BERLIN Donnerstag 29. Januar 1931 erschetsttiglicha-ßerSonntas«. Zugleich Abendausgabe de«.vorwärts'. Beplgsprei« beide Ausgabe» SS Pf. pro Woche, s,«oM. pro Monac. Redaktion und Expedition-, Berlin SW SS, Lindenstr.S 10 Pf. Nr. 48 B 24 48. Jahrgang Anteigen»rei«:Die einspaltige Nonpareilleteil« So Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif, Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönboff 292 bis 297 Berliner Bürgerkriegstruppe Enthüllungen aus Hakenkreuz-Geheimdokumenten Der l a r m ein republikanisches Organ zur Bekämpfung der Nationalsozialisten, ist in der Lage, genaue Ziffern über die Stärk« der nationalsozialistischen Organisation in Groß-Berlin zu geben. Cr führt zahlenmößig die Stärke der„Standarten' und der einzelnen„Stürme' vor. Seine Angaben gehen auf parteiamtliches Material der Rationalsozialisten zurück. Insgesamt betrug die Mitgliederzahl der Nationalsozialisten für Groß-Berlin am 1. November 1930: LA.-Leute..... 22SS Parteimitglieder». 4546 zusammen 6815 Noch nicht 7000 organisierte Nationalsozialisten in Groß-Berlin, aber einen bürokratischen Apparat, als wären es 200000, und das große Maul, als ob es ein« Million wäre! Die Zahl der organisierten Kommunisten in Groß-Berlin be- trägt rund 15000, die Sozialdemokratische Partei verfügt in Groß- Berlin über mehr als 80 000 Mitglieder. 80 000 organisierte Sozialdemokraten! Ihre Zahl muß sich oerdoppeln und verdreifachen, das ist die beste Antwort auf alle reaktionären und putschistischen Pläne! Militärorganisaiion. Vorbereitung auf Älutlaien- OA-Aerzte. Au« einem Gehelmbefehl Oslbe 10 30: SA. aus Lastkraftwagen sind noch ZNäglichkeit immer zwei Motorradfahrer in Zivil mikzugeben. Einer voa dlefen fährt so weit voran», daß er besondere Ereignisse lH 0 l I z e I— Gegner) rechtzeitig dem SAZ. melden kann, damit qegebenenfalls Umleitung der SA. möglich ist. Der andere fährt hinler dem Lastwagen drein, um mündliche oder lelephonische Nackwicht von etwaigen Zwischenfällen nach rückwärts geben zu können. Die Namen aller Sta-Aerzle sowie deren Ad essen sind umgehend ,n melden..?ür die Zeil des Aufbaues verkehrt Oberarzt Ost mit den Sla-Aerzlcn direkt. Die Sta-Aerzte haben bei sich bietenden Gelegenheilen den Staf. über den gehabten Schriftverkehr und den Fortgang der Arbeit zu orleniieren. Hakenkreuz und Reichswehr. Schärfste« Mißtrauen gegen Neich-wehrleitung. Au» dem Gaurundschreiben Nr. ZS vom 1. Dezember 1930; „E» wird in Erinnerung gebrachk, daß es sämtlichen Partei. genossen verbalen ist, sich an irgendwelchen etwa von Reichswehrbehörden veranstalteten Kursen oder Uebuagen zu beteiligen, wir müssen der gegenwärtigen Leitung der Reichswehr da« schärfste Mißtrauen enl- gegenbringea. Pg� die sich mit der Reichswehr einlassen, begeben sich in Gefahr, von dieser vor Gericht im Stich gelassen zu werden. Sie gefährden außerdem durch ungesehliche Der- bindungeu unmittelbar unsere Freiheitsbewegung. Ueber versuche der Reichswehr, mit Pg. in Verbindung zu treten, ist dem Gau sofort zu berichten.' (Siehe auch 2. Seite.) Reue Razibluiiai. Ein Kommunist im Lokal niedergestochen. Zu dem Naziverkehrslokal Hebbelstraße 20 in Eharlottenburg. das schon wiederholt der Ausgangspunkt blutiger Zwischenfälle in der Gegend gewesen ist. wurde gestern abend der Arbeiter Max Schlrmer aus der Schul- straße niedergestochen und lebensgefährlich verlcht. Schirmer ist Mitglied der Kommunistischen Partei. Es scheint, daß er da» Derkehrslokal der hakenkreuzler aufgesucht hat. um dort Erkundigungen anzustellen. Sch wurde jedoch von den anwesenden Hakentreuzlern erkannt und als er das Lokal verlasien wollte, von den Burschen umringt. Einer der Hitlergardisten zog ein d o l ch- artiges Messer hervor und stach Schirmer von hinten nieder. Die Politische Polizei hat bereits-einen National- sozialisten, der im dringenden Verdacht steht, die feige Mordtat oerübt zu haben, verhastet. Oer Schreck in der Nacht Rachtgespenst-Einbrecher schildert seine Beutezüge vor Gericht Am 20. März vorigen Jahres fand die Angst der Charlottenburger. die Monate hindurch von einem Einbrecher heimgesucht wurden, dem man in dieser zu Ueberlreibungen neigendea Zeit das wort Nachtgespensl beigelegt hatte, ia einiger Ausregung lebte, mit der Verhaftung de» vielfach vorbestraften Joseph Zanoschka ein unerwartete», ganz prosaische» Ende. Zanoschka war in der ge. wohnten weise in die Parterrewohnung des Revisors Sebastian. Pestalozzistr. 4. eingedrungen, hatte die Eingaugstür mit einem Dietrich geöffnet, die Sicherheilskeiie mit einer Zange zerschnitten. die elektrische Sicherung ausgeschaltet. Zrau Sebastian erwachte aber. Zanoschka mußte sliehen, wurde versolgt. sprang auf dem Bahnhof Wedding auf die Schienen und blieb mit gebrochenen Beinen liegen. Da» Charlollenburger Nachtgespenst war dingfest gemacht.'• * heute steht es vor dem Schöffengericht Charlottenburg— ein 39iähriger, mittelgroßer, breitschultriger Mann, kräftig und von strotzender Gesundheit, nichts Gespenstisches an sich. Neben ihm der 29jährige Spierka, kleiner und blasser, aus der hast im. Zucht- Hauskleidung vorgeführt. Ianoschkas Vorstrasen beginnen im 13. Lebensjahr und erreichen im Jahre 1926 die stattliche Zahl von 13— Summa Summarum 15 Jahre Gefängnis und Zuchthaus. Spierka kann nur vier Vorstrafen aufweisen. Während diesem nur zwei gemeinschaftliche Einbruchsdiebstähle zur Last gelegt werden, smd es bei Ianoschka 19 vollendete schwere Diebstähl«, vier versucht«, vier weitere teils vollendete, teils ver- suchte schwer« Diebstähl« in Tateinheit mit teils vollendeten, teils versuchten Notzuchtsverbrechen, fünf Fälle Freiheirsberaubung, zwei Fälle Führung einer Waffe. Bei seinen Einbrüchen bediente sich Ianoschka stets«in und derselben Methode. Er stieg nur in Par- terrewohnungen ein. In d«n Fäll«n, wo er eine schlafende Frau vorfand, befolgte Ianoschka das bekannt« Dichterwort:„Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt' So sagt er zum Beispiel«in- mal:„Schweige, oder ich schieße, habe keine Angst, ich tue dir nichts,... In einem anderen Falle beruhigte er di««rschöpfte Gesetzeshüter Frick „3e älter ein Gesetz ist, desto anwendbarer erscheint es mir' Frau mit den galanten Worten:„Sei ruhig, wenn du nur einmal um hrlfe rufst, so schlitze ich dir den Bauch auf. Stelle dich nicht so dämlich an....' Das Schicksal eines Llmhergestoßenen. Ianoschka schildert sein Schicksal,.„Ich bin', erzählte ex, „als uneheliches Kind eines hohen Bergwerksbeamten in Schlesien geboren. Meine Mutter, aus katholischen Kreisen stammend, mußte. Von Dynamit zerrissen! 35 Arbeiter auf entsetzliche Weise umgekommen. Explosionskatastrophe in einem Bergwerk. London. 29. Januar. Bei einer Explosion von 15 Kisten Dynamit im Betty-Bergwerk in Indiana haben, wie aus Linton gemeldet wird, voraussichtlich sämtliche 3 5 Berg- arbeit er. die in der Grube beschäftigt waren, das Leben verloren. Bisher wurden fünf Leiche« ge- borgen. Ein Mann, der noch lebend an die Oberfläche gebracht wurde, starb kurz darauf. Scharfe Dämpfe be- hindern die Rettungsarbeiten. Es besteht wenig Hoff- nung, auch nur einen einzigen der verschütteten Arbeiter lebend zu retten. um diesen Kreisen gerecht zu werden, so schnell als möglich heiraten. So wurde ich der Sohn des Handelsmannes Ianoschka. Di« Ehe meiner Mutter gestaltete sich unglücklich, sie verließ den Mann wiederholt, kehrte, als ich vier Jahre alt war, zu ihrem ersten Lieb- Haber wieder zurück uizd übersiedelt« mit ihm nach Berlin. Einige Zeit darauf nahm sie auch mich zu sich. Wir wohnten in der Küche, die Stube oermietete sie an Schlafburschen, di« ich alle nacheinander Bater nennen mußt«. War der Schlafbursche gut zu mir, so be- willigte ich ihm diesen„Dater', war er schlecht zu mir, so streikte ich. Dafür erhielt ich von der Mutter eine Züchtigung. Aus meinem Dummenjungenstolz heraus weinte ich nicht, dos wurde als Trotz angesehen, die Züchtigungen arteten in Mißhandlungen aus, das Vormundschaftsgerickst mischte sich ein und ich erhielt einen Vor- mrmd. In der Schule war ich stets k«r Klassenerste. Aus Angst vor den Strafen schlief ich oft auf Böden, vor Hünger leerte ich die Milchflaschen und die Brotbeutel. Im Alter von 13 Iahren be- schloß ich, m die Welt hinauszugehen: ich brauchte dazu Geld und oersetzte einige Sachen der Mutter Dafür erhielt ich eine Woche Gesängnis, brauchte di« Strafe nicht abzusitzen und kam in Für- sorgeerziehung.' In der gleichen intelligenten Weise schilderte der Angeklagte weiter, wie«r in der Fürsorgeanstalt zum Missionar ausgebildet werden sollt«, was durch seine Borstraf« unmöglich ge- macht worden war, wie er in der Lehre bei einem Buchdrucker nur ausgenutzt wurde, wie er davonlief, einen Diebstahl beging, in die Fürsorgeanstalt Lindenhof kam, mehrere Male durchbrannte, eine länger« Gefängnisstrose verbüßt«, als Soldat fahnenflüchtig wurde, weil s«ine Borstrafe sein« Beförderung unmöglich machte. Trotz seiner Tapferkeit und seiner Verwundungen blieb Ianoschka im Kriege ein einfacher Soldatt Da beförderte er sich selbst zum Offi- zierstellvcrtreter, schmückt« seine Brust eigenmächtig mit dem E. K. I und II und erhielt wegen Fahnenflucht sechs Iabre vier Monate Zuchthaus. Er erzählt weiter, wie er nach Berbüßung der Strafe wegen der Vorstrafen seine Boxschule aufgeben mußte, wie er in der Friedrichstraße ein Schreibbüro eröffnete und sich schließlich entschloß, weil es ihm an Betriebskapital mangelt«, wieder Eim- bruchsdiebstähle zu begehen. Um sein Verlöbnis mit einem junge» Mädchen nicht aufgeben zu müssen, legte er sich den Namen Kostrow zu; der Name Ianoschka wies ja im Polizeipräsidium ein allzu langes Strafregist«r aus. Ianoschka ist geständig. Nur in drei Fällen will er sich zu unrecht bezichtigt haben: er habe durch dieses Geständnis den Kriminalkommissar veranlassen wollen, ihm Begegnungen mit der Braut zu gestatten. Ramsin der Zweite. Moskau sucht Angeklagte gegen Bezahlung. Dag man sich in Moskau eifrig auf eine zweite Auflag« des Namsin-Prozesses vorbereitet, ist allgemein bekannt. Zweifel be- stehen bloß darüber, welcher Art dies« Neuinszenierung sein wird. Das Blatt des srüheren hohen Sowjetbamten und jetzigen„Emigranten" B e ss e d o ws t i glaubt Bescheid zu wissen und veröffent- licht eine ebenso sensationelle wie amüsante Geschichte, die, wenn sie nicht wahr sein sollte, wahr sein könnte. Der nächste Prozeß in Moskau soll der sogenannten„dritten Emigration" gewidmet sein— mit anderen Mortem all den früheren hohen und niederen Towjetbeamten, die sich in den letzten Iahren geweigert hoben, in die Union zurückzukehren und, teilweise zum Tode verurteilt, sich im Auslande, in der Hauptsache in Paris, in einer Organisation zur Bekämpfung des Stalinismus auf der Plattform des„reinen Kam- mumsmus" zusammengefunden haben. Nun soll, wie das Organ des Herrn Beffedowski,„Der Kamps". berichtet, ein gewisser O., ein Emigrant vom Jahrgang l si2 7. übrigens nicht Mitglied der Gruppe„Kampf", an das Blatt ein« Eingabe gerichtet haben, in der es u. a. wie folgt lautet: Er sin aufgefordert worden, das Generalkonsulat der Sowjet- union mifzusuchen, um hier ZOO Franken entgegenzunehmen, die angeblich von seiner Frau aus Rußland eingetroffen seien. Im Generalkonsulat harrte seiner«in feierlicher Empfang. Außer dem Generalkonsul K u s m i n und dem Vizekonsul S p e- r a n s k i nahni daran auch Legationsrot Ilzin-Stenewski teil. Man versuchte O. zu überreden, nach Rußland zurückzu- k e h r en. Es wurde ihm nicht nur volle Amnestie, sondern auch die Wiederaufnahme m die Partei und ein hoher Posten versprochen. Unter einer Bedingung... er müsse sich verpflichten, in dem bevorstehenden Prozeß der„dritten Emi» gratis n" a l s Angeklagter zu fungieren und insbefon» der« die Gruppe Beffedowski als Agenten der Bourgeoisie, Spion« der verschiedenen Informationsbüros, Abenteurer und dergleichen mehr zu entlarven. Als O. darauf erwiderte, daß er selbst ben» besten Willen, nichr in der Lage sei, auch nur das geringste zu entlarven, da er ja nicht Mitglied der Gruppe„Kampf" sei, und über die Tätigkeit dieser Gruppe keine d l a s s.e Ahnung habe, da wurde ihm erklärt, das sei bedeutungslos, man würde Ihm dos Material schon zur Verfügung steilen. O. blieb aber bei seiner Weigerung... Soweit das Organ des Herrn Beffedowski. Was daran wahr ist und was nicht, mag dahingestellt bleiben. Es genügt aber, daß «ach der famosen Inszenierung des Prozeffes Ramsin überhaupt derartige Behauptungen in die Welt hinausgeschickt uckd... geglaubt werden können. Geiarate Hakenkreuzfilme. „Gewisser Druck" auf Lichtspielhäuser. Der„Alarm" ist ferner in der Lage, eine Reihe von wichtigen Gehoimrundschreiben der NSDAP, zu veröffentlichen. Darunter bs- findet sich«in Rundschreiben d«s Reichspropaganda-Leiters Goebbels über die Filmpropaganda. Es heißt darin: „(Velar nie N S.