Morgenausgabe Oonnersiag Nr. 59 � � � ä. 5. Februar 1931 A30'O r!'0m �ftlW � A,�\ M«roe-Setlin 10 Pf. «öch-nwch SS Pf. m-n-llich Z.eo M. I Wi"T/ Hj W W M'. Auswäris 15 t>f. im ooraii? Aablbar, Ifoftbe�ug 4,32 2R. MB Ii«W M W r/ WWW WW BT einschließlich S0 Pf. Postzkitunos-\ WW IM Un W>|B»W M> f/ VI ���7/ 72 Pj.P°std-sI.llg-bühe.n. Au-l-nds. Ife�B W W H � H H W W W W»G� W mm\ // Die c t n) p a 1 1 1 g c StonpareiHuci obonnement 6,— Pt prc Plona!; fur SB KWm, H H W H H HH HB H�H HB! �»0 Pfennig. R«kl-m-l.ll. S.- Reich Lander Mit ermäßigtem Druckfachen. BB B W■ H H H H H H H mort„Kleine Anzeigen' da! eng vorto 6, m.-r�H j 1■ �HV MB. � JBK. jH drnckte Won 25 Pfennig lzuläsfig zw ch IM I I B B settgedrultte Worte), weilere W» rer.DomSN,- schein- machenlög- �>>!>/ M � Stellengefuch. da» erf lich igneimal. Sannlag, und Manlag»' T/ �B\ /7 H 2Bort Ui PIennlg. fed» w�ere Wa einmal, die Adendausgade für Berlin, 1?u?ftn",3- Worte übet 18 Suchflabi und im tiand-l mit dem Titel.Der ö°0 en für zwei Worte. Ardeilsmar ZMZZ � Vevttnev Vvwsbilatt � W«M Äentvawrgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönboss 292—297 Telegramin-Adr.: Sozioldemokroi Berlin. Paris, 4. Februar.(Eigenbericht.) Die zahlreichen Stimmen aus Amerika und England, die den einzig möglichen Weg zur Lösung der Weltwirtschasts- k r i s e in einer Herabsetzung und Neuordnung der Kriegs- und Reparationsschuldcn sehen, sind nun um einen srairzösischen Dorschlag bereichert worden, der von dem t. kannten französischen Publizisten Graf d'O r m e s s o n ausgeht und in der Zeitschrift„E u r o p e N o u v« l l e* veröffentlicht ist. Der Vorschlag basiert daraus, daß Deutschland für die beiden ncuhsten Zahre fünfzig Prozent seiner Joung-Zahlungen ertasten werden sollen. Deutschland, das inmitten schwerster Krisen energische Anstrengungen gemacht habe, um seine Finanzen in Ordnung zu bringen, würde so nach der Berechnung d'Ormessons alljährlich 8 4 0 Millionen Goldmark weniger zu zahlen haben. Es könnte diese Mittel zur Arbeitslosenunter st ützung, zum Abbau der Steuern und zur Ankurbelung der Wirtschaft verwenden. Gleichzeitig würde durch den vorübergehenden Schuldennachlnß sein Kredit so gestärkt werden, daß es ihm leichter sein würde, long- fristigeKredite im Ausland zu erhalten. Frankreich, das die Initiatioe zu dieser finanziellen Solidaritätsaktion ergreifen wüste, könne sich gleichzeitig an die vereinigten Staaten wenden, um von diesen einen Nachlaß der interalliierten Schulden- Mhlungen nm ebenfalls ftO Praz. für zwei Jahre zu erreichen. Würden die Bereinigten Staaten sich dazu bereit finden, dann Genf. 4. Februar. Der Nationalrat der Ukrainischen Minderheit in Polen hat in der letzten Woche dem Völkerbünde eine neue umfangreiche Beschwerdeschrift eingereicht, in der l8Z namentlich angeführte Fälle von neuen Gewalttateu der polnischen Behörden gqgen wehrlose Ukrainer dargestellt werden. Bezeichnenderweise sind noch während der Verhandlungen in Genf und in der darausfolgenden Zeit neue„S t r o f e x p e d i t i o n e n" durch polnische Ulanen und Gendarmen durchgeführt worden. Entgegen den Versprechungen des polnischen Justiz- Ministers ist die Loge der 200 jugendlichen Gefangenen im Festung?- gefängnis von L u ck in keiner Weise gebestert worden. Die Gc- songenen, die sämtlich im jugendlichen Älter von lti bis 24 Iahren stehen, werden dort feit über zehn Wochen festgehalten, ohne mit ihren Rechtsvertretern die Verbindung aufnehmen zu dürfen. Man hat die Gefangenen durch die f u r ck) t b a r st e n Foltern zu „Geständnissen"' zwingen wollen. Während man die männlichen Gefangenen durch gewaltsames Eingießen von Wasser und Petroleum und durch Ausknuten peinigte, wurden die weiblichenInhaftierten fast durchweg vergewaltigt, wobei bezeichnenderweise die die Untersuchung führenden Polizeitommissare sich besonders hervortaten. Die Söjährige Marfa Matholina wurde dreimal vergewaltigt und aus- gepeitscht, woraufhin sie sich die Pulsadern aufschnitt. Die 18jähr:ge Olga Stifta wurde zweimal vergewaltigt. Als sie einen Selbstmord- versuch beging, sperrte man sie in die Gummizelle. Verschiedene Ge- fangene sind durch die furchtbaren Mißhandlungen wahnsinnig geworden. Ihre Rechtsanwälte, denen man nach wie vor den Zutritt verwehrt, wurden mit Verhaftung bedroht. Angesichts dieser brutalen Methoden der polnischen Behörden, die all« Bestimmungen des Völkerbundes zum Schutze der Minderheiten boykottieren, hat der Ukrainische Nationalrat nochmals dringend um sofortige Entsendung einer Untersuchungskommisjion des Völkerbundes gebeten Gleichzeitig hat der Ukrainische Rational- rat das Rote Kreuz um Einleitung einer internationalen H'iljs- attion ersucht. -» Bei aller Vorsicht, die man grundsätzlich allen Greuel- berichten gegenüber üben muß, vermag inan diese neue Anklage nicht mit einer Handbewcgung ab zutun, denn, was Neutrale Bericht- crstattcr bereits ini November über die Straferpedition in der Ukraine festgestellt haben, läßt dos schlimmst« befürchten. Daß das Völkerbunidssekretoriat van sich aus dem Antrag auf sofortige Entsendung einer Untersuchungskommistion Folge gebe« könnt«, erscheint uns allerdings leider zweifelhaft. Das deutsch« Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. würde der Zahlungsausfoll für Frankreich rund 160 Millionen be- tragen, während England und die übrigen Alliierten in keiner Weise betroffen würden. Um den Borschlag für die öfsenlliche Meinung in Frankreich und Amerika schmackhaft zu machen, fügt Graf d'Ormeston eine wichtige Ergänzung hinzu: Deutschland und Frankreich müßten ein Abrüflungsabkommen miteinander abschließen kraft dessen sie ihre Budget au sgaben sür R ü st u n g s- zwecke während der beiden Jahre des Zahlungsnachlastes um je ein Zwölftel verminderten. Für Deutschland würde diese Herabsetzung 48 Millionen Mark, für Frankreich rund IM Millionen ausmachen. Frankreich würde auf diese Weis« den Ausfall aus seinen Reparotionsansprüchen wieder einsparen und hätte es nicht nötig, die Steuerschraube anzuziehen. Außerdem würde dieses Abrüstungsabkommen, zu dem auch die übrigen eruopäijchen Nationen eingeladen werden könnten, der bevor- stehenden Abrüstungskonferenz von vornherein ihren Erfolg sichern. Graf d'Ormesion verspricht sich von der Annahm« seines Bor- jchlages eine wesentliche Besserung nicht nur in den Beziehun- gen zwischen Deutschland und Frankreich, sondern auch eine all- gemeine Entspannung in der internal ivnalen Atmosphäre. Er betont im übrigen, daß sein Projekt nicht das Werk einer Improvisation sei, sondern daß er sich mit allerlei Persönlichkeiten aus allen Lagern und Par- tefcn in Frankreich reiflich besprochen habe. mmmm—- !>■ i i':';•.•■")•.>--' Auswärtige Amt wird indessen gut tun, möglichst im Einvernehmen mit London und Paris zu prüfen, was sich eventuell schon jetzt unternehmen läßt, um diese Fortsetzung der Pilsudski-Schandtaten gegen die ukrainisch« Minderheit zu verhindern. Zaleski vor dem Seim-AuSschuß. Im auswärtigen Ausschuß des Pilfudski-Sejms hat der polnische Außenminister Zaleski Bericht über die Genfer Tagung erstattet. Cr war gewiß um diese Aufgabe ebensowenig zu beneiden wie vor zwei Wochen in Genf, als er vor dem Völkerbundrat Red« und Antwort stehen mußte. Denn in den Augen der ganzen un- parteiischen Welt hat Polen in Gens eine schwere moralische Nieder- lag« erlitten, während Zaleski nun versuchen mußte, das Genfer Ergebnis vor seinem eigenen Parlament in möglichst günstigem Licht erscheinen z» lassen. Infolgedessen war sein historisches Expose im höchsten Grade tendenziös, sowohl bezüglich der Vorgänge in Oberschlcsien selbst, wie auch bezüglich der Entscheidung des Rates. Fast könnte man meine», daß Polen«inen Erfolg erzielt habe, weil der Rotsboschluß weder ein« internationale Untersuchung-- kommission, noch Perlonalveränderungen, noch Sondergorantien für die Zukunft vorschreibe. Die wirkliche Bedeutung dieses Be- schlusscs, der ein« unmißverständliche Verurteilung des Wahllerrors und der polnischen Behörden, insbesondere des Wojwoden, enthält und der Polen zwingt, bis zum Mai Rechenschaft abzulegen, verschwieg Zaleski seinen Hörern. Wenn sich die Sejmabgeordneten mit dieser Lesart Zalsskis begnügen, dann kann man sie um ihre Bescheidenheit nur beneiden. An dem Urteil der übrigen Welt wird diese Geschichts- klitterung für den innenpolitischen Gebrauch nichts ändern. Bor allem aber wird daran nichts geändert, daß Bolen im Mai über die getroffenen Maßnahmsn wird berichten müssen. Die jetzige Rede Zalcskis wird für den Bölkerbundsrat nur ein Grund mehr sein, diesen Rechenschaftsbericht um so k r i bi s ch e r zu prüfen. Hakenkreuzmörder verhastet. Einer der Täter aus der Hukelandstraße bei München teftgenommen. In der Nähe von München wnrde gestern auf Grund der groß angelegten Fahndungsmaßnahmen ein Mann verhaftet, der im Verdacht steht, der tvegen des Mordes an den beiden Parteigenossen in der Hufelandstraße ge- suchte Hans Aollacz zu fein. Ei» Beamter der Berliner Polizei ist nach München gefahren, nm die Identität festzustelle» und das Nähere zu veranlassen. Postscheckkonio: Berlin 97536.— Bankkonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr.Z.Dt.B.u.DiSe.-Gel.Depositenk., Jerusalem« Str. 65/66. Lavals Zwittergestalt Sozialist, Kommunist und jetzt Mann der Rechte»». Paris, im Februar.(Eigenbericht.) Pierre L a v a l, der vor dem Krieg zum antimilitaristi- schen Flügel der französischen sozialistischen Partei gehörte, während des Krieges mit der sogenannten„Opposition" mar» schierte, die vom„Durchhallen" nichts wisien wollte, später mit den Moskauern liebäugelle und anläßlich des Spaltungsprozesses von Tours, aus Sympathie für Marcel Cachin, die Sozialistische Partei verließ, später bei den Wahlen an der Spitze einer Liste des Linkskartells in der Pariser Umgebung stand, ist heute, 47jährig, französischer Ministerpräsident. „Laoal hat angesichts seiner 47 Jahre noch Zeit, sich völlig zu uns herüber zu entwickeln", erklären die Wort- und Federführer der Rechten, die ihm noch"nicht ganz trauen und ihn doch als neuen Mitstreiter begeistert begrüßen.„Er ist noch jung genug, um den Weg zu uns wieder zurückzufinden", erwidern einflußreiche Leute der Linken, die ihn noch nicht verloren geben möchten und die aller Well begreiflich zu machen versuchen, daß Laval das Ministerium, mit dem er sich der Kaminer vorstellte, ja ursprünglich gar nicht zu bilden plante, sondern eine völlig andere, die Radikale Partei mit einschließende Kombination im Kopf hotte. In Wirtlichkell dürfte es selbst den scharfsinnigsten Propheten schwerfallen, sich bei dem Versuch, die zukünftigen Wege des gegenwärtigen Ministerpräsidenten zu erkennen, auch nur einigermaßen sicher zu fühlen. Kein Charakter— doch Talent! Das war von jeher die treffende Kennzeichnung Lavals. Man darf hinzufügen: viel Talent, doch nichts gelernt. Ein Durchschnittsjurist, ein Advokat ohne größeres Format, ein gerissener Wahlstratege, ein guter Redneri aber ohne jene tiefere kulturelle Bildung, durch' die sich im allgemeinen die führenden französischen Politiker auszeichnen. Man hat Laoal oft mit Briand verglichen und hat damit Briand unrecht getan, wenigstens was besten L e i st u n g e n betreffen. Denn als Briand das Aller Lavals hatte, konnte er sich rühmen, auf verschiedenen gesetz- gebcrischen Gebieten schon erstklassige Arbeit geleistet zu hoben, während man in den Annalen der Kammer, in die Laval iin Frühling 1914 einzog, oder in den Annalen des Senats um- sonst Beweise dafür suchen würde, daß er, che er Minister wurde, irgendwelche nützliche Arbeit vollbracht hat. Lavals „Fall" gehört überhaupt zu den seltsamsten der modernen französischen Parlamentsgeschichte. Nicht im offenen Kampf. sondern im Halbdunkel der Couloir-Kombi- Nationen ist Laval langsam von Stufe zu Stufe in die Höhe gestiegen. Nur weil er seine ehemalige Partei verlassen hat, ist er so rasch emporgetragen worden. Deshalb konnte der'Sozialist Paul.Faure gegenüber der Rechten während der Debatte über die Regierungserklärung in der Kammer feststellen, daß die Linke dem neuen Mann, den sich die Herren von rechts zum Führer erkoren haben, niemals den- selben Respekt entgegenbringen werde, wie sie es tun würde, wenn die Reaktion den Mut aufbrächte. Männer ihrer Klasse, die wirkliche Ueberzeugungell hätten, an die Spitze zu stellen. Insofern hat der„Fall Laval" eine Bedeutung, die über den uninillelbaren Rahmen der jüngsten französischen Minister- krise hinausgeht: er zeigt, daß das rechtsstehende Bürgertum in Frankreich an Köpfen immer ärmer wird und gezwungen ist, sich sozusagen mit dem „A b f a l l" d e r L i n k e n zu begnügen. Praktisch hat Pierre Laoal bisher noch nichts getan, was der Rechten erlaubte, von ihm ohne weiteres eine Verwirk- lichung ihres Programms zu erwarten. Er hat die Sozialvcr- sichcrungsgcsetzgebung, als er Arbeitsminister war, in zähestcr Weise verteidigt und zur Durchführung gebracht, während sie von der gesamten Rechten leidenschaftlich bekämpft wurde: er hat von jeher als ein Anhänger der Außenpolitik Briands ge- gölten, die von der gesamten Rechten, wenn auch nicht im Parlament, so doch im Land als„Verrat" hingestellt wird, er hat sich bei allen Gelegenheiten für die strengste Weltlich- keit des Staats und den Ausbau der weltlichen Schule aus- gesprochen, die von der gesamten Rechten mit bitterem Haß beehrt werden. Trotzdem hat ihm die Rechte neuerdings geschloffen ihr Vertrauen gewährt, wie sie es vorher Andre T a rd i e u schenkte, obwohl auch dieser sich als Be- sürworter der Weltlichkcit und der Außenpolitik Briands präsentierte. Darüber ging die Presse der Rechten in ihren Siegeskommentaren über die große Mehrhell, die das Ka- binell Laoal gefunden hat. natürlich hinweg. Blätter der Linken zogen daraus jedoch den Schluß, daß numerisch zwar die alte Tardieu-Mehrheit wiederherge- 50 Prozent Reparationsnachlaß? Gleichzeitige Einschränkung der Rüstungsetats.— Eine Anregung aus Krankreich Reue ukrainische Anklagen. Oenkschrist an den Völkerbundsrat. Stahlhelmaktion steigt. Volksbegehren zur Auflösung des preußischen Landtags beantragt. Der Stahlhelm hat in einem Schreiben vom l. Februar an den preußischen Minister des Innern Severiug beantragt, gemäß Artikel S. Abs. l. Zisser Z der versassuag de» Freistaales Preußen und gemäß§ Z des Gesetzes über da» Verfahren beim Volksbegehren und Volksentscheid vom S. Januar 1926 die Liste riauslegung für das folgende Volksbegehren zuzulassen:„Der am 20. Mai 1928 gewählte Landtag ist aufzulösen." In dem Schreiben heißt es:„Der Aorstand des Stahl- Helm, Bund der Frontsoldaten E. B-, hat am 4. Oktober 1Ö30 beschlossen,«in Volksbegehren auf Auflösung des Preußischen Landtages einzubringen, um auf diesem Wege in Preußen ein« Regierung zu ermöglichen, die dem in der Wahl vom 14. Sep- tember 1930 einwandfrei festgestellten Bolkswillen entspricht. Am S. Oktober 1930, dem Reichsfronlfcüdatentag in Koblenz, haben die über 140000 freiwillig und auf eigene Kosten dort«rschie» nenen Mitglieder des Stahlhelms diesem Beschluß einstimmig be- geistert zugestimmt. Nachdem nunmehr die erforderlichen Dorberei- tungen zum Dolksbeghren in Preußen beendet sind, beantragen wir (folgt der gemeldete Antrag). Da sich aus den vorgenannten Tat- fachen und der ollgemein bekannt gewordenen Betätigung des Stahlhelm, die nach§ 2 Abs. 2 des Gesetzes vom 8. Januar 1926 in Lerbindung mit§ 4 Abf. 4 der Landesabstimmungsordnun- gcn vom 28. Januar 1926 erforderliche Glaubhaftmachung der Unterstützung durch 100 000 Stimmberechtigte einwandfrei ergibt, bedarf ,es der Beibringung weiterer Unterschriften nicht. Ein Aus- zug aus dem Bercinsregister, durch den die Eigenschaft der Unter- zeichneten ots vertretungsberechtigte BorstaiGsnätgliedsr sich er- gibtz ist beigefügt.