BERLIN Donnerstag 12. Zebruar 1931 10 Pf. Nr. 72 B 36 48. Jahrgang Ersch«t«ttSwf4& Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezekle S0 Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto! Vorlvürls-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. Vi hm. Fernsprecher: Dönhoff WS bis W? Haussuchung bei SA. Hakenkreuzpartei begünstigt und versteckt die Mörder Der PoLzeiprSfldeu! deSt mit: «Za Erledigung eines in der Tatsch l'agssache Schnei- der-Grns. Hnselandfir. ZI. ergangenen Leschlusses des Unter- suchungsrichler» beim Landgericht I Berlin, Laodgerichtsrat Dr. Beck- manu, wurde heute«argen eine Untersuchung der G e- schäflsränme des sogenannten Obersten Sturmsührers. Haupt- mann a. D. Stennes. seiner privatw ohnung, sowie der Geschäslsränme de» Sauflurmes Berlin. Hede- mannst r.� 10. ferner der Wohnung des Gausturmführers, der Mitarbeiter und Standartenführer und der für den Wohnbezirk der gesuchte» Personen zuständige Bezirk der Sektionssührer der IlSDÄP. von Beamten der Pdiilifcheu Polizei vorgenommen. Die Untersuchung bezweckte die Jestfiellnng des Aufenthaltes der Gesuchten Becker und hauschke. Die Ermi.llungeu nehmen zur Zell ihren Fortgang, ihr Ergebnis kann noch nicht mitgeteilt werden." Die Haussuchungen der Politischen Polizei erfolgten auf hreiic. ster Grundlage heute morgen uin sechs Uhr völlig üher- r a s ch« n d. In der hedemonnstraße, wo der Gausturm in dem hzust Nr. lO feine Büros Hot und wo sich auch die Wohnung des Ofaf, Hauptmann a. D. Stennes, befindet, rückten die Kriminalbeamten, unterstützt durch eine Hundertschaft der Schutz- polizei an, und drangen in das Haus ein. Di« vierte Etage, wo sich die Büros der Sturmobteilungen befinden, und wo auch die hauptgefchaftsräume des Gausturme» untergebracht sind, wurden in einigen Augenblicken besttzt. Die SA.-Wachen, die dort Tag und Nacht postiert sind, um die Büros zu bewachen, dursten die Räum« nicht oerlosssn. um zu verhindern, daß sie mit der Außen- weit in Verbindung traten. Di« Telephone wurden eben- falls besetzt, um auf diese Art ein« Verständigung mit der Außenwelt zu unterbinden. Die Beamten packten dann das gesamte schrisfliche Material, besonders die Karle! der Slurmableilungen. in der die Namen und Adressen der Führer und Unterführer sowie der Mitglieder verzeichnet sind, zusammen, beschlagnahmten die Ge- schästsbücher und die Korrespondenz, und brachten vor allen Dingen abch das Material der.verwundeten, und Gefangen enhilse" auf die bereitstehenden Lastwagen, da diese Abteilung im verdacht steht, die Mittel sür die Flucht der Mörder gegeben zu haben. Das gesamte Material wurde zunächst ins'Polizeipräsidium ge- bracht, wo Beamte der Abteilung I A die aufgefundenen Schrift. stücke sichten sollen, und von wo aus Schriflstücke, die dem Unter- fuchungsrichter Fingerzeige für sein« weiteren Ermittlungen geben können, überwiesen werden sollen. Auch in der Wohnung des Hauptmann a. D. Stennes und des Gaufturmführers Wetzet wurden durch Kriminalbeamte umfangreiche Haussuchungen vor- genommen. Auch ln den Wohnungen einer Anzahl Unterführer wurde durch Beamte der Abteilung l A nach Maierrok gesucht. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei auf die Bersammlungslotale und die Wohnungen der Unterführer im Bezirk Friedrichshain verwandt, da man dort Anhaltspunkte über den Derbleib der beiden flüchtigen Täter zu finden hoffte. Währesid der Haussuchung beim Gausturm in der Hedemann- straß« ging es in dem Gebäude recht lebhaft zu. Die Polizei ließ die Angehörigen der Nationalsozialistischen Partei, die dort morgens hinkamen, unbehelligt. Die Redaktion des„Angriff" und auch die „F eldz« ug m e ist e re i", die im ersten Stock untergebracht sind, wurden nicht durchforscht. Die organisierte Mörderhilfe De« Berliner Manrerlehrling Franz Kollatz wurde bekanntlich bei Kupteiu festgenommen und inzwischen nach Berlin übergeführt. Kollatz ist verdächtig, an dem Mord der beide» jungen Sozialdemokraten Schneider und Graf beteiligt z« sei». Nach der Verhaftung werden nun lstinzelheite« über die Unterstützung bekannt, die Kollatz von den Nazis aller Grad« erhielt. Diese Ginzelheite« lassen kaum noch einen Zweifel, daß die Hitler-Partei eine Organisation besitzt, die politische Ver- breche« systematisch über die Grenze schafft, um sie den Arme« der deutschen Justiz zu entziehen. Di« wetteren Untersuchungen durch die Polizeibehörden haben erwiesen, daß die Mörder mit Unterstützung ihrer Gesinnungsgenosien von Ort zu Ort eitlen, bis sie die Grenze erreicht hatten. Es ist erwiesen, daß die Flucht wohlvorbereitet war und �ie Täter aus Quellen, dst zweifellos in Berlin zu suchen sind, aus- reichend mit Geldmitteln versorgt wurden. Becker und Hauschke entkommen. Inzwischen ist Kollatz bei der Berliner Polizei mehrmals ein- gehend vernommen worden. Di« Verhöre haben bisher ergeben daß Kollatz sowie seine beiden Mittäter Becker und hauschke zu- nach st getrennt flüchteten, später vor den Toren Berlins wieder zusammentrafen und bis Reubrandenburg ihre Flucht gemeinsam fortsetzten, hier trennten sich die hakenkreuzler endgültig. Becker und Hauschke entkamen, Kollatz dagegen lief der Polizei an der Grenzsähre des Inn bei Kufstein direkt in die Arme. Borbereitungen zur Flucht. Kollatz Hot sich vom Z. Januar bis zum Z. Februar, also einen vollen Monat, seiner Festnahme entziehen können. In den Morgen- stunden des Z. Januar oerließ Kollatz die Wohnung seiner Mutter, um, wie er angab, zum Polizeipräsidium zu gehen und sich frei- willig zu stellen. Ans dem Wege dorthin kehrt« er in etwa sieben bis -acht Lokalen«in und betrank sich. Er gab seine ursprüngliche Ab- ficht infolgedessen auf uns» kehrte wieder heim. In dem Restaurant van Kurnk traf er Becker und hauschke, und man überlegte, ob es nicht bester wäre zu„verduften". Der Fluchtplau wurde ober- flächlich besprochen und Kollatz, der über 30 Mark Bargeld versügte, gab den beiden anderen st 10 Mark ab. Die Flucht sollte nun sobald wie möglich bewerkstelligt werden. GA.-Befehl zur Flucht. Kollatz ging darauf m die Wohnung seiner Mutter zurück. Dyrt wurde ihm bald nach seiner Heimkehr von einem SA.- Mann Oer beanspruchte Ofaf V* ,Osof Hitler, wichtige Meldung aus dem Reichstag: Fraktion verließ soeben...* „Ruhe! Mir fällt gerade ein neues Tapetenmuster für das Parteipalais ein!* einkurzerBriefin Maschinenschrift überbracht, in den, ihm der Befehl erteitt wurde, den SA.-Kamsradsn Hauschke nach Feidberg zu begletten. Bald darauf erhielt Kollatz abermals durch einen SA.-Boten einen zweiten Brief, in dem ihm mitgeteilt wurde,„daß der ergangene Befehl sofort auszuführen sei. Di« Adresse von Maltitz hätte er ja!" Unterschrieben waren beide Briese„Der Diensttuende". Maltitz ist angeblich ein Haupt- man» a. D„ der in Innsbruck Führer der SA. ist. üolloh vernichtete die beiden Milleilungeu, verließ die Wohnung und begab sich wieder in das Lokal von Kumt, wo Hauschke ihn bereits er- Eine Verhaftung in Aeustrelih. Im Zusammenhang mit der Flucht der drei Mörder ist noch gester» abend in Neustrelitz eine Berhaf- t n« g erfolgt. wartete. Gemeinsam gingen sie.zum Ringbohnhöf Prenzlauer Sfll«. Unterwegs gab hauschke seinem Begleiter 90 Mark. Ucbsr bie her- kunst des Geüiez befragt, machte hauschke nur unklare Angaben. Beide führen zunächst nach Reinickendorf, von wo sie sich nach kurzem Aufenthalt nach Oranienburg weiter begaben. Abends traf dort auch Becker ein. Es wurde beschlossen, sich zu trennen, um nicht unnötiges Aufsehen zu erregen; für den anderen Morgen wurde ein Zeitpunkt für die Weiterfahrt vereinbart. Kollqtz hielt sich die Nacht über in einem Wüldchcn auf, die beiden anderen hotten als Versteck den Chausseegraben gewählt. Am 4. Januar um 6 Uhr früh fuhren die Flüchtlinge noch S t r el i tz und mit einem Anschluß- zzig noch Feldberg in Mecklenburg meiter. Auf dem Bahnhof in Feldberg wurden die drei bereits erwartet. Ein wohlbeleibter Herr, der das h a t e n k r e u z an seiner Jacke trug, fragte nach Kollatz. Dieser gab sich zu erkennen und stellte fein« beiden Komplicen vor. Der Feldberger hakenkreuzler. der sich als SA.-Führer bezeichnete, nannte ihnen das Hotel psitzner. wo sie Anlerkommen finden würden. Er begleitete die Angekommenen noch«in Stück uud zeigte ihnen den 5icg: dann entfernte er sich. Auch im Hotel psitzner war man bereits völlig im Bilde. Ein Zimmer mit drei Betten stand bereit. Kollatz trug sich mit seinem richtigen Nomen in das Fremdenbuch ein, hauschke und Becker da- gegen zeichneten mit falschen Rainen. Die Seite des Meldebuches ist später aber herausgerissen und vernichtet worden. Bier lustige Tage. In Feldberg verlebten die drei hakenkreuzler recht fröhliche Tage. Sie müsstn sich dort sehr sicher gefühlt haben. Mit dem Sohn des Hoteliers gingen sie mehrmals auf die Jagd; sonst wurde die Zeit mit Skatspielen und Trinken totgeschlagen. Durch den Rundfunk erfuhren sie dann haarklein, daß der hinterhältige Mord in Berlin starke Erregung hervorgerufen, und die Polizei die Suche nach den flüchtigen Tätern aufgenoinmen hotte. Inzwischen war ihnen von dem dortigen SA.-Führer, der nach Berlin gefahren war und hier über sie vermutlich genaue Erkundigungen eingeholt hatte, eine Bescheinigung übergeben worden, in der stand, „daß es sich um arbeitslose SA.-Leute handle, die man unterstützen solle." Diese Bescheinigung trug einen noch unbekannten Firmen- stempel. Außerdem erhielt jeder 30 Mark. Nach diesen Ruhetagen wurde die Flucht mit dem Ziel Oberau- darf bei Kufstein zunächst nach Ncubrand'enburg fortgesetzt, wo Kollatz bei dem SA.-Führer porath Quartier fand. Becker und Hauschke trennten sich in Ncubrandenburg von Kollatz. Das war am 9. oder 10. Januar. Offenbar sind sie gleich weitergesahren, weil sie sich aus deutschein Baden nicht mehr allzu sicher fühlten. Von Neubrondenburg reiste Kollatz dann noch Ruhlom wetter. Dort wurde er von dem SA.