Morgenausgabe � 2�" Jahrgang W.öchentlich SSPf� movaMch S£0 Ot im voraus zahlbor, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 5,— M. * Der.Vorwärts- erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags Einmal, die Abendausgabe für Berlin und im chandei mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage.Boll und Zeit" Ferner.Frauenstimme-» „Technik*,.Blick in die Bücherwelt" .Jvgend'Vorioärts"u.„Stadtbellage* UerUner vowsblatt Sonnabend 31. Januar 1931. Groß-Äerlin Pf. Auswärts-15 Pf. Die einspaltige NonpareillezeNe 80 Pfennig. Reklame ieUe 5,— Reichsmart.„Kleine Anzeigen� dos enge- druckte Wort 23 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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Im Bordergrund des Interesses steht ein Entwurf, der gewisse industrielle und agrarische Wünsche miteinalrder verknüpft. Nach diesem Entwurf soll das Aufkommen aus der Aufbringungsumlage der Industrie im Jahre 1332 zum größten Teil und vom Jahre 1333 ab in vollem Umfange einem Zweck- vermögen zugeführt werden, das von der Bank für Deutsche Jndustrieobligationen verwallet werden soll. Etwa vier Fünftel dieses Zweckvermögens sollen für landwirtschaftliche Um- schuldungshypotheken ausgeliehen werden. Träger der Urnschuldungsaktion sollen sogenannte chaftungsverbänd« der um- geschuldeten Landwirte werden, die einen Teil des Aussallrisikos der Umschuldungshypotheken tragen und die erforderlichen Leistun- gen durch eine Umlage von ihren Mitgliedern erheben sollen. Bei der Durchführung der Umschuldung sollen die staatlichen Stellen weitgehend ausgeschaltet werden. Dagegen soll das Reich die gesamte Zinslast für die umgeschuldeten Landwirte übernehmen, während deren eigene Leistungen ausschließlich der Tilgung der ihnen gewährten Umschuldnngsdarlehen ängerech- net werden sollen. Mit Hilfe einiger zunächst noch in keiner Weise in ihrer Durch- sührung gesicherten Finanztransaktionen, für die der Kredit des Reichs eingesetzt werden soll, sollen Anlet hebeträge auf- gebracht werden, die teils mit Hilfe von Sonderleistungen des Reichs, teils aus dem in den nächsten Iahren zu erwartenden Auf- kommen aus der Industriebelastung getilgt und vom Reich verzinst werden sollen. Dieses Projekt, das im Gegensatz zu dem noch vor sechs Wochen vom Reichskabinett grundsätzlich gebilligten Gesetzentwurf ficht, wird von einigen Reichsstellcn im Augenblick ernsthaft diskutiert. Obwohl zuzugeben ist, daß die Beschränkung der mit der Osthilfe verbunden», agrarpolllischen Mahnahmen auf das gegenwärtige Oithilfegebiet im wesentlichen nur fmanziell« Gründe hat, und bei einer Erweiterung der gegebenen finanziellen Möglichkeiten eine Einbeziehung wellerer Teilgebiete des deutschen Ostens in die Ost- Hilfe notwendig ist, so erscheint es angesichts der ernsten Finanzlage des Reichs unmöglich, schon heute aus Reichseinnahmen in Höhe von sechshundert Millionen Mark für die Zwecke der landwirtschaftlichen Oschilfe zu verzichten. Bielmehr erscheint es zweckmäßig, die Ausdehnung erst dann vorzunehmen, wenn sich die Erfahrungen aus der gegenwärtig im Gange befindlichen Osthilfe übersehen lassen und über die Lage der Reichssinanzen größere Klarhell besteht Jedenfalls aber ist ein Verzicht auf Reichseinnahmen zugunsten eines Soudervermögens der Industrie nicht zu verantworten. Mll Recht haben maßgebende Politiker bürgerlicher Parteien kürz- lich davon gesprochen, daß der Pluralismus der politischen und wirtschaftlichen Mächte öffentlich-rechtlichen Charakters in Deutsch- land unerträglich werde und die Durchführung einer einheitlichen Staatspolitik mehr und mehr unmöglich mache. In dieser Zell, in der die wirtschaftliche und polllische Lage Deutschlands so ernst ist wie noch nie, sollten neue Träger großer wirtschaftlicher Macht- befugnisse außerhalb des Bereiches der Staatspolllik nicht ins Leben gerufen werden. Gegen die Schafsung eines solchen Zweck- vermögens der Industrie spricht insbesondere auch die Tatsache, daß das agrarische Vorbild dieses Zweckvermögens, die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt, keineswegs die anfangs vielfach in sie gesetzten Erwartungen erfüllte. Auch die andere, in dem erwähnten Osthilfeprvjekt vorgesehene Neuschöpsung, die öffentlich-rechtlichen Haftungsverbände umgeschul- deter Landwirte, kann schon unter diesem Gesichtspunkt nicht ge- billigt werden. Ihre Uebcrflüssigkdt bedarf kaum eines Beweises, bestehen doch in allen preußischen Provinzen und außerpreußischen Ländern öffentlich-rechtliche Verwaltungskörperschaften der Land- Wirtschaft und freie landwirtschaftliche Verbände und Vereine pri- vaten Charakters in großer Zahl. Neben die Ueberzahl landwirt- schastlicher- Organisationen noch eine neue Organisation zu setzen, deren Konstruktion offensichtlich nur den einen Zweck hat, der Reichs- und Staatsregierung berechtigten Einfluß zu ver- wehren und Funktionen zu übernehmen, die besser von bereits be- stehenden Behörden von Reich und Staat ausgefüllt würden, ist weder unter dem Gesichtspunkt der Verwaltungsreform noch unter dem einer Konzentration der Regierungsgewalt in den Händen der Reichs- und Staatsregierung vertretbar. Offenbar handelt es sich hier um ein Gegenseitigkeits- geschäst zwischen dem Reichsvcrband der Deutschen Industrie und dem Reichslandbund, die die Vielzahl der öffentlichen Geüialten in' Deutschland um zwei neue Organisationen bereichern wollen, in denen die gegenwärtig in beiden Organisationen einflußreichen Gruppen sich für die Dauer Stützen ihrer Macht sichern wollen. Abgesehen davon, daß es für die Rcichsrcgierimg schwierig sein sollte, einem solchen privaten Jntcressentenpakt ihre Sanktion zu geben, bleibt es unverständlich, wie ein solches Projekt die Zu- stimmung der ausschlaggebenden Länder und eine Mehrheit im Reichstag finden soll! Deutscher Klieger in polen gelandet. Gefahr eines neuen Konflikts. Warschau. 30. Januar. Heute vormittag ist bei Wöllstein in Posen ein dent- sches Flugzeug, das von Schneidemühl nach Breslau unterwegs war. notgelandet. Die Maschine war nur mit dem Piloten Hans Gruze besetzt. Die Polnischen Behörden haben die Maschine bis auf weiteres beschlagnahmt und den Flugzeugführer unter Aufsicht gestellt. * Zwischen der Notlandung polnischer Flieger bei Oppeln und diesem Ereignis bestehen sehr wesentliche Unterschiede. Die Polen, die vor das Oppelner Gericht kommen, sind Militärs lieger— Gruze steuerte ein Verkehrsflugzeug. Militärfliegern ist es verboten, ohne besondere Erlaubnis über deutsches Reichsgebiet zu fliegen, dagegen besteht ein deutsch-polnisches Lustfahrtabkommen, das die grenznahen Verkehrslinien aufzählt und Straflosigkeit unabsichtlicher oder notgedrungener Luftgrenzverletzung verbürgt. Schon die Fest- Haltung des deutschen Piloten und seiner Maschine ist nicht Recht, sondern Gewalt. Würde Polen aber, wie die„TU." einem polnischen Hetzblatt entnimmt, das Oppelner Gerichts- urteil über die polnischen Militärflieger zur Grundlage entsprechender Behandlung des deutschen Verkehrs fliegers inachen, so würde es damit einen neuen und schweren Konflikt herbeiführen. Günther plüschow abgestürzt. lleber Feuerland tödlich verunglückt. Räch südamerikanischen Zeilungsberichten ist Günther Plüschow, der„Flieger von Isinglau", bei einem Flug über den, Feuerland mit dem Flugzeug abgestürzt und getötet worden. Mit ihm soll auch sein Begleiter, dessen Rame noch nicht bekannt ist, um? Leben gekommen sein. -i- Günther Plüschow ist als der„Flieger von Tsingtau" bekannt Nach dem Krieg unternahm Plüschow mehrere Forschungsfahrten nach Südamerika. Im Feuerland drehte er den bekannten Film! „Silberkondor über Feuerland". Erst im Vorjahr trat er eine neue Expedition nach Patagonien, dem„Land seiner Sehnsucht", an. in Finnland entschuldigt fich. Für die Abschiebung von Kommunisten. Moskau, 33. Januar. Die wiederholten Vorstellungen des Sowjctgesandten Helsingfors wegen der gewaltsamen Vertreibungen sinnlöndifchcr Kommunisten über die Sowjetgrenze sowie wegen Kundgebungen gegen Import von Sowjetwarcn haben dazu geführt, daß der sinn- ländische Außenminister dem Sowjetgesandten das Bedauern wegen dieser Vorfälle ausgesprochen und Vorsorge, un, ähnliche Bor- i fälle ta Zukunft zu verhindern, versprochen hat. 1 Oer polnische Voltsprotefi. pilsudski ist gründlich erkannt. Man schreibt uns aus Polen: Der Sejm hat über die moralischen und physischen Tor- turen im Politikergefängnis von Brest-Litowsk gesprochen. Er hat es so getan, wie von einem Abgeordnetenhaus zu erwarten war, dessen Mandate die Regierung der Bevölkerung g e° raubt, erpreßt und erschwindelt hat. Das die Sejm-Mehrheit, wie es Knechten geziemt, alles schlucken wird, was die Regierung ihr vorsetzt, hatte rnemand bezweifelt: dazu wurden diese„Volksvertreter" ja gekauft. Unentschieden war nur, ob Pilsudski eine Gerichtskomödie veranstalten werde, die mit der Freisprechung seiner Bluthunde und mit der gericht- lichen Feststellung enden würde, daß die gefolterten Oppo- sitionssührer sich die Wunden in boshafter Weise selbst bei-- gebracht hätten und daß sie nur deshalb Stroh aus den Stroh- sacken gekaut hätten, um Hunger vorzutäuschen und. ihre Henker effektvoller zu verleumden! Manche sahen den mächt,- gen Eindruck dieser Folterungen auf das bisher indifferente Publikum und glaubten, daß die gemeinsten Folterknechte leicht bestraft und dafür entsprechend entschädigt würden: hat doch der oberste Henkersknecht Kostek-Bjernazki das Kreuz der Unabhängigkeit mit den Schwertern erhalten. Die Kenner der Verhältnisse waren dessen gewiß, daß der Zynismus der jetzigen Machthaber keinerlei Konzessionen machen werde. Um der steigenden Protestwelle zu begegnen.- hat die Regierung durch ihre Presse und ihre sonstigen Pro- pagandamittel stets wiederholt, man müsse das Urteil ab- warten, die Schuldigen würden ihrer gerechten Strafe nicht entgehen. Der jetzige Sejm aber hat jedem Gerichtsversahren einen Riegel vorgeschoben. Pilsudski erklärte in einem Interview, er bekäme genaue Berichte über die Vorgänge in Brest-Litowsk. Der Kriegsminister K o n a r z e w s k i, ein noch heute schwer polnisch sprechender russischer General, hat durch Armeebefehl allen Offizieren verboten, den Brester Henkersknechten verächtlich entgegenzutreten, da sie alles auf strikten Befehl ihrer Vorgesetzten getan haben. Die Henker selbst erklärten ibren Opfern, sie würden alles ausführen, auch Morde, wenn Pilsudski es ihnen befehle. Der Präsident des Obersten Gerichtshofes, S u p i n s k i, erklärte im Juristenverband, er verdamme zwar die ganz unerhörten Quälereien von Brest, er sei aber gegen einen Beschluß des Verbandes, den gewesenen Justizmimster Cor als höchsten Richter- kommandanten während der Folterzeit von Brest und den da- maligen Staatsanwalt und jetzigen Justizmimster Micha- l o w f k i vor das Verbandsgericht zu stellen, um ihre Aus- schließung zu bewirken: der oberste Richter Polens begründete diese Stellungnahme damit, daß nicht die Justiz, sondern der Kriegsminister(Pilsudski) die oberste Leitung des Militär- gefängnisses von Brest innegehabt habe. Danach müßte vor allein Pilsudski auf die Anklagebank, aber er hat sich selbst als oberste Autorität proklamiert, er verweigerte sogar Generälen, die er in unflätigster Weife beschimpft hat, die standesübliche Genugtuung. So schloß er einen Schimpfbrief an den General Josef Haller— das Original wurde im Sejm herumgereicht— mit den Worten: Grundsatz, daß Gewalt vor Recht gehe und sagt mit altrömischen Kaisern:„Sie voio, sie jnbeo"(So will ich's, so befehle ich's). Die Straflosigkeit der Verbrecher von Brest ist einer solchen Weltanschauung ebenso selbstverständlich wie die Aufläsung des Juriftcnverbandes und alle anderen Ge- walttaten. Der amtierende Justizminister Michalowski mußte sich in öffentlicher Sejmsitzung von dem jüngsten Brester Häft- ling, dem sozialistischen Abgeordneten D u b o i s, der Lüge überführen lassen, da er als Staatsanwalt die Anwälte und die Angehörigen seiner Opfer frech angelogen hat. Pilsudski aber gibt sich über seine Stellung im Staate jetzt keiner Täuschung hin. Mit den Rechtsauffassungen der Zaren hat er auch ihre grenzenlose Angst geerbt. Im verhängten und verschlossenen Salonwagen fuhr er durch Europa. In Warschau wird er raffinierter geschützt als stüher selbst die russischen Generalgouverneure und der Selbstherrscher. Auf der befestigten Insel Madeira wohnt er in einer von hoher Mauer umgebenen Villa, und er hat sie erst ein ein- ziges Mal verlassen, um den Festungskommandeur zu be- suchen. Zutritt zu dieser Villa haben sich bisher nur— zwei polnische Handelsjuden verschaffen können, vorgelassen wurden sie freilich nicht. Dem sie empfangenden Arzt er- klärten sie, sie wollten Pllsudski für den zu erwartenden Besuch in Palästina ihren Dank abstatten, denn sie schreiben der angeblichen Einladung des polnischen Diktators durch die britische Regierung nach Palästina große Bedeutung zu. Als die Wahrheit über Brest noch nicht genug durch- Alte Tardieu-Mehrheit für Laval. Kammer spricht Vertrauen mit 512 gegen 258 Stimmen aus. Iodrungc»: war, traten die geachtet st cn Professoren der Unwersstät Krakau mit einem Manifest hervor, das in entschiedener Weise die Schandtaten von Brest verurteilte. Bald folgten die Professoren aller polnischen Hochschulen und Leute aus allen PolZsschichten. Nur einige Professoren von fragwürdiger wissenschaftlicher Qualität haben sich in Dank- barkeit gegen die Regierung, die sie aus ihrem Nichts zur Professur erhoben hoch der Unterzeichnung des Protestes ge- weigert oder gar für Brest demonstriert. Diese akademischen Knechte Pilsudskis haben denjenigen Studenten, die sich der Zlnti-Lrest-Bewegung anschlössen, die Seminare ge- sperrt und bei den Prüfungen Pilsudskis Rechts- Methoden gegen sie angewendet. Gewaltig besuchte Stu- dentenocrsammlungen protestieren leidenschaftlich gegen diese Verpflanzung der Diktatur in die Hallen der Wissenschaft. Zwei Generäle haben öffentlich die Brester Vorgänge verurteilt. Der Posener Brigadegeneral Z a l e s k i hat die Henker als Feiglinge bezeichnet, die nicht würdig seien, die Uniform zu tragen; General Kukjel» ein namhafter Historiker und gewesener Kommandeur der Militärakademie, richtet einen offenen Brief an Genossen Dr. Liebermann als gewesenen Legionsoberslleutnant und bringt ihm wegen seines Opfermutes, seiner glänzenden politischen Tätigkeit und seiner unentwegten Charakterstärke eine öffentliche Huldigung dar. llcberhaupt ist Liebermann ungeachtet aller Unterschiede der Konfession und des politischen Glau- bensbekenntnisses das Objekt leidenschaftlicher Ovationen, wenn sie sich auch nur in Worten und Briefen, nicht in Ctraßenkundgebungen äußern können. Auch die Leute um Pilsudsti erkennen jetzt, daß die Lorgänge von Brest und ihre Folgen ein ganzes Netz von Lüge, Betrug und Verbrechen zerrissen haben. Eine ganze Reihe unaufgeklärter Verbrechen hat jetzt die Lösung der Analogie gefunden. Kein Zweifel mehr, daß General Zagorski ermordet worden > t, daß General Rozwadowski vergiftet worden ist. Alle s.