— Das Schreiben ist gezeichnet von den beiden Bundesführern S e 1 d t e und Due st erber g. Was der Stahlhelm will, ist klar: einen völlig arbeiis- unfähigen Landtag nach dem Muster des Reichstags und sine Rechtsregierung m Preußen. Was er erreichen wird, steht auf einem ganzen anderen Blatt. Damit das Auflösungegesetz zum Volksentscheid kommt, muß sich beim Volksbegehren nach der preußi- schen Verfassung ein Fünftel der Stimmberechtigten ein- zeichnen. Damit das Gesetz im Volksentscheid beschloffen wird, muß die Mehrheit der Stimmberech- tigten zustimmen. An diese Eventualität glauben die S e l d t e und Duesterberg selber nicht. Was wird also herauskommen? Ein Propa�andafeldzug, mit dessen Hilfe der Stahlhelm den Nationalsozialisten Kon- kurrenz machen will. Die Pläne, den famosen Reichsausschuß Hugenberg-Seldte-Hitler neu zu beleben, sind ge- scheitert, der Stahlhelm will nun vor den Nationalsozialiste» in Führung gehen. Eins aber ist sicher: die Geschichte kostet Geld. das der Stahlhelm nicht hat, wohl aber das Unternehmer- t u m. Für Stahlhelmpropaganda hat das Unternehmertum Geld— wenn es aber anständige Löhne zahlen soll, hat es teinsl Oes Reiches Dank an Ebert. Reichsinnenminister Wirih zum 60. Geburtstag des Toten. Im Berliner Rundfunk sprach gestern ans Anlaß de» 60. Geburtslage» des verstorbenen ersten Reichspräsidenten Friedrich Eberl der Reichsminisler de» Innern Dr. I o s r s Wlrlh bewegte, tiefempfundene Worte der Würdigung und de» dankbaren Ge- denken«. Dr. Wirth führte aus:„Heute gedenken die Ueberlebenden des Mannes, der an diesem Tage seinen 60. Geburtstag gefeiert hätte. des ersten Präsidenten der Deutschen Republik Friedrich Eberl. Wir haben die Pflicht, uns vor Augen zu führen, was wir und der deutsche Staat diesem Toten verdanken. Noch wollen Anklagen gegen den vorbildlichen Führer des deutschen Volkes nicht schweigen. Fanatismus und Leidenschaft und innerliche Zersetzung stehen selbst vor dem Toten nicht still, wiewohl wenige deutsche Männer durch politischen Charakter und persönliches Austreten so Führer des Staate» und Freund de» Volle» waren wie Friedrich Eberl. Ich will kein Leben-Pild de» Daten geben,- sondern an persönlich« Erinnerungen anktwpfen. Sein Lebe» war«in hohe» Lied der Arbeit. Ihn zeichnete diplomatisck�r Takt, staatsmännische Besonnenheit und politisch« Geduld, ich wiederhole das letzte, vor allem politische Geduld. Im Dienste seiner Partei er- wachsen, in parlamentarischen Aufgaben geschult, zeigte er als Staatsleiter einen überlegenen staatsmännischsn Blick, der auch w den widerwärtigsten Umständen unbeirrt blieb und Realitäten mit klarem Urteil gegenüberstand. Illusionen und parteipolitischer Fanatismus waren ihm fremd. Immer hatte er die inner« Bereit- schast zu lernen, und er war ein Fanatiker der Arbeit. Persönlich las er alle Telegramme, alle Berichte der Botschafter und Gesandten auf dos Genaueste. Mit starkem Zielbewußtsein erstrebte er die wi-derbcfreiung de» deutschen volles, und bei feinem Tode sagten die L-ften unter feinen politischen Gegnern, daß dieser einfache Manu an» dem Volke zum mindesten die gleiche ftaatsawunischc Fähigkeit bewiesen hätte wie die bis dahin privilegierten, uud sie rühmten sein starke» Veranlwortuagsbewußtseia. Schmerzlichst trug er den Bertrag von Versailles, und das traurige Schicksal Deutschlands seit 1914 war ihm persönlich« Oual, die tiefste Spuren hinterließ. Als am 9. November 1918, Ebert au» dem Reichstag zum Prinzen Max von Baden fuhr, um den Posten des Reichskanzlers zu übernehmen, sagte ich, der ich zuschaute, zu einem Freunde: Er wird ja forttransportiert, als wenn er seinen letzten Gang antrete! Friedrich Ebert wußten daß er uns nicht herrlichen Zeiten«ntgegensühren konnte. Aber sein erster Appell vom 9. November an alle Behörden und Beamte zeigt sein ganzes Verantwortungsbewußtsein. Er sagte: Ich weiß, daß es vielen schwer werden wird, mit den neuen Männern zu arbeiten, die dos Reich zu leiten unternommen haben, aber ich appelliere an ihre Liebe zu unserem Volke. Ebert» Streben war der Schuh Deutschland, vor Anarchie nnd schrecklichstem Elend durch furchtlose und onverdrosseue weiter. arbeit. Später, 1919. lag die Berantmortung im wesentlichen auf Sozial» demokratie und Zentrum, die man unsinnigerweise Feinde des Reiches nannte. Hierzu führte nicht verschiedenartige Beurteilung der Tatsachen, sondern ein« geflissentlich verschiedene moralisch« Be- Wertung des vaterländischen Gesinnungsgrades. Das hat die Autorität der politischen Führur>g damals schwer belastet. Und hinzu kam. daß mit Versailles auch die Gläubigerstaaten den Krieg nicht als beendet ansehen zu wollen schienen. Damals zeigt« Ebert Geduld, Pflichtgefühl und staatsmännischen Weitblick. Oft war ich 1921 Zeug« von Unterredungen zwischen Ebert und St Inn es. Zeuge von unerhörten Zwiesprachen, da Stinnes von beispielloser Offenheit war. Aber immer war Ebert dann am aktivsten, wenn er Torheiten sah und sein Ringen um Befreiung in Gesahr glaubte. Es zeigte sich eine ungeheure politische Vitalität, ein« wie Stahl go- spannte Kraft, und sein« Red« war wie dos Niederfallen non Lzammerschlägen. Wenn Stinnes bereit gewesen wäre, die politisch« Verantwortung zu übernehmen, dann hätte ihm Ebert kaum- hi« Tür gewesen. Aber Ebert litt darunter schwer, daß prominente Wirtschaftsführer sich immer scheuten, durch Uebernahme der Der- antwortung die deutsch« Politik diskontfähig zu machen- Der Weg non London 1921 über die Ruhr bis zum Domes- Plan war sine furchtbar« Leidenszsit auch für Eberl, und ich sah ihn manch« Stund« in tiefer Niedergeschlagenheit. Als der Spruch des Völkerbundes über Ob e r fchla si c n kam. und ich als Reichskanzler die Demission des Kabinetts überreicht«, sagte Ebert mir. daß er am Ende seiner körperlichen u.'d seelischen Kräfte, am Tag« darauf seine Abdankung als Reichs- Präsident aussprechen würde. Er fand sich bereit, zu bleiben. Aber deutlich sah man, daß er sich opferte. Da» Opfer war nicht umsonst gebracht! Venu Deutschland» Einheit gewahrt ist. wevu die äußere Freiheit im gewissen Maße wicdererrungea ist. dann ist es nicht schwer, zu erkermeo. daß dies nicht errungen wäre, wenn Deutschland gänzllch führerlos gewesen wäre! Es ist betrübend, daß gewiste politische Kreise es fertig bringen, heute noch alles, was Ebert durchkämpfte und durchlitt, zu leugnen und ihn, wie es leider im Bilde letzthin geschah, ihn einen Zer- störer des Reiches zu nennen, ihn, der in Selbstaufopferung alles gab. Er war ein Mann der«ntschloflenen Tat und des freien politischen Blickes. Wenn in Zeiten des Konfliktes Ebert einen Kabinettsrat leitete, dann hatte sein Wort besondere Bedeutung, nicht nur, weil er Reichepräsident war, sondern«in Mann, dessen politische Einsicht jedr schätzte. Sein Verdienst ist auch die staats- rechtliche Festlegung des Verhältnisses zwischen Reichspräsident. Reichskabinett und Reichstag, das unangetastet bis heute ein Wer! seiner klugen Zurückhaltung und seiner weisen Festigkeit war. - Wenn ich heute seiner gedenke, dann geschieht es zu nicht geringem Teil aus dem Gefühl persönlichen Dankes, aber ich weiß. welch« außerordentliche opferoolle Arbeft er für Staat und Volk geleistet hat. Er hat dem großen deutschen Volke neu« Ehr« gegeben. er war großer Führer des Volkes und ein bedeutender Staats- mann. Achtung und Dank soll ihm gezollt werden!" » Heidelberg, 4 Februar.(Eigenbericht.) Das Grab Friedrich Ebsrts prangte anläßlich seines 60. Geburts- tages im Schmuck gelber und roter Tulpen. Außer der Reichs- regierung ließen das badisch« Stoatsministerium, die Stadt Heidel- berg, der Vor st and der Sozialdemokratischen Partei und zahlreiche andere Organisationen Kränz« an dem Grob des ersten Reichspräsidenten niederlegen. Auch zahlreiche Privatpersonen weilten an dem Grab« und legten Blumen nieder. stellt sei, sie aber nicht den Sinn habe, den die klerikale Reaktion ihr zu geben oersuche und deshalb nach wie vor die Auflösung der Kammer notwendig erscheine! An- gesichts der politischen Verhältnisse ist aber einstwellen für die Auflösung der Kammer nicht die geringste Aussicht vorhan- den, es sei denn, daß das Kabinett Laval sehr rasch gestürzt nnd die Neubildung einer Regierung auf dieselben Schwierig- leiten stoßen würde, wie bei der letzten Krise. Aber das ist nicht wahrscheinlich. Schon beginnt in der radikalen Presse ein Feldzug zugunsten einer abwartenden Haltung gegenüber dem Kabinett Laval. Ebenso haben die Sozia- listen kein großes Interesse an einer neuen Krise, nachdem sich zum dritten Male seit einem Jahr ge- zeigt hat, daß in der gegenwärtigen Kammer keine stabile Linksmehrheit vorhanden ist. Auch die ungefähr in drei Monaten vorzunehmende Neuwahl des Präsidenten der Republik bildet ein Hindernis für die baldige Auflösung der Kammer. Elf Monate nach der Wahl des Präsidenten aber läuft die Legis- laturperiode der Kammer von 1928 ab. Man nimmt des- halb an, daß die gegenwärtige Kammer eines natürlichen Todes sterben wird. Sie wurde als Zwitter geboren und hat sich kurz vor ihrem Ende noch eine„Z w i t t e r g e st a l t" als Führer erkoren. Und das ist Pierre Laval! Oie erste Schlappe. Paris, 4. Februar.(Eigenbericht.) Die Regierung Laval Hai am Mittwoch während der Budgetdiskussion die erste Ricderloge erlitten, die jedoch, da es der Budgrtminisler Pietri vorsichligerweise unterlassen halle, die Vertrauensfrage zu stellen, ohne Konsequenzen geblieben ist. Bei der Beratung der Ausgaben für die öffentliche Gesundheil stellte der Abgeordnete M a s s o n den Antrag aus Erhöhung der Beihllseu für Allers- und Inualidenrenlner, die plelri mit der Begründung ablehnte, daß diese Erhöhung den Budgetüberschuß von ungefähr 40 Millionen auszehren würde. Trotzdem wurde der Antrag mit 470 gegen 27 Stimmen der Kammer überwiesen. Oppositioneller Budgetberichterstatter gewählt. Pari», 4. Februar.(Eigenbericht.) Das französische Parlament wählte am Mittwoch den sozia- listischen Abgeordneten Paul Boneour für dos laufende Jahr wiederum zum Präsidenten der auswärtigen Kam- Mission. Als Generalberichterstarter für das Budget wurde im zweiten Wahlgang der radikale Abgeordnete L a m o u r e u x mit 22 gegen 21 Stimnien der Regierungsparteien gewählt. Spiel mit dem Keuer. Orohreden und Staatsfireichpläne/Mahraun und Oivgeldey Herr M ah raun, der Wisderjungdeutsche. hat am Dienstag in einer öffentlichen Versammlung in Berlin einen neuen Laden mit der Firma„Land nehme rbewe- KU ix ff" eröffnet. Der Sinn ist: Deutschland muß aus einem Jndustrievolk wieder ein Bauernvoll werden: denn nur die Bausrnvöller sind gesund. Es ist echte politische Romantik, richtiges und falsches kunterbunt durcheinander. Die Er- öffnungsreden für die neue Firma setzen sich mit souveräner Verychtungüper alle tatsächlichen Verhältnisse hinweg. Herr Mahraun hat in seiner Eröffnungsrede mit der neuen Revolution gespielt: ..Mit revolutionärer Gewalt werden wir dafür sorgen, daß dieser Staat sich etwas anders zu unserem Willen ver- hält als bisher. Republik, hüte dich, hüte dich, Staat von heute, daß nicht dereinst gegen dich das Heer derer aussteht, die du entrechtet hast, deren Arbeitswille du geknechtet hast, denen du Boden und Heimat verweigertest, weil unter deiner Herrschaft an jeder Ecke einer steht, der aufpaßt, daß nicht gearbeitet und nicht gesiedelt wird." Es ist bodenlos demagogisch verlogen, was Herr Mah- raun da zusammengeschwatzt hat. und bodenlos leichtfertig dazu. Weil das Geschrei nach der Diktatur und das Spiel mit dem Staats st reich bei jenen Kreisen des Bürgertums Mode sst, deren politische Kraft und Einsicht völlig erloschen ist, macht Herr Mahraun das Modegeschrei mit. Herr Mahraun ist ein nicht ernst zu nehmender Ro- mantiker, der sich lächerlich macht, so gut er kann. Was aber bei Herrn Mahraun nur Lufterschütterung ist, muß etwas ernster genommen werden, wenn es aus dem Lager der Volkspartei kommt. Auch dort spielt man mit dem Feuer. Der unter dem Einfluß rheinisch-westsälischer Scharfmacher stehende rechte Flügel der Volkspartei hat einen Staatsstreichplan ausgeheckt: Reichstagsauflösung, Außerkraftsetzung der Verfassung, Neuwahl einer neuen verfassunggebenden Nationalver- sammlung au sG rund eines oktroyierten ver- schlechterten Wahlrechts. Dieser wunderbare Plan soll von Herrn Dingeldey sogar an die Reichsregierung herangetragen worden fein! Man kann Herrn Dingeldey nicht hindern, wenn er wirklich an politischer Ernsthaftigkeit mit Herrn Mahraun wetteifern will— er muß sich jedoch darüber klar sein, was das Betreiben derartiger Katasirophenpläne für ihn wie für seine Partei bedeutet! Wir haben die rheinisch-westfälischen Scharfmacher immer für katastrophale politische Ignoranten gehalten. Wenn die Volksparlei ihnen besinnungslos folgen will, so mag sie eines bedenken: wer mit dem Feuer spielt, kaxm sich leicht die Finger daran verbrennen! Ein Hetzblatt verboien. Oer Polizeipräsident geht gegen den„Angriff* vor. Die nationalsozialistische Tageszeitung„Der Angriss" ist durch den Berliner Polizeipräsidenten bis einschließlich 16. Februar aus Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik verboten worden, weil das Blatt in seiner Nummer 28 vom Dienstag, dem 3. Februar 1931, eine politische Gewalttat in dem Artikel unter der Ueberschrift „Volkszorn über den Roten" ausdrücklich billigte. �Hamburger Vostszeitung* vier Wochen verboten. Nach Mitteilung de? Polizeibehörde sind die kommunsstische „Hamburger Voltszeitung" und die„Norddeutsche Zeitung" wegen ihrer Darstellung der Zusammenstöße in Geest- Höcht für die Dauer von vier Wochen verboten worden. Ein Reiniger als Erpresser. Ein Beitrag zur Moral der privatwirtfchast. Im Haushaltsausschuß des Reichstags beantragten die Na- tionalsozialisten unter heftigsten sachlichen und persönlichen Angriffen, daß das Reich seine Beteiligung an der Landtultur A-G in Berlin aufgebe. Sie besorgten tapfer die Geschäfte der Privat- Wirtschaft. Genosse Schmidt- Köpenick wies im Zusammenhang damit auf folgende Tatsach« hin: „Ein Dr. Kann, früher Letter der Automobilsabrik, habe auch die Landkultur deshalb bekämpft, weil sie vom Reiche sub- vemioniert wird. Dieser Mann habe folgendes Druck- mittel angewandt: er befaß oder besitzt noch ein Aktienpaket von 60000 Mark,� das voi? der Landtultur, besser gesagt dem Reiche, zurückgezahlt werden soll. Es steh« fest, daß dieser Dr. Kann bei Besprechungen im Reichsernährungsministertum«in Aufgeld von 100 000 Mark»erlangt habe. Wen» ihm für seine 60 000 Mark nicht 160 000 Mark vom Reich zurück- gezahlt wurden,©erde er die Landkultur bzw. das Reichsernäh- rungsnnnlstenum mit allen Mitteln, die ihm zur«er- fugung stehen, bekämpfen." Dieser Mann ist auch ein„Reimger des öftenttichen Lebens". der jede Verwendung von öffentlichen Mitteln zugunsten der Ge- samtwirtschast bekämpft— aber nur so lange, bi» er«in Geschenk für sich privat erhält! Arm in Arm mtt solchen Vertretern der Privatwirtschaft operieren die Nationalsozialisten! Der voswörtig« Ausschuß de» Reichsrat» trat gestern zusammen. um den Bericht de» Reichsaußenministers Dr. Curtius über die Genfer Verhandlungen entgegeirzunehmen. Nach den sehr eingehen-!" den Darlegungen des Außenministers sprach der Vertreter Preußens. Ministerialdirektor Dr. Nobis, in warmen Worten den Dank und dieAnertennungdes Ausschusses für die Tätigtest de? deutschen Delegation und die erzielt«« Ergebnisse au». Lohnabbau und Schlichtung. Reichstagsberatung mit Begleitmusik. Der Reichstag beriet am qestrigen Mittwochnachmittag über Lohnabbau und«chhchtungsrDcsen. Einen Antrag zur Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten über Schlichtungsstreitigkeiten öffentlichen Interesses begründete Abg. Schröler-Merfeburg(Komm.) nicht ohne Polemik gegen die Sozialdemokraten, die zwar den Lohraub verurteilen, ober die Regierung Brüning-Stegerwald stützen. Auch dos Eingreifen der Polizei in den kommunistischen Ruhrstreik macht der Redner der Sozialdemokratie zum Vorwurf. Abo. Omberh(Soz.) knüpft on die Interpellation seiner Partei über den Lohnabbau an, dem ein gleichzeitiger Preisabbau nicht gegenüberstehe.