Morgenausgabe flr. 45 A 23 4S.I Berliner SolKSblati Mittwoch 28. Januar 1.981 Groß-Äerlin pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame�eile 5.— Reichs« mark.„Kleine Anzeigen' das ettge« druckte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme iur�aupt«. gefchäft Lindenstraß« 3. wochelttäglich von 8V3 bis 17 Uhr. Jentvaloesan der GoziawemoövaMOen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönbofs 202— 297 Telegramm-Adr.: Soüaldemokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postschcchkonio: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Ängestcllicn und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Disc.-Ges.,Dcpostt«nr., Jcrusalciner Str. 65/66. Lavals Mchisregierung. Tardieu-Kabineit in schwacher Neuauflage. Paris, 27. Januar.(Eigenbericht.) Dos neue Kabinett Lavol ist trotz aller Bemühungen und Segenswünsche der bürgerlichen Drahtzieher nur ein Kabinett der Lückenbüßer geworden. Mit Schmerz stellt die kapitalistische Presse am Dienstag fest, daß die erwähnte Konzentration der Republikaner oder bester gesagt die Unterjochung der bürgerlichen Linken nicht ge- l u n g e n ist. Diesmal aber hat Laval, anstatt nach der Weigerung der Radikalen wie im Dezember seinen Auftrag zur Regierung?- bildung zurückzugeben, sich dazu bestimmen lasten, eine Regierung um jeden preis und unbekümmert um ihre parteipoliiische Zusammensetzung auf die Beine zu stellen. Was aus diesen verzweifelten Bemühungen geworden ist, stt nichts anderes als eine verwaschene Neu- ouflaoe der alten reaktionären Kabinette Tardicus. Ein Unter- schied gegen früher ist nur darin zu erblicken, daß Tordieu sich anstatt des Innenministeriums sich mit dem bescheideneren Land- mirischastsministerium und sein treuestcr Heiser Reynaud anstatt des Finanzministeriums sich mit den: Kolonialniinisrerium begnügen muß. M a g i n o t ober hat trotz seiner sensationellen Bekehrung zur internationalen Friedenspolitik Briands dos Kriegsinimsterinm behalten dürfen. So hat er jetzt Gelegenheit, durch die Tat zu bc- weisen, daß die Sicherheit Frankreichs nicht durch eine Uebcrsteige- nmg der Rüstungen, sonder» /iur durch Abrüstung und internationale Lerständigung garaniiert werden kann. Bezeichnend für die Rechts- cinstcllung des Kabinetts ist übrigens auch die Tatsache, daß Laval auf die Mstarbeit von Cheron und Germain Martin verzichtete, die zwar parteipolitisch zur Rechten gehören, ihrer Ueberzeugung noch aber stark nach links tendieren. Diese Politiker waren in seinen Augen dadurch kompromittiert, daß sie in der Linksregierung Steeg mitgearbeitet haben. Unier den 12 Unterstootssetretären Lavals sind zwei interessant« Persönlichkeiten vorhanden. Der erst« ist der Unterstaatssekretär im Koloniolministerium D i a gn e, ein rossereiner Senegoinegcr, der sich des Rekords rühmen darf, als erster Farbiger einer europäischen Regierung anzugehören. Der zweite ist der Unterstaotssekretär im .Handelsministerium Frey, der Chefredakteur der„Straßburgcr Neuesten Nachrichten", der in der Vorkriegszeit als elsässijcher Korrespondeirt für mehrere deutsche Zeihingen tätig war. Das Kabinett Laval dürfte in der Kammer über die alte TordieU'Mehrheit von höchstens Z20 Stimmen verfügen. Diese SUmmenzaHl genügt, um ihm wenigstens für den Anfang die Existenz zu sichern. Später aber, wenn der Tag der Kammerneuwahl in bedrohliche Nähe rückt, dürfte es manchem Abgeordneten der Mitte schwerfallen, für das Rechtskabinett Laval zu stimmen, da die Haltung der Wohlersäiast sich in der letzten Zeit keineswegs nach rechts hin entwickelt hat. * Pierre Laval ist zwar zum ersten Mole Ministerpräsident geworden, ober er ist kein Neuling in der französischen Politik. Wiederhost hat er als Justizminister, Innenminister oder Minister für öffentliche Arbeilen in verschiedenen Kabinetten der Nachkrieg»- zeit gewirkt. Seine politische Laufbahn ist nicht gerade erfreulich: vor dem Kriege war er S o z i a l i'st und gebärdete sich sehr revolutionär. Als solcher wurde er Bürgermeister eines Arbeitervorortes in der Pariser Bannmeile. Zur Zeit der Spaltung schien er sogar mit den Ä o m m u n i st e n zu sympathisieren. BaÜ> danach fand man ihn aber als„Sozialrepublikaner" unter den engen Freunden Caillaux', also immerhin noch als Mann der bürgerlichen Linken. Nach wenigen Jahren galt er jedoch jchon als Adjutant Poincores und nun ist er glücklich das Haupt einer ausgesprochenen Rechtsregierung geworden! Das zeugt für seine Geschicklichkeit und Anpassungs- fähigkeit, aber nicht für seinen Charakter. Lockrufe der Faschisten. Italien und Deutschland gegen Frankreich? Rom, 27. Januar.(Eigenbericht.) Außenminister G r a n d i ist am Dienstag aus Genf zurück- gekehrt. Bon zuverlässiger Seite erfährt der Korrespondent des „S o z. Pressedienst" in Rom, daß Mussolini und Grandi die Genfer Zusammenarbeit mit Deutschland sehr be- grüßen. Man hofft, in Zukunft noch besser als bisher zu- sammenarbeiten zu können. Diese Zusammenarbeit sei völlig unabhängig von den verschiedenen innenpolitischen Systemen der beiden Länder. Man habe auch„nicht die ge- ringste Absicht", innerpalstischc Rückwirkungen in Deutschland hervor- zurufen, d. h. auf die Erstorkung des Nationalsozialismus zu rechnen. Das ganze sei für Italien eine Frage der außenpolitischen Taktik. In den letzten Genfer Bcrhandlimgcn sehe nian den ersten taktischen Beweis für die Notwendigkeit eines Zusammengehens zwischen Deutschland und Rom. Dos fei der einzig mögliche Weg,«in Gegengewicht gegen das bisherige Uebcrgewicht Frankreichs und seiner Gefolgsstaaien zu schaffen. Die Hinzuziehung Rußlands und der Türkei werde diese Situation noch bedeutend verbessern. Daß man in der Minderheitenfrage keine offene Unterstützung Italiens habe erzielen können, erkläre sich aus der besonderen Lage der eigenen italienischen Minderheilen. Aber in allen anderen Fragen könne Deutschland auf Italien rechnen. Die Anregung für dieses Gcnser Zusammengehen sei von Italien ausgegangen und es sei kein Zweifel, daß die deutsche Regierung sie gern aufgegriffen habe. » Unterrichtete deutsche Kreise bestreiten entschieden, daß eine wesentliche Aenderung der Außenpolitik des Reiches eingetreten sei. Die italienische Presse aber fährt fort, die angebliche Schwenkung Deutschlands zu feiern. Der Zweck dieser Stimmungsmache ist durchsichtig: man will uns vor der übrigen West kompromittieren, vm uns noch fester an den Karren des Duce zu ketren. Die Versicherung, daß der italienische Faschismus damit keine Stärkung des Hitlerismus beabsichtige, steht im Widerspruch zu den bisherigen Tatsachen. Die offene Unterstützung des deutschen Faschismus durch den italienischen ist unbestreitbar. Als Gegen- leistung tritt Hstler für die moralische Preisgabe der Südtiroler«in. Bezeichnend ist übrigens das Eingeständnis, daß in der Minder- heitenfrage Italien Deutschland nicht unterstützen könne: ebe« weil der Faschismus auf die Unterdrückung der deutschen Südtiroler und der Slowenen nicht verzichten kann. Daß der italienische Faschismus bei seinen außenpolitischen Be- Ziehungen sehr„großzügig" ist, zeigt die immer engere Freundschasr zwischen Rom und Moskau, die Mussolini nicht im geringsten daran hindert, die Kommunisten im eigenen Lande ahne Erbarmen zu verfolgen. Daß die Boischewiki so charakterlos sind, dennoch mit der italienischen Regierung einträchtig zusammenzugehen, ist nur ein neuer Beweis ihrer Charokt�xlosigkeit. Wir Sozialdemokraten lehnen es aber entschieden ab, daran ein Beispiel zu nehmen. In unseren Augen ist das italienische Regime verächtlich und es schiene uns würdelos, im Interesse angeblicher nationaler Leiftungs- eriolgo einem engen Zusammengehen zwischen der deutschen Re- publik und dem Lande Mussolinis zuzustimmen. Außerdem versprechen wir uns von einem solchen Zusammen- gehen nichts Gutes für Deutschland. Frankreich ist jederzeit in der Lage, Italien mit einer Anleihe oder mit einer Oase an der lybisch- tunesischen Wüstengrenze zu ködern. Es mag zwar vorkommen, daß es Fälle geben kann, in denen sich der deutsche und der italienische Standpunkt begegnen, weil Frankreich in einer bestimmten Frage von seiner egoistischen These nicht abgehen will. Auch die englische Arbeiterregierung ist vor einem Jahre gezwungen gewesen, in der Flottenfrage den itatie- irischen gegen den französischen Standpunkt zu unterstützen. Aber zwischen einem einmaligen, zufälligen Zusammengehen in einer bestimmten Angelegenheit und jener grundsätzlichen Optierung für Italien gegen Frankreich, zu der uns die faschistische Presse Italiens und die nationalistische Presse in Deutschland oerleiten wollen, ist ein himmelweiter Unterschied. Gerade die jüngsten Vorgänge in Genf hoben gezeigt, daß wir bei diesem Spiel allzu leicht das Objekt der diplomatischen Strategie Mussolinis werden. Dafür ist uns Deutschland zu gut, als Schachfigur in dem konfusen Spiel Mustolinis gegen Frankreich mißbraucht zu werden. Der italienische Votschasler in Mashinglon legte im Staats- departement Verwahrung ein gegen unhöfliche Bemertnn- gen, die der General Smedley Butler vom Marmetorps über Wustolmi gemacht haben soll. BudgetrechtdeslKeichsiags Seine Anwendung früher und jetzt. Vor» Hugo Hvirrlanri. Das Budgetrecht gilt von alters her als eines der wich- tigsten Rechte der Parlamente. Die Beratung und Festlegung des Haushalts, durch den die Exekutive die Richtschnur für ihr Handeln im kommenden Jahr erhält, ist daher auch immer als eine ihrer vornehmsten Aufgaben angesehen morden. Trotzdem wurde lange Zeit hindurch in Deutschland dieser Aus- gäbe nicht die Beachtung zugewendet, die ihr zukommt. Die breitere Oeffentlichkeit, ja selbst die eigentlich dazu Berufenen, standen der Gestaltung des Rcichshaushaltes im einzelnen mehr oder minder interesselos gegenüber. Das hatte innere und äußere Gründe. Die Ausgabenseite der Boririegszeit setzte sich in der Hauptsache zusammen aus den Aufwendungen für die Hoheitsocrwaltungen, die Hceresbedürf- nisse und die Verzinsung und Tilgung der R e i ch s s ch u l d. Aus der Einnahmescite wurde dementsprechend nur ein vcr- hältnismäßig geringer Teil des Volkseinkommens für die Reichskasse beansprucht. Der verlorene Weltkrieg mit seiner Vernichtung ungeheurer Werte, die drückenden Reparations- Zahlungen an die Siegerstaaten und vor allem die nach der Umwälzung allmählich einsetzende Wandlung des früheren Obrigkeitsstaates zu einem Wohlfahrts- und Sozial- st a a t haben diese Verhältnisse von Grund auf geändert. Heute ist jeder einzelne Staatsbürger in der Formung des eigenen Lebens an die Gestaltung der Einnahme- und Aus- gabefeite des Reichshaushalts aufs engste gekettet. Es kam ferner früher hinzu, daß ein Eindringen in Einzel- heitcn des Etats für alle, die sein Studium nicht zu ihrer Spe- zialaufgabe gemacht hatten, ausgeschlossen war. Unübersichtlich- keit und Verschiedenheit in der Aufstellung aller Einzelpläne, Fehlen auch nur des geringsten Wegweisers durch das Laby- rinth der Tausende von Titeln, riesige Sammelfonds ohne genau umgrenzte Zweckbestimmungen, Verdunklung des Etatsbildes durch Uebertragsmöglichkeit der bewilligten Mittel von einem Jahr ins andere und zahlreiche andere Ermächti- gungen versperrten den Weg zu allgemeinerer Kenntnis des Etats. Diese Verhältnisse wurden durch den Krieg und die Inflation noch verschärft und gaben der hohen Bürokratie die Möglichkeit, die Reichsgelder fast ohne jede Kon- trolle durch den Reichstag zu bewirtschaften. Die Sozialdemokratie ist es gewesen, die als erste und Jahre hindurch als einzige den Kampf gegen diese Zu- stände aufgenommen hat, die, je länger, je mehr, das Budget- recht des Reichstags zugunsten der Ministcrialbürokratie aus- weitete. Wer heute den nach einheitlichem Plan aufgestellten, straff gegliederten, mit Sachregistern und dergleichen ver- sehenen Haushaltsplan zur Hand nimmt, wer in den bei- gegebenen 255 Quartfeiten und Dutzende von Tabellen um- fassenden Ueberblick blättert und auf jede Frage mit leichter Mühe die Antwort findet, der kann sich keine Vorstellung von der Mühe und Arbeit machen, die ein Studium des Etats noch vor einigen Iahren erforderte. Der Kampf der Sozialdemokratie ging aber nicht nur gegen alle inneren und äußeren Verdunklungsversuche des Haushaltsplans, sondern er wandte sich mit gleicher Energie dem zweiten Teil des Budgetrechts zu, der gänzlich vernachlässigten Rechnungsprüfung. Diese Rech- nungsprüfung war früher bestenfalls rein kalkulatorisch ge- wesen. Dazu kam, daß unter dem Druck des Krieges und der Nachkriegszeit dem Reichstag die Zügel der Finanzherrschaft mehr und mehr entglitten waren. Das trat besonders kraß Zutage, als über den ersten Goldetat des Jahres 1924 Rech- nung gelegt wurde. Nicht nur erfolgte eine Rechnungslegung erst zwei Jahre nach Abschluß des Rechnungsjahres 1924, sondern sie zeigte auch in Einnahme und Ausgabe U e b e r- schreitungen von zw ei Milliarden und mehr. Statt solche ungeheuerlichen Ueberschreitungen auf das pein- lichste zu begründen, glaubten einzelne Verwaltungen, den Reichstag mit vollkommen inhaltsleeren Bemerkungen:„es hat sich als Bedürfnis erwiesen",„mußte sofort angeschafft werden" usw. abspeisen zu können. Den ersten Erfolg zur Besserung dieser unmöglichen Zu- stände erzielte die Sozialdemokratie mit der Aufhebung des früheren Rechnungsausschusses und der Verlegung der Rechnungsprüfung in den Haushalts- a u s s ch u ß. Dieser bildete für die Zwecke der Rechnungs- Prüfung einen ständigen Unterausschuß, dessen Vor- sitzende der frühere Zentrumsfinanzminister Dr. Köhler, dessen Generalberichterstatter der Genosse H e i n i g wurde. Insbesondere der unermüdlichen, vom gesamten Reichstag an- erkaimten Tätigkeit des Genossen H e i n i g ist es in ver- hältnismäßig kurzer Zeit gelungen, die Rechnungsprüfung des Ausschusses zu dem zu machen, was sie sein soll: zu einer parlamentarisch-politischen. Mit der selbstherr- lichen Bewirtschaftung großer Sammelfonds durch die be- treffenden Sachbearbeiter, mit der durch die Uebertragbarkeit r>pn Mitteln möglich gewordenen Schaffung sogenannter „Töpfchen", mit allen anderen Verdunkelungsversuchen wird zielbewußt aufgeräumt. Ein Titel, der einmal zur Unter- suchung gestellt ist, wird nicht aus der Zange gelassen, bis er offen und geklärt daliegt. Ueber der Eingangstür des Saales in dem der Rechnungsausschuß tagt, stehen, wenn auch un- sichtbar, die Worte:„Wer hier eintritt, lasse jede Hoffnung auf Heimlichkeiten fahren". Selbst- verständlich war es nicht möglich, in wenigen Jahren die Fülle aller absichtlichen und unabsichtlichen Unklarheiten im Etat aufzuhellen. Dies um so weniger, als in manchen Ressorts nach Sperrung des einen Weges mit Eifer und Geschick neue, noch ungckannte Seitenwege eingeschlagen wurden. Die ersten bedeutenden Schritte zur parlamentarischen Kontrolle über die Verausgabung von Reichsgeldern find indessen getan und können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Aber nicht nur sachlich, sondern auch zeitlich sind große Fortschritte erzielt. Soeben hat der Haushaltsausschuß dem Reichstag den 31 Quartseiten umfassenden Bericht seines Unterausschusses über die Rechnungslegung 1929 zur Ge- nehmigung zugeleitet. Damit hat der Haushaltsausschuß noch vor Beginn der Feststellung des Haushalts für das kommende Rechnungsjahr 1931 Kenntnis erhalten, wie die Mittel im abgeschlossenen Rechnungsjahr bewirtschaftet worden sind. Die beiden gleich wichtigen Teile des Budgetrechts sind also nunmehr so einander nahegerückt, wie es überhaupt möglich ist, und sie können jetzt sorgfältig gegeneinander abgestimmt werden. Daß die Gründlichkeit unter der Schnelligkeit nicht gelitten hat, beweist die Tatsache, daß der Abfassung des Be- richts 24 lang ausgesponnene Sitzungen des Unterausschusses vorangegangen sind. Schließlich fei noch auf die anerkennenswerte Leistung des Reichsfinanzministeriums hingewiesen, ohne dessen tätigste Beihilfe die geschilderten großen Besserungen nicht hätten so schnell erzielt werden können. Die Lustfahrt. Beratung im Haushaltsausschuß. In der weiteren Spezialberatung des Haushalts des Rcichsoerkehrsmlnisteriums in der Dienstagsigung des Haushallsausfchusses wurde noch eine Entschließung einstimmig an- genommen, in der die Reichsregierung ersucht wird, die Hauptver- waltung der Deutschen Reichsbahn zu oeranlassen, die hohen Gehälter des Generaldirektors, der Direktoren und der oberen Verwaltungs- bcamten den Gehältern von Reichsbcamten, die gleich zu bewertende Posten im Reichsdienst bekleiden, anzupassen und auch die Ent- schädigung der Vcrwaltungsratsmitglieder entsprechend herabzusetzen. Auf ein ait den Reichsoerkehrsminister gerichtetes Ersuchen, um ein möglichst gutes und reibungsloses Ineinandergreifen der drei Verkehrsmittel, Eisenbahn, Auto und Wasserstraßen bemüht zu sein, erklärte der Minister, daß er hoffe, eine Vorlage bezüglich des Rebeneinandsrarbeitens von Eisenbahn und Kraftfahrzeugen noch im Februar einbringen zu können. Diese Vorlage würde, wie er hoffe, diesen beiden Verkehrsmitteln das geben, was ihnen zukommt. Was die Wasserstraßen betrifft, so befinde sich eine gleichfalls ausführliche Borlage in seinem Ministerium in Bearbeitung. Dies« Vorlage solle das richtige Jncinanderarbeiten von Eisenbahn und Wasserstraßen sichern. Eine ausgedehnte Debatte entspann sich beim Kapitel Lust- s a h r t w e s e n. Genosse Keil führte dazu aus, daß die grund- sätzliche Einstellung der Sozialdemokratie zum Luftfahrtwesen bekannt sei. Trotz seiner so stark geschwächten Leistungsfähigkeit kann sich Deutschland von der Förderung dieses neuen Verkehrsmittels nicht gänzlich ausschließen. Die Bereitstellung von Mitteln für die Luft- fahrt müsse sich aber selbstoerständlich der allgemeinen finanziellen Lage anpassen. Es sei erfreulich, festzustellen, daß Streichungen von bisher gewährten Subventionen sich nicht immer schädlich, sondern mitunter nützlich für die davon Betrossenen auswirke. So hätten sich nach seiner Ansicht diejenigen Firmen der Lustfahrtindustrie am besten entwickelt, die infolge der Streichungen nichts oder nur wenig erhallen hätten. Abg. Dr. K ö h l e r(Ztr.) stellte an die Spitze seiner Ausführun- gen die These, daß die Sicherheit die erste und wichtigste Forderung für die Luftfahrt sei. Er wünsche aus diesem Grunde, daß das Ver- kehrsministeriuni mit den zur Verfügung stehenden Mitteln vor allem die Entwicklung der Motoren fördern möge. Auf eine an den Minister gerichtete Frage über die Höhe der