-hlen jetzt: wer Brest begangen hat, der hat auch die anderen Verbrechen auf dem Gewisien! Fürstenproiest gegen das Recht. Warschau, 30. Januar. Im Auswärtigen Ausschuß des Senats nahm der Dorfitzende. „Fürst" Lubomirski, zu«inen, Brief Stellung, den der Obmann l's Auewärtiaen Ausschusses der französischen Kammer, P ai'i 3} o n c o u r, und der Präsident der französisch-polnischen parlamentarischen Gruppe, Locquin(beide Sozialisten), seiner- zeit an Morschall Pilsudski wegen des Wahlterrors gerichtet haben. Diesen Brief hat der Marschall niemals beantwortet. Lubomirski verwahrte sich sehr entschieden gegen den Versuch der beiden sranzösischcn Politiker, sich in innere Angelegenheiten des polnischen Staates einzumischen. Das Ansehen dez polnischen Staates könne eine solche Einmengung nicht gestatten. Bor einigen Tagen hat der Borsitzend« des Auswärtigen Sejm- ausschusizs,„Fürst" Janusz Radziwill. ein« noch entschiedener formulierte Trhlarung gegen Boncour und Locquin abgegeben. Nachdem der Seim den ukrainifchen Antrag auf Untersuchung 'fit„Befriedungsaktwn" in Ostgalizien abgelehnt hat, beschäftigte sich tzt auch der Derwaltungsausschuß des Senats mit einem ähnlichen i loanifchen Antrag. Mit neun Stimmen gegen drei nahm der Aus- ichuß«ine Entschließung an, in der die Kkcofexpedilionen in de« drei Ostwojnvodschaslen gebilligt werden. Der Schlußsatz der Nesolution besagt, daß der Senat das eesamie den Antrag als Begründung beiliegende Material ,chem Innenminister zur Verfügung" stellt. Diese Aeußerung wird als -ine leise Mißbilligung der Ausschreitungen gedeutet, deren 1 ch des polnische Militär und die Polizei während der Strafexpedition schuldig gemocht haben. Das Zorns- Urteil. Zorns bleibt verurteilt. Dos Urteil im Jorns-Prozeß, das dem Redakteur Born- stein eine Geldstrafe von 500 M. und dazu die Gerichtskosten auferlegt, wird von der Oeffentlichkest, die sich längst selbst ein Urteil gebildet hat, als ein Kompromiß gewertet werden, das -ms dem Ergebnis der Beweisaufnahme und dem Wunsche des Reichsgerichts gebildet worden ist. Das Gericht hat sich in der Begründung vor dem Rechts- vefühl des Volkes verbeugt, das sich gegen das Ergebnis des Prozesses gegen die Liebknecht-Mörder empört hat. Es hat sich ebenso vor dem Angeklagten verbeugt— aber es hat ihn verurteilt. Hingegen hat«s sich vor dem wirklichen Angeklagten des Prozesses, vor Herrn Jörns, nicht verbeugt. Es hat ihn eitfschuldiflt, wie das Reichsgericht befahl, hat ihm aber immer noch fahrlässige Unterlassungen und Hand- l u n g e n bescheinigt. Bornstein ist verurteilt. Herr Jörns darum aber nicht frei- gesprochen! Nun gilt es, die Konsequenzen zu ziehen. Es ist unmög- iich, daß dieser Mann hoher Juslizbeamter bleibt. Sein Name i't inzwischen für die Oeffentlichkeit zum Symbol geworden sär jene Justiz, zu der kein Vertrauen möglich ist. Oer Zensurskandal. Bürokratische Verlegen heitsauSreden. Der Skandal der Fllmzenfur hat Erklärungen von zu- ständigen Stellen hervorgerufen. Diese Erklärungen ergehen sich in verlogenen Redewendungen, sie schweigen vollständig über den Kern der Sache. Die Verantwortlichen mögen nicht glauben, daß diese Angelegenheit mit einigen nichtssagenden Redensarten erledigt werden kann. Es handelt sich darum, daß Recht gebrochen und zynisch in sein Gegenteil verdreht worden ist, es handelt sich darum, daß parteipolitischer Terror von einer Reichsbehörde an Stelle des Rechts gesetzt idorden ist. Die rcpublikfeindliche Tendenz dieses Spruches liegt so itar zutage, daß jeder Republikaner ahne Ausnahme ihn als eine Schmach und eine Verhöhnung des Gesetzes nppfindet!_ Danerplette in Chicago. Die Stadtoerwaltugg von Chicago kann wiederum die Gehälter der Beamte» nicht zahlen. Paris, 30. Januar.(Eigenbericht.) Die Kammer hat der Regierung Laval nach aus- giebiger Debatte über die allgemeine Politik mit 312 gegen 258 Stimmen das Bertranen ausgesprochen. * Di» neu« Regierung Laval.der Zahl nach die achte seit den Neuinahlen oo» 192S, hat sich am Freitag dem Parlament vorgestellt. Die allgemeine Stimmung den neuen Männern gegenüber rvar nicht gerade günstig. Laval, in der Arbeiterbewegung und in der sozialistischen Partei großgeworden, hat mit der Bil- dung seines jetzigen ausgesprochen reaktionären Ka- b i n e t t s den endgültigen Bruch mit seiner Vergangenheit voll» zogen. Schon deshalb steht die sozialistisch« Partei seiner Regierung in schärfster Opposition gegenüber. Auch die Radikalen haben der neuen Regierung bereits den Krieg erklärt und für die erste Vertrauensabstimmung Fraktionszwang beschlossen. Im reaktionären Lager selbst regt sich ebenfalls starke Unzufriedenheit Laval wollt« zwar auf die Unterstützung der rcaktionär-sterikalen Marin-Griippe nicht verzichten, trotzdem bracht« er es fertig, den Links- und Mittelparteien gegenüber die Weiterentwicklung der religionslosen Schule zu versprechen. Marin aber hat ihm die schlimmste Feindschaft angesagt, falls er dieses Versprechen in die Tat umsetzen sollte. Man kann sich vorstellen, daß die Regierungserklärung unter den obwaltenden Umständen recht farblos und vor« sichtig, ausgefallen ist. Im Vordersatz gibt Laval zunächst der Linken, Im Nachsatz der Rechten alle möglichen Zusagen. Charatte- ristisch für diese Schaukelpolitik ist das erste Kapitel der Regierungserklärung, das von der Außenpolitik handelt. Frankreich wolle den Frieden, so heißt es im ersten Satz, und die neue Regierung werde daher methodisch und geduldig alle Bs- mühungen um die Organisation des Weltsriedens in enger Zusammenarbeit mit allen denjenigen Regierungen fortsetzen, die von dem gleichen Friedenswillen und von dem gleichen Glauben an den Wert der Verträge beseelt seien. Aber— so wird in einem Nachsatz schleunigst hinzugefügt— darüber werde man weder die Sorge um die nationale Sicherheit preisgeben noch d'e bereits b est e h c n d e n Bande mit den befreundeten Nachbar- Nationen vergessen. Im zweiten Kapitel über die nationale Sicher- heit wird nicht weniger widerspruchsvoll erklärt, daß man zwar ent- schlössen sei, sich einer gerechten und rationellen Ab- r ü st u n g anzuschließen, trotzdem aber die Politik der nationalen Verteidigung fortsetzen werde, da sie allein die Sicherheit und die Unabhängigkeit Frankreichs garantieren kömie. In der Schulpolitik wird der Ausbau der kostenlosen Eiicheitsschulc, gleichzeitig aber auch die volle Lehrsreiheit zugesagt. In der Sozialpolitik werden ohne nähere Erläuterung „praktische und wirksam« Reformen" versprochen. Es folgt dann die Aufzählung der wichtigsten parlamentarischen Arbeiten, die zur Er- ledigung stehen, angefangen pon der Genehmigung des Budgets und des Fünfjchresplans zur Hebung der Wirtschaft bis zmn besonderen Schutz der Landcoirtfohaft und dem industriellen Ausbau der Kolonien. Die Wirkschaftskrise. die sich fai Frankreich gerade in dem Augenblick besonders fühlbar mach«, wo im Ausland schon die ersten Anzeichen eiper Besserung sich zeigten, müsse durch«ine Politik des Preisabbaus und der Rationalisierung bekämpft werden. Gleichzeitig werde man sich auch den Bemühungen anschließen, die eine wirtschaftliche Re- organisation Europas zum Ziele hätten. Unter leiser Anspielung auf den Oustric-Skandal oerspricht die Erllärung dann die Stärkung der öffentlichen Moral und strengste Gerechtigkeit allen gegenüber. Sie schließt mit einem rockst bescheiden klingenden Ausruf an die Eintracht unter den Parteien im Dienste der nationalen Interessen. Die Aufnahme der recht lang geratenen Regierungserklärung war ziemlich f r o st i g. Di« Sozialisten«und die übrigen Links- Parteien verfehlten nicht, die ewigen„zwar" und„aber" in jedem Programmkapitsl mit ironischen Zurufen zu unterstreichen. In der allgomeinen Aussprache ergriff zunächst der kommunistische Abg. Cachin das Wort, um in einer schon traditionell gewordenen Rede zu behaupten, wieviel besser es dem Proletarior in Ruhla n d als in der übrigen Welt ergehe. Der radikale Abg. Richard erinnert im weiteren verlauf der Kammerdsbatte zunächst an die sozialistische Ver- gangenheit Lavals und zitierte sein eigenes Wort aus jener Zeit: Eine naiionalsozialistische Fälschung. Ganz im Stile der bekannten Mordhehe. Der»Völkische Beobachter" vom'28. Januar bringt an der Spitze des Walles einen Artikel»Zentrmn und Sozialdemokratie betreiben die moralische Entwaffnung Deutschlands". Aus einem Artikel von Hermann Müller für den»Chicago Herald and Examiner" wird folgender Passus im Fettdruck zitiert: ..Seit dem Kriegsends hat das katholische Zentrum zusammen mit der Sozialdemokratie die moralische Entwassnunq Deutsch- lands betrieben und der ermordete Minister Erzbergor, das Haupt der deutschen Abrüstungskommission, war das blutige Opfer auf dem Altar der Erfüllung dieser Poßlik." In Wirklichkell ergibt dl« exakte Ucbersetzung des betreffenden Abschnitts fotgend-s: »Seit Kriegsende ist oas katbolische Zentrum zustimmen mit der Sozialdemokratischen Partei für moralische E n t w a f s- vung einaetretzn und der ennordete Minister Cmberqer, das Haupt der scutschen W a f s e n st i l l st a n d s k o m m i s s i o n. war das blutige Opfer auf dem Wtar der Erfüllung dieser Politik." Dadurch, daß der völkische Uebersetzer hinter der Formel»mora- lische Entwaffnung" das Wörtchen„Deutschland" eingefügt hat und statt Waffensttllstandskommission Abrüstungskomnussion setzte, ist der Sinn dieser Auslassung bewußt gefälscht worden. Türkei und Europa. Di« türkische Regierung soll bsschlosien haben, die Einladung dos Völkerbundsratez zur nächsten Mai- lagung des Europo-Studienkomitces anpinehmon Die türkisch« Delegation werde von dem Außenminister Tewsik Ruchdy Ben geführt werden. In den politischen Kreisen der Türkei glaubt man. daß auch die Sowjetregserung die Einladung des Völker- bundsrates annehmen werde. Die Bourgeoisie fei schon so sehr im Abstieg begriffen, daß sie Ihre Minister aus de« Müllkästen der Sozialistischen Partei zusammen suchen müssei Aber auch Laval habe es heute für gut befunden, die Arbeiterschaft preiszugeben und sich dem Kopitalismus anzuschließen.— Sein Kabinett sei noch reaktionärer als das Tardieus. Man brauche nur daran zu denken, daß 20 seiner Mitglieder noch im letzten Jahre gegen die Einheitsschule gestimint hätten, die sie jetzt auszubauen und zu entwickeln versprochen hätten. Der sozialistisch-« Abg. Paul Favre erinnerte an die Tatsache, daß er noch 1919 mit Laval im gleichen Wahlkreis und auf dem gleichen Wahlvorschlag kandidiert habe. Die sozialistische Partei habe sich in Laval auss schwerste getäuscht. Mit lebhaften Worten erwiderte Laval:„Herr Faure, ich habe mich in Ihnen getäuscht!" Weiter erklärte Paul Faure. daß die Regierung Laval nur eine Uebergangsregierung sei und nur den P l a tz fürTordieu freihalten solle. Sofort erhob sich T a r di e u. als wenn er noch Ministerpräsident wäre, um zu protestieren. Seine ungestüme Intervention wird von den Abgeordneten der Linken mit schärfsten Zwischenrufen gekennzeichnet. Zum Schluß seiner Rede erklärte Faure, die Regierungserklärung sei leer, weich und inhaltlos gewesen, genau wie die neue Regierung nichts anderes sei als ein schönes Trugbild. Laval suchte in geschickten Ausführungen, die auf der Rechten und bei der Mitte stürmischen Beifall fanden, die von den verschiedenen Rednern vorgebrachten Kritiken zu widerlegen. Er appellierte an die Kammer, die dringenden Arbeiten zu erledigen, darunter auch die Kredit« für die nationale Verteidigung. Die Außenpolitik müsse fortgeführt und dürfe nicht durch ständige Kritik in Frage gestellt werden. Aus der Debatte ist neben einem scharfen Rededuell zwischen Herriot und Laval über die Einheitsschule vor allem wiederum«in Angriff Fraiiklin-Bcmillcms gegen die Außenpolitik Briands hervorzuheben. Franklin-Bouillon behauptete, die Lage in Deutschland sei mehr als gefährlich, man stehe vor dem Bürgerkrieg. Ikoch kürzlich habe die Sozialdemokralische Partei sich genötigt gesehen, einen Emissär, und zwar den Redakteur de»„vorwärts", Schiff, nach Paris zu schicken, um die französischen Genossen zu alarmieren.('?) Franklin- Bouillon behauptete weiter: von einem polnischen Bericht des preußischen Innenmini st ers Kenntnis erhalten zu haben, worin die Tat- fache enthüllt werde, daß 400 000 Hitler-Garden an der polnischen Grenz« konzentrierte?) seien. Diese Macht könne jeden Augenblick dazu benutzt werden, entweder«inen lieber- fall aus Polen auszuüben oder gegen Berlin loszumarschieren. » Di«„Enthüllung" des Ratio nalfftenführers Franklin- Bouillon über die angebliche Pariser„Mission" des Genoffen Victor Schiff ist ebenso lächerlich wie alle üblichen Erzählungen dieses Deutschsnfreffers» Wahr ist, daß Genosse Schiff auf her Durchreise von Gent, wo er die deutsche Parteipresse bei der Einweihung des neuen„Toorull"- Gebäudes am 11. Januar vertrat, nach Genf zur Bericht erstattung über die Dölterbundstogungen, die am 16. Januar begannen, sich vier Tage in Paris aufhielt, um sich dort als Jour- nalfft über di« innen, und außenpolllische Lage zu informieren. Dabei trat er selbswcrskändlich mit den führenden französischen Genossen in Fühlung. Er wurde bei dieser Gelegenhell von der sozialdemokratischen Kammerfraktion empfangen, der er in einer zwei- stündigen Sitzung Aufklärungen über die polllische und Wirtschaft- liche Lage in Deutschland und über die Taktik der deutschen Sozial- demotratie gab. Ohne die übrigens weltbekannten großen polllischen Schwierig- kellen zu oerschweigen, die sich aus der Zusammensetzung des neuen Reichstages und der Hallung des Bürgertums ergeben, und ohne die schweren wirtschafllichen Gefahren zu beschönigen, die ein wellares Anwachsen der Arbeitslosigkeit für Deutschland bedeuten würde, gab Schiff am Schluß seiner von der französischen Fraktion mit leb- hostem Beifall aufgenommenen Darlegungen der Ueberzeugung Aus- druck, daß es der Sozialdemokratie mit Hilfe des Zentrums gelingen würde, die faschistische Gefahr in Preußen und folg- l i ch auch im Reich zu überwinden. Don einem besonderen Auftrag, die französische Partei zu „alarmieren", kann also überhaupt nicht die Rede sein. Zialiens Vordringen in Afrika. klnruhe in Frankreich. Paris, 30. Januar.(Eigenbericht.) Der Siegesfubel der Faschistenpresse über den militärischen Er- folg der llalienischen Truppen in Tripolis hat hier Mißtrauen erweckt. Man ist sich darüber klar, daß die Faschisten die Er- oberung der Oase Kufra und die Niederringung der Senussi zu einer neuen diplomatischen Offensive gegen Frankreich benutzen wollen, zu- mal di« Faschistenpresse aus dieser Absicht nicht den geringsten Hehl macht. Di« französische Regierung ist bisher den llalienischen Wünschen nach einer Grenzoerbesserung zwischen Tunis und Tripolis recht wellherzig entgegengekommen: sie soll auch setzt zu neuen Gebietsabtretungen bis zu dem Gebirgsmassiv von Tibesti bereit sein, allerdings unter der Bedingung, daß vorher ein Ausgleich in den italienischen Flotten forde- rungen erreicht wird. Der Widerstand gegen diese neue Kon- Zession ist jedoch in Frankreich recht groß und man behauptet,' daß sie nicht nur die Kontrolle über die Karawanenstraße» nach dem T s a d- S e e an Italien ausliefern, sondern auch das llalienische Konkurrenzprojett gegen die geplante französische Transsahara- bahn stark begünstigen würde. Keine Einigung in Lancafbire! London, 30. Januar.