Morgenausgabe Sonnabend «tft «schwtNch sv P,, m°n°tiich z.eo M. W I Wi �mr�mP W W HW tB' � � Auswärts Df im voraus zahlbar, Postbezug 4.Z2 M.>W I jW W W< W M KW M W BP-''MU9U'U(I£> rin'chlltßlich eoU. Poslzeituii g». j>W W»» I�W>W �W>» W> DW f/ W> i�Ät�Ä�Äfs m Ffl: II III« I I B ¥) I«PZ �VeinBJpo«VÄ.rrÄ m"»m°ß.g"m D.u-s°ch.n. VWss W>««««««g U' U« M i W W W MUx»U W■ ��MWU? druckt. Morl 2S Pfennig«zulSsstg zw-i � I W WU� skttgidruitl» Won-i, jedes lveu?re Wort .«ormSrl,-.rlch�m->°ch«nt-,. �>l>7 H L E'ell-ng-wch. dos-r,,« lich zweimal, Eanniag« und Mantaa» �N�>t' S �■LV Z'», Wart 15 Pknnig. ,-d-s meliere War, einmal, die Abendausgabe für Berlin 30 Pfennig. Wone über 15 Buchflaben und im Handel mit dem Ittel.Der ArIR��A«ahlen für zwei WoNe, Arbettsmartt Abend" Jlluftrierte Beilage.Volk iM.fk � B� � Pfennig. Familienanzeigen Zeile und Zeit" Ferner.Frauenstimme". FQrX_AB4BBB A-AA4«AB BS�Ir BA■ MM'«0P,en»ia. Anzeigenannahme imHaupt. .T-chntt",.Blick in die BücherweU", U?> U»U>?»? W! MUM WW»U»JM> �> UM gefchajt Lindenftrah, Z. wocheniagiich .Jugend.Ddlwärls"u.,Eiadlb-ilag«' V 0°n 17 Jentealorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 »zernsprecherl DönbofI 292—297 Telegramm-Adr,: Sozialdemokrat Berlin. Wien, 13. Februar. Zu der in Innsbruck erfolgten Verhaftung des reichsdeutfchen Hauptmanns o. D. von Maltitz wird der„Neuen Freien Presse" aus ?iitzsbnick gemeldet: Hauptmann von Moltitz hielt sich seit vier Monaten in, Innsbruck auf. Er wohnte in einer Pension in dem Lnnsbrucker Vorort Saggen und ist in Innsbruck von Hitler mit der besonderen Ausgabe betraut worden, die bei der dortigen Nationalsozialistischen Partei bestehenden Unstimmigkeit?» aus- zugleichen und die Sturmabteilungen dieser Partei zu reorganisieren. Als bei den Lnnsbrucker Behörden vor einiger Zeft das Fahndungs- ersuchen der Berliner Polizei anlangte, und darin die Vennutung ausgesprochen wurde, daß von Maltitz den drei Berliner National- jozialisten Kollatz, Becker und Hauschke, die in Berlin in der Silvester- nacht zwei Neichsbannerleutc erschossen haben, Borschub geleistet habe, wurde Maltitz von der Lnnsbrucker Polizei vernommen. Er gab zu, daß wiederholt junge Naticmalfozialisten zu ihm gekommen seien und um Arbeit und Unterstützung gebeten hatten: er habe geholfen, wo er konnte. Unter anderen sei auchm Ausland dezeichnet. Sie wissen eben nicht, was Hugenberg-Firma und Hugenberg-Politik ist— weil sie es nicht für möglich halten. Trotz Cpp! Äie baymfchen Katholiken gegen den Nationalsozialismus. _/ Die Verordnungsblätter der acht bayerischen Diözesen verösfent- lichen einen längeren Artikel, in dem es u. a. heißt:.Der National» sozialismus enthält in leinem kulturgeschichtlichen Programm Irr- lehren, weil er darin wesentliche Lehrpunkt« des katholischen Glaubens ablehnt oder schiej auffaßt, und weil er nach Erklärung seiner Fuhrer eine neu« Weltanschauung an die Stelle des christ- lichen Glaubens setzen will. Führende Vertreter des National- sozialismus stellen die Rasse höher als die Religion. Sie lehnen die Ltfenbarungen des Alten Testaments und sogar die mosaischen zehn Gebole ab. Sie lasten den Primat des Papstes nicht gelten und spielen mit dem Gedanken einer dogmsnloien deutschen National- kitchc. Was der Nationalsozialismus Christentum nennt, ist nicht mehr Christentum Christi. Di« Bischöfe müssen also als Wächter der kirchlichen Glaubens! e-hre vor dem Nationalsozialismus warnen, solange er und soweit er Auffassungen kundgibt, die mit der katholischen Lehre nicht ver- einbar sind. Den katholischen Geistlichen ist streng verboten, an der nationalsozialistischen Bc- wegung in irgendeiner Weise mitzuarbeiten. In der führenden Presse dieser Partei wurden gegen katholische Kund- gedungen, sogar gegen den Aufruf des Heiligen Vaters zur Wwehr des Bolschewismus, Töne angeschlagen, die jegliche Sachkenntnis und sogliify; Ehrfurcht vermissen lassen. Die Teilnahme von Nationalsozialisten an gottesdienstlichen Veranstaltungen in geschlossenen Kolonnen in Uniform ist und bleibt verboten." Polens neuer Gcsandlcr in Berlin, Dr. wysocti. überreicht« gestern sein Beglaubigungsschreiben dem Reichspräsidenten.— Der Reichskanzler gab ein offizielles Frühstück zu Ehren des Tatamatsu, des Bruders des Kaisers von Japan. ichspräsidsnten.— ühstück zu Ehren Prinzen"'' WW Russische Wirkschaft. Der besondere Ausschuß für die Wiederher. stellimg der Ordnung im russischen Eisenbahnwesen teilt mit, daß sich im Donez- Becken 69 000 Wagen mit Kohl- ange- sammelt hät:en, die den gesamten Verkehr sperrten. 44 Beamte und Arbeiter seien verhaftet worden. Kolarow, bulgarischer Kvmmunistenfirhrer, wurde von Moskau abgesägt wegen Verdachts bucharinistischer Neigungen. Wir greifen an! Die sozialdemokratische Versammhings welle Der Aufmarsch der Sozialdemokratie ist im Gange. Wo noch vor kurzem die Hatenkreuzler das Versammlungsleben be- herrschten, geht heute die Sozialdemokratie zum Angriff vor. Riesenkundgebungen in den Großstädten lenken die Augen der Oeffentlichkeit auf die Aktion. In allen Landkreisen mehren sich die Demonstrationen und Versammlungen der Partei. Ueberall sind Abwehrkartelle gegen den faschistischen Terror gebildet. Sozialdemokratie, Reichsbanner, Gewerkschaften und Sportler bilden eine Front. Aus dem Reich häufen sich die Meldungen über die Versammlungskampagne. Unmöglich, ste einzeln aufzuzählen. Jede Kundgebung ist ein Erfolg. In der ersten Februarwoche führte die Sozialdemokratie allein in Franken 89 Versammlungen durch, darunter eine Kundgebung in Nürnbergs größtem Saal die mehr als 2999 Jungarbeiter besuchten. Besonders intensiv wird in Mitteldeutschland gearbeitet. Im Bezirk Halle waren es letzte Woche 49 Versammlungen, im Magdeburger Bezirk 45 Versammlungen in Kleinstädten und Dörfern mit mehr als 15 999 Teilnehmern. Magdeburg hatte eine Riesenkundgebung, eine Dessauer Versammlung zählte 2599 Besucher. Leipzig sah am Sonntag den Gesamt- aufmarsch des Reichsbanners und des SPD.-Schutzes. 6999 Kämpfer gegen den Faschismus demonstrierten. Weitere zehn Veranstaltungen im Umkreise Leipzigs hatten Massenbesuche. In Döbeln sprach mit ungeheurer Wirkung Mario Corsi- Italien vor 1499 Personen. Im Reiche Fricks kann selbst der amtliche Versammlungsterror der sozialdemokratischen Aktion keinen Abbruch tun. 40 Kundgebungen, teilweise mit Parallelversammlungen, in einer Woche war die Antwoi� der Parteil Die Ver- sammlungen sind überfüllt, alle mußten polizeilich gesperrt werden. Tagtäglich laufen überfüllte Filmoer- anstaltungen im Ge»aer Gebiet. Auch in nazioerseuchten Landgebieten dringt die Sozialdemokratie erfolgreich vor. Allein in dem kleinen Unter- bezirk Zittau führte die Sozialdemokratie in knapp drei Wochen 36 Versammlungen durch! Selbst in der Oberpfalz, in der die eigentliche Kampagne erst Anfang Februar einsetzte, wurden in den letzten Tagen 11 Versammlungen mit aus- gezeichnetem Erfolg veranstaltet., In Hessen-Kassel zählte die Sozialdemokratie in der letzten Zeit mehr als 199 999 Besucher in 365 Versammlungen, dazu vier Kundgebungen mit 25 099 Teilnehmern und 250 Film- und Vortragsveranstaltungen: wir marschieren! Das haben auch die Gegner der Sozialdemokratie erkannt. „Wir dürfen uns aber nicht darüber täuschen, daß in der Sozialdemokratie eine neue Offensive begonnen hat." Die schwerkapitalistische Berliner„Deutsche Allgemeine Zeitung", die vorstehenden Ausspruch tat, und mit ihr die gesamte Reaktion sollen sich nicht täuschen: Die Sozialdemokratie marfchiertl Deutsche Justiz. Oer preußische Zustizminister gegen den Verleumder Moritz.— Ein Reichs- gerichtsrat offenbart sich. Der Präsident des Reichslaichbundes GrafKalckreuth hatte an den preußischen Justizminister einen Brief gerichtet, der sich mit dem ZZerleumderbuch„Gefesselte Justiz" beschäftigt. Kalckreuth forderte, daß die Ausgaben dieses Buches amtlich oder gerichtlich untersucht würden. Der preußische Justizminister Dr. Schmidt hat darauf folgende Antwort gegeben: „Sehr geehrter Herr Graf Kalckreuth, in Ihrem gefälligen Schreiben vom 6. Februar INÄl nehmen Sie Veranlassung, mich aus die in dem Buche„Gefesselte Justiz" behafldcllen Vorgänge aufmerk- sam zu.machen.und ihre Untersuchung m Anregung zu bringen. Zu Ihrer Unlerrichtung darf ich' mitteilen, daß die dor: erörterten Fälle und„Angriffe" nicht Nur seit Jahren bc- könnt sind— meist durch immer wiederholte Artikel der rechts- radikalen Presse, z. B. des„Fridericus"—, sondern daß sie auch sämtlich bereits Gegenstand eingehendster Rachprüfung gewesen sind. In den eingeleiteten Verfahren ist durch rechtskräftige Ur- teile und Beschlüsse der unabhängigen ordentlichen und Disziplinargerichte, durch Verfügung der verschiedensten Strofverfolgiingebehörden und durch Beschlüsse der versassungs- mäßigen parlamentarischen Untersuchungsausschüsse die restlose Unrichtigkeit der erhobenen Anwürfe festgestellt. Daß die Ergebnisse dieser Verfahren in der„Gefesselten Justiz" vollständig verschwiegen werden, wirft«in bezeichnendes Licht auf den Wert und die Absscht des Buches. Im übrigen dürfte der Verfasser, ein früherer Proviantamtinspektor a. D., wohl kaum die erforderlichen Porkenntnisse besitzen, um ein berufener Kritiker der Rechtsprechung Preußens und des Reichsgericht zu sein. Eine der- artige Tendenzschrift, die lediglich seit ÜaHrcn widerlegte Behauptungen wiederHoll. kann den Justizbehörden keinen Anlaß geben, sich etwa erneut sachlich mit den behandelten Vorgängen za beschäftigen— ganz abgesehen davon, daß eine solche Möglichreit zum Teil schon infolge rechts- kräftigen Abschlusses der Verfahren gesetzlich ausgeschlossen ist. In- wieweit sich Einzelpersönlichkeiten durch«ine derartig« Schrift beleidigt fühlen und etwaige Schrille unternehmen zu sollen glauben, kann ihnen überlassen bleiben. Ich selbst werde zum Schutze des Andenkens meines verstorbenen Amtsoorgängers und im Interess« der angegriffenen Behörden und Beamten Gelegenheit nehmen. km Preußischen Landtag zu diesem Buche Stellung zu nehmen. Da Si« Ihr Schreiben an mich veröffentlicht haben, werde ich auch meine Antwort der Presse übergeben. Ich darf bellen, dafür Sorg« zu tragen, daß auch die Bläller Ihrer Richtung die unverkürzte Fassung mcmes Schreibens wiedergeben." Damit ist der verleumderische Charakter des Buches des Moritz gebührend gekennzeichnet Es geht ihm und seinen Auftraggebern nicht um die Reinheit der Justiz, sondern um die Berschnrutzung des politischen Lebens. Ein hundsgemeiner Verleumdungsfsldzug sollte mit Hilfe dieses Buches eröffnet werden. Die Fäden sind nur zu deutlich sichtbar geworden. Die rechtsradikale Presse machte die Begleitmusik, Graf K a l ck- r e u t h trat in der Rolle des besorgten Mannes auf, Reichs- gerichtspräsident a. D. Simons schrieb von den.Krebs- fchäden, die geheilt werden mühten, und ein leibhaftiger R e i ch s g e r i ch t s r a t hat sich auch gefunden! Er heißt Dr. Georg Müller, und er läßt einen Brief veröffent- lichen, in dem es heißt: „Sehr geehrter Herr, Zarnows Buch macht mir nach seinem ganzen Aufbau, nach der allem Anscheine nach geschickten und sorg- fältigen Ordnung der Belege, die es überall beibringt, den Eindruck, daß seine Schilderungen ein in allen wesen tlichenZügen richtiges, wahres Bild vor Augen stellen. Ob dann und wann einem Einflußreichen etwas nachgesagt wird, was nicht bis ins kleinste stimmt, vermag ich in diesem weitschichtigen Stoffe natürlich nicht zu prüfen. Aber wenn es der Fall sein sollte, so "könnte sich's doch nur um belanglose Nebendinge handeln. Die ungeheuerlichen Hauptvorgänge und wichtigen Tat- fachen sind doch so zuoerlässig belegt, daß daran nichtszudeutelnist. Ich bin überzeugt, Zarnows„Gefesselle Justiz" hat im Ernst die Wahrheit gesagt, und wünsche Ihnen von Herzen m diesem ehrlichen Kampfe guten Erfolg." Dieser Reichsgerichtsrat pfeift auf Gerichtsurteile und authentische Feststellungen, längst widerlegte Lügen werden für ihn zuverlässige Wahrheit, wenn sie hartnäckig wiederholt werden! Der politische chaß gegen das Preußen von heute hat diesen Reichsgerichtsjuristen so verblendet, daH er sich zum Bundesgenossen eines verleumderischen, die deutsche Justiz beschmutzenden Feldzugs macht. Was dieser Richter treibt, ist eklatanter Mißbrauch der richterlichen Unabhängigkeit, es ist selbstverftänduch, daß er in jedem Prozeß mit politischem Einschlag befangen ist. Jörns Reichsanwalt und Müller Reichsgerichtsrat— das erklärt das tiefe Mißtrauen, das im Volk« gegen das höchste Gericht besteht! Straflose Mordhetze. Strafverfahren gegen General Litzmann eingestellt. Die ermordete Llnterschrist. Dresden. 13. Februar.(Eigenbericht.) Di« Dresdener Staatsanwaltschaft hat in«wem Verfahren gegen den früheren General und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Litzmann eine Entscheidung gefällt, deren Begründung wegen chrer Eigenart der Mitwelt zur Kenntnis gebracht werden muß. Am 27. Mai 1930 erklärte L i tz m a n n in Dresden in einer öffenllichen Versammlung zu dem Vertrag von Versailles: .Leider fehlen uns die Femerichter, um diese Anlerschreiber unschädlich zu machen." Der Dresdener Korrespondent des„Berliner Tageblatt".meldete die Aeußerung feinem Blatt, worauf die Republikamsche Beschwerdestelle gegen Litzmann Anzeige erstattete. Der Berichterstatter, der als Zeuge vernommen wurde, konnte dem Staatsanwalt feine Aufzeichnungen aus der Versammlung im Original vorweisen. Ein anderer Zeuge behauptete jedoch, Litzmonn habe nicht gesagt: Leider fehlten uns die Femerichter, um diese Unterschreiber unschäd- sich zu machen. Sein« Worte hüllen vielmehr gelautet:„Leider fehlten uns die Femerichter, um diese Unterschriften un- schädlich zu machen." Der Korrespondent des„B. T." wandte oeg-m dies« Erzählungen unter Hinweis auf sein« dem Staatsanwalt im Original vorliegenden Aufzeichnungen«in, daß die zweite Dar- stellung auf keinen Fall richtig jci. Im übrigen ändere sich aber auch dadurch an dem Sinn der von Litzmann geäußerten Worte nichts, denn er könne Femerichter, also Fememörder, nicht gegen Unter- schriften aufbieten, sondern nur gegen die Person des Unterschreibers. Eine Unterschrist, die aus Buchstaben bestehe, könne mit den Werkzeugen eines Femerichters nicht angegriffen werden. Rur ein Mensch könne hierfür als Okssett in Frage kommen. Trotzdem hat die' Dresdener Staatsanwaltschaft jetzt die Dar- stellung des anderen Zeugen für glaubhaft erklärt und das verfahren gegen Litzmann eingesiellk. Der Siaatsaiiwalt beruft sich dabei u. a. darauf, daß das Republik- sthutzgesetz nur dann jemand Schutz gewähre, wenn die betreffend« Person zur Zeit der Vorgänge tatsächlich Mitglied einer Regierung sei. Am 27. Mai 1930, als Litzmann seine Rede gehalten habe, sei Hermann Müller nicht mehr Reichskanzler gewesen. Außerdem habe Litzmann nicht die Person Hermann Müller geineint, sondern nur„zur Ermordung" seiner in Paris liegenden Unkerschcift aufgefordert. Wie man eine Unterschrift„ermorden" kann, bleibt das Gc- heimnis des Dresdener Staatsanwalts. Diäieuauszahlung. .Sollte nun noch etwas übrig sein, können Sie es den Arbeitslosen geben.'' Zölle und Kartelle. Die Wirtschastsdebatte beendet. Im Reichstag sprach am gestrigen Fre-itagnach mittag in der fortgesetzten Beratung des Reichswirtschastsetats zunächst. Abg. Albrecht- Hannover(D. Vp.): Die Subven.ion für das Leipziger Messeamt müßte erhöht werden, aber wir wiederholen unseren Antrag nicht, um nicht eine Spannung hervorzurufen. Die Arbeitslosigkeit ist verschuldet durch das Mißverhältnis zwischen Produktion und Absatz. Der Verteilungsapparat ist zwar ubersetzt, aber das erklärt sich aus den gesteigerten Ansprüchen des Publikums. Di« Kundgebungen der Nationalsozialisten gegen die„Zinsknecht- schast", der DeiUschnationalen für ein« Revolution und der Kam- nrunisten für«owjetdeutschlaird erschüttern den deutschen Kredit und erhöhen den Zinssatz bei uirs. Die Landwirtschast klagt immer noch über zu wenig hilf«: ober gibt«»ein Zndustrieerzeugni», das durch Zollschutz im Ja- lond aus doppelt stahem Preis als im Aueland geHallen wird. wie es bei Roggen und Weizen der Jall ist? (Sehr wahr!) Und wie behandelt man haut» Herrn Schiole. der so lange der Führer der Landwirtschast war! Nicht der Kavitälis- muz ist an der Krise schuld, sondern die Politisierung des Lohnes und des Arbeitsrechts. Die Inslatioirszsit stand im Zeichen des Staatssozialismus, erst die Initiativ« der Unteritehmer hat die «tabitisicrung und den Aufschwung gebracht. sLebhaf er Wider, spruch linke.) Frei« Individualwirttchoft mit guier Zusammen- arbeit von Unternehmern und GewertschoHen. Di« Soziatdemo- f raten haben die Nation alisicrung mstgemacht, sollten sich aber nicht dessen schämen, sondern sich offen dazu bekennen.(Hör.! hört! bei den Komm.) Die Produktionskosten in Dsttschland müssen weiter gesenkt werden(Hört! hört! äußerst links.), wenn nicht durch Export mit Verlust«in« Zusage paration geleistet werdsn soll. Wr bitten dt« Regierung, an ihrem Standpunkt festzu hallen. Abg. Freiherr v. Thünqen(Landvolt): In Ötessm Haus« herrscht mehr dl« Neigimg, sich in den Haaren als in den Armen zu liegen. (Hesterleit.) Der Redner mahnt zur Vorsicht gegenüber der ge» planten internationalen Agrorkredithllf«. denn die deutsche Land- Wirtschaft sei eine, rational« und nicht eine internationale Angelegen. heit. Di« heutigen Agrarproise vertrogen keilten Abbau. Abg. Drewitz(Wp) hält die übliche Mittelstandsrede. Hätten wir nach dem Kriege sparsamer gewirtschaftet, dann hätte unserem Volt die. viel zu hohe Steuerlast erspart werden können. Abg. Dausch(Chrsoz.) begrüßt die Zusag«, daß ein Gesetz über Bausparkassen vorgelegt werden soll; sie dürfen aber nicht«ine Monopolstellung erhalten. Die große Arbeitslosigkeit ist zum großen Teil auf die übertriebene Rationalisierung zurückzuführen. Zur Behebung der Krise ist ein genereller Lohnabbau nicht das geeignete Mittel. Abg. Rauch(B. Lp.) fordert vor allem Arbeitsbeschaffung und svricht besonders über di? Möglichkeiten da, zu in der ländlichen Siedlungs» und Landverbeiserunqsarbeit, auch bei den längst notwendigen Kanalbauten. Die Neueinrichtunq der Reichsbahnspar- kosten entzieht dos Geld den Ländern und treibt durch höhere Verzinsung Schmutzkonkurrenz gegen die seit 50 Iahren gut funk. dionierenden bayerischen Eisenbahn- und Kommunallpartassen. lsoo rcichsdeutsche Sapilalisicn haben sich in der Schweiz Villen bauen und gewiß auch entsprechendes Geld hinschaffen lasten. Man veröffcnlliche ihr« Namen und kontvolllere ihre Steuer» leislunq aus das genaueste.