BERLIN Freitag 30. Zanuar 1931 10 Pf. Nr. S0 B 25 48. Jahrgang € r f dj e i n t t ä s 1 1<& a u 6 e r® e n n t« s«. C ff t j/} t\F ff t ff Anteise«»rei«iDie einspaltige Nolirareillezekl« Zugleich Abendauegabt de«.Vorwärt«. B«iug«pre� aft i /Jt ft SJ EJL/� Alfik. fiyTI ji*#ll sTf aft j_l 80 Pf.. Reklamezeile 5M. Ermäßigungen nach Tarif. be.de Ausgaben süPf.p»W°che.S60M. pro Monat. K/7iMV%fC(uO%l4F0 XUlb ffwOfWXt�VÖ Postscheckkonto- VorwärlS-Verl-g G. m. b.H.. Redaktion und Exr�dmon; Bert, nSWss.xindenstr.Z f V" Berlin Nr.««ss. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 2S7 Skandal der Nlmzensur Verbot republikanischer Bilder/ Llnfähigkeit deutscher„Diplomaten" Ter Kilmskandal. der durch da� Verbot des sozialdemokratischen Trickfilms entstanden ist. dürfte die Oeffentlichkeit noch längere Zeit beschäftigen. Denn die Sozialdemokratie ist nicht gesonnen, eine derartig will- kürliche. einseitige und tendenziöse Aus- legung des Lichtspielgesetzes, wie sie die Filnroberprüf- stelle aus parteipo Ii tischen Gründen beliebt hat, sich gefallen zu lassen. Wir bringen heute einige Proben aus dem Film, damit unsere Leser sehen mögen, was die beutige Zensur zu verbieten sich erlaubt. Das Urteil bleibt jedem Denkende« überlassen. 4. Absichten der Regierung dürfen nicht bekämpft werden. In unserer heutigen Morgenausgabe tonnten wir erst einige Teile der Begründung und der sogenannten Gutachten bringen. Je genauer man die Begründung kennenlernt, desto größer Dies darf nicht gezeigt werden, weil man— nach An- sichi der lilmober prüf stelle— nicht weiß, ob es Nazis waren, die in der Leipziger Straße die Fensterscheiben eingeworfen haben.(Daß die nerurtcilten Fenstereinwerfer organisierte Mitglieder der NSDAP, waren, braucht die Filmobsr prüf stelle ja nicht wissen bzw. will sie nicht wissen.) wird der Skandal. So führte der Barsijze.rde der Oberprüs- stelle, Oberregierungsrat Becker, in der Vcrbotsbegrüichung unter anderem folgendes aus: „Im Anfang des Films wird gezeigt, wie der Unter- n c h m e r seinen. Arbeiter einen Lohnabzug macht. Als der Arbeiter den vollen Lahn fordert, zeigt er ihm die leere Schublade und sagt:„Lohnabbau". Es wird aber angedeutet, daß der Unter- nehmer noch Geld im Geldschrank Hot und sehr wohl zahlen könnte. Durch diese Darstellung wird der von der Regierung Brüning angeskreble allgemeine sechsprozenlige Lohnabzug bekämpft. Aus diesem Grunde mußte der Film verboten werden." Räch dem Lichtspielgesetz darf ein Film wegen seiner politische» Tendenz nicht verboten werden. Hier wird das Verbot eindeutig mit der politischen Tendenz des Films begründet! Das Verbot wird darauf gestützt, daß der Film eine von der Regierung angestrebte Maßnahme angreife.(Als der Film gedreht wurde, bestand diese Maßnahme noch gar nicht. Der Film bekämpft nicht den Brüningschen Lohnabbau speziell, sondern den Lohnabbau ganz allgemein.) Dieser Teil der Begründung liefert den klaren Beweis, wie durch das Berbot Wortlaut und Sinn des Filmgesetzes mit Füßen getreten werden! 2. Weisheit des Oiplomaten: Mussolini gleich Hindenburg? Eine groteske Rolle spielten in den Verhandlungen d!« beiden Vertreter des Auswärtigen Amtes, der Konsul Hoff- mann-Dölkersamb und der Lega.ionsrat Thomfen. Letz- terer, Spezialreferent im Auswärtigen Amt für Italien. behauptete, daß die Stellung Mussolinis in Italien der des Reichspräsidenten Hindenburg entspreche! Bon dein Vertreter der Hersteller. Genossen Kuttncr, mußte sich dieser .Spezialist" italienischer Derhältniss- mit einiger Beschämung darüber belehren lassen, daß dem Reichspräsidenten als Staatsoberhaupt nicht Herr Mussolini, sondern der italienische König entspreche. Nach dieser mißglückten Attacke bestieg der Konsul Ho ff mann- Völkersamb ein anderes Roß. Er hielt eine tränenreiche An- spräche darüber, wie schön doch die deutsche Einigkeit sei. Dieser J.---A- Diese Darstellung gefährdet die deutsdi-italieni- hdien Beziehungen — nach Ansicht der Filmoberprüf- stelle und des Auswärtigen Amtes. Film aber zeige den deutschen Parteikompf und„verschärfe die Parfeigegensätze"— dadurch würde die deutsche Diplomatie im Ausland erschwert!! Auf den sarkastischen Einwurf des Ber- treters der Antragsteller, ob das Auswärtige Amt nicht lieber gleich mit dieser Begründung den Reichstag und die gesamte Presse verbieten lassen wolle, suchte der intelligente- Diplomat einen anderen Dreh zu finden: in dem Film werde der N a t i o n a l- sozial! st als unsympathische Figur dargestellt. Das Ausland werde geneigt sein, verallgemeinernd zu erklären: Wie dieser Nationalsozialist sind alle Deutschen! Danach wird wohl künftig das Auswärtige Amt bei jedem deutschen Film da? Verbot beantragen müssen, in dem ein Vcr- Dies Bild darf nicht gezeigt werden, weil da- durdi die bestehende Staatsform verherrlidil wird, was zu Störungs- ver suchen staatsfeindlidi gesinnter Elemente Anlaß geben könnte. brecher, ein übler Charakter, ein Intrigant usw. auftritt! Mit vollem Recht erklärte der Vertreter der Hersteller: Diese Argmuentc seien derart an den Haaren her beigezogen, daß man die Absicht eines politischen Verbotes aar zu deutlich dahinter erkenne. Ob im übrige» der Vertreter des Auswärtigen Amtes, der sich so warm für die Nazis einsetze, nicht wisse, daß infolge des Wahlerfolgs Hitlers vom 14. September zwei Milliarden Mark kurzfristige Auslandsguthaben aus Deutschland zurückgezogen seien, daß die auswärtigen Beziehungen zu den Westmächten durch das Anwachsen der Nazis außerordentlich erschwert seien, und daß es dal>er nur günstig auf das Aus- land wirken könnte, wenn dieses sähe, daß es auch Leute in Deutsch- land gibt, die den Nationalsozialismus mit aller Schärfe bc- kämpfen?! hierauf wußte der Herr Konsul keine Antwort. Er brauchte auch keine, da die Berbotsabsicht des Vor- sitzenden und der Mehrheit der Beisitzer schon während der Ver- Handlung deutlich erkennbar war. 3. Ein Schweiger. Ebenso kläglich war die Rolle, die der„Sachverständige" de? Reichsinnenministeriums spielte. Auf die Frage, ob der Film, in geschlossenen Veranstaltungen gespielt, die Ordnung und Sicherheit gefährde, schmetterte er ein kurzes„Nein", auf die weitere Frage, ob in öffentlichen Veranstaltungen gespielt, cht ebenso kurzes„Ja". Da mit diesem„Sachverständigengutachten" kaum Staat zu machen war, so zitierte der Vorsitzende zur Begründung kurzerhand die Ausführungen des gleichen Herrn aus der ersten Instanz, obwohl ganz ersichtlich war, daß der schweigsame Herr sich geschämt Hatte, diese Gedankengänge noch einmal zu wieder« holen. Dieses Schamgefühl war begreislich. Halle doch der Vertreter der A n t r a g st e l l e r ausgesührt:„Der Film gefährdet nickst die ösfent- liche Ruhe und Sicherheit, er schützt und unterstützt sie. Er verurteilt die Gewalttätigkeiten und Aus» schreitungcn der Radikalen in unmißverständlicher Weise. Der Schutzpolizist, der den Nationalsozialisten an seinen Exzessen -L-l Dies darf nidit gezeigt werden, weil angedeutet wird, daß der Unternehmer, der dem Arbeiter einen Lohnabzug madit, im Geldschrank nodi Geld habe. Dadurch— so sagt die Filmober prüf stelle— wird der oon der Regierung Brüning angestrebte 6 prozent ige Lohnabzug bekämpft.— Nadi§ 1 des Lichlspiel- gesetzes darf ein Film wegen seiner politischen Tendenz nicht verboten werden.(Höchstens, wenn diese Tendenz der Regierung nicht paßt.) verhindert, wird durchaus sympathisch, der Exzedent u n, sympathisch dargestellt. Am Schluß wird die bestehende Staats» form verherrlicht. Der Staat hätte allen Grund, den Herstellern für diese Unterstützung seiner Ausgaben dankbar zu sein. Ein Staat. der die Verteidigung der Ordnung verbietet mit Rücksicht daraus. daß die Feinde der Ordnung daran Anstoß nehmen könnten, ein solcher Staat verneint sich selber." Aber die Mehrheit der Filmoberprusstelle stand offenbar ayf dem Standpunkt, daß der heutige Staat zu verneinen und der Staatsfeind zu schützen sei. Das ist allerdings ein Maximum dessen, was eine staatliche Zcnsurstelle an Skondol leisten kann! Aazis verschandeln den Neichstag. Nicht nur innen, jetzt auch außen' Nationalsozialisten haben in der vergangenen Nacht am Portal 1 des Reichstagsgebäudes in der Türfüllung mit einem scharfen Gegen» stand ein etwa 40 Zentimeter großes Hakenkreuz einge- schnitzt: dazu die Unterschrift:„Juda verrecke." Obgleich die Täter längere Zeit zu ihrer Büberei gebraucht haben, sind sie unbeobachtet geblieben. Erst heute vormittag wurde das Schandmal von einem Angestellten des Reichstags entdeckt. Zorns hat sein Ltrteil. Oaö Gericht dementiert sich... In�der Berusungsverhandlung des Beleidigungsprozesses gegen den Redakteur Bornstein wegen öffentlicher Beleidigung des Reichsanwalts Jörns, der seit dem 28. Oktober v. I. d>e Strastamm-cr des Landgerichts III beschäftigte, wurde heute uiillag durch Landgerichtsdirektor Ohnesorge folgendes Urteil ver- kündet: Das von dem Nebenkläger Reichsanwalt Jörns angefochtene (freisprechende) Urteil des Schöfsengerichts Berlin-Mllte wird aus- gehoben. Der Eingeklagte Bornstein wird wegen übler Nachrede in Tateinheit mit Beleidigung durch einen Artikel in der Presse zu einer Geldstrafe von 500 Mark oder im Nichtbeitreibungsfalle zu zahn Tagen Gefängnis verurteilt. Wendhausen= Windhausen. Das Märchen über schlechte Behandlung der Fememörder. Im Strajgesctzausschuß des Reichstages erbat heut« vor Eintritt in die Tagesordnung Ministerialrat Ritsch das Wort, um für die preußische Negierung zu den Behauptungen des Ab- geordneten Wendhauscn über eine besonders schlechte B e h a n d- lung der Fememörder Stellung zu nehmen. Er crllärt: Niemals hat ein preußischer Minister über die preußische Staa.'s- regierung Anweisung gegeben, die Fememöder anders zu behandeln. als nach den allgemeinen Vorschriften. Oberleutnant Schulz sei. während der Untersuchungshaft fast immer in einer Zelle allein gewesen, bis ihm auf seinen Wunsch ein Mitgefangener in seine Zelle gegeben wurde. Auch in der Strashaft ist er be- handelt worden wie andere Gefangene und er hat sich niemals beschwert. Bezüglich des Femeinörders Fuhrmann ist nicht wahr, daß ihm sein Gesuch um Urlaub, um seine in Lebensgefahr schwebende Mutter noch einmal zu sehen, abgelehnt worden sei. Die Mutter ist niemals in Lebensgefahr gewesen, sie lebt auch heule noch. Es bestand nur die Gefahr der Erblindung. Als sie ihren Sohn noch einmal sehen wollte, wurde diesem Wunsche stattgegeben. Die Mutler hak ihn besucht und er hat die Mutter besuchen können. so daß diese durchaus zufriedengestellt war. Sie hat sogar noch einen rührigen Dankbrief an den preußischen Justizminister ge- schrieben. Als einmal behauptet wurde, in diesem Falle habe der preußische Justizminister eine„viehische Gemeinheit" gegenüber der Mutter begangen, wurde Strasantrag gestellt und der An- geklagte zu 600 Marl Geldstrafe verurteilt. Die Fememörder Fuhrmann und Venn haben sogar längere Zeit nach ihrer Strafhast den zuständigen Gcfängnisvorsteher besucht, um ihm zu danken,(chört, hört, links, Zuruf-links: Es ist also alles nicht wahr, was die Rationalsozialisten behauptet haben!) Bei der fortgesetzten Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag aus Streichung der lebenslangen Zuchthaus- strafe abgelehnt. Dagegen wurde«in Antrag Worum(Soz.) auf unbeschränkte�Geldstrafe, falls eine Tat aus Gewinnsucht begangen ist, einstimmig angenommen. Für den Fall, daß eine � Geldstrafe nicht bezahlt wird, sieht der Gesetzentwurf Gefängnis- strafe vor. Abg. Dr. Rosenfeld begründete einen sozialdemokratischen Antrag, nach welchem in diesen Fällen von der Vollstreckung einer Freiheitsstrafe abgesehen werden soll. Abg. Warum erklärt, es gehe nicht an, dem freien Ermessen des Richters zu überlassen, ob in den Fällen wo eine Geldstrase ohne Verschulden nicht gezahlt werden kann, die Vollstreckung unter- bleiben könne. Di« Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion wünschten, daß den Verurteilten ein Rechtsanspruch daraus gegeben würde. Bei der Wstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt. Held Morih-Zarnow. Aus der Vergangenheit eines Enthüllers. In einer Berichtigung hat Moritz-Zarnow bestritten, daß er sich nach der Revolution der Sozialdemokratie als Eni- h ü ll e r gegen Proviantämter und Ossiziere zur Berfüguag gestellt hob«� Wir haben an chand..eines Originalärtilels dieses Ehretunannes schon das Gegentell festgestellt. Jetzt erhallen wir folgende Zuschrift eines Kollegen aus der Redaktion der„Mann- hcirncr Bolksstimme":, Der ehemalige Proviantinfpektor ivioritz hat sich 1920 mir als Zeuge in einem Prozeß angeboten, den dar Nationalverband der deutschen Offiziere gegen mich angestrengt hotte. Es Handelle sich damals um die Beweis- führung der Diebstahl« hinter der Front, und auch der Ofsiziere des Frontheeres. Moritz hat sich mir damals als Zeuge angeboten und mir auch Material in Aussicht gestellt. Ich erinnere mich noch, daß ich eine längere Unterredung mit ihm hatte, aber sein Auftreten hatte mich etwas mißtrauisch gemacht. Zu dem Prozeß ist es nicht gekommen. General Hutisr hat die Klag« nach Rücksprache mit dem Staatsanwalt fallen lassen. Material nahm ich von Moritz nicht an, weil ich wegen seiner Zuverlässigkeit Zweifel hatte. Mit Parteigruß! Zimmermann. Eine sehr interessante Feststellung macht onch die„Vossische Zottung". In dem Buch„Gefesselle Justiz" wird der preußischen Justiz bekanntlich vorgeworfen, daß sie sich„zur Dirne der Politik habe machen lassen". Als Beweis hierfür wird auch das Urteil im Barmat-Prozeß herangezogen, es wird so dargestellt, als ob das Gericht damals unter dem Druck der Politiker und des Justizministeriums Barmat von der chauptanklage des Betruges freigesprochen und nur wegen Bestechung zu einer geringen Strafe verurteilt habe. Run stellt die„Vossisch« Zeitung" fest, daß am 29. November 1927 in einem Artikel über den Barmat-Prozeß folgendes zu lesen war: „Unter dem Vorsitz eines mit der kristallklaren Maltkejchen Logik arbeitenden Landgerichts- direktors... Dabei Hilst, nicht minder unerbitt- l i ch spürend, ein explosiv sarkastischer Land- g c r i ch t s r a t als Beisitzer. Ich kann mir keine Mäg- l i ch k e i t denken, im gleichen Umfange geistige Energien einzusetzen und aufzubrauchen, wie es von diesen beiden Richtern in den» Prozeß verlangt wird, der allein schon zettlich in der Kriminal- gaschichte per Well einzig dasteht." Der Artikel mit diesem überschwenglichem Lob der beamteten Gerichtspersonen ist verfaßt und gezeichnet von— Gottfried Zarnow, alias Proviantinfpektor a. D. Ewald Moritz! Paris organisiert Europawirtschast. Drei Aqrar-Tagungen mit den Oststaaten. Paris, W Januar.