Bezüge der Piloten erwiderte Herr v. Guerard, daß die Piloten eingeteill seien in drei Dienstaltersklassen, und zwar erhielten alles in allem Piloten über drei Dienstjahre MX) M., über 5 Dienst- jähre tZvott bis 14 000 M.. über 10 Dienstjahre 19 000 bis 21 000 M. Dies« Bezüge könnten hoch erscheinen: sie seien aber nicht zu hoch, weil, ganz abgesehen von den Gefahren des Berufs, eine außer- ordenllich schnelle und große Abnutzung des Menschenmaterials ein- trete und die Piloten, die ihren Pilotendienst nicht mehr versehen können, nur außerordentlich schwer und selten ander« entsprechende Stellungen fänden. Genosse Keil gab zu, daß an sich betrachtet die untere Grenz« der Bezüge nicht zu hoch sei. Er glaubte aber trotzdem, daß die Uittcr- schiede zwischen den einzelnen Jahresklassen zu groß und so groß seien, daß diese Regelung nicht zur Zufriedenheit in den beteiligten Kreisen dienen könne. Genosse Keil empfahl eine Senkung in den oberen Gehaltsstufen. Bei der Abstimmung wurden sämtliche sozialdemokratischen An- träge abgelehnt. Der Vermahlungszwang. progiesfiver Abbau beabsichtigt. Der Reichsernährungsminister soll beabsichtigen, den Weizen- vermohlungszwang für Februar und März auf 75(statt 80) Prozent, für April und Mai auf Sä und für Jull auf SO Prozent herab- zusetzen. Nazi-Abgeordneter vernrleitt. Do» Landgericht in München- Gladbach verurteilte den nationalsozialistischen Reichstagscchgeord- nsten Fiorian wogen Vergehens gegen das Republiksch utzg«|«tz zu 400 M. Geldstrafe. Florian war angeklagt, in einer Wahlverfainm» lung die Republik beschimpft zu haben. Mit Inflation i Hilgenberg fordert Hugenberg hat bei seiner gestrigen Gimpelfangrede zum Geburtstag des Exkaisers auch folgende Sätze gesprochen: „Aber es gibt einen anderen Weg, der unser Volk aus dem Elend herausführen kann. Nur die nationale Opposition kann ihn weisen und gehen. Kurz könnte man ihn mit dem Worte bezeichnen: Zurück zur Helfferich-Mark. Zurück zu einem in- ländischen Umlaufmittel, das unserer Wirtschaft eine unabhängige Grundlage der Entwicklung gibt." Was soll der Ruf: Zurück zur Helfferich-Mark? Was ist das für ein inländisches Umlaufmittel,„das unserer Wirt- schaft eine unabhängige Grundlage der Entwicklung gibt"? Die Helfferich-Mark war die R o g g e n m a r k, die von Helfferich zwar propagiert, aber dann nicht eingeführt wurde. Eine Roggenmark sollte einer bestimmten Menge Roggen gleich sein. Der R o g g e n p r e i s hat auf dem Weltmarkt seit 1924 die tollsten Auf- und Abwärtsbewegungen mitgemacht. Wenn Hugenberg heute die Roggenmark statt der Goldmark haben will, so hätte die deutsche Wirtschaft zwar eine absolut„unabhängige" Grundlage der Entwicklung, aber diese Entwicklung vollzöge sich u n a b- hängig von jedem Wirtschaftsverkehr mit der Welt, sie wäre unabhängig von jeder wirtschaftlichen Ver- nunft und würde zur vollständigen wirtschaftlichen Vernichtung Deutschlands führen. Deutschland läge für die ganze übrige Wirtschaftswelt auf dem Mond, es fei denn, Deutschland würde neben der Roggenmark, als zweite Wäh- rung für den Verkehr mit dem Ausland, den Dollar einführen. Warum spielt aber Hugenberg mit den Leidenschaften, die sich in Deutschland durch die Jnflationserinnerungen piit allen Währungsfragen verknüpfen? Weil er wie die National- fozialisten die durch die Wirtschaftskrise leidenden Massen mit dem Wahn täuschen will, das„dritte Reich" bringe Geld, Geld, womit dann alle Rot ein Ende haben werde. Hugenberg spricht nicht von Inflation, vorsichtiger- weise, aber er erweckt in seinen Hörern Reichtums- träume, die nur mit Inflation zu erfüllen sind. Mit Inflation ins dritte Reich! Neuer Kuliurkampf gegen Rom, Unter Hugenbergs Führung Krieg gegen den Ultra- montaniSmuS. Reichsgründungsfeier an„Kaisers Geburtstag". Große Parade der Ewig-Geftrigen im Sportpalast. Drei Wahlkreisverbände d«r Deutschnationalen waren nöttg, um den Saal einigermaßen zu füllen. Das gewohnte Publikum: ältere Herren mit Ordensbändern, Studenten und junge Kaufleute mit Stahlhclmabzeichen und viel bürgerliche Weiblichkeit. Die beiden Hauptredner des Abends, Hugenberg und Dom- paftor D o e h r i n g, hiellen es für zeitgemäß, mit keinem Worte der Person des Geburtstagskindes von Doorn zu gedenken. Das überließen sie, außerhalb der offiziellen Rednerreihe, einem früheren Der Landtag an der Arbeit. Unsinnige Obstrvktionsverfuche der Rechten. Präsident Bartels eröffnete die Dienstagsitzung des Preußischen Landtages mit einem längeren Nachruf auf den verstorbenen Alterspräsidenten Herold(Ztr.). Auf der Tagesordnung stand zunächst eine große Anzahl von Ausschußberichten, die ohne Aussprach.- nach den Äommissions- antrügen erledigt werden sollen. Die Nationalsozialisten melden sich zu sämtlichen Gegenständen zu Wort: sie müssen also von der Tagesordnung abgesetzt werden. Das Ausführungsgesetz über die Bereinigung der Grundbücher wird dem Rechisausschuß überwiesen, das Gesetz über die Kürzung der Aufwandsentschädigungen für den Staatsrot dem Hauptausschuß. Es folgt der Gesetzentwurf über die Bcrlängorung der Wahl- dauer der gegenwärtigen Landwirtschaftskammern um ein halbes Jahr. Abg. Dermietzcl(Dnat.): Die Neuwahl der Landwinfchafts- kammern ist schon längst überfällig. Abg. Kerfs(Komm.): Diese Vorlage ist eine Folge der Tatsache, daß die Reform des Landwirtschaftskammergesetzes noch immer nicht zustande gekommen ist. Die Großagrarier verhindern sie, weil sie den offenen Faschismus, die offene Gewallherrschaft über Land- arbeiter und Kleinbauern erstreben. Wir Kommunisten verwerfen die allen Landwirtschaftskammern, wir verwerfen aber auch die Refom des Landwirtschaftskammergesetzes und diese Vorlage. Abg. Pelers-hochdonn(Soz.): Die Deutschnationalen brauchten sich über die überallerten Landwirtschastskammcrmandatc nicht zu beschweren, wenn sie nicht mit allen parlamentarischen Mitteln das Zustandekommen des Gesetzes über die Resonn der Landwirtschafts- kaminern bisher vereitell hätten. Wäre es nach unserem Willen ge- gangen, so wären wir schon längst zu dtr notwendigen Reform und zu Neuwahlen gekommen. Die Kommunisten haben richtig erkannt, daß die geplante Reform des Landwirtschastskammergcsetzes wegen der Erweiterung der Rechte der Landarbeiter bei den Großagrariern stürmische Entrüstung ausgelöst hat. Schon diese Tatsache beweist, daß das geplante Reformgesetz, wenn es auch uns nicht weit genug geht, unbedingt wertvoll ist. Wenn gleichwohl die Kommunisten in holdem Bund« mit den Großagrariern alles tun, um das Zu- standekommen dieser Reform zu vereiteln, beneiden wir sie um chre Rolle nicht.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Nach kurzer weiterer Aussprache wird die Vorlage mit den Stimmen der Regierungsparteien in erster und zweiter Beratung angenommen. Die Bolagen über Verlängerung des Grundvermögenssteuer- gesetzes, des Hauszinssteuergesetzes und der Gewerbesteuer werden nach einer Oppofitionsrcde des Abgeordneten Vccker-Wilmcrsdorf (Komm.) ohne weitere Debatte dem Hanptausfchuß überwiesen. Die Verordnung über die Gehaltskürzung der Beamten ent- sprechend den Notoerordnungen des Reiches wird dem Hauptaus- schuh überwiesen, nachdem Abg. Kasper(Komm.) sie in einer langen Rede bekämpft hat. Hierauf wird die Aussprache über den Bericht der Ober- r e rb n u n g s k a m m e r für die Rechnungsjahre 1924, 1925 und 1926 fortgesetzt. Abg. Bietzeitthin(DSP.) beantragt Rückverweisung der Rechnungen über den Bau des Nürburg-Rings an den Rechnungsausschuß, weil dabei große Ausgabenüberschreitungen stattgefunden hätten. Abg. Kasten(Soz.): Der Rechnungsausschuß hat bereits fest- gestellt, daß die Voranschläge für diesen Bau unzulänalich gewesen sind und daß über das notwendig« Maß hinaus die Baukosten in die Höhe getrieben wurden. Mehr wird auch eine er- nento Beratung nicht ergeben. Der Abschluß der Bauarbeiten am Rürburg-Ring liegt ja jahrelang zurück. Gegen die Stimmen der Regierungsparteien wixd der Antrag Metzenthin angenommen. Deutschnationale und Deutsch« DoUspartei beantragen, auf die Tagesordnung der Mlltwoch-Sitzung die Anträge auf Aenderung der ns dritte Reich. >ie Helfferich-Mark. Hofgeneral des Kaisers aus Potsdam. Dafür gab Hugenberg als erste Parole für 1931 die Vorbereitung für die Wahl des Reichspräsidenten an. Daneben wies Hugenberg auf die bevorstehenden Neuwahlen zum Preußischen Landtag hin. ohne dabei des vor wenigen Monaten noch laut verkündeten preußischen Volksbegehrens Erwähnung zu tun. Im übrigen war feine Rede eine einzige Polemik gegen Sozialdemokratie und Z e n» t r u m. Gegen die preußische Regierung rief er den Reichspräsiden- ten an und warnte ihn, sich in einen Staatsstreich(!) hineinziehen zu lassen. Dann fuhr er fort:„Das neue Reich, für das wir kämpfen, steht klar vor unseren Augen. Es ist B i s m a r ck s Reich und doch ein ganz anderes Reich. Wir wollen und dürfen aber nach den gemachten Erfahrungen nur nach und noch den Vorhang lüften." Bei dieser„Klarheit" blieb es. Als Rettungsmittcl des Augen- blicks bot er die wiederholt als unsinnig erwiesene Rcparations- abgäbe und fein undurchführbares Entschuldungsprojekt für die Landwirtschaft an. Der Regierung Brüning warf Hugenberg Mangel an eigenem Willen vor und schloß mit dem Gelübde, den alten Geist in neuen Formen wieder aufzurichten. Noch viel schärfer als Hugenberg polterte der Pfarrer Doehring gegen das Zentrum. Er leitete den neuen Kulturkampf gegen die„Römlinge" ein, warf ihm vor, daß es keine nationale Politik treiben könne, well es u l t r a m o n t a n fei und den Willen Roms und des Papstes ausführe. Seine äußerst geschickte Politik gründe sich auf den Geist des Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuiten- ordens. Ein Vertreter dieses Zentrumsgeistes sei der gegen- wärtige Reichskanzler Brüning. Nachdem er die Opposition durch die Anwendung des Arttkels 48 ausgeschaltet habe, stelle er sich jetzt als Schützer der Demokratie hin. Das entspräche dem Zentrums- geist, der heute für Thron und Altar eintreten könne und morgen treu republikanisch sei. Der Reichskanzler reise jetzt im Lande herum, er rede in Oberschlesien, in Ostpreußen, in Sachsen: aber er rede nur viel, ohne etwas zu sagen. Brüning vertraue darauf, daß diese Tätigkeit auf das deutsche Boll nicht ohne Einfluß bleiben würde, und daß so das Gefühl entstände, es geschähe etwas Er Habs richtig herausgefühlt, daß im ganzen Volke der Ruf noch dem starken Manne mehr und mehr wachse. Und nun gibt er sich für den starten Mann aus.(Zurufe: Hugenberg ist d e r ft a r k e M a n n!) Das Zentrum fei nicht fähig, den Bismarck- fchen Staatsgedanken zu erfassen, der seinen tiefsten Urgrund in den Erkenntnissen der Reformation habe, daß der Staat etwas Göttliches sei. Diese Politik des mit der Sozialdemo- kratie verbündeten Zentrums werd« aber an dem Erwachen des deutschen Volkes nichts ändern und die Stärke der nationalen Opposition nur erhöhen. Damit der heiter« Abschluß nicht fehlte, zitierte der Schluß- rcdner nach der Vorankündigung des Dritten Reiches ausgereckinet das Gedicht H e in r i ch Heines von den beiden französischen Grenadieren, die au- dem Grabe steigen wollen, um ihren Kaiser Napoleon zu schützen! So, nun kann Wilhelm auf seine Grenadiere warten! Bestimmungen über das Volksbegehren."die Anträge auf A b- setzung des Berliner Polizeipräsidenten, �i« Anträge auf Aufhebung der Beamtem erlasse(die den Beamten" die Teilnahme an d-r Kommunistischen und Nationalsozia- listischen Partei verbieten) und die Anträge wegen der angeblichen Störung der Reichsgründungsgedenkfeiern in Frontfurt a. d. Oder zu Der Antrag wird mit den Stimmen der Regierungsparteien und teilweis« der Kommunisten abgelehnt. Nächste Sitzung Mittwoch mittag 12 Uhr. Beginn der zweiten Etatberatung: Landwirtschastsetat. Krick verhindert Rektorwahl. Dreister Eingriff in die LlniversftäiSwohlen. Zeno. 27. Januar. Die Neuwohl des Reklors der thüringischen Landesuniverfilät hat, wie die„Thüringer Allgemeine Zeitung" wissen will, zu«inen, Eingreifen Fricks geführt. Der Große Senat der Universität hall« mir 39 gegen 38 Stimmen bei einer Etimmenthallung in der Stichwahl den Dornten für Betriebswirts chaststehr«, Prof. Dr. Pap«, für das Rettoramt vorgesehen. Frick Hot gegen diese Wahl Einspruch erhoben und auf Grund eines ihm fatzungsgemäß zustehenden Einspruchsrechts Pape als„minder genehm" abgeiehnt. Die Wahl des Rektors soll nochmals, und zwar am 29. Januar, vorgenommen werden. Dieser Einspruch erfolgte, weil Pape früher Mitglied der Sozialdemokratischen Partei gewesen sein soll! Hinweis an den Staatsanwalt. Ein Erlaß über das tStaatsintereffe. Der preußische Justizminister Dr. S ch m i d t hat die Staats- anwaltfchaften wiederholt darauf hingewiesen, daß es im Staats- intereffe unerläßlich fei, die durch Wort, Druck oder Schrift gegen den Staat und feine Organe gerichteten Beleidigungen mtt dem ihrer Bedeutung für das öffentliche Leben entsprechenden Rachdruck und mtt größter Beschleunigung zu bekämpfen. Ein schleppender Gong der Versahren, so erklärt der Justiz- minister, verhindere den Beleidigten, die Unwahrheit der be- schimpfenden Aeuherung in der Oeffentlichkeit baldigst richtig zn stellen, ermögliche andererseits aber dem Beleidiger, oft lügenhafte und gehässige Verdächtigungen so nachhaltig zu wiederholen, daß die spätere gerichtliche Verurteilung des Beleidigers den durch die Ehr- Verletzung angerichteten Schaden nicht wieder gutmachen könne. Aus diesem Grunde müsse in Sonderheit dem häufig zu beobachtenden Sttebcn der Angeklagten, die Aburteilung zu ver- schleppen, mit Strenge und mit allen nach der gegenwärtigen Rechtsloge zu Gebote stehenden Wittel« entgegengetreten werden. Erforderlich sei auch, daß die Staatsanwattschost mtt Ernst und Nachdruck das Staat sinteresse in den Mittel- punkt ihrer Ausführungen stelle und in der Regeöentsprechend der von dem Täter an den Tag gelegten Niedrigkett der Gesinnung empfindliche Freiheitsstrafen in Aittrog bring«. Der Iustizminister weist weiter die Staatsanwaltschaften darauf bin, daß bei einfachen und klarliegenden Fällen im Internste beschleunigter Aburteilung die Frage zu prüfen sei. ob der Erlaß eines Strofbefshls in Frage komme. Llbgesehen von Fällen mit verwickelter Sachlage könnte in solchen Strafsachen auch im be- schleunigten Versahren Anklage erhoben werden. Sehr richtig! i nach Holland General v. Wächter schreibt:»Einem deutschen Kaiser hätte die Entente die Bedingungen von Eompiegne und Versailles nicht anzubieten gewagt.� Sie wäre auch zweifellos zu spät damit gekommen. Brest-Litowsk ohne Ende. Nach den Zühpern die presse. Warschau. 27. Januar. Wegen Verleumdung des Brester Untersuchung«- richters Temant wurde der verantwortliche Redakteur des sozialistischen„Robotnik". Stojanowski. zu sechs Monaten Gefängnis und SOU Zloty Geldstrafe verurteilt. Berufung ist eingelegt. * Der Untersuchungsrichter Demant ist ein Hauptschuldiger der Marterung der Oppositionsführer— nicht einer der meist blutjungen Offiziere oder der ungebildeten Gendarmen. die im Namen des Marschalls Pilsudski die Parlamentarier in scheußlichster Weise mißhandelten, sondern einer der Schurken höheren Ranges, die diese Schandtaten befahlen und geschehen ließen. Die Oppositionsxrcsse hatte diese Amtsführung des Untersuchungsrichters mit ferner früheren Tätigkeit für die bolschewistische Tscheka in Zusammenhang gebracht. In einem Lande, dessen Minister vor ihrem zu- sammengeschwindelten Parlament die Verbrechen von Brest als in voller Ordnung erklären und dafür den Beifall ihrer Mehrheit erhalten, muß logischerweise der opposstionelle Journalist, der gegen diese Schändung seines Landes und Volkes kämpft, ins Gefängnis. Oie Regierung wird auch weiter... Warschau, 27. Januar. Die gestern nachmittag begonnene Sejmsihung währte bis in die Morgenstunden des heutigen Tages. Auf der Tagesordnung stand die sogenannte Pazifizicrung Ostgaliziens und-die Affäre von B r e st- L i t o w f k. Selbstverständlich wurden in beiden Fällen die oppositionellen Antröge abgelehnt. In der Frage der„Pazifierung" wiederholten die Regierungs- Vertreter und der Berichterstatter, daß diese Aktion notwendig gewesen wäre, um Schlimmeres zu verhüten. Demgegenüber stellten der ukrainische und der s o z i a l i st i s ch e Redner fest, daß schon ein Zehntel der im ukrainischen Antrag enthaltenen Vorwürfe genüge, um für ihn zu stimmen. Im Interesse des künstigen Zu- s a m m e n l e b e n s der beiden Nationen, sagte der Sozialist Dubais, selbst ein ehemaliger Brester Häftling, müßten die Schuldigen bestraft werden. In der Brest-Litowsker Affäre hielt der Nationaldemokrat, Professor S t r o n s t i, eine große Anklage- rede, wobei er neue Einzelheiten der Behandlung der oppositionellen Politiker vorbrachte. Der Sozialist Njedzialkowsti unter- stützte den Antrag auf Bestrafung der Schuldigen und gab hierbei eine Beschreibung her. Mißhandlung seines Parteigenossen Lieber- mann. Nach längerer Ausfprache erklärte gegen Vit Uhr Ministerpräsident, Oberst S l a w e k, die Regierung werde auch in Zukunft der Methode» treu bleiben, dem Slaaic durch wenig kastspielige Mittel Ausstände zu ersparen. In dieser Debatte erklärte der Innenminister unter dem Ge» löchter der Zuhörer, daß ein Polizist, der während der Pa.zi- fiorung eine goldene Uhr gestohlen hatte, bereits bestraft worden sei. Um Viä Uhr morgens kam es zur Abstimmung. Der national- demokratische Antrag wurde mit 232 Stimmen des Regicrungsblocks gegen 150 Stimmen der Opposition abgelehnt. Der ehemalige Brester Gefangene Dubais machte hierauf einige Zwischenrufe, worauf er vom Marschall ausgeschlossen wurde. Die �o- zialssten oerließen zum Zeichen des Protestes den Saal. Gandhi will Weiler kämpfen. Forderung der Freilassung aller. Bombay. 27. Januar. Gandhi erklärte einem Pressevertreter, die Freilassung der indischen Kämpfer werde nur dann volle Wirkung ausüben können, wenn alle wegen„zivilen Ungehorsams" Verurteilten ebenfalls freigelassen würden. Selbst wenn die Männer des allindischen Kon- gresses glaubten, auf Grund der Erklärungen Mac- donalds ihre Mitarbeit zum Verfassungswerk anbieten zu dürfen, so werde man doch weder auf das Recht, Streikposten vor den Geschäften zu stellen, noch auf dasjenige, für Millionen Hungernde Salz herzu stellen, verzichten können. In Bombay wurde Gandhi von Hunderttausenden mit enthusiastischem llnbel begrüßt. Cr ist bei einem befreundeten Fabrikanten abgestiegen. Stunden- lang standen die Massen vor dem Haufe, bis Gandhi auf den Balkon trat und feine Anhänger aufforderte, ruhig nach Haufe zu gehen und sich ans Spinnrad zu setzen. In der Nacht zum Mittwoch reist Gandhi nach Alahabad, wo das allindische Komitee versammelt ist. Beschlüsse sind einstweilen nicht zu erwarten. Gandhi erklärt, et werde die Rückkehr der Delc- gierten der Londoner Konferenz und die Aussprache mit ihnen ab- warten, bevor Pläne über die künftige Politik gesaßt werden. Der Boykokt gegen die Gesehe wird sortgescht. In P a t n a kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und 10 000 Demonstranten. 