Morgenausgabe Nr. 69 t A35 4S.Iahrgang Wöcheullich SSPf., monatlich 3,60 TL im voraus zahlbor, Postbezug 4,32 M. r nschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto ö,— M. Der ,.Donvärts� erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im 5)andel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage„Volt und Zeit". Ferner„Frauenstimme*. �Technik",.Blick in die Bücherwelt* „Iugend-Vorwärts'u..Stadtbcilage* Berliner Solksblalt Mittwoch W. Februar 1931 Groß-Lerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pfennig. Reklame l eite 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das>ettge. druckte Wort 2ö Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort IL Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. 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Der Hugen» bcrg-Gruppe schloffen sich vie,r Vertreter des Landvolks an. Tie Nationalsozialisten legten zugleich ihre Acmter im Präsidium und Vorstand des Reichstags nieder. * Die Nationalsozialisten werden sich bis auf weiteres an den Arbeiten des Reichstages nicht beteiligen. Was heißt das? Das heißt, daß sie davongelaufen sind, wie ein großmäuliger Schwächling davonläuft, wenn er sich einem Manne gegenübersieht. Wir haben festgestellt, daß die Nationalsozialisten am Montag und Dienstag eine politische Niederlage ersten Ranges erlitten haben, im Parlament wie im Bolksbewußtsein. Die Niederlage hat noch gestern zu einer Flucht und zu einer Kapitulation geführt. Sie sind geflüchtet, weil ihnen Mut und Fähigteit fehlen, uin in den geregelten Formen parlamentarischen Kampfes ihren Gegnern entgegenzutreten. Sie können schreien und verleumden, aber nicht sachlich kämpfen! Sie haben groß- sprecherisch angekündigt, daß sie gestern mit dem Außen- minister abrechnen würden— aber sie haben es nicht darauf ankommen lassen! Vor der Weltöffentlichkeit ist die Stellung des Leiters der deutf�en Außenpolitiker nach diesem Auszug fester denn je. Wenn man ihn nach der Meinung und der Stärke seiner rechtsradikalen Gegner fragt, so kann er antworten: meine Gegner sind davongelaufen! Zur Flucht die Kapitulation! Sic verzichten darauf, die 6'/£, Millionen Wähler, die ihnen am 14. September ihre Stimme gegeben haben, im Reichstag zu vertreten. Sie haben ein Mandat erhalten, aber sie führen es nicht aus! Jene Kreise, die am 14. September aus den verschiedensten Motiven dieser Partei ihre Stimme gegeben haben, erkennen heute schon, daß sie betrogen worden sind. Die nationalsozialistische Reichstagsfraktion hat mit diesem Auszug ein offenes Geständnis der Unreife abgelegt Es wäre denkbar, daß eine extreme Partei das Parlament verließe, um unmittelbar zum bewaffneten Aufstand überzugehen. Dieser Auszug aber ist geboren nicht aus dem Gefühl der Macht, sondern aus Schwäche, aus der Verzweiflung, die eigene Sache im Parlament vertreten zu können! Die Abstinenz von der parlamentarischen Arbeit war eine der Kinderkrankheiten der Geschichte der sozialdemokratischen deutschen Arbeiterb'ewegung, die sehr rasch überwunden war. Diese Kinderkrankheit des Radikalismus überfiel nach der Revolution von 1918 die neugegründete Kommumstische Partei, aber schon nach wenigen Monaten waren die Kam- munisten belehrt, deren Führer von Anfang an dagegen ge- kämpft hatten, daß die Kommunistische Partei sich damit isolierte. Die Nationalsozialisten aber wiederholen getreulich die Kinderkrankheiten des Radikalismus aus der frühen Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Sie sind in der politischen Entwicklung um mehr als ein halbes Jahrhundert hinter der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft zurück. Das will Deutschland retten und eine Diktatur gegen die deutschen Ar- bester errichten! Die Herrschaften können von jedem sozial- demokratischen Arbeiter noch etwas lernen, und es tut chncn not, daß sie etwas lernen! Wie ist es nun mit dem„ganz legalen Wege" nach diesem i Bekenntnis zum AntiParlamentarismus und der Erklärung, I daß die Beschlüsse des Reichstags nicht rechtsgültig seien? Wie steht es mit dem Eide des Herrn Hitler und den gleichartigen Beteuerungen seiner Offiziere? Wollen die Herrschasten nun den Kurs auf den offenen Bürgerkrieg nehmen und einen Marsch auf Berlin nach dem Muster des Marsches auf München unternehmen? Sie haben zunächst einen Marsch veranstaltet— nicht auf den Reichstag, sondern aus dem Reichstag hinaus. Sie hielten' es einfach nicht mehr aus, daß sie dort Gegner anhören mußten, und daß es dort keine SA. gibt, die Gegner totschlägt, sondern eine Vcrhondlungsleitung, die für die Redefreiheit sorgt. Haben die Führer der nationalsozialistische!? Reichstags- fraktion gefürchtet, daß ihre Leute vor den Argumenten ihrer Gegner wankend werden würden? Die eine Niederlage hat genügt, um sie in die Flucht zu treiben. Das unreife, rüpelhafte, sabotierende Wesen ist aus dem Reichstag verschwunden— ein großer Gewinn für die Arbeitsfähigkeit des Parlaments! Aber nur keine Sorge! Die Herrschaften haben bei ihrem Auszug eine Hintertür offen gelassen, und der Flucht aus dem Reichstag wird eine zweite Flucht folgen, die Flucht in den Reichstag zurück! Eines Tages werden sie wieder erscheinen, ganz klein und ganz unauffällig. Dann werden sie wieder legal bis auf die Knochen sein, so legal wie Herr Hitler vor dem Putsch und nach dem Putsch. Dann werden sie wieder das Maul aufreißen und glauben machen wollen, daß ihre Mäulcr die Kraft der Posaunen von Jericho hätten. Bis dahin aber wird man darauf achten müssen, daß die Bürgerkriegsorganisation, die sie aufgezogen haben, nicht von selber losgeht— aus Verzweiflung über die Niederlage und über die Sackgasse, in die die nationalsozialistische Bewegung geraten ist! r Deserteure< Eine Abrechnung Die Reichstagssitzung am gestrigen Dienstagnachmittag degann vor gut besetztem Hause mit einer Erklärung, die Abg. Stöbr(Nsoz.) für seine Fraktion verlas, �arin be- bauptet er rnieoerum, daß die Reichstagsbeschlüsse der Montagsitzung verfassungswidrig seien und olle künftigen Beschlüsse des Hauses daher ungesetzlich. Die Regierung und der Reichstag seien nur die Organisationsmaschinerie des internationalen Trustkapitals. Die Mehrheit des deutschen BoUes sei bei den Nationalso-ialisten.(Ge- lächter der Mehrheit, andauernde Zwischenrufe der Kommunisten.) Bei dem Ausdruck von„diesem Haus des organisierten Berfassungs- bruchs" erhält der erst« Vizepräsident des Reichstages einen Ord- nungsruf. Er kündigt an, daß seine Fraktion den„Tributreichstag" verlasse. lLebhaiter Beifall der Mehrheit.) Sic appelliert an den Reichs- Präsidenten ols-hen Hüter der Verfassung, dieses Haus, das nicht mehr dem Volkswillen entspreche, auszulösen: sie warnt die Welt- össentlichkeit(Heiterkeit der Mehrheit) vor irgendwelcher Beachtung dieses Reichstages. Wir oerlassen also diesen Uoung-Reichstag und werden ihn erst wieder betreten(Heiterkeit), wenn sich die Möglichkeit bietet, besonders tückische Maßnahmen der Volksfeinde zu vereiteln. (Die äußerste Rechte, die diese Erklärung stehend angehört hat, rust dreimal.Heil!", was die äußerste Link« zu Niederrusen veranlaßt. Der Auszug der Nationalsozialisten erfolgt zweckmäßig bankweisc, dir vorderen Bänke fangen an-, er wird von der Mehrheit mit leb- haftem Beifall begleitet. Einer der zuletzt hinausgehenden Haken- krcuzler wirft seine farbigen Abstiinmungskarten in die Luft, welches Konfettiwersen ein ganz hübsches Schauspiel bietet.) Abg. Dr. von Freytagh-coringhoven(Dnrt.) folgt mit einer ähn- lichcn Erklärung, die allerband Ausfälle gegen die schwarzrots Diktatur enthält und ankündcht, daß die Hugenberg-Fraktion sich an der auswärtigen Debatte nicht beteiligen wird. Unter dauernd großer' Unruhe bleibt der Redner meist unverständlich, man hört aber, daß er sagt: Dieser Reichstag ist ohne uns ein Jaminerrcichstag.(Große Heiterkeit.) Dann erhebt er, man versteht nicht gegen wen, den Bor- wurf, Deutschland zugrunde gerichtet zu haben, was stürmische Entriistungsrnfe der Sozialdemokraten und ixr Mehrheit lieroorruft, so dpß man erit an dem Händeklatschen der Hugenberg-Fraktion merkt, daß der Redner noch weiter gesprochen und geschlossen hat. Präsident Löbe erklärt, während die Deutjchnationalen den Saal verlassen, daß er die Ausführungen des Vorredners, die die Ent- rüstung des Hauses hervorgerufen haben, nicht verstehen konnte, aber nach dem Stenogramm gegebenenfalls Maßnahmen' treffen werde. Abg. von Wendhausen(Landoolt) gibt ,.im Namen einiger Freunde" eine ähnliche Erklärung ab. Diese Kundgebung der Spaltung der Landvolksraktion wird von der Mehrheit lachend zur Kenntnis genommen. Auch diese Gruppe oerläßt den Saal. Abg. Stöcker(Komm.) führt cuk. daß seine Fraktion trotz der Vergewaltigungen der vorigen Nacht dableibe. Als Bolschewisten »m Pranger. nit den Flüchtigen. kämpften sie, ebenso wie ihre Genossen in Italien und in Polen, bis zuletzt. Darauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein, das ist die zweite Beratung des Haushalts des Auswärtigen Amtes. Nach der Rede des Außenmimsters Curtius, über die wir an anderer Stelle berichten, ergriff das Wort Abg. Stampfer(Soz): Die sogenannte nationale Opposition ist davongelaufen, um sich weiteren Niederlagen zu entziehen.(Lebh. Beifall bei den Soz. und in der Mitte.) Bei den Maßnahmen, die wir getroffen haben, handelt es sich nur darum, dem deutschen Volk das Recht, sich selber zu regieren, zu erhalten. Um dieses Recht des deutschen Volkes haben wir in der Februnrfchlacht der vergangenen Nacht gckämpst. Wir haben dieses Recht dem deutschen Volk erhalten, und darum ist die Rechte davongelaufen. Wir haben damit auch dem deutschen Volke die Möglichkeit gerettet, auswärtige Politik zu treiben. Denn wie� sollte auswärtige Politik möglich sein, wenn«i» in modernen Formen organisierter Nolkskörper überhaupt nicht mehr vorhanden wäre? Im alten deutschen Reich hoben zwei Faktoren die Politik bestimmt: der Reichstag und der Kaiser. Der Kaiser ist nicht mehr da— der Reichstag ist geblieben. Die Herren''da drüben, die jetzt draußen sind, wollten den Reichstag zerschlagen und zerstören. Soll ein Volk ersolgrcichc auswärtige Politik treiben, dann braucht es eine Vertretung noch außen, ein Parlament, und zwar ein Parlament, das seine Würde zu bewahren weiß. (Sehr richtig!) Ein Volk im Unglück nach der Niegerlage kann und soll wenigstens seine Würde bewähren. Es konnte der auswärtigen Politik des Deutschen Reiches kein schlechterer Dienst geleistet werden, als durch die unwürdigen Szenen, die hier aufgeführt worden sind. und von denen wir nun hoffentlich längere Zeit befreit bleiben werden.(Sehr gut!) Die'Abstinenzpolitik, zu der die� sogenannte nationale Opposition sich vorhin mir einigen leisen aber doch recht hörbaren Vorbehalten bekannt hat. ist in der Geschichte sast immer eine Torheit gewesen. Es wäre eine Torheit, mis dem Völkerbund herauszugehen. Es ist auch eine Torheit, hier wie unartige Schul- jungen seine Sachen zu nehmen und aus dem Parlament hinaus- zulaufen. Eine solche Abstincnzpolitik kann nur dann einen Sinn haben, wenn man gewillt und entschlossen ist, aufs Ganze zu gehen, im vorliegenden Falle, wenn man gewillt und entschlossen ist, mit anherparlainentarischen Mitteln um die ganze politische Macht zu kämpfen. Ob dort(nach rechts) dieser Wille vorhanden ist, wage ich nicht zu entscheiden— die Kraft gewiß nicht. Aber für uns, die wir die Sache des demokratischen Deutschlands vertreten und die Sache der Republik, heißt es in diesem Augen- blick: Augen auf und aufgepaßt!(Lebh. Zustimmung der Soz.) Wir wollen nicht hoffen, daß die Herren von da drüben in einem entscheidenden Augenblick die Rolle der unfreiwilligen Helfer... (Lärmende Zurufe der 5*omm: Sie sind die Helfer der Faschisten! — Präsident Löbe mahnt zur Ruhe uird erteilt einen Ordnungsruf.) Rachher wird ja Ihr Redner(zu den Komm.) beweisen können, wer die Helfer sind. Einstweilen kann ich darauf hinweisen, daß Sie gestern noch gerufen Huben:„Hitler verrecke!", aber die Unter- nehmungen der Hitler-Leute mitgemacht haben. Heule haben Sie(zu den komm.) zum erstenmal in dieseip Reichstag gezeigt, dos! Sie sich von diesen Herren loslösen können. Ich wünsche, das noch öfter zu sehen.(Abg. Torgler(Komm.): Denken Sie doch �an Ihre Haltung I92S!) Bitte, sagen Sie das alles nachher,� wenn Sie zum Wort kommen. In der Erklärung des Herrn Stöhr kam das Wort„Weltöffentlichkeit" vor. Ed klang schon beinahe wie Weltgewiffcn, und ich sagte mir dabei, wie tief müssen die Herren in der Tinte sitzen, wenn" sie schon Anfangen, an das Weltgewissen zu appellieren. Es war der Ton, den eine Maus von sich gibt, wenn die Falle hinter ihr zuschlägt, mit dem Herr Stöhr an die Weltöffentlichkeit appellierte.(Sehr gut! links.) Herr Stöhr hat erklärt, er und die Seinen würden nur zurück- kehren, um besonders tückische Maßnahmen abzuwehren.?ch itehme an, daß» die hcerschar Hitlers vom heutigen Tage an ihren Gott täglich um solche tückischen Mahnahmen bitten wird, die ihr ermöglichen sollen, ihren Rückzug in dieses Haus zu halten und damit die Torheit von heule ungeschehen zu machen. Früher hat es ganz anders geklungen. Noch vor etwa 4 Wochen glaubten die-Nationalsozialisten und die Deutschnationalen an ihren Sieg hier im Hause, weil sie auf die Niederlage Deutschlands in Genf hofften.(Zustimmung der Mehrheit.) Herr Roienberg, der Chefredakteur des„Völkischen Beobachters", kündigte in seinem Blatt an, wenn Curtius als blamierter Panenropäer von Genf zurückkomme, dann werde die Stunde der großen entscheidenden Abrechnung gekommen sein. Welche- Wendung! Die blamierten Europäer sind nicht wir, sondern die setzt Abwesenden, und s i e haben getan, was sie nach ihrer Niederlage immer, getan haben, auch am neunten November, sie sind davongelaufen. Den Erfolg, den Deutschland in Genf erreicht bat, den haben sie nicht gewollt, den hätten sie am liebsten oerhindert. Darum haben uns die Worte Freytagh-Loringhovens besonders empört, wir wären an allem beteiligt gewesen, was Deutschland zu- gründe gerichtet hat. Das sagen die, die auf die Niederlage Deutsch- lands in Genf spekuliert haben.(Sehr gut.) Im Auswärtigen Ausschuß haben die Deulschnationalen und Rationalfozialisten vor wenigen Tagen erklärt, sie beschränkten sich ans bloße Fragestellung, weil sie die große Debatte im Plenum führen wollten, heute aber sind sie verschwunden und aosgeknisfcn und es ist nichts mehr von ihnen zu merken. Herr Stöhr hat u. a. gesagt, in diesem Hause wäre jetzt eine charakter- volle Opposition nicht mehr möglich. Ja, wer hindert denn die Herren, in stundenlagen Reden hier zu sagen, was sie aus dem Herzen haben? Sie selber haben sich daran gehindert, weil sie gewußt haben, daß dann nur eine neue Blamage zu ihrer alten dazukommt.> Warum sind wir denn in einen Konflikt mit der polnischen Nachbarrepublik geraten? Auf eine kurze Form gebracht: weil in Polen das dritte. Reich ausgebrochen ist!(Sehr gut!) Was die Herren hier wollen, das haben ihre Ge- finnmigsgenossen in Polen schon erreicht, und was uns in dem Gesicht der Aufständischen von Ostoberichlesien angrinst, ist die bekannte Hakenkreuzfratze. Die Aufrufe dieser Aufständischen in Ostoberschlesien sprechen dieselbe Sprache, wie bei uns die Haken- krcuzler. Wir wollen kein Deutschland, das dem Polen Pilsudskis aleicht.(Lärm bei den Kommunisten.) Und darum. Herr Torgler. wollen wir dafür sorgen, daß wir ein aktionsfähiges Parlament hüben. Hätte Polen ein solches gehabt, dann wäre es nicht in t-ic Schande gekommen, die ihm durch die Vergewaltigung Ostober- ichlestens und der Ukrainer, für die.Herr Curtius-im Mai hoffentlich ebenso», entschiedene Worte finden wind, wiö letzthin Mr dke Deutschen, Mr auch durch die Mitzhgndluyg des polnischen VÄkes.gckammen Yt.(Zustimmung.)......l,,. Dir als internationale Sozialdemokroleo protestieren in dieser Stunde gegen die Vergewaltigung nicht nur der deutschen und der ukrainischen Minderheit, sondern auch gegen die ungeheuer. lichen Schandtaten m den kerkern von Srest-Litowsk! (Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten.— Zurufe der ftonumi. nisten.) Vor solchen Dingen, Herr Torgler. wollen wir das deutsche Volk und auch Sie bewahren! Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns zum deutschen Volk in der aanzen Welt. Wir vertreten das Recht der deutschen Kusturgemeinschaft, wir erwarten von den deutschen Bollsgenossen im Ausland, daß sie.zu dieser Volksgeineinschast stehen und ihre Menschenrechte verteidigen.(Beifall.) Wo sie unterdrückt sind. werden wir ihnen mit aller Kraft zu Hilfe kommen. Und darum hat zwei Tage nach der polnischen Sejinwahl, gm 18. November vorigen Jahres, der.iVorwärts" gefordert, daß Deutschland in Genf für das Recht der deutschen Minderheiten in Ostobers chlesien eintrete. Ueber den Ersvlg. der in Genf erzielt worden ist. hat die deutsche Sozialdemokratie in allererster Linie Gnrnd, sich zu freuen; wir haben ihn laut und still vorgearbeitet, und wir glauben, damit ein ganz bescheidenes Stück praktischer Slrbeit für das deutsche Boll geleistet zu haben. wir haben aber sehr wenig Verständnis für ein Ratlonalgefühl. das zwar gegen den Landvogt Graczynski in katlowitz die Faust reckt, aber die Stiefel leckt dem Henker Südtirols, dem Herrn Mussotinl.(Lebhafte Zustimmung) wir haben keine Spur von Verständnis für einen Ralionalfkolz, der sich in dem Augenblick. wo er die Brennergrenze überschreitet, in Hundedemut verwandelt. Solche Art von Natioualpolitik werden wir internationale Sozia- llsten niemals machen. Wirkliche Arbeit für die Bereinigung der Völker Europas beaikint erst dort, wo die Zusammenarbest zwischen dem deutschen und dem französischen Volk gesichert ist. In der Ab- rüstungssrag« sind wir im Prinzip mit der Regierung durchaus einig darin, volle Gleichberechtigung für das deutsche Volk zu sordern. Wir wären_ schlechte Sozialdemokraten, wenn wir das nicht tun würden. Wir lxrlten geineinfam mit der Regierung an diesem Endziel fest und sind gemeinsam mit ihr der Meinung, daß alles getan werden soll, um ihm so nahe wie möglich zu kommen; aber möglich« praktische Fortschritte dürfen nicht unter Verschanzung. auf letzte prinzipielle Forderungen unmöglich gemacht werden. Es freut mich, daß Dr. Curtius mir die Arbeit abgenommen hat, die irargezeichnekeu Worte unseres verehrten Freundes Arthur henderson in das stenographische Protokoll des deutschen Reichst tage, zu bringen. Den Kampf gegen die Behauptung von der Alleinschuld Deutsch- lands am Kriege hat die Veröffentlichung der Memoiren Bülows ernsthaft erschwert. wenn wir die Torheit begingen, wieder eine feierliche Cr- klärung den ausländischen Regierungen zuzustellen, so könnt« es unseren Dötschallern passieren, daß die Außenminister ihnen diese vülow-Bücher entgegenhallen. (Sehr wahr! links.) Man kann sa auch nicht alles auf einmal be- treiben, den Schutz der Minderheiten, die Revision der Ostgrenze, , die Rückgabe der Kolonien, den Widerruf der Kriegsschuld, die Revision des Doung-Plans und den Anschluß Oesterreichs. In einem Punkt der auswärtigen Politik wären wir wohl alle einig, selbst wenn die Davongelaufenen hier wären, nämlich darüber, daß die Außenpolitik des deutschen Karserreichs, mindestens seit dem Abgang Bismarcks unter der Kanone gewesen ist. Äus den Sclbstanklagen Bülows geht hervor, daß die deutsche Außenpolitik vom Regierungs- ontritt Wilhelms II. bis zum 1. August lSI-t eiize einzige, Operette gewesen ist, der dann allerdings die Tragödie folgte. Die Außen- Politik der Republik ist entschieden besser gewesen. wäre die kaiserliche AiißenpoUlik sortgeseßk worden— von diesem Deutschland wäre heule kein Fetzen mehr übrig. Nur weil wir uns entschlossen ucku dieser Politik abgewendet haben, ist es möglich gewesen, den Bestand des Reiches zu retten und zu erhalten Die Herren von der„nationalen Opposition" scheinen allerdings zu meinen, die kaiserliche Außenpolitik lei noch nicht genug laut und vorlaut, nicht mnug lärmend und theatralisch und nicht genug großmäulig gewesen. In all diesen Beziehungen bemüht sie sich, die kaiserliche Politit noch-u übertrefsen. Das ist der Weg, der sicher in den Abgrund führt. Wenn eine Niederlage e i n Gutes hat, so dies, daß das Volk aus ihr lernen kann.