(An- dauernde lärmende Zuruf« der Kommunisten, die den Redner chs Streibrechersührer ulw. bezeichnen.) Wenn die Kommunisten uns rorwersen, daß wir die Regierung Brüning stützen, so sage ich: chatte da? Kriegsende und die Staatsumwälzung die deutsche Arbeiter- klaffe einig gefunden, dann hätte schon di« Nationalversamm- lung ein« sozialdemokratische Mehrheit gehabt, und wenn während der 12 Jahr« seither nicht die Organisation der Arbeiterschaft systematisch zerrüttet worden wäre, dann stände Deutschland heute anders da, und wir brauchten eine solch« Regit- rung nicht zu stützen. Aber die Akkiolläl unserer Partei seit der Reichslagswahl zeigt, dotz die breiten Massen der sozialdemokratischen Arbeiter für unsere Politik volles Verständnis haben. (Gegen die andauernden störenden Zwischenruse der Kommunisten geht der Präsident zunächst mit einem Ordnungsruf vor.) Die breiten Massen der Llrbeiter ziehen unsere verantwortungsbewußte Politik dem Chaos vor, dos die Kommunisten und di« National- sozialisten heraufzubeschwören suchen. Die letzten stellen die Repa- rationsleistungen als chauvtursache der deutschen Krise dar. Hätten wir die Reparationslast nicht, so könnten wir die SIeilern allerdings um 10 bis 12 Proz. ermäßigen und aus diesem Geld� Anlagen errichten, die vielleicht 150 000 Arbeiter beschäfligen würden. Aber um zum Ende der Reparation zu kommen, ist d i e Politik notwendig, die die Sozialdemokratie seit Kriegsende getrieben und die bereits eine so stocke Herabsetzung der Reparationssumme von den 132 Mil- ljarden des Londoner Ultimatums auf den Pmmg-Vlan gebracht hat. England hat eine inner« und äußeie Staatsschuld von 153 Gold- Milliarden, Frankreich von 175 Goldmilliarden, und wir hätten nicht weniger, wenn wir die Politik trieben, di« di« äußerste Recht« und Linke empfehlen. Man darf, an den tieferen Ursachen der Weltwirtschaftskrise nicht vorübergehen. Dazu gebären die Struktnränderungen der Wirtschait, die schon vor dem Kriege begannen haben. Durch die Schaffung von 11000 Kilometer neuer Grenzen in Europa sind neue Industrien in anderen Ländern emporgekommen. Auch die Entwicklung der amerikanischen Produktion und die übereilte Ratio. nalisierung haben zu unserem heutigen Zustand beigetragen. Der Kamps um die Rohstoffgebiet« und Erdöl. Gummi, Baumwolle usw. i» heut« nicht geringer als vor dem Kriege, bedeutet«in« nicht kleiner« Kriegsgefahr. Die ZkaSonolsoziaNsten wollen die devssche Industrie wieder zur Sriegsindustric mache»». Sie begegnen sich darin mit den Plänen der französischen Schwer- i Industrie. Es ist bezeichnsnd, daß die„Deutsch« Be/ow«rkez«itung' kommentartos einen Artikel des Organ, der französischen Schmer. fndüfffis abgedruckt bat, wonach der Ausbau der französischen Ost. iestungen. sowie di« Bollendung der Rüstungen in bat Tschecho. itowatei, in Polen usw. di« sranzosilcke Schwerindustrie nötig«, neue Absatzgebiete zu suchen, und daher sollte man Deutschland erlauben, n«u aufzurüsten unter der Bedinguna. daß dies mit französischen Erzeugnissen geschehe.(Andauernder Lärm äußert links und rechts.) Daß Sie»»erstehen. Haß und Zwiespalt in di« Massen zu tragen, bestreit« ich nicht. Ich bedaur« nur, daß durch Ihr« Schuld di« Arbeiterschaft geschivächt wird-... � Der Redner zitiert namhafte Sachverständige zum Beroew für di« ungeheure Trikwkleiiknnq des deutschen Volkes von jährlich 750 Millionen an die Kartelle. für die Preistreiberei der Privotmonopole. die dadurch gesteigerten Lebenshaltungskosten, was wieder dazu führt, daß der frei« Pro- duzsnt zwischen sinkendem Erlös und steigenden Kosten zerrieben, das Steigen der Kaufkraft des Geldes verhindert und die Wirtschaft- lich« Gesundung Deutschlands vereitelt wird. Der Sapikalnumaek hat nicht»am Geringsten seine Ursache in dem Übertriebenen Ausbau der Industrie. z. B. im Bergbau, n>o von 200 neuen Schächten 105 wieder still- gelegt wurden: die Betriebe verschwinden, aber das Anlagekapual muß weiter verzinst und getilgt werden. Diese Beloswng kann die Wirtschast nicht dauernd ertragen. Professor Bonn sogt in seinem Buch über den Neuen Plan, daß die kapitalistische Produktion ein Stück unproduktiver Erwerbs- losensürjorge für den Unternehmer ist, und er fordert Preissenkungen, die nicht ohne rveiteres durch Lohnsenkungen wettgemacht roerbcn können, weil in gewissen In- duftrien der Lohn nur die Hälfte, im Handwerk soaar nur 10 Proz. der Selbstkosten ausmacht. Will man da die Preise auf Kosten der Löbne senken, so bleibt von den Löhnen schließlich gar nichts mehr Übrig. Der Realloha ist in den letzten Iahren durch Feierschichten und Kurzarbeit mehr reduziert worden, al» allgemetu bekannt ist. Der 20proz«iitlge Lohnabbau der Stahlhütte Meiderich wird selbst. mrstärldkich von den Gewerkschaften aller Richtungen abgelehnt. (Obernazi Goebbels wird wegen andauernder Zwiichenrrfe vom Präsidenten ermahnt.) Die äußerst« Rechte beschwindelt mit ihrem vorgespiegelten Airtikapitalismus di« Leute im Land« draußen. (Goebbel, vKll dem Präside'sten befehlen, den Redner zur Ordnung zu rufen, was»hm darauf selbst geschieht.) Das Schlichtungswesen soll in winschosUich normaler Zeit die Wirtschaft vor schweren Er- schütterungen bevxihren und auch in Notzeiten unnötige Bsunruhi- gung oermeiden. Selbstverständlich kann der durch die Notoerord» nung vom 9. o. M. geschosfene Zustand nicht dauernd sein. Wir beantragen Ueberweisung des Aushebungsantrages zu gründlicher Ausschußbevawng. Der kommuuistische Ruhrstreik ist kläglich vorbeigelungen. Nicht den Arbeitern zu Helsen ivar sein Zweck, sondern kommunislische Parlelpolitlk zu fördern. Ganz offen haben das Ihre Zeitungen, Druckschriften und Kongresse ausgesprochen,«in politischer Massenstreik sollt« es sein.(Lebhafte Zustimmung der Komm.) Es sollt« ein Streik sein gegen das Kabinett Brüning, gegen di« Sozialdemokratische Partei, gegen die christlichen und gegen olle Gewerkschaften, u»ch vor allem sollte er endlich Ihnen zu einer kommunistischen Gewerkschaft verhelfen. Mit einer solchen Gründung stird Sie vor Iahren schon elend gescheitert. (Wegen andauernder Störung wird der Kommunist M a dd a l« n a mr Ordnung geruseir.) Eifersüchtelei der Führer spaltete die „Union", deren Rest 1925 zum Bergarbetterverband übertreten wollte. Don 3500 Angemeldeten kamen mir einige Hubert. Früher haben Sie die Vereinigung aller Bergarbeiter in einem Verband empfohlen, jetzt wollen Sie den„Roten Bergarbeiterverband'. Er wird aber mcht leben und nicht sterben können. Vontzden 300 000 Ruhrbcrgleukeo haben Sie höchsten» 35000 mil roher Gewalt 1—3 Tage au der Arbeil verhiuderu können. Wir haben unsere Kameraden aufgefordert, gegen diesen Terror gruppenrveij« anzutreten, den Knüppel in die Hand zu nehmen und das Gesindel zum Teufel zu jagen.(Andauerndes Geschrei der Kommunisten, von denen einer den zweiten Ordnungsruf erhält.) In den Kolonien werden die Wohnungen unserer Kameraden mit Kreide bezeichnet, Erwerbslose»varteten davor, um den Arbeiter, wenn er herauskommt, zu verprügeln. Zwei unserer Leute sind einfach aus dem Hinterholt niedergeschossen worden. Das werden sich die Gewerkschaften nicht gefallen lassen: sie sind nickit ein Ap- parat der„Gewerkschoftsbürokratie", sondern was im Ruhrkamps geschah, fft bestimmt worden durch die in Arbeit stehenden Funk- tionäre, nicht durch die Angestellten. Wir haben den Lohnobbau nicht gutgeheißen, ober die GelDerkschasten können nicht all dos fordern,»vas sie wünschen, sie»rrüssen die Wirtschaftslage in Betracht ziehen und genau prüfen, ivas zum Nutzen der Arbeiter ausschlägt. (Zurufe der Natsoz.) Ihnen stehen solche Zwischenrufe besonders gut an, deren finanzielle Unterstützung durch di« Unternehmer all- bekamrt ist. Die Hitler. Zrick und Zung haben die Schiverindustriellen mst ihrem national., sozialistischen" Programm begeisterl. Die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften aber sind sich ihrer ernsten Verantwortung bewußt. Nur durch geschlossene und stark« Organisation können die Arbeiter ihre Interessen vertreten. Dafür kämpfen wir, uird dieser Kamps wird olle Bestrebungen der Kam- munisten und der Nazis zuschanden machen.(Stürmischer Beisall der Soz.) Reichsarbeiisminister Stegerwald kündigt an, daß«r im Ausschuß eingehend über Lohnabbau, Schlich. tung usw. sprechen werde. Da die Erleichterung für die Wirtschaft nicht bei den Frachten und Steuern erfolgen kann,»rmßte man an die Löhne greifen. Aber alle Erleichterungen können nicht von daher kommen, und es können auch nicht an den sozialen Lasten noch Milliarden gespart weiden.(Zurufe rechte: Boung-Plan!) Die Debatte über den Doung-Plan ist so abgedroschen, daß man nicht iminer wieder darauf kommen sollte.(Lärm rechts.) Der Krieg hat in unserer Wirtschast derartige Werte vernichtet, daß sie auch ohne den Boung-Plan eine schwere Krise durchmachen müßte. (Goebbels wird wegen dauernder Zwischenruse zur Ordnung vev- wiesen.) Es ist unmöglich, die Löhne durch die Staatsmacht aus der seitherigen Höhe zu stabilisieren. In einer Zeit der großen Arbefts- losigkeit würde man damit politisch und sozial mehr zerschlagen, als nion wirtschaftlich aufbauen kann. Die Slaaksmacht kann nur mäßigend und ansglcichend in den sozialen Lämpfeu wirken. Di« Schwereisenindustrie leidet darunter, daß jenseits der Grenze des Saargebietes und Oberschtefiens die Lohns erheblich niedriger sind. Da kann die Staatsmacht auch den deutschen Lohn nicht stabilisieren. Abg. Dr. Agena(Dnat.) schließt sich dem kommunistischen Antrag on. Abg. Stürtz(Natsoz.) sieht die Abhilft gegen Arbeitslosigkeit und Lohnabbau im— Kampf gegen die Reparation, und schließt unter dam Jubel seiner Leute mit den Worten: Bielleicht erläßt bald ein« andere Regierung die Nvtverordnung. di« diesen Herr- schaftan(gemeint Ist die Linke) verbietet, durch ihr« Anwesenheit hier das deutsche Volk zu provozier«»». Wg. Wtonsfeld(D- Bp.), Bergarbott« von Beruf) hält dam Vorredner sein« llnkzradikato Vergangenheit vor und wird dafür van den Nazis ausgelacht, angepöbelt und niedsrgehrüllt, bis Präsident Löb« mit den schärfsten Maßnahmen droht. Winnefeld spricht aber nicht weitor. Abg. Stürz(Natsoz.) erwidert, er sei durch die Rubrbcletzung Hitlerianer geworden, und er habe in die„Rote Fahne" das Hakenkreuz hineingebracht-(Begeisterter Jubel bei den Natsoz.) Der kommunistische Antrag wird gegen di« Stimmen der Oppo- sttion dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiese»». C» folgt«n Antrag d«s Haushaltsausschussas. wonach die Reichsregierung ersucht werdeii soll, alle» Erwerbslosen. Sozial. und Kleinrentnern und Fürsorgebercchtigten Frischfleisch.zu einem Preis zu liefern, der nicht höher ist, als der Preis des zoll- freien Gefrierfleisches war. Hierzu wird aus dem Haus« beantragt, di« Beratung aus- zusetzen, bis der Handelspolitische Ausschuß über den sozialdemo- krotischen Antrag berichtet hat, das zollfrei« Gesriersleischkonttngertt wieder zuzulassen. Kommunisten und Nationalsozialisten sprechen gegen den Aus- setzungsontrag, der jedoch angenommen wird. Auch die Sozial- Demokraten stimmen dafür, und zwar aus dem Grunde, daß die Kosten, die die Ausführung der Entschließung des Haushaltsaus- schiisses verursachen würde, nicht zu Übersehen sind, und daß bei ihrer Annahme der Handelspolitische Ausschuß den erwähnten sozial- demokratischen Antrag als erledigt erklären könnte. Um!?>- Uhr vertagt sich das Haus auf heute. Donnerstag. 15 Uhr: Etat des Reichspräsideitten und des Reichskanzlers. Oer Kampf gegen die Krise. Aussprache im Landtag. Der Preußische Landtag stimntte am Mittwoch über die Anträge ab, die die einzelnen Fraktionen zu den Etats der Land- wirtjchafts-, Domänen- und Gestütsoerwattung eingebracht hatten. Dabei wurden gegen Sozialdemokraten und Kommunisten mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien olle Anträge angeiwmmen, die Zollerhöhungen für die verschiedensten landwirtschaftlichen Produkte und handelspolitische Erschwerungen verlangen. Mit derselben bürgerlichen Mehrheit»wurden gegen Soziakdemokraten und Kommu- nisten aber auch alle Zlnträge abgelehnt, die eine Vesser- stellung der Landarbeiter oder deren Gleichstellung in arbeitsrechtlicher Beziehung mst den Industriearbeitern forderten. Nach dem Willen dieser bürgerlichen Mehrheit soll es also bei der tbilturschande des Hafgängersystems bleiben. Die hierauf sortgesetzte Debatte über den Etat der Handels- und Gewerbeoerwaltung brachte ein ganzes Bündel Wünsche der einzelnen bürgerlichen Parteien. Aber keiner der bürgerlichen Redner versuchte, sich ernsthaft mit der Rede des Ahg. Ofterroth (Soz.) vom Dienstag auseinanderzusetzen. Abg. Frau Hanna(Soz.) setzte sich mit all den kleinbürgerlichen Vorschlägen auseinander, die nach der Ansicht der Wirtschaftsparteiler und ihres Anhanges Allheilmittel sein sollen und die geflissentlich übersehen, daß die ganze Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft mit ihren Rationalisicrungs- und Technisserungsmethoden die Haupt- schuld an der jetzigen Krise trögt. Sie rückte deshalb wieder in den Vordergrund das große Problem der Bekämpfting der Arbefts- losigkeit. Allein die Erhöhung der Kaufkraft der Massen kann die Mrt- schaft ankurbeln. Aber dieses Ziel ist nicht zu erreichen durch Lohn- abbau, wie es ein Teil des Unternehmertums bereits mit Erfolg versucht hat. Zu den ernsthaften Maßnahmen, die ergrissen werden müssen, gehört zum Beispiel die Beseitigung der diktatorischen Preis- Politik der Kartelle, die in den wichtigste» Produkten einen wirk- samen Preisabbau verhindert haben. Hier müssen sich die Regie- rungen des Reiches und der Länder endlich von den scheinbar sehr starken und gefährlichen Einflüssen der Kartelle und Trusts frei- machen, und die Sozialdemokratie wird das ihrige dazu tun. diese Forderung durchzusetzen! Die Tatsache der Rationalisierung und Technisierung hat Millionen van Arbeitskräften überflüssig gemacht. Es gibt nur ein Mittel, bei diesen gesteigerten Produktionsniethoden ausgleichend zu wirken: die Herabsetzung der Arbeitszeit von Ztz Stunden auf 40 Stunden in der Woche. Zum Schluß beschäftigte sich Frau Hanna noch mit der For- derung nach Abhm» der Doppelverdiener, insbesondere mit der ge- forderten Entlassung erwerbstätiger verheirateter Frauen. Berück- sschtigt man, daß von 3,7 Millionen erwerbstätiger Frauen ungefähr 2,5 Millionen als Familienangehörige in der Landwirtschaft ufw. arbeiten, daß schließlich nur«ine halbe Million übrig bleibt, die theoretisch abzubauen wären, so ergibt sich, daß eine solche Maß- nähme nicht den gewünschten Erfolg hoben kann. Es ist nun einmal nicht von der Hand zu weisen, daß von dieser halben Million der größte Teil durch die wirtschaftliche Not gezwungen ist, nntzu- verdienen. 4 Die Aussprache wird am Donnerstag 12 Uhr fortgesetzt. Ersparnisse— aber wo? Die Vereinbarungen zwischen dem Reichskanzler und der Volkspartei. Heb« das Ergebnis der Verhandlungen, die am 3. und 4. Fe- bruar zwischen dem Reichskanzler und dem Reichs- finanzminister Dr. Dietrich einerseft? und der Reichstags« sraktftm der Deutschen Bolkspartei, vertreten durch ihren Bor- sitzenden, Abg. Dingeldey und dem Etatsreserenten Dr. Cr e- mer anderersefts stattgefunden haben, wird im Einvernehmen mit dem Reichskanzler folgendes mitgeteilt: 1. Welche E i n n a h m e a u s f all e infolge der Einflüsse der allgemeinen Wirtschastsverhällnisje gegenüber den Etatansätzen ein- treten können, läßt sich heute mft voller Sicherheft endgültig nicht übersehen. 2. Der Reichskanzler und der Reichsfinanzminister sind«nt, sprechend früheren Erklärungen mft der Reichstagsfraktion d« Deut- schen Bolkspartei einig darin, daß solche Ausfälle nurdurchwei- ter« Ausgabenkürzungen und nicht durch Erhöhung irgendwelcher Lasten oder durch Vermehrung von Schulden gedeckt werden dürfen. 3. Um der Reichsregierung di« einwandfreie Möglichkeit solcher Ersparnisse zu schaffen, wird die Regierung den Reichstag um eine entsprechende Ermächtigung ersuchen. Kirdorf weist Beiiler ab Der Großindustrielle Kirdorf wies eine Bettelei der Selben ab, weil ihm„die nötigen Mittel fehlen". Kirdorf:„Oem Gelbe« könne« Sie ruhig«och einen Tritt verschen. Erstens ist er's nicht besser gewohnt, und zweitens kommt er doch wieder!� JAHRE rbringeninclicsen bellen CHE Vtrkovf««*»11 Vorro» Mongenobgab» vorbehalten I eisse arcn aller Ari .die zX eigens furdiesen Zwedcaufyestepeft zum Vcrfcatif! Sehenswerte Fenster und Aufbauten und TROTZDEM die Preise unbeeinflusst enorm billig Gardinen Landhausgardinen Q KQ mit Volant, in vielen Farben.••••••••••••••«•« Meter Gittertüil /\ qc Meterware, vermiedene Bretten........ Quodraftneter**/ Jr Gardinenmuli„2-» bm-t. l 30 farbig gemustert, Indanthren gefärbt............ Meter B f Kunstseidenrips s.m»t.rt. � Qf\ ca. 120 cm breit, mit Baumwolle............... Meter jSo f Haibvorhänge o qs Glttentaff, Meterware......................... Meter Halbvorhänge QQ fllotgrundlg, mit Kunstteidoneffeiden......•«•••..Stuck Fensterdekorationen s e�\ Töll, 3 teilig........................................... 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Die Einäicheruna findet am Sonn- abend, dem 7 Februar. 18.3o Uhr, im Krematorium Serichtstraße statt Ehre Ihrem Andeuten Rege Beteiligung erwartet Die Ortsvcrwaltuns. Am 8. Februar verstarb mein lieber Mann, unser guter Onfel, der Holzbädhouer Otto Meyer nach faum vollendetem 70, Lebenssahr. Die» zeig.n liesdetrUbt an Berlin 4, 2 3t, Freu Bert» Meyer Luisenuier 20 Gceebwlsicr Meyer Die(Einäscherung findet am Sonn. abend, dem 7 Februar, 18 Uhr im Krematorium Baunuchulenweg statt. Statt besonderer Nadiricht. Am 4. Februar entschlief nach langem,>» S UhrL*nd.AmH.ch» Vorurorta rui«l«n u- Awig«b«st*itan VbeiKhrihewert 73 O.. Ten warT uerKaute| Linoleum, Elillot. Kolonieftr.st. 500 Steppdecken. Prlmadoppelseitiaer Satin. Schnlttgröfie 160/210. 11,50 Zst. an. Karst u Co.. Andreasstrafie 42. 1000 Teppiche. 5969 Meter Läufer in Eoeos Boucle, Pelour. Bettvor- leger. Brücken � Di- wan.. Tisch-, Schlaf- decken, erstaunlich billige Preise. Karst und Co.. Andreas- strane 42. Achtung! 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Chaussee- ftraße 77 7ern- sprechet Wedding 7886 Beobachiun- gen. Ermittelungen. Auskstnite allerorts. DI« Beleidigung gegen die Schwester Amalie Walirr nehme ich hiermit ,urück. Schwester Ioscvha Mischte. Piollnc. guter Tan, fünf,chn König, Palisaden. Christionat. strafie fi4b«nuird- nickerstraße 29» »watrzsg. 6 1(aBcnioif itlüxcge.) Puppenwagen, out erhaitcn. kauft Wussow. Döhnsdorf, Suderiusstraße_ 90. Z-Hu»«»ifi«. Edclmeiallbruch. Lucckfilber. Zinn, Blei. Silb-rfchmel,? ' K»»e2 Möblierte» Zimmer vermietet Dubberke, Goecke- straße 3. Sehen- ichöuhauseu. O Nr. 59* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 5. Februar �93� Das Todesuneii im MordprozeB. Todesstrafe für Stolpe, Gefängnis und Zuchthaus für Luise Neumann und Benziger. Tor Borsitzesd«. Laudgerichtsdircktor Tclimivt. vrr- kündete gestern nachmittag nach zweistündiger Beratung bei dicht besetztem Gertchtssaat und Tribünen folgendes Urteil: Alle drei Angeklagten Stolpe» Luise Neu- mann und Penziger werden der gemeinschaftlichen Tötung für schuldig erklärt. Stolpe und Luis« Reu« manu mit Ueberleguug und Beuziger ohne Ueberlegung, ausierdem der gemeinschaftlichen Unterschlagung. Der Angellagte Stolpe wird wegen Mordes zum Tode verurteilt und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für Lebensdauer und wegen Unterschlagung zu sechs Monate« Gefängnis, die Angeklagte Luise Neumauu wegen Mordes und Unterschlagung zu acht Aahre« zwei Monate» Gcfäugui s. der Angeklagte Ben- ziger wegen Totschlages und Unterschlagung zu sechs fahren drei Monaten Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für die Tauer von fünf Zahreu. Tie Untersuchungshaft wird den Angeklagten angerechnet. Di« bei der Tat benutzte Taschenlampe wird eingezogen. Tie Kosten des Verfahrens»verden den An- geklagte» auferlegt. Der Vorsitzende brauchic zwei Stunden zur Begründunii des Urteils. Er schilderte zuerst den äußeren Aesund nach dem Morde an dem Uhrmacher Illbrich, die Vorgänge, die zur Ermittlung der Töter führten und gab daraus eine ousiührlichc Vorgeschichte der Tot: wie die Angeklagten Stolpe und Luise Neumann aus den Ge- danken kamen, sich bei Ulbrich Geld zu holen und wie aus dieser Msicht der Plan z» seiner Tötung entstand. Es mag dahingestellt bleiben, sagte der Landgericht-direktor Schmidt, wen» der Gedanke, Illbrich beiseitezuschassen, zuerst gekommen ist. Jeden- falls beircundete sich Stolpe sehr schnell mit diesem Gedanken. Es ist auch glaubhaft, daß Luise Reumann erklärt Hobe, ste würde zum Beil greisen, falls ein Erwürgen nicht möglich fein sollte. Die Au?- sagen der Angeklagten bei ihrer polizeilichen Vernehmung lassen keinen Zweifel darüber, daß sie am Abend der Tot zu Ulbrich ge- gangen sind, um zu töten. Die späteren Mschwächungen in der Gerichtsocrhondtung erscheinen wenig glaubhast. Eine richtiggehende Unterbrechung der Tatabsicht bat eigentlich in keinem Augenblick stattgesunden. Härten die Angellagten beabsichtigt, die Tat zu unter- lassen, so wäre dazu der Moment günstig gewesen, als sie das erste- mal in den Borderrauin zurückgegangen sind. 2e! der Entscheidung üHrt die Frage, ob die Angeklagten im Augenblick der Tat im Besitze der erforderlichen Ueberlegungsföhigkeit gewesen sind, ist chr« Persönlichkeit von Bedeutung. Stolpe ist law Gutachten der Sach« nerständigen der Ueberlegtere von ollen dreien. So hat er auch bei der Ermordung Ulbrichs vollkommen überlegt gehandelt.-Luise tzmonn. die bei ihrer Xiitbljcheir. Unreife pfs. doÖ Erwachsene gelebt und sich im täglichen Leben stets gut zurechtgefunden hai, ist gleichfalls während der Tat vollkommen überlegt gewesen. Anders der Angeklagt« Benzig er, der von den Sachverständigen als geistig beschränkt bezeichnet worden ist.� Zum Schluß führte Landgerichtsdirektor Schmidt noch folgendes aus: Es wurde hiek von Rot gesprochen. Biel« taufende Jugendliche leben tatsächlich in größter Rot. Hier war das nicht der Fall. Diese drei zungen Menschen hallen noch im Hause der Eltern ihr Eisen und chre Ordnung. Es wlirde auch von Arbeitslosigkeit gesprochen. Man weiß, wie Arbeitslosigkeit die Jugend demoralisiert, sie dem Äri- minellen zugeneigt macht. Benzigers Arbeitslosigkeit war von ihm unoerschuldet; die Arbeitslosigkeit von Luise Neumann und Stolpe ober zum Teil selbstverschuldet. Stolpe halle eine Woche vor der Tat die Arbeit eingestellt', es gelang ihm nicht, sich wegen eines an- geblichen Rheumatismus krank schreiben zu lassen, er war nun ohne Arbeitseinkommen und ohne Krankengeld. Bei Luise Neumann war noch zu prüfen, ob Erzichung-moß- nahmen in Betracht kämen. Ms solche ist in diesem Falle die Ge- sängiiisstraie zu betrachten. Eine Bewährungsfrist wäre erst nach mehreren Jahren in Erwägung zu ziehen. Der Vorsitzende erteilte daraus den Angeklagten die übliche Bc- kchrung über die Rechismillel der Revision. Benziger erklärte, die Strafe sofort antreten zu wollen. Er hatte die ganze Zeit über seinen Kops tief gesenkt gehalten, man merkte es ihm an. daß er auch geweint hatte. Als er hinausgeführt wurde, tröstete ihn Stolpe; er klapste ihm zärtlich mit der Hand aus den Hinterkopf:„Erich, wecn man nich, mein lieber Junge!" Er selbst hott« die ganze Zeit über vor sich hingestiert, und nur während«imger Teile der Be- gründung, insbesondere, als der Vorsitzende die näheren Einzelheiten der Tot schilderte, seinen Kopf Hinter der Barriere verschwinden lasten. Dann wieder murmelte er wütende Worte und machte zornige Bewegungen. Luis« Rcuinann zeigte beim Eintritt in den Gerichts- iaol ihr übliches unbesorgtes Gesicht und unterhielt sich nach Schluß der Verhandlung angeregt mit ihrem Verteidiger. Ein Schlußwort. Zum Fall Stolpe— Luise Rcmnann wäre viel zu sagen van ' psychologischen wie soziologischen Gesichtspunkten. In diesem Augenblick und an dieser Stelle zum Prozeß selbst nur dos wenig«. Die Bemühungen der Sachverständigen in bezug aus Stolpe und die Rcmnann sind ohne Ersolg geblieben: das Gericht hat beiden Ueberfegungesähigkeit im Augenblick der Tat nicht abgesprochen. Genutzt Hot nur das einmütige psychiatrische Gutachten bloß dem Angeklagten Benziger. Ist ober das Zuchthaus dar rechte Ort für diesen Aweiundzwanzigjährigen mit der Entwicklung eines Sechzehn- oder Siebzehnjährigen. Sollte die Zuchthausstrafe nicht aus dem Gnadenwege m ein« Gesängnissirase umgewandelt werden können, damit er z. B. im Jugend gesängnis von Kottbus«ziehe, rijchen Einflüssen unterstellt wird? Das Todesurteil gegen Stolpe wird nicht vollstreckt werden; die lebenslängliche Zuchthausstrafe bei guter Führung in einigen Jahren in«ine b e- fristete umgewandÄt werden. In zwölf, dreizehn, fünfzehn Iahren wird er das Gefängnis oerlasten. Auch das Gericht muß'« anerkennen, daß in diesem Dveiund.zwonzigjährigen ein guter Sern steckt. Wird dieser Kern im Zuchthaus zur Entfaltung kommen oder gor eingehen? Wird dieser der Freiheit gebessert wieder- der Jugend glänzend gelungen. Bei dem Mangel an Mitteln und bei der Fülle der sich im schlechten Zustand befindlichen Schulen ist eine durchgreifende Besse- rung von heute auf morgen leider nicht möglich. Di« Sünden dar Stadwäter der Vorkriegszell können bei allem guten Willen nur langsam, nur in.Einzelfällen von Schule zu Schule gutgemacht werden. Di« Denkschrift, die ein surchtborer Notschrei des Bezirk» ist. wird auch den Magistrat veranlassen, zu prüfen, ab nicht gerade für den so arg vernachlässigten Bezirk Friedrichs Hain, be- i anders für die Erneuerung der Schulen etwas mehr getan werden kann als bisher. Außer den laufenden Mitteln, die zur Schulunter- hallung erforderlich sind, beziffert dos Bezirksamt für die nächsten fünf Jahre einen jährlichen Bedarf an Sondermitteln in Höh« von 616 000 Mark, un, wenigstens die dringendsten notwendigen Maß« nahmen im Intcrell« der Erhaltung der Schulen und der Gssusdhest der Kinder durchzuführen. Dos ist gewiß bei der derzeingen Finanzlage der Stadt Berlin eine äußerst hohe Summe. Ihre Ausbringung ist aber notwendig, wenn man nicht binnen weiüger Jahre«inen vollständigen und nie wieder gutzumachenden Verfall d« Schicken, di« doch auch städtische Werte darstellen, erleben will. Neun Tote bei Flugzeugabsturz Katastrophe eines englischen Wasserflugzeugs. London, 4. Februar. Am Mittwoch stürzte infolge einer Explosion ein großes Marincwasserslugzeug bei Blymoulh in« Meer, während vier OsstMlK''gMWM wnlltli toamra. sind voramflchiNch ein Offizier und acht Mann der Besatzung ertrunken. Das Fahrzeug' ist sofort gesunken. Bei dem Absturz des großen Marinewosserfluzzeuges bei Ply- mouth haben nach den bisherigen Feffftellungen neun Menschen das Leben verloren. Bei Manövern und Schießübuuaen, die das Flugzeug mit anderen Maschinen ausführt«, kam die Maschin« plötz- lich in Steilflug. Als die Maschine dos Wasser berührte, erfolgte eine starke Erplosion, deren Ursache noch unbekannt ist. Der Apparat sank für einig« Augenblick« und kam dann iielrf>en wieder an di« Oberfläche. Die Explosion war weithin hörbar. In kurzer Zell mar eine' Reihe von Motorbooten und anderen Fahrzeugen on der Unglücksstelle. Ein auf einem Flügel des Flugzeugs stehender Mann und drei andere, die auf dem Wasser trieben, wurden ge- rettet. Das Flugzeug füllte sich rasch mll Wasser, so daß die im Znnern befindlichen Leute nicht mehr in» Freie gelangen konnten. Sie gingen mit dem Apparat unter. Es wurden sofort die nötig-m Maßnahmen getroffen, um durch Taucher die eingeschlossenen Mit- glieder der Besatzung herauszuholen. Von den vier Geretteten sind drei schwer verletzt. Einer von ihnen, ein Fliegerleutnant, starb auf dem Weg« zum Krankenhaus. Einig« behaupten, daß die Un- glücksmaschine im letzten Augenblick einem anderen Flugzeug in scharfer Wendung habe ausweichen wollen. Das Unglück er- eignet« sich etwa 120 Meter vom Lande. Dos Flugzeug war ein Blockburn Iris Hl Ganzmetall-Doppeldecker-Seeflugzeug, mit drei Rolls Royce Condor-Motoren zu je 675 k'S. Es hatte eine Spannweite von annähernd 30 Meter,«in« Läng« von 20 Meter und eine Höh« von 7 Meter. Die Höchslyeschwindigkeit betrug 105 Seemeilen bei einer Durchschmttsgeschwindigkell von 80 See- meilen. Offiziere und Marmschoften konnten an Bord wohnen und schlafen.__ llnser Körper gehört uns! Unter diesem Motto wandte sich der G r o ß o e r b o n d Deutscher Heilpraktiker in einem Vortrag seines Bor- sitzenden Osthsim gegen die„Schädigungen der Dolksgesundheit durch die Schulmedizin". In außerordentlich einseitiger und krasser Form kennzeichnet« der Redner die Auswüchse u, der ärztlichen Heilbehonlckung, wobei deutlich die Tendenz zutage trat: Die Behandlungsweise der modernen Allopachie ist säckimmer als die Krankheiten selbst. Slber schon der Eingang des Referats ließ er- kennen, um was es den deutschen Heilpraktikern zu tun ist. Sie beklagen sich über die Zunahme der Acrzte, von denen, wie sie meinen, in Deutschland 15 000 zu viel seien. In seinem von Licht- bildern unterstütztem Vortrage hatte der Redner alles Material von Fällen zusammengetragen, die Beröffentlichungcn in medizinischen Zeitschriften entnommen waren, also wissenschaftlich« Streit- oder Distufsionsobjekte waren oder sind. Diesen ungünstigen Auswirkun- gen van Medizinei,, tödlich verlaufenen Impfungen, mißglückten operativen Eingriffen u. a. vergaß der Redner die günstigen Wirkungen der modernen Heilbehandlung gegenüberzustellen. Schreckliche und beklagenswerte Fälle wie z. B der in Lübeck.. Experiment« in öffentlichen Kliniken an Kranken und andere Aus- wüchse werden überall öffentlich bekämpft, nur sollten die An- kläger nicht gerade jene Heilpraktiker sein, die nicht, wie seder approbiert« Arzt, ein langjähriges wissenschaftliches Studium hinter sich haben. So wenig verkannt werden soll, daß es unter den Laien- Praktiker tatsächlich eine Anzahl gibt, die sich infolge großen Fleißes, großer Gewissenhaftigkeit und langjähriger Praxis das Vertrauen der Leidenden erworben hoben, so wenig darf verkannt werde», daß von den Tausenden, die sich mit großem Selbstbewußtsein für berufen erklären, doch eben nur einige wenige auserwählt sind. Di« Aerzteschaft hingegen sollte ihren Gegnern dadurch den Wind aus den Segeln nehmen, daß sie selbst gegen etwaige Auswüchse der modernen Schulmedizin Front macht. -Di�Lnseldss Schreckens. Mehr als 1000 Todesopfer? Wellington. 4. Februar. Aus den letzten Meldungen scheint hervorzugehen, daß die Zahl der Todesopfer bei dem Erdbeben noch viel größer ist. als Ursprung- lich angenommen wurde. Die staatlichen und städtischen Behörden in Hastings schätzen die Zahl der Todesopfer in dieser Stadt auf mehr als hundert, von denen viele noch unter den Trümmern liegen. Zn der Stadt Rapier, mit der die Verbindungen noch nicht wiederhergestellt worden sind, soll die Zahl der Toten weit über hundert betragen. Flüchtlinge aus Rapier, die eben hier eingetroffen sind, sprechen sogar von l000 Todesopfern. Aus der kleinen Stadt Taradale wird gemeldet, daß dort 30 Personen umgekommen sind. Erdstöße in Bayern registriert. Hos in Bayern. 4. Februar. Die Erdbebenstellc des Flugplatzes Hof teilt mit, daß am Seismograph Montag abend zwischen h-6 und 6 Uhr ein erheblicher Erdstoß bemerkt wurde, ber in südnördlicher Richtung von Wurlitz über Moschendorf— Hos— Gumperercuth verlief. Besonders verspürt wurde der Erdstoß in Gumpersreuth, wo er als explosionsartiger Knall wahrgenommen wurde und verschiedenllich au den Häusern Schäden anrichtete. Einer Meldung aus'Asch in Böhmen zufolge ist zu gleicher Zeit ein in ähnlicher Richtung verlausender Erdstoß festgestellt worden, der gleichfalls an verschiedenen Häusern Befchä- digunge» hervorrief. „Der Wunderdoktor Hitler-. Lieule. 5. Februar. 20 Uhr, g em e i n s a m e Kundgebung des Reichsbanners Steglitz und der SPD. des 12. Kreises in den Lichtcrfelder Festsälen, Lichterfelde, Zehlendorfer Straße 5.„Der Wunderdoktor Hitler', unser Kampf gegen die Nazis. Referent: Rcichstagsabg-ordneter Dr. Mierendorsf. EngU'ch— Französisch— Deutsch. Im sikt>'.uar bkgivnkn neue Anlanger kurse bei Genossin Hetz. W 30.«pjchcrnstr. 16, Elb. 3 Tr. rechlS Mniergrundbabnbof Nürnberger Platz) Anmeldung— au-b tchrisllirb— Di« zum 9. Februar, täglich 17—20 Uhr. Teilnebmer mit Borkenntuiiien tonnen den bestehenden Mittel, bzw. Lberll«:isen jederzeit beitreten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin atasridnnaen für Dlef, ThitrtI in,«««« öujme!,frM«rUi yerdn(MB 68, ci-idmUn«, fldtima, Singftei«! Stutj, 19 u Uhr. etile Zusammeniunst im Seim äBUjhtnamftt. 5(Nähe Bahnhof W-ddina). Can-n-frurdig« Genosflnileu Ulli» Senofla» lönnen st» noch oimtücn. Abkeilungsmitgliederversammlungen heute, 131,0 Uht: Smben: Lortzwg. Eck, fflcauitflrape,— Ätoetufet«ieetel: Wran»«!- ftiaste 128.— Soühustct Z,,! Sr'Seo Sit 27—30.