5 Inder wurden getötet, ? Offiziere und 6 Polizisten verwundet. Der Bürgermeister von Kaltutta, B o s e, war am Sonnabend aus dem Gefängnis ent- lassen worden. Am Montag marschierte er bereits wieder an der Spitze einer Demonstration, die zum Boykott aufforderte. Er wurde verhaftet und wieder zu 6 Monaten Kerker ver- urteilt. Billigung der Indietipolitit. London, 27. Januar.(Eigenbericht.) Die Jndiendebatte im Unterhaus ergab, daß olle drei Parteien die Politik der Arbeiterregierung und die Beschlüsse der Londoner Konferenz billigen. Persönliche Ausnahmen machten der Liberale John Simon und der Konservative Chur- ch i l l, der wiederum eine heftige Anklagerede hielt, jedoch von dem konservativen Führer Baldwin energisch abgeschüttelt wurde. Nur die Rothermere-Blätter stehen hinter Churchill. Die gesamte übrige englische Presse lehnt ihn ab. Gewerkschafiskamps im Ltnierhaus. Bedrohte Einheit der Arbeiterpartei. London. 27. Januar.(Eigenbericht.) Die Forssetzung der Unterhausdebatte über die Regierpngs- vorlag« zur Veseiligunz des Batdwinfchen Antigewerkschaftsgesetzes hat am Dienstagnachmittag begonnen. Haus und Tribünen waren überfüllt, auch einige Mitglieder des Oberhauses hörten zu. Es hat den Anschein, daß der Regierung vondenLiberalen keine Gefahr droht, obgleich etwa 10 Liberale unter Führung »on Sir John Simon gegen das Gesetz stimmen wollen: der offiziell« Frattionsbschluß lautet auf Slimmenchaltung. Möglicherweise wird Lloyd George ebensoviel Mitglieder seines linke» Flügels für die Regierung abkommandieren als Recht« gegen sie stimmen werden. Di« Hauptredeschlacht ist am Mittwoch. Mit Spannung wird vor allein der Haltung der Unabhängigen Arbeiterpartei ent- gegenzesehen. Beachtenswert ist, daß ihr Mitglied Baugham am Dienstag aus ihr a u s g e t r e t« n ist mit der Begründung, sie füge durch ihre Disziplinlosigkeit der Arbeiterbewegung mehr Schaden zu als vor Jahren die Kommunisten. Gegen die in der kehlen Zeil innerhalb der Arbeiterpartei ver- übten Extratouren herrscht bei der Mehrheit größter Unwille. Dem hat jetzt der Abg. S c u r r. der in der vergangenen Woche gegen die Regierung beim Schulgesetz gestimmt hat, Rechnung tragen müssen. Er war im Beirat der Lobour-Fraltion und muhte jetzt diesen Posten niederlegen. Auch M o s l e y und seine Freunde baben eine scharfe Zurückweisung erhalten. Mosley hatte von der Fraktion die Einberufung einer allgemeinen Partei- konferenz verlangt, die über die Regierung wrgen der Arbeits- lofenfrag« zu Gericht sitzen sollt«. In der Fraktion stieß dieser Antrag vor allem auf den Widerstand Hendcrsons. Mit 97 gegen 13 Stimmen blieb Mosley in der Minderheit. Die Arbeits- losenstage wird jedoch nack» der zweiten Lesung des Gewerkschafts- gefetzss wieder auf die Tagesordnung sowohl der Fraktion der Labour-Party wie der des Parlaments gefetzt werden und wiederum zu heftigen Auseinandersetzungen führen. Labour-Krise in Australien. Sidney(Australien. 27. Januar.(Eigenbericht.) In der australischen Arbeiterpartei droht eine heftige Krise auszubrechen. Bor etwa 6 Monaten mußte- Finanzminister Theodore zurücktreten, da gegen ihn Korruptionsanklag« erhoben worden war. Inzwischen ist aus der Verhandlung vor einer gericht- lichen Untersuchungskommission hervorgegangen, daß die Anklagen gegen Theodore unberechtigt sind. Der Ministerpräsident der Arbeiterregierung Scullin hat deshalb durch einen Beschluß der Arbeiterfraktion des Parlaments Theodor« wiederum in sein früheres Amt einsetzen lassen. Handelsminister Fenton hat daraufhin seinen Rücktritt und seinen Austritt aus der Ar- beiterpartei erNärt, auch der Abg. G a b b ist aus der Arbeiterpartei ausgetreten.__ Oas Zürcher Aiieniat. Ein Verzweiflungsakt. Zürich, 27. Januar. Zu dem Anschlag auf den italienischen Generalkonsul in Zürich ist ergänzend zu melden, daß der Töter der 1898 in der Näh« von T r i e nt geborene Maurer Rino� B a s s i ist. Er hatte sich im Kriege, den er als österreichischer Soldat mitmachte, eine unhcil- bare Krankheit zugezogen und bewarb sich darum wiederholt beim Konsulat um eine M i l i t ä r r e t> t e. Als diese mit der Be- gründung abgelehnt wurde, daß die Krankheit mit dem Kriege nicht in ursädztichem Zusammenhang stehe, verlangte er«ine Unterstützung von hundert Franken. Ms ihm der Generalkonsul die ablehnende Antwort vorlas, geriet Basti so in Wut, daß er den Revolver zog und zwei Schüsse aus den Generalkonsul abfeuert«. Der eine Schuß drang in die Bauchhöhl«, der zweite ging durch die Hand und dann in die Lunge. Basti versuchte zu fliehen. koinNc aber aus der Straße mit Hilfe oou Passanten scstgenomen werden, nachdem er vorher zwei Konsulatsbeamte, die ihn stellen wollten, nieder- geschlagen hatte. Der Generalkonsul wurde im Kronkenhaus sofort operiert. Sein Zustand ist besorgniserregend. Wahlboykott in Spanien. Beschluß der Sozialisten. Madrid. 27. Januar.(Eigenbericht.) Die Instanzen der sozialistischen Partei von Madrid haben be- schlössen, die bevorstehenden Wahlen zu boykottieren: diese Wahlen seien nur eine Farce. Die sozialistische Partei in Madrid beabsichtigt, andere republikanische Organisationen zu dem gleichen Beschluß zu bewegen. Der Ministerrat hat beschlossen, den Belagerungszustand in ganz Spanien mit Ausnahme von Madrid und Saragossa aufzuheben. Die Zensur bleibt bestehen und geht'von den Militär- auf die Zivilbehörden über. Finnlands Präsidentenwahl. Stahlbergs Siegesaussicht. helsingfors, 27. Januar.(Eigenbericht.) Die endgültige Verteilung der Wahlmänner auf die Parteien'st: Sozialdemokraten 90, Agrorpartei 69, Svinhufvudiiste 61, Theater am Kurfiirstendamm. Bouröet„Oas schwache Geschlecht*. Das Theater a m K u r f ü r st e n d a m m, dos die Finan- ziers einige Jahre verschimmeln ließen, wurde wieder aufgefrischt und sehr feierlich erössnet. Man hat von den Logen die verrostete Silberbemalung abgeschabt und sie durch Goldbronze ersetzt. Aller- dings war nicht alles echtes Gold, was am Eröffnungsabend tünst- lerisch und gesellschaftlich gezeigt wurde. Ganz Berlin, dos immer noch Bankaktien, Elitemodistinnen und Kredit hat, war versammelt. Am Ausgang des Theaters bettelten die Armen, nicht sehr erfolg. reich, da die leichtgekleideten Domen und ihre diensteifrigen Kava- liere keine Zeit, und Luft hatten, sich in der feuchten Rochttust zu er- kälten,; M. H. Stahlbergs Wahlbund 52 und Schwedische Volkspartei 25 Mandat«. Wie schon oft stellt auch diesmal die Schwedenportei das Zünglein an der Waage dar. Sollte ein Teil der schwedischen Wahlmänner sich den Sozialdemokraten und der Fortschrtttsparrei anschließen, dann scheint Stahlbergs Kandidatur im zweiten Wahl- gang Erfolg zu oersprechen. Auch der jetzige Präsident R e l a n d c r wird als aussichtsreicher Kandidat genannt. Genf vor dem Ausschuß. EurtiuS will berichten. Der Auswärtige Ausschuß ist für Montag, den 2. Fe- bruar, 10 Uhr oormiitags, einberufen morden. Aus der Tagesord- nung steht die Besprechung der Genfer Tagung des Völkerbundsraies, über die Reichsaußenminister Dr. Curtius Bericht erstatten wird. Der Reichspräsident empfing gestern den Reichsaußenminister und nahm von ihm einen Bericht über die Tagung des Bölker- bundsrats entgegen. Die Memelfrage. Verhandlungen mit Kowno. Memel. 27. Januar. Entgegen den Versprechungen der litauischen Regierung auf volle Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Bürgerrechte bc- stehen Kriegszustand und Pressezensur unvermindert weiter. Zu Beginn der Londtagssitzung protestierte die Linke da- gegen in schärsster Form. Ein Antrag der litauischen Fraktion oer- langte die Bildung eines Sonderausschusses des Landtags, der mit Kowno die strittigen Fragen regeln solle, die Gegenstand der Landtogsbeschwerdc beim Bölkerbund sind. Es wurde beschlossen, in den Sonderausschuß je zwei Abgeordnete der Landwirtschafts» parte! und der Bolkspartei sowie je einen der Sozial de mo- kräten und der Litauer zu enssenden.» -i° Die Hinausschiebung der Memelberatung in Genf aus den Mai ist für die litauische Regierung sehr unangenehm: sie versuchte vergebens, Memel vom Programm zu entfernen— nun steht sie unter dem Druck der drohenden Mai-Beratung. Der aus Betreiben der Litauer eingesetzte Ausschuß des Memellandtags wird sich natür. lich durch bloße Versprechungen nicht zum Verzicht auf sein« Völker- bundbeschwerde verleiten lassen. Die garantierte Katastrophe. Llferloser Lohnabbau und Feierschichten. Essen, 27. Januar.(Eigenbericht.) Im Duisburger Rathaus wurde am Dienstagvormittag unier dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Ja r res darüber verhandelt, wie eine Stillegung der Hütte Ruhrort-Meiderich der Vereinigten Stahlwerke verhindert werden könne. Direktor der Vereinigten Stahlwerke Dr. Poensgen erläuterte näher die ,,A r b e t t s g a r a n t i e", die so zu verstehen sei, dah den Arbeltern im Falle der Annahme des Vorschlags der Werksleitung(Lohn- abbau von 20 Proz. des Narmaltariflohnes) für die Dauer von acht Monaten eine feste Arbeüsgarantie und nicht mehr als zehn Prozent Feierschichten zugesichert werden soll. Von freigewerkschafllicher Seite wurde entgegnet, dah bei einer solchen Regelung auch alle übrigen Konzerne schon allein aus Konkurren,;- gründen dasselbe verlangen würden und daß damit eine Erledi- aung des Tarifvertrages sehr geschickt eingefädelt sei. Des- halb mühten die freien Gewerkschaften den Plan ablehnen. Auch die übrigen Gewerkschaften, wie z. B. die Christen, die im vorigen Jahre bei dem Lohnabbau so erfolgreich Pate gestanden hattein oer- hieben sich ablehnend. Die Verhandlungen sollen am«o»n- obcndoormittog 10 Uhr weitergeführt werde». Aus dem Verlauf der Besprechungen war u. a. zu entnehmen, daß man auf Unlernehmerseite bei Ablauf des Tarifvertrages Ende September mit einem Lohnabbau von mindestens Iv Prozent rechnet. Oberbürgermeister Zarccs erklärte, dah der Lebensstandard um 20 bis 25 Proz. zu hoch liege. Er begründete fein Interesse on der Vermeidung einer Stillegung mit der Unmöglichkeit, weiter grohc Rtittel für den Wohlfahrtsetat der Stadt flüssig zu machen. Mit dem Lohnabbau von 7V6 Proz. in der rheinisch-west- sälischen Schwerindustrie fing Herr Steger wold feine groh« Aktion gegen die deutsche Wirtschaft an. Jetzt zeigen sich die Folgen. Die Vereinigten Stahlwerke haben ein Kapital von lV) Milliarden Mark zu verzinsen. Sie habe» riesige Werke aufgekauft und still- gelegt, um die Konkurrenz auszuschalten. Das dafür verpulverte Kapital verlangt aber Verzinsung. Trotz der skandalös übei höhten Jnlandpreise— vielmehr im Endeffekt als deren Folge— können aber die Zinslasten nicht mehr aufgebracht werden. Der Durch- schnittslohn, der etwa eine Mark betrögt, soll deshalb noch weiter gekürzt werden. Um 2 0 Prozent! Um soviel geht es noch Herrn Iarres den Arbeitern zu gut! Was aber, wenn auch der letzte Arbeiter als Käufer auf dem Warenmarkt der industriellen Fertigsabrikotc ausgeschaltet sein wird? Dann werden die Vereinigten Stahl- werke altes Eisen fein und können auf Abbruch verkaust werden. Wenn die Poensgen, Boegler und Genossen die wirk- lichen Selbstkosten senken wollen, dann sollen sie gefälligst ihre ganze Wirtschaftspolitik einer gründlichen Revision unterziehen — che es zu spät ist! Nationalisierung als Krisenursache. Genf, 27. Januar. Das international« Arbeitsamt veröffentlicht einen Bericht des soeben aus den Vereinigten Staaten zurückgetretenen stell- vertretenden Direktors des Arbeitsamtes, Butler, der in Amerika eingehende Verhandlungen mit dem Präsidenten H o o v e r, dem Staatssekretär S t i m s o n, den Behörden sowie den mahgebenden Wirtschastskreisen über die Ursache und die Behandlung der all- gemeinen Wirtschaftskrise, insbesondere der Arbeitslosen- frage geführt hat. Aus dem Bericht geht hervor, daß die amerikanische Regierung entschlossen sei, die Wirtschaftskrise als eine international« Erscheinung gemeinsam mit allen übrigen Regierungen zu be- kämpfen und hierbei entscheidenden Wert aus die Mitwirkung des internationalen Arbeitsamtes leg«. Die Welrwirtschastskrise habe die Vereinigten Staaten besonders hart getroffen. Die Zahl der Arbeits- losen betrage dort zur Zeit fünf Millionen Die außerordentlich beschleunigte Entwicklung der industriellen Technik bilde in Amerika eine der wesentlichsten Ursachen der Arbeitslosigkeit. Di« wachsende Einschränkung der Nachfrage nach Arbeit führe un- vermeidlich zu einer Einschränkung der Einwanderung, die wiederum nicht ohne Rückwirkungen auf die Länder bleiben könne, deren Aus- Wanderung sich hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten richte. Eine allgemeine Bewegung zur Senkung der Ar- b e i t s l ö h n e habe in den Vereinigten Staaten noch nicht ein- gesetzt. Die allgemeine Arbeitslosigkeit habe in den letzten Jahren eine Senkung der Gesamtsumme der Arbeits- löhne um neun Milliarden Dollar zur Folge gehabt. Hierdurch sei eine wesentliche Einschränkung der Kauf- krast für Luxus- und Hondelsluxusartikel festzustellen. Die amerikanische Regierung sei angesichts der außerordentlichen Notlage entschlossen, das Problem der Sozialversicherung in Angriff zu nehmen und insbesondere eine allgemeine Arbeits- losenversicherung zu schaffen. Sie sei sich jedoch bewußt, daß die dringenden wirtschofllichen Fragen niemals von einer einzelnen Regierung gelöst werden könnten und daß nur durch Zusammen- arbeit aller von der Weltwirtschaftskrise betroffenen Staaten die allgemein« Krise behoben werden könne. Arbeiislosigkeii und Löhne. Genf, 27. Januar. Die Beziehungen zwischen Rationalisierung und Arbeitslosigkeit werden in einer Denkschrift geschildert, die da» International« Arbeitsamt für die heute in Angriff genommenen Arbeiten der Sachverständigen vorbereitet hat. Die Denkschrift will den Nachweis führen, daß die fortschreitende Mechanisierung im industriellen Arbeitsprozeß im allgemeinen — zum mindesten vorübergehend— ein Anwachsen der Arbeitslosigkeit im Gefolge haben. Als Beispiel werden die Vereinigten Staaten und Deutschland angeführt, wo die Rationatisicrungen am meisten fortgeschritten seien. In einem einzigen Arbeitsbezi< in Sachsen hätten im Jahre 1929 injolge der technischen Verbesserungen des Betriebes 12 090 Arbeiter ihre Stellen verloren. Ein« zweite Dcittschrift beschästigt sich mit den Beziehungen zwischen Lohn und Arbeitslosigkeit. Der Verfasser dieser Studie, der Oxfordcr Prosesior Dole, hält die Auffassung für un- richtig, daß die Arbeitslosigkeit zum großen Teil eine Folge der hohen Lohnforderungen je». Di« gegenwärtig« Krise sei darauf zurückzuführen, daß der Verbrauch nicht gleiche» Schritt l)allc mit der P r o d u k t i o n. Die Forderung nach niedrigeren Löhnen ergebe sich aus einem schlecht verstaichenen wirtschaftlichen Nationalismus, der darauf spekuliere, durch Herabsetzung der Produttionskosten ein Uebergewicht über die Konkurrenz in anderen Ländern zu gewinnen. Diese Spekulation gel)« fehl, da die Konkurrenz dann meist zu den gleichen Mitteln greife. Im übrigen hätten Lohnsenkungen auch ungünstig« Folgen für den I n n e n m a r k t. Bei der Neichsposi geht es! Llnd bei der Reichsbahn? Wie von der Reichspost mitgeteilt wird, ist diese, abgesehen von dem im Sommer 1930 vorgelegten zusätzlichen Arbeitsbefchaffungs- Programm in Höhe von 200 Millionen Mark auch in ihren eigenen Betrieben bemüht geblieben, zur Besserung der Zlrbeitsmarktlage beizutragen. Durch Einschränkung fach- l i ch e r Ausgaben hat sie beispielsweise rund 2000 Tele- graphenarbeiter, die der Verkehrslage entsprechend hätten entlassen werden müssen, bisher durchgehalten. Ferner konnten durch verlangsamtes Tempo bei der Ratio- n a l i s i e r u n g des Fernfprechbetriebes Hunderte von Helferinnen, sowie durch Zurückhaltung in der Einrichtung von Landpostkraftlinicn, in der Beschassung von Buchungs- Maschinen im Postscheckverkehr und dergl., ebenfalls sehr viele Arbeitskräfte in ihren Stellungen belassen wer- den. Der Weihnachts- und Neujahrsverkehr 1930/31 ist ferner so lebhaft gewesen, daß Hilfskräfte angenommen werden i mußten. Die zu diesen Zeiten sonst üblichen Ueber stunden der � Beamtenschast sind abgestellt und die ersparten Beträge gleichfalls zur Einstellung van Lohnarbeitern ver- wandt worden. Die Deutsche Reichspost war dadurch in der Lage, rund 23000 Erwerbslose, wenn auch zunächst nur vorübergehend, einzustellen. Endlich wurde angeordnet, daß der Erholungsurlaub für das Rechmrngsjahr 1931 schon im Januar beginnen soll. Auch dadurch wird es möglich sein, einige tausend Arbeitskräste zu beschäftigen. Bei der Reichspost geht es also. Und bei der Reichsbahn? II. A. w. g. Aufgeflogene Gchlichterkammer Llnerträgliche Zumutung. Leipzig. 27. Januar.