eichskabinett und Ofihilfe. Das Reichskabinett beschäfligle sich gestern nachmittag unter dem Vorsitz de» Reichskanzlers und in Anwesenheil de» preußischen Finanzministers und des Generaldirektors der Reichsbahn mit den Vorbereitungen des Entwurfs eines Gesetzes über die O st h l l f e. Die Beratungen werden fortgesetzt. Runzlauer Landfriedensbruchprozeß. Gefängnis für die Hauptangeklogten. Liegnih. 21. Januar.(Eigenbericht.) Jln BunzlauerLandfricdensbruchprozeß wurden am Mittwoch wegen Aufruhrs in Tateinheit mll Zusammenrottung die Angeklagten G o t t w a l d und Reimann zu je 2 Jahren Ge- fängniß, Starrmitz zu 3 Hahren Gefängnis, Sauer zu 10 Monaten Gefängnis und der Angeklagte Käse zu 9 Monaten Gesängnis verurteilt. Vier Angeklagte erhielten je 6 Monate Gefängnis unter Zubilligung einer dreijährigen Bewährungsfrist. Die Angeklagten Gottmald, Reimann und Starrmitz, i»ie Hmipträdelsführcr, wurden auf der Spelle verhaftet. Die Angeklagten hatten sich wegen der blutigen Zu- sammenstöße anläßlich einer kommunistischen Versammlung im vergangenen Jahre zu verantworten. Di«. �Zusammenstöße kosteten vier Menschen das Leben. Während der Beweisaufnahme fand das größte Interesse die Aussag« des Landrats Köhne, der in der Oeffenttichkeit viel- fach als derjenige bezeichnet worden war, der den Befehl zum Schießen gegeben habe. Er erklärt«, daß ereinensolchenBe- fehl nicht gegeben habe. Er sowohl wie der Oberlandjägcr- meister Äahlau hätten zweimal die Meng« gusgefordert, auseinander- zugehen uni> die Sieinwurfe zu unterlassen, weil sonst geschossen werden würde. Er sowohl wie die Polizeibeamten hätten das Ge. fühl gehabt, daß die Polizeikette gestürmt werden sollte. In diesem Augenblick habe sich jeder Beamte in Notwehr befunden und voll- kommen selbständig gehandelt. Die Aussagen des Landrats Köhne wurden von den beiden Leitern der Polizei, Oberlandjägermeistcr Kahlau und Polizeiinspeltor Mertens, bestätigt. Kahlau ist wahr- scheinlich auch der Beamte, der die ersten beiden Schüsse abgegeben hat, nachdem er von acht Steinen getroffen zusammenbrach. In der Begründung des Urteils nahm das Gericht den Stand- punkt ein, daß auf Grund der Zeugenaussagen sämtliche Angeklagten des Aufruhrs in Tateinheit mit Landsricdensbruch überführt sind. Die Haltung der Polizei, insbesondere auch des Landrats Köhne, sei in jeder Weise korrekt gewesen. t polnische Soldaten verlaufen sich. Oppeln. 21. Januar. Zu Blällermeldungen, wonach in der Nähe von R y b n i k eins an der Grenze übende polnische Jnfanterieabteilung die Grenze über- schritten hat, erfahren wir an zuständiger Stelle, daß die Grenzstber- schreitung tatsächlich stattgefunden hat, daß aber die Truppe, als sie von einem polnischen Zollbeamten darauf aufmerksam ge- macht wurde, daß sie sich auf deutschem Territorium befinde, sich sofort auf polnisches Territorium zurückbegeben hat. Zndustriegase haben in Belgien neue Beunrichigung verursacht. Im Industrieort Tilleur war die Lust nicht mehr zu atmen. Di« erschreckte Bevölkerung fürchtete eine neue Katastrophe und stürzte sich auf die Straße. Die Untersuchung erwies, daß es Zlmmoniakgas war aus einer Fabrik für chemische Dungmittel. Die Konkurse in 3lallen. Wie aus amtlichen Zusammen- stellungen ersichtlich ist, mjes dos Jahr 1930 allein in Mailand 2342 Konkurse aus gegenüber 19Z7 im Vorjahr. Von den letzt- jährigen Konkursfirmen hatten 1920 Passiven bis zu 100 000 Lire. 505 bis zu>» Million, 56 bis zu 1 Million und 61 über 1 Million. Das sind Rekordziffcrn. Abwehrkampf in der Konfektion. Llnerträglicher Lohndruck. Am Dienstag nahm die Arbeiterschaft der Berliner Herren-, Knaben- und Gummikonfcktion zur Kündigung der gesamten Lohn- und Arbeitsbedingungen Stellung. Ausgehend von der gegenwärtigen Wirtschaftslage und unter Berücksichtigung der besonderen wirtschaftlichen Verhällnisse in der Herrenkonfektion behandelt der Genosse Lehmann die durch den Arbeitgeberverband ausgesprochene Kündigung und die gleichzeitig von den Unternehmern gestellten Verschlechte- rungsanträge. Von den zur Zeit bestehenden unerträglichen niedri- gen Stundenlöhnen vj)n 8934 Pf. bis 102 Pf. verlangen die Konfektionäre einen Abbau von 15 proz.i Darüber hinaus wollen die Fabrikanten die im Reich-tarif fest- gelegten Stückzeiten gänzlich beseitigen oder im Even- tualsall in ungeheurem Maße reduzieren. Der Plan der Unternehmer sei, Schaffung eines neuen Stücklohn- tarifs, in dem der Lohn wieder, wie in der Vorkriegszeit, in Mark und' Pfennigen ausgedrückt werden soll. Nebenher läuft die Absicht der Unternehmer, die Zahl der Serien zu vermehren und deren Begrenzung zu beseitigem Ihr Ziel sei klar und eindeutig: Sie wollen die Willkür in der Entlohnung in ausgeprägtester Form von neuem aufrichten. Darüber hinaus sollen die sozialen Bestimmungen(Ferien) um 50 Proz. abgcbaok und in der textlichen Fassung so verschlechtert werden, daß von einem Recht der Arbeiterschaft wenig übrigbleibt. Anträge mit derselben Absicht sind von den Unternehmern gestellt für den Reichstarif der Zuschneider und in der G u m m i k o n s e l- tion. Im Anschluß daran erläuterte Genosse Lehmann die von der Ein Niesenkampf verhüiei. Metallfchievsspruch in Sachsen verbindlich. Der Reichsarbeitsminister hat am Mittwoch den S ch i e d s- spruch für die sächsische Metallindustrie für ver- kindlich erklärt, der eine Herabsetzung der Löhne für die Lohn- arbeiter um vier und für die Akkordarveiter um s ü n f Prozent bringt. Die Industriellen hatten gegen den Schiedsspruch Stellung ge- uomen, weil ihnen die Lohnsenkung noch nicht genügend hoch er- schien. Sie hatte» sogar ein Telegramm an den Reichskanzler gesandt, um durch schärfsten Druck die Verbindlichkeitserklärung zu ver- hindern. Sie wollten die Löhne noch mehr senken. Jedem Kenner mar von vornherein klar, daß ein Riesenkampf die Folge eines Zu- rückweichens der Regierung vor den sächsischen Metallindustriellen ge- wesen wäre. Die Hoffnung auf die KpO. And die„einbeitiiche Macht' der Christen. In der bürgerlichen Presse findet man in der letzten Zeit wiederholt Aeußerungen über die Folgen, die di«„neue" Taktik der KPD. für die freien Gewerkschaften haben müsse oder bereits habe. Der Versuch der KPD., dem Befehl von Moskau nachzu- kommen und einen eigenen Gewertfchaftsladcn aufzuziehen, wird schon als ein Erfolg für die KPD. gewertet. Die Tatfachen hätten die übereifrigen Verkünder des„Ab- ftieges" der freien Gewerkschaften eines anderen belehren müssen. Der Versuch der KPD., während des Lohnkoufliktes im Ruhr- gebiet und in Oberschlesien, das hel�t in Gebieten, wo die Kommunisten einen eingewurzelten Einfluß und eine große Wählerzahl haben, ist schmählich zusammengebrochen. In Berlin, im Brennpunkt der kommunistischen Agitation, hat die KPD. wohl in der Folge des Lohnkampfes, der vom Deutschen Metallarbeiterverband geführt worden ist, unter Auf- bietung aller ihrer agitatorischen Kräfte den Versuch gemacht, den Kampf weiterzuführen. Dieser Versuch ist aber kläglich g e- scheitert, und selbst die sogenannten Führer der RGO. im Sieniens-Konzern, wo ohne Abstimmung die Arbeit wieder aufgenommen wurde, haben sich den Teufel um die Parole der KPD. gekümmert. Der Schwindel von den Zehntausenden, die zu dem kommunistischen Metallarbeiterverband übergetreten seien, wird durch die Tatsache hinfällig, daß infolge des Streiks der Deutsche Metallarbeiterverband in Berlin 1800 Mitglieder ge- wonnen hat. Die Herausziehung der kommunistischen Radaumacher aus den freien Gewerkschaften durch die KPD. ist in der Tat nichts weniger als eine Schwächung der Gewerkschaften. Die sogenann- ten Sympathisierenden vollends denken nicht daran, den sicheren Hort einer freien Gewerkschaft gegen das Phrasengewäsch der Kommunisten zu vertauschen. Wenn man den bürgerlichen Blättern im allgemeinen bei ihrem Urteil zugute halten kann, daß sie die Arbeiterbewegung nur vom Hörensagen kennen, so berührt«s erheiternd, wenn der „D e u t s ch e", der als Organ der christlichen Gewerkschaften immerhin etwas mehr als die übrige' bürgerliche Presse von der Arbeiterbewegung weiß, in dieselbe Kerbe haut.„Der Deutsche" tut dabei freilich so, als täte ihm„der innere Niedergang der sozial- demokratischen Gewerkschaften zugunsten der Kommunisten" recht leid. Im Grunde hätten die Kommunisten mit ihrer Kritik der freien Gewerkschaften ja recht, meint„Der Deutsche". Diese Hiftsstellung der Christen zugunsten der Kommunisten ist ja nicht neu. Direkt ulkig aber nimmt es sich aus, wenn„Der Deutsche" verkündet, daß die christlichen Gewerkschaften jetzt die Führung in die Hand nehmen müßten, und daß sie„eine ein- h e i t l i ch e r e Macht als die sozialistischen Gewerkschaften" bildeien. Wir wollen den christlichen Gewerkschaften nicht unnötig weh tun. Aber abgesehen von dem Größenwahn, der sich hier auf- plustert, braucht man sich nur zu«rinnern, welche politischen Arbeiterschaft zu stelleudea Gegenanträge mit einem be- sonderen Hinweis auf die Tarifdurchführung und Lohnsicherung. Di« Diskussionsredner unterstrichen die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Referenten und wiesen mit be- sonderer Entrüstung auf die von den Unternehmern betriebene Serienschiebung und auf den von den Konfektionären bisher schon begangenen gewaltigen Lohnabbau hin. In der von der Organisationsleitung vorgelegten Eni- schließung, die gegen fünf(„revolutionäre") Stimmen an- genommen wurde, heißt es: „Gerade die Unternehmer der Herrenkonfektion können ihr Dasein nur fristen, wenn der Arbeiter soviel verdient, daß ihm auch noch etwas übrigbleibt, um Herrenkonfektionskleidungsstücke kaufen zu können. Nebenbei geben sie(die Unternehmer) sich nach außen hin sehr oft den Anschein, als wären sie die rückst htsvollsten und sozialsten Arbeitgeber. Dabei haben sie es bisher verstanden, durch ungeheure Serienschiebungen schon die Löhn« ihrer Arbeiter auf ein unerträgliches Maß herabzudrücken. Wenn sie nun iwch positive Anträge auf weitere Erniedrigungen der Lohneinkommen der Arbeitnehmer stellen, dann beweist das, daß die Unternehmer der Herrenkonfetckon eine Lohnpolitik treiben, wie sie die schlimm- sten Scharfmacher der Großindustrie bisher nicht gewagt haben. Die Versammelten sind sich deshalb der Schwere ihres jetzigen Kampfes durchaus bewußt und werden, um den'Unternehmerwünschen einen Damm entgegen- zusetzen, alles tun, die seitherige Kräftezersplitterung umzuändern in eine Sammlung für den Deutschen Bekleidungsarbeiterverband, damit eine Massenbewegung gegen die Absichten der Unternehmer zustande kommt. Von der Arbeiterschaft im allgemeinen erwarten die V�r- sammelten volle Unterstützung und Solidarität in dem ihnen jetzt aufgezwungenen Lohnkampf." Gegensätze in den chrsstlichen Gewerkschaften sich austoben können. Von den Nationalsozialisten angefangen, gibt es so z'em- lich alle politischen Schattierungen des politischen Kaleidoskops des Bürgertums innerhalb der christlichen Gewerkschaften. Und alle verlangen berücksichtigt zu werden. Ist es schon mit der„Macht" der christlichen Gewerkschaften eine eigene Sache, so hat uns die „Einheitlichkeit" in diesen tristen Zeiten endlich einmal eine heitere Viertelstunde bereitet. Die Kundgebung des AOV. Die Ursachen der Krise. Aus dem Reserat des Genossen Dr. B r a u n t h a l sei noch folgende interessante Feststellung nachgetragen: Man weise darauf hin, sagte Braunthal, daß auch in den Ver- einigten Staaten, dem Lande der hohen Löhne,' jetzt eine Wirtschaftkrise herrsche und schließe daraus, daß also auch hohe Löhne kein Schutz gegen die Krise seien. Woraus es aber ankomm« sei nicht so sehr die absolute Höhe der Löhne als vielmehr ihre Beziehung zum Produktionsertrag. Darüber gab Braunthal auf Grund amtlicher Feststellungen einige Zahlen. Während der amerikanische Lohnindex von 183 im Jahre 1921 auf 243 im Jahre 1327, seitdem aber nicht mehr gestiegen ist, sind die jährlichen Kapitalanlagen von 3744 Mil- lionen Dollar im Jahre 1926 auf die phantastische Ziffer von 8011 Millionen Dollar— 33 Milliarden Mark— im Jahre 1929 gestiegen. Also gerade in der Periode, in der die Löhne stabil blieben, ist eine außerordentlich« Steigerung der Kapi- talanlage, somit eine riesige Ausweitung der Produktionskapazitäten vor sich gegangen. Damit haben die stabil gebliebenen Löhne nicht gleichen Schritt gehalten. Die Wirtschaftskrise ist die Folge. In der Aussprache beleuchteten Lengersdorf und S t e t t e r vom Gesamtverband das von Braunthal behandelt« Problem von der entgegengesetzten Seite. Sie betonten, nur die Beschaffung von Ar- beit und Brot durch jede nur mögliche und praktisch irgendwie durchführbare Hilfsmaßnahme sichere Frieden und Freiheit, sei also die wirksamst« Waffe zur Abwehr des Faschismus. Lengersdorf kri- tisierte scharf die skandalöse, bewußt herbeigeführte Finanzverknap- puiig in den Gemeinden und die Lahmlegung der öffent- lichen Wirtschaft in der Arbeitsbeschaffung. Vor einem Jahr habe Stegerwald vor den Gewerkschaften große Worte gemacht und davon gesprochen, daß in Kürze für einig« hunderttausend Bau- arbeiter Arbeft beschafft werde. Nichts von allsdem sei eingetroffen. Von Gewerkschaften und Partei müsse unter allen Umstünden mehr Aktivität erwartet werden, damit den Verantwortlichen ein- geheizt werde. Der Druck des§ 48 werde immer nur gegen die Arbeiter angewandt, während Unternehmer und Nazis sich gegenseitig in die Hände arbetten könnten. Die Nazis rühmten sich bereits, daß die auf die Straße geworfenen Arbeiter nur mit ihrer Hilfe, das heißt also nicht durch die Arbeitsämter wieder Arbeit be- kommen. Gegen die systematische Diskreditierung der Republik könnten nur Taten helfen. Der Lohnabbau im Kuhrgewerbe. Geringe Milderung. Der Vergleichsoorfchlag des Gswerberats Körner zur Beilegung des Lohnkonflikts im Berliner Schwer- und Leichtfuhr- oewerbe ist auch von den Unternehmern abgelehnt wor- den. Im Gegensatz zu den Arbeitern haben sie den Vorschlag jedoch abgelehnt, weil ihnen die darin vorgesehene Herabsetzung der Wochen- löhne und sonstigen Vergütungen nicht weitgehend genug war. Gewerberat Körner hatte infolge der Ablehnung durch beide Parteien zu gestern nachmittag von Amts wegen S ch l i ch t u n g s- Verhandlungen angesetzt, die nach dreieinhalbstündiger Dauer mit der Fällung eines Schiedsspruches endeten, der im wefent- lichen folgendes besagt: Die Löhne der Chauffeure im Schwerfuhrgewerb« werden ab 17. Januar von 67 Mark auf 64 Mark, ab 21. März auf 61.50 Mark reduziert, statt auf 61 Mark, wie es der Vergleichs- Vorschlag vorsah. Der Lohnabbau bei den Chauffeuren und Kutschern wi Leichtfuhrgewerbe sowie bei den Kutschern im Schwerfuhr- g e w e r b e bleibt im Endeffekt der gleiche wie im Vergle'.chsvor- schlag. Dagegen ist die im Vergleichsvorschlag enthaltene Reduzierung der Vergütung für die P f e r de p f l e g e an den Wochentagen dahin gemildert worden, daß sie im Endeffekt nicht auf 6 Mark, sondern auf 6,50 Mark abgebaut wird. Die Vergütung für die Pfcrdepflege an den S o n n t a g e n. die um 50 Pf. abgebaut werden sollte, bleibt unverändert bestehen. In seiner Gesamtheft bringt der Schiedsspruch ein« Milderung des im Vergleichsvorschlag vor- gesehenen Lohnabbaus um 1 Mark pro Woche. Das Lohnabkommen soll bis zum 30. Sl p r i l gelten, während der Bergleichsvorfchlag eine Geltungsdauer bis zum 31. Juli festsetzte. Erk'.