Morgenausgabe Nr. 65 A 33 4S.Iahrgang Wöchentlich KS Pf, monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Poftzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» vorto 5,— M. Der„Dorwärts� erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte BeUage„Boll und Zeit". Ferner„Frauenstimme"» „Technik".„Blick in die Bücherwelt", „Iugend-V orwärts"u.„Stadtbeilage" Berliner Sottsblatt Sonntag S.Februar 19)1 Groß-Äerlin 15 pf. Auswärts 20 Z)f. Die einspaltig« Nonpareillezeile Ll) Pfennig. Reklamezeile S.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen' das ettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Motte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. 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Um nun die Beratung der Geschäftsordnungsreform und der zahlreichen Anträge auf Genehmigung von Strafverfahren gegen Reichstagsmitglicder möglichst hinauszuschieben, griff die Koalition Hitler-Hngenbcrg- Dhälmann zur Obstruktion. Sie führte über jede einzelne Position des vorliegenden Etatskapitels und die dazu gestellten Streichungsanträge namentliche Ab- stimmungen herbei. Ter ausschliehliche Zweck dieser zeitraubenden Me» thode, nämlich die Verhandlung zu verschleppen, war um so klarer, als ja soeben erst die namentlichen Llbstimmun- gen über die Misttrauens- und Sluflösungsanträge das Kräfteverhältnis über jeden Zweifel dargctan hatten. Schliestlich rist der Mehrheit die Geduld und sie beschlost aus Antrag des Zentrumsabgeordneten Esser mit 391 gegen 218 Stimmen, über die Aenderungsanträge zur Tagesordnung überzugehen und den Etats- abschnitt anzunehmen. Den Protesten jener Parteien, die zwar selbst grnnd- sätzlich den Parlamentarismus verneinen, ihn unaus- gesetzt zu ruinieren trachten, aber sich zu Schützern der Parlamentsrechte auswerfen, hielt Präsident Löbc vor, dast man doch auch der Mehrheit nicht verwahren könne, den Etat rechtzeitig zu erledige»; er hoffe bei der weiteren Etatsberatung sowohl die Opposition von dem Wege der Obstruktion wie die Mehrheit dann auch von dem Wege der Brechung der Obstruktion abzubringen und die normale Arbeit zu ermöglichen. Tie Beratung der Geschästsordnungsreform und der Ammunitätsanträge beginnt am morgigen Montag, nach- mittags 3 Uhr. Es wird, wie der Präsident anknndigtc, eine lange Sitzung werden. Am Dienstag folgt die De- batte über die auswärtige Politik. Die Abstimmung im Neichsiag. Wirtfchastspartei gespalten. Nach dem endgültigen Abstimmungsergebnis ist das von den Nationalsozialisten und Kommunisten beantragte Mißtrauens- ootum gegen das Kabinett Brüning vom Reichstag mit 292 gegen 229 Stimmen bei 13 Enthaltungen abgelehnt worden. Der Stimme enthalten haben sich 19 Mitglieder der W i r t s ch a f t s p a r t e i, nämlich die Abgg. Borrmann, Drewitz, Homberg, Dr. Jorissen, Köster, Lauterbach, Lücke, Mollath, Schneidewind und Siller sowie die drei Deutschhannoveräner. Die fünf übrigen in der Sitzung anwesenden Mitglieder der Wirtschaftspartei, Dunkel, Freidel, Hermann, Holzamnier undPezold, haben gegen das Miß- trauensvotum gestimmt, ebenso die anwesenden Mitglieder der christlichsozialen und konservativen Fraktion?- g e m e i n s ch a s t mit Ausnahme der schon erwähnten Hannove- raner. Die Mitglieder des L a ndv o l ks stimmten für das Mißtrauensvotum; von dieser Fraktion fehlten jedoch die Abgg. Baur, Dingler, Dr. Gereke und Schlange-Schöningen. Krach beim Landvolk. In der Landvolkfraktion des Reichstags hat es am gestrigen Soimabend überaus heftige Auseinandersetzungen wegen der Haltung dieser Fraktion bei den Abstimmung� gegeben. Obwohl der Fraktionsredner Döbrich in der Debatte angekündigt hatte, daß seine Leute für das Mißtrauensvotum gegen das Gesamt- kabinett stimmen würden, haben sich bei der namentlichen Abstim- mung mehrere Landvolkleute der Stimmabgabe enthalten, darunter Abg. Schlange-Schöningen. Er hat nachher auch gegen den Antrag der Kommunisten gestimmt, die Gehälter des Reichskanzlers und des Ministers Treviranus zu streichen: sein Freund Gericke hätte ebenso gestimmt, wenn er nicht durch Krankheit von der Sitzung ferngehalten worden wäre. Gegen Schlange- Schöningen wurden deswegen heftige Angriffe gerichtet. Oesterreich im Defizit. Finanziell— noch mehr moralisch. Zum erstenmal seit 1923, wo das Genfer Sanierungs-, Kontroll- und Abbauwerk zu wirken ansing, legt die Bundesregierung dem Nationalrat einen Staatsooranschiag mit einem Fehlbetrag vor. Das ist vor allem der furchtbaren Weltwirtfchajskrise zuzuschreiben, die natürlich auch in Deutschösterreich die Einnahmen aus Steuern, Zöllen und staatlichen Verkehrsmitteln verringert und den lcbens- wichtigen Export inländischer Erzeugnisse noch tiefer drückt als schon in Konjunkturzeiten die Zölle der andere» Staaten tun. 5 9 9 9 9 9 Arbeitslose bei einer Gesamtbeoölkerung von blü Millionen— der gleiche Volksteil erwerbslos wie in dem wirtschaftlich ungleich träftigeren Deutschen Reich! Das Defizit des Staatshaushalts ist gewiß der Kreditfähigkeit Deutschösterreichs nicht förderlich; ober es hat noch größere Beträge der jüngsten Anleihe verfügbar und schließlich lassen die Groß. möchte, die der kleineren deutschen Republik die„Selbständigkeit" aufzwingen, um ihr die natürliche Vereinigung mit dem größeren Deutschland zu verwehren, ihre so verunglückte Schöpfung nicht verkrachen. Viel mehr gefährdet ist aber das Ansehen Deutschösterreichs als eines Landes von alter Kultur durch die empörenden Zustände und Borgönge an den Wiener Hochschulen. Was im Reiche den Hitler-Iungen untersagt worden ist, sich nämlich als die Stu- dentschcnschaft auszugeben, das haben ihnen die Universitätsbehörden drüben gestattet. Man besteuert alle Studenten, soweit sie nicht rechtzestig gewarnt waren und daraufhin sich vorlahen, zugunsten dieser„legal" gemachten Parteiorganisation, die allein als offizielle Bcrtretung der Studentenschaft anerkannt ist, deren Fürsorgeämter ihr auch überlassen sind. In diese„Deutsche Studentenschaft" werden nur solche aufgenommen, deren„Deutschstämmigkeit" die Haken- kreuzler anerkennen. Sie verlangen denn auch von„Verdächtigen" die Taufscheine nicht nur der Eltern, sondern auch der Groß- eltern. Jüdische oder für Juden gehaltene Hörer werden aus den Vorlesungen hinausgeprügelt, unliebsame Lehrer niedergebrüllt. Das alles unter einer Verfassung, die sehe Benachteiligung der Bürger wegen ihrer Abstammung oder Konfession ausschlicht. Di« sozialistischen Studenten proklamieren Wahlenthaltung für die sbibentisch« Dertvetungswahl. Unter Duldung, ja Zustimmung its Hochjchulbehörden wird diesen und allen Gegnern der herrschenden Terroristen jede Propaganda auf Hochschulboden gewaltsam ver- wehrt. Selbst einen Kiosk, den sich die Sozialisten auf der Straße o o r der Technischen Hochschule Wien mit Erlaubnis der Gemeinde errichtet haben, durften die Hitler-Buben, ungehindert von der Polizei, zertrümmern und verbrennen. Ein französischer Student der für französische Blätter schrewt, wurde in der Aula der Um- versität von einer ganzen Horde mißliandelt. Täglich geht es auf den einst so berühmten Wiener Hochschulen ungleich schlimmer zu als in den dunkelsten Vorstadtkaschemmen. Dieses Bild zeigen, ohne daß die Regierung dagegen einschreitet, die Stützen der Geisteskultur Oesterreichs heute der Welt, die sich daraus ein für das Land verteufelt unangenehmes Urteil bildet. Zalefti daheim. Wie er über Genf berichtet. Warschau, 7. Februar. lEigenbericht.) Der sozialistische„R o b o t n i k" wendet sich gegen die Rede des Außenminister Zaleski im Ausschuß des Senats und bezeichnet die Zaleskische Interpretation des Ratsberichts als merkwürdig. Es beständen nämlich eine Reihe von Abweichung en zwischen dem Text des Ratsberichts und der Zaleskischen Auslegung. „Robotnit" erklärt weiter, daß er ja schon von ollem Anfang mit der Niederlag« Polens gerechnet hätte, und so sei es auch eingetroffen. Die wahren Ursachen der polnischen Niederlage müßten in der Innenpolitik gesucht werden. Herr Zaleski aber spiele Diplomatie dort, wo niemand ihm glaube, statt die Dinge beim rechten Namen zu nenne». Der rechtsstehende„K u r j e r W a r s z a w s k i" schreibt, daß Zaleski versucht habe, die Ergebnisse der Genser Erörterungen über Oberschleste» weiß zu tünchen. Das sei sein gutes Recht. Denn sich zu den Genfer Mißerfolgen zu bekennen, wäre gleich- bedeutend damit gewesen, die innere Politik der Regierung zu ver- urteilen, der er angehöre. Gejmsitten. Nach der Rede eines Kommunisten im Sejm stürzt« ein auf der Regierungsliste gewählter Ukrainer aus den Kommunisten zu und oersetzte ihm unter dem Ruf:„Hier hast Du es für die Bshond- lung der Ukrainer in Sowjetrußland" einen Schlag auf den Kopf. Der Sejmmarschall Swstalski schloß beide(!) Abgeordnete von der Sitzung aus. Warum und wieso? Klare Situation im Reichstag. Der Reichstag hat gestern mit starken Mehrheiten Miß- trauensanträge gegen die Regierung abgelehnt und den Etat der Reichskanzlei in zweiter Lesung angenommen. Die Minderheit bestand aus Nationalsozialisten. Kommunisten, Deutschnationalen und teilweise auch Landvolkleuten, die Mehrheit aus Sozialdemokraten, Zentrum und. den übrigen Parteien. Die Entscheidung lag bei der Sozialdemokratie. Stimmte diese mit der Opposition, dann verwandelte sich die Mehrheit in eine Minderheit von etwa 166 Mann. Die Opposition mit rund 356 Stimmen wäre zu einer Zweidrittelmehrheit ge- worden. Einen Beschluß gegen die Regierung Brüning herbeizuführen, war für die Sozialdemokraten eine Kleinigkeit. Ja, kinderleicht war es für die Sozialdemokratie, gemein- sam mit Hitler, Hugenberg und Thälmann zu „siegen"-- bloß, was sie und die andern„Sieger" nachher mit ihrem„Sieg" angefangen hätten, das ist die große Frage! Weil mit diesem Siest absolut nichts anzufangen war, hat die Sozialdemokratie die Mihtrauensanträge abgelehnt. Die Mehrheit, die sich dazu entschloß, die Regierung Brüning mangels einer bessern im Amte zu belassen, reicht von den„Volkskonservativen" bis zu den Sozialdemokraten. Sie ist so bunt zusammengeflickt, daß es beinahe schon komisch wirkt. Aber diese bunt zusammengeflickte Mehrheit ist noch ein Wunder an Einheitlichkeit, gemessen an 1) e r Mehrheit, die sich aus einem Hinzutritt der Sozialdemokratie zur Opposition ergeben haben würde. ' Landaus, landab formieren sich P a r t c i und Reichs- b a n ne r'zu r G e geno ffensiv e gegen den Ungeist der Hakenkreuzler. Hunderttausende von Sozialdemokraten stehen im aktivsten, im leidenschaftlichsten Abwehrkampf gegen den Faschismus. Und in dieser Situation sollte die Sozialdemo- kratie im Reichstag mit den Faschisten gemeinsame Sache machen? Den kämpfenden Genossen im Lande wäre das als der vollkommenste Widersinn erschienen; wie ein Keuleuschlag hätte es auf sie gewirkt. Und wäre es dann gar so gekommen — und das war die allergrößte Wahrscheinlichkeit—, daß infolge einer solchen Abstimmung eine extrem rechte Re- g i e r u n g zustande gekommen wäre, so hätten sie mit Recht über Verrat geklagt. Die Kommunisten können vielleicht für eine Weile ohne große Gefahr die Schrittmacher des Faschismus spielen. Aber in dem Augenblick, in dem sich die Sozialdemokraten diesem törichten Verhallen anschlössen, wäre auch schon der Kladde- radatsch da. In Gemeinschaft mit Deutschnotionalen und Rational- sozialisten versuchen die Kommunisten das Zustandekonunen eines Reichshaushaltsgesetzes für 1931 zu ver- eiteln. Machen die Sozialdemokraten mit, so gibt es kein Haushaltsgesetz für 1931. Sie brauchen nur ein paarmal rote Karten statt weiße oder umgekehrt weiße statt rote ab- zugeben, und das ganze Reichshaushaltsgesetz sackt ab wie ein torpediertes Schiff. Also, das Haushallsgesctz kaputt zu machen, seine Ber- abschiedung im Reichstag zu vereiteln, das macht gar keine Schwierigkeiten. Die Frage ist nur, was daraus wird, wenn das Haushaltsgesetz unerledigt bleibt.- Können wir mit Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutschnationalen ein anderes Haushaltsgesetz, vielleicht gar ein besseres schaffen? Und wenn wir das nicht können, wenn im Reichstag über- Haupt gar nichts zustande kommt, was wird die Folge sein? Was ist das überhaupt, der Reichshaushaltsplan? Das ist ein Plan, der Schätzungen der kommenden Einnahmen ent- hält und Vorschriften darüber, wie das Geld ausgegeben werden soll. Kommt kein Haushaltsplan zustande, so hören die Einnahmen nicht zu fließen auf, auch wird für den Staat an der Notwendigkeit, für unzählige Dinge Geld auszugeben. gar nichts geändert. Kann also dann jeder Bürokrat so viel Geld ausgeben, wie er will? Nein, um das zu verhindern, um Überhaupt etwas Ordnung in den Reichs- f i n a n z e n aufrechtzuerhalten, wird dann der Reichs- Präsident eine Verordnung über den Reichshaus- halt auf Grund des Artikels 48 erlassen müssen. Ob ein solcher vom Reichsprästdenten dekretierter Haus- hallungsplan viel schöner sein wird, als ein vom Reichstag beschlossener? * Ein Haushallsgesetz besteht aus Zehntau sind en von Po- sitionen. Viele zehntausend Anträge können dazu gestellt Severins an den Stahlhelm. Volksbegehren-Antrag noch nicht ausreichend unterstützt. Der preußische Znuemniuister hat den Antrag deS „Stahlhelm", die Listenauflegung für das Stahlhelm- Volksbegehren anzuordnen, nicht st attgegeben. Er hat an den Stahlhelm ein vom 7. Februar datiertes Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Dem Antrage des„Stahlhelm" Bund der FrontsÄdaten«. V. vom L Februar 1Ö31(Br. Nr. 264), die Listenauslegung für ein VoUsbegehren zuzulassen, das auf Auflösung de» Preußischen Land- tags gerichtet ist, oermag Ich zurzeit nicht zu ent- sprechen. Der Antrag trögt nicht die Unterschrift von 20 000 Stimmberechtigten. Infolgedessen mußte der Vorstand der antragstellenden Vereinigung„Stahlhelm" nach Z 2 Absatz 2 des Gesetzes über das Verfahren bei VoUsbegehren und Vollsent» scheiden vom 8. Januar 1926 glaubhast machen, daß 100 000 der stimmberechtigten Mitglieder des„Stahlhelm" den Antrag unter» stützen. Nach§ 4 Absatz 4 der Lande sabstnnmungsordnung vom 23. Januar 1926 genügt es zur Glaubhaftmachung der Unterstützung des Antrags durch die Mitglieder des Vereins, wenn„aus der Satzung oder aus der bekanntgewordenen Betätigung des Vereins die Zustimmung seiner Mitglieder zu dem vom Antrage verfolgten Ziele erkennbar ist". Auf seine Satzung kann sich der..Stahlhelm" nicht berufen. Sie läßt nach keiner Richtung erkennen, daß der„Stahlhelm" die AvslSsvng des Preußischen Landtages za seinem Ziele gemacht hat. Die Berufung auf den Beschluß des Stohthelm-Borstandes vom 4. Oktober 1S30 und die zu ihm angeblich erfolgt« Zu st im» mung von 140 000 Mitgliedern auf dem Stahl- Helm-Tag in Koblenz am ö. Oktober 1930 greift nicht durch. Es steht keineswegs fest, daß die Teilnehmer an der Koblenzer Tagung tatsächlich einem auf Landtagsauflösung ge- richteten Volksbegehren ihre Zustimmung geben wollten. 3m übrigen ist die Angabe, daß an der Slahlhelm-Tagnng 140 000 stimmberechtigte Staatsbürger teil- genommen hätten, keinesfalls glaubhaft gemacht. Räch zuver- lässigen amtlichen Feststellungen ha» die Zahl der Teilnehmer an dem Stahlhelm-Tage höchsten» etwa 70 000 betragen. Diese Feststellungen werden bestätigt durch Angaben, die der Leiter des Organisationsstabes der Tagung, Dr. Hüboller, der Polizei aus ausdrückliches Befragen gemacht hat. Cr hat die Gesamtzahl der Teilnehmer an dem Vorbeimarsch aus 66 000 Stahlhelmer sowie 2000 Mitglieder der Neichskrastfahrstaffel und die Zahl der übrigen Mitglieder, die mu an der Bersamm- lung, in der der Beschluß des Vorsitzenden verkündet ist, tell- genommen haben, auf weitere 8600 angegeben. Hiernach würde die Gesamttellnehmerzahl 76 600 betragen haben. Selbst wenn aber die weiterhin von dem genannten Organisationsleiter gemacht« Angabe, daß insgesamt 98 000 Festabzeichen an Stafsthelmmstglieder bei der Tagung oerkauft worden seien, zutreffen sollte, so muß weiterhin iij Betracht gezogen werden, daß längst nicht all« Tell- netzmer an der Tagung stimmberechtigte Staatsbürger waren. Eine verhältnismäßig sehr hohe Zahl der Teilnehmer waren Angehörige des„Jungstahlhelm". Nach§ 4 der Satzung können aber dort Jünglinge vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 23. Lebenssahre Mitglied werden. Bon den tell- nehmenden Mitgliedern des.Jungstahlhslm" ist daher etwa die Hälfte nicht stimmberechtigt gewesen. Die Gesamtzahl der Mit- glleder des„Jungstahlhelm" macht nach verläßlichen Feststellungen etwa 20 Prozent der Gesamtzahl des„Stahlhelm" au». Es muß hiernach festgestellt werden, daß von den Teilnehmern an der Koblenzer Tagung mindestens 10 Prozent wegen ihres jugendlichen Allers nicht stimmberechtigt waren. Hierzu kommt die Tatsache, daß an der Koblenzer Tagung nicht nur preußische Staatsbürger. sondern auch Staatsbürger anderer deutscher Län- der und sogar noch Auslander, z. B. eine Abordnung von Faschisten aus Italien, tellgenommen haben. Dadurch wird die Zahl der für den vorliegenden Antrag in Betracht kom- Menden Personen noch erheblich gemindert. Selbst wenn also die Zahl der Teilnehmer insgesamt 100 000 oder gar etwa« darüber aufgewiesen haben sollte— was in Wirtlichkell nicht der Fall ist-—, so wären jedenfalls nicht 100 000 Stimmberechtigte vor- Hemden gewesen. Die in dem Antrage unternommene Glaubhaftmachung, daß mindestens 100 000 stimmberechtigte Mitglieder des„Stahlhelm" einen Antrag auf Auflösung des Preußischen Landtages unterstützton. entfällt daher insoweit, als sie auf die Koblenzer Tagung des„Stahl- Helm' abgestellt ist. Die» gllt auch weller deshalb, als ebenso wenig wie die Zahl der am ö. Oktober 1930 mll dem Plane eines Volks- begehrens einverstandenen Mllglieder des„Stahlhelm" feststeht. ebenso wenig ersichtlich ist. welche von diesen noä) jetzt zu dem Zeitpunkte der Einbringung des zur Erörterung stehenden Antrags, nämlich etwa vier Monat« nach seiner Er- wähnung mll ihm einverstanden sind. Ebenso wenig kann eine genügende Glaubhaftmachung au» der ANtgliederzahl de«„Stahlhelm" entnommen werden, selbst wenn diese 100 090 weit Lberschreikel. Der.Stählhelm" kann nicht einer politischen Partei gleichgeachtkt werden, deren Miigliederzahl bei den Wahlen ohne weiteres in Er- scheinung tritt, und bei der unterstellt werden kann, daß die Mit- glieder einen einheitlich gerichteten politischen Willen haben. Nach seiner eigenen Satzung ist der.Stahlhelm" ein Bund, der alle Front- soldaten ohne Rücksicht auf Stand, Partei und Bildung umfassen will. Auch der Umstand, daß mehr als 100 000 Mllglieder de»„Stahl- Helm" an dem Volksbegehren„Freihellsgesetz" teilgenommen haben. kann einen solchen Schluß nicht rechtfertigen. Di« Auflösung des Preußischen Landtags ist anders als das damals angestrebte Gesetz eine rein taktische Maßnahme, über deren Zweckmäßigkell in den Parteien, die damals hinter dem Volksbegehren standen, keine volle Einigkell herrscht. Es muß hiernach durchaus damll gerechnet werden, daß ein erheblicher Tell von Angehörigen dieser Organi- sationen, somit auch des„Stahlhelm", einen Antrag aus Auslösung des Preußischen Landtags nicht unterstützen würden, da ohnehin Neu» wählen zu dem Preußischen Landtag in einem Zeitpunkt stattfinden müssen, der nicht allzu fern von dem Z e i t p u n k t liegen würde, der sich bei einer Annahme von Bolksdegehren und Volksentscheid als Tag der Neuwahl ergeben würde. Aus diesen Erwägungen kann ich die nach§ 2 Absatz 2 des Gc- setzes vom 8. Januar 1026 vorgeschriebene Glaubhaftmachung bis- her nicht als erfolgt ansehen. Gemäß 8 S der Landes- abstimmungsordnung vom 23. Januar 1S26 setze ich hiernach zur Beibringung einer weiteren und aus- reichenden Glaubhaftmachnag eine Frist von zwei Monaten mll der ln der Lavdesabstlmmuagsordavog vorgeschriebenen An- drohnvg, daß nach deren erfolglosem Ablauf dle Ablehnung dt* Antrages erfolgen wird. Falls der„Stahlhelm" nicht in der Lage ist.«ine den gesetzlichen Vorschriften entsprechend« Glaubhaftmachung für den Antrag seines Vorstande» beizubringen, muß es ihm überlasten bleiben, einen neuen von 20 000 Stimmberechtigten unterschriebenen Antrag noch § 2 Absatz 1 des Gesetzes in der in den§ß 1 bis 3 der Landes- abstimmungsordnung vorgesehenen Form vorzulegen. rncrteit Die Opposition hat gestern damit angefangen. jede Position und über jeden Antrag namentliche A b- st i m m u n g zu beantragen. Nach einer oberflächlichen Bs- rechnung würde ein solches Verfahren für die Abstimmungen allein— ohne Debatten!— etwa 3000 Stunden oder 375 Arbeitstage zu acht Stunden benötigen. Das heißt: das Haus- Haltsgesetz für 1031 würde so ungefähr im Sommer 1032 — statt zum 1. April 1031. mit dem das neue Rechnungs- jähr beginnt— fertig werden. Ein schöner Schildbürgerstreich, im Jahre 1038 zu be- schließen, was im Jahre 1031 ausgegeben werden darf! Gegen die Zumutung, sich auf solche Narrenstreichs ein- zulassen, hat sich die Mehrheft gestern nachdrücklich zur Wehr gefetzt. Sie wird es, hoffen wir, in den nächsten sieben Wochen, die zur Erledigung des Reichshaushallsgesetzes zur Verfügung stehen, noch nachdrücklicher als bisher tun. Die Sozialdemokratie ist bereit, die Regierung Brüning zu stürzen in dem Augenblick, in dem sie eine bessere Re- gierung haben kann. Sie ist bereit, das Reichshaushaltsgesetz in dieser Form abzulehnen, wenn ihr die Möglichkeit gezeigt wird, ein besseres an feine Stelle zu fetzen. Sind diese Möglichkeiten nicht vorhanden, so ist eine Regierung mit Treoiranus immer noch gut genug dazu, eine Regierung mit Hugenberg zu verhindern, und ist ein vom Reichstag beschlossener Haushaltsplan immer noch besser als ein vom Reichspräsidenten dekretierter. Die Regierung Brüning parlamentarisch stürzen, den Haushaltsplan ablehnen oder sabotieren, das heißt unter den gegebenen Umständen nichts anderes als dies, daß alle wichtigsten Entscheidungen dem Reichstag abgenommen und dem Reichspräsidenten übertragen werden. Ist das Vertrauen der Kommunisten zum gegenwärtigen Reichspräsidenten so groß und so unbedingt, daß sie alle Ent- schetdungen ihm allein übertragen wollen? * Wir Sozialdemokraten haben an der gegenwärtigen Re- gierung und ihrem Etat sehr viel auszusetzen, aber diese Re- gierung und dieser Etat sind immer noch besser als der Fa- schismus. Darum mögen die Kommunisten tun, was sie wollen; wir Sozialdemokraten werden den Hitler und Hugen- berg nicht auf den Leim kriechen! Ws bleibt der zweite Mann? Mobilmachunq für die Gozia'demokratie! Das kommende Jahr stellt die Sozialdemokratische Partei vor große Aufgaben. Es muß unermüdlich gerüstet werden, um unsere Front zu verstärken! Die Gegner wollen Preußen, aber schon werden sie zaghast angesichts der Entschlossenheit der sozialdemo- kratischen Arbefterschaft. Die„Volkskon seroativen Stimmen" des Ministers Treoiranus schreiben über das Stahlhelm-Vollsbegehrsn: ..Der Kampf um Preußen wird freilich ulchl leicht felw. Der Angcisf des Stahlhelms trifft auf elue marxistische Fr out. dle in einer ganz audereu Welse gefestigt uud ge- rüstet dasteht als dle- uoch im September der Fall war. Der RatiouassoziaNsmu» hat eine luuer« Erneuerung de» marxistischen Soziallsmus ausgelöst. Mr beobachten feil Wochen «ine zunehmende Reorgauisailou uud Aktlule- ruug der S ozialdemokratifcheu Partei. Da» Reichsbauuer findet allenthalben neuen Zuzug. Seine besten Kräfte werden tu besonderen„Schutzformatioaeu" zu kampfkräftigen Eiuheiten zusammengefaßt. Die pathetischen Reden von Herrn Hörflug dürsen nicht darüber hiameMuschen, daß hier ernsthaft gearbeitet wird. 3n dem gleichen Zeiträume, in dem der Ratlooalsozlallsmns trotz scheinbaren Anhalten» seiner äußeren Erfolge, dank der An- tätigkeit seiner Führung, an innerer Kampfkraft eingebüßt hat, hat die marxistische Front die Voraussetzung für jeden politischen Erfolg neu sich erworben: den willen zum Kampf und den Glauben an den Sieg." Ernsthaft für den Sieg arbeiten, heißt das Wort von Otto Wels befolgen: Wo bleibt der zweite Mann? Wirb auch du! Brüning gegen Hugenberg. Hilgenbergs schlechtes Gedächtnis. Zu der Behauptung in der Erklärung des deutschnationalen Frak» stvnsführers Dr. Ob erfahr«, in der gestrigen Reichstagssitzung, daß die Feststellung des Reichskanzlers, er habe nach der Rezierungs- bildung 192? dem Abgeordneten Dr. Hugenberg einen Vorschlag de» Inhalts gemacht, zuerst den deutschen Osten zu entschulden und dann erst die Reparationsfrag« aufzurollen, w keinem Punkt« den Tatsachen entspräche, läßt der Reichskanzler erklären, er bedauere, daß Herrn Hugenberg die Erinnerung an die seinerzeitige Ve- sprechung im Stich gelaflen habe; et sei aber durch Zeugennachweis jederzeit in der Lag«, den InHall der damaligen Unterredung zu bs kr ästen. Zusammenschluß Hamburg-Lübeck. Ein sozialdemokratischer Dorschlag. Lübeck, 7. Februar.