BERLIN Mittwoch 11. Zebniar 1931 10 Pf. Nr. 20 B 35 48. Jahrgang Erscheint täglich außerSvnntags. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugsoreis beide Ausgaben 8a Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Txoedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 „Ibwasfa Anzeigenpreis! Die einspaltige Noiirareillezeile 80 Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheckkont»- V»rwän«-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7636. Fernsprecher: Dtnboff 292 bis 297 Die gwße„nationale" Eselei Auch Rechtsblätter verurteilen sie! Welche Eselei die �nationale Opposition" mit ihrem Auszug an» dein Reichstag begangen hat, zeigt schon die Haltung der Rechts- presse selbst. Sie ist gespalten. Di« drei unter der Fuchtel H u g e n- bergs stehenden Blätter, Lokal-Anzeiger"„Tag" und„Deutsche Zeitung" müsien den Ausmarsch verherrlichen. Die„Deutsche Tages- zeitung". das Landbundorgan, und die beiden Unternehmerblätter „Berliner Börsenzeiwng" und„Deutsche Allgemeine Zeitung" oer- urteilen ihn. WirNich begeistert ist nur die„Deutsche Zeitung". Sie bringt das Ganze unter der Ueberfchrift„D er Reichstag gesprengt." Aus den beiden anderen Hugenberg-Blättern klingt es schon viel gedämpfter. Die„Deutsche Tageszeitung" gibt der Befürchtung Ausdruck, daß bei längerer Abwesenheit der Rechtsparteien„die Landwirtschaft noch stärker als bisher von dem guten oder schlechten Willen der Regierung abhängen wird". Auch die Stellung der Sozialdemokratie werde mir gestärkt werden. Die„Berliner Börsen- Heute spricht Reichstagspräsident Lobe. 3m Programm der Aktuellen Abteilung der.Tuuk- S tau de fvortragsreihe„wovon man spricht") wird heute. Mittwoch, den 11. Februar, Uhr, Reichstagspräsident Löbe über„Die neue Geschäflsorduuug und die Arbeits- söhigkeit de» Reichstag»" sprechen. zeihing" bezweifelt,„ob der Ausmarsch opportun und im Interesse der Nation ist", lind die„Deutsche Allgemeine Zeitung", die vor kurzem noch nahe daran war, sich Hitler an den Hals zu werfen, warnt jetzt vor„G r ö ß e n w a H n s i n n". Die sogenannten„nationalen" Journalisten haben gestern zu- gleich mit ihren Abgeordneten den Reichstagssaal verlassen. Die Hugerckerg-Presse hat kein Wort von der außenpolitischen Debatte berichtet. Der„Tag" freilich meint etwas kleinlaut: Wahrscheinlich wird uns allerdings der Inhalt der Curtius- Rede zu einer eingehenden kritischen Stellungnahme zwingen. Wir werden morgen hierauf zurückkommen. Offenbar sind die Journalisten Hugenbergs in der peinlichsten Verlegenheit. Sie warten nur darauf, daß sie durch die Rückkehr der Dcutschnationalen in den Reichstag aus ihrer lächerlichen Situation befreit werden. Der von Hugsnberg unabhängige Teil der Rechtspresse hat den Unsinn natürlich gar nicht niitgemacht. Die P r e s se der Mitte ist aus einen ironischen Ton ge- stimmt. Den„Geflüchteten" ruft die„Germania" nach:„Wir haben keinen Verlust zu beklagcp, und das Wiedcrerfcheinen der Rechtsradikalen wird kein Gewinn fein." Besonders schlau ist, wie immer, die„Rote F a h n e". Ihrem Scharfblick entgeht nun einmal gar nichts! So hat sie auch diesmal wieder richtig herausgebracht, daß die verruchte SPD. an allem schuld hat.„Die Arbeiterschaft", schreibt das hellsichtige Blatt,„darf sich durch dieses Manöver nicht täuschen lassen." Denn die Sozial- demokratie führt ihre„kleinen Scharmützel mit der Nazikonkurrenz" nur, um die Arbeiter vom wirklichen Kampf abzuhalten. Brüning steckt nämlich mit den Nazis unter einer Decke, die Sozialdemokraten aber— na, man weiß schon Bescheid! Ein Glück mir, daß die „Rote Fahne" es mit allen aufnimmt: Sie wollen den Bürgerkrieg. Sie sollen sich dann nicht be- klagen, wenn die Arbeiterschaft mit ihnen so vcr- fährt, wie es nun einmal Äriegsbrauch ist. Wenn jetzt Brüning und die Sozialdemokratie unterlassen, Schulter an Schulter mit den Nationalsozialisten den Bürgerkrieg zu beginnen, so sicher nur darum, weil die„Rote Fahne" sie recht- zeitig gewarnt hat! Nur em bißchen Theater' Ueber die weiteren Pläne der„nationalen Opposition" weiß die „Pommersche Tagespost" zu berichten: Die Nationalsozialisten haben, wie man hört, die Absicht, bis auf einige Bcobachtungspastcn im Reichstag. Berlin überhaupt zu verlassen, auch an den Ausichußverhandlungen nicht löirner teilzunehmen und sich nur bereitzuhalten, UNI auf telegraphische Anforderung hin wieder>n den Reichstag vorzustoßen, wenn es gilt, irgendeinen neuen beimtückischeii Anschlag gegen die Opposition abzuwehren. Die Deuts-bnationalen werden sich voraussichtlich das Spiel der Mitte und Linken aus größerer Röhe ansehen und vielleicht etwas häufiger an den Plcnar- und Ausschußsitzungen teilnebmen. als Aufpasser sozusagen, damit sich die Aoung-Mehrheit nicht allzu sicher fühlt. Hugenberg als Horchposten für Goebbels. Dos ist mich ganz gut! Das deutsche Panama Oer Klaggenverrat des Reederkapitals vi« Reederei Bogemann ist mit ihren zwei Schissen, rund S000 Br.-R.-T.. unter die Flagge des nordamerikanischen Vasallenstaates Panama geflüchtet. Dieser Fall hat in der presse eine hoffentlich heilsame Erregung hervorgerufen. Gewiß Ist es ein„Stück deutschen Boden»", da» verloren geht, die Fahnenflucht ist auch ein „nationales verbrechen"— aber dies Verbrechen geschieht jeden Tag. Für Seeschisse beslehl kein Anifuhrverbot. Vogemanu verletz! kein geschriebene» Gesetz. Er will sich als Deutscher vor den Steuern und den Lasten der sozialpolitischen Gesetzgebung„retten". „Togtiand" in Panama Dos Heck des Dompsers„Vogtland" mit der Flagge und der neuen Heimatsvezeichnung von Panama. schließlich ein verbrechen, das alle deutschen ttapilalislen begehen möchten. Er gehl nur elnen neuen Weg, Löhne zu sparen— Lohndruck ist heule doch der Gipfel wirtschastspolitischer Slaalskunsl. Ueber die Hintergründe dieses Flaggenskandals und seiner Vor- ganger erfahren wir aus dem Vorstand des Gesamtoerbondes der für die Schiffahrt Zuständigen Gewerkschaft noch folgende Einzel- heilen: Der Fall Vogemann ist typisch für das„Nationalgefühl" ge- wisser kapitalistischer Kreise. Wenn zum Beispiel die Rheinprovinz nicht röcrt ist. eine Wirtschaftskrise durchzukämpfen wie Herr Thyssen, der ist sicher alles andere eher, denn ein Patriot. Herr Vogemann kann sich sogar geirrt haben, wenn er glaubt, allein an Lohn LZ Pro,z. zu sparen. pan..ia hat keine Secgesehgebung. Also ist nicht nur der Reeder, sondern auch der Seemann von Pflichten befreit. Wenn Vogemann die richtige Besatzung bekommt, kann ihm der Spaß recht teuer werden. Will die Reederei aber Schutz genießen, dann kommt nur die USA.-Gesetzgebung in Frage, und vor dem seemännische» Recht der USA. schlagen die deutschen Reeder die Kreuze... Die Löhne und die sozialpolitischen Lasten dürtten erst in zweiter Linie Vogemann zur Flucht veranlaßt haben. Als Reeder weiß er, daß es auch Schisse unter deutscher Flagge gibt, die sich aus ganz„legalem" Wege vor dieser Last drücken. Die Bremer Hansa-Linie hat zum Beispiel aus 300 000 Tonnen farbiges Personal. Es droht die Gefahr, daß die Werften Gelder aus öffentlichen Mitteln zum Neubau von Schiffen bekommen. Schon einmal bekamen die deutschen Reeder 50 Millionen Mark und sie bauten zum Teil Schisse, aus denen nicht deutsche Seeleule, sondern Farbige sahren, zu Löhnen, die 66 proz. unter den Tariflöhnen liegen. Aber diese Reeder bleiben weiter brave Deutsche und Patrioten— weil sie wenigstens Stenern zahlen. Das peinliche Aussehen, das der Fall Vogemann erregte, sollte der Regierung zu denken geben. Sollte es keine Mittel geben, die Verschiebung deutscher Schisse unter ausländisch« Flagge, die ja nur Schiebung und kein echter verkauf ist, in ihren steuerlichen und sozialpolitischen Folgen unmöglich zu machen? Wir müssen diese Frage stellen, obwohl wir fürchten, daß sie mühig ist. Dort, wo die Regierung die Macht hat, solche Schiebungen unmöglich zu machen, macht sie von ihr keinen Gebrauch. Im Gegensatz zu den Seeschiffen ist die Ausfuhr von Binnenschiffen noch immer verboten. Trotzdem vergeht kein Monat, in dem nicht deutsche Rheinschisse plötzlich die holländische Flagge zeigen, lieber die Art, wie diese Flaggcnänderung vor sich geht, ließen sich lange Artikel schieibcn. Für heute genüge ein Wort des Herrn S t e g e r w a l d, als er noch Reichsvcrkehrsminister war. Er nannte eine solche o s f c n- bare Schiebung„eine Verständigung zur Vermeidung un- wirtschaftlichen Wettbewerbs... Eins solche internationale Wirt- schoftsverständigung muß... als erfreulich bezeichnet werden". Der Nachweis ist erbrachl daß die Reedcrlandsche Sloombool Reederej eine Tochtergesellschaft der deutschen Schieber ist. Die Aktien befinden sich in den Händen der deutschen Firma, die Aufsichtsratsmitglicder und der Generaldirektor sind hüben und drüben dieselben Personen. Durch den Flaggenwechtyl wurden 60 deutsche Binnenschiffer erwerbslos. Nach dem Rheingutachten sind 40 Proz. der holländischen Binnenschisfahrt in deutschen Händen, ebenso 80 Proz. der kleinen Schweizer Flotte. Im Handelsblatt der„DAZ." wurde kürzlich bemerkt: „Die Reubautätigkeit der deutschen Reedereien hat sich allerdings sehr oft unter fremde Flagge verlegt. Deshalb konnte die Schlpeizcr Flagge nach dem Kriege mit 80 000 Tonnen und 6000 PS. neu auftreten und die holländische Flagge um 1,5 Millionen Tonnen und 57 000 PS. zunehmen, während die deutsche Flagge nur einen Zuwachs von 170 000 Tonnen und 33 000 PS. erfuhr." In der Rheinschifsahrt ist also auch schon der zweite Weg be- schritten worden, deutsches Eigentum vom Beitrag zur Behebung der deutschen Not zu befreien. Diese Schiffe kommen gar nicht erst unter deutsche Flagg«, sondern sind von Geburt Holländer. Wie bei Vogemann ist auch bei den deutschen Rheinreeder», unter denen Namen wie Stinnes, Thyßen, Haniel usw. glänzen, die Triebfeder Abneigung vor anständigen Löhnen. Die holländischen Binncnschisferlöhnc liegen 30 bis 10 Proz. unter den deutschen. Die Rlzcinreeder haben erst in dielen Tagen bckamitgegeben, daß nicht nur die deutschen Löhne, sondern auch die Arbeitsbedingungen und sozialen Tarifbestimmungen dem holländischen Maß angepaßt werden müssen. Geschehe dos nicht, bleibe nur die Flucht unter holländische Flagge. Die Drohung ist ein E r p r e s s u n g s m o n ö v c r. das die Pa- trioten in die Unternehmerfront zwingen soll. Daß die Rheinreeder die Binnenschiffer zu Wasserzigeunern machen, küm- mert die bürgerliche Presse nicht. Ihr Gefühl für nationale Würde reicht nicht s o weit, zu erkennen, daß Hungerlöhne und Ar- beitsbedingungen, wie sie vor 30 Jahren m der Schiffahrt üblich waren, die Flagge schänden. Eine Ration, die etwa» auf sich hält, eine wirklich nationale Regierung müßte Schiffe« mit Arbelts- Mld Lohnbcdingungen, wie deutsche See- und Binnznreeder sie er- zwinge» wollen, die Führung der deutschen Aarben untersagen. Unternehmer, die ins Ausland gehen, weil sie die Folgen des Krieges nicht tragen wollen, des Kriegs, den sie zum großen Teil begrüßt haben, sind keine Deutschen. Was nicht hindert, daß der größte Teil der bürgerlichen Presse Herrn Loge- mann entschuldigt, wie sie die Rheinreeder entschuldigt— mit dem Hinweis, daß Steuern, Löhne und Soziallasten die Unternehmer erdrücken. Dieses Panama auf der„Poigtland" ist ein Panama der deutschen Sozialpolitik und des deutschen Nationalstolzes! Aufräumen im Reichstag. fteiier Vizeprasideni.