Morgenausgabe Jlr. 57 A 29 45. Jahrgang Wöchentlich 85 Pf, monatlich 3,50 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 5,— M. * Der„Donvärts" erscheint wochentäq« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage J8o?? und Zeit" Ferner„Frauenstimme", „Technir.„Blick in die Bü�envelt". »Iugend-DorwäNs"u.„Stadtbeilage* Berliner Volksblatt Mittwoch 4. Februar 1931 Groß-Äerlin 7V Zdf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige NonparellleKeil« KÜ Pfennig. Retlomeiicile 5.— Reich»« mark.„Kleine Anzeiget� das ettge« druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort ist Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt �eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt« gefchäft Lindenstraß« 3. wochentäglich von 3»/, bis 1? Uhr. Jenteawegan der SozialdemoSvattfchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: DonbosI 292—297 Telegramm-Adr: So;iald«mokral Berlin. Vorwärls-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 526— Bankkonto: BankderArbciter.Angestelllenund Boomten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Di?c--Gcs.,Depositcnk., Jerusalemer Str.KSlKK. Abbau der Kriegslasten. Konvertierung von Kriegsanleihen in AGA. und Frankreich. Folgen für deutsche Reparationen. Soweit in den einzelnen Landern keine besonderen p o l i t i- s ch e n Gründe für die Verteuerung des Kredits vorliegen, wie es in Deutschland, Polen und Indien der Fall ist, dars jetzt die Senkung der Zinssätze, als eine Welterschcinung, festgestellt werden. Es wird auch mit Sicherheit angenommen, daß sich die Zinssätze in abseh- barer Zukunft auf einem tieferen'Niveau bewegen werden als im Kriege und bald danach. Infolgedessen haben jetzt die Staaten, die mit einer starken, während und wegen des Krieges entstandenen inneren Verschuldung schwer belastet sind, Gelegenheit, chre inneren Anleihen zu konvertieren, d. h. in neu« Anleihen mit einer anderen, und zwar einer niedrigeren Verzinsung mnzu- wandeln. In den Vereinigten Staaten steht eine Äonverticrurrg etwa der Hälfte der gesamten inneren Schuld schon unmittelbar vor der Verwirklichung. Der entsprechende Gesetz- entwurf liegt dem amerikanischen Kongreß vor und ist schon vom Ausschuß des Repräsentantenhauses angenommen worden. Seine Annahme in den beiden Kanunern ist völlig sicher. Um- stillten ist mir die Frage, in welchem Maße die neuen Anleihen steuerfrei sein müssen. Weder die Absicht, die Verzinsung der staat- lichen Schuld zu senken, noch die Gesamtsumme der beabsichtigten neuen Anleihen stoßen aus eine ernsthaste Opposition. Es wird sogar mit der Auslegung der ersten Anleihe schon etwa im März gerechnet. Der amerikanische Gesetzentwurf sieht die Slim- vcrticrung von LZricgsanlcihcn in der Gesamt- summe von 8 Milliarden Dollar vor. Es handelt sich dabei um die e r st e und vierte der söge- nannten Freiheilsanleihen, von denen die erste im Juni 1932 und die vierte im Oktober 1933 auszahlbar sind. Da das Schatzamt sich die Freihell in der Wahl der günstigen Zeitpunkte bzw. der günstigen Bedingungen lassen will, werden im Gesetzentwurf weder die Termine der Auflegung der neuen Anleihen noch die chöhe ihrer Verzinsung festgelegt. Es wird ein Zinssatz vou 3 pcoz. erwartet, während jetzt von den In Frage kommenden Anleihesummen 6.S Milliarden mit «Vi proz. und 1,4 Milliarden mit 3% ptoj. verzinst werden. Falls die beiden Anleihen in dreiprozentige unrgewandell werden, wird die Ersparnis an Zinsen für den Staat etwa 92 Millionen Dollar, also über 389 Millionen Mark jährlich betragen. Es wäre noch verfrüht, auf Grund dieser bevorstehenden Maßnahmen schon jetzt weitgehende Schlußfolgerungen zu ziehen. Man darf aber erwarten, daß, nachdem die Konvertierung erfolgt und damit die Belastung des amerikanischen Staates durch die Verzinsung der eigenen Schuld vermiiüxrt worden ist, die Aussichten für eine Revision der intcralli- irrten Schulden sich bessern. da die Widerstände in Amerika selbst geringer werden. Man wird sich darauf berufen dürfen, daß die Senkung des allgemeinen Niveaus der Zinssätze nicht nur der amerikanischen inneren Schuld zugute kommen, sondern auch für die Höhe der aus den interalliierten Schulden entstehenden Belastung von Bedeutung sein wird. Die Revision der interalliierten Schulden muß aber bekanntlich auch eine Herabsetzung der deutschen Reparationen automatisch bewirken. Deshalb waben wir ollen Grund, die hier geschilderte Entwicklung sorgfällig zu verfolgen. Das andere Land mit einer starken inneren Verschuldung, die auch für die Hohe unserer Reparationen von Bedeutung ist. ist Frankreich. In Frankreich liegen noch keine konkreten Pläne der Konvertierung der inneren Schulden vor. In„Le Temps" vom 2. Februar(wirtschaftliche Beilage) lesen wir aber, daß diese Frage in der allernächsten Zukunft(„un sour proebain*) u n° vermeidlich gestellt werden wird. Fraglich ist nach.Le Temps" eigentlich nur, ob die Konoertierungen schon im Laufe dieses Jahres vorgenommen werden. Das Pariser Blatt untersucht, welche Summen dabei in Frage kämen, und berechnet, daß insgesamt in diesem Jahre die Konvertierung der inneren Schuld in der Gesamtsumme von rund 73 Milliarden Franken(12i/> Milliarden Mark) möglich ist, und daß die jährlichen Ersparnisse für die Staats- lasse, falls die neuen Anleihen mit 4M Proz. verzinst werden. 929 Millionen Franken(153 Millionen Mark), und falls sie mit 4 Proz. verzinst werden, 1241 Millionen Franken(297 Millionen Mark) betragen werden. Unterhaus für Wahlreform. Alternativ-Wahlrecht in zweiier Lesung angenommen. London, 3. Februar.(Eigenbericht.) Nach zweitägiger Debatte, in der auch Macdonald das Wort ergriff, wurde heute abend die Wahl- reformvorlag�c der Arbciterregierung in zweiter Lesung mit 293 Ttimmen der Arbeiterpartei und der Liberasse« gegen 230 Stimmen der Konservativen a n- genommen.__ Keine Reform des Genfer Sekreiariais Entscheidung des EtudienlomiteeS Gens, 3. Februar.(Eigenbericht.) In der 13. Kommission, die Vorschläge zur Reform der Leitung des Völkerbundsfekretariates machen soll, sind am Dienstag zwei wichtige Entscheidungen gefallen. Mit einer Mehrheit von 6 gegen 5 Stimmen wurde der bisherige englisch- französische Mehrheitsvorschlag ans Vermehrung der Zahl der Untergenerolsekretäre abgelehnt. Deutschland. vertreten durch Gras Bernstor ff. besand sich bei der Mehrheit. Der Beschluß bedeutet, daß der polnische Direktor Reich- mann und der uruguaische Direktor Buero nicht Untergeneral- sekretär« werden, wodurch die Stellung der Staaten mit Unter- oeneralsekretären nicht geschwächt wird. Die Mehrheit schloß sich dem deutschen Argument an. daß die finanzielle Belastung, die durch Verdoppelung zweier hoher Gehälter entstehen müßte, in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Rot nicht verantwortet werden könnte. Die pweite Abstimm u na brachte die Ablehnung des bis- herigen Minderhellsvorschlagss. die Untergenerolsekretäre völlig ab- zuschaffen und den stellvertretenden Sekretär aus elnem ll-lnsn Lande zu nehmen. Durch beide Abstimmungen hat die Sommkssion zum Ausdruck gebrocht, daß ein« Reform der Leitung zurzeit unmöglich fei. Es kam ober stark zum Ausdruck, daß eine allgemeine Reform ein- treten muh, sobald der Generalsekretär Sir Eric Drummond nicht mehr im Amt« sei. Die Resttagung des 13. Komitees dient der Auf- stellung einer Formel, die diese Anschauung ausdrücken soll. Praktisch ist die Arbeit der Kammission zunächst beendet. Der statua quo bleibt. Deutschland hat den polnischen Generalsekretär abgewehrt, aber die Reform bleibt als Problem bestehen. Keine Wahlbeieiligung in Spanien. Beschluß der spanischen Sozialisten. Madrid, 3. Februar. Durch königliche Verordnung sind die Wahlen zur C o r t e s auf den l. März festgesetzt worden. Die Sozialdemokraten haben heute endgültig beschlossen, bei den kommenden Wahlen sich der Stimmabgabe zu e n t- halten. Ter Beschluß wurde mit 39 gegen 4 Stimmen angenommen. keine Aussagegenehmiqnng der preußischen Minister. Der ilntersuchungsausschuß des Preußischen Landlages zur Nachprüfung etwaiger amtlicher Beeinflussung der Beamten beim Volksbegehren gegen den Poung-Plan hatte das preußische Staatsmimsterium um Aussagegenehmigung für den Ministerpräsidenten Dr. Braun, den Iustiznnnister Dr. Schmidt und den früheren Minister des Innern Grzesinski gebeten. Das preußische Staatsministcrium hat nunmehr diese Genehmigung versagt. Regierungskrise in Estland. Das Kabinett Strandmark ist zu- rückgetreren infolge Schwierigkeiten, die bei der Besetzung des frei- geworbenen Postens des Ackerbauministers entstanden sind, da zwei Koalitionsparteien— Landwirte und Neusiedler— die Neubesetzung dieses Ministeriums für stch in Anspruch nahmen. Man nimmt an. daß die Sozialdemokraten der neuen Regierung angehören werden. Friedrich Ebert. Zu seinem sechzigsten Geburtstage. Voll Dlllll l-öbo. Die Mitwelt ist ihm alles schuldig geblieben, erst die Geschichte wird ihm einst Gerechtigkeit widerfahren lassen"— so unzefähr sprach der volksparteiliche Vizepräsident des Reichstags v. K a r d o r f f in seiner Verfassungsrede, die er am 11. August 1927 im Reichstag in Gegemvart der da- maligen Bürgerblockrcgierung und des Reichspräsidenten v. Hindenburg hielt. Darüber sind abermals fast vier Jahre dahingegangen. und die Nachwelt, soweit sie zu einem objektiven Urteil über- Haupt fähig ist, beginnt die Prophezeiung des Herrn v. Kar- darff zu erfüllen. Nicht nur schlichte Denkstein« und un- behaucne Findlinge, wie sie von der dänischen Grenze bis um die Wälder um Saarbrücken von dankbaren Händen seinem Gedächtnis errichtet wurden, auch Siedlungen, Schul- hausbauten und Krankenhäuser, die den Namen des ersten Reichspräsidenten tragen, sollen die Jugend dieser schnell- lebigen Zeit an den Mann aus dem Volke erinnern, der den ersten Platz, den dieses Volk zu vergeben hat, ein- nahm, der Jahrhunderte hindurch nach den Regeln der dynastischen Erbfolge von Fürstengeschlechtern besetzt ge- wesen ist. Nicht der Vergötterung und dem Personenkultus sollen diese Erinnerungen an einen Mann dienen, der heute, am 4 Februar, sein sechzigstes Lebensjahr vollenden würde, einen Mann, der Irrtümern unterlag wie jeder andere Mensch, der Fehlgriffe beging wie jeder, dem ein so verantwortliches Amt plötzlich zufiel— wohl aber der historischen Gerech- t i g k e i t und dein überzeugenden Beweis, daß das Volk s e l b ft imstande ist, aus sich heraus die fähigen Kräfte und die geeigneten Männer für seine Leitung zu stellen. Oder zweifelt heute irgend jemand in Deutschland noch daran, daß die beiden selbstgewählten Häupter der Republik, Ebert und Hin den bürg einschließlich des ftellver- tretenden Reichspräsidenten Simons, in ihrer Leistung, ihrer Fähigkeit und Würde hinter jenen zurückstehen, die uns die Hohenzollernfamilie in Wilhelm II. bescherte und in dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Aussicht stellte? Oder gibt es irgend jemanden außerhalb des engsten Kreises der Fa- natiker, die jene Prominenten der Diktatur, die Ludendorff und Hitler, Stinnss und Hugcnberg über die demokratisch gewählten Präsidenten der Resiublik stellen könnten? Im In- und Ausland wird bei allen ernsthaften Menschen nur eine Meinung möglich sein. Friedrich Ebert, der als junger Sattlergeselle durch Deutschland zieht, mit Wissensdurst nach Büchern und Schriften greift, mit mangelhafter geistiger Rüstung zum Wortführer seiner Kollegen wird, im Bremer Konsumverein nicht nur die Ideale der Genossenschaftsbewegung predigt, sondern selbst das Brot ausfährt, den Wagen bespannt und die Pferde füttert, dieser Friedrich Ebert steht uns ebenso nahe wie der spätere Staatsmann, der einen viel größeren Um- kreis durch seine Energie, seinen klaren Willen und seine Um- ficht beeinflußte. Als aller Glanz und Ruhm verblaßte, als alle Herrlichkeit versank und die alte Macht zerschellte, als Hungersnot, feirtd- liche Invasion und Bürgerkrieg unser Land bedrohte, da ist aus den Reihen der arbeitenden Menschen der Mann durch ihr Vertrauen emporgestiegen, dem es gelang, die Ein- heit des Reiches zu retten, den Frieden zu schließen, den Bürgerkrieg zu vermeiden und das Land aus dem Terror von rechts und links zu einer demokratischen Verfassung zu führen. Während draußen die Welle der Angriffe sich über ihn ergoß, kamen in sein Haus die Träger der angesehensten Namen Deutschlands: Gerhart Hauptmann, der Dichter, H a r n a ck, der Theologe, Liebermann und C o r i n t h, die Maler, Eugen d'Albert und S ch r e k e r, Komponisten, unzählige Repräsentanten der geistigen Welt, und haben ihm tiefen Respekt bezeugt. Während draußen die eigenen Landsleute Prozeßverhandlungeu zu seinen Ungunsten zu verdrehen versuchten, verhandelten die Vertreter aller politischen Richtungen der internationalen Welt mit ihm und suchten sein Vertrauen zu gewinnen. Besonders K r e st i n s k i, der Vertreter der Sowjetunion, der immer aufs neue mit ihm Verbindung suchte, R u n t i u s P a c e l l i. der Vertreter der katholischen Welt. Lord d'Abcrnon aus England und Haugthon aus Nordamerika, keiner der nicht mit Hoch- achtung den Hut gezogen hätte vor dem. was dieser Mann durch eigene Zlrbeit aus sich gemacht, wie er fein tief erniedrig- tes Volt wieder in die Höhe gebracht hat. Während der Kreis aller, die ihn in seiner neuen Auf- gäbe näher kennen lernten und zu beurteilen wußten, immer größer wurde, riefen sogenannte„Patrioten" ihm das Prädikat des Landesverrats zu! Schlimmer noch: unzählige aus dem Volke haben ihm seine einfache Herkunft als Makel angerechnet! Rücken, die sich willig beugten, wenn ein Fürst, ein Adelsherr, ja auch mir ein Geldsack ihnen entgegentrat, befleckten sich selbst, indem sie über den„Sattlergesellcn", den„Budiker", den„Arbeitervertreter" die Nase rümpften, und das zu einer Zeit, als draußen in der Well, selbst in ganz anders gerichteten Kreisen, der „selbstgemachte Mann" mit Respekt angesehen wurde. Sie waren es wohl, die sich am tiefsten oersündigten, indem sie ihn herabsetzten und dabei sich, ihre Herkunst, ihre Väter, ihre Klosse erniedrigten, aus der er hervorgegangen war. Um diese Schmach wegzuwischen und das Bild des politischen Führers wie des Staatsmannes der Zukunft so ernst und rein zu überliefern, wie er wirklich war, führen wir unsere Kinder an den schlichten Stein, der unter seinem Namen den Sinnspruch seines Lebens trägt:„Des Volkes Wohl ist meiner Arbeit Ziel." Kranzniederlegung am Grabe(Sberts. Im Auftrage des Reichskanzlers hat der Präsident des Landes- ftnanzamtes Karlsruhe am Grabe des Reichspräsidenten C b e r t anläßlich des bO. Geburtstages namens der Reichsregicrung einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife niedergelegt. Reichskanzler Brüning hat außerdem in einem besonderen Schreiben an Frau Ebert des Geburtstages gedacht. Gelbsthilfe des Reichstags. Schnette Arbeit und gute Arbeit. Oingeldey bei Brüning. „Ermächtigung" zum Sparen. Der Reichskanzler empfing am Dienstag die Abgeordneten der Deutschen Volkspartei D i n g e l d e y und C r e m e r. Den Be- sprechungen wohnte der Reichsfinanzminister bei. Erörtert wurde der Beschluß der Deutschen Volkspartei auf Streichung von mindestens weiteren 300 Millionen Mark aus dem Haushaltsplan. Man kam dahin überein, in dem Haushaltsplan einen Paragraphen einzufügen, durch den das Reichskabinett er» m ä ch t i g t wird, entsprechend den Mindereinnahmen an den«in- zelnen Etats Abstriche zu machen. Di« Verhandlungen darüber. wo die Abstriche im gegebenen Fall gemacht werden sollen, sind Noch nicht abgeschlossen. Neue Nazi-Krawatte in Wien. ,Va6 sind die Herren Studenten"... Wien. 3. Februar.