- S p ielf l lm e find in erster Linie zur reguläre» Vorführung in neutrale» Theatern ge. dacht und sollen von dort aus für uns werben. Sic muffen gut gemocht fein und über dem allgemeinen FIlmdurchfchnitt stehen, damit sie nicht von vornherein von der FUmbranche abgolchal , werden. Wegen der Herstellung solcher Filme stehen mir bereits mit deutschen Firmen in Verhandlungen. Die NSDAP, muß durch die Waffen ihrer Anhänger auf die Programme d«r tichffpielhäufer einen gewissen Druck aus- üben. Pazifistische und andere zerfetzende Tendeazfilm« müssen »erschmmden und dafür unsere getarnten Filme auf den Spielplan geseht werden." Man wird also genau acht geben, welch« Filme rmiiwntOch die ll f a. T h e a t« r in der nächsten Zeit spielen werden! Wie der„gewisse Druck" aussieht, hat die Oeffentlichkert in- Mischen erfahren. Weiße Mäuse und Stinkbomben sind seine Heuptwaffen. Ob die Oberfilmprüfstelle. dos Auswärtige Amt und das Reichs- imienmmisterium nun erkennen, daß sie sich in der Angelegenheit des Remarqut-Films zu Handlangern der nationaksozialiftifchen Reichs- Propagandaleitung gemacht haben? * Der ,.A l a r m", Kainpfblatt gegen Boltsbetrug und VoUsver- letzung, ist in der Lage, weitere Geheimdokumente der National- sogialisten zu veröfsentlichen. Di- Zeitschrift erscheint monatlich zweimal. Preis 68 Pfennig für zwei Monate. Adresse: SW. 68. Reuenburger Str. 37. Kromm, reaktionär und verlogen. Evangelische Propaganda gegen die �Republik. Ein kirchliches Gemeindebwtt von Bsrlin-Dahlem— heraus- gegeben von Pfarrer Raock— hat am 18. Januar in einem Aufsatz d« berühmten Reichsgründungsfeier durch monarchische Speichel- leserei die richtige Weihe zu geben versucht. In diesen im Trat- ttitchenstil gehaltenen Ausführungen lesen wir: „Ich hade Achtung oor der Persönlichkeit des ersten Reichs- Präsidenten. Ich bin überzeugt, er war ein Mann guten Will-»?. Ab« zwischen den, Versprechen E b e r t- in den November- tag«, 1N8--ich führe euch herrlichen Zeiten ent- g e, e n" und der traurigen Wirklichkeit klafft eine zu groß- Älutt." Da« geht noch über die Dolchstoßlegende. Es ist einem Pfarrer vorbehalten geblieben, die großmäuligen Wort- Wilhelms des L-ndflüchtigen dem Reichspräsidenten Friedrich Ebcrt in den Mund zu legen! Wilhelm von Doorn war ee. der diese Wort« gebrauchte— und noch heute nrüssen sich Sozialdemokraten und Republikaner abmühen, dem Volke die Last der schweren Zeiten zu erleichtern, in die Wilhelm der Großmäulig« UNS hineingeführt Hot! Zwei ueue Sowjrtseuder. Die Sowjetregierung hat den Bau von zwei Funkstarlonen, die im Jahre 1S3Z fertiggestellt werden sollen, genehmigt. Die erste Funkstation soll in Noginsk in der Näbe von Moskau und die zweite in Nowosibirsk errichtet werden. Beide Sender sollen durchschnittlich mit 1Ü0 bis 123 Kilo malt Urbs Iten und der iüiarNationalen Propaganda dienen, und zwar die erste Station in europäischen Sprachen und die zweite in chinesi- jeher und japanischer isprachs. Aufgeschobene Anklage Eine weitere Aufgabe des Staatsgerichtshofs des Dritten Geichs Die Sprengung der Sitzung des Haushaltsaus» s ch u s s e s des Reichstags vom 21. Januar, die bei Beratung des Iustizctats von einem nationalsozialistischen Schiinpfanwalt und einem unsähigen nationalsozialistischen Vizeoorsitzendcn verursacht wurde, wird nachträglich von diesem Vizevorsitzenden, dem A b g e- ordneten Reinhardt, in einem nationaljoziolistijchcn Blättchen unter allerlei Entstellungen zu verteidigen versucht. Nach einem langen Schmutz, den Reinhardt über den Verlauf der Sitzung gibt, die, wie er stolz betont,„unter meinem Vorsitz stand", legt dieser stell- vertretende Ausschußleiter das folgende beachtenswerte Bekenntnis ab: „Ich erkläre in aller Eindeutigkeit, daß ich restlos z n den Ausführungen meines Parteifreundes Schwarz stehe und daß diese Tatsache durch die Erteilung des Ordnungsrufs in keiner Weise abgeschwächt wird. Zu den Aus- iührungen des Juden Rosenfeld erkläre ich, daß ein marxistischer Jude nicht den Führer der deutschen Frecheitsbewegung Adolf Hitler und nicht den nationalsozialistischen Reichstagsabaeordncten Dr. Goebbels beleidigen kann, und daß ich auch hier nur, um der GeschäftsardnuNg zu genügen, einen Ordnungsruf erteilt habe. Die Anpobelungen der Sozialdemokraten gegen Adolj Hitler und gegen Dr. Goebbels stellen eine Anpöbelung der heute in Deutsch- lond stärksten politischen Partei und somit eine Anpöbelung von mindestens zehn Millionen Volksgenossen und Dolksgenaffinnea dar. Das Urteil darüber wird der nationalsoziae liftische Staatsgerichtshof sprechen." Der Staotsgerichtshof des Dritten Reiches wird also den Abz. Rosenseld und selbstverständlich auch die übrigen Mitglieder des Aus- sthuffes, die gegen den stellvertretenden Vorsitzenden Stellung nahmen — das waren Vertreter aller bürgerlichen Parteien mit alleiniger Ausnahme der Deutschnationolcn—, vor sein Forum zitieren und dann werden Kopse rollen. Wie wird es aber Herrn Reinhardt ergehen, wenn der Staotsgerichtshof des Dritten Reiches erfährt. daß er sich, an seine Pflicht gemahnt, zunächst wie ein hilfloser Junge benahm, der nicht wußte, was er tun sollte. Erst nachdem er sich selbst ein bißchen Mut eingepumpt hatte, spielt« er den starken Mann. Nachträglich entschuldigt sich Reinhardt förmlich vor seinen Parteigenossen mit der Erklärung, daß er seinen Kollegen Schwarz zur Ordnung gerufen habe,„lediglich, um der gegenwärtig bestehen- den Geschäftsordnung zu genügen". Zugleich aber läßt er keinen Zweifel darüber, daß er sich mit seinem Fraktionskollegen, der die alten Sitten der Ausschußberahxng mit Füßen trat, solidarisch er- klärte. Wird der HausHoltsausschutz diesen st e l l- vertretenden Vorsitzenden noch weiter als Hüter fein er Ordnung anerkennen? Oer Ruin Ostoberschlesiens Zm Sejmausschuß nachgewiesen Warschau, 20. Januar. In, Haushallsausschuß des Sejm wurde der Haushalt des Finanzministeriums beraten. Der deutschbürgerliche Abg. R o s u- m« k- Oberschlesien bezweifclre, ob die veranschlagten Einnahmen auch eingehen werden. Der Kapitalmangel in Polen sei mit darauf zurückzuführen, daß der Staat große Summen für u n w i r t s ch a f t- liche Unternehmen verschleudere. So sei dos neue Stickstoff- werk in Moscice nur errichtet worden, um die C h o r z o w e r Werke allmählich lahmzulegen. Es werden neu« stamliche Eisen- bohnrverkstätten gebaut, obwohl in Oberschlesien private leistungs- fähige Werkstättei, bestehen— allerdings zumeist in Händen von Deutsche». Polen hätte im Jahre 1930 sicher eine Auslands- anlcihe erhalten, wenn der Finanzminister für Ratifizierung des Handelsvertrags mit Deutschland gesorgt hätte. Das jetzige Steuersystem erschwere die Handelskalkulation außer- ordentlich. Die Finanzämter stellen willkürlich Steuer- s ch ä tz u n g e n an. so daß zum Beispiel dieselben Gefchäflskalegorien oft ganz verschiedene Einkommen- steuern entrichten müssen, je nach der volkszugehöriakeH des Inhaber». Sohle Ist in Polen vielfach höher besteuert als in der Tschechoslowakei und in Deutschland, so daß die Industrie nicht rentabel produziert. Polen hat zuviel und zu schlecht bezahlt« Beamte. Nicht die Gehälter, sondern die Beamten mühten abgebaut werden. In Siemionowitz i. O.-S. hat es zur deutschen' Zeit einen Polizei- lommissar mit 14 Polizeibeamten gegeben, heute 73 Polizisten. Graczynski-Hehe geht schon lock. Koktowitz, 29. Januar. Die„Polska Zachodnia", das Blatt des Wofewoden Graczynfki, nimmt jetzt in einem Artikel zu der Entscheidung de» Völkerbunds- rotes Stellung. Die Ausführungen des Blattes zeigen mit aller Deutlichkeit, wie man sich in notionalpolnischen Kreisen die Aenderung des in Genf verurteilten Systems denkt. In dem Artikel heißt es u. a., die Genfer Entscheidung habe in Kreisen des Deutschen Volksbundes dos„Gefühl der Widerspenstigkeit" verstärkt, denn es liege im Plan der Reichsregierung, daß sich jede Völker- bundstagung mit aktuellen Silogen aus Oberjchlesien beschästige. Das polnische Ansehen verlange zwar, daß alles getan werde, um dies« Prozeßsucht auf ein Mindestmaß zu beschränken, aber nur Kanaillen könnten glauben, daß sie sich oor den Anklagen des Völkerbundes nur dann retten könnten, wenn die Bevölkerung der„aktiven und aufmerksamen polnischen Krqste" in Oberschlesien beraubt sei. Es fei nur ein Glück, daß der Wert des Pazifizierungsprogramms, wie es bereits vor dem Amtsantritt Sraczynskis ausprobiert wurde, rechtzeitig erkannt worden sei. Damals(oor der Amtszeit Groczyn- stis) sei der Lolksbund auf der ganzen Linie in der Oisensioe gewesen und er habe Triumphe gefeiert. Der nationale Gedanke sei damals vollständig erkaltet gewesen, und das Polentum habe den Gnaden- stoß erwartet. Dos Polentum in Schlesien könne daher ün Kampf gegen die revisionistischen Absichten Deutschlands solche aktiven Persönlichkeiten wie Graczynski. und ebenso die Tätigkeit de» West- markenveroins nicht entbehren. Blum für Auflösung. Laval schlimmer als Tardieu. Pari». 29. Januar. Die sozialistische Partei erteilt dem Kabinett Laval durch Leon Blum in einem Artikel im„Populaire" eine sehr energische Absage. Es heißt dort, das Kabinett Laval sei für die Sozialisten nur eine andere Aufmachung des Kabinetts Tardieu, vielleicht sogar noch etwa« Schlimmeres. Wenn man die persönlichen Elemente mit in Rechnung stelle und gegeneinander abwäge, dann stelle man fest, daß das Kabinett Laval nach mehr nach rechts neige. Es wäre hundertmal besser, wenn die Rechtsparteien offen die Regierung übernähmen, und zwar ihr Führer selbst, Louis Marin. Roch besser wäre es aber gewesen, das Parlament auszulösen, anstatt während einer Kampfperiode die Agonie einer Mehrheit zu verlängern, von der dos Lond nichts mehr wissen wolle. Französische Anleihen für Deutschland. Zustimmende Aeußerungen Oer pariser presse. Paris, 29. Januar.