(Zustimmung.) Auch da» Läudchea Liechtenstein ist jehl ein horl reichsdeulfcher Kapitalverschiebung. wobei mit der Regierung von Liechtenstein ein geringer Hehlerlohn als„Steuerlsistung" vereinbart wird. Abg. Dr. Meyer- Berlin(Staatsp.): Die Kariellverordnung bat versagt, weil sie von dorn juristischen Begriff des Kar.ellver- trags ausgeht, während die Monopole oft ganz andere Formen Hadem Wir wünschen gründlich« Neuordnung. Abg. Dr. Neubauer(Komm.): Cingegrissen hat man nur gegen die— T o pst« n p rei s e: mit allen anderen Kartellen hat man sich verständigt, d. h. ihnen nachgegeben, imdHo ist die Kartell Verordnung wenn nicht Papier, so Tapete geblieben.(Heiterkeit.) Der Preisabbau ist«ine Täuschung geblieden, um den Lohnabbau beichter durchführen zu können. Obgleich der Aellestenrat grundsätzlich beschlossen hat. daß die Sitzungen um 19 Uhr schließen sollest, orhäst ein weiterer Redner um dies« Zeit da? Worr.— Abg. Torgler(Komm): Was ist denn mit dem 7-U Hr-Laden s chlu ß?(Heiterkeit.) Abg. Bielefeld(Z.) spricht besonders von der Bauwirtschaft und den Baustoffpreisen. Abg. Freydel(Wp.) beschuldigt die Zenrent- und Ziegelindustrie der Beschwind elung des Baugemerbes. Abg. Korbachsr(B Vp.) tritt für die Interessen der Hand- werksmeister ein. Gewissen armen Gegenden muß man den Hausier- Handel lassen, aber seine Ausbreitung ist ein Mißbrauch, Ausländer dürfen nickt hausieren. Wg. Dr. Mumm(Chrsoz.) empsiehll einen Antrag zugunsten dar Bauern, denen gewisse Konzerne das Land nehmen wollen. Abg. Dr. heuß(Staatsp.): Vielfach' ist d-r Staa» schon wieder auf dem Rückzug aus der Wirtschaft, da er sich die Finger daran verbrannt hat. Die Frage„Freie oder staalliche Kontrollisten- Wirtschaft" ist noch nicht entschieden. Nach 20'/i Uhr beginnt die Abstimmung über die Zlnttäge zu»« .Haushalt. Verschiedene Streichungeanträge werden abgelehnt, die Haushaltstitel genehmigt. Abg. Torgler(Komm.): Bei einer Mehreinsstzung von 170 000 Mark durch den Haushalisausschuß fehlt der Deckungsvorschlag. Das widerspricht der neuen Geschäftsordnung. Präsident Läbe: Wenn es so sein sollte,»miß natürlich zur 3. Lesung die Deckung beigefügt werden. Nach Erledigung dar Entschließungen, wobei die über Flach?- baukredite zurückgestellt wird, vertags sich das Haus um 21 Uhr auf heut« 10 Uhr: Kleine Vorlagen, Iustizhoushaft, 3. Lesung der Aenderung des Pressegesetzes. Londoner Bankfürsien gegen Labour. Mosley- und Moxton-Gruppe gegen Snowden. London. 13. Februar.(Eigenbetich.) Die Rede Snowdens und ihn« Auslegung durch Oi« bürgerllchz Presse steht noch immer im Mittelpunkt alter politischen und wirt- schas.lichen Diskussionen. Die, wie Lloyd George in der Donnerstagnocht im Unterhau? sagte, reaktionäre, allem Fortschritt im Wege stehende Londoner City antwortete mit Kursstürzen für Staatsanleihen. Die Konservativen und die Unternehmer glauben ihr« Stunde zum Abbau von Löhnen und sozialer Fürsorge gekom- msn. In der Arbeiterpartei selbst ist man ängstlich und will so schnell wie möglich durch nähere Erklärungen von Snowden dem konservativen Spuk ein End« machen. Zu diesem Zweck wird am kommenden Dienstag eine Fraktionssitzung der Labour Party stattfinden, in der Macdonald und Snowden sprechen werden. Dieser Fraktionssitzung wird in allen Lagern mit größter Spannung entgegengesehen. Zweifellos wird e? dort zu scharfen Auseinander- setzungen mit dem rechten und linken Flügel der Arbeiterpartei kommen. Es war Mosley, der am Donners'agabend die Regierung in der ungewöhnlichsten und persönlichsten Weise angriff. Die Maxton-Gruppe sieht gleichfalls ihre Stunde gekommen.„Wir haben es vorausgesehen, daß e? auf dem Regierungsweg nicht weitergehen kann." Unter diesem Ruf glauben beide Flügel ihre so verschieden gerichteten Absichten durchsetzen zu können. Beide aber sind ohne die Gewerkschaften in einer hoffnungslosen Minderheit und versuchen deshalb die Gewerkschaften auf ihre Seite zu ziehen. Die erste Antwort der parlamentarischen Ge- werkjchastsgruppe ist der Ausschluß des ZLP.-Abgeordnelen w. Z. Brown. weil er di, Regierung heftig angegriffen und durch dies«? un» würdige Betragen sein Recht verwirkt habe, der gewerkschafllichen Parlamentsgruppe noch länger anzugehören. Nicht außerhalb, son- dern innerhalb der Fraktion sind heute die größten Schwierigkeiten für die Regierung. Die Dienstagsitzung wird zeigen, wi« weit der Einsiuß der Extremen heute reicht. Englischer Kapitän vermacht sein Vermögen deutschen Kriegsbeschädigten. London, 13. Februar. Die englischen Gerichte haben entschieden, daß das Testament des englischen Schissskapltäns Robinson volle Rechts- gültigtett hat und daß seine Hinterlassenschaft nach Abzug der gesamten Gerichtskosten an die deutsche Regierung gehen soll. Der Kapitän, der am 20. Februar 1930 gestorben ist, hatte in seinem Testament festgelegt, daß sein Gesamtvermögen von rund 140000 M. der deutschen Reglerugg zu vermachen ist, die dieses zugunsten der deutschen Kriegsbeschädigten ver Menden soll. Das siegreiche und wohlhabend« England fei von sich aus ohne Schwierigkeiten in der Lag«, für sein« eigenen Kriegs. beschädigten zu sorgen und, da er d!« traurigen Verhält» nisse in Deutschland in den Jahren nach dem Kriege kennengelernt habe, so hatte er es für richig, sein Geld den deut- schon Kriegsbeschädigten zukommen zu lassen. Die Verwandten de? KapUüns hatten gegen dieses Testamen» Einspruch erhoben. Änierhaus gegen sofortiges A koholvertot. London. 13. Februar. Das Unterhaus lehnte am Freitag einen G-setzentwurf mit 137 gegen 18 Stimmen ab, der die Herstellung und Einfuhr von alkoholartigen Getränken verbieten wollt«. Snowden nahm die Gelegenheit wahr zu einem scharfen Angrisf auf den Handel mit geistigen Getränken und sprach sich für ein Volksbegehren aus. Der zuständig« Regierungsvertreter wies aber darauf hin. daß die ganze Frag« zur Zeit von einem Ausschuß bearbeitet werde, dessen Bericht ab zu- warten sei. Deswegen könne die Regierung das Gesetz nicht gut- heißen. Obwohl Lady Astor die Nachteil« d«s Alkoholgenusses in grausigen Färben matte und den einzelnen Bezirken Cnxlatids und Schottlands das Rech» geben wollt«, über di« Frag« der Prohibi- tion selbständig zu entscheiden, besannen sich doch die Abgeordneten eines Besseren und retteten England vor dem Schicksal Amerikas. Gandhis Friedensbedingungen. Aliindischer Konareß in Allaßabad. Bombay, 13. Februar.(Eigeoberichl.) In Allahabad ist am Freilag der allladische Kongreß zosommengelreten. um zu dem Ergebnis der Londoner Konferenz Stellung zu nehmen. Gandhi Hai dem Kongreß eine Enlfchlleßung vorgelegt, in der folgende Frieden sbodingungeo sormullerl sind: Amnestie der polilischen Gefangenen. Untersuchung der palizelllchr« llebergriffe. Aushebung oller Uuterdrückongsmaßuohmem gegen die alllndische Bewegung und Freiheit für den Boykott von Alkohol und fremden Textilwaren. Oer b.ntige Rassekrieg geht weiter. Bombay, 18. Februar.(Eigenbericht.) In Benares kam es am Frestag zwischen Moslems und Hindus bei einer Beerdigung zu schweren Kämpfen, die stundenlang andauerten. Zwei Personen wurden getötet, über 70 schwer verletzt. Die Polizei war ansang» machtlos und konnte erst nach dem Anrücken von großen Verstärkungen und nach langen Bemühungen die Kämpfenden trennen. Klarheit über Osthilfe? Wie die Telegraphen-Union mitteilt, haben die Osthilfcverhaud- lungen zwischen Reich und Preußen am Freitagabend nach mehrstündiger Dauer zu einer grundsätzlichen Einigung geführt. An den Besprechungen waren vom Reich Reichskanzler Dr. Brüning, � Finänzminister Dr. Dietrich und der Leiter der Osthilfestelle, Trevi- ränus, betelligt, von Preußen Ministerpräsident Braun. Finanzminister Dr. Höpker-Aschhofs und Wohlfahrtsminister Hirt- siefer als preußischer Ostkommissar. Außerdem nahmen auch die Präsidenten der Rentenbanlkrsdstanstalt und der Preußenkasse an den Beratungen tcll. Eine letzte?lussproche zwischen den unmittel- bar beteiligten Ressorts von Reich und Preußen soll heute vormittag stattfinden. Anschsiehend wird sich dos Reichskabinett sofort mit der Borlag« beschäftige«.' Gtaatsaerichtshos über Oustric-Gkandal Entscheidung deel Untersuchungsausschusses. Pari«. 13. Februar. Die parlamentarische Uaterfuchungskommissloa für die Bärseuskandale gab heute mit 15 gegen II Stimmen bei 6 Ssimmenlhallungen ihrem Berichlerflaller Buyat den Auftrag. in seinem Schlußbcrichl über die Ouftric-Assäre die Aburlelluug des ehemaligen tzusilzministers P 6 r e k. des ehemaligen Bokschafkera in Rom, D e s n a r d, und der ehemaligen Unterflaalssekrcläre Gaston vidal und Alberk Favre durch den Senat als oberstes Gericht zu beantragen. Ln Gialins He'mai. Neuer Terror in Kaukasien. Genf. 13. Februar.(Eigenbericht.) Wie das Genfer Georgisch« Pressebüro auf Tiflis erfährt, hat Kiraw, der außerordentliche Abgesandte Moskaus, die neuen Mitglieder des transkaukasischen Politbüros ernannt; die früheren sind teils abberufen, teils«ingekerkert worden. Die neu- ernannten Mitglieder gehören zu Stalins Vertrauten, wie etwa Eliaoa, der Ministerpräsident für Transkaukasien, Matharadze, der Ministerpräsident für Georgien; Kartvelow wurde zum Generalsekretär ernannt, dessen Posten vorher Lomiuadze innehatte. der in die Affaire Syrtsow verwickelt war und im letzten Herbst verhaftet wurde. Die GPU. will in Assenbaidschan eine neu« Sabotageorganisation entdeckt haben. Di« Direktoren und die Spezialisten der Petroleumindustrie von Baku sind verhaftet I worden, unter ihnen die Herren Pokrowski, Ryskin, Agabskow und I Delow. Sie kommen vor das außerordentliche Gericht wegen Ver- schwörung zum Sturz der Sowjetmacht. Die Gtellenvermiitlung. Keine alkgem eine Au'hebung gewerbsmäßiger Vermittlung? Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags wurden om Freitag die Beratungen über die Aufhebung der gewerb s- mäßigen Stellenvermittlung fortgesetzt. Ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums erklärte, daß die zur Entschädigung der aufzuhebenden privaten Stellenvermittlungen erforderlichen Retchsmittel in Höh« von 2 Millionen Mark nicht aufgebracht werden können. Von sämtlichen bürgerlichen Parteien wurde gegen die Stinmten der SPD. und KPD. ein Antrag Dr. Pfeffer(DDp.) angenommen, wonach den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern(ausgenommen für künstlerische Berufe) wahlweise überlassen wird, entweder ihren Betrieb bis zum 39. Juni 1931 gegen Entschädigung m Höhe eines Jahreseinkommens auszugeben, oder unter Verzicht auf Entschädigung die Befugnis zur Weiter- führung des Betriebes bis zum Tode des Inhabers zu bekommen. Die Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten auf Aushebung der gesamten erwerbsmäßtgen Stellenvermittlung zum 31. März 1931 mit angemessener Entschädigung wurden mit 11 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Ob die Reichsregierung die Vorlage In dieser Gestalt im Plenum verabschieden kann, wird also davon abhängen, ob die Detttschnationalen zurückkehren, um bei der Abstimmung gegen So- zialdemokraten und Kommunisten eine Mehrheit zu schaffen. Nächsten Freitag findet noch eine zweite Lesung im Ausschuß statt. Sozialer Gowjetschwinbel. Was die Bolschewisten für die Arbeiterschast leisten. Die soaenonntc» Parteiarbeiter der KPD. sind wieder einmal in einer Konserenz am 9. Februar in„Kliems Festsälen� in Berlin durch Hermann R e m m e l e, M. d. R., in ausführlichen schrist- lichen und mündlichen Berichte» über die Sozialverhältnisse i n der Sowjetunion„aufgeklart" worden. Für das Jahr I93l1 wurden, nach Remmele, in Rußland pro Arbeiter an Soziolausgaben 228 M. aufgewendet, und in Deutschland 82,35 M.: für das Jahr 193l ist im voraus berechnet worden, daß Rußland 264 M. und in Deutschland 57,l8 M. veraus- gaben wird. Die Mathematiker in der„Roten Fahne" bringen es darüber hinaus fertig, aus diesen Zahlen auch noch statt des von Remmele nachgewiesenen Berhältnisses von 1: 3 bzw. 1:5, den zehnfachen Betrag zugunsten Rußlands herauszurechnen. Der Wert des Rubels wird umgerechnet auf den Friedens- wert und gleich 2 M. gesetzt. Welchen Wert der Rubel tatsächlich auch in Rußland Hot, das beweist einmal der Index des swot- lichen und Genossenschaftshandels für Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstiges, der gegenüber 1913_ 100 auf 232 im Oktober 1929 und seitdem noch weiter Siestiegen ist. Der Index für den privaten Kleinhandel tand am 1. Dezember 1929 auf ZSZ und für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf 485. Im November 1930 kosteten in Rubel z. B. in Charkow est, russisches Pfund(410 Gramm) Rindfleisch 2 bis 23. Schweinefleisch 2,5 bis Z. Butler 8 bis 10. Fisch Z. eiu Liter Oel 14, ein einfacher Anzug im Gmossenschostsladen 70 bis 200, ein Frauenkleid 30 bis 100, ein einfaches TNönnerhemd 4 bis 10 Rubel. Die Kaufkraft des Rubels für den Arbeiter wird nach amtlichen Mitteilungen aus Moskau vom 11. Januar 1931 besonders deutlich, denn das monatliche Durchschnittseinkommen für den Metallarbeiter in den Iahren 1929/30 ist mit 98 R u b c l u n d 23 Kopeken errechnet. Die Gesamtausgaben für' Sozialpolitik in Rußland be- tragen nach Remmele für 1930 3,2 Milliarden Mark, der Aufwand in Deutschland 1,4 Milliarden Mark. Wie hoch sind nun die tat« sächlichen sozialen Aufwendungen in Rußland? Wir schöpfen M>s folgenden russischen Quellen: Die„Wroprossy Truda", Nr. 2/1929 (die Zeitschrift des Arbeitskommifsariats), oeranschlagt« die Ge- samtaufwendungen für die Jahre 1927/28 in Rubeln mit 968,5 Millionen, für 1928/29 bis 1077,7 Millionen. Darin waren enthalten: für Arbeitslosenunterstützung 112,7 bzw. 129,1 Millionen, für den Arbeiterwohnungsluiu 34,9 bzw. 37,4 Millionen Rubel, für Altersrente 8 Millionen, für Invaliden- und Hinterbliebenenrente 203,8 bzw. 250,9 Millionen Rubel. Für 1930/31 meldet die „Iswcstija" vom 9. August 1930, daß der Voranschlag auf 1800 Millionen Rubel festgesetzt worden sei, davon für Sanitätswesen 423, zur Ernährung 10, für Invaliden- und Familienversorgung 397, für den Bau von Arbciterwohnungen(!) 63 Millionen Rubel. Ferner berichtet das Internationale Arbeitsamt in Genf, dessen Berichte wiederholt von der„Roten Fahne" als bc- weiskräftig angesührt worden sind, in Nr. 23 seiner Presiemitteilun- gen vom 1. Dezember 1930, daß in dem Fünfjahresplan auch die Sozialversicherung berücksichtigt worden ist. Der Ge- s a m t h a u s h a l t für alle Zweige der Sozialversicherung soll noch dieser Quelle auf 13 Milliarden Rubel gesteigert Vierden. Jnbc- griffen waren darin schon 217 Millionen Rubel für Arbeiksloseuunlerstühungen, die aber durch den Machlspruch der russischen Gewalthaber seit Oktober 1930 restlos gestrichen wurden und deshalb in Abzug gebracht werden müssen. Weil die in Aussicht gestellten Mittel nicht vorhanden sind, deshalb mußten fest der Bekanntgabe der neuen Richtlinien über soziale Fürsorge in wenigen Wochen etwa 180 000 Arbeilsinvaliden wieder in die Betriebe zurück(siehe„Prawda" Rr. 355 vom 26. Dezember 1930). Aehnlich bewußt unwahrhastig sind die fortgesetzten Behauptungen der deutschen Rubelpresse über die nichtvorhandene Arbeitslosigkeit in Rußland. Wie steht es nun mü dem Aufwand allein für die staat« lich« Sozialoersicherung(nicht für die gesamte Sozial- Politik) in Deutschland? Es wurden verausgabt in Millionen Mark für: 1913 1928 1929 Krankenversicherung... 569,2 2 051,2 2 255 Unfallversicherung.... 226,8 377,5 400,5 Invalidenversicherung... 243 1 126,2 1 308 Angestelltenverücherung.. 14,7 138,2 186,2 Knappschastsoersicherung.. 46,8 226,8 230 Arbe its losen Versicherung..— 1071,7 1538,6 In diesen Zahlen sind nicht enthalten die Aufwendungen für Beamtenpensionen in Reich, Ländern und Gemeinden, die mit 1900 Millionen Mark jährlich errechnet sind. Die Reichs- bahn verausgabte im Jahre 1929 allein 482 Millionen Mark Pensionen. Nicht berücksichtigt sind ferner der Aufwand an aus- gesteuerte Arbeitslose, die zu Hunderttausenden aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden müsien. Der Aufwand im Kriegsversorgungswesen und für die öffentliche Fürsorge ist für 1929 m i t 3100 Millionen Mark errechtiet. Da der Arbeiterwohnungsbau in Rußland erwähnt worden ist, so soll vergleichsweise festgestellt werden, daß in Deutschland im Zohre 1928 306 000 Wohnungen und 1929 etwa 320 000 Wohnungen erstellt worden sind. Aus öffentlichen Mitteln sind etwa 1580 Millionen Mark bereitgestellt worden, insgesamt wurden 1928 schätzungsweise 3450 Millionen Mark zur Finanzierung des Wohnungsbaus verausgabt. Wir wissen, welche konzentrierten Angriffe die deutschen Unternehmer gegen die Sozialversicherung seit Jahren und nicht ohne Erfolg geführt haben. Aber die Wahrheit gebietet es, die deutschen Arbeiter darauf hinzuweisen, welche gewaltigen Leistungen sie mit Hilfe ihrer gewerkschaftlichen und politischen Organisationen auf dem Gebiete der Sozialpolitik seit 1918 voll- bracht haben. Rußland kennt kein Bersailler-Diktat, keinen Dawes- und Voung-Plan, sondern hat die Kapitalisten voll- kommen enteignet und alle mobilen uird immobilen Werte im Lande behalten. Und doch dieses beschämende Ergebnis, das die deutsche Rubelpresie vergebens wegzulügen sich bemüht. Gieg in Lancashire. Die Aussperrung zusammengebrochen. London, 13. Februar.(Eigenbericht.) Schneller, als es selbst die langsam abbröckelnde Unternehmer« front vermutete, ist die Weberaussperrung in Lan- cashire zusammengebrochen. 