— Flottes Arbeiten. Der Acltestenausschuß des Reichstags hielt heute uonuiitag eine Sitzung ab, in der man auch zu der durck) das Verlassen des Reichstags durch die Nationalsozialisten und.Deutschnationalen ge- schaffen«» Lage Stellung nahm. l!s wurde beschlossen, am Donners- tag die Neuwahl eines Vizepräsidenten und auch zweier Schriftführer vorzunehmen, deren Posten durch die Niederlegung der Nationalsozialisten sreigeworden sind. Die in den Ausschüssen frei- gewordenen Aemter der Vorsitzenden werden van den bereits vor- handenen Stellvertretern übernommen. Bisher waren Vorsitzende Frick im Auswärtigen Ausschuß, Frank II im Rechisausschuß, Straßer im Ausschuß zur Ueberwachuug der Rechte des Reichstags, Jabricius im Wohnungsausschuß. In der heutigen Sitzung des Reichstags wird die außenpolitiiche Aussprache abgeschlossen werden, auch die Abstimmungen sollen heute noch stattfinden. Morgen wird nach den Neuwahlen zum Präsidium die Beratung des Haushalts des Wirtschasts- Ministeriums begonnen. Es folgt der Haushalt der Justiz, verbunden mit der dritten Lesung der Aenderung des Pressegesetzes. Außer dei» schon bestimmten drej plenarsitzungsfreien Tagen vom nächsten Montag bis Mittwoch sollen auch der 27. und 28. Februar von Plenarsitzungen freibleiben. Der Aeltestenrat beschloß außerdem, daß künstig die Bericht- erstattung aus dem Auswärtigen Ausschuß an das Plenum mir auf die Fälle beschränkt werden soll, in denen das Plenum dem?s»s- schliß bestimmte Vorschläge überwiesen hatte. Verpuffter Streik. Razi-Oeutschc fehlen im AaushaltSauSschuß, deshalb wird aearbeitet. Der gestrige Auszug der Nationalsozialisten und der in ihrer Hörigkeit stehenden Deutschnationalen aus dem Plenum des Reichstags gab auch der Sitzung des Ausschusses f ii/ d e n Reichshaushalt am Mittwoch ein anderes Gepräge als sonst. Denn die Plätze der beiden streikenden Parteien blieben auch im Ausschuß leer. Wenn das in der Erwartung geschehen sein sollte, dadurch die Arbeiten des Ausschusses lahmzulegen, so erfüllte sich diese Erwartung nicht: denn da alle übrigen Fraktionen voll- zähkig erschienen waren, blieb das Fehlen der sieben Nationalsozia- listen und der zwei Dcutschnativncllen für die Beschlußfähigkeit ohne Belang. .. Zunächst wurde die a l l g e in e i n e Aussprache, über den .Haushalt des Relchsfinanzministenums zu Ende geführt- In ihrem Verlauf führte der Abg. Dr. V ölt er(Soz.) eine Anzahl von Fällen cm, bei denen das Finanzministerium mit großer Rigorosität Logen Beamte vorgegangen sei. Er verlangte einen anderen Kurs in solchen Fragen, und dies um so mehr, als das Finanzministerium neben dem Innenministerium das maßgebende Veamtenministerium sei. Seine Frage, wie sich das Finanzministerium die Lösung der noch schwebenden Beamienfragen denke und ob dein Reichstag bald darüber eine Denkschrift zugchen werde, blieb zunächst unbeant- wartet Dr. Völter wies dann auf die Schwierigkeiten und die Ver- ichiedenartigkeit der Ilebernahme von Beamten vom Reich auf die Länder und umgekehrt hin und regte dringend an, dieses Problem durch ein Uebernahmcgesetz einheitlich zu regeln. In der Spezialdebatte brachte die Sozialdemokratie eine Entschließung ein, in der die Reichsregierung ersucht wird, die bei den Hoheitsverwaltungen des Reiches über zwölf Jahre tätigen lveiblichen Angestellten dergestalt in das Beamtenverhältnis zu überführen, daß sie an den Stellen des einfachen und mittleren Bürodicnstes prozentual beteiligt werden. Die Entschließung wurde von Frau Bohm-Schuch ausführlich begründet, und die be- sonders von der Dolkspartei und dem Zentrum erhobenen Einwände wederlegt. Bei der Abstimnnmg verfiel die Resolution indessen der Ablehnung. Kränzen verbleiet.., Furcht vor dem Reichsbanner-Aufmarsch? Braunschweig, fll. Februar.(Eigenbericht.) Oer Roziminisler Franzen ha« durch dos Braunjchweigcr Polizeipräsidium den für den ZZ. Februar geplanten Aufmarsch des Reichsbanners und dessen Kundgebung unter freiem Himmel verboten. Dabei holte das Reichsbonner als erste Organisation eine schriftliche Anmeldung für diesen log eingereich«. Die Veranstaltung der R a z i p a r t r i, dir für den 22. Februar ihre gefamtea Sturmabteitungen Riedersachsen» zusammentrommeln wollte, gab Franzen willkommenen vorwand, die Reichsbannerkundgedung zu verbieten. Wohlgemerkk: die Kundgebung: das Reichsbanner bteibl? Abkehr von der KPO. Sie Folge der Senosscnschaftszerstörung. Die Kommunistische Partei in Halle hat sich bemüht, auch den jtonsumverein in Ammeildorf, einem rund 14 000 Einwohner zühlen- den Industrieoorort von Halle, jetzt in die Konsumpleite mit einzu- beziehen. Die bisher kommunistische Leitung erhielt von der kom- »mniftijchen Bezirksleitung den Befehl, künftig proletarische und nicht r e j o r m i st i s ch e K o n s u m v c r« i n s p o l i t i k zu betreiben. Am Sonntag hoben die Äonstnnvereinsmitglieoer in ühersüllte» Aersomn'.lungen sich mit der Forderung der KPD. bc- ichäsügt und mit 773 gegen 66 Stimmen der aus der KPD. wegen „Eiszipftiibruch* ausgeschlossenen Gcsehöftsleituing das Vertrauen ausgesprochen und die Befolgung der kommunistischen Anweisungen für den Annnendorfer Konsumverein abgelehnt. Dos Abstimmungsergebnis ist insofern besonders bemerkenswert, als auch die Konsumgenossenschaft Ammendorf bisher ausschließlich unter dem Einfluß der KPD. stand und die Sozialdemokratie von der Teilnahme an der Berwaltung vollständig ausgeschaltet war. Auch die türkische Regierung hat beschlossen, der Einladung zur Teibrahme an der Europa-SludienlomniWou Folge zu leisten. Eine entfpvechendr Antwort wird nach Genf übermittelt werden. Curtius' pariser Echo Geheul rechts, Sachlichkeit links. Paris, 11. Februar.(Eigenbericht.) Die Programmrede des Reichsaußenministers Curtius hat, wie schon die ersten knappen Pressekommentore zeigen, i» Paris sehr starken Eindruck gemacht. Die Stimmen der bürgerlichen Blätter sind allerdings mir wenig freundlich. Selbst der „P e t i t P a r i s i e n" findet, daß Curtius die Forderungen Deutsch- laiids mit allzu großer Eindringlichkeit vertreten, daß er„allzu viele Pünktchen über die i gesetzt" hätte, um oadurch nicht den friedlichen Beziehungen unter den Völkern zu schaden. Die Rechtspresse stimmt ein wahres Triumphgeheul an, weil die Deutschen angeblich mit unleugbarem Zynismus„ihren leiden- schaftlichen Revaiichewillen" noch einmal betont und auch schon die Verleugnung des Poung-Plones angedroht hätten. Lrtand werde also, so schreibt Pertinax im„Echo de Paris", entweder auf seine Idee der Europa-Föderation mit Deutschland verzichten, oder ober Deutschland zuliebe mit eigener Hand an der Zerstörung der Verträge mitarbeiten müssen. Bnond sei aufs schönste von Deutsch- land dafür belohnt worden, daß er sich bemüht habe, ihm noch vor wenigen Tagen eine Finanzhilfe zuteil werden zu lassen. Um so erfreulicher sticht die Ruhe und Sachlichkeil der Linkspresse von dem wilden Haßgeschrei der Patrioten ab. Das„Oeuvre" betont, daß es ganz natürlich sei, wenn der Besiegte die Probleme des Friedens unter einem anderen Gesichts- winket betrachte als der Sieger. Man. brauche sich nur daran zu «rinner», schreibt das Blatt weiter, daß«inst die französischen Patrioten drei Wochen naä) Krieg'-beginn die deutschen Truppen, die angeblich nichts mehr zu essen hatten, mit einem Lutterbrok liesiegen wollten. Damals hielten es die Patrioten für durchaus verständlich, daß Deutschland, obwohl es den Krieg angeblich bis aufs kleinste vorbereitet und gewollt habe, schon nach drei Wochen der Nahrungsmittel ermangele. Heute aber wollten die gleichen Leute es nicht annehmep, daß Deutschland unter der Wirtschasts- krife mit 5 Millionen Arbeitslosen schwer zu leiden habe. Die radikale„R« p u b l i q u e" protestiert dagegen, daß die nationalen Hetzer, wie Mandel und Franklin-Bouillon aus französischer und die Nationalsozialisten auf deutscher Seite wieder dabei seien, die beiden Völker zu entzweien.„Wenn wir die„Haßschreicr weiter am Werk lassen, werden unsere Söhne wieder in einen neuen Krieg ziehen müssen." Englischer Abrüstungsschritt in Paris. Paris, 1l. Februar.(Eigenbericht.) Der englische Abrüstungsdelegierte E r a i g i e ist am Dienstag in Paris eingetroisen, um die französische Regierung im Austrage Macdonalds aufzufordern, neue Fiottenver Handlungen mir Italien einzuleiten. Wie das„Echo de Paris" berichtet, be- fürchte England ein neues Rüstungswettreiinen zwischen Frankreich und Italien. Während des Rüstungvstillstandcs in den legten fünf Monaten des vergangenen Jahres habe Italien an im Bau befindlichen Schiffen 54 000 Tonnen, Frankreich dagegen nur 26 000 fertigstellen können. Italien habe also im letzten Jahre das Rennen gewonnen und�o glaube England jetzt befürchten zu müssen, daß Frankreich darauf reagieren werde. Der große Widersinn Vortrag über die Arbeitsdienstpflicht in der Technischen Hochschule In der Aula der Technischen Hochschule sprach aus eine Aufforderung der Freiheitlichen Studentenschaft hm Genosse Dr. N ö l t i n g- Berlin über die Arbeitsdienstpslicht, nachdem vier- zehn Tage zuvor Oberstleutnant Winkelmann vom Stahl- Helm auf Ansuchen der Großdeutschen Sttidentenschast die gleiche Frage behandelt hatte. Nölting sührte aus.- Wir leben in einer Zeit typischer Falschbuchung und politischer und wirtschaftlicher Falschmünzerei. So sei es falsch, die Wirt- schastskrise einzig aus die Reparationstribute zu schieben. Gewiß seien sie schlimm und stellten«ine Transfusion roter Blutkörperchen von uns auf andere dar, aber man vergesse, dag die beiden anderen großen Jndiistrieiänder, England, das Durch- gangsland, und die Vereinigten Staaten, das Nutzmcßerland der Reparationen, genau ja leiden wie wir. Ebenso falsch seien andere Teilerklärungen. Der Krise in Deutschland durch die Arbeits- d i e n st p f l i ch t begegnen zu wollen, sei ein« Folg» so., irrtüm- licher Betrachtungsweise. Nölting beleuchtete sodann die gegenwärtige Krise unter be- sonderer Betonung ihrer unterschiedlichen Merkmal? gegenüber Krisen der Vergangenheit. Wir leiden nicht an einem Mangel von Rohstoffen und Nahrungsmitteln, wir leiden' vielmehr an einem Ileberangebot. Die Krise steht unter dem Zeichen mangelnden Absatzes. Zum ersten Male Hot die Rationali- sierung zu einer Massenarbeitslosigkeit geführt. Produktionskraft uud Verbrauchskrast sind nicht gleich. Die Dorschläge der Gewerkschaften aus Verkürzung der Arbeitszeit ohne Verkürzung des Lohns stellen ein Stützgebälk dar und die widerstrebenden Unternehister gleichen goldgierigcn Bcrgherren, die nach dem Edelmetall streben, aber die Schutzmaßnahmen für die Bergleute unterlassen, so daß die Katastrophe eintreten muß. Den Zustand durch Wunder- k u r e n zu lösen, sei unmöglich. Es kämen für die Arbeitsiienstpflicht nach dein Entwurf jähr- lich 640 000 männliche und 640000 weibliche Personen in Frage. Wo sollen sie beschäftigt werden, wenn nicht andere Schattende aus- geschaltet werden sollen! Robuste Vertreter der Wirtschaftspartei wollen sie privaten Unternehmern zuleiten. Das wäre ein un- gerechter Profit, die Gemeinnützigkeit der Arbeit müßte gewähr- leistet sein. Wo sollen sie untergebracht werden? In den Kasernen, sagt man. Soldaten kann man jahrhundertelang in der gleichen Kaserne ausbilden. Hier wechselt die Stätte der Arbeit. Feste, heiz- bore, beleuchtbnre Baracken, Acrzt«, DerpflegungsstKllen, Behörden nach Art der Bezirkskommandos sind notwendig. Wer zahlt sie, wie rentieren sie sich? In Bulgarien, auf das man hinweist, sind im letzten Berichtsjahr von 750 000 Dienstpflichtigen 1K06>0 ein- gezchzen, die cmteren haben sich losgekauft. Einer Ersparnis von 400 Millionen Mark ständen bei uns 1,6 Milliarden Mark Unkosten bei optimistischer Rechnung für die Besürworter des Gesetzes gegenüber. Die Arbeitsdienstpflicht ist unmöglich, weil sie sozialpolitisch, sinanzpolitisch, wirtschastspolitisch und kulturpolitisch auf ungesunden Voraussetzungen aufgebaut ist. Neuordnung im Rachaus. Umgestaltung der Geschästsordnung— gegen Phrasendrescher und Tumultmacher. heute vormittag ist im Berliner Rathaus der besondere Stadtverordneten ausschuh zusammengetreten, der sich die Umgestaltung der Geschästsordnung des Sladlparlaments zur Aufgabe gesetzt hatte. Mehr als einmal hat sich erwiesen, dag die jetzt bestehende Geschäftsordnung vollkommen unzureichend ist. Die verantworlungsbewuhlen Fraktionen des Rothauses sind sich darüber klar, daß dos Zerrbild eines Parlaments. wie es die Stadtverordnetenversammlung dank der Radaupolitik der Kommunisten und Ratlonalsozialisten oft bot. verschwinden muh. Bor allem sollen in der neuen Geschäftsordnung die Rechte des Vorstehers stark erweitert werden. In der heutigen Sitzung wurde vorerst nur die B« s ch r ö n- kungderRedezeitbei Initiativanträgen beschlossen. Füz solche Anträge soll künftig die Redezeit bei der Begründung aus zehn Minuten beschränkt werden. Inder Debatte hat jede Fraktion IZMinutenRedezeit, während für das Schlußwort wiederum 10 Minuten gewährt werden. Dieser Antrag ist heut« in der ersten Lesung mit großer Mehrheit angenommen worden. Hätte er schon für die gestrige Stadwerordnetensitzung Geltung gehabt, so wären die stundenlangen Redereien der Kommunisten und National- sozialisten unmöglich gewesen. Schwarzweißrot und Micky-Maus. Die Symbole der Nazi-Marine. Ein Parteigenosse teilt uns mit: „Der Zufall sührte mich in ein Lokal im Zentrum der Stadt. ->n drei zusammengerückten Tischen saß eine Gesellschaft von jungen Herren zwischen 18 und 22 Iahren mit ihren Damen. In der Mitte der Tafelrunde prangte eine stolze Flagge, die Flagge der kaiserlichen Kriegsmarine mit dem Eisernen Kreuz und tarunter eine rote Zunge mit dem schwarzen Hakenkreuz auf weißem Grunde. Euu: Tafel verkündete„ht.h. Morine-Kameradschast". Wer oder sah oben auf der Fahnenstoiige über dem stolzen Schwarz- weihrot? Eine kleine Mickv-Maus auf Stöfs-.. Ich vermutete zuerst, daß es sich hier um eine nicht besonders gelungene Verulkung der Nationalsozialisten handelt«, aber Ge- ipröchsbrockcn belehrten mich eines anderen. Ich kann mir als aller Frontsoldat wohl vorstellen, daß Menschen, deren Väter. Brüder oder Söhne an der Dcgierbank oder in der Skagerralschlacht unter der kaiserlichen Marinekriegsflagge ihr Blut gelassen haben, über eine derartig? Herabwürdigung eines Symbols sich verletzt fühlen. Auf der anderen Seite lag freilich lein Grund vor, die sungen Lerne wegen ihrer Geschmacklosigkeit zu schelten, da sie ja wahrend des Weltkriegs znm größten Teil kamn angefangen hatten, die Schulbank zu drücken oder gar noch in den Windeln lagen. Ich nahm deshalb die Sache von der heiteren Seite. Ueber Mickr-Maus lacht heute die ganze Welt. Und über die Nationalsozialisten? ... wird hoffentlich bald ganz Deutschland lache n." Legationesekreiär niedergeschossen. Mord auf der tschechischen Gesandtschast. Wie», 11. Februar. Heute schoß der tschechoslolvarische beschäftiguugo- lose Kaufmann Aenka den Legationssekretär der tschechoslowakischen Gesundtschaft Zajicek-Horsky au. Der Täter wurde festgenommen und machte verworrene An- gaben. Gr behauptete, er wollte dem Legationssekretär einen Denkzettel geben. Zaficek ist seinen Verletzungen erlegen. Jttster hastentlaffen. München. 