(Eigenbericht.) Trotz der Dementis, die die Nachricht von der Auslegung einer großen deutschen Anleihe am Pariser Kapital maskt erfahren hat, findet der Gedanke einer kräftigen Finanzhilfe an Deutschland in Paris immer mehr An- Hänger. Nicht nur die französische Linkspresse tritt am Mittwoch im Interesse der Versöhnung für eine engere finanzielle Zusammen- arbeit zwischen Deutschland und Frankreich ein, auch in der Rechts- preise macht sich immer lauter die Meinung geltond.�>aß mit Deutsch- land ein gutes G e sah ci f t zu machen sei. Selbst die notto- nalistische„Journal des Dcbars" findet eine Kredithilfe an Deutschland durchaus„bemerkenswert". Im besten Falle aber dürfte es noch einige Zeit dauern, bis die technischen und politischen Schwirig- keitcn für eine solch« Anleiheoperotion beseitigt werden könnten. Inzwischen ober ist mit Befriedigung festzustellen, daß der Betrog der von Privatbanken in letzter Zeit nach Deutschland ge- gebenen Kredite außerordentlich, und zwar um einige 100 000 Mark g est i e g e n ist. geschickt worden sei. Das Staatsministerium wird gefragt, ob es bereit fei, darüber Aufklärung zu schaffen und gegebenenfalls Auskunft zu geben, ob hier wirklich der Tod eines Menschen zur BesriediAUng roher Schaulust oer unsacht oder geduldet worden ist, und. falls die Untersuchung ein bejahendes Resultat ergibt: bei den zuständigen Reichsstellen entsprechende Schritte gegen die Vorfüh» rung dieser Szene zu unternehmen. Die Kommission. Arbeilslosenversicherung auf dem«Seziertisch. Die von dem Reichskanzler berufene und hauptsächlich aus Fach- Wissenschaftlern bestehende Kommission zur Erörterung des Problems der Arbeitslosenversicherung setzt sich wie folgt zusammen: Dr. Brauns, Reichsminister a. D., als Vorsitzender; Batocki, Ober- Präsident a. D.; Dr. Dorsch. Präsident des Reichsversicherungs- amts; Dr. E n g le r, Präsident des Landesarbeitsamts Hessen: Dr. Fri ck, Ministerialdirektor o. D.; Dr. Hey mann, Professor in Hamburg: Fräulein H o p p m a n n, Leiterin der katholischen Frauen- vereine: Dr. P o l l i g k e i t, Professor in Frankfurt, und Dr. Zahn. Leiter des Statistischen Landssamts in München. �Afrika sprichi"im Landtag. Eine sozialdemokratische Anfrage. Im Preußischen Landtag ist«ine Klein« Anfrage der Abgeord- neten Winzer und Kuttnar(Soz.) eingegangen, in der auf eine in dem amerikanilchen Film ,.A f r i k o sprich!" enihalten» Szene hingewiesen wird, dl« die Zerreißung eines Negers durch einen Löwen zeigt. Es wird in der Kleinen Anfrage erklärt, daß die Tatsache dieser Vorführnng in der Oeffentlichr»... große Em- pörung I'u>roargerufen habe. Es sei sogar vielfach der Verdacht geäußert worden, daß«» sich nicht um einen Unfall gehandelt habe, sondern daß der getötete Reger absichtlich in den Tod Der Mann mit dem Jagdschein Hinkler verwechselt die Kassen. Zeitz. 29. Januar.(Eigenbericht.) Der uottonalsozialistische Abgeordnete und Bezirksleiter der Nazis in Hall«. H i n k l e r, ist dieser Tage, wie wir mitteilten, von Hitler seines Amtes als Gauleiter enthoben worden. Wie der„Voiksbote" in Zeitz dazu zu berichten weih, wurde Hinkler, der nicht genug über die„Bormat-Korruption" schimpfen konnte, wegen Ver- un'treuung mehrerer tausend Mark Parteigelder in die Wüste gcschicki. Obwohl Ehren-Hinkler ein Monatseinkommen hotte, das zwischen 1200 und 1300 Mark schwankte, vergriff er sich an der Hitler-Kasse, bis er schließlich bei einer Revision entlarvt wurde. Bürgermeister Schvltz 60 Jahre. Der stellvertretende Oberbürgermeister Berlins. Bürge rmoister S ch o l tz. feiert heute seinen 60. Geburtstag. Stadtrat W u tz k y rnch Stadtverordnetenvorsteher Haß haben dem Bürgermeister die Glückwünsche der städtischen Körperschaften üderbracht und hierbei ein Schreiben üb erreicht, in dem die Verdienste des Bürzermeistsrs um die Stadt Berlin an- erkannt werden. Für die Bürgermeister der Bezirke und die gesamten Bezirksälbter ü darbrachten Bürgzrmeister A u g u st i n und Bürgermeister Leid g'.cichlall» persönlich die Glückwünkche. Woxiko schufst Kricgsslotle ob. Die mexikanische Regierung de- absichttgt, aus �parsamkeitsrücksichton ihre kleine. Kriegsflotte, die »US ein paar Krallzern, einlzen Kttionenbopten und Trcmchi artschiffen besteht, abzttschnsscn. Der erste Kernseh-Tonfilm Ein Kunkexpenmeut in Ehikago Vom Chikagoer Sender wurde noch einer Pressemeldung vor kurzem zum erstenmal ein Fcmseh-Tonfilm übertragen. Es handelt sich aus dem Grunde um ein bedeutendes Ereignis, weil dadurch der erste Schritt auf dem Wege zum sprechenden Fernkino gemacht ist. Di« Durchführung dieses Experimentes litt naturgemäß noch unter allerlei Mangeln. Es wurde ein Kur-dramo gesandt, dos den Titel führte:„Der Traumkiinstlcr". In technischer Beziehung ist diese Vorführung des ersten Fernseh-Tonfilms allerdings nicht mehr ein Ereignis non un- crhärter Neuigkeit, denn es handelt sich dabei nur um eine Ber- bindung von drahtlos gesandtem Film und drahtlos gesandter Rede. Bemerkenswerterwcise war auch die Uebcrtrogung des Tons viel besser und klarer, als die des Bildes. Im Prinzip handelt es sich bei der Herstellung von Fernseh-Tonfilinen darum, die Filmbilder klar zu übertragen. Auch bei dem ersten Fernseh-Tonfilm wurde aber eine gute und scharfe Ucbermittlung der Bilder noch nicht?r- reicht. Vor ungefähr einem Äahr sind bekanntlich die ersten Versuche gemacht worden, gewöhnliche Filme drahtlos zu senden. Damals knüpfte man an dieses Ereignis die größten Hoffnungen, denn man nahin an, daß die noch vorhandenen technischen Schwierigkeiten, die ein« einwandfreie Uebermittlung der Bilder vorhinderten, in kurzer Zeit behoben sein würden. Es wurden zahlreiche neu« Systeme er- fundcn. Aber mit keinem System konnte man bisher wirklich scharfe und klare Bilder senden, die nur entkernt an die Deutlichkeit des gewöhnlichen, auf der Leinwand erscheinenden Film« heranreichten. Troßdem ruhten natürlich die Bestrebungen nicht, dos Fornkino zu schaffen. Nachdem nun der stumme Film fast völlig vom Tonfilm besiegt worden ist, gingen die Erfinder dazu über, Apparate zu ersinnen, mit deren Hilfe man sprechende Filme fernsenden kann. Ein Berliner Ingenieur trat sogar bereits im Frühjahr vorigen Jahres mit einem neuen Verfahren hervor, einen Fcrnsehtonfilm in natürlichen Farben senden zu können. Dieses Verfahren arbeitet nur mst den verschiedenen Wellenlängen, durch die sich die einzelnen Farben unterscheiden, so daß nicht wie bei dem farbigen Fernsilm des Engländers Baird drei Bilder gesandt zu werden brauchen, sondern nur eins. Der Sender weist eine so große Anzahl von Wellenkreisen. die stets je für eine Farbe in Betracht kommen, auf, daß es möglich ist, so viel Farben zu übertragen, wie man will. Wir haben also nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland bereits zahlreiche Apparate, mit deren Hilsc man nicht nur Fernfilm«, sondern auch Fernfrlmc in natürlichen Farben senden kann. Die Erzeugung von sprechenden Fernfilmcn erfordert nur eine verhältnismäßig einfache technische Vorrichtung, durch die bei der drahtlosen Sendung die Gleichzeitigkeit von Bild und Ton gewährleistet wird. Der erste gelungene Versuch auf diesem Gebiete ist die Sendung des Äurz- dramos„Der Traumkünstle?" von Ehikago aus. Es fragt sich nun, welche Bedeutung in praktisch techrnscher Beziehung diesem ersten Fcrnsehtonfilm innewohnt. Wirklich epochemachend wäre er dann, wenn die Bilder scharf erschienen mären, das heißt, wenn ein neuer Apparat in Tätigkeit getreten wäre, der es ermöglicht, die vollständigen Bilder eines gewöhnlichen Films mit wenigstens annähernder Deutlichkeit auf drahtlosem Wege zu übertragen. Dieses Ziel ist aber noch nicht erreicht. Auch der Chikogoer Sender leidet unter dam Maugel aller anderen Fernseh- oder Fernsilmapporate, nämlich unter der geringen Deut- lichkcit der Bilder und der geringen Ausdehnung, die diese Bilder haben. Es ist noch nicht möglich, einen richtigen Film in voller Größe über weite Strecken auf drahtlosem Wege zu senden. Ein Fortschritt gegenüber dem ersten stummen Fernsehsilm ist in dieser wichtigen und ausschlaggebenden Beziehung vöch nicht erreicht. Die Kombination von Film und Wort ist aber nicht so erhablich, daß man an diesen Versuch die Hoffnung knüpsen dürste, die die ameri- tamsche Presse bereits ausspricht. Auch die groß» Klarheit, mit der die Worte der sprechenden Personen gehört werden, kann nicht als besonderer Gewinn betrachtet werden, da ja auch der Rundfunk heute schon auf weiteste Strecken in größter Reinheit den Ton sendet. Wenn auch nach allgemeiner Anschauung der Oefsentlichkeit die erste Sendung des Fcrnsehtonfilms ein bedeutungsvolles Ereignis ist, so fft doch der sprechende Fernfilm noch sehr fern. Mlmpremiere im„Babylon". „Lachendes Leben"' ond„Zevertranoport"'. Der neue Russenfilm behandelt eine Episode aus der ersten großen Reoolutiem des russischen Proletariats aus dem Jahre 190S. Im„Fsuertransport" wird der unterirdische Kampf der Arbeiterschaft mit der russischen Geheimpolizei, der Ochrana, höchst eindrucksvoll geschildert, zum Teil mit den gleichen Methoden, die wir von den amerikanischen Kriminalfilmen her kennen— nur mit dem Unterschied, daß hier lebendige Teilnahme auf Seiten der Arbeiter ist, während uns der Kampf der Polizei mit den Vor- brechern in amerikanischer Ausmachung gleichgültig ist. In mancher Hinsicht erinnert der Film an den„Blauen Expreß". Auch hier f irden wieder ganze Szenen im Eisenbahnzug statt, in dem die Polizei den Organisator des Waffsntransports entdeckt und mit ihm' in einen Kampf kommt. Aber die Verschwörer haben überall ihre Anhänger, und so entkommt ihr Führer mit Hilfe der Eisenbahn- angestellten. Sehr spannend ist dann der Zusammenstoß mit der bewaffneten Macht in einem Wachsfigurenkabinett, in dem die Waffen vorborgen waren. Der Führer wird verhaftet, aber seine Mitverschworene Rita vermag den Waffenschmuggel durchzuführen, indem sie sich eines galanten Offiziers bedient. Die Befreiung des Führers bei der Ankunft auf dem Bahnhof, die Entlarvung und der Strafvollzug an dem Spitzel und das glücklich« Entkommen der Waffenschmuggler bilde» den mit immer neuen Spannungen ge- lodenen Sdjluß des Filmes. Das Spiel der Darsteller ist wie immer i» russischen Filmen hervorragend. Der Name des Regisseurs ist Iwanow. HubertSchonger zeigte seiven neuen Film.Lachendes Leben" einen Propagandafilm für Freilustkultur und Gymnastik. Das unhygienisch« Leben de» modernen Menschen im Kerker des Büros und in der Fron der Maschine, in den engen Wohnungen und den lichllasen Höfen wird mit ihren Folgen, insbesondere der Degeneration der Kinder, drastisch vorgeführt. Dos Hellmittel wird gezeigt: die Flucht in die Natur, in die Wälder, in die Seen,»vo sportfreudig« und nackte Menschen sich tummeln. Es gibt ein« Fülle schöner Bilder: entzückend« Kinder, die in Freiheit aufwachsen, eifrige Sporffreund«, Reigen und Tänze in Licht und Lust, trainierte, schön« Körper, die mn das Feuer tanzen oder mit dem rhythmischen Spiel der Wellen wetteifern. Au der Herstellung des Filmes haben zahlreiche Kräfte mitgewirkt: Lichtschulheime, Turn-, Gymnastik- und Tanzschulen. Der Film wird segensreiche Arbeit leisten und die Menschen sich aus ihren Körper besinnen lehren, r. Reise eines Malers durch Japan Emil Orlit spricht über Iapon. Angeregt messeicht durch die Ausstellung moderner Japaner in der Akademie plaudert« Professor Orlik'vor dankbaren Zu- Hörern in dem Hörsaal der Kunstbibliothek über seine Eindrücke in Japan in seinem angenehm heiteren, lässigen, im besten Sinne altösterreichischen Ton. Er wollt- keine..ewigen Wahrheiten" verkünden.