(Eigenbericht.) Dem Gedanken der Rei'chsreform haben die sozial-- demokratischen Bürgerschastssraktionen Hamburg und Lübeck einen impulsiven Anstoß gegeben. Sie regen einen Zusammen. schluß der beiden Hansestädte und deren Aufgehen im.Land Hamburg-Lübeck" an. Der Zweck ist«ine engere Verbindung des hanseatischen Wirtschaftsgebietes und ihrer die beiden Meere ver- bindenden Seehäfen. Die von beiden Fraktionen einstimmig angenommenen Richtlinien besagen, daß sich Hamburg und Lübeck zu einem Land« vereinigen sollen, dem die Hamburger Landasvtrfafsung zugrunde gelegt wird. Lübeck soll eine Dtadtgemeinde mit Selbstverwaltung bilden und «inen im Rahmen verfassungsrechtlicher Möglichkeüen festzusetzenden Antell an Regierung und Behörden erhallen. Die Gesetzgebung und Zentraloerwaltung sollen auf die Zuständigkeit des Landes über- gehen; ebenso Polizei und Justiz. Sowjetfun? und KpO.-praxis. Ziundfunkorders aus Rußland. Verschwörerhaft ist es bestimmt nicht, wenn Moskau seine Be- fehle an die Filialen durch offenen Rundfunk verbreitet. So wird be- fohlen, daß die Arbeitslosen am 25. d- M. überall demonstrieren sollen. Man treibt sie also in den Ländern mit Demonstrationsverbot — und das sind zurzeit die meisten— gegen die Polizei, die Pflicht« gemäß solchen Verboten Beachtung erzwingen muß. Am Freilagabend erklärte eine russische Sendung über .Deutschland und wir" als Aufgab« der KPD., den Kampf gegen den deutschen Faschismus mit dem Ziel zu führen, die sozial- demokratischen Arbeiter in die Kommunistische Partei hinein- zuziehen; män diene damit der Entwicklung, die Moskau von dem Wahlausfall des 14. September 1930 erwartet habe. Herr Dr. R e u b a u e r hat schon gestern im Reichstag dieser Moskauer Instruktion gemäß die sozialdemokratischen Arbeiter zum Uebertritt in die KPD. aufgefordert, und um die Werbekrast dieser bejahrten Forderung zu stärken, belastete er die Sozialdemokratisch« Partei mit der vollen Verantwortung für alle Handlungen und Unterlassungen, die man irgondwi« der Regierung Brüning zu» schreiben kann. Diese Verantwortung begründet Neubauer damit, daß unsere Fraktion dies« Regierung nicht stürzt. Möchten die Kommunisten nicht diese eine kurz« Frage beant- warten: Ist es für die deutsche Arbeiterschaft nütz- lich, die Regierung Brüning durch eine Nr.-zi» Regierung zu ersetzen? Zustizskandal in Oorimund. Offene DeqünssiLnng von 7totionalso>ialist-n.— Eine Beschwerde des pol z,»Präsidenten. Immer mehr häufen sich die Fäll«, daß in Versammlungen der radikalen Parteien, insbesondere aber in na ti ona ls ozi ali st i- scheu Persammlungen, Minister und Staatsbeamte lächer- lich gemacht, verleumdet und beleidigt werden. Erfolgt dam, auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik Anzeige, so dauert es im allgemeinen nicht nur sehr lang« bis verhandelt wird, sondern auch die Urteil« zeigen in einigen Teilen Deutschland»«in» solche Milde und Nachgiebigkeit, daß«ine Verhöhnung der Staat-gewall geradezu als Sport erscheinen muß und auch eifrig von denen, die an Hand von Exempeln auf milde Richter und Freispruch rechnen können, ausgeübt wird. Dt« Verhandlungen er- geben meistens das Bild, daß den Pclizeideamten. die pflichtgemäß in Wahruna der Staatsautorität die Virsammlun.z überwacht und Anzeige erstattet haben, in ihren Aussagen Zeugen der politischen Richtung des Angeklagten gegenübergestellt werden, und dies« be- künden, nichts oder nur Unwesentliches gehört oder gesehen z» haben. Da viele Gerichte sie in Massen vernehmen, wird das Zeug- nis der wenigen Beamten meist nicht oder nur gering bewertet und der Freispruch ist fertig. f Dies« Art der Rechtspfleg« ist geeignet, die Polizeigewalt lächer. lich zu machen und die Wahrung der Staatsautorität durch die Polizei je länger je mehr zu erschweren. In Dortmund haben sich z. V. in den letzten Monaten eine Reihe von Fällen ereignet, in denen Richter unter dem Beijall des Publikums Polizei- beamte lächerlich gemacht haben, m denen RatioNalsozia» listen Freisprüche erzielen konnten, obwohl sie Polizeibeamte mißhandelt hatten, und in denen in den Verhandlungen aczen Nationalsozialisten im Zuhörerraum nationalsozialistisch« Flugblätter verteflt und Eintrittskarten für Nazi-Berfammlungen verkauft wer- den konnten, ohne daß dos Gericht dagegen«ingeschritten, wäre. Der Polizeipräsident von Dortmund hat dies« Vorfälle in- zwischen zum Anlaß einer Beschwerde an die preußisch« Staatsregierung genommen und das Stoatsministerium ge- beten, eine genaue Untersuchung einzuleiten und für Abhilfe zu sorgen Hoffen wir, daß die Staats reg ierung dieser in der preußi- scheu Verwaltungsgeschlchte wohl einzig dastehenden Beschwerde statt- gibt, eine strenge Untersuchung anordnet und durch Maßnahmen dafür Sorg« trägt, daß Vorfälle, wie sie sich in letzter Zett in Dort- mund abgespielt hoben, sich künftig in unserer Justiz nicht wieder ereignen Wovor sich Halenkreuzler fürchten. vie gefährliche EchneebaUschlacht. In einer Kleinen Anfrage eines nationalsozialistischen Land- tagsabgeordneten war behauptet worden, das Reichsbanner aus Reuruppin habe am 18. Dezember eine militärische Uebung veranstallet, die unter der Bevölkerung Reuruppins stärkste Be- unruhigung hervorgerufen habe. Wie der Amtliche Preußisch» Prossedienst milleill, stellt der preußssche Minister des Innern in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage fest, daß die Behauptungen über die Veranstaltungen einer militärischen Uebung durch das Reichsbanner in Neuruppin am 18. Dezember 1930 und über an- gebliche Beunruhigung der Neuruppiner Bevölkerung un° zutreffend sind.„Am genannten Tage haben 16 Mitgsie'er der Neuruppiner Reichsbanner-Jugend einen Ausflug in die Um- gebung der Stadt gemacht und dabei eine— Schneeball. s ch l a ch t veranstaltet"." Generalstreik auf Madeira. Wo Protest gegen die neue Weizen- und Mehlgesetzgebung der portugiesischen Regierung ist auf der Insel Madeira, wie aus Funchal berichtet wird, ein General- streik ausgebrochen. Sämtlich« Geschäfte sind geschlossen; der Schiffahrt»-� und Landvertehr ist eingestellt worden. Die Ordnung tonnt« vorläufig aufrechterhalten werden. Siaaisprämien für Gieuersaboiage. Lunkenvirtschast in Schlesien. Am 26. Januar trat der Kreistag des Landkreises Schweidnitz zusammen, um die Finanzwirtschaft des Kreises endlich auf eine gesunde Basis zu stellen. Geeignete Borschläge hier- für hatte der Kreisausschuh vorbereitet. Die Großgrundbesitzer des Kreises sabotierten sedoch die Reform. Durch ihren Vertreter Dr. Graf von Keyserling! liehen sie beantragen:„Alle Anträge des Kreisausschusses werden abgelehnt.� Dies wurde einstimmig beschlosien! Zu- gleich wurde der Kreisausschuh beauftragt. 400000 M. im neuen Ctatsjahr zu erheben und wie folgt umzulegen: 120 000 M. als Mehrbelastung einzelner Kreisteile für Straßenuntsrhaltung. 70 000 Mark mit 17 K Proz. auf die Anteile der Ueberweisungsstsuern. 210 000 M. mit 47 Proz. auf die Grundvermögens- und Gewerbe- steuern. Das Fehleade hol der Slaok zu geben! Der Fehlbetrag ist von Keyserling! in Uebereinstimmung mit der Kasienverwaltung auf mindestens S4S000 M. fest- gestellt worden, er muh sich erhöhen, um den'Fehlbetrag des letzten Etatsjahres, der vom Landrat(ebenfalls ein Junker!) auf 300 000 M. geschätzt wird. Wer ist nun der Staat, der für den Kreis Schweidnitz im Jahre 1031 eine Extrawurst bezahlen soll? Die Kreise, die bisher drei- bis vierfach höhere Steuern gezahlt haben als Schweidnitz. Pflicht des Staates ist es, che er daran denkt, den Mannen um Keyserling! aus Kosten der übrigen Steuerzahler dieses Riesengeschenk zu machen. die Steuerfreudigkeit dieser Junker genau zu prüfen. Dabei wird sich herausstellen, daß der Kreis Schweidnitz die weit- aus niedrigsten Steuern von ganz Schlesien und im Gegensatz zum Nachbarkreise Waldenburg in den letzten fünf Jahren wahre Liliputsteuern erhoben hat. Mit den obengenannten, auf dem letzten Kreistage beschlossenen Steuersätzen kommt der Kreis Schweidnitz erstungefährandis Hälfte der Steuersätze heran, die seit mehreren Jahren in den drei Nachbarkreisen Nimptsch, Strehlen und Wal- d« n b u r g erhoben werden müssen. Sollen diese Kreise noch mehr besteuert werden, damit Schweidnitz seine 860000 M. vom Staat erhält? Dem Antrage Keyserling? nachkommen, hieße die wirklichen Steuerzahler bestrafen und die Steuersaboteure belohnen! Der Landrat von Salisch ist einer der größten Grund- besitzer im Kreise Schweidnitz. Dieser Landrat ist mit der heutigen Staatsform sehr wenig zufrieden. Er hat es offen gezeigt, als er sich als einziger Landrat weigerte, den Aufruf der schlesifchen Land- rate gegen das Volksbegehren chugenbergs zu unterzeichnen. Ist der Staat nicht kaputt zu kriegen, dann soll er wenigstens den Junkern Millionenzuschüss« zahlen! Wilhelm Schöhler M. d. L. Gesandienwechsel in Vrüffes. Und anschließende Pressepolemik. Ein deutscher Sesandtenwechsel steht in Brüssel bevor: der bisherige Gesandte Dr. Hör st mann soll nach Lissabon an Stelle des im vergangenen Sommer unter tragischen Umständen ums Leben gekommenen Gesandten von Baligand versetzt werden während der bisherige Gesandte in Wien, Gros Lerchenfeld, Horstmannz Stelle einnehmen soll. Gesandter in Wien wird der bisherige Botschaftsrat in Paris. Dr. Rieth. Ob dieser Diplomatenaustausch— in Fachkreisen pflegt man dafür das nicht sehr schone Wort„Revirement" zu gebrauchen— durchaus notwendig war und in der gedachten Form sehr glücklich ist, soll hier nicht näher untersucht werden. Es scheint, daß sich bei der Besetzung des Brüsseler und des Wiener Postens die lehr s.-riUige Ausfassung durchgesetzt hat, daß in Ländern mit katholischer Beoölkerungsmehr�it nur Persönlichkeiten in Frage kommen, die dem Zentrum oder der Bayerischen Bolkspartek nahe- stehen. Ob die Ersahrungen, die bislang in Wien mit dem In» Haber dieses Postens seine Versetzung nach der nicht weniger wichtigen belgischen Hauptstadt rechtfertigen, ist mindestens zweifelhaft. Bedauerlich ist jedensalls. daß dieser Wechsel Anlaß zu einer recht unerfreulichen Polemik zwischen belgischen und deichen Blättern gegeben hat. Die„Libre Belgique" hatte Qsrchenfeld— übrigens sicherlich zu unrecht—.nationalsozialistische Ne,- gungen nachgesagt. Anstatt die Dinge einfach richtigzustellen, hielt es nun die„Kölnische Zeitung" für angebracht,«ine allgemeine Verschlechterung der deutsch-bel-stschen Beziehungen zu beklagen und den bisherigen Gesandten Horstmann dafür verant- wortlich zu machen, daß diese angebliche Verschlechterung nicht ver- mieden werden konnte. Jetzt antwortet der Brüsieler„Soir" auf diese Vorwürfe mit Gegenklagen. Das ist für einen Gesandtenwechsel kein übermäßig erfreulicher Austakt. Wenn wirklich«ine gewiss« Spannung in letzter Zeit zwischen Deutschland und Belgien«ingetreten ist, so liegt der Grund aus- schließlich in den Wahlen vom 14 September, die die ganze Welt mit Mißtrauen gegen weit« Kreise Deutschlands erfüllt haben. Um diese nachteiligen Folgen zu mildern, muß ein Gesandter schon ein ganz besonderes Tolenl besitzen. Wir wollen nicht behaupten, daß Dr. Horstmann ein überragender deutscher Diplomat ist, aber Graf Lerchenfeld ist ihm bestimmt nicht überleben Der früher« bayerische Ministerpräsident hat in Wien Anschluß nur an christlichsoziale und möglist feudale Kreise gesucht. Das erklärt übrigens die mageren Ergebnisse seiner mehrjährigen Wirt- lamkeit. Hoffentlich vergißt er nicht, daß ez in Belgien außer der klerikalen ein« mindesten» so stark« sozialistische Arbesterpartei und obendrein eine einflußreiche antiklerikale liberale Partei gibt, der übrigen» auch der Außenminister Hyman» angehört. Tiiioni gestorben. In Rom starb am Sonnabend der italienische Staatsmann Thomas Tittoni im Aller von 82 Jahren. Mst ihm ver- schwindet ein« der bedeutendsten Persönlichkellen de» früheren stalle schen Regimes. Er war mehrfach Außennstmster. auch zeitweise Bot» schafter in Paris, galt einst als Anhänger der Dreibirnd-Politit, setzte aber Interven'ionspolltik zugunsten der Entente kein n Widerstand emgegen. Cr gehörte zu den italienischen Friedens- Unterhändlern. Sein Name steht zwar nicht unter dem Vertag von Versailles wohl aber unter dem von St. G e r m a i n. Als Außemnimster hat Tittoni spä'er da» leierllch« Wort Italiens oerpsändet. daß die kulturellen Rechte des deutschen Südiirol» unter ballenischer Herrschaft stets respektiert werden würden. Dieses auch vom König unterstrichen« Versprechen hat Musso- lini später ausdrücklich verleugnet mst d»? Begrün- dung. daß da« faschistisch« Aallen nicht an Versprechungen des gestürzten liberalen Regime- gebunden sei. Dennoch schwieg der alt« Tittoni, der inzwischen Präsident de» itasteni- schen Senat» geworden war und der diesen Post« bis vor«wem Jfchr bekleidet«, zu diesem Wortbruch. Zuletzt war er Präsident der neugigründeten ttallenischen Lkadewi«. Adolf Hitlers Fliegerschule. Hiller:«wer als ftalionalsozialist Waffen trägt oder sich zu GewalktStigkeiten hinreißen läßt, fliegt innerhalb von zehn TNinulen." Der Zlazimörder:„Dem Hab ich's besorgt. Run werd' ich mal sehen, wie ich fliege." Die R a z i h e l f e r:„Hier Fahrkarte. Reifegeld. Soffer fertig gepackt, der nächste Zug geht tu zehn Minuten. Quartier geben die Pg. am Ankunftsort." Hitler:„Ihr habt mich richtig verstanden. Mit„Fliegen" meinte ich natürlich nicht aus der Partei, sondern wie ein Pfeil nach der Grenze fliegen!" Verleumder Moritz gerichtet. Einstweilige Verfügung gegen das Pamphlet„Gefesselte Justiz" erlassen. In der Privakklagesache de» Landlagsabgeordneien Suttner gegen den Verlag 3. F. Lehmann in München wegen de» Morihsch-n Pamphlet»„Gefesselte Justiz" erließ gestern nach ein- | stündiger Veralung die IS. Zivilkammer des Landgericht» I eine { einstweilige Verfügung, die dem Antrag des Kläger» In allen ' Punkten stattgibt. Danach wird dem Verlag 3. F. Lehmann bei ' Festsetzung einer Strafe von S00 M. für jeden Fall der Zuwider- hoodlung verboten, die in dem Zaruowschen. Luch gegen Kuttner enthaltenen Verleumdungen, die in acht Punkten aufgeführt werden. noch weller zu verbreiten. Ferner wird der beklagt« Verlag ver- nrtclll, sämtliche Exemplare de» Luche», soweit sie die angeführten beleidigenden Behauptungen enthalten, zu Händen eine» Gerichts- Vollziehers herauszugeben.(Die Einschränkung war näkig. well der Verlag 3. F. Lehmann eine Neuauflage des Luche» unter Fort- laflnng der beleidigenden Stellen angekündigt hat.) Ferner hat der Verlag Neumann die Kosten des Verfahrens zu tragen. In der kurzen mündlichen Begründung, die der Bor- sitzend« de? Kammer Landgerichtsdirettor Herzog, gab— eine ausführliche schriftliche Begründung soll folgen—, wird der ehren» rührige Charakter sämtlicher acht inkriminierter Behauptungen festgestellt. Dabei ist das Gericht davon ausgegangen, daß der Sinn dieser Behauptungen nicht isoliert, sondern im Rahmen der Gesamttendenz des Buches ermittelt werden muß. Die beklagte Firma hat zweifellos das Bewußtsein de» be» leidig enden Charakters ihrer Behauptungen gehabt. Sie hätte sich von den Folgen befreien können durch Antrstung des Wahrheitsbeweises. Sie hat ihn aber überhaupt nicht anzutreten versucht, obwohl ihr nach dem Gesetz die Beweislast zufiel. Dagegen hat der Kläger. ohne zur Beweisführung verpflichtet zu fein, durch überreichte eidesstattliche Versicherungen, Protokolle von Untersuchungsau»- schüssen sowie ein Schreiben de» preußischen Iustizminister» Schmidt glaubhaft gemacht, daß sämtllch« gegen ihn aufgestellten De- hauptungen unwahr sind. C» war weiter die Frage de» Rechtsschutzbcdürsnisses zu prüfen. Die Beschlagnahme de» Buches im Strafverfahren schlleßt ein Rechtsschutzbedürfnis des Klägers nicht aus, zumal sie von den Be- troffenen angefochten ist. Es besteht rechtlich die MSolichkeit ihrer Aufhebung, und in diesem Falle würde der Antragsteller schutzlo» dastehen. Die Behauptung des Gegners, daß er sich künftig der Angriffe enthalten würde, fällt nicht ins Gewicht, da sie nicht ein- mal glaubhaft gemacht ist. Auch die Gefahr der Wiederholung der beledigenden Angriff« hat das Gericht bejaht. Es hat sie als gegeben erachtet in Ler» bindung mit der Tatsach«, daß der Antragsgegner nicht einmal versucht hat, den Wahrheitsbeweis für seine Be- hauptungen anzutreten, gleichwohl aber in der Haupt- klage Abweisung beantragt hat. Ein berechtigte» Interesse könne der Antragsgegner nach der ständigen Siechtjprechung de» Reich«. i gerichts für politisch« Beleidigungen auch nicht in Anspruch nehmen. Dies« Begründung ist eine moralische Vernichtung und völlig« Erledigung der M o ri tz-Z a r n o w sch« n Schmähschrift. Die Tatsach«, daß die beweispflichtige Firma nicht einmal einen Versuch unternommen hat, für die Schmähungen des Buche« Beweis anzutreten, spricht Bände. Wer sich künftig noch mst diesem Pamphlet solidarisiert, den trifft der berechtigte Vorwurf, mst einer ehrabfchneidenden Berleumderklique gemein« sam» Sache zu machen'. Die Verhandwna. In der Verhandlung wurde Genosse Kuttner von Justizrat Dr. Werthauer, der Verlag Lehmann von Rechtsanwall Dr. Sack oertreten. Justizrat Dr. Werthauer beantragte, der einstweiligen Ver- fügung stallzugeben. Wie aus dem Schriftsatz des Beklagten zu sehen ist, beabsichtigt er, in der Hauptverhandlung den Wahrheit»- beweis zu führen. Er ist also nicht geneigt, eine Erklärung ab- zugeben, daß er dem Kläger Unrecht getan habe. Uebngen» sind Kläger und Beklagter— Herr Zarnorv-Morig— alte Bekannte Dieser Herr Zarnow hat erst im Jahre 1S2S den Redakteur einer Zeitung wegen ähnlicher Verleumdungen verurteilen lassen, weil er selbst zu feig« war, sich als Verfasser zu denennen.(Der anwesende Herr Zarnow, alias Ewald Moritz au» Zarnvw. wird an dieser Stell« der Ausführungen sehr unruhig und ruft dem Justizrat Werlhausr das Wort„Unverschämheit" zu.) Wir haben ez hier eben mst einem gewohnheitsmäßigen Verleumder zu tun. Genosse Kuttner fügt seinerseits hinzu, daß die Beschlagnahm» des Buches schon aus dem Grunde nicht auereiche, da der Verlag sein Verlagsrecht an verschiedene Bläller, darunter auch den „Angriff" und„Völkische Beobachter", abgetreten habe, die das Luch ungekürzt in einer großen Zahl von Fortsetzungen bringen. Rechtsanwall Gack billet um Ablehnung der einstweiligen Ler- fügung. Die Beschlagnahme des Buches durch das Schöffengericht Berlin-Mille genüg«. Im übrigen Hab« der Verlag sämtlich« acht Stellen, die unwahr« Behauptungen enthalten sollen, u n k e n n t» lich gemacht, und er sei befugt, im Namen des Verlages zu erklären, daß die Behauptungen bis zur Beendigung des schweben- den Versahrens nicht wiederholt werden wurden Ob die Behauptungen falsch oder richtig wären, würde erst die Haupt- Verhandlung ergeben. Justizrat Werthauer überreicht dem Gericht eine große Anzahl von Protokollen von Ausschußsitzungen des Land- tages und erklärt in Ergänzung seines ersten Plädoyers, daß der Verlag Lehmann besser getan hätte, vor dem Erscheinenlassen de» Buches„Gefesselle Justiz" sich davon zu überzeugen, daß dieses Buch nichts andere» sei als eine Anhäufung von Lügen, die berest» zehn Jahre früher in der Broschüre„Der Rallenkönig", vom Schriftsteller Zarnow-Moritz aufgestellt worden seien. Kuttner legt» darauf drei Protokoll« der Untersuchungs- ausschüsse im Fall« Barmat und Grütte-Lehder vor. um darzutun, daß die Abberufung der Barmat-Staatsanwält«, auf die Zarnow Bezug nimmt, ein« oerwaltungstechnische Maßnahme, nicht aber auf irgendwelche polstisch« Einflüsse zurückzuführen sei. Er erteille auch Herrn Zarnow«ine tüchtige Abfuhr, der unter anderem be- hauptet Halle, Luttner habe die Verhandlung de« Untersuchungs- ausschusse» verschleppt, um hohe Diäten für sich anzuhäufen. Er habe unter anderem durch die Vernehmung de» Rechtsanwalts Sack im Ausschuß festgestelll. daß dieser für drei Sitzungen 500 Mark erhalten hätte, während die Abgeordneten in den Ausschüssen damals nur 25 M. bekamen. Während de» Plaidoyers von Justizrat Werthauer wurde Zarnow-Moritz nervös, er sprang auf, schimpfte dazwischen und rief Werthauer beleidigende Worte zu. Die Hiebe, die für ihn bestimmt waren, trafen ihn schmerzhast. itnd �eichSsserich'spräfident a. O S'mons? Der Verlag I. F. Lehmann behauptet in einer Zuschrift an die Rechtspresse, daß Reichtgerichtspräsident a. D. Simon« ihm über da» Lerleumderbuch von Zarnow geschrieben habe: „Die Tatsachen, die Zarnow anführt, lassen sich nicht leugne» und fordern zu energischer Hellung des Krebsschadens heraus. der sich darin offenbart." Sollte dies« Briefftell« echt und sinngemß sein, so würde der frühere Reichsgerichtspräsident sich in einem sehr beneiden» iverten Gegensatz zum Kammergericht befinden! Wir hallen mst einem Urteil zurück, da eine präzise Erklärung von Herrn Simon» nicht vorliegt. Wir eroxirten«ine solch« Erklärung. Wir wären gespamtt, zu erfahren, welche Tatsache sich nicht leugnen lasse, und welches der Krebsschaden ist, der energisch gehellt werden muß— immer vorausgesetzt, daß der Verleger I. F. Lehmann richtig zstiert hat? Hitler als Erzieher. Die Lehre von der Geeleniieftunde. Ä«r einmal das zweifelhafte Lergniigen gehabt hat, mit jungen Mensci�n zusammenzutreffen, die ihre geistige Ausbildung und Befruchtung in den Reihen einer nationalsozialistischen Organisation genossen haben, der wird, wenn er erfährt, daß die„Nationalsozia- listischen Monatshefte"(Herausgeber: Adolf Hitler)«ine Sonder- nummer„D e u ts ch e Erziehung" der Oeffentlichkeit übergeben haben, ein wenig an das Wort vom„Bock als Gärtner" erinnert werden. Nicht mit Unrecht! Wer sich über das zu informieren wünscht, was die Nationalsozialisten unter deutscher Erziehung oer- stehen, der wird überrascht davon sein, mit welcher faden und laien- haften Unzulänglichkeit sie an dieses doch wirklich„nationale" Pro- blem herangehen. Als getreuer Schüler seines Hitler nimmt der Reichstagsob- geordnete Dr. U s a d e l.(Jnsterburg) eingangs eines von ihm«nt- wickelten„Plans einer deutschen Nationalerziehung" Bezug auf die Ausführungen des Meisters und zitiert ehrfurchtsvoll dessen Forde- rungen„Erziehung der deutschen Jugend zu einem gesunden Men. schcn, Bildung des Charakters vor allem zur Treue, Opferwilligkeit, Lerantwortungsfreudigkeit, Entschlußkraft"____, als ob diese Worte nicht von einer so platten Allgemeinheit wären, daß sie höchstens durch eine klare Ausprägung erträglich werden könnten. In der Einleitung seines Planes wiederholt Dr. Usadel die übliche Unter- schcidung zwischen B'ldung und Wissen und entscheidet sich wie jeder moderne Pädagoge zugunsten der Willensbildung statt zugunben der Wissensfülle. Wer auch nur eine Ahnung von den Bestrebungen der modernen Schulreformer hat, weiß, daß diese Er- kenntnis geradezu eine Selbstverständlichkeit bedeutet. Daß er diese Selbstverständlichkeit in einer Form ausspricht, die inhaltlich und stilistisch bestenfalls den Schülemuffätzen einer Mittelklasse entspricht, ist das einzige Merkmal einer Eigenart des Verfassers, die man im Geistig-Schöpferifchen völlig vermißt. Sobald allerdings Herr Dr. Usadel auf die konkreten Probleme der Grundschule, der Mittelschule und der Hochschule zu sprechen kommt, ändert sich das Bild selbstverständlicher Plattheit und Sätze wie„nur der Mann kann den künftigenK rieger, nur die Frau die künftige Mutter erziehen" charak- terisieren den wahrhaften Geist des Verfassers, der in den täglichen Turnstunden, im Wehrturnen und im Turnspiel Charakter und Fähigkeiten der Schüler am besten erkennen zu können glaubt. So hatten sich freilich andere Schulreformer die Sache nicht gedacht: Die große Welle statt des großen Einmaleins! Herr Ufadel ist ein Diktator im kleinen. Er diktiert:„Von dem Gedanken der Nationalerziehung aus müssen wir uns... nördlich und östlich einstellen". Wohin, Herr Usadel? Oestlich, nach Ga- lizien? Nein, Herr Usadel will nicht nur gen Ostland reiten, vor allem hat er es auch auf den bösen Erbfeind, den Franzosen, ab- gesehen. Er glaubt:„zu viele werden das Französische vermisien", er beruhigt sie mit klassischer Einfachheit:„Wenn die Geschichts- betrachtung auf rassischer Grundlage zu recht besteht, dann stirbt dos französische Volk und jeine Kultur aus". Bums, so sind sie tot! Herr Usadel propagiert die Internatserziehung. Gelegentlich er- innert er sich chrer Mißstände, aber er verspricht sich die notwendige Korrektur von dem„hoheitsoollen Auftreten der Gat» tin des Anstaltsleiters". Im übrigen werden aber die Mittelschüler ganz genau wie die Berufsschüler in jungmilitärisch« Verbände zusammengefaßt und soldatisch vorbereitet.