• Wehe dem volle, das aus seiner Riederlage nicht einmal mehr lernt! Die Millionen deutscher Volksgenossen, deutscher. Arbeiter, die zu uns stehen, haben länqsi erkannt, daß es für das Deutsche Reich, für die Deutsche Republik- nur«inen Weg auswärts aibt, den Weg der Gerechtigkeit und der Freiheit für alle— das aber ist der Weg der Demokratie und des Sozialismus.(Lebhafter Beifall und Händeklatickien der Sozialdemokraten.) Abz. Dr. Kaas(Z.): Durch den Auszug der Rechten haben unsere Verhandlungen sicher an Sachlichkeit und Geistigkeit ge- wonnen. Voraussetzung für ein neues Europa ist die Erfüllung seiner Völler mit einem Geist der einen wirklich zukunftsfähigen Organismus aufbauen kann. Wenn am Anfang stehen soll, Deutsch- land dürfe ein« friedliche Entwicklung des jetzigen Zuftandes nicht verlangen, dann könnte man ruhig den Paneuropaplan begraben. Abrüstung ist die Voraussetzung der Sicherheit, die auch wir haben müssen. Wenn die anderen ihre AbrüstnngsvcrpslichKmg aus dem v«. sailler Vertrag nicht erfüllen, wie können sie einem entwaffneten Lande, das dem Militarismus der anderen gegenüber an Auf- rüstung denken würde. Militarismus vorwersea? Wenn Verteidigung Militarismus ist, dann ist Rußland auch mili- taristisch. Polens Existenzrecht erkennen wir an, aber' seine Grenzen sind gegen seine eigenen Interessen zu weit gezogen worden, und wir behalten uns vor, das deutsch« Recht auf Äenoerung gel- tend zu macheu. Das braucht nicht zu verh'ndern, daß wir mit Polen uns verständigen. Di« Skepsis gegenüber dem Völkerbund Sat im deutschen Volke einen gefährlichen Grad erreicht. In der riegsschuldsrage arbeitet die Zeit für uns. Die gehässig und recht- haberisch geschriebenen Memoiren Bülows verraten nur sein Bc- streben, andere aus dem Walhall der deutschen Staatsmänner zu verbannen. Der Redner wünscht zum Schluß eine Gesamtlösung der Finanz- und Reparationsfragen und Fortführung der Bei- ständigungspolitit.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dauch(D. Vp.) sieht in dem Auszug der Rechten die not- wendige Folge der Ueberspitzung einer Agitationspolitik, die aus dem Reichstag stets«ine Wahlversammlung machen wollte. Dem Außenminister gebührt für seine Genfer Arbeit der Dank des Reichs- taqes. Der Redner äußert sich auch weiter im Sinn« des Außen- Ministers und spricht scharf gegen die Hetzerei der Ralionalsozialisien, wie z. V. die Bürger- kriegsdrohung des Abg. Frank II; solche Exzesse bedrohen unsere VerHandlungsfähigkeit gegenüber dem Ausland auf das schwerste. Wer das Vaterland liebt, muß sich mit Abscheu von solcher Hetze abwenden.(Beifall.) Gegen 18M Uhr wird die Weiterberotung auf heute, 15 Uhr, vertagt. Deutschlands Außenpolitik. Minister Curiius vor dem Reichstag. Außenminister Curtius sprach gestern im Reichstag über das Ergebnis von Genf. Cr erklärt einleitend, daß er sich nicht aus einen Bericht Über die Genfer Verhandlungen beschränken, sondern von sener Grund- läge aus den wichtigsten allgemeinen Fragen unserer Außenpolitik nachgehen werde. Er beginnt mit der Besprechung der Berhand- lungen des Studienausfchusfes für europäische Zu- s a m m e n a r b e i t. Den breitesten Raum nahmen in diesen Ver- Handlungen die Wirtschastsbe ratungen ein. Es setzte sich die Erkenntnis durch, daß«ine fchematifche für alle europäischen Verhältnisse, passende...Lösung nicht gefunden werden kann. Ohne dogmatische Voreingenommenheit ist es erforderlich, Ordnung auf einzelnen Gebieten der Wirtschaft zu schaffen und regionale Aue- taufchs- und Ausgleichslösungen zu fordern. In erster Linie bat sich. der Studiennusfchuß mit der landwirtschaftlichen Krise beschäftigt. Bis zum Mai sollen branchbare Pläne oorgriegt werden. Es ist nicht.zu verkennen, daß der Wille zur Zusammenarbeit auf allen Seiten zutage getreten ist. Die bisherige Behandlung des weitreichenden Problems einer curopäischen Union ist begreiflicherweise über lastende versuche noch nickst hinausgekommen. Zweifellos drangt ein starkes Bedürfnis unserer Gegenwart nach neuen Formen, des.zwischenstaatlichen Lebens in Europa zum Aus- druck. Di« deutsche Ausscisning zu dieser Frage ist in der Antwort- note auf das sranzöllsche Meiriprapdum.niedergelegt und hat seiner- zeit weitgehendste» Btlligmrg-'stzf-der» deuischen-Oestentllchkeit gesua-. den. Diese Auffassung bildet« auch bei den letzten Genfer Beratun. gen die Grün. läge dgr. deutschen Stellungnahme. Die Aufstellung eines umfassenden Programms für die europäifche Zusammenarbeit ist einem besonderen Komitee überwiesen worden, das das Material bis zum Mai vorbereiten soll. Für die Teilnahme der dem Völkerbund nicht angehörenden europäischen Staaten hat Deutschland bei den letzten Genfer Verhandlungen die Grundlage geschaffen. Daß die S o w j e t r e g i e r u n g sich im Prinzip bereit erklärt hat. an den Beratungen des Europaausschusses teilzunehmen, begrüße ich mit Rücksicht auf unsere Beziehungen zu Rußland mir be- sonderer Genugtuung. Das Erfordernis umsastendster Solidarität stellt sich einem immer wieder vor Augen, wenn man die Gesamtheit der großen europäischen Fragen sieht. Diese Aufgaben können nicht von einzelnen Völkern Und können nicht mit den Mitteln der Vorkriegszeit gelöst werden. Wir stehen vor neuen Problemen. vor der Schaffung einer neuen Rechts- und Friedensorganifatlon, die allseitig« Zusammenarbeit erfordert. Der Angelpunkt der großen ruropäischen Fragen ist das dcutsch- fcanzösische Verhältnis. Es wäre verhängnisvoll für das Schicksal Europas, wenn sich nicht auch senseits des Rheins die Erkenntnis der Ursachen durchsetzte, die letzten Endes die heutige Situation in Europa herbeigeführt haben. Die Forderungen, für die wir uns eiusetzen, sind mit den Lebensnotwendigkeiten anderer Völker nicht unvereinbar, und lassen sich aus dem Wege gerechten friedlichen Ausgleichs erfüllen. Wir sind durchdrungen von der Ueberzengung, daß ein neues Gemeinschaftsgefühl im Werden ist. Wir wollen aber nicht, daß das neue Europo auf der Grundlage unseres schwersten Niederbruchs aufgebaut wird. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß wir uns mit dem französischen Volk auf diesem Wege zusammen- finden werden. Der Minister geht dann auf die Abrüstung-frage ein, die im. Völkerbundsrat eine bedeutsame Rolle gespielt habe. Räch der ganzen Haltung der deutschen Vertretung in der Vor. bereitenden Abrüslung-kommission war es selbstverständlich, daß wir das Ergebnis der Arbeiten dieser Kommission ablehnten, wir haben lm Völkerbundsrol nochmals dargeleol, daß d« Kon- ventionsentwurf keine verpflichtende Kraft habe. »Der endgültige Termin für die Abrüstimoskonserenz ist jetzt endlich festgesetzt. Sie beginnt im Anschluß an die Januartagung des Völker. bundsrats, am 2. Februar 1332, zu einepi Zeitpunkt, wo ein Teil der Außenminister ohnehin in Genf versammelt ist und eine lange pausen- lose Axbeitsperiode zur Verfügung steht. Die Personenfragen sind noch offen gelassen. Die weiseren Verhandlungen darüber müsien von dem Grundsatz getragen fem. daß in der Führung der Konferenz völlige Unparteilichkeit gewahrt bleibt: Die Größe der Aufgab« der Abrüstungskonferenz wird die Politik aller Staaten in der nächsten Zukunft entscheidend beinflusien. Dort wird sich Herauestellen, ob es» zur Abrüstung kommt oder nicht. Für uns ist entscheidend, daß wir einen klaren Rechtsanspruch auf Durchführung der allegmeinen Abrüstung haben und daß. wir uns mit einer noch längeren Verzöoernng der. Erfüllung dieses Anspruchs nicht abfinden werden. Die Ueber-eugung von unserem Recht hat in- zwischen Schrill um Schritt an Boden gewonnen. Roch gestern bat der englische Außenminister erklärt, daß sede? Mitglied des Völkerbundes dukch Gefetz und Ehre zur Abrüstung verpslichlet sei. Run müssen den Worten die Taten folgen! Wir verlangen denselben Grad von Sicherheit, den die anderen Staaten füx sich in Anspruch nehmen. Der Ausgleich der Rüstung»- unterschiede stellt nicht- nur eine oertragliche.Derpsttchtung dar, sondern ist unabweisbar notwendig, um Ruhe und Sicherheit in Europa zu schaffen... Für a llg.W e l t i st d i. e L ä s u n g. d e r A b r ü st-u ngs. f.'r a g c der P rufst e i n. d es Völkerbundes. Im Mittelpunkt der Tagung des VZlkcrbundsrats stand die Behandlung der polnischen Gewalttaten gegen die deutschen Minderheiten. Es war das erstenlal, daß ein« Ratsmacht von sich au« die Aufmerksamkeit- des Völkerbundsrats aus eine Verletzung der Minderheitenschutzbestimmungen gelenkt hat. Der Sachverhalt lag so klar, daß eine Beweisaufnahme nicht ersordcrl.ch war und der Rat zu einer sofortigen Entscheidung kam. Mit klaren Worten stellt der Bericht fest, daß in zahlreichen Fällen«ine Ver- letzungd.er Bestimmungen der Genfer K o n v e ldti o n vorliegt. Er verlangt von.Polen bis zum Mai eine Mitteilung der Ergebnisse der eingeleiteten Verfahren und der Entichädigifngsgklioii. Ohne Nennung, von Namen wird mü aller Deutlichkeit ans d�i e Schuldigen hingewiesen. Der Beschluß stellt Richtlinien, aus über die gewisse Beachtung der Minderheitenrechte und ersucht die polnische Regierung apsdruck- lich, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die besonderen Bande zwischen den Behörden und dem airsständischen Verband und anderen Vereinen zu löicn. Es ist für die Geschichte des Minder- heitenschutzes von besonderem Bedeutung, daß die Feststellung von Dertragsverletznngen durch eine dem.VöUerbundsrat angehörende Macht in aller Deutlichkeit erfolgt, ist und daß der Völkerbundsrat eine Ratsmacht so eindringlich ausgefordert hat, die vorhandenen Mißstände zu beheben. Daran ändern nichts gewisse Erklännigen I im Auswärtigen Ausschuß des Senats in Warschau, die vergeblich zu beschönigen versuchen. Zn der' Möglichkeit.dcr jlachprüsuug des Perichls der polnischen Regie runq bei der Mcilloqnng liegt die wichtigste Gcltatllie, die uns und den Minderheiten gegeben ist. Wir werdeu das Ergebnis gcuau prüfen und deHallen uns vor, die notwendigen Anträge zu stellen, wenn es unseren Erwartungen nicht entspricht. Im Einvernehmen mit den Worten, mit denen der Präsident de? Dölkerbunderats, Henderson, die Tagung geschlossen hat, erwartet auch die deutsch« Regierung, daß der Völkerbund in Zukunft eist- schloff euer als bisher seine hohe Ausgabe durchführt, ein Hort der Minderhellen zu lein. Wir werden uns an diese Ausgabe wie bisher aktiv beteiligen und nach Beendigung des polnisclten Minderheiten- streites prüfen, ob die Möglichkell für eine weitere Verbesserung des Minderheitenschutzverfahrenz gegeben ist. Im Völkerbundsrat wurden darüber hinaus die Meinet- frage und die O st a s r i k a- Frage behandelt. Von den strittigen Memelsragen hat nur diejenige des Vetorechts«ine Klärung ge- lunden. Die weitere Erörterimg wurde auf die nächste Ratetogung rertagt. Inzwischen ist im Memelgebiet ein« Kommission gebildet morden, die mit der litauischen Regierung eine Einigung über die Restpunkte erstrebt. Wir hoffen, daß es gelingt, zn einer Einigung zu kommen, ohne daß ein Eingreifen des Völkerbulldsrates erforder- sich sein wird.— Bei der Frage der Kolonialmandate handell es sich um die bekannten englischen Bestrebungen, das oft- afrikanische Mandatsgebiet mit den britischen Kolonien zusammen- zuschließen Deutschland hat diese Bestrebungen von Ansang» an mit größter AuimerksaMkeit versolgt. Die Vorschläge des Kolonial- amts sind inzwischen von der enqliickzen Regierunq einem Sonder- ausschuß des Parlaments unterbreitet worden. Die Reichsregieruug wird ihre weiteren Schritts von dem Ausgang dieser Verhandlungen abhängig machen. Sie wird dabei keine Handhabe unbenutzt lassen. um der deutschen Auffassung von der Unantgstbarkell der Selb- ständigkeit der Mandatsgebiete Gelllmg zu verschossen. Der Minister macht dann Ausführungen über die allgemeine Einstellung zum Völkerbund. Gewiß haben wir oft Anlaß zu scharfer Kritik an den Beschlüssen des Völkerbundes gehabt. Aber Krilt und Enttänschuna sind nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit der Notwendigkeit, unsere Mit- gliedstbait und damit den K�mpf in Gens auszuleben: Die Befriedigung, die Sie(nach rechts) setzt über die demsn» strative Geste einer deutschen Kündigung empfinden könnten, würde recht schnell einer großen Ernüchterung Platz machen. Selbstver» ständlich steht die Reichsregierung nicht auf dem Standpunkt, daß Deutschland unter allen Umständen im Völkerbund zu bleiben hätte. Wenn er sich der Erfüllung derjenigen Ausgaben, die die Grundlage seines Daseins bilden, versagt, dann wären wir vielleicht eines. Tages zu neuen Entschlüssen gezwungen. Es ist aber nicht richtig, daß die Zugehörigkeik zum Völkerbund bisher für Deutschland ergebnislos gewesen sei. und doß sie uns nur Hemmungen unserer politischen Bewegungsfreiheit gebracht hätte. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Außenpolitik, den Völkerbund immer mehr zu einer Aktivität zu bringen, die seinem wahren Grundgedanken entspricht. Mit der moralischen Gleichberechtigung Deutschlands steht im engsten Zusammenhang die Kriegsschuld frage. Alle deutschen Regierunzen haben immer wieder gegen die Versäiller Kriegs- schuldthese schärfste Verwahrung eingelegt. Ganz Deutschland-st darüber einig, daß ihm durch das einseitige Schulddiktat von Ver- sailles schweres Unrecht zugefügt worden ist. Zahlreiche Kundgebun- gen von amtlicher Seite haben den deutschen Standpunkt vor aller Well klargelegt.< Es bedarf dazu nicht noch weiterer einseiliger Rotlsizlerungen. Im Kampf für Wahrheit, Ehr« und Freihell haben wir neben diesen Kundgebungen den Weg der Zlufklärnng beschritten. Die Folge wor, daß sich die Sachverständigen fast aller' Länder mit der Kriegsschuld- frage befaßt haben. Durch i diese Arbeit ist die Grundlage der Bersailler Kriegsschuldthese in seiner historischen Haltlosigkell kängst erwiesen. Der Tag ist nicht s«rn. an dem�Richier ober Gelehrte zu- sijrnmenireten werhen, am endlich den. Spruch der Wahrheit und der Gerechtigkeit zu fällen. Die Reparaklonsfrage, die ich zum Schluß behandele, stand nicht in Gens zur Verhandlung. Sie drängt sich aber auch wie ein ungebetener Gast in alle internationalen Zusammenkünfte ein. Dcch Gespenst wird erst zur Ruhe kommen, die Weltwirtschaft van diesem 2llv befreit sein, wenn Wirtschaftsvernunft und Geiechkigkeit sich endgültig dürchgeseht daben. Seit-einem Jabre ist der neue Plan in Kraft. Unsere Gegner wissen, daß wir ihn nicht zerreißen werden. Wie die Unverbrüchlichkeit der Pslicht zur Zahlung privater deutscher Fliianzschulden, sc» steht fest, daß wir über unsere ossenk liehen Schuldverpflichtungen nur auf dem Vertragsboden, nur mit den Mitteln internationaler Rechts- ordnüng verhandeln und handeln werden. Aber unsere Gläubiger chissen auch, daß wir eine Garantie für die Erfüllbarkeit des neuen Plans stets abgelehnt haben. Seit den chaager Konferenzen hat ein« völlige Verlagerung In der Weltwirlschast stattgefunden. Wir stehen vor ganz.neuen Aus- gaben zur Ueberwindung der Krise, bei denen die Reparationsfrage esnen ausschlaggebenden Faktor bildet. Diese Lage in Verbindung mit unserer Finanznot und der Verelendung unseres Volkes bringt die Reparationsfrage in den Vordergrund auch des außenpolitischen Hantlungsbereichs. Die Reichsregierung hat am Reujahrstag dem Reichspräsidenten gegenüber die Verantwortung übernommen, daß das deutsche Volk durch unerträgliche Lasten nicht seiner sozialen und sittlichen Grundlagen beraubt wird. Wie nach innen die Repara- tionefrage der. wichtigste Teil unseres ganzen Finanzproblems ist. so steht"sie nach außen im Zusammenhang mit der Außenpolitik. Diese Zusammenhänge dürfen wir niemals außer acht lassen. Ich bin deshalb mit dem Reichskanzler der Meinung, daß Zeitpunkt und Maßnahmen für eine Erleichterung unserer Lasten nicht außerhalb solcher Zusammenhänge bestimmt werden dürfen. Manche Kreise in Deutschland werden von der Anschauung be- l?errst einem Flugblatt solchen geistigen Hochstandez feiert die Nationalsozialistische Partei ihre„Kistorische Stunde". Außerdem wird für Donnerstag eine Sportpalastversammlung und für Sonntag eine Lustgarken-Demonstration angekündigt. „Aus Vaffke!" Ma'senonz�gen gkgkn Abgeordnete anoekündigt. Die„Nachtausgabe" des Herrn Hugenberg kündigt an, daß dio . nationale Opposition" als Revanche für die Beschlüsse des Reichs- tags über dj.e'Iinmünität iövst bis büst Privatklagever- f'ahren gehen Abgeordnete� der SoZialdvmo- kratie und des Zentrums anstrengen wird. Angeblich scll dafür Matertal vorhanden fein, hauptfächlich bestehend aus An- griffen, die von jenen Abgeordneten in Versam.nlungsreden gegen rechtsstehende Politiker gerichtet sein sollen. Zu dieser Absicht möchten wir bemerken: Es war niemals sozial- demokratische, sondern stets nationalsozialistische Art, erst zu be- leidigen und sich dann hinter die. Immunität zu verkriechen Ganz anders, ober als die Strafanträge von Leuten, die sich wirklich beleidigt fühlen, werden solch« Anträge zu behandeln sein, die nur .zudem Zwecke gestellt werden, die Beschlußfähigkeit des .Reichstags in Frage zu stellen. Ueber solche gar nicht ernst geweinte, nur aus politischen Gründen gestellte Anträge wird auch der Reichstag nach politischen Gesichtspunkten ent- scheiden müssen._ „Remärque und die Wirklichkeil." Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" teil! mit,. daß aus icchnischea Gründen die.Kundgebung„Remarque und die Wirklichkeit" am Dienstäa. dem 17. Februar, nicht stattfinden kann. Der Termin der Wieder- holung wird ehestens bekanntgegeben werden. Die Verbündeien. Thal mann Qoebbeb �Dieses unnatürliche Bündnis zwischen Sozialdemokratie und Regierung konnten wir drei in unserer ilnschuld nicht voraussehend SA. unter Hochverratsverdacht! Schwer belastendes Material beschlagnahmt. München, 10. Februar.(Eigenbericht.) Der Landfriedensbruch, den sich die Hitler- Horden an» vorletzten Sonntag anläßlich einer sozial- demokratischen Versammlung in Murnau zuschulden kommen ließen,, führte jetzt z u r Verhaftung von drei Nazi-Unterführern der Murnaner Gegend. Es sind ein Kansmann, ein Ingenieur nnd. ein Post« assistent. Bei den nach der Verhaftung gepflogenen Er- Hebungen fiel der Polizei ein Schriftstück in die Hände, aus dem hervorgeht, daß die Natiol»alsozialisten SA.- Vertrauensleute in Neichs-, Land- und Gemeindebehörde haben, deren Aufgabe es ist, geheime Erlasse und Verfügungen dieser Behörden insbesondere der örtlichen Polizei und Landespolizei der obersten S.A.-Leitung möglichst im Origi- uel zuzuführen. Di« Vertrauensleute sind beauf» tragt, ihre Mitteilungen öhne ihre Name» lediglich, mit einer chuaa voa der Leitrurg zugeteilten Nummer au die Adresse des Ha» p t manns«. D. H erb ert Nie st er in München einzusenden. Auf Grund dieser Entdeckung wurde am Montag in der Münchener Wohnung des Niester uitb in de« Geschäftsräumen der obersten SA.-Fnhrn«g Haus» fnchnng gehalten, wobei zahlreiches Material beschlag- nahmt wurde. Oberster SA.-Führer ist dem Stamcu«ach Hitler selbst, die Geschäfte führt aber der Major a. T. Schneidhnber. der zur Zeit auf Reise ist. Riester wurde verhaftet nnd wegen Verdachtes des Hochverrats dem Gericht übergehen. Oberreichsanwalt und Hochverraisverfahren gegen die Nationalsozialisten. Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" teilt mit, daß sie dem Oberreichsanwolt am 23. August 1930 das in dem August- Heft der Zeitschrift„Die Justiz" erschienene Material„Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich", eine vergleichende Darstellung über durchgeführte Hochverra tsver. fahren gegen Kommu- n i st e n und nicht durchgeführte 5, och verrats- verfahren gegen Nationalsozialisten zur Stellung- nähme überreicht hat. Auf eine Anfrage über, den Stand der Angelegenheit hat der Oberreichsanwolt der„Deutschen Liga für Menschenrechte" folgenden Bescheid erteilt: .Die Ermittlungen, die das in dem Aufsatz„Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich" gegen Funktionäre der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vorgebrachte Material betreffen, sind noch nicht völlig abgeschlossen. Sobald sich das Gesamtergebnis der Ermittlungen übersehen läßt, werde ich auf die Anfrage zurückkommen." Zwei Jahre Gefängnis für Hakenkreuzredakteur. SWIlgarl, 10. Februar.