ärungsfrist bis zum 24. Januar. Zu diesem Schiedsspruch nahmen die Funktionäre gestern abend Stellung. Nach einer ausgiebigen Diskussion, in der die Meinungen über die Empfehlung der Lohnkommission, den Schiedsspruch anzunehmen, stark auseinandergingen, beschlosscn die Funktionär« in geheimer Abstimmung gegen eine Verhältnis- mäßig starke Minderheit die Annahme des Schiedsspruches. Forisehung der Verschärfung der Krise. Essen, 21. Januar.(Eigenbericht.) Iii Essen fanden am Mittwoch auf Veranlassung des Zechenver- bandes Verhandlungen über einen Abbau der Gehälter der techmschen und kaufmännischen Angestellten statt. Die Verhandlun- gen mit den Verbänden beider Gruppen sind gescheitert. Der Schlich- ter wird am Freitagvormfttag in Essen mit beiden Gruppen gemein- sam und mft dem Zechenoerband weiterverhandeln. -i- Essen, 21. Januar. Am Mittwoch fanden Verhandlungen über die Kürzung der Gehälter für die rheiuisch-westfälischen Ge- meindeange stellte.» statt. Der Arbeitgeberverband rheinisch- westfälischer Gemeinden forderte entsprechend dem Beamten-Not- opfer einen Gehaltsabzug in Höhe von 6 Proz. Die Verhandlungen wurden schließlich ergebnislos abgebrochen. * Nordhaufen. 21. Januar. Fü r die Berg- und Hüttenwerke im Nordwestharz wurde mit den Stimmen der Arbeitgeber ein L o h n s ch i e d s- spruch gefällt, der eine Kürzung der Schichtlöhne ab 1. Februar um 6 Proz. vorsieht. Zlm 1. April tritt eine weitere Kür- zung um 1 Proz. ein. Diese Regelung kann erstmalig zum 30. Juni 1931 gekündigt werden. „Auch das Arbeitsgericht Verlin angesteckt" Zu dem mit dieser lleberschrift in Nr. 606 des„Vorwärts" vom 28. Dezember 1930 erschienenen Bericht über eine Verhandlung vor der Kammer 43 teill uns die Pressestelle des Arbeitsgerichts Berlin mit, daß es sich nicht um eine Abbaumaßnahme gehandelt habe. sondern um die fristgemäße Kündigung eines Landarbeiters. Auf Grund der Beweisaufnahme habe sich ergeben, daß der betreffende Landarbeiter feit mehr als einem Jahre um mindestens 25 Prozent hinter den Leistungen eines voll erwerbsfähigen Arbeiters zurück geblieben fei. Deswegen sei die Frage verneint worden, ob eine un- billige Härte vorliege. Dabei ist berücksichtigt worden, daß dem fristgemäß Gekündigten die Weiterbeschäftigung, mft allerdings ge- ringereni Lohn, angeboten ist. „Zu der allgemeinen Frage des Lohnabbaues hat die Kanimer gar nicht Stellung genommen. Aus dem Urteil läßt sich daher irgendein Schluß auf die Stellungnahme des Arbeitsgerichts zu der allgemeinen Frage der Lohnherabsetzung nicht ziehen." Wir hatten festgestellt, daß nach dem Tarifvertrag für den Kreis Niederbarnim die Löhne für nicht vollwertige Arbeiter zwischen Unternehmer— in diesem Falle die Rittergutsverwaltung des Union- Klubs in Neuenhagen— und dem Betriebsrat zu ver- e i n b a r e n sind, der Unternehmer jedoch unter Umgehung des Betriebsrats den Lohn von sich mis um 25 Prozent kürzen wollte. Die Kammer 43 hat diesen offenkundigen Tarif- bruch nicht berücksichtigt, ihn vielmehr durch ihre Entscheidung gewissermaßen sanktioniert. Dieser Vorwurf wird durch die Berichtigung der Pressestelle des Arbeitsgerichts nicht entkräftet. 240000 Texiilarbeiier ausgesperrt. London. 21. Januar.(Eigenbericht.) Die Z a h l d e r a u s g e s p e r r t e n W« b e r hat sich seft Man- tag auf rund 160 0 0 0 erhöht. Zusammen mit den dadurch arbeits- las gewordenen Spinnereiarbeitern beträgt die Ziffer der durch die Aussperrung betroffenen Arbeiter rund 210000. «rStitägemeinWafl s»»,aNstilck«r«rbeitnehmee beim M-atsteat Berlin Geirtr-l-). Mitgliederversammlun«, Zsreitaa. 20 U7>r, im„Sackeschen Sof". S'os-ntlial-r Str. 40— U(nafte inm Sackcsck>cn Markt), chartirresaal, Eutflcmi vom So f.?o-,e-v Innung:(BenofTc Dr. Richard Sei) mann, M. i. g.;„Sei, maltuna und Presse". f Freie GewerNchafis-IuaendVerlin Seuic, Donnerstag. 19H Uhr, tagen die Drupvrn: NSpeoiik: Jugend- heim Grünauer Str. S. Vortrag:.Die Stellung der iZrau in d-r Gesellschaft".— Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18. Unser Spiel- leite? hat das Wort.— Sesundbruuucu: Jugendheim. Rote Schule. Goten. burger Str. 2. Vortrag:„Gewerkschaften und, Frauenarbeit".— Südosten: GrupptUheim Reichenbrrger Str. 00 lsseuerwehrhansj. Vortrag:„Aolkuiench:?. ihre Entstehung und Verhütung".- Tempelhof: Gnippenheim, Lyzeum ffitt- maniastr. 4—0, Eingang Göhstrahe. Schindler zeigt ssilme aus der Arbeiter. bewegung.— Moabtt: Jugendheim Lehrter Str. 13— IS. Alfred Gutheit kommt zu uns.— Rcu-Lichtenberg: Jugendheim Sunterstr. 44. Die neue Lichtbilder» seri«:„England".— Lichtenberg: Jugendheim Sauffstrahe, an der Lcsstnnslrahc, Vortrag:„Verufskrantheiten".— Land» beiger Plag: Jugendheim Dirstel- menerstr. S. Bunter Abend. @.�uoendt'ruppe des�erira'verbandes der Angestellten deute sindel um 20 Uhr in unserem Bcrbondshaus fgroßer Sibungs- fool) die Iahrcs-Jllgendinitgli-dcrversammlung statt. Alle übrigen Ver- anstaltungen sollen aus.— Karten für die Iug.'udvsrstclluna der Voltsbüiine am Sonnrag, dem 21. Januar, zum Preise von 80 Pf., und im Iugendsekre- tariat zu haben.— Karten zum Jugendkarneval am 8. Februar sind im Iugendsekretariat zu haben. Verantwortlich für Politik: Dr. Cürt Geyer; Wirtschaft: S. lNingelhöscr; Sewcrklchaitsbewcgung: I. Steiaer: Feuilleton: it.». Döscher. fötales und Sonstiges: Friß, itarftSdt; Anzeigen: Th. SloSe: sämtlich an Berlin. Verlag: Vorwäris-Verlag S m. b. S.. Verlin. Druck: Vorwäris-Buckdruckerei und Berlagsanstall Paul Singer u. Co.. Verlin SB 68, � Lindenstrah- Z. Hierzu 2 Beilage»»ad.Frauen stimme". ..1 7' vT/ /'.>vvA ..■ yfV; V.v,- . jß'■ : 0t W HM■'fi ■■•.'Ii•"ö.v der beste Wund ver band ?!r. 35* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 22. Ianuar 4931 Auf der Mordersuche, 1000 Mark Belohnung, der Täter noch nicht gefaxt. Der ZNord an dem �Sjährigen Geschäftsführer de» Mercedes-Palaste» Ernst Schmoller hat die Mordkommission den ganzen gestrigen Tag über angestrengt beschästigt, ohne daß e» bisher gelungen ist, eine Spur oon dem Täter zu entdecken. Die Tat kann nur von einem Mann begangen worden sein, der mit den Oertlichkeiten ganz genau vertraut war. Naturgemäß ist der Personenkreis, in dem der Täter osfen- bar zu suchen ist, sehr groß. In erster Linie glaubt man, daß ein früherer Angestellter oder dos Mitglied einer Bühnenschau als Täter in Frage kommt. Verschiedene Fingerzeige, die der Mord- kommission gemacht worden sind, haben sich bereits als haltlos er- wiesen. So ist inzwischen auch der„Mann im langen dunklen Mantel" ermittelt worden, von dem es gerüchtweise hieß, daß er der Tat stark verdächtig sei. Bisher hat sich für die Schuld des Mannes jedoch nicht der geringste Beweis erbringen lassen. Nach einer anderen Version kann sich die Tat auch so zugetragen haben. daß der Töter Schmoller im Theater sah und den Augenblick sür einen Raub im Büro günstig hielt. Er ging den ihm bekannten Weg und drang in den Raum ein.Uiwerhofft ist der Geschäfts- führer aber gleich darauf gefolgt und der Täter, der sich zunächst verborgen hielt, schoß Schmoller dann nieder, um den Rückweg für seine Flucht freizubekommen. Vom Berliner Polizeipräsidenten sind sür die Aufklärung des Mordes 10vl> Mark Belohnung ausgesetzt worden. Der Betrag ist ausschließlich für Personen aus dem Publikum bestimmt, die zur Ergreifung des Täters beitragen. Zweckdienliche Angaben sind an die Mordkommission Johannes Müller zu richten. Ein neuer �aubüberfall. In da» Buttergefchäft von h o f f m a n n an der Ecke Varl. bürg- and Salzburger Sirahe in SchSneberg drangen gestern abend kurz vor Ladenschluh zwei jüngere Burschen ein, die von den Verkäuferinnen mii vorgehaltener Pistole die her- ausgäbe der Tageseinnahme in höhe von 200 Mark er- zwangen. Die Täter konnten mit ihrer Deute ungehindert eut- kommen. Skandal Im Telephonamt. Fristlose Entlassung für ein Rendezvous. Mehr als einmal Hai der„vorwärts" zu eigenartigen Personal- niaßnahmen der Berliner Oberpostdirektion kritisch Stellung nehmen wüsten. Zeht werden zwei Fälle bekannt, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Zwei langjährige Beamtinnen de» Telephouamts Berlin-Mitte haben beim Arbeitsgericht eine Klage gegen die Oberpostdirektion wegen unberechtigter fristloser Entlastung eingereicht. Es ist skandalös, welche Gründe die Post für die Enllastung als ausreichend ansah. Die Telephonistin D. ist seit sieben Jahren bei der Post beschäl- tigt und hat in dienstlichen Angelegenheiten noch niemals Anlaß zu irgendeiner Beanstandung gegeben. Eines Tages wurde sie plötzlich zum Postdirektor gerusen und in Gegenwart einer Dam« gesragt, ob sie mit einem Herrn R. bekannt sei. Erstaunt gab sie die Be- kanntschaft zu und mußte nun erfahren, daß die anwesende Dame die Frau des betreffenden Herrn sei und sich beim Amt be- schwert«. Die Telephonistin hatte nie gewußt, daß der Mann verheiratet war, und auch keine näheren Beziehungen mit ihm unterhalten. Der Postdirektor erklärte trotzdem, er rate ihr zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Amt. da sie im anderen Fall fristlos entlassen werden würde. . Nun wurde ein langes Verhör mit der Telephonistin onge- stellt, wann und wo sie den Mann kennengelernt habe, wie oft sie mit ihm zusammengetroffen sei und was bei dem Zusammeittresfen sich ereignet habe. Die Telephonistin verweigerle mit Recht die Auskunst und wurde daraus nach kurzer Zeit fristlos entlassen! Das Unerhörteste aber ist das Zeugnis, das man der Entlassenen aushändigte. Darin heißt es: „Ihre dienstliche Führung und ihre Leistungen waren befrie- digcnd. Sie wurde fristlos einlassen, weil sie nach ihrem außer- dienstlichen Berlialten nickst den Bedingungen für die Annahm« und Beschästigung van Bewerberinnen sür die Uebernahme in das Beamtenverhältnis entsprach und daher im Dienste der Deutschen Reichspost nicht belassen wrden konnte." Derselbe Oberpostdirertor M. hat kurze Zeit darauf eine andere Telephonistin vom Amt Bergmann fristlos entlassen, weil sie sich in einem Kaffeehaus ein Rendezvous mit eine« Herrn gegeben hatte. Der Herr war aber verheiratet und zufällig kam die Ehefrau hinter dieses Rendezvous. Sie beschwerte sich bei der Oberpost- direktion, und die Beamtin wurde daraufhin wegen„Ehe- bruchs" fristlos entlassen. Es wird nun die Aufgabe des Arbeitsgerichts sein, den weltfremden reaktionären Postgcwaltigen klarzumachen, daß Bettfchnüfselei nicht zu ihren Aufgaben gehört. Gelbstmord vor dem Termin. An der Schuld zusammengebrochen. Zn der Küche seiner Wohnung in der Solinger Straße 1t wurde der Buchhalter Gottfried A. tot aufgefunden. Er hatte die Ab7 Wesenheit seiner Frau dazu benutzt, um sich durch Ga» zu vergiften. .A. war lange Jahre Z a h l yi e i st e r bef einem GarderegiWent, diesen Posten. beNeidetc er auch während des Krieges bei derselben Tnippe. Zluf Grund seiner vorzüglichen Zeugnisse erlangte er nach dem Kriege eine Vertrauensstellung als chauptkassiercr bei einer großen Berliner Werkzrugfobrik. Im Mai vergangenen Jahres kani A. bei einer plätziichen Revision in den Verdacht, größere Sinn- men veruntreut zu haben. In den Büchern wurden rasfimert ausgeführte Fälschungen festgestellt. Nach den Ermittelungen waren im Lmise der Zeit etwa 90 WO Mark veruntreut worden. A. legte auch ein Geständnis ab, behauptete aber, nur einen Teil des fehlen- den Betrages veruntreut zu haben. Er wurde in Haft genommen, mußte jedoch wegen schwerer Krankheit bald wieder entlassen werden. Gestern sollte nun in Moabit gegen A. wegen der Unterschla- gungcn verhandelt werden. Den Termin lzat er aber nicht mehr abgewartet, sondern vorher seinem Leben ein Ende bereitet. Käthe Dorsch, die zweite. Womit sich ein Berliner Gericht beschästigen soll. Mit einer merkwürdigen Geschichte, deren Mittelpunkt die gänzlich unbeteiligte Schauspielerin Käthe Dorsch ist. wird sich in den nächsten Tagen ein Berliner Gericht beschäftigen müssen. Die Angelegenheit begann durchaus nicht romanhaft. Es sind bereits einige Jahre verflossen, als sich bei Käthe Dorsch eine elegante junge Dame melden ließ, sich als E rb p r i n z e s s i n Rosenberg-Orsinl ausgab und von der Künstlerin empfangen wurde. Di« Prinzessin erbat von Käthe Dorsch mehrere Details ihres Lebensweges, wollte Informationen über die Jugendzeit der Künstlerin und über die ersten Ansänge ihrer Biihnenlousbahii, da sie eine Käthe-Dorsch-Biographie zu schreiben beabsichtige. Die Schauspielerin lehnte mit höflichen Worten die Bitten ihrer Be- sucherin ab, stellte ihr jedoch in Aussicht, in späterer Zeit auf die Sache zurückzukommen. Käthe Dorsch hatte schon den ganzen BorsaU vergessen, als sie in kurzen Zeitabständen von der Prinzessin mehrere überschwengliche Briefe erhielt, aus denen deutlich zu entnehmen war, daß dl« Zuneigung zu der großen Schauspielerin anormale Bohnen eingeschlagen hatte. Bald darauf trafen neue Briefe bei der Kunst- lerin ein, in denen immer stärker der Wunsch laut wurde, Käthe Dorsch möge die Prinzessin in ihr Haus aufnehmen. In einem Brief erklärte die anhängliche Freundin, daß sie ohne Frau Dorsch nicht mehr leben könne. Sie suhle sich als Ebenbild der Schauspielerin. In anderen Briefen drohte die Prinzessin wieder und kündigte Frau Dorsch sogar an, ihr einmal Bitriol ins Gesicht zu schütten, wenn sie sie nicht endlich zu sich