11. Februar. Heute ist der am Montag im Zusammenhang mit den H a u S- s u ch u n g e n bei der Leitung der nationalsozialistischen SA. in München tinter dem Verdacht des Hochverrats verhastete Haupt- mann a. D. Rist er inzwischen aus der Haft entlassen worden. Das Ermittelungsverfahren geht weiter. Mit dem Kopf in die Maschine. Tödlicher Betriebsunfall in einer Steindruckerei. In der Steindruckerei von Littauer u. Bausen, Stalitzer Straße 104. erlitt heute vormittag, gegen 9 Uhr. die S4sährige An- lcyerin Louise Böhme aus der Skalitzer Straße 117 während der Arbeit einen Schwindelanfall und fiel, ehe ihr Hilfe zuteil werden konnte, in die in Gang befindliche Maschine hinein. Die Maschine erfaßte ihre Kleider und die Frau geriet mit dem Kopf zwischen Form und Walze und wurde so schwer verletzt, daß sie kurz darauf verstarb. Die herbeigerufene Feuer- wehr hatte große Mühe, den Körper der Acrunglückteu aus per Umklammerung der Maschine zu befreien. Aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft ist ein« Untersuchung über die Schuld frage eingeleitet worden. Tatsache ist jedensalls. daß Fräulein Böhme bereits wegen einer Unpäßlichkeit zu spät zur Arbeit gekommen war. Oissiplinarver fahren geqen Morih. Der Reichsminister des Innern Dr. W i r t h hat gegen den jetzt in der Oesfentlichkcit viel genannten Verfaster des Buches„Ge- fesselte Justiz", den Proviantmeister z D. M o r i tz a u o Z a r n o iv, das f ö r vi l i ch e Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienstontlassnng«ingeleitet. Deutschnationaler Kirchendieb. .Hilgenberg-Stadtverordneter beraubt die Kirche um �36 000 Mark.' Franksurl a. 2R., 11. Februar.(Eigenbericht.) Eine imnermutete Kassenrevision bei der evangelische lutherischen und«vangelisch-uniicrten Kirchengemeinde ergab, daß die Kasse seit 192ö systematisch'um außerordentlich hohe Beträge bestohlcn worden ist. Lieher wurde ein Gesamt- sehlbetrag von 1Z6. Zubiläumskonzert des Vereins für Kerienkolon en. Der große Festsaal bei Kroll ist leider nicht so besetzt, wie man es dem Berliner Verein für Ferienkolonien im Hinblick auf seinen guten Zweck gewünscht hätte. Mil Attraktwncn ist nicht gespart: die Sängerknaben der ehemaligen Wiener Hosburgkapclle, Mafalda Salvatmi, ein Quartett hervorragender Pianisten— Gerd Beriram, Bruno Eisner, Leonid Kreutzer, Franz Osborn—, dazu das Kammerorchester Michael Taube, es hätte für zwei Abende ausgereicht. Obendrein wird Bachs Konzert für vier Klaviere, jüngst Sensation der Philharmonie, wieder zweimal hintereinander gespiell, ganz wie bei Furtwängler: die Wiederholung wird durch den Beifall des Publikums erzwungen, Bach ist nun einmal groß« Mode der Saison. Mafalda Salvatini wird nicht weniger gefeiert, man bewundert die stilistische und gesangliche Vollendung, mit der sie altitalienische Arien singt. Und man«rsreut sich an den frischen Stimmen und der gepflegten Musikalität der Wiener Knaben; ihrem reinen Singen vermag auch der verstimmte Flügel nichts anzuhaben, mit dem ihr Begleiter sich behelfen muß. Es wäre doch netter gc- wesen, ihm«ins der vier Instruments onzubicteii, die für die Pa- rode der Pianisten bereitgestellt waren. K. P. Oie dritte niederländische Karakorum-lZxpedit on. Auf einer Veranstaltung der Gesellschaft für Erdkunde sprach Sonnabend der holländische Gesandtschostsattach,: D> s s e r über die dritte niederländisch« Karotorum-Expedition. an der«r— ebenso wie an den vorangegangenen— führend teilgenommen hat. Sie führte von Britisch-Indien aus über den Himalaja hinweg ins Karakorum-Gebiet, setzte sich dann nach vielen Abschweifungen in die vergletscherten Täler hinein nach Ehincsisch-Turkestan fort und endete nach einem gewundenen Rückmarsch in Niederländisch- Indien. Der von vielen schönen Lichtbildern begleitet« Vortrag zeigte deutlich, warum diese 50Ü0 bis 7000 Meter hohe und in vieler Hinsicht interessante Bergwell bisher ihre Einsamkeit dewahrt hat und noch gar nicht erforscht wurde. Ungeheure Schwierig- ketten türmt das Gebirge den neuglerigen Menschen entgegen. Dazu kommen ein mörderisches Klima, das bis zu SO Grad Kälte hat. teilweise Wasierarmut und der schwierige Transport der Forschung«- instrument« und der Lebensmittel. Aber alle Gefahren wurden von der Expedition mit viel Glück überwunden, und viel« wertvoll« Forschungsergebnisse, besonders geographischer und geologischer Art. konnten nach Hause gebracht werden. ?m verband Deuticbcr SBHnenschriflsteller nnd kiompvnls'en wurde an Stelle des aii-!chcidenden Vorsibenden Dr. Ludwig Fulda, der sein Amt uiclir als 20 Iabre lang verwaltet lmt, zum Ehrcnvorsitzeudkn ernannt. Hans I. Rebstich wurde zum Borsitzendrn gewählt. Za der Urania spricht Dr. Lea Iaeobsabn Freitag. S1', Uhr. im Lanaexbeck- iSirckww-'C'ims über.Funltcibnit. Rundfunk und Heilkunde" mit Borfühnmg ovn Lichtbildern nvd'einer Heiztonoerslälkwrg. v»«ostfpiel der wilnacr Trupp« im Wallner. Theater wird bis einichließlich Montag ve'IZngert. Deute zum erstenmal.De« Schmiede» Töchter� von Veie» Diiichbein. Di« itir Freitag angeiebte Urauifülsrung von.Frau in Front»' durch die Pitcator-Vühue wiid aus Dienstag, de« 17. Februar, verlegt. Di« Singakademie bringt in Ihrem zweiten AbonnementSkonzcrl unter Lcilung ibieS T-reltotS Dr. Georg Tchuman» Fieitag Beethovens Misfa I o l e m n i» in der Philharmonie zur Aussilhiung. SlShtischc Oper. Die Auüilbrung der.Nirikoiiruil" am Maiilao. dem IL. Februar, findet aitSnahnismeis« nicht als VolksooritelliUlg. foiideen bei srcleui Lerkaus stall. Der Parvertaus hat schau begousen. Oer Kampf um Gpauiens Wahlen Santiago Alba für Boykott, Aomanones für Beteiligung. Madrid, 10. Februar. Der in Paris wohnhafte ehemalige Auhenministcr Santiago Alba, mit dem König Alfons noch vor etwa einem Jahre Wer die Bildung einer Koalitionsregierung verhandelt hat, hat in einer in der spanischen Presse veröffentlichten Erklärung zu den von der Regierung Berenguer ausgeschriebenen Wahlen in scharf ab� lehnendem Sinne Stellung genommen. Alba erklärt, der von der Regierung ausgearbeitete Plan sei keine Lösung, sondern ein neuer schwerer und vielleicht nicht wieder gutzumachender Dehler auf dem Wege, der Spamen aus dem durch die Diktatur geschaffenen Chaos zu einer normalen Lage zurückführen solle. General Berenguer habe einen schweren Irrtum begangen, als er an der Macht blieb, obwohl er nicht das Vertrauen des Landes hatte. Er, Alba, könne und wolle nicht an den durch die Regierung Berenguer ausgeschriebenen Wahlen mitarbeiten. Er sei nur ein Spanier und ein Demokrat und ein Verteidiger der Autorität der Regierung. Deswegen sei er durch die infame sechs- jährige Diktatur Primo de Riveras des Landes verwiesen wanden. Er glaube nicht, daß er durch die Mitarbeit in einem so vorbereiteten Parlament seinem Voterlandc nützen würde. Die«-Liberalen" für den König. Madrid, 10. Februar. Der Liberale Klub von Madrid stellte unter dem Vorsitz des Grafen Romanones zwei Kandidaten, Rossillo und Aguaya, für die Eorteswahlen auf. Romanones erklärte dazu, daß er ursprünglich die Absicht gehabt habe, selbst in Madrid zu kandidieren, falls den Liberalen ein« große republikanisch-svzialistische Kandidatur entgegen- gestellt worden wäre. Die Stimmenthaltung der Linken se: als«ine Art Revolution gedacht, eine Revolution, die die Liberalen ablehnten, denn noch niemals habe Spanien ein solches Bedürfnis nach Wiederherstellung der normalen Lage gehabt, wie gerade jetzt. Die Liberalen wußten sich mit den Demokraten unter Garcia Prieto einig in der Forderung, daß in den neugewählten Cörtes die Verantwortlichkeit der Diktatur zur Sprache gebracht werden solle. Das parlamentarische Programm der Liberalen lasse sich folgendermaßen zusammenfassen: Erörterung der Verantwortlich- teit, A m n e st i e und sofortige Einberufung der v«r- fassungg«benden Corte s. Die Liberalen stimmten mit den Anhängern der verfassunggebenden Cortes darin überein, daß sie die Verfassung von lS76 als hinfällig betrachteten, da sie den Notwendigkeiten eines modernen Staates nicht mehr entspreche. Die Liberalen verlangten eine weitgehend« Aende- rung des staatlichen Aufbaues, erklärten aber den Grundsatz der Monarchie für unantastbar. Di« Parteien, die die Neuwahlen boykottieren— das sind vor allem die S o z i a l i st e n—, haben erklärt, daß sie nur solche Wahlen mitmachen würden, aus denen eine Verfassung- gebende Nationalversammlung unmittelbar hervor- gehen würde, die selbst über die künftige Staatsform zu entscheiden hätte. Die„Liberalen" dagegen wollen, daß das neugewählt- Parlament seinerseits Neuwahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung ausschreibe. Wozu erst dieser Umweg? Die Konservativen endlich sind überhaupt gegen eine Verfassungsänderung, weil sie königstreu sind und die Nutznießer der Diktatur waren. Aber so viel ist sicher: Konservative plus Liberale stellen nur eine Minderheit des spanischen Volkes dar. Wahlen, an denen sie allein sich beteiligen werden, während die übrigen Parteien Enthaltung verkünden, werden mir ein Zerrbild der öffentlichen Meirmng ergeben. Gufkav Hamann Der langjährige Hauptkassierer des früheren Verbandes der Glasorbeiter, Gustav Hamann, ist am 9. Februar nach langer Krankheit im Alter von 63 Jahren gestorben. Genosse Hamann wurde am 1. August 1K97 als Kassierer des Verbandes der Glasarbeiter gewählt und versah dieses schwere Amt im Neben- beruf, denn der Verband hatte nicht die zur festen Besoldung er- forderlichen Mittel. Erst im Jahre 1905 wurde Hanrann fest besoldet. Sein Amt als Kassierer hat Gustav Hamann mit der größten Um- ficht verwaltet. Mit seltener Hingabe und Treue, mit Aufbietung seiner ganzen Kraft stand er zu seinem Aint. Die Mittel des Ver- bandes zu störten, galt als seine Lebensausgabe. Mehr als 25 Jahre hat Hamann sein schweres Amt in bester Weise verwaltet. Im Jahre �122 erfaßte Hamann ein schweres Leiden. In seiner Berufsarbeit als Glasschleifer hatte er sich ein schweres rheumatisches Leiden zugezogen, das ihn auf ein langes Kranken- lager warf, weshalb er im Jahre 1924 pensioniert werden mußte. In der Partei stand Genosse Hamann seinen Mann. Wenn er auch nicht öffentlich hervortrat, so wirkte er doch lebhaft im Kleinen und fehlte in keiner Versammlung seines Bezirks. In konmninalpolitischer Beziehung setzte er ebenfalls feine ganze Krast ein und versah über ein Jahrzehnt das Amt eines Bezirksoorftehers. Nun ruht der aufrichtige Kampfgenosie. Die deutschen Glas- orbciter aber iverden ihrem toten Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren. Oer Mord an dem Chauffeur ponick Aus dem Geständnis des Täters. Za den Abendstunden des Dienstag wurde der des Mordes an dem Chausseur Fritz ponick überführte Händler Johannes K a b l i h von den Beamten der Kommission noch einmal ver- nommen. Durch die Bekundungen ist man in der Meinung bestärkt worden, daß S a b l i h laisächlich, wie er behauptet hat, die Tal allein ausführte. Daraus erklärt sich auch die ausfällige Sicherheit, die er bei seiner Festnahme zunächst zeigte. Erst, als ihm die zusammengetragenen Belaslungsmomente vorgehalten wurden, geriet seine feste Stellung ins wanken. Durch sein ergänzendes Geständnis find nunmehr auch Punkte geklärt, die vorher fraglich erschiene». Wie es ihm gelungen war, den sonst so vorsichtigen Chauffeur zu der Fahrt nach außerhalb zu überreden, ist noch unbekannt. Wahrscheinlich hat Ponick die Fahrt Mpr deshalb angenommen, weil ein Wechsel am 11. Februar-fällig war und er die Summe noch nicht zusammen hatte. Die Stelle, an der Kablitz auf den Chausseur geschossen hatte, hatte er selbst später als äußerst günstig bezeichnet. Nach seiner Darstellung ist der Getroffene noch lebend aus dem Wagen gekrochen. Danach scheint es, daß der tödliche Rückenschuß, der in dos Herz eindrang, von dem Mörder abgegeben wurde, als sein Opfer aus der Erde schon zusammengebrochen war. Die auf dem Sommerweg auf- gefundene Schleifspur wäre dann eine Kriechspur des todwunden Chauffeurs gewesen. Dieser Darstellung widerspricht auch nicht die Lage, in der die Leiche gesunden wurde, die Verkranzpfung der Hände ist auf den Todeskampf im Graben zusückzuführen. Rachdem Sablitz sich die Mütze und die Brieftasche des Er- schosfenen angeeignet hatte, begann die seltsame Rückfahrt. Auf der Hinfahrt war der Wagen über Lienewitz und dic�Bohnkreuzung gekommen. Da es noch nicht 12 Uhr war, war die Schranke noch offen und niemand merkte etwas von dem Durchfahren. Zurück jagte Kablitz in tollem Tempo durch Ferch und dann über K a m m r o d c. Baumgartenbrück und Werder. Vor Kammrode klirrte die durch den Schuß zertrümmerte Scheibe so stark, daß Kablitz von Angst gepackt wurde. Er hiell kurz au, nahm die Scherben heraus und warf sie in den Graben und ebenso die Brieftasche des Ermordeten. Erst, als er die Halensccr Brücke erreicht hatte, kam ihm seine Selbstbeherrschung zurück. hier schaltete er seine Taxuhr ein, um bei Schupobeamken keinen Verdacht zu erregen. Da er mst solcher Uhr nicht Bescheid wußte— er hatte ja immer nur Lastwagen gefahren—, machte er es natürlich verkehrt. Des- halb zeigte bei der Auffindung des Wagens in Dahlem die Uhr nur auf 1,95 Mark. Auch dieses Rätsel hat somit seine Lösung gesunden. Kablitz ist aber noch nicht darüber befragt worden, aus welchen: Grunde er die Geldbörse des Ermordeten nicht mitgenommen hat. Nach dem Befund der Aerzte muß Kablitz noch mindestens vier- zehn Tage im Krankenhause verbleiben. Das Verbrechen an Ponick bildete im kriminalistischen Sinne einen Ausnahmesall. Man hatte weder Augenzeugen noch Tatortspuren zur Verfügung, die die Arbeit der Kommission hätten erleichtern können. Nur die systematische Durchsiebung aller der Personen, die in Ferch und Umgegend wohnten oder dorthin Beziehungen hatten, brachte den Erfolg. vermißt wird seit Freitag früh der achtundvierzigjährige Telegraphenarbeiter Bruno M u d re k, Charlotlenburg, Wilmersdorfer Straße 132. Dienstmütze und Tasche mit Personalausweis wurden von einem Strommsister am Charlottenburger Ufer, unweit der Marchbrücke, gesunden. Nähere M'tteilungen über den Vermißten erbittet Paul Willmann, Berlin N. 65, Reinickendorfer Straße 116. Wetter für Verlin: Weiterhin mild und stark bewölkt mit ein- zelnen Regenfällen und lebhaften Westwinden.