« betonte auch zum Schluß noch einmal die sotro tische Urwei-heit, daß wir erst ansangen, etwas zu wissen, wenn wir einsehen, daß wir nichts wissen. Mit überlegener Systemlosigkeit folgten sich Anekdoten. Erinnerungen. Exkurse über Geishas, Tcebercitung, Hauseinrichtung. Biumenpflege, Theater, Schrift und Malerei der Japaner, und sast alles nur an Hand einer- endlosen Reih« oft ganz köstlicher Phfltagraphien aus dem alten Inselrcich des Ostens. Orlit war, wie man weiß, 1900 zum ersten. Male in Japan, und gleich sehr gründlich:«r bequemte sich den Lebens« und Reiiesittan de« Landes an, er lernt» alle Volks- schichten kennen, er verlahrte mit Schauspielern und Künstlern und drang»rkennend und arbeitend in die Geheimnisse des alten Kunsthandwerte, vor allem des Holzschnittes, ein. Nur so war es ihm möglich, un»«inen rechl anschaulichen und persönbchen Begriff der schönen alten Kultur Japans zu vermittln, ohne Rcdnsrknfffe, kraft seiner suggestiven Künstlerpersönlichkeit. Leider gehört das alles nun schon im wesentlickzen der Ber- ganganhe-t an. Was Orlik noch vor 30 Jahren erleben kann'«. wird beute kaum einem Mitlcbcndcn mehr sichtbor worden, er wage sich denn in entlegenste Gegenden. Denn die unselige Groß« mannssucht der modernen Japaner, die sich am liebsten mit Haut und Haaren dem Teufel der westlichen Zioitisation verschreiben möchten, sorgt für fortschreitende Europäisierung und Vernichtung ihrer eingeborenen, tausendjährigen Kultur. Armes Volk, dein die Politik sein Bestes, Unersetzbares nimmt. I>- k. scb. »Asthermiitwoch." v Titanio-polost. Der Fasching soll eine lustige Angelegenheit sein Im Film entwickelt er sich dagegen immer zu einer Katastrophe, von der übet- Haupt nichts verschont bleibt, wenn Borkriegsunisomren darin-in- Rolle spielen. Die Konjunktur verlangt augenblicklich Uniformen, also wird der„Aschermittwoch" zu einer kummervollen Tragödie mit Leichen. Soldaten und Fasching bedeuten nur die Kulisse, denn die Vor- gänge könnten sich zu jeder Zeit und in jedem Milieu abspielen. Sie sind übrigens nicht weiter originell. Ein« grau sindet«inen anderen Mann reizvoller als ihren angetrauten. Aus Gründen der dramatischen Spannung werden die Liebenden überrascht, ohne daß etwas vorgefallen ist. Der Liebhaber erschießt sich, die Frau zieht in die weite Welt, und der Ehemann resigniert. Ein kleines, blon- des, keusch liebendes Mädchenherz betrauert den Dahingeschiedenen. Dieser Stoff sst gut ausgebaut mit sehr geschickten Retordierun- gen. Es sucht innner so aus, als ob es auch ander» kommen könnte. Der Regisseur Johannes Meyer erzielt im Szenüchen Wirkungen. behandelt dagegen die Darsteller zu summarisch, er legt sie nur auf eine Rote fest. Eläre Rom in er macht In dämonische Exoiit. Evelyn Holt ist allein da« blonde Reh. und S t ü w e begnügt sich mit einer steifen Unisokmhaltung. Die Ausnahme bildet D I e h l, der einen wirtlichen Menschen hinstellt. Sonst sollte man endlich einmal die Saldotenpropaganda sollen lassen. Auch der Militärfrömmste mühte non dieser Glorisizierung der Offiziere die Nase voll lhiben. Hier wie in den anderen Filmen dieses Genres wird der gemeine Soldat nur als komische Type be> handelt.___ F. Leb. Vtä Cnril«. Da» Kartell ührticher Autoren und der Sund Deuticher Sprikcr widmen ihren crüen VorlragäaS-iid o«$. steBmar. 20 Uhr. Porza- stmS, Budaveüer Str. 3, Bruno S ch S n I a n k. Gerda t>. Äelow, B o b e r t S« i tz. die-u» eigenen Werkea lesen. .Der Lähaenaach««»", Zeutrel« Serlin. die-iiizig« P-rwittlungSücll» für die Bühnenküniutr. zieht am 1. steoruer In Bf« eBsinalig«, RZNIye dir Berliner irunriuttde. Potsdamer Str. 4. Telepdom Sawmelnuwmer B 3 l'Qjnra 8531. 0«c Janatuc»ad«» Mos Zodjaaa wird in dar Tanzwatinii dar «>r»i,a»üw a» t jofrncr. von». 11'/* Ahr,«in teitenjc ganz veaas tuumimii ioaea. Berlin im Matsch. lleberschwemmte Straßen. Weitere Schneefälle in Sicht- Die außerordentlich starken Schneemengen, die gestern abend und d!e ganze Nacht hindurch niedergingen, habea sich bei den etwas über Null Grad liegenden Temperaturen sehr schnell in lllaffch verwandelt-, viele Straßen waren in den Morgenstunden kaum passierbar, vi« Schvcemengen hatten die Gullys«rstopst und große Wasserlachen bildeten sich an den Lürgersieigen. Seit gestern abend ist die Städtische Slkaßenreini- g u n g mit über Z000 Angestellten und Hilfsarbeitern dabei, Berlin vvn den SchNee- und Schlammsluten zu befreien. 2ZV Schnee- pflüge durchfuhren ununterbrochen die Straßen, wobei in erster Linie die Hauptverkehrsadersi in der City berücksichtigt wurden. Gegen Vi9 Uhr früh war wenigstens die Innenstadt wieder einiger- maßen passierbar. Die Städtische Straßenreinigung hofft, auch die übrige« Stadteil« im Lauf» des Tages wieder sauber zu bekommen. Dieser neue Schneefall verursacht dem Stadffäckel gleich wieder eine Mehrausgali« von rund LZ 000 Mark. Im Betriebe der Berliner Verkehrsmittel ist es nirgends Zu Störunzen gekommen, da reckztzeitig dafür Svrge ge- tragen wurde, daß die Gleisanlagen und Schienen von den Schnee- manzen freigemacht wurden. Neuer Schnee und Frost in Gicht? Die starten Schnceföll« hängen mit dem Vorwärtsschreiten einer Depression zusammen, die gestern über der westlichen Nordsee und Ostengland lag. Die Depression ist nach Südosten abge- gingen und log heute früh mit ihrem Kern in der Nähe Berlins. In ganz Deutschland herrscht ollgemein trübes Wetter. Besonders ergiebig waren die Schneefalle im Gebiet zevsschen der Weichsel und Elbe. In Ostpreußen, Pommern Schlesien, Mecklenburg und der Grenzmark herrschten 1 bis 2 Grad Kälte. Für unser Gebiet ist wahrscheinlich schon in den nächsten Stunden ebenfalls mit einem Sinken der Temperaturen und mit neuen starken Schneefällen zu rechnen. Wie sich der Witterung«- charakter dann weiter entwickeln wird, ist noch nicht ganz gewiß. Winterpracht vor der Stadt. Während in der Innenstadt die Berliner über den wenig an- genehmen Maffch fluchen, bietet sich in den Außenbezirken, in den Wäldern an Hovel und Spree ein Bild herrlichster Winter- landschast. Tief verschneit liegt der Grunewald, auf den Zweigen der Bäuni« ruht der Schnee mehrere Zentimeter hoch und die mit Fichten und Tannen bestandenen Reviere wirken in ihrer märchenhaften Schönheit wie stille Gebirgewälder. Nur selten bekommen wir derart bezaubernd« Landschaften in unserer näheren Umgebung zu sehen. SOV Häuser zerstört. Schweres Erdbeben in Wbeniea. Tirana. ZK Janvae. Ein heftiges Erdbeben richtete In der Gegend von Göritz« sosialbanten) bedeutendea Sachichoden an. In Gort ha selbst wurden 5 00 Häuser zerstört. Bisher wurden vier Tat« geborgen. Die von einer Panik ergriffene Bevölkerung flüchtete auf» freie Feld. Eine Hilfsaktion wurde eingeleitet. Zwei Flugzeuge sind von Tirana ausgeschickt worden, um da« Erdbetiengebiet zu überfliegen und die Ausdehnung der Schäden festzustellen, da alle Telephon- und Telegraphenverbindungea unterbrochen sind. Agrardebatte im Landtag programmrede des Laudwirtschastsmtnisters Der Preußisch« Landtag setzte am Donnerstag die zweit« Losung des Londwirtschaftselats mit einer ausführlichen Pro- gram m rede des Landwirtschafts Ministers Dr. Steiger fort. Er führte aus: Angesiäxs der Unmöglichkeit weiterer Roggenausfuhr ist das Problem des Roggenanbaues im Osten weder mit der Zerschlagung des Großgrundbesitzes, noch mit der Konlingentieruna zu lösen. E» ist«rschülternd, wie wenig Kartoffeln und Roggen aus dem Osten dos übrige Deutschland brauchr. Man wird nicht darum herumkommen, die geringwertigen Böden im Osten aufzuforsten. Die Gefahr einer Rozgenmehiknappheit für die Browerforgung besteht nicht, mindestens nicht bei einer normalen Ernte. Der Besinlschungszwang hätte die Stütziinosaktwn des Reiches zu einem vollen Erfolg geführt und das Brotgesetz über- flüssig gemacht. Bei der Kartoffelvorarbeitung handelt es sich natürlich nur um das Wegbringen der Spitzenmengen vom Markt. Für die Errichtung neuer Flockenfabriken sind leider wader Reichs- noch Staatsmittel mehr vorhanden. Die Verlageruna der«chweine- mchte nach dem Osten ist nicht aufzuhalten, aber sie vollzieht sich glücklicherweise langsam. Bei der Rind Viehzucht und der Milchwirtschaft muß die Selbsthilfe der Landwirte die ausschloggaband« Rolle spielen. Hauptträger der Rindviehzucht sind die kleinen und Mittelbauern. aber gerade bei ihnen ist von Milchleistungsvrüfung noch kozmi die Rede. In der Milchwirtschakt hat di« deutsche Landwirtschaft noch große betriebswirlichaslliche. produktionstechnische und organisatorische Auizaben zu lösen. Löst sie sie nicht, gerät sie un- rettbar imnier mehr ins Hinlertroffen gegenüber der Auslands- ktmfnrrenz, z. B. neuerdings der der Rondswoien und Neuseeland. (Hört, hört!) Der Minister vorfireitet sich dann über seine Bomühimgen. bei Gemüse und Obst ein einheitliche« Angebot zu schaffen. D�s neue Standardgesetz(Handelsklassengesetz) werde dabei eine wirk- sawe Hisse sein. Beim Zuckerexpart hob« die deutsche ftznd>virt- schaff im laufenden Jahre 120 Millionen Mark zugelegt.(Hört, hört!) Dabei sei der Zuckerverbrauch im Inland infolge der schlechten Wirtschaftslage in den letzten beide» Iahren stark zurück- *r$ni Schluß verbreitet sich der Minister über die Fragen der Handelspolitik. Bei allem Wunsch, die überflüssige Einfuhr zu drosseln, fei ein all-zeniemes Verbot der Einfuhr agrarischer Produkte oder VeredglungMrodutta nicht zu erreichen. Auch an dem Meistbegünstigungssystem müsse schtgeholten werden, weil es ein« unerläßliche Voraussetzung deutscher Industrieaussuhr sei. Aber trotzdem könne man versuchen, besonder« Präserenzsäll« mit den südo teuropäischen Staaten zu vereinbaren. Das preußische Landwirt chastsministcrium habe nicht nur die Interessen der Landwirtschaft mit größtem Nachdruck wahrgenommen, sondern auch die Reklame für ihre Produkt« im letzten Jahr nach Kräften vraani- siert.(Heiterkeit und Beifall.) Oie tschechische Volkszählung. Anklagen 0er deutschen Minderheit. Prag. 20. Januar. Die deutschen Abgeordneten haben aus Grund von Metdimgeu, nnw-ach tn drei mährischen Städten die deutsche Neoöikünmg unter die Grenze von 20 Pro.;, gesunten sei. den Bosclstuß gefaßt, ein« ge- meinsamc Attion aller deutschen Parteien, gleichviel ob sie sich in der Regterung oder in dar Opposition befinden, onzitregon. Der christlichsozlale Abg. Mryer-Hurting(der ehemotige Iustizintntster) lichtet« eine Interpellation an die GesqmtrSgterung, ob sie bereit sei, die Vorgänge bei der Vtlltszähluna und die zögen diese»»r- liegenden Beschwerden einer* geiptssenhaftsn strengen Prüfung zu unterziehen. Der deutsche christllchsoztm'e Abg. OehliNge» inter- pillierte den Heeresminifter mosten der Verlegung oon 600 M a n n Infanterie in die deutsche Stadt TräuteNau äni Vorabend der Volkszählung, was anscheinend nicht äuS nnlitätffchen Rücksichten, sondern deshalb geschehen- sst, damit der sschechtsist« Prozentsatz gesteigert wertK. Drückt man eine nationale Minderheit in der Verwattungs» einheik der tschechoslowakischen Republik unter 20 Proz. der Bsvölte- rung. so verliert die Mindertzettssprache dos verfoslungsmäßiga R«6>t auf Gleichberechtigung mit der Staatssprache: Pe° Hörden und Gericht« amtieren dank:«ur»Och in der Staatssprache, die Minderheitssprache perschwindet auch von allen öffentlichen Aus. schrssten der Eisenbahn uiw: kurz, die Minderheit verliert einen sehr wesentlichen Teil ihrer Rächte! Kommunisten gegen Betriebsräte Vergeblicher Appell an das Reichsarbeiisgerichi Leipzig, 2S. Januar.