(Eigenbericht.) Entsprechend den Beschlüssen der Europakonserenz in Gens hat Außenminister Briand die Einladung zu einer ersten l a n d w i r t- schaftlichen Konferenz erlassen. Dies« Konferenz, die die Regierungen von Rumänien. Jugoslawien, Bulgarien. Ungarn und Polen zur Lösung des Problems der Liquidation der Ernterllckstände in Paris versammeln soll, bildet den Auftakt zu einer ganzen Serie landwirtschastlicher Tagungen. Eine zweite Konsercnz, die sich mit der künstigen Organisation des Absatzes und der Verteilung der landwirtschaftlichen Produttion in Europa befassen soll, wird in der zweiten Februar- Hälfte ebenfalls in Paris stattfinden. Eine dritte Tagung, die die Gründung der internationalen land- wirtschaftlichen Kreditbank vorbereiten soll, wird im März nach. folgen. Im Mai soll auch das interntionale landwirtschaftlichs Institut in Rom sich mit dem Problem der Bekämpfung der Absatzkrise in der europäischen Landwirtschaft beschäftigen. Grubenkatastrophe in Schottland 40 Bergarbeiier verschüttet und erstickt London, 30. Januar. Donnerstag spät abends ereignete sich ans der Haig- Grube der Kohlengruben-Gesellschaft Whitehavcn in der Grafschaft Gumberland(Schottland) ein furchtbares Explofionsunglück. Mau befürchtet, daß etwa 40 Bergarbeiter den Tod gefunden haben. Tie Explosion erfolgte im dritten Nordbezirk ganz nahe an der Stelle, an der schon vor drei Jahren eine Explosion stattgefunden hat, bei der 13 Bergleute ihr Leben einbüßten. Die Explosion war so heftig» daß eine Ziegelmauerverschanzung fortgerissen wurde, die den Herd der früheren Explosion von dem jetzigen abtrennte. Aerzte, Pflegerinnen und Sanitätspersonal eilten sofort zur Unglücksstätte. Innerhalb einer halben Stunde hatten sich über ÄOOV Menschen vor den Eingangstoren der Grube versammelt, darunter viele Frauen und Kinder. Ein Arzt, der einfuhr, konnte wegen der großen Gasmengen nicht bis zur Unglücksstelle vordringen. Es wurden daraufhin besonders ausgerüstete Hilfskolonnen sowohl in die Haig-Grube als auch in die Wellington- Grube gesandt, von der ebenfalls der Zutritt zur Un- glückssielle möglich ist. Bisher konnten zehn Leichen geborgen werden. Zur Zeit des Unglücks arbeiteten etwa 200 Mann in dem Bergwerk. Das Unglück ereignete sich gerade in dem Augenblick des Schichtwechsels. Als Folg« der Explosion, deren Ursache noch nicht einwandfrei festgestellt werden konnte, drangen Gas« in den Grubenabschnitt ein. in dem sich die Verunglückten befanden. Die Explosion war so gewaltig, daß sie in weitem Umkreis wahr- genommen wurde. Rettungsmannschaften sind angestrengt bemüht, um zu den Verschütteten vorzudringen. Die der Unglllcksgrube benachbarte Wellington-Grube wurde nach der Explosion von Gasen überflutet. 32 dort tätige Bergleute erlitten teils schwere, teils leichte Gasvergiftungen. Die Haig-Grube ist vor allem dadurch bekannt, daß ihre Kohlenflöz« auf eine Entfernung von 3% Kilometer sich unter dem Meeresspiegel erstrecken. Die Grube ist außerdem bekannt wegen der Häufigkeit von Unglücksfällen. Bei einem Unglück, dos sich un Jahre 1922 auf derselben Grube ereignete, wurden 39 Personen getötet. Als einige Monate nach dieser Katastrophe«ine Kom- Mission von Grubeningenieuren eine Untersuchung darüber anstellte, ob es möglich fein werde, die geschlosienen Teile der Grube wieder zu öffnen, erfolgten kurz hintereinander vier Explosiv- »en. bei denen sämtlich« 13 Mitglieder der Kom» Mission getötet wurden. GroHfeuer fordert sechs Opfer. Gefährlicher Theaterbrand/ Hausbewohner von Flammen umschlossen. New Bork, 30. Januar. I» einem Ateliergebäude am oberen Broadway brach ei» Feuer aus. das auf ein leerstehendes Theater übergriff und trotz starken Aufgebots der Feuerwehr in den alten Gebäuden rasch einen solchen Umfang annahm» daß die Bewohner nach kurzer Zeit von den Ausgängen abgeschnitten wurden. Mindestens sechs von ihnen sollen in den Flammen umgekommen sein. Außer- dem sollen einige Personen in dem Schutt der einge- stürzten Mauern begraben liegen. Mehrere Feuerwehr- leute wurden schwer verletzt. Etwa zehn Feuerwehrleute, die bei der Brandkatastrophe am oberen Broadway zunächst vermißt wurden, waren vom vierten in den dritten Stock des brennenden Gebäudes gestürzt, vermochten sich jedoch zu retten. Ebenso sind die meisten Haus- bewohner über anstoßende Dächer entkommen, obwohl starker Wind auch diese in Brand setzte. Erst nach vielstündiger Arbeit konnte die Feuerwehr, die in Stärke von mehreren hundert Mann zur Stelle war. den Riesenbrand einschränken. Einige Zeitungs- photographen, die sich zu weit vorgewagt hotten, erlitten schwere Brandwunden. Echattenminister Churchill. Cr trennt sich von Daldwin. London. 30. Januar. Die gegenwärtig'zwischen Churchill und Valdwin bestehenden Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der gegenüber Indien zu ver- folgenden Politik haben Churchill veranlaßt, dem früheren Minister- Präsidenten einen Brief zu schreiben, in dem er ihm mitteilt, daß er in Zukunft nicht mehr an den Sitzungen des„Schatten- kabinetts der konservativen Partei" teilnehmen will. Er hoffe, daß die ehrlichen Gegensätze in Fragen der Jndienpolitik nicht die Gejühle der Freu n d s ch ä f.t' beeinflussen werden, die zwischen ihm und Baldwin iu den letzten sechs Jahren entstanden seien. Churchill verspricht dem Parteiführer, ihn auch weiterhin im Kampf gegen die soziolisttsche Rogierunz zu unterstützen. Er werde sein Aeußerstes tun, um bei den allgemeinen Wahlen die Niederlage der Arbeiterpartei herbeizuführen. In seiner Antwort bedauert Baldwin die Entscheidung Churchills, ist aber überzeugt, daß dieser Entschluß unter den obwaltenden Ilmständen der richtig« ist. Er freu« sich, daß Churchill an dem gemeinsamen Ziel mitarbeite, die Niederlag« der Regierung herbeizuführen. Holzarbeiier in Köln ausgesperrt. Sie Holzindvstriellen wollen diktieren. Köln, 30. Januar.(Eigenbericht.) In Köln versuchen die Unternehmer der Holzindustrie, den holz- arbeilern einen Lohnabbau von 1,29 aus 1.20 Mark zu diktieren. Sie haben deshalb am Freitag morgen mit der Aus- sperrung der Arbeiter begonnen. Die Arbeitslofenverflcherung. Haushalt der Zieichsanstait für 4934. Der Berwaltgngsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung verabschiedete in seiner Tagung vom 26. bis 28. d. M. den Haushalt sür das Geschäftsjahr 1931. Di« Berhandlungen wurden eingeleitet durch einen Bericht des Präsidenten der Reichsanstalt über die Entwicklung der Lag« des Arbeitsmarktes und über den Stand der Finanzen. Anschließend besprach der Präsident die zur Zeit in der Oesfent- lichkeit erwogenen Pläne zur Milderung der Arbeitslosigkeit und zur produktiveren Gestaltung der Arbeitslosenhilfe. Er erörterte dabei insbesondere den Stand der wertschofsenden Arbeitslosen- fürsorg«, die Schwierigkeitin der Unterstützung prioatwirtschaftlicher Betriebe, die Notwendigkeit der besonderen Betreuung In- gendlicher und die damit zusammenhängende Frage des neunten Schuljahres, die Probleme der Doppelverdiener, die Stärkung der Arbeilsmözlichkeikea durch Herabsetzung der Arbeilszeil. die Frage der Ausländerbeschäftigunz in Deutschland, die Be- denken gegen eine allgemeine Arbeitsdienstpflicht und die Möglich- leiten eines freiwilligen Arbeitsdienstes. Der Haushalt geht davon aus, daß die Reichsanstalt für die Dauer des Geschäftsjahres ihr« Einnahmen und Ausgaben ohne Stützung durch Reichsmittel ausgleichen muß und zwar bei Fortbestehen des jetzigen Beitragssatzes von P r o- z e n t. Die E i n n a h m e n werden bei diesem Beitragssatz unter Berücksichtigung des durch die Arbeitslosigkeit eingeschränkten Kreises der Beitragszahler, des Umfanges der Kurzarbeit und der Lohnsenkung auf 1630 Millionen Mark geschätzt. Di« wich- tigsten Posten auf der Ausgabenseits stich die Mittel für die Arbeiislofenunterslühung in höhe von 1478 Millionen Mark. Mit diesem Betrag ist die Unter st ützung von rund 1 75 0 000 H a u p t u n t e r st ü tz u ng s e m p f ä n g« rn im Jahresdurchschnitt gesichert, wobei von einem durchschnittllchen Kopssatz von 70,S0 Mark für den Minat ausgegangen ist. Als sonstige Hauptposten auf der Aucgabenseite sind zu nennen 45 Millionen Mark für die Unterstützung der Kurzarbeiter und 40 Millionen Mark sür die w e r t s ch a f f e n d« Arbeitslosenfürsorge. Meinungsverschiedenheiten ergaben sich aus der Frage, wie in der Zusammensetzung des Personals der Arbeitsämter dem voraussichtlichen Bedarf des Sommers annähernd Rechnung zu tragen sei. Es wurde beschlossen, in gewissem Aus- maße die Zahl der als Stammkräft« tätigen Angestellten zu erhöhen und die Zahl der Zeitangestelllen zu vermindern. Die frühzeitige Berabschiedung des Haushalles der Reichs- anstall erfolgte nicht zuletzt deshalb, damit bei den Haushalls- beratungen des Reichstages der Haushalt der Reichsanstall fertig vorliegt._* Schweres Autounglück bei Schweidnitz Orkiperfonengetötet/SchwarzfahrtemesAerlinerWagens Schweidnitz. 30. Zanvar.- Ein furchtbares Automobilunglück ereignete sich heute früh au? der Straße Kchweldulh— Breslau. Ein mit einer Der- liner Nummer versehener Personenkraftwagen fuhr in voller Fahrt iu den Straßengraben und überschlug sich mehrere Male. Von den fünf Josassen fanden zwei Damen und ein Herr den Tod. Der lvageuführer und ein Insasse wurden schwer verletzt. De? Führer hatte weder Führerschein noch Ausweis bei sich. Cr liegt, ebenso wie der verletzte Fahr- gast. Zur Zeit besinnungslos im Schweidniher Krankenhaus. Todessprung aus dem 3. Stockwerk. Ein entsetzlicher Borfall spielle sich in der vergangeneu Nacht im Hause Hebbel st ratz« 14 in Charlottenburg ob. Wäh- rend ihre Angehörigen schliefen, erhob sich die 52jährig« Frau Elisabeth Kühn heimlich, öffnete lautlos das Fenster und stürzte sich aus dem dritten Stockwerk auf die Straße hinab. Passanten farck>«n die Unglückliche einige Zeit später in einer Blutlache tot aus. Ein schweres Nervenleiden trieb die Frau rn die Verzweiflung. Oer Mord an dem Chauffeur ponick. Da der Verdacht bestand, daß die Mörder des Chauffeurs Ponick in den Kreisen der jugendlichen Autodiebe zu suchen seien, wurden von der Kriminalpolizei drei junge Burschen, die als Autodiebe bekannt sind, ermittell und festgenommen. Es handelt sich um einen Schlosserlehrling, einen Wagenwäscher und einen Jungarbeiter. Bei der Vernehmung ergab sich aber, daß sie für das Verbrechen nicht in Betracht kommen. Sie haben mit ihren Mädchen einen Ausflug unternommen, konnten aber für die Zeit des Mordes ein einwandfreies Alibi erbringen. Oer Schrecken des Dorfes. Wüterich beschießt Gemeiaderat und Bürgermeister. Madrid, 30. Januar. Ein furchtbares Blutbad richtete in einem kleinen Dorfe bei Guadalajara ein Bauer an, dem von seinem Nachbarn verboten war- den war, sein Bieh über das benachbarte Grundstück zu treiben. Boll Wut griff der Bauer zu einem Gewehr und feuerte blindlings auf all« Personen, die ihm in den Weg kamen. Zunächst verletzte er seinen Nachbarn schwer. Eine Dorfbewohnerin erhiell cm« Kugel in den Kopf. Der Wüterich drang dann in den eben tagenden G e- m e i n d« r a t ein und oerletzt« sämtliche Genieinderäte mehr oder weniger schwer durch zahlreiche Sästisse. Von dort begab er sich in die Wohnung des Bürgermeisters und verletzte den Bürgermeister. dessen Frau, dessen zehnjährigen Sohn sowie das Dienstmädchen. Der Bauer steckte dann zehn Schäfereien in Brand. Ein großer Teil der darin befindlichen Tiere kam in den Flammen um. Nach längerer Verfolgung gelang es schließlich, den Mörder zu entwafsnen und fest- zunehmen. Dl« 39. wclklichc Volksschule Lichtenberg, teopoldstraße. ver- onstalltt am Sonnabend, dem 31. Januar, von 14 bis 20 Uhr, und am Sonntag, dein 1. Februar, von 10 bis 19 Uhr, in der Turnhalle Lückstraße eins Ausstellung von«chülerarbeitsn. All« Cllern, auch einzuschulender Kinder, sind herzlichst eingeladen. Ein- tritt frei. Einschulungen werden entgegengenommen. Widersprüche des Mörders Was Stolpe im Mordprozeß Lllbrich verschweigt und was er erzählte Die heutige Verhandlung schleppt sich nur mühsam fort. Der Angeklagte Stolpe ist wenig antwortbereit. Er hat sich ojsenbar im Erzählen ausgegeben und weih zunächst noch nicht, was er jagen soll. Die Fragen des Vorsitzenden und seines Verteidigers slitde» in ihm keinen Widerhall. Er Hot sich derart in Widersprüche und Unwahrheiten verwickelt, daß er zeitweis« wie von einer Loh- mung befallen zu sein scheint. Er ist von seinen Mitgefangenen schlecht und von seinem Verteidiger ungenügend beraten worden. Oer Andrang des Publikums ist heute noch größer als am ersten Tage. Am Eingang zum Ee- richtsgeböude standen bereits gestern abend Dutzende von Menschen an. Di« Verhandlung beginnt mit B e w e i s a n t r äg« n der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Rcinwald«rfucht das Gc- richt, eine Rekonstruktion der Tat im Gerichtssaol selbst oder, wenn dies nicht möglich sein sollte, am Tatort vorzunehmen. Es seien über Benzingers Beteiligung von d«n Angeklagten widersprechende Darstellungen gegeben worden. Di« einzig richtige scheint die des Angeklagten Stolpe zu sein; nämlich daß Benzinger über Ulbrichs Beine gestolpert sei und dabei dessen Füße nur zufällig mit den .bänden berührt habe. Rechtsanwalt Dr. Mendel beantragt die Vernehmung des Leiters der Kriminalpolizei, des Regierungsdirek- iors Scholz, und des Polizeipräsidenten Grzesinski, die bei der poli- zulichen Aussage der Luise Neumann anwesend waren, zum Beine is dafür, daß die Angeklagte, von niemandem beeinflußt, die Einzelheiten der Tat geschildert Hab«, und daß diese Zeugen den Eindruck der Wahrhaftigkeit erhalten haben. Oberstaatsanwalt Rombrecht bittet, t«n Antrag des Dr. Mendel bis zur Vernehmung der Kriminalkommissare zurückzustellen. Justizrat Dr. Davidsohn eiklärt, daß nie behauptet worden sei, Lieschen Neumann sei von der Polizei beeinflußt worden: der einzig«, der sie beeinflußt habe, sei Stolpe gewesen. Das Gericht behält sich die Entscheidung über sämtlich« Anträge vor. Es wird In der Vernehmimg des Angeklagten Stolpe fort- gefahren. Er schildert, wie er bei der Festnahme in Redet von dem Landjäger mißhandelt worden sei und aus diesem Grunde in Berlin dem Kriminalkommissar Thomas die Unwahrheit gesagt habe. Ez sei nicht richtig, wie er damals zu Protokoll gegeben habe, daß er bereits am Montag sich mit seiner Braut verabredet habe, Ulbrich zu täten..,V o r s.: Auf welche Weise hat Sie denn die Kriminalpolizei eingeschüchtert? A n g e k l.: Der Kriminal» I ommissar hat gesagt, ich solle die Wahrheit sagen. Vors.? Das sagen wir Richter auch stets dem Angeklagten. Der Angeklagte bleibt dabei, daß er eingeschüchtert worden sei. Vors.: Sie haben vorgestern gesagt, Sie seien zum Uhrmacher hineingegangen, um ihn vor Lieschen Neumann zu retten, weil sie ihn habe köken wollen. A n g e k l.: Ja. das war so. Vors.: Sie haben aber doch Ulbrich an die Gurgel gepackt und ihn getötet? A n g e k l.: Nein, ich wollte ihn nicht löten. Vors.: Wenn Sie ihn aber nicht hatten töten wollen, wieso rb«r waren Sie nicht darüber bestürzt, daß er tot war? Sie haben hinterher noch zwei Stunden ttn Laden Herumycstödert. An gekl.: Wer sagt, daß es zwei Stunden gewesen sind? Wir sind schon um i42 Uhr gegangen. Ich kann mich an die Einzelheiten über- bnupt nicht mehr erinnern. Vors.: Aber aa die Einzelheiten der Mißhandlung bei Ihrer Festnahm« können Sie sich ganz genau«nt- sinnen? Da sind Sie aber nicht so hart angefaßt worden, wie Sie vcrher den Uhrmacher angefaßt haben. An gekl.: Ich habe ihn gar mcht hart angefaßt.