-Mann Walter Koch bis zum 2. Februar verborgen gehalten. Don hier schrieb Kollatz auch an den Nazizeitungsbändler T r o ch a in Berlin einen Brief, in dem er mitteilte, daß es ihm gut gehe, ihm aber der„Tobak" lGelh) ausgegangen wäre. In dem Umschlag befand sich noch ein weiterer, an die Mutter des Flüchtlings gerichteter Brief, in desse» Besitz sie aber nie gelangt ist. In Ruhlor» erhielt Kollatz durch die Post wiederum von unbekannter Seite 28 M. zugestellt. Der Orts- aufgabestempel trug die Bezeichnung„Schwan" Oer �LtrUutb� zu Ende' Am 30. Januar hatte Kollatz in Ruhlow außerdem einen Brief erhalten, der mit der Anrede begann„Lieber Vetter*. Es hieß darin, daß die Urlaubszeit in Ruhlow nunmehr beendet fei. Die anderen befänden sich bereit» im Trockenen. Er möge bis Oberau- dorf fahren, den Inn aufwärts bis zur Fähre laufen und sich übersetzen lassen. Nach einer halben Wegstunde durch den Wald würde er dann Innsbruck vor sich hoben. Er müsse spätestens Mittwoch früh dort eintreffen, da man sonst annehmen müßte, daß etwas dazwischengekommen sei. Unterschrieben war der Brief mit dem höchst bekannten„Gruß und Kuß Dein Julius". Oie Verhaftung am Inn. Kollatz fuhr am 3. Januar nach München und stieg dort weifungsgemäh in den Zug nach Oberaudorf ein. Er marschierte den Inn stromaufwärts und gelangt« nach eineinhalb- stündiger Wanderung an dke Fähre, wo ihn die Landposten, denen er verdächtig vorkam, festnahmen. E» steht also heute schon fest, daß die Funktionäre der Hitler- Partei den drei Mordbuben systematisch und nach überlegtem Plane Hilfsdienste geleistet haben, um sie der Verfolgung zu entziehen. Aus den Neichen der Diktatur Polen— Italien— Spanien Die nationalen Schlucker. Sie kleben an den Diäten. Die radikalen Landvolkabgeordneten Dr. Wendhausen, v. Sybel und Sieber haben an den Präsidenten des Reichs- tages das folgende Schreiben gerichtet: „Ich Habe vor der letzten Reichstagswahl meiner Par- tei eine Erklärung abg e a e den, daß ich bei Eintritt bestimmter Voraussetzungen mein Mandat niederlegen würde, und mit dieser Erklärung auch gleichseitig ein« Riedeilegungs» erklärung ausgehändigt. Ich widerrufe hiermit diese Riever- legungserklärung für den Fall, daß sie eingereicht werden sollte. Dies« Schreiben sind bezeichnend. Di« Herren beteiligen sich an der heroischen Gest« des Auszuges, wenn sie aber die Folgen mit Diätenoerlust erleiden sollen, dann kleben si« am Man» dat, wie die Fliege am Leim. Das nennt man dann„nationale Opposition". Oer sogenannte Oiätenverzichi. Entschädigung— für nichts! In der Presse der Davongelaufenen wird immer wieder der patriotische Opfermut der Abgeordneten besungen, die jetzt den Reichstag schwänzen und damit„auf die Diäten verzichten". In Wirtlichkeit liegen aber die Dinge gerade umgekehrt. Es besteht der Skandal, daß Abgeordnet« fogenanm«„Entschädigungen" er- halten für Leistungen, die sie schuldig bleiben. Die Diäten der Abgeordneten betrugen bieher 720 Mark rnonat- 'ich- Sie wurden im Herbst o. I. auf sozialdemokratischen Antrag um 20 Proz. auf 600 M. gekürzt. Bleibt ein Abgeordneter der Sitzung fern, so werden ihm für den Tag 20 Mark ab- gezogen. Gäbe es im Monat 30 Sitzungstage, so würde ein Ab- geordneter, der den Sitzungen dauernd fernbleibt, seine ganzen Diäten verlieren. Da aber an den Sonntagen und meist auch an einigen Wochentagen nicht getagt wird, bleibt in jedem Monat ein mehr oder minder großer Rest, der den streikenden Abgeordneten für ihr Nichtstun ausbezahll wird. Kommen dann aber«rlt die sitzungsfreien Monate, so wird den streikenden Abgeordneten über- Haupt nicht» abgezogen. Im Jahr wird«in solcher Dolksvsr reter, der auf die Ausübung seines Mandates verzichtet, etwa 300y bis 4000 Mark an Reichsgaldern erhalten— für nichts! Dazu kommt noch die Fressahrtkarte auf der Reichseisenbahn. Abgeordnete, die sich wählen lassen, dann aber zu Hause bleiben und sich die Dichen nachschicken lassen, hat es vereinzelt schon immer gegeben. Der General Ludendorff bezog auf dies« Weise jähre- lang zu seiner Pension eine ganz nette Nebeneinnahme. Diesmal handelt«s sich nicht um vereinzelte, sondern um rund 150 Mann, die grundsätzlich di« Arbeit verweigern und für die das Reich auch im Jahr« einige hunderttausend Mark ausgeben soll. Läßt sich eine solche Berschwendung an Reichzmit«ln rechtfertigen? Würde der Grundsatz zur Geltung gebracht werden, daß Abgeorddnete, die ihre Mitarbeit oerweigern, das Recht auf Cnsschädigung und Freifahrt verlieren, so würde jedermann im Volke das nur fürUecht und billig halten. Für die Art der„nationalen" Presse aber ist es kennzeichnend. daß sie Leute, die für nichts Geld nehmen, gar noch als nationale Märtyrer preist. Sie sind wieder da... Wenigstens Stubbendorf pickt nach Skandälchen. Im Roggenunterfuchungsousschuß des Reichstags find heute die Deutschnationalen, vertreten durch den Abgeordneten Stubben darf, wieder erschienen. Stubbendorf bemühte sich, einen in jeder Richtung vollwertigen Ersatz für die Nazis zu bieten. Zunächst beschwerte er sich über den„Vorwärts", in dem vor kurzem stand. Stubbendorf habe„Dreck am Stecken". Stubben- dorf, der früher begeisterter Anhänger der Schieleschen Politik des Getreidemonopol» war, greift heute feinen ehemaligen Parteifreund Schiele an. um zu verdecken, daß er früher in Idee und Tat aufs engst« mit Schiel« verbunden war. Ungewollt hat Herr Stubbendorf die Ansicht des„Vorwärts" heute im Ausschuß� bestätigt. Denn er traf die immerhin politssch interessante Feststellung, daß er keineswegs noch Anhänger des Getreldemonopols fei. Es wäre interessant, zu erfahren, ob die Abkehr vom Monopol auch von der Gesamtheit der deytschnationalen Agrarier vertreten wird. Weiter aber begann Stubbendorf wieder nach Skandälchen zu schnüffeln. Mit flammender Entrüstung wandte er sich gegen die Einführung persönlich gehässiger Momente in die Debatte. Cr meinte damit aber offensichtlich nur solche Fragestellungen, die ihm wegen seiner politischen Haltung unbequem sind. Denn gleich darauf scheute er sich nicht, im Ausschuß össentlich zu behaupten, der Reichskommissar Dr. Baad« habe als Mitglied der deulsch-pol- nischen Roggenkommission Bezüge von 4000 Mark monatlich gehabt. Reichskommissar Baad« erklärt? Herrn Stubbendorf hierauf kurz und bündig, seine Behauptungen seien unwahr und aus der Luft gegriffen. Im übrigen verwies er oul dos Protololl der letzten Sitzung, in der in vertraulicher Aussprache eingebend auch über diesen Punkt gesprochen worden ist. Dieser Teil des Protokoll« wird im Bericht des Ausschusses der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden . Minderheiisdebatte mit Gebrüll. Deutsch wird im Sejm niedergeschrien. Warschau, 12. Februar. Im polnischen Sejm oerlas beim Haushalt des Finanzministerz der deutsche Abg. R o s u m e k aus Ostoberschlesien im Lause seiner Rede die Notiz eines Berliner Blattes über die Eröffnung von! 22 polnischen Schulen im preußischen Kreise F l a t o w. in denen 868 Kindcr von 34 Lehrern unterrichiet werden. Diesen polnischen Schulen stehen nur 70 deutsche Volksschulen mit 50S3 Kürdern gegenüber. Als der Redner die Verlesung der Notiz in deutscher Sprache begann, erhob sich besonders auf den Bänken des Regle- rungsblocks ein h e i ll o s e r L ä r m. Es wurde dem Abgeordneten zugerufen, er habe polnisch und nicht deutsch zu sprechen. Taas zuvor hatte der ostoberschlesifch-polnische Abg. G.rzesil behauptet, der deutschen Minderheit in Polen gehe es gut. während die pol- nische Minderheit in Deutschland unterdrückt werde! Rosumet erklärte zum Schluß, daß, wenn alles, was Grzesik gesagt habe, tat- sächlich wahr wäre, so hätte Außenminister Zaleski in Genf zur Be- schwerde der deutschen Minderheit sicherlich ganz anders Stellung genommen. Muffolin'S Rechtsstaat. Französischer Forscher im Faschistenkarzer. pari», 12. Februar.(Eigenbericht.) Der französische Genealoge M i l e l l i aus Lyon, der zu Familienforschungen nach V a r e s e bei Mailand gereist war, ist dort verhaftet worden. Der Name des französischen Gelehrten, der aus Korsika stammt, erschien verdächtig. Dem Verhasteten wurde streng- stens untersagt, seine Familie in Frankreich oder den französischen Konsul in Mailand zu benachrichtigen. Dagegen telegraphierte die Polizei selbst an den Bruder des Verhafteten um Geld, angeblich um so sestzustellen, ob Milellt nicht mit antisaschistischen Organisationen in Verbindung stehe! Aufs höchste erschrocken, reiste der Bruder sofort nach Mailand und erwirkte durch Vermittlung des französischen Konsuls eine Unterredung mit dem Verhaftelen. Er erfuhr dabei lediglich, daß der Verhaftete bisher noch nicht einmal vernommen war und sich in völliger Unkenntnis über den Grund seiner Verhaftung befand. Obwohl das Auswärtige Amt in Paris und der französische Botschafter in Rom mobil gemacht wur- den, konnte man den Verhafteten noch nicht freibekommen. Wackelzustand in Spanien. Troh aller poiize» Oemonsirationen. Spanische Grenze, 12. Februar.(Eigenbericht.) In Madrid steht die Garnison alarmbereit in den Kasernen. Nur die hohen Ofsiziere haben Erlaubnis, sich auf der Straße zu zeigen. Die Straßenecken sind von starken Polizeiaufgeboten besetzt. Berittene Patrouillen folgen einander in kurzem Abstand. Trotz alledem kam es an mehreren Stellen zu Deinonftrationen, deren Teilnehmer immer wieder Hochrufe aus die Republik ausbrachten. Der von der Regierung geschlossene Liberale Klub des Athenaeum wurde von den Mitgliedern wiedcreröfsnet. Eine große Menschenmenge suchte in das Klubgebäude zu kommen, wo der Vorsitzende eine heftige Rede gegen die Regierung hielt. Während dieser Rede erschien der Direktor der Pollzeistreitkräst«, Oberst M a r z o, im Saale und forderte die Anwesenden aus, das Gebäude zu verlassen. Der Vorsitzende antwortete: Wir werden nur auf Anordnung des Richters den Saal verlassen. Hierauf ließ Oberst Marzo die Polizeistreitkräfte einrücken, die sämtliche Mit- gliedcr des Verwaltungsrats des Klubs sowie einige andere Teil- nehmer der Versammlung fe st nahmen. Dann wurde das Athenaeum wiederum geschlossen. Ein Rechtsanwalt brachte im Namen des Klubs gegen Oberst Marzo eine Klage wegen Haus- friedensbruches ein. Einlaae im Abendkonzert. Mitten in dem drahtlos übertragenen Abendkonzert im Hotel „National" gebot ein Besucher dicht am Mikrophon, während sich seine Begleiter und viele andere Besucher erhoben: „Zwei Minuten Schweigen säe den erschossenen Hauptmann Galou, den Märtyrer der Revolution!" Alles schwieg, auch das Orchester. Nach den zwei Minuten brachte der Mann ein Hoch auf die Revolution aus. All das hörten die Rodioempsänger in ganz Spanien und darüber hinaus. Polizei kain und oerhaftete drausloß. Hochfchu kurse in privatwohnunqen. Madrid, 12. Februar. Die Zeitung Jieraldo" meldet, daß auf Grund einer Abmachung zwischen zahlreichen Studenten und einer Anzahl Professoren von deute ab inoffizielle Porlesungen in den Wohnungen der betreffenden Professoren beginnen sollen. SOOOOv Ml. Geiränkesteuer. Geschahles Aufkommen erreicht.