(Eigenbericht.) Nachdem in der sächsischen und mitteldeutschen MeiaUinduslrie die Löhne geregelt sind, konnte man annehmen, dah die siir Leipzig oock) ausstehende Regelung sich reibungslos vollziehen werde. In der Schlichlerkammer machte aber beute der Vorsitzende einen derartigen Vorschlag— dem die Unternehmer natürlich sofort zustimmten— daß die Arbeitervertreter unter Protest das veratungs�immer verließen. Sie wollten auch nicht indirekt zu dein Zustandekommen eines Schiedsspruckies beitragen. der erheblich über den Rahmen der Lohnsenkung in Sachsen und Rlilleldeulschlaod hinausgeht und für Leipzig einen un- erträglichen Zu st and schassen würde. Die Sitzung mußle aus Sonnabend vertagt werden. Handelsarbeiier lehnen ab. Aranchenleitung erhält Vollmacht. Mit dem Lohnabbauschiedsspruch im Berliner Einzelhandel be- schaftigte sich gestern abend im Gewerkschastshaus eine stark besuchte Versammlung der im Gesamt-Verband organisierten Handelsarbeiier. Der Schiedsspruch steht, wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, in zwei Etappen«inen Lohnabbau von insgesamt 5% Proz. vor. Der Branchenlciter, Genosse Pollmeier, schilderte kurz den Verlauf der Schtichtungsverhandluiigen und gab dann den Beschluß der Funktionäre der Branche bekannt, der Volloersammlung die A b- l e h n u n g dieses Schiedsspruches zu empfehlen. Die Versammlung lehnte es. ab, über den Schiedsspruch lange zu diskutieren. Er wurde in geheimer Abstimmung gegen nur 18 Stimmen abge- lehnt. Die Stellungnahme der Unternehmer zu diesem Schiedsspruch. für den die Erklörungsfrist bis zum 31. Januar läuft, steht noch aus. Die Bronchenleitung erhielt den Austrag, nochnials mit den Unter- nehmern zu verhandeln und auf Grund des Ergebnisses dieser Ver- Handlungen die Schritte zu unternehmen, die sie sür notwendig hält. Zum Schluß warnte Genosse Pollmeier die Handelsarbeiter davor, in den Betrieben Reverse zu unterschreiben, in denen die Zustimmung zur Lohnkürzung verlangt wird. In allen derartigen Fällen muß sofort die Organisationsleitung benachrichtigt werden. Nicht nur Abbau, Oemolierung der Löhne! So kurbeln die Mörtelfirmen die Wirtschast an. Die drei Berliner Mörtelfirmen„Vereinigte Berliner Mörtelwerkc",„Gebrüder Tobbert" und„Gustav Weidmann" sind anscheinend aus der Fuhrherreuinnung nur deshalb ausgetreten, um die Innung im Lohnabbau noch übertrumpfen zu können. Die drei zu einer Tarijgemeinsckzaft zusammengeschlossenen Firmen verlangen gleich 20 Proz. Loh na b b a u. Am Montag ist über den Neuabschlutz eines Lohn- und Mantel- tarifvertrages für die rund 300 Arbeiter dieser Finnen zum zweiten Mal« vor dem Schlichtungsausschuß verhandelt worden. Die Ver- treter der Firmen bestanden auf ihrer Forderung, deren Erfüllung z. B. für die Arbeiter in ihren Betrieben einen Abbau der Löhn« um etwa 20 Pf. pro Stunde bedeuten würde. Der Wnchenlohn, den die Unternehmer jetzt in Stundenlohn umgewandelt haben wollen, beträgt zur Zeit 63,50 M., ei» sür die jcbmutzige, schwere und gesundheitsschädigende Arbeit gewiß nicht zu hoher Verdienst. Dir Firmen verlangen aber weiter eine erhebliche Der- schlechterung der Arbeitsbedingungen. Sie wollen z. B. die bisher tariflich vereinbarte Arbeitszeit von täglich 8 Stunden in eine 48stünÖige Wochenarbeitszeit abändern, um so, wenn es die Betriebsverhältnisse erfordern, die Möglichkeit zu Kaden, a» einem Tage 12 Stunden, an einem anderen Tage dafür 4 Stunden arbeiten zu lassen. Weiler verlangen sie ein« Verschlechterung der bisherigen Urlaubsbestimmungen, der Abmachungen über den § 616 BGB., der die Bezahlung bei Krankheit regelt usw. Ein Schiedsspruch kam nicht zustande, da der Versitzende für seine V«" schlage eine Mehrlzeit nicht fand. Es fft damit zu rechnen, daß die Vollversammlung der Arbeiter dieser Betrieb« am Donnerstag für Freitag früh den Streik be- schließen wird, zumal die Empörung der Arbeiter noch dadurch gesteigert worden ist, daß die Firmen von sich aus ob 15. Januar Lohnkürzungen vorgenommen haben, die teilweise wehr als 20 Proz. betrogen. Ein Streik in diesen drei ausschlaggebenden Berliner Mörtelsirmen würde das Berliner Baugewerbe stark in Mitleidenschaft ziehen, da die wenigen noch beschäftigten Bau- arbeiter infolge der Einstellung der Mörtelzufuhr«benfnlls zum Feiern gezwungen werden würden. Tariflohn muß gezahlt werden. Verzichtserttärunq ist rechtsungültig. Die Kläger waren bei dem Berliner Fuhrunternehmer G u t s ch c als Kutscher beschäftigt und wurden unter Tarif ent- lohnt. Beim Empfang des Lohnes haben sie jedesmal mit der Erklärung quittiert, daß sie keinerlei Ansprüche vi c h r aus dem Arbeitsverhältnis hätten und völlig abgesundcn seien. Sie verlangen gleichwohl Nachzahlung des Unterschiedes zwischen dem empfangenen Lohn und dem Tarislohn, weil der maß- gebende Tarifvertrag bestimmt, daß ein Verzicht auf torismößige Entlohnung in irgendeiner Form(Ausgleichszahlung oder Erlaß) rechtsunwirksom sei. Die Beklagte führt aus: Der Ausschluß des Verzichts durch die Tarisbestiminungen widersprechen dem» Grundsatz des Vertrags und Verfügungspslicht. Es könne niemand untersagt werden, ein ihm zustehendes, bereits erworbenes Recht ouizugeben. Die Kläger und ihre Organisation erklären: Die Toris- bestimmung habe normativen Charakter und sei infolgedessen u n- abdingbar verbindlich. Im übrigen sei auch allgemein ein Verzicht auf den Tariflohn eine Umgehung der Bestimmungen der 8Z 1 und 2 der Tarifvertrogsordnung. Durch die Allgsmein- verbindlichkeit des Tarisoertrages sei ein staaUich gesetzlich, nicht vereinbartes objektives Recht geschaffen worden. Noch dem Willen der Tarisoertrogsparteicn habe die Fassung der Tarifbestimmung den unlauteren Wettbewerb ausschließen wollen. Das Landes- arbeitsgericht in Berlin hat für die Kläger entschieden. Gegen dieses Urteil wurde van dem Beklagten sowie auch vom Unternehmeroerband Revision eingelegt, um in dieser Streitsragc eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen. Das Reichsarbeitsgericht kam ober zur Verwerfung der Revision und legte dem Beklagten die Kosten des Rechtsstreits auf. Ein aufgelegter Schwindel. Durch die k o m m u n i st i s ch e Presse lief' in den letzten Tagen eine Notiz, wonach der Zentrolvcrband der Zimmerer eine Reihe Homburger Großunternehmer um Ueber- mittlung größerer Beträge an die Verbandskasse ersucht habe, weil er nicht mehr in der Lage sei, seine Mitglieder zu unterstützen. Bei dieser Meldung handelt es sich um ciucn faustdicken Schwindel.(Oder liegt vielleicht eine Verwechslung vor? Handelt es sich um das koimnunistische Splittervcrbändchcn Rep schlägers?) Der Zweck dieser Schwiirdelnieldung ist nur allzu durch sichtig. Es soll auch unter den Zimmerern für die NGO. Stimmung gemacht werden. Die Kasscnverhältnisse des Zimmererverbanhes find gesund. Der Verband verfügt über einen K a m p f f o n d o von rund sieben Millionen Mark. Er hat nicht nötig, nach kommunistischem Muster bei den Unternehmern zu schnorren. Achtung. Rauarbeiler! Die Sperre über die Firma Christian G i t t, Baustelle Lichtenrade, Wittelsbacher Straße, ist hiermit auf- gehoben. Di« tariflichen Bedingungen sind erfüllt. Baugewerkschaft Berlin. Fachgruppe Stuck- und Gipsbou. g Achtum,. SopejTett! Bollvcrsammluna sämtlicher Tapezierer, ff- W brauchen am Tonner-iaa, A». Januar. 20 Uhr, im Scwcrkschaftshaus. E■ W 60. 16, Enaelufer 24—25, Saal 4. Wichtiae Taaesordnu»,,. W Die Derwaltuua. l l M BVG. Alle Zraktionsvorflönd« sorflen für Abholuna der Handzettel r- für die demnächst stattfindend« aroste V«leasä>a0slundaeb»na. Da. Ketriebafetretariat. �reie Gewerkschafts-Luqend Berlin Heute, IS'e Uhr, taiun die chruppen: Baumfchnlei-wea: guaendheim Ernstitr. 16. Vortraa:»ibewertschafte» im Ausland". 1. Kortschung: ..Eitaland".— Reutülln: Grupv.'nheim Berastr. 29„Die iZahnen- toeih« u. a." von Ludwia Thema.- Südwestens Städtisches Zuaendheim Porä- strohe u fgabrilaehäudsf. Bortrag! Internationale iSemcrlfchaftsbcmeauna. „Deutschland."— IZlMlhafe»: Iuaenhheii» Nculölln. Tluaka-cnstr. 6S. Vagabunden im Spicacl des Humors.— Wecheuse«! Iuaendheim Varkstr.,Z6. Zehn- Minuten-Reicrate.— Nordetua: Iuaendhcim Sonnenburaer Str. 29.„Berlin, wir es weint und lacht."— Schönebera: Jugendheim Hauptstr. 15. Vortrag: ...Zehn Jahre Schuhpoluci".— Humboldt! Jugendheim Graun- Erk« Lortting- strafte. Ltchtdildcrroelrag:..lsichrelgebirge".— vstlrei,: 19'i Uhr Angend, lursus.'.Historischer Materialismus" im Augendhrim Lichteuberg, Dossestr. 22. — Augcndqruope de» Geiamtuerba» de« I Gciamiveranstaltnng um 1S>.. Uhr in, Jugendheim Gewerkschastshaus, Engeluier 24—25. Lichtbildervortrag:„Winter in Tirol". Aufterdem Zsilm:„Gefahren der Berge". Referent: Genosse Leo Tomschiit. Wien. @Zuoendorupve desZelitroiverbande« der Anaesteilten Heute sind folgend« Veranstaltungen: Gesundbruauea: Augendheim Willdenowstr. 5. Arbeitsgemeinschaft:„Sinfiibrung in die sozialistische Gedankenwelt". Leiter: Wilbelm Lewinsti.— zieinickenborf: Jugendheim Lin- dauer Str. 2 l Baracke). Ausspracheabend:„Was ist Gemeinschast?"— Eh-r. lotteabueq: Augendhewi Boiinenstr. 4. Besprechuiu, unserer Werlxfeier im April.— Sch-nebeia: Augen dhe im Hauptstr. 15 lSokqebäud«. Sachfenzimmer). Barrrag:„Land und Leute in Amerika". Neferent: Zrih Beigelt.— Schönhauser Vorstadt: Auaendheim der Schule stastgnienallec 81.„Verflossene Herrlichkeiten." Leiter: Hans Beldner.— Oberfpre«: zUederfchönewetd«, Berliner Str..41 lSchulc). Eingana Hasselwerderstrafte. Wir üben Stegreisspiele.— Rordoft: Augendheim Donziger Str. 62 lBaraele-!). Tagespolitische Nundschou.— Stralau: Augendhcim der Schule Goftlerstr. 61. Arbeits« cmeinschaft:„Siii. sührung in die sozioliftischc Gedankenwelt". Zlescrent: Otto Lamm.— Ren. tölla: Angendheim Böhmische Str. 1— t. Eck« Nanner Strafte.„Burschen und Mädel in der Augendbeweanng." Referent: Trift Weiaelt.— Südost: Jugend- heim Wrangelstr. 128..Jede Wanderfahrt rniift ein Erlebnis fein." Referent: Trift«ubik.— Spandan: Jugendheim Lindeuufrr 1. Bortrag:„zwischen Himmel und Erde". Erlebnis eines Piloten. iRefercnt: Paul Liebig.— Pol«. dam-Rowawe»: Jugendherberge Rowawes. Prusterstrafte. Tanz- und Spiel- abend.— Köpenick: Anaendheim Dahlwifter S:r. 15 lGasanstall, am Bahnhof Köpenick). Vortrag:„Heinrich ZZille und ftütc Aollwift, zwei Künstler des ar- bettenden Voltes". Reserent: Georg Seilbrunn.— Karten zum Augendkarneval am 8. Aebruar find im Zugendfekr-tariat zu hoben. Berantwortlich für Polilik, Dr. Eurt Geyee: Wirtschaft: G. Alingelhäfer! Sewerkkchastsbewegung: I. Steiner: jZeutlleton: K. H. Döschre: Lokale» und Sonstiges: Arft Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: iämllich in Verlin. Verlag: Borwäris-Berlag G m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstall Paul Singer u. Eo.. Berlin SW 68. Lindcnstrafte 8. Hierzu 2 Beilagen., bchitot w Grippe 1 tei Husten„ � HeiserReji�t _ �und allen ErKranKuni der Atmungsorgane (kidos« fealfechaft mAH. Berta Il5t «.belebt Ar. 45» 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 28. Januar 4934 Berlin hat schwer zu kämpfen. Auf dem Wede zur Gesundung/ Durdigreilende Maßnahmen nodvendlg. In der letzten Sitzung des Haus Haltsausschusses der Stadtucrardnctcnversaminlung hat der Bürgermeister aus- sührlich zu der Finanzlage Berlins Stellung genommen. Es sei bekannt, daß die Finanzlage, und daher auch die Kassenlage, schwierig seien, daß aber trotz dev Schwierig- leiten im Lause des letzten Jahres es immer noch gelungen sei, allen Verpflichtungen aufs pünktlichste gerecht zu werden. Die schwebende Schuld der Stadt betrage nach den letzten Monatszusammcnstellungen rund 620 Millionen Reichs- inark. Die Schuld selbst gliedere sich in Verbindlichkeiten gegen- über den öffentlichen Banken, privaten Banken und sogenannter innerer Schuld, d. h. gegenüber Berpflich- tungen an Fonds und dergleichen. Drückend seien die Schulden an die Privaten. Sic würden, wenn überhaupt, dann nur auf kurze Zeit prolongiert, kehren daher mit ihrer Fälligkeit immer in einem Turnus wieder und verursachten Sorgen, Mühe und Unruhe in der Verwaltung und auf dem Finanz- markt. Im Laufe der nächsten K Monate seien rund 170 Mil- lionen derartiger Beträge fällig, wozu noch das von der Danat-Bank für Zwecke der Berliner Verkehrsgesell- schaft hergegebene Darlehn in Höhe von zur Zeit rund 150 Millionen Reichsmark trete, d. h. in Summa 320 Millionen, die in oben genannter Gesamtsumme von 620 Millionen Reichsmark enthalten sind. Während die rechtzeitige Eindeckung mit Kapital für die Fälligkeiten im Laufe der letzten 1!� Jahre, wenn auch mit Schwierigkeiten, immer gelungen sei, habe sie im vergangenen Dezember die allergrößte Mühe bereitet und bereite dieselbe Arbeit im Januar. Das hänge mit der allgemeinen Situation der Arbeitslosigkeit, ferner der allgemeinen Wirtschafts- und Finanznot zusammen. Letztere sei ganz be- sonders durch die seil dem herbst des vergangenen Jahres be- kannten Rückziehungcn ausländischer Kredite(die Berliner Bevölkerung mag sich auch hierfür bei den Razis bedanken. Red. des„TS."), dann aber auch durch die Kapitalflucht des Vorjahres und die im Januar d. I. erneut einsetzende Kapitalflucht ver- schärft worden. Die Banken könnten sich nach ihrer Erklärung nicht weiter neu engagieren: daher könne man in der bis- herigsn Weise kein weiteres Kapital erHollen. Der Dezemberbedarf fei durch einen kurzfristigen Kredit des Banktonsortiums von 23 Millionen und einen von der P re a g auf den geplanten Verkauf der Deutschen Gas-Aktien der Stadt gewährten Vorschuß von 25 Millionen gedeckt worden. Die einzige Möglichkeit sich weiteres Kapital zu beschaffen, sei ein Konsortialgeschäft der Stadt mit der öffentlichen Hand oder deren Gesellschaften, wobei der Stadt nach einem gewissen Zeitraum das R ü ck t r i t t s r e ch t von diesem Kon- jortialgeschäft vorbehalten bleibe. Auf diese Weise werde man auch mehr Ruhe bekommen, die ewigen Ultimosorgen lo» werden und seine Arbeit auf andere wichtige Fragen konzentrieren können. Bei diesen Ge- dankengängen habe sich der Magistrat auch von der An- schauung leiten lassen, daß die ganze wirtschaslliche Entwicklung auf dem Gebiete der Gas- und Elektrizitätsverforgung nach einer Konzentration dränge (siehe hierzu unsere Ausführungen im Wirtschaststeil) und vielleicht in nicht ollzuferncr Zeit die gesamte Versorgung auf diesem Gebiete in Deutschland und sogar über Deutschland hinaus innerlich miteinander zum mindesten verflochten sein würde. Dann würde es für ein großes Konsumgebiet sogar direkt finanziell schädlich sein, als Außenseiter abseits stehen zu wollen, weil dann die Ertragsfähigkeit der Werke nicht in gleichem Maße, wie in Konzentration zusammen- gefaßt, gesteigert werden könne. Es mußten jetzt durchgreifende Maßnahmen zur S t a b i l i s i e r u n g getroffen werden, um die A r b e i t s- k r a f t der Stadt zu erhalten, um endlich mehr Ruhe auf dem Finanzgebiet zu schaffen und Ordnung in das Gebiet der schwebeirden Schulden und letzten Endes des Haushalts zu bringen. Wenn diese Aufgabe auch sehr schwer sei, sie werde bei gemeinsamer Arbeit der städtischen Körperschaften ge- ringen, wobei man sich aber klar sein müsse, daß nach wie vor, auch selbst nach dem Gelingen der geplanten Finanztrans- aktion allergrößte Sparsamkeit notwendig wäre. Nazi und Polizei. Milde Llrteile gegen„Ameise*-Stommgafle. Das Nazistamnllckal mit dem schönen? crimen„A m e i s e" ist in den Annaleu der Moabiter Genchtschromk bereits mit blutige n "B üchst a b en—verze ichnet: es war der Äusganqspunkt der.Erinor- dung des Aciwngshändlcrs Heimbürger. Die„Ameise" hätte beinahe am 16. November während des Propagaudanmzuges der Schöne- tcrgcr Soziatdeinokratcu und des Reichsbanners ihre traurige Be- nihmtheit neu bestätigt.» Als nämlich der Zug an der„Ameise" vorbeimarschierte, kam er zwischen den Nationalsozialisten, die sich im Vorgarten zu ihrem Stammlokal eingesunden hatten, und der SA.-Iugcnd sowie den Rcichsbanncrleuten zu einem Wortwechsel, der leicht in Tätlichkeiten holte ausarten können. Dl« Polizei forderte die Gesellen auf, sich in ihr Lokal zurückzuziehen� Diese dachten aber gar nicht daran. der Aussonderung Folge zu leisten: der Sturrnsührer Walch er Härte oielinehr, es fei ihr Garten, da hätte die Polizei nichts zu sagen. Es wurden aus dem Lokal zwei Biergläscr geworfen, so daß schließlich die P o l i z« i k n ü p p e l in Aktion treten mußten. Bier der Nationalsozialisten, die sich besonders aggressiv benommen hatten, wurden zwangsgestellt, darunier der Sturrnsührer Walch. der Notstandsarbeiter Schubert, der einem Beamten das Bein zu stellen versuchte, der Lehrling Getschmann, der gegen die Polizeibeamten seinen Arm mit der Koppel in der Hand gehoben halle, und der Lehrling Hink fuß. Der Staatsanwall beantragte gegen Walch 100 M. Geldstrafe, gegen Hinkfuß 50 M., gegen Schubert einen. Wanat- Gesängnis und gegen. Getschmann �füns Wockien Gefängnis. Das Gericht sprach Walch, Getschmann und Hinksuß srci und verurteilte Schubert nur zu 50 M. Geldstrafe. In der Urteilsbegründung wurde ausdrücklich die Zweckmäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen anerkannt. Das Aorgchcn der Polizei war also im Interesse der Ausrechtcrhaltung von Ruhe und Ordnung nnd Bermcidung blutiger Zusammenstöße auch nach Ansicht des Gerichtes vollkommen pflichtgemäß. Da wäre es doch wohl die Ausgabe eines republikanischen Ge- richtshoses gewesen, den jungen Burschen durch ein schärferes S t r a s m a ß klarzumachen, daß den Anordnungen der Polizei- beamten unter allen U in st ä n d e n in jeder Situation Folge zu leisten ist. Es wäre noch schöner, wenn sich jeder D r e i k ä s c- hoch von Hitlers Gnaden berufen fühlen könnte, die Maßnahmen der Schupo erst lrilisch unter die Lupe zu nehmen, ehe er sich ihnen huldvoll unterwirft. Der erste Schuß war tödlich. Obduktion der deiche des ermordeten Chauffeurs. In der Friedhosshalle in Ferch wurde am Dienslog- nachmillag die Leiche des erschossenen Taxichausfeurs Fritz P o n i ck obduziert. Die Sektion wurde van den zuständigen Kreisärzten Dr. Geißler und Dr. Kramer in Gegenwart des Amtsrichters von Werder und des Berliner Sachverständigen Prof. Brüning sowie der Berliner Mord- kommission vorgenommen. Der Befund ergab, daß von den vier abgefeuerten Schüssen zum mindesten zwei den Chaufscur schwer getroffen haben. Der e r st e Schuß ging, wie schon beim Ausfinden der Leiche festgestellt werden konnte, in das Genick und trat am linken Ohr wieder heraus. Er hat unzweifelhaft tödlich gewirt:. Die zweite Kugel drang in das rechte Schullcrblatt ein und blieb im Körper stecken, ein dritter Schuß hat den Fahrer an der linken Halsseite unterhalb des Ohres noch gestreift. Alle drei Schüsse sind durch die Trennungsscheibe hindurch auf den am Steuer sitzenden Mann abgegeben worden. Di« Polizeistreifen in Dahlem, Steglitz, Lankwitz und den an- grenzenden Vororten haben eine genau« Beschreibung jener Opel- Limousine von der Wiesenbaude erhalten, deren Fahrer sich merk- würdigerwcise immer noch nicht gemeldet hat. Diesen Mann und seinen Wagen hat man noch nicht gesunden. � Von der Lawine begraben? Die Suche nach den Skiläufern. Innsbruck. 