Morgenausgabe Nr. 49 A 25 48.Jahrgang Böchentlich 85 Pf., monatlich 3,60 TR. im voraus zahlbar, Bostbezug 4,32 m. einschließlich 60 Bf. Postzeitungs- und 72 Pf. Poftbestellgebühren. Auslands abonnement 6,-M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen porto 5, * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend". Illustrierte Beilage Bolt und Zeit". Ferner Frauenstimme", Technit"," Blid in die Bücherwelt", Jugend- Borwärts" u. Stadtbeilage Vorwärts Berliner Boltsblatt Freitag 30. Januar 1931 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5,- Reichs mart. Kleine Anzeigen' das ettge brudte Bort 25 Pfennig( zulässig met fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Arbelismorft zählen für zwei Borte. Beile 60 Pfennig. 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Sie verhof einen Tridfilm mit dem Titel„ ns Dritte Schweiße ihres Antlizes um den Nachweis, daß dieser Film die Reich", den die Film- und Werbeabteilung der Sozialdemokra- Beziehungen Deutschlands zum Auslande gefährde, tischen Partei hergestellt hat. Der Film, der in seinem Wesen verlebendigte Karikatur ist, zeigt in humoristisch- satirischer Weise, wie ein Unternehmer, durch den Streif seiner Arbeiter in Berlegenheit gesetzt, nach einer Hilfe gegen das Streifen der Arbeiter sucht. Er findet diese Hilfe nach italienischem Beispiel in den deutschen Faschisten, den Nationalsozialisten. Es wird gezeigt, wie ein Agitator der Nazis einen Arbeiter für das Dritte Reich befehrt, bis dieser den Schwindel durchschaut und zur Republik zurüdkehrt. Die untere Instanz hatte den Film zugelassen für Veranstal. tungen, die von der Sozialdemokratischen Partei ausgingen. Die Oberprüfstelle erklärte eine solche beschränkte Zulassung für unmöglich, obwohl die Hersteller mit vollem Recht darauf hinwiesen, daß dieser Film für Geschäftstinos weder gedacht sei, noch von solchen zur Aufführung gebracht werden würde. Mit der Begründung, daß die Sozialdemokratische Partei eine so große Anhängerschaft zähle, daß eine beschränkte Zulassung bei diesem Personenkreis nicht mehr in Frage käme, verneinte die Oberprüfſtelle die rechtliche Zulässigkeit einer solchen beschränkten Zulassung. Ergebnis: Nur fleine Parteien dürfen ihre Filme in ihrem Anhängerfreis aufführen! Die allgemeine öffentliche Zulassung aber lehnte die Oberprüfstelle ab, weil nämlich bei der Erwähnung des italienischen Faschismus einen Augenblick auch ein Mussolini gezeigt wird, dem ein gefesselter Arbeiter zu Füßen liegt. Da dies Argument immerhin mur zum Verbot eines Teils geführt hätte, so verstieg sich der Vertreter des Ausmärtigen Amtes zu der weiteren Begründung: Der Film polemisiere gegen eine Partei, trage dadurch zur Zerklüftung des deutschen Volkes bei und bitte gefährde dadurch das Ansehen Deutschlands im nicht zu lachen Auslande. Der Vertreter der Hersteller erklärte darauf allerdings sarkastisch: Wenn das Ausland nicht erfahren dürfe, daß es in Deutschland verschiedene sich bekämpfende Parteien gäbe, dann müsse wohl statt des Filmes eher der Reichstag und die gesamte deutsche Preise verboten werden. Aber was geschieht nicht alles, wenn man aus Liebe zu den Nazis einen Film um jeden Preis verbieten will: auch diesen an den Haaren herbeigezogenen Argumenten schloß sich die Oberprüfstelle bereitwilligst an. Der stammelnden Art, wie sie vorgetragen wurde, an, daß es fich Der ganzen Begründung des Vorsitzenden merkte man schon an um ein reines Berlegenheitsprodukt handelte. Der nadte Tatbestand war einfach der, die Mehrzahl der Mitglieder der Oberprüfstelle fympathisierte mit den Nazis und wollte auf keinen Fall einen Film zulassen, der das Treiben dieser Gesellschaft durch Karikatur und Satire an den Pranger stellt. abgelehnt werden aus Gründen, die außerhalb seines Inhalts weil der Film die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährde. Die Begründung für diesen Standpunkt ist ein einziger Standal. Die Hersteller hatten darauf hingewiesen, daß der Film für die öffentliche Ordnung und Sicherheit sogar Bropaganda mache, indem un sagt allerdings das Lichtspielgesetz mit absoluter Deutlichkeit er die Gesezlosigkeit und die Egzesse der radikalen im§ 1, daß wegen einer politischen Tendenz die Zulassung eines Parteien scharf kritisiere, während die Organe des Films nicht abgelehnt werden darf. Ebenso darf ein Film nicht Staates und die Staatsform durch den Film in Schutz geliegen. Man wollte aber diesen Film wegen seiner politischen Demgegenüber hat die Filmoberprüfstelle ihren bisherigen Tendenz verhindern und verbot ihn deshalb aus dem außer Standpunkt völlig preisgegeben, wonach die Gefährdung der öffent- halb feines Inhalts liegenden Grunde, daß die Standpunkt völlig preisgegeben, wonach die Gefährdung der öffent lichen Ordnung und Sicherheit aus dem Film selber erwachsen müsse. Herren Nazis sich durch ihr Porträt getroffen Ausdrücklich betonte der Vorsitzende, daß hier eine neue prinzipielle Entscheidung gefällt ſei. Diese Entscheidung beruht auf der Erwägung, nommen werden. daß Andersdenkende, in diesem Falle die durch den Film beleuchteten Nazis, mit Gewalttätigkeiten gegen den Film vorgehen könnten. Hier enthält die Begründung Argumente, die mit dem Wortlaut und Sinn des Filmgesezes nichts mehr zu tun haben. So führte der Borsitzende in großer Breite aus, daß der Polizei Ruhe zu gönnen sei, wenn Vorkommnisse wie beim Remarque- Film zur Regel würden, so würde die Polizei zu stark belastet werden. fühlen tönnten. Nachdem der ungeheuerliche Spruch ergangen mar, gab der Vertreter der Hersteller dem wahren Sachverhalt dadurch Ausdruck, daß er zu dem Vorsitzenden der Oberprüfstelle gewandt sagte: 3hre Begründung ist etwas lang, fürzer und einfacher wäre gewesen: Die janze Richtung paßt uns nicht!" Besprechung beim Reichskanzler. Der Reichstanzler empfing am Donnerstag in Anbetracht des Wiederzusammentritts des Reichstags die sozialdemokratischen Abgeordneten Breitscheid, hers, Sifferbing und Bisher hatte die Oberprüfstelle den gegenteiligen Standpunkt Müller zu einer Aussprache über die politische vertreten, daß es nämlich Sache der Polizei sei, einen an fichage. zulässigen Film gegen Störungen und Erzesse zu beschirmen. Indem fie diesen Standpunkt erst umfehrt, fordert die Oberprüfftelle geradeswegs dazu heraus, alle Filme, die einer bestimmten Richtung nicht passen, durch Skandal und Gewalttätigkeiten zu stören. Dann müssen sie im Interesse der Ruhe oder vielmehr des Ruhe bedürfnisses der Polizei verboten werden. Ist sich die Oberprüfstelle über diese Konsequenz flar geworden, ist sie sich flar geworden, daß aus einem solchen Standpunkt auch die Republikaner ihre Konsequenz ziehen und ihr Verhalten gegenüber monarchistischen Filmen entsprechend einrichten müssen?! Zum Standal wurde die Begründung, als dann der Bor: fizende die karikierten Nazis liebevoll in Schutz nahm und erklärte: fizende die, farifierten Nazis liebevoll in Schutz nahm und erklärte: der Staat müffe auch eine solche Partei, die ihn verneinte, gegen öffentliche Angriffe in Schuh nehmen ( wo steht das im Filmgeset?). Diese Inschuhnahme ergab dann die grotestesten Blüten. Im Film wird gezeigt, wie ein Nazi eine Fensterscheibe einwirft. Der Vorsitzende erklärte hierzu: Derartiges sei zwar den Nazis vorgeworfen worden, aber es sei doch nicht erwiesen, daß die Fenstereinwerfer Ratio nalsozialisten gewesen feien!( Die Gerichtsurteile gegen nationalsozialistische Fenstereinwerfer braucht die Oberprüfftelle ja nicht zu fennent. Russisches Verkehrselend. Strafdrohungen sollen helfen. Mostau, 29. Januar. haben ein Defret erlassen, welches folgendes bestimmt: Jede BerDas Zentralexekutivkomitee und der Rat der Volkskommissare leßung der Dienstordnung und Disziplin im Transportmesen, wie z. B. Nichteinhaltung der Verkehrsvorschriften, ungenügende Ausbesserung der Verkehrswege, des Eisenbahnmaterials usw. wird, wenn sie eine Schädigung des Bahndamms, der Wagen und dergleichen hervorgerufen hat bzw. hätte hervorrufen fönnen, mit Gefängnis bis zu 10 Jahren bestraft. Unter dieselbe Ratastrophen führen, nachlässige Handhabung des Dienstes, die zu Bestimmung fallen Dienstvergehen, die zu llnglücksfällen und Transporiftocungen führt u. a. In allen Fällen, in welchen der artige Bergehen offensichtlich nicht nur Nachlässigkeit und d. h. die Todesstrafe, angewendet werden. Faulheit, sondern auch böse Absicht zeigen, soll das höchste Straina, vorgenommen werden sollte, ist auf deutschnationalen Antrag verDie Oberbürgermeisterwahl in Dresden, die am Donnerstag tagt worden, und zwar auf den 9. Februar. Gegen die Bertagung ſtimmten mit den Sozialdemokraten die Staatspartei und das Zentrumsmitglied. Als aussichtsreicher Kandidat galt bisher der frühere Reichsinnenminister Dr. Külz. Der Vertagungsantrag ist offenfundig eine Demonstration gegen diesen Kandidaten. der Filmoberprüfstelle. Die Filmoberprüfstelle hat einen sozialdemokratischen Propagandafilm gegen die Nationalsozialisten verboten. Glatt verboten. Er darf nicht in öffentlichen Filmvorstellungen gezeigt werden, aber auch nicht einmal in Mitgliederversammlungen der Sozialdemokratischen Partei. Was ist das für ein gefährlicher Film? Reizt er zum Verbrechen auf? Ist er unsittlich? Der Film zeigt in bewegten Karikaturen einige Grundtatsachen des politischen Lebens von heute: Lohndrud, gegen die Arbeiter. Die Nationalsozialisten als letzte Hoffnung der Unternehmer. Den Mut der Hafenkreuzler gegen Fensterscheiben und ihre Feigheit gegenüber der Polizei. Den Tod der Freiheit unter dem Stiefel Mussolinis. Die Sehnsucht der Hakenkreuzler, nach rollenden Köpfen. Aber dann: den be geisterten Marsch sozialdemokratischer Arbeitermassen für Demokratie und Freiheit, und den Triumph der Republik. Wahrhaftig, sie haben den Triumph der Republik über ihre nationalsozialistischen Feinde verboten! Niemand wird uns zumuten, in der Filmoberprüfstelle, die diese perverse Entscheidung gefällt hat, noch eine objettive Bediese perverse Entscheidung gefällt hat, noch eine objektive Behörde zu erblicken. Hier ist eine Zelle der Feinde der Republik! Die Herren, die den Stahlhelmfilm zugelassen, den Film gegen die Feinde der Republit aber verboten haben, haben sich um eine Begründung bemüht. Diese Begründung ist das Verbot angeblich erfolgt, sondern weil Protestdemonfrönt der Spruch: nicht um des Inhaltes des Filmes willen ftrationen gegen den Film zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen fönnten. Eine saubere republikanische Behörde, die von der Annahme ausgeht, daß Propaganda für die Republik, für die Verfassung, für die Ordnung, für die Polizei, für die Legalität zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen werde, und deswegen zu verbieten sei! Das ist die neueste Errungenschaft: Legalität reigt die Feinde des Gesetzes zu Protest und Widerstand auf, also ist die Legalität zu verbieten! gibt, wer ist daran schuld? Die Republik ist schuld. Warum ist Wenn es Ruheſtörung, ja Bürgerkrieg in Deutschland gibt, wer ist daran schuld? Die Republik ist schuld. Warum ist sie schuld? Weil sie provoziert. Und warum provoziert sie? Schon durch ihr Dasein! Es gibt fein Symbol der Republik, das die Nationalsozialisten so sehr hassen und beschimpfen wie die schwarzrotgoldenen Reichsfarben. Wie wäre es mit einem Verbote, die Reichsfarben zu zeigen? Denn nicht wahr, meine Herren, das ist doch ganz logisch: wer schwarzrotgold zeigt, provoziert Proteste Andersdenkender und verursacht somit Störungen der öffentlichen Ordnung und der einfachste Weg zur Verhinderung der Störung der öffentlichen Ordnung ist, die Provokation" durch Schwarzrot gold zu verbieten. Oder: die Nationalsozialisten fühlen sich manchmal durch jüdische Fensterscheiben provoziert. Wie wäre es mit einem Verbot: jüdische Geschäfte dürfen keine Fensterscheiben mehr haben. Noch besser: jüdische Geschäfte sind überhaupt verboten. Der Reichstag ist die Zielscheibe wüstester hakenkreuzle rischer Angriffe. Sein Zusammentritt hat zu schwersten Ordnungsstörungen durch Nationalsozialisten geführt. Also: fort mit dem Reichstag; denn er ist eine provokatorische Angelegenheit! Schließlich: wer sich zur Republik bekennt, provoziert Andersdenkende, darum verbietet alle Republikaner, sperrt sie ein, macht sie unschädlich, rottet sie aus! Ist das alles nicht klar und logisch, ist es nicht ebenso gut begründet, wie der Spruch der Oberfilmprüfstelle? Herr Reichsinnenminister, was gedenken Sie fassung, die Gesetzlichkeit so offen verhöhnt? Was gedenken Sie gegen diese Behörde zu unternehmen, die das Recht, die Vergegen den Beamten Ihres Ministeriums zu tun, der zu diesem Spruch diese infame Begründung geliefert hat? Das wahre Wesen von Spruch und Begründung dürfte danach hinlänglich flar sein. Aber das Verbot gilt ja nicht nur für die Oeffentlichkeit, sondern auch für geschlossene sozialdemokratische Mitgliederversammlungen! Denn so folgert die Oberprüfstelle: wenn Nationalsozialisten erfahren, daß in geschlossenen sozialdemo fratischen Bersammlungen dieser Film läuft- den sie ebensowenig fennen mie seinerzeit ben Remarque- Film, so werden sie die sozialdemokratische Versammlung sprengen. Also— ist der Film zu oerbieten. Die Rechtbrecher, die an Gewalt appellieren, haben immer recht, und der republikanische Staatsbürger hat sich ihrem Willen zu unterwerfen. Was da, ihr redet von Rechtsgütern, von Freiheit, Verfassungsmäßigkeit? Kommt nicht in Frage! Für die Oberprüfstelle existiert nur e i n zu schützendes Rechts- gut, die zartbesaitete, leicht erregbore Seele der„Anders- denkenden", lies der Feinde der Republik! Zynischer ist noch niemals das Recht und die verfassungsmäßige Aufgabe der öffentlichen Gewalt ins Gegenteil verkehrt worden! In diesem Spruch liegt nicht eine Kapitulation vor natio- nalsozialistischem Terror— das hieße ihn verkennen- Es ist die Billigung und Anerkennung des nationalsozialistischen Versammlungsterrors. Er führt den Verfammlungs- terror als ein rechtswirksames Mittel ein, mit dessen Hilfe verfassungsmäßig verbürgte Rechte anderer ge- brachen und unwirksam gemacht werden können. Als die Reichspropagandaleitung der Nationalsozialisti- schen Partei ihr Rundschreiben über die Filmpropagända ver- öffentlichte, hat sie sich wohl nicht träumen lassen, daß die Oberprüfstelle sich so rasch nach ihren Richtlinien orientieren würde. In diesem Rundschreiben heißt es: „Die NSDAP, muß durch die Massen ihrer Anhänger auf die Pragramme der Lichtspielhäuser einen gewissen Druck aus- ü den. Pazifistische und andere zersetzende Tendenzfilme müssen verschwinden und dafür unsere getarnten Filme' auf den Spielplan gesetzt werden." Die Oberprüfstelle ist auf dies Kommando eingeschwenkt, so prompt, daß sie die Propaganda des Kampfes und des Triumphes der Republik gegen Volksbetrug und Verfassungs brück verboten hat! So sehr ist sie eingeschwenkt, daß sie auch noch erklären ließ, sie sei sich über die grundsätz- liche Bedeutung ihres Spruches durchaus im klaren! Der Spruch der Oberprüfstelle ist eine glatte Begünstigung des Terrors der Feinde der Republik, und eine Verhöhnung des Rechts hinzu! Es ist klar, aus welchen Ursachen er erfolgt ist. Eine rechtsradikale Mehrheit in der Oberprüfstelle hat die Sozialdemokratie und mit ihr die Republikaner terrorisieren wollen. Darum ist dieser Spruch selbst ein Akt des Terrors! Wir wünschen, daß alle Verantwortlichen sich über die Konsequenzen dieses„grundsätzlichen Spruches" im klaren sind. Wenn das Gesetz gebrochen, der T e r r o r als wirksames Mittel zur Verhinderung von Filmpropaganda und Filmauf- führungen anerkannt wird— dann wird angesichts der politischen Spannungen in Deutschland an dieser Art von „Rechtsprechung" die deutsche Filmindustrie zu- gründe gehen! Und nicht sie allein! Ein Richter der Republik. Er läßt sich von einem verurteilten Rowdy beschuhen. Frankfurt a. M. Januar.(Eigenbericht.) Ein offizielles Mitglied der Rationalsozialistischen Partei amtiert zur Zeit als Richter m einem Prozeß gegen vier N azis vor dem Schwurgericht in Frankfurt a. M. Die vier Nazis sind beschuldigt, einen kommunistischen Arbeiter getötet zu haben. Als Beisitzer und Berichterstatter fungiert in den: Prozeß der nationalsozialistische Landgerichtsdirektor Krebs. Krebs kandidierte im Mai 1928 für die Hakenkreuzler zum Preußischen Landtag. Er ist ferner Leiter des national- s oziali st ischen„Kampfbunde sfürdeutscheKultur". Ortsgruppe Frankfurt a. M., dessen Gauleiter der Schriftleiter des „Völkischen Beobachter" Rosenberg in München ist. In einem Musik- und Propagairdaabeird dieses famosen.Lampfbundes" führt« der Landgerichtsdirektor Krebs vor einigen Tagen den Vor- sitz, den Saalschutz übte�in junger Nazirowdy namens .f)ahn aus, der am Vormittag des gleichen Tages zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil er dem sozialistischen Ardeiterjugendsührer Langendors mit viehischer Bestialität gefährliche Körperverletzungen zugefügt hatte. Ein Arbeiter niedergeschlagen. Meißen. ZS. Januar.(Eigenbericht.) In der Rächt zum Donnerstag übersiel ein Trupp von etwa 12 Rationalsozialisten gegen 10 Uhr abend» einen Arbeiter, der aus dem Außenviertel nach der Stadt zu ging. Anscheinend hielten ihn die Rationalsozialisten für einen Relchzbaoncrmann, da er eine Windjacke und eine blaue Mühe trug. Ohne jeden Wortwechsel stürzten sich die Rationalsozialisten aus den Mann und schlugen ihn nieder, so daß er bewußtlos liegen blieb. Er l ak durch Schlagwerkzeuge eine Anzahl schwerer verlehungeu am Kopfe davongetragen. Die Schläger sind inzwischen ermittelt worden. Es sind sämtlich Rationalsozialisten. Versammlungsschlacht von Geesthacht. Weitere Verhaftungen. Hamburg, 29. Januar. Die blutigen Zusammenstöße zwischen Nationalsozialisten und .Kommunisten, die sich am Sonntag in Geesthacht abspielten, haben zu weiteren Verhaftungen geführt. Am Schwarzenbeker Bahnhof sind u. a. zwei Personen festgenommen worden, die an der Schlägerei beteiligt waren und bisher, um einer Verhaftung zu entgehen, umhergeirrt sind. Auch der Erste stellvertretende Gemeindevorsteher von Duenebcrg, der der Kommunisti- schen Partei angehört, ist unter dem Verdacht der Anstiftung bzw. der Beteiligung an den Zusammenstößen in Haft genommen worden „verliner Tageblatt"— Kommunistenschwindel! Das Feuilleton des„Berliner Tageblatt" fordert seine Leser auf, sich gewisse„Vor- lräge" anzuhören, die ein gewisser„Schriftsteller" zu halten gedenkt. Di« Leser des„Berliner Tageblatt" werden sich wundern, wenn sie, der Empfehlung ihres Blattes folgend, in eine gewöhnliche kammu- lüstische Radailversammlüng geraten werden. Die Zahl der Znlondsdeutschcn in Prag ist laut Volkszählung gegen die vorige Zählung von 39 429 auf 41 463 gestiegen, das sind 36.23 Proz. der Bevölkerung Prags. Danach müßte die deutsche Sprach» auch in Prag gleichberechtigt sein— aber die Hauptstadt im Gesetz davon ausgenommen! Oer Streit um die Osthilfe. Oer Konflikt Mnssehl-Hippel nicht beigelegt!— Sensationelle Feststellungen. In der Presse wurden detaillierte Meldungen des Inhalts gebracht, daß der zwischen der Oststelle und dem Generallandschafts- direktor von Hippel bestehende Konflikt beigelegt worden sei. Am Dienstag fei zwischen„der O st st e l l e" und den Vertretern der Generallandschaft eine Einigung aus der Grundlage erzielt worden, daß die Generallandschaft sich bereit« erkläre, im Falle der Umschuldung ihre Hypotheken stehen zu lasten. Die Generallandschaft hatte bisher die Barauszahlung zum Nenn- wert verlangt, was die Durchführung der Osthilfe nahezu unmöglich machte und zu dem bekannten Konflikt Mussehl�-hippel führte, in den auch der Reichskanzler eingegriffen hat. Aus diesen Meldungen ist nicht ersichtlich, ob es sich bei dieser Einigung um persönliche Abreden des Ministers Trevirunus oder um eine offizielle Einigung mit der Oststelle handelt. Soviel wir wissen, hat eine offizielle Verständigung mit der Oststelle noch nicht stattgefunden, weshalb auch von einer endgültigen Bereinigung des Konflikts noch keine Rede sein könnte. * Die Hintergründe des Konflikts wurden übrigens auf der Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer der Provinz Ost- preußen jetzt von Herrn von Hippel selbst in sensationell wirkender Weise von neuem beleuchtet. Hippel erklärte, für die Landschaft an der eingeschlagenen Methode f e st h a I t e n zu müssen. Di« Landschaft müsse die hundertprozentige Bareinlösung fordern, weil sie 29 Millionen bereits zugesagte Pfandbriesdarlehen aus- zahlen müsse, in nächster Zeit 18 Millionen Golddiskontbankkredite zurückzuzahlen habe und endlich 13 Millionen Zinsrück- st ä n d e der erststelligen Hypotheken vorliegen. Diesen Feststellungen trat der Oberpräsident Ost- preußens Dr. S i e h r, der zugleich Generallandschastspräsident und der Staatskommissar der Landschaft ist, sehr nachdrücklich ent- gegen. Di« Landschaft habe von ihrem Recht, die Barauszahlung zu verlangen, in vielen Jahrzehnten nur ein einziges Mal Gebrauch gemacht. Das Vorgehen der Landschaft müsse bei Außen- stehenden den Eindruck erwecken, daß die Landschaft die an die Landwirte gezahlten Osthilfekredite künstlich in varzuschüsse für eigene Rechnung umwandeln wolle. Auch dieser Zusammenstoß, der nach der Rückkehr des Herrn von Hippel aus Verlin und n a ch der sogenannten Einigung erfolgte, läßt die behauptete Bereinigung des Konsliktes sehr unwahrscheinlich erscheinen. Schwierigkeiten beim Schiele-Etai. Llnübersichttiche Wirtschaft.— Besserung wird zugesagt. Der Ausschuß für den Reichshaushalt setzte in seiner Donnerstag. sitzung die allgemeine Aussprache über den Ernährungsetat fort. Abg. Dr. Köhler(Z.) rügte, daß die haushaltsrechtlichen Bestimmungen von dem Ministerium nicht scharf genug durchgeführt würden. So herrsch« insbesondere bei der Bewilligung von Subventionen ein großes Durcheinander. Der«ine Re- ferent wisse nicht, was der andere tue, die gleichen Institutionen erhalten von den verschiedensten Stellen Mittel. Ebenso fei die Art, in der die Verwendung der bewilligten Mittel kon- trolliert werde, ungenügend. Der Reichstag könne einfache Empfangs- bestätigungen für Gelder durchaus nicht als einen Beleg für die Der- Wendung der Gelder ansehen. Diese Ausführungen wurden von dem Abg. h e i n i g(Soz.) auf das Nachdrücklichste unterstrichen. Er wies darauf hin. daß der Haus- hall des Ernährungsministeriums heute der u n k l a r st e und k o m- p l i z i e r t e st e von allen Einzelplänen sei. Es müsse unter allen Umständen eine grundsätzliche Bereinigung eintreten. An einer großen Zahl von Einzelspielen konnte der Redner erläutern, wie dringend notwendig eine Aenderung der Haushallsgebarung des Ministeriums sei. Staatssekretär h e u k a m p gab zu, daß die Kritik berechtigt sei,.bat aber, zu berücksichtigen, daß jährlich 3999 bis 4999 Posten genau nachkontrolliert werden müßten. Er sägte jedoch zu, daß in Zukunft die vom Rechmingsunterausschuß aufgestellten Forderungen auf das peinlichste beachtet werden sollten.- Frau Wurm(Soz.) erwähnte die merkwürdige Praxis ver- schiedener Genossenschaften, vom Reich billig erhaltenes Geld zu hohen Zinsen, die bis zu 14 Proz. hinausgingen, weiter auszuleihen! Die Regierung habe sich bisher aus- geschwiegen, wie sie zu dieser Praxis stehe. Warum sei im übrigen der Reichsernährungsausschuß, der sich seit zwei Jahren in der Gründung befindet, noch immer nicht endgültig begründet? Die ver- schiedenen Zlusschüsse, die jetzt auf dem Ernährungsgebiet arbeiten, müßten zusammengelegt und rationalisiert werden, heute preise der eine Obst, morgen der andere Milch usw. an. Von den nationalsozia- listischen Abgeordneten sei wiederholt eine Behauptung aufgestellt worden, deren Unrichtigkeit schon oft dargelegt sei. Die Großem- kaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine soll angeblich ausländische statt deutscher Butter beziehen. Dabei wird immer geflissentlich übersehen, daß die GEG. zum Bezüge ausländischer Butter gezwungen ist. Ihr Bedarf 1939 habe 1 931 999 Kilo- gramm betragen. Bon den zirka 299 deutschen Malkereigenossenschaiten seien im ganzen dagegen pro Woche 23 Zentner, also S9 899 Kilo- gramm im Jahre, angeboten worden. Weniger Wanderarbei/er. Dafür Ausbildung inländischer Arbeitskräfie. Der Reichsrat hat am Donnerstag einem Dorschlag des Reichsarbeitsimnisters für eine Neuregelung des aus- ländischen Landarbeiterkontingents für das Jahr 1931 zugestimmt. Danach werden künftig nur Betriebe berücksichtigt, die auch bisher schon Ausländer beschäftigen durften, und zwar nur Betriebe, die Zuckerrüben anbauen und bei denen die Zuckerrübenanbaufläche mindestens 25 Morgen beträgt: 89 bis 85 Proz. der Ausländer müssen weiblich« Arbeitskräfte sein. Die Zahl der für den einzelnen Betrieb im Jahre 1931 zu genehmigen- den Ausländer darf höchstens Zweidrittel der im ver- gangenen Jahr genehmigten Zahl betragen. Preußen Halle bereits im Ausschuß zur Ausländerfrage eine Entschließung beantragt, in der die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Reichsanstall ihre Bemühungen, für die Landwirt- schäft geeignet« irrländi-sche Arbeftskräste an Stell« der Aus- länder: zu vermitteln, mit allem Nachdruck fortsetzt. Dies« Ent- schließung wurde vom Reichsrot angenommen. Stahlhelm für Eurtius! Ltnd für westliche Demokratie!» hugenberg und Hitler haben durch ihr« Presse erklären lassen, daß Eurtius Äs geschlagener Mann aus Genf heimgekehrt sei. Dagegen ist im„Stahlhelm" zu lesen: Bei allen notwendigen Vorbehalten hinsichtlich der Zukunft dürfen wir mit Genugtuung feststellen, daß kaum jemals ein Staat in Genf ein« so schwere und eindeutige Niederlage erlillen hat wie diesmal Polen. Nicht einmal die des Sklaven« Handels bezichtigte Negerrepublik Liberia war derartig moralisch bloßgestellt! Wir wollen und müssen auch anerkennen, daß der deutsche Außenmini st er ein geschickter, wirk- samer und männlicher Anwalt der deutschen Sache und Ankläger des polnischen Unrechts war. Ganz zufrieden ist der„Stahlhelm" mit Eurtius aber nicht. Er hätte nämlich gewünscht, daß in Genf„das gesamt« polnische Staatssystem als ein Gegner jeglicher Staatsordnung" gekenn- zeichnet worden wäre, und er schreibt wörtlich weiter: Wir müssen heute dem Polen asiatischer Willkür die Maske westlicher Demokratie herunterreißen und es brand- marken als ein Staatswesen, den, man nicht Angehörige anderer Völker ausliefern darf. Wenn Worte noch einen Sinn haben, so heißt das: Einem Staat, in dem wirklich die Grundsätze westlicher Demokratie gqllen, kann man mehr oder weniger unbedenklich die Herrschaft über Angehörige fremder Völker überlassen, nicht aber einem Staat, der sich nur zum Schein zu diesen Grundsätzen bekennt, in Wirklichkeit aber asiatische Willkür übt. Ein solches Bekenntnis zur Demokratie, gegen die asiällsch« Will- kür des polnischen Faschismus ist im Munde des„Stahlhelm" be- sonders wertvoll. Warum schimpft aber der„Stahlhelm" noch über die So« zi a l de m o k ratie, die Deutschland als ein demokratisches Staatswesen ausbauen und dm Einbruch asiatischer Diktaturwillkür verhindern will?