3n ihrer Rot wollten die Fabrikanten vor einigen Tagen mit der Drohung einer'25prozentigen Lohnverminderung die Ausgesperrten aus die knie zwingen. Die Arbeiter standen jedoch fest zusammen. Daraufhin erklärte die Fabrlkanlenvereini« gung den Gewerkschaftsführern am Freilag in INanchester, daß sie die Aussperrung beenden und am Montag die Fabriktore wieder öffnen wolle. Der Sieg der 400 000 Ausgesperrten und Feiernden ist voll. st ä n d i g. Bedingungslos kehren die Weber« und Spinnereiarbeiler an ihre Arbeitsplätze zurück, nachdem sie vier Wochen, teilweise sogar sieben Wochen im Kampf gestanden haben. Vom Acht-Websluhl- syslem und Lohnvermindcrung ist nicht mehrdieRcde. Das ist ein großer Sieg, der zugleich der englischen Arbeiterschast und auch der Regierung zugute kommt. Eine schwere Attacke gegen den Lebensstandard der Arbeiterschast ist abgewehrt. Die Unternehmer werden, wie sie auch bereits ankündigten, zu andere» Mitteln für die Reorganisierung der Znduskrie und de» Marktes Zuflucht nehmen müssen. Daß die englische Arbeiter« tlosse daran selbst das größte Interesse hat. darüber ist kein Zweifel. Sie Ist bereit zur Mitarbeit, aber nur aus eiaem Wege, der ihre Lebenslage nicht verschlechtert und der die Arbeits� losigkeil nicht noch durch Rationalisierung»- maßnahmen vermehrt. „Verfeinerung" des Tarifrechis? Orakelsprüche Stegerwalds. Bochum. 13. Februar.(Eigenbericht.) Reichsarbeitsminister Stegerwald sprach am Freitag im arbeitsrechtlichen Seminar der Esiener akademischen Kurse über die Zukunft des Tarifrechts. Die Neuregelung— so führte der Minister aus— fei zusammen mit der österreichischen Regierung bereits vorbereitet. Die Durch- beratung der Vorschläge des Ministeriums mit den Interesseuten werde noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. An der Wiege des Tarifrechls stehe der Gemeinschaftsgedanke. Man könne daher an die Möglichkeit denken, daß sich künftig die Verbände auch freiwillig zu Tarifgemeinschaften zusammenschließen und daß der Staat diese Tarisgemeinschaften ermächtigt, ihrerseits die Arbeitsbedingungen zu regeln. Damit würden viel Schwierigkeiten leichter überwunden, die bisher aus der gewerkschaftlichen Zersplitterung erwachsen seien. Stegerwald betonte ausdrücklich, daß er sich keineswegs auf einen derartigen Plan festlegen wolle. Er gebe mit dieser Perspek- twe nur eine Anregung. In der Frag« der Tariffähigkeit trat der Minister dafür ein, die Voraussetzungen der Tariffähigteit in der künftigen Gesetzgebung schärfer als bisher zu präsizieren und die Entscheidung über sie einer besonderen, mit bindender Wirkung entscheidenden Spruchstelle zu übertragen. Er schlug vor, das Arbests- recht dadurch zu verernsachen, daß den tariffähigen Vereinigungen beider Seiten kraft Gesetzes Rechtsfähigkeit verliehen werde, und betonte, daß dadurch eine Verschörsting der Haftung gegenüber dem bisherigen Zustand praktisch nicht eintrete. Nachdem Stegerwald noch auf die Frage der Ausdehnung der Tarifbestimmungen' auf Nichtorganisiert«, aus die Friedenspflicht und Hastung näher ein- gegangen war, gab er der Zuversicht Ausdruck, daß das Tarifrecht sich durch die Notzeit der gegenwärtigen Krise behaupten und bei späterem neuen Aufstieg wertvolle Dienste leisten werde. Es werde allerdings notwendig fein, die Tarifbestimmungcn mehr als bisher zu verfeinern und den verschieden gelagerten Verhältnissen der einzelnen Berufszweige und Bezirke anzupassen. * Die Meldung, daß die Reichsregierung sich mit dem Gedanken beschäftige, den Tarifvertrag auf dem Wege der Not- Verordnung aufzuheben, wird vom Reichsarbeitsministerium kategorisch dementiert. Die maßgebenden Stellen erklären, es komme weder eine Verkürzung der Lauffristen noch eine Aufhebung der Tarife in Frage. Husarenriii gegen Tarisverirag. Sie Konditoreninnung aus dem Sattel geworfen. Der tarifwidrige Anschlag der Berliner Konditorinnung auf die Löhne des Konditoreipersonals ist durch die entschieden« Abwehr des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter vereitelt worden. Die Innung hatte bekanntlich den Lohntarif, der noch bis zum 30. Juni läuft, zum 15. Januar„gekündigt" und. nachdem die„Tarifverhandlungen" mit den Gewerkschaftsvertretern aufgeflogen waren, ihre Mitglieder durch«in Rundschreiben vom 17. Januar angewiesen, durch Diktat die Löhn« in den ein- zelnen Betrieben um rund 10 Proz. abzubauen. So einfach, wie sich der Syndikus der Innung diesen Hufaren- ritt vorgestellt hatte, verlief er jedoch nicht. Der forsche Reiter wurde sehr schnell aus dem Sattel geworfen. Der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkcarbeiter beantragte beim Arbeits- gericht den Erlaß einer ei»st willigen Verfügung, die der Innung die Verpflichtung auferlegt, ihr Rundschreiben vom 17. Januar zu widerrufen und entsprechend dem noch gelten- den Tarifvertrag die bisherigen Löhne bis zum 30. Juni weiter- zuzahlen. Das Arbeitsgericht hat diesem Antrag am 28. Januar entsprochen und der Innung, falls sie dem Urteil zuwider- handelt,«in« Geldstrafe von 1000 M. angedroht. Di« Innung hat das Rundschreiben bis jetzt noch nicht widerrufen, dafür aber 1000 M. an Gerichtsstelle deponiert und Berufung beim Landes- arbeitsgericht eingelegt.(Auf 1000 M. kommt es den not- leidenden Unternehmern nicht an.) Der Berufungstermin ist ow 26. Februar. Das Landesarbeitsgericht wird gegenüber diesen offenen Tarisbruch der Innung nicht eine andere Stellung«in- nehmen als die erste Instanz. Der Branchenleiter, Genosse Thieme, der in der allgemeinen Versammlung des Konditorei- Personals am Montag im„Palais des Zentrums" über diesen Rein- fall der Innung berichtete, ließ keinen Zweifel darüber, daß der Verband auch dann seinen Mitgliedern zu ihrem Recht verhelfen würde, wenn sich das Landesarbeitsgericht wider Erwarten nicht der Entscheidung der ersten Instanz anschließen sollte. Durch diesen Erfolg dürfte sich däs Koichitorelperfonal aber nicht in Sicherheit vor den Lohnabbauplänen ihrer Unternehmer wähnen. Bestimmt werden die Unternehmer betrn Ablauf des Tarifvertrages mit dem gleichen Ansinnen wieder aus den Plan treten. Bis dahin gelle es, die Organisation so zu stärken, daß den Unternehmern d«nn ein ganz energischer Widerstand geboten werden kann. Für den Fall, daß einzelne Unternehmer trotz der Entscheidung des Arbeitsgerichts die Löhne eigenmächtig abbauen sollten, nmß die Empsongnahine des Lohnes unter Borbeholt quittiert und die Organisation sofort davon in Kenntnis gesetzt werden, damit sie gegen diese Konditoreibesttzer klagbar vorgehen kann. Di« Versammlung brachte ihr Einverständnis mit den bisherigen Maßnahmen der Organisation durch die fast einstimmige Annahme einer Entschließung zum Ausdruck, in der der Organifatwnsleitung für ihr Berhalten das Vertrauen ausgesprochen wird. Rund um Ruhrort-Meiderich. Herr Iarrep wird noch einmal bemüht. Die am Freitag in Duisburg-Ruhrort geführten VerHand- lungcn über die Stillegung der Hütt« Ruhrort- M e i d r i ch verliefen ergebnislos. Unternehmer und Gewerkschaften prallten scharf aufeinander. Die Unternehmer machten au? ihrer Wut über das unerwartete Er- gebnis der Abstimmung der Belegschaft, die den Dolchstoß gegen den Tarifvertrog Nord-West vercstelte, kein Hehl. Sie erklärten, die Mstimmung habe nicht die wahre Meinung der Belegschaft ergebe». Der Schlichter für Westfalen, Profesior B r a h n. schlug eine neue Abstimmung unter neutralem Vorsitz vor. Die Gewerkschaften blieben den Unternehmern die Antwort nicht schuldig. Sie betonten, daß, wenn von einer Beeinflussung der Abstimmung gesprochen werden könne, sie von den Unter- n e h m e r n gegenüber den Angestellten vorgenommen worden sei. Eine Neuabstimmung wurde von den Gewerkschaften o b- gelehnt mit dem Bemerken, die Arbeiter seien keine Hampel- männer, sie seien sich der Trogweite der Abstimmung wohl bewußt gewesen. Im übrigen bleibe auch bei einer neuen Abstimmung der Tarifvertrag unabdingbar. Di« Unternehmer sollten doch endlich zugeben, daß sie einen Vorstoß gegen den Tarifvertrag beabsichtigen. Di« Stillegung der Hütte soll am 21. Februar erfolgen. Trotzdem plant Oberbürgermeister I a r r e s einen neuen Verhandlungsversuch. Offenbor ist dem Stohlwerksoerband nicht recht wohl zu Muts. Durch Drohungen und Versprechungen, durch den konzentrierten Druck von scheinbar neutraler Celle(Iarres) und von den An- gestellten selbst, hoffte man die Belegschaft mürbe zu bekommen und mit diesem Hebel dann den ganzen Tarifvertrag umzuwerfen. Die Konflikte bei Neehek. Lohnabbau bis zu 40 Prozent. � Die Firma Hermann Reetz«!, Zuckerwarenfabrik in Reinickendorf, macht mit dem„sozialen Verständnis für„ibre" Arbeiterschaft" oft recht breite Reklame. Wie ficht es aber in Wirklichkeit aus? Der Betriebsrat ist der Firma ein Dorn im Auge, da er die Einhaltung des Tarifvertrages verlangt. Herrn Duo Neetze!, der Personalchef,„bleibt die Spucke weg", so erklärt er. weil die Betriebsräte,„die Holzköpps", seinen Maßnahmen nicht zu- stimmen Betriebsrotsmitglieder werden gcmaßregcit, und wenn sie dann immer noch nicht gefügig sind, erhalten sie einen Brief mit der Aufforderung, von ihrem Posten als Betriebsrat zurückzutreten. Da sich die Betriebsräte auch dadurch nicht einschüchtern lassen, kündigen die Herren Chefs„andere Maßnahmen' an. Als„Herr im Haufe" lassen die Herren einen Aushang, der gegen die tariflichen Beftim- mungen verstößt, am schwarzen Brett anbringe». Vom Verband der Nahrungsmittel- und Ge- tränkeorbeiter auf das tarifwidrig« Verholten aufmerksam gemacht, trat der Personalchef zurück und sein Bruder Paul übernahm dieses hohe Amt. Jetzt wurden die„Gelben" und die„revo- lutionären Unorganisierten" gegen den Betriebsrot ge- hetzt und«ins Klage auf Absetzung des Betriebsrates beim Arbeits- gcricht eingereicht. Auch dieser Angriff wurde abgewehrt. Da fuhr man größere Geschütze auf. Die Löhne werden bis zu 40 Proz. abgebaut! Allerdings muß die Fabrik mit 100 Arbeiter» 5 Unteruehmersamilien ernähren. I» nächster Zeit verheiratet sich wieder eine Tochter. Der Schwiegersohn kommt natürlich wieder mit ins Gefchöst. Da muß die Arbeiterschaft von ihren„hohen Löhnen" selbstverständlich etwas abgeben. Wenn die Firma Wert darauf legt, daß die Arbeiterschaft ihre Fabrikate kauft, ist es höchste Zeit, sich umzustellen. Ein Streik in Mussolinien. Mailand, 13. Februar.(Eigenbericht.) In Caccivio(Provinz Mailand) haben sich 12 00 Seiden- f p i n n e r durch Streik einem Lohnabbau um 25 Proz. widersetzt. Vor den Fabriten fanden Kundgebungen statt, in deren Verlauf die Streikenden sozialistische Kampflieder sangen. Tie Miliz, die aus Lastwagen ankam, wurde ausgepfissen und mit einem Steinhagel empfangen. 30 Personen wurden verhastet. Die Vcr- Haftelen, unter denen sich mehrere Frauen befinden, wurden ins Gefängnis nach Como geschleppt. Der Sekretär der faschistischen Textilarbestergewerkschaft ist zur Abwürgung des Streits in Caccicio eingetroffen. Militär hat die Seidenfabriken des Städtchens besetzt. Im Siemens-Kleinbouwerk erhielt bei der Wahl zum A r- b e i t e r r a t die sreigowerkschaftliche Lifte 1037 Stimmen und 8 Mandat«, die RGO. 630 Stimmen und 5 Mandate. Zum A n- gestelltenrot war nur eine List«, die des A f A- B u n d e s aufgestellt, die somit als gewählt galt. Trotz aller Agitation bleibt die überragende Stellung der freien Gewerkschaften u n- erschüttert. ? SVD.-B-trikbifrakti-n bampf". pj �reie Gewerkschafts-Zuaend Berlin beute, Coiin-brnd finden fslaende Veranlialtunaen stati: Zuaendarupse de» verbände» der Rabrv»n»mittel.»nd Seträntearbeit«-- galirt in die Dubrow. Treffpunkt heu'e um Ä llbr Dörlid-r 5er»bahnli<>'-— äHoraen, conirtafl, 15. Iscbruar, fotqondc Beranftallunqcn: Mätüiienknrsna: Be. füllt, NU!, a de» lsrauenkundemuseums unter ür,tlicker Miirnna. Treffen Uhr chart-ttenbur«, Berliner Etr. IN.- Südrinq! io Uhr Belichti-ntii« des Zentral- fluqhafens Tcnipelhrf. Treffen dze, Uhr am Osteinaana.-«»tnnq! Eonntaa. um 20 Uhr Keftenbera-Äbend,..Vom Volislird tum Sckffaa«--", im Cacilic». Luteum. L,chlcnbera, Va'hausstrohc. Mitroirkende: Zda Harih tur Ried.n.— Iuacndarnpp« de, Deutsffen BcIIcid»na»arbeiter.Vcrbande«: Wanberunü Wild- Part— Caputh— sserch. Treffen'% Uhr Botsdamer töauvtbahnho!. Vorhalle. Verantroortlich für Politik! Tr.«urt S-y-r; Wirtfchafi:«>.«linaelhZfer! Gewerkschaitsbeweauna: Z. Siriaer: iZeuilleton: 9. K. Döicher: Lolale» und Eonstiaez, Fritz«arftädt! Änteiaen: Zh. v locke: sämtlich in Berlin. Berlao: Vr>r>väri,.Verlaa®. m. b. S>.. Berlin. Druck: Vorwöris-Duchdruckerel und B-rlagsanftai« Vanl Cinaer u. Ca., Berlin 63ä. S«. Linder, straki S. Hierzu 2 Beilagen. Nr. 25» 45. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Sonnabend, 44. Zebrunr 4951 Fridericus als Friedensstörer. Empörung der Berliner Bevölkerung über den Schandfilm. All verschiedenen Sfcüen Bettins kam es gestern abend aus Antatz der Vorführung des Hugenbergfchen Aridcrieus-Mms „Ftotenkonzert von Sanssouci" zu Störungen. Der Bevölkerung hatte sich eine tebhaste Entrüstung darüber bemächtigt. datz Kinounternehmer es wagen, diesen Film, der eine dreiste und freche Werbung für Blonarchie und Wititariemus unter der Maske heuchlerischer Sentimentalität bedeutet, der arbeitenden Bevölkerung anzubieten und vorzusühren. hoffentlich sehen die ver- antwortlichen Ailmprüser ein, was für einen schweren Dehler sie be- gangen haben, als sie einen Film frei gaben, der die Kluft in unserem Volk nicht überbrückt, fondern noch weiter a u s r e i tz t. Die gestrigen Vorfälle haben ohne Zweifel bewiesen, datz der Film geeignet ist, den Frieden und die öffentliche Ruhe aufs s ch w e r st e zu gefährden. Die Behörden mögen daraus schleunigst die Folgerungen ziehen. Im Titania-Patast Schöneberg kam es anläßlich d-r Vorführung des Films„Dos Flötenkonzcrt von Sanssouci" zu e r- regten Kundgebungen der Kinobesucher. Wiederholt machte sich der Unmut über die aufdringliche hugenbergsche Kriegspropaganda « in lauten Zwischenrufen bemerkbar. Zinveilen löste der Edelkitsch an den rührseligsten, van den Manuskrip(Herstellern ernst gedachten Szenen laute Lach- s a l v e n aus. Besonders amüsierte sich das Publikum, als Fridericus. der bekannllich seine Ehegattin nie angesehen hat, über die Heiligkeit der Ehe orakelte. Der provozierende Schluß mit seinen Parademärschen ging völlig unter in lauten Protestrusen gegen den Krieg und Hochrufen aus die Republik. Von dem tönenden Film war nichts mehr zu hören. Die Polizet nahm eine Anzahl Rufer fest, darunter auch den Landtagsabgeord- neten Genossen K u t t n o r. Ein übereifriger Polizei- Hauptmann wollte wissen, daß neben Kuttners Platz Niespulver gelegen hätte. Auf der Wache stellte sich das jedoch als eine glatte Personenverwechslung heraus. Da auch die Polizei- Wachtmeister bekundeten, daß Kuttner lediglich wegen eines dreifachen Hochs auf die Republik aus dein Saal gewiesen worden war, mußte der Hauptmann unter Entschuldigungen die Freilassung Kuttners verfügeiu Bor dem Theater jammelle sich eine erregte Menge, die in heftigster weise dagegen protestierte, datz solche byzantinische Schmach den Berlinern geboten werden kann. Vielfach konnte man von Stmnnigästen des Theaters hören, datz sie in Zukunft diese Stätte meiden würden. Im Exzelsior Lichtspieltheater in der Kaiser-Fried- rich-Straße Neukölln konnte der Hugenbergsche Tonfilm„Das Flötenkonzert von Sanssouci" nur unter Ausgebot stärksten Polizei» lichen Schutzes durchgeführt werde w Schon bei der ersten Aufführung gab es bei den nationalistischen Stellen des Films anhaltende Vssist und Mitzsallenskund- gebungen. Diese Aeußerungen des empörten Publikums steigerten sich im weiteren Verlauf des Abends so, daß neuhinzukommende Demon- stranten Stinkbomben, Niespulver und mit Tinte gesüllte leere Eier gegen die Leinwand warfen. Die«mfchreitende Polizei nahm 18 vorläufige Festnahmen vor. Bei der Wiederholung der Aufführung war der Saal kaum bis zur Hälfte gefüllt. Stach Erklärungen der Leitung des ÄinatHeaters will man unter polizeilichem Schutz die Aufführungen des heutigen Abends durch- führen, weiß aber nicht, ob eine Wiederholung m den nächsten Tagen erreichbar sein wird. Die Empörung der Bevölkerung über die Darbietung von Kriegsfilmen gegenüber dem Verbot des Filmes „Im Westen nichts Neues" zeigte sich auch darin, datz in den an- grenzenden Straßen bis in die späten Nachtstunden hinein, Sprech- chör« angesammelt waren, die immer wieder den Rus ertönen ließen „Rieder mit dem nationalsozialistischen hugenberg-Tonsilm". Die Redaktion des„D o r w ä r t s" wurde am gestrigen Abend telephonisch von Bstvohnern Neuköllns bestürmt, die ihre Empörung darüber Ausdruck gaben, daß Kinobesitzer, die von der arbeitenden Bevölkerung Neuköllns leben,«s wagen, einen solchen Film über- Haupt herauszubringen. Auch das Filmtheater am Kottbusfer Damm, in dem der Huzenberg-Film zur Auftülirung gelangte, stand unter polizeilichem Schutz. Zu ernsteren Zusainmenstötzen und Kundgebun- gen soll es hier indessen nicht gekommen sein. Der Polizeipräsident bat, wie wir zuverlässig erfahren, die Gruppenkommandeure der Schutzpolizei in den Stadtteilen, bei denen es aus Anlaß des nationalistischen Hugenbcrg-Films zu Zwischenfällen kam, zur sofortigen Berichterstattung aufgefordert. Im Bezirk Wedding kam es gleichfalls zu lebhaften Kundgebungen gegen den hugenberg-Fridericus-Tonfilm. Bei der Aufführung im M e r c e d e s- P a l o st in der U t r e ch i c r Straße ging das Publikum, nachdem es durch Pfeifen und andere Mißfallenskundgebungen einen Abbruch der Vorführung nicht er- reichen konnte, dazu über, Stinkbomben zu werfen. Auch auf der Straße hatten sich wie in Neukölln Ansammlungen gebildet, die gegen die Aufführung des kriegshetzerischen Films protestierten. Nach den Mitteilungen der Polizei find die Ansammlungen ohne besondere Schwierigkeiten zerstreut worden. Wie sehr man sich im Rahmen der Gesetze hielt, bezeugt die Tatsache, daß vom Mereedes-Palast aus nur vier Personen dem Polizeipräsidium zwangsgestellt sind. Auch im P a l l o d i ii m- K i n o, Bärwald- Ecke