27. Januar. Eine von IIa vis abgegangene Rettungsexpcdition stellte fest, daß«in im Gebirge mil Holzorbeilen beschäsligter Bauer am 23. d. IN. die drei vermißten rcichsdeutschcn Studenten der Jnns- b rucker Universitäk im Ausstieg gegen die Schoberspihe gcsehen hol. Sie wollten vcrmullich über das klammjöchl und die Lizumhülte ins Wallenlal gelangen. Die Expedition stellie serner von der ßlammalpe aus fest, daß von der Schoberspihe drei Lawinen abgegangen find, deren größte eine Breite von über 300 Metern und eine Tiefe von 6 Metern Halle. Man vermutet, daß die drei Studeulen unter dieser Lawine begraben liegen. Die Rettungsarbeilen sind durch andauernden Schneefall und große Lawinengefahr sehr behindert. Nobiles Netter abgestürzt. Stockholm, 27. Januar. Der bekannte englische Fliegerossizier hauplmaun Lundborg, der Kelter van Nobile, ist am Dienstag in der Nähe von Lind- köping mit seiner Maschine abgestürzt. Lundborg wurde so schwer verletzt, daß er nach einigen Stunden seinen Bcr- lehungen erlog. Er hat nur ein Alter von 34 Zahreu erreicht. Explosion in einer Schlosserei. In der Schlosserei von Schwarzwäldcr in der Feurig straße 28/29 explodierte gestern nachmittag ein durch Gas geheizter Trockenofen. Der Lehrling Erich Schulz, der in der Nähe des Apparates beschäftigt war, erlitt durch umher fliegende Mctallteile eine erhebliche Arm Verletzung, sa daß er von der Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Durch den Luftdruck wurde eine Wand«ingedrückt: zahlreiche Fenster- scheiden gingen in Trümmer. Sprechchor sür proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 29. Februar, abends TA Uhr, Uebungsstunde im Gesangsjaal der Sophicn-Schulc, Weinm«isterstr. 16/17. Wenn sie in ihren elenden, klapprigen Karren ouf� den Hof gefahren kamen, um bei der Ausgabestelle die Halb- sabrikate abzuholen oder bei Expedienten die sertiggestcillen Stücke abzuliefern, konnte sich Franz eines verächtlichen Lächelns nicht erwehren. Diese kleinen Schlucker waren seine besten Ausbeutungs- objekte./ Sie schufteten nicht nur einen Achtstundentag, wie die Gesellen in der Fabrik, sondern auch darüber hinaus bis zu zehn, zwölf, vierzehn Stunden! Sie stellten ihm die Arbeit weit billiger her, als es sein auf Bruchteile von Pfennigen abgestimmtes Fabriksystcm konnte. Franz spielte mit ihnen wie die Katze mit der Maus. Er diktierte die Preise, die er zahlen wollte. Einen be- nutzte er zum Henker des andern. Schließlich hotte er sie ß) weit, daß sie um ein volles Drittel billiger lieferten als seine eigenen. Fobrikselbstkosten waren. Mit den schriftlichen Unterlagen in der Hand lief dann Franz zu seinem Vater und bewies ihm, wie teuer der eigene Betrieb arbeitete. Da war es ja schlauer, die Bude zuzumachen und die gesamte Arbeit auszugeben. Dieser Zermürbungstaktik war Ludwig auf die Dauer nicht gewachsen. So gab er schließlich dem Drängen seines Sohnes nach und wies Sandow an, die Akkordsätze der Ge- sellen zu reduzieren und sie auf die Basis der Kleinmeiftcr- preise umzustellen. Die Gesellen hatten schon längst erkannt, daß die kleinen Krauter und Zwergunternehmer ihre ärgsten Schädlinge waren. Aber es gab kein Mittel für sie, der Bande beizu- kommen. Streik? Wohl schlugen einige vor, durch Arbeitsniederlegung eine Abwendung der dauernden Verschlechterungen zu erstreben. Doch das schien eine bedenkliche Sache. Denn wie die Arbeits- läge nun schon seit Iahren in der Möbelindustrie war... der große Ueberschuß an einschlägigen Kräften auf den Be- russnachweisen... da war es wohl besser, noch zu warten und eine geeignetere Zeit abzuwarten... * Seit Sandow van Ludwig die Anweisung erhalten hotte, die Spitzensätze zu drücken, schien glattwegs wieder der Teufel in ihn gefahren zu sein. Er wurde unerträglich Fett wie die Kreuzspinne, die Mörderin, in der Mitte des Netzes, saß er in seinem Glaskasten, dirigierte von hier aus die Säle und hatte seine Augen überall. Er sah den bittern Arbeitsschweiß von den Stirnen der Gesellen rinnen, sah, wie sie sich in den letzten Nachmittags- stunden, wenn es auf Arbeitsschluß zuging, in ihren letzten Kräften verzehrten und donnerte doch im Feldwebelton, wenn bei irgendeiner Stückarbeit die Kalkulationszeit auch nur um ein paar Miüuten überschritten worden war. Durch sein dicken, fleischigen Hände slogen täglich Hun- derte von Minutenarbeitszetteln: er kannte die zur Fertig- stellung vorgeschriebenen Zeiten bis auf die Sekunde, wußte sie sogar auswendig und beutete das aus. War einmal ein armer Schächer unter den Gesellen, der einige Minuten länger gebraucht hatte, so befahl er ihn zu sich und inquirierte:„Sie haben beim Fertigmachen der Bücherschränke 307 drei Stunden und fünfzig Minuten ge- braucht, also ein volle Viertelstunde zu viel. Wie ist denn das gekommen?" Der solcher Art angefahrene Geselle mußte erst überlegen. Die monierten Schränke Nummer 307 hatte er vor einigen Togen fertiggestellt: längst war er bei einer anderen Arbeit. „Na, wird's bald!?" „Herr Sandow, das gelieferte Materiol war nicht ein- wandfrei. Es mußten ,wch verschiedene Kleinigkeiten nach- gearbeitet werden. Da sind eben die paar Minuten mehr draufgegangen!" „Von wegen paar Minutenl Eine volle Viertelstunde war's! Sie haben doch nicht zum erstenmal diese Arbeit ge- macht. Eine solche Bummelei darf nicht wieder vorkommen! Wenn jeder so lange schustern wollte! Da könnte sich die Firma einsalzen lassen! Ich verbitte mir das! Berstanden?! Sobald Sie nochmals Zeit zusetzen, können Sie abheuern! Wir haben hier kein Erholungsheim!" West schärser ging er ins Zeug, wemi irgendein Fehler unterlaufen war. Da schoß er die Fülle seines Zorns in solchen Breit- feiten los, daß seine Schimpfkanonade sogar das Kreischen der Zuschneidemaschine übertönte. Bei solchen Gelegenheiten stieß Heinrich, der alte Zu schneidemeister, zornig sein Holzbein auf die Dielen. Es wurde ollmählich Zeit, daß dem fetten Wildschwein da drinnen eine Hand voll Hobelspäne in die Kodderschnauze gesteckt wurde. llebrigens mar dieser fromme Wunsch nicht Heinrichs Privatmcinung, sondern die offizielle der gesamten Belegschaft. * Eines Tages warfen die Arbeiter den Dreck hin und ver- ließen den Betrieb. Franz telcphonierte nach dem Vater. Der kam sofort. Was war nur passiert? Sandow in seinem Glaskasten zuckte die breiten Achseln und wußte von nichts. Die beiden Eisermann liefen aufgeregt durch die Säle, um vielleicht doch noch einen Nachzügler abzufassen und etwas Näheres zu erfahren. Nichts zu macheu. Sogar die Stifte und die Aufräume- Mädchen waren verschwunden. Da hieß es eben abwarten, bis der Betriebsrat erschien. Eine Stunde später stand die Abordnung im Kontor und erklärte kurz und bündig:„Streik!" Franz fuhr aus seiner Ecke wie ein gereiztes Wiesel. Er kam seinem Vater zuvor und fragte:„Aus welchem Grunde gefälligst?" Trotzig hoben die drei Männer die Köpfe. Ihre Antwort galt dem Chef. „Herr Eisermann, das Arbeitssystem, wie es seit neuestem gehandhabt wird, ist einfach nicht mehr zum Aushalten!" „Wie? Was? Arbcitssyftem? Es läuft doch olles wie am Schnürchen!" Wieder war es Franz. der sich vordrängte. „Die Akkordpreise sind zu niedrig!" „Was Sie nicht sagen! Hier, meine Herren, die Gegen beweise! Die Firma zahlt in den Spitzenleistungen fünfzehn Prozent über Tarif. Was wollen Sie also noch?!" „Eine Antwort vom Chef wollen wir, nicht von Ihnen, junger Herr! Wir wollen wie Menschen arbeiten und be- handelt sein und nicht wie Pferde!" „Quatsch!" schrie Ludwig Cisermaim. Die Arbeiter schwiegen zu diesem Ausbruch Ihres Arbeitgebers.(Fortsetzung folgt.) O Mond, gieß aus dein Licht! Heiteres aus Ludendorffs Goldmacherverein. München. 27. Januar. Im Prozeß gegen«Zen„Goldmacher" Tausend äußerte sich am Dienstag der Zeuge Gustav Kill merz aus Wien über eine Reihe von erfolgreichen Versuchen, bei denen Tausend aber immer anwesend war. Das Gericht beschloß, den italienischen Professor S e s i m i aus Bergamo als Zeugen zu laden, der bestätigen soll, daß Tausend bereits vor vier Jahren sein Verfahren der italienischen Regierung angeboten und bei den Vorführungen Betrügereien gemacht habe. Tausend bestreitet diese Behauptung. Der nächste Zeuge Kaufmann Mlhelm K r« se aus Friedrichshafen war Mitarbeiter Tausends. Mit den Experimenten sei man nicht recht vorwärts gelrnmnen. Tausend war auch gegenüber seinen Mitarbeitern unnötigerweise mißtrauisch. Die Ergebnisse ' US den Arbeitsleistungen waren unbedeutend. In einem Schrant Tausends habe er einmal«in Röhrchen mit Goldstaub gefunden! das habe ihm stutzig gemacht. Di« Frau Tausend» habe einmal gesagt, ihr Mann könne jetzt schon Goldklumpen herstellen. Großes Aufsehen erregt die Vernehmung des von Ludendorfs als Vertrauens- mann bestellten Chemikers Summer. Der Zeuge begann mit einein langen Vortrag über eigene Schmelzversuche. Im Sommer 1925 war Kummer nach München berufen, um mit Ludendorff zu spreche». Ludendorsf hat dann gewünscht, daß der Zeug« im Loboratorium Aubing bei München und später in Freiberg arbeitete. Er habe dann einige Tag« arbeiten müssen, bis Erfolge eintraten, allerdings nur Stecknadelkopfgröße. Das Verfahren sei ein ,.K o n t a k t o e r f a h r e n". Bei der Zusammenmischung der entsprechenden Stoffe komme das Gold zur Ausscheidung, das zuerst analytisch nicht nachweisbar sei. Das sei ungefähr das gleiche, was Tausend als einen Prozeß bezeichnet, zu dem die Natur Jahr- tau sende braucht, und der hier auf Sekunden zusammen- gedrängt werde. Oer Vertrauensmann tudcndorffs ist weiter der Meinung, daß die verschiedenen Mondphasen einen Einfluß auf das Verfahren hüllen, da es kein chemischer Prozeß sei. Bei dem Versuch in Gilching bei München war auch Luden- d o r f f dabei. Die Masse war von dem Zeugen und von Rehbey vorbereitet worden. Bor s.t Sie glauben daran, daß Tausend Gold herstellen kann? Zeuge: Unbedingt. Vors.: Und die cher- stellung bei großem Bersuch? Zeuge: Ich halte es für möglich. daß Tausend seine Gedanken soweit konzentriert, daß ihm auch die Herstellung cinesKilos Gold gelingt. Auf die Frage des Verteidigers gibt der Zeuge zu, daß ihm auch die politische Rich- tun g im Verein nicht mehr gepaßt habe. Das..vatarländifck)« Interesse" sei mehr und mehr zurückgetreten. Einen geheimnisvollen Zettel, den Kammer auf einen positiven Versuch hin geschrieben Hai, bringt der Vorsitzende aus den Akten zur Verlesung:„Der I s a r k i e s e l ist gesunden. Ich bin erschüttert um der unheimlichen Macht, die sich mit uns verbindet." Den Mißerfolg bei dem ersten versuch in der Münze glaubt der Zenge aus den abnehmenden Mond zurückführen zu müssen. (Große Heiterkeit.) In einem Schreib«» Kummers an den Untersuchungsrichter, da» der Richter verliest, wird zum Ausdruck gebracht, daß Tausend das ganze System der Chemie umgestoßen habe. Die schriftlichen und >ttiüüiIich«tJäeußerurigen des Zeugen machen.zum Teil, einen pe r- worrcnen Eindruck. Die Verhandlung wurde auf Mittwoch vormittag vertagt. margoim. das Hochstapiargania. Nene Belrügereien eines allen Sanders vor fieridif.- 1% lahrc indifhaus. Oer„Offizier a. V>." imponiert. Ein gefährlicher Heiratsschwindler vor Gericht. An einem schönen Maientage, als Fron S. mit ihrer Zojährigen Tochter in Grfjnau einen Spaziergang inachke, begegnete man einem eleganten Herrn, der sich beiden höflich vorstellte, sich ihnen anschloß und sie schließlich zu einem Glase Wein einlud. Dc'r„Prokurist vr.' plül." Georg B i e r n a t h plauderte dabei so interessant, daß die Stunden im Fluge verrannen. Er erzählte von den Seeschlachten des Weltkrieges, die«r als Marine- n f f i z i e r miterlebt hatte, von seiner Tätigkeit als Kapitän bei der Hairdelsslottc und seiner jetzigen gesicherten Stellung als Prokurist einer große» Firma mit 25090 Mark Jahrcsgehalt, so daß er der Mutter der hübschen Blondine als„gute Partie" erschien. Bald verkehrte er im Hause, wo man von dem ehemaligen Offizier immer mehr entzückt war und vor allem seinen Gesang bewunderte. Im Herbst sollte dann die Hochzeit sein. Einige Tage vor dem festlichen Ereignis hotte der Bräutigam aber das Pech, daß ein Chef der Firma mit dem ganzen Geld durch- brannte und aus diesem Grunde die Gehaltszahlung ausblieb. Naturlich wurde Ihm durch die Ersparnisse des Mädchens in Höhe von IlW Mark schnell über die Verlegenheit hinweggeholfen. Zum großen Erstaunen aller erschien aber plötzlich die Kriminal- Polizei im Hause der Braut, um den„Marineoffizier" wegen Betrügereien auf Grund eines Steckbrieses festzunehmen. Es stellte sich heraus, daß man es mit einem oftmals vorbestraften Heiratsschwindler und Zuhälter zu tu» gehabt hatte. Vor dem Neuköllner Einzelrichter hatte die Angelegenheit gestern ihr Nachspiel. Der weinenden jungen„Braut", die als Hauptzeugin erscheinen mußte, trat der Schwindler noch mit zynischen Redensarten gegenüber ans. Das Urteil von 3 Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust quittierte der Angeklagte mit einem höhnischen„A u f W i e d e r s° h e n. Herr Rat". vor dem Schöffengericht Verliu-Mitte. unter Vorsitz von Amtsgerichtsrot Dr. Wesenberg, begann heule früh, wie de- reits angekündigt, der große Velrugsprozeß gegen den Vörfen- vermittler Zoses Margoli«. den vankkassierer Moritz Oppermann und den Patentvertreter Otto Konrad. Der Hauptangeklagte ist der 63 Jähre alte aus Polen stammende Josef Margolin, der den Gerichten nicht mehr unbekannt ist. Vor etwa 18 Jahren war er bereits einmal der Mittsl- punkt eines Scnsationsprozesses. Er lebt« damals in Berlin auf großem Fuße und war im Gesellfchastsleben«ine sehr bekannte Per- sönlichteit. Später stellte sich heraus, daß er von H o ch st a p e- t« i« n lebt«. Besonderes Aussehen erregte damals«ine Komödie, die er mit seiner Freundin, einer vielgenannten Kabarettkünstlerin in dem Büro eines Berliner Notars ausgeführt hatte. Die Freundin hatte er dem Notar als die Witwe eines süddeutschen Großindustriellen vorgeführt und aus seinen Namen von ihr Hypotheken- Übertragungen in enormer Höhe machen lassen. Margolin war zu hoher Zuchthausstrafe verurteilt worden und hat die Strafe verbüßt. Lange Jahre hörte man nichts von ihm, bis im Jahre 1929 ein neues Schwindelmanöver, das seine früheren Betrüg«. reien weit überstieg, zur Aufdeckung gelangte. Margolin hatte nach zwei Seiten hin gearbeitet. Dem Mitangeklagten Oppermann halle er veranlaßt, ihm aus dem vauklrefor des vankhaufes. bei dem Oppermann tätig war. Esfekleu und var- geld in Höhe von etwa 300 000 Mark auszuhändigen. Nachdem Oppermann erst einmal Margolin aus einer Verlegenheit geholfen hatte, war er ganz in den Händen Margolin s. Dieser hatte ihm in Aussicht gestellt, mit ihm ein Bankgeschäft zu gründen und hatte davon gesprochen, daß er durch«inen Berliner Arzt, der ein großes Vermögen besitzt und der außerdem den Grund- besitz seiner Familie verwaltet, erhebliche Beträge zur Bonkgründung zur Verfügung gestellt erhalten würde. Er hatte Oppermann auch mehrmals Hypothckenübcrtragungen des Arztes übergeben, damit die lombardierten Effekten vor der Kassettrevision wieder in den Tresor zurückgelegt werden tonnten. Den Arzt kannte Margoliy schon seit langem. Die Ehefrau Margalinz war in der Heil. onstolt des Arztes in Behandlung gewesen und Margolin hatte dem Arzt wiederholt beteuert, daß er ihm zu großem Dank oerpflichtet sei. Margolin verstand sich in das Vertrauen des Arztes, der seine Vergangenheit nicht kannte, derart einzuschleichen, daß ihm Börsen- auftrage übertragen wurden. Diese A:rf träge führt« Margolin aber nicht aus. sondern machte die Geschäfte für sich. Infolge der dauernden Baisse an der Börse mußte der Arzt fortwährend Bec- luste zahlen und Margolin ließ sich eine Grundschuld und später eine Hypothek übertragen. Außerdem hatte er auch Blankoakzept und Blankovollmachten des Arztes in Händen, die er eigenmächtig ausfüllte und verwertete. Schließlich machte der Arzt den Differenz- einwand und erstattete Anzeige. Margolin wurde verhaftet. Inzwischen kamen auch die Verfehlungen Opper- mann? bei seinem Lankhaus zur Aujdeckung uird es stellte sich der Zusammenhang mit Margolin heraus. Mit dem dritten An- geklagten Konrad war Oppermann in Verbindung getreten, als er keinen Ausweg mehr wußte. Konrad hatte ihm von der Aus- Wertung einer wichtigen Erfindung erzählt und Oppermann crhofste auf diesem Wege seine Rettung. Er gab Konrad etwa 40000 bis 60000 Mark aus den Kasienbeständen der Bank. Das Banthaus hat einen Schaden von über 300 000 Mark, der Arzt von etwa 36S 000 Mark erlitten. Margolin. der zunächst freigelassen, ober nach Erhebung der Anklage wieder verhaftet wurde und sich jetzt in Untersuchungshaft befindet, wird beschuldigt der schweren Ur- kundensälschung, des Betruges, der Anstiftuna Oppermanns zum Diebstahl und zur Untreue und der gewerbsmäßigen Hehlerei. Auch Konrad ist der Hehlerei beschuldigt. Das Gericht verurteilte Margolin wegen fortgesetzten B e- trüge s sowie wegen fortgesetzter schwerer Urkunden» fälsch un g und gewerbsmäßiger Hehleret zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus, fünf Iahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Bankkasssercr Moritz Oppermann wurde wegen fortgesetzten D i e b st a h l s und schwerer U r- kundensälschung zu neun Monaten Gefängnis, der Patont- Vertreter Otto Eonrad wurde wegen Hehlerei an Stelle einer on sich verwirkten Strafe von 2/2 Monaten Gefängnis zu 1500 Dt. Geldstrafe vcrnrteilt. Aeuer Anschlag auf einen Zug. Wie die Reichsbahn direktion Breslau mitteilt, mvrde heute bei Kilometer 9,02 der Sirecke M e l e s ch w i tz— Breslau— S ch o t t w i tz ein 60 Kilogramm schwerer Chaus!ee- stein auf die rechtsseitigen Schienen gelegt. Der Triebwagen 1430, der um 6.34 llhr diese Stelle passierte, schleifte den Stein 11 Meier mit und kam zum Halten. Nach Entfernen des Steins konnte dar Triebwagen die Fahrt fortsetzen. Personen sind nicht verletzt. Die Töter sind,»och nicht ermittelt. Ein Barren Gold gestohlen! Der Baseler.Kriminalpolizei war mitgeteilt worden. daß aus einer«u* Aegypten kommenden und für Deutschland bestimmten Goldsendung ein Barren Gold im Wert« von 23000 Schweizer Franken gestohlen worden sei. Die sofort aufgenommen» Untersuchung ergab, daß der Diebstahl in Bafel erfolgt sein müsse. Es gelang nun der Polizei, den Dieb zu v e r- haften. Es handelt sich um«inen zwanzigjährigen Baseler P o st- angestellten, der das Gold bereits auf die Seite gebracht hatte. Es tonnte jedoch beschlagnahmt werden. Kühnemund Nummer 2. Episode aus dem„Heldenkampf" gegen denNemarque-Zilm. Kühnemund Nr. 1,«inen langaufgesthossenen, blonden Jungen, lernt« man anläßlich des Prozesses gegen die Fensterstünner zu Ehren der Rcichstagseröfsnimg kennen. Er hatte es meisterhaft verstanden, sich aus der Affäre zu ziehen: das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Gesten« machte man vor dem Schöffengericht Schöneberg die Bekanntschaft von Kühnemund Nr. 2. Der 20iöhrige war m Begleitung des Herrn Papa erschien.-n. Filius Nr. 2 war des schweren Aufruhrs angeklagt. Er hatte gemeinsam mit anderen hoffnungsvollen„nationalen" Iüng- lingen, die gleich ihm zu Äriegsbeginn kaum aus-den Windeln her- .