(Eigenbericht.) ?fai Dienstag haben sich di« antisemitischen Krawalle an der Universität wieberholt, tbid) auf der Straße über- sielen Hakenkreuzler sozialistische Studenten. Es kam zu einer wüsten Prügelei, so daß die Polizei mit Gummiknüppeln einschreiten mußte. Außerdem drangen di«.Hakenkreuzler in die DarltfsuNgen ein. Hier brüllten st«:„Juden hinaus!" Außerdem wurden mehrere Anschlagkästen, sowohl der sozialistischen wie der demokratischen Studenten, zerschlagen und die Papiere, di« ange» schlagen waren, auf die Straße geworfen, wo sie unter Absingen des Deutschland-Liedes verbrannt(!) wurden. In Buenos Aires ist der Anarchistenführer di Giovanni kriegsgerichtlich erschossen worden. Die Parteien des Reichstag», mit Ausnahme der Sommunlsten, der Rationalsozialisten und der Deutschaationaleo. haben am vlenslagabeod die Besprechungen über die Aenderung der Geschäslsordvung zum Abschluß gebracht. Die An- träge zur Aendenmg der Geschäftsordnung, die wahrscheinlich die Zustimmung aller in den Besprechungen vertretenen Parteien finden dürsten, sollen sofort eingebracht werde«, damit sie noch in dieser Woche im Reichstag zur Beratung gestellt werden können. Der Antrag über die Aenderung der Geschäslsordaung besteht aus sechs Teilen: l. Hinter§ 48 wirb folgende neue Vorschrift eingefügt: „§ 48a Finanzvorlagen. Finai�ooriagen uxrden vom Präsidenten des Reichstages u n» mittelbar dem zuständigen Ausschuß und dem Haushialtsaus- schuß oder nur dem Haushallsausschuß überwiesen, wenn nicht die Reichsregierung einer abweichenden Haltung zustimmt. Finanzvorlagen find alle Vorlagen der Reichsregieruno und all« Anträge von Mitgliedern des Reichstages, die in der Haupt- sache best! nun t oder in erheblichem Umfange geeignet sind, sür die Gegenwart oder die Zukunft aus die öffentlichen Finanzen einzu- wirken, also namentlich solche, die den Hausholt, Einnahmen oder Ausgaben, das Vermögen, die Schulden oder Bürgschaften, die Steuern. Abgaben imd Gebühren, sonstigen Aufwand sür öffentlich« Zwecke low?« die Haushaftsrechnungen und Berichte des Rechnungs- Hofes über alle diese Gegenstände betreffen. In Zweifelsfällen ent- scheidet der Präsident des Reichstages nach Anhörung des Aeltesten- rares endgültig, ob es sich um eine Finanzoorlag« handelt. Ein Antrag von Miigtiedern des Reichstages, der«ine Finanz- vorlag« darstellt und eine Ausgabenerhöhung oder eine Einnahmensenkung zum Gegenstand hat. wird nur zu- sarnmen mit den dazugehörigen Titeln des Haushaltsplanes und nur dann beraten, wenn er mit einem Ausgteichsantraq zu ihrer Deckung verbunden ist. Als Deckung im Sinn« dieser Bestimmung gilt eine anderweitige Schätzung von Einnahmen oder Ausgaben nur dann, wenn die Reichsregierung sie als richtig anerkennt. An- trag und Ausgleich santra« bilden für Beratung und Abstimmung«inen einheitlichen, nicht teilbaren Antrag." N 2. Im§ 54 wird: a) der Absatz 2 durch folgend« Bestimmung ersetzt: „Ein Antrag, der seststellen will, ob der Reichskanzler, die Reichsregierung oder einzelne Mitglieder der Reichsregierung das nach Artikel 54 der Reichsverfassung erforderliche Vertrauen besitzen oder nicht, darf nur in der Fassung eingebracht werden: „Der Reichstag entzieht dem Reichskanzler(der Reichsregie- ning, dem Reichsminister) das Vertrauen." b) fylgender Absatz 3 hinzugefügt: „Anträge nach Artikel 54 der Reichsverfassung können nur in der Vollversammlung gestellt werden." 3.§ So erhall folgende Fassung: „8 55. Interpellationen an die Reichsregierung sind dem Prä- sidenten schriftlich«inzureichen. Sie müssen knapp und sachlich gefaßt und von 30 Mitgliedern unterzeichnet fem: Sie dürfen nur die Taffachen enthaften, die zur Kennzeichnung der gewünschten Auskunft notwendig sind. Interpellationen, durch deren Inhalt der Twtbestaud einer strafbaren Handlung begründet wird oder die parlamentarisch unzulässige Wendungen oder über die Angabe de» «Sachverhalts hinaus eine Beurteilung enthasten, sind unzulässig. Der Präsident hat Interpellationen, die gegen die vorstehenden Bestimmungen verstoßen, zurückzuweisen. Heber eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Präsidenten entscheidet endgültig der Aelteftenrat. 25 Hinrichtungen in Menemen Das Blutgericht über den Oerwischaufstand S m y r n a. 3. Februar. 28 zum Tode Verurteilte deS Prozesses wegen des DerwischaufstandeS in Menemen sind heute dort ge. henkt worden. Heber die Vorgeschichte und den Prozeß unterrichtet folgender Bericht unseres Stambuler Berichterftaftcrs: Knapp eine Stunde Bahnfahrt nördlich von Symrna liegt an einem wichtigen Straßentnoten und Flußübergang die kleine Land- ftadt Menemen. Sie bietet dasselbe Bild wie die meisten übrigen Kleinstädte Anotoliens: sehr weitläufig gebaut, mit breiten unge- pflasterten Straßen, in deren Schmutz man jetzt zur Winterszeit bis zum Kirie versinkt, di« einfachen Holz- und Lehmhäuser mit höchstens einem, meist gar keinem Stockwerk. In der Mitte des Städtchens liegt der Markt und mitten darauf steht, noch immer mit Llutfpuren, der Stein, auf dem sechs religiöse Fanatiker bei einem Putschversuch am Tage vor Weihnachten den türkischen Offizier Kublai B e y bei lebendigem Leibe abschlachteten. Dem Stein gegenüber steht eine große Schule, zum Gedenken de, Märtyrer» nun Kublai-Schule genannt, und in ihrem größten Raum« verhandelte das Kriegsgericht mehrere Wochen lang gegen die Putschisten. An einem hufeisenförmigen Tisch sitzt ein Halb- kreis hoher Offiziere in Felduniform, der Vorsitzende, General Mustafa Pascha, in der Mitte: auf den Bänken, auf denen sonst die Schüler fitzen, hockt ein dichter häufe von 165 Angeklagten. Ringsherum au den wänden stehen Soldaten mit aufgepflavstem Bajonett. Ein halbes Dutzend der Angeklagten ist mit der Waffe in der Hand gefangen worden, als die Truppe den Putfd� oersuch niederwarf. Zwei Dutzend Angeklagte hoben die Puffchisten nachwei-lich ausgerüstet, mit Lebensmitteln versorgt, sie in ihren Häusern verborgen oder sie sonstwie aktiv unter st ützt. Einige zehn prominente Geistliche der Kirch« und verschiedener Orden hoben den Putschplan entworsen und die Putschisten gegen die Regierung aufgehetzt. Gegen diese 39 Angeklagten beantragte die Staatsanwaltschaft di« Todesstrafe. Di« übrigen 125 An- geklagten waren der passiven Hnterstützung der Putschisten und der religiösen Geheimbündelei angeklagt. Unter den Angeklagten ist ein»renn zigjähriger Greis. 6er in sich zusammengesunken ans einem Kissen hockt und schwelgend feinen langen weißen Bart streicht: Scheich Essat, der„Kuib-ül-aktap", d. h. der„Pol der Pole", der Oberste des Derwischordens der Nakjchbend-is. Der Scheich ist überführt, den Orden trotz des Verbots von 1925 im geheimen neu organi- fiert, Propaganda gegen die Republik und für das Kalisat ge- trieben, die Putschisten in seinem Haus« in Istanbul empfangen und ermutigt zu hoben. Jetzt allerdings, wo es um seinen Kopf geht, erinnert er sich an nichts, weder an sein« eigenen Brief« nach an die Besuche der Putschisten. Auch di« übrigen Geistlichen leugnen, die meisten Bauern schweigen verstockt. Von den 165 Angeklagten waren nur drei wirklich geständig. Was diese drei erzählen, wirft ein grelles Licht auf dos Milieu finsterster Reaktion, in dem der Putsch vorbe- reitet worden ist. Seit Iahren schon gingen die Geistlichen auf die Dörfer und predigten gegen die Republikaner als die, Linder dos Teufels" und„Feinde Gottes". Diejenigen, die sie mit ihren Reden einfingen, nahmen sie in den Orden der Nakschbendis auf und ließen sie blinden Gehorsam dem„Pol der Pole" geloben. Diese„Eingeweihten" vereinigten sie dann zu heimlichen Gebetsübungen, bei denen Opium geraucht wurde. Sie lasen den Leuten vor aus einem geheimnisvollen Buch„Sekir", dessen fett- same Lehrsätze die Bayern kaum rerstanden. Sie glaubten den Geistlichen, d«ß Gott nicht mehr im Himmel, sondern auf der Erde wohne— und zwar in Konstantinopel(Istembül), wo er die Gestalt des Scheichs Essat angenqimnen habe: wenn man Scheich Eflat gehorche, so gehorche man Gott selbst. Die Bauern schickten eme Delegation nach Kanstantinopel zum Scheich, unp die Delegierten kamen zurück in. der Heberzeugung. Gott gesehen und ge- s p r o ch e n zu haben. Sie organisierten schließlich, immer unter Leitung ihrer Geistlichen, die sie heute verleugnen, den Putsch. Di« ganze erbarmungswürdig« Einfall dieser Armseligen wstd deutlich, wenn man diesen..Putschplan" hört. Menemen und Manissa sollten genommen und dann sollte der Marsch aus Smyrna angetreten werden. Der Kalif, so hatten die Geist- lichen erzähft, warte mit einem ungeheuren Heer« von Glaubens- streitern an der syrischen Grenze, um den Putschisten zu Hilfe zu kommen, und di« britische Flotte werde beim ersten Aufstandsversuch sogleich in den Bosporus einlaufen, um die Kemalisten Zu bekämpfen und den Sultansthron wieder herzustellen. Räch der Einnahme von konstanltnopel wollten die Putschisten „acht Tage warten", und Inzwischen Deutschland und Frankreich auffordern, den Islam anzunehmen. ffieitn über Berlin und Baris dann die grüne Fiagg« weht«, sollte zum Kreuzzug gegen China aufgebrochen und der Islam zur alleinigen Wellreligion gemacht werden. Mehrere» der armen Teufel, die durch die Hetzereien der Geist- lichen zu dem Putsch oerführt wurden, wird esdenKopftosten. Die Hnterzeichner gellen als Interpellanten, soweit st« nicht als Hnterstützer gekennzeichnet sind." 4. Im§ 60 erhallen die beiden letzten Sätze folgende Fassung: „Sie müssen von 15 Mitgliedern unterstützt fein. Im übrigen gellen die Bestimmungen des§ 55 Abs. 1 und 2." 5. Dem§ 90 ist solgender neuer Absatz hinzuzufügen: „Ein Redner, dem das Wart entzogen ist, kann es in der gleichen Sitzung nicht wieder erhalten." 5. Im Z 105 erhält der erste«atz solgend« Fassung: „Namentliche Abstimmung muß erfolgen, wenn 50 anwesende Mitglieder es nach dem Aufruf des Gegenstandes der Tagesordnung bis zur Eröffnung der Abstimmung beantragen. In einem weiteren Antrag ist vorgesehen, daß§ 8 des Prehgefetzes folgenden zweften Absatz erhäll: „wer-nach gesetzlicher Vorschrift nicht oder nur mit be- sonderer Zustimmung oder Genehmigung sirafrechklich verfolgt werden kann, darf nicht verantwortlicher Redakteur einer periodi- scheu Druckschrift sein." Sowohl der Antrag auf Aenderung der Geschäftsordnung, als auch der zur Aenderung des Preßgesetzes dienen nur dem Zweck, die Arbeisfähigkeit des Reichstages zu sichern und ein verantwortungsvolles Verhalten der Abgeordneten zu er- zielen. Das letztere soll vor allem durch den neuen Z 48» erreicht werden. Er ffieht vor, daß alle Anträge/ die sä n a n zff e l l« Be- deutung haben, zuerst in den Ausschüssen vorberaten sein müssen, und daß Anträge auf Ausgabenerhöhung oder auf Ein- nahmefenkung nur beraten werden können, wenn sie mit einem Ausgleichsanirag zu ihrer Deckung verbunden sind. Wenn auch damit nicht alle rein demagogischen Anträge un- möglich gemacht werden, so dürfte doch erreicht werden, daß der hemmungslosen Agitation und der dauernden Gefähr- dung einer geordneten Finanzwirtschaft Einhalt geboten wird. Die Aenderung des§ 54 beseitigt den Mißbrauch mit den falschen Vertrauensanträgen. Die Aenderung des§ 55 verhindert, daß wie bisher di« Interpellationen zu wüsten Beschimpfungen oder zu Aufforderungen zu strafbaren Handlungen mißbraucht werden. Die drei letzten Aenderungen sind von geringerer Bedeutung. Dagegen ist die Aenderung des§8 des Preßgesetzes wichtig. Sie sieht vor. daß Abgeordnete nicht verantwortliche Redakteure einer periodischen Druckschrift sein können. Sie richtet sich also ganz offensichtlich gegen jenen Mißbrauch der Kom» munisten und Nazis mit der Immunität der Abgeord» neten, über die sich die gesamte anständige politische Well dauernd aufgeregt hat, und deren Aenderung auch von den Organisationen der Journalisten verlangt wurde. Zieichstagsbeginn. Ztahige Sitzung. Der Reichstag hat am gestrigen Dienstagnachmfttaa sein» Tagung wieder aufzenommen. Zu Beginn der Sitzung hielt Präsident Cöbe den inzwischen verstorbenen Abgg. Werspräfident Herold(A, Dr. David und H o f f m a n n- Kaiserslautern(Soz.) ehrend« Nach- rufe. Als Beisitzer im Staatsgerlcktshof für ein« verfassungsrechrliche Strsttigkeft werden gewähll die Abgg. Landsb erg(Soz.) und Feder(Natfoz.). Dor Eintritt in die Tagesordnung oenveist Abg. Pohlmann(Komm.) auf die Ermordung zweier seiner Parteigenossen durch Hakenkreuzler und verlangt, daß ein Alttrog auf sofortige Aufhebung des Rot-Front- und des Demonsttations- Verbotes auf die Tagesordnung gestellt werde, was am Widerspruch von äußerst rechts scheitert. Die ersten Punkte der Tagesordnung werden ohne Debatte er- ledigt: beim Bericht über di« Reichshaushallsrechnung 1929 oerlangt Abg. Reinhardt(lllatfoz.) genauere Auskunft über die Ausgaben für politischen Nachrichtendienst der Regierung und zum Schutz der Republik, worunter Beträge für Aufklarung der Bevölkerung über den republftanischen Staatsgedanken und über das Hugenberg» Hitler. Volksbegehren enthalten sind. Abg. heinig(Soz.) als Ausschußberichterftatter stellt fest, daß Reinhardt nicht etwa Enthüllungen vorgebracht hat, sondern daß dies« Auskünfte im Haushallsausschuß gegeben worden sind. In der ersten Lesung des Gesetzes auf Entschädigung der ge- werbsmößigen Stelleiwerniittler spricht zunächst Abg. Zägcr-Celle(Dnat.) für höhere Entfchädigung. Reuhsorbeitsminister Stegerwald erläutert die einschlägige Ge- setzgebung, die die gewerbsmäßig« Stellenvermittlung abgeschafft hat, bleibt aber größtenteils unverständlich. Abg. Schröder- Merseburg(Komm.) erklärt, daß sein« Fraktion den Entwurf ablehnt. Die Vorlag« geht an den sozialpolitischen Ausschuß. Der Einspruch des Abg. Safche fNatfoz.) gegen seine Ausweisung aus der vorigen«itzung wird im Hammelsprung mit 203 Stimmen radikaler Parteien gegen 269 Stimmen der anderen zurückgewiesen, ebenso«in gleicher Einspruch des Abg. Goebbels(Natsoz.). Den Gesetzentwurf über Erstattung von Kriegswohlfahrksausgaben an die Länder Gemeinden kritisiert � Koltheiuer(Dnat.) als nicht ausreichend, ebenso Abg. Abg. Ritzel fSo.z.) häll diesen Forderungen und Antröoen die allbekannte Finanz not des Reiches entgegen, die eine höhere Erstattung als 15 Proz. nicht gestattet. Demagogische Aenderungsanträge der Rechten auf höhere Er- stattung an die Länder und Gemeinden werden durch Hammelsprung und in namentlichen Abstimmungen abgelehnt, die Borlage in der Ausschußfassung verabschiedet. Damit ist die Tagesordnung erledigt.