„Vier Jahre scharfer Zucht werden die Entscheidung leichtmachen, ob der Mittel- jchüler für die Hochschule geeignet ist oder nicht". Da haben wir armen Sozialisten uns nun den Kopf zerbrochen, wie am besten die Auslese der Begabten vor sich gehen könne. Für Herrn Usadel ist das Problem einfacher, wenn auch zuzugeben ist, daß alles, was er an Positivem vorbringt, Mitarbeiter am sozialistischen Hochschul- Programm etwa so anmuten muß, wie die eigene Physiognomie den Benutzer eines Lachkabinetts. Beispielshalber sei angemerkt, daß Herr Usadel sich in seiner Art und Weise gleichfalls gegen das Bil- dungsprivilcg und das Elend der Stipendiaten wendet, daß er die Verbindung der Schule mit dem praktischen Leben, daß er Wahl- fächer un die Mitwirkung von Berufsvertretern bei der Auslese zur Hochschulreife fordert, ober sagt nur nicht, wie! Während für uns recht verstandener Marxismus und die Fords- rung nach Freiheit der wissenschaftlichen Forschung zueinander ge- hören und lediglich eine Scheidung von Forschung und Lehre auf geisteswissenschaftlichem Gebiet, also innerhalb der polit sierbarcn Wissenschaftezweige gefordert wird, ist Herr Usadel in diesem Punkt bedeu.end radikaler. Er diktiert für das Dritte Reich:„Viele Professoren von heute werden von ihrem Lehr- stuhl herunter st eigen müssen, was uns wahrfchein- lich nicht weiter kränken dürfte." Es sei zugeg den, was verliert ein aufrechter Nationalsozialist schon an Männern wie Ein st ein. Radbruch, Meinecke oder Gundolf, wenn ihm jein Günther erhalten bleib-? Die alte Forderung oll.r staatsbejahenden Kreise, daß endlich einmal an den Hochschulen mit der staatsbürgerlichen Erziehung Ernst gemacht werden müsse, greift Herr Usadel auf. Allerdings will er an ihre Stelle ein Pflicht- kolleg gesetzt wissen, das den Hörern aller Fakultä en des ersten Semesters„die Grundlage der deutschen Welt- und Lebensanschauung" liefert. Wir können uns dieses Liefer- werk in Fortsetzungen an den wenigen Probenummern, die wir bis- her erhalten haben, leider allzu gemm vorstellen. Herr Ufadels programmatische Ausführungen gipfeln in der für die ganze völkische Geisteshaltung typischen Forderung„D i e Offenbarung über dem Wissen", also in einer strikten Umkehrung jenes Satzes, der über den Mauern einer süddeulschen Universität leuchtet:„Die Wissenschaft wird euch freimachen". Ein Professor Johannes Stark, um dessen tönende Rede man ordentlich den Oberlehrervollbart rauschen hört, donnert als- dann gegen die Verjudung der deutschen Hochschulen. Er wiederholt die üblichen Unverschämtheiten, Anwürfe einer judenhetzerischen Presse, und scheut auch nicht davor zurück, seinen Helden Hitler und Hugenberg„jüdische Werkzeuge" wie Stvesemann, Wirth und Hindenburg(!) gegenüberzustellen. Ein Adolf H a r n a ck hat für ihn„erst im Gefolg« des Kaisers, dann im Gefolg« Eberts die Roll« des wissenschaftlichen Höflings gespielt". Prof. Johannes Stark, der wohl seit geraumer Zeit Hochschulen nur von außen gesehen hat, wagt es zu behaupten, daß in den Fakultäten der jüdische Ein« stuß maßgeblich sei, ein« Behauptung, die von geradezu grotesker Komik für alle diejenigen ist, die wissen, wie schwer ein junger Dozent von jüdischer Abstammung in einer Fakultät Fuß fassen kann. Einen Beweis, den er für Göttingen führen will, bringt er durch das Taschenspielerkunststück fertig, daß er jüdische und„jüdisch versipple" Dozenten in einen Topf wirst. Was heißt aber„jüdisch versippt"? Der Schatten der Ludendorfsschen Großmutter steigt warnend herauf! Das schlimmste aber sind für Herrn Prof. Johannes Stark d i e Ministerien. Herr Becker wird noch nach seinem Abgang zur Strecke gebracht und der volksparteilich« Ministenaldircktor Pro- fessor Rich.er, ein Schwiegersohn Erich Schmidts, wird verdächtigt, einen Dozenten in eine Fakultät gesetzt zu haben, der„als Mitglied des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus sich bemerkbar ge- macht hatte". Prof. Stark geißelt im weiteren Verlauf seines Pamphlets, daß nur für jüdische Wissenschaftler von der Presse Propaganda gemacht werde, und sein ganzer Haß wendet sich dabei gegen Einstein. Dabei ist doch der unverdächtige Hugenberg- Konzern gewaltig genug, um ein« Gegenpropaganda vom Stapel zu lassen. Wie wäre es mit einem Tam-Tam für Professor Iohanncs Stark? Was Herr Hans S ch c m m, Gauleiter von Oberfranken, zur deutschen Erziehung zu sagen hat, beschränkt sich auf Lobreden für einen in weitesten Kreisen unbekannten völkischen Schulmann, Herrn Jmhof, und auf die übliche Verunglimpfung der modernen Schule !(Opfer einer Parteibuch-Regierung, Verhetzung und dergleichen mehr). Herr W e i ß k o p f, München, zieht gegen die Psycho- analyse zu Feld«, um an ihre Stelle etwas ganz neues zu setzen. nämlich die„S e« l e n t i e f e n k u nd e". So erfahren wir end- lich, was die große pädagogische Aufgabe des Nationalsozialimus ist:„Eine Erziehung, die auf wirklich Seelentiefenkundigen fußend, dem deutschen Kinde in jeder Hinsicht und unter allen Dm- ständen zu seinen Rechten der Selbstentfaltung und Selbstbchaup- tung und aus seiner vielfältigen kulturellen Not hilft." Seelentiefenkunde— wirklich ein Wort der Selbsterkenntnis, eine Lehre, wie geschaffen für die Goebbels, Heines und Mü'ch» meyer. Nationalsozialismus zu deutsch— die Kunde vom seelischen Tiefstand! Otto Friedländcr. Ein Hakenkreuz-Geständnis. �ounqlasten- bedeutungslos! In einer Naziversammlung in dem holsteinischen Ripsdorf erwiderte der Referent auf einen sozialdemokratijchen Zwischen- ruf, der aus Hitlers und Goebbels Haltung zum Poung- Plan aufmerksam machte:„W as gehen mich Hitler und Goebbels an. Ich bin nicht der Meinung, daß der Doung-Plan nur schuld sei, im Gegenteil, die etwa 2 Milliarden Tribut- l a st e n jährlich machen' gegenüber der Gesamtwirtschast Deutsd'. lands überhaupt nichts aus." Die Karriere dieses Nazimannes dürfte beendet fein. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Serantwortlich Hit Politik: Dr. Surt Stqrr: Wirtschaft: S. Kliuaclhöfcr; Eewlrlschott.bcwoau»«: I. Striorr: itruweton:«. S. DSIchc«: Sotalr» und Sonstiges: Frit, Karstadt! Anzeigen: Th. iSloSe; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts-Aerlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerci und Verlagsonslali Paul Singer u. Do.. Berlin SW öS. Lindenstrake 3. Sirrzn 4 Beilagen. Sfi mm,. AWW VWW DDMUW SMÄSMWWI ■L l rnftk WWWWW «wmMW «WM jSMW GW Stoffe 'jamaflanell Inck>->»>,r«», eod.rne Strei- fcn oti« kldlne Bluman- ä mutier auf lortforbieem( Jy5 Grunde,««,. 10 cm, Meter W— BembergCrepedeCHino vorrOglicho Qualität, fOr m Wascfie ü. Iflelder, g rotse 195 Fa rb© n auswa hl, Meter I mmm Cripe Marocain Kunsnelde, In vielen me- dornen ferben. vorrOollehe OuoNtöl. eo. 100 o», Meter Haus- und Tischwäsche Wäschestoffe O« Oil Makobatist • cht Sgyplisch, 80 cm breit, Meter Wäschebatist In feinen Postellforben, 80 cm breit, Meter nur bewährte relnl Tischtöcher_ gebleicht Ja c�q�a r d�, � 2 5 Stubenhandtöcher Jacquard, Mittel stü c k muste r, 48/100 einen« Qualitäten Köchenhandtöcher weiss, rot oder blau gestreift 48/100 U— Küchenwischtücher rwn weiss, 6 0 j 6 0 W_ Berufskittel für Damen, aus linon, Grösse 42—48 M aus kunsfseid, orgenröcke leid. 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Februar 4934 Die Tatsache, daß dem Gemüsegartner und dem Obst- Züchter das Leben schwer fällt, da er von der„Handels- spanne" arg bedrückt wird, steht fest. Aber seine von den .-.Fachvertretungen" stets unterstützte Methode: das Heil in der Erhöhung der Zölle zu erhoffen— muh so lange bestimmt als ein Irrtum angesehen werden, als er nicht den Beweis geliefert hat. daß er nicht nur der Zahl, sondern auch der Güte nach dem Ausland„ü b e r" ist. -i° Vertrauensseligkeit, die Veranlassung gab, den Schutzzollpatrioten zu folgen, hat den Gärtner nicht dazu kommen lassen, in den Iahren besserer Konjunktur seine Ware so zu gestalten und ihren Absatz so zu sichern, daß er das Heft auf dem Markt« in der Hand behielt. Erst als das Feuer auf den Nägeln brannte, rief man nach Standardisierung, das ist Auslese nach der Güte der Ware, Vereinheitlichung des Anbaues, Zusammenschluß für den Verkauf, Schaffung guter Tran-portgcfäße und Anerkennung dieser Vorzüge durch eine Kontrolle, wie sie in anderen LSn- dem, aber nicht in Deutschland, durch mehr oder minder offizielle Organe geübt wird. Was ist erreicht worden? Ein« starte Mehrproduttion trat ein, die aber nicht von gleichem Anwachsen der Güte der er- zeugten Produkte begleitet war. Länder wie Städte gaben Kredite zur Errichtung von Glashäuserblocks für Frllhgemüsebau, die Landwirte glaubten ihre Einnahmen aus Gemüsebau auf Dutzenden, ja Hun- decken von Morgen steigern zu können. Sie ver- gaßen nur das eine, daß die Natur sich nicht so ein- fach wie eine Maschine leiten läßt; der vocketzte kalte Winter brachte die Glaskulturen, der letzte Sommer die Freilandkulturen in Not. Vor allem blieb die Organisation des Verkaufes, bis auf wen'ge Ausahmen, völlig im Hinteckreffen. Eine Mehrproduktion von mi-nder gutem Gemüse kann aber die gut« ausländische Ware nicht fernhalten: unterliegt nun gar die einheimische- c•,■' Ware den bekannten Preisschwankungen— deren Berechtigung die einkaufende Hausfrau nicht«'nzusehen vermag— so wird das taufende Publikum den etwas höheren, aber stabil bleibenden Preis für die Auslandswar« lieber zahlen als mit dem Verkäufer um die Pfennige feilschen, die er heute mehr sondeck als gestern. Dennoch ist ein Umschwung eingetreten. Durch die Mehrproduktion wurde bewirkt, daß die Erzeugerpreise auf deutschen Märkten„ins Bodenlose sanken", wenn auch die Hantelespann« immer noch hoch blieb. Dadurch ist der Einfuhr «in Riegel vorgeschoben worden. Rückgang der(ZVuhr. Schon im Oktober 1930 zeigte sich eine starke Mindereinfuhr, namentlich aus den Niederlanden, besonders in Kohl: Statt 39 000 Doppelzentner(Weiß-, Rot-, Wirsingkohl) im Vorjahre kam nur der zehnte Teil herein. Selbst Blumenkohl ging um IS 000 Doppelzentner oder zirka ein Drittel und Tomaten um SOOO Doppelzentner, zirka ein Zölftel. zurück. Italien sandte mit tt 000 Doppel- zentner nur das halbe Quantum Bohnen. Auch Möhren, Rüben, Salate, Gurken zeigten den gleichen Rückgang. Nur das wertvollere Obst wies ein Mehr gegen das Vorjahr auf: frifck« Tafeltrauben — aus Italien— stiegen von 219 S64 auf 281 773 Doppelzenter, Aepfel— aus Oesterreich— von 269 5�8 auf 693112 Doppelzentner. Zitronen— aus Italien— von 29252 auf 37 532 Doppelzentner, Apfelsinen— aus Britisch- Südafrcka— von 10 703 auf 12 091 Doppel-entner und Bananen— aus Bcktifch-Amerika— von 76 169 auf 86 965 Doppe'zentner. Dieser eine Monat wäre natückich nicht maßgebend, aber noch im Dezember konstatiert das Gäckner-Verbandsblatt. daß die „in Deutschland ge-ahlten Preise und wobl auch bei vielen Ge- müscarten die großen Vorräte deutscher Ware dem ausländischen Exporteur zu wenig Gewinn bckngen". Oer Weg zum Markt. Dieser Rückgang in der Gemüseeinfuhr läßt hoffen, daß es nur eines letzten Anstoßes bedarf, um Deutschlands Gemüsekultur kon- kurrenzsähig zu erholten: eben die Durchführung jener Standard!- sierung, die dem Käufer die Gewißheit, ein« gute Ware zu erhalten. garantiert. Wie ist heute die Belieferung des Markte» mit dem fckschen Gemüse? Wahllos baut jeder auf seinem Acker, was ihm gut dünkt: der ein« liebt d i e Saniensorte, der andere jene. Hun- decke von Gäcknerfrauen verbringen die Zeit von 3 Uhr nachts bis 12 Uhr mittags mit dem Hereinbringen zentnerschwerer Körbe und der Verhökerung ihrer Ware an den Händler, der, wie es irur natürlich ist, auf seinen Vorteil sieht. Ander« haben aus ihre Weise den Weg zum Konsumenten finden wollen: sie sind mit ihrer Ware umhergefahren und haben den Zentner Kohl mit 80 Pf., Mohrrüben mit 50 Pf. angeboten— ohne Erfolg, da die berechtigte Furcht, daß ein solches Quantum im Haushalt verderbe, vom Kauf zurück- hielt. Aber zu Ausgang Winters wird der Kohl knapp, und der Holländer, aber auch der Deutsche, der eine Kohlscheun« errichtet hat, erntet den Lohn seiner Voraussicht. Doch der kleine Erzeuger allein ist machtlos, ihm ist die tägliche Einnahme zur Aufrechterhaltung seiner Existenz notwendig. Hier würde nur«ine Organisation der Anbauer Hilfe bringen,— aber sie in Deutschland zu schaffen scheint unendlich schwer zu sein, wenn auch einig« Zeichen der neuesten Zeit einen Erfolg in dieser Richtung zeigen. Luxusgemüse. Die Tatsache, daß der Reiche sich zu allen Jahreszeiten mit den Speisen versehen kann, auf die er gerade Appetit hat, lehrt ein Blick In frühesten Morgenstanden wird das Gemüse aas der Halle geholt. in die Auslagen der Feinkostgeschäfte, aber auch ein Gang durch die Markthallen läßt erkennen, daß der Handel an dieser hoch- weckigen Ware Interesse hat. Ein Teil, aber durchaus nicht alles, ist Einfuhrware aus den Ländern mit warmen Klima, Südfrank- reich, Italien, Spanien, Nordafrika. Das meist« stammt jedoch aus Treiban'agen des mittleren Europas einschließlich Deutschlands, und in den Marktberichten ist zu lesen: Holländischer, italie- nischer, französischer Blumenkohl, holländisch« Treibgurken, Brüsseler Tomaten, französischer Salat. Aus dem Gebiet des Salats hat Deutschland in der Er» furterBrunnenkresse«ine Spezialität, die auch eine Winter. ernte im Freien anbietet. Hinsichtlich dieser Edelprodukte ist der deutsche Gartenbau anscheinend nicht in der Lage, die ausländische Konkurrenz lahmzulagen. Auf dem Gebiete der vielbegehrten To» mate sollte dies wohl möglich sein. Wie die Statistik von 1929 zeigt, liefern sämtliche Konkurrenten, zu denen noch die Kana- rischen In se l'n getreten sind, ihr Hauptkontingent in den Mo. naten Juli bis September, also zu einer Zeit, da bei uns die Frei- landtomate vorherrscht. Kurz vorher und nachher waren es nur die holländischen(Glashaus-) Tomaten, die hereinkamen, und wir haben schon bei der Statistik von Oktober 1930 gesehen, daß«in Rückgang in der Einfuhr zu verzeichnen war. Treten deutsche und hollän- disch« Tomaten in den genannten Zeiten in Wettkampf, so würden die vom Publikum aus gesehen— zu hohen Preise herab» gesetzt werden können und dabei dem deutschen Erzeuger doch ein entsprechender Nutzen bleiben. Unv das Obst? Im Obstoerkehr tritt zu den Ländern des Südens noch der Osten. Ungarn, fast der ganze Balkan, so Serbien, Bulgacken und Griechen. land, Rußland, die baltischen Randstaaten, dann vor allem Amerika. Man kann sagen: die Schwankungen in der Produktion auf der ganzen nördlichen Erdkugel machen sich legten Endes in dem Preise für den Apfel bemerkbar, den man zur Frühstücks stuile oerzehrt. Hätten die anderen Staaten stets reiche Ernten, so würde der Preis stark gedrückt werden. Aber vielfach wechseln gute und schlechte Ernten ab, und ein ausgedehnter Nachrichtendienst meldet die Ernteschätzungen. Für Amerika stellte die Ackerbauabteilung 1930 eine gut« Ernte fest:„Bei guter Qualität und niedrigen Preisen dürft« der Handel mit amerikanischen Aepfeln m dieser Saison ein» träglich sein. Deutschland und die Schweiz haben dagegen keine zi» reiche Aepfelernte. Für Deutschland hat die früher beliebt« Zer» splitterung im Obstbau viel Schaden gebracht: zu viel« Socken, daher zu wenig Massenangebote. Durch Um- pfropfen ist in den letzten Jahren viel geschehen, um diesem Uebel zu steuern. Daß auch«ine gewisse Er- zeugerpolitik beim Obstverkauf beobachtet werden muß, leuchtet ein: so haltbar« Socken wie„Schöner von Boskoop" und„Baumanns Renette" sollten nicht gleich zu Anfang auf den Markt geworfen, sondern aufgespart werden, um später als Gegengewicht zu den auch erst im Laufe der Zeit eintreffenden aus» ländischen Socken zu dienen. Daß die deutsche Obst» knappheit die Preis« für Apfelsinen in die Höhe treiben wird, ist jedoch nicht anzunehmen, da die spanischen Erzeuger sich jetzt zusammengetan haben, um gegen die italienischen und amevikanischen Konkurrenten angehen zu können. Bei einem solchen Konkurrenzkampf ist der Verbraucher der lachende Dritte. * Ansätze zu einer Besserung der hier geschilderten Verhältnisse finden sich schon vor: im Rheinlande sind Versteigerungen nach dem Muster der holläntüsthen „Ve.linge" eingeführt, anderwärts hohen ybsszuchter gemeinschaftlichen Verkauf des gut sortierten Olsstes ins Leben gerulen'— aver noch ist die' Zahl dies?» Verkaufsmethoden der Zukunft noch gering. Daß Felder mit Kohl umgepflügt werden, daß ganze Bohnenquartiere nicht gepflückt werden, weil der Händler dem Anluiuer 3 Pf. pro Pfund bietet, sind beschämende Ergebnisse einer aus den Fugen ge- ratenen Produktionsweise. Das strotzende Bild der heutigen Märkte mit ihrem unerschöpflichen Reichtum er- freut das Auge— doch erhebt es sich auf einem schwankenden Grund«: Ein echtes Kind des Kampfes zwischen Kapital und Arbeit. Jagd nach dem Tode! Er konnte nicht mehr leben! Tragödie des Arbeitslosen Aus dem dritten Stockwerk des Krankenhauses in der Achenbarhstraße in Wilmersdorf sprang gestern abend der 28jährige Bergmann Heinrich Eckert auf die Straße hinab. Eckert war sofort tot. Die Tragödie eines arbeitslosen Proletariers hat damit, ihren furchtbare« Abschluß gefunden. Eckeck war im westdeutschen Bergbaurevier arbeitslos ge- worden. Mit einigen Ersparnissen kam er vor etwa vier Wochen nach Berlin; in der Pfalzburger Straße 68 in Wilmersdorf mietete er sich ein kleines bescheidenes Zimmer. Wochenlang bemühte sich Eckeck um Arbeit, überall sprach er jedoch vergeblich vor. Bald war das letzte Geld oerbraucht und der Mann mußte nicht mehr ein und aus. In der Nacht zum Sonnabend öffnete Eckert in seinem Zimmer den. Hahn der Gaslampe, um in den Tod zu gehen. Die Wirtin wurde aber durch den Gasgeruch aufmerksam, sie drang in das Zimmer ein und bewahrte den Unglücklichen zunächst vor dem Schlimmsten. Die Frau ging dann zum Polizeirevier, um von dein Vorgefallenen Mitteilung zu machen. Die Abwesenheit der Wirtin hatte der Verzweifelte zu einem zweiten Selbstmordversuch be- nutzt. Mit einem scharfen Messer hatte er sich beide Pulsadern geöffnet. Als die Polizeibeamten das Zimmer betraten, fanden sie Eckert blutüberströmt und bewußtlos im Bett auf. E. wurde nun in das Wilmersdorf«? Krankenhaus in der Achenbachstraße übergeführt, wo er in einem Zimmer des dritten Stockwerkes, in dem noch zwei Patienten lagen, untergebracht wurde. Zum Entsetzen dieser beiden Kranken erhob sich Eckert gegen 17 Uhr plötzlich aus seinem Bett riß das Fenster auf und stürzte sich In die Tiefe. Als durch Rufe Krankenhausangestellte hinzueillen, war es bereits zu spät. Mit zerschmettertem Schäkel wurde der Lebensmüde tot im Dorgarten des Krankenhauses gesunden. WsscstostoMo H«m entuch, QO � 80 tu... M«l«r"• oimiti. etR« 80tmlir«il....IUUr"0~ 130 cm brlll... Il»l«r 75 m. 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Als besonders schwer erwies sich die Rettung einer Frau, die sich in Schlinggewächsen verfangen hatte Wiederholt sprangen die tapferen Brüder im vollen Anzug ins Wasser. 1927 erhielten sie die Erinnerungsmedaille. Schon 1925 wurde Leo Piotrowski eine Geldbelohnung zugesprochen. „Schneider Wibbel" in der Karl-Marx-Schule. Das launige Spiel vom arg bedrängten Schneiderlein, das totgesagt und fröhlich wieder auferstanden, schließlich als sein eigener Nebenbuhler vor den Büttel muß, erlebte fröhlichste Wiedergabe auf der Schülerbühne der Karl-Marx- Schule. Mit Humor und Geschick ward eine lustige Szenerie geschaffen, das fröhliche Schneiderlein samt Handwertszeug in allen Lebenslagen, und auf der Szene mimten die Jungen wie die„Alten': die Gerichtsstub« von anno dazumal mit dem schnauzenden Herrn Wachtmeister und seinem ewig süffelnden Faktotum erweckte Stürme der heiterkett, ebenso die stark naturalistisch empfundene Figur des Kronzeugen Z i p p e l, der eifrigst Kotzebues Werke studierte. Und die jugendliche Frau Schneidermeister Wibbel der Bigamie bcschuldgt, war überhaupt eine Prachtsigur, wenn sie so von der„Schlechtigkeit der Männer räsonierte, oder ihr Jüngstes sorgenvoll an die imaginäre Mutter- brüst drückte. Regie tadellos, alles klappte vorzüglich, vi« Klebe« bärte hielten sich topfer und das vollbesetzte haus unterhielt sich prächtig. Zwischenaktmusik besorgte ein äußerst routiniertes, mit allen modischen Finesten bestens vertrautes Iazzorchester. Fröh- liche Jugend bei fröhlichem Spiel, o Schulzeit wie hast du dich angenehmst verändert! Wintersport am Wannsee. Dtis Strandbad W a n n s e e mit seiner herrlichen Um- gebung im Winterkleide hat jetzt auch für den Wintersport seine Pforten geöffnet. Eine große kün st liche Eisbahn und eine 150 Meter lange, völlig gefahrlose Rodelbahn stehen den Gästen zur Verfügung. Das Restaurant mit seinen volkstümlichen Preisen ist in vollem Betrieb. Geheizte Garderoben- und Anlchnallräume sind ebenfalls vorhanden. Bei anhaltendem Frost wird auch die Natureisbahn auf dem See eröffnet Der Eintrittspreis beträgt 20 Pf für Erwachsene und 10 Pf. für Kinder. Schulen in Begleitung von Lehrpersonen haben freien Zutritt. 27,4 Milliarden Wagenachskilometer. Nach den nunmehr vorliegenden Betriebsergebnissen wurden von der Deutschen Reichsbahn im Jahre 1930 insgesamt 665 Millionen Zugkilometer gefahren, von denen 423 Millionen aus den Personett- und 242 Millionen auf den Güter- und Dienstverkehr entfielen. Ob- wohl die Gesamtzahl der Zugkilometer gegenüber dem Vorjahr um 17 Millionen zurückblicb, hat sich der Anteil des Personenverkehrs um 5 Millionen Zugkilometer erhöht. Die Zahl der Wagen- achskilometer belief sich auf 27,4 Milliarden(1929: 30,9 Mil- liarden). Insgesamt wurden nach den vorläufigen Ergebnissen 1,82 Milliarden Personen befördert, gegen 1,98 Mil- liarden im Jahre 1929. Damit ist also ein Verkehrsrllckgang um 7,9 Proz. zu verzeichnen. Arbeiler-Athlelcu im Kampf. Die Serientämpfe 1930/31 im 4. Kreis des AAB. gehen ihrem Ende entgegen. Die Ringerstaffel der Lichtenberger, in dieser Serie ungeschlagen, geht mit großer Zuversicht auf die Matte, obwohl die Brandenburger Saxon-Mann- schaft in allerstärtster Aufstellung antritt. In irgendeiner Klasse den Sieger voraus zu sagen, ist nicht möglich, zumal be:de Mann- schaften ihre beiden letzten Kämpfe überlegen gewinnen konnten. Das kleine Plus, welches die Lichtenberger Ringer in den unteren Klaffen haben, können die Brandenburger im Mittel-, Halbschwer- und Schwergewicht wieder aufholen, so'daß der Kampf völlig offen ist. Gewinnen die Lichtenberger, dann steht der< Kreismcister im LF. 04 für 1930/31 fest. Austragungsort: Lichtenberg, Nähe Bahnhof Frankfurter Allee, Turnhalle Pfarrstraße, Sonntag, den 8. Februar, vormittags 10 Uhr. Plaza. Das Variete des Ostens bringt in ver ersten Februar- Hälfte wieder ein gut zusammengestelltes Programm. Großen Lacherfolg erzielen Viggo L a r s e n und Bruno K a st n e r bei k«r Suche nach neuen Filmdiven, die sie hier unier den Mädchen des Ostens finden wollen. Als komische Akrobaten gefielen die zwei B u x t o n s, in ihrer Tanzkunst Eoratom Süden und Germe Renon. Bewimdernswert sind B l a m i l t o n s dressierte Tauben, die aufs Wort parieren und allerlei Kunststücke fertigbringen. Als versischer Zauberer wirkte Paul Scheid on verblüffend. Ein Marine-Kraftakt von Kapitän O v i e d o. der einzeln« Schiffsstücke und ein lebendes Torpedogeschoß balanziert, fand großen Beifall, und die komischen Radfahrer Maurin und May wurden herzlich belacht. Vier Jahrzehnte sind jetzt Verstössen, seit unser Genosse Gustav Pinner, Tresckowstr. 36, Abonnent des„Vorwärts', früher „Berliner Voltsblatt', und Mitglied der Partei wurde. U-runter» brachen hat er bis auf den heutigen Tag zu unserer Sache ge- standen, lange auch als Funktionär gearbeitet. Alle Freunde wünschen ihm von Herzep noch eine Reihe glücklicher Jahre. wetteraussichlen sür Berlin: Weiterhin kalt bei östlichen Winden, meist ziemlich ttüb«, jedoch zeitweife aufheiternd: keine erheblichen Schneefälle.— Für Deutschland: Im nordwestlichen Küstengebiet etwas milder, im übrigen Deutschland Fortdauer des Frostes: stellen- weise leichre Schneefälle. ■Iriser Laqer eerner Sißf|RTI|M Der direkre Import ohneHwoschenhandell ermöglicht unsere billigen Prejse.n� BELUDJISTAN-BRÖCKENco�a JK-I IWOLLPLDSCH* LÄUPERSTOPFE 1 TPDDIfUC Jacquard-Boucle, relrvHaarqam seiUo hrzehn&n erprob Sr mm?60 | re Mqrkestilmuster M„ur Spandauer -Wö1 MHPNVK DAUNENDECKEN kunstseid.Damask DOckseite bester Dounensahn.m. /, O Nantdichtunqca150<20o'rO.- u. Knopfleiste— BOUCLETEPPICHE med Jacauardmusler 1 tM-WM] 59-/0 jiOOi «XU in unserer senensu/erren GAßP IN EN-ABTEILUNG! I Dekorationen u. GaraiheavolTendet ml Form u. 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Stiel- � fi � V�rCaSUCCKC stich... GröHe 1Z0x160cm>6ra VJr tJ Allm Freundrn und Beianntrn die lraurige Rachrichi, daß am 5 Februar »ach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser nuter Vater. Bruder, Schwager und Ontei, der Buchbinder Georg Schultz im 55. Led.nsiaHre verstorben ist, Im Namen der Hintervlirbenrn: X«»» ScKriltz. Set»,»otteo.un nd Sohn joh.nncl. Berlin 6S9. den 6 Februar 1931 Dieffrndachstr. 