BERLIN Montag 26. Zanuar 1931 10 Pf. Nr. 42 B 21 43. Jahrgang erschetit tSglich a»terTs»at«g«. Zugleich Abeudaukgabe de«.DonvSrt«'. BejugSpre« beide Sutzabea SS Pf. pro Woche. s.soM. pro Monat. Aedaktio« und Expedition; SerlioSWes.tmdenstr.» SftcUautygjße Jßi> y}J&fu>as46 Ankeigenoret«: Die einspaltige Nonpareillezeile So Pf., Reklameieil« 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. PvSfcheckkont»: Borwärtt-Verlag G. m. d. H.» Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Bürgermeister- Direktorium Die Pläne für Groß-Berlin- Geverings Erklärungen im Landtag I« Gemeinde««Sschuß des Prenfiischen Lnnd' tages hat heute vormittag der preußisch« Innenminister Severins seine Erklärnng zu dem neuen Entwurf eines Selbstverwaltungsgesetzes für die Stadt Berlin abgegeben. Die tSedankengäng« des Ministers und seine Vorschläge für die Abänderung des alte« Entwurfes konnten wir schon in der Abendansgabe vom Sonnabend veröffentlichen. Die wichtig st e Rene- rung ist. daß an die Stelle des Magistrats ein B L rger- meisterkollegium treten soll, dessen Vorsitz der Oberbürgermeister einnimmt. Zum Schluß hat Severing ans die Dringlichkeit der Verabschiedung des Ee» setzes hingewiesen. Berlins Neugestaltung muß schnell. stens durchgeführt werden, soll die Reichshanptstadt nicht neuen schweren Schade« erleiden. Sn fernen einleitenden Äusfühnmgen wies der Minister darauf hin. daß er in den letzten Wochen mit besonderer Aufmerkfani'�t sich mit der Lage der Stadt Berlin befaßt habe. In der ßfen. lichtest seien drei Punkte des Gesetzentwurfes besonders beanstandet worden, die Vorwegnahme der Selbstverwaltung für die Stadt Berlin vor einer allgemeinen Regelung der Kommunalverfassung der Städte Preußens, die in dem Gesetzentwurf ang«b° lach vorhandene Allmacht des Oberbürgermeisters und schließlich die im Gefetzentwurf vorgesehen« Auslösung der Stadtverordnetenversammlung und die dadurch bedingte Neuwahl in Berlin noch in diesem Jahre. ' Hierzu, so fuhr der Minister fort, möchte ich folgendes erklären: Auf dos allgemeine Selbstverwaltungsgesetz kann nicht gewartet werden. Weder mein Ministerium noch der Landtag haben meiner festen IZeberzeugung nach im Augenblick und in der nächsten Zukunft die Zest und die Ruhe, um diese außerordentlich große Aufgabe mit der Einhringlichkest und Geduld zu bearbeiten, die sie unbedingt er- fordert als ein für lange Zest bestimmtes Grundgesetz. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß in den nächsten Iahren aus dem Gebiet der Steuergesetzgebung Aenderungen zu erwarten sind, die für die Gestaltung des Selbstverwaltungsgesetzes möglicherweise von grüße- rem Einfluß werden können. Und endlich wird die Art, mit der besonders in diesem Notjahr die Gemeinden ihre Aufgaben zur Er- siillung bringen, nicht ohne Bedeutung für das Selbstverwaltungs- gesetz sein. Jedenfalls bin ich nicht in der Loge, Ihnen die Vorlage eines solchen Gesetzentwurfes in absehbarer Zest in Aussicht zu stellen. Ich bin auch nicht der Anficht, daß die Beurteilung des Berliner Gesetzes durch das allgemeine Selbswerwaltungsgefetz wirklich beeinfllcht werden kann. Wie Sie besonders an den Hauptproblemen der Organisation der Zentrale und des Verhältnisses der Zentrale zu den Bezirken sehen, stellt uns das Berliner Gesetz gerade vor solche Fragen, die nur für die Berliner Verhältnisse auftauchen und nur in einer diesen besonderen Verhältnissen entsprechenden Weise gelöst werden können. Die großen Fragen, die Berlin mit den anderen gemein hat, stehen nicht im Vordergrund. Ich bin aber berest. Ihnen den lfterzicht aus die Verbindung beider Entwürfe noch dadurch zu er- leichtern, daß der eine Abschnitt, bei dem allerdings die allgemeine Regelung auch für Berlin von Bedeukung sein müßte, und indem wir totsädtfich die allgemein« Regelung für Berlin haben vorwegnehmen wollen, nämlich der Abschnitt über Staatsaufsicht aus dem Gesetz sortgelosien wird. Wir werden, wenn die Organisation der Stadt sonst gut ist und gut sunkttoniert, bis zum Erlaß des allgemeinen Gesetzes auch mit 'den jetzigen Vorschriften über die Staatsaufficht auskommen können. Ein« andere Reihe von Bedenken richtet sich gegen die All- macht des Oberbürgermeisters, die sich in Berlin mit seiner großen und komplizierten� Verwaltung mindestens als nicht zweckmäßig erweisen würde. Im Verhältnis des Gemeindet) or- standes zur Stadtverordnetenoersamnllung spiel! die Frage des Vor- s i tz e» in der Stadtverordnetenversammlung d i« große Rolle. Aus wolffüberlegten Gründen hat der Entwurf den Vorsitz dem Ober- bürgcrmeister geben wollen. Ich will aber für meine Person sagen, daß ich diese Frage nicht für eine Kardinalfroge halte. Es sprechen sicherlich gerade auch vom Gesichtspunkt de« Oberbürger- Meisters und seiner Autorität aus gesehen manche gewichtig« Gründe dafür, diese besonders Kraft und Zeit raubend« Arbeit einem be- sonderen Vorsteher zu übertrogen, d. h. es bei dem jetzigen Stobt- vc: crdneknvorsteher zu belassen. Diese zweite Funktion des Gennn'.d orr'tondies nt zu sehen in Die letzte pleite „Aber das sollte doch dem Herrn Curtius passieren!" seinem Verhältnis zum Stadtgemeindeausschuß. Hier muß ich auf die Beibehaltung des Gedanken» des Einkörpersystem» einschneidendes Gewicht legen. Die ganze Bedeutung, und sie ist sehr erheblich, die der Entwurf für die Praxis dem Stadtgememde- ausfchuß beilegt, ist aufs engst« verbunden mit dem Vorsitz des Oberbürgermeisters. Das wichtigste ist die Funktion des Gomeinbeoorstandes als reines Exekutloorgan. Hier gilt, ganz gleich, wie sonst die Funktion gegenüber der Stadtverordnetenversammlung und dem Stadt- gemeindeausschuß geregelt wird, das, was wiederholt von Re- gierungsseite mit allem Nachdruck zum Ausdruck gebracht worden ist. Hier müssen wir die letzte Leitung, die letzte Aufsicht und die letzte Verantwortung in der Person des Oberbürgermeisters vereinigen. Das ist der Kardinalpunkt, von dem auch ich nicht«ibgeh» kann, mit dem die ganz« Vorlage steht und fällt. Wenn ich aus diesen Betrachtungen die praktische Konsequenz ziche, so ergibt sich, daß das, was von den verschiedensten Seiten gegenüber der sogenannten Mmacht des Oberbürgermeisters als Wunsch geäußert ist, nämlich eine kollegiale Struktur des Gemeindevorstandes, in bezug auf die erste Funktion des Gemeindet) orstaitdes durchaus möglich ist. Soweit der Gemeinde- vorstand der Stadtverordnetenversammlung gegenüber steht, soweit es sich besonders um die Frage handelt, ob er einen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung die Ausführung versagen will, würbe diese kollegiale Struktur des Gemelridevorstondos, den man neuer- dings mit dem Ausdruck„Direktorium" bezeichnet hat, am Platz fein können. Dieser Ausdruck Direktorium ist weder von mir er- funden, noch wird er von mir akzeptiert. Dabei denke ich« i ch t au eine Kollcgialbehörde etwa von der Größe und Zusammensetzung des bis- herige« Magistrats, sondern au ein Kollegium, das ich Biirgermeisterkollegium n«rnen möchte, und daS außer dem Oberbürgermeister nur aus eini» ge« wenigen Personen bestehen würde, die im übrigen seine standigen Vertreter und Gehilfen in der Leitung und Veausfichtigung der ganze« Verwaltung sei« würden. Nicht kollegial, sondern lediglich in der Person des Oderbütget- Meisters dagegen würde der Gemeindevorstnnd in Erscheinung treten in seinem Berhältnis zu dem Stadtgrmeindeausschuß, mit dem er durch den Oberbürgermeister zu einem Körper verbunden ist, und hmsichtlich der reinen Exekutive, das heißt der lausenden Verwaltung, der Ausführung der Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung und des Stadtgemeindeaussthusies. Dann sind Bedenken erhoben worden gegen alsbaldige Neuwahlen. Die alsbaldige Neuwahl der Stadtverordneten- Versammlung und der Bezirksversammlung, die der Entwurf in seiner jetzigen Form zur Folge haben würde, ist allerdings etwas, was in dieser unruhigen und nervösen Zeit auf ernste Bedenken stoßen kann. Ich halte es für durchaus möglich und würde grund- sätzlich damit einverstanden sein, daß diese Konsequenz vermieden wird.» Für die Stadtverordnetenversammlung könnte es ohne weiteres dadurch geschehen, daß eine durch das Gesetz vorgenommene Verminderung der Stodtverordnetensitz« erst bei der nächsten regelmäßigen Neuwahl der Stadtoerordnetenversamm- lung in Kraft zu treten braucht. In den Bezirken würde die Ein- führung der neuen Organisation(Bezirksrat an Stelle der Bezirks- Versammlung) auch ohne eine Neuwahl möglich gemacht werden können. Allerdings fetzt der Aufschub der Wahl der Bezirks- Versammlung voraus, daß vorläufig an der Einteilung der Autobusunglück bei Eberswalde. Durch Versagung Her Steuerung kippte der Wagen. Eberswalde, 26. Januar. Gestern um 20%' Uhr fuhr der von Trampe kommende Post- aulobus der Linie Tiesensee— Eberswalde beim Forsthaus Leuenberger Wiesen angeblich infolge Versagens der Steuerung mehrere Ehausseesleine um und stürzte die Löschung hinab. Der Aulobns kippte um und In dem mit 32 Personen besetzten wagen entstand eine wtlbe Panik. Renn Personen wurden durch Quetschungen und Schnittwunden ziemlich schwer verletzt. von de» übrigen Insassen erlitt eine Anzahl leichte Hautabschürfungen und Prellungen. Die erste HUfe leisteten die Eberswalder Schutzpolizei und die Freiwillige Sanitätskolonne Ebersmctlde. Die Schwerverletzten wurden nach dem Auguste-Viktoria-Hcim in E b e r s w a l d c ge- bracht. Heute soll an der Unglücksstelle ein gerichtlicher Lokaltermin stattfinden. Bezirke nichts geändert wird. Auch das halte ich für möglich. Ich wäre damit einverstanden, daß die Reuelnleilung der Bezirke zunächst der Stadt verlin überlassen wird, so ähnlich, wie es jetzt schon in der Regierungsvorlage vor- gesehen ist hinsichtlich der Ortssatzung, die die Zuständigkeit zwischen Zentrale und Bezirken regeln soll.' Das größte Gewicht muh ich auf eine schleunige V c r- abschiedung des Gesetzes legen. Viele der in der letzten Zeit zutage getretenen llnzuträglichkeiten hängen mit Mängeln in der Organisation Groß-Berlin« zusammen und ebenso sicher ist, daß Berlin die für die vakanten Stellen des Oberbürgermeisters und des Kämmerers erforderlichen erstklassigen Kräfte nicht bekommt, so lang? die Frage der Organisation nicht geklärt ist. Zum Schluß noch eine Bemerkung zu dem in den letzten Tagen in der Presse aufgetauchten Nachrichten, daß ich beabsichtige, falls das Gesetz nicht vom Landtag in absehbarer Zeit beschlossen wird, es durch Notverordnung in Kraft zu setzen. Dazu möchte ich erkläre«, daß derartige Absichten bei mir n i cht bestanden habe» imd nicht bestehen. ?m Anschluß«m die Ausführungen des ZNtniflrrs vertagte sich der Ausschuß, nachdem beschlossen worden war. am 3. und 5. Februar in Abeudsihungen zu den Ausführungen des Ministers Stellung zu nehmen und am Sonnabend, dem 7. Februar, der dazu plenarsihungssres gemacht werden soll, die allgemeine Aussprache zum Abschluß zu bringen. Oberbürgermeisterwahl»erlagt In dem Stadioer ordneteimusschuß zur Vorbereitung der Neu- besetzung der Stelle des Stadtkämmerers und der Stell« des Oberbürgermeisters, der am Montag vormittag zu einer Sitzung zusammengetreten war. erstattete Stadiverordnetenvorstcher Haß einen ausführlichen Bericht über die Besprechung, die«r aus Veranlassung des Ausschusses mit dem Preußischen Minister des Innern S e o c r i n g geführt hat. Bei dieser Aussprach« hat der preußische JnnenmiMster dem Stadtverordn«teiH>!rsteher seine Ge- danken über die Reform der Verfassung Berlins und über die Mog- lichteiten der parlamentarischen Beratung des Gesetzentwurfes der preußischen Regierung entwickelt. Der Minister hat hierbei erklärt, er halte es angesichts der bevorstehenden Beratung des neuen Berlin- Gesetzes für wünschenswert, die Wahl des Oberbürger- ineisters und des StadtkSmmerers zunächst zv vertagen. Der Ausschuß beschloß deshalb, diese Wahlen zu ver- lagen. Der Vorsteher soll den Ausschuß wieder zusammenbernfen. sobald sich die Situation bester übersehen läßt, • Bürgermeister Scholz feiert am Donnerstag, dem 29. Januar 1931, seinen sechzigsten Geburtstag. Brünings Zehnjahrsplan. Angekündigt, aber noch nicht fertig l Köln, 26. Januar.(Eigenbericht.) Reichskanzler Brüning sprach hier am Sonntag in einer Äund- gcbung der christlichen Gewerkschaften. Nicht alle Pläne der jetzigen Reichsregierung könnten, so legte er dar. in diesem Augenblick schon der Oeffcntlichkeit preisgegeben werden. Man müsse mit einem klar- durchdachten und überlegten Plan nicht auf drei Monate, sondern aus ein Jahrzehnt kommen und olle Maßnahmen des Augenblicks und der nächsten Zukunft auf die großen Gesichtspunkte dieses Planes einstellen.„Wir befinden uns nicht nur in einer wirt- schoftfichen, sondern auch in einer politischen Krise, die nicht auf Deutschland beschränkt' ist, und die eine gewisse Krise der Demokratie und des Parlamentarismus ist. Der Kampf für die Demokratie wird von der jetzigen Reichsregierung unter allen Umständen fest, ruhig, entschlossen ohne große Redereien durchgeführt werden. Das Spiel des Parlaments, einige hundert Agitation?- antrage einzubringen, die gewöhnlich einige hundert Millionen oder gar ein bis zwei Milliarden neue Ausgaben bedeuten, muß endlich durch Maßnahmen des Reichstags selbst zu Ende gebracht werden. Der Reichstag kann viel besser als die Regierung die Demo- kratie retten, nämlich dann, wenn er sich freiwillig eine Selbstbcsch'ränkung in Agitotionsmanövern auferlegt. In dieser Be- ziehung wird der Reichstag im Februar vor gewaltige Eni- scheid ungen gestellt fein, und dann werden wir eine gewisse Klarheit bekommen über Wirklichkeit und Agitaton. Das wird es einer Regierung erleichtern, weitere Mahnahmen, die unbedingt not- wendig sind, durchzuführen. In erster Linie muß die Grundlage weiterer sinanzteller Konsolidierungen in Reich, Ländern und Gemeinden geschassen werden. Die Sanierung der öffentlichen Finanzen, dos Hauptproblem unserer Finanzwtttschast, hängt zusammen mit der Sparsamkeit. Wir stnd bestrebt, dieses Problem zu lösen. Diejenigen, die behaupten, daß, wenn wir die Reparationslasten los wären, alles in unserem Vaterland in Ord- nung wäre, täuschen stch. Wir sind nicht allein durch Reparations- lasten in finanzielles Unglück hlneingeroten, sondern vor allem da- durch, daß wir uns eingebildet haben, die Sfsentliche Hand und auch die Privaten könnten trotz eines verlorenen Krieges, trog ungeheurer Opfer an Geld und Blut besser leben als in der Vorkriegszeit. Aber was auch kommen mag: eine Ehaospolittk unter dem Mäntelchen nationaler Gesinnung lassen wir nicht zu. Wir haben keine Angst vor Drohungen und Verleumdungen, wir sind entschlossen, den Weg des soliden Ausbaues zu gehen. Die Lasten, die unserem Volke aus- erlegt sind, sind auf die Dauer nicht zu ertragen, aber um den Kampf zu führen zur Verständigung über neue Lösungen in der Repara- tionssragc, dafür muß man wirtschaftlich und finanziell gerüstet sein. Am Nachmittag sprach Brüning in Düren. Hier sagte er u.a.: „Die Wahl des falschen Augenblicks für die Lösung des Reparations- Problems wäre das Törichtste, was man in der deutschen Politik tun könne." Suche nach einem Dreh. Deutschlands Genfer Erfolg bereitet der Hugenberg«presse De»legenheit. Der unbeslreitbare Erfolg, den Eurtius im Strelt mit Polen errungen hat, bereitet der Hugenberg-Presse schweres Magendrücken. Die beiden nicht von Hugenberg abhängigen Rechtsdlätter �Kreuzzeitung" und„Deutsche Tageszeitung" konstatieren einen „relativen Erfolg Deutschlands". Die drei Hugenlierg-Bkätter„Lokal-Anzeiger",'„Tag" und „Deutsche Zeitung" dagegen haben— nicht etwa jedes iür sich, son- dem alle untereinander und durcheinander— drei verschiedene Meinungen. Aus ihrer Darstellung ergibt sich folgendes: 1. ist es kein Crfog: 2. verdankt ihn Deutschland nur der nationalen Opposition; 3. beweist er, daß Eurtius nicht zu trauen ist. Zunächst erklärt die..Deutsche Zeitung" kaltschnäuzig, es be- deuie gar nichts, wenn„Polen lediglich ermahnt",„Oberschlesien aus den Mai vertröstet" werde. Der„Lokal-Anzeiger" zeigt sich dagegen besorgt,„man könne leicht geneigt sein, das, was jetzt in Genf in Sachen Deutfchland-Polen geschehen s«. zu überschützen". Eine solche Ueberschätzung, meint der„Lokal-Anzeiger", wäre „menschlich verständlich, aber politisch falsch", denn alles wäre ja nur„Papier". Run aber passiert etwas ganz Wunderbares. Dieses Nichts des„Lakol-Zlnzeigers", diese»„Nur-Papier" venvandelt sich im „Tag" zu einem Sieg der nationalen Opposition: „Man hat In Gens ohne Frage in den Auseinandersetzungen ; zwischen Deutschland und Polen zum Teil aus Furcht vor einer wirklichen R e cht» r« g i e ru n q in Werfin noch- ' gegeben. Es haben stch die ersten Auswirtungen der nationalen Bewegung in Deutschland be- merkbar gemacht." Vorsichtig Usch zugleich tadelnd fügt der Berichterstatter hinzu, die Kraft der nationalen Opposition sei in Gens nur zum hundertsten Teile ausgenutzt worden. Das ist offenbar aus Gründan der Mensch- lichkeit so geschehen! Denn wenn schon ein Hundertstel genügt hat, den Henderson und Vriand das Fürchten beizubringen, wäre da bei voller Zlusnutzung der Kraft nicht am Ende der ganze Völkerbund vor Schreck gestorben? Die Sache wird aber noch merkwürdiger. Der Sieg, den die nationale Opposition errungen hat, ist weiter nichts als das Ergebnis tme« höchst verdächtigen Geschäfts zwischen den Außenministern