(Eigenbericht.) Die am Freikag unter Teilnahme von Macixrnald, hendersoa und ArbeUsminisier Bondsiels in London stottzesur. denen Eini- gllngsversuche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern des Lancashirer Aussperrungsgebietes find gescheitert. Dsr Etai Gchieles. Dauerberatungen im Ausschuß. Die Beratung des Haushalts des R e i ch s m i n i st e r i u m s für Ernährung und Landwirtschaft im Ausschuß für den Rcichshaushalt hat in diesem Jahr«inen Umfang angenommen, wie noch in keinem Jahr zuoar. Auch in der Freitagsitzung des Aus- ihusses konnte die Spezialberatung noch nicht zu Ende geführt werden. Die in diesem Jahre ganz besonders zahlreichen, mit sehr lohen Beträgen dotierten Sammelfonds, aus denen das Ministerium den verschiedensten Zweigen der Landwirtschaft Subventionen zu ge- währen imstande ist, nötigten zu eingehender Aussprache. Dabei bemühte sich die sozialdemokratische Fraktion durch ihre Sprecher Schmidt-Köpenick, Frau Wurm und ch« i n i g unächst einmal eine größere haushaltsrech'liche U l a r h e i t in die verschiedenen Pasten zu bringen. Das ist in zahlreichen Fällen gelungen. So wurde die Ermächtigung der gegen- seitigcn Deckungsfähigkeit von Tit«ln, die die betreffenden Titel außer inr die Mimsterialdezcrnenten völlig undurchsichtig macht, überall gestrichen. Ebenso wurden bei mehreren Titeln von der Sozial- demokratie beantragte Bestimmungen angenommen, nach denen dem i'Uichsrat und dem chaushaltsausschuß mit der Haushaltsrechnung eine Nachweisung vorzulegen ist. aus der die Verwendung der Mittel dieses Titels und die Bedingungen in bezug auf Zinsfuß, Aus- Zahlungshöhe, Rückzahlung und Nebenleistung hervorgehen, die bei Hergabe von Darlehen den Darlehensnehmern auferlegt werden. Die sachlichen Abänderungsanträg« der Sozialdemokratie verfielen dagegen vielfach der Ablehnung. Beim Kapitel Biologische Reichsanstalt für Land- und Forst- Wirtschaft ersuchte der Zentrumsabgeordnete Dr. Schreiber, diesem wichtigsten Teil des ganzen Ernährungsetats besonder« Förderung zu gewähren. Unmittelbar bevor die Sitzung wegen der vorgerückten Stunde abgebrochen werden mußte, brachte der deutschnationalc Abgeordnete Dr. Q u a a tz noch einen Antrag ein, der die Bereitstellung von ■'>0 Millionen als erste Rate für die Entschuldung der Landwirtschaft verlangte. Der Antrag sei dringlich, weil die Gefahr bestehe, daß die Beratung und Verabschiedung der bekannten Hugenbergschen Gesetzentwürfe durch erneute Vertagung des Reichs- tages verhindert werde. Bemerkenswert an der Begründung war der schroffe Ton, den der Antragsteller von Beginn an gegen den Ernährungsmini st er Schiele anschlug. Die Volkspariei ladt einen Revolver. Iorderungen an Drüning. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Dalkspartei setzte am Freitag ihre Verhandlungen fort und teilt darüber folgendes mit: Die Reithstagsfraktion der Deutschen Volkspartei bvschästigte sich 'n Fortsetzung ihrer Beratungen mit der Finanzlage des Reiches. Die Auffassung der Fraktion über die Unrichtigkeit der Etatansätze in den Einnahmen und die nicht genügende Bewertung des Niederganges der Konjunktur ist inzwischen durch die Ausführungen des Herrn Reichssinanzministers un Haushalts- nusschuß ausdrücklich bestätigt worden. Da gleichwohl der Reichs- manzmünstcr bis jetzt keine Anstalten getroffen hat, den Reichs- k aushalt durch die in dem Antrag der Deutschen Lollspartei ge- »orderten Ersparnisse von mindestens 300 Mil- > tonen Mark vor der von ihm sechst zugestandenen Gefahr zu i hützen. hat die Reichstagskraktion ihren Vorsitzenden beauftragt, »'en Herrn Reichskanzler leinen Zweifel darüber zu lassen. daß die Fraktion mit aller Entschiedenheit auf ihrer Forderung beharren müsse. Die Fraktion wird m einer weiteren Sitzung beim Zusammentritt des Reichstags zu dem Ergebnis der Besprechungen mit dem Herrn Reichskanzler Stellung nehmen. Verleumder müssen vor Gerichi. Aus dem Gischäflsordnungsoueschvß des Reichstags. Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstages beschäftigte sich am Freitag mit nationalsozialistischen Anträgen, in denen die Ein- stellung der gegen eine Reibe von Abgeordneten schwebenden Straf- »erfahren verlangt wird. Ein Antrag, das gegen den Abgeordneten Dr. Löpelmann beim Provinzialschulkolegium der Provinz Brandenburg und von Berlin schwebende Disziplinarver- fahren einzustellen, wurde abgelehnt. Ebenso lehnte der Aus- lchuß die Einstellung des gegen den Abgeordneten W i l l i k e n s beim Amtsgericht Hannover schwebenden Strasverfahrens wegen Beleidigung ab. Endlich wurde die Aushebung des gegen den Ab- geordneten T c l s ch o w beim Amtegericht Harburg-Wilhelmsburg Ichwebende Prioatklagevcrfahren wegen Beleidigung abgelehnt. Eine Reche von Fällen erledigte sich dadurch, daß vom Gericht bereits die Einstellung des Verfahrens beschlossen worden ist. Einig« weitere Fälle wurden vom Ausschuß zurückgestellt. profefforenkoiau vor Frick. Rettorenwahl auf Aefehl. Weimar. 30. Januar.(Eigenbericht.) Die Universität Jena wählte den Direktor der Univer- sitätsaugenklinik. Professor Löchlein, im zweiten Wahlgang zu chrem Rektor. Als vor wenigen Tagen Professor Pape von der juristischen Fakultät zum Rektor gewählt wurde, ließ Herr Frick den Senat der linwersität wissen, daß ihm dieser Rektar„minder genehm* sei. Der Senat protestierte nicht etwa gegen diese bewußte Mißachtung der Entschsidungsfrecheit der Universität, sondern beeilte sich, dem parteipolitischen Manöver des Herrn Frick Rechnung zu trage», indem cr Pape fallen ließ und jetzt Löchleln an seine Stelle gesetzt Hai. Pape siel, weil er bis vor sechs Jahren Sozial- d e m o k r a t war, ohne sich jedoch in der Folgezeit noch weiter politisch zu betätigen. Löchlein folgte ihm, weil er seinerzeit dem Rufe des Sozialdemokraten Grell»ach Jena nicht gefolgt war. Waffenlager auf einem Guie. 60 Gewehre und ein Maschinengewehr gesunden. Elbing. 30. Januar. Vom Polizeipräsidium Elbing wird mitgeteilt: Im Kreise Stuhm auf dem Gute G i n t r o, ist vor einigen Tagen«in Waffen» l a g e r gefunden worden, bestehend aus 60 Infanterie» gewehren Modell 98 und einem leichten Maschinen- gewehr, komplett, enit den erforderlichen Ersatzteilen und '00 Schuh Munition. Die Waffen wurden von der Polizei beschlagnahmt und sichergestellt. Die weitersn Ermittelungen über die Herkunft sowie die Besitzer der Waffen sind noch nicht ab- geschloffen. Aus Efelinien. «.Dieser Film zeigt, wie ein(Zsel von Wölfen zerrissen wird. Da zu erwarten ist, daß die Wölfe hieran Anstoß nehmen, so wird der Krim für ganz Eselimen verboten!' Fassadenkletterer Sprenger. Oer Rekord-Oiäienfchlucker muß zurückzahlen! Die Feststellungen, daß der nationalsozialistische Reichstags- abgeordnete Sprenger für fünf Tage neben seinen Bezügen als Postinspektor 36 2, SO Mark a;t Aufwandsentschädigungen vom Reichstag, vom Staatsrat und vom Bcrwallungsrot der Reichspost erhallen hat, ist der national« sozialistischen Presse so unangenehm, daß sie sie vollkommen tot- schweigt. Selbstverständlich erfahren die nationalsoztallstischen Leser auch nichts davon, daß Herr Sprenger unrechtmäßig 60 Mark für Reiseentfchädigunz beansprucht hat. obwohl er überhaupt keine Reise gemacht hak. für die er Gebühren erheben durfte. In Frankfurt a. M> dem Wohnort von Sprenger, wo er Stadtrat ist, haben die Nazis in der letzten Stadtoerprdnetemiersammlung zu den Borwürfen gegen ihren..Führer' Stellung nehmen müsse». Aber wie? Ihr Redner hat nicht etwa das Verhalten von�prenger verurteilt, sondern offen erklärt, Sprenger werde„inzwischen in Berlin etwas gelernt' haben und „warum solle cr nicht ciamal Diäten schlucken, soviel cr bc- kommen könne". Sprenger scheint allerdings inzwischen doch ein Licht darüber aufgegangen zu sein: denn er hat sich trotz seines einnehmenden Wesens herabgelassen, 30 Mark von seinen zuviel er- hobenen Gebühren an die Reichspost zurück- z u l i e f e r n. Man wird dieses Eingeständnis der Schuld mll Genugtuung als einen Erfolg der öffentlichen Kritik an dem Vorhallen Sprengers begrüßen können. Es bleibt aber die Frage: Wann wird Herr Sprenger die zweiten zuviel erhobenen 30 Mark zurückzahlen, wann wird cr sich wegen seiner zu hohen Ansprüche an die preußische Staatskasse zu einer Aenderung bequemen, und wa» wird von der Reichspost und dem preußischen Staat gegen den Herrn Postinspektor geschehen, der keinen Dienst tut und nichts zur Einnahmebeschaffung für die Reichspost beiträgt, sondern nur für seine eigene Tasche sorgt. Zur Abrundung des Bildes dieses lieblichen Herrn sei eine Acußorung aus seiner Reichstagsrcde vom 9. Dezember zitiert. Dort sagt« Herr Sprenger gegen die Linke: „Was oerstehen denn Sie van dem Beamtentum und seiner Psyche? Sie kennen davon nur eines, das ist die Futterkrippe. Jene Hingab«, die Pflicht, Dienst am Volke zu tun, ohne Rücksicht aus Entgelt, ohne-Rücksicht auf Einkommen, ohne Rücksicht auf Dienstswnden. ist in Ihren Kreisen doch unbekannt... Erst als Sie mit Ihren Parteibuchbeamten— ich möchte beinahe sagen: w i e Fassadenkletterer— in die Beamtenloufbahn hinein- geklettert waren, als Sie durch Korruption aller Art diese bis dahin saubere Beamtenschaft in Mißkredit in der Lesfentlichkell gebracht hatten.." Rad) Herrn Sprenger ist also jeder Parteibuchbeawte «in bestechliches Subjekt der wie em Fassadenklettqxcr «inen Griff in die Artsie machen möchte. Wir glauben, daß nach diesen Aussprüchen jeder— außer Herrn Sprenger selbst— in ihm den reinsten Typ des Fassadenkletterers erkennen wird. Zu diesem Wortführer ist der natipnalsoziolistischcn Rcichstagsfraktion nur zu gratulieren. Wir haben den dringenden Wunsch, daß er noch lange Zell ihr Wortführer bleiben wird! Hiiler gegen Sprenger? Die neueste Nummer des„5 l l u st r i c r t e u Beobachter tz' der Nazis enthält eine Whandluug Hitlers über.Kampfkraft und A u s l« s e", die wie eine Anklage gegen den Fassadenkletterer Sprenger klingt. Hitler schreibt: „Höchste Aufgabe der Organisation ist es, dafür zu sorgen, daß nicht irgendwelche inneren Uneinigkciion innerhalb der Mit- oliedschast der Bewegung zu einer Spaltung und damll zur Schwächung der Arbeit in der Bewegung führen. Infolge chrcs ersten Sieges sind so viele schlechte, unwürdige, be- sonders aber feige Elemente in die Lrgani- sation der Partei gekommen, daß diese Minder- wertigen über die Kampfkräsligcn schließlich das Uebcrgewicht erlangen und die Bewegung null in den Dienst ihrer eigenen Interessen zwingen, sie aus das Niveau ihrer eigenen geringen Heldenhastigkell herunterdrücken und nichts tun, den Sieg der ursprünglichen Idee zu vollenden.* Die Nazibewcgung in den Dienst seines„eigenen Jnter- e s s e s* gestellt hat Herr Sprenger. Also gehört er zu jenen „schlechten und unwürdigen* Elementen, von denen Hitler oben spricht. Was Herr Sprenger zur Last gelegt wird, fällt damit auf die Nationalsozialistisch« Partei zurück Sie redet von der„Rein- hell* im politischen Leben und tut in der Praxis, wie der Fall Sprenger zeigt, das Gegenteil! Die GenossenfÄastszerstörer. Schwierigkeiten des tkonsumvereinS in Gotba. Gotha. 30. Januar.(Eigenbericht.) Der Zusammenbruch des Konsumvereins in Halle wirkt sich auch auf den unter komnmnistischer Leitung stehenden Bezirkskonsumvercin in Gotha aus. Um den Verein zu l)alten, hat der Geschäftssülirer in einer Betriebsratssitzung die Zustimmung des Betriebsrates zu einem Lohn- abbau bis zu 20 Proz. und den Verzicht auf Bezahlung von rund 900 Ueberstunden, hie in den letzten vier Wochen vom Personal geleistet wurden, gefordert. Cr betonte dabei ausdrücklich, daß die Leitung mll aller Schärfe ihre Forderungen vertreten werde. Der Betriebsrat hat die Zustimmung zu dieser ungeheuren Forderung mit der Motivierung abgelehnt, daß er erst mit den in Frage kommenden Gewerkschaften Rücksprache nehmen müsse. Die Offiziere vom Reichswafferfchutz. Llebernahme auf Preußen. Ein großer Teil der vom Reichsverkehrsministerium zur Ucber» nähme in die preußische Polizei vorgeschlagenen Offiziere des Reichswafferfchutzes ist inzwischen in den preußischen Staatsdienst eingestellt worden. Di« mehreren dieser Offizier« in der Preffe vorgeworfen« Betätigung für staatsfeindlich« Orgam- sationcn hat sich erfreulicherweise als unzutreffend haraus- gestellt. Insofern stirb die Offiziere durch den Erlaß des preußischen Innenministers, nach dem vor der Ein- stellung dieser Ossiziere Erkundigungen über deren politische Bc- tätigung eingeholl werden mußten, rehabilitiert worden. Von den aus dem Mannschastsstand hervorgegangenen und in der Vorschlagsliste des Reichsverkehrs- Ministers nicht verzeichneten Offizieren des Roichswaffer- schutzcs sind ebenfalls mehrere in den preußischen Staatsdienst über- nommen worden. Die Deutschen in Drag betragen— wie wir in Berichtigung einer von uns abgedruckten Agenturmeldung mitteilen— auch nach der Steigerung ihrer Zahl nur-tg Broz. der Stadtbevölkerung: die Steigerung allerdings beträgt 36 Broz. Wären über 20 Proz. aller Prager Deutsche, so wäre Deu sch in Amt und Gericht gleich- berechtigt mit der Staatssprache. Die Hauptstadt ist von dieser Bestimmung nicht ausgenommen. Der Belastungszeuge im Galasiowilzer Prozeß, Gemeindevvr- sie her Dolezik aus Galassowitz, der die Ueberfälle der Aufständischen in feiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Aufständischen Verbandes mittelbar organisiert hat. ist, offenbar als Belohnung für feinen während des Prozesses bewiesenen„Patriotisnms*, zun» Leiter des Verwaltungsamtes in Pawlowitz ernannt worden. Konflikt in Australiens Arbeiterparici. Außer dem slellve,-- tretsnden Ministerpräsidenten Fenton ist auch der Minister Lyons aus der australischen Arbclterregierung ausgetretei» Dadurch hat sich der wegen der Wiedereinstellung des Finanzminister r Theodore innerhalb der Arbeiterpartei ausgebrochene Konfiitt wesentlich verschärft. Die Katze aus dem Gack! Krupps Enthüllungen und Geständnisse. Der Vorsitzende des Auffichtsrats der Friedrich-Krupp-Zl.-G.. die vor zwei Tagen durch ihre„B e r l u st b i l a n z" allgemeine Heiterkeit auslöste und selbst die so mißgelaunr« Börse in eine freundlichere Stimmung versetzte, hat nunmehr in d.er General- Versammlung die Begründung zu den„Verlusten" gegeben. Diese Begründung ist in Wahrheit nur die Enthüllung, daß die „Notmaßnahme" von R u h r o r t- M« i d e r i ch, wo die Bereinigten Stahlwerke die Stillegung nur unter der Bedingung nicht vornehmen wollen, daß die Belegschaft sich mit einem Lohn- abbauvonLOProz. einverstanden erklärt, wogegen die Schwer- industriellen der Belegschaft großmütig Arbeit für acht Monate— mit der Einschränkung von 10 Proz. Feierschichten—„garantieren". Schon die unerhörte Bemerkung des sattsam bekannten Dr. Jarres, die elend entlohnten Schwerarbeiter der Bereinigten Stahlwerke hätten einen um 20 bis 25 Proz. zu hohen Lebensstandard, lieh vermuten, daß es sich um einen allgemeinen Angriff auf Lohn und Tarif der Arbeiter handelt. Der Vorschlag der Dereinigten Stahlwerke war nur eine Falle. Dr. Krupp von Bohlen und Halbach hat jetzt die Katze a u s d e m S a ck g e l a s s« n. Er hat das in der ihm nun einmal eigenen ungeschickten Weise getan, verbrämt mit einigen wohl- wollenden Redensarten für die Arbeiter, die man Herrn von Bohlen gern glaubt. Weshalb man ihn wohl auch vorgeschoben hat. Denn daß heut« kein Mensch mehr den Poensgen, Bögler, Grauert usw. glaubt, davon sind dies« Herren wohl selbst schon überzeugt. Wir müssen aber schon sagen, die Begründung, die Krupp von Bohlen gab, ist wirklich nicht als Qualitätsarbeit an- zusprechen. Die Löhne sollen allgemein also nochmals um 20 Proz. gesenkt werden. Warum?