nähme. Käthe Dorsch ließ sämtliche Briefe unbeantwortet und nahm erst dann die Hilfe der Polizei in Anspruch, als eines Tages die Briefschreiberin in der Näh« ihres Hauses auftauchte und spät nachts von einem Wächter aufgegrisfen wurde, als sie am Gartenzaun der Dorschschen Besitzung in Saarow- Pieskow lehnte. Di« Polizei stellte in kurzer Zeit fest, daß ein Pro- fessor H e n g l i e r e aus Oldesloe, der ebenfalls an Frau Dorsch gc- schrieben hatte, daß sie sich der Erbprinzessin, seiner Patientin, an nehmen müsse, da sonst ernstliche Befürchtungen sür deren Seelen- zustand und Leben beständen, in Wirklichkeit ein Herr Paul Iacobsohn aus Hamburg war und die angebliche Erbprinzefsiu niemand arideres als feine Frau Ellinor Jacobson sei. Da Frau Dorsch gegen das Ehepaar keine Schritt« unternahm, immer mit dem Bestreben, kein Aufsehen zu erregen, betätigte sich Herr Iacobsohn weiterhin als eifriger Briefschreiber. Inzwischen war die Ehe Iacobsohn geschieden worden und ärztlich festgestellt, daß die Pseudo- Prinzeß eine nicht normal veranlagte Person sei. Sie gab sich unter anderem außer als Käthe Dorsch auch als Maria Orsta aus, ahmte die Gebärden bekannter Künstlerinnen nach, fälschte deren Schrist- züge und unterhielt eine umfangreiche Korrespondenz als Käthe Dorsch und Maria Orska. Sie schrieb ferner Novellen, Gedichte und Romane bekannter Schriftstellerinnen mit der Hand ab und gab die Werke als ihre eigenen Urmanuskripte aus. Eines Tages traf nun wieder«in Brief ein, in dem Herr Iacobsohn mitteilte, daß seine Frau Käthe Dorsch so kopiere, daß er selbst verblüfft gewesen sei. Gleichzeitig legte er seinem Schreiben einen Brief seiner Gattin bei, den sie in der Handschrist und dem Stil Käthe Dorschs nackige- ahmt hatte. Als Iacobsohn keine Antwort erhielt, reichte er plötzlich eine Schadenersatzklage gegen Käthe Dorsch ein. da für ihn die Rückgabe dieses Käthe-Dorsch-Briefes seiner Gattin „äußerst wertvoll" sei. Er wolle nämlich die ganzen Schriftstücke seiner Frau zu einer literarischen Arbeit verwenden. Den fehlenden Brief, den Frau Dorsch nie gesehen hat, berechnet er mit S 0 0 Mark. Diese mehr als verrückte Geschichte wird das Amtsgericht Lichter- fclde allen Ernstes demnächst in Anspruch nehmen. heute Rundfunkoorlrag Aushäusers. Der Vortrug des Genossen A» f h ä u s e r über die„Üeberwindung der Wirtschaftskrise" in der Aktuellen Stunde des Berliner Senders findet lzeute, Donnerstag, bereits um 11 Vi Uhr, nicht, wie zuerst mitgeteilt wurde, um 19 Uhr, statt. IfeÄ Sandow war nun ganz in seinem Element. Nicht mehr der Fabrikleiter, sondern der Fabrikfeldwebel. Wo er bisher zurückhaltend sein mußte, machte er nun aus seinen Gedanken nicht mehr den mindesten Hehl. Alle die Arbeiter und Gesellen, die ihm irgendeinmal dumm gekommen waren oder die ihni gegenüber ihre Rechte verteidigt halten, warf er zuerst auss Pflaster. Es waren keine Segenswünsche, die ihm nachgerufen wurden, wenn er den wenigen noch laufenden Maschinen den Rücken kehrte und nach seinem Glaskasten schritt. Er wußte das. Doch er lachte nur darüber. Solange die Fäuste nur im Sack geballt wurden, hatte es keine Gefahr. Das wußte er noch vom Kommiis her. Schinipfen inochte die Bande, soviel sie wollte. Aber kuschen sollte sie sich! Er rieb sich hämisch grinsend die fleischigen Hände. Als der Betrieb zur Hälfte still gelegt war und die letzten Zimmerserien fertiggestellt wurden, nahm er die Arbeits- leistung unter die Lupe. So schmiß er denn Leute aus denl Betrieb, die jahrlang zu seiner vollen Zufriedenheit gearbeitet hatten. Unter seiner scheelsüchtigen Mißlaune waren sie auf ein- mal Stümper geworden. Zun, Schluß verblieben nur noch ein Dutzend Gesellen und etliche Maschinenarbeiter in der großen Fabrik, in der zeitweise über zweihundert Arbeiter und Arbeiterinnen ihr Brot verdient hatten. Anfänglich, wenn Ludwig durch die großen Fabrikräume ging, fror es ihn wie in einer Leichenhalle. Doch mit der Zeit gewöhnte er sich an den Anblick der frostigen, leeren Säle. Die paar Stunden, die er täglich noch daselbst verbrachte. widmete er seine Aufmerksamkeit den Ratten und Mäusen, die frech überall herumspazierten, �md dann seinem Sohne. Franz lernte schnell, aber flüchtig._ Für ihn als Fabritantensohn war ja auch die Handwerks- Präßig vollendete und untadelige Bearbeitung eines Holzes auch gar nicht die Hauptsache. Immerhin lernte er ein Möbel in seiner Konstruktion kennen und zusammensetzen. Ludwig interessierte sich sehr sür die Zlusdildung seines Jungen. Wenn er sah, daß er irgendeine Arbeit nicht ganz nach Wunsch machte, so zog er den Rock aus, krempelte die Aermel hoch, stellte sich selbst an die Bank und zeigte ihm die richtigeil Handgriffe. Mit dem Dicken, das war Sandow, hatte Franz nicht viel im Sinn. Der brüllte zuviel und war ihm zu grob. Sandow, der Fachmann, war aus seiner eigenen Lehr- zeit her noch der Ansicht, daß ein Lehrling nicht mit Hand- schuhen angefaßt werden dürfe. Der Sohn eines Chefs schon gar nicht. Wie sollte sonst der Bengel dazu komnien. was zu lernen! Nachdem Franz genügend praktisch vorgebildet war, schickte ihn sein Bater auf die Fachschule. Hier kam er in ein gänzlich anderes Milieu. Bunt durcheinander gewürfelt war die Schar der Schüler. Die einen junge Gesellen, die sich mühsam das Geld zusammen- gespart hatten, uin sich hier zu Innenarchitekten auszubilden: die anderen Söhne von Meistern, Fabrikanten und Bauunter- nehmern. Die erste Kategorie der Schüler war die lernbegierigste, ja, auch die begabteste. Die zweite dagegen war eben hier, weil der Bater die Mittel besaß, den Sohn studiereil zu lassen. Sie, die Bessersituiertcn nahmen es mit der Bewältigung des Lehrplanes gar nicht so furchtbar cnlst. Doch setzte der ge- botene Unterricht immer hin ein bestimmtes handwerkliches Können voraus. Franz Eisermann, sich von Anfang an der Gruppe der meist lustigen und sorglosen Schüler zuschlagend, lernte zunächst mit großem Fleiß. Es zeigte sich, daß er für Zeichnen und gutes Kalkulieren besonders begabt war. Vielleicht trug dazu der Umstand bei, daß er die Dinge der Umwelt mit sehr realen, nüchternen Augen ansah und dabei immer den richtigen Blick für das Praktische hatte. Er lernte spielerisch leicht, sozusagen im Handumdrehen. Die Lehrer wurden sehr bald auf ihn aufmerksam und gaben sich alle Mühe, ihn weiterzubilden. Freilich, schon im zweiten Jahre ließen seine Leistungen bedeutend nach, wenn er auch noch zur Zufriedenheit seiner Lehrer arbestete. Wichtiger als die Fachausbildung war ihm jetzt der Drang, ein flottes Leben führen zu können. Bei den Schülern, die ja durch ihre Väter die Firma Ludwig Eisermann kannten und wußten, daß sein„Alter" Obermeister der Innung war, umgab ihn ein gewisser Nimbus. Sie wetteiferten daher, ihn in den Strudel ihrer Vcrgnügun- gen zu ziehen. Franz folgte zuerst aus Neugierde, nachher aber aus Lust am tollen Betrieb. Geld spielte keine Rolle. Sein Bater unterstützte ihn reichlich, wenn er nur ab und zu eine Probe seines Fleißes sah. Und warum sollte der Sohn Ludwig Elsermaims nicht auch seine Jugend genießen?! Er sah das Treiben seiner Schwester täglich, bewunderte die Wandlung seiner Mutter und auch des Vaters, sah seine Kameraden und Mitschüler oon einem Vergnügen ins andere taumeln und inachte lustig mit. So lernte er dasselbe bürgerliche Milieu wie seine Schwester kennen, wenn auch aus anderen Wegen. Doch waren seine Ausschweifungen gröberer Art. Es kam sogar vor, daß er total betrunken nach Hause geschleppt werden mußte. In solchen Fällen war M!a entsetzt und brachte das Taschentuch nicht mehr von den Augen. Ludwig aber lachte, was ans ihm herausging. „Laß dem Jungen den Spaß!" pflegte er zu sagen.„Er soll etwas von seinen Brausejahren haben. Ich hob mir ja solche Späße in meiner Jugend nicht leisten können! Das ist aber kein Grund, warum er sie nicht haben sollte!" Was sollte da Mia tun, wenn der Bater dem Jungen so offensichtlich die Stange hielt? Für sie waren in Zukunft die Räusche ihres Herrn Sohnes einfach nicht mehr vorhanden. Sie sah damenhaft darüber hinweg. Die Inflation hatte sich in einem letzten gewaltigen Bil- lionenkrampf zu Tode gekeucht. Durch die Trümmer ihres Niedersturzes brach sich allmählich die Rentenmark Bahn. Ludwig Eisermann atmete auf. Nun war wenigstens die tollste Zeit zu Ende. Eine neue Wirtschaftsperiodc begann. Er überschlug, was ihm die vergangenen Jahre des pa- piernen Segens gebracht hatten, und mar damit zufrieden. Er begriff erst jetzt so richtig den Ausdruck„Sachwerte". Auf dem Höhepunkt der Inflation war ihm dies alles nur Spiel mit Geld gewesen. tFortsetzmtg föfet.} „Gefährlich, wenn betrunken." Sieben Lahre Zuchthaus für versuchten Totschlag. Das Landgericht III verurteilte gestern den Z4jährigen Maurer der im September vorigen Zahres die Witwe TL in ftorom in der Absicht, sie zu berauben, durch mehrere Schüsse schn»er ver. lchle, wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit versuchtem Raub und wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 7 Jahren ö Monaten Zuchthaus und S Jahren Ehrverlust. Die Stellung unter Polizeiaufsicht nach verbüßung der Strafe erklärte das Gericht für zulässig, die Untersuchungshaft wurde dem Ztn- geklagten angerechnet. • Der Mann, den gestern dies schwere Urteil traf, ist kein unbeschriebenes Blatt: seine Straftaten tragen sämtlich gewalttätigen Charakter: Körperverletzung, Sachbeschädigung, Notzucht— kein Eigentumsverbrechen. Am frühen Morgen des 19. Oktober sah Fraw M. im Garten ihres Hauses einen Mann vor sich stehen Er habe früher einmal bei ihrem Manne gearbeitet, sagte er, ob ihr Mnn» auch jetzt für ihn Arbeit habe. Die Frau stutzte, denn ihr Mann war seit zwei Jahren tot und sie kannte den Menschen nicht. Ob er durch dag Haus auf die Straße könne? Als Frau M. in das Zimmer ging, um die Schlüssel zu holen, folgte Ihr der Mann, legte plötzlich auf sie den Revolver an, sie schrie, ein« Kugel traf sie am Kinn, eine zweite verletzte sie an der Schulter,«ine dritte schlug in die Wand«in, die vierte traf die Flüchtende am Hinterkopf. Dann flüchtete auch der Mann. In der Nähe des Tatorts verlor er feine Brieftasche mit Personalausweisen und Photographien. Die Polizei hatte also leichte Arbeit. Als Täter wurde der Maurer K. in seinem schlesischen Heimatsdorf Lewitz verhaftet. Etwas über die Tat zu erzählen, weigerte er sich. Erst später ging er aus sich heraus. Auf die Frage, weshalb er das getan habe, sagte er ganz spontan: «Ich hatte H»« g er.* Bor der Tat wollt« er in einer Wein« laub» eine Korbslasche Wein gefunden und aus ihr getrunken haben. Während der Rede des Staatsanwalts und der Urteilsbegründung erreicht seine Erregung den Höhepunkt. Er machte mit seinen gefesselten Händen 1 drohende Bewegungen, fletschte die Zähne, man hatte den Eindruck, als wolle er sich auf Staatsanwalt und Richter werfen. Als der Staatsanwalt ihm feine Hemimiugslafigkeit vorwirft, schreit er dazwischen:„Ich bin nicht erzogen worden. Der Staat, der toicg tragen daran die Schuld. Sie haben mir meine Nerven genommen, die Bande, die." Als der Staatsanwall davon spricht, daß er zwei Revolver bei sich getragen habe, schreit er: „Niemals. Nur während des Krieges haben sie mich gezwungen.' Nicht minder ausfallend beträgt er sich bei der Urteilsverkündung. Der Vorsitzende sagt, der Angeklagte sei nicht besserungsfähig und zeige gar kein« Reue.„Deshalb soll ich ins Zuchthaus, damit ich ein noch größerer Räuber werde.' Und als der Norfitzende mit seiner Begründung zu Ende ist. ruft er:„Hoch lebe die Klassenjustiz.' Der Offizialverteidiger hatte vielleicht nicht unrecht, als er meinte, mit den sieben Iahren Zuchthaus werde die Gesellschaft vor dem Mann nicht geschützt. Eine längere psychiatrische Beobachtung hätte vielleidjt doch im Gegensatz zu den Sachverständigen Zweifel an seinem Geisteszustand ergeben und so eine dauernde Verwahrung wegen Gemeingefährlichkeit ermöglicht.« � Verzweiflungstat einer Mutter. Mit ihrem 4jährigen Kinhe in den Kanal gesprungen. von der Trepkower Brücke stürz«« flch gestern nachmistag - die ZZsährige Arau Martha Betge aus der Glogäuer Straße 32 mil ihrem vierjährigen Kinde in den Landwehr- kanol. Mehrere Schiffer, die mit ihren Kähnen in der Nähe der Brücke reranksrt liegen und Zeugen des aufregenden Vorfalles geworden waren, inachten sofort ihre Rettungskähne los. Schon nach kurzer Zeit gelang es den Männern, die mit den Wellen verzweifelt Kämp- sende zu bergen und an Land zu bringen. Leider blieben die Ret- lungsoersuche bei dem Kinde ohne Ersolg. Die Frau wurde in be- wußtlofem Zustande ins Urbankrankenhaus gebracht. Der Grund zu der Verzweislungstat ist zur Zeit noch Gegenstand der Polizei- lichen Untersuchung._ Drei neue Schulräte in Berlin. Der Magistrat wählte am Mittwoch für die freien Schul- bezirke Kreuzberg, Wedding und den die Bezirke Mitte und Kreuzberg überschneidende» Schulkmsbezirt die Rektoren W t e t h g e und H ä d i ck e sowie Lehrer T s ch e n ts ch e r. Die Per- teilung auf die drei Schulkreise erfolgt von der Bezirksschuldepu- tation, wobei man Rücksicht auf den Wohnort der Betreffenden nehmen wird. Von den neugewählten Schulräten gehören Hädicke und Tschentscher der Sozialdemokratie an, während Miethge der Deutschen Volkspartei nahesteht. Polizei im Weißenseer Bezirksparlameni. In der gestrigen Sitzung der Bezirksoersammlung Weißen- s e e kam es zu schweren T u m u l t s z e n e n, die schließlich das Eingreifen der Schutzpolizei nötig machten. Die Kommunisten batren die Absicht, die Sitzung ausfliegen zu lassen, weil ihnen die Debatte über die von der sozialdemokratischen Fraktion geforderte Umgestaltung der Geschäftsordnung mißfiel. Der sozinldemokratischc Vorsitzende, Genosse Bautz, war jedoch ent« schlössen, die arbeitsfreudig« Mehrheit vor dem Terror der Bossche- misten zu schützen. Als alle Ermahnungen nicht nutzten, griff die Polizei ei» und entfernte die kommunistischen Bezirksverordne- tsn, die sich den Anordnungen des Borstehers hartnäckig wider- setzten. Schließlich mußten sämtliche elf Bezirksverordnet« der kommunistischen Fraktion ausgeschlossen werden. Der Tod auf dem Rodelschlitten. Auf tragisch« Weise ist gestern abend der 7jährige Schüler Willi Pofling aus der Wussowstr. 