Deutschlands, Frankreichs und Englands. Darüber belehrt uns wieder der„Lokal-Anzeiger": „Und dieser Papiercrsolg gegen Polen— wie ist es zu ihm gekommen? Ganz offensichtlich auf dem Wege, daß es England und Frankreich wichtig war, Herrn Eurtius einen gewissen Scheinerfolg zu ver- schaffen, weil ihnen dieser als deutscher Außen- minister überaus bequem ist." Der Papiercrsolg, der Scheinerfolg, auf den die nationale Oppe- situm im„Tag" so stolz ist, erscheint ioir.it gewissermaßen als Von Oer Mord in der Kraftdroschke Drittes Kapitalverbrechen in einer Woche— Fahrgäste die Mörder Ein neues Kapitalverbrechen, das dritte in einer Woche, alarmierte gestern die Berliner liri- minalpolizei. Das Opfer ist diesmal der 47 Jahre alte Taxenchauffeur und Wagenbesitzer Fritz Po nick, der in der Frege st raste 39<1 in Steglitz wohnte. Ponick war verheiratet und hatte drei Kinder, eine Tochter von 21 Jahren, einen Sohn von 19 Jahren, der den dem Vater ge- hörenden Lastkraftwagen fährt, und einen jüngsten Sohn im Alter von 12 Iahren. Der Hauswart eines Grundstücks in der Amsel- stroße in Dahlem, einer Billenstraße, die sich zwischen der Königin-Luise-Straße und der Pücklerstraße hinzieht, sah am Sonn- tag morgen eine Droschke mit voller Beleuchtung, aber ohne Chanffeur und Fahrgäste auf dem Fahr- dämm stehe». Als nach einer halben Stunde die Droschke immer noch da stand und niemand sich zeigte, schöpfte der Hauswart Ver- dacht. Er sah im Fond des Wagen» eine Ehauffeurmütze liegen, vorn bemerkt« er drei, ausgeworfen« Patronenhülsen. Die Trennungsscheibe zwischen dem Führersitz und dem Wageninneren war zertrümmert, ob durch einen Schuß oder einen Schlag, konnte t-er Beobachter nicht erkennen. Er benachrichtigt« schleunigst die Polizei, die mit Hunden die ganz« Umgebung absuchte. An Hand der Erkennungsnummer I. A. 9907 konnte aber festgestellt werden, daß der Fahrer auch der Eigentümer, der Droschkenbesitzcr Ponick aus der Fregeftraße war. Wie die Ehefrau und die Kinder bekundeten, war Ponick am Sonnabend nachmittag gegen 3 Uhr nach Hause gekommen, hatte etwas gegessen und war mit seinem Wagen wieder um 4 Uhr weggefahren, um noch Fahrgäste auszunehmen. Noch war die Kommission mit den Nachforschungen in Dahlem be- schästigt, da lief aus Potsdam die Mitteilung ein, daß dort eine Leiche gesunden worden fei. Spaziergänger, die den schönen Sonntag zu einem Ausflug benutzen wollten, waren vom Bahnhof Linnewitz aus die Ehausse« n a ch F e r ch entlang gegangen. Etwa einen Kilometer vom Bahnhof entfernt sahen die Ausflügler plötzlich einen Mann in Chauffcurkleidung ohne Mütze seitwärts halb im Graben liegen. Schon ein« oberflächlich« Besichtigung zeigte, daß er hinterrücks durch«inen Kopfschuß getötet worden war. Zn den Taschen des Ermordelen fand man»och 48 Mark bares Geld und einen am ll. Februar fälligen Wechsel mit der Unier- schrlft des Drofchkenbesthers Fritz Ponick. Somit war einwandfrei festgestellt, daß der vermißte Ehausfeur das Opfer eines Mordes geworden war. Die Mörder müssen Ponick aus dem Wagen getragen und seitwärts in den Graben gelegt haben. Sie kehrten dann mit der Droschke nach Dahlem zurück und ließen den Wagen herrenlos in der Amselstraße stehen. Ueber den Zeitpunkt hat die Mordkommission durch Gefragen der Villen- bewohner einige Anhaltspunkte-- gewinnen können. Verschiedene Leute sind spät nach Hause gekommen. Ein Zeuge, der um 3 Uhr heimkam, sah den Wagen noch nicht, ein anderer, der ein« halbe Stunde darauf kam, sah die Droschke schon dastehen, dachte sich aber nichts Besonderes dabei. In der Zeit zwischen 3 und 31- Uhr stnd also die Täter mit dem Wagen in der Ainselstraß« angekommen. Oer Weg der Mörder. Das Ergebnis eines Lokaltermins, verbunden mit der Untersuchung in Dahlem, hat, wenn auch nicht alle, so doch einig« der Rätsel dieses Mordes gelöst. Die Mörder, von denen man noch keine Spur hat, haben insgesamt vier Schüsse abgegeben. Der tödliche Schuß traf Ponick in das Genick und trat etwa 3 Zenti- meter unter dem linken Ohr wieder heraus. Auf der Chaussee wurden einige Blutflecke und ein Stück Glas der zertrümmerten Wagen- scheide gefunden. Einer der Täter, der den Wagen nach Dahlem zurückgefahren haben muß, ist anscheinend auch mst einem Fuße im Ehaussecgraben gewesen. Einige verwelkte Grashalme btiehen an seiner Schuhsohle hasten, lösten sich später an den Fuß- Hebeln des Autos und wurden am Führersitz noch gesunden. Eine Vergleichung mit dem Graswuchs am Fundort der Leiche ergab Uebereinstimmung. Zu der Stelle, an der bei Linnewitz die Leiche aufgefunden wurde, führen von Berlin aus zwei Wege. Ter eine, der nördliche, führt über Michendorf nach Linnewitz, der andere die alte Poststraße entlang über Templin, Caputh und Fe r ch. Der nördliche Weg ist oersperrt durch eine Eisenbahnschranke, die nachts um 12 Uhr geschlossen wird. Sparer durchkommende Fuhr- werke müssen klingeln, damit der Wärter austiierksam wird und die Schranke öffnet. Erst um 4 Uhr morgens setzt der regelmäßige Dienst wieder ein. Der Schrankenwärter ist bereits befragt worden und gibt an, daß ihn in der Mordnacht niemand herausgeklingelt habe. Die Täter sind also mit dem Wagen den anderen, den zweiten Weg gefahren. Nachdem sie stch des Erschossenen entledigt hatten, wendeten sie auf der Chaussee und fuhren den gleichen Weg zurück. Die Ausweispapiere und den Führerschein haben sie den, Toten abgenommen, während sie seltsamerweise sein Geld unangetastet ließen. Als mmi den Wagen in der Amselstraße entdeckte, stand die Ta r- uhr auf 1,95 Mark, dos Fähnchen war aber hochgestellt. Da- für hat man folgende Erklärung: Ponick hat sich entgegen seinen sonstigen Vorsätzen doch bereitgefunden, ein« Fahrt noch außerhalb anzunehmen. Wahrscheinlich wurde zwischen ihm und den Fahr- gasten über den Preis an der Stadtgrcyze eine freie Vereinbarung getroffen. Vis zur Stadtgrenze lief die Uhr, dann schaltete der Fahrer aus. Sachverständige werden untersuchen, ob die Uhr, nach- dem sie 1,95 Mark erreicht hatte, noch weitere Leerkilometer gelaufen ist. Daß der Wagen aber eine längere Fahrt gemacht haben muh, beweist der leere Tank. Die Fahrt, die für Ponick die Todesfahrt werden sollte, hat er zweifellos mit gutem Grunde angenommen. Als er am Sonnabend nachmittag zum Essen noch Hause kam, sprach er mit seinen Zlngehörigen darüber, daß er noch nicht viel ein- genommen habe und deshalb weiterfahren wolle. Es kam Ponick hauptsächlich daraus an, für die nächste fällige Rote für den Wagen die erforderliche Summe zusammen zu haben, an der noch einiges fehlte. Von der Staatsanwaltschaft in Potsdam ist beim Regierungs- Präsidenten beantragt worden, für die Crnmtbmg der Mörder eine Belohnung von IVOV Mark auszusetzen. Auch vom Bei- liner Polizeipräsidium wird wahrscheinlich eine Belohnung in gleicher Höhe ausgesetzt werden. Drei deutsche Wintersportser vermißt. Innsbruck. ZK. Zanuar. Seit dem ZZ. Zanuar ist man ohne Tiachrichl über die drei reich?- deutschen Studenten Dietrich P r e n z e l. Fritz kosncll und Dict- rich Slingelmüller, die von Innsbruck aus eine S k l t o u r in die Gegend der Cizum-Hüttc unternommen halten. Es sind drei Retlungsexpeditionen abgegangen, um nach den vermißten zu suchen. Wieder Flugzeugabsturz in England. Orei Personen getötet. London. 26. Zouuar. Durch den Absturz eines Privatslugzeugs bei h o r l c y in der Äraffchafl Surrey wurden drei Personen getötet. Das Unglück ist auf ein Versagen des Motors zurückzusnhreu. Der Ab- slurz erfolgte aus einer Höhr von etwa 500 Meter. worden ist. Der Erbfeind ist daran interessiert, diesen ihm bequemen deutschen Außemnmister im Amte zu erhalten, darum verhilft er ihm zu Scheinerfolgen. Wenn nun gar ein Außenminister in Gens wirkliche Erfolge erzielte, welche Schlußfolgerungen würden sich nach „Lokal-Anzciger"-Logit daraus ergeben? Der Mann müßte doch sofort nach seiner Rückkehr wegen Einorrnehlmens mit dem Feinde erschossen werden! Zum Schluß aber kommt der Hugenbergsache„Montag" mit der Hälfte eines Satzes der„Germania" und der Versicherung, daß damit„die Niederlage von Curtius in Genf selbst in diesem Zentrumsblatt festgestellt ist". Ueber Nacht ist aus dem„Papiererfolg", dem„Scheinerfolg" eine ganz einfache Niederlage geworden. So wie man sich's von vornherein vorgenommen hatte. Also ist es nichts mit der Furcht vor der nationalen Opposition, nichts mit den Wundern, die sie in Genf mit„einem Hundertstel ihrer Kraft" verrichtet hat, nichts auch mit den verdächtigen Präsenten des Erbfeindes an den deutschen Außenminister. Die Hugenberg-Presse meint, wir hätte» uns über den Genfer Erfolg„begeistert" gezeigt. Das stimmt nicht. Wir haben aber gestern vorausgesagt, daß dieser deutsche Erfolg von den deutschen Nationalisten als eine ihnen zugefügte Niederlage empfunden werden wird. Das ist eingetroffen. Die Leutchen sind in tödlicher Verlegenheit. Darum ihre urkomischen Bocksprünge! Lobe in Köln. Eine Massenkundgebung gegen den ZafchiSmvS. Köln, 26. Januar. Für Sonntag vormittag hatte det Akiionsausschuß gegen den Faschismus zu einer Massenkundgebung nach der Rheinlandhalle in Köln-Ehrenseld aufgerufen. Der Ausschuß setzt sich zusammen aus der Sozialdemokralijchen Partei, den freien Gewerkschaften und den Arbeiterkulturorganisationen. Als Redner sprach Reichsragspräsident Löbe. Seine Ausführungen gingen davon aus, daß infolge der gegenwärtigen sozialen Rot der Nationalsozialismus einen Zulaui bekommen habe. Cr könne seine Anhänger aber nur durch irre- führende Demagogie gewinnen. Schon die ersten Taten der nationalsozialisttschen Reichstagsabgeordneten hätten erwiesen, daß sie in der Praxis, sobald sie irgendwelche Verantwortung rragen müßten, zu ihren eigenen Versprechungen und Behauptungen vor der Wahl selbst nicht mehr stünden. Löbe schloß: Deutschland würde in der Welk niemals repräsentiert werden durch Stahlhelm und Hakenkreuz, sondern durch den deutschen Landmann, den deutschen Arbeiter und den deutschen Wissenschastler. Mit diesen Symbolen werde es sich allein Geltung verschassen können und sich ans seinen hniligen bon, der Herrn Curtiiis für artiges Betragen in den Mund gefteckl sozialen und politischen Nöten herausarbeiten. Gozialistenerfolg in Frankreich. Oer parleitandidat weit voran. Paris, 26. Januar.(Eiseuvericht.) Bei einer Kammernarhwatzl in Ceret hat dir sozio- listische Partei einen neuen Wahlerfolg zu verzeichnen. Der sozialistische Kandidat überflügelte seinen radikalen Wegner mit 5821 Stimmen um rund 2000 Stimmen. Das Mandat hatten bisher die Radikalen. Tie Entschei- dnng fällt am Sonntag in der Stichlvahl. Schwierige Mehrheitsbildung. Paris, 26. Januar.(Eigenbericht.) Senator Laoal hat die langwierigen Verhandlungen um die Regierungsbildung durch eine Unterredung mit B r i a n d am Quai d'Orfay abgeschlossen. Laval ist vor dem alten Problem angelangt, wie man die Radikalen und die Marin-Gruppe trotz chrer prin- zipicllen Gegnerschaft in eine Regierungskoalition zusammenbrächte Die bürgerlichen Mittelparteien um Loucheur, die eine Jmer- essengemeinschoft bilden, hatten gehofft, die Marin-Leute leicht und schmerzlos dadurch absperren zu können, daß sie Laval aus ein Pro- gramm der unbedingten Stärkung der antiklerikalen .Gesetze und der Fortführung der Friedenspolitik Briands festlegten. Die Marin-Leute aber, die sich bei dem letzten Wahlkamps feierlich verpflichtet hatten, die Laiengesetze mit allen Mitteln zu Fall zu bringen, bekehrten sich plötzlich und erklärten sich bereit, dieselben Gesetze um eines Platzes in der Regierung willen zu verteidigen. Dann beschlossen die Radikalen nach vierstündiger Beratung, die Mitarbeit Mit der Marin-Gruppe abzulehnen. Ob es Laval diesmal gelingen wird, den Gordischen Knoten zu lösen, bleibt abzuwarten. Gandhi freigelassen. Verfolgung ver Führer bedingungslos eingestellt. Bombay, 26. Jaauar.(Eigenbericht.) Der Bizekönig hat eine Berfngnug erlassen,«ach der Gandhi und die übrige» Führer des allindischen Kon- grcsscs bedingungslos ans dem Gefängnis entlcksse« wer» de». Weiter wird die bisherige„Illegalität, des allindi» schen Komitees" aufgehoben. Gandhi und seinen Freun- den soll Gelegenheit gegeben werde«, sich frei und offen zn dem Ergebnis der britlsch-indischen Konferenz in London zu äußern. Mozart- Gedenkfeiern „Die Zauberflöie" im Rundfunk Mit der»Zauberflöt«' wird das neue„Haus des Rundfunks" in Charlottenburg als Opern-Sendeställe eingeweiht und zugleich die Reihe der Berliner Gedenkfeiern zum 175. Geburtstage Mozarts eröffnet. Als Leiter der Opernaufführung ohne Bühne ist Bruno Walter gewonnen. So werden, was das musikalische Gesamtbild dieses Mozartabends betrifft, die besonderen Erwartungen erfüllt, die der zweifach festliche Anlaß weckt. Aber Bronsgeests besondere Rundfunkbearbeitung hätte man Mozart und uns lieber ersparen fallen. Gewiß, der Rundfunkhörer will über den Schauplatz der Handlung sachlich informiert sein: und Veränderungen, nicht nur Kürzungen des Dialogs waren für die akustische Wiedergabe ge- boten. Schikaneders Operntext ist uns kein Heiligtum, immerhin hat er Mozart zur Musik der.Lauberflötc" angeregt. Doch diese Dichterei, zu der Herr Bronsgeest sich durch Mozart angeregt fühlt, und für deren gehobene Sprache ein ganzes Kolloktio von Ansagern bemüht wird— nein, diesen peinlichen Kitsch mit verteilten Rollen wollen wir nicht wieder hören; und auch nicht Ansätze zu einer klein- lichen Geräuschregie neben der Musik, wie sie sich ein paarmal störend bemerkbar machte. Es ist ein für die Sache gefährlicher Ehrgeiz bei der Ruw)sunk wiedergab e von Opern, der»msikalijchen Einstudierung und Leitung die„Regie" als gleichgeordnete künstlerische Funktion an die Seite stellen zu wollen: dos„Funkische" Zurecht- machen musikalischer Kunstwerke ist eine technische Angelegenheit und soll nichts anderes sein. Orchester, Chor und Solisten einten sich zu einer schönen Ge- samtleistung. Auch die Solisten: unter ihnen hervorragend Lotte Schöne als Pamina und, wenigstens stimmlich, Emanuel List als Saraftro. Merkwürdig, wie gut der verbildete Tenor Joseph Schmidts'sich in der Akustik des Lautsprechers ausnimmt. Morgenfeier im Schauspielhaus. Eine Mozart-Matin« im Staatlichen Schauspielhaus betont das historische Milieu, mis dem Mozart hervorgegangen ist, das zeitlich und gesellschaftlich Bedingte seiner Kunst, ihren spielerischen Rokoko- charatter, der freilich im Charakterbild Mozarts nur ein Zug, nur der äußerlichste, gewesen ist. Eine Stunde der zirlichcn Tändelei, ein reizvolles Programm, anmutige Kleinigkeiten, liebenswürdige Kuriositäten, darunter als Erstaufführung ein Divertimento für zwei Flöten, fünf Trompeten und vier Pauken, ein selten gehörtes Fagott-Konzert, das dem ausgezeichneten Musiker Otto G l a ß Ge- legenheit gibt, als Solist hervorzutreten; zwei Arien, vier Deutsche Tänze. Unter der Leitung Erich Kleibers, der sein Bestes gibt, wenn er heiter und unbekümmert musiziert, ist ein erlesenes, aus Mitgliedern der Staatskapelle gebildetes Kammerorchester mit Liebe und Aufmerksamkeit bei der erfreulichen Sache. „Figaros Hochzeit" in der Republil-Oper. Die Rcpublik-Oper, der man das Leben schwer macht, hatte seit langem keinen Abend solchen Gelingens und so triumphalen Erfolg. „Figaros Hochzeit", neu inszeniert auf dieser Bühne, deren„Zauber- slöte" und„Don Giovanni" Creignisie der heutigen Mozart-Dar- stellung sind: wir dursten davon etwas Besonderes, im allerbesten Sinn„Neues" erwarten. Im Wesen des Genies, das der Dramatiker Mozart war, liegt es, daß sein Werk sich nicht in einer ein für alle- inal gülligen Form szenisch festlegen läßt, sondern sich Zeder Zeit und Welt bietet, wie sie es nimmt. Wir nehmen ihm nichts von seiner Eigenart, wenn wir es aus heutiger Lebens- und Kunst- anschauung gestalten. Als galantes Rokokofpiel der Verliebtheiten und verliebten Intrigen ist„Figaro" einem Publikum, das ihn am liebsten so sah, lange genug gezeigt worden. Nun bekommen wir die Kehrfeite dieser Rolokowelt zu sehen, so, wie der Diener Figaro sie fach: von unten her. Diese Hochzeit des Kammerdieners und der Zofe, das war nicht wieder das höfische Fest, wie bisher keine Opernbühne sich's entgehen ließ, sondern das waren die„Unter- tanen" des Grafen, verlegene Gäste im herrschaftlichen Prunksaal, ein Fest des Gesindes, zu dem der Herr sich als Gönner mit un- verschämter Verächtlichteit herabläßt. Mozarts Oper ist kein aufwieglerisches Revolutionsstück, selbst- verständlich. Und ebenso selbstverständlich, daß der mozarterfiillte Älemperer und sein Regisseur, der musikalisch feinfühlige, geistig überlegene, kultiviert« Gustaf Gründgens, immer in den Grenzen Mozarts und seinem Etil bleiben. Das Spiel dieses Abends, dos Jneinandarspiel von Musik und Szene, das Zusammenspiel der Per- fönen ist von mozartischer Beschwingtheit und Anmut. Aber welche dezente Lebensechtheit in den Figuren des Dramas, wieviel natür- liche Lebendigkeit der Bewegung und des buntbewegten Bildes! Figaro ist Willy Domgraf-Faßbaendcr, stiminlich be- mertenswert gibt er ganz die Figur des rebellischen Untergebenen und gibt so schon in seiner ersten Arie den Grundton der Inszenie- rung an: und der Graf Fritz Krenns ist mehr der Vertreter an- gemähten Herrentums als der charmant« Schürzenjäger der alten Oper. Der verliebte Page Cherubin, nun nicht wieder zum Symbol und zur zentralen Gestalt der Figaro-Komädie gemacht, wird von Jannila N o v o t na mit all ihren gesanglichen und darstellerischen Reizen betreut. In weiteren Hauptrollen: Käte Heidersbach, Irene Eisinger, Erik Wirl. Ein Opernabend, erfüllt von dem strengen, ernsten Geist Klemperers; dennoch ein mozartisch-heiterer Abend. Mozarts Musik in ihrer beglückenden Reinheit gibt seinen Grundton. Klaus Pringsheirn. Shakespeares„Wintermärchen". In der �Volksbühne. Di« Dolksbühne hat setzt eine Serie von Nachmittags- Vorstellungen für Jugendliche und�Schüler zu ab- solmeren. Alz erste ging gestern unter Günther Starks Regie Shake- speores„Wintermärchen" m Szene. Aus unserer Jugendzeit haben wir solche Schülervorstellungen in schauriger Erinnerung. Kunst für Schüler war und ist Schmiere. Die Volksbühne bricht mit dieser Tradition. Ihre„Wintermärchen"- Inszenierung hat Niveau, ihr« Schülervorstellung könnte in den Abendspielplan eingereiht werden. Die Jugend hat das Recht und die Pflicht, die klastischen Werke der Weltliteratur kennenzulernen. Von der Jugend wollen wir hören, wie sie sich zur Klassik stellt. Es ist daher richtig, daß Günther Start semer Inszenierung kein« Neubearbeitung, sondern die alte Schlegel-Tiecksche llebersetzung zugrunde legt. Durch sie sind frei- lich dem Regisseur auch die Hände gebunden. Dos ist der Grund, aus dem die Vorstellung nicht so erwärmte, wie wir es sonst von der Volksbühne gewohnt sind. Es war eine würdige Interpretation: aber der Funke der Lebensnähe sprang nicht immer von der Bühne ms Parkett. Wenn von zwei Gruppen von Schauspielern nur die eine zu agieren hat. stand die andere leer und verloren herum. Das läßt sich leicht abändern. Mit dem zweiten Problem wird es schwieriger werden, mit den Ansprachen direkt ins Publikum. So geht es nicht, daß sich der Spaßmacher Autalycu» einfach an die Rampe stellt und seinen Ulk wie ein Kabarettier in den Zuschauerraum schmettert. Nebenbei bemerkt, der hochbegabte Leonhard Stecke!