BERLIN Soimabead 14. Februar 1931 10 Pf. Nr. 76 B 38 48. Jahrgang erschei«t täglich auHerSonutaz«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwirts'. Bejugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, S.60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; TerlinSW 68, Linden ßr.J „Ibwasfa LnzeigenpreiCDie einspaltige Nonpareillejelle SO Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Pofischeckkooto: Vorwärts-Derlag S. m. b.H� Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönbo? 292 bis 29? präfekwr über Berlin Ernste Erklärung Geverings zur Neugestaltung Berlins Alfons Thron wackelt wieder Das Zentrum hat gestern im Gemeindeans« schütz des Preutzischen Landtags— anfs lebhafteste sekundiert von de« Deutschnationale«— de« Re» gierungsentwnrf des Berliuer Selbstverwaltuugsgesetzes zu Fall gebracht. Den heutigen Beratungen des Ausschusses lag statt dessen ei« Zeutrumsantrag als Grundlage vor, der sich gespreizt als eine..N o v al le" zum bisherige« Gesetz Grotz»Berliu ausgibt, aber an Dürftigkeit und mangelnder ZweckmLtzig- feit kaum zu überbiete« ist. Diesen Torso einer Novelle so weit zu ergänzen und umzu- gestalten, daß er wenigstens den dringendsten Augenblicks- bedürfnissen Berlins gerecht wird, ist kaum möglich. Der Zentrumsantrag beschränkt sich im wesentlichen daraus, das bisherige Gesetz in drei Punkten abzuändern: der Mo- giftraj soll nur au, 12 besoldeten, neu zu wählenden Mitgliedern bestehen, die Stadtverordnetenversammlung soll in ihrem Tätigkeitsbereich gegenüber einem neu zu schaffenden H g u p t- a u s s ch u ß«ingeschränkt werden, die Bezirksverordne�ten» Versammlungen sollen nicht öffentlich tagen. klein Wort also von deu dringendsten Problemen der Stellung des Oberbürgermeisters, von der Abgrenzung der Zu» ständigkeit zwischen Zentrale und Bezirken und der Umgestallung der Beziickskörperschaften zu einheitlichen Berwaltungsorganen. Oie heutige Gihuttg— ohne Severins. Der Bertreter der Sozialdemokratie, Genosse Dr. Richard Loh. wann, wies heute morgen im Ausschuß auf diese Unzuläng- l> ch k e i t e n des Gesetzentwurfes hin. Er betonte insbesondere, daß es gänzlich falsch sei. wenn der Zentrumsantrag die Schwierigkeiten der Berliner Verwaltung ganz einseitig in der Arbeit der Stadt- verordnetenversannnlung sehe. Sehr interessant waren seine hinweise auf. die parteipolitischen B o r t e i le. die das Zentrum bei Annahme skines Entwurfs haben würde. Der Zentrumsantrag fand bezeich» nenderweise auch heute die Zustimmung der Deutschnatio» n a l e n, während er bereits von der Deutschen Dolkepartei als ent- setzliche Stümperei und D i l« t ta n t« n a r b« i t abgelehnt wurde. Weder Minister Severmg noch Ministerialdirektor von L e y de n nahmen heute an den Beratungen noch teil. Auf Anfrag- «rllärte«in Regierungsoertreter, daß sich das Ministerium nur auf besonderen Wunsch des Ausschusse» weiterhin an den L-ratungen des vom Ministerium als gänzlich unzulänglich betrachteten Entwurfs beteiligen werde.»' Severins hat gestern bereits sehr deutlich erklärt, daß die 'läge Berlins, seine finanziellen und Verwaltungssorgen keine halbe Maßnahmen vertragen. Versagt der Landtag, so mutzte die Staatsregierund gegebenenfalls die Lösung unter Ausschal- tung der Selbstverwaltung auf dem Boden einer staatlichen Präfektur für die Reichshauptstadt suchen. Auch da» Zentrum sollte sich überlegen, ob es wirklich ein« solch« Lösung erzwingen will. Im Interesse der Selb st vermal- tung liegt sie jedenfalls nicht. Das F-eckfieber in England. Ausdehnung 0er Epidemie.— Erkrankung der Truppen. London. 14. Februar. ZU seil einiger Zeit in verschiedenen Gegenden Englands auftretende Fleckfiebereptdemie hat weiter zugenom- wen. Za der kleinen Ortschaft M a l t b y ollein sind bisher achi und in der nahe bei Maltby gelcg-nen Stadt Rslhe.ham zwei Todesfälle zu beklagen. Gestern zeigten sich in Maltby weitere vier Fälle, womit die Zahl der dortigen Fleckfieberkranken auf 21 ge- stiegen«sk. Besonders beunruhigend wirk» die Tatsach«, daß da, Fieber sich nicht auf einen Krankheitsherd beschränkt, sondern in drei weit voneinander entfernt liegenden Gegenden auftritt. Zn Aldershot. der großen Garnisonstadt, sind sieben Todesopfer zu beklaget'. 3m Truppenlager von Axbridge er- krankten elf Angehörige der Luflfireltmacht: sechs von ihnen sind gestorben. Berenguer isoliert Madrid, 14. Februar.(Eigenbericht.) Am Freitag verbreitete sich wie ein Lauffeuer das Gerücht, datz der König abdanken werde. Die Nachricht, die in den Abendstunden natürlich deuten- tiert wurde, rief an der Börse einen neuen schwere« Sturz der Peseta hervor. Die politische Situation scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Der ehemalige Ministerpräsident Gras Romanones und der kata- Ionische Unabhängigkeitsführer Cambo haben sich nun gleichfalls entschieden gegen die Regierung und gegen eine Beteiligung an den Reuwahlen ausgesprochen. Alle einflußreiche« Politiker haben sich damit von General Bcrengnerlosgesagt. Man will sogar wissen, daß der Innenminister des Kabinetts zn demissio- «ieren gedenkt. Rücktritt Verenguers schon heute? Paris. 14. Februar. havos meldet au» Madrid, noch den Unterredungen, die Graf Romanones lm verlause des gestrigen Tages hatle, darunter auch eine Unterredung von einer Stunde Dauer mit General Ve- rcnguer, nehme man an. daß die politischen Freund« von Romano- nes im Verlaus des heutigen Tages den König aufsuchen upd ihn bitten werden, die Verfassunggebenden Eorles einzuberufen. Man glaube, daß General Berenguer sich ebenfalls heute vormittag ins känigliche Palais begeben und den Rücktri tl des gesamten Kabinetts zur Kenntnis bringen werde. Man glaube weiter, daß der König alsdann Admiral Aznar mit der Vit- dung des neuen Kabinetts beauftragen werde, dem auch der Herzog von Manra, Graf Romanones. Garria Prieto sowie einige Anhänger Albas angehören würden. * An Parlamentswahlen, die von vornherein die Schaffung einer neuen Verfassung bezwecken würden, dürfte sich die republi- kanisch-sozialistische Opposition, nach ihren' bisherigen Erklärungen. betelligen. Ihr Boykott richtet sich vor allem gegen solche Parla- mentswahlen, die den Anschein erwecken sollten, als wäre feit 192? eigentlich gar nichts besonderes geschehen. Die fast achtjährige ner- fassungsbrüchige Herrschaft des Königs muß aber ihre Sühne finden und das Volk muß entscheiden können, ob es die alte man-. orchistische Verfassung, die der König selbst außer Kraft gesetzt hqt, beibehalten oder die Republik will. Das„Jlötenkonzert" in Reukölln Die Polizei wird überlastet Ein Leser schreibt uns au« Neukölln: „Ich habe heut« morgen im„Vorwärts" die Berichte über „Fridericus als Friedensstörer" gelesen Ich war Augenzeuge der Borfälle, die sich beim Exzelsior-Lichtspieltheater in der Kaiser- Friedrich-Straße in Neukölln bei der Aufführung des Hugenberg- Films abgespielt haben, und möchte Ihnen hierzu einige Ergän» zungen über das Polizeiausgebot geben, das nach meinen persönlichen Beobachtungen zum Schutze de» nationalistischen Film, in Bewegung gesetzt werden mußte. Nach meinen Feststellungen waren ein Major— offensichtlich der Gruppenkommandeur—, mehrere haupkleule, eine weitere Anzahl von Oberleulnaals und£eul- nanls sowie eine sehr große Anzahl von Wachtmeistern und Oberwachtmeistern aufgeboten. Im Vorraum de» Filmtheaters, auf den Treppe« uud im Borführungsraum waren Polizei. beamte verteilt. Auf der Kaiser-Friedrich-Stroße vor dem Theater stand ein Trupp in der Stärke von mindestens einem kriegsstarken Zug«. Da von den Nachbarstraßen aus antifaschistifcb« Demonstranten sich in Sprcchchören gegen die Ausführung des Fridericusfilms wandten, wurden die Zugangsstraßen durch weitere Trupps von Polizei- beämten„abgeriegelt". In den Nebenstraßen standen weiter Last- autos, die von Bereitschaftskommandos besetzt waren. Die Wache an der Eck« Katser-Fnedrich. und Wildenbruchstrohe war von Offizieren und Wachtmeistern gefüllt. Es war so, als wenn nicht Otto Gebühr auf der Leinwand für Hugenberg und Genossen in den Krieg zog, sondern als wenn in Neukölln der wirtliche Kriegszustand erklärt worden wäre. Ich teile Ihnen dies mit, weil Ich mich erinnere, daß seinerzeit im„Dorwärts"— ich glaube es war die Nr 49 vom ZO. Januar 1931 mit dem Artikel„Skandal und Fitmzensur"— gestanden hat, daß der Vorsttzend« der Filmoberprüfstelle beim Verbot des sozialdemokratischen Trickfilms„dns dritte Reich" des langen und breiten ausgeführt hat. es gehe nicht an. daß die Posizet durch dt« lleberwachnng von Fitmavssübrungen allzusehr lu Anspruch genommen würde. Der Polizei sei Ruhe zu gönnen, und wenn Bar- tommnisse, wie beim Remarque-Film zur Regel würden, so würde die Polizei zu stark belastet werden Ausdrücklich betonte der Vorsitzende, daß hier eine neue prinzipielle Entscheidung ge- fällt sei. Ich muß gestehen, daß nach meinen zuverlässigen Beobachtung«» beim gestrigen Polizeiaufgebot zum Schutz« de» Hugenberg-Films alle Voraussetzungen vorliegen, die Folge- rungen aus dieser neuen prinzipiellen Entscheidung der Filmober- prüfstelle beim Verbot des sozialdemokratischen Films„Ins dritte Reich" zu ziehen. Oder ist diese prinzipielle Entscheidung nur für sozialdemokratische und republikanische, nicht aber für nationalistisch- monarchistische Hugenberg-Filme von Wirksamkeit? Ein Polizei- beamter erklärte mir, daß es ihm wahrlich lieber wäre, nach an- strengendeik, Tagewerk bei Dienstschluß zu Hause zu sein, als hier bis in die späte Nacht die Vorführung eines Films zu sichern. Dielleicht kann die Redoktion des„Dorwärts" mir auf meine Frage, warum zum Schutze des Hugenberg-FUms die Polizei etwa weiter überlastet werden soll, Antwort geben?" Leider kann die Redaktion solche Auskunft nicht erteilen. Denn so„groß und unerforschlich" sind nicht nur die Wege der Filmzeusur, sondern, wie sich zeigt, auch die des Kinoschutzes. Die weißen Mäuse des Herrn Goebbels haben augenscheinlich in hohem Grade ver- wirrend gewirkt. Die Polizei läßt jetzt vor allen anderen Kinos Hundertschaften antreten, trotzdem die Filmoberprüfstelle doch schon vor den Stinkgasbomben der Goebbels-Leute in» Weiße-Maufe-Loch gekrochen ist. Die Haussuchung bei Maliitz. Oer Verhaftete dem Gericht einaeliekert. Innsbruck, 14. Februar. Zur Verhaftung des früheren relchsdeutschen Haupt- manns von Maltitz teilt die Polizei mit. daß die vorge- nommene Haussuchung ergebnislos verlaufe« ist. Hauptmann von Maltitz wird unter dem Verdacht der Vorschubleistung in der Totschlagssathe Schneider-Graf in Berlin dem Jnnsbrucker Landes- g e r i ch t eingeliefert.', Osaf-Ost Siennes. Don den Haussuchungen, die am Donnerstag in der Zentrale der Berliner Nazis und bei maßgebenden Naziführern abgehalten worden sind, wurde auch der Führer der SA. Stenn«? betroffen. Wer ist dieser Stennes? Nach dem Krieg wurde Stennes in die preußische Polizei übernommen, wo er zunächst in Berlin in einer Hundertschaft zur besonderen Verwendung Dienst tot Als dann der Kapp-Putfch kam und der Reaktion in Berlin für einige Tage Oberwasser gab, machte Stennes, der zu dieser Zeit Oberleutnant der Sicherheitspolizei war. aus seiner Sympathie für die Kapp-Rebellen keinen Hehl, obwohl auch er die preußische Verfassung beschworen hatte Einige Tage später sah Stennes ein, daß er sich oerkalkuliert hatte. Kapp riß nach dem Borbilde Ludendorffs aus und ließ die enttäuschten Rebellen zurück. Wutentbrannt tat Stennes damals am 23. März 1920, nach Voll- cndung der Pleite in Gegenwart mehrere Polizeibeamter den Ausspruch: „Ich mache für das verfluchte deutsche Sauvolk keinen Handschlag mehr, ich trete in englische Dien st e und vielleicht wird es noch einmal dazu konimen, daß wir gegeneinander kämpfen werden." Als sich Stennes bald darauf für diese Aeußerung über das „S a u v o l k" verantworten sollte, leugnete er sie. Einige Zeit später schied er schließlich aus der Polizei aus Im Jahr« 1925 bat Herr Stennes die preußische Regierung untertänigst um die G c- Währung eines Ruhegehaltes. Aon dem„Sauvolk" wollte er zwar schon seit 1920 