28 Dil Trauertrier findet Dienstag, den Ig Februar, ib-jg Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kie,. holzstr. ße. statt. Am 7. Februar»Ith verstarb nach schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Baier. Sohn und Bruder Paul Dibke im 41 Lebensjahre. In tiefem Schmer» Die treaerndc n Hinterbliebenen EinSfcherung Donnerstag. b>,, Uhr im Kremaiorlum Gerichtilrihe Sterbekasse 56 Berlin pfönderversteigerung. Seneral-Dersammlung Donnerstag, den 19, Februar i!>Z>, abends T 2 Uhr, Pharus-Säle. MüDitflt 142, pari Tagesordnung: 1, Geichii Isdericht 2, Kassenbericht 3. Bericht der Revisoren. 4. Borstandswahi, b, Wahl der Revisoren, S Berstbiedenes, AnirSge Zutritt nur für Mitglieder Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Um rege Beieiligung wird gebeten. On Vorstand l A,: R Bergemann. Berlin R Sb. Transvaaiilraße IS I I VeTHMd der Budihlnder und fapierverarhelter Deutsdiianüi Onsvcrwiliunn beriin Tedesanzelre Den Mstgiiedern zur Nachricht, das, unier Kollege, der Buchbinder Georg Schu tz Diefsenbachstt 28, gestorben ist. «hre feinem Aud>»keu! Die Siniischerung findet Dienstag, den ll Februar, nachmittag« 3>/, Uhr, im Krematorium Baumichulenweg statt Um rege BeteUtgung eriucht t»e orttverwaltnnfi. lllzeiii. vil�izzhiili»etil Be.Iin-.teglil! Bekannlmackiung! Der vom Ausichust veichiossene 4, Nach. irag zurSagung ist vom Oderoelsicherung». amt— mit Ausnahme der Bestimmung iider die Berechnung des vollen Beilrags- monal» zu 39 Togen— genehmigt worden Gestnder werben die Z§ 17, za, 24, 2K, 31 39. 52, 67 und 79. Die Sahunasanderung tritt, soweit nicht einzeln» Bestimmungen bereiis irllher wirksam gewoiden sind, mii dem l. Januar>931 i» Krait Druckexemplare sind im Kasseniok�I erhältlich. Berlin» Steg litt, den 5. Februar 1931, Der Vorstand. Liehr. Kogiln, Borsittender Schrlilsllhrer. Die in den Monaten April, Mai, Zun! 1830 versetzten Pfänder tommen, ioweit sie nicht erneuert worden sind, zur Versteigerung: bei Abteilung N. Eliässer Ett. 74. vom Moniag dem 9, Februar 1931, ab 9 Uhr. und zwar: Fahrräder usw.,«leider, Pelzwert und Büsche; bot Abteilung Iägerstr 64, vom Moniag, dem 16. Februar 1931, ab 9 Uhr. und zwar: Fahrräder, Degeastävde der OptU, Kleider. Pelzwert. Waich« Krtstall, Juwelen-, Sold- und Sildersacheu. Für verfallene Pfänder, weiche erst nach dem Autlionsdegii n erneuen oder einge» löst werden, mug beiitmmungsgemätz Aut- ilsnsgebllhr derochnel werden. Staatliche» Leihaml. Äinzichung der Kirchensteuer Die 4. Rate an evangelischer Kirchensteuer siir>920 ist am IS Februar>9 l läiilg und nedst erwa-gen Resten ti« u diesem Tag» an die zuständig» Finan kasie einzuzahlen. Wird dl» Kirit«nileuer nichi rechrzeitig enlri tei, Iv wird nach etfo g» ■ o er Mahnung der Eteuerdelrag nedst Kosten durch da« Finanzamt einge, ogen. Berlin, den 6 Februar 1931. VI« Finanzämter de» Loade»finaajamt»beztrt» verlin Homöopathie las... Ball.-, Uagta- Dana-, Her-, loser MBn,s,r-- s n. In ttjodi. nur 2 Biumenspenoen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vorm:!« Robert ftrey r h-arlannenstr. 3 F8, Oberbaum 1303 Q Pumpen. Mzi'Ohren. Flliei. If&chGrsatzielle /[J ereidUtt ,»»> & MdL Co. Pompentabris BERUH H SB. fit-i.'stj'-snjllt'kidirUorfir ttr. 9t Die letzten Emfamilien-Häuser 3l/tZ mroer, Bad. B«»den, Keller, eigene lAt WaachkOcbe und Garten..... RM per sofort zu vermieten Anfragen. Brlta, Talbergreretr. 8», Zugmum Parchlmer Allee» tAjclicb 13— 17 Uhr. 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Itnsterbem einige 11�, 1�8,2., 2'/-Zim.«Wobnungen feiert oder später Berlin NO sz, chrellsttatz» so I Bahnhoi Beißenleei. Alexander 7-SS yüfl l. Berlin N 2». Saldiaer Stra»« S7, Wlegand. Rei-ti.endort.Ost, Breitlvpistratz« 43> rllher Eonntaastr] Schmidt. Pankow Trellrd-rger Stt. 41, I. Behrendt, Pank'w 3596. Adlersho'. Kronprtnzenstr. 126. pt., Friedrich, Adlersboi 7788. Steglitz. Opitzstratz« 5. Buckwitz. Sieglitz 8>«,. WohnungSbaugesellschaft Eintracht. Voiadamer Straste»Rt.— Sarsärst 5844-8817 MidlsIMilliM-WliiüI Montag, den S Februar. mittag» 4',, Ahr. im?thnng»saal de» oerdandahaase», Linie astratz«»3 55 ErwerbSlOSen- Vcrsammiung folRender Qrnppcnt Werkxeogmaebcr. Stherfscbleifer, WeikienghSrier, Mcrbanlkcr, Optiker, Uhrmacher, Elche- and Elcherlnnen, Chlrargle-Mectian her, ZlgarrttenmasdUncafHarer und B elrietubendwer her Tagesordnung: L Bonrag des Kollegen si> p p e I über: „Di» heuitge Krisen, üriolge-. 2. Dtsknision 3 Berdandsangelegenhesten. siulrtti zu dieser Versammlung haben nur Kollegen mit verdandsbuch und Stemoella.t«. die einen der»den ange- illhrten Berus« ausweist. ftcMung. Scharfschlelferi Dienstag, den 40. Aebrnar. abend» 7 Ahr, im Lihnng»>nn» de» verdand»hnnt«», Ointenstrah«»3.83 uersammiung der.cnanscmeiter Tagesordnung wird in dei Bersammlung elanmgegeoea Miigliebsduch legitlmteN! Rege hereU gung wird erwattet. aemung. ssuantenisgepl Dienstag, den 4u. Aedrnar. abend» 7 A.r. im Veroand»hante, Cinicniitatze 83 8a Branchen- Versammlung aer bauanscniager Tagesordnung 1. Bonrag. k m 2. Beroanbs- und Branchenangelegen» heilen 3. Berichtedene». Die Kollegen werden»rsucht. restlos die Ber,ammiung zu deillchen S.:orlsc>o>r e- langt aach der 3 Stach, rag zum Bauan- .ch.ageriarii zur Ausgaoe. Ohne Milglieb-buly,- r n Zutritt. 5pielplsn nmerer aaltotablrUaag. In der Woch« vom 9. dt» 45. Februar: 4. So-st das Ledrn 2. Sive» Teppich» Wed- und Werdegang. 3. Humoresie In der Woche vom 46 Ms 22. Februar: L Das strwacheo de» Be.bessSexuulsttms 2. öya>eiie»Fruu Rr tu. 3. Humorrs. e in der Boche oon 23. Febr. bis 1 März: 1. K tu und qkier durch» Mmelmeer. 2. Techniicher Film. 3 Humorchie Aniragen wcaen UeberlaNung und Be- uch der Ableilung sind lelev- onüch oder ichrtstlich an die Kulruravleiiung Büro LtnienftrJü, 85. Zimmer 30) zu rlchlen, Die OrtsTcrwilianp. Nr. 65- 45. ZaHrgang 2. Beilage des Vorwärts Gsnniag. S. Februar i9Si olitischen preise der Landwirifchast. Grundsätzliche Aeberlegungen zur Stabilisierung und Stützung der Agrarpreise. itr Lcmdwirtschast sind palllrsch« Preise sehr stark»erhreitet. Die Zölle reichen für den Schutz ter heimischen Produktion m» einem Preilsturz nicht aus. wenn die heimische Produktion selbst den inländischen Bedarf übersteigt, wenn also«in Exportüber« schuß besteht. Dann hangt die Preisentwicklung für die ent- sprechenden Erzeugnisse davon ab. in welchem Maße es gelingt, diesen Crportüberschuß im AuÄand unrerzubringen, also zu exportieren. Gelingt es nicht, so bleibt der Druck des vorhandenen Ueberschusses auf die Preise bestehen, auch wenn die ausländischen Erzeugniste vom Jnlandmarkt durch Sperrzölle völlig ferngehalten werden. Die künstlich« Förderung des Absatzes rm Auslande durch die finanzielle Unterstützung der Ausfuhr(Exportprämien) kann als lein sicheres Mittel gelten, da man dabei mit Abwehrmaßnahmen in anderen Ländern rechnen muß. Man muß deshalb nach anderen Mitteln suchen, wenn man gewillt ist, den Preissturz zu verhindern, und zu diesem Zweck den entstandenen Ueberschuß vom Inlandsmarkt fernzuhalten. In der Suche nach solchen Mitteln ist man zu den staatlichen Stützungsaktionen gekommen, die übrigens ihr Vorbild in ähnlichen Maßnahmen der privaten Organisationen haben. Slützuugsaktiollell gellen der Erhaltung der Preise für agrarische Produkte. Die I n d u st r i e ist imstande, falls die Produktion die Nachfrage übersteigt, die Produktion zu jedem Zeitpunkt einzuschränken. In der Landwirtschaft stellt jede Ernte eine vollendete Tatsache für das ganze Jahr dar. Es ist nur die Einschränkung der Anbau- fläche für das nächste Jahr möglich, und die ist häusig schwer er- reichbar. ja unter Umständen auch nicht zweckmäßig. Die produ- zierte Menge hängt in der Landwirtschast von dem Auefall der Ernte ab, so daß die Ueberproduktion in einem Jahr« auch dann entstehen kann, wenn von einer Ueberproduktion im Durchschnitt der Jahr« kein« Rede wäre. Dementsprechend erscheint der Gedanke dir Stützungsaktion für die Landwirtschaft ursprünglich al» der Gedanke der Stabilisierung der Preis«, d. h. de» Ausgleichs der Preisschwankungen von Jahr zu Jahr. In seiner einfachen Form kann dieser Stabilisierung»- gedanke folgendermaßen dargestellt werden: Nehmen wir der Einfachheit halber an, daß der Bedarf uiwer- ändert bleibt, und daß die durchschnittliche Jahresproduktion diesem Ledars entspricht. Es werden durchschnittlich 100 Einheiten(z. D S Millionen Tonnen Weizen. Roggen oder Baumwolle) erzeugt, und der durchschnittliche Iahresbidarf beträgt die gleichen 100 Ein- Helten. Nun ergibt sich dieser Jahresdurchschnitt der Produktion. sagen wir aus der Produktion von 110 in einem und von SO in dem danachfolgenden Jahr(110-i 90: 2— 100). Dann haben wir im ersten Jahr einen Ueberschuß von 10 Einheiten Die Preise pflegen aber unter dem Druck eines solchen Ueberschuffez bedeutend mehr als um 10 Proz. zu fallen. Im nächsten Jahr steigen dagegen die Preise wegen der entstandenen Änappheit bedeutend stärker als um 10 Proz. Auf dies« Weis« entstehe» die schärfsten Preisschwankungen. Wenn im ersten Jahr der Ueberschuß zu billigen Preisen nach dem Ausland verkauft wird, so muß man im nächsten Jahr die fehlende Menge zu teuren Preisen im Ausland kaufen. Der Gedanke siegt nahe, die Preisschwankungen mit ihren schädlichen Wirkungen und die Verluste durch die Ausfuhr zu verringern und tne Emsuhr zu hohen Preisen dadurch zu beseitigen, daß man den Ueberschuß das ersten Jahres dem Inlandsmarkt entzieht und ihn im Jahre der schlechten Ernte dem Inlandsmarkt zuführt. In enserem Beispiel würde der Staat zu diesem Zweck im ersten Jahr 10 Einheiten kaufen und sie im nächsten Jahr verkaufen müsten. Eine solche Markkregeluuz ist allerdings mit beträchtlichen Schwierigkeiten und nicht zu unterschätzenden Gefahren verbunden. Es ist damit zu rechnen, daß die Landwirte zwar die erste Maßnahme, d. h. den Ausgleich der Preise nach oben, willkommen heißen, der zweiten aber, d. Y. dem Ausgleich der Preise nach unten, den heftigsten Widerstand leisten würden. Durch politischen Druck können die Landwirt« ein« Stabilisierunqoaktion in ein« dauernde chochhalwng der Preis« in». wandeln. Wenn aber die künst'iche chochhaltung der Prcsi« auch für den Fall, daß ein Ueberschuß vorhanden ist. in Aussicht gestellt wird, so verschwindet der Zwang zur Einschränkung der Produktion auch dann, wenn sie unter den vorhandenen Derhältnisien notwendig ist. Es entsteht vielmehr ein ständiger Anreiz zur Aus- dehnung der Anbaufläche oder überhaupt zur Erweiterung der Produktion• Eine solche Entwicklung würde die Ergebnisse der Stabilisierung»- Politik zunichte machen oder die Anwendung immer größerer Mittel für die Stützung erzwingen. Sie würde auch die Umstellung der Produtrton, d. h. den dem Bedarf entsprechenden Uebergang vpn einer Kultur zur anderen verhindern und damit wiederum Wirtschaft- lich nachteilig wirken Dieser Hinweis auf Schwierigkeiten undiiw Inmitten einer aus den Fugen geratenen Well schien Frankreich von der Krise verschont Dam st geht es nun rasch vorbei. Inner. halb weniger Monat« ist die Produktion stark zurückgegangen. Banken sind zusammengebrochen, und die oergleich- weise niedrigen Arbeitslosenzissern bedeuten wenig, da von der Krise vorerst die über Z Millionen ausländischen Arbeiter t«troffen werden, die man abichisbt und die in der Statistik nicht erscheinen. Immerhin gibt die Statistik schon 350 000 Arbeitslos« an. Die Konjunktur, die' jetzt zu Ende geht, begann noch der StabilisieruugdesFrankenim Jahre 1927. Der niedrige Stabikisieruugskur» ersparte dem Land alle Schwierigkcsten einer Deflation uvd die Rückkehr der von der Geldentwertung ins Ausland geflüchteten Kapitalien schuf einen günstigen Geldn-irtt. In den nachsolgenben Jahren hat die Industrie ihren Apparat mll großen Kosten rationalisiert und wesentlich erweitert. Dazu kam noch cine bedeutend« InvesiUionstötigkest der öffentliche» Dand. Die Emissionen wuchsen ständig, sie betrugen im Monat sdurchlchrntt lU29 202 Millionen Franken, im ersten Dalbjahr>930 411 Millionen Franken und noch im Oktober 59S Millionen Franken. Freilich sind die Zinssätze nahezu ummterbrochen gesunken. Ewige Konjunktur? Auffallend war die lang« Dayerder Konjunktur. Das hatte vornehmlich zwei Ursachen: zunächst die relativ große Unab- hönglzkest Frankreichs vom Außenhandel. 52 Proz. der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, davon sind 00 Pnz. selbständig? Bauern, von denen ein großer Teil hauptsächlich für den Eigenbedarf produziert. Die zweite Ursache ist die außeraroe-tlich« Kapitalflüssigkeit. Di« sehr vorsichtigen Großbanken haben in großen Mengen stire gefährdeten ausländischen Guthiben ein- gezogen und, den Wünschen der französisch«« Einleger entsprechend. nur sehr zögernd Geld ins Ausland verlieh sn So war es möglich, daß im Herbst 1930, als die Ausfuhr schon bedenklich abnah�n. die Gescuntipirti chast davon noch nicht wesentlich berührt wurde: die Zkaufkrast des Inlandmarktes war im wesentlichen unversehrt. DiS letzten Wochen haben das Bild verändert. Die Krise- Den Rückgang des Exports hat zuerst die vor allem nach Amerika liefernde Luxusindustrie verspürt. Sehr bald kam die T e x t i l i n d u st r i e an die Reihe, die überdies durch den Preissturz ihrer Rohstoffe große Verluste an ihren Vorräten hatte. Am längsten hiell sich die Schwerindustrie, die noch lang- fristige Lieferungsvertröge hatte. Seit Jahresende ist der Rückgang allgemein, wenngleich vorübergehende Besserungen eingerreten sind. Die internationalen Absatzschwierigkeiten wurden verstärkt durch die Preisentwicklung in Frankreich, selbst Die Kleinhandels- preise aller Waren, die vom Wellmarkt relativ unabhängig sind. waren in den letzten Jahren nahezu ununterbrochen gcstieaen. Der Lebenshaltungsindex hat km Sommer 1930 einen Höchststand.erreicht, und auch die Löhne sind, wenn auch nickst in demselben Maß, gestiegen. Ebenso viele Rohstoffe, wie zum Beispiel Lau- Materialien. Diese allgemeine Preissteigerung, die sich aus hem Konjunktur- verlauf ergab, wurde gefördert durch die eigentümliche Lage des Geldmarktes, die wir oben erwähnten. Im Zusammen» hang mll dem großen Kapitalzustrom hat die Bank von Frankreich ihren Goldbestand im letzten Jahr beträchtlich vermehrt Aus dieser Grundlage wurde auch der Notenumlauf und die offenen Giro- Verbindlichkeiten um etwa 11 Milliarden Franken ausgedehnt Diese Erweiterung des Geldumlaufs hat die Preis- steigerung begünstigt, die im ganzen die Konkurrenzfähig» kell der französischen Industrie auf dem Weltmarkt zunehmend be- hinderte, zumal in einer Zell des raschen internationalen Preis- abbaues. Die AgrarpoNtik. Ein« besonder« Stellung nimmt dl« Landwirtschaft ein. Det jährlich« Gesamtwert ihrer Produktion beträgt etwa 100 Milliarden ' Franken.(Zum Vergleiche den Wert der Nsenproduktion und der VOM 2.-6» FEBRUAR ludestater leinen.* vnft SeLildvfsierri ßrösste Sonderhans für Lernen und Wäsche Berlin. Leipziger Strasse 20-22 Kurfürstendamm 227 Muh%4t ,00�� UvrSajch vör&tekt!* ••• so schreibt eine KuihUiu die erkannt hat das man bei OrOnfeld mit der Ware zugleich die 69 jlhrlge Erfahrung de» grOOten Sonderhauses für Leinen und Wfisehe kauft Hemffchen Trzsugnlss« m-t nur j« lv Milliarden Franken.) Di« Ernte 1930 war die schlechteste seit Kriegsend«. S6 MiMmteo Doppei- zenter(109: 90 Millionen Doppelzentner). Da Sie Weltnnirttpreiss außerordentlich niedrig lagen, waren beträchtliche Teile der Land- Wirtschaft arg gefährdet. Die Regierung Hai durch« Zolle und Sud- ventioncn den Getreidepreis bis auf 170 Franken'(Z8,ZO Mark) für den Doppelzentner getrieben, nachdem er schon bis auf 100 Fr. gesunken war. Das Ministerium Steeg ist gestürzt über dem Der- such, den Preis bis auf 17.Z Franken für den Doppelzentner zu er- höhen. Es versteht sich, von selbst, daß diese Politik der Regierimg, das Hauptnahrungsmittel zu verteuern, auch eine der chauptursachen für die allgemeine Preissteigerung gewesen ist. Jetzt sieht die bürgerliche Regierung den kommenden Ereignissen mit Besorgnis entgegen, und die Mittel, die sie anwendet, um der drohenden Gefahr vorzubeugen, sind ebenso wirkungslos wie die aller anderen kapitalistischer. Regierungen. Und so landet nimmehr auch Frankreich in der allgemeinen Wirtfchnitskrife Kampf um den Schokoladenpreis. Rarkenfabrikanten bauen preise ab. Unter dem Druck der Regrerungsverordnimg übe? den zehn- ■ pcozeniigon Preisabbnu für Markenartikel haben'jetzt auch einzelne ..Mackenfabrikanten" in der Schokoladcnindustrie mit Preis- stnkungen begonnen. Obwohl es von annähernd 2000 Süßwaren- betrieben in Deutschland mir 10 bis 12 Fabriken gibt, die so- genannte Markenschokolade herstellen und in der Mnrkenkonven- kio»(Kartell) zusammengeschlossen sind, beherrscht dieses knappe Dutzend den Jnlandsabiatz vollständig, da es sich durchweg tnn Großbetriebs mit 3000"bis 3000 Mann Aelegeschaft handelt. Die Regierungsverordnung ist daher für den Kakao- und Sibokoladen- •' konfüin von großer Bedeutung.--• Bisher haben vvn den Markenfabriken Sarotti und S t o l l w c r S- R e i ch a r d t mit den angefchk offenen Konzern- mdriken ihre Preise für Bitter-, Milch- und Sahnenschokolade um 10 bis 13 Proz. herabgesetzt. Man"muß sich aber klar darüber sein. daß diese Preisermäßigung nur eine kleine Abschlagszahlung auf die hohen Sondergewinne ist, die das Schokoladen kapital aus dem starken Absinken der Rohkakaopreise in der Welt gezogen hat. Während d-e Ladenpreise für Schokolade auf Grund der Kartell- verlräge der großen Werke seit Jahr und Tag unverändert hoch- geholten wurden, entwickelten sich die Weltmarktpreise für Quaki- tätsbohnen folgendermaßen: 1927........ 08,50 M. je Zentner 1928»-,»»«». 38,30 m m m 1929........ 46,23.„ 1930........ 35,25.. Im letzten Dierteljahr 1930 gingen die Preis« sogar auf 27 M. . je Zentner zurück, so daß der Fabrikant also jetzt um 60 Proz. billiger einkaufen kann, als im- Jahre 1927. Daneben sind auch oie Zucker preise, wenn auch in geringem Umfang, zurück- gegangen. Große Einsparunzen haben die Fabriken ferner durch die Rarionchisierung de? Betriebe erzielt, die in großem Umfang Arbeitskräfte freigemacht hat. Don Sarotti und Stollwerck abgesehen, haben aber die anderen Markensabriken noch nicht die notwendige f msequenz aus der Regierungsverordnung gezogen. Sie stl eilen sich vorläufig noch, •j wer �di«, Lasten", der Preissenkung tragen soll, und die Fabrikanten . tordexn,�.daß die Händler einer Kürzung ihrer. Rabatt« zustimmen. Iis ist gar"Kn Zweifel, daß dlt Fabrikanten die 10 Proz. Preis- fenkgng.- ohne weiteres tragen können, denn der Fall der Marken- tabri? Most, die ckus'dSn Schokciladenkortell ousg'etreten ist und einen Preisabbau' von"20 bis 40 Pro;, dürchgssührt' hat, beweist, . welche Möglichkeiten der Preissenkung bei Schokolade ." bestehen. Andererseits sollten sich die Händler sagen, daß bei den all- gemein rückgängigen Umsatz die Zeiten der übermäßig liohe» Rabatte von 30 Pr o z. beim Kleinhandel und 2 0 Proz. beim Großhandel vorbei sein müssen. Schließlich sind ßk Konsumenten nicht dazu da, um sich die Ware . zur künstlichen Erhaltung eines ungesund ou'geblähten Handelsapparotes unnötig verteuern zu lassen. Warenhausumfahe 6 proz. niedriger. Wie die Zeitschrift für Waren, und Kaufhäuser mitteilt, stellte � sich der Dezentberumsatz bei den deutschen Warenhäusern lim 12 Proz. niedriger als im Vorjahr. Wenn sich hierin auch Preissenkungen auswirken, so find doch die Umsätze im WechnachtSgeschSst 1990 auch mengenmäßig hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Im ganzen Jahre war der Umsatz der Warenhäuser um 6,3 Proz. niedriger als 1929. Besonders stark ging der Absatz für Kultur, und Luxusgegenstände zurück. Dagegen zeigte sich bei Lebensmitteln, besonders im zweiten Halbjahr, eine ziemliche Stabilität. Jnsge- samt hat sich der Warenhausumsatz mit 6 Proz. Rückgang weit besser behauptet eck» der Einzekhandek, dessen S-chvesumsatz sich fei Durch» schnitt um 9 Proz. verringert hat. llnlerstühung der auskralischea Welzenerzeuger. Die Minister- Präsidenten und die Finanzmimster der verschiedenen Staaten haben den Dorschlag der Bundesregierung angenommen, eine Anleihe zur Uitterstützung der Weizenpr�ntzenten. aufzunehyien. MockenproArsmm des Berliner Rundfunks. Sonniag, 8. Februar: 7; Furkgymna�fik, Anschließend rrühkonzerf. 8: F8r den Landwirt. 8 56: Morascnfeier. AnschlieÖcrd Oiockcnseläat des Befllfter Ddn�. 16.65: Wettsr» vorhersage. U: SchallpTattenkonzert. 11.76; Studio,. 1$: Unterhalrcngs- mosik. Als Einlage: Aus Lauscha: Deutsche Sklmefeterscha�. 14: Eltem- stunde. MandoIj!i«norChesterkoivrc.Tt. 13,66; Jutcndsrcudp� 15.28; Borr/es Freiherr von Münchhausen liest Balladen nnd OedlChte, 18.58: Klgvfer- vortrSge. 16.15; Berliner Bühnen. Vöiksh filme, Seodesnjel:..Wlioct". Vo?- stadtlcjende von Molsar. 18; Uaterhaifuns�mnsik- ISÄ: Otfo Weddiceu rüm SO. Geburtstage. t?s Ans Mainz; Große PestsltzuRj: des Mainzer Karneval- Vereins. 26; Orchcsterkonzcrf. 20.55; Aus dem Sportpalast: iimthnitt vom 19. Berliner Hallensportfcst. 22: Wetter-, Taces>- end- Spdrlnachriehtei). Danach Taunrusik.' Montag, 9. Febmart 7; Ftfnksmsnaitilc. Ai'Schließeod Fröhkonzert t2J6j Wetiermelds�pen für dtn Landwirt. 14; Schallplattenkonzert, 15,26: Eben, die flicht geschieden werden kchinen. 15.16:.SO Jahr� Berliner Ferr.sprechbuch. 16.05; Zum 50. Todestage fedor Michajl�wltsch Dostojewski, 16.36; Unlerhaltungspiuslk. 17.56: Jugendstunde. 17.50; wissenswertes über den Erwerb einer Sledltxn�s- parzelle, ItiuSOj Pr�luden und Etüden., 18.50; Praktische Winke für die Ein- kommenstcuercrklärnng. 19.10; Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.13; Blas- orchestcrkonzcrt. 19.36; Intervfew der Woche. 20.36; Aus Dosto;ewskijs Leben. 21.30; Kammermusik. 22.36: Wctfcr-, Ta�es- und£po#n4chricbtcu. Danach Tanzmusik. Dienstag, 10. Febrnar:.... 7: Fünkrvmnastik. Anschließend FrüIikonzcrL 12.30: Pie Vfertclaiuade für den Landwirt. 14; SdialiplaTtenkonzcrt. 15.20: Medizinisch-hygienische rtauderci. 15.44t Die deutsch© Ballade. 16.65; Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Aus Leipzig: D.e Wiener Operette. 17�0. Böchcrstucde.. 18? Musikalische Juxen d.>hunde. 18.66; Wesen und Ziele der Be-rfiacr. Winterhilfe. 19; Max Halbe liest eigene Dichtungen. 19.36; Tanzabend. 21.15: Tages- und Sportnachrichten. 21.25; Konzert. 22.35: Politische" Zeituagsschau. Miftwocb, 11. Febroar: 7: Funkeymuasiik..VnschlieSend Fröhkoiizert. 9: Von der Deutschen Welle: bchulfuak. I2.3ü; Wettermeldungen für den Laadwirt. II: Schajl- platteukonzert, 15.26: KoilcktivveraDtwortung und Einreipersdnlichkeit in der Woblfahnspflege. 15.10? Aus dem Pftaval der Weltliteratur. 16.65; Eine Viertelstunde Technik. 16.36; Jugeodstuade. 17: leewnsik. 17.30: Egba Fmln Klsch liest eigene Arbeiten. 18; Neue französische Musik. 19: Rechtsfragen des Tages. 19.30; Aus Königsberg: Konzert. 26.36: Wovon man spricht. 21; Tages- und Sportnachrichten. 21,10; Die Wand langen des Opernsttls. 22.13; Wetter-, Tagw- und Sportnachrichtca. Danach Tanzmusik. Donnerstag. 12. Febroar: 7; Funkgymnastik. Anschließend Fröbkonzcrt. 12.36: Die Viertelstunde für den Landwirt 14; Schallplattenkonzert, 15.20; Blinde Frauen im Beruf. 15.45; Die Arbeitslosigkeit als koramunalpolitiscbes Problem. 16.15; Journalist oder Schriftsteller? 16.30: Konzert. 17.30: Jugendstunde. 17.56: Warum wird noch immer gemalt? 18.15; Was wir über die Herkunft des Menschen noch nicht wissen. 18.40; Mit dem Volkslied durch die Jahrhunderte. 19.65; Die Lohnsteuer als Zwangssparkasse. 19.30: Drei Minuten vöm Arbeitsrnarkt. 19.35; Unterhaltungsmusik. 20.30; Uraufführung:„Gespräche mit Henry PortLM Hörspiel. 22t Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Die Dcuilcbe Welle � begann einen Dtskussivnszyklus„3s«ruf und Arbeite x"., Metallarbeiter, Mctällckrbelterin. Mechaniker und Holzarbeiter unlerhiellen sich init einem Interviewer. In knapper jzorm wuyden wesentliche Fragen behandelt, und auch dam, der diesen Berussgruppen fernsteht, wurden durch dos Gespräch Zlrbeite Probleme unsere? Tage nahegcrückt und ihm gleichzeitig«in Einblick in diese Beruf« gegeben. Alle Befragten waren Fabrik» arbester: mit Ausnahme des Holzarbeiters verdienten sich auch alle ihr Brot durch eng spezialisierte, mechanisierte, emlebendigfte Arbeit. Und über allen hängt die Drohung der Erwerbslosigkeit, die sie In immer raschere» Arbeitstempo hineinhetzt, zu" immer stärkerer Hergabe aller Äräfte antreckit.— In Berlin bracht« Hans Kaflka die„Erzäblung der Woche"': er gab eine schlichte und er- fchütternde Betrachtung über die Sinnlosigkeit von Todesurteilen.