— der Darsteller des Autotyeus — übersteigert sich und wirkt dadurch nicht mehr lustig, sondern nur aufgeregt. Günther Storks Bild vom Schaffchur-Fest atmete Leben; aber der Lebendigkeit fehlt« die Ursprünglichkeit und verlieh ihr einen Stich ins Gekrampfte. Sonst gab Stark, was Shakespeare uns zu bieten vermag: seelige Theaterfreudigkeit, drei Stunden Vergessen des Alltags, Spannung und Erhebung. Die musikalische Unter- malung— Peter Kreuder— schuf eine Art Märchenstimmung. Die Darsteller boten einen reinen Genuß. Sybille Binder war die zarteste und rührendste Hermione, die je auf der Bühne stand, Ernst Busch ein glaubhafter, eisersuchtsbesessener Leontes. Di« schönst« Freude aber vermittelt« der treuherzlze Herbert Berg- h o f(Florizel), dem wir eine weniger farblose Partnerin Perdita wünschen, als es Gina Falckenberg ist. Die Begeisterung der jugendlichen Zuhörerschaft kannte kein« Grenzen und machte sich schon während der Vorstellung in lauten Zustimmungstundgebungen Luft. dgr. „Gchwabensand." Hubert Schonger, der durch seine Kultur-, Natur- und Städtefilme bereits auf das allerbeste bekannt ist, schuf in drei- lähriger Arbeit einen neuen Heimatsilm„S ch w a b e n l a n d". Im Marmorhaus bekam man den sogenannten zweiten Teil des Films zu sehen. Man erfreute sich am Schrvorzwald, an der Schwäbischen Alb und machte einen Abstecher nach deni Neckar, der Donau und dem Bodensce. Der Film weicht von oen üblichen Städtesilmen ab: denn er betont in allerarster Linie das Landschaftlich«. Und dos so zart, eindrucksstark und stimnrungsvoll, daß man sogen mutz, es ist ei» Dichterphotograph am Werk gewesen. Man empfindet die Lieblichkeit der Täler das Lauschige der schatten- spendenden Waldweg« und betrachtet Schloßruinen und alte Pa- trizierhäuser als Zeugen der Vergangenheit Doch ist auch das bunte, trachtenfrahe Leben von heute ein- gefangen. Man guckt in die Stuben der Heimarbeit, man sieht d>e Arbeit in den Fabriken und aus dem Felde. Ez ist ein arbeitsame? Lölkchen, das dort lebt, selbst Großvater und Großmutter sind noch unermüdlich tätig, und die Frauen steht man vjt bei schwerster Arbeit. Desgleichen sind im KIndcrschntzenfest, im Armbrustschießen der alten Herren usw. alte, noch heute lebendige Sitten und Ge- brauche übermittelt. Der Film darf als wertvolles Dokument gelten. Er zeigt dem Schwaben«in Stück Heimat und dem Deutschen ein Stück Vaterland. Die musikalische Illustration besorgte das Mundharmonika- orchester S i e r n, die schwäbischen Mundharfen kamen so zu Ehren. e. d. Auf der Luhne vom Schlage gerührt. Der Bariton der Kölner Oper, Franz Lindlar, wurde Sonnabendabend während der Auf- sührung von„Turvndot", im ersten Akt von einem plötzlichen Un- Wohlsein befallen, das auf einen Schlagansall zurückzufuhren war. Nach Beendigung der Aufführung verschied der Mnstler. üostbare Funde in Aegypten. Ein Grab, dessen Schätze die Funde in dem Grab Tutanchamons noch übertreffen sollen, ist, wie aus Kairo berichtet wird, durch Professor Selim Hassan in der Nähe der Sphinx aufgedeckt worden. Das Grab, das aus dem Jahre öMl» v. Chr. stammen soll, besteht aus zwei Räumen, die vollkommen unberührt vorgefunden wurden. Die Mumie in dem ersten Raum, die auf einem prächtigen Sarkophag ruht, ist mit einer goldenen Krone mit kostbaren Juwelen geschmückt Der zweite Raum ist erfüllt mit knnswoll gearbeiteten Gegenständen in Gold und Alabaster, wie man sie nur selten angetroffen hat. Das Grab soll das eines Hohenpriesters fein. Die Erhaltung de» Ephraim-Haufes. Die Akademie des Bau« wefens ist auf Veranlassung des preußischen Kulmsministeriums be- auftragt, ein Gutachten über die Frage der Erhaltung des Ephraim- Hauses zu erstatten. Die Akademie hat zunächst einen aus 20 Mitgliedern bestehenden Ausschuß zur Bearbeitung der Sache einberufen. Remarque und die wirklichkeil. Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" wird am Montag, dem 2. Februar,- ine große Kundgebung— kurz vor Zuwmmcntrilt des Reichstages, in dem die Jntervellation de» Remaiqne-FilmvcrbotcS ei wartet wird— veranstalten. Kriegsovicr werden das Wort nehmen, und zwar: eine ÄneaSmutler, zwei Frontsoldaten, ei» Frontosfizier. ein Kriegsbeschädigter, ein Kreisarzt, ein KriegSdichter sowie ein Vertreter dcS Jahrganges 1902. Sicherung der Kriegsopfer. Fordervngen des Ztochsbrnides der Kriegsbeschädigten. Kassel, 26. Iamwr. Die hier tagende Rerchskonsercnz des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen hat eine E n t s ch l i e- ßung angenommen, in der zum Auedruck gebracht wird, daß der Reichsbund in den Auswirkungen der beiden Notoerordnungen schwere rechtliche und wirtschastliche NachteilefürdieKriegs- opfer erblickt. Die Reichstonferenz fordert, daß künftighin alle Rechtsansprüche der Kriegsopfer nach dem Reichsversorgungsgesetz unter allen Umständen unangetastet bleiben. Trotz voller Würdigung der Notlage des Reiches müsse eine Reihe von dringlichen Forderungen bei den Beratungen des neuen Haushalls- planes im Reichstag Beachtung finden. U. a. wird gefordert, daß mit Rücksicht aus die Ausgabenbegrenzung nach der zweiten Not- Verordnung die Schaffung eines besonderen Planes für die Kriegs- beschädigten- und Äriegerhinterbiiebenen-Bcrsorgung erfolgt, und daß die innerhalb der Versorgung sreiwerdenden Mittel hauptsächlich für die Hinterbliebenen verwendet warben. Ferner mühten ausreichende Mittel für die Rentenversorgung bereitgestellt werten, um Rückgriffe auf die Kapüalabfindungsnüttel zu oermeiden. Diese müßten außerdem erhöht werden, wie auch ausreichende Mittel zur Beweiserhebung und Kostenerstattung im Bersorgungsverfahrcn bereitgestellt werden müßten. Die Versorgung der alleinstehenden Kriegerwitwen müßte gehoben werden. Außerdem spricht sich die Entschließung für die volle Aufrechterhaltung der Versorgungs- behörten aus. An der Diskussion beteiligten sich besonders intensiv die Krieger- Hinterbliebenen. Sie forderten den Ausbau der Versorgung der alleinstehenden Hinterbliebenen und die Verwendung der im Eiot sreiwerdenden Mittel für eine allgemeine Verbesserung der Hinter- bliebenenoersorgung. Lebhasle Klage wurde darüber geführt, daß den Kriegerwitwen bei Heilbehandlung auch die Arzt- scheinhonorargebühr und der Arzneikostenzuschuß abverlangt wird. Reichstagsabgeordneter R o ß m o n n wendete sich während der Dis- kussion gegen bestimmte politische Parteien, die durch unverantwort- liche und lediglich parteiagllatorischc Anträge die Not der Kriegs- opfer und anderer minderbemittelter Volkskreise zu mochtpolitischcn Zwecken mißbrauchten. Am Schluß der Tagung hielt die Vertreterin der Kriegerhiitter- bliebenen im Bundesvorstand, Frau Harnoß, Berlin, einen inh ausreichen und zu Herzen gehenden Bortrag über Kriegsgräber- f ü r s o r g e und den Besuch von Kriegergräbern. Unter Berück- sichtigung der gesetzlichen Bestimmungen und in Zusammenarbeit mit den zuständigen amtlichen Stellen will der Reichsbund auf Grund der von ihm während der Pariser Konferenz gemachten Erfahrungen an der AusgestaUnng und Pflege deutscher und ausländischer Krieger- gröber mitwirken. Einzelreisen zu Gräbern von gefallenen Ange- hörigen werden aus mannigfachem materiellen, technischen und vor allem psychologischen Gründen nicht empfohlen. Jedoch will der Reichsbund dem Gedanken der Organisierung von Gesellschaftsfahrten zu bestimmten Kriegerfriedhöfen nähertreten. - Haut die Mädchen. Nazis gegen katholische Iugend. Ueber die Sprengung einer Versammlung der katho- tischen Jugend in Benrath bei Düsseldorf gibt die„Kölnische Volkszeitung" folgende erbauliche Schilderung: Als der anwesende Präses einer Jugcndvereinigung«inen Nationalsozialisten, der ihm in bedrohlicher Haltung gegenüber- stand, ausforderte, einen Gegenstand, den er in der Hand hielt, fort zu tun, schlug der Mann ohne weiteres auf den Gei st lichen ein, den er am Kops traf. Dies war das Signal zu einer blutigen Schlägerei. Stühle und Diergläser flogen durch die Luft. Tische wurden umgestürzt, einige Rationalsozialisten waren besonders tapfer dabei, in anwesende Nlädchengruppcn Stuhl um Stuhl zu schleudern. Die Polizei, die onsänglich in viel zu schwacher Anzahl erschienen war, gab einen Schreckschuß in die Saoldecke ab. Von der kaiholsschen Jugend wurden gegen allst Mann verletzt, einer davon schwer. Auch die'Nazis haben einige Verletzte zu verzeichnen. Das Verprügeln von Mädchen steht den Wiedererweckern des gennanifchen Heldengeistes besonders schon an. Offenbar soll es eine Vorübung auf die von Herrn Alfred Rosenberg, dem Ches- redakteur des„Völkischen Beobachters", für das Dritte Reich an- gekündigte Vielweiberei sein. Denn es ist llor: Wenn die Frau nach dem Wunsche der Nationalsozialisten erst wieder „dienende Magd" des Mannes geworden ist und mit mehreren ihres- gleichen im völkischen Harem haust, dann muß dem Manne auch das Recht zugestanden werden, durch kräftige körperliche Züchtigung „Zucht und Ordnung" in seinen: stark erweiterten Familienkreis aufrechtzuerhalten! Litauischer Sozialistenführer begnadigt. Fühlungnahme ver Negierung mit der Linksopposition. Korona, 26. Zanvar. Der litauische Staatspräsident hat den ehemaligen Generalsekretär der Ntauischen jozialdcmokralischen Partei, vincas G a l i n i s, begnadigt. Galinis war vom Kriegsgericht wegen hochverrols zum Tode verurteilt worden, die Todesstrafe wurde ihm aber später in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Die Verurteilung er- folgte auf Grund der Beschlagnahme eines Briefes des lilousschen Emlgrantensührcr Plclschkaitis, dessen Rolle in der litauischen Emi- grantenbewcgung später verdächtigt wurde. Schon damals wurde behauplel. daß es sich um eine Lockspihelei der litauischen Geheim- Polizei gehandelt habe. 3m Zusammenhang damit wurde das Urteil gegen Galinis scharf kritisiert. Zugleich mit Galinis wurden weitere fünf Sozialdemokraten zu längereu Zuchthausstrasen verurteilt, die jetzt gleichfalls vom Staatspräsidenten begnadigt worden sind. Die Begnadigung wird in den Linkskreisen mit Genugtuung aus. geuommeo. 3n der letzten Zeil sind bereits wiederholt von Kriegs- gcrichten verurteilte Sozialdemokraten begnadigt worden. 3n poti- tischen Kreisen wird dos daraus zurückgeführt. Saß die Regierung. die sich bekanntlich gegenwärtig in einem Kamps gegen die klerikale Rechlsopposilion befindet, nach links hin Eni- spannung schassen will. Kinanzkompromiß in Wien. Vereinbarung Nathaus— Dundesregierung. Wir haben letzthin über die großen Schwierigkeilen berichtet, die die Neuregelung der Steueroerteilung m der Republik Oesterreich zwischen Bund» Ländern und Gemeinden bereitet hat. Nun ist ein Kompromiß geschlossen worden, wonach Wien zugunsten der anderen Länder auf 20 Millionen Schilling jährlich verzichtet. Dem sozialdemokratischen Unterhändler Landtagspräsident Dr. Robert Danneb erg, Wien, ist es dabei gelungen, starke Sicherun- gen des Wiener Steuersystems gegen die Anschläge der sich„antimarxistisch" nennenden kapitalistischen Reaktion durch- zusetzen. Das Opfer Wiens kommt natürlich auch den Industrie- gemeinden in den Bruderländern und ihrer Bolkssürsorge zu- gute. Die neuerdings Mode gewordene Anfechtung von Wiener Gemeindesteuern vor dem Verfassungsgerichtshof wird für die Haupt- steuern gesetzlich ausgeschlossen, für gewisse Einbußen wird Entschädigung zugesagt und durch die Wiederherstellung der vom Ver- fassungsgerichtshof aufgehobenen Gasthaussteuer der Gemeinde eine Icchresmehreinnahme von 7 Millionen gesichert. Autobus stürzt in die Brahe. (Schweres Unglück in Dromberg, sechs Tote. Bromberg, 26. Januar. iiia schweres Älntobvsnnglütt ereignete sich gestern in Browberg. Der Autobus war mit einer Gesell- schaft von 16 Personen besetzt, die von einer Unterhaltung in einem Vorort Brombergs zurückkehrte. Der Autobus fuhr eine abschüssige Straße, die auf die Brahe zuführt, hiuuuter. Infolge der Glätte verlor der Chauffeur die Herrschaft über den Wagen, und der Autobus stürzte in den Fluß. Sechs Passagiere fanden den Tod, vier wurden schwer verletzt in das Bromberger Krankenhaus eiugeliefert. Tagung der Metall-Betriebsräte Oer ewige Krisenzyklus der privatkapitalistischen Wirtschast Z>ie Reichsbeiratstqgung der Betriebsräte im Deutschen Metall- arbeitervcrband, die am Sonntag und Montag zum erstenmal In Berlin im neuen Berbanbshaus tagte, beschäftigte sich am Sonntag fast ausschließlich mit den Ursaäien und der wirksamen Bekämpsung der immer mehr anschwellenden Wirtschaftskrise. In seiner Eröffnungsansprache mochte der Verbandsoorsitzend« Genosse Brandes sehr interessante Ausführungen über den Einfluß der Krise auf die Mitgliedcrbeipegung der Organisation und die Auswirkungen der Lohnabbaupolitik der Regierung Im Berbandsgebiet. Bis zum 22. Januar waren im gesamte» Reichs-- gebiet bö Lohnbewegungen für 707 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beendigt. Der Lohnabbau betrug mindestens 23 Proz. und ging bis zu 8,7 Proz. Berlin lag hinsichtlich des Lohnabbaus mit 8 Proz. fast an der Spitze. Der Lohnabbau ist überall da am größten, wo das Orgonisationsverhältnis am schlechtesten ist, wie er umgekehrt am geringsten ck>ar, wo die Arbeiterschaft gut organi- siert ist. Trotz der gewaltigen Anstürinc sowohl der Unternehmer als auch der Komnumisten gegen die Organisation ist ihr Mitglieder- bestand fast stabil geblieben. In Berlin, wo die Kommunisten nach dem ergebnislosen Streik eine beispiellose Hetze gegen den Verband trieben und eine kommunistische Sonderorganisation ins Leben riefen, hat der Metallarbeiterverband nach dem Streik sogar einig« tausend Mitglieder gewonnen. Diese Tatsache läßt die berechtigte Erwartung zu, daß der Metallarbeitcrverband auch aus dieser Krise in organisatorischer Beziehung nicht nur ungeschwächt, sondern noch gestärkt hervorgehen wird. Der Hauptrefercnt Genosse R a p h t a l i zeichnete zunächst ein Bild von dem Umfang und dem Charakter der jetzigen Wirtschafts- krife. In Deutschland ist gegenwärtig jeder dritte Arbeitnehmer erwerbslos. Während e-in riesiger Produktionsapparat unausgenutzt dasteht, sind Hunderttausende von Menschen warenhungrig, aber nicht in der Lage, Waren zu' konsumieren. In den letzten 150 Iahren der kapitalistischen Wirtschaftsg.