7 in Britz ums Leben ge- kamen. Der Junge Halle am Dienstag einen Rodelschlitten geschenkt erhallen: zusammen mit mehreren gleichaltrigen Kindern rodelte der Iynge am Tempolhofer Weg, der direkt am Teltowkanal entlang, führt. Der Siebenjährige stürzte mit seinem Schütten die Böschung hinunter und fiel in» Wasser. Dos Klick» tonnt« von der Feuer- weh? nur noch als Seich« geborgen werden. Warnuug vor Schwindler«! In den letzten Tagen treiben Schwindler, die unter der Maske s 6, werkriegsbcschädigter Händler auftreten, ihr Unwesen und suchen anscheinend mit Borliebs i>Ie Büros der Ar- bellerbewequna heim. So waren sie in den letzten Tagen im Aer- lag I. H. W. Dtetz Nachf. B. m.b.H..„Der Bücher kreis' G m- b. H. usw. Sie arbeiten nach einem raffinierten Systan um lausend mil den„ttirislusauöen". Audi daranl Heien seine Opler rein.— IndendorU war siHndider fiasl. Der„Künsflcr" will den Staat veiKlaöen. Zu der Mittagspause hat lausend dem ihm begleitenden Schuhmauu verraten, daß er den Staat wegen unschuldig erlittener llnlersuchuogshast aus einen Schadenersah von S Millionen Mark verklagen wird. In der Nachmittagsverhandlung wurde zunächst Professor Lautenschläger- Frankfurt a. M. vernommen, der über die Versuche Tausends mit einem blutstillenden Mittel sowie über die Herstellung von Morphium aus Kochsalz und über ein Ainksuper- oxyd-Reinigungsversahren berichtete. Der Zeuge erklärte, daß die Verfahren, die Tausend in seinen Theorien entwickelt habe, etwas Neues und Bedeutungsvolles wären, wenn sie durchs ührbar seien. Zeug» Rienhardt, Referendar in München, der als erster mit Tausend in Berbindiung getreten ist, bekundet, daß er im Januar 1924 mit Tausend durch ein Inserat bekanntgeworden sei, in welchem er Geld angeboten habe. Es Hab« sich ursprünglich um einig« neue Verfahren gehandelt, darunter ein Verfahren, um ein schnelles wachsen von Getreidearlen zu erzielen. Tausend habe ihm dann später auch von einem Zusallserfolg er- zählt, wobei Gold zutage getreten sei. Der Zeuge Hab« dann die Verbindung mit General Ludendorff hergestellt, der wiederholt Besuche bei Tausend gemacht habe. General Luden- dorsf habe erktärt, daß ein Sachverständiger dies« Vorführungen überprüfen müßte. Es sei dann der Chemiker Kummer als Sachverständiger beigezogen worden. Nach den»eiteren Aussagen des Zeugen Rienhardt sind auch in Ludendorsss Villa versuche vorgenommen worden. Don den zwei in Berlin vorgenommenen Versuchen war einer positiv, einer negativ. Der Zeuge versuchte nun auch in München nach den Tausendschen Rezepten Gold herzustellen, er- klärt« aber, er sei sehr cplläuscht gewesen, als er vergeblich nach den Goldkörnern suchte. Die weiteren Aussagen des Zeugen be- schäftigten sich dann mit der Gründung der„Gesellschaft 164'. die den Zweck haben sollle, Tausend Gelegenheit zu ungestörter Arbeit zu geben. Bei Besprechung der Belesligung Tausends kam die Rede auch aus Rechtsanwalt Buckel ey. Auf diesen habe Tausend einen ganz besonderen Eindruck gemacht, und Buckelcy lzabe aus Vorführungen verzichtet mit dem Hinweis, daß man Tausend, einem Mann mit so wunderbaren Christusaugen, un- bedingt vertrauen könne. Äe Verhandlung wurde hierauf auf Donmrsdaz vonmttag vertagt. folgt: Es erfolgt ein telephmüscker Anruf durch den Vorsitzenden irgendeines bekanicken Verbandes. Dieser teilt inll, daß er einen schwcrkriegsbeschädigten Organisierten bei sich sitzen hat, und bittet, da er denselben persönlich kennt, ihm etwas abzutaufen. er habe dasselbe getan. Der Betreffende Hab««In« zahlreich» Familie und seine Rente reiche natürlich nicht aus. Es handle sich um Bleistiite, Papier und sämtliche» Büronmterial. Der Betreffende werde In einer halben bis dreiviertel Stunde erscheinen. Prompt erscheiill dieser auch- und bietet dann seine Waren an. Die Nachfrage hat ergeben, daß die Gewerkschaften von einer Empsehlnna nichts wissen. Es lwndelt sich um einen Schwindler, der gestern im Verlag Dietz unier den» Namen M a t t h e s festgestellt werden konnte. Glückliche Gewinner. Die Ziehung der Arbeiterwohlfahrtsiotierie. iZS674 Gewinne und 2 Prämien im Gesamtwerte von 500 000 vi. hatte die Weihnachlslotterie der Ar- bellerwohlfahrl bereitgestellt. Heber die Inhaber der Glückslose sei folgendes mitgeteilt: In einem kleinen Städtchen Mecklenburgs brachten die Nummern A 326 436 und B 326 436 mit je 23 000 M. eine Familie in freudige Erregung. Dem Vertreter einer Loiverkaufs- stelle übergab sie erst das Los zum Einlösen, dann beauftragte sie die Sparkasse.«In Konto«lnzurichten. Der Vertreter der Ver- kaufsstelle schreibt: Erwünscht wäre baldige Regelung, da die Familie sich in großer Not befindet. Der Mann schwor kriegs- beschädigt und die Frau lungenkrank, es wäre weder Feuerung noch.Nahrung vorhanden. Der. Betrag sst der Sparkasse üher- wiesen. Zwei., große Gewinne sielen, nach Sachsen. Zu der Nr. A 1 148 904 schreibt der Bezirksausschuß für Arbcitcrwohlfahrt in Leipzig am 5. Januar:„Der glückliche Gewinner ist ein OSjähriger Sozialrentner und Fürsorgeempsönger. Der Inhaber des Loses B 1 148 904 hat sich noch nicht gemeldet.' Aber schon am 7. Januar teilt derselbe Bezirksausschuß mit, daß sich auch dieser Gewinner gemeldet hat. Er ist ebenfalls Invalide und Vater von fünf Kindern. Die beiden Haupt» gewinne von 10009 M. wurden In Berlin aus- gezahlt. Der ein« Gewinner wohnt im Berliner Norden und ist seit einem Jahr erwerbslos. Mit seinen betagten Eltern, die auf Unterstützung angewiesen sind, hat er eine gemein- schafttiche Wohnung. Frau und vier Kinder hat der zweite. Noch ist er im Betrieb als Kurzarbeiter, es mangelt aber am Nötigsten. Bettwäsche und Kleider für die Familie und sich sei dag erste, was angeschafft würde, meinte«r. Nach einem Dörfchen in der Rhön fielen zwei Gewinne a 2500 M. und nach Jena gleich- falls zwei Gewinne a 2500 M. Sie kamen auch dort i,, die richtigen Hände. ..Zuchthaus für Mitteid.' Der Inhaber des Malereigeschäfts Ernst Mickley bittet uns mitzuteilen, daß cr mit dem zu einer Zucht- hausstrafe verurteilten Maler Mickten, der In dem Prozeßbericht am 15. Januar genannt wurde, nicht identisch ist. Der Marxistische Arbe>t»kreis an der Hochschul« für Pokittk bittet lins mitzuteilen, daß die nächste Zusamnienkunft der Arbeitsgemeiu- Ichast Dr. Mittritzky heute um 20>- Uhr stattfindet. Elleruabeud der 32 welllichen Se«,inschas>»schule, Neukölln. Nüllistrahe Cinlriltt nicht ire i, wie irrtiinilich anoegeben war. Preis 30 Pf.; Erweibs- lole und ittnder 15 Pf. Die Ausstellung finde! vom 23.-27. Januar statt Dag Programm wird vom Köickgsberger Sender übernommen, dessen musikalische Veranstaltungen auf beachtenswerter künstlerischer Höhe stehen. Andere Ressorts sind weniger glücklich vertrete». In der Jugendstunde sendet man ein Hörspiel in sieben Szenen „Rübezahl". Die Arbeit, nach den bekannten Mbezahl-Sagen verfaßt, ist für den Hörer kein Vergnügen. Die Szenen wirken wie ein Rohentwurf, wie ein« Skizze, deren Ausführung vergessen wurde. Gerade die Jugendstunde müßte bemüht sein, nur gediegen« Leistun- gen zu bringen. Berlin tut es bereits, Königsberg scheint noch nicht so weit zu sein. Auch die Regie Kurt L e s i n g s laßt ZU wünschen übrig. Es wird ftüchlig und ohne Nuancterung gesprochen. Nur die Darsteller der Kinder fesseln. Ganz ausgezeichnet dt« Bläser- Äanuncrirmsik in einer Äc-iupositton von Schirmer. Reinheit de» Klanae», Exaktheit de» Zusammenspiel», Sicherheit de« Rhythmus charakterlsiersn da» Konzen. Aus dem Köniozbergsr Stodttheater überträgt man abend, btt einaktig« Oper„König Ml hack* von Wilhelm Kempff. Auch hier das Orchester von üderraschendem Nweau. Ebensogut da» Ensemble. Kein« überragenden und persön- lich wirkenden Stimmen: aber wönigstens«ine«inbeitlich« Linie. sich den liichr besonders für den Rundfunk, da ein Teil der Wirkung pon en szenischen Vorgängen ausgeht. In musttalischer Beziehung bedeutet da» Wert einen merkwürdigen Kompromiß zwischen den Sttlen. Immerhin ein« interessante Aufführung. v.Spb. Internationale Klugplankonferenz. Neutsch-italienische Verbindungen besonders gefördert. In den Räumen des?luswärtigen Amtes wurde die alljährlich in Berlin stattfindende Internationale Flugplankonferen; eröffnet. Direktor Wronsky von der Deutschen Lust-Hansa konnte di« Vertreter von 20 Luftverkehrsgesellschaften aus 16 europäischen Ländern sowie den Generalsekretär der Iiücr- nationalen Luft-Transport-Vereiiiigung„Ja tu' begrüßen. Die Konferenz. die bis zum 22. Januar dauern wird, befaßt sich in erster Linie mit Vereinbarungen über internationale Flugplanfragen. Außerdem werden Tarisfragcn, Uebergepäckpreif«. Abrechnungs- fragen für Fracht und Passage usw. bosprochen. Das Flug- ft reckennetz de» nächsten Sonmiers dürft« in seinen Grundzügen dem des vergangenen Jahres entsprechen, jedoch sind einige wichtig« Neuerungen bemerkenswert, u. a. werden von Berlin nach Rom künftig zwei E xp re ß v e rb in du ng e n führen, eine über Wien, die andere über M ü n chen-M a ilo n d. Ferner ist eine neue Flugverbindung Venedig— München in Betrieösgemeiilschaft zwischen einer italienischen Luftverkehrs- gesellschaft und der Deutschen Lust-Hansa geplant. Die Zugspihbahn vollendet. Garmisch. 21. Januar. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste wurde jetzt der letzt« Teil der bayerischen Zugspitzbahn», die Seilbahn von dem 2650 Meter hoch gelegenen Schneefernerhaus zu der zwischen dem Oft- und dem Weslgipsel der Zugspitz« im fast 3000 Meter Höhe gelegenen Bergstation erössnet. Mit der Inbetriebnahme der Seilbahn, die einen Höhenunterschied von fast 300 Meter bei einer Strecken- läng«»von 725 Meter in vier bis fünf Minuten Fahrzeit über- windet, wurde gleichzeitig auch das neucrbaute Hotel Schneeserner- haus eröffnet._ Neues Programm im Zirkus Busch. Im Zirkus Busch, der jetzt alle 14 Tage fem Programm wechselt, wurden gestern wieder neue Darbietungen gezeigt. Ein reiches Programm und es sei von vorn- herein gesägt, das Variete ist so gut wie der Zinkus. und dos Pro- gromm ist so reichhaltig und wechsetvoll, daß olle 15 Nummern zu würdigen nicht möglich ist. Der ausgezeichnet« Völlige a la Richard als Einleitung folgen, Pferdepotpourri genanntz Freiheitsdressuren in Nollendung vorgeführt von H. Straßburger. toandor Beketow reitet auf feinem Vollblutandalusier spanische Hohe Schule. Durch ihre Beweglichkeit und ihre vieljältigen Künste überraschen di« zehn Elefanten, deren Gelehrigkeit Dompteur Adrian Singels zeigt. Wenn die Elefanten musizieren, wollen die Grislybären taivzen. Sie machen da» natürlich besser als ihre Brüder von der Landstraße, die sicher nicht wie sie außerdem auf Rollschuhen lausen und Radfahren können. Es ist weiter zu reden von der Exzentrik, Equilibrlstit und Gymnastik. Da sind die 3 Bredwins und die 4 Iwanows, die mit viel Humor Höchstlesstungen produzieren. Kaum sind»och Ihnen die Grislybären aus der Arena abgetrottet, beginnen die Balz r Sister» an den Zähnen hängend in der Zirkuskuppel als bunte Schmetterlinge zu schweben. Und der Schluß bringt das Clowntrio Zacchini, da» zum erstenmal in Deutschland auftritt. Die Zugendweihe der Sozialisien und Freidenker für Char. loltenburg findet am Sonntag, dem 29. März, vormittag» 11 Uhr, In der Aula der Sophie-Charlotte-Schule(Lyzeum), Scharrenstraße 23— 27, statt. Der Unterricht in der Lebenskunde für sämUIche Weihe- tinder beginnt am Montag, dem 2. Februar, von 4 big 6 Uhr. im Arbeiter-Jugendheim, Rosinenstr. 4. v. I. Anmeldungen werden in den bekannten Stellen entgegengenommen. Anmeldegebühr SO Pf. Reichstag und Rundfunk. Zu diesem sehr zeitgemäßen Thema nimmt Landtagsabgeordneter Genosse E r n st Heitmann in der neuesten Nummer des„A r b e i t e r f il n k' in sehr beachtenswerten Ausführungen Stellung. Gemeinschastsunlerricht an der karl ZNarx-Schuke in Zteukölln. Diejenigen Genossen, die Wert darauf legen, daß Knaben und Mädchen geineinsam unterrichtet werden, seien daraus hingewiesen, daß die Korl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln, Äaiser-Fnedrich- Straße 208/210, seit Jahren die entsprechende Genehmigung von der Aufsichtsbehörde erhalten hat. Vit wohltäNgtcitbkosiüm'este der Swöter enden der vereinigten Staat». tnnfttchnlni finden untcr dem Titel.Himmelblau und rojarol' am Ton»« abend, dem 7. und Sonnabend, d,m 14. gebuiar ISZl in den fftäumen Hardenbecgstr. 33 statt. Wetleroussichlen für Berlin: Meist heiter, Temperaturen auch am Tage etwas unter Null.— Mr Deulichloud: Im Westen und Süden teils heiter, teil» nebtig-triibe, Temperaturen am Tage über Null, ün übrigen Reich« vorwiegend heiter, auch am Tag« augemein Frost. zedltotvor QrlppC Husten� eiserKeiisfjßS und allen ErKr»nKuni Aroungsorgane. Mteai&nfefeanUM«» pariemachrichien Ctafentongen für diel« Rubrik sind >« r U n SV«b, Ltndenllraße 3. T fürGroß-Verlin stet, an d», Be,irkss«tret-ri« !.H»f, 2 Treppen recht«, zu richte» <. itrcis Prenzlauer Serg, Heute,?o»nerstal». IS'z ilhr,?l>rtsesiunq bei Äursus Dr. Surland über:„ÄlaiTcnlomof um den Alltag" Im Bezirksamt Dangiftcr Ktr. Interessierte tiinnen noch terlnebmen. 5,»reio äriedrich«hai».'SiliumflMiiafdlusi. Isrettaa. S3. Januar, Kursus:»Die Weltmlrtschatl in der Nachirieweil", Jl Udr in der Schule Petersburger Straft« i, Zimmer 6. Sonnabend, 24. Januar. Ausspracheabend Uber den Vortrag des ib« nosscn Landsbera:»Die Krise de» Parlamentarismus und der Demokratie". Leitung: Benoff« Bernstein. Beginn ISsch Uhr im Jugend» heim Tilsiter Str. 4—?,. Saas. 13. Jtrct, Stealift, Lichte rselde. Lankwift. Unser neuer aktueller Kursus aber: ..Vlirgerlichc und sozialistische Kultur" unter Leitung non Genossen Artur Bolbstein beginnt morgen, ssreitaa. Li. Januar, SO Uhr, im Lesesaal der Stadtbüchcrri, Bruneiraldssr. 2. Hörgebllhr für 8 Abend- 3 M. Erwerbs. lose Genossen frei. 1«.»reis Reutölln. ssreiiag. 23. Januar, ISbr U?,r, ermeiterter Krcisvorsiand iu alter Bes-ftuna an b-lannter St-llc. Der engere«rcisvorssand trifft sich vorher IS'ü Übe im Parteibüro. 1«. Kreis Köpenick. Bildungsauslckuft. ssreltag. 20 Uhr. S. Abend de» Kursus der Arbciterbiidunasschule. Thema:»Das Wesen der neuen Gesellschaft", Pefereirt: Genosse Dr. Arkadi Surland. In der Bidliotbe! Köpenick, Schlaft. strafte 27, n. I Trv. Äurfusgebllhr 2 M.?>Ic Partei traucht dringender denn sc sozialistisch durchgebildefe ssunkiionäre, daher merden siimtliche »rrisfunktionäre aufqesordert. sich nach Maftnabc ihrer freien Zeit an diesem Kursus zu beteilige». Anmeldungen am»ursusabend In der Biblio. thek beim Genossen Kettner. heule. Donnerstag. 