nichts mehr wissen, sein Geld aber war ihm teuer und lieb. Großzügig, wie die Republik nun einmal ist. gewährte sie auch Herrn Stennes eine Abfindung. Als er das Geld des„Sauvolkes" hatte, bedankte er sich dadurch, daß er mit Hitler gegen die, die seiner untertänigsten Bitte entsprochen hatten, in der gemeinsten Weise zu Felde zog! Fauler Verschleppungsversuch. Ol densriiter Bloch sp elt Enirüstung. heut« vormittag begann vor dem Landgericht I der Zivil» prozch um das Verleumderbuch„Gefesselte I u st i z", nachdem vor acht Tagen die gleich« Kammer durch e i n st- weilig« Verfügung auf Antrag des Landtagrabgeordneten K u t t n e r beschlossen hatte, die Weiteroerbreitung des Buches in der ' vorliegenden Form zu verbieten. Zur heutigen Verhandlung wir der Landtagsabgeordnete Kutt- ner mit Iustizrat Werthouer, der Beklagte Moritz-Zarnow mit dem kaiserlichen Ordensritter Rechtsanwalt Bloch und für den Verlag Lehmann Rechtsanwalt Dr. Sack erschienen. Die VerHand- lung wurde von Landgericht sdirektor Herzog geleitet. Unmittel- bar nach Beginn d«r Verhandlung lehnte Rechtsanwalt Bloch den Vorsitzenden der 18. Zivilkammer aus Besorgnis der Befangenheit ab. Er erklärte, die Tatsache, daß bereits im Vorverfahren das Gericht gegen Moritz entschieden Hab«, berechtige noch nicht zur Ablehnung, wohl aber das welter« Verhalten des Vorsitzend«n in dem ersten Termin. Damals habe Iustizrat Werthauer als Ver- treter des Klägers Kuttner von Moritz behauptet, er sei ein g«» wo h n h« i t s m ä ß i ge r und gewerbsmäßiger Ver- l e u m d e r, er verkrieche sich feige hinter einem Pseudonym, er sei ein vom Verlag Lehmann gekaufter Schriftsteller. Der Vorsitzende Hobe tr� der Bitte des Rechtsanwalts Dr. Sack den Beklagten Moritz nicht gegen diese Amüürfe in Schutz genommen. Iustizrat Werthauer: Dieser Antrag des Beklagten Moritz ist nichts als ein fauler Verschleppungsoersuch. Vorsitzender: Ich mache darauf aufmerksam, daß alle Er- klärungen, die von den verlrelern der Parteien abgegeben werden, unter dem Schuh des§ 193 stehen. Der Vorsitzende brach darauchin die Verhandlung ab, da nun- mehr eine Kammer zusammentreten mußte, um zu entscheiden, ob der Vorsitzende als befangen anzusehen sei oder nicht. Erst nach zweistündiger Pause wurde die Sitzung wieder er- öffnet und Landgerichtst-irektor Herzog verkündete den Beschluß der Kammer, die sich inzwischen mit dem Antrag aus Ablehnung des Vorsitzenden beschäftigt hatte. Der Beschluß lautet, daß die Ab- lehnung des Landgerich isdirektors Herzog aus Besorgnis der Be- fangenheit unbegründet ist. Die Parteien verhandelten dann kurz miteinander. Rechtsanwalt Dr. Sack überreichte dem Gericht einen Antrag, zur Führung des angebotenen Mahrheilsbeweises folgend« Zeugen zu laden: den Ab- geordneten Heilmann, Julius Barmai, den Redakteur Davidsohn, serner die Staatsanwälte Schönfeld, Lindow, Linde, Easpary. Kußmann und Trautmann. Der Kläger Kuttner beantragte di« Ladung des Abgeordneten Heilmonn, des Ehesredak«urs Stampfer, des Ab- geordneten Wcils, des preußischen Iustizministers Dr. Schmidt, des Senatspräsidenten Dr. Deerberg und 0«s Sladtkämmerers Sczillat, des Vorsitzenden des Un«rsuchungsausschusses. Das Gericht wird über die Anträge der Parteien noch beschließen. pariser Naiionalistenvorstoß verpufft. Kammerdebatte um Banlenkredit zugunsten OeutfichlondS Paris, 14. Februar.(Eigenbericht.) Der Bor stoß der französischen Nationalisten gegen die Beteiligung französischer Banken an einer Finanz- operation zugunsten Deutschlands hat einen un- erwarteten, für feine Urheber recht blamablen Verlauf genommen. Der junge faschistische Interpellant Dumal, der sich in der Rolle des Pariser Goebbels gefällt, sollte nur über die Fest- setzung des Datums für feine Interpellation sprechen, erging sich aber in Verdächtigungen der deutschen Außenpolitik. Ihm antwortete der Finanzminister Flandin: er betonte, daß der Beschluß zur Teilnahme an dieser Finanzoperation bereits unter der Regierung Steeg gefaßt worden sei, daß aber die neue Re- gierung sich mit ihm solidarisiere. Er fügte einerseits hinzu, daß „Frankreich sich daraus beschränken werde, an dieser Operation teilgenommen zu haben", fügte aber andererseits hinzu, daß solche Operationen dem Geiste des Poung-Planes entsprechen. Der Soziallst Grumbach unternahm nun«inen Gegen vor- stoß gegen das faschistisch-nationalistische Manöver, indem er die Frage stellte, ob nicht diese Bankenoperation, wie er hoffe, nur der erste Akt einer engeren Zusammenarbeit mit Deutschland sein werde, die eine Garantie für den Frieden bilde. Weiter fragte «r, ob die Regierung Laval in dieser Angelegenheit die voll- kommen« Billigung ihrer ganzen Mehrheit finde. Um dies festzustellen, werde wohl eine besondere Debatt« nötig sein. Nachdem Laval dies« Besprechung im Zusammenhang mit dem Etat des Auswärtigen für wünschenswert erklärt hatte, legt« Herrlot im Namen der Radikalen dar, daß di« Politik Deutschlands von der gegenwärtigen Not beeinflußt sei und daß Frankreich un- möglich irgendwo ein Land im Elend sehen könnte, ohne sich darum zu kümmern und ohne Mitgefühl zu empfinden. Der Interpellant Dumal, dem di« Wendung, die sein Vorstoß genommen holte, offenbar peinlich war, beeilte sich zu erklären, daß er mit der Zurückstellung bis zum Etat des Auswärtigen Amtes einverstanden sei. Hier griff aber unerwartet der Sozialist Leou Blum ein und erklärte, daß er di« Interpellation Dumat im eigenen Namen aufnehme, um eine Abstimmung zu erzwingen. Denn beim Etat des Auswärtigen werde man unmöglich eine Bankkreditvperation billigen oder verwerfen können Die Justiz vor Anklagereden u Der Reichstag begann heule morgen, 10 Ahr, noch deballe- loser Erlediguug einiger kleinen Vorlageu die zweite Lesung des Haushaltsplanes für das Reichsiustizmialste- r l u m. verbuodcn ist damit die deitle Lesung des Antrags Dr. Bell(Z) auf Aenderung des Pressegejehes, wo- nach Abgeoldncle nicht mehr veran wo.tllch? Redakteure seta dürfen, sowie ein Gesetzentwurf der Kommunisten aus Abschaffung der Schnellgerichte. Abg. Of. Marum(Soz): Die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Bullersahn kann nicht länger aufgeschoben werden. Es sind so schwerwiegend« neu« Tatsachen zu dieser Sache bekam». geworden, daß das harte Ur!«l schwer erschüttert ist und eine Wiederholung des ganzen Prozesses unaufhol sam erscheint. Nicht weniger Aufsehen erregt haben die Prozesse wegen Beleidigung des Reichsgerichtsrats Jörns. Das Reichsgericht ist bewußt abgewichen von seiner Praxis, die materiellen Feststellungen der Vor- instanz nicht nachzuprüfen: es hat sogar Kritik an diesen Fest- stellungen geübt. In vollem Gegensatz steht dieses Verfahren des Reichsgerichts zu seinem Verhalten im Prozeß Erzberger. Man kann sich des Eindrucks nicht erweh-en, dch die Rücksicht aus die Person des Angeklagten— damals fietUe ich, jetzt der Redakteur Bernstein— die Entscheidung des Reichsgerichts stark beeinflußt hat, und daß man die Gründe für das Ar eil erst nach der Urteil: fällung zusammengesucht hat. Das Roich-gcricht wollte eben die Verurteilung des Redakteurs. Trotzdem est Jörns nicht reingewaschen. In allen drei Prozessen hat das Gericht fest- gefielt, daß die Untersuchung gegen die Mörder von Karl Lieb- inecht und Rosa Luxemburg von Jörns mindestens fahr- lässig geführt wurde, so daß die Mörder nicht gssaß' wurden. Das Urteil entschuldigt ihn, er habe nicht aus schtechem Willen, sondern gewissermaßen aus Dummheit und Fahilä'si�ksi! gehandelt. Ein Mann von dicsen Fähigkeiten fit aber nich: ge. eignet, als Vertreter des Reiches vor dem höchsten Gerichtshof zu am'ieren: ich hoffe, daß sein Urlaub endgültig ist und ein Diszipli- naroerfahren gegen Jörns emgelei.et wird.(Lebhafte Zustimmung links.) Immer noch grassiert der»ideelle Hochverrat". Die Kommunisten haben allerdings kein Recht, flch zu beklagen. Der Staat hat das Recht und die Pflicht sich gegen Hochoerrai zu schützen. Aber dabei darf er nicht nur den Hochverrat links ver- folgen. Wie steht es denn mi« dem schon vor langer Zeit ein- geleiteten Hochverratsverfahren gegen Hakenkreuz- l e r. besonders gegen Goebbels? Auf eine b e st e l l t e An- frage des Abg. von Lindeiner-Wildau hat im vergangenen Sommer der damalige Reichsjustizminister Dr. V r e dt erklärt, der »li erarische Hochverrat" solle im neuen Strafrechl nicht mehr ent- lzalten sein und er weide auf den Oberrcichsanwalt einwirken, damit schon die jetzige Praxis zu dem neuen Zustand überleite. Ge- schehen ist das aber nicht und der jetzige stellvertretende Minister, Staatssekretär Joel, hat im Ausschuß sogar erklärt, er sei nicht bsrufen, die Tätigkeit des Oberreichscmwalts im einzelnen zu über- wachen. Man kann den Kmnnwnlsten tckchl vollkommeiL unrecht geben, wenn sie behaupten, bei ihrer Zustimmung zur vorlleg'nden Amnestie mit jener Zusage betrogen worden zu sein, da sie für die Amnestieruug der Fememörder in der Erwartung gestimmt haben, nun auch ihre»Hochverräter" freizubekommen, was aber nicht eingetroffen ist. Eine Besserung der pollfischen Znfiiz ist allerdings abhängllg von einer besseren Auslese der Rich- ter am Reichsgericht. So zum Beispiel hat ein Reichsgerichtsrat Dr. Müller dem Verleger der Schmähschrift»Gefesselte Justiz" geschrieben, der Inhalt dieser Schrift sei im wesentlichen richtig. (Hört, hört! links.) Es ist«in furchtbarer Gedanke, daß ein Mann, der eine derartig« Subjektivität und Naivität an den Tag legt, überhaupt noch Recht sprechen darf, nun gar am Obersten Gerichtshof. Der frühere Reichsgerichtspräsident Simons, der dem notorisch unwahren Moritz-Buch «in ähnliches Lob gespendet hat, ist offenbar ein politisches Kind. Es ist bedauerlich, daß ein Mann, der ein so großes Ansehen besitzt, dieses in so unbedachter Weise aufs Spiel setzt.(Zu- stimmung links.) Der Redner wendet sich dann gegen anwaltsfeindliche Be- strebungen und betont, daß die Masse der Anwälte, abgesehen von wenigen großen Büros, bereits vollkommen prole'arisiert ist. Es muß in der anwal-feindlichen Gesetzgebung eine Grenz« sein, wenn man die freie Anwaifichoft nicht ganz ruinieren will. Die Neuregelung des gewerblichen Rechts zieht sich viel zu lange hin. Das Recht der Angeflell.en an threa Erfindungen sollte durch eine Teilreform schleunigst geregell werden, wobei man die österreichisch« Fassung übernehmen könnt«. Im bürgerlichen Recht muß im Interesse der unehelichen Kinder, der Vermögens- Verwaltung der Frau in der Ehe, der Verbesserung der Ehe- scheidung, der Modernisierung des vollkommen veralteten Ar- beits Vertrags» und Hausgehilfenrechts raschere Ar- beit geleistet werden. Bor allem ober ist es eine Ehrenpflicht, durch Sicherung der Entschädigung für die im Wiederaufnahme- verfahren Freigesprochenen, das Unrecht gutzumachen, das der Staat an ihnen begangen hat Man kennt den Fall des Grafen Reuhaus, der im Krleae zum Tode verurteilt wurde, mehrere Jahr« Zuchthaus verbüßt ha', und dann in» Wiederaufnahmeverfahren f eigesprochen worden Daher müsse schon jetzt abgestimmt werden, in dem Sinne, daß diejenlgen, die für die Vertagung der Zulerpellatioa einkreien, zugleich die Kreditoperallou billigen. Herriok machte sich über den unerwarteten Erfolg des„Zauber- lehrlings" Dumat lustig und man schritt zur Abstimmung, die di« Vertagung«nilt S30 gegen nur 11 kommunistische Stimmen ergab. 7. kreis Eharlottenburg. Bezirksverordnetenfrak- tion mit sämtlichen'Bürgerdeputierten. Mcntag. den 16. d. M.. 19 Uhr, pünktlich, Rathaus Charlottenburg, Eitzungs- Zimmer 1. welker für Berlin. Trocken und im ganzen beiter mit weiter sinkenden Temperaturen. Auch am Tage leichter Frcst, östliche Winde. — Für Deufichiond. In Nord- und Mfiteldeurschland vielfach heiteres Frrstmetter, im Süden meist trübe und nach einzelne Schneuz"- dem Reichstag >d Verteidigung Ist. Das Gericht hak lhm aber ein« Enfichädlgung für un- schuldig erlit ene Strafe verweigert und auch die versorgungs- gerlchle sprechen ihm das Recht auf feine Offizlerspenflon ab. weil diese durch die Zuchlhaurstrafe verwirkt sei und die spät re Freisprechung daran nichts ändere.