— „Deutsche Bolkslieder" sang der Berliner Funkchor unter Leitung von Maximilian Alb recht, begleitet von Gitarren und Streichlnjtrumenten. Es wurde eine sehr gesällige, klanglich außer- ordentlich gelungene Veranstaltung. Dieie Hörer werden dafür dankbar sein, daß vor den Gosangsvorträgen die Liedcrterte rszi- riert wurden.''!"«?. Freitag. tZ. Februar: 7: Fuike�MnestÜ!. prüdsc-uueri.»! 4er vslltxedei Vell«: Schassatik. 10: Aa» Oberhof; Skl-Rerrafr 4« IntsrnaBonaloi! Ski- Verbandes. Ua#: WettermeWcasreo für des Landwirt. 14: S-Sallrlattenkopjert. ISJ«; PfUnre-, die im Oarten-rerwildera KS-nen. IZ.4S: Die modemo florhioii-Bebsndiuns. Eisbockey-WelüBeis-erSctiafteri 1931. 14-10: Aw teiprio: Leickte-, klwsUcbe Musik. I'-'ö; Jutendstundt, t7J#< Sudete». deutscfia A'beiterdir.!r-iw. IS,IS: IVaudtfer-Fantasie von Fran; Schubr-t. Id.40: Das neue Batb. 18.»: Erlf-bnlsse n-ter Gefangenen. ISJOt Richard Wasner rum Andenken seines Todestaees. JI: Takes- und Sportnachrichten. 31.10; Gefühl.'*(Eine cmerhalisame Betraclitunt.) 22J»-. Wetter-. Taxe». und Srortc ach richten. 33.38: Abendunierbaltanr: Ballettmosik. Sanvabeuck, 14. Februar: 7: Funkirmnasök. AnschliePcnd Prähkonsert, 13: Ana Oberhof: Skr- Rennen des internationalen Ski-Verbande«. I3J»; Wette meldoinea fitr ddn Landni/L 14: Scfialiplattenkonrert, 1.8. 3»: Jngendbfiine. 18J0: UnterhaltunsV mnsik, AJ.« Elntace; Zehn MIante» Film. IS: Qcdrinete Wochenübersicht. 1SJ8: Kiaviervoriräae,- 18.»: Theater ala Erzieher. 19.16: Drei Minuten von Atfcettstrarkt. 19.20; UiiterbaJmncsmusik. 30.30: Aal der R-eperbahn. Ein /(bend im l'orstadKheaftr. 33; Werter-, Tages, ond Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen Sonpia�i'S. Februar: Ab 7:. üebertra'fynn auo Berlin. 18:, Die Qrilse Woche 1951- 18�0: Kleiner Katechismus fflr frostires VerenSeen In den Benen. 18.48: In-ei Jabri Im asiatischen MochrebUse. 19.10: 3a Jahre Voee!ru»rte Rosaitfea. 19.38, Der Diditer Rimbaud, 18.30: Deatschiaadsender: Veranstalfcjng der Katbo. üschen-Aktion-, 3«: Ans Hambcrs: Jaüns CinSdshofer. Ein Abend zum Gedächtnis. AnschHeSend Uebertragunj- aus Berlin. Montag, 9. Febrnar;% 18: Aus de." Praals des heimatkundlichen Unterricht*. 18.80: Aus Berlin: b'acirmiUasskonrert.>7.30: Mwdernes liedfchaifep. 17.88: Viertelstunde Kr die Gesundheit. 18.18: Aus Frankfurt a. M.: Die Saarvirtsehaft. 18.40: Der Kxderne Kapitalismus. 1948: Englisch f3r AufäJikes. WJRs Stunde des Landwirts. 3»; Wie kommen die Freite im Einzelhandel zustande? 28.30: Deutscblandsender: Aus Warschau: Drittes Europäisches Konzert. AuschlieEsnd Uebertrarunu aus Berlin. Dirnstag, 10. Februar: 18: Künstlerische Handarbeiten. 18.30; Ans ietpzii: Nachmittasskonzert, 17.30: Wesen und Gesthicbfe der criecblsch-katholischen Kirche. 18: Unsere Fflanzonnrcit.. im Winter. 18.30: Gestal�n aus der deutschen Romantik. 19: Pranzdslscli Mr Anfänger. 19.28: Wetterbericht für die Landwirtschaft. (9.30; Ueberfragung ans Berlin. 31: PeatschlanOseoder: Aus Köln: Ucauffüh- rung:..Drei fahren nach Südamerika." Berichtspiel für Radio s-on Borlan. 22.18: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 33.35: Uebertiagua* aus Ueriin. 23: Unterhaitungskanzerl ans Hantburg. Mittwoch, 11. Februar; 18: Pidagocj scher Funk. 18.30; Aus Hamburg: Nschmitiagskoi.zert. l7.P: Kuntins, der Abt von Hirrrtcelwitz. 18: Deutsch für Deutsche. 18.30: Einführung in die Gedanken weit der gegenwärtigen Philosophie. 19; Uebertragung ans Berlin. 19.38; Wetterbericht■ für.die Landwirtschaft. 30.30, GroSe Schauspieler. 19.30: Deulscblandsender; Aus Leipzig: Unterhaltungskonzert. An« f chlidßend Uebertragung ans Berlin. Donnerstag, 12. Februar; 16: Pidagpg Ische r Funk. 16.56; Ati« Berlin: N�ohraitt3jrsi««t=6�t' T7HV; ffausinx�ik.. IS: Altdecisdie FAseninifr- UZZ.6 Najrenver$e. IM6;. Thettpr und Kultor, 19?"VolVerFun� und WirtiChaf?*krise.'IVIÄTIF�unde<3 35 Laad- wfrts. 26; Oeutscblandseoilef: Von der Deuifichcn Welle: Zum AhetjdprogrannTi des Peutechlapdsepders. 26.25; Aus Mü�hep: lintcrhaltun�skonrert. 21.65? AUn MiTöcfiejj:.Cpl'c Ötimmel/' Eine Gröleske von' Hisse. Zetiertftöin, 21.2!»: Aus.MfiBChen: Konzert. 22.26: Werter-, Tasres- und SportnachrichtetL An- fdilieSend Ufebertr«nmg aus Bdrlln. Freitag, 13. Februar: 16; N>u« Weife im Mafhematik-Unterrjcht. 16.36; Aas Lclpzi»: N'acb- rdttacskouiert. 17.36; Karl Meißner liest aus eigenen Dichtungen. 18; Wald und Holz tm WirHchaitileben. 18�6: Theater und Kultor. 19; Englisch für Fortgeschrftiene. 19.3«; Wlsaensahahlicher Vortrag für Zahnärzte. 19.85; Wetterbertcht för die Landwirtschaft- 26: Der Dichter Alfons Paque*. 29JO; Devtscblacdseoder: Aus Breslau: Heimat üi Schlesien. 21-26: Aus Breslau 5 Koa/erL Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend» 14 Februar: 16: Ans der Schul funkarbeit im Freistaat Sachsen. 16.30: Aus Himburg; Nachmittagskonrert. 1.7.36: Unsere Tierwelt, im Winter. 18: Französisch für FoKfescbrittene. 18,30? Neue.Ausgrabungen in Pcrzamon. 19; Beruf und Arbeit 19,36; Stille Stunde. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft� 26: Deotschlandsender: Aus Köln: Lustizcr Abend. 21; Aus Letezi;: Vom Taxe. 21.16 Aus LejprU;.«Als Verlobte empfehlen sich Prinz Orlowsky und Gräfin Mariza.'* Eine heitere, Revue. 2?..36: Aus Leipzig; Nacbricbtcudieqst, Anschließend Ucbcrtrazonr aas Berfin. Die LelsDiog ist es, die wirbt! In dieser Erkenntnis bemühen wir ans stets solo Neue, unserer Kundschaft die vorteilhaftesten Angebote zu machen, die durch hervorragende Qualitäten und unübertreffliche Billigkeit überzeugen soue». Beachten Sie die heutigen Serien- Offerten) die Höchstleistungen darstellen. 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Son der B«Zlrksgruppe Berlm.Krandenburg des schon üu Krieg gegründeten Bundes deutscher hirnverlctzter Krieger, Sch München, wird uns geschrieben: Die wiederholt an uns gerichteten Fragen: Weshalb ist gerade ein Bund hirnverletzter Krieger notwendig? und: Können die Hirn- verletzten nicht in den bestehenden Kriegsbeschiidiztenorganisationen für ihre Ziele kämpfen?, die uns auch von den meisten Kriegs- opfsrorganisationen entgegengehalten wurden und werden, möchlen wir einmal im allgemeinen Interesse beantworten, und zwar wie solgt: Die Dersorgungsgesetze und Borschriften, die in den Grund- zügen aus den alten übernommen find, sehen für Hirnverletzungen kein« Richtlinien vor. Infolgedessen fehlen auch Fachärzte bei den Behörden. Der Laie aber ist nur allzuoft geneigt, den Hirnverletzten als geistig minderwertig, wenn nicht gar als Nieten anzusehen. Besonders auf dem Lande herrscht dieser Glaube, der noch gestärkt wird, wenn der Kränke an epileptischen Anfällen, der häufigsten Folge von Hirnverletzungen, oder gar an Sprach- störungen leidet. Diese Unkenntnis der Folgen ein« nicht gerade seltenen Kriegsverletzung muß bekämpft werden, denn Kriegs- hirnverletzt« gibt es in Deutschland etwa 28 OVO, das sind achtmal so viel wie Kriegsblinde. Die schwerste Aufgabe ist nun, diese KriegsopfHr wieder ins Erwerbsleben überzuführen. Die völlig Erwerbsunfähigen und dauernder Pflege Bedürftigen kommen da nickt in Frage. Ueber die Beschäflizungsschulung dieser am schwersten Betroffenen hat man in den Hirnverletztenheimen Frankfurt, München und Bonn Erfahrungen gesammelt. Dauernde SchAngungen der Gesundheit sind den Hirnverletzten auch nicht eigentümlich, sondern p?riodi- sche Störungen,;. B. die Epilepsie, von der weit mehr als die Hälfte befallen wird. In mehr oder weniger großen Zwischenräumen treten Anfälle auf: w der anfallsfreieu Zeit ober sind die Kranken trotz ihrer psychischen Leiden arbeitsfähig, ja, eine geregelte Tätigkeit wird ihrem Zustand stets förderlich sein. Die meisten Berufe jedrch sind Hirnverletzten schon durch Vre Unsallverhütungsvorschriften versperrt: gast alle Hirnverletztcn müssen ihren Beruf wechseln oder ausgeben, ob- wohl sie ihn in der ansallsfreien Zeit bei einiger Rücksi-dwahme ganz gut würden ausfüllen können. Dieses Aus-der-Bahn-gewonen-Werden schafft naturgemäß Der- bitterimg, die durch das Verhallen der meisten Arbeitgeber geschürt wird. Sie möchten am liebsten gar kein« Hirnvcrletzien einstellen. OefleiMiche Kundgebungen 131. Abt.— Nlederschdnhausen. Mitiwod� d«- 11. Februar, 20 Uhr im lokal Sanssouci, Nordend Kaiser• Wilhelm-Slrabe. Thema: Sozialismus oder Nationalsozialismus? Redner: Dr. Ju jus Moses. M. d R, 14. Kreis— Neukölln. Donners'ag. den 12. Februar, IS'/, Uhr in Klieras FestsÄlen, Hasenheide 13 Thema: Mein Kampf mit Gottfried Feder. Redner: Professor Nöliing, M d. L, Parteieenossen, RepoDliKaner. Gesinoniies rennde. ersdielnl in«aweni aelü den Fasddsmns behdmplenl fürGroß-Nerlin finfentinigen für bicfp Snbnt ftnft B• 1 1< a SS SS, LiadenitreHe 3. G Net, aa b» Scslrlsfefntatiu I.Hei. 2 Srtaven recht»,;c richte, Friedenszeilung ffir Schulkinder. Zum 18. Mai. ixun sogenannten Tag des guten Willens, wird wieder— wie im Vorjahre— eine' Zeitung für Schulkinder erscheinen, unter dem Titel Engend und Weltfriede". Das Blättchcn will den deutschen Schülern und Schülerinnen durch Wort und Bild völkeroerlöhnend« Gedanken nahe bringen. Aehnliche Zeitungen werden in verschiedenen anderen Kantern ericheinen. Lehrer und Lehrerinnen werden gebeten, sich mit Bestellungen baldigst an uns wenden zu wollen, womöglich im Laufe des Monats März, damit nur die voraussichtliche Höhe der Auslage übersehen können. Die Zeitung ist zum Preise von S Pf. da, Stück, je 100 Stück zu IM.— zuzüglich Porto—(PostsckeL- koato Berlin 81 857), erhältlich durch die Deutsche Liga für Völkerbund, B�lin W. 38, Potsdamer Str. 103a. StejUtaitfl Vt»Irchevye-«. Die ffttujnvintltt des CaniesfinawaartsB«. sitts Verlin machen darauf aulmerkam. dak die 4.?ate der eranaelischen Kirchenst-mer Mr isso am 15. ffeJynjax lSSl filllix ig(siebe Anzeige im Ärfc- ■itKaUU. Achtung, Panteigeuossenk Dia Eiulochkarte« zu unserer Kundgebung am 2. März mit den Referenten MnisterprSsident Qtto Braun mid Pietro Nennt. Italien, sind den Kassierern bereits zugestellt worden.— Für den vollständigen Umsatz der Karten ist bestimmt Sorge zu tragen. I. 51.: Aler Pagels. » i.«tel» Zl-ra,rtca. Montoa. 0. ffcbowr.'JB Uhr bei Land am. gleusburger öirafte. X— ÄtcisnerftandsiUumü mit Beistdern, L und 3. Äbteilungs. leiietn. n. Srct««ricbriäsbain. Meuta«. 9. ffr&raat. W, Übe. Srcisfsaliianätr stdara in Schmibts Seiellslbalt�au», grachtstr. AK.— T»ac�>rbnv-a: i. arrUcjKlfflcniitttm.>, üorUoq de»(SeitoR»n De. Richard Loh»»»,.— Kitaliedsbuch und gunitionärkarte mitbrinacr. ö. Kerl» veenzberg. Siensisa, 20 Uhr, Derrkstr. n, SreitSursus:»Wandern und WanderietmU". 7.»reis«Harlbttenbue«. Diensiag, 10. gebrullr, IBä Udr im Kimmer 1 des Ralbaui«-, erweitert« Voritandssipung. 9. Kreis Wilmersbari. Die sozialistische Arbeitcrillgeild zeigt iSdjtbilder von ibrer Arbeit lM>. Bon den Äindersreuuden morden Achibilder vom Mjnsierlager und vom Zeltlager Schweiz vorgeflchrt. Ansang 17 Übe im Zuzendbeim Witbelmsaue 123. Die Parteigenossen sind herzlich eingeladen. Ilnioslenbiitrag IV Pf. 11.»tri« Zemnelhos. Am Dienstag. 17. ffebruar. abends 30 lthr, Gedenkfeier Gr Heinrich Seine, zum 75. Todestage des Dichter- in der kleinen Aula des Lmeums Mariendorf, Binaiirasse, am Babnlwf Mariendorf. Programm. aufbau: Rolf GZrtner. gestrede Dr. ttarl Tchrdder, Rezitationen Leo Renter,'gonzerl-Trio des Nammer�infonieDechefters(Handn. Schubert. Beetbcvenl Eintritt ZV Pf�. Srwerbsloie Genossen frei. Karten sind bei den Pezirtsfübrern und den Mitgliedern des Bildungsausschusses zu haben. Da nur«ine beschränkte Anzahl Karten ausgeaeben wird, ist filr rechtzeitig« Beschaffung Sorge ZU tragen. lt. Krei«-Rettlüllv. Dildn»g»»u»schud Sitzung. Dienstag, 10. ffebruar, 101, Ilhr im Parteibüro. Zdeolvai'fage.— Montag, 9. Zkebemar, 19 Ilbr P-iprechung der Abteilungsleiter-im Parteibüro. 15. Kreis Treptow. Montag. Uiz, Uhr.in Riedcrfchiineweide, Berliner Str. N. volal',.Zur Posch. KreisoorsrandSstchung mit Abteilungsleitern. lt. Kreis Säpenick. Montag,!>. fsebruar WA Uhr, Schloß str. 27, Wichtige Kreisvorftandsiihung. 17.»reis Lichtenberg. Montag. IS Uhr, Kreisfunktionärschnng an bekannter Stelle. 19. Kreis Pankow. Montag, d. ssebrnar, 19'4 Uhr bei Meyer.„Türkisches Zelt". Eifzung des Gewerdslosen-Ausschusses mit den Abfeiluilgsfeitern und Kreisvorsiand. heute, Sonnlag. S. Februar: 24. Abt. Bez-rkonihrer holen Material von Rcilch. Gadiner Straße ob. «3. Abt. Air bitler. alle Genossen um Beteiligung an der Beranfialtung der buichestreuen.„freien Schwimmer, Berlin um lb Uhr nach. mittaas tu de? Schwimmhalle des Stadtbades Bergflraß«. Eintritt SV Pf. 119. Abt. Lichtenberg. Die Gruppenführer werden gebeten,»Unser Weg" sofort vom Abtcilunoskassierer abzuholen. 111. Abt. R!:bcrsch»nh»»s:n.»Unser Weg" ist sofort beim Seuossen Buchwriß, Blücherstr. 14, abzuholen und zur Berteilung zu bringen. Funktionärsitzungen morgen. Montag, 9. Februar, �ia unch siehenden Lokalen: 9. Abt. 30 Uhr.bei Sübner, Bilsnacker Str. 54, Funvwnärstßuue.— 15 Uhr ebenbort Borsmnbsssßung. tS, Abt. 197,5 Uhr bei Obiglo. Stralsund«! Str. O. 1«. Abt. WA Uhr Sinzel. Ufedornftt. 23.- 17. Abt. WA Uhr Dose. Rvrdbosen S. 19. Abt. Igt; Uhr EÄade. Köslincr Straße. 19.«dt. iSMs U6t Sckrevel. Brüntbalsr Str. 1«. 31 Abt. 20 llbr Pole. Koloniestr. 1Z. 29. Abt. IRä lihr Gnuiewaldt, Kameruner Str. 19. 24. Abt. 2a Ilhr bei Rösner. 25. Abt. lg Uhr Borstandsslßung.— 30 Uhr KuuktwnärsttuaP aa bekannter Stelle. 26. Abt. WA Ilhr ffunltionärsißung an bekannter Stelle. 37. Abt. 191, Uhr Reeg. Sonnenbnrger Str.-1. 39. Abt. Berbelratele Genossen, die längere Zeit erwerbslos find, melden ssch von 17—19 Uhr beim Genoffen Szitlinski, Cbodowieckistr. 23, rechter Seiten» ilügel ll. 31. Abt. A» llbr Soldschmidt. Stolpisch« Str. 36. 39. Abt. 19' s Uhr Zuristische Sprechstunde, Lindenstr. ii. All« alten Rüchstärrd« müssen abgerechnet werden. 4a. Abt. chg Uhr Mitgliederversammlung bei Körster, Dreibundstr. 11» Referent Genosse Dy. Theodor Saubach. 41. Abt. 39 Uhr Lipfert, Mariendorfer Str. 6. 48. Abt. 1 9% wjt äccrt). Planufer 75/76. 45. Abt. 19 Uhr Keqlerheim. Reicheuberger Ecke Glooauer Straße. 46. Abt. IVA Uhr Ebwikowsli, Wrangelstraß« Ecke. Taborstaßc. 47. Abt. 3a Uhr Zunitionarnzuna her Baak. Raunynstr. 44. 46. Abt 30 Uhr Tezlafs/ Ritterstr. 33.— Bvrstandssstiun« 19 Uhr ebendort. 52. Abt. Eharloticuburg. 20 Uhr Bade, Kaiferin-Augusta-Albw 52. 79. Abt. Wikwcrsdorf. 20 Uhr Mitgliederoerfammlung bei Kulka. Lauenburger Straße 21. Bortrag:„Proletariat und Demokratie", Referent Dr. Zrftz Levy. Kortfeßung der Reuwableir. 66. Abt. 20 Uhr Görlitz. Chaussetstr. 19. ReulöllZt. 94. Abt. 20 Ubr Schräder. Steinmeßta. 33.— 9*.«bt 131. und 219. Abgabestclle der Konsumgenossenschaft. Werbeoeranstaltong 20 Uhr bei Wolfs, Kirchhof. Eck« Wipperstraße. 4- t. Abt. Die Kunktionär- und Doriinndsfißun» findet megen der Kreisvo«, standsstinrng nicht, am Rontag. sondern am Dienstag statt. Dieuslag. 10. Zebruar: 6. Abt. Igh- Ubr ssunknonärstizung bei Richert. Eteinmeßstraße 36». 19. Abt. SO Ubr ssur.ltionärststung bei Eandow, Zienskurger Str. 3. 11. Abt. WA Ulur Hageborn, Iagomftraße Eck« Alt-Moabit, lsrinktionärssßung. 18. Atb. 20� Ubr�ssunkt'onarssdun« bei Lausch. Bredow. Ecke Wielefstraße» 38. Abt. lAth Uhr Gruppenabend bei MWer, Simplouftr. 31. Bortrag:„Der- k-hrsw-sen". Referent: Genosse Möbus. 56.«bt. Ehxrlottenbnrg. 20 Uhr Mitgliederversammlung Beutel. Kaiser.ffried» richstr. 64.— Bortrag:„Die weltlich« Schule". Referent Genosse Hin» richscn. 69 Abt. Wilmersdorf. 20 Ubr Kulka, Lauenburger Str. Tl. Ritglirderversamm» lung. Vortrag:..Erziehung zum Sozialismus". Referent Alfred Domden. 97. Abt. fzun'tirnärstlzung um lg Uhr bei Rohr. 195. Abt. Adlersbof. Der Kursus:.Bolschewismus und idaichismus" von Dr. Schlelrnger findet im Zeichenfaal der G-meindefchuI«, Radichestr. 10/11. statt. Beginn: Diensiag. 10. Kebruar, 19 zß Uhr. flerner am 17.. 24. isebruar und 3. März. Härgebilbr l Ml. Aliltwoch. 11» Febnurr: 34. Abt. ilharlKtteoburg. Zahlabende am Mittwoch falle» aus. Dafür 20 Uhr ffunktionärfttzung.— Borstandsfiizung bereits 19 Uhr im Jugendheim, Rostnenstr. 4. Arauevveranslallungen. Wir mache»»»sere Se»osfi»»«» a»f de» a» Sa»»aie»d, de» 14. ifebrnat, 19>4 Uhr im Pl-»arsaol des ehemaliae» Herrenhauses. Leipziger Str. z, statt. findenden Bortrag der Grnofst» Sda-Llberg, Wien, anf«eNksam, die im Rabme», der Strien sozialistischen Hochschule»ber das Thema:»Die Znspljznna de» italienischen Dlttatne" spreche» wird. Eintrittskarte» znm Preis«»o» 50 Pf. einschließlich Garderobe find i»?-au-rf«Ieettriat»es Pezirlsnerbandes Ber- Ii»»rr SPD.. S».«6, Lindenstr.!!. 2. Hof. z Treppe»,«immer 4. l« habe». Das Krauenfelretariat. » 11» Kreis Sch-u'berg. Monta». S. Kebruar.» Uhr, bei Will. Martin ZLutb ei» Straße, ifunktionärinnewsipung. 69. Abt. Renke»». Dienstag, 10. Februar, Dampferfahert nach Bellevu«. Ab, fahrt 14 Uhr Waisenbrücke. Fahrpreis bin und zurück 75 Pf.«rnosstnnen, die borthin hausen wollen, treffen ssch 121» Uhr Ko'tbusser Brücke 12V. Abt. ssiriedrichoselb«. Diensiag lv. lsebrnar, Besichtigung des isranen- kundemuieums in Cbarlattenburg, Berliner Str. 137. Treffpunkt 17 Übe U-Bahn Tricdrichsfelde ober 176» Uhr vor bem Museum. 19«. Abt. Reinickendorf Ost. Donnerstag, 12. Februar, 20 Uhr, fit ber Baracke Lindauer Straße Selfecinnenntzung. Bezirksausschuß für Zlrbeiterwohlfahrl. t. Kreis Ritt«. 1. Abt. Dienstag. IB. ffebru-r. 30 Uhr. bei Spiegel, Mckerstraße 1. Sißung aller in der Wohlfahrt tätigen D-nossentinneul. Res«- reut: Genosse Stadtrat Toscman» Uber:»Dt« sozial« Rot und dl« k-mmu» nal« Wohlfahrt". 16. Kreis»Snenick. Dienstag. IV.«ebrnar. iszh Ubr. km Rathaus jtsvenlck!. d-:." üoJm sticken W Dürkopp-Maschinen für unsere Kund«i alle 'WämmoC defc Weygeic gekauften Wäschestücke und Taschentücher Keine kostbaren Prunkdekorationen!- Jeder Pfennig tur WarenvetbUligung! LinOn gut« Qualitäten, ca. 130 br., Mtr. M, 1.15, Pt. 69, 48. ca. 80 br, Mtr,..v..Pf, 68, 44, E d 6 ituch gyfe, feinfädige Ware, rein Mako, ca. 80 cm breit, Mtr...M. 1.10, Pt. 85, 68, DQniCiStwunderv.Qual.,ca. 130 br. Mtr. 2.35, 1.95. 1.30, 95, ca. 80 br Mtr. 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Unserer Jubilarin, Genossin Luise«lscher, Tlbcstr.»7, ihrem beuiieen SZiähriaen Barteijubilllum unser« herUichsten GlSckmllnsch«. 88.«it. Unserem Genossen Rar L-n«, Aried-nktr-he, ea seinem heutiaeu 65, G-burt-tane die herzlichsten Sluckmüniche. IDi Abt. Tchöncbrra. Li Nienhof. Unserer Nebe», uerehrteu. sleihipe» Genossin Minna Wurst, Arn ulfstraße, zu ihrem Zbjährige» Barteijuilläu» recht herrliche Tlürkmllnsche. tlS. Abt. Licht'nbcra. Unserem alten, bewährten»rnnffen Daniel BZrckel, Ritterautstr. 25, ia seinem 65. Seburtptaa« am 9. jkebrnar die herzlichste» Glückwünsche. � Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisatioas <5.«it. lllZ. De,. Unser Senoss« Senra Schul,. Dieffenbachstr. 28, ist am 5. ssebruar im Alter von 55 Iahren nerstorben. Ehr« seinem Andenken!— Die Einäscherung findet am Dienstaa. w. ssebruar. 15% Uhr. im Krematorium Baumfchulenwrn statt. Um reo, Beterliauna wird gebeten. 108». Abt. Cäpcnick. Unsere Eeuossin Ledwig Zimmermann, fturfstrsten» alle« 12. ist im Alter von 43 Ichrcn verstorben. Ehr« ihrem Andenken!— Beerdiguna Montaa. 9. Februar, 15% Uhr. von der isricdhofshall« in Töpcnick, Rudower Strahe. Wir bitten um rege Beteiligung. Briefkasten ver MVakiion. L«. 9. 113. Sei«. Im übrigen kommt nur die Grundsteuer in ffraae.— JL 37. Es ist zwtcklos. den Antra««i stellen, ba Ihre Ewnabmen die für Sie maßgebende EirkommeuhSchstgren,- itberschritten haben.— T. T. 20. L Di« Rentenbezüg« aus der Anaestclltenverstcheruna werden nicht in voller Löb: auf d'.e Atteitslolenunterstilhllna angerechnet, vielmehr bleibt ein Betraa bis ,u 30 DM. im Monat von der Anrechnung frei. 2. Wer sein« Arbeitsstelle ohne wichtigen oder berechtig'en Grund aus«acb:n oder durch«in Verhalten. das vir fristlosen Entlassung berechtiol. erhält für 6 Wochen kein« Arbeit»- losenunterstiidung. Ein- Verkürzung der Frist ist zulässtg. ebenso aber«nch eins Verlängerung.— v:bq. 27. Die Eingab« ist an den Reichstag zu richten Wir verfvrechcn uns aber hiervon keine» Erfola. da Sie Ibre Ansprüche nicht innerhalb der aesihlich vorgeschriebenen Frist geltend gemacht baben.— M. F. 42. Ihre Frag« last sich nur allgemein beantworten. Die Invaliden. renie sept stch zusammen ans dem Reickszuschust von sährlich 72 NM., dem Grundbetraa von jährlich 168 NM., und den Steiaerunasbeträgen, die stch naa» den«leisteten D-iträaen richten. Der S'iiaerunassah beträgt für jede bis zum 80. September 1621 verwendete Marke In der früheren Lohnklasse l: 4?vf.: N: 8 Rpf.: NI: 14?vf.: IV: 20 Rpf.! V: 30 Rpf. Bon den vom 1. Januar 1924 ab gültig entrichteten Beiträgen werden zwei Zehntel oder 20 Prozent als S'eigerungssah gewährt. Die in der Zeit vom 81 Oklodtr 1921 bis zum 81. Dzenrber 1923 geleisteten Beiträge bleiben bei de« Renten. nemessung außer Betracht.— G. K. 15. 1. und 2. Wenden Sie stch an da, ArbeUersportkartell, Berlin N. 65, Na-mrethkirchstr. 46. Telephon: Weddina 2077. preis 5«isNstZscko Hochschule n 14. Februar. 19,50 Ohr, t» yi««»w,«l des ebcmaUge« Hencnhaoscs, Leipziger Mra�g 9 Vortrag der Genossin Oda Olberg.WIcn. Ober Die Zuspitzung der italienischen DiKiatur Karten rom Preise von SO Pf. fefnschl Garderobe) sind an folgenden Steilen zu haben; Büro des BezirksblUntiesausschusses Undenstr. 3. Z Hof I nks, 2 Treppen. Arbeiterlagend Groß-Be/lin, Underisn.3.2 Hol links. 2 Treppen Buchhandlung J. H. W. viere Nachf. Undenstr 2. Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Wallstr. 65. Deutscher Holzarbeiter- Verband, Am KÖUnischen Park 2 und Rungestr 30. Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Rinerstraße.Ecke Luisenufer; Ziganen- geschäft Horsoh. Engelufer 24.25 Verlag des BUdu n gsvetban des der Deutschen Buchdrucker, Drelbundsu-.S. Zenstralverba' d der Angestellten, Hederaannstraße 12, Verlags esellschaft des ADGB, Abteilung Sortiment,(nsdstr 6 a Frauensekretar.at der SPD, Lindenstr 5 2. Hof links 2 Treppen. 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Tebruor. 20 Uhr, diesmal im Lebrervereinsbaus. Alerander- p'ast, wiederhalt mitd. Es wirken mit: Heinrich Mann, Edloff Zdpven, Ehristvvh Pfaendtner. Polizeioberst Echüstinger. Dr. Surt Meiicher. ffrcn Adele Schreiber.Zr'.eger u. a Zarten lind im Vorverkauf durch di» Geschäfts» stelle der»Deutschen Liga für Menschenrechte�. Wonbisvuvlast 10, erhältlich. Da» in Sharloltenbvrg weithin bekannte Spezialhan» für Teppich«, Linn. le»« n!m. oo« Gustav Bargeud« Z.-S. hat stch veranlastt gesehen, eine Zen. trafisteruna ihrer bisherigen Geschäftsstellen vorzunehmen und nach Auflösung dtrielben in der Wilmer-torser Str. 79 und Iohann-tkevrg.Strah» 26 am Zaiserdamm 3 Inrni'ien der hier stark auswärtsstrebendrn Sesch2st«iitwickluug ihr« neuen Geschäsls. und Ausstellunasrär'Me zu eröffnen, wohingegen di« bishirige Geschäftsstelle in der Windscheidftrast» ll weiter besteh:» bleibt. Unter der Leitung des Begründers und Inhaber» dieser ssirma. Herrn Dvüa» Bargende, dem es im Verlauf von last zwanzig Jahren vergönnt war. fein aus den kleinsten Ansängen heraus aeschofsenes Unternehmen zu einem der .führendsten dieser Branche zn acftaltcn. Da» neue Hauvtaeschäft am Zaiserdamm 3. da» mit allem Lomsort moderner Eeschäs'stechuik wie auch mit den raffiniertesten Beauemlichkeitrn. d'e«in so neuzeitUchr» Unternehme«r fordert, ausgestattet ist, weist in den ausgedehnten Rarterreräumen je eine Sonderabteilung für Teppiche und Linole.m auf. deren ausgedehnie Lager jedem Geschmack und jeder Börse Rechnung tragen. Dir Uirma Hossmann-Piano», Pianosortesabrik Sevoa Hossmann Gun.h.K.. Berlin SW. 1», nur Leipziger Str. 57(am Spitt elmarlli. hat ihren guten Ruf als Leritellerin absolut'onschäncr. dauerhafter und preiswerter Piano» bereits Uber 44 Jahr» behauptet, wovon taukenbe Anerkennungen Zeugn s geben. Reue Piano» schon von 900 M.. Müael 1679 M. unb Hamonium, 180 M. an. 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HobrnschÖn- KwIUampev- ma Radlorölirenfabrtlf »acht tflebt gen, unverheirateten Melsier für E nrchmelien i und Pumperei Ausfuhrliche Bewer- bungtsch reiben mit Zeugnisabschriften unter C*9 an die Hrpedltle» d e»«- reirun*. Nr 65• 48 �abraang 3. Beilage des Vorwärts Sonntag, 8 Februar 4934 Die Obstruktion gebrochen. In der gestrigen Reichstdgsftftung sprach nach den Reimern, über die wir jchyn im„Abend' berichtet l>aben, Abg� vöbrich(Landvolk): Wir lehnen den Antrag auf Reichs- tagsauflöfung ab, damit die notwendige» Maßnahmen für die Land- Wirtschaft nicht weiter hinausgeschoben werden. Wir verlangn ein« Umbildung der Reichsregierung im Sinne des nationalen Volks- willens. Dem Mißtrauensantrag stimmen wir pl. Abg. Dr. Ley(Ratsvz.): Im Mittelpunkt der Debatte hat nicht die Kanzlerred«, sondern die von Dr. Goebbels gestanden. Damit ist die überragende Bedeutung unserer Partei gekennzeichnet. Abg. Joos hat uns Terror vorgeworfen, ober wo die Zentrumsleute die Mehr- heit haben, da üben sie�Terrvr und Gewalt aus. Joos hat es ver- standen,«inen legalen Separatismus zu verbreiten, aber das Volk am Rhein unterscheidet nur zwischen denen, die im Dienst« Frank- reich? das Rheinland losreißen wollen und denen, die gegen dieses Gesindel gekämpft haben. Wenn wir die Macht haben, werden wir nicht die kleinen, sondern die groß«» Separatisten hängen. Präsident Lobe: Sie hoben doch den Vorwurf, im Dienste Frankreichs zu stehen, nicht gegen ein Mitglied d«s»Hauses genreint? Abg. Dr. Ley(Natso.z.): Das können wir im Augenblick nicht feststell«». Präsident Löbe: Damit weichen Sie meiner klaren Frage aus. (Lebh. Zustimmung der Mehrheit.) Die weiteren Ausführungen Dr. Leys rufen nur mitleidig« Heiterkeit hervor. Di« Aussprache ist beendet. 