— Nächste Sitzung heute, Mittwoch, 16 Hhr: Kleine Vorlagen, tommunisttscher Antrag auf Aufhebung der Notverordnung über Schlichtung, Ausschuß- bericht über Verbillig ung von Frischfleisch für Hube- mittelte.— Schluß 17-4 Hhr. Snischädigung unschuldig Verurieilier. Sin Antra-» der sozialdemolrotifchen Neichstagöfraktion. Di« sozialdomokrattsch« Reichstagsfraktion hat in Form eines Antrages einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren frxigesproche- n« n Personen neu ststzesctzt. Es können danach u. a. Personen, die im W-ederausnahnceverfahren freigesprochen«der in Anwendung «ine» milderen Strafgesetze» mit einer geringeren Strafe belegt wer- den, ein« Entschädigung aus der Staatskasse verlangen, die dem durch die Berurteilunz entstanden«» Schaden entspricht. Auch für den Nichtvermögensschaden ist billiger Ersatz zu leisten. Deutschland noch nicht verloren! Die Sozialdemokratie steht fest im Sturm. Der PreuhZsche Landtag setzt« am Dienstag zunächst die Einzglfreratung ües Haushalts der Volks mohlsahrt fort. In der Debatte, die hauptsächlich von kommunistilchen Red- nern mit Ansührunq von Einzelfällen aus der Fürsorgeerziehung bestritten wurde, ging Abg. Tlowak(Soz.) aus den Fall des Vizepräsidenten Müller- Oppeln sein. d«r vm, den Deu.schnationalen zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage gemacht woraen ist. Es sei völlig sinnlos, den Vizepräsidenten Müller für die schlecht« Finanzlage der Wohnungs- fürforge-Gesellschast in Oppeln verantwortlich zu machen. Di« lange zuvor errichteten Häuser könnten sich wegen zu teuerer Baukosten nicht ver�nsen. Die Antrage habe ausschließlich den Zweck, einen sauberen und korrekten Beamten zu beschmutzen, der sein Bestes täte, die Lag« zu bessern. Abg Mnzer kSoz.) protestiert gegen die Aeußerungen de» deutschnationglen Abg. Hein-Bannen und de? Wirtschastsparteilers Leonhardt, daß in der Brcslaucr Stadtverwaltung eine Luderwirt- ichast herrsche. Die Grenzziehung und der deuisch-'polmsche Handelskrieg hätten dahin geführt, daß Breslau 28,9 Proz ausgesteuerte Arbeitlose gegenüber 11,3 Proz. im Reichsdurchschnitt hätte. lHört, hört! bei den Soz.) Es folgt die zweite Lesung des Etats der Handels- und Gewerbevertvollung. Handelsminister Dr. Schreiber: Die herrschende Weltkrise ist vielfach durch politische Erscheinungen bedingt, daher nicht allein mit wirtschaftlichen Mitteln zu lösen. Sie ist im« mittelbare Folge des Krieges und der während des Krieges er- svlgten Jndustriaiisierung früherer Agrarstaaten. Ist Folge der vielen tausend Kilometer neuer Grenzen in Europa und der aut- orktischen Volitik der neuen Nationalstaaten. Die rasende Entwick- lung der Technik hat die Produktion über die Konsumkraft hinaus gesteigert. Gerade die bevölkertsten Länder China, Indien und Rußland sind aus dem Weltmarkt ausgelchiedrn. Dazu kommen als besondere deutsche Ursachen die riesenhasten Repa- rakionen, die unsere Wirtschaft mit Abgaben überlasten und die Kapitalverknappung steigern. Endlich die Slnleihesperren. die wir mährend der Noung-Berhandlungen und nach den Septemberrvahlen durchmachen mußien. Di« deutsche gewerbliche Erzeugung ist im Jahre 1939 1? Proz. kleiner gewesen als 1929. Nach der sozialen Seit« sind Folgen der Wirtschaftskrise die 4% Millionen Arbeitslos« und die weitverbreitete Kurzarbeit. Was können wir dagegen tun Arbeitsbeschaffung großen Stils ist»in« Frage der Kapitalbeschaffung.(Sehr wahr!) Di« Idee der National- sozmlistcn, von der Goldwährung abzugehen und Reichstasieuscheine auszugeben, die gedeckt fein sollen durch di, damit zu leistende pro- duktive 2lrbeit, ist völlig umnöglich und oerrät grenzenlose wirtschostliche llnwlssenhelk. Di« Nationalsozialisten haben noch nicht einmal den Unterschied zwiscken Geld und. Kapital erkannt. Wir haben jährlich 79 Milliar- den Güterproduktion, 215 Milliarden Güterumsatz, aber nur 9 Mil- liarden umlaufendes Geld. Wollten wir auch nur 3 Milliarden neu« Reichskassenschein« schaffen, so müßten wir 33 Milliarden mehr Güter herstellen. Andernfalls würden die Preise sofort um 59 Proz. steigen, wir müßten sofort weiter neues Geld drucken und wären mitten in der schönsten Inflation. Mit derartigen Planen de» Dr. Feder wird das deutsch« Volk sinnlos in die Irre aeiivirt.(Lebhafte Zuitimmung de» ganzen Hauses: Zuruf rechts: Glücklicherweise ist die Reichsbank unabhängig!) Das preußische Progrcmrvi gegärt dte Arbeitslosigkeit hatte als Hilfsmaßnahmen an erster Stelle möglichst allgemeine Einführung der Kurzarbeit nprgeschlagen.(Zuruf rechts: Di« Soziallaften!) Die Sozial- lasten find bereits abgebaut durch die Herabsstzung der Lohne und die Krankenkassenrefonn. Weiter den Ausschluß der ausländischen Saisonorbeiter, den wir größtenteils durchgesetzt haben. Wir haben ei»« Million Arbeitslose aus dem vorse und in der Kleinstadt. Drittens schlugen wir Verlängerung der Schutpflicht um ein Jahr vor, auch dies ledicflich als vorübergehende arbeitsmarttpolitiskb« Maßnahme. Aber die Hauptsache bleibt die Anpassung aller Preise an die gesunkene Kauskrast zugleich mit der Senkung der Ge> stehungskosten. Der Lebenshaltungsinde? ist im Jahr« 1939 tat- iächlich von 153 auf H2 gesunken. Aber unmöglich kann die Rc« aierung Festpreise für alle möglichen Artikel und Qualitäten fest- setzen. Entscheidend ist die Wiederherstellung des politischen Ver- tvauens.(Sehr wahr! links.) Nach Annahm« des Pouna-Vlanes sank der deutsche Zinsfuß im ersten Halbjahr 1939 von TA auf 4 Proz. Durch die Seplemberwahlen ist der Zinsfuß durch- weg» wieder um I bis 2 Proz. gestiegen. Eine geseKKche Zinsen- beschränkung ist unmöglich. Können wir etwa dem Ausland, von dem wir 19 Milliarden geborgt haben, vorschreiben, zu welchem Zinsfuß es uns borgen soll? Zinsverbilligung und Abstoppen der Kapitalflucht erreichen wir nur durch innere Sicherheit und Beständigkeit.(Lebhafter allgemeiner Beisall.— Zuruf des G rasen Vosadowskn: Und vor allem kein« neuen Hugenbeg- Pläne!(Erneuter Voisoll.) Dabei müssen wir sparsam und ein« fach leben und neue Auslandeanleihen vor ollem zur Abdeckung der kurzfristigen Schulden benutzen. Aus die Dauer können wir natürlich ohne Gegenleistungen unmöglich die riesigen Reparntions- beträo« bezahlen.(Zuruf bei den Deutschnationalen: Euer Poung» Plan!) Unsere Zahlungen sind nicht Folgen des Voung-Rtens, sondern Folgen eines Web kriege», den nicht di« Republik v:r> loren hat.(Lebhafter Beifall.) Ohne Poung.Vlan müßten wir l«Malich nach dem Dawes-Plan 899 Millionen Mark mehr zahlen. (Sehr wahr!) Unsere Lage ist durchaus nicht hoff» n u n g s l o s. Wir muffen nur den politischen Glücks» rittern. die die Seele des deutschen Volke» vergiften, die Tür weisen. Wir brauchen Geschloffenheit und Deran wort' t nq' g' iflhl bei allen politischen Parteien. Es bänat nur von uns ab. unser Geschick zu moistern.(Lebhafter BeisgiP) Abg. Osterroth(Soz.): Der Tiefstand der deutschen Wirtschast sührt zurück aus lieber- industrtelisierung der Welt. Ueberrotionqlisierung bei uns und zahl» reiche Kopital-Fehlleitungen. Nicht marxistisch« Exveri» mente oder sozialpolitisch« Uedertreibungen haben die Krise ver« schuldet. Dies« Theorie des Herrn Hugenberg, der di« Hälft« der öffentlichen Meinung kommandiert, dient nur dem Generolanariff gegen die deutsche Sozialpolitik.(Sehr wahr! bei den Soz.) Aber wenn wir nicht in ihr eine Rückversicherung gegen di« Arbelt«« lostgkest der 5 Millionen hätten, welch« Anarchisierung de» Gesellschaftslebens müßte die Folg« sein: dem au« d«r Arbeit Herausgeschüttesten Menschen bliebe nur die Wabl zwischen Verdünnern und verbrechen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der größte Nutznießer de» Weltkrieges, die Vereinigten Staaten, das Land ohne Marxismus und ohne Sozialpolitik, der Bankier, der Warenver» frachter, der größte Gütervroduzent der Welt bat 7 Millionen Er» werh-kose. England, der Nutznießer der Arbeit der hakhsn Welt. 3 Millionen. Zlolteu. das Vorbild der Nazis, das t-nch Myffostnls Z LNl- lumeu Arbeilslose: aber der in Arbeit ftehende Ztastmer hat aar 4S JJtoz, des deutschen Reallohns.(Hört, hört!) Das Ideal der Kommunisten, Rußland, hat noch dreizeh«» jährige« Anstrengungen bolschewistischer Diktatur trotz oller statistischen Fälschungen 2 Millionen Arbeitslos«, Brot- und Fleisch- karten und Schlangestehen.(Lärm bei den Komm.) Auch im Lande des Dollars und des Tscherwonez ist die W i r t s ch a s t krank, und kein Diktator kann di« Krise überwinden.(Zuruf bei den Kommunisten: Ihr Brüning auch nicht!) Ich bin nicht boaustragt, Brünings Fürsprech zu sein. Aber er maßt sich auch nicht an. die Wirtschaft heilen zu können und raubt wenigsten dem deutschen Volt seine politische Frecheit nicht. Uebrigens sind di« russischen Bolschewik! doch ganz andere Kerl« als die deutschen Kommunisten. Die Bolschewiki.. das waren die Männer aus Sibirien, aus der Peter-Pauls-Festung, aus dem Exil, die aus Wesr-Europa ein großes intellektuelles Erb.e mit heimgebracht hatten. Aber Sie. die deutschen Kommunisten, bei Ihnen langt es doch noch nicht bei einem einzigen auch nur für den kleinsten Konsumotteineladeu.(Stürmische Heiterkett und großer Beifall.) Wenn Ich mir Herrn Thälmann als Diktator der deutschen Wirt- schaft vorstell«,— da trau« ich dem Dr. Brüning und unseren eigenen Arbeiterkrästen doch noch etwas mehr zu!(Erneuter Beifall und Heiterkeit.) Die deutschen Kommunisten sind Scharlatane und Maulaufreißtr, die im Grunde ihres Herzens froh sind, daß die schwere Last der deutschen Wirtschast nicht aus ihren schmalen Schultern ruht. Und was haben selbst die russischen Bolschewiki geleistet? Bor Panait Jstratis drei Bänden über Sowjetrußland verblassen Dostojewskis Memoiren aus dem Totenhaus. Wir werden unser Menschenmöglichstes tun, den Geist und die M e t h o- den Dschingis Khans von Deutschland fernzuhalten. Die bolschewistische Ueberrumpelung wird Ihnen in Deutschland nicht gelingen— in Europa wird weder Schlagwort nach Schlagring siegen.(Lebhafter Beisall.) Wir sind viel zu gute Marxisten, als daß wir uns eingebildet hätten, man könnte aus dem Feudaistaat plötzlich in den Sozia» lismus springen. Wir wissen auch, daß man heut« keine idealen Wirtschafts, zustände schaffen kann. Wir sind mit den Maßnahmen der preußischen Regierung im wesentlichen einverstanden.'Aber um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, müßte Deutschland einen internationalen Bor stoß auf allgemeine Herabsetzung der Arbeltszeit unternehmen. Wenn die Technik zu ergiebig geworden ist, muß man die Menschen cnt- lasten. Europa kann unmöglich dauernd 15 Millionen Arbeitslose haben. Deutschland würde mit einem solchen Vorschlag an das International« Arbeitsamt oder den Völkerbund große moralische Eroberungen machen. �Beifall.) Die gegenwärtige Krise ist keine Lohnkrise. Die Zinsbelastung ist In der Selbstkostenrechnung ganz anders ge- stiegen als das Lahnkonto und die soziale Belastung.(Sehr wahrl bei den Soz.— Zuruf bei den Komm.: Darum baut auch die Preußag die Löhne ab!) Wir können ja nicht wie die„Welt am Abend" die Bude zumachen und sie den Kapitalisten ausliesern! (Sehr gut! bei den Soz.) Mit Arbeitszsitverlängcrungcn und Still- legungen ist dieser Wirtschaftsnot nicht bei.zukonrmen. Wenn man zum Beispiel wie die Vereinigten Stahlwerke mit teuerem Aus- landskapital rationalisiert und dabei unzählige Werke stillegt, de- Höst man di« Kugel der Zinslast am Bein, und das unoermerd- liche Ergebnis ist dann, daß der deutsche Eisenpreis 29 Proz. höher sst als in dem längst nicht so rationalisierten England. Den Kommunen hat man rechtzeitig die Kandare angelegt. Hätte die Regierung di« Macht gehabt, den leichtsinnigen Industrie- konzernen den kurzfristigen Auslandekredit zu verrammeln, stün!'« es heut« um die deutsch« Wirtschast besser. Um so mehr haben wir allen Grund, die Hoheit de» demokratisch- republikanischen Staates über die Interessen raffgieriger Unter. nehmen zu sichern.(Lebbasts Zustimmung bei den So-.) In, der Kohlen Wirtschaft hat die Regierung«inen 12pxoz?ntigen Preisabbau mühelos durchgesetzt. Hätten wir überall»ine öfseirt» liche Witttschaft, wären überall Berbraucher und Produzenten zu» sammengeschaktet wie bei Kohle und Kali, stünde nicht soviel vom Vreisabbau bloß ouf dem Papier.(Sehr gut! h«i den Soz.) Es ist wirklich nicht nötig, daß deuischoberfchl«fische Koble von Beuthen nach Berlin doppelt ioviel Fracht kostet wie polnisch, oberschlesische von Kattvwitz nach Edingen. Wir erleben jetzt ein Wettreuaea kranker Betriebe um Subvenlicmen zugleich mit den giftigsten Angriffen gegen die öffentliche Hand. Aber wenn die oberschlesische Eisenindustrie, wenn Fürst Pleß. Mansseld und Schichau in Not sind, wissen sie di« Staatsregierunz zu finden und reden keinen Ton mehr von öfjentlicher Mißwirtschaft. Der Staat kann aber nicht bloß der Nachtwächter der prwatkapita- listischen Betrieb« sein. Er braucht staatseigene Unternehmungen schon als Kontrolluhr, um die Selbstkosten, die Soziallasten und die Möglichkeiten der Preispolitik zu kontrollieren.(Sehr gut! d.d. Soz.) Jetzt kann es in der deutschen Wirtschaft nicht darauf an- kommen, wie in normalen Zeiten zu verdienen. Heute sollte auch das Unternehmertum nur daran denken, wie wir das Volk vor dem Ersaufen bewahren. Aber freilich, die Großindustrie ist ja heut« nur die Gefangene der Großbanken. Hier hat sich ein Stück Ver- gesellschaftung vorbereitet, ober leider mit dem schärfsten antisozialen Vorzeichen. Der einzelne Privatkopitalsst wurde noch leichter schamrot: der Bantkapitalist kennt di« Menschen in Schacht und Fabrik überhaupt nicht mehr und urteilt nur noch dem Äechenstift.(Zuruf rechts.) Unser Ideal ist nie gewesen, den Mittelstand zu vernichten. Schon vor Iahren habe ich an dieser Stelle betont, daß wir das deutsche Handwert für einen wertvollen Bestandteil der deutschen Produktion halten, daß es für otc!« von uns die Hochschule des Lebens ge» wesen ist.