Blücherstraße, kam es in der Freitagabendpremiere des Fridelicus-Films gegen Schluß der S-Uhr-Borstellung, als Ollo Gebühr die Parade der Potsdamer Iinnsoldaien abnahm, zu Kundgebungen gegen den nationalistischen hugenberg- Kitsch. Als schwacher Deisall eines Nozitrupps einsetzte, ertönten schrille Pfiffe, die den kümmerlichen Demonstrationsversuch der Haken- kreuzler völlig übertönten. Der größte Teil des Publikums lehnte ganz offcnstchtlich den schwarzwcißraten Hetzfilm ab. Die Einstellung des Publikums gegen den Film ist um so bemerkenswerter, als das Palladium nur wenig proletarisches Publikum aufzuweisen pflegt. Was wird aus Berlin? Die Verantwortung des Landtags** Kommunale Konferenz der Berliner Sozialdemokratie Im großen Saal des Gewerkschaflshauses veranstalkete der Bezirksverband Berlin gestern abend eine große kommunale Konferenz, die sich mit dem B e r- wattuogsprobtem der Reichshanptstadt be- schäftiNtc. Die drei Referenten, Genosse Harnisch. Genosse herz und Genosse haß. nahmen zu der durch die gestrige Entscheidung des Gemein drausschuffes neugeschaffenen Situation Stellung. Die sehr stark besuchte Konferenz wurde von dem Genossen S o b b a t h eröffnet, der noch einigen einleitenden Sätzen sofort dem Genossen Hermann Harnisch das Wort erteilte. Genosse Harnisch: Die Meinungen über die Not- wcndigkeft und die Art der Vorwaltungsreform für Berlin gingen inerhalb der Partei stark auseinander. Unsere Stellung, zu dem Gesetzcntwiirs des preußischen Innenministeriums ist durch die Eni- ichctdung des. Gcmeivdcäilsjchusses zwanzsmäßig festgelegt. Der Referent gibt einen kurzen historischen Ueberblick über die Wand- lungen, die der Gesetzentwurf in den verschiedenen Phasen durchgemacht Hai und fährt dann fort: Der Borstoh des Zentrums im Gemeinde- rnisschiiß kam völlig unerwartet. Nach gestern hatten die Par- teicn zahlreiche Abänderungsanträge gestellt und damit ihre Bereit- Willigkeit zur Mitarbeit an dem Entwurf bekundet. Als dann der Zentrumsvertreter plötzlich den Antrag stellte, den Namen des Gesetzes zu ändern, und es bald llar wurde, daß das Gesetz im Ausschuß zu Fall gebracht werden sollte, erschien Sevcring, dessen temperamentvolle Ausführungen und Hinweise auf die Folgen einer Ablehnung jedoch ohne Einsluh auf die Haltung der Rechtsparteien und des Zentrums blieben. Man müsse vom Zenkrum darüber Klarheit verlangen, ob es überhaupt uoch die Absicht habe, Gesetze von weittragender Bedeutung in diesem Landtag zu verabschieden. Das Zentrum lasse sich allein von dem Gedanken leiten, seinen Einfluß in der Berliner Berwaltung zu stärken. Auch die S a z ia l- demotrati« müsse stärker als bisher die Verteidigung und den Ausbau der Machtposition in der Berliner Permalttiug in den Vordergrund stellen. Als zweiter Redner sprach Genosse Karl Herz: Gegenüber dem ersten Eiüwurf des preußischen Jnitenministe- riums habe die Berliner Partei fast einheitlich eine ablehnende Stellung eingenommen. Unter dem Druck der sinanziellen Notlage habe sich die Haftung vieler Parteigenossen gegenüber den Abäude- rungsanträgen verändert. Bei aller Würdigung der Notwendigkeit einer arganisatorsschen Umgcstaftung und der personellen Ergänzung der Berliner Verwaltung dürfe man nicht verkennen, daß eine schlecht vorbereitete Umgestaltung große Nachteile bringen müsse. Gegenüber einer gewissen H u r ra st i m m u n g müsse man erklären, daß der Weg Berlins sür eine Reihe von Jahren zivangsmäßig vorgeschrieben sei. Die dauernd ansteigende Zahl der Wohlfahrtserwcrbslosen lieschaiic die Arbeit der Stadt in den kommenden Jahren. Wenn wir an eine Aenderung des Gesetzes Eroß-Berlin herangehen und dafür die politische Berantwor- t u n g übernehmen, muß man an die Reform mit sehr großer Bor- ficht herangehen. Die Oesfentlichkeit hat die Dorftelluiig, daß der Berliner Apparat nicht ordnungsgemäß funktioniert. Deshalb er- scheint eine Neugestaltung notwendig: aber es gelte, Ruhe und die B e s o n n e n h e i t zu bewahren und stets zu bedenken, welche Aus- w i r k u n g e n die Schaffung eines neuen Berliner Gesetzes Zwangs- Nun tuurben auch die Brennholzfuhren in die Stadt wieder häufiger, und der Wogen kam nicht mehr leer, sondern init Ziegelsteinen zur knappen Hälfte beladen zurück: mehr schaffte der Hans nicht auf den verwehten Sandwcgen. Freilich waren auch die noch nicht fürs Wohnhans bestimmt: erst das Vieh und dann der Bauer, sagte Andreas Korn und baute einen massiven Stall, den eines Mittags breitschnäuzig und breitschenklig eine schön gescheckte Kuh bezog. Die Kuh iviederum graste auf der Wiese, die man inzwischen von einem Schloßheider Bauern gepachtet hotte. Zwar hatte man nicht das trockene Stück bekommen, auf das es abgesehen war, sondern Sumpfland, und die Pachtsmnme war Andreas reckst hoch erschienen: aber wer konitte das beurteilen im Wen- wirbel der Inflation. Es hinderte ihn nicht, daß auch dieser Tag ein großes Fest und das erste tiefe Muhen der Kuh beinahe ein Choral war.� Gerade an dem letzten Junitage, dessen sonnige Frühe endlich die feierlich heitere Grundsteinlegung des Wobnhauses gebracht lzatte. bekamen sie Besuch. Es war Herr Siegfried Schmitzer, durch dessen Vermittlung sie das Land gekauft batten. Er saß, schmächtig und beweglich, in seinen: schönen Auto neben einem sehr großen und sehr dicken Mann mit Stroh- Hut und llhrkerte, der hier ebenfalls Land erwerben wollte und von Schmitzer als Herr Friedrich Papendieck vorgestellt wurde. Luisen erschien dieser riesige Mann schlauer als sie selbst: der sah sich wenigstens das Land erst an. Er schnupperte denn auch gleich mit seinen gewaltigen Nasenlöchern nach oben, leckte an seinem Zeigefinger, hielt ihn in die Lust und fragte:„Tüchtiger Wind, was?"— eine Tatsache, zu deren Feststellung es weder der Frage noch der besonderen Anstalten bedurft hätte. Korns fiel es bei dieser Gelegenheft erst auf, daß hier eigentlich immer Wind war. immer ein recht wildes Wehen zwischen Wasser und Wald: und sie sagten das Herrn Papendieck. „Der Wind", erwiderte Herr Papendieck sonor und fließend,„ist einer der wesentlichsten Faktoren für eine ge- oeihliche Landwirtschaft, indem er für Bewegung der.Halme und Blüten und infolgedessen für die Befruchtung Sorge trägt. Ein tüchtiger Landwirt soll daher bei der Auswahl seiner Felder auf günstige Windverhältnisse achten." Hierauf stampfte Herr Papendieck mit der Selbstverständ- lichkeit eines Dickhäuters zur Bauhütte hinüber und erklärte nach flüchtiger Besichtigung, daß er ein so klägliches Wohnen natürlich nicht einführen würde: vielmehr würde er erst her- kommen, wenn das Haus fertig stünde. Luise war gekränkt.„Gewiß. Aber wir müssen uns unser Haus selbst bauen." „Natürlich", bemerkte Herr Papendieck ungerührt,„wenn maus nicht so hat..."— und sah Hans gerade in ein Stubbenloch fallen. „Dafür gibts doch Maschinen!" empörte er sich, um sogleich fortzufahren:„Die zunehmende Maschinisierung unserer Landwirtschaft ist geeignet, auch die letzten Neste Mittelalter- licher Tierquälerei dem Schöße der Vergangenheit einzuver- leiben."„Lotalspitze", fügte er nach einer Pause hinzu, halb- laut und sür sich, und ging auf die Suche nach Herrn Schmitzer. Der lfatte sich abseits gehalten: hatte Herrn Papendieck nicht im geringsten zugeredet: hatte vielmehr recht betreten dieses traurige Stück Land überblickt, das er an den Mann zu bringen suchte. Er empfand sogar etwas wie Gewissens- bisse. Der Besitztitel war ihm zufällig zugeflogen, wie einem so mancher Wert zuflog in dieser Zeit der Inflation, in der er lebte, ohne sie zu lieben. Er konnte nicht heimisch werden in ihr: er trug die Merkmale seiner Familie, und die Schmitzers waren ein seit dein Großen Kurfürsten in Berlin boden- ständiges jüdisches Geschlecht: die«essel aus rotem Plüsch, die in dem immer halbdunklen Zimmer am Halleschen Tor Sieg- fneds Kindheit ernsthaft umstanden hatten, waren nicht mit Schmutzdecken bespannt gewesen: man hatte es sich leisten können, sie abzunutzen. Aus dieser Zeit war'Herrn Schmitzer eine Moral geblieben, gut genug, um erst nach langem Kamps der schlechten Zeit zu unterliegen. Selbst jetzt, da es längst so weit war und er mithin geschäftliche Erfolge hatte, die diese Terrainspekulation hier geradezu nebensächlich machten, hatte er sich, bis Papendieck ihn mitschleiste, vor der genauen Kennt- ms seines Verkaufsobjektes gedrückt: das war seelisches Kneifen, also eine Art negativer Moral und das einzige Ethos der Inflation. Als ihn daher Papendieck jetzt scherzhaft und schmerzhaft auf die Schulter schlug:„Na, ich werde mal mit fuffzehn Morgen reinspringen, Lene wird ja wohl nichts dagegen haben!"— da nahm er sich, fest vor, dies mißliche Boden- geschäst einstweilen liegen zu lassen: seine anderen, seine Luft- geschäfte brachten sowieso mehr ein. Und nur ganz aus ge- fchäftlicher Gewohnheit sagte er schnell:„Wie wird das Fräti- lein Tochter was dagegen haben, auf ein so schönes Stück Erde zu kommen!" Und er wies über Sand und See: die Geste seiner Hand war beinahe sehnsüchtig. Herr Papendieck verabschiedete sich geräuschvoll.„Einen Kesselbrunnen haben Sie da? Das balte ich ober gar nicht für ratsam. 5icfselbrunnen haben den Nachteil, bei starkem Frost der Gefahr des Einfrierens in bedeutend höherem Maße aus- gesetzt zu sein.— Sie sind aus Berlin? Kennen Sie den Landwirtschaftlichen Ratgeber, Wochcnbeilage des Anzeigers für die Vororte Berlins? Nicht? Sollten Sic lesen! Dann hätten Sie manche Dummheit nicht gemacht! Na, werde Ihnen mal ein paar Nummern schicken!" Und nun lüfte das Rätsel Papendieck mit großer Geste sich selbst:„Ich bin da nämlich beschäftigt, leitende Stellung, wissen Sie?" Andreas konnte sich Papendiecks gedrucktes Reden endlich erklären, nickte ein zweideutiges„Aha!" und sah die goldene Uhrkette ohne Abschiedsschmerz davonbaumeln. Das also sollte ihre Nachbarschaft werden.>.. Mit der Wildnis würde man schon fertig werden. Ob mit Papendieck— das war noch die Frage. Vorerst freilich blieben sie noch allein, während das Haus in die Höhe wuchs und vom Hans Morgenstück um Morgen- stück gerodet, rigolt, gedüngt und gepflügt wurde. Das Bauen besorgten die beiden Männer: den Pflug führte Luise und war stolz darauf. Als sich eben der erste gelbe Ton in das Grün der Birken stahl, Ende September etwa, wurde Nichte- fest gefeiert: die kleine Tanne auf dem First trug ihre Spitze fast so hoch wie die einsame Kiefer, neben der das Haus ge- baut war: es war ein stattliches Haus, wohl und weit abge- messen in seinem Keller, seiner Diele, seiner Küche, seinen zwei Stuben und seinen Bodenräumen, die man noch ausbauen konnte. Sie waren sehr stolz und sehr glücklich, daß es soweit war; der Oktober ließ sich regnerisch an und stürmte wie ein herbstllcher April, die Dachpappe der Bauhütte wehrte sich ver- geblich mit einer neuen Teerschicht gegen die Nässe, der kleine Ofen kämpfte umsonst mit der Kälte, die der Wind pfeifend durch die Fugen trieb: der Arbefter wurde mürrisch, er war ein alter Mann und fürchtete, sich zu erkälten: und sie bceiften sich sehr mit dem Decken des Daches und mit dem Einsetzen der Fenster und mit dem Legen der Dielen.(Forts, folgt.) mäßig haben muß. Die Partei müsse eine einheitliche Linie in allen diesen Fragen haben. Der Redner geht dann ausführlich auf die Abändermigsantrüg« des preußischen Innenministers zu dem ersten Entwurf ein. die er im großen und ganzen als verwaltuilgstechnifch untragbar ablehnt. Die kommunale Demokratie fei die Grundlage des demokratischen Staates. In allen großen Lcrwal, lungsreformfragen werde die gesunde Vernunft der breiten Massen den Weg weisen. Nüchternste Realität müsse verbunden werden mit dem großen staatspolitischen Ideal, für das wir alle kämpfen. Als letzter Redner erhielt das Wort Genosse Johannes Haß: Jeder, der in der Berliner Kommunalpolitik Bescheid weiß, hat damit gerechnet, daß eine Aendenmg des Gesetzes Groß-Berlin kommen wird. Die Oeffentlichkeit werde sich nicht eher beruhigen, ais bis die Reform durchgeführt ist. Die Frag« der guten Zu- fammenarbeit zwischen Zentrole und Bezirke ist das A und O aller künftigen Vsrwaltungsarbeit in Berlin. Mit dem Bürger- m e i st e r k o l l« g i u m habe man ein Zwischending zwischen reiner Magistraisverfassung und rheinischer Bürgermeisteroiverfassung ichasfcn wollen" Wir sind augenblicklich, ebenso wie Reich und Staat, sowie die öffentliche und Privatwirtschaft in finanziellen Schwierigkeiten. Di« U n, s ch u l d u n g s a k t i o n, die die Stadt jetzt vornehmen muß, kann nicht geschehen, solange die Haupt- verantwortlichen Stellen an der Spitze unbesetzt sind. Die letzte Stadtoerordnctenwahl hat die bisher bestehende Etatsmehrhelt im Rathaus zerschlagen. Durch diese Tatsache sind all« großen En:- scheidungcn im Stadtparlament in der letzten Zeit negativ ausgefallen. /Alz Folge dieser Erscheiming kamen die Staatskommissare über Berlin. Die Initiative, die der Genosse Severing in der Frage des neuen Berlin-Gesetzes entfaltet hat, ist im Interesse der Stadt Berlin nur zu begrüßen. Wollen wir nicht wieder zum Staatskommissar kommen, müssen wir den weg zu der neuen Lösung finden! Die Stadweropdnctenvcrsalnmtung hat, obgleich sie eines der arbeitsreichsten Parlamente der ganzen Welt ist— erledigen die Stadtverordneten doch jährlich über tausend Borlagen— in der Bevölkerung käknen guten Ruf, weil das äußere Drum und Dran der Verhandlungen das Ansehen des Stadlparlaments immer wieder diskreditiert. Die Stadt Berlin wird die nächsten notwendigen Ueberbrückungskrcdile nicht erhallen könneu ohne die Hilfe de» preußischen Staates und ohne die Hilfe der Rcichsbank. Wenn man diese Unterstützung ohne Aendcrung der Berliner Verfassung nicht erhält, droht der Staatskommissar, der ober diesmal sein« Tätigkeit für lange Zeit einrichten würde. Käme man in diesem Augenblick zu gar keinem Ergebnis, so wäre das ein Unglück für die Stadl Berlin. Im preußilckzen Gemeindeausschuß hätten Zentrum und Rechts» Parteien sich in der Ablehnung des Severingschen Entwurfes zusammengefunden. Diese Parteien würden die Verantwortung für alle finanziellen Folgen zu rragen haben, die der Stadt Berlin aus einer Ablehnung des Gesetzes erwachsen. Es sei zu hoffen, daß es der Initiative und Tatkraft der svzialdeniokratischen L a ndta g sf r a k t I o n doch noch gelingt, in der für die Reichs- Hauptstadt so wichtigen Frage zu einer praktischen Lösung zu kommen. Da eine Diskussion von der Konferenz nicht gewünscht wurde, schloß der Genosse K ü n st l c r nach einigen Dankesworten an ■ die Referenten die Tagung. �---- Er wottie seine Familie umbringen. Schreckenstat eines Arbeitslosen in der Sidinger Straße. Eine Schrecke nsszene spielte sich gestern abend gegen zehn Uhr In einem 5zause in der Eibinger Straße ab. Der Zgjähnge arbeitslose Arbeiter Hermann R. steckte die Gardinen und Möbelstücke seiner Wohnung in Brand, um seine Frau und seine vier Kinder zu töten. Durch die Hilferufe der Frau wurden aber Hausbewohner aufmerksam, die in die Wohnung eindrangen und die in höchster Gefahr Befindiichen befreiten. Der Täter wurde von der Kriminalpolizei festgenommen. Wie er angibt, wollte er aus Bcrzweiflung über die dauernd« Arbeitslosigkeit sich und seine Familie umbringen. Das niedergebrannie Wochenendhaus. Fünf Einbrüche in einer Nacht. Wegen vorsätzlicher Brand flislung und Ein- bruchdicb stahl in fünf Fällen stand am Freitag ein gewisser Kurth vor dem Erweiterten Schäsfengericht Neukölln. In der Nacht zum 13. Dezember wurde der Angeklagt« auf der Landstraße in Senzig festgenommen. Noch in derselben Nacht brannte dort ein Wochenendhmis völlig nieder. Kurth, der sich ohne Papiere in der Gegend umhcrtrieb, wurde aufgegriffen und geriet in den Verdacht der Brandstiftung und des Einbruchs in fünf weiteren Wochenendhäusern, denen in der be- treffenden Nacht ein Besuch abgestattet worden war. Durch Fuß- spuren konnte der Angeklagte, der anfänglich jede Straftat bestritt, überführt werden. Er gab zri, daß er die fünf Wochenendhäuser er- krochen und bestohlen hotte, während er den Brand auf eine Fahrlässigkeit zurückkehrte. Nach seiner Darstellung hatte er auf dem Tisch des Wochenendhauses eine Kerze angesteckt, die er später nicht auslöschte. So entstand das Feuer, wodurch das ganze Hans in Asche gelegt wurde. Während der Staatsanwalt eine vorsätzliche Brand- stistung für erwiesen hielt und drei Jahre Zuchthaus als Gesamtstrafe beantragte, hielt das Gericht lediglich die Fahrlässigkeit für erwiesen. Kurth erhielt zwei Jahre Gefängnis. Ltnierfchlagungen beim Arbeiisami Ost. Di« Kriminalpolizei ist zur Zeit mit der Untersuchung von UnterschlaMngen beschSsttgt, die beim Arbeitsamt Oft vorgekommen sind. Es Handel! sich um mehrere Angestellte, die seit längerer Zelt diese Unterschlagung in Tateinheit mit schwerer Urkundenfälschung begangen haben. Neun Angestellt« sind bereit» festgenommen und zahlreiche» Material ist beschlagnahmt worden. Bischer stirb Fehlbeträge von'mehreren tausend Mark entdeckt? die genaue Summe steht noch nicht fest, da die Sichtung des umfangreichen Materials noch längere Zeit in An- spruch nimmt und dann erst die genaue Summe festgestellt werden kann. Die Täter sind teilweise geständig. Inwieweit die Beteiligten sich Im einzelnen strafbar gemacht haben, werden die weiteren Er- mittlnngen der Kriminalpolizei ergeben. Wie es heißt, ist die Aufdeckung des ganzen Manöoers durch Kommender Riesenprozeß. Sieben Oirekioren einer privaigesellschast unter Anklage. Am 17. August ISZg erhielt dle privalkapitalislische Wirb schasl einen furchtbaren Schlag durch einen der größten Versich erungsskandale. die bisher bekannlgeworden sind. Der große Konzern drr Frankfurter All- gemeinen Versicher nngs.A.