Morgenausgabe Nr. 39 A 20 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Poftdeftellgebühren. Auslands« abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto S.— M. * Der„Vorwärts � erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilage„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme"» �Technik",„Blick in die Bücherwelt". »Sugend-Dorwärts'lt.»Stadtbeilage" |p wy,* Aeviiner voltsblatt Sonnabend 24. Januar 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pfennig. Retlame�eile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� das iettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. 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Januar bei den Arbeitsämtern verfügbaren Arbeitsuchenden befanden sich— nach Abzug der noch in Stellung oder in Not- standsorbeit befindlichen— rund 4765000 A r- beitslose. Die Witterung machte in weitem Umfang die Ein- stellung der Austenarbeit notwendig; dem entspricht der starke Zugang aus dem Baugewerbe. Tic meisten Tiesbauarbeitcn mußten eingestellt werden; daher stellt die ungelernte Lohnarbeit einen erheblichen Anteil des Ncuzugangs an Arbeitslosen. Der Einschlag in den Forsten nnd die Zuckerkampague sind fast überall bendet. Bedauerlicherweise stößt auch die Reichsbahn fortgesestt Zeitarbcitcr ab, statt die Arbeitszeit zu ver- kürzen. *■ Am letzten Stichtag wurden 4 337 909 Arbeitsuchende gezählt. Die Zunahme in der ersten Januarhälste beträgt also über 499 909. � Alle pessimistischen Vorschätzungen sind über- troffen. Statt einer Verlagsamung in der Zunahm« der Arbeitslosigkeit ist eipc Beschleunigung eingetreten. Zur innerdeutschen Wirtschastskrise ist die Verschärfung der Weltwirtschaftskrise hinzugekommen. Dazu wirkt sich immer schärfer dos Eigengewicht der Arbeitslosig- keit aus. Wenn auch von den 4ä Millionen Arbeitslosen etwa 4 Millionen unterstützt werden, so langt diese Unterstützung doch nur gerade zur notdürftigsten Deckung der dringendsten Lebens- bedürfmsfe. Auf dem Markt der industriellen Fertigfabrikats fehlen 4% Millionen Käufer. Das mutz sich weiter krisenverschärfend auswirken. Dazu kommen die Kurzarbeiter. Schätzt man diese nur auf zwei Millionen, so wächst um eine ebenso große Zahl die der Ausgeschalteten vom Warenmarkt der in- dustriellen Fertigfabrikote. Diese ungeheuerliche Zahl verengt den Warenmarkt aus eine wirtschaftlich unhaltbar enge Basis. Dazu kommt der Lohnabbau. Schon vor dem Abbau der Tariflöhne sind die Berdienste— nach der sehr vorsichtigen Schätzung des Instituts für Konjunktursorjchung um acht Prozent— abgebaut worden. Nun sind auch die Tariflöhne für Millionen Arbeiter und Angestellten um 4 bis 8 Proz. abgebaut worden. Wen» man berück- sichtigt, daß der lzouptteil der Ausgaben im Arbeiterhaushalt— Mieten, Ernährung, Steuern, Sozialbeiträgc usw.— nicht eingeschränkt werden kann, in den letzten Wochen sogar noch erhöht wurde, dann trifst die Lohneinbußc, die tatsächlich zwischen 12 und 23 Proz. liegen dürfte, mit noller Wucht die Ausgaben jiir industrielle Fertigfabrikote und ähnliche Luxusausgaben". Wir sind aber noch nicht am Ende des Lohnabbaus. Der Abbau der Beamten- und Aegcstelltengehälter wird sich erst in den kommenden Wochen auswirken. Was aber dann, wenn man die Massen käufer vom Warenmarkt vertrieben haben wird? Der Reichskan,zler hat in seiner Rede vor den sächsischen In- dustriellen in Chemnitz angekündigt, daß„sachverständige Nicht- Interessenten" die Arbeitklosendersicherung einer nochmaligen Prüfung unterziehen werden. Wir zweifeln nicht daran, daß es diesen „Sachverständigen" gelingen wird, die Reichsanstalt zu ent- lasten und die G e m c i n d en zu belasten. Wird es dann auch nur einen Arbeitslosen weniger geben? Wir haben jetzt«twa sieben Millionen ganz od'cr t e i l w« i s« Zl r b« i t s l o s e r. In einem Monat werden es wahr- scheinlich acht Millionen sein. Das ist gleichbedeutend mit dem Zu- sammenbruch von taufenden, vielleicht zehntausenden Unter» nehmungen. Der Lohnabbau wird seinen Verfechtern fürchterlich werden! Oer Wojewode muß fori! Die Lttraine kommi im Mai vor den Rai. V. Seh. Gens. 23. Januar.(Eigenbericht/» Nachdem die Borfragen, die die Abrüstungskonferenz betreffen, heute in geheimer Ratssitzung gelöst worden sind, steht nur noch die Entscheidung über den wichtigsten Punkt der gegenwärtigen Session. über den ostoberschlesischen Konfikt aus. Es handelt sich jetzt lediglich darum, ob die Resolution, in der die Verletzung der Genfer Konvention durch die polnischen Behörden sestgestellt wird, so scharf formuliert ist, daß Deutschlond sie unter Verzicht aus eine Enquetekommission akzeptieren kann. Wünschenswert und logisch zugleich wäre eine Resolution des Rates. die die Absetzung des wojemoden Graczynski ausdrücklich verlangt. Denn wenn der Rat die Verletzung der Minderheitenrechte konstatiert und tadelt, muh er auch konsequent weiter eine Aenderung des bis- herigen polnischen Regierungssysteins verlangen: die sichtbare Ga- rantie dajür läge in der sofortigen Entfernung des schuldige» Wojewoden. Leider ist dies Ziel in dieser zugespitzten Forin nicht zu erreichen. Darüber muß man sich schon jetzt im klaren sein. Eine ausdrückliche Erwähnnng Graczynskis würde der ausgleichenden Tradition des Rates widersprechen. So sehr man auch aus mo- raltsch-politischen Gründen eine solche reichlich verdiente Demütigung des Pilfudsli-Regimes wünschen mag, so wenig darf man sich über die Durchsetzbarkeit dieser Forderung irgendwelchen Illusionen hin- geben. Wohl ober läßt sich diese logische Konsequenz in der For- mulierung der Resolution derart umschreiben, daß die polnische Re- gierung moralisch verpflichtet wird, innerhalb einer kurzen Zeit den unvermeidlichen Entschluß zu fassen. Zur Zeit wird eben noch um diese Formulierung gerungen, und Dr. Curtius tut recht daran, gegen einen allzu platonischen Beschluß zähe zu kämpfen. Im übrigen wird Polen mit der Erledigung der ostoberschlesischen Angelegenheit noch lange nicht über den Berg sein. Biclmehr kann man schon jetzt sagen, daß Zaleski vielleicht viel schwerere Stunden auf der nächsten Sitzung des Rates im Mai bevorstehen als jene, die er gegenwärtig wegen der Gewalttaten Graczynskis und seiner Aufftändischen in Ostoberschlesien hier durchgemacht hat. Wie ich nämlich aus sicherster Quelle erfahre, wird l)enderson noch vor dem Auseinandergehen des Rates darauf bestehen, daß die ukrainischen klagen aus die Tagesordnung vom Mai gcsetzk werden. Einer sofortigen Behandlung der vorliegenden ukrainischen Petitw- nen staqd die geschäftsordmmgsmäßige Gepflogenheit des Völker- bundes im Wege, daß der angeklagten Regierung eine Frist von zwei Monaten.zu Gegenäußerungen gelassen wird. Aber schon jcgt sollen acht Petitionen, darunter eine der ukrainischen Sejm- fraktion, die von zwei ukrainischen'Abgeordneten persönlich hier überreicht wurde, sür zulässig erklärt werden. Gemäß dem in Madrid festgesetzten Versahren wird das Komitee von drei Rats- Mitgliedern ,zur Behandlung der Klagen und zur Aerichlersiattung an den Rat in Tätigkeit treten. Dieses Komitee wird aus Vcr- tretern Englands, Norwegens und Italiens zusammengesetzt sein. Henderso» wird den Vorsitz führen, und er beabsichtigt, sein« zme« Kollegen einzuladen, wenn die Zlntwort Warschaus vor- liegt, um in einer besonderen Zusammenkunft in London im März oder Zlpril einen Bericht für die Genier Maitagung aus- zuarbeiten. Da die polnischen Greuel in der Ukraine einen unver- gleichlich brutaleren und blutigeren Charakter hatten als die in Ostoberschlesien, da serner auch ukrainische Abgeordnete in Brest- Litowik gemartert worden sind, dürfte die Erörterung dieses Ka- pitels für die Pilsudfki-Elique viel peinlicher und für den'Schutz der Minderheiten viel bedeutungsvoller sein als die Ereignisse in Ost- oberschlesien. Oer Kampf um die Garaniien. Gens, 23. Januar. Der japanische Botschafter hat als Berichterstatter in den Minderheitenfragen der deutschen und der polnischen Abordnung einen Entwurf sür die Entschließung des Rares in der ober- schlesischen Frage übermittelt. Der Entwurf, der zur Zeit von der deutschen Abordnung geprüft wird, bildet lediglich die erste Grund- läge der Verhandlungen, die nach wie vor durch Vermittlung des Berichierstaiters und des Völkerbimdssekretariats geführt werden.' Mehrere Punkte des Entwurfs werden auf deutscher Seite als untragbar angesehen. Es besteht der Eindruck, daß sich der chauptkampf um den vierten Punkt der deutschen Forderungen, die Garantien für die Zukunft durch Aenderuiig des Systems, ab- spielen wird. Es handelt sich hierbei um die Beziehungen zwischen dem Aufständischen-Verband und�den polnischen Behörden sowie die Stellung des Wojewoden Grazynski als Vorsitzenden des Aus- ständischen-VerbandeS. In diesen beiden Fragen wird auf deutscher Seite grundlegender Wandel der gegenwärtigen Lage gefordert. Der Gedanke eines internationalen Untersuchungsausschusses, der auf deutscher Seite im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen gefordert worden ist, stößt, wie zu erwarten war, auf polnischer Seite auf stärksten Widerstand. Parlamentsreform. Das Mißtrauensvotum.- Interpellationen. Von knul I-ödo. Der Beginn der Reichstagsarbeiten macht neben der Sorge für eine ordnungsgemäße Abwicklung der Debatten und eine rechtzeitige Erledigung des Reichshaushaltsplanes für 1931 auch die endgültige Regelung bei den Abstimmungen über Vertrauens- und Mißtrauensvotum drin- gend notwendig. Der bisherige Zustand, daß manche Par- teien keine klare Stellung Für oder Wider nehmen wollen, daß andere zu sogenannten unwahren Anträgen greifen, für die zu stimmen sie selbst keine Absicht haben, ist auf die Dauer nicht erträglich. Hier müssen durch die Ge- schästsordnung klare Verhältnisse geschaffen werden. In der „Frankfurter Zeitung" wurde anläßlich der letzten Vorfälle der B o r s ch l a g zur Debatte gestellt, die Unterzeichner von Vertrauensanträgen ohne weiteres als abgegebene Stimmen für den Antrag zu zählen und so die Einbringung von nicht ernst gemeinten Anträgen zu verhindern. Der Weg erscheint mir nicht gangbax. Abgesehen davon, daß die Unterzeichner am Abstimmungstag einfach nicht an- wesend zu sein brauchen, wird es kaum möglich sein, ihre Stimmen f ü r den Antrag zu zählen, wenn sie inzwischen erklären, daß sie dagegen stiminen wollen. Aber auch eine nachträgliche Erklärung der so Gezählten, daß ihre wirk- l i ch e Abstimmung gegen das Vertrauensvotum ausge- fallen wäre, mutz das einmal gestellte Votum stark beein- trächtigen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen aber auch genug Wege, die zur Zufriedenheit für beide Teile, Mehrheit und Oppo- sition, beschritten werden können. Der betreffende Artikel der Verfassung(54) hat folgenden Wortlaut: „Der Reichskanzler und die Reichsminister bedürfen zu ihser Amtsführung des Vertrauens des Reichstags. Jeder von ihnen muß zurücktreten, wenn ihm der Reichstag durch ausdrücklichen Beschluß sein Vertrauen entzieht." Satz 1 stellt also den Grundsatz auf: die Regierung bedarf des Vertrauens. Satz 3 zeigt den Modus, in dem der Reichs- tag seine Meinung bekundet und die Folgerung erzwingt: er entzieht das Vertrauen und führt dadurch den Rücktritt herbei. Die jetzt üblich gewordene Form des Antrages lautet deshalb etwa sö:„Der Reichsminister Treviranus besitzt nicht das Vertrauen des Reichstages." Wird der Antrag so gestellt und abgestimmt, so sind seine Folgen nach beiden Seiten klar. Kompliziert werden die Verhältnisse erst, wenn statt der Mitztrauensanträge oder neben ihnen noch das Gegenteil beantragt wird, nämlich ein direktes Vertrauens- votum oder die Billig�.g für eine bestimmte Handlung der Regierung. Dann entsteht der Streit über die Reihenfolge der Abstimmung, über das Verhältnis dieser Anträge zu den Mitztrauensvoten und die Auswirkung, die ihre Annahme oder Ablehnung zur Folge hat. Dieser Streit kann meines Erachtens zur Befriedigung aller Teile geklärt werden, wenn die Geschäftsordnung fol- gende Grundsätze ausspricht: Klare Mißtrauens- voten, die den Text des zweiten Satzes des Artikels 54 der Verfassung wiederholen, kommen unter allen Umständen zuerst zur Abstimmung. Bei ihnen kann über Sinn und Folge kein Streit obwalten: sind sie ange- nommen, so ist der Rücktritt der Regierung resp. des Mi- nisters selbstverständlich. Begnügt sich die Opposition mit der Ablehnung der Miß- trauensvoten nicht, oder wünschen andere Teile des Hauses eine Entscheidung über sogenannte positive Vertrauensvoten, oder liegen überhaupt nur solche Anträge und keine Miß- trauensanträge vor, so bezeichnet die Regierung denjenigen Antrag unter mehreren, von dessen An- nähme sie ihr weiteres Verbleiben im Amte ab- h ä n g i g macht, oder verlangt Uebergang zur Tagesordnung. Der so bezeichnete Antrag kommt untex den Vertrauensanträgen zuerst zur Abstimmung. Daß der klare Mißtrauensantrag den Vorrang hat, be- darf heute kaum noch einer Begründung. Reben vielen an- deren hat sich auch Herr Reichstagspräsident W a l l r a f wiederholt für diese Anschauung eingesetzt— die Praxis des Hauses aber hat bisher geschwankt und ist nicht einheitlich gewesen. Deshalb erscheint es wünschenswert, den Streit darüber ein für allemal zu entscheiden, damit, ganz gleich- gültig, ob die Regierung links, rechts oder in der Mitte steht, dieselbe Abstimmungsform gewahrt wird. Wenn sodann die Regierung unter den Billigungs- und Vertrauensanträgen denjenigen bezeichnet, von dessen An- nähme sie ihr Verbleiben im Amte abhängig macht, oder Üebergang zur Tagesordnung verlangt, so ist zunächst erreicht, daß leine Gruppe einer klaren Entscheidung ausweichen kann. Ädermann weiß: dieser Antrckg hält oder stürzt je nach dem Ausfall der Abstimmung die Re- gier�ng, jeder Abgeordnete muß sich dafür oder dagegen er- llären, muß nachher das„Odium" tragen, die Regierung gc- halten zu haben, wenn er entsprechend stimmt. Die Regie- rung, und damit die bisherige Mehrheit des Hauses, kann aber dadurch auch alle nicht ernstgemeinten Anträge beiseite schieben, indem sie die Entscheidung bei den andereß herbei- führt, die vorher zur Abstimmung kommen. Eine Entrechtung des Hauses oder der Opposition.ist damit nicht verbunden; denn jeder hat Gelegenheit, seine Stellung zu den verschiedenen Abstimmungen zu- wählen. Er weiß auch vorher, daß diese Abstimmung die entscheidende ist. Im übrigen ist dieser Modus in den anderen großen Ländern mit parlamentarischer Regierungsform seit Jahrzehnten er- probt. In Frankreich zum Beispiel geht man diesen Weg noch weiter. Die Regierung stellt die Bertrauensfrage nicht nur bei dem Vorliegen entsprechender Anträge, sondern knüpft sie an die verschiedensten sachlichen Abstimmungsentschei- düngen, wenn sie ihr wichtig genug erscheinen. Sie„stellt die Bertrauensfrage" bei irgendeinem Etatstitel oder einem ent- scheidenden Paragraphen des zur Beratung stehenden Ge- fetzcs. Auch von England haben wir erst dieser Tage gelesen, daß die Regierung eine negativ ausgefallene Ab- stimmung-- entgegen der allgemein üblichen Gewohnheit— für nicht folgenschwer genug hielt, um daran Weiterungen wegen ihres Verbleibens zu knüpfen. Ich glaube deshalb, daß auch bei uns diese beiden kurzen Zusätze zu den betreffenden Bestimmungen der Ge- schäftsordnung den Streit um die„rechtmäßige" und„unrecht- mäßige", die„verfassungsmäßige" und„verfassungswidrige" Regierung ausräumen könnten. Ein weiterer Konfliktstoff droht zwischen Regierung und Reichstag aus der Behandlung von Interpellationen zu entstehen, deren Beantwortung die Regierung ablehnt, wenn sie sich nicht auf Fragen beschränken, sondern mit hef- tigen Kritiken, auch beleidigenden, gewürzt sind. Die natio- ualsozialistische Fraktion des Reichstags ist der Meinung, daß solche Kritiken und Beleidigungen sich nicht vermeiden lassen, wenn die Haltung der Regierung sie herausfordert. Die Re- gierung aber steht auf dem Standpunkt, daß sie sich nicht beleidigen zu lassen braucht, wenn sie um eine Auskunft ge- beten wird. Ihre Weigerung, zu antworten, richtet sich dann gegen den Reichstag überhaupt und nicht gegen die Inter- pellanten allein. Da die bisherige Geschäftsordnung nur un- genügende Handhaben zur Vermeidung solcher Zusätze in Interpellationen gibt, wird auch hier eine neue Fassung der Geschäftsordnung erforderlich sein, die den Kon- slitt nicht erst zum Ausbruch kommen läßt. Anfragen müssen sich öden auf Anfragen beschränken. Urteile. Kritiken und Meinungen dagegen gehören in die Rede, aber nicht in die Fragen. • Wechl. die GeschWsordttung des.Jeich»�- �«ne ent- sprechende Ergänzung erfährt, werden sich Lue wichtigsten Be< ratungen fvistgerecht und ordnungsgemäß durchführen lassen. Mahnahmen zum Schuh des Parlaments. Die kurzen Tagungen des Reichstag» im Ottoder und Dezember baben g-jeigt, daß die biehertgen Bestimmungen über die Hand- I, abung der Geschäftsordnung des Parlaments schärfer angewendet und auch in«inigen Punkten ausgedehnt werden müssen. Diese Auffassung wird insbesondere auch durch die jüngsten Ereignisse in den Ausschüssen des Reichstags— Rechtsausschuß, Auswärtiger Ausschuß und Haushaltsausschuh— bestätigt. Während sich früher in diesen Körperschaften, die nichtöffentlich tagen, ein« ruhige und sachlich« Arbeitsweise«ntwickell«, ist das haut» bei dem rüden Ton der Nationalsozialisten tauin noch möglich. Alle Störungen in diesen Ausschüssen sind auf das Verhalten der Nationalsozialisten zurückzuführen, wührend die Kam- in anist e n die Gesetz« der parlamentarischen Ordnung zu wahren durchaus bestrebt sind. In den letzttn Tagen haben Besprechungen zwischen der Sozialdemokratie und dem Zentrum stattgefunden zur Klärung der Frage, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln die Arbeitsfähigkeit des Parlaments und seiner Organe sichergestellt werden kann. Die Besprechungen sind bisher noch nicht zum Ab» jchluß gelangt. Es kann aber als ziemlich sicher angenommen wer» den, daß die schon früher viel erörterte Frag« der Aenderung der Geschäftsordnung jetzt einer schnelleren Klärung eMgegrngeführt und eine Mehrheit für Maßnahmen gesunden wird, deren einziges Ziel ist, das ungestörte Funktionieren des Paria- m e n t s zu sichern, indem der unflätige Ton, die Beschimpfungen und gewallsamen Störungen unterbunden werden. Di« palamentari- schen Rechte sollen nicht eingeschränkt, sondern vor den Gegnern des parlamentarischen Systems geschützt werden. Das gilt auch für den Mißbrauch, der von den Nationalsozialisten mit der Immunität getrieben wird. Die Immunität dient nicht dem Schutz« des einzelnen Abgeordneten vor der Verfolgung wegen slrafbarer Handlungen, sondern dem Schutze der Arbeitsfähigkeit des Parlaments. Was die Nationalsozialisten gegenwärtig aber tun. das einfache Drauflosoerleumden ihrer Gegner in der sicheren Ge- wißheit, dafür vier Jahre nicht zur Verantwortung gezogen werden zu können, ist der gröbste Verstoß gegen das Parlament selbst. Es muß deshalb erwartet werden, daß auch diesem Miß- brauch mit der Immunität so schnell wie möglich ein Ende bereitet wird. Abrüstungskonferenz: Anfang-19S2. 