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir schätzen unser« manuelle Ausbildung im Handwerk um so höher, je mehr heut die Arbeit mechanisiert und entseelt ist.(Zuruf des Abg. Hecheitreich.) Dieser unser Staudpunkt ist so alt wie di« Sozialdemokratie, und es beweist nur die Macht der Lügenpresse. wenn weiteste bürgerliche Kreise draußen das Gegenteil glauben. Im übrigen ist Herr Hetdenreich so wenig Handwerker wie die Herren von der Wirtschastspartei auch, und er krebst nur genau wie sie um die� Handwerkerstimmen.(Große Heiterkeit und Sehr wahr! bei den Soz.) Aber das berührt unser« prinzipielle Stellung für den selbstarbeilenden Handwerker gar nicht. Der Bauer, der die Scholle mit eigenem Schweiß pflügt, und der Handwerker, dem wir sein Arbeitsgerät erhalten wollen frei von kapitalistischer Aus- beutung uich Wucher, ist dem deutschen Arbeiter wesens- und seelenverwandt und sein natürlicher Verbündeter im Kampf gegen Kapital und Großgrundbesitz.(Lebhafte Zustimung b. d. Soz.) Die 75 Millionen Deutschen, deren technische und wirtschaftliche Leistung die Welt bewundert, werden nicht zugrundeoehen. Wir deutschen Sozialdemokraten werden sie führen, wir Bürger der Republik und Bürger der Zukunft. Roch ist Deutschland nicht ver- loren!(Stürmischer Beisall bei den Soz.) Di« Weiterberatung wird aus Mittwoch, den 4. Februar, mittags 12 Uhr, vertagt. Berlins Selbstverwaltung. Das neue Gesetz vor dem Gemeindeausschuß. Der Gemeindeausschuß des Preußischen Landtages nahm am Dienstagabend den Bericht des Abgeordneten Hirsch (Soz.) zum Berliner Selbstoerwaltungsgesetz entgegen. Der Berichterstatter wies zunächst darauf hin, daß die Regierung mit ihrer Vorlage an der durch das geltende Gesetz festgelegten Form der Vereinheitlichung nicht rütteln wolle. Das Problem der Vereinheitlichung betrachte sie als gelöst, nicht aber das Problem der Organisierung der Verwaltung. Der Entwurf wolle nur den Rahmen für die Organisation schaffen. Ihn auszufüllen, solle Sache der Selbstverwaltung sein. Der Berichterstatter wies darauf hin, daß der Minister des Innern den größten Bedenken gegen den Regierungsentwurf Rechnung getragen habe, indem er von der Regelung gewisser allgemeiner Fragen vor Berabschiedung des all- gemeinen Selbstoerwaltungsgesetzos Abstand genommen habe. Weiter wolle der Minister di« sogenannte Allmacht des Oberbürger- meisters dadurch einschränken, daß neben dem Oberbürgermeister, der Stadtvertretung, dem Stadtgemeindeausschuh und der Der- waltung sausschüsse auch ein Bürgermeisterkollegium zu den ver- fässungsmäßtg bestellten Organen der Stadt gehören solle. Auch Hab« der' Minister sich mit der Vermeidung von Reuwahlen im gegenwärtigen Augenblick einverstanden erklärt. Da er, der Berichterstatter, mit der Regierung der Ansicht sei. daß das Ber- trauen zur Reichshauptstadt unbedingt gestärkt und die Möglichkeit zur Besetzung der vakanten Stellen des Ober- bürgermeisterz und des Kämmerers durch erstklassige Kräfte ge- schaffen werden müsse, habe er versucht, die Anregungen des Ministerz m gesetzgeberische Form zu kleiden. pußer beim Fr ick. In Heidelberg fand die. erste Sitzung des nengewähsten Bürgerausschusses statt. Die Nationalsozialisten griffen den Wirts chasts- direktor der Stadt Heidelberg,«inen Sozialdemokraten, wegen her Bewirtschaftung eines städtischen Gutes an. Der Angegriffen« stellte fest, daß er beim Kauf des Gutes noch im Krieg gewesen sei. Die Nationalsozialisten schrien:„W o denn?" Der Sozialdemo- trat antwortete schlagfertig:„Ich war Putzer beim Herr» Frick in Pirmasens." Die Anwesenden bogen sich vor Lachen und die Nationalsozialisten riskierten nicht mehr, den Mund aufzutun. Die Konsum-Zerstörer Zum Zusammenbruch der kommunistischen Koi.sumvcreine in Halle und Merseburg #3B{r versaufen der Genossen ihr klein's Häuschen!" JAHRE tfbrfngd&uxcläcsen ochcn CHE Varkovf towctt Vorrat! Mongonabgabo vorbohaltool cisse axen aller Art zT eigens furdiescn ZrtAsckciufgcslbpeft zum Verkauf! 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Orönfeldt, Ouaty, Loeff VolksbUline Theater am BCIovplalz. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von Franr Molnar Regie: Karl Ueiaz Martin SiaalLSdiiller-Tti. 8 Uhr Don Garlos Ttieaier am SciiiKDauerdamm 8 Uhr DieQuadralor des Kreises Staatsoper Am Pl.d Republik Vh Uhr Rigoletto BluniensMn jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Key« Mariannanatr. 3 Oberbaum 1303 Mm meamr 8 Uhr Elisabeth von England von fem. Erockfler Regie; Reim Rilperl Kammerspiele SV, Uhr Pariser Platz 13 von Vicki Baum Rtf Ii: Castif Gründaus Die Komödie SV» Uhr Die Fee vöd Franz Molnar Regie: Stefan Ret. Neues Theater v am Zoo■ tiii6alii!i.Zoe. StpLE554 Täglich 8V» Uhr Jer pr. Lacherfolj! Wiederaufireten Guido Ttiieisclier Das onentlicftei Aergernls Preise l bis 8 M. 1 <€ßaA£$l 4v.uhr casiko-THEATER»'-Vh. Lothringer Strohe 57. iiiiiuieHiNMUiiiiiiiiiiuMiiiMitieeieueuiniiinieuiieDieeteiuniieiii Man lacht Tränen über Direktor Hans Berg in dem neuen Schlager OnHei HUltn ans Searoppn Dazu ein neuer bunter Teil. Gutidrrln 1— 4 Personea Fauteuil 1�5 M- Sessel I.7S M. Sonstige Pr.- Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. Reichshalien-Theater Ibends IT) Soufag tbdunittag fTTI Rbr Das große Lach Programm der Stettiner ssnger Nachm. ermäßigte Preise! Volles Programm 1 üönhotr- Brettl: Berlins beliebtestes Farn-Varietd mit Tanxl Rrftlli Hans Siitis. »WM Arnold Scholz D-Baiiii fliraiaaoplati. Basislieiiiü I8S-U| Elitetag I 6r. BocRDiertest 7 Kape len, Neue l)ekoraiionen,| Bayr. Bedienung Einlaß; W o c h c n ta g s 6 Uhr,| Sonntags 4Uhr. Donnerstags; SCB9EIIESCRUCHTEH. Barnovsky-Bobnen Theater In der Stresemanostr. 8V« Uhr Ampiiitryon 38 Komödie von Jean Ciraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus 8V, Uhr Cocktail im Kail Vailnoelle;. Musik v. Ralph BanatiVs Berliner Theat. 8V« Uhr Sturm im Watserfiias von Bruno Frank. PIscator-BBbne (Wallner- Theaier)|| Alex. 4502-03. Täglich 8V- Uhr „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf| Regie: E Piscator. Rose-Theater 6r.franRlnrterSir.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 f.30 Uhr: Zwangseinquartierung 8 15 Uhr Die idione Belena Der neue Bombenerfolg: «Die schöne Helena" im ROSE THEATER Gro8« Frankturter StraBt 132 Billettkaue: Ale*. 3422».2434 WochentagsBeginnS-läUhr Sonnabds-lUhru I V I 5 Uhr Sonntags 230, 5.45 u. V Uhr Preis, van SO Ft. bis S M. In der HsnptroIIe; Traute. Hans und Willi Boa». GQHIch, Kanlsch. Mlkultkl u. a. Zu/angsslnquarlierung Kommanden Dlanstag. Mittwoch u. Donnerstag 5.30 Uhr nachm. zum letzten Male. Freitm« nachm. 5.30 Uhr Premiere: Jas Partum DieiDerFrar Lustspiel von Leo Len» mit Lonl Pyrmont, Jlse Vollborn. Hüde Oreyer. Hans und Willi Ross. Erich Wilds. Preise von 30 Pf. bis 1.50 M. 20 Minuten Kaffeepause. Kaffes mf. Kuchen 30 Pf. Bier mit Salzbrot 25 Pf. /tügigerVor verkauf, tÄ�Iieh von 11— 1 Uhr vorm. und von 4—9 Uhr abends. Kleines Theat. Täglich 8>/< Uh> Olga Tsctie. hewa in: LiüliB- Kaufmann, kJnbtrtau Kurlürslenöamra- Theater Bismarck 449 Das schwache Geschlecht v. 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Von der«ladt Si a P i e r, die KG GGG Einwohner zählte, ist lein Stein auf dem anderen geblieben. Als die Häuser. Gebäude. Gas- und Elektrizitätswerke in Trümmer gestürzt waren, züngelten sofort die F l a m- m e» hoch. Explosionen vollendeten dann das trau- rige Werk der Zerstörung. Soweit die Vewohner nicht erschlagen oder schwer verletzt wurden, sind sie in die Umgegend geflüchtet.?tach der ersten Schätzung find in Rapier«GG Menschen umgekommen. Da alle Quellen und Brunnen verschüttet und die Lektunzen zerstört sind. Herrscht großer Wassermangel Zugleich mit Napier wurde die gesamte Insel erschütleri. Fast alle Brucken. C.scrchohnen und Dämm« sind zerstört, Straßen und Wege ver- ntchtet und an zahllosen Stellen ist die Erde weit geborsten. An der Küste sind hohe Felsen in die See gestürzt und viele Dörfer von dem springenden Meerwosicr überflutet worden. Ln der Stade lwstings, 2V Meilen von?iapier entfernt, sind lvv Personen gc- tötet worden. Der britische Kreuzer„B« r o n, c a' lag im Hasen | von Napier, als der erste Stoß erfolgte. Die Mannschaften wurden � sofort zur Hilfeleistung an Land gesandt. Beim zweiten Stoß flog da» Schiff haushoch in die Lust und auf Strand geseht. : All« in der Näh« stationierten englischen Dampfer sind mit Aerzten , und Rettungsmannlchaften herbeigeeilt, mn der Bevölkerung zu ; helfen. Ärankenhäistcr und Spitäler sind eingestürzt, die Insassen j unter sich begrabend. Flugzeuge bringen Wasser und Lebensmittel. Der Fluß R a n g: e i ki ist durch ein« Erdocrschiebunz bei Mango- weka blockiert und bildet dort einen See. Di« Küstenlinie d«r Insel ist vollkommen verändert. Die Zahl der vermißten und z«r- störten Fischerboote läßt sich noch nicht feststellen. Von Granaten zerriffen. Bier Opfer einer Erplosion. Budapest. Z. Februar. Aus dem Teleki-Vlotz, au dem sich viele Drödlerlädeo befinden, crplodierte heule nachmittag gegen Z Uhr eine Granate. Durch die Explosion wurden vier Versouen getötet und lZ ver. letzt, davon einige schwer. 3n Budapest wird gegenwärtig eine Rdniguogsaktion durchgeführt und die Trödler hätten da» ans kellern und Dochböden zuiwnmengetragene Gerumpel ousgekanst und die Sachen vor ihren Läden ousgehävit. Zn einem dieser Hausen l«stand sich eine Granate, die auf bisher noch nicht Aeklärte weise zur Explosion kam. Tlener Krawall in der Ackerstraße. Der Leiter der Warmehalle niedergeschlagen. Auf den(Zstchrigeu Richard Schreiber, Leiter der städtischen Wärmehalle in der A ck e r st r. 2, wurde gestern von Erwerb». loseu ein schwerer lieb er fall verübt. Der Beamte morde von »-ehrereu Burschen ohne jeden Grund zu Boden geschlagen und erheblich verletzt. Die Wärmeholle muhte durch Beamte de» Aeberjollkommando» geräumt und geschlossen werden. Drei der Haupträdelssührcr. bei denen es üch um Kommunisten handelt, worden seit genommen und der Abteilung IA ein- gellesert. Größere Ansammlungen, die sich vor dem Gebäude in der Ackerstraße bildeten, konnten bald zerstreut werden.. [ würde, so werden der Kutscher oder sein Beifahrer, die die Waste i vielleicht an sich nahmen, gebeten, sich bei der Kriminalpolizei zu j melden. Mehrere Telephongespräch«, die Urban in der Mordnacht ■ roch Leipzig führte, scheiden als Alibimomente vollkommen aus. ! Ebenso das Gespräch mit feiner Schwägerin in Neukölln, das um 1CM0 Uhr geführt w.irdc. Berich! ebene Umstände In der Wechselrede mit seiner Schwägerin belasten Urban sogar, es sieht>o aus, als od er durch den Anruf ein Allbi hall« schaffen wollen. Die Vernehmung der Zeugen, die in der Mordnacht im„Darmstädter Hos' zugegen waren, haben über die Anweseicheit oder Abwesenheit des Derdächtigten noch keine Klarheit erbracht. Ist Llrban der Mörder? Die weiteren Ermittlungen in der Morbalfäre Schmoller haben ergeben, daß sich der unter dem Verdacht der Täterschaft fest- genomniene Artist Urban zur Zeit der Tat in orger Geldoerlegen- � heit befunden hat. Urban hat bekanntlich erzählt, er habe die Pistole, ein« österreichisch S t e y r- P i it? l e, in den Mullkasten des Hotels , Darmstädter Hos" geworfen. Es ist eine bekannte Tatjach, daß die Kutscher die Kästen daraufhin durchsehen, ab noch brauchbare Gegen- stände darin sind. Es wäre durchaus begreiflich, wenn sie die Pistole an sich genommen hätten. Da dem Finder im Hinblick auf die Wich tigkest der Waffe ein Teil der ausgefetzten Belohnung zufallen Nazimöröer vor dem Vernehmuugsrithter. Bon den im Zusammenhmig mii der nächtlichu Schießer«: in der Hebbelstroß« in Charlollenbvrg festgenommenen acht Hakenkreuzlern sind lwnmehr fünf der Täter dem Der- nchmungsrtchtar vorgelührt worden. Es handelt sich nn? den Zäjährigen Bankbeamten Fritz Hohn, Koiserdamm 67, den Sstjähri- gen Fritz Domming. Lichtenrade, Kaiseralle« 38, besten 18jShrl- gen Detter Konrad Domming aus der Eauerstr. 3 in Charlotten- bürg, den 20jährigen Hermann Friede aus der Sophie-Char- lottc-Straße 8t und den lltsährigen Paul Foyer aus der Schiller- straße(7. Bon den Derhafteken Hot bisher nur Fritz Domming g e st a u d e v. auf die Kommunisten geschossen zu haben. Bei den anderen vier schweben zurzeit noch die polizeilichen Ermittlungen. Einige der Töter behaupten in Abwehr gehandelt zu haben. Dos ist durch Zeugenaussagen widerlegt und die Nazimöcher dürften daher mit diesem �Ooeh" wenig Glück haben, piscator vor der Freilassung? Nachdem die Einigung zwischen P i s< a t o r und dem Bezirks- amt Schöneberg gescheitert ivar und Pü-eator bis dahin keine Auf- ichlüste über seine finanziellen Berhaltnisse gegeben tKiüc, hat sich Rechtsanwalt Dr. Reiche mich einer Rücksprache mit Piscator nun- mehr entschlossen, der Steuerverivoltung die von ihr verlangten llnterlogen zu beschaffen. Außerdem dürfte auch«in« Abschlagszahlung geleistet werdan können. Unter diesen Umstäirden wird dos Bezirksamt dann auch seinerseits keinen Einwand gegen die Haitemlastung Piseators mehr erheben, vorcuisgcletzt, daß er sich verpflichtet, in Zukunft die Steuerratenzahlungen pünktlich zu leisten. Unser« Berliner Genossinnen hatten für gestern abend zu einer Kundgebung gegen den Faichisinus aufgerufen. Schon vor �-20 Uhr wußte der große Saal im Saalbau Jricdrichsham gesperrt werdcn und der Gartensaal für eine Parallelkundgcbunq geöffnet«erden. Entschlossenheit und S a m p s e s st i m.. m u n g kennzeichneten die Kundgebung: Unsere Frauen, alt und jung. find sich bewußt, daß es bei der Bekämpfung des Rakiooalsozia- liewns um ihre Freiheit nnd um ihre Rechte geht. Imposant ist der Einmarsch der roten Jahnen, die von unfern Arbeitersporl- leriunen im weißen Dreß aus die Bühne getrogen werden. Die tröstlichen Musiker der Freien Sport- und Wusikvcreinigung spiele», der bewährte Innge Chor singt. Dann nimmt nach einleitenden Worten der Genossin Käthe Kern der Referent des Abends Ke- uolle Staatsanwalt H o e g v e r das Wart. Räch dem Referat, aus das wir nach eingehen werden, fingt der Arbeiter char nnd musizieren die Arbciterfporller. Die Z n l e r- nationale schließt eine Kundgebung, die von dar Kraft nnsercr Frauenbemegung beredtes Zeugnis ablegte. In der Baralletver- iammlnng referierte nach trefflichen Ausführungen des Genossen D reffet wiedernm Genosfc Staatsanwalt hocgner. Kreuzberg macht sich schön. Fertigstellung der Grünanlagen. Schon im herbst vorige« Iahres hatte die Vezirksoerfammlmig Kreuzberg sich über den halbfertigen Zustand der geplante» Grünanlagen noch der Juichüttung des tuiscnstädtlschan Kanals beschwert nnd ihre sofortige Fertigstellung verlangt. Da dies aber mit den vom Dandeowohlfahrlsamt hierfür avsgeworseuen Mittel« nicht