(Eigenbericht.) Zeit mehr als zehn Iahren fordern die Kommunisten, daß„alle Macht den Räten� übertragen werden solle. Wie es aber in Raterußland und in den von der Sowjetunion in Deutschland geleiteten Betrieben aussieht, wie die Kommunisten, wo sie zu bestimmen haben, überhaupt gegen all« Betriehsräte find, zeigte wieder einmal eine Verhandlung vor dem Reichsarbeitsgericht. Der Allgemeine Verband der Bankangestellten führt schon seit mehreren Monaten einen Rechtsstreit gegen die Berliner Handelsvertretung der Union der Sozialistischen Sowjet- republiten. Es handelt sich um die Frage, ob in der russischen Handelsvertretung eine Betriebsvertretung errichtet werden müsse oder nicht. Die russische Handelsvertretung weigert sich hartnäckig. einen Wahlvorstand zu bestellen, um die Errichtung der gesetzlichen Betriebsvertretung zu ermöglichen. Jeder Angestelltenschutz gegen Unternehmerwillkür ist ihr oerhaßt. Es ist bezeichnend, daß der russische Staat seinen Arbeitern und Angestellten noch nicht einmal die primitivsten Rechte einräumen will. Die russische Handelsvertretung berief sich auf ihre Extern- torialitöt. Das Arbeitsgericht in Berlin hat zugunsten der frei- gewerkschaftlichen Bankangestellten und gegen die„revolutionäre" Sowjetrepublik entschieden. Die russische Handelsvertretung rief das von den Kommunisten so geschmähte Reichsarbeitsgericht an. Dieses fällte folgende Entscheidung: Die Rechtsbeschwerde der. russischen Handelsvertretung gegen den Allgemeinen Verband der Bankangestellten wird als u n- begründet zurückgewiesen. Das Arbeitsgericht in Berlin hat die Handelsvertretung insoweit als betriebsratspflichtig erklärt, als es sich um Angestellte handelt. die nicht Angehörige der Sowjetunion sind. Diese Rechtsausfassung ist zu billigen. Die Exterritorialität der Handelsvertretung ist nach den maßgebenden Staatsoerträgen, insbesondere nach dem deutsch- russischen Handelsvertrag, keine ollgemeine, sondern auf die Punkte beschränkt, die ausdrücklich hervorgehoben sind. Im übrigen be- stimmen sich die Rechtsverhältnisse der Handelsvertretung nach deutschem R-chi. und sie unterliegt der deutschen Gerichtsbarkeit. Namentlich hat sie die sich aus der deutschen Sozialgesetzgebung er- gebenden vom Arbeitgeber für die deutschen Arbeitnehmer be- stehenden sozialen Verpflichtungen zu erfüllen. Dies gilt auch für die sich aus dem Betriebsrätegesetz ergebenden Pslicht, Betriebsräte zu errichten. Ihre besondere staatsrechtliche Stellung hat nur zufolge, daß sich der Betriebsrat und seine Tätig- keit nicht auf die Angestellten erstreckt, die vom russischen Außen- Handelskommissariat entsandt sind. Es ist für die russische Handelsvertretung, wie überhaupt für alle kommunistischen Betriebe, ebenso beschämend wie be- zeichnend, daß sie durch die„Älassengerichtc" erst zur Anerkennung der Recht« der Belegschaften, sich eine Betriebsvertretung zu wählen, gezwungen werden müssen. Noch läuft vor dem Berliner Arbeitsgericht der Prozeß gegen die russische Ostbank.?toch streiken die Maschinensetzer der„Roten Fahne". Zu gleicher Zeit setzt die KPD. alle Hebel in Bewegung, um die Betriebsräte unter ihr er Botmäßigkeit zu bringen, dieselben Betriebsräte, die sie im eigenen Haus nicht duldet, oder zu Handlangern erniedrigt. Eisschrank als Waffenlager. Wie Arbeiterrechte im„Vriiten Reich" beachtet werden. Wir erhalten folgende Zuschrift: „In der Beilage zur Zeitung„Der Abend" vom Montag, dem 19. Januar 1931, haben Sie unter der Ueberschrist: „Pankower Iuckcrwaren. Mit Aufguß für das Dritte Reich." behauptet, die Leiter und Inhaber der Firma W o l s ch o n u. W i e n e ck e in Pankow, Berliner Straße 29, � pflegten den Nazi- geist, die Arbeitszeit betrüge mehr als 12 Stunden usw. Diese Behauptungen sind unrichtig. Richtig ist folgendes: In dem genannten Betriebe kümmern sich die Leiter in keiner Weise um die politische Üeberzeugung der Arbeiterschaft. Es hat jeder seine frei« Meinung. Es ist weiter unrichtig, daß vor den Septemberwahlen für die Nationalsozialistische Partei Propaganda gemacht worden sei. Die Arbeitszeit richtet sich nach den Beftim- mungen des Arbeitsgesetzes. Lediglich an 3 Tagen im Oktober ist die Arbeitszeit aus dringendem Grunde überschritten. Es ist nie- mals ein Nazi verhaftet worden, der im Cisschrank Waffen oersteckt hätte. Sämtliche Arbester werden über den Tarif hinaus entlohnt." * Darauf erwidern wir: Wir holten unsere Behauptung vollinhaltlich aufrecht. Es ist wohl richtige daß jetzt in zwei Schichten acht Stunden gearbeitet wird, aber erst, infolge oder seit der Veröffentlichung unserer Notiz. Ein Arbeiterrat besteht bis heut« nicht in diesem Betrieb, von denen der eine Inhaber vor den Wahlen für die Nazis Reklame machte, der andere zum Stahlhelmtag nach Koblenz fuhr und von dort seine Angestellten mst einer Ansichtskarte beglückt«. Auch sonst handest es sich hier um Praktiken, die vielleicht im„Dritten Reich" erlaubt sein würden, weshalb diese Unternehmer wohl für die National- sozialistische„Arbeiterpartei" sich begeistern, die aber in unserer verdammten Republik nicht zulässig sind. Reichsanstalt und Reformen. Oie lleberiastung des Personals. Der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat dieser Tage den Haushalt der Arbeitslosenversicherung für das Jahr 1931 verabschiedet. Er nahm dabei auch gegen die Flut von untauglichen Reform- vorschlagen Stellung. Eine praktische Reformmöglichkeit sieht er in den Vorschlägen der Gewerkschaften zur Neu- gestastung der Krisen- und Wohlfahrtserwerbslosen- f ü r s o r g e. In einer hierzu angenommenen Entschließung erklärt der Verwaltungsrat, daß er eine Vereinigung der beiden heute noch bestehenden Unterstützungsformen für notwendig holte und er auch«ine Beschleunigung dieser Neuregelung für dringend er- forderlich erachte. Die Beratungen des Verröaltungsrates wurden eingelestet von Dr. S y r u p, dem Präsidenten der Reichsanstalt. Er gab einen Ueberblick über die Lage des Arbeitsmarttes Besonders scharf ab- lehnend behandelte er die Vorschläge zur Einführung der Arbeitsdienstpflicht. Er sprach die dringende Bitte aus, in Zukunft von weiteren Aenderungen des Gesetzes verschont zu werden. Diese Bitte richtete sich deutlich an die Adresse der Reichsregierung, die vor kurzem die Einsetzung einer neuen Sachverständigenkommission zur Reform der Arbeitslosenversicherung vorbereitet hat, in der Unternehmer und Versicherte nicht beteiligt sind. Notwendiger erscheint dem Präsidenten eine Sachverständigen- kommission aus den in der Praxis der Arbeitslosenversicherung stehenden Persönlichkeiten, die einmal nachprüfen sollte, ob nicht durch den größten Teil der getroffenen Gesctzesänderungen mehr Verwaltungsaufwand»ntstche als Ersparnis. In der Aussprache wandten sich Dr. B r o e k e r vom ADGB, und Dr. Cron'er vom AfA-Bund scharf gegen eine Reihe von Mißständen, die sich im Laufe des letzten Jahres innerhalb der Reichsanstalt herausgebildet haben. Broeker wies darauf hin, daß durch die überhandnehmende Bürolratisierung der Reichsanstalt auch für die Rechtssicherheit Gefahren zu entstehen drohen, weil eine große Zahl von Arbeitsamtsdirektoren, offenbar infolge' des scharfen Druckes von oben her, sich nicht mehr getrauen, selbständige, von der offiziellen Auffassung abweichende Entschei- düngen über Untcrstützungsanträge zu fällen. Das ständige Neben- und Durcheinander von Kontrolllätigkeitcn, die von 1 bis 5 verschiedenen Stellens!) aus innerhalb der Reichsanstalt vorgenommen würden, führe geradezu zu einer Lahmlegung der Arbeit der Arbeitsämter. Mit den allmählich katastrophal gewordenen Personal- Verhältnissen beschäftigte sich eingehend Dr. C r o n e r. Er stützte sich dabei aus Materiol, das der AfA-Bund durch eine Enquete unter seinen Verwaltungsausschußmitgliedern herbei- geschafft hatte. Die von Croner aus diesem Material vorgetragenen Proben genügten, um einwandfrei klarzustellen, daß die II e b e r- st u n d e n w i r t s cha f t längst das erträgliche Maß überschritten Hot, daß mit den gesetzlichen Bestimmungen über die Pflichtarbeit nach Belieben umgesprungen wird und daß auch sonst die Personal- Verhältnisse einer sofortigen Reform unterzogen werden müssen. Croners Kritik schafft« nun wenigstens einigermaßen Abhilfe. Es darf damit gerechnet werden, daß die Planstellen innerhalb der Reichsanstalt etwa um 1990 Kräfte vermehrt werden. Im übrigen brachte der Verwaltungsrat zum Ausdruck, daß er die mißbräuchliche Verwendung von Pflichtarbeiten für laufende Ver- wattungsarbeiten auf das entschiedenste verurteilt. Schließlich hat der Derwattungsrat beschlossen, daß eine Höchstbeschäftigungszeit für Praktikanten festgesetzt wird, um auch so dem Ersatz von Ange- stellten durch sogenannte Praktikanten entgegenzutreten. Der Etat der Arbeitslosenversicherung ist in seiner Gesamtheit angenommen worden. Dagegen stimmten die Vertreter der Unternehmer mit der ausdrücklichen Erklärung, daß sie die schlossene Stellenvennehrung ablehnen. be- Oer Kampf in der Holzindustrie. Oer Reichelarbeitsminister preist ein. wie wir erfahren, hak sich der ReichsarbeiKminister entschlossen, nunmehr in den Kampf in der Holzindustrie einzugreifen, über den wir iu unserer heuligen Morgenausgabe eingehend berichtet haben. Cr hat die Parteien zum 2. Februar von Amt» wegen zu Eiuigungsverhandluugen geladen. Oer Fall Canaris. Sine Erklärung veS Reichswehrministeriums. Das Reichswehrministerium veröffentlicht folgel�es Plädoyer für Kapitän Canaris: „Die Vernehmung des Rechtsanwotts Brcdereck im Jörns» Prozeß hat eine Anzahl Blätter dazu veranlaßt, alte Avfchuldigun- gen gegen den Fregattenkapitän Canaris wieder zu erheben. Ins- besondere ist der Vorwurf wieder aufgetaucht, er habe die Flucht des Oberleutnants Vogel begünstigt. Das Reichswehrmtnifterimn hat Erhebungen angestellt, die folgendes Ergebnis gehabt haben: Die alte Anschuldigung, Kapitän Canaris habe die Flucht Vogels begünfttgt, ist bereits vor Iahren durch etn gerichtliches Verfahren aufgeklärt und als völlig unbegründet erwiesen worden. Neue Tatsachen sind seitdem nicht vorgebracht worden. Das Reichs» Wehrministerium sieht die damalige Gerichtsentscheidung auch heute noch uneingeschränkt für güllig an. Rechtsanwalt Bredereck hat ausgesagt: Der Nattonawerband Deutscher Offiziere habe Geld für eine Flucht der angeklagten Brüder von Pflugt-Hartung gesammelt. Einen Teil hiervon Hobe er mit der Schwester der Angeklagten dem Kapitänleutnant von Pflugt-Hartung ins Gefängnis gebracht. Den Rest dieser Summe habe Fräulein von Pflugk-Hartung zusammen mit Kapitän Canaris später von ihm abgeholt. Ob Kapttän