(Allgemeine Heiterkeit.) Vors.: Na, nenn das nicht hart anfassen heißt! Als der Vorsitzende auf Veranlassung des Verteidigers immer dringlicher nach einer Aufklärung der Widersprüche zwischen der jetzigen Aussage des Angeklagten und seiner polizeilichen Aussagen forscht, erklärt schließlich Stolpe auf die Vorhaltungen Rechtsan- walts Dr. Mendel hin, daß er seine Aussage bei der Polizei aus die Aussagen von Luise Neumann abgestimmt habe. Als aber der Rechlsanwali ihm klargemacht habe, er dürfe nicht, um Lieschen zu schonen. die Unwahrheit sagen, da ihm das den Kopf kosten könne, habe er beschlossen, die Wahrheit zu sagen. Lieschen habe bereits vor der Tat gesagt, es sei für sie ein« Leichtig- keit, Ulbrich umzubringen, wenn er schläft. Sie wisse, wo das Beil stehe. Als der Angeklagte erneut aus die Widersprüche in seinen Aussagen hingewiesen wird, ist überhaupt kein Wort mehr aus ihm herauszubekommen. Rechtsanwalt Mendel berührt nun «inen anderen Fragenkomplex. Aber auch hier ist der Angeklagte Stolpe nur schwer zum Reden zu bewegen. Er be- haup-et, Luise Neumann habe ihm bereits im Februar gesagt, daß Ulbrich mit ihr Verkehr gehabt habe. Als er dann sagen soll, ob er der erste intime Freuird Lieschen Neumanns gewesen sei, bleibt er darauf die Antwort schuldig. Das Gericht sieht sich gezwungen, eine Pause eintreten zu lassen. Nach der Pause wird Stolpe gesprächiger. Er erzählt, daß Luise Neumann auch vor ihm mit einem Manne zu tun gehabt haben müsse. Er habe ihr dos auf den Kopf zugesagt, sie habe es aber entschieden bestritten. Rechtsanwalt Mendel läßt nun von dem Vorsitzenden an den An- geklagten die Fragen richten, ob Luise Neumann schon in der Wohnung erklärt Hab«, daß sie Ulbrich mit dem Beil totschlagen würde, und ob sie im Laden selbst, als die beiden jungen Leute zögerten, gesagt habe:„Wenn ihr zu feige seid, schlage ich ihn tot." Der Angeklagte beantwortet die beiden Fragen mit Ja, verwickelt sich aber gleich in neue Widersprüche. Lieschen Neumann soll sich auf Stolpes Auslassungen äußern. Iustizrat Dr. Davidsohn beschwert sich aber noch vorher beim Ge- richt darüber, daß Stolpe während der Pause zu Luise Neumann gesagt habe:„Du alte Sautöle." Die Angeklagt« habe in der Zelle einen Weinkrampf bekommen und erklärt, sie gehe nicht mehr hin- auf. Stolpe bestreitet, ihr diese Worte zugerufen zu haben. Sie habe ihn mißverstanden. Er habe ihr gesagt:„Geh' wieder durch die Türe", worauf sie geantwortet habe:„Du bist noch eine größere Töle." Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Angeklagten droht sich in ein« dramatische Szene zu verwandeln. Der Vorsitzende schneidet die weitere Diskussion ab. Der Vorsitzende wendet sich an Lieschen Neumann: Mso, wi« war das mit dem Beil? Angekl.: Stolpe hat schon am Montag gesagt:„Du gehst am Dienstag zu Ulbrich": er mußte am Mittwoch seine Sachen auslösen, weil sie sonst verfallen wären. Er hat inir auch gesagt: „Du kannst ruhig mit dem Uhrmacher verkehren." Du sollst doch an das Kind denken, habe ich ihm darauf erwidert. Später sprach er von dem Beiseiteschaffen. Ich sagte: Wenn Benziger sich daran beteiligt, bin ich auch«inverstanden. Als der Vorsitzende die Frage wegen des Beiles wiederholt, erklärt die Angeklagte Luis« N e u m a n n, sie Hab« wohl gesagt: „Och schlage ihn(Ulbrich) mit dem Beil", aber erst, nachdem Stolpe zu ihr gesagt hatte:„Der Uhrmacher ist schon blau ynd grün, er ist tot!" Äh glaubte ein Geräusch vernommen zu haben, erklärt Luise Naumann. Auf weitere Fragen und Vorhaltungen bestreitet sie. mit irgendeinem Mann vor ihrer Bekanntschaft mit Stolpe zu tun gehabt zu haben, auch habe sie diesem nach dem Besuch bei Ulbrich nur erzählt, daß der Uhrmacher mit ihr anzubandeln versuchte, und was den Vorwurf betreffe, sie habe sich auch mit anderen Jungen heruingstneben, so sei dos nicht wahr. Im übrigen hätte sie vor ihrer Schwangerschaft tun können, wa? sie wolle. Den Stolpe habe sie aber in Verdacht gehabt, daß er sich mit anderen Mädchen abgegeben habe. Das Wettrüsten wieder im Gange Zugeständnis Cecils- Rußland zur Rüstungsvereinbarung bereit London. 30. Januar. Im weiteren Verlans der durch die Rede Lord Dlckinsons ein- geleiteten Abrüstungsdebatte im Oberhaus nahm Lord Cecll das Wort, der zu Leginn seiner Ausführungen gleichfalls erklärte, es bestehe eine moralische Verpflichtung aller Unterzeichner der verschiedenen Friedensverträg«, an einer allgemeinen Herab- ietzung und Beschränkung der Rüstungen durch internationale Verein- barungen mitzuwirken. Das Wettrüsten der Vorkriegszeit habe wieder begonnen. allerdings nicht im gleichen Umfange. Sogar für Großbritannien rreff« dies hinsichtlich der Voranschläge für die Luftstreitkräfte zu, die in direkter Beziehung zu den Voranschlägen anderer Länder stünden. Es treffe aber nicht zu auf die Voranschläge für die britische Flotte und das britisch« Heer. Solange es in allen Ländern so fort- geh« könne niemand sagen, daß die Sache des Friedens gesichert sei. Um nicht den Eindruck zu erwecken, daß er in dieser Frage ein leichtgläubiger Optimist sei. wolle er die Schwierigkeiten auf- zählen, die jedes Land im Zusainmenhang mit der Abrüstungstonfe- renz zu berücksichtigen habe. Es gebe zunächst viele Schwierigkeiten un Hinblick auf Ruhland. Zahlreiche Leute seien der Ansicht, baß die jetzige russische Regierung allen anderen Regierungen gegenüber entschieden feindlich eingestellt sei und daß sie nur auf eine Ge- legenhest warte, um sie anzugreifen. Die Sprache, die zuweilen in Sowjetrußland geführt werde, könne so gedeutet werden. Er selbst vertrete jedoch nicht diese Ansicht. Er glaube, daß die russische Re- gierung trotz der Sprach«, die sie manchmal führe, wirklich zur Zeit und vorläufig den Frieden wünsche. Die russische Regierung habe dies in Genf mit dem größten Nachdruck gellend gemacht und sei sogar so weit gegangen, offen anzudeuten, daß außer ihr selbst 'eine der anderen Nationen wirklich den Frieden wünsche. Er per- iönlich erkenne diese Erklärung ihrer Politik an. Aber es scheine ihm, daß es schon aus finanziellen Gründen sehr im Interesse der russischen Regierung liege, nickst mehr Geld als unbedingt not- wendig für Rüstungen auszugeben, zumal eine Regierung von der Art der russischen keinen Wert darauf legen könne, ein erfolgreiches Heer und einen volkstümlichen General zu haben. Nach jetner Meinung werde die russisch« Regierung einen sie zufriedenstellenden Abrüstungsplan annehmen. Es besteh« kein Zweifel, daß die deutsche Regierung und das deutsche Voll leidenschaftlich bestrebt seien, ihr Land wieder in eine Stellung der Gleichheit unter den Nationen gebracht zu sehen. Da» sei die Sache, die ihnen augenblicklich am meisten am Herzen lieg«, und sie stützten sich dabei auf die These, daß entweder andere Ratio- nen abrüsten müssen oder daß ihnen gestattet werden müsse, wieder aufzurüsten. Diese Forderung werde in«ine Sprache gekleidet, die der Lösung der Schwierigkeit nicht förderlich sei. Nach seiner Meinung sei es ein Wahnsinn für Deutsckstand und die Deutschen, wenn sie eine Atahnahme verwerfen oder bekämpfen würden, die zioar nicht so weit gehe, wie sie es wünschten, die aber einen wesentlichen Schritt in der von ihnen gewünschten Richtung darstelle. Dann komm« der Fall Italien, das auch Gleichest verlange. Dies könne Schwierigketten schaffen, aber er könne nüt großer Freude sagen, daß die türzlichen Erklärungen, die im Namen der italienischen Regierung in Genf und qicheraq» abgegeben worden se'en, sehr zugunsten des Friedens und der Abrüstung gewirkt hätten. Frankreich hätte Besorgnis wegen der Mögllchkett einer In- o a f i o n. Er beanstande diese Besorgnis nicht, da sie ihm mwer- weidlich erscheine, wenn man die Geschichte und die geographische Lage bettachte. Zweifellos seien die sranzöstschen Staatsmänner wegen dieser Besorgnis nicht geneigt, irgend etwa» zu unternehmen. was sie nach ihrer Ansicht in höherem Maße der Gefahr einer In- vasion aussetze. Er(Cecil) würde mehr als undankbar sein, wenn er nicht anerkennen wollte, daß die Hallung der französischen Dele- gation in Genf in höchstem Maße hilfsbereit gewesen sei und den Wunsch verraten habe, eine Vereinbarung zu erzielen. Aber abgesehen von höheren Motiven, wünsche Frankreich nicht, daß Deutschland wieder ernftiifie. Man könne tatsächlich mit großer Bestimntthett sagen, daß es heute kern Land gebe, das den Krieg will, und daß kein« Regierung es wagen werde, die Verantwortung für ein Scheitern der Abrüstungs- konferenz auf sich zu laden. Lord Cecil betont« weiter, er fei der Ansicht, daß auf der kam« Menden Abrüstungskonferenz durch die gemeinsamen Bemühungen Großbritanniens und der Bereinigten Staaten, die sich in allen wesentlichen Punkten in Uebereinstimmung befänden, Entschlüsse er- reicht werden würden, die zwar nicht ganz so weitgehend seien, wie sie es wünschten, aber sehr wesentliche Fortschritte In der Rich- tung der Abrüstung bedeuteten. Justiz nur am Sonnabend! Sie Seltsamkeiten der Schneckenjustiz Am Mittwoch stellte der„Vorwärts" fest, daß die einst- wellige Verfügung, die vom Genossen K u t t n e r gegrn die Schmähschrift„Gefesselte I u st i z" beanttagt wurde, erst drei Wochen nach dem Antrag zur Verhandlung gelangen wird. Hierzu teilt uns die Iustizpressestell« mit: Am 21. Januar war der Gerichtsbeschluß ergangen, daß nicht ohne mündliche Verhandlung entschieden werden jollte, und am gleichen Tage an den Antragsteller abgegangen. Aus den am '22. bei Gericht«ingegangenen Ladimgsichrif.satz wurde am 23., also innerhalb von 24 Stunden, der Termin anberaumt. Die Benachrichtigung hiervon ist an den Antragsteller am 24. ab- gegangen. Da der Kammer nur der 31. Zanuar und 7. Februar als die nächsten Sitzungslage zur Verfügung standen und die gesetzliche Ladungsfrist eine Woche beträgt, so war nur bei einer Terminsseftsetzung auf den 7. Februar die Einhaltung der Ladungspfsicht gesichert. Bei einer Terminsansetzung aus den 31. Januar hätte nur die Gefahr einer nutzlosen Ver» tagung wegen Nicht! nnehaltung der Ladungssrist bestanden. Danach gibt es in Berlin eine Kammer, die nur einmal in der Woche, und zwar nur an jedem Sonnabend, tagt. Eine Sache am Montag mag noch so eilig sein, dies« Iusttzmaschine beharrt daraus, sich nur am Sonnabend in Gong zu setzen. Besteht wirklich für diese Kammer keine Möglichkeit, in einer eiligen Sache auch cm einem anderen der sechs Wochentage zu- sammenzutreten? Der Skandal ist um so größer, als inzwischen die Lügenschrist noch mit allen Mitteln verbreitet wird. So soll z. B. nach einer Mittellung des„Angrifs" die Schrift allen Funktionären der Nationalsoziali st«n von Partei wegen zugestellt werden. Aber die Justiz verbietet nur Sonnabend in vierzehn Tagen! Das Elend der Golistentonzerke. Künstler in Not. Sechshundert„konzertierende Künstler"— Berussmusiker vom Fach des Konzertsolisten und Konzertgebers— haben sich neulich in einem Saal versammelt, um gemeinsam einen Ausweg aus den Nöten der Gegenwart zu suchen, von denen die Ausübung ihres Berufs und dadurch dieser selbst immer härter bedrängt wird. Das äußere Ergebnis war die Gründung eines neuen Verbandes. Der soll mit den vereinten Kräften seiner MUglieder eine Reihe organisatorisch-praktischer Maßnahmen durchführen, um das mehr und mehr wegbleibende Publikum in die Konzertsäle zurückzuholen. Verbilligung des Konzertbesuchs, Ermäßigung der Voroerkaufspreise, Vermehrung der Verkaufsstellen— wird es viel nützen? Dazu: Verminderung der Kosten für den Konzertgcber— wird sie sich erzielen lassen? Zum Beispiel die Saalmieten sollen herab- gesetzt werden— herabgesetzt von wem? Durch ein Machtwort der Mieter? Es geschähe zum erstenmal in dieser kapitalistischen Welt, daß die Preise von den Konsumenten gemacht werden, und gar von solchen, die als Konsumenten kaum noch in Betracht kommen. Der Druck eines angedrohten Käuserstreiks, ausgeübt von Käufern, die in Wahrhett zum Kaufen längst zu schwach sind, hat leider wenig Aus- ficht, Eindruck zu machen. Wir erleben es heute im Zeichen des sogenannten„Preisabbau s", wie wenig, wie lächerlich wenig das Begehren und Aufbegehren des konsumierenden Publikums, und das heißt der gesamten Bevölkerung, dazu Hilst, die Kosten der Lebenshaltung auch nur um ein paar elende Prozente herunter- zudrücken. Aber selbst angenommen, daß es gelänge, bei den nxf- wondigen Ausgaben des Konzertgebers in Zukunft etwa zehn Prozent zu sparen— nun gewiß, ein Erfolg wäre es immerhin, wenn fortan das Defiztt eines kleinen Solistenabends statt 1000 nur 900 Mark betrüge, doch was wäre ernstlich gewannen, was wäre grundfätzsich geändert? Nicht an der wirtschaftlichen Uichallbarkett des Systems und seiner schreionden