—©ibwftenj xlndeir- (tatzJ i.— rt-Wentrarf: cftKeffenftoste._ leset: fSthnitm. 13. * Moabit I: guiltrionärNtzun, Be:m ffielWiken SEMiitnet, Emser Sie. 89, 1» Uhr.— atBBsalbct Platz II: Pag nburoer$'i. 16-.Die ffiei»:» tt unfnet Part-t'— galtzlatz I, konnenburoer Str. SO.„Siaat, Tal en unt Arbeitet- ichatt", n. Seil.— Ratdrgea 17: Saitliaet Sit. 62,. ffiicfidlle der Arbeitet. beweguna". 1 Teil.—«tmiftlatier S-tftadt:©leimftr. SS— SS.„Die freien Sewerrschaftrn.-— SchöBbauser Porstal»': Sonn'nturaer Str. 20..Volitisch« Etoianlss, seit 1018,"— Sesterd fiR Grortrlatz W-st-nb.„SeiueUe �Mjen."—«.eglitz I: Albtechiftr 47. Neben des Sjiterfnror«.— Setoiiieniioif. West: Seidcljls. l. IMKiuufeit.Sfefetaic.— Pre�l-oc: Vorstadt l Gleim- llioch 26—33, Iuaeirdpfstqe und fluqsndflirsorve." W«rbed«,ltl Mitte: Äöpe nicket Str. 92. WerbeaussKuWitzinm. S-millche 2. Vorsttzenben mllssen erscheinen.- Betbebeziel RenlSI»: Ba ndetausschlMtwn« im Vatieibik». Jede«tu«»« «uß se titele« sei». Menry 3>oülaille: S)eiS 0J)fCV lSchluß.) Slan hörte mir das Stöhnen des Verletzton und das ununter- brachen« Weinen der Frau. „Ich lause schnell zum Zlrzt!" erbot sich Frau Salat. Sie ffingen in die Stube. „Züelchcn Arzt sollen wir holen, Frau Valier?" „Drouin. Frau Rogon. Er ist nicht grob. Er war immer gut zu dem Jungen und er wird auch für meinen Mann am besten sein." „Dann werde ich gleich lausen!" machte sich Frau Salat zum Sehen fertig. „Sagen Sie, er soll sofort lommen!" Frau Dalier brach erneut in Tränen aus und warf sich vcr- zweifelt über den Tisch. .Kops hoch! Es gibt leichte und schwere Brüche, und bei ihrem Mann ist es an einer weniger gefährlichen Stelle.— Sie werden sehen, was Drouin sagt." Der Verletzte machte mit den Händen Zeichen und wies auf sei» Kleider. Frau Ragon glaubte ihn zu verstehen. .Haben Sie ein Attest?" Sie fand es in seinem Jackett. „Unlerzetchncr bescheinigt hiermit, Herrn Valier untersucht zu haben und stellt in der Höhe des ersten Bcckentnochens eine sehr starke Schmerzompsindllchteit fest, sowie ein Hervortreten der... das verstehe ich nicht, ist wieder ihr Chinesisch oder Latein, nicht zu lesen... Die Prüfung der Beweglichkeit und Druckempfindlichkeit läßt danrns schlichen(sie las die Stelle undeutlich und leise), dah eine schwere Verletzung des Rückenmarks vorliegt, die verursacht ist durch einen Bruch der Wirbelsäule. Nach Aussage des Patienten erfolgte dieser Unfall bei seiner Arbeit aus der Baustelle von Varmaleze und Pizord am Ist. Juli. Z Uhr 4ö nachmittags. Der augenblicklich« Zu- stand des Perletzten ermöglicht keine genaue Angaben des Krank- heitsoerlauss noch eine ungefähre Angab« der Dauer der Arbeits- Unfähigkeit. Paris. lst. Juli.." „Nach Aussage des Patienten erfolgte der Uniall... wie er dos schreibt, wo cr doch gleich zur Unfallstell« geholt wurde!" „Dos ist doch nur«in Attest!" warf Frau Salat ein. ..Attest oder keins, dos ist geschmacklos! Das sieht aus, als ob man die Wahrheit in Zweifel ziehen wollte", erwiderte die Rogon. „Ich werde mich beeilen", veroblchiedetc sich Frau Salat. Eins Stunde verrann, qualvoll langsam, unmer wieder unier- brochan von den Schmerzensschreien des Verletzten. Frau Salat, die sich zurückbceilt hatte, und Frau Ragon, be- fchäftigten sich in der Küche. .�ean!— Jean!"\ Der Verletzt« rief sein Kind. „Er spielt noch draußen!" beruhigt« ihn seine Frau. „Ich werde den Jungen zu mir nehmen", sagt« die Ragon, da bat er Gesellschaft genug und braucht lücht still sitzen. Machen Sie sich keine Gedanken. Er wird bei Raymond schlafen. Ich werde schon für ihn sorgen." Die Uhr hatte eben sechs geschlagen, als der Junge in die Stube kam. .Lea», du willst zu uns kommen?" Erstaunt sah dos Kind die Nachbarin an. ./Warum?" Sie zog ihn zu sich. „Weil dein Vater verletzt noch Hause gekommen ist." „Der Vater?— Schlimm?—" fragte der Junge. „Schlimm genug.'Du weiht, wenn jemand krank ist, muh er unbedingt schlafen und Ruhe hoben. Du wirst solange bei uns bleiben, so?" „Was hat denn mein Vater, Frau Ragon?— Ich will sehen..." „Der Arzt wird gleich kommen. Jetzt kannst du nichi. Er ist vom Gerüst gestürzt und hat sich verletzt." „Stirbt man davon?" fragte nachdenklich der Junge und ihm rollten schon die Tränen. „Der andere, der mit deinem Voter stürzte, war gleich tot. Dein Vater ist wohl nicht so schlimm gefallen wie der andere und nun muh er ruhig liegen, damit olles wieder hellt." Die Angst bemächtigt süh auch des Kindes. „Ich will Vater sehen!" .Hetzt nicht, mein Junge, um Acht, wenn der Arzt dagewesen ist. Weim dich dein Vater jetzt sieht, dann tut ihm olles noch mehr weh", überredete ihn Frau Ragon. Ein siebenjähriges Kind hat schon Verstand. „Gut, dann werde ich um acht Uhr sehen." Und er ging willig mll hinaus. Raymond war da und Vater Ragon. Pepee, die Tochter, kam erst später und der andere Junge, der Telegraphist, hatte Spätdienst. Raymond, der Briefträger war, wollte sich des Jungen an- nehmen. „Willst du Post spielen?" „Ich will nicht spielen." „Soll ich dir etwas erzählen?" „Ich will nichts." „Möchtest du etwas essen?" fragte Vater Rogon. „Ich hob« keinen Hunger." „Du bist ein kleiner Trotzkopf", locht« Vater Rogon. Es war leicht zu erraten, was hinter der Stirn des Kindes trotzte. Aus der Küche rief Frau Ragon: „Laßt doch um Himmelswillen den Jungen in Ruhe!" Es klingelt«. Es war Frau Salat. „Drouin ist gekommen. Es ist so. wiä der Arzt geschrieben hat." „Was sagt er noch?" „Em halbes Jahr wenigstens. Es wäre besser, er ginge ins Hospital. Aber Sie hätten Valier hören sollen. Den Teufel ins Hospital— brüllte er den Arzt an. Drouin sagte, es wäre besser für die schwangere Frau. Valicr will, dah seine Schwester koniml." „Gewih, das wäre besser. Aber smd wir denn nicht auch da?" sagte Frau Rogon. Der Junge horchte und verstand mehr, als die Frauen ihn wollten wissen lassen. „Wir werden nachher zusammen- hinunter zum Voter gehen". suchte der alte Ragon die Unruhe des Jungen fortzuscheuchen. „Aber nicht vor acht Uhr", keifte Frau Ragon. Vater Ragon zuckte die Achseln. Eine Stunde vergeht langsam, wenn ein Kind Minute für Minute zählt. Wie ein Marsch holte der Pendel zum erste» Glocken- schlage aus und schlug achtmal einen sicheren Schlag. „Acht Uhr, Vater Ragon. Wir müssen gehen." Vater Ragon stand aus. An der Tür hob Frau Valier ihren Jungen aus den Arm. Sie küßte unbarmherzig das Kind, das sich nicht sträubte. „Leise, er schläft. Nicht weinen." Dem Kinde standen die Tränen in den Augen, aber es weinte nicht. Der Verletzte schlief erschöpft und ermattet von Schmerzen.. Das Kind, das seinen Vater tief atmen hörte, blickte dankbar seine Mutter an. Vielleicht hatte es Schlimmeres geglaubt, es atmete mll einem tiefem Seufzer der Erleichterung. An der Tür fahte das Kind nach der Hand der Mutter. „Jetzt bringt Voter kein« Sous mehr nach Hause. Ich will nicht fort. Ich will nicht aufs Land. Ich will keine Ferien. Für Vater ist mein Feriengeld." Dabei drückte das Kind fein Gesicht in die Schürze der Mutter, als schämte es sich seines Opfers. ftlebttWrt»»» C. 4 iwsot>. Carlyle und Friedrich Engels SEu Carlyles 50. Todestag— 5 Februar Don Corlyl« stammen die Worte:„Die Weltgeschichte, die Geschichte dessen, was der Mensch in der Welt vollbracht hat, ist im Gnmb« die Geschichte der- großen Männer, die auf Erden auf- getreten sind." Das Zitat stammt aus feiner Schrift„U« b« r H« l- den und Heldsnverehruu g". Der Inholt dieses Buches ist freilich auf«inen wefentlich anderen Grundton abgestimmt, als es der willkürlich herausgegriffene Sog vermuten läßt. Mit ungewöhn- lich klaren Augen sah Carlyle auch die Verheerungen im Gefolge des immer mächtiger werdenden Kapitalismus. Sein Buch will da- gegen mll der Bejahung der wahre».Heroen der Menschheit ankämpfen, der Feuersäulen, wie er sie nennt, die auf ihrer dunklen Pilgeriahrt auch der Menschheit den Weg aus dem industriellen Elend zeigen. Angreifbar ist unbedingt die Orientierung in der Ver- gangenhell, aber felbst bei vollkommen anderer Meinung bietet das Luch für den krllifch Urteileichen stärksten geistigen Gewinn, weil ein wahrhaft großer und unvoreingenommener Charakter dahinter steht. Dieser Charaktergröße hat sich auch Friedrich Engels nicht entziehen können, der in seinen jungen Iahren in der englischen In- dustri« die Kämpfe und Wünsche der Zeit studierte. In einem um- fangrclchen Aufsatze setzt cr sich eingehend mll einem anderen Werk Carlyles„Vergangenheit und Gegenwart" auseinander. In einem zeitkritischen literarischen Gemälde, in dem das England des 12. mit dem des lg. Jahrhunderts verglichen wird, wettert Carlyle mit äußerster Schärfe gegen den industriellen Hochmut der (IL Qurdm: Sin ftfehekakommiliar Es war in Moskau, in jenen Tagen, als über Rußland der furchtbar« Terror des Kriegskommunismus wütete. Jeden Morgen klebten an den Litfaßsäulen lange Zettel voll- bedruckt mll Namen. Jeden Morgen neue Namen, und immer standen dieselben Worte unter chnen:„Zum Tode durch Erschießen oeryrteilt. Urteil heute Nacht vollstreckt. Tscheka." Wie aus- gestorben lag Moskau. Der Hunger und die Tscheka rasten nur. Am Tage fuhren Lastautos mit erschrockenen Mcnschengruppen, eingezäunt von Bajonetten. Derhastete, Todeskandidaten. Sie olle wurdcn noch dem großen Haus an der Ljubjanka ge- sahrcn. An diesem Haus gehen die Menschen nur zitternd vor- Uber. Nachts ertönen aus diesem Gebäude Schüsse und Morgens fuhren dann die riesigen Lastautos aus dem Tor ohne Wachen, denn Tote flüchten nicht... Am Tor dieses Gebäudrs war ein kleines unscheinbares Schild, vier russische Buchstaben: Tscheka. Wer durch diese Türe ging, nahm Abschied vom Leben. Im Keller des Hauses standen die chinesischen Sondertompagnien der Tscheka. Das waren die Cr- schießungsabteilungen, die damals llederftundrn machten. Alles war gut organisiert Erstes Stockwerk: Boruntersuchung. Parterre: Urteil, Keller: Hinrichtung. Eines Tages erinnerte sich der Herr der Tscheka, Dierjnfki, daß in Moskau noch einige Gruppen versprengter Eozialreoolu- tionär« sein müßten und begann auf dies« eine wahr« Treibjagd. Todesstrafen wurden selbst über die verhängt, die Sozialdemokraten bei sich verborgen hieven. Damals lebte in Moskau ein Mann, der„Asylooter der russischen Revolution" genannt. Diesen Namen bekam er, weil«r während der Zarenherrschast alle verfolgten Revolutionäre bei sich zu Hause versteckte. Unzähligen hatte er auf diese Weise dos Leb«» gerettet. Di« Tscheka überlegte: Könnte nicht dieser„Asylvater", wie «inst vor dem Zaren, jetzt die Sozialisten vor der Tscheka verstecken? Eines Tages wurde der aste Repolutionür verhaftet. W fand bei ihm sozialrevostttionärs Flugschriften. Das genügte,. um einen Menschen zu erschießen. Gefesselt brachte myn ihn tu das„Bluthaus"..Limmer 22, Einzelverhar!". Jeder, der einmal im Hause an der Ljubjanka gesessen, erzittert noch heute bei diesen Worten. Man bracht« den Alle» ins Zipuner 82 zum diensthabenden Kommissar. Dieser las an einem Schriftstück und frug die Wache, ahn« auszublicken: „Wen bringt ihr da?" ..Den Sozialrevolutionär P.!" Der Kommissar blickte blitzschnell auf den Alten und sprach mll not Erregung heiserer Stimm«:„Wache raus". Dann wandt« er sich zu den Alten: „Setzen Sie sich, Michail Petrowitsch. Ich hoffe, Sie erkennen mich? Nein." „Nun, ja Ihrer Schützlinge waren zu viele. Aber können Sie sich an den Gymnasiosten erinnern, dem Sie«inen falschen Pah besorgten und nach dem Attentat auf den Polizeipräsidenten in Ihrem Haufe vor der Gendarmerie versteckten?" Der Alte nickte. „Ach ja, Sie waren in der Gruppe Z. Kiew, nicht wahr?"„Ja", sagte der Tschekakommissar. Da schnurrte dos Haustelephon auf den Tisch, die Stimme des Chefs:„Der alte P., der jetzt bei Ihnen ist, muß höchstes Strafmaß bekommen!" Der Kommissar wurde leichenblaß. Er soll den alten„Asyloater" an die Wand stellen! Der Alte wußte, worum es ging, leise sprach er:„Den Nordin, der in Ihrer Gruppe war, habt ihr fa auch erschossen." Die Lippen des Kommissars bebten, er. sprang auf. Seine Hände zerrten am Uniformkragen. Und dann sprach er ruhig aber bestimmt: „Nein, Michail Petrowitsch, ich unterschreibe Ihr Todesurteil nicht." Der Kommissar sprach Mit heiserer Stimme weiter: „Ich kann nicht mehr. Jede Nacht neue Gesichter, jede Nacht neue Menschen, man setzt seinen Namen aus ein Stück Papier, und eine halbe Stunde danach verbluten im Keller Menschen. Jetzt gegen frühere Genossen?! Nein!" Der Kommissar stürzte an den Schreibtifch. zerrte einen Aus- weis heraus und Geld, stopste alles in die Taschen des Allen, der stumm dasaß, und flüsterte: „Hier ist ein Tschekaausweis, Sie kommen bis zur Grenze. Die Po�en sind ja bei Minsk. Ich führe Sie selbst bis zum Tor.. Cr nahm P. bei der Hand, schrie der Wache etwas zu, führte den Allen die Treppen herunter, aber nicht zum Keller, sondern zur Tür. Dort zog P. seinen Ausweis raus. Di« Wache grüßte. „Danke, Genosse", sprach der Alte zum Ts hekakommissar. Dieser stieg zurück langsam in das Zimmer des Chefs. Dort richtete er sich stramm vor dem„blutigen Peters" auf und sprach: „Ich habe den Alten laufen lassen. Er konnte nachw»if«n, dqß er unschuldig ist." Peters blickt« ruhig ms Gesicht des jungen Kommissars und klmgell« nach der Wache. Drei Tage danach stand der Name de« Tschekohommissars auf allen Litfahfäulen Moskaus. Unter den Namen standen die amt- lichen Worte: „Erschossen wegen Verrats an der revolutionären Sache." Der„Asylvater der russischen Revolution" las diese Nachricht m Polen. Zell, gegen die faule Aristokratie der Grundbesitzer, gegen den Main- monisrnus der industriellen Piraten und gegen das Verschwinden einer wahrhaften Religiosität. Engels nennt diese Anklage das einzige Buch in der englischen Lllerotur des Jahres 1848, das lesen?- wert sei, weil es menschliche Saiten anschlägt, menschlich« Verhält- niss« darlegt und eine Spur von Menschlicher Anschauungsweise ent- wickelt.' Im Hinblick auf die Schilderung der englischen Gesellschafrs- Verhältnisse stimmt er ihm im wesenllichen zu. Darüber hinaus aber kann cr betonen, daß die reine Klage nutzlos ist und die Schilderung eines Zustandes nur dann wirklich fruchtbar gemacht werden kann, wenn man die Voraussetzungen studiert und sie wieder als Schlüsse für die zukünftige Entwicklung verwertet. In ähnlicher Weife fetzt Engels sich mit Carlyles Kampf um eine wirkliche Religiosität auseinander. Carlyle ist natürlich kein hohler Kirchengläubiger, er ist Pantheist im Sinne Goetzes, womll er natür- lich auch ein den Menschen übergeordnetes höheres Wesen annimmt. Von diesem Standpunkt aus glaubt er nicht an den endgülligen Sieg der demokratischen Gesellschaftsform, vielmehr an eine neue Zell, in der die großen Heroen der wieder führungsbedürftigen Menschheit die Wege weisen werden. Engels vertritt dagegen die Meinung, daß nach dem Niedergange des Christentums keine andere Religwn mehr möglich sei, und daß dafür dem Menschen wieder ein menschlicher Inhalt gegeben werden wird. Carlyles Hcroenkullus ober stellt er dann bei aller Hochachtung vor dem Gegner feine eigene Ansicht gegenüber:„Als ob diese Heroen im beste» Falle mehr sein könnten als Menschen! Hätte Carlyle den Menschen als Menschen in seiner ganzen Unendlichkell begriffen, so würde er nicht auf den Gedanken kommen, die Menschheit wieder in zwei Hausen Schafe und Böcke, Regierende und Regiert«, Aristokraten und Kanaille, Herren iund Dummköpfe zu trennen, so würde er die richtige soziale Stellung des Talents nicht im gewaltsamen Regieren, sondern im Anregen und Vorangehen gefunden haben. Das Talent hat die Masse von der Wahrheit seiner Ideen zu überzeugen und wird sich dann nicht weiter um die ganz von selbst folgende Ausführung derselben zu plagen haben." Mll diesen Sätzen werden vorbildlich die Gedanken einer charaktervollen Persönlichkeit in eine neue und zeitgemäße Lebens- anschauung wcitergeleitet. Bits». Die 3$ahn 3£aifa-3>eihi England ist im Begrisf,«inen uralle» britsschen Eisenbahn» plan durchzuführen. Uralt.. heißt hier natürlich 100 Jahre! Der Seeweg nach Indien durch den Suezkanal ist zwar rascher als früher die Umschiffung des Kaps der guten Hoffnung war, ist auch rascher als die Karawanen einst von Port Said nach Suez zogen—, abet die Eisenbahn Haisa— Bagdad— Basra würde doch die Situation noch ganz anders verbessern. Wirtschaftlich und politisch wäre die Bahn recht wichtig, obgleich sie teilweise durch eine Wüste führen wird. Die Cntsermmg Haifa— Bagdad— Basra, beträgt ungefähr 1400 Kilometer, also etwa Berlin— Neapel. Dom Irak her soll längs der Bahn eine Oeilellung nach Haifa gelegt werden(womit man freilich der Bahn gleich die Houpteinnahmequelle verstopft!). Frank- reiche Mandaisgebiet beginnt wenige Kilometer nördlich von Haifa. Frankreich möchte natürlich, daß Bahn und Oelleitung auf sein Kö- biet auslausen. Auch die alte Metropole Damaskus, heute unter französischem Schutz, wird„abgeschnitten". In späterer Zell soll die Bahn Haifa— Basra bis nach Indien fortgesetzt werden. Die Lüne Haifa— Dellst würde ungefähr 6000 Kilometer lang sein, Haifa— Kalkutta fast 7500 Kilometer. Diese Dahn stellt ein Seitenstück zur Sibirischen Bahn vor..Da in Bog- dod Anschluß an die Linie Alcppo— Angara— Stambul früher oder später doch kommen wird(Berlin— Bagdad seligen Angedenkens!), so würde«ine solche Bahn ganz Indien an Europa anscklicßen. Nach Unterwnnelung des Bosporus könnte man also direkte Wagen Berlin— Delhi einführen. Diese Reise um die Erde würde um fast eine Woche verkürzt. Durch Verbindung einzelner bestehender weiterer Linien kann die Bahn schließlich bis in die letzte Spitze engllscher Herrschaft, nach Singapur, fortgeführt werden. Die Linie Calais- Singapur würde mit 1a 000 Kilometer den Erddurchmesser an Länge übertreffen, sie kann in«ner Reise von zehn Tagen bewä'ttg, wer. den. Daß«ine Flugverbindung die gleiche Strecke in der halben Zeit zurückzulegen ermöglicht, ist richtig, ober die Fliegerei ist heute noch kein wirkliches Verkehrsmittel und wro wohl� auch kaum irgendwann die großen Eisenbahnlinien verdrängen können. Da das erste Teilstück der Bahn, nämlich Haifa— Bagdad— Vasra, bereits beschlossen ist. kann mit baldigem Baubeginn ge- rechnet werden, vi« Wüstenbahn beginnt in der transjordamschen Station D e r a a t, die sowohl mll Damaskus als mit Haifa und mit Med» na Bahnverbindung hat. Missen dnngen für diese RsbrU find 9 f v 1 i s SW 88. LindeUst ratze 3. G parteinachn'chten für Groß-Derlin ft«»»»i,»a,«k,>rk»s«kret-r< lunßcn vom Parteibüro abholen. Monto«, 9. Scituot, 10 llhr, Be. ssrechlim, der Zlbteilunqsleiter>0» Parteibüro. 