-G., kurz Favag gc- tiannf, damals die zweitgrößte deutsche Versichcrnngs-Gesell. schaft, brach unter sensationellen Umständen zusammen. Bald daraus wurden die leitenden Direktoren ver- h a f t e t. Es wurde die vorunlerfuchung eröffnet, die sich jetzt. noch anderthalb Jahren, ihrem Ende nähert. Ihr äußeres Er- gcbnls sind ISO dicke Aktenbündel mit annähernd b00 Bei- akten. Die Favag-Affäre ist mehr als das Einzelschicksal der ange- schuldigten Direktoren Becker. Lindner, Schumacher, Sauerbrey, Fuchs, des stellvertretenden Borstandsmitgliedes Dr. Kirchbaum und des Generaldirektors Mädjen von der Bereinigten Berlinischen und Preußischen Lebensverstcherungs-A.-G. in Berlin. Der Prozeß wird, ganz gleich, wie er ausgeht, von der allergrößten Bedeutung für das deutsche Wirt. schafte- und Rechtsleben sein. Es unterliegt schon heute keinem Zweifel mehr, daß die Favag-Assäre Anlaß sein wird, Be- stimmilngen des Handelsgesetzbuches und besonders akticnrechtliche Fragen entscheidend zu ändern, lim hier einer künftigen und bereits eingeleiicten Gesetzgebung das notwendige konkrete Material an die Hand zu geben, ließ man sich zu einer.besonders eingehenden Unter'- suchung die ausfallend lange Zeit. Die Summe der Delikte, die den einzelnen Angeschuldigten vorgeworfen werden, ist nicht gering. So hat sich zum Beispiel im Falle Becker die Voruntersuchung auf nicht ivenigcr als v i er» zehn st rafre cht liche Tatbestände erstreckt. Bilanzfälschung und Bilanzverschleierung sowie handelsrechtliche Untreue wcvdcy allen Angeschuldigten vorgeworfen. Daneben werden sülz cirnge Direktoren gegen den Vorwurf des Betruges, der gesetzwidrigen Ver- waltung von Prämienreserven, der Depot-Untcrjchlagung und des Beiseiteschaffens von Bermögensstücken zu verantworten haben. Bei der außerordentlichen Kompliziertheit der Materie wird das Gericht in einer Reihe von Fälle» zu grundsätzlickzen Entscheidungen ge- zwungen sein. Zu m erstenmal in der Geschichte des deutschen Strafrechtcs werden bestimmte, bisher nur theoretisch bekannte Delikte zur Aburteilung stehen. Die Klärung. die hier das Gericht schaffen muß, wird von der größten Bedeuwnz für das deutsche Wirtschaftsleben sein. Man hat gesehen, wie in der Favag der Aussichtsratsvorsitzende den Direktoren die Genehmi- gung zu Geschäften für die eigene Tasche erteilt hat. Weiterhin haben die Direktoren für Rück-Lürgschaften, die sie gegenüber der Favag zu ihren Gunsten übernommen l)atten, Prämien bekommen. Ebenso sind, als der Helios-Aufstck)tsrat ans Veranlassung des Reichs-Aufsichtsamtes für Privatvcrsicherunzcn für' nicht voll eingezahlte Aktien der Favag Bürgschaften übernahm, dafür jährliche Prämien gezahlt worden. Schon diese wenigen Beispiele zeigen, wie bezeichnend gerade die Fovag-Assäre für manche heutige G e s ch ä s t s m e t h o de n find, wie fließend häufig die Grenze zwischen krimineller und cgoistffch-geschöstlicher Betätigung ist. Mit der Zustellung der Anklage rechnet man für die Woche kurz vor den Gerichtsserien, so daß der eigentliche Prazeßbeginn dann unmittelbar nach diesen erfolgen wird. Der Prozeß wird sich mindestens über drei bis vier Monate erstrecken, so daß man erst in Jahresfrist mit der Beendigimg dieses Monstrc-Prozesses rechnen darf. Zufall gelungen. Als der Ertappte in ein scharfes Kreuzverhör genommen wurde, kam man auch den sicheren hinter die Schliche, die Polizei wurde benachrichtigt und olle Beteiligten festgenommen. Die Ungetreuen, jüngere sowohl wie ältere Beamte, waren teils als Kassierer, teils als Buchhalter beschäftigt. Manche von chnen sind schon jahrelang im Dienst. Die Betrügereien können auch nicht von heute und gestern sein, sondern sie scheinen sich vielmehr über«Ine Zeitspanne von eineinhalb bis zwei Jahren zu erstrecken. Wahrscheinlich haben einige Beamte von anderen die Täuschungsmanöver gesehen und sie nachgemacht. So begann ein« Gruppe im Herbst vorigen Jahres, eine andere kurz vor Weih- nachten. Durch die kriminalpolizeiliehe Untersuchung wird festgestellt werden, ob noch weitere Defraudantcn an der Angelegenheit be» teiligt sind. Oer Schrecken von Tegel. Ein Mensch, Ver unbedingt in Gewahrsam muß. Zu 7 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehr. vertust wurde gestern der Z Meter oem ihrem Hause entfernt war, schlug er, nachdem er sie beraubt hatte, nieder, so daß sie bewußtlos' wurde und er sie miß- brauchen konnte. Diese? junge Mädchen bekundete vor Gericht, daß durch den Uebersall ihr ganzes Leben zerstört worden sei. Sie habe ein Herz- und Nervenleiden davongetragen, leide an Krämpfen und Verfolgungswahn, und überdies habe ihr Bräutigam infolge dieses Vorfalles die Verlobung aufgelöst. Man darf ober vielleicht daran zweifeln, ob die Liebe des Bräutigams echt war. Das so schwer getroffene Mensehenkind nicht im Stich zu lassen, wäre wahrhaft ehrenwert. Durch diese Untaten Der Deutschlandsender übernahm eine Verairstastung aus Breslau„Heimat in Schlesien. Aus meinem Tage- buch," von Karl Hauptmann. Waldemar von Gnimbkom hatte die Wortzusammenstellung sür die Funkaufsührung übernommen? die Musik schuf Gerhard Strecke. Wer Karl Hauptmann, diese» ab- seittgen Großen, diesen wunderbaren Menschen und wunderbaren Geist liebt, wer ihm ein wenig nahesteht, dürste die Darbietung inst ganz großer Freude abgehört habe»? sie war des Dichters nicht unwürdig.— Die angeblich„Unterhalffume Betrachtung" Walter Gronostays über„Gefühl", die Berlin am Abend nach einsw schönen Wagner-Konzert sendet«, entpuppte sich als ganz lehrreiche. aber durchaus nicht sehr kurzweilige Vorlesung.— Der Dichter Alfons P a q u c t wurde den Hören, der Deutschen Welle durch ein Gespräch zwischen W. C. Gonioll und Karl Graes nahegebracht. Die Auswohl, die dabei aus seinem W«rk geboten wurde, machte es auch denen deutlich, die bisher nichts davon kannten, zeigte auch ihnen wenigstens snran Umriß davon.— Bon anderen Dichtern. die, wenn sie-auch nicht an die Bedeutung tiefes Rheinländers' beran reichen, doch auch lebendige Werke schufen, in denen Sehnsucht Hosten und Streben einer Menschenklass-! Hestal' gewann sprach Ernst Paul-Prag. Er berichtet» in einer Beranstal ung der Funk- stund« von der Entwicklung der sudetend eutschen Ar. b o i t e r d t ch t u n g. die emporwuchs aus sozialem Elend, aus Hunger und Not, als Klage und Anklage und die hnst? ausNtngt als Fcmfar« einer besseren Zukunft.— Aus einem Buch„Er- lebnisse unter Gefangenen" las Elisabeth Schucht. Es war trotzdem keine liderarische Veranstaltung. Nur um die Sache, um den Inhalt ging es, ncht um die Form.' Die Borlesung wirkt- schlicht, wie ein unmittelbarer erschütternder Bericht von dem Leid hiner den Gittern der Gefängnisse. Des. waren die Bewohner des Tegeler Waldes so vor dem Räuber ge- warnt worden, daß er nach einigen Tagen verhaftet werden konnte. Schubert verteidigte sich damit, daß er arbeitslos und obdachlos gewesen sc! und daß es ih:n nur darauf angekommen sei, den Frauen etwas Geld für Lebensinittel abzunehmen. Ein unbekannter Mann, den er im Walde getroffen hatte, habe ihm den Rat gegeben, auf diese Weise fremde Handtaschen an sich zu bringen. Der Staatsanwalt nannte den Angeklagten einen gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Straße nräuber, vor dem die Oeffentlichkeit möglichst lange geschützt werden müsse. Das Gericht erkannte auch gemäß den Anträgen des Staatsamoalls nird des Nebenklägers, der als Rechtsbeistand der Försterstochter fungierte, auf eine hohe Zuchthausstrafe und verhängte über den Angeklagten Polizeiaufsicht, sobald er aus dem Zucht- haus entlassen werde. Leiiland-Oeutschland 2:l>. Eisbockey-Länderwetlkampf der Arbeitersportler. Im Eishockeyländerwettkamps zwischen Lettland und Deutschland, der gestern abend im Berlümr Lpartpalaskmbgewickest wurde, siegten die lettischen Gäste verdient mit z: o Toren. Großfener in Pichelsdorf. Die Spandauer Feuerwehr wurde gestern abend um?tl> Ilhr nach der Halbinsel Pichclswerder alarmiert, wo ein 25X50 Meter großer Bootsschuppen auf dem Gelände der Hochschule für Leibesübungen in Flamme» stand. Mehrere Berliner Züge mußten zur Hilfeleistung. herangezogen werden, ohne daß es jedoch gelang, von dem brennenden Bootshaus etwas zu retten. Die Wehren mußten sich darauf beschränken, die benachbarten©-bände zu schützen. Der Schaden ist sehr groß, da zahlreiche Boote ein Raub der Flammen geworden'sind. Lilian Leihe! verunglückt. Einen schweren Unfall erlitt im Kopenhagen«? Darietäkokeck „Balenem" die bekannte deutsch-amcrikainsch« Luftakrobakln Lilian Leitzel. die im Januarprogramm des Berliner Wintergartens aufgetreten und durch ihr« großartigen Serien von Kreuzschwüngen am frei schwebenden Seil die Freunde der Artistik in Entzücken versetzt hatte. Als die Artistin ihre Vorführungen am Trapez be- gann, brach plötzlich am Gerüst ein Scharnier. Die Zltrobatin stürzte mst einem Schrei etwa zehn Meter tief zu Boden, schlug mit dem Rücken auf und erlitt ernsthafte Kopf- und Schulterverletzungen. Alfredo E o d o n a, der Gatte der Frau Leitzel, der mit seinem Bruder und dessen Frau zurzeit»och im Winter- garten gastiert, ist mit einem Flugzeug sofort nach Kopenhagen ge- fahren, wird aber im Laufe des heuligen Tages. wieder zurück- erwartet. Hoffentlich hat die sympathische Künstlerin keinen großen Schaden genommen. Elite- Sänger, Thealer am kollbusser Tor. Das Februarpro- gramm der Ellte-Sänger zeigt, daß die Sänger eifrig bestrebt sind, ihrem verwöhnten Publikum allmonatlich etwas Neues zu bieten. Die Einleitung gab Musikdirigent Werner Bar 6 mit seinen Elite-Iazz-Sinsonikern. Der zweite Teil zeigte einen„Maskenball", der großen Beifall fand. Als tanzender und singender Grotesk- komiker gefiel Emil Stein, in feiner. Szene„Tanzstudien" Mar Horst. Ein originelles Duett bilden Alfons Bornemann- Emil Stein,„Die zwei auf dem Dache". Das Meisterouartett der Elite-Sänger, mit Kapellmeister K. F r i ck am Flügel, fand großen Beifall. Schorch R u s c l l i erschien diesmal als„Matrose", und lmter stürmischer Heiterkeit erzählte er seinen Zuschauern von vielen Schiffen und Gewässern. Auch einige Einlagen wurden ge- geben, darunter Fräulein Heddy Peter als Zillemäochen vom Weiching. Das Publikum wälzte sich vor Lachen! Eine sehr mst zusammengestellte Originalburleske von Mar N« u in a n n:„Die Frauen streiken", würbe durch langanhaltend-n Beifall belohnt. „Die Zuspitzung der Ikalienlschen Diklalup." Heber dieses Thema spricht am Somiabond. 14. Februar, 10.30 Uhr. im Plenar- saal des ehemallpen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Genossin Oda O l b« r g. Wen. Karten 50 Pf.(einschl. Gorderobch sind auch noch an der Abendkasse zu haben. Der richtig« Weg zur Erlangung schSnev weißer ZShn« ist folgendes; Drücken Sie«Ine» Strang Ehlorodont-Zahnpsite auk dl» . t x o ä c n« Chlorodvnt'Zahndürsi«(Speziallmrste mit gezehniem Borstenschnitt), düraen Sie Ihr Ccbig nun nach allen Seite», auch von unten nach oben, tauche» Sie erst setzt die Bürste in Wasser und spüle» Sie mit Chlorodonl» ' Mundwasser unter Gurgeln gründlich nach. Der ffrsolg wird Sie überralchen l Der miBfarfene Zahnbelag ist verschwunden und ein herrlich?? Gefühl der Frische bleibt zurück. Versuchen Sie es zunächst mit einer Tube CUarodont- Zahnpaste zu 54 Pf. Verlangen Sie aber echt Chlarodont und weise» Sie jeden Ersatz dafür zurück. polizeihast und Ltniersuchungshast. Eine kurze, aber notwendige Betrachtung. Miluuier gibt irgendeine ganz unbedeutende Moabiter Gerichtsverhandlung Anlaß zu äußerst uachdenklichen Ve- »rachtungea. Das war kürzlich vor dem Schnell- schöfsengericht der Zall. Das durch dies« Verhandlung angerührte Problem hieß Pollzeihost und Unter- suchungshaft. Der Kampf gegen Mißbrauch der Polizeihoft und Untersuch mi gshast wird seit Jahre» geführt Nicht ohne Erfolg. Die Kriminalpolizei Hai sich in vielem gebessert, Verne h in uugsrichter und Staats» a n w ä l t e sind im großen und ganzen viel vorsichtiger als früher. Zg> und zu. immerhin noch oft genug, wird aber in dieser Hinsicht auch jetzt noch gesündigt. Das erlebte man z. B in den, Falle der vier Burschen, die soeben wegen Einbruckchiebftahts vor dem Schnellschöfsengericht standen, worüber im„Vorwärts" berichtet wurde. Di« vier Burschen hatten nach einer Zecherei die Fensterscheibe eines Radiogeschäftes eingeschlagen und einen Radioapparat mu Zubehör an sich genommen. Die Polizei bracht« nach der Ver- nehmung drei von den vier jungen Burschen in Polizeihaft. Von diesen drei waren zwei nicht v o r b e st r a f t, das Slrafregister des drittelt zeigte zwei Vorstrafen wegen Diebstahls. Einer der Aich! vorbestraften hatte Arbeit mit einem Wochcnlohn von 3l> M.: der zweimal vorbestrafte Zwanzigjährig« Arbeit mit einem Wochenlohn in Höhe von 70 M. Man fragt sich nun: weshalb mußten die beiden Ztichtvorbeslroslcn In Poll zeihast genommen werden? Einer von den beiden erhielt 4 Monate Gefängnis und durfte nach Haufe gehen, der andere wurde freigesprochen. Verdunkelungs- gesahr lag nicht vor. Ebensowenig Fluchtverdacht. Die beiden hatten feste Wohnung. Der eine der jungen Leute riskierte aber durch feine Inhaftnahme,, seine Arbeit zu vcr/ieren. Da seine Tat Ausfluß eines gewissen Jngeiidleichtsinns war, so mußte die drohende ArbeitslostgkM für ihn ganz besondere Gefahr bedeuten. In höherem Maße gerechtfertigt schien die Inhaftnahme des zweimal wegen Diebstahls vorbestraften Zwanzigjährigen. Aber auch seine Tot war diesmal mehx Ausfluh eines vielleicht nicht ganz ungefährlichen, durch die vorhergegangene Kneipe- r c i verursachten ilebennules, als Ausdruck einer verbreche- rischen Gesinnung. Er hatte seine gut bezahlte Arbeit— 70 M. Wochenlohn: Verlust der Arbeitsstelle bedeutete für ihn eine noch größere Gefahr als für seinen Mitangeklagten.� Aus demselben Grunde hätte das Gericht kroß de? aeun Monate Gefängnis, zu denen der junge Mensch verurteilt wurde, ihn vielleicht doch nicht in Untersuchungshaft schicken sollen. Der Vorsitzende, ein äußerst verständiger Richter, der sich stets von pädagogischen Grundsätzen leiten läßt, glaubte allerdings, daß man diesen jungen Menschen seine Tat ernstlich zu Gemüte führen müsse, um ihn vor der schiefen Bahn zu bewahren. In diesem Sinn« äußerte er sich auch der schluchzenden Mutter gegenüber, die sich von ihrem weinenden Zwanzigjährigen, der bei ihr wohnte, verabschiedet hatte. Wenn nun aber der Junge nach Verlasien des Gefängnisses— der Richter wird ihn die neun Monate be. stimmt nicht absitzen lassen— keine Arbeit findet, so dürfte selbst die als Erziehungsmaßnahme gedacht« teilweise Strafverbühung doch keinen Erfchg haben. vielleicht wäre eine energische Schutzaufsicht, unterstützt durch den drohenden Vollzug der Freiheitsstrafe, von stärkerem er- zieherijchcn Einfluß gewesen, als die pauie Monate Sesänguis. in der wenig nützlichen Gesellschaft seiner Altersgenossen. Und noch eines lehrte diese Verhandlung. Die jungen Leute wurden am Mittwoch von der Kriminalpolizei verhaftet. Erst am Sonn- tag wurden die Akten der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Mehr als zwei Tage brauchte also die Kriminalpolizei, um den einfachen Fall zu klären. Die beiden vom Gericht freigesprochenen jungen Menschen hatten somit fünf Nächte in Haft verbracht. Hilfsattion der Knnffiunde für die Winterhilfe. Die Berliner Funk st und«, die schon seit Wochen für die Winterhilfe wirbt und Sonderveranstaltimgen für diese Zwecke plant, hat sich jetzt entschlossen, darüber hinaus eine Hilfsaktion zu oerarsitalten, die in einer wöchentlichen„Stunde für die Winterhilfe" besteht. Zur Bestreitung dieser Darbietungen weichen ins- besondere Arbeitsloscnkapellen und stellungslose Künstler herangezogen werden. Außerdem aber sollen bekannte Künstler mitwirken, die bereit sind, ihr Honorar ohne Abzug an die Winterhilfe überweisen zu lasien. Ferner wird in jeder dieser Stunden die Hörerschaft durch Mitteilung eines besonders dürftigen Falles aufgefordert werden, je nach Vermögen der freie Sozialistische Hochschule Heute, den 1«. Fcbra*r, 19,30 Uhr, Im Plenananl de* ehemaligen Herrenhaoscs. Leipziger Strafe 3 Vortrag der Genomln Oda Olberg'Wlen. Oker Die Zuspitzung der itelienischen Diktatur ICarten iura Preise von 50 Pf.(einschl. Garderobe) sind an folgenden Stellen I» haben; Buchhandlung J. H. W. Dleti Nacht. Undenstr. 2. Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Walistr. 65. Deutscher Itolzarbelter-Verband, Am Köllnischen Park 2 u Buchbdlg Rungestr. 30. Verband der graph Hilfsarbeiter, Ritterstr. Ecke Uuisenufer; Zigarrengeschäft Borsch. Bngelufer 24/25. Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundstr.5. Zentral verband der Angestellten.* HedemannstraS* 12. Verlagsgesellschaft das ADGB. Abteilung Sortiment,(nsalstr. 6 a. Ceschähsstelle des Touristen vereine Naturfreunde, Jobanntsstr. 13, und an der Abendkasse. WinterPffe oder der Funkstund« einen Betrog zu übersenden. Die Stunde für die Winterhilfe bietet außerdem der Funkstund« die Möglichkeit, in noch stärkerem Maße als bisher arbeitslose KSnstler zu beschäftigen. Die erste Veranstaltung sind« am Freilag, dem 27. Februar, abends, im Anschluß an die zweit« Bekanntgab» de? Wetter-, Tages- und Sportnachrichten statt. Zwei Kinder erstickt. Sie suchten Schutz vor dem Schneesturm. Meininge«. 