Unmöglichkeit, nichts an der Verlogenhett dieser' Fassade, die inneren Verfall verdeckt und Blüte vortäuscht: nichts an der Grundtatsache, daß alle Fundamente des bürger- lichen Konzertlebens wanken. Auch wenn das Ende kein krachender Zusammensturz sein wird: der fortschreitende Vorgang der Auflösung läßt sich durch Verbands- befchlüffe nicht aufhalten. Gewiß, sie haben recht, sich gegen ihren Untergang zu wehren, und wer könnte anders, als den Vertretern eines um seine Existenz ringenden Standes. Künstlern, unter denen viel wertvolle Talente und bedeutende Könner sind, in ihrem verzweifelten Kampf aufrichtig Glück zu wünschen? Aber alle guten Wünsche vermögen nichts gegen die zerstörenden und aufbauenden Kräfte eines neuen Zeitalters. Und daß sich auf neuen Grundlagen auch Neues. Zukunftsoolles aufbaut, das ist heute nicht mehr zu übersehen: auch von denen nicht, denen das Sterben des Solisten- konzerts ans Leben, an die Berufsexiftenz geht. K. P. Der Rakelenapparal mit Schneeschuhen. Der amerikanisch« Gelehrte Dr. Darwin O. Lhon, der zur Entnahm« von Proben aus den verschiedenen Luftschichten eine Rakete 100 KUometex hoch in die Luft schicken will, hofft, die nötigen Vorbereitungen aus dem Monte Redorta bei Bergamo, von wo der Start erfolgen soll, an- fangs des nächsten Monats beendet zu haben. Statt die Rakete unmittelbar in die Luft Zu feuern, soll der neue Apparat, der mit einem Kostenaufwand von 16000 M. konstruiert wurde, den Berg- abhang aus Schneeschuhen oder Schneekufen hinauffahren, von denen er sich löst, wenn der Gipfel des Berges erreicht ist. Des- halb hat auch Dr. Lyon mit seinem Versuch bis zu den Winter- monaten gewartet. G? ist übrigens die zweite Rakete, die er von dem genannten Berg aus in die Luft feuert. Die erste startete im Februar des Jahres 1929 und erreichte«ine Höhe von rund 10 Kilometern, womtt dainclls ein Höhenrekord aufgestellt wu'de. Das Deutsche wörierbuch gesichert. Das Grimmsche Deutsche Wörterbuch, dessen raschere Vollendung durch die im vorigen Jahr bei der Preußischen Akademie der Wissenschaften neugeschaffene Arbeitszentral« gewährleistet erscheint, ist jetzt auch finanziell ge- sichert worden. Die Akademie hat das große Werk unter ihre Unternehmungen aufgenommen und gibt es von ietzt an im Namen des Reiches und Preußens heraus: außer dem Reichsinnenministe- rium und dem preußischen Kultusministerium wird auch die Forschungsgemeinschaft der deutschen Wissenschaft es unterstütze». Die nächsten Lieserungen des Wörterbuches, das weiter hei S. Hirzel in Leipzig erscheint, werden auf ihrem Titelblatt bereits der Neuordnung Rechnung ttagen. Daverretord an der Setzmaschine. Die verschiedenen Dauersptel- rekorde auf Klavier usw. haben einen Belgrader Maschinensetzer nicht ruhen lassen. Der Mann beschloß, 96 Stunden uminterbrochen an der Setzmaschine.zu arbeiten und aing sofort an die Verwirklichung seiner Absicht. Er hat bereits 30 Stunden hinter sich. „Sund am den vülowptoh-, da» Koftümfe't der VolkZbübne im Svorl- valatt am Sonnabend, beginnt S't, Mr. Saalöffmmg 8 Ubr Mitwirkend« Da« Entemble de« Tbeatei« am Biitowdlat mit Hon« Alber«. Tanzqrupd« Tritmvh-Storonel. die Alfred Iackson-Girl». Einlaßkarten 2,50 M., für Richtmitglieder der Volksbühne 8,— M. Die Premier« von„Mann ist STann", die beute Wind Im Staatlichen Schauspieibauje slntltinden sollte, mutz aus nächste Woche verschoben werden. .�cirte abend gebt„Ew besserer Herr" in Szene. Zu der Staatsoper Unter den Linde» gebt beute infolge mebrfacher Er- krankungen an Stelle de«„Liebestrankes"„Madame Butterfly" in Seene. Ansang 8 Uhr. i PLAZA Tägl. 9.. S- Sonnt. 2, S, u.»'» AI«. E. 4 8066 I. Vorsttllung 50 Pf. Mi I M. II. und III. Vorstsllung 1 bis t M. 28 Alfred Jaekeon- Girl* Willy Boletko CASINO-THEATER Lothringer Strohe 57. •mtumtiiiiMiiiiumiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimnimtiiiiii Unwiderruflich nur bis 30. Januar: Biederleute vnd ein erstklassiger banter Teil. Sonnabend, 51. Januar zum 1. Male Onliel KtUin ans Nenruppln Uutscbeln 1— 4 Personen Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1.75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. W'nter ■ Garten■ 6"mir. lentr. 2819. liiiidien erMt. Codonas* Leüzel Barracetas» 5 Songs Br cker's Bärenschau USW Sosnabeod ood Sonntag je 2 forstenungeo tndS�Uhr. 4 Uhr kleine Pr. VoiKsbttiuie Theater am Böicwplatr. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von FranrMoInar Regie: Karl leiozMartia Staatl.Sdiiller-Iti. 8 Uhn Don Carlos Tneater am ScniilDaaerdamm 8 Uhr Oie Quadratur des Kreises Staatsoper Am Pl.d Republik 7'4 Uhr Dei fieisöiiü Deoiidies Theater 8 Uhr Elisabeth von England von fort Bruckner Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele 8V« Uhn Pariser Platz 13 von Mick! Baum Itzie: üasfif CrJadjiK Die Komödie SV« Uhr Die Fee »on Franz Molnar Regie; Slefai HkL Weisse Wochen unserer Detail-Abteilung zu fabelhaft billigen Preisen/ UfirKailf elQaner und anderBT FaDriKate/ Beginn: montag.den Z.Feuruar. vorverfcaufe Freitag. den 30. und sonna&fnd.uen Sl.üanuar Verkaufszeit 8 bis 5 Uhr, Sonnabends 8 bis 2 Uhr Mechanische Feinweberei Adlershof A.-lZ. Bamovsh-Sflbnen Tbeaier In der Streseraannsir. 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W Lahnstr 74175.1 schuieiüer Festsaie Scyedter 8t: 73!« s Id.; Hanboldt 1833 En�pfehleSäle undVereins- zim vier von 50-500 Person. Vertvandskegctbahn noch einige Tage frei! zur miete Atrium 8eba-Pala»l �.is'uhr' Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Sonnabend und Sonntags 5, 7.9.15 Uhr Tonfilm-Uraufführung: Kopffiber ins Glfick m Jenny JugOj Fntz Schulz, Szöke Szakall, Alexe Engström. Regie: Hans Steinhoff T onf ilmbeiprogr amm Schöneberg y Titania Schonebg. stlab* dauptstraße 49 100 proz. Tonfilm! Han» In allen Caasen m. H. Alben, Max Adalbert, Com. Horn— B Ipr. c Frieaenac Kronen-Lichtspiele Rheinstr 65 W. 7, 9. Sonnt, ab 5 Uhr Tonlustspiel: Kaiserliebdien mit Liane Haid, W. Jannsen Reidibaltiges Tonbeiprogramm W.Ste'gMt» M Titania-Palast Kg.Ä�u. Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr iOOp'OZ. Tonfilm! Uraufführung! Aimermiiiwocb mit Cläre Rommer, Wo.fgang Zilzer, Han« Junkermann Ernstes und Heiteres aus alter Sol- atenzeit>— Gnies Tonbriprogr amm g Z«hlentioTT-M,tte~� TaI« Wochentags 7, 9.10 Uh, ArCil Sonntags 5, 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str. 50 Elnbrecber m Lilian Harrey, Willy Friiacb.— Tönende Wocbcmthan Sonntag 2�0 Uhr: Jugendvorstellung: Der tolle Ozeanflieger g MariendorF" fc Mali finriendonex Wochentg l lO-1-1 Licbispiclc ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz. Tonfustspiel! Eine Freundin to goldig wie dn mit A. Ondra, F. Brctaaii— Beiprogr. TampalHoF TlVOll Berliner Str. 97 Beg 5, 7, 9, Sonntags 3 Uhr: Jug.-Vorst Tonoperette: Die'Marqnlae von Pomoadonr m. A. Ablers, L Wflsi, Verebes- Beiprogramm SOdwcsten Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr lOOproz Abenteuer-Sensations-Tonf.; Im Kampf mit der Unterwelt mit Carlo Aldini, Siegfried Arno Beiprogr.— Fox. Tönende Wocbe Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W.5, 7,9. Stg ab 3 Uhr 100 proz. Tonfilm Menschen Im K&fÜg mit Kortner, Vcldl, George Beiprogramm ■■ Primus-Palast Am HermannpJafz, Urbansir 72/76 Wo 6.45 U., Sonnt, ab 3 U. Nur 4 Tase! Tonfilm: Zweierlei Moral mit Eiga Brink, W. RUla. Ida Wü»i Auf der Bühne: Gro�e in'.ernatioaale BDbnensehan Th. am Moritzplatz Beg.; Wöchig ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Tonoperette Wie werde Ich reich and glücklich T mit Georgia Lind Tonbeiprogramm Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Werktags 6»t Uhr, Sonntags 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: Der WeA nach Rio mit Maria Solveg, Kurt Gerron Beiprogramm Grofle Bflhnenschaa_ ir.«L>i«le Wochent. 6.45, 9 U 1VUKUK Sonnt. 3.5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 lOOproz. Tonfilm; Han« In allen Gas en m. H. Aibers, Camilla Horn Beiprogramm_ C,—#-�1 ci rxw Wochent. 6 45. 9 U- CXCClSlOr Sonntags 3, S. 7. 9 U Kaiser-Friedrich-Straße 191 100 proz. Tonfilm- Einbrecher mit L. Harvey, R. A. Roberls, Frfisch Beiprogramm Stein, Hermannslra�e 49 Wochentags 6,45. 9. Sonntags 3.5 7.9 U. lOOproz. Tonfilm: Schneider Wlbbtl mit Paul Henkels Beiprogramm- Jugend! hab. Zutritt Südosten Filmcck Skalitzer Straße, am QörUlzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6.30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr Tonfilm: Airanne mit Brigitte Heim, Bassermann Beiprogramm Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. 630 u. 9 U Stg. 3, 5, 7, 9U Tonfilm: Der Weg nach Rio (Mädchenhändler) mit Maria Solreg Bflbnenschan Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 6.30, 9 U. Sonntags ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilm Hans in allen Gassen mit Hans Aibcr«, Camilla Horn Beiprogramm— Bflhnenschaa Frankfurter Alice 48 Woch. 5. 7. ca 8.45. Sternwarte- Treptow Sonnabend 8 Uhr; Die heiligen drei Biannen. Eine Filmballade von den Naturkräften im Hochgebirge ,Elysium Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15. S 3.15,5, 7.15. 9 15 Uhr Tonfilm; Der Herr anf BesieUang mit Willy Forst Bfibnenscfaaa— Foxionwoche« Flora-Liditsp. LAaÄr Wo. 6J0, 9, SDd. ab 5, Sonnt ab 3 Uhr. Tonfilm- Einbrecher mit L. Harvey, Ralph Ar Robeiis, W. Frfisch öclprogsamm Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochemgs. 630 U, Sbds. 5, Stgs 3 U. 100 proz. Tonfilm: Ihre MafcslSi die Liebe mit Käthe von Nagy, Franz Lederer, S, Szakall, O.Wallbnrg, R. A, Roberts Beiprogramm— Gr. BOnnensihao Luna-Palast �VoutT Gr. Frankfurter Str. 121 lOOproz. Tonfilmt Susanne mach Ordnung mit V. Alien, Fr. Lederer Der Pechvogel mit Chaplin Bühne: Chinesentrappe Schwarzer Adler aii�w Woch. ab 5 Uhr, Sonnig ab 3 Uhr 100 proz. Großtonfilm: Die singende Stadt m. Brigitte Helm, lan Kicpara, Georg Alexander— Tonbciprogr. Jugendliche haben Zutritt Comcnius-Lichtspielc Memeler Str. 67 W 6J0, 9 U. Stg ab 5 U. Tonfilm: Susanne macht Ordnung mit Tr. v. Alten, Fr. Lcdcrcr Beiprogramm Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U., Stg. ab 3 U. lOOproz. Tonfilm: Han» in allen Gassen mit H. Aibers Beiprogramm— Bfihnenfchao V iktoria-Li ditbild-Th. Stg. 3. 5, 7. 8.45 U. Tonoperette: Zafcasf reich am Rhein mi CbarL Sosa, H. Stfiwc Tonbeiprogramm a Neu-U«Htcnt»erg Kosmos-Lichtspiele Lückstraße 70 Beginn Woch. 5, 7, 9 U. Sonnt. 3, 5. 7, 9 U. lOOproz Tonfilm: Die singende Stadl mit Brlgilie Helm. lan Kiepara Beiprogr.- Jugendliche Zutritt Kino Busch Alt-Friednchstelde Beiprogramm Der Kug mit Greta Garbo, C. Nagel Pal und Patadion tm Pro. er WciOensee Schloßpark Film-BGhne Berliner Allee 206— 210 BQhncnschaa Tonfilm: Zwei Menschen(Rom. Rieh. Voß) mit G. Fröhlich Ton beiprogr am m c Norden Alhambra Wochent 5, 7, 9 U., Sonnt 3,5.7,911 lOOproz Tonlustspiel: Tingel-Tangel mit Kampers, Verebes Farben, onfilm: Herrscher des Urwaldes Pharus-Lichtspiclc Müllerstr. 142 W.5.7.9U> Stg.3.5.7,9U. lOOproz. Tonfilm: Hans in allea Gassen mit H. Aibers, M. Adalbert Tonbelprogra-- Pratcr-Lichispicl-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 5. Stgs. 3V2U. Die grübe Pente mit H. Porten Der fo'.dai der Marie m. Xenia Desni Bühne:„Reetz dreht'n Ding- Mila-Palast Schönhauser Allee 130 W.5, 5. ZU. Tonfilm: Lanbenkolonie mi. Kamper«, Piche. Erika Glägucr Grobes Beiprogramm Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3Vz U. Tonfilm: Er oder Ich m Harry Fiel Beiprogramm— Variefischaa ■ Pankow M Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 6.30. 9, Stg. 4,6.30, 9 lOOproz. Tonfilm: Der Hampelmann mit M. Hansen, L Deycrs Beiprogramm— Bflbnenschan Film-Palast.NÄu� Blankenburger Str.< So ZVsJgd.-V. Wöchig. 6.30, 9 U.. So 430. 645. 9 u. Tonoperette: Das Land des Lächeln« mit Richard Tauber- Jugdl. Zutritt Tegel Filmpalast Tegel 5»�°'' Stgs. 2 U Jgd.-Vorst. W. 6. Stg. 4V« U. Tonfilm: Der kensche Josef mit H. Liedike. Bressarf. Wflsf. Bender— AD JOnntag: Harry-riei- Tonfiim: Er oder Ich Lastiges Belpiogramm Union-Theater Hauptstr.3 W 6. 8>a. Stg. 4>/«. 6>(s. 84« U. Stg. 2 U. Jgd.-V. t Woche unter Apachen mit H. Ptet Mandrin, der galante Abcnlenrer ����Mennigzdor» M Fiimpalast stg. 4v.e86�,' 8-«� Berliner Straße 59 Stg. 2 U.(ug.-Vorst. Der blaue Expreb Das macht die dnmme Liebe(6 Akte) N. Schulmeister HERREN* UND.KNABEN- BEKLEIDUNCSHAUS Eckhaus Kottbusser Tor Beilage Freitag, 30. Januar 1931 ftrUfeml Sfialaul/fa£e Aei ibt&äsA »ussprach«: Partei«ab Ärbeiterbilöuag ÄSfreö Veattnthal: Orfaffm wir Km ga«;m Mmfchm? Jeder, der die Berliner Arbciterbildung aus eigener Anschauung kennt und über ihre Probleme schon einmal nachgedacht hat, wird niit mir übereinsti minen müssen, wenn ich an die Spitze meines Diskussionsbeitrages den Satz stelle: Es wäre tief bcdaner- lich, wenn durch die Einwände 5)artlgs die wich- tigen Anregungen Deckers totgeschlagen würden. Die Ueberlegungen, auf Grund deren sich Hartig gegen die Bor- schlage Deckers wendet, zeugen zwar von einem vertieften Nachdenken über die ollgemeinen Aufgaben und Bedingungen der prole- tarischen Bildungsarbeit, aber sie gehen meins Erachtens am Kern der Ausführungen Deckers vorbei. Zunächst beweist chartig selbst, daß der Streit darüber, ob und in welchem Ausmaß man die sozialistische Anschauungswelt als eine Weltanschauung bezeichnen darf, in diesem Zusalnmcnhang ziemlich müßig ist. Denn mit der Aufzählung all der Organisationen, di« sich mit der Bildung des sozialistischen Menschen beschäftigen— Naturfreunde, Sänger, Sportler usw.