«». waren, to-'Heldenhaitsr-Weis«. mit. Steinen gegen Rcmarque- Film und Polizei demonstriert. Als am Dezember sechs' Schupo- beamte den Befehl erhielten, dem Zug naüonalsozläliftischsr Iüng- lingc den Weg zur Tauentzienstroße zu sperren, wurden sie mit Steinen, Stöcken und Flaschen bombardiert. Unter den Stein- werfern befand sich auch Whnemimd Nr. 2. Die Polizeibeamten hatten ihn sich ganz genau gemerkt. Welcher Art Ausreden ent- schlüpften nun kühn dem Munde des Herrn Kühnemund Nr. 2. Er habe wohl gewußt, was am Nollendorfplatz und am Wittenbergplatz los fein würde, trotzdem sei er nur ganz zufällig mit seiner Schwester dahin gekommen.. Er habe sich mit niemandem verabredet: wol� aber eine Anzahl Nationalsozialisten hatten sich gleich ihm ganz zufällig am Wittenbergplatz eingefunden. Was hätte der Papa gc- sagt, wenn der Junge mit solchen dummen Ausflüchten zu ihm gekommen wäre? Ein paar hinter die Löffel hätte es wohl gesetzt. Dem Verteidiger schwoll aber die Brust:«r sang: Es war ein nationaler Strom, der sich an jenem Tage gegen den Remarquc-» Film ergoß, er blieb nicht ohne Wirkung. Siehe das Remarquc- Fi/mverbot!(Ein Heil d«n Auswärtigen Amt!) Der Staatsanwalt beantragte ganz prosaisch ein Jahr Gefängnis wegen sck)wercn Aufruhrs. Das Gericht verurteilte den Anti-Remarque-Helden mit dem Stein in der Faust zu sechs Monaten Gefängnis unter Zubilligung einer Bewährungsfrist. Während der Verhandlung erschien in der Tür zum Zuhörcrraum Kühnemund Nr. 1. Der Aufforderung des Wachtmeisters, den Zu- hörcrraum zu verlassen, da alle Plätze besetzt seien, leistete er keine Folge. Erst.das Eingreifen des Vorsitzenden veranloßte den so wohlerzogenen jungen Menschen, die Tür von der anderen Seite zu schließen. Der 17 3. Geburtstag Mozorts bestimmte die musika- tischen Darbietungen des Tages— nicht zum Schaden der Hörer. Mozart-Musik bereitet allen Musitsreunden Genuß, gleich welchen Standes oder Alters sie sind. Besonders glücklich war die Auswalss für die Jugendstunde, in der Werk« des jungen Mozart, vor allem auch leicht spielbare Kompositionen, zu Gehör gebracht wurden. Känigswusterhausen übernahm aus Frankfurt a. M. das Abend- konzert, das in dankenswerter Weise weniger häufig gespielte Werke Mozarts berücksichtigte. Aus Hamburg hörte man— ebenfalls über Königswusterhausen— ein recht fragwürdiges Hörspiel „Dr. M o b u s e", über dos Grundsätzliches noch zu sagen sein wird.—„Künstler— Kritiker— Publikum" hieß das Thema, über das Prof. Mar P e ch st c i n, Dr. Max O s b o r n und Helmuth Iaro I a r e tz k i ein Dreigcspräch führten. Es wurde eine außer- ordentlich fruchtbare und zielsicher« Aussprache über den Sinn der Klntstkrüike» für Publikum und Künstler. Manchem Hörer wird das Verständnis für die Kunstkritik dadurch erschlossen worden sein und die Fähigkeit, solch« Kritiken richtig zu lesen und zu werten.-»- lieber neue„Bücher zur Fraucnfrag� und Frauenbewegung" berichtet« Prasessor Anna S i» m s« n. Sie gqb mehr alz nur Bücher. besprecht! ngeni im Rahmen ihres Ueberblicks ivies sie auf brennende Zeit- und Gessllschastssragsn hin.— Statt des Interviews der Woche sprachen der Redakteur der„Magdeburger Zeituno" Fritz Loob und der Hugenbcrg-Redakteur Kriegt über ihre Eindrücke bei der Genfer Tagung—, leider nicht in einer Diskussion, sondern in zwei aufeinanderfolgenden Reden. Dadurch wurde es Herrn Kriegt möglich, unbehindert boshafte Witzchen loszulassen und vom„Genfer Jargon" zu reden, der die einzige Sprache sei, in der dasselbe Wort ja oder nein, schwarz odcr wciß bedeuten könne. Iss. Voran bei den Arbeiter-Abstinenien. Auf der Generaloersammlung der Orts» gruppe Verlin des Arbeiker-Abfkinenten» Bundes gab der vorstand eine» llcberblick über die Arbeit de» vorgaogenen Jahre»: Wie wolil bei keiner zweiten sozialistifthe» Kulturorgan ssaliun wurde die gcleistetc Arbeit durch die ungeheure Wirtschaftskrise beeinflußt. Die letzten Mitglieder- und Gcn:raloersaimnlungcn hatten die Schaffung von zwei alkoholfreien Gaststätten befchlnssen. Der Vorstand hat die Gaststätten kurz hintereinander eröffnen können, wozu allerdings die Ausbietung oller nur crgendwie vcr- fügbaren Kräfte und Mittel notwendig war. Wie seh.c jolcho a l k o h o l ftr e i e n A r b e i t e r g erst st ä t t e n fehlen, beweist Di« Tatsache, iM.Me Monte längst nicht mehr für dre- dort»erkehwM-, den Gäste ausreichen. Leider ist es nicht möglich, in absehbarer Zeit weitere Gaststätten von der Organisation einzurichten, da die Anlagekosten zu hock, sind und nicht aufgebracht werden können. wenn die Organisation sich nicht untragbare Verpflichtungen auf- erlegen will.— Von einer Rentabilität könne man bei den Gast- statten noch nicht sprechen, da die Wirtschaftskrise, besonders die in den beiden Lokalen verkehrende Arbeiterschaft zu starker Einschrän- kung ihres Verzehrs zwäng«.— Reben der Gaststättenfragc wurden die übrigen Arbeitsgebiete des Bundes— Alkohollranlen-Fürsorge. Jugendarbeit, Vortrogstätigkeit usw.— eingehend behandelt, wobei sich zeigte, daß die an sich wohl kleine Organisation außerordentlich rührig ist und an der Lösung der für die Entwicklung der Arbeiter- bcwegnng so überaus wickstigen Alkoholsrage geschickt und mit Erfolg arbeitet.— Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden auch für die Arbeit des neuen Jahres mit einigen Ergänzungen wieder«. gewählt. Die neue Brücke iu Lichtcrfelde. Durch die ungünstige Witterung dieses Winters, ins besonder« durch die Frosttage, hat sich die für Ende Januar vorgesehene end- gültige Fertigstellung der E u g e n- K l e i n e- L r ü ck c in Lichter- selde stark verzögert. Infolgedessen kann die Brücke, über die bereits seit einigen Wachen die Straßenbahn fährt, von den übrigen Vcr- kehrsmitteln erst im Frühjahr benutzt werden. Voraussichtlich erst in vier Wochen wird sich der Termin für die Freigabe der Brücke festlegen lassen. Weiterer Rückgang der Grippe. Die Grippeerkrankungen haben in den letzten Tagen einen deutlichen Rückgang aufzuweisen. Bei der Allgemeine» Ortskrankenkasse wurden durchschnittlich täglich 330 Reuerkrankungeu gemeldet gegen S00 bis 600 in der vorhergehenden Zeit. Die Krankenhausüberweisungen durch das Rettungsomt schwankte» zwischen 40 und 80 pro Tag gegen mehr als 100 in den Vorwochen. Freie Betten stehen in ausreichendem Maße zur Verfügung. Rest Langer bei den»Wespen". Einem Gästspielabend des Kabaretts„Die Wespen" im Schubert-Saol hatte sich auch Rcsl Langer zur Verfügung gestellr. Der Genuß ihrer reifen Kunst bot einen Ausgleich fiir viele tote Nummern, die man über sich ergehen lassen mußte. Voll Schaudern denkt man zum Beispiel an den„Straßentango" und den„Rosenkavalier" des Herrn N a u e. Es ist ein besonderes Verdienst Rest Langers, die alten Chansons von M o r g e n st e r n und W e d c k i n d zu immer neuem, storkein Erlebnis werden zu lassen. Und dann war da die blutjunge Sonjq W r o n k o w, sie scheint sich zu einem der stärksten Talente unseres Kabaretts zu entwickeln. Das Publikum erzwang sich Zugabe auf Zugabc. Karl S ch n o g führt die Conference ein wenig trocken, lebendig wird er erst bei dem Vortrog eigener Verse. Ausstellung„Die Speise- und Gelränkekorle". Seit einiger Zeil wird im Berliner Bychgewcrbesaal, Berlin SW. 61, Dreibnndstrgße 5. eine recht sehenswert« A u Sit eNy ng gezeigt, die die Beockttiing wüter Kresse, verdient. Sie enthält«r.» ansehnliche Zahl yo» Speis und Getränke- karten in n«uz»itlich»r Auestattung. IvekkeraussschU» für Berlin: Zunächst ziemlich heiter, später Eintrübung mit zunehmender Nicderschlagsneigung und ansteigenden Temperaturen.— Zur Deutschland: Im«uden zeitweise heiler bei wenig veränderten Temperaturen, in Ndrd- und Miiteldcutichland nach kurzer W.ttcrbcsserunz wieder westostmärts fonschrcilcnde Leivolkungszuncchme mit Milderung und«achfolgcnden Rcgcnjällcu. Die Berliner Kinanzpläne. Das Projekt der Gubstanzveräußerung. Die Oeffentlichlelt beschäftigt sich gegenwärtig wieder stark mit der Finanzpolitik der Reichshaupt st od t. Es liegen Äeschlüsse des Berliner Magistrats vor, mit öffentlichen Groß- Unternehmungen zu verhandeln, uin nötigenfalls durch teilweisen Werksverkauf aus den erwarteten Erlösen einen größeren Teil der schwebenden Schulden Berlins abzudecken. Die Sache ist wieder ein fetter Happen für die Se n sot i o n s p re s s e oller Gruppen, und es ist zweckmäßig, dem politischen Mißbrauch der Vorgänge durch sachgemäße Erörterungen vorzubeugen. Bei den Berliner Vorgängen und Plänen handelt es sich kurz um folgendes: Innerhalb Jahresfrist dürften etwa(jVOMillionen Mark kurzfristig an Berlin gewährte Kredit« zur Zurückzahlung fällig werden. In der Hauptsache gehen die Kredite auf den Ausbau der Berliner Berkehrsmittcl und auf dazu notwendige Grundstücks- crwerbungen zurück. In einer solchen Lage wäre die Ausnahme einer Anleihe, die in 25 oder 30 Jahren getilgt wird, deren Erlas aber sofort zur Zurückzahlung der schwebenden Schuld ver- wendet wird, das Gegebene. Das außergewöhnliche Mo- m e n t ist nun, daß dies« Anleihe nicht aufgelegt wird und daß man statt dessen«neu Teil der in den städtischen Werken vorhandenen Substanz verkauft, um aus dem Erlös dieser Verkäufe einen Teil der Schulden zurückzuzahlen.— Nun ist es selbstverständlich, daß die Stadt Berlin nicht aus freien Stücken den normalen W«g der Anleiheoufnahm« unterläßt und den außer- gewöhnlichen Weg des Substanzoerkaufs einschlägt. Di« einfache Erklärung dafür ist die Tatsache, daß es gegenwärtig der Stadt Berlin nicht besser geht alz sämtlichen übrigen deutschen Großstädten. Die Stadt Berlin ist gegenwärtig wie diese einfach nicht i n d e r Lage, im Ausland eine Anleihe von der Größe, wie sie erforderlich wäre, auszunehmen. Dem hat der ehemalige Reichsbank- Präsident Dr. Schacht durch sein« Zerstörung des öffentlichen Krehits zu stark entgegengearbeitet. Dem steht das Sinken der deutschen A n l e i h c k u r s c in N e w P o r k entgegen und dazu die ErNärung der amerikanischen Banken, im gegenwärtigen Augenblick das amerikanische Publikum zur Zeichnung großer deutscher Kommu- nalanleihen kaum veranlassen zu können. Auf der anderen Seit« sind die deutschen Bonckcn, die großenteils die Gläubiger der »och schwebenden Kredite sind, teils weil sie, gelind« gesagt, den Kommunen die Finanzocrlcgenheiten gönnen, nicht bereit, den Großteil der schweb euden Schuld Berlins einfach zu verlängern. Die Stadt Berlin steht also durch die Unmöglichkeit der Anleihe- beschaffung unter einen» besonderen angesichts der allgemeinen Wirt» schostswrhültnisse aber durchaus verständlichen Druck, und es Kewrift nur eine zu respektierende Voraussicht, »venu die Stadt Berlin bemüht ist, der peinlichen Verlegenheit aus dem Wege zu gehen, bei den Gläubigerbanken um Nachsicht und Ber- iängerung der Krebste zu bitten, und statt dessen wenigstens für das Jahr 1031«ine größere Teillösung der Flnanzschwierigkeiten zuwege zu bringen. So tonnt« das Projekt entstehen, an zahlungs- und tiMtsähig« öffentliche Unternehmungsgruppen heranzutreten und ihnen die Beteiligung an städtischem Besitz anzubieten, um aus dem Erlös einen größeren Teil der schwebenden Schulden endgültig abzudecken. Zur Verfügung stehen der Stadt Berlin zu diesem Zweck in den Verkehrs-, Gas- und Kraftwerken grundsätzlich Milliardenwcrte, jedoch scheinen die Projekte zunächst nur auf«in« teilweise Beteiligung öffentlicher Großuntermchmungen an den städtische» Gas- werken hinauszugehen. Es ist daran gedacht, aus der jetzigen B« t r i« b s geselljfchast Berliner Städtische Gaswerke A.-G. eine Besitzgesellschaft zu machen mit einem Aktienkapital von vielleicht lOO bis 150 Millionen Mark und außerdem 4.» Millioneu Aktien der Deutschen Gas A.-G- einer genüscht-wirtschafllichen Gasgesellschaft, an der u. o. auch die Dessouer Continental Gas-Gescllschast beteiligt ist, zusammen mit einein Aktienpaket der neuen Besitzgescll- schast zu veräußern. Genannt wird als eventueller Erwerber in erster Linie die Preußische Elektrizitäts A.-G., der Elektro! ruft des preußischen Staates. Es ist natürlich, daß auf diesem Wege allein noch n i ch t s o v i e l G e ld hereinkoinmt, als zur Konsolidierung der schwebenden Schuld für 1�31 erforderliä) ist und daß auf der anderen Seite, da ja dem preußischen Elektrotrust Gasinteressen bisher ziemlich fern gelegen haben, ein ähnliches Vorgehen der Stadt Berlin auch hinsichtlich der Elektrizitätswerke« Pfund gegenüber 13,2 Pf. in der Vorwoche und 20,4 Pf. im Durchschnitt des Monats Dezember. Die sorgfältigen Erhebungen der Forschungsstelle geben der Oeffentlichkeit eine genaue Kontrolle, bei welchen Fleisch- arten die Spannen zwischen Groß- und Kleinhandelspreisen u N- gebührlich hochgehalten werden, der Rückgang der Vieh- preise also zu Sondergcwinnen im Kleinhandel benutzt wird. So hat sich die Preisspanne für Kalbsleisch in der Verichlswoche von 2b,2 aus 37.1 Pf. je Pfund erhöhl, ein Beweis, daß der Konsument von dem starken Rückgang der Salbslclschpreise überhaupt nichts gehabt hat. Dies zeigt sich auch darin, daß der Ladenpreis für Kalbsleisch mit 131 gegen 131,8 Pf. je Pfund in der Borwoche sozusagen stabil geblieben ist. Auch vi« Preisspanne bei S ch w e i n e f l e i s ch. die in der Vorwoche mit 10.2 Pf.«inen erfreulich niedrigen Stand erreicht hatte, ist in der letzten Woche wieder auf 20,8 Pf. gestiegen, fo daß auch in diesem Fall die Ladenpreise den Rückgang der Groß- Handelspreise nicht mitgemacht haben. Wie der Fall bei den Kalbfleischpreisen in besonders krasse? Form zeigt, wird also immer wieder der Versuch unternommen, den Konsumenten übers Ohr zu hauen. politische Krupp-Derluste? Krisenbetrachiungen an der ftufyr. Die bisherigen Montanabschlüsse von Klöckner, Hoesch-Köln- Neuessen und der Gute Hoffnungshütte A.-G. zeigten durchweg ein überraschend günstiges Bild der schwerindustrlellcn Eni- Wicklung im letzten Kriscnjahr. Allerdings schließt das Geschäftsjahr dieser Konzerne mit dem 30. Juni ab, so daß sich in diesen Bilanzen die Zuspitzung der Wirtschaftskrise im Spätsommer noch nicht auswirkt. Jetzt veröffentlicht der Krupp-Konzern in Essen den Abschluß seines am 30. September beendeten Geschästsiahres 1929/30, der einen B e r l u st von rund 4,5 Millionen Mark gegenüber einem Reingewinn von rund 7 Millionen Mark im Vorjahr ausweist. Die Abschlüsse von Krupp waren nun von jeher unter einem besonderen Gesichtspunkt anzusehen. Die Friedrich- Krupp-A.-G. ist«ine reine Familiengesellschast, die bei ihren Abschlüssen bzw. bei der Gewinnverteilung in keiner Weise Rücksichten auf Aktionärsinteressen oder aus das Prestige der Ge- sellschait zu nehmen braucht. So konnte es sich Krupp auch in den ersten beiden Jahren nach der Stabilisierung leisten. Millionenyerlufte auszuweisen und anderersei«» die in den Konjunktprjochxen 1920 bis 1929 erzielten Reim gewinne in Höhe van rund 28 Millivncn� im Betriebe weiterarbeiten zu lasten und keine- Dividende zu zahlen. Bei dem jetzt vorliegenden Abschluß, der von den Bilanzen der übrigen Montankonzernc so auffällig absticht, liegt der Verdacht nahe, daß der Millioncnverlust eher auf politische 5iinlergründc zurückzuführen ist, als auf die Betriebsentwicklung bei Krupp. In der Tat rechtfertigen die Produktionszifsern ein« derart starke Spanne zwischen dem vorjährigen Gewinn und dem dies- maligen Verlust keineswegs. So stellten sich IgZSZg 1979,30 in ZNillioncn Tonnen fiohlcnsörderung..... 8,0 7,8 koksprodutlion..... i 2,5 2.43 Erzförderung...... 0,74 0.70 Roheifcnproduktion.... 1,29 1,30 Rohslohlproduklion.... 1.58 1,36 PZatzwerkproduktlon.... 1.15 1,02 Im Vergleich mit dem allgemeinen Produktionsrückgang der deutschen Industrie im letzten Jahr, der auf etwa 30 Proz. geschätzt wird, hoben also die Krupp-Betriebc noch verhältnismäßig sehr g ü n st i g abgeschnitten. Das besagt allerdings nicht, daß die Belegschaften bei Krupp die Krise weniger zu spüren be- kommen hätten als in anderen Betrieben. Trotz des relativ hohen Standes der Produktion ist die Belegschaft der Zlammbelrlebc um mehr als 15 Proz. abgebanl worden und beträgt nur noch 57 541 gegen 08002 Mann im vorher- gehenden Jahr. Danach sind also die Leistungen je Mann und Schicht auch im letzten Jahr weiter erheblich gestiegen. Bei den angeschlossenen Werken und den Handelsunternehmungen ist die Belegschaft gleichfalls von 21 700 auf 17 700 Köpfe g c- funken. Auch die weiterverarbeitenden Betriebe haben im letzten Betriebsjahr noch mit Gewinn gearbeitet. Dies gilt für den Maschinenbau, die Abteilung Lastkraftwagen und be- sonders die Abteilung R e g i st r i e r k a s s e n, deren Umsatz erheblich gesteigert werden konnte. Daß der Lokomotivbau auch bei Krupp Verluste erlitten hat, überrascht bei der allgemeinen schlechten Lage dieses Industriezweiges nicht. Zum Schluß des Geschästssahrcs war die Friedrich-Alsred-Hütte»och zu 50 Proz. ihrer Leiftungs- sähigkeit beschäftigt, während im Jahresdurchschnitt die Stahlwerke noch zu 00 Proz., die Walzwerke dagegen nur zu 45 Proz. und die Schmieden zu 40 Proz. ausgenutzt waren. Die Abschlußzisfer» sind, wie in früheren Jahreil, auch diesmal wieder stark verschleiert. Von dem mit 31,8 gegen 38,1 Millionen ausgewiesene Betriebsgcwinn sind die Lahne und Ab- schreibungen vorweg abgezogen worden. Die Abschreibungen aus die Werksanlagen halten sich mit 16,2 Millionen aus dem Stand des vorigen Jahres und erreichen fast die Höhe der Neu- i n v e st i t i o n c n, für die 17,(3 Millionen aus lausenden Betriebs- gewinnen aufgewendet wurden. Also auch in dem schwersten Krisen- jähr seit Kriegsende hat Krupp die Selbstfinanzierung und kipilalbildung in dem Umfange guter Konjunkturjahre aufrecht erhalten können. Diese Tatsache beweist mehr für die tatsächliche Lage des Krupp-Konzerns als der bilanzmäßig errechnete Verlust. Für die gute finanzielle Loge bei Krupp ist auch bezeichnend, daß die Auf- wcrtungsansprüche von 4 Millionen bis auf 0,49 Millionen Mark abgezahlt und die Unterstützung der Pensionäre ohne Inanspruch- nähme der hierfür«ingesetzten 0 Millionen Rückstellung durchgeführt wurde. Die Bewertung der Vorräte, die mit 07,7 gegen 71,9 Millionen, trotz der angeschwollenen Läger erheblich niedriger angesetzt ist, weist ferner auf erhebliche stille Abschreidungen bei" diesem Posten hin.........; 1 Aber wie die Herren vom Stahltrust„ihre Krise" brauchen, so hat Krupp aus politischen Gründen Ber- l u st e nötig. Die Ausführungen im Geschäftsbericht zeigen auch deutlich, wohin das Ziel geht. Die Wcllwirtschastskrise sei für die Schwierigkeiten in Deutschland von untergeordneter Bedeutung. Schuld allein tragen die deutsche Lohn-, Sozial- und Steucrplziitik und der Poung-Plon. Um größeres Unheil von der deutschen Eisen- industrie und ihren Werksangehörigen abzuwenden, genüge die Ab- kehr von der bisherigen Lohn-, Steuer- und Sozialpolitik nicht. Ein Reichsbestellungsplan. (Schieles Eröffnungsrede beim Lehrgang für londwirt- schafiliche Absahfragen. Der Rcichscrnährungsminister Schiele eröffnete am Dienstag mit einer Ansprache einen vom Deutschen Landwirt» s ch a f s r a t veranstalteten Lehrgang für landwirtschaftliche Absatz- fragen. Die Abhaltung solcher Lehrgänge ist durchaus zu de- grüße», und sie werden hosfentlich eine neue?lera der Be- tätigung dieser wirtschastspolitischen Spitzenvertretung der deutschen Landwirtschaft einleiten, die bisher einer der cisrigsten Streiter im Kampf« um Hochschutzzölle war. Die Erkenntnis, daß der Land- wirk nicht nur Produzent ist und eine seiner Ansicht noch angemessene Bezahlung sämtlicher von ihm auf den Markt geworfenen Produkte verlangen darf, sondern, daß der Landwirt sich auch um den Absatz seiner Produkte bekümmern muß und auf die Geschmacksrichtungen der Konsumenten«inzugehen hat, scheint im Lause der Zeiten auch bis in das Bewußtsein der unter groß- agrarischer Führung stehenden Organisationen der Landwirtschaft gedrungen zu sein. Schiele entwickelte in seinem Vortrag einen Reichs- b e st c l l u n g s p l a n, um die Produktion der deutsche,, Landwirtschaft umzugestalten. Die Landwirte müßten den Anbau von solchen Produkten in stärkerem Maße ausdehnen, deren Konsum noch erweiterungsfähig ist' und nicht wie bisher vor allem Getreide erzeugen.. Er wies auf die Notwendigkeit der Um- stellung von Roggenanbau zur vermehrten Produktion von Weizen, Futtergelreide usw. hin, d. h. auf eine stärkere Betonung der Biehwirtschast. „Wenn man's so hört, so könnt' es leidlich scheinen!" Aber im nächsten Satz schon sprach Schiele der Landwirtschaft das Recht zu, ausreichenden Schutz vor der Einfuhr ausländischer Pro- dukte zu verlangen, d. h. eine Erhöhung der Zölle auf Fleisch und Molkercierzeugnissc zu fordern, was lebhaften Beifall hervorrief. Gegen rote Hände: Creme Leodor Die kühlende und heilende Wirkung der sduieeig-weiDen Creme Leodor tritt besonders in Ertdieinung. wenn Hlnde und Gesidit durch Einwirkung der Kälte im Winter stark gerötet sind. Auch bei spröder und aufgesprungener Haut leiste» die Creme bei dem so listigen ludcrelz der Haut eowle als Puderunteriage vorzügliche Dienste. Tube 60 Pf. und I Mk., wirksam unterstützt, durch Leodor-Edelscife, Stüde 50 Pf. In allen Chlorodont-Verkaufsstellen erhältlich. Srnnaun lUostar: Und fftit ck?