— Well die Schwerindustrie pleite ist, sagt dem Sinne noch Dr. Krupp. Was die Friedrich-Krupp-A.-G. nicht gehindert hat, im abgeschlossenen Krisenjahr für 17% Millionen Mark Neuanlagen zu machen und davon glatt lö Millionen abzuschreiben. Was den Borsitzenden des Aufsichtsrats der Friedrich-Ärupp-A.-G. nicht hindert, in Aussicht zu stellen, daß auch in diesem Jahr„die notwendigen Mittel für die weitere Modernisierung" der Anlagen der Friedrich-Krupp-A.-G. bereitgestellt würden. Für ein Unter- nehmen, das angeblich 4% Millionen Verluste erlitten hat, ist dos ganz nett. Herr Dr. Krupp will der Oeffentlichkeit einreden, daß die Steuern und die Soziallasten in Deutschland weit höher seien als im Auslande. Man braucht hier nur die Frage zu stellen, ob in dem Hauptkonkurrenzlande, das hier w Frage kommt, in Eng- l a n d, die Steuern, die auf den Unternehmungen liegen und die Soziallasten geringer sind als in Deutschland? Oder will jemand behaupten, daß die Löhne in England niedriger sind als in Deutschland? Der Vorschlag, den Dr. Krupp macht, mag ihm verteufelt schlau vorkommen, in Wirklichkeit aber ist er sehr dumm. Dieser Vor- schlag geht dahin. die Löhne allgemein abzubauen, dann aus Vorrat zu arbeiten, im Hinblick auf die nun in Bälde eintretende Steigerung des Ab- satzes. Die Absatzsteigerung erhofft sich Dr. Krupp natürlich nicht von dem Lohnabbau, sondern vom Preisabbau, der infolge des Lohnabbaues eintreten könnte. Nun gibt es zwei Möglich- leiten: entweder der Preisabbau ist größer als der Lohnabbau, oder aber er ist e b e n s o g r o ß oder geringer. Im letzleren Falle, wenn der Lohn- und Preisabbau verallgemeinert wird, kehrt man zum ursprünglichen Ausgangspunkt zurück. Es kann nicht bester werden. Wenn die Schwerindustrie aber die Absicht haben sollte, die Preise mehr zu beschneiden, als die Senkung der Selbst- kosten durch die Lohnsenkung ausmachen würde, warum versucht sie diesen Preisabbau nicht ohne Lohnabbau durchzuführen? Das sind alles Fragen, auf die die Schwerindustrieelln schwerlich eine Antwort geben werden. Der Zweck ihres Vorstoßes ist, nicht ein wirtschaftlicher, sondern ein poktischer. Sie wollen den Tarifvertrag beseitigen und überhaupt „eine Rückbildung unserer öffentlichen Einrich- tungen aufdas notwendig« und vernünftige Maß", wie Herr von Bohlen auf der Generalversammlung ausführte. Diese nur in der Form unbestimmte Forderung ist klar genug, um jedem zu zeigen, wohin die Schwerindustriellen steuern. Was aber hat in Wirklichkeit die Selbstkosten der Schwer- industri« immer mehr in die Höhe getrieben und sie schließlich„auf einsamer Höhe zur Erstarrung gebracht"? Diese Selbstkosten sind. wie durch den Enqueleausschuß festgestellt worden ist, verursacht worden durch die Ueberausdehnung der Eisenindustrie und die damit verbundene Erhöhung der fixen Kosten. Es ist die fehlerhafte Wirkschafls- und vekriebsführung, die diese Selbstkosten so unverhältnismäßig in die Höhe getrieben hat. Dies« fixen Kosten können auch in Krisenzeiten nicht abgebaut werden und drücken um so empfindlicher auf die Unier- nehmungen. Statt aber umzukehren und das Tempo dieser falschen Ratio- nalisierung zu mäßigen, kündigt der Vorsitzende der Friedrich- Krupp-A.-G. noch an, daß die Mittel aus den ersparten Lohnkosten zurweiterenVermehrung der fixen Kosten verwendet werden sollen. Und diese auf den Gipfel der Naivität getriebene Unfähig- keit in der Wirtschaftsführung beansprucht für sich dos Recht eines Monopols in Politik und Wirtschaft! Wir sind der Meinung, daß die Herren von der Schwerindustrie alle Ursache hätten, still und bescheiden über ihre Fehler nach- zudenken und die Opfer zu bringen, die der Größe ihrer Fehler entsprechen. Genf und die Arbeitslosigkeit. Zweifelhaste Theorien und Vorschläge. Genf. 30. Januar.(Eigenbericht.) Die Kommission des Internationalen Arbeitsamtes zur Prüfung des Arbeitslofenprobloms hat am Freitag nach scharfen Auseinandersetzungen ihren Bericht an den Ver- waltungsrat fertiggestellt. In ihm werden zuerst die U r s a ch e n der Arbettslostgkett aufgezählt und dann die Maßnahmen, die zu ihrer sofortigen Milderung und allgemeinen Bekämpfung für notwendig gefunden werden. lieber die Frage der Arbeitszeit und der Löhne konnten sich die Arbeiter und die Unternehmer nicht einigen, weshalb dem Verwaltungsrat beide sich einander widersprechenden Anschauungen vorgetragen wurden. Als Ursachen der Arbeitslosigkeit zähst der Bericht periodisch wiederkehrende und durch die Umwälzung des Krieges und der Nachkriegszeit bewirkte Umstände auf. 1. Die landwirtschaftliche Ueberproduktion in einigen Pro- kuikten durch besonders gute Ernten und die ohne Rücksicht auf die verminderte Konsumsähigkeit gesteigerten Anbauflächen. 2 Die anarchische Produktion der Industrie, die in keinem Verhällnis zur Nachfrage steht. 3. Den Mangel an Ver- trauen, der eine ungleiche Goldvcrteilung, schlechte Kapital- Zirkulation und große Einschränkungen zur Folge hatte. 4. Der Preis st urz des Silbers mit seinem Valutarückgang in den Ländern mtt Silberwährung. 5. Die zu hohen Produk- tionskosten gewisier Länder. 6. Di« Unruhe im i n t e r- nationalen Handel durch die Entwicklung neuer Pro- duktionszentren zusammen mit den künstlichen Hemmungen des internationalen Austausches. 7. Die politischen Hinder- nisse, die sich der rattonellen Ausbeutung der Wellreichtums- quellen entgegenstellen. Darüber sollen endgültige wettere Er- Hebungen vom Internationalen Arbeitsamt und dem Völkerbund angestellt werden. Als dringende Maßnahmen werden den Regierungen empfohlen: l. Systematische Orga- nisation des öffentlichen Arbeitsnachweises mtt dem Ziel der Zusammenarbeit zur Aufstellung von Programmen für die Beschäftigung Arbeitsloser und zur nötigen Wiedereinstellung der von den technischen Auswüchsen betroffenen Erwerbslosen. 2. Die Entwicklung der Unterstützung und Versicherung gegen teilweise und volle Arbeitslosigkeit durch sofortige Staatshilfe, ohne die Wieder- einstellung von Arbeitern in Bedarssbranchen in oder außer Landes zu gefährden. 3. Oeffentliche Arbeiten, dazu mit Hilfe des Völker- bundes Verständigung über gemeinsame Durchführung großer internationaler Arbeiten. 4. Politik der internationalen Zusammenarbeit für Freizügigkeit und Unterbringung von Arbeitern in Bedarfs- ländern zur Erweiterung der Aufnahmemärkte für Arbettende. ö. Zusammenarbeit der nationalen Wirtschaften mit dem Ziel, die vollkommene Gemeinschaftlichkeit herzustellen. Ueber Maßnahmen hinsichtlich der Arbeitszeit und der Löhne in bezug auf die Arbettslostgkett konnte sich die Kommission nicht einigen. Die Uitternehmcr und die Arbeiter haben verschiedene An- schauungen aufgestellt. Die Arbetter verlange» eine gerechte Ver- türzung der Arbeitszeit oder des Arbeitstages bzw. der Arbeitswoche, mit Rückficht auf die Steigerung des Ertrages, der m der Industkke durch die Vervollkommnung der Produktionsmethoden entstanden ist. Ferner fordern st« direkte Mittel, um die Arbeits- löhne zu steigern in den Ländern, in denen die Löhne äugen- blicklich ungenügend find, um dadurch einen unerträglichen Faktor der Konkurrenz zu besettigen und die Kaufkraft zu steigern. Die Unternehmer behaupten dagegen, daß die von den Arbeitern vorgeschlagenen Maßnahmen nicht nur unwirksam seien, fondern dem verfolgte» Zweck entgegenarbeiteten und noch viel größere und schwere Unruhe hervorrufen könnten. Sie sind über- zeugt, daß eine der wichtigsten Maßnahmen, uin das wirts chnstliche Gleichgewicht wiederherzustellen, darin bestehen muß. die Pro- ouktionskoften mid die H a n d e l s s p e s e n in der Weise zu vermindern, daß die Kaufkraft der Gesamchett der Ver- braucher durch eine Erweiterung der B e s ch ä f t i-g u n g er- reicht werde. Es ist natürlich kaum möglich, auf Grund eines iwtwendig ge- drängten Auszugs eines umfangreichen Berichts sich ein Urteil zu bilden. Immerhin scheinen uns manche der angegebenen Ursachen der Arbettslostgkett auf recht zweifelhafte Theorien zurückzugehen. Auch die Vorschläge zur Besserung scheinen in einigen Punkten den- selben Mangel aufzuweisen. Wir im Brennpunkt der Wirtschafts- krise wissen, daß gewisse Umstände die Krise verschärfen oder mlldern können, aber sie treffen nicht den Kern: die überhastete, über- steigerte Rationalisierung— hauptsächlich eine Folge des Waren- Hungers nach dem Kriege— d. h. die Uebersteigerung der fixen, die Zurückdrängung der variablen Kosten. Die JUsormkommsssion. Was Or Gyrup dazu gesaut dat. Dr. S y r u p, der Präsident der Reichsanstalt, schreibt uns zu dem in unserer Abendausgabe vom Donnerstag veröffentlichten Artikel„Rcichsanstalt und Refor m", daß er in seiner einleitenden Rede zum Haushalt der Reichsanstalt die von der Regie- rung eingesetzte Kommission begrüßt habe, weil es sich diesmal um Persönlichkeiten handle,„die in voller Unabhängigkeit auf Grun> wisienschaftlicher Forschung oder allgemein wirtschaftlicher Er- sahrungen neue Weg« weisen sollten. Im späteren Verlauf der Verhandlungen," schreibt Dr. Syrup weiter,„habe ich— ohne jeden Zusammenhang mit dieser Kom- Mission— zum Ausdruck gebracht, daß man für diese schweren Wintermonatc nicht an eine weitere Verfeinerung der Versicheruiigs- bestimmungen denken möge. Ich habe ferner ausgesprochen, daß bei solchen Verfeinerungen stets abzuwägen sei, ob die hierdurch erziellen Verbesserungen im Verhältnis ständen zu der damtt ent- stehenden Verwaltungsarbett, und daß eine solche Ueberprllfung seitens der Verstcherungspraxis mir erwünscht erscheine. Auch diese Auslassungen bezogen sich nicht auf die Kommission, die ja nach ihrer Ausgabe und Zusammensetzung sich voraussichtlich nicht mtt solchen Einzelfragcn der Gesetzgebung beschäftigen wird." -i° Hierzu nur eine Bemerkung. Heber die Zusammensetzung der Kommission ist die Oeffentlichkeit jetzt unterrichtet Sie ist nicht so, wie man nach der ersten Ankündigung fürchten mußte. Aber was ist die A u f g a b e der Kommission. Dr. Syrup sagt nur, die Kommission soll„neue Wege weisen". Neue Wege der Versicherung? Neue Weg« der Arbetts- beschaffung? Der Arbeitsvermittlung? Der Berussausbildung? Der Finanzierung? Der Fragenkomplex, der sich einem aufdrängt, wenn man von „neuen Wegen" hört, ist damtt noch nicht erschöpft. Wozu diese diplomatische Geheimniskrämerei in einem mtt Fragen gespickten Problem, das leider nur zu sehr im Brennpunkt des öffentlichen Interesses steht! Es läge auch ttn Interesse der Kommission, wenn die Regierung endlich klar aussprechen würde, welchen Auftrag die Kommission eigentlich hat. Ehemigraphen in Abwehrsroni. Entschiedener Wide« stand gegen Lohnabbau. Die Chemigraphen sind innerhalb des Verbandes der Lithographen und Steindrucker eine Berufsgruppe, die sich infolge ihrer organisatorischen Stärke in den Zetten der Konjunktur ver- hältnismäßig hohe Jndividuallöhne errungen hat. Aus Grund chrer vorbildlichen Solidarität, die sie stets auch gegenüber den arbeitslosen Berufskollegen übten, ist es den Unter- nehmern bei leichteren Konjunkturrückschlägen nie möglich gewesen, die einmal erreichten Löhne zu drücken. Nunmehr sind auch die Unternehmer im Ehemigraphiegewcr>- von der Lohnabbaupsychose bestttlen worden. Sie halten jetzt dir Zeit für gekommen, die Löhne der Chemigraphen in dem jetzt üblichen Umfange zu„nivellieren". Es gibt im Chemigraphiegewerbe keine Tariflöhne. Lediglich für die Iungausgelernten sind tarifliche Mindestlöhne festgesetzt. Alle üblichen Löhn« unterliegen der freien Vereinbarung. In Berlin haben einige Firmen an ihre Gehilfen das Ansinnen gerichtet, sich mtt einem Abbau ihrer Jndividuallöhne einverstanden zu erklären. Im allgemeinen werden 10 bis 15 Proz. Lohnabbau verlangt. Für den Fall, daß sich die Chemigraphen mtt dem Lohnabbau nicht abfinden wollen, wird ihnen ganz unverhüllt die Kündigung angedroht. Die Unternehmer haben aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. In sechs Betrieben haben bereits sechzehn Chemigraphen, nach denen man zuerst die Lohnabbaufühler ausstreckte, ihre Arbeit quittiert. Sie haben mannhaft an ihren gewerkschaftlichen Grund- sätzen festgehalten und es auf sich genommen, lieber einige Wochen ohne Arbeitslosenunterstützung zu leben, als sich dem Diktat der Unternehmer zu fügen. Nur in einem Betriebe hat ein großer Teil der Belegschaft nicht so viel Rückgrat gezeigt. Die Schwäche dieser Verbandsmitglieder wurde in der gestrigen Chemigraphenverfammlung, an der von den rund 1400 Berufsangehörigen in Berlin über 1200 teilnahmen, auf das schärfste mißbilligt. In der Versammlung kam der einmütige Wille der zu 100 Proz. organisierten Berliner Chemigraphen zum Ausdruck, die einmal errungenen Löhne mit allen Mitteln zu v e rt e i d igen. Damtt das beschämende Beispiel bei der einen Firma nicht Schule macht und die Widerstandskraft der Berufsangehörigen in den Betrieben noch gestärkt wird, beschloß die Versammlung ein- stimmig die sofortig« Erhebung eines wöchentlichen Extra- beitrages von 2 M. Die auf Grund dieses Beschlusies ein- kommenden Mtttel sollen zur Unterstützung der Verbandsmttglieder verwendet werden, die infolge ihres Widerstandes gegen den Lohn- abbau arbeitslos werden sollten. Jedenfalls werden die Ehemi- graphen den Vuchdruckereibefitzern für die in den nächsten Tagen beginnenden Tarifoerhandlungen nicht das Argumeitt liefern, daß im graphischen Gewerbe bereits Lohne abgebaut worden feien. Tarifabschluß in der Gprihgußindustrie. Oer kommunistische Verband führt— ein geruhsames Leben. Für die Betriebe der Spritzgußindustrie, die nicht zum Verband Berliner Metallindustrieller gehören, besteht ein Tarifvertrag, obge- schlössen zwischen dem Deutschen Metallarbeiter-Dcrband und dem Verband Deutscher Spritzgußfabriken E. V. Die Unternehmer dieser Gruppe hatten das bisherige Lohn- abkommen gekündigt, um einen Lohnabbau von 10 Proz. vorzunehmen. Sie erklärten, daß sie hauptsächlich für die Großindustrie arbeiten und daher auch nicht mehr in der Lag« seien, die alten Löhne weiterzuzahlen. In stundenlangen Verhandlungen war es der Verhandlung?