- Die Frage der Kontrolle Die ab 1. Dezember Igzo eingesührle so stark umtämpflr Ge- tränke si euer war zum erstenmal am 10. Januar 1331 abzurechnen und zu bezahlen. Dieser Termin mußte jedoch in zahlreichen Fällen auf Antrag der mit dem Weihnachtv. uud Siloestergeschäft sowie den Zahresabschlußarbeilen stark belasteten Unternehmern um 14 Tage hinausgeschoben we.dca, so daß ein einigermaßen richtiger Ueberblick über da» Ergebai» de» ersten Monat» nicht vor Ende Januar gewonnen werden konnte. Das Ergebnt» de» ersten Monat» entspricht fast haargenau der Schätzung der hauptsteuer- Verwaltung, die das voraussichtliche Auskommen auf monatlich 600 000 Mark beziffert hatte. Das Slenerausiommen des Dezember beträgt 735 03« Mark, von denen rund«50 000 Mark bereit» gezahlt sind. Diese Summe wird noch«ine nicht unbedeutende Steigerung erfahren durch die Beträge, die bei der Nachprüfung der einge- reichten Steueverllärungen durch Höherschätzungen und aus der Heranziehung derjenigen Steuerpflichtigen, die sich bisher nicht ge- meldet haben, erwartet werden können. Auch«in Bergleich mit Städten, in denen die Getränkesteuec schon länger al» in Berlin gilt— Köln(feit 1. August 1930), Hamb uro(seit 1. Oktober 1930) und Dresden(feit 1. November 1930)—, fällt für Berlin nicht ungünstig au». Zu der in der Oeffentlichkeit immer wieder ausgestellten Be- hauptung, daß die Getränkesteuer schwer zu erfassen und zu k o n- trollieren wäre, und daß die restlose Ablieferung der von den Gästen erhobenen Steuerbeträge an die Steuerkasse nicht gewähr- leistet sei, läßt sich zur Zeit noch nicht viel sogen. Vorläufig haben sich die Steuerämter noch nicht eingehend in die Steuererklärungen oertiefen und nachprüfen können, ob die von un» vorgeschriebenen täglichen Nachwessungen richtig uird vollständig geführt werden und ob sie mit den Büchern und mit den wirtlichen Umsätzen in Ein- klang stehen. Erst wenn diese Prüfung durchgeführt ist, wird sich ein Urteil darüber geben lassen, ob die bisher vorgesehenen Kontroll- Vorschriften ausreichen. Driiter Mord vor Aufklärung. Lügen über Lügen eines Schwerverdächtigen. Der Mord an dem 60 Jahr« allen Rentner Jakob Frendenheln aus der helari ch- Roller- Str. lg ist von den in letzter Zeit verübten Kapitaloerbrechen das einzige, da» noch nicht restlos« Ausklärnng gefunden hat. Die Mordkommission hat aber, wie wir schon vor einer Woche berichteten, eine Spur gesunden, die zur Zeit noch Gegenstand einer Untersuchung ist. Die neue Spur hebt sich aus anderen früheren Spuren da- durch hervor, daß der Verdächtigte sich bei seinen Vernehmungen in immer neue Lügen und Widersprüche verwickelt ha». Wie wir schon am 30. Januar berichteten, wurde«in junger Mann angehalten, der �sich am 21. Januar, dem Tage nach dem Mord«, durch größere Geldausgaben in den Casös der Friedrich- stadt verdächtig gemacht hatte. Er brachte, als er hierüber befragt wurde, eine Anzahl Ausreden vor, für die er aber keinen Wahr- heltsbewels antreten kann. Der junge Mann, ein 23 Jahre alter Walter K., ist von Beruf Elektromonteur. Vor einiger Zeit war er in einem Radiogeschäft tätig, von dem aus er auch bei Privat- kundschast die Ra-dioanlagen montierte. Auf diese Weife kam er auch in die Wohnung des Rentner» Freudenhein, der einen Apparat bestellt hatte. Die Anlage funktionierte aber nicht nach Wunsch und der jung« Monteur mußte mehrmals kommen, um die Störung zu beheben. So kannte er die Wohnung genau. Wie erinnerlich fein dürfte, hatten Zeugen den alten Freudenhein an feinem letzten Lebensabend vor der Haustür mit einem jungen Menschen sprechen sehen, den er auch aufforderte, mit nach oben zu kommen. Es konnte ihm nachgewiesen werden, daß er zur Zeit des Mordes wegen Differenzen mit feinem Arbeitgeber aus feiner Stellung en?- lassen worden war. Trotzdem machte er am Abend des 21. Januars in einem Eafe eine Zeche von über SO Mark, lieber die Herkunft dieses Geldes vernommen, gab er verschiedene Erklärungen ab. die sich bei näherer polizeilicher Untersuchung als nicht stich- h'altig erwiesen. Ebenso lückenhaft ist da» Alibi de» Monteur» für den Mordabend. Er bestreitet ganz entschieden, in der Heinrich-Roller-Straße ge- wesen zu sein, behauptet vielmehr, daß er in einer bestimmten Gastwirtschaft sogenannte Königsberger Klopse gegessen habe. Eine Nachprüfung ergab, daß an diesem Tage in dem Lokal überhaupt keine Klopse hergestellt oder verzehrt worden waren. Aus dies- Unwahrheit hingewiesen, ändert« der Monteur seine Aussage dahin. daß er bei einer ihm bekannten Familie zu Besuch gewesen sei. Die Familie kann sich aber leider nicht mehr auf den Tag besinnen, an dem der junge Mann bei ihr war. Bis dieser Wirrwarr von Lügen und Widersprüchen nicht restlos geklärt ist, muß der Monteur im Polizeigewahrsam oerbleiben. Siraßenierror der Nazimörder Neue Äluitat in Wilmerodorf.- Kommunist nieder« geschossen. Zn der Uhlandstraße in Wilmersdorf wurde in der vergangenen Rächt von hakenkreuzlern auf eine Gruppe von sechs Kommunisten ein wildes Pistoienseuer eröffnet. Der 2Sjähnge Chauffeur W. aus der Utrechler Straße wurde von einer Kugel in die Drust ge- troffen und lebensgefährlich verletzt: er fand im Wiimersdorser Krankenhaus in der Achenbachstraß« Ausnahme. Der llebersall spielte sich vor dem hakenkreuzlertolal in der Ahlandstrohe Rr. 142 ob. Richt nur aus der Straße, sondern auch aus eine»« Fenster der Gastwirtschaft wurde aus die Kommunisten geschossen. Die Polizei fand später aus dem Kampfplatz zwei Pistolen. Die Kammern der einen Waste waren leergeschossen, die der zweiten Pistole war noch mit sieben Schuh gefüllt, vier Rational- s o z i a l i st e n. unter denen sich auch die mutmaßlichen Schützen befinden, wurden festgenommen. Kommunisten bitten Polizei um Hilfe. , Die Kommunisten wollten gestern abend im Viktoriagarten in Wilmersdorf eine Versammlung abhalten. Nur etwa hundert Getreue waren der kommunistischen Einladung gefolgt. Dagegen hatten sich 30 0 Nazis eingefunden, die den größten Teil des Saale» besetzten. Dem kommunlstischen Versammlungsleiter war dabei nicht ganz wohl zumute und in seiner Rot ließ er die Polizei herbeirufen. Er bot die Beamten, die Versammlung aufzulösen, was dann auch geschah. Unter dem Schutz der.Lörgiebelkosaken" konnte da» Kommunistenhäuslein ungestört von bannen ziehen.-■» Später kam es an der Ecke der Münchencr und Grunewaldstraße zu einer Schlägerei zwischen Kommunisle» und Hakenkreuzlern, wobei zwei Beteiligi« durch Stiche verletzt wurden. Oer Paratyphus in Gngkond. London. 12. Februar. Rachdem bereits in dem Truppenlager A l d e r f h o t zahlreiche Fälle von Paratyphus festgestellt wordeu siud. hat diese Epidemie nunmehr auch aus den bei London gelegenen Rennplatz E p p i- n I n g übergegriffen. 50 Einwohner liegen Im Krankenhaus an Paratyphus danieder und 30 weitere Fälle flehen unker vcobach- tung. Bisher sind in Eppining vier Erkrankt« gestorben. Man vermutet, daß verseuchte Milch die Epidemie hervorgerufen hat. Rätselhaste fünf Millionen. Die Hugenberg-Ltntersuchung.- Hilgenberg als Zeuge nicht erreichbar. Der Untersuchungsaueschuß des Preußischen Landtags setzte am Mittluoch die Beweisaufnahme m dem mit dem Uebergang des Scherl-Verlags zusammenhängenden Fragen fort. Cs wird.zunächst Reichs- und Landtagsabgeordncter Heil- mann(Soz.) vernommen über feine Aeußerung i» der Sitzung des Preußischen Landtags vom 28. März 1628. Im März 1928 kam«in Parteifreund zu mir und sagte, in den Akten des Mini- srerwms existiere«in einziger Erlaß über die Eigentümerichaft des Schsri-Konzerns, alle übrigen Akten feien offenbar verschwunden. Es fei ein Erlaß über die Verleihung der Rechtsfähigkeit, der vom Minister von Dallwitz herrühre. Er zeigte mir eine Abschrift des Erlasses, die allerdings keine Unterschrift trug. Diese Abschrift nahm Bezug auf eine Kontrollnummcr in den Akten der Preußenkass«. Ueber die Person, die mir diese Mitteilung machte, möchte ich nichts sagen. Unmittelbar nach meiner Rede kam Geheimrat Gläser zu mir und sagte, er selbst habe als Vizepräsident der Vreußenkasse den Delrag von S Millionen aus den Mitteln der Preußenkasse an den Verlagsoerein ausgezahlt, die Akten darüber seien vernichtet worden. Dem Zeugen wird dann der Inhält eines Schreibens des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Lankdirektors W e g« e r bekanntgegeben, in dem Wegner erklärt, daß tatsächlich Zahlungen über die Preußenkasse zugunsten des Verlagsvereins getätigt worden feien. Nach dieser Mitteilung habe Geheimrat Lutzenberg auf das Korto der Pasenfchen LaNdwirtschaftsgenossenschastsbank bei der Preuhenkafse Beträge überwiesen, und von dort aus sollen die Be- Steichspräfidenl der Reeder Der frühe« Gesandt« in Washington, Ricardo I. Alfarv, leistet als neuer Präsident der Republik Panama vor dem Obersten Gerichtshof den Eid aus die Perfassung. Nachdem auch deutsche Reichsangehöriae durch Befehl eines Reeders unter die Staatshoheit von Panama tzestellt sind, ist Herr Alsaro gleichzeitig Rei spräiident für„Vogtland" und .Dogesen'. träge dem Derlagsverein zugeführt worden sein.— Der Vorsitzende hätt es für möglich, daß die Aeußerung Gläsers Bezug habe aus derartig« Ueberwebsungen. Es wird beschlossen, Geheimrai Hu gen- derg als Zeugen zu vernehmen. Es wird dann der Staatsminister a. D. Dr Prem» vernom- men. Der Zeuge war 1914 Unterstaalesekretär des Ministeriums des Innern. Er sagt o»?. es sei der damaliaen Remernn-i sehr angenehm gewesen, die Gefahr abzuweisen, daß der Scherl-Aerlag in. wie man damals meinte, staatsfeindliche Hände gelangte. Es sei wohl der Berlaa Ullstein in Frage gefommen. Er, Drews, könne sich aber nicht daran erinnern, in diesem Zusammenhang etwas mit finanziellen Transaktionen zu tun gehabt zu haben, ver- neine ober die Frage, ob Minister v. Dallwitz in einem GeKeim- erlaß die Preußenkass« angewiesen hätte. Geld für den Verlags- verein zu geben. Regierungsfeindlich gleich staatsfeindlich. Berichterst-ittcr Abo. Kutlner(Soz.) br't dem Zeugen jenen Be- riebt des Ministers o. Dallwitz an den Iustizministec vor. worin es heißt, daß, wenn man dem Verlagsoerein nicht die Rerbtsfähigkest vcr'eihe, dl« Schevl-Blä ter ausnahmslos in staatsfeindliche Hände kämen, und fragt, ob damals denn alles, was ni cht k o n- servatio war, al« staatsfeindlich bezeichnet wurde. Zeuge Drews führt aus: damals habe man einen Unterschied zwischen regierungs- und skaa.sselndlich nicht gemacht. sondern beide Begriff« wechselseitig verwandt. Aus Fragen des Abg. Koennrcke(Dnat.) ineint der Zeuge, ein Erlaß de« Innenministers an die Preiißentnsse.. Mittel sür das Scherl-Konforttum zu oeben, sei unmöglich, weil der Innenminister nichi Aorgesctzter der Preußentasse war. Das gleich« gibt für den damaligen Landwirtschaftsminifter v. Schorlemer. Daß aber Herr v. Schorlemer im Infereste der Sache alle Minen springen ließ, um seblende Gelder z» bekommen, hol!« er n'�t für au«- geschlossen. Das wurde aber in Form einer privaten Unterhal-ung oder«ine» privaten Schreibens an den damaligen Finanzminister Exzellenz Lenze geschehen sein. Berichterstatter Suttner verliest daraus«ine Reih« von Akten- stücken über Nachfraaen und Crmittlunaen der verschiedensten Stellen bezüglich der angeblichen Borsch'ißgeschäste des Derlagsverein». dar- unter solche, des Ministers des Innern Grzcstnsk! und des General- staatscmwalls. die alle feststellen, daß die Ermittlungen ohne Cr- oebnis verlaufen sind. � Der Vorsitzende meint, es besteh« die Möglichkeit, daß Gehecmrat Sloler nach 14 Iahren, als er von den fünf Millionen sprach, die fünf Millionen Stommanteile im Kopi hatte, die seinerzeit vom Bankhaus Oppenheim angeboten worden waren. Direktor Siedersleben äußert sich auf eine Anreguna de- Bor- fitzenden, er glaube, den Schlüssel zu dem scheinbaren Widerspruch zwischen der Aeußerung des Geheimrats Gläser gegenüber Heilmann und seinem Schreiben vom 4 April darin zu finden: Das Aktenstück vom August 1914 bis Jul! 1916 beweist doch, daß in der Sache ein- gehende Verhandlungen geführt und ein Kredit von 2H Millionen an das Banthaus Oppenheim eingeräumt worden sei. Der Um- stand, daß der Kredit nicht in Anspruch genommen mordk» sei. sei eine mehr zufällig« Sache. Di« Erinnerung des Gcheimrats Gläser werde in dieser Hinsicht unklar gewesen sein und aus einer Trübung seines Godächtnisses beruhen. Als nächster Zeuge wird der frühere preußische Finouzminister Dr. Leahe vernommen Der Vorsitzende bittet ihn um Auskunst, ob ihm aus der Zeit seiner Ministertätigkeit in Erinnerung tei, ob seitens der Preußenkasse dem ZZerlagsverein oder irgendwe'chen Personen dieses Vereins geldliche Mittel zur Verfügung gestellt worden feien, um den Scherl-Verlag zu erwerben. Minister a. D. Dr. Lenhe: Während meiner amtlichen Tätigkeit habe ich nie etwas derartiges erfahren, es