(Entirüstungerufe links.) Selbst die Rechtssammlung der Karolinger von 1332 fit in ihrem Schadenersatz für Furcht, Schaden und Schmerz weiter- gegangen als unser heutiges Recht. Auch diese Fragen sind für das Vertrauen zur Justiz sehr wesentlich. Es gibt noch genug Leute, die so über die Justiz denken wie der französische Dichter Victor Hugo, der einst sagte:»Wenn mich heute einer beschuldige, die Kirchtürme von Nvtr« Domes gestohlen zu haben, würde ich morgen die Flucht ergreifen." Man glaubt im Volke vielsach, daß die Entscheidungen der Justiz kein Verständnis für die Dinge des Lebens enthalten, wenn sie vielleicht auch formal rich.ig sein sollten. Die Ver- trauenstrise der Justiz kann man nur beseitigen, wenn man richtig« Gesetze macht und dafür sorgt, daß die Justiz das Recht bringt.(Lebhaf.er Beifall links.) Abg. Munlau(Chrsoz. V.) wird vom Abg. Torgler(Komm.) mit dem Ruf empfangen: Sie können uns doch etwas erzählen von der Weibnacbtsfeier in der Strafanstafi Celle.(Der Redner hat dort als Leiter des Strafvollzugsamts die Weihnachtsfeier ge- stört, weil ihm gewisse Rezitationen nicht gefielen. Red.) Präsident L ö b e: Das ist eine Verwechslung, Herr Torgler, Sie haben nicht das Wort, sondern Herr Muntau.(Heiterkeit.) Aba. Munkav: Im Straioollzua muß bei aller notwend'�en Humanität doch der Eindruck vermieden werden, daß die G e- fangenen ein besseres Leben führen als die freien. (Lärm bei den Kommunisten.) Glauben Sie, daß jeder Arbeitslose wie die Gefangenen abends Kakao mit belegten Broten hat? Aui Buchdruckerspruch verbindlich. Ent'Äeioung Stegerwalds. Der Reichsarbeitsminister hat heilte den Schiedsspruch im Buchdruckgewerbe für verbindlich erklärt. Durch diesen Schiedsspruch wirb der tarifliche Spitz culuhn für die Zeit vom 13. Fe bruar bis zum 31. August auf SS Mark die Woche festgesetzt. weiter« Zurufe der Kommunisten antwortete Abg. Muntau: In Ihren Reihen wirkt als Berteidiger ein Mann, der ich bei- aesprungen bin, damit er als Strafaefonqener feine Studien fort- setzen und seinen Referendar machen tonnte. Das ist die ander« Seite.(Hört, hört!) Staatssekretär Joel: Zur Gutachtertötigkeit bedürfen die Relchsrichter der Ge- nehmigunq des Reichsgerichtspräsidenten und diese Genehmigung will der Präsident, wie er uns mitteilt, nur in den seltesten Fällen erteilen. Die Schiedsrichtertätigkeit kann nach dem Gesetz nicht eingeschränkt werden. Ich betrachte mit der Mehrheit des Ausschusses diese Schiedsrichtertätigkeit als u n- erwünscht und halte an dieser Auffassung auch fest trotz der entgegengesetzten Meinungsäußerung des Reichsrichtervereins. Diese Fragen werden wir bei der Neuordnung des Beamtenrechts regeln müssen. Bezüglich des Falles Bullerjahn kann ich nur wiederholen: Mir liegt einzig und allein daran, daß der Fall der Wahrheit entsprechend klargestellt wird. Im F a l l�e I o r n s muh mit aller Entschiedenheit der Vorwurf zurückgewiesen werden, daß das Rtfichsgericht etwa das Urteil schon vorher fertls gehabt und erst nachträglich die Begründung dazu gemacht habe. (Unruhe links.) Wir müssen auch dem Reichsanwalt Jörns genau denselben Anspruch auf Gerechtigkeit zubilligen, wie jedem anderen Staatsbürger. Dazu gehört, daß wir zunächst das Urteil abwarten. das in der Bornsteinfaä'e ergangen ist. Wenn das einen Herrn Jörns belastenden Inhalt bat, wenn es sagt, daß in der Tat ve- gründete Vorwürfe gegen ihn zu erheben sind, dann wird sicherlich alles geschehen, um zu verhindern, daß ein etwa nicht zur Vertretung der Anklagen beim höchsten Gericht geeigneter Beamter, an dessen Ehre irgend etwas hängen geblieben ist. im Amt bleibt Aber diese Borausfetzung muß erst erfüllt werden. Nach der feststehenden Rechtsprechung des Reichsgerichts in Hochoerratssachen kann und darf der Oberreichsanwalt sein Verhalten nicht ändern. solange das Gesetz nicht geändert ist. Bisher hat sich nur die Mehr- hefi des Rechtsausschusfes für eine solche Aenderung ausgesprochen. Der Oberreicysanwall kann doch nicht die ganze Zersehuugstäligkeil strafsrel lassen(Stürmische Zurufe der Kommunisten: Bei den Rmi» jal) Noch nicht 5 Proz. der Anzeigen führen zur Erhebung der Sln- klage und diel« Anzeigen sind doch nicht von ungebildeten Leuten. Zum Fall des Reichsgerichtsrates Dr. Müller mahnt der Redner die höchsten Richter wie alle Beamten zur Zurück- Haltung in politisch unistrittenen Dingen. Dr. S i m o n s ist heute Privatmann, über sein Verhalten hat sich die Regierung nicht zu äußern..,. Abg. Dr. LSwcnlhal(Komm.): 1400 Klassenkampfer sitzen in den Bastillen der deutschen Republik. Das Republikschutzgesetz wird �in der unerhörtesten Weise angewendet. Durch die Amnestie für die Fememörder(Zurufe der Soz.: Habt Ihr beschlossen!) brauchten diese Leute nicht befreit zu werden, sie waren schon aus freiem Fuß und betrieben ihr Nazihandwerk. Bei Schluß des Blattes antwortete der sozialdemokratische Abgeordnete Landsberg auf die Angriffe, die der kommunistische Redner-gegen die Sozialdemokratische Partei gerichtet hatte. (Lärmende Zwischenrufe der Kommunisten störten minutenlang den Redner am Weitersprechen.) Dann beschäftigte sich Landsberg mit der politischen Justiz, besonders auch mit dem Reichsgericht Wir bringen seine Rede in der Morgenausgabe. (Säuglingsmißhandlung vor Gericht. Sin Vater verprügelt sechsmonatiges Kinv. Wegen grausamer Mißhandlung seines sechs Monake allen Sohnes A l s r e d hatte sich der Zöiöhrlge Da«hdecker A l s r e d Riksche aus Polsdam vor dem Potsdamer Schösfengericht zn veronlworlen. Nitsche ist durch verschiedene Berschütwngen in Gruben ein äußerst nervöser und jähzorniger Mann geworden In grausamer Weise hat er nun sein Kind derart geschlagen, daß der Arzt das Kind verschwollen und mit blauen und raten Flecken am Körper und im Gesicht vorfand. Eilte die Ehefrau dem Kinde zu Hisse, wurde sie von dem Wüterich an den Haaren herumgezogen. Schließlich trennte sich die Frau von ihrem Manne und reichte die Ehescheidungstlage ein. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis: das Schöffengericht erkannte auf zwei Monate Gefängnis. Der 2lnge- "agre war bereit, die Strafe sofort anzutreten. I I»IIIIIIIIIP I— Wll——i I [ Ludwig Quessel| Aus D a r m st a d t kommt di« Trauerkund«, das dort in letzter Nacht Genosse Dr. Ludwig Quessel einem langwierigen Leiden erlegen ist. Genosse Quessel hat den alten Wahlkreis Darmstadt von 1912 bis 1918 im alten Reichstag vertreten, dann wurde er als sozialdemokratischer Abgeordneter für den größeren Kreis chessen- Darmstadt in die Nationalversammlung und den neuen Reichstag gewählt. Erst bei den letzten Wahlen hatte er nicht mehr kandidiert und sich aus seine Redaktionstätigkest am.�hessischen Volksfreund" beschränkt. Mit Quessel ist einer der ersten sozialistischen Werk- st u d e n t e n von uns gegangen. In Königsberg lPreußen) 1872 geboren, konnte er trotz hoher Begabung nur die Volksschule be- suchen. Dann erlernte er das Uhrmacherhandwert. Aber schon als Lehrling und später als Geselle setzt» er ein« ungeheure Energie daran, sich privat und unter großen Opfern auf das Hochschulstudium vorzubereiten. Im schweizerischen Kanton Zürich tonnte er die Zulassungsprüfung zur Universität ablegen. Im alten Preußen wäre das einfach unmöglich gewesen, besonders nicht für Proletarier. In Zürich studierte nun der Uhrmachemehilfe National- ökonomie und Rechts- und Sozialwissenschaft. 1903 promovierte er zum Doktor der Staatswissenschasten und kehrt« dann nach Deutsch- land zurück, wo er als Redakteur an den Parteiblättern von Königsberg. Danzig. Stettin und Darmstadt wertvolle Arbeit für die Arbeiterklasse leistete. Daneben war er vielfach schriftstellerisch tätig, besonders für die„Soz. Monatshefte". Erst S9 Jahre alt, hat er jetzt schon Abschied von der Be- wegung nehmen müssen, aus der er stammte und die ihn ans Herz gewachsen war. Diese große sozialistische Bewegung wird sein Gedächtnis Treue bewahren._ Giahlhelm-Meffersiecher freigesprochen. Ein unverständliches Urteil für Laien und Richter. Bor der Liegnitzer Großen Strafkammer kam am Donnerstag der Fall des Zahnarztes Dr. Wilhelm K a e b i s ch aus Breslau zur neuen Verhandlung. Dr. Kaebisch, der dem Stahlhelm angehört, war am 13. Juli 1929 vom Breslauer ischöffen» g e r i ch t wegen gefährlicher Körperverletzung unter Versagung mildernder Umstände zu 6 Monaten Gefängnis verurteill worden. Nach einem anfänglich hormlosen Wortwechsel f.*■..•< � j'" Grundfragen des Musiklebens Konzertrundschau/ Von Klaus pringsheim SSrandruine auf dem SPichelsnerder Ein trofttofes Bild vollkommener Zerstörung bietet sich dem Beschauer nach dem großen Schadenfeuer, dem am Freitagabend der Bootsschuppen auf dem Gelände der Hochschule für Leibesübungen von Pichelswerder zum Opfer fiel. 140 wertvolle Fahrzeuge. 80 Segel- und Motorboote und 60 Paddelboote find verbrannt. war er mit dem kommunistischen Bauarbeiter Bruno Stempowski, dessen„Rot-Front'-Abzeichen ihn reizte, in eine Schlägerei ge- raten. Plötzlich zog er ein st i l e t t a r t i g e s zahnärztliches Instrument, einen sogenannten„Dreikantschober", den er„zu- fällig' bei sich trug, und stieß ihn seinem Gegner in den Leib. Stempowski brach zusammen und kam ins Krankenhaus, wo er sofort operiert wurde. Der Dünndarm war fünfmal' durchstochen, der Dickdarm angestochen, so daß der Arbeiter lange Zeit zwischen Tod und Leben schwebte. Die Berufung des Angeklagten wurde von der B r e s» lauer Großen Strafkammer in vollem Umfang verworfen, da sie zu derselben Beurteilung des feigen Angrisss kam. Hierauf legte der Verurteilte Revision ein. Das Reichsgericht verwies den Fall zur Neuverhandlung an die Große Strafkammer in Liegnitz. Hier wurden zehn Zeugen und drei Sachverständig« vernommen. Der wirtlich« Sachoerhall ließ sich jedoch noch so langer Zeit nicht mehr völlig klären, da dem als Nebenkläger auftretenden Verletzten einige Unrichtigkeiten nachzewiefen wurden. Dr. Kaebisch. der anscheinend zuerst einen Schlag erhalten hatte, machte geltend, er habe in Notwehr gehandelt und seinem Gegner nur in den Arm stechen wollen. Nur dadurch, daß ihm der Arm herunter- geschlagen wurde, sei das Unglück entstanden. Zur allgemeinen Ueberraschung beantragte der Staatsanwalt Freispruch! Das Urteil lautet« dementsprechend auf Aufhebung des Breslauer Schössengerichtsurteils und Freispruck> In der Begründung wurde betont, es lasse sich nicht mehr genau'eststellen, was in jener Morgenstund« eigentlich geschah. Angenommen wurde, daß es der Wille des Angeklagten war, zu stechen, allerdings nur in den Arm. So wäre an sich die erschwerende Körper- Verletzung gegeben. Dies wäre auch der Fall, wenn der Angeklagte dqran„gedacht" hätte, daß Dr. Haselbach jederzeit berell sei, ihm beizuspringen. Dies aber habe er offenbar im Eifer v e»- g e s s e n(!). So aber habe er in Notwehr gehandelt. Nach dem Reichsgerichtsurteil, das zugrunde gelegt werden müsse, werde an- geführt, daß das Maß der Verteidigung nicht nur nach der Stärke des Angriffs, sondern auch nach den zur Abwehr zur Verfügung stehenden Mitteln zu beurtellen sei. Der Gebrauch des ge- fährlicheren Werkzeug» fei nicht strafbar, wenn kein geeignetes ungefährliche« zur Verfügung steh«. Der Vorsitzende fügt« der Urteilsbegründung selbst hinzu, es- werde wohl Laie» und Richtern schwer einleuchten, daß ein« so schwere Tat ungesühut bleibe. Nach den vom Reichsgericht gegebenen Direktiven sei aber kein anderes Urteil möglich gewesen» Die Ungesund heit der Grundlagen, auf denen das bürgerlich«! Musikleben sich ourch den Winter schleppt, zwingt immer wieder � zur Beschästigung rnw den Ursachen eines, wie es scheint, unaus- haltsamen Niederganges. Es ist nicht viel damit gesagt, daß sie in veränderten Beziehungen zwischen Musik und Gesellschaft zu suchen seien; aber die Erforschung dieser Bezi: Hungen bildet heut« nichi nur, theoretisch, den Gegenstand einer jungen Wissen- schaft, der Musiksoziologie, sondern«in höchst akiuelles Thema pratllfcher Zeitknt-ik, von dem unser In eresse an der Zukunft der öffentlichen Musikpflege unmittelbar berührt wird. Um„Grundfragen der Musiksoziologie" handelte sich's an einem Vor.rags- und Diskussionsabend, den die Musik- abteilung des Zentralin ftituts für Erziehung und Unterricht in Verbindung mit den, Berliner Tonkünftler-Verein' vcranftaltel«. Diese„musikpädogogischen Vorträge" im großen Saal des Zentralinstituts wenden sich freilich fast nur an eine Hörerschaft von Fachinteressenien, aber die Anregungen, die davon ausgehen, dringen in weitere Kreis« der Oejfen.tichkeit. Von den beiden Referenten beschränk.