Canaris von der Bestimmung dieser Summe gewußt habe, wäre chm nicht bekannt. Schon aus dieser Aussage geht hervor, daß Kapttän Canaris nicht, wie in verschiedenen Blättern behauptet wurde, dem Angeklagten Pflugk-Hartung Geld zur Flucht ins Gefängnis gebracht hat. Ueber den Besuch bei Rechtsanwalt Bredereck ist folgendes festgestellt worden: Fräulein von Pflugk-Hartung hat sich mit der Bitte um Unterstützung an den ihr bekonnten Kapitänleutnaitt Canaris gewandt, da sie und ihre Familie dauernd von Kommunisten bedroht waren. Sie selber ist damals auf der Straße tätlich an- gegriffen und schwer mißhandelt worden. Roch der Freisprechung der Brüder Pflugk-Hartung durch das Kriegsgericht, in dem Kapitän Canaris als Richter mitgewirkt hatte, erfuhr dieser, daß noch Gelder vom Nationalverband Deutscher Offiziere für die Familie Pstugk- Härtung vorhanden seien, und er entschloß sich daher, mit Zustim» mung des Reichswehrministers Noske, die Aushändigung dieser Gelder an Fräulein von Pflugk-Hartung zu erwirken, damit diese und ihre Familienangehörigen Berlin verlassen konnten. Daher erfolgte sein Besuch bei Bredereck. Zu dieser Zell waren die Brüder von Pflugk-Hartuntz längst aus dem Gefängnis entlassen, und der eine befand sich schon im Ausland, so daß von irgendwelcher Be> günstigung einer Flucht oder einer sonstigen Verletzung der richter- lichen Pflichten durch Kapttän Canaris nicht die Rede fein kann. Dem Landgericht III, das den Jorns-Prozeß führt, hat Kapitän Canaris sich zur Verfügung gestellt." Wir können den Darlegungen de? Reichswehrministe- riums, das keine richterliche Behörde ist, zunächst nur den Wert eines Plädoyers beimessen. Zwischen dieser Dar- legung und der beschworenen Aussage von Rechts- anwalt Bredereck bestehen Unstimmigkeiten. Diese Un- stimmigkeiten können nicht durch einseitige Erklärungen, die auf den einen Beteiligten zurückgehen, aufgestellt werden. sondern lediglich vor Gericht. Eine falsche Anschuldiaung. Die Iustizpressestelle teilt mit: Gegen den Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst Heim�innsberg, war aus Anlaß seiner Vernehmung in dem gegen Regierungsrat a. D. Dr. F a b r i c i u s gerichteten Verfahren wegen Beleidigung der Schupo von dem Angeklagten eine Anzeige wegen Folfcheides eingereicht worden. Das daraufhin von der Staatsanwattfchast I eingelettete Ermittlungsverfahren ist jetzt eingestellt worden, weil durch die von der Staatsanwaltschaft vernommenen Zeugen die Aussage des Oberst Heimannsberg durchaus bestätigt worden ist. Licht aus nach Mitternacht Kohlen- und Transportkrife in der Sowjetunion K o w n o, 29. Januar. Im Zusammenhang mit der kohlenknappheil und der unzureichenden Eleklrizikätsoersorgung haben verschiedene Städte der Sowjetunion beschlossen, daß nach 24 Uhr keine öffentlichen veran- slallungen mehr abgehalten werden dürfen, om Strom zu sparen. Außerdem wird eine neue Verordnung herausgegeben werden, um die Beleuchtung in den Privathaushalten in starkem Maße zu ver- mindern, indem nur eine bestimmte Anzahl von Lampen geringer Lichlflärke gebrannt werden sollen. Die Verordnung wird damit begründet, daß e» trotz der großen Pläne der Sowjelregierung zur Elektrifizierung der Sowjetunion an Kohle fehlt, um die Elektrizi. tätswerte richtig und voll auszunutzen. Die Transportkatastrophe in Sowjetrußland, die zu einer völligen Stockung des Kohlentransports im Donezgebiet und zu der Gefahr des Zusammenbruchs der Lebensmittelversorgung ge- führt hat, gibt den zentralen Instanzen des Sowjetreichs Veran- lassung. sich mit einem dringenden Appell an alle Behörden und Organisationen zu wenden um eine Besserung in kürzester Frist zu erzielen. Stalin als Generalsekretär der Partei und Molotow als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare erklären in dem Aufruf. daß die ernsten Schwierigkeiten im Eisenbahnverkehr zu der drohenden Gefahr eines Zusammenbruchs der Sowjetwlrtschaft geführt haben. Der Rat für Arbeit und Verteidigung wird aufgefördert. bis zum 29. Februar einen genauen R e f o r m p l a n für den Eisen- bahntransport aufzustellen. Der Aufruf sieht eine Reihe von prak- tischen Maßnahmen zur Vermehrung des Lokomotiv- und Wagen- baus vor, wobei er für die Durchführung der geplanten Maßnahmen ausdrücklich die persönliche Verantwortlichkeit der einzelnen Letter feststellt. Im Verlauf des nächsten Monats müsse sowohl ein« vollständige Versorgung der Bahnen mit Heizmaterial als auch eine Herabsetzung von deren Verbrauch um mindestens IS Proz. durchgeführt sein. Eine Reihe weiterer Maßnahmen ist für die Hebung der Arbeiterdisziplin, die Lerbesserung der Arbeits- qualität und für die Hebung der Wirtschaftlich! eit im Berkehr vorgesehen, wobei dem Arbeiter eine Zulage von 15 bis 29 Proz. und die dauernde ausreichende Versorgung mit Lebensntttleln und Kleidern versprochen wird. Eine Befestigung" der Arbeitskräfte von dem Heizer bis.zum Direktor wird besohlen, wobei im Falle einer Fortsetzung des Schlendrians die schärfsten Maßnahmen allen Schuldigen angedroht werden,„auch wenn sie Mitglieder der Partei sein sollten". In einem besonderen Absatz verlangt der Aufruf, daß alle diejenigen ehemaligen Esscnbahner, die ihre Arbett in> Stich gelassen haben, spätestens in zwei Monaten sich wieder zu melden haben. Das Berkehrskommissanat hat im Hinblick auf die Brennstoff« knappheit beschlossen, die Zugfolge im Rahverkehr einzuschränken. Diese Maßnahme gilt auch für die Eisenbahnlinien, die noch Auf- fassung der Sowjetbehörden weniger bedeutend sind. Do der russischen Eisenbahn«ine erhebliche Anzahl Lokomotivführer fehlen. wurde ferner angeordnet, den Lolomotiodienst nur noch durch einen Beamten(bisher zwei) auszuüben. Kollektivisierung durch Aushungerung. Kowno. 29. Januar. Wie amtlich aus Leningrad gemeldet wird, wurde jetzt ein neuer Pc„n ausgearbeitet, um die individuellen Baucrnwirtschaften zwangsweise in Kollektivwirtschaften umzuwandeln. Demzufolge sollen sämtliche Dörfer lediglich geschlossen« Verkaufs- und V e r t e i l u n g s st e l l e n für Lebensmittel erhalten, die ausschließlich die Angehörigen der Kollektivwirtschaften mit Lebensmitteln und anderen Produkten versorgen sollen, während die Bauern der i»di- viduellen Wirtschaften nicht beliefert werden dürfen. Durch diese Maßnohme will man den kleinen Handel vollkommen ausschalten und den individuellen Bauernwirtschaften die Daseins- Möglichkeit nehmen. Der Entwurf wird vorläufig im Leningrader Gouvernenient durchgeführt werden. Richt der amerikanische Kriegsminister sondern dos früher« Mitglied der Kriegsschuldenkommission Huiley entwickelte in Chikago vor der Vereinigung der Exporteure d u Plan, die Schuldenzahlungen an Amerika um die Hälfte h:rab-us:tzen. Allerdings müsse Gewähr dafür geschaffen werden, daß die euro- päischen Nationen die ihnen gemachten finanziellen Zugeständnisse nicht in Rüstungen anlegten. wekter für Berlin: Größtenteils trübe, noch leichte Sck,n:efälle. Temperaturen etwas sinkend.— Für Deutschland: Ueberall trübe. im Nordosten Frost, im Südwesten noch ziemlich mild mit einzelnen Niederschlägen. Veranwortl ttlr die-Hciiat'ian: S»rl>»t StpHt, Berlin�Änz-iq-n: Td. SIol«, Berlin. Jittlan; Borwärts 33tr!ü(i(5. m. d. S. Serttn?ruck: JiorTpdm Vuch- Dmcfmi und Verlaasanktalt Vau! cinarr& Eo Berlin effi 68 Lurdenstrafte 5 fticrau 1 Bcilaae Vellage Donnerstag, 29. Januar 1931 DerAbceiD Heran an die Landjugend! Vorschläge für eine praktische Landzugendfürsorge/ Von Cugen Lederer Zn dem Artikel»... die unerfreuliche Berufsschularbeit� im »Abend" vom 18. Dezember ISN ist die Auswirkung der voll- amtlichen Beschäftigung stellenloser Lehramtsbewerber an den länd- lichen Berufsschulen nur angedeutet worden. Die aktive Ein- reihung dieser Lehrkräfte in die gesamte öffentliche Iugendpflegearbeit erfordert deren verpflichtendes Ein- dringen in die Arbeits-, häuslichen und Freizeitverhältniffe der Landjugend. Dadurch wird eine wirkliche Erfassung des einzelnen Jugendlichen erzielt und die Grundlage gegenseitigen Vertrauens czls Voraussetzung für das Zustandekommen einer Berufsfchulgemein- schuft hergestellt. Daß infolg« des Eindringens in die Alltagswelt der Jugend, der Lehrer zwangsläufig in eine aufklärende, beratend- oder werb-nde Beziehung zu Eltern. Erziehungsberech- tigten. Arbeitgebern usw. gerät, ist nicht minder wichtig. Auch mit den örtlichen und Kreisstellen der freien Iugendorgani- sationen, insbesondere den Berufsoerbänden, wird der Derufsfchul- lehrer engste Fühlung zu nehmen haben. Gewiß ist nicht jeder Lehrer für diese Aufgaben geschaffen. Es gibt welche, die sich bei den Abc-Schützen in chrem Element fühlen, andere, die bei dem älteren Vvlksfchitlkind am richtigen Platze sind, und wieder andere, die gerade im Kreis der Berufsschüler ihr bestes Talent als Lehrer und Erzieher zu entfalten vermögen. Auf die letzteren kommt es hier lediglich an. Sie müssen aber von außen auf das platte La�id gebracht werden, denn der eingesessene Lehrer wird meist immer um des lieben Friedens willen leise treten oder sich scheuen, den amtlichen Stellen abjektioe Berichte über aus- getragene Ermittlungen zu erstatten, nur weil er befürchtet, daß ihm sonst dos Leben in der Gemeinde zur Hölle gemacht werden könnte. Die enge Dorfpolitik kann nur der Lehrer, der von vornherein weiß, daß er keinesfalls länger als einige Jahre in ein und derselben Landgemeinde bzw. ein und demselben Be- russschulbeziri zu wirken hat, überwinden. Die Kreisjugend» ämter agrarifcher Landkreise, denen es stets an unbefangenen oder geschulten örtlichen Dertrauenspersonen fehlt, dürften dies«, jede Erstarrung verhütend« Wechselbcwegung nur begrüßen können. Bei der Fülle der dem Berufsschullehrer zugedachten Aufgaben braucht keine Besorgnis wegen seiner Freimonate zu entstehen. Der Pflichten, die er auch in dieser Zeit zu erfüllen hat. sind genug. Fortgefetzte Beratung der Eltern und Jugend, Ausübung von Schutzaufsichten, Jugendwanderungen, Lehrgänge für die erwerbslose und erwerbstätige Jugend, Mitwirkung bei der Deranstalwng von Kursen zur Heranbildung ehrenamtlicher Helfer und Helferinnen in der Jugend- und Wohlfahrtspflege und der- gleichen mehr! Solange der Berufsfchulvollunterricht noch auf sich warten läßt, ist es dringend erforderlich, daß gerade während der Sommer- monate eine Jugendamt, Jugenöpfleger, Fürsorgerin, Arbeitgeber, Erziehungsberechtigte usw. verbindende neutrale Kraft im Jntsrcsie der in der Landwirtschaft und in den kleinen Gewerbe- betrieben tätigen Jugendlichen funktioniert. Kufgaben Wo die Berufsschule als„Plage" empfunden wird, stellt sie in der Regel nichts anderes als ein« Einrichtung zur Fortsetzung eines üblen Schuldrills dar. Der über jugendbildnerisches und .pflegerifches Können und Wollen oerfügend« Lehrer ist sich dem- gegenüber bewußt, daß die ländliche Berufsschule eine Stätte der Anregung für die schöpferisch« Gestaltung degLebens- interesseN der Jugend zu sein hat. Nicht die theorelifche Behandlung von Lehrstoffen ist das entscheidende, viel wichtiger ist vielmehr, die Grstaltungsbedürfnisse der Jugend in einer für das Lebe» fruchtbaren Weife zur Entfaltung und Betätigung zu bringen. Nur in dieser Richtung kann sich die erstreb!