- kommisfion der Arbeiter möglich, zu erreichen, daß die alten Löhn« bis zum 1. März 1931 weitergezahlt werden. Ab 1. März 1931 erfolgt«in Abzug für die im Lohn Arbeitenden, Gelernten und Angelernten von 5 Pf„ für die Ungelernten von 3 Pf. und für die Weiblichen von 2 Pf. pro Stunde. Die Akkordpreise werden mn 4 Proz. gekürzt. Dieses Lohnabkommen läuft bis einschließlich 1. August 1931. Der kommunistische„Einhettsverband der Metallarbeiter", der in der Spritzgußindustris einige Mitglieder Hot, hatte großspurig iu der„Roten Fahne" erklärt, daß«r diese Lohnbewegung„führen" würde. Am Sonntag fand auch eine Versammlung des„Einheit?- Verbandes" statt, in der jedoch auch nur„beschlossen" wurde, daß die „Führung" dieser Bewegung der„Einheitsverband" übernehmen soll. In der Versammlung, die vom Deutschen Metallarbester-Verband «inberufen wurde, ist beschlossen worden, über das Verhandlungs- ergebnis in den Betrieben eine Urabstimmung stattfinden zu lassen. Diese Urabstimmung ergab eine übergroße Mehrheit für die Annahm e'des Verhandlungsergebnisses. Vergeblich sucht man in der kommunistischen Presse eine An- kündigung oder Mitteilung über die„führende" Aktion des angeb- lichen Einheitsverbandes. SPD.-Koliarb?>ter, Bczirte Nordwest«», Moabit, Weddia», Geluod- brnnren und 20. Berwaltunq-bizirl. Eonnta-I, 10 Uhr, Versammlung P bei Saibse, Lindower Etr. A. P SV?>...?oli�>«b«itcr. 45., 4». und 47. Abteilung treffen sich Sonn- W tag, 10 Uhr, bei Lier. Naunnnstr. 9. W S!PD.-Kol,arb«itcr Neukölln. Versammlung am Sonntag, 10 Uhr, S gdeolkalinv. Weiiiiselstr. 8. Bd�reie Gewerkschasts-Iuaend Verlin ficulc find iolqenbe Veranstaltungen: Spreckutor: Probe um ib't, Uhr, Zimmer 56 der.stuaeudii-utrale.- Aelterentursn»! 19 Uhr im Unter- richtsraum der Vcriiner(Sewcrtsehaftssibule, Engeluser 24— 2S, 3. So?, 1 Treppe rechts. Er spricht Genosse Richard Schulge Uber„Ecwerlschaftcn und Berufsschulen".— Morgen, Sonntag. Nnd folgende Vcranstai'ung--»: Mädchcnlursn»!.Zsraucn wirken— ssraauen schaffen" im Volkshaus in Kalk- berge in der Mark. Treffen i m 7'4 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Eingang Badstraste, oder 8 Uhr Schscstscher Bahnhof. Saup�einaang Glaskuppel.— Ro-dkreis: 19 Uhr flugendbeim Tieckstr. 18: Musik- und Sviclab.-nd.— Nord- lrestkreis: 20 Uhr Iuaendbeim Wedding. Willdanawstr. 5.„Berlin, wir es meint und lackt."- SsUrcis- 20 Uhr Jugendheim Sunterstr. 44. Literarischer Abend:„Trauen". Verantwortlich tür Politik: Dr. Eurt Geyer! Wirtschaft: S. ttliugclhöser: Gewerkschaftsbewegung: 3. Ttciuer: Feuilleton: Ä. S. Äscher: Lokal eo und Sonstiges- Frist starstödt: Anzeigen: Tb. GloSc: sämtlich In Berlin. Verlag: Borwarts.Berlaa G m. b. S.. Berlin. Druck: Lorwarrs.Suchdruck«« und Vcrlagsanstali Paul Sinaer u. Eo.. Berlin ET 66. Lindenstraste& Sierra S Beilagen. tfi". 51» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 31. Zanaar 1931 (Zriins Woche wird heute eröffnet Deutschlands größte landwirtschaftliche Ausstellung in den acht Berliner Messehallen. B Heute vormittag wird in den ackzt Au'?- st e l l u n g s h o l l e n am K a i s e r d a m m die bisher größre und bedeutendste loniZwirt- sc!)aftliche Hallenausstellung der Reichshaupt- stadt, die sechste„E r ü n e Woche Berlin 19 3 und damit gleichzeitig die erste gros;« deutsch« Ausstellung dieses Jahres eröffnet werden. Die riesige Ausstellung, die unter tatkräf- tiger Mitarbeit aller zuständigen Reichs- und Staatsbehörden zustandegekoimncn ist, will vor allem die Gegenwartsprobleme der Agrarwirt- schast einer Lösung näherführen. Die große landwirtschaftliche Schau, die mit ihren vielen Sonderveranstaltungen, so die Lehrschau „Tcchiut in der Landwirtschaft", eine große Naturschutzausstellung, die Deutsche Jagd- ausstellung, sowie zahlreiche Tierschauen— man sieht ausgezeichnete Geflügel-, Brief- tauben-, Kaninchen- und RasseHundschauen— nimmt insgesamt eine Ausstellungssläche von rund 5ö 000 Quadratmetern ein. Wie man bei der gestrigen Borbesichtigtinq, an der auch als der zuständige Magistratsdezcrnent für das Messewesen, der soziatdemokratüche Stadtrat Czeminsky teilnahm, feststellen konnte, ist die schwierige Aufgabe, eine so gewaltige, um- fastende Schau verständlich und stets inter- risierend darzubieten, hervorragend gelungen. Für die gewaltige Arbeit gebührt dem Behlmer Messeamt hohe Anerkennung. In einer kurzen Ansprache an die Presse- Vertreter wies der Direktor des Aucstellungs-, Messe- und Frcmdenverkchrsanit der Stadt Berlin. Dr. S ch i ck, darauf hin, daß die b. Grüne Woche Berlins, die an Umfang, wie an Vielseitigkeit»n� Bedeutung alle ihre Vor- gängerinnen übertreffe, ein großes Berliner Ausstellungsjahr einleite. Die Ausstellung habe die in der gegenwärtigen Notzeit doppelt wichtige Mission zu erfüllen, einerseits zur Wiedcrankurbelung der daniederliegenden Wirtschaft und andererseits der Aufklärung der weitesten Volks- schiebten über die möglichen Wege, die aus der deutschen Wirt- schaftsnot herausführen, beizutragen. Die Bcgrüßungsworte des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft überbrachte Ministerialdirigent Dr. B o s e. Die große Ausstellung wind heute vormittag feierlich eröffnet werden. Mehr noch als in früheren Seiten wird die 6. Griine Woche Berlins auch gaiiz. beföndefs; das /L>lte reste der arbeitenden Bevölkerung'beach'pruchen dürfet» und auch finden werden. Die Ausstellung dauert bis zum 8. Februar. Was zu sehen ist. Ein Rundgang zeigt, daß tatsächlich, soivohl auf die Besucher aus der Stadt, wie auch vain Lande, zahlreiche Ucbcrraschungen warten. In der ersten Halle bietet sich den Eintretenden, in lichten, aber ruhigen Farben gehalten, der architektonisch schön ausgestaltete Ehrenhof. In seiner Mitte erhebt sich ein riesiger Bau, das sagenannte„2 0- M i l l i a r d c n- M o d e l l". An» Verspiel des letzten Wirtschaftsjahres fall gezeigt werden, weiche Summen in Dentfchand für die wichtigsten Lebens- und Genußmittel van der Bevölkerung ausgegeben worden sind, und wieviel davon den deutschen und ausländischen Landwirten zufielen. Das Erfreuliche uird Besondere an der 0. Grünen Woche ist, daß man LAGEPIAN NACH DEM RUNDGANG GEORDNET HaHtt 1« Sonderausstellungen: Produktlonsurnstellung und Absatzförderung/ Technik in der land- Wirtschaft/ A�ilch># But1er> und Kcse-Sdtou. Industrieschou für die Abteilungen: Landwirtschaft/ Milch Gartenbau/ Imkerei. Hollah Internationales Reit* und Fahrtumfert Obergang(Obergesdioß) Kaninchen- cus&tellung. Freigelände» Industrieschou. Halle 3. Die Abteilungen: Geflügelzucht und ländliche Hauswirt. schuft. Halle 8* Vom 31.' 1.— 3. 2. Geflügelausstellung( Erieftaubenschau/ Eier- und Sdilachtgeflügef- wettbewerb./ Vom 7. 2.-8. 2. Rassehundeausstellung. Hella 7. Allgemeiner Bedarf. Halle 6. Natur- sdiulzaussJellung/ Angelsport. Industrieschao für die Abteilungen: Jagd f Forstwirtschaft/ Angelsport. Halle 5. Deutsche Jagdausstellung 1931. Halle 4. Festhclle(Hauptrectauront). sich keineswegs nur der graphisch lesbar gemachten Statistik bedient. Sebr lebendige Darstellungen- zeigen beispielsweise in einer der Gruppen, wie das Ausland bemüht ist, fein« Arbeit zu schützen. 96»r finden weiter einen richtigen, nach den modernsten hygienischen Ansprüchen aufgebauten großen Biehstall, lebend« Kühe und Schwein c. Daneben wird demonstriert, wie das richtig gemästete Vieh geschlachtet werden»tuß, um später allen 2lnsorderungen der Hygiene zu genügen. In einer der großen Hallen ist die große In d-Msta-stes chau>»nterg«>iraä>r,..die h> dies«»» Jahr besonders stark l'efchürt'nwröeü'lst.f Diei tiirzelnen Hallen-sind fetzt weit besser miteinander durch Rolltreppen und unterirdische Ladenstraßen ver- bunden. Sie sühren uns in die neue AutoHalle, in der die große Kaninchen schon untergebracht ist. Das Erdgeschoß ist der Schauplatz des internationalen Reittourniers, das bis zum Schluß der Ausstellung airdauert. In der dritten Halle tönt uns ein ohrenbetäubendes Geschnatter und Eegacker entgegen. Hier ist die Lehrschau„G e f l ü g e lz u cht""untergebracht. Sie dürste für zahlreiche Besucher uird gerade auch für Laubenbesitzer vielerlei Wissenswertes bringen. Mehr als 3000 Prachtexemplare unseres Federaichs find hier in fünf Abteilungen zur Ausstellung gebracht. In einer der nächsten Hollen finden wir eine große Naturschutz- a u s st e l l r» n g, veranstaltet von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalspflege in Preußen. Es ist dies die erste Veranstaltung dieser Art. Dank der Mitarbeit des Zoologischen Gartens der Stadt Berlin ist es möglich gewesen, auf einein fast 100 Qi»adratme!er große»», künstlich angelegten Teich die»inter Schutz gestellten Vogelarten durch lebende Exemplare ihrer Galt»,»ig den Be- suihern vorzusührcn. Nicht vergessen wollen wir die Angel- sportausstellung, die Jagdaus st ellung und vor allem die K u n st a u s st e l l u n g. Die große Funk Halle hat ein ganz besonders freundliches Gesicht erhalten Sie ist in ein lichtes, festliches Geivand gekleidet. Sie soll eine riesige Koststub«„Huhn und Ei" darstellen. Hier wird rnan auch tanzen kennen. Gestern waren die Arbeiter noch damit beschäftigt, zuzei riesige, spiegelglatte Tanzflächen aufzubauen. Die Eröffnung der vom 31. Januar bis 8. Februar 19 31 dauernden 6.„Grünen Woche Berlin" findet heute, 10 Uhr, iin Empfangsraum der Halle I statt. Bei dem von»»msika- lischen Darbietungen umrahmten Eröffmmgsakt nehmen nach einer Begrüßung durch den Leiter der„Grünen Woche Berlin", Hans Jürgen v o n H a k e, die Herren Reichsminister Dr. h. c. Schiele, Staatsminister Dr. h. c. Steiger und Bürgermeister S ch o l tz das Wort. Die Eröffnungsfeier»vird auf den Rundfunk übernommen linb auch im Tonfilm festgehaltei». Die Ausstellung ist täglich, mich am Eröffnungstag, von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends, Sonn- abends und Sonntags bis 8 Uhr abends geöffnet. Neue Nststandsaktion. k,5 Millionen für Arbeiten der Gtadlentwässerung. Ter Magistrat legt der Stadtvcrordnetcnvcrsainn»- lung in einer Vorlage zur Besclilnstfasfung ein Not- standsprogramm auf dem Gebiete der Stadt- entwäsferung vor. uu» auch hierdurch der immer weitergehenden Verschlechterung der Lage auf dem Ar- britsmarkt zu steuern. Gegenüber 34K Arbeitslosen im September v. I. ist diese Zahl nach dem Stande von Anfang Beträge, die noch in das Iaht 1928 zurückreichen. In mehreren Verhandlungen war die Schuldzahlung aufgeschoben worden, bis im November vorigen Jahres i>er Rechtsvertreter Piscatvrs erklären mußte, daß sein jllicnt infolge der ollgemein schlechten Theaterlage ntcht zur Be- gleichung in der Lage sei Daraufhin wurde ein Offcnbarungs- er d verfahren gegen Piscator eingeleitet. Da dieser zum Termin nicht erschienen war und auch keine 1999 Mark zur Berhind«- rung der Vollstreckung zahlen konnte, erfolgte seine Verhaftung, um einen O ff e n b a r n n g s e i h zu ermöglichen. Achtung, Anzeigenschwindler? Wie uns mitgeteilt wird, spricht oin angeblicher Ins«ratenver- tretor. der sich O t t o m a r R o w a ck nennt, bei kleinekenenigen Unstim?nigkeiten ausgeglichen und bei der Rekonstruktion der Tat im PolizApräsidiu?» und an? Tatort gab es zwischen den Aussagen der Angeklagten keine Differenzen mehr. Stolpe hatte in seinem Lebenslaus geschrieben, daß sie sich den Plan zurechtgelegt hätten, Ulbrich zu töten inst? ihn zu beraube??. daß sie zwar kurz nachdem sie den Hinteren Raun? betreten, sich aus Angst zurückgezogen hätten, dann aber wieder noch hinten gegangen wären, um die Tat auszuführen. Lieschen Neumai?n hat tatsächlich erklärt: Wenn er muckst, stecke ich ihm einen Knebel??? den Mund, ??>«??« er brüllt, haue ich ihm mit dem Beil über den Schädel. Benziger hat mit beiden Händen die Füße des Uhrmackzers gehalten, sie nicht nur zufällig berührt und alle drei haben geprüft, ob ihr Opfer auch wirklich tot ist usw. Der Krimnuttsckretär Smetons kon?tte auch manches Bemerkens- lverte über Lieschen Neu???ann berichte??. Bei ihrer ersten Vorladung in? Polizeipräsidiuin half sie dem Bearnten die Lichtbilder des Opfers sortieren, als habe sie mit der Tat nichts zu tun. Mit der festen Absicht zu töten, zu Ulbrich gekolnmen. halte sie, imt ihm plaudernd, aus dem Vorderraum des Ladens die Grarrm?ophonplatte?? heran, ließ dann„Erika, brauchst du rtickst einen F round" spielen ul?d tanzte?nit dem Sechsundfünfzigjährigen. Als sie die letzte Platte Holle, schob sie den Riegel von der Lade?ttür zurück. Was da???? zwischen den zweien geschah, soll he??te in i?ichtöffe>Mchcr Sitz????g erörtert werde??. Iede!?salls war cs viel inehr, als Lieschen Neumann vorläufig zugestände?? hat. Don? Krlminalkon?misil?r Thomas erfuhr lnan aber von Ulbrichs 1399 Photographien, 116 ver- schieden« Frauen darstellend, und von seiner Kartothek, die nur den Vsr?rai??en dieser Frauen enthielten. Das Gericht wird sich bei der Urteilsfindur?g die größte Mühe geben und vielleicht wird es auf Grund geschickter Kombmatlon der äußeren Wahrheit i?qhe koi??n?en. Vielleicht. D?« innere Wahrheit des f?zrchibarei? Falles, zi? dssie???n«dizinisch-knlischcr Beurteilung ja auch nach die Sachverständigen ein erhebliches Wort initzu- sprechen habe??, ist indes schon längst offenbar. Gewiß, solche Eharaktere kann man zu ergründe?? versuchen, darf alier???cht die Hoffnung hege??, daß die Menschheit sie nicht immer wieder erleben wird. Aber das ist auch klar: ohne so viel«?nateriellc Not. ohne diese Arbeitslosigkeit u??d ohrie diesen Mangel an gütiger Liebe, unter dem diese hilflosen Puppen des Schicksals ständig litte??, wäre der Mord am Uhrlnacher Ulbrich nicht geschehen, wäre das Tier in diesen jungen Menschen nicht zum Durchbruch gekommen... Oeffentliche Kundgebung! z. Ab'eiland. Montag. 2 Februar. 19'/S Uhr, im groben Saal de» Gewerluchaffshauees,-BmKhrfet TN?na: Der MailOnOl' Sozialismus, sein Aulstieg und sein Ende. Redner; Genosse .... Professor M ö t-|i o.g,"M'd.:-L-.::-a r:..-. Männer und Frauen, heilt den Faschismus bekämpfen, erscheint in Hassent 2 5 B f., am Sonntag gellen die ermäßigt«?? Preis» den ganze?? Tag. Zoo ul?d Aquarium zeigen ekne Fülle von Neuheiten, teils Neu- erwerbungen, teils eigene Nachzucht, darunter das kleine Zwerg- flußpferd i?n Elesan?enl?aus.'Am Sonntag findet von 4 Uhr nach mittags ab in? Koisevsaal Militärkonzert unter Leitung des Ober- mustkmeistsrs Hoge???ann statt. „Krasses Laienium und Llnsinn." Sachverständige über die Erperimenie Tausends. München, 39. Januar. Zluch der elfte VerhanMungstag im Münchener Goldmacherprozetz war für den Angeklagten Tausend nicht weniger als günstig. Das Gericht hörte den als Zeugen und Sachverständigen geladenen Metall- Hütteningenieur Dr. Stener-Rainer. Der Zeug« lernt« Tausend bei einem Experin�ent kennen, da« gewöh??lichen Feldton in reine Tonerde(Zlluminiumoxyd) ver?vand«ln sollt«. Es wurde ober nichts daraus. Auch einem Goldversuch wohnte der Zeuge bei. Er erklärte, daß sich dabei eine recht bescheider?