3n Genf.- Keine Einigung über den Vorsitz. Genf, 23. Januar.(Eigenbericht.) Der BSlkerbnadbrat beschloß, die Ab» rSstungSkonferenz zum 2. Februar 1S32 einzuberufen. Tagungsort der Konferenz soll Genf sei». unter dem Borbehalt, daß die Erhebungen über die Fragen der Unterbringung und der Preise für dir Dele- gationen bis zum Mai befriedigend geregelt find. Ten Präsidenten der Abrüstungskonferenz will der Bölkerbundsrat wahrend seiner Tagung im Mai de» stimmen. Brüning in Sachsen. Die sächsischen Industriellen spielen Rebellion. Chemnitz, 23. Zanuar.(Eigenbericht.) Der Reichskanzler war am Freitag, einer Einladung de» verbände» sächsischer Industrieller folgend, in Chemnitz, vor dem Bahnhof wurde er von jugendlichen Schreiern au» dem Lager der Nazis und der Kommunisten mit Gebrüll empfangen. Unter der Losung„Sachsen braucht Arbeit" oeran- slalteic der verband sächsischer Industrieller eine„Noltundgebiing". die durch Reden de» Reichskanzler» und des sächsischen Ministerpräsidenten Schieck ein besonderes Gepräge erhielt, lieber der Z000köpfigen Versammlung log von Ansaug eine gereizte Stimmung, die sich nach jeder Red« steigert« und schließlich alle Schranken einer Versammlungsdisziplin durchbrach. Wo» sich ab- spielte, war ein kleiner Krieg, eine Rebellion gegen da» Reich. Der Verbandsvorsitzende Wittke erklärte in seiner Begrüßungsansprache, daß es für die sächsischen Industriellen jetzt darauf ankäme, zu entscheiden. ob sie ihren Existenzkamps gegen die bestehende Staatsgewall oder mit ihr führen sollten. Die sächsischen Industriellen forderten von den mdßgcbenden Instanzen des Staates und der Wirtschaft durchgreifende Hilfe und nicht Subventionen. Die Ausfllhningen wurden von den Zuhörern mit demonstrativem, langanhaltendem B e i f a i l unterstrichen. Der sächsische Ministerpräsident S chi e ck führt« aus, daß es sich bei der heutigen Kundgebung nicht um die Klagen eines einzelnen Berufsstandes, sondern um den Notruf eines Volkes handele, das seine Leiden bisher mit bewundernswerter Geduld getragen hätte. Sachsen leide mehr als alle übrigen Länder unter einem Notstand. Dabei habe Sachsen auch eine Grenzmark. Das Hauptreferat üb«r das Thema des Tages:„Sachsen braucht Arbeit" hielt Gehelmrat Dr. Klien, Ministerial- direktor im sächsischen Wirtschastsmintsterlum. Da er mit einem historischen Exkurs in die industrielle Vergangenheit Sachsens be- gann, wandte sich dos Interesse sofort von ihm ab. Man spitzte erst wieder die Ohren, als er in die Gegenwart zurückkehrte und von den „unmöglichen Kriegslasten infolge des verlorenen Krieges" sprach. Zustimmend vernahm nian auch seine Klage über die„hohen Steuern", die dem Unternehmertum das Leben so sauer mächen würden. Dann beschrieb der Referent Wege, die gegangen werden müßten, wobei er aber zuvor mit Nachdruck betonte, daß die Ar- beilslosenoersicherung nicht zu entbehren seL Di« Wege seien: Er- leichterung der Tributlasten, Milderung der Steuern und sonstigen Lasten, was von der Versammlung mit„Bravo" quittiert wurde. Dann kam«in überraschender Tadel. Der Redoer beklagte, daß die Zaduslriellea-Sähne nicht mehr so bescheiden lebten wie ihre Väter. Sie entfallen im Gegen- sah zu früheren Generationen einen Luxus, der sich nach außen und innen schädlich auswirk«. Dos Ausland, das diesen Luxus sehe, würde sich nicht zu einer Herabsetzung der Tribullastsn vereitsinden, und im Innern sei e» unmöglich, den Abbau der sozialen Lasten zu fördern, solange nicht der Lux« abgebaut würde. Hier brach die Versammlung in laute Protest ruf« au«. die sich zu einem Sturm steigerten, als Dr. Klien der Versammlung zurief:„Wer nicht geschunden wird, wird nicht erzogen!" Ein kräftiges Pfui war die Antwort. Erst nach minutenlanger Unruh« tonnte Klien mit der besänftigenden Erklärung fortfahren: „Wir sind an der Gr«Nze des Geschundenwerdens!" Abschließend wandte sich Klien direkt an den Reichskanzler: „Ihr Besuch, Herr Reichskanzler, zzi dt unsbie Zu- versichtund dasVertrouen..." Weiler kam der Redoer nicht. Ueber den ganzen Saal ergoß sich ein losendes Hohngelächter, so daß sich der Vorsitzende ge- nötigt sah. die Versammlung zur Ordnung zu rufen. Der Verband sächsischer Industrieller habe dein Reichskanzler das Ehrenwort gegeben, daß man ihn in Ruhe anhören werde und er bitte darum, dieses Versprechen zu respektieren. Medann erteilt« er dem Reichskanzler Brüning das Wort, der om eknem Tell der Versammlung demonstrativ begrüßt wird. Reichskanzler Brüning erklärt« eingangs, daß er es als seine Pflicht angesshen habe, nach seiner Ostlaadreis« das nächste Notstandsgebiet, den Freistaat Sachsen, aufzusuchen. Dann fuhr«r fort:„Ich habe den Eindruck, daß hier das Wort Weltwirtschaftskrise nicht gern gehört wird. Das Wort Weltwirtschaftskrise und die Unterstreichung seiner Be- deutung sür die Wirtschaft und Politik bedeutet keine Entschuldigung für die Wähler der Vergangenheit. Ich habe auf der Reise nach Ehemnitz den stenographischen Wortlaut der Genatscede Mussolinis vom 18. Dezember gelesen. Es ist mir dort ebenso wie in den Reden anderer Männer über die Finanz- und Wirt- fchaftesage ihrer Länder aufgefallen, daß ein« gewisse Ueberetn- stimmung in den Begrüßungen zu den Forderungen der Städte festzustellen ist: Di» Maßnahmen, die Italien z. B. ergriffen hat, entsprechen den deutschen Maßnahmen von einigen Monaten vorher." Nach diesem Seitenhieb auf die Nationalsozialisten fuhr Brüning fort:„In der Forderung noch der Revision der unerträglichen Tributtasten Host« ich da» ganze deutsche Bolk einig. Wir müssen die ungeheuer vielen Fehler der vergangenen Jahre wieder gut- machen. Es wäre falsch, etwa die Hände in den Schoß zu legen und olles Heil von der unbedingt notwendigen Umstellung unserer außenpolitischen Lage zu erwarten, falsch auch, dieses erreichen zu wollen, wenn wir uns nicht wirtschaftlich und finanziell darauf rüsten. Diesen Fehler haben wir 1928-begangen. Wir müssen dahin kommen, daß sich die Selbstkosten der Industrie weiter senken, damit wir den Anschluß an den Weltmarkt rechtzeitig erreichen. Das gilt besonders für Sachsen, besten In- dustrie ganz aus den Export eingestellt ist. Ich selbst sehe ein großes Unglück darin, daß in den letzten Iahren der selbständige Unternehmer immer mehr hinter die großen Konzerne zurück- getreten ist.(Langanhaltender Beifall.) Oha« Frage ist da» Tempo der Ralionalilienrng auf allen Ge- bieteu bei uu» uab in anbereu Ländern den Vedürsoissen vor. ausgeeil«, woran, sich außerordentliche Schivlerigteilen ergeben haben. Zweifellos ist in erheblichem Umfang ein Teil der Wohlfahrtt-lasten auf dieses Tempo zurückzuführen, und wenn man den Saldo zieht. ist er im Endestekt gewiß nicht günstig. All diese Hemmungen verlangsamen zusammen mit dem außenpolitischen Druck die not- wendig« und unvermeidbare Reformarbeit der Reichsregierung, mit der man sich natürlich nicht beliebt macht. Uns fehlen die Äa s s« nr« f e rv« n zu einer großzügigen Steuer- reform. Was vor vier Iahren noch mit einem Schlag möglich gewesen wäre, muß jetzt nach einheittichem Plan für die Zukunst etappenweise durchgeführt werden. Zu allernächster Zeil wird ein Ausschuß zur Beratung der Reichtversichernogsresorm zusammentreten. Man muß auch hier dazu kommen, daß mit den geringsten Mitteln etwa» Produktives geleistet und ArbeitswilligkeU und-fähigkeit nicht gefährdet werden. Es sind in den letzten Jahren zuvielGesetz« gemacht worden, bei denen man sich nicht das Beharrungsvermögen Ost Kosten überlegt hat. Wenn wir wirklich vorwärts wollen, müssen wir uns darüber klar sein, wie es um uns steht, darf man sich in Volk und Wirtschast keiner Illusion Hingaben, sonst muß nach einiger Zeit dar Rückschlag kommen. Di« Krise zwingt üb«!-- all die Staatsmänner, der Wirklichkeit rücksichtslos in« Auge zu schauen, die Wahrheit zu verkünden und von diesem sicheren Fundament aus die Ausbauarbeit zu beginnen und nicht auf dem schwankenden Boden der Illusionen wie damals, als man noch glaubte, mit«inigen Gesetzen die ganze Konstellation her- umwerfen zu können. Damit muß Schluß gemacht werden, ebenso mit der Rücksicht auf in« agitatorische Wirkung einer Maßnahme. Eine systematische Betrachtung der Ding« ist notwendig, beispiels- weiss muß jeder Schritt zum Schutze der Landwirtschast in seiner Auswirkung auf die Industrie betrachtet werden.' Am Sck/uß seiner Rede mahnte der Reichskanzler zur Einigkeit. Als«r geendet hatte, wurde ihm entgegen den anfänglichen Er- Wartungen ein minutenlanger Beifall zuteil. Oberfchlesifcher Geparaiismus? Eine deutfchnationale Behauptung. Die„K r e u z° Z e i t u n g" veröffentlicht von angeblicher und gutunterrichteter oberschlesifchsr Seite einen heftigen An- griff gegen die Führer des Zentrums und des katholischen Klerus, die in folgenden Behauptungen gipfelt: „Um die Zeit der Reise des Reichskanzlers durch Deutsch- Oberschlesien fand in Sleiwitz«ine geheimgehalten« Sitzung von Zentrumssührern statt: den Borsitz führte Prälat Ulitzka, Reichstagsabgeordneter und„Ungekrönter König von Schlesien". Die in Frage stehenden Barhandlungen gingen davon aus, daß die wirtschastlich-sozialen Zustände, die sich aus der willkürlichen Zer- reihung Oberschlcsiens in einen deutschen und polnischen Teil ergeben haben, immer unhaltbarer werden. Da die natürliche Lösung des ganzen Fragenkomplexes, die Rückgabe des polnisch g«wort*:<«n Teiles an Deutschland ebensowenig zu erreichen sei wie die frei- willig« Afttreiunq Dcutsch-Oberschlesiens an Polen, mühte eine andere Lösung angestrebt werden— die Bereinigung beider Teile zu einem selbständigen oberschlesischen Staate." Es wird also behauptet, daß das Zentrum in Ober- schlesien Separatismus betreibe. Hier scheint«in besonders raffinierter Versuch der nationalistischen Agitation vorzuliegen. die innerpolitischc Hetze zu verstärken. Wir nehmen an, daß eine kräftige Klarstellung erfolgen wird. Weimarer Grotesken. Oer Hitlerputsch als vaterländische Angelegenheit. Als die thüringisch« Rechtsregierung ihr Amt antrat, verösient- lichte der Gauvorftand des Reichsbanners Gau Größ-Thüringa» einen Ausruf unter der Ueberschrist:„Thüringen wird in Zukunst von einem Versassungsminifter regiert werden, der wegen Hoch- verrat« zu thi Iahren Festung verurteilt wurde." Der Aufruf trug neben anderen die Unterschrist des Minifteriaksekretär» Seele. Frick ließ«in Disziplinarverfahren gegen Seele einleiten. Die Dienststrafkammer Weimar hat nun Seele zur Kürzung seines Diensteinkommens um ein Sechstel auf ein Jahr verurteilt. In der Verhandlung oerwies die Verteidigung auf die Rolle, die Frick beim Hitler-Putsch gespielt hat. Die Urteils- begründung nahm darauf Bezug und erklärte, Frick habe damals„aus hohem vaterländische» De r a n t- wortungsbewußtsein" gehandelt. Die Afsenkomödi« des Hitler-Putsches von 1323 und hohes vaterländisch«, Verantwortungsbewußtsein— wie reimt sich da« das zusammen? Der Disziplinarrichter von Weimar hat sich mit- dieser Begründung nicht nur salbst oerurteilt, er hat zugleich das Hohngelöchter der ganzen Republik hervorgerufen. Ein netter Richter übrigens, der in dieser Form ein verspätetes Bekenntnis zum Hitler-Putsch ablegt! SR telegraphiert. Adolf Hiller hat onlößlich der-injährigen MiNistertätigieit von Staatsminister Dr. Frick in Weimar folgendes Telegramm an den Minister gerichtet: „Aus Anlaß Ihrer nunmehr-in Jahr währenden Minister- schast drücke ich Ihnen namens der gesamten nationalsozialistischen Bewegung meinen tiefgefühlten Dank für Ihre Arbelt in der Ber- gangenheit, mein unbegrenztes Vertrauen zu Ihrem Werk in der Zukunst aus." Reises Wahlgesetz sür Bayern. München. 22. Januar. Der Streit mn das neue bayerische. Wahlgesetz ist jetzt beigelegt worden. Am Freitag nahm der Derfassinzsaueschuß des bayerischen Loftdtezes das neu« Äandeswak�gssetz«idgültig an, nacktem unter den Parteien«in Kompromiß dahin zustande aekonmien war, daß das System der Landesabqeardneten völlig b«> f« i t ig t werde. Es werden demnach 128 Abgeordnete in HZ Stimmkreisen gewählt. Gegen da» Gesetz in dieser neuen Faffung haben nur die Deutschnafionake» und die Deutsche Doli spartet gestnmnt. ArSeitslosigkeii und Jugend. Verufsbildungskurse als. Auelweg. Es gehört zu der Trvgik unserer Krisenzelt. daß ein Teil der ichulentlussenen Jugend keinen Arbeitsplag findet und daß ein großer Teil jener Schulentwachsenen, di« zunächst in den Arbeitsprozeß«in- gereiht werden konnten, wieder aufs Pflaster fliegt, sobald er di« Lehre beendet hat. Die Gefahren dieses Lorganges liegen aus der Hand. Uebt schon dauernde Arbeitslosigkeit auf den Erwachsenen einen Druck aus, der ihm gesellschNiftsseindlichen Einflüsterungen und seelischer Verwahrlosung zuganglich macht, um wieviel mehr muß sie den Halbwüchsigen ungünstig beeinflussen! Nicht von un- gesähr ziehen gerade die radikalen, gewalttätigen Parteien ihre Hauptreicroen aus den Reihen dieser Jugendlichen. Darüber hin- aus unterminiert Arbeitslosigkeit gerade Arbeitskrast und Können des jungen Menschen. In Erkenntnis dieser Tatsachen und in dem Bewußtsein, daß die Erhaltung der Arbeitskraft und des staatepolitisch denkenden Menschen zu den wichtigsten Aufgaben des Staates gehört, beantragte ieinerzeit unter Führung des Harchelsministeriumz die preußische Regierung die Einführung des neunten Schuljahres. Dieses neunte Schuljahr sollte sozusagen ein Staubecken für jene Arbeltskraft fein, die im Augenblick im Wirtschaftsleben nicht be- ichäfttgt werden kann, sollte zur geistigen und vor ollem beruflichen Weiterbildung des jungen schulentlassenen Menschen angesetzt werden. Bei einer eicheblichen Entlastung des Arbeitsmartte« sollte«in» bessere Schulung der Arbeiterreserven erreicht und zugleic' die Jugend vor einer Verwahrlosung durch Arbeitslosigkeit bewahr bleiben. Das neunte Schuljahr findet den Widerstand anderer Länder: die Gefahren des jetzigen Zustondes und die Verantwortung des Staates bleiben bestechen. Wi« in dieser Situation verfahren? Das preußische Handelsministerium beabsichtigt, um wenig- ftens«inen Teil der jugendlichen Erwerbslosen aus ihrer tragischen Lage zu defreien, Kurse zur beruflichen Bildung für jugendliche Erwerbslos««inzurichten. Der Gedanke ist nicht neu. Einzelne Kommunen, darunter Berlin, haben bereit» der- artige Umschulungs- und Erwerbslofenkurfe eingerichtet. Auch von privater Seit« wurden, verschiedentlich mit Unterstützung der Kam- munen. Versuche zu einer geistigen Weiterbildung jugendlicher Er- ! verbsloser gemacht. Die Erfolge waren nicht übel. Fast überall konnte man beobachten, baß unter den jugendlichen Menschen ohne Arbeit ein Bedürfnis nach derartigen Arbeits- und Bildungsmöglich- leiten besteht. Es ist also zu begrüßen, wenn das preußische Handels- ministerium diesen Gedanken aufgreift, um ihm durch staatliche Untermauerung eine breitere Basis zu geben. Es ist nun die Frage, wie derartige von der Staateregierung organisierte Kurse aufgezogen werden fallen. Noch den Erfahrungen Des Handelsministeriums, die sich naturgemäß hauptsächlich auf die Berichte der ihr unterstellten Handele- und Berufsschulen stützen, kommt vor allem die Fortbildung im Beruf in Betracht. Das leuchtet ein. und es ist erfreulich, daß auch die g« i st» g e Fortbildung uird die Festigung der st a at e p o t i t i fch« n Gesinnung nicht außer Ansatz gelassen werden fall. Unter den Schulentlassenen wird sich zweifelsohne«ine nicht geringe Anzahl linden, die. spät entwickelt oder besonders praktisch veranlagt, in diesen Kursen an der Hand der praktischen Arbeit mit Leichtigkeit nachholen, was sie in dar Schul« versäumten. E» ließ« sich denken. daß diese Kurse zu einer Erweiterung des Gesichtsfeldes und zu einer Hebung des Allgemeinniveaus der Bildung fuhren,«in Hiel, r-'a» r»«uch bei der Schaffung des neunten. Schuljahres ein« Roll« 'vielle."Am besten ist' es wohh wenn motz iimerhaSi dar Kurs« der Initiative des einzelnen einen möglichst großen Spielraum läßt. Die Verbindung zwischen Kurslaiter und Lehrer auf der«inen und Kursteilnehmer auf der änderen Seit« wird dadurch lebendig und c, wird sich am besten auf diesem Wega ergeben, welch« Normen später einmal zu schaffen sind. Soll das Projekt des Handelsministeriums verwirklicht werden, ist seine finanzielle Sicherung die voraussetznng. Wenn wir recht unterrichtet sind, ist die Durchsührung der Kurse zunächst in sieben Notbezirten(in Rheinland-Westfalen und Schlesien) i-cab sichtigt. Diese Einschränkung ist für den Anfang gut.«ine Frage für sich allerdings, welche Bezirk« vor allem berücksichtigt werden sollen. Die Reichsanstalt für Arbeitslosen- Unterstützung und Arbeitsvermittlung svll sich in der dankenswerten Erkenntnis, daß es sich hier wahrhaft um pro« buttive Erwerbslosenunterstützung hanbelt, bereiterklärt haben, ge- wisie Summen für dies« Zwecke zur Äerfügung zu stellen. Es wird abzuwarten sein, ob diese Unterstützung hinreichend ist. Jedenfalls wäre es außerordentlich zu bedauern, wenn der Absicht des Handels- Ministeriums finanzielle Schwierigkeiten di« frei« Bahn verlegen würden. Hakenkreuzstrolche verurieili. Zwei typische Lumpenprolotaner. Frankfurt a. Tit., 23. Januar.(Eigenbericht.) Die beiden Nazistrolche Hahn und E r n st. die am Revolu- tionstagc den Vorsitzenden der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Frankfurts, Ernst Langendorf. zu Loden warfen und durch Fuß- iritte ins Gesicht schwer verletzten, wurden am Freitag vom Frankfurter Schöfsengericht zu s» drei. Monaten Gefängnis verurteilt. Bewährungsfrist wurde versagt. Der Staateanwalt hatte für beide Angeklagt« fünf Monate Gefängnis beantragt. Di« Gerichtsverhandlung ergab ein typische« Bild dos Nazi- tum«. Der Zlfährig« Angeklagte Hahn war feit feinem Ausscheiden ans der Untertertia der Oberrealschule in Mannheim in Für- s o r g« e r z i e h u n g bzw. Aussicht, lernt« Schlosser und ist erwerbslos. Der Angeklagte Ernst, Zsifährig, ist ebenfalls aus der Untertertia einer Oberrealschule abgegangen� lernt noch das Schlofferhandwerk und ist bereits wiederholt wegen Dieb- stähle und tätlicher Beleidigungen mit Gefängnis vorbestraft. Auf derartige..Arbeiter" kann dies«„Arbeiter- Partei" stolz sein.