72 Stimmen Mehrheit für Brüning. Die Mißtrauensanträg« der Nationalsozialisten und der Kom- munisten gegen dos G«!amtkabinett werden in namentlicher Ab- stimmung mit 293 Stimmen der Mitte und der Sozialdemokratie gegen 221 Stimmen der Kommunisten und der Rechten bei 13 Eni- Haltungen(einige Landvolk usw.) abgelehnt. Gemäß einem An- trog Eiser(Zentr.� wird, wiederum in namentlicher Abstimmung, mit 312 gegen 296 Stimtnen bei 7 Enthaltungen beschlossen, über den Mißtraumsantrag gegen Minister Treviranus zur Tagesord- nung überzugehen. Der Antrag, den Reichstag aufzulösen wird, auch wieder namentlich, mit 313 gegen 297 Stimmen abgelehnt. tPfuirufe rechts.) Nun verlangt der Naziführer Abg. Slöhr Zusammentritt des Aeltestenrats und zu diesem Zweck Unterbrechung der Sißung— weil nach Zeitungsmeldungen die außenpolitische Debatte schon am Montag beginnen solle, statt am Dienstag, wie der Aeltestenrat beschlossen habe. Präsident Löhe: Roch vor einer Viertelstunde habe ich mit dem Außenminister gesprochen, daß die Debatte am Dienstag beginnen soll.(Große Heiterkeit.) Di« Natso.z. ärgern sich laut über den neuen Reinfall, dm ihnen der jugendlich« Uebereiser Stöhrs bereitet hat; einer nift .Ludenschwindel', womit er die falsche Pressemeldung meint, auf die sich Stöhr entriistungsvoll berufen hat. Obstruktion! Ueber die einzelnen Etatstitel bzw. die Streichungsanträge der Kommunisten oder der Rechten wird jedesmal namentlich ab- S gestimmt. Stöhr verlangt das immer, um die Beratung der Ge- chäftsordnung hinauszuschieben. Die Anträge selbst werden stets abgelehnt. Als Stöhr zuin dritten Male dieses Obstruktionsmanöver aufführt, ineldet sich Abg. Esser(Aentr.) zur Geschäftsordnung. Do der Präsiden jedoch bereits vorher die Unterstüftungsfrage ge- stellt hatte, sagt er dem Abg. Esser, man werde diese Frag« bei der nächsten Abstimmung klären— diese müsse man noch vornehmen. Segenschlag der Mehrheit. Vor der nächsten Abstimiming spricht— von der äußersten Linken und Rechten mit feindlichen Zurufen empfangen— Abg. Esser(Zentr.) zur Geschäftsordnung: Die Oppositions- Parteien versuchen, durch Anwendung aller geschästsordmings- mäßigen Mittel die rechtzeitige Erledigung des Etats zu gefährden. Die Mehrheit ist entschlossen, die gleichen Mittel anzuwenden, um die rechtzeitige Erledigung des Etats zu sichem. Unter Berufung auf die ZS 42 und 76 der Geschäftsordnung beantrage ich, über sämtliche Aenderungeanträge zur Tagesordnung überzugchen und den vorliegenden Etat in einer Abstimmung anzunehmen. (Stürmische Protestruse der Opposition.) Abg. Slöcker(Komm.) bekämpft diese Anträge als unzulässigen Rechtsraub gegen die Opposition. Es handle sich zunächst um die Repräsentationsgelder für den Reichskanzler und um die Gelder für die berüchtigte Korruptions- und Spißelzentrale des Heimatdienstes.(Präsident Löbe ersucht, solche Ausdrücke nicht zu gebrauchen.) Man könne doch den einzelnen Abgeordneten nicht verwehren, durch Abstimmung ,zu jeder dieser Positionen Stellung zu nebmen. Abg. Dr. Everling(Dnat.) äußert sich in gleichem Sinne und behauptet, daß der Antrag Esser nicht ehrlich gemeint sei. In nomentlicher Abstimmung wird der erste Antrag Ester— Ueberaang zur Tagesordnung über sämtliche Aenderungsanträq«— mit 391 gegen 218 Stimmen beschlossen.— Den zweiten Antrag Ester beantragt Abg. Dr. Everling(Dnat.) als nicht ernst gemeint durch lieber- gang zur Tagesordnung zu erledigen. Di« Mehrheit habe das gleiche noch vor kurzer Zeit gegen den„Vertranensantrag' der Reckten für die Regierung getan. Iejst wolle die Mehrheit, da die Verfassung nicht mehr bestehe,— das letzt« Recht der Minderheit konfiszieren. Abg. Slöhr(Natsoz.): Von Ihnen haben wir nichts anderes erwartet. Das Volk drauhei� wird Ihnen die Antwort geben, dafür werden wir schon sorgen. Sie. Iderr Prälat Leicht, wagen das ,zn bezweifeln? Hätten Sie doch unseren Auflösungsantrag ongenom- men. dann wäre die Hälfte von Ihnen nicht mehr hier hereingekommen. Ich beantrage, über den Antrag Everling namentlich abzustimmen. Abg. Ester(Zentr.)— von der Opposition mit Niederrufen begrüßt— beruft sich darauf, daß beim Zolltarif l92S die Mehrheit aui dr.nacndc Bitren und mit wärmster llnterstüßunq der Deutsch- nationalen ebenso vorgegangen sei, wie heute.* Abg. Torqler(Komm.) bezeichnet den Antrag Ester mehrfach als«inen Siran gulieruirgsversuch. Präsident Löbe: Es handelt sich um eine Nvtwehrmaßnahme. Der Etat hat 19 990 Kapitel und Titel. Wenn man da jedesmal, wie es heute geschehen ist. namentliche Abstimmung herbeiführt, dann beweist das den Willen, die Erledigung des Etats unmöolich zu machen. Die Mehrheit muß auch das Recht haben, in solchen Fällen Ab- «ehr maßnahmen zu treffe». Ich nehm« an, daß es bei de» anderen Der erste Etatsabschnitt erledigt. Teilen des Etats gelingen wird, beide Teile von diesem Weg zurück- zuführen und die Möglichkeit ordnungsgemäßer Erledigung zu schaffen.(Beifall und Widerspruch.) Abg. Dr. Everling(Dnat.): Wenn man es so machen will, dann ist es doch bester, gleich nach Hause zu gehen. Mit Ihrer Demo- kratie ist oe, flucht nischt mehr losl Abg. Slöcker(Komm.): Wir hatten nicht einmal zu unseren Aenderungsanträgen namentliche Abstimmung beantragt. Diese Behcnipiung des Präsidenten zeigt nur, daß er, wenn er sich auch den Anschein der Objektivität gibt, in Wahrheit der Einpeitscher dieses Systems ist. 1926 haben die Sozialdemokraten genau so gegen den Anschlag der Zollwuchermehrheit gekämpft wie wir heute gegen eine Mehrheit, der dieselben Sozialdemokraten angehören. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Everling, über den zweiten Antrag Esser zckr Tagesordnung über, zugehen, ab- gelehnt. Darauf wird der zweite Antrag Ester aus en bloc-An- nahm« der ausgerufenen Etatskapitel und Titel mit 312 gegen 296 Stimmen angenommen. Abg. Dr. Frick(Natsoz.) möchte gern noch eine namentliche Abstimmung herbeiführen, indem er behauptet, durch diese Abstimmung sei der vorliegende Etat noch gar nicht angenommen, sondern nur beschlosten worden, über ihn in einer Abstimmung zu entscheiden. Abg. Dr. Everling(Dnat.) spricht in gleichem Sinn« und äußert die Vermutung, daß viele, die den Antrag Esser soeben an- genommen haben, gar nicht gewußt hätten, worum es sich handle. (Mitleidige Heiterkeit der Mehrheit.) Abg. Esser(Zentr.) wird von den radikalen Parteien durch minutenlange Rufe„Schieber',„neue Schiebung' usw. am Reden gehindert und erklärt dann wahrheitsgvnäß, daß er beantragt Hab«, den vorliegenden Etat in einer Abstimmung anzunehmen.— Damit ist der vorliegende Etat erledigt. Entsprechend einem Beschluß des Aestestenrates wird die Beratung abgebrochen und auf Montag, 3 Uhr, vertagt. Anträge der Kom- munisten, Nazis und Deutschnationalen, die Montagsißung doch nicht mit der Geschäftsordnungsreform und den Immunitätsauf- Hebungen zu„verplempern', sondern dafür den Aueschußbericht über Frischfleischverbilligung und den Etat des Reichswirtschafts- Ministeriums, sowie die auswärtige Politik zu beroten, werden abgelehnt. Schluß gegen 16)4 Uhr. Dei' Nazimann am Badasirand. nie nelGhsiamen hatten es Ihm angetan.— Erst(rech, dann leise. Der Wjährige Maschinenschlosser F. flüchtete am 27. Juli v.J. aus der schwarzrotgoldenen Reichshauptstadt m das sogenannte Borkum des Ostens— P r e r o w, um Hier in Gesellschaft zweier Damen sein Wochenende zu oerbringen Dieses„Nazibad'— hoffte er— würde doch republikaner- und judenrein sein: sucht doch selbst „Pg.' Goebbels hier Erholung. Groß war sein Staunen, als er am Sonntagmorgen ganz unerwartet auf drei schwarzrotgoldene Fähnchen stieß, die unbesorgt an den Strandkörben von Republi- kanern wehten. Bei diesem Anblick sang er das schöne Volkslied: „Alle Bogel sind schon da', und statt des Reimes„Amsel, Drossel, Fink und Meisel' den Reim„Und das Reichsbanner schwarzrot Sch.....". Herr G., dem das schwarzrotgoldene Fähnchen ge- härte, empfand den Gesang als Beleidigung der Reichs- flagge. Er ging dem Sänger nach, bat üm seüien Namen, er- hielt aber zur Antwort:„Was wollen Sie, wir rollen den ganzen Strand aus.' Einige Minuten später erschien der tapfer« Mann, der eben erst„den ganzen Strand aufrollen' wollte, bei Herrn G. und erklärte, er wolle sich mit ihn noch ein wenig untcrhaften— es war nämlich vorher unter Bezugnahme auf ihn das Wort „L a u s b u b c' gefallen. Noch einmal um den Namen befragt, ver- weigert« er ihn auch jetzt, worauf er zu hören bekam:„Erst frech, dann feige.' Ein anderer Republikaner, der sich in Gesellschaft des G. befand, äußerte seinerseits:„Dazu hat man sich im Felde herumgeschlagen und sich die Knochen kaputtschießen lassen, damit einem hier so junge Leute den Badefrieden stören.' Worauf der Hakenkreuzlerische junge Mann erwiderte:„Es ist traurig, wenn Sie am Krieg teilgenommen haben, daß Sie unter dieser Fahne sitzen' — später behauptete er, nur gesagt zu haben:„Wenn Sie unter dem„Vorwärts' sitzen(der Kriegsinvalide las nämlich den „Vorwärts'). Die erste Instanz verurteilte den nationalsozialistischen Ma- schinenschlosser trotz seiner faulen Ausreden, das Lied sei nur der Ausfluß natürlicher Fröhlichkeit gewesen und dergleichen mehr, unter Versagung mildernder Umstände zu drei Monaten Ge- s ä n g n i s. Die zweite Instanz war milder gestimmt. Sie setzte die Strafe auf einen Monat Gefängnis herab. In der Verhandlung zeigte sich der brave lliozimann des Ausspruches würdig, der über ihn an jenem Sonntag gemacht wurde: Zuerst frech, dann feige. Er erklärte nämlich, nicht die republikanischen Reichssarben, sondern bloß das Reichsbanner gemeint zu habe». Die Herren Hakenkreuzlcr werden sich schon daran gewöhnen müsten, daß auch in Prerow wie überall die Fahnen der Republik fröhlich im Winde flattert. Dunkle Ausogeschäfie. Hunderte von Waaen beim Glase Wein verkaust. vor dem Schössengerich l Schöneberg hafte sich gestern der s:ühere Rcedereibesitzer vikkor Schuppe unter der Anklage des Betruges zu verantworten. Mitangeklagt wegen Beihilfe war ein Direktor Schaller. Dies« Anklage betrifft Geschäfte, die Viktor Schuppe zu der Zeit gciätiot hat, als seine großen Unternehmungen noch bestanden. Er war im Jahre 1926 schon in Zahlungsschwierigkeiten und wandte sich an die A u t o- L o m b a r d- und Handels- gesell sch ast, die für einen englischen Kreditgeber tätig war. Er erhielt einen Kredit von 125 999 Mark und verpfändete 29 Automobile, wobei er eine eidesstattliche Versicherung abgab, daß er freies Verfügungsrecht über diese Wagen habe. Sämtliche Wagen befanden sich in der Lagerhalle einer Baugcscll- schaft, deren Geschäftsführer Schaller war. Schaller bestätigte auch seinem Freunde, daß die Wagen Schuppes Eigentum seien. Als Schuppes Unternehmungen bald darauf zusammenbrachen und er selbst nach Italien fuhr, um seine beiden Schisie„Peer G y n t' und„N ixe' zu reiten, wurde die Lombardgesellschaf: um ihr Geld besorgt und wollte die Wogen aus oer Halle heraus- holen. Inzwischen hatte aber schon die Autogesellschaft Scha- piro auf diese Wagen Beschlag g«legt. weil die Autos Schuppe nur kommissionsweise überlassen worden waren. Darauf- hin erfolgte die Anklage gegen Schuppe wegen Betruges und gegen Schaller wegen Beihilfe. In der Verhandlung stell!« der Verteidiger unter Beweis, daß di« Rechtsverchältnisse an den Wagen so undurchsichtig gewesen seien, daß über das Eigentum ein« Klarheit nicht mehr zu schaffen sei. In der Lagerhall« hätten Hinderte von Wagen ge- standen, die teils von Schuppe, teils von Troschke untergestellt waren. Die Zeugen Karl A. Klein und Schapiro bekundeten auch auf Befragen des Derleidigers, daß sehr häufig bei einem Glase wein Dutzende und sogar Hunderle von Autos aus einmal an Schuppe verkauft worden seien, ohne daß«Ine schriftliche vesläli- gung erfdlgk fest Schapiro meinte, daß bei dem großen Umsatz seines Geschäfts von 145 Millionen Mark heute nicht mehr zu sagen sei, wem die Wagen damals gehört hätten. Es sei wohl möglich, daß sie an Schuppe auf Wort verkauft worden waren. Der Staatsanwalt beantragte gegen Schupp« 6 Monate Gefängnis und 19 999 Mark Geldstrafe und für Schaller Frei- sprechung. Der Verteidiger oerlangte, daß Schaller wegen erwiese- ner Unschuld und Schuppe mangels Beweises freigesprochen werde. Das Schöffengericht kam auch in diesem Sinne zur Frei- s p r e ch u n g beider Angeklagten. Der Maler des Berlineriums. Daniel Ebodowiecki. Der Sammeleifer von Kunstblättern in den breiten Schichten des Bürgertums in der Zeit des Schongauer, Dürer und der un- mittelbar diesen nachfolgenden Kleinmeister ist der künstlerische Aus- druck des bürgerlichen Kunstinteresses. Alles, was das Leben an Gereimtem und Ungereimtem, Hohem und Niedrigem, Landläufigem und Auffälligem bot, erhielt bildlichen Ausdruck und entsproß ideal der Volksphantasie. Die späteren Jahrhunderte jedoch entsremdeten dem Volksgeist das Kunstschafftn, das durch die Renaissance sich andere Ziele setzte. Im 18. Jahrhundert knüpfte in Berlin der überaus fruchtbare Graveur Daniel E H o d o w i e ck i an die frühere Tradition wieder an, dessen Todestag.sich jüngst zum 139. Male jährte. Er wurde der größte Meister aus dem Gebiete der Buch- illustrotion und fand mit seiner volkstümlichen Kunst eine donkbare Mitwest. Seine Darftellungen sind einfach und prägnant, spielen möglichst in kleinem Raum und wurden dem Zeitgeschmack ent- sprechend radiert. Aus dem Bürgerstand herauskommend, arbeitete er in erster Linie für diesen. Seine ersten Vorbilder waren Stiche von Watteau, Pater und Loncret, die er reichlich in seiner Geburtsstadt D a n z i g und später in den Berliner und Potsdamer Schlössern fand. Aber sein Feld ist die treue und objektive Beobachtung und Nachbildung des wirklichen Lebens, wie es sich in ihm und um ihn täglich abspielte. Er ist der verläßlichste Sittenmaler seiner Zeit, der mit feinster Beobachtung jede Einzelheit in schärfster psychologischer Charakteristik wiedergibt. Zu seiner Eigenart rang er sich durchaus selbständig, ohne fremd« Lehrmeister, durch. Deshalb ist Ehodowiecki mit seiner künstlerischen und persön» lichen Anschauung ganz und gar mit seiner Zeit und Berlin verwachsen, deren gute und gesunde Eigenschasten er mit nüchterner Verständigkeit ebenso trefflich schildert wie ihre Mängel. Aus diesem Geist heraus trugen feine Blätter den Stempel der Ehrbarkeit und der pedantischen Prosa, die damals in den nordischen Bürgerhäusern breitesten Boden fanden. Philiströse Abgemestenheit, wie er sie p. a. in dem charakteristischen Blatt„Landpartie nach Französisch-Buch« holz' geißelt, lag ihm persönlich jedoch fern, denn er war eine Künstlernatur von regem geistigen Interesse und feiner Lebenskorm. Seine erste fertige Radierung in Berlin, ein satirisches Geieaenheits- blast„Passe-dix', erschien 1758 und schildert ein Berliner Bierhaiis- milieu unter erborgtem Namen. 1764 wurde er Mitalied der Akademie, als die Radiernadel durch den sogenannten„Großen Kolas' die allgemeine Aufmerksamkeit aus den Stecher Ehodowiecki gelenkt hatte. Im folgenden Jahre illustrierte er„Minna von Barnhelm' mit entscheidendem Erfolg. Er war von nun an 39 Jahre hindurch gefeierter, viel begehrter Illustrator. Ein nortrefflicher Zug seines Lebens war die Wohltätigkeit, die er in sehr großem Maßstäbe übte. So gab er jährlich 399 Taler an die Armen, auch zeichnet? er kür die ileberschwemmten in Frankfurt ein Blatt, das über 14 999 Mari einbrachte. Schließfächer für Abholer beim Postamt Sw. 48. Bei dein neu- zeitlich eingerichteten Postamt S D. 4 8 in der Puttkamerstraße ist eine Schließfachanloge gcfäxisfen woriden. die jetzt dem öffentlichen Verkehr übergeben wurde. Einige S't ließfächer ft"r Post- abboler sind noch frei. Interestenten erhasten sowohl beim Postamt SW. 48(Telepbon: Bergmann 132) al» auch beim Postamt SW. 68, Lindenstraß«(Telephon: Dönhoff 5525) bereitwilligst Auskunft. Deutsche Spezialitäten. Wie man bei uns die Arbeitslosigkeit bekämpft. Welches auch die Mittel sein mögen, die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorgeschlagen werden, einig wird man darüber sein, daß wir es nicht mit einer lokalen Angelegenheit Deutschlands zu tun haben, sondern mit einem Uebel, das über die ganze Welt ver- breitet ist. Nicht überall tritt die Arbeitslosigkeit gleich stark in Erscheinung. Am schwächsten ist sie scheinbar in Frankreich. Das ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß Frankreich in Zeiten der Hochkonjunktur bis 3 Millionen Ausländer beschäftigt, die in Krisenzeiten teils in ihre Heimat zurückkehren, teils— soweit es sich um Saisonarbeiter handelt— nicht angefordert, teils nicht zur Einwanderung zuge- lassen werden. Wenn also Frankreich eine Million Arbeitslose hat, so ist das— unter Anrechnung des natürlichen Abflusses von zwei Millionen Ausländern— ungefähr so viel, wie wenn Deurschland fünf Millionen Arbeitslose hat. Mit dem immerhin wesentlichen Unterschied, daß Deutschland für seine fünf Millionen selbst sorgen muß.... Gegenwärtig dürfte Frankreich nicht sehr weit sein von einer Million Arbeitsloser. Die Zahlen der„eingetragenen� Arbeitslosen ist nicht zu verwechseln mit der tatsächlichen Llrbeits- losenzahl. Dies eine Beispiel zeigt uns, daß die Behauptung ganz daneben trifft, die den Zsung-Plan als die Krisenursache angibt. Arbeitslosigkeit gibt es in den Vereinigten Staaten, die den Hauptteil der Reparationszahlungen erhalten, wie in Schweden, Holland und der Schweiz, die als ehemalige Neutrale als die eigent- lichen Kriegsgewinner bezeichnet werden können.(Rußland, wo in jeder Hinsicht Zwangswirtschaft und Massenelend herrschen, kann hier außer Betracht bleiben.) Wer die Struktur der Wirtschast der verschiedenen Länder kennt, wird nur zu dem Schluß kommen, daß die Wirtschafskrise dort am s ch ä r f st e n ist, wo die Rationalisierung ohne Rücksicht auf den Menschen oder den Kon» s u m e n t e n am schärfsten durchgeführt worden ist. Dabei spielt die absolute Lohnhöhe nicht die entscheidende Rolle. Polen und Italien, mit den niedrigsten Löhnen, haben zwar «ine schwere Arbeitslosigkeit, die aber sicherlich unter der Arbeits- losigkeit Deutschlands liegt und nicht viel höher ist als die Arbeits- losigkeit in Nordamerika, das ungleich höhere Löhne zahlt, die höchsten nach Australien. Die relativ niedrigste Arbeitslosen- Ziffer dürften Schweden und Australien haben, beides allerdings Länder mit ausgesprochen hohen Löhnen. Nicht auf die aosolute Lohnhöhe, sondern auf das Verhältnis von Löhnen und Produktions- kosten,* auf die sinngemäße Verwendung des Produktions er trags komnil es an. War es vor dem Krieg üblich, die Produktionsanlagen in einer Durchschnittsperiods von 15 Jahren abzuschreiben, so dürft« heut« der Durchschnitt in Deutschland und Nordamerika auf weniger als fünf Jahre gesunken sein. Wie der stellvertretende Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Butler berichtet, haben von 200 großen amerikanischen Unternehmungen 43,6 Prozent erklärt, sie schreiben ihre Neuanlagen in zwei Jahren ab, 64,1 Prozent schreiben in zwei bis drei Jahren ab. Wir wissen von unseren deutschen Großunternehmungen, daß hier die Frist noch kürzer ist. Dazu kommt die„Rationalisierung", die einfach nur reine Macht- interessen verfolgt, wie der Aufkauf von Außenseitern, gefolgt von der Stillegung der Betriebe. Di« Produktionskapazität ist heute derart gestiegen, daß nach einer Erklärung des Kommissars der Arbeitsstatistik der Bereinigten Staaten 200 von den dort bestehenden 1357 Schuhfabriken genügen, um den gesamten Schuh- bedarf der Vereinigten Staaten zu decken. Die anderen 1157 könnten schließen. Ebenso würden von den 6057 Sleinkohlenzechen 1467 den Gesamlbedars decken, wenn sie 300 Tage im Jahre voll arbeiteten. Man kann angesichts dieser Tatsachen, die uns anmuten, als wären sie aus Deutschland, auf alle möglichen Vorschläge verfallen, aber man wird auf der weiten Welt niemanden treffen, der ernschast die Behauptung aufstellen wird, die Wirtschaftskrise käme von den hohen Löhnen und sei zu heilen durch deren Senkung. Nirgends auf der ganzen Welt— außer in Deutschland. Hier haben die Unternehmer sogar verkündet, die Arbeitslosen- Versicherung und der Achtstundentag"seien schuld an der Arbeits- losigkeit. Wenn die Arbeiter durch den nackten Hunger erst einmal gezwungen sein würden, wieder neun und zehn Stunden zu arbeiten, zu Löhnen, die etwa um 25 Prozent gekürzt wären, dann würde die Arbeitslosigkeit verschwinden! Außerdem haben wir als deutsche Spezialität ein« Sekte von Fetischisten, die die Arbeitslosigkeit mit der mehr oder weniger freiwilligen Arbeitsdien st pflicht heilen wollen. Herr von B a t o ck i, Mitglied der Gutachterkommission über die Arbeits- losigkeit, gehört zu dieser Art wirtschaftlicher Gesundbeter, die man eigentlich in einem Kabinett von Abnormitäten zur Schau stellen sollte. Bon Hugenberg und Feder, die die Gold- Währung als Krisenursache ansehen, wollen wir nicht erst reden. Als deutsche Spezialität können wir auch einen Arbeits- m i n i st e r und ein amtliches Schlichtungswesen aufweisen, die die Wirtschaftskrise durch den Lohnabbau heilen wollen, also etwa die Trockenheit des Bodens durch Entwässerungsanlagen.- Man darf sich unter diesen Umständen nicht wundern, wenn wir in Deutschland zu einer beispielslosen Wirtschastskatastroph« treiben. Wir haben eine ungeheure Ueberkapazität der Produktion: unsere Löhne machen heute im Durchschnitt kaum noch 25 Prozent der Produktionskosten aus: diese 25 Prozent repräsentieren aber zwei Drittel des Konsums, und offiziell wird erklärt: der Lohnanteil ist zu hoch! Ueber eines muß man sich ober wundern: über die Langmut der Oeffentlichkeit. Aber auch das scheint eine deutsche Spezialität., Bauunternehmer greifen an. Gegen Tarifvertrag, Löhne und Jenen. Am 31. März d. I. läuft der Reichstarifoertrag für Hoch-, Beton- und Tiefbauarbeiten ab, zu gleicher Zeit auch die in den Bezirken für das Baugewerbe festgesetzten Löhne. Aus diesem Grunde waren, wie wir gestern bereits kurz berichteten, am 5. und 6. Februar Berhandlungen zwischen den Vertragsparteien im Reichs- arbeitsministerium zu Berlin. Von den Arbeiterorganisationen waren an den Berhandlungen beteiligt der Deutsche Baugewerksbund, der Zimmererverband, der Verband christlicher Bauarbeiter und der Verband der Maschinisten und Heizer. Es sollte zunächst über einen neuen R eichst avifvertrag verhandelt werden. Die Forderungen hierzu gingen auf beiden Seiten weit auseinander. Die Arbeiterorganisationen ver- langten die reichstarifliche Festlegung einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden. Sie verlangten ferner eine Verbesserung des Urlaubs bei Er- wachsenen und Lehrlingen. Verbessert werden sollten die Bestim- mungen über das Baudelegiertenwesen und das Schlichtungsverfahren. Akkordarbeit soll künftig u n z u- lässig sein. Die sonst noch gestellten Anträge sind weniger ein- schneidender Natur. Die Unternehmer dagegen verlangten, daß über einen Reichs- tarifvertrag und die bezirklichen Löhne zu gleicher Zeit verhandelt werden müsse und die Verhandlungen, vor allem über die Löhne, am 28. Februar abgeschlossen sein sollten. Sie verlangten ferner, daß Lohngebiete, über die die Allgemeinverbindlichkeit nicht ausgesprochen wird, automatisch aus dem Geltungs- bereich des betreffenden Lohn- und Arbeitsgebietes ausscheiden sollen. Die Ferien wollen die Unternehmer vollständig beseitigt wissen. die Lehrlingsbestimmungen sollen aus dem Reichstarif gänzlich verschwinden. Auch viele ander« Forderungen der Unternehmer laufen daraus hinaus, die materielle und soziale Lage der Bauarbeiter zu verschlechtern. Die Verhandlungen erwiesen sofort, daß den Bauunternehmern an der Fortsetzung eines Reichstarifoertragsverhältnifses sehr wenig gelegen ist. Man kam über einzelne Tastversuche nicht hinaus. Das Schwergewicht verlegten die Unternehmer auf die Festsetzung der bezirklichen Löhne bis zum 28. Februar. Vor allem scheint der Reichoverband des Deutschen Tiesbaugewerbes einen Reichstarifvertrag als lästige Fessel zu empfinden: angesichts der mangelhaften Organisation der Arbeiter im Tiesbaugewerbe möchte er am liebsten die Löhne nach seinem Gusto bemessen. Die Verhandlung stand so, daß die'Ärbeitcrvertreter das Schwer- gewicht legten zunächst auf die Verhandlungen über einen Reichs- tarifvertrag, während die Untcrnehmervertreter diesen Ler- Handlungen nur wenig Zuneigung entgegenbrachten und vor allein erst über die Löhne in den Bezirken entschieden wissen wollten. Nach längeren Verhandlungen erklärten sich die Zlrbeiter- Vertreter bereit, vom 23. bis zum 29. Februar über die bezirklichen Löhne in den Bezirken zu verlrandeln. Jedoch müsse der Reichs- tarifvertrag mindestens in feinen grundlegenden und einschneidendsten Bestimmungen bis zum 20. Februar abgeschlossen vorliegen. Die Unternehmer erklärten, die in dem Vorschlag geforderten Bindungen seien zu scharf und eng begrenzt. Und als dann in den weiteren Verhandlungen die Arbeiteroertreter die von ihnen ge- meinten wichtigen Punkte scharf umrisien, erklärten die Unternehmer auch dies für unannehmbar. Damit waren ihre Bestrebungen vor aller Augen offenbar: Den Bauunternehmern kommt e» nur auf die Löhne au. den Reichstarifoertrag empfinden sie als eine belästigende Fessel. 