22. Januar: 2i>, Abt. 20 Uhr bei Eienzel, Echtsebenstr. 13, Ansspracheabenb über das Thema:..Warum führen wir Klossenfampi?" Die Ingendgenossen sind besonders eingeladen. Morgen. Areitag. 23. Januar: f. Nied 7. Abt. lOt: Uhr Konlmnmitgllederverfammluii« der t. Verkaufsstelle, Tieckstr. 54, bei Köbler. ffilmnortrag. tf. Abt. Uhr hei Medcrüraft. Emdener Eck« Waldenlerstrofte, Zahl, und Disluticrabcnd. 28. Adt. 19'� Uhr ssunllionärsiftun». 43. und 44. Abt. Parteiaenössifche sfrrid-nk-r der Gruppe 1». IsiV. Uhr bei Babe, Zichtesir. 29. Lichtbildervortrag:»Heinrich Zille"! Freldenkergnortett. Eintritt frei. Ssi. Abt. Sl-ntölln. 1S?>: Uhr in der Aula der Knabenmittelschule, Dona», straft« ILO, Abteiluugsversammlung. lsil. Adt. Treptow. I»lö Uhr im früheren Reirnbahnlofal General»erfan«ml»na. Berichte. Nenmahsen. Sonnabend. 24. Januar: 31. Abt. 50 Ahr?unkiionärsii>ung bei Goldschmidt. Bahlen w der Abteilung. Arauenveranskallungen. II. Krei» ÄmUll». Wir machen daraus aufmerksam, daft fllr den Surln, der Genossin Mathilde Wurm im Ziabmen der Ardeiterbildungaschule noch Anmeldungen erfolgen können. NSHcres bei den Junittonärinnen und im Mitteilungsblatt. v. Krei» Treptp». Di« für ssreitag. 23. Januar, anaesestt« ssunktionZrinnen» ssftung findet umstiindehalber erst am ssroitag. dem SO. Januar. Natt. & Abt. Die Genossinnen beteiligen sich am ffreitog. dem SS. Januar, lS!b Uhr. an dem Zille-Lichtbilder.Bortrog in Rades Aestfalon, ssichtestr. 5V. U» IS Uhr kur»« Besprechung Im gleichen Lokal. Arbeiterbildungsschule Berlin. 17. Krei, Lichtenberg. Heute, Donnerstag, 2S. Januar, 19% Uhr. dn Rat. haus Möllendorfftrafte. Zimmer 23. Beginn des Kursus Alexander Rofam: »Mansch und Maschine". Karten fllr den Bortrao Eolin Raft am 5. Jedruar in der Iugendbühne, zum Preise von 80 Pf., sind in der Bibliothek Weichsel» strafte zu haben. 19. Krei, Pankow. Haute. Donnerstag, 22. Januar, spricht Genosse lkrift Leo» im Jugendheim Sö-schstr. 14 wl Rahmen de» Kursus:.Laziallstisch« ISirtschaftopaittV Uder da, Themai.Der polUtsche Stundenlohn". Partei- .leniiisisch» Inieressentcn sind hierzu eingeladen. Wochcncndlursu» Sonnabend, 54. Januar, ia Uhr, und Sonnbig. Jb. Ja- ratat, 10 Uhr. Im Hörsaal der Ardeiierbildungsschule, Lindenitr. S, II. Hof. 2 Treppen. Zimmer 11. Dr.«rkadii Kurland bebandelt da» Thema:»Jaschis. nnio". Die Teilnehmer an den JLrienkursca sowie sonstige interassserte Bar» tcige Vossen sind hierzu eingeladen. Untoste» entstehen nicht. Arbeilsgemeinschaft der Sinderfreuude Groh-Verlin. Krei» Krenzberg. Treffvunkt zur Jungfalkenfahrt am Sonnabend, dem 21. Januar, pünktlich 11% Uhr. am Schlesssönn Bahnhof. Töpsc, Eftgeschirr und Lössel mitbringen. Geburlslage, Jubiläen usw. t». Abt. nicht 1Z. Abt. Unserem Genossen Reinholb Becker, Grünthaler Straße 7t,»nd dem Genossen z»e»b Rell, Grünthaler Str. 7». ,» ibrem HO. Geburtstage die herzlichsXn Glückwünsche. !>si. Abt. Eharlottenburg. Unterem lieben Pgrtelgenossen»nd Zunktioni, Hau» Habeeman». äricdbergstr. 53. die deezlichstcn«lückwnnschr zu icine» rtjährige» Partcijubilämn. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei-Organisation � 4. Abt. Unser Genosse Julius Wernau, Kaiseestr. ll— 12. ist Im Alter von 73 Jahren verstorben» Ehr? feinem Andenken. Di- Beerdigung findet am Zeel» :ag, dem 23. Januar. 14% Uhr. ans dem St.-Beoracn.Trirdbof, Landsberger Allee lll-Aiil, statt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 11. Abt. Unser Genosse, der GasKpirt Paul Kaiser. Goftkow�ystr. 34, Ist verstorben. Stire seinem Andenken. Einöscheruna Sonnabend, 11 Uhr. im Krematorium Gcrichtstraftc. Um rege Beteiligung wird gebeten. Das Beste zu liefern bleibt mein Piinzip! Fcinpter Apfelwein, sftfl........ jetzt TohannU- und Stadielbecrweln, aüß.. jetzt Feinstar echter Tarrsgona....... jetzt Echter Griechenwein, aUß, golden.,. jetzt Feiniter echter Maiaga........ jetzt Liter 0.72 .. O.SB .. i.ao .. i.ao » 1.38 Fl. O.TB '/, Fl. O.TB V, FL 0.88 von 1.20 Prima Weißwein„St. Martiner Berg4'. jetzt Prima Rotwein............ jetzt 29 er Llebfraumilch- Niarstcincr....jetzt Echte rote Bordeauxweine....... jetzt Echte feinste Weiße Bordeauxweine.... Weißer Bord., süß,, ,25er Haut Sauterne»" jetzt Vi Fl- 1.18 Echte Edelliköre, extra fein........ V. Fi. 2.88 Nordhäuser Branntwein-Aquavit.... jetzt Liter 3.20 Feinster Weinbrand Verschnitt..... jetzt„ 3. SO Feinster echter Weinbrand.»Maine".. jetzt» 4.SO Echter Jam.-Rum Verschnitt, TearumI...„ 4,48 Echter Jsni.-RomVerschnitt,fecrumn, 4S0li 5.20 Achtvcf I 1 Uta* aathklt ca. V11 Utw mehr aU«in« Vi H««ch«. Kostproben Gratis! ____________ Preise ohne Glas Echter Pepsin wein für Kranke.... jetzt'/, Liter 1,28 Echter ital. Vinn Vermouth...... jetzt„ 118 Echter Tasano.�Vlsch mich fröhiieh". jetzt„ 1,80 Charlottenburg: Wilmersdorfer Str. 157 Neukölln:Berüner St. 1 2 u. Hermann«. 87 Schöneberg: Kolonnensuaße 9 Steglitz, Scbloßstraße 121 Moabit: Gctzkowskystraße 31 Moabit: Wüsnecker Straße 8Z Spandau: Potsdamer Straße 23 Weißensee; Berliner Allee»47 Tempelhof! Berliner Straß« ija Pankow: Woilankstraße 98 Lichtenberg: Wismarplatz I Oberschöneweida: Wilbelminenhofstraße 40 Ft*nkfurt(Oder),Richt8traOe72 I Brandenburg(Havel),Haupt»tr.38 Oranienburg, Berliner Str, t| Angermünda, Berliner Sf. 2z G r« ßl es* � pezi a Ige schuft seiner Art • in ganz Dcu�tschland BERLIN: N, Brunnenstrafle 42 N, Müllemraßc 144 N, Chaussee«raße 76 O, KoppenMraße 86 N, Prenzlauer Allee 50 O, Petcisburger Str. 60 SO, Grünauer Str. 15 S O, Köpenlckcr Str- 131 W, Martin- Luther- Straße 86 OeNeniliche Versammlung Sonnabend, 24. Januar. 20 Uhr, lokal Lindner. Bleidorf'SOd, köpenitker Strafte 105-107 „Nationaler Sozialismus-VolKsbelrnS" Redner: Eridi Hullner. kl. d l. Minner und Frauen, erscheint In Massen! Vorträge, Vereine und Versammlungen. LA» Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". I0SSBP5 ffiefckiSItsftelle: Sctiin S 14. Scbastianstr S7— SZ Hot 2. Tr Donnerstag, 22. Januar. Wilmcisdoes sOrtsvereint. 20 Uhr Gene» 9*» ralversammlung im Viktoria garten. Wilhelmsane ltt. Buchtontrollc. Wassorsnoetabteilung. Zug Odersorr«. 2>i bis 21 Uhr Kastenrudern in Stralau. Tunnelstr. 3—»,— isreitag. 23. Januar. Wiln.eredoes sIungbanncri. 20 Uhr im Jugendbeil» Wildelmsau«. Bernau. R Uhr Jahrcshaupwersammlung im Vereinslokal. Wahlen.— Sonnabend. 24. Jannar. Pankow iOrtsvereint. lüti Uhr Pflichlantreten bei Linder. Breite Elrafte, Kasinosaal, zur Wimpcl. weih« de» Jungbanners sowie Nachrichtkii.iuges. Wasserspartabtcilung. Zug Tegel. 1»>4 Uhr im Bootshaus Eensralversammlung. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht.____ Selbsihiliebnnd der Körperbchindertrn. Ortsgruppe Betlin.Prenzlauer Berg. Am Donnerstag, dem 22. Januar, findet um 2i) Uhr bei WIlknei, Pankow, Berliner iZtr.»I. ein Lichtbildervortrag statt. Herr Dr. K. Räglcr spricht über: »Mürrische Bodcnschäfte und deren industrielle Verarbeitung". Eintritt spei. Gölte willkommen. Deutscher ssriedensbnnd. Donnerstag, 22. Januar, 20>; Uhr, im Restaurant Elchman», Bülowstr. im la»i Aollcndorfpiaft). nicht Konditorei Telschow, Bor. trag von Herrn Edel über:»Einzelfragrn zum heutigen lussische» Vollslcben". Palks.ffenerbestattungsoerein. Der Werdefilm„Memenlo- inori" wird in der Spielwoch« vom 23. Ms 25. Januar in den Phgrus-Lichtspielen, Müller. strafte 142. zur Bnsführung gelange». ....... zur________......_______ Den« ich« Gesellschaft fiit Pilzkunde, Ortogruppe BerNn. Sonntag, 25. Ja. ..r, Fübrung durch da» Botanisch, Museum in Bcrlin.DahIem mit besondere: Berücksichtigung der Dgurrausstellnng von Speise, und Giftpilzen. Jührung: nuar, s »ervcki. WWWWWWMWßWW WWW ZW Studienrat Kennig. Gül«, willkommen. Eintritt frei. Treffpunkt am Musrum, Dahlem. Königin�luise�tr. b-es, litjj Uhr. Berliner Gesellschaft für öfsentllche»«lunddeitspslege». v. Siftung am Dienstag, dem 27. Iatuiar, 20 Ilde, im Hogienitche» Institut der Uninersitöt Berlin, Doratheenstr. 50». Herr Dr. Echweers, Direktor im Hauptgesundheils. amt der Stadt Berlin:»Krcbsfürforge im In» und Auslande". Göst« will» kommen. „boc'ellsia Esperanto Asocio". Donnerstag, den 22 Januar, von 8-10 Uhr Im Jugendheim Am Ostbahnhof 17, Zimmer I:»Teaduftc, el Qermano." Freitag, den 23 Januar, von>>8—»Uhr Im Metallarbeilsr-Verbandshaus. Unienstr. 83-83, Portal Ii»Tradukoel Cermano.". Sonntag, den 25 Januar; Wanderung Oranienburg— Bernau. Treffpunkt! Uhr Bihnht Oranienburg. Anmeldung für neue Kurse bei Adolf Sprack, NS8, Choriner Str. 45. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Sintendunaen für diele Kubelt NM an da« Znoendierretailat Zteelw GW«. Tindensirabe 3 Kursus über ffraueufrageni Heute, 3. Abend. 20 Uhr, Im Porlragssaal desi Partelporstandes, SW.. Lindenstr. 3, II. Hof. 2 Treppen. Genossin Toni Pfüli, W. b. R., sprich: über:.Die Iran im Rechtoleben", Alle Mädel müssr» erscheinen. Wanderleiter! Die für beute angeseftt« Konferenz sindct am A. Januar xm Siftung Ssaal des Parteibezirks Brandenburg, SW.. Lindenstr. 3, II. Hof, 2 Treppen lint», statt. Knesun Rüdersdorf! Di« Teilnehmer werden qebeten, Sonntag bis spätestens 8'A Uhr dort zu sei». Mr die bereits gemeldeten Genossen ist Quartier in der Jugendherberge besorgt. heute, Donnerstag, 22, Januar, 19� Uhr: Aenswaldcr Plaft Ii! Rastenbvrger Str. 10. Jugendschuftforderungen der SAJ."— Roedosten II: Jmn!anueIIirchstr. 24...Einführung in den Sozialis. Mus."- Schönhauier Borstadt: Sonnenburger Sir. 2si.„Das Dolkslied."— „Der Schlager."— Prenzlauer Porsiadt: Gleimftr. 33-33. Lcfcabend.— Kalleschc« Tor: Pprckstr. II. Arbiitsaemcinsdraft.— Kottbnsser Tor; Briftcr Strafte 30.„Sepuelle isragen."— Südwest: Lindenstr. 4.„Geschichte der Ar. beiterjugepb."— Westend iR.-ss.): Heim auf dem Cportploft Westend. Arbeits- gemeinldmst.— Rcinickenbors-West: Ceidelstr. 1.„SAJ. und KIJ."— Tcqcl: Bahnbofstr. 15,„Sozialismus und Kirche."— Wittenau: Besuch des Arbeiter» bildüngskursus. Reinickendorf-West. Auguste-Vittoria-Wee 5. SGG. Westen: Rossnenstr. 4. IlH Ubr Isi-Mnuten-Referate. Weebebezirt Ticrgaetc»: Lehrter Str. tS— l». Arbeitsgemeinschaft det Aelieren:„Geschichte der Arbeiterbewegung seit 1914". Werbebezirk Prenzlauer Berg: Tanrbourkavcllc. Uebcn im Altersheim. Werbebezirk it«u,beeg: Brifter St. 27—3». Bildung«iusschuftsift,ing. Werdcbezirk Pantow: Görschstr. 14. Deiegiertenlonserenz. Werbebezirk Lichtenberg: Osfene Singestmide in der Echulaula!-i jrd Martkstraftc. Leitung: Genosse Karl Weiftenberger. Orchester: Musit- s i si! einlagen, Mitglieder anderer Abteilungen sind eingeladen. Einiritt i st >1 25 Pf. Erwerbslose frei. Abteilungsleiter, rechnet ddrtfclbst die Karten( S W ab. Beginn 50 Ubr. Werbebezirk Reukiilu- Portetbürv. Bilbungseuicschuftssftnnz. Ardcitsgewcin» schalt Torhocst tagt In der«arl-Mart�chuIr. Zur neuen«arlenartikel.Perarbnuug. Die einzigen Markenartilel in der Schuhmirtlchaft im Sinne der neuen Preisverordnungen sind Heft, und Lingel» Schuhe. So heiftt es im Gutachten de« Boläusigen VIetchswirtschoftsrato zur Markenarttiel-ZIersrdnung. Aufterdem wurde festgestellt, daft am 1- Juli 103». dem vorgesehenen Stichtage der Perardnung, die Preise für Heft, und Lingel Fabrikate durch die durchgeführte Rationalisierung der Betrieb» gerade derartig herabgesetzt worden waren, daft damit der Zweck der neuen Verordnung bereits erfüllt ist. Die Preissenkung betrug schon damals fast«in Dierlcl des früheren Preises. « 6er 58är? ff!: 'fefV B SfR Pas neue i-'NEB fun KMAÜS 1« , /'/// ,1 b IbAii« XQZ h'.iWvr fi' üf. (L': 1 ■A* k;: mn • Achtung! Achtung! Vergessen Sie nicht, wenn Sie in Jhrer Häuslichkeit den Sendungen des Rundfunks tauschen, den Genuß einer\soJchen behaglichen Stunde zu steigern durch: mMosetii«fuuxo Berlins meis/gerauch/e Cigarefte% in derEinheiüpackung 40a VMMMMM-WW Achtung! Verwaltungsmitglleder! A» Freitag, de« 2Z. Januar, abend» 7llhr, Sitzung der Mittleren Verwaltung. Die Or tire rw altung. Theater, Lichtspiele usw. i Donnerst, 22.>. Staats-Oper Unter d. Linden H3. A.-V. 19 Uhr Der Roses- Kavalier Ende 23 Uhr Staats-Oper Im PUtz 1c ürtullil. 19"- Uhr Honmanns ErxatiluDgen Oetfall. brtnntnf. Enden. 22,U Uhr Donnerst, 22. 1. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uhr Tiefland Ende 2Z'h Uhr StaatL lern GnUraennai 123 A.-V. iBSincs Gehirtstag 20 Uhr Nathan der Welse Ende n.22«/t Uhr Staati.Scliiller-Ttieater.niarltiig. 20 Uhr NORA. Ende 22% Uhr WintQj. - Garten• 5 Ohe. Zintr. 2S19. Kaudm erlialit Codonas/ Leltxal/ 9 Songs 1 Superb's/ Breker'a Blrenschau usw. SCAtA I TätL S u. S15 l Sannt. 2, S, u.•" | Alex. E. 4«Oes Vorsttllung 80 Pf. M( IM. II. und III. Vontallung t bis t M. 2« Alfrod jnrhMon- Girl» mu* Bola.fc» Mim. »'-udr CASINO-THEATER»'Uh. Lothringer Strafte 37. ititiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiuiiiiuiiiiHiiuimiiuinttttiii Unwlderradicb nur bis 30. Janoar Biederleute Bnd ein erstklassiger bunter Teil. SoBnabead» 31. Januar zum 1. Male Onkel BUhn ans Nenruppln Gnlbdieln 1-4 Perionen ■ Fauieuil L25 Mi. Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. THEATtRiMADMIRALSPAUtT Tägl. U'/« Merkur9901, 9877 Auf den Fleok VoiksDtlhne Diuter an BSIovglali. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von Franz Molnar SqicXarl Heinz Martin Staafl.Sdiiller-Tli. 8 Uhr Nora Theater am SchltiDaueraainm 8V« Uhr Die Quadratur des Kreises metropol-TPeater Täglich 8% Uhr Richard Tauber in: schön ist die Welt Operette von Lchär fillgetneioEMen-DÄto der MetallarliEilEr tTfZXVi Am Montag, 19. Januar, oerftarb nach kurzem Ätanlcniagcc unser lieber Freund und langjährige Käisicrer �.uxust KleZder im Aller ran 71 Jahren. Ehre seinem Andenlen. Einäscherung am Sonnabend, bem 24. Januar, nachmittag» 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beleiiigung erwartet Dia Ortsverwaltung. ÜEllllOlE! UlEZlEl 8 Uhr klissbetb vvn England von Fem Bruckner Regie: Heinz Hilgert Kammersplele 7'h Uhr Henfiznin ersten Male Pariser Platz 13 von l/icki Baum b;i«: Oaslzl Cründgens Bühnenbilder: Ernst Schütte. Die Komödie 8>/« Uhr Die Fee von Franz Molnar Regie; Stefan Boik. Thealer am Sihiilhanerdamm Norden 5813 u. 0281 Täglich 8 Uhr Zum SO. Male: Die Quadratur des Kreises Lustspiel v. Katajew gie: v. Mendehohn Preise von 1—12 M. Deutsches (üDSiler-Tbetl. Barbarossa 3937. SV* Uhr Zum ooldcoen Anker mit Käme oonft Sonntag, 25. Jan. 4 ötir Pmi-mbtiehgog „Zum goldenen linker Halbe Preise. Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8"» Uhr Mus die Kuh milch geben? mit RIHert Bassennano FRITZ KORTNER Theater IWEitegs Täglich 8>/. SamatioDcIler Opcretlenertolg I Viktoria undihrHusar Tb. a. Holleulorfplatz I Pallas 7051| Tägl. 8% Toruniersndiung Ivon Alsberg u. Hess;| Sonnt nachm 4 I halbe Kassenpr.| Kleines Theat. Täglich 8'/> Uhr: Oer Seetenforscher Knmödie van Fritz Nack Traute Flamme, Kauimann, Farenburg Komische otier 8>.z Uhr Peppina Operette von RobertStolz. URANIA Morgen, Freitag. 23. Jan. abends 8l/< Uhr im Langenbttk-rirdiow- Haut. Inisenstr. 58-59 lohannes Velden „Uialte Lebensformen und moderne Tedtnik auf Island" Vortrag mit Lichtbildern Ein Tonfilm von Heinz Goldberg Dialoge mit Benutzung von Originaltexten von Rehfisch REGIE: HANS BEHRENDT Danton........ Kortner Robespierre... Gründger» Louise Gel/... Kannheim Karat........ Granach Saint Just....... Schott Ludwig XVI. Stahl-Nachbaur Desmoulins. v. Wangenheim Legendre.... S peelmanne Dumouriez. Ferdinand Hart Ein Kleinrentner. Carl Goetz MOZARTSAAL am Nollendorfpl. B 7 Pallas 7051 Vorverkauf 12-2 Uhr URAUFFÜHRUNG HEUTE 8 30 AB FREITAG 7->° 9" SONNAB, SONNT. 5« 7» 9« Am Montag, dem 19. Januar, abend» 7-7. Uhr, eiuschiief samt nach turzem schweren Leiben mein lieber Mann nnb Lebensfainerah. unser treusorgen» der Daler, Sohn. Schwiegersohn, Bruder und Schwager Paul Letz im 46. Lebensjahr. In tiefer Trauer Frieda Letz, geb. Lehmann Karl Letz Gerhard Letz Bln.-Schilneberg. 2L Januar 1981 Monumentenstr. 32 Dt« Trauerfeier findet am Sonn- abend, dem 24. Januar, nachmittag» 47/. llhr, in der Kleinen Halle de» Krematorium» in der Serichtstraße statt Am 19 Januar, vormittags 1 1 Uhr, verschied nach lurzer Kranlheit mein lieber guter Mann A.uxust Kleiber im Alter von 71 Jahren, Berlin, 20. Januar 1931 Heckmannuser 5 Anna Kleiber. Die Trauerseier findet Sonnabend, 24. Januar, nachm. ö Uhr, im Kremar. Baumsdin ienweg, Kieiholzstrage, statt. Wet HElallarbBitEt-fEM Verwaltungsstelle Berlin Todesanxelgen Den Mtlgliebern zur Nachricht, daß unser Kollege, bei Schlosser Paul ltvedea geboren 6. Juli 187L am 20. Januar geswrden irt. Die Beerdigung findet Sonnabend. 24. Januar, IbV, Uhr, von der Leichen- Halle de» Eltiadelh-Demeinde-Fried- Hose», Prinzen-Allee 66, au» statt. Am 19 Januar starb unser Kollege, der Arbeiter August Kleider gebogen 27. Juli>859, Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 24. Januar. 1? Uhr. ,IN Krematorium Baumfchulenwcg statt Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 13. Januar starb unser Kolloge, der Sattter krau? Brennecke geboren 21. Januar 1892. Die Beerdigung hat dereii» statt- gesunden. Ehre ihre« Andenken! Die Ortsverwaltung. Am Dienstag, dem 20. Janttar, ist nach langer, schworer Krankheit mein geliebter Mann, unser unvergeßlicher. lieber, herzensguter Vater, Schwioger- und Großvater, Herr Julius Wernau im 74. Lebensjahr von uns gegangen. In tiefer Trauer Berlin C, Bertha Wernau, geb. Haack Kaiserstr. 11/12 nebst Kinder und Enkel Die Beerdigung findet am Freitag, dem 23. Januar. nachmittags 21/, Unr, von der Halle des St.-Georgen- Friedhofs. Landsberger Allee 21/23, aus statt. Nachruf. Am Sonntag, dem 18. Januar, rersebied unser langjähriger Angestellter, der Maschinenmeister Herr Max Beckert nach seit wer er Krankheit. Wir verlieren in ihm einen treuen Mitarbeiter, dessen vorbildliche Pflichterfüllung und hervorragende Charaktereigenschaften ihm ein bleibendes Andenken unserer Firma sichern. Garbäty Clgarettenfabrik G.m.b.H. Berlin-Pankow. Nachrüf. Nach längerem Leiden verschied unerwartet unser lieber Kollege und langjähriger Mitarbeiter, der Maschinenmeister Herr Max Beckert Seine vorbildliche Pflichttreue und aufrichtigen Charaktereigenschaften sichern ihm ein bleibendes Andenken. Die iedmisdien Angestellten der Garbäly Cigarettenfabrik G.m.b.H. Berlin-Pankow. Eamovsky-BühBen Theatgr In der Sirsseraannstr. h'.'i Uhr. Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhau» 8'k Uhr Cocktail von Tollnoeller c.Btnatzky BErltner Theat. SV* Uhr Die ReginiEntitoditer von Donizelti Rose-Theater Gr.FraiiklarterSir.iäZ | Tel. Alex 3422 u. 3494 5.30 Uhr Zwangs- elnquartierung S1.* Uhr Die Doilarprinzessin I Esting-Ttotir Am 20. Jaäiuiir verschied nach langem Fc-hworen Leiden mein ihnigstgeliebtor Mann, unser Väter. Schwie'gersatör' und Großvater Paul Kaiser im 63. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen Frau Paulina Kaisar und Kinder. Die Einäscherung findet statt am Sonnabend, dem 24. Januar, vormittags 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Nachruf. Am Sonntag, dem 18. Januar, verstarb nach schwerer Krankheit unser ehemaliger Kollege und jetziger Maschinenmeister Herr Max Beckert im 33. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Verstorbenen i nicht nur einen gerechten Vorgesetzten, sondern auch einen lieben Freund und Berater. Durch seinen hochanständigen Charakter hat er sich in unseren Reihen ein dauerndes Andenken gesichert. Der Betriebsrat. Die Kolleginnen u. Kollegen vom Mascfainensaal der (iarbÄly Cigarettenfabrik G.m.b.H. Berlin-Pankow. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dein 24. Januar, um 16-/, Uhr im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstraßc, statt. Plscaior-Bühne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Täglich 8'/i Uhr „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf Regie: E Piscaior Heute gesditeentfont.! Das grandiose Januar- Programm! Nachm. ermäßigte Preise! Dönhoff- Brettl: 10 grolle farierf-ftimmsro! Tanz! Kapelle Hans Sixtus. Täglich SV* Uhr Uamsell Nltouffle | Operette von Herve Erika v. Tnellnaiut. •'Max Adalbert EUie'Sanger Kottbusser Str. 6 F. 8. Obcrb. 6070 Tägl. 8';. Uhr Sonntags udi J'/z Uhr .Das mach: uns keiner nach' ihn Gaihpiri Ciaire 1 waioott; Rata, inniligh Pniu I Uistspiemaus KUPt GQtZ Täglich 8V» Uhr Oer LOgner u. die nenne Kleine A nzelgeix wirkunQSveii und billig- Ukorxteriftiwwre 75 PI.. Ta.twort 11 Ff./ Wl rkiolaMftraF«! t. 10 mwl 5V 70«toi od» lOOO Wort» Ad». klon 10* 7000 Wort» 1$%, 40O0 Wort« 70« igio«�0»4»cFo: Ukor acMtfTawort 15 Ff- TomKoovVIQ Ff. Awoohew dwrgk den Vorlog. LindonsFr. 3 ,'•«9 Fn 5 UFrs»od adsoKxk« Vorwdrt» FtHolon u. 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Im haushaltsausschub des Reichstags wurde der Answendung weiterer öfseullicher Mittel zur Aufreck)terhaltung de» Kupserbergbaoes im Mausfeldrevier für die beiden Iahre 1931 und 1932 zugestimmt. Den Verhandlungen lag eine Denkschrift der Reichs- regierung zugrunde, der wir folgende, für die Beurteilung des austergewöhnlichen Subventionierungsoorgaiiges wichtigen Fest- siellungen entnehmen: � Für die Haltung der Regierung ist nach der Denkschrift lediglich das öffentliche, und zwar sowohl das finanzielle als sozialpolitisch« und volk-wirtschastlilbe Interesse an der Ausrechterhaltunq des Mansfelder Kupferdergt�aues maßgebend. Die fnanziellen Auswirkungen der Stillegung für die Allgemein- heit seien aus Grund der Mindereinnahmen und Mehrbelastungen für die öffentlichen Stellen auf jährlich 23 Millionen Mark zu be- rechnen. Di« Stillegung habe die Arbeitslosigkeit von 12 l) V 0 A r- heitern und Angestellten und die Existenzzerstörung für 30 000 Menschen zur Folge. Dazu komme die Tatsache, daß der Fortfall der Kupscrerzeugung bei Mansfeld zu einer Mehreinfuhr im derzeitigen Werte von 33 Millionen Mark jährlich führen würde. B e m« r- kenswert und neu in der bisherigen Diskussion ist auch die Hervorhebung der Bedeutung der Mansfeldschen Kupfererzeugung für die deutschen Wehrinter essen(die freilich schon 1921 einmal eine Mansfeld-Subvention herbei gesührt haben). Die offiziell eingeholten Gutachten rechnen bei einem Kupferpreis von 10 30 Cents für das englische Pfund(450 Gramm) und bei einem Silberpreis von 45 Mark je Kilo für die Kupferbetriebe mit einem Iahresoerlust von 8 Millionen Mark. Da die jetzigen Preise niedriger seien, erhöhe sich der Aussall um 1,2 Millionen, der aber durch die neuerdings durchgeführten Lohn- und Gehaltssenkunzen fast aus- geglichen werde. Das mit der Reichs- und Staatsregierung zu treffende neue Abkommen sieht zur teilweisen Deckung des Betriebsverlustes bis Ende 1932 einen jährlichen Höchst zu schuh von 5,4 Mil- l i o n e n vor: dieser Zuschuß soll in monattickien Raten bezahlt werden und sich jeweils in dem Maße verringern, als die Kupfer- und SIlberprcise wieder ansteigen. Um die von den Gutachten als wahrscheinlich bezeichnete Wiederherstellung der zukünftige» Wirt- schastlichkeit bald sicherzustellen, ist eine weitere Beihilfe von jährlich 1.2 Millionen für Betriebsverbesse r u n g e n vereinbart Reichswirtschaftsministerium und preußisches Handelsministerium haben über die Verwendung dieser Gelder mit- zubestimmen. «Durch Beschluß des Haushallsausschusses ist die Fortführung der Mansfeld-Kupserbetriebe auf längere Zeit gesichert und der furchtbare Druck von der Bevölkerung des Mansfeld-Reviers genommen, unabsehbarem Elend ausgeliefert zu werden. Die Sozialdemokratie hat dem Beschluß zugestimmt, die Kommunisten haben ihn abgelehnt. Man könnte die Ablehnung verstehen, wenn es sich um eine der herkömmlichen JndustriefubveMionen handeln würde. Aber die sicher zu erwartende Stillegung war, besonders angesichts der allgemeinen Wirtschaftskrise, auf die Dauer für die Bevölkerung des Mansfeldgebietes das wirtschaftliche Todesurteil Die finanziellen Folgen der Stillegung hätten Staat und Gemeinden noch viel härter getroffen und noch viel mehr gekostet als die jetzige Aufrcchterhallung der Betriebe mit öffentlichen Zuschüssen. Außerdem ist die zukünftige Wirtschaftlichkeit der Betriebe, die selbstverständlich die grundsätzliche Voraussetzung für die vorübergehende Verwendung öffentlicher Mittel sein muß, nach der Auswcirdung zusätzlicher Mittel wohl zu erwarten. Freilich übernimmt die vorgesehene Kontrolle durch �Reichs- und Staats beauftragte hierbei eine sehr ernste Verantwortung. Sie muß die Herbeiführung der Wirtschaftlichkeit nötigenfalls erzwingen, wenn die Verwaltung versagt, und die Kontrolle wäre sinnlos, wenn nicht auch, falls es nötig wird. Kapital- opfer der Aktionäre erzwungen würden. Das ist auch für die Tatsache wichtig, daß es sich bei der Subvention grundsätzlich nicht um verlorene Zuschüsse handelt, sondern um Kredite, die aus zukünftigen Gewinnen zurückgezahlt werden sollen. Die Aktionäre können nicht etwa aus das volle Kapital Gewinne verlangen, wenn der Staat für feine Kredite auf Zinsen verzichtet hat und die Beleg- schaften so hohe Gehalts- und Lohnopser gebracht haben, wie es hier geschehen ist. Die neuen Osthilfepläne. Wirkungen der Kanzlerreise.- Kabinett berät erweiterte Maßnahmen. Die Reis« des Reichskanzlers Brüning durch die Ostprovinzen hat die Arbeiten für die Durchführung eines neuen Osthilsegesetzes beschleunigt. Das Reichskabinett beschäftigt sich bereits mit den neuen Entwürfen, und es dürsten in den nächsten Tagen Entscheidungen zu erwarten fein. Die Reis« des Kanzlers war in- sofern von erheblicher Bedeutung, als jetzt die Frage im Vorder- grund steht, ob die Osthilfeaktion außer aus Ostpreußen und kleinere Teile anderer Ostprovinzen auch auf dos ganz« Gebiet Pom- merns. auf Brandenburg und die beiden Länder Mecklenburg ausgedehnt werden soll. In diesem Falle würden erheblich größere Mittel erforderlich, was wahrscheinlich bedeuten würde, daß die ganze durch den Noung-Plan zunächst frei- geworden« Industrieumlage herangezogen werden würde (Siloerberg-Vorschlag), und zwar 200 Millionen im Jahre 1932, 160 im Jahre 1933 und je 120 Millionen in den Iahren 1934 bis 1936. An den Grundsätzen der geplanten Aktion braucht diese Ausdehnung, der die größten Bedenken entgezenstehen, aber nichts zu ändern. weikergreifende Maßnahmen— größere Mittel. Soweit bis jetzt bekannt ist, übernimmt der neue Entwurf im wesentlichen den Aufbau des alten Osthilsegesetzes. Für die II m s ch u l d u n g von landwirtschaftlichen Betrieben war in der Notverordnung für 1930/31 die Uebernahme von Bürgschaften im Betrage vo» 100 Millionen Mark vorgesehen, während inner- lnlb des Kriegslastenhaushalts für 1931 8 MUlionen Mark bereit- stehen. Nach dem neuen Osthilsegesetz sollen 100 Millionen Mark darlehnsweise zur Verfügung gestellt werden, und zwar je 50 Millionen Mark für die beiden Jahre 1931 und 1932. Weitere 100 Millionen sind außerdem als Bürgschaften für die Um- schuldung vorgesehen, und zwar 10 Millionen für 1931, je 20 Millionen für die Jahre 1932, 1933, 1934 und 1935, und 10 Millionen für 1936. Für die Betriebssicherung(Maßnahmen zur Ergän- zung der eigentlichen Umschuldungsaktion) waren«m Etat für 1931 nur 20 Millionen Mark vorgesehen. Jetzt sollen auf die Dauer von vier Jahren ab 1932 insgesamt 100 Millionen Mark, alio jährlich 25 Millionen Mark bereitgestellt werden. Offen ist die Frage, od außerdem noch Bürgschaften für die Betriebssicherung im Betrage von 100 Millionen Mark vom Reich und von Preußen übernommen werden sollen. Aus diesen Betriebssicherungcfonds will man Betriebe subventionieren, die nicht eigentlich überschuldet sind, aber doch den Ziufendicnst und fällige kurzfristige Schulden nicht voll bezahlen können, ferner solche bereits hoch ver- schuldete Güter, bei denen die Gläubiger aus Angst, ihre Forde- rungen vollständig einzubüßen, keine Zwangsversteigerungen herbei- führen, so daß diese Betrieb« zwar nicht unter den Hammer kommen, aber allmählich absterben muffen. Ferner solle» solche Güter wieder hochgebracht werden, die zwar ohne Schulden sind, deren Guts- inoentar aber wegen der Unterlassung des notwendigen Kapital- aufwandes unzureichend oder unbrauchbar geworden ist. In engem Zusammenhang damit steht eine Neuregelung der Befugniste der Landesstelleu. die die Verteilung, Organisation und Ueberwachung der Um- schuldung- Hilfe und die Durchführung der Betriebssicherung aus- zuüben haben. Aus der Vergangenheit und aus der großagrarifchcn Agitation gegen Preußen ist bekannt, daß hier die um- st ritten st en Probleme der Osthilfe liegen, da die Gefahr be- steht, daß die Betricbssicherung durch die Tätigkeit und durch die Zusammensetzung