__ Der Strajrechisausichaß de» Reichstags begann am Freitag di« Beratung des.zweiten Abschnitts des Strafgesttzbuchs. der di« straf- bar« Handlung umschreibt. Die Beratungen Wethen am Dienstag fortgesetzt. Da» Hau« Rothschild hat dem Banco de Brasil einen Kredit von 6 200 000 Pfund Sterling eröffnet, für den die brasilianische Regierung die Garantie übernimmt. ?n der vardbolgartschen Ortschaft Gig im versuchten konmui- vistische Bauern vor dem Haus« des Bürgermeisters zu demon- ftrieren. Als sich ihnen Gendarmen antgegenstelltill. kam es zu einer heftigen Schießerei. Der Bürgermeister und«in Kom- inunist wurden getötet:«in Gendarm wurde schwer verwundet. Sämllichr Demonstranten wurde» verhaftet, Canaris, der Unauffindbare. Llnd immer, wenn die Ladung eintraf, flog der Canaris ein bißchen auf Oienstretfe aus! Die Lage der Reichsbahn. Wenig günstig.— Die Gehälter der Direktoren. Der Ausschuß sür den Reichshaushalt beschäftigte sich in seiner Freitagsitzung mit dem Haushalt de« Reichsverkehrsministgnums. Nach einem � einleitenden Dortrag des Rejerenten Dr. Quaatz (Dnai.) nahm Genosse hünlich zu längeren Ausfuhrungen da» Wort. Er wies zunächst aus die Anomalie hin, daß der Rcichsverkehrsminifter zwar verant- w o r t l i ch sei sür die ganze Verkehrswirtschast, daß er ober kaum C i n f l u ß auf das bei weitem größte Derkehrsunternehmen Deutsch- lande, die Reichebahn, besitze. Der vorliegende Haushall sei auch um deswillen für die Sozial- demokratie vao so bedeuteadem Zaieresse. well sich in ihm große Summe» für die Arbeilsbcschasfung finden. Im Zusammenhang mit den gezahlten SehAtsrn und Löhnen fragt« Genosse Hünlich, ob nun nicht endlich die Frage, welch« T«° hätter die Direktoren und hohen Angestellten der Reich». bahn beziehen, slargestell» werben, könnte. Von-, einige» Seiten werde gesagh der Generaldirektor dezieh« 67006 Mark, andere or- tlären, die» sei nur das Grundgehalt, dazu kämen noch groß« Summen wie 24 000 Mark Wohnungsentschädigung usw. vi« So- zialdemokratie hob« dereite«inen Antrag gestillt» der klar« Au»- tunft verlangt: dieser sei auch angenommen, aber eine Antwort bis heute noch nicht erteilt worden. Er wünsche ferner zu wissen, wie groß die Entschädigungssummen für di« Mitglieder de« Perwal- farngerats seien, und ob auch bei allen hohen Beamten und An- gestellten der Reichsbahn die Abzüge wie bei allen anderen Beamten- kategorien vorgenommen werden. Nachdem noch Redner anderer Fraktionen sich geäußert hatten, nahm der Reichs verkehrsminister v. GuOrard das Wort, um auszuführen, daß er in seinem Ressort als erster und bisher einziger Minister«ine besonder« Haudhaltsgrupp« geschaffen habe. Dies« Hauehallegrupp« untersteh« ihm persönlich und sei unabhängig von allen anderen Abteilungen des Ressort». Durch sie sollten möglichst Ersparungen erzielt und mit den bewilligten Mitteln der größte Nutzen und die größte Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Der Reichssparkommissar sei mit dieser neuen Organisation durchaus einverstanden. Er bemüh« sich auch sonst darum, di« Ding« einheitlicher zu gestalten und zu zentralisieren. So seien durch ihn auf dem. wichtigen Gebiete der Verkehrswerbung statt früher vier Stellen nur«in« Stelle geschaffen worden. Die Loge der Reichsbahn sei wenig günstig. Das günstigste Dvrtriegsjähr s«i 1923 gewesen. Damals hätten di« verschiedenen deutschen Bahnen an ihre Länder im ganzen«ine Milliarde abliefern können. Heut« sei die Reichsbahn vorbelastet mit der Reparationsabgab« von 660 Millionen, mit der Beförde- rungssteuer, die jedes Jahr schwanke und in diesem Jahre mit 220 Millionen eingesetzt sei, mit einer Dwidendengaranti« für das R«ich von 33 Millionen und mit zusätzlichen Pensionslasten für Uebernahme von Beamten usw. von 275 Millionen. Das heißt also bei einem verkleinerten Betriebe schon 300 Millionen mehr als bisher im günstigsten Friedenssahr. Dazu komme der Rückgang de» Verkehrs, so daß es ihm bei dieser Sachlage kaum möglich sei, er- hedlichs Tarlsssnkungen zu erzwingen. Der Minister verbreitet sich dann in fahr detaillierten Abführungen über den weiteren Ausbau d«r R« ich» wo ss« r- st r a ß« n und«rklärt zum Schluß auf di« Frag« de» Abg. Hünlich, er Hab« dem Vorsitzenden des Äufsichtsrats der Reichsbahn, Herrn von Siemens, jetzt mitgeteilt, daß er aus politischen Gründm sich an die Derlraulichkelt nicht länger gebunden hallen könne, unter der ihm genaue Mit- tcilungen über die Gehälter, sonstigen Bezüge usw. der hohen Beamten der Reichsbahn gemacht wurden. Es würde nach Zusammentritt des Reichstags das Gremium zu- sammenberufen, das im Benehmen zwischen Reichsregierung und Reichsbahn«ingesetzt sei, und nach Beschluß diese» Gremiums dann d«r Oeffsntlichkeit auf di« wiederholt an ihn gestellten Fragen genaue Auskunft geben. Die Diäten d«r Mitglieder des Berwaltungsrats seien auf 10000 Mark festgesetzt. Zum Schluß der allgemeinen Aussprache über den Haushalt nahm noch Genosse Scheffel das Wort und brachte zahlreich« und schw«r« Mißstände in den Arbeitsverhältnissen der ReichsbahnwerkstStten zur Sprache. Vnand der ruhende pol. «of der Ministerpräsidentensoche in Paris. Paris, 23. Januar.(Eigenbericht.) Der Präsident d»r Republik, Doumergu«, hat am Frtiiog zahlreiche Persönlichkeit»» empfangen, um sich übtr di« durch die Regierungskris« geschaffene parlamentarisch« Lag« und di« Möglichkeiten ihrer Lösung unterrichten zu lassen. Der traditionoll« Empfang der erst«» Persönlichkeiten des französischen Parlamente im Elys«« wird nicht vor Sonnabend beendet w«rd«n. Trotzdem war di«s« langatmig« Zeremonie wohl selten so üb er flüssig wie diesmal: denn in den 40 Tagen der Rcgierunqszeit Steeg, hat sich an der parteipolitischen Konstellotion nicht ein Haar geändert. Nach wie- vor stehen sich in der Kammer zwei gleich starte Gruppen gegenüber, van denen j«well» die am Ruder stehend« Gruppe durch die systematisch« Opposition der Kommunisten automatisch zu unter- liegen droht. Das Experiment Steeg« hat j-densalls den Beweis erbracht, daß eine Linksregierung in der Kammer genau so gut mSzlich ist wie eine Rechtsregierung Unter Tacdieu. Dazu kommt, daß die am Donneretag erfolgte Niederlage Steeg« keineswegs«in« politisch« Lc- deutung hotte. Sie war«in Unfall, verschuldet durch die «i genmächt ige und höchst unkorrekte Preistr-tdereipoiitit dt» Land- Wirtschaftsministers Boret. Schon srüh«r hatte Boret d«m Minister- Wilhelm Stärck:„Liebe- unmodern." Meines Theater. Der Operettenlibreitist Wilhelm Störck versucht— diesmal ahne Musik—, für das Thema von der Angestellten, die sich den Ehef für» Leben kopert, Jnt«t«sse zu wecken. Außer d«r Llsb» ist aber auch das ganze Stück unmodern, und die drei Ave«ärtn schrecklich lang, oenn nicht Olga Tschechows d«n pikanten Reiz ihrer Per- söMiichkeit einsetzte, dgc, Präsidenten Clemenccau durch eine ebenso unvorsichtig« Preis- Politik am Weinmarkt den gleichen Streich gespielt. Auch damals welgert« er sich, sreiwillig zu demissionieren. Clemenceau aber handelt« weniger edelmütig an seinem unbotmäßigen Minister, als es am Donnerstag Steeg getan hat. Er lieh chn vor der Kammer glatt fallen. Wieder hat jetzt in den bürgerlichen Parteien das Gsduldspiel begonnen, ob e» nicht doch möglich sein sollte, di« Große Koa- l i t i o n zwischen recht» und links zu verwirklichen, da die ge- heiligte Tradition in Frankreich das einzig wirkliche demokratische Mittel der K a m m er a u s l ö s ung zu verdleten scheint. Im Lager der radikalen Partei ist man sich zwar der Gefahren der Bildung einer mehr oder minder nationalen Union auch unter Poincare bewußt, denn in der am Freitag stattgejundencn Fraktionsfitzung der Partei kam die Anficht deutlich zum Aiisdnick, daß die Niederlage Steegs nicht auch«ine Niederlage der Link«« bedeutet. Die Tardieu-Leute scheinen auch von dem Experiment Steegs, dos ihnen immerhin den Beweis hätte bringen müssen, daß ihre Allmacht in der Kommer nicht grenzenlos ist, nicht viel gelernt zu haben. Während Tardieu selbst in großer diplomatischer Vorsicht eine leicht«Grippe im Bett ausknriert, proklamieren seine getreuen Leutnants, vor allem der einstig« Finanzminister Renand, in zahllosen Zeitungsinterviews, daß Tardieu und nur Tardieu die Rettung bringen könne. Die politischen Auguren endlich glauben voraussagen zu können, daß der Präsident der Republik versuchen wird, Looal od«r Barthou, die beide im Dezember mit ihren Bemühungen ge- scheitert waren, mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Allein die Tatsach«, daß man trotz aller Mißerfolge doch immer wieder die alten Persuche wiederholen muß, zeigt, wi« unnatürlich die Verkoppelung des bürgerlichen Fortschritt» mit d«r antisozialistischen Reaktion sein müßte. Erwähnt sei schließlich noch, daß diesmal selbst die wütendsten Reattlonäre nicht die Forderung zu f- heben wagen. Briand aus seinem Amt als Leiter der sronze- sischen'Außenpolitik zu entfernen. Di« Erfolge, die Briand gerade dieser Tag« in der Eurppakommission in Gens davongetragen hat. hoben seine innenpolitische Stellung so schr gestärkt, daß ihn nmmond mehr anzutasten wogt. Ein neugebackener„Vertrag". Wie sich die Konditoreninnung das Tarifrecht vorstettt. Sehr plump, aber dafür desto unverschämter, versucht die B e r- tiner Konditoreninnung den noch bis zum 3 0. Juni geltenden Lohntarif für das Konditoreipersonal„außer Kraft" zu setzen. Sie„kündigte" einfach den Vertrag zum 15. Ja- nuar und lud die Vertreter des Verbandes der Nahrungsinittel- und Gelränkearbeiter zu Verhandlungen über den„Neuabschluß" des Ver- träges ein. Um die Wünsche der Herren Konditoreibesitzer einmal kennenzu- lernen, erschienen die Vertreter des Verbandes zu dieser„Torifver- Handlung". Von den Vertretern der Innung wurde ihnen zunächst ein Lohnabbau von 21 Prozent offeriert, den man schließlich auf 11 Prozent„reduzierte", was zum Beispiel bei den Konditorgehilfen einen Abbau der Spitzenlöhne um 8,5 0 Mark pro Woche bedeuten würde. Mit dem Hinweis auf dos geltende Torisrecht machten die Gewerkschaftsvertreter dieser un- nützen Aussprache ein Ende. Die Konditoreniniwng versandte darauf an ihre Mitglieder ein Rundschreiben, in dem es heißt: „Unsere Lohnkommission ist am...... zu dem Ergebnis ge- kommen, daß auch entsprechend dem Vorgehen und dem Ergebnis anderer Arbeitgcberoerbände ein Lohnabbau unbedingt erfolgen muß. Ms angemessener Lohnabbau wurden etwa Ist Prozent be- zeichnet. Da offenbar etwaige Verhandlungen vor dem Schlichtungs- ausschuß bzw. Schlichter längere Zeit in Anspruch nehmen, hat die Lohnkonunisston weiter beschlossen,... die entsprechende Kürzung vorzunehmen. Um in dieser Hinsicht klare rechüichc Verhältnisse zu schaffeit, ist folgendes... zu beachten: Jedem einzelnen Angestellten ist unter Einhaltung einer Frist (gewerbliche Arbeitnehmer 7 Tage, kaufmännische 1 Monat) zu er- offnen, daß noch Ablauf dieser Frist die umstehend ausgeführten Löhne für die Zukunft gezahlt werden: Wenn irgend möglich, bitten wir, dies« Mitteilung von sämtlichen Angestellten unterschreiben zu lassen, damit nachher nifbt gesagt werden kann, daß dieser oder jener Angestellter von dieser Mitteilung keine Kenntnis erhalten hat. Ekwaige Proteste der Arbeitnehmer gegen den Lohnabbau sind bedeutungslos.... Die neuen Löhne bitten wir ab 31. Januar 1931 zu zahlen." Auf der Rückseite dieses Rundschreibens ist die„Gebrauchsan- Weisung" für den Lohnabbau gedruckt in Forni des bisherigen Ta- rifvertrages, jedoch mit Lohnsätzen, die um etwa Ist Prozent niedriger sind als die zur Zeit bestehenden. Ii, der stark besuchten Versammlung des Konditoreipersonals, die der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter zu Donnerstogabend einberufen hatte, löste die Mitteilung des Genossen T h i e m e über dieses rechtswidrige Vorgehen der Konditoren- innung helle Empörung aus. Genosse Thieme forderte die Ver- sammelten auf. jede Ualerschrist unter das Lohnabbaudiktal zu verweigern. auch unter dem Druck etwaiger Kündigungen. Sollten vielleicht bei der nächsten Lohnzahlung geringere Löhne ausgezahlt werden, dann muß die Empfangnahme des Lohnes nur unter Vorbe- halt quittiert werden. Von allen betrieblichen Differenzen wegen der Entlohnung muh die Organisationsleitung sofort benachrichtigt werden, die alle weiteren Schritte unternehmen wird. Das Vor- gehen der Jnnuqg muß mit der gleichen Einmütigkeit beantwortet werden, wie sie die Unternehmer an den Tag legen. Die Zeit bis zum Tarifablauf an, 3st. Juni muß zur restlosen gewerkschaftlichen Erfassung aller Arbeiter und Arbeiterinnen in den Konditoreien bc- nutzt werden, denn die Unternehmer werden dann mit ihren Forde- rungen bestimmt wjeder auf den Plan treten. Wie sehr die Konditoreibesißer das Licht der Oeffentlichkeit i scheuen, zeigte am Donnerstag.ihre In n u n g s v o llver sa m mlu n g. Als die Lohnabbauaktion behandelt werden sollte, wiesen sie das freigewerkschafUich organisierte Mitglied des Gesellenaus- schusses aus der Versammlung, um unter sich zu sein. Auch wegen dieses Verstoßes gegen die Bestimmungen der Gewerbeordnung und des Innungsstatutes wird die Organisationsleitung die entsprechenden Schritte unternehmen. Die im Anschluß an die Versammlung des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter gezeigte Ausstellung von Erzeugnissen, die in den Garnierkursen des Verbandes gefertigt worden sind, zeigte vortreffliche handwerkliche Leistungen. Der Ver- band will diese Kurse zur fachlichen Schulung seiner Mitglieder weiter ausbauen und auch den arbeitslosen Mitgliedern die Teilnahme daran ermöglichen. Oer Lohnkampf der Buchbinder. Geschlossenheit der Arbeiter bürgt für den Erfolg. lieber dos bisherige Ergebnis der T a r i f v e r h a n d l u n g e n im Buchbindereigewerbe wurde Freitagabend in einer außerordentlichen Generalversammlung des Verbandes der Buch- binder und Papicrverarbeiter Bericht erstattet. In der Luxus pa pi erb ra nche, wo seit einiger Zeit kein Lohntarifvertrag besteht, war von den Unternehmern ein Abbau der Löhne um Ist Prozent gefordert worden. Mit den Stimmen der Unternehmer ist hier ein bindender Schieds- spruch zustande gekommen, der die Löhne um l' Proz. und die A kk ord e um 6 P r vz.'reduziert. Da die Parteioerhandlungen über den Neuabschluß des Reichslohntarifvertrages für die papierverar- beitendc Industrie(Api-Vertrag) gescheitert waren, wurde am 2l. und 22. Januar im Reichsarbeitsministerium weiter ver- handelt. Die Unternehmer hielten auch hier zunächst an ihrer Forderung nach einem löprozentigen Lohnabbau(!) fest. Die zweitägigen Verhandlungen endeten schließlich mit einer Verein- b o r u n g, wonach die Tarifverhandlungen im Reichsarbeits- Ministerium am 1. Februar wieder aufgenommen werden sollen. In den Schlichtungsverhandlungen für die G r o ß b u ch- bindereien(VDB.-Betriebe), die Freitag im Reichsarbeits- Ministerium stattfanden, ist eine ähnliche Vereinbarung getroffen, doch sollen hier die Verhandlungen am 6. Februar fortgesetzt werden. Auch von diesen Unternehmern war ein Lohnabbau von 15 Proz. gefordert worden. Die Verhandlungen für das Buchbindereigewerbe finden also zwei bzw. vier Tage nach den Verhandlungen für die Buchdrucker stall. Nach einer längeren Aussprache, in der das Vorgehen der Unter- nehmer auf das schärfste verurteilt wurde, nahm die Versammlung fast einstimmig eine Entschließung an, in der es nach der Ablehnung jeglichen Lohnabbaues ohne entsprechenden Preisabbau. zum Schluß heißt: Die gewerkschofllichen Funktionäre in den Betrieben werden verpflichtet, ihren Betriebsleitungen Mitteilung davon zu machen, daß sich die freigewerkschaftlich organisierten Kolleginnen und Kol- legen einen Lohnobbau bei den derzeitigen Ver- Hältnissen nicht gefallen lassen wollen Weiter erklären die Versammelten, daß es jetzt mehr als je notwendig ist, alle Spaltungsbestrebungen, auch die der NGO., mit allen Mitteln zu bekämpfen, weil nur eine einige, geschlossene Arbeiterschaft erfolgreiche Abwehr leisten kann Angestellte und Arbeiter sind eins! Oie Unternehmer führen den Beweis. Die Unternehmer der Berliner Bekleidungsindustrie hallen den M a n t e l t a r i f und das Gchaltsabkommen für Angestellte zum 31. Dezember 1930 gekündigt. In der Kleider- konsektion werden qualifizierte Angestellte, wie Einrichter. Etenotypisten, Lageroerwalter, Lohnbuchhalter usw., mit monatlich 150 Work entlohnt! Da in dieser Branche aber vorwiegend weibliche Angestellte beschäftigt werden, kommt den Unternehmern ein w e i- t e r e r G e.w innoonlstProz. zugute, da die weiblichen Kräfte nur 135 Mark � Tarifgehalt zu beanspruchen hoben. Trotz dieser Elendsgehälter verlangen die Unternehmer einen Abbau um 8 bis Ist Proz. Sie stellen dieses Verlangen, obwohl sie im Laufe des letzten Jahres die übertarifliche Bezahlung rigoros abgebaut hatte», ohne in vielen Fällen die gesetzlichen Äündi- gungsfristen zu beachten. Daneben gibt es noch eine Anzahl Finnen, die noch nicht einmal die Mindestbestimmungen des Tarisver- träges erfüllen. Diese tarisbrüchigen Firmen will der Arbeit- geberoerband besonders belohnen, indem er eine A u s s ch l u ß s r i st für Nachforderungen aus dem Tarifvertrage tariflich festlegen will! Das Verlangen der Untenrehmer nach lariflicher Regelung der Kurzarbeit für die Angestellten zeigt gleichfoll-i, wie„sozial- denkend" dies«. Unternehmer sind- Während der Saison ist eine 12- bis 16 stündige Arbeitszeit beinahe selb st ver- ständlich. Die Angestellten werden instruiert, den koillrollie- renden Gewerbeaufsichtsveamten unrichtige Angaben ,zu machen, und fügen sich diesem Verlangen, um nicht ihre Stellung zu ver- liercn. Für diese Betriebe Kurzarbeit einzuführen, würde be- deuten, den Angestellten nach Wochen höchster körperlicher und geistiger Anstrengungen aus halbe Ration zu setzen. Der- schlechterungen der Urloubsbestimmungen, Anrechmmg von Krankheitstagen auf den Urlaub usw. vervollständigen das Lohnebbaubukett der Bekleidungsindustriellen. Die Damenwäsche- und Schürze nkabrikonten haben den Mantellaris für die Angestellten gleichfalls gekündigt, um K u r z a r h e i t vereinbaren zu. können. Die S chuh». und Lederwarenindustrie will neben der tariflichen Festlegung der Kurzarbeit einen Abbau der Altersstaffeln haben, um fo einen 30- bis 35prozenttgen Gehaltsabbau durchfuhren-zu können! Die Pelzwarensabrikanten haben das Gehaltsabkommen gekündigt: ihre Forderungen, die jetzt noch nicht bekannt sind, dürften sich von denen der jetzt üblichen nicht unterscheiden. Der Textilgroßhandel darf natürlich auch nicht sehten. Er Hot seit Iahren seine„vornehmste" Ausgabe darin gesehen, den Gehaltsausbau zu verhindern und will jetzt anscheinend durch die Kündigung des Angestelltentoriss auch beim Abbau an der Spitze marschieren. Ebensalls gekündigt sind die Gehaltstarife im Elektrogroß. Handel und im Exporthandel. Auch hier liegen noch keine Forderungen der Unternehmer vor. Den Angestellten soll es also jetzt ebenso an den Kragen gehen wie den Arbeitern. Für die Zlngestellten ergibt sich die Notwendigkeit, die Abwehrfront durch dos lohnabbauwütige Unter- nehmertum zu stärken durch ihren restlosen freigewerkschaft- lichenZusammenschluß. Die niedrigsten Löhne noch zu hoch. Generalkündiaung im oberschlesischrn Erzbergbau. Das Reichsarbeitsministerium teilt mit: Der Reichsorbeits- minister hat es abgelehnt, den Lohnschiedsspruch für den ober- schlestschen Erzbergbau für verbindlich zu erklären. Die Löhne verschiedemr Arbeilergruppen seien, wie in der Begründung aus- geführt wird, schon jetzt außerordentlich niedrig. Aus sozialpolitischen Gründen müsse der Antrag der Arbeitgeber, den Lohnschiqdsspruch für verbindlich zu erklären, abgelehnt werden. Dazu wird aus G l e i w i tz gemeldet: Auf Grund der Ab- lehnung der Verbindlichkeitserllärung des Schiedsspruches für die Arbeiter im oberschlesischen Erzbergbau llnd des Schiedsspruchs über die Gehattsregelung der Angestelllen der Erzgruben, wird au> den drei oberschlesischen Erzgruben morgen vormittag«ine Be- kanntm-achung angeschlagen werden, in der es u. a. heißt:. »Da die Bemühungen des Arbeitgeberverbandes durch dos Schlichwngsoersahren zu einer Neuregelung der Arbeitsbedingungen zu komme», gescheitert sind, sehen wir uns genötigt, der gesamten Belegschaft zum 7. Februar d. 3. zu kündigen. Die Bedingungen. unter denen wir bereit sind, ab 3. Februar d. I. neue Arbeits- vertrüge abzuschließen, werden wir nach vorheriger Fühlungnahm« mit dem Arbeiterrat in den nächsten Tagen durch Anschlag bekannt- geben!" Der Reichsarbeitsminister hat es sich in den Kopf gesetzt, durch den Abbau der Kaufkraft der Arbeiter, Angestellten und Beamten die„Wirtschost anzukurbeln". Das Resultat— Mitte Januar dreiviertel Millionen Arbeitslose— ist eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Den Unternehmern genügt das aber noch nicht. Der Klodderadatsch muß noch viel größer sein. Tagung des ZGB. Zürich, 23. Januar.