— Für Deutschland: Ueberall mild mit Niederschlägen, an der Küste stürmisch« Westwinde Eewmnauszug 5. Klasse 36. Prcußisch-Suddeuljche Staats- Lotterte. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesallen,«nd zwar se einer aus die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen l»nd ll 2. Ziehungslag 10. Februar 1931 In der heutigen Nachmittogsziehung wurden Gewinne über 400 M- gezogen 2 S-win». in 25000 W. 24561 I 4 Öcannnc in 1 0000 M. 65603 257365 14»twmn« in 3000 iU. 71596 75116 101786 123612 158659 161730 329483 42»»«Winne»n 2000 M. 1531 63870 70632 101467 110675 121951 127378 152265 177684 165767 187353 223423 233553 258753263936 277833 343710 352316 362154 373271 390119 103 Gewinne in 1000-81. 1006 5757 6000 35183 45113 45735 43043 61425 63070 30315 36322 37493 35745 100332 103213 1 13I5I 122031 132655 134732 135634 151181 152667 163514 135633 136533133637 206250 212613 213333 220741 233253 242461 247313 253303 273325 '.73614 232435 233326 235712 316453 321143 321344 321866 323701 323336 335165 357333 364570 363383 371530 381210 334625 333716 333560 183 E«»inn»>n 500 7N. 2341 7011 7320 13360 26641 33814 37115 46063 46552 43154 53177 54733 57332 53335 53433 59642 62246 63203 65425 70621 78351 30717 86255 83032 33321.35626 104345 1 07445 116392 113736 121713 122054 126978 129442 129751 133723 136093 137191 144752 145788 152438 153203 154830 162172 164302 170497 171974 183504 186893 190334 193638 195882 202162 202364 203674 204650 208858 211102 215503 219529 224583 228958 282301 238440 242226 243663 245737 256658 260048 270519 274483 286043 293083 293706 308826 323374 325946 326380 329392 336462 337929 339614 339790 350777 356491 361276 363292 370711 375171 378539 379748 386217 393809 398401 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 5000f0. 2 zu je 300000. 2 zu je 200000, 4 zu je 100000, 6 zu je 73000, 10 zu je 50000, 26 zu se 25000, 181 zu je 10000, 460 zu je 5000, 940 zu je 3000, 2788 zu je 2000, 6578 zu je 1000, 9232 zu je 500. 27QC6 zu je 400 Mark. B-rantwortl. Für die Redattwn: Keebcrt Lep-re, Berlin: Anzeigen: TU. ffilod.- Berlin. Verlag: Varwärls Verlag®. m. b. 6., Berlin. Druck: Borwärta Bu4v dr uckerei und Verlagsanstalt Paul Einger&(£».. Berlin EM 88, Lindenkrane« Kierzn 1 Beilage. -. y i Täqi. 5 u. 818 sonnt. 2, Su. 8U Alex. E 4. 8066 Nehm. SO Pf-1 M., abds. 1-2 M. Jlrtmo XMtlnrr, Tlggo JCaraen .ffnmJUon n. 100Waadertxjnb«naJ». Reichshallen-Theater AbegK|.»J Sonntag Nndunittag fTTI»dl Das große iach-Pro�ramm der Stettiner Sänger Nachm. ermäßigte Preise! Volles Programm! •■aj Oönhott. Brettl: Betlins beliebtestes Fam-Variet« mit Tanz! Kipelli Barn Siitm. Ä!Sf 8»Ulli. ZutT. 28191 icrMl 7 Alfrados—„Arcano** Dolinoffs— 3 Crasaea usw. und dia Codonaa GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tägi. 8 Uhr. im weissen mtsi. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesetzung biliice Frese Rege; Erik Charcll. CÄS1N0-THEATER Lothringer Strafe 37» ii ii.................................................... Man lacht Tränen über Direktor Hans Berg in dem neuen Schlager VoiKsbUiuie Ouilenai BCIowpUti. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von Franz Molnar B«git:Knrt Heim Martin MaitLSdHlln-Ih. 8 Uhr 100 000 Taler Ttiuteram sctiitniauerflainni 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper Am PI. d Republik 19'/. Uhr Rigoletto Dazu ein neuer bunter Teil. Golsdieln 1*4 Personen Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M- Sonstige Fr.: Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. MS 8LMJE HEMD VON ITHAKA OPERETTE IN j AKTEN OFFENBACHS MELODIEN URAUFFÜHRUNG Freitag, 13. Febr., präc. 7I/2 Uhr MerifflAdioiraMasi Das Hans der billigen Preise PUIM M bis M«.— Vorrerk-ab loU.täRl.Fcmspr. Merkur 9901 Kammerspiele 8V. Uhr Pariser P.atz 13 von V I c k i Baum Irgit: Cutil GrüDlgm Kleines Theat. Täglich 8V. Uhr Liebe-onmodern mit Crete Reinwald, Will Kaufmann, Heinz Klubertanz WM Ibeaier 8 Uhr Elisabeth von England vm Fem Bnckoer Regit: Beim Hilpert Die Komödie SV. Uhr Die Fee «ei Franz Moiaar legi«: StefmHnik. Banovski-BliiDiii Threter in än Stmenuannr. 8V. Uhr Amphitryon 38 ' Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Bnrnowsky Komödianhaus 8'i Uhr Cocktail, nn brt Vnllinneilcr. Mnsity.IilphBenatzky Thealer am Sdittibauerdamm Norden 5813 u. 0281 Täglich 8 Uhr DeignBelinhpitlerfolg! Die Quadralnr des Kreises Preise v. 0.75— 7 M. Snnaabtnd. den U. Fett. abends II Uhr Cläre Eckstein mit ihrer Gruppe 3 Taazeliiahier Komische Oper S'd Uhr Kleine Preise. Peppina ntn wiiglidtr Ldtu] In (empeoutn Robert Stolz Ii kr Pnaivnbratzsig Tbeaterl Westens Täglich 8-4 Fnu lehan Meiste/wert Der Zarewitsch Serge Abramovic, Anni Ahlers. Lostspiomaus Kurt Götz Täglich S>d Uhr Der Lügner u. die nenne lessnm-Tneaier Täglich »-/, Uhr Viktoria undihrHusar Marz Uueft(ftelildt Brndy. Luetf Neues Theoter ■— am Zoo»» !lin BM. Zoo. Stpl. 655< Täglich 8-,. Uhr fler pr. Ucherfolg I Wiederauftreten Guido ihieisciier Das otrentiiene Aergernts Preise I bis 8 M Denisehes IBnstler-Theai. Barbarossa 3937. 8'/. Uhr Zum ooldenen Anker mii Klint Dona Renaissance Iheater Steinplatz 6780 8'- Uhr. mufi die Kuh milch geben? mit tidert Preise von luSObis 13 50 M. Kurtürslenflamra- Tkeater Bismarck 449 |«Uhr| Oes schwache fieschlecbt v. Edouard Bourdet Regie; Nu Beiriarlt Piscatar-BUae (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Heute SV. Uhr 5 Gastspiel der Wilnacr-Truppe Des Söimlefles Tödiler metropoi-ineaier| Täglich 8V. Uhr Schön ist die weit Operette von Lehä. Gittar llpar. Joiec, Wlieiiwl Rose* Theater| er.rnoldailarSlr.täi j Tel. Alex 3422 u 3494 530 Uhr Das Parfüm meiner Frau 8'/. Uhr Die stöfloe Helena Theat a. kattk. Tor Rettduict S:r.6. Wal«il m.» auch Eo nt nchm. JVUbr Miie- sender wie imm.r dere Summe solcher Erbeigen- scyafte» selbst. Es ist klar, daß es solche Nassen in reinem Zustand bei den Menschen nicht mehr gibt, daß vielmehr alle vielleicht früher einmal getrennt entstandenen Rassen gründlich durcheinander gemischt sind. genau so, wie es bei Hunden geschieht, wenn sich niemand um die Paarung kümmert. Im Sinne der Rassenforschung sind wir alle vergleichbar solchen Mops-Spitz-Dackel-Terrieren, wie sie in Scharen aus den Dörfern herumlaufen, sind wir alle— um einen Ausdruck der völkischen Rassenlehre zu benutzen:„R a s s e n g e s i n d e l." Wenn es auch heute aus der ganzen Erde keine reinrassigen Menschen mehr gibt, so ist es doch gelungen, wenigstens in großen Zügen die einzelnen Rostentypen zu rekonstruieren, aus denen.sich etwa die Bevölkerung Deuffchlands zusammensetzt, und uns unge- fähr vorzustellen, wie diese ausgesehen haben mögen: denn aus der vielfachen Mischung gehen immer wieder einmal Einzelmenschen hervor, die eine größere Anzahl von Merkmalen derselben Raste in sich vereinigen. Irgendeine wissenschaftliche Zuverlässigkeit haben aber nur die körperlichen Merkmal«: die seelischen Rassenmerkmale festzustellen, ist nicht gelungen und kann auch nicht gelingen, da es für ihre Erforschung keinerlei wistenschaftlich« Methode gibt. Wenn Herr„Professor" Günther solche beschreibt, so beruhen sie entweder auf freier Erfindung oder sie sind reine Wuyschträuine. Achtung: Wir geben Ihnen nun die genauen Merkmale der europäischen Rossen: Bitte vergleichen Sie! 1. Nordisch: Kopf lang, schmal: Gesicht lang, schmal-, Nase dünn, stark vorspringend, mit hoher Wurzel, gerade oder mit einem Höcker: Kinn deutlich vorspringend: 5stnterhaupt vorgewölbt: Augen hell, zurückliegeich: Haar blond oder rötlich, schlicht und wellig: Körper lang und schlank, beim Manne durchschnittlich 1,73 Meter; Gliedmaßen lang: Haut hell. Typen: der Dichter Hebbel; viel- leicht Friedrich der Groß«. 2. F ä l i s ch: Kops lang bis mittel: Gesicht kurz und breit; Nase miitclbreit: Augen hell, in niedriger Höhl« lssgend; Haar hell: Körper hochgewachsen; Haut hell. Typen: Hindenburg, Ibsen; z. T. Bismarck. 3. W e st i s ch: Kopf lang, schmal und ziemlich klein mit steiler Stirn; Gesicht schmal oval; Nase gerade, etwas vorstehend, kleiner und etwas breiter als die nordische; Augen dunkel: Haar tiefdunkel; Wuchs klein, im Durchschnitt 1,61 Meter; Haut bräunlich. Typen: Bernard Shaw, Anatole France. 4. D i n a r i s ch: Kopf kurz, Hinterhaupt steil, wie abgehackt; Gesicht schmal bis breit, derb; Nase sehr stark mit hoher Wurzel, weit hcrousspringend, noch unten hängend und noch der Spitze zu sehr fleischig; Augen dunkel,, zurückliegend; Haar braun bis schwarz, schlicht oder lockig; Körper hochgewachsen(1,68 bis 1,72 Meter); Haut bräunlich. Typen: G r i l l p a r z e r, Nietzsche. S. Ostisch: Kopf kurz, rund; Gesicht breit mit undeutlichem Kinn; Stirn gerade aufsteigend; Nase stumpf, kurz, breit mit flacher Wurzel(Stupsnase!); Augen dunkel, vorstehend; Haar hart, dunkel; Körper kurzgewochsen; Haut gclblich-bräunlich. Typen: Luther, Beethoven. 6. Ostboltisch: Kopf kurz; Gesicht breit mit massigem ltnterkieser ohne deutliches Kinn; Nase stumpf, ziemlich breit mit, ilacher Wurzel; Augen hell, vorspringend; Haar hart, hell(osch- blond); Körper kurzgewachstn; Haut hell mit grauem Unterton. Typen: der Schauspieler Paul Wegener; Strindberg. Nun kann jeder vor dem Spiegel seine Nase studieren, ob sie nordisch, ostisch, westisch, dinarisch, fälisch oder ostbaltisch ist. Man kann sich aber auch seine Zeitgenossen genauer ansehen und wird dabei allerlei Ueberraschungen erleben. Keiner der vielen großen Männer Deutschlands ist wirklich nordisch, und damit können sich auch die Herren Hitler und Goebbels trösten, deren Mischung wirklich eine Affen-, pardon: eine„Ra s s e n s ch a nde" ist. Oskar Niwel. Wußte fjefieftie ftien Dichters Denkmal. In Stolberg am Harz, wo ich einig« Tage verweis, fällt mir beiläufig ein. daß Otto ErichHartleben(er ist heute vor 16 Jahren gestorben) hier dereinst ein ganzes Jahr verbracht hat: das Jahr 1890, und zwar als blutjunger Assessor. Sein Buch„Bom gastfreien Pastor" spielt in Stolberg, und die Stolberger kommen bei Otto Erich nicht gut weg: es war also zu erwarten, daß Otto Erich bei den Stolbergern auch nicht gut wegkommt. Richtig verfinstert sich das Gesicht meines Wirts, als ich nach Erinnerungen an den Dichter Hartleben frage. Aber eine Erinne- rang sei schon da, meint er doch und führt mich auf den kleinen Platz, der direkt vor Otto Erichs damaliger Wohnung liegt. Ueber diesen Platz sei der Herr Hartleben allmitternächtlich gegangen, wenn er sterrchagelvoll von seinen Saufereien kam, und der Magistrat von Stolberg Hab« deshalb die Tafel dort setzen lassen müssen. Auf der Tafel, die mein Wirt meint, steht zu lesen: „Das Verunreinigen dieses Ortes ist bei Strafe verboten. Stol- berg, im März 1890. Der Mogistrat." Yoriclc. D i e Störung. „Käthchen von Heilbronn" in einer kleinen nord- deutschen Stadt. Das Theater ausverkauft. Im Hintergrund die ehrsam« Bürgerschaft. Vorn« auf den Parkettsefleln chronend Land- adel und Großgrundbesitz. Der steinreich« 91 ante von Maltzahn mittenmang. Im„Stall", das heißt in jener Versenkung, in der mangels Masse das Orchester nicht Platz genommen hat, Diener, Kut-scher und Chauffeure der Herren vom Parkett. Atemlos folgt man dem Spiel. Lautlose Stille. Soeben hat Gras Wetter vom Strahl sein Käthchen in die Arme geschlossen, um es zu küssen, da— Nein, manches hätte passieren können, aber nicht eben das. Auf dem Olymp war es geschehen. Eben jenes, was sich nicht schildern läßt: Wetter von Strahl küßt sein Käthchen und als Echo darauf ertönt vom Olymp jener Laut, den ein Kuß nicht £in Hucficnjunge(äfnt Cluto und muß HotCner ipieCen Sie �: n lachen... Vielleicht werden Sie auch nicht lachen, d.