möglich war und auch die Städtische Zentralverwal- Ging dies«? Bauvorhaben nicht durchführen konnte, will jetzt der Bezirk Kreuzberg die Vollendung der Garlenanlagen selbst über- nehmen. Für die Befestigung der Wege und Treppenanlagen sowie für Beschassung von Bänken und Pflanzenmaterial für die in den Be- zirk fallende Strecke vom Oranienbatz bis zum Urban- Hasen sind rund 12 000 M. erforderlich, deren Bewilligung jetzt bei der Bezirksversarmnlung beantragt worden ist. Im Zusammenhang mit der Fertigstellung dieser Gartenanlageii soll dann auch ein« neuzeitliche Umgestaltung dcsMartaunenplatzes srfolgrn, der in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vo» Lenne entworfen wurde. Da dos Sandsteinbauwerk, das die Wllms-Büste umgibt, sehr baufällig ist und sein« Renovierung erhebliche Kosten beanspruchen würde, soll der Umbau beseitigt und die Büste selbst vom Kronkenhaus Bethanien übernommen und in dem Garten des Krankenhauses ausgestellt werden.. Die Entfernung des Denkmals gestattet es, in der Mitte des Mariannenplatzes eine zusammenhängende Rasenfläche van säst 100 Meter Länge und 36 Meter Breit« zu schaffen. Ilm den Blick auf das Feuerwehrdenk' m a l freizubekommen, fall auch di« davorsiegende Gaxtsnanlgge.inu- heittich als lArünflächs ausgestaltet werden......., Selbstmord im Charlottenburger Rathaus. Im Charlottenburger Rathaus verübte gestern abend der-tSjährig« Montageinispektor Friedrich K l e tz k e aus der Äaiier-Friedrich-Straße•49/50 im Abortraum Selbstmord durch Erschießen. Das Motiv zur Tat ist noch unbekannt. Die nächste Sitzung der Sladlverortmclen findet am D o n e r s tag, dem 5. Februar, statt. Beginn der Beratungen tun 16% Uhr. Zur Beratung steht u. a. die Vorlage über den Gebäudeaustausch der Carl-Michnelis-Oberrealfchule und des Leibniz-Gyrnnasiums. „Na, Franz, sieht man dich auch einmal wieder?" fragte ironisch Paul Eisennann, sein ältester Onkel. Er nickte errötend und lies weiter. Im Parterresaal, wo die großen Hobelmaschinen standen, schob ein älterer Mann einen hochbeladenen Karren halb- fertiger Hölzer. Der Alte hotte Mühe, vorwärtszukommen. Irgendwo stieß er an. konnte nicht mehr rasch genug zusassen und ein Teil der Arbeit rutschte splitternd über den Stein- fußboden. Franz blieb stehen und brüllte den Alten zornig an: .Können Sie nicht besser Obacht geben?! Das Material geht doch kaputt!" Der Mann schob gelassen seine Ladung wieder �zu recht, schaute Franz voll ins Gesicht mid sagte:„Quatschen Se man nich! Det seh ich doch ianz alleene. dat allens kaputt seht! Dazu brauch ich doch Ihnen nich! Der Karren ist eben überladen!" „Sa etwas gibt es nicht! Sie werden den Schaden er- setzen!" „Wat guasieln Se. Mönueken? Hörn Se mal. bei mich keen Kientopp, vastanden?' Wer sind Se denn eijentlich? Iehn Se man zu Hause bei Muttern. Se junges Kücken, und quatschen Se keene Männer cnl Weg da, Platz! sonst fahr ick Ihnen die Lackstielstetten ab!" Der Alte mit dem Karren schnitt ihm den Weg ab. Er mußte schleunigst seitwärts in eine Gasse treten, um von dem zornigen Arbeiter nicht angefahren zu werden. „Unverschämter Kerl Sie. Ihnen werd' ich!" rief ihm Franz nach und suchte Sandow zu finden. Der saß nicht mehr in seiner gläsernen Kommandobrücke, sondern hatte sich's im Privatkontor bequem gemacht. Es gab Franz einen Stich, als er Sandow om Tisch seines Paters sah, dci� eigentlich sein Platz war. Noch wütend von dem Vorfall unten im Maschinensaal. sagte er ungestüm:„Guten Tag!" und forderte die sostirtige kntlost'ung des Mannes. Sandow legte mit aufreizender Langsamkett die Fachzeit- schrift beiseite, in der er gelesen hatte, schaute Franz einen Augenblick aus zusaminengeknistenen schadensrohen Augen an und sagt? dann, seinen Triumph nur schlecht verbergend:„Unmöglich, Franz! Das ist mein bester Hilfsarbeiter! Es kann ja mal passieren, daß etliches Holz vom Karren fällt, des- wegen geht die Welt nicht unter. Der Mann ist sonst sehr gewissenhaft!" „Das geht mich gar nichts an? Ick verlange, daß der unverschämte Kerl bis heute abend entlassen ist!" „So, das verlangst d u! Aber vergiß nicht, wir haben mich einen Betriebsrat, der über Entlassungen zu entscheiden hat!" sprach Sandow, die Augen noch weiter zukneifend, mit aufkommendem Zorn. „Pah, Betriebsrat! Mit dem werd' ich auch noch fertig!" schrie Franz wutgellend. Da konnte Sandow nicht an sich halten und schlug mit der Faust aus den Tisch, daß das Schreibzeug hüpfte:„Ich verbitte mir jegliches Anbrüllen. Ist das der Dank dafür, daß ich mich hier ein halbes Menschenleben abgeschunden habe? Seit dein Vater tot ist, hat sich hier kein Aas um den Betrieb Sekümmert. Ich tue mein Möglichstes, aber ich verlange lespekt vor meiner Person!" Franz war starr. So hatte er den Dicken noch nie gesehen. Doch der explodierte weiter:„Bevor du herkommst und Krach machst, geh gefälligst zu deiner Tante rüber! Die wird dir noch mehr erzählen als der Korrsnjchiebcr!" Wittend raunte Sandow aus dem Kontor und ließ Franz stehen. Der schüttelte den Kops und wußte nicht, was er von dem plötzlichen Wutausbruch des Geschastssührers lzalten sollte. Es siegte sein jugendlicher Uebermut:„Oha, so stehen die Aktien! Ich werde mir einen anderen Geschäftsführer suchen müssen!" murmelte er und lachte. Dann schritt er durch den langen, schmalen Korridor, den betderseits Glaswände flankierten, hörte Schreibmaschinen klappern, Lachen von fröhlichen Mädchen, und stand schließlich vor der Buckhallerei. dem Heiligtum der Witwe. Heftig stieß er die Tür auf und sah die alle Dame über den Büchern sitzen. „Morgen, Tante!" sagte er freundlicher. Ueberrascht sah die Angeredete aus, schob, als sähe sie nicht gut. die Brille zurecht und sagte gedebnt, ohne den Gruß zu beachten:„Ach. läßt du dich auch mal sehen?!" Er hatte sich vorgenommen, der Tante gegenüber sich nichts von seinem Zusammenstoß mit Sandow anmerken zu lasten. Franz reizte dieser Ton maßlos. Sein mühsam niedergehaltener Zorn schnellte hoch. „Was habt ihr denn alle gegen mich? Schließlich kann ich noch tun und lasten, was ich will!" Die Tante sah ihm forschend ins Gesicht. Dann strich sie sich das graue Haar an den Schläfen glatt und sagte mittter- lich:„Komm, Junge, setz dich mal hin, deine Anwesenheit ist dringend erforderlich. Seit vorgestern sitzen wir hier wie auf Kohlen. Ich habe schon lange gewünscht, daß du konnnst!" Das begütigende Wesen der Tante stimmte ihn versöhn- lich. Er nahm einen der Kontorstühle und setzte sich ihr gegenüber. Die Tonte kramte in ihren Papieren herum und zeigte ihm dann einen Stoß Rechnungen. Er warf einen Blick daraus. Es waren Fakturen von Holzhändlern und anderen Lieferanten, zum Teil mit recht beträchtlichen Summen. „Zwoundreißigtousend Mark sind diese Papiere wert, mein Junge, und die Leute wollen sie haben!" „Ja nnd Tante?" „Die Bank hat das Geld nicht ausgezahlt, wie kommt das? Ich hörte wohl, du hättest vorgestern fünfundachtzigtansend Mark abheben lassen, aber.. „Wer sagt denn das, Tante?" „Sandow!" Franz sprang auf: „Was versteht der davon?!.. „Wahrscheinlich nicht viel Iungchen! Aber doch so viel, daß ihm Liirdeincr kein Geld mehr auszahlt und daß er in- folgedesten die Fabrikation einstellen muß, wenn den laufenden Verpflichtungen nicht nachgekommen werden kamt. Das dürste dir doch klar sein, daß man eine solch horrende Summe nicht aus einmal aus dem Betrieb ziehen kann. Geld ist iknapu zur Zeit!" Die alte Dame schmieg erschöpft und biß die i• scunmen. Aber sie brauchte gar nicht meiterzureden. Franz iech Ihren Augen an, was sie weiter hatte sagen wollen. Wie ein Blitz durchfuhr es ihn: sie hat dich im Verdacht, das Geld ver- juxt zu haben. Nein, das konnte er nicht auf sich sitzen losten. Er lief um den Tisch und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Tonte, die Mutter hat das Geld abgehoben, um Ischa zu helfen,... und... um gemeinschaftlich m't dem Süd- ftüchtehändler eine Autoaktienspekulation durchzuführen." „Also deine Mutter!" (Fortsetzung folgt.)- Das schöne Nazi-Konzert. Oer Kassierer türmt.- Arbeitslose Musiker betröge«. Das Blait des Herm Goebbels ,D«r Angriff" berichtete unter der Ueberschnft„K u n st und Kultur" am 27. Januar über ein Konzert einer nationalsozialistischen Sektion im großen Saal des Clou. Das Blart schreibt dazu:.Wir müssen der Sektion da- für dankbar sein, daß sie uns trotz der großen Unkosten diesen Be- nuß vermittelte, denn die künstlerisch« Leitung dieses Orchesters stand unter der vortrefflichen Leitung des Kapellmeisters E. Nie- mann wieder aus höchster Höhe." Man rühmt dann das Zusammen- spiel, die Sauberkeit, Reinheit und Klangschönheit. Wie wir von einem Mitglied des Orchesters erfahren, haben sich die nationalsozialistischen Veranstalter bei der Bezahlung der Künstler weniger sauber, rein und schön gezeigt. Das Orchester setzte sich zum größten Teil aus arbeitslosen Musikern zu- sammcn. Es mußte, da dos Programm künstlerisch hochwertig war, mehrere unentgeltliche Proben veranstalten und hatte allein an Fahrgeldern in den letzten acht Tagen vor dem Konzerl beträchtliche Unkosten. Dafür hofften die Künstler auf die vereinbarte an- ständige Entschädigung am Auffühningstage. Das Konzert selbst wurde durch die B ü rge r kr i e g s r e de eines jungen Herrn v. L. unterbrochen. Dann veranstaltet« man eine Tellersamm- lang zugunsten der Nationalsozialisten und ihrer Angehörigen, die bei der kommenden gewaltsamen Auseinandersetzung verwundet ober getöiet würden. Via dann die Musiker ihre Bezahlung be- gehctm. war der Kassierer de» Abend» nicht mehr aufzufinden. Vorher aber hatte er alle Kassenbeträge zirsammengezogen. Di« Musiker. 40 Mann an der Zahl, sind heute noch nicht im Besitz« ih!«r Mendgoge. Dafür haben die Dirigenten des Orchesters den Mitgliedern versprochen, das ihnen zustehende Geld aus der eigenen Tasche zu zahlen. Dieser Darstellung de? nationalsozialistischen Berholtsns'st wenig binznzusügen. Sie paßt allzu g«nau in das ollgemein« Bild dieser Leute hinein: Man nennt sich.Arbeiterpartei", um die Ar- beiter zu belügen, in den Bürgerkrieg zu hetzen und— um Lohn und Gage zu betrügen. Die 245. swellluhe) Schule. Pankstr. 20-22. veranstaltet am Donnerstag, dorn 5. Februar, abends 7!- Uhr,«inen Bunten Abend für die Eltern der Schulanfänger. Gesinnungsfrsunde sind herzlich eingeladen. Gleichzeitig findet eine Ausstellung von Zeichirungm und Handarbeiten der Schüler statt, die ain Donners- tag- und Freitagaband von 7 bis S Uhr geöffnet ist. Berichtigung. Herr Turnlehrer Adolf A l t h a u s bittet uns um Beröffentlichung folgender Zeilen: Der„Vorwärts" brachte in der Nr. 435 vom 16. September 1930 einen Artikel unter der lleberschrift„Ein Opfer der Rekordsucht", in dem er Darstallungen über einen Unglücksfall brachte, der in meinem Unterricht vor- gekommen fein sollte, und daran Ausführungen über meine Lehr- latigkcit onschloß. Sowohl die Angabe, daß der Unglücksfall in meinem Unterricht vorgekommen wäre, ols auch die Ausführungen über meine Lehrtätigkeit muß ich als vollkommen imwahr ablehnen und sie sollten sich auch, wie mir bei persönlicher Rücksprache in der Redaktion versichert wurde, nicht aus mich, sondern auf eineil anderen Turnlehrer beziehen. In der Nr. 447 wurde zwar die Angabe, daß der Unglücksfall in meinem Unterricht vorgekommen wäre, widerrufen, nicht aber die Ausführungen über meine Lehr- tätigtest.— Wir haben dem nur hinzuzufügen, daß wir seinerzeit da» Opfer einer Personenoerwechselung geworden sind. Selbstverständlich beziehen sich auch alle Ausführungen über die Lehrtätigkeit in diesem Artikel nicht auf Herrn Althaus. Veite raussichten für Berlin: Größtenteils trübe und Vex- schärfung des Frostes: keine oder nur unwesentliche Schneefällt: öst- liche"Winde.— Für Deutschland: Im Nordosten strengor Frost, auch im Westen Uebergong zu Frostwetter, überall ziemlich trübe und be- sonders im Süden einzelne leichte Schneefälle. CinitBlrangca für birst Rubrik st»b Berlin sw«, Siabcaiixalr 3, (Uta da» Dezirkrsrkrrfariai Z. Hof, 2 Zrrppra recht», za richte». l. 5lr«!». Bildunasausfchug. üeulc, 2» UIn. Citmua bei Jtluii, Danrig« Strofie 69. 3. fttft» griebri»»l>aia. itreisvorltanbsgfiuna mit Rbteiluniisleiiern. Trciiag, 6. Istbriia:. lüj übt, Memrler Sit. 18. 11. nrri» SchSaeberg.grirbeaa». Stcitaq, 6. Jftbtaat, 2» Übt, i» brr Wart- fora-SJ'alc,«m Bartbargplal,, L»rtraqsi,qNa» de» Srnossra Dr. gried- laader üb«;.Der ftifchitnuu". gabir-ichr Brteilinaa« der iüagerra Dar» trig-naffea ist«nrüascht. 12. St tci» Sicnliü-Saalwib-Lichierstlb». ,Drr Wnnderdaklar Kitirr. � W hl Uaict Stomp! tttpen dr» Rati» aalst» habe. Als der Aerteidiger dann u. a. sagt, daß Stolpe mn Luisens schöner Augen willen bereit gewesen sei, alles zu tun, was sie wollte, ruft die Angeklagte dazwischen: ,.'n schönen Hintern habe ick ooch!" Auge um Auge— Msrd um Mord? Rechtsanwalt Dr. R e i w a l d plädierte für Benziger. Die Forderung des Mordporagraphen stehe im Falle Benziger in teinem Verhältnis zu den Forderungen der Vernunft und des Herzens. Di« Entscheidung trage aber nach einem römischen Ausspruch das Herz des Richters. So müßten hier Möglichkeiten gesunden werden, das Recht so zu sprechen, daß man Benziger gerecht werde. Diese juristischen Möglichkeiten seien gegeben. Einmal durch die Ver- neinung der Ueberlegungssähigkest, des anderen durch die An- erkennung, datz bei ihm bloß Beihilfe zum Totschlag vorliege. Der Staatsanwalt beantrage die Todesstrafe ganz im Sinne der Forde- rung: Zal)n um Zahn. Auge um Auge, Mord um Mord. Die Gesellschaft werde sich aber nie ganz von einer gewissen Mstschuld an geschehenen Verbrechen freisprechen können. Iustizrot Dr. D av i d s o h n meint, es sei nicht wahr, datz Luise Noumann die treibende Kraft gewesen sei. Sie, die mir im Unter- suchungsgefängnis gesagt hat: wenn doch früher ctamal einer so zu mir gewesen wäre wie seht so viele, es wäre doch nicht geschehen,— hat sich Stolpe angeschlossen, eben well er gut zu cht war. Di« Schuld, daß das olles mit ihr geschehen Ist. trifft ab« nicht die Eltern, trifft auch nicht das Jugendamt, sondern die Zeit, in der wir jetzt leben. Die Angeklagten saßen während der Reden ihrer Verteidiger grötztenteils mst tlefgefenktem Kopfe da. Bloß die SUm- mung von Luise Neumann hatte sich gegen Schluß der Verhandlung sichtlich gebessert. Man konnte mehr als einmal ihr kokettes Lächeln auf sich wirken lassen.— Die Verhandlung ist auf heute morgen 9 Uhr vertagt. osnsnfllciio Rundgebungen 8. Abteilung. Miiiwodi, den 4. Februar, 19'/« Uhr. Im Naiionalhof. Boiowsir. 37. Thema; Der Nattonaisoztalümus. sein Anfslieö und sein Ende. Redner. Genosse Professor biSItlng. M. d. L. 108. und 108a. Abtcllond(BÜpenitSO. Donnerstag, den 5. Februar. 