(Eigenbericht.) Am Freitag trat in Zürich unter dem Vorsitz von C i l r i n« der Vorstand der Gewerkschastsinternationole zu einer zweitätigen Sitzung zusammen. Der Lorstand beschloß in Er- ledigung emes Schreibens der Transportarbeiter-Internationale, für| Me Zusammenfassung der antifaschistischen Arbeit i» Italien Sorge zu tragen. Gemeinsam mit der Sozialistischen Ar- beiterinternationale soll eine kräftige Aktion zur Beeinslusiung der Abrüstungskonferenz des Völkerbundes geführt werden. Nach einer Erörterung!»r jüngsten Ereigmsse in Latein-Amerika wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß das Wiedererstarken der Gewerkschaftsbewegung in diesen Ländern Möglichkeiten für die Ausdehnung des Tätigkeitsbereiches des JTB. schafft. Im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die in der Gewerkschafts- bewegung in Bulgarien und Griechenland bestehen, wurde das Sekretariat mit der Durchführung einer Unlerfuchuna betraut, nach deren Abschluß«ine gewerkschaftliche Balkan konserenz abgehalten werden soll. Dann wurde die Lage in Spanien er- örtert und die Absendung eines Sympathie-Tcle�ramms an die spanische Gewerkschaftszentrale beschlossen. Auf Antrag Iou- haux' wurde schließlich noch ein« Protestresolution gegen den Terror in Polen beschlossen. Die nächste Ausschußsitzung des IGB. wird vom 27. bis 30. April in Madrid stattfinden. Neichshilfe für die Knappschast. Endgültige Regelung vorbehalten. Zur Uebcrwiirdung der Schwierigkeiten, in die die Arbeiter- pcnsionskosse im Bergbau wegen des Ausfalls bei den Einnahmen und des Rückganges in der Belegschaft geraten ist, erhält diese Kasse für Februar und März aus Reichsmitteln je 3 Millionen Mark. In den letzten Monaten hat die Reichsknappschaft aus«ige- ner Entschließung die Pensionen um rund Ist Proz. gekürzt. Die Ordnung der Verhältnisse für das am 1. April beginnende Rechnungsjahr 1931 bleibt einstweilen vorbehalten. Der Lohnabbau. Zwischen den Tarifparteien der Textilindustrie d«s Gladbach-Rheydter Bezirks kam nach langen Berhand- lungen eine Vereinbarung zustande, nach der ein Lohn- obbau von 5,8 Proz. eintritt. Das Abkommen löuft bis zum 15. August 1931. In den Nachoerhandlungen zu dem Schiedsspruch für di« feuerfeste Industrie Kölns, der einen Lohnabbau von 6 Proz. brachte, sind die Torisparteien übereingekommen, von der vierten Lohnwochc des laufenden Monats ab die Löhne um 5 Proz. und vom l. März ob um ein weiteres Prozent zu senken. In der D ü r e n c r M e t a l l i n d u.st r i e haben sich die Tarif- Parteien vor dem Schlichter für das Rheinland dahin geeinigt, daß die Handwerkerspitzenlöhne von 78 bzw. 8l auf 71 bzw. 72 Pf. herabgesetzt werden. Das entspricht einem Abbau von 5 Proz. Der Schiedsspruch für die badische Papier- i n d u st r i e wurde vom Landesschlichter für verbindlich erklärt. Essen, 23. Januar. Die Schlichtcrkammer fällte einen Schiedsspruch, der die Gehälter der technischen und kaufmännischen Gruben- b e a m t e n im Ruhrbergbau vom 1. Januar 1931 ab u m 6 P r o z. kürzt. Die neuen Gehaltsabkommen sollen bis zum 30. Juni 1931 laufen. Bergedorf. 23. Januar. Durch den Schlichtungsausschuß Hamburg-Altona wurde gestern «in Schiedsspruch gefällt, durch den sich die zur Zeit in der Bergedorfer Eisenindustrie gültigen tariflichen Grundlöhne und Attorddurchschnitte um 6 Proz. ermäßigen. Diese Regelung gilt vom 1. Februar bis 30. Juni d. I. Rücksicht auf die Arbeiislosen! Arbeitslose kaufmännische Angestellte beschweren sich über Mißstände in der Zahlstelle Kleine Alexanderstr. 19. Der Raum ist zur Auszahlung zu klein, die Zusammendrängung vieler Menschen darin durchaus unhygienisch, zumal be: dem längere» Warten auf die Abfertigung. GeNagt wird, daß man in der üblen Atmosphäre zunächst eiranal eine Dreiviertelstunde auf den Zahl- bogen warten muh, ebensolange, bis man den Zahlbogep quittieien kann, und noch einmal eine Dreioiertelfturade bis zur Auszahlung. Die Stimmung der Arbeitslosen wird durch langes Warten in überfüllten Räumen nicht gehoben und macht sich nur zu leicht gegen die Angestellten Luft, die an den Mängeln keine Schuld haben. Läßt sich durch bessere Einteilung der Auszahlungen Ab- Hilfe schassen, dann ist es schon der Mühe wert, sie vorzunehmen. Bergarbeiterlöhne bleiben ungekürzt. Schiedsspruch in Ost-Oberschlesien. Der Schlichtimg sausschuß Kattowitz oerhandelte über das Lohn- abkommen in Ost-Oberschlesien. Die Unternehmer hatten ein« Lohn- kürzung von Ist Proz. gefordert, die Arbeiter dagegen eine Erhöhimg der Löhne um Ist Prqz. Roch halbstündiger Beratung sällt« der Schlichtungsausschuß den Schiedsspruch, daß die Löhne in derselben Höhe w i c bisher bis zum 31. Januar 1931 Gültigkeit haben. Oer Webersirelk in Lancashire. London. 23. Januar. Alle Anzeichen deuten daraus hin, daß der Kampf in der Spinnereiindustrie sich oerschärfen wird. Soweit man bisher den Verlauf der Abstimmung der Arbeiter über di« Einführung des „Mehrwebstühle-per-Weber-Systems" verfolgen konnte, find in vielen Bezirken die Arbeiter nach wie vor gegen das System. Das genaue Ergebnis der Abstimmung liegt noch nicht vor. Der Streik bei der Firma Wilhelm Lieseganq in Reinickendorf ist durch Verhandlungen mit dem Gesnmtverband beigelegt worden. Die Wiederaufnahm« ist gestern teilweise erfolgt: die noch nicht eingestellten Arbeiter sollen in den nächsten Tagen von der Firma zur Arbeitsausnahme angefordert werden SPD.-S«I»arbeIter, Bezirk Südwest««. Bersammluna Eonntaq. 10 Übe. bei Schulz, Modciidorfer Str. 5.— Bezirk Ostr» I. Sountag, 10 Uhr, Verlamm- luna im Lokal Äronftarbl, Baul»Si»«er�Str. 49. .l�reie Gewerkschasts-Luaend Berlin älcttcren.flurfus um 19 Illir im öchaulrauni der Berliner Gewerkschaftsschule. Enaelufcr 24- 25.— Südrtna: 1914 Uhr im gliaendhc im Trcotower w Strohe 90, Areiskursus:.Geschichte der sreicn Gewerkschaften".— Iu- chendvorstellunch der Poiksl-ilhn« morgen. Svnntao, 15 Uhr.' Karten lind nicht mehr erhältlich.— Morgen, Sonntag. Südkre-»«nd Ostkrei»! 10 Uhr Besichtigung der Bundesschule des ADGB.. Bernau bei Berlin.»Treffen der Gruvpen 9 Uhr Bahnhof Bernau._ Verantwortlich für Bolitik: Dr.«ort Seger! Wirtschaft!®. Äliogclhafcr; G-wcrtschailsdcwegung! Z. Steiner: SeuiUelon: fi. S>- köscher: Lokal» und Sonstiges: grit, Zlarftädt! Anzeigen: Td. Slokke: sämtlich in Berlin. Verlan: Vorwärls-Verlag G m b. S., Berlin. Druck: Vorwärls-Buckdruckerel und Berlassanstall Paul Singer l,. Co.. Berlin EW. 68, Llndeilftrahe 3. Kierza Z Beilage Nr. 39* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 24. Januar 1931 Verhaftung im Neuköllner Mordfall. SchauspielerWeise in Neukölln ermittelt /Mördersuche geht weiter. Gestern nachmittag konnte der ZZjährigc Schauspieler Weise aus der AUerstrahe in Reukölln, der von der Polizei als wichtiger Zeuge im Falle der Ermordung des Geschäsls- führers Schmoller im Mercedes-Palast seil Tagen gesucht wird, in einem Lokal in Reukölln durch Beamte der Mordkommission festgenommen werden. Weise wurde zu seiner Vernehmung nach dem Polizeipräsidium gebracht. Wie bereits berichtet, hatte Weise mit dem ermordeten cchmollcr oni Mordabend«ine heftige Auseinandersetzung. Nach Zeugenaussagen �war er auch der letzte, der vor der gehcimnis- vollen Mordtat mit Schmoller gesprochen hatte. weise war in den Verdacht der Täterschasl geraten, weil er anderen gegenüber geäuherl halte, doh er Schmoller noch einmal „eins auswischen" werde. Seit Dienstagabend war Weise nicht mehr in seine Wohnung zurück- gekehrt, und zimächst gelang es auch nicht, seinen Ausenthalt zu ermitteln,(gestern nachmittag meldete sich nun Weis« t e l e p h o n i s ch bei der Mordkommission im Polizeipräsidium und fragte, was man eigentlich von ihm wolle. Als er von Kommissar Johannes Müller aufgefordert wurde, zu seiner Vernehmung im Präsidium zu erscheinen, weigerte er sich und hängte den chörer wieder auf. Es gelang der Polizei sehr bald festzustellen, von wo der Anruf geführt worden war, und schon kurze Zeit danach konnte der (gesuchte in einem Lokal in Neukölln ermittelt werden. Weise, ein 'leiner, schmächtiger Mensch, wird ohnehin wegen Diebstahls und Betruges gesucht, und es ist sehr leicht möglich, daß er aus diesem (gründe der Polizei geflissentlich aus den, Wege gegangen ist. Schwere Verdächligungen waren auch gegen den K i n a v o r f ü h r« r B. erhoben worden, der früher einmal im Mcrredes-Palast angestellt war, dann aber mit der Direktion Krach bekam und fristlos ent- ' lassen wurde. Die eingehenden polizeilichen Nachforschungen haben nichts Belastendes ergeben, und wie hierzu ausdrücklich mitgeteilt wird, steht der Beschuldigt« völlig rehabilitiert da. Außer- dem wird noch verschiedenen anderen Spuren nachgegangen. Leider war«s bisher noch nicht möglich, den Fremden, der angeblich au dem Mordabend das Kino durch einen tzlatausgang verließ und mit größerer Wahrscheinlichkeit als Täter in Frage kommt, zu er- Mitteln. Nach diesem Manne wird weiter gefahndet. Oer Mord an dem Achtzigjährigen. Die Mordtat an dem Sttjährigen Kausmann Jakob F r e u d e n h a i n ist ebenfalls noch in Dunkel gehüllt. Die Fest- stellungen der Mordkonimission haben ergeben, daß der Bekannten- kreis des alten Mannes doch bei weitem größer war, als es zuerst d«N Anschein hatte. So war Freudenhain ein ständiger Be- s u ch e r d e r P f a n d k a m ni e r. Er unterhielt sich dort häusig mit allen möglichen Leuteu, und es ist nicht ausgeschlossen, daß er hier jemand kennen gelernt hat, den er aus einem noch unbekannten Grunde in seine Wohnung gebeten hat. An schönen Tagen ging der alte Mann auch häufig in den Friedrichshain, wo er mit wild- fremden Passanten Gespräche anknüpfte. Der Greis, der auch oft ein kindisches Wesen zur Schau trug, hatte unter anderem die An- gewohnheit, all« möglichen Dinge zu kaufen, für die er gar keine Verwendung hatte, und bei dieser Gelegenheit erzählte er mehrfach von seinen Ersparnissen. Leider ist die Beschreibung von dem jungen Manne, der mit dem Ermordeten einig« Stunden vor der Tat im Hausflur gesehen worden war, sehr ungenau. Der bestialische Mord ist, wie an dieser Stelle bereits mitgeteilt, offenbar mit einem st i l e t t a r t i g e n Messer ausgeführt worden. Man neigt jetzt zu der Annahme, daß der Täter, als er in der Wohnung weilte und die Ersparnisse des Greises in Höhe von Ztttt Mark im Schreib- tischfach liegen sah, auf dem Tisch in der Obstschale ein Obstmesser erblickte, spontan danach griff und den alten Mann, der wenig Widerstand leisten konnte, niederstach. Das Publikum wird noch- mals geberen, alle Beobachtungen, wenn sie auch noch so unwichtig erscheinen, der Mordkommission Wcrneburg-Quoos, Polizei- Präsidium, Zimmer 8l, anzugeben. Das Versangen nach Sühne. Rätsel um den Tod eines Mädchens. Das Spandauer Schöffengericht verurteilte den ZZjäHrigen Kaufmann W� der sich im August vorigen Jahres bei der Stettiner Polizei gestellt und bezichtigt hatte, im Ansang 1926 die achtzehnjährige Hausangestellte Gertrud R. aus ihren Wunsch hin in die Lzavel gestoßen zu haben, wegen Tötung aus Verlangen zur Ründeststrase von drei Pahren Gefängnis. 'Das Gericht hat der- Sekvfrbczrchttgrmg d-� Shstrhrigcn-ZAnge- kfägte» Glauben geschenkt Sein beharrliche: Bestreiten vor Gericht hat ihm nicht geHolsen. Trotz aller Ermohnimgen tes Vorsitzenden, endlich doch die Wahrheit zu sagen, trotz der verlesenen Proto- tolle, deren Einzelheiten von dem Angellagten unmöglich aus den Fingern gesogen sein konnten, bequemte er sich nicht zu einem Geständnis. Der Eindruck, den der Slettiner Kriminalkominissar, der Berliner Kriminalinjpeklor G e n n a t und der psychiatrische Sach- verständige Dr. Frommer von den Selbstbezichtigungen des An- geklagten hatten, wurden sür das Gericht mit ausschlaggebend. Dr. Frommer hielt es sür möglich, daß der willensschwache und ieicht beeinsbußbare junge Mensch sich dein stärkeren Willen des jungen Mädchens untergeordnet hat. Iii» 2 Uhr hatte sie zum eistenmal ihren Entschluß, aus dem Leben zu-gehen, kundgetan, bereits um 10 Uhr abends sollte der Doppelselbstmord an der Havel vollbracht werden. Nachdem der Neunzehnjährige aber die Acht- zehnjährige in den Fluß gestoßen hatte, fand er nicht den Mut, auch selbst ins Wasser zu gehen. Bon den Zeugen erfuhr man auch die iiuümaßlichcn Motive des jungen Mädchens, aus dem Leben zu scheiden. Ihre Herrschaft, die Gräfin, hatte mit der Gertrud, ihrer Hausangestelltem eine Auseinandersetzung wegen ihdes späten Nach- haujekommens: sie schickte sie zum Vater, damit dieser sie aus- ichimpfe: das junge Mädchen fürchtete aber, wie üblich, geschlagen zu werden. Die Gründe für die Seibstbezichtigung, den späteren Widerruf, die neue Selbstbezielstigimg und nochmaligen Widerruf des jungen Kaistimmna fmden aber.ein« chnachc- Erliornng: er-wollte endlich Zur Ziuisc-kimmien, fein G ew ks-f e n plägte ihn, deshalb stellte er sich der Polizei. Als er aber eN'uhr, daß die Mindcststrafc für Tötung auf Verlangen drei Jahre ist. reute es ihn, daß er das Ge- ständnis von der Tai al>gelegt hatte. Die Monate der Untersuchung-.-- Haft bedeuteten für ihn einen steten Kampf zwischen dem Wunsch nach Sühne und Befreiung von seiner Tat und der A n g?t vor der Strase. Allerdings drei Jahre Gefängnis als Mindest- strafe für Tötung auf Verlangen ist ein psychologischer Unsinn. Für Totschlag ist die Mindeststrase drei Monate Gefängnis. Filmvortragsabcnd des„Sturmvogel". Der Flugoerbanö ..S t» r in v a g e I" veranstaltet am Dienstag, dem 27. Januar, IMä Uhr. in der Aula der Walter-Rathenan-Schule, Neukölln, Boddinstraße, einen Filmvortragsabend. Uebs? das Thema- ,W e l t l u f t s a h r t 1931" spricht Adolf Holzapfel. Der Ein- trittsprcis beträgt 25 Pf. Wieder eine Saalschlacht. Nazis und Kommunisten prügeln sich in Niederschönhausen. Zu das Restaurant von Kuß in der Berliner Sirahe zu Riederschönhausen halten gestern abend die Rationalsoziakisten eine öffentliche Versammlung einberufen, zu der auch eine größere Anzichl Kommunisten erschienen war. Bald nach Beginn kam e» zu Zusammenstößen. Der Tumull fand seinen Höhepunkt, al» die h a k e a k r c u z l e r mit abgebrochenen Stuhlbeinen und anderen hiebwassen über die kommunistischen Gegner herfielen. Die zu Hilfe gerufene Polizei hatte große Mühe, dem Tumult ein Ende zu bereiten. Sieben Personen hatten leichte Verletzungen erlitten, einer der Versammlungsteilnehmer mußte in» Reinickendorser Krankenhaus gebracht werden. Insgesamt wurden 47 Personen festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. Da sich in der Umgebung des Versammlungslokals noch mehrmal» Ansammlungen bildeten, mußte die Polizei auch hier mehrfach eingreifen. Schießwütiger Nazi in Spandau. In Spandau, an der Ecke Charlotten- und Potsdamer Straße, kam es gestern zu einer Schlägerei zwischen National- sozialisten und Passanten. Von einem Hakenkrcuzler wurde ein Schuß abgefeuert, durch den glücklicherweise niemand verletz! wurde. Von dem herbeigeeilten Ueberfallkommando konnten die Streitenden auseinandergebracht werden. Zwei Nationalsozialisten, unter denen der Nevolverschlltze vermutet wird, sind festgenommen und der Politischen Polizei übergeben worden. Ln der Goldgrube begraben. Acht Menschen gelötet) hundert verfehl. Madras fBritisch-Jadien). 23. Zanuar. In der Goldgrube von Uolds stürzte ein Felsen ab und begrub viele Arbeiter unter sich. Acht Menschen wurden getötet und hundert verletzt. Trci Kulis werden vermißt. Arbeiter zu Tode gequetscht. Snliehlicher Unglücksfall in Wannfee. Auf schreckliche Weise ist gestern nachmittag der 35jährigc Arbeiter Erich Leppien aus der Berlinickestraße 6 in Steglitz ums Leben gekommen. Leppien fuhr als Begleiter auf dem Anhängewagen eines Kohlenlaftenzuges. Als das Gefährt die Kleine Seestraße in Wannsee passierte, wollte Leppien abspringeii Dabei geriet er so unglücklich zwischen die Seiienwand des A n- Hängers und einen Baum, daß er zu Tode gequetscht wurde. � Gesängnis für den Menschepjäger. Der Nazischühe mit dem Lagdgewehr. Das Schössengencht Wedding verurteilte den SA.