ist mir auch niemals etwas derartiges zu Ohren gekommen. Ich habe von der Sache erst durch die Zeitungen erfabren und mich gefragt, ob es möglich wäre, daß, ohne daß ich als Minister etwas davon erfahren hätte, durch die treußenkasse besondere Mittel sür ein Zeitungsunternehmen auf taatstoften verausgabt find. Ich bin zu der Ueberzeugung ge< kommen, daß das absolut unmöalich ist. Vors.: Haben Sic mit einigen Ihrer Ministerkollegen jemals über«ine finanziell« Hilfsaktion für den Deutschen Verlagsvsrein außeramtlich gesprochen? Zeuge: A u ß e r a m t l i ch hat mir Herr v. Schorlemer erzählt, daß er mit seinen Privatmitteln sich beim Ankauf von Scherl beteilig«. Vors.: Konnte die Preußenkass««inen Betrag von süni Millionen für einen bestimmten Zweck verausgaben, ohne daß Sie vorlier gehört wurden? Zeuge: Lag das Geschäft innerhalb ihrer Aufgaben, so konnte «ine derartige Ausgabe vorgenommen werden: man brauchte mich nicht zu fragen. Wenn es sich aber daraum handelte, daß Staats- mittel verausgabt werden sollten, hätte ich unbedingt gefragt werden müssen. Berichterstatter kuttner: Ist nicht die Frage eines Kredites an das Bankhaus Oppenheim zugunsten des Derlags- Vereins an Sie herangetragen worden? Zeuge: An mich persönlich niemals. Der Finanzminister wurde nicht informiert. Berichterstatter kuttner hall dem Zeugen einen Vermerk des PräsidentenHeilipenstodtauk einem Schreiben des Herrn von Hammerstein vom 6. August 1914 vor, in dem es heißt, das � Direktorium sei bereit, wenn der Finanzminister nicht widerspreche, | unter Berücksichtigung des Kriegszustandes leine Unterschrift aus den Wechsel Oppenheims zu setzen. Der Berichterstatter meint, daß aus dem Beschluß des Direktoriums, die Unterschrift zur Verfügung zu ; stellen, geschlossen werden müsse, daß der Finanzminister nicht wider- i sprachen habe. Zeuge: Mir ist niemals etwas derartiges vorgetragen worden. Ich erfahre zum ersten Male davon. Kutlner: Wäre Geheimrat Meydenbauer verpflichtet gewesen, Ihnen Bortrag zu halten? Zeuge: Wenn es ein größerer Betrag war, hätte er mir un- bedingt Vortrag gehalten. Nach Vorhalt der Zeugenalissag« des damaligen Referenten der Preußenkaiie im Finanzministerium, Meydenbauer, erklärt der Zeuge Lenhe, es wäre zu empfehlen gewesen, daß von der Zur-Versügung- Slellung von 2Vi Millionen die Preußenkasse ihm als vor- gesehten Ressortminister Bericht erstattet hätte. Allerdings könne es sein, daß Herr Meydenbauer damals in den ersten Tagen des Krieges diese Kreditsache für nicht so wichtig hielt, als J)ah er sie dem Finanzminister, der in jenen Zeiten ganz andere Sorgen hatte, glaubte vortragen zu müssen. Ein Versuch des Ausschufies, Geheimrat Hilgenberg als Zeugen zu bekommen, scheiterte, hugenberq war für den Ausschuß nicht zu erreichen. Damit war die Beweisaufnahme zur Frage der Uebernahme des Scherl-Verlages durch den Deutschen Verlagsoerein beendet. In der nächsten Sitzung, deren Zeitpunkt noch nicht feststeht, will der Aus» fchuß den Bericht des Berichterstatters Kuttner entgegennehmen. Tonfilm»der konserviertes Theater? Von Hans Tauffig Es läßt sich nun, da die Unterhaltungsgattung„Tonfilm� fast sämttiche Kinotheatcr der zivilisierten Welt mit ihren Segnungen überschwemmt hat, eigentlich kaum mehr verheimlichen: eine Kunst, eine bestimmt existenzberechtigte, eigenartige, subtile Kunst, die Film- kunst nämlich, ist dahingegangen. Es sei dahingestellt, ob alles, was früher„stumm" über, die Leinwände der Welt rollte, wirtlich ganz unzureichend im Vergleich zu den letzten Errungenschaften modernster Bild- und Lauttechnik war:„stumm" jedenfalls in dg» Wortes eigenster Bedeutung waren die guten Filme von früher nicht. Sie sprachen nicht, und zwar weder in synchron abgestimmten Lauten, noch in Geräuschen oder Tönen, und doch ging eine beredtere Wir- kung von ihnen aus, als von der großen Mehrzahl der„Filmwerke", die uns heute mit verdächtiger Begeisterung als letzte und vollendetste Errungenschaften moderner Technik, al»„Tonfilm" gepriesen werden! Sie sprachen in Bildern, die, musikalisch untermatt, den Vorzug hatten, diskret in Sachen der Geräusch« zu sein. Man braucht« nicht zu hören, wie geredet, gelacht, gesungen und geschimpft wurde, wie Türen und Schüsse knallten. Und gerade jene Diskretion in tönenden Dingen war es, die wir— Hand aufs Herz— im Kino liebten. Aug« und Ohr waren unterhallen: das Augs durch das Erleben eines in vollendete Pantomime ausgelösten dramatischen Ereignisses, Geschehnisses,— das Ohr durch das instinktmähige, bequeme Mit- erfassen der gebotenen, musikalischen Ablenkung. Und heute? Ich will mir durch die Ablehnung des Neuen nicht den Vorwurf des widerlichen Reaktionärs, des unbelehrbaren Rückschrittlers zu- ziehen. Der Tonfilm a�s solcher ist nicht nur ein unbedingt an- «rkennungswertes technisches Wunder, das in mancher Hinsicht gewiß Verdienste nachzuweisen Imstande sein wird. In Fällen, wo die Wiedergabe organischer oder synthetisclzer Laute, wo Sprache oder Musik zum Bild als unteilbarer Mitfaktor zu sprechen haben, wird das Verdienst des Tonfilms kaum abgeleugnet werden können. Auch dann nicht, wenn es sich um die besondere Sichtbarmachung akustischer Effekte zum Zwecke stärkerer dramatischer Wirtungen handelt. Aber... Kunst—? Der Effekt allein beweist die Existenzberechtigung des photo- graphierten Geräuschs noch nicht. Zudem liegt oft genug, zumal bei Betrachtung der neueren, recht oberflächlichen Produkte deutscher Tonsilmherstellung die Gefahr nahe, im„Tonsilm" nichts als ein zuweilen erträgliches, meist aber sür den Zuschauer und-Hörer ermüdendes Konglomerat aus zwei synthetischen Efsektmitteln zu erblicken, geschasfen, um den zweifelhaften Werken billiger und«in- sallsloser Autoren zum gejchästlichen Erfolg zu verHelsen. Jedenfalls gibt es bis dato nur ganz wenige Tonfilme, die ihre Existenz- bcrechtigung schlagkräftig erwiesen haben. Die Tonfilmindustriellen schieben gern die Schuld an diesen Mißständen aus den Mangel an geeigneten Stoffen, an geeigneten Autoren. Tatsächlich aber fehlt den meisten Tonsilmproduzenten der Mut, einem kulturellen Gewinn zuliebe ein künstlerisches Risiko aus sich zu nehmen. Man arbeitet nicht gern mit Gewissen. Die größte Gefahr aber, die der Tonfilm im Hinblick auf seine künstlerische Ausgabe bringt, ist sein« unglückliche Liebe zur Bühne. Neunzig Prozent der bisher hergestellten Tonfilm«, und peinlicher- weise gerade die wirksamsten, sind konserviertes Theater, und oft nicht einmal schlechtes Theater. Slber wollen wir das denn? Der stumme Film hatte in einigen seiner schönsten Wert« ein« Vollendung der photographischen Mittel erreicht, die seiiwr Stellung als selbständige Kunstgattung nicht das Geringste mehr in den Weg legten. Erst den besseren unter den neuen Tonfilmen gelang es, sich von dem unglücklichen Hang zum Theater zu befreien, und sich wieder der bewegten Kamera, des Bildes als schönstes, filmeigenes drama- tische» Ausdrucksmittel zu bedienen. Od der Tonfilm, wie er sich bisher im allgemeinen zeigt, überhaupt je zu einem eigenen Stil finden wird, wenn er sich aus gleicher Linie, wie bisher, fortbewegt, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls hat er bis dahin noch eine Entwickelung durchzumachen, deren Zeitdauer ganz von dem guten Willen der Produzenten, von ihrer Spe'ulation auf den„Publikums- geschmack" und von dem Publikum selbst abhängt. „Vas(Schicksal der Senate Langen." Atrium. „Wenn man sechs Jahr« verheiratet ist und immer mit dem» selben Mann zusomm«» war, dann muß man unlxdingt vier Wochen allein verreisen", so sagt die bereits viermal geschiedene Freundin zu Renate. Die befolgten Rat und fährt allein an die See. Die jung« Frau verliebt sich, und als sie vor ihrem Liebhaber flieht und unerwartet nach Hause zurückkommt, findet sie dort ihren Mann und ihre Freundin m zärtlicher Umarmung. Renate läßt sich schetden, erkennt«rst ziemlich spät, daß der Mann, dem sie Gefolgschaft leistet, ein Taugenichts ist und wird Batdome. Nach manchen Zufälligkeiten findet sie den Weg zu ihrem Kinde und ihrem ehemaligen Mann zurück. Dieser Film kennt keine Entwicklungen, sondern nur Explo- sionen. Als Wegweiser zu ihnen werden ein paar Schlager ge» sungen. Rudolf Walther Fein war für den stummen Film ge- eignet, für den Tonfilm versagt er. Cr gehört nämlich zu den Regisseuren, die jetzt den Film oerleugnen und dos Theater nicht einmal kapieren, geschweige denn ersetzen können. Daß Mady Ehriftians eine vortrefflich« Schauspielerin ist, wissen wir. In der Rolle der Renate bemerken wir es eigentlich nur bei dem Zusammenspiel mit dem silmgeeigneten kleinen Rolf Drucker. Hilde Hildebrandt wirkt noch unsympathischer, als ihre Roll« es von ihr fordert. Franz Lederers Stimm» kommt recht gut heraus. Im großen und ganzen aber kämpfen«r, Alftcd Abel, Heinrich S ch r o t h und Hans Sternberg vergeblich gegen d!« vielen Unwahrscheinlichteiten des Manuskripts und die Albernheit der Dialog«. e. b. Knui-Hamsun-Abend. Im Humboldt-Haus, Klopstockstroße, dem Haus der inter- nationale» Studentenschaft, sprach Else Iohonnsen Kapitel aus Knut Hamsuns Werken. Die Auswahl war glücklich, denn sie um« saßt« sowohl die ruhige, ausmalende Schilderung als auch die dramatisch bewegte Szene. Sie vermittelt« eine charakteristisch« Skizze des Dichters, und sie zeigte die künstlerische Spannweite der Sprecherin. Bei Elf« Iohonnsen, deren tanke, gesättigte Stimme über«Inen großen Auedrucksreichtum verfügt, fällt zuerst die Glied«- rung. die Architektonik des Vortrogs aus. In großen Linien ent« wickell sie die Dichtung und hebt auch das Detail zur Bedeutung empor. Sie spricht künstlerisch gebändigt, ohne den Fluß der Er» Zählung durch wild bewegte Drama' ik oder breit ousgesponnene Lyrik zu unterbrechen. Die episch« Grundhaltung bleibt immer ge- wahrt. Mit diesem Vortragsstil, der di« große Form betont, wird sie Knut Hamsun gerecht, und sie tastet auch hinter die Oberfläche, sie fühlt den Pulsschlag der Gestalten, der Landschaft, der Geschehnisse. Eingesponnen in die Erzählung liegen bei Hamsun dramatisch« Episoden. Else Iohannsen meißelt sie heraus. Es sind Blöcke, die hervorragen. Der Vortrag wird in diesen Augenblicken eruptw, skandierend. Entscheidend bleibt dies: nienmls tritt Starrheit oder Pathetit ein, die große, architektonische Form verhindert nicht die innerliche Bewegung, die inner« Spannung. Uebrigens sprach Else Iohannsen auswendig.— t. Eine Gedächtnisseier sür Günther Plüschow, den im Feuerland verunglückten Flieger, wurde in der Kamera veranstaltet. Dr. Georg Victor Mendel hielt den Gedächtnisvortrag, aus seiner Vertrautheit mit dem Verstorbenen heraus, dem er Helfer und Lehrer in allem Filmischen gewesen war. Er schilderte Plüschow als den deg«isterungsfähig«n, immer von neuem Erlebnisorang be- seelten Reisenden und Journalisten, ließ uns seine Lausbahn vom Flieger in Tsingtau bis zur Fahrt in der Nußschale(von Plüschow: „Holzpantine" benannt) nach dem Lande seiner Sehnsucht, Feuer» land, und seine dortigen Abenteuer und kühnen Flüge noch einmal miterleben. Di« Filme, die dann folgten, ergänzten und veranschaulichten da» Wort. Plüschow in Tsingtau, dann wie er aus der englischen Kriegsgesangenschast flieht. Die Herrlichkeiten des immer wind- umbrausten Feuerlarndes mit seinen Gletschern, grünen Wäldern und blauendem Wasser rauschen noch einmal an uns vorüber(aus dem Film:„Silberkondor über F e»« r l a n d"). Letzte Bilder aus Patagonicn zeigen den Schauplatz, aus dem Plüschow und fein Gefährte Dreblow ihr Ende fanden.. Sine§chausp>eIee-Nachw»rste»vnq von.Da« schwach« Geschlecht" findet streitag,>>'/,. im ftursurstinbamm-Theater statt. Karten im Büro, Keithstrahe 11, Zimmer 15. v Lohn- oder Arbeitszeitverkürzung Oer Konflikt im Buchdruckgewerbe wie wir in unserer heutigen Morgenausgabe bereits mitgeteilt haben, sind die Verhandlungen, die gestern bis in die späte Nachtstunde hinein im Reichsarbeitsministerium stattfanden, um eine Verständigung im Buchdruck- gewerbe herbeizuführen, an der Haltung der Unternehmer ge- scheitert. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand das Arbeitszeit- Problem. Von den Vertretern der Echilfenschast wurden die Unter- nehmer vor die Frage gestellt, wie sie sich denn die Durchfüh- rung des Reglerungsprogramms dächten, das ja nicht nur eine einseitig« Lohnsenkung, sondern in Verbindung damit eine entsprechende Preissenkung vorsteht. Darauf erklärten die Unternehmer zunächst, sie würden stch in ihrer Zeitschrift dazu äußern und im übrigen würde der Lohnab- bau von 6 Prozent sich auf die Preise nur höchstens von 1 bis 2 Prozent auswirken. Als den Unternehmern daraufhin entgegen- gehalten wurde, daß ja die Preisentwicklung im Buchdruckgewerbe ganz unabhängig von den Löhnen weit über die Lohnent- Wicklung hinausgegangen sei, stellten die Unternehmer in Aus- ficht, daß sie an eine höhere Preissenkung dächten. Aber auch diese nur ganz unverbindlich in Aussicht gestellte Preissenkung würde in gor keinem Verhältnis stehen zur Preis- steigerung im Buchdruckgewerbe. Die Unternehmer wollen stch im übrigen nicht begnügen mit einer Lohnkürzung von 6 Prozent; es besteht ein« stille Vereinbarung, die Übertarif- lichecki Löhne um 50 Prozent zu kürzen! Unter diesen Umständen— vorausgesetzt natürlich, den Unternehmern geläng« es, ihr« Absichten durchzusetzen— würde eine Preissenkung, wie sie die Unternehmer in Aussicht gestellt haben, doch ein gutes Geschäft für diese sein. Die Behauptungen der Unternehmer, als hätte das Buchdruck- gewerbe ein« schwer« Krise durchzumachen, sind als u n z u- treffend nachgewiesen worden. Das Buchdruckgewerbe Hot im Gegenteil seit 1913 einen außerordentlichen Aufstieg ge- nommen. Das geht schon aus der Zahl der Beschäftigten hervor. Trotz der Rationalisierung, trotz der außerordentlichen Steigerung des Maschinenparks, wodurch ein großer Teil der Ar- beitskräfte freigesetzt wurde, ist die Anzahl der Beschäftigten gegen- über der Vorkriegszeit von etwa 95 000 auf rund 125 villi gestiegen. Wenn es gegenwärtig bei den Buchdrucksren 19 000 Arbeits- lose gibt, so ist das darauf zurückzuführen, daß allein in den letzten zwei Jahren fast 11 000 Lehrling« ausgelernt haben, die nicht unterkommen konnten. Diese Arbeitslosigkeit ist aber eine rein konjunkturelle und keineswegs darauf zurückzuführen, daß dos Buchdruckgewerbe sich in einer strukturellen Krise befindet. Diese Arbeitslosigkeit wäre auch sehr leicht zu beheben, wenn die Unternehmer auf die Vorschläge der Arbeits st reckung ein- gehen wollten. Die Unternehmer aber wollen dies« Arbeits- l o s i g t e i t, uni sie zu einem Lohnabbau zu benutzen, der durch nichts gerechtfertigt ist. Der Reichsarbeitsminister wird nun zu entscheiden haben, ob er diese Absichten der Unternehmer durch ein« Verbindlichkeitserklärung unterstützen will. Das Kollektiv der Nein machefrauen. Die Zilissifche Handelsvertretung wieder vor Gericht. Vor einigen Jahren hatte die Hausverwaltung der R u s s i- s ch« n Handelsvertretung einen Vertrag mit 32 Frauen abgeschlossen, wonach diese gegen ein« monatliche Pauschal. summe von 4150 Mark die Reinigungsarbeiten im Hause aus- zuführen und das dazu erforderliche Material zu besorgen hatten. Di« Frauen wählten aus ihrer Mitte eine dreigliedrige Kommission, die allmonallich das Geld von der Handelsvertretung in Empfang nahm und nach Abzug der Materialkosten unter die Mitglieder des „Reinmachungskollektios" oerteilten. Bis zum Herbst vorigen Jahres funktionierte die Kollektimvirt- schaft ohne Störung. Zu einer Unstimmigkeit und einer Klage beim Arbeitsgericht kam es aber, nachdem die Handelsvertretung am I. Rovember v. I. drei Reinmochefrauen entlassen hatte. Eine vierte, die gegen die Entlassung ihrer Kolleginnen protestiert hatte, flog hinterher. Die Entlassenen beschwerten sich beim Betriebsrat der Handsls- Vertretung. Der erklärte aber, er sei nicht z u st ä n d i g, denn die Frauen seien ja nicht Arbeiterinnen der Handelsvertretung, son- dern.sie gehörten einem„Kollektiv'" an, seien also„selbständige" Gewerbetreibend«. Ein netter Dreh, auf den noch kein Kapitalist verfallen' ist...■-■• Run sagten sich die Frauen, wenn das so ist, dynn muh unsere Komnrission auch nach unserer Entlassung die rl o l k e P a u- s ch a ls um rn e erhalten und unseren Anteil unter d!« anderen Mitglieder des Kollektivs verteilt haben. Da unser Kollektivvertrag nach wie vor�besteht, gehören wir immer noch dem Kollektiv an und beanspruchen deshalb unseren Anteil an der Pauschalsumme. Um diesen dreht sich die Klage und sie richtet sich gegen die drei Mitglieder der Kommission des Reimnachekollektivs. Ein Angestellter der Russischen Handelsvertretung trpt vor dem Arbeitsgericht als Vertreter der Beklagten auf. Er behauptete, der Kollektivvertrag sei im Einverständnis aller Frauen am 1. Oktober v. I. aufgehoben und statt dessen Einzelarbeitsver- träge mit den Reinmachefrauen abgeschlossen morden, wobei sich diese besser ständen als unter dem Kollektivoertrag. Dos olles sei in einer Versammlung der Frauen beschlossen worden. Ein neuer Dreh also. Die Klägerinnen behaupteten dagegen, in der Versammlung sei gar nichts beschlossen. In der Handelsvertretung werde ja alles so gemacht, wie es die Partei bestimmt! Dogegen dürfe niemand etwas sagen. Auf den anweserzden Beauftragten der Handelsvertretung weisend sagte eine der Klägerinnen:„Der hat den Deubel im Leibe; wer den Bruder kennt, der kooft ihn nich." Nachdem zwei von den Beklagten gestellte Zeuginnen bekundet hatten, daß nach dem 1! Oktober kein« Pauschalsumme, sondern feste Wochenlöhn« nach einer Lohnliste an die einzelnen Frauen gezahlt worden seien, erkannt« das Gericht auf Abweisung der Klag«, da die Klägerinnen an die drei beklagten Frauen Wne Ansprüche hätten. Möglichenfalls beständen Ansprüche gegen die Russische Handelsvertretung, die aber in diesem Prozeß nicht geltend gemacht seien. 44-Giunden-Woche beider Post. Aber in den Bereinigten(Staaten. Washington. 12. Februar. sEigenbericht.s Der Bundessenat nahm einstimmig einen Gesetzentwurf an, der die 44slündige Arbeitswoche für Bondespostbeamte an Stelle der gegenwärtigen 4e.Stunden.Woche einführt. Der Gesetz. entwarf fand in den Komileeberatungen heftigen widerstand der Regierung, die jedoch die endgültige Annahme im Repräseptguten- Haus und jetzt im Bundesseaot nicht verhindern konnte. Die Oesfenl- lichkeit betrachtet den Gesetzentwurf als werlvolle krlsenmähaahm«, die die Reneinslellnng von 10 000 Postbeamten ermöglicht. Keine Streikmehrheit im Hamburger Hafen. Kommunistische Quertreibereien. Hamburg, 12. Februar.(Eigenbericht.) Bei der am 11. Februar erfolgten Urabstimmung der Hamburger Hafenorbeiter über den Schiedsspruch der Schlichterlammer, der einen Lohnabbau von 4.3 Proz. ab 4. März vorsieht, wurde der Schiedsspruch mit einfacher Mehrheit abgesehnt. Da aber stotuten- gemäß die erforderlich« Dreiviertelmehrheit für die Wlehnung nicht erreicht wurde, gilt der Schiedsspruch als angenommen.— Der Hafenbetriebsoerein(Unternehmer) nahm d(?n Schiedsspruch an. Seit«inigen Tagen bemuhen sich die Kommunisten, die Hafenarbeiter ohne diese zn befragen, durch Anwendung von Gewalt zum Streik zu zwingen. Die Hasenarbeiter haben es aber abgelehnt, stch in das Gefolge der RGO. zu begeben. Noheitsakt gegen(Schupobeamten. Niedergeschlagen und das Nasenbein zertrümmert. Ein uniformierter Schupobeamter, der vom Dienst noch Hause ging, wurde an der Ecke der Berg- und Rosen- straße in Neukölln von einer Frau um Schutz gegen Belästi- gung gebeten. Zwei junge Burschen, die später als ein 24 Jahre alter R o g a k k i und ein 25 Jahre alter M a n n i g festgestelll wurden, hatten in schamloser Weife die Frau belästigt. Als der Beamte sie aufforderte, sich anständig zu betragen und weiter zu gehen, schlugen sie sofort auf ihn ein. Er stürzte zu Boden und wurde mit Fußtritten traktiert. Es gelang dem Be- omten, sich wieder aufzuraffen, sein Seitengewehr zu ziehen und die Rohlinge durch Schläge mit der Waffe kampfunfähig zu machen. Ein Droschkenchauffeur, der mit seinem Wogen vorbeikam, hiell an und unterstützte den Beamten. Mit seiner Hilse gelang es, die beiden zu überwältigen und zur Rettungsstelle zu bringen. Hier wlirden ihre Verletzungen, die nur leichter Natur sind, verbunden und sie dann zum Revier gebracht. Dem Schupobeamten ist das Nasenbein gebrochen und außerdem hat er Verletzungen im Gesicht und Quetschwunden am Körper davongetragen. Diese und ähnliche in keiner Weise entschuldbaren Roheitsakte gegen Schupobeamt« verdienen exemplarische Bestrafung. Tod des Arbeitslosen... Auf dem Wege von Eberswald« nach der Ortschaft Licht.erfelde wurde in einer Schonung die mit Schnee beveckte Leiche eines Mannes gefunden. Allem Anschein nach ist er er- froren. Der Tot« ist jetzt als«in 6-5 Jahre aller Arbeiter Robert. Krambehr aus Wittenau festgestellt. Er war am 24. Januar aus seiner Wohnung verschwunden und hatte geäußert, daß er sich das Leben nehmen wolle, weil er schon längere Zeit arbeitslos war. Gewinnauszug S. Klasse 30. Preußisch-Süddeulsch« Etaats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachbruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Los« gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und II S. Ziehungstag II. Februar 1931 Ln der Heuligen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 s-wi»»« zu 200000 St. 33980 8 Seminne zu 10000 Si. 13118 21697 54544 274190 4 Gewinne zu 5000 M. 337306 347529 14 Gewinne zu 3000 M. 68232 80268 297948 311299 316942 326593 332908 52 8*10111« zu 2000 St. 5355 25447 56458 60067 87436 06012 105872 134400 134565 139383 148615 172028 184414 199698 204160 206861 244544 246688 252735 282022 310764 320960 363649 371352 373423 373710 102 Cenjintie zu 1000 M. 5350 6561 10815 26717 32211 36392 38262 60503 54340 65924 64165 67314 70352 75563 88767 95809 97432 101547 110107 112585 113421 118355 120698 -126756 168006«1815 166713:460»«» 190664 191681 191861 192817 216871 ,221163 224243 229454 253370 257926 258653 261720 286417•310578 325339 333193 340044 359839 364602 375627 380429 386970 397697■_____ 160 Seminne zu 500 M 21895 26091 29354 33582 35105 37501 38360 39704 50493 52059 60956 61808 80213 82022 86332 91415 93806 97718 124006 125589 133970 136291 146003 161036 151438 153172 160267 161228 168001 168476 171407 172917 175899 177122 180303 180778 181673 195891 211540 218475 258606 284482 266342 266734 268268 274137 276193 277031 280910 283579 289306 292894 294262 296192 296197 301775 310571 318258 319808 321460 323601 325143 326450 332312 335420 340308 345886 347183 348564 358612 360744 363235 366711 373123 375660 378334 381244 386323 393317 398427 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 5C00C0. 