20 Uhr. im grofem Saal des SladllheMers, Friedrichsjr. 6, Thema: Nationaler Sozialismus— TolKsbclniO. Redner: Genosse E r i di K u H n e r, M. d. L. III. Abteilunö(Bohnsdori). Sonnabend, den 7. Februar, 20 Uhr, FUmabend bei Madry, Restaurant xu den vier Jahreszeiten, Bahnhofsfrabe. Thema: BaiBpf ߀EU FaSdZ'SUlUS. Redner: Genosse Dr. H a u b a c h. Männer und Fraisen, heift den Faschismus bekämpfen, erscheint in Massen! Sozialistische Ardeiterjugend Sroß-Serliv fflr WtTe rftuSri? HL: es M yasttä'.tXrtiorrim, u>e?t: Tossestr. 22.„«tbeliecolnutpiabc."— Warschauer Viertel: Litauer Strane.„Der Mnsjahroian in Ziukilanb."— Westrnb tAeitere): Ssoctpiaji Westend. Taaespoiitik.— Wrfteu: Wir beteiligen uns geschlossen an der öffcnilichen Kundgebung der Partei<8. Abt.) im Ratianaldaf, Biilawstt. 37. Trefsounkl 19 lldr Bahnbof Illlawstrahe. Di«. kussioneabend nächsten Mit'woch. Brrbrbrstrt Aeulilla: Evrechsiunb« von 17% bis 19 Ubv in die Sang. bofentrabe. 19% Uhr Delegiertenionfereng in der Kannet Strafte. «rrhrbezirk Bebbiofl; Sftngetctiatbeilslccis. Tagesoolitit. Turiner Sät See strafte. « Möbelkuesu» fibet ürauenseaqea! Sie Teilnehmer treffen sich jut Desichtj. gimg des sZrauenkunberniiseums am Nrci'.ag. dem 6. IZebruar. 19 Uhr, not dem Museum, CbaeloÄenburg. Vrriiuer Str. 137. Vorträge, Vereine undVersammlungen. t%% Reichsbanner.Schwarz-Rot-Gold". Salchäftsstell»: Berlin S 14. Sedasiianlir 87—88. Sok 2. Tr Mittwoch, 4. jZebruar. Trevtow(Ortsocrcin). fiimgbannct. Antreten 19% übt Bahnftof Rioderschönemeid« in Un'.farm, gweels Srllnbung der Eruppe Siiederschöneweid«.— D»uarr,tag, 8. Zedruar. Köoruick(Oda- verein). 19 Ufte Antreten der Schuto im Stadttheater. ReiaiSend»rs.«rst Vor zehn Jahren starb der Dichter Karl Hauptmann. Seinem Andenken gelten zwei Verarstaltungen des Berliner Senders. Dr. M I l ch steht die Tragik seines Lebens darin, daß es im Schatten des großen Bruders Gerhart stand, und daß deshalb die Dichtungen nicht so gewürdigt wurden, wie sie es verdienten. Mystik durchzieht seine Werke, und das Thema des Künsilerromans„E i n ha r t, der L ä ch l e r", nämlich die Auselnandsrietzung zwischen Individualität und Gcscllschast, ist überhaupt das Grundproblem seiner Werke. Schwerblüstgkest und Tiefe des Gesühls leben in den Gedichten, die L i« b e ck vertont hat. Der Varitonist Dr. Paul L o r e n z i singt sie mit starker Verinnerlichung. Dann übernimmt Berlin die Vres- lauer Aufführung des Dramas„Die lange I u l«", das vor einigen Jahren durch die Berliner Volksbühne zu starker Wir- kung gebracht wurde. Di« Handlung spiest im Riesengebstge Zwischen Bauern. Es ist die Tragödie eines Hasses, einer Manie, aber dalsiistsr steckt etwas anderes, nämlich die Leidenschaft zur Hetwat, zur Schalle. Die Entwicklung der Menschen verläuft langsam, ab«? sie stehen sich jedoch tn dramatisch zugestittzten Situationen gegew üb«r. Eine Dichtung von große'm Fdrmat. Der Eindruck der Aufführung est st ort. Man o«rmitzt nicht das Bühnenbild. Der Regisseur Dr. Engel stellt sein« Inszenierung allein auf das Wort. Er arbeitet mit den feinsten Nuancen und schafft durch die Abstufungen der Stimmen im Hörer ein räumliches Gefühl und er- möglicht es, daß Breiten der Dichtung, di« vielleicht auf der Bühne stören, hier ihre innere dramatische Spamumg enthüllen. Und darauf kommt es in jedem Fall bei der Rundiunlsendung eines Vühnendromas an und nicht auf die begleitenden akustischen Ge- rausche. Die Darsteller sprechen vorbildlick) intensiv und formen da. durch die Porträts der Menschen.?. Sdi. fflamcrairflafl). 20 Uhr Lorstanösliftung.— 3««ag.«. RtStaar.«rraU-a« Steeg(Cirtsvetein). 20 Ubn Siftung be» erweiterten OttsoeiflnfoaiibuuV« tor bclonjutn Lokal. Ab 20 Ufte Baden in bekannter Halle.«ab-sdori Senra e tIungbanner). 20 Uhr Kui'ammenlunft im kiugenbiieim Wachtelstrafte. Bei» Ilten. dorf-Wesi t Kameradschaft). 20 Ubr Kameradschaftosiftiina. * Saamrllanb. Achtung, Ottsverelnstasjierer! Die SintvitlsSariett für die Bundedgriindungsfeier am 20. Februar sind sofort vom Gaubürv adsubolen. Mvseam lit Aatnrkuvde, Znvalidensir. 43. ÄemeinversieindliäM vnb unenl« geliliche Vorträge. JRit'roodis 18 u. 20 u:,r. vtinkrlt», 4 si-bruar. 18 llbr:„Das Tier als Jäger und �allenstcllsr-c Wasch- und Wringmaschine oder das„denkende Plätteisen", das sogar unser« Gehirnsunktion zu unterstützen bereit ist. Daneben wird feuerfestes Porzellan, unverwüstlilhes Emaillegeschirr, hygienisch und praktisch einwandfreie- Aluminiunigeschirr gezeigt nebst all den reimgei'-den BehelismiUeln wie Periii, Ata, Jmi und was sonst dcr Markt an praktisch bewährten Neuheiten bringt. Und wenn man dann müde vom Examen nach Lust und Erfrischung jnpst, dann hat die bckamite Tchokoladenfirma„Burkbraun" für oll die schlappen Geister ein Lebeneelexier in Bereitschaft:«ine Tasse RadmmschoWade nebst Vitaminkersen, hergestellt von der Friedrichsdorser Zwieback- firma Pcnisq u. Et> Man soll aber nicht bloß gute, leider oft nicbt einmal erfüllbare Ratschläge mit nach Hau'e nehmen, sondern auch etwas Positives, bofür sorgt wiederum der Porzellanonkel Hlitschen» reuther, der ein prächtiges Gedeck für seine Gäste üi Bereitschait hat. Die Ausstellung, wo liedliche Spreewälderinnen bei Jazzmusik das Publikum bedienen, ist täglich von 11—14 Uhr und von IS— IS Uhr geöffnet. /V fta.'sen�Bnduog � unef Erhaltung m züszüszz 9£enry 3>ou1aille: 3)SiS 0J)fCV Sie saß vor ihrer Rähniaschin« und säumte eine Schürze für ihren Jungen. Dabei war sie ganz in Gedanken versunken über die notigen Anschaffungen für die Ferien des Knaben. Man umerjchäfet immer die Auslogen. Er ging ins siebente Jahr und da wächst sich ein Kind schnell aus den Kleidern. Der Schularzt hatte ihm für die Ferien einen Lufenchalt auf dem Lande verschrieben. Er war leb- hast, aber bläßlich. Sie überrechnete zum wer weiß wievielten Male, ob sie sich nicht doch noch etwas für den Jungen absparen könnte, als ein ungewöhnliches Gelaufe vor dem Haufe sie aufhorchen ließ. Auf der Treppe kamen unsichere, fchwere Schritte die Stiegen auf- wärts. Das müssen mehrere sei, dachte sie. Im ersten Augenblick, eine Sekunde nur, glaubte sie, es wären Detrunkene, die nach Hause kamen. Aber es war erst vier Uhr und war nicht Sonnabend oder Sonntag. Sie schüttelte den Kopf und konnte nicht einen schweren Seufzer unterdrücken. Eigentlich ohne Ursache. Die schweren Schritte auf der Treppe kamen höher hinauf. Mensch wie Tier spüren aus dem Atem Tod und Leben. Sie wollte sich gegen den Schreckens- gedanken auflehnen, als im gleichen Atem ihre Angst zum Schrei wurde:„Das ist mein Mann!— Man bringt ihn nach Hause!' Sie wollte es nicht glauben und bäumte sich gegen die Gewißheit des Blutes. Die Stöße der Füße aus den Treppenstufen wurden fester. Sie wollte öffnen und hinunter rennen, aber sie blieb, gebannt van der Angst, dem Unglück die Tür zu öffnen. Auf der ersten Etage verhielten die Schrille und stiegen dann höher zur zweiten Etage. Sie härte Türen schlagen und Gerenne in den Fluren. Der ungewohnte Lärm beunruhigte die Einwohner. Der erste, der sich über das Geländer der Treppe bog, schrie aus: ,T>as ist Balier. der Zinunermanu vom drillen Stock!' Andere stürzten herbei und drei Nachbarinnen rannten voraus. Frau Voller zu benachrichtigen. Die Frau halle darauf gewartet, daß die Gewißheit ihr« Angst zerreißen käme. „Mein Mann?— Mein Mann?'— Was?' fragte sie wie geistes- abwesend. .Ja', sagte eine.„Verletzt!— Sie bringen ihn herauf. Ich glaube am 2lrm...* „Berkeßt?'— Die Frau sprang auf. stieß die Nachbarinnen zur Seite. Die Frauen hatten keine andere Wirkung ihrer Worte er- wartet. Langsam stiegen drei Männer die Treppe hinauf. Sie sah. die Atänncr stützten mit größter Vorsicht den Verletzten, der bei den ewigen Windungen der engen Treppe ächzte und stöhnte. „Georg!' schrie sie. ..Johanna!' bemüht- er sich zu erwidern,„ich bin es!' Es strengt« ihn an. „Bleibe ruhig', sagte einer der Männer,„gleich sind wir oben.' „Ich bin verletzt!" Klang es wie ein« Entschuldigung aus seinem Mund«. „O mein Gott!' Sie stöhnt« und schrie auf. Di« Männer, die die Last trugen, wollten nicht einHallen. Aber die Frau ging ihnen nicht aus dem Wege in ihrer Vsrzweif- lang und Angst. Einer der Männer. Lunsl, gab ihr zu verstehen, aus dem Wege zu gehen, um so mehr, al, sich ein- Meng« Neugieriger von allen Sellen heranschob. „Fau Dalicr. lassen Sie uns erst nach oben... machen Sie das Bell.,,... ...Wie zitterte an oKu Gliedern �.Ach weist nfcht/ lpäs jall ich nur anfangen... ich.. Sie rannte einige Stufen voraus und wäre dabei vor Angst beinahe gestürzt. „Ist ja wahr, sein Bett liegt voll Wäsche.. Vor dem Plätten hatte sie die Wäsche gestopft und geflickt. Sie rannte hinaus, das Bell in Ordnung zu bringen. Der drille Stock war voll von Menschen. Da war Frau Ragon, Frau Salat, die klein« Hedwig und alle Einwohner aus dem oberen Stockwerk. Einige Dutzend grauen und Kinder standen da und hinter der Gruppe war das Gedränge aus den unteren Etagen. Frau Ragon schaffte Platz: „Laßt dock, den Weg frei... zurück von der Treppe!" Sie gingen zurück und drängten sich on die Wand. In dem Tragstuhl der Männcrhände wurde Valier wie das Allerheiligfte einer Prozession vorübergetrogen. Er nahm olle Kraft zusammen, um sich wenigstens steif aufrechtzuhalten und verbiß jeden Schmerzenslaut. Endlich hatten sie ihn in seiner Wohnung. Sie setzten ihn auf dem Bettrand ab. schlugen die Decken zurück, und so sehr sie sich auch vorsahen, konnten sie nicht verhindern, daß er dabei entsetzlich aufschrie. Die drei Arbeiter sahen einander in hilfloser Verlegenheit an und verschränkten die Arm«, die nun befreit waren von der Schmerzensbürde. Sie schienen noch über nötige Maßnahmen für ihren verletzten Kameraden nachzudenken. Die Frauen flüsterten «inander zu, wie sie irgend helfen könnten. Frau Salat nähert« sich den Männern. „Glauben Sie... es ist nicht schwer.. Sie schwiegen. Frau Ragon wandt« sich zu den Männern. „Mögen Sie ein kleines Glas?' Sie sahen einander an. .Ja', sagte einer und sie führt« die drei in die Küche, holte Gläser und goß«in. „Wie ist das gekommen?" fragt« sie ohne Umschweife. „Man weiß es nicht genau', erwiderte Lunel. „War«in Arzt da?' „Ja, Bruch der Wirbelsäule, sagte er...' „Ist er gefallen?" .Ja, si« fielen zu zweien, Voller und Nenni,«in Italiener, der war gleich tot." Lunel stockt«, und«in anderer fuhr fort. .Ich habe es genau gesehen. Ich wollte ihnen noch zurufen: „Vorgesehen!", da war es schon geschehen. Ein gesprungenes Brett bog sich unter ihren Füßen durch und beide stürzten herab... Nenni wog sein« neunzig Kilo." „Ich stand unten", sprach der drille weiter,„?t«nni gab nicht mehr«inen Laut von sich. Cr war aus der Stelle tat, aber Valier schrie sogleich um Hilfe. Man lies zum Arzt gegenüber der Bau- stelle. Er kam sofort. Sein erstes Wort war Hospital. Valier schrie: .Nein, Jungens, ihr bringt mich noch Haus!'— Der Arzt schüttelte den Kopf und zuckte die Achseln.— Das kann ein ganzes Jahr dauern, das ist sehr kompliziert... Wir holten eine Taxe und brachten ihn hierher." „Ein Jahr?"— faßte sich Frau Ragon in die Haare.„Die Aermstel Uni der Jung« und das andere, das nach kommt... Ein Jahr, dann ist«r gelähmt... sür sein Leben." „Der Arzt sagte, der Bruch der Wirbelsäule sei nicht die ge- jährliche Stelle. Vor sieben, acht Monate gibt er keine Hoffnung." Sie wollte noch einmal eingießen, aber die Männer dankten. „Wir wollen gehen", sagte Lunel..Ich könime heute abend nach vorbei. Lassen Sie- sofort«inen Arzt holen,'Sie wissen, er hat frei« Wahl. Er kann einen Arzt nehmen, den er will." (Schluß folgt.) Malloren und Mallorenlchaist Ton yternmnn JCange Es kommt im Zellaller der Weltsunkverbindungen und anderer entscheidender Dinge noch vor, daß man in Europa lebendigen Menschen begegnet, die nicht nur zu besonderen Gelegenheiten, sondern täglich und im gewöhnlichen Leben einen Dreispitz aus ihre» Häuptern trogen. Man hat dann für einen Augenblick das Gefühl. alz ob rnon sich in der Straße �geirrt und in Gedanken ein falsches Jahrhundert entlang gelaufen wäre. Aber es ist durchaus kein Versehen. Der Geschichte passieren niemals Versehen. Im Italien des faschistischen Regimes trägt die Polizei(abgesehen oon� der faschistischen Miliz) nach immer den Dreispitz, einen blauen Frack mit weißem Bandelier und ganz breite rote Streifen an den Hosen, also eine llnisonn, die versunkenen Jahrhunderten angehört. Aber auch in Halle, der gemüi- und pietätlosesten Stadt der Erde, trifft man noch immer Männer, die. seltsam dunkelhaarig und dunkel- äugig, seidene Kniehosen mit Schleisen, Schuhe mit silbernen Schnallen, langschößige Röcke und ous dem Haupt«inen Dreispitz tragen. Freilich sehlt ihnen die lebendige Grazie und sene natür» liche Würde, mit der auch der letzte„(�uiu-tlig tnnnicipale" in Rom wie in jedem Abruzzcndors sein altes Gewand dem jüngsten Tage entgegenträgt. Und damit oerratrn die Dreispitzträger der Saale- stadl, wie sehr sie nicht nur den Tiefen, sondern auch dem Brachsein des hallcschen Schlages aufs engste verbunden sind. Aber Ich will Ihnen erzählen, wer sie sind und wie das gekommen ist. Außer ien Hallensern und den Halunken gibt es in Halle noch eine drille Gruppe von Menschen: das sind die �Halloren.