-Führcr S p r i n g st u b, der in der Rächt vom 13. aus den 14. Seplember vorige» Jahres bei einem kommunistischen Ucbersall in Wittenau aus einem Zagdgewehr den völlig unbeteiligten vierzigjährigen Schausteller Sohl erschoß, wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit unbefugtem Wassenbesih zu neun Monaten Gesängnis. Räch verbüßung von vier Monaten der Strafe soll ihm sür den Rest Vewährungssrist zugebilligt werden. ii- Dieser Mensck�njäger kann von Eliick sprechen. Das Urteil gegen ihn ist sehr milde ausgefallen. Allerdings konnte Staatsanwalt Stehnig, der Anklagevertreter in dem Röntgcntaler Prozeß, zu- gunsten des Angeklagten anführen, daß die Beweisaufnahme in- Auch Franz zeigte starkes-Interesse. Sobald die Unter- nchtsstunden aus waren, rückte er an, um sich vom Fort- schreiten der Arbeiten zu überzeugen und, wo es nötig war, nach Möglichkeit mitzuhelfen. In Wirtlichkeit trieb ihn das Bestreben, dem Vater zu zeigen, daß seine Kalkulationen bis oufs Haar stimmten. Jetzt, wo wieder die Maschinen kreischten, die Leimtöpfe rauchten, der Duft frischgeschnittenen Holzes die Säle durchzog, herrschte eine viel bessere Atmosphäre im Betrieb. Die Witwe in ihrem Verschlag hatte nicht mehr nötig, so oft die Hand vor den Mund zu halten und aus Langcrweile die Fliegen zu zählen. Sogar Sandow, der olle Seefahrer, der in seinem Glas- kästen saß wie ein Kapitän in seinem Kartenhaus, hatte alles Gift und olle�Brummigkeit verloren und gebrauchte seine Augen zum Sehen und nicht nur zum Zukneifen. Der Mafchinenlärm klang ihm wie das Rasseln der Ankcrspill beim Hochwinden. Nicht zu oerkennen, es sah wirklich so aus, als ob der Zehntausendtounenkaften Ludwig Eisermann, Möbelfabrik, in kürzester Zeit wieder in See stechen würde. Drei Hurra also für den Reeder! Er hatte sie wirklich verdient. Am Ende der zweiten Woche standen die acht Musterzimmer in Reih und Glied. Am glücklichsten war Franz. Wie ein Indianer tanzte er umher. „Nicht wahr, Vater, meine Kälkulationen haben gc- stimmt?!" Anerkennend klopfte ihm Ludwig auf die Schulter: „Bis auf die letzte Schraube, mein Junge!" Schnell wurden die Zimmer poliert und photographiert. Noch am gleichen Tage wanderten die ersten Abzüge auf die Redoktionen der einschlägigen Fachblatter. Große lobende Hinweise erschienen. Die Firma Ludwig Eifermann hatte wieder etwas Zeitgemäßes und durchaus Neues auj den Markt gebracht. Jetzt hieß es sich rühren! Ludwig engagierte in aller Eile ein halbes Dutzend Stadtvertreter und fuhr dann selber in die Provinz, um seine Ware abzusetzen.. Beinahe heimlich fuhr er. Kein Mensch war zum Abschied am Bahnhof als Franz. Ludwig markierte Zuversichtlichkeit.- „Sei aus dem Posten,. Junge, und halte die Ohren steif!" Franz nickte hochroten Kopfs. Er entschwand den Augen seines Vaters immer mehr. Bald stand er nur noch wie ein dünnes Zündholz in die riefi- gen, zurückweichenden Bahnhofshalle. * In Köln erwarteten ihn die ersten Depeschen. Franz telegraphierte, die Muster gefielen, es feien bereits so viele Aufträge eingebracht, daß die derzeitige Belegschaft die Arbeit nicht bewältigen könne. Direktiven! Schnell! Ludwig lachte, sein Stent ging also doch wieder auf? Die geheime Angst, die ihn unterwegs im Schnellzug nicht zur Ruhe hatte kommen lassen, schwand. Zuversichtlich drahtete er zurück: „Handle nach Gutdünken! Stelle Leute ein! Arbeite, wenn möglich, auf Vorrot!" Froh wie noch nie ging er zum Hotel zurück, um sich, ehe er die Arbeit ausnahm, erst mal ordentlich auszuschlafen. Am nächsten Tage besichtigte er die«tadt. riß die Augen auf, daß es außer Berlin auch noch andere Städte gab, die sich sehen lassen konnten, und machte dann, als er einen un- gefähren Ueberblick gewonnen hatte, seine erste Bekanntschaft mit einem Händler des Ortes. Fast war es noch ein Stottern, was er vorbrachte. Er hatte geglaubt, der Name seiner Firma sei auch hier am Platze so bekannt, daß man ihn mit offenen Armen auf- nehmen würde. Ludwig Eisermann, Möbelfabrik. Verlin? Der Händler schüttelte al, weisend den Kopf. Nein, der Name war ihm voll- kommen unbekannt. Ludwig wurde dadurch so befangen und unsicher im An- gebot seiner Kollektion, daß man ihn schließlich ochselzuckend stehen ließ. Es ging ihm so wie am Anfang seiner Laufbahn als Meister, wo er wehrlos vor dem chinesengesichtigen buckligen Angestellten Hundskötters zurückgewichen war. Na, später halbe er dem Kerlchen doch gezeigt, was eine Harfe war. ' So auch hier. Er ließ einfach nicht noch, Lef trotz tCea Abweisungen von Geschäft zu Geschäft, anpreisend und an- preisend und den Leuten klar machend, daß es nur eine Sorte Quolitätsmöbel gebe, die für sie in Betracht käme: die der Fabrik Ludwig Eiserniann! Nach vierzehn Tagen war sein Erfolg gesichert. Er ver- stand es jetzt vorzüglich, die verschiedenen Händlertypcn zu erfassen und ihnen mit einer unglaublichen Zähigkeit seine Ware aufzubürden. Nach einer weiteren Woche sandte er Tag um Tag tele- graphisch Aufträge nach Berlin. Jetzt war sein Ehrgeiz, sich selber zu übertreffen. Er graste ganz Köln ab, lief zu den Händlern zurück, die ihn ursprünglich abgewiesen hatten und köderte selbst die Hartgesottensten durch Spezialkniffe. die er sich ausgedacht hatte, Zahlungserleichterungen, langes Ziel usw. Seine Hartnäckigkeit lohnte sich. Als vier Wochen um waren, hatte er nahezu hundert Zimmer verkauft. Was aber viel wichtiger war, er wußte jetzt ganz genau, was der Markt brauchte. Sorgfältig hatte er sich die Wünsche und Anregungen der neuen Kundschaft notiert. Er wollte alles daran setzen, seine Abnehmer zufrieden zu stellen. Sie sollten Dauerkunden wer- den. Sobald er von seiner Tour zurück war, wollte er dreißig neue Musterzimmer anfertigen lassen. Die Ideen dazu hatte er schon fix und fertig im Kopf. Etwas ganz Apartes! Die Konkurrenz sollte platzen, wenn sie die neuen Modelle sah. Selbst Franz, der doch ein ganz tüchtiger Junge war, würde staunen über seine Zukunftspläne. Und Sandow gar, der ewige Nörgler und Zweifler! Dem sollten so die Augen quellen, daß er sich aus seinem Glaskasten nicht mehr herausfand! Weiter fuhr er, den Rhein hinauf, bis nach Konstanz. Die alte» Städte, die es so trefflich verstanden, trotz aller Traditionslast mit dem Zug der Zeit mitzugehen, toten es ihm besonders an. Er bewunderte und machte Geschäfte dazu. Wie eine Luxusfahrt kam ihm das alles vor. Ein Märchen öffnete sich seinen Augen die bisher nur das rauhe, graue Berlin gewohnt gewesen waren. Die Welt war groß, war schön, wert, daß man sie ein- trank in vollen Zügen. Jetzt sah er selber: Berlin war nicht die Stadt der Städte allein. Berlin war nicht Deutschland. Deutschland war größer, Deutschland war unbeschwerter, Deutschland war buntem (Fortsetzung folgt.) y Der Bezirk Pankow tft ein gutes Beispiel für die Borteil« der 1920 erfolgten Neugestaltung von Berlin: Was wäre die Zukunft so kleiner Bestandteil« wie Heinersdorf, Blankenburg, Ka- row, Buchholz, Blankenfelde, Nieder- schönhausen und Rosenthal gewesen, die jetzt als gleichberechtigte Glieder von Borlin-Pankow mit aller Sorg- felt der großen Zentrale betreut werden. Wie sehr chrs Entwicklung gefördert wurde, zeigt, daß in H e i n« r s d o r f jetzt, prozen- tual genommen, die größte Bautätigkeit auf diesem Nord- ostgcbiet herrscht. Der alte Ruf Pankows als Gartenstadt hat sich auch unter dem neuen Regime erhalten— die Berliner kommen noch heute gern hinaus zum Besuch der schönen Anlagen, die sich als Schloßpark, als Bürgerpart, als Brosepark und als die zuin Volkspark umgewandelte Schon holzer Heide darbieten. Aber auch die alte berühmt« Gärtnerei blieb erhalten und die Kleingärten von Blankenburg usw. sind von einer Ueppigkeit, wie sie der Berliner Boden selten spendet. Daß der Schulgarten van Blankenfelde die Lehrpslanzen für die Schuljugend spendet, ist bekannt: ein Besuch seiner Anlagen ist empfehlenswert. In das Herz Pankows wird dereinst die II- B a h n führen, die jetzt am Binetaplatz endet. Von hier führt die Berliner Straße zum Markt und zur Breiten Straße, wohin auch die alte Mühlcnstraße geht. Den Verkehr mit dem nach Reinickendorf ge- lagerten Stadtteil vermittelt die ebenfalls alte Wollankstraße. An der Breiten Straße, im Brennpunkt des städtischen Verkehrs, liegt auch das st a t t l i che R a t ha u s. Die neuen Siedlungen im„Ti- roler" Viertel, im„Kissingen"-Viertel und im„Harzer" Viertel zeigen den jetzt üblichen Baustil, sie geben ihren Bewohnern Licht und Luft: letztere ist übrigens wegen der geringen Zahl von Fa- b r i k e n reiner als im eigentlichen Berlin. Aus neuerer und neuester Zeit stammt ein« Anzahl Bauten, die höchst« Anerkennung ver- dienen. Das Lyzeum in der Görjchstraße galt bis vor kurzem als die größte deutsche Schule und die modernst« Schule dürste das Reformrealgymnasium in Nieder-Schön hausen sein. Eine wahr« Musteranstalt von europäischem Ruf ist das neue G e su n d h e i t s ha u s, das in seinem 81 Frontmeter breiten Gebäude alle Zweige der Gesundheitspflege und Gesund- heitsbelehrung umfaßt. Altersheime sind neuerdings in Buch- holz und in der Schönholzer Heide eröffnet worden. In dein Schloß von Nieder-Schönhaufen wird hoffenUich bald das in der Kloster- straß« zu Berlin schlecht untergebrachte Museum für Volks« künde ein geeignetes Heim finden. Der Umfang betrögt 7809 Hektar, davon sind etwa 19 Prozent bebaut. Di« Bevölkerung zählt jetzt 123 000 Personen. An Platz für eine weitere gedeihliche Entioickluiig im heutigen Sinne fehlt«s dem Bezirk wahrlich nicht. sofern ein anderes Bild ergeben habe, als die Kommunisten sich auch während der Abgabe des Gewchrschusses noch nicht entsernt, sondern seine Wohnung auch weiter init Steinen bombardiert hatten. Tat- fache bleibt jedoch, daß hier aus einem Jagdgewehr die Straße ent- lang geschossen worden war. Tatsache bleibt ferner, daß es letzten Endes die K o m m u n l st e n waren, deren Ueberfall auf die zwei Nationalsozialisten zum Tode eines unbeteiligten Arbeiters geführt hat. Trotz wochenlanger Untersuchung war es nur gelungen, einen der Angreifer zu uberführen. Die Genossen dieses Kommunisten haben sich wohlweislich nicht als Zeugen gemeldst. Tausend-,Gold�mGerichtssaal Der Golvmacherprozeß ohne Ende. München. 23. Januar. Im weiteren Verlauf des Goldmacherprozesses wurde der Zeug« Fabrikant Peter- Köln vernommen. Cr nimmt aus seiner Tasche zwei Goldkügelchen, die er unter lebhafter Bewegung im Zuschauerraum und der anwesenden Sachverständigen dem Vor- sitzenden in die Hand legt. Der Zeug« bestätigt, daß ein Versuch in Frankfurt a. M. positives Gold hervorgebracht habe. Später habe er Tausend gedrängt, doch endlich einmal Gold in größeren Mengen herzustellen, damit es etwas vorwärts gehe. Tausend konnte aber Gold nur in kleinen Mengen herstellen. Die Herstellung von Gold in größeren Mengen sei mit sehr erheblichen Schwierigkeiten ver- knüpft gewesen. Der Zeuge Fritz von Winkler, Kaufmann in Dresden, will ans„patriotischen" Gründen der Sache beigetreten sein. Das Er- gebnis der ersten Versuche sei negativ gewesen. Hierauf wird der Fabrikant Wilhelm von Ei ck e n- Hamburg vernommen. Er be- kam von einem Mitarbeiter Tausends eine Kugel Gold gezeigt. Auf die Mitteilung, daß Ludendorff die Sache in der Hand habe, hat der Zeuge feine letzten Bedenken zurückgestellt und sich mit 39 000 Mark an der Gesellschaft beteiligt. Tausend habe erklärt, daß er bereits soweit sei, hundert Kilo reines Goid herzustellen. Gegen Schluß der Verhandlung kam es noch zu einer Aus- einandersetzung zwischen dem Verteidiger Graf Pesta- lozza und dem Vorsitzenden. Der Verteidiger machte Bedenken geltend gegen die ordnungsmäßige Einleitung und Durchführung des Ausiieferungsverfahrens. Nachdem der Vorsitzende noch eine Reihe von Protokollen kommissarisch vernommener Zeugen verlesen hatte, wurde die Sitzung auf Sonnabend vormittag vertagt. Professor Kuttner gestorben. Kurz vor Erreichung der Altersgrenze starb im 63. Lebensjahre der Professor sür innere Medizin Leopold Kuttner, der lang- jährige Direktorder inneren Abteilung des Rudolf- V i r ch ow- K ra n k c nh au> c s. Er war ein Schüler des bc- kannten Internisten Professor Ewald, und schon in seiner Doktor- arbeit beschäftigte sich Kuttncr mit seinem späteren speziellen Fach- gebiet, den Nierenerkrankungen. Sein Haupiforschungsgebiet waren später die Magen- und Darmkrantheiten, in, besonderen deren Diagnostik durch chemische und physikalische Unterstichuiigsmethoden. Mit dem früheren Chirurgen des Augusta-Hospitals, Professor Liudner, war er dann in der Magenchirurgie tätig. Gerade bei inneren Krankheiten ist es sehr wichtig, festzustellen, wann eine innere Behandlung durch eine Operation abgelöst werden muß. Seit 1919 war Kuttner als Nachfolger von Professor Goldscheider, der damals zum Direktor der driften medizinischen Klinik der Universität in der Ziegelstraße ernannt wurde. Leiter der gesamten inneren' Ablellimg des Dirchow-Krankenhäuses. Offeue Singstunde der TAI. In der Aula der L i ch t e n b e r g e r Mittelschule, Markt- siraße, sitzt die Arbeiterjugend des Bezirks Lichten- b e r g und hält in der Hand das Liederheft„Feierstunde". Auf dem Podium- spielt das begleitende Orchester und in der Mitte steht der Dirigent. Nach außen hin das übliche Bild eines Gesangoereins. Das hier ist aber ganz etwas anderes; das will keinerlei kunstvolle Leistungen, geboren aus straffer musikalischer Disziplin und emsigster Skotenarbeit darstellen, dies hier soll Gesang. lediglich um des Singens willen, als Ausdruck beschwingter Fröhlichkeit, sein. Ein- fache Noten, wie man sie in der Schule lernt, kann fast jeder ab« singen; dos Ohr soll dafür tiefer aus die Worte hören und das Empfinden einen starken Resonanzboden bilden für Freude und Kampfeslust, Trauer und Leid des proletarischen Liedes. Dieser freie, ganz auf Empsinden gestellte Gesang wird der jungen Sänger- OeffsflUleNs Versammlung Sonnabend. 24 Januar, 20 ühr, Lokal lindner. Biesdorf-Süd, BOpenidfer Strafte 105—161 „Nationaler Soziailsmns- Vollcsbef rag" Redner: Eridi Büttner, kl. d. I. Männer und Frauen, erscheint in Massenl schar durch ihren Gesangsleiter Karl Weißenberger praktisch in der Weise erklärt, daß man gemeinsam vorerst irgendein einfaches Ton- gebild« schafft gnd nachher die Worte unterlegt. Dieser erste Versuch einer offenen Singstunde zeigte in der freudigen Bereitschaft der Ausübenden, daß hier wieder ein neues Gebiet der Gemeinschafts- arbeit geschaffen wurde._ „Baden"- Kapiiän nicht schuldlos. Der Sprach des Hamburger Seeamtes. Hamburg, 23. Zanuar. Das Hamburger Seeamt fällte im weiteren Aerlaus der Der- Handlung über die Beschießung des hapagdampfers„Bade n" im Hafen von Bio de Janeiro folgenden Spruch: Zunächst ist der Besahung des Forts Santa Cruz ein verschulden zuzuschreiben, weil es ein unverständliches und imbraud)- bares Signal gegeben hat, um den Dampser„Baden" zum AnHalleu zu bewegen. Räch dem internationalen Code bezieht sich dieses Signal nur aus Boote und nicht aus Schisse. Ein weiteres ver- schulden trijst die Besahung des Forts Bigia insofern, als die Schüsse fo schlecht gezielt waren, daß das Schiff getroffen wurde. Anderer- seits kann das Seeamt auch den Kapitän Botin. nicht davon freisprechen, daß er es an der nötigen Aus- merksamkcit hat sehten lassen, und zwar dadurch, daß er den handschriftlichen vermerk aus dem Hasenpaß nicht gelesen und beachtet hat, sowie serner dadurch, daß er sich bei dem Unverstand. lichen Signal nicht vergewissert hat. ob e» ihm Und seinem Schiss gegolten habe. Das Seeam» konnte also den Kapitän nicht ganz von der Mitschuld freisprechen. Dagegen ist hinsichtlich der Lehand- lung der Toten und Verlehlen keinerlei Schuld aus feiten der Schissz- lcilung festzustellen. Wieder schweres Erdbeben. Achtzehn Tote auf Java.— Viele Ortschaften zerstört. Amsterdam. 23. Januar. Aus Mitteljava, in der Bähe der Residenz Teghal und des Vulkans S l a m e t wurde am Donnerstag nachmittag ein schweres Erdbeben verspürt. Bereits am Donnerstag abend wurde mitgeteilt, daß IS Personen ums Leben gekommen sind. Etwa 40 Personen haben Verlehungen davongetragen, 15 von ihnen sind schwer verleht. hunderte von Wohnungen der Eingeborenen sind sehr schwer beschädigt oder vollständig zertrümmert. Der Schaden wird aus 100 999 Gulden geschäht. Sämtliche Verbindungen sind unterbrochen. Auch in der Pacht zum Freitag wurde ein neues Crd-� beben oerspürt. Die Luft war von starken Schwefeldämpsen erfüllt. Vereinfachte Abführung der Bnrgsrstener. Einem Beschlüsse der Stadtverordneten vom 15� Januar 1931 entsprechend Hot sich der Magistrat zur Entlastung der Ar- b e i t g e b e r damit einverstanden erklärt, daß diese die von ihren Arbeitnehmern einbehaltene Bürger st euer, sofern die Anfor- derungsschreiben auf den Stcuerkarten nicht von auswärtigen Ge- meinden ausgefertigt sind, nicht an die ans den Steuerkarten angc- oebenen, für den Wohnsitz der Arbeitgeber zustäirdigen Stauerkasscn, scndern unter Beifügung der entsprechenden Steuerkartenabschnitte gesammelt an die Steuer lasse abführen, bei der sie ihre Ge- werbestener zahlen, oder, falls sie nicht gcwerhesteuerpflichtig sind, an die Cteuerkasse, die für ihre Wohnung zuständig.ist. An den Zahlungsterminen wird dadurch nichts geändert. Soweit die Bürgersteuer von auswärtigen Gemeinden veranlagt worden ist, nmß sie an die auf den Steuerkarten angegebenen auswärtige» Ge- mcindekasicn abgeführt weiden. M.eiii Creheiiiinls nur ein Beweis für Opels Führerschaft! Wie ist es moglicli, SO große, Schöne, kräftige und bequeme Wagen wie die 7,1 Litei* i Opel Modelle schon von UM 1990 an zu verkaufen, dabei nur allererstes Qualitats- material zu verarbeiten und beim Bau jedes einzelnen Wagens die denkbar größte Sorgfalt anzuwenden?... Kein f�ebeimnis! Opel baut fast aller Wagen der Preisklasse unter 3000 Mark.(Dreimal so viel wie irgendeine andere Pabrikl) Dadurch hat Opel natürlich wesentlich günstigere Einkaufsmöglichkeiten und kann gleichzeitig die modernsten, rationellsten Fabrikationsmethoden durchführen.... Das sind Vorteile, die dem üpelkäufer voll und ganz zugute kommen. Opel allein ist in der Lage, so große, schöne und kräftige Qualitätswagen zu so niedrigen Preisen zu Gefem.- Sie erhalten mehr für Ihr Geld, wenn Sie Opel kaufen. Außerdem sind die Zahlungsbedingungen sehr bequem. Orößerer Wert— ohne Preiserhöhung T Zweisitzer offen..... RM 1990 Zwäsüxiget Cabriolet ftM 2SCO Viersilzige Limousine R.]f 2~CO V Unit zer offen...