der Landstellen einfach nur zu einer unfruchtbaren Subvention großagrarischer Rittergüter werden kann, ohne daß den eigentlichen landwirtschaftlichen Nöten im Osten abgeholfen wird. Die Landstellen sollen ermächtigt werden, von den Landwirten Ver- mögensaufstellungen und eidesstattliche Erklärungen anzufordern. Die landwirtschaftliche Siedlung, eines der wich- tigsten Mittel zur Gesundung der agrarischen Verhältnisse im Osten, soll mit besonderem Nachdruck betrieben werden. Es ist daran ge- dacht, besonders in den dünnbevölkerten. Gebieten die Neu- und An- liegersiedlung stark zu fördern, wozu Bürgschaften und Darlehen bis zum Betrage von 150 Millionen Mark bereitgestellt werden sollen. Zur Lastensenkung, d. h. zur Senkung der N c a l st e u c r n und zur Verminderung der Schisfahrtsabgabcn ist die Bcreirstellung von Mitteln in gleicher Höhe wie für 1931, d. h. 30,3 Millionen Mark für die Jahre 1932 bis 1935 beabsichtigt. Neben den Mahnahmen sür die Landwirtschaft sollen auch Handel, Handwerk und Gewerbe unterstützt werden. Wie schon im alten Osthilfegesetz ist eine Frachtermäßigung geplant, deren Kosten auf 15 bis 20 Millionen Mark veranschlagt sind, während im Etat von 1931 für diese Zwecke nur 1 2 M i l l i o- nen Mark vorgesehen waren. Vom preußischen Handelsministermm ist ferner der Vorschlag gemacht worden,(m Osten auf die Auf- bringungsumlage(Jndustriebelastungsgesetz) zu verzichten, was für das Reich einen Einnahmeausfall von 10 bis 12 Millionen Mark bedeuten würde. Zur Förderung des sozialen und kulturellen Lebens im deutschen Osten sollen von 1932 bis 1935 lährlich je 20 Millionen Mark verwendet werden. Hier wird die Oeffentlich- keit besonders auf die Verwendung der Mittel zu achten haben. Entsprechend den preußischen Borschlägen, auch entsprechend dem alten Osthilfegesetz ist ein Reichsdarlehen von 130 Wil- lionen Mark an die Reichsbahngefellschaft vor- gesehen, das der Erbauung neuerEifenbahnlinien und der sonstigen Verbesserung der Berkehrsverhältnifs«(wahlweise Er- richtung von Kroftfahrlinien) dienen soll. Wie dieses Kapital be- schafft werden soll, ist natürlich eine offen« Frage. lieber die wichtigste Frage, die Finanzierung des neuen Osthilfeprogramms, bestand bisher noch wenig Klarheit. Geplant ist, die Mittel für die Umschulöungsattion den, Aufkommen aus der Industriebelastung zu entnehmen. Ferner ffollen zur Einlösung ver- zinslicher, fünf Jahre laufender Verpflichtungsscheine zentraler Kreditinstitute abermals 90 bis 100 Millionen freigemacht werden. Auch rechnet man mit 75 Millionen Barmitteln von der Rentenbank, kreditanstalt und der Preuhenkasie. Für den Rest der nicht aus d/n Steuereinnahmen des Reiches stammenden Mittel müßten um mindesten von Reich und Preußen weitgreisende Bürgschaften ffver- nommen werden. Die Finanzierung des Ostprogramms ist jedenfalls heute noch, was bei der Finanzlage von Reich und Preußen nicht verwunderlich ist, die größte Sorge des Reichskabinetts. Kleiner Gewinn bei Wanderer. Kräftiger Abbau ver Schulden. Von dem großen Umsatzrückgang der Automobil-«nd Motor- radindustrie im letzten Jahr scheint die Wände rer-Werke A.- G. in Chemnitz, die mit einem Kapital von 15,7 Millionen Mark zu den führenden Kraftfahrzeugfabriken Deutschlands gehört, nicht betroffen zu fein. Da infolge der anhaltenden Fahrradkrifo auch der Fahrradbetrieb der Waaderer-Werke sehr im argen liegt und das Gefamtuntenichmcn entsprechend belastet, müssen nach dem jetzt vorliegenden Jahresabschluß die beiden Hauptbetriede, die Auto- und Motorradfabrik, im lstzten Jahr verhältnismäßig gut ab geschnitten haben. Dem Unternehmen ist es nämlich gelungen, die hohen Verluste von fast 2 Millionen Mark, die nach den gewinnreichen Vorjahren für das Geschäftsjahr 1928/29 überraschend ausgewiesen wurden, im letzten Jahr in einen kleinen Reingewinn von 74 000 Mark zu verwandeln. Der Geschäftsbericht und die Bilanz liegen ini einzelnen noch nicht vor. Es wird aber aus den fast gleich hoch vorgenommenen Abschreibungen von 1,08 Millionen Mark ersichtlich, daß dieser Gewinn nicht durch willkürliche Senkung der Abschreibungen künstlich geschaffen wurde, sondern echt ist. Die im ver- gangenen Jahr mit 12 Millionen Mark sehr hoch ausgewiesenen Schulden konnten bis aus 7,8 Millionen Mark zurückgezahlt werden, was darauf schließen läßt, daß die Gesellschaft ihre stark air- geschwollenen zinsensressenden Läger in ziemlichem Uni- fang räumen konnte. Ein genauer Ueberblick wird aber dadurch unmöglich gemocht, daß die Forderungen cm die Kundschaft und die Vorräte in einem einzigen Posten ausgewiesen sind. Wenn auch die Wanderer-Werke die guten Zeiten von 1925 bis 1928, in denen mit übertriebenem Optimismus mehrere Jahre 12 Proz. und vor zwei Iahren noch 6 Proz. Dividende gezahlt wur- den, sobald nicht mehr wiedersehen»»erden, so läßt dieser sür ein Krifenjahr verhältnismäßig günstig« Abschluß doch erkennen, daß die Wanderer-Wert«, am Gesamtumsatz der deutschen Automobil- industrie gemessen, neues Gelände auf den Absatz- markten gewonnen haben. In welchem Umfang aber auch die führenden deutschen Automobilwerke das Vertrauen der Aktien- kapitalisten verloren haben, beweist die Tatsache, daß die Aktien der Wanderer-Werke, die vor dem großen Börsenkrach im Mai 1927 noch mit 440 Proz.(4400 Mark für ein« Aktie o-m 1000 Mark Nennwert) notierten, heute einen Tiefstand von 28 Proz. erreicht haben._ Frankreichs Außenhandel. Seutfchland größter Lieferant. In, letzten Jahr betrug die Einfuhr nach Frankreich 60,7 Millionen Tonnen im Wert von 52,3 Milliarden Franken. Mengenmäßig ist die Einfuhr nicht unerheblich um rund 1,3 Millionen Tonnen gestiegen, jedoch ist infolge der intec- nationalen Preisrückgänge der Wert der Einfuhr um 5,87 Milliarden Franken, also fast eine Milliarde Mark, gesunken. Die Aus- fuhr aus Frankreich stellte sich auf 36,5 gegen 39,9 Millionen Tonnen im Jahr« 1929. Der Aussuhrwert ging von 50,1 aus 42,8 Milliarden Franken, also um fast 15 Praz., zurück. Für den Verkehr mit den einzelnen Ländern liegen noch leine abschließenden Zahlen für 1930 vor. Jedoch zeigt der legte Ausweis der französischen Handelsstatiftik sür die Zeit vom Januar bis Oktober 1930, daß Deutschlands Stellung als Ware:,- lieferant sich auf dem französischen Markt weiter beseitigt hat. In diesen zehn Monaten hatte sich gegenüber der entsprechende» Zeü von 1929 Deutschlands Ausfuhr nach Frankreich von 5,35 auf 6,67 Milliarden Franken erhöht. Damit steht Deutschland bei der Wareneinsuhr nach Frankreich weitaus an führender Stelle, denn erst in großem Abstand« folgen mit einer Einsuhr von rund 5 Milliarden Franken die Vereinigten Staaten von Amerika, und an dritter Stelle Großbritannien mit einer Einfuhr von 4V6 Milliarden Franken. Trotz der Beschwerden der Chemnitzer Strumpfexportcure über die Aenderung der französischen Einfuhrzölle für baumwollene Strümpfe und Socken, die wir gestern meldeten, werden sich auch diese Zugeständnisse Deutschlands im Interesse der Erhaltung eines kräftigen deutsch-französischen Wirtschaftsverkehrs gut bezahlt machen._ Zemenkfabrik für Ostpreußen. Die oft erörterte Möglichkeit, den wirtschaftlichen Wiederaufbau Ostpreußens auch durch neue Industriesiedlungen zu fördern, wird durch die beabsichtigte Gründung einer Zementfabrik jcgt praktisch zur Diskussion gestellt. Unter der Firma„Ostzcinent G. m. b. H." ist in Königsberg eine Gesellschaft gegründet worden, die die Fabrikanlagen der ehemaligen Umon-Gießerei zur Errichtung einer neuen Zementsabrik ausnutzen wollen. Mit den notwendigen Umbauten soll schon im Sommer begonnen werden. In Ostpreußen bestand bisher keine Zementfabrik. und der Zement dürft« durch hohe Frachten verhältnismäßig teuer gewesen wird. n rote Hancle: Creme Leodor Die kühlende und heilende Wirkung der sdmeeig-weißen Creme Leodor tritt besonders in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte im Winter stark gerötet sind. Auch bei spröder und aufgesprungener Haut leistet die Creme bei dem so lastigen luckreiz der Haut sowie als Puderunterlage vorzügliche Dienste. Tube 60 Pf. und 1 Mk., wirksam unterstützt durch Leodor- Edeiseife, Stück 50 Pf. In allen Chlorodont-Verkaufsstellen erhältlich. Srbarml Euch Ton Johann Prießnack nwEberti seit dem frühen Morgen durch das chemnlige Kampfgelände �der Champagne zwischen Auberioe und Maronoiliiers. Der Mont Cornillet, Fichtel. und Pöhlberg standen in der Fern« wie schneebedeckte Berg« unter dem gläsernen Blau des mafcillosen Iulihimmels. Der Schnee war Kreide, weißes von Graqaten aus der Erde gewühltes Sestein. das, einst m Brocken emporgewlrbelt §rnd unter den täglichen Hagelwettern der Geschosse zu Sstoub zer- rieben, dem barmherzigen Bordringen der oerdeckenden idekraut- na�be.über ein Jahrzehiu schon hartnäckig widerstanden hatte. Auch in iVr Ebene bemerkte Drießnack mit dem sicher beobachtegiden In- stinkt' t>es ehemaligen Frontsoldaten überall die Spuren d<* Kampf- lknie» wnb auegedehnter Trichterfelder. Zwischen den Ansehen krüp- peliggn Buschwaldes standen vereinzelt hochstämmig« Bai»mskelett«, kahl, swmmer Derzweiflung. von Brand oder Puloerd.nppf noch immer geschwärzt. Kern Pflug hatte die Erde berührt, die, eine un- geheurd Saat von Eisen- und Stahlsplthem in ihrem unfruchtbarem Schöße barg. Nirgends eine Spur von Aufforstung, nur immer w'�&er Erdauswürf«, chünengräbern gleich, unter Strauch- werk darunter die Bettungen schwerer Artillerie oder rterschüttete Betonunter�tände. D rieh natt Ichritt langsam durch die öde Landschaft, vrientierte sich mit dem ,Kompoh und einer alten Generalstabskarte, stand zu- weilen mit klonendem Kerzen still und schloß die Augen, als horche er in das siedende, sommerliche Schweigen dieser endlose« Eben«. in der er seit Stünden keiven Menschen und kein Haus mehr ge- sehen hotte. Vieles, was iv den Jahren feit Kriegsschluß nur in seltenen, schreckhaften �räumen geisterhaft ausgestanden war. um schließlich auch wieder in gna-denvoller Vergessenheit unterzutauchen, stand urplötzlich in quälend«?, fast leibhaftiger Deutlichkeit vor ihm. Ja, hier auf dieser unheimlich leeren Mark war es. an einem Maientag. Hier stürmten sie an. nach tagelangem Trommelfeuer. zwanzig Tanks, und trieben sts aus monatelang behaupteten Stel- lungen. Ueber Tote, schreiende Verwundete und Befestigungen hin- weg, über schießende Maschinsngewehmester. walzten die»fernen Ungeheuer, Feuer aus ihren gepanzerten Leibern speiend, Angst und Schreie vor sich heqtreibend. In wildem Tumult.jagten sich die Bilder grausiger Erinmerun- gen, als Drießnack auf Trümmern eines verrosteten Tanks faß, der als trauriges Wahrzeichen sich aus der Ebene heraushob. Er- h-tzt und verstaubt erreichte er dann den schmalen Feldweg, der nach Boiz du Puits führt. Bon weitein fch-m sah er den niedrig«, Wald der Gräberkreuze. erkannt« er d?e prenge Anordnung dgss grad- linigen Gräberreihen. Drießnack.kam an diesem Tage als einziger Besucher zu den Toten. Zögernd betrat er den Friedhof- Die ent- schliche Wette dieses Ackers, die unübersehbaren Reihen der hölzernen Kreuze über den gleichmäßig bepflanzten Gräbern, dazu die trost- los« Oed« einer unbegrenzten toten Kraterlandschaft, dies alles brach, so stark wie nle zuvor, als niederschmetternde Erkenntnis eines furchtbaren, vergeblichen Masienopfers über Ihn herein. Plötzlich sah er in einiger Entfernung auf dem Zufahrtsweg die Gestalt eines harkenden Mannes, der sorgsam zwischen den Gräbern«inen Rechen hw und her schob. Langsam ging Drießnack auf ihn zu. Plötzlich richtete sich der Mann, der auf einem Holzbein humpelt«, überrascht auf. Drießnack grüßt« stumm, worauf der ander« ihn erwarwng»- voll ansah. Mit behutsamer, weit ausladender Hondbewegung wies Drießnack über das stille Gräberfeld:..�n« grande cimctiirel*— Seine Stimm« war fast tonlos.—„Es Ist nicht der gräbt« stlriedbof in dies«? Gegend, mein Herr!" erwiderte der Franzose leise, auf seinen Rechen gestützt.„Hier liegen nur 5700 Tot«. Deutsch« und 2800 französische Soldaten. Drüben, an der Straße nach Somme-Py, nicht weit von hier, finden Sie 74 000 Einzelgräber, bei den Trümmern des Dorfes Perthes, eine Viertelstunde weiter, über 25 000 Tote. Sammelfrietchöfe, mein Herr! Da, sehen Sie nur: Kreide, überall Kreide!" „Ein schwerer Dienst muß es für Sie fein, Tag für Tag auf diesem Friedhof sich aufzuhallen. So einsam..." Der Krüppel lächelte wissend." So schlimm ist das nicht. Ich pflege die Gräber. der£ebenden! ts Sdiönherr Ich warte auch auf Besucher. E» kommen aber wenig. Ueberhaupt, wissen Sie, viele der Toten sind in ihrer Heimat längst vergessen, hüben wie drüben."—„2lber ihr« Gräber sind all« in guter Pflege!" wars Drießnack«in. Der Franzose nickte lächelnd und dankt« mtt Schweigen. In verlegener Neugier fragte er dann Drießnack:„Sie sind ein Deut- scher, nicht wahr? Ich hörte es. Suchen Sie ein Grab? Nennen Sie, bitte, den Namen! Ich werde es finden." Eifrig humpelte er voraus, der deutschen Ablesung zu. Drießnack folgte langsam. Es l«i nicht ein bestimmtes Grab, erzählt« er im Durchschreiten der Reihen dem Franzosen. Es sei ein anderer Anlaß, der ihn seit Tagen bewege, die Friodhöfe der Champagne aufzusuchen. Ein« quälend«, unvergeßliche Geschichte aus dem Kriege, die sich in der Näh« der Berg« drüben zutrug. Das Grab eines Franzosen suche er, nachdem er vor einer Woche vergebens noch den Angehörigen des Toten in Paris geforscht hob«. „Nennen Sie mir den Namen, mein Herr! Ist es ein Fron- zose, der hier liegt, so kenne ich ihn bestimmt!"—„Joseph Eordo-n!" entfuhr es Drießnack? Münte. Der Franzose strich mtt der Hand über die Stirn.„Cordoin? Joseph Cordoin?" sprach er mit lang» samer Betonung jeder einzelnen Silbe vor sich hin.„Ja. dieses Grab können Sie sehen. Kommen Sie!"— Es war ein Grab ur« alle anderen, derselbe Schmuck, dasselbe Kreuz, dieselbe Schrift. Nur der Name brannte fremd, fast feind- lich in Drießnack? Augen. Im Stehen börte er hinter seinem Rücken behutsam sich entfernende Schritte. Der Wärter ging wieder seiner Arbeit nach. Drießnack starrte lang« auf den Erdbügel. Dann schloß er die Augen und sank langsam aus die Knie. Sein« zittern- den Finger glitten über Stengel und Halme und preßten die Erde. als berührten sie in Inbrunst und flehender Hingabe den ruhenden Leib eines Menschen. In dieser Lage, den Kops schwer voroeneigt, oerharrte Drießnack lange in starrer Regungslosigkeit. Erst die nabenden Scbritte de» arbeitenden Wärters scbeuckten ihn aus seiner tiefinneren Derlorenheit. Haltlos erhob er sich schwerfällig. Sein Gesicktt war bleich. Er griff zitternd in die Innentasche seines ktacketts. Krampfboft hielt er ein kleines«Bündel Pap!