« der erste. Dr. Hans Böttcher, sich allerdings wesentlich auf allgemeine Vorfragen seiner Wissenschaft, deren Aufgaben er mit der schätzenswerten Gründlichkeit und Ge° wissenhaftigkÄt des jungen Fachgelehrten genau zu umschreiben suchte, doch eben mehr, um ihre Defini-Wn als schon um ihre Lösung besorgt. Gewiß, die grundsätzlich« Wichtigkett der Frage- ftellung„Wer musiziert?" und„Für wen wird musiziert?" mußt« erst einmal entdeck! werden— ihre Wichtigkett für unser Verständnis aller musikalischen Erscheinungen. Aber man war nun neugierig gemacht, diese Frage noch dem„Wer" unv„Für wen" etwa im Hinblick auf die Musik der Gegenwart gestellt und irgendwie beantwortat zu hören: etwas von dem Zusammen- chang, der zwischen der heutigen Musik und dem Zustanv der heuti- gen Gesellschaft besteht, zu erfahren, davon, ob und wie weit viel- leicht jene durch diesen bedingt sei, bedingt vor allem durch das Bedürfnis derer, für di« musiziert, Musik geschrieben und ge- spiell wird. Einen entschlossenen Versuch, solche Zusammenhänge nachzuweisen, fesselnd auch durch rednerische Intensität, unternahm dann der Kölner Professor Paul Honigsheim. Manche«Kühn- heben seines gedankenreichen Vortrags wirkten in der gedrängten Kürze wohl eher verblüffend als überzeugend: aber wenn er, aus- gehend von den tänzerssch-kultischen Anfängen oller Musik, schließ- lich aus der Gesam.situotton unserer Zeit das Bedürfnis nach einer lebendigen Kunstform ableitete, in die durch das Mittel der Musik Bewegungschor und Sprechchor als Elemente einer neuen Kollek- tivtunst«inzugehen haben: es hätte fast nur des Schlagwortes „Arbeitermusik" bedurft, um darzutun, in welchem Grade unser Bemühen um Ueberwinvung des bürgerlichen Aesthetizismus und um lebensunmittelbar« Gegenwartskunst der Massen mit den Folgerungen und Forderungen der wissenschaftlichen Mussksozio- logie im Einklang stehtt Die Frage„Für wen?" hat ihre gesellschaftliche, aber auch im Zusammenhang damit ihr« wirtschaftliche SÄt«: genauer gesagt hat sie für den K o n z e r t g e b e r, in dessen Mund sie zum ver- zweifellen Ausruf wird, ihre wirtschaftliche Kehrseil«. Wieder mögen die wirtschaftlichen Ursachen der Konzertnot bci den Konsum menten, in ihrer geschwächten oder abgelenkten Kaustroft zu suchen sein. Die wirtschasllich« Mißwirkung bekommt unmit.eibor der Künstler zu spüren, dessen Angebot keine Gegenlieb«, das h-ißt, keine Nachfrage findet. Veränderungen im Bild des Konzertleben» konnten nicht ausbleiben, di« ständige Abnahme des Besuches hat auch zur Abnahme der Konzerts geführt. Die Zahl„konzertierender Künstler", die nicht konzertieren, nimm: erschreckend zu, und auch die Arriviertesten müssen die Zahl ihrer Konzertabends ein- schränken. Lula Mysz-Gmeincr, die ancrkannle Meisterin der Liedkunst, findet auch an ihrem zweiten Abend, dessen Pro- gramm als Hauptnummer Schumanns„Frauenliebe und Leben" en hält, den Beethooenfaal dicht besetzt und ihr« Hörerschafl in beifallsreudigster Stimmung. Aber dem Anfänger wird es unter den heutigen Verhällnissen imnier schwerer, sich einen Namen zu machen. Eine begabt« Konzertsängerin wie Gertrud Bender- macher verdient immerhin Bcach.ung(übrigens auch ihr Be- gleiter, Waldemar von Vultöe, wie sich zeigt, ein feiner Pianist). Di« internationalen Sensationen stehen noch immer hoch im Kurs: der Amerikaner Louis Graveure, nun wieder Konzert» länger, rech. fertigt das besondere Interesse, das sein Auftreten weckt, durch eine Kunst der Siirnmbchanilung und des musikalischen Vortrags, die in der Tat kaum ihresgleichen Hot. Und selbstverständlich, daß das einzige Konzert des mit Recht weit- berühmten Geigers Fritz Kreisler in der Philharmonie zu einem besonderen Ereignis wird: mutz'« aber, in diesem Rahmen, für die Violonkonzerte von Mendelssohn und Atozart die Mitwirdung des Orchesters gespart worden? Violinkonzert« mit Klavierbegleitung—, es hat doch immer, auch wenn ein Michael Raucheisen am Flügel sitzt, den Charakter des Be- helfsmäßigem Stach längerer Pause läßt sich Georg K u l e n k a m p f f im Deothooensaal hören. Geigerisch und musikalisch gleich hervor- ragend: wer Bachs E-Dur-Solosonat« so zu spielen weiß, mit so makellosem Ton und in so überlegener Gestaltung, zählt zu den Großen. Unv als Geiger von bedeutendem Können und außer- ordentlichen Anlagen erweist sich der junge Boris Schwarz, der sich der künstlerischen Führung seines Dciiers. des ausgezeichi seien Pianisten Joseph Schwarz, anvertrauen darf. Leonid Kreutzer bestätigt sich als einen unserer Besten auch wieder an seinem letzten Klavierabend, an dem er. In aller Stille, wenn auch unter dem lauten Beifall der Hörer, das Jubiläum 25iährigen Wirkens begeht. Rudolf S e r k i n, bekannt als kultivier er Musiker, be- währt als Partner im Sonatenspiel mit Fritz Busch, zeigt sein Können, allerdings wohl auch die Begrenz hcit eines eher ver- halenen Temperaments m einem Programm llassisch-romantischer Klaviermusik, dos sich, gewiß nicht zufällig, in den engen Grenzen der Tonorten B. Es und As bewegt. Endlich, ein« Pianistin, die sich durch technische Sicherheit und Echtheit des Musikgefühls empfiehlt: Adele Marcus. Sogenannte Offenbach Ll-raufführung. Theater»m Admiralspalast. Tatbestand: Aus Osssnbach-Resten, aufgelesen in Neben« und Gelegenheitswerken, hoben sie eine mittelmäßige Lehor-Operette gemacht. Es ist die bewährte Methode: Aus dem Nachlaß eines toten Meisters zieht«in lebender Bearbeiter den Segen gesetzlich ge- schützter Urheber-Tantiemen. Solch« Art der Aneignung und Aus- Wertung herrenlos gewordenen Geistosguces läßt sich nicht ver- bieten: der Offenbach-Benütz« heißt Ludwig Römer. Stückwerk, Flickarbeit, dazu stillos« Ergänzungen—«in Ganzes konnte daraus nicht entstehen. Hie und da, in einem Terzett einer Walzermelodi«, behauptet Offenbach sich gegen die Gewalt, die ihm, auch durch di« Instrumentierung, angetan ist. Dem unterleg-.en Text—.Das blaue Hemd von Ithaka"— hat, nach einer Idee von Lion Feuchtwanger, der feine, liebenswürdige Karl R o e ß l« r verfaßt: es ist ihm gelungen, das Operettenniveau nicht zu überragen. Derfälschter Offenbach,«ine sichere Sache trotzdem. Im Zeichen einer Reaktion, der jede„Renaissance" recht ist und obendrein al» Huldigung zum 50. Todestag, aus dem der neue Theoterdirektor, Roben Liedemit, im Programmheft einen 150. Geburtstag macht. Man mag di« Konjunktur wahrnehmen und man mochte Offen- dach„modernisieren", aber nie durfte man in seinem Nomen einen Abend von so unoffenbachischer Langweiligkeit unv Geisttosigkeit oeransiatten. Höhepunkt: ein süßlich-fades Tangolied, typische Parodenummer für Richard Tauber, dessen Gesangsmanieren auf der Bühne des Admiralpalaftes Gustaf R ö d i n hilflos kopie- ren muß, Operntenor ohne Opernkultur, doch ohne Spur von Operettsneignung. In den anderen Haupttollen routiniert« Kräfte: Margit Su chy, Paul Heidemann. Ein freundliches Talent: Arthur Hell. Nach den Aktschlüssen der übliche Premierenbeifall. . K. P. ,/0\t Königin einer Ttachi." Universum. Ein großes Vorbild ist vorhanden, das in keiner Beziehung er- reicht wird.„Die Liebesparade", von Ernst Lubitfch inszeniert, liefert das Muster. Aber der Regisseur Fritz Wendhausen vergröbert die Wirkung, arbeitet mit billigen Mitteln, trägt die Pointen saust- dick auf. Außerdem entbehrt der Stoff jeder Ziselierung. Er ist am laufenden Band hergestellt. Der Film will sich über die Volksoertteter lustig machen. Männerstolz vor Königsthronen. Die radikalen Abgeordn�en der Opposition kriechen am melsten. Ein Hauch von Antisemitismus ist ebenfalls zu spüren. Andererseits ironisiert er auch ganz vorsichtig die Königsherrlichkeit. Er möchte sie al» leeres Theater hinstellen. Doch im Hinblick auf die Gesinnungskonjunttur überwiegt di« Her- Vorkehrung der großen dekorativen Wirkung dieses Theaters. Die Menschen sind bloß« Typen, reichlich bekannt aus dem stehenden Repertoire der Tonfilmoperelle. Wallburg, Janssen und die Frauen erhalten kein Gesicht. Nur Karl Ludwig D i e h l ge- stallet«inen scharf umrissenen Charakter. Man mußte ihn einmal auch in einer zivilen Rolle herausstellen. Der Dialog ist parfümierter Blödsinn Wer spricht so? Die albernsten Phrasen werden hervorgekramt. Allerdings sägen sich di« Schlager Otto S t r a n s k y s zwanglos der Handlung ein. Der Film illustriert demonstrativ den künstlerischen Tiefstand der Ton- filmoperett«. Eine Well, gesehen aus der Perspektive der kletnbürger- liche» Dummheit.?. Lad. Theater-preisabbau? Preisabbau heißt das große Schlagwort der Zeit. Neuerding» sind auch die Berliner Theater in«ine Art Preisabbautonkurrenz eingetteten. Ein« Bühne nach der anderen gibt bekannt, daß man bei ihr nur noch einen Teil der früheren Eintrittspreise zu bezahlen brauch«. Als der Direktor eines Theaters in der Innenstadt zuröchst in schwungvollen Artikeln der Boulevardpresse verkündete, daß er fortan nur„halbe Preise" fordern werde, erfuhr man so nebenbei noch, daß gleichzeitig die Besetzung des Stückes eine völlig andere — und natürlich billigere— geworden fei. Aber in den letzten Tagen hat eine andere Direktion für ihre beiden Bühnen im Westen bekannt- gegeben, daß si« einen„Riesen'preisabbau durchführe, ohne daß die großen Stars auch nur zum Teil verschwinden würden. Freilich. einen kleinen Haken hatte auch diese Ankündigung: a tempo meldete sich nämlich die Konkurrenz mit dem giftigen Hinweis darauf, daß die angekündigte Preisermäßigung einstweilen nur einigen völlig„ab- gespielten" Stücken zugute komme, die überdies, Gott weiß, wie lange, zu anormal überhöhten Pressen gegeben worden seien. Des ferneren erfuhr man aus dieser Erklärung und anschließenden Gegenerklä- rungen der Preissenkungedirektion auch noch, daß es sich hier bei dem ganzen Manöver mehr um die Kampsmoßnahme eines heute noch an den Reibaro-Konzern gefesselten, aber längst mit ihm verkrachten Direktors handelte, als um eine Aktion im Interesse des Publikums. Immerhin war bei diesem Preisabbau wie bei den Preis- reduktionen anderer Bühnen natürlich auch der Wunsch maßgebend, mehr Publikum anzulocken. Dem Gros der Berliner Theater geht es schlecht, sehr schlecht sogar. Da muß man schon etwas Besonderes tun. Die einen versuchen es durch eine verstärkte Verschleuderung billiger„Dereinsbilletis", andere durch den Massenveisand von „Bons": ein« dieser Bühnen läßt Tag für Tag an so undsovieleTausend Berliner Haushaltungen eine Besuchseinladung verteilen, der bereits zwei mit Platznummern versehene Karten beiliegen. Die Karten gelten für Plätze mit dem herrlichen Namen„Parkett-Fauteuil" und verlangen an der Kasse nur eine„Steuer" von 1,51) Mark. Des Abends erfährt man dann freilich, daß die Sitze im„Parkett- Fanteuil"(sofern davon überhaupt noch welch« erhältlich sind) die vorletzt« Platzgattung darstellen, daß duch zu den 1,50 Mark„Steuer" noch ein« Garderobengebühr von 0,V0 Mark und der Kauf d«s Programmzettels für 0,30 oder 0,50 Mark hinzutritt. Gegenüber solchen Methoden ist die klare Verbilligung der Kassenpreise schon viel sympathischer. Sie dürfte auch schließlich bessere Früchte tragen: vorausgesetzt allerdings, daß sie durchgehalten wird. Im übrigen sst es mit dem Preisabbau der Theater nicht viel anders als mit dem Preisabbau bei anderen Unternehmungen. E.ne spürbare Verbilligung der Lebensführung bringen sie nichtt Am allerwenigsten für den Kleinbürger und den Proletarier. Die besseren Plätze kosten bei den führenden Bühnen auch nach dem großen Preis« abbau noch 10 bis 1Z Mark. Wer kann sich solche Ausgaben leckten! Und jene Plätze wiederum, die nach dem Preisabbau nur»och 1 bis 2 Mark kosten,— die sind jetzt wie ehedem so. daß man schon«Ine gute Portion Theaterbegeisterung und Phantasie haben muß, um orn ihnen aus mit Genuß einer Aufführung zu folgen. Da ist«e doch nach wi« vor das Richtig« und das einzig Ri+ttte- n�n geht zurVolksbühn«, wird dott Mitglied und lost dann allmonatlich seineu Platz— in diesem Jahr ist sogar der ganze dritte Rang von der Platzverlosung ausgeschlossen!