« Menge Gold ergab, die zweifellos in dem als Ausgangsmaterial veriva??dten Eisen- o x y d, das an sich sehr goldhaltig ist, enthalten nw. Der Zeuge will die Möglichkeit nicht abstreiten, daß es noch einem der Wissenschaft bisher nicht bekannten Verfahren gelingen kann, einen größeren als bisher bekannten Goldprozentsatz auszuscheiden. Aber von einer Wirtschaftlichkeit könne dabei keine Rede seim Nicht weniger scharf ging de? Zeuge und Sachverftä??dige Uni- versitätsprofessor S ch ö l l c r,«in Bruder des hereingefallenen Wiener Stahliirdustriellen mit de?» Gold?nachermärchen zu Gericht. Er bezeichnete die Behauptung Tauscnds, Gold„erzeugen" zn können, als krasses Laientum und Unsinn. We?m er auch die Möglichkeit nicht von der Hand wies, daß cs gelingen könnte, ein besseres als der Wissenschaft bisher bekanntes Ausscheidungsverfahrei? zu finden. Der Richter verlas sodann die Bekundungen der ver- storbenen Fabrikbesitzerwit?ve Dora Mainhold-Plauen. die Tausend sehr belastete. Tausend Hab« sie geradezu mit suggestiver Kraft überredet, ihren Münchener Hausbesitz für 159 999 M. an ihn abzutreten. Bon den? Kaufpreis sollten 199 900 M. als Einlage in den Verein gutgeschrieben u??d 49 999 M. bar bezahll werden. Erhalle?? hat sie i??chts als zwei ipertlose Goldgutscheine, von denen Tausend wahrheitsuudrig behauptet, daß sie so gut wie bares Geld und jederzeit sinlösbar sei«n. Unter allgemein«: Spannuirg rourde Hann das Ezpertmont im Münchener Havptmünzamt geschildert. Kriminal- konrmissar Weiß stekkte dar, wie er die Vorsichtsmaßregeln durch- führte. Tausend wird bis aufs Hemd»ntklsidet. Er m>?ßte sich die Rase putzen und den Mund ausspülen Seine Fingernägel llmrden eingehend untersucht pnd jede seiner Manipulationen aufmerksam beobachtet Dem Zeugen fiel aus. daß Tause??d am Ansang nur von tastenden Dorversuchen sprach, dann aber dies« al« Bestandteile d«s Hauptversuchs bezeichnete, lieber den erfolgreichen Zlusgang des Experiments seien die sieben anwesende?? Herren außerordentlich erstaunt gewesen. Die Weiterverhandkung wurde slAietzkich aus Sonnal«nd vertagt. Oer Gparschrank in der Oeftitle. „Veitn Trinken und beim Essen das Eparen nicht vergessen!� »Es kommen noch schlimmere Zeiten". me?i?t die Brauerei, der ihrer Gäste Wohl und Wehe scheinbar sehr a??? 5)crz«il liegt: denn sie baute in eine?» Lokal unl??«it des Anhaller Vahrchoss, dessen Stammkundschaf? Gepäckträger und Taxichausseure sit?d, eine?? regel- rechten Tresor mit 32 Safes in die Wand«in. Alle Safes sind besetzt und alljährlich zum weihnachtlichen Abhcbungs- termin floß Geld aus dem Sparschrank. Kassenverwalter ist der Wirt, der auch alle vier Wochen die Leerung des Tresors besorgt; das eingegangene Geld wandert in eil?e Berliner Großbrauerei, die eg den Sparern mit 8 Proz. verzinst, immerhin ein« gnte Kapitals- anlöge, die noch dazu die Annehmlichkeit hat. keinerlei Umständlich- ketten zu verursachen. Gcldobhebungen zwischendurch gibt es nicht. es sei denn, daß ein Sparer sich in besonders großen Nöten befi!?det: dann schießt ihm der Wirt in seiner Eigenschaft als Vermögens- verrvolter etwo.» vor und zieht den Betrag i?achher bei der Aboech- nung ein.„Und cs läppert sich schon was zusammen", meint einer der Safe-Jnhaber,„da hat doch voriget Jahr, wo allerdings die Zeiten noch nicht so schlecht?varen, ein Kolleg« Weihnachten seiner Frau einen' Pelzmantel gekauft!" Die Idee ist gar nicht schlecht, denn schließlich kriegt man Durst, wem? man schwere Koffer schleppt oder stundenlang durch die Straßen jährt: und einmal i?n Tag leistet man sich dann doch einen Tropfen, und lvenn mal? da jedesmal auch nur eine Kleinigkeit in dl« Sparbüchse tut, so summiert«s sich doch am Jahresende Konsumgenossenfchastlicher Frauen-Lehrgang. Die Konsumgenossenschaft Berlin urch UmgegenÄ veranstaltet für die Frauen ihrer Mitgliedschaft einen Lehrgang von zwei Abenden, in dem Rcichstagsabgeordneter Hermann F le! ß ne r über„Wesen und Bedeutung der.Konsumvereine" und Dr. Wilhelm G r o t k o p p über„Zollabbau und Preissenkung" sprechen. Der erste Abend des Lehrgangs findet an folgenden vier Tagen statt: Montag, 2. Februar, Karl-Marx-Schule, Neukölln, Kaiser- Friedrich-Straße 298/219: D i e n s t a g/ 3. Februar, Sophie-Ehar- lotte-Schul«, Charlottenburg, Scharreustraße 32: M i t t w o ch, 4. Fe- bruar, Berlin O., Petersburger Straße 4: Donnerstag, 5. Fe- bruar, Berlin N., Gotenburger Straße 4. Beginn pünktlich 8 Uhr. Die Veranstaltungen werden von musikalischen Darbietungen des Bach-Quartetts umrahmt. Eintritt frei. Zur Teilnaipne sind all« kcnsuwgenosicnschaftlich interessierten Frauen eingeladen.____ Remarque und die Wirklichkeil. Auf der Kundgebung, die die Deutsche Liga für Menschenrechte am Moi?tag, dem 2. Febru-ir, im Bnchsaal, Lützowstraße 76, Magdeburger Platz, veranstaltet, wird Genossin Marie Juchaez als Bcrtrclerin der K?iegsii?ütter das Wort nehmen. Für die Frontsoldaten werden sprechen- Ediess Koppen. Carl Zuck?naner, für die Frorrtosshiere Hernunn Schutz in« a er, für di« Kriegsbeschädigten Christoph Praendtncr. als Kr l«ci«dichter Peter R i ß. als Kriegsarzt Dr- Kart Fleischer und ein Dertrster des Jahrgangs 1992. Kart M a t h i s. Eröffnet wird die K?lndgebung durch eine Ansprach« odn Heinrich Mann, ferner mündliche und schriftlicls Erklärungen von Adel« Schreiber» Krieger. Dr. Kurt Mierendorfs. Polizeioberst Lange. Herber? I Hering. Karten für diese Veranstaltung sind im Vor- verkaus nur dlirch die Gelchästtstell« der Deutschen Liga für Men° schenrechte. 91. 24 Manbisouplatz 10, Eingcma I erhältlich Die goldene Hochzeit feiert am heutigen Sonnabend unser lang- jähriger Leser Paul Pritzkow, Diessenbachstr. öS. Ztuhlverstopfnntz. Nach den an den Kliniken für innere Kraul- heitei? gesammelten Erfahrungen ist das l?atürliche„Jranz-Josef"- Bitterwasser«in äußerst wohltuendes Abführmittel. H» Apoch. crh. Volksgesundheit und Krise. Aussprache im preußischen Landiag. Der Preußische Scuchtofl wählte zu Beginn der Freitagsitzung als Beisitzer für das Präsidium an Stelle des ausgeschiedenen Abg. Dannenberg(Wp.) den Abg. Müller-Isernhagen(Dt. FroE.). Hierauf werden auf Ailtrag des Abg. von K r i e s(Dnat.) Antröge zur Aendcrung der chauszinssteuer und aus Antrag des Abg. Yürgensen(Soz.) ein Antrag gegen die beabsichtigte Schlietzung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. d. O. an die zu- ständigen Ausschüsse überwiesen. Es folgt di« dritt« Beratung des Gesetzentwurfs, der die Wahl- zeit zu den Landwlrtschaftskamnrern um sechs Monate verlängert. Der Gesetzentwurf wird mit den Stimmen der Regie- rungsparteien gegen alle anderen Parteien verabschiedet. Dos Haus setzt nun die gemeinsam« Aussprache über den Landwirtschafts-. Domänen- und Gcstütsetat in zweiter Lesung mit der Beratung der Einzeltitrl fort. Di« drei Etats werden nach kurzen Ausführungen verschiedener Redner in zweiter Lesung verabschiedet. Das Haus beginnt hierauf die zweite Lesung des cha u s ha l t s des W o h l f a h r t s m i n i st e r i u m s. Die Beratung erfolgt in den drei Abschnitten: Bolt-gesundheit, Bolkswohlfahrt. Wohnüngs- und Siedlungswese». Zum Abschnitt Bolksgesundheit erhält das Wort Abg. Or. Chaies(Soz.): Während in den Kommunen sich die Ausgalxn für Wohlsahrts- zwecke aller Art und für das Gesundheitswesen als Folgen der ungeheuren Wktschaftstrif« außerordentlich gesteigert haben, zeigt ker vorgelegt« Etat des Wohlfahrtsministerium beim Abschnitt Ge- sundheitswesen aus Ersparnisgründen ganz erheblich« Abstrich«. Jtaä) unserer Aussassung wird es nicht möglich fein, mit den jetzt cingejehleu Summen den gesteigerten Ansprüchen in bezug aus chebung der Volksgesundheit durch Dekämpsung der schädlichen Einflüsse genügen zu können. Solch« Ersparnisse bringen feine Entlastung für die Zukunft, und die erheblichen Streichungen für Jugendpslege- und-sllrsorge, an Mitteln für Äinderspeisungen usw., werden Folgen l>aben. die sich erst in Jahren sehr zum Schaden der Aolksgesuudhelt auswirken werden.(Vehr wahr! bei den Sozialdemokraten.« Die optimistische Beurteilung des Standes der Volksgesundheit durch das Ministerium entspricht nicht der Wirklichkeit. Das beweist die Zunahme der sogenannten Mangelskronk-, Helten. Die Ursachen hierfür liegen in der strrchtbaren.Wirt- ichaftskrise mit ihre? großen Arbeitslosigkeit. Wenn beinahe 6 Mil- lionen Menschen erwerbslos sind und wenn insbesondere die Zahl der Erwerbslosen in einer Riesenstadt wie Berlin eine so gemallige Steigerung erfahren hat. weirn also Millionen am nötigsten Mangel leiden, so kamt das nicht ohira Einfluß auf die Bolksgcsuirdheit bleiben. Deshalb müsse» Mittel da eingesetzt werden, wo sie not- wendig sind. Leider fehlt bis jetzt noch immer«ine einwandfreie Todesursachenstatistik. Ohne eine solche wird es nicht �möglich sei'n, die Ursachen der Krebskrankheit festzustellen, deren Sterblichkeits» zisfer erheblich die der Tuberlulose übersteigt. Es ist leider eine Tatsache, daß die Erkrankungen im Kmdesalter erheblich zugenommen haben. Insbesondere an Tuberkulose. Di» katastrophalen Folgen hiervon werden sich erst später zeigen, und nach dem Urteil anerkannter Aerzte liegt die Ursache hierfür in der Verschlechterung der Ernährung.(Hört! chärt! bei den Sozialdemokraten.) Das Msinken dar Jnfektionskrmrkheitcn beweist an sich noch nichts für den Gesmzdhsitsztistand eines Volkes. Di- Abnahim der Geschlechtskronklleiten steht sicher im Zusammenhang mit dem Ge, schlechtskrankheltengesetz, wenn auch erhebliche Bedenken dagegen bis heute nicht verstummt sind. Wenn trotzdem darauf hingewiesen uvird, daß die Prostitution eine Steigerung erfahren hat, so beiveist da» nur, hob dieses soziale Uebel eine furchtbare Folge der kapitali- siischen Krise ist, und daß man solchen Erscheinungen auch uicht mit Polizei und Ueberwochung beikommen kann.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die immer noch erschreckend hohe Zahl von 75 000 Tuber- k u 1 0[ e sl« r b« s ä II c wird nach übertroffen von 81 000 Todes« fälle im letzten Jahr, die durch die K r e b s k r a n k h e i t verursacht sind. Das Ministerium wird deshalb dazu übergehen müssen, sehr energisch organisatorische Bekämpfungsmahnahmen gegen die Krebs- kra>ikl>eit einzuleiten. Energische Maßnahmen werden auch notweiidig sein, um der Uebcrfüllung des Aerzte st andes Einhalt zu gebieten. Warnungeil allein nützen nichts. Die preußische Regierung wird hier«Ulf das Reich einwirken müssen. Notwendig erscheint uns auch, daß endlich die Koinpetenzeu der staatlichen Medizinalbeamten gegenüber den kommunalen Gesundheitspsleger» abgegrenzt werden. Auch in diesem Jahre müssen wir wieder aus die berechtigten Klagen des Krankenpslegeperjonals in den Anstallen hinweisen. Die zum Teil überlange Arbeitszeit gefährdet nicht nur das Per- sanol und damit die Kranken, sie wirkt sich auch unsozial aus gegen» über den Arbeitslosen. Hier mutz Wandel geschaffen werden. Es darf auf keinen Fall, zugelassen werden, daß das Pflegepersonal bis zu 120 Stunden wöchentlich beschäftigt wird.(Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Ebenso erscheint uns Einwirkung auf das Reich notwendig, damit endlich das Reichsgesetz über die obligatorische Aus« bildung des Krankenpflegepersonals kommt. Unser Antrag über den Schutz der Bevölkerung gegen gefährliche Experimente-, der anläßlich des Lübecker Kinderstcrbens gestellt wurde, ist vom Hauptausschuß, leider gegen die Stimmen der bürgerlichen Aerzte, angenommen worden und oer Reichsgejundheitsrat hat sich, wenn auch in wesentlich abgeschwächter Form, in demselben Sinne geäußert. Leider wird von der Aerzte- schaft die Oessentlichkeit viel zu wenig ausgeklärt. Erst wenn das geschieht, wird auch das Vertrauen der Oessentlichkeit zu den Aerzte» wiederkehren. Di« sozialdemokratische Fraktion wird alles tun, um durch tat. kräftig« Mitarbeit bei der Gestaltung des Wohlsahrtselats der Bolls- gesundheit zu dienen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Freifrau von Wotler(Dnot.) wendet sich sehr scharf gegen die Krankenkassen, die der freien Wirtschaft der Aerzte Konkurrenz mccheit. Sie kritisiert die Neubauten von Ortskrankenkassen und deren Einrichtungen, die Verschwendung seien. Sie fordert Kon- trolle der Haushalte der öffentliche, i Verbände und wendet sich gegen die Ueberspairnung der sozialen Fürsorge. Abg. Frau heßberger(Z.) trklärt, daß es heut« keinen ernst- hasten Gegner des Wohlsahrlsministeriums mehr gibt. Erfreulicher- weise sei der Gesundheitszustand so gut wie nie zuvor. Die schlechte Wasserversorgung in der Eiset führe zu schweren gesuntcheittichen Schädigungen der Bevölkerung. Hier sei Abhilfe dringeiid notwendig. Entschieden müßten alle Bestrebungen auf Lockerung des Ab- treibungsparagraphsn abgelehnt worden. Es sei er- schütternd, daß in Berlin sich auch eine große Zahl von Aerztinnen für die Beseitigung dieses Paragraphen gefunden haben. Abg. Benscheid(Komm.) erörtert die Folgen der Erwerbslosig- keit für dil� Volksgesundheit. Di« Krise sei nicht dadurch zu losen, daß Zentrum und Sozialdemokraten die Arbeiter zu Lohnkulis machen. Die Sozialdemokraten liefen«in Schwänze der Bourgeoisie herum.(Stürmische Heiterkeit.) In Rußland habe der Fünsjahres- plan bereits einen Ueberschuß für das Staatsbudget ergeben. Abg. Dr. Doehm(D. Bp.) wendet sich gegen das infolge der Wrrtschaftsnot überhandnehmend« Kurpiuschertum. insbesondere gegen die Kai» Methoden von Weißenberg. Der Einspruch des Finanzministers gegen die Erhöhung der Mittel für den Wohifahrtsetat seien berechtigt und unverständlich die Anträge der Sozialdenrökralen und Komnrunist«» mit, Erhöhung der einzelnen Positionen. Er erklärt sich gegen die Aufhebung des 8 218: Abg. Prelle(Dt. Hann.) hält die Erörterung des Wohnungs- bans für notwendig, weil die Frage der Volksgefilndheit im engsten Zusammenhang mit der Wohnungsnot steht. Hierauf vertagte sich das Haus auf Sonnabend, 31. Januar, 10 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Aussprache über den Wohl- fahrtsetat. Stase»d>>i>g«n«, Meie Sabril(Inb B t r 1 1 a 6«•», einbeaficaftt 3, Partemachrichten für Groß-Verlm stri»«n bat S()tit>8 Uhr die Pillrtto zu unserem Loitrren Werbcabrnd vom Ableilunaslassterer ah, zuholru. «bt. Verdriratrie(Se nasse», die lange erwerbslos sind, liinnen sich umgebend bei her Genossin Walter, Mcder Str. 37, vorn 4 Zt., melde». «2, Abt. Nrulöln. 2» lldr Wintrrverguüorn in den Passagesilen, ET" s-j SetgfU. 151. Hamvriftische«ortrZgc, lanjootsüdtnnaen de» V»U»sv»ri. y N verein« Alulölln. Tavz. eintritt 75 Pf.|| 108». Abt. NZyenick. 18 Übt f-andscttelausaabe für Dammvorsladt bei Ei»ner, gaiser-Wilbelm-Sfr. 3: sür Mwrnick.Nord. JUticllikide, Udlenliorsi und Siedlung bei Klose. Mafiisdorfer Str. 1. 124. Abt. M-bI»bors. Die von der NPD. nach dem Zicslaurant Ztordsiern rin. bcrufene Konfnmversammlung wird von unseren Miglirdcrn nicht besucht. Zttorgen, Sonnlag, I. Aebruar. S». Abt.«ri». IIA.. 157.. 138.. 156. Pezirt: Die ffiinl'ionätc Iteifen sich zu einer Aussprache um 10 Uhr bei Trisiram. DUrgerftr. 48— 40. Arbcilsgemeinschaft der kinderfreunde Gcoß-Berlin. Krei, Sieulolln. Alle Gruvprnsiihrer melden bis Moniaa sArbritostundc) dir Teilnehmerzahl sllr die BeranstaUuua am Tonnerztaa. 5. Februar. So Hrn. fieincr Erupprnsviele. Der STariencat lagt om Dontaa um 18 Uhr In der Baracke Ganghoserstrasie. Alle Sruvve» miissen vertreten sein.— Gruppe Falte! Seutr. Sonnabend, gabrt zur Echwimmende» gugendberderae. Tvss- vunlt um 15'- Ubr am Bbf.