(Eigenbericht.) Das Stuttgarter» Schwurgericht, das in Württemberg zurzeit noch für. Presscvergehen zuständig ist, verurteilte den Redakteur Johann Daehn des ia Württemberg erscheinenden national- sozialistischen Wochenblattes wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu zwei Iahren und 13 Tagen Gefängnis. ' Das Stuttgarter Naziblatt hatte wenige Tage vor der Reichs- tagswahl einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der Flaggcnfrage des Deutschen Reiches beschäftigte. Darin hieß es, daß die Farben Schwarz-Rot-Gold wohl in der Zeit um 1848 politisch noch einwand. frei und sittlich wertvoll gewesen seien. Durch die Vorgänge vor dein Kriegsende und in der Nachkriegszeit seien sie beschmutzt und ge- schändet worden und verdienten daher heute keine Achtung mehr. Der Artikel war geziert mit Ausdrücken wie„die deutschen Bernfs. gauner", KorrupttonÄaden",„die sogenannte Republik" und schloß mit den Sätzen:„Kein vernünftiger Mensch von Charakter wird von einem Frontsoldaten, der sein Leben und Gesundheits aufs Spiel setzte, während mit schwarzrotgoldenen Fahnen zum Landes- oerrot aufgefordert wurde, verlangen können, daß er die Farben der Halunken und Ueberläufer als die seines Vaterlandes anerkennt. Wir sind aber der Meinung, daß die Farben Schwarz-Rot-Gold unbedingt zum heutigen Staat passen. Es wurde dabei nur ver- gcssen, den David-Stern als Fahnenspitze offiziell zu erklären." Es war politisch interessant, daß sich der Angeklagte, der kein Abgeordneter ist, also nicht durch Immunität geschützt ist, sondern für seine Handlungen einstehen muß, keineswegs mit dem Inhalt dieses Artikels identifizierte, obwohl er nur Ansichten wider- gibt, die in Versammlungen der Hakenkreuzler fast täglich geäußert werden, meistens in noch viel gemeineren Formen. Er machte viel» mehr geltend, daß er keine Gelegenheit gehabt hätte, den Artikel vor der Drucklegung genau zu prüfen. Wenn er ihn vorher gelesen hätte, würde er einiges daran geändert haben. Außerdem sei der Artikel nicht so zu verstehen wie ihn die Anklage auffasie. Vielmehr sollten gerade durch diesen Artikel die Farben Schwarz-Rot-Gold in Schutz genommen werden gegen diejenigen, die sie in den Schmutz gezogen hätten. Man habe nicht die Absicht gehabt, durch diesen Artikel die Farben der Republik zu beschimpfen. Die Flaggenfrage sei eine Frage allerletzten Ranges. Ueberhaupt seien die National» soziälisten viel bessere Republikaner als viele, die sich so nennen würden. Das Schwurgericht ließ sich aber aus die AerteidigungstÜnste des Angeklagten nicht ein. Es billigte ihm zwar, well er bisher noch unbestraft ist, mildernde Umstände zu, verurteiiiv ihn aber zu der Strafe von zwei Iahren und 13 Tagen Gefängnis. Verzögerte Präsidentenwahl. Ehrifilich- Soziale hoffen im Herbst Seipel vurchzubrinaen.. '- Wien, 10. Februar.(Eigenbericht.) Die Regierung hat am Dienstag die Wohldes Bundes- Präsidenten auf den 18. Oktober, die Stichwahl auf den 8. November festgesetzt. Diese Verzögerung der an sich sofort fälligen Wahl um bei- nahe acht Monat a wird von den Sozialdemokraten und den Großdeutschen als dem Geiste der Verfassung widersprechend bezeich- net. Die Verfassung bestimmt daß die Ausschreibung der Wahl zehn Wochen nach dem Zusammentritt des Parlaments erfolgen muß. Dieser Terwan war am Dienstag, dem-10. Februar, abgelaufen! Die C h r i st l i ch- S o z i a l e n bestanden jedoch aus die Verzöge- rung der Wahl, weil sie glauben, im Herbst die Wahl So�pels durchsetzen zu können.'' 77 Laca-Angeklagte. , Jims Todk surteile werden beantragt Paris, 10. Februar.(Eigenbericht.) Nach einer Metdung der„Liberte" aus Saragossa sind die Akten gegen die der militärischen Aufwiegelung ange- klagten Offiziere und Unteroffiziere von Jäca nunmehr abgeschlossen worden. Sie umfassen 77 Anklagen. Höchstwahrscheinlich wird für vier oder fünf der Angeklagten die Todesstrafe und für ungefähr ein Dutzend lebenslängliche Zwangsarbeit gefordert werden.;,. s.--__>.. Oer Indien-Erfolg Macdonalds. Sie indische Regierungsanleihe in London in zwei Stunden überzeichnet. Der polilijche Erfolg der Arbeitcrregierung in der Indienfrage hat. stch auf einem finanziellen Erfolg weiter ausgewirkt, der ein deutliches Zeichen des Vertrauens in die Politik Macdonalds ist. Die am Montag zur Zeichnung aufgelegte indisch« Regierungsanleihe in Höhe von 12 Millionen Pfund Sterling wurde so schnell gezeichnet. daß zwei Stunden nach Auslegung die Listen geschlossen werden mußten. Die Zentrumssraklicrn des Reichsiage« nahm am Dienstagabend die Wahl des Frattionsvorstandes vor. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Abg. Perlitius. zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden die Ab gg. Esser und Erslng gewählt. Dje Abgg. Per- lftius und Esser gehörten dereils seit mehreren Jahren dem engeren Vorstand der Fraktion an. In den letzten Jahren waren sie stell- vertretende Vorsitzende der Fraktion. Der Abg. Ersing gehörte ebenfalls schon seit längerer Zeit dem weiteren Vorstand der Frak- tion an.' Die Scherl-Akten verbrannt! Professor Bernhard im Kreuzverhör.- Vereidigung abgelehnt. weiteren Verlauf der Untersuchung der Aorgesck)ichte des ldugenbergfchen Preßkonzerns wurde gestern vor dem Untersuchung-:;- ausschusse der Ministerialrat a. D. von H a m m c r st c i n, der Äer- fosser des Briefes an die Preußenkassc, vernommen. hammerstein sagte ans: ?m Februar oder März 1913 traten rechtsstehende Politiker an den Landwirtschaslsminister v o n�S ch o r l e m e r heran und mach- ten ihn darauf aufmcrksani, daß Scherl sein Unternehmen verkaufen walle und daß leistungsfählge Käufer vorhanden seien, insbesondere Masse oder Ullstein. Minister von Schorlcmer beaustragt« mich, i n ihm bekonnten Kreisen Herren zu suchen, die geneigt seien, Geld für den Erwerb des ScherUVerlages zu geben. Auf Veranlassung Schorlemers sprach ich mit dem damaligen Polizeipräsidenten von Iagow, der mir sagte, daß Reichskan.zler von Bcth mann- Hollweg in gleicher Richtung tätig sei. Darauf nahm Echorlemer mit Bethmann Fühlung. Leß- tercr bat Schorlcmer, von seinem Vorhaben abzustehen. Gegen Mitte des Jahres bin ich denn auf Veranlassung der Reichskanzlei zu dem erkrankten Minister Schnrleir.er nach Wiesboden gefahren, um ihn zu fragen, ob er weiter in der Sache tätig sein wolle. Er hat dann durch seine privaten Beziehungen die notwendigen Kredit« erlangt. Meine Ausgabe war es später, zum Abbau dieses Kredites die notwendigen Gelder zusammenzubringen und die Herren zu ver- anlassen, sich an der Sache zu beteiligen. Die ganze Aktion war voch nicht beendet, als der Krieg ausbrach. Auf eine Frage des Vorsihendeu erklärt der Zeuge weiter, daß die ganze Angelegenheit. von Herrn von Schorlemer und ihm mehr oder weniger persönlich bearbeitet worden sei und daß offizielle Akten darüber nicht vorhanden wären. Auf die Frage des Berichterstatters Äuttner tSoz.). ob er es für zulässig angesehen habe, daß die weitere Geldhergabe von ge- ivisien Ruhrzechen davon abhängig gemacht wurde. daß eine Verlängerung des Kohlensyndikal» erfolge. erwidert der. Zeuge, er sei in diese Dinge nicht eingeweiht gewesen und könne sich nicht mehr erinnern, ob er diese Bedingung überhaupt an die zuständige Stelle weitergeleitet Hab«. Die Akten am Tage nach der Revolution verbrannt. Bors. Deerberg: Sind Schriftstücke über diese ganze Angelegen- hell beim Innenministerium vernichtet worden? v. hammerstein: Ich habe bereits gesagt, daß ich am Tage nach der Revolution, als der„Berliner Lokal-An- zeiger" als.Rote Fahne" erschien, den privaten Schriftwechsel! mit den Geldgebern des Verlagsvereins-verbrannt habe. Abg. Diel: Sie hatten aber doch diese Verhandlungen mit den Geldgebern im Austrage des Landwirtschasteministers v. Schorlemer geführt mit dem Reichskanzler Bethnmnn-hollweg, dem Reichsbänkpräfidenten und anderen Behördenstellen. Glauben Sie, daß trolzdem dieser Schriftwechsel privat war? v. 5)ammerste!ll: Ja. Bernhard im Kreuzverhör. Räch der Mittagspause wird Professor Ludwig Bernhard nochmals vernommen. Berichterstatter Kuttner hält dem Zeugen vor. es sei auffällig, daß der Zeuge den Namen des Mannes, der angeblich aus dem Ministerium des Innern zu ihm gekommen sei, nicht'mehr an- geben fönne. k, Zeuge: J«b hatte beute früh schon die Absiebt, mich noch einmal Zu- melden, weil ich über diesen Punkt, dessen Tragweite mir ganz klar ist, einige Ergänzimgcn geben mächt«. Dieser Besuch war e i n Glied in einer Kette. Das erste Glied in dieser Kette war damals die Haussuchung, nach der ich an den Polizeipräsidenten Grzesinski einen erngeschriebenen Brief gerichtet habe, m dem ich ihm Willkürlichkcit vorwarf. Der Polizeipräsident hat auf meinen Pries mit keinem Wort geantwortet. Das zweite Glied der Ket e war folgendes: In mein« Sprechstunde, die täglich van 19 bis 39 Leuten besucht wurde, kam gegen Weihnachten ein etwa dreißig- jähriger Mann— seine Karte fand ich nachher aus dem Tisch— und sägte, er komme, weil er gehört habe, daß ich ein Puch über den Hugenberg-Konzern schreibe. Ich hart« den Eindruck, daß er mich ausfragen wollte und war natürlich zurückhaltend. Nach acht •tagen kam der Herr wieder. Diese Unterredung hatte offenbar den Zweck, die erste abzuschwächen. Was mein Erstaunen erregte, war folgendes: Am Z. April 1g?S erschien im.vorwärts" ein Artikel, dem ich große Bedeu.unq beilegte. In diesem waren eine Menge Daten und Angaben über den Hugenberg-Konzern entHallen, die nicht aus meinem Luche stammten, sondern aus anderem Material. Dieselben Angabe» sind in dem Urontrag wiedergegeben worden, der diesem Untersuchungsausschuß zugrunde liegt. Widersprüche in der Aussage. Berichterstatter Knttner richtet an den Zeugen die Frage, ob der Artikel im„Vorwärts" nicht Veranlassung für ihn gewesen sei. schon damals den Inhalt dieser beiden Unterredungen festzulegen, zumal er sich vom preußischen Innenminister verfolgt siiblte. Zeuge: Ich Hobe mich nicinols vom Minister des Innern ver- iolgt gesüblt. Vorsitzender: Wollen Sic selbst den Vorwurf erheben, daß der Minister einen politischen Skandal habe hervorrufen wollen oder haben Sie nur sagen wollen, dieser junge Manu, dessen Namen wir nicht kennen, habe diese Aeußerung getan? Zeuge: Ich habe selbstverständlich nur das wiedergeben wollen, was ich gehört habe, und ich habe mich lange gefragt, ob ich unter solchen Umständen die Sache hier erwähnen solle. Der Vorsitzende stellt schließlich als Ergebnis der Befragung des Zeugen fest, daß dieser keine Auskunft über den Namen des betreffenden Herrn geben könne. Abg. Becker-Wilmersdorf fKomm.): Gestern haben Sie ausge- sagt, Sie hätten sich über ihre Unterhaltungen im Scherl-Verlag sehr iiitensto Roti.zen gemacht. Sie haben auch bekundet, Sie hätten sich bei ihrer Unterhaltting mit dem vermutlichen Ministerialbeamtcn Notizen auf der Rückseite seiner Visitenkart« gemacht, heute, als Sic noch ihrer Unterredung mit dem jungen Mann gefragt werden, sagen Sie. Sie hielten es nicht für erforderlich, sich über" Unterhaltungen Notizen zu machen. Wollen Sie den Mann nicht nennen, weil Sie ihn schonen wollen? Bernhard: Ich mache mir nur bei wissenschaftlichen Unter- hallungen Notizen, wußte aber, daß das Unsinn war, was der Mann sagte, habe seine Karte nicht mehr zefunden und erinnere mich wirklich nicht an den Namen. Berichterstatter kuttner(Soz.): Es bleibt die Tatsache bestehen, daß, während ihr Buch noch nicht erschienen war, Ihnen gesagt» wird, es gäbe jemanden im Innemninisterium, der glaub«, daß noch heute der Staat Forderungen an die Scherl-Gesellschmt aus den damaliaen Subventionen herleiten könne, ohne daß Sie sich beim Innenininiste- räum über diele Dinae erkundigen. Abg. Saufhold(Drntt.): Ich nehme an, daß der Mann, der bei Prof. Bernlmrd war, auch der Verfasser jenes„Vorwärts"-Artikels ist. Vors. Deerbera(Dual.): Wollen Sie, Herr Prof. Bernhard, be- haupten, daß der Mann, der bei Ihnen war, aus dem Jnncnministe- rium kam? Prof. Bernhard: Ich habe nur gesagt, daß ich ihn dafür hatten mußte. Vielleicht könnte man die Beamten aus dem Ministerium befragen, ob einer von ihnen den Artikel geschrieben hat. Vereidigung abgelehnt. Als Abg. Hillger(Dnat.) nunmehr beantragt, den Zeugen Bern- hard zu vereidigen, widerspricht Abg. Zürgensen(Soz.) der Vereidi- gung. Er sagt, Bernhard habe gesagt, er halte es für ausge- schlössen, daß für die Sanierung des Scherl-Verloges öffentlich« Mistel verwendet wurden, habe sogar gesagt, man könne sich aus den Kopf stellen, es käme doch nichts heraus. Trotzdem sei der Zeuge nicht in der Log« gewesen, über die Herkunst der einen Million, die der Unbekannte gegeben haben soll, etwas Positives aus- zusagen. Dieier Widerspruch müsse Veranlassung geben, von der Vereidigung abzusehen. Der Antrag aus sofortige Vereidigung wird gegen die Rechtsparteien abgelehnt. Bevor Prof. Bernhard dann entlassen wird, wird er dem Presse- referenten des Innenministeriums, M i n i st c r i a l r a t Dr. h i r s ch- seid, gegenübergestellt. Bernhard erklärt, dieser Beamte sei nicht jener Mann, der ihn seinerzeit aufgesucht hätte. In nichtöfsentlicher Sitzung wurde dann noch beschlossen, am Mittwoch Staatsministcr o. D. Drews, Staatssekretär a. D. Löbei und den Abg. Heitmann(Soz.) zu vernehmen. Starke Reichsbank. Reichliche Entlastung in der ersten Februarwoche. In der ersten Fcbruorwoche ging der Wechselbestand der Reichsbank um 139,9 auf 1892,3, die Summ« der Lombarddar- lehcn um 197,6 auf 66,2, der Bestand ati Reichs schätz wechseln um 62.r> aus 23,2 Millionen, die gesamte Kapitalanlage also um 319,3 auf 1994 Millionen zurück. Die Gelder aus Girokonto zeigien aller- Vings nur eine Zunahme um 4,2 auf 279,8 Millionen. Dies und vi« Tatsache, daß gleichzeitig die Devisenbestände mit 198,4 Millionen (Abnahme I Million) fast unverändert blieben, lassen erkennen. daß zwar noch keine neue Geldfüll«, ober doch eine E n t l a st u n g iznd Beruhigung des GeLdmorktes eingetreten ist. Sic können ,on so höher veranschlagt werden, als die Banken, ja neue Gelder für die in Gang gekommene Börsenhausse benötigi haben. Der Notemimlauf sank um 299.2 auf 4984,2 Millionen." Bei fast unveränderten Goldbeständen von 2244,1 Millionen erhöht« sich die Notendeckung von 35,7 auf 59,8 Proz.: das ist fast die Hälfte mehr als die gesetzliche Vorschrift von 49 Proz. Frankreich Deuifchlands größier Käufer Rund Millionen deutsche Exporte. Die Einzelstatistik über den französischen Außenhandel weist den Wert der Einfuhr von deutschen Waren nach Frank- reich im Jahre 1939 mit 7 996 975 999 Franken(rund 1399 Millionen Mark) gegen nur 6 612 979 999 Franken im Jahre 1929 aus. Deutschland steht mithin an erster Stelle der Länder, die nach Frankreich Waren einführen, vor Ametika(das im Jahre 1929 an erster Stelle stand), Großbritannien und Belgien.] Der Wert der nach Deutschland ausgeführten französischen Waren wird für das Jahr 1939 mit 4 132932 999 Franken gegen 4 743 585 999 Franken im Jahre 1929 angegeben. hier steht Deutschland an dritter Stelle. An erster Stelle steht Groß- britannien, an zweiter Stelle Belgien. Labour Party gegen Tkeuwahten. Arbeiterfraktion gegen LEP.-Antrag. London, 19. Februar.(Eigenbericht.) Die Fraktion der Arbeiterpartei lehnte am Dienstag mit 121 gegen 14 Stimmen den Antrag der unabhängigen Arbeiterpartei auf Auflösung des Unterhauses und Neuwahlen ab. Die Wahlen sollten nach dem Antrag unter Propagierung eines streng sozialistischen Programms durchgeführt werden. Sven Hedins Rückkehr. Befriedigendr Ergebnisse der Expeditionen. Der berühmte schwedische Forscher Sven hedin kehrt« am Dienstag aus dem fernen Osten nach Stockholm zurück. In einer Unterredung mit dem Vertreter des„Soz. P r e sie d i e n st" in Stockholm baschrieb Dr. hcdin die in den letzten Jahren von den unter seiner Leittmg stehenden acht innerasiatischen Wissenschaft- llchen Expeditionen erzielten Ergebnisse, die sämtlich außerordentlich befriedigend ausgefallen seien. Im Mittelpunkt der Forschungen -ständen die Provinzen Sinkiang und Kansu, sowie die Wüste Gobi. Die Forschungsarbeiten würden vrn 19 Fachgelehrten— 11 Schweden, 5 Chinesen, 2 Deutschen und 1 Dän/n— beoussichtigi und umfaßten vor allein geologische, meteorologische, ethnographische, botanische und zoologische Untersuchungen. Auf Grund von ein- gkheirden wissenschaftlichen Beobnchttmgen seien, genaue Karten von den durchforschten Gebieten angelegt worden. Slußerdcm seien mehrere Tausend Gegenstände aus den verschiedensten Wissens- gebieten gesammelt worden. Die Forschungsarbeiten sollten noch etwa zidei Jahre fortgesetzt werden. Die Partei der Frontsoldaten. Richt die Hakenkreuz'er, sondern die Sozialdemokratie! In der N a ch t s i tz u n g des Reichstags vom Montag hat der nononolsoziatistische Abgeordnete Frank II den anderen Par- teien zugerufen:„Sie selbst sino heute nur noch, da durch einen Irrtum der deutschen Geschichte. Als damals das deuische Volk an der Front stand, konnten Sie sich hier festsetzen." Aehnliches wird auch immer wieder in der nationalsozialistischen Presse behauptet. Es ist dort z. B. kürzlich eine Prozentrcch- n u n g ausgemacht worden, aus der sich ergeben soll, daß eigentlich nur die hakenkrcuzlcr die Partei der Frontkämpfer seien, während alle anderen Parteien vom Frontkampf nichis verständen. Aus dieser Prozentrechnung werden dann die üblichen Folgerungen g:- zogen, auf die einzugehen sich nicht verlohnt. Run hat es gewiß nicht viel zu sagen, ob ein'Abgeordneter am Kriege teilgenommen hat oder nicht. England, Frankreich und Amerika hatten während des Wellkrieges Zivllisten als Kriegsminister und man kann nicht behaupten, daß sie in der Behandlung mililänscher Fragen schlechter abgeschnitten hätten als etwa die„gelernten" Militärs in Deutsch- !ond, wie Sic Herren Ludendorsf, Falkenhayn oder hahenzollern. Immerhin ist es aber doch nicht uninteressant, sich einmal mit der Frage des Frontsoldatentums im Deutschen Reichstag zu be- schädigen. In der nationalfozialistisäzen Prozentrechnung kommt die sozialdemokratische Fraktion besonders schlecht weg. Es wird dort behauptet, daß von ihren Mitgliedern nur 24 Proz. am Weltkrieg teilgenommen hätten. Soviel ist richtig, daß die sozialdemokratischen Zlbgeordneten im Reichstagshandbuch mir zum Teil über ihre Beteiligung am Wgltkrieg berichtet haben. Zum Unterschied von den hokenkreuzlern, die dort lang und breit ihre kriegerische Betätigung schildern und niemals verschweigen, welchen mili- lärischen Grad sie erreicht haben oder mit welchen Andenken sie sich schmücken. dursten. Die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstag- zählt 143 Mitglieder. Rechnet man die 16 weiblichen Abgeordneten ab, so bleiben noch 127 Männer. Von diesen 127 sozialdemokratischen Zlbgeordneten waren während des Weltkrieges 22 über das wehrfähige Aller hin- aus, 16 sind wegen irgendwelcher körperlicher Gebrechen nicht ein- gezogen worden: es bleiben 89 sozialdemokratische Abgeordnete, die den Weltkrieg aktiv mitgemacht haben. Anders ausgedrückt, be- deutet da-, daß 70 Proz. der männlichen Mitglieder der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion ihre militärische? flicht während des Krieges erfüllt haben. Sie haben dies« Pflicht erfüllt ohne Rücksichtnahme auf ihre persön- lichs Einstellung zum Krieg, auf seine Ursachen, seinen Verlauf und ihre Haltung zpr kaiserlichen Regierung. In die richtige Beleuchtung kommt diese Feststellung, wenn man sich die„Frontsoldaten" in der nattonalsozialistischcn Frakts�n etwas näher ansieht. Nach Herrn Frank müßte man annehmen, daß sie hundertprozentig am Kriege beteiligt gewesen seien und daß man nur bei ihnen die reinste Verkörperung des„Frontkämpfer- gcistes" finden könne. Aber auch hier sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Unter den 197 nationalsozialistischen Reichstagsabge- ordneten befinden sich 77, die den Weltkrieg mitgemacht haben. Das ergibt ungefähr den gleichen Prozentsatz wie bei der sozialdemokra- tischen Fraktion. Es bleiben 39 Mann übrig, Sie keine Front gesehen hoben, die im sicheren Hinterlande geblieben sind. Auch unter den 77„Frontkämpfern" befinden sich gewiß noch mänchc, die ihre Uniform nur in der Etappe spazieren getragen haben. Herr Frank selbst war bei'Kriegsausbruch ganz« 14 Jahre a l t: mit feinem„Kriegsdienst", von dem er im Reichstagshandbuch berichtet, kann e- also nicht weit her gewesen sein. Bei den dreißig eigentlichen Heimkriegern sind 11, die während des Weltkrieges ihren Hosenboden auf der Schulbank gewetzt haben: das sind aber jetzt die lautesten Kriegsschreier. Dann bemerken wir Herrn Dr. Goebbels, der wegen eines körperlichen Fehlers zu Hause geblieben ist. Die übrigbleibenden 18 hakenkreuzler gruppieren sich um Herrn Frick, der während des Krieges in Pirmasens hinterm Ofen gesessen, und um Herrn R o s e n b e r g, der als Balte in Riga faß.. Bei dem Vergleich zwischen den sozialdemokratischen und den nationalsozialistischen Kriegsteilnehmern stößt man aber noch auf eine andere sehr bemerkenswert« Tatsache. Di« 77 nationalsozialisti- schen„Frontsoldaten" zählen in ihnen Reihen nicht weniger als 32 Offiziere, angefangen vom Gerneral bis hinab zum Offiziers- afpiranten oder Fahnenjunker. Dazu kommen dann noch 5 Feld- webel, die gleichfalls Osfizicrsdicnste taten. Fast die Hälfte der nationalsozialistischen„Frontsoldaten" ge- hörte also dem Offizierskorps an! Wie ist es dagegen bei den sozialdemokratischen Kriegs- teilnehmern? Ein einziger hatte das Glück bis zum Leut- nant aufzusteigen, er hat aber dafür den Krieg vom Anfang bis zum Ende mitmachen müssen.