2 zu je 300000. 4 zu je 100000. 6 zu je 75000, 10 zu je 50000, 24 zu je 25000, 172 zu je 10000,444 zu je 5000, 906 zu je 3000, 2086 zu je 2000. 5570 zu je 1000, 8874 zu je 600. 36630 zu je 400 Mark. Vnantwortl. fijt die Stboltion: Seebert Lcpdre, Berlin; Anzeigen: lb.»locke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. b. 6.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Einger& To.. Berlin ES SS. Liubenltraft- 3. Kierzu 1 Beilage. Tägl 2 Vorsts. S u.«r/S Uhr Barbarossa 9236 Hadim. SO PI. Im 3 M„ abends I bis 6 iL 3 Andren Mvel Stoberlo de TaMConrelloa, lUaidie&.Äay tum. PtAZA Tägl. 5 u. S» sonnt. 2, 3 n. 6 u Alex. E 4. 8066 Nehm. SOPf.— 1 M., abds. 1-2 M. Cftruno Jiajflner. Tlggo Xarten glichen Silmgtarg 1' JCsmitlon m. IOOWan dio Codonas VolKsbllline Tbutir in BOInrnblL 8 Uhr Hans Albers in Llliom von Franz Molnar bgin; Karl Heinz Martin StaafLSdiiller-Ih. 8 Uhr 100 000 Taler ineatar am SchilRiauenlamm 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper Am PI. d. Republik 191/3 Uhr Carmen Neues Theater W-WWM WH» Ztm I taSibnlZno. SfyLSSSI Täglich 8>I. Uhr Oer fr. Lacherfolg I Wiederauftreten Guido mieischer Das ortentnche Afipgernts Preise 1 bis 8 M. Dentsdies mater 8 Uhr Elisabeth von England ran Fort. Bruckner Kegle: Bei« BUpert Kammerspiele 8'/. Uhn Pariser Platz 13 von Vlcki Baum hg»; Gnlaf Grfiedgtu Die Komödie SV* Uhr Die Fee von Franz Molnar Regie; Stefan Bmt Komisctia oper S'/e Uhr Kleine Preise. Peppina iDhr ptnänfutur Uitnj ki baiMisln Robert Stolz b Ar Fnaieiwnmhm Kleines Theat. Täglich SV« Uhr Mi-rnmiMii reit Grete Reinwald, Will Kaufmann. Heinz klnbertanz Bamoislty- Bahnen mwicr in dir Streseamimsir. SV« Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsk]' Komödienhaus 8V* Uhr Cocktail nn Karl Tallmniller. Mnsibr.liiphBenatzk) Täglich 8V« Uhr schön ist die weit Operett« von Lehär Gitter Alper. löten. Sdiütiettdorf Rurfärstendamm- TUeater Bismarck 449 dE] Das schwache Geschlecht /. Edouard Bourdet Regie; Hai Beiibanlf PlscatorBflbne fWallner- Theater) Alex. 4597-93. Heute 8V« Uhr Gastspiel der Wilnaer-Truppe Sdiwer zn sein ein Ina m Sdialnm lledijem Theater am SdüflUanerdamiD Norden 5813 u. 0281 Täglich 8 Uhr DergrnfieLBtspielirfnlg! Die Quadratur des Kreises Preise v. 0.75— 7 M. Sonnabend, den U. Fta. abends II Uhr Cläre Eckstein mit ihrer Gruppe 3 Tauzelnakler Otnlsetaes lünstler-Theal. Barbarossa 3937. 8V« Uhr Zern goldenen Anker nn Katno Don« Renaissance- Iheater Stein platz 6780. Uhr Mofl die Kuh Milch gehen? mit Ulbert Bassermann Preise von 0.50 bis 13 SO M. Zimmer; IRett Mk.7,-bls 11.- 2 bette n 14.- bis 22." BodiHkl- SolofTlft- Serlin HOTEL&AnhiK EXCELSIOR Rose-Theater 8r.FnuklortorStr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 SJO Uhr Das ParfBm meiner Frau 8V« Uhr Dil sdiöoe Belena Lustspielhaus Kurt Götz Täglich 8 Vi Uhr Oer LQgner u. die nenne lialM-Tltialw Täglich 8V« Uhr Viktoria undlhrHusar Hary lastff. GiönteldL Ditalij. loeff MrlWutens Täglich 8'k Ftnz Lehan Meiitemt Oer Zarewitsch Serge Abramovic, Ann! Ahlers. MUMv fcrgnugung* Restduihnf Berlins Reichshallen-Theater Ibends(sj Sonntag Radmittig fTTI Uhr Das wunderbare Februar-Programm � der stettiner SGnger PopalinPr.I(numtrurt) r. 1.28 in Nachm. ermäBigte Preise! Oönhoft- Brettl Heute Fettvoritellung Bühnenjubiläum Paul BendlX. »v.Dhr CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. IIMIUIIIUUUlllUIIIIIIIIIMIIIIIIIIUnMIiniUliOUIIIIHIUIIOIIIItlllllll| Man lacht Tränen über Direktor Hans Berg in dem neuen Schlager OnKcl üttlm am Mcimippln MS BLAUE HEMD VON ITHAKA OPERETTE IN z AKTEN OFFENBACHS MELODIEN URAUFFÜHRUNG Freitag, 13. Febr., präc. 7I/2 Uhr Theater im Adonralspalasi Das Haus der billigen Preise PlAtz« M r.— bis M S.— Vorverk-lfb ioU.tiRl.Femspr.Merkur990X UM#™ Arnold Scholz O-Babn Rinnaimplatz.Kasubtidi 18841 Gr. BscKhiertgsi und Gr. Sebveinesehlaehten 7 Kapellen, Neue Dekorationen, Bayr. Bedienung Pressestimmen Da» ein neuer bunter Teil. Gntsdiela 1— 4 PersoBen Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1,75 M- Sonstige Pr.: Parkett 75 Pt. Rang 60 PI. über „Die schöne Helena� Jacques Offenbachs Operette im ROSE THEATCR Ort*« Fitnkfurtar Stnl« 1*3 BUlitttuM: Alex. 3422 11.3494 „Bühnenbilder Tcrblfif- fend Ib Ihrer Prncht."— „Eis ▼orblldlldic« Ensemble, wie man e» heute an ersten Bahnen leider zn oft Termlbt."—„Ganz Berlin sollte zn Koscs wandern, na ,Ole seBAnc Helena' sich anzosehen." —„Eine MelStcrletstnng des Ensembles." Wocher.tagsBeginn 8.15Uhr Sonnabds-TÜhru t0.15Uhr Sonntags*30, 5.4S u.• Uhr Preise von SO Pf. bis 3 M. A c h I u n g I Familien- Nachmittage jeden Dienstag, Mittwoch, Don n«rstag,Freitg. 5.30 Unr JasPartüm meiner Frau" Lustspiel ron Leo Lens Preise tob 30 Pf. bis 1.50 U. 20 btiouten Kaflecpause. KaflM mit Kuciisn 30 Pf. 7t4gi®trVorverkattf,t4elleh ron 11—-1 Uhr Torrn, and ron 4—9 Dbr abends- Einlaß: W oc h e n tags 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Homöopathie Nltr.-. Biss.-, Ml.-. Unsen.. Dnip-,»er,. Innere■.Ncnenl.. I Hfnisir.«. Sehaoti. nur 3 U. LWSCI s-zTu 113,1-12 (Beilage Donnerstag, 12. Februar 1931 IhvAtoni) SfuUtwÄfajße Je*(�uhzy� Ja, das ist Afrika! Südafrikanische Rundreise** Von P. Skawran Es ist' nur natürlich, daß die weiten Gebiete Südafrikas(Süd- afrikA allein ist größer als ganz Europa) landschaftlich sehr oerschieden sind. Aber sehr selten ist die südafrikanische Landschaft so, wie sie sich der Europäer vorstellt. Der Namib und der Tafelberg Der Neuling betritt meist in der W a l f i s ch b a i zum erstenmal afrikanischen Boden und--- ist enttäuscht. Eine Handvoll unscheinbarer Häuschen und Ladeschuppen aus Wellblech mitten in einer Wüste. Keine Straße, kein Weg, kein -'iaum, kein Strauch, ja nicht einmal ein Grashalm. Wie eine . rikatur wirken die in grünangestrichenen Heringsfässern ge- . anzten, verkrüppelten Kiefern hinter dem Haus eines Natur- ichwärmcrs. Auch hinter der Walfischbai begleitet«inen die langgestreckte, gelbbraune Namib noch fast für zwei Tage. Vielfach und schön .st das Farbenspiel des Lichts auf ihren Wanderdünen. Dann werden die Berge forinenreicher. Die Kuppen des Hex- rivergebietes grüßen herüber. Gewaltig, wild und zerrissen. Die tüst« belebt sich und wird grün und flockig von Farmen und kleinen Wäldchen. Und dann ragt auf einmal, wie plötzlich aus dem Meer gewachsen, das monumentale Massiv des Tafelbergs auf. Wie ein Magnet zieht er die Aufmerksamkeit der Reisenden aus sich. Er- drückend unpathetisch. Verschwenderisch in Form und Größe. Ist das Afrika?— Stolz und fast hochmütig stehen die alten Afrikaner dabei und ihre Mienen sagen: Ja, das ist Afrika! Tie Karroo Sie haben recht i, einer Weise. Das Gigantische und dabei -berraschend Einfache kehrt in allen südafrikanischen Landschaften üeder. Und davon abgesehen ist wohl die Form des Tafelberges pisch für alle Berge des inneren Hochlands, das mehr ls drei Fünftel des ganzen Landes ausmacht. Erst weit im worden ändern sich plötzlich diese Formen. Aber dann ist man dem .i i m p 0 p 0 schon sehr nahe. Aus der üppigen, reichen Küstenlandschaft der K a p p r o o i n z, die in vielem der 5tüstenlandschaft Siziliens ähnelt und doch bei Teitem imposanter ist, aus ihren Weinbergen, ihren Eichenhainen. fren Tabak- und Fruchtplantagen, aus ihren blumenübersäten Hängen steigt man plötzlich in mächtig sich windenden Pfaden in die rostbraune Einsamkeit des Karroo. Als ich zum erstenmal nach Afrika fuhr,.;, sagte mir ein aller Afrikaner:„Wenn B e r l i n s hat ein« derart groß« Zähl vmi bksher'selbständigcn Gemeinden mit dem alten Berlin verschmolzen, daß'dadurch eiki neues'Städtegebilde entstand, das sowohl an Flächeninhalt wie an Bewohnerzohl Paris überlegen war. Freilich war es unmöglich, Berlin als wirtschaftliches Ganzes mit Poris zu vergleichen und zu übersehen, daß sich auch Paris längst zu einem wirtschaftlichen Riesengebilde entwickelt hatte, das weit über die alten Stadtgrenzen hinausragte. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann auch Paris wie New Pork, London, Berlin, Wien und andere deutsche Städte zu einer einhcit- lichen Gemeinde werden und die Gesamtheit der an Paris ge- bundenen wirtschaftlichen Kräfte umfassen würde. Dies ist inzwischen geschehen. Groß-Paris ist eine gesetzliche Tatsache: am 1. Oktober 1930 ist das Gesetz in Kraft getreten, durch das Poris eine einheitliche Gemeinde mit 6 Millionen Einwohnern geworden ist. Die Bewunderung für den organischen Bau der Stadt Poris war unter den Künstlern und Architekten aller Länder immer ein- mutig. Paris, das so viele Architekten und Biographen„die schönste Stadt der Welt" nannten, ist zwar ein organisch und plan- mäßig gewachsenes Gebilde, ober es ist in seinen ivesentlichen, nämlich in seinen weltstädtischcn Formen noch immer die Stadt Napoleons III- Wie immer man die Wirksamkeit dieses Mannes beurteilen mag, eines steht fest: er hat Großes für die Entwicklung des Weltstadtbegriffcs geschaffen. Poris Hot sich seit ihm gewiß enorm entwickelt. Aber erst jetzt geht Frankreich daran, den Vau seiner Hauptstadt im Sinne der Traditionen Ludwig XIV., Napoleon l.,.Napoleon III. auszubauen. Das neue Groß-Paris soll nach folgenden Grundsätzen gebildet werden.- es werden zunächst alle in einem Umkreise von 30 Kilometern außerhalb des bisherigen Paris liegenden Orte»ingemeindet. Dazu bestimmte Gemeinden, wie die Gemeinden rings um Ereil, die bis zu 00 Kilometern außerhalb des jetzigen Paris liegen. Während der Regierungsgesctzentwurf bereits Mahnahmen vorsieht, um in einem Umkreis von 00 Kilometern Fabrikanlagen zu ver- hindern, die bei einer künftigen Entwicklung der Stadt an diesen Stellen einmal störend wirken würden, verlangt F r a n? o i s Lotour, der Budgetberichterstatter der Pariser Kommune, bereits jetzt die planmäßige Anlage der künftigen konzentrischen neuen Stadlringe in einem Umkreis von 00 Kilometern. Außerhalb Paris hat sich ein ziemlich w ii st e s Konglomerat schlechter Miet- kasernen, Siedlungsstädte, Fabrikstädte, Arbeiterviertel, Luxusviertel gebildet, die nun planmäßig entiernt und neu aufgebaut werden sollen. Bei diesem Neuaufbau sollen jetzt schon im angegebenen Um- kreis die Gebiete, die Industrie, Gewerbe, Massenquartiere, Arbeiter- siedlungen und Luxuswohnungen a"ftiehiiieii sollen, planmäßig vor« bestimmt werden. Dl« Avenue des Ehamps-Elusees wird bis St. Germain in voller Breite auf 18 Kilometer Länge fortgeführt, das heißt, es wird eine Straße von 300 Metern Breite gebaut, die achtzehnmal so lang ist wie die Strecke vom Brandeiiburger Tor bis zum Rothaus. Mit diesem Städtebauwerk sind selbstverständlich ge- waltige finanzielle Transaktionen, Grundstücksverschicbungen (und Schiebungen), architektonische Probleme verbunden. Der Bau einer neuen Stadt, die im Süden fast bis Fontainebleau, im Norden bis vor Compiegne reichen wird(dos auf der Linie Soissons liegt), wird ein« Generation beschästtgen. Inzwischen lebt das alte Paris sein Leben fort, und zu den 8000 Büchern, die die Bibliotheque