-Ui.ntlich ist es eine traurige Geschichte. Aber darüber kann man verschiedener Ansicht sein, und ich bin«in fried- licher Mensch. Es geschah nur alles an einem Tage, und dos war ein bißchen viel. Und am Ende sagten sie, ich hätte mich als nicht befähigt erwiesen. Worauf ich sehr traurig wurde und nun mit meiner Geschichte beginne. Ich war als Küchenjunge in einem vornehmen Hotel an der kalifornischen Küste. Dort waren die Millionäre echt und die Zwiebeln, die ich zu schälen hatte, davon will ich nicht reden. Nachmittags von zwei bis fünf hotten wir frei. Der zweite Koch hatte ein Automobil. Er war mein Freund. An dem Tage wollie ich Autofahren lernen. Das war vielleicht Schicksal, aber es hatte sicher seine Gründe. Die Landstraße war gerade und eben, und der Wagen lief wie aus Butter. Das Steuern war gar kein Künststück, ich hatte meine Freud« dran. Und auch die Bäume waren merkwürdig anständig. Sie nahmen fast den Hut ab vor mir. Iupheidö, in meinem Leben hatte ich mich nicht so wohl gefühlt, und ich war doch bloß«in Küchenjunge. Die Landschast lachte wie ein verliebtes Mädchen. Ich konnte autofohren. Wir stiegen aus und tranken den Wein, den wir mitgenommen halten. Es war ein« ganze Flasche. Er war rot und schmeckte verboten. Das war wegen der Prohibition. Heimwärts ging es noch viel besser. Ich lieh den Wagen im Rhythmus meines Blutes laufen. Das war wie zehn Negerkapellen. Und es passiert« nichts. Das ist erlogen. Es passierte doch etwas, ich muß es nur noch erzählen. Ick) fühlte mich so sicher, daß ich den Wagen gleich selbst in die Garage fahren wollt«. Ich fuhr aber den Kellner Charlie um, der über den Hof ging, und gegen einen Balken. Der Kühler.hatte einen Knick und Charlie konnte nicht mehr lausen. Das war schlimm. Und die Sonn« schien noch immer. Zum Abend war eine große Gesellschaft angemeldet. Charlie konnte nicht lauten, wer sollte die Leute bedienen? Der Ruf des Hotels war gefährdet. Unter den Gästen war sogar der Präsident der Santa-Fe-Eisenbahn. „Diable!", jagte der Chef, weil er«in Franzose war.„Wasch dir die»ein«, mach' die Fingernägel sauber und zieh den Frack an, du mußt Charlie vertreten. Aber ein bißchen schnell!" Befehl ist Beseht, auch wenn man kein Talent hat. Sie zogen mir den Frack an, und ich dachte mir mein Teil. Erstens drückte der steife Kragen, und �ie Schuhe waren zu klein. Der Speisesaal war voll, die Lichter flimmerten boshaft, die Leute schienen mich alle anzustarren. Ich stieß gegen Tischkanten und Stühle. Der Ober- k e l l n c r füthrte aus der Ferne mit leisen Handbewegungen Regie. Der Löffel für die Suppe, aber wozu waren bloß all die anderen Eßwerkzeuge da? „Jawohl, diesen U p! o n Sinclair niüßte man erschießen, diesen Anarchisten..." Das sagte ein wohlgenährter Mann, dem ich ein großes Diner servieren mußte. Ich vergaß immer die Hälfte in der Küche und mußte ein paar Mal hin und her rennen. Mit den Schwingtüren gab es einen Kampf auf Leben und Tod. Ich geriet in Schweiß und stolperte über die einwandfreien Beine einer Frau. Sie lächelte nachsichtig, weil ich noch jung war. Jedenfalls tat ich mein Bestes, die Tücke der Objekt« zu überwinden. Ich versuchte sogar zu lächeln und g«riet mit einem Gast in ein Gespräch, aus dem mich erst der Oberkellner mit einem Rippenstoß befreite. Dann kam mir die Klassik zu Hisse, in der das Schicksal schnell schreitet. Ich lief mit einem schweren Tablett bepackt durch den Speisesaal und blieb mit einem Fuß im Teppich hängen. Ich weiß nur noch, daß ich lang da lag und daß es einen ungeheuren Lärm gab von dem brechenden Geschirr. Sämtlich« Kellner ver- sammellen sich um mich. Schwarze Männer mit ernsten Gesichtern. Ich kam mir vor wie bei meinem Begräbnis. Eine Frau kreischte. Sie hatte was übers Kleid gekriegt. Der Oberkellner tröstete sie. Man schleppte mich aus dem Saal.' Ich wunde fünfmal erschossen und wachte mit durchschwitztem Frack in der Ecke aus, in der ich sonst Zwiebeln schälte. Ich schlich aus dem Haufe Draußen begegnete ich der b l o n- den Telephon! st in. Sie lachte, und die Sterne kicherten. Ich liebte sie heimlich, und ich heiilte vor Wut. Eigentlich wollte ich ins Wasser gehen. Ich war aber mit einem Male in M o n t r e y, und— Tie werden lachen— dort schrieb ich zu all dem Pech noch meine erste Geschichte. lind seitdem Hobe ich nie wieder versucht, mitozufahren oder Kellner zu sein. S. Popper. hervorzubringen pflegt. Gekicher zunächst. Verhaltenes Prusten. Dann lautes G«lächt«r. Ein Orkan von Gelächt«r, das sich nicht legen will. Herr Nante von Maltzahn ärgert sich. Der Herr Baron wird wütend:„Aeh, Schutzmann!" kräht er in den Saal, „Wachtmeister Benschnider, wollen Si« nicht jefälligst.. „Den loten'? man loopen, Herr Baron", unterbricht ihn die tiefe Stimm« seines Kutschers aus dem„Stall",„den könn oll Benschnider ook nich gripen."(Den lassen's man laufen, Herr Baron, den kann der alte Benschnider auch nicht greis«n.) t Kaum verklungen, erwecken die Worte«in n«ues Gelächter, gegen das d«r vergangene Orkan ein Waisenknabe gewesen ist. Der Vor- hang mußte fallen und das Käthchen konnte an diesem Abend nicht mehr zu seinem glücklichen Ende geführt werden. Bennn. Der standhafte Bayer. Soviel ist wahr: Berlin hat so seine Tücken, wenn man aus Bayern erstmalig dahin verschlagen wird. In der Untergrund etwa(und ich verbürge mich für die Wahr- heit dieser Geschichte!) ertönt, als der Zug eben den Bahnhof Bülow- stroße>n Richtung Gleisdreieck verlassen hat, ein furchtbares Ge- schimpfe. Es geht von einem mit einem Paket bewaffneten älteren, bebarteten und bekropseten Herrn aus, der in einer Ecke den Bahn- Hof Bülowstraße verschlafen hat. Jetzt aber drängt und stößt er sich zur Tür. „Lassen S' mi nrnjs. Raus mueß i! Mei Schwager—" Er will die Tür aufreißen. Man hält ihn mit Gewalt zurück. „Männecken, Sie woll'n woll Hackepeter wern, wat? Sie könn'n doch jetzt nich raus!" „I mueß naus!-Haltens mi do nöt fest, Sö, hörn S'? Mei Schwager wohnt Blllowstraß! Raus mueß l!" Der Zug ist gerade im Häuserdurchlah; niemand läßt den Ba- juwaren natürlich hinausipringen; er erschöpft sich in wuchtigem Ge- schimpfe; wir alle sind für ihn nichts als Hunds hei terne Uhus... Endlich. Gleisdreieck. Es bildet sich eine Gasse, um den eiligen Herrn hinauszulassen. Der aber rührt sich nicht.„Raus, Männecken, raus!" ruft man— Aber der Bayer schüttelt stolz den zornrotcn Kropf. „Na. Etzt schmier i Eahna aus. Etzt fahr i grab weiter!" Spvichts und fährt tatsächlich gen Potsdamer Platz... Yoriclc. Gibt's das denn auch? Man ist sinnenfreudig in Bayern. Leute, die das nicht sind, werden nicht immer oerstanden. So meine Freundin S e p p l, die Zahnärztin, die ihre Praxis in einem Außenbezirk aufgemacht hat. Do gibts Villen und Herr- schaffen und Mädchen: da gibts denn zuwellen auch Kerle, die den Mädchen auflauern; einem solchen fällt Scppl in die Hände, die spät nachts heimkehrt. Der Mann drückt Seppl ohne»eitere Vorrede gegen einen Zaun und unternimmt mit Sachoerstand einige im Handbuch des guten Tons nicht oermerkte, robuste Handgriffe. Seppl hat sich gefaßt und schreit entsetzt, markerschütternd auf— lind der Mann tritt zurück und sagt in tieferstauntem, tief- enttäuschtem Ton: „Iessas— gibt's denn dös a...?" Yoricl.. Der Retter. Auf der Landstraße hält ein mit Ochsen bespanntes Bauernjuhr- werk. Aber die Ochsen wollen nicht ziehen. Der Bauer gibt sich die größte Mühe. Er kriegt das Rindvieh nicht vom Fleck. Leute sammeln sich um das störrische Gespann: Landvolk, Au»- slügler. Raffchläge werden gegeben, allerhand Mittel versucht. Umsonst. Da tritt ein strammer Mann mit Hitler-Bärtcheu vor und sagt: „Machen Sie mal Platz. Jetzt werde i ch mal n'.ein Glück versuchen." Allgemeine Spannung. Der stramnie Herr tritt einige Meter vor das Gespann. Schneidet ein grimmiges Gesicht, roltt die Augen, schnalzt mit der Zunge. Und siehe da— wie auf Kommando setzen die Ochsen sich in Bewegung und laufen brüllend deyi strammen Herrn nach! Großes Erstaune» im Kreise. „Dunnerkiel", sagt der Bauer respektvoll„Wie haben Sie das gemacht? Wollen Sie mir das Mittel nicht verraten?" Der stramme Herr lächelt bedeutungsvoll.„Lieber Mann, es würde Ihnen nichts nützen. Das hängt mit meinem Beruf zu- sammen." „Daß Ihnen alle Ochsen nachlaufen?" staunt der Bauer.„Was sind Sic denn?" „Ich bin— aber Sie dürfen es nicht weiter sagen", versetzt der stramme Herr geheimnisvoll.„Ich bin— Gausührcr bei der NSDAP." p.p. Klezzie 2lef iraclif zm&ezz Qoldcne iferzcn Wenn die Wohltätigkeit die soziale Not auch keineswegs auf- Heden kann, so hoffte man durch die Sammlungen„Winter- Hilfe" die Not doch etwas zu mildern. Appell an die„goldenen Herzen" Berlins! Hunderte von Helferinnen waren einen ganzen Tag mit ihren Büchsen unterwegs. Press« und Plakat standen im Dienst dar Aktion. Ergebnis der Sammlung— rund 24000 Mark. Die Zahl ist kläglich. Kläglich, vsrglichen mit d«n Einnahmen eines Luxuslokals wahrend eines Abends. Diese 24 000 M. darf man keineswegs als Spende der Reichen Berlins betrachten. Di« haben anscheinend an der Sammlmigsaktion nicht teil- genommen....« Viele können es bestätigen, wie die Beträge in den Büchsen zusammengekommen sind! Arbeiter, Angestellte, klemerer Mittel- stand, sie alle gaben! Soviel sie konnten. Menschen, die selbst jeden Tag arbeitslos werden können, drückten ihr schwer«rordeitetes Geld in die Büchs«. Di« Luxus- automobile am Kurfürstendamm hatten kein« Zeil, vor den Sammlerinnen stehen zu bleiben! Und die teuersten Lokale des Westens erlaubten den Sammle- rinnen erst gar nicht, ihr Luxusparadies zu betreten. Der Herr Generaldirektor und der Kommerzienrat sollten nicht bei ihrem„schwerbezahlten" Mahl an di« Winternot erinnert werden. Ueberhaupt geben die Finanzgewaltigen nickst gern« Spenden in Büchsen: man gibt doch nicht, um anonym zu bleiben! Wenn der Herr Direktor schon gibt, dann will er genannt werden, möglichst in der Zeitung, die sein« Branche liest. Die Wohltätigkeit steht für die Mehrzahl dieser Leute aus dem Geschäftsbudget. Man gibt und denkt an Kredit. Deshalb 24 000 M. in einer Stadt, in der es auch heute noch «ine recht stattliche Anzahl Millionäre gibt. Die goldenen Herzen m den Luxuslokalen des Westens sind nur dann da, wenn sie bei einer Spende photographiert werden, sonst sind sie gepanzert wie das Gold ihrer Besitzer im Tresor. dl. G. Sparen t, ,, Sparen? Mit dem Begriff„sparen" sollte man etwas sporsomer verfahren. Wo die zu sparende Substanz fehlt, hat es ofsenstchtlich keinen Sinn, Sparsamkeit zu predigen. Und in bezug aus die im Ueberfluß Lebenden ist sparen«in genau so unangebrachtes, noch Ironie schmeckendes Vokabel, wie für die Darbenden. Weil Rocke- feller die meisten Monatsmillionen auf di« Sparkasse trägt, ist er doch nicht der Welt größter Sparmetster: aber auch R. kann natürlich sparen. Sparen heißt, von dem zum Leben Notwendigen eowas aus die hohe Kante legen. Sich etwas abknapsen. Wenn das Einkommen die Genußfähigkeit oder auch nur das Genuß- b e d ü r f n i s übersteigt, ergibt sich automatisch ein Ueberschuß, für den man keine Belobigungen in Anspruch nehmen müßte. Man sollte nicht mühelos akkumuliert« Sparkonten armen Teufeln vor- wurfsvall unler die Nase halten. Es ist ferner ebensowenig echt« Sparsamkeit, wenn«in täglicher Schlemmer sich zur angenehmen Abwechslung«iwnal mit Klopsen beschsidet, als es Verschwendung zu nennen Ist, wenn ein ewig unbefriedigter SO-Pfeilmg-Kunde sich einmal bei Kempinsti den Magen vollschlägt. Dainit Sparen einen Sinn Hot, gehört noch mehr als ein Opfer dazu, nämlich Ueberlegung, Abwägung: ob sich die Sache vom ökonomischen Standpunkt aus lohnt. Kurzum: sparen ist ein problematischer Begriff, sich schon rein historisch, wirtschaftlich ver- schiebend, ebenso wie auch in bezug auf einzelne Personen oder Völker. Die Zeiten sind unwiderruflich vorbei, wo man in der Dämmerung kein Licht anzuzünden oder die Hände ohne Strick- strumpf in den Schoß zu legen wagte: und es fragt sich sehr, ob es noch angebracht ist, ganze Vormittag« mit umständlichem Kochen und Backen zu oerbringen oder Massenprodukle eigenhändig herstellen zu wollen. Jeder Mensch und jedes Volk hat, so wie er beschaffen und auf der Stuse, aus der er steht,«in« ihm angemessene normale Sparlinie. Italienisch« und gar chinesisch« Arbeiter haben es nament- lich in der Fremde fertiggebracht Monate, Jahr« von �olenta oder Reis zu leben und drei Viertel ihres Lohnes zurückzulegen, um sich selbständig zu machen. Das ist ein Heroismus de» Spörens. Heroisch ist es auch, von dem«heinat« bis zur Kleinlichkeit sparsam gewesenen deutschen Volk, das sich zu einer besseren Lebensführung emporgearbeitet hotte, sich künstlich, gegen die Anforderung der Zeit, auf ein niedrigeres Niveau herunterzuschrauben, weil der Staatshaushalt und der persönliche Haushalt das verlangt. Es ist iwlwendig: und doch ist es gleichzeitig heroisch, es zu tun.