- Ein anderer mit der gleichen Dienst- zeit wurde Ossiziersstellvertreter: sonst finden wir noch vier Abgeordnete, die es bis zum Vi zefeld webel gebracht hotton. Alle übrigen sozialdemokratischen Kriegsteilnehmer gehörten der grauen Mass« der „G c m c i n c p" an, nur vereinzelt durften sie sich mit dem Ge- freitenknopf oder der Unterossizierstresse schmücken. Was ergibt sich aus dieser Gegenüberstellung? Die Nokionol- sozialistische Partei spiegelt den Geist wider, der während des Krieges im Offizierskorps in der Regel geherrscht hat. Die Sozialdemokratische Partei dagegen ist das getreue Abbild des Volkes, wie es im Krieg und Frieden für da» Vaterland kämpft, leidet, hungert! Braucht man nach alledem noch eine Erklärung dafür, daß die Nationa-lsozialisten heute ati der Seite derer stehen, die das Boss unbeschränkt ausbeuten und vergewaltigen wollen? (GewcrkschaftlichcS ssche 2. Beilage.) SetertTorNid) für Z-oliiiI:®r. Kurt Stijct; Wirtschaft:®. Xlingcltöfct; Dewcrtlchasl-bcwcgur�: z. Stcintt; gruillcto:-.: St. p. Dälchcr: itofaU» unO Soaftifleä- Sr'li StnifioDt-, A», eigen: Td. Slortc; sämtlich in-Berlin. Verlag: Botmärls-Süitlag(S rn. b. 6.. Berlin. Vrnck: Vorwäris-Buchdructerei nni» Verlagcanftalt-Baut Singer(So. Beriin S3B 6S, LindensirgKe 3. Si«r,u 2 Beilagen. T' Ii MM StBSK-» Nr. 69• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, ii. Kebruar 1931 Unwürdige Schwätzer! Stadtverordnetensitzung ohne Arbeitsleistung 0** Soll das so weitergehen? Wenn die gestrige anherordenkiche Stadtverordnelen- s i h u n g nicht gewesen wäre, hätte die Stadt Berlin wahrlich keinen Schoden genommen. Bichl ein sachlicher Punkt der Tagesordnung ist erledigt worden! Schade um dos elektrische Licht, das da nutzlos verbrannt wurde. Und das alles, weil es Kommunisten und Bazis gesiel, phrasengcschwollene Beden zum Fenster hinaus zu hallen. Als dann der Antrag aus Uebcrgang zur Tagesordnung gestellt wurde, um wenigstens noch etwas praktische Arbeitsleistung zu ermöglichen, schloß der etwas übernervöse stelloerlreteude Bor. steher Dr. L a s p a r i die Sitzung, noch che es zur Abstimmung ge- kommen war. Ein Stadtverordnetenausschuß beschäftigt sich seit einiger Zeil mit der Umgestaltung der so resormbc- dürstigen Geschäftsordnung des Stadtparlamenls. hossentlich gelingt es den verantwortungsbewußten Parteien des Rathauses, die Arbeilen recht bald zu einem Abschluß zu bringen, damit derart unwürdige nutzlose Schwähereien, wie man sie gestern wieder einmal über sich ergehen lassen mußte, in Zukunft im Interesse der Berliner Steuerzahler unmöglich werden. Die gestern abgel)altene außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten setzte die Aussprache über den P r o t e st a n t r a g der K 0 m m u n i st e n gegen das Demonstrationsverbot anläßlich der Beisetzung der von Nationalsozialisten in Charlottenburg crfchosienen Kommunisten fort. Während es am Donnerstag bei der Beratung des Antrages zu Sturmszenen kam, in deren Berlouf schließlich die Komnrunisten gegen die?tazis tällich vorgingen, beschränkte sich der Stodtv. Lipperl(Nsoz.) gestern in der Fortsetzung seiner Nede aus einige wenige tofltzc, die ruhig antzehärt wurden. In seinem Schlußwort donnerte Stadt v. Kaspar(Komm.) wie stets gegen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten. Die deutsche Kommu- nistische Partei sei entschlossen, mit aller Schärfe gegen den Faschis- rnus.zu kämpfen. Lei der angekündigten notionalsozialistischen Demonstration am Sonntag nn Lustgarten werden die kommu- nislischen Arbeiter ebenfalls anwesend sein. Kaspar brachte schließ- lich noch«inen Zusatzantrag ein. der die Entlassung des „sozialfaschistischen' Polizeipräsidenten fordert. Bor der Abstimmung erklärte der Vorsteher Genosse haß die Einbringung des Zusatzantrages für unzulässig, da sie nach Schluß der Debatte erfolgt sei. Der debattierte ha upta.it rag wurde abgelehnt. Nach den Vereinbarungen im Aeltestenrat sollten nun nur noch Anträge behandelt werden. Es trat eins Beschränkung der Redezeit'dergestalt ein, daß für die Begründung eines Antrages den Fraktionen 10 Minuten, für die Debatte 13 Minuten und für dos Schlußwort ebenfalls 10 Minuten Redezeit zur Lersügung stehen. Vereinbart wurde auch, Abstimmungen nicht vorzu- nehmen, sondern sie bis zur Donnerstagsitzung zurückzustellen. Als nach einer Rede des Stadtv. Grimberg(Komm.) zu einem An- trog seiner Fraktion betreffend die Polizeimaßnahmen anläßlich einer vor Monaten stattgefundenen kommunistischen Demonstration der Borsteherstellocrtreter Easpori(D. Bp.) doch ein« Abstimmung vornehmen will, protestiert Stadtv. Flatau(Soz.) dagegen. Caspari läßt aber dennoch abstimmen, der Antrag wurde abgelehnt, der Bor- steherstellvertretcr erklärt aber, im weiteren Bckrlaus der Sitzung keine Abstimmungen mehr vornehmen zu wollen. Dann gab es weitere Anträge zu behandeln, die alle in der politischen Betätigung der Kommunisten und der National- sozialisten ihren Ursprung haben. Es handelte sich um Proteste gegen die Verbote des Roten Frontkämpferbundes, das Unisormverbot gegen die Nazis und ähnlicher Dinge. Bei den Begründungen gab es mehrfach Zusammenstöße zwischen den Nazis und den Kommunisten einerseits und dem Borsteher- stellvertrcter Caspari. Di« Zunif« der Kommunisten erklärte Caspari für unparlamentorifch und der Würde des Hauses widsr- sprechend. Bon den Mittelparieien wurde ein Antrag eingebracht, icher die Anträge zur Tagesordnung überzugehen. Die Annahnie dieses Gelchäftsordnungsantrages Hütte der Ber- fammlung die weitere Beratung erspart. Bor der entscheidenden Abstimmung leisten Kommunisten fowohl wie Nationalsozialisten der Ausfordenmg des Vorsteherstellvertreters, die Plätze einzunehmen nicht Folge: Caspari glaubte sich nicht durchsetzen zu können und schloß kurzerhand die Sitzung. Die angefangene Arbeit blieb also unerledigt liegen. Dem .haushaltsausichuß überwiesen wurde vorher u. a. dos Boupragramm der Elektrizitätswerke für l03t mit einem Gefamtanleihebedorf von rund 24 Millionen Mark. Schluß der Sitzung gegen 21 Uhr. Der Haushaltsausschuß der Stadtverordnetenversamm- lung vertagte in seiner letzten Sitzung nach mehrstündiger Debatte die Weiterberatung der Anträge betreffend Wohnungsbau und Mieter- schütz bis zu den haushaltsberotungen. Angenommen wurde die Borloge wegen Genehmigung von N o t st a n d s a r b e i t e n auf dem Gebiete der Stadtentwässerung in höhe von 6,50 Millionen Mark. Der Mörder des Chauffeurs Ein Händler der Tat üherfährt Nack Selbstmordversuch geständig Das gräßliche Verbrechen an dem 47 Zahre alten Taxen chausseur und wagenbesißer Franz P onick ans der Iregestraße Zg in Steglitz, der vor etwa 14 Tagen, in den frühen Morgenstunden des 25. Zaauar bei Ferch erschossen ausgesunden wurde, ist durch die unermüdliche Arbeit der Mordkommission Bebe-Dr. Wächter resttos ausgeklärt worden. Der Täler ist ein ZZjähriger Händler Johannes kablitz aus der kurze Straße 1 in Steglitz. Bei den Ermittelunzen hatte die Polizei eine Fülle, von Kleinarbeit zu bewältigen, die jetzt endlich von Erfolg gekrönt ist. Ein« ganze Reihe von Spuren wurden verfolgt, unzählige Zeugen wurden vernommen und schließlich wurde der Kreis der Verdächtigen immer kleiner. Schon vor Tagen entschlossen sich die Kommissar« der Mordkommission zur Festnahme des Händlers Kablitz, da er der Tat am schwersten verdächtig schien K. wurde in seiner Wohnung festgenommen und zunächst in Dahlem, wo die Mordtommission ihren ständigen Sitz ausgeschlagen hatte, vor- nammen Er bestritt, der Täter zu sein, konnte ober für die Mord- nacht kein lückenloses Alibi vorbringen. Eine Haussuchung, die in der Wohnung der Mutter Kablitz' vorgenommen wurde, beseitigt« den letzten Zweifel an seiner Täterschaft. An ver- steckter Stelle wurde nämlich die Masse gefunden, aus der K. die tödlichen Schüsse auf Ponick abgegeben hatte. Trotz dieses geradezu erdrückenden Beweismatcrials konnte sich Kablitz zu einem Geständnis nicht entschließen. Bor mehreren Tagen verlangte er Frau und Kind noch einmal zu sehen. Der Wunsch wurde ihm erfüllt und man hoffte, daß dann ein Ge- ständnis erfolgen würde. Stattdessen verschluckte Kablitz später in seiner Zelle einige Löffel und Teile des Strumpfhalters, ofsendar in der Absicht, Selbstmord zu verüben. Die Tat wurde jedoch bald entdeckt, der Zustand des K. war ober so besorgniserregend, daß er ins Staatskrankenhaus gebracht und operiert werden mußte. Nach der Operation hat Kablitz gestern nachmittag endlich gestanden, den Chauffeur erschossen zu haben. Der Mord ist unweit der Stelle passiert, wo Ponick als Leiche gefunden wurde. Da der Zustand des Täters es nicht anders erlaubte, mußte von einer weiteren Vernehmung zunächst abgesehen und diese e.u- einen späteren Termin verschoben werden. Es ist nichts so fein gesponnen. Tagelang gingen die Angaben über dos Auftauchen des Ehoufseurs Ponick mit seinem Wogen weit auseinander. Erst nach vielen Mühen konnte von der Mordkommission und ihren Beamten einwandfrei sestgestellt werden, daß die Chevroletdroschke des Ponick um 11 Uhr am Sonntagabend an der Ecke der Birkbusch- und Schützen st raßc in Steglitz gesehen worden war. Bon hier aus muß er die Fahrt angerretcn haben, die seine Todesfahrt werden sollte. Da der Personcnkrcis in Berlin viel zu groß war, um zuverlässige Anhaltspunkte zu gewinnen, arbeiteten die Beamten zunächst in Ferch. In F e r ch und den anliegenden Ortschaften wurde bei all den Leuten nachgeforscht, die ein Auto besitzen oder wenigstens eins fahren können. Es war nicht so leicht, diese Ermittlungen so anzustellen, daß das Interesse der Ocfsentlichkeit nicht geweckt und der zu suchende Täter nicht gewarnt wurde. Fast alle Alibis waren bereits nachgeprüft worden, als man aus Kablitz stieß.. Das Verhör im Krankenhause. In den ersten Nachmittagsstunden des Dienstag erklärte» die Aerzte im Stoatskrankenhaufe den Patienten soweit hergestellt, daß er«in Verhör überstehen würde. Kablitz gab an, daß er die Tat ganz allein begangen Hab«. An jenem Sonnabend hätte er Ponick, den er nicht kannte, in Steglitz in der Birkbujchstraße angerufen und zu«inerFahrt nachFerch l.nfaefordcrt. Der Elzausscur habe auch gleich eingewilligt. Was er eigentlich zu der Zeit draußen in Ferch wollte, kann Kablitz nicht sagen. Unterwegs sei ihm seine bedrängte Lage eingefallen und er überlegte, daß ein Chausseur, der einen so guten neuen Wagen fahren könne, auch Geld bei sich haben müsse. Als die Stelle an der Llenewiher Chaussee erreicht war. schoß er den Mann hinterrücks nieder. Er schleppte ihn aus dem Wage» heraus und ließ ihn im Ehausseegrabcn liegen. Darüber, weshalb er das Geld des Chaufscurs unangetastet gelassen hat, ist Kablitz noch nicht befragt worden, da er noch nicht kräftig genug für ausgedehnte Verhör« ist. Er selbst fuhr die Droschke des Ermordeten zurück bis zur Amselstraße und ließ sie dort stehen. Nach diesen Feststellungen wurde die Vernehmung abgebrochen. Möge es nun auch bald gelingen, die n a t i o n a l f o z: a l i st i- scheu Mörder der jungen Reichsbannerleute Schneider und Graf zu fassen, möge es weiterhin gelingen. auch die übrigen Mordtaten der letzten beiden Wochen bald oufzu- klären. Gchreckensszene auf U-Bahit. Eine blinde Studentin überfahren. Aus dem U-Bahnhof chausvogteiplah spielte sich in den gestrigen späten Abendstunden eine Schreckcnsszenc ab. Die ghjährlge blinde Studentin Elisabeth Mack aus der Biederwallstr. 11 stürzte lu dem Augenblick, als ein Zug einlief, auf die Schieuen und wurde Übersichten. Die Verunglückte mußte durch die Feuerwehr aus ihrer furchtbaren Lage befreit werden. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde die Unglückliche in die Chariele gebracht. Gteuerbeirüger in Paris verhastei. Niesenbetrug an der preußischen Vau- und Finanzdirektion. Der Kaufmann ch ermann Story, der im März vorigen Jahres die Preußische Bau- und Finanzdirektion um 750000 Mark betrogen hatte, ist soben von der Pariser Polizei vcrh.iftri worden. Dem Vernehmen nach wird die Staatsanwaltschaft durch das Auswärtige Amt die Auslieferung Storys an Deutschland bei der französischen Regierung beantragen. Sprcchchar für Proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 12. Februar, abends TA Uhr, im Gesangssaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16—17, Uebungsstunde. Der istoopf des Bergiuauns Von 32la£ Dortn Nä, das is kein /Stern, auch keine Sonne und kein Mond— das is«in Knopf,«in chosenknopf, mein Glückeknopf, ich Hab ihn mit Draht an meine Uhrkette fest gemacht— schön blank is er, er hat einen duntlen Glanz, man könnte glauben— er sei aus Platin. An diesem Knopf hängt'ne lang« Geschichte,'ne Erbschost hängt dran,'ne amerikanische Erbschost— außerdem is er ein Kriegs- knöpf, ich hob ihn als Andenken gekriegt, von Slip Eamber, dem Wälsch, dem Kollegen— ihr wißt doch, ich war in englischer Kriegs- gesongenschost.— chorrijeh, Krischan, erzähl doch mal.— Ja, das kann ich woll, setzt euch alle rund um die Kanone— erst aber die Stalltüre zu— und knipst das Licht an-- ja woll, schütt der Kanone drei Schippen Kohle ins Maul, wenn der Ofen seine roten Zähne zeigt, dann ist es am gemütlichsten. Es wird draußen dunkel — aber es schneit noch ünmcr. Wer Hot Tabak? Erst mal de Piep anstecken— dorm geil dat beeter, mit dot Aertällkln! Soo, also, legg los! Wir saßen im britischen Konzentrationslager, an die tauiciÄ deutsche Gefangene, wir waren ganz lustig, zu esien gab's genug, zu rauchen auch— und dann konnten wir froh sein, daß wir aus dem Kriegsschlawossel hinaus waren. Besser, der Etachelzaun um uns her, als die Splitteroorhänge des Trommel- und Spexrfeuers.— Wo's war? Auf der Jsle of Wight lagen wir in„Konzentration",'ne warme regnerisch« Insel, im britischen Kanal, warm— im Gefangenenlager gab es Lorbcorgebüsch. Sckiaa, d'e Insel Wight, graue Kalkselsen über der perlmutternen See— eigentlich hotte sie Graue Insel heißen müssen. Eines Tages: Appell! Who is miner? Bergleute freiwillig vor. Gut. all right. wir waren woll an die zehn Kumpels, Westfalen und Schlesier— also:.Ihr tomnn auf Grube!" Go ahead. Wir fahren. Wir reisen. Zwei britische Soldaten mit uns. Ohne Gewehr. Nur den ungeladenen Revolver im Leder drin— am Gürtel. London. Jemand schenkte uns Zigaretten,'n paar schöne Mädchen lächelten uns freundlich zu— Rosen und Nelken blühten plötzlich aus unseren Herzen heraus— britische Mädchen, ohne Haß— der Krieg war die große Lüge: Menschlichkeit war die große Wahrhcül Es regnete. London. Bristol. Eardisf, Swansea. JSsir waren da— Ivo wir Hill sollten. In Saarns»a— an der Schwanensee, im Lande Glamorgan, im Kohlen- und Eisenlondc von Wales. England West. Der. Sturm bläst von der See Allantik. Regen fließt wie aus Fässern. Wir waren naß— wir wurden aber auch wieder trocken. Ivo, reiß mal der Buddel Bier den Hals auf, laß mich mal trinken. Und noch Kohlen in die Kanone, rückt näher: Kumpels, die Wärme taut die Herzen auf— jetzt kommt Slip Eamber, der britische Kollege, der wälsch« Bergmann, der'Mann mit den treuen Augen, mit der Freundschaftshand und dem Knopf— ja, hier, dieser Siahlknopf, der saß eininal an Slip Eambers Hose— nu is er mein Glücksknopf. Jaujau, juju, er hat mir Glück gebracht, als ich nach drei Iahren Gesangenfckzaft heimkam— war der Storch bei meiner Frau gewesen,'n kleines Mädchen, anderthalb Jahr alt— sie schielte, die Kleine, sie hatte grüne Augen— ich Izab mich gleich von chr scheiden lassen, von ihrer Mutter natürlich auch. Meine zweite Frau: die legte nachts meinen britischen Hosenknopf unter ihr Kopskissen— und ihr wißt: daß mein Glück mit dem Knopf kam, ihr wißt: daß Anna mir fünf Kinder gebar— zwei davckn waren Zwillinge, und da sage mir keiner, daß mein Knopf kein Glücksknops fei. Schneit's noch draußen? Deutlicher. Gut. Also: Wales in England. Slip Eamber, der Bergmann. Ich lag bei ihm in Quartier. Wir deutschen Kriegsgefangenen kamen einfach zu einem wälschen Kollegen ins Haus, da: schlaft, eßt, lauft aus den Pütt, rutscht ab, arbeitet— nicht zu viel, auch nicht zu wenig— seid gut« Kollegen, vertragt euch! Und wir vertrugen uns: Slip und ich, wir vertrugen uns prächtig. Ein Jahr is'tum, ich suhlte mich gar nicht mehr als Prisouer, ich war ganz frei— nur alle vier Wochen kam mal'n britischer Sergeant, nach mir zu gucken— er ließ mir immer'ne Handvoll Zigaretten da: Snieet Eap! Eines Tages kam'n Telegranim. Für mich? Och nä. für Slip —'n Telegramm aus Amerika. G ad dam, soll Slip Eamber den Frieden vermitteln? No, Sir«. Aber Slip Eamber soll'ne Erb- schaft machen. Dam, wir gratulieren! Das Geld is da, die Erbschaft aus Amerika. Der Postbote brachte uns das Gold ms Hau»— vierzig Pfund Sterling, in Papier— zweihundert Dollar waren das. dodran hatte Slips Onkel fünfzig Jahr« lang gespart, er war Hüttenarbeiter in Pittsburg ge- wesen— also, sauer und bitter erspartes Geld. Slip, di« vierzig Pfund dürfen mir nicht versausen. Nä, wir taufen'ne Kuh dafür. Und die Kuh is schon da, sie steht nn Stall, neben der Ziege. Wir kriegea Butter, wir kriegen Käs«—»nd<Äip hatte'ue neue Hose gekriegt,'ne gute Manchesterarbeitshose— hier, der blanke Glücks- knöpf, der saß mit dran, an der Erbschaftshose des Slip. Kuh, Hose, Unterrock für Slips Frau, Schuhe sür die Kinder—'ne heimliche Botlle Whisky— die Erbschaft war genau drauf gegangen. Plötzlich schlug das Unglück ein. Di« Kuh kriegt'n dicken Bauch, und sie war doch gar nicht beim Bullen gewesen— der Bauch wird immer dicker und fester— wir holen die Hebamme, den Barbier und den Paster holen wir— aber Lovelace starb— Lovelace is tot: die arme scheene Erbschaftskuhl Di« Kinder und Frau Slip weinten— Slip Eamber selbst aber fluchte. Und ich sagte: Holt den Butcher, den Schlachter— die tote Kuh is noch das Fleisch wert. Hurry up! n' Plakat an Slip Eambers Haustüre:„Billiges Kuhsleifch zu verkaufen!" Niemand kam. Slip, schreib'n anderes Plakat. Pes. „Kulsslcisch zu verschenken!" Abends war es weg, das Fleisch. Alles. Nur'n mächtiges Stück Eowbecf und die Silberhörner und den Knopf behielten wir � von Lovelace, der Erbfchaststuh.— Den Knopf?