73. Februar. Im nahen Wasungen ereignete sich am Donncrstagnochmittag ein schwerer Unfall, dem zwei noch nicht schulpslichtigc Knaben zum Opfer sielen, während ein dritter wie durch ein Wunder noch im letzte» Augenblick gerettet wurde. Die drei Knaben waren beim Rodeln von einem Schneesturm überrascht morden und hatten in der Nähe eines Gehöftes in einein Haufen fogenaiintcr Wald- streue Schutz gesucht. Da dieser Hausen durch Abtragen schon stark ausgehöhlt war, stürzte er über den Kindern zusammen, und zwei von ihnen erstickten, che der Unfall bemerkt wurde. Das Urteil gegen Taufend rechtskräftig. München, 13. Februar. Gegen das Urteil im Prozeß Tausend ist bis zu dem gestern abend erfolgten Ablauf der gesetzmäßigen Frist weder von Tausend noch von der Skaaksanwatk Berufung eingelegt worden. Dos Urteil gegen Tausend-- drei Jahre acht Monate Gefängnis— ist damit rechtskräftig geworden. Schönflieh 1281— 1931. Mit Freienwalde a. d. O., Saarow? Luckau und W i l s n a ck gehört das in der Neumark, zwischen Königsberg und Sotdin gelegene Moorbad Schönfließ zu den wenigen eigent- lichen Badeorten, über die die Mark Brandenburg verfügt. Am 13. Februar konnte das im Jahr« 1281 gegründete Städtchen aus ei» Sölljähriges Bestehen zurückblicke», ohne daß die Stadtverwal- tung wegen der Ungunst der Zeit, Anlaß zu besonderen Feierlich- keilen genommen hat. Schönfließ ist für den Berliner zwar etwas abgelegen, aber trotzdem eines Wocheileii-dbesuches wert. Das Hin- kommen ist noch ein wenig umständlich. Ria» fährt mit der Wriezener Bahn(vom Schlesischen Bahnhof) bis Jädicken- darf(eine Station vor Königsberg/Ncuorark, dem märkischen Rothenburg) und steigt hier in die Bahn nach Pyritz in Ponnneru über. Das Städtchen selbst ist einer jener friedlich-frcundllchen märkischen Ort«, die ohne hervorstehende Architektur doch einen merkwürdigen Zauber auf den ausüben, der es versteht, sich in den stillen Rhythmus der Kleinstadt zu fügen. Während der Kurzeit entfallet sich in dem freundlichen außerordentlich reizvoll an einem See ge- legenen Kurgarten ein richtiger, netter, kleiner Kurbetrieb mit Kur- konzert und Proincnade. Das Bad selbst, zwar klein, ist durchaus maderii eingsrichlet und wird im wefcnlliclzcn von den neuinärkischen Krankenkassen belegt. Van hier aus bringen den Touristen prächtige romantische Weg« in das herrlisch« Wandcrgebiet des schon im Pommerschen gelegenen Wildenbruch. iier-Hütchen,»Schleif eben und»Körbchen ß3.iw-schacht.i. 40 Pf Eier»Hütchen/-Schleifchen und»Körbchen' v-pw in ceiiophon 45 p*. Die Abgabe der Waren in der Konsum-Genossenschaft Berlin erfolgt nur an Mitglieder. Die Mitgliedschaft kann{eder erwerben. Die Aufnahmegebühr beträgt 50 Pfennig. Mitglieder-Aufnahmen werden in sämtlichen 377 Abgabestelien der Konsum-Genossenschaft Berlin vollzogen. In der Zeit vom 14. bis 21. Februar 1931 veranstalten wir eine Werbewoche fürGEG-Teigwaren Durch Verarbeitung von bestem Hartweizen und Zusatz reichlicher Mengen von reinem Hühnereigelb stellt die Großeinkaufs• Gesellschaft Deutscher Consumvereine ein Produkt her, das an Güte HARTGRIESS-WARE Bandnudeln bs«............. ptund 44 Pf. iradennudetn lose, in Locken..Pfund 50 Pf. Figurennudeln io$e......... Pfund 44 pf. Gräupchennudeln lose.. Pfund 44 pf. Makkaroni lose................ Rf�d 48 pf- Makkaroni............... i-pfd. Pak.54pf. Makkaroni.............. VrPw-Pak. 29 pf. Spaghetti.................. i.pfd Pot 58 pf. Spaghetti................. vrpfd..PQk.30pf GETROCKNETE FRUCHTE Backpflaumen bosn.-serb.... Pfd. 45 Pf. Backpflaumen„ o. steine Pfd. 70pf. Backpflaumen........ i-pfd.-Paic. 60pf. Backobst I kalif. gemischt....... Pfd. 62 Pf. Backobst II.................. Pfd.SOpf. Ringäpfel omerik............... Pfd.90pf. Pfirsiche koiif................... Pfd. BOpl Birnen kauf...................... pfd.76pf. kaum übertroffen werden kann. GEG- Teigwaren geben deshalb recht nahrhafte und preiswerte Gerichte, die in ihrer Mannigfaltigkeit öfter als bisher auf dem Tisch des Werktätigen erscheinen sollten. EIER-WARE Bandnudeln............ Vs-pw-Pak. 38 pf. Fadennudeln.......... v«PM.Pok, 40 pf. Figurennudeln....... v,-pfd.-pok. 38 pf. Gräupchennudeln. Vs-pfd-Pak. 38 pf Makkaroni tose................ Pfd. 58 pf. Makkaroni............. i-pfd.-Pak. 68 Pf. Makkaroni.............'/»-PM-Pak. 34 pf. Hörnchen/ Gräupdi.,Figur.,/VPfd.-Pak.l9 Pk. Schleif chen/ Körbchen, Hütchen Pfd. 66 Pt. % •tafenbanacn für biete Rubrik sind • e C I i■ SB*8. einbenitrOBf 3, paeieinachnchien für Groß-Berlin stet»»n b«» Bezirtetekretertai 2. Hof, 2 Treppe» recht», i» richte» 7. strei» ffbtttloltenbura uub Spandau. Juristische Sprechstunde findet am Sonnabend. 14. Kebruar, von 17—18 Uhr. im Jugendheim Rostnenstr. 4, statt. Seleseuhoit»um«ircheuauotriit! Heule, Sonnabend. 14. Aebruar. 113.»bt. SchmZckwif,. Unsere Mitgliederverjaunnluua für Schmäckmih. stae». linenhos findet»« 2g Uhr im ta\6 Landhan» in Schmmkmih. über her Stüde, statt. 114.«bt. Rahnedorf. 19% Uhr Zahlabend bei Bitte. sTürstctunoIicr Strohe. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde Grofz-Berlin. strei, Mitte, Gruppe Wilhelm Lieblnecht! Heute um 29 Uhr Elternabend im Keim Waisenstr. 18. Der streishelferkursus muh am Montaq wegen der Sffent. lichen Versammluna der Partei ausfallen. Wir lammen dafür am Donners- tag, 19. liebruar. 29 Uhr. im Keim Waisenstrahe»usammen. streu, beeg, Gruppe Görlihee Strohe: Sonntag Fahrt. Wir treffen un» S Uhr Dörliher Bahnhof. 50 Pf. Tietqaeten, Gruppe August Bebel, Iungfalken: Wegen de« schlechten Wetters fällt am Sonntag die Fahrt aus, dafür treffen wir uns um 9 Uhr(nicht 8% Uhri im«leinen Tiergarten ,um Befuck» des Postmuseuuis. 13 Pf. Fahr. gelb mitbringen. Wir sind spätestens 14 Uhr wieder»urück. strei» Reukiill». Für die Eltern der Nestfallen des kreise, ist am Dienstag. 17. Februar, um 18 Uhr. im Keim stanner Strahe, Ecke Böhmische Strohe, ein Lichtbildervortrag über das Munsterlager. Geburlslage. Jubiläen usw. 22. Abt. Unserem Genossen Ernst Schubert zu fei«» ZSsähriae» Parteijubiläum die herrlichsten Glückwünsche. 31. Abt. Unserem Genossen Paul Spaltehol», Egaroilauer Sie. 22. zu seinem 2Zjäheige» Porteijubiläu« die herzlichsten Glückwünsche. 43. Abt. Uuseeem Genossen Ott»«roah, Seaesestr. 1», zum Niöhrigeu Paeteijubiläui» herzlichste Glückwünsche. M Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliv «nfendunaeu für diese Budrit mm»» da» Zooendsetretoeiat. Bern» SW 6«. eindenUrube J Streichorchester G roh. Berlin: Wir nehmen unsere Uebnnqscbende wieder auf nnd proben am Mittwoch. 18. Februar, 19% Uhr, im Lokal Goldschmidt, Stolpische Str. ZK. We rntliehenen Noten siiit» zurückzugeben. heute, Sonnabend. stottbussre Tor: Besuch der Gruppe Luisenstabt, 19% Uhr Bviher Strohe.— Reicheuberger Viertel: Aeichenberger Str. SK: �lulturadteilung hez DMB.� * Neukölln I. TN und XI; Morgen Fahrt der Mädel. Vi Uhr Msf. Neukölln.— Lichteuberg.Norb! Morgen Fahrt. 8 Uhr Bhf. Lichtenberg�sriedrichsfetde. Werbebezirk Ticroa'ten: Heitere».Arbeitsgemein schalt;.Die Arbeiter. bewegung feit IN4", 19% Uhr Lehrter Str. 18—19. Werbebezirk Webbing: Iiingeren.Arbeitsgemeinsckiaft:.Wie funktioniert der Staat?", 29 Uhr Ledigenheim Schöusiedtstr. 1. Werbebezirk Prenzlauer Berg: 20 Uhr Wanderleiterdoufrrrnz, Da»., iger Strohe 02, 35. 7. Werbebezirk Teltowkanal: 19 Uhr Bildungsoblrutesihung, Steglih, Albrecht. strahe 47. Weebebe,iek Zempelbofz 21 Uhr Bildunasausschuhsthnng. Weebebezirl Reolöllu:�% Uhr pünktlich Probe zum Kabarett, Bergstr. 29, Raum 5. 19 Uhr engere W. B.-B.�ihung. Parteibüro. Briefkasten der�edakiion. R. A. Ja. Durch die Entfernung dürfen aber die Decken und Wilnie nicht beschädigt werden.— R«. 1. Der Untermieter haftet nur, wenn ihn ein Per. schulden trifft, d. h., wenn er porsählich oder fahrlässig gehandelt hat.— 91. O. 85. 1. Ja. 2. Die gesehliche Miete beträgt«5.75 M.(133,5 Proz.) Die Höh« der Hauszinssieuer können Sie bei der Steuerlass« erfahren. ] Voriräge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin 14. Sebostianstr� 87-38. Hol i. DL. Sonntaq, 15. �«bniör. Ticrqarte» tIunqbanner): Airtreten ---- �alirt 5» on ipswustc rl>a u sen. BcnockirichtiFuns bca6)ten. Ti erwarte» (Schufo unt» Biockanweisunffen beachten. Arbeiker-Samariser-Vund e. TS., Kolonne Berlin. «eschäftistelle: R. 24. Gr. Hamburger Str. 2». Tel.: N 1 Rorbeu 334». Abt. Pttititatter Dttq: Am Donncrstaa. 19. Februar,«« A) Ubr, Mit�liedervcrsammluua bei Hoffmann, Lqchcner St'r. S. .StnrMVoael�, INuaverbanb de? Der?!ätiaen,«. Y.. Be�iNsaruppe Srjzunfl am Dienstaa, 17. Februar, 20 Uhr, im �Rrvaler Vereinshaus", Rovaler Ecke Limo n- Dach. SiraKc. Erscheinen ist unbedingt PfNcht. Mäunerchor Fricdrichsdain. Der Chor sinat am Lonntag, Ib. ssebniar, um 10 Ul)?. im Bezirk Friedrichsbam bei de? Iubilarfeie?� im Vöhmis6>en Braubaus. Landsberger Allee. Erscheinen aller EanaesbrUde? ist Pfli6)t. Espcranto-Verband Berlin. Dienstag, 17. Februar, pünktlich 20 Uk»?. im Alten Askanier. Anhaltstr. 1.1, kur.�e Vorträa? für die Ee-Kursusteilnehmer über Esperanto. Kongresse, Esperanto-Organisation uftv.(in deutscher Lprachc). Gäste wiMonuncn. Institut für Sexualnnsseuschaft. Nächste? fexualroisseni'chafttichster Frage» abend Montag, 16. Februar, 20 Uhr, Ernst>Haeckel-Laal(In den Zellen Sa, Eingang Garte nportal)..Unkostenbeitrag 20 Pf.. Erwerbslos« die Hälfte. Freireligiöse Heweinde. Conntag, 11 Uhr. Pappelallee 15. Vortrag des Her?:: Ad. Harndt: �Reisten mir nur nieder?" Harmonium: Aus«Martha" (Flotow). Gäste willkommen._ Wetter für Berlin: Meist bewölkt ohne wesentliche Nieder- schlüge, Temperaturen sinkend bis zu leichtem Frost.— Für Deutschland: Im Osten wieder Frostwetter, auch sonst weilerer Temperarur- rückgong, im allgemeinen bewölkt, ohne stärkere Niederschläge. Ibsalsr, Lichtspiele usw. ( Tägl 2 Vorstf. J u. 8% Uhr 1 Barbarossa 9256 Mm. 50 PL Im 3 KL abends.! bis 6«. 3 Jtnäreu Xitel Sobrrlo tfc T asrniirrUon, ItlaJdle i Xau tisir. Täpl. 5 u.«15 Sonst. 8, 3«. 8U Alex. H 4, 8066 Nehm. SOPf.— 1 M., abds. 1-2 M. Nur noch bis morgen! iBruno UOulner. TlgfO XarMrn suchen Bilmslars 3lamUlonm. JOOWaDderiaabeozuw. Komisctte Oper 892 Uhr Kleine Preise. Peppina «Irr pmänfichr Uitogg dtt brrpcgistig Roben Stolz >» chr Preiriiemteutmig Lustspiemaus Kurt Götz Täglkh 8-/2 Uhr Oer LDgner u. die flenne TUrii. Westens Täglich 8-9 Franz lihan Keislemrk Der Zarewitsch AnnlAhlcrs-Thunls, von Möllendarf Neues Thealer am Zoo— tmBalmh.Zoo. StpL E354 Täglich 8"- Uhr Der fr. 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Barbarossa 3937. 8V« Uht Zum GelSencu Anker Dil Raine Donffl Renaissance- Theater Steinplatz o780. S'/a Uhr mub die Kun Mlicb geben? mit Aibeit Bmraiano Preise 0.S0 bis 13.51. Kammersplele 8'/« Uhn Pariser Platz 13 von Vicki Baum hs'n; Cmtaf CrCntziu Die Komödie 8-l. Uhr Die Fee von Franz Holnar Regie; Stefan Uodi. Konflrstendaium- Theater Bismarck 449 [ 8 Uhr"] Des schwache Geschlecht v. Edouard Bourdet Regio: Max Reinhardt Dazu ein neuer bunter Teil. Guisdicin 1-4 Personen Fauteuil 1.25 AU, Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pf., Rang 60 PI. Pressestimmen über „Die schöne Helena" Jacques Offenbachs Operette im ROSE THEATER GroBe Frankfurt«r StraBe 132 Biliettkute: A lex. 3422 u. 3494 „Bühnenbilder verblüffend in Ihrer Prachf.4'— „Ein vorbildliches Ensemble, wie man es beute an ersten Bühnen leider zu off vermißt/'—«Gans Berlin sollte so Moses wandern, um,-He schöne Helena' sich an zusehen." — j.Eine Meisterleislung des Ensembles." Wocher.tagsBcginn 8-15Uhr Sonnabds-Iühru 10.15 Uhr Sonntags 2-S0, 5.45 u.§ Uhr Preise von 50 Pf. bis 3 M. A c h t u n g 1 Familien- Nachmittage Jeden Dienstag, Mittwoch, Don nerstaggFreitg. 5.30 ünr Oemidies meaier 8 Uhr Elisabeth von England vdd Ferd Bniüuier Regie: Reim Hilpert I Bannrasky- Bohnen Thtoier In dtr siteseaanosii. Vit Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus 'Vit Uhr Cocktail loo Rul lollnoeller. Musik r. Ralph Bemtzb) Theat, xotta. Tor stottbulcr Sir. 8. Titflt 8k Uhr auch So nt. nchm. 39 uar tiu«. UillSer »I« immer der«r» e Ertoini EnaieseUchsMrm« Am Mittwoch, dem II. Februar, verschied nach schwerer Kranilieit unser Kollege und Mitarbeiter, Herr Karl Weiß im Alter von 65 Jabren. Der Verstorbene war einer der alten Gewerkschaftler, die schon in der Vorkriegszeit für die freigewerkschaftliche Eisenbahnerbewegung gearbeitet haben. Auch während seiner Tätigkeit ira Hauptbüro unseres Verbandes war er wehren seiner Pflionttreue und seinem kollegialen Verhalten allen ein Vorbild. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand des Einheüsvcrbandes der Eisenbahner Deolscblands. Das Personal im Hauptbüro des Einheitover bandes der Eisenbahner. Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 17. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Krematörmm Wilmersdorf statt. Piscalor-Bälme (Wallncr- Theater) Alex. 4592-93. SV» Uhr Ror nodi Z Yontclitnigeo des Gastspiels der Wllnaer-Truppe „Brüne Felder" v. Pcrez Hirschbein ImM-IllM Täglich Vit Uhr Viktoria undlhrHusar Harglosskff.Diisdig.Lotf! Lustspiel von Loo Len* Preise ron 30 Pf. bis I.ROM- SO Minuten Kafleepausc. Kaffee mit Kuchen 30 Pf. 7täjfi8:erVorTerkauf, tätlich Ton 11— 1 übr vorm. and ▼on 4— 9 Uhr abends. V'.'.H-'. V Theater am Sdiiffbaaerdamni Norden 5813 u. 0281 Täglich 8 Uhr Ou groSolnslspielortolg! Die Quadratur des Kreises Preise v. 0.75— 7M Heute abend II Uhr Cläre Eckstein mit ihrer Gruppe 3 Tanzein ahler Rose- Theater 6r.FrankIar(erSlr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 7 Uhr und 10.15 Uhr Kleines Theat Täglich 8Vt Uhr Uetw-miffloilerö mit Grefe Reinwald, Will Kaufmann. Heinz Klubertanz Reichshailen-Theater iätach 1T| Smutag Bateittjg rs-Tl Btir Das wunderbare Februar-Programm der Stettiner Sänger Poppl. Pr.l Pk.(iwauriert) i. UO in Nachm. ermäßigte Preise Dönhoff- Brettl: Täglich das g ite Varield- und Kabarett-Programm! Am I l. Februar, 20-/, Uhr, per- starb mein lieber Mann Wilhelm Brall infolge Schlaganfall im 75. Lebensfahr. 3m Namen der HinleidUebenen Pankow. Ww. Berta Brall Laudacr Str. S. geb. Weinerl Einäscherung Dienstag, 17. Februar, IV; Uhr, f.ccmatocium Gerichlittahc. Dsatsdisr Martieiter-lfeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Milgliebem zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher kjedarst tlSdler geb. 3. September 1896, am 12 Fe- druar gestorben ist. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 14. Februar. 11 Uhr, im Krematorium Scrichtstraße stall. Am 10. Februar starb unser Kollege. der Mechaniker EeopoIS Reintsch Die Einäscherung findet Sonn- abend, den 14. Februar. 20 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg stait. Am 10. Februar starb unser Kollege, der Schlofscr Tran? Margis Die Beerdigung findet am Montag. dem 16. Februar. 15 Uhr, von der Leichenhalle de? gentroljriedhofe? In Zriedrichsfclde au» statt. Am 11. Februar starb unser Kol. lege, der Schleifer Paul Benecke geb. 5. Dezember 1874. Die Einäscherung findet Monlag. den>6. Februar, 1630 Uhr. im Kre- matorium Gerichlsteast« statt. Ehre ihrem Audeukeu! Rege Beteiligung erwartet vi« Ortsverwaltung;, Belten,Be!lfed8rn alle Arien Beumoiolluiaren billig und dauerhaft bei Ed. Hoffmeister, SO 36, Wiener Straße 20 seit. 40 Jabren am Görlitzcr Bahnhol' DAS ßLAUE mm VON ITHAKA OPERETTE IN 3 AKTEN OFFENBACHS MELODIEN URAUFFÜHRUNG Täglich 8.15 Uhr TMrimAdmirMasi Das Haus der billigen Preise Plätre M i.— bis M 8.—> VorTerk.*b ioU.tägl.FeriisprJ.lerkur990l EiniieitSTerband d.Elseiiliahoer Deutsdilands. Ortsgruppe Berlin Wiederum hat der Tod eine Lücke in die Nethen unserer Alien geeisten. Am ll. Februar d. Z. bcrschied der Soücgc Karl Weiß bisheriger Angestellter im Haupldino. wenige Wochen nach seiner Pensio- niernnq im Alter von 65 Jahren Seit 1899 stand Kakl Weiß mil in den vordersten Reihen ai» einer der rühttgsteu Ardeiter für die Interessen der E-sendahner. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Diens- tag. dem 17. Februar, 17 Uhr, im Frematorium Wilmersdorf statt Rege Beteiligung erwartet Ol« Ortovewaltung. Htelne Anzeigest wivkunQSv&ii und billig- 1 Grwiilnailszug S. Klasse ZK. Prellhisch. Süddeutsche Etaats-Lottcrie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesallen, und zwar je einer ans die Lose gleicher Nummer In den beiden Abteilungen I nnd U S. Ziehungslag 13. Februar IgZl Sn der Heuligen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 Di. gezogen 2 Gewinne in 50000 W. 69025 2 Gewinne ju 1 0000 OL 96381 6 Gewinne in 5000 M. 118343 186381 351338 30 Gewinns ,» 3000-M. 23838 24501 30770 58427 80731 90011 107524 133771 1B2773 205374 237783 248754 313439 223092 334724 35 Gewinne ,» 2000 M. 49055 51820 I0I804 134869 168671 181287 187173 189758 208013 212091 235018 288633 294690 331544 340843 365705 393442 399592 82 Sewirne zu 1009 M. 2964 30312 37355 54261 54650 56170 62586 65662 84703 85235 94055 119860 120550 125726 1391 71 145538 163502 170833> 35809 199414 212079 221217 223118 223530 225497 225624 229182 241030 270651 275107 275665 291595 207024 353701 355062 356629 265474 355557 370942 273438 397369 1 SO Gewinn« ,» 500 711. 1227 4090 5532 3077 10479 28375 30738 32543 23499 42807 68440 71340 73140 75493 77539 80944 83087 87483 83033 89548 90033 93324 96350 95641 95973 97939 103417 104455 1 04921 105274 120127 121809 127728 122932 132401 133103 133753 155208 156245 151094 159505 172457 172921 174049 179502 181276 182596 186517 192122 194804 199533 202009 202489 205651 203214 208873 216723 217185 213831 219018 220110 221059 224714 229537 229852 234996 238907 239244 242851 243577 251180 252915 263798 258025 264172 268829 274623 277266 284878 321385 326396 327638 330329 33071 1 337920 349326 359077 364202 370772 372378 874781 378726 367363 383331 382304 GROSSES SCHAUöPIELHAU ö Tägl. s Uhr. im uelssen RSSSI. 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Schwerkriegsbeschädigter Über 50 Proz. cv. aus der Mctailbranche, gesucht KaoptfabrUc Walter Mar« dl, Rcinldteadort, HauiOUtitÄ. 99 Ar. 75• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 44. Februar 4934 Llmschwung in der Krastwirtsthast. Krisenfolgen und ihre Bekämpfung/ Von vr.-Ing. W. MajerczikJBcrlin Die schwere Krise, die die Wirtschaft der ganzen Well, im besonderen aber die deutsche Wirtschaft erschüttert, hat die E l e k- rrizitätsunternehmungen viel später ergriffen, als andere Zweige der Wirtschaft. Die ersten Zeichen des Rückganges machten sich in der Stromlieserungsindustrie erst im April 1S3>Z bemerkbar, zu einer Zeit, als andere Industrien schon seit Monaten unter Absatzstockungen, Produktionseinschränkungen usw. litten. Der erste Rückschlag nach ununterbrochenem Aufstieg. Eine Vorstellung von der Entwicklung der Strom- erzeugung �in Deutschland während der letzten Jahre geben die Kurven. Sie gründen sich auf eine monatliche Erhebung des Statistischen Reichsamtes. Die Statistik umfaßt 122„repräsentative", öffentliche und private, deutsche Elektrizitätswerke. Die 122 Werke stellen zusammen etwa die Hälfte der ganzen deutschen Strom- erzeugung(öffentliche Elektrizitätsunternehmungen plus Eigen- anlagen) dar. Stromerzeugung in 122 deutschen [lehfrizifafs werken Millionen kWh im reoo Cr» g wo. r. | 1200. s «o 1000. 