-schichte ist ein so widersinniger Zustand in diesem Ausmaße noch nicht zu verzeichnen gewestn. Es ist eine völlig irrige Auffassung, wenn heute noch vielfach behauptet wird, die gegenwärtige Wirtschaftskrise habe nichts mit dem kapitalistischen System zu tun. Gegenüber diesem wirtschaftlichen Dilettantismus muß immer wieder betont werden, daß sich die jetzige Krise in ihren Symptomen gar nicht unterscheidet von früheren Krisen, sondern nur ihr Umfang größer ist. Daß die Krise nicht aus Ursachen erklärt werden kann, die von außen kommen, zeigt am treffendsten das angebliche Land der Glückseligkeit Amerika, wo seit Oktober v. I. auch die Seifenblase vom amerikanischen Wirtschaftswunder geplatzt ist. Die besondere Schwere dieser Krise in Deutschland hat viele Sonderyrsachen. An ihrer Spitze steht die politische Unsicher- heit, die heut« 12 Jahre nach Beendigung des Krieges noch besteht und durch die Septcn.. �rwahleu wieder besonders akut geworden ist. Als Folge des Krieges kommt die Steigerung des nationalen Protektionismus in den neuentstondenen europäischen Ländern aus wirtschaftlichem Gebiet hinzu. Krisenverschärfend wirkt natürlich ganz erheblich die ungeheure Finanznot in Deutschland, besonders die der Gemeinden. Nicht die letzte, aber eine sehr wichtige Sonderursache der Krise ist die Entwicklung de» Kapitalismus von der freien Konkurrenz zum Monopol- k a p i t a l i s m u s. der nicht der Kontrolle der Gesellschaft unter- liegt. In dieser Tatsache liegt aber auch eine der Hauptschwierig- keiten der Ueberwindung der Krise. Die Gewerkschaften, die, wie die Erfahrung zeigt, leider nicht die Macht haben, den von der Regierung unterstützten Lohnabbau zu verhindern, müsien nunmehr olle Kräfte dafür einsetzen, einen Preisaubbau der Fertigwaren hsrbeizuführen. Die Preise der Fertigfabrikat« müssen zumindest in dem gleichen Umfange gesenkt werden, wie die Preise der wichtigsten Rohprodukte gefallen such. Ein wichtiges Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, bietet die Handels. Politik. Gaizz besonders müsien Gewerkschaften und Partei die eng- tischen Bestrebungen auf Schaffung einer konimenialea Zoll« Convention unterstützen. Auf der anderen Seit« müsien alle Kräfte aufgeboten werden für die Schaffung einer wirksamen Monopol- k o n t r o l l e. Mit dieser Kräfteentfaltung auf preispolitischem Gebiet muß ein verstärkter Kampf um Arbeitsbeschaffung für die Arbeitslosen und gegen den Abbau der Sozialpolitik einhergehen. Wenn auch in der jetzigen Zeit die dauernde Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 oder 44 Stunden nicht oder nur sehr schwer durchgesetzt werden kann, so muh dafür ein um so intenswerer Kampf geführt werden um eine gerechtere Derteilung der Arbeits- gelogenheiten, das heißt um die vorübergehende Verkürzung der Arbeilszell auf 40 Stunden. Die Solidarität zwischen den noch in Arbeit Stehenden und den Arbeitslosen in dioser Frage muß herbeigeführt werden. Jede Mög- lichkeit, durch Einführung von Kurzarbeit Arbeitslose wieder in den Produktionsprozeß einzureihen, muß wahrgenommen werden, auch wenn diese Möglichkeit sich nur für einige tausend Arbeitslose er- schließt. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist, selbst wenn durch sie nur verhältnismäßig wenig Arbeitslofe wieder in Arbeit kommen sollten, eipe Frage von eminent sozialer Bedeutung. Bei der Diskussion über die Einführung des Sieben- oder Sechsstundentages darf aber auch nicht übersäen werden, daß heute laufende von Arbeitern in Deutschland noch mehr als acht, ja mehr als neun Stunden täglich arbeiten. Auf die Be- feitigung dieses schreienden Mißstandes muß mit allem Nachdruck gedrungen werden. Ganz entschiedener Widerstand muß den jüngst aufgetretenen Plänen entgegengesetzt werden, die zwar keine Arbeit schaffen, dafür aber den Arbeitslosen die Unterstützung weiter kürzen wollen. Wann diese furchtbare Krise ihr Ende erreicht haben wird, kann niemand voraussagen. Daß an ihrem Erbe der Zusammen- bruch des kapitalistischen Systems stehen wird, wie von einigen an- gsnommen wird, ist eine Illusion. Beim Wiederbeginn der Kon- junktur werden wir aber den Kapitalismus wahrscheinlich in einer höherentwickelten Form vorfinden, als bei ihrem Beginn. Aber auch nach dem nächsten Wiederaufstieg der Wirtschaft wird sich der ewige Krisenzyklus der privatkapitalistischen Wirtschast wiederholen. Die Positionen des Kapitalismus sind erschüttert: ihn ernsthaft zu verteidigen, wagen heute selbst nur noch wenige Unternehmer. Di« erschütterten Positionen des Kapitalismus in den Zeiten guter Kon- junktur zu berennen, muß für die nächste Zelt der kapitalistischen Entwicklung die Hauptaufgabe der Arbeiterschaft sein. Erhaltung und Ausbau der Sozialpolitik ist im gegenwärtigen Kampf der Arbeiterschaft das Primäre. Ausbau und Erhöhung der Sozialpolitik ist in Deutschland aber nur möglich mit Hilfe der Demokratie, aus welchem Grundä der E r- Haltung der Demokratie jetzt in allererster Linie der polirifche Kampf der Gewerkschaften gelten muß. Der gegenwärtige große Defenfwtenpf der Arbeiterklasse ist rmr ein Ausschnitt am ihrem Hauptkampf, sich eine Welt zu formen, wie sie sich die Ar- beiteirscha.it seit Jahrzehnten denkt, und das ist die Welt der sozialistischen Gesellschaftsordnung. Dem beifällig aufgenommenen Referat schloß sich eine rege Diskussion an, in der besonders die sinnlose Ueberstürzung der Rationalisierung kritisiert und mit allem Nachdruck die Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit erhoben wurde. Ge- nosie Brandes setzte sich besonders für eine weitgehende Verkürzung der Arbeitszeit in der Schwerindustrie ein, die ober heute, nachdem die Löhne bereits stark abgebaut sind, ohne einen Lohn- ausgleich kaum noch durchgeführt werden kann, da sonst eine un- erträgliche Verelendung der Arbeiterschaft herbeigeführt werden würde. Genosse Brandes hob besonders die tatkräftige Unterstützung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion im Kamps der Berliner Metallarbeiter hervor, die ein Musterbeispiel für die schon oft be> wiesen« Einheit zwischen Partei und Gewerkschaften gewesen sei. Bon der Annahme einer Entschließung zu diesem Tages- ordnungspunkt nahm die Konferenz Abstand: sie machte sich viel- mehr die in diesen Fragen von den Spitzenkörperschaften der Ge- werkschaften angenommenen Beschlüsse zu eigen. Parleinachrichien. 6. kreis kreuzberq. Heute, Montag, 20. Ja- nuar, 19 Uhr, bei Krüger, Grimmstr. 1: Sitzung der parteigenössischen Mietervertreter des 6. Kreises. Jahresbericht usw. Welter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig. Nacht» leichter Frost, Tagestcmpcraturen über Null, schwache westliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall Besserung, nirgends Niederschläge von Bedeutung, leichte Nachtfröste. iMontas, 26. Januar. Berlin. •16.05 Untcrhaltunesmnsik. 17.30 Rivalen der Menschheit(H. Budzistawski). 17.50 Dr. med- Ernst Rothe; Weshalb so reizbar? 18.15 Prof. Dr. Hildebrandl und Schulrat G. Wolff: Zeugnis oder Charakteristik? 18.50 Arbeitsmarkt 18.55 Schlesisch-ostmärkischc Stadt- ond Ortsmnsfk. 20.00 Wovon man spricht. 20.30 Singakademie: Quartett von W. A. Mozart(K.-V. 575)(Ricle-Quclinz- Quartett, Köln). 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10„Fünf Minuten vor Zwölf", eine Gespensterstrrade vm C. TV A. fioff- mann. Manuskript-Zusammenstellung: Alfred Mühr. Ltg.: Cdlcf Koppen, 22.10 Wetter-, Tages- und Sportuachrichten. Anschließend Tanzmusik. Könlgjwosterhaisc«. 16.00 Freies Unterrichtsgespräch mit Kindern. 17.30 Modernes Liedschaffen(Erich Anders)(Dr. Weiter and Mttw.). 18.00 Dr. Guttmann: Die Zähne und ihre Bedeutung in forensischer und kriminalistischer Beziehung. 18.30 Prof. Dr. Schmitt; Der moderne Staat 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Oberförster Hoffmann-Scholz; Forstkulturen im Frühjahr. 20.00 M. Müllcr-Jabosch; Weltpolitische Stunde. 20.30 Von Prag: Zweites Europäisches Konzert!. a)•# Böhmische und mährische Volkslieder: b) Krizkovsky:. Die Ertrunkene: e) Smctana; Bauernlied(Mährischer Lehrerchor,. Ltg.: Chormeister F. Vach). 2. Smctana:„Aus meinem Leben", Streichquartett E-Moll(Böhmisches Streichquartett). 3. a) Zd. Fibicb: Ruhige Nacht; b) Noväk: Wcihnachts- Wicgenlied: c) Axman: Der Mütter auf �as Grab; d) Foerster: St-Wenzels- Choral(Mährischer Lchrerchor). 4. Suk: Meditation über St-Wcnrc!>- Choral(Böhmisches Quartett). 5. a) Vomäcka: Der Ginster; b)L. Janacck: Die Mittagshexe; c) Dvoräk: Die Giftmischcrin: d) Suk: Der Banus von Waradein(Mährischer Lehrerchor). Vexantwortl. für hie Redaktion: Serbert Lep-re, Berlin:■fciuciflen: Tb. Glocke. Berlin, Lerlaq: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Derlagsanstalt Paul Sinqer& Co.. Berlin SW 68� Lindenstrake Z. Hierzu 1 Beilage. ff /vS Theater, Lichtspiele usw.<) Montag. 26. 1. stuts-Oper Unter d. Linden 147. A.-V. 20 Uhr KMliuniiranj Der fiiegenite Bollander Ende 2Z'1i Uhr Stants-Oper t» niti dir hpgblit. V.-B. 19' i Uhr Die Hodizeit des Flaoro OtffMfl. brtnrrrbgl. Ende g. 23 Uhr Montag, 26. 1. . Sfödt. oper Blsmarckstr. Geschl.Vorsfllg. 20 Uhr Nfgnon Reil Rirtenmtnl Staat!. Scbaosph. (n Gndirmamirtti. 24. R.-S. 20 Uhr Die fongfrau von Orleans Dif'iott. Rirtuiirk»! Ende 22'Ii Uhr M.KM'HMsMW 20 Uhr 100000 Taler Ende nach 22-, Uhr plAza Tag). 5 u. 8" Sonnt. 2, 5, ii.S» «In. E. 4 8088 , I. Ventollung 80 Pf. kli 1 M. | II. und III. Vonlellang 1 Ms S M. 18 Alfrod Jachton• GirU Hilly Bolctka wm Wint«� Garten• JiSfftit. Zntr. 2819. RäutJun erliubt. Codon*•/ Loltxel/ S Songs 8 Supsrb's/ BrsKer's Barsnschau usw. CASINO-THEATER s'' � Lothringer Strahc 37 tmwmnfnmtmniiininniimnniiinnifimmiminiinwmnnmi L'Bwiderruilicb nur bis 30. Januar: Biederleut© ond ein erstklassiger bunter Teil. Sonnabend. 31. Januar mm 1. Haie OBUel HfUut aus Netuuppin Gmixhcis 1— 4 Peraosen Pauteuil 1.25 M, Sessel I.7S M- '! Iht; Parke* 7» Pt, Rang 60 PL ROSE TH EATK R Droit Fronkfurtor ttrmBo 132 D-Blho: ßlnniberur Ploti Täglich 8.15 Uhr Sonnabend» T.Oo o. 10.13 C. Sonntag» 3.30, 6.43, 0.00 U. Die schöne Helena Orolt Oporotto von J. Offonboeh. mit Trauto Rott In dor Tltolrollo Familien» Nachmittage Dieustsg, Mitlwoeb. Donnerstag, Preitog 8.30 Uhr Zwangseinquartierung Preise von 0.30—1.50 M Kinder haben Zutritt Billett-Ka«se geöffnet tod IM u. 4-9. Alezander 3422 Volks bimne Ttattr am BBlotpWi. 6 Uhr Hans Albers ia Lillom von Franz Molnar Regie: Karl thimllartiii Staatl.Sdiillei-Ih. 8 Ulm 100 000 Taler Theatsr am StniiiDauerflamm 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper Am Pl.d Republik 7Vs Uhr Figaros Hodizell Rose- Theater Gr. Franktart8rSlr.i52 Tel. Alex 3422u..i4W ,8.15 Uhr, Premiere Di»Ulli iilina Dnisdies IHM 8 Uhr Elisabeth von England ran Ferd. Bnickiitr Regie: Hein Hilgen Kammerspieie 8'/. Uhr: Pariser Platz 13 von Vlcki Baum Stjll; Gnlif Crtalsm Die Komödie 8'/. Uhr Die Fee toi Franz Molnor Regie: Stefan BodL Neues Theater am Zoe— lim Wied. lue. StpLB55< Täglich 8'/, Uhr Der gr. Lacherlolg! Wiederauftreten euido TtiiRischer Das Ottcntiiche iargarnK > dies«. Deolsehes lönslier-Theai. Barbarossa 3937. 8'/« Uhr Zum ooldeoen Anker ■Ii Ritte Bonn Renaissance- Theater Stelnplatz 8780. 8'(j Uhr mua die Kuh mnch geben? mit Udert Binemiug Tbeateram Sdütlbanerdamm Norden 5813 u. 0281 Täglich 8 Uhr Die Qnadratur des Kreises Lustspiel r. Katajew Regie; f. Migdeluitio Preise y. 0.75— 7 M Theater d. Weitem Täglich S'h Senaafloneller O per ett euer folg! Viktoria undihrHusar THEATERimADMIRAISPALäS Tigl.tv« Merkur 990 1,9877 Auf den Fleok Kleine Preise mmm ivgun� Restairaut Berlins; BETRIEB KEMPIHSKI1 J) Bamowsky- Bohnen meaier la der Slmenennsfr. 8"/« Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Ciraodoux Inszenierung: Victor Bamowsky KomSdlonhau, 8>/. Uhr Cocktail von Tülimoeller g.Bmlzk) Berliner Tneat. Vh Uhr Die von Donizetti Rnrlürslendamm- Thealer Ertfimnigsvontillinig Uimtij.;7. Jnut 7'; Ubr Das schwache Geschlecht v. Edouard Bourdet Regie; Hu Reiahärdt Komische Oper 8''o Uhr Peppina Operette von Robert Stolz. metropoiiiieater Täglich 8V< Uhr Schön ist die weit Operette von Lehär RitfcirlTäiiber, Gitter Rlpar Sdmtzendorf I Bilni-Thtatii Täglich 8". Uhr Mamsell Nilondie Operette von Herve Erike t Ttteüsian Max Adalbert Th. 8. Dollendarlplat! IPalIas'7051 Tägl. 8'. Voranlersudiuni I foo liüerg g. Best I Sonnt tiachm.4 | halbe Kassenpr. Kleines Theat. Täglich SVo Uhr Olga Tschechowa in: Liel«- Kaufmann, Kluhertan iustspiemaus KurtGOtz Täglich 8'» Uhr Der LGgner u. die nenne Piscalor-Bflline (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Täglich 8ifj Uhr „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf Regie: E.Piscator. Reichshallen-Theater Rbtnds|_8j Sonntag liataiftjg PT�I Ohr stettiner sanger Das grandiose Jaouar- Programtn! Nachm. ermäBigte Preise! Dönhoff- Brettl: 10 grolc Variiti-Ihniiigenl Tanz! Kapelle Hans Sixtus_ Zimmer iBelf M.7.-b. 11- ElUe'Sanöer-ve» 1 4.- bis 22.- Kottbusser Str. 6 Bad M. 3, Salon 10 F. 8. 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Naeckel, Berlin, Dahlmannstraflc 24. Ecke Kurfürstendamm. Sprechst. 3— 7. Prosp. frei föellage Montag, 26. Januar 1931 wrAbpad ShnjLuilQajße Was steht in der Enzyklika? Ein Ueberblick über das Rundschreiben des Papstes Die neue päpstliche Enzyklika„Ueber die christliche Ehe in Hinsicht aus die gegenwärtigen Verhältnisse, Irrtümer und Ver- sehlungen in Fannlie und Gesellschast", die nunmehr in authentischer Ucbcrtragung vorliegt, ist ein Zcitdokument von grundsätzlicher Bc- dcutung. Der Papst nimmt mit diesem Runchchreiben an die Oberhirten der katholischen Äirche Stellung zu den moralischm Nöten und Wirrungen einer drängenden Gegcnivart. Dieses Rundschreiben darf nicht parteipolitisch aufgefaßt werden, sondern ist zu verstehen als eine prinzipielle Stellungnahme zu der morali- schen Krise unserer besonderen gesellschafrlich-geschichtlichcn Situation Die Kirche hat in der Beurteilung dieser Situation«inen festen Bezugspunkt, der ihrer welthistorischen Stellung gemäß ift. Sie will die Verhältnisse dieser Welt ordnen aus der„ewigen" Ordnung der Welt, die für sie die Welt Gottes ist. Die Ord- nung dieser Welt ist im Sinn« der katholischen Kirche heute keine Ordnung mehr. Die Welt ist in Gefahr, sich endgültig zu verlieren. Die Gemeinschaft der Ehe als Grundpfeiler des Staates und der Gesellschaft ist in Gefahr, aufgelöst zu werden. 5)ier greift die Enzyklika ein. Das Problem der Ehe Bevor das Rundschreiben den heutigen Zustand der Ehe schil- dert, legt der Papst„die Segensgüter der wahren Ehe" dar. Di- Güter, um deretwillen die Ehe selbst gut ist, so verkündet der Papst in Uebereinstimmung mit Augustin, sind Nachkam ijien- schast, Treue und Sakrament. Aber der Sinn der Ehe liegt nicht nur darin,«ine Einrichtung zur Erzeugung und Erziehung der Kinder zu sein, vielmehr muß die Ehe, so lehrt der Papst, als voll« Lebensgemeinschaft gefaßt werden:„2>ie gegenseitige innere Zormung der Gatten, das beharrliche Bemühen, einander zur Vollendung zu führen, kann man... sehr wahr und richtig als Hauptgrund und eigentlichen Sinn der Ehe bezeichnen." In der echten Familiengemeinschaft muß sich die Gattin dem Gatten unterordnen, ohne daß damit die Freiheit der Frau geleugnet wird. Weiterhin muß die Ehe als unauflöslich betrachtet werden, denn was Gott gestiftet hat, kann und darf von Menschen nicht getrennt werden. Der Papst führt aber auch einige höchst diesseitige Gründe an, die für die llnauflöslichkeit der Ehe sprechen.„Dann wird dadurch der Treue in der Keuschheit gegen innere und äußere Verlockungen zur Untreue eine starke Schutz- wehr errichtet. Der ängstlichen Besorgnis, ob der Gatte vielleicht doch beim Hereinbrechen von Unglück oder im Alter weggehen werde, ist damit Tür und Tor gefchiossen und an ihre Stelle tritt die Ruhe des sicheren Besitzes." So etwa bestimmt die Enzyklika die Segensgüter der wahren Elre. Bon diesem Horizont her wird nun die gegenwärtige Silua- tivn der Eheeinrichtung beschrieben:„Nicht mehr bloß im ge- Heimen und im dunkeln, sondern vor aller Oeffcntlichkeit, ohne jedes Schamgefühl in Wort und Schrift, in Schauspielen jeder Art, in Romanen, Liebesgeschichten und Satiren, in Kinodarstcllungen, in Rundsunkoorträgen. kurz mit allen Erfindungen der Neuzeit wird die Heiligkeit der Ehe in den Staub gezogen oder der Lächerlichkeit preisgegeben. Ehescheidung. Ehebruch und die schimpf- lichstcn Laster werden verherrlicht oder wenigstens in schillern- den Farben dargestellt, als ob sie von jeglicher Schuld und Schande frei wären." Aber, so argumentiert der Papst weiter, die Ehe ist keine menschliche Erfindung, sie ist vom Schöpfer der Natur eingesetzt: deshalb kann und darf nicht geduldet werden, ivenn man neue Ehearten ausgedacht hat und sie als„Z e i t e h e",„Ver- suchseh«" oder„Kameradschaftsehe" allen Menschen- klassen einträufeln möchte. Z 248- Frauenemanxipaiion Mit Schärst wendet sich das Rundschreiben gegen die Be- d r o h u ng des Lebens des Kindes im Mutter schoß. Die sogenannte„medizinische und therapeutische Indikation" wird rund- weg abgelehnt. Der„sozialen und eugenisch«n Indikation" sodann kann und soll, so heißt es in diesem Zusammenhang weiter, mit erlaubten, sittlich einwandfreien Mitteln und innerhalb der rechten Grenze Rechnung getragen wer- den, aber den Notständen, auf denen sich diese Indikationen auf- bauen, durch Tötung Unschuldiger abhelfen zu wollen, ist töricht und dem Gebot Gottes zuwider, das der Apostel in die Worte kleidet:„Man darf nicht Böses tun, um damit Gutes zu stiften." Dieser Pasius ist wohl absichtlich nicht ganz klar gefaßt: er läßt der staatlichen Gesetzgebung„innerhalb der rechten Grenzen" Spielraum. Von Bedeutung ist fernerhin die Stellungnahme d«s Papstes zur sozialen Emanzipation der Frau. Er sieht darin keine wirkliche Befreiung der Frau, vielmehr„eher eine Verderbnis des weiblichen Empfindens und der Mutterwürde, eine Umkehrung der ganzen Familienordnung". Mit aller Entschiedenheit wird als- dann noch einmal die Unauflösbarkeit der Ehe unterstrichen, in den äußersten Fällen darf jedoch den Gatten«ine unvoll- kommene Trennung gestattet werden,„jene nämlich, die bei Wahrung des Ehebandes das Kirchengesetz ausdrücklich in den Kanones über die Trennung von Bett. Tisch und Hausgemeinschaft gewährt". Am Schlüsse des den heutigen Zuständen gewidmeten Abschnittes kann es sich der Papst nicht versagen, auf„die täglich wachsende Sittenverderbnis und die unerhörte Entartung des Familienlebens in jenen Ländern, wo der Kommunismus zur vollen Herrschaft gelangt ist", hinzuweisen. Wirischafiliche Voraussetzungen Der letzte Abschnitt des Rundschreibens fordert wie der erste die Rückkehr zu den Gedanken Gottes:„Auf das Gesetz und die Gedanken Gottes muß also alles zurückstreben, wenn«ine all- umfasiende und dauerhafte Erneuerung der Eh« zustand« kommen soll." Aber die Befolgung der Gebote Gottes steht, wie der Papst ausdrücklich betont, unter wirtschaftlichen Voraus- f e tz u n g e n..Hier ist in erster Linie mit allem Nachdruck darauf zu bestehen, wie beretts unser Vorgänger. Leo XIII.. mit Recht ver- langt hat. daß in der bürgerlichen Gesellschaft die sozialen und wirt- schaftlichen Verhättnisie in einer Weise geregslt werden, die es allen Familienvätern ermöglicht, das Notwendige zu verdienen und zu erwerben...