«$16010 (Schluß� Zurück, Kepler, zurück! brüllte es in ihm. Du bist zu klein für die Tat, die du bin sollst. Widerrufe, nicht um der Mutter willen nur: um deinetwillen! Entscheide dich für die Zeit, die dich gebar, deren Gcsestcu du lebst: deren Irrtum du vielleicht erkanntest, die ober dennoch— deine Mutter ist! Er fühlte, wie der Mensch in ihm ja sagte zu dieser Cntjchei- dung: fühlte, wie das Blut ruhiger floß, seine Knie sich festigten. Wahl empfand er auch, wie sein Geist, sein stolzer, kluger Geist, sich wand im schmerzenden Hirn und nicht hergeben wollte, was er als recht erkannt: solches Empfinden schuf in ihm ein würgendes Gefühl der Scham. Aber er war wohl nur zu allein in dieser Nacht, daran mochte es liegen, es war zu viel Kälte und Einsamkeit um ihn: es tat not, unter Menschen zu sein bis zur vierten Stunde... Er ging wieder weiter und suchte den großen Gasthof: aber als er das hochgegiebelte Haus, zuweilen mühsam tastend im mondlosen Dunkel, gefunden hatte, war es längst verschlossen. Hastig wandte er sich dem Eltinger Tor zu: dort lag eine übel beleumundete Schenke, in der einst sein Bater seinen Kummer vertrunken hatte, che ihm das Landsknechtstum erträglicher als die Ehe mit dem Kätterle er- schienen war. Johannes fand den niederen Raum voll fragwürdiger Gestalten, die aber schon zu trunken waren, um dem späten Erscheinen des Fremden Aufmerksamkeit zu schenken: man lauschte den Erzählungen einesManncs, der berauscht abseits faß, an einem Tisch für sich allein. Kepler beachtete das Gerede anfangs nicht. Es glitt an seinem Ohr vorüber, ohne daß er es hörte. Seine Gedanken gingen hin nach Linz, an seinen Schreibtisch, wo auf reinlichen Blättern in sorgsamer Schrift neue Beobachtungen und Erkenntnisse des Druckes harrten— sie würden nie gedruckt werben; ganz anderes würde gedruckt werden: Lügen... Gleichgültig: wie hatte doch Martinus Einhorn gesagt: Wahrheit ist Tod... Und es half ,mn kein Trauern: es wäre denn, daß die Tübinger Fakultät noch heute nacht ihren Beschluß gefaßt und durch einen reitenden Baten hierher über- mittelt hätte— aber das war wohl nicht möglich... Eine Redewendung des Mannes am einsamen Tisch drang zu ihm hin und weckte ihn jäh. „Die Hex', die Keplerin, hat Zustand' heut' Nacht", rief der Mann laut.„Wie ich'kommen bin, hat sie am Fenster gestanden und die Stern' angesehen und gefragt: hörst sie singen, die Stern'? Die Frau Venus und den Kriegsmann Mars? Nein, sag' ich, aber ich mein' schon, daß du in der Früh' gar die Engel im Himmel wirst singen hären, und morgen auf die Stacht die Teufel in der Holl'!" Die Zecher jahllen.„Macht dir wohl Spaß, die Keplerm das hären zu lasten, traun, GottfrieÄe?" Kepler sah erblassend, daß der Krug, aus dem der Mann jetzt trank, mit einer Kette am Tisch befestigt war. damit niemand anders daraus trinken könne: es war also der Unehrliche, der Folterknecht. „Spaß?" fragte der beleidigt zurück,„nein, das ist gewiß kein Spaß nit. Schwer ist mein Beruf, das könnt ihr glauben, arg viel zu lernen gibt's dabei, lacht's nit! Die Herren Richter, die stecken die Ehr' ein, die sprechen das Urtcll und gehen unter euch hoch- geehrt, und unsereiner vollzieht's und darf nit einmal sitzen mit euch an einem Tisch und trinken!" „Nun, getrunken hast doch genug, GoUfricdlc! Aber sag' doch, was hast denn so Schweres zu lernen?" rief einer. Aber das Galtfriedle blieb in seiner Trunkenheit kein« Antwort schuldig.„Hoho! Meinst, es sei so gar leicht, die Füß' richtig hineinzusperrcn in den Spanischen Stiefel? Und aus die rechte Art an der Schrauben zu drehen, damit das Schienbein wohl recht arg schmerzt und das Fleisch geschwülstet, nit aber der Knochen gebrochen wird? Oder die brennende Kerze, die du vorher mußt besargt haben, grad' so nah an die Fußsohlen zu halten, daß die Haut brav röstet und nit lichterloh brennt?" „Warum darfs den» nit brennen, Gollfriedle?" „Damit's am andern Tag weiter gefoltert werden kann!" sagte Gottsriedle und trank. Lacht nit! Manchmal tun's einem leid, die armen Weible, insondcrs wanns hübsch sind!" „So hübstst wie das Kätterle, gelt, Gottfriedle?" Man lachte wiehernd. „Das Kälterle kommt in der Früh' dran!" berichtete Gottsriedle. „Das heißt, eigentlich ist's schon dran seit dreien Tagen. Es gilt noch nit als Folter, was wir jetzt anstellen mit ihr— aber eigentlich is' das schlimmst'..." „Erzähl', erzähl', Gottsriedle!" „Sie darf nit schlafen, schon fünf Tage nit! Immer, wenn's einschlafen will, sticht sie einer wach mit einer Nadel. Ich sag' euch, daß dies mürbe macht! Und morgen die Eisern' Jungfrau dazu..." „Nein!" rief Johannes Kepler: er rief es aus seinen Gedanken heraus, aber es ward ein so lautes Nein, daß viele es härten und nach ihm sahen. „Wer ist das?" fragten einige; ober die anderen drängten in den Folterknecht:„Wie ist das doch mit der Eisern' Jungfrau, Gottfriedle?"' Kepler vermochte nicht zu bleiben. Er stürzte zur Tür, riß sie auf, stand draußen: Gelächter folgte ihm. In die dunkle Torecke neigte er sein Gesicht und weinte lange. Die Schenke lag am Hang der Berge, ihre Front blickte hinab in die Ebene: so standen den» jetzt im Rücken des Weinenden in einem großartigen Aufriß die winterlich eisklaren Sterne, und er sah sie nicht. Seit er Einhorns Haus verlosten hatte, war fein Gesicht noch nicht einmal dem Himmel zugewendet gewesen: nur das Bild seiner Mutter hatte vor seinem Blick gestanden und stand noch jetzt davor, düster und wirr, als ein Sinnbild seiner Herkunft aus Trieb und Aberglauben... Nun aber wollte er hingehe», hinrcnnen zu Martinus Einhorn, ihm zu sagen, daß er sich unterwerfe: nun wandte er sich um-- und sah die Sterne. Sah die Sterne: dachte nichts, wußte nichts, sah nur, sah. wohl eine Minute lang: die gleißende Gürtclschließe des Orion, die silbernen Schuppen der Fische, das rate Auge des Stiers, die gelbe Lampe Jupiters, das blaue Wetterleuchten des Sirius, und die mütterlich sanfte Glut der gewaltigen Milchstraße mitten hinein— und sank nieder und sagte laut: „Och kann es nicht!" Und wiederholte nach vielen Minuten noch einmal, leise und weh: „Ich kann es ja nicht widerrufen, denn ich habe es geschaffen." Seine Gedanken redeten weiter: Kopcrnikus hat die Bewegung der Planeten gedacht. Ich aber habe sie bewiesen, habe sie geschaffen, ich, mit Galllei, der wider- rufen hat. Wer lasten sich die Sterne widerrufen? Mich erdrückt mein Gedanke, seit ich seine Weite ermesse, und doch stehen sie nicht still, sondern kreisen weiter,— wie sagte Einhorn? Ein totes, stummes Kreisen von Kugeln... Und wie sagte meine Mutter zu ihrem Henker?„Hörst sie singen, die Stern'?" Kepler sprang jäh auf. Ein Gedanke riß ihn empor. „Und— singen sie denn nicht? Müssen sie denn nicht, wenn sie hinrasta durch de« Law», Schwingungen erzeugen im Acthcr, wie der gleitende Bogen auf der Saite? Muß nicht— muß nicht jeder Planet einen Ton, seinen Ton haben, der seiner Größe, seiner Gestalt, seinem Weg« entspricht? Und habe nicht ich, ich selbst, nachgewiesen, daß die Entfernungen der Planeten von der Sonne und voneinander in einem gewissen harmonischen Berhältnis stehen? Müssen also nicht auch ihre Töne solch ein Verhältnis ergeben, Akkorde ergeben, Harmonien? Und, im Wechsel ihrer Begegnungen auf ihrer Bahn durch den Raum: Melodien? Ist das nicht— ist das nicht die Musik der Sphären, daran die Alten glaubten?" Kepler begann zu laufen, mit seinen Gedanken um die Wette. Manchmal wies er, mitten im Lauf, mit der Hand auf einen Stern und blieb eine Weile stehen. Du dort, sagten dann seine Gedanken etwa zur Venus, bist du nicht die Terz in der Tonika Jupiter, Venus, Erde? Und da— ist da nicht«in allzu großes Intervall zwischen Mars und Saturn— fehlt da nicht ei» Planet— ein Ton...? Da muß noch ein Planet sein, den noch keiner kennt... Und du dort, und ihr olle, ihr seid nicht tot und stumm: ihr singt!" Er blieb stehen, erzitternd: „Und eure Gesänge— hört Gott... Ich danke dir, Herr, daß du mich wiederum einblicken ließest in die Harmonie deines Alls, wenn auch meine Ohren zu gering sind, der Sphärenmusik zu lauschen gleich dir..." Und in jäher Rückkehr zur Not dieser Nacht: „Da du mich zum Sternschcr machtest trotz meiner blöden Augen, Herr— zeige mir auch, wie ich die erkannte Wahrheit mag ver- künden, ohne meiner Mutier Mörder zu werden!" Wieder ging er«ine Strecke, gemessener diesmal, doch ohne Ziel; da aber der Weg nach immer am Berghang blieb, blieben auch die Sterne, und blieben auch feine Gedanken noch bei ihrer ncucn Wahrheit. „Und auch du,, meine Erde, auch du also singst deinen Ton, deine Weise ins All. Und auch ich, ich armes Stäublein Mensch, auch ich bin ein Teil, eine winzigste Schwingung, ein leisester Mit- klang deines Tons. Und wenn ich nicht mehr schwingen werde, so wird ein anderer klingen an meiner Statt, damit der Ton sich auch nicht um eine Wenigkell senke und die Harmonie des Alls verletze. Und wenn ich selber unrein bin-- Ach, Martinus Einhorn: nicht ohne Pflicht und Sitte werden die Menschen sein, die meine Gedanken denke»! Reiner müssen sie werden als je, wenn sie wissen, daß sie Tontcilchen sind in Gottes Musik!" „Ich werde eine Himmelsorgcl bauen", sagte er laut und kind- lich vor sich hin.„Sie wird die Harmonie der Sphären verkünden, mit armen, irdischen Mitteln. Sie wird in einem Dom stehen, viel- leicht zu Regcnsburg. Wer sie hören wird, wird rein werden. Und es wird keine Hexen mehr geben, die Gott lästern korrnen. Der Gott, der Erden kreisen ließ, damit sie sängen, ist zu groß, als daß ein Mensch ihn lästern könnte. Um der Vielen willen, die meine Lehre retten, wird vor dem Urteilen und dem Vcrurteiltwerden, vor dem Richten und der Folter: um der Vielen willen möge Gott nur die Kraft geben, diese eine, meine Mutler zu opfern. Noch schwerer wird mir dies werden denn zuvor; denn nun weiß ich, daß ich doch ihr Sohn bin. Sie horte den Sang der Sterne in Dumpfheit, ich in Klarheit: ihr Aberglaube ist mem Genius: den wirren Trieb der Mutter in mir zu läutern zur Weis- heit: das ist meine Aufgabe und mein Vermögen. Ich muß ihr dankbor sein, und ich muß sie doch opfern. Ich weiß wohl, daß die Menschen im Anfang zu klein sein werden für meine große Lehre, wie ich es selber war. Gottlose Herren werden kommen und Kriege und Umstürze, Pest der Leiber und Aussatz der Seelen. Aber am Ende wird alle Dissonanz gelöst sein in Harmonie." Bewege dich, meine Erde, und töne!" Und Johannes Kepler hob die gerundete Hand in die Höhe, öffnete sie leicht und ließ mit einem leisen Stoß eine imaginäre Kugel hinausrollen zwischen die abertausend blitzenden Kugeln vor ihm und über ihm: und es war ihm, als wüchse sie bald zur Größe der Erde, und als klänge sie auf in einem brausenden Ton.— — Zur vierten Stunde fand Kepler sich im Richthause ein: er trat zu Martinus Einhorn und sagte fest:„Ich widcrnisc nicht. Dereinst hoffe ich Euch zu überzeugen. Einstweilen bitte ich Euch um Christi willen, meine arme Mutter zu schonen, so weit Ihr es vermögt." Der Burgcmeister antwortete ihm mit unbewegtem Gesicht: „lieber Nacht ist ein Bote gekommen aus Tübingen. Die hohe Fakultät hat gestern, zu später Abendstunde, das Urteil in Sachen der Katharina Keplerin gefällt. Es ist bestimmt worden, daß die Beklagte noch eininal einem scharfen Verhör zu unterwerfen sei, im Angesicht der Folterinstrumente, aber ohne sie anzuwenden. So sie dann nicht gestehe, sei sie los und ledig zu sprechen. Das Verhör ist bereits geschehen. Katharina Keplerin hat nicht gestanden. Ich könnte sie halten unter irgendeinem Vorwand: mir liegt nichts daran: Ihr wißt, woran mir lag. Nehmet sie hin und gehabt Euch wohl!" Das Gottfriedle kam und legte Johannes die Mutter in den Arm: sie schlief fest nach den fünf Tagen der Wachsoller und sah den Sohn nicht. Johannes Kepler neigte sich gegen Martinus Einhorn und trat aus dem Richthaus auf den Platz, der davor war; in feinen beiden Armen lag leise atmend der leichte Greisenlcib seiner geretteten Mutter, und über seinem weißen Gesicht war der samtene Himmel noch immer strahlender Sterne voll. Srna �Ufhig: Aeffchen und Jßeiermann Im Weltkriege war er einer der«rsten Verwundeten. Die Ver- lelzung war schwer. Sein rechtes Bein wurde ihm abgenommen. Nach den wirren Tagen der Schmerzen, der grauenvollen Fieber- träume, der Schüttelfröste nach den Narkosen und des dumpfen Hiichämmcrns nach den starken Schlafmitteln, hatte er wieder Ver- langen nach dem Leben.' Er war ja noch so jung, er wußte ja eigentlich überhaupt noch gar nicht, was das Leben war. Im Kronkenhaus wurde er verhätschelt, das muß man sagen. Er war doch immerhin einer der ersten Verwundeten— was zu bedenken ist—, und er lag im Lazarett seiner Heimatstadt. Sein Lehrer kam persönlich und sagte ihm, er müsse stolz darauf sein, dein Vaterland dieses Opfer bringen zu dürfen. Die Frau Super- intendent kam persönlich und brachte zwei Arme voll Liebesgaben, die der Frauenverein gesammelt hatte, und sie sprach solch' er- mutigende Worte, daß man zu guter Letzt glauben mußte, nur für die Einbeinigen habe das Leben feine Schönheiten reserviert. Ein Herr Fabrikdirektor fuhr mit dem Verwundeten spazieren, ja, er zeigte sich mit ihm im offenen Zluto, da er insgeheim hoffte, diese patriolijche Tat würde seinen Antrag auf Kricgsliefeningen unter- stützen. Wirklich, es kümmerten sich alle um den 5lrüppel. Die Mutter zwar, die weint« Insgeheim. In der Oeffentlichkeit freilich trug auch sie guten Mut zur Schau: denn bei der allgemein ge- hobenen Stimmung würde ihr selbst der schwächst« Schein von Traurigkeit als strafwürdige Miesmacherei ausgelegt worden sein. Dann kam die Zeit, wo der Krüppel anderen Verletzten Platz machte. Es kam das endlose Sterben des Krieges, es kamen Hunger und Inflation und den Krüppel traf noch im besonderen der Tod der Mutter. Es war viel Leid für den einzelnen, aber der einzelne schwamm mit in der Not der Allgemeinheit. Endlich kamen die normalen Verhältnisse. Nun hieß es für den einzelnen, sich einordnen. Der einzelne wurde nicht niehr so wuchtend bedrückt von der allgemeinen?!ot, sie hatte sich ausgelöst in viele einzelne, traurige-Fälle. Vorwärtskoininen, festen Fuß fassen, das waren die Ziele, die für den einzelnen Tagesinhalt wurden. Die großen Betriebe wurden gezwungen, Schwerkriegs- beschädigte einzustellen. So fand auch unser Krüppel ein Unter- kommen. Man nahm ihn nicht mit Freuden auf, 0 nein, denn die Verhältnisse lagen so, daß für diese eine Stelle sich hundert Be- n«rl>«r meldeten, von denen zehn Freunde im Betrieb« hatten, die sie gar zu gerne untergebracht hätte». Der Krüppel also hatte das große Los gezogen. Er hatte die viellimworbene Stelle bekomnien und nicht eininal wegen seiner Fähigkeiten, sondern weil er Krüppel war. Man sagte es nicht laut, aber indirekt war man ihm gram Er stand den Gesunden, die arbeiten wollten, die arbeiten pzpßten da sie Pflichten hatten, im Wege. Eine Wand von Mißmut baute sich gegen ihn auf. Cr klagte, sofort schalt man ihn übelnchmisch. Da ward er still und fraß allen Kummer in sich hinein. Darum kam er mit keinem Menschen in Fühlung. Zuletzt ging er frei- willig, weil er von der eigenen Verbitterung nicht ausgesresscn werden wollte. Zrvei-, dreimal passierte ihm das gleiche. Da hatte er es satt, der Störenfried zu sein. Cr mietete sich eine Drehorgel und ging aus die Hos« spielen. Seine Rente und die Musik ernährten ihn kärglich. Ans Heiraten dachte er nicht, obzwar er wohl«ine Frau hätte bekommen können; denn es gibt Frauen, die durchaus heiraten wollen, es gibt Frauen, die immer denken, sicher ist sicher, und denen«ine verbürgte Rente, selbst wenn sie an und für sich noch so klein ist, ein ungeheures Vermögen bedeutet, und dann gibt es Frauen, die wollen durchaus etwas