800- 600. Monate Das Elektrizitätswefen hat, man kann sagen von seiner Geburt ab, eine nahezu ununterbrochene Aufwärt sentwick- i u n g gehabt. So wie in der graphischen Darstellung die Kurven 1927, 1928 und 1929 übereinander liegen, so war seit Jahrzehnten die Stromerzeugung fast jeden Jahres größer als die des vorher- gehenden. Man Halle sich in den Kreisen der Elektrizitätsindustrie ieit Wiederherstellung der deutschen Währung daran gewöhnt, mit einer Zunahme der Stromerzeugung von durchschnittlich etwa 15 Prozent in jedem Jahre zu rechnen. Tatsächlich war das Wachstum, nach den Erhebungen der Reichsstatistik, in den letzten Jahren bedeutend größer. Die deutsche Stromerzeugung stieg nämlich 1927 um 23,1 Proz., 1928 um 13,7 Proz., 1929 um 17,6 Proz. 1930 kam nun der Bruch in dieser von Wirt- schaftskrisen bisher kaum beeinflußten Aufwärtsbewegung: es erfolgte eine Abnahme um 4,0 Prozent. Rur wer die vergangenen Jahrzehnte einer glänzenden Prosperität miterlebt hat. kann ermessen, was der Rückschlag des Jahres 1930 für eine Industrie bedeutet, die kaum jemals schlechte Zeiten durchgemacht hat. Die Krise der Elektrizitätswerke. Wenn die Elektrizitätsindustrie jetzt in eine ernste Krise geraten ist, so hängt das zusammen mit dein fast plötzlich eingetretenen Mißverhältnis zwischen der stark ausgeweiteten L e i st u n g s- fähig keit der technischen Anlagen auf der einen und dem Rück- gang des S t r o m a b s a tz e s auf der anderen Seite. Da größere technische Anlagen, wie Kraftwerke, Hochspannungs-Ueber- iragungsanlagen usw. eine Bauzeit erfordern, die gewöhnlich nicht unter zwei Jahren liegt, so mußten die notwendigen Erweiterungen mindestens für eine solche Zeit im voraus begonnen werdeii. Zwei zukünftige Jahre bedeuteten nach der llbllchxn Anschauung ein Mehr von rund 30 Proz. In den meisten Fällen der Praxis ivurde der Erwciterungskoeffizicnt der technischen Einrichtungen viel größer als 30 Prozent gewählt. Denn es war natürlich unzweck- mäßig, eine Anlage nur gerade um soviel auszubauen, daß sie bei ihrer Inbetriebnahme gleich wieder voll belastet war. So erklärt es sich, daß Ende 1930 in Kraftwerken wie Leitungsanlagen große Leistungen erstellt worden waren, die man zwei Jahre und früher in Angriff genommen hatte. Die Erwartung einer zukünftigen Vergrößerung des Stromabsatzes ist getäuscht worden. Stall einer Zunahme hat das Jahr 1930 eine Verminderung gebracht. Es ist schwer, die Sachlage, wie sie gegenwärtig vorhanden ist, in Zahlen zu fassen. Die öffentlichen Elettrizitäts- Unternehmungen in DeutWand— die sogenannten Eigenanlagen sür Fabriken. Hotels. Warenhäuser usw sollen hier nicht eingerechnet werden— benötigten Ende 1930 eine Maschinenleistung einschließlich Reserven von schätzungsweise rund 6 Millionen Kilowatt. Man kann annehmen, daß darüber hinaus noch weitere 2 Millionen Kilowatt vorhanden waren, für die zunächst eine Beschäftigung in absehbarer Zukunft nicht in Aussicht steht, solange die Wirtschafts- krise nicht behoben ist. Eine Maschinenleistung von 2 Millionen Kilowall einschließlich Uebertragungsanlagen bedeuten ein An- lagekapital von etwa IL bi» 2 Milliarden Mark Für diese riesigen Summen sind augenblicklich neue zusätzliche Ein- nahmen, au, denen ihre Verzinsung und Tilgung zu decken wären. im allgemeine» nicht vorhanden. Behebung der Krise durch Abgabe von Haushaltungsstrom. Es entsteht die Frage, was die Elektrizitätsunternehmungen angesichts dieser Lage tun sollen. In früheren Jahren hätte man sich mit verstärkter Energie auf den Absatz von Industrie- st r o m verlegt. Aber bei der schlechten Lage fast aller Industrien liegen in einem solchen Vorgehen nur geringe geschäftliche Aussichten für die Zukunft. Es gibt indessen einen Weg, der besser g e- eignet erscheint, die Elektrizitätsunternehmungen aus ihrer gegen- wärtigen Notlage zu befreien. Ich meine die Abgabe von Haus- h a l t u n g s st r o m. Darunter wird diejenige elektrische Energie verstanden, die überwiegend zur Wärmeerzeugung, also zum Kochen, Backen. Heizen, Bügeln und zur Warmwassererzeugung benutzt wird. Der gesamte Stromabsatz der LffeMlichen Elektrizitäts- Unternehmungen in Deutschland ist für das Jahr 1930 auf 13 bis 14 Milliarden Kilowattstunden zu veranschlagen. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß es praktisch möglich erscheint, diesen Stromabsatz im Verlaufe weniger Jahre zu verdoppeln, wenn die Elektrizitätswerke sich energisch für die Abgabe van Haus- Haltungsstrom einsetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind freilich zwei Voraussetzungen zu erfüllen: Es muß ein billiger Haushaltungs- S t r o m t a r i f eingeführt werden, und es müssen die Wärme- apparate, also die elektrischen Herde, Kocher, Warmwasser- behälter usw. zu Preisen verkauft werden, die für die große Masse der Abnehmer erschwinglich sind. Die Abgabe von Haushaliungsstrom hat in den letzten Monaten große Aufmerksamkeit bei der Elektrizstätsindustrie ge- funden. Das Rheinisch-Westsälische Elektrizitätswerk hat einen Tarif eingeführt, der für Haushaltungen, die vollständig elektrisch eingerichtet sind, bei einem monatlichen Derbrauch(einschließlich Beleuchtung) von mindestens ISO Kilowattstunden einen Preis von 8 bzw. 9 Pfennig je Kilowattstunde vorsieht. Auch die Preußische Elektrizitäts A.-G. ist im Begriff, in ihrem Bereich einen ähnlichen Tarif einzuführen. Die Stadt Frankfurt a. M. hat in ihrer Sied- lung Römerstadt 1220 Wohnungen allein für Elektrizität, ohne Gas, eingerichtet und hat damit gute Resultate erzielt. Auch aus der Schweiz, aus Amerika usw. werden Erfolge des elektrischen Kochens und Heizens berichtet. Die Anfertigung der elektrischen Würmeapparate und ihre Aufstellung in den Wohnungen würden. der elektrotechnischen Industrie und dem Jnstallationsgewerbe eine groß« und lohnende Beschäftigung geben. Auch diese Seite der Dinge ist in der gegenwärtigen Zeit der riesigen Arbeitslos! gkeir sehr wichtig. Natürlich wird die Elektrifizierung der Haushaltungen auch auf Schwierigkeiten stoßen. Man denke an die Verarmung weitester Volkskreise, an den Kapitalmangel, an den Widerspruch der Gas- industrie und dergleichen. Aber welcher Fortschritt hat nicht gegen Widerstände anzukämpfen gehabt. Für den Arbciterhaus- halt wäre die Einsührung des elektrischen Kochens und Heizens neben der elektrischen Beleuchtung jedenfalls eine Erleichterung und Verbesserung des Lebens. Stromerzeu gung im Dezember um 4 3 proz. geringer Trotz des saisonmäßig steigenden Lichtbedarfs hat die arbeits- tägliche Stromerzeugung im Dezember 1930 gegenüber No- vember 1930 nicht weiter zugenommen. Die Gefamterzeuaung der erfaßten 122 Werke belief sich nach..Wirtschafl und Statistik" mit im ganzen 1423,4 Mill. kWh auf nur 86,72 Prog. der Gesamterzeugung im Dezember 1929. � Im g.a n z e n Jahre 1930 betrug die Sttomerzeugung 16,2 Milliarden kWi, rund 4 Proz. weniger als im Vorjahr. Frankreichs Wirischafiskrise. Oer französische Außenhandel ging stark zurück. Der französische Außenhandel im Jichre 1930 ist für die v er- in i n d e r t e Wettbewerbsfähigkeit der franzöfi- schen Wirtschaft charakteristisch. Die Einfuhr ging dem Wert nach um 5,9 Milliarden Franken, d. h. um fast 1 Milliarde Mark zurück. Sie betrug 22,3 Milliarden Franken 1930 gegenüber 28,2 Milliarden Franken 1929. Den stärksten Rückgang zeigt die. Einfuhr industrieller Roh- stoffe von 35,1 auf 29 3 Milliarden Franken. Mengenmä ß i g ist jedoch die Rohstoffeinsuhr um etlva 3 Proz. gestiegen, die Senkung des Einfuhrwertes ist also lediglich eine Folge des internationalen Preissturzes. Zurückgegougen, sowohl der Menge wie dem Werte.nach, ist auch die Einfuhr von Nahrungsmitteln. Von besonderem Interesse ist jedoch die erhebliche Zunahme der Einsuhr industrieller Fertigerzeugnisse von 9,9 auf 11,2 Milliarden Franken. Die Ausfuhr ging stärker zurück als die Einfuhr. Sowohl Nahrungsmittel wie industrielle Rohstoffe wurden in geringerem Ilmfang ausgeführt, doch verzeichnen den stärksten Rück- gang die indu st riellen Fertigwaren, deren Ausfuhr- wert von 31 L auf knapp 27 Milliarden Franken zusammen- schrumpfte. Die(Besamlau: iuhr verminderte sich von 50,1 auf 42.8 Mllliarden Franken. Der Einfuhrüberschuß hat sich von 8 Milliarden Franken 1929 auf über SiVi Milliarden Franken 1930 (über IVe Milliarden Mark) vergrößert. Tragen schon diese Zahlen deutlich das Zeichen eines zunehmen- den Nachlassens der französischen Wettbewerbsfähigkeit, so scheint sich das Bild doch noch weiter verschlechtern zu wollen. Die ununterbrochene Steigerung der Kleinhandels- preise bis in die letzte Zeit— trotz der gleichzeitigen Senkung der Großhandelspreise—, die hierdurch veranlaßt« Anpassung des Lohnniveaus, die jetzt beabsichtigte Erhöhung der sranzösisck)«n Eisen- bahntarife und insbesondere die infolge des internationalen Preis- rückganges verminderte Kaufkraft der französischen Landwirtschaft werden wahrscheinlich die Produktions- und Absatzkurve noch weiter schnell abfallen lassen. 30 proz. Beschästigungsgrad! Die Arbeitsnöte im iLnndma�chinendau. In der deutschen L a n d m a s ch i n e n i n d u st r i e hat im letzten Jahre der Beschäftigungsgrad infolge der K a u f k r a s t s ch w ä ch e in der Landwirtschaft rapide abgenommen. Wie aus der Jahres- tagung dieser Industrie mitgeteilt wurde, stellte sich der B e s ch ä f t i- gungsgrad bereits Anfang vorigen Jahres, als er im allgemeinen Maschinenbau noch weit über 60 Proz lag. auf nur 4 8 Proz. der Leistungsfähigkeit. Bis zum Jahresende 1930 ist der Beschäftigungsgrad ständig weiter gesunken und erreicht« im Dezember den Tiefstand von 30 Proz. Der Auftragseingang, der in den Saisonspitzen 1927 und 1928 rund 175 bis 180 Proz. (1925/26— 100) erreicht hotte, sank bis auf 38 Proz Ende vorigen Jahres. Der Gesamtumsatz an Landmaschinen, der im Erntejahr 1927/28 einen Stand von annähernd 400 Millionen Mark erreicht hatte, sank im Erntejahr 19*9/30 auf 320 Millionen Mark. Im Kalenderjahr 1930 wird der Umsatz aus 260 000 Tonnen im Werte von 286 Millionen Mark geschätzt. Dieser Umsatz verteill sich auf 350 Fabriken mit rund 35 090 Beschäftigten Es entfallen also im Durchschnitt auf jede Fabrik nur 80 0000 Mark Jahres- Umsatz. Daß die Lage der F�jiriken bei diesen Verhältnissen als ruinös bezeichnet wird, ist sicher zutreffend, doch ist an diesem uner- sreulichen Zustand die Absatzkris« nur zum Teil schuld und im wesent- lichen dürfte hierfür die starke Uebersetzung und die unter- lassene Anpassung an die Absatzmöglichkeiten verantwortlich sein. ?luch bei einer kräftigen Belebung der Absatzmärkte für Landmaschinen ist keine Aussicht vorhanden eine derart hohe Zahl von Fabriken so ausreichend mit Aufträgen zu versehen. daß an eine Wiedererlangung der R e n t a b i l i t ä t zu denken wäre. Das deutsch-polnische Noggengeschast. Die Freitagsihung des sNoagenflühungs- Ausschusses. Gestern wurde in einem Schreiben des Präsidenten Klepper von der Preußenkasse noch mitgeteilt, daß 1928 29 von dem statistisch erfaßten Gesamtroggenumsatz der Genossenschaften 12 Proz, im Jahre 1929/30 25 Proz durch die Getreide- Industrie- und Commissions-A.-G. verkauft worden sind. Außerdem sind den genossenschaftlichen Unternehmungen von der GJC. beträchtliche Erntefinanzierungskredite ge- währt worden. Den landwirtschaftlichen Genossenschaften sind durch die Einschaltung der GJC. in die halböffentliche Getreidewirtschaft also große Vorteile entstanden. Die Diskussion drehte sich vor allem um die zwischen Deutsch- land und Polen geschlossene Roogenexportvereinbarung. Die Sach- verständigen des Handels versuchten darzulegen, daß Deutschland durch dieses Abkommen benachteiligt ist. Von den 509 090 Tonnen, die seit dem Bestehen der deutsch-polnischen Kommission exportiert worden sind, hätte Deutschland nur 56 000 Tonnen ausgeführt. Genosse Hilf ett: ding hielt dem entgegen, daß das Ab- kommen gerade den Zweck gehabt hat, nicht den deutschen Roggen- export zu fördern, sondern umgekehrt das Dumping, das von Deutschland und Polen in den früheren Jahren auf dem Weltmarkt getrieben worden ist, einzudämmen. Der gleichen Ansicht war der landwirtschaftliche Sachverständige, der ausführte, daß seit dem Frühjahr 1930 keine Einfuhrscheine mehr erteilt werden, so daß der Export des Roggens notwendigerweise bei der enormen Spanne zwischen Inlands- und Auslandspreisen sehr gering sein müsse. Trotzdem hielten die Vertreter des Getrcidehandelns und die deutschnationalen Abgeordneten an der Ansicht fest, daß durch das Einfuhrscheinsystem, also durch die Gewährung von Exportprämien. dem deutschen Roogenmarkt mehr geholfen wäre als durch die mit Polen geschlossene Vereinbarung. Der Gerstepreis hätte auch stets unter dem Roggenpreis gelegen, so daß durch den mit Hilfe der Einfuhrscheine erfolgten Austausch zwischen deutschem Roggen und ausländischer Gerste kein volkswirtschastlicher Verlust entstanden wäre. Reichskommissar Baade widersprach der Ansicht, daß in der letzten Zeit Roggen immer teurer gewesen sei als Fi�ttergerste. Durch geschickte Ausnutzung der Marktlage ist es zwar der deutsch- polnischen Roggenkommission gelungen, den von ihr exportierten Roggen über dem Gerstenpreis abzufetzen. Der russische Roggen ist aber billiger gewesen als Futtergerste. Wenn Deutschland die Mengen an deutschem Roggen auf den Weltmarkt geworfen hätte. die erforderlich gewesen wäreri, um den deutschen Roggenmarkt ernstlich zu entlasten, dann hätte auch der deutsch-polnische Roggen die Gerstcnpreise unterschreiten müssen. Nur dadurch, daß sehr vor- sichtig geringe Mengen Roggen auf dem Weltmarkt verkauft worden sind und ein Ersatz für die Ausfuhr durch die E o s i n i e r u n g gefunden ist, wäre es gelungen, den Roggenpreis auf der jetzigen Höhe zu halten. Eine Möglichkeit, bei der geringen Aufnahmt- fähigkeit des Weltmarktes den gesamten deutschen Roggenüberschuß zu erportieren, hat im letzten Crntejahr nicht bestanden. Bevor der Ausschluß sich auf Donnerstag vertagte, wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, um sich über einen Arbeitsplan schlüssig zu werden. Dies wird auch höchste Zeit, denn bei den bis- herigen Erörterungen sind die eigentlichen Fragen der Roggen- stützung noch kaum angerührt worden. G'ubenllilleguna In Frankreich. Sämtliche Gruben der Gesell- schuft von Liövin und der Gesellschaft von Ourges werden wegen ?l b s a tz m a n g« l s stillgelem werden M h'er- G mb.'N der Gr- fellschaf�n von Lens und von Earoin weichen chelchfalls ih-e- Betrieb einstellen.— Wir meldeten kürzlich, Vch m sämtlich«» Kohlenbezirken Frankreichs Ende 1930 bereits 140000 Arbeitslose waren. pletfe bringt neue Pleiten. Magdeburger Baubank über Emil H-önicke aessolpert. Die Riesenpleite an der Gedächtniskirche, der Gourmenia» Zusammenbruch, hat dem bekannten Berlin«? Bauunternehmen Emil H e i n i ck e den Kopf gekostet. Jetzt hat der Konkurs der Emil Heinicke A.-G. eine neue G r o tz p l e i t e in der Provinz nach sich gezogen. So mußte die Mn gdeburgerBau-undCredit-A.-G. ihre Zahlungen einstellen, nachdem Verhandlungen über einen lang. fristigen Bankkredit gescheitert waren. Außer den Verlusten bei der Emil Heinicke A.-G. hat aber die Magdeburger Baubank, die trotz der schlechten Baukonjunkwr eine sehr großzügige Ausdehnungs- ! Politik trieb, starke Ve rlu st esi m P r o v i n z g e s ch ä i t erlitten. � In den Jahren 1928 und 1929— der Abschluß für 1930 lieg, noch nicht vor— zahlte das Unternehmen Dividenden in Höh« v o n 1 5 P r o z.. Die Frage liegt nahe, ob sich das Unternehmen nicht damals bereits sowohl mit der hohen Dividende, wie auch in seiner geschäftlichen Tätigkeit überhaupt übernommen hat. Walter 3)ehmeh S�CT btttß! Die Vorstadtftraße sieht im winterlichen Abenddämmern noch grauer und trostloser aus als sonst. Schmutziger nasier Schnee patscht unter den Füßen der Possanten, aus dem Fahrdamm stehen große Schmelzpsützen, die, von de» Fuhrwerken breitgesahren, immer wieder zusammenlaufen. Die hohen chäuser, vierstöckig und mit bröckligen Stuckfassoden, stehen zu beiden Seiten der Straß« Spalier wie altersschwache Bediente in löchriger Livree und glotzen mit dunklen Fensteröffnungen gelangweilt auf das Pflaster herab, auf dem sich Menschen und Fahrzeuge mühsam durch den Dreck vorwärts kämpfen. Willi Brehmer fröstelt, tänzelnd sucht er beim Gehen dem ärgsten Matsch auszuweichen. Der Schmerz in der Brust macht sich stärker bemerkbar: längere Zeit nicht sonderlich beachtet, meldet er sich jetzt immer häufiger und heftiger und beeunruhigt Willi immer mehr. Er ist auf dem Wege zum Arzti Seine Gedanken kreisen immer wieder um die Frage:„Was wird, wenn du krank wirst?"— Er weiß doch, es hängt jetzt alles davon ab, daß man an seinem Platze im Betrieb bleibt,— hunderttausende stehen draußen und warten auf einen freiwerd«nden Platz. Und wer erst einmal draußen ist, der kommt nicht mehr so leicht hinein, das steht fest. Nein, nur nicht krank werden!