§ Aber die Volkspartei: Die Rcichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei nahm am Donnerstag einen Bericht des Reichsaußenmiiristers Dr. Eurtius über den Vevlauf der Januartagung des Völker. bundsrats entgegen. Die anschließende Deballe zeigte, daß in der Volkspartei, trotz der Genfer Erfolge, nach wie vor starke Kräfte gegen den Kurs der gegenwärtigen Außenpolitik sind. Vogelfrei. Angst der Hatenkreuz-Verleumder vor dem Gesetz. Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags hat sich ent- schlössen, die Immunität notorischer und gewohnheitsmäßiger nationalsozialistischer Verleunrdcr aufzuheben. Darauf antwortet die hakenkreuzpresse mit dem Geschrei:„N a t i o n a l s o z i a- l i st i s ch e Abgeordnete sind vogelfrei." Vogelsrei sein heißt außerhalb des Gesetzes stehen. Nun be- deutet die Aufhebung der Jinmnnität das gerade Gegenteil: der Parlamentarier soll sich wie jeder Staatsbürger vor Gericht und dem Gesetz verantworten. Umgekehrt: wer sich von immunen'Abgeordneten dauernd in der schmutzigsten Weise verleumden lassen muß,, ohne Rechtshilfe sinden zu können, der wird wahrhaft vogelsrei! Damit nicht die Opfer der Verleumdungen vogelfrei werden gegenüber Verleumdern, die sich feig und ehrlos unter die Immunität ducken, muß dem Gesetz freier Lauf gegeben werden! Sie wollen straffrei verleumden. Dresden. 29. Januar. In der lctztm Sitzung des Sächsischen Landtags war der n a t i o» nalsozialistische Abgeordnete Dr. D ö n ick e wegen mehrerer Zwischenrufe während der Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Liebmann dreimal zur Ordnung gerufen, aus dem Saal oerwiesen und für fünf Sitzungen ausgeschlossen worden. In der heutigen Landtagssitzung wurde der Einspruch des Abgeordneten Dönicke gegen seinen Ausschluß, den er als ungc- rechtfertigt bezeichnete, gegen die Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten zurückgewiesen, woraus die nationalsozia- listische Fraktion den Saal geschlossen und demonstratio verließ. Im Zusammenhäng hiermit hat der nationalsozialistische Abgeordnete Kunz sein Tlmt als zweiter Vizepräsident des Landtages niedergelegt. Aufhebung der Giraffreiheit. Der Abgeorvnete als„Veranlwortlicher". Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags beschloß am Donnerstag mit 16 gegen 11 Stimmen, bei einer Enthaltung, her Genehmigung zur Strafverfolgung des kommunisti» schen 2lbgeordneten Schneller wegen Aufforderung zum Sceuer- streik in sechs Fällen stattzugeben. Die Aushebung der Immunität des sozialdemokratischen Ab- geordneten I ä ck e r zur Durchführung eines Prioatklogeversahceno wurde abgelehnt, obwohl die Sozialdemokraten selbst aus grundsätzlichen Erwäguitgen auch in diesem Falle ebenso wie das Zentrum für die Aushebung der Immunität stimmten.■ Spaltung der Heimwehren. Steidle:„Ich schütze das Kapital, du Schurke!" Starhemberg:„Nein, ich schütze es, du Lump." Der Kapitalist:„Himmel, wer schützt mich nun vor meinen Beschützern?" Wehrdebatte der belgischen Arbeiterpartei. Vandervelde für weitgehende Abrüstung. Nach der Ltnierhausschlacht. i Neuer Schachzug Lloyd Georges. London, 29. Januar.(Eigenbericht.) Das vifizielle Abstimmungsergebnis der Mittwoch-Sitzung des Unterhauses zeigt, daß nur acht Liberale unter Führung von Sir John Simon gegen die Regierung gestimmt haben. E i n liberaler Abgeordneter war für die Annahme der Gewerk» schaftsoorlage, während sich alle anderen Liberalen der Abstimmung enthielten. Die Konservativen waren geschlossen gegen die Regie- rung: ebenso geschlossen stimmte die gesamte Labour- party für das Gesetz. Es geht nunmehr an einen Ausschuß, bevor es dem Unterhaus zur dritten Lesung vorgelegt wird. Die Mittwoch-Abstimmung war ein Sieg des politischen Tak- tlters Lloyd George, der seine Wahlresorm haben will, bevor er an den Sturz der Regierung und an die Auflösung des Unterhauses denkt. Es wird sich zeigen, wie weit die Liberalen ihre politische Schlüsselstellung bei den Kommissionsberatungen über das Gewerkschaftsgesetz auszunützen gedenken. In der Mittwoch-Debatte haben die Reden der Gewerkschaftsführer bereits deutlich gezeigt, daß es für sie eine Grenze gibt, die sie nicht überschreiten werden. Ueber diese Grenze wird auch die Arbeiterregierung nicht hinaus können. Deshalb ist die Frage der Neuwahl bis zur dritten Lesung des Gesetzes offen und drohend. Dadurch findet auch die gegenwärtige politische Machtposition der Liberalen ihr« Grenze und die liberalen Blätter vom Donnerstag ermahnen ihre Parteifreunde bereits, daran zu denken, daß das konservativ« Aus- nahmegesetz große Ungerechtigkeiten für die Arbeiterschaft enthält und sein« Beteiligung auch die Pflicht der liberalen Partei sei. Lloyd George allerdings hat sich wiederum nach der anderen Seite den Rücken gedeckt, wodurch er einmal die Konservativen schachmatt setzen, zugleich aber sein« Stellung in der eigenen Partei und gegen- über der Regierung festigen will. Im Unterhaus ist inzwischen ein k o n s e r v at i v e r Antrag eingebracht worden, der der Regierung wegen ihrer Arbeits- losenpolitik das Vertrauen des Parlamentes entziehen will. Lloyd George hat daraufhin einen Antrag eingebracht, der die Regierung auffordert, die liberalen Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrise anzunehmen. Zu ihrer Durchführung schlägt der liberale Führer die Aufnahme einer durch besondere Steuern zu deckenden größeren Anleihe vor, was bisher von«snowden als undurchführbar abgelehnt wurde. Lloyd George hofft aber die Mosley-Gruppe und die unabhängige Arbeiterpartei auf seine Seite zu ziehen, um dadurch die Regierung zur Annahme seiner Pläne zwingen zu können. Churchill und Raldwin London, 29. Januar.(Eigenbericht.) In der ilnterhausdebatie über das Ergebnis der Indien-Kon- 'crenz hatte Churchill seinen eigenen ablehnenden Standpunkt im Gegensatz zu der Konservativen Partei vertreten. Die Folge ist' ein icharfer Konflikt zwischen Baldwin und Churchill, der jetzt dazu geführt hat, daß letzterer seinen Austritt aus dem sogenannten konservativen„Schattenkabinett" erklären mußte. Damit kommt Churchill als Ministeranwärtcr für die Konservativen bis aus weiteres nicht mehr in Frage. „Heil Iialien." Wenn es auch Südtirol entdeutscht. Innsbruck, 29. Januar. In der lstzten Zeit ist wegen Erteilung deutschen Privat unter- richte gegen verschiedene Südtirpler Lehrer vorgegangen worden. So wurde der deutsche Lehrer Franz Oberhofer in Tarsch wegen Erteilung deutschen Privatunterrichts aus seiner Aufenthalts- und Zuständlgkeitsgemeinde polizeilich abgeschoben. Er darf ohne Erlaubnis der Behörde seinen ihm zugewiesenen Aufenthalt nicht verlassen. Andere deutsche Lehrer, die oft nur ein einziges Kind deutsch unterrichten, wurden ebenfalls gcmohrogclt. LlSA-Kotau vor Mussolim. Der italienische Gesandt« m Washington hatte sich beschwert, daß Generalmajor Butler Mussolini beleidigt hätte. Der General wurde zur Berichterstattung aufgefordert und sein Bericht hat das Wehrministerium veranlaßt, ihn vor ein Militärgericht zu stellen', tslephonisch wurde ihm besohlen, sich als M i l i t ä r g e f a n g e n c n z» betrachten. Die Regierung hat sich bei der Faschistenbotschast entschuldigt. Bullerjahn und Krankreich. Eine Interpellation. Paris. 29. Januar.(Eigenbericht.) Der Fall Bullcrjahn wird nunmehr auch im fron- zösischen Parlament zur Sprache kommen. Der Abgc- ordnete G u e r n u t, Generalsekretär der französischen Liga für Menschenrechte, verlangt in einem Jnterpellationsantrag an die Adresse des Äriegsministers Maginot zu wissen, ob der Krisgsministcr dem französischen Leutnant Jost, der seinerzeit der inter» alliierten Militärkontrollkommission angehörte und die angeblichen hochverräterischen Berichte Bullerjahns entgegengenommen haben toll, das Recht zur Zeugenaussage vor einem deutschen Gericht zuerkennen wird. Ärgeniinifche Preissenkung. Man will den Händlergewinn begrenzen. Buenos Aires, 29. Januar.(Eigenbericht.) Die argentinische Regierung verfügte in Durchführung des Preis- scnkungsprogramms«ine sofortige vierprozentig« Herabsetzung des Brotpreises und kündigte die tägliche Bereitstellung von 250 000 Pfund Brot zum niedrigsten Preise für Unbc- inittelte der hauptstädtischen Bevölkerung an. Die Preis- für andere Stapelartikel und Hauptnahrungsmittcl sollen gleichfalls be- trächtlich gesenkt werden. Das Innenministerium ist außerdem um ein« starke Herabsetzung der Fleischpreise bemüht. Der Regicrungs- plan sieht eine Beschränkung dos Zwischenhandels- Profits auf 1 Cent pro Psund vor, was heftigen Wider-' spruch der Fleischer hervorgerufen hat., Die„Tägliche Rundschau' erscheint fortab als Organ des Ehrist. Iichsoziolen Dolksdienstcs. Derlogsinhaber ist der chnsnich« Gewerk. schafter Gustav Hülser, der frühere dcutschnational« Rnchstagscbge- ordnete, der als Gegner Hugenbergs bekanntgeworden ist. Starhemberg legt sein Nationalrotsmandat nieder, um gairz dem onti parlamentarischen Heimwehrsaschismus zu gehören. Mit den Nazis hat er fest der Novemberwahl kein« Verbindung mehr, sagte er einem Aussrager,_ r--i_-.__ Brüssel. 29. Januar.(Eigenbericht.) Im Generalrat der belgischen Arbeiterpartei fand am Donnerstag«ine wichtige Aussprache über die Frage der Landesverteidigung und der Abrüstung statt. Auf dem Osterkongreß der Partei soll über das neuePartei- Programm beraten werden. Dabei spielt die grundsätzliche Stellung zur Frag« der Landesverteidigung eine Hauptrolle. In dieser Frage bahnt sich innerhalb der belgischen Arbeiterpartei eine bemerkenswerte Wandlung an. Während die Mehrheit der Führer und der Mitglieder der Partei an dem traditionellen Stand- punkt der Bekämpfung jedes Militarismus, aber auch der Be> rechtigung der Landesverteidigung gegen einen Angriff von außen festhalten und auf die im internationalen Rahmen zu erstrebende Abrüstung das Hauptgewicht legen, ist in letzter Zeit die Strömung zugunsten einer soforllgen Abrüstung Belgiens ohne Rückflchk ans die Hallung anderer Länder immer stärker geworden. Diese Strömung, die zum Teil von der Haltung der dänischen und holländischen Sozial. demokroti« beeinflußt wird, ist insbesondere in Brüsseler Partei- kreisen, serner in Flandern uich insbesondere in Antwerpen sehr stark, während der französischsprechende Landesteil, wohl unter dem geistigen Einfluß Frankreichs, an dem Grundsatz der Landesverteidigung stärker festhält. Im Nationalrat verteidigte Vandervelde am Donnerstag die Auffassung des Parteioorstairdcs, nach der das neue Partei- Programm, ohne zur grundsätzlichen Frage der Landesverteidigung Stellung zu nehmen, eine weitgehende internationale Abrüstung fordert.„Auf nationalem Boden"— führte Vandervelde aus—„bekämpfen wir nicht nur jede Rüstungsoermehrung, sondern fordern sofortige Herabsetzung aller Rüstungen: aber� eine grundsätzliche Ablehnung der Landesver- t e i d i g u n g hallen wir nicht für zulässig. Unser Streben muß darauf hinzielen, den Krieg zu verhindern, und dazu gehört vor allem auch das Slblehneo jeder einseitigen Bindung gegenüber Warschau. 29. Januar.(Eigenbericht.) I Heute begann in Warschau der groß« politische Prozeß gegen> die fünf Funktionär« der Sozialistischen Partei, Jogodzinsli. Dzjen- gelowski. Brochimowiez. Bjalkowskt und Markowski. die angeklagt sind, einen Bombenanschlag aus Pilsudski vorbereitet zu haben. Am ersten Verhandlungstage wurden die Angeklagten sowie der Haupt- belastungszcug« Polizeispitzel Purzynsti vernommen. Schon jetzt ist klar, daß Purzynski der Provokateur gewesen ist. Das Ergebnis seiner Tätigkeit war die Konstruierung dieser An- klage gegen fünf Unschuldige. Dieses angebliche Attentat auf Pilsudski hat man gerade im Zeitpunkt des heftigste» Wahlkampfes„ent- deckt", natürlich zur Stimmungsmache gegen die Opposition. In der Eil« wurde jedoch die Provokation nicht mit der nötigen Sorgfalt vorbereitet und in Purzynski eine dafür wenig geeignete Person gefunden. Nach den Aussagen des Spitzels Purzynski ist man mehr denn I je von der völligen Unschuld der Angeklagten überzeugt. Wäh- rend die ruhigen und sachlichen Aussagen der Angeklagten keinen Archallspunlt für die Anklage boten, stellten die Aussagen von Purzynski eine einzige Kette von Widersprüchen dar. aus denen nur die Tatsache seines eindeutigen Verhält- n i ss e s zur Polizei als Spitzel hervorging. Der Vorsitzende des Gerichts hat vor einiger Zeit bereits einen hohen Posten im Justizministerium erhalten, untersteht demnach dem berüchtigten Iustizminister Michalowski. Der Prozeß wird vor- aussichtlich zwei Tage währen. Unter den Zeugen sind a, a. der einer einzelnen Mächtegruppe. Die kommende Genfer Abrüstungs- konferenz muß zu einer erheblichen Verminderung der europäischen Rüstungen führen. Wir müssen zwischen zwei politischen Richtungen wählen: die eine will dem sogenannten Syndikat der unzufriedenen Mächte eine Politik der Ausrüstung entgegenstellen und erklärt die Friedensverträge für unantastbar: die ander« Richtung dagegen ist die, welche Artur Hender» s o n in Genf im Namen des Britischen Reiches so glänzend vertreten hat. Henderson sagte, daß nur diejenigen Länder die Freunde der britischen Regierung und des britischen Volkes sein können, die für die Abrüstung kämpfen. Nun wohl, wir wollen zu den Freunden der britischen Regierung gehören! Wir können und müssen im nationalen Rahmen im Sinne der Abrüstung kämpfen. aber das Wichtigste ist, die allgemein«, gleichzeitige und kontrollierte Abrüstung im internotionalen Rahmen ztr oerwirtlichimR Im Laufe der Debatte nahm Bandervelde noch einmal das Wort und führte aus:„Die nationale Presse versucht fortgesetzt, die öffent- liche Meinung in bezug auf die R ü st u n g e n Deutschlands zu verwirren. Diejenigen, die am lautesten gefordert haben, daß man Deutschland oerbiete. Befestigungen in der entmilitarisierten Rhein- landzone zu bauen, wollen selbst Hunderte von Rlilliouca für Festungsbauten diesseits der entmilitarisierten Zone ausgeben. Unsere deut- schen Freunde waren die ersten, die die geheimen Rüstungen in Deulschlaud— die übrigens mehr innerpoliti scheu als außen- politischen Zielen dienten— bekämpsten. Ich will es mir nicht nehmen lassen, bei dieser Gelegenheit unsere deutschen Kameraden zu ihrem Kampf gegen den Faschismus zu beglück- wünschen. Mit ihrem Kamps gegen den Faschismus und ihrer mutigen und entschiedenen Friedenspolitik haben sich unsere deutschen Kameraden einen wirklichen Verdienst um den Sozialismus erworben!' Die Debatte wird in den nächsten Sitzungen des Generalrates fortgesetzt. l Innenminister General Skladkowsli und der stellvertretende Außeu- I minister Oberst Beck, Pilsudskis früherer Adsudant, die als nächste Umgebung des Mi»rschalls über die näheren Umstände des geplanten „Attentats" aussagen sollen. Rebellion im pilsudski-Blsck. Warschau, 29. Januar.(Eigenbericht.) Unter den Abgeordneten des Pilsudski-Blocks, deren Stimmen die Ablehnung der Anträge auf Untersuchung der Vorgänge in Brest bewirkt haben, fehlten der fricherfc Minister für Land. reform, Prof.£ tan j ernte z, der Führer der Lintsgruppe im Regierungsblock, Abg. L e ch n i z k i, und der Krakauer National- ökonom, Prof. Krzyzanowski. Der Letztgenannte war der Empfänger jenes Briefes der Uiiivcrsitätsprofessoren. durch den die Entrüstungswelle ins Rollen kam. Die Univcrsitätskollegen verlangten von Krzyzanowski. daß er sich für eine Untersuchung ein- setze, und bedeuteten ihm, daß seine Haltung in dieser Angelegenheit auf seine Stellung an der Universität zurückwirken müßt«. Der Fraktionsvorstand des Regierungsblocks hat der„Gazeta Warszawska" zufolge nun angeordnet, daß Fraktionsmitglieder, die an der Nachtsitzung des Sejm am letzten Montag nicht tellgenonimen haben, sich in der Presse mit der Haltung des Blocks und der Re- gierung in der Affäre Brest nachträglich solidarisch er- klären sollen. Da die drei Abgeordneten solche Erklärungen nicht abgegeben haben, ist man darauf gespannt, welche Folgen diese Unbollnäßigkeit noch sich ziehen wird. Drei andere Abgeord- nete des Regierungsblocks haben sogar mit der Opposition zusammen für«int Untersuchung gestimmt. Attentatsprozeß in Warschav. Lockspihelmache zur Wahlmache. WERTHEIM Heute Freitag Leipziger Str.( Versand- Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz beginnt die Weisse Woche Größter Sonder- Verkauf des Jahres Einige Beispiele: Bettwäschestoff Linon inenart. Ausrüstung Deckbettbr. Mir. 0.58 38 Pf. Kissenbreite Meter Mako- Imitat. Meter 39 Pf. Renforcé bewährte Marke 80 Pf. Meter Farb. Wäschebatist nil, hellblau, rose, Mtr. 48 Pf. zarte Farben, flieder, Tischtuch gebleicht Jacquard 2.20 Größe 110X150 Serviette dazu passend 55 Pf. Größe 55x55 Tischfuch halblein. Jacquard, Größe 130x160 3.75 Serviette dazu passend Größe 60x60 70 Pf. Der große Sonder- Verkauf von Wäsche usw. ist von uns seit 1898, nach dem Vorbild Pariser Warenhäuser, regelmäßig veranstaltet. Die Bezeichnung Weiße Woche hat sich erst später eingebürgert. Damenhemden mit Stickerei und Spitze 1.15 75 Pf. Nachthemd für Damen mit Garnierungen, farbig oder weils 2.90 Unterkleid für Damen farbige Kunstseide, 4.35 Spitzengarnierung Schlafanzug für Damen farbiger Batist, mit farbiger Garnitur 3.90 Damenhemd Wäschesloff, m. Hand- 2.25 stickerei u. echt. Spitze Nachthemd für Damen, dazu passend 3.75 Hemdhose für Damen, dazu passend 3.75 Dimiti- Garnituren ein Deckbett zwei Kissen 9.75 6.75 Serie Serie II Stehumlegkragen für Herren, Mako 38 Pf. 4 fach, mod. Form Oberhemd für Herren weifs, mit Popelin- 2.25 Nachthemd für Herren m.Umlegkrag.od.hals- 2.75 frei, farb. Borte, Tasche Schlafanzug für Herren farbig gestreiffer 4.90 Zephir Damenhemden 175 215 Küchenhandtuch 78 pl. mit Stickerei oder Spitze Reinl. Diaper, Größe 48x100 cm Nachthemd für Damen, 245 245 Stubenhandtuch 95 Pl. farbig Balist oder weiß Schlafanzug mit farbiger 425 mit Garnitur, vorn zum Knöpfen Oberhemd farbig gestreift Perkal, 195 mit gefütterier Brust Künstlerdecke 420 Krepp, bunt indanthren, Gr. 130x160 cm m. farb. Teegedeck Kane, indanthr, 575 Größe 125X160 cm, mit 6 Servietten Reinl. Gerstenk. od. Jacqu., 48 × 100 weiß Jacquard, Badelaken breite farbige 390 Kante, indanthren, Größe 140 × 160 cm . Pl. Wäschestoff Meter 28 P Makotuch ägyptische Baumwolle, Meter Lakenstoff Halbleinen, 39P Pl. solide Qualität, 140 cm breit, Meter 135 Taschentuch 7 für Kinder, mit far- Pf. biger Kante, Stück Taschentuch für Damen mit farbiger Häkel- 14 P. kante... Stück Taschentuch Batist mit Häkelzäckchen u. gestickter. Ecke, Stück 28 PL. Taschentücher Batist weiß Hohlsaum, gestickte Ecke, 11, Dutz. im Karton 1.25 Stubenhandtuch Drell oder Gersten- 48 Pt. korn, Größe 45X100 Küchenhandtuch Reinleinen, grau gestreift, Größe 45x100 58 Pf. Wischtuch Reinleinen, kariert, 58 Pf. Größe 53X75 Rolltuch Reinleinen, Größe 80x190 1.95 Billige Lebensmittel Frisch. Fleisch Obst u. Gemüse u. Rinderkamm Brust 0.88 Pfund 0.88 Schmorfleisch..Plund 1.18 Gulasch, Pfund Hammel- Vorderfl. 0.98 0.95 Gehackfes 0.85 Liesen 0.68 Bratwurst 1.12 Rückenfett bratfertig, und 0.68 Kalbskamm... Pfund 0.78 Rücken Pfuna Kalbsbrust und Ron 0.88 Kalbskeule is 9 Pfd., Pfd. ganz u.geteilt 0.98 Kalbsschnitzel. Pfund 1.80 Kakler mild gesalzen, Pfund 0.98 Schweinerücken Bauch 0.78 Schweineschinken 0.86 Fr. Rinderzungen Pfd. 1.10 und Konserven 1 Dose Karotten Spinat 0.40 0.27 geschnitten Schnittbohnen 0.38 0.48 Br.- u. Schnittbohn. I 0.58 Gemüse- Erbsen... 0.50 Junge Erbsen fein..0.96 Haushalt- Gemüse.. 0.65 Kaiserschoten..... 1.30 Bruchspargel stark.. 2.10 Sellerie Dose 0.40 0.65 Gewürzgurken Dose ca. 33. Pfund brutto 1.10 Kalif. Pfirsiche, Frucht 1.20 Zitronen Dutzend 0.30 0.38 Apfelsinen Did. 0.40 0.55 Digd. 0.95 Jaffa- Apfelsinen van Musäptel.... 3 Pfund 0.95 Mandarinen..3 Pfund 0.95 Bananen.... 3 Pfund 0.98 Halbblut- Orangen 9.50 ( Messina), Kiste 100 u 150 St. Kalif. Aepfel Pfd. 0.38 0.45 Kiste ca. 45 Pfd. brutto 15.75 u. Wirsing. Möhren u. Zwiebeln, Pid. 0.05 Rot-, Welf- kohl, Plund 0.06 Sellerie... Pfund 0.06 0.09 Blumenkohl Kopf v. an 0.30 Rosenkohl... 2 Pfund 0.35 Rhabarber Bund, ca. 2 Pfund 0.38 0.48 Räucherwaren Pfund von an Bücklinge 0.26 Kiste 50.95 Sprotten Pid 0.35 Kistch. 0.40 an in Stücken, Pfund von an Gänse gefroren, Pfd.| Hühner 76,86,96 Pf. frisch u. gefroren, Pfund von an 92 Pf. Puten u. Enten Brathühner Pfund von an 90 Pf. Hasen gestr, u. ausgeworfen, Pfund von an Pfund von an 1.15 Hirsch Wildschwein Pfund von an Ragout Blätter Rücken 74 Pl. 35 Pl. 85 Pl. 95 P. Kabeljau Seelachs Schellfisch ohn. Kopf, ganze 20 Pf. Pfund von an Fische, Pfd. v. an Fischfilet Pfund von an 28 Pf. Bratschollen 3 Pfund von an 22 P Pf. Grüne Heringe 3 32 Pf. Leb. Karpfen Pfund von an 95 Pf. Molkereibutter Zusendung von 5M an Obst, Gemüse und leicht verderbl. Artikel sind vom Versand ausgeschlossen Bruchreis..... Pfund 0.15 Tafelreis... Pfund 6.22 0.19 Wurstwaren Kolonialwaren Hausmach. Sülze Pid. 0.52 Dampf- u. Fleischw. 0.88 Schinkenpolnische 1.10 Landleber- u. Mettwurst 1.15 Jagd-, Kümmelwurst 1.35 u. Filetwurst Zervelat u. Salami 1.40 Leberwurst feine 1.45 Teewurst 1.55 grobe 1.65 Speck v. an fett 0.86 mager 1.15 Gek.Schinken schnitt 0.45 Pfund Königstr., Rosenthaler Str., Moritzplatz: frische Blut- u. Leberw. Pfund 0.65 Speckwurst... Pfund 0.80 Hildesheimer Pfund 1.40 • 6 Port. Pfund volltett Käse u. Fett Ramadou... Stück 0.22 0.55 Emmenthal. Arfo.Rinde Dän. Schweizerfett 0.84 Limburger 0.50 0.88 Briekäse vollfett.. Pfund 0.88 Tilsiter vollfett, Pfd. von an 0.88 Holländer u. Edamer, 0.90 Schweizer bayr., voilfett 1.18 44 Pf. Pfund von an Eier 10 Stück von an 88 Pt. Pf. Pfund 1.48 Pfd. v. an Pfd. v.an 2.60 0.48 Frisch gebrannt. Kaffee Margarine und 0.40 0.52 Pfund Seelachs 0.36 Fleckheringe Pfd. v. an 0.45 Kieler Bücklinge Aale 0.28 Flundern Pfund von an 0.48 Olsardinen.. 4 Dosen 0.95 Bund v. an 190 240 280 320 3 60 vollfett, Pfund Pfund von an Kokosfett 1- Pfund- Tafel 0.40 Tafelbutter Pfund 1.54 1.62 Dän. Butter... Pfund 1.70 Weizengrieķ Pfund 0.26 Haferflocken... Pfund 0.21 Viktoria- Erbsen Pid. 0.21 0.18 Welke Bohnen..Pid. 0.18 Linsen Pfund 0.18 Makkaroni Bruch, Pfund 0.4 0.44 0.40 Gem. Backobst Kalif.Pflaumen Pfd. 0.36 0.28 Kalif. Aprikos. Pfd. 0.95 0.68 Wein . Preise für Flasche, ohne Glas 1929 Oberhaardt. Tischwein 0.75 1929 Liebfraumilch Goldkps. 1.00 Empfehlenswerte Naturgewächse: 1929 Wöllstein. Hüttenbg. 0.90 1928 Dürkheim.Feuerberg 1.00 1928 Maikammerer Schlangengässel( Bürgermeister Erath) 1.40 1928 Lieserer Niederberg ( Schuhmann) 1.90 1922 Chât. Lagrolet Bord. 1.25 1924 Beaujolais( Maire& Fils) 1.80 1.30 Malaga Heligolden... Nordhäuser Korn Liferfl. 3.70 Wein und Spirituosen vom Fak zu billigen Preisen. Nr. 49 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag. 30. 3amuar 1931 Berlins Kampf gegen Finanznot. Große Debatte im Stadtparlament.- Rede des Stadtkämmerers.- Sozialdemokratie wacht! Wir hatten im Juni die Möglichkeit, eine amerikanische Anleihe von 10 Millionen Dollar zu bekommen, ihr Abschluß ist wiederum am Widerstand der Reichsbank wegen einer Zinsdifferenz von 0,06 Proz. gescheitert.. Im Mittelpunkt der gestrigen Stadtverordneten-! feiner anderen deutschen Stadt gelungen ist. Im Dezember 1929.ft sihung, die eine große Debatte über die Finanzlage der der Stadt eine größere Auslandsanleihe angeboten worden. Stadt und die vom Magistrat geplanten Sanierungsaktionen Abschluß wurde aber durch das Dazwischentreten der brachte, stand die bedeutsame Rede des stellvertretenden Stadt- Reichsbanf unmöglich gemacht. tämmerers, des sozialdemokratischen Stadtjynditus Dr. Cange. Seine Mitteilung, daß die Stadt im Juni vorigen Jahres eine Anleihe von 10 millionen Dollar zu günstigen Bedingungen hätte aufnehmen können, wenn nicht die Reichsbank wegen einer Zinsdifferenz von 0,06 Prozent widerstand geleistet hätte, wirkte jenfationell. Immer wieder war es die Reichsbant, die einen größeren langfristigen Auslandskredit für die Reichshauptstadt zu verhindern wußte! Und hinter dieser Politik- der Stadtfämmerer hatte es vermieden, den Namen auszusprechen stand die Gemeindefeindlichkeit jenes Herrn Schacht, der jetzt mit den Nazis liebäugelt. * Zu Beginn der Sitzung teilt Stadtverordnetenvorsteher Genosse Haß mit, daß er im Namen des Stadtparlaments dem Bürgermeister Scholt zu seinem 60. Geburtstage die Glückwünsche der Stadtverordneten übermittelt habe. Nach Verlesung einiger Dringlichkeitsanträge durch den Vorfikenden, die zum größten Teil an die Ausschüsse zur Weiterbearbei tung geleitet werden, tritt die Versammlung in die Erledigung der Tagesordnung ein. Es folgt eine Geschäftsordnungsdebatte, in der ouch der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse Flatau, das Wort nimmt und nach der eine von den Deutschnatio= nalen verlangte Umstellung der Tagesordnung abgelehnt wird. Nun nimmt zur Begründung eines fozialdemokratischen Antrages das Wort Stadtv. Flatau( Soz.) In dem Antrag wird eine möglichst schnelle Fertigstellung der er maltungsberichte der Stadt Berlin gefordert. Nach der mirtfamen Begründung findet der Antrag fast einstimmige Annahme. Danach wird ein Antrag der Wirtschaftspartei behandelt, der eine Erhöhung des Ladegewichts für Kraftfahrzeuge fordert. Als Berichterstatter bittet der sozialdemokratische Stadtverordnete Robinson( S03.), dem Beschluß des Ausschusses, der den Antrag a b= gelehnt hat, beizutreten. Biele Berliner Brücken seien durch den starken Berkehr so gefährdet, so daß eine Erhöhung des Ladegewichts zurzeit nicht verantwortet werden könne. Nach einer längeren Aussprache wird der Antrag der Wirtschaftspartei auch im Plenum a be gelehnt. Nach mehreren Abstimmungen über Grundstücksangelegenheiten tritt man in die große Finanzdebatte ein, Als Berichterstatter nimmt das Wort Stadtv. von Jedlin ( mat): Er gibt die Ausführungen des Bürgermeisters in der letzten Cigung des Haushaltsausschusses, die den Lesern des„ Vorwärts" bereits bekannt sind, noch einmal wieder. In der Debatte spricht cls erster der Nationalsozialist Dr. Lippert. Stockend und müh felig liest er seine im Manuskript genau festgelegten schwulstigen Phrasen ab. Langeweile breitet sich während seiner ,, Rede" über das ganze Haus aus. Selbst die Nazis waren ausgerückt, ganze sechs nationalsozialistische Stadtverordnete träumten vor sich hin, während ihr Fraktionsführer dem Stadtparlament neue Beweise seiner geistigen Unreife gab. Mit größtem Interesse und bis auf den letzten Platz gefüllt hört dann das Haus eine großangelegte Rede des stellvertretenden Stadttämmerers, des sozialdemo= fratischen Stadtfyndifus Dr. Lange: Auch andere Stabilisierungsmöglichkeiten, die sich boten hat die Reichsbant verhindert, obwohl die Auslandszinjen meist niedriger waren als die des Inlandes. Nach der starken Abwanderung des Auslandskapitals als Folge der Reichstagswahlen mußten wir es aufgeben, unsere Kredite prolongiert zu sehen. Berlin hat zurzeit 620 Millionen turzfristige Schulden. Davon schulden wir 160 Millionen öffentlichen Instituten, die zurzeit nicht drücken. 