70 Prozent der Bauarbeiter sind ja heute arbeitslos und draußen liegt dicker Schnee: das steigert das Selbstbewußtfein dieser Herren. Und da die Lohnabbaupsychos« in Deutschland bereits chronisch geworden ist, sind auch sie in stärkster Weise davon ergriffen. Jahrelang hat man ja gegen die„hohen" Bauarbeiterlöhne mobil gemacht. Jahrelang lügt man ja. die hohen Baukosten rührten nur her von den„übermäßig hohen" Bauarbeiterlöhnen. Das alles war lügenhafte Vorarbeit für den Abbau der Bauarbeiterlöhne. und der soll doppelt und dreifach geschehen. Verschlechterung des Reichstarifvertrages! Fort mit den Ferien aus dem Reichstarif- vertrag! Ins Ungemessene gesteigerte Akkordarbeit, über deren Be- Zahlung nur die Unternehmer befinden! Fort mit dem Acht- stundentag oder gar mit der 40-Stunden-Woche! Das ist heute das Kampfgeschrei der baugewerblichen Unternehmerverbände. Auch die dann noch in einer engeren Kommission gepflegten Verhandlungen brachten kein« Annäherung. Damit waren die Ver- Handlungen endgültig gescheitert. Die baugewerblichen Unternehmer wollen keine Einigung. Sie wollen die ohnehin von Elend und Not bedrückten und heute bereits zu Gelegenheitsarbeitern herabgedrückten Bauarbeiter in jeder Weise knebeln und ihre beschränkte Existenz noch mehr einengen. Aber dieser frechen Angriffe auf ihre geschmälerte Existenz werden sich die Bauarbeiter zu erwehren wissen. Sie mögen dafür solßsn, daß ihr« Organisationen auf alle Fälle gerüstet dastehen. Schiedsspruch im Buchbindergewerbe. Gilt nicht für Verlin. Für die in den Geschäftsbüchersabriken, der Briefumschlag- Industrie und in den Betrieben des Bundes deutscher Buchbinder- innungen, Handwerksbetriebe, sowie in den Buchdruckereien Deutsch- lanlds, ausgenommen Berlin, Hamburg und diejenigen Orte, wo bisher der Buchdruckertarif Gültigkeit hat, beschäftigten Buch- binder und Buchbindereiarbellennnen wurde im Schlichtungsver- fahren vor dem Reichsarbestsministcrium ein für die Tarifparteien bindender Schiedsspruch gefällt. Der bisherige Lohn wurde um 6 Prozent gesenkt. Der Spitzenlvhn beträgt 1,07 M. Alle übrigen Lohnsätze verrechnen sich nach dem Schema des Reichsmanteltarifvertragcs. Der Lohntarif hat Gültigkeit vom 5. Februar 5iz 12. August 1931. Für die Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen in den Gr o ß l> ii�h bindereien Deutschlands wurde am 6. Februar unter Anlehnung an den vorstehenden Schiedsspruch eine Verein- barung oe troffen, nach der der Spitzenlohn in gleichem Ausmaße ebenfalls auf 1,07 M. festgesetzt wurde. Die Akkordpreise wurden um 4 Prozent gesenkt. Dieser Lohntarif soll Gültigkeit habe» oa» 5. Februar bis 26. August 1931. Bezüglich der Akkordpreise soll die Neuregelung bis 30. Juni 1932 gelten. * Unsere Mitteilung vom Freitag ist michin dahin zu ergänzen, daß dieser Lohnabbauschiedsspruch für Berlin keine Geltung hat. j „Revolutionäre" Feiglinge. Man drückt sich mittels Passierschein. Bei der Firma H. Klüssendorf, Allgem. Maschinenbau, Gerichlstr. 23, ist am Freitag eine Aufforderung des kommunisti- schen„Einheitsverbandes" zum IL-Smude-Proteststreik gegen den Nazimord ergangen. Die kommunistische Organisation hat nämlich dort tatsächlich einige Mitgsieder. Die kommunistischen Drahtzieher sammelten Umerschriften für die Beteiligung am Stveit. Der Funktionär dieser Spaltertruppe, Karl Schmidt, zog es aber vor, bei Herannahen der Streikzeit, die von 914 bis 4 Uhr festgesetzt war, sich aus dem Betrieb zu entfernen, wozu er sich vom Meister einen Passierschein geben ließ. Wie ein Lauffeuer oerbreitete sich im Betrieb diese Feigheit und erregte große Empörung unter den Mitgliedern des„Cinhei.s- Verbandes". Um%4 Uhr, als die Streikzeit da war. leistete nicht ein Mitglied der Parole Folge, selbst der zweit« Betriebsrat, Alfred Kühn, verließ vor 4 Uhr nicht den Arbeits» platz! Darauf flogen die Mitgliedsbücher diesen Arbeiterführern gegen den oppositionellen Schädel. Ein durchschlagender Erfolg der NGO. Im übrigen war es in allen anderen Betrieben nicht viel anders. Berliner Schuhmacher! Man schreibt uns: Morgen Montag, 18 Uhr, tagt im Berliner Gewerkfchaftshaus die Generaloersammlung der Berliner Schuh- niacher. Im vorigen Jahre wurde mit einer geringen Stimmen- Mehrheit eine Ortsoerwaitung gewählt, die sich fast restlos aus aus- geschlossenen Kommuni lten zusammensetzte. Die aus dem Boden derAmsterdamerRichtung stehenden Kollegen wurden, wie auch in den vorhergehenden Jahren, von der Mitarbeit aus- geschlossen. Durch diese einseitige Besetzung der Ort-oerwaltung wurde der Organisation nicht gedient. Häusig wurde über Rechts- oder Linkskommunismus debattiert. Man versuchte den abgehalfterten Führern der KPD. in der Zeit vor der Reichstagswahl Gelegenheit zum Reden zu geben. Vieles aber, was zum Nutzen der Organi- falion war, wurde nicht beachtet. Die Ortsverwaltung plant, chren Geschäftsbericht mit einer Berhandlung über die Kündigung des Reichstarifs zu verbinden. Man kann aus dieser Absicht nur entnehmen, daß sie einer grundsätzlichen Kritik aus dem Weg« gehen will. Eine Der- bindung der Arbeitgeberforderungen zum Lohntarif mit dem Jahres- bericht der Ortsverwaltung muß dazu führen, daß kein« Frage richtig behandelt werden kann. Es ist die Pflicht aller gewerkschaststreuen Schuhmacher, am Montag pünktlich zur Generalversammlung zu erscheinen und dort sachlich« Mitarbeit zur Ueberwindung der Schwierigkellen, die die� Anhänger und Förderer der RGO. geschaffen haben, zu fordern. Arbeitskonfliki in Schweden. Auch in Schweden macht sich in Arbeitgeberkreisen«in?-5 Lohnabbaumanie bemerkbar. Berschieden« Llchnkürzungs- sg versuche wurden mit Streits beantwortet, die fast innner zugunst.'N der Arbeiterschasl beendigt werden konnten. Der Tarifvertrag des schwedischen Baugewer- des wurde nicht gekündigt. Seine Geltungsdauer wurd? damit in allen seinen Teilen auf ein Jahr(bis zum 1. April 1932) verlängert. Unter den Tarifvertrag fallen zirka 15 000 Bau- arbeitet-._• Berliner Gewerkschaftsschule. Stt nächste aibeitsr«chtlich» Informa'ioniodend Mr Betriebsrat« findet statt am Di-n-tag, d«m 10. ffebruar, IS Uhr. im Saal Z 6«s Snorttschatts. bausc«, Cuflclulct 24—25. Leiter dcslellxn ist der Senoll« Dr.«rirno Bröckrr. Dt« Brtrirbsrät« baden die MSalichteit. auf dielen Inwrmationsabende» vraltilchc ZaU« aus dem Ketrieb norim trauen. Weiter werden auf den In- foruiationsabendcn letttinstaiutlich« Urteile der Arbett-rechtspr-chuna bcbandelt. Die Teilnahme an den Informalionsabcnden ist jedem freiaeyUrsschaktlich or- «onisterten Dettiebsrat mäqlich. Eintrittsgeld wird nicht ettiaben. Borberige Anmlduna ist nicht nötig. Bezirk«lutt Weißensee. Betri«b»sraktio» der SPD. Montag, WA Uhr. W bei Gallas. Lebderstr. 122, ffr-itianmierl-mmlun«. Referat des Se. Fi S nassen Dr. Schllstinger:.Sea«n den Faschismus". SPD..Frattionsfitiu», aller bei der Milabfnbr beschäftigte» t I - j SPD..Ritgli«der heute, WA Uhr, bei Konoid. 8ieg«l- Ecke Kolkscheunen» m Fi straft«. Enmraihiiiereird» find mitzubringen. g W SPD..Betri«bsir«tti°n im Gefamtoerba»» der ftädtisch»» Arbeit. Fi i( nthrncc de» Bezirksamt«», Wilmersdorf. Montag. 20 Uhr. bei Lau. FI Fi Sildegard- Ecke Schrammstrafte, zraktionsnersammlung. Die politische FI FZ Lage und das neue Gefcft Grvft.Berlin. Referent: Stadtverordneter Fi Fl Genosse Wonwod. Bericht ober die Neuwahl des Gefamtbetriebsrats FZ Fi Berlin. Enmpathistereude sind einzuladen. FZ Fi SPD..Krakl>»n Stadtentwässerung. Montag, IS Uhr. im Lokal Fi Fi»Neue Schleus«", MUHIcndamm z lNähe Mollenmarktl, wichtig« Bei- m FZ sammlun«. Bortrag des Genossen Dr. BLIter, M. d. R. H B«»..Krar»i»n,,oeIide»d«. Wichtla« Befvrechuna Dienstag. I« Uhr. jg vor Beginn der Kundgebung im groften Saal der Kammersäle. Deutscher Baugeweek-bund, Bangrwerllckast Berlin,»chtuna.«Nord mauere! Am Mittwoch, dem II. ssrbruar, 17 Uhr, Bersammluna in den Restdenz-fsell» säten, Landsberger Str. LI. grosser Saal. Tagesordnung: Aohresbericht. Neu- wabl der Berhandlunqskommissson, Z-grisangeieaenbei-en und Berschiedenes. Da» Erscheinen aller Kollegen, Aklordmaurer und Kollegen Ko'onnenfllbrer ist unbedtngt erforderlich. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Baugewerkschaftmiorltand. Berdand der Maler. Lackierer. Sektion. Dienstag. ls>; Ubr. im Sewerk. schaftshaus, Berlin, Engelufcr 24—25, Saal 3. Sektionsversammlung der Lackierer. Lohn», Tarif, und Arbeitsverhältnis im Berliner Lackierergewerbe. Refcrent: Kollege Schumann. Da in dieser Bersammluna die gesamten Ber. hältniss« im Lackierergewcrbe behandelt werdcn, wird erwartet, daft vollzählig und vllnktlich dia gesamte Kvllegenschast erscheint. Ohne Mligliedsbuch kein Zutritt.' Di« Sektioasleit,»«. l�reie Gewerkschafts-Iuaend Berlin Unter Leitung von Seren Professor Lea Kestenberg»«raastalten wir am S-aat-g. dem 1». Februar, im E-clli-a Snzeam. BerU». Lichten. berg, Ra.hausste. 8, einen Abend:.?om Bslkslied zum Stblaoer". 'ä»arth zar Nieden.«ialaft I»ZH u»r. Begiaa 2» Uhe. «ofteabettrag 25 Ps. «�uaenstaruppe des?en/i Uhr Staat;. Scliiller-Ttiealer.ttiaritlio. 20 Uhr Don Carlos Ende nach 23 Uhr PfcAZA 1 Täqi. S u. SU Sonnt. 2, 5 o. ß 18 Alex. E 4. 8066 Nehm. 60 Pf.— 1 M.,»dös. 1-2 M 3truno Xsufner. Tiggo Xarsen JUanilloum. IGOWandertaabenatw. 1 «sä' Winter ' Garten* 8 15 übt. Zeotr. 2819. Uiuta rlffibl 7 Alfredos—„Arcano" Dollnoffs— 3 Cresaos usw. und dla Codonas Keula 2 Vorstellungen 4 und 8"» Uhr.« Uhr kleine Pr. VOlKsDtllUIC Tlmter im Bfüoiolitr, Das an 8. 1 PI'-) angesehtiDästspiili« BerliDtr KMOierapir fällt ms 8 Uhr HansMbers in Liliom von Franz Molnar Regie: Karl Heia: Kärtln itaafl.Sdiillet'Ib. '• Uhr Don Carlos Theater am scniiiDauerdamm 8 Uhr Die Quadratur des Kreises AM BAHNHOF f BltDPICHSTB dd 6 Uhr Kasino und Kallar suhrfJ'äsWetobdl-S'rogramm, (Maria konferiert TöEaterlWestEiiJ Täglich 8-/4 Sojntjjs Kamill 8'- Ohr Friai UIur Meist mnrti Oer Zarewitsch Serge Abramovic, Annl Ahlers. Komische Oper 8"s Uhr Kadi Sonntag 4 Ultr Kleine Preise. Reppina ■ihr prnSnüttur Uitn| As Roben Stolz Ii ArPmriimbtsitzgu Oeittsdies ftteatet 8 Uhr Elisabeth von England vooFenl Bracknet Regie; Heinz Hilnirt Kammerspiele " 8'/, Uhr Pariser Platz 13 von Vlckl Baum hellt tislal Cttodent Die homome S»/. Uhr Die Fee na Frau Molnar letfe; Stetai Hui iarMWJky-fiahDeit Ttcaltr In Mt SUetenmiuKU. 8'/. Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Qiraudouz InsiemTrung:•• Vletdr ßarnowsk)/. Komödienhaus 8'/« Uhr Cocktail toi Karl YolloiieUer. MusiliT.lbIpliBenatzli) Beniner Theat; «'/. Uhr Starm Im Waisersiae von Bruno Frank. Rose- Theater fir.FnnkluiurStr.i32 Tel. Alex 3422 u. 349' 2.30, 3 45 und 9 Uhr Die sdiotie Belena Philharmonie 8 Uhi NOnZERT d.PhliharmonXrch. Dir. Prot. J. Prflwer |Tlgl. 2 Vsret— TU. WsUndamn 384». nachm.«V, ökr: 30 Pfg�-l.SO Mk. •MndttK Uhr: 30 Fi».— 3.- Mk. ISoinfigaS Vtrst.: 2�,5 o-S'M. | VollstiDdlg B8ii Attraktienei! GROSSES SCHAUoPiELHAUo Tägi. 8 Uhr. in mtlttan Mut.- Stg. nachm 3 Uhr Originalbesitiung billiee Pre se Reg e: Erik Charell. DI» senentwurdlgkett Berlins Dl» tunrend» uaneie- und FiunDUiuw Direktion; L u i s G u t m a n Berlin-Gcdundbran Ben | FruliaB. B OlZ Doaneisian. 12. Fekniar[ Da. Scn.ationi- D&bnen. Ladi-Proeramaa I 8ÜHN ENTEIL LiihUmrB-GTniplioDle-Ordisslcr• unter Herben SlranB 3 Hamorinlen von Wellrufl SENTA SÖNELAND Die Unübertreffliche GEORG NEUMÜLLER ueutschlands bester Komiker BENNO P AN TEL DerMann mild. 100 000 Zeitungen Ferner in einer lustigen Szene HENRY bfcRQ— MARIA WEiT Die neue Faschingskostüm-Vorführung der Firma Verdi, Char- lot enburg, konferiert B. Panlel FILMTEIL ■Jer teizende Ton- und Sprech dlm: Asdiermiiftvodi mi fcvelin Holl Wochentags: 4. S'i, 8>< Uhr, Sonntags 3, 5>-. 8'. Uhr. Eintrittspreise M I,—, 1.20. 1,50(Logen 2,—), Sonntags 3 Uhr Parkett und Rang Einheitspreis M. 1,—. Der n eae Bombenerfolg; „DieschöneHelena" im ROSfe THEATER I Grobe Frankfurter' trage 112 8 Billettkasse: Alex 3422, u 34948 Wochentags Beginn 8)5 Uhrj Sonnabends 1 Urir u 10.14 Uhr| | Sonntags 2 30. 5.45 und O.Uhr| Preise von 10 Pf. bis 3 M In der Hauptrolle 1 Traufe. 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T.IL 3- � 6.°« JW. alle Wort- Gteenbl»"!!- Gthwr» '""j.-'s «fsCHOrkkNDOW-� d'h_ Hothrt«•«* m*• /■'T-'O O tbS./'SÄ" »i ._ stau ' xso |« -Vww-� 'DmAm fwÄM Vortongon St« unworbiisdlidio Zueondungon dor ousfOhrlictien Vorzeidintsso dos großo« Roporroiro* und Vorführungen in don Spoziolhdutorni Cdrlin W50, Tovonmonstr. I8o, Ecke Nürnberger Straße, fterlm-Schdneberg, Hauptsrr. 5, Berlin- Chartottenburg, WHmersdorfor Straße 122, Uhlondsfr. 42, Schorronstr. 39, amWilhelmplarx, Berlin N 4, Involidenstr 114, Bertin N4, MOIIerstr. 1 82/83. Dorlin-Neukälln, Kaiser-Friodrich- Straße 247 48, am Hermannplot«. KÖLN am Rhoin, Hohe Straße 114, FRANKFURT am Main, Rothenouotari 14. und in allen besseren Fachgeschäften! PEU1SCHI UITRAPHON A. 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Wl einem 3rarJtldampfer auf hoher See Wer auf einem großen Pasiagierdampf« eins Seereise antritt, gef>t von dem breiten La! an Bord, macht es sich in der Kabine bequem und schaut später zu. wie riesig« Kran« das Äspäck der Reisenden in den Schiffsrumps versenken. Dann ist es plötzlich so weit. Die Bordkapelle spielt. Aus Deck und am Ufer werden Taschentücher geschwenkt Ein Sirenenrus.— Die Reise beginnt Man ist vom Festland auf ein schwimmendes Hotel hinüber- gewechselt. Wer aber gezwungen ist, mit einem Frachtdampfer zu reisen, der irrt zunächst mit dem Koffer in der Hand zwischen den Schuppen des Freihafens herum, zwischen Ballen, Kisten. Fässern, und stolpert über Schienengleis«. an Güterwagen vorbei, über«wen schmalen Steg— an Deckt Roch sind die Luken des. Dampfers offen, in die eiserne Hebebäume und starke Arm« die letzten Güter bergen. Man kommt sich zwischen den Arbeitern und Matrosen wie«in lästiger Störenfried vor und ist erst zufrieden, wenn man mit dem Steward gesprochen und die Kabine gefunden hat. Di» nächtliche Abfahrt eines Frachtdampfer» wird«in unvergeß- liches Erlebnis. Wenn der letzte Hafenarbeiter von Bord gegangen ist, werden die Lausstege eingezogen. Kurze Befehle an die Matrosen. Rasselnd rollt sich die Ankerkette auf. Pfeisensignale, Sirenengebrüll. Ein kleiner Schlepper zieht langsam den Dampfer von der Kaimauer in die Fahrrinne So fuhr der..Ganter' aus dem Bremer Freihasen. Durch Wolkenrille schimmerten die Stern«. Große und kleine Fracht- dampfer, Äohlenschisfe, Schlepper. Boote und Kräne lagen an beiden Usern. Ein lichtdurchflutetes Gewirr von Masten, Schornsteinen, Eilenkonstruktionen. Scheinwerfer beleuchteten taghell die Dampfer. auf denen noch gearbeitet wurde. Die roten und grünen Lichter der Backbord- und Steuerbordlampen malten bunte Reflexe auf das trag dahinfließend« Wasier. Draußen auf der Weser löst sich der Schlepper ab. Wir fahren mit eigener Kraft— der Rordse« zu. Da» Wasser bricht sich rauschend am Bug. Bis in die Kabine klingt der Takt der Maschinen und das Schiff erzittert in einem gleichförmigen Rhythmus, der alles. Dinge und Menschen, einspinnt. * Tief hingen die Wolken über der Kieler Bucht. Der Wind pfiff in der Takelage. In sieben Stunden hatten wir den Nordosts«» Kanal durcheilt. Herbstsonne hatte über der schönen Marschlandschaft gelegen. Jetzt starb der Tag in einem düsteren Grau. Laboe verschwand im Dunst. Nur die Konturen des Dankmals für die am Skagerrak Gefallenen— eip vierzig Meter hoher steinerner Vordersteven— waren noch verschwommen zu erkennen. Im Zwölfmeilentempo steuerte der.Ganter' in die Ostsee und rasch oerwischte sich der letzte Streifen Landes. Es wurde schnell Nacht. Manchmal erschienen die Lichter fremder Schiffe und in kurzen Abständen glühten die Lampen des Fehmarn-Feuerschlfss aus dem Dunkel. Härter schlugen die Wellen gegen da» Schiff und heftiger jaulte der Wind, als ich später beim wachhabenden Offizier auf der„Brücke' stand. Ein dunkler Raum, nur die Skala de? Kompasses war elektrisch beleuchtet. Unverwandt starrte der Offizier durch die Fenster.„Es brist auf'... murmelte er vor sich hin und gab eine Weisung an den Matrosen am Steuer- rad. Nach einer Weile begann er von einem kleinen Küstenstädtchen zu erzählen, von dem Haus' und dem Garten, das ihm gehörte, von seiner Frau.„Ms ich vorgestern von ihr Abschied nahm, lag sie mit mattem Puls auf dem Krankenbett', meinte er ernst...Ich wäre gern noch ein paar Tage daheim aebliebeu— aber Sie wissen, Dienst ist Dienst...', Di« Tür des Kartenzinnners wurde im gleichen Augenblick geöffnet und Kapitän Engelbrecht erschien. Wir kamen in ein politisches Gespräch. Ein Mann mit nüchternem, gesundem Menschen- verstand redete mit mir.„Die Kaufkraft in den Ländern ist zu Ichwach. Die Arbester müßten mehr vertonsumieren können...' sagte er besinnlich../Das würde den Handel beleben... Und das ist dringend nötig... Wir fahren schon das ganze Jahr nur mst halber Fracht.. Wort«, die mich zum Nachdenken zwangen. Die Wache wechselte. Ich schloß mich dem abgelösten Matrosen an und ging mst ihm über das vom Wind gepestschte Vorderdeck in eine Mannschastskabine. Wir hockten uns zusammen. Bei Bier und Zigaretten plauderten zwei Matrosen aus ihrem Leben. Dreißig- söhrige, die schon fest fünfzehn Iahren„ans See fuhren'. Aus berufenem Munde lernt« ich Seemannsleben kennen. Auf der Fahrt ist es Nicht übel. Acht Stunden Deckarbest und Steuerradwache. Aber in den Häfen? Fast immer müssen Ueberstunden geleistet werden, die man besonders vergütet bekommt. Nicht selten wird sechzehn Stunden und noch länger geschafft, denn das Löschen und Loden mutz in kürzester Frist geschehen. Es gilt die Fabrzesten «inzuhalten. Jeder Tag. an dem der 17lX>-Tonnen-Dampfer„Ganter' unterwegs sst. beansprucht allein an Proviant, Söhnen, Gehältern für die 2ököpsige Besatzung und an Versicherungskosten Mark. Zest ist Geld! Man muß mit den Frachtsätzen konkurrieren können und— hart und anstrengend wird die Arbest der Mannschaft. Eine Frage nach dem Verdienst? Die monatlich« Heuer auf diesem Fracht- dampfer des Norddeutschen Lloyd beträgt für Matrosen 1SZ Mark und für Heizer i4S Mark. Da die Kost gut ist. können sich ledige Seeleute etwas auf die hohe Kant« legen. Für den Verheirateten reicht es gerade zur Versorgung der Familie. „Es brist verdammt auf', erklärte jetzt auch der Heizer, der splitternackt au» dem Bad kam. Wir lauschten sekundenlang dem Heulen des Winde»... Und wieder begannen die Matrosen zu erzählen— von fernen Ländern, von Hasenstädten, von Frauen. die sich ihnen schenkten—, bis einer zur Ziehharmonika griff. Dann stimmten sie«in in das Lied, das man auf Hunderten von Märschen und in den Unterständen der Schützengräben sang:„In Hamburg. da bin ich gewesen— Hab' gesehen die blühende Welt— meinen Namen, den darf ich gar nicht nennen, denn ich bin ja ein Mädchen für s Geld.. � „Stürmisches Wetter', sagt« der Steward, als er mich am Morgen weckte. Vom Deck aus bat sich ein grandioses Bild. Die Wellen türmten sich auf und gipfelten in schäumendem Gischt. Derb schlugen die Brecher gegen die stählernen Schiffswänd« und spritzten über Deck. Weit hob sich der Bug au» dem Wasser und versank wieder meterties mtt den zurückflutenden Wellen. Der Wind riß wild an den Masten, fauchte und heulte um die veckaufbauten. Ein schaurig-schöne» Schauspiel, das vom Wachoftizler in der Kladde tum Schiffstagebuch in dem lapidaren Satz festgehalten wurde: .Windstärke 7— der..Ganter' stampft und rollt heftig.' Beim Frühstück fehlt« von den drei finnischen Passagieren der junge Rückwanderer aus Australien— er war bereits feetrank. Der schaukelnde Tisch mit den guten Speisen reizt« mich fetzt nicht zum Essen. Ich ging bald wieder auf Deck und mutzte gegen Kopfschmerz und Uebelkeit ankämpfen. An die Reeling gelehnt, schaute ich in die aufgewühlten Wasser. Mühsam suchte sich ein Dreimaster, der nur die untersten Segel gesetzt hatte, den Weg und ein kleiner Frochtdampfer verfchwand fast bis an das Oberdeck in den Wellentälern. Später stieg ich hinunter zu den Maschinen. Mtt ölverschmiertem Gesicht stand der erste Ingenieur an der Dampfmaschine, die die große Schraubenwelle treibt. Stampfende Kolben, zischende Ventile. Meßinstrumente. Interessant, wie das Meerwasser durch mtt Kokos- fafern gefüllte Röhren gepreßt und so vom Schmutz gereinigt in einem Kessel verdampft Der Dampf wird abgekühlt und schlägt sich als salzfreies Wasser nieder.— Eine fast unerträgliche Hitze lastete im Maschinenraum. Das Thermometer zeigte 37 Grad Celsius Durch eine eiserne Tür und über eine Treppe gelangt man zu den Feuerlöchern. Verdreckt vom Kohlenstaub stehen zwei Heizer vor mir. In den kleinen aber hohen Raum preßt ein Ventilator Luft. Trotzdem rinnt der Schweiß von den nackten, haarigen Brüsten der beiden Männer in ihre schmutzigen, zerrissenen Hemden. Immer wieder werfen sie Kohlen auf die langen, glühenden Rosten oder fahren mtt Schürhaken tief in die zwei feurigen Rachen, aus denen heiße Lohe herausschlägt. Der Aellere von den beiden, dem das angegraut« Haar an den Schläfen klebt, schiebt seinen Priem im Mund zurecht und antwortet auf meine Frage:„Nein! Die meisten Heizer lieben nicht die langen Seereisen... Kurze Fahrt ist viel angenehmer. Man kommt eher mal zum Ausruhen. Jeden Tag acht Stunden lang zwei Kessel heizen, ist kein Spaß...' Schon greift er wieder zur Schaufel. Mensch d» Essen— schuftend, fchw�end. Stunde um Stunde. * Gotland lag schon wett hinter uns. Es stürmte nicht mehr. Dafür brüllte in. Abständen von zwei Minuten die Sirene. Dicker. grauer Nebel ging feucht aus die See. Aber ruhig fuhr der..Ganter' den finnischen Gewässern zu. Funkpeilung ermöglichte die genaue Einhaltung des Kurses. Auf dem Vorderdeck hatten sich n«ue Passagiere eingefunden—- zwei Rotschwänzchen. Flügellahme Tiere, die auf dem Flug nach dem Süden nicht mehr mttkamen. Müde Vögel, die die Natur erbarmungslos vernichtet.— Erst am Nachmtttag klarte der Himmel auf. Nur für kurze Zett. Früh kroch die blutrote Sonne den Horizont hinunter. Dämmer» stunde.— Der Funkoffizier hat die Tür feiner Kabine geöffnet. Aus dem Lautsprecher klingt eine gute Barttonstttnm«.„Ey u ebnem' ~ ein russisches Volkslied. Leningrad sendet.