„Außer den Hallensern", sage ich nicht aus einer stilistischen Ungenauigkeit oder Spielerei, sondern mit vollem geschichtlichen und ethnologischen Recht, denn die Halloren sind im Grunde keine Gruppe von Hallensern. Sie sind überhaupt keine Hallenser oder aber, wenn man de» Blick bis an den Ansang zurückschweiien läßt, die einzigen wahren Hallenser und all« übrigen nur im Verlauf der Geschichte Zugelaufene. Di« Halloren waren nämstch schon lang« da. bevor Halle gegründet wurde. Stammesgeschichllich gesehen sind die Halloren die unvermischt gebliebenen Reste einas allen Volkes l ellischen Bluts: pandesgeschlchtlich sind es die Salzwirkcrsleute. die Letzten der„Salzwirkerbrüdarschast im Thal« zu Halle". Die Kennt- nis der Salzsiederei hat das Schicksal der Ahnen unserer Halloren und dawi� der Hollo".» selbst eillscheidend beeinllußt. Cs ist als sicher anzunehmen, daß ihre Vorooriahren kellische» Ursprungs schon Salz gewonnen haben, che die Germanen, die auf der Wanderimg nach Westen nächstfolgende Rasie der indogermanischen Völkergruppe. unter dauernden Kämpfen mit den zurückweichenden Kelten ms mittlere Europa vordrangen. Ossenbar war es nun so, daß hier an der Saals die Salzsiedekundigeir� von den Eroberern nicht verjagt oder niedergemacht, sondern als Sklaven zur Salzgewinnung sür die neuen Herren zurückbehalten wurden Das Schicksal sügie es auch noch ein zweites Mol so. nämlich während der Kample, in denen die in späterer Zeit nachdrängenden Slawen den germanischen Stämmen das gleiche Los bereiteten wie diese einstmals den Kellen. Auch lleßu» die ac»>-n Herren die Salzsted« am Lebe» und im Dienste der Salzgewinnung. So wurden die Vorsahren der Halloren den dritten Beherrschern der Salzquellen dienstbar, deren zwei sie bereits überlebt hallen. Als Ueberreste eines fremden Volkes im fremden Volke lebte» sie abgeschlossen und jeder Vermischung abhold auch dann noch, als die Entwicklung ihnen allmählich Freiheiten, später auch Ansehen und Wohlstand und schließlich sogar Vorrechte bracht«. Di« Folge war Inzucht mit allen verderblichen Wirkungen. Die kaum zweihundert Halloren(auch der Name spricht sür den keltischen Ursprung ihrer Träger, denn die Warte„Halle" und „Saäle" sind keltischen Ursprungs) zeigen alle augenfällig« Merkmale der Degeneration. Nur sellen findet man unter ihnen— sie heißen fast alle Frosch, Siebert und Cbert— einmal einen Vertreter, der entfernt an eine schön« und imponierende Erscheinung erinnert. Neben dem Ealzwirk«geschäit übten die Halloren in den späteren Jahrhunderten allerlei andere öfsenllich« Funktionen, dar- unter den Feuerschutz, aus. Daß die Halloren nicht nur mit Feuer, sondern auch mit Wasser umzugehen wußten und deshalb tradi- tionsgemäß den Schwimmuntervicht im Freibad erteilten, wissen die alten Hallens« noch aus eigener Erinnerung. Heute treien die i)alloren außerhalb ihrer beruflichen Arbeit nur noch als Leichenträger in Erscheinung. Selbstverständlich tragen sie auch bei dieser Gelegenheit den Dreispitz zu ihrem historischen Kostüm. Es ist das letzt« Dorrecht des sterbenden Sicnnmes, fein Leben zu zeigen, wenn andere tot sind. Biel Talent zeigten die Halloren von jeher für das B e» schenktwerden. Dieser Zug an ihnen hat in seinen Folge- Wirkungen geradezu historische Bedeutung erlangt. Es mag sein, daß das Schicksal der Halloren als Reste eines besiegten Volkes innerhalb zwei« Herrenooller ein« besonder« Anpassungs- fähigkeit in ihnen entwickelt mid die Salzwirker im allgemeinen zu bequemen Untertanen gemacht Hot, die sie auch blieben, als sie längst wicts cht} ü ich« und politische Vorrecht« genossen.. Der b e- rühmt« Silberschatz der Holloren— von großem Wert und der Stolz der Brüderschaft— verdankte seine Entstehung einem alten Brauch Jeder neu« Landessüxst mußte bei seinem Regicriurzsaichritt(und angesichts der dauernden Kämpf« um Hall« war das früher kein allzu seltenes Fest) sein Leibraß, das von den Halloren um füe Solqueflsn geführt wurde, durch Spende einer F a hne und eines Silbcrbcchers wieder„auslösen". Der Schatz wurde auch durch zahkreiche andere fürslliche und privat« Schenkungen dauernd vergrößert. Wie gern die Halloren zu Hof« gingen, zeigte sich innner bei den all- jährlichen Gratulationen zu Kaisers Geburtstag. Jedesmal am 27. Januar überbrachte eine Deputation der Halloren d-m Monarchen Schlackwurst und Soleier als Geschenk. Als Gegengabe einpiuKien sie ein« Fabn« und ein Bierd. Wie es um die nationale Gesinnung der lzalloren aber in Wirklichkeit bestellt war, das wurde aller Welt offenbar, als sie niemanden mehr hatten, zu dem sie zu Hos« gehen und aar dem jie-out gähnen ausmarschieren konnten. Eines Tage» merkten die Halloren, daß man mit dem Verkauf des Silberschatzes nach Amerika viel Geld verdienen konnte. Da waren mit einem Male alle Gefühl« der Anhänglichkeit an das angestammte Herrscherhaus und seine silbernen Becher, da war alle Ehrfurcht vor dem Ueberlieferten vergessen. Der stistorisch» und ideelle Wert des Schatzes galt nichts und der materielle olles. Die Stammgäste der kaiserlichen Gratiilationscour waren entschlossen, ihre mehr- tausendjährige Vergangenheit an Dollarmillionäre auszuliefern, einer an sich hohen Summe wegen, die sie aber doch nur m Inflations- papiermark gezahlt erhalten hätten. Nur dem Eingreifen der preußischen Staatsregierung ist es zu danken, daß es nicht zu der Auslieferung kam. Sonst müßten die lzolloren heute ohne die fürstlichen Becher auf die Heimkehr der Hc-henzollern warten und das mühevolle Geschäft der' Fahncnsammlung durch Abstoßung von Wurst und Soleiern wieder oon vorn beginnen. Und dazu hat die Geschichte denn doch keine Zeit, den Leuten zuliebe alles noch einmal zu machen. Afrika, die IDiege der UienjchheM? Der französische Major Benrard de Pontois wird eine anthropologische Forschungsexpedition sichren, die in diesem Winter bis ins Herz der Sahara«indringen will, um im Gebiet des Tanezruft, der„Wüste des Durstes", Ausgrabungen vorzunehmen. Die Expedition, der hervorragende Archäologen, Anthropologen und Naturforscher angehören, wird dies« Tage von Mgier aus in großen Automobilen die Reise unmillelbar nach dem Süden der Sahara antreten. Man hofft, eine Sammlung van prähistorischen Geräten heünzichringen, wie sie von den Höh-lenmenschcn benützt wurden, die vor lälXXi bis 20000 Jahren das Gebiet der Heilligen Sahara bewohnten. Die Ausbeute dieser Sammelarbeit soll auf der nächstjcchrigen Pariser Kolonialansstellung in einer prähistorischen Sonderabteilnng vereinigt werden. Hitze und Wassermangel hallen es bisher nur wenigen Gelehrten gestallet, ins Herz der Wüste vorzudringen und sich des Materials zu bemächtigen, das, wie man weiß, dort in Ueberfluß vorhanden ist. Im Mittelpunkt dieser„Durstwüste" des Tanezruft harrt der Expedition eine auf drei Tage berechnete, mühselige Arbeit, die dem Zweck dienen soll, meteorologische, magnetische, elektrische und geologische Studien zu machen. Nie zuvor hat eine wissenschaftliche Expedition in der Gegeni» geweilt, die wegen chrer sinnverwirrenden Lustspiegelungen zu den berüchllgsten Gebieten Afrikas gehört. Auf rund 1200 Quadratkilometer ist die Wüste ohne Wasser und Bäum«. Nach der Durchquerung des Tanezruft wird die Expedllion im langsamen Tempo die Reise in Richtung ous den Niger fort- setzen. Im Massiv der Haggarbergc wenden sich die Forsch« vier Wochen aushalten, da auch dort viel« prähistorische Reste vorhanden sein sollen. Major Pontois gedenkt vier Monate nach der Abreise wieder in Algier einzutreffen, gerade zur rechten Zeit, um der unerträglichen Sonunerhitze aus dein Wege zu gehen, die das Gebiet für Menschen und Tiere unbewohnbar macht. Er hosst, daß die Expedition den bündigen Beweis dafür erbringen wird, daß Nord- afrika und nicht Asien die Wiege der Menschheit war. Jiälle und JCebemenergie Es gibt eine KöLtetempenllur, in der olles Leben unbedingt erlöschen muß, weil die Moleküle ihr Bewegungen einstellen. Diese Temperatur van 273,2 Grad Kälte, die man als den absoluten Nullpunkt bezeichnet, hat man bis heute selbst in den Kältelabora- torien noch nicht erreichen können. Immerhin ist man ihr aber schon sehr nahe gekemmeir. Als vor etwa fünf Jahren iscr Vcrfüch � gelang,- däs Gas Helwm'zmn Erstarren zll bringen, war'dazu eine Temperatur nwtig. die-rrur um v, 8 Grad höher war als der abso- lute Nullpunkt. Soll Helium verflüssigt werden, so bedarf es hierzu einer Kall« von 258,5 Grad, und innerhalb dieser fast unvorstellbar niederen Temperatur kann sich nun schon tierisches Leben auf kurze Zell erhallen. Bei dem Versuch, Bärtierchen wie auch kleine Faden- wärmer und Rädertierchen während ihres Ruhcstadimns, also im eingetrockneten Zustande, der Temperatur von 25LL Grad Kälte auszusetzen, zeigte sich, daß si«. als man sie nach mehreren Stunden langsam wieder«wärmt«, noch ganz lebensfähig waren; dieselbe Beobachtung machte man auch an den Eiern dieser Tiere. Nach Prosesior Pütt« war es sogar möglich, die Tiere, auch wenn sie nicht eingetrocknet waren, nach einem 24stündigen Aufenthall in ein« Kälte von 253 Grad Celsius wieder ins Leben zurückzurufen. Hierzu mag bemerkt werden, daß in einem Raum, in dem diese Kälte h«rscht, ein Eiszapfen wie ein heißes Stück Eisen wirkt, das man in kaltes Wasser wirft, und Kupfer und Blei hart wie Stahl werden. Auch Batterien lassen sich bei 2lX) bis 250 Külte- graben nach am Leben erhallen, ja selbst unsere Schimmelpilze besitzen-ine solche Källcwiderstandskraft. daß sie 2<)<) Grad unier Null ohne Schaden vertragen. Was höher« Pflanzen an Käl!« aushalten, zeigt uns die Flora der ostsibirischen Taiga, wo die Lärchen und Birken, allerdings im Zustand einer richtigen„Winter- starre", einer Kälte von 30 bis 50 Grad Celsius widerstehen können. Sogar Blütenpflanzen können viel Kälte vertragen, so z. B. der Eis-Hahnenfuß(klanunculus«lacialis), der als höchstwachsende aller unserer Blütengewächse in Höhen bis zu 4000 Meter vorkommt; denn, wenn während seiner Blütezeit scharfer Frost einfällt, so werden seine weißrosa Blüten eishart, sobald aber die Luft milder ist, tauen sie wieder auf und— blühen weiter. Beim Menschen setzt die Lebenslätigkeit aus, sobald seine Körpertemperatur auf 23 Grad Wärme sinkt. Dies ist die niederste Temp«otur, die tzisher am Menschen beobachtet wurde, und gleich- bedeutend mit dem Tod des Erfrierens. Aus kurze Zeit kann aller- dings auch der Mensch große Kälte ertragen. So stellten erst kürz- lich zwei amerikanische Gelehrte— Jackson und Highficld— einen sehr bedeutsamen Versuch an. Sie zogen nur leichte Leinenanzüge an. begaben sich dann in eine Kältekammer, in der 30 Grad Külte herrschten, und wollten nun beobachten, wie lange ein leicht- bekleidet« Mensch es in dieser Kälte aushalten könne. Schon nach 18 Minuten verloren beide das Bewußtsein, erholten sich jedoch, als man sie ganz allmählich wieder erwärmt«, bald wieder. Messungen ergaben, daß die Temperatur im Munde der beiden Forscher trotz der Kälte immer noch 28 Grad betrug. Aber schon nach dcx 7. Minute des Aufenthalts in der Kältekammer war keiner der beiden mehr imstande gewesen zu sprechen. Ein zweites deutsches Dlber- Schutzgebiet. Der Biber, der nur noch in Kanada in größeren Siedlungen frei norkammll, ist in Eqrova zumeist nur noch ein Schaustück der Zooloqischcm Gärten. Aber bei uns besitzen wir an der Eide zwijchen Magdeburg und Dresden ein Schutzgebiet, in dem sich der Biber in Freihell erhält und vermehrt. Cell 1913 ist eine 32prozentige Vermehrung zu ver- zeichnen, so daß die Gesamtzahl der Tiere aus 253 gestiegen ist. Nun will man. wi« der„Deutsche Pelztierzüchter" meldet, jetzt noch ein zweites Bibervorkommen in der Mark Brandenburg schaffen Di« dazu notwendigen Tier« sollen durch die Biberzucht im Berliner Zoologischen Garten gewonnen werden. Viraatwortlich für Politck- Tr. Luit vcyc»! Lirtschatt: minscUafccs fflcBerrfdiaitebHptflunp: 3-«telntt: StuiBtton: Jt t>.»-i-bc»- L°!-Ics uni Sonstiacz: gr!« RorflöM: An-, eisten: Tt». Nimtliiti tn SUtlm. Sctlo«: SoruJärts-Sctlaa G m. b. s.. Berlin. Druck: Borwärts-Buckdrucker-l und Berlassanstalt Beul«inerr u. cku.. Berlin EW. 6S, EindfillttaSt L. tteta 3 Scilofies. Damasf ca. 1 30 cm br., Mfr. M. 2 35,1.95,1 30,0.95, ca. 80 cm breit, Mtr. M. Z. 1.45, 1.25, 0.80...... Pf. OU HQUStUch ca 150 cm breit, Mtr. M 1 48, 1.28. 0 98,_ ca. 1 40 cm breit, Mtr. M. Q 1.28.0.88.......... Pf./ O Dimiti kräftige Ware f Bettw, ea.130cmbr.,Mtr.M.l 65,_ 1.15,0.88,0.68, ca. 80cm ZO br., Mtr.l.1 0, 0.95,0.75, Pf. � Z. Tischtücher oamost.voii- weiß gebU ca. 130x160___ Stück M.3 45,2.85,2 25, 175 ca. 110x150... Stück M. I Deckbett-Bezüge. kräftig. Linon, 130x200, 045 Stück M. 5.45, 4.35, 3.55, Z. Bettlaken 1 m I 2.35, ca. 1 ...... M.' Handtücherretni. Daiper.ca 48x100, Stück /Z/L Pf. 63. ca 46x100, St Pf. sJU Frottierhandtücher Jaquard mit Rand, ca.• 50x100 Stück Pf 85,74, ca. 46x100 Stüde Pi 68, Z. WischtücherRemi. ca. 60x60 Pf. 65, 54, 45, O A ca. 55x55 Pf. 36. ca.50x50 A O Hemden fürKonfii- wanden, weiß oder gut, J 25 hellgrundig. Zephir.. M. 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DER K>RSI>kDI.B>kHNHOP 7. s; Verein der Berliner Bndnlniater und SdirntBieBer. Freilag, den 6. Februar, pQnktllch I71'., Uhr, im großen Saal der„Germanla-Pracfa&Uc Cbausseesira�c 110; II IZlMWll Tagesordnung; Berlciiierstaiiung von den LotinverMlunssn Zu dieser Generalversammlung haben nur die neuge wählten Delegierten für das Jahr 1931 und die Generaiversamralungsteilnehmer nach§ 7 des Berliner Vereinsstaluis Zutritt. Als Ausweis gilt nur die vom Vorstand ausgestellte Legitimationskalle: ohne diese kein Einlaß. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen ersucht Der Gauvorstand. Am Freitag, 6. Februar 1931, bleibt die Verwaltung ab 1 Uhr geschlossen. Danksagung. Da es ans nicht möglich ist, für die überaus große Beteiligung und herzliche Anteilnahme sowie reichen Blumenspenden bei derElnäscherung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Otto Kraft jedem einzelnen zu danken.&a en wir auf diesem Wege allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Ber tner Lcndval-Chor, dem Oesamtverband der Aibeitnehmer, den Genossen und Genossinnen der 3. Abteilung der SPD., dem Kleingarten- verein Ziethenslust sowie d.n Mietern des Hauses Engelufer 13, inbesondere dem Sangesbruder Kroh, dem Kol egen Riedel unj dem Genossen Marks unseren tiefge üb, testen Dank. Bi sabetti Krall und Kinder. 'telleoaiMl l fiaie« in»onrärh 1 lbeiMMg! Bekanntmachung E. I. J 91039 Straftadie emen den Tchriltilellir®r. Joseph ÖOtbbel*. SUrfglteb de, SRsidjetaciP«. in Z>erlnt> ißtlmtrsbacf, Würtiembergische CtraBc-7, 3. wegen Beleidigung Das Schöffengericht Schar. oitendurg in Moabit hat am IS August 1930 für Siecht erkannt: Der Ang, Nagte wirb wegen Beleidigung des trüheien preußs chen Innenminister, Dnefinslt AU einer Deldftrate von 4w M. ersatzweise 20 Tagen©nangnis und zu den Soften de, Verfahrens verurteiit Dem Beleidigten wird dt« Befugnis zu- aeiprochen. die Verurteilung des Ange- Nagten auf deffen Soffen innerhalb vier HZoch n nach Zustellung de» rechlstrüftigen Ur eil« an den Beleidigten durch ein- »talige Einrliilung des e.femienden Teils dieses Urteils in die Zeitungen:.Der Angriff-,.Vorwärts",»Berliner Tage- dlatt".»Deutich« Allgemeine Zeilnng" und »BerIinerLotaI-Anie>g«"offen:iich delan:u» zumadien.— Das Urteil ist vollffreddar. Niideme fatm � 12 tlOMATSCATEn �etlln.leipazeivr.tv-W Nach SbsestaBtenee Gsiyps braucht Ihr Herz Erholung durch ein« vom Ari> verordne lr Sur Uo Herzbad A.theide Aurhaus und Eaualoriom sind geössaetl »Sblse preis«* ptospekte kofteusrei Am Zl Januar verffard»ach langem, schwerem Leiden unser Sellege Otto Gunther Im 90. Lebenssahre. De« B erstorbenen Leben gehörte der Arbellerdewegung. Einige Jahr» zehrne stand er in unteren Reihen nnd fäiupfle mit heiligem lkiier um die Berbeffenmg der Lebenshaltung der Ardet nehmettchait. Wir vertieren in thm einen uoserer besten Sollegen. Gesam!verband der Arbciinel.mer der äffentliche» Betriebe und des Person««,«ad Warenvertehrs» Bezlrfs- u OrisveiwaUung Berlin. Die Einäschtrnng findet am Donnerstag, dem d. Februar, IS>/,llhr, im jieemaiorium Baumfchulcnweg. «ieiholzstratze 221, statt. der BHdibtnder und Papisrvsrsrbelier Denisdiiands OnsverwaUung Berlin Todesanielre Drn Mitgliedern zur Aachricht. daß unser Kallrge, d«: Buchbinder Ldrdsrä»gllscdllo wodnhait Hollmannstraße 22, ge» ftorden ist. Ehr« seine« Andenken! Die Beerdigung findet am D.nner-- tan. dem 5 Februar, nadiniütag« 4 Uhr, auf dem Et. HedwigsUichhos. Weißen. es. statt Um rege Beteiligung ersucht Die OrfrvCTW»ttvn,a. WM Nfetallarlieiter-yeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern Aut Nachricht, daß unser Kollege, der Schmied Karl Schute am 30. Januar gestorben ist Die Einäscherung findet Mittwach. den 4 Februar. 