150 Millionen sind am 31. Juli bei der Danatbank fällig. Außerdem besteht neben einer gewissen inneren Schuld von 60 Millionen eine Devisenschuld von 170 Millionen Mark, die vom 1. Januar bis 1. Juli in jedem Falle abzudecken sind. Viele Verhandlungen mit deutschen Bantentonfortien sind leider auch gescheitert. Ausländische Banken haben von der Reichshauptstadt bisher niemals besondere Sichernugen für zu gewährende Kredite verlangt, das blieb den deutschen Banken vorbehalten! Wir haben dann 25 Millionen auf der bekannten Basis von der Preag erhalten. Die Forderung, die 45,5 Millionen Dessauer Gasaftien abzustoßen, ist an uns zuerst von einer Berliner Bantengruppe herangetragen worden. Nachdem uns der Abschluß einer großen Auslandsanleihe vollkommen unmöglich geworden ist, müssen wir uns entschließen, die Situation von Grund auf zu klären und zu einer durchgreifenden Sanierung zu fommen. Es geht vor allem nicht, daß die Stadt Berlin immer wieder durch Schlagzeilen der Berliner Preffe in schwerster Weise diskreditiert wird. Was diese Art der Kritif dem einzelnen Berliner Steuerzahler gekostet hat, fönnten wir genau berechnen. In feiner Sieben Bergleute gerettet! Die Grubenfatastrophe von Linten. New York, 29. Januar. Wie aus Linten gemeldet wird, sind von den bisher noch vermißten verschütteten zwanzig Berglenten jetzt fieben Icbend geborgen worden, die man schon verloren gegeben hatte. Flugzeugunglück in Warnemünde. Der Pilot getötet. Warnemünde, 29. Januar. Bei einem Flug mit einem Seeflugzeug verschätzte sich der Pilot der Ernst- Heinkel- Flugzeugwerke G. m. b. H., Warnemünde, Dr. King, infolge des diefigen Wetters und des glatten Wafferspiegels beim Niedergehen auf den Breiflingfee in der Höhe und Bom Berliner Magistrat ist im Jahre 1929 mehrfach der Versuch fieß in voller Fahrt auf die Wasserfläche. Das Flugzeug über gemacht worden, die kurzfristige Verschuldung durch langfristige Anschlug sich und Dr. King erliff einen Schädelbruch, dem er leihen zu konsolidieren. Das ist uns nicht gelungen, wie es auch kurz danach erlag. 10.Seemann .Wöhrle Unternehmer... Geschniegelte junge Leute umstanden sie und machten ihr Komplimente. Mit hoheitsvollem Lächeln nahm sie dieses überbetonte Gnädigste!" entgegen und sog die hundertfach gehörten, abgedroschenen schmeichlerischen Phrasen mit offenen Nüstern ein wie ein Götze den Dampf des ihm gespendeten Weihrauchs. Ludwig zitterte vor Zorn über dieses Schauspiel. Er suchte und fand ihren Blick. Wie ein Hypnotiseur schaute er sie an.., Komm hierher!" hieß das. Sie antwortete mit einem trotzigen Zurückwerfen des Kopfes. Das geschah für die andern unmerklich. Für ihn aber war es genug. Es brachte ihn zum Ueberkochen. Mit zehn heftigen Schritten war er an ihrer Seite, faßte sie am Arm und führte sie in feine Ede. Was willst du eigentlich von mir?" tat sie beleidigt. " Schämst du dich nicht, dir von diesen grünen Laffen den Hof machen zu lassen? Hier bist du meine Frau, und non dieser bitte ich mir ein anderes Berhalten aus! Berstanden?" Sein Atem ging stoßend, zwischen seinen Augen stieg die tiefe Bornfalte, die sie so gut tannte. Aber hier, in der vollen Deffentlichkeit, fürchtete sie nichts. Ruhig hielt fie feinen wütenden Blick aus und sagte eisig: Bitte sehr, mach dich nicht lächerlich! Bergiß nicht, wir sind hier in der feinen Gesellschaft!" Der Ton ihrer Worte fühlte ihn ab. Er sah selber ein, daß es hier keine Szene geben durfte. Etwas ruhiger fragte er: ,, Was sind das eigentlich für Herren?" ,, Du selbst haft sie schon oft genug an Teeabenden und sonstigen Veranstaltungen gesehen!" Ich erinnere mich nicht. Aber es wäre gescheiter gemesen, du hättest statt dieses Pads meine Eltern und deine Mutter eingeladen!" anderen deutschen Stadt und auch im Auslande nicht, hat man jemals an den Maßnahmen einer Stadtverwaltung derart verantwortungslose Krifit geübt. ( Sehr richtig! bei den Soz.) Die Steuerkraft der Einwohner ist erschöpft; ste ist so ausgenutzt, daß, wenn das irgendwie möglich erscheint, unbedingt an eine Senkung gedacht werden muß. In der Situation, in der sich die Stadt Berlin befindet, heißt es überlegen, welche Sachwerte ohne Schaden für die Einwohnerschaft abgestoßen werden können. Wenn wir vor der ernsten Entscheidung ſtehen, in die Werke, die für die Allgemeinheit geschaffen worden sind, neues Kapital aufzunehmen kann es für eine Stadtverwaltung nur die Entscheidung geben, daß sie die öffentliche Hand hineinnimmt und die private Wirtschaft abweist. Das Interesse der Steuerzahler verbietet es, im Augenblick auf die Einzelheiten der geplanten Finanztransaktionen näher einzugehen. Nach längeren jedoch bedeutungslosen Ausführungen des fommunistischen Redners, Stadtverordneten Schwenf, und kritischen Betrachtungen des Deutschnationalen Fabian sprach für die sozialdemokratische Fraktion Stadtverordneter Loewy: Man unterhalte sich hier über eine Sache, die gegenwärtig noch nicht spruchreif fei. Der Magistrat verhandelt über Transaktionen größten Stils, über die man erst, insbesodere über die Verhandlungen mit der Preag, entscheiden könne, wenn die Vorlage des Magistrats vorliege. Aber es gebe hier im Hause Parteien, die jede Gelegenheit wahrnehmen möchten, wenn sie glauben, Gelegenheit zu haben, Berlin zu diskreditieren. Wir Sozialdemo fraten, die wir stets unsere ganze Kraft dafür eingesetzt haben, daß daß das Interesse der arbeitenden Bevölkerung gewahrt wird. es unserer Vaterstadt möglichst gut ergeht, werden darüber wachen, Die Schuld der Nazis. Die Ursache unserer Zwangslage liegt in erster Linie in der Flucht des Ausland stapitals aus Deutschland, die nach den Reichstagswahlen einsetzte, weil das Ausland moralische Bedenken hat gegenüber dem Anwachsen einer Partei, in der Meuchelmörder und Ehrenwortbrecher in führender Stellung fizen. Das hat den deutschen Kredit ruiniert. Die sozial demokratische Reichstagsfraktion hat erst fürzlich wieder für die stärkere Besteuerung der großen Einkommen gestimmt. Diese Anträge wären angenommen worden, wenn die Nazis im Reichstag dafür gestimmt und nicht die entgegengejezte Haltung als hier im Stadtparlament eingenommen hätten. Bei diesen Worten des sozialdemokratischen Redners erfrecht sich der Nazi Lippert 31 rufen: Ein ganz unverschämter Judenjunge!" Der Vorsteher ruft ihn zur Ordnung, während sich der gesamten sozialdemokratischen Frattion starte Erregung bemächtigt hat und es im ersten Augenblia droht, zu Zwischenfällen zu kommen. Loewy schlichtet den Streit selbst, indem er erklärt: Glauben Sie, daß mich ein Mitglied einer Partei beleidigen tann, auf deren Fahne Bruch des Ehrenwortes steht? Dieser Mann kann reden was er will." Er fährt dann fort: Die Maßnahmen des Magistrats werden jetzt von Parteien fritifiert, die felbst die Ausgaben mit bewilligt haben, und die eine noch stärkere Verschuldung Berlins erzielt hätten, wen alle ihre vielen Wünsche erfüllt worden wären.( Sehr richtig bei den Soz.!) Es ist doch noch gar nicht lange her, daß die deutschnationale Fraffion hier neue Anträge zum Weiterbau der U- Bahnen eingebracht hat. Die Sozialdemokratie hat viele Ausgaben mit der großen Mehrheit des Hauses mitbeschlossen, und sie ist auch bereit, hierfür die Verantwortung zu tragen. Nicht aber ist sie bereit, die Schuld ,, Pah, die alten Leute!" erwiderte sie wegwerfend ,,, als| Hätte er doch nie diesen verdammten Kaiser- Wilhelm- Garten ob die hierher gehörten!" in Halensee draußen gesehen! ,, Jawohl!" brüllte er los und vergaß in seinem Zorn ganz, wo er sich befand. Die Gesellschaft blickte befremdet auf. Ifcha tam herbeigestürzt und faßte ihn besänftigend am Arm. ,, Was ist denn los, Papa?" Doch seine Gedanken schlugen jäh um. Nein, er hatte fein Recht, seine Frau anzuflagen und sie zu verwünschen. Im Gegenteil, eigentlich mußte er ihr dankbar sein. Denn im Grunde war doch sie es gewesen, sie und nur sie, die ihn auf den Weg gedrängt hatte, der später zum Wohlstand ,, Wo sind deine Großeltern und deine Großmutter, führte. Jawohl, ohne sie wäre er heute höchstwahrscheinlich Mädchen?" Ischa zuckte die Schultern. ein fleiner, verkümmerter Tischlereiarbeiter und säße nicht hier in dem eleganten Hotel, in dem seine Tochter Hochzeit Papa ich habe an die alten Herrschaften gar nicht ge- feierte. Und ohne sie wäre ja auch Franz nicht da, der Junge, dacht; Mama hat ja die Einladungen rausgeschickt!" " Also auch du!" Brüst drehte er sich um, ließ Frau und Tochter stehen, und ging aus dem Saal. Da in diesem Augenblick die Musik einfiel und die meisten Gäste sich zum Tanzsaal drängten, wurde sein Weggang fast gar nicht bemerkt. * Im Restaurationsbetrieb des Hotels setzte er sich abseits in eine stille Ecke und bestellte eine Flasche Rotwein. Dann steďte er sich eine Zigarre an und sah nachdenklich in die bläulich verwehenden Rauchschwaden. Ich will nichts von der Gesellschaft drin wissen, dachte er. Ich habe mit denen nichts zu tun. Sie sind mir fremd und ich ihnen. Nun habe ich ein langes Leben hindurch mich abgeradert, damit meine Tochter den Sohn eines Südfrucht händlers heiratet, der mir zuwider ist. Was kann der leisten? Was hat er im Leben schon vor sich gebracht? Nichts! Er lebt ja vom Geld seines Vaters. Ein richtiges Muttersöhnchen ist er. Berwöhnt, verzärtelt, anspruchsvoll, dabei nichts leistend, ohne Beruf. Eine Gestalt, wie aus einem Mode album herausgeschnitten. Er weiß im Grunde selber nicht, wofür er eigentlich lebt. Warum hat Ischa ausgerechnet diesen Menschen zu ihrem Manne gemacht? Lange grübelte er nach. um diese Frage zu enträtseln. Schließlich glaubte er, die Lösung gefunden zu haben. Mia war schuld an diesem Fehlgriff Ischas, nur Mia und niemand anders. Sie hatte die Erziehung des Mädchens geleitet, hatte ihr all diese Verdrehtheiten in den Kopf gesetzt, dieses Hochobenhinaus! Jawohl, nur seine Frau ist schuld an dieser blöden Heirat! sein ganzer Stolz, der einzige, für den es sich lohnte, den blöden nervenfreffenden Kampf ums goldene Kalb noch länger mitzumachen! Nein, ohne Mia wäre Franz, der Goldjunge, heute nicht sein Teilhaber! Er trank schnell. Bald war der Wein ausgetrunken. Er bestellte die zweite Flasche. Mißmutig zerdrückte er den Zigarrenstummel im Aschenbecher. Wozu haderte er eigentlich? War nicht alles gut so, wie es gekommen war? Im Grunde war er doch ein unverschämter Glückspilz. Alles, was er angefaßt hatte, war ihm Er hatte doch letzten Endes geraten. Er hatte Ansehen. Geld. Was wollte er noch? Warum war er trotz allen Erfolgen so unzufrieden, so mißgestimmt, so launisch? Ja, gestand er sichs ruhig ein: so unglücklich? Woran lag das? An ihm selber? An den andern? Troz allem Nachdenken konnte er den Fehler nicht finden. Er trank in langen, Bergessen suchenden Zügen. Seine Gedanken wurden sprunghaft. Er dachte an den Streif in seiner Fabrit. An seinen alten Bater. An feine Brüder, die bei ihm in der Fabrik arbeiteten und nun auch vom Streit betroffen waren. Eigentlich war er ein Schuft. Er saß im Excelsior und foff sich die Wampe voll, und feine Brüder streiften. Die hatten doch auch Familie. Frauen und Kinder! Wie nun, wenn die hungerten? Hunger! Er dachte an seine Jugend zurüd. Da war mancher Abend gewesen, wo ihm die Mutter mur ein kleines trockenes Stück Brot geben konnte, und er hungrig ins Bett kroch. Das war für ihn als Junge immer ein niederschmetterndes und graufiges Gefühl gewesen. Mit dumpfem Kopfe war er des ( Fortsegung folgt.). Er fluchte dem Augenblid, wo er Maria tennen lernte.| Morgens erwacht. der anderen auf sich zu nehmen. Bom Magiftrat ist uns erklärt worden, daß selbstverständlich über den Verkauf irgendeines Wertes teinerlei Verhandlungen gepflogen worden sind. Es handelt sich lediglich um Verhandlungen Es Der ,, Spuk" des Westens. handelt sich hier nicht um eine Kriſe Berlins, nicht um eine Strife Das Doppelleben des Boxers. Preußens oder Deutschlands, es handelt sich um eine noch nie dagewesene Weltwirtschaftstrise! Es ist unsere Aufgabe, die daraus entstehenden Schäden nach bestem Vermögen von Berlin abzumehren.( Langanhaltendes Beifallsklatschen bei den Soz.) Der Zentrumsführer Lange fragte den Magiftrat, woher denn die Preag das Geld nehmen wolle, um die hohen Summen aufzubringen, die Berlin benötigt. Es entstehe leicht die Vermutung, daß die deutschen Banken über die Preag versuchen, Einfluß auf städtische Betriebe zu bekommen. Für die demokratische Fraktion erflärte Stadtverordneter Schubert: Ich sage für meine Bartei, daß wir den Entschluß des Magistrats in seiner ganzen Schwere würdigen und uns hinter ihn stellen. Wir wollen die Berhandlungen nicht stören. Es scheint mir sehr merkwürdig, daß angreifen, der meines Wissens einstimmig, also auch mit den Stimmen der deutschnationalen Stadträte beschlossen worden ist.( Lebhaftes hört, hört.) Es folgt ein völlig unsinniges Geschrei des Kommunisten Wisnewsfi, in dem die schon tausendfach gehörten Phrasen noch einmal wiedergefäut werben. Dann wird die Aussprache geschloffen. Ein tommunistischer Dringlichkeitsantrag, der sich gegen den Berfauf der Werte" richtet, und unter anderem die Streichung sämtlicher Bolizeitosten, und die Einstellung sämtlicher Binjenzahlungen für alle früheren Anleihen fordert, erhält nur die Stimmen der Antrag steller und wird abgelehnt. Beschlossen wird der Bau einer unterirdischen Bedürfnisanstalt auf dem Her mannsplay in Neukölln. Schluß der Sizung 21,30 Uhr. Herzschlag vor der Vernehmung. Schmollers Schwiegervater tot zusammengebrochen. In der Mordsache Schmoller waren gestern Berliner Beamte nach Brandenburg entfandt worden, um den Schwiegervater des Schmoller, den 59 Jahre alten Raffierer Butsch, zu vernehmen. Die Bernehmung war notwendig ge. worden, da Buksch über gewisse finanzielle Borfommniffe worden, da Butsch über gewisse finanzielle Vorkommnisse nach Mitteilungen Dritter Angaben machen konnte. Noch vor Beginn der Bernehmung, die in der Wohnung des Butsch stattfand, brach Butsch, von einem Herzschlag getroffen, zusammen. Wiederbelebungsversuche hatten feinen Erfolg. Irgendwelche erregenden Auseinanderseßungen waren der Vernehmung nicht vorausgegangen. Butsch hatte die eintretenden Beamten mit der größten Freundlichkeit empfangen. Die Vernehmung hatte, was ausdrücklich festgestellt wird, noch nicht begonnen. Die bis zum Tode Bufsch geführten Unterhaltungen waren privater Natur. Die ,, nationale" Goldmacherfabrik. „ Sagen wir halt: Dreihundert Kilogramm!" München, 29, Januar. Zu 3% Jahren Gefängnis verurteilt. Der Prozeß gegen das„ Nachtgespenst", den Schwer-| einem seguell anormalen Menschen nachgeahmt worden sein? Wieso athleten Janoschte, ging gestern zu Ende. Das Schöffen- tam es aber, daß mit Janoschkas Verhaftung diese nächtlichen Attengericht Charlottenburg verurteilte ihn, entgegen dem Antrage tate aufhörten? Wie dem auch sei, Janoschka bestritt mit aller Entdes Staatsanwaltes auf 8 Jahre Zuchthaus, zu 3 Jahren schiedenheit, derartiges getan zu haben. Er bestritt auch, die Opfer seiner Beutezüge nur irgend einmal mit der Schußwaffe bedroht zu 6 Monaten Gefängnis. haben, obgleich er stets eine solche bei sich führte. Ebensowenig hatte er die schweren Einbrüche mit den 70 000- und 50 000- Mark- Beuten begangen, deren er sich selbst bezichtigt hatte. Das mußte gestern selbst der Kriminalkommissar zugeben. Blieben also nur zwanzig Besuche des Nachtgespenstes, die ihm nicht zuviel eingebracht hatten. Nur in einem Falle erbeutete er etwa 1000 M. In den anderen Fällen waren es verhältnismäßig geringe Summen. „ Ich habe nie irgend jemand einen Schaden zugefügt, der nicht gutzumachen gewesen wäre," sagte Janoschka. Je länger desto mehr verflüchtigte sich gestern in Moabit der Charlottenburger Sput. Zwölf Stunden lang sah man sich dem leibhaftigen Nachtgespenst in der Person des Berufsborers und Schwerathleten Janoschka gegenüber. Man beobachtete seine Beme. gungen, sein Mienenspiel, hörte ihn von seinem traurigen Schicksal erzählen und seine zweifellos aufrichtig und ernst gemeinten Lebensgrundsätze entwickeln und fragte sich: Ist dieser Mensch tatsächlich zu nächtlicher Zeit in fremde Wohnungen eingedrungen, nicht bloß um zu stehlen, sondern auch um auf mehrlose schlaftrunkene Frauen sittliche Attentate zu verüben? Und man war geneigt, mit dem Sachverständigen, Medizinalrat Dr. Ewers, zu sagen: Diesem Menschen find ähnliche Handlungen bei seiner ganzen ästhetischen und er darf tatsächlich eine solche für ich in Anspruch nehmen und bei seinen ethischen Grund. fäßen- denn trop seiner fünfzehn Jahre Zuchthaus und Gefängnis lägen- denn besitzt er auch solche nicht zuzutrauen. Einstellung Man stelle sich nur vor: in vier Fällen dringt ein Mann gegen 4 Uhr morgens in das Schlafzimmer nicht mehr junger Frauen ihr Alter war 40, 46, 60 und nur in einem Falle 27 Jahre bedroht sie mit Erschießen und dergleichen mehr, und belästigt sie in der gemeinsten Weise, In einem Falle war hinterher die Frau unfähig, vier Tage zu sprechen, im anderen Falle hat sie einen schweren Nervenzufammenbruch und eine Basedow- Krankheit davongetragen. Der Angeklagte bestritt, der Täter zu sein. Diese Attentate, erklärte er, widersprächen seiner Einstellung zur Frau wie seinen seruellen Gewohnheiten; in seinem ganzen Leben sei ihm feine einzige Gewalt tat, nachzuweisen. Und doch schien manches gegen ihn zu sprechen. Die Zeit, um die herum die sittlichen Attentate geschahen, entsprach Der Zeit, wo er gewöhnlich als Nachtgespenst seine Beutezüge in Charlottenburg verübte. In einem Falle wurde 3. B. ein Taschen tuch gefunden, das genau zu den Taschentüchern des Angeklagten paßt, nur war es zu schmußig und allzu zerriffen, um ihm, der notorisch von peinlicher Sauberkeit war, gehören zu können; in einem zweiten Falle wurde er von der Ueberfallenen durch das Buckloch in der Zelle des Staatskrankenhauses als der Attentäter erkannt. Nach dem Wiedererkennen fiel die Frau in Ohnmacht. War er nicht das Notzuchts- Nachtgespenst, wer war es dann? Ronnte es nicht ein anderer gewesen sein? Sprach man denn nicht seinerzeit von mehreren Nachtgespenstern? Und fonnten nicht seine nächtlichen Abenteuer, in den Zeitungen in allen Einzelheiten beschrieben, von Im Tausend- Prozeß wurde am Donnerstag der Kaufmann Staatsanwalt Dr. Högner Mengden pernommen, der über die geschäftlichen Vorgänge wenig aussagen kann. Er erklärt, daß er als ein der nationalen Bewegung nahestehender Mann es für seine Pflicht gehalten habe. sich der Sache anzunehmen. Tausend sei von seiner Umgebung start perwöhnt worden, so daß er schließlich glaubte, allmächtig zu Mitglied des Reichstags, spricht am Dienstag, dem 3. Februar 1931, abends 7% Uhr im Saalbau Friedrichshain( großer Saal) über: Gemeingefährlich bleibt aber das Treiben dieses Mannes trotz alledem, In der letzten Zeit führte er ein Doppelleben. Die Frau, bei der er wohnte, die Mutter seiner früheren Braut, die er selbst Mutter lichen Abenteuern, wenn sie auch seine Vorstrafen kannte. Seine nannte sie nannte ihn Sohn, wußte nichts von seinen nächtBraut, die von ihm ein Kind hatte, ahnte nicht, auf welche Weise er seinen Lebensunterhalt bestritt. Ich werde mir trotz alledem noch eine bürgerliche Existenz schaffen," beteuerte Janoschka vor Gericht. Vielleicht! Der Staatsanwalt ließ die Anflage in allen Janoschka zur Last gelegten Taten fallen, für die er seine Täterschaft leugnete also auch die Anflage in den drei Sittlichkeitsattentaten, der vierte Fall wurde abgetrennt und beantragte eine 3uchthausstrafe von acht Jahren. In diesem Augenblid mag es dem Angeklagten wohl gereut haben, daß er seinerzeit selbst solche Einbruchsdiebstähle gestanden, in denen sogar feine Straj. anzeige vorgelegen hat. Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte den Angeklagten Janoschka, das„ Nachtgespenst", unter Freifprechung von der Anklage der Unzucht und des Diebstahls in zwei Fällen, wegen fortgesetzten Einbruchs= diebstahls in strafverschärfendem Rückfalle und in drei Fällen in Tateinheit mit Freiheitsberaubung zu einer Gesamtstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 5 Monaten Untersuchungshaft. Spyrta wurde freigesprochen. Janoschka wird nun genug Muße haben, seine ethischen Grundsäge und seine sonstige Lebensphilosophie in der Abgeschlossenheit des Gefängnisses weiterzuentwickeln. Vielleicht verlohnt es sich nach seiner Freilassung das psychologische Experiment: ihm die Möglichkeit zu geben, diese Grundsätze in Wirklichkeit umzusetzen. Würde er da seinen Mann stehen? Der Angeklagte Schüler geben den„ Biberpelz". Aufführung an der Neuköllner Karl- Marg- Schule. Hauptmanns, Biberpelz" erlebte bei den Obertertianern der Karl- Mary Schule in Neukölln eine frisch- fröhliche Aufführung. Troß der primitiven Mittel gelang es den Schülern, wohljein. Laufend meinte, er tönne 500 kilo zur Verfügung stellen. Frauen, bekämpft den Faschismus! alles mitzureißen, und am Schluß zollte ihnen jeder gern benzene Als man ihm sagte, er solle sich nicht zuviel zumuten, es genüge, menn er nur 200 Rilogramm stellen könne, antwortete Tausend:„ Sagen wir halt 300 Kilogramm." Der Zeuge Göbel erklärt, daß Tausend ihm eine Reihe falscher Angaben gemacht habe. Der Zeuge Herbert Meinhold sagte aus, daß er in der Mit gliederversammlung in Berlin im Jahre 1928 zweimal betont habe, er halte Tausend für einen Betrüger. Schließlich wurde als sachverständiger Zeuge der Chemiter Dr. Richter aus Wien vernommen, der angibt, Tausend habe ihm einen Versuch vorgeführt, der Gold in Erbsengröße erbrachte. Der Chemifer Dr. Zellmann aus Radebeul hat von Wunderdingen bei Tausend nichts zu sehen bekommen. Er war von einer Interessentengruppe beauftragt worden, die Sache zu prüfen, sämtliche Vorführungen seien jedoch negativ Derlaufen. Es wirken mit: Freie Sport- und Musik- Vereinigung/ Fahneneinmarsch der Sportlerinnen des Arbeiter- Turn- und Sportbundes Gesangsvorträge ,, Der junge Chor"- Eintritt frei! Pflicht jeder Genossin ist es, mindestens eine noch fernstehende Frau mitzubringen. Das Frauensekretariat. Acht Gasvergiffungen in zehn Stunden. = Die wadysende wirtschaftliche Not tommt nicht zuletzt in einem ständigen An steigen der Selbstmordziffern zum Ausbrud. Am geftrigen Donnerstog waren in der Zeit von acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends in Groß- Berlin nicht weniger als acht Die Verhandlung wurde dann auf Freitag vormittag vertagt. Selbstmorde bzw. Selbstmordversuche durch Einatmen von Leuchtgas zu verzeichnen, und zwar erstreckten sich diese Fälle auf alle Be Das zweite Wohltätigkeits- Symphoniekonzert des SymphonieOrchesters der Schuhpolizei Berlin findet am Montag, dem 2. Februar 31rke der Stadt, auf die Arbeiterviertel im Norden und Often 1931, zwanzig Uhr, in der Staatlichen Hochschule für Musit, Char- genau so wie auf die guten Wohngegenden im Westen und Südlottenburg, Fasanenstraße 1, statt. Unter Leitung von Camillo Hilde westen. In einigen Fällen fam die Hilfe der Feuerwehr noch rechtbrand gelangen Werte von R. Wagner, F. Burgstaller( Uraufzeitig, in anderen war nichts mehr zu helfen. Nach den Statistiken führung), P. Tschaikowsky und L. van Beethoven zum Vortrag. Als der Polizei und der Feuerwehr war jedenfalls die gestrige Biffer Solift hat sich Professor Frederik Lamond( Klavier) in den Dienst der Selbstmorde selbst für Berlin und für diese Jahreszeit eine der guten Sache gestellt. Der Reinertrag der Veranstaltung ist für Wohlfahrtseinrichtungen der Schußpolizei Berlin bestimmt. ungewöhnlich hohe. verdienten Beifall. Alle geben ihr Bestes, und es ist unnötig. Namen zu nennen, man würde damit nur gegen den glänzenden Rollettingeist der Truppe verstoßen. Hier spielte eine neue Gene ration Theater, und man ging mit dem angenehmen Gefühl nach Hause, ein Spiel gesehen zu haben, das wohl fleine fünstlerische Mängel aufwies, das aber mit einer so lebendigen Natürlichkeit gespielt wurde, daß es eine Freude war, zuzusehen. Früher, in der alten Schule, spielte man selten einmal recht steifes Theater, und der Herr Lehrer hielt eine schwungvolle, das ganze frönende Rede. Heute ist das anders geworden. Eine Schüleraufführung von heute sprudelt vor lauter Fröhlichkeit und Leben! sche des ermordeten Genossen und Reichsbannermitgliedes Willi Beisetzung der Asche Willi Schneiders. Die Beisehung der Schneider, die verbunden ist mit der Enthüllung eines Denksteins, findet am Sonnabend, dem 31. Januar, 15 Uhr, auf dem Bentralfriedhof in Friedrichsfelde statt. Die Urnenstätte befindet sich vom Eingang rechts, unweit der Bestattungshalle. Deffentliche Kundgebung in Steglih. Das Reichsbanner Steglit veranstaltet am Donnerstag, dem 5. Februar 1931, abends 8 Uhr, in Gemeinschaft mit der Steglitzer Sozialdemokratie in den Lichterfelder Festsälen, Berlin- Lichterfelde, Zehlendorfer Straße 5, eine Adolf Hitler, Kampf gegen die Nazis. Referent: Reichstagsabgeöffentliche Kundgebung. Tagesordnung: Wunderdoktor ordneter Genosse Dr. Mierendorff. Bekleidungs- Wochen! Herren- Winterulster 65.