•. RM 2350(Calriolti mit Rutrettitxtn) Lieferwogen., RM 24CC fONFFdCH BEREIFT- PREISE AB WERK A 0 A m orsi» A. BOSSBLSHEIK AK RAIS QUALITÄT TOBAKS Die Cberlegmheit der Opel ij! Liter Wagen zögt üth bei jedem nur möglichen Vergleich. Ein« moderne, torg- fiüigo Konstruktion- die Verwendung det betten Materials und gewittenhafte Qualitätsarbeit haben bei den Modellen 1931 zu einer Steigerung der Krafienlfaltung, Schnelligkeit, Leistungsfähigkeit und WirtschafUithkeit geführt, die Opels Vorsprung wiederum vergrößert, Arbeiterjugend voran! Surillch rief der Werbebezirk Tiergarten der Sozialisli- schcn Arbeiterjugend die Zungarbeiter Moabits zu einer freien Aussproche über die Frage:„Sozialismus oder National. fozialismus" auf. Die.Arminiusfäle in der Bremer Straße waren überfüllt. Ge- nosse Max W e st p h a l zerpflückte die Forderungen der NaziZ. Zunächst bewies er, daß der Sozialismus der Nazis nur ein Aus- Hängeschild ist, das feine Farbe wechselt je nach der Bevölke- rungsschicht, an die es sich wendet. Dann schilderte er die Außen- Politik der Nazis, die sich in der letzten Zeit außerordentlich ver- ändert Hot, wenn auch hauptsächlich nach außen hin, in den Interviews mit„Feindbund"rcportern. Dadurch erweist sich klar, daß die Front der Nazis nach innen steht. Mit demagogischen Versprechungen tritt man an die verschiedenen Bevölkerungsschichten heran, während das eigentliche Ziel der Nazis nur die Wiederauf- richtung der Macht der alten cherrscherkaste ist. In der Diskussion wurde der erste Redner,«in Jungkommunist, von seinen Parteifreunden mit den, üblichen Klamauk unterstützt. Im übrigen war diese Red« eine der vielgehörten und vielgelesenen. Als zweiter sprach ein sehr junger Nationalsozialist, der zwar auf alle angeschnittenen Fragen eingehen wollte, aber niemals eine Ant- wort zu Ende führte, sondern von einem Punkt zum anderen hüpfte. Ein„parteiloser" Kommunist forderte Besteigung der Barrikaden, er dachte aber nicht daran, selbst die Konsequenzen zu ziehen und seiner Ansicht durch Mitarbeit in einer Organisation zum Sieg zu verhelfen. Als hierauf«in parteigenöfsischer Redner den Kommunisten vorwarf, daß sie Borarbeit für den Faschismus leisten, schien dies außerordentlich«inzuschlagen: obwohl der Polleitcr der Kam- munisten versprochen hatte, daß die anwesenden Kommunisten nicht versuchen würden, die Versammlung zu sprengen, erhob sich jetzt Gebrüll und unter dem Gesang der Internationale und Schluß- rufen verliehen die Kozis den Saal. Di« beabsichtigte Störung mißlang und nachdem wieder Ruhe eingetreten war und der Saal sich kaum merklich geleert hotte, formte die Versammlung ordnungsgemäß zu Ende geführt werden. In einem kurzen glänzenden Schluß- wort zerpflückte Genosse Westphal die Phrasen und Lügen der ein- zelncn Diskussionsredner. Die Internationale und ein dreifaches Freundschaft schloß dies« auch von Indifferenten stark besuchte Ver- sannnlung._ Ernst Goldbeck siebzig Zahre alt. Aufsehen erregte es, als im Krantz-Prozeß einer der Sachverständigen, Ernst Gold- b e ck, der in diesen Tagen, getreu seiner Eigenart, in der Einsam- keit seinen siebzigsten Geburtstag feiert, in einer tief angelegten Rede die Motive des Angeklagten auf Grund seiner biologischen und jugendpsychologischen Entwicklung darlegte. Lange, bevor es Mode wurde, sein Interesse gerade der Jugend zuzuwenden, arbeitete Goldbeck auf dem Gebiet der Jugendpsychologie. Als Di- rcttor des Sophien- und Friedrich-Wcrderschen Gymnasiums hielt er schon vor dem Krieg« Vorträge über die Problem« des Reifealters, besonders auch auf Grund feiner medizinischen und biologischen Studien, voll tiefen Verständnisses für die Jugend. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio aws-ndu-s«, kür Meft Zl-brN w» a ÜM 3u««nt Itlreta»* Solta 6» 68, OatitRftrafe, heuke. Sonnabend, 19 � Uhr. I: Morarn ffolitt. Srefftmnß 8 U6c Bahnhof EchLnhaufer Älln. -«Bttimff« Ztx: Bei her Str. 27—30.„Znfltnö bot äMtftobt."—" Bei»! Moroca Zahrt„ach Spandau-West. Treffpunkt 7 Uhr Johlt. Ecke Stirdower Stroh«. Z0 Pf.— Reukilln VIII: ssohrt„ach KSniastnusterhausen. Treffpunkt 7 Uhr Naifer-fZeiebrich. Eck- Weichsel, wahe.— ZIcntSIla IX: Besuch bei Stern. waree. Treffpunkt Wh Uhr Bahnhof Scrmannslrahc. ISlh Uhr Sternwarte. 4ö Pf.— Reutölln XI: Moraen IZahrt nach Bernau. Treffpunkt 7 Uhr Bahn. Hof RcukSIln. HO Pf.— Pankow: Treffpunkt für Werbehe�irtsmitalieberver. iammlun« 18 Uhr Marktplah.— Reukölln I: Morgen ssahrt. Treffpunkt v!4 Uhr Reuterplah. Werbe de, irk Tiergarten: Ist Uhr Borftanbsfitiunq bei Bergcr, Lcnehow- Eck« Iagowftrahe. 1916 Uhr Iüngcrenarbeitsgemeinschaft, Lehrter Str. 18— 19. Werbebezirk Wedding: 19 Uhr Baden Im Stabtbad Webinng. Serbebe, irk Welten: 19 Uhr Lorstanbssihung Rofinenstr. 4, 20 Uhr ebenbort Delegiertenlonferriu. Werbebezirk Renlöll-: lsestausschuß. Fahrt. Treffpunkt 17Zi Uhr Bahnhof Neukölln. Werbebezirk Pankow: MitglieberversanunlumJ in her..Biesenbaude". Bor- trag:„Die politische Lage". Werbebezirk Prenzlauer Berg: Danziger Str. 02, B. Z. 20 Uhr politischer Insormotionsabcnb. Brnos,'e Bcora Becker sprickit über:„Die nuhenpolitische Situation". Wanderleitertonferen, cbendort.„Erste Hilfe bei Unglücksfällen." Werbebezirk Lichtenberg- 18 Uhr Bücherei Weichfelftr. 28. Genossen werden gebeten, zahlreich zur Arbeit zu erscheinen. rwsendunaen für dies« Ziutrlk find l>» r l i» SS Ü8, Lindenitrahr 3, parieinachnchten für Groß-Verlin stet, ,» da»«ezirtssekrrtartal !. Hot, 2 Treppe» recht», z» richte» 1. Jkrei» Ritte. Die Genossen der ZZ. Abgabestesse der ikonfumgenossenschaft, Fehrbelliner Strohe, treffen sich am Sonntag, bem 25. Januar, 9 Uhr. bei Tobrohlaw. Ewinemllnber Str. II. 7. steei» Eharlottenburg und 8.«reis Spandau. Juristische Sprechstunde finbet Sonnabrnb, 24. Januar, ron 17 bis 18 Uhr, im Iugenbhciln Ro- finenftr. 4, statt. Gelegenheit zum«irchenanetritt! heute, Sonnabend, 24. Januar: 21.«bt. Ächtung, Bezirksfübrer! Heut«, 18 Uhr, wichtige» Material ron ber Geschäftsstelle, Utrechter Str. 21, abholen. Arbeilsgemeinschafk sozialdemokrakischer Lehrer und Lehrerinnen Deukschlands. Bezirksgruppe Berlin. Dienstag, 27. Januar. 19Z6 Uhr. Aula de»«öllnifchen Silinnastum», Znfel- strahe. Tagesordnung:„ssst Schulabbau notwrnbig?" Rebner: Genossen Datbe, «arfen, Schneibcr und Schräter. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Verlin. Restfaltenhrlserluesns Roniag, 2k. Januar, 30 Uhr, Wassertorstr. 9. 17.«rei» Lichtenberg. Gonntag. 25. Januar. Dir Gruppen Norb. Mitls irnb Ne,'. Lichtenberg machen eine gemeinsame Fahrt nach Bernau. Treffpunkt der Gruppen Mitte unb SRolb 8 Uhr am Bahnhof Frankfurter Allee. Treff» Punkt der Gruppe Ncti-Lichtenberg 8 Uhr Rote Jnscl iBahnhoi Neu-Lichteiibkig). 80 Pf. Fahrgeld mitbrinaen. «rei» Neukölln. Bilbgngsobleute. Heute, Sonnabend, 1K Uhr, tagen die Bildunqsoblciii« aller Gruppen im Heim Ganaho serstraste. Hekferkrei». Heute, Sonnabend, Ist«reiÄlelfersttiung um 20 Uhr im Parteibüro, Fulda str. 55—56. Alle Helfer müssen erscheinen. Bericht»bogen mitbrinaen. «rei» Ritt«. Gruppe Pappelplah. Montag, 20. Januar, Hei» Glisabeih. kirchstr. 19—20. 1916 Uhr, Ellernoersommlung. Thrma: ,10 Zahra«inderfreunde »U Drntfchtand". «rei» Prenzlane« Berg. Gruppe Biktor Adler. Montag, 28. Januar, 20 Uhr, tonziarr EU. 62. Barocke 2. Helfe rsthung. Dienstag, 27. Januar, 29 Ahr, daselbst, Barock« 3. Elternoersammlung.— Gruppe Fpeihr.it. Montag, 26. Ja- nuar, 17—19 Uhr, Jugendheim Lonnendurqer Str. 20. wichtige Jahresveriawm- lung der Roten Falken. Am Donnerstag fallen die Beronstaltungeu der Jung- sollen und Restfalken au», dastlr Faikenratsstbunq. Dienstag gemeinsames Turnen. Freitag. 30. Januar. 17 Uhr. für«inber, 20 Uhr für Eltern. Sicht- bilderoortrag über Mnnsterlaacr unb«inderrepudlik Schweiz. Sonntag, 1. Fr, druar. Gruppenfahrt nach Erkner. «rei»«reuzbeeg. Sir treffen uns zur Jungfalkenfahrt nicht wie iortümlich angegeben, um 17% Uhr, sondern um 16'4 Uhr. am Schlrfifchrn Bahnhof. Geburlslage, Jubiläen usw. l». Abt. Uns«««», Geneffrn Fr»», v«»dt. Eule est«. 1», ,, srlwe» 2ZiShrig«n Partrijubtlönm die herzlichsten»lückeoüafche. 93. Ab«. Neuköll». Am Sonnabend, bem 24. jaouar, begeht»»s«, che- ness« Albert«egge. Neutill». Steinb-cksuaf,», sei»,»»5. Geb»rt»t«g«ei» mehr»l,»iee Z«br,«b»te» steht ber alt««öwpe i»»»sere» Reihen, w,»» b-, Sozialiftengeseh lelbs» miterlebt«. Bau Perus«ürsch»«,. ist«r heut««»gestellter de»«Lesch»ee,ceba»b«».«ei»e B«rsa»>mlu»a»der s«»fti« Perauswltung, ,« der er leblte, unb immer feine» Leben, kamerab a» sei»«. Seit», s, mtrtte er bis j-pt für die Brsreiuua de« Arbeiterklasse»it. AI«, die ih» kennen, wünsche» ihm von»onunc Herzen noch recht lange»ir bisherig« Rüstigkeit»»d gratulier«» recht herzlichst. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation j Die Gegenwart mit ihren wirtjchaftlichen und sozialen Lasten richtet die Gedanken vieler Menschen, sonder» joicher, die in keiner festgefügten Weltanschauung verankert sind, auf okkulte Dinge. Die Astrologie erlebt deshalb wieder einmal ein« groß« Konjunktur, und aus diesem Grund« wird dos Th«ma„Die Praxis der A st r o- logie' von Elmer Breier und Robert Zzenfeling in zwei Bor- trägen diskutiert. Es handelt sich bei dieser Diskussion darum, die Grundgedanken herauszuschälen und sie zur Kritik zu stellen, und diese Gedanken in ihrer praktischen Anwendung.halten einer Kritik nicht stand, denn sie. rechnen zu sehr mir Möglichteiten und nicht mit Tatsachen. Der Zweck der Beranstaltung wird erreicht, weil auf beiden Seiten der Versuch gemacht wird, objektiv die Tatsachen darzulegen. Henselings Kritik unterminiert allerdings ernsthaft das Gebäude der Astrologie und erschüttert es bis in die Fundamente. lieber„Soziale Frauenberufe" spricht Dr. Alice Solomon. Der Vortrag will nur instruktiv sein und eine Anleitung für die- jenigen geben, die sich diesen Berufen widmen wollen. Er ist in feinen Gedanken und der Beweisführung vorbildlich klar, so daß er allen Hörern eine anschauliche Ueb erficht über den Aufgabenkreis dieser Berussgattung vernrittelt. Abzulehnen ist«in Interview über den Presseball. Unerquicklich, besonders da mit der Summe der Tombolagewinne geprotzt wird. Uebrigens erfährt der Begriff not- leidende Künstler eine sonderbare Auslegung.„Ouer durch das Haus des Rundfunks" heißt die Abendveranstaltung. Sie mischt Unterhaltung mit programniattschcn Erklärungen und Er- läuterungen. Hier sind am interessantesten die Ausführungen Pro- fessor Schubotz. des Leiters der Deutjcken Welle, über das bekannte Zwiegespräch Nölting-Fedcr. Die Diskussion hat überall Zustimmung gefunden. Ein Zeichen, daß das Publikum nach Diskussionen über aktuelle politische Fragen verlangt. F. Sch. 125. Abt. Weißense«. Di» Genossin Marie Kafpari ist verstorben. Eine ihrem Anbenckcn. Die Beerdigung Hot bereit» stattgesunben. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Sdzroarz-Rol-Golb". Gefchäkt» stelle: Berlin S 14. Eebastianstr 37—38 Höf 2. Tr Sonnabend, 24. Januar. Mitte. Jungbanner. 1v>6 Uhr Rofcnthaler Plah in Zivil. Erscheinen Pflicht.— Sonatn«, 25. Za»»»r. St-gliß (Ortsvctcin). 816 Uhr steht olle» in Bunbesklcibung Bahnhof Wilmersdorf- Friede»au. Wintersportabteilu»». Bei qenügenber Schneelag« Skifahrt, sonst Waldlauf. Treffpunkt 9i6 Uhr Restaurant Waldheim, Bahnhof Grunewald.— Montag, 26. Januar. Mitte(Jnitgbounet). 20 Uhr Jugendheim Tieckstr. 18. Referent: Kamerad Orsaleck. Erscheinen unbedingt Pflicht. Stegliß lOrtovereen). 20 Uhr Jghre»verfgmmlung bei Schulz, Biribufchstr. 90. Jghrcsbcricht,«gssrn. dericht. NeuwgHlc». Portrgg de»«gmeraben Neibhgrbt.«öpenick brouTlaSioH.'lödellllltti�It»t �5*®# IE®®»««wz»nd WildUdo«.... M. IS8®/ 1830 »«enom................... M.1880/3n00 Voo-eieKrWnfwWfl Oiwtw...«. 155®# 1850 Salamander- FuBarzt* 18*°, 21 00 seiixscherre{:3)ercMlieier »Darf ich Ihnen noch einschenken, gnädige Frau?" Adi Landowski, ganz aufmerksame Hausfrau, beugte sich vor und schwenkte die Kaffeekanne mit dem Streublümchenmuster dem lieben Gast entgegen. „Sehr liebenswürdigl Tausend Dank!" Glucksend floß der Kaffee in die Tasse. Die vierte, stellte Adi bei sich fest. „Sie bereiten aber auch den Kaffee ausgezeichnet zu, liebe Frau Adi", lobte�Frau Sabine Böhm mit süßem Lächeln und legt« sich «in dickes Htück der von Frau Adi selbstgebackenen Ananastorle auf. »Du kannst ja fabelhaft kosten, Adileinchen", rühmte nun ihrer- scits Fräulein Ilse Böhm, Frau Sabincns seit Jahren mannbares Töchterchen, um nicht hinter ihrer Mama zurückzustehen. „Ja, da ist auch eine Meng« Butter und Eier drin", nickte Frau Adi,„umsonst macht er nicht so satt." „Selbstgemacht ist eben anders als Bäckcrware", mischte sich jetzt Herr Ottokar Böhm, der mit Lothar Landowski und Benno Tiefenbocher bisher den wirtschaftlichen und politischen Problemen der Gegenwart auf den Grund gegangen war, in das Fachgespräch der Damen, und Adi, von so viel Lob beglückt, zählt« der aufmerk- sam lächelnden Frau Böhm sämtliche Zutaten her, die der Kuchen enthielt. Auf dem Heimweg machte dann Frau Böhm ihr Töchterchcn auf das Unpassende dieser Prahlerei aufmerksam. „Mein Mieter", eiferte Frau Adi, sagt immer, schon wegen der Kuchen würde er hier sein Lebtag wohnen bleiben." „Ach ja, Ihr Mieter", erinnerte sich Frau Böhm, die schon fenge auf dieses Thema wartete.„Wie geht es ihm?" Auch Frau Sabine Böhm verfügte über«inen Mieter, der ihr wenig Freude bereitete. Selbstverständlich hatte weder sie noch Frau Adi Landowski es nötig zu vermieten, aber warum sollte die große Wohnung leer stehen? Nur aus diesem Grunde gaben sie Zimmer ab, jedenfalls behaupteten sie es täglich. „Konstantin Korolyk macht recht gute Gescksiifte", Lothar Lan- dowski lehnte sich wichtig in den Ledersessel zurück und streckte die Beine von sich.„Er hat Verbindungen, und ich selbst tat mein Bestes, um ihn bei der Kaufmannschaft einzuführen." Gönnerhaft nickt« der Hausherr vor sich hin. Benno Tiefenbacher konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Er kannte feit Jahren die finanziellen Schwierigkeiten seines Freundes Landowski und wußte auch, daß die Kaufmannschaft keinen ge- steigerten Wert aus Empfehlungen von dieser Seite legte. Außer- dem handelte Konstantin Korolyk Holz, eine Branche, die Lothar Landowski, dem Kämpfer um Absatzmöglichkeiten für Taschenmesser, so entfernt wie nur möglich lag. „Eine kleinere Summ« habe ich ihm auch vorgestreckt", schloß Lothar Landowski bedeutsam. Ein Hustenreiz erfaßte plötzlich Benno Tiefenbachcr. Die Böhms blickten interessiert auf, und Frau Adi Landowski versetzte ihrem Eheherrn einen heimlichen aber herzhasten Stoß. Herr Ottokar Böhm schob die soeben in Brand gesetzte Zigarre von dem linken in den rechten Mundwinkel und sah sich in dem eleganten Raum um. „Hier, in diesem Zimmer wohnt doch der Korolyk." Herr Otto- kar Böhm wollte damit zartfühlend sein Staunen ausdrücken, daß ausgerechnet hier der Kafseetisch gedeckt worden war. Auch Frau Sabine Böhm war plötzlich sehr gespannt. „Na, wenn schon!" Lothar Landowski vergrub die Hände in die Hosentaschen und sah unendlich überlegen in die Welt. „So", gab Herr Ottokar Böhm kurz von sich, aber seine Gattin Sabine hatte jetzt ein« Menge Fragen zu stellen. Sie bezogen sich alle darauf, wie der Mieter Konstantin Korolyk darauf reoglerie, daß man die von ihm gemieteten Räume michewohnte. Frau Sa- binc Böhm erzählte auch ihren Freundinnen, ihr Mieter hätte bei ihr nichts zu bestellen, und man könnte zwanglos sein Zimmer benutzen, wenn er ausgegangen war, ober solches und ähnliches er- zählle sie nur, die Wirklichkeit sah anders aus. ach, ganz, ganz anders/ Hier jedoch wurde sie zur Zeugin, wie diktatorisch die Landowskis in dem vermieteten Zimmer wirtschafteten. Kein Wunder! Lothar Landowski war auch ein anderer Kerl wie ihr Mann, der niemals energisch den Mund aufzumachen verstand. Mit der Geste der Dame von Welt hob Frau Adi die Tafel auf. Man gruppierte sich um einen gehämmerten Rauchlisch, auf dein heute bunte Likörgläschen mit Chcrry-Brandy standen. Frau- lein Ilse Böhm hockte sich auf eine grüne Ripscoutch und fand, daß ihr diese malerische Stellung wenig Vergnügen und Bequemlichkeit bereitete, aber sie versuchte, vor Benno Tiefcnbacher sömtliiHe ihr zur Verfügung stehenden Reize zu entfalten. Tiefenbacher war näm- lich noch unbeweibt'und betrieb dazu ein« Effektenmakelei, die ihm immerhin ein diskutierbares Bankkonto eingetragen hatte. Doch der Mann der Effekten brachte für Frau Adi Landowski größeres In- teresse auf. Der Herr des Hauses reichte inzwischen aus einem blitzenden Kästchen Zigaretten herum, die allerdings dem abwesenden Herrn Korolyk gehörten. „Ach, wissen Sie, lieber Böhm, meint« er mit betont herrischer Stimme,„die Mieter muß man als Nebensache behandeln." „Man lebt davon, aber das braucht dieser Korolyk doch nicht zu wissen", cnffuhr es Frau Adi wider Willen. Sie wurde über und über rot, hüstelte und warf einen ängstlich scheuen Blick aus die Böhms, die aber Gott sei Dank so taten, als ob sie nichts gehört hätten. Tiefcnbacher bedauerte innerlich diesen Fehltritt, und Lothar Landowski zischte leise: „Ida, bist du verrückt geworden?" In Augenblicken echter Er- regung nannte er Adi bei ihrem im Standesamt registrierten Namen Ida. Dann stKach er sehr schnell und laut, um bestimmte unange- nehm« Eindrücke zu verwischen:„Sehen Sie, was ist dieser Korolyk? Ein kleiner Holzhändler, ein Ausländer, der glücklich sein kann, daß er bei uns wohnt, oder besser, daß er bei uns wohnen darf." Lothar Landowski stolzierte im Zimmer auf und ab wie ein Pfau, der ein Rad schlagen will. „Korolyk bittet uns sogar, sein Zimmer zu benutzen, jawohl, das tut er!" Lothar Landowski fühlte die ergebenen Blicke der Familie Böhm einschließlich des Töchterchens Ilse auf sich ruhen. Benno Tiefcnbacher näherte sich in diesem günstigen Augenblick Frau Adi und streichelte ihr«n Rückenausschnitt. Und da geschah es. Lothar Landowski stand im Zenith der Bewunderung. Er oer- sucht«, mit den Augen zu blitzen und ernste Würdefalten legten sich tun seine dicken Lippen. Plötzlich erblaßte er, gab blitzschnell seine stolze Haltung auf und stürzte zu Adi. „Hörst du nichts", die Stimme zitterte. Zldi erschrak und faiüz nicht sofort die Haltung der großen Dame. Tatsächlich schien sich draußen etwas vorzubereiten. Schritte näherten sich auf dem Korridor, die Tür wurde aufgerissen, und-m Rahmen stand ein kleiner, zarter Mann, der erstaunt die versteinerte Gruppe betrachtete und kein Wort sagt«. Lothar Landowski versank in eine tiefe Verbeugung. Dann riß er ein« Tür zu den Jnnenräumen auf, stieß Herrn Ottokar Böhm in die Richtung und flüsterte mit heiserer Stimme: „Nur schnell, schnell! Um Gottes Willen!" Frau Adi lächelte mühsam und komplimentierte die Damen hinaus. Benno Tiefenbacher reicht« dem noch immer schweigenden Herrn die Hand. �astülie'Böhm, di? setzt auf'«ttftm stehr' hohen'Pf�rd saß, ver- abschied«!? sich bald. Herr Otto-kär Böhm erklärte, es"sei ihm ein großes Vergnügen gewesen. Er ließ di« Frage offen, worin dies Vergnügen bestanden hatte. Wie wohnt Siclis in Wloshau? Dokumente des£ebens Die Moskauer satirische Wochenschrist„Krokodil" bringt, zur Kennzeichnung der Sitten in den Wohnungskommunen der Sowjet- Hauptstadt, eine Auslese drastischer Aussagen, Klagen, Protokolle usw. aus den Akten der Voltsgerichte. Einige besonders charak- tcriftische seien hier wiedergegeben, die zugleich, wie das Moskauer Blatt tadelnd vermerkt, als beredte Zeugnisse des unter den Sowjet- bürgern unverniindert gedeihenden„Bourgeois-Gcistes" dienen mögen: „Nach dem Tode der Bürgerin Zt., in meiner Wohnung, fanden sich deren Verwandte zur Beerdigung ein. Sie baten mich um«in Zimmer zum Ucbernachten und sind seither nicht wieder fort- gezogen." „Der beklagte Hausgenosse gebraucht Alkohol und zensurwidrige Ausdrücke mit Musikbegleitung." „Der Beklagte macht durch sein Benehmen ein Zusammenleben mit ihm in einer Wohnung zu einer Gefahr, und zwar: aus Ueber- mut verursachte er Kurzschluß des elektrischen Lichts, demonstriert einen Feuerschaden, indem er in seinem Zimmer sein« Matratze in Brand steckt und dergleichen mehr."