—, gibt er selbst zu, daß der Kreis von menschlichen Lebens- und Denkbetätigungen, den die sozialistische Bewegung erfaßt, so ungeheuer weil ist, daß es praktisch keine erhebliche Rolle mehr spiölt, die Grenzen festzulegen, bis wohin die sozialistische Bildung-arbcst reichen darf. Schließlich darf auch nicht überschen werden, daß es Organisationen gibt, denen, wenn sie von Hartig auch nicht erwähnt wurden, dennoch nienraird den Anspruch verwehren darf, sozialistische Bildungsarbeit zu bc- treiben, die auch vor der Durchdenkung religiöser Fragen nicht haltmachen(proletarische Freidenker, religiöse Sozialisten). Daraus ergibt sich also, daß die Forderung Decker-, die sozia- listische Bildungsarbeit müsse den ganzen Menschen erfassen, grundsätzlich berechtigt ist, wenn man das Wort„ganz" nicht spitz- findig, sondern so auslegt, wie es gemeint war. Daraus ergibt sich aber nicht die Notwendigkeit eines„Bikdungssalats", daraus ergibt sich nicht di« Notwendigkeit, daß dersellie Mensch in eine bunte Reihe von Kursen gehen müßte. Denn das„Ganze" jedes Menschen ist an sehr verschiedenen Stellen zu packen Es bleibt also trotz chartig und, wenn ich ihn richtig verstehe, sogar mit Hartig die Forderung bestehen: die sozialistische Bildungsarbeit hat den Menschen als ganzes zu erfassen, das heißr so weit das Lebens» und Kultnrintcressc des sozialistischen Menschen reicht. Es bleibt dann nur mehr eine technisch-organisatorische Frage, wie und wie weit die einzelnen Gliederorganlsa- tionen der sozialistischen Bewegung sich in diese Arbeit teilen sollen und ob und wie weit auch den Volkshochschulen und anderen außerhalb der sozialistischen Bewegung stehenden Bildungsorgan!- sationen eine Hilfsstellung eingeräumt werden kann. Wichtig und von allgemeinem Interesse ist vielmehr die Frage, wie weit die Aufgabe, die der sozialistischen Bildungs- arbeit im ganzen gestellt ist, von ihr gelöst ist. Wenn man mm, wie Hartig, aus dem Standpunkt steht, daß in Berlin alle sozialistischen Organisationen zusanmien„in einer rdealen Weise jene Forderung von der Erfasiung des ganzen Men- fchsn erfüllen", dann ist freilich jede Diskussion über sozialistische Bildungsfragen überflüssig, denn dann gibt es gar keine allgemein interessierenden Probleme der sozialistischen Bitdungsarbeit in Berlin. Ich habe den Eindruck, daß es der Sinn des Artikels von Decker war, nachzuweisen, daß es in der Berliner sozialistischen Bildungsorbeit noch Lücken gibt, daß ihr die Erfassung des sozialistischen Menschen als ganzen noch nicht vollständig gelungen ist. Und diese Ailjfassung ist mit der bloßen Behauptung, daß die Aufgabe der Berliner sozialistischen Bildungsarbeit in idealer Weise gelöst ist. noch nicht entkräftet. Decker hat durch eine Reche von Beispielen zu veranschaulichen versucht, worin er die Lücken in der Erfassung des sozialistischen Menschen als ganzen sieht. Vielleicht war nicht jedes Beispiel gleich glücklich gewählt, vielleicht erfüllen zum Beispiel die Natur- freunde in Berlin wirklich in idealer Weise die Forderung, die Natur dem dafür Verständnis entgegenbringenden Menschen in der Art zu erschließen, wie es uns als Sozialisten entspricht. Aber dann ble'ckt immer noch die Frage zu Recht bestehen: Wo gibt es in Berlin für die dafür interessierten Menschen beijpielsweile die Möglichkeit, sich im Kreise Gleichgesinnter und in Zusammenarbeit mit ihnen vom«tandpunkt sozialistischer Anschauungsweise in den Fragen der Kunst, des Kulturlebens und der Kultur- formen überhaupt zu bilden? Ich weiß, daß es eine Reihe von Organisationen gibt, in denen man in gemeinsamer Arbeit, in Wort und Tat sozusagen, um diese Dinge ringt, so die Kinder- freunde, die SAJ., die Jungsozialisten— deren Auflösung haksentlich nur ein« vorübergehende ist. Aber es fehlt eine Bildungsstätte, wo die in diesen Organisationen Tätigen gemeinsam und vor allem zusammen mit außerhalb dieser Organisationen Stehenden an der Klärung über diese sozialistischen Lebensfragen arbeiten können. Dies nur ein Beispiel. Es ließe sich vermehren. Warum soll die Part er mcht die für die sozialistische Bewegung überaus wichtige Aufgabe übernelzmcn, hier führend voranzugehen? Nur weil eine dogmatische Pädagogik Arbeitsteilung und Beschränkung der Partei bildungsorbeit auf die politischen Fächer ver- langt? Aber kann man wirklich eine solche Trennung vornehmen? Kann man di« Kunst, und Kulturfragen von der Politik loslösen? Ein sehr schöner Ansatz in der Richtung, auf die Genosse Decker mit seinen Anregungen abzielte, ist von der Arbeiterbildungsschule schon gemacht worden: die Kurse«iegfried B c r n,f e l d Ihr ossizielles Thema ist die Psychologie(also schon ein Verstoß gegen die von Hartig ausgestellten Regeln?). In Wirklichkeit werden, soweit ich untcrr'chtet bin, auch viele andere Fragen in dem von mir gemeinten Sinn in den Bernfckd-Kursen behandelt. Die über- raschend große Beteiligung sowie die stark« inner« Anteilnahme der Hörer an den Bernfeld-Kursen beweist, wie wichtig ein weiterer Ausbau der Parteibildungsarbeit in dieser Richtung ist. Und eine weitere erfreuliche Erscheinung, die in der Linie der meines Erachtens anzustrebenden Zusammenarbeit von Mitgliedern verschiedener Kulturorganisationen in der Parteibildung liegt: an den von der Arbciterbildungsschulc veranstalteten Kursen Bernfelds beteiligt sich eine große Zahl von Kinderfrenndehelfcrn und, wie ich annehme, auch von Mitgliedern anderer Kulturorganisationen. Es ist, wie gesagt, nur ein Ansatz. Ich sehe es als eine wichtige Aufgabe der Arbeiterbildungsschule an, ihn auszubauen und mehrere andere zentrale Kurse in der von Decker und mir vorgeschlagenen Richtung einzurichten. Die Beteiligung wird sicher sehr stark sein, wenn die Kurse nur sorgfällig ausgewählt und wenn vor allem Lehrer gewonnen werden, die wirklich etwas zu sagen haben. Und gegen eine starke Beteiligung in solchen Kursen wird man wirklich nicht einwenden können, daß die große Besucherzahl sich aus dem Entgegenkommen gegenüber den verschiedensten Gc- schmäckern und Interessen erklärt. Nein, es handelt sich«m die systematische Durch- bildung eines Kreises von Menschen, der für die sozialistische Bewegung und ihre kulturelle Vutwick- long die größte Bedeutung hat, und zwar um ein« Durchbildung gerade in der Richtung, in der diese Menschen zu arbeiten berufen sind, also Funk- tionärbildung im besten Sinne des Wortes. Jedoch gehen wir einen Schrill weiter und wenden wir uns den Bildungsaufgaben zu, auf die Hartig die Parteibildungsarbeit beschränken möchte. Kann man mit gutem Gewissen auch nur von diesem Ausgabenkreis sagen, daß die Parteibildung hier in idealer Weise ihr Teil dazu beiträgt, die Forderung von der Erfassung des ganzen Menschen zu erfüllen? Es soll gerne zugegeben werden, daß der Themenkreis der Arbeiterbildungsschule in den zentralen wie in den Kreiskursen im allgemeinen gut ausgewähll ist und sich fast durchaus auf Gebiete von zentraler Bedeutung für die Partei- bikdung erstreckt. Und trotzdem kann auch hier aus diesem rein polllischcn Gebiet noch viel mehr von dem gegeben werden, was den im engeren Sinn des Wortes politisch Interessierten bewegt. Decker regte Kurse über Berlin on, also Geschichte der Partei in Berlin, Arbeiterbewegung in Berlin: weiter lägen in dieser Rich- hing Kurse über die Geschichte Berlins, die soziale und kulturelle Struktur Berlins usw. Diese Kurse könnten weiter nach der kom- munalpolitischen Seite ausgebaut werden, also die besonderen Probleme, Leistungen und Aufgaben der Berliner K a m- m u n a l p o l i t i k in verschiedenen Kursen behandelt werden. Natürlich dürften auch allgemeine kommunalpolitische Kurse nicht fehlen. Auch die Kurse über die politischen Parteien ver- tragen noch einen weiteren Ausbau. Es findet zum Beispiel in diesem Jahr kein einziger zeillraler Kursus über das Parteiwesen in Deutschland stall. Und dabei gibt es auf diesem Gebiet eine Füll« von Themen, die für den Parteifunktionär wichtig sind, wie Kurse über die Geschichte der Parteien, über chre soziale Strulwr. ihre Organisation und innere Verfassung usw. Oder es köimen ein- zelnc Parteien, deren Durchleuchtung augenblicklich von besonderer politischer Bedeutung ist, wie jetzt die Nationalsozialisten, herausgegriffen Und in kurzen Kursen womöglich in allen Kreisen behandelt werden. Auch diese Beispiele können noch vermehrt werden. Aber es ist nicht Ausgabe dieser Zeilen, einzelne Anregungen zu geben, sondern es soll nur an hervorstechenden Beispielen gezeigt werden, dnß wir als Sozialitten niemals mit ans selbst zn- frieden sein dürfen, daß wir niemals nns selbst ein» reden dürfen, wir hätten irgendeine Aufgabe schon in idealer Weise gelöst. Schon die wenigen Beispiele, die von Decker und mir angeführt wurden, beweisen, daß wir in der sozialistischen Bildungsarbcit Berlins noch weit von jenem idealen Zustand entfernt sind, den Hartig als gegeben annimmt, daß unserer Bildungsarbeit und speziell der Arbeiterbildungsschulc noch sehr große Aufgaben gestellt sind, die zu bewältigen sie sich bemühen muß, um zu ihrem Tell die Forderung von der. Erfasiung des ganzen Menschen zu erfüllen. Werm« Falk: 2* f(i|tf ttf| t Geschichte unserer Bildung-arbell und Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung sind durch innere Zusammengehörigkeit mit- einander verbunden. Die' Bstdungsarbeit war.unentbehrlich als; B e st and tri i der Bewegung selbst, ntiht nur wichüg und wert* voll als Ergänzung der unzureichenden Völksschulbildüng, als fachliche Schulung für den täglichen Lebenskampf, als Abwehr des kv!- turcllcn Bildungsprivilegs der Besitzenden. Ohne Bildungsarbcit kein sicheres zielklares politisches Bewußtsein, ohne dieses keine Einheitlichkeit der Entscheidung, keine Festigkeit der Führung, keine Stoßkraft der Aktion. Im Gang der Bewegung kommt der Bil- dungsarbcit ihre eigene selbständige Ausgabe zu: aus dem, was die eigene Not jedem einzÄnen an utopischem Hoffen und revolutio- närem Drang aufzwingt, erst«in einheitliches Massenwollen heranzubilden: überzeugend zu begründen, wohin der Weg geht und welche R i ch t u ng er nun nehmen kann. Die Bildungsarbeit sctzt erst da- in Wirklichkeit um, was Marx und Engels ein für allemal für die Gesamtbewegung geleistet haben: sie verwandelt in stetiger und unabschließbarer Kleinarbeit den utopischen So- ziqlismus des einzelnen in den wissenschaftlichen So- zialismus der Klasse. Der Ausgangspunkt. Auf der Sorgfalt, dem Umfang und der Eindringlichkeit solcher politischen Bildungstäligkeit ist die Arbeiterbewegung aufgebaut, sie steht und fällt mit der Fruchtbarkeit, Lebensnähe und histori- schen Richtigkeit der Inhalte, die als Klassen weg und Klassenziel veimillelt werden. Verhängnisvollster Irrtum wäre es, anzu- nehmen, daß diese Aufgabe jemals abgeschlossen sein könnte. Denn so wie der Kapitalismus jeden Tag neuc Not und neuen Zwang schafft, so schafft er für jeden einzelnen und vor allen: für jede in ihn hineinwachsende Generation neuen Abwehrwillen und neue Frage nach Ursachen und Abhilfemöglichkeiten. Und es ist entscheidend, daß die Antwort jedesmal von neuem imstande ist, diesen Abwehrwillen auf die Ausgaben als Ziele hinzulenken, di« der Kampfplatz der Geschichte alK Lösungen mit Dauererfolg bietet. Nach dem, was Marx und Engels gerade in dieser Hinsicht gelehrt haben, mußte die politische Erziehungsarbeit vor allem von dem Bestreben diktiert sein, der t ä g I i che n Not des einzelnen die Vorstellung eines isolierten und zufälligen Einzelfalles zu n h- men. Der wirkliche Feind ist nicht die akute Wirtschaftskrisis, die mangelnde soziale und wirtschaftliche Gesetzgebung eines Landes, die besondere Rücksichtslosigkeit eines Unternehmers, also alles das, was täglich, unmiitclbar und handgreiflich als Bedrücker begegnet: es ist der Kapitalismus als System, dessen zwangsläufige Folge nur das Einzelschicksal, dessen unfreiwillige Vollstrecker die bcson- deren Lerhältnisse eines bestimmten Zeitpunktes und eines be- stimmten Landes sind. Der Gesamtzusammenhang des Systems und seine innere Gesetzlichkeit ist daher auch der Haupigegentand unserer politischen Bildungsarbeit: weniger dagegen di« besonderen Umstände, unter denen es sich gerade bei uns entfaltet, innerhalb eines bestimmten nationalen Raumes, unter bestimmten geschicht- lichen- Traditionen, unter besonderen Produktionsbedingungen und Reichwmsosrhältnissen, unter Menschen bestimmter Art. Wie weit man gerade von ihnen abzusehen hat, ist auch durchaus nicht be- liebig: vielmehr ist es sehr stark abhängig von Art und Grad der in einer Periode möglichen politischen Aktivität. Die akute wirtschaftliche Krisis eines Landes und die genaue Kenntnis ihrer besonderen Ursachen ist für den Weg zum Sozialismus nur in einem Falle wichtig: wenn sine gegen dies« Umstände gerichtete Aktion am Ganzen des kapüalistischen Zwanges etwas ändern könnte: sonst ist dieser Einzelfall nur bemerkenswert als Beiipie) einer bestünmten Entwicklungsstufe des Kapitalismus, wie unzählige andere Fäll- auch. Die grundsätzliche Vernachlässigung der besonderen zeitlichen und örtlichen Verhältnisi« entspricht also einem Stand der Bewegung, bei dem gegen den Kapitalismus als Ganzen grundsatzlich,»ichls zu unternehmen ist; wo also die Nyt des Taze» „och nicht zum Ausgangs- Und Zielpunkt'einer Aktion cstincichr werden kann und nur übrig bleibt, die Schuld zu erkennen, die an ihr der allgemeine Feind, der Kapitalismus, trägt. Ja, auf dieses Ab- sehen vom Einzelfall kommt es hier gerade deshalb an, um den Abwehrwillen vor Holben Reformen und Widcrstandsmaßnahmen zu bewahren, seine Kraft für den Moment des Eingrisfs zurückzu- halten, den die allgemeinen Entwicklungstendenzen erst vorbereiten. Eine gefährliche Klippe. Der Stand der Bewegung in der Vorkriegszeit— eine real- politisch ohnmächtige Arbeiterschaft gegenüber einem festgefügten und blühenden Kapitalismus— stellte Bildungsarbcit und Aknons- pragramm der Partei tatsächlich vor eine derartige Aufgabe: auf diesem Boden konnte daher auch ohne merklichen Schaden die vul- gäre Vorstellung entstehen von einem Sozialismus, dem di« Be- wegung ohne ihr eigentliches Zutun, über„die Köpfe der handeln- den Menschen hinweg", lediglich durch„das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion" allmählich zuwächst. Denn die Lähmung eines zielklaren und tatberciten Willens zur Aktion, zu der diese Anschauung führt, entsprach damals nur einer p o l i- tischen Notwendigkeit. Dem Sinn der Lehre, die Marx und Engels uns hinterlassen haben, ihrer Idee vom wissen- schaftlichen Sozialismus entsprach dagegen dieser Sozio- lismus„frei Haus" niemals. Ihre ganze Lebensarbeit wäre ja überflüssig gewesen, wenn sie uns nur die Prognose eines Eni- wicklungsganges hätten geben wollen, der sowieso und Zwangs- läufig zur Erlösung vom Kapitalismus führt! Statt nur theo- retisch den Schleier der Zukunft zu lüften, kam es ihnen vielmehr auf etwas sehr Praktisches an: der Arbeiterbewegung das Ziel zu zeigen, dem sie nur folgen kann, wem, sie die wahren und wirk- lichen Gründe ihrer Lage erkannt