-, 54.-, 46., 35.-, 27., 19.Uebergangs- Mäntel für Herren 54., 45., 39.-, 32., 24.- 17.Damenmäntel 35. 27, 19- 12.Lodenmäntel für Damen u. Herren 33. 27.- 16.36.Herren- Sakkoanzüge 65.-, 54., 45., 39.-, 33.-, 23.Sportanzüge mit kurz od. lang. Hose 79,-, 70,-, 55,- 48.-, 40.-, 32,-, 27Trenchcoats für Damen a. Herren 45., 39., 28., 24., 17.Gestreifte Hosen 16.50, 15.-. 12., 8.50, 6.50, 5.-, 3.90 Knaben- Wintermäntel Größe 10/12 14.Einsegnungs- u. Prüfungsanzüge 45., 39., 29., 24.Für Landwirte u. Jäger m. Breeches od.lang. 27.Lodenanzüge Hose. 55,-, 42.-, Wirtschaftsanzug grauer oder mode kord m. Breeches oder langer Hose 44.Winterlodenjoppen warm ge46., 31., 25., 18., 13.Pelzjoppen besonders preiswert 36.füttert 62. 52.Sportpelze verschiedene Pelzfütterungen .. 179., 146., 118.778.Fahrpelze mit Lammfellfutter und Lammfellkragen. ..... 135.-, 118.-, 98.Nacktpelze wenig gebraucht 27.Reithosen 22.- Breeches 13.50 Knickerbocker 21., 18., 15., 12.Lederjacken 5, 75.-, 59.-, 49.warm gefüttert Gesellschaftsanzüge 95.-, 75.-, 65.-, 43. Weiße Waren! Konditor- und Kochmützen 0.50 Kellner-, Koch- u. Konditorjacken 5.75 Damen- Schutzkittel....... 3.25 Aerzte- und Laboratoriumsmäntel 7.50 * Kaffeedecken Mustersroke... 1.80 * Handtücher unsortiert. gute Quali0.35 täten, gesäumt und gebändert. aus weiß Linon, Garnitur Bettbezüge 1 Deckbett u. 2 Kopfkissen Garnitur: 1 sehr elegant 5.50 Bettbezüge besticktes Kopfkissen, 5.95 1 glattes Kopfkissen, 1 Deckbett Laken- Molton 140 cm breit, Meter 1.10 unsere 2.20 bewährte Qualität Haustuchlaken gesäumt, Badelaken gutes Frottiergewebe.. 3.80 Mit kleinen Fehlern Frottierhandtücher...... 85, 0.60 Badeanzüge gestrickt, reine Wolle 4.50 Wäschestoff ea 80 cm breit..0.45, 0.30 Hemdenflanell 2 seitig geraubt Meter 0.55 Herren- Einsatzhemden.1.50, 1.25 Herren- Untergarnituren Jacke und Hose Herren- Oberhemden m. elegant. Einsätzen und Klappmanschetten. Herren- Taghemden 2.95 2.60 ... 2.50 0.50 Damen- Untertaillen gestrickt und gewirkt, leicht angestaubt. Herren- Sweater und Westen, reine Wolle, leicht angestaubt 7.50 Mengenabgabe vorbehalten BAER SOHNA Berlin N4, nur Chausseestr. 29-30 G. U- BAHN STETTINER BAHNHOF Unser Verwa Itu ngsqebä ude i,f vollendet und die Verlegung unserer Hauptverwaltung in das Salamander-Hochhaus vollzogen Jm Herzen von Berlin ist ein Bauwerk entstanden, ein Dokument neuzeitlicher Baukunst, ein Beweis deutscher Leistungsfähigkeit! Das Salamander-Hochhaus. 55.Groß-Berlmer-Verkaufsstelle mioiiebige Vergnügungssteuer. Berlin zu ihrer Erhebung verpflichtet/ Die drückenden Soziallasten. Nach dein Krieg sind bekanntlich den Gemeinden die vor dem Krieg bestehenden Kommunalsteuerzuschläge zu der Einkommensteuer genommen worden, die damals etwa in der Art erhoben wurden, wie es heute noch die Kirchengemeinden machen, die ihre Steuern in bestimmten Hundertsätzen der heutigen Einkommensteuer erheben. Die Gemeinde deckt heute ihre Ausgaben zunächst durch die so- genannten Ueberweisungs steuern, die sich zusammensetzen aus den Anteilen, die den Gemeinden aus Einkommensteuern, Haus- zinssteuern und Kraftfahrzeugsteuern zufließen. Es wird bekannt fein, daß gerade Berlin bei den Ueberweisungssteuern außerordentlich benachteiligt wird, ein Umstand, der von den Kritikern des Berliner Finanzwesens iminer wieder vergessen wird, manchmal, möchte man meinen, absichtlich. Da nun aber die Ueberweisungssteuern bei weitem nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken, sind die Go- ineinden darauf bedacht, eigene Kommunalsteuern zu erheben. So hat Berlin an kommunalen Steuern, Grunderwcrbssteuer, Grund- Vermögenssteuer, Gewerbesteuer, Vergnüg ungs st euer, Bier- steuer, Hundesteuer, Wertzuwachssteuer und neuerdings die ihm auf- gezwungene Schankoerzehrssteuer, die aber lediglich aus sozialen Gründen erhoben wird, um den steigenden Wohlfahrtslasten gerecht werden zu können. Direktoren bereiten den Kampf vor. Steuern sind von jeher unbeliebt gewesen, auch schon zu Zeiten des Fridericus. Damals stöhnten Bauern und Bürger unter den furchtbaren Lasten, die ihnen der König auferlegte. Und wehe ihnen, wenn sie den Mund auftaten. Spitzel, Büttel und Schergen standen bereit, um den unbequemen Kritikus unschädlich zu machen. Heute darf sich jedes nationalsozialistische politische Kind die gemeinst« Kritik erlauben, ohne daß ihm etwas geschieht. So hämmert man denn auch schon seit Iahren, und hierbei keineswegs nur von seilen der Nationalsozialisten, auf einer Kommunalsteuer herum, die den Unter- nehmern höchst unbequem ist. Das ist die Vergnügungssteuer. Es vergeht z. B. keine Tagung der Varietetheaterdirektoren, auf der nicht — und auch auf der demnächst stattfindenden Jahresversammlung wird man dasselbe Lied hören— gegen die Steuer angestürmt wird. Man sollt« eigentlich meinen, daß diese Steuer, die der Unternehmer auf den Besucher abwälzt, kaum im besonderen Maß den Zorn der Besucher, d. h. der Konsumenten erregen mühte. Das ist aber gar nicht so sehr der Fall. Der Theater- und Vergnügungskonsument ist im allgemeinen viel verständiger. Er sagt sich: Wenn ich Geld habe, gehe ich ins Theater und frage nicht nach der Steuer. Wenn ich kein Geld habe oder die Plätze nicht bezahlen kann, gehe ich eben nicht hin. Die Unternehmer fangen jetzt aber auch schon an, die Theater- besucher gegen die Steuer mobil zu machen. Dem Direktor eines Berliner westlichen Kabaretts ist so sehr aller Humor ausgegangen, daß er sogar in dem Programmheft die Besucher unwirsch anfährt: „Wso bitte keine Beschwerdebriefe, keine Aufforderungen zum Preis- abbau. Es geht wirklich nicht mehr. Das Kabarett kann seine Ein- trtttspreise nicht mehr senken. Varietö und Kabarettisten haben internationale Marktpreis«. Das Kabarett muß nach wie vor auf allen Plätzen, auf denen die Möglichkeit besteht, ein Gla» Bier zu trinken oder ein Paar Würstchen zu essen, fünfzehn Prozent Lust- barkeitssteuer bezahlen. Und solange dies« unsinnige Steuer nicht fällt, kann an Preisabbau überhaupt nicht gedacht werden." Nicht wahr, keine Spur von Humor. Hundertprozentige Empörung über die„unsinnige Steuer". Der Herr Direktor oergißt zu erwähnen, daß man in seinem Theater außer den anständigen Eintrittspreisen jeden Verzehr natürlich bezahlen muß. Er vergißt zu erwähnen, daß das Kabarett auch sehr viele deutsche Künstler beschäftigt, die sich in Deutschland wohl oder übel den deutschen Verhältnissen werden anpassen müssen. Die vielfach unsinnigen Stargagen, die die Etats der Theater außerordentlich belasten, stehen ja gerade jetzt zur ernsten Diskussion. Daß dieser Angriff, den ein Direktor gegen die Vergnügungssteuer in einem Theaterprogrammheft unternimmt, nicht von ungefähr kommt, beweist ein Beitrag eines Berliner Spätabend- blattes, in dem es heißt: Man kann es nur begrüßen, wenn diese unpopuläre und ungerechte Steuer(gemeint ist die Lustbarkeitssieuer) zum Mittelpunkt einer Abwehraktion gemacht wird. Der Ver- band Berliner Bühnenletter wird, wie wir hören, nichts unversucht lassen, um sich von dieser Last zu befreien." Das ist also die Ankündigung eines neuen Kampfes. Im Hintergrund dieser und ähnlicher Kritiken gegen die Vergnügungssteuer steht natürlich immer wieder die teil« mittelständlerisch, teils nationale Kritik gegen das Zum 70. Geburtstag seines großen Wiener Kollegen Steinach sprach Geheimrat Albert Moll über die Arbeiten Steinachs auf dem Gebiet der Sexualforschung. Er hob hervor, daß die begeisterte Verkündigung von Steinachs„Verjüngungslehre" durchaus nicht den Wünschen und Meinungen des Forschers selber entspräche. Steinach wisse am besten, wie unsicher noch die Ergeb- nisse dieser Versuche seien, wie wenig durch die praktische Erfahrung kontrolliert. Die tiefergehenden Ergebnisse seiner Verjüngungs- operationen seien noch keineswegs erforscht, und besonders die Frage, ob dadurch wirklich eine Lebensoerlängerung möglich sei, ist vor- läufig noch unbeantwortet. Moll lehnte mit seinen Ausführungen durchaus nicht diesem begreiflicherweis« sehr rasch populär gewordenen Teil der von ihm sonst bewundernd anerkannten Arbeiten Steinochs ab, er warnte nur vor unkritischer Ueberschätzung. Der Vortrag gab einen guten, wirklich all. gemeinverständlichen Einblick in das Arbeitsgebiet des großen Forschers.— Von der Breslauer Sentmng„Heimat in Schlesien"', die Königswusterhausen übernahm, konnte nur der kleinere Teil gehört werden, da sie sich mit dem von Berlin verbreiteten Vortrag von Geheimrat Moll über- schnitt. Soweit sich nach diesen Proben urteilen läßt, wurde das fchlesische Volkslied, dem diese Veranstaltung galt, in sehr gefälliger und künstlerisch einwandfreier Form den Hörern nahegebracht.— Den Abschluß des Abends bildete eine Aufführung von Bruckners 9. Sinfonie. Das Berliner Funkorchefter spielte unter der Leitung von Oskar Fried. Man empfand die Darbietung dank- bar als eine Erfüllung der Verheißungen, die bei der Eröffnung des neuen Funkhauses den Hörern gegeben wurden. Tes. „rote Berlin", das einzig und allein an dieser unpopulären und ungerechten Steuer schuld sein soll. Oer Standpunkt der Sozialdemokratie. Um nun von vornherein allem kommenden Gerede den Boden zu entziehen, sei auf eine offizielle Darlegung der Berliner sozial- demokratischen Kommunalpolitik verwiesen. In dem vom Kom« munalcn Sekretariat herausgegebenen ausgezeichneten Handbuch der Sozialdemokratischen Ko in munal- arbeit 192S/19Z9 heißt es über die Vergnügungssteuer: „Die Gemeinden sind zur Erhebung auf Grund einer vom Reichs- rat beschlossenen Mustersteuerordnung verpflichtet. Berlin hat ein« Steuerordnung beschlossen und fortgesetzt verbessert, die den wirt- schaftlichen Bedingungen des Vergiillgungsgewcrbes und den Bedllrf- nisfen der breiten Massen nach Erholung, Entspannung und künst- lerischer Erbauung gerecht wird. Grundsätzlich lehnt die Sozial- demokralie jede Vergnügungssteuer ab. Wir können sie aber zur Zeit nicht abschaffen, ohne die finanzielle Grundlage des Haushalts zu er- lchüttern, ganz abgesehen davon, daß die Abschaffung bei den be- stehenden gesetzlichen Vorschriften nicht möglich wäre." Hieraus können alle jetzigen und noch kommenden Kritiker er- sehen, daß die Sozialdemokratie keineswegs einseitig eingestellt ist, sondern sehr wohl auch die berechtigten Interessen jenes Gewerbes beachtet, das es letzt keineswegs leicht hat. Die Vergnügungssteuer 'st aber letzten Endes R e i ch s s a ch e, und wer sie ändern oder ab- schaffen will, soll sich an das Parlament und die Parteien wenden. Varietedirekioren tagen ... und klagen. Die große öffentliche Verbandstagung des Inter- nationalen Varietö-Direktoren-Verbandes bei Kroll sah eine ganze Anzahl von Vertretern des Varietö und Der- gnügungsgewerbes aus Berlin und dem Reich, ferner Vertreter der berussverwandten Organisationen und Verbände: so hatten u. a. die Genossenschast deutscher Bühnenangehöriger, die Internationale Artistenloge, der Musikerschutzoerband, der Schutzverband deutscher Filmtheater, der Deutsche Gastwirte- Verband Delegierte entsandt. Von staatlichen Behörden sah man den Präsidenten des Landesarbeitsamtes Berlin, Brühl, den Vertreter der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung u. a. Verbandspräsident Direktor Marx eröffnete die Tagung. Als erster Redner sprach der geschäftsführende Direktor des Verbandes, Josef Milo», der ein ebenso temperamentvoller wie beredter Anwalt seiner Sache, die augenblickliche Lage des Vergnllgungsgewerbes infolge Wirtschaftskrise und Steuerdruck als äußerst prekär bezeichnete. Die immer wiederkehrenden Klagen über die untragbare Höhe der L u st b a r k e i t s st e u e r, die häufigen Tanzverbote, die Polizei- stunde usw. wollen und wollen nicht verstummen. Auf der anderen Seite bewies der Redner an Hand von statistischen Zahlen die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Vergnügungsindustrie als Arbeit- geberin und Steuerzahlerin. 8000 konzessionierte Unter- nehmen haben einen jährlichen Umsatz von etwa 2)4 Milliarden Mark aufzuweisen, wobei 290 000 Arbeitnehmer ihr Brot finden: von ihnen sind 40 000 Musiker und 9000 Artisten als löftengagierte Kräfte zu bezeichnen. Die jährlichen Musikergagen schwanken zwischen 180 und 190 Millionen Mark, die Gehälter für kaufmännisches und gewerbliches Hilfspersonal betragen etwa 600 Mill. Mark pro Jahr. Solamander ist heute der Wertbegriff für bestes Schuhwerk, hergestellt in der größten deutschen Schuhfabrik. Die weltbekannten Salamander-Erzeugnisse zeigen wir in unserer neuen Im Salamander-Hochhaus Königstraße gegenüber dem Rathaus Ein neues Wahrzeichen im alten Zentrum. i Allgemeine Wetterlage. 760 29. Jan. 1931, abds. 160765 160 11 760 ワー 765 Madrid 32 750 765 0 44 11 2 rsch Leningr Ofed 760 Owolkenlos, heiter. halb bedeckt wolkig. bedeckt. Regen Graupeln 760 Schnee. Nebel, Gewitter Windstille Eine Depression, die von der Nordsee quer durch Deutschland nach Westpolen zog, brachte am Donnerstag dem größten Teil des Reiches Niederschläge. Deftlich der Oder herrschte meist leichter Frost, mährend es weiter westlich davon und in Süddeutschland mild war. Im Südwesten und Westen wurden sogar bis zu 6 Grad Wärme als höchste Temperatur beobachtet. Hier fielen die Niederschläge daher auch meist in Form von Regen, während im übrigen Reiche die Niederschläge allgemein Schneeform aufwiesen. lleber England und der westlichen Nordsee ist nun eine neue Störung er schienen. Sie wird voraussichtlich eine mehr nach Süden gerichtete Bahn einschlagen, so daß die über Osteuropa befindlichen kontinentalen Kaltluftmassen allmählich mehr nach Westen hin an Raum gewinnen dürften. Die Temperaturen werden daher bei uns langfam finfen. Wetteraussichten für Berlin: Größtenteils trübe, noch leichte Schneefälle, Temperaturen finfend. Für Deutschland: Ueberall trübe, im Nordosten Frost, im Südwesten ziemlich mild mit einzelnen Niederschlägen. Parteinachrichten Einsendungen für diefe Rubrik sind Berlin SB 68, Sindenstraße 3, 5. Kreis Friebrichshain. Die Billetts Lebener a Berbreitung in alex Senshallen. Tot. 108: 26 b Rickportabt im Barteiheim, Schloßftr. 27. Abt. 108s: Dammvorstadt bei Schula, Schlofftr. 27; Siedlung bei Rlofe. Mahlsdorfer Str 1. 116. Abt. Sichtenberg. 20 Uhr im Lokal von Morr, Neue Bahnhofftt. 28, wich tige Funktionärkonferenz. 131. Abt. Nicberschönhausen. 20 Uhr übliche monatliche Sufammenkunft aller Funktionäre im Lokal von Alindt. Am Friedensplag. Berimaner Bierfel: Sthener Ct. 18: Sepespoti. Bettenfee: Bartz. 36: England und Indien. Werbebezirk Webbing: Wir beteiligen uns au der Rundgebung der Bartei -Gegen den Faschismus" in den Pharusfälen. Werbebezirk Teltowlanal: Falchismus". Lichterfelde- Oft, Albrechtstr. 14, Vortrag: Sigmalde: Zu der am Sonntag, 1. Februar, in Ränigswufterhaufen hatte Vorträge, Vereine und Versammlungen. findenden Rundgebung treffen fich die Mi'alieder der Bartei, Arbeiterjugend, Gewerkschaften, des Arbeiter- Turn- und Sportvereins, Arbeiter- Pad- und Kraftfahrer- Bundes und des Arbeiter- Sängerbundes um 13.20 Uhr pünktlich bei Lindner. Abfahrt von Eichwalde mit Aug 13.46 Uhr. Das Reichsbanner erscheint zu dem aleicher Reitpunkt an dem genannten Ort vollzählig. Erscheinen ist Pflicht. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Areis Prenzlauer Berg. Freitag, 30. Januar, 19% Uhr, 3. Rurfusabend des Genossen Rosemann im Bezirksamt, Riner 336. Thema:„ Die Fürsorgepflichtverordnung". 13. Kreis Tempelhof, Marienborf, Marienfelbe, Lichtenrade. Freitag, 30. Januar, 20 Uhr, im Gigungszimmer des Bezirksamtes Tempelhof, Dorfftraße, L. Sigung der Arbeiterwohlfahrt. Jahresbericht und Aussprache. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsftel! Berlin 14 Sebaftianftr 37-38 Sof 2. Tr. Freitag, 30. Januar. Bedding Or'sverein): 19 Uhr, 2. a. 3. Rameradschaft Antreten in Bundeskleidung zum Eaalschut in den Pharusfälen, 1. Rameradschaft in Rivil zum Eaalschuh in der Turnhalle But buffer Straße. Lichtenberg: Es haben um 20 Uhr Berfammlungen: Kameradschaft Traveplak bei Geipfe. Kronprinzen. Ede Scharnweberstraße: Gustav Tempel bei 9odegast, Normannerstr 38; Rummelsburg bei Brunn, Türrschmidtftraße 40. Reinickendorf( Ortsverein): 19 Uhr Antreten zum Eaalschuk in Tegel, Etrandfchloß. aur antifaschistischen Rundgebung. Bernau: Uebungsftunde bei Modisch um 20 Uhr. Bohnsdorf- Grünau, Jungbanner: Der Liederabend fällt aus. Treffpunkt 19 Uhr Bahnhof Grünau. Sonnabend, 31. Januar. Kreuzberg( Ortsverein): 20 Uhr erweiterte Vorstandsfikung bei Krepp, Blanuser 75-76. Sonntag, 1. Februar. Wedding( Ortsverein): Schufo- Abteilung 1 Sozialistische Studentenschaft Deutschlands und Oesterreichs 9.16 Uhr Abfahrt nach Sohenneuendorf in Bundeskleiduna. Anschließend nachSerwarth Walden spricht über Eindrüde aus der Cowjetunion" am Freitag, 30. Januar, 20 Uhr, im Bund", Berlin NW. 6, Albrechtstr. 11, im Rahmen des Bortragszyklus: Revolutionäre Kunst und Aultur", veranstaltet von der Sektion S. H. der G. St. Leiter: Genoffe Erich Schnaufer( Kurt Heinar). Diskussion. Unkostenbeitrag 20 Bf. Gäste willkommen. Geburtstage, Jubiläen usw. 5. Abt. Unserer treuen Genoffin 2uise Sildesheim, Sinienste. 22, noch nachträglich herzlichste Glüdwünsche zu ihrem 60. Geburtstage. 6. Kreis Kreuzberg. Bezirksausfuß für Arbeiterwohlfahrt: Genossin Grete Simon, Kreisleiterin der Arbeiterwohlfahrt Areuzberg, wird am Freitag, 30. Januar, 60 Jahre alt. Wir wünschen unserer eifrigen und tätigen Genoffin herzlich Glüd. 93. Abt. Neufälln. Unser trener Freund und Genosse Sermann Rieleich, 114. Bezirk, wird hente 75 Jahre alt. Seit Jahrzehnten steht ex tren und feit als Rampfgenoise in unseren Reihen. Es findet keine Beranftaltung statt, in der er fehlt. Wir wünschen ihm auch fernerhin einen frohen und gefur den Zebensabend. 119. Abt. Lichtenberg. Unserem Genoffen August Schulze, Buggen. hagenstr. 2, zu seinem 80. Geburtstage bie herzlichsten Glückwünsche. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 3 Geneffen Schneider findet am Sonnabend, 31. Januar, 15 Uhr, Zentral4. Kreis Prenzlauer Berg. Die Beifenung der Aschenutne des ermordeten friedhof in Friedrichsfelde statt. Rege Beteiliguna erwartet bie Kreisleitung. 37. Abt. Unfer Genoffe Rar! Görgen, Seidenfelbftr. 11, ift verstorben. Die Einäscherungsfeier findet Freitag, 18 Uhr, Krematorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung erbeten. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß. Berlin Einsendungen für diefe Rubri? nur an bas Jugendfefretariat Berlin SB 68, Lindenstraße 3 Achtung, SSG.- Gruppen! Die neue Nummer des Roten Schüler" kann abgeholt werden. für Groß- Berlin plak: Connenburger ftets an bas Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten vom Künstlerabend in Gaafbau Friedrichshain heute abend mit dem Kreiskaffierer abrechnen. 14. Areis Neukölln. SPD. Freidenkerfraktion: Heute Buntt 19% Uhr an cher bekannten Stelle erfcheinen. 19. Areis Bantom. Montag, 2. Februar, 191 Uhr, bei Meyer, Türkisches Belt, Breite Straße, Arcisdelegiertenversammlung. and o Heute, Freitag, 30. Januar. 24. Abt. Alle verheirateten Genoffen, die langfristig erwerbslos sind, können fidy zweds Unterstützung bei der Genoffin Ritte, Winsstr. 54, melden. 101. Abt. Treptow. 19% Uhr in der Spedition, Graeßftr. 50, Bildungsausschußfikung. 120. st. Friedrichsfelbe. Alle Wohlfahrtspfleger unserer Abteilung beteiligen fich heute um 19 Uhr an dem Rurfus für Wohlfahrtspfleger im Rathaus. Möllendorfstraße, Rimmer 25. 143. Abt. Waidmannsluft. Treffpunkt für Teilnehmer an der Kreisversamm. lung( Fußgänger) 19 Uhr Waidmannstraße, Ecke Nach der Höhe. Morgen, Sonnabend, 31. Januar. 48. t. b 18 Uhr Abrechnung bei Keller, Fürstenstr. 1. 108. und 108a. Abt. 18 Uhr Ausgabe der Sandzettel für die Bersammlung am Heute, Freitag, 19% Uhr. Arlonaplah: Elifabethfiraftt. 19: Die GA3. in der Partei".. Gewert schaftshaus: Köpenider Str. 92: Mitgliederversammlung. Köllnischer Park: Waisenstr. 18: Wirtschaftsdemokratic" Oranienburger Tor: Tiedstr. 18: Regierungsformen: Demokratie Diktatur". Rosenthaler Borstadt: Elisabethkirchstraße: Brobe. Rentrum: Landsberger Str. 50: Mitgliederversammlung. Sansa: Bochumer Str. 8b: 10- Minuten- Referate. Moabit I: Waldenserstr. 20: Bolitisch- fatirischer Abend. Moabit II: Lehrter Str. 18-19: Proletarischer Schutzbund oder Reichsbanner?" Beften: Genthiner Ctr. 17: „ Rassenfragen". Arnimplah: Connenburger Str. 20: Grundsäge und Risfe des Sozialismus". Arnswalder Vlak 1: Rastenburger Str. 16:„ Die Frau im dritten Reich". Ballan: Mandelstr. 2: Eoziales Wandern". Kalt Str. 20:§ 218". Helmholtplaz: Danziger Str. 62: Tagespolitische Fragen". Sumannplah: Gleimstraße:„ Tagespolitik". Nordosten 1: Danziger Str. 62: Die deutschen Parteien". Andreasplak: Brommnftr. 1: Die verfassungsmäßigen Rechte des Freidenkers". Balten. plag: Tilfiter Str. 4-5: Proletarische Behrhaftigkeit". Frankfurter Viertel: Friedrichshain: DiestelmenetFrankfurter Allee 307: Funktionärversammlung. straße 5-6: Arbeitsgemeinschaft. Warschauer Viertel, R. F.: Litauer Str. 18: Wie entstand die Frauenbewegung?" Sallesches Tor: Waffertorstr. 9: Funktionärversammling. Schöneberg I: Sauptür. 15: Bölkerbund". Schöneberg IV: Sauptstr. 15: Seiterer Abend. Schöneberg V: Sauptfte to Humor und Gatire... Charlottenburg: Rofinenstr. 4:„ Das faschistische Stalien". Lankwig: Besuch der Werbebezirksvera ftaltuna. Treffpuntt 19 Uhr Bahnhof Lantwis. Reuteln 1: Gander. Ede Sobrechtstraße: Funktionärsizuna. Reuteln II: Steinmenstr. 94: Arbeitsgemeinschaft. Neukölln VII: RaiserFriedrich- Straße: Arbeitsgemeinschaft. Renkeln VIII: Rütlischule:„ Spigelarbeit der Kommunisten". Neukölln IX: Echierkestraße: Funktionärsigung. Neukölln XI: Flughafenftr. 68: Probe. Johannisthal: Rathaus: Arbeitsdienstpflicht" Schöneweibe: Berliner Str. 31: Sozialismus und Kirche". Treptow: Wildenbruchstraße: Tagespoliti!". Köpenid 1: Grünauer Str. 5: „ Arbeitsdienstpflicht und SAZ." Köpenid II: Dahlwiger Str. 15: Die NSDAP." Faltenberg: 18 Uhr Bhf. Grünau. Besuch des Films in Köpenid. Lichten. Baumschulenweg: Ernststr. 16: Jugend und Wartei". Lichtenberg. berg- Mitte: Scharnweberstr. 29: Das Arbeitslosenproblem". Rord: Gunterstr. 44: Mitgliederversammlung. Lichtenberg- Nordwest: Doffeftraße 22: Mitgliederversammlung am 6. Februar. Hermsdorf: Roonstraße ( Feuermehr): 8wed unb Riel der SA3." Reinidendorf- Dit: Lindauer Str. 1: „ Die Entwicklung Berlins". Niederschönhausen: Lindenstr. 47: Nationalfozialismus Faschismus". Neukölln III: Revue verlegt, Brettspielabend. mittags nach Birkenwerder zur Gründungsfeier. Pflichtantreten. 15 Uhr Bhf. Birkenwerder Antreten für alle Kameraden. Jungba 10 Uhr Bhf. Gesundbrunnen aur Fahrt nach Heiligensee. Treptow( Ortsverein): 9 Uhr Treffen aller attiven Rameraden auf dem Schießplah Friedrichsfelde. Festes Schuhzeua anziehen. Bundeskleidung. Wassersportabteilung, Rua Oberfpree: Waldläufer 10 Uhr Bootshaus Wendenschloß. Kreis VII, Bezirk Bernau: Aufmarsch in Birkenwerder Ortsvereinsgründung. Antreten 14 Uhr Bhf. Birkenwerder. Bernau: 12 Uhr Antreten im Bereinslotal in Bundeskleidung aur Fahrt nach Birkenwerder. Reichstartell Republik. Spotiplak Friedrichsfelbe. Conntag, 1. Februar, ab 10 Uhr, findet auf dem organisationseigenen Schießplat in Friedrichsfelde am Die BeUpstallweg ein Mannschafts- Einzelferien- und Breisschießen statt. bingungen find den Funktionären bereits zugegangen.- Köpenid: Sonntag, 1. Februar, ab 9% Uhr, Uebungsschießen im Wilhelmshof, Nähe Bahnhof Hirschgarten. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin 1892. Conntag, 1 Februar, Besichtigung des Preußischen Landtags. Führung: Landsmann S. Peters, M. d. L. Treffpunkt 11 Uhr Prinz- Albrecht- Straße. Um 19 Uhr gemütliches Beisammensein in der Eaststätte Bilsator am Rottbusser Tor, Koitbuffer Straße 28. Brecht- Bund. Berufsschule Georgenstr. 30-31, 20 Uhr. Thema:„ Die Ephäre des Erfolges". Bortrag und Aussprache. Gäste mommen. Eintritt frei. Bolts- Feuerbestattungsverein. Der neue Werbefilm„ Memento mori!" wird in der Spielwoche vom 30. Januar bis 5. Februar in folgenden Berliner Kinos vorgeführt: Moabiter Gesellschaftshaus. Alt- Moabit: Splendid- Kino, Charlottenburg, Kaiserdammi Die Besucher dieser Vorführungen brauchen beim Eintritt in den Berein teine Aufnahmegebühr bezahlen. Bereinigung der Freunde von Religion und Bölkerfrieden. Genoffe Pfarrer Bleier spricht am Sonntag, 1. Februar, 10 Uhr, in der Trinitatiskirche in Charlottenburg im Rahmen einer religöfen Feierstunde über das Thema„ Das Recht auf Arbeit". Deutsche Katteen- Gesellschaft, c. B., Ortsgruppe Berlin. Montag, 2. Fe bruar, 19% Uhr, Lichtbildervortrag im Restaurant Wilhelmshof, Anhaltstr. 12. Gäste herzlic) m'ufommen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinter. blicbenen, Ortsgruppe Oberspree. Bersammluna am 3. Februar, 20 Uhr, im Restaurant Bum Kritger", Berlin- Niederschöneweide, Berliner Str. 110, Cde Fennstraße. Bezirk Zentrum: Montag, 2. Februar, 20 Uhr, findet im Hadr faen Hof, Rosenthaler Str. 40-41, die Monatsversammlung statt. Referat Schriftsteller Gerhard Grindel: Kriegsliteratur". Eng ish Conve Sational Club founded 17. Meetings every Friday 8 p. m Café König, Leipziger Str. 117/118. Lecturer: Mr. Marx on: My trip to BuenosAires. Guests, Ladies& Gentlemen, are welcome Bekleidungswochen! Nachdem die Preise einen Tiefstand erreicht haben, wie er seit Jahren nicht festzustellen war, tritt die altbekannte Firma Baer Sohn A. G., die seit länger als 40 Jahren in der Chauffeestraße 29/30 in Berlin ihre Niederlassung hat, mit Sonderwochen hervor, die sie als Bekleidungswochen bezeichnet. Es sind Frühjahrssachen der neuesten Mode neben praftijchen Strapazier fachen ausgestellt. In der Maßabteilung sind neueste Schöpfungen deutscher Tuchweber zu besichtigen. Maßanfertigung erfolgt zu sehr mäßigen Preisen. Die billigen Stoffpreise sind für jeden erschwinglich. In der Wäscheabteilung werden während der Bekleidungs: wochen weiße Waren zu sehr niedrigen Preisen zum Verkauf fommen. Vorverkauf am Freitag, dem 30., und Sonnabend, dem 31. Januar. Die alte Spezialfabrik Semmler u. Bleybera. A.