Nationale bereits über Paris besitzt, kommen täglich neu«. H. v. Wedderkop hat in der Serie„W o s nicht im Baedeker steht" ein Buch über Paris(Piper) veröffentlicht, in dem die Fülle der Stadt, gesehen von einem wohlhabenden Touristen und Künstler, erfaßt ist. be- sonders in dem Schlußlapltel, in dem er Berlin das Wolle« und dos Probieren des Neuen zuspricht, Poris aber dos Schöpferische, das uns wie stets immer wieder durch eiste» Schaffen des Neuen überraschen wird. Wedderkop stellt Paris dar, wie er es e r l e b l hat, Paul Cohen-Portheim m einer Monographie: Paris(Klinkhordt u. Biermann), wie er es erlebt und erarbeitet hat. Cohen-Portheim hat Paris als Liebender empfangen, als geistiger Mensch durchdacht. Sein Schluß- kapiöel neniu Paris.eines der größten Ptenschheitswerke der Vergangenheit, eine der wichtigsten Kraftzentralen der Mensch- hell in Gegenwort, ein« der größten Hofsnungen der Menschheits- zukunfi". Ein großes Stück französischer Vergangenheit hat Hans Flemming in ein Buch zisammengetragen, das der Form nach Erläuterungen zum allen Paris enthäll, wie es uns Victor Hugo in.N o t r«- D o m e de Paris" darstellt. Flemmings Buch„Mit Victor Hugo im alten Paris"(Verlag Pia- nier, Berlin W. 33) ist nicht für flüchtige Leser, sondern für wissenschaftliche Arbeiter und für Menschen geschrieben, die sich in histo- rische Reminiszenzen liebevoll verlieren können. Schon die Form der Anmerkungen schließ: ein sogenanntes„Lesen" des Buches aus. Es muß Stück für Stück erarbeitet werden, aber es ist nicht mög- lich, irgendeine dieser Anmerkungen vorzunehmen, ohne auf er» staunliche und bizarre Dinge zu stoßen. Bibliotheken, die Victor Hugo führen, werden ihren Lesern mll diesem sonderbaren Buch eines geistvollen und well fremden Schwärmers ein besonderes Vergnügen verschaffen. Das älteste Paris, dos Flemming hergufbefchmört, existiert heiLe noch neben dem modernsten und wird auch neben dein künftigen Paris fortbestehen. Darin wurzell ja überhaupt der Zauber dieser Stadt, daß hier nicht wie etwa in Berlin das Alt« fortwährend eingerissen und in Müll verwandelt wird, sondern daß das Alte solange ez noch Wesen hat, erhallen bleibt und dos Neue nur hinzugefügt wird. Daher lebt man ja in Paris auf wenige Schritte Emfernung im Rom der Cäsaren, in der Ga!ik, in der Renaissance, in der Französischen Revolution und in den Straßenvierteln der neuen Architektur, die überhaupt in Frank- reich geschaffen worden ist. Deswegen spielt in Paris der Raum eine merkwürdig ander« Rolle als bei uns. Es ist, als ob die Dinge keinen Raum brauchten, so nahe stehen sie beieinander, ohne sich zu drängen, fast ohne sich zu kennen. Do Ft etwa das Paris der Ausschweifungen, oder wie unser« Väter sagten, des„L a st e r s", ohne daß der größte Teil der Be» völkerung davon Notiz nimmt. Eine Pariser Journalistin Maryse C h o i s y hat unter dem Titel„In den Tiefen von Poris" (Eliteverlag. Leipzig) eine Reportage veröffentlicht, in der sie be- richtet, was sie. gesehen hat, als sie einen Monat long in Frauen- Häusern, Rendezoous-Hotels, Bermittlungsbüros für dies« Häuser ver- brachte. Es wäre dumm, dem Leser zu versichern, daß er di« Pikanterien, die er von einem solchen Buch erwartet, darin nicht finden wird. Aber auch der Leser wäre dumm, der nur sie findet. Denn auch dieses Buch lehrt ein Stück Frankreich kennen, wenn wir lesen, wie di« Mädchen eines Provinzbordells Sonntags alle zu- sammen in di« Messe gehen, wie auckf Prostituierte für ein recht baldiges Rentnerleben arbeiten, das sie in ehrenhafter Ehe verbringen wollen, und wie eben überall das Bürgerliche und das nach deutschen Begriffen Unmögliche aufs harmonischste zusammengehen. Das zeigt aber etwas Wesentliches: daß nämlich das sogenaimte Bürgerliche, das ja besonders gern deutsche Reisende an den Fran» zosen beobachtet haben wollen, etwas ganz anderes ist als das, was wir in Deutschland bürgerlich nennen. Bei uns ist das ohne weiteres mit dem Begriff des Spießigen, Reaktionären und Zelotenhaften ver- bunden. In Frankreich nicht. Der Revolutionär kann drüben Bürger sein, die homosexuelle Prostituiert« eine Spießerin. Das heißt eben, daß das Bürgerliche in Frankreich einen viel weiteren Spielraum umfaßt als bei uns. Das Bürgerliche ist keine Klasscnform, sondern eine Lebensform. Es drückt soziologisch die Idee des Maßes, der Beherrschung, der Form aus. Aus dieser Basis ist Frankreich entstanden und wirkt es fort. Auf der Basis planmäßiger Entwicklung hat es sein Kolonialreich so angelegt, daß sein Gesamtgebiet um eine einzige Achse schwingt, an der im Norden Paris, im Süden seine afrikanischen Hauptstädte liegen. In diesem Sinne planmäßiger, organischer Entwicklung will nun der sranzösifch« Geist Paris als neu« Weltstadt dem 20. Jahrhundert bieten... Felix Stäsiinger. Lettland— Deutschland Zum Eühodteykampi der Arbcitersporiicr Zu dem bedeutenden E I sh o cke y ko m p f Lettland gegen Deutschland, den die Arbeitersportler morgen, Freitag, 20�' Uhr, im Berliner Sportpalast veranstalten� sind die auswärti- gen Teilnehmer(IS Letten und 8 Königsberger Spieler) aus Wien kommend hier eingetroffen. Bereits das erste Training im Sport- palast zeigte, daß die lettischen Gäste eine fabelhafte Schnelligkeit und sicher« Storkführung haben. Di« Mannschaft aus Lettland raird trotzdem alles aus sich herausgeben müssen, wenn sie gegen die des Arbeiter-Turn- und Sportbundes das letzte Resultat aus Mürzzu- schlag mit 3:1 wiederholen will. Die deutsche Mannschaft hat in den Spielern aus Königsberg ihren stärksten Halt: sie wird allerdings nur dann eine Chance haben, wenn sie es versteht, die blitzschnell nach vorn getrogenen Angriffe und das gute Zusammenspiel der Letten rechtzeitig zu stören. Nur wenn die deutsche Mannschaft in jeder Situation den Kopf oben behält und es an der Schußfreudigkeit nicht fehlen läßt, könnte dieser spannende Kampf mit einer Uoberraschung enden. In der l e t t i s ch e n Mannschaft spielen: Sarinsch(Tor), Lanze, Dohle, Krunichliepa, Kuptsche, Kammars, Kalnin, Bilnieks, Bolodis- Die deutsche Mannschaft besteht aus: Knorr(Tor), Schi- fchefsski. Kavweina, Vojahr. Gewien, Kühn, Kähne, Jurkun, Trarel Im Rahmenprogramm zeigen A i l n ie k s- Lettland und M i e l k e- Berlin ihre Kunstlaufkür, die sie bei den Weit- kämpfen in Mürzzuschlag zur 2. Arbeiter-Olympiade liefen. Ein Paarlaufen Hohmann-Frese- Berlin und eine Eislauflehr- Vorführung„Die ersten Schritte� zeigen weiterhin das umfangreiche Arbeitsgebiet der Arbeiterwintersporller. In dem abschließenden Mannschastslaufen über ISOY Meter starten B i t- Hofs und Dahle für Lettland, Schwarz und Radau für Königsberg, P o s p i s ch i l und Z e p m e i s e l für Berlin. Karten für diese 1. Arbeiter-Eislaufveranstaltung sind noch an der Abendkasse des Sportpalastes zu haben. mit Keilerei Hätzlichc Szenen im Sportpalast Mit einem Riesenskandal endete der im Sportpalost aus- getragene Eishockeykampf zwifchen der amerikanischen Mannschast und der des Berliner S ch l i t t s ch u h- C l u b s. In einem Spiel, das durch Schuld des Schiedsrichters Martin vom Sport-Club Charlottenburg zur Farce wurde, sieg- ten die Amerikaner immerhin durch ihre technische und taktische Ueberlegenheit vor fast ausverkauftem Hause mit 4:2(1:1, 0:1. 3: 0) Toren. Das erst« Drittel ließ sich ganz versprechend an, zuinai die Berliner ihre anfängliche Nervosität abgelegt hatten. Ball erzielte auf Zuspiel von Brück das erste Tor, doch ließen die Amerikaner durch Smith bald den Ausgleich folgen. Im zweiten Spiel- drittel kamen die Berliner durch einen Ztohschuß I ä n« ck e s wioder zur Führung, obwohl die Amerikaner nun stark überlegen wurden. Bor allem trugen einige Spieler des Schliuschuh-Clubs eine u n> nötige Härte in den Kampf, was der Schiedsrichter mit Heraus, ftellung— zweier Amerikaner beantwortete. Jetzt wurde das Spiel zur Farce, denn der amerikanische Spielführer Ramsey vergnügte sich damit, die Scheibe zum Zeichen de» Protestes um das amcrika- Nische Tor herumzuführen, bisihnJänecke unfairangriff, was diesem d« Herausstellung«nlrug. Ihm folgte sein Club- kamerad Römer, während das Publikum seinem Unwillen durch Pfeifen und Schreien Ausdruck verlieh. Der letzte Spielabschnitt bracht« dann die Katastrophe. Bei dauernder Ueberlegenheit er- zielten die Amerikaner in kurzen Abständen durch Sanford zwei und Ramsey drei Tore. Als dann ein abgewehrter Schuß Iäneckes von dem absestsstehenden Ball«ingesandt wurde, ein Er- folg, den der Schiedsrichter gab, protestierten die Amerikaner und Ramsey ließ sich schließlich zu Tätlichkeiten gegen den Unparteiischen hinreißen. Nun brach der Skandal offen los und erreichte seinen Höhepunkt, als der Schiedsrichter den Berlinern das Tor nach Entschuldigung Ramscys wieder aberkannte. Inmitten des Riesenlärms entfesselter Volksmassen wurde das Spiel zu End« geführt. Es wird Zeit, daß die Berliner einmal wieder«in anständig geführte» Spiel zu sehen bekommen. Am morgigen Freitag, bei den Arbeiter-Eishockeyspielen im Sportpalast, ist Gelegen- hest dazu. Line neue Jugendmanmchalt Die Au-scheidungskämpfe im Ringen zur Ermittlung einer Berliner Städte. Jugend Mannschaft brachte die besten Berliner jugendlichen Ringer. der bundestreuen Arbeiter-Athleten- Bereine an den Start. In allen Kämpfen gab es ausgezeichneten Sport. Der Beste in den einzelnen Klaffen wurde erst nach längeren Vor- und Endkämpfen ermittelt. Die„Sportvereinigung Ngel 1899" stellte die meisten Teilnehmer der Städtemannschast. In der Klaffe bis 80 Pfund steht Kolbe(Tegel) an der Spitz«: bis 90 Pfund vertrist wieder Wiese(Tegel) die Berliner. Den Schlußkampf der Klasse bi» 100 Pfund gewann Iewko(Tegel): Binder(Lichten- Rückblick auf Die Arbeitersporiler hie 4 Faßt man alle Ereignisse der 2. Arbeiter-Wintersport- Olympiade zusammen, so darf man wohl sagen, daß es eine Wintersport-Veranstallung war, wie sie in der kurzen Zeit von vier Tagen an Reichhaltigkeit der Westkämpfer und Teilnehmerzahl noch nicht zu verzeichnen war. 22 verschieden« Wintersporstvettbewerbe wurden durchgeführt, an denen 928 Teilnehmer aus 8 Ländern sich beteiligten. Hierbei sind die kleinen Westläufe der Kinder nicht mst- gerechnet. Trotz der am zweiten Tag einsetzenden ungünstigen Witterung mit dem ununterbrochenen Schneesall und der große» Anzahl der Wellkämpfer und Festgäste kamen verhältnismäßig wenig Unfälle vor. Es war eine Hauptfamariterftation errichtet, in der drei Acrzte, ein Apotheker und öS Sanllätsperfonen Dienst hatten. Außerdem wurden bei den verschiedenen Veranstaltungen 51 Sanilälspalroutllev in den Dienst gestellt. Insgesamt wurden 150 Fälle behandest Die Organisation des Festes war sehr gut. Sic fand alle meine Anerkennung, namentlich durch die ausländische» Festteilnehmer Selbst als am Sonnabendabend noch einige Taufende unangemeld-l nach Müzzufchlag kamen, war die Festleitung in kürzester Zeit in der Lage, die Gäste unterzubringen. Die Stadtverwaltung sowie die Einwohnerschaft von Mürzzuschlag haben hervorragendes geleistet. berg blieb in der Klasse bis 110 Pfund Sieger im Endkampf. Lorenz(AU-Wedding) erkämpfte sich die Teilnahme in der Klasse bis 120 Pfund. Schmidt(Tegel) vertritt wieder Berlin in der 130.Pfund-Klosie und B a b b e l(Tegel) bleibt