• „Ich bitte, die Bürgerin N. aus meiner Wohnung auszusiedeln, damit sie meine Kinder nicht beeinflußt, die von ihr die gemeinsten Unflätigkciten zu sehen und zu hören bekommen mch wie sie aus religiösen Schriften vorliest." „Meine Miete zahle ich pünktlich und lebe mit meiner Ehesrau, wofür ich hiermit eine Bescheinigung beilege." „Der Beklagte hat mich von meinem Mann und meinen drei Kindern fortgeführt, und ist jetzt abgereist und' hat mir weder für meine Schande noch meine Wohnung etwas bezahlt." „Die Bürgerin N. beklagt sich über Drangsalicrungen: indessen hat die Hausgenossenschaft, welcher ihr prostituiertes Benehmen bekannt war, ihr die Zimmcrmiete wie einer lcdigen H e i m a r b e i- t e r i n berechnet." „Ein Ehepaar wohnt bei mir in einer Stube, die es für zwei Personen gemietet hatte? Nach drei Monaten bekamen sie ohne mein Wissen ein Kind. Da ich diese Taffache als offenbaren Betrug und als Bruch des Mietvertrages betrachte, bitte ich Maßregeln zur Aus- Weisung meiner Mieter zu ergreifen." „In Anbetracht meiner sozialen Lage als Invalide erster Ka- iegorie bin ich außerstande, für den Beklagten zu zahlen, welcher Armut vortäuscht, und in seinen, Zimmer ist nichts Aifftündiges vor- handen. Trotzden, such seine zwei erwachsenen Töchter gut gekleidet, essen gut. kommen spät in der Nacht nach Haus« und erzählen dann uich singen, und der Vater hilft ihnen dabei mit seinem Baß. Woraus ersichllich ist, daß in der Notlag« ein Hungernder nicht singen würde." „Die Bürgerin N. beklagt sich über mich, daß ich sie aus der Wohnung auf die Treppe hinausgejagt habe, doch ich habe dies nicht deshalb gemacht, um sie nicht in die Wohnung zu lassen, sondern weil ich fürchtete, daß ich sie verprügeln würde, da sie ineine Geduld mißbraucht. Dadurch habe ich mich davor bewahrt, sie zu ver- prügeln."_ „Es stimmt. Ich komme nicht selten betrunken nach Hause und fluche auch mordsmäßig, doch einem Arbeiter ist dies, glaube' ich, zu verzeihen." „Die Bürgerin N. lebt in«inem bürgerlichen Luxus, mit einem Klavier, einem Dienstmädchen und einem Hunde." „Die Bürgerin N. übt mit ihrer Tochter einen sehr freien Beruf aus." „Der Beklagte kommt abends, statt mit einem Hausschlüssel, immer mit einem Ziegelstein nach Hause und bricht damit die Tür auf." „Als Beweis dafür, daß ich«in arm«s Mädchen bin. kann der Umstand dienen, daß von drei Abtreibungen bei mir zwei kostenlos gemacht wurden." „Im vorigen Jahr war ich eine Arbeitslose, jetzt Hab' ich geheiratet." „Beruf der Beklagten: Witwe." „Ich bitte um Aussiedlung meiner Frau, mit der ich fünfund- zwanzig Jahre zusammengelebt und acht Kinder bekommen habe, indem wir einander hochschätzten, doch in der Zeit der heimlichen Haiis-Schnapsbrenneree hat sie sich das Saufen angewöhnt und damit angefangen, ihre ehelichen Pflichten zu vergessen, lim auf sie einzuwirken,- ließ ich mich von ihr scheiden, doch auch das hat sie nicht zur Vernunft gebracht."" „Der Beklagt« ist unser Vater lediglich feiner.Herkunft nach." „Der Beklagte bestreitet seinen Lebensunterhalt von den Ein- künften seines ihm gehörigen Pferdes." „Die Beklagten beschäftige» sich mit Kuppelei und heizen den Ofen nicht." „Indem ich zeitweilig in die Stadt Swerdlowsk verreiste, hatte ich meine Wohnung und meine Famili« für mich reserviert." „Soziale Lage der Klägerin: Jungfrau, geschieden, angestellt." „Di« materielle Lage der Beklagten besteht aus Möbeln, di« nach Bourgeoisie stinken, und aus Unterstützungen� die ihr vvn ihrem Sohn gezahlt werßen." „Ich halle mit meinen Hausgenossen abgemachl, daß ich zehn Rubel im Monat zahlen werde mit Holz, elektrisch Licht und zwei- mal täglich heißes Wasser mit Möbeln." --Ich bm äußerst bedrängt, da ich gezwungen bin, in einem kleinen Durckgongszimmer zu wohnen, in welchem sich ein Wand- schirm, vier Kinder, ein Ofen und ander« Möbel befinden." „Bon klein auf wohnt meine Mutter bei mir und von klein auf hat sie sich gewöhnt, mich zu kommandieren. Ich bitte das Lolksgericht, ihr einen anderen Ort anzuweisen." Slahlmöbel in der Schule Wygiene für unfere[Kinder Die Wandlung der Außensassade unseres Hauses hat sich in ver- hältnismäßig kurzer Zeit vollzogen, seit wir uns entschlossen haben, unsere Baumethode unter immer stärlerer Verwendung von Stahl als Baumaterial modernen Baumethoden anzupasse». Immerhin hat auch diese Wandlung Jahre in Anspruch genommen. Hier waren ober die praktischen Vorteile der Stahlbaumethode so klar und übersehbar, daß auch die blindeste Tradilion sich auf die Dauer dieser Entwicklung nicht entgegenstellen konnte. Anders liegt es bei der Inneneinrichtung unserer Wohnungen. Hier sind di« wirtschaftlichen Vorteile bei der Verwendung von Stahl- möbeln nicht in so starkem Maße sichtbar. Erst die Zeit wird die grundlegende Geschmacksänderung mit sich bringen, die die Basis für die Verwendung von Stahlmöbeln für den Privathaushalt bildet. Anders liegt die Frage dort, wo es sich um die Einrichtung von Räumen für den öffentlichen Gebrauch handelt. Also bei Krankenhäusern. Büros und Fabriten. Hier ist die rein« Zweckmäßigke't stärker betont als in der Wohnung. Hier treten die Eigenarten der Stahlmöbel, die leichtere Reinigungsmöglichkeit, das geringer« Ge- wicht und die damit verbunden« leichte Transportmögiichkcit, die größere Anpassungssähigkeii zu ihrem eigentlichen Zweck deutlicher in den Vordergrund nls bei der Einrichtung von Privathausbauten. Und in der Tat begegnen wir jetzt imm«r mehr Stahleinrichtungen in diesen Räumen. Ein modernes Krankenhaus ohne Stahlmöbel ist heute kaum»och denkbor, schon aus dem einfache» Grunde, weil es kein anderes Material für die Herstellung von Möbeln gibt, das in so hohem Maße allen hygienischen Anforderungen entspricht wie der Stahl. Auch Verjammlungssäle werden jetzt mit Stahlmöbeln ein- gerichtet, und in modernen Büros gibt man den leicht transportablen und leicht zu säubernden Stahlmöbcln schon vielfach den Vorzug. Dagegen vermissen wir die Stahlmöbel heut« noch in Unseren Schulen, wo sie gerade am allermeisten angebracht sind. Es gibt ausgezeichnete moderne Stahlrohrschulmöbel, die viele Vorzüge gegen- über den jetzt verwendeten Schulmöbeln besitzen. Sie sind vor allen Dingen feuersicher, eine nicht zu unterschätzend« Eigenschaft für Schulen. Aber auch in hygienischer Beziehung sind Stahlmöbel de» Holzmöbeln in der Schule überlegen. Und gerade in einer Schule muß ja besonders Wert darauf gelegt werden, daß Tische und Bänke vollkommen sauber gehalten werden. Während bei den Holzmöbeln sich der Schmutz sehr l«icht in den Fugen und Rinnen festsetzt, ist dies bei den Stahlmöbeln ausgeschlossen. Die Stahlmöbel ermöglichen auch eine leichtere Reinigung des Fußbodens. Dazu kommt die in wirtschastiicher Hinsicht außerordentliche, fast unbegrenzt« Dauer- haftigkeit. Die Kinder können nicht dnrch Schnitzen und ähnliche Spielereien die Möbel zerstören. Dazu kommt, daß der Stahl ein guter Wärmeleiter ist, der sofort die Temperatur des Zimmers annimmt. Wenn es also im Raum warm ist, so sind die Stahlmöbel ebenfalls warm. Das Aussehen der modernen Stahlmöbel für Schulzwecke ist sehr gefällig. Die Traggestelle aus Stahlrohr und ebenso die Lackierung, die auch bunt sein kann, geben dem sonst so nüchternen Klassenzimmer einen frischen und freundlichen Anstrich. Einzelne Schulen haben deshalb bereits zur Einrichtung mit Stahlmöbeln gegriffen, so die neu«rrichteten Schulen in Duisburg und das Realgymnasium in Datteln. Ganz besonders eignen sich dabei die Stahlmöbel jür di« Einrichtung der Lehrmittelsammlung und der Werkstätten und Laboratorien. Auch hier sind von verschiedenen Schulen und Anstalten bereits mustergültige Anlagen geschaffen worden.___ uj Georg Doli. ••• SS nrr-, SOas Gehörorgan der Sifche entdechi Seit langem weiß man, daß Fische aus Geräusche reagiere», aber bisher bestand die.Streitfrage, ob diese Hörsähigkeit wirklich auf einem Hörsinn und nicht vielmehr auf«inem stark entwickelten Tastsinn beruht. Der bekannte Münchener Zoologe Prof. von Frisch hat nun bei neuen Untersuchungen, über die Dr. Marcus« in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" berichtet, das Gehörorgan der Fische entdeckt und damit dieses Problem gelöst. Der Gelehrte verwendete bei seinen Versuchsfischen, Elritzen und Zwergwelsen, Geräusche, die in unmittelbarer Nähe erzeugt werden, aber jede mechanische Erschütterung vermieden, so daß diese Fehlerquelle aus- geschlossen wurde, und erzielte'mit verschiedenen Auswirkungen, wie Fütterung, Warnung, Schrecken, die mit diesen Geräuschen verbunden waren, fortlausend gleiche Reaktionen. Er erwies damit das Vor- handensein eines eigenen Gehörsinnes und tonnte auch durch feinste Abstufung der Töne de» Umfang desFifchgehörs feststellen. Di« obere Hörgrenze liegt beim Fisch nur 1 bis 2 Oktaven tiefer als beim Menschen, die untere ist die gleiche. Der Gelehrte forschte auch nach einem bestimmten Organ, das dem Hörsinn dient, und es ergab sich, daß der Fisch bei Entfernung des unteren Teiles des Ohrlabyrinths taub wird, während die Wegnahnic des oberen Teiles feine Orientierung im Räume unmöglich macht. Damit ist erwiesen, daß das eigentliche Gehörorgan der Fische sich im u n t« r e n T c> I c des Ohrlabyrinths befindet. 3)ie Xokatifienmg der Sinne Das JCebenstverk eine» Qehimforfchers Professor S. E. H en scheu, zur Zeit der hervorragendste Ver- treter seines Faches, hat jetzt den letzten Band seiner„Pathologie des Gehirns" vollendet. Dieses Werk stellt die größte wisienschaft- lichc Arbeit dar, die von einer einzigen Person in den letzten hundert Jahren in Schweden vollbracht worden ist. Vor 40 Jahren begann Hensckien mit der Darstellung der Struktur und der Funktionen des menschlichen Gehirns, und jetzt in seinem 83. Lebensjahr hat der Professor die letzte Hand an dos monumental«, acht Ouartbände um- fassende Werk gelegt Das wichtigste Resultat seiner Forschungen betrifft di« Lokaii- sicrung der Gehirnzentre», siir di« einzelnen Sinne. Ganz neu und grundlegend ist zum Bcisipel seine Theorie Über die Lokalisierung des Sehvermögens. Diese Theorie wurde lang« Zeit von ollen Physiologen abgelehnt, und erst während des Weltkrieges, als Tau- sende durch Kopsschüssc ihr Sehvermögen einbüßten, wurde der Be- weis erbracht, haß Professor Henschens Auffassung zweifellos richtig ist. Zur Lösung der Fragen, ob das Gehirn besondere Zellen für die Forbenempfmdungen enthalte, machte Professor Renschen 600 Aufnobmen von der Gehirnmasie verschiedener Affenarten, Milli- meter um Millimeter, und entdeckte auf diesem Wege die Licht- und Farbcnzellen. Sechs Jahre dauerten die Vorunterfuchünpcn zur Lösung eines anderen wichtigen Problems, das sich auf die.Gehirn- iunktionen beim Sprechen bezieht. Auch in dieser Frag« hat die Forscherarbeit des schwedischen Gelehrten zu bahnbrechenden Resul- taten geführt.___ Warum erzeugen kohl und Zwiebeln Blähungen? Diese Pflanzen enthalten, wie olle Kreuzblütler und Zwiebclarten. in her vorragendem Maß« Schtoefel. Dieser aber verwandelt sich durch die Tätigkeit des Verdauungsappvrats in Schwefelwasserstoff upd erzeugt dadurch die Blähungcu. JIr. 39* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 24. Januar 4934 Buch- und Betriebsprüfung. Ihre Erfolge und ihr Wert. Der Buch- und Betriebsprüfungsdienst der Reichsfinnnz- Verwaltung ist in den zehn Jahren seines Bestehens zu großer Bedeutung gelangt. Cr ergab sich aus der Notwendigkeit, die aus- geschriebenen Steuern in gerechter Weise auf alle Staatsbürger zu verteilen. Industrie und Handel, die die wirtschaftlich Stärkeren sind, sollen dadurch, daß sie, wie es früher üblich war, ihr Ein- kommen selbst schätzen dürfen, nicht günstiger dastehen als Gehalts- und Lohnempfänger, die der zwangsläufigen Besteuerung durch den Abzug vom Arbeitslohn unterliegen. Aus diesen Buchprüfungen hat sich ein von Jahr zu Jahr steigender Mehrertrag an Steuern ergeben. Nach den Veröffent- lichungen des Reichssinanzministenums sind die Mehrerträge an Steuern in den Jahren 1924 bis 1929 wie solgt gestiegen: 1924— 2Z....... 11,42 Proz. 1925-26....... 11,39. 1926—27....... 11,67, 1927-28....... 16,61, 1928-29....... 22,03. Im Jahre 1928/29 wurden bei 37 620 Buch- und Betriebs- Prüfungen Beanstandungen erhoben, durch die es zu einer rechts- kräftigen Nachveranlagung von rund 150 Millionen Reichsstcuern kam. Ferner wurden rund 24 Millionen Landessteuern, Kirchen- steuern u. a. nachveranlagt: die verhängten Geldstrafen beliesen sich aus rund 3 Millionen Mark. Der Hauptanteil entfällt auf die beiden Arten der Einkommensteuern(Einkommensteuer und Körper- schaftssteuer) mit etwa 110 Millionen Mark gleich etwa 64 Proz. des Gesamtbetrages. Aber das zahlenmäßige Ergebnis, so wertvoll es schon für sich allein ist, stellt nicht den einzigen und vor allem nicht den Haupt- crsolg dar. Der Haupterfolg des behördlichen Prüfungsverfahrens ist vielmehr seine vorbeugende Wirkung, indem schon das Bestehen der behördlichen Prüfungscinrichwngcn den Steuer- Pflichtigen zur Stcuerehrlichkest ermuMert und erzieht. Die hier erzielte Wirkung ist nicht erst aus den Nachveranlagungen ersichtlich, sondern hat bereits bei der Abgabe der Steuererklärungen ihren zahlenmäßigen Ausdruck gefunden. Eine weitere günstige Wirkung ist, daß der Kaufmannsstand zu einer ordnungsmäßigen Buchführung angehalten wird, da nur«in« Buchführung, die den üblichen Grundsätzen der Ordnungsmäßigkeit entspricht, bei der Nach- Prüfung allein aus Zlnerkennung durch die Steuerbehörden Anspruch hat. Zahllose Kausleute sind überhaupt erst durch die Borschriften der Finanzverwaltung zur Einrichtung einer Buchführung oder aber mr Vornahm« der erforderlichen Verbcsi«rungen und Ergänzungen ihrer Buchführung bewogen worden. Die Bedeutung der verhängten Geld st rasen wird vielfach verkannt. Die Finanzämter sind keine Strafverfolgungsbehörden, und es läßt sich grundsätzlich wohl nichts dagegen sagen, wenn sie nur in kraßliegenden Fäll«n eine Bestrafung herbeiführen, im übrigen aber sich mit Nachveranlogungen begnügen. So wurden im Jahre 1928/29 im Landesfinanzamtsbezirk Berlin 23 Millionen Mark Mehrsteuern erzielt, aber nur 233 900 Mark Geldstrafen fest- gesetzt. In Münster, dessen Finanzamt erst an vierter Stelle bei den Mehrsteuern steht, wurden 471 000 Mark Geldstrafen verhängt. Man kann hieraus wohl ersehen, daß das Verwaltungsstrafverfahren hier schärfer, dort wohlwollender gehandhabt wird— aber nicht, daß die Buchprüfer nicht erfolgreich gewesen wären. Der verhält- nismäßig geringe„Ertrag' an Geldstrafen mag mit darauf zurück- zuführen sein, daß man auch bei der Finanzvcrwallung der Meinung lst. die Mehrzahl der falschen Steuererklärungen beruhe aus mangelnder Kenntnis der zahlreichen Verordnungen. weniger ab«r auf der Absicht der Steuerhinterziehung. Die Steuerpilichtigen haben auch ohne schlechte Absicht oft eine von der Auffassung des Finanzamtes abweichende Ansicht, oder mit anderen Worten, sie sind mit der Rechtsprechung des Reichsfinanz- Hofes nicht vertraut. Hier kann nur die fortschreitende Verein- fachung der Steuergesetzgebung Helsen, denn es ist wohl anzunehmen, daß die meisten Nachveranlagungen die«teuer- arten betreffen, deren Rechtsprechung am umfangreichsten und mit- hin am schwersten zu übersehen ist. Freilich trifft dies z. B. nicht aus die Umsatzsteuer zu. die z. B für 1928/29 an den M-Hrsteuern mit 9 Prozent beteiligt ist. Die Erkenntnis, daß bei der Umsatz- steuer etwa 14,5 Millionen Mark zur Nachveranlagung gelangten und 451000 Mark Geldstrafe erhoben wurde, ist nicht erfreulich, denn die Umsatzsteuer ist ja leicht zu errechnen, weil jeder seinen Umsatz ohne Schwierigkeiten feststellen kann. Hier kann der Hin- weis, daß Unkenntnis der einschlägigen Bestimmungen vorliege. wohl nur in vereinzelten Fällen zutreffen. Klagen über allzu kleinliche Beanstandungen durch die Luch- prüser mögen manchmal nicht ganz unberechtigt sein: im allgemeinen hat die Finanzverwallung sich mit Erfolg bemüht, die Buchprüfer zu größtmöglicher Berücksichtigung ber kaufmännischen �enkungs- meise zu erziehen. Dies ergeben u. a. die Berwaltungsvorschriften für die Buchprüfer, die in dem sogenannten„ersten B-- und B.