-G., Berlin S. 14, Dres: bener Str. 98-100, hat zum diejährigen Ausverkauf einen besonders schmere: und gutgebauten Gasbratofen mit weißemaillierter Tür und mit Ridelrand im Breise sehr herabgefest, derfelbe toftet mit 45 m. Die Weiße Woche bei Wertheim ist der größte Eonderverlauf des Jahres von Wäsche, Wäscheftoffen, usw. den die Firma schon im Jahre 1898 nach dem Vorbild Pariser Barenhäuser hier eingeführt hat. Auch in diesem Jahre, bringt die Firma Wertheim der wirtschaftlichen Lage entsprechend in ihrem Eander verkauf alle Arten Leib- und Hauswäsche, Wäschestoffe ufm. au fehr billigen Breisen zum Verkauf. In geschmackvoll modernster Aufmachung liegen alle die einfachen und eleganten Wäschestücke in reicher Auswahl aus und geben einen Ueberblick von all den Waren, die das Herz eines jeden Käufers erfreuen werden. Diese vorteilhafte Raufgelegenheit sollte niemand verabsäumen. Verantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Lofalce R. 8. Döscher: Feuilleton: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buddruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Beriin 62 68, Lindenstraße 3. Sierzu 3 Beilagen und Stadtbeilage". BESSER ESSEN WENIGER DAFÜR AUSGEBEN BESSER ESSEN WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURCH KARSTADT- LEBENSMITTEL KONSERVEN KOLONIALWAREN Karotten geschn......, Ds. 0.27 Schnittbohnen...... Ds. 0.38 Ds. 0.38 Gemüse- Erbsen....., Ds. 0.50 Junge Erbsen......., Ds. 0.54 Jg.Erbsen m.gschn.Kar.1, Ds. 0.50 Jg. Erbs.mittelf.m. Kar. 1, Ds. 0.68 Prinzeßbohn. mittelf. 1, Ds. 0.80 Reineclauden...... Ds 0.78 Kirschen mit Stein.... Ds. 0.95 Mirabellen ..... Ds. 0.98 Singapore- Ananas. Ds. 0.95 Brechsparg.lg.Abschn 1, Ds 1.75 Spargelköpfe grün mittel/ Ds 2.10 Stangenspargel dünn, Ds. 1.85 Stangenspargel 50,60%, Ds. 2.10 Vierfr.-Marmel.ca. 2 Pfd.- Eim. 0.90 Pflaumenmus ca. 2 Pfd.- Eim. 0.95 Johannisb.- Marm. ca. 2 Pfd.- Eim. 1.00 Aprik.- Marm. ca. 1 Pfd.-Gl. 0.50 BUTTER UND KASE ....... Molkereibutter..... Tafelbutter..... Dänische Butter Z Bratenschmalz Margarine.... Cocosfett Pfd. 1.48 Pfd. 1.56 Pfd. 1.70 Pfd. 0.70 Pfd. 0.40 O Pfd. 0.40 Finn Schweizer.45% Pfd. 1.18 Dän. Schweizer 30% Pfd. 0.84 Geheimratskäse Pfd. 1.20 Volifetter Brie.... Pfd. 0.88 Tilsiter 0. Rinde 20% Pfd. 0.70 Limburger.. 400 Pfd. 0.88 Fromage bleu extra Pfd 1.60 Camembert vollfett Schtl 0.18 Harzer Käse Pfd.- Pak. 0.36 BESSER 0 ESSEN Pfd. 0.20 Pfd. 0.23 Burma- Reis Bassein- Reis Weizenmehl 000... Pfd. 0.22 Wiener Ausz.- Mehl 5 Pfd. 1.35 WB. Bohnen, Lins., Erbs. an Pfd. 0.18 Eier- Schnittnudeln.. Pfd. 0.46 Hartgrieß- Makkaroni Pfd. 0.48 Eier- Fadennudeln.... Pfd. 0.48 Birnen Kalifornische Pfd. 0.50 Pflaumen.. an Pfd. 0.28 Ringäpfel ..an Pfd. 0.85 Sultaninen. an Pfd. 0.48 Mischobst......... an Pfd. 0.40 Kaffee frisch geröstet an Pfd. 1.90 .0. DELIKATESSEN Celsardinen... 2 Ds. 0.85 Franz.Sardinen.. Ds. 1.00 Fettheringe.. Ds. 0.75, 0.55 Jap. Krebs. Ds. 2.25 Gabelbissen.... Ds. 0.65 Gurkensl. 2 Pfd.-Ds. 0.95, 1 Pfd.-Ds. 0.65 Salzgurken Ds 8 Stck. 0.70 Senfgurk. 2 Pd.-D. 0.95, 1 Pd.-D. 0.55 la Ital. Salat.., Pfd. 0.55 la Heringsalat m. Mayn. Pfd. 0.45 la Mayonnaise 1, Pfd. 0.60 Fettbücklinge... Pfd. 0.26 Schellfisch geräuch. Pfd. 0.38 Sprotten ca. 1 Pfd.- Kst. 0.40 KONFITUR EN Kokosmakronen..... Pfd. 1.00 Halbmondkeks m. Schok. Pfd. 1.00 Teegebäckmischung Pfd. 1.00 Baumkuchenspitzen. Pfd. 1.60 Russisches Brot...... Pfd. 1.80 Brustkaramellen..... Pfd. 0.50 Malzbonbon......... Pfd. 0.50 Bienen- Bonbon...... Pfd. 0.50 Haushalt- Kakao.... Pfd 0.56 Vollm.- Bruch.- Schok. Pfd. 1.00 Burgm.Vollm Krok Schok. 100 gr 0.25 Burgm. Milch- Nuß- Block 100 gr 0.25 Burgm. Milch- Block- Schk. 100 gr 0.25 Burgm. Erkania Pral. 125 gr 0.50 KARSTADT- LEBENSMITTEL OBST UND GEMUSE Apfelsinen......... 5 Pfd. 0.88 Blutapfelsinen...... 3 Pfd. 0.70 Jaffa- Apfelsinen... 3 Pfd. 0.98. Mandarinen Pfd. 0.32 Kochäpfel Pfd. 0.32 Almeria- Wein....... Pfd. 0.52 Blumenkohl...... Kopf an 0.30 2 Pfd. 0.35 Rosenkohl Rot- Weiß-, Wirsingk. Pfd. 0.06 Möhren, gewaschen..Pfd. 0.05 Blattspinat......... 2 Ptd. 0.55 Zitronen. Dtzd. an 0.30 Eier, russische, 10 Stück 0.88 Trinkeier. an 10 Stück 1.05 FRISCHE FISCHE Kabeljau o.Kopf im Gz. Pfd. 0.20 Schellfisch m. K. im Gz.. Pf. 0.22 Seelachs o. Kopf, im Gz. Pfd 0.20 Rotbars ohne Kopf. Pfd. 0.30 Kabeljaufilet......... Pfd. 0.34 Grüne Heringe..... 3 Pfd 0.42 Lebende Plätzen. Pfd. 0.35 Unsere Frischfleischabteilung führt hochwertige Qualitäten zu billigsten Tagespreisen Leichtverderbliche Ware ist vom Versand ausgeschlossen Zusondung nur bei Bestellung von Mk. 5.00 an • GEFLÜGEL U. WILD Suppenhühner.... an Pfd. 0.92 Wolgahühner..... an Pfd 0.92 .... an Pfd. 0.98 Poulets Junge Enten...... an Pfd. 0.82 Mast- Puten..... an Pfd. 0.90 Frische Gänse..... an Pfd. 0.90 Hirschkeule..... an Pfd. 1.15 Hirschrücken an Pfd. 0.95 Rehkeule .... Pfd. 1.80 an Pfd. 1.08 Rehblatt Wildschweinkeule an Pfd 1.10 Hasen gestr., ausgew. an Pfd. 0.74 Gänse gefroren WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURCH an Pfd. 0.76 KARSTADT WEINE U. SPIRITUOSEN Frankf. Apfelwein.... Ltr. 0.65 Frankenweil. 10 Ltr. 7.50, Ltr. 0.80 Diedesfelder 10 Ltr. 10.50 Ltr. 1.10 Niersteiner.10 Ltr. 12.00 Ltr. 1.25 Tarragona. 10 Ltr. 10.00 Ltr. 1.05 Samos...... 10 Ltr. 10.50 Ltr. 1.10 Malaga...... 10 Ltr. 11.50 Ltr. 1.20 Wermut.... 10 Ltr. 10.50 Ltr. 1.10 Douro Portw. 10 Ltr. 17.50 Ltr. 1.80 Heidelbeerw. 10 Ltr 9.50, Ltr. 1.00 Rein.Weinbr.Spez.Ltr.m Fl. 4.80 Weinbr. Verschn.., m. Fl. 3.15 Alter Korn 38% 1 Ltr. m. Fl. 3.75 Ungsteiner( Rotwein) m. Fl. 0.90 29er Hambach. Galg. m. Fl. 1.10 28er Wintringer m. Fl. 1.25 28er Gimmeldinger m. Fl. 1.40 Obstschaumwein m. Steuer Fl. 1.25 Halb und Halb, Ingwer FI. 2.95 WURSTWAREN Fr. Blut- u. Leberwurst Pfd. 0.68 Hausm. Leberwurst.. Pfd. 0.88 Bauernleberw. i. Rg.. Pfd. 1.18 Feine Leberwurst..... Pfd. 1.25 Sülzwurst... Fleischwurst Jagdwurst... Bierwurst Filetwurst.. Pfd. 0.78 Pfd. 0.90 Pfd. 1.10 Pfd, 1.48 . Pfd 1.58 Pfd. 1.18 Pfd. 1.18 Streichmettwurst Schinkenpolnische Schweinebacken ger. Pfd 0.78 Speck feit Pfd. 0.78 Dampfwurst...... Pfd. 0.73, 0.98 Wiener Würstchen. Pfd. 1.15 LEBENSMITTEL S Rr. 49 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts China und die Weltwirtschaft. Amerita im Wirtschaftsaufbau Chinas voran. Die fortschreitende Feftigung der politischen Berlin Kanada. Infolge des Mißverhältnisses zwischen Angebot und hältnisse in China hat nicht in allen Industrieländern das Inter- Nachfrage sant der Silberpreis im Laufe des Jahres 1930 effe an dem gewaltigen von 440 Millionen Menschen bevölkerten um etwa ein Drittel, und dementsprechend wurde auch die auf dem Martt aufs neue machgerufen. Der deutschen Industrie Silberwert aufgebaute chinesische und die indische Währung enttommission, die im vergangenen Jahr China besucht hat, ist wertet. cinige Monate später eine englische gefolgt. China befindet fich, wie dieser Tage der japanische Premierminister ausdrüfte, auf dem Wege, sich ähnlich zu entwickeln wie vor wenigen Jahrzehnten Japan In der Stüßung des Silberpreises liegt somit auch die Vorbedingung für eine Kräftigung des chinesischen Marktes. 01 Freitag, 30. Januar 1931 soll sich dem Bericht zufolge, im lezten Jahr bedeutend verringert haben. So soll die Preisspanne bei den Webereien am Jahresende um fast 10 Pro3. geringer gewesen sein, als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Jahre 1924. Diese Angaben des Unternehmerverbandes über die Spinnerei- und Webereispannen bedürfen allerdings noch einer sehr gründlichen Nachprüfung. Großen Umfang nimmt in dem Bericht die Frage der Probuktionskosten und ihrer Verbilligung ein. Dagegen wird die wesentlichste Frage für die Textilindustrie, die Stärkung der Massentaufkraft, überhaupt nicht angeschnitten, weil sich die Textilunternehmer dann, wenn sie ehrlich sind, sagen müßten, daß die Don ihnen betriebenen Lohnabbaumaßnahmen das Unsinnigste und Schädlichste gegen ihr eigenes Interesse darstellen, was sich nur denken läßt. Intereffiert an der Stützung des Silbermarktes find natürlich Weizenzoll und Zuckerpreis. Die stärkste Aktivität bei der wirtschaftlichen Erschließung nicht nur Indien und China als die beiden wichtigsten Silberentfalten aber die Vereinigten Staaten von Nordamerika. währungsländer, nicht nur die silbererzeugenden Wie bereits in den ersten Nachkriegsjahren, so fängt man auch Gesellschaften der Vereinigten Staaten, Kanadas und Meritos, son jetzt wieder in den Vereinigten Staaten an zu berechnen, welche Bedern natürlich auch diejenigen Länder, die am Ausbau der Wirts tätigungsmöglichkeiten die chinesischen Ausbaupläne auf schaftsbeziehungen mit China das Hauptintereffe haben. Daß unter dem Induſtrie und dem Verkehrsgebiet dem amerikanischen diesen Umständen die Amerikaner Schritte zu einer internationalen Silberpreisstüßung unternehmen Rapital bieten. würden, lag nahe. China verbraucht gegenwärtig jährlich mehr als 100 Milliarden Zigaretten. Die British American Labacco Co. und andere amerikanische Konzerne versuchen, den chinesischen Bedarf meiter zu steigern und rechnen damit, daß die jetzigen Abfazziffern in wenigen Jahren verdoppelt werden fönnen. Ebenso hoffen die großen amerikanischen otomotiv, Waggon- und Auto. mobilfirmen auf eine starke Erweiterung der. Abjagmöglich teiten in China. Das Riesenreich verfügt zurzeit nur über etwa 40 000 Automobile und über 60 000 Kilometer brauchbarer Straßen. Parallel mit dem sich vermehrenden Automobilgeschäft würde auch der Abfaz von Benzin und anderen Delerzeugnissen start anwachsen. Bon 1900 bis 1929 stieg die chinesische Einfuhr von 3 auf 240 Millionen Gallonen. Zurzeit verfügt China über nicht viel mehr als 13000 Kilometer Eisenbahnstrecken, wovon sich zwei Fünftel allein in der Mandschurei befinden. Die Amerikaner schäßen, daß im Laufe der nächsten zehn Jahre, eine weitere politische und wirtschaftliche Festigung Chinas vorausgeseßt, ein Bedarf nach dem Bau weiterer 150000 Kilometer Bahnstreden gebeft merden muß. Die Hoffmmgen der. Amerikaner auf die Entwicklungsmöglich feiten des chinesischen Marktes find groß. Diesen Hoffnungen ents sprechen auch die großen Kapitalanlagen, die die Amerifaner in den letzten Jahren in China gemadt haben. Ende 1929 belief sich der Wert der unmittelbaren Anlagen amerikanischer Unter nehmungen in China auf etwa 600 millionen Mart. Faft ein Drittel dieser Sumune entfiel auf Benzinlager, Tankstellen und andere Delanlagen. Diesen Tatsachen steht aber gegenüber, daß das Jahr 1930 eine erhebliche Berringerung der amerikanischen Warenausfuhr nach China gebracht hat. Die hungers not in den chinesischen Nord westprovinzen ist an diesem Rückgang nur teilweise schuld. Bon großer Bedeutung ist vor allem die Unterhöhlung der chinesischen Währung durch den Sturz der Silberpreise. Die chinesische Währung ist nicht auf Gold, sondern auf Silber aufgebaut. Die Ursachen für den Sturz der Silberpreise liegen einmal in der Vermehrung der Silberproduktion, andererseits in dem allgemein start verminderten Silberverbrauch der Welt Es gab vor dem Kriege noch verschiedene europäische Länder, die neben auch die hatten, heute Europa allgemein geworden. Ferner Eine amerikanische Senatstommission hat einen Blan ausgearbeitet, China einen umfangreichen Silberkredit zu gewähren., Dadurch würden einmal die Bereinigten Staaten einen Großen Abfluß ihrer Silbervorräte erfahren, und zweitens soll die chinesische Kauffraft durch diesen Kredit um etwa 1 Milliarde Mart gestärkt werden. Die Chinesen find freilich über den Nußen einer solchen Anleihe geteilter Ansicht, und der Schazkanzler der Nanting Regierung und andere Regierungsmitglieder find der Meinung, daß China schon heute über ausreichend Silber verfüge und daß der ganze Plan nur darauf hinauslaufe, die amerikanischen, kanadischen und merikanischen Silberminen von ihren sonst nicht absetzbaren Lagervorräten zu befreien. Er meint, man müsse andere Maßnahmen ergreifen, um das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber wieder neu zu ordnen. Eine solche andere Maßnahme empfiehlt der Amerikaner A Bassett, der führende Kopf der BritishAmerican Tabacco Co., der vorgeschlagen hat, die Vereinigten Staaten sollten sich einen Teil der von den europäischen Ländern zu zahlenden Kriegsschulden nicht in Gold, fondern in Silber auszahlen lassen. Der hierdurch einDer hierdurch ein tretende Mehrbedarf an Silber würde ausreichen, um den Silberturs wieder rasch ansteigen zu lassen. Ein weiterer Vorschlag geht von einer der größten filbererzeugenden Gesellschaften aus, von der American Smelting and Refining Co., deren VorAmerican Smelting and Refining Co., deren Vorfigender F. H. Brownell einen Plan ausgearbeitet hat, der folgendes vorsteht: Die Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs, Kanadas und anderer Länder sollen vereinbaren, in der nächsten Zeit teine Silberabgabe mehr zuzulassen. Auf diese Weise würde der Silberpreis sehr rasch infolge des künstlich eingedämmten Silberangebots in die Höhe gehen. Parallel zu diesen verschiedenen Blänen, in deren Mittelpunkt immer die Frage der Silberwährung steht, werden in Amerika noch andere Anleihen an Ching projektiert. in Amerika noch andere Anleihen an China projektiert. Bor einigen Wochen wurden Pläne der kanadischen Regierung bekannt, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten China eine große Anleihe zu gewähren, durch die China in die Lage gefeßt werden foll, große Weizentäufe in Kanada und den Bereinigten Staaten vorzunehmen. Ende vergangenen Jahres hörte man, daß der juristische Berater der Ranting- Regierung, der Amerifaner Line, nach den Vereinigten Staaten gefahren sei, um über Millionen Dollar Die Kartoffel verdrängt das Brot immer mehr. Die fozialdemokratische Reichstagsfraktion legt dem Reichstag eine Entschließung vor, die von der Reichsregierung eine Senfung des Weizenzolls und eine Herabsetzung des Zuckerhöchstpreises auf 18 Mark verlangt. Im April vorigen Jahres wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten die Regierung ermächtigt, die Zölle für Brotgetreide so festzulegen, daß im Jahresdurchschnitt der Weizenpreis 260 Mark und der Roggenpreis 230 Mart betragen sollte. Diese Richtpreise sind für Roggen nie erreicht worden. weil unsere Ernie den Bedarf weit übersteigt. Dagegen gelang es, für Weizen, von dem wir einen guten Teil der zur Bedarfsdedung notwendigen Menge einführen müssen, durch Steigerung des Zolles auf 25 Mart je Doppelzeniner und die Festlegung des Vermahlungszwanges auf 80 Broz seit der letzten Ernte den Preis bis auf 265 Mart zu erhöhen. Der Weizen kostet jetzt in Deutschland rund dreimal so viel wie in England, der Roggen doppelt so viel wie z. B. in Polen. Die Weizeneinfuhr ist durch den hohen 3oll herabgedrückt worden, die inländischen Vorräte werden von Monat zu Monat fnapper, aber immer noch hört man nichts von einer definitiven Herabfeßung des Vermahlungszwanges, ganz Man scheint in zu schweigen von einer Senkung des Zolles. Kabinett der Meinung zu sein, die Preise in den fommenden Monaten ruhig auf 280 bis 300 Mark klettern zu lassen, um so auf einen Jahresdurchschnittspreis von 260 Mart zu fommen. Abgesehen von dem wirtschaftlichen Wahnsinn, in Krifenzeiten die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe zu treiben, werden sich die Landwirte, wenn jetzt durch) Beibehaltung des hohen Zollsages der Weizenpreis weiter steigt, ins eigene Fleisch schneiden; denn sie vergessen bei ihren Forderungen nach Beibehaltung des Richtpreises, daß wir jetzt 4% Millionen Arbeitslose haben, gegen 2,9 millionen Arbeitslose im April vorigen Jahres, also zu der Zeit, als die Richtpreise für das Brotgetreide festgesetzt wurden. Wie stark die Arbeitslosigkeit auf den Beizen und Roggenkonsum einwirkt, geht aus Aeußerungen Mühlen hervor, die über die Einschränkung des Mehlverbrauchs befragt worden sind. Mag man die Meldungen der Müller aus Ostpreußen, Pommern, Berlin, Bremen oder Hessen lesen, alle schätzen den Minderverbrauch bei Weizen auf 30 proz., bei Roggen auf 10 bis 30 Pro3. Als Gründe hierfür werden neben dem Brotgeset, dessen absatzhindernde Wirkung an dieser Stelle schon oft hervorgehoben worden ift, der Bermahlungs3mang von 80 Proz. Inlandsweizen angegeben. Durch ihn ist das Weizenmehl qualitativ so schlecht geworden, daß die Bäcker kein anständiges Gebäck aus diesem Mehl mehr herstellen fönnen. Würde man den Vermahlungszwang auf so fönnte Bäcker viel besseres WeizenDie ausſchließliche Goldwährung wähemes baton, but it inet haben Sweden des Aufbaues ber dinesischen Snouſtrie gebäd herſtellen. Der Hauptgrund für den Ridging des Brotcine Reihe von Ländern den Feingehalt von Silber für Scheide münzen herabgefeßt, so u. a. England im Jahre 1921. Man hat er rechnet, daß allein durch diese englische Maßnahme seit 1921 ein Minderbedarf von rund 70 Millionen Unzen ( 1 englische Unze 28,3 Gramm) verursacht worden ist. Ferner ist anzunehmen, daß infolge der Weltkrise auch der Silberbedarf für die Schmuckwarenherstellung einen starten Rückgang erfahren het Bon entscheibender Bedeutung für den Silberpreis- Rüdgang der Jahre 1929 und 1930 waren die umfangreichen Silber. verkäufe der englischen Regierung. Troß des rückgängigen Silberbedarfs ist aber die Silber produktion weiter gestiegen, am stärksten in den asiatischen Gebieten, in Mittel- und Südamerifa und in der letzten Zeit auch zu verhandeln; auch dies Anleiheprojekt war mit der Silberstützung verknüpft. Schließlich sei daran erinnert, daß der Kreuger Konzern, der ja schon an vielen Staaten als Gegenleistung gegen das Zündholzmonopol umfangreiche Anleihen vermittelt hat, der Ranting- Regierung das Angebot gemacht haben foll, gegen 3ufiche ung des 3ündholzmonopols in allen von der Nanking Regierung beherrschten Teilen Chinas eine Anleihe von 100 Miilionen Dollar zu gewähren. Man wird die weitere Entwicklung dieser und ähnlicher Projekte auch in Europa mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen haben, denn die wirtschaftliche Stabilisierung des chinesischen Reichs fann denn die wirtschaftliche Stabilisierung des chinesischen Reichs fann auf lange Sicht zu einem wichtigen Hebel zur Lösung der Weltwirtschaftsfrije werden. A. Franke. fonsums wird aber in der gesteigerten Arbeitslosigkeit gesehen. Be fonders wirkt sich die verminderte Kauffraft der Bevölkerung im Weizenmehlrerbrauch aus, aber auch der Roggenbrotkonsum geht von Tag zu Tag zurück und statt dessen werden die billigeren Kartoffeln bevorzugt, die mit Fett zubereitet als Erjaß für Brot dienen müssen. Aus diesem Urteil der Mühlen geht die Nutzlosigkeit der Ueberspannung der Zwangsverbrauchsgesetze und Zölle hervor. Der Reichsernährungsminister täte gut daran, wenn er verhindern will, daß der Absatz der Landwirtschaft an Brotgetreide noch mehr zurüdgeht, schleunigst für eine Senfung, statt für eine Erhöhung des Preisniveaus zu sorgen. Neue handelspolitische Attacken. 14 Proz. Siemens- Dividende. Belenen frang, to feiern, thn diefe hohen Geishabschlüsse der Kreuzaufrichtung gegen die„ Beltzentrale der Gottlosen". So sieht die Not der Elettrofonzerne aus. Mnmittelbar nach dem gestern betanntgegebenen Gewinnaus weis der AEG. veröffentlicht jetzt der Siemens- Konzern feinen Abschluß für das am 30. September beendete Geschäftsjahr 1929/30. och stärker als bei der AEG. tommt bei Siemens zum Ausdrud, daß die beiden größten deutschen Elektrokonzerne die wirt. fchaftliche Depreffion fehr gut überstanden haben. 11. Die Schwachstromgruppe des Konzerns, Siemens Halste A.-G., weist einen Reingewinn von 16,4 millionen gegen 18,7 millionen Mart im Vorjahr aus. Die im vergangenen Jahr zum ersten Male feit der Inflation ausgeschüttete Rekorddividende von 14 Pro3. wird auch diesmal wieder ausgezahlt. Der Aufsichtsrat erhält für seine mühselige Tätigkeit die runde Summe von 560 000 Mart. beiden Elettroriesen. Beröffentlichung Nach des Geschäftsberichtes und der Bilanz fommen wir auf den Siemens Abschluß noch näher zurüd. Die Not der Textilarbeiter. Auf der Hauptverfanmmlung der Rheinischen Land. mirtschaftstammer richtete der Vorsitzende, der rechtsagrarische Freiherr von Luenind, neue Angriffe gegen die Handelspolitit. Wenn die Landwirtschaft auch teineswegs sämtliche Handelsverträge beseitigen wolle, so müsse man sich doch gegen das System der allgemeinen Meistbegünstigung wenden und In der Baumwollindustrie nur 30 Proz Bollbeschäftigte. weiterhin jede Stabilisierung des gegenwärtigen Standes der Zollsäge, wie sie das Bollfriedensablommen will, grund. Aus dem jetzt vorliegenden Jahresbericht des Gesamtverjäglich vermerfen. Auf der Tagung wurde ein Beschluß bandes deutscher Baumwollwebereien wird er gefaßt, der fast grotest anmutet. Es wurde einem Antrag zufichtlich, daß 1930 eines der schwersten Krisenjahre für die deutsche geftifnmt, im Sigungsfaal der Landwirtschaftskammer ein Kreuz Baumwollindustrie überhaupt gewesen ist. anzubringen als öffentliches Bekenntnis zum Kreuz als dem Am trasfesten zeigen sich die Folgen der Depression auf dem Symbol aller gläubigen Christen. Es erscheine dies um so notArbeitsmartt. Von Januar bis Dezember 1930 stieg die 3ahl wendiger in einer Zeit, da sich fast widerstandslos die Weltder vollerwerbslosen organisierten Baumwollzentrale der Gottlofen ausgerechnetin der Reichsarbeiter von 9,4 auf 18,7 Pro3. Die Zahl der Kurzarbeiter hauptstadt festzusehen drohe. erhöhte sich zugleich pon 29,5 auf 50,5 Pro3. Während im Januar 1930 in der Baumwollindustrie noch über 61 Proz. der organisierten Belegschaft in Bollarbeit standen, waren im Dezember nur noch 30,8 Proz. voll beschäftigt, was am deutlichsten den erschredenden Ziefstand in der deutschen Baumwollindustrie fenn Die Starfsfromgruppe, Siemens- Schudert. Werte 2.-G., hat einen Reingewinn von rund 9,8 Millionen gegen 16,6 Millionen erzielt, aus dem eine Dividende von 7,5 Proz gegen 10 Pro3. gezahlt wird. Die Dividendenfum me, die in dem schwersten Krisenjahre der deutschen Wirtschaft an die Affio- zeichnet. näre des Siemens- Konzerns abfließt, beläuft sich auf insgesamt 22,4 millionen Mart. So sieht die Cage bei den führenden Konzernen der Berliner Metallindustrie aus, deren Vertreter dem Schlichter im Oktober erKlärten, daß ihre Betriebe nicht leben und nicht sterben könnten. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die Lohnfenfungsoffenfive der Berliner Metallinduftriellen im Oktober nicht wirt Kattigen Motwendigtelfen, fondern brutalen maghipolitiiges Die internationale Krise in der Baumwollindustrie wird in erster Linie auf den starten Preiseinbruch bei der Rohbaumwolle zurückgeführt, die im Laufe des letzten Jahres um 40 Proz. im Preise gesunken ist. Von dem Sturz der Rohstoffpreise find nach den Notierungen der Stuttgarter Handelsbörse auch die Garn und Gewebepreise mitgeriffen worden, die im Laufe des letzten Jahres um etwa 30 bis 33 Pro3. zurüdgegangen find. Auch die Gewinnspanne, die bie Spinnereien und Webereien bei der Weiterverarbeitung feftfeßen, A Wenn das der deutschen Landwirtschaft nicht hilft!? Der Handelsschiffbau der Welt. Nach dem jetzt erschienenen bau der Welt im Jahre 1930 auf 2,88 millionen gegen 2,79 MilJahresbericht von Lloyds Register stellte sich der Handelsfiff lionen Registertonnen. In England ist die Schiffbautätigkeit von 1,52 Millionen auf 1,47 Millionen Tonnen gesunfen, womit sich der englische Anteil am Weltschiffbau von 54,5 auf 51.2 Proz. verringert hat. Die Bauten in den Bereinigten Staaten wetsen dagegen eine fräftige Steigerung um 120 000 auf 240 000 Tonnen auf, womit sich der Anteil der Vereinigten Staaten am gesamten Schiffbau der Welt auf 17,5 Broz. erhöht. Die in Deutschland fertiggestellten Bauten sind mit 245 557 Registertonnen gegenüber dem vorhergehenden Jahr fast unverändert geblieben. Bemerkens mert ist, daß über die Hälfte hiervon für ausländische Rechnung gebaut wurde. Fünftage Woche beginnt! lis Zigarettenindustrie macht den Anfang. Gestern abend ist zwischen den beteiligten Verbänden der Unternehmer und der Arbeiter für die Zigarettenindustrie eine Vereinbarung für das ganze Reich getroffen worden. Diese Bereinbarung, die rund 28 000 Arbeiter umfaßt, bestimmt, daß ab 1. März in der Zigarettenindustrie im ganzen Reich die Fünftage woche zur Durchführung fommt. Die Löhne werden feilweise ausgeglichen. Statt bisher 48 Stunden wird von der Woche ab, in die der 1. März fällt, die Arbeitszeit nur noch 42% Stunden betragen. Die Löhne werden jedoch nicht im gleichen Verhältnis herabgesetzt, fondern es wird der Lohn für 45 Stunden gezahlt. Soweit Affordarbeit in Betracht kommt, erfolgt eine entsprechende Erhöhung der Akkordsätze. Die Arbeitswoche wird statt sechs fünf Tage betragen. Diese Vereinbarung macht endlich einen ernsthaften Anfang zu einer wirksamen Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Bemerkenswert an dieser Bereinbarung sind zunächst zwei Umstände: Die Zigaretten industrie befindet sich infolge der Steuererhöhung in einer wirt schaftlich sehr schweren Lage. Die Vereinbarung ist getroffen worden, um trotz dieser Schwierigkeiten Arbeiter entlassungen zu vermeiden. Der zweite Umstand, der hervorgehoben zu werden verdient, ist der teilweise ohnausgleich, der vereinbart worden ist, obwohl in der Zigarettenindustrie ein Lohnabbau, wie er bisher fast die Regel geworden ist, noch nicht vorgenommen wurde. Es findet also praktisch eine Erhöhung der Löhne statt. Wenn auch der Individuallohn des Arbeiters etwas sinten wird, wohl nicht ganz soviel wie die Einnahmeverminderung auf 45 Stunden ausmachen würde, weil bei den Affordarbeitern bei perfürzter Arbeitszeit mit einer Leistungssteigerung zu rechnen iſt so tommt im Endeffekt troßdem eine Steigerung der Gesamttauftraft der Arbeiterschaft der Zigarettenindustrie heraus. Statt einer qutomatischen Entlassung von Arbeitern werden diese in der Produktion bei teilweisem Lohnausgleich gehalten, wodurch eben die Gesamtkauftraft statt sich zu vermindern, gesteigert wird. So wenig wir sonst geneigt sind, den deutschen Unternehmern Lorbeerkränze zu flechten, denn man tann sich schmer etwas wirtschaftlich Rückständigeres vorstellen, wie das deutsche Unternehmertum in seiner Gesamtheit, so halten wir es doch für unsere Pflicht, die Tatsache rühmend hervorzuheben, daß eine Unternehmergruppe wie die der Zigarettenindustrie ihre unbestreitbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht einfach abwälzt auf die Arbeiterschaft und den