« Neugestaltung des Unterrichts an den ländlichen Berufsschulen bewegen. Nur deshalb tritt auch das Berlongen, die Werk- arbeit neben der theoretischen Beschäftigung in einem den In- teresien der jeweiligen Jugendlichen entsprechenden Umfang stärker zur Geltung zu bringen, in den Bordergrund. Versuche, die gelegentlich mit Bastelarbeiten unternommen wurden, mußten natürlich scheitern, denn der jugendliche Arbeiter will nicht spielerisch beschäftigt werden, fondern schaffend wirken. Wenn auch infolge der bedrückenden Wirtschaftslage die Einrichtung der auf dem Lande vielfach fehlenden Schulwerkstätten augenblicklich stark in Frage gestellt ist, so rechtfertigt dieser Um- stand noch keineswegs eine Vernachlässigung der Erziehung zur werktätigen Wirklichkeit. Schon deshalb nicht, weil sicherlich bei einigermaßen geschicktem psychalogischem Einwirken der oder jener Handwerksmeister am Ort einen Teil seiner Werkstätte gelegentlich für Schulung-zwecke freigeben oder wenigstens Hand- wcrkszeug leihweise zur Verfügung stellen wird. Daß auch noch anderen Kreisen, die vielleicht das Wort von der vaterländischen Pflicht bei Tag und Nacht im Munde führen. Gelegenheit geboten ist, dieser Pflicht durch eine für die Jugend benötigte Sonderleistung praktisch zu genügen, wird an späterer Stelle ersichtlich. Die Behauptung eines Lehrers, daß die Landjugend eine »dumpf vor sich hinbrütende Masse" sei. ist uner- hört falsch. Für den Funken der Begeisterung ist die milieuarme Jugend empsänglicher als irgendeine andere. Nicht im Jugend- lichen, sondern in seiner bedrückenden Umwelt liegt die so beklagte Dumpfheit begründet. Vielleicht 80 oder noch mehr Prozent der in der Landwirtschaft beschäf- tigten jugendlichen Arbeiter sind in heiz« und lichtlosen Dach- oder Stallkammern unterge- bracht. Was das an langen Winterabenden beim Fehlen geeig- neter Zusammenkunftsräume sürJJie Jugend in einer Landgemeinde zu bedeuten hat, kann sich die Stadtjugend nicht vorstellen. Haus» backen« Nowren, die den fast gänzlich in Wegkall gekommenen Familienanschluß beklagen, glauben zwar, daß durch dessen Wieder- Herstellung die betrüblichen Zustände zu bessern wären. Sie wissen aber nicht, daß einer zu Selbstöndiakeit und Freiheit sich enifistt-'n wollenden Jugend jede patriarchalische Bindung widerstrebt. Sie wissen serner nicht, daß durch Freibier, das auf dem Lande noch innner«ine wichtige Rolle spielt, die trostlose Begrenztheit sozialer Geltung für einen Stalljungen. Kopnelknecht. Gesvannkührer usw. nicht geweitet werden kann. Da fragt sich ein Berufsschüler, wozu besuche ich eigenllich die Schul«, wenn ich doch schon mein Leben lang nur Kuhstallknecht bleibe? Wieviel Ver- schütte tcs gilt es hier freizulegen! Nur in der Ge- meinschast einer geistig wachen Jugend kann das Selbstbewußtsein eines solchen Menschen wieder durchvrechen. Und dazu ist die Schassung eines in der einzelnen Landgemeinde möglichst zen.ra! gelegenen Sammelpunktes für die Dorfjugend nötig. Baut Klubhäuser! Ein Jugendheim, ein von der Jugend selbst aufzubauendes Klubhaus sollte in jedem Dorf erstehen. Dies ist keine Phantasterei. Hier wird die Abkehr von spielerischer Beschästigung und die Hin- wendung zum tatsächlich produktiven Schasse» sinnsällig. Es gib« Dutzende von Beispielen in Deutschland, die beweisen, wie durch zielbewußte Anregung und Organisation die Jugend unter Füh- rung ihrer Lehrer und unterstützt von Behörden, Handwerkern, Industriefirmen und sonstigen Kreisen sich Häuser, Garten- anlagen, Spiel- und Sportplätze selbst geschaffen hat. Gerade gegenwärtig gilt es, die jugendlichen Erwerbslosen in«ine geregelte Tätigkeit.zu bringen. Sollte es sich da nicht lohnen, sie etwas ausbauen zu lassen, was chre Interessen unmittelbar berührt? Wie sieht es denn mit der erwerbslosen Jugend aus dem platten Lande aus? Do sind nicht etwa die 14- bis 18jährigen, sondern bis auf geringe Ausnahmen vornehmlich die 18- bis 21jähri- gen Jugendlichen erwerbslos. Unter ihnen befinden sich verhältnismäßig wenig ungelernte Arbeiter. Nicht nur, iveil diese -sts billigste Arb-itskrast bevorzugt werden, sondern weil der Ju- gcndliche trotz Absolvierung einer drei- oder vierjährigen Lehrzeit häufig überhaupt keine Aussicht hat, als Facharbeiter beschäftigt zu werden. Er wird somit praktisch zum ungelernten Arbeiter herabgedrückt oder in dos Heer der Erwerbslosen eingerückt. Die Ermittlungen ergeben auch, daß unter den jugendlichen Erwerbs- losen hauptsächlich gelernte Schlosser, Klempner, Schmiede, Stell- macher, Monteure, Elektriker, Installateure, Zimmerer, Maurer, Tischler, Maler, Dachdecker, Töpfer, Korbmacher, Gärtner usw. ver- treten sind. Hiernach ist die D u r ch s ü h r b a r k e l t der ange- deuteten Produktivpläne durchaus gesichert, zumal ältere arbeitslos« Facharbeiter als Borarbeiter mit beschäftigt werden könnten. Hauptfächliche Sorg« macht nur die Beschaffung der nöti- gen Materialien, auch in den Fällen, in denen möglicherweise zu- nächst der äußere und innere Aus- oder Umbau eines ungenutzten Wohn- oder Wirtschaftsgebäudes in Frage kommt. Wenn aber olle Bevölkerungskreise in der ihnen möglichen Weis« dazu beitragen, wird auch diese Schwierigkeit.zu überwinden sein. Wer soll den Boden für das Iugendhaus mit Garten, für den Spiel- und Sportplatz oder die örtliche Erholungsfürsorge spenden? Es dürfte kaum ein« Landgemeinde zu verzeichnen sein, die für dies« Zwecke geeigneten Bodensatz nicht verfügbar hätte. Auch Holz für Balken, Tische. Stühle. Regale usw ist da. Lehm-, Sand- und Kiesgruben fehlen nicht. Zur Gestellung von Gespannen wird sich immer ein jugendsreundlicher Landwirt bereit finden. Da und dort wird eine Ziegelei, ein Elektrizitäts- und Hüttenwerk einspringen. In gewissem llmsange sind Mittel aus der produt- tiven Erwcrbslosenfürsorge und Mittel zur beruslichen Förderung der erwerbslosen Jugend flüssig zu mache». Ferner kommen Beträge aus der Hauszinssteuer in Betracht, soweit in dem geplanten Iugendhaus eine Gemeindeschwesternstation und eventuell ein Wohnraum für die Kindergärmerin eingerichtet wer- den. Weitere Geldbeschoffungsmöglichkeiten werden sicherlich die Angestellten und Beamten der Gemeinde- und Kreisverwaltungen, die nicht zuletzt ein derartiges Werk Helsens zu fördern hätten, er- gründen können. Ob das Iugendhaus jeweils als Holz-, Fachwerk- oder Massivbau ausgeführt werden kann, ist unwesentlich. Der Aufbau kann sich durchaus stufenweise vollziehen. Die Schaffung des Houptraumes, der tagsüber als Kindergar- ten und Li ort, abends als Bersammlungs-, Vorfüh- rungsroum usw. sür die Dorsjugend Verwendung finden soll, ist das wichtigste. Je nach den örtlichen Verhältnissen ist neben dem Wohnraum für die Gemeindeschwester und eventuell die Kindergärtnerin die Einrichtimg eines weiteren Zimmers, das bei- spi«lsweise dem Kommunalarzi oder Berussberater zur Abhaltung von Sprechstunden dient und als Nähstub« verwandt wird, zweck mäßig. Später könnte dann der Anbau einer Lehrküch« zur praktischen Unterrichtung der Mädchen oder tzaussraucn in Er- wägung gezogen werden. Die Küche wäre zugleich in den Dienst der Speisung der Kindergarten- und Schulkinder, gegebenenfalls auch der Jugendlichen zu stellen. Auf diese unge- fähren Kombinationsmöglichkeiten müßte bei dem Grundriß des „wachsenden" Hauses besonders Bedacht genommen werden. Oertliche Crholungsfürsorge Die Anlage eines Spiel- oder Sportplatzes, vor allem ober die Errichtung einer örtlichen Erholungsfürsorge er- fordert nicht weniger vielseitige Tätigkeiten. Man denke an di« Anlage von«infachen Duschoorrichtungen oder Plansch- bzw. Schwimmbecken, den Bau von Rcgenschutz- oder Liegehallen mit Zubehör und dergleichen. Diesen Plänen, di« absolut nicht neu sind, sollten all« amtlichen und niiuse und den Geruch der Menschen, herbei- geflogen waren. Durch ein kleines, offenstehendes Fenster waren sie in meine Kammer gekommen, und alles andere spürte ich an meinem Körper. Zunächst schloß ich das Fenster, um weiteren Zuzug fernzuhalten, dann eröffnete ich einen wütenden Feldzug gegen die Peiniger. Eine Menge Leichen bedeckte bald das Schlachtfeld.' Auszurotten waren die„Blutsauger" jedoch nicht auf diese Weise. Verärgert legte ich mich wieder auss Bett. An Schlafen war in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Immer surrt« es um meinen Kopf, immer stach es. bald hier, bald da. nieist gleichzeitig an verschiedenen Stellen. Dauernd hieb ich wie ein Verzweifelter um mich und wälzte mich von einer Seite auf die andere. Erst als der Morgen graute, fiel ich für einige Stunden in«inen unruhigen Halblchlos. Als ich bei Hellem Sonnenschein erwachte, konnte ich meinen Körper betrachten. Wie sah der aus! Zerstorfien. zerbeult und zer- kratzt von oben bis unten! Ueberall blutige Flechen! Di« rührten von erschlagenen Mücken her, es war mein eigene? Blut das si« mir ausaefougt hatten. Unausgeschlafen und übernächtig verlieh ich den Gasthof, der er!. eine so angenebme Nachtruh« versprochen und dann'o wenig pehalt- hatte Den Moskitos habe ich feit dieser Nacht ewige, sürchterss-v Feindschaft geschworen! Arbclterferien im Winter Auf Skiern kreuz und quer in den Bergen Der Wander«r will auch im Winter nicht hinter dem Ofen hacken. Um seine Streifzüge in der schneereichcn Jahreszeit zu erleichtern bzw. um sie im Gebirge überhaupt möglich zu machen, benutzt er die Schneeschuhe, die erfreulicherweise in den letzten Jahren auch in Arbeiterfportlerkreisen mehr und mehr Eingang suchen tonnten. Eine eigene Welt bieten die winterlichen Berge. Die Farbenireudigteit des Sommers ist völlig verschwunden, w«tz in vielen Abstufungen schafft eine seltsame Pracht. Wer zum erstenmal in die Wintcrwelt der Berge kommt, erstaunt über ihre vielfältigen Reize,«r ahnt wohl, daß diese ihm neuen Schönheiten vielleicht herrlicher sind als in äscheren Jahreszeiten. Die Skier und der Rucksack, das ist die ganze„Ausrüstung" für unsere Fahrt in den Bergwinter, die uns ein paar ausgesparte Ferientage ermöglichen. Im Flachland reichte die geringe Schneedecke nicht aus, um den Sturzacker einzubetten. Ein warmer Wind sorgt« dafür, daß die Schneedecke bis zu MV bis 7 OY Meter hinauf sich schmutziggrau färbte und auch sonst olle Anzeichen von Tauwetter vorhanden waren. Höher hinauf taut es zwar nicht, aber der Wind hat an den Stellen der Rrdelbahn Heufuder— Fiinsberg, wo die Bäume zurücktreten, die Bahn blankgcfegt und zum Teil den Sand bloßgelegt. Den letzten Teil des Anstiegs hinauf jagt uns der immer wachsende Wind mächtige Schneewolken entgegen, so daß der ohnehin steile Anstieg einem Borwärtskämpsen Schritt für Schritt glsichkommt. Links vor der Baude, wo wir in Richtung Kamm. Häuser— Groß-Jser abbiegen, treibt es der Sturm gar zu arg. Also zu zweit angefaßt, Hilsest:llung und dann los, bis der Hang uns etwas Schutz bietet. Es glückt erst beim zweiten Mal«, um die Eck« zu kommen, dann ober können endlich die Brettl angelegt werden, und eine schöne Fahrt im dickverschneiten Winterwald, wo der Sturm nicht hinkommt, läßt die Strapazen ocrgcsien. Groß- Jser(553 Meterh einer geschützt liegenden Kolonie, hat der Wind unseren Weg wie die meisten Wicscnflächen blankgefegt, große Schneewehen hemmen die Fahrt an anderen Stellen, verspätet er- reichen wir unser Quartier bei einem Bergbauern. In der Nacht wächst der Sturm— eine Ausfahrt auf den Höchstem bringt aber nur wenig Unannehmlichkeiten für uns, well wir uns meist im Wald« halten können. Abends beginnt ein schneeiger Brei zu fallen, der Wind legt sich, und am nächsten Morgen haben wir etwas Neu- schne«, der sich bald als der gefürchtete Pappschnee herausstellt. Ein paar kleine Fuhschäden machen die Situation nicht angenehmer. nachdem sie zweckmäßig verpackt sind, entschließen wir uns, höher hinauf ins Niesengebirge zu ziehen. Obwohl wir anfangs Streif- züge nach dem böhmischen Isergebirge und insbesondere nach dem prächtigen Natursreundehaus Königshöhe unternehmen wollten. Auf unserem Weg über Kar.'stol treffen wir überall die Land- leiste bei der Holzarbeit.