„Denn der Arbeiter ist feines Lohnes wert". 2hm den Lohn zu verweigern oder unbillig herab. P schweres Uoeecht rmd wird soe der Heilige» Schrift unter die schlimmsten Sünden gereckznct. Es ist auch nicht recht, die Löhne so niedrig anzusetzen, daß sie in den jeweiligen Verhältnissen für den Unterhalt einer Familie nicht genügen." Eine ernste Mahnung an dos lohndrückende Unternehmertum! Von politischer Bedeutung ist der Schlußabschnitt, in d«m der Papst ausdrücklich darauf hinweist, daß der Staat kcin«SMegs„aus der Verbindung mit der Kirche etwas für feine Rechte und seine Unabhängigkeit zu fürchten" habe. Und nun erfolgt ein« ausdrück- liche Verbeugung vor dem italienischen Faschismus: „So ist es, um ein bekanntes Beispiel aus neuester Zeit anzu- führen, durchaus noch rechter Ordnung und im Geiste des Gesetzes Christi geschehen, wenn in dem s«ierlichcn glücklich getroffenen Abkommen zwischen den: Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien auch bezüglich der Ehe eine friedliche Regelung und ein freund- schasttiches Zusammenarbeiten festgesetzt wurde. Ganz entsprechend der glorreichen Geschichte und den ehrwürdigen Ueberlieserungen des italienischen Voltes. So nämlich heißt es' in den Laleran-ver- trägen:„Der italienische Staat, der der Ehe als der Basis der Familie, jene Würde und Weihe zurückgeben will, wie sie den Ueberlieserungen seines Volkes gemäß ist, erkennt dem Sakra- mente der Ehe, wenn sie den Satzungen des kanonischen Rechts entspricht, auch die bürgerlichen Rechtsfolgen zu." Nun, Italien ist ein Staat mit überwiegend katholischer Bevölkerung, der Papst wählt hier ein der Kirche besonders naheliegendes Beispiel. In anderen Staaten liegen die Verhältnisse schwieriger. Dies ungefähr ist der Idecngang des päpstlichen Rundschreibens. Vorläufige RnmevUungen Was mag Pius XI. bestimmt haben, diese Enzyklika jetzt ab- zufassen? Wollte der Papst einer gewissen Toleranz gegenüber der Anwendung empfängnisverhütender Mittel, die zweifellos auch von katholischen Geistlichen geduldet wurden, einen Riegel vorschieben? Sieherlich war auch dieses Motiv bestimmend, wenngleich das Haupt- gewicht der Enzyklika mehr in der Auffrischung des steilen Ideals der katholischen Ehe-Idee log. Man kann dem Papst nicht unt«r- stellen, daß er die Zustände des Zusammenlebens von Plann und Frau, wie sie die Gegenwart geschasfen hat, nicht kennt. Man Hot auch in Rom„Die vollkommene Ehe" gelesen! Es fragt sich nur, ob die Erinnerung an das Ehe-Ideal der Kirche die Unerbitt- lichkeit der Ehe- W: r kl i ch k« i t zu korrigieren vermag. Auch die katholischen Arbeiter werden von diescr Wirklichkeit bettossen. Die Stellung der Frau ist nun einmal durch die gewaltigen ökvnomi- schen Umlagcrungen der Nachkriegszeit verändert, die Frau steht nun einmal im Produktionsprozeß, weil sie der Mann häufig nicht mehr ernähren kami, und die Beschränktheit der wirt- schastlichen Verhältnisse zwingen den Arbeiter, den Angestellten zur Anwendung empfängnisverhütender Mittel. Die Statistik über die Geburtenrückgänge redet deutliche Sprache. Auch die großzügigste karitative Aktion vermag hier nichts zu ändern, man kann das Zeit- alter des organisierten Kapitalismus, der vierzehn Millionen Men- schen und mehr arbeitslos gemacht hat, nicht auf ein« frühere Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung zurückschrauben. Die geistlich« Blickrichtung des Papstes sieht vom Jenseits auf das Diesseits: er bietet dem leidenden Menschen die Gnade der Kirche, unser Blick jedoch sieht aus der Gegenwart in die Zukunft: wir wollen den leidenden Menschen befreien und ihn in der Freiheit binden. Heißt dies, daß wir Hemmungslofig- keit in dem Verhältnis von Mann und Frau fördern wollen? Keineswegs. Die Freiheit, für die der Sozialismus kämpft, ist nicht die Freiheit des Liberalismus, unsere Freiheit ist Bc- freiung des Menschen von der Ausbeutung der kapitalistischen Gesellschaft, ist Verbundenheit aller, ist Solidarität Auch in unseren Reihen stehen viele gläubig« Christen: sie kämpfen mit uns. Sic werden es leichter haben, dem päpstlichen Ideal zu folgen, wenn sie uns helfen, den Menschen in dieser Welt zu befreien. I. P. M. Ritt durch den Altai Eine südsibirische Reise--- Von Otto Benxin G ussi naj a,«ip von kahlen Bergen eingeschlossenes Dorf IN Südsibirien, unmittelbar am I rt j s ch gelegen. Während der Sommermonate herrscht lebhafter Verkehr: es ist Umschlageplatz und Poststation.' Die Karawanen bringen Erträgnisse des inneren Landes, die dann mit dem Damvsschifs oder auf Flößen den Irttfch hinunter in die Städte befördert werden. Aber im Winter, wenn der Schnee meterhoch liegt und Rudel hungriger Wölfe jedes An- wefen der Menschen umstreisen, ruht das Loben fast vollständig. ' Die landesüblichen H o l z s ä t t e l werden auf die Rücken der kleinen, aber flinken Pferdchen gelegt. Mut und Ausdauer sind dem Pferde«igen: es ist das einzige„Verkehrsmittel", will man nicht die langen, steinigen Wege zu Fuß zurücklegen. Es wäre zu beschwerlich: heiß brennt die Sonne, kein Baum, der Schatten spendet, kein Strauch— nur dürftiges Steppengras sucht«in bißchen Feuchtigkett, die der Schnee im Frühjahr zurückgelassen hat, in den Felsspalten. ?luf dem hölzernen„Thron" ist der Blick noch mehr geweitet, in aller Ruhe und im Takte eines sachten Trabes darf man die Natur ge- n>eßen.» Man rastet in Kirgisenjurten, lagert auf einem Teppich und schlürft seinen„Tee"— heißes Wasser— aus Holzschalen von dem niedrigen Tisch, eine Art Schmalzkuchcn dazu kauend. Auch gibt es K u m y ß, in Fellen aufbewahrte, gegorene Stutenmilch. Ein köstliches, erfrischendes Getränk, soweit es maßvoll genossen wird. Als äußeres Zeichen guter Aufnahm« geht den Gästen zu Ehren die Pfeife nn Kreise herum. Man reitet bergan. Vor uns öffnet sich eine Hochebene, mit Korn bestellt. Es steht aus dürfttgem Halm und schmächtige Nehren recken sich in die Lust. Kein Wogen streicht durch dos blaffe Korn- fcld, drückende Hitze lagert über ihm und macht das Getreide bald reifen... Aergesien das Feld mit den niedrigen, spärlichen Halmen. Rings- um eine wildzerklüftet« Landschaft, in dunkles Grau gehüllt, unten rauscht es unheimlich mit tiefem Ton— die zu Tal stürzenden Wasser. Eine Fclsenwildnis von ungeheurer Zerrissen- heit, gigantisch treten schroffe Felsvorsprünge in den Weg. Ileberall zerklüftete Felswände in drohendem Grau, tief drunten bestäubt der dumpf heulende, weiße Gischt die schwarzen Felsbrocken. Wirklich sieht man einige grüne Gräser iy der unermeßlichen, romantischen Schlucht, auch Himbeersträucher senken ihre Wurzeln in den von Wasser benetzt«« Basalt. Eingeengt ist der weite Blick, der einem in Asien, dem Lande ohne Grenzen, zur Lebensbedingung wurde. Steil ist der Weg, unermüdlich schleppen die Pferde ihre Reiter bergan, nicht achtend der unter ihren Hufen abbröckelnden Fels- stücke, die mit lautem Gepolter von dem gähnenden Rachen der finsteren Schlucht verschlungen werden. Es wechselt Anstieg mit Ebene. Wieder breitet sich ein Streifen Landes aus. Es ist an der Zeit, sich ein Quartier zu suchen: nichts leichter als dies bei der Gastsveundschaft der Russen und Kirgisen. Man wählt eine Ka dache und fragt nach einem Unterkommen. Gern wird die Tür geöffnet, und man wird mit einem Willkvmmen-gruß cmpsan- gen. Die Pferde werden ihres Sattels und Zaumzeuges entledigt und suchen bei ihren Artgenossen dürftiges Futter. Im.Hotel" brodelt der Samovar. und ein Duft von frischem K o r s ch t s ch, der russischen Kohlsuppe, durchzieht den rauch- geschwärzten Raum. Sie wird in der K r u s ch k a. einer Art Terrine aus Schwarzblech, im Herd gekocht. Bei dem täglichen Gebrauch des Kochgeschirrs setzt sich mit der Zeit durch Fettresie«ine wahre „Emailleschicht" an: nur darf man beim Essen won Grütze nicht der Blechtante mit dem Holzlöffel zu nah« kommen, sonst könnte man statt einer Speise mehrer« aus dem Topfe kratzen. Geheizt wird der Herd mit gedörrtem Kuh- und P f e r d e m i st. der im Frühjahr aus dem Boden des Hofes, wo das Pich den Winter über steht, ausgestochen und zu» Trocknen ausgestapelt wird. Ei» .jeder bemüht sich, ein möglichst großes Stück Rindfleisch in seinen Holznapf zu befördern. Herrlich mundet die Kohlsuppe und dos trockene Brot. Als Nachspeise gibt es Tee von zerriebenem B i r k c n h o r z mit Honig, der bei jedem Gastgeber reichlich vorhanden ist. Nach der Mahlzeit eine Zigarette. Steif sind des Morgens die Glieder, die Stiefel waren das Kopf- kissen, der harte Boden dos Lager. Aber man gewöhnt sich daran. Die Sonne kommt hinter den Bergen hervor und kleidet alles in violettes Licht. Die Stätte der Gastfreundschaft ist längst den Blicken entrückt, vor uns eine kahle, steinige Einöde. Das Violett der Sonn« gibt dem Ganzen erst den rechten Anstrich. In der Sonne gebleichte Skelette von Pferd und Rind sind Zeugen der rauhen Herrschaft der Natur. Tagelang rauhes, kahles Gebirge. Kein Lufthauch— nur Sonne: die kühle Nacht— die einzige Erfrischung. Wir kommen an die B u ch d a m a, einen in granitenem Bette sich wälzenden Bergstrom. Eine Fähre hängt an«inem Seil und verheißt eine gefahrvolle Uebersahrt. Ein Fährmann, dem einige Kopeken ent- richtet werden, steuert Roß und Reiter hinüber. Schwer knarrt dos Drahtseil, und unter starkem Ruderdruck schwankt dos Floß mit Hilfe der schnellen Strömung zum jenseitigen Ufer. Das Wasser zieht eine Grenze zwischen der öden Bergwelt und den bewaldeten Höhen. Durch dunkle Fichtenwälder, von Birken und Pappeln durchsetzt, führt der Ritt. Nach langer Zeit gibt es wieder Schatten. Man gelangt ins Reich der Altaier, eines Bergvolkes, dos von der Jagd lebt und in spitzen Rundhütten wohnt. In Fallen fangen sie den braunen Bär. Nicht selten häb«n wir die braunen Gesellen in der freien Natur angetroffen. Recht possierlich waren ihre Kletterübungen an den Berghöngen. Harmlos erscheinen sie uns, aber es war Herbst und ihr Tisch war reichlich gedeckt. Nicht werden sie einige Monate später — im Winter— so täppisch dreinschauen, wenn der Schnee die Erde zudeckt und der Magen vor Hunger knurrt. Auf zu den Goldadern! Spärlicher wird der Wald, und der rauhere Teil des Gebirges, teilweise mit Rosen- und Dornensträuchern überwuchert, umschließt uns. Der weiße Gipfel des B j e l u ch a weist uns den Weg. Die Pferde werden bei einem alte» Eremiten zurückgelassen, d«r ganz für sich und seine Bienenzucht lebt. Mit eigenen Kräften kraxelt man aufwärts. S ch c k i r, ein Sproß der Mongolen, ist unser Führer. Steiler und beschwerlicher wird der Aufstieg durch wildzerklüftetc Schluchten, in deren Höhlen man gute Ruhestätten findet. Die Goldadern des Altai find erreicht: in Quarz gebettet ruht das edle Metall bis zu seiner Ausbeutung. Einige Quarzbrocken werden als Proben mitgenommen. Nicht weit mehr ist«s bis zum ewigen Schnee. Feuchte Dünste verschleiern eines Morgens die Talsicht, gleißendes Weiß reckt sich in den blauen, sonnendurchfluteten Aether� und die Sonne bricht ihre Strahlen an den Schneekristallcn. Wärme nach der feuchtkolten Nacht. Uitter uns wird es klar, der Wrsserdampf zerstäubt und läßt«inen un- beschreiblichcn Blick ins Tal frei werden. „Glückliches Rußland", möchte man ausrufen, ,chas solche Berg« voll Reichtum besitzt und Gold, Silber. Kupfer, Blei, Zink— kurz— olle Erze sein eigen nennen darf." Doch auf der anoeren Selte steht das Aber: wann wird der Mensch dem Altai, dem„goldenen Berg«". zu Leibe rücken? Dazu gehört eine Industrie, die W e"g e schafft, um die der Erde leicht zu entreißenden Erze an Ort und Stelle zu verarbeiten. Wohl können im Sommer di« Roherze auf dem Wasserweg« befördert werden, dann aber kommt der fast halbjährige Winter mit hohem Schnee und bitterer Kälte und oerzehrt das Geschaffene. Weit entfernt liegt die sibirische Eisenbahn, auch wäre«in derartiger Transport zu kostspielig und im Augenblick nicht miigüch,,, Bevlin sendet: Qelamlev Kitsch Das Publikum will es? Richtet man sich nutzt nach biesem Sßillcn, geht man pleite oder erhält miilbestens schwere Dlatfcnschläge. Das ist das Leitmotiv jedes Schlendrians. Weil cg für den Film bequemer und billiger bleibt, Rhcinrührungen oder patriotlsäz'n Kitsch zu fabrizieren als neue Wege filmkünftlerischen Ausdrucks zu finden, schiebt mau alle Schuld dein Publitum in die Schuhe. Der Begriff des Publikums erscheint als mystische Größe. Daß dasselbe Publikum auch mitgeht, wenn ausnahmsweise kein. Kitsch auf- geführt wird, übersieht man. Genau wie mit dem Durchschnittsfilm verhalt es sich auch mit dem Rundfunk in bestimmten Ressorts. Das Publikum will es! Also füllt man Stunden mit Songs, Chansons und Schlagern, und weiß dann, daß man sich ungeheuer fortschrittlich benommen hat. dach man weiß scheinbar nicht, durch welches Niveau sich diese Dar- bietungen auszeichnen. Der Berliner Sender gibt etwa eine Stunde„M o de r n e Untcrhaltun g". Bon verschiedenen Interpreten gespiest oder gesungen, reiht sich ein Schlager an den anderen. Manchmal flüstert jemand, manchmal singt ein Quartett, manchmal lockt eine Frauen- stimme mild und honigsüß. Gegen die Vortragenden soll nichts ge- iagt sein. Sie tun, was sie können, und was der Beruf von ihnen r erlangt. Die Kritik richtet sich in erster Linie gegen Inhalt und Form der Schlager, gegen eine Industrie, die völlig unzu- reichende Waren liefert. Der Rundfunk ist der Vermittler, aber neben dieser Rolle fällt ihm noch eine andere zu. Cr hebt durch die neue Absatz- Möglichkeit die Produktion, jedenfalls in quantitativer Beziehuno. Außerdem bleibt er wegen seiner großen Hörerzahl das Instrument, das auf die Massen den größten Einfluß ausübt, das also am stärksten einem Schlager zur Popularität verhilft. Wie sehen nun diese Schlager aus, denen der Rundfunk ein trcujorgender Vater ist? In einem bekannten Kabarett Berlins spiest man eine Parodie auf das Variete der Vorkriegszeit. Es tritt dort innerhalb dieses Rahmens eine Soubrette auf, die mit den Röcken rofchest und das sinnige Lied„Ich bin die Lou von Monbijou" flötet. Das Publikum amüsiert sich dabei köstlich und glaubt, einen derartigen albernen Kitsch lange überwunden zu haben. Schwerere Sorgen bedrücken die Menschheit: da sind zum Beispiel die Ratschläge des weisen Marabus. Oder es taucht die Frage auf, von Austen Egen gestellt,„Was nützt dem Rekruten Fritz der schönste Frühlingstag?" Und derselbe Herr fordert glcickz darauf:„Mein liebes Mädel, in der Heimat bleib mir treu!" Das Mädel, die Heimat, die Tqrtschreider, die Komponisten und Austen Egen wissen, daß dieser freundlichen Aufforderung nickst Folge ge- leistet wird. Die letzte Strophe bringt davon traurige Kunde. Von großen Reizen ist auch der Vers:„Dort, auf der Bank am Teich, saßen wir lang' am Teich." Man sieht also, daß überhaupt kein Grund vorliegt, sich über die arme Lou von Monbijou lustig zu machen. Es ist nicht besser, sondern bedeutend schlimmer geworden, und der Rundfunk wird zum Schrittmacher dieses ab- surden Kitsches. Die Formen haben sich geändert, die Instrumentotion und der Rhythmus sind anders geworden. Amerika schenkte der Welt den großen Jack Smith, den„flüsternden Bariton", und Deutschland hat in Austen Egen die deutsche Uebersetzung gefunden. Man singt nicht mehr mit greller Stimme und einem überflüssigen Auswand an Gesten, man flüstert, man haucht und boxt vorsichtig einen gefähr- lichen hohen Ton an. Man macht in gedämpfter Stimmerotit, man wird zum singenden Gigolo, zum Geliebten aus dein Grammophon?' Diese Art der Interpretation verlangen Text und Musik des modernen Ehanfons. Damit soll nicht behauptet werden, daß man ouf diesem Gebiet nur sumpfige Niederungen findet. Mehring und Tucholsky, nur um Namen zu nennen, Grey, Spo- l i a n s t n. Holländer und Marcellus Schiffer zeigen auf die Höhepunkte, die sich in den von Voette Gilbert ge- snngenen Elzanfons, in den Pierrotliedern G i rau ds oder bei Wcdekind aufgipfeln. Es handest sich vielmehr um den Durch- schnitt, der den größten Teil der Chansonproduktion bedeutet. Das moderne Durchschnittschanson segelt unter mondäner Maske. Es will nicht mehr Gefühl, sonder» weltmännische Blasiertheit geben, d. h. weltmännische Biasierthest, wie sie sich Kleinbürgerhirne vor- stellen. Sie kommen sich ungeheuer überlegen vor und glauben eine Parodie aus den Schlager früherer Zeiten zu sein und betonen immer wieder, ach, wir sind so schrecklich sachlich. Die Sachlichkeit besteht darin, daß sie ein paar erotislbe Dinge mit einem anderen Ngmen bezeichnen und sentft genau so kitschig sind wie„die Lou von Monbijou". Man betreibt eine billige Dreigroscheu- c r o t i k, eine fabrikmäßige Erotik. Es herrscht keine Ironie, sondern absolute Verblödung. Waren früher die sogenannten Stumpf- sinnsverse, die sinnlos einige Silben aneinander reihten, die Aus- nähme, so bilden sie heute das Hauptsoutingent der Produktion, die der Rundfunk in großzügiger Weife unterstützt. Hinzu kommt eine Musik, die überhaupt keine Einfälle hat. Sie wird nur erträglich, wenn sie die Adels, die deutschen Reoellers, parodistisch singen. Diese Chansons„erfreuen" nicht nur den Hörer bei den söge- nannten„modernen Unterhastungen", sondern sie bilden auch den überwiegenden Teil des Funllabaretts. Für diese Einrichtung werden Schlager noch extra bearbeitet oder neu geschrieben, ohne daß dabei etwas Vernünftiges herauskommt. Diese Schlager werden ernsthaft behandelt. Würde sich der Rundfunk entschließen, eine ernsthaste Vorlesung aus den„Romonperlen" oder der Hedwig- Eunhs-Maler zu veranstalten? Jedes Gedicht, das sich auf der- selben geistigen oder künstlerischen Stuse des Durchschnittschansons angesiedelt hätte, wäre diktatorisch verbannt. Hier nmß eine große Reinigungsaktion vorgenommen werden. Man hat eine neue Form des Funkkabarests entdeckt und damit auch große Erfolge gezeitigt: die I u n k r« v u e, die sich bisher immer von dem schlimmsten Kirsch frei hiell und auch über originelle Ge- danken verfügte. Aber diese Form, die eine Zeitkritik sein könnte, wird von einer vorsichtigen Leitung beschnitten. Nur keinen An- stoß erregen! Dann lieber den erotischen Kitsch, der so gern kein Kitsch sein möchte. Run sind Kabarett und FunkkabarcU grnndversch'eden. Im Funk iehlt der persönliche Kontakt, der für das Kabarett von cnt- scheidender Bedeutung ist. Ferner aber ist auch das Funkkabarett in seinem Aktionsradius enger. Es fehlen Tänzer und Mimiker, die sonst als Erholung von der Elzansonsintflut gellen können. Ein Ersatz dafiir ist bisher nicht gefunden. Man müßte deshalb die Form des Kabaretts, wenn es sich nicht um«ine Revue Handell, lockern. sie dem„Bunten Abend" wieder annähern. Man kann zwischen den Edansons und den Reden des Konferenciers Borlefungen kleiner Gedichte oder Prosaskizzen einschalten. Warum tritt nicht«in: Ludwig Hardt innerhalb dieses Rahmens auf? Vor allem darf ein Moment nicht vergessen werden. Der Rundfunk soll bildend und nicht verdummend wirken. Die Vorherrschaft i des nur aiii den Stnmpisinn spekulierenden Chansons ist deshalb zu � brechen. Will sie das Volk? Nein! Höchstens ein paar Amüsier-' Mädchen und gehirnlose Gents??. Sek.