— Jawohl, den Knopf, den Knopf von der Hofe des Ge- nossen Slip. Der Knopf war die Ursache des(Eingehens, der Kuh. Beim Füttern war dem Slip ein Knopf mm der Erbschostshose ob- gesprungen— Lovelace Halle ihn für'ne Rosine gehalten, sie hatte ihn aufgeleckt, er war schlecht zu verdaue», der Knopf— er blieb der Lovelace an der Magenwand hängen— der Metzger hatte ihn gefunden: Die Kuh war ckm Knopf gestorben! Die(Erisschoft war' hin— Slip Eamber steck! e den Knopf in seinen Tabaksbeutel, viel- leicht bringt er da Glück? Und der Knapi bracht« Glück. Im November kam der Waffen- stillstand. Nach'nein hall'en Iichr reiste ich ab. Slip Eamber und seine Frau brachten mich zur Bahn, mich, den Prisoner— der aber als Freund schied. Die Kinder weinten, Slips Frau schenkte mir'n Toschentuch und Slip selbst— der schenkte mir, no— was? Den Knopf hat er mir geschenkt, alles was«r hatte, den Rest seiner Erbschaft, das Höchste, was er hatte: Dieser Hosenknopf brachte den Frieden! Versteht ihr nun. warum ich den Knopf liebe? Mit Draht fitzt er an der Uhrkette— mehr wert, als Gold oder Plattn, denn er ist Symbol der Kameradschaft, des Frohsinns und der Menschlich- keit! Slip Eamber in Wales— klingen dir die Ohren? Horche, wie brummt die Kanone, der Ofen— Slip Eamber brummelt lees« für sich hin: All m«n ate brothers? Alle Menschen sind Brüder! Srauße« schneit e». Gefangener seines Haffes. Die räuberische Erpreffung an der Stiefmutter. Wenn der 23jährig«, der neulich vor dem Schnellschöffengericht stand, nicht zum Totschläger an seiner Stiefmutter wurde, so war das nur einem glücklichen Zufall zu verdanken. Die Tat, die ihn auf die Anklagebank brachte, räuberische Erpressung, entsprang ein«n seit Jahren in ihm wuchernden Hasse gegen die Stiefmutter. So oder anders hätte vielleicht der eingeklemmte Affekt zu irgend- einer Auslösung geführt. Als K. seine Mutter verlor, war er noch ein kleiner Junge. Zur Stiefmutter fand er keine Fühlung. Er erlernte das Tischler- Handwerk, ging früh unter fremde Leute, dann starb der Dater. Zwischen Stiefmutter und Stiefkindern entstand weges des Erbes Zank und Streit. Sie waren laut Testament aus ihr Pslichttell gesetzt. Alles andere, auch ein Haus, gehörte nun der Stiefmutter. Im März vorigen Jahres erhielt K. eine Abfindungssumme, IM M., und erklärte Verzicht aus alle wetteren Ansprüche. In wenigen Monaten war das Geld verbraucht. Im Januar verlor K. seine Stellung außerhalb Berlins. Er stand mittellos da. Der alte Haß gegen die Stiefmutter wurde in ihm wieder wach. War sie denn nicht schuld daran, daß er so früh aus dem Elternhaus mußte? Hatte sie nicht Ehebruch getrieben und seinen Vater langsam vergiftet? Hatte sie chn m6?t schließlich um das Erbe des Vaters gebracht? Vielleicht waren all« diese Vorstellungen nur Hirngespinste, K. glaubte daran. Nun wollt« er sich mit der Waffe in der Hand in seiner Not und Verzweiflung von der Stiefmutter Geld holen. Er kaufte sich in der Münzstraße für 10 M. einen Neooloer und begehrt« gegen 149 Uhr Einlaß in die Wohnung der Stiefmutter. Diese kannte die feindlichen Gefühle ihres Stief- sohnes. Mehr als einmal hatte er gegen sie Drohungen aus» gestoßen: aas Vorsicht hielt sie stets die Türkette vorgelegt. Um ',g Uhr morgens erwartet« sie aber ihren Stiefsohn nicht. Kaum hatte sie geöffnet, als sie vor ihrem Gesicht die Waffe sah. Sie hatte Geistesgegenwart geimg, sie zur Seite zu schlagen und um Hilfe zu rufen. Sie flüchtete, K. lief hinterher, versetzte ihr einige Schläge auf den Kopf mit dem Revoloergrisf, wurde gefaßt. Drei Tage später stand«r vor dem Schnellschöffengericht. Von der Schuld der Stiefmutter war er fanatisch überzeugt. Das Gericht kam zu einer vcrhöllnismäßig milden Strafe: zu fünf Monaten und einer Woche Gefängnis. K. blieb in Untersuchungshaft; auch Bewährungsfrist erhielt er nicht. Wie es in feinem Jrmern richtig aussah, tonitte in der Eile nicht festgestellt werden. Im Ve- zirksamt sollen über die Familie K. ausführliche Akten vorhanden fein. Die Soziale Gerichtshilfe will sich seiner annehmen. Eine Fürsorgerin wohnte der Verhandlung bei. Vielleicht war es doch ein Fall, der sich nicht ganz für das Schnellschöffengericht eignete. Taucher suchen Ltrbans Pistole. Schwierige Arbeiten auf dem Grunde der Spree. In feinem Verhör hatte der Artist Karl Urban angegeben. er sei nach der Tat im Mercedes-Palast mit einem Auto bis zur WeidendammerBrücke gefahren und habe dort die Tatwaffe, die österreichische S t e y r- P i st o l«, in die Spree geworfen. Da die Zluffindung der Pistole die Aussagen des Urban bekräftigen würde, so war angeregt worden, daß in der Spre« nach der Waffe H«fucht werden sollte. Urban wollte sie an der Straßenseite ins Wasser geworfen haben, an der das Hotel..Atlas'" liegt. Am Dienstagvormittckg trafen Taucher mtt ihrer Ausrüstung ein. Aus dem Untersuchungsgefängnis wurde Urban ohne Aufsehen nach dem Hotel gebracht und zeigte dort die Stelle, an der nach seiner Meinung die Waffe im Wasser sein müsse. Er wurde hierauf nach Moabit zurückgeführt und die Taucher begannen ihre Arbeit. Bis zur Stunde ist die Pistole aber noch nicht gefunden. Auf dar Brücke hatte sich alsbald«ine große Menschenmenge angesammelt. die, um eine Verkehrsstörung zu oermeiden, von uniformierten Schupobeamten zurllckgehatten werden nmßte. Erhebung btt Mordanklage. Di« Staatsanwaltschaft hat am Dienstag gegen den Artisten Urban Anklage auf Mord in Tateinheit mit schwerem Raub mit Todeserfolg»nd unbestigtem Waffenbesitz erhoben. Ausbau der Großfuntstaiion Nauen. IS Millionen gefunkte Worte im Zahr 1930. Die deutschen Großfunkstationen Nauen und Beelitz, die als Sende- und Empfangsstellen für den gesamten deutschen über- seeischen Funkverkehr dienen, werden setzt gemeinsam von der Reichs- post und der Transportradio A.-G. ausgebaut. Die provisorischen Kurzwellensender werden durch neu« ersetzt, und an Stell« der bisherigen Antennen treten sogenannte Rieht- antennen oder„Strahlwerfer",' die ihr« Ueberlegenheit über andere Antennenanvrdnungen erwiesen haben. Vierzehn direkte Funklinien führen bereits von Nauen in die Well: nach Nord- und Südamerika, Mexiko, Euba, China, Siam, Japan» den Philippinen, Niederländifch-Jndien, Aegypten und Persien. Ein« deue direkte Linie nach Kapstadt ist projektiert. Wechfeifeitige drahtlose Fernsprechverbindungen bestehen zwischen Nauen, Argentinien, Chile, Uruguay, Brasilien und Siam. Auch mit Japan ist der direkt« drahtlose Fernsprechverkehr in Aussicht genommen. Welche Bedeutung die Großfunkstation Nauen für unser ge- samtes Wirtschaftsleben in den letzten zehn Jahren gewonnen hat, geht daraus hervor, daß sich die Zahl der gefunkten Wörter von 2,8 Millionen im Jahre 1920 auf etwa 18 Millionen im letzten Jahr« erhöht«. Vorläufig keine Erweiterung des Flughafens. Das ursprüngliche Projekt der Erweiterung des Flughafens nach Süden(Schneifenorojett) ist aufgehoben worden, und zwar hauptsächlich deshalb, weil das Kleingartenschiedsgericht, Abteilung Tempelhvf, unter dem 19. Dezember 1929 die zur Räumung des Erwettcrungsgeländes ausgesprochene Kündigung der Kleingärtner für unwirksam erklärt hat. Ein inzwischen srneut aufgestelltes Projekt der Erweitenmg des Flughofens noch Süden ist zurzeit noch Gegenstand der Beratung. Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" teilt mit, daß aus tech. nifchen Gründen die Kundgebung„Remarque und die Wirklichkeit" am Dienstag, dem 17. Februar, nicht statt- finden kann. Der Termin der Wiederholung wird ehestens bekanntgegeben werden. Karl Urban. NW. 87, Huttenstr. 6, btttet um Mitteilung, daß er nicht mtt dam in der Mordsache Schmoller verhafteten Artisten Karl Urban ideittijch ist. Peinliches aus Potsdam Waisenhausleiter and weihliche Angestellte Notzucht an Für so rgemä d ch ert Eine nicht alltägliche Privalkloge wurde aus dem Potsdamer Amtsgericht unter Vorsitz von Amts- gerichtsrat v. Eckardlsberg ausgetragen. Wegen verleumderischer Beleidigung des städii- fchen Waifenhausinfpellors Franz Szebel aus Potsdam ist die 38iährige Plätterin Frieda Grunz aus Potsdam angeklagt. Inspektor S., der als Prioatkläger auftrat, ist feit 29 Jahren Leiter des Frankfchen Waisenhauses in Potsdam, und die be- klagte Plätterin wohnt im Gebäude des Stiftes. Eines Tages soll nun die Beklagte bei einer Unterredung mit dem Obermagistratsrat Dr. B e e st e h o r n erzähtt haben, daß der Prioatkläger sich ver- fchiedentlich an seinen Hausangestellten, die ihm vom Fürsorge- heim Helenenhos in Potsdam mit emcm Erziehungsschein überlassen waren, vergangen habe. Dr. Beestehorn leitete die Sache an den Oberbürgermeister wetter, und so kam es dann zur Privatklage. In der gestrigen Verhandlung trat die Angeklagt«, die durch Rechts- onwall Giesen- Potsdam verteidigt wurde, den W a h r h e i t s- beweis für chr« Behauptungen an. Die Oeffentllchteit wurde ausgeschlossen, den Vertretern der Presse aber die Anwesenheit gestattet. Es kamen bedenkliche Vorgänge zur Erörterung. Die Oberin des Potsdamer Helencnheimes bekundet, daß ver- schieden« Mädchen, die dem Privatkläger überwiesen waren, sich beschwert hätten, daß dieser sich unsittlich ihnen gegenüber ver- gangen habe. Oberschwester Elisabeth mußte schließlich die Sache an den Landesdirektor weitergeben, und die Dienststellen bei dem Privatkläger wurden für Fürsorgemädchen ein für alle Male gesperrt. Unter großer Spannung wurden dann einige der früheren Hausmädchen des Waisenhausleiters vernommen. Ein« Vierundzwanzigjährige, die wegen mißlicher häuslicher Verhättnisse in Anstaltsobhut gekommen war, der aber nach sittlicher Richtung von der" Oberin ein gutes Zeugnis ausgestellt wird, erklärt unter Eid:. „Immer wenn ich mein GeHall holte, hat der Herr Inspektor in seinem Amtszimmer was von mir gewollt. Ich mußte es mir zweimal gefallen lassen. Rachher habe ich es der Oberin erzählt." Aehnlich äußert ssch auch ein anderes Mädchen, der in sittlicher Beziehung nichts Nachteiliges nachgesagt werden kann. Die Oberin bezeichnet die Mädchen als leichte Psychopathinnen, aber als durchaus glaubwürdig. Schließltth vertrauten sich die Mädchen in ihrer sittlichen Not der Plätterin und auch einem alten Heizer des Frankschen Stiftes an. Der Potsdamer Magistrat hatte seinerzett in dieser Sache eine Untersuchung eingelettet, aber an- scheinend keinen Grund gefunden, um einschreiten zu können. Die Beklagte bekundete gestern, daß eines nachts laute Hilfe- schreie eines Fürsorgemädchens bis zu ihrer Wohnung gedrungen seien. Am nächsten Tage habe ihr dieses Mädchen erzählt, daß der Herr Inspektor mtt Gewalt von ihr Unsittliche» oerlangt hätte. Die Mädchen sollen auch der Frau des PrioatklSgers von den Verfolgungen Mitteilung gemocht haben, aber diese soll darauf gk- antwortet haben:„Da müssen die Mädchen schon sehen» wie sie selber fertig werden." Es kamen auch noch andere Dinge zur Sprache, die nicht wiedergegeben werden können. Rechtsanwalt Dr. Schröder, der Vertreter des Privatklägers, beantragte Zeugenladungen für die Unglaubwürdigkett der Fürsorge- mädchen. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Verteidiger R-A. Giesen war bereit, noch andere Mädchen für die Gepflogenheiten des Prwatklägers zu laden. Er beantragte seiner Klientin den Schutz des 8 193 zuzubilligen. Das Gericht schloß sich den Aus- führungen von Rechtsanwalt Giesen an, billigte der Beklagten die Wahrnehmung berechtigter Interessen zu und sprach sie frei. Jn der Begründung fichrte der Vorsitzende aus, daß die Be- klagte den Herren des Magistrats nur das vorgetragen hat, was die Mädchen in ihrer sittlichen Bedrängnis mitgeteilt haben. Oer Ritterguisbesitzer als Brandstifter. Zu alledem wird Potsdmn demnächst noch einen Sen» sationsprozeß erleben. Arn Mittwoch beginnt die Verhandlung gegen den Rittergutsbesitzer Hornemann, der in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Da kam ihm ein Gedanke. Sein« schöne wohlgefüllte Scheune, die er in Ketzin besaß, war versichert. Wenn die abbrennen würde, könnte er sich mtt der Entschädigung der Versicherungsgesellschaft wieder flott machen. Allein getraute «r sich das Verbrechen der Brandstiftung nicht zu begehen, und da? sollte ihm erst recht zum Verhängnis werden. Er beauf. ragte mit der Brandlegung seine drei Angestellten Sen st, Kant und Lemke. Diese führten den Auftrag ihres Brotgebcrs aus. Die Scheune brannte vollständig ob. Sofort meldete der Ritterguts- besitzer seiuen Schaden der Versicherung und bat um möglichst baldige Regulierung. Wie immer in solchen Fällen, stellte die Ges ll- jchoft eingehende Recherchen an, bevor sie zahlte, und da erfuhr sie, daß hornemanus Scheune aus seineu Wunsch vou seinen Ange. stellten angezündet worden war. Inzwischen war aber der Ritter- gutsbesitzer den fortwährenden Erpressungen seiner Angestell- i«n ausgesetzt. Sie bedrängten ihn derart mit Geldsorderuugen, daß Hornemann bald nicht mehr ein noch aus wußte. Wenn er sich weigert« zu zahlen, drohten ihm die Brandstifter, sie würden die ganze Sache der Polizei anzeigen. Ihnen könne sa nichts passieren. da sie nur den Befehl ihres Dienstherrn ausgeführt hätten. Auf Berantassung der VersichenmgsgesePchaft befaßt« sich die Staatsanwaltschaft mit der Angelegenheit. Nun ist Hornemann der Verleitung zur Brand st iftung und zum Betrug an- geklagt, während sich seine drei Angestellten wegen Brandstiftung, Erpressung und Bestechung zu verantworten haben. BezfrksausschuB für ArDeiterwohllahrt! Am Freitag, dem 20* Mfirr, im Dflrgeriaal de« Rathaoues, st„; d-I-umW-g-d-n) sie Gen e ve ps a m m I ung -"'-Anträge•airTSi«: c) Die K'eis- leiter f-innen) und deren Ste.Ivertreter ✓ d) Aus jeder Abteilung zwei gewählte Delegierte s e) Je ein Vertreter der angeschlossenen Organisationen und die Mitglieder der zentralen Wohifahrtsdepu- tation und des Verwaifungsausschusses des Landesjugendamtes Die Fleischpreise in Berlin. Lleberhöhte Schlächterprofite beim Kalbfleisch. In Berlin besteht fett dem Ottober öffentliche Kontrolle für die Groß- und Kleinhandelspreise im Fleischverkauf, die durch die wöchentlichen Erhebungen der Reichsforschungssielle für land- wirtschafttiches Marktwesen ausgeübt wird. Nach diesen Fest- stellungen sind die Durchschnittspreise für Fleisch ins- gesamt von 1,12 M. je Pfund in der zweiten Februarwoche bis auf 98 Pf. je Pfund gesunken. Dies« Berbilligung entfällt jedoch fast ausschließlich aus Schweinefleisch, das vom August bis Februar von 1.97 M. aus rund 99 Pf. je Pfund gefallen ist. Dagegen haben die Preise für Rind-, Kalb- und Hammelfleisch nur unwesentlich nachgegeben, obwohl auch hier di« Großhandels- preise ganz erheblich zurückgegangen sind. Der Komps bei der Senkung der Lebensmittelpreise geht in erster Linie darum, die Gewinnspanne zwischen Großhandel und Ladenpreis zu verringern. Wie notwendig es ist, den Fleischermeistern H«nau auf die Finger zu sehen, zeigt sich in der Entwicklung der Gewinnspannen vom Oktober 1939 bis jetzt. Für sämtliche Fleischsorten zusammen sanken die Ge- winnspannen bei dem ersten Anlauf der Preisabbauattion von 24.4 Pf. je Pfund im Oktober aus 19,1 Pf. pro Pfund im November. Inzwischen sind die Großhandelspreise immer stärker gesunken als die Ladenpreise, so daß die-Gcwinnspanne der Schlächter in der zweiten Februarwoche bereits wieder 22,5 Pf. j« Pfund erreicht. Wie ungleich die Spannen sind, zeigt sich darin, daß die Gewinnspanne beim Schweinefleisch nur 19,3, beim Rindfleisch aber schon 25,5 Pf. je Pfund ausmachen Skandalös aber sind die Verhältnisse beim Kalbfleisch, das trotz sehr starker Verbill!- gung der Lebendvieh- und Großhandelspreise im Laden immer noch im Durchschnitt 1,27 M. gegenüber 1,35 M. im Oktober kostet. Bei Kalbfleisch sind daher auch, die Gewinnspannen der L a d e n sch l ä ch t e r mit 37,7 Pf. je Pfund fastdoppeltsohoch wi« beim Schwemefteisch. Die öffentliche Kontrolle und auch das Publikum selbst werden hier einzusetzen und den Schlächtermeistern klar zu machen haben, daß die Berbilligung dar Schlachtvieh- und Großhandelspreise dazu da ist. den Konsumenten billigeres Mersch zu liefern und nicht, damit sich die Herren Schlächtermeister hohe Sonder- profite in die Tasche st ecken können. � „Der Hausdieust preist ein." Technik im HauShatt und nexizettliche Kochmeihoden sind die beiden Hauptaufgaben, über die immer größeren Kreisen der Be- völkerung Aufklärung zu geben sich der.�ausdienst" bemüht. Es gibt so manche kleine Tücke, die. jeder Hausfrau sicherlich schon einmal Sorgen bereitet hat- Damtt sie dann aber auch eine Stell« weiß, bei der sie Rat und Hilfe erhalten kann, hat die Gasag vor längerer Zeit den Hausdienst geschaffen, der sich bemüht, diese Lücke zu schließen. Die große Inanspruchnahme dieser Einrichtung, die in jedem Berliner Bezirk«ine Auskunft? stell« hat, zeigte 'bisher immer wieder sehr eindringlich, daß man aus dem richttgen Wege zu sein scheint. Es soll so ein Bertrauensverhälluis Mischen GaSgbNehmsr. uud.G.aslleserastten.hergestellt werben, das abcr.cmch das Gebiet der Kochkunst mstumfaßt. Die rege Beieittgung'hat.den Hausdienst oeranlaht, einer breiteren Oeffcnttichteit einmal enicn Ausschnitt aus seinem Leben und Wirten, wie es sich täglich in den Beratungsstellen abspielt, zu geben. In lustiger, wenn auch durchaus sachlicher Weise werden viele Nöte und Sorgen, die alle Hausfrauen heute mehr oder weniger in Küche und'Haushall bedrücken, mtt der Hausdienstberaterin besprochen, die stets bemüht ist, einen Ausweg und eine glückliche Lösung zu finden. An zwei Abenden soll dieses humorvoll gehaltene Spiel des Hausdienstes im Bezirk Mitte ge- zeigt werden. Der Eintritt hierzu ist frei, ja es erhäll sogar jeder Besucher ein Freilos, woraufhin er ein prattisches Gas- gerät gewinnen kann. Beide Abende beginnen nm%20 Uhr und finden statt am 12. Februar 1931 in den Musikersälen, Berlin E. 25. Kaiser-Wilhelm-Straße 31, und am 13. Februar in Vogels Festsälen, Berlin SO. 16, Brückenstraße 2. Zwei Menschen finden einen Riesendiamanten. Ein Diamant von 299 Karat, einer der größten aller Zellen, wurde am Sonnabend von zwei Diomantengräbern' in West- t r a n s v a l entdeckt. Si« hatten sich monatelang vergeblich bemüht und gerade ihre letzten Pfennige verzehrt, als sie auf den kostbaren Fund stießen. Der Stein ist der größte, der j« in diesem Gebiet gesunden wurde._ Korso-Kabarett.„So wird's gemacht" nennt sich die diesinonat- liche Revue, deren Inhalt leider den Titel ganz und gar nicht recht- fertigt: sie ist allzu humorlos, mögen sich auch der wirtlich amüsante Willi S ch a e f s e r s als tangohüosender Gigolo und die nett sächselnde Grete Weiser als helle Provinzialin vom Neiße- strand oder als sensationslüsterne Beisitzerin der Filmprüferei red- lichst darum bemühen: der Soloteil läßt sich weit besser an. An der Spitze Trude Hesterberg mit drei prächtig charakterisierten Chansons— als anmutige Ungetreue, als alternde Verliebte und als Bohemtcnne:'Benno Pantels Zaubereien machen wirklich Spaß, st? sind amüsant, weil sie so gar kein mystisches Brimborium um- rahmt und weil sie so überaus nett serviert werden. Elli G l ä ß n e r ist eine Diseuse von Format, die Frechheit, Pikanteri« und tiefste Lebenswahrheit gleich anregend interprettert.• Ein süßes Tanzgirl ist Erika Renal und Hellmuth Krüger ein witziger Conferencier, der aus den ernstesten Lebensfragen ein schmackhaftes'Ragout kocht, gewürzt mit scharf beißenden, erber gut mundenden mixed-picklcs. Willi P r a g« r s Humor ist im Text wie im Vortrag jedoch reichlich antiquiert. Der Kamps um ein soziales Wielrecht. Der Ausschuß der Mieterfunktionäre der Sozialdemokratischen Partei in Berlin gibt ein neues Mitteilungsblatt unter dem Titel„Soziales Miet- recht" heraus. Von diesem Organ sür Wohnungspolltik. Mieter- schütz und soziales Mietrecht lieg: die erste Nummer vor, die einen kurzen, aber»ollständigen Uebetblick über die umfangreiche Arbeit der Partei auch auf diesem Gebiet in Berlin gibt. Probe- nummern und nähere Mitteilungen sind von dem Herausgeber. Genossen Landgerichtsdrrettor Ernst Rüben, Berlin SW- 11. Hafcrptatz 5, zu erfordern. Ofttte Ausstellung der Arbeike« des Laicakuasikursu» veranstattit das Polksbildungsamt Treptow in der Woche vom 16. bis 22. Februar 1931. Die Ausstellung ist täglich(auch Sonntags) von 19 bis 13 Uhr im Raihaus Treptow, Neue Ärugallee 2/4/6, zweiter Stock, geöffnet. Eintrttt frei. f(Acridiniumdfrrv«) Halsentzündungco „Meinetwegen ins Gefängnis!" Immer wieder mworbestraste Arbeitslose als Räuber. Fast täglich das gleiche Trauerspiel iu ZNoabil: ll u v o r- bestrafte Arbeitslose als Räuber aus der An- klagebank. Groß ist die Deraulwortung des Strafvollzugs diese« llnoorbestrafie« ui�d im Grunde anstäudigen Menschen gegenüber, die— sie wissen selbst nicht wie— gewissermahen einer seelischen Infektion anheimgefallen find. Zn welchem Zustande wird das Gefängnis sie der Freiheit wiedergeben? Bor dem Schöffengericht Wedding werden wieder zwei Raubüberfälle verhandelt.