- Materialerlaß vom 7. Juli 1927 zusammengestellt sind. usw. Das Bemühen, durch verstärkte Vornahm« von Ab schrei- b u n g e n, die in der Kriegs- und Inflationszeit arg vernachlässigt worden waren, die Erhaltung und rechtzeitige Erneuerung der An- lagen zu sichern, ist dadurch gefördert worden, daß solche Abschrei- Der Ltnsinn im Brotgesetz. Schlechtes Roggenbrot/ Höhere Ausmahlung! Anderthalb Monate, nachdem durch di« Notoerordnung in das Brotgesetz di« Bestimmungen über den Verkauf des Brotes nach sestem Gewicht ausgenommen sind, ist nun endlich im Reichs- crnährungsministerium ein« Besprechung erfolgt, in der man sich über die Ausführungsverordnungen geeinigt hat. Da aber die obersten Landesbehörden noch Richtlinien über di« Durchführung der Gewichtsnachprüfung in den Bäckerläden er- lassen sollen, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis wir endlich zu dem von der Sozialdemokratie schon lange geforderten Verkauf des Brotes nach festem Gewicht kommen werden. Dagegen wurde in der Besprechung nicht über die anderen für den Roggenkonsum so nachtelligen Bestimmungen des Brot- gefetzes verhandelt, obwohl sich diese allmählich zu einer Katastrophe auswirken. Durch das Brotgeisetz wird ver- hindert, daß der Roggen in einem dem Konsum am meisten ent- sprechenden Ausmahlungsgrad verbraucht worden kann: vielmehr schreibt dieses Gesetz vor, daß di« Mühlen Roggen ent- weder zu 100 Proz. oder unter 60 Proz. ausmahlen. Mit dieser Vorschrift sollte ein« Hebung des Roggenverbrauchs er- reicht werden, denn— so schloß die ministerielle Logik— wenn das Korn nur zu 60 Proz. ausgemahlen wird, braucht man selbst- verständlich mehr Roggen, um ein Brot herzustellen, als wenn der Roggen zu 70 Proz. oder 75 Proz. ausgemahlen wird. Der erwartete Erfolg des Brotgesetzes hat sich aber ge° rade ins Gegenteil verkehrt. Die Verbraucher ziehen etwas dunkleres Brot(aus 70 Proz. ausgemahlenem Mehl) dem helleren vor. Um sich dieser Geschmacksrichtung anzupassen, setzen in manchen Gegenden die Bäcker dem Roggenmehl stark aus- gemahlenes Weizenmehl zu, um auf diese Weise eine dunklere Färbung des Brotes zu erreichen. Durch diesen Kunstgriff wird aber der Roggenabsatz keineswegs verstärkt. Hierzu kommt, daß di« Arbeitslosigkeit auch schon aus den Verbrauch des wich- tigsten Nahrungsmittels, des Brotes, unheilvoll eingewirkt hat. In Mühlenkreisen wird der Minderverbrauch an Roggenbrot gegenüber dem Vorjahre auf 10 Proz. geschätzt. Der Roggenmehlabsatz läßt daher sehr zu wünschen übrig, was selbst- verständlich auch«ine Wirkung auf die Roggenpreise ausüben muß. Auf der einen Seit« versucht also di« Regierung ein« Ver- größerung des Roggenabsatzes durch die Eosinroggenaktion zu er- reichen, auf der anderen Seite erläßt sie mittels der Notverordnung unzweckmäßige Gesetze, durch die der Absatz des Roggens für menschlichen Verzehr verringert wird. Es wird höchste Zeit, um dieses völlig sinnlckse Gegeneinan verwirken zweier Regierungsmaßnahmen aufzuheben, daß di« Ausmahlungs- grenze für Roggen auf 75 Proz. erhöht wird. Das aus diesem Mehl hergestellt« Brot entspricht am besten der Geschmacksrichtung der Verbraucher. Folglich wird auch am leichtesten hierdurch der Roggenabsatz zu echöhen sein. bungen, soweit ihre wirtschaftliche Berechtigung feststeht, auch steuerlich anerkannt werden Hierdurch wurde eine Quelle zahl- reicher Streitigkeiten allmählich zum Erlöschen gebracht. Nun sind aber Meinungsverschiedenheiten oft darüber möglich, ob A»- schaffungen in einem Jahr« abgebucht werden dürsen oder auf mehrere Jahre zu oerteilen sind. Der Buchprüfer kann im Interesse des Fiskus hier der kaufmännischen Auffassung nicht folgen: denn die sofortige Abbuchung von Neuanschaffungen hat oft zur Folge, daß ein buchmäßiger Gewinn überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Da andererseits der Steuerpflichtige die herkömmliche kaufmännische Vorsicht, die in der sogenannten„Niederstwertregel' bilanzrcchtlich zum Ausdruck kommt, nicht verlassen will, gelangte man zur Auf- stellung besonderer„Steuerbilanzen", durch die di« kaufmännischen Bilanzen den Erfordernissen der amtlichen Vor- schristen angepaßt wurden. Das Nebeneinander zweier ver- schiedener Bllanzen, nämlich der eigentlichen„Handelsbilanz' und der„Steuerbilanz', führt« zu einer Komplizierung des Buch- führungswesens, wodurch wiederum, allein zum Zwecke der Klar- stellung, Prüfungen erforderllch werden. Deshalb ist auch die Buch- und Betriebsprüfung im wesentlichen auf Großbetriebe « r st r e ck t worden. Die Großbetriebe werden seit 1925„mindestens alle drei Jahre einmal einer ordentlichen B und B.' unterzogen. Man hat nun den Buchprüfern den Vorwurf gemacht, daß sie zu fiskalisch eingestellt seien, und anschließend hieran vorgeschlagen, die Berücksichtigung der Interessen der Finanzverwaltung ganz auf das private Revisions- und Tr e u h a n d w e s e n zu übertragen bzw. einen neuen Stand von„Steuernotarcn' zu schaffen. Solange nicht für eine ausreichende Vorbildung der selbständigen Bücherrevisoren di« erforderliche Sicherheit geschossen ist, kann solchen Vorschlägen nicht nähergetreten werden. Die von Bücherrevisoren eingereichten Bilanzen zeugen manchmal durchaus nicht von ausreichender Kenntnis der einschlägigen Verordnungen. so daß dann die auch bei der heutigen Regelung durchaus mögliche Unterstützung der Finanzämter durch die Bückerrevisoren au-bleibt. Andererseits werden die werwollen Erfahrungen selbständiger Bücherreyisoren für die Finanzverwaltung oft durch Uebcrnahme geeigneter Personen in den Staatsdienst nutzbar gemacht. 1�— a. Oer Textittampf in England. Das Krisenzentrum Lanrashire. Der große Arbeitskampf im englischen Baumwoll- zentrum Lancashire nimmt seinen Fortgang. Die Streit- löge hat sich seit dem Ausbruch des Arbeitskampfes am 17. Januar insofern noch verschärft, als die Spinnerei Unternehmer draus und dran sind, ihre Betriebe gleichfalls stillzulegen. Damit würde sich die Zahl der ausgesperrten Textilarbeiter, die zur Zei- bei den Webereien 250000 Personen betrifft, um fast das Doppelte erhöhen. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird die zum Wochen- end« zu erwartende Abstimmung der Gewerkschaften sein, ob Verhandlungen über die Arbeit an dem neuen Acht- Webstuhl-System aufgenommen werden oder nicht. Die Arbeiter- Vertreter wenden sich deswegen so scharf gegen dieses neue Arbests- system, well mit der Ersetzung des bisherigen Vier-Webstuhl- Systems— wo ein Arbeiter vier Stühle bediente— durch das Acht- Stuhl-System di« in Lancashire herrschende Massen- arbeitslofigkeit noch verschärfen würde. Im übrigen er- klären auch die Arbeitnehmervertreter die Einführung des neuen Arbeitssystems, das� eine verschärfte Beanspruchung der Arbeitskraft mit sich bringt, zu den gegenwärtigen Lohnsätzen für unmöglich, da die Löhne der Baumwollarbeiter erst im August 1929 von den Unternehmern um mehr als 6 Pro,}, abgebaut wurden. Die Unternehmer denken vorläufig nicht daran, den Forde- rungen der Textilarbeiter entgegenzukommen. Sie sitzen infolge der anhaltende» Absatzschwierigkeiten auf großen Vorrats- lagern fest, die sie während des Arbeitskampjes zu räumen ge- denken. Allerdings macht sich auf den ostasialischen Märkten jetzt bereits eine auffallende Aktivität der japanischen Kon- k u r r e n z bemerkbar, di« Me Fabritanten von Lancashire schneller. als ihnen lieb ist, zur Nachgiebigkeit zwingen könnte. Wirtschastsberatung deutscher Städte A.-G. VerSachtige„Befürchtungen". . Wie der Deutsche Städtetag mittellt, ist der A u f s i ch t s r a t für die kürzlich offiziell gegründete Winschaftsb«ratung Deutscher Städte A.-G. gegründet worden. Dem Aussichtsrat gehören Ver- treter der deutschen Städte, der Fachorganisationen der Versorgungs- betriebe(Gas.Wasser, Elektrizität. Verkehr) und ein Vertreter des Gesamtverbandes der Arbettnehmsr oer öffentllchen Betriebe an. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Dr. Mulert, der Präsident des Deutschen Städtetages, s«in Vertreter ist Direktor Schmidt von den Berliner Städtischen Gastrferken. Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft, di« bekanntlich in erster Linie ein Organ für die Nechnungsprüsung und Wirtschaftsrevision darstellt, ist vorläufig Dr. Elsas bestellt worden. Der neue Aussichtsrat tritt der modegeword«n«n „A n g st' privatkapitalistischer Kreise anrdrückllch entgegen, als ob es sich bei der Gründung der Aktiengesellschaft um eine Auedehnung der Wirtschaftsbetätigung der Kommunen handle. Wir hallen diese Rücksichtnahme für ü b e r s l ü s s i g. Wenn heute bürgerlich« Blätter Befürchtungen äußern, die Wirtschaststätigkeit der Gemeinden könne erweitert werden, so handeln sie meist nicht aufrichtig. Dies« Kreise wissen, daß den Gemeinden der Brotkorb heure so hoch gehängt ist, daß die kommunale Finanznot—ohne Schuld der Gemeinden— sogar die öffentliche Finanzwirtschast überhaupt gefährdet. Wo derart überflüssige Befürchtungen geäußert werden, sind sie meist nur die Stellvertreter des Willens, die wirtschaftlich« Tätigkeit der Gemeinden weiter abzudrosieln. Wir möchten deshalb wünschen. daß die Wirtschaftsberatung Deutscher Städte A.-G. es als chre selbstverständliche Ausgabe betrachtet, durch ihre Tätigkeit als Be- rater und Revisor rücksichtslos auch der Verteidigung des öffentlichen Besitzstandes gegen di« weiter« Pri» vatisierung zu dienen. Oer Produktionsverlust der Walzwerke. Erztuguna um fast 2S Prozent gesunken. lliach den Feststellungen der Zeitschrift„Stahl und Eisen' stellt« sich die Produktion der d«utschen Walzwerke im De- zember auf 0,53 gegen 0,52 Millionen Tonnen im November. Da Slldvebeokat und schwarz Atlas auch als Pump» Balischuhe nurvon f&Uer „Arco Lack-Schnürschuh der Dezember jedoch«inen Arbeitstag mehr aufweist, ist die durch- schnittliche arbtitstägliche L« i st u n g der Walzwerke weiter- hin um 2,5 Proz. auf 22 210 Tonnen gefallen. Das Gesamtergebnis der Walzwerksproduktion im letzten Jahr ist genau so trostlos wie das der Stahlwerke und Hochofenbetriebe. Mit einer Gesamtleistung von 8,15 Millionen Tonnen blieben die Leistungen der Walzwerke um 8,14 Millionen Tonnen oder fast 28 Proz. hinter dem Jahre 1920 zurück. Die durchschnittliche arbeitstägliche Leistimg sank dementsprechend von 37V00 um 23 auf 26 901 Tonnen. Kohlenabsah belebt sich weiter. Die schon im Dezember festgestellt« BesserungdesStein- kohlenabsatzes hat sich im Januar fortgesetzt. Für die Bcrichtswoche vom 11. bis 17. Januar wird«in Anwachsen der arbeitstäglichen Förderung im Ruhrbergbau von 334 444 auf 358 409 Tonnen gemeldet. Dies entspricht einer Steigerung von 7 Proz. Auch die Kokserzeugung an der Ruhr hat arbeitstäglich mit 59 566 gegen 58 390 Tonnen in der Vorwoche leicht zugenommen. Der langsame Abbau der Haldenbeständ« macht gleichfalls Fort- schritte. So sind die gesamten fjaldenoorräte am 17. Äinoar bis auf 9,62 Millionen Tonnen zurückgegangen, während sie im Dezember einen Höchststand von 11 Millionen Tonnen erreicht hatten. — Die Besserung im Bergbau prägt sich auch in den Absatz- Ziffern des Rheinisch-Westfälrschen Kohlensyndikats aus. So konnte im Monat Dezember der Absatz auf 8,36 gegen 7,21 Millionen Tonnen im November erhöht werden, was«ine? arbeitstäglichen Steigerung des Absatzes um 10,6 Proz. entspricht. In den Moyaten Oktober bis Dezember 1930 wurden insgesamt 23,8 Millionen Tonnen abgesetzt, was gegenüber dem vorhergehenden Vierteljahr ein« Besserung des Absatzes um 5,87 Proz. bedeutet. Die Absatzmengen lagen um 21,1 Proz. unter den Ziffern der ent- sprechenden Zeit des Vorjahres. Krankreich durchdringt Europa. Trotz der Krise drängt die große Kapitalansammlung in Frank- reich immer stärker zum Kapitalexport. Zwar ist die seit langem vorbereitete französische Anleihe an den j u g o- slawischen Staat noch immer nicht abgeschlossen, dafür ist eine Vermehrung des privatenKapitalexports in verschiedeneu Formen zu verzeichnen. Der französische Chemie- und Glaskonzcrn Saint Gobain beabsichtigt die Errichtung eines großen Glaswerks in Jugoslawien. Vor einigen Monaten wurde in Paris als Dachgesellschaft für Textil- interesseil in den Balkanländern die Lociete Financiere Textile pour la France et l'Etrangcr mit einem Kapital von 90 Millionen Franken gegründet; an dieser Gründung wirkten neben französischen Textil- und Bankgruppen auch deutsche Banken sowie die Oesterrsichrsche Creditanstalt in Wien mit. Diese Gesellschaft betreibt jetzt die Erhöhung des Aktien- kapitals der in Bukarest(Rumänien) arbeitenden Gesellschaft für Textilindustrie von 400 auf 630 Mllionen Lei. Von besonderem Interesse ist die Meldung, daß der bekannte französische Konzern der Stahl-, Maschinenbau- und Rüftungs- industrie Schneider-Creusot die Absicht hat, noch umfang- reicher als bisher tschechoslowakische Unternehmen unter seinen Einfluß zu bringen. VI 9 9 Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 34. 1. Staats-Oper Unter d. Linden 145. A.-V. 30 Uhr la Mala Ende f. 22', s Uhr la Pliti der RejiHil. 20 Uhr Fldelfo tehntl. lerfetritkitf. Ende 33� Uhr Sonnab,, 24. 1. Staat, oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uhr Rlgoletlo Ende g.22Vs Uhr Staatl. Scbaospii. (ia Endinanairitl. 125 A.-V. 20 Uhr Die iengiraa von Orleans Ende n.221/« Uhr Staatl. ScMlür-IheateUtiarltiig. 20 Uhr 100000 Taler Ende nach 22-"t Uhr Täd 8 m.«« Sennt. Z,«, u.«" AI«. E. 4«OS« ÜB« so Pf. kli 1 M. II. Und III. VontdlUBj 1 M»* M. t« Alfrml jWtaM, GM, ' Willy Bolvhe wm CASDIO-THEATER Lothringer S freche 37. L'nwlderr oflich nur bis 30. Januar: Biederleute unil ein erstklassi{er bunter Teil. SonDehend, 31. Jana.r zum I. Meie OiiKel Kühn aus Neuruppln Cmfrchein 1-4 Personen Fauleuil 1.23 M-, Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pf.. Rang 60 PL Refchshailen-Theater U»4j|T| Zmiq Hideittij ITnn lidi steitiner Sänger Das grandlose Januar- Programm: Nachm. ermäBigte Preise! Dönhoff. Brettl: II greb lariite-lhmraenil Tanz! Kapeile Hans Sixtus. häM Beiien.Beinedern alle inen eauimiiuiaren billig und dauerhaft bei Ed. Hoffffmeister, SO 36, Wiener StreBe 20 ceit 40 Jahren an Qörtitser Bahnhof Winter •Oarten• l<5nr. ZutL 2111 1208(1 criulrt. Codonas* Lcifzcl Beracetes* 5 Songs Br cker's Bärenschau usw. THEATER Gros. Frankfurttr Strala 132 Ü-Baha: Straoiberf.r Platz Täglich 8.13 Uhr Soanabenda 7 n, 10.13 U. Sonntag. 3.30, 3.43 n. 9 U. Ätirifflia II Je DoninniHwr Volhsbtttane Unter laniovgbtL 8 Uhr Hans Albers in Liliom von Prani.MoInar Iqie: Uli 1(101 Siftio Sfaitl.Sdiillir-Tb. 8 Uhr? 100 000 Taler OiDtidi» Theater 8 Uhr Elisabeth von England ui Piro. Bnckiir Regit; Beim lülpirl Kammerspiele Vit Uhi? Pariser Platz 13 von VicTci Baum IbslirlhBlif CiU((a. Die Komödie Vit Uhr Die Fee niFroailtfoloar Regie Stelu KBit. Kleines fheat. Haute g'/i Uhr Pr.ml.ra Olga Tsekeektwa Kaulmann, Klubertan Theater l Westens Täglich Vk Sensationeller Operettenerfolg! Viktoria undihrHusar DeuUehes Künstler-Theat. Barbarossa 3937. SV» Uhr Zum goldenea Anker am Kitk« Mrsa Joiitjg, 25. Jis. t Ohr Pmiiimbnitnisg „Inn goldeon lakii" Halbe Preise. Renaissance- Theater Stcinplatz 6780. Vit Uhr MOB dl« Kuh mncii gehen? mit lltot lUBrow Ttieaterara smiflkauerflarani Norden 5813 u. 0281 Täglich 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Lustspiel v. Katajew{ bgic». NiDfcInSto Preise v. 0.75—7 M. Piscalor-Bflöne (Wallner- Theater) Alex. 4502-93. Taglich 8% Uhr „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf Regie: E.Plscator Tl. a.ltlIeBihrfpia{z I Pallas 7051| Tägl.»»/«| VoruntersudiunB I von HjIkijo, Hesse 1 Sonnt nachni.4 halbe Kassenpr. areb ..Kine blitablanke, von Haus Rose geleitete AuffQhrungr, In die auch der Verwöhnte getrost blneingeben kann, denn die Roses bieten etwas auf der Berliner OpcrettenbQhne Seltenes; fleißig gepflegte Ensemble- kunst.* Rose- Theater sr.Fnttliitsrstr.u: Tel. Alex 34» 0*194 7 Uhr und 10.75 Uhr Dil ttollirprilimsii Familien- Nachmittage Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, 53# 0.30 bis I.SO KaSeepans«! Kaff*« mit Knebca 0.30 M. 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April 1873, am 21. Januar gestorben ist. Ehre seinem Anbenfen Die Einäscherung findet Montag, den 26. Januar, ISV- Uhr. im Krematorium cherichtstraße statt. Rege Beteiligung erwartet. Die Orfsvcrwaltang. Nachruf. Nach längerein Leiden verschied am 21. Jatruar unser langjähriges Vorstandsmitglied und Kollege Herr Robert Krüger im 36. Lebensjahr. In seiner zirka 25jährigsn Tätigkeit im Vorstand war er uns ein treuer, braver Mitarbeiter und Berater. Seine vorbildlichen aufrichtigen Charaktereigenschaften sichern ihm ein bleibendes Andenken. Der Vontand und die Angestellten der Ortskrankenkasse der Schlosser und verw. Gewerbe zu Berlin. Die Kinäscherung findet am Montag, dem 26. Januar, IG'/j ühr, im Krematorium Gerichtstraße, statt. Binuvskj-EObDsii Ttuitr Ig der StritsiMMsir. 8>« Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Bsmosrsk}' KomSdienhaua Vit Uhr Cocktail von Tellmwlltf ähiafaty Berliner Thea!. S"< Uhr Die •Zimmer IBetf M.7.-b.ll.- 25elt BadM.3, Salon 10 »erün HOTELaAnfJM EXCELSIOR AllgemeiDe OrlsKrankenkasse Berlin-Wilinersdort Bekanntmachung Der 0 Nachtrag zur Ztassenfatzung der Allgemeinen Ortstranlenkassr Berlin- Wilmersdorf ist unter dem 15. Januar 1931 genehmigt und tritt, soweit nicht einzelne Bestimmungen bereit» frsther wirtsam geworden sind, mit dem 1 Januar 1931 in Kraft.— Druckeremplare sind im Kassen» lokal erhälilich. Auf-Srimd de»§ SS de, Nachtrages wird da» Hausgeld für die Angehörigen der In Krankenhäusern oder Heilstätten untergebrachten Mitglieder aus'/» de» Krancengeides erhöht. Für die Familienangehörigen unserer llüllglieder werden in Zukunft 70 Prozent der Kosten für Arzcueiot Berdandstoffe und kleinere Seklmittet erstattet Gemäß ff 48 de, Rachtrages find die Krantenkassenbesträge fstr Handlungs« gehUfen, Betriebsdeamre, Werkmeister. Techniker sowie andere AnaefteMe im Sinne des z 1 Absatz l, 2 des Angestellt uu verfichcrungsgefetzes, die im Falle der Arbeitsunfährgkeft einen Rechtsanspruch aus GeHast fstr mindestens 4 Wochen vom Tage des Eintritts de- Arbeilsunjähigkest haben, auf 8 oom Hundert des Grund- lahnes ermäßigt� "tlm feststellen zu können, tür welche der im 48 benannten Personen ad 1 Januar 1031 nur 8 Pom Hundert de» Grundlohns als Beiträge erhoben werben sollen, so» der» mir unsere Arbestgeber hierdurch auf. un» innerhalb einer Boche mtttitt eilen. welche der uon ihnen beschäftigten Hand- Iung»gkhilfen.B-triel>«beamie.W«rtmelster. Technster und andere Augestollte im Sinne des z t Absatz t. 2 de» Angestelltenoer. stcherunasgesetzes einen Rechtsanspruch auf Sehast für mindestens 4 Wochen vom Tage des Eintritts der Arbeitsuufähigteit haben iSausgehilfen fallen nicht darunter.) In Zukunft ist sofort bei der Meldung dieser Personen die entsprechende Angab« zu machen oder aus der Anmelderarte vermerken. Heimsrdelt Strickmaschine», erforderlich eo. 2Vll Mk Fragen Sie in Ihrem Interesse auch an bei E. Mcper, Gütersloh. Wests. 4llS, Pofts. 115. i» Beriin-Bilmersdorf, den 2LIanuar IRL ».Gagelharbt Z. wiemann Borfitzender. Schriftführer. n..�v«tt«Ns'WÄ Eßl,�1 Am Mittwoch, dem 21. Januar, verschied nach langem, schwerem Krankenlager mein lieber guter Mann, unser guter Vatei-, Großvater, Schwiegervater und Bruder Robert Krüger im ü6. Lebensjahr. Dia trauernden Hinterbliebenen Aoftuste Kröger, geb. Hemnann. Berlin, Grflnthalerstr. 37/28. Die EinSscherung findet am Montag, dem 26. Januar, 16«/, Uhr, im Krematorium GerichtstraCe statt. Am Mittwoch, dem 21. lanuar. 8-20 Uhr, verschied nach kunem, schwerem Laiden mein lieber, treosorsender Mann, unser guter Vater, Sijhwiager- und üroSvater, der Schlosser Emil Joppien im 5*. Lebensjahre. In tieler Trauer Ida Joppien, Oed. Krüge», nebst KUadcr. Berlin, Schivelbeiner StraSe 33. Die Einäscherung findet Montag. 2b. Januar, 19", Uhr. im Krematorium GerichtsttaSo statt. ab Lager uieimiedi-, Stahl- aJatoflbaulen jeder Art. Angeb. u. Prosp. äostcnl. Gclir�dieniKKliG.iBii.il.. Weidenau sied Eisen- und Wallblechwerke— Postfach 38U r Kleine Anzeigoix wirkungsvM und btUt&, t/Werschrrftiworf 75 �f., T«*i wort 1 2 Pf./ WioEarE«lüNa»roEott: 10 mol 5*5. 30 meM oder lOOO Wert» AbichluO 10 V. 30<10 Werte IS H. 40O0 Werte 10-v! SteUenf eiwehc: ükerjthr.Hiwort 15 W-, Te.twe.et TO f». Anaohm«.—, MrlallöctI- stellen Zä.N». Iah- Uingserlcichterung. KamerTing. stasta- nienallee 58._ jfinberwagc». gut. 15,—, Subcbbc. Böhm. Neukölln, Weser straße 4«. E Billige Teppiche Webfehler-Tcppich« Ausnahmcvreise ca. 2X8 T7,— .. 2X8 19,— ». 3X3 23,— ». 2X3 85,— .. 244X814 28.- .. äJtX.-Up 55,- .. 3X4 39,— .. 3X4 53.- .. 3X4 83.— .. 8X4 115.- Teppichhaus .störner, Poisdamcr Straße 28».__ 500 Steppdecken. Drimadopvelseitiaer Satin. Schnittgröße IM/A». 11,50 R. an. Karst u. Go.. 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