«aiser-Fviedrich-Slrake. Fahrgeld 1,10 W. Swli-f. socke mitnehmen. Geburtstage, Jubiläen usw. 21, Abt. Unserem alten P»riritömp!ei isr,,,»«tollenbach, Sieben. walder Gte. 13.»» scigem 85. H»dnrt»iag» dir h-rzlichsiru Glückwünsche. II»,«dt.«dler»b»t. Genosse Gustav««rrpper lemn heute aus seine 2ZtSjL» znqrhorialrii zur P-'tri zurückblicken.»!. üd-ewittcln Mllrr« d-rz. lickste» Glückmiimsch« und dotse», das, d«n Zadila,»eraonnt sei» wäge, soweit t« felata JUafUn, ffit dt« Partei«4 laug, t« wichen. |©fertrtofel der Groß« Berliner Partei- Organisation »Z. Akt. Reutolln. Am Mii-ilvoch. Z5. l>qnu»r. verstarb noch einem langen und schweren L.rden unser Freund und Dcnoste Walter Pasch im Aster von 52!»obren. Silt feincat Andricken! Die Sinüscheruna tiude! beute, Sonnabond.». Januar, um 1515 Uhr. im«rewotarivm PaumsKuIenwia, ltaU. «ein Geistlicher. a«a» LetctUgung erwartet der Vorstand. Voriräge/VereineundVersammlungen. 0-und deutscher«odenrasormer. lieber das Thema: Daurrnsleblimg»der chnoüagrariervoiilil?" luv: cht im 01 ahmen de»»"Un vo ckswirl schatliichcn Seminar» drr Asdtr.rckormer Minis!rrvr5sidcni a. A. Danheli. Ter Lorlrag swtot statt am Montag, dem 2. Februar. 20 Uhr, in der Landw-.rischastlichrn Soch- tzhal». Z-mUidcnstr. 42. Lorsaat 6. Gäftt cntUomaun. Reichsbanner..SchwarzRot-Gold". Q(fAnMafl«||f:«erlin S 14. Cebaftianstr 37—88. Lot Z St DirgUH(Octsnerrln): Die Fahrt am Sanniag, dem 1. Februar, findet nicht galt._ Arbeilcr-Samariier-Bund e. V.. Kolonne Berlin. Eeschaitoftelle:«. 24, Sr. Kamburger Str. 80. Tel., U 1«»'den 8340. Am Sonntag, dem 1. Fcbrimr, deiichliat die Fügend den SBeflbafcn. Tressvuntt U Uhr am Wcsteingang. Putlistdriicke. Freie Sammler. Diensiag. 3. Februar, 20 Uhr, Rufcnnurnfunft sm neuen Heim, gordano Sierststde. Z'osrnihaler Sir. 71. Vortrag de» Genosse» Aich. Giiste Uber„Pildseitig franttrrtc Ansichtsiartcn in Form einer Weltreise". ?!lle Familienaugebdriaeu ssnb eingeladen. Freieeligiöso Gemeinde. Sonntag! 11 Uhr, Papvelallee 15, Vortrag des Herrn W. Richter: Jierui' als Vbilosond", Harmonium: Arie aus»Samson und Dalilah lSt. SaSn«). Gäste mMIommen. gentralueedand der Art«ii»Invnl:den»nb Witwen Griitschland». Gau Grast- Berlin. Geschäftsstelle: Verlin W. 57. BLlowstr. 40. Versammlungen am Ron- tag. dem 2. Februar: Vohnsdors: 10>- Übe im Lolal Vc'ter, Dorsvloti 10. Referent: Notlcgi Voigt.— G�irloUenbnrg: 17 Übt im Lokal Lelmbolgauelle, Helmbolgstraste.— Srllv.au: 18 Ubr bei Werner, tiövenicker Str. NN. IliJvemck: 17 Ubr in der Aula der allen Doroih-enschule,� Freiheit 15.— Lichtenderg: 16 ubr bei Wegener, Franisurter Allee 238. Referenti»: itollrgin Haas.— Lichterseide: i» Uhr de! Rhode, Hindenbnradamm Ecke Raonstr-ste. Referen«: itollege Pinto.— Fobannistba!: 18 Ubr dvi Gvbin, Roonstr. 2. Referenten: stallegin sieausc.— Olilttc: 17 Ubr im Aereinslotol cklilabethtirrh» straste 14. Hof rech:o. Referent: Kollege Voigt.— Steglist: 18 Ubr bei Wernicke, Berlinickestr. 1. Referent: Kollege Eieinbcii. Selbsthilfeband der it»rpcrb«h>nderi«n sRelchsbund Deutscher Krüppel) S. V. Landesverband Berlin-Brondenburg, Seschiifisstelle: SO, 18, Schmidstr. 8». Gs finden folgende Verfammlnnaen statt: Mitte: O.Februar im Vereinsbau«»Sild- Oft", Michaellirä,. Ecke Wufterbausener Straste.— Tiergarten: 1«. Februar im »Kleinen Ivesellsämst-baus", Slromstr. 28.— Wedding: 4. Februar im Lokal Bon'le. Schul. Ecke Eliriltianiastraste.— Prenzlauer Berg: 19. Februar bei Willner. Pankow, Berliner Str. 81.— Friedrichsbain: 7. Februar im»Tilstter Vereinsba.is", Tilstter Str. 64.- Krcuzberg: 7. Februar im Lokal„Svort. Ilause", Schhnleinstr. 6.— Gharlottenburg: 21. Februar im Lokal Rörich, Echloststr. 45.— Spandau: 28. Fodruar im PoUzrlgebäude. tzimmer 14, Erd. grschost. Sinaang Am Wall 2.— Schänebrrg: 21. Februar im Lokal Händel. Vorbergstr 11.— Neukölln: 14. Februar im Lokal Damm, Heihbrrgstr. 22.— Treptow.KSpenick: 14. Februar im Lokal Streubel, Baumschulenweg, Baum» schulen. Ecke Scheidlerftrastr.— Lichtenberg: 24. Februar im Lokal Jüngste. 10. — Beginn aller Versammlungen um 20 Ubr. Sozialistische Arbeiterjugend Groß» Verlin GSS.'Srnppen! Di« neu» Nummer des 2R»ten KchiUer" kann«hgehpst znieii, Hevle. Sonnabend. IS�Z Ahr. Z>os,atbal«r Vorstedi i Slisabrihkirchstr. 19: üerteee, Ade'd mit besonderem trogramm—»eichenbergee Viertel: Brister Stp. 87-80: rtabrienderichta.— in»n»lber Plast 1: Funktiondrststung bei Srler.— RenirSn IX; Besuck! der Sternwarte. 1818 Ubr®bf. Lermannstraste und 1914 Ubr Sternwarte.— Karlehorst: Fahrt nach Brieselang. 1614 Uhr SM. Karlihorst. Serdcdezlrl MIttr: 1914 Uhr v> QwWleonlos,® hoibor.UholbMocIer �—' 9 waUtig,® bedeckt» RegerueGraupeln Ä Uhr Barbarossa 92S6 Hadtin. 50 Pf. bis 3 M., abends I bis 6 M. Heute letzter Tag! Carl schaefers Revüe usw I läqi. S u. BIS SODOI. 2. So. 8 16 ____} Alex. E 4. 8066 I. Vorstellung 50 Pf. bis I M. II. und III. Vorst. I bis 2.H. Heine letztap lag Iß■Wrrd.larhaon QIrls irilly:ßolc*ko u-tic. Ab morgen uolistSDdig neues Programm! CÄSIN9-THEATER»".uh. Lothringer Strohe 37,. euiiisuiisasuiiiiiiuiiuiisitiiiii tiiii u min iiiiiiiiiuii um iMdaitti im ■IVIan lacht Tränen über tit r Direktor Hans Berg ■ in dem. neuen Schläger OnBel Müim aus Neuruppin Dazu ein neuer bunter Teil. Gizltdicin 1— 4 Personen Fauteuil 1�5 M., Sessel 1,75 Iii Sonstige Pr. Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI, WWvW VARIETE DU)V Plscator-BQ&oe (Wallner- Theater) Alex. 4592-92, Täglich Si/s Uhr „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf Regie: E Piscalor. Korlürstendamiu- Thealer Bismarck 449 8','» Uhr Das schwactie Gasuftecm v. Edouard Bourdei Regie: Max Reinhardt Reichshallen-Theater Abends|T| Sonalag Kadinittag fTT](Jbr Das große Lach Programm der Stettiner Sänger Nachm. ermäßigte Preise! Volles Programm! Oönhott- Brettl: A. Berlins beliebtestes Fam.-Variet6 mit Tanz! Kjptlli Bjm Siihu. Theater am smiimauerdamm N'orden 5813 u. 0281 Täglich 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Lustspiel v. Katajew Regie;«. Mesdelsobn Preise v. 0.75—75) Kleines Theat. Täglich 8'/» Uhi Olga Tschechowa tielie- in: Kaufmann, Kiubertan Komische Oper 84, Uhr Audi Sonntag 4 Diu Kleine Preise. Peppina UDter pcrtcnlidicr Uitung de Komponisten Robert Stolz in dir Premienniasihnng Lustspioinaus Kurt Götz Täglich?>» Uhr Oer Lügner u. die Renne VolKsböline Theater am Bülowplalz. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von FranrMolnar Regie: Rar) Heinz Martin Staat!. Sdiil!er-Ih. 8 Uhr 100 000 Taler mes THeatür 8 Uhr Elisabeth von England von Ford Brockner Regie: Heinz Hilgert Theater d. Westens Täglich S'.'o Franz Lebart Meisterwerk Der Zarewitsch Ferge Abramowic, Ann! Ahlers. Sonntags V:3 Uhr Viktoria und ihr Husar [essing-Ttieater Täglich SV, Uhr Mamsell Nitoudic Operette von Heive Erika v. Thellmann. Max Adalbert Hammerspiele SVt Ulm Pariser Platz 13 von V i c k i Baum Regie: Grdaf Grändgens Die Komoale SV* Uhr Die Fee von Franz Molnar Regie: Stefan Bodi. mstropoi-Theater Täglich 84, Uhr Schon ist die weit Operette von Lehär HidiardTauber.GilfarAlgar Sd&tzendorf Rose- Iheater Gr.rraiiKlDrterSlr.i3Z Tel. Alex 3422 u 3494 7 Uhr und 10.15 Uhr Oie setiöne Hetena MUMM PeipugungT- Reslairant Berl i ns Neues Theater !■■■ am Zoo—— Am Sabnii. Ten. SlgLC554 Täglich 8'/, Uhr Der gr. Lacherfolg! Wiederauftreten Guido Tdieischer Das enentiiche ßergerr.is Preise 1 bis 8 M. Betienjeitledern alle Arien Baumuiollmn billig und dauerhaft bei Ed. Hofffmeister, SO 36, Wiener StraSe 20 seit 40[ahren am Görlitzer Bahnhof! clileSönger Kottbusser Str. 6 F.8. Oberb.6070 Tägl. SV, Uhr Sonntags aadi 3', Uhr .Das macht uns keiner nach' dazu Gastspiel Ciaire Ulaldolt: Kadini. eraääiole Pieisa! (Nach viennonaliger schwerer Krankheit ver- I starb am 27 Januar mein lieber Mann, unser guter Vater. Schwiegervater, Großvater, Bruder und f Onkel, der früüere Gewerkschaitsangestellte Otto Kraft im 64. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen ElUabeth Kraft und Klader.| Berlin SO 16, Engcluter 13. Die Einäscherung findet am Montag, dem 2. Februar, abends 6 Uhr, im Krematorium Baum- j schulensveg statt. ab Lager uiEllbiecl!-,statil-u.e8t9nliau!8n|| jeder Art. Angeb. u Prosp. kostenl| Gebr.Achenl)adaG.iD.li.H., Weidenau Sieg| Eisen- und Wellblechwerke— Postfach 38w 1 Aus einem Leben treuester Pflichterfüllung entschlief nach dreitägigem Krankenlager heule abend mein lieber herzensguter Mann, unser innigstgeliebter, treusorgender und unvergeßlicher Vater, Schwiegervater und Großvater PauB Schäfer im 59 Lehensjahre. Arbeit, Wohltun und Streben war sein Leben. Berlin SO 36, den 23. Januar 1931. Lausitzer Platz 12a. In tiefstem Schmerz im Namen der Hinterbliebenen Ernesfine Schäfer geb Sander. Die Beerdigung findet statt: Montag, den 2. Februar, nachm. 3 Lhr, auf dem Emmaus- Friedhof Hermannstr. 130. Verliand der Budibinder und Papierrerar&eiter Dentsdilands Ortsvcrwaitung Berlin Todesanzeige Mitgliedern Zur Nachricht, daß! unser Kollege, der Buchbinder Otto Kremp wohnhaft Rrcnimencc Sic 4, gc° ftoeben ist. Chrc feinem Anhenken! Um rege Beteiligung ersucht Die O rtiverwalhing. Die Einaicherung findet am Womag. I dem Februar,»ormittags II'» Uhr, t wt Krematorium tSeridilstraßo statt. O«t>>c«»gnng. Für die herzliche Teilnahme Bei der Teanerseler unseres verstorbenen Neben Paters Franz Große sagen wir allen Perwandien. Freuu- den und Bekonnten, sowie dem Se- tangnerein Typographia unfecru herz- lichsten Dank. Eugen Grofte, Emil Gro he. MM Metallarirciter-YeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige-' A Den Mitgliedern znr Nachrichl. daß die Einäscherung unseres Kollegen ttuxo Pinand bereits am Freitag, dem 30. Januar stattgesunden hat. Ehre feinem Andenken! Nie OrtsvervrnKnax. das beslbewährtc Heilbad. I Oktober Kurpauschale, 23 Tage SO Hark. Santowsky-SObnen Tbealcr In der Siresemannsir. SV* Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus SV* Uhr Cocktail von Karl Vollmosller. Musik v.RalpliBenatzky Berliner Theat. SV, Uhr Slurm im Wasserßlas von Bruno Frank. Oeotsebes Iflnsller-Theti. Barbarossa 3937. SV, Uhr Zum goldenen Anker mit IlSiste Dorsch 4 Uhr Sonntag. I. Fehr PrusierigtadiBS; Im golilenRfi Äokjr Renaissance- 1 Realer Steinplatz 6780 81'2 Uhr itluB die Kuh Hlüch yeben? mit AUitit Basstnaagg 4 Uhr Sonntag, 1. Fehr Premitienteetuiiij Mass die Kub Milch geben? S{(eine AHtewßft tmtikun$sv0U und btUfa Uberschriftswort 75 Pf., Texlwort 1 3 Pf./ Wi ed e r h ol u n q s r o b ort: lO mal SV 70 mal oder 1 OOO Worte Abschluß 1 0 7000 Werfe 15 V-, 40O0 Worte 70 � Stellengesuche: UberschriftsworT 15 Pf.. To*twert TO Pf. Annohme durch den Verlag. Lindcnstr. 3 l'tP bis 5 Uhr/, und sämtliche Vorworts rilaoien u. 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D-er von uns schon hervorgehobene Grundgedanke besteht darin, die Finanzkraft und die Kreditfähigkeit der Elektrotrusts Preußens und des Reichs mit derjenigen Berlins zu vereinigen, den Besitz an den Gas- und Krafrwerken zu teilen, durch die erhöhte Kreditfähigkeit und die erweiterten Bcsitzgrundlagen langfristige Anleihen zu beschaffen und schließlich auch die Kraftwirtschaft im Bereich der Prcußen-Elektro- und der Reichs-Elektrowcrke, einschließlich des Ber- l.ner Stadtgebietes nach einheitlicheren Gesichtspunkten auszubauen. Es scheint jettz schon festzustehen, daß die Berliner Städtisck-en E'ektrizitätswerke(Bewag) in das Projekt einbezogen werden. Man denkt zunächst bei der Bewag an die Umwandlung der Betriebs- gejellschaft in ein« Besitzgesellschaft und eine gleichzeitige Erhöhung des Aktienkapitals auf vielleicht ISO Millionen Mark, wobei sich Berlin. Preußen und das Reich in den Aktienbesitz teilen würden. Dann könnte eine Anleihe aufgelegt werden, vielleicht wieder im Betrage von ISO Millionen, deren Erlös zur langfristigen Fundierung von schwebenden Schulden Berlins verwendet werden könnte. Aehn- lich könnte man mit einem freilich niedrigeren Kapital bei den Gaswerken verfahren, die dann ihrerseits ebenfalls ein« Anleihe aufnehmen würden. Es könnte damit gerechnet werden, daß unter Einrechnung der Aktienübernahme durch Preußen und das Reich ms diesen Anleihen eine Summe von ZOO bis 400 Millionen Mark v>r Verfügung steht, mit der kurzfristige schwebende Schulden zurückgezahlt werden, während in der Zukunft dann jähr- lich von Berlin nur noch die Zinsen und Tilgungsraten zu bezahlen sein würden. Die erste Absicht, auch dos Paket von 45 Millionen Aktien der Deutschen Gas A.-G. mit zu verwerten, hat an Aus- sicht verloren, durchgeführt zu werden, da weder Preußen noch das Reich aus der Uebernahme dieses Paketes sich«ine fruchtbare Beein- flussung der Kraftwirtschaft versprechen. Selbstverständlich käme bei den heutigen Verhältnissen in erster Linie ausländisches Kapital bei der Beschaffung der Anleihen in Frage. Da hinter der ganzen Transaktion ebenso fruchtbare Ideen als hochwertige Unterschriften stehen, besteht«ine gewisie Wahrscheinlichkeit, daß das Projekt zum Erfolge geführt werden kann. Zu einem vollen Erfolge gehört freilich, daß sich die Reichs- Elektrowerke auch restlos hinter des Projekt stellen. Das muß um so selbstverständlicher sein, als die Reichs-Elektrowerke in erster Linie als bedeutendstes öffentliches Werk Deutschlands Pflichten gegenüber dem Ausbau und der Vereinheitlichung der deutschen Kraft- Wirtschaft zu erfüllen hat. Die Reichs-Elektrowerke müssen sich auch Gewußt sein, daß eine erfolgreiche Vereinheitlichung nie möglich sein wird, wenn sie nicht unier entscheidender öffentlich-wirtschaftcnder Führung steht. Dazu kann jetzt ein wichtiger Schritt gemacht werden. Sinnvoll wäre auch die Einbeziehung der Märkischen E l e k t r i- zitätswerke. Manchen in der sozialdemarkatischen Arbeiterbewegung groß gewordenen Genossen mag gelegentlich der Gedanke bedrückt haben, ob hier nicht wieder die unter dem Druck privatkapitalistischer Mächte so erhöhten finanziellen Verlegenheiten Berlins bei diesem Geschäft eine wichtige Kampfbastion preisgegeben würde. Dem ist glücklicherweise hier nicht so. Zwischen öffentlicher Wirt- schaft einer Stadt wie Berlin und öffentlicher Wirtschaft Preußens und des Reichs gibt es keinen Unterschied. Es ist nur dafür zu sorgen, daß die von der öffentlichen Wirtschaft bei ihrem Zusammen- wirken befolgte Politik auch wirklich, besonders hinsichtlich der Tarife, gemeinwirtschaftlich genannt werden kann. Der hier ins Auge gefaßten Zusammenarbeit Preußens, des Reichs und Berlins ist aber ernsthaft Erfolg zu wünschen, weil den gemeinwirtschaftlichen Interessen nur gedient werden und unerträglichen Abhängigkeits- Verhältnissen der Stadt Berlin von privatkapitalistischen Kreisen ein Ende gesetzt werden kann. Besuch bel der Konsumgenossenschast Berlin. Die Tellnehmer des vom Deutschen Landwirtschaftsrat veran- stalteten Absatzlehrgangs für Landwirt«, Versuchs- ringleiter, Land wirtschaftslehrer usw. hoben die Fabriken und Einrichtungen der Konsumgenossenschaft Bertin m Lichtenberg besucht und dabei von der machwollen Berliner Ver- braucherorganisatian«inen sehr starken Eindruck mitgenom- men. Natürlich waren an der Frage des direkten Verkehrs zwischen