„Sparen" ist heute nicht ein« traute, all« Hausmannstugend, sondern ein durch Arbeits- und Absatzlosigkeit bedingtes gegen all« moderne Entwick- kung gehendes Zeitübe!, eine zur Durchführung allerhand Heroismus verlangende Gewallmaßnahm«. Man will aus eigenem Willen, man muß abknapsen— es wird einem abgeknapst: man wird gespart. he he. Stall hoher tKaftenpreife Theater sollten keine reinen Erwerbsunternehmen sein, sondern buch dem allgemeinen Besten dienen.„Die Kunst dem Volke!" ist ein altes Motto. Nun zieht aber der Theuterdirektor, wenn er derzeit seine Lille. tpreise herunter kalkulieren soll, die Stirn in ernste Fa�e». Er gedenkt des hohen Aufwandes, der alle Tage neu entsteht: besonders der Gagen der Prominente». Indessei, auch bei den T h e a t e r p re i s e n zeigt sich di« Uebermacht des ehernen Gesetzes von Angebot und Nachfrage. In einer Zeit, da schäifste Not immer wer ere Schichten ver Bevölkerung ergreift, müssen eben auch die Theater Preisabbau treiben und selber tunlichst sparen. Insbesondere erscheinen in diesem Zusammenhange die Riesengage» der„ganz Großm" für dir Kasscnpretse unbillig ver- teuernd. Die Theater versuchen auf der anderen Seite aus jede mir denkbare Art und Weise die Plätze z» süllen. Wieviele Frei- b i l l e t t? in Wirklichkeit im Verkehr sind, ist notorisch. Darüber hinaus verschicken die Theater«ine große Reih« von C r m ä ß i- gungsbilletts. Einladungen usw. Auf diesem Gebiet sind aber Mißbräuche festzustellen! greifen wir einen davon heraus. Auf den fogenann en Ermäßigungs-Gutscheiiren befindet sich z. B. folgender Vordruck- „Dorzciger zahll für 1— b Plätze stall hoher Kassenpreise im Rang nur 1.00 Mark, im Parkett nur 2,50 Mark: besser« Plätze gegen Zuschlag." Das ist groß und dick gedruckt und schoiill dem Empfänger dieses Guticheines ein besonders günstiges Angebot im Weitbewerb der Theater. Der naive Inhaber solcher Gutscheine sieht sich schon guf einem Platz„von Rang" im Vollzemitz der Kunst. Tritt er aber an die Theaterkasse heran, so sieht er zunächst an den ziem- lich kleinen Preisschildern wenn er sich mrr genügend heruu.er- bückt, daß es drei verschiedene Arten von„Rang" gibt, und alle möglichen Arten von Parkellplätzen. Beim Lesen des Gutscheines hatte er sich unwillkürlich den ersten Rang vorgestell, und einen Zuschlag nur bei besseren Plätzen als Rang und Parkett. An den Theaterkassen sitzen indessen gewöhnlich besonders geschästegewandte Damen, die in solchen Fällen nur Sie a l l e r s ch l e ch t« st e n Plätze im drit.en Rang oder auf der letzten Parkettreihe her- geben. Eiu Theater im Westen z. B. weigert einen Zweiten- Rang-Platz. Ist dieses Verfahren lauter und gerechtfertigt? Wie stellt sich die Rechts lag« dar? Die Gegenleistung des Besuchers ist fest bestimmt, und man kann sagen, daß«in Preis von 1,00 Mark für Rang oder von 2,50 Mark für Parkett unter den heutigen Not- verhälmisien nicht gerade ganz niedrig ist— und jedenfalls erheb- lich höher äls der Preis der Freibillet s. Andererseits hat der Inhaber eines solchen Gutscheines ei» festes Anwartschafts- recht auf Zutritt zu einem noch nicht genau bestimmten Pi tz. Wem steht nun das Wahlrecht, das Bestimmungsrecht im einzelnen zu, der Theaterkasse oder dem Gu.schein-Vesttzer? Die Antwort gibt etwa§ 310 BGB.: „Ist der Umfang der für«Ine Leistung versprochenen Gegen- leistung nicht b e st i m m t, so steht die Bestimmung im Zweifel demjenigen Teile zu, der die Gegenleistung zu fordern hat." Deinen. sprechend könnte also der Theaterbesucher die Gegen- lessiung. ö. h. den Platz innerhalb der oerfchiedeus» Wtnge. näh« „spezifizieren". Nun wird die Theaterdrrektion hiergegen ein- wenden, daß solche Bestimmung betr. des Platzes sich in der Praxis nicht durchführen lasse. Selbstverständlich kann der Be- sucher sich nicht gerade aus den Platz Nr. 280 kaprizieren: wohl aber kann er nach Treu und Glauben.zum mindesten ein? angemessene Platzart bezeichnen. Wäre dos Theater schon aus- verkauft, so nruh er sich naturgemäß mir der Platzart vegnügen, die gerade noch vorrätig ist. Wir hören, wie die Thcaterdirektoren seufzen, sie sähen in den Abendvorstellungen viele, nur allzu viele, die nicht da wären. Plätze sind also im allgemeinen in Hülle und Fülle noch vorhanden— oder diese Seufzer müßten übertrieben sein? Naturgemäß läßt sich im Einzelfall um% oder M8 Uhr vom Besucher nicht genau die Größe des jeweiligen Bestandes an Billetts nachweisen. Er ist mehr oder minder mir die Gnade uns den guten Willen der Kassiererin angewiesen. Er wird nicht so anspruchsvoll sein und gerade einen Platz, der sonst 12 Mark oder 15 Mark kostet, für sich verlangen. Wohl aber kann das Publikum mit Recht crwarleir, daß, wenn es nun solcher Extra-Einlodung mit der ausdrücklichen Zusicherung:„Statt hoher Kassenpreise..." folgt, es dann nicht schlechter behanidelt und mit den billigsten Bro- samen vom Tische der Kunst abgespeist wird. Wir lassen es uns nicht nehmen, daß ein sehr, sehr großer Teil der Bevölkerung einen gelegentlichen Theaterbesuch noch immer für eine Lebensnotwendigkeit hält, anderersei s aber wirk» lich in schwerer wirtsihaftllchar Bedrängnis sich befindet. Da soll- tcn doch die Direktioren billigenreise ein Einsehen Huben und ihre Theaterkassen Mit Anweisungen verschen, auch de»„lumpigen" Vorzeigern von Gutscheinen gegenüber jede Unkulanz zu vermeiden. Dienst am Theaterkunden bleibe auch hier die"Parole! AnUsLerichtsrat Berthold Herr. e Buch i)ns QroSUadlkrankenhaus Es sst das Probelm des Großftodt-Krankenhauses, zu dem sich der Stadtmedizinalrat von Berlin, Prof. Dr. v. D r i° g a l s k i, In einer längeren Abhandlung„Wege und Ziele der geschlossenen(Anstalts-)Fürsorge in der Großstadt"(„Noso Komeion", internationale Aierteljahrsschrift für Krankenhauswesen. Jahrgang 1930, 1— 4) äußert. Ueber Bedeutung des Lichtes, der Luft, des Költereize«, des Arbeitsreizes, über Fragen der Grundriß- und Aufrißgestallung, der Heizung und Ventilation werden die Er- sahrungen der letzten 25 Jahre vorgetragen und kritisch genommen. Im Bordergrund stehen die Anschauungen von Sanitätsrat Dr. Dvsquet, wie sie in Berlin im Krankenhaus Nordend ver- wirklicht wurden. Es folgen Betrachtungen über Sonderabteilungen für spezielle Behandlung, über Sonderanstalten für Leichtkranke, chronisch Kranke und Irre, schließlich über„Seitenanstalten" des großen Krankenhauses, wie Polikliniken, Ambulatorien, Fürsorge- stellen. Schließlich einiges über die soziale Krankenhaus- f 2 r f o r g e r i n: sie soll„dem Gesundheilsamt unterstehen, aber der leitende Arzt soll ihr Aorgesegler sein". Die innerhalb der Anstalt erforderliche Einheitlichkeit der Leitung wird in der Praxis wohl selten reibungslos durchzuführen sein, wenn der leitend« Arzt neben der Verantwortung für die Gesundheitsoerwaltung feiner Anstalt sich auch noch für Aufgaben der Wohlfahrtsverwaltung ver- antworten soll, di« sich— eben als Funktion jener Fürsorgerin— doch mehr auf die außerhalb der Anstalt gelegene soziale Um- welt des Patienten beziehen. Bon Maßnahmen außerhalb der Anstatt bleibt der Ehefarzt zwar nicht unberührt. Sollten solche Fürsorgemoßnahmen aber einmal unmöglich sein, so wird er sich gezwungen sehen, trotzdem für freie Betten zu sorgen und den Patienten zu entlassen. Von dieser letzten politisch-diskutablen Frag« abgesehen, ist die Arbett des Verfassers die Quintessen; moderner Autfassungen zum Krankenhausproblem, und wird besonders auch in LSndern, wo(wie etwa in Frankreich) die Verhältnisse noch nicht in der Wesse ent- wickelt sind, viel beachtet werden. H. Adam. Sorna ry; SHankpolilik Im Verlag I. E. B. Mohr(Paul Siebeck) Tübingen ist jetzt »ach 14 Jahren die 2. Auflage von S o m a r y, B.a n k p o l i t i k erschienen. Lange Zeit war das Werk leider vergriffen. Der Ver- sasser begründet tos Hinausschieben der Neubearbeitung damit, daß erst setzt die Möglichkeit gegeben gewesen sei, aus den Lehren und Erfahrungen dos Vergängliche von dem für unsere Zeit Wichtigen zu scheiden. Man darf den Versuch,«in Bild von der iniernatioualen Banksituation und Ihren Entwicklungstendenzen zu entwerfen, als völlig gelungen bezeichnen. Das Werk ist für Bankleute und solche. die es werden wollen, geschrieben, kann aber einen über diesen Kreis hinausgehendes Inleresie beanspruchen. Banken sind nach Somary Institute, deren Zweck es ist, Kredite zu nehmen. Aus dieser Definition ergibt sich die Einteilung der Bankarten und ihrer Mittel. Das eigentliche Thema„Bankpolitik" wird in den beiden erschöpfenden Abteilungen Geldmarkt und Kapitalmarkt erörtert. Hier finden wir die für die Praxis folgerungsreiche Problematjit. Die Darstellung ist ein Aufbau bankmäßiger Operationen(auf die deshalb hier auch im«inzettten nicht eingegangen werden kann). wobei der geschäftsmäßige Zweck, aber auch der volkswtrsschaflliche berücksichtigt wird. In dieser Aufmachung stellt sich uns das Werk vorzugsweise als Lehrbuch dar, als ein« Äeättypisierung(innerhalb des heutigen Wirtschaftssystems), gegen die In der Wirklichkeit mitunter verstoßen wird. Somary zieht außerdem theoretische Ueber- legungen der allgemeinen Volkswirtschaftslehre in sein« Untersuchung. Ist so aus der ganzen Gedankenführung mit Sicherheit zu entnehmen, daß die ökonomischen Obersätze dem Verfasser bewußt sind, bleiben sie doch in seiner Bearbeitung im Hintergrund. Was er'in diesen diagonal vertretenen Aeußerungen bringt, könnte in einer dem Buch zu wünschenden späteren Neuauflage vielleicht ficht- barer herausgestellt werden als es schon in dieser gegenüber der ersten Auflage stattgefunden hat. .Dvbeaue-Oriobett. Rätsel-Ecke des„Abend" iimnimmminiiiiiiiiiiinm«auwiiiHMiiiimMWiiimflwiummnB«wm»MmiiiwiwnuiiminuuunimumiMMm!mmwmiwmiwainimnimnmu/iui« Kreuzworiraisel Waagerecht: 1. preußischer Feldmarschall: 7. Landesbezirk: 8. Getränk: 10. spanischer Feldherr: II. Mädchenname: alkoholisches Getränk: 13. biblischer Name: 14. Bündnis: 12. 15. Fluß in Italien. 3. Beleidigung: 4. 8. Biumengefäß: 8. Musitoereinigung. Senkrecht: 2. Wasserfall In Amerika: Gemütszustand: 5. Tel! der Mathematik: —eler.— Balkenfätsel. Obenstchende Balken ordne man so. daß die waagerechten Reihen hintereinander gelesen ein Zitat von Heine ergeben. ehr. Züllrötsel. Die Buchstaben: d. e, e,«. e, e, g. g, h, I. I. n. p, p, r. r. r.», s, w. sind so in die freien Felder nebenstehender Figur einzusetzen, daß die waagerechten Reihen Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Gewürz, 2 Malgerät, 3. Insekt, 4 Fisch, 5. deutsche Stadt. H. S. Die fehlende Mittelsilbe Aus den Silben ap do dra ken ko kö kam kup lei Nn lum lung nick rie rei sal sim ta t« te ter tenz tit tor tra trom zep zunt sollen 14 dreisilbige Wörter gebildet werden mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? ab. Pyramidenrätsel 1. Kon'onant: 2 Flächenmaß: 3 Teil des Wagens: 4. Nebenfluß der Donau: 5. Lärm H.5. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der lehnen Rätselecke Fliesenrätsel: 1. Nabe: 2. Rebe: 3. Pore: 4. Egon: 5. Eber:(5. Eros: 7. Opal: 8. Eaer: 9. Reso: 10. Sole: 11. Keer: 12. Robe: 13. Rose: 14, Esel: 15. Ebbe: 16. Bord: 17. Resi: 18. Hebe: id. Dnhfa; 20. Ried: 21. Bssc: 22. Las«: 23. Aden: 24. Eibe. Kapselrätsol: Liebe und Moschus lassen sich nicht ver- heimlichen. Silbenrätsel: 1. Seehund: 2. Erich: 3- Zren«: 4. Imkerei: 5. INandel: 6. Barbarel: 7. Endung: 8. Serpuschow: 9. Zsolani: 10. Tortur: 11. Zutkerkand: 12. Elia«: 13. Uh'.and: 14. Noemi: 15. vahli«: IS. Diadem: 17. Ulm«: 18. Weihnachten: 19. Orientierung: 20. Heine: 21. Jlachod; 22. Sinai; 23. Tiber: 24. Zngalaub: 25. Mulde; 26. Romanow: 27. Elba: 28 Ehrysolith: 29. Turnier; 30. Undine: 31. Nation.—„Sei im Besitze, und du wohnst im Recht, und heilig wird's di« Menge dir bewahren." Ronnenquadrat: 1. Adel«: 2. Gerda; 3. Nann«: 4. Elise: 5. Sentri.