hat, die Wege, die sie gehen muß, wenn sie im Rohmen des geschichtlich Möglichen erfolgreich sein will; sie zum Beschreiten dieses Weges aufzurütteln, anstatt utopischen Idealen, gefühlsmäßigen Aufwallungen, Bersprechungen bürgerlicher Reformer zu folgen. Marx und Engels waren mehr als die großen Theoretiker, sie waren die großen Erzieher der Bewegung. Und darum hatte auch die Betonung der kapita- liftischen Entwicklungsgesetzlichkeit«inen praktischen Sinn: Abwehrwillen und revolutionäre Aktivität zu regeln, sie vor unfruchtbaren und verfrühten Aktionen zurückzuhalten, dafür aver den Einsatz aller Kraft für die kritische Lage zu bewahren, die„im Schöße der kapitalistischen Entwicklung" heranreifte. Nicht eine Prognose wurde damit der Bewegung vermittelt, sondern ein Feldzugsplan, der Bildungsarbeit und AktNn in ihrer Rich- tung festlegte. Die Aktion aus der Linie: Erwecknng des Klasien- bewußtfeins, Sammlung und Zurückhaltung: die Bildungsarbeit an der Idee: in aller gegenwärtigen Not die allgemeine Schuld des Kapitalismus zu erkennen, jede wirksame Abhilfe aber auf die ferne Stunde der Berwirklichung des Sozialismus zu ver- tagen. ' Die veränderte Situation. Dieser Feldzugsplan hat die Bewegung groß gemocht, weil er richtig war für die Zeit, in der er entstanden ist. Er kann sich aber ebenso vernichtend gegen die Bewegung kehren, wenn er die Richtschnur bleiben würde In emem Abschnitt, dem er nicht mehr entspricht. Im Zeichen dieser Gefahr stehen wir hcu'e— es hat keinen Sinn, sich das zu verheimlichen. Die geschichtliche Lage ist eine andere geworden, der Kampf ist in eine neue Phase einge» treten. Auf der einen Setie heute eine machtpoli tisch erstarkte f>ze 2lzenezifccz>zn im Veibvu.aa* Arbeiterschaft mit verstärktem unb empfindlicherem Abwehr- uiu Aktiv nswlllen. unter verschärfter wirtschaftlicher und kultureller Not; auf der anderen ein Kapitalismus, dessen Macht zwar nach wie vor fühlbar groß, dessen innerer Organismus aber unelastisch ge- worden ist und den Kartelle. Trusts und imernationale Zoll- schranken zwar keineswegs in akute Gefahr gebracht, woh! aber mit dem Gift einer schleichenden Ärisiis infiziert haben. Diese Situs- tion aber bedeutet nichts anderes, als daß die sozialistische Bewe- cmng aus der Epoche der Vorbereitung und des Abwartens in die Epoche des akuten Kampfes getreten ist. Di« kritische Situation ist da, für die Marx und Engels den Einsatz der politi- sehen Aktivität und die Ergreifung von Maßnahmen zur Ueber- Windung des Gegners oerlangt haben. Diese Situation ist im Schöße der Entwicklung herangereift, allerdings von manchem des- halb unbemerkt, weil sie nun in Wirklichkeit wesentlich anders aussieht, als sie den Erwartungen von ehemals erschien. Das, was in der Vergangenheit in perspektivischer Verkürzung als ein Punkt erschien, als künftiger Moment plötzlicher Ärisis und all- gemeinen Umbruchs, erweist sich jetzt, wo wir bereits mitten darin stehen, als eine Periode langandauernden und unter schwierig- ftcn Vedingungen geführten Kampfes. Die erträumte große Ge- samtaktion zerfällt in zahlreiche, voll noch gar nicht überblickbare Abschnitte, in eine Vielzähl verschiedener und konkreter Einzelauf- gaben. Die Geschichte zwingt uns den Kampf in einer Situation auf, in der zugleich die Möglichkeit eines plötzlichen und radikalen Sieges vorerst nicht besteht. Diese schmerzliche, aber realistische Einsicht unterscheidet uns vom kommunistischen Utopismus. Ihre Folgen. Unterstellt man diese Auffassung der Loge als richtig, dann mutz sich mit der veränderten Situation auch die Zielsetzung der politischen Bildungsarbeit verändern. Denn alles dos, wovon man ehemals abgesehn hatte, wird jetzt wichtig: die besonderen Umstände des Kampfes, die Menschen und Mächte in einem be» stimmten nationalen Raum, die zeitlichen und örtlichen Erschei- nungssormen der politischen und wirtschaftlichen Krisis, der Einzel- fall, der Abhilfe verlangt. Denn der ehemals abstrakte und in ferner Zukunft liegende Tatbestand der kapitalistischen Krisis, löst sich jetzt auf in eine Fülle wirklicher, in diesem Lande und zu dieser Zeit, aus diesen besonderen Gründen erlebter und erfahrener Not: die Abwehraktion in eine Fülle wirk- licher Maßnahmen und Forderungen, die in dieser Wirtschaft, unter ihren Produktions-, Besitz- und Reichtumsverhältnissen, im Rahmen ihrer geschichtlichen Traditionen, ihrer Gliederung und Entwicklungsstufe, ihrer internationalen Stellung erkämpft und durchgesetzt werden müssen. Die Kenntnis des Einzelfalls und die Fähigkeit,, ihn politisch zu beurteilen, bekommt für die Bewegung ein« ganz neue Bedeutung. In der Periode des Abwartens ist er nichts als eine neue Betätigung des blinden und mechanisch wirken- den kapitalistischen Zwangs, der nur als Symptom wichtig ist, weil rnan die Kräfte zurückhält bis zur Auflehnung gegen das„System". In der Periode des Kampfes dagegen kann diese allgemeine Zu» rechnung der Schuld an das„System" nicht mehr genügen. Der Druck des Systems äußert sich ja in der Wirklichkeit stets als Druck bestimmter zeitlicher und örtlicher Ereignisse und Einzelfälle. Seine „Krisis" aber besteht doch gerade.darin, daß es unmöglich wird. diesen Druck in der ganz bestimmten Form, in der er heute und hier auftritt, noch länger hinzunehmen, daß man beginnt, gegen ihn Sturm zu laufen. Damit wird der Einzelfall entscheidend als Anlaß und als Anknüpfmrgspunkt einer besonderen mehr oder weniger weit- reichenden Aktion.„Kapitalismus", das wird für unsere Gegen. wart zu einem Inbegriff, ganz konkreter und bestimmter kapstakisti- scher Einrichtungen und Gegner, die wir bekämpfen.„Sozialismus" ebenso zu einer bestimmten Reihe von Maßnahmen und Eknrich- tungen, dl« wir hier und jetzt in langsameren oder schnelleren Schritten an die Stelle des Vorhandenen zu setzen wünschen. Da- gegen vermag— wie bei uns noch vorwiegend üblich— der bloße Begriff des„Kapitalismus" als Antwort auf die Frag« nach den Ursachen der heutigen Rot. der bloße Begriff des„Sozialismus� als Hinweis auf das, was aus dieser Not befreit, nicht mehr den vorhandenen Abwehrwillen und die notwendige Abwehraktion zu formen und zu organisieren. Denn das für uns Wesentliche bleibt damit noch immer ungesagt: nämlich der anschauliche und sehr ins einzelne gehende Nachweis der Punkte, an denen die Not der Zeit besonders unerträglich drückt, und der Nachweis der einzelnen Schritt«, die die Kampflage gestaltet und verlangt, und auf die Ziele und Handlungen sich auszurichten suchen. Der Boden der Einzelreform ist hier der Kampfplatz der Revolution: nicht weil der einzelne Schritt die Lösung bringt, sondern weil er gerade die Unzulänglichkeit solcher Lösungen unausgesetzt am praktischen Beispiel unter Beweis stellt. In der Gefahrenzone des Uebergangs, in der wir uns heute und vielleicht noch auf Jahrzehnte befinden, ist der Sozialismus nicht mehr eine feste künftige Gelegenheit. auf die eine gütige Entwicklungsgesetzlichkeit ohne unser Zutun hin- steuert: er wird vielmehr zu einer flüssigen, langwierigen und kon- kreten Aufgabe heutiger Handlungen und Entwürfe. Die neue Generallinie. Unsere politische B i l d u n g s- und Erziehungsarbeit erfüllt daher ihre politische Aufgabe nur dann noch genügend, wenn sie dieser notwendigen Wendung gerecht wird. Wenn es ihr also gelingt, so wie ehemals den Blick auf das allgemeine Gesamtbild, so jetzt auf die— je nach der Lage mögliche und notwendig«— kontrete Tellaktion zu lenken, und dies« als unvermeidliches Glied in der Gesamtbewegung verständlich zu machen. Bleibt diese Wendung unvollzogen, dann verliert die politische Erziehungsarbeit di« Fühlung mit dem sich neu und stärker regenden AbwehrwMen. Sie gib, ihm Steine statt Brot, leer geworden« Begriffe statt wirk- licher Ziele und gangbarer Wege. Die für die Bewegung unem- behrliche Umformung des utopischen Einzelwillens in das historisch richtig« Klassenziel bleibt aus. Infolgedessen entsteht für die einen ein haltloses Schwanken zwischen sinnlos gewordener abseits stehen- dar Obstruktion und der verhängnisvollen Trennung von Bewegung und Endziel, einer opportunistischen Tagespoli.ik, die nichts mit dem Endziel, und einem Endziel, das nichts mehr mit tagespoliti- scher Verwirklichung zu tun hat. Die anderen aber fühlen sich in der Berücksichtigung ihres Abwehrwillens und der bestehenden Ab- wehrmöglichkeiten durch die Partei getäuscht und sie gehen zum utopischen Radikalismus oder zu denen, von denen ein treffendes Wort sagt:„Sie wissen nicht, was sie wollen, ober sie wollen es sehr" Ferner sind folgende Diskussionsbeiträge eingetroffen: Arthur Gold st ei«: Die Kardinal frage der Ar» beiterbildung. Gruft Kehler: Erziehung»«r Selbsterziehuug. Adolf Lau: Aber auch Belehrung! Stadtrat Max Peters: Der Eharakter der Ar- beiterbilduugsschule. Theodor Schwieger: Mehr Kontakt! Wir behalte« uns die Veröffentlichung der Beiträge vor. Unser Notbienenstand(das einfache Biencnhäuschcn) steht fix und fertig draußen in einer molligen, windstillen Ecke des Gartens oder Hofraumes. Die Läden sind geschlossen: Blenden schützen Korb und Kasten vor scharfen Winden und Schneegestöber. Es gilt jetzt, die Kräfte der Völker zusammenzuhalten. Mit Schwächlingen ist aus dem Bienenstande nichts anzufangen,«ie trügen immer unsere Hoffnungen, verursachen nur Geldauslagen. Mühen, bringen stets Aerger und Verdruß. Die Erfahrung bestätigt immer wieder, daß ein einziges starkes Volk zur Haupttrachtzeit mehr leistet als zehn Schwächlinge. Im Februar drohen Gefahren von allen Seiten. Die v e r- führerische Sonne lockt öfters mit unwiderstehlicher Gewalt. und zwingt vorwitzige Bienen ins Freie, wenn dem Sonnenzauber nicht Einhalt geboten wird. Besitzt unser Bienenstand noch keine Läden, dann stellen wir Blenden vor dieFlugöfsnungcn auf die Flugbretter. Ganz hervorragend haben sich hier die söge- nannten Bordächer bewährt. Diese verdunkeln auch das Stock- Abb. I a. 2: Bienenkasten mit ant gesetztem(resp. abgenommenem) Vordach(v) 3. Drtibrettlblende innere, was einer gedeihlichen Durchwinterung sehr zustatten kommt. Wir führen solche Bordächer in Abbildung I und 2 vor. Einfacher sind die„Dreibrettblenden", wie dies Abbildung Z zeigt. Der höhere Teil der Blende liegt am Flugloch, der niedrig« ist an der Durchgangsössnung nur 6 Millimeter hoch, so daß es auch der kleinsten Zwergspitzmaus nicht gelingen kann, in das Beute- inner« zu dringen. Biel« unserer Völler werden in diesem feuchten Winter an Stocknäss« leiden. Das Füllinaterial wurde feucht, sei es Holz- wolle, Moos oder dürres Laub: di« Nässe teilt sich dem Stockinnern mit. Wir wechseln deswegen die äußer« Umhüllung der Beuten, wo solch« überhaupt angebracht wurden, öfters mit trockener.. Auch Durstnot wird sich in diesem Winter melden. Viele Völker sitzen vorwiegend auf recht wasserarmem Heide-, Blatt- und Komferenhonig. Da die Bienen nur flüssige Nahrung aufzunehmen imstande sind, eilen sie in ihrer Verzweiflung von Wabe zu Wabe, beißen Zell« um Zell« auf. schroten die trockenen Kristalle aus. werfen sie auf den Beutcboden und zum Flugloch auf das Flugbrett Nur drei Kernobstsorten? Wir haben früher der Arbeit der Niederfchlesischen Landwirt- schoftskammer gedacht, di« nicht nur für Gemüse, sondern auch für Obst eine Zusammenstellung derjenigen Sorten veröffentlicht hat, die für ihr Gebiet geeignet sind. Daß dies« verdienstoolle Art der Beratung in der Uebertreibung zu unverständlichen Mahnahmen führen kann, lehrt das Vorgehen einer anderen— leider nicht genannten Landwirffchaftskammer, gegen die Gartenbaudirektor Walter P o« n i ck e- Karlshorft in der„Gartcnbauwirtschaft" sich wendet. Diese Kammer hat die Gewährung von Mitteln zur Errich- tung neuer Obstanlagen davon abhängig gemacht, daß mehr als drei Kernobstsorten überhaupt nicht gewählt werben dürfen, und daß von den Sorten der„Musterliste" Baumanns Renette, Los- k o o p und O n t a r i o zu bevorzugen sind. Mit Recht weist Poemcke darauf hin, daß es keine drei Kernobstsorten gibt, die für einen ganzen Kammerbezirk einheitlich„zu bevorzugen" sein können. Boden und Klima sind zu verschieden und müssen in»er- ständiger Weise berücksichtigt werden. Ein Beispiel gibt der Verfasser an der Hand der Erfahrungen mit Bostoop:„Er ist unberechenbar und die Zahl völlig unwirtschaftlicher Anlagen dieser Sorte ist wahr- hast schon groß genug." Man wird dem Verfasser in seiner Kritik einer übertriebenen Schablonisierung nur beipflichten können. Vom Klee Wie die Gräser, so sind auch die Klecsorten für f« u ch t e und trockene Böden verschieden. Der feinst« Klee— der R o t k l.e e, Trifolium pratense— wächst am besten auf mildem Lehmboden, der nicht zu trocken ist. Man kann dann aus drei Schnitt« rechnen. Als der für unser Klima am meisten geeignete Rotklee hat sich der schle- sische erwiesen, italienische und französisch« Qualitäten sind nicht so winterhart. Weiter werden als gut bezeichnet: der Eifeler, Böhmische, Polnische und Siebenbürger Rotklee. Die Preise für best« seidefreie Saat sind nicht sehr verschieden. Der Schwedische Klee (Trifolium bzchrickum) wächst noch in Gegenden, deren ftfinia zu rauh für Rotklee ist. Er liebt feucht« Moor- und Torsböden. Das gleiche Land sagt auch dem Sumpsschotenklee(Totus uligi- nosus) zu, der kriecht unterirdisch und bildet dichte Bestände. Der Bokhara-Kle« wächst auf jedem Boden, er muß jung verfüttert werden, da er später oerholzt. Auch zur Gründüngungen wird er oer- mondt. desgleichen der G e l b kl ee(Xleckicago lupulina), letzterer bildet mit Gras zusammen ein gutes Futter für Schase. In Mischung mit Raygras wird der Inkarnatklee vielfach angewandt— man nimmt dann statt der meist üblichen Soatmeng« von 8 Kilogramm pro Morgen 5 Kilogramm Klee und 7 Kilo- hinaus, überall nach Wasser schürfend. Bei solchen Anzeichen muß man eine beiderseits mit lauem Wasser ge- füllte Ganzwabe an den Wintersitz hängen! Bei milderem Wetter kann die Tränkflasche aufgesetzt werden. Sie ist stets über dem Bienensitz anzubringen und dauernd recht warm zu umhüllen. Wenn die regelmäßigen Flüge anheben, soll ganz in der Nähe des Standes, an windgeschützter, sonniger Stelle eine Freilandtränke errichtet und dauernd instand gehalten werden. Versagt sie nur einen Flugtag, gewöhnen sich die Bienen an andere, oft weit entfernte Wasserquellem Unendlich viele solcher Lastträger gehen dabei in der gefährlichen, wendischen Zeit verloren. Das milde Wintcrwetter ließ die Bienen nie zu rechter Ruhe kommen. Die Bienentraubc schloß sich nie völlig. Das verursachte stärkere Zehrung. Hunger wird sich deshalb da und dort melden. Die Bienen heulen entsetzlich und rufen ihren Herrn und Meister zu Hilfe. Viele Tote liegen auf dem Boden- und Flugbrett: allen hangt der Rüssel weit heraus. Auch bei gayz schlimmem Wetter fliegen Bienen ab und kehren nicht mehr heim. Nackte Brut wird ausgeworfen Ist's so, dann eile, Imkerkamerad! Ueber Nacht könnte das schönste Boll verhungert sein. Häng« Reservehonigwaben an den Wintersitz! Gieß« dir Zuckertaseln, zwänge sie in Rähmchen, feuchte sie an und gib sie den Bienen! Für Strohkorbvölkcr fertig« Zuckerspunde und stecke sie in das Spundloch, sie recht warm überdeckend! Flüssiges Futter sollte erst mit Beginn der regelmäßigen Flüge gereicht werden. Unsere imkerlichen Anfänger aber, die im Sinne haben, sich eine „Bienensarm" zurechtzurichten, machen wir auf folgende g«- setzlichen Bestimmungen aufmerksam: 1. Zur Errichtung eines Bienenhauses bedarf man der p o l i- zeilichen Erlaubnis unter derselben Voraussetzung wie zur Errichtung eines sonstigen Bauwerkes. Wie weit eine Bienenzucht- anlag« von des Nachbarn Grenzen, von viel begangenen Wegen oder belebten Plätzen entfernt sein muß, darüber gibt es in keinem Lande gesetzliche Bestimmungen. Manche größeren Städte haben hier ein- schlägige ortspolizeiliche Dersügungen erlassen. Man erkundig« sich, ehe man den Bau beginnt. 