| Hechfstvagei* dies Tages Seschällslübrung ohne Huf trag In der Wohnung des Pförtners einer großen Fabrikanlage auf dem Lande erschien ein W c> n r e i j e n d e r und traf dort nur die Ehefrau an. Bei seinem Angebot erfuhr er, daß die älteste Tochter der Eheleute in kurzer Zeit eingesegnet werden sollte, und er verstand es, die Frau zu bestimmen, für dieses Fest eine Wein- bestellung im Betrage von annähernd 2lX) Mark aufzugeben. Der Reisende nahm mit Recht an, daß eine so große Bestellung nicht im Rahmen der Schlüsselgewalt der Ehefrau liege und legte Wert darauf, daß der Ehemann die Bestellung genehmige Dieser war indes in einem anderen Gebäude der Fabrikanlage dienstlich beschäftigt und nicht abkömmlich. Der Reisende überredete daher die Frau, die Bestellung im Namen ihres Mannes abzuschließen und ließ sie unterschreiben: für Pförtner N. N., für Frau N. N. Diese Bestellung stellt sich nach dem Gesetz als eine „Geschäftsführung ohne Auftrag" dar, deren Wirksam- lest davon abhängt, daß der Vertretene sie genehmigt. Die Ge- nehmigung wurde aber von dem Pförtner verweigert, da eine so große Wcinbestellung bei wcstem die Grenzen seiner Lebenshaltung und seines Einkommens überstieg. Trotzdem wurde er von der Weinfirma o e r k l a g t. Die Klage wurde auf Grund des Z 177 des Bürgerlichen Gesetzbuches abgewiesen, da die Geschäftsführung ohne Auftrag mangels der Genehmigung keine Wirksamkeit erlangt haste. Nun könnte die Firma ja gegen die Ehefrau persönlich klagen; sie würde aber damit zu einem praktischen Erfolgs nie komme» können. Eine Vollstreckung des Urteils wäre unmöglich; denn eine Vollstreckung in das eingebrachte Gut einer Ehefrau darf nicht vor- genommen werden, wenn der Chem-inn— dem Nießbrauch und Vcrwallung an diesem Eingebrachten zusteht— der Pfändung widerspricht. Der Widerspruch ist nur dann ausgeschlossen, wenn der Ehemann durch Urteil zur Duldung der Zwangsvollstreckung oerurteist ist. Solches Urteil würde ober in diesem Fall kein Richter fälle», denn der Ehemann würde auch hier wieder ein- wenden, daß er seine Genehmigung nicht erteilt habe, der ganze Vertrag also wirkungslos sei. Es gibt allerdings eine Geschäftsführung ohne Auftrag, bei der es auf die Genehmigung des Vertretenen nicht ankommt; dies ist aber nur dann, wenn ohne solche Geschäftsführung dringende Interessen und Pflichten des Vertretenen nicht rechtzeitig erfüllt werden würden. Es kann sogar vorkommen, daß ein ganz un- beteiligter Dritter berechtigt ist, ohne Auftrag die Geschäfte eines anderen zu besorgen, wenn die Geschäftsführung keinen Aufschub duldet, und ein anderer, der sie ausüben könnte, nicht vorhanden ist. Dieser Fall könnte zum Beispiel eintreten, wenn ein Todessall in der Familie des Mannes eintritt und der Mann etwa auf Reisen oder schwer krank, jedenfalls nicht in der Lage ist, die not- wendigen Anweisungen zu erteilen. Hier kanu ein Dritter alle erforderlichen Maßnahmen treffen, ohne die Genehmigung einzu- holen, und der Vertretene ist verpflichtet, alle in der Sache gemachten notwendigen Auslagen zu ersetzen. I-larsaretkie LalstenlsM. eBuch Alfred tlewnann:.der Meld" „Roman eines politischen Mordes" nennt Alfred Neu- mann sein in der Deutschen Verlagsanftalt, Stuttgart, erschienenes Buch„Der Held", eine Charakterisierung, gegen die sich nichts ein- wenden läßt, die aber Veranlassung gibt, zu betonen, daß der Roman eines politischen Mordes noch kein politischer Roman zu scin braucht. Neumanns„Heid", Mitglied der„National-Liga" und Mörder des„Revolutionsniinlsters". trügt an äußerlichem Erleben zwar manche Züge des typischen konterrevolutionären politischen Mörders: er ist vom ehemaligen Ristmeister zum Gigolo in der „Imperial-Bar" herabgeglisten, aber seine seelische Haltung, aus deren detaillierte und phasengetreue Schilderung es Neumann fast ausschließlich ankommt, ist durchaus ein nicht unterm Politilchem, sondern unterm Seclenannlytischcn zu rubrizierender Spezialsall. Manches am äußeren Hergang der Neumannschen Erzählung mutet konstruiert und fragwürdig an. Es ist unwahrscheinlich, daß ein koktterreoolutionärcr politischer Mörder sich in der Nacht vor dem Mord einem Inden, wenn auch einein'von besonderer Art, offen- bart. Es ist willkürlich, daß der Mörder zu der Frau des Er- mordeten geht und daß diese seinem Geständnis keinen Wert beimißt. Es ist ausgeschlossen, daß der Polizeirat nicht dazu zu bewegen ist, dem geständigen Attentäter Glauben zu schenken und daß er nichts Ernsthaftes unternimmt, die Wahrheit zu erforschen. Zwischendurch sind sehr schöne Possagen: Der Mörder nach der Tat in einer kleinen Weinstube, dem Studium der von den Tages- .zeitungcn gebrachten Photos seines Opfers hingegeben, die be- zishungsreiche Geschichte von den Brothers: zwei Artisten, von denen der eine die Todesfahrt auf der Schleifenbahn allabendlich tatsächlich durchführt, der andere cfber nur die dekorierenden Gesten dazu kiefert. In: ganzen kaum Gewichtiges zur Naturgeschichte des politischen Mörders unserer Tage, aber einiges Tiefschürfende und Dostojcwfkihaftc zum ewigen Thema des Mysteriums der Menschen- scele. blans Bauer. Jrancois Tillon: ÜSatladen Im Verlag Gustav Äiepenhauer, Berlin, ist in der Uebersetzung von K. L. Ammer ein netter kleiner Band mit ausgewählten Dichtungen von Villon erschienen. Dieser Villon ist Vagabund, Rebell, man sperrt ihn ein, er wird zum Tode verurteilt. Er btttet um Gnade, er wendet sich an die großen Herren mit einem Gedickst. in dem er um Geld bettelt. Er verachtet und verhöhnt sie, er sucht sie auszuinitzen. Sie lassen ihn verfolgen, aber dieser wirklich unsterbliche Lump war nicht klein zu kriegen. Er packt seine Erlebnisse und gestaltet sie. bis Dichtung� daraus wird, Dichtung, die zugleich Anklage, Hohn, Lebensfreude, Schmerz und düstere Todes- ahnung ist. Cr besingt keine schön« Vergangenhest. kein goldenes Zeitaller, er dichtet seine Zeit. Zum Teufel mit erfundenen Per- ionen, er kennt genug Menschen, die essen und trinken und mit Frauen schlafen, die die Macht haben, ihn an den Galgen zu bringen und die trotzdem ihre lächerlichen Schwächen haben. Und er schreit sie ihnen ins Gesicht. Er liebt die Frauen und kennt die Tragik des Alterns. Seine Zeit war in mancher Beziehung der unsrigen ähnlich: wirtschaftliche Krise durch einen Krieg. Aus. lösungserschernungen und Bruch mit der Tradition. Deshalb ist auch seine Dichtung heute wieder lebendig und unsere Literatur ist von ihm beeinflußt. Bert Brecht hat zu dieser Neuausaabe ein«onett ge- schrieben, jfohn, stder sich heraus, was er grad braucht! Ich selber Hab mir was herausgenommen.. Dreigroschenoper, Herr Brecht, wir haben'» auch so gemerkt. Aber, wenn Sie sich mit dem Uebersetzcr geeinigt haben, was geht uns dann die Sache noch an? Und das Sonett ist auch nicht besonders. S. Peppcr. WAS DER TAG BRINGT «»MnmmmiimmmimmmmiMilmmmmimimmmnmmMiMimiimimmmiemMmiiiiiiummxmiimMimuimimmmimimWimMmmimmiMlm ERZÄHLT VON YORICK Armut... Unselig sind, die da arm sind: sie arbeiten sich müde und schinden sich all, wie jene Packerin eines Pariser Betriebes, von der jetzt die Zeitungen schrieben: die hatte weiße Haare unj> tat ihre Arbeit wie ein« Junge, niemand wußte genau zu sagen, wie all sie war, nie- manden auch ließ sie es wissen; bis allerlei Gerüchte plötzlich Wahr- heit wurden, bis durch einen Zufall ihr Aster herauskann es betrug eirchundertundcin Jahr, sie ist die älteste Arbeiterin der Welt. Und als Reporter, Gratulanten sich einfanden, was war ihre erste Regung...? Angst, Schreck: ich werde meine Stellung verlieren, wenn man weiß, daß ich so alt bin. ich werde hungern müssen... Man ließ sie nicht hungern, der Staat setzte ihr eine Rente aus; ein Iiappy end, das sie ihrem abnorm hohen Aster verdankte, das die Tragik des Falles nicht mindert. Uno viel trüber noch die Ge- schichte des jungen Spaniers, der gegen Abb e> Krim in Marokko kämpfte und gefangengenommen wurde und schließlich, weil keine Nachricht von chm kam und keine Nachjorschung zum Ziele führt-, als tot«rNärt wurde. Er jedoch entflicht, gelangt auf abenteuerlicher Reise zu Schiff nach Kuba, schreibt von dort an seine Eltern und— erhält keine Antwort. Da fährt er selbst in seine Heimat, gewiß, aufgenommen zu werden wie jener andere verlorene Sohn, und besser noch, denn ihn trieb es ohne Verschulden in die Ferne und die Not. Aber seine Eltern, er saßt es nicht, wollen ihn nicht erkennen, nicht anerkennen, brandmarken ihn als Schwindler. Er vermag nicht zu glauben, daß sie ihn, den einzigen Sohn, wirklich nicht er- kannt haben, er forscht nach und findet den Grund: fest seinem vp«- meinilichen Tode bekamen sie eine winzige Rente, die ihren»rm- seligen Lebensabend ein wenig heller machte, und die wollten sie nichl verlieren: und um der Not willen verleugneten sie ihr Kind... Unselig sind, die da arm sind: noch für das Glück sind sie zu arm! Enttäuschung Gelegentlich eines Münchener Künstlerfestes sah man im Nahmen einer Ulkgcmäldeausstellung eine Persiflage der Haber- mannschen„Büßenden Magdalena": die Dargestellte hielt die Arme schmerzhaft über dem Magen oerrenkt wie das Original, aber an einem im Vordergründe gebrachten Stilleben, darstellend Obst, Wasser und Hoffmannstropfen, war ohne weiteres zu erkennen, daß die Ursach« der Gliedverrenknng in recht leiblichen Schmerzen zu suchen war. Die komische Wirkung war grandios— und doch ist da«, was die büßende Magdalena hier mit der Kunst durchmachte, noch nichts gegen das, was jetzt die Wissenschaft ihrer Kollegin aus der Bibel angetan hat: der Salome. Nicht wahr, man hat doch so seine Vorstellung von dieser Dame, die in der Bibel und in soundso. viel Theaterstücken� bei Wilde, Sudermann und Strauß, und auf einer Unzahl von Bildern, und in einer ganzen Reihe von Romanen unbeanstandet Nackttänze aiisiihrt. beneidet und unerreicht von ihren Nachfolgerinnen von Cilly de Rheydt bis zu Iosefine Baker. Dies Mädchen, dos für ihren Tanz keine Stargage, sondern lediglich de» Kopf des Jochanaan fordert, schön und jung, unschuldig und ver- morsen-- wie? Jung? Unschuldig? Der Franzose Maurice Baucaire hat sich mit der Historie mehr wissenschaftlich beschäftigt und er hat herausbekommen, daß Salome zur Zest ihres Tanzes zweimal verheiratet und cinnial verwitwet und Mutter von drei blühenden Kindern war.... Himmel: Salome eine seriöse, reifere Dame, welch« ihre Söhne unter den Zuschauern sieht und so p«u a pen beim Ländler den Witwenschleier fallen läßt— das ist bitter! Mögen uns Kunstwerke über diese Salome erspart bleiben! Wochenragout In Amerika erscheint seit einiger Zeit bei ollen Billard- turnieren ein Mann in schwarzer Maske, die chn vollkommen un- kenntlich macht. Er schlägt alle Gegner aus dem Felde und setzt allen Fragen. Schweigen emgegen; Amateurdetektive kümmern sich um ihn, man hält ihn für einen Unterwestsführer oder einen ehe- moligen, auf merkwürdige Art verschwundenen Billardmeister— aber man kriegt nichts heraus.— Vielleicht ist es Theodor Tagger? Also die Italienerinnen dürfen sich hinfort an den Olympischen Spielen nicht mehr beteiligen. Weil sie sich nämlich, so haben die italienischen Sportärzte einstimmig festgestellt, sür den Sport und besonders für die Leichtathletik„aus physiologischen und moralischen Gründen" nicht eignen.— Merkwürdig ist so ein drittes Reich! Merkwürdig auch die moralischen Gründe, die Frauen den Sport oerbieten, und erst die physiologischen...! Mussolini ist groß, und Hitlero ist sein Prophet! Ein Luxushotel in einer Oase der Sahara wurde soeben vollendet. Es verlangt Preise, die in der West nicht chresgleichen haben, denn der Bau war kostspielig. Kamele oiußten in fünfund- zwanzig Tage langem Marsch alle Materialien heranschaffen. Es wurde also von Kamelen gebaut und wartet nun auf die Kamele. die hineingehen und zahlen... Zu verkaufen stehen in dieser Woche allerhand merkwür- dige Dinge, nämlich: m China einige hundert Pagoden als Re- klamesäulen; in Amerika ein ousrangieries Unterseeboot, das aber vorher verschrottet wurde, weil man rechtzeitig erfahren hatte, daß ein Alkoholschmuggler-Äonsortium das Schiff kaufen wollte; in Honduras ein Vulkan mittlerer Größe(zur Zeit stillgelegt): in 'Australien«ine Insel, die bisher unheilbar Kranken zum Slufenthast diente, und die man deshalb als geeignet für«inen Luxuskurort beirachtet; in Italien ein Faschio-Epos in sieben- undzwaiizig Gesängen, in welchem Mussolini und d'Annunzio vom liehen Gott persönlich den Auftrag zur Rettung Italiens erhalten und das mit Hilf« der Jungfrau Maria und gegen ien Teufel, den Minister Giolitti und das Land Jugoslawien auch besorgen, woraus sich in der Schlußszene der Papst, der König und der Duce in die Arme sinken, während die himmlischen Heerscharen die Hände zum Faschistevzruß erheben; und in Deutschland ein Parlaments- platz zwischen zwei Stühlen, von dem aus sich's gut sammeln läßt, abzuhote» bei Herrn Dingeldey. �_____ Krise und Arbeitersport Kreisverireteiiagung in Leipzig 3n der Dun�esschule in Leipzig tagten kürzlich die Kreis- Vertreter, der B» n d e? v o r st a n d und der B u n d e s a il?- s ch u h des Arbeiter-Turn- und sportbundes. Der Bundesvorsitzende, Neichstagsabgcordneter Kellert hielt ein grohangelegtes Referat über die fportpolitische Lage im Bunde. Der Kapitalismus benutzt die Weltwirtschaftskrise als Kampsmittel, um die Rechte der Arbeiter- klaffe zu schmälern. Auch die Arbeitersporrbewegung wird von der Krise und deren unsoziale Auswirkungen hart betroffen. Be- sonders wies Kellert auf die Gefahren hin, die der Arbeiterklasse durch den Ratioiuiisozialislnus drohen und bracht« an chand von Beispielen dus Thüringen und Braunschweig den Beweis, daß der Arbeitersport nichts zu erwarten hat, wenn es den Nazis gelingt, in die Regierung des Reiches zu gelangen. Arbeitersport und Sozialdemokratie sind im Kampf gegen den Nationalsozialismus eng verbunden, das Verhältnis zur Partei ist dos denkbor beste, auf allen Bezirkspartcitagen zeigt sich, daß die Bedeutung der Arbeilersportbcwegung vollauf erkannt wird. Kellert gab auch«inen Ueberblick über die kommunistisch« Bewegung und deren schädigende Kampimeihoden und konnte fest- stellen, daß es den Kozis nicht gelungen ist, in den Kreisen des Bundes l5rfolge zu erzielen. Trotz der Krise und aller Widerwärtig- leiten hat der Bund ein« Annahme von 207 Vereinen zu ver- zeichnen, 6300 Mitglieder wurden gewonnen, so daß der Bund am 1. Januar 1931 7018 Vereine mit 506 690 Mitgliedern über 14 Jahre zählen konnte. In einer lebhaften Aussprache wurden die Ausführungen Kellsrts unterstützt und als dringendes Gebot die Stärkung des Abwehrkampfes gegen Nazi und Kozi verlangt. Reichsbanner, Sozialdemokratischer Ordnungs- dienst und eigen« Schutzaraanisationen standen im Mittelpunkt der Debatte. Eine Entschließung fand Annahme, die von der Mitgliedschaft stärkste Wachsamkeit uiid einmütiges Handeln mit der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in der Abwehr der faschistischen Gefahr verlangt. Die gegenwärtige Wirtschafts- krise Hai sich auf den Bund finanziell ausgewirkt. Das kam im Gefehäftsbericht des Genossen Schubert klar zum Ausdruck. Wenngleich das Bundcsgeschäft finanziell günstig dastehe, so ist in- folge der Arbeitslosigkeit ein Rückgang im Geschäfts umsatz gegen- über den Borjahren festzustellen. Die erhöhte Unsallzifser macht eine Erhöhung der Buitdesemnahmen nötig. Die Kreisvertveter- konferenz hat demzufolge beschlossen, daß ab 1. Januar 1332«in Extrabeitrag von 2 mal 10 Pfennig für die Unsallkasse erhoben wird. Für das Jahr 1931 muß, da bei der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit eine weitere Beitragsbelastung der Mitglieder nicht möglich ist, eine Kürzung der Unfalleistungen auf 50 Prozent eintreten. Ueber die A r b e i t e r- O l y m p i a d« berichtet« Genosse B« n e d i x. Die deutsche Delegation wird mit einer Wettkampfmannschast von 421 Sportlern beteiligt sein, an der Wintersportolympiade nehmen 33 deutsche Arbeitersportler teil. Die Olympiade wird mit einem Weltkindertag eingeleitet. In der Aussprache wurden die Sparmaß- nahmen des Reiches scharf kritisiert: die ungleiche Behandlung des bürgerlichen Olympia gegenüber dem Arbeiter-Olympia durch die Deutsche Reichsregierung hat helle Empörung im ganzen Lande aus- gelSst. In einer Entschließung richtet die Kreisvertreterkonfe- renz an alle Bundesmitglieder die dringend« Bitte, am Olympia teilzunehmen und den Weltkindertag zu unterstützen. Gleichzeitig erwartet die Tagung von der Reichsregierung die Bereitstellung entsprechender Mittel, wie di«s Bei der Olympiade in Amsterdam und dem Internationalen Kongreß in Verlin für die Verbände des Deutschen Reichsousschuffes zum Ausdruck gekommen ist. Ardeiter-Wasserball-Serie Möwe— Neukölln 7:5 Ain letzten Sonnabend standen sich Neukölln und Möwe zum fälligen Serienspiel gegenüber.