— für den ltt g—"'"wen Einheitsbeitrag von 1,70 Mark— einschließlich Theaterzettel. Bessere» als die Volksbühne bistet kein anderes Berliner Theater, und die Bolksbühn« gibt ihren Mitgliedern obendrein noch Mit»""''-"".....» recht bei SeschSstsführung und Spielplangestaltung. Wilhelm Nrall f. Wie wir bereits am Freitag berichteten, hat mitten im Zahl- abend der 128. Abteilung ein Herzschlag das Leben des alten und bewährten Genossen Wichelm Brall beendet. Von seiner Gewerk- schast wird uns noch mitgeteilt: Mit der Partei steht insbesondere der Verbandder Litho- graphen und Steindrucker an der Bahre des Genossen Drall. War er doch fast 30 Jahre lang der H a u p t- k a s s i e r e r dieses Verbandes. Mitbegründer des Berliner Fach Vereins der Lithographen und Steindrucker 188ö, stand der Genosse Brall auch bei Gründung dieses Verbandes nach dem Fall des Sozialistengesetzes an dessen Wiege. Im Jahre 18 3 3 wurde ihm dann das Amt des Haupttassierers übertragen, das er bis zum Jahre 1304 ehrenamtlich verwaltete. Von da an ging es nicht mehr, denn der Verband nahm einen Aufschwung, der auch eine besondere Kraft für die Kasse erforderte. Kollege Brall blieb der Kassierer, bis er 68ährig, sich dem Zahlenwahnsinn der Inflation nicht mehr gewachsen fühlte. Der Verbandstag in Nürnberg 1322 nahm auf seinen Wunsch ihm die schwere Bürde der Kassenverwaltung mit besten Wünschen für seinen Lebensabend ab. Was in den rund 30 Jahren aktiver gewerkschaftlicher Arbeil von diesem Allen der Arbeiterbewegung geleistet worden ist, vermag nur die Geschichte zu erzählen. Trotzdem kann die Jugend es wohl kaum begreifen, well sich die drückenden Tagesereignisse aus den Kinderjahren der Gewerkschaftsbewegung nicht plastisch genug reproduzieren lassen. Denn erst dann läßt sich ganz ermessen, was war und was durch die Arbeiterbewegung geworden ist. Das Wirken Wilhelm Bralls sichert ihm ein dauerndes Gedenken! Nur nicht nach Rußland zurück! Lieber stellungslos in Deutschland. Wieder einmal hatte sich das Arbeitsgericht mit einem Fall zu beschäftigen, wo«in bei einem Sowjetunternehmen in Deutschland beschäftigter russischer Staatsangehöriger lieber seine Stellung aufgibt, als in das„Paradies der Arbeiter" zurückkehrt. Der Ingenieur P.,«in russischer Staatsangehöriger, war zuerst bei der Russischen Handelsvertretung und dann bei einem Unternehmen der Sowjetunion, der Firma„S o j u s u g o l" ®. m. b. H., in Berlin angestellt. Er wurde aufgefordert, nach Moskau zu kommen, um Dortrag über«in von ihm ausgearbeitetes Projekt zu halten. P. machte zunächst keine Einwendungen. Er nahm sogar Reiseoorschuß. Dann aber kamen ihm Bedenken. Er sprach mit dem Geschäftsführer der Firma und dieser erklärte, er könne nicht dafür garantieren, daß P. nach Deutschland zurückkehre. Auch das Riickreisevisum wurde»hm verweigert. Da P. keine Lust hatte, in Sowjetrußland dauernd zu weilen, sondern vielmehr wünschte, in Deutschland zu bleiben, so folgte er der Aufforderung, nach Moskau zu reisen, nicht und wurde deshalb fristlos cnt- lassen. In einer Klage beim Arbeitsgericht bezeichnete P. die fristlose Entlassung als unbegründet und fordert« deshalb Bezahlung der Kündigungszeit. Ferner forderte er Entschädigung für Urlaub, der 'hm zustand, aber nicht gewährt wurde, und schließlich verlangt er Rückzahlung eines Betrages von 670 M., den er auf die dritte russische Jndustrialisierungsanleihe und auf die Fünfjahresanleihe gezeichnet hatte.' Mit. dieser Zeichnung verhält es sich so: In den Büros der Firma wurde eine List« herumgereicht und da hat denn jeder, dem seine Stellung lieb ivar, geglaubt, einen a ngemessenen Betrag zeichnen zu müsien. Der Entschluß zur Zeichnung wurde dadurch erleichtert, daß man den Angestellten erklärte, wenn ihre Verhältnisse es nötig mache», dann werde ihnen später der gezeichnete Be- trag zurückgezahlt. Unter Hinweis auf diese Zusicherung verlangte der Kläger Rückzahlung seines Anteils. Hiergegen machte der Beklagte den Einwand, das Versprechen der eventuellen Rückzahlung gelle nur für ihre nichtrvssischen Angestellten. Die russische Staatsangehörigen hätten selbstverständ- lieh kein Recht auf Rückzahlung. Das sei bei Auflegung der Zsichnungsllst« auch gesagt worden.— Der Kläger behauptete da- gegen, dos Rückzahlungsoersprechen sei ganz allgemein und ohne Einschränkung gemacht worden. Das Gericht wies den Kläger mit seiner Hauptforderung ab, well die fristlose Entlassung begründet sei, denn nachdem der Kläger das Reisegeld angenommen und sich zur Reise bereit erklärt hatte, war er nicht mehr zum Widerruf berechtigt, er habe also seine Dienstpflicht beharrlich nerweigert. Hinsichtlich der Zeichnung auf den Fünfsahresplan hiev das Gericht durch die Zeugenaussagen für erwiesen, däß es dem Kläger klar fein müßte, daß ihm als Sowjetbürger kein Recht auf Rückzahlung zustehe. HinfichUich der dritten Jndustrialisierungsanleihe und des Anspruchs auf Urlaubs» bezahlung soll noch Beweis erhoben werden. Buchdrucker streiken in Königsberg. Fünftagewoche abgelehnt. Königsberg. 14. Februar. Nachdem die Verhandlungen zwischen Unternehmern und Ar. beilern im Buchdruckereigewerbe, bei denen es um den geplan.ea Lohnabbau ging, ergebnislos geblieben find, ist heule früh in den meisten Druckereibelriebeu der Stadl die Arbeil eingestellt worden. Nur in den wenigen Betrieben, die sich bereit erklärten, die alten Löhne weilerzuzahlen, wird gearbeitet. Die sozialdemokratische, kommunistsche und nationalsozialistische presse erscheint wie üblich, während die übrigen Verlage ein gemeinsames Nolblatt herausgeben wollen. Die Arbei.er hallen sich in den Verhandlungen für die Ein- führung der Fünftagewoche eingesetzt, um Arbeitsmöglichkeit für die arbeitslosen Buchdrucker zu schössen. Dieser Vorschlag wurde jedoch von den Unternehmern ab- gelehnt._ Vier Künstler in der Sezession. Waske, purrmann, Eirnny Roeder und Röhricht. Die Sezession veranstaltet eine Sonderschau von vier- ihrer pro- minenten Mitglieder. Eine gute Idee; wenn man sich auch fragen muß, ob die sämllichen Räume nicht etwas zu groß sind für die aufgewendete Menge von Kunstwerken. Aber das Ganze hat die Leichtigkeit und Grazie einer netten kleinen Improvisation. Das schwerste Geschützt fährt Erich Waske auf: feine Ge- mälde haben zum Tell gewaltiges Format und ungewöhnlichen Ehr- geiz in mythologischen und religiösen Themen. Die geisttge Be- deutsamkett fülll aber nicht ganz den imposanten Rahmen, und bei allen Werken, auch den Landschaften l»'i) Bildnissen, kommt hinzu, daß eine starke Vereinfachung von Komposition und Farbe aus Kosten der anderen Bildqualitäten hochgetrieben ist und nicht den Eindruck der Konzentration, sondern des Leeren erweckt. Vom gegenteiligen Prinzip geht Purrmann ans: Dertiefung ins Intime der feinsten Nüancierung, bei sehr gepflegter Palette. Pariser Farbenkullur steht hinter seiner Kunst: besonders die neuesten Bilder einer langen Serie von Studien aus Provence- Städtchen zeigt diese malerische Verfeinerung in hellen Tönen von ihrer besten Seite. Die Kehrseite ist eine gewisse Schwächlichkeit und Monotonie, man spürt da eine Art Treibhausluft, in der zarte Pflanzen herangezogen werden. Die plastische Kunst Emmy Roeders besitzt, ebenso wie ihre Kreidezeichnungen, viel von der ideellen Verfeinerung Modiglianis. Langgestreckte Geschöpfe mit schmalen leidenden Ge- stchtern erlebt man in beiderlei Form, unmittelbarer in den oft ganz köstlichen und sehr durchempstindenen Zeichnungen von Kindern, Akten, Bauern. Den frischesten Eindruck machen die Aquarelle von Wolf Röhricht. Man kann hier seine Entwicklung in der letzten Zeit gut verfolgen, die Blätter reichen von 1323 bis 1931, und es erfreut sehr, zu beobachten, daß die Ernte des legten Jahres, auch innerlich Und formal, die reichste ifL Röhrichts Kunst, immer schon Heller, gewandt, leuchtend in ihrer Weltbejahung, ist kraftvoller und bestimmter geworden, sie hat gewissermaßen ein stärkeres Rückgrat bekommen. Es ist nicht etwa bloß Geschmackssache, ob man die flockig weichen. Arbeiten von 1327 oder die klar gebauten von 1330 vorzieht. Der malerische Reichtum aus früherer Zell ist erhallen geblieben, die Farben sind von köstlicher Leuchtkraft, die Technik so schmiegsam wie je, aber das Verhältnis zum Bildraum, zur Wirklichkeit, zum konstruktiven Sinn der Welt hat sich zu seinem Bortcil stark gewandelt. l'zul F. Schtnidt. Paul Schünemana gestorben. Im Alter von fast 84 Jahren ist am 11. Februar der«enior der Niederfchönhausener Partei, der Malergenosse Paul Schünemann, gestorben. Genosse Schöne- mann war schon unter dem Sozialistengesetz und später in der Land- agitation rege tätig und fehlte bei keiner Parteiveranstaltung, so- lange es seine Gesundheit erlaubt«. Auch der Mannergesangverein „Zukunft" verliert in ihm sein ältestes und immer sangesfreudiaes Mitglied. Die Genossen treffen sich zur Einäscherung Sonntag, 16. Februar. 17 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße. Theater der Woche. Vom IS. bis 23. Februar. polksbühne. Sfccutct am BSlowplat,- 15. bis 19. und 21. bis 22. Lili-m. 20.»abaret«. Abend. Ab 2Z. Die Gesellschaft der Menschenrecht«. Staatstheater. Oper Unter den Linden: 15. Der Noseniavalier. 16. Echwanda, der Dndol. sackpfelfer. 17. Der flicqende Solländer. 13. Othello. IS. Spiel oder Q�nit. Polowszer Tänze. Die Verlobuna bei der Laterne. 20. und(Sine Nacht in Venedig. 21. Tosca. 23. Die Meistersinger von Nürnberg. Oper am Plai, der Republik: 15. und 17. Die Zauberflöte. 1«. Zwel.o. 18. Nigvlctto. 19. Sinsoniekonzert. 20. Der Barbier von Sevilla. 21. D.e Stumme von Vor tick 22. Die Sochzeit des Figaro. 23. Madame»uitcrnn- Städtische Oper: 15. Die lustigen Weibcr von Windsor. 16. Die Afrittlnerin. 17. Rheinaold. 18. Mignvn. 19. Die Entführunq aus dem SeraU. 20.-öohöme. 21. Troubadour. 22. Turandot.' 23. Tigaros Hochzeit. Staats-Theater: 15. und 20. Minna von Barnb�lm. 16. Prinz"�vrich von Homburg. 17.. 18. und 21. Mann ist Mann. 19. und 22. Gustav Adols. 23. Liebesleid und Liebesluft. 15. 12 Uhr. Lessing-Matinee. SchUler-Theater: 15. und 20. 100 000 Taler. 16. und 17. Don Garlos. 18. und 23. Herr Doktor, haben Sie zu essen? 19. und 22. Scherz. Satire, Ironie und tiefere Bedeutuna. 21. Nathan der Weise. 18. und 21. 15Vt Uhr. Herr-i-ot o'-f haben Sie zu essen? Thealer mit festem Spielplan: Thiat« am Schifsbaucrdamm: Di- Luadtatur des Kreises.— ftntfüiften- damm-Tbeater: Das schwache Geschlecht.— Deutsche« Theater: Elisabeth von England.— Sammersplrle: Pariser Plah 13.— Die Komödl«: Die Kee.— Theater in der Sticfcautunfttafsc: Amvhitrnon 38.— Komedieuhauz: Cocktail. — Grobes Schauspielhaus: Im weißen Röspl.— Theater des äBeftcns: Iarewltfch.— Rclson-Theater: Sic werten von Ulfa boren.— Tomische Ol**: Bevpina.— Deutsches Äüustlcrtheater: Bis l«. Rum«oldenen Anter. Ab 17. Ritter BtaubaiM achte ffrau.— Renaiflaoee.Theater: Mut) tie Tub Milch aeben?— Neues Theater am Raa: Das öffentlich« Aerffernis.— Tribüne; Bis 19 Etienne. 20.«-schlössen. Ab 21. Liebe. Mord. Altohol.—«Uines Theater: Liebe— unmodern.— Cafino-Theater: Onkel ktitbn au» Neurupvin. — Theater in der kiloslerstrahe: 13. Der kröhltche Wember«. 16. und 17. qe. schlössen« Borktellunaen. Ab l». Eben werden im Simmel geschlossen.— Winter. «arte», Plaza, Skala: Internationales Variete.— Reichshalleu-Thea-er: Stettiner Langer.— Theater am gottbnsser Tor: Elite-Sänger. Nachmittagsveran staltungen: DollsbLhue. Theater am BLlowplah: 15.. 22. Das Wintermärchen.— Theater in der Stref-manuftrahe: 22. Sturm im Wasser«Ias.— ksmadienhaus: 22. Cocktail.