14 Uhr, im Arema- wrium©ertchtstraße statt. Am 31. Januar starb unser Kollege. der Schlei er A.uxust Olberg Die Beerdigung findet Mittwoch den 4. Feornar. Ib Uhr. von der Leichenhalle de» Tboinas-Kirchhv es. NeukoUn, Hermannitraße, aus statt. Am 31. Januar starb unser Kollege. der Nundichieiscr Otto Schutee Die Einäscherung findet Donnerstag. den 3. Februar. I2£0 Uhr. im K cmatorinm Wtlmersdori statt. Am ZI Januar starb unser Kollege, der Lackierer Rudolf Donau geboren 4 Mai 1862. Die Einä chcrung findet Freitag. den 6 Februar. 1 1,30 Uhr, im Krem-- loiium Sertchts.ratze statt. Am 1 Februar starb unser Kollege. der Brenner Otto ttellTvix geboren 27. Februar 1883. Die Sinäscherung findet Donners- tag. de» 12. Fedrüor. 16,30 Uhr, ttn Krematorium Wilmersdorf statt. Ziege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 25 Januar starb unser Kollege, de: Klempner»e Robert WiJke Di« EinSicherung hat bereits stattgefunden. Ehre ihre» Andenke» VI« Ortsvervattuns. KLEINE ANZEIGEN nmnnmiranijiiiraiiiimiiiiiiimtiuiiitiiniicntimunwuiiimiinmmuiiiiiiittii.itiiiBumntiffloiitMHiiifflwniii Preise: übenehrlftswert 25 Prcnnl«, Taztwort 13 prennls WindnrKolungsrabalt; 10 mal 5 Pro*., 20 mal oder 1000 Worte Abschiuft lOPror., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proi. ✓ Slellengetoche: Oberaehriftswort 15 Pf., Teetwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die oödute Nummer bestimmt sind, müssen bis 4Vs Uhr nachm. im Vertag, lindenth. 3, oder auch in sömll. Vorwärls-Filialon und-Ausgabestellen abgegeben sein vermute Tepzichhait, Smil Lcidvre. Berlin. seit l8SZ unr Oranienstrage löst. Jahli-naserlcichtt. rung ahne Aul- schlag. Reuer Kala I toa totenftti._* Tapete S»!llat. Kolonie. straffe S_____* Sinbeebeit. gut erhalten, zu verkaufen. Simon, Berlin, Kolonie, straff« 67. A WSZI Pleno», neu und gebrauch!«. mit Herrlicher Ton- sülle, nretsroert. LangiLHrlge Daran- tir. Serer. Sirese- mannstraffe 14 und Britnnenftraffc 191 eine Treppe sRo- senihaler Blaff). 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Ferner soll der Wunsch nach einem Kohlenzoll gegen Auslandskohie bestehen. Sollte es im Ruhrgebiet Dcrgwerksuuternehmer geben, die so vermessene Pläne hegen? Es ist kaum zu glauben, Zunächst ist das Syndikat nicht Partner in Lohn- tarifangslegenheiten, sondern der Bergbauliche Berein. Das Spielen mit solchen Ideen ist schon nicht ohne Gefahr. Die Bergarbeiter sind in dieser Notzeit, nachdem sie nun auch noch 6 Prozent Lohnsenkung hinnehmen mutzten, ohnehin erbittert. Den Lohnlarif aber beseitigen zu wollen bedeutet, die Bergarbeiter und ihre Organisationen zum Lutzerstea Lampf herauszufordern, wenn es dann dabei bliebe, daß dieser Kampf mir wirtschaftlich, mit der Waffe des Streiks, ausgesochteu würde, dann könnte man bei allem Unglück noch von Glück reden. Man täusche sich doch nicht. Mt einem Streik im Ruhrgcbiet, wo die Massen zusammengeballt und hunderltouseude seit Monaten arbeitslos sind. könnte etwas begonnen haben, dessen Aolzen nicht auszudenken sind. Solche Pläne zu hegen, ist ein Spiel mit dem Feuer. Dann der Kohlenzoll! Gegen wen soll er wirken? Gegen deutsche Saarkohle? Gegen Holland, das 132?— die Zahlen für 1930 liegen noch nicht abgeschlossen vor— 347 673 Tonnen Kohle nach Deutschland aussührte und 7,92 Millionen Tonnen(!) deutsche einführte, oder gegen Belgien, das im gleichen Jahr 1,S8 Millionen Tonnen Kehl« nach Deutschland ausführt« und 5,51 Millionen Tonnen(!) deutsche einführte, oder gegen Frankreich, wo die BerhälMisse ähnlich liegen? Blieb« England. Dies Land fühbt etwa 5 Millionen Tonnen Kohl« jährlich nach Deuischland aus, ohne ein« Tonne deutsche Kohle ein- zuführen, aber es nimmt andere deutsche Waren in großem Umfang auf. Wird denn eiwa ein Handelskrieg mit Eng- land gewünscht? Er fehlte noch zur deutschen Wirtschastsnot. Nein, die Pläne, den Lc-hniarif durch einen syndikatslosen Zu- stand im Ruhrgebiet beseitigen zu wollen und«Inen Kohlenzoll an- zustreben, sind zu vermessen, um glaubhast zu sein. Wer sie ver- tritt, desien Ueberlegunzssähigkeit kann nicht normal sein. Aber es gilt Klarheit in diesen Dingen zu schaffen, denn Unklarheit ist wucherndes Gift. Wie sieht's mit dem Syndikat? Gewiß, im Ruhrgebiet wird abermals um einen Syndikats- vertrag verhandelt, weil man im vergangenen Jahr nicht zu dem Entschluß kam, einen Vertrag für 16 Jahre zu schaffen, wie es beabsichtigt war. Statt dcsien schuf man ein Provisorium auf die Tauer von einem Lahr, um Berhandlungszeit zu gewinnen. Das Jahr ist demnächst um und nun steht man wieder vor den alten Gszenfätzen, nämlich die Veteiligungsziffern und die Höhe der Umlage zu bestimmen. Es handelt sich um Interessen der einzelnen Ge- seil schuften und nicht um sachliche Gezensätz«. Jede Gesell- schaft hat den bezreiflichen Wunsch, möglichst hoch— entsprechend der Leistungsfähigkeit der Anlagen— am Gesamtabsotz beteiligt zu sein. Bei obwaltender Verminst sollte aber doch ein billiger and gerechter Ausgleich möglich sein. Schwieriger ist die Umlage frage. Die Umlage wird er- hoben, um die H a n d l u n g s k o st e n des Syndikats und die Ver- lu st verkaufe in den Kampfgebieten zu bestreiten. Nach dem bis Mai 1930 gültigen Dertraz wurde ein« gleichmäßige „Tonnenumlage auf den ganzen auf Verkaufs, und Der- brauchsbeteiligung in Anrechnung kommenden Absatz" erhoben. Die Tonneirumlag« hat nach dem Geschäftsbericht des Syndikats für 1929/39 im Jahresmittel 2.27 Mark betragen. Für die Handlungs- kosten des Syndikats wurden 19 bis 12 Prozent dieses Betrages benötigt, während der dann verbleibende große Rest durch die Unterpreisverkäufe in den Konkurrenzkampfgebieten aufgezehrt wurde. Der auf Verkaufs- und Berbrauchsbeteiligung in Anrechnung kommende Absatz betrug in demselben Geschäftsjahr IIS Millionen Tonnen, so dah die Gefamkumsaqe sich auf den Riesenbekraa von 11k ZNillioneu X 2,27 ZIl.= 263 Millionen Mark belief. Eine Summe, aus der sich schon Meinungsverschiedenheiten erklären lassen. Dl« Hüttenzechen traten nun bei der Vertrageerneue- rung mit dem Verlangen hervor, daß die Berbrauchsbeteiligung— gemeint sind damit die Brennstoffmengen, die in eigenen Werten oerbraucht werden— von der Umlage befreit werden sollten, was zur natürlichen Folge geführt haben würde, daß sich die Tomien- Umlage auf die Verkaufsbeteiligung hätte erhöhen müssen. Da man sich nicht einigen konnte, wurde ein Vertrag für eln Iahr vereinbart, in welchem die Umlage nach Verkaufs- und Der- brauchsbeteiligung differenziert wurde. Die Berbrauchsbeteiligung wurde mit 79 Proz. der Umlage auf Verkaufsbeteiligung, höchstens aber mit 1,59 M. per Tonne belastet. Die Wirkung war. daß zum Beispiel im November 1939 die Umlage aus Verkaufsbeteiligung die Höhe von 2,92 M. erreicht«, während die Tonnenmnlage auf Verbrauchsbeteili- g u n g 1,59 M. betrug. Um diese Angelegenhest geht in der Haupt- fache der Kampf im Nuhrkohlensyndikat. Cr wird so erbittert geführt, daß es fraglich erscheint, ob bis End« Februar ein Vertrag, dem sich alle Werte anschließen, auf freier Vereinbarung zustande kommt. Vornehmster Grundsatz eines Syndikats muß die gleich- mäßige Behandlung aller Mitglieder fein. Cr wird verletzt, wenn die Umlage mich Verbrauchs- und Verkaufs- beteiligung differenziert wird mit dem schlietzlichen Ziel, die Ver- brauchsbeteiligung ganz von der Umlage zu befreien. Schon einmal hat sich 19 2 9«in Schiedsgericht des Syndikats mit der An- gelegenheit befaßt und die Hüttenzechcn mit den gleichen Ansprüchen, wie sie jetzt verfochten werden, abgewiesen. Die Hüttenzcchen er- scheinen zwar mit geringeren Mengen ihrer Produktion auf dem freien Absahmarkt, well sie einen mehr oder weniger großen Teil den angeschlossenen Werken zuführen, aber andererseits b e- schränken sie dadurch den Absatz der reinen Zechen im u n b e st r i t t e n e n Gebiet und drängen diese in die b e- st r i t t e n e n Gebiete hinaus, in denen Untcrpreisoerkäufs die Regel sind, solange man sich international nicht verständigt hat. Diese Sachlage verpflichtet u. E. die Hüttenzechen von Rechts wegen, im gleichen Maße am Ausbringen der Umlage beteiligt zu sein wie die reinen Zechen. Jede ander« Regelung ist ungerecht. Die Lage ist so, daß, wenn sich die streitenden Parteien bis Ende Februar nicht verständigen, der Reichswirtschaftsminister den Zusammenschluß des Ruhrbergbaues durch«ine Verordnung auf Grund des Kohlenwirtschaftsgesetzes h e r b e I z u- führen hat. Es ist verständlich, wenn der Wirtschaftsmimster, da es sich in diesem Streit um materielle Interessen der Gesellschaften zueinander handelt, eine gewisse Zurückhaltung übt. Wenn aber keine Einigung erfolgt, dann kann sich der Wirtschaftsminister seiner Pflicht, den Zusammenschluß herbeizuführen, nicht e n t z t e h«n. Ein synditatsloser Zustand, mit dem gewisse.Heißsporne— scheinbar auch mit sehr gefährlichen reaktionären Nebenabsichten— spielen, märe für den Ruhrbergbou und die in ihm beschäftigten 399 999 Arbeiter ein Unglück, das nicht heraufbeschworen werden darf. Die Unternehmer sollen den Mut aufbringen, sich steiwillig zu einigen, denn dieser Interessenstreit um das Syndikat fördert nicht, sondern schädigt den Absatz und verschärst die Kohlen, und die allgemeine Wirtschaftskrise. H. L. Schiele auch mal gelobt! Auf der Berliner Kartoffelbautagung vom Dien-- tag ist dem Reichsernährungsminister Schiele im Gegensatz zu der ihm sonst widerfahrenden schlechten Behandlung bei den Ver- ansialiungen der Grünen Wort)« hohes Lob gespendet worden Freilich mit Recht: denn fiir die Kartoffel- und Stärkeindustrie hat sich Herr Schiel« besonders nachdrücklich eingesetzt. Der Vorsitzende. Rittergutsbesitzer von Negenborn-Klonau, nannte es eine Pflicht der Dankbarkeit, anzuerkennen, daß viele der gestellten For- derungen erfüllt worden seien. Er wolle dem Reichsernöhrungs- minister,„von Herzen Dank sagen für alles, was er auf dem Gebiet der Kartoffeloerwertung im letzten Jahre getan und erreicht hat". Das gleiche tat Direktor Jany, der Geschästsführer der Kar- toffelbaugesellschaft. Freilich wurde dieses Lob gespendet, um den Reichsernährungsminister noch zu größeren Taten anzu- spornen. In ihren Forderungen unterscheidet sich die Kartoffel- bauzescllschaft nämlich nicht von den Agrariern des Landbunde?. Auch sie verlangt die sogenannte Schließung der Lücken in den Handelsverträgen, die von der Induürie mit Recht scharf bekämpft wird, di« schärfste Drosselung der Gersteeinfuhr und der Einüihr von Schweinen, Schmalz, Speck und Fleisich Herr Jany empfahl für die deutsck)« Kartoffelwrtichaft eine planmäßig« Borratswirtschaft, nachdem die Kartasfelstützung schon durch- geführt ist. und eine völlige Verdrängung der bisherigen Gersten- und Maiseinfuhr durch deutsche Kartostelflocken. Das inierna—«, gtaftiensortfarnm. 3 luna. ffienr.fft Otto SEfitr, M. d. L„ fori cht über:.Di« v-illN-'-de Lag«'. En Cs SVD..«-tiicb»fr-ttu>» heim DeMilMB* gritbtiäwbaia. Donner». N S tag. 19H Uhr, ssortunasiile, StmusbeMCT Str. 4. Mitalieberoerlain«. f- 03 lung. Vortrug je»(Benoffen Dt. Otto fftieblätibet;.Unfec tiawpf r: SS Regen den.fordiUnmä". Mitgliedsbut mitbringen. a Verb-nb der NahrangO»!tt«l.»ab Setriaiearbeite«. SPD.-gral- k i W Hob, Srrpp« Fleifcher. Donnetätag, 19ü Uhr. Palais be« Zentrum, f W Ziofcnthaler Str. ZS. michtige?rakt!on-fiblli>». Mitsliedshuch der-ri El Partei und©enrcrlfctüft gilt als Ausweis. ms i i i n t M-w t �reie Gewerkschafts»Lugend Verlin Stute, Mittwoch. 1»'ch Uhr. tagen die Eruppen:»anarf chuleawcq- .Zugendheim Ernsrstr. t«. Seimhefprechung. ftoharett auf echaColattcn — ReatiiSa: Sruevenheim Bergftr. 20, Löf. Seimhefprechung. Will' fen aus luftigen Büchern.— SSdweftea: Stiidtifches Jugendheim Porikstr. II. fabtilgcbäude. Seimhefprechung. Aussprache Uder Tagesfragen.— fftaghafc»: Tugend he im Neulölln. Mughafenstr. SS. Seimhefprechung.«ladderadatfch. Weißenfee: Jugendheim Parkfir.». Seimhefprechung.—«orbtia«: Zuge!-.'- beim Sonnenburget Stt, 20. Seimhefprechung.— Schiaebctg: Jugendheim Hauptitr. Li. Seimbefprechua«.— Smnbotbt: Jugendheim Graun- Ecke Loeb'uo- fttafie. Seimhefprechung. Vortragt.Die proletarifche Iuqeirdheweaung'.- IaqendaenpP« de, Gefamtoeebaade,: ifataeuppe Gärtnerei: 20 Uhr Jugend- Heim Sngelufsr 24—25. Lichtbildervortrag:-OeffenHiile Grünanlagen an Nahmen des Ltddtebaues, 1. Teil. Siefejenf:«ollege 0 Hergärtner Zhull.— Jngeadgenppe de« Deutschen Metalaebeiteeaeibandes: Jugendorranftaltung in der ftuTturabteiluna, Linienstraße. .�uaendanivve deck �ntralverbondes der Anoestettten Seut». Mittwoch, finden folgende Veranfialtungen ftett;«efnadhrnaaen: Jugendheim Willdenowfir. 5. Liederabend.— Neinich« ndvrf: fugend. heim Lindauer Str. 3 f Baracke)..Pom Boilslied bis /.um ZatZ-_— 4>ar. loüenbtttg: Jugendheim iroflnenflr. 4. DUckufftonsabeni:.SOtialpolit>fche Rundschau".— Gebönebet«: Wir besuchen die Versammlung des Weehepegiris.— fcchöahouftt Borstadt: Jugendheim der Schule Kaftanienallee S1. Aussprache. abend:„Warum Gewcrfschaftsjugendgruppen?"— Obeefpree: Wie besuchen die Versammlung des Werbebegieks.— Nordost: Wir besuchen die Bersammlung d.s Wcrbebotlris.— Dtrolaa: Jugendheim der Schule(Boftlerftr. 61. S'egeeisspiclc Wir üben neue Lieder.— Reukölla: Wir besuchen dl« Versammlung des Dcrbebezirls.—©übest: Jugendheim Weangelste. 128. Tagespalitische ssrog n. — Spoiiboa: Jugendheim Sindenuftt L Seimabend.— Votobam.Noeoawrs: Jugendherberge Ndwawes, Piielterstrahe. Arbeitsgemeinschaft:.Einführung in die sogialiftifche Gedankenwelt". Leiter: Wilhelm Lewinski.— NZpenIchi Ju» gendheim Dohlwiher Str. 15(Gasanstalt om Bahnhof USpenickZ. Arbeitsgemein- schaft:.Einführung in die fogiolistische Gedankenwelt". Leiter: Lea Salt.— starren»um Jugendkarnepal am 8.!Zedruar find im Zugendfekretariat»u habcn. Schutz vor Ansicckung: VUlUustndfadi von dtn Anten merketmfes SJiuf» and Desinfektionsmittel für Mond and Rethen. GJtt aäf Zetel 51 TiWettco M 1.7! w jeder Apotheke and I