— Möwe hat Anwurf, der, gut weitergespielt, zum 1. Tor führt, allerdings nicht ganz ohne Glück, der ungenaue Schuß des linken Stürmers prallte vom Pfosten ab— dem rechten Stürmner in die Hand, der mühelos verwandelte. Bei Jerfahreichcit im Angriffsspiel Neuköllns bekommt der rechte Ver- leidiger von Möwe darauf den Ball, dribbelt unangegriffen bis vor das gegnerische Tor, spielt ab, und es steht nach kaum zwei Minuten 2:0 für die eifrigen Möweleute. Gut eingeleitete Angriffe der Neuköllner bleiben ohne Erfolg, da das Zuspiel in der Sturmreihe zu ungenau ist. Lange Schüsse ans dein Mittelfeld bringen Neukölln nichts«in, fast stets geht der Ball über das Tor hinweg. In Bo- drängnis erhält der rechte Möwe-Stürmer den Ball zugespielt— em schneller Rückhandschuß und 3:0 ist geschafft. Bei einer Kampf- szene vor dem Zkeuköllner Tor verläßt der Torhüter sein Heiligtum, ein Verteidiger befördert im Bemühen, seinem Torwart zn Helsen. den Ball selbst Über die Linie. Im Mittelfeld erhält Nenlöllns rechter Stürmer dann einen Freiwurf, den er gut an den linken Stürmer weitergibt. Dieser schießt aus einiger Entfernung geschickt in die linke Torecke, unhaltbar für den Möwe-Torhüter. Halbzeit 4:1 für Möwe. Nach Wiederbeginn läßt Möwe überraschend nach, eine Tatsache, die ans den Gegner anspornend wirkt. Die Tatenlosigkeit von Möwe wird unverständlich, nicht weniger als vier- mal ist Neukölln hintereinander ohne groß« Mühe erfolgreich, damit die 5: 4»Führung übernehmend.— Dann hat sich Möwe doch wieder gefunden, gute Zusammenarbeit der ganzen Mannschaft erbringt drei weiter« Erfolge und damit den verdienten 7: 5-Sleg.— Das für Sonntag vorgesehene Spiel Hellas I-Charloitenburg mußte aus technischen Gründen auf einen späteren Termin verlegt werden. Lislant-AnssdieicliingslcampLe Für die zweite Wintersport» Arbeiter-Olympiade Am Sonntag wurden im Berliner Sportpalast durch den Ar- bcüer-Turn- und Sportbund die Ausscheidungen im Eislauf für die 2. Arbeiterolympiade in Mürzzuschlag ausgetragen. Meldungen lagen aus Berlin, Hamburg. Kassel, Kottbus und Ilmenau vor. Im Kunstlauf wurden vier schwierig« Pflicht- Übungen autzgelost, die inanchem eine harte Arbeit gaben. Gute Leistungen wurden in allen Kürprogrannncn gezeigt. In der Ge- 'amtoertung belegte M i e l k e, gefolgt von Förster, heute Freie Turnerschaft Grvß-Aerlin, Abteilung Osten, den ersten Platz. Leider inuhte Kreuzburg-Kassel infolge Verletzungen ausscheiden. Im Schnellauf landete Z e p m« i sel. Freie Turnerschaft Groß-Berlin, Abteilung Osten, in allen Wettbewerben vor Pospischil. Der letztere litt ersichtlich noch unter den Folgen eines schweren Sturzes beim Ausschoidungsfpringen für die 2. Olympiade an der Lehncrgrund- schanze In Iohann-Georgenstadt. Uebrigcns werden die beiden ersten im Kunstlauf und bie des Schnellaufes am 13. Februar im Berliner Sportpalast beim Eishockey-Länderwett kämpf Lettland- Deutschland im Rahmenprogramm starten. •ARBEITER. niSSEALL Trotz schlechter Bodenverhältnisse kam doch der größte Teil der gestrigen Fußballspiele zur Durchführung. Irgendein Maßstab über die Spielstärke und das technische Können der Mannschaften ließ sich naturgemäß nicht ziehen. Bei dem Werbefest des Arbeirer-Tnrn- und Sportoereins Friedrichsfcld« gab es im Treffen Bntab— Eich« einige humoristische Szenen, wenn ein Spieler die Bekanntschaft mit dem Boden machte. Die Techniker begannen den Kampf mit nur neun Mann, vervollständigten sich jedoch„bereits' nach 20 Minuten. Eiche, auch noch durch das bessere Schußfeld begünstigt, hatte dadurch mehr vom Spiel. Nach 12 Minuten hieß es dann auch 1: 0 für Eiche. Lang« sollte die Freud« allerdings nicht dauern. Nachdem die noch fehlenden Spieler Bntabs eingetreten waren, wurde der Kampf offener. Einen schnellen Vorstoß der Techniker konnte die Eiche- Verteidigung nicht mehr aufhalten und der Ausgleich war«rziell. Bis zur Paul« konnte Eiche trotzdem noch einmal die Führung über- nehmen. Nach dem Wechsel war Butab tonangebend. Wenn sich diese Ueberlegenheü vorläufig auch nicht durch Tore ausdrückte, sondern durch die blendende Abwehrarbeit des Köpenick« Mittelläufers und des Torwarts. Erst in den letzten zwanzig Minuten gelangen den Technikern zwei weitere Treffer, die damit knapp, aber oerdient 3: 2 gewannen. Seit«»«eixllete: Borwärts Segen Deisens« S:Z: See, seid« gegen Lichten- berg ll Sagcl gegen Bollssvort Nculölli, 1:5: Öertim gegen Trebbin 4:2: Cladow gegen Osten»:0: Lichtenberg I S gegen Minerna II 0:5: Hcrz- selde U gegen Lichtenberg II 5:8: Cladow n gegen Osten II 2:0. Ffcrfoa BSC.— Wacker 3:3, Beinah« hätte es im bürgerlichen Fußballager wieder ein« Ileberrafchung gegeben. Der deutsch« Meister Heril>a-BSC. konnte nur mit knapper Mühe und Not gegen seinen schärfsten Rivalen ein unentschiedene» Resultat. 3: 3. erringen. Nur durch«inen sehr zweifelhaften Elfmeter konnte Hertha einen Punkt retten. Erstes Hailensportfest in Schöneberg Der Versuch des bundestreuen Arbeitersportverein- Schöneberg-Friedenan 0 7, statt der sonst üblichen Schau- turnen«in mit abwechslungsreichem Programm ausgestattetes Hallensportfest zu veranstalten, darf als gelungen bezeichnet werden. Das Programm begimn: Eine muntere Schar Jungen und Mädel, Männer und Frauen laufen nach den Klängen der Musik in die Hall«, ordnen sich in gefälliger Selbstdisziplin, biegen ihre Körper in einigen gyimiastischcn Hebungen und sind nach einem kurzen Pfiff wieder verschwunden. Schon sind neue Gruppen erschienen. Sta- feitenläufer jagen durch die Hall«, beachtliche Leistungen am Barren werden gezeigt, Jungmädchen vorvollständigen das Büd durch körpcrbildcnde Gymnastik. Weiter rollt das Programm: Hochspringer treten an, erreichen für den Zuschauer erstaunliche Hohen, spannende Hürdenläufe solgen, die älter« Generation tritt auf den Plan, um im Rahmen eines Kopfballspicls zu zeigen, daß Alter kein Hindernis sür Leibesübung ist. Es reihen sich an: Laustchule der Mädchen, weitere Stafjcln von Jungen und Mädchen, Medizinball-Weitwurf, Ardeitersdvwnraner im Tonfilm Ein Versuch im Siadtbad Mitte In den Sonntagvormittagsstunden wurde von der Deka-Film- gesellschost der Versuch unternommen, auch den Tonsilm im Dienste des Sports zu stellen. Die bundesireuen„Freien Schwimmer K r o ß- B e r l i n s" stellten sich der Sack;« mit Freuden zur Ver- sügung und so machte sich in der prächtigen Halle bald eine regel- rechte Flimmerstimmung bemerkbar. Bevor es zur Aufnahme kam, wyrde noch tüchtig geprobt. Asnne Wolter leitet die muntere Schar, die da getanfilmt werden soll, und treibt immer wieder mit launigen Worten zur Eile an. Und nun ging's los. Die Aktiven liegen bald im Wasser, während die Leiterin, bewastnet mit einem Megaphon, ein donnerndes„3tuhc" durch die Hall« schleudert. Der aus der Galerie postierte Aufnahmeleiter gibt letzt« Anweisungen. Frage der Leite- rin löst Gegenfrage des Auinahmeleiters aus. Endlich flammen die Scheinwerfer auf. Aenne Wolter gibt das Signal„Achtung, schwimmen!" und 64 Mädchen nehmen die Arbeit zu einem 64er- Reigen auf. Weitcrc Kommandos folgen. Wir besuchen inzwischen die Kameraleute, die aus der Galerie ihres Amies walten. Auch hoch oben, zwischen dem Hallendach und dem eigentlichen Hausdach, hat sich noch ein Operateur postiert, der aus dieser Höhe ebenfalls Aufnahmen vornimmt. Nach einiger Kletterei sind wir hier oben angelangt und können nun das ganze Bild aus der Vogelperspektive betrachten. Zu unseren Füssen liegt tief unten das Bassin. Manche Ausnahme gelingt nicht sofort, Wiederholungen machen sich notwcn- dig. Geduldig harren die Mädchen im Bassin aus. Ein Durch- schwimmen des Bassins beschließt diese Ausnahme. Am aichcren Ende der Halle tummeln sich im Wasser die männlichen Vertreter der jüngeren Generation. Hier sollen„Reüerkämpse" zum Aus- trag gebracht und gefilmt werden. Bald bekriegt sich die mumere Schar in amüsanter Weise. Wettere lustig« Wasserspiel« folgen. Den Abschluß der Tonsttmousnahmcn bildeten ausgezeichnete Sprünge vom 3-Metor-Arett. Der Film, der eine gute Propaganda für den Arbeitersport be- deutet, wird im Rahmen der Emelka-Woch« vorgeführt. Pferdspringen und ein Wettkampf im Tauziehen. Als Abschluß des Ganzen ein gut aufgebauter Bewegungschor der Jungmädchen. Der im Rahmen des Programms ausgetragene Wettkampf zwischen der FTGB., Abteilung Süden, und dem Veranstalter er- gab folgende Resultate: Stoffeln Kronen): 1. Schiincberg, 2. Süden., 2. Schönebern ll.(Männer): l. Schöneberg, 2. Süden. Monnschoflskainpf: 1 Schöneberg, 7 Pnnlte: 2. Süden, 14 Puntlc 4- Genossinnen und Genossen, welche Interesse an der Gründung einer Leichtathletikabteilung innerhalb des Vereins haben, werden gebeten, zwecks einer gemeinsamen Aussprache am Mittwoch, dem 8. Januar 1931, im Lokal von Will, Martin-Luther-Straße, zu er- scheinen. �xmdJoodSU Jahrestagung des 1. Kreises im A.T. u. Sp.B. Die Handballer des 1. Kreises des AI. und SpB. sandten am gestrigen Sonntag ihre Vertreter zur jährlickien Tagung. Aus dem Bericht des Kveisspiclleiters Genossen Max Richter ist zu cnt- nehmen, daß die Epielbcwegung technisch sowie organisatorisch gut fundamentiert ist. 250 Mannschaften beteiligen sich augenblicklich, neben den vielen Schülermannschaften, an den Serien- und Börsen- spielen. Gute technisch« Stärke zeigt auch die Durchringung des Kreismeisters Bolkssportoerein Wedding zum Ostdeutschen Verbands- Meister. Leider zerschellte aber die weitere Siegeslaufbahn an dem ersten Spiel um die Bundesmeisterschaft, denn der spielstärkste Anwärter, Magdeburg-Fermersleben, überrannte hier die Mannschaft. Aus den wirtschaftlichen Gründen, die augenblicklich die gesamte Arbeiterbewegung betrifft, muhte leider von der Austragung der traditionell gewordenen Städte- und Freundschaftsspiele über den Kreis hinaus Abstand genommen werden. In der ersten Zett des Jahres befanden sich trotzdem noch viel« Mannschaften aus Reisen. Von gutem genosienschaftlichcn Geist zeugt die minimale Betätigung in Protesten, fanden sich doch, mit einigen bedeutungslosen Ans- nahmen, all« Mannschaften mit den Entscheidungen ab. In der technischen Vertiefung wurde das Menschenmöglichst« getan, beson- ders durch die Abhaltung von Kursen, die auch zur vollsten Zu- friedenheit aller Teilnehmer vonstatten gingen. Der Kasjenbestand ist gut. Das Geld wird aber zum großen Teil wieder verausgabt, um den in den äußersten Winkeln des Kreises gelegenen Mann- schaften das Spielen mit den Berliner Mannschaften zu er- möglichen. Auch der Schiedsrichterobmann kann von einer zufriedenstellenden Arbeit der Schiedsrichter berichten. Ins- gesamt wurden 2318 Spiele mit Schiedsrichtern versorgt. Nach den Anträgen, die sich mit dem weiteren organisatorischen Ausbau der Bewegung befaßten, fanden die Wahlen statt, die Wiederwahl ergaben. Kreisspielleiter ist Genosse Max Richter, als Schicds- richterobmann fungiert Genosse Walter Nahrgang und das Be- richterstatterwesen hat der Genosse Bernhard Puttmann wieder als Ressort. Nachdem wurde die lange Tagung mit dem Wunsche des weiteren Ausbaues geschlossen. Ardeiterhockey Der ausgeweichte Boden verhinderte den größten Teil der Serienspiel«. Nur ein Spiel zwischen Volkssport Neukölln und FTGB.-Osten konnte stattsinden, in welchem die Neuköllner überraschend mit 7: 1 Toren siegreich blieben. Europameisterschaft im Eiskunstlauf Unter großer AntellnaHme des Publikums wurde auf der Wiener Kunsteisbahn am Sonntag der zweite Teil der Europameisterschaft im Eislunstlausen der Herren, das Kürlaufen, zur Erledigung gebracht. Weltmeister Karl Schäfer- Wien ver- teidigte seinen Enropaineistertitel, wie nicht anders zu erwarten war, mit Erfolg. Mit Eleganz und vollendeter Sicherheit lief er sein schwieriges Kürprogramm und riß die Zuschauer immer wieder zu Beifallsstürmen hin. Aus der Schar seiner Mitbewerber, die bei den Pflichtübungen ziemlich gleichwertige Leistungen gezeigt hatten, ragte in der Kür der Berliner Bayer hervor, dem die Preisrichter einstimmig den zweiten Platz vor dem Wiener Dr. Distler zuerkannten, ein sehr beachtenswerter Erfolg für den Deutschen Weniger gut schnitt Fräulein Dietze-Berlin im internationalen Damenkunsl- lausen ab, in dem sie sich mit dem vierten Platz begnügen mußte. (StaeSniUc: Cucopamciftccfäioft Im®ctten£unftlauf«u: 1. SWrl Schöfcr.Wicn, Waes. 5, 400,12 P.: 2.«n«cc-®ctlltt, 10, 371,40 V.: 3. Dr. DHU«. Wien. 15. 357.62 P.: 4. iiabac.3)u3atKfl, litatw. 21, 323,33 P.: 5. Ssrlman». Wien, Plalu. 25, 32121? P.: e. ZeUrlmann-Gra?. Plaöl.'20, 304, m. P.— gntetnattonnfe» IDamtnfunfilaufen: 1. S. Kernung.ZSien. 7. 34738?: ■2.#1. Diich-Wien. 4510 tu. 10, 243.78 P.: 3. I. Solzmann-Wien. Clatu. 13, 212,76 P: 4. A. Dieöe.Berlin. Plai». 20, 228,78 P.— �nlernaiwnalr- Paar- laufen: 1. fttüulclii Papel,. Zwack(-Wien), Plai,,. 7, 5. 10 Punkte. Berliner Reitturnier beginnt. Am Mittwoch nimmt die zwölf- tögig« Veranstaltung in der Messehalle II am Kaiserdamm ihren Anfang. Tausend Pserde sind für die Turniertage nach Berlin gekommen! Jeder der zwölf Turniertage bringt zwei Programme, und zwar ein Nachmittaasprogramm um 4 Uhr und ein Abend- frogramin um 8 Uhr. Abends um 8 Uhr gelangen mit T o t a l i- atorbetrieb die sieben ersten Abteilungen des„Preises der Grünen Woche", einem Jagdspringen der mittleren Klasse, zur Ent- scheidung. Jnlernalionole Tennis Hallen-Bleisterschasten von verlin. Das erste Turnier, das der Hallen-Tennis-Club Berlin in seiner neuen Halle vom 26. Januar bis 1. Februar d. I. veranstaltet, sieht als 5)auptwettbewerb die Hallen-Meisterschaften von Berlin(Damen- Einzelspiel und Herren-Einzelspiel) vor. Es Ist so gehalten, daß auch den mittleren Spielern eine Teilnahme möglich ist. Nennungsschluß ist Donnerstag, 22. Jamiar. Die holländische Arbeikersportdewegung. Die Attiottät im Niederländischen Arbeitersportbund gewährleistet weiter gute Ent- Wicklung. Seine Mitgliederzahl stieg von 8236 im Dezember 1929 aus 11 417 im Dezember 1930: also um Über 3000 in einem Jahr. Das Bimdespstngftsportfest verspricht eine großartige Kundgebung zu werden. Xoutificnnercin.Die Noinrsrennde», zentrale'Wien. Dienstaa. 27. Ja- nnar, 20 Uhr. Abt. iZriedrichebain: frankfurter Allee 307. Satire unft «blossen.— Abt. Friedenau: Offrnbacher Etr. 5-, Italiciifabrt.— Abt. Mitte: Iohannisstr. 15.«Seneralversaminlckna.— Abt. Slotbtn: Sonnrnburacc S:r. 20. Äcneraliiersanlminng.— Abt. Zicnkölln fIngendomppe): ffluoliafcnfit. 68.— Abt. Lieddina-Scsnnbbrnnnen: Willdenowstr. 5. Bunter Abend.-- Abt. Hnm- holkiiftuin: Willbeuowstr. 5. GeneralversammlunA.— Naturlnndlickie Abteilung: Iobanniastr. 15. Arbcitsabonb.— Pbotvgemainschttft. Wt. Mitte: Io- bannioftr. 15.— Mittwoch.'28. Zanuar, 2« Üb«. Osten«Zugrubgruppc): frankfurter Alle« 307. Hochmr im Berner Oberland ILichtblldrr).- Don. nerstae,'2». Zauuar, 20 IIb«. Abt. LiKt-ntergt Suntcrstr. 44.— Abt. Lichten- tabc; 1ÜH Ubr bei Deblam, Babnbos. üdt Soll, strafte,>ö«neralpersaunnlu»g. — Motoguneinfchaff, Abt. Norden: Pank. Eck- Wiesen strafte. Im Berlauk der Gradation.— Streichorchester: 10— 21 Übt bei Weiftenberger, Icciltqtaüi" strafte 0.».lt.— Mandoltnenorchester: 19—21 Uhr. Iohannlostr. 15.— Abt. Südwest: Porckstr. 11.— Abt. Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62, Baracke 2. Wir diskutieren.— Abt. Reukölln: Becgstr.'20. Im nördlichen Schwarzmaid ILichibilder).— Abt. Tiergarten: Lehrter Etr. 18—10. Natur im Winter.— Adt. Spandau: Lindenufer 1.— Abt. Weiftenfee: Pistortus. ftiafit 24. Rod und Zlraftfahrer-Puod-Solidarität". Seute. 10'- Uhr. Bortrag im Gmnorkschaftshau», Saal l.