— Große, Schauspielhaus: 15., 22. Im weigeu Röfi'L— Seiion- Theater: 15.. 22. Sic werden von uns hören.— Neuaissauee-Theatcr: 15. Aeinc-fscier.— Neues Theater am Zoo: lt. Tortra« Gustav grieörich.— Theater iu der iU-llrestraße: 13., 22. 15 Uhr. Aschenbrödel. 17 llbr. Der sröhsiche Weinber«. 16. Minna von Barnhelm. 18.. 21. Aschenbrödel. 23. Maria Stuart.— Wintergarten: 13., 21., 22. Internationales Barietö.— Plaza. Skala: Internationales Barietö.— Neichshallen-Theatcr: 15., 22. Stettiner Sänger.— Theater am Tottbusscr Tar: 15., 22. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche: Dienstag. Deutsches Kttustlertbeater: Ritter Blaubarts achte Krau.— Wallner. Theater: grau in Krönt.— Donnerstag. Theater in der«lp st er st rasse: Ehen werbcn im Himmel«eschlossen. — Kreits«. Over Unter den Linden: Eine Radrt in Venedig.— Sonnabend. D i c Tribüne: Liebe, Mord, Alkohol. Gewinnauszug 5. Klasse 30. Preußisch-Süddeulsche Staat,-Lotterie. Ctyne Gewähr Nachdruck»erboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefalle», und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen l und II 5. Ziehungstag 13. Februar 1931 3n der heutigen Nachmittogsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen j 4 Geminne zu 10000 151. 195433 311863 ___>4 Gewinne zu 5000 St. 13134 82718 112729 123403 189167 207219 257604 10 Gewinne zu 3000 M. 98236 98723 118597 276727 398087 '«0 Gewinne zu 2000 M 4421 37623 74514 75145 77021 77729 S2700 118563 124375 126782 153467 172993 173542 177574 188809 224859 232656 234629 238335 249687 254203 282130 284618 287546 302922 326507 336341 339318 378729 382130 106 Gewinne zu 1000 M. 14223 14948 17456 20101 33225 34306 40396 45488 47472 54765 58425 62766 71354 76466 84840 90166 97180.100131 1 15443 119213 123081 124514 128046 149013 156670 166544 198409 202527 223625 243460 243700 248577 270447 272976- 277615 289038 298876 313963 314990 321386 322399 323416 328762 331290 353123 365164 371941 377411 377589 381100 336490 393744 393970 178 Gewinne zu 500 M 5128 5202 8313 11550 26667 26784 32056 33619 36050 44925 46165 48054 53477 53527 57768 64043 64048 62817 73016 78172 82481 90967 95180 97682 100242 108660 110695 110766 111965 112150 115542 119622 119966 126780 131613 131722 134S74 137492 140676 144505 146301 150757 154455 157202 162948 170505 173423 174445 184597 186774 187868 200639 207190 208249 217005 223114 229834 237967 243113 247145 249868 25357) 255517 255589 265735 255921 276318 282984 287937 288594 303574 307266 310123 311476 312133 314078 821883 327220 328119 343632 345177 350627 357353 364036 364165 367036 386760 389690 390379 Im Gewinnrad« verblieben: 2 Prämie» zu je 500000, 2 Gewinne zu je SCOOfO. 2 zu je 300000. 2 zu fe 10» 00,« zu f« 75000, 6 zu je 50000, 24 zu je 25000, 162 zu j« 10000, 414 zu je 5000, 818 zu je 3000, 2470 zu je 2000. 4963 zu je 1000, 8082 zu je 500. 24452 zu je 400 Mark. Berantwortl. für die Redal'ion: Herbert etpett, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke Berlin. Berlag: Borwärt» Verlag<9. m. b. s.. Berlin. Druck: Vorworts Viuii- druckerei und Derlagsanftalt Paul Linaer& Co.. Berlin EW SS, Lindenstrosse ö Hierzu 1 Beilage. PLAZA I Täfll. S u. 813 Soiul. 2. 5 0 S" Alex. E 4. 806» Nehm. SOPf.— 1 M., abd«. 1-2 M. Nur noch bis morgen! cktruno statiner, tlggn Xanea suchen Sümstar* dCamllloii m. 100 WuDderiauheg» nm*. W'nNr - Garten- 8'S mit. toti. 28)9. UBäu«ftwdl. 7 Alfredos„Arcano" Prietos lustiger Circus Dolinoffs»3Cressos o*. .— und die OodonQS 8•• Seiubeod mid wiitq je 2 TanfellOTgtn 4 und 8" Uhr. 4 Uhr Kleine Pr. VolKsMUme TbutiMi Nlomlttz. 8 Uhr Sans Albers in Liliom von FraneMolnar Segle iiari Beim Martin itaatÜdii!ler-Tli. 8 Uhr Don Garlos tASIlilO-THEATEH � Lothiinger StraKe 37. iiiieiiiiiiiniiiiiiiiniemiueeiieeeeiMieeiiiieieenneNeeenmieneeifeiii Man lacht Tränen über Direktor Hans Berg in dem neuen Schlager RailflrsteDdamm- Theater Bismai ck 449 oas schwache eeschiecht v. Edouard Bourdet Regie: Mai Reiolunlt Dazu ein neuer banter Teil. GoisdsclB 1—4 Personen Fauteuil 1,25 M., Sessel 1.75 M. Plscator-Dfihne (Wailnef- Theater) Alex. 4592-93. 8Vi Uhr< Km nodi z tontillmiSH des Gastspiels der Wilnaer-Truppe „Grone Feiner v. Perez Hirschbein WM lüeater 8 Uhr Elisabeth von England von rem Brnckner Regle; Belm Bilpcrt Kammerspielc 8'/« Uhr Pariser P.atz 13 von t/icki Baum bgli; Cutaf DrSidjras Die KomSdie 81/. Uhr Die Fee tod Franz Molnar Rsgie; Stefan Bot. RietropoMhe&ter Täglich 8V. Uhr Schön ist die weit Operette von Lehät Bidiani laotsr. lilNrn llpar, Mtiornlosl Soonfag nadun. 4 Uhr Sdiön ist die Well Kleine Preise Nenes Theater am Zoo— Im BahoiZoo. StRlSSSI Täglich 8'H Uhr Oer?r. Lacherfolgl Wiederauftreten Boido Thielscher Das onentiiche Aargernis Preise l Bis 8 M. Komische oper «i(i Uhr Kleine Preise. Peppina Mlu perrJaliiur Leitaij de Korrponistu Robert Stolz I» dir Pmaiirabeitnig Lustspteinaus HUP! GÖIZ Täglich S>(j Uhr Oer Lügner u. die nenne Deutsches KOnsIler-Theal. Barbarossa 3937. 8".'. Uhr Zam oolflenen Anker mit Riuit Den« Renaissance- Theater Steinplatj 6780 S>, Uhr mno eie Nun Kiich sehen? JUiwt Eassermanii Preise 0.50 bis 13.5v Tiieateril. Wetteos Täglich SV. Fnm Lehars Hoislervoiti Oer Zarewitsch Anni Ahlers. Thunis, von Möüendorf Sarnowsky-SohBeR Tbeater In äst suesemaassii. s«;- Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Qiraudoux Inszenierung: Victor Barnowsk; Komödienhaua 8«/i Uhr Cocktail foo Rill Voilotoellsr. Miutkr.XalHBooatztiy GROSSES SCHAUdPIELHAUö Tägi. s Uhr. In weissen Mssi. Stg. nachm 3Uhr Originalbesetzung billlne Pre s» Re? e: Erik Charcll. MMW Restaurant Berlins BETRIEB KEMPIHSiflO Reichshallen-Theater Idrillk|_«.l Soontog Badraittag 17�71 Dhr Das wunderbare Fehn. ar- Programm der Stettiner sangen PotmlFr.! PMosimfiert) f. UO au Nachm. ermäßigte Preise! üönhofr- Brettl: Täglich das g te Varierä- und Kabarett-Programm! DAS BIAUE HEMD VON ITHAEA OPERETTE IN z AKTEN OPFENBACHS MELODIEN URAUFFÜHRUNG Täglfch 8.15 Uhr MerimAflnnralsiJalss Das Haas der billigen Preise Plätza M X.— big M 8.— Vorrerk-ab i oU. tägi. Fcniai>r. Merkur 990 1 Arnold Scholz O-Balio Birmaonplali.Kasmtieiile tDS-U Gr. BOGüDiepiesi und Brosser nmentiaii 7 Kape len. Neue Dekorationen, Bayr. Bedienung Einlaß: Woch en ta g$6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kranken- und SMerkekasse für das Deuisdae Reick .»«» Ceater«: 1(584(tesSrUn«!«:# {■.tdaaerCelder Ersaaslcasae) __------------------------— Int».fcilarc»884 a�estB-Und-cid die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Kranken Versicherungsschutz bietet Berlin MS4,(3mnieraburtler Sir. und SOO Verwaltungsstellen im Reich (Beilage Sonnabend« 14. Februar 1931 SftÄJauUfa&e Jßi �/eyhiHxsiL ZWANGSVORSTELLUNGEN KAMMEmi DUR(H DIE WELT B[S CUTEOQRCERS TEXT UNI ZEKHNUNCENVON• SYLViO DE MAYO Bitte ängstigen Sie sich nicht! Dieser Aufsatz hat mit dem medizinischen Begrifse der.Zwangsvorstellungen" durchaus nichts zu mm Ich will Sie nicht mit Pros. Freud und den diversen Komplexen plagen und nichts von dem Psychopathen-schreiben, der unter der Zwangsvorstellung leidet, überall weihe Mäuse oder wo- möglich Finanzbeamte zu sehen Auch sei nichts über de» leiden- schastlichen Bergsteiger gesagt, der immer am äußersten Rande des Bürgersteiges wandelt und sich einbildet, rechts und links von ihm gähnten abgrundtiefe, halsbrecherische Schluchten. Sogar mit dem Manne mit dem Fußbollkomplex will ich Sie verschonen, diesem spaßigen Vogel, der den ganzen Weg einen Stein vor sich herschiebt, in den Gedanken versunken, er spiele auf ein»m gigantischen Sportplätze— umgeben von einer ihm zuiouchzenden Menschenmenge— Fußball-- Denn, was sind schon diese Zwangsvorstellungen, unter denen doch nur einzelne leiden, selbst, wenn der Psychopath, mit den weihen Mäusen durch das Werfen nach diesen imaginären Wesen das ganze Mobiliar zertöppert, oder wenn der leidenschaftliche Bergsteiger in der Joochimsthaler Straße— wo vielleicht zu diesem Zeitpunkte zu- sälligerweise sogar nicht einmal gebuddelt wird— beim etwaigen Abgleiten vom Rande des Bürgersteiges plötzlich brüllt: ,A?ilfe! Ich zerschmettere mir sämtliche Glieder! 8lX) Meter Tiefe sehen mich an!" Und der fanatische Fußballspieler? Lassen Sie ihn schon beim Betreten eines fremden Salons einen oiclkantigen Plasterftein über das spiegelblanke Parkett vor sich Herschieben! Sie brauchen den, harmlos-naiven Mann ja nicht mehr einzuladen! Nein, dos ist alles nichts gegen die ,L w a n g s o o r st e l l u n g e n", unter denen wir sogenannten Kulturmenschen leiden: Der gesellschaslliche Zwang, vor- gestellt zu werden, sich jemanden vorstellen zu lassen und Leute ein- ander vorstellen zu müssen!! Und der gehört ebenso zum Habitus des„guten Bürgertums", wie in mittleren Jahren ein kredit- förderndes Bäuchlein. Es ist kaum zu bestreiten, daß sich in den letzten Jahren eine gewaltige Umwälzung der Lebenssitten und Lebensformen vollzogen hat. Wir haben in unserer traditionslosen, von den Schlagwörtern „Tempo",„Neue Sachlichkeit" und„Gleiche Rechte und gleiche Pflichten für Mann und Frau!" beherrschten Zeit, allen uns über- flüssig erscheinenden Ballast kalten Herzens über Bord geworfen In einem öffentlichen Verkehrsmittel einer Dame seinen Platz anzubieten, wird schon als ungeschickter Annäherungsversuch gedeutet. Die Ausgeh- Partnerin mit Kassentrennung ist durchaus kein Novum mehr. Man braucht jetzt die Dame seines Herzens selbst nach 3 Uhr morgens nicht bis an ihre Haustüre zu bringen— Ablieferung au der nächsten Auto- bushaltestelle genügt. Wenn jemand niest, brüllt nicht mehr alles devot„Prosit!" sondern sucht sich schleunigst vor etwaigen umher- schwirrenden Grippebazillen in Sicherheit zu bringen. Im häus- lichen Gesellschaftsleben ist der Gefahrpunkt überwunden, an dem sich früher die Hausfrau oder deren Tochter ans Klavier setzte, uns die Ohren vollklimperte und womöglich noch mit piepsiger Stimme „Still wie der See> soll meine Liebe sein---" vorsang. Heute werden Lautsprecher oder Grammophon eingestellt, und das Schwingen der Tanzbeine ersetzt die früher so beliebten tiefgründigen Diskussionen, was der Verdauung des soeben ge- nossenen, von der Stadtküche fix und fertig gelieferten— O aller Hausfrauenehrgeiz, wohin bist du entschwunden!— Soupers wahr- scheinlich viel zuträglicher ist. Der galante Handkuß hat— trotz des verflossenen Schlagers„Ich küsse Ihre Hand Madame!"— Selten- heitswert bekommen. Jünglinge bekleiden hohe Stellen! Greise produzieren sich im Telemarkenschwung! Frauen überfliegen den Ozean! Von der chauffierenden, zigarettenrauchenden, boxenden— manchmal männerschützenden— Dame gar nicht zu reden. Alles Hot sich verändert, gewandelt! Nur ein„Rühr-mich-nicht-an" ist uns in Reinkultur erhallen geblieben: die Zwangsvorstellungen. Schon Heinrich Heine schreibt in„Italien", Kapitel 6: „Als er fort war und ich im Begriff stand, wie es in der Well gebräuchlich ist, meine Glossen über den Mann zu machen, durch dessen Güte ich die angenehmste Bekanntschast gewonnen-- Und damit sind wir an der wichtigsten Stelle unseres Problems angelangt! 