Appartes, und wenn es ein Krüppel ist. Doch er blieb allein, er dachte an die Wohnungsnot, und er dachte an seine Erfahrungen mit den Menschen. Er hatte kaum mehr Sehnsucht nach den Menschen, er hatte nur noch Verlangen nach einem Lebewesen. Und da die Armut immer wohltätig ist, wenn sie nickst gerade magen« krümmend hungert, kaufte er einer alten Frau einen Affen ab. Der Sohn, der ols Matrose fuhr, hatte das Aeifchen mitgebracht. Doch die Alte war sehr ordnungsliebend und der Affe war sehr spielerisch. Die Alte wurde oft nickst satt, sie halt« es gelernt, ihren Magen zu beherrschen, der Affe aber versorgte sich selbst: wenn sein Magen knurrte, Pohl et alle» Freßbare rnid mußte es stets z» errekchen, Dieferhalb wechselt« der Affe seinen Besitzer mid kam, wie schon gesagt, zu dem Leiermann. Doch brachte der Asse ihm kein Glück. Die Drehorgel war zwar immer umlagert, aber der einzelne inusik� freudige Teil fiel nun nicht mehr so auf, er fühlte sich nicht mehr verpflichtet, und viele drückten sich und gaben nichts. Wieder andere dachten nur an den Affen. Früher gaben sie dem Lcjer mann einen Sechser, jetzt gaben sie dem. Assen ein Stück Zucker. Der Affe bekam mitunter zehn Spiegel an einem Tag, der 9lfic bekam sogar Röckchcn und Jäckchen. Und der Leiermann? Run man tröstete sich, als Kriegsinvalide bekam er doch seine Rente. Wie gut es ihm ging, das sah man doch, er konnte sich sogar emc:> Affen holten. Irgendein hämischer Mensch tat diesen Ausspruch. und viele Leute, welche die Rot mißgünstig gemacht hatte, sie sprachen ihm nach. Der Krüppel jedoch treNnte sich nicht von dein Affen. Er trotzte seiner ganzen n,ißlaunig«n Umwelt, er schloß sich fest an das Tier. Cr wollte von keinem Menschen mehr ctwas wissen. Nie tat er den Mund ans zu einer erleichternden Aussprache. Der Asse war mit der Zeit bös« geworden. Er haßte die kleinen Kinderhände, die ihn oft kniffen, er haßte die dünnen Kinder- stimmen. Er wollte weder gerufen noch gestreichelt werden. Er sprang die Kinder an. er biß. Bald mied man dieferhalb de» Leiermann, aber er trennte sich nicht von dem Affen. Beide wurden krank, beide husteten, und der Winter war lstirt. Der Mann blieb nicht zu Hause, in wahrer Verbissenheit spielte er Tag für Tag abgeleierte Schlager. Das Aeffchen kroch dicht o» ihn, es war nur noch ein kleines, mit dünnem Fell behangcnes 'Gerippe. Beide schleppten sich nur noch mühsam durchs Leben, beiden zerriß die Kälte die Brust. Und eines Abends, als der Mann noch mit letzter Kraft Wasser auf die Gasslamm« gesetzt hatte, um etwas wärmenden Tee zu kochen, wurden beide von ganz besonders hesligcn Hnstcnanfällen geichiittclt und sie starben beide in der gleichen Nacht, das heißt, ihre Körper; denn ihre Seelen waren schon lange in dieser kleinlich keifenden Welt des nnßmutigen Alltags verendet. ä)atid jCufdmal: JtbfcHtCd Die Dinge fordern ihren Abschied von uns, alle Dinge, die uns verlassen müssen, weil sie uns jremd wurden. Dieses letzte Geschenk fordern sie, daß wir den Knoten lösen, der uns mit ihnen verband. Sie möchten noch einnial unseren segnenden Atem fühlen, unsere liebende Hand, ehe sie'uns entgleiten. Die Dinge wissen, daß wodurch das Abschiediiehmen unaufhörlich an sie geicsselt werden. Später taucht Erinnerung inahnend und klagend empor. Die Träne des Abschieds trocknet niemals. Wir denke» an die Stund« der Trennung, und unser Herz schmilzt wie Wachs. Schmer, choft fühlen wir die Unwieiserbringlichkeit der Dinge, die nicht mehr sind, die uns wenigstens nicht mehr sind, was sie uns waren. Unaufhörlich nehmen wir Zlbschicd und segnen Dinge, die uns entgleiten. Denn alles rinnt dem Menschen unter den Händen iori inje Sand. Immer leerer wird es um uns. Die Einsamkeit wächst. einem Walde vergleichbar, und überschattet uns mit lanrloscii Wipfeln. Die Zeit scheint nahe, wo wir nichts mehr haben, von dem wir Abschied nehmen könnten. Dann vielleicht werden wir empfinde» lernen, was Gott empfand, als er von den Menschen Abschied nahm. Sperlingsskerben. Auf den Shetlandinjeln und auf Fair Isle. einer kleincn Insel in der Näl>e. gab es bisher Sperlinae in Hülle und Füll«. Seit dem Jahre 1S26 nimmt ihre Zahl erstaunlich schnell ab, und man weiß jetzt nur noch von ganz vereinzelten Tieren?ii berichten. Mnn führt das Aussterben der Sperlinge auf irgendeine Krankheit zurück, konnte aber bis jetzt noch nichts Genouercs darüber ermitteln. Die Bezeichnung Karat hat ihren Ursprung in dein arabischen Worte„Kirat", dos eigentlich der Name für den Samen des Bröl- sruchtbaums ist. Dl« arabischen Juwelschäudler wendae» wimstöi ftüher diese» Samen beim Wiegen an. Ilr. 45* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 28. Ianuar 4934 Aus der Partei. Kulturziele im Abwehrkampf. In einem Artikel„Kulturreattion und Faschismus* behandelt der Vorsitzende des Sozialistischen Kulturbundes. Heinrich Schulz, in der soeben erschienenen Januarnummer der„S o z i a l i st i s ch e n Bildung* die gegenwärtige kulturpolitische Situation. Es gilt, iiihrt er aus, dem Faschismus auch in kulturpolitischer Hinsicht einen Damm entgegenzusetzen und gegen die immer stärker werdende Kulturreaktion vorzustoßen, denn dieser Kampf ist«in Bestandteil unseres allgemeinen Kampfes gegen den Faschismus. In engem Zusammenhang mit diesen Ausführungen steht eine Abhandlung von I. Albert„Politischer Katholizismus und Nationalsozialismus", in der die inneren Gegensätze zwischen dem Katholizismus und dem Nationalsozialismus«ingehend dargelegt werden. Es wird hier der Nachweis erbracht, daß der Katholizismus in Deutschland aus wohlverstandenem eigenen Interesse der nationalsozialistischen Welle Widerstand leisten muß, wenn«r nicht seinen politischen Einfluß preisgeben will. Ueber die tagespolitischcn Sorgen und Nöte hinaus erheben sich die Ausführungen des preußischen Staatsministers A. Grimme,„Die Wissenschaft und die Arbeiter", die er bei der Vierzigjahrseier der Berliner Arbeiter- bildungsschule am 11. Ianuar gemacht hat. Eine Kursnsdisposition von Eh. Döring„Kapitalistische Tatsachen und nationalsozialistische Phrasen" sührt wieder zurück in die tagespolitischcn Kämpfe. Sie saßt schlagkräftiges Material im Kamps gegen das nationalsoziali- stische Analphabetentum zusammen uird sckiasst damit wertvolle Unterlagen für die Vertiefung unserer antifaschistischen Ausklärungsarbeit. — Neue Wege zur Eroberung des Films weist schließlich Mario Härder in ihrem Artikel„Das Kino im Dienste der österreichischen Arbeiterbewegung", in dem äußerst interessantes Material über die Tätigkeit unserer österreichischen Genossen auf dem Gebiet des Film- wescns mitgeteilt wird A Sozialistische Arbeiterjugend Grofl-Serliv Mnsendmiar» Rh Jinhrll nur an tat Jnatntfrtreleft« ."«flln ff OB«8, tlnbortrob' Wanderlkiterkvnfcrkn, morgen.?on»er»!aa. W.? Uli?, im GitwngsfaaT des iNrandinburgcr Bezirks.»W., Linden ftr. 3, 2. Löf, 2 Tr. links. Adolf Lau fprickn über..Soziales Wandern". Singkreis! Die erste zufammenkunft des Sinqkreifcs findet am Donners. !ag. ö. gcbruar, lS?? Ubr, im iäeim W�lld-inomstr. ö iNäde Blif. Wediing), statt. Sangesfrcudigc Genossen können dort rnckeinc». MLdcliursu» iiber graucafragcn: i. Abend moraen, Donnerstag, vilnktlich 20 UIn. im Vortragsfaal des Lindenstr. 3, 2. Löf, 2 Tr. links. Genossin Nätlic Kern spricht Uber»Die grau in der Bartei". Heute. Mittwoch. IgiA Uhr. Gosundbrunnen 13: Gk>ristianiastr. 38:..Was will die RSDAV.?"— Ai drcosplast: Brommnstr. l:.Proletarische Tcstgcstaltung".— grankfnrter Viertel: Trankfurtcr Alle« 307:„Weltwirtschaftslagc und Dienstpflicht".— War» Iiiauce Viertel: Besuch des gabladends der Partei.- Lniferstadt: Wafferlor. strastc 3:.Lcinrich Seine und seine Werke".— Westend iAeltere): Besuch des 3alilabends der Partei.— Wannlee: Gharloltenstranc: Iean-Peek-Abend.— Tem�clhof: Gotiltraste: Ist.Minu'en-Ncferate.— ReuIZII» III: zirtbenstr. 38: Probe.- Vlariendorf ll: Besuch der Gcncralversammluna der Partei. Treff. vunkt lstrt. Ubr.Mali".— gaulsbors: Adolfstrastc:„Scruellc Fragen".— Friedrlchsfelde: Guntcrstr. 4t:„REDAP."— Lichtenberg. Mitte: Schgrnwebcr. strafte üsti.Lagers Geburtstag".— Reu.Zichteoberg: Sauffstrafte:.Der moderne Luftvcrkebr".— Pankow III. R. F.: Sifsinqenstr. 48: Lichtbilder:.„zwei Jahre Uioie Vollen". SS®,«euköll» tAcltcre): Bergftr. 2S:.Die politische Lage", 2. Teil. oellsnliielis«unogeiiungsn Z. Urei; VeaataK. kreitsg, zo. Ianuar. llbr. In cken pharus- sülen.«ollerztrsbe 142. Ikema: DCT NaliÖnalSOZialiSmUS— SCllI ADfStteÖ und Ende. Redner; Staatsan w. Dr. Hosgner, M. d. R. 20. Breis Reinidfendorf. Freitag. 30 Januar, 19". Uhr. im Strand- schiob in Tegel. Thema: Nationaler SozlalismQS— VOlKl- belrng. Redner: Landtagsabgeordnefer Erich Kuifner. Männer und Frauen, helft den Faschismus bekämpfen, erscheint in Massen I Werbcbezlrl Tiergarten: Walinenferstr. 20: Wichtig« Sprechchorprob«. Werbebezirk Prenzlaurr Berg:„Bote Sötte". Leim Sonnenburger Str. 20. Werbe bezirk Rculölln: 1i>4 bis 1!l>e Uhr Sprech- und Arbeitsstunden, Baracke Ganghofcrstrafte.— 18>.Z Uhr rbcndort Zusammenkunft des Wander- ausschulles.— ISH Uhr Sprechchorprob«, Rannet Strafte.— Morgen: Fahrt der Erwerbslosen nach Strausberg— Ticfensee. Treffpunkt 14 Uhr pünktlich Bhf. Neukölln. Stenoheftc mitbringen. kinfendungen für diese Zlubrik sind Berit» SW«8. Lindenstrafte 3. T parteinachnchten für Groß-Berlin stet» an dg» Bezirkefekretariai !. Hof, 2 Treppen recht», zu richte» ä. llrris Zricbrichshai». Die Abteilunaskafsterer rechnen die Billett» zum .Seiteren Abend" im Taalbau Friedrichshain mit dem Rrciskafstercr ob. 17. Rrei» Lichtenberg. Bildnngsausfchuft: Donnerstag, iszz Uhr. Rursu» „Mensch und Maschine", Leiter Alera:edcr Ziosam, im Nathan», Möllendors. strafte. Zimmer 23.— Freitag. 30. Zanuar. 131» Uhr, wichtig« Tiftung, Buchrre! Weichselstroft«. Wahl des Obmannes. Heule. Mittwoch. 28. Ianuar. 3. Abt. 1SU Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. 8. Abt. Mitgliederversammlung 20 Ubr im NationalKol, Bstlowstr. 37. 1. Ravitalismus— Sozialismus". Referent Wolfqang Schwarz. 2. Bor. stand»wählen. 38. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung in Schmidts Gcscllschaftshaus, Frucht» strafte 30-!. Fabresbericht, Aussprache, Rasscndericht. Der Bezirk 160 stellt die Saalkontroll«. 39». Abt., Groftsiedluu» Brist. Berichtigung! DI« Einäscherung de» Genoflen Rgrl Vierbücher sirdet heut« um 131- Uhr, nicht 1714 Uhr, im Rrematoriuin Banmschulen-oeg statt. III. Zlbt. Bohnedorf. Die Parteibibliothek befindet stch im Lokal Leimann, Waltersdorfcr Str. 100, und steht allen Genossen unentgeltlich zur Per- iügung. Geötsne' 201- bis 211- Uhr. 128. Abt. Pankow-Süb. Die Zahlabende finden mit der neuen Einteilung in den neuen Lokalen statt. Besondere Einladungen sind herausgegangen. 136. Abt. Reinickendors.Ost. 1314 Uhr im„Schüstenhaus", Neinickendorf-Ost, Nestdenzstr. 1, Gsneraloer-ammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes vom Jahre 1930. 2. Neuwahl des Borstandes und der Rom- Missionen. Das Mitgliedsbuch ist an der Rontrollc vorzuzeigen! Donnerskaq. 29. Ianuar. 81. Abt. Frledena». 20 Uhr Generalocrfammluna im Gcsellschaktszimmer des Rathause», Am Lautcrplast. Berichte, Neuwahlen. Arbellerbildungsschule Verlin. 1. Nr-!, Mitte. Eophienschule. Weinmeisterstr. 16—17. Der Rurlus»Der, fassungsrechtliche Gegenwartssragen", Lehrer Dr. Ernst Fvaenkel, wird fort. gescftt und beginnt wieder am Donnerstag. 29. Januar. I9rz, Uhr." Gegenstand des Rursus soll der Bersuch lein, die jeweilige politische Entwicklung auf � ihre verfassungsrechtlichen Auswirkungen zu untersuchen. Neben den bisherigen, können auch neue Körer am Rurius teilnehmen. Das Hörgeld beirägt für den ganzen Rurlus— 8 Abende— 2 M. 10. Rtei» Zchlendorf. Freitoa. 30. Januar, 20 Uhr, beginnt im Jugendheim Bahnhofstr. 3, nahe Bahnhof Zehlendorf, der Rurlus des Genossen Dr. Otto Manchen über..Sowsetruftland". Genosse Mönche» ist ein guter Renner der russischen Berhällnissc in der Vorkriegszeit, wie auch in der Zeit nach der Revolution. Das Lörgcld deträgt kür den ganzen Rursus 2 M. Zahlreicher Besuch erwünscht. Bezirksausschuh für Arbeilerwohlfahrt. 3. Rre!» Wedding. Donnerstag. 29. Zanuar. I9'4 Uhr, Arheitsaemeinschoit der Facktgruppe Iugendwohlfahrt im Vcrwaltunnsqebäudc, Müllerstr. 146—147. 4. Stock. Zimmer 421. Ncferent Genosse Mendeliohn. 7. Rrc>« EKarlottcnbnrg: Freitag, 30. Zanuar, 191� Uhr, he! Reimer, Wilmersdorf«! Str. 21, Zahrcsversammluna und Neuwahl. 13. kreis Tcmpclhof, Rariendorf. Maricnfclde. Lichtenrade. Donnerstag. 23. Ianuar. 19 Uhr. Aula der 2. Gemeindeschul«, Tcmpelhof, Wcrdcrstraftr sIugendbllhne), Filmveranstaltung:»Der Immcnhof" und„Der Weg einer Proletarierin". Reierentin Genossin Paula Rurgaft. Seminar für Wohlsghrtspslcg«: Freitag, 30. Januar, 20 Uhr. Sophien. Lnzeum, Weinmeisterstr. 16—17, testier Rursusabend:„Psnchologie der Gegen. wart". Slrbeilsgemeinschafl der kinderfreunde Grosz-Berlin. Gruppen Rottbusser Tor, Reiibcnbergee und Görlister Strafte: Mittwoch. 28. Ianuar. um 20 Uhr, Elternversammlung im Bristet Keim. Fortscstuna der Diskussion:„Die modern« Schule". Rrei» Friedrichehain: Donncrslag, 20. Ianuar, Rrcisturnabend für rote und Zungfalken, Turnholle Schule Roppenstrafte.— Gruppe Landsberger Plast: Keuic, Mittwoch. Lich�bilderabend für alle im Keim. Geburlskage. Zubiläen usw. 9. Abt. Unser Genosse Engen Prager, Rathenower Str. 3, ist am heutigen Tage 39 Jahre Mitglied der Partei. Wir gratulier«»»«rzlichst dazu. 42. Abt. Unserem Genossen August Rosenbcrg zu seinem 39jähr!gen Parteijubiläum di« besten Glückwünsche. 117. Abt. Lichtenberg. Unser lieber Senosse Robert Müller, Soeth«. straft« 21- feiert feinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren ihm herzlichst. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei» Organisation 23. Abt. Di« Beiseftunq de, Asch« unsere» ermordeten Senossen Willi Schneider und dir Gedenisteinenthüllnng für dielen findet am Sonnabend, 31. Zanuar, 13 Uhr. in Friedrichs selbe statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Abt. 39a(Zahluvorgeul. Am 20. Ianuar ist unser liebes Mitglied, der Ge» nossc Rudolf Weimar, gestorben. Ehr« seinem Andenken! DI« Ein« älckferung hat gestern stattgefunden. 90. Abt. Neukölln. Unser Genosse und langjähriger Funktmnär Ker- mann Müller, Fuldastr. 42. ist am 24. Ianuar vlöstlich verswrbcn. Ehre ielnem Andenken! Din Einäscherung findet am Donnerstag, 29. Ianuar. 17 Uhr, im Rrcmatorium Boumschulcnwcg statt. Um rege Beteiligung wirb gebeten._ Voriräge,VereineundVersammlungen. gTljt Reichsbanner„Sdjroatz-RoJ-fflold". GelchästsN-lle: Berlin S 14. Eebastzanstr 37-38 So' 2. Tr. Gauoorstaub. Alle bei der BVG. befchSfügten Ramcraden erscheinen Donnerstag, 29. Januar, ia den Rammerfälen� Telwwcr Str. 1— 4, Grvftcr Saal.— Donnerstag, 29. Ianuar. Reuköllu.Prlst, 1. Kameradschaft: 20 Uhr Versammlung, Rottbusser RIaus«, Rottbusser Str. 90. Neuwahl. Treptow(Ortsverein): 20 Uhr Uebungsabcnd aller aktiven Rameradan in der Turnhalle Oberfchöneweid«, ZSattstrofte. Turnschuhe erforderlich. Wintersport. »btciluug: 20 Uhr in Schneiders Kotel. Rönigstt. 33, Monatsverfammlung. Fahrtenbesprechnng der Thürinqenfahrer. Bilderaustausch und Besprechung der Perbandsmeisterschast.— Freitag, 30. Zanuar. Bohn»borf.Srüuau(Jung» bannet): 20 Uhr im Jugendheim Wachtelstr. l. Diskutier» und Gesangsstunde. Reinickendorf-Orlsverein): 19 Uhr Antreten zum Saalschust in Tegel, Strand- schlaft, zur anlifaschistischen Rundgcbung. «rbelter-Elterninab Welftenscc. Der Unlerrlcht wr die Jugendweihe der Sozialisten und Freidenker begann am Dienstag, 27. Ianuar, 16 Uhr. in der Schule Wilhelmstr. 42. Daselbst werdest jede» Dienstag Anmeldungen zur Iugendwelbc entgegengenommen. Ebenso bei den schon bekanntgegebenen Stellen. Sie Iugendwcibe findet am Sonntag, 23. März> 9 Uhr, in der Stadthalle. Pistoriusstr. 23. statt. »n irllo» L»el:sn 0 va inst lttub: hliltvvcb, 79 HIbr. Aabnärrtebaus Slllow- straBe 104. Guttrnannsaal: Mr. Alice Behrend:„Hugh Walpole." [gteginti ab?rtonteg» den 2. Februar j WSsdiesrolie RandlQdier Beirdenlnch 80 oM« Rein Hako80cn, M,r of«- Linon so cm, Mi?. 0.70,».»0 Linon I30 cm, Mir. 1.3». 1.05 Raustacb 140 cm... mu. Baastnch i» cm. mu-. 1�0 Rolmessel�cm«f X: 0.38 0.48 0.40 0.78 1.25 1.35 0.35 48 0.25 0.05 0.1 S Bett�arnUaren Linon i�ugu�Kissen 2 25 KOchenhandtücheros» Stabenhandtücher KfichenhandtDChstoff 53 cm breii.......... Mtr. Staubtücher Wischtücher Ä1"«.« Rolltücher Reinietnen,80'130 FroUierhandtücherSe A mit kleinen t ehlern o 88, 0 78 frottierbadetfleber so/ioo 1.25 0.35 0.08 0.38 1.05 Diffllü,grB V.V? Damen-Trägerhemden ft&5 1.45, 1.10 IfeO? 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Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Bestattung mctner lieben Frau, unserer guten Mutter Helene nlährig sagen Wik hiermit allen Benvaudten und Bekannten, insbesondere den tfienosfinnm und Genossen, sowie bey Sprechern für die trostreichen Worte und den Mietern der Häuser Seibvn- weg 82 und Zoster burger Straße 29 unseren herzlichsten Dank. Paul I ädrig und Kinder Lieschen und Oerhard. Danksagung Für die vielen Beweise herrlicher Teilnahme bei der Elnästherung meines lieben Mannes, uuseres guten Vaters, Sohnes, Schwiegersohnes, Bruders und Schwagers Paul Letz sagen wir allen Verwandten. Bekannten, den ICollegtn sowie dem Deutsehen Baugewerksbund, der Sözlaldamokratischen Partei, 79. Abt. dem Verband der HauSarrtveteine und den Studien- genossen unseren aufrichtiger) Dank. Die traaerndeD Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Blumenspenden bei derEinäscherung meines lieben Manne«, unseres guten Vaiers, Schwagers, Schwieger- und Großvaters Emil Joppien sagen wir allen Freunden, Genossen und Genossinnen, sowie dem Oesangverein..Männerchor Prenzlauer Berg", dam Deutschen Metallarbeiter-Verband und dorn Reichsbanner Schwarz-Ror-Qold unseren Uefgefühltesten Dank. Ww. Ida toppies nebst Kinder. Hteine Anzalgetx wirkuttQSvoii und btUig- \ UVaraahriftswrorT 25 Et.. Taztwwr» 12/ Wia«arkalufi»5rab«tt!»0 mal 5'#, 20 moi 1000 Wort* Abschhoa IDT.»OOO Wovt« TS*. 4OO0Wa*to20S 1 St*JI*na*sveh.: UbortctiriFtawort 15 Ft.. T*«»wort TO f«. Annahm* dwrth Mao Verl««, l.r.d*f>«fr. 3(<|9 b:» 5 Uhr., und Vorwärt* hlkllom u. avagoba>t*«ow uemeuie ] Tespichhaus Emil Btionrt. Berlin. seit 1882 nur Oranirnstraße 138. Fahlunascrleichlr» rung ohne Aufschlag. Neuer Kala- log kostenfrei._ Oese». eiserne, seder Ar! nndGräße von I2L9 Äiark. 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