Staat, sondern entschloffen ist, felbst Opfer zu bringen, wohl feines Nachweises mehr, daß der Weg, den die deutsche Wirt schaft seit mehr als einem halben Jahr geht, nicht zur Ueber windung, sondern zur tatastrophalen Berschärfung der Wirtschaftskrise führt. Unter dem Vorwand, die Selbstkosten zu senten, sind die Löhne überall abgebaut worden, zunächst die übertariflichen, dann, soweit dies bisher durch den Ablauf der Tarifverträge möglich war, auch die Tariflöhne. Der Leerlauf der Industrie ist aber dadurch nur gesteigert worden, was nicht eine Minderung, sondern eine Er höhung der Selbstkosten bedeutet. Wenn wir Mitte Januar 4% Millionen Arbeitslose halten, so haben wir Ende Januar die 5 Millionen sicherlich schon weit überfchritten. Dazu kommen Millionen Kurzarbeiter. Die Wirtschaft Die Zigarettenindustrie weist der gesamten deutschen Wirtschaft, ja muß ins Bodenlose fallen, wenn dieser Weg weiter begangen wird. der gesamten Weltwirtschaft den Weg zum Wiederaufstieg. Die Unternehmer hatten, obwohl die Berhandlungen noch nicht abgeschlossen waren, ab 15. Januar eigenmächtig einen Abbau der Lohnsäze um teilweise mehr als 20 Prozent vorgenommen. Besonders diese rigorose Maßnahme schlug dem Faß den Boden aus. Die von allen Arbeitern der drei Betriebe besuchte Bollversammlung, die gestern abend stattfand, beschloß nach der Entgegennahme des Berhandlungsberichtes durch den Genossen John vom Gesamtverband und nach kurzer Aussprache in geheimer Abstimmung einstimmig den Streit für heute, Freitag früh. Die Streifenden, die restlos organisiert sind, find fest entschloffen, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln den Kampf zu einem Erfolg zu führen. Sie erwarten von den Bauarbeitern die Unteritung in ihrem Abwehrkampf, der ihnen von den Unternehmern aufgezwungen worden ist. An dem Streik sind rund 300 Arbeiter, Kutscher und Chauffeure beteiligt. Polierbund in der Krise. Stabilität trotz großer Arbeitslosigkeit. In der außerordentlichen Generalversammlung des Bezirksvereins Berlin des Polier, Werf und Schachtmeisterbundes am Mittwoch in den Sophiensälen gab zunächst der Geschäftsführer Genosse Fäster einen Rückblick auf das Jahr 1930. Er zeichnete zuerit ein Bild von dem Umfang und den Ursachen der schweren Wirtlage im Baugewerbe. Genau wie die Bauarbei.er hatten auch die Poliere und Schachtmeister im vorigen Jahre ungehouer unter der Krise zu leiden. Selbst während der Monate, wo sonst im Baugewerbe Hochkonjunktur herrscht, waren in Berlin ständig rund 200 Mitglieder des Bundes, das sind fast 20 Prozent, it e1= lungslos. Heute wird in Duisburg unter dem Vorsiz des Oberbürger- schaftskrise und beleuchtete dann besonders die Beschäftigungsmeisters Dr. Jarres dessen Name schon ein Programm ist wieder verhandelt über den Antrag der Bereinigten Stahlwerte, nach dem Lohnabbau von 7% Broz. einen weiteren Lohnabbau von 20 Pro 3. vorzunehmen, um angeblich die Stillegung von zwei Werken, in denen 7000 Arbeiter beschäftigt werden, zu vermeiden. Es liegt auf der Hand, daß den Herren im Stahlwerksverband sehr wenig daran liegt, zwei Werke mehr oder weniger stillzulegen. Das ist für diese Schwerindustriellen sozusagen ein Gewohnheitsrecht geworden. Worauf es den Poensgen und Boegler ankommt, ist, die finanziellen Schwierigkeiten, in die sie fich durch ihre wirtschaftliche Raffte Politit gebracht haben, durch einen ganz gewaltigen Lohnabbau zu überwinden. Herr Dr. Jarres, der mit seinem Oberbürgermeistergehalt gerade so auskommen tann und sich selbst gegen jeden Lohnabbau mehrt, ist der Meinung, daß die elend bezahlten Schwerarbeiter einen um 20 bis 25 Proz. zu hohen Lebensstandard haben. Für die Jarres, Boensgen und Co. muß er das Chaos fommen. Sie hoffen dann mit Hilfe des Faschismus unbeschränkte Herren im Deutschen Reich zu werden. Sie vergeffen allerdings, daß die deutsche Arbeiterschaft sich sehr schlecht als. Objekt für solche Pläne eignet. Sie vergessen außerdem, daß, rein wirtschaftlich gesehen, auch unter dem Faschismus die Schlöte rauchen müssen, wenn die Schwerindustriellen verdienen wollen. Mit dem Abbau der Löhne aber wird die Wirtschaft nicht angeturbelt, sondern sie muß automatisch zum Erliegen kommen. Das Beispiel der Zigarettenindustrie läßt uns hoffen, daß selbst in den Unternehmerkreisen die Wahrheit zu dämmern beginnt. Die Die Aussichten für eine bessere Beschäftigung sind leider auch für dieses Jahr nicht rofig. Es ist sogar zu befürchten, daß infolge der Kürzung der öffen lichen Mittel für den Wohnungsbau die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe noch größer sein wird als im vorigen Jahre. Von den in Arbeit stehenden Bundesmitgliedern wird daher erwartet, daß sie gegenüber ihren arbeitslosen Berufsfollegen noch mehr Solidarität üben als bisher und sich b= mühen, arbeitslose Poliere und Schachtmeister als Gesellen, und sei es auch nur für furze Zeit, in Arbeit zu bringen. Daß die Mitglieder des Polier, Wert- und Schachtmeisterbundes den Wert der Organisation gerade in Krisenzeiten erkannt haben, zeigt die Tatsache, daß der Mitgliederbestand fast unverändert geblieben ist. Gegenüber 1067 Mitgliedern Ende 1929 zählte der Bezirksverein Berlin am Schluß des Borjahres 1059 Mitglieder. Die Generalversammlung brachte ihr Einperständnis mit der Tätigkeit der Organisationsleitung dadurch zum Ausdruck, daß sie auf jede Diskussion über den Geschäftsbericht verzichtete. Die Neuwahl des Vorstandes ergab die einstimmige Wiederwahl der Genossen Mickelen zum 1. Vorsitzenden, Gähichmann zum 2. Vorsitzenden, Matthen zum 1. Schriftführer, wiederwahl der Genossen Scheibe zum 1. Kassierer und SomBerch zum 2. Schriftführer und gegen wenige Stimmen die mer zum 2. Kassierer. Bereinbarung bedeutet, daß fich endlich eine Unternehmergruppe frei Macdonald vermittelt im Textilkonflikt. gemacht hat von dem geistigen Terror, den die Schwer industrie bisher in Deutschland ausgeübt hat, und der allerdings oft um diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Es bedarf nicht nur geistiger Natur gewesen ist. KPD. als Streifbruchzentrale. Organisierte Arbeiter von ihr unter Druck gesetzt. Der Deutsche Buchbruderverband hatte zu Sonntag seine Mitglieder, die in der City- Druckerei beschäftigt sind, dem fommunistischen Betrieb, in dem unter anderem die Rote Fahne" gedruckt mird, zu einer Belegschaftsversammlung geladen, um ihnen die Stellung des Gauvorstandes zu dem Streit der Maschinenseher in der kommunistischen Druckerei auseinanderzusehen. Der Vorsitzende des famofen Betriebsrats, ein gewisser Kloppe, verlangte und erhielt, noch bevor der Vorsitzende die Stellungnahme des Gauvorstandes begründen konnte, das Wort zur Geschäftsordnung". R. wollte aber eine Erklärung verlesen. Als ihm bedeutet wurde, daß zunächst der Gauvorstand seine Stellungnahme den Mitgliedern bekanntgeben müsse, worauf diese selbstverständlich das Recht haben würden, ihre Meinung zu äußern, gab es den üblichen Krach und die Aufforderung, die Berjammlung zu verlassen. Es ist bezeichnend für den Terror, der in der kommunistischen Druderei herrscht, daß niemand es offen wagte, sich der Aufforderung zu widersehen. Darauf hat der Gauvorstand allen Mitgliedern eine Erklärung zugeschickt, die diese zu unterzeichnen haben, wenn sie nicht aus dem Verband der Buchdrucker ausgeschlossen werden wollen. Die Antworten, das heißt die Unterschriften, laufen nur zögernd ein. Wir erinnern daran, daß die Maschinensetzer aus Solidarität mit den fünfzig Entlassenen, und nachdem die Geschäftsleitung jede Verhandlung abgelehnt hatte, die Arbeit niedergelegt haben. Diesen Uff idealistischer Solidarität sucht die SPD. jetzt in den Schmuh zu treten, indem sie die Streifenden als aufgehegte Deserteure". bezeichnet, während die von ihr geheuerten Streitbrecher als revolutionäre Buchdruder verherrlicht werden. " Die KPD. sucht nun noch andere Streitbrecher, indem sie an Inserenten in der Buchdrudermoche", soweit es sich um Maschinenseger handelt, schreibt und diesen die Streifbrucharbeit anbietet. Darüber hinaus hat sich die Zentrale der KPD. jeht als Streifbruchzentrale aufgefan. Sie hat alle Maschinensetzer, die Mitglied der KPD. sind, zu einer Versammlung eingeladen, um sie dort unter Drud zu setzen: Wer sich nicht als Streitbrecher hergibt, der fann nicht mehr in der KPD. geduldet werden." " Wir werden ja, sehen, ob sich diesem Druck die tommunistischen Maschinenseger unterwerfen werden. Von den in der City- Druckerei beschäftigten graphischen Hilfsarbeitern ist nicht einer mehr gemertschaftlich organisiert. Offenbar will die KPD. organisierte Arbeiter nicht mehr in ihren Betrieben dulden. Außerdem sind sie nicht schuhlos der Willkür der Bonzen der KPD. ausgeliefert. Sie fönnen sich wehren. Aber mer mit der Organisation bricht, der muß den Streifbrecher machen und fuschen. Nur solche stumme Hunde kann man in der City- Druderci gebrauchen. Die Flucht der Welt am Abend in einen fapitalistischen Privat betrieb war offenbar ein von langer and vorbereitetes Manöver gegen die organisierten Buchdruder. Die Stimme feines Herrn." nicht fügen. Will die Gefchäftsleitung den Berfonalbeftand ver Gie will Gehaltsabbau um 10 Prozent. = straße, find nunmehr auch in die Front der Scharfmacher ein Die Polyphon- Werte A. G. in Berlin, Markgrafen geschwenkt. Die rund 200 Angestellten der Berliner Niederlassung erhielten gestern nachmittag von der Geschäftsleitung die schriftliche Mitteilung, daß sie sich infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage und der Herablegung ihrer Schallplattenpreise ab 22. Januar gezwungen sehe, die Gehälter rückwirkend ab 1. Januar um 10 Bro3. abzubauen. Den Angestellten ist bis heute vormittag 11 1hr Zeit gegeben worden, ihr schriftliches Einverständnis zu diesem Gehaltsabbaudiftat zu geben. In dem Schreiben heißt es schließlich, daß sich die GeschäftsTettung gegen die Angestellten, die sich mit dem Abbau nicht einverstanden erklären, alle meiteren Maßnahmen vorbehält. Für den Fall der Unterschriftverweigerung wird also ziemlich deutlich die Kündigung angedroht. Soweit uns befannt ist, haben bis zum Geschäftsschluß am Donnerstag abend noch teine Angestellten diese Reverse unterschrieben zurückgegeben. Die Geschäftsleitung wird wahrscheinlich heute die einzelnen Angestellten damit einzu schüchtern versuchen, daß sie jedem einzelnen Angestellten weismachen mill, alle anderen Angestellten hätten schon die Reverse unterschrieben, nur der oder die betreffende Angestellte hätte noch keine Erklärung abgegeben. Das ist ein befannter Dreh, um einen Angeftellten gegen den anderen auszuspielen und die Gesamtbelegschaft mantend zu machen. Die Angestellten der Polyphon- Werte dürfen sich diesem Diktat ringern, dann macht sie das, mie die Erfahrung in anderen Betrieben täglich lehrt, auch nach vollzogenem Gehaltsabbau. Die Angestellten wären dann doppelt betrogen. Werden die Unterschriften bestimmt auch nach dem Gehaltsabbau vornimmt, erst mit Wirkung verweigert, dann kann die Geschäftsleitung die Kündigungen, die fie zum 1. März aussprechen. Die Angestellten haben aber dann Anpruch auf ihr bisheriges Gehalt für die Monate Januar und Februar. Die Angestellten der Polyphon- Werke müssen fich darüber klar sein, daß der Betrieb ohne Angestellte nicht weiter geführt werden kann, daß jedoch Entlassungen, wenn sie die Geschäftsleitung beabsichtigt, ohne oder mit vorherigem Gehaltsabbau doch vorgenommen werden. Streif in den Mörtelwerfen. Bauarbeiter, übt Solidarität! " Wie bereits mitgeteilt, befinden sich die Arbeiter der namhaften trei Berliner Mörtelfirmen Vereinigte Berliner Mörtelmerke". Gebrüder Tabbert" und Gustan Weidner" in einer Lohnbewegung. Die direkten Verhandlungen mit den Unternehmern sowie die Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß haben zu feinem Ergebnis geführt, weil die Firmenleitungen auf einem Abbau der Löhne um 20 Prozent und einer erheblichen Verschlechterung der Manteltarifbestimmungen bestanden. Heute Fortsetzung der Besprechungen. London, 29. Januar.( Eigenbericht) Am Donnerstag fanden in London Besprechungen zwischen Macdonald und den Unternehmern von Bancashire statt. Am Freitag werden die Vertreter der Arbeiter beim Ministerpräsidenten erscheinen, der versuchen will, wenigstens ein zeitweiliges Uebereinkommen und die 3urüdnahme ber Ausfperrung zu erreichen. Die Zahl der Arbeitslosen im Ausfperrungsgebiet vergrößert sich täglich " Rücksicht auf die Arbeitslosen! Bom Arbeitsamt Berlin- Mitte wird uns zu der Notiz im Borwärts" vom 24. Januar geschrieben: ,, Es trifft nicht zu, daß der Raum für die Auszahlung der Unterſtügung in der Zahlstelle Kleine Alexanderstraße 19 zu flein ist. Es trifft ferner nicht zu, daß die Arbeitslosen 24 Stunden bis zur Auszahlung warten müssen. Für jede Zahlstunde werden nur so viel Bersonen bestellt, als ordnungsgemäß abgefertigt werden fönnen. Infolgedessen sind die Räume nicht überfüllt. Die Zeit. die jeder Arbeitslose bis zur Auszahlung der Unterstügung marten muß, beträgt durchschnittlich 15 Minuten." * Die Beschwerde ist uns schon vor längerer Zeit zugegangen. Wenn inzwischen die Uebelstände beseitigt sind, die wahrscheinlich durch eien plöglichen Andrang verursacht worden find, so ist das nur zu begrüßen. Abbau der Bergarbeiterlöhne im Harz. und Hüttenwerte des nordwestlichen Harzes und den Gewerkschaften Sm Lohnstreit zwischen den Arbeitgeberverbänden der Bergist von Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Lohnfürzung mit dem 1. Februar in Kraft. um sechs Prozent angenommen worden. Diese Kürzung trift 3mmer weiter abwärts. Stillegung der Ostseewerft. Die Ostseewerft in Stettin- Frauendorf, die in engster Berbindung mit der Reederei Emil R. Retzlaff in Stettin steht, hot beim Stettiner Regierungspräsidenten die Genehmigung zur Stilllegung des Betriebes beantragt. Die Ostseewerst beschäftigt zur Zeit 400 Arbeiter. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wegen Differenzen find für die Mitglieder des Zentralverbandes der Hotel, Restaurants und CaféMitte: Engelhardt Bierausschant, Inh. Geisler, Münz Angestellten folgende Gastwirtsbetriebe gesperrt worden: Norden: Großdestillation Martini", Inh. Otto Mariini, Badstr. 8. ftraße 20. Often: Balais des Ostens", Inh. Pfeilſtifter, Warschauer Straße 35. Süden- Neukölln: Café, a senheide", Inh. Spedowski, Hasenheide; Restaurant Sprechallen", Inh. Frau Katharina Hubregtse, Brückenstraße 12. 11 Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Sente, Freitag, 19% Uhr, tagen folgende Gruppen: Nordring: Jugend. heim Goule Connenburger Str. 20. Bei uns fpult's. Hermannplay: Gruppenheim Ganderstr. 11. Ede Sobrechtstraße. Eozialismus, Rommu nismus, Nationalismus". Süden, Südwesten: Gruppenheim Wafferiorftr. 9. porn part. Bas ein deutscher Betriebsrat in England erlebte. Charlotten. burg: Jugendheim Spreeftr. 30. Luftiger Monatsschluß mit Wedding. Reppelinplag: Jugendheim Turiner Ede Seeftraße( Eingang Turiner Straße). Bortrag:" Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit". Ablershof: Gruppenheimn Ablershof, Bismarchstr. 1. Filmabend:„ Ernstes, Seitetes, Kulturelles". Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Freitag, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Südwesten: Jugendheim Bordstr. 11( 2. Sof, Quergebäude 1 Treppe, Rimmer 5). Ausspracheabend: Moderne Kriegsliteratur", unter Leitung von Kurt Blümel. Rozben: Jugendheim Lorkingftr. 19. Rurareferate. Heute kommt die BhotoArbeitsgemeinschaft um 20 Uhr im Jugendmatteraum unferes Verbandshauses aufammen. Rarten zum Jugendkarneval am 8. Februar find im Jugendjefretariat au baben, Theater, Lichtspiele usw. Freitag, 30. 1. Staats- Oper Unter d. Linden 151. A.-V. 20 Uhr Madame Freitag, 30. 1. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 19 Uhr Erstaufführung! Die Butterfly Afrikanerin Ende 22 Uhr Staats- Oper Am Platz der Republik. V.-B. 1912 Uhr Der Ende n.22 Uhr Staatl. Schauspb. ( am Gendarmenmarkt). 130 A.-V. 19 Uhr Zum 1. Male Freischütz Mann ist Oeffentl. Kartenverkauf. Ende g. 22 Uhr Mann Ende g. 22 Uhr Staat. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Don Carlos Ende nach 23 Uhr PLAZA Tgl. 5. 815 1. Vorstellung Sonnt. 2, 5, u. 8 Alex. E. 4 8066 50 Pf. bis 1 M. 11. und III. 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Kerff( Komm.), daß sich der Minister nur mit der Not des Großgrundbesitzes beschäftigt habe, aber die Notlage der Kleinbauern und Landarbeiter offenbar nicht erkennen wolle. Die Weltkrise sei im System des Kapitalismus begründet. Durch die internationale Arbeitslosigkeit sei die Kaufkraft gesunken und der Verbrauch an Agrarprodukten zurüdgegangen. Abg. Wachhorst de Wente( Staatsp.) polemisiert gegen die Rechte, die immer nach Staatshilfe rufe. Statt dessen lasse es die Landwirtschaft an der Selbsthilfe fehlen. Die Rezepte Hugenbergs tönnen der Landwirtschaft nicht helfen. Durch Ausgestaltung der Genossenschaften fönne viel mehr erreicht werden. Die Politik der hohen Zölle könne dem Klein- und Mittelbesitz nicht helfen. Abg. Klaußner( Soz.): In der Senkung der Pachten sehen die Pächter der Staatsdomänen das Allheilmittel. Wir würden eine solche Maßnahme für verfehlt halten. Zum Teil sind heute die Pachtpreise bis auf 50 Proz. der Vorfriegs pachten heruntergedrückt worden. Unserer Ansicht nach würde eine weitere Senfung der Staatspachten eine weitere Verschuldung der Staatspächter nicht aufhalten. Zudem sind die jetzt gebotenen Preise bei Neupachtungen durchschnittlich viel höher, als fie bis jetzt waren. Von einer generellen Bachtsentung darf deshalb nicht die Rede sein. Wir billigen die Ansicht des Ministers, daß hier von Fall zu Fall geprüft werden muß. Wir wenden uns außerdem gegen die von der rechten Seite geforderte Niederschlagung der Pachtrückstände. Bis jetzt sind 10 Millionen Mark im Rückstand. Auch hier stimmen wir der Ansicht des Ministers zu, daß nach genauer Prüfung Maßnahmen der Regierung, eventuell durch Gewährung einer zinslosen Stundung, getroffen werden können. Der Minister hat bezweifelt, daß die vom Staat selbst be= wirtschafteten Domänen bessere Erträge gebracht haben als die Privatwirtschaft. Es ist nicht richtig, daß solche Domänen weiter verpachtet werden, nach dem sie durch den Staat hoch= gebracht worden sind. Es wird notwendig sein, sie längere Zeit vom Staate selbst bewirtschaften zu lassen, da sich dann herausstellen wird, daß fie der privatwirtschaftlichen Produktion weit überlegen find. Der Beweis ist erbracht worden, obwohl sie feine Steuerstundungen und keine Subventionen aus der Osthilfe usw. erhalten, wie z. B. viele landwirtschaftlichen Betriebe der Privatwirtschaft. ( Sehr wahr! b. b. Soz.) Erfreulich ist die Bermehrung der bäuerlichen Beispielswirtschaften. Viele Bauern sind nun einmal bei ihrem Festhalten an den alten Methoden nur durch das praktische Beispiel zu überzeugen, wie man rationeller arbeiten kann. Aber auch in Arbeiterfragen follte das Landwirtschaftsministerium tonangebend sein. Die Seßhaftmachung der Landarbeiter ist aber nicht zu erreichen, wenn man alt und grau gewordene Arbeiter auf Staatsdomänen grundlos entläßt. Dasselbe gilt für die Wahrung der Arbeiterrechte. So wurde von dem Vertreter des Domänenpächters Schwarz auf Kinzigsteinenhof vor dem Arbeitsgericht ein von dem Landwirtschaftsministerium über ein preußisches Gesetz ange fordertes Gutachten mit der Begründung abgelehnt, daß der Staatssekretär im Ministerium Dr: Krüger Sozial verband gut abschneidet.( Hört, hört! b. d. Soz.) Auch die politische Stellungnahme der Bächter ist vielfach nicht gerade staatsfreundlich. So wird die Domäne Kloster Ahland als Nazilager benut und bei der Abfütterung der SA.- Leute meht dort auf dem Hof die Naziflagge. Solche Provokationen darf sich die Regierung auf staatlichem Grund und Boden nicht gefallen lassen. Die Staatsdomänen sind keine Tummelplätze für SA.- Mannschaften der Nazipartei.( Sehr wahr! b. d. Soz.) Landwirtschaftsminister Dr. Steiger erflärt, er müffe sich solche Bemerkungen verbitten. Er habe wiederholt festgestellt, daß dieser Schweinestall als große mustergültige Einrichtung auf einer Domänenbeispielswirtschaft nur 30 000 m. gekostet hat. Abg. Hagemann( 3.) betont, zur Hoffnungslosigkeit läge kein Anlaß vor, solange die Regierung Brüning alle Möglichkeiten zu helfen ausschöpfe. Abg. Neddermeyer( Komm.) schildert die Lage der Landarbeiter und die Wohnungsnot auf dem Lande, vor allem in Pommern und in Ostpreußen. Abg. Frau Wohlgemuth( Soz.) weist die Vorwürfe des Abge ordneten Kaufhold gegen die selbstbewirtschafteten Betriebe zurück. Statt den Schweineftall einer Staatsdomäne zu kritisieren, hätte sich Kaufhold mehr um den Schweinesfall bei der Raiffeisen- Bant fümmern sollen, der dem preußischen Volfe 65 Millionen getostet hat.( Sehr wahr! b. 6. Soz.) Den Gestütetat werden wir annehmen. Die Pferdezucht wird nur rentabel, menn fie für die Landwirtschaft von Nutzen ist. Darin find sich alle Parteien einig und im Ausschuß wurde anerkannt, daß die Gestütsverwaltung Großes geleistet hat, obwohl die Rechts: parteien aus politischen Gründen in der Deffentlichkeit das Gegenteil Freitag, 30. Januar 1931 behaupten. In der Hauptsache tommt es jetzt für die Landwirtschaft auf die Züchtung des Kaltblutpferdes an. Den Antrag, Rennvereinen noch größere Zuwendungen zu geben, werden wir ablehnen. Es ist noch in Erinnerung, wie im vorigen Jahr der Sekretär des Vereins für Hindernisrennen, Graf Mirbach, als der Staat den Preis der Republik ausseẞte, sich beschimpfend über die Republik äußerte. Als die Zuschüsse gesperrt werden sollten, wurde er entlassen. Aber der noble Mann mit der aristokratischen Kinderstube flagte beim Arbeitsgericht und Graf von Westfalen soll ihm 80 000 Mart 205ẞindung gezahlt haben. Es wäre ein Standal, wenn solche Organisationen und Leute, die so schwere Beleidigungen ausstoßen, noch durch Zuschüsse unterstützt werden. Deshalb lehnen wir alle diese Anträge ab.( Sehr wahr! b. d. Soz.) Ebenso hat der Staat feine Ursache, Reitervereine zu unterstüßen, die fast alle, und namentlich im Often, sich republikfeindlich betätigen. Sie beteiligen fich an Aufzügen der Nationalsozialisten, besonders im Kreise Rosenberg, wo ein Obersteuerfefretär der Führer ist. Aehnlich liegt es im Kreise Labiau, wo sich der Reiterverein an cinem Umzug mit der bekannten schwarzen Bauernfahne beteiligt hat.( hört, hört! b. d. Soz.) Im Kreise Insterburg bat man sich bis heute geweigert, bei Veranstaltungen der Reitervereine die Reichsfarben zu zeigen. Diese Organisationen sollen der Pferdezucht dienen, hezen aber politisch gegen die Republik. Es ist unmöglich, ihnen staatliche Unterstützung zu gewähren, damit sie den Staat bekämpfen können.( Sehr wahr! b. d. Soz.) Abg. Diel( 3.) betont, daß die Agrarpolitik sich auf die nationalen Notwendigkeiten einstellen müsse. Der Osten müsse besonders unterstügt werden und es sei bedauerlich, daß die Arbeit der Reichs- und Staatsregierung auf diesem Gebiete nicht mehr anerkannt wird. Es kommt danach noch eine ganze Reihe von Vertretern der einzelnen Fraktionen zu Wort. In später Abendstunde vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag, den 30. Januar, vormittags 11 Uhr. Zuchthaus ist Nazi- Ideal. Borzugsbehandlung nur für Fememörder. Im Strafrechtsausschuß des Reichstags setzte sich der deutschnationale Abg. Hanemann für die Aufrechterhaltung der Buchthausstrafe ein. Man wolle schon die Zahl der zucht hauswürdigen Verbrechen verringern, da ginge es nicht an, nun auch noch die Zuchthausstrafe abzuschaffen. Abg. Landsberg( Soz.) erwiderte ihm, daß nach der Entwicklung der Zuchthausstrafe, wie sich an den Ausführungen des Regierungsvertreters zeigte, gar kein Zweifel sei, daß man die 3uchthausstrafe entbehren könne. Ihre Beibehaltung habe keine andere Wirkung als die Erschwerung der Wiederauf richtung des Verurteilten. Schon der vom Minister Radbruch vorgelegte Entwurf habe die Zuchthausstrafe ausgemerzt, fie müsse jetzt fallen. Ministerialrat Dürr gab für die bayerische Regierung die niemand überraschende Erklärung ab, daß diese auf Beibehaltung der Zuchthausstrafe das größte Gewicht lege. Man dürfe auch nicht ou human sein wollen. Besserung genüge, dann müsse die Verbüßung der Strafe erst recht ausreichen, und es sei überflüssig, der Strafe auch noch eine Bezeichnung zu geben, die dem Berurteilten Schaden bringe. Oberleutnant Schulz habe sich auch an ihn gewandt und damit eine Verurteilslosigkeit gezeigt, zu der sich die Nationalsozialisten sonst nicht bekennen würden. Schulz habe aber nur um einen Gnaden= erweis gebeten und niemals über schlechte Behand lung geflagt." Abg. Karpenstein( Nat.- Soz.): Die Fememörder seien überhaupt schlecht behandelt worden. Einem von ihnen habe man nicht emmal Urlaub gegeben, seine sterbende Mutter zu besuchen. Ueberhaupt feien diese Gefangenen in den Gefängnissen gequält worden. Abg. Rosenfeld( Soz.) weist demgegenüber auf die Mertwürdigkeit hin, daß die Nationalsozialisten für die ihnen nahestehenden Gefangenen Humanität, fonft aber allerstrengste Durchführung des Strafvollzuges forderten. Die Kommuniften hätten häufig schon viel mehr Anlaß gehabt, sich über den Etrafvollzug zu beschweren, man denke nur an den Kommunisten, Toller und Mühsam behandelt, und dabei seien diese doch nur zu Festungshaft verurteilt gewesen. demokrat sei und dafür sorgen werde, daß der Landarbeiter- fträflichen enste des Verbrechertums. Man treibe einen geradezu der in der Festung Niederschönenfeld gestorben sei. Wie habe man Wir begrüßen die Verordnung des Ministeriums über die Beflaggung der landwirtschaftlichen Dienstgebäude. mit der republikanischen Reichsfahne, die erfreulicherweise auch durchgeführt worden ift. Aber es ist ein faum glaublicher Zustand, daß der landwirtschaftliche Hauptverein für Ostfriesland be= hlossen hat, die Reichsflagge auf den Dienstgebäuden nicht zu hissen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß Organisationen, die sich so republikfeindlich stellen, auf keinen Fall staatliche Unter stügung bekommen dürfen.( Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Landwirtschaftsminister Dr. Steiger erklärt, der vom Vorredner zuletzt erwähnte Vorgang werde von der Landwirtschaftskammer ger prüft, inzwischen seien aber die staatlichen Zuschüsse an den Verein eingestellt.