2. Durch das Hallen von Bienen darf keine„dauernde" Belästigung des Nachbarn hervorgerufen werden. Das läßt sich oerhindern, wenn wir die Bienen zum„ij o ch f l u g" zwingen. Wir legen 2 Meter vor der Flugseite Bretterzäune oder Lallengestelle an, bepflanzen sie mit schnellwachsenden Hänge- gewachsen(japanischer Hopfen, wilder Wein, Klematis usw.), pflanzen lebendige Zäune oder montieren auf bereits bestehend« Zäune eng- maschige Drahtgitter, so daß Zaun und Gitter eine Mindesthöhe von 2 Meter erhalten. Einmal hoch ausgeflogene Bienen kehren nie unmittelbar zur Erde zurück. Z. Falls eine von einem Bienenstände ausgehende Ein- Wirkung auf ein anderes Grundstück nur unwesentlich oder noch den örllichen Verhältnissen gewöhnlich ist, kann der Eigen- tümer des anderen Grundstücks sie nicht verbieten. Auch die Einwirkung auf gewerbliche Anlagen kann nicht verboten werden, wenn die erwähnten Voraussetzungen vorliegen. Es ist sogar unter Um- ständen eine erhebliche Einwirkung gestattet, wenn die gewerblichen Betriebe infolge chrer Eigenart besondere Rücksichten erforderlich machen. So find Lacklederfabriten ver- pflichtet, geeignet« Borkehrungen zu treffe», damit das ausgebreitete Leder nicht von ausfliegenden Bienen beschmutzt wird. Zucker- und Zuckerwarenfabriken, welche di« Bienen mit ihren Dünsten und Düften anlocken, können die Beseitigung der Bienen nicht verlangen. well sie selbst vorkommende Belästigungen verschulden. Ueber die Bevölkerung des neuen Bienenstandes in de? März- abhandlung das näher«. W, gramm Raygras. Der W« i ß t l« e eignet sich flir leichter« Böden und sollte in einer Weidemischung nicht fehlen. Als beste» Vieh- futter gellen E s p a s e t t« und Luzerne, nebst der für ganz leichte Böden verwendbaren Sandluzern«. Doch ist Bedingung für ein gutes Wachstum, daß der Boden nicht kaltarm ilt. Bei der Luzerne, die mit ihren Wurzeln mehrere Meter tief geht, daher gegen Trockenhell und Kall« sehr widerstandsfähig ist, stehen di« deutschen Sorten, die Fränkisch« und die Pfälzer, am höchsten im Preise: sie kosten das Doppelte der Prooencer, Französischen und Ungarischen Luzerne. Als Saatmeng« gill auch hier 8 Kilogramm pro Morgen. Futtermohren Die Anzucht von Futtern u>hrr üben ist durchaus zu empfehlen, da sie als Beifutter für Pferde und zur Schweine, und Gänsemast ausgezeichnet zu gebrauchen sind. Ernten bis zu 400 Zentner vom Morgen still» vielfach erzielt worden. So riesig wie die Möhren selbst sind ihr« Namen: da gibt es„große dicke orangegslbe grünköpfige".„große dicke weiße grünköpfige" und schließlich„goldgelbe grünköpfige stumpfspitzig« zylinderförmig« Ricsensuttermöhren". Mll einfacheren Namen aber deswegen durch- aus nicht schlechter erscheinen einige wellere Sorten wie gelbe Lobbericher, die lang« rote St. Balery, die lange rot« Sudenburger, vielfach als beste Fnttermöhr« bezeichnet, die späte rote Braunschweiger, deren Verbesserung schon als St. V a l e r y genannt wurde. Di« goldgelb« S ü ch t« l n e r Riesen- Möhre und di« Pfälzer, ebenfalls goldgelb, und di« Saal- i e l d e r, dicke gelb«, mögen noch genannt sein— In der Kultur folgt man der Praxis von den Speisemöhven möglichst frühe Aussaat in Reihen mll 20 bis 30 Zentimeter Abstand. Frischer Dung fit nicht zu geben, wohl soll der Boden in guter Dungkraft stehen. Lehmiger Sandboden eignet sich am besten. „Anerkannte Saat** Wir haben wiederHoll auf den Wert hingewiesen, der in der Gemüsesaatenanerkennunz von feiten einer Landwirtschaftskammer llegt: der Bezieher erhält ein Saatgut von hochwertiger Qualllät. In dem„Obst- und Gemüsebau" fülltet sich nun ein« allerdings nicht auf Vollständigkell Anspruch machende List« von Firmen, deren Saat- gut von der Kammer für die Provinz Sachsen geprüft wurde. Es sind 28 Samenzüchtereien nanchaft gemacht und es werden 24 Ge- müscarten aufgezählt, für welche onerlamttes Saatgut bezogen werden kaum Die praktisch« Bedeutung dieser List« ist leider sehr gering, da vergessen wurde anzugeben, von welchen Gemüsearten der einzelne Züchter abgeben kann Es ist zu hoffen, daß dieser Rachtett bald abgeändert wird. PÜl? DEN KLEINGÄRTNER Stützpunkte für den Wintersport Eigene Sportstätten und Naturfreundeheime Der Grundsatz, zu allen Zeiten Sport in vielseitigster Weise zu betreiben, hat sich seit langem in der Arbeitersportbewegung durch- gesetzt. Der Wintersport fand auch in diesem Jahre schon viele Freunde, lind dabei wurde wiederum offenbar, wie wesentlich für die sportliche Betätigung gute Stützpunkte sind. Nicht immer kann man sich dabei nur auf die Werke verlassen, die aus dem Opfermut der Arbeiterklasse selbst hervorgehen konnten. Ja,«s ist sogar«in besonderes staatsbürgerliches Recht, in weitem Maße öffentliche Institutionen für die eigene Arbeit zu benutzen. Noch immer nicht klar genug haben dabei viele Arbeitersportler in den einzelnen Vereinen den Wert der Jugendherbergs- bewegung erkannt. Es fei deshalb hier noch auf einige wesent- liche Punkte verwiesen. Grundsätzlich steht die Frage so: Das Jugendherbergswesen ist gewiß ursprünglich aus der bürgerlichen Wanderbewegung hervorgewachsen. Dort wollte man der Jugend Stätten schassen. Die Oeffentlichkeit sollte das Werk stützen. Zahl- reiche Behörden fanden Wege zur Förderung des Jugend- Herbergsbaus. Diele Kommunen errichteten selbst Iugeird- Herbergen und gliederten diese Arbeit der öffentlichen Jugendpflege ein. Es ward ein gemeinnütziges Werk, getragen von dem Opfer- und Steuermut der Allgemeinheit. Damit aber wurde das Iugendherbergswesen eine Angelegenheit der großen Oeffentlichkeit und mußte der Kontrolle öffent- licher Organe unterstellt werden. Selbstverständlichkeit war dabei, daß nunmehr auch sozialistische Organe, Fraktionen und Ver- treter mst Nachdruck ihr« Meinung von den Dingen beim Jugend- Herbergswerk zur Geltung bringen muhten. Und ebenso selbst- verständlich wurde eigene intensive Mitarbeit. Das ist die Situation, die auch die Arbeitersportler immer wieder vor die Ver- antwortung der Mitwirkung stellt. Und heute kommt auch keine Sportler-Jugendgruppe ohne Jugendherbergen aus. Wir erinnern nur, daß sich heut« bei vielen Jugendherbergen klein« Sport- Plätze befinden, die auch der sportlichen Arbeit guten Rückhalt ge-> währen. Wir erinnern ferner, wie solche Jugendherbergen in den Bcrggebieten zu den besten Stützpunkten des Winter- s p o r t s wurden, so z. B. neben vielen anderen die durch den Gen. S e v e r i n g geweihte neue schöne Jugendherberge am Spindlerpaß im Riesengebirge. Korporative Mitgliedschaft im Iugendherbergs- verband und Benutzung der Jugendherbergen ist daher auch für Arbsiterfportlcr eine Notwendigkeit geworden. Daneben seien aber die eigenen Werte selbstverständlich nicht vergessen. Es war immer der Stolz der sozialistischen Arbeiter- bewegung, sich aus eigener Kraft Werte zu schaffen, die der g a n z e n Bewegung zum Nutzen gereichen. So wurden Turnstätten, Sport- Plätze, Schwimmhallen, Freibäder und Kreis-Sportheime geschaffen. Diese letzteren dienen in starkem Maße auch dem Wintersport. Noch mehr sei das von dem prächtigen Werk der Naturfreunde gesagt, deren 250 deutsche und 2M auswärtige Heime in der Mehr- hest auch jetzt Sportzwecken gut dienlich sind. Ueberall, im Harz, Sauerland, Weser- und rheinischen Bergland, böhmischen, schlesischen, sächsischen und den vielen süddeutschen Gebirgszügen stehen solche Heime dem Wintersport offen. Auch beim jetzt wieder mehr ein- setzenden Wandern sind dieses nützliche Werke sozialistischer Tatkraft. tiRBEiTEHTUSSBALL Luckenwalde Y oder Minerva? Am Sonntag soll in Luckenwalde auf dem Sportplatz in der Hetzheide die Berechtigung zur Teilnahme am Endspiel um die Kreisfußballmeisterschast entschieden werden. Die Mannschaften wer- den sich in folgender Aufstellung gegenüberstehen: Minerva: E. Schmidt Dunst Niwkc Zanoske gäHtt« Dumle Wünsch Bener Wendland Aschcnbrcnner Höpfner Gläser Arndt Michael Schub» Kritsche Gläser Lebmann Astsurt Zllner A. Schmidt Srassow Lllikcnrvaldi T: Welche Mannschaft als Sieger hervorgehen wird, ist sehr unge- n>iß. Während die Luckenwakder den Vorteil des eigenen Platzes für sich haben, verfügen die Neuköllner über einen sehr schußfreudigen Sturm, der denn auch den Ausschlag geben sollte. Das Spiel be- ginnt um 14.30 Uhr und steht unter der Leitung des bewährten Schiedsrichters Malina. Weitere Spiele: Lichtenberg II gegen Herzfelde in Lichtenberg, Normannenstraße. Eiche 1b gegen Kagel. Osten gegen Wacker 30. Osten gegen Volkssport Neukölln. Freie Scholl« gegen ASV. Neukölln. Eintracht gegen Britz 88. Cladow gegen Union 28. Brieselang gegen Lichtenberg I. Schöneberg gegen Sparta-Nauen. — Zweite Mannschaften: Lichtenberg II gegen Herzseide. iCften gegen ASV. Neukölln. Eintracht gegen Britz 88. Butaü gegen ..Wadow. Brieselang gegen Lichtenberg I. Nauen gegen Drewitz. Beginn der Spiele:!. Männerm annschaften 14.30 Uhr. 2. Manne rmannschasten 12.15 Uhr. Arbeiter-Hockey Solll» das Wetter bis zum Sonntag sich noch genügend klären, finden folgend« Spiele statt: Tennis-Rot hat bereits in aller Frühe um 8.30 Uhr ein Spiel gegen eine der jüngsten Mannschaften des Arbeiter-Turn» und Sportbundes— Fichte- Wedding— vereinbart. Dos Spiel findet auf dem Platz Ost, Laskerstraße, statt. Der DfL. Ostring und Sportverein Moabit spielen um 9 Uhr im Lmhten berger Stadion. Freie Turnerschaft Groß. Berlin. Nordring und der Athletik-Sportklub treffen sich um 14.15 Uhr in der Schönhauser Allee. Tennis-Rot I— Freie Turnerschaft Groß- Berlin Pankow spielen um 15 Uhr auf Platz Ost. In der Gruppe B spielen Tennis-Rot 2— FTGB. Pankow 2 um 10 Uhr Platz Oft. FIGB. Nordring 2— Volkssport Neukölln 1 um 13 Uhr in der Schönhauser Allee und VfL. Ostring 2— Athlitik-Sportklub 2 um 10.45 Uhr im Lichtenberger Stadion.— In der Gruppe C: Tennis- füot 3— SD. Moabit 2 um 12.30 Uhr in Laskerstraße Platz Ost und VfL. Ostring 3— FTGB. Nordring 3 um 12.30 Uhr im Lichtenberger Stadion. Di« Frauengruppe hat folgende Spiele: Tennis-Rot 1— VfL. Ostring 13-45 Uhr im Platz Ostrmg: Tennis-Rot 2— Volkssport Neukölln 11.30 Uhr Laskerstraße; FTGB. Pankow— FTGB. Nordring 12 Uhr in Pankow._ Arbcitcrsdi wimmer im Stadtbad Mitte Berlins größter Arbelterschwimmverein, die.Freien Schwimmer Groß-Berlin e. B.", hält durch seine Gruppe „Mitte� in Berlins größtem Hallenbad in der Gartenstr. 5 seine reservierten Uebungsstunden ab. Es ist der werktätigen Bevölke- rung des Bezirks Mitte die Möglichkeit gegeben, den Schwimmsport gut und volkstümlich zu pflegen. Alle Kinder, Jugendliche und Er- wachsen«, die Interesse am Schwimmsport haben, werden gebeten, sich noch heute zwecks Ausnahme zu melden. Der Unterricht erfolgt an alle Mitglieder kostenlos. Die Aus- und Weiterbildung liegt in Händen von fachlich geschulten Kräften. Ferner lverden gegen Zahlung des niedrigen Monatsbeitroges den Mitgliedern ermäßigt« Eintrittspreis« zu unseren Uebungsstunden gewährt. Di« Uebungs- stunden selbst finden jeden Mittwoch von 20�—22 Uhr im„Stadt- bad Mitte' in der Gartenstr. 5 statt. Außerdem steht den Jugend- lichen Freitag« von 20—22 Uhr das städtische Jugendheim Tieck- flraß« 18 zur Verfügung. Auskunst erteilt in allen Fragen an Interessenten, Parteigenossen und Gewerkschastskollegen der Vor- sitzende Arnold Malodystach, Dl 51, Lothringer Str. 32. Eishockey im Sportpalast Engländer von B. S.C. 5: 0 geschlagen Der Berliner Schlittschuh-Klub konnte gestern abend die englische Eishockeymannschaft überraschend hoch mit 5: 0 Toren abfertigen. Das Resultat kommt nach der ziemlich mäßigen Leistung der Berliner am Vorabend, wo sie Mühe hatten, die Schwedenmannschast mit 5:3 niederzuringen, völlig unerwartet. Schon im ersten Drittel zeigte sich die Ueberlegenheit der BSE.er, die ständig die Situation beherrschten. I a e n e ck e war kaum wieder- zuertennen: mit seinen Klubkameraden Ball und Brück, die diesmal tatsächlich ein ausgezeichnetes Kombinationsspiel lieferten, durchbrach er immer wieder die gegnerischen Reihen. Eine Borlage von Brück, den, besten Taktiker des BSC., konnte Ball m den Führungstreffer verwandeln. Bald daraus erhöhte Jaeneck« den Vorsprung auf 2: 0. Das rasende Tempo, das die Berliner vor- legten, machte sich schon ün zweiten Spielab schnitt bei den englischen Gästen sichtlich bemerkbar. Zeitweise waren die BST.er um eine ganze Klasse besser. Die englischen Vorstöße scheiterten schon meist an dem ausgezeichneten Zerstürungsspiel der Vordermamffchast: aber auch Linke im deutschen Tor hatte einen außerordentlich guten Tag Er hielt sein Goal rein! Eine Kombination Alöpier-Prück brachre das englische Tor zum drittenmal in Gefahr. Lktile wehrte erfolgretch ab. muß aber einen Nachfchuß von Ball unhaltbar passieren lassen. Kurz vor Schluß des zweiten Drittels ist«s wiederum Brück. der die Scheibe geschickt an Ball abgibt und das viertemal zappelt die Scheibe in den Maschen des englischen Tores. Das Schlußdrittel fit dann etwas ausgeglichener: obgleich die Schlittschuhklub-Leute ständig drücken, gelingt nur noch ein zählbarer Erfolg. Der junge Ball ist der glückliche Schütze, der eine Borlage von Rmner-Halsboer aufnimmt und dadurch allein 4 Tore auf sein Konto bringt. Es ist unbestreitbar, daß sich der BSC. gestern in Hochform präsentierte. Doppell schade darum, daß sich die Aertreter der deutschen Farben nicht an der Wellmeffterschaft, die in Polen zum Austrag gelangt, beteillgen. Das zweite Spiel zwischen Frankreich und dem Brandenburgischen Eissportverband oerlief sehr schwach. Es war ein system- und zusammenhangloser Kamps, den die Franzosen 5:1(2:0, 2:0, 5:1) gewannen. �unjöJooMj Beginn der Frühjahrsrunde. Am Sonntag beginnen bei den Arbeiterhandballern die Spiele der Frühjahrsrunde. In der 1. Klasse finden die Spiele nur in der Abteilung B auf dem Dominikusplatz in Schöneberg, Sachsendamm, statt. Um 14)4 Uhr stehen sich FTGB.