— Senkrecht; Agnes. Was die Auioausstellung bringt Kommt endlich das Volksauto? Zlnkitzllch der Internationalen Automobil- Aus- stellung, die vom 19. Februar bis zum 1. März in den Aus- ftellungshallen am Kaiserdamm stattfindet, lud der Reichsverband der Automobilindustrie die Tages- und Fachpresse gestern zu einer Zusammenkunft ein. Der erste Aorsitzendc des Verbandes Dr. Allmers führte in einer längeren Ansprache folgendes aus: Di« Ausstellung wird eine besonder« Bedeutung durch außer- ordentlich weitgehende technische Veränderungen haben, die der 2lutomobilbau im letzten Jahre gebracht hat. Während noch auf den vor kurzem abgehaltenen ausländischen Ausstellungen die alten Standardformen beibehalten waren, soll die Berliner Schau eine neue Epoche einleiten. Es sind die Neuerungen im Kleinautobau. die der Ausstellung ein besonderes Gepräge geben werden und die beweisen, daß Deutschland nicht nur den inodernsten Äleinwagen, sondern auch den billigsten der Welt bauen kann. Dr. Allmers meinte, daß es der Berliner Autoschau vorbehalten bleiben wird, einen großen und entscheidenden Schritt aus dem Wege zum wirk- lichen Volkswagen zu tun. Die deutsche Automobilindustrie habe den Wagen für den Mittelstand geschaffen: sie müsse jetzt sich an neue und größere Verbraucherschichten wenden, um Arbeit und Absatz zu be- kommen. Dieselbe große Rolle für die Antomobilindustrie spiele die Wirtschaftlichkeit im Zluhfahrzeugverkehr. Hier ist es besonders die Verwendung von Schwerölmaschinen bei Lastwagen, die die Treib- stoffkosten um mehr als 70 Proz. herabsetzen. Daneben verfolgt die Industrie aber die Aufgabe, neue Typen zu entwickeln, um auch den bisherigen Abnehmerkreisen immer wieder neuen Anreiz zum Er- werf» von Kraftwagen zu geben. Neu ist serner der Sau von Fahr- drahtaulobusien, die, schienenlos gefahren, den alcktrifchen Strom zmn Antrieb der Motoren mit der Stange von einer Oberleitung nehmen und die natürlich im Betriebe unverhällnismäßlg billiger arbeiten als Benzinautobusse. Sehr deutlich wird auf der Ausstellung das Bestreben der In- dustrie erkennbar fein, zu einer weiteren Konftruktions- und War- wngsoereinfachung für Maschinen und Wagen zu kommen. So sind die Vcrgaserlypeo aus einige wenige Fabrikate konzentriert worden. Die Batteriezündung Hot sich bei den deutschen Personenkraftwagen fast hundertprozentig durchgesetzt. Sie hat ihre Brauchbarkeit er- wiesen. Alle Typen besitzen Motorgetriebeblockkonstruktion, d. h. also Motor- und Schaltungsgetriebe sind zu einem festen Aggregat ver- schmolzen. Die Einschcibenkupplung überwiegt wegen ihrer Ein- sachhcit in Konstruktion und Herstellung mit etwa GZ Proz. Beim Gebrauchswage» steht heute dos Dreiganggetriebe mit einem Zusah- schoellgang an der Spitze, wobei als Neuheit ein Schnellgang und Sparzetriebe auffällt, dem man eine Brennstoffersparnis von 20 Proz. nachrühmt. Der Uebergong zum Vorderradantrieb geht nur sehr langsam vor sich. Nach wie vor ungelöst ist das Problem der Federung der Wagen. Selbstverständlich sind bei allen Per- sonenkraftwagen die Vierradbremsen, wobei festzustellen ist, daß die hydraulische Kraftübertragung sehr zugenommen hat. Das Ler» hällnis zwischen der mechanischen und der hydraulischen Bremsung ist etwa 1: 1. Die Eröffnung der Ausstellung wird am Donnerstag, dem 19. Februar, erfolgen, am Mittwoch findet eine Pressevorbesichti- gung statt. Allerlei vorn Berufssport Tagung des VDF, Koslowski bleibt Noch nie wurde eine Generalversammlung des Verbandes Deutscher Faustkämpfer(Organisation der Berussborer) mit so großer Spannung erwartet, wie die diesjährige, die am Sonnabend stattfand. Unter den Boxern gärte es schon lange, sie sind unzufrieden, vor allem mit ihrer Behörde: gegen den 1. Vorsitzenden Koslowski waren össentlich die schwersten Bor- . würfe erhoben worden, jedenfalls mar genügend Zündstoff vor- Händen, um die Bombe zum Platzen zu bringen,— aber nicht» geschah, nichts hat sich geändert. Auf die Angrisse gegen den 1. Vorsitzenden wurde schon bei der Erstattung des Geschäftsberichts eingegangen. Koslowski selbst er- stattete das Referat, aus dem man erfuhr, daß die Vorwurfe von einer Person stammten, deren polizeiliches Führungszeugnis„einige Schönheitsfehler" auswies, auch der andere hatte„Butter aus dem Kops". Mit der Bemerkung, daß er gegen die Verleumder zivil- rechtlich vorgegangen sei. nahm er seiner Gegnerschast den Wind nus den Segeln, niemand aus der stark besuchten Bersanimlung stellte die Frage, was an den Beschuldigungen Wahres und Un- wahres ist. Die Neuwahlen vollzogen sich dann auch ziemlich glatt. zumal für den Posten des 1. Vorsitzenden nur wenige in Frage kamen. Koslowski wurde wiedergewählt, aber über- wälligend war die Majorität, die er erhielt, nicht. 2. Vorsitzender ist Herzberg-Berlin, 3. Hartung-Mühlhausen. Aus dem Bericht wurde u. a. ersichtlich, daß die Boxer allein 19000 Mark an Gehältern der Angestellten aufzubringen hatten, eine unverhältnismäßig hohe Somme. die erst eingenommen sein will. Zuletzt wurde«ine Satzungsänderung beschlossen, dahin- gehend, daß der Verband an den„Boxsport" als alleiniges Fach- organ nicht mehr gebunden ist. Es ist geplant, den Boxern ein wesentlich billigeres Organ zu liefern, dos auch die amtlichen Nach- richten enthält, die für die Boxer von höchstem Interesse sind. Es bleibt also alles beim alten, die Boxer haben wieder einmal eine Gelegenheit verpaßt, stch in den Mittelpunkt der Bewegung zu stellen. Sie sollen nun aber auch keinem anderen die. Schuld geben, ihre Gleichgülttgkeit gegenüber lebenswichtigen Fragen hat zu dieser Lage der Dinge gesührt. Si« können sich weiter für ein paar Mark herumschlagen, als Lohn winkt ihnen stark geschwächte Sehkraft (Schultz) oder die„weiche Birne". Der größte Teil der Boxer ist so gut wie beschäftigungslos: das Bestreben der Führer einer Berussorganisation wie sie der BDF. darstellt, müßte gerade in dieser schweren Zeit darauf gerichtet sein, den Mitgliedern Verdienst- Möglichkeiten zu schaffen In der Bcxsportbehörde sitzen Leute, die ihre Beziehungen zum Nutzen der Boxer verwerten könnten. Man sollte nun endlich auch daran denken, den Boxern, die berufs- unfähig werden, ihr Los zu erleichtern, etwa so, daß jeder Aus- scheidende nach Maßgabe seiner Zugehörigkeit zum Verband eine Rente erhält. Die Boxer werden ihr Teil sicher gern dazu beitragen. Dann sollte die BBD. Boxern, die in diesem Beruf keine Aussichten haben und eine Knockout-Nicderlage nach der anderen hinnehmen müssen(Uffelmann), die Lizenz entziehen: derartig« Typen ssnd wirklich kein« Zierde der Blumenkohlohr-Branche. Kontrolle des Sports und Lizenzerteilung können nicht die alleinigen Aufgaben dieser Behörde fein. ttaudei'tmsl„Standiger Ring" Der Berliner„Ständige Boxring" begeht am Fraitag. dem 13. Februar, das Jubiläum seiner 10 0. Veranstaltung in den Spichernsälen. Das Programm dieses Jubiläumsabend» ist recht zugkräftig gestaltet worden. Miftelgewichtsmeistor Erich T o do.ck-'Sresfau wird dem schnellen Hannoveraner Heinrich Trollmann, den«r an glei-cher Stelle vor längerer Zeit 1,1 einer Runde zusammenschlug, Revanche geben. Der Knockout-Iäger Josef B e s s e l m a n n- Köln wird an dem harten Dresdener Paul Richter versuchen, di« Reil>e seiner emscheidenden Erfolge fort- zusetzen. Ferner kämpfen die Berliner Halbschwergewicht« S a- bottke und Horst Riege, der Hannoveraner Gustav Eibel gegen Fritz Kühn- Hirschberg sowie im Qualifikationsrampf die Schwergewichte Ludwig H ö h r i ch und Frtz Marks- Berlin. * Der für den 19. Februar angesetzte erste Kampftag des neuen Berufsboxringes Friedrichshain ist mit Rucksicht auf den am 17. Februar stattfindenden Sportpalastlampftag auf den 25. Februar verlegt worden. Im Hauptkampf treffen der aus- gezeichnete Weltergewichtler Kvnrod S t e i n- München und der Engländer Poung Spears zusammen. Ferner wurde» ver- pflichtet Albert L e i dm a n n- München gegen Heinrich Buch- bäum- Köln sowie dl« drei Examatcure Fuchs, Meergrün und Eggert, die ihr Prosidebut geben sollen. Amerika-Schweden im Sporipalati— Amerika siegt 3: 1 Die zweitägigen Eishockeywcttkämpsc im Sportpalast, an denen die von der Wellmeisterschaft in Krynica zarückgetehrten Nationalmannschaften Amerikas und Schwedens beteiligt sind, wurden gestern abend mit der Begegnung dieser beiden Länder eingeleitet. Der Besuch war indessen recht schwach, jraglos eine Folge der falschen Preispolitik der Sportpalastleiter. Wie in Krynica, wo Amerika gegen Schweden mit 3: 0 gewann, erwiesen stch die Amerikaner auch diesmal als die überlegene Mannschaft und siegten mit 3:1(0:0. Iii, 2:0) Toren. Im allgemeinen bot das Spiel aber nichts Besonderes, es war arm an spannende» Momenten, was auf Ermüdung der Spieler schließen läßt. Bei den Schweden hütet« übrigens an Stelle von Sucksdorfs der Berliner Liycke dos Tar. Das erste Drittel verlies ziemlich matt, von den in Berlin debütierenden Amerikanern hatte man mehr erwartet. Anfangs verlief auch der zweite Spielabschnitt ausgeglichen. Als aber Johansson die Schweden in Führung gebracht hatte, änderte ssch das Bild. Die Amerikaner wurden stark überlegen und ihr bester Stürmer R a m s e y überrumpelte Lincke mit einem überraschenden Schuß, womit der Ausgleich hergestellt war. Im letzten Epielabschnitt wurde die Ucbcrlegenhctt der immer besser werdenden Amerikaner noch deutlicher und die Schweden mußten mit der ganzen Mannschaft verteidigen, ohne verhindern zu können, daß Smith und S a n j o r d de» Schlußstand herstellten. Im anschließenden zweiten Kampf siegte eine kombinierte Mann- jchast des Schlittschuh-Clubs durch einen Zufallstreffer von D a v i d o f f mit 1:0(0:0, 1:0, 0:0) gegen die besser kam- dinierende Mannschaft des Brandenburgischen Eissportverbandes. Der Städte kam pf im Eisschnellauj zwischen Berlin und München verunglückte, da der Münchener Richter in dem von Berlin gewonnenen 1?-Rundcn-Lauf schwer gestürzt war. so daß die ZX10-Runden-Stafscl ausjallen»ruhte. Lishockey der Arbcitersporllcr Zum Eishockey-LSnderkampf Lettland-Deut fch- tand der Arbeitersportler am Freitag, 13. Februar. 20.15 Uhr, im Sportpalast ist der B o r v c r k a u s an solgenden Stellen eröffnet: Sportzentrale, Königsberger Str 5/6: Geschäfts- stelle FTGB.. Lichtenberger Str. 3: Wagners Bereinsliaiis, Frank- furter Allee 236; Kreisgeschäftsstelle, Elsasser Str. 86/88: Sporthaus Nordwest, Stromstr. 56: Sportpalast, Potsdamer Straße: Weylaitdt, Passoge Unter den Linden 30: A. Wcrrheim und in der Geschäftsstelle der Naturfreunde, Iohannisstr. IS. Um allen Kreisen der Berliner Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, diesen schönen und schnellste» Sport kennenzulernen, sind die Eintrittspreise sehr medrig gehalten. Sie betragen 50 Pf. bis 3 M. Die lettischen Arbeiter-Eishockeyspieler treffen in Begleitung einer königsberger Mannschaft morgen, Donnerstag, früh 7.10 Uhr, auf dem Anhalter Bahnhof ein. Sie kommen nach der Winterspyrtolympiade in Mürzzuschlag aus Wien, wo sie auch Wettspiele absolvierten. Die Dcufsdiland-Rundfahrt Start am 4 Mai in Rüssclshcim Das Programm der Internationalen Deutschland- Radrundfahrt 1931 llegi nunmehr vor. Di« Teilnehmer bestreiten am 3. Mai einige Bahnrennen in Rüsselsheim-Main und treten dann am 4. Mai ihre eigentliche Reife an. Die Fahrt ist in sechzehn Etappen eingeteilt, mii jeweiliger Einlage eines Ruhe- tvges, von denen insgesamt fünf vorgesehen sind. In der e r st e n Etappe durchfahren die Rennfahrer von Rüsselshrim kommend Darmstadt— Bencheim— Heppenheim— Woin- hcftn— Heidelberg— Wiesloch— Bruchsal— Durlach— Karlsruhe— Rastatt— Offenburg— Lahr— Kenzingen— Freiburg(284,7 Kits- mcter). Die letzte Etappc ein 24. Mai führt van Trier— 91min« weiler— Obersteiii— Kirn— Kreuznach— Bingen— Mainz nach Rüsselshetm(182,3 Kilometer). Am l4. Mai ist mit der neunten Ewppe dl« längste Strecke— 313,2 Kilometer— zu bewältigen Hier geht die Fahrt von Liegnitz über Bunzlau— Eichberg— Oberleschen— Sprottau— Sagau— Sarau— Kassen— Sommer- seid— Forst— Ko.tbus— Bai. schau— Lübbe»— Baruth— Dahlewitz— Teltow nach Berkin, wo ein Ruhetag winkt. Die gesamte Kilometerzohl betrügt 3971,8. Berliner wir.lernolhilfe. Ein Teil der bürgerlichen Presse bc- richtet über eine gemeinsame Beranstaltung der bürgerlichen und Arbeiter-Sportler zugunsten der Berlmer Winterno.hilse. Wie uns die Zentrallommission für Arbeitersport und Körperpflege mit- teilt, berühr diese Meldung auf einem Irrtum. Schwerathletik auf der Arbeiter-Olympiade In allen Bezirken Deutschlands stehen die Ar beiter- Athlet e n in den Slusscheidungskampsen für die A r b« t i e r- O l y m- p i a d e 1 9 3 k i n W i e n. Es gitt die Besten der drei Hauptsparten Ringen, Boxen und Gewichtheben auszuwählen, die den keutscheir Athletiksport in der Donaustadt vertreten sollen. In jeder Klasse der drei Disziplinen können 4—5 Mitglieder bei den Wettkämpfen starten. Im Ringen und Gewichtheben starten wieder die sieben Gewichtklassen vom Fliegen- bis zum Schwergewicht, bei den Borern wird eine achte Klasse, das Weltergewicht, ekngesügt. Deutsch- land wird somit auf der Olympiade init über hundert Kraftsportlern vertreten sein. Mehr als 12 Länder haben bereits ihre Zusage gegeben: wenn es all diesen Ländern möglich ist, trotz der großei, Arbeitslosigkeit die Teilnahme- berechtigung durchzuführen, dann wäre es ein Aufmarsch von Tausenden von athletischen Wettkämpfern. Im Ringe» und Boxen sind Ausscheidungen im Kamps„jeder gegen jeden" erforderlich: bei den Gewichthebern wird die Auswahl nach den erreichten Leistimgeir vorgenommen. Nachdem die Bezirke ihre Ztusscheidungswettkämpfe durchgefülhrt haben, solgen die Ausscheidungskämpfc in den Kreisen. Die hier als die Besten Ermittelten treffen dann nochmals in den Schlußkämpfcn der einzelnen Landesgruppcn auseinander. Die Besten aus den fünf Gruppen des Reiches werden