( Bravo! links.) Abg. Dr. Kaufhold( Dnat.) kritisiert die überſtürzte Beratung der drei landwirtschaftlichen Haushalte. Für das Wohlfahrtsministerium habe man mehr Zeit übrig. Die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus dem Ausland müsse zurückgedrängt werden. Die staatliche Selbstbewirtschaftung ser ein Fiasko gewesen. Es sei unerhört, wenn Abg. Frank II( Nat. Soz.) erklärte, die ganze Verhandlung stehe im Kult mit den Verbrechern. Die sozialdemokratischen Bestrebungen liefen darauf hinaus, verbrecherischen Dünkel und Untermenschentum zu züchten. Gerade das Infamierende der Zuchthausstrafe sei notwendig. Abg. Wendhausen( Landvolk) unterstützte diese Auffassung. Er sei ein Anhänger der Abschreckungstheorie und verlange deshalb die Aufrechterhaltung der Zuchthausstraje. Die Linke, die jetzt den Strafvollzug humanisieren wolle, habe nichts gesagt, als man einen Mann wie den Oberleutnant Schulz im Zuchthaus gequält habe.. Abg. Hoegner( S03.) protestiert gegen die Behauptungen, daß die Berhandlungen im Strafrechtsausschuß im Dienste des Berbrechertums ständen. Grausamfeiten in der Strafvollstreckung seien eines Kulturstaates unwürdig. Wenn man ernstlich den Sträfling, wie es Abg. Frank gesagt habe, absondern wolle, dann käme man ja dazu, ihn überhaupt zu entfernen und die Todesstrafe anzuwenden. Die menschliche Gemeinschaft tonne sich nur höher entwickeln, wenn man niemand von ihr ausschließe. Abg. Landsberg( S03.): Die Sozialdemokratie habe mit feinerlei Verbrechern Sympathien. Die Gesellschaft müsse natürlich geschützt werden, aber er bekenne sich zu Goethes Wort: hr laßt den Armen schuldig werden, dann übergebt ihr ihn der Pein!" Wenn schon in 80 Broz. aller Fälle, die zur Bestrafung kommen, die An= drohung der Strafe mit Bewährungsfrist zur Schuh vom 30. 1. Beschaffung Tage 9. 2 31 Netter Lack- Spangenschuh für Mädchen Größe 27-28 485 Mod Damen- Spangenschuhe in Lack u. Samtlederkombin. 685 Elegant. Lack- Spangenschuhm.geschweif- 785 tem Absatz Sol. Herrenstiefel weiss gedoppelt Seidenflor- Dam. Strümpfe von Wollene HerrenSocken. 685 Pf. 68P 125 Auch Strümpfe billiger! 68.8 für Damen Hausschuhe mit Pompon u. warmem Futter Allen Volkskreisen gute Schuhe zu billigen erschwinglichen Preisen zu vermitteln, ist der Zweck dieser neuartigen Verkaufsveranstaltung Abg. Landsberg.( S03.): Ein Beispiel, wie man Sozial= demokraten im Kaiserreich behandelt habe, ist der Fall des Abgeordneten Beus, gegen den wegen Majestätsbeleidigung Haftbefehl erging. An dessen Untersuchungsrichter hatte die schwangere Frau des Herrn Peus geschrieben und darum gebeten, daß ihr Mann ihr in ihrer schweren Stunde zur Seite stehen möge. Die Behörde antwortete damals, daß eine Beurlaubung nicht in Frage Frau fomme, da Beus eine schwere Strafe zu erwarten habe, rau Beus starb dann und erst an ihrer Beerdigung durfte Beus in Begleitung zweier Polizist en teilnehmen. In der folgenden Abstimmung wird der Antrag auf Streichung der Zuchthausstrafe von allen bürgerlichen Parteien gegen 11 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Die Rechtsangleichung mit Defterreich. Wien, 29. Januar.( Eigenbericht.) Im Haushaltsausschuß des Nationalrats teilte der Justizminister mit, daß er in einigen Wochen nach Berlin zu fahren gedenke, um die Aktion wegen des gemeinsamen Strafrechts und anderer Angleichungsarbeiten zu beschleunigen. 485 Gr. 27-28 Sehr dauerhafter und sehr billiger Knabenstiefel 5 45 Echt Boxkalf- Spangenschuh, ein idealer Straßenschuh 585 Schwarz Rindbox. Halbschuhf. Herren, Do. In Lack 7.45 Tack Ueber 130 eigene Verkaufsstellen, davon 23 in Groß- Berlin und Potsdam & CIE. AG. BURG B. M. Max Barthel: Antwort auf eine Rundfrage Bor einigen Tagen bekam ich einen Brief aus dem Spessart. I auf, wie steht es mit den Arbeiterdichterinnen? Wird das in Zukunft Aus dieser Gegend hatte ich noch nie einen Brief bekommen. Ich so bleiben oder glauben Sie an eine Abnahme oder an eine neue, wurde also mißtrauisch, puzte die Brille und sagte zu meiner Frau: gewaltige Welle in vielleicht zweihundert oder dreihundert Jahren ,, Lisa." sagte ich, laß den fleinen Wolfel nicht so laut brüllen! im Anschluß einer epochemachenden Erfindung? Oder vielleicht gar Ich habe einen Brief aus dem Spessart bekommen. Na, da bin Umwälzung?" ich ja neugierig, was man mir schreibt." Ich bin auch neugierig," gab sie ohne weiteres zu, und da fönnen sie sehen, was ich für eine Frau habe! Und jetzt stopfte sie dem kleinen Wolfel einen Apfel, eine Banane und ein Butterbrot in den Mund, damit er still sei, wenn der Vater den Brief aus dem Spessart lieft Und ich las. Nach einer ausführlichen Einleitung, in der sich ein Herr Stefan Zumpel vorstellte, auf die Knie fiel und schwärmerisch die Hände nach dem Sehr geehrten dichterischen Herrn Schriftsteller" ausstreckte, nach dieser Einleitung tam er zur Sache und weihte mich in sein Lebenswert ein. Herr Zumpel wollte eine sozialindividualpsychologische Studie über die Arbeiterdichtung verfaffen und sammelte nun Material. Und zu diesem Behufe", wie er sich ausdrückte, habe er außerdem einen„ interessanten Fragestellertomplex" aufgestellt, den er umgehend zu beantworten ersuche. Im Spessart muß ein neugieriger Menschenschlag wohnen. Ich fannte diese Gegend noch nicht, aber jetzt habe ich auch feine Lust, fie fennenzulernen. Was wollte der Herr Stefan Zumpel nicht alles von mir wiffen! Die Farbe meiner Augen interessierte ihn genau so sehr wie mein Vorleben in bezug auf die erotische Sachlage", wie er es formulierte. Es fehlte nur noch, daß mir Herr Zumpel den Vorwurf gemacht hätte, nicht mein eigener Sohn zu fein! Nun, wir alle kennen wohl jenen schmeichlerischen Typ der fiebenswürdigen Ausfrager, die ihre Gimpel auf der Leimrute jogenannter Geistigfeit fangen und dann in eleganten Auffäßen zwitschern lassen, Herr Stefan Bumpel verschmähte alle Diskretion, und so will ich nun aus der Dornenkette der vielen Fragen einige Stacheln lösen und sie Herrn Zumpel selbst ins Herz stoßen! Vorher aber soll noch gesagt sein, wie der Herr Ausfrager seinen Brief Schloß. Er schrieb nämlich: Aber jetzt sei genug des Fragestellereifompleres! Die Reihe dürfte ja ins Unendliche gehen! Für jegliches Eingehen wäre ich Ihnen, sehr geehrter Herr Schriftsteller, einschließlich verbunden!" Ich will noch lange nicht eingehen, ich will mich jetzt meines ,, Antwortgehefomplexes" erledigen, und so nehme ich sechs Fragen des Herrn Zumpel aus dem Brief und funke sie mit meiner Antwort nach dem Spessart. 1. Frage: Antwort: ,, Ja. wie steht es mit den Arbeiterdichterinnen relativ, beziehentlich, resepettive? Mit den Arbeiterdichtern bleibt es vorläufig so. Zu dieser Frage werde ich mich in zweihundert, beziehungsweise dreihundert Jahren noch einmal äußern." 4. Frage: ,, Weshalb dichtet der Arbeiter hauptsächlich und wählt die Darstellung in Bersen? Kann er nicht anders oder will er nicht anders?" Antwort: " ,, Er dichtet zum Zeitvertreib und wählt meistens die Darstellung in Versen, weil er einfach nicht anders will, der Faulenzer!" 5. Frage: fich Wendungen, Gebanten, Ideen auf einige Feßen Papier, welche Sie bei sich trugen, respektive neben sich liegen hatten? Oder arbeiteten Sie nach Feierabend oder Sonntags ausschließlich?" Antwort: ,, Nein, ich verfaßte feine Gedichte bei der Arbeit, weil das der Vorarbeiter nicht erlaubt hätte. Papier hatten wir alle bei uns, menn wir einen bestimmten Ort aufsuchten, aber ich glaube faum, daß sich einer von uns darauf bestimmte Wendungen, Gedanken oder Ideen notierte. Ich arbeitete jeden Sonntag von halb zwei Uhr bis dreiviertel drei Uhr. In diesen Fünfviertelstunden mußte ein Gedicht fertig fein!" 6. Frage: ,, Für welchen Teil der Klasse, beziehungsweise Boltes dichteten Sie? Schrieben Sie für es? Oder nur für einen Meinen Teil?" Antwort: ,, Am liebsten dichtete ich für ,, es", Herr Zumpel, aber, es" gibt es ja noch gar nicht ,,, es" will ja erst ,, es" werden!" In dieser Art sandte ich Herrn Zumpel die Antwort auf zwanzig Fragen nach dem Spessart. Er bedankte sich schön, nahm alles für Ernst und will mir nun recht bald seine Studie" schicken. Darauf bin ich sehr neugierig. Das Buch von Herrn Zumpel müssen auch Sie lesen. Es wird Aufsehen erregen und Klarheit über die Arbeiter,, Verfaßten Sie früher Gedichte bei der Arbeit? Notierten Sie dichtung verschaffen! Dr. Ernst Binz: Adalbert von Chamisso und die Armen Zum heutigen 150. Geburtstag des Dichters. Neun Jahre war Chamiffo alt, als die Stürme der französischen Revolution an die Tore der väterlichen Burg flopsten. Weithin war der Himmel rot, die alten Ritterburgen und Edelmannsschlösser gingen prasselnd in Flammen auf. Wer flüchten konnte, flüchtete. Die Familie Chamisso sammelte sich in Aachen. Es fehlte nicht ein Glied. Alle waren sie der aus der Ferne blinkenden Guillotine entronnen. Die französische Emigrantenfamilie durchwandert unter wechselvollen Schicksalen Deutschland und gerät schließlich nach Berlin. Mit 16 Jahren wird der kleine Chamisso, der erst notdürftig deutsch radebrechen kann, Page bei der Königin Luise. Fünf Jahre später ist er preußischer Leutnant. Zur selben Zeit kann endlich seine Familie nach Frankreich zurückkehren. Das Leben eines preußischen Leutnants war damals ziemlich entbehrungsreich. Fünfzehn Taler betrug sein monatlicher Sold. Acht davon gingen auf Essen und Trinken, zweieinhalb tamen auf die Wohnung. In einem Brief an seine Mutter flagte er darüber, daß er feinen Mantel, keine Hemden und nur ein Paar zerrissene Schuhe Lektüre der Klassiker und der Philosophen benutzte, konnte fein zu friedenstellender Leutnant sein. ,, Darf man die Herren Arbeiterdichter mit den Nürnberger habe. Ein Offizier, der griechisch lernte und jede freie Stunde zur Meistersängern vergleichen?" Antwort: ,, Natürlich, aber es ist nicht unbedingt notwendig." 2. Frage: " 3weimal trat die große Versuchung an ihn heran, wieder Franzose zu werden und die Jahre in Deutschland Episode werden zu Was denten Sie: wird die Arbeiterdichtung später einmal viele lassen. Im Jahre 1802 muß er seinen erkrankten Bruder nach Bolkslieder liefern?" Frankreich zurückgeleiten. Ende des Jahres 1806 fährt er wieder nach Antwort: Paris, um 1808 eine Berufung als Professor nach Napoleonville zu ,, Ja, das kann ich Ihnen ganz genau sagen: neunhundertvierund-| bekommen. Aber er überlegt sich das solange, daß, als er schließlich dreißig Stück." ankommt, die Stelle schon anderweitig besetzt ist. 3meieinhalb Jahre 3. Frage: blieb er diesmal in Frankreich, aber die er liebte, war eine Deutsche, ..Unsere Zeit weist relativ und respektive viele Arbeiterdichter und als er sie nicht mehr sehen konnte, flüchtete er abermals nach w.mobus: Abseits vom Wege Zwischen den Türmen von Alt Landsberg Am schneegrauen Horizont ein maffiger Turm. Das ist ein Ziel, das nur dichter Schneefall oder Nebel oder die Nacht verwischen tönnen. Viele Wege führen zu diesem Turm, ausgefahrene, von Pferdehufen zertretene Bege, deren Ränder alte, oft beschnittene Weiden säumen, und blanke Chausseen, auf denen Autos gespenstig huschen. Der Westwind peitscht seine Eisnadeln ins Gesicht. Das ist ein tausendfältiges Stechen, das aus dichten Wolfenschleiern kommt. Der breite Turm ist weggezaubert, zerronnen, verweht, verschneit. Müde Füße stolpern über den zerfeßten Weg, eine Starfstromleitung zieht im Norden unbekümmert von Eisenmast zu Eisenmast ihre Bahn. Sie scheint in die Unendlichkeit zu gehen, das Grau des späten Wintertages verschluckt alle Dinge, die bei Sonnenschein wichtig waren. Im Wintergrau liegen Häuser da. Aus grauen Mauern strahlt Stubenglanz und Geborgenheit. Die Welt hat einen festen Bunft in diesem sanften Licht. Hier ist die Unendlichkeit befiegt, hier ist die Weite der Ebene unterbrochen, hier ist die Enge gern genossene Wohltat. Spiggieblig lehnt ein Haus neben dem anderen. Winterfloden haben Straße und Dächer, Gärten und Zäune erobert. Die winterliche Wandlung ist vollendet. Mit hochgeschlagenen Kragen, die Hände tief in den Taschen vergraben, den Hutrand gegen den Wind gestellt, so wandern wir auf tiefverschneiter Straße in die Stille der kleinen märkischen Stadt. Der Gang ist viel fürzer als es schien, er macht einen rechtwinkligen Knid. Hohl klingen Schritte und Stimmen. Diese kleinen märkischen Städte haben trog ihrer Nüchternheit doch noch den Hauch der Vergangenheit bewahrt. Ein seltsames Etwas lebt und webt in ihnen, trotz des elektrischen Lichtes, trot der Autos und der Eisenbahnen. In dem weitläufigen Tor des Rathauses hängen Bekanntmachungen. Da sollen Grundstücke verauttioniert werden, ihr Grundsteuerwert wird in Talern angegeben. Die Zeit der Taler, der Silbergroschen, der Dreier und Sechser wird lebendig, die Zeit, da man noch keine Meridianmessungen vorgenommen hatte und vom Metermaß noch ebensowenig wußte wie von der Reichsmart. Die Zeit steht auf, die noch die Lichtpußschere und die schwelende Kerze kannte, die Zeit, in der die Welt noch groß war, wo Entfernungen noch etwas galten und die Postkutsche die Reisenden in martervoller Enge auf schlechten Straßen peinigte. Damals war der wohlverwahrte, im Garten tief geheimnisvoll vergrabene irdene Topf noch das sicherste Bankverließ. Ach, die Welt war so einfach, so frei von Problemen. Es gab teine Autounfälle und feine Schalterbrände, und die Menschen lebten doch. Sie frochen mit den Hühnern ins Bett. Im Winter wurde mit dem Licht gespart, und das Auge wurde geschont. So wurde man alt und behielt seine gefunden Nerven, bis man schließlich doch sterben mußte. Die neue Zeit hat sich zu allen Zeiten Platz geschaffen. Darum entschädigt sie die Vergangenheit durch ein Lob und nennt sie ,, die gute alte Zeit". Ein leuchtender Pfeil weist den Autos die Richtung durch das Gewinkel der engen Straßen. Eine Tankstelle quetscht sich unverschämt modern auf den schmalen Bürgersteig. Wie Augen von Lindwürmern blizen und funkeln die Autolaternen aus der Ferne, werden größer, blenden, gleißen und verblassen. Niemand kümmert sich um die Autofahrer. Die kleine Stadt hat sich an die neue Zeit gewöhnt. Sie hat sich sogar ein Bähnlein angeschafft, das ihre Bewohner zur Hauptstrede bringt. Es ist nicht gut, so abseits der Eine lange hohe Mauer hat einen breiten Durchlaß, eine von schweren Pfeilern bewachte Pforte. Wie im Märchen ist es, wenn man sie durchschreitet, und links ein rotes, efeuumranttes Haus gewahrt. Auf der anderen Seite ein Gutshof, von einem vorfint flutlichen Schornstein überragt. Das könnte ein Hegenbackofen sein. Vielleicht wird hier auch wirklich allerhand Teufelszeug, Destillen zauber, Kartoffelschnaps gebraut. Die Straße mündet auf einen freien Plaz, und auf ihm steht ausladend, wuchtig, geruhsam, auf breitem Unterbau, der Turm, der die Schau in die Ferne liebt, der Feldsteinturm einer uralten mächtigen Kirche, den Schnee und Dunkelgroßen Straße zu sein. Wer abseits steht, kann tausend Jahre alt heit verhüllt hatten, der ein Ziel war, das verschwand, und das nun mieder entstanden ist aus der Nacht. Der Schnee hat sein Treiben eingestellt, Türen flinten auf. Eisen klappern auf steinernen Stufen: Jungen und Mädel traben mit ihren kleinen Schlitten durch die eben noch so stillen Straßen. Die weichen molligen Floden werden gepreßt, getreten. Die eben noch untadlige, meiße Decke, zeigt die Spuren von zahllosen kleinen eiligen Füßen und von Schlittenspuren. Wintervergnügen im Scheine milder Laternen! Das Storchnest auf dem alten Stadtturm, der früher wehrhaft die Stadt gegen die Feinde von Osten her verteidigte, thront verlassen, wie eine Dornentrone, auf dem Haupt des alten Gemäuers. Hier ist der traurige lleberreft einer mehrhaften, aber unsicheren und schweren Zeit. An den Turm schmiegt sich der Anfang eines langen und schmalen Ganges, wie eine Schlucht. Er folgt dem Lauf der alten Mauer, die zwecklos wurde. Häuser haben nun die Mauer besetzt. | werden und zählt doch nicht. Auf der anderen Seite der Stadt wieder ein alter viereckiger Turm, dahinter ein Graben, dicht mit Bäumen bestanden, und außer halb der alten Stadt ein modernes, weitläufiges Gebäude: das Haus der ungezählten Sünden der Menschheit, das Amtsgericht. Fast scheint das Gebäude größer zu sein als die ganze Stadt. Ein Pfiff gellt durch die Nacht: Die Eisenbahn mahnt. Der Bahnhof", ein Gartenzaun und eine fleine offene Holzhalle. Die Strecke eingleifig. Das fonnte 1835 entstanden sein. Man wundert sich nicht, daß die Wagen alt und eng sind, daß das Gleis stößt und schlägt. Man wundert sich nur, daß die Lokomotive anders aussieht. als man sie etwa vor 100 Jahren baute. Wanderungen zu fleinen Städten find Spaziergänge in die Bergangenheit. Das Merkwürdige ist, daß man das in der Gegenwart erlebt, und dabei gleichzeitig in die Zukunft schreitet, die sich mit jeder Minute neu enthüllt. Deutschland. Aus der Armee war er 1808 geschieden, nachdem er noch den Krieg gegen Napoleon mitgemacht und wegen der Feigheit seines Oberkommandierenden, der die Festung Hameln beim ersten feindlichen Schuß übergab, beinahe vors Kriegsgericht gekommen wäre. Mit welch offenen Augen Chamisso die Zustände im damaligen preußischen Heer beurteilte, zeigt folgende Briefstelle:„ Unser sehr gnädiger Landesherr hat es für angenehm gefunden, unsere Tracht wiederum umzugießen; seit acht Jahren, daß er auf nichts anderes sinnet und denket, ist der Mann noch nicht zustande gekommen," Als Chamisso schon längst Deutscher war in jeder Beziehung und als solcher auch in Frankreich angesehen und geachtet, konnte er trotzdem nie eine heimliche Liebe zu Frankreich und dem französischen Geist loswerden. Er hat an diesem inneren Zwiespalt bis an das Ende seiner Tage gelitten und der Deutscheste aller Franzosen war im Grunde seines Herzens fein glücklicher Mann. Von 1815 bis 1818 machte er eine Weltreise als Naturforscher auf einem russischen Schiffe mit. Die Reise war infolge der Unverträglichkeit seiner Schiffsgenossen ziemlich unerquicklich. Nach seiner Rückkehr wurde ihm endlich die langersehnte staatliche Anstellung beim Botanischen Garten in Berlin. Nunmehr konnte er sich auch verheiraten. Seine schönsten Jahre begannen. Der Mann, der den Schlehmil" gedichtet, hatte endlich so etwas wie einen Schatten bekommen. Nun endlich geht auch Chamisso das Herz für die soziale Not seiner Zeit auf, die er, der Fremde, der Franzose, der Flüchtling der Revolution, schärfer sah als viele seiner Zeitgenossen. Dazu trug sein eigentümlicher Zustand bei, er sah sich als„ einen Franzosen in Deutschland und Deutschen in Frankreich, Katholiken unter Protestanten, Protestanten unter Katholiken, Jakobiner unter Aristokraten und für die Demokraten ein Adliger. Ich bin nirgends an meinem Plage!" Berühmt über seinen Tod hinaus wurde Chamisso durch seine sozialen Dichtungen, in erster Linie durch das unsterbliche Gedicht an die alte Waschfrau: Du siehst geschäftig bei den Linnen, Die Alte dort in weißem Haar, Die rüftigste der Wäscherinnen Im sechsundsiebenzigsten Jahr. Chamisso verstärkte den angeschlagenen Ton in anderen Gedichten, die zu den Perlen der deutschen sozialen Poesie gehören:„ Der Bettler und sein Hund", das Gedicht vom Invaliden im Irrenhaus, das Gebet der Witwe, das„ Nachtwächterlied" und schließlich die Uebersetzung der sozialen Gedichte Bérangers. Mitten in Chamissos fruchtbarste Zeit fiel das große Ereignis der Pariser Julirevolution, an der Chamisso leidenschaftlichen inneren Anteil nahm. Mehrmals rief er den Fürsten seiner Zeit ein Memento zu, wenngleich er an eine Weltrevolution nicht glaubte. Ich glaube, daß sich die ganze Welt dergestalt vor der ganzen Welt fürchtet, daß man es überall beim Anknurren hübsch bewenden lassen will und jeder nur an den Händeln, die er im Hause hat, genug haben wird. Inmittlerweilen fann man es sich nicht verhehlen, daß eine neue Zeit angegangen ist." Den Aufgang dieser neuen Zeit sollte Chamisso nicht mehr erleben. Nach dem Tode seiner Gattin im Jahre 1837 verfiel er förperlich. Seine Pensionierung, um die er eingekommen war, überlebte er nur einige Wochen. Am 6. August 1838 warf ihn eine schwere Krankheit nieder. Zwei Wochen verbrachte er bei fast völliger Bewußtlosigteit. Und es ist charakteristisch für Chamisso, daß er wäh rend dieser beiden Wochen nur französisch phantasierte. Er starb am 21. August 1838. In einem feiner letzten Briefe findet sich der Ausspruch:„ Deutscher Volkstümlichkeit hat sich das Tiefere, Heiligere in mir zugewandt, so bin ich durch Sprache, Kunst und Wissenschaft ein Deutscher." In einem seiner letzten Briefe heißt es über die Macht der Presse:„ Die Presse ist nur ein Nachhall, selbst machtlos, wo sie das nicht ist. Die öffentliche Meinung, das ist die Macht, die groß geworden. Dankt der Presse und lernt von ihr." Die ersten bolanischen Gärten Man ist erst ziemlich spät auf den Gedanken gefommen, botanische Gärten anzulegen, um das Studium der Pflanzenwelt zu erleichtern. Am frühesten geschah dies in Italien, denn in Salerno wind 1310 ein Pflanzengarten, zu Venedig 1333 der medizinische Garten erwähnt. In Deutschland legten sich zuerst Naturforscher botanische Gärten an, und zwar ein hessischer Gelehrter Euricius Cordus, Professor an der neugestifteten Universität zu Marburg, der 1535 zur Bremen starb, und der Schweizer Konrad Gefner ( 1516 bis 1565), der zum ersten Male ein Pflanzenverzeichnis in vier Sprachen herausgab. Ein öffentlicher botanischer Garten wurde 1540 an der Universität zu Padua angelegt, und dieser diente feither den anderen als Muster. Noch vor Ende des 16. Jahrhunderts wurden auch zu Leiden, Zürich, Nürnberg und Montpellier botanische Gärten geschaffen. Anfänglich galten sie hauptsächlich als medizinische Gärten, weil man besonderen Wert auf die Heilpflanzen legte, aber fie wurden auch beim Unterricht in den Naturfenntnissen überhaupt bemußt, und sie trugen wesentlich dazu bei, die Botanik erst zu einem förmlichen Studium zu erheben. ET に RK. VORWARTS STADTELE BEILAGE Es geht um die Miete! Kommunistische ,, Wohnpolitik" und ihre Folgen.- Mieter aufgemerkt! Die Dezember- Nofverordnung der Regierung hat eine| Steuerersparnisse gezeigt: Die Grundvermögenssteuer beträgt 20 Pf. umfassende Neuregelung der Wohnungswirtschaft pro Monat auf je 1000 M. des Friedenswertes, der hier mit 6000 M. gebracht. Die tatastrophalen Auswirkungen anzusetzen ist. Der Gemeinde zuschlag in Berlin ist auf 275 Proz. dieses Sages, d. h. auf 55 Pf. pro 1000 m. und Monat, ihrer Hauptbestimmungen sind bereits heute zu übersehen. d. h. auf 3,30 M. festgesetzt. Die nach Ablauf von 5 Jahren seit der Baufertigstellung zu entrichtende staatliche Grundvermögense steuer beträgt, in ähnlicher Weise berechnet, 2,40 M. pro Monat. Der weitgehende Abbau der Hauszinssteuermittel für den Wohnungsbau führt zu einer derart starten Einschränkung der Neubautätigkeit, daß beispielsweise in Preußen statt 156 000 Wohnungen, wie im vergangenen Jahr, 1931 nur noch 84 000 Wohnungen mit öffentlichen Hypotheken erstellt werden können. Es handelt sich dabei zudem um Wohnungen, deren Flächen gegenüber den bisher üblichen Kleintypen stark verringert sind. Der Grundsay, den Mann mit dem kleinsten Einkommen nur dadurch die Ermietung einer Neubauwohnung zu ermöglichen, daß man ihm den kleinsten Wohnraum zuweist, hat damit gefiegt. Geringere Hauszins steuersäge pro Wohnung haben ferner zur Folge, daß die starte Senkung der Baustoffpreise in der offenen Krise des letzten Halb jahres nicht derart in den neuen Mietpreisen zur Geltung kommt, wie das der Fall hätte sein können, wenn die jetzt in erheblichem Umfange für Steuergeschenke an den Hausbesitz verwandten Teile der Hauszinssteuerfonds dem Wohnungsbau erhalten worden wären. Immer mehr Bauarbeiter arbeitslos. Etwas hat die Notverordnung jedoch gebracht: Sämtliche Wohnungen, die in der Zeit vom 1. April 1931 bis zum 31. März 1934 bezugsfertig werden, sind bis zum Ende des Rechnungsjahres 1938 von der Grundsteuer der Länder und Gemeinden sowie von der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer, Ber= mögenssteuer und Aufbringungsum lage befreit. Mit dieser Bestimmung des Realsteuersenkungs- Gesezes soll ein Anreiz zum Beginn neuer Wohnbauten und damit zu neuer Arbeitsbeschaffung gegeben werden. Die Wohnungspolitiker der Sozialdemokratie haben die For derung aufgestellt, diese umfassende. Steuerbefreiung bereits für Wohnbauten auszusprechen, die ab 1. Januar dieses Jahres bezugsfertig erstellt werden. Gerade die Bauten, die im ersten Vierteljahr 1931 beendet werden können, wurden zu einer Zeit in Auftrag gegeben, als die Baupreise noch außerordentlich hoch waren und 175 bis 180 Prozent des Borkriegsstandes gegenüber einem jeßigen Bauinder von 153 betrugen. Hier find also Ermäßigungen der hohen Mieten durch Steuerbefreiung im Intereffe der Mieter befonders dringlich. Die verfehlte Wahl des Stichtags für die Steuerbefreiung hat aber noch eine weitere ungünstige Wirkung für die Beschäftigung der Bauarbeiter, von denen zur Zeit 70 Prozent arbeitslos sind. Es ist nicht zu bestreiten, daß manche Baufirmen die Fertigstellung von Wohnungen, die an und für sich im Februar oder März hätten bezogen werden können, bis zum 1. April verzögern, damit sie in den Genuß der neuen Steuervergün stigungen. tommen. Dementsprechend werden zur Zeit auf manchen Baustellen weniger Arbeitskräfte in Anspruch genommen, als es bei intensivem Borwärtstreiben der Bauten möglich wäre. Was taten die Kommunisten? Diese Tatsache hat die kommunistische Reichstagsfrattion der anlaßt, eine dringende Interpellation über den ,, Standal" der Still legung zahlreicher Neubauten( von einer Stillegung fann nirgendwo die Rede sein) einzubringen. Sie hat zugleich ein Gesetz gefordert, wonach die Steuerbefreiungen für Wohnungsbauten in der Notverordnung aufzuheben sind. So revolutionär diese Forderung cuf den ersten Blick aussieht, so sehr läuft sie in Wirklichkeit den Intereffen der Mieterschaft zuwider. Es geht der KPD. mit diesem Antrag wie mit den meisten ihrer Agitationsanträge: fie sind aus einer sträflichen Unkenntnis der Praxis entstanden, deren fachliches Studium man unseren RBD.