- Am 13. Dezember v. I. betraten maskierte Räuber die Filiale der Konsumgenossenschaft in R e i n i ck e n d o r f, am 24. Dezember dieselben Räuber den Laden der Pom mersche ii Meiereien, hielten Verkäuferinnen und Kundinnen mit Pistolen in Schach und raubten in einem Falle 30 M., im anderen Falle 102 M. Kurz vor dem zweiten Raubüberfall wurden die Räuber von einem Bekannten in der Nähe des Ladens gesehen: auch sie hatten ihn bemerkt. Dos hielt sie aber von der Tot nicht ab.„Mir ist alles egal, meinetwegen konime ich ins Oe- fiingnis*, meint« einer von ihnen. So kam die Sache zur Anzeige. Die Uebellöter waren der 27jährioe Baufchlosser K., sein Bruder, ein 23iahriger Dreher, und ein 20jähriger Maurer— all« drei seit längerer Zeit arbeitslos. Der Siebenundzwanzig- jährige sollte in zwei Tagen ausgesteuert werden. Di« Masken wollten sie von einem Maskenball her haben, die Scheintodpistolen, mit denen sie ihre Opfer bedroht hatten, von der letzten Siivesterfeier. Die Familie St., der die beiden jungen Leute entstammen, bestand aus sechs Personen. Nur die Schwester hatte Arbeit. Die ganze Familie sollte mit 62 M. pro Woche haushalten. Zwar betrug die Miete nur wenige Mark— die ganze Wohnung bestand aus einer Laubs—. die 62 M. reichten aber nicht für secks erwachsene Personen. Die jungen Leute hatten Schulden. Weihnachten stand vor der Tür. Das geraubte Geld verbrauchten sie, um sich Schuhe, Strümpfe und andere notwendige Dinge zu kaufen. Das Gericht verurteilte die Brüder K. zu je 1 Jahr 9 Monate Gefängnis und den Maurer S. zu 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Bei guter Führung sollen alle drei für einen Rest von 6 Monaten Bewährungsfrist erhalten. Der Fall ist typisch. Der«ine junge Mensch hatte gesagt:„Mir ist alles egal, meinetwegen komme ich ins Gefängnis�. Diese Stinmrung der Derzwoiflung, der Resignation ist das gefährlichste. Die jungen Leute wissen, daß sie erkannt worden sind, lassen sich aber nicht von der einmal beabsichtigten Tat abhalten. Im Gefängnis werden sie sich wenigstens sattessen können. Was Freiheitsberaubung ist, werden sie erst in der Einsamkeit der Zelle begreisen. Man sollte die Urteile in Raubsachen öffentlich an den Litfaßsäulen plakatieren als Warnung für andere junge Leute. Wissen sie etwa, daß auch Scheirrtodpifiolen Waffen im Sinne des Gesetzes sind? Häuferrisse, die ungefährlich find. Wterserfcheisungen an Häusern, die sich durch Risse bemerkbar machen, erwecken bei den Bewohnern oft die unbegründete Be- sorgnis, daß Einsturzgefahr vorhanden ist. So wird uns das Haus Aexanderplatz Eck« Neue Königstraße als solch ein TodeÄandidat gemeldet. Mau will außer verschiedenen Rissen an der Decke und an den Wänden«in starkes Schwanken des ganzen Gebäudes wahrgenommen haben und führt dies auf die allzu große Belastung durch die erfolgten Untergrundbahnbauten zurück. Wie uns auf unsere Rückfrage von der Bautechnischen Abteilung der BBG. mitgeteilt wird: stellen die vorhandenen Risse lediglich»Schörlheitsfehler� dar.' die' kemerlei �Mhr in�sich bergen. Ebenso ist dem leichten Schwanken kein« besondere Be- deutung beizumessen, da das Haussundament überaus st a b i l ist. Im übrigen aber werden von Zeit zu Zeit immer wieder fachmännisch« Prüfungen vorgenommen, um etwa vorkommende Schäden sofort zu beseitigen. Man kann die Besorgnis des Publikums im Hinblick auf die Vorfälle in der Hebbelstraße sehr wohl be- greifen. Hier aber liegt tatsächlich nicht der geringste Anlaß zu irgendwelcher Unruhe vor. Gedenkfeier für Günther p?üschow. Im Flugverbandshaus fand am 4a. Geburtstage von Günther Plüschow. die von der Kameradschaftlichen Vereinigung der Marinafüeger und Luftfchiffer gemeinsam mu den Hüiterbliebenen veranstaltete Gedenkfeier für Gunther Plüschow und Ernst Dreblow statt. Ein Bild der beiden ehemaligen Marineflieger. die am 22- Januar d. I. am Rico-See in Süd-Argentinicn den Fliegartod fanden, schmückte, umrahmt von Blumen und Lorbeer- bäumen, da« Rednerpult. Die Gedächtnisrede hielt Plüfchows Freund, Fregattenkapitän a. D. Dr. Mehner t. Paul Sleinberg, der Herausgeber der kriminalistischen Korre- spondenz, die seit 35 Jahren der Berliner Presse ein wertvoller Helfer ist, feierte kürzlich seinen 60. Geburtstag. ei»se»dun««n kür dies- R-dr»«»d y«rli» S««. 8inkt«ftTaftt 3, parieinachrichien für Groß-Berlin stet»»„ da»«rjirt»(ffrttorlai I. Hos, Z Treooe» recht»,>» richte» ll. tirei» Schö»«bera. ssretta«. 13. stcbntot. 20 1ll>r, Warlbiirs-Schule, Am Wartburgelesl. goitsrduni, bts antisoschiftischrn Kursus Dr. Otto griei». 17". JtrcU Lichtenberg. Bildung souskchug: Donnrrstag. 19V, Ubr, Ra'lxnis, Miillend-rfstrab-, Sigunassaal Rr. 2S, Kursus:..Mensch und Maschine". Leiter: Alcrander Sidsam...._ IS. ltrei» Bonlo». Donnerstag, IS. gebruar, abend», treffen sich die Rom. mijsionsvoistther«ine Stund« vor der Vorstel>crko»lk»ren� im Batbaus PailLow. heule. Miklwoch, II. Februar. 6. Abt. 19 Vi Uhr gahlodende in den belannten Lolalen. ».«bt. Die beutige Sufonraetifunfj der Illngeren Parteigenossen findet nicht galt. Nächster DiÄussionsabend am lS. gebruar. Si.«bt. Die verheirateten erwerbslosen«benossen. die sich filr die Winter. beihilf« gemeldet haben, können die gahluna heut«. Mittwoch,»wische» iL und 19 Uhr im B«,irksamt. Danziger Str. KI. Zimmer 336, in empfang nehmen. 38.«dt. UV, Uhr»itglildervers-mml»»» in Lakai Hoffisa»», Schwedter Stroh« 23.«»»trag!»Hitlers verlorene Schlacht". Zlefennt Friedrich Wendel— Um l8 Uhr Znnktionärsignng ebeudort. iZ.«dt. MittliIung»bISttcr abholen von Krevv.«lanuser. H. Abt. Zehlenbari-NoN,(Sieblnngl. ISib Uhr Mitgllederverfauillllung im Aeüauoant Waldhans. Svandauer Etrah». Bortrag:.12 Jahre Sowjet» rubland". Aese-ent E-moffe Dr. Mensw-r. oenonittone»unagevungsn 131. /hdt.- Hisckorsckünktsusen. Mülwodiden 11. Februar, 20 Uhr, imtokal Sanssouci, Nordend. Kaiser-Wilhelm-Sirabe. Thema: Sozialismus oder Nationalsozialismus? Redner: Dr. Julius Moses, M.d R. 14. Kreis— Neukölln. Donners'ag, den 12. Februar, 19'/? Uhr, in Kliems Festsfilen. Hasenheide 13 Thema: Mein Kampf mit Gottfried Feder. Redner: Professor Nölfing. M d. L, Pariel�enossen. Republikaner, Gesinnunös rennde. ersdietnl In Nassem Dem den Fasddsmns bekämpfen! K. Abt. Renlöll». Sejirt« 51, 58 und to i neues Lolal): Iägcrhei», Wilden. Milch- Ecke SchaNdauer Strohe:„Das Wirtschaftsprogromm der Ratio nol» sosialistea". Referent«benosse Tnrsi. 115. Abt. Lichtenberg. 19V, Ulir:zohiabende in den bekannten Lokalen kür alle Enivvcn. Neuwahlen der Gruppenlcitungen. Morgen. Dounerslag. 12 Februar. 57. Abt. Sharlottenburg. I. Gruppe: Ertrasahlabend 1914 Uhr bei Arndt, Äontstr. 51. 85. Abi. Tempelhos. Zahlabend 30 Uhr Lokal Pinga, Dorfslr. 50. 1Z». Abt. Tegel. Schayendors. Keilisensee, Sieblnng am Bahnhos Keiligense«. Mitglüdervcrlammlung 2V Uhr in der Lantin« der«GG.. Siedlung. Rcse- rent Zren, Rowichi jnn.: �fgirtschastekrise und Soslaldcnwlratie". Frauenveransiallung. Röntgental, Zepernick. Donnerstag. 12. lscbruor, 20 Uhr, bei Meisel, Rönblental, Bahnhofstr. 76:„Die soziale, politische und wirtsckiaftliche Stellung der ssrau in Bergangenheit und Gegenwart". Referentin Marqareic Schen- kalowski. Dezirksausschuß für Arbeiierwühlfahrt 3. Are!» Wedbing. Dvnn«rs!ag, 13. lfcbruar. 1914 Uhr, Arbeitsgemeinschakt der gachgrupp« Iugendwohlfahrt im Verwaltungsgebäude Mllllerstr. Iis— lt7, Zimmer iltl. Referent Genosse Meuielsohn. 17.«rei» Lichtenberg, ssreitna. 12. lsebruar. 19 Uhr, im Rathaus Lichte». birg, Möllendolfstr. s, Limmer 25, Äursus:„Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversschcrung einst und legi". Referent Genosse Blaschke.— Abteilung». »bleute! Anschliessend an den Kursus Eissung, jede Abteilung muss vertreten sein. 2». Urei» Reinickendorf. Abterlunasleitersinnen): Dos Ernährunqsgcld ist von der Senofssn Hofftnann heut« abguholen.. Arbeiter-Lildungsschule. 1. 5tr«i» Mitte. Wcinmeisterstr. IS— 17 sEophienschule). Kursus des Ge- Nossen Dr. Zturt M-ndclsohn über.Faschismus— Nationalsozialismus— Devio. krati«— Sozialismus". Beginn am Donnerstag. 13. Februar, 3014 Uhr, an den weitereu Donnerstage» um 30 Uhr ebenda. Der Kursus umfasst 10 Abende, das Hörgeld beträgt Kr den ganzen Kursus 2,50 M. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet.- 10. Krei, Zehlcvdorf. Die Genossen und Genossinnen, die ssch Kr den Kursus des Genossen Dr. Mönchen:„Eowictrussland" interessteren. werdcn gc- beten, in der heute. Mittwochs im Waldrestaurant, Svandauer Strasse, stall. findenden Bersommlun« der 74a. Ableiluna zu erscheinen. Genosse Dr. Mänchen spricht in dieser Versammlung übet„Smct Jahre in Sowjetiussland". 14. Krei» ReutMn. Der Kurl»» der Genossin Wurm:.Geschichte»ab Sazialagi« der Frauenbewegung, fällt in dieser Woche wegen der Kommunalen Konferenz an». Nächster Kursusabend um Freitag, 29. Februar. Eintrittskarte» zum Vortragsabend der Freien sozialistischen Hochschul« am Sonnabend, 14. Februar, 1914 Uhr. im Plenarsaal des Staatsra's, Leipziger Strasse 3. sind in unserem Büro, Lindenstr. 3. 2. Hof. 2 Dr., Kimmer 9. zu haben. Oda Olbeeg au» Wien spricht ilder.Die Kuspissung der italienischen Diktatur". Eintrittspreis 50«f. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Derlin. Keei» Friebrichshain: Heute. Donnerstag, Kreisturnabend Schul« Koppen. ltrasse Kr Rote und Iungfalien. Freitag, 13. Februar: Alle Gruppen des Kreises sind 19 Uhr Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11—13. zur Probe Kr die Aubilarfeier.— Gruppe Lond,b«rg«r Plass: Mittwoch Lichtbiiderabcnd: Donnerstag Basteln: Freitag Bolkstänze. Geburtslage. Jubiläen usw. 6. Abt. Unseren Genosse» Jakob Auel, Brnanevstr. 19: G u st«» Bartsch, Rheinsborger Str. 32,»nd Andrea» Simon. Woliner Strasse 93, zu ihrem 25jährigen P-rtcijnbilinm die herzlichsten Glnckwunicho.— Unser Genosse Gm man» Gitschow, Rhcinoberarr Str. 17, feiert« im Januar seinen KZjährigen Geburtstag. Kerzliche Glnckwönsch« noch nachträglich. 9. Abt. Unsere«. Genossen Oslo, Hasselbeck zu seine» 75. Geburt«. tage die herzlichsten Glückwünsche. 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Siusendunaen für diese JbitrV nm«mbu 3u4cnbftfrelart«t derdn HW 6ft. lindenftrafi« 3 heute, Mittwoch, 19� Uhr. Andrea Splass: Brommystr. 1: �vnnnuniskisches Manifest, 2. Teil.— Balten- plng: Tilsiter Str. 4— 5: Glassbrcnncr-Abenb.— Frankfurter Viertel: Frank. furter Allee 307: Lichtbilder:„Der Militarismus in der Äaritatur".— Luisen. ftadt: Wassertorstr. 9:„Der Faschismus in Italien".— Tempelhol: GSssstrasse: Kurzreferate.— Renlöll» XI: Flnghafenstr.«3: Probe.— Frjedrich�age»- Friedrichstr. Si:„Arbeitsdienstpflicht?"— Rcu-Lichtenberg: Hausfstrasse:.Praktische Sruppenarbcit".— Mohlsdorf: Mclonchthonstraße:„Die Partei und ihre Fiele". Werbebeziek Rcnkölln: 17 i4— 19>4 Uhr Sprechstunde, Eanghoferstrassc. 20 Uhr Sorrchchorprobe. Kannen Strasse. Werbebezirl Lichtenberg: Abteilungsleiter! Di« Kuiammsnlunkt der Aoltercn am Freitag findet umständehalber nicht statt.— Dasür Beteiligung au der Mit- glietervevsammwng in der Gunterstrasse. Allgemeine Wetterlage. Die nordwestliche Depression hat sich seit gastern erheblich nach Osten ausgedehnt. Gleichzeitig sind auch die milderen Luftmassen. die am Montag bereits Nord Westdeutschland Tauwetter brachten, weiter nach Osten vorgedrungen. Am Dienstagabend herrschte nur noch in Nordostdeutschland Frost. Am Rbein machte sich die Er- wärmung am intensivsten bemerkbar; dort' stieg das Thermometer tmrchjchyittlich auf 8 Grad Wärme. Die Depression im hohen Norden zieht weiter nad) Osten. Die Lustmassen auf ihrer Rückseite werden unser Gebiet voraussichtlich am Mittwoch früh erreicht haben. Da diese Lust wieder aus höheren Breiten stammt, aber vom Ozeatr angewärmt isV dürfte in ihr infolge ihrer Instabilität die Bewäl-- tunfl veränderlich sein. Erst altmählidi dürste sich der von Weste» herankommende Luftdruckansticg in Beruhigung bemerkbar machen. Tauwetter mit Für Heber- tter. Tagestemperawren' allgemein über «stow» ganq zu unbeständigem 20«; Null. Voriräge, Vereine und Versammlungen. .Renschen ohne Heimat.- Ueber diese«. Thema halt Kurt Gross mau», der Sekretite her.Liga Kr Menschenrechte",«inen öffentlickten Bortraa am Freitag, dem 13. Februar, 20 Uhr. im Anti.Kricqsinuscum, Parvchialstr. 29. ■ oorfciiow tn�lisn o.aa ii.g ciuv. Mlnwocn, ru unr. Lannarriehaas, Bü,ow. straße 104. Outtmanniaal: Mr. Will Potter:„Have we lived betöre?" Milder Winter on de« Nordsee. Ein Dorado Kr Kranke mit Affektionen bet'DMMgCTIir' Asthmatiker, Nervöse und Rekanvaleszenten. Kr. rlwchitisch� und eutwiltlunasgistöiua-Klnder-iipö 4>i» zllarbleelnseln, vor allon biesenigen. die in genügender'Entferauag von der Küste liegen. Dazu zählt vornehmlich die landschaftlich eigenartige-und' reizvolle Insel Soll mit dem bekairntwr Der Deutschlandsender übernahm aus Köln ein« Urauf« führung'„Drei fahren nach Südam«rika�, laut Ansage ein„Zjerichtspiel". Zlkit dieser Bezeichnung sollte wohl festgestellt werden, daß der Bersosser Borlan keinen besonderen künstlerischen Ehrgeiz hatte, sondern im w«jcntlid)«n Informationen in unter- haltender Form geben wollt«. Wie weit er der Wirklichkeit mche kam, kann schließlich nur ein Kenner des Landes und der Lebens- Bedingungen, die es dem Einwanderer bietet, entscheiden. Strecken-- weise, besonders in einzelnen Schiffsszenen, wurde das Spiet recht anschaulich. Vieles war ober zu breit ausgeiponn«n, manches auch wurde dem Hörer nicht recht deutlich. Aber vielleiäit gelang es dem Bericht doch, den einen oder anderen vor unüberlegter Auswanderung zu warnen. Sachliche Vorträge dürften diesen Zweck allerdings sicherer erfüllen.— Max Halbe las aus einem unveröffentlidsten Roman zwei Kapitel, die Menschen schildern aus einer Welt abseits der Gegenwart. Die Generation des Dichters scheint in diesem Werk lebendig zu sein und traumhaft aus dem Gestern in das ihr fern« Heute zu winken. Die Jugend unserer Zeit deutet Halbe in diesen Kapiteln zwar auch in einer Gestalt an. aber er steht ihr anscheinend innerlich zu fern, als daß er sie sehr anschaulich machen lönnte.— Eine Reportage aus dem Harnack- haus brachte eine Reihe ausländischer Gelehrter, die gerade dort zu Gast weilen, vor das Mikrophon, und es war recht aufschlußreich, zu hören, was von ihnen an den wissenschaftlichen Bildungsstätten und Blldungsmöglichkeiten Berlins besonders gerühmt wurde. Der erste Teil der Reportage, der sehr detailliert die Verpflegung und Unter- haltungsmöglichkelten im Harnackhaus beschrieb, hätte dagegen wesentlich knapper sein dürsen. Tes. Grvssbabeort Westerland. Der Golfstrom leiht ihnen südländische Weichheit unh Milse. Die rollenden. schäumcnSen Wogen sättigen sie mit Salzpartilelcheu und Jod, schwängern sie mit wohltuender Feuchtigkeit und waschen sie rein von Staub und Keimen. Der Appetit wächst hier, der Schlaf wird ruhiger, tiefer. erguickender. Muskelkrast und Lebensgefithl steigen, die Nerven beruhigen sich und die angegriffenen Atmungswege fühlen erleichtert den Einfluss der glelchniässig temperierte», angenehm feuchten Seeluft. Westerland auf Snlt. das den mildesten Winter ganz Deutschlands hat, ist ein Paradies Kr Asthma- tiksr und Bronchialletdende! Achtzig Prozent werden hier—»ach genügender Auienthaltsdauer— geheilt. Also nicht kalte Seehäder im Sommer sind den Hauvtkurfaktor der Nordsee, sondern dos Klima! Man versuch« angesichts den , mössige» Logier, und Lebenspreiie, frei von Kurtar« und Saisonsorgen, die 1 Köstlichkeit seiner Heilschäh«! Auskunft durch die Städtische Badevenvaltung Zlordsecbod Westerland auf Svlt. Kaffee Hagefäe iedermau». Es gibt in Deutschland beute Millionen von Mensche», die den coffetnfreien und völlig unschädliche» Bohneniaffe« kenne» und schössen. Und doch weiss mancher noch nicht, dass Kaffee Log die aller- feinste Kaffee-Quatität darstellt. Lcrz und Nerven schont und niemal» Schlaf» störnngrn hervorruft. Selbst Kindern darf man ihn unbsdenllich geben. Aber nicht nur Kr Kraute und Rekonvaleszenten ist Kaffee Lag das gegeben« und von Aerztcn evipfohlene Kaffeegetränk. Auch von gefunden Menschen wird rr wegen seines herv-orragenden und feinen Geschmacks gern getrunken. Das grosse Paket kostet heut- nur noch 1,62 M., das kleine LI Pf. Run also mit RechU��sfe�Ha�ür�cdewnann�� Eewinnauszug 5. Klasse 36.'Vreuhisch-Südbculsche Slaals-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hvhe Gewinne gesalle«, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und ll 2. Ziehungstag 10. Februar 1931 In der heutigen Vormiltagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinn, ,» 10000 KS. 213131 2S7S44 8 GcWirne ,,, 0000 M. 81569 31852 114525 256703 14 Gewinn«,» 3000 M. 118107 165241 228117 223682 32030» 365076 368863 52»ewian« ,u 2000 M. 14855 16347 20026 24564 33612 38833 57774 88118 118370 143333 172245 174384 173838 221453 227344 232155 287784 282481 233861 286754 237603 335816 345404 363082 3671 73 363366 > 06 Gewinn, I« 1 000 M. 70 8325 32154 38385 38268 38584 4062« 55773 53040 665S5 80537 87281 87301 81531 102244 138653 143338 147740 153857 165172 166343 178715 182424 187050 184430199897 202705 209884 212649 216497 225757 237035 241593 244671 266458 263931 269591 260710 280072 282061 290174 292757 293382300557 316670 317912 320567 352424 353799 366333 365828 378207 379580 206»«olire, tu 500 Iii. 4847 7838 8129 11014 16186 22507 29223 33134 35459 37336 37712 33653 40333 40435 51146 54188 54810 55021 573.38 57845 82514 70578 73500 87749 93380 947S2 97920 9981299968102528112203113618 113902 119821 121165 128424 132176 147686 154010 155168 155489 166716 166507 170117166099 137688 187694 189413 191986 199642 206277 207108 207592 207646 Q08701 211275 215476 216619 225244 233957 234804 241524 243423 246409 248373 249946 260615 260707 274647 276478 279510 281887 281940 283719 288632 290859 293115 309462 316200 321780 323824 326422 329348 331151 340949 342805 346816 349377 352639 360656 361922 366591 367773 376490 379033 382366 382653 383220 387748 391364 394945 396689 396042 KAFFEE HA« billiger kleine jetzt nur noch RM 1aG2 pakeT00* RM«»91 Iahe» Die Qualität bleibt unveräaderta die beste ZZT>: 3)as gefloMene{Paradies Jim den Erzählungen des IHilos Xohh/di (Schluß) Er nahm Abschied von mir uno ging hinaus. Als«r die Aar- znnmermr öffnete, sprang mein Diener erschrocken zurück. Der Fakir legte ihm die Hand auf die Schulter, sah ihn an und der Kerl schloß die Augen und fiel steif auf sein Lager wie ein gefällter Baumstamm. Der Fakir würdigte ihn weiter keines Blickes, er sagte nur vor der Hütte, während ich ihn hinausbegleitet«, kalt: „Der wird nicht schwätzen I Und dir vertrau« ich." Ich kehrt« in die Hütte zurück Mein Diener lag noch in hypnotischem Schlaf. Ich war ollein mit dem wunderbaren Pulver. Ich roch daran; es duftete schwach nach Gewürzen, aber das sagte nichts weiter, denn in Indien und Amsterdam riecht alles nach Ee- würz. Ich wurde ausgesprochen erregt. Das konnte nichts schaden, dieses Pulver zu nehmen und alle geheimen Wonnen des mystischen Ostens zu durchkosten. In diesem eintönigen Leben konnte eine klein« Aufregung nur willkommen sein. Ich hob das Säckchen bereits an die Lippen, als- ich mir die Sache plötzlich wieder überlegte Ich war so furchtbar schläfrig, daß ich bis zum Morgen sicher alles, was mit mir geschah, wieder vergessen hätte. Es wäre dumm von mir, dos Wundermittel jetzt. zu verschleudern, um so mehr, als es auf der ganzen Welt nur diese einzige Portion gab. Besser morgen, wenn ich ausgeruht bin. Ich legte mich nieder und war schon fast eingeschlafen, als mir einfiel, daß ich dos Pulver auf dem Tisch Hatte liegen lassen. Dieser Idiot von Diener würde es vielleicht beim Aufräuinen herunterfegen. Ich hing mir das Leinensäckchcn um den Hals und schlief be- ruhigt ein. Am ganzen nächsten Vormittag fühlte ich mich so wie ein Bräut'gam, dem