1». tliei» Tu»«»w. Heute, Tonucrotaa. ö. Februar. 20 llbr, im Lolal„�ur Post'". Meberschöneiveide. Berliner Ctr. 08, Sibun« b�z Areizdilbunns- auoschuiseo. Heule, Douoerstag, S. Februar. Zt. ülbt. Die für beute obenb aiuzriettte STmtlfinnärJanfevens fäM aus. 93. Abt. AcjiIcXIb, 20 Ubr Arbeitskreis tunaer Senolsen. Zusammenkunft bei Schauer, Trentenver Etr.� 90. 99». Abt. Grostflebiuna Britz. 20 Ubr ssunktionürsttzuns in b« Salle am Suseisen. 19L Abt. Treptow. IS'.s Uhr an bekannter Stelle Vorstands sitzuna. ZNorgen, Freilag. K. Februar. >. Abt. WA Ubr ssunktionäriitzuna bei Svieael, Achrrstr. l. s. Abt. 20 Ubr tvichtiae ssunktonärsitzilna im Saal z des Gewerkscbaftsbauses. Z. Abt. Zeitunasiommisstonssttzuna um 20 Uhr bei Hufenbach, Perleberaer Straft- M. 30. Abt. 1« Uhr ftunttlmiätkonfcrciui bei Pobst, Lmbener Str. lOZ. Partei. und Gewerkschas'sbnch ist mit.eubrinqen. Schöne berg. 77. Abt. Alle Funttionare holen stch Kreitag, lbi. Uhr. Mittel. lunaen und»Unser Wen" ab. Die Sitzuna fiilll aus. Wir beteilioen uns alle an dem Funktlonärkursus des Genossen Driedländer um 20 Uhr in der Schule Wartduraplatz.— 78. Abt. ssunttionärsttzuna um 20 Uhr im Lotal von Zlatho. sscuri»- Ecke Prins-Eeora-Strafte.— 79. Abt. 20 Uhr bei Reimann, Scdanstr. 17. ssunkt'onSrveriammluno.— SO. Abt. 20 Uhr bei tbstrlich, Beaasstr. 1, Funktionärs, tzuna. SS. Abt. Tewprlhos. 20 Ubr bei Pommrrenina. Berliner Str. 100, erweiterte Borstandsftftuna. 88. Abt. Lichtenrade, ldtn Ubr im Lokal Delam. Bahnhofstrafte, Vorstands- und Beiirksleitersttzuna. Henlrlla. 90. Abt. lSl, Uhr Funltlonirvcrfammlunq bei Schabeiko, Weichsel- strafte S.— 93. Abt. 20 Uhr Aunktwnärfitzuna bei Schauer, Treptower Strafte 90.—«8. Abt. lO'i Uhr ssunktioniirsitzuna Bei Lolwn, Wipper» strafte 18—19.— 97. Abt. 19 Übe Ifunilonärfltzuna bei Rohr. 99. Abt. Britz-Bnckow. 20 Uhr itunk'ionärsltzun» in der Honiremannstr. 40. 129. Abt. ssriedrichsselbe. 20 Ubr ssunltionärsttzuna bei Schwarz. Eapriviollcc 10t. 129. Abt. Pankow. 20 Uhr Funktionärs, tzu na im»Türkischen Zelt". F rauenveran staltungen. U2». Abt. Bieebort-SSb. Sonnabend. 7. Scbtuat. 20 Uhr. im Lolal Lindner. Biesdorf-Süd, Äöpenicker Str. ZG. erste Zusammenkunft der Frauen. .BcieaseiefaBc und ftricashetzer." Referent: Hans Douwod. 149. Abt. Vorsisswaide. Sonnabend. 7. Februar, 20 Uhr, bei Woitschach. Ernst» strafte 1. Werbeabcnd heiteren Charakters. Dortraaendcr Hans Fuhrmann. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlsahr». t. Pre»�la«er Bera. Der 5�ursus ani ssreitafl. dem 6. �ebrua?» des ftenafttn 9>fctnann übe? die..Mrsorssrpflichtverordnunq" föll: umsiäii�ebalber Sirs. Der nächste Abend findet sta!t am Freitag, dem �3. itcbtTjor. im Be- girfsamt, Sitzunassaal, lOVä Uhr. llrbeilsgemLinschafl der Kinderfreunde Groh- Berlin. Marienbors. Sllernversammluna heute. 20 Uhr, bei Görlitz. Ebausseestr. 19. Taaesordnun«: Wahl des Ellernolmannes und Referat über:»Soualistilche Srzilhnna. Referent: Hans Weinbcraer. Kreis Renlclla. Die Veranstaltuna»Hohensteincr Puppenspiele" findet heute, Donnerstag. 16 Uhr, im Saalbau Bergstrafte statt. Eintrittspreis 1Z Pf. und SO Pf. Geburtslage, Jubilaea usw. 117. Abt. Lichtenberg. Unserem Genossen Karl Partei en feine»«ö. Ge. burtvtaqe die herzlichst«» HlückmLusche. veUenlUÄe«»oasedunsenk <2.«rett SleSlUr-l�ollvUi'Uldtertelos. oonn-rsi-g. cien 5. Febniar, 20 Uhr, in den Ltchlerfelder Festsfiien Lichterfelde. Zehlendorfer Strafee 5, Thema;„DSF WondCrdOli OF H Her.**(Huer ifenipf«egen den Nalionalsozlallsniiu. Redner: Genosse Dr. Mierendorff. MdR. 10S. Und I08a. AOteiiUng OfOpentdO. Fleute. Donnerslas. den 5. Feb.uar. 20 Uhr. Im Sro6-n Saal des Sladtfheaters, Friedridisfr. 6. Thema; Nattonaier SoziaTsmcs— VolKsbelrug. Redner: Genosse Erich Kuttner, M, dLL. III. Abteilung(Bohnsdorf). Sonnabend, den 7. Februar, 20 Uhr. Filmabend hei Madry. Restaurant tu den vier Jahresietfen, Bannhotsfrahe. Thema: Hampl dem FaSdlfSmnS. Redner: Genosse Dr. Fi a u b a c h. Bennbütionsr.ersdietiil zum Prolcst gegen Fastfüsmns» gegen Fllniveröol, gegen Vomsbetrng! fchaft). 20 Uf)r bei„Madry�. den 4 Jahreszeiten", Film- vnd B�erheab.'nd: „Kampf dem Faschismus".___ .Lt»emvoa«l", Fl up verband der Werktätige» e. V.. Br»!r?HqruBpe Fried- rtchshaiu. Monatsversammlunq am Freitaa. dem«. Februar. N Uhr. im?okal „Petersburncr Löf", Petersburger Ltr. 57. Sastelabend« Dienstags und Frei- iags von 18� bis 22 Uhr, und Sonnabends von 17 bis 20 Uhr, in der Schul« Dieftelmeyerstr. S. Devtscher Sprachverei». F-�i» Verl!», E. V. Eannabcnd. 7. Februar, 19'�, Uhr, spricht im Bc�irksverordnetenstttunaslaal des Schön.eberarr Noihaufes. am Rudolf-Wilde-Platz. Gvmnasvaldirelwr a. D. Professor Dr. Dska? Sireicher. der lanqiährifle Herausacber der Zeitschrift.Muttersprache", übet:„Der Deutsche und seine Sprache". Eintritt auch für Rich�mitqlirder kostenlos. Avbeiter-Radis-Bund Deutschlands E. B. L>rt«ar»ppe Srotz-Berli». Unter. yrupp« Friedrichghaiu. Lokal Wrr'alla.??. l7. Sohenlvhestr. 3. Donnerstaft, ö. Februar, A) Uhr...Stabröhre", Lichtdildervortraa. Bolsche-Feier. Ueber Wilhelm Bölsches Weltanschauunft sprich» Dr. Apfel am Montap, ZPA Uhr. im Loftenheim. Ecsracnstr. 46-z, I(nahe Bahnhof Fried- richstratze). Laudswannschaft der Schlesmiq-Kolsteiuer z» Verli» i18S2). ttzain Haas. Vortrag in allen Versammlungen:»Und wieder Abbau der Soiialrente". Allgemeine Wetterlage. »ii»Qn Göll liest aus eiasncn Werkpn. Es ist eine lyrische S.zenc des Dramas„M e l u f i n e' und eine ins Groteske gehende Skizze „Eurokokkcn". Die Lyrik ist durchaus degriistich arientim. Sie fommf nidzt aus dem Gestihl. sondern aus dem Gehirn. Sie will den Exlrakk geben, das anschaulichste Bild, sie bewegt sich aus T>ähen- punkten, die sich aber nur an das Begritssvermogen des chorers wenden. Der Eindruck blsibJ haften, daß es sich hier um eine intellektualiitische und ausgeklügelte Dichtung handelt, die blutleer ist. um eine Spielerei von großer Kultwierlheit. In der Skizze kommt der Zeitkritikcr zum Wort, der das Gesidst der Gegenwart ent- tduninken möckte und wie in seinen chom"n»n eine blasierte, alaubcns- lose, alles wissende und tannende Menschheit verspottet. Allerdings richtet sich dieser Stoß nur gegen eine dünne intellektuelle Schicht Ein geistreiches Spiel mit blendenden sprachlichen ssormulierunoen. Aber Göll, der federnde �iaretiiechter. vergißt oder will Kräste übersehen, die in anderen Gesellschafisschichten am Werk sind. So steht er auf eincr� isolierten Ebene. Das Abendkonzert, betitelt „A u s Oper n*. bält keine künstlerisch� Linie ein. Zuerst rückt es die erste romantisch« Oper in den Mittelpunkt und serviert dann Gulasch. Das Orchester spielt merkwürdig unlebendig, die Jnstru- meiue bleiben satblos. Erst in der„Norma�-Onucrtüre und im ..Traviata'-Borspiel Kestert sich der Klang. Ferner sollte sich Brems- geest auf Lieder beschranken und nicht länger Laritonarien siizgen, unter keinen �Umstanden Marjchners„Hans Heising". Auch der Tenor Josef Schmidt.schein!>n>t..einer Indisposition ZU kämpfen. 2.._.7...'F. Seh.' 4. Fehn 4934,abds. GWoikontes.» karte. OWbbedaJo 9 vcktlag,* bededt-RegwtoGravpaln Deutschland befindet sich jeßi aus der Südseite eines umfang» reichen Hochdnickgedietcs, dessen Kern über Westsibirien liegt und das sich wefiwäris bis nach der Nordsee erstreckt- Die in Mittel- europa herrschenden Ostwind« bringen uns die kalt« Luit, die über Osteuropa lagert. In Ostpreußen stieg das Thermamrter nur auf minus Ist Grad Celsius. Die verbreiteten Schneefälle, die heut« im größten Teil« des Neiches niedergingen, wurden durch wärmen Lustmassen heroorgerussn. die in der Höhe nach Norden vordrangen. Do sich die südlichen Störungen langsam cu'ffikn, dürsten auch die Schnee'älle nachlassen. Der Kältezustrom wird aber vermutlich anhalten. s wetleraussichfen für Cctlia; Noch meist stärker bewölkt mit etwas Schnee. Temperaturen weiter sinkend, Ostwinde.— Für Deulschlond: Im Nardosic» Wetterbesserung und strenger Frost: im übrigen Reiche noch ziemlich trübe, strichweise Schneesolle. Temperaturen sinkend. Berartworlllck, für Politik: Dr. lllirt Geyer; Wirfcko'i: G. KllvgekhZfee, Dew-rlschaslebeweallvy: Z. St«i»»»: Feuilleto»: K. H. DofAer:?o?ale9 unb Lonstiacs: Lritz Karstadt; Anuiaen: Th. GloSe, fSmtliai>» Berlin. Berloa: Lprwartk.Birlaa 9 Mi fi. H.. Berlin. Druck: Vorwärt�-'Auchtrtttierel 'vnb Verlagsanstalt Pckül ElrreeL E»..-Barän.SV 68, nitdrpjtatzft» ,3. Hie-!» z veilas«»«,»»Fra«»nstiium»'. 's'IisGtsl'. f-ic�itsszisls U5W. Dounerstz, S. 2 Staats-Oper Unter d. Linden 157. A.-V 20 Uhr Spiel oder Erps! Poiovier rinie Die VerldOonollei der Laterne Ende n.-2olir staats-opar to stitr in braUlk. 114. R„S I9Vt Uhr Die Hofflzsn des Fioaro Qtflnn. brmnrkus Ende g. 22 Uhr Donnerst., ä. 2. Stadt. Oper Bismarckstr Turnus IV 20 Uhr DasiUelnDold Ende 22Vj Uhr Staat). Schamh. m Indarainitattli. 135 A.-V. 20 Uhr (jastian der Welse Ende n.22?«Uhr Staati.Stlilltü-TtieatEr.CHarlflig 20 Uhr NORA. Endt 22-4 Uhr W Tägl 2 Varste. 5 u. 8"? Uhr Barbar ossa9256 «adnn 50 PI. bis 3 H, abenis 1 bis 6«. 3 Andren äOirel Jtoörrlo de Tasronretliu. maidU 6 Äay iure. 1 Taoi. S u. 8» 50011.2. So. 9" Alex. E 4. 8066 Nehm. S0P(.-1 abd&. 1-2 M. Jirvnn Jtasiarr. Tiqgo Xaraen OKamillairm. 10öWaii4eriaab«naMW. mmm* Arno d Scholz U-Baio Hstinailnplatl, tiaseibsiäs 100-14 Gr. eocRDieriesi und G OaSES 3CHWEIÄE£CäLÄCHTEH. 7 Kap« len. Neue Dekorationen, Bay Bedienung Einlaß: Woch e n tags 6 Uhr Sonntags 4Uhr. Volks bUlute lhuter an BOIotpIiIi. 8 Uhr flans Albers in Liliom von Franz Molnar Rag«: Karl Bemzllartiii itaatlFAIIIoi-Th. 8 Uhr Nora Tneaier am StniitBauerdamm 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Ues[fieater 8 Uhr Elisabeth von England *oor«rd Emctzoer Rüqi«: Rvin Hilpert PIscalor-BööDB (U'allner- Theater) Alex. 4502-03. Täglich 8% Uhr „Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf Regle: E Piscator- Oentsetaes Kltnstler-Theii. Barbarossa 3937 8V4 Üb» Znra DOlflenen Anker v nttl KOttic Unnrti Renaissance- I beater Stempiatz 67Bo 8'? Uhr rcuO die Kuh Milch geben? mit llbirt Btsurou!) Kammerspieie 8't« Uhr Pariser Platz 13 von t/icltl Baum tost«: Cmtat Mrijin CASINO-THEATER»"«Uh. Lothringer Strabe S7 iimirntrMttiiüii im im mihi iiiiiMMiiiiiiiiit Man lacht Tränen über Direktor Hans Berg in dem neuen Schlager Onkel tttthn aas Neurnpp'n Dazu ein neuer banter Teil. Gutschrfn 1-4 Personen Faureui, 1.25 M.. Sessel 1.75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pf.. Rang 60 Pi. Ute hofflonie S'k Uhr Die Fee m Frans Uoluar «qlitatlniodL Theater am smiflbaaerdaniDi| Norden SSU u. 0281 Täglich 8 Uhr Ueber 60 mal- OsmroflsliBtsphlerfiiljl Die Quadratur des Kreises Preise v. 9.75— 7 M Rose-Ttrealer I Gr.FraakIirttr8tr.i32 j Tel. Alex 3422 u 34BeginnS.15Uhr' Sonnabd�-IUhru 10 täUhr Sonntags 2.30, 5.45 o. 9 Chr Prela« BO Pf. Ms 3 U In der Hauptrolle: Traute, Hans and Willi Reee. Caillch, Kanlach. MllcaUU u. a. Zu/angseinquartlernng Kommendan Dlanstag. Mi M woch u. Oonnor&tao 5�30 Uhr aachin. rtrm letzten Mola. Prelt«* anohra. 5.30 Uhr Premiuro: M Parfflu nislesrfray" Lustspiel tod Leo Lenz mit Lont PyrmeuL Jlsa VaJJ- born, Hilde Oreysr. Hans und WiMi Rose, Erich Wilde. Preise von 30 Pf. bis K.SO M 20 Minuten Kaffeepause. Kahea mlt�Cuchen 30 Pf Blar mit Salzbrat LS Pf Vorverkauf, täglleb von Ii— t pbr vorn), und toq 4— d Ohr abenda. xomiscne oper 8't Uhr tat Sem tag 4 0)9 Kleine Preise. Peppina sah: penbelicker Uitnf In KnipaMn Robert Stolz in ckr Prmlmtenhrn KurtSrstendaiom Theater Bismarck 440 | 8 Uhr} Das schwache eeschtecht V. Edouard Bourdtt U�it: Mai Iduhirdt Banntskj-Iiitnieo ier ItratMuiiti Mm Uhr Amphitryon 33 Komödie von Jean Giraudoox Inszenierung: Victor Barnovski Komddlenhau» SV« Uhr Cocktail m toi foßiuxner. Baifti.PjIpbteialin Berliner TöcaL �V* Uhr Slurmlm Wasserglas von Bruno Frank. Neues Tbeater ■■■ am Zoo— teiOatnUM. SstLiSSf Täglich 8'. Uhr vor er. Laclierlolg! Wiederaultreten Boido Thieischer Das otienuicne Aargernis Preise i bis 8 M Fnetropoi-inester Täglich 8>. Uhr settsn ist die ursit Operetie von Lehä, Siäi'iTkkr.Citoä�jr, SäützeDJorl Sonntags 4 Uhr Kleine Preise SdtSntst die Veit Lnstspiaihaos Kurt Götz Täglich 8V0 Uhr Oer LOgmr o. die nonne füsaferl Weitent Täglich SU Jwitijj'Jwl|'.'t. Uhr Simtai'vj tri!"• Obr Viktoria undlhrHusar Matj lm8. GriifildL Diudt*, litff Verein der Berliner Budidrndier und Sdirüloieiler. Freitag, den S. Februar, pünkilfcfa IT1', Uhr, im großen Saal der„Germania-Prachlv&le", Chamsee»lra$e 110; üDleioiiilie Kmalm Tagesordnung; Bmersiainrco m den iSfingsrltandiungen Zu dieser Generalversammlung haben nur die neugewÄhllcn Delegierten für das Jahr 1931 und die Generalversammlungsteilnehmer nach§ 7 des Berliner Verelnssfatuis Zulrlfl. Als Ausweis gilt nn» die von, Vorstand ausgestellte Legifimaflonskarte; ohne diese kein Einlab. Um pOnkflidtes und vollzähliges Ersdielnen ersucht Der GauvortfancL Am Freitag, ö Fetrruar 1051, bleibt die Ver*- walfnng ab 1 Uhr geschlossen URANIA Mngn. Fnihg. 6. Fth. abends 8', Uhr loBadnnl.LOttowch.JC „Mein KSrpcr n. seine Erziehung" leonibivf dunk Iii Jsüä-I'.MFSiiie Voniag Prof. Gieao JmSitadtioeBut nd OwIltZtlliiM" Tkaat> Ästrb. Irr »ottdui«®,c.8. täul 84 Ubi euch So nt. uchm 3SUkr mtc- Mntrr »1»•mner d«r ira e Br:oi i In InnLsetistOne* / m» soetst | fM MM M N u i Srosc-B | aiaaawdq, MHIgf u r Bapstn Mozandarplata GROSSEM-SCHAUjPiELHÄU» Tägi. 8 Uhr. Im VelUM 99191. Stg. nachnv3Uhr Orlginalbesttzung billl''e fre se Reg e: Erik Cban-Il Reichshallen-Theater Jfeiis sT| SoMhj IstaiftE mn in Das große Ineb Programm der WWW Oönhon. B reitl: "Jm. w» Berlins beliebteste» Farn-Var iet« mit Tanz 1 toi«i» Um Shtzs. steniner sanger Nachm. ermäßigte Preise! Volles Piog,amm! ümtsdieiMlailiüMrM! verwaiiungsmltgiisden 91« tfrella-, de»«. f'bmu, abenbs; 7 Übt, Sitztttg btz Amtieren Benrai ftz.g Dt« Oitnervalteng. Ein grosser Posten Kaffii-und M§l$mk§ nocIirnalsganzDetieulend Mgeselzfl Berün W8.LeipzigerStr.l2e-1231 7tx. 59* 48. Jahrgang 2 Beilage des Vorwärts Donnerstag. 