— Ein unendlich mühevolles Rutschen bringt uns dann über Jokobstal auf den Weg nach dem R«!strüger, wo noch Touristen quartiere zu finden fem sollen. Langsam bessert sich der Schnee. Als wir an die lOVO Meter angestiegen sind, sehen wir mächtige Wölkend änke gespenstisch in den Tälern stehen. Ein seines Zwitschern bann und wann erinnert, daß auch hier oben die Bogel- welt, die flinken Kreuzschnäbel, nicht fehlt. Der Hochwald bleibt zurück, mächtige Wettersichten mit meist beschädigten Kronen säumen unseren Weg, bis in etwa 1200 Meter Höhe vereinzelt stehendes Krüppelholz auch sie ablöst. Zweimol narrt uns ein Steilhang, bis wir tatsächlich auf dem Aeifträger anlangen. Am nächsten Morgen iohran wir mit vier Skiläufern, die sich uns anschließen, in dichten Nebel hinein. Die Schneegrubenbaude wird erst sichtbar, als wir unmittelbar davor stehen. Neue„Freuden" stehen uns bevor: die Abhänge des Hohen Rades wie der Großen Sturmhaube haben noch nicht soviel Schnee, daß die unzähligen Geröllstücke und Steinblöcke davon zu- gedeckt wären. Einige der Fahrer kommen trotzdem heil hinunter. die anderen legen die Brettl od und steigen Schritt um Schritt ad. Bald liegt indes auch dos schön« Iugendkaarmhaus am Spindlerpaß. in dem wir zur Mittagsrast einkehren, hinter uns. Unsere vier Freunde vom Morgen haben ihre Fahrt abgebrochen. Eine weitere mühsam« Kraxelei wartet unser, als wir die zirka 200 Meter zur Kleinen Sturmhaube angestiegen sind, ain Sllberkamm verstärkt sich der Wind— wir wagen eine halsbrecherische Fahrt über blanken Harsch(kurz vor Prinz-Heinrich-Baude) und sind nach einer kurzen Strecke Langlauf an der Wiesenboud«, die kein Quartier mehr für uns hat. In der Dunkelheit, von dichtem Nebel umgeben, ziehen wir wnter, nach der Geycrguck« zu, am Hochwiefenderg(IStzS) entlang. Einige von uns wagen dann im Finftern«in« steil« Sturz- fahrt zur Geyerguckeirbaud«(1353) hinab, wo wir noch Platz im Massenquartier mit tschechischen Stisreunden zusammen finden. Der Morgen findet uns im Nebel auf dem Weg« über Wiesen- bände nach Schwarze Koppe— Grenzbauden. Kurz oor dem Koppen- plan überfällt uns ein starker Wind, der sich überraschend schnell zum Schneesturm auswächst. Spitze Eisnadeln bringen die Augen zum Tränen, der Luftzug läßt die auf der Gesichtshaut schmelzenden Schneeflocken augenblicklich gefrieren. Es kostet Mühe, Überhaupt auf den Beinen zu bleiben— geschweige denn vorwärts zu kommen. An der Riefenbaude, wo wir notgedrungen unsere Fahrt unter- brechen, kostet es einen erheblichen Kampf mit der Gewalt des Sturmes, die Haustür zu gewinnen. Zwei Stunden später hat sich die Lage nicht verändert— Mittag ist vorüber und wir müssen ans Quartier denken, Riefenbaud« wie Schlefierhaus sind aber bis auf den letzten Platz besetzt. So entschließen wir uns abzusteigen, und es bleibt uns dafür nicht einmal viel Auswahl wohin. Noch«ine kurze Strecke Weges macht uns die Gewalt des Sturmes zu schaffen, dann sind wir im Schutz des Hanges. Wenig unterhalb die durch Lawinenstürze berüchtigte Seifenlehne— wir steigen die Rodelbahn Schlefierhaus— Knimmhübcl ab nach Brückenberg. Gemächlich und elegant promenieren hier die Auch-Wintersportler, die um der Mode halber Ski laufen bzw. Skianzüge trogen. In Schmiedeberg liegt zwar etwas Schnee, aber er ist so verharscht, daß man«her an eine Eisbahn denken möchte. Dann trägt uns der Zug heimwärts durch das nächtlich« Dunkel, die Lungen mit reiner, gesunder Berg- lust geschwellt. Reit* und Fahrturnier Unter reicher ausländischer Beteiligung— haben doch Holland, Schweden und Italien erstklassige Reiter entsandt— nahm dos Reit» und Fahrturnier«n den Ausstellungshallen am Kaiferdamm seinen Anfang. Der erste Nachmittag brachte den Preis des Preußischen Ministeriums für Landwirtschaft. Domänen und Forsten, der zur Prüfung und Förderung der deutschen Pferde- zucht bestimmt ist. Interessant ist, daß die Pferde heutzutage auch auf ihre Straßensichcrheit geprüft werden, und was man früher mir bei den allerbravsten Schutzmannspferden beanspruck>te, das verlangt man jetzt von jedeni Gaul, der gezwungen ist, den Kampf mit dem Dasein auszunehmen. An Schaunummern sah man ein« Traber- quo drille, so exakt und sauber gefahren, daß man den Renn- fahrern, die hiermit doch immerhin ungewohnte Arbeit leisteten, un- bedingt Anerkennung aussprechen mutz. Die Pferde gingen wie auf- gezogene Maschinen, bei keiner Wendung fielen sie in Schritt. Reichen Beifall fand auch die Berliner berittene Schutzpolizei, die in ihrer Voltigier- und Stehendreitcrab- teilung zeigte, daß sie völlig eins mit ihren Pferden ist. vi« Boxmeisicr der Ostschweiz für 1931 Die Boxmeisterfchaften des Schweizer Arbeiter-Turn- «nd Sportverbandes wurden diesmal in Zürich ousge- tragen. Aus der Konkurrenz gingen folgende Boxer als Meister hervor: Fliegengewicht: Albert Studer. Sportring Zürich(ohne Kampf): Bantamgewicht: Berti Wcninger, Sportring Zürich: Federgewicht: Ernst Änöpfel, Sportring Zürich: Leichtgewicht: Albert Hösli. Boxing-Elnb Ocrlikon: Weltergewicht: Willi Mcßmer, Achletitboxklub Zürich: Wittelgewicht: Karl Braunschweiler, Sport- ring Zürich: Halbschwergewicht: Max Gloor, Athletirborklub Zürich: Schwergewicht: Bernhard Marinell«, Athletikboxklub Zürich(ohne Kcrmph. Schmeling wieder in Amerika Wieder einmal hat Mnx Schmeling den Weg über den großen Teich Hintor sich. Sern« Ankunft hatte wenig Aufsehen er- regt, nur die Vertreter aer großen Zeitungen waren beim Ein- lausen der„Europa" in New V�rk zur Stelle. Schmeling sagte ihnen u. a., daß er sich außerordentlich frisch fühl« und den kommen- den Ereignissen, vor allem seinem neuerlichen Kamps um den Welt- Meistertitel mit großer Zuversicht entgegensehe. Zu den letzten Ber- öffentlichungcn in Deutschland bemerkte Schmeling. daß er be- leidigende Äeußsrungen gegen die Borsportbehörbe Deutschlands nie- mals ausgesprochen habe, auch sei ihm in dieser Sache von der BBO. kein Telegramm nachgeschickt worden. Sein« jetzt anzutretend« Schaukampstournce werde mit einem Erholungsaufenthalt in Excelfior Springs(Missouri) abgeschlossen, gleich darauf beginne das ernsthafte Training für den Titelknmpf. Termin und Aus- tragungsort für dieses große Tressen stehen noch nicht fest, in Frage kommen PhilaMphm, Ehikago, Boston und Detroit. Genaues dar- über wird man erst im April erfahren können. Vorschau auf den Spidieraring In dem Programm, das am Freitag im Spichernring vor sich geht, beansprucht der Ansscheidungskompf für die deutsche Federgew ichtsmeisterschoft zwischen Hans Schiller und Willi B a r t n e k dos meist« Interesse. Schiller, der Lemojeur schlug und sich von Harry Stein unentschieden trennte, ist einer der be- rechtigtsten Airwärter auf den Meistertitel und gleich Barweck ein technisch guter, zäher Fighter. Wirkungsvoll dürfte die Begegnung zwischen den Exmeistern Paul C z i r s o n und Fritz R e p p e l werden, die in geschlossener Form gegeneinander antreten. Der Ausgang des Treffens ist ganz offen Max Diekmann tritt nach seinem Siege über Kreimcs gegen Tzermann Nielsen an. Der Wiener Bobbq S p u n« r. ein beherzter Streiter im Ring, hat zum Gegner Hermann Heise erhalten. Den Abend eröffnen die Halbschwergewichts-Qualisitant«» Walter S a b o t t k e. ein harter kämpferisch gut veranlagter Eramateur, und Otto E r t i n g. Beginn 20Vi Uhr. Rudersport im Reichabanaer. Di« Reichsbon. rer-Ruderrieg« Berlin unterhält in Köpenick und Tegel Unterabteilungen. Jeden Sonnabend von 20— 22 Uhr findet in den Ruderanlagen, Stralau, Tunnelstraße 2/i, Kastenrudern statt, wo auch Anfängerkurj« abge- halten werden. Der Deutsch« Gymnastik-Bund e. V. verbindet mit seiner 5. Hauptversammlung eine große Tagung vom 27. Februar bis l. März lS31 in München. Die Fesworstellung wird von der lOlcbou-eschuIc. Berlin, und Günther-Schule. München, bestritten. V i er*Lander*£ishockcy Interessante Kämpfe im Sportpalast' BSC schlägt Schweden 5:3 Im Sportpalast wurden gestern 16e großen international« Eis- hockeykämpfe mit dem Spiel der Mannschaft des Berliner Schlitt- schuhrlnbs gegen die schwedisch« Nationalmannschaft und das Zusammentrcfscn der französischen und der englischen lllationalmannschost erüfsnet. Es gab sehr interessante Kämpfe. Im ersten Teil des Abends konnten die Berliner das erste Tor bei den Schweden erzielen. Leider kam es im Verlauf des Kampfes zu Zusammenstößen, die dos zweimalige Ausweisen des Schweden Pctersson zur Folge hatten. Auch der Berliner Rudi Ball mußte einmal dos Spielfeld verlassen. Das zweite Drittel der Spielzeit schloß 2:1 für Berlin. Das letzte Drittel des Kampfes wurde mit einem scharfen Ansturm der Berliner eröffnet. Auch jetzt wird von beiden Seiten nicht immer ganz fair gekämpft. Es hagelt Luft- hiebe. Peiersson muß zum zweitenmal raus. Das nicht immer lchöne Spiel endet 3:3 für Berlin. Idugland— Frankreich 5:1 für England Der zweite Teil des Abends brachte eines der interessantesten Spiele, die der Sportpalost m letzter Zeit erlebt hat. Unter An- Wesenheit der gerade m Berlin eingetroffenen amerikanischen Ra- tionälmannschaft. die neben den Spielern des Abends vom Publikum begeistert begrüßt wurde, standen sich die französische I und die englisch« Nationalmannschaft gegenüber. Gleich zu An- fang des Spieles, das zeitweise recht scharf geführt wurde und bei dem es aufregend« Jagden gab, zeigte es sich, daß die englischen HünengestaUen den kleineren Franzosen sowohl an Schnelligkeit wie auch an guter Kombination weit überlegen war. Gleich kurz noch Beginn des Spiele» konnten die Engländer dos erste Tor erzielen Bald darauf müssen die Franzosen das zweite Tor einstecken. Das erste Spieldrittel endet 2:0.'Auch die zweite Hälft« der Spiel zeit eröffnen die Engländer sofort mit neuen energischen Angriffen die jedoch von der französischen Mannschaft erfolgreich abgewehn werden können. Die zweit« Spielzeit endet gleichfalls 2:0 für England. Der Beginn der dritten Spielzeit bringt das dritte Tor für die Engländer, die aber nach langem Kampf um die Scheibe das erste Tor einstecken müssen. Das glänzende Spiel, �«s sich zum Schluß unter der stärksten Zlnteilnahme des Publikums zur wilden Hetzjagd steigert«, endete schließlich 5: 1 für England. Die Engländer haben sich hervorrageird eingeführt und der Berliner Schlitt- schuhclub, der heute abend gegen die britische Nationalmonnschait kämpft, wird keinen leichten Stand haben. Ort»golppe Belli», Abt. UtcUUeitbuta. tlcbunas- ebtni) ftttilae. 2fi Uht. bei Santaioitn, ffiilinetsiotf, ZSestfalische Ztr. 42.- Zuqendabtettuiiq: Nent«. tt> Uhr. ZsvenSbeim Svrreflr. S», Mauner 2. Mi- sl:«c>«r»crih!»!n!vn