die Hochzeitsnacht bevorsteht. Ich aß und trank maßvoll, überwachte jede meiner Bewegungen; mit leichtem M�gcn und ausgeruhtem Körper wollte ich der höchsten Wonne des Lebens entgegentreten. Bei einer meiner Visiten hing sich ein hübsches Hindumädchen an mich, aber ich schüttelte es ab. So dumm war ich nicht, Mich mit Brot satt zu essen, wenn ich zu einem groß- artigen Mahl geladen war! Am Nachmittag schickte ich auch meinen Diener fort und schloß mich in mein Zimmer ein. Ich hatte das Puloer schon fast im Mund, als mich plötzlich, schneidend wie ein Säbel, der Gedanke durchfuhr, daß es dumm von mir wäre, des Lebens höchste Wonnen gerade jetzt zu durchkosten. Ich war gesund, meine Angelegenheiten befanden sich m Ordnung, mein gleichförmiges Dasein hatte neben kleinen Unannehmlichkeiten auch keine Freuden nachzuweisen. Es wäre schade, diese Ruhe jetzt durch ein Erlebnis zu zerstören, in dessen Folgen man das Leben nur mehr als unerträgliches Elend empfinden würde. Nach reiflichem Ucberlegen beschloß ich, dieses Pulver, die einzige Lebensmöglichkeit großen Stils, für die Zeit aufzubewahren, wenn Menschen und Dinge mich endgültig meinem Schicksal über- ließen. Dann sollte dieses Wundermittel mich für mein« Qualen entschädigen. Ich hatte nur noch eine Sorge: wie ich näinlich das teure Pulver vor meinem Diener schützen sollte. Denn wenn er merkt«, daß ich dem Mittel nur die geringste Bedeutung zubilligte, wäre das Grund genug für ihn, das Pulver zu klauen. Er war die reine Elster- natür-'-' Aber ich fand auch da einen Ausweg. Ich füllte das Pulver in ein kleines Fläschchcn und malte mit Tusche einen Totcnkops darauf. So konnte ich es ruhig auf das Regal zu den übrigen Medikamenten stellen. In meiner freien Zeit betrachtete ich das Seine Fäschchcn mit der gleichen süßen Hoffnung im Herzen, als ein Bild der angebeteten Braut. Oft hatte ich bittere Stunden, in denen der Gedanke der Heimatlosigkeit und meines zwecklosen Lebens mich fast erstickte; ober sobald ich zum Pulver griff, tauchten plötzlich tausend mildernde llmstände in meinem Hirn auf, lauter nichtige, vorübergehende Argumente, und ich stellte das Fläschchen zurück für bessere be- ziehungsweise noch schlechtere Zeiten. Und wenn Wi eine schön« Gegend sah, einen schmackhaften Bissen aß, mit einer' schönen Frau beisammen war, dachte ich daran, wie wenig dies alles im Der- gleich dazu war, was mich erwartete. Eines Tages erreichte mich die Tragödie, unerwartet, wie«in dummer Dachziegel.' Ich trat gerade in dem Augenblick in dos Zimmer, als mein Diener einen kräfttgen Schluck aus der Aetherflaschc nahm. Jetzt wurde ich wütend. Schließlich waren diese paar Medikamente die Grundlagen meines Geschäf.s, das mich ernährte. Dieser Gauner soff meine Wissenschaft leer. Ich bin kein grausamer Mensch, sogar die Fliegen fange ich mit verzuckertem Klebstoff, aber s«tzt packte rnjch der Zorn. Ich griff dem Kerl noch der Kehle und ohrfeigte ihn gründlich. Seine Augäpfel traten aus den Höhlen, sein Mund schäumte und er brüllte wi« am Spieß: „ Oweh, o weh! Mein Herr ist böse auf mich! Mein Herr hat mich geprügelt! O weh, o weh! Das kann ich nicht über- leben!" Ehe ich es verhindern konnte, ergriff er das Fläschchen mit dem Totenkops und schluckte das Pulver hinunter. Vergebens faßt« ich danach, es war zu spät; der Halunke halle mein« einzige Hofs- nung oerschluckt! Er schlug lang hin und bald tonnte ich sehen, daß der Fakir nicht gelogen hatte, wenn er von einem Wundermittel sprach. Seine Miene wurde durchgeistigt, seine Augen leuchteten, ein Lächeln der Wonne- umspielte seine Lippen. Ich sah es ihm direkt an, daß er jetzt über feenhafte Gegenden dahinschwebte, so, wie man das Licht der Sonne selbst an der ungehobelten Telezraphenstange erblicken kann. Aber ach, ich bemühte vergebens mein« Augen, spannte umsonst alle meine Nerven zum Zerreißen an. ich sah nur die elenden vier Wände meines Zimmers und mußte dobeist.hcn. wütend und unfähig, etwas zu tun. während aus seinem dummen Gesicht der Widerschein einer märchenhaften, nie gesehenen Gegend glänzte. Dann weiteten sich seine Nasenlöcher, feine Nasenflügel bebten; grunzende Wonnelaute entflohen seiner Kehl«; ich wußte, ich emp- fand klar, daß er jetzt den Dust paradiesischer Blüten in sich einzog. ich aber schnüffelte vergeblich mit angespanntem Bcinüh:n, ich empfand nur den muffigen Geruch meines Zimmers. Und dann gewahrte ich, daß er Melodien hörte, die Menschen- ohrcn noch niemals oernahmen, und Gewürze schmeckte, die Menschengaumen noch niemals kitzelten und ich sprang umher, aus- geschlossen von aUedem, wi« ein Hund um den Tisch der Prasser. Und dann stieß«r einen markerschütternden, ersterbenden Wonneschrei aus, öffnete beide Arme, sein Gesicht flammte, seine Brust keuchte. Ich wußte, daß jetzt das göttlichst« Weib auf ihn zukam, das sich nur durch die Kraft der Magie einem Manne schenkt. Wenn sie schreitet, berührt ihr Fuß die Erde kaum, so leicht ist sie; für nichts sonst erschaffen als für die Liebe. Ein Blumcnwesen, aus dem glühenden Dampf der Stdrne erschasfen, um den Menschen für eine Stunde göttliche Wonne zu bringen! Und diese Stunde gebührte mir! Diese Frau hätte eigenilich mein werden sollen. Ich sah, wie der elende Kerl, in wahnwitziger, sinnloser Gier erstarrend, nach meinem Weibe griff, und das Blut lief mir in die Augen. Nein, Verbrecher! Mein« Farben, Düfte, Melodien, Speisen konntest du verschlingen, aber mein Weib wirst du mir nicht«nt- führen. Ich sprang zu ihm und umspannte mit beiden Händen seinen Hqls, um ihm den Kragen umzudrehen. Nun, wenn ich- mit diesen meinen zwei Händen jemand anfass.', dem geht es schlecht. Aber jetzt fühlte ich erschrocken, daß meine Finger auf seinem Hals keinerlei Spuren hinterließen, es war. als drückt« ich einen Felsblock. Und dabei glühte sein Nacken, so stark wie«in eiserner Ofen. Jetzt sah ich erst, welch ein lächerlicher, ausgesperrter George Dandin aus mir geworden war. Ich konnte ihn würgy:, ohrfeigen. treten, stoßen nach Herzenslust— es war nur, als wollte ich elek- trische Ströme mit»er Hand aufhalten. Ich kauerte aus seinmi Körper und mußte mit ansehen, wie er die unsichtbare Schönt umarmte. Ich hörte Küsse, in denen elektrische Funken knockten. und sah seinen Körper sich epileptisch kriimtnen. Und ich mußte auch noch dabei sein, als er erlöst kichernd verstummte und zufrieden seufzend in tiefen Schlaf verfiel.... Damals schwor ich mir zu(uno ich habe den Schwur gehalten), daß ich niemals heiraten würde. Das olles noch einmal zu erleben? Einmal war reichlich genug! tUkberleht von Ea»er.Masock>.) 3tichard Muclfenheck: Coneiß 9 stand im Winter Es ist nicht leicht, sich in den New-Torkcr Untergrundbahnen zurechtzufinden: ober schließlich muß man es doch einmal lernen, da das Taxifahren auf die Dauer zu teuer wird. Von der Battcry bis zum Zentralpark zahlt man einen Dollar und fünfzig, das find immerhin über sechs Mark. Nun meinen die New-Dorker allerdings, ihre Taxis seien billig. Wenn man alle anderen Preise damit vergleicht, stimmt das sogar. Für ein'nicht sehr luxuriöses Hotelzimmer zahlt man vier Dollar und ein Mittagessen unter einem Dollar lohnt gar nicht der Mühe. In Stew Park hat man das Prinzip der kleinen Portionen mit großem Eifer ausgebaut und ich kann sagen, daß die Leute es darin zu einer Art Rekord ge- bracht haben. Mein Freund ist allerdings sehr entzückt, weil er hofft, durch seinen New-Forker Aufenthalt f>ehu Pfund abzunehmen. Bis gestern war er«in eifriger Versechter der Prohibition, und er trank nichts als den Sauerkraut. Cocktall oder das Orange Juice, das es hier vor jeder Mahlzeit gibt. Gestern nacht allerdings ist er dann mtt dam Baron L., einer Schlffsbekanntschaft, in das Zentral- kino(im Zentralpark) geraten. Da gilt die Prohibition mir oberhalb der Tischplatten; alles, was unterhalb den Tischplatten ist, geht nie- wanden etwas an, und nur, wenn einmal von etizer warm gewordenen Scktflofche der Kork abspringt, wird gelocht. Kürzlich fuhr ich nach Newark, um dort euren anderen Freund aufzusuchen, der im dortigen Aihletenllub wohnt. Athletenkliub klingt bei uns sehr nach Rummelplatz; hier ist der Athletenklub (jede Stadt hat einen) das Feinste vom Feinen und jeder Fremde schätzt sich glücklich. Gast des Athletcnklubs zu fein. Dieser Freund hatte also die Einladung, im Newarker Athletenklub zu wohnen. nicht abgeschlagen, obwohl Newark sehr weit außerhalb liegt. Man fährt vom Zentralpark bis Manhattan Transfer ungefähr eine halbe Stunde, und dann muß man mit einem anderen Zug unter dem Hudson durch und dann ist man noch lang« nicht da. Das Untergrun! bahnnetz ist wirklich sehr kompliziert, obwohl wir Berliner doch auch keine Dörfler sind. Kürzlich, als ich nach Newark wollle, habe ich mich ganz verfahren, und schließlich merkte ich, daß wir anstatt nach New Yersey(in dieser Richtung, also jenfeits des Hudson, liegt Newark), über die Lrooklynbruck« sausten. ll»d dann merkte ich weiter, daß ich im Sea-Beach-Efpreß fcfi» Her nach Eancy Island fuhr. Ich war so vertieft in den Anblick meiner Mitreisenden gewesen. Ich hatte sie alle Wrigleys Speormint kauen sehen und war dabei gewesen, mir auszurechnen, wieviel Kaugummistücke notwendig sind, daß sich Wrigley seinen Wolkenkratzer in Chikago bauen konnte. Ich beschloß sitzen zu bleiben und nach Coney Island zu fahren, obwohl es Winter war und ich wußte, daß alle Vcrgnügungsgelegenheiten geschlossen waren. Wer es noch nicht weiß: in Coney Island, an der See, am Strand des Attantischen Ozeans, amüsiert sich New Port an heißen Sommerabenden und an heißen Sonntagen. Es ist eine wüste Der- gnügungsstätte, ein Wald von Bretterbuden, die mit Plakaten be- deckt sind und bei Dämmerung mit grellen Lichtreklamen ausleuchten. Loews Schau hat hier eine Filiale, und wer keine Stunde ohne Girls und Jazzmusik sein kann, wird hier für seinen Drang einen Weg finde?. Es gibt in Coney Island Bodeanstalten unter offenem Himmel(jetzt sind sie oereist), Tonzlokale jeder Art, TeufelsröHer, und vor allen Dingen Rutschbahnen.- Der New-�orker, das kann ich wohl ohne llebcrtteibung sagen, ist restlos oerliebt in Rutschbahnen. Je mehr gerutscht und gekreischt wird, desto wohler fühlt er sich. Diese Rutschbahnen, die alle elek- irisch betrieben sind und für unser Gemüt in riesige Höh«n> gehen. sind ein Gewirr von Latten und Riemen und Stangen. Jetzt sind sie verlassen; die Kalle, die von der See kommt', hat sie ausgefroren und nnt grauem Reif bedeckt. Eine Katze sah ich langsam die Bahn hinansteigen, van der am Ost«rsonntag zum«rsten Male wieder donnernd die Wagen herabsausen werden. Am Strand« hat der scharfe Wind die Männer mit den Hand- geschobenen Wagen nicht versckcuchen können, die auf aste und junge Damen warten. Mit diesen Wagen(sie werden häusig von Reisern gesckoben) kann man sich angesichts der Wailerweit« hin- und her- kuts Hieren lassen und man kann sowel Brise sch'ucken, wie es einem Spaß mackt. Trog der Käste liegen einig» Duyend Unent- weg!« in Liegestühlen am Wasser. New Park ist neben vielem anderem die Stadt der Gesund hestslanotiker, und mancher, der seine Nerven im Geschäft gelassen hat, glaubt sie hier durch eine Stunde Atemübungen wieder zurückerobern zu können. Das ist natürlich da vergebliches Bemüh«; aber«s ist rührend zs sehen, mit welch unerschütterlichem Glauben diese angeblich ungläubigen und nur verstandesmäßig lebenden Amerikaner der Vorschrift ihres Arztes anhängen. Sie wollen die Sache bis zu Ende durchbeißen, selbst aus die Gefahr hin, sich«ine Lungenenizürrdung zu holen. Augenblicklich liegt nämlich New Jork an der Grippe krank und die Geschäftsleute jammern, es könne deshalb keine Besprechung zustande kommen. Das Klima in New Jork ist wirklich vom Teufel; gestern hatten wir eine Art Blizzard, das Thermometer sank bis zu sechs Grad unter Null, und heute liegt die Sonn« auf der Stadt; es ist Frühling, und die Vergoldung der Kuppel von Zentralstation scheint so aufdringlich, als wollte sie uns Fremde über das Ende der guten Konjunktur und der berühmten Prosperity hinwegtäuschen. Die sind nämlich wirklich augenblicklich gänzlich verschwunden. und da die New-Porker Hysteriker sind(einmal himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt), hat man es aufgegeben, sie z» suchen. Die schöne Zeit, die Haust«, der Boom der Jahr« 1925 bis 1927, als jeder Geld hatte und es keine Armut mehr gab, sind vorbei. Es wird von jedem Geichäfismann zugegeben, daß Amerika zehn Millionen Arbeitslose hat und daß augenblicklich für niemanden die Möglichkeit besteht, sich zum Millionär hochzuarbeiten. Abends stehen die Breadlines, die Brotlinien, auf dem Broadway; das heißt, eine riesige Kette oder mehrere riesige Ketten von Arbeits- losen drängen sich unter Polizeiaufsicht zu einem Wagen, von dem ihnen ein Stück Brot gereicht wird. In diesem New Jork, das an der siebenundfünszigsien Straße einen Wolkenkratzer hat, der ganz aus kararischem Marmor gebaut ist. gibt es also Leute, die hungern. Die alten Damen und ihre Vereine, die große Presse setzen sich fü? die Arbeitslosen ein; im Radio wird dos Problem täglich besprochen; aber es hat sich deswegen noch nichts geändert. In Coney Island ah ich bei Eliilds, dem New-Porker Aschinger. Wie immer, fing ich mit einem Sauerkrmtt-Cocktail an und dann aß i ich eine Wurst nach New-Uorker Art. Dos kostete nach deutschem l Gelde drei Mark, und es war sehr reichlich und einwandfrei hygienisch; aber deswegen noch nicht schmackhaft. Irgendwo kündigte ein Plakat an: Das Gefängnis, dargestellt von ehemaligen Sttäs- lingen. Wertvoller Einblick in die Strasonstaltsoerbältnisse für jung und alt. Tritt ein und überzeuge dich für wenig Geld, ehe es zu spät ist. QeknüpUe'Wunder j ITie die Per ivrieppi rite nach dem. Abendland kamen In London findet zur Zeit eine„Internationale Ausstellung persischer Kunst" statt, aus der auch die herrlichsten Dokumente orientalischer Kunst, die hervorragendsten Knüpfteppiche, zu sehen sind. Es wäre ein« lohnende Ausgabe, die Herkunst dieser Wunder- werke und den Weg, auf dem sie nach dem Abendland gekommen sind, einmal im Zusammenhang zu untersuchen. Friedrich Sarrc gibt dazu im„Pomheon", der von O. v. Falke und A. L. Mayer herausgegebenen Monatsschrift für Freunde und Sammler der Kunst, beachtenswerte Einzelheiten. Als ursprüngliche Aufbewahrungsorte kommen vor ollem die Grabmoscheen der Imame, Ordensgründer und Heiligen, sowie fürst- licher Persönlichkeiten mit ihren Schatzkammern in Betracht, so das Mausoleum des Schech Soft in Ardebil, aus dein der bekannte Teppich von 1539/49 im Bictora-and-Albert-Museum zu London stammt, die Grabmoschee der tanzende» Derwische in Konio und die Moschee von Kum, au» der ein prachtvoller Seidenteppich vom Grab des Schah Abbas II. auf der Internationalen Ausstellung persischer Kunst soeben in London zu sehen ist. Auch die Paläste indischer Fürsten und des Seraib in Konstant inopel bergen teilweise nach unbekannte Teppiche. Nicht Nein ist.»erner die Reihe der Teppiche, die nachweislich als Geschenke orientalischer Fürsten nach Europa gelangt sind, wie die kostbaren persischen Seidenteppiche im Schatz von San Marco in Venedig oder der berühinte Wiener Iagdleppich, der eine Gabe des Schahs an Peter den Großen und von diesem an Kaiser Leopold II. weitergegeben sein soll. . Dann hat die Sitte, mit Wappen geschmückte Teppiche mi Orient herstellen zu lassen, es veranlaßt, daß sich� im Besitz europäischer Fürsten Schätze erhalten haben, wie die Serie gewirkter Seide»- teppiche des Residenzmuseums zu München, die für die Vermählung einer Tochter des polnitchen Königs Sigismund HI. mit dem späteren pfälzischen Kurfürsten Philipp Wilhelm im Jahre lölü in Persien gefertigt worden ist. Auch scheint man im Abendland kosl- bare Teppiche mit Vorliebe an Kirchen, Klöster und Synagogen gestiftet zu haben. Endlich sind es die Türkenkriege gewesen, die mit anderen Kostbarkeiten«ine Reihe von edlen Teppichen m europäischen Besitz gebracht haben. So wurde vor Wien im Jahre 1683 in dem eroberten Lager des türkischen Großwesirs Karo Mustapha eine große Beute gemacht, an der nicht nur die viele» deutschen und polnischen Heerführer des Entsatzhcercs, sondern auch die gemeinen Soldaten ihren Anteil hatten. Es ist wohl kein Zweifel, daß der größte Teil des kostbaren Teppichbesitzes fürstlicher 5zäuser. sy z. B. der sächsischen Fürstensomilie, aus die Türkenbeute im Jahre 1683 zurückgeht. Diesen Ursprung hat oller Wahrscheinlichkeit nach auch ein wollener Teppich, der vor etwa 59 Jahren zusammen mll einem Türkcnzelt— vor Wien wurden 1683 nicht weniger als 15 00«) Zelte, abgesehen von den Prachtzelten des Großwcsirs und der Führer, verteilt!— im Schloß von Dessau zum Vorschein gekommen sein soll und als Wiener Beutestück eines Anhalliner Fürsten gatt. In den herzoglichen Wohnräumen untergebracht, wurde er merkwürdigerweise erst jetzt beachtet, che er dann im ver- gangencn Jahre außer Landes ging. Auch«r ist auf der Londoner Ausstellung weiteren Kreisen zugänglich gemacht und erregt die größte Bewunderung: handelt es sich doch um eine» der schönsten, frühesten Und trotzdem vorzüglichst erhaltenen persischen Teppiche der Blütezeit. Als Herkunft und Zeit kommen das nordwestliche Persten und der Beginn des 16. Jahrhunderts in Betracht. 3>arl«— eine Oafe der Jtuhe? Ilm Paris zu einer Stadt der Ruhe und des Schweigens zu machen,-hat die Verkehrskommission der Stadt«inen ausführlichen Bericht ausgearbeitet, der jetzt der Polszeipräsektur vorliegt und dessen Vorschläge bald durchgerührt werden sollen. Man erholt hier einen Ueberblick über Hunderte von Geräuschformen, die unseren Vorsahren unbekannt waren und die beseitigt werden können. Di« Kommission geht von der Feststellung bedeutender Aerzt« aus, die den unnötigen Lärm für eine der schwersten Gefahren für die Nerven der modernen Großstädter erklärt haben. Unter de» Geräuschen, die unterdrückt werden sollen, befinden sich u. a. das Kreischen der Autobremscn, dos Kloppern mit Milchkannen und Müllkästen, der Mißbrauch der AutoHupen und das Rumpeln der Karren. Es wird nachgewiesen, daß dieser Lärm in sehr vielen Fällen durch mangelnde Uebung und Geschicklichteft oder durch Krolioerschwendung ver- ursacht wird. Ei» Kraftfahrer z. B., dessen Bremse bei jedem An- ziehen quietscht und kreischt, zeigt damit an. daß er entweder nicht fahren kann oder seinen Wogen nicht genügend instand hält. Grammophone und Lautsprecher dürfen nur dann in Gang gesestt werden, wenn sie außerhalb der Wohnung nicht gehört werde» können. Bei Durchführung dieser strengen Maßnahmen hofft die Kommission, daß Paris zu einer„Oase der Ruhe" im Getös« der moderuau Zicftiiatüul werdco wird. Ar. 69- 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 44. Februar 4934 Photo-G?anzabschluß. Zekß Zkon-Konz-rn erzielt um 40 proz erhöhten Aeing�w'nn Der ZeißiIkon-Konzern in Dresden, eines der 'ühreroden Unternehmen in der optischen Industrie Deutschlands,»er- iissentlicht jetzt seinen Abschluß für das Geschäftsjahr 1329'30, der in seinem Gem'nnausweis wie auch in der Reservenbildung außerordentlich bemerkenswert ist. Der Betriebsüberschuß ist von 7,4 auf 8,8 Millionen Mark gestiegen, worunter sich knapp 300 000 Mark aus amerika- »Ischen Freigabegeldern befinden. Trotz beträchtlicher Herauf- setzung der Abschreibungen und Rückstellungen iür Werkserncuerung um 50 Proz. auf 1,23 M-llionen Mark liegt der ausgewiesene Reingewinn in Höhe von 1.40 Mil- lionen Mark um rund 40 Proz. über dem schon guten Vorjahrs- crgebnis. Die Dividende wird von 6 auf 7% Proz. erhöht, und außerdem wandern vom Reingewinn weitere 100 000 Mark in die Sonderreserve. Allein die offenen Reserven bei Zeiß-Ikon er- reichen mit diesen neuen Rückstellungen 3,5 Millionen Mark und stellen sich somit auf 24 Proz. des Aktienkapitals, das 15 Millionen beträgt. Roch höher aber scheinen die st i l l e n R e- serven bei diesem Konzern zu sein, die in den Detriebsanlagen, dem hochwertigen Maschinenpark, den Fabrikationseinrichtungen und Werkzeugen stocken. Alle diese Posten erscheinen m der Bilanz nur mit je 1 Mark Wert. Auch die im letzten I"hrs neu in die Anlagen geOeckien Werte von nind einer halben Million, die aus laufenden Gewinnen„über Betrieb� bezahlt wurden, sind samt und sonders bis auf eine Mark heruntergeschrieben worden.