'Angenommen, Sie sitzen mit einem Bekannten in irgendeinem Cafe. Ein anderer, den Sie das hehre Glück genießen auch zu kennen,« erscheint. Sie müssen(der Anstand, gutbürgerlich« Tugend. Höflichkeit, die gellende Lebensform verlangen es!!) die zwei einander vorstellen. Wetten, daß die beiden, wenn Sie weggehen und kaum noch am Garderobenständer in Ihren Mantel geschlüpft sind, schon über Sie herfallen und Ihre schlechten Eigenschaften eingehend erörtern? Oder Sie sind in beneidenswerter Gesellschaft einer hübschen. j u n g e n D a m e Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, wie viel« Ihrer Freunde oder männlichen Bekannten— die Ihnen vielleicht sonst kaum Beachtung schenken— um Sie- herumscharwenzeln und Ihnen plötzlich etwas äußerst Dringendes zu sagen haben? Scheinmanöver. nur dazu ausgeführt, um durch Sie das holde Wesen kennen zu lernen uqd es Ihnen zum Dank für Ihre guten Manieren, möglichst schnell auszuspannen! Ja, es soll schon einmal vorgekommen sein, daß Fräulein Krause, als sie mit dem von ihr innigst geliebten und ängstlich behüteten Herrn Meyer spazieren ging, ihre Freundin Fräulein Müller traf. Die obligate Vorstellung erfolgte und— einige Wochen späten konnte Fräulein Krause die für sie nicht sehr er- freuliche Anzeige in der Zeitung lesen: Als Verlobte empfehlen sich: Lizzi Müller Rudi Meyer. Eine mit besonders originellem Schick gekleidete Dame wurde durch einen unglücklichen Zufall gezwungen, ihre Schneiderin mit einer Freundin bekannt zu machen, wonach es wenigstens mit dem Originelle� des Schicks endgüllig vorbei'war. Nun ist es immerhin ein Trost, daß das Sichksnnenlernen für die Betrosfenen auch Nicht stets eine Quelle ungetrübten Glückes ist und bleibt: Nur weil man irgendwo Irgendwann mtt irgendwem flüchtige Bekanntschaft geschlossen, ist man nun dazu verurteilt, ihn zeitlebens grüßen zu müssen. Auch Ei« werden sicherlich in Ihrem weiteren Illnkreise einen Menschen wissen, dessen Leumund übel,� über den die Auskünfte schlecht und dessen bloße Existenz Ihnen schon unsympathisch, ja widerwärtig ist. Bestimmt haben Sie schon in langen Stunden im stillen Kämmerlein gebetet:„Gütiger Himmel, bewahr« mich nur davor, daß mir dieses Patenteket einmal persönlich vorgestellt wird! Brrrr!" Doch weil das Schicksal meistens das tut. was man von ihm nicht will, kommen Sie ausgerechnet mit dickfem van Ihnen bisher erfolgreich gemiedenen Monstrum in einer Gesellschaft zusammen, werden mit ihm bekannt gemacht und müssen— um nicht als Flegel verschrien zu werden— sich vor ihm förmlich verbeugen, ihm die Hand drücken, treu ins Aug« sehen und(wenn sich Ihnen auch dabei die Kehle zuschnürt!):„Sehr erfreut!" murmeln. Und wer von Ihnen wüßte nicht schon aus eigener Erfahrung, daß auf unserer Erde sonderbare Käuze wandeln, die gleich nach der erstmaligen gegenseitigen Namensnennung einen glatten Pump- versuch riskieren?. Ich faß eines Abends mit einem Herrn in einem Lokal. Ein als Anborggenie bekannter Bohemien kam an unseren Tisch. Pflichtgemäß übernahm ich die Vorstellung. Gleich darauf bat mich ein Bekannter auf einige Minuten zu sich. Als ich wiederkam, war der bewährte Pumpier verschwunden, und der Herr machte mir empörte Vorwürfe, daß„dieser verkommene, sogenannte Literat" ihn, knapp nachdem ich mich entfernt, erfolgreich angepumpt habe. Wütend raste>ch dem Unverfrorenen nach, stellte ihn und fragte ihn unwirsch:„Wie kommen Sie dazu, einen Mann, den Sie gar nicht kennen, anzuborgen?!' Mitleidig lächelnd erwiderte er mir:„Sie scheinen überarbeitet zu sein!„Nicht kennen" ist gut! Sie selbst haben ihn mir ja vor ein paar Sekunden v o r g e st e l l t l" Wissen Sie von dem fronen Gefühl, das man hat, wenn man einer Einladung Folge leistend, als wohlerzogener Mensch zuerst die Dame des Hauses begrüßt, und diese liebreizend, gastfreundlich (innerlich denkt sie vielleicht:„Hoffentlich trinkt er nicht wieder soviel von dem teuren Cocktail und brennt mir mit seinen Zigaretten keine Löcher in die echt« Spitzendecke!!") lächell:„Es freut mich wirtlich. daß Sie gekommen find! Sie werden gleich eine Menge reizender Menschen kennen lernen——" und schon schwirren Ihnen eine Unzahl Namen von Leuten, die sich gerade darüber ärgern, daß sie solange aufs Essen warten müssen, die Wohnungseinrichtung so ge- schmacklos ist usw. um die Ohren, und die trotzdem all«»Sehr angenehm!" stammeln? Man oerwechsell die Namen, redet den ahnenstolzen, feudalen Frecherrn von Borkewitz mit„Herr Cohn!" an und fragt Fräulein statt Frau Niedcrmayer, ob sie mit Kindern reich gesegnet sei. Kein reines Vergnügen ist es serner als neuer Gast an einer tadle ä'döte eingeführt zu werden. Mißtrauische, feindselige Blicke durchbohren Sie, und Är günstigste Eindruck, den man vielleicht von Ihnen hat, ist der, daß Sie die Wochenrechnung doch nicht werden bezahlen können, und man dann wenigstens den unangenehmen Mit- esser wieder los ist! Treten Sie aber beweibt auf, dann werden Ihre gesellschast- lichen Kalamitäten noch größer: Denn, der einen Hälfte der Mit- menschen sind Sie, der anderen Ihre Frau unsympathisch! Und trotzdem gibt es noch Erdenbürger, die von einer wahren Vorstellungsmanie besessen sind, die, wenn sie Sie versehentlich anstoßen oder eine falsche Fernsprechverbindung kriegen, gleich ihren werten Namen hinterherschmettern. Selbst, wenn sie, sagen wir Vorderduft oder ähnlich schön klingend heißen, sorgen sie für Verbreitung ihres Namens und frequentieren schon allein deshalb mit Vorliebe Lokale, die über Tischrohrpost und Tischtelephon verfügen-- Weil jedoch die Wahrheit des Wortes nornen est ornen in unserer Zeit häufig angezweifelt wird, ist' d e r Titel wieder hoch in Schwung gekommen! Ja, es klingt doch stolzer, arrivierter, selbst- bewußter, sich als„Städtischer Feuerwehroberspritzenoerwalter" Krawutschke oder„Wirklich Geheimer Unter-Leibsekretär" Knorke erkennbar zu machen— als schlich khin Krawutschke oder Knorke! Ein besonderes, trauriges Kapttel sind natürlich die„Zwangs- Vorstellungen", die kraft der Staatsgewalt vorgenommen werden. Sei es, daß Sie in gerechtem Zorn jemanden„Krummer Hund!" beschimpft, und dieser darob empörte Jemand mittels eines Schupo Ihre Personalien verlangt, oder die ,�)ausliste", mit der uns der Magistrat ausmerksamerweise des öfteren beglückt, umgeht. Ist es nicht erhebend, zu wissen, daß man kein Mysterium um sich verbreitet, sondern, daß das ganze Haus darüber informiert ist, es sozusagen schwarz aus weiß besitzt, daß die Frau, die auf 20 hergerichtet ist, fürnehmerweise die deutsche Sprache mit englischem Akzent so entzückend radebrecht, am 5. April 1889 In Schwiebus geboren ist? Im übrigen lernt man heutzutage feine Nachbar- schaft am sichersten und ausgiebigsten aus dem Umwege über die Technik kennen, indem man nach 10 Uhr abends Laut- f p r e ch e r oder Schallplatte spielen läßt— dann wird einem sogar Gelegenhest gegeben, einen tiefen Einblick in das Schimpf- repertoire der Anwohner zu nehmen! Versuchen Sie ernmol— von einer Behörde ganz zu schweigen— beim Direktor oder gar Generaldirektor eines Betriebes vorzusprechen! Da sitzt meistens in der Anmeldung ein jugendlicher Stift, der Sie— einen Bogen ausfüllend— in kurzem aber herzlichem Ton fragen wird: „Name?— Wann und wo geboren?— Was für«ine geborene ist die Mutter?— Verheiratet?— Welche Papiere haben Sie bei sich?— Referenzen?— Nummer Ihres Postscheckkontos?— Adresse?— Wie oft haben Sie die Gripp« gehobt?— In welcher Angelegenhett kommen Sie?" Und bis das alles gewissenhaft beantwortet und schriftlich nieder- gelegt wurde, ist der Herr Direktor entweder zu Tisch gegangen oder hat eine dringende Reise nach Paris angetreten. Es ist Ihnen aber unbenommen, wenn«r zurückkommt, diese Vorstellung mit gleicher Präzision zu wiederholen—-— Schön, wenn es im Jickeresse der Ordnung. Sicherhett, Finanz- gebarung, staatlichen oder städtischen Bürokratie, Statistik, Rassen» forschung, Personenstandsausnahme und Vervollständigung der Hundeliste dringend nötig ist. müssen wir die„Zwangsvorstellungen" scheinbar selbst vor einer mehr oder minder großen OeffenUichkett über uns ergehen lassen— auch im Berufsleben. Aber als Privat- mann bttte ich um die Freiheit, nicht genötigt zu fein, Herrn Kreil und Fräulein Pletj bekannt machen zu müssen, trotzdem ich kein Interesse daran— ja, vielleicht sogar am Gegenteil habe. Ich will nicht als ungehobetter Klotz verschrien werden, weil ich keinen Wert darauf lege, einem xbeliebigen, mir womöglich noch unangenehmen Menschen vorgestellt zu werden und darüber Freud« zu heucheln! Bitte, mißverstehen Sie mich nicht: Im gesellschaftlichen Umgang ist selbswerständlich das Miteinanderbekanntgemachtwerden nötig. Aber es sollte sich nur freiwillig vollziehen, nicht wie so häufig zu unserem Nachtell durch die Begriff«„gute Manieren"..Anstands» Pflicht",„Lebensart",„guter Ton" erzwungen! Kurz, ich glaube, die schmale Brücke des Taktes zwischen erwünschter und Zwangsvorstellung sollte erheblich verbreitert werden! Die Letten siegten 2: 0 Der Eishockeykampf der Arbeitersportlcr Die lettischen Arbeitersporller, die auf der Wintersport- llu)mpiade in Mür�uschlag so glänzende Erfolge erzielten, gaben gestern abend im Sportpalast vor gut besuchen Haus« ein Gast- spiel im Eishockey. Wie kaum anders zu eywarten war, siegten sie, die den Deutschen um eine ganze Klasse überlegen waren, verdient mit 2:0 Toren. Der Torerfolg wäre noch weil größer gewesen, wenn nicht der Königsberg«� K n o r r im deutschen Goal so iibex- aus erfolgreich abgewehrt hätte. Zum erste Mole trat der Ar- beiter-Turn- und Sportbund mit einer groß aufgezogenen«issport- lichen Veranstaltung im Berliner Sportpalast an die Oeffentlichkeit. Der Abend, dem ein internationales Gepräge gegeben wurde, war dann auch ein voller Erfolg, der Zweifel- los den Auftakt zu weiteren Eis- hockeykämpfen der Arbeitersportler tn Berlin geben dürft«. Wenn die Leistungen der jungen Eishockey- spieler auch noch hier und da man- ches zu wünschen übrig lasten, kann doch mit Genugtuung festgestellt werden, daß der Anfang gemacht ist und die Arbeiter-Eishockeyspieler zu den besten'Hoffnungen berechtigen. Ein Sport, der bisher fast aus- nahmslos im bürgerlichen Sport- lager gepflegt wurde, hat nun auch in den Kreisen der Arbeitersportler Eingang gefunden. Wie gesagt, das Eishockey bei den Arbeitersportlern steckt noch im Anfangsstadium und darum Hot wohl auch niemand ein kanadisches Eishockeyspiel erwartet. Die mit roten Fahnen und den Farben der Republik reich ge- schmückte Eisarena wies guten Be- such auf, als der Vorsitzende des baltischen Turn- und Schutzbundes, K a l m i n, in einer kurzen, ausgezeichneten Rede die Grüß« der lettischen Arbeiterschaft überbrachte. Bereits das achtemal, so führte Kalmin aus, weilten lettische Arbeitersportler in d«r deutschen Republik, zum ersten Male aber haben die freund- nachbarlichen Beziehungen lettische und deutsche Arbeitersportler zu einem internationalen Eishockeywettkampf in der deutschen Haupt- stadt zusammengebracht. Mit einem Kampfaufruf gegen die Welt- reaktion. für Sozialismus, Demokratie und Republik klangen die Worte des baltischen Sportführers aus. Nachher nahm auch der Vorsitzende des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Geliert, der fcunh wichtige Abstimmungen im Reichstag abgehalten wurde und deshalb mit einiger Verspätung eintraf, Gelegenheit zu einer Be- grüßungsansprach« an die lettifchen Gäste und die Sportgemeinde. Gerade der Wintersport sei bisher ein Privileg der besitzenden Klaste gewesen. Jetzt habe dieser Sport aber auch im Arbeitersport Eingang gefunden und die bisherigen Ergebniste haben den Bs- weis erbracht, daß es rüstig vorwärts geht. Die Arbeitersportler beider Länder reichen sich über die Grenzen hinweg die Hände und beweisen damit, daß sie eines Sinnes und eines Geistes sind. In der Kampforcna Ruch einem ganz ausgezeichneten Kunstlaufen von Vil- m l a k s- Lettland erscheinen unter starkem Beifall die lettisch« und- deutsche Eishockeymannschaft auf der Eisfläche. Das nationale Team setzte sich aus Königsberger Spielern zusammen, die durch Kähne, Iurkun und Traxel- Berlin als Auswechselspieler verstärkt wurden. Schon von Beginn des Spieles an zeigt« sich die große Ueberlegenheit der Letten. Sowohl in der Stock- wie auch in der Lauftechnik waren sie eine Klasse besser. Die deutsche Mannschaft ließ leider zeitweise jede Kombination vermisten, so daß das Spiel oftmals recht zerfahren und systemlos wirkte. Die besten Leute in der deutschen Mannschaft waren B o j a h r und K n o r r im Tor. Knorr haben es die deutschen Spieler in erster Linie zu oerdanken, daß die Niederlage nicht fchlimmer ausfiel. Bei den Letten brillierte Kruminlieya, der in glänzender Manier die Schaukurnen in Pankow! Wie alljährlich, veranstaltet auch dieses Jahr morgen, Sonntag um 15 Uhr, die.Frei« Turner- schaft Groß-Berlin, Bezirk Pankows ein«schau- turnen. In der Turnhall« der Mittelschule, Neue Schönholzer Straße 10(Fernheizwerk), werden die bundestreuen Turner und Sportler einen Auszug aus ihrem Uebungsbetrieb zeigen. Die »FTGB., Bez. Pankow", hat Turnabteilungen für Frauen uns Männer, Mädchen und Knaben. Fußball-, Handball- und Hockey- abtoilungen und eine neugegriindete Leichtathletikabteilung vervoll- ständigen den Ucbungsbetrieb. Jedem Partei- und Gewerkschafts- Mitglied ist Gelegenheit gegeben, in den Rechen der bundestreuen Arbeitcrsportler auch in Pankow Sport zu treiben. Das erste diesjährige Hallenwerbesest veranstaltet„Volkssport Neukölln-Britz" für seine Jugend- und Männerabteilungen Sonntag. 