-Süden und R o w a w e s gegenüber. Süden ist als sicherer Sieger an- zusprechen. Um 15,40 Uhr spiell Schöneberg gegen H e n n i g s- d o r f. Wenn auch Hennigsdorf im ersten Spiel«inen lleber- raschungssieg herausholen konnte, so hat aber Schöneberg doch auf eigenem Platz und mit besserer Spielweise die besseren Aussichten. In den u n t e re n Klassen spielen im 3. Bezirk Rathenow gegen Bornstedt in Rathenow. Im 4. Bezirk spielen in der 1. Gruppe Wilmersdorf gegen Klausdorf um 10 Uhr auf dem Fehr- belliner Platz. Auf dem Dominikusplatz spielen Süden 2 gegen Luckenwalde(Sportler), und Schöneberg 2 gegen Neukölln 2 um 13,50 Uhr. In der 2. Gruppe spielen dort auch Schöneberg 3 gegen Teltow um 12,40 Uhr. Zossen empfängt FTGB.-Friedenau um 15,20 Uhr in Zossen. Die Frauenspiele des 4. Bezirks sind: Lucken- walde(l. Abteilung) gegen Luckenwalde(Sportabteilung) in Lucken- mald«. Schöneberg gegen Süden um 10 Uhr, Dominikusplatz, und Wedding gegen Neukölln um 9,40 Uhr im Dolkspark Rehberg«. In Gesellschaftsspielen stehen sich gegenüber: Männer: Erkner gegen Fürstenwalde: Baumschulenweg gegen Möwe; Lank- witz 2 gegen Schwcifsterne 1; Rosenthal gegen Norden 1; Kauls- darf gegen ASC.: Ruderverein„Vorwärts' 1 gegen FTGB�Aanu l: Vorwärts 2 gegen Proles 1: Sportklub 1930 gegen Mitte: Mahls- darf gegen Neukölln; Mahlsdorf 2 gegen Nordring(Sportler 1); Vellen gegen Schwante: Moabit gegen Bernau: Bohnsdorf gegen Fichte: Rudervereinigung 1913 gegen FTGB.-Ruderbezirk: Tennis� Rot 1 gegen Kaulsdorf 2; Pankow 1 gegen Norden 1, 2: Tegel gegen Studenten. Frauen: Mahlsdorf gegen ASC.; Zossen gegen Mitte: Kaulsdorf gegen Vamnschulenweg: Rosenthal gegen Stralau. Arbeiter-Schach Am Sonntag, dem 1. Februar, 10 Uhr vormittags, finden in der Freien Arbeiters chach-Vereinigung Groß-Berlin folgende Mamffchastskämpfe statt. Es spielen: Gruppe B: Pankow gegen Lichtenberg in Pankow, Berliner Ecke Prinz-Heinrich-Straße: Grünau— �jriedrichsfelde im Gemeinschaftshaus Falkenberg: Moabit gegen Humboldthain im Cafe Streng, Alt-Moabit 13: Prenzlauer Berg 2— Mitte 2 bei Pohst, Stargarder Straß« 19: Gruppe C; Wedding 2— Gattenplatz bei Herms, Müllerstraße 26: Treptow 2 gegen Lichtenberg 2 bei Döhling, Elfenstrahe 100. Arbeiter sport»«»;» Weddioq. LelKtathletik. Sanddalt, Korten. Anschrift: Vaul Rechfeldt. Berlin 9i. 6ö, Ouhcnotbcr Sir. 3u. Lallcntrainm«: Männer kiKn Dienstag in der Schule, Liitticher Str. 47— 48, von 19 V: bis 21 H Mir: llrauen leben Montaa und Donnerst«« in der Schule, Llttticher Str. 4. von 2» bis 2L Uhr: Jugend iebon Dienstag und ssreitag in der Schule. LIUtichor Straße 4. von 20 bis 22 llbr. Waldlauf: geben Donnerstag ad 2» Uhr und jeden Sonntag ab 10 Uhr im Voltspart Relidcrg«. Umileidcraum Sportbaus Rchberge, Limmer 21. Lorteospieler: Elbung jeden Freitag um 20 Ubr im Loial Kaiser, LIltticher Str. 4. T«»»i»-Rot n trifft sich nicht wie ocrvbredet um 8 llbr, sondern um 9 Vi Ubr im Lotal von Wertalla in der Hohenlohestr. 3. volksspsrt Kentölln-Briz. Sonnabend, 31. Januar, 19%. llbr. 2. Männer-, 2. graueimbteiluna gemeinsame Versammlung bei Becker, Cbaussecstr. 97. Vor- trag:»Berlin-Leip�g.«in Streik, ug ins Bundesgebiet". Freie Kanu- Union Grsß.Beelin S. Abt. Sasel. Die Wanderung am Sonntag, dem 1. Februar, findet nicht statt, sondern erst am 22. Tebruar. ÄS®®., Bezirk Tempelbst. Heute, 19H Uhr, Generalversammlung bei Bommerenlng, Tempelbof, Berliner Ecke Biktoriastrabc.— Bezirk Wästeu. Sonntag. 1. Februar. Treffpunkt 14V, Uhr bei Rirtcrt airrn gemeinsamen Svanergang Dablem-Schlachtcnsce. Um 19 Uhr interne Bezirtsjubiläumsfeicr ebenfalls bei Rickert. Arbeiter-Sportverei» Schöneberg-geicdenau 07. Sonntag, 1. gebrnar, Generalversammlung im blauen Saal des»Plccadllln», Ebersstr.«0. Anfang 19 Uhr. Vordem 17 Uhr Jahresversammlung der Turnspart«. Mitgliedsbücher als Ausmeis stnd mitgubingen. Touristen verein»Die Siatursreunde», Zentral« Wie». Freitag. 30. Januar, 20 Uhr. Abt. Cbarlottcubura: Spreestr. 30. Sonntag. 1. ssebruar. Wannsee— Sakrower See. 8 Uhr Bahnhof Charlottenbug< Bahnsteig).— Sumboldtboin fIugcndgruvve): Bant- Ecke Wiesenstraste. Gruvvcnsraqcn, Neuwahlen.— galt. bootabtcilung: Iohannirstr. IS. Entstehung der Wedterlartc. Kartenlescn.— Abt. Sri»; Ehausseestr. 48. Neue Festfultur.— Abt. Südost: Briger Str. 27. Generalvcrsammlun«.— Abt. Treplow: Elsenstr. 3. Tagcspolitisches.— Abt. Binetavlah: Lorhing- Ecke Graunstrohe. Brettspielabend.— Photogemelnschast. «dt. Osten: ssrant harter Allee 307. 2. Bastelabenb.— Bhotogemelnschaft. Abt. Neukölln: Bergstr. 29.— Montag, 2. Februar, 2« Uhr. Photogemeinschasl: Iobanniostr. IS. Wie verbessern wir unsere Technik?— Malgemeinschaft: Wrangclstr. 128.— Esperanto: Tilsiter E:r. 4.— Zährten Sonntag, 1. Februar. Abt. Jriedrichshain: Strausberg— Böhsc«. Adsahrt 7?i Ulir Aleranderplah.- Abt. Mitte: Zepernick— Birkcnwerder. Abfahrt 3.02 Uhr Stettiuer Bahnhof. »Solldarität-, Radfahrer. Geschäftsstelle: R. Rothbarth, Berlin, Schöne- berger Str. 17a. Touren Sonntag, 1. fsebluor. 1. Abt.: Natnrhistorlsches Museum. Start: 13 Uhr Invalidenstrane(Am neuen Tor).— 2. Abt. Mahls- dorfv-üd: Start: 18 llbr bei Zlohdc. Diefienbachstr. 3«.— 3.«it. wie 2. Abt. Start: 13 Ubr Mariannenplah.— 9. Abt. Buch. Start: 9 Uhr bei Schreiber, Triftstr 68.— Abt. ssriedrich-chain: Dicsdorfvsüd. Start: 13 Ubr Schleiischer Bahnhof.— Abt. Moabit: Gemütliche» Beisammensein mit Gästen im Abtei. lunaslotal Schinitt. Wiclejstr. 17. Start: 20 Ubr.— Abt. Reinickendorf: Naturrundemuseum. Start: 12V, Uhr Jnvalidenstroste, vor dem Museum.— Renn» fahrer Berlin-Mitt«. Blumberg sDeutschcs Haus). Start: 9 Uhr Königstor.— Sonstige Veranstaltungen in der Woche vom 31. Januar bis 7. sfebruar. 1, Abt.: 6, ssebruar Abteilungsstbung bei Rickert, Steinmehstr. 36a, 20 Uhr. 7. ssebruar Maskenball im Schubert saal, Bülowstr. 104 sZabnärstehaus)., 20 Ubr.— 6. Abt.: S. fiebruar Abteilungssttsung bei Jelt, stopenhagener Str. 17, 20 Uhr.— 9. Abt.: 3. ssebruar Adteilungssibung bei Schreiber, Triftstr. 63, 20 Uhr.— Abt. ssriebrichsbain: 6 ssebruar Abtcilungsstimn, im bekannten Lokal, 20 Uhr. — Abt. Reinickendorf: 4: ifsbruar Abtetlungsstiuina bei Steiirnann. Provin?- straft» 108, 20 Uhr.—-Abt.. Mablsbottu L. Februar Saalübungsitunderr bei Anders. Bahnhoittraft«, 20 Uhr.- Abt. Weifttarsee: 2. und d. ss-b-xm Saal» ülbrngsstundeo tn der Turnhalle SüstgrwAbolfiS'safte, 20 Uhr. 9. Februar Ab. teilunaostfcun« ist Weihen her, Btstor ivstlr. 97, 20 Uhr.— Rennfabrer Berlin, Msie- T Februar Babeabend im Sradtbad Gartenstr. 8. 20Vz Uhr. ö. Februar Saoenlralnina in der Köpenick« Str. 12S, isv- Uhr.— Renn» iobvor: 0. Februar Abteilirngsststung in der flommanixmtenstr. 70, 20 Ubr.— Abt. Schöneberg: Der am Sl. Januar iestgeseftte Masfenball fällt aus.— Achtung, Jogeudleiter! Z. Februar bei Lohann, Beüderstr. 16, Iuaendleiter» stdimg um 20 Ubr.— Bei allen Veranstaltungen der Abteilungen sind Gaste gern gesehen und werden Neuaufnahmen in den Abteilungssiftungcn getätigt. Freitag, 30. Januar Berlin. 16.05 Mirra von Etzdorf: Im Spcrtduzzeui über Wüste und Ozean. 16.30 1. Emst von Dobnanyi: Streichquartett A-Moll. vp. 33, Nr. 3. 2. fr. Malipjero;„Rtspetti e Strambotti". 3. J. tlayda; Stretchouariett D-Dur, op. 20. Nr. 4(Petzko-Schnbert-Ouartett). 17.30 Jazendstunde: Doktor Faast(Dr. Walter Benjamin). 17.50 Intendant Dr. Kurt Siucer. Aus. Barta, Vorsitzender der Ortsverwallune Berlin des Deutscfaeo Musiker-Verbandes, und ein Musiker: Die wtrt- schaltllche Notiere der Berufsmusiker, 18.15 Manns Jobst liest eigene Dichtungen. 18.40 Das neue Buch. J. E. Laun;„Zeugnisse religiöser Erneuerungen moderner Menschen". Am Mikrophon; Dr. Harald Braun. 18.50 Stadtrat Ernst Reuter:„Berlins Verkehrsentwicklung". Zum Abschluß der Untergrundbahobauten. 19.20 Heitere Lieder. 19.45 Ardeltsmarkt. 19.50 Fritz Dlettrich liest eigene Gedichte. 28.00 Konzert E-Moll, op. 64 für Violine mit Orcheslerbegleitung von Felix Mendelssohn-Bortboldy(Cidlia Bensen, Berliner Funk-Orcbester. Dir.: Seldler- Winkler). 20.35 ,. Hernie»", Trauerspiel von Shakespeare. Einrichtung für den Rundfunk von Bert Brecht Regie: Alfred Braun. Funkorchcster. Dir.: B. Seldler-Winkler. 2245 Wetter-, Tages-. Sportnachrichten. Anschließend: Abendunterhaltung. Körigswnsterhansen. 16,00 Hans Wflrtz: Ein Arbeitstag im Oscar-Helene-Helm. 1640 Leipzig' Konzert. 1740 Dr. Langheinrich-Anlhos: Adelbert von Chamisso zum 150. Geburtstag. 18.00 Ob.-Reg.-Rat Dr. Bursdörfer: Bevötkerungscntwicklung. Ardeltsmarkt und Soziallasten der Zukunft 18.30 Peiser: Vorn Sklaven zum Arbeitnehmer. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. IkJO Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte, 20.00 Köln: Die goldene Meisterin. Tarifkündigung im Einzelhandel. Anqriff auf SO 000 Verliner Angestellte. Der Arbcitgeberverbanü im Beritner Einzelhandel hat den An- gestelllengewerkschasten den M a n t e l t a r i f zum 31. März gekün- drgt. Ihre Forderungen haben die Unternehmer noch nicht bekannt- gegeben. Nachdem ihnen mit Hilfe des Schlichtunxsausfchusses der Abbau der Gehälter der Einzelhandelsangestellten geglückt ist, hoffen sie an- scheinend, vom Schlichtungsausschuß genau so unterstützt zu werden bei ihren Bestrebungen, die Manteltarifbestimmungen zu ver- schlechtern. Das Hauptziel der Unternehmer dürfte die Ver- fchlechterung der Arbeitszeitbestimmungen sein. Ihr lange gehegter Wunsch, für dessen Verwirklichung sie die Jeit offenbar jetzt für gekommen erachten, ist der, einen Teil der täglichen Arbeitszeit in„Arbeitsbcreitschaft* umzuwandeln. Don der Tarifkündigung werden etwa 45000 bis 50000 Angestellte betrosfen. Reichstagsabgeordneier fristlos entlassen. Klage auf Wiedereinstellung abgewiesen. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete He in. Berlin war dl der Eisengießerei A.-G. als Former beschäftigt. Im Mai 1928 wurde er in den Reichstag gewählt. Im September forderte er Dauerurlaud von der Firma, um seine Tätigkeit als Reichs- tagsabgeordneter wahrzunehmen. Die Firma lehnte den geforderten ..permanenten Urlaub" ob und k ü n d i g t e H c i.n Die Kündigung wurde sofort wirksam, da der Ausschluß einer Kündigungssrist ver- embart war. Hein focht diese Kündigung als nichtig an. da sie dem Artikel 16 O der Reichsoers assung zuwiderlaufe. Er verlangte Wiedereinstellung oder— eine größere Entschädigung. Die beklagte Firma machre geltend, daß ihr das Recht zur ordent- lichsn Kündigung zugestanden habe, weil sie dem Kläger nur den jeweils erforderlichen Urlaub zu bewilligen braucht, nicht aber einen„permanenten Urlaub". Der Kläger machte geltend, daß er an Reichstagesttzungen und Fraktionsbesprechungen tcilge- nommen habe, so daß er deshalb nicht im Betriebe er- scheinen konnte. Es wurde vom Gericht Auskunft beim Reichstags- b ü r o eingeholt, ob 5)ein während der Zeit, wo er nicht im Betriebe war, Reichstags-, Ausschuß- und Fraktionssitzungen hatte. Das war nicht der Fall. Hein ha« sich an einer INiilellandkanal- reise bclclllgt und war für seine parle! tätig. Daiaufhin wurde seine Klag« mit solgender Begründung abgewiesen: Die Klage ist darauf gestützt, daß die Kündigung des Klägers wegen Verstoßes gegen die Reichsverfassung nichtig sei und daher das frühere Arbellsverhältnis fortbestehe. Eine solche Nichtigkeit der Kündigung sei aus den Bestimmungen der Reichsverfassung nicht herzuleiten. Der Artikel 160 der Reichsverfassung sichert den Arbeit- nehmern nur die zur Wahrnehmung ihrer Aemter nötige frei« Zeit im Rahinen ihres Arbeitsverhältnisses zu, sichert ihnen jedoch nicht ihr Arbeitsverhältnis gegen jets Kündigung Solange der Arbeitnehmer im Arbeitsverhältnis steht, wüd)e der Arbeitgeber rechtswidrig handeln, wenn er ihm die zur Ausübung des Mandats nötig« Freizeit oerweigev wollte. Gegen die frist. gemäß« Kündigung schützt Artik-l 160 der Reichsverfassung den Arbeitnehmer jedoch nicht. Die Rechtswidrig'eit beschränkt sich daher auf die Nichtgewährung von Freizeit und ergreift nicht auch alle anderen Maßnahmen, durch die der Arbeitnehmer darpn abgehalten werden könnte, ein« Abgeordnetentätigkeit zu übernehmen oider aus» zuüben. Die Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter kann«ich nickst den Schutz des Artikels 159 der Reichsverfassung in Anspruch nehmen, da dieser Artikel nur den Betriebsräten usw. Schutz gewährt. Um in dieser Frage«ine g r u n d s ä g l i che Entscheidung herbeizuführen, legte der Vertreter des Klägers, der Rechtsanwalt Löwenthal-Berlin, Revision«in. Das Reichsarbeitsgericht wies die Revision zurück. Es stützt sich auf die Entscheidungsgründe der Vorinstanz, wonach die Kündigung des Klägers zu Recht erfolgt sei. Ein Verstoß gegen den Artikel 160 der Reichsverfassung fei nicht zu erblicken. Weiler für Berlin: Größtenteils bewölkt, mit leichtem Frost und schwacher Luftbewegung.— Für Deutschland: Im groß en Teil des Reiches ruhiges, jedoch überwiegend bewölktes Wetter mit leichtem Frost. V-r-ntvoril. wk di« NcdaMtm: S»b»t 8**««, Berlin: Nnz-igen: rd.«l-ckr. Berlin. Verla»: Vorwärts Verla« S. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Terlagsonstalt Paul Tinacr& Cd. 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