Konsumgenossenschaften und den landwirtschaftlichen Erzeugern be- sonders interessiert und wir hoffen, daß auch in landwirtschaftlichen Kreisen durch diesen Besuch zur Aufklärung über die groß« und nützliche Aktivität der Arbeiterschaft bei der wirtschaftlichen Selbst- Hilfe und zur Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft beitragen wird. Mehr Weizen auch im Osten. Die Behauptungen maßgebender Führer der Landwirtschast erweisen sich als falsch. Es liegen Erhebungen der Preisberichtsstelle beim Deutschen L-andwirtschaftsrat von Ende November 1330 über die Anbauflächen für Winterroggen und Winterweizen vor, die die bereits festgestellte Tatsache bestätigen, daß die Weizenanbaufläche eine Vergrößerung und die Roggenanbaufläche eine Verkleinerung erfahren hat. Aus ihnen geht aber außerdem hervor, daß der W a n d e l der Verhältnisie ein w e i t größerer ist, als es nach den bereits erwähnten Feststellungen des Preußischen Statistischen Landesamts angenommen werden konnte. Am bemerkcnswcrlesten ist das Ergebnis der Anbauflächen- crhebung in Ostpreußen. Danach hat sich dort die Roggenanbau- fläche um 15.2 Droz. verkleinert, die Weizenanbaufläche aber um 44,5 proz. vergrößert. Eine Vergrößerung der Weizenanbaufläche in Ostpreußen um 44,5 Proz.! Das setzt alle diejenigen ins Unrecht, die sich bei den verschiedensten Gelegenheiten als die besten Kenner der Landwirt- schaft aufspielten und die Vergrößerung der Weizenanbaufläche in Ostdeutschland zumindest in einem Umfange von 44,5 Proz. als eine glatte Unmöglichkeit hinstellten. Einer derjenigen, die an der baldigen Vergrößerung der Weizenanbaufläche zweifelten, war der bisherige Präsident des Reichslandbundes H e p p. Er führte in feiner Reichstagsrede am 23. Juni 1930 nach dem amtlichen Sitzungsprotokoll wörtlich aus: „Selbst wenn die Einschränkmig des Roqaenanbaus heute vom Reicheernähriingsministerium. den Landwirtscbaftskammern und den übrigen landwirtschaftlichen Einrichtungen noch so stark unter- stützt würde, müssen wir uns darüber im klaren sein, daß die Aus- Wirkungen dieser Maßnahme doch er st im Lause längerer Zeit zutage treten werden." Der Abgeordnete Wendhausen von der Laudvolk- und Bauernpartei, führender Mann in der mecklenburgischen Landbund- bewegung, gab seine Zweifel durch folgende Frage kund:„Wie sollen wir denn im Osten aus weite Strecken etwas anderes bauen als Roggen und Kartoffeln?" Der Reichslandbund stellt in seinem gleichnamigen Organ Rr. 6 vom 3, Februar 1930 folgende Be- hauptung auf: „Der hä'.cfia erteilt« Rat, die Roggenanbanfläche zugunsten des Weizens immer stärker einschränken, ist nicht so leicht aus- zuführen, wie einzelne städtische Kreise sich das vorstellen," hoffentlich lassen ssch diese erwähnten Zweifler die Widerlegung ihrer Behauptungen durch Tatsachen zur Lehre dienen. Was wird aus der Wenzeswusgrube? Llm das Schicksal von 2500 Bergarbeitern. Die Neuroder Wenzeslausgrub«, in der vor ändert- halb Jahren das schwere Bergwerksungiück stattfand, ist jetzt von der Elektrizitätswerke Schlesien A.-G. bis auf westercs st i l l g e l e g t wordein In den letzten Wochen wurden im Zusammenhang mit der Stützungsaktion für den Pleßkonzern mit dem pieußisch-m Staat auch Berhaudlungen zur Subventionier u n g dieser Grube eingeleitet. Der ss'.rubenbetrieb sollte durch öffentliche Zuschüsse solange aufrechterhalten werden, bis die 11 rn- sie diu n g der etwa 2500 Mann starken Belegschaft mft ihren Familien erfolgt wäre. Die Weiterführung der Verhandlungen ist ober durch das ungünstige Urteil der mit der Revision des Betriebes beauftragten Koinmission über den Stand des Betriebes und die höhe der erforderlichen Zuschüsse verzögert worden. Dadurch herrscht zurzeit auch völlige Ungewißheit über das Schicksal der ihrer Existenzgrundlagen beraubten Belegschaft. Die augenblicklichen Verhandlungen gehen dahin, die Grubenverwal- tung zur Weiterführung des Betriebes bis vorläufig Mitte Februar zu veranlassen. Zementsyndikai gerettet. Geköderte Außenseiter. Die Sprengung desWestdeutschenZementsyndikats. die für die deutsche Zementwirtschaft von weitgehenden Folgen be- gleitet worden wäre, ist in letzter Minute noch oerhindert worden. Nach mehrmaligem Auffliegen der seit fast zwei Monaten an- haltenden Verhandlungen ist es jetzt gelungen, die widerspenstigen Außenseiter endlich mft der Angel einer hohen Syndikats- q u o t e zu ködern. Mit dem jetzt erfolgten Syndikatsbeitritt der Atlaswerke in Paderborn sind nun die letzten Widerstände gefallen und das Syndikat mit lOOprozentiger Beteiligung auf zunächst zwei Jahre neu aufgebaut. Bei der volkswirtschaftlich schädlichen Preispolitik der Zementsyndikate ist die straffere Zusammenfassung der Zement- fabriken gegenüber dem bisherigen Zustand in Westdeutschland für die Bauwirtschaft nicht erfreulich. Nach der bisher geübten Praxis werden die nunmehr vor Außenseiterangriffen gesicherten Syndikate ihre unter dem Zwang der Verhältnisse im letzten Jahr unterbrochene Monopolpolitik so bald wie möglich wieder aufnehmen. Die Bank von Frankreich berichtet. Die Bereitschast zum Kapitalexport. Der Reingewinn der Bank von Frankreich, die am Donnerstag ihre Generalversammlung abgehalten hat. belauft sich für das Ecschäftqahr 1930 aus 3 1 4(406 im Vorjahr) Millionen Franken. In dem Geschäftsbericht wird betont, daß Frankreich unter der Weltwirtschaftskrise bisher am wenigsten zu leiden gehabt habe, obwohl gerade im letzten Vierteljahr des ver- gangenen Jahres die Krise sich nicht nur im Bankaewerbe. sondern auch in der gesamten Industrie und in der Landwirtschaft bemerkbar gemacht habe. Die starken Koldzuflüsse der B mt werden als das Spiel der freien Kräfte gekennzeichnet. Der Ueberschuß der Zahlungsbilanz Frankreichs Hab? starke Kapitalien nach Paris strömen lassen. Dafür erwachse allerdings dem Pariser Kapitalmarkt die Pflicht, alles ins Werk zu se�en, um die Expansion nach außen zu erleichtern. So habe die Bank von Frankreich vor Jahres- frist die Gründung der internationalen Akzept-Kreditbank in Barls begünstigt, und so sei sie auch heute bereit, den normalen Ab- ström des französischen Kapitalüberflusses noch dem Ausland zu erleichtern. Es liege im eigensten Interesse des Pariser Marktes, den Kredit» forderungen des Auslandes für die Entwicklung von Produktion und Hand«? zu entsprechen, wenn ihm die nötigen Garantien gegeben würden Absckließend wird rn dem Geschäftsbericht betont, daß die Bank von Frankreich ihre freundschaftlichsn Beziehungen zu den Noteninstituten der Nachbarländer im vergangenen Jahre wesentlich verbessert habe. Die Krise in Holland. Neu-r Abbau im philips-Konzern, Nachdem der holländische Philipe-Konzern eben erst etwa 2000 Arbeitern gekündigt hat, wird jetzt die täglich« Arbeitszeit um eine Stunde gekürzt, uni weitere Entlassungen zu vermeiden. Der starke Rückgang des Geschäftsgangs in dem größten hollän- dischen Elektrokonzern kommt auch in dem Zusammen- schrumpfen der holländischen Elektroauzfuhr zum Ausdruck, die fast ausschließlich durch Philips bestritten wird. Die Glühlampen ausfuhr betrug im Jahre 1930 etwas weniger als 23 Millionen Gulden und war damit um 20 Proz. niedriger als im Vorjahre. Im gleichen Verhältnis sank auch die Radio ausfuhr, die im Jahr« 1330 nur noch 66 Millionen Golden betrug. Da Deutsch- land im Jahre 1930 seine Radioausfuhr um etn�a 10 Millionen Mark hat steigern können, ist der holländische Erportrückgang um fast 20 Proz. besonders auffällig. Er deutet darauf hin. daß beim Philips-Konzern offenbar, von der allgemeinen Absatzkrise abgesehen, noch besondere Gründe mitspielen. Hochbetrieb bei der kredikpolizel. In Zeiten wirtschaftlichen Nieterganges herrscht bei den Kreditschutzunternehmen Hochkon» junktur. Auch die S ch u f a, Schutzgemeinschaft für Zlbsatzfinanzie» rung und Kreditsicherung in Berlin, steigerte die Zahl ihrer Aus- künfte von rund 346 900 auf mebr als 434 780. Allein auf den Monat Dezember 1930 entfielen 74 134 Anfragen, was einem Tages- durchschnitt von 274 Anfragen«ntspricht. Die Zahl der angeschlossenen Bsriragsfirmen und-verbände stieg von 338 auf 578 Ende des letzten Jahres. Durch sie beobachtet die Schufa die Kreditnehmer von 3000 Groß-Berliner Geschäften. Die steigende Welle von Insol- oenzen und Konkursen mit ihren großen Gläubigerverlustön hat natürlich für derartige Kreditsicherungsinstitute eine weiter« Der- gröherung ihres Aufgabenkreises zur Folge. Charlottenburger Wasser wieder Vh Proz. Dividende. Das Wafsergeschäst der privaten Charlottenburger Wasser- u n d Industriewerke hat auch im letzten Jahr wieder gleich hohe Gewinne wie 1929 gebracht. Die Dividende bleibt mit IVt Proz. unverändert. Außerdem werden vom Reingewinn über eine Million in die Reserven gesteckt, die sich damit auf 7 Mill. M. bei insgesamt 60 Mill. M. Kapital belaufen. Bilanz und Geschäftsbericht der Gesellschaft liegen noch nicht vor. Amerika» Keltenläden im bahre 1930. Nach amerikanischen Berechnungen belief sich der Gesamtabsatz von 53 größeren Massen- filialb« trieben in den Bereinigten Staaten im Iahve 1930 auf 4093 Mill. Dollar. Zölle steigern Arbeilslosigkeit. Oer Kampf zwischen den deutschen und schweizerischen Aluminiumerzeugern. Wie Zollerhöhungen unmittelbar zur Vermehrung der Arbeits- losigkeit beizutragen oermögen, dafür liefert ein Wirtschaftskonflikt den Beweis, der gegenwärtig zwischen der deutschen und der schweize- rischen Rohaliiminiumindustrie spielt. Am 1. August vergangenen Jahres wurde«in deutscher Roh- aluminiumzoll«ingeführt, mit der Begründung, daß man damit die wachsend« amerikanische Konkurrenz in Europa und insbesondere in Deutschland fernhalten wolle: die deutschen Walz- werkprodukte sollten, das war die Bedingung für die Einsührung des Zolls, im Inland nicht verteuert werden. Bis zur Einführung des Alnminiumzolls Hot nun die schweizerische Aluminium- industri« A.-G. in Neu Hausen ihr Roholuminium in ihren auf bodischem Boden liegenden Walzwerken in Singen, Tenmgen und Villingen verarbeiten lassen. Seit ein Einfuhrzoll gezahlt werden muß, ist nun den schweizerischen Werken die Weiterverarbeitung in Deutschland zu ko st spielig geworden, und es droht die Gefahr, daß mehr als die Hälft« der 1300 Mann betragenden Belegschaft der schweizerischen Werke in Deutschland brotlos wird. Die schweize- rische Firma hat nun die deutsche Regierung gebeten, zur Aufrechterhaltung der deutschen Walzwerkbetnebe, die für das schweizer Rohaluminium durch.das Walzen nur eine Beredelung vor- nehmen, für diesen Veredelungsverkehr die zollfrei« Einfuhr zu gestatten. Das schweizerische linternehmen will sich verpflichten, daß die in den deutschen Werken hergestellten Halbfabri- tote wieder ausgeführt werden, so daß sie den deutschen Markt nicht belasten. Die deutsche Regierung hat aber diesen Antrag mit der Begründung abgelehnt, daß leine Genehmigung den Absatz der deutschen Rohaluminiumproduzenren schädigen würde. Begreiflicherweise erklärten die Schweizer daraufhin, daß sie kein Interesse mehr daran hätten, in den deutschen Betrieben noch arbeiten zu lassen, um so in«hr, als man ihnen nicht zumuten könne, ihr««igen« Rohaluminiumproduktion liegen zu lassen und in Deutschland hergestelltes Rohalu mintum zu verarbeiten. Gleichzeitig hat der Abtransport der W a l z e n st r a ß e n auf den deutschen Werken und deren Aufstellung auf schweizerischem Boden begonnen, womit die Freisetzung eines großen Teils der deutschen Arbeiter in den auf deutschem Boden gelegenen schweizerischen Werken fast zur Gewißheit geworden ist. Die Bemühungen der Betriebsräte der gefährdeten Belegschaften, den Werken die schweizerische Beredelungsorbeit zu erhalten, waren bisher ebenfalls vergeblich. A» diesem Fall ist einmal interessant, daß tatsächlich die Ein- fllhrung eines Zolles, die auch hier mit der Begründung des Schutzes der nationalen Arbeit vorgenommen wurde, unmittelbar Arbeitslosigkeit zur Folge zu haben droht. Zum anderen aber ist schwer begreiflich, weshalb die deutsche Regierung den Antrag, Zollfreiheit für den schweizerischen Veredelungsverkehr zu gewähren, ablehnend gegenübersteht, nachdem die Schweiz die Garantie dafür übernimmt, daß die Aluminiumfabrikate auf dem deutschen Markt nicht oerkauft werden sollen. Es ist durchaus nichts Neues, daß für solchen Beredelungsoerkchr Ausnahmen von den Zollbestimlmingen festgelegt werden, und es wäre für den deutschen Arbeitsmarkt und auch für die guten Handelsbeziehungen zu der Schweiz geradezu gefährlich, wenn man im Augenblick ekne? schweren Wirtschaftskrise diese volkswirtschaftlich gebotene Ausnahme in den Zollgesetzen nicht zugestehen wollte. Es ist nun gewiß so, daß innerhalb des europäischen Aluminiumkartells Gegen- f ä tz e zwischen den deutschen und den schweizerischen Rohaluminium- erzeugern bestehen. Diese Gegensätze aber überflüssigerweise mit der Brotlosmach ung von annähernd 1000 Arbeitern bezahlen zu lassen, wäre heute einfach nicht zu verant- warten. Andreas JCateko: 3)ie Schmeflern de Iflesles Sie sind ihrer fünf, fünf Töchter des gleichen Vaters, der sich einschließen müßte, die älteren und häßlichen zumindest ins Kloster zu stecken, machten nicht die gerade ihr Glück bei chos. Die Zlelteste ist schon glücklich unter die Haube gebrocht, mit einem Grafen von Mailly verheiratet, als ihr die zweifelhafte Ehre zuteil wird, zur Mätresse des Königs bestiinint zu werden. Be- stimmt ist da» richtige Wort, denn bei freier Wahl hätte sie schlechte Aussichten: die Königin ist selbst so stiefmütterlich von der Natur bedacht, daß sie die unscheinbarsten Damen um sich versammelt, mit gutem Grunde um die Treue ihres jugendlichen Gatten besorgt. Verheiratet mit 13, Vater von vier Kindern mit 19 Jahren, ist Ludwig XV. überreif für das erste Liebesabenteuer, ein weiter Kreis von Interessenten bemüht sich eifrig, die wichtige Staats- aktion zu günstigem Abschluß zu bringen. Bei einem so energie- losen, leicht beeinflußbaren Manne, wie der spätere Sklave der Pompadour und Dubarry,- kann die Wahl von verhängnisvollen Fglgen für ganz Frankreich sein. Die Zweitälteste der Töchter de Nesle- ist ob ihrer blitzenden, messerscharfen Klugheit bekannt, die Stellung der Schwester als Hofdame der Königin schafft ihr Gelegenheit, auch bei Hof ihren Witz zu zeigen, und man bemerkt mit Schrecken, daß der König schon aufhorcht auf ihre Stimme—, höchste Zeit, eine Kandidatin vorzuschieben, die mangels besonderer Vorzüge keine starke Leiden- schaft erwecken, und den Ministern nicht gefährlich werden kann. S» singt aus einmal der ganze Hof das Lob der Gräfin Mailly, ihr Wuchs, ihr Liebreiz, ihre Tugend wird vor dem König ge- priefey, bis die ollgemeine Bewunderung zum erwünschten Resul- tat führt: Zur größten lleberrafchiing der Betroffenen, die in ihren kühnsten Träumen solche Auszeichnung nicht erhofft hätte. Aber die Berechnung der Neunmal-Klugen erweist sich falsch, was als Hindernis gedacht war, wirkt sich im Gegenteil als Er- leichterung aus. Ilcbcrwältigt von ihrem Glück, dient die Gräfin Mailly allzu demütig ihrem Herrn, sie ist dem König eine zweite Ehefrau, langweilt ihn mit