«?« in den Hängen, ein zerschossenes Notizbuch. Eine Photogravbie rntlcbt« zwischen den lasen Blättern hervor und fiel vor des Wärters Füße. Schnell hatte sich Drießnack gebückt:„Sehen Sie, da« ist er!" sagte Drießnack und sah zur Seite.— ..Der Tote? Iosenh Cordoin?" fragt« der Franzose,„In- fanteriereaiment 276. Daneben sein« Frau und dies gewiß fein Junge. Was für ernste, groß« Augen doch der kleine Kerf hat? Ja. und wie sich die Frau auf den Mann stützt! Sicherlich Ist es auk Urlaub gemacht."— „Drehen Sie um! Da können Sie es lesen. Am 77. August fiel er. am 2. Auoust war er noch mik Urlaub", unterbrach Dreßnack in einer fast wilden Anast. Der Wärter las die unbeholfene Schrift einer rührenden Wchimmq von der Hand der Frau.„Und nun lesen Sie diese Seiten!" sprach Drießnack abgewendet. Durch den Schleier von Tränen sah er wieder das BNd jener Stund«, in de? Joseph Cordoin im Trichter starb. Es war da» Gesicht des Toten. der seit Jahren in ihm lebte. Und er hörte wieder den Schrei, den erstickten Aufschrei, al« Cordoin mtt dem Melier in der Kehle zur Seit« fiel. Drießnack fühlt«: würgende» Schluchzen saß!bm fest in der Kehle. Plötzlich spürte er den leisen Druck einer Hand auf seiner Schulter.„Er hat den Krieg gehaßt", sagte der Franzose und reicht« Drießnack, das Buch wieder hin,„diese Dorie an sein Kind sind ein Testament, ein Vermächtnis jener Lieb«, die sich nach dem Frieden auf Erden sehnt. Joseph Cordoin war ein Mensch!" Der Sprechend« neigte ergriffen das Haupt. Dam, sahen sich die beiden Männer s-bweigend an. Drießnock» Schultern zuckten. Er keuchte:„Wollen SI« mich anhören? Wollen Sie willen, wie er starb?— Oh. Sie haben recht, er war ein Mensch..." Cr schluchzte fast.—„Sie dürfen e» mir erzählen. Sie zittern ja!" sagte der Franzose in gewollter Ruh«,.dort auf jener Donk können Sie sprechen!"— Er halle Drießnack leicht unter dem Arm gefaßt und führte ihn weg.(Schluß folgt.) S)er rationalisierte �Präsident Ton Weare Jiolbrook Jlen york Als Tante Kamills mir 700 Aktien der Babbit-Cahen-Thompson- Betonröhrenwalzgesellschaft zum Geschenk machte, wurde mir erst bewußt, welche Verantwortung heutzutage so«in Wertpapierbesitzer zu tragen hat. Ich studierte den Wirtschaftsteil der Zettungen und in schlaflosen Nächten stellte ich mir oft die Herren Babbit, Cohen und Thompson vor, wie sie in jugendlichem Uebermut über ihre Betonröhren sprangen. Wisiensdurstig stattete ich eines Tages den Büros der Babbit- Cohen-Thomson A.-G. einen Besuch ab und verlangte energisch, zum Präsidenten geführt zu werden. Ich erfuhr, daß er Blechstein heiß«.„Aber wo sind Babbit und Cohen?" fragte ich traurig. „Und wo der gut« alle Thompson? Was ist aus ihm geworden?" Man sagte mir, daß Babbit in Europa weile, Cohen gestorben und Thompson ins Staatsgefängnis Atlanta übergesiedell sei Die Sekretärin, zu der ich nun geschickt wurde, unterrichtete mich, daß sich Blechstein bei einer Konferenz befinde. Am besten spreche ich überhaupt mtt Herrn Smith, dem wirklichen Präsidenten der Aktiengesellschaft. Herrn Smiths Sekretärin jedoch lächelte mitleidig, als sie meinen Wunsch vernahm..Kaden Sit denn nicht in den Abendblättern gelesen, daß die Babbit-Cohen-Thompson A.-G. von den Bereinigten Gebrauchsröhren ausgesaugt worden ist?" „So ist also auch Herr Smith ausgesaugt worden?" „Fast vollständig", war die Antwort.„Herr Schmaltz ist der Präsident des neuen Unternehmens." Ich raste über den mtt schweren Teppichen belegten Gang, bis ich eine Türe mtt der Aufschrift„Adolf Schmaltz— Privat" erblickt«. .Ast Herr Schmaltz zugegen?" fragte rch atemlos.„Nein", erwiderte ein blasser junger Mann,„er ist gerade bei einer Konferenz". „Und wann wird er zurück sein?" Der junge Mann blickte auf eine Art Generalstabskarte, die dicht mtt verschlungenen roten Linien bedeckt war.„Ich bezweifle, ob Sie ihn heute überhaupt sehen können Unmittelbar aus sein« jetzige Konferenz folgt ein« zweite und dann eine dritte. Er ist heute besonder» beschäftigt>- wegen der Verschmelzung!" „Wegen welcher Verschmelzung?" „Nun, ich darf es Ihnen wohl verraten, da es ohnehin in den Morgenblättern stehen wird. Die Dereinigten Gebrauchsröhren gehen»in« Verschmelzung mtt der Ncllionalen Röhren A.-S. ein." „Dann muß ich Herrn Schmaltz auf der Stelle sprechen— noch bevor er bis zur Unkenntlichkett verschmolzen wird", rief ich, indem ich auf die Türklinke drückt«. „Nein, nein! Um Golleswillen!" schrie entsetzt der jung« Mann. „Herr Schmaltz ist bei einer Konferenz, sage ich Ihnen. Sie können ihn nicht sprechen." Ungeachtet seiner Proteste öffnete ich die Tür. Er hatte recht. Herr Schmaltz war nicht zu sprechen. Der prächtig möbliert« Büro- räum war leer. Aus dem riesigen Schreibtisch lag eine dick« Staub» schicht, die Telephone waren mit Spinnweben bedeckt und der Schreibtischkalender war um sechs Wochen im Rückstand. Mein alter Verdacht rechtfertigte sich. Der Satz:„Er ist bei einer Konferenz" ist nichts als eine Legende für das leichtgläubige Publikum und die Sekretäre, die diese Legende verewigen, gleichen Hohepriestern, die eifervoll einen leeren Heiligenschrein bewachen.„Wo ist Herr Schmaltz?" beharrt« ich. Nun brach der Widerstand des jungen Mannes zusammen. Er gestand, daß er seit vielen Monaten weder einen Präsidenten, noch einen Vizepräsidenten, noch«inen zweiten oder dritten Vizepräsidenten gesehen habe. Bis nun habe die Herren noch niemand vermißt. „Aber", forschte ich,„wer lettet das Unternehmen?" „Das geschieht maschinell", antwortete er.„Wir verwenden Briefformulare. Dikttermaschinen, automatische Scheckschreibmaschinen, Tabulatoren und Verkaufsbarometer..." „Unwesentlich« Einzelheiten", unterbrach ich ihn.„Es muß doch jemand da sein, der die Entscheidungen fällt." „Seitdem die Präsidenten und Direktoren verschwunden sind, treffen wir unsere Entscheidungen, indem wir Kopf oder Adler werfen. Es Ist ebenso gut und weniger zettraubend. Unser Büro- betrieb hat eben die letzte Stufe der Rationalisierung erreicht. Herr Schmaltz sagte immer wieder, daß Zelt Geld ist und er fülirte auch au», was er predigte. Wo immer er von einer neuen Erfindung hörte, die seinen Arbeitstag um ein paar Minuten verkürzen könnt«, husch, stand sie schon in seinem Dienst... Er hatte zum Beispiel die Gewohnheit, beim Telephonieren kleine Kreise und Spiralen auf sein Löschblatt zu malen. Dann sah er«in, daß dies eine nicht zu rechtfertigende Vergeudung von Zeit und Energie ist. und er schaffte eine Maschine an. die automatisch klem» Kreis» und Spiralen mit einer Geschwindigkett von 600 in der Stund« zeichnet. Die jetzt« er ttr Betrieb, wenn er telephonierte... Dann kaufte er ein kleines Grammophon, daß jede halbe Minute„Geht in Ordnung!" sagte und schaltete es an seinen Telephonapparat." „Dadurch hatte er viel mehr Zell sür andere Obliegenheiten, so zum Beispiel für die Beantwortung des Posteinlaufes. Früher brauchte er einige Stunden, um die eingelangten Briefe zu lesen und zu beantworten. Eines Tages aber hatte er di« gute Idee, für alle einlangenden Briete die einheitliche Beantwortung:„Wir empfingen Ihr Geehrtes und bedauern, die Sache dem Gericht übergeben zu müssen" festzusetzen. Aus diese Weise erledigte er die ganze Korrespondenz in wenigen Sekunden." Während der junge Mann so plauderte, erfaßte ich die wirkliche Tragödie der Rationalisierung. Die Führer der Industrie haben chre Betriebe so vollendet rationalisiert, daß jeder überflüssige Be- standteil— sie selbst eingeschlossen— ausgeschaltet worden ist. So bietet sich uns heute das traurige Schauspiel dar, daß mächtige Präsidenten in ihren Büros sitzen.— es sei denn, daß sie gleich Herrn Schmaltz schon nach Hause gegangen sind— dicht umgeben von arbeitsparenden Maschinen— und keine Arbeit vor- handen ist, die gespart werden könnte! An ihren Fingerspitzen be- finden sich Druckknöpfe, durch deren Betätigung die Sekretärinnen herbeistürzen, durch die sie sofort mit allen Filialbüros im ganzen Lande sprechen können. Aber es zeigt sich, daß sie ebenso gut ihre Aufträge in Form schöner Stickereien auf Tischdecken verewigen und zu Fuß ihren Filialbüros überbringen könnten. Eile»st nicht von nöten! tBerechtigtl Uebersedun«»«n Leo Nörten., ZParalySe Ifl heilbar Ton ä)r. med. Qeorg Behling Die von Professor Wagner-Iauregg in Wien angeregte Mechode, die Paralyse mtt Malaria zu heilen, hat nicht umsonst bei Fach. leuten und Laien berechtigtes Interesse gesunden. Ueber ihre Er- folge ivar man allgemein im Zweifel, um so aufschlußreich«? ist der Rechenschaftsbericht, den nunmehr nach jahrelanger Anwendung d.eser Behandlungsmethode der Assistent der Wiener Psychiatrischen Klinik, Dr. Dattner, über dl« von Wagner-Iauregg angegebene Methode ablegt. Nicht als ob der Erfolg noch irgendwie bestritten wäre. Dazu ist diese Behandlung nicht nur in Wien, sondern auch in Deutschland ganz allgemein schon zu sehr in Anwendung. Man kann ohne wettere? sagen, daß sie bereits vollkommen zu dem ärztlichen Rüstzeug der modernen Psychiatrie geworden ist. Doch genauere, statistische Angaben sind bisher noch selten, was ja aus der Kürze der seit der Einführung der Malaria al» Heilmittel gegen Paralyse vergangenen Zeit begreiflich ist. Zweifelhafter als der Erfolg ein«? solchen Malariakur. der ja in den meisten Fällen bald offensichtlich wurde, schien die Frage, ob d»r Gesundungoprozeß anhatten würde. oder ob die Patienten nicht bald wieder mit neuen Erscheinungen 'der Paralyse, womöglich noch in schlimmerer Form, erkranken wür- den. Der Bericht der Wiener Klinik läßt an einen Dauererfolg in manchen Fällen hoffen. Insgesamt wurl en in der Wiener psychiatrischen Klinik 723 Pa- tienten einer regelmäßigen Nachuntersuchung unterworfen, die in den Iahren 7322 bis 7324- m dieser Klinik einer Malariakur unterzogen worden sind. Davon sind mehr al» die Hälste. nämlich 67. am Leben und»on diesen S3 völlig gesund. Wenn man bedenkt, daß ohne die Malariabehandlung die Paralyse eine rasch verlaufend«, unbedingt mtt schwerer Geisteskrankheit endend« und rettungslos zum Tode führende Krankheit war, wird man diesen Erfolg der Malariakur zu schützen wissen. Um so mehr, al» sich auf Grund diese» Wiener Berichtes die Tatsache ergibt, daß e« sich um eine Dauerheilung handeln kann. Wie bei allen oder den meisten Krank- Helten im allgemeinen, wird der Erfolg der Malariabehandlung da- von abhangen, wenn der Pattent ln ärzlllch« Behandlung kommt. I« früher, desto sicherer scheint die Heilung. Auch das ist begreiflich, wenn man sich das Wesen der Paralyse veranschaulicht. Die Paralyse, mtt der populären Bezeichnung Gehirn- erweichung, Ist eine syphilitlsche Erkrankung. Gewöhnlich liegt die syphilitische Infektion bereits zehn oder noch mehr Jahre zurück. Daß sie überhaupt nicht stattgefunden haben könnte, wie in Laien- kreisen auch heute noch bisweilen vermutet wird, ist völlig aus- geschlossen. Man weiß heute sogar, daß die Paralyse durch die Spirochaete, den bekannten Erreger der Syphilis, hervorgerufen. wird, genau wie die anderen Erscheinungen der Syphilis auch. Die Paralyse ist also keine Nachkronkhelt oder Folgeerscheinung der Syphilis, w!« selbst die medizinische Wissenschast noch vor einigen Iahren glaubte, sondern ein« direkte und unmittelbare Schädigung des Gehirns durch die Syphilis. Je später also die Paralyse ent- deckt wird, und je später sie zur Malariabehandlung kommt, desto größer müsien die Zerstörungen sein, die von den Syphiliserregern in den Gehirnmassen angerichtet werden. Die Paralyse kann zwar in den meisten Fällen durch die Malariakur geheilt werden. Die in dem Gehirn erfolgten Zerstörungen, die mit einem Ausfall wichtiger Dehlrnfunktionen einhergehen, sind dann nicht mehr zu reparieren. So wird verständlich, daß in vorgeschrittenen Fällen zwar keine klinische Besserung des Krankheitsbildes, doch eine Verlängerung de? Lebensdauer des Patienten erzielt werden kann, daß aber ebensogut in den Frühfällen der Paralyse die restlose Heilung möglich ist. Nach dem Bericht der Wiener Klinik blieb sogar ein Paralytiker, der sich als einer der ersten vor acht Iahren einer Malariatur unterzogen hatte und seitdem überhaupt kein« weitere Behandlung erfahren hat, völlig gelund. Dabei ist es üblich. Im Anschluß an die Malariatur, gewissermaßen als Nachbehandlung, eine Saloarsay- behandlung anzuschließen, die sich für die Dauerheilung am besten bewährt hat. Von 30 auf diese Weis« behandelten Kranken blieben nach sechs bis acht Jahren 77 am Leben, 75 davon vollkommen geheitt, und nur 77 sind inzwischen gestorben, von ihnen ein Teil an anderen Krankheiten. Man kann also mit ruhigem Gewissen behaupten, daß diese zu- nächst gefährliche und brutal scheinende Behandlung mit Malaria der sonst völlig unheilbaren und überhaupt nicht beeinflußbaren Paralyse erhebliche Schrecken genommen hat. Oassen sich auch Ilere hypnoftsieren? Ja, auch manche Tiere lassen sich hypnotisieren, zum Beispiel das Huhn, der Krebs, die Küchenschabe, der Hirschkäfer, vor allem auch Schlangen. Der Unterschied besteht aber darin, daß der hypnotisierte Mensch psy�isch beeinflußbar ist. da er m Derbindunq mit dem Hypnotiseur steht und die von diesem gegebenen Anweisungen bis zu einem gewissen Grade befolgt, während die Tiere im allgemeinen, wenn man etwa von Häheren Tieren wie Pferd und Affe absieht, nicht beeimlußbax sind. Deshalb spricht man beim Menschen von einer Psyckohypnose (seelischen Hypnose), beim Tier von einer Mechanohypnvse(mecha- irischen Hypnose). Die zehn nrößke« Inseln der Erde. Die weitaus größte Insel der Erde ist Grönland mit 2 702 700 Quadratkilometer(mehr als siebenmal so groß wie Deutschland). Dann folgen: Nettduinea mit 777 300 Quadratkilometer. Borneo mtt 745 950 Quadratkilometer, Madagaskar mit 537 560 Quadratkilometer. Sumatra mit 4?5 800 Quadratkilometer, Stippen mit 226 500 Qur.dratlilometer. Groß. britannien mit 277 720 Quadratlilometer Eelebes mit 773 400 Quo- dratkilometer. Neuseeland mit 743 300 Quadratkilometer und Java mtt 126 100 Quadratkilometer.