in der 150-Pfund- Gewichtsklasse Städtevertreter. Oer rote Rleif egeier bei den kommunisiischen Sportvereinen Die„Arbeiter-Politik" vom 11. Februar 1931, das Zeistralorgan der Opposilion der Kommunistischen Partei Deutsch- lands, hält dem kommunistischen Sportverband seinen Spiegel vor, well er Sparmaßnahmen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in demagogischer Weif« für sich öffentlich auszuwerten versuchte. Die auf Grund guter Verbindungen zum kommunistischen Sportverband bestens unterrichtete„Arbeiter-Politik" schreibt: „Hier herrscht in allen Kassen vollständige Pleite. Und wenn im„Rot Sport" bezüglich der Bundessinanzen von„re- formistischer Pleite" geschrieben wird, ist das wohl mehr Galgen- Humor. Das Sporthaus Fichte bringt kaum noch die Miete ein. Es wird nicht mehr lange dauern, und das blaue Vöglein kommt geflogen. In der Neuen Friedrichstraße müssen die Angestellten bei der Gehaltszahlung mit vielen Teilzahlungen vorlieb nehmen. Weder in der Reichs- noch in den Landesleitungstassen ist Geld. Die Unterstützungen an Verunglückte werden erst nach vielen Mahnungen auagezahll: Warte- zest mindestens ein halbes Jahr. Die mit so pompösen Worten an- gekündigte„S p a r t a t i a d e" soll ja wohl die Finanzen ausbessern, allein unter den Mitgliedern herrscht Mißtrauen. Man hat ja bis heute noch keinen finanziellen AdstÄuß vom Pfingstt reffen in Er- furt gelesen. Eine dunkle Wolke hängt um Friedmanns gefchäft- lichen Eifer. Auch der„in der Welt größte" Zentraloerein wird die trübe Finanzlage in„Rot Sport" nicht klären können. Jede Gruppe, jede Abteilung, jede Spielmannschast ringt schwer um ihr« Existenz. An Stelle der sonst so billigen Turnhallen müssen hohe Mieten für Fabrikräume bezahlt werden. Die Mitzliederzahl geht zurück, insbesondere bei den Kindern, Jugendlichen und Iung- mädchen." Wie in den anderen Organisationen und Organisatiönchen der Kommunisten herrscht also auch bei den Sportlern der Pleitegeier. Aber das Maul aufreißen, daß die Ohren Besuch bekommen, das kann diese Gesellschast. Wie oft wollte sie schon beim Arbeiter-Turn- und Sportbund zum Begräbnis gehen— jetzt ist's scweii, daß die kommunistischn Drahtzieher das Fell der eigenen Organifationcn verkaufen werden. Ist Ihr �Vagen in Ordnung? In der„Sicherhciisgasse*' wird er geprüti! Anläßlich der Berliner Automobil-Ausstellung wird in der Brcdtfchnciderstraße. nördlich des Funkturms, zum erstenmal in Europa eine„H i ch e r H e i t s ga f fe"(Safetx Oan«) aufgestellt werden. Es handelt sich um eine in Amerika bereits sehr populäre Vorrichtung, die es ermöglicht, die Zlutomobile auf ihre Fahr. f i ch e r h e l t in wenigen Minuten durchzuprüfen. Der Deutsche A u t o- C l u b hat es übernommen, diese Einrichtung zum erstenmal in Deutschland allen Automobilisten zugänglich zu machen. Jeder Automobilbesitzer kann während der Ausstellungstage völlig kosten- los seinen Wagen zur Prüfung aller für die Sicherheit des Straßen- verkehrs notwendigen Teile vorführen. Er erhält nach Prüfung einen schriftlichen Bescheid über den Zustand seines Wagens, ohne daß ihm irgendwelche Kosten dasür entstehen. Nähere Auskünfte durch die Reichsgeschäftsstelle des Deutschen Auto-Clubs, Berlin- Charlottenburg, Hardenbergstr. 18, Tel.: Steinplatz(C 1) 5060. Die Geräfescric im Arbeitersport In dieser Woche fallen die Geräte-Serienwettkämpse wegen des Eishockeyländerkainpfes am 13. Februar im Sportpalast uus. Am Sonnabend, dem 14. Februar, findet ein sehr wichtiges Treffen in der A-Klnsie stall. Die FTGB-Osten, 1. Mannschaft, erwartet in der Turnhalle Stroßmannstraße 6 die vorzügliche Mann- schaft der Turnerschaft Brandenburg a. H. Die Iugendmann- schasten von„Bolkssport-Nenkölln" und FTGB.-Lichtenbcrg lieferte» sich den fälligen Serientampf, den die Lichtenberg« gewannen. 471: 455 Punkt« war das Rsfultat. In der Frauentlasie fand ein Treffen zwischen FTGB.-Spandau und Einstacht-Mahledorf statt. Es würben sehr gute Leistungen erreicht; obwohl die Spandau« eine vorzügliche Gymnastik zeigten, reichte es nicht ganz zum Sieg. Mohlsdorf gewann mit 492: 488 Punkten. Ringkampf abend in Tegel Am Freitagabend kämpfen in der Turnholle Graf-Rödern-Korfo in Tegel die Schülsrmannschaften der bundestreuen Arbeiter-Athleten- verein«„Sparia"-N«ukölln und„Tegel". Beide Bereine hoben in den Schlllertlassen hervorragend« Kräfte. Anschließend finden Aus- scheidungskämpse der Männermannschaft des Tegeler Vereins statt, es gilt hier den besten Ringer zu den Kreisausscheidungskänipfen im Ringen zu ermitteln. Beginn der Kämpfe 17.30 Uhr. Eintritt frei. Mürzzuschlag ten, was sie versprachen Nicht unerwähnt soll die große Leistung der Telephonabteilung des Wiener Republikanischen Schuhbundes bleiben, die in dem tiefen Neuschnee die Streckenleitung für den 30-Kiiometer-Laus. der, wic schon berichtet, wegen der ungeheuren Schneemassen abgebrochen werden mußte, herstellte. Kaum war ein Teil der Strecke mit über- menschlichen Anstrengungen gelegt, wurde sie wieder durch de» schweren Druck der Schneemassen zerstört. Die Leute oersanken bis an die Brust in den Schnee und doch brachten sie die kaum glauoliche Leistung fertig, zur festgesetzten Zeit die 30 Kilometer lange Telephon- leiwng im Betrieb zu haben. Di« Ravag-Wien hat in wettgehendflem Maße die Rundfunkübertragungen der Hauptwettbewerbe in beispiel- gebender Weise durchgeführt.., Betrachtet man die sportlichen Ergebulsse im allgemeinen unter dem Gesichtswinkel,, daß es sich um Arbeiter handelt, die von chrem -Arbeitsplatz direkt zum Wettkamps fahren mußten und nicht schon Wochen vorher In ein planmäßiges Training gehen konnten— so kann man mit Recht sagen, daß die erzielten Ergebulsse hervorragend sind. Zieht man einen Vergleich mit der Besucherzahl der bisher stattgefundenen bürgerlichen Wintersport-Olympiaden und»er zweiten Arbetter-Wintersport-Olympiad«. so muß sestzestellt werden, daß die Festteilnehmer bei der letzteren die bürgerlichen Olympiaden um mehrer« Tausend« ich«troffen haben. Kommunale Gesundheitspolitik und ihre Aufgaben 3n der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Aerzlc sprach Genossin Dr. Käthe Frankenthal über Ausgaben der Berliner kommunalen Gesundheitspolitik. Die erste Forderung sei es, die gegenwärtig notwendigen allge- meinen Sparmaßnahmen beim Gesundheitsctat in ertrag- lichen- Grenzen zu halten, damit kein« Einbuße an Volksgesundheit und Arbettskraft«intrete. Bedauerlich und zu verwerfen sei das Durcheinanderarbeiten der Stadt, der Versicherungsträger und der freien Wohlfahrtspflege auf dem gesamten Gebiete de- öffentlichen Gesundheitswesens. Hier müßte die Kompetenzfrage gelöst werden. Die Reserentin sprach dann über die Notwendigkeit der Vereinheitlichung von Fürsorge, Beratung und Behandlung, über die Umgestaltung des wohlfahrtsärztlichen Dienstes und über die Verwendung der Verschickungsmittel. Sie verlangte einen stärkeren Einfluß der Gesundhettsämter bei der Verteilung der Wohnungen, den Ausbau der städtischen Eheberatimgsstcllen, die schulärztliche Versorgung der Fortbildungsschüler, eine bessere Organisation der Krebsbekämpfung und der Krebsbehandlung und schließlich die besonders eilige Einrichtung verschiedener Spezialabteilungen in städtischen Krankenhäusern(Abteilungen für Kinder, sür Augen- und Ohrenkranke, für Blasen- und Nierenkranke und Abteilungen sür orthopädische Chirurgie). Im Anschluß an die Aussprache teilte Genosse Dr. Korach im Auftrage des Vorstandes mit, daß vor- ausfichtlich Ende Mai dieses Jahres im Zusammenhang mit dem Parteitag in Leipzig ein sozialdemokratischer A e r z t« t a g ver- anstaltet werden würde. Wieder Radrennen in Berlin Unmittelbar nach der Erledigung der Weltmeisterschaften im Eistunstlouf vom 28. Februar bis 1. März geht man- im Berliner Sportpalast an den Wiederaufbau der Radrennbahn, denn schon am 8. März soll der erste Renntag steigen. Auch die zweite dieswinterliche Radsportsaison der Reichshauptstadt ist nur sehr kurz bemessen. Außer dem 8. März gibt es nur noch am 11. März einen Renntag, denn schon am 13. März beginnt das 2 3. Berliner Sechstagerennen, das den Beschluß der deutschen Saison bildet. Hauptsächlich wird man wohl bei den beiden, den„Six Days" vorausgehenden Beranstaltungen den aus- ländischen Scchstagesohrern Gelegeichctt bieten, sich mit der Bahn vertraut zu machen. Die Besetzung der Iubiläums-Sechstage macht einige Schwierigkeiten, da unmittelbar nach Bertin das Pariser Sechstagerennen beginnt, zum anderen viel» Fahrer eine sehr an- strengend« Saison hinter sich haben. NahirschutZ'Ausstellung 2. b;s 9. April Die im Rahmen der sechsten„Grünen Woche, Berlin" gezeigte große Naturschutzausstellung, die bei den Besuchern großes Interesse sand, wird aus Anlaß des in Berlin stattfindenden Naturschutz- tages vom 2. bis 9. April wiederum dcmollgemeinen Verkehr geöffnet sein. Die Zeit bis zur Wiedereröffnung am 2. April wird dazu benutzt, um die Ausstellung in verschiedener Hinsicht zu erweitern. Freier Nirprrtvlturkrei» ftinitbrni. Senn!»». 1>. gebcuar,»iei»fal>rt nach dem Mrunewo!». Trsfpuntt 8ZS Uhc U»Bal>nl>of Dnlct Toms feilttr. ÄlliS.. Rndrrbrürk. Tnschrifü 0. Roack. Neukölln. Noqalftr. 4«. Ton- nrrstep, 12. Februar. 29 Uhr, SiKunq b«> SAmiM, Schiinrwribc, Vrrliurr Strafte 9?— W. lieben Montan um 19 Übt Rvbrrtrainina im Bootsbaus Bor. mäfa, Baumschule»rvra. Jeden Frei tan um 20 llbr Labeabcnd in der Baer- waldstraftc. Svortfreudiae MNnllebrr iiwncn in oll-n«bteilunnen not, auf- «enommen werben. Bootsbaus find noch nute Bootsklänb« ,u vermieten. ■ Freilc>orrtultu»be,irl. Freiiaa. 13. Februar, 20 Ubr. 2. Heintabend der Gruppe III in der altsholkreien Gaststätte, Ekalifter Str. I. Bortrna übet Serualfraaen. «arlrll sür Arbeitersport und»irorrpslea«, Britirk llichtenbrra. Montan. Ii». Februar, bei Weaner, Franksurter Allee'230, klartcllsiftung, 20 Ubr. Frage- boneu de- Funei' Samtes milbrlnarn. «ind-rlei.'erlcbrstund- im 4. Btitirk am 14.»«d 13. Februar. Sounabend, 14. Februart Dcrbcabenb mit Borwbrunqen und Film im Turnerhrim Lücke n- molbe, Seftbeide. Ansiblieftrnb Siftunq aller Funktionäre. Countaa. 13. Fe- bruart Praktisch« Arbeit im Turnerhrim. Ab IS�l Ubr. Funktionäre über. nachten Sonuabenb im aedciittcn Fuaendbeiin Luckenwalde. Schlaisack und Decke Tnitbrinae». Trilnebmer. dir R-chtanaitier benSti3.15 Dr. Hans Weinert: Die Herkunft des Menschen. 13.40 Mit dem Volkslied durch die Jahrhunderte. 13.05 Dr. Erich Rinner; Die Lohnsteuer als Zwattgssparkasse. 19.30 Arbeitsmark« 19.35 Unterhaltungsmusik., 20.30 Urauftuhruug:„Oespriche mit Henry Ford"(die Oescbichte des Automobils). Hörspiel von Emil Burrt und Elisabeth Hauptmann. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Stod.-Ral C. Soltau: Kulturgeschichte an griechischen Vasen. 17.30 Mersmann: Hansmusik. Is.OO Dr. Walter Meckaucr- Altdeutsche Faschings» und Narrenverse. 12.30 Dr. Karl Hagemanii: Theater und Ku»"«» 19,00 Frh. von Rhelr.haben: Völkcrtnind und Weltwirtsehaltskrise. 19.30 Baudlr. Scheelhaase: Licht und Lufl in den Stallunfen. 20.00 Intendant J. Chrlstean; Zum Abendprogramm des Deutschlandsenders. 20.25 München: Unterballungskonzert. 21.05 München;..Die Hummel". 21.30 München; Kourgrt. 22.20 Wetter-, Tages-, Sportaachrichtcn.