5. Februar 1931 Die Wirtschastskrise in Italien. Ein kritisches Zahr für Mussolini. In den letzten Monaten hat sich die Loge der italienischen W i r t s ch a s t rasch verschlechtert. Die Ausfuhr von Fertig- fabrikaten und die Einfuhr von Rohftoficn ist sehr stark zurück- gegangen, die Arl-eitslosigkeit wächst schnell, und der Stand der Finanzen verschlechterte sich zusehend- Schon die ersten vier Monate des lausenden Finanzjahres, da- am 1. Juli begonnen hat, brachten ein Defizit von 72S Millionen Lire. Zuerst versuchte es Mussolini mit einer Erhöhung der Tabaksteuer um 13 bis 33 Proz. Aber statt der erwartete» Mchrcinnahme von 883 Mit- Konen Lire ergab sich in den ersten fünf Monaten ein Ausfall von 41 Millionen Lire. Die Preiserhöhung wurde von den Per- brauchern mit einer icharfen Perbrauchseinschränkung beantwortet. Nicht besser ging es bei der Erhöhung der Warenumsatzsteuer. Selbstverständlich wurde auch das letzte Mittel kurzsichtiger Wirt- fchastspolitik angewandt— Zollerhöhungcn zum Schutze der natio- nalen Wirtschaft. Die Zölle auf Wirkwaren aller Art wurden verdoppelt, die Einfuhr von Autobcstandteilen wurde mit importdrosselnden Zöllen belegt: dazu kamen gegen Frankreich und Belgien gerichtete Zölle auf chonf- und Leinenwarem. Zur Milde- rung der Wirtschafts- und Finanzkrifc hat das alles aber nicht beigetragen. Außerordentliche Kommissare zum Lohndruck. Darens hat es Musfvlmi mit einer Preis s c n kunge- und Lohndruckkampagne versucht, ähnlich wie es in Deutschland nach dem Wunsch der Ind-astri» geschah, nur geichmückt. mst den be- sonderen Parolen der faschistischen Demagogie. Die Preissenkung wurde mit der Parole eingeleitet, daß das Preisniveau nunmehr, um den Export zu fördern, a u f ,.Q u o t e 4' herabgedrückt werden müsie, d. h. auf die vierfache chöh« der Vorkriegspreise, was etwa der Entwertung der heutigen Lira gegenüber der Vorkriegslira entspricht. Aber obwohl in Italien alle Schwierigkeiten daher kommen, daß die ausgebeuteten Verb rauche rmasse» zum Kaufen zu arm sind, erfolgte gleichzeitig die allgemeine Herabsetzung der V e- amtengehälter um durchschnittlich 12 Proz, die ohnehin sehr niedrigen Löhn« der Landarcheiter wurden sogar um 12 bis 23 Proz gesenkt, und da selbst die f a s ch i st i> ch e n Gewerkschaften es nicht wogen die Verantwortung für diese Aktion zu tragen, wurden von Musiolini außerordentliche Kommissare eingesetzt. Freilich hat Musiolini als Ersatz für die Lohnkürzung eine Senkung der Kosten der Lebenshaltung versprochen. So verordnet ein Dekret die Herabsetzung der Mieten um 13 Proz, und auch die Kleinhandelspreise für die notwendigen Lebensmittel sollten gedrückt werden: so wurde es wenigstens rerfprochen. Aver vxch- rend die Lohn- und Gehallskürzungen ohne weiteres teirchgeführt wurden, stößt die Preissenkung auf kaum zu überwindende Schwie- rigkeiten. Da es keine Gewerkschaften gibt, die u n a b- I hängig von der Regierungsgewall die Interesien der Arbeiter- ! ichaft verteidigen können, wird in Italien noch mehr als in allen ' anderen kapitalististl>en Ländern der Lohndruck rücksichtslos durch- geführt und bei oll dem das Wirtschaftsleben noch weiter geschädigt. Die Kaufkraft im Inland wird wester verringert, und die Senkung der Produktionskosten bleibt wirkungslos, weil der inländische Absatz schneller sinkt, als man auf dem Weltmarkt Ersatz schaffen kann. Deshalb Mussolini für USA. Rundfunkreden hält und selbst Frankreich fchöutut. Die ernstesten Schwierigkeiten, vor denen die saischistisch« Regierung steht, erwachsen freilich aus der Lage der Staatsfinanzen. Neben den regelmäßigen Schuldenzahlungen, deren wichtigste die 5 Millionen Dollar sind, die Italien fährlich an die Dereinigten Staaten zu zahlen hat, werden in diesem Jahre sehr große Summen bei der inneren Staatsschuld iällig. Die schwebende Schuld ist fest 1327 um Milliarden ge- wachsen. Allein im Laufe de- Jahres 1931 werden große Betrüge der sooenoniiten neunjährigen Staatekcheinanleihe nn Gesamtbetrag von 7 64 Milliarden Lire fällig, davon mehr als die Hälfte am 15 November. Sicher sind die Ualiemschen F'nanzinstitute,. bot denen ein großer Test dieser Schatzscheine liegt, zu einer Per- länaerung bereit. Eine Erleichterung der Schuld wäre aber nur durch elne Herab setzung der Verzinsung möglich(Kon- verüerunos. Dagegen aber wehren sich die Besitzer, nach- dem der Staat wiederholt versichert hat, keine Zwangskonvertierung vornehmen zu motten. Sie würde überdies dem öffentlichen Kredit Italiens gefährlich sein. Erwägt man außerdem die miserable Finanzlage der Städte und Provinzen, so oersteht man das große Werben Mussolinis um eine amerikanische Anleihe und die Absiibt sener Rundfunkrede die Musiolini kürzlich an das amerikanische Volk ge- halten hat. Die große Finonznot Italiens macht es auch verstand- sich, daß man sogar bei Frankreich, das offen oder versteckt von Musiolini immer wieder als der große Gegner Italiens be- zeichnet w'rd, Geld zu borgen v ersticht hat. So stehen die Finanzen Italiens, obwohl das Reich des Duce als sozial rückständigste Großmachl Europas über zu große..soziale Losten' ni-H klaoen kann, schleck-ter als in den meisten europäischen Staaten. Der Hauvtgrvnd dafür ist der übergroße Aufwand für Rüstungen und die Erhaltung des ungeheuren Staatsapparates. Zu Musiolinis polctis-Sen Sorgen nach innen und außen kommt noch ei» sehr schwerer Finanz- und Wirt- lchastsdruck. Wenngleich dessen Tragweite für die Existenzfähigkeit des faschistischen Regimes nicht überschätzt werden darf, so ist er doch nicht nur ein Ausdruck wellwirtschaftlicher Verlagerungen, sondern ein wirklicher Mißerfolg faschistischer Regierungskunst, und das mag auch in Deutschland zur Warnung dienen. F'nanzrüffung der preag. Die Äasler Kinanzgesellschaft verstärkt ihre Kapi'albasis Der verwallungsrat der Conlinenlale Eleklrizitäls-Union A.-G. in Basel hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, der aus den S. März IgZI nach Basel cinzuberusenen Generalversammlung für das erste Geschäftsjahr die Verteilung einer Dividende von 7 proz. vorzuschlagen. Außerdem hat der verwoltunggrat die Ausgabe der 10 Millionen Schweizer Frauken noch unbegebenen Aktleo beschlossen. Der Generalversammlnng soll serner die Erhöhung des Grund- kapital? von 20 auf 50 Millionen Schweizer Franken vorgeschlagen werden. Die Continentale Elektrizitäts-Union(Continal) ist die vom Preußischen Elektrotrust gemeinsam mit amerikanischen Banken beherrschte Finanzgesellschast, die in erster Linie der K a p i t a l b e s ch a s f u n g für die preußischen Elektrointeressen dient. Die erhebliche Kapitalerhöhung dürste als Vorbereitung zur Stärkung der Finänzkraft der Preag anzusehen sein, die bekanntlich mit Berlin über die Beschaffung von Anleihen verhandelr, wobei Preußen und die Reichselektrowerke stch am Berliner Werks- besitz beteiligen sollen. Diese Verhandlungen dauern.gegenwärtig noch fort. Krankreich und der Neichskredit. Die französischenBanken beteiligen sich an dem32-Millioncn- Ootlar-Krevit. Es steht nunmehr fest, daß sich französisch« Banken an der Beschasfung eines Reichskassentredites beteili- gen werden. Das Reich hat nominell 333 Millionen Mark Vor- zugsattiendcr Reichsbahn an deutsche Bersichcrungsgejell- schastcn und an die Reichsversichcrungsanstalt für Angestellte verkaust. Die letztere war aber nicht in der Lage, den Gegenwert sofort an das Reich auszuzahlen, so daß ein« Zwischenfmanziemng im Betrage von 133 Millionen Mark erforderlich wurde. D,e von dem amorikäntschen Bankhaus Lee. H i g g i» s o n u. C o. geführten Verhandlungen nnißten vor 14 Tagen wegen de« Sturzesdessronzösischen Kabinetts Steeg unterbrochen werden, weil sich die Banken erst vergewissern wollten, ob die neue Regierung L a v o l zu der Be- tciligüng der französischen Banken am deutschen Reichskasienkredir ebenso positiv stehen w-ürde wie ihre Vorgängerin. Diese Klärung ist inzwischen erfolg! und es ist nunmehr sicher, daß die französische» Vanle» umer der Führung der Banqu« de Paris et des Pays-Bäs sich an der Geldbefchaifung beteiligen werden. Dos A U S'M a h der französischen Beteiligung steht noch nicht fest, doch dürste aus Frank- reich der kleinere Teil des gesamten Kredits von 32 Millionen Dollar oder rund 133 Millionen Mark entfallen. 1 Wenn die französischen Banken sich an diesem Kredit beteiligen, so tun sie es natürlich in er st er Linie aus geschäftlichen Gründen. An einem Kredit für das Deutsche Reich wird mehr verdient, als an einem Kredit für den französischen Staat. Daß es sich dabei aber auch um ein Ereignis von einiger p o l i- tischer Tragweite handelt, ergibt sich aus der Einholung der Zustimmung der französischen Regierung. Die Beurteilung des Ge- schästs vom deutschen Standpunkt hängt zunächst von der H ö h e de r zu zahlenden Zinsen ab. Darüber hinaus aber ist die Be- teiligung Frankreichs an einein Kredit für das Deutsche Reich ein Zeichen für die Bereitschaft zu mirtschaftlicherZusammen- arbeit, das auch für die Politik zwischen den beiden Staaten nur günstig beurteilt werden kann. Es ist übrigens nicht das erstemal, daß französisches Kapital bc-i der Geldbeschafsung für einen deutschen Reichstiedit beteiligt ist. Französische Banken haben schon im Juli 1923— freilich mit erheblich geringeren Deträgen— sich an dem S3-Mil- lionen-Dollar-Kredit für das Reich beteiligt, der damals unter der Führung von Dillon Read u. Co. zustande gekommen ist. Gtraßenbauprojeki für Ostpreußen. In diesen Tagen ist ein großes Straßenbauprojekt des Pro« vinziolverbandes Ostpreußen zun» Abschluß gekommen. An den Kosten dieser umfangreichen Notstandsarbeit be- teiligen sich die Rcichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar- beitslofenoersicherung mil einem Zuichutz von 633 333 M.. das Land Preußen und die Deutsche Ge s e l l s ch a f t für ösfent- lich« Arbeilen mit langfristigen, gering verzinslichen Darlehen von je 1 Million Mark. Bei den Arbeiten, die alssbald in Angriff genommen werden, sollen 213 333 Zlrbeitslosentage- werte geleistet werden, so daß elwa 2333 ostpreußifchc Arbeits- lose Beschäftigung finoen werden. Boüenverbesserung und Arbeitsbeschaffung. Mtgliederversammluna des Verbandes Oetitfäier Landes- kuiiur-Sepoffenfchaften Der Verband Deutscher Londeskuliur-Genossenschasten hielt am Mittwoch vormittag im Meistersaal seine ordentliche Mitgliederver- sammlung ab, an der auch zahlreiche Behördenoertreter teilnahmen. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Verbau- des, Oberpräsidenten a. D. von Batocki, verbreitete sich Rechtsanwalt Linckelmann über die valkswirtschaftliche Notmendizkeit, durch Me- korationcn volkswirtschaftlich rentable Arbeitsgelegenheit zu schaffen und die Lebensmittelerzeugung zu steigern. Durch Voll- endimg aller in Frage kommenden Meliorationen könnte im Endergebnis die inländische Nahrungsmittelerzeugung um mehr als zwei Milliarden Mark gesteigert wenden. Das Maß der Förderung dieses Werkes durch die öffentliche Hand habe auch im letzten Jahre seiner Bedeutung auch nicht annähernd entsprochen. Der Gesamtbekrag der öffentlichen Kredit«»nd Bei- Hilfen betrug 97 Millionen gegen 133 Millionen im Vorjahre. Melioriert wurden im Jahre 1933 mit diesem Betrag ungefähr 143 333 Hektar. Do die gesamte noch zu meliorierende Fläche in Deutschland rund 13 Millionen Hektar umsaßt, würde die Durch- führung der Meliorationen, so betonte der Redner, wenn auch in Zukunft nur die gleichen beschränkten Mittel auf sie verwendet werden, no ch etwa 93 Jahre in'Anspruch nehmen. Morgen'ust an der Börse? lleberraschende Kurssteigerungen in der Burgstraße. Auf der Berliner Effektenbörse gab es am Mittwoch eine Ueberraschung. Während der letzten 13 bis 14 Tage ist das Kursniveau nicht weiter gesunken. Aber trog aller Stimmungs- mache wollten die Kurs« auch nicht steigen. Zlm Mittwoch setzte ein scharfer Anlauf zu einer Hausse«in. Auf der ganzen Linie schnellten die Kurse in die Höhe. Siemens gewann 13, AEG. 3. Schuckert 4. RWE. 5. I. G. Farben 6. Ilse Braun- kohlen 8, Mannesmann 35L, Salzdetfurth sogar 1114 Punkte. Die tieferen Gründe dieses Hausieansalls sind nicht ohne weiteres zu erkennen. Eine erhebliche Rolle spielte aber die günstigere Beurteilung der innerpolitischen Gesamtlage. nachdem sich bei der Geschäftsordnungsreform des Reichstags eine sa breit« Parteienfront zusammengefunden hat. Es lagen aber auch vom Au stand Kaufaufträge vor, und wir vermuten, daß die deutschen B o n k« n die Börsenenttvicklung durch eigene Auf träge ebenfalls stimuliert haben. Schon längst geht die Meinung vernünftiger Kapitalisten dahin, daß es ein gutes Geschäft sein müsse, jetzt einzusteigen und durckzzuhallen, das heißt zu kaufen und jene Kurssteigerungen abzuwarten, die die Besserung der Wirtschaftslage bringen muß. Der Arbeiterschaft nützt diese Meinung freilich nichts, aber sie ist doch«in Symptom für einen gewissen in Kapitalistenkreisen erwachenden Optimismus. Die Haussebewegung hat bis zum Schluß der Börse an- gehalten und sich auf Teilgebieten noch oerstärkt. Eine Schwalbe macht freilich noch keinen Sommer. Rohgummt wieder billiger. Wann lolgt der Preisabbau bei Gummiaritkeln? Die Gummipreise, die sich im Januar auf dem Wellmarkt ziemlich stabil gehalten haben, sind jetzt infolge der au- haltenden Kaufunlust wieder zurückgegangen. Auf dem wichtigsten internattonolen Gummimarkt in London gingen die Preise von rund 36 Pfennig je englisches Pfund(453 Gramm) Ende Januar bis auf etwas über 32 Pfennig zurück. Damit haben die Roh- gumnnpreise wieder ihren größten Tief st and vom Oktober vorigen Jahres erreicht. Da die Ueberproduktion in der Well auch im letzte» Jahr an- gehalten hat, ist mit einer Gesundungdes Gummi ma T'ft e s in absehbarer Zell n i ch t zu rechnen, obwohl der gegenwärtige Preis gegen 1925 um rund 85 Proz. gefallen ist. Die gesamte Rohgummierze ugung in der Well stellte sich 1933 auf rund 833 333 Tonnen, dagegen hat der Konsum nur knapp 733 330 Tonnen erreicht, so daß die Weltvorräte an Rohkautschut sich am Jahresende immer noch auf 463 333 Tonnen stellen, hiervon befinden sich allein in den Vereinigten Staaten von Nordamerika rund 232 333 Tonne», so daß sich hier allein die Vorrät« gegenüber 1923 verdoppelt haben. Die deutschen Verbraucher haben von dem Segen des Gummi- Überflusses wenigstens teilweise etwas zu spüren bekommen. So haben die Gummireifenfabriken ihre Preise im Oktober um 13 Proz. und im Dezember um 15 Proz.. insgesamt also um2 5Proz.gesenkt. Anders sieht es dagegen bei den vielerlei hygienischen Gummifabrikaten und Schutzmitteln aus, die vielfach Markenartikel sind. Hier sind bisher die Preise noch um keinen P s.e n n i g gesenkt worden, obwohl der Rohstoff seit einem Jahrzehnt nie so tief im Preis stand wie jetzt. Mit der Verordnung der Regierung, die«inen zwangsweisen lOprozentigen Preisabbau für Markenartikel vorsieht, werden ja auch hier endlich die so notwendigen Preissenkungen eintreten müssen. Wir möchten bei dieser Gelegenheit aber darauf hinweisen, daß sich die Regierung in ihrer Verordnung vorbehalten hat, in den Fällen einzugreisen, wo ein lOprozentiger Preisabbau nicht als ausreichend angesehen wird. Ein solches Eingreifen scheint uns auf keinem Gebiet notwendiger zu sein als bei den Gummiartikeln. die im Zeitalter der Hygiene und Geburtenregelung durchaus als Massenoerbrauchsartikel anzusprechen sind und andererseits zu den bisherigen Preisen den Fabrikanten und Händlern hohe Sondergewinnc abgeworfen haben. Die Konkurs, ahlcn haben sich iin Januar erheblich erhöht. Es wurden 1385 neu« Konkurse(gegen 853 im Dezember) und 518 Vergleichsverfahren(gegen 477) erösfnet. Die ameritauische Aulsmobilindustrie leicht belebt. In den Bereinigten Staaten und in Kanada wurden im Jahre 1933 nur 3,5 Millionen Kraftwagen hergestellt, rund 2 Millionen Stück weniger als im Jahre 1329. Die höchste Monatszisjer brachte der April mit über 433 333, die niedrigste der November mit nur noch 129 333. Im Dezember stieg die Produktionszifscr leicht auf 153 333 wieder an. Die Ausfuhr machte in den letzten Monaten 1933 vergliche» mit dem Vorjahr weniger als die Hälfte aus, doch machte sich im November eine leichte Zunahme bemerkbar. Die Ford Motor Company, die kürzlich ihre Automobilprcise neuerlich gesenkt hat, berichtet nach Meldung der Agence Economique et Financiäre aus Detroll über eine starke Zunahme der Austräge.