dann auf der Olympiade mit den Besten der andern Länder der Sozialistischen Sportiniernationale kämpfen. Am 22. Februar werden die Ausscheidüngskämpie im Ringen des 4. Kreises in Luckenwalde durchgeführt. Die Ausscheidungs- kämpfe im Ringen und Boxen der Norddeutschen Gruppe werden am 29. März in Berlin in her Neuen Welt ausgetragen. Die Abt. Prenzlauer Berg des„Touristenoercin dir Natur. freunde" veranstaltet Donnerstag, 12. Februar, 20 Uhr, im Alters- heim Danziger Straße 62, Baracke II, einen Rozitationsabend. Friedet Hall bringt heitere und ernste Rezitationen. Gäste und Freunde sind herzlich willkommen. Die Freie Sporl- und Wustkvereinigung Berlin, Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, sticht zur Vergrößerung ihrer Mustkabteilungcn ständig Mitglieder für jede Art der Musik mit Ausnahme von Schalmeien. Auch passive Mitglieder, die sich für die Arbeitersportbewegung und ihre Musik interessteren, töimen jederzeit aufgenommen werden. Der Beitrag deträgt pro Mitglied monatlich nur 1 Mark. Mitglieder von Brudervereinen, die aber hier gern Musik treiben möchten, zahlen pro Monat nur 50 Pf. und Erwerbslose pro Vierteljahr 50 Pf. Beitrag. Für den zweiten Spielmannszug werden vordringlich zwei Lyraspieler, zwei Pauken- und zwei Beckenschläger gesucht, außerdem noch Trommler und Pfeifer. Für die Blasmusik noch Mitglieder jeden Instruments, ebenso Streichmustker, Mandolineii und Bandoiiicnspicler. Die Spiclmannszllge üben jeden Freitag, 20 Uhr, im Lokal„Sport- Haus", in der Dircksciistraße 1, an der Iannowitzbrückc: die Bläser- abteilung in der„Wühlisch-Klausc", Wühlischstraßc 36, 20 II Hr. Instrumente stellt der Verein seinen Mitgliedern mit Ausnahme der Zupf-, Streich- und Bandonieninftrumente zur Verfügung. An- schriften an die Geschäftsstelle: Robert Oehlschlüger, Berlin N. 05, Nazarethkirchstraße 46, Tel. D 6 Wedding 2977. Ruderboote ohne Sieuermana. In bor letzten Bertrauens- männersitzung der„Wasserwacht" kam zur Sprache, daß Ruderboote ohne Steuermann eine Gefahr der Wasserstraße.» bilden. Ein der „Wasserwacht" angeschlossener Ruderklub hat salzend: Bestimmung herausgegeben:„In der Zeit vom 1. April bis 30. September Ist das Fahren in Vereinsbooten ohne Steuermann an den Sonn- tagen in den Hauptvertehrszeiten nicht gestattet. Privatbovt- besitzern wird zur Vermeidung von Berkehrsunfällen ebenfalls emp- fohlen� sich hiernach zu richten." USC. Xtptn*. Wiftens«. llrimilftsffaittbc ltteifatt, lZ. Jlcbmar, fölli aitacit i!!»lio!rderkampf CtlWanö oeaen D«uNchIand q:-i.«tt»ich: mit nach beut Ssoripalaft komm!,»cht tiiu»ab, da das Ztcichsdanncc ten lltdunaeabciib ttpetnimmt. ftteie Äubcrvr und Kanufahrcr, I, Kreis. Gonnabcub, 14. gebruar, 17 Uhr, fficnccaldblcfllrrlenonfaimiilimq In twe Kriicncfchäflaftclk, CliShcr oltafit fe—fls. SpottDinin Moabit. öicfchbflsflfUt: iPrur.o Äroskc. NW. 57. Waldftr. Ii. tooactifbUIct. Mittwoch. 11. Tcbrnar. 20 Uhr, Lslai Nlntrl. Verkaitimtung. Donncrota», 12. ftebtuat, 204', Uhr, Pabradrnb tm Zlabtdab Turmstragc für alle Pcretnamit«I>eb«r.— Mantaa. I«. ftrbruat. 2t, Uhr. Imtol-USitcl,»ci. fnimniuna bcr Lcichta'hlctik- und Turnadicilunq.— Dir für Montan, Iii. Ze- druar. anncschte �unlUanitrOersammlun» mesitc auf'Mittwoch. 15. ssebruar, 20 Uhr, Lokal Rostet, PnUststr. 10, ocrlent wcrbcn.— Die Snartasie fitr Wirn ff» ftoffnet. Simtahluttnen auf den Sunrobcndtn nr.b in 07 r R crcin 0- gefchdflbstcllc. vflfL. Otttina«.. ü. Donnerstan, 12. Rcbcuar, StitKlMbcrnil'amintnkunit auf der chatte, ttreffpunlt»um Valdtauf eonntca, 14 Uhr, im Cotal. Arbeits- «ruvve bereits um 13 Uhr. Arbeiter-Turn- und-Gportduirb, neria.Zuatndreleerntementcaic. Die Tunendabteitmincn der Vunbcsoercine kiiiiiin.n die Restrcntuwntra!» in An- fpruch nehme». Aiiibrbcrnnnrn INI»betten» 34 Tank vor Sln'ifinb.ii de» Var» träne«, öenofien, dt« In»et Laqe find, su refetlewn, qteich Uder weiches Thema, werden»ebetcu. sich zur Verktiauna lu stellen. AnmeldnNn und Ver- mittin n» dürft chetn» Wapnec, Berlin. illtahlsdork. Moylftcarenftt. Iii. ASS., choicna&tcilimft, Sitiuiw U. Äcbruat, SO'/i Uhr, bei Inschtat, Lid), tendera, rfahler- Ecke choheiiloheilrabe. Arbeltee-Olninpiad« nrd Cfoctaato. tksperant» ift die von der Internatt.'. uat« anerfannte internationale Sprache de» Arbeitersports. Das zeigen jedem: Ardeiterfportler schon öle zur Slnmmade hcrattraeaebcnen internationalen Marke», die Esperantoanfdruck haben. Um den Arbeitertvorttern, bic nach Wien fahren, Oieteaenheit zur Bctftänbiaunn mit den esperanwsvr echte»den Sportnenossen zu neben,«rdffnet die Ortsoruppe Berlin des Sozialitttschen (Zsperana-Dunbes Seeitan, 13. Tebruar, I0>!, Uhr. in, Relallarbeiierhaus. Lintrnttr. 83 tsihunnazinnner 1), einen A» tSoqerknrtns.>t»r-'us-r!b s M.. Zunenbliche 4 R. Arbcitslote zahlen die chitlfte. Anmeldunnen am erßen Kursusabriib ober d»! A. Sproeck, R. 38,'tlhoriner Sir. 43. dlittwkxji, 11. yadmmp. Berlin. 16.05 Iiis:, Joachim Bochmcr; Eine Viertelstunde Technik. J6.50 Doktor Ueberau erzählt. 17.00 TeomuSik. i/.50 Egon Erwin Kisch liest eigene Arbeiten. Irt.OO Neue französische Musik(mit SchallplatUn). 19.00 Ileiilron: Rech tsf ragen des Tages. 19.3») Königgbcrgr Konzert. 20..i0 Rcichstagspräsldent Löbc;„Die neue GeSchähsordauiig und Arbcits- fählgkcit des Reiobsiaxs". 5!.00 Tagvs- uod Sportuachricbteu. 31.10..Die Wandlungen des OpcrnMils". 1. Abend. Einleitende und verbindende Worte: Prof. Dr. Oskar Bie. Dir.; Generalmusikdirektor Man- tred öurliH. Lt«.: Corneli« Bronsgeest. 32,15 Wetter-, Ttges-, Sportnauhrichten. Anschließend bis 0.30: Tanroiusik. Könlgswusterhtnsen. 16.00 Heinz Monzel und Karl Priedel: Punkpldaeoglsche Arbeltsgemelnschtft. 16.30 Hamburg: Konzert 17.30 Rektor Sczodrok: Nuntius, der Abt von Himmclwltz. 1z. 00 Dr. J. Ottutber; Deutsch für Deutsche., 1R.30 Prof Dr A. Dietrich: Gedankenwelt der gcgenwÄrtlifci! Philosophie. M.30 Leipzig: Untarhaltülinskonzert. Df. NV. ffoffmann-Harnisch: Große Schauspieler. 6in Tag Arbeitsgericht. Aus der ostpreußischen Landwirtschast. D<'r osdpreuhische Kreis Rastenburg ist besonders reichlich mit feudalen Junkern bedacht. Selbstverständlich fühlen sich diese Herr- schaften dchju berufen,.die nationalen Belange und die ruhmreichen Traditionen aus der Vorkriegszeit zu wahren. Was man in diesen Kreisen unter national versteht, zeigt ein einziger Tag Ar- beitsgericht, der die Ritter von Ar und Halm geradezu kompagnieweife aufmarschieren sieht. Der Äreisvorsisiende der Deutschnationalcn Bolkspartei, Graf zu Dohna auf Tolksdors. erscheint als erster. Er hat deutsche Arbeitslose aus der näheren Umgebung Rastenburgs, die im Frühjahr vorigen Jahres bei ihm um Arbeit vorsprachen, nicht e i n g c st e l l t, dafür ober Polen beschäftigt, d« natür- lich keinen Tariflohn erhielten. Aus diese Weise ersparte der Herr Graf während der Saison an jedenl Arbeiter etwa 50 Mark. Die Klage eines polnischen Arbeiters auf Zahlung des tariflichen Lohnes wies das Arbeitsgericht mit der Begründung ab, es bestehe seit April des vergangenen Jahres kein Tarif- vertrag! Gleich darauf wird noch einmal gegen den deutschnationalen Krcisführer verhandelt, weil er St�ischlägern für l Meter Kopf- stcinpflastcr nur 4 Mark anstaf! des Tariflohnes von 7,65 Mark gezahlt hat. Nach langem Feilschen bequemt sich der Herr Graf zu einem Vergleich und zahlt 80 Mark nach, die nun der Partcikasie fehlen werden. Die ausgesteuerten Arbeiter aber freuen sich über die Nachzahlung, die sie gut gebrauchen können. Der nächste Stammgast auf dem Arbeitsgericht ist der Graf zu Slolberg-Wernigerobe auf Dönhofstädt, früherer volkspartcilicher Abgeordneter und ob dieser Entgleisung von seinen Klasscngcnossen „Der rote Graf" genannt. Ein Deputant inußtc seine Kuh verkaufen und beanspruchte laut Tarifvertrag 4 Liter Milch pro Tag. Der Herr Graf läßt einen Vergleich ablehnen und beantragt Ladung des Händlers, der die Kuh gekauft hat, um festzustellen, ob dieser Verkauf auch notwendig war. Der arm« Deputant kann ja warten, ehe er seine Milch bekommt. Der dritte im Bunde der Edlen ist der Areiherr Dr. v. Schmiheck auf Wohlauten. Sohn des ehemaligen Landrats von Rastenburg. Er hat eine vertriebene Auslandsdeutsche beschäftigt und ihr nur den Lohn einer Depuiantcnfrau gegeben, obwohl sie auf Staats- kosten Wohnung und Verpflegung erhielt. Auch in diesem Fall kommt der Herr Graf mit einer Nachzahlung von über 10 0 Mark noch glimpflich davon. Zu allen diesen gesellt sich der Freiherr von Goyl mit seiner Ost preußischen Landgefellschost. Hier hat man aus Siedlungsbauten beschäftigten Bauhilfsarbeitern an statt des Tariflohnes von 85 Pfennig nur 42 gezahlt. Die Beklagte will den Tariflohn deshalb nicht zahlen, weil es sich um eine Arbeit in der Landwirtschaft gehandelt habe. Der sreigewerk- schaftliche Vertreter muß erst dem Gericht klarmachen, daß es völlig gleich sei, ob es sich um einen Haremspalast oder um eine Spiel- Hölle handele: entscheidend sei nicht, was der Arbeitgeber fei, son- dcrn welche Tätigkeit der Arbeiter ausführen muß. Und fo werden an einem einzigen Tag 20 Sachen durchge- peitscht und kaum ist das erledigt, so stürmen schon 20 ander« Ar- beiter auf den frcigewcrkschaftliche» Kreisleiter ein, um durch ihn zu ihrem Recht zu kommen. Ja, es ist für Landarbeiter«ine „Wonne", in Ostpreußen zu leben und von den nationalen Phrasen der Junker satt zu werden. „Lndustrieschuhverband." Keine w.rtschastliche Vereinigung. Weniger seiner Bedeutung als seiner üblen Methoden wegen, nach denen der„Deutsche Industrieschutz verband" in Dres- den sich dem Unternehmertum gegen die organisierte Arbeiterschaft anbietet, hat sich die Arbeiterpresse verschiedentlich mit diesem Ge- bilde beschäftigt. Neuerdings ist disfes geschäftliche Unternehmen zur Ausnützung der wirtschaftlichen Gegensöge zwischen Arbeitern und Unternehmers dazu übergegangen, feiner Kundschaft bei Arbeitsgerichts- llagen Vertreter zu stellen. So erschien auch zu einer Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht in Dresden ein Vertreter dieses Deutschen Jndustrieschutzoerbandes. Der Prozeßbevollmächtigte der Klägerin, ein Angestellter des Gcfamtoerbandes, erhob Beschwerde und bestritt, daß der Deutsche Jndustricschutzoerband eine wirtschostliche Verewigung im Sinne des 8 11 des Arbeitsgerichtsgcsetzes ist. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufungsverhandlung auf diese Vorfrage beschränkt und demnächst unier Billigung des Standpunktes der Klägerin auf deren Antrag die Berufung der Beklagten durch Bersäumnisurteft zurückgewiesen. Gegen dieses Urteil hat der Jnbustrieschutzverband Revision ein- gelegt, und die Revisionsinstanz hatte zu prüfen, ob er eine wirt- schaftliche Vereinigung im Sinne des§ 11 des Arbeitsgerichts» gesetzes ist. Das Reichsarbeitsgerichl verneinte diese Frage und wies den „Jndustriefchutz" mit seiner Revision zurück.' Diese Entscheidung des Reichsgerichts stellt also grundsätzlich fest, daß der Deutsche Industriesckutzoerband keine Vereinigung im Sinus des§ 11 des Arbeitsgerichtsgesetzes ist und macht damit detzen Versuch einer berufsmäßigen Unternehmervertretunz vor den Arbeitsgerichten ein Ende. Der„Deutsche Jndustrieschutzverband" ist im Jahrbuch der Be- rufsverbände im Deut'chen Reiche unter den Streikentschädi» gungsgef ellschaften aufgeführt mit 17000 Mitgliedern in 119 angeschlossenen Verbänden Zkach ihrem Geschäftsbericht vom Jahre 1927 hat die Gesellschaft in 278 Streiksällen den bestreikten Unternehmern 434 027 NkW Streikentschädigung gezahlt. Es wird stillgelegt. Breslau, 11. Februar. Die Aktiengesellschatt für schlcsische Leinenindustrie vormals C. G. Kramsta u. Söhne in Freiburg will ihre Abteilung Balken- Hain auf die Dauer von vier bis sechs Wochen stillegen, da die vorliegenden Aufträge keine genügende Ausnutzung der Produk- tionskapozität des Werkes gestatten. Von dieser vorübergehenden Stillegung werden etwa 350 Arbeiter betroffen. Es bleiben nur etwa 40 Angestellte beschäftigt. Bei voller Beschäftigung arbeiteten im Bolkcnhainer Werk 1200 Arbeiter. Streit bei Herschial! Die Zuschneider der Firma Herschtal sind heute morge» wegen wiederholler Lohnabzüge in den Streik getreten. tfeiget �=> fäeziwfi tfüdevt-liJeßen Robert Pornrnerening Kartoffelhandlung Heidestraße 30 Tel.: C. 6, Moabit 3829 u. 7770 Walfisch Köpenicker Str. Ecke BrückenstraBe «rellCsmemderl die fulirende Marke Erhältlich in allen Lebensmittel- und Feinkost beschatten HEINRICH SCHNITZ Reslauranl zum Dortmunder Schmitz Industrie-Kasino Kommandanlcmirahe 72— Kronenitrahe 12 lebriidev fiilx 42' fffttac bitten fabrilt u. Hepar nltxr~ WerbeUiil.t.'Dvtlcbeveimttscbiner» Hcautiragffc der Scbttellpreamen- f abritt Koaig 139 a. Tal. E 5, 2663 C-KartseilWäsehe-Verleih Telephon: Moritzpl. 9l8. S 42, Füretenstr 20 Wäsche aller Art 309 Gute BescbaffcDbeit, kulante Bedingungen 1 bietet jedem Auto Schills gegen Unfall sowie stoßfreie weiche Federung! X'erhngen Sie Ptospckle: TAfA" Bln.-CUv9„ kdiioüstraße 69, Krad- »tlül-U telmenZ-Wermt. Tel.:Wilh.9023.<)223/24