— Beim Kassenarzt ist bereits das Wartezimmer gestopft voll. „Donnerwetter, da wird man ja wieder warten müssen!" denkt Willi, indem er sich einen freien Stuhl sucht, ans den er sich, von den anderen neugierig begafft, verlegen setzt. Unausfällig mustert er nach und nach nun seinerseits die Wartenden und-das Zimmer. Diese Kassenarzt- Wartezimmer sind sich doch innner gleich, einige billige Drucke an den Wänden,«in paqr klein« Tische, recht viele Stühle, ein paar Kleiderhaken mit dem obligaten Schild:„Für abhandengekommene Garderobs leiste ich keinen Ersatz!",—«ine Wasserslasche mit einige» Gläsern, ein Stapel von zcrlesencn Zeitschriften und Bildermoppen und über allem«in undefinierbarer eigentümlicher Geruch, ein« Mischung von Angstschweiß, Medika- mentcn und verbrauchter Luft. Und immer die gleichen armseligen Gestalien auf den Stühlen rings umher,— von Arbeit, Sorge und Gicht krwnmgezogene alte Frauen, die mit zäher Beharrlichkeit und unermüdlich ausführlich die Geschichte ihres Leidens, von offenen Füßen, Krampfadern, Magenoerstim- mungen, Atembeschwerden und zusätzlichen Ehe- und Familien- schmerzen erzählen,— blasse junge Mädchen, die nervös in bebilderten Zeitschriften blättern und mondäne Sehnsüchte empfinden,— alte Arbeiter, die ergeben ihre verarbeiteten Hände mit den imgepflcgten schwarzen Fingernägeln breit über die Knie legen und nach kurzer Zeit müde einnicken,— junge Burschen in zu kurz gewordenen Anzügen, die begierig die ausliegenden Witzblätter von vorn bis Hinte» durchlesen,— es ist immer dasselbe. In großen Zwischenräumen— den WarteiüZen jedesmal eine Ewigkeit— erscheint in der geöffneten Tür der Arzt in weißem Kittel und sagt mit einförmiger Stimme:„Der Nächste bitte!" Willi kennt das alles schon zu genau, als daß es khm noch irgend etwas Neues sagen könnte. Stumpf vor sich hin dösend, erwartet er. daß die Reihe auch an ihn kommt. Endlich ist es soweit. Linkisch folgt er dem Arzt in das Sprech- zimnier, in dem die vielen blanken Geräte so bedrohlich funkeln. Der Arzt fft noch jung, kühle graue Augen verbergen sich hinter Brillenglas ern. Während er den Krankenschxln in Empfang nimmt, den Namen des Patienten in die Liste einträgt, stellt er kurze knappe Fragen. Sein« Mienen sind fachlich, feine Worte bestimmt: für Weitschweifigkeiten ist hier nicht Ort und Zeit,„hm, ein inter- «ssanter Fall!" denkt er, als er Willis entblößten Oberkörper näher untersucht. Er horcht und klopft, fragt, klopft, läßt Arntbewegun- gen ausführen, prüft Atmung und Brustumfang und läßt sich kurz die Art der Schmerzen beschreiben. Sich die Hände waschend, sagt er:„Es ist gut, Sie können sich anziehen!" und sitzt schon wieder schreibend vor dem Schreibtisch. „Ja, lieber Freund", wendet er sich zu Willi herum,„Sie brauchen Schonung, unbedingte Ruhe, besondere Diät, viel gute Butter, gut gelüftetes Schlafzimmer und nochmals Schonung!" Cr ist ganz Arzt, während er das sagt, er sieht die Sache nur medi- zinisch an: hier auf der einen Seite der von Krankheit befallene geschwächte Organismus, auf der anderen feine Kemrtnis von stör- kenden und heilenden Faktoren: so, nun Rezcptbuch her, Verord- nung geschrieben, fertig! Der Nächst« bitte!— Alles in Ordnung, gewiß, vom medizinischen Blickfeld des Arztes aus! Aber da bleibt ein Hindernis im Wege, das der Arzt nicht sieht, an das er aber stößt,— das ist der Mensch, der lebendige Mensch, der hinter dem medizinisch so interessanten Fall steckt. Der junge Arbeiter da vor ihm, der erblassend, mit zuckenden Lippen, mit unbeholfenen Worten, die vom Arzt aufgezählten Heilfaktoren, diese mit Worten gegen die Krankheit errichtet« Barriere, als nicht vorhanden nachweist, der— mit der Angst vor dem Verlust der Arbeitsstelle in der Stimme— die Familienverhältnisse schildert:— der Vater leit langer Zeit untätig zu hause, fiir den rationalisierten Fabritbctrieb ,„zu alt",— die Mutter kränklich, aber ständig auf der Suche Nebenverdienst mit Aufwartestellen und Treppenreinigungen.— drei jüngere Ge- schwister noch ohne Verdienst,— zwei enge Sruben ohne Bad mit der Aussicht auf«inen engen steinernen Hof,— zerschlissene Möbel und Mangel an Wäsche,— Schulden beim Krämer und beim Wohlfahrtsamt... Der Arzt sieht sich hilflos auf eist Gebiet gezerrt, auf dem ihn seine medizinischen Kenntnisse in Stich lassen, wo sie witzlos sind, wo seine Selbstsicherheit zerplatzt wie eine Seifenblase, die aus dem osfenen Fenster einer Studierstnbe in den raulzen Wind der Wirk- lichkeit geraten ist,— er fühlt, daß er wahrheitsgetreu sagen müßte: „Ja, dann ist Ihnen nicht zu helfen!"— Fühlt, daß alles Aufzählen von Heilungsmöglichkeiten hier vergeblich ist. unsinnig, eine grau- some Pein nur für den Menschen da vor ihm, der sie ja nicht in Airspruch nehmen kann. Der zum Siechtum verurteilt wird trotz aller medizinischer Wissenschast, weil er ein armer Teufel ist, der inehr Angst vor dem Verlust der Erwerbsmöglichkeit als vor der Krankheit selbst haben muß. Noch einmal versucht es der Arzt mit dem Hinweis auf Krantenkasie, Verschickung, Behandlung in der Charit«, die kurze Antwort:„Aber dann verliere ich doch meine Arbeit und zu Hause fehlt der Verdienst!" entwaffnet ihn aufs neue. Er hat nicht den Mut, hier noch weiter einzureden: er weiß ja, der junge Arbeiter da vor ihm denkt nicht an sich, kann nicht nur an sich denken, weil da noch andere Menschen aus de» Ertrag seiner Arbeit angewiesen sind. Der Mann im weißen Kittel ist aus einmal sehr müde. Sein Selbstbewußtsein hat ihn ganz verlassen. Wenn er daran denkt, daß da draußen im Wartezimmer noch mehr Menschen sitzen, die ihm ihre Schnccrzen und Wunden vorhalten, ihn um Rat und Hilfe an- stehen wollen, dann möchte er am liebsten fliehe?: und ihnen ollen aus den? Weg« gehen. Und er muß hierbleiben, muß gegei? bessere Einsicht den Patienten da vor ihm ermutigen, ihm Wirkungslos« Medikamente verschreiben, ihn aus Besserung vertrösten. Er darf sich nichts merken lassen, um jenen nicht zu beunr?lhig«n. Mit Dankesworten geht der junge Mensch hinaus, froh, daß ihm die Arbeitsstelle erhalten bleibt. Als der Arzt die Tür zum Warte. zirnmer öffnet, ist er wieder der gemessene vertrauensvoll« Helfer, mir seine Stimme klingt etwas müde, als er sagt:„Der Nächste bitte!" Max dorm: Marneval in Wessina 22 Ja/ire nach dem Erdbeben Februar. Sizilien. Sonne. Narzissen. Tulpe??. Rosen. Mimosen. Roter Wein. Braune Mädche??. Und der Wii?d rührt seinen großen blauweißen hiinmclsfächcr. Und das Meer schlürf? und strudelt und wirbelt, das Meer zischt— der Gezeitenstroin durch die Seestraße von Messii?a.- Messina, die Stadt— grau und weiß. Weiß die Neubauten. Grau die Barackenstadt. Die Hälfte der Me??schei? von Messina wohi?t noch in holz u??d Blech— die Arme??. Nur die Stadt der Reichen, die MilUärftadt und die Geschäftsftadt ist aufgebaut— der Arme? Puh, Baracken sind gut genug für ihn. Adagio, adagio— wenn mal Geld da ist, dam? bauen wir auch Mosella auf, die Südsiadt, das proletarische Messtna, die Industriestadt. Geduld— Mussolini schafft es! Dieser große schrvarz« Zauberer, Gaukler ui?d Reifentänzer— ganz Sizilien lacht, wenn er redet, der Ducc, aber glauben tut ihn? keiner— nicht in Sizilien. Messina ist nod) immer eine halbe Trü?nmerstadt, 22 Jahre nach dem Erdbeben. Nicht mit Worten aus Rom baut man auf— Wort aus Rom ist so viel wie Wort des Windes: puuh— weg! Messina. An der Meerenge. Ga?:z von Gärten umduftet, Oranger?, Zitronen, Lorbeer, Feigen, Olive??. Die Berge, die Peloritani, im Monte Antennamare llM Meter hoch— die Berge, fruchtbar bis oben hin: Reben, Reben, Reben, weihe Kapellen und schwarze Zypressen. Feri? im Süden steht die 300then blühen, dem grollenden Tode zu Trotz. Februar. Messim?. halbe Stadt— halbe Kirchen— alles zusammengeflickt und vermörtelt, bereit fürs nächste Erdbeben. Drüben, üver?n Meer, da liegt der Asprolnonte, der graugrün« Gebirgszug Kala- briens, 2000 Meter hoch Unterm Aspromonte läuft die Bahn— nach Neapel und Rom und Paris und Berlin. Von Messina aus geht die Fähre nach Villa San Gio??anni hinüber— nach Kalabrien: Anschluß ans Bahnnetz Europas. Messina, es ist alt. Es war alt. Ost zerstört. In Kriegen und Erdbeben und von der Pest. Grü??dlich zerstört am 28. Dezember 1908— von 150 000 Einwohnern wurden 83 000 von den stürzenden Häusern erschlagen. Dos ju??ge, das i.cue— das halbfertige Mejsina, das hat aber schon wieder 200 000 Einwohner, mehr als das zerstörte Messina. Die Luft ist blau— die Sonne ist golden— die Vulkane schmauchen— die Blumen duften. Alles gedeiht, auch die Menschen! Messina. Griechisdze Siedlung aus dem Jahre 735 vor Christus. Anno 396 zerstört der Karthoger-die Griechenstadt Mcssina. In drei Jahren ist sie wieder ousgebau:— Mussolini, Hörste! das ging schnellerl Karthago und Rom— Löwe ui?d Adler führe,? Krieg, auf Leben und Tod— Anno 241 wird Messina römisch— der römische Adler durchbiß de?» karthagischen Löwen das Rückgrat: Sizilien! Im Jahre 827 nad) Christus herrscht das Krilinmschwcrt in Messina, die räuberischen Sarazenerhorden. Und ums Jahr 1061 kommen die ebenso räuberischen Lai?gschwerter. aus dem Norden, die wilden rot- bärtigen Norman??«??— die Blutbärter, Barberosse. Mejsina ist Sklavin, sie krümmt sich unterm Eisengriff der fremden Eroberer— ober immer schön und blühend ist die Sirene am vulkanischen Strand, Messina-Messena! 1743: das Pestjohr, die goi?ze Stadt starb— in 20 Iahren war sie wieder da, die Stadt: die Iugeird, woher— wohin? Tod und Geburt: in einem Ate?nzuge weg ui?d wieder da— die ganze Messinaküste ist Leben, sie atmet untern? Erdbeben— eine Generation wird erdrosselt, die nächste Generation wird sdion wieder gesäugt. Messtna hat den Sphinxblick. 1783, das große Erd- beben— alles zerstört. 1908— nochmals das große Erdbeben— wiederum alles zerstört. Aber i?ach 22 Jahren feiern wir schon wieder Karneval, volkreicher als je: Iung-Messina, 200 000 herzensfreie Menschen. Jawohl, der Messinese ist frei— frei von Todesfurcht und frei von Tyranne??furcht. Wer immer de?? Tod unter den Füßen weiß— der verlacht alle Gefahr und jegliche Drohung, stehe du mit dem Tode in Kaineradjchaft— und du bist frei! Viva la vira— viva Messina, Cameval«. Der Hafen. Schon stehen bu>?te Hotels— die Flaggen Albions und New Norks, Geld und Goldflagge??— hörst du in? Seewind das Uankeetuch knattern? Di« letzten Seufzer der Landsleute Sacco und Vanzetti. Messina, bu??ter Hafen. An? Hafen der Dom-,-Parade- und Munizipalplatz— und der große bronzene Br?li?nei?, der Neptun- brunnen, Onkel Neptun sitzt heute aus dem roten Faß— er zapft Wein: trinkt— Canicvalel Es lebe der Heutetag, freut euch der Sonne! �. Schon formiert sich der Z?ig: schmetter??de Fanfaren lassen droben a?n hinrmel die weißen Wölkchen erzittern— Attenzione, Platz da— der Karneoalszug geht in Schwung, mit Tschingdara und Tsdial?gdara— vorneweg die Kinder. Flinke lachende Kinder— ihr Gesang ist wie Blumenstrcuci?. Die hohe Son??e blii?zclt mit den goldenen Augen. Immer rollt nif uns vorbei der Karneoalszug— lache und tanze: Bajazzo! Loche unter Ketten, tanze auf Trümmern— da: einer der Fcstwagen, da seht ihrs, da hört ihrs— lache, Bajazzo! Symbol, Sprache des Volkes— zu Karneval find alle Maulcr und alle Gesten frei. Immer rollen vorüber die Masken— schmetternde neu« Musit- korps. Mädchen als Blumen in Blumen— in Blütenprocht, Orangen- duft als Kranz am Haupte, kunstseidene bunte und billige Kleider, Carnevale: Eintagspracht! heute jubeln wir— morgen, vielleicht frißt uns das Erdbeben? Karneoalszug durch die Via Cavour— zurück über den Corsa Bittorio— jetzt in die Volksstadt: in die Via Farina, Volksquortier Mosella— nix wie Barocken. Aber lebensfrohe lachende Menschen. Da, die Wagen— schaut hin, der Karneoalssisch— der riesige schivarze Tintenfisch, die Charybdis— das worteschliirfcnde See- I ungeheuer, mit den schwarzen Fangarmen— mit den riesigen Gaug� näpfen am schleimigen Maule— oilila, Messina Popolare versteht— der da, der Karneoaisposyp, der ist die Ebarzbdis romana, der schwarze römische Tintenfisch Musolungo— huho, wie verdreht er die Augen. Das Volk berstet vor Lachen— wir haben kapiert. Carnevale— die Gesten sind frei, wir reden durch die Pantomime. Viva Messina! Der Studentenwagen, auf sdiwarzer Klippe thront die Skylla, die singende faschistische Sirene— roa no: no-no-nc»— stricke her, die Studenten fesseln die Skylla— wir lassen uns die Wissenschaft nicht durch die saschistische Sirene fälschen. Viva la Ldcnra libera— hoch die freie Wissenschaft! Der Wogen der Hafenorbeiter, im Karneoalszug von Messina. Lipari— le Jsole, die Gefängnisse der Sozialisten, trotzige Gesellen mit hungerbröten aus Bimstein, rote Federn am spitzen Nnrrenhut, Fasching— der Wagen der Gesängnisse, gezogen von acht schwarz drapierten Eseln, auf jedem Esel ein Totenkopsritter, von der Legion der„Kriegshelden". Der Wagen der Seeleute. Mi? Flaggen aus aller Welt— role Papiergirlunden von Mast zu Mast, ein Wagenschiff mit zwölf Masten— der Wagen und das Schisf der Internationale— rote Girlanden umkränzen die Welt! Musik, Konfetti, Papierschlangen. Küsse, Wein, Blumen— Sonne und Wind und der Aetna, vorne schmaucht er— der große Bedroher Messinas— aber das Leben verlacht die Gefahr. Carnevale! Der Mensch gilt!____ i)r. trilhj Stlumenthal: Jugendkunde in der Schulpraxis Die neuen Erlasse der Schulbehörden, besonders die Ab- schaffung der Zensuren sür Betragen und Aufmerksamkeit, lassen den erfreulichen W'llen erkennen, die uniwälzenden jugendpsycho- logischen Ertenntniss« der neuen Forschung endlich auch in das Leben der höheren Schulen hineinzutragen, deren Pulsschlag bis- her nicht im Rhythmus dieser Zeit schlug. An Stell« der nichts- sagenden Numerierung der so überaus vielgestaltige?? Aeußerungen und Erscheinungsformen jugendlichen Seelenlebens sollen ausfuhr- lidie Charakteristiken treten auf der Grundlage vertiefter Beob- achtungen durch den Lehrer und Erzieher, Schilderung der Eigen- art der Zöglinge, die, wenn sie voll Lieb« und Verständnis ab- gefaßt werden, werlvolle Beiträge zur Entdeckung des heranwachsenden liefern können. Aber, hier beginnen bereits die Einwände und Befürchtungen. Wird die überwiegend« Zahl der Lehrer überhaupt in der Lage fein, bei dieser Ausgabe sühreich und mit der nötigen Sachkenntnis mitzuwirken? Kann man von meist rein fachwissenschaftüch vor- gebildeten Philologen wirklich eine so tiesgehende Hinneigung zu psychologischen Beobadstungen am lebenden Objekt— wohl das schwerste uni) verantwortungsvollste Tun überhaupt— verlangen und erwarten? Wird nicht die wirtlich bestehend« Uederlaslnnq der Lchrerschast selbst dein besten Willen, hier Helfer»nd Führer zn werden, entgegen sein? Iugendpsydiokogie in der Schulpraxis, ein Ziel aufs innigste zu wünschen. Erfolgreich durchzuführen ober nur nad) Schaffung der Voraussetz?tng«n: Geeig??etvs Lchrermaterial(etwa zu erlangen durch Einstellung einer Anzahl reii? pädagogisch vorgebildeter„Erzieher"), Aerkleiirerung der Heu:« nieist übersülllen Sdpilklasscn und Ucberwcisung der„Schwer- erziehboren" in von besonders tüchtigen hcitpädagogen geleitet? Sonderklassen, deren Studium hervorragendes Material zur Aui- Heilung der Rätsel jugendlicher Psychopa hie und oftmals Rettung Gefährdeter darstellen würde. I?n heutigen Schulsystem vnrd ge- rodo der wirtliche Erzieher, der Freund und Kamerad der Jugend sein will, zuln Märtyrer, da er seine besten Fähigkeiten i?n Massen- Unterricht gar md>t entfalten kann. Die Summen, die hier nötig sind, werden sich bald bezahlt iiwchen. Tie höhere Schule, längst nicht mehr Stanbesschule und nach unserem Willen in naher Zu- kunsl Durchgang und Uebergang sür alle begabte?? Dolksgenossei?/ muß schon jetzt den Boden bereiten heiien für pädagogisches Neu- land, das heut« noch rüelsach unerschlosscn und brach liegt. o. stehu: S)ie indischen Xörven Wohl für die meisten Menschen ist das Lorkaminen des Löwen untrennbar?nit de??? Erdteil Afrika verbunden: alle jene i» den Reisebcjchreibungei? älterer und neuerer Zeiten i?nlner wieder- kshre??den Beridtze von Löwenjagden spielen aus afrikanisch«??? Boden. Dennoch wäre es falsch, zu glauben, der Lowe sei von jeher aus den Erdteil Afrika beschränkt gewesen: vielmehr ist sein Per- breitungsgebie? ohne Zuseifel erst durch den Menschen immer stärker eingeengt worden. Noch in geschichtlicher Zeit tum der asiatijd)« Löwe in Palästina, Mesopotamien und Persien vor: ja sogar in Indien wurde er noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts vielfach angetroffen, heute allerdings ist der Löwe aus den asiatischen Ge- bieten nahezu verschwunden: in Indien ist er ausschließlich auf die Halbinsel Kathiawor. nördlich von Bombay, beschränkt, wo von dem eingeborenen Fürst, Sir Mahabat Khan? Nawab, noch etwa 200 Stück in einem waldigen Berggebiet von ctlva 1036 Ouadrat- kilometern Ausdehnung, den? Ginar-Wald bei der Hauptstadt Iunagardh. geschützt und gehegt werden. Aber and) dabist«s nur eine Frage der Zeit, daß dieses Tier wegen der allmählichen Ein- schränkung seines Wohngcbictes infolge AbHolzung, sowie infolge der durch die enge Abgegrenzlheit bedingten Inzucht verschwinden wird. Große Schwierigkeiten waren daher zu überwinden, bis es nach dreijährigen? Bemühen Arthur S. Bernay und Eoloncl Faunthrope endlich gelang, von dem Nawab die Erlaubnis zum Abschuß je eines männlichen und eines weiblichen Löwen für das'Amerikanische Naturhistorische Museum in New Jork zu erhalten. Im Dezember 1928 konnte diese lange geplante Iagdexpedition ausgeführt werden. und es war Ende Februar des folgenden Jahres, als es den beiden Jägern als Gästen des Nawab gelang, einen.starken, alten Löwen zur Strecke zu bringen. Es war ein ausgeivachsenes, stanliches Tier von 2,77 Meter Länge mit einer prachtvoll ausgebildeten hell- sorbigen Mähne. Einige Tage später konnten sie dann auch nod> eine ausgewachsene Löwin erlegen, bei welcher Gelegenheit Berna?? in einer Entfernung von nur 20 Metern nicht weniger als 9 Löwen beisammen sah. Die erlegten Löwen unterscheiden sid) sastz gar nichl von den afrikanischen Löwen. Die olle Ausfassung von dem möhnenlosen indischen Löwen ist daher unhaltbar. Gewiß haben Weibchen und junge Löwen keine Mähne, aber der alte, erlegte Löwe gleicht dem afrikanischen so sehr, daß ihn, wie Aernay in„Natural history" bemerkt,„niemand als eingeborenes, afrikanisches Tier angezweifelt hätte, wäre er etwa im Tanganyjka-Gebiet(dem ehemaligen Deutsch- Ostafrika!) erlegt worden". Die Technik der cuflphologravhie ist so weit vorgeschritten, daß man vom Flugzeug aus ohne uxiteres fertige Landkarten von aus- aezeidineter Schärfe ausnehmen kann. Eine Aufnahme mit einem Apparat von 0,50 Meter Brenn?»eite in 5000 Meter höhe ergibt z. B. eine Karte im Maßstab 1: 10 ODO, die ein Gelände von 500 Hektar, also mehr ats das Dreifache des Fürstentums Monaco, umfaßt.