— Als nach langer Nacht der Morgen graute, legte ein Motorboot am„Ganter' an. Der Lotse vom Leuchtturm Grahara kam auf der Strickleiter an Bord Wunderschön« Schärenlandschaft um uns. Große und. kleine Felsen mtt Gebüschen, Nadelgehölz und Laub- bäumen bestanden Ewig von den Wellen umspült. Eine frische Brise weht über die ruhige See. Näher und näh« kommen wir dem Hasen. In der Ferne reckt sich in das morgend- liche Licht die Silhouette einer Stadt: die alte Festung Soeaburg. die charakteristischen weißen Kuppeln der russischen Kathedrale, der moderne Granitturm der Kirche von Berghäll. Türme. Schornsteine. Häuserfronten, Hochbauten. Roch«ine knappe Stunde. Dann rollen m Sand Viken die Anker ins Wasser. Finnische Hafenarbeiter, die Mannschaft des „Ganter' und die„eisernen Kollegen', die Kräne, beginnen amerikanischen Weizen, deutschen Futterkalk, Eisentelle. Gasösen und Maschinen aus den Luken zu fördern. Mich aber erwartet ein neues Erlebnis,. eine fremde Stadt— Helsingfors! Ruäoik Eims.. s. Februar 1880 3)ofloje»rfki| S. Februar 1930 SBum 50, Todestage des ruffifchen S)ichters Do stof« wst i lesen heißt, in etivas Fremdem und Rassel- vollem, in einem Urelemem untertauchen. Du fühlst: hier spricht ein Mensch der Gegenwart, einer, der die Gründe und Abgründe der Seele kennt, der tn die tiefsten Tiefen des Unbewußten«indringt und mtt messerscharfem Verstände jeder logischen Ausgabe Herr wird. und zugleich spürst du: er lebt auf einem anderen Stern, er arbeitet mit anderen Maßen und Werten als wir; er oerachtet, was wir lieben, und liebt, was schon unseren Vorvätern gleichgültig ward. Woher kommt das? Wo steckt der Schlüssel zu diesem Anderssein? Die Antwort lautet kurz: Rußland, und' genauer ausgeführt: Orient und Okzident, Europa und Asien, klassischer Humanismus und slawische Erdgebuiidenheit, moderner Sozialismus und Urchristen- tum. In der Verbindung dieses Gegensätzlichen, daß er alle Gaben des Westens entgegennahm, um sie wieder als wesensfremd aus seinem Blute auszustoßen und sich gläubig, demütig zum Osten zu bekehren, ist das Wunder„Dostojewski' beschlossen, und das konnte sich nirgendwo anders begeben als im allen zaristischen Rußland zwischen 1820 und 1880. Während dieser zwei Menschenaller drängte sich im Zarenreiche zusammen, wozu das eigentliche Europa viele Jahrhunderte ge- braucht hatte: Kapitalismus und Industrie hielten ihren Einzug: Bergwerk«, Fabriken und Eisenbahnen emstonden: bürgerliches Denken schlug mitten un agrarischen Loden Wurzel. Man begann die Leibeigenschaft der Bauern, dies« wichtigste Grundlage des seudalpatriarchalischen Regimes, als schweres Hindernis der an- gestrebten Industrialisierung zu empfinden, und unter Kämpfen und Krämpfen kam es zu einer unzulänglichen, niemanden be- friedigenden..Bauernbefreiung'(1861). Man sah, seitdem man in den napoleanischen Kriegen Frankreich und Deutschland kennengelernt hatte, gespannt und neiderfüllt nach diesen Zentren eines neuen Geistes, und immer wieder stanken unter den Beamten und Offizieren Leute aus, die den fremden Ideen durch Won oder Tat Eingang verschaffen wollten. Man begeistert« sich an Liberalismus und Sozialismus: man debattierte, agitierte und schürt« unterirdisch: man beantwortete den Druck der Gewalt mtt Putschen und Atten- taten:— aber.zu Fußen derer, die so schwärmten, die sich in glühen- dem Fanatislltus für ein fernes Ideal hinopferten, dehnt« sich dumpf und kaum berührt, tirchen- und zaremreu die Millttmenmasse der Bauern, und in chr schien„Mütterchen Rußlaiw' der Handvoll Neuerer lächelnd zu spotten. Hier war«in Riesige«. Ungeheures von unvorstellbaren Ausmaßen: was sollten demgegenüber Wider- stand und Reform? Es konnte jeden zerbrechen, jeden vernichten und bewies, indem es zermalmte, erst recht seine Größe— Dostojewski jedenfalls hat sie erfahren und mtt Inbrunst verehrt: vor dieser Offenbarung mußten alle Leistungen und Gedanken des Westens als wesenslos oersinken. Was wir hier meinen, war die groß« Katastrophe von Dostojewskls Leben: nachdem er den aberwitzigen Geiz eines trank- süchtigen und gemeinen Vaters erfahren, nachdem er sich durch technisch« und politische Studien, durch böke Schulden und Berufs- sorgen schlecht und recht durchgeschlagen, veruneitte ihn der Zar wegen Teilnahm« an einer nchilsslsschen Verschwörung zum Tode und begnadigte ihn erst, als er schon, das Ende unmittelbar vor Augen. angebunden am Pfahle stand. Diese Augenblicke zwischen Jenseits und Diesseits und das neue Leben waren sin Geschenk des Kaisers. ein Geschenk Allrußlands. Unier dem Gesichtswinkel der Ewigkett sah Dostojewski fortab alles, was ihm begegnet«: vier Jahre Zwangs- arbett im„Totenhaus' unter Verbrechern und Gezeichneten, die doch trotz allem„Menschenbruder' sind: sibirisches Zwangsdomozll und Verbannlendasein in Deutschland. Frankreich, England und Italien: junge Ehehölle und spätes, verdämmerndes Eheglück: Hunger. Lohn- schreibe»! und Rausch der Dichtung: Spielwut und die ekstatischen Zusammenbrüche der Epilepsie. Leid über Leid, gewiß, und iressend« Dämonen: aber es waren lauter Stürm«, damtt sich unter Donner und Blitz Gott nur testo herrlicher offenbar«, und hinter düsterem Gewölk iah Dostojewski, der schmerzgejagt«, qualverzerrte, den Himmel offen. Dielleicht versteht man jetzt, warum alle Romane Dostol«w!kis aus«n»r Wirklichkeit, die von Anschaulichkeit und handgreiflichen Greueln birst, in« Ewige hinüberweisen, warum seine Menschen von Katastrophe zu Katastrophe, von Leidenschaft zu Leidenschaft hetzen und doch im Urgrund chres Seins dem Göttlichen verhaftet sind, und sei's auch in dessen Umkehrung dem Teuflischen. Da haben wir Raskolnliow den Helden von„Schuld und Sühne' (1863). den Mörder aus kalter, verstandecdürrer Ueberlegung. der sich über eine Seelenzerfaserung sondergleichen hinüber zu Buße, Mitleid und endlich zur allverzeihenden Lieb« hinfindet. Da baben wir die Insassen des„T o l e n h a u s e e"(1862), diese Elenden und Verlorenen, denen Verbrechen und Gemeinhett doch nur ein Abweg ist von der goitgezeichneten Bahn: haben die von allen Fiebern des Mihistsmus geschüttelten, von politischer Ekstase über- schäumenden„Dämonen'(1872): haben den Fürsten Mischtin, den„Idioten'(1868), der von der„heiligen Krankheit', der Epilepsie, kommt und in ihr wieder untertaucht und hinter diesen Dammerschleiern des Bewußtseins als der wahrhait Gütige ericheint. und haben vor allem das Pandamonmm der„Brüder Karamasoff, das an Begierden. Gegensätzen und Erlösung?- willen so reich ist wie Dostojewski selbst. Ein großer Zauberer und ein großer Künstler, wenn er auch nicht baut und meißelt, sondern vulkanisch Felsblöcke herausschleudert, so reißt Dostoiewski jeden Leser an sich, zwingt ihn als Seelenkünder, Wirklichkeitsmaler und Prophet in seinen Bann und macht chn ob der Schöpferfülle seiner Well atemlos staunen. Die Naturalist«» der achtziger Jahre des vorigen Iahrhunders bewunterten«bens» seine Kraft, alle Höllen des Daseins schonungslos zu öffnen, wie die Erprcfsionisten der Kriegszett in ihm die Erfüllung ihres Strebens sahen, vom Seelenkern und nicht von der Oberfläche her künstlerisch zu gestalten. Der Deutsche erhielt ebenso wie der Franzose und Engländer durch Dostojewski die Offenbarung„Rußland'. Ein Urmensch, ein„Proletarier der Feder', ein Bruder der Primi- tioslen und der Kompliziertesten, der„Erniedrigten und Beleidigten' spricht durch seinen Mund— aber so wahr das ist, so wenig gleicht Dostojewski uns selbst. Wir kennen nicht leinen Fatalismus und nicht seine gebrochene Demut, nicht sei»» nationale Enge und seine konservative Verranntheit: wir woll»* vorwärts, nicht zurück. Die Visiomn, die Dostojewski weckt, be- rücken, aber sie verrücken auch: so süß sein Gift ist. so gewiß ist es ein zum Dunkeln lockendes Rauschgift. Alfred Kleitiberg. Zucker macht jtark Der Wert des Zuckers für die Wiedergewinnung erschöpfter Körperkräfte ist schon vielfach betont worden, ohne daß aber diese Wirkung durch wissenschaftliche Versuche erwiesen wäre. Das hat jetzt der Direktor des Psychologischen Instituts an der amerikanischen Goigate. Universität. Prof. Donald 2L Laird. getan und berichtet über seine Ergebnisse in der Medical Review os Reviews. Er arbettete mtt zwölf gesunden jungen Männern, die für diese Der- suche besonders geübt worden waten: sie wurden m zwei Gruppe» geteilt. Gruppe A wurde sechs Tage geprüft und erhielt die ersten drei Tage 65 Gramm Zucker in einer Lösung von Zttronenwasser 40 Minuten vor den Uebungen: die letzten drei Tag« erhielten die sechs Leute der Gruppe A dieselbe Menge Zitrouenwasser. die ganz so schmeckte, aber keinen Zucker aufwies. Die anderen sechs Aer- suchspersonen bildeten die Gruppe Z-, sie wurden nur drei Tage untersucht und erhielten während dieser Zeit dasselbe Zitronen- wasser ohne Zucker. Die Leistungen der Gruppe A an den drei ersten Tagen wurden mit denen der Gruppe S und ihren eigenen Leistungen in den letzten drei Tagen verglichen Di« Beobachtung jeder Versuchsperson dauerte 40 Minuten Während der ersten dreitägigen Periode, in der die Gruppe A den Zucker bekam, wurde eine Zunahme der Leistung um 3.7 Proz. festgestellt, während die ohne Zucker arbeitend« Gruppe einen Verlust von 2,1 Proz. auf« wies, wenn die Lesswnpen vor dem Training mtt den Leistungen nachher verglichen wurden Di« Steigerung der Kraft bei der Gruppe A durch den Zucker zeigte sich auch bei einem Vergleich ihrer Leistungen in den ersten drei Tagen und in den letzten drei Tagen: es ergab sich in der zweiten Hälfte der Periode ein Verlust von 5.2 Proz. Durch dies« mit großer Sorgsatt ausgeführten Unter- suchungen ist die stärkend« Kraft des Zuckers wissenschaftlich erwiesen Julian Sismond:£lßb tfltd Erzählung aus den SKarpaUien Die Berge im Nebeldunit schien«« im grauen WoUenstitub zu rauchen. Irgendwo im Tat toste ein Wildbach. Und aus der Ferne klang wie langgezogener Donner das Röhren der.Hirsche. ?Iuf einer mit üppigem Gras bewachsenen Waldwiese, me goldene Butterblumen, Minze und blauer Enzian blüh«n, äste »Furchtlos", ein kapitaler Hirsch, das st bis.« Leittier eines aus füm iamtaugigen und sanften Alt.ieren bestehenden Rudels. Im Herzen der Berge zittert« er in der Brunst weder vor Eifersucht der Nebenbuhler noch vor der Hinterlist»er Raubtiers: Menschen und Wölfe. Eilt al.es Rottier, Beschützerin des Rubels, warnt« ihn Dag und Nacht. Wenn ein Jäger sich bei Tagesgrauen zum Abschuß des röhrenden Hirsches aufmachte und über den Pehirgspsad aus Beute ausging, sagte der Morgenwind, ein fast unmerklicher Hauch, dem alten Ro tier: hüt» dich, der Feind ist nahe. Dann richtete es leinen aufmerksamen Plick aus hie Dicktingen, und wenn Furchllos durch Röhren seine Liebe kundtat, vergaß das AlUier keinen Augenblick, daß die Sicherheit des Rudels von ihm abhing. Es stieß ein«, kurzen, rauhen Schrei aus, worauf sich das ganze Rudel wie «ine Lawine in den Abgrund rollender Steine talwärts stürzte, in den schwarzen Schlund der Tannenwildnis. Furchtlos umkreiste etsersüchtiz seine Tier«. Den Schrei eines Nebenbuhlers geruh.« er nicht einmal zu beantworten.' Nur selten ließ er ein dumpf«» Orgeln hören. Er war sich seiner unoer- brauchten Kraft bewußt und seiner unumstrittenen Herrfchaft im Karpathenforst. Wenn ober ein Aufdringlicher seinen salben und lcheuen Geliebten allzu nahe kam,, warf er ihm einen jener Blicke zu, die drohender sind als ein Röhren— und der �'dringliche zog sich ins Dickicht zurück. .* Nicht immer aber ging es so geruhsam zu. lvianchmal floß heißes Blut und rötete die Reu«. Furchtlos erinnerte sich des frohen Tages, mit dem sich für ihn frischer Plutgernch und scharfer Duft von Gebirgskrautern verband, jenes großen Tages, an dem er die Herrschaft über das Rudel erlangt hatte. Er erinnerte sich, wie«r aus fernen Bergen des Südens ge- kommen war,'wie er hungrig und müde gezogen mar, nach Liebe dürstend, von Leidenschaft getrieben, bis er die Waldwiesen, Almen und Schluchten erreichte, auf denen er endlich hos von einem alten Hirsch beschützte falbe Rudel eräugte. Sie kämpften einen blu.igen Kampf, bis er den alten Platzhirfch niedergerungen hatte. Der alte Hirsch erkannte, daß er den Kampf verloren hatte. Cr erhob sich und versieh die Stätte seiner Triumph«, feines einstigen Ruhmes und Glückes. Furchklos erlaubte ihn,, sich ju entfernen. Rur einige Schri le ging er ihm nach, herausfordernd und majestätisch. Dann kehrte er jgu den AltLeren zurück und verkündet« mit lautem Schvei den Walvungen und Gießbächen, daß er in alle Rechte feines Bor- gängers eingetreten und Herrscher und König und unbesiegbarer Herr sei. Seitdem floß sein Leben in Ruhe und Freud«» dahin. Die Altlier« beschenkten ihn mit treuer Lieb«, die Nebenbuhler mieden ängstlich seine Stände. Im jungfräulichen Urwald gab es eine Menge kalter, herrlicher Baoeplcitze im Sommer, Salzlecken und Aaldblohen init rotbraunem Nadelhoden, die den Hirschen als SiStte für ihr LiebeSwerben dienten. * Da erschien an einem September nwrgen im Karpathenförst ein starker und alter Hirsch aus weiter gerne mit mächtigem Ge, weih, nach Liebe und Kampf dürstend. Nicht durch laures Röhren kündete er feine Ankunft und seine Stärk«. Nicht droht« er den 'Nebenbuhlern und forderte nicht die ganze Welt zum Kampf her- aus. Still erschien er im Nebel wi« ein Traum.' Und irgendwoher aus den Nebeln ertönten der fern« klagende Schrei eines Hirsches und das Tosen des in den Abgrund stürzen» den Gleßbaches. Furch.los äste und ließ ab und zu ein dumpfes Orgeln hören, das keine Herausforderung an die zum Kampf Unfähigen, sondern «her eine Warnung für sie war. Da hörte er«in Geräusch in den Kieferdickungen und trockenes Knirschen von frischem Schnee. Er blickte zum weißen Berggipfel hinaus und sah oerwundert im perlenden Nebel dort einen Hirsch stehen. Der dichte Nebel ließ ihn riesenhaft erscheinen. Furchllos begriff sofort, daß er«inen gefährlichen Gegner vor sich heute, mit d«m er«inen Kampf aus Tod und Leben bestehen mußte. Er begriff, daß«s sich hiex nicht um Drohen und Schrecken handelte, sondern um die Herrschast über das Rudel. Langsam, sehr langsam ging er auf den Ankömmsing zu. Dieser näherte sich ebenfalls ohne Hast. Alz aber der sie trcmrende Raum sich verringert hatte, stießen sie krachend aufeinander, wie .zwei Felsblöcke, wie zwei Lawinen, wie zwei Gewi terstürme, so daß der Donner in den Klüften und Bergen widerhallte. Und sie begannen ihre Kräfte zu mefsen und miteinander zu ring««., auf- einander zu stoßen, zu kämpfen und zu schlagen. Manchmal trennten sich die Geweihe, und jeder Hirsch versuchte dann dem Gegner«inen Stoß von der Seite zu versetzen, und wieder folgten neu« Stoße, neue Schläge, neues Rütteln. Liebe und Tod, zwei Mächte, denen nichts gleichkommt, breite- ten ihre mächtigen Schwingen über die Gegner. Schon rötete das erste Blut den Schnee. Sein scharfer Geruch berauschte die Hirsche, entzündet« in ihnen eine solch« Wut, daß nur der Tod des Feindes diesen wilden und heißen Hunger stillen konnte. Allmühlich aber ging der Kampf der Hirsche in ein wütendes. unnachgiebiges Ringen über, ohne gegenselriges Schütteln und Schläge, ohne daß angegriffen und ausgewichen wurde. Die beiden riesigen Hirsche stießen mit ihren Geweihen aufeinander, daß die Erde unter ihrer Last stöhnte.... Und miteinander zu Tod und' Berderbev vereinigt, erstarrten sie.... Es trat eine Totenstille ein. Als sie nun in ptöylkchem Rückjprung sich für einen Augen- � blick voneinander lösen wollten, um von neuem aufeinander zu stoßen, versagten ihnen die ineinander vergabelten Gewech« den Gehorsam. Die ineinander verflochtenen Krvnen hielten sie, die Todfeinde, fest, In einer überaus starken UmschUngung, die Leben und Tod überdauert«. Die Furchtlosen erfaßt« Furcht, die Unbesiegten besiegt« Ent- setzen.... Sie begannen angstvoll, hoffnungslos, rasend vor Aufregung, untereinander verknüpft durch die tückischen Geweihlproslen, zu ringen.... Sie erstarrten in Regung-losigksit vor Bestürzung. Schmerzlich senkten sie kraillos ihre Häupter, zwei Häupter mit üppigen Kronen, in denen der Tod lauerte.... * Die goldene, göttliche Sonne stieg inzwischen freudig und hell aus den Nebeln und ergoß Den Segen ihrer Strahlen über die ganze herrliche, niärchenschöne Erde. Und die Erde oereinigte in sich die Reize aller Jahreszeiten— das Schneeweiß des Winters � und die sommerlickie Ueppigkeit Des bläuen Enzians, das flammende Rot der herbsllichen Buchen und das Frübiingsgrün der immer- ! grünen Gräser der Waldwiesen. Die Berge waren so schön, daß man vergessen tonnte, daß sie Herzen von Stein hatten. * Kraftlos sanken die Häupter der für immer ineinanKer per- ketteten Gegner herab. Di« samtäugigsn, falben, sanften, schönen und anmutigen Alt- tiere aber ästen nebenbei in holder Sorglosigkeit, erfreut, daß aus dem in der Sonne schmelzenden Schnee saftiges Grün sprph-«. CSertä»fiatt UtSeriresnma oua dem jßolnUifiert«m DcNelm EbcifHcuLi Lorchelverglfkmgen. Die Speiselorchel ist seit langem als I giftig bekannt, sofern sie nicht gründlich abgekocht ist. Das Kock- ' wasser muß unbedingt abgegossen werden, da es die giftig« He!- vellasäure enthält. Die am Ach empfohlene Kochzeit von zw«l Minuten reicht nach neueren.Erfahrungen nicht immer aus, be- sonders nicht in den Jahren, in denen die Lorchel«ine gesteigerte Giftigkeit Ptfweist. Nach Genuß ungenügend zubereiteter, z. B. nur gebrühter Pilze oder des Kochwassers kommt es zu mehr oder minder schweren Leberschädigungen. Die Leber wird in schweren. zum Tode führenden Fällen zusehends kleiner(Leberichwund), llnd es tritt schwerste Gelbsucht aus. Nach Beobachtungen im Städii- ichen Krankenhaus Berlin-Westend, wo Zll Lorchelvergiitungen be- handelt wurden, kommt es aber w« zur �Auflösung der roten Blut- körperchen(Hamolyse), wie man früher angenommen hat. Omean und Ton 3)r. JU Qunsteben Bor einiger Zeit erregte ein Aufsatz Aufsehen, in dem die Be- hauptung ausgestellt würde, die Kontinente würden— zwar erst in serner Zeit: 4-'' Millionen Jahre errechnete der Bersasier— eines Tages in der Meeresflut verschwunden sein. Die an sich richtige lleberlegung bildete hier die Grundlage, daß in dem Aus und Ab der Gezeiten, durch die B-rwitterungseinflüsse der Atmosphäre und nicht zuletzt durch die Flüsse, die ständig Gesteinstrümmer von den birgen herab und dem Meere zufchwemmen, allmählich das feste Land auf der Erde völlig nivelliert wird. Es ist angeblich berech- net worden, daß diese vereinten Angrine das gesamte Festland auf der Erde jährlich um 11 Hundertstel Millimeter erniedrigen, und so käme tatsächlich ejnes Tages der Augenblick, in dem auch das letzte Fleckchen Erde vom Wasser überspült werden würde, wenn eben nicht Faktoren da wären, die diese ganze schöne Rechnung über den Haufen werfen. Gegenüber der Abraumungsarbeit des Wassers steht nämlich die Tatsache, daß die Landmassen an zahlreichen Stelleu in langsr ner Erhebung begriffen sind..Nach der Theorie Wegeners hvd anderer moderner Geologen nimmt man bekanntlich an, haß die Festländer Schollen sind, die gewissermaßen auf einer zähflüssig»« Unterschicht schwimmen, in der sie mehr oder weniger stark hinein- aetaucht sind und aus der sie wieder emportauchen, wenn sie aus irgendeinem Grunde leichter werden. So waren in den nerfäziedenen Eiszeiten mächtige Festland- 'lachen durch ein« Eisschicht von tausend und mehr Meter Dicke be- lastet. Unter dieser Belastung wurden die Landschollen tief in ihre Unterlage hineingedrückt Nachdem die Eislast abgeschmolzen ist, erhebt sie sich langsam wieder, wie man durch zahlreich« Messunzen besonder? in Skandinavien festgestellt hat. Man kann es noch heute an der Lage der sogenannten Strandlinien erkennen, die, van der Tätigkeit der Brandung stammend, heute an vielen Stellen in Europas Amerika und Afrika nicht nur weit landeinwärts liegen, sondern sich zum Teil bis zu 150 Meter und mehr über dem Meeres- fpiegel erheben. Trotzdem also durch die Wschmelzung der gewaltigen Elsmass« der Meeresspiegel im Durchschnitt sich etwa 50 Meter gehoben haben muß, gibt es dennoch weite Strecken Land, die früher vom Ozean überspillt waren. Durch den Transport von Schuttmassen in de« Ozeane werden die Festland! chollen weiter entlastet, und es sst eher bamit zu rechnen, daß sie noch mehr emporsteigen, als daß sie im Ozean versinken. Gerade die Tatsache des Auftauchen? der Kontinente ist eine der modernsten und wichtig- sten Errungenschaften der Geophysik, die für die Er- klärung manch« Erscheinungen und Beränderungen des Antlitzes ent- scheiden muß. Hand in Hand mit der Zierwttierung unserer Erde wird ferner in Millionen Jahren einmal der allmählich« Derlust des Wassers einsetzen, wenn also wirklich eines Tages das Festland her Erde dem Meeresipiegel gleich gemacht werden sollt«, dann wird es den Ozeanen an Wasser fehlen. 3>er ftod im SpUal Von&. m. S)o/loJeirfkij ... Wahrend ich dieses schreib«,«rinner« ich mich ganz genau «mes sterbenden Schwindsüchtigens eines Mannes nqmens Michaiiow, der mir gegenüber gelegen hat. Michaiiow ckannte ich nur wenig. Cr war noch sehr jung, höchstens 25 Jahre alt. hoch gewachsen und von auffallend edlem Aeußeren. Cr lebte in der besonderen Ab- teilung und war sehr schweigsam, immer in sich gekehrt und»er- schlössen. Als ob er im Gefängnis„eingetrocknet" wäre. So sprachen wenigstens die Sträflinge, die Michastow in gutem Eingedenken bewahrten, non ihm. Ich erinnere mich nur, daß«r wundervolle Augen hatte. Er starb gegen? Uhr nachmittags an einem frostigen, klaren Tage. Ich weiß noch, daß die Sonne mit ihren breiten, schrägen Strahlen die grünen, leicht besrorenen Fenster- scheiden unseres Krankensaäles durchdrang. Em ganzer Strom von Licht ergoß sich über den Unglücklichen. Er lag bewußtlos da, atmete schwer, und erst nach mehreren Stunden wurde ex vom Tod« erlöst. Schon am Morgen war es ihm fast unmöglich, die anderen zu er- kennen. Sie versuchten, sein« Schmerzen zu lindern, denn man jah, wie sehr er sich quälte. Er atmete tief und schwer; seine Brust hob und senkte sich röchelnd. Er warf die Bettdecke von sich: dann riß er sich die Kleider herunter und schließlich auch das Hemd. Es war schrecklich, diesen langen, schmächtigen Körper mit den bis an die Knochen abgezehrten Beinen und Händen zu sehen, den eingefallenen Leib, an dem die Rippen, wie bei einem Skelett, deutlich hervortraten. Auf der Brust trug er ein Holzkreuz mit einem Amulett. An den Füßen hatte er Fesseln, doch sein« Glieder waren so spindeldürr ge- worden, daß er die Füße hindurchziehen konnte. Ems halbe Stunde vor seinem Tode, wurden alle still, und man sprach nur flüsternd. Die Leute bewegten sich geräuschlos. Man kam auf unbedeutende Dinge zu sprechen und schaute ab und zu auf den Sterbenden, der immer heftiger röchelte. Endlich tastete er mit unsicherer Hand nach dem Amulett auf seiner Brust, und versuchte«s gleichfalls fortzuzerren, als ob es ihm bedrückte. Man nahm ihm auch das Kreuz herunter. Zehn Minuten später verschied er.- Man pochte an d>e Tür und verständigt« die Wache. Alsbald trat der Krankenwärter ein. Er blickte stumpf auf den Toten und begab sich zum Feldscher. Dieser lieh nicht lange auf sich warten. Er war jung, von gutmütigem, einnehmendem Aeußeren. Mit schnellen Schritten, die im still gewordenen Saale laut widerhallten. näherte er sich dem Tmen, griff mit besonders ungezwungener Miene nach seiner Hand, um den Puls zu befühlen, betastete diesen, winkte dann resigniert ab und ging hinaus. Hierauf wurde die diensthabende Wache verständigt, es mgr doch ein schwerer Verbrecher aus der besonderen Abteilung gewesen; daher mußte auch sein Tod mit be- sonderer Zeremonie umgehen werden. Da schlug einer der Sträflinge mit leiser Stimme vor, dem Toten die Augen zuzudrücken. Ein anderer hörte ihn aufmerksam an. ging aus den Toten zu und schloß ihm die Augen. Zfts er das auf dem Kissen liegende Holzireuz bemerkte, nahm, er es. betrachtete es prüfend und hängte es schweigend dem tot«: Michaiiow wieder um den Hals, wobei er sich selbst bekreuzigte. Inzwischen begann das Gesicht des Entschlafenen zu erstarren. Ein Sonnenstrahl spielte darauf Der Mund war halb geöffnet: zwei Reihen»unger, weißer Zähne schimmerren zwischen den dünnen, am Zahnfleisch klebenden Lippen hervor. Endlich erschien ,n Begleitung von zwei Wörtern der dienst- habend« Unteroffizier— im Helm und mit Bajonett. Er kam dem Toten mit immer langsamer werdenden Schritten näher und warf dabei den umstehenden und ihn stumm und düster ansehenden Sträflingen verwunderte Blicke zu Als er nur noch einen Schritt von der Hängematt« des Toten entfernt war. blieb er, gleichsam von plötzlicher Angst ersaßt, wie angewurzelt stehen. Der Anblick de? völlig entblößten, abgemargertey und gefesselten Leichnams schien chn derarr zu erschüttern, daß er Den Riemen seines Helmes löste, den Helm abnahm, was durchaus nicht notwendig war, und sich andächtig bekreuzigte. Er hatte«in strenges Soldatengesicht und graumeliertes Haar. Ich weiß noch, daß Tschekunow, ein gleichfalls ergrauter Mann, in seiner Nähe stand. Die ganze Zeit blickte er unverwandt und schweigend in das Gesicht des Unteroffiziers und verfolgte mit sonderbarer Ausmerksamkeit jede seiner Bewegungen. Da begegneten sich plötzlich ihre Augen, und Tschekunows Unterlippe begann zu zittern. Er oersuchte, dieses unwillkürlichen Zitterns Herr zu werden, wobei er vor Anstrengung saltsam die Zähne fletschte. Schließlich sagte er hostig. mir einer Bewegung zu dem Toten hin:„Hat doch auch eine Mutter gehabt!" Dann ging er fort. Man ging daran, den Leichnam fortzuschaffen. Der Tote wurde mitsamt der Matratze-hinausgetragen Das Stroh knisterte, unb in- mitten der allgemeinen Slille sielen plötzlich die Kelten mit lautem Geklirr zu Boden... Doch kaum war di« Leiche hinausgeschafft, so begannen alle laut zu sprechen. Aon draußen hörte man noch, wie der Unicrossizier jemanden nach dem Schmied schickte. Dem Toten sollten die Fejirt» abgenommen werden... lDclltlcb osn S. Serflof».) Fortsetzung unseres GROSSEN im Kaufbaus I BRANDSCHADEN lAUSVERKAUFSB DEI ICC MOABIT Tiun- Ecke Beissetetr.