- Parlamentariern nicht gut zumuten darf. | insgesamt etwas über 400 m. betragen, fällt die Erhöhung der Baufosten, die durch Verzögerung der Baufertigstellung um etwa einen Monat entsteht, nicht sehr ins Gewicht. Sie macht auf die Miete umgerechnet eine Erhöhung von 25 Pf. pro Monat aus. Während die Sozialbemokratie die Vorverlegung des Termins für die Steuerbefreiung vom 1. April auf den 1. Januar dieses Jahres fordert, damit auch die geringste nachteilige Wirkung auf den Beschäftigungsgrad der Bauarbeiter vermieden wird, wäh rend sie dort, wo es erforderlich ist, eine verstärkte Kontrolle der Mietenberechnungen bei den Bauherren durch die städtischen Körper. schaften fordert, damit die neuen Steuersenkungen auch wirklich einzig und allein den Mietern zugute fommen, beantragt die KPD. ein Gesetz, das wenn es angenommen würde jeden Mieter, der in eine nach dem Stichtag für die Steuerbefreiung fertiggestellte Neubauwohnung einzieht, auf Jahre hinaus mit einer Mehrmiete belastet, die gerade für diejenigen Schichten, deren Interessen die Kommunisten zu vertreten vorgeben, fein Pappenstiel ist. Bei Licht betrachtet handelt es sich hier also weniger um einen„ Bauskandal", als vielmehr in Wiederholung früherer Fälle um eine standalöse Mietenpolitit unserer KPD. Parlamen Dr. B- t. Diese Ersparnisse, die für die Wohnung unseres Beispiels, fofern sie im April bezogen wird, 5 Jahre lang 3,30 M. pro Monat und weitere 3 Jahre lang 5,70 m. jeden Monat ausmachen, fommen bei den gemeinnütigen Baugesellschaften in Groß- Berlin den Mietern zugute. Die Kontrolle der Bewirtschaftungsfosten, die den Baugesellschaften von den städtischen Wohnungsfürsorgeinstanzen zur Deckung ihrer Unkosten zugebilligt werden, ist derart gestaltet, daß Steuerfenfungen zu einer entsprechenden Herabsetzung der beantragten monatlichen Mietsäße führen müssen.( Im Rahmen des Bauprogramms 1931 sollen Hauszinssteuermittel mur dann bewilligt werden, wenn die Einhaltung der auf Grund der neuen Steuerbefreiungen errechneten Bewirtschaftssätze garantiert ist.) Gegenüber den Mietersparnissen, die durch die neue Steuersenkung erzielt werden, und die für eine im April bezogene 50- Quadratmeter- Wohnung bis zum Ende des Rechnungsjahres 1938| tarier. Wie wirken sich die neuen Steuervergünstigungen in Wirklichkeit aus? Wird eine Baugesellschaft von den staatlichen Aufsichtsbehörden auf Grund einer eingehenden Kontrolle, die neuerdings berechtigter. weise noch verschärft wird, als gemeinnützig anerkannt, fo ist fie von sämtlichen Steuern bis auf die Grundvermögenssteuer befreit. Während die staatliche Grundvermögenssteuer in Preußen in den ersten 5 Jahren nach Fertigstellung eines Wohnungsbaus nicht erhoben wird, mußte jedoch in Berlin bisher, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Großstädten, der Gemeindezuschlag zur Grundvermögenssteuer in Höhe von jetzt 275 Proz. des Friedenssteuerfazes von der Baufertigstellung an entrichtet werden.( Dieser Gemeindezuschlag ist eine der vielen Sonderlasten, die der Woh nungsbau Berlins im Gegensatz zu vielen anderen Orten des Reiches, zu tragen hat, und die mit zu den Ursachen der hohen Neubaumieten in Berlin gehören.) Die Notverordnung befreit Wohnungsbauten, die nach dem 1. April 1931 bezugsfertig erstellt werden, auch von diesem Gemeindezuschlag und verlängert die Befreiung von der staatlichen Grundvermögenssteuer beispielsweise für Ausverkauf der Aermsten. Eine Versteigerung im Lumpenkeller. Der Es gibt dreierlei Arten von Versteigerungen: die große das alte Pferdegeschirr, die weiße Gluchenne und der faputte Kunstauttion, wo bedeutende Kulturwerte gehandelt werden, Schrank sollen den Wirt für den mieteausfall schablos bei deren Erwerb der Snob dem Sammler den Rang abzulaufen jhalten; das werden fie faum. Und die beiden alten Leute haben fucht, dann jene start sensationell aufgemachten ,, Versteigerun nun gar nichts mehr, was man ihnen wegnehmen kann. gen aus dem Privatbesig des Herrn Generaldirektors F. Leidensweg geht weiter seinen Lauf... oder der Filmdiva Tutti Tatti"; ein Ereignis für die Clique jener Klatschmäuler und Schnüffelnasen, die überall dabei sein müssen, wo es ein wenig nach Sensation riecht. Da wird in der Beletage irgendeiner gerade leerstehenden hochherrschaftlichen Billa funftgerecht und liebevoll all das aufgebaut, was eines neuen, zahlungs. fräftigen Besizers harrt. Die dritte Art der Bersteigerung spielt sich im Hinterhof der Armeleutehäuser ab; interessant, wie solch armen Teufels ganzer Lebenslauf, ist erst recht die Veräußerung seiner armseligen Habe. un Am Hausfor einer Mietskaferne in einer fleinen Straße des Berliner Offens flebt das winzige Zeitungsinserat des Gerichtsvollziehers, der die Zwangsversteigerung durchführt. Hinten im zweiten Hof stehen neben ein paar flatschsüchtigen Nachbarinnen einige neugierige Arbeitslose, die jezt am Bormittag sowieso nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen. Pünktlich zur festgefeßten Zeit beginnt der Gerichtsvollzieher seines Amtes zu walten; das muß fig gehen, er hat noch eine Menge folcher Fälle. Erster Posten: Im Lumpenfeller lagern zwei große Ballen Lumpen, Hutabfälle, die sind im Nu für ein paar Groschen weg, denn das Lumpengeschäft geht zur Not noch immer etwas; weiter: zwei Reiseförbe voll alten Pferdegeschirrs, da ist die Nachfrage nicht allzu lebendig, und der Gerichtsvollzieher muß schon animieren. Mit Mühe und Not bringt er den ganzen Ramsch dann doch noch auf 15 M., es ist altes, aber noch ganz haltbares Lederzeug; der neue Besizer kriegt zwar von seiner energischen besseren Ehehälfte, die sich ganz gerne hätte überbieten laffen, einen festen Anschnauzer von wegen des„ ollen, miesen Dreckzeugs"; aber vielleicht tat fie dies auch nur pro forma, und sie ist eine ganz gewiegte Ramschfeele. Jetzt kommt ein alter Schrant an die Reihe; aus gutem, poliertem Holz zwar, aber ansonsten bloß ein Fragment. Die Türen sind wohl vorhanden, aber nicht an ihrem natürlichen Platz, sondern fie liegen drinnen; das wenig dekorative Möbelstück findet überhaupt feinen Reflettanten. 50 Pfennig schlägt der Auftionator vor, teiner meldet sich. Bum zweiten." Wiederum Grabesstille.„ Na, Gottes Namen eene Mart", ruft einer, und schnell, daß er sich's ja nicht wieder überlegt, wird er festgenagelt. Im selben Moment freischt eine aufgeregte Frauenstimme: ,, Nee, der Schrank is ja schon längst verfauft, ich fonnt ja bloß nich rin, weil der Herr Hauswirt mir nich zu meine Sachen läßt; so werden wir armen Leute beschubst von diesem Pack." Dabei geht sie drohend auf den Hauswirt zu, dann rennt sie wie besessen die Treppe nach einer Art Heufchober hinauf und schreit und geftituliert, und man denkt, sie wird im nächsten Augenblick nach unten springen. Mit strengem Händedruck bringt sie der Gerichtsbeamte auf den Boden der Wirklichkeit zurück, ihr Mann packt sie am Arm und führt sie hinaus. Während sie draußen noch tobt, wird weiter verfieigert. ,, Ein lebendes fuhn", meldet der Beamte, weiß, träffig, gute Legehenne." in Totenstille; er öffnet den Hühnerstall, und das total erschreckte Federvieh flattert eiligst hinaus. Hat se vielleicht noch Eier jelegt", meint eine tundige Hausfrau und fühlt das Strohlager ab; es findet sich aber nichts. Eine Mart" erstes Angebot, 1,50 m., für 2 m. padt es dann ein junger Mensch in einen mitgebrachten Bezug laternen usw., aber da will teiner mehr anbeißen. Bei 50 Pf. heißt ,, Na, ville hat er es: Nee, denn schon lieber Kartoffelschalen". Das Einheitszeichen für die S- Bahnen. Dr.- Ing. Marg, bereits furz nach seinem Amtsantritt angekündigte Die von dem neuen Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin, einheitliche Bezeichnung der Berliner Stadt, Ring- und Vorortbahnen als S- Bahn" ist inzwischen durchgeführt worden. Alle neuen Schilder, Transparente, Hinweise usw. werden in Zukunft das neue S- Zeichen" erhalten, das auf hellgrünem Grund ein großes lateinisches ,, S" und darumter das Wort ,, Bahn" in weißer Farbe aufweist. Die Reichsbahndirektion hat in diesen Tagen allen beteiligten Dienststellen ein Muster des neuen 3eichens zugestellt. ,, Künstlerischer Tanz." Am Freitag, dem 6. Februar 1931, 20 Uhr, findet der 4. Kunstabend des Volksbildungsamts des Bezirks amts Kreuzberg im Orpheum, Hasenheide, Eingang Graefeftraße, statt. Für den Abend find Mitglieder der Tanzgruppe der Städtischen Oper sowie Bera Storonel mit ihrer Gruppe verpflichtet worden. Der Eintrittspreis beträgt für Jugendliche 50 Pf. und für Gäste 80 Pf. 1 A HEFTER SEIT 75 JAHREN Hefters Qualitätsfleischwaren nach Wunsch küchenfertig hergerichtet: la Ochsenfleisch feinster Stallmast la Lammfielsch feinster Stallmast la Mastkalbfleisch Hefters feine Wurstwaren Fordern Sie unsere bekannten Sonderheiten: Gutsfielschwurst, Gutsleberwurst Hausmacher- Leberwurst Spezial- Leberwurst, Spezia!-Rotwurst Zungenwurst, Sülzwurst, Krakauer, Blerwurst Reichswurst, Gefüllter Schinken Wiener Würstchen, Saucischen Hefters Ausnahmeangebote Fetter Speck per Pfund Mk. 0.95 Schinkenecken 0.92 " Schinkenspeck i. G. 1.60 90 Magerer Speck 1.40 " Griebenschmalz 0.88 99 Bratenschmalz. Breslauer. 0.72 1.00 9 1.00 95 0.80 " Hailesche kotwurst. 0.80 " Landleberwurst Konsum- Leberwurst erst einmal, bald öfter, eine im April dieses Jahres bezogene Neubauwohnung von 5 auf und schiebt los. Nun tommt noch Gerümpel, altes Holz, Wagens ann immer 8 Jahre. Positives statt Phrafen. An einem der Bragis entnommenen Beispiel einer fleinen 3weizimmerwohnung von 50 Quadratmeter Wohnfläche mit 9000 m. Gestehungskosten einschließlich Grund und Boden seien die fünftigen da nich herausbekommen,", meint eine ,,, wo die Leute doch allerhand Mieteschulden bei ihm haben." Der Gerichtsvollzieher stedt feinen Taftstod weg, flappt bie Aftenmappe zu, die Versteigerung ist zu Ende. Die Lumpenballen, Hefter am Breitenbachplatz Unsere Filiale Breitenbachplatz 10 ( Fernspr.: H1 Pfalzbg. 9194), ein Vorbild moderner Hygiene und Zweckmäßigkeit wurde soeben eröffnet. Fernsprecher für alle Filialen: Merkur 0040-6045 A HEFTER Aus der Arbeit der Bezirke. Arbeit für unsere Kinderfreunde. 2. Bezirf- Tiergarten. sei der zentrale Schulausschuß, der nachgewiesen habe, daß es in Berlin Schulen gibt, die noch verwahrloster sind. Der Antrag auf Abstellung der Mängel wurde einstimmig angenommen. Ein Antrag der Deutschnationalen, der von den Kommunisten dahin umgeändert wurde, daß bei einem Einkommen bis zu 6000 m. die Erhebung der Bürgersteuer unterbleiben soll, wurde gleichfalls angenommen. Zum Schluß wurde noch in nichtöffentlicher Sigung eine Anstellungsangelegenheit erledigt. Die Bezirksversammlung Tiergarten wählte zum Borsteher den Deutschnationalen Hagemann, zum Stellvertreter den Genossen Bublig. Ein fommunistischer Antrag, der abgelehnt wurde, wollte die Bezirksversammlung regelmäßig jeden Monat tagen lassen. Der Kommunist Kosta begründete den Antrag damit, daß die Kommu nisten nur von der Tribüne der Versammlung aus Gelegenheit trag, der abgelehnt wurde, verlangte die generelle Aufhebung der vom Bezirksamt ausgesprochenen Hausverbote. In der Begründung des Antrages hatten sich die Kommunisten besonders gegen den Genossen Stadtrat Schuldt gewandt, konnten aber nicht das geringste Material für ein rigoroses Vorgehen in diesem Amte beibringen. Die kommunistischen Anträge für Winterbeihilfen verfielen wegen der Magistratsvorschriften der Ablehnung. Eine Koalition von Kommunisten, Nazis und Deutschnationalen nahm einen fommunistischen Antrag an, der forderte, daß alle Steuereinziehungen, die einen Teil der Erfüllung des Young- Planes darstellen, eingestellt werden. Zu einem kommunistischen Antrag, der verlangte, daß von Straßenhändlern kein Standgeld erhoben wird, stellten wir den Abänderungsantrag, daß bei Erhebung des Standgeldes auf das Einkommer Rücksicht genommen werden soll. Kommunisten und Nazis beantragten Aufhebung des Demonstrationsverbotes. Dabei warfen uns die Kommunisten vor, das Verbot bedeute ein Zusammenspiel der sozialdemokratischen Polizei" mit Grebbels, während ein besonders tüchtiger Politiker aus den Reihen der Nazis von unserer Regierungstoalition mit der Volkspartei sprach und im übrigen die Aufhebung des Verbotes forderte, weil es gegen die Berfassung verstoße! Auch dieser Antrag wurde mit Hilfe der Deutschnationalen angenommen. Ein Antrag unserer Fraktion verlangte, daß das Bezirksamt schnellstens für Ausstattung des Jugendheimes der Kinderfreunde in der Schule Waldenserstraße forge. Stadtrat Jahnke versuchte, wie schon wiederholt, sich hinter Zuständigkeitsfragen zu verschanzen, unser Antrag wurde aber angenommen. Wir ftellten ferner die Anfrage, ob es richtig sei, daß ein wegen Mißhandlung eines Böglings in Struveshof entlassener Erzieher vom Bezirksamt als Heimwart in einem Jugendheim angestellt worden sei. Das Bezirksamt mußte zugeben, daß der Heimwart angestellt wurde, während sich seine Atten bei der Staatsanwaltschaft befanden, was dem Bezirksamt unbekannt war! Eine weitere Anfrage unserer Fraktion über Verteilung von Weihnachtsspenden wurde beantwortet. haben, zu Arbeitern zu sprechen. Ein weiterer kommunistischer An Kommunist Lange und die Waldschule. Die Kioske den Minderbemittelten! 4. Bezirk Prenzlauer Berg. Unsere erste Bezirksverordnetenversammlung in diesem Jahre wählte den Genossen Döhnert als Vorsteher und auch den gesamten Vorstand des vorigen Jahres wieder. Die Kommunisten schlugen eigene Kandidaten vor, auf die sie 14 Stimmen vereinigten, und schalteten sich damit selbst aus. Auch die ständigen Ausschüsse wurden in ihrer alten Zusammensetzung wiedergewählt. Nach der in der vorigen Versammlung geänderten Geschäftsordnung wurde auch zur Vorbereitung der Geschäfte ein Aeltestenausschuß gewählt. Als Versammlungstag murde wieder der Mittwoch bestimmt. Für die Anschaffung einer Buchungsmaschine für das Wohlfahrtsamt wurde die notwendige Summe bewilligt. Von der Aufstellung von Barrieren am Bahnhof Weißensee, die verhindern sollen, daß das den Bahnhof verlassende Publikum zu Schaden kommt, wurde Kenntnis genommen. Dem Verkauf eines Grundstücks an der Goethe- Ecke Ostseestraße an die Berliner Verkehrs- Aktiengesellschaft, wurde zugestimmt und auch dem Magistrat die Zustimmung empfohlen. Auf eine Anfrage unserer Fraktion wurde festgestellt, daß die im Bezirk aufgestellten Kioske nur durch Minderbemittelte betrieben werden dürfen und nicht von Leuten, die noch andere Erwerbsmöglichkeiten haben. Ueber die baulichen und hygienischen Zustände der Schule in der Heinrich Roller= Straße wurde lebhafte Klage geführt und Abhilfe gefordert. Das Bezirksamt verwies darauf, daß es schon immer versucht habe zu helfen, daß es ihm aber noch nicht gelungen sei. Zuständig hierfür 5. Bezirk Friedrichshain. versammlung zu leisten, vergrößert sich der Umfang der TagesordBei der geringen Möglichkeit, fachliche Arbeit in der Bezirksmung von Sihung zu Sigung. Anträge, die schon vor einem Jahre gestellt wurden, sind noch heute unerledigt. Bei dem Charakter dieser meist kommunistischen Klischeeanträge wäre es notwendig, daß die Versammlung durch llebergang zur Tagesordnung sich endlich von diesem Ballast befreite. Das Empfinden, daß es so nicht weiter gehen kann, hat die Bezirksversammlung wenigstens veranlaßt, von 36 Tagesordnungspunkten allein 23 Punkte verschiedenen Ausschüssen zur weiteren Erledigung zu überweisen. Bei weniger großem Redebedürfnis der Kommunisten wäre es nicht allzu schwer gewesen, den restlichen Teil der Tagesordnung endlich einmal zu erledigen. Der Arbeitseifer reichte jedoch nur für sechs Punkte, da war dann die Zeit gekommen, um durch Krakeel die Sigung auffliegen zu laffen. Großen Umfang in der Beratung nahm die nicht zustandegekommene Schaffung der Waldschule in Sadowa ein. Die Kommunisten waren wißbegierig zu erfahren, aus welchem Grunde das Projekt, das bereits vor zwei Jahren von der Bezirksversammlung beschlossen wurde, nicht zur Ausführung gelangt ist. Daß allzu große Neugierde auch ein schwerer politischer Fehler sein kann, hat ihnen die Antwort des Bürgermeisters Genossen Mielik gezeigt. Er wies darauf hin, daß er bereits bei den vorjährigen Haushaltsberatungen eingehend zu der Angelegenheit Stellung genommen habe. Wenn die Kommunisten aber noch einmal eine Auffrischung ihres schwachen Gedächtnisses wünschen, so solle ihnen der Gefallen gern getan merden. Seit acht Jahren ist der Bezirk bemüht, eine Waldschule zu schaffen. Die Plakfrage machte zunächst die größte Schwierigkeit, doch gelang es im Laufe der Zeit durch Verhandlungen mit der Forstver waltung, das geeignete Gelände zu finden. Der Magistrat stimmte dem Projekt zu und überwies die Angelegenheit in einer Borlage der Stadtverordnetenversammlung. Bei der Zusammen setzung der Stadtverordnetenversammlung hatten wir guten Grund anzunehmen, daß die Vorlage gesichert sei. Wir beschäftigten uns deshalb sehr intensiv mit den Vorarbeiten. Auf Antrag einer Seite überwies die Stadtverordnetenversammlung die Vorlage einem Ausschuß. In diesem Ausschuß blieb es dann einem fommunistischen Stadtverordneten vorbehalten, die größten Schwierigfeiten zu machen. Da ihm das Etatswesen der Stadt Berlin böhmische Dörfer find, glaubte er in den vom Bezirk bewilligten Geldern unzulässige Ersparnisse zu erblicken. Die tommunistischen Stadtverordneten des Bezirks waren anscheinend nicht in der Lage, diesen Herrn aus seinen Irrtümern zu befreien. Vielleicht wollten sie es auch nicht. Jedenfalls fonnte er den Erfolg verbuchen, daß noch einmal ein neues Projekt ausgearbeitet werden mußte. Bevor nun nochmals an die Stadtverordnetenversammlung herangetreten werden konnte, war die Finanzlage der Stadt so fatastrophal geworden, daß an die Durchführung neuer Projekte nicht mehr herangegangen werden konnte. Durch die Schuld der kommunisten allein ist also die Durchführung des Projektes gescheitert. Genosse Klingler, einit Vorsitzender des Ausschusses für die Waldschulangelegenheiten, zeichnete nun auf Grund jeiner Kennt nis die Sabotagearbeit der Kommunisten und besonders des hier in Frage kommenden Stadtverordneten Frik Lange. Das Getände war angeblich zu klein, die Waldschule sollte größer werden, weiter bemängelte man, daß der Bezirk bereits für diesen Zweck 40 000 m. erspart hätte und dergleichen. Alles Dinge, um die Sache zu verschleppen. Das ist den Kommunisten leider zum großen Schaden unserer armen proletarischen Jugend gelungen. Die kommunistische Bezirksverordnetenfraktion, die ihre Tapfigkeit wohl einsah, stammelte betreten von dem Mißtrauen, das Lange in dieser Sache hatte, und daß man erfparte Gelber boch beffer für die Erwerbslosen gebrauchen folle. Daß es aber zweckmäßiger ist, Arbeit für das Geld zu schaffen, konnten die engftirnigen tommu nistischen Kommunalpolitiker nicht fassen. Nach dieser glänzenden Abfuhr brachte Genoffe Mardus Mißstände in einer Wohlfahrtskommission zur Sprache. Hiernach haben sich kommunistische Wohlfahrtspfleger sehr schwer gegen ihr übertragenes Amt vergangen. Als Stadtrat Genosse Klodt diese Anflagen vollauf bestätigt, vollführten die Kommunisten einen Heidenlärm, so daß der Vorsitzende, Genosse Pohling, gezwungen war, die Sitzung auffliegen zu lassen. Verdiente Stäupung der Kommunisten. aus 16. Bezirk Köpenick. Die erste Bezirksverordnetensitzung im neuen Jahre wies eine Tagesordnung von 29(!) Punkten auf, darunter die Wahl des Vorstandes. Kommunisten und Deutschynationale vergnügten sich an Genossen Boid 17 gegen 12 Stimmen vereinigte. Die Borlagen Eigenkandidaturen, so daß Stimmzettelwahl erfolgte, die auf unseren des Bezirksamts betr. Aufhebung der Vorgärten der Kaiserin- AugustaVittoria- tSraße und er Barrisiusstraße in Köpenick und Neufest= fegung resp. Aufhebung von Fluchtlinienplänen der Westendstraße in Köpenick und Straße 8 in Friedrichshagen somie des Erpetales als Freiflächengebiet wurden fast debattelos ge Freiflächengebiet wurden nehmigt, nur Die Friedrichshagener Grundstücksinteressenten glaubten Profitinteresse gegen die Vorlage opponieren zu müssen. In den Wust der nun folgenden Anträge und Anfragen teilten sich brüderlich Kommunisten und Deutschnationale, die als diesjährige Neuheit mit Abschrift schon erledigter ehemaliger Anträge und Anfragen unserer Fraktion aufwarteten und sie dem Plenum als Eigenerzeugnisse fredenzten. Dieses Novum nagelten unsere Fraktionsredner gebührend fest. Zu einer ausgiebigen Debatte und Stäupung der Antragsteller kam es bei dem Antrag der KPD. betr. Wiedereinstellung entlassener Notstandsarbeiter. Genosse Rohde nahm Veranlassung, auf die Inkonsequenz der Antragsteller bei Beurteilung von berechtigten Entlassungen in kommunalen Betrieben in Gegensatz zu den Entlassungen in der Rote- Fahne"-Druckerei und den Vorkommnissen in Rußland hinzuweisen und ihnen den Stempel der Unwahrhaftigkeit und Demagogie aufzudrücken. In jämmerlichster Weise wußten die kommunistischen Helden zum Schluß nur als Ausrede,„ daß die Arbeiter in der Roten Fahne" für zu viel Geld zu menig Arbeit geleistet hätten und daß die Solidaritätsbrecher mit Recht jetzt Ueberstunden en masse schieben dürften". Die moral sche Niederlage war vernichtend. Aehnlicher Blamage setzten sich die Deutschnationalen aus, deren Redner, ein Studienrat, sich gegen Bücherzuwendungen an Schulen und Einrichtung von Spiel- und Sportmöglichkeiten im Bezirk wandte. Ein Antrag unserer Fraftion betr. Schaffung eines zentral gelegenen Sportplatzes für die Ortsteile Rahnsdorf. Wilhelmshagen und Hessenwinkel sowie in Verfolg des Planes, das Schulgebäude in Hessenwinkel Jugendherbergszwecken zuzuführen, fand Annahme. Wir leisten praktische Arbeit. 20 Bezirk Reinickendorf. In der ersten Bezirksversammlung des neuen Jahres wurde Genosse Rogolf gegen die Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten zum Vorsteher wiedergewählt. Erster Stellvertreter wurde der Staatsparteiler Miller, zweiter Stellvertreter der Volksparteiler Liesecke. Zum Beisitzer wurden der Zentrumsmann Jähnert und der Genosse Knuth wiedergewählt. Die Wohlfahrtspflege im 20. Bezirk ist in ihrer Einrichtung der der übrigen Bezirke angeglichen worden. Die Wahl der neuen Wohlfahrtspfleger wurde vorgenommen. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangte Fahrgeldentschädigung für den Besuch der Schulzahnklinik, wenn Erwerbslosigkeit oder Bedürftigkeit des Ernährers vorliegt. Genosse Kurz wies darauf hin, daß in unserem ausgedehnten Bezirk nur eine Schulzahnklinik ist und oft deshalb recht weite Wege zu machen sind. Von der sozialdemokratischen Fraktion wurde eine Anfrage an das Bezirksamt gerichtet, ob die Errichtung eines evangelischen Friedhofes zwischen der Siedlung Freie Scholle und der Josef- Steds lung genehmigt ist, und welche Maßnahmen betr. Erweiterung des Tegeler Gemeindefriedhofes getroffen worden sind. Zu einem fommunistischen Antrag, der die Herabsetzung der Arbeitszeit auf 44 Stunden in den Betrieben der Stadt Berlin kritisiert, führte Genosse Kreutlein die mangelhafle Solidarität der Kommunisten mit ihren Arbeitskollegen vor Augen. Gänse refroren...... Ptd. von Wolgagefroren, hühner Pfd. von Puten Pid. Ton frisch, Hühner Pid. von Hirschkeule Pfd. von Hirschblätter Pfd. von Wildschwein0,76AD an 0,92D Heute zu Tienz: 0,90 billige und gute Lebensmittel einkaufen 0,92.0 an 1,15An an 0,85an rücken..Pfd. von 0,95an Wildschweinkeule.... 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Gemüse mittelfein 0,98 Leipziger Allerlei... 0,78 Konsumgemüse aus getrockneten Erbsen.. Birnen, Frucht Erdbeeren Suppenfleisch.Pfd. von 0,74an Kalbskotelett Pfd. von 1,20an Kalbsschnitzel Pid. von 1,80an Schmorfleisch Keule, o.Ka., Ptd. 1,18 Kalbsroulade garollt, Pid.von 1,34an Gulasch gemischt.... ........ Pfd. 1,08 .Pfd. 1,34 Kabshaxen........... Pfd. 0,68 Roulade....... Roastbeefo.Knoch., Pfd.v. 1,38 an Schweinebauch o. Beil., Pfd. 0,78 Schweineschinkenm Bein, Pf. 0,86 Schweineköpfe mit Backe, Ptd. 0,42 Rinderfilet im ganzen..Pfd. 1,48 Schweineschulferbl. Pfd. 0,83 Rinderieber frisch.... Pid. 1,08 Schweinekammo. Beil..Pid. 0,98 Rinderbacken o. Kn... Prd. 0,54 Schweineschuft o.Beil., Pfd. 0,98 Rinderherzen. ....... Pfd. 0,58 Rückenfeff bratf., nd. Liesen, Pfd. 0,68 Euter....... Stachelbeeren ............ Ptd. 0,28 Schweinekotelett Pid.v. 0,98 an Schweinenieren Pid. 0,88 Singapore- Ananas Gefrierfleisch Hammelvorderfleisc Hammelkeulen....... Pid. 0,78 Ptd. von 0,58an Suppenfleisch..Pfd. von 0,68 an Hammelrücken....... PId. 0,68 Schmorfleisdi o. Kn., Pfd. 1,12 1929 er Willinger Mosel.... 1929 er Braune berger Ries'ing 600 FL 0,95 10 F1. 9,00 FI. 1,45 10 FL 14,00 1928 er Lieserer Schlossberg Naturgew. Potzet- Prümm₁ FL 1,85 10 FL. 17,50 1929 er Graacher Domprobst Spätlese. Natugerw. 1, FL 2,75 10 FL. 25,00 1926 er, Deidesheimer Katharinenbild Riesl.ng, Fl. 3,50 10 FI. 32,00 1929er Edenkob.Geredhod. Treiser Castel, F1.0,85 10 F1.8,00 Deulscher*** Weinbrand Roter Johannisbeerwein] Jamaica- Rum0,75 Verschnitt 40% „ Cider", süss. Apfelwein 5 Ltr. 3,50 Spez.- Apfelw. Ltr. 0,55 10 Ltr. 5,00 Rol. Tarragona Ltr.1,10 5 Ltr. 5,25 Rheinpl.Weissw.Ltr.0,85 5 Ltr. 4,00 Gold- Malaga Ltr. 1,60 5 Ltr. 7,50 Fl. 4,60 Stachelbeerwein. Preise ohne Flasche ANFLE*** Ltr. 0,45 1,10 1,35 Aprikosen Frucht... 0,98 Kirschen ohne Stein 1,10 Sauerkirschen mit Stein 0,95 acht Scheiben...... .... ***** PORA 0,85 0,95 Molkereibutter... Pid. 1,48 Tafelbutter Pfd. 1,56 Dän.Butter Ph. 1,70 Margarine u. Kokosfett.. Pfd. Frische Blut- u. 0,40 Leberwurst pld. 0,65 Dampfwurst 0,88 gek, Schinken 0,45 * Grüne Norweger, 0,68 Heringe... 5 Pfd. Matjesheringe 0,25 Fettheringe 10 Stück 0,68, Kolonialwaren 0,48 Bruchreis.............. Pt. 0,15| Weisse Bohnen...... Pfd. 0,18 Italienischer Reis.... Pid. 0,22 Backobstia kaliforn, Pid.0,40 an Burma Reis.......... Pta. 0,20 Kalif. Birnen......... Pfd. 0,50 Eierbandnudeln.... Pid. 0,46 Kalit. Ringäpfel..... Pia 0,58 Eiersternchen........ Ptd. 0,55 Kalif. Aprikosen.... Ptd. 0,68 Brudimakkaroni.... Ptd. 0,44 Kakao lose............ Ptd. 0,56 Vikioria- Erbsen.... Ptd. 0,18 Kaffee........... Pfd. von 1,90 an Fische und Räucherwaren Seelachs gr., o.K., i.g., Pfd. von 0,20an Bücklinge....... Pid. von 0,26an * Rolbars........ Pfd. von 0,30an Seelachs geräuch., Pfd. von 0,36an Kabeljau gr. o.K., i g., Pid von 0,20an Rolbars geräuch., Píd. von 0,45an * Schellfisch. g. Pid. von 0,22an Sprottenbrutto f. netto, ca. 1- Pid.- x 0,40 Kabeljaufilet Ptd. von 0,34an In allen Häusern ausser Andreasstrasse