— Für 1931 wird in Amerika mit einem Bedarf von etwa 4 Millionen Wagen gerechnet: dos wäre mehr als 1933. rote . i■.■ ■■ _ ?_■■■■■ Die kühlende und heilende Wirkung der sdineeig-weifien Creme Leodor tritt besonders in Erscheinung, wenn Hände und Qesidit durch Einwirkung der Kälte im Winter stark gerötet sind. 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Er erinnerte an das preußische Programm gegen die Arbeilslosigkeil, das als Hilfsmaßnahme an erster Stelle möglichst allgemeine Einführung der Kurzarbeit vorsieht, weiter den Ausschluß der ausländischen Saisonarbeiter, und drittens eine Verlängerung der Schulpflicht um ein Jahr. Die Hauptsache bleibe aber die A n> passung oller Preise an die gesunkene Kaufkraft, zugleich mit der Senkung der Gestehungskosten. Es wird niemand im Ernst behaupten wollen, daß die Preise an die gesunkene Kaufkraft angepaßt werden, wenn man die Löhne senkt und damit auch die Kaufkraft. Auf die Ausführungen des Ministerialdirektors Dr. Weigert in Genf, die auf der gleichen Linie lagen, haben wir bereits hingewiesen. Um so mehr mußte man überrascht sein von der Rede, die der Reichsarbeitsminister gestern im Reichstag gehalten hat. Er sagte da. daß die Industrie mit össent» lichen Abgaben mit Sozialbeiträgen, mit Löhnen und G«- hältern überlastet sei. Die Industriellen und Wirtschafter hätten ihm in den letzten Monaten wiederholt erklärt: „wir kaprizieren uns durchaus nicht auf die Löhne, wenn man uns auf anderen Gebieten entgegenkommen könnte: dann würden wir die Lohnfrage ungeschoren lassen." Auf anderen Gebieten, meinte Herr Stegerwald, ließen sich aber durchareifend« Aenderungen nicht erzielen. Der Reichsarbeitsminifter bleibt also bei einem d u r ch g r e i- senden Lohnabbau. „Roch allem bleibt nichts anderes übrig", sagte Herr Steger- wald,„als Ersparungen an den Löhnen Alle Erleichte- rungen der Wirtschaft können nur von der Lohnseite her kommen." In diesem Ton ging es weiter. Der Reichsarbeitsminifter hat also immer noch nichts gelernt und offenbar alles vergessen, was er als Gewerkschaftsführer einst vertreten hat. Würde es sich nur darum handeln, ob die Arbeiter ein mehr oder weniger großes Stück Brot bekommen, so wäre diese Frage noch nicht von entscheidender Tragweit«. Entscheidend ist, daß mit dem wahlstand der Arbeiterklasse die Wirtschaft aus Gedeih und Verderb verbunden ist. Entscheidend ist die psychologische und politische Wirkung des Lohnabbaus und der Arbeitslosigkeit, Kommunistischer Beirieb ist nicht sozial. So verkündet ein Vertreter der RGO. Vor dem Arbeitsgericht sollte gestern ein Kammertermin statt- finden wegen der Entlassung von fünf freigewcrkschaftllch organi- sterten Bankangestellten bei der sowjetrijssischen Garan- tie- und Kreditbank für den Osten, über die im„Vor- wärts" bereits anläßlich des Sühnetermius eingehend berichtet wurde. Bon dem Personalreferenten der Bank wurde auch zu An- fang dieser Verhandlung wieder bestritten, daß die Entlassungen aus politischen oder gewerkschaftlichen Motiven erfolgt seien, wäh- rcnd sich der Pressevertreter des Allgemeinen Verbandes der Bank- angestellten bereit erklärte, den Beweis dafür zu führen. Zu dieser Beweisführung, an der angeblich auch der Herr Personalreferent «in starkes Interesse hatte, ist es aber nicht gekommen. Er erklärt« sich nämlich plötzlich sofort bereft, den Vorschlag des Gerichts a n- zunehmen, allen Entlassenen als Abfindung ein vier- faches Monatsgehalt auszuzahlen. Nach einer kurzen Rücksprache der Entlassenen mit ihrem Prozeßvertreter stimmten auch sie dem Vergleichsvcrschlag zu. Ein bezeichnender Ausspruch des Personalchefs dieses kommu- nistischen Bankunternehmens sei aber hier wenigstens festzohalten. Er erklärte nämlich, daß es nicht Aufgab« einer Firmen- leitung fein könne, die sozialen Verhältnisse der A n g e st e l l t e n zu prüfen, die sie aus betrieblichen Gründen entlassen müsse. In den Privatbanken und auch in an- deren Unternehmungen der Prioatindustrie ist es zwar alliemein üblich, daß die P-rsonalleitungen auf die sozialen Verhältnisis der zur Entlassung Kommenden Rücksicht nehmen und sich darüber mit der gesetzlichen Betriebsoertretunz verständigen. In einem kommunistischen Betrieb« braucht tnan aber solche„kapita- listischen" Gepflogenheiten nicht zu respektieren. Und die Betrieb»- Vertretungen der RGO. helfen noch dabei. Die Versicherungsämter. Ihre Tätigkeit im Jahre �9�9. Zurzeit sind auf dem gesamten Gebiete der Sozialversicherung 1.0(34 Versicherungsämter und 94 Oberverlichc- rungsämtsr in Deutschland tätig. Auf dem Gebiete der Krankenversicherung waren von den AersicherungsSmtern im Sp ruchverfahren ins- ncsarnt 47 593 Spruchiachen zu bearbeiten. Hiervon wurden 39 883 Sachen— rund 84 Proz. erledigt. In der Unfall-, Invaliden- und Angestelltenversicherung liegt den Versicherungs- amtern in der Hauptsache eine vorbereitende Tätigkeit für das Fest- slcllungsverfahren ob: hier waren insgesamt 454 256 Sachen zu bearbeftcn, von denen 437 794— rund 96 Proz. erledigt worden sind. Im Beschlußverfahren waren in der Kranken-, In- «aliden-, Angestellten, und Arbeitslosenversicherung bei den Ber- sicherungsämtern zusammen 79379 Slreiksachen anhängig. Davon sind 70 850 Sachen--- rund 85 Proz. erledigt worden. Hierbei die sie im Gefolge hat. Die Arbeitslosigkeit war schon riesengroß, als der Reichsarbeitsminister die Politik der Lohn- g u i l l o ti n e in die Praxis umzusetzen begann Sie ist seitdem katastrophal angeschwollen. Mit ihr ist aber auch angeschwollen eine tiefgreifende Ber- bittcrung der Massen gegen den Start und seine Organe. Herr Stegerwald aber bleibt beim Lohnabbaul kann er etwa aufweise«, daß infolge seiner Politik irgendwie und irgendwo auch nur die geringste vesseruug eingelreleu ist? Bemerkenswert ist auch die Mitteilung des Reichsarbeits- Ministers, daß Industrielle in den letzten Monaten ihm wieder- holt gesagt haben, daß sie sich durchaus nicht auf den Lohnabbau versteifen. Dies ist auch unser Eindruck. Besonders in dem großen Lohnkonflikt in der Berliner Metallindustrie hat der Reichsarbeits- minister auf die Unparteiischen im Sinne eines scharfen Lohn- a b b a u e s«ingewirkt. Ohne den Druck des Reichsarbeitsministers würden die Schlichter oft genug in ihren Entscheidungen in der Lohn- frage viel mäßiger auftreten. Diese Haltung des Reichsarbeitsministers muß zu den schwersten Konflikten treiben. Anfang nächster Woche wird der Konflikt im Buchdruck- g e w e r b e dem Reichsarbeitsminifter zur Entscheidung vorliegen. Angesichts der Haltung, die er gestern wieder im Reichstag öffentlich eingenommen hat, ist zu befürchten, daß es hier zu einem ganz schweren Kamps kommen wird, aus dem die Staatsautorität in ihrem Ansehen noch mehr geschwächt hervorgehen wird, als sie es ohnehin schon ist. Es scheint dem Reichsarbeitsminister nicht einen Augenblick die auf der Hand liegende Idee zu kommen, den Industriellen, die noch einem weiteren Lohnabbau schreien, nachdem sie die übertariflichen Löhne bereits gesenkt haben, zu erwidern, daß man unmöifich die Arbeiter von den fetten Gewinnen der guten Konjunktur ausschließen und ihnen aber das Risiko einer Wirtschaftskrise vollständig auf- halsen darf. Nicht die Löhne haben die Selbstkosten der Industriellen in die Höhe getrieben, denn der Lohnanleil am Produkt ist ständig gesunken. Dies ist ja die Wurzel der Krise. Die hohen Gestehungskosten sind verursacht in erster Linie durch wirtschaftlich« Fehl- l e i t u n g e n, durch Ueber Mechanisierung und U e b e r- bürokratisierung der Wirtschaft. Hier allein kann und muß gespart werden! Hier allein können und müssen Opfer gebracht werden, wenn die Wirtschaft wieder gesunden soll. Nicht auf die schönen Reden in Genf, sondern ouf die Taten in Berlin kommt es an! handell es sich In der Mehrzahl der Fälle um Streitigkeiten über das Versicherungsverhältnis, die Beitragsleistung und um Strafsachen wegen Verletzung der Meldepflicht gemäß§ 530 RVO. oder wegen Unterlasiung der in Z 1503 Abs. 1 RVO. vorgoschriebeiwn Anzeigen. Daneben haben die Versicherungsämter noch«ine ganze Reihe von Amtshandlungen, insbesondere als Rechtsauskunftsstellen(§37 Abs 1 RVO.,§ 146 ABG.), zu erledigen, die von der Statistik nicht erfaßt werden können. Die OberversicherungsSmter hatten im Jahre 1929 insgesamt 278 954 Spruchfachen zu bearbeiten, von denen 192 357— rund 69 Proz. erledigt worden sind. Den stärksten Anteil an den Sachen hat-' die Unfallversicherung. Es entfallen auf sie 158 267 zu bearbeitende Sachen— rund 57 Proz. und von den erledigten Spruchsachen 111 345— rund 58 Proz. An zweiter Stelle steht die Invalidenversiche- ru n g mit 95 124 zu bearbeitenden Sachen— rund 34 Proz. und mit 65 034 erledigten Sachen— ebenfall?. rund 34 Proz. Die übrigen Dersicherungszweige folgen erst in größerem Zlbstande. Die weit überwiegende Zahl aller Streitsachen wurde von den Oberversicherungsämtern durch Urteil erledigt. Insgesamt sind 12816t solcher Urteile ergangen, unter ihnen 28 302, das sind nur rund 22 Proz.. zugunsten der verstcherlen. Im Beschluß verfahren waren von den Oberversichc- nmgsämtern im ganzen 38 005 Sachen zu bearbeiten. Hiervon sind 29 949 Sachen— rund 79 Proz. erledigt worden. Sie betrafen vor allem die Streitigkeit über Versicherungspflicht und Beftragspfiicht sowie die Strafsachen. Diese umfassend« Statistik wurde für das Jahr 1929 zum ersten- mal einheitlich für das gesamte Reichsgebiet aufgestellt. Oie Maschinisten in der Krise. Die Wirkungen der Rationalisierung. In der Generaloersammlung der Maschinisten und Heizer des Verwaltungsbezirks Brandenburg am 1. Februar im Berliner Ge- werksthaftshaus gab zunächst der Genosse Ruckstuhl den Kassen- bericht. Infolge des Weiter st eigens der Arbeitslosig- k e i t stand einer oerminderten Einnahme eine erhöhte Zlusgabe gegenüber. Die Einnahmen und Auegaben bilanzieren mit rund 180 000 M., die der Bezirkstasse mit rund 85 000 M. und die der Sterbekasse mit ruckd 6500 M- Don den Ausgaben für die Haupt- kasse erforderte die Erwerbslosenunter st ützung 25,9 Proz. der Einnahmen, die Invalidenunter st ützung 12V Proz. der Einnahmen, die Streikunterstützung dagegen nur 7,4 Proz. der Ein- nahmen. An die Hauptkasse konnten 41,7 Proz. der Einnahmen in bar abgeführt werden. Der Markenumsatz sei in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß allein im Berliner Baugewerbe, wo noch 1928/29 rund 500 Kollegen beschäftigt waren, im letzten Jahr nur noch 100 Kol- legen beschäftigt wurden. Den gedruckt vorliegenden Jahresbericht erläuterte Genosse R e i n e s e l d. Er schilderte die Bewegungen in den einzelnen In» � dustricn und konnte feststellen, daß, mit Ausnahme der Metall», i n d u st r i e. Tariflohnkürzungen nicht erfolgten, da die meisten! Tarisverträge erst im 1. Vierteljahr 19K1 ablaufen. Trotzdem sei ei» verdien st rückgang zu verzeichnen, weil ein Teil der Kollegen im Berichtsjahre verkürzt arbeitete und in einzelnen Industrien die Leistungszulagen für Maschinisten und Heizer zum Teil abgebaut wurden. Für einen Teil der Kollegen in der Elektroindustrie mußte ein harter Kamps für Verkürzung der Arbeitszeit geführt werden. Es wurde erreicht, daß für die W e ch s e l s ch i ch t- a r b e i t e r durch Einlegung der sogenannten vierten Schicht(Ein- springeschicht) eine größere Anzahl von Kollegen in den Betrieben gehalten werden konnten. Durch den Bau immer größer werdender Einheitssätze, sowohl in Maschinen wie in Kesselanlagen, wird zur Bedienung dieser An- lagen immer weniger Personal gebraucht. So werden die Maschinen und Kessel, die eigentlich als Hilfsmittel für die menschliche Arbeits- kraft gedacht sind und segensreich wirken sollen, zum Fluch des Arbeiters, den sie arbeitslos machen. Wenn auch im Bergbau, Bau usw. heute verhältnismäßig mehr Maschinisten, Heizer, Kran- sichrer usw. gebraucht werden, so doch nicht genug, um die Kollegen, die in den großen Zentralen überflüssig werden, in ihrem Beruf weiter beschäftigen zu können. Zum Schluß ging Redner noch auf die allgemeine wirtschaftliche Lage ein. Vorläufig sei eine Verminderung der Arbeitslosen nicht zu erwarten. Der Arbeitsvermittler Apelt berichtete, daß im Facharbeits- Nachweis augenblicklich insgesamt 1300 Arbeitslose(Ma- schinisten, Heizer, Lokführer usw.) eingetragen seien, gegen 661 am 1. Januar 1930! Ein Antrag, der sich hauptsächlich mit der RGO. be- faßt und dem§ 5 des Statuts entspricht, wurde als Resolution von allen gutgeheißen und soll in der Berichterstattung hervor- gehoben werden. Kommunistisches Kasperletheater. Es zieht aber nicht. Unter großem Tamtam in der kommunistischen Presse wurden die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Behörden in Berlin zu gestern abend zu einer großen Massenversammlung nach� den„Residenz-Festsälen" eingeladen, wo der Landtagsabgeordnete Kasper die kommunistischen Heilslehren der RGO. verkünden sollte. Dei große„Massenversammlung" sollte sich allerdings mir in einem größeren Bcreinszimmer abspielen. Aber zur festgesetzten Stunde um 5 Uhr herrschte selbst in diesem bescheidenen Raum gähnendeLeere. Als nach etwa 20 Minuten der Referent erschien, waren insgesamt neun Personen anwesend, wovon sich ober drei wohl nur aus Versehen in die„Versammlung' verirrt hatten, denn sie drückten sich wieder stillschweigend. Ange- sichts duses überwäftigenden Erfolges, den die Agitation der RGO. unter den Beamten, Angestellten und Arbeftern der Behörden ge- zeitigt hatte, zog es Kasper vor, seine Red« erst nicht vom Stapel zu lassen, obwohl er doch vom Landtag her gewohnt ist, vor lcere» Bänken zu sprechen. Immer noch die Lohnguillotine! Für den Berliner Lebensmittelgroßhandel ist vom Schlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt worden, der die Löhne der Lagerarbctter ab 6. Februar von 49 aus 47,50 und ad 27. Mörz auf 46 Mark herunterfetzt. In dem gleichen Derhäftnis, also um rund 6 Proz., sollen auch die Löhn« der übrigen Arbeiter und Arbeiterinnen gekürzt werden. Don derselben Kammer des SchNchtungsausschusses ist auch für den Kaffeegroßhandel ein Schiedsspruch verküudct worden, der für die Arbeiter dieser Gruppe die gleiche Lohnkürzung zu den gleichen Terminen vorsieht, jcdoch mtt der Ausnahme, daß die Löhne der Frauen anstatt um 6 Proz sogar um rund 8Proz.abgebautwerdcn sollen! Die Löhne der Frauen würden demnach von 32,50 auf 30 Mark reduziert werden. Beide Schiedssprüche sehen hinsichtlich des prozentualen Lohnabbaues das Höchstmaß dessen vor. was die amtlichen Schlichtungsstellen in der letzten Zeit an Lohnbewegungen vorgenommen haben, obwohl es sich hier um verhältnismäßig schlecht bezahlt« Arbeitergruppen handelt. Das trifft besonders für die weiblichen Arbeitskräfte im Kaffeegroßhandel zu, deren Lohn von 32,50 Mark weit unter dem Durchschnittslohn der Frauen im übrigen Handelsgewerbc liegt Ui'jü ihnen schon jetzt nur noch ein dürstiges Dasein gestattet. Die Arbeiter und Arbeiterinnen haben die Schiedssprüche«in- stimmig abgelehnt, die Unternehmer dagegen a n g e n o m- ly e n und ihre Aerbindlichkeitserklärung beantragt. Verhandlungen vor dem Schlichter sind noch nicht angesetzt worden. Wenn es hier dem Schlichter noch nicht gelingt, eine für die Arbeiter- schaft annehmbare Vereinbarung herbeizuführen, dann Ist in diesen beiden Gruppen, ganz besonders aber im Kasfeegroßhaiidcl, mit ernsten Konflikten zu rechnen. Arbeiisstreckung im Leunawerk. Im Ammonlakwerk Merseburg(Leuna) wurde in den durchlaufenden Wechselschichtbetrieben die Wochenarbeitszeit von 48 auf 42 Stunde»' verkürzt. Aus diese Weise sollen Entlassungen vermieden werden. Wann wird sich der Reichsarbeitsminister aufschwingen, diese Arbeitsstreckung zu ver- nllgcmeinern, statt durch Verallgemeinerung der Lohnkürzung die Arbeitslosigkeit zu steigern? GewerNcha*is,.3naestd Verlin fwll£eute, Jonnetä'o«. IWi Uhr, taurn bl«