„Perkehrsordnunq für Rad- und Snaftfahrrr." Bor. tragender: PoUeetoderleatnmtt Titel. Er will der Kinomörder sein Gelbstbezichtigung eines Schwachsinnigen in Hamburg Am Sonntag lief im Berliner Polizeipräsidium aus Hamburg die Bochrichl ein, dah sich bei den dorligen Polizeibehörden ein ?5/jähriger Melker Aranz König unter der Selbstbczichtigung ge- stellt habe, der Mörder des Geschäslssührers Ernst S ch m o l l e r uom Meccedes-Palast in Neukölln zu sein. Die inzwischen von der Mordkommission angestellten Nachforschungen haben jedoch ergeben, dajz König als Täler kaum in Irage kommen dürfte. König, ein etwas schwachsinniger Mensch, gab in Hamburg an, daß er die Raudgelegenheit vorher genau ausgekundschaftet und sich am Mordabend in das Büro eingeschlichen habe. Er rief den Ge� fchäftssührer Schmollcr zu:„Hände hoch, Geld her!" Schmollet soll keinen Widerstand geleistet habe». Plötzlich— so behauptet König — sei, als er das Geld zusammenraffte, ein Schuß losgegangen. Beim Verlassen des Büros habe sich dann noch ein weiterer Schuß gelöst. Den Rest der Nacht will sich König in Berlin umhcrgetriebcn imh an, nächsten Morgen nach Hamburg gefahren sein, wo er das geraubte Geld verjubelt hoben will. In den Taschen Königs wurden noch ganze drei Pfennige gefunden. Weiter behauptete er, daß eine im Mercedes-Palast angestellte Programmvcrkäuferin seine Braut sei. Es stimmt aber alles nicht. Dieses Geständnis, das der Berliner Polizei in allen Einzel- heiien übermittelt worden war, ergab schon bei der ersten Prüfung starke Widersprüche. Es wurde nämlich festgestellt, daß die„Braut" Königs eine entfernte Verwandt« von ihm und seit etwa 8 Jahren verheiratet ist. Außerdem ergab eine Nachfrage bei den Eltern Königs, die in Wilmersdorf wohnen, daß sich ihr Sohn am Abend der Tot in der Wohnung aufgehalten habe. Der junge Mann, das Sorgenkind der Familie, ist schon wiederholt ausgerissen. Er hielt sich dann einige Zeit in der Provinz aus, wo er Arbeit an- nahm, kehrte nach einiger Zeit aber immer wieder zurück. Es bo- steht kaum ein Zweifel, daß die Erzählungen Königs lediglich auf Zeitungslektüre beruhen. Zu allem kommt, daß er schon früher ein- mal, als er sich abgerissen auf dem Lande uinhcrtrieb, sich eines Mordes bezichkigte, um kosten! o's nach Berlin zurückgebracht zu werden. Oer seltsame Briefumschlag. Zu dem Raubmord an dem 8l1jährig«n Jakob Freudcnhein aus der Hcinrich-Rellcr-Straße 19 erfahren wir, daß die Such« nach dein Tüter noch immer.zu keinem Ergebnis geführt hat. Besondere Bedeutung mißt die Polizei einem Briefumschlag bei, auf dem mehrfach mit Blaustist das Wort„Lang u" geschrieben steht. Das Kuvert wurde neben der Leiche des Greises gefunden. Was dos Wort bedeutet, konnte bisher nicht ermittelt werden. Es ist möglich, daß dieser Umschlag, den der Mörder sortwarf, das geraubte Geld enthalten hat. Er wollte nur wieder nach Berlin! Homburg, 26. Januar. Wie die Polizeibehörde jetzt mitteilt, hat sich die Selbftbezichti- gung des Melkers König, daß er den Berliner Lichtjpicldirektor Schmollcr ermordet habe, als falsch erwiesen. König, der nach Hamburg gefahren war und sich hier an hartd der Berichte eingehende Kenntnisse kirr Mordtat im Neuköllner Mercedes-Palast ver- schafst hotte, war oft'cnbar von dem Wunsch erfüllt, durch soine Selbstbezichtigung zunächst eirnnal k o st e n l o s nach Berlin zu- r ü ck z u g e l a n g c n. Er hat den Mord nicht verübt. Massenschlägerei am Sonntag Die Gchlagabteilungen überbeschästigt Der gestrig« Sonnlag hat an verschiedenen Stellen des Reiches wieder blutige Schlägereien zwischen Hitler- und Thälmann- Leuten gebracht. Die Schlägerei- Abteilungen beider par- tele» haben überreichlich zu tun, um sich gegenseitig die köpfe ein- zi'.jchtagcn. Eine kleine Blütenlesc von dem Schlachtfeld eines Tages: Dresden, 26. Januar.(Eigenbericht.) Vor Beginn einer nationalsozialistischen Bcrsammlung in Rade- bcrg bei Dresden, in der der nationalso.;ialistische Abgeordnete C u n o M e t) er sprach, überfielen die Nazis einige Arbeiter, die an der Versammlung teilnehmen wollten. Sechs Sozialdemo- k r a t e n und Kommunisten, darunter zwei sozialdemokratische Stadt- verordnete, erhielten schwere Kopfverletzungen, die ihnen OeiienHiche FrauenKundgebungl Am Dieatla«, dem S. Februar, 19.30 Uhr, im Saalbau Fried- nchshain, großer Saal, spricht Staatsanwalt Dr. Högner, M.d.R.. über: Frauen, bekampn den Faschismus! Mitwirkende: Freie Sport- und Musik-Vereinigung. Fahneneinmarsch der Sportlerinnen des Arbeiter-Tum- und Sportbundes, Gesangsvorträge„Der junge Chor".— Eintritt frei! Pflicht jeder Genossin ist es, mindestens eine uns noch fernstehende Frau mitzubringen. Da« Frauensekrctariat, zugenäht werden mußten. Einer der Verletzten mußte im Krankenhaus verbleiben. Bei vier Nationalsozialisten wurden leichte Ver- letzungen an den Händen festgestellt. Nach dem Polizeibericht wollten die Nationalsozialisten die Arbeiter am Betreten des Verfammlungs- raumes hindern. Als die beiden Stadtverordneten mit etwa 39 An- hängern den Saal betraten, stürzten sich auf e in e n Pfiff ihres Führers die in der Nähe des Saaleinganges stehenden Nazis auf die Arbeiter. Der Ueberfall war offenbar planmäßig vorbereitet. Einem der Sozialdemokraten war vorher von einem Nationalsozialisten angekündigt morden, daß es in der Ver- sammlung„Pfeffer geben" würde. In P e ni g(Saclisen) veranstalteten die Nazis am Sonnabend eine öffentliche Versammlung. Jin Verlause der Ansprache kam es .zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten zu einer wüsten- Schlägerei, wobei elf Kommunisten und vier Nazis zum Teil schwer verletzt wurden. Bei der Aufräumung des stark ver- wüsteten Saales fand man drei Totschläger, zwei Stahlruten, einen Schlagring und einen Dolch. Kassel, 26. Januar. In dem benachbarten Grebenstein kam es am Sonntag- nachmittag zu einer schweren Schlägerei zwischen Kom- mu nisten und Nationalsozialisten. Die Nazis hatten auf 4 Uhr nachmittags eine Versammlung einberufen. Etwa eine Stunde vorher hatten jedoch bereits Kasseler Kommunisten in Stärke von etwa 89 Mann das Versammlungslokal besetzt und räumten es auch nicht, als Kasseler Nationalsozialisten den Saalschutz übernehmen sollten. Dabei kam es zu einer schweren Schlägerei, bei der Tische, Stühle, Biergläscr usw. als Waffen dienten. Aus beiden Seiten gab es mehrere Verletzte, deren zum Teil« schwere W u n- den in Kasseler Krankenhäuser verbunden werden mußten. Hamburg. 26. Januar. Zlm Sonntagnachmittag hatten die Nationalsozialisten in Brunsbüttelkoag einen Aufmarsch der SA. und ein Konzert der Gaukapelle im Hotel zur Post angesetzt. Die Kommunisten hatten von auswärts B e r st ä r k u n g e n von etwa 399 Mann her- angezogen, die gegenüber dem Hotel Ausstellung nahmen. Zur Auf- rechterhallung der Ordnung waren auch zwei Uebersallkmnmandos aus Altona herangezogen worden. Als der nationalsozialistische Zug mit etwa 899 Mann am Hotel vorbeimarschierte, wurde er mit Schmährufen und Steinwürscn empfangen. Ein Musiker brach mit schweren Schädelverletzungen zusammen. * 3n Hahnheim(Rheinhessen) kam es zu einer schweren Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerleulen. Die Nazis, die in einer Stärke von etwa 1 19 Mann in einer AZ-rlschofl sich aushielten, beschimpften vorbeimarschierende � Reichsbannerleute und tcnxnrfcn sie mit Steinen. Als die! Reichsbannerlenle sich zur Wehr setzten, kam es zu einer regel- rechten Skraßeoschlacht, wobei geschlagen, geschossen und gestochen wurde. Als der Bürgermeister von hahnhelm den Streit zu schlichten versuchte, wurde er von den Nationalsozialisten mißhandelt und der Polizeidiener niedergeschlagen. Dar- aus versuchten die Nationalsozialisten das Bürgermeisteramt zu stürmen, wurden aber von dem inzwischen aus Mainz herbei- gerufenen lleberfallkommando daran gehindert. Etwa 40 Nazi, wurden fest genommen. Zwei wurden in das Oppenheim« Krankenhans eingeliefert. Schlägerei auf dem Bahnhof Spandau Auf dem Bahnhof Spondau-West gerieten am Sonntag abend Reichsbannerleute, die von einer Veranstaltung>n Brieselang heimkehrten, mit einer Horde von etwa 89 hokenkretizlern in>ine Schlägerei. Fünf Reichsbanncrleute erlitten erhebliche Ver- letzungen. In Finkentrug hatten 89 SA.-Leute denselben Zug be- stiegen. Als die Burschen die Reichsbannerleute erblickten, stieß-.n sie sogleich Drohungen aus und einer der hakenkreuzler rief:„In Spandau-West wird abgerechnet." Niemand nahm die Drohung zu- nächst ernst. Als in Spandau-West 59 Reichsbannerleute den Zug oerließen, um umzusteigen, fielen die 89 Nazis mit Schlagringen, Stahlruten, Spaten und Eisenstangen üb« die Reichsbonn« rkeut« her. Fünf Reichs bann erleute erlitten dabei erhebliche Kopf- und Arnwerletzungen. Als die Polizei— zunächst leider nur mit zwei Beamten— erschien, bestiegen die Nationalsozialisten einen Zug und fuhren ab. Lediglich der Sturmführcr der wilden Horde konnte bisher von der Polizei festgestellt werden. Schiebung im Armenrecht. Unregelmäßigkeiten eines Iustizbeamten. Bei einer Zivilkammer des Landgerichts III am Tegel« Weg sind, wie jetzt festgestellt worden ist. durch einen Justiz- beamten Unregelmäßigkeilen bei der Verkeilung von Armen jachen begangen worden. Der Vorsitzende der Zivilkammer hotte die Gewohnheit, bei Stellung von Offizialanwällcn in Armenrechtssachen die Namen der Anwälte nicht selbst in das Protokoll einzusetzen, sondern durch den Obersekretär der Konzlei die Anwäll« heranzuziehen, die nach einer bcstinmttcn Liste in einer genau festgelegten Reihenfolge dazu be- stimmt waren. Der Vorsitzende glaubte, auf diese Weise di: U n- Parteilichkeit an, besten wahren zu können. Auf eine noch nicht ganz aufgeklärte Weise sind nun durch einen Unterbeamten aus dem Wege von dem Zimmer des Kammeroorsttzenden zur Kanzlei Fälschungen in der Weise vorgenommen worden, daß der Unterbeamte Anwälte, die eigentlich noch nicht hätten drankommen :önnen, in das Protokoll der Armenrechtssache» eintrug und den Namenszug des Obersckretärs der 51anzlei fälschlicherweise daneben setzte. Aus diese Art und Weise sind in einem Zeitraum van mehreren Monaten cm Anmalt viermal, zwei andere Anwälte zwei- bis drei-- mal zur Vertretung in Armenrechtsfällen herangezrgeu worden. Allem Anschein nach hatte der Unterbeamte dies« Fälschungen vor- genommen, um sich einen finanziellen Vorteil zu sichern. Irgendwelche Anhaltspunkte dafür, daß die Anwälte, die in dieser Weise bevorzugt sind, von den Urkundenfälschungen, denn um solche lztindelt es sich im Sinne des Gesetzes, gewußt haben, liegen bisher nicht vor. Auf die-'e Weise suchte der Unterbeamte sich eine ?c e b e n e i n n a h m c zu verschossen, da er alis die Gefälligkeit der bevorzugten Anwälte rechnete. Um derartige Borfälle in Zukunft unmöglich zu machen, ist auf Anordnung des Landgcrichtspräsidcnten jetzt ein Kontrollstempel angeschafft worden, der lediglich dem zuständigen Beumt-.-n zur Ver- fügung steht._ Remorque und die Wirklichkeit. Die..Deutsche Liga für M e n s ch e n r e ch t e E. V." wird am Montag, dem 2. Februar 1931, eine große Kundgebung— kurz vor Zusammentritt des Reichstages, in dem die Interpellation wegen des Remarque-Fstm-Verbotes er- wartet wird— veranstalten unter dem Motto„Remaxqpe und die Wirklichkeit". Kriegsopfer werden dos Wort nehmen und zwar: Eine Krieasmutisr, zwei Fröntsoldutcn. ein Frcmtofsizier, e!» Kriegsbeschädigter, ein Kriegsarzl, ein Kriegsdichlcr, sowie ein Ter- treter des Jahrgangs 1992.' Gemeingefährlich! Oie Schwerinbustrie überspannt dm Bogen. Duisburg. 26. Januar. Am Sonnabend wurde im Duisburger Rathaus wegen der Still- legung d« Hütte. Ruhrort-Rleiderich der Vereinigten Stahlwerke verhandelt. Von dieser Stillegung würden etwa 7 9 0 9 Arbeiter und Angestellte betroffen werden. wie ucrlaulet, haben in diesen Verhandlungen zwischen Ob«- büvgermeisler Dr. Z a r r e s und dn Wcrksdirctlion die Vereinigten Stahlwerke erklärt, daß bei einer Lohnsenkung von 29 Prozent etwa 4599 Arbeiter weiter beschäftigt werden könulen. Außerdem haben sich die vereinigten Stahlwerke vorbehalten, nach Bedarf 19 Prozent der gesamten Arbeitszeit als Aeierschühten einzulegen. Die Verhandlungen haben vorerst noch kein positives Ergebnis gebracht. Man will versuchen, auf einer günstigeren Grundlage die Entlassungen rückgängig zu machen. Je umfangreicher die Arbeitslosigkeit, um so unverschämter die Versuche des Unternehmertums, die Wirtschaftskrise auszunützen, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen herunterzuschrauben. In einer Situation, in der alles darauf ankommt, die Kauskrast der großen Masse zu heben, suchen die Bereinigten Stahl- werke AG. unter der Drohung der Stillegung den letzten Rest der Kaufkraft auch der noch beschäftigten Arbeitnehmer zu z e r- störe n. Damit wird das Treiben des Unternehmertums, dem die Schwerindustrie mit schlechlem Beispiel vorangeht, gemein- gefährlich und es wird höchste Zait, daß die Regierung sich überlegt, ob sie diesem Treiben nicht nach Möglichkeit Einholt gebieten soll. Gerade ihre Politik der Förderung des Lohn- abbaus der Unternehmer, den diese auch ohnedem bis zu einem gc- wissen Grade durchgesetzt hätten, Hot das Unternehmertum dazu angereizt, aufs Ganze zu gehen, die deutsche Arbeiterschaft auf die Kulistuse hcrabzudrücken. Nachdem das Unternehmertum, insbesondere auch die in den LereinigtenStahlwerken vertretene Schwerindustrie schon so viele Stillegungen herbeigeführt hat, kommt es auf eine mehr oder weniger auch nicht mehr an. Womit gesogt sein soll, daß die ans Erpresserische grenzenden Drohungen mit weiteren Still- lcgungen ihre Schrecken verloren haben und ihnen keinesfalls nach- gegeben werden darf, sobald sie sich als gemeingefährlich erweisen. Freigabe von Großwohnungen. Das preußische wohlsahrlsministerium hat eine v«ordumiz beschlossen, die eine weit«e Lockerung der Wohnungszwangswirt- schaff in Preußen vorsieht. Nach der Verordnung w«den die bis- hcrigen Bestimmungen dahin geändert, daß von der VZohnungs- Zwangswirtschaft Wohnungen mit folgenden Iahressriedensmicten frei werden. 3999 Mark und mehr in Berlin, 2499 Mark und mehr in den übrigen Orten der Sonderklasse: für die Ortsklasse A wird die Freigrenze festgesetzt auf 1899 Mark, für die Ortsklasse B aus 1399 Mark, für Ortsklasse C aus 890 Mark und für Ortsklasse v auf 599 Mark. Die gewerblichen Räume werden bei diesen Wohnungen vom Wohnungsmangelgesetz nicht erfaßt. Auirechterhatten bleibt lediglich der§ 8 dieses Gesetzes, der das Tauschrecht des Mieters vorsieht und der bestimmt, daß das mangelnd« Einverständnis des Ver- mieters bei einem Tausch durch die Zustimmung der Behörde ersetzt werden kann. Im übrigen soll beim Tausch die Kenehmiguna der beteiligten Gemeindebehörde nicht mehr erforderlich sein. Bei Woh- nungen mit einer Jahresfricdcnsmictc von 1899 bis 3999 Mark in Äcrlin und 1499 bis 2499 Mark in den übrigen Orten der Sonder- Nasse, mit 1999 bis 1800 Mark für Ortsklasse A, mit 700 bis 1399 Mark der Ortsklasse D, mit 599 bis 899 Mark der Ortsklasse E und mit 399 bis 590 Mark der Ortsklasse v wird die Zwangswirlschait gleichfalls aufgehoben, hier ist jedoch eine Umwandlung in Gc- ivcrberaum nur bei Ersatzstellung gestattet. Die Verordnung wird mit ihrer Berkündung in Kraft treten, sie wird alsbald in der Preußischen Gesetzsammlung veröffentlicht werden. Tragödie eines Kriegsopfers. Er iöiet Frau und Kinder und sich selbst. Aachen. 26. Januar. Der Händler Rlax Martin hat in der Nacht seine Frau und seine drei Kinder im All« von 6 bis 19 Jahren durch Revolver- fchüsse gelötet und sich dann selbst«schössen. Martin, der Kriegsbeschädigter ist. sollte sich heute ein« Operation unterziehen. Man nimmi an. daß er aus Furcht vor einem ungläck- lichen Ausgang der Operation den Entschluß gesaßl hat, gemeinsam mit sein« Familie aus dem Leben zu scheiden. Fahrläfsigkeii im Krankenhaus? Zwei ungeklärte Todesfälle in Essen. Essen. 26. Januar. Im Katholischen Krankenhaus in Essen- Werden ereigneten sich zwei Todesfälle unter verdächtigen Umständen. Lei zwei männlichen Pattenten, die wegen Tuberkulose operiert werden sollten, trat nach einein neuen Betäubungsversahren, das dem beabsichtigten chirurgischen Eingriff vorausging, der T o d ein. Die Krankenhausleitung mußte von diesem Vorfall der Bc- Hörde Mitteilung machen. Am Somiabend nahmen Beamte der Essener Kriminalpolizei die ersten Feststellungen vor, die das Ergebnis hatten, daß die Essener Staatsanwaltschast für Montag die Leichenöffnung anordnete. Der Aufklärung des Falles, der großes Aufsehen erregt, sieht man mit Interesse entgegen. Oer Weberkampf in Lancashire. Die Negierung greift ein. London, 26. Januar. Im Streit in der Baumwollindustrie von Lancashire dürste heute die Regierung eingreifen. Man nimmt allgemein an, daß die englische Kabineltssitzunz heute Verschlage für eine Vermittlung machen wird. Die Weber haben sich mit Zweidrittelmehrheit gegen weitere Verhandlungen nnt den llitt«nchmern über die Einführung des Mehr-Wcbstuhlsystems ausgesprochen. Die Regicrungsvettretcr be- finden sich im Strcikgebist, haben aber noch keine Gelegenhnt zu ein« Vermittlung gesunden. Die Unlernehmervcrbände wollen die angekündigte Ausdehnung der Aussperrung durchsetzen, wovon un- gesähr 59 999 Arbeiter betroffen werden. D« hakenkreuivsarrer Dr. Häuser in Straßburg(Bayern) lwt weHcn seiner Aeröks-ntlichunz im„PöKisthe» Peobachtor"„Am ! meine Kritiker vom Ausburger Bischof Kunipsmüller eine Ver- 1 Warnung erhalten.