— Nach dem Geschäftsbericht hat sich d e r U m s o tz in fast sämtlichen Ab- teilungen des Konzerns günstig entwickelt. Bei dem Kamerageschäft haben hierzu die neuen und billigen Typen wesentlich beigetragen. Rur die Abteilungen„Rechenmaschinen" und„Beleuchtungskörner" haben ungünstiger gearbeitet. Umsatzzisfern werden nicht angegeben, doch läßt sich der Gesamtumsatz im letzten Jahr auf etwa 3 3 Millionen Mark schätzen. Bemerkenswert ist der weitere Rationalisienmgserfolg, der in einem verstärkten Abbau der A o r r ä t e zum Ausdruck kommt. Während vor zwei Iahren die Vorräte mit 6,73 Millionen Mark noch 23Proz.desIahres- Umsatzes ausmachten, sind die Vorräte jetzt bis auf 5 4 Millionen Mark, also w'f weniger als 17Broz. des Jahresumsatzes gesunken. Don Geldmangel ist bei Zeiß-Ikon keine Rede. Allein die Bankguthaben mit 2,3 Millionen Mark übertreffen die laufen- den Schulden um«ine volle Million. Außerdem sind an Forde- runaen, Wechsel und Kassenbeständen rund 10 Millionen Mark vorhanden. Die Belegschaft wird ssch ohne weiteres klar darüber sein. daß dieser Glanzabschluß wesentlich i h r W e r k ist und daß sie idren »materiellen Anteil an diesem Erfolg zu beanfvruchen hat. Wir stehen aber nicht an. darauf hinzuweisen, daß bei Zeiß-Ikon gute Berwal- tungsarbeit geleistet worden ist, die vor Jahren bei dem Konzern- Zusammenschluß auch vom Kapital Opfer gefordert hat, um das Unternehmen krisenfest zu machen. Wenn in anderen In- dustrien. besonders in der E i s e n i n d u st r i e, nur entfernt so gut gearbeitet worden wäre, dann hätte es in Deutschland nicht d>e seit Jähren maßlos überhöhten Cifenpreise und die Eisen- kr!s« gegeben. Lohnsenkung ja— Preissenkung nein! Legt end.ich die Lohnguillotine still? Ein deutscher Textilindustrie Her hat, wie dieser un» mitteilt, sieben seiner Lieserauten ersucht, die Preise für noch laufende Lieferungen herabzusehen, nachdem bei den Lieferwerken eine Lohnsenkung um 6 Proz. eingetreten sei. Sämtl'che Liefer. werke, und zwar ohne Ausnahme, haben erklärt, daß sie die Preise trotz der Lohuseatuug nicht herabsehen könnten. Teilweise würde die Preissenkung ausdrücklich mil der Aeststellavz abgelehnt. daß die Löhne bei den Gestehungskosten keine große Rolle spielen. Herr Reichsorbeitsmiaister. wollen Sie Zhren Kollegen Brüning nicht davon in Kenntnis sehen, daß wir aus diese Weise immer mehr in der Krise versackeu müsien? Herr Reichskanzler, wollen Sie Zhren Sollegen Stegerwald uicht endlich die Stillegung der Lohn- guillokine anempfehlen, die einzige Stillegung, die uns in Deutsch- land noch etwa» uüheu kann? Bessere Konjunkiur in USA.? Zunehmende Gtohlerzeugung. Die Beschästigungsvermehrijng in der amerikanischen Stahl- industrie hält an. Die Januar-Crzeugung stand mit 2,48 Millionen Tonnan mehr als 20 Proz. über der Dezember-Er- z e u g u n g, die nur 2,01 Millionen Tonnen betragen ha te. Von der im Januar 1930 erreichtem Ziffer(ZPO Millionen Tonnen) ist das jetzt gemeldete Protmkiion-crgebniis allerdings noch immer weit entfernt._ x I Auslandauftrag für Gchwarhkopff. Die Niederländischen Eisenbahnen haben den Schwartzkoff-Werken in Wildau einen Auftrag auf zwölf schwer« Lokomotiven erteilt. Der Wert des Auftrags belauft sich auf rund IL Millionen Mark. Die Vergebung dieser Lokomotiven war in der Verwaltung der Nieverländischen Eisenbahnen sehr umkämpft, da die holländische Lokomotivsabrsk Werkspoor sich den Zluftrag unter allen Umständen sichern wollte. Den Ausschlag gab aber schließlich der erheblich billigere Preis des deutschen Angebots._ Zni Tariskonflitt in der Holzindustrie finden voraussichtlich am Donnerstag neue Verhandlungen statt. Das Arbeits- Ministerium wlll nochmals einen Bersuch machen, die Parteien ein- ander näherzubringen. Konflikt im Buchdruckgewerbe. Letzter Vorschlag zur Verständigung. Heute finden im Reichsarbeitsministerium die Nochverhand- lungen über den Buchdruckerschiedsspruch statt. Die Unternehmer haben Berbindlichkeitserklärung eines Schiedsspruchs gefordert, der auf die ganze Situation der Lohn-, Arbeitszeit- und Arbeitsloftnfrage wie die Faust aufs Aug« paßt. Eine Verbindlichkeitserklärung würde von der Arbeiterschaft nicht anders ausgefaßt werden, als ein Beweis grob einseitiger Begllnsti- gung rückständigster Unternehmerinteressen. Das Buchdruckgewerbe braucht keine Lohnsenkung. denn weder ausländische noch inländische Konkurrenzverhältnisse fordern eine solche Senkung. Während die Preise 1912— 100 auf 266 gestiegen sind, beträgt die Lohnst«igerung nur 170,1. Der Lohnantell am Produkt ist also auch hier enorm ge- funken. Was das Buchdruckgewerbe braucht, ist W i e d« r e i n- reihung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß: denn rund ein Viertel der graphischen Arbeiter ist ohne nennenswerte Produktionseinschränkung arbeitslos. Der„Korrespondent", das Organ des Buchdruckerverbandes, macht deshalb folgenden Vorschlag: 1. Unter Verlängerung des bestehenden Lohntarifs im Rahmen des Deutschen Buchdruckertarifs erklären sich beide Tarifparteien bereit, zwecks Verminderung der Arbeitslosenzahl der Buchdruckerei- arbeiter betriebliche Vereinbarungen über eine befristete Verkürzung der wöchenllichen Arbeitszeit auf vierzig Stunden mit einem Ausgleich bei übertariflicher Entlohnung von 50 Pro- zent, bei rein tariflicher Entlohnung von 60 Prozent des bis- herigen Lohnes für je eine ausfallende Arbeitsstunde tarifrechtlich anzuerkennen. 2. Auf je vierzig durch Arbeitszeitverkürzung für das bis- herige Buchdruckereiarbeiterpersonal ausfallende Arbeitsstunden ist eine weitere Arbeitskrast einzustellen" Besondere betriebliche Verhältnisse könnten weitgehend berück- sichtigt werden, der Arbeiterschaft wäre durch eine kräftig« Ber- ringerung der Zahl ihrer arbeitslosen Kollegen für eine teilweise Minderung ihres Einkommens eine soziale Genugtuung geboten, die Arbeitslosenversicherung würde entlastet und könnte, wenn das Beispiel der Buchdrucker Nachahmung fände, bald auch an eine Herabsetzung ihrer Beiträg« denken. Würde die Regierung aber über die Buchdrucker eine lohupolikische Diktatur aufrichten, schreibt der„Korrespondent" weiter,„dann wären die Duchdruckereiarbeiter moralisch gezwungen, in anderer Weise als bisher nur von sich aus dafür zu sorgen, daß die Furie des Arbeitslosenelends nicht nur nicht weiter um sich greift, sondern eine wesentlich stärkere Gegenwehr in Ar- beiterkreisen selbst findet. In welcher Form das geschehen wird und kann, ist hier nicht zu erörtern. Sicher wird aber das Berhalten der deutschen Buchdrucker bei eventueller willkürlicher Ausschaltung ihres in jahrzehntelangem Ringen erkämpften Mitbestimmungsrechts in Leistung und Gegenleistung davon abhängig sein, ab ihr guter und ehrlicher Willen und ihre Opserbereitschaft zur Ueberwindung des Elends ihrer arbeitslosen Kollegen nicht nur von Unternehmer- seite, sondern auch noch von der Reichsregierung trotz ver- nünftigerer Ansicht des Reichskanzlers durch lohnpolitischs Diktatur mit Füßen getreten werden!" 4,S9 M Nionen suchen Arbeit. 429000 Arbeitslose mehr. 4 890 000 Arbeiter und Angestellte sind nach dem Bericht der Reichsavstalt Ende Januar in Deutschland erwerbslos gewesen. Einschließlich der Familienangehörigen sind e» also mindesten» 15 Millionen Menschen, deren Ernährern da» nrsprüng- lichste Recht jedes Menschen, das Recht aus Arbeit, genommen ist. In der Arbeitslosenversicherung allein wurden am ZI. Januar rund 2 555 000, in der Krisenfürsorge rund 811 000 hauptunter- stühnuasempsänger gezählt. Die Zahl der Arbeitsuchenden wurde Ende Januar mit rund 4 894 000 Personen ermittelt, so daß sich gegenüber Milte Januar eine Zunahm« um rund 129 000 Arbeit- suchende ergibt. Der Zustrom der neuen Erwerbslosen verteilt sich mit 68 000 Personen ans Saijonaußenberuse und mit 61 000 aus die übrigen Berufsgruppen. Der Zuwach» in der zweiten Januarhälfte ist mil 129 000 neuen Erwerbslosen nur ein Drittel so stark als in der ersten Januarhälfte, wo ein Zustrom von Z81 000 neuen Arbeitslosen elusehle. Die Verlaugfamuug de» Tempos in der Zunahme der Arbeitslosigkeit berechtigt jedoch keineswegs zu irgendwelchen hossnuogeu. Der jetzt erreichte Stand der Gcsamtarbells- losig keit in Deutschland ist vielmehr derart hoch, daß er auch die schlimm st ea Erwartungen übertroffen hat. Dabei kommt der wirkliche Zustand der Arbeilsuol in Deutschland auch in diesen katastrophalen Zahlen noch nicht zum Ausdruck, da die Millionen Kurzarbeiter von den Be- richten der Reichsanstalt nicht erfaßt sind. In Äerlin-Brandenburg 2447 weniaer. Die Belasiuug des Berliner Arbeilsmarkles hatte schon In der ersten Januarhälfte einen Grad erreicht, der kaum noch überboten werden konnte. Milte Januar waren allein in Berlin 468 252 und Ende Januar 467 002 Meuschen erwerbslos. so daß von der gesamten Berliner Bevölkerung— also nicht etwa von den Berliner Erwerbstätigen— jeder Neunte ohne Arbeit war. Zw einzelnen hat sich in der Berichlszeit vom 15. zum ZI. Januar im Bereich de» Landesarbeilsamle» Brandenburg die Lage wenig verändert. Die Zahl der Arbeitsuchenden sank in der Berichtszeit um 244? aus 681 840 Personen. Aus die Provinz Brandenburg entfalle« hiervon 197 40Z und auf die Grenzmark 17 4ZS Personen. In Berlin wurden von den rund 467 000 Erwerbslosen in der Berichlszeit nur 280 564 Personen von der Arbeiteloseuoersichernug uulerstüht, so daß über 187 400 Menschen in Berlin auf die wohlfahrtssürsorge der Sftidt angewiesen sind. Veiriebsratswahl im Siemens-Kleinbauwerk. Sie Spalter an der Arbeit. Unter der Maske der NGO. und des„Einheitsoerbandes" sucht die KPD. die Arbeiter zu spalten. Lohnabbau und Kurzarbeit sollen der KPD. dabei Helsen. Zluch im Slemens-Kl«inbauwert hofst man, die Arbeiter werden auf den üblichen Kominunistenrummel hereinfallen. Zur Betriebsratswahl im Kleinbauwerk wurden innerhalb acht Tagen acht verschiedene Flugblätter von der KPD. herausgegeben, worin die im Betrieb tätigen Gewerkschaftsfunttio- nör« beschmutzt und verleumdet werden. Wir wollen die Methoden der KPD. nicht nachahmen: aber einige Tatsachen seien hier registriert, die den Führer der „Opposition" kennzeichnen. Obwohl der Werkssicherheitsdienst diesen„Revolutionären" diverse Gegenstände, weil Eigentum der Firma, abgenommen hatte, wurde er im Gegensatz zu anderen Arbeitern, die bei dem geringsten Eigentumsoergehen sofort entlassen wurden, durch Fürsprach« seines Onkels(«in der Firma sehr nahestehender Herr) dem Betrieb er- hallen."In einem anderen Falle nahm er weinend und schluchzend die Hilfe seiner Kollegen in Anspruch. Der bis jetzt bestehenden Einheitsfront glaubte dieser RGO-Vertreter durch Auf- st e l l u n g einer K P D.- L i st e zur Betriebsratswahl im Sinne seiner Austraggeber«inen Schlag oersetzt zu haben. Obwohl er im ganzen neun Personen als Kandidaten für die KPD.-Lifte aufgebracht hatte, waren in der Betriebsversammlung nur sieben Personen, die für seine Liste kandidierten, die übrigen vierhundert Anwesenden hatten sein Spiel durchschaut und stimmten geschlossen für die Liste Nr. 1. Man kann hosten,.doß sich diese Geschlossenheit auch bei der Betriebsratswahl bewähren wird. Oer Streik in Kiel beiqeleat. Wie berichtet, waren die Kieler Brotfabriken und Brauereien am Montag in den Streik getreten, da sie den Schiedsspruch, der eine 5- bis 6prozentige Lohnherabsetzung ab 1. März vorsah, ab- gelehnt hatten. Vor dem Hamburger Schlichter Dr. Stenzel fcyiden »och am Montagiiachmillag Verhandlungen stall, die zu einer Einigung führten. Danach sollen die gegenwärtigen Lohne erst ab 1. April dieses Jahres gesenkt werden, und zwar allgemein um 5 Proz. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks finden nicht statt. Achten«, Ta»e,i»cr! Margen. Donnerstag. Ig Uk>r, Versammluna s-imt- »chcr Dapezierbranchen in Dürings Ukstsälcn, Nannnnstr. 27. Bericht von der Z!erl>an.dl>lng vor dem Echlichtungsausschvn und Besch», älaffung Uber den Schiedsspruch. Die Branchenleituup» f Freie Gewerkschakts-IuoenSRerlin Mittwoch, 19*4 Ubr. tagen die Gruppen: Baums�ulenweAZ Zuaendkzeim Ernftstr. 16. Jeder erzzählt ctons aus feinem Beruf..— Renrclln: Gruvp�nhe'm Bcrgstr. 25 part. Sostmannn komm'.— ELd. weste»: Ctiidt. Jugendheim Porckstr. 11 sssabr'kqebäi'de). Berlin, wie es weint und lacht,— Flughafeu: Jugendheim Neukölln, Nuahafenstr. 68. Bortrag: �Die Glitwicklnngsgeschichte der Erde."— Weikensec: Iug'ndherm Parkstr. 36. Arbeitcrdichter auf Cchallplatten.— Nordrinq: Jugendheim Sannen burger Straße 20. ÄarM�tlinger.Abcnd.— S�önederg: Jugendheim Lauptstr. 1Z. ,-Der Kapp-Putsch und die freien Gewerkschaften."— Kumboldt: Jugendheim Graun-- Ecke LorhiNgstraße.„Die Gewerkschaften In England."— Tegel: Jugendheim Tegel, Cchönebergcr Str. 4 Diskussioneabend:..Warum bin ich rn der ssCDI?"— Zugendgruppe de« Eesamtvcrbandes, Fachgruppe Gärtnerei- Jugendheim Engelufcr 24—23, Ausg. B, part. 20 Uhr Lichtblldervortrag: .Oeffentliche Grünanlagen im Nahmen des Städtebaues". 2. Teil. Ta�-gruppe Kommunalbeamte: 19�4 Uhr Jugendheim Engelufer 24— 25. Vortrag:»Liepe als Erzieher". Referent Obermagiftratsrat Dr. 5lobrak.— Zugerdgruppe de« Deut» schen Metallarbeiterverbaude«: 20 Uhr Zugendveranslaltung in der Kultur. abteildng. @.�Ut>endan'vpe oes�entralperl-anves der Anoe«?eilten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gestmd» d tonnen: Sugenichrim MIdcvowsir. 5. ArbcUsacmcinschaft:.Ein- fUStling m die foaiot'ft(die ffiedanf.'nrocH". Leiter: Wilbelm EcroinsH.— Setnirfcnbotf: Jugendheim Lindaucr Str. 2(Baracke). Aussprackeadend: „Jugend und Alloliol". Leidet! Siegfried IMkri.— c�-rlottenburg: Jugend. Bciin Zosincnsk. 4. Ausspeacheabend:..Die Arbeit in unserem Bezirk".— Tchöueberg: Jugendheim Lauptstr. IS cLofgebäude, Sachsenzimmer). Bortrag: ..Domoloatie-der Dikta-ur". Deferent Artbur Dackow— SchZnb-nset Bor. stadt: Jugendheim der schule Kastanienallee A. Tagespotitische Rundschau— Oberspree: RiederschSneweide."Berlimn; Str. 81 rSckmlc), Eingang Kastelwerdet. strafte. Wir spielen aus dem Stegreif.- Nordost: Zugendheim T-nziger Strafte 60»Baracke 3). Ausspracheabend über..Die sozialistische Weltanschau. u„a.— Stralau: Jugendheim der Schule isoftlerstr. 61. Arbeitsgemeinschaft: ..'üilMbrung in die sozialistische Gedanleuwelt". Leiter: O-to Lamm.— Reu- kein: Zugendheim Böhmische Str. 1-3, Ecke«anner Strafte. Bortrag:..Wirt. tchaitskriie und Arbeitslosigkeit— die Forderungen der freien Gewerkschaften zu ihrer Aisteil mm". Reserent Kurt Krause.— Sudost: Zugendheim Wrangel« strafte 128. Bortrag:..Neue Zeit- neue Menschen". Referent Zrift Weigelt.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Vortrag:„Die internat onale Gewerk- schaftsbewegung". Referent Karl Lehrer.— Potsdaw-Rawawes: Jugendherberge Nowawes, Priesterftrafte.„Ein Streiszug durch die heutige schöne Literatue uud das heulige Theater."— Köpenick: Jugendheim Dahlwifter E-r. 15 i Gasanstalt am Bahnhof Köpenick:. Wir Oben neue Lieder.— Karten zur Zugendvorstellung der Vollsbühne am 22. und 29. 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GASWERKE AKT.-GES. „Die schöne Helena' Jacques Olfenbachs Operette im ROSE TH E ATER Orot« Frankfurt*, straft* tu BUlmkuw: Alex. 3423«.3484 „BOhnenbllder verblQf- fend In Ihrer rrn«bf."— „Eis Torbildlldte* Ensemble, wie man e* heute an ersten BOhnen leider zu oft eermlht."—„Ganz Berlin sollte zu Kotes wandern, um,>le schöne Helena' sich anzutefaen." —„Eine Mctstcrlelslong des Ensembles.*' Wocher, taRsBeginn S-ISUhr Sonnabds.lUhru 10 ISUhr Sonntags 2.30. 5.4S u. 9 Uhr Preise von 50 Pk. bis 3 M. BEGINN 1930 UHR j| EINTRITT FREI! ■11111111 VERLOSUNG! | Theater�Lk�pieie Mittwoch, II 2 Staats-Oper Unter d. Linden 163. A.-V 20 Uhr Nadame Boflerfiy Ende g.221/juihr Staats-Oper im Plitt kr Brpuilll. V-B l«r.j Uhr Rigoietto BtüntL Kirtnnituf Ende g. 22 Uhr Mittwoch, II. 2. Stadt oper Bismarck str Turnus I lOti Uhr Die Afrikanerin Ende 23 Uhr Staati. Scbaiuah. (im üntuMBurtll. MO A.-V. 20 Uhr Die luogfrau von Orleans Ende n. 32-/. U. 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Der Verstorbene hat in jahrzehntelanger Arbeit als Sachverständiger und Berater an der Entwicklung und dem Ausbau des Berliner Verkehrswesens führenden Anteil genommen. Er war bis zu seinem Ableben für den Berliner Verkehr tätig. Wir werden das Andenken des Verstorbenen stets in hohen Ehren halten. Aufsichtsrat und Vorstand der Berliner Verkehrs- A.-G. Nach langem schweren, mit Geduld ertragenen Leiden verschied im 64 Lebensjahr, am 9. Febr., 7 Uhr morgens, mein inniggeliebter Mann, unser herzensguter Va er, Bruder, Schwiegervater, Onkel und Opapa, der Pensionär Gustav Hamann Dies zeigt an, in tiefer Trauer, im Namen aller Hinterbliebenen Erkner, den 11. Februar 1931. Frau Amalie Hamann. Die Trauerfeier findet im Krematorium Baumschulenweg, Sonnabend, den 14. Februat, nachmittags 4 Uhr, statt Verband der graphischen Hilfsarbeiter u.-arbeiterinnen Ortsverwoltung Berlin s S 42, Luisenufer 37 [ Am Donnerstag dem 12. Februar, nachm. VgS Uhr, findet im Berliner Clubhaus, Ohmstraße 2 eine Versammlung aller Buchdruck-Funktionäre statt. Tagesordnung: Berichterstattung von l den Lehnverhandlungen. 8.1 der Widiligkeif der Tagesordnung ist das Erscheinen | aller Budidruck-Funkfianöre notwendig.— Oer Umschlag der den Funkllondran Inzwischen zugegangenen Einladung und das Mitgliedibuch gelten als Ausweis. Mit kollegialein Gruß Der Ortsvorstand O. G I o t h. Am 7. jjebntac. nachm<«/, Uhr, nee- schieb nach langem, schwerem Sieben mein lieber Mann, umee lieber Baier Franz Kowsky Im 52. Lebensfahre Die Hinterbliebenen Johanna Kowsky und Kinder. Die dxnaicheiung ftnbet Mittwoch, ben 11 ffebtuor, nachm. 5 Uhr, tm Armnatoruirn Baurnschulenweg statt Allen Asrnnmbtan. Freunden unh Besannt en die traurige Nachricht. ba& ttttlew liebe, gute Mutter, Droßmutter. Ucgtoftmatter, Schwester nnft Dante Anguste Grimberger geb. Zöllner am Sonntag fanjt und unerwartet entschlafen ist. Um stille Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen: Karl Grimberger NW 6. Ghariteur. 3 Bestattung: Donneretag. 12. F«> bruar. 14.30 Uhr, auf dem Friedhof in Neinidenburf, Hurnboibtstraße. üeiittliies»elZllsiIieiles-Veilisvl! Verwaltungsstelle Berlin Tectosanxeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Kollege, der Arbeiter Arthur Schulz am 7. Februar gestorben ist Di« iruiaicherung findet am Mitt- mach. II. Februar, inliiago 12 Uhr. Im Krematorium Baumschulenweg statt. Am 8. Februar starb unser Kollege, der Di eher Paul Matzschke Die Beerb igung findet am Mittwoch, dem IL Februar, 15 V» Uh». von der Leichenhalle des Neuen Iafobi-Kirch- Hofs in Neukölln aus statt. Am 5. Februar starb unser Kollege, der Bohrer Leopold Schwarz Die Sinäicheruiig findet am Mitt- woch, dem II Februar, 19 Uhr, im Krematorium Eerichtslraße stall. Am 3 Februar starb unsere Kollegin. die Arbeiterin Luise Bräuer geb. 24 Miir, 1891. Die Beerdigung findet om Donners» rag. dem 12. Leid Februar. 17 Uhr. von der de« ichen halle des Kreuz-Kirchhoses i» Martendori, Stseuacher Str., aus statt. Ehre ihrem Anhentcn: Rege Beteiligung wird erwatteL via Ortsverw nltunx. KteiNe IIIIll»IiIIlII!IIHII!UIilIUUUIiNlUH!llINIlllillIttllllUlllNlIlllUllll!IUIUU>llUllliIUillM»IUIIUltllIlUllUlIiv!UlMIIiIi! Ubcrftchrlfttwort 2s Ffennlg, Textwort 12 Pfonnig Wiedarholungsrabott: 10 mal 5 Prox-, 20 mal oder 1000 Wort« Abschluß 10 Pror., 200U Wort« 15 Proz., 4000 Wort« 20 Prot. ✓ St«ilengesuchei öborschriftswort 15 Pf� Toxtwort 10 Pf. ✓ Anzelg«n# welch« för dl« nächste Nummer bestimmt sind, rrussen bis AVtUhr nachm. tm V«rlag, Underwtr. 3, oder auch in sämll. Vorwärte-Filialen und-Au*gob«st«ll«n abgegeben sein uerißiile Tenpichha-« Emil Scfente. Berlin. seit 1882 nur Oranienstrafie 133. .�ahlniiasetleichtr. tung ohne Auk- schlag. Neuer Kg!a wa kostenfrei._• moDsi Tapeten. Szillat. Kolonie sttaße Z Kochherde! eiserne. Gas, Kohl« jeder Art. Bade� einridstung, Teil. aahlung. Wasch- fessel. 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