15. Februar, 14,30 Uhr, in der Turnhalle am Hertzbergplatz in Neukölln. All« Sparten sind mit Borführungen vertreten: Turner, Sportter. Spieler zeigen Ausschnitte aus ihrem Uebungsbetrieb. Jugendliche und Altcrsturner werden für die LeS>csübun''en werben. Besondere Auskunft: Lolkssport-Geschöfts- stelle Neukölln, Stuttgarter Straße 18 III. Fernruf Neukölln 8612. WInter-Trabrenaea zu Ruhleben. Mit der drei Tage umfassen- den zweiten Februarveranstaltung nehmen die Winter-Trabrennen zu Ruhleben morgen, Sonntag, ihren Fortgang. Die Rennen be- ginnen diesmal erst um IM Uhr. Arbeiker-Handball. und Hockeyspieler! Infolge der vereisten Plätze fallen morgen. Sonntag, 15. Februar, all« angesetzten Spiel« aus. Di« Kreisleitung der Handballspieler. 2. A. Max Richter. Die Kampfmannsdiaftcn (Vorn die deutsche Mannschaft, dahinter die Letten. Ganz rechts: Dr. Diese, der Winiersportwart . und Schiedsrichter gegnerischen Reihen durchspielte und seine Mannschaft durch den ersten Treffer auch in Führung bracht«. Das erst« Spiel» viertel endete mit 1:0 für Lettland. Der zweit« Teil ver- lief torlos, im dritten Spieloiertel' kamen die lettischen Gäste zu chrem zweiten und damit auch zum letzt/n Erfolg. Den Deutschen blieb trotz aller Anstrengungen selbst das Ehrentor versagt. Das Spiel wurde von Dr. Biese(ATE.) als Schiedsrichter muster- güllig geleitet. In den Pausen zeigten im Paarlaufen Hohmann- Frese(Berlin) und M! e l k c(Berlin) ganz ausgezeichnete Leistungen, die stürmischen Applaus hervorriefen. Den Abschluß Härtel sir Vtttiittlpitt«ab»nttJ Mitt«.«cn-Mttwt. faatmlun« Mittwo». 18. ftebtuat, 20 Übt, bei Setlit,£«bo(tt«nftt. 88. �«libetttät*,«Otlabcyi. Samen fite Sonntag. 18. ffebtuat. X. Sttt: -Bönbetuna durch den Dränewald cLorunalchan»«!. Start: 18 Ubr bei prall, BVowstr. 58.— 2. Abt.: Keaeln bei Lack al» Drotinzunaesvart. Start: 17 Ubr. 1— 3.«dt.: Zsujitaur durch den Eruneumld. S'art: 18 Ubr abns Rad dach. 1 bobubof Oratiienfttafte.— 9. Abt.: Siel am Start, Start: 18 Ubr.— Abt. !?r:el>rich»bain: Besicht, guna de» Lturmaoael. Start: U Ubr am chauatgebäude des iNuaalatw».— Abft Neutiilln: Siel am Start: Start: 13 Ubr Kabemallern. alatz.— Abt. Moabit: Sitlua Busch. Start: 14W Ubr aar dem Bortal.— Adt, Belnickendarf: Wanderun« durch dl» Sunolernbeide. Start: 10 Ubr See- Ecke Milllersiraß«.— Rennfabrer, Berlin-Mitt«: Quer durch den Srunrwald. Start: 9 Ubr Brandenburger Tor.— SnnfHne Deransialtunaen In der Wach« »am 18. ikebruar bi» 21. gebruar. 1. Abt.: 17. ssunttlanSrNtiun« bei Bücke rt, Stdnmrtisir. 38a, 20 Ubr. 20. Abteilunassisiuna ebenda.— 2. Abt.: 18. Ab- teilunossidunz. 20 Ubr. Anschließend Unterbattunasabend.— 8. Abt.: 18. Ab- trtlunaasiduna bei Seit. Soacnbaoenti Str. 17, 20 Ubr.— 9. Abt.: 18. Ad- tellunaasibuna de! Schreiber, Triftslr. 83. 20 Uhr.— Abt. grtedrichsboiu! 17. im Zuaendbelm Ebertastr. 12, 20 Ubr. Brettlalelabend.— 20. Abteilun«»- sibung mit Lartraa, Sarndorfer Str. 9. 20 Ubr.— Abt. Reukillln: 18. Zuaenb» beim. Jtortta«:..Dao IZahrrad und seine Bcbandluna'. M Ubr. 19. Abtei- l>in«ssibuna naiser�srledrich-Str. 172, 20 Ubr.— Abt. gauledarf: 20. Beinen. abend bei Eichel ich. Alt.paulsdarf 88, 20 Ubr. 21, Bbtellunnasibunn ebenda, 29 Uhr,— Abt. Mablsdarf: 17. Abteilunqsfibuna bei Ander», Babudsksirasie, 29 Uhr. 19, Reizenabend ebenda. 20 Übt,— Abt. Schdnedern: 17. und 20. Z'eine nabend in der Schule Temaelbofer Wen. 18. Abteilunq»sibuna bei Sbiele, Cberestr. 18.— Abt. Reinickendorf, 17. Iuqendabend im cheim Lindauer Strafte. 18, Abtellunnssibunn bei Zleumann. Reinickendarf-Oft, Proolntftr, 108. 19dh Ubr.— Abt. Weiftenfee: 20, Abteilunnasibuna bei Ranel. Piftariusstr. 27. 18. und 19. Retnenadeud in der Schul« Eustaa-Adalf-Straft«, lg>-, Ubr.— Abt. Dilmeredorf: 17. Reinenabend in der Turnballr Koblenzer Strafte. 20 Uhr, 19. Abteilnnnesibuna bei Lau, Wilmcradarf, Sildeaarbstr, 14, 20 Uhr. — Rennfabrer, Berlin-Mitte: 16. Badcadend im Stadtbad Darten strafte 6, 20di Ubr. 19. Hallen trainin«, göpenicker Str. 123, 19 uj Uhr. 20. Adteilungs- siftuns in der.Ealdenen Kuael', Nauunandabtenstr. 70. 20 Ubr.— Bor- autelne! Arn Sonata n, dem 13, Mär», 10 Ubr. aeranstalten die Rennfabrer ein Ouerfeldeinfabren Der Start ist Masfcnftart, 10 Ubr SchSnerlinde. Meldeschluft 8. Mär». Reldunnen hierzu an Schreiber. Berlin s. 30, Lachmann- strafte 4,— Abteilunnsleiter: Achtunn! 18. Februar erweitert« Berwallunn». stbuna bei Labann. BrUderstr. 16, 19 Ubr.— Su allen V-railstaltanaen sind Düste aern«clehen und werden Neuaufnahmen in den Adletlungastbunaen actätillt. Die leaischen Eiskünstler Kuitstl&ufer VUnlek* Sdmelllafer Vilhofs dieses ersten internationalen Eishockeyabends der Arbettersportler bildete ein Monnschostslausen üb«r 1500 Meter. Lettland siegte überlegen In 3: 8,2 Minuten und 3 Punkten vor Königsberg und Berlin. Di« lettische Eishockeymannschaft wird aus der Heimreis« noch am 15. Februar in Königsberg und am Tage darauf in K o w n o(Litauen) Spiele absolvieren. Burdas Jubiläum Zum 100. Ma�c„Snicherir nst" Vor ausverkauftem Haufe ging gestern in den Spichcrnsälen der 10 0. Kampfabend des„Ständigen Boxringes" von- statten. Dem Begründer dieses populären Berliner Kleinringes, Josef Burda, sprach Dr. Sorauer den Dank der Boxsportbehörde Deutschlands für die geleistete Aufbauarbeit aus. Das geschickt zusammengestellte Iubiläumsprogramin brachte auf der ganzen Linie spannende Kämpfe und ausgezeichneten Sport. Im Hauptkampf absolvierte der deutsche Mittelgewichtsmeister Erich T o d e k- Breslau seine Borprobe für den Anfang März in Köln stattfindenden Titelkamps mit Hein Domgörgcn. Der Breslauer hatte mit dem draufgängerischen Hannoveraner T r o l l m a n n keineswegs leichte Arbeit, seine größere Sicherheit und Ruhe setzten sich aber doch über die acht Runden sicher nach Punkten durch. Eine sehr schöne Leistung sah man von dem Examateur S a b o t t k e- Berlin, der gegen Horst Riege- Berlin in der dritten Runde durch techni- scheu ko. erfolgreich war. Letzterer muht« in der ersten Runde mehr- mals schwer zu Boden, so daß seine Sekundanten bereits in der ersten Runde das Tuch warfen. Riege hob es aber auf und kämpfte weiter. bis er tn der dritten Äunde doch die Waffen strecken mußte. Die Wettergewichtler Fritz K ü h n. Hirfchberg und E y b e l> Hannooer trennten sich unentschieden. Josts B e s s e l m a n n- Köly mußte sich über acht Runden mit einem Punktsiege über Paul Richter- Dresden begnügen, da Richter es ausgezeichnet verstand, der ge- fürchteten Rechten des Westdeutschen aus dem Wege zu gehen. Im einleitenden Qualifikationskampf siegt« der Schwergewichter H ä r i ch- Berlin über Frtg Marks-Berlin nach Punkten. Die Ski-Europameisterschaften In Oberhof Ist»lies vorbereitet Thüringens Winterspartzentrale O b e r h o f steht im Zeichen großer Ereignisse. Am Vorabend der bedeutendsten fkifportlichen Prüfungen des Jahres, ten Wettbewerben des I n t e r n a t i o- nalen Skl-V«rbonde». wurden überall fieberhaft die letzten Vorbereitungen getroffen. Inzwischen sind auch die letzten Aklioen der gemeldeten Nationen angelangt, und was di» Hiuptsach« ist,«s liegt Schnee in Mengen. Er fällt, so paradox dies klingen mag. so- gor viel zu reichlich. Da, bekamen besonder» diejenigen mehr al« genug zu spüren, die die-schwere Aufgabe hatten, die Langlaufstrecke abzustecken. Der Schneesturm heult und braust über den Thüringer Wald und es ist nur zu wünschen, daß der weiß« Segen am ersten Kompstage der Sonne Platz macht, damit eine sportliche Basis geschaffen ist. Di« landschaftlich überaus reizvolle Strecke d«s 17-Kllameter-Langlaufes stellt schon unter normalen Verhältnissen an die Bewerber große Anforderungen. Auf- und Abstieg durch stark welliges Terrain und Wald wechseln unaufhörlich miteinander ab, der Weg ist auf typisch norwegische Lauftechnik zugeschnitten. Während sich die Offiziellen mit der Absteckung der Strecke abmühten, ging es trotz des Schnee- sturmes auf der Hindenburg-Schanze recht lebhaft zu. Weit«n wurden allerdings, da es sich um Trainingssprüge handelte, nicht gemessen. Von den deutschen Springern sah man unter anderen die Sachsen Löhs« und Scherbaum, den Thüringer Fehringer, ferner die Schweizer Kaufmann und Ehiagna, den Finnen Esko Järvinen, die Deutschböhmen Glaser und Lauer und den größten Teil der Tschechen. Den besten Eindruck hinterließ aber das norwegische Brüderpaar Sigmund und Birger Ruud, nicht nur in bezug auf Weite, sondern auch auf vorbildliche Halbing. Bei heftigem Schneetreiben vollzog sich am Freitag der Start zum 17-Kilometer-Langlaus. Bon 77 gemeldeten Be- werbern gingen 67 aus die beschwerliche Reise, und zwar 20 Deutsche. elf Tschechen, neun Norweger, st fünf Schweizer und Deutschböhmen vier Schweden, je zwei Engländer und Jugoslawen sowie«in Finne. Wie zu erwarten war, gestaltete sich das Rennen zu einem Zweikampf Norwegen-Schweden, denn die Vertreter dieser beiden Länder endeten aus den ersten acht Plätzen. Den ersten Platz sichert« sich der Norweger Jahan Gröttumsbraaten. Don den mittel- europäischen Bewerbern waren der Breslauer L e u p a l d und d»r Thürinaer Otto Wahl die besten. Leupold besetzte den zehnten Platz, Wahl mit einer um vier Sekunden schlechteren Zett als der Breslauer den elften Platz. Der deutsch« Meister Gustav Müller- Bayrisch-Zell endet« an 16. Stelle. zum Sonnta�ssport Arbeiter- Schach. Morgen Somr2ag, 10 Uhr vormittags, wird in der R-Grupp« der Freien Arboiler-Ichach- Bereinigung Groß- Berlin die siebente Runde der Manns haftswe tkämpf« gespielt. Es treten fo'gende Abteilung«! an: Friedrickefrlde— Moabit bei Tempel. Sudrunstr. 7: Qlcht.'nbera— Grünau-Falstnbirg im Ost. kasins Flemming. Simplan- Ecke Gärtnerstraße: Mi t« 2— Pankow bei Skibba. Kastanienallee 63: Humboldthain— Prenzlauer Barg 8 bei Döhling, Brunnenstr. 70. Sonnabend, 14. Februar. Bertis. 18 20 UnlBTtialfane«tnu»iIc. 18.00 feam Kuoicndorl: GedrlnK« Wochenübersicht. fSpracher: Trakun.) 18.23 KUrtervorträte. t. Ch. V. Alban: Die Stimme des Instrumentes. 2. Wiener; Vier kleine Klavierstücke. 3. Stutschewsky: Drei Tanz- stücke(CrstanfOihninr).(Alice lacob-Loewensen, Clürel.) 18.50 Artur Kahane: Theater alt Cnleber. 19.13 Arbeltsmarkt 19.20 UnterhaUunssmusik. 20.30 Auf der Recperbshit. Ein Abend im Vorstadtlheafer. Leifon«: Alfred Braun. 22.00 Wetter*. Takes- und Sportnachrichten. Anschlieücnd bis OJO: Tanamualk. Könlgnwnsterbaiisen. 16.00 Dr. Kapban: Aus der Scltulfunkarbeit Im Freistaat Sachsen. 16.30 Hamburg: Konierl. 17.30 Prof. Dr. Deegencr: Unsere Tierwelt im Winter. 18.00 Frantiislsch für Fortgeschrittene. 18.30 Keg.-Rat Dr. Tb. Wiegand; Neue Ausgrabungen in Pergamon. IV 00 Zwiegespräch gwischcp Hand- und Kopfarbeiter, 19-30 Stille Stunde„Sammlung und Zerstreuung". 20.00 KAIn: Lustiger Abend. 21.00 Leipiig; Vom Tage. 21.10 Leipzig:„Als Verlobte empfehlen sich Prinz Orlowsky und' Qrifin Mafiza". 22.30 Leipzig: Nachrichten. Sonntag, 13. Februar. Berlin. 7.00 Funkgymnastik. 8.00 Für den Landwirt 8.50 Morgenfeier. 10X5 Wettervorüersag». II 00 Schallplatten. 12.00 Stidtlsche Oper. Charlotlcnburg: Konzert, ausgeführt von 160 arbeitslosen Musikern. Dir.: Dr. Fritz Stiedry. Beethoven: 1. Ouv. zu„Cgmonf. 2. Konzert lür Klavier und Orchester, Et-Dur, op. 73(Professor Kreutzer. Flügel). 3. Sinfonie Nr. 5, C-Moil- 14.00 Märchen(Sprecher: Erika Dornburg). 2. Kinderllgder(Marianne Thalau, Sopran: Flügel: J. Bürger). 14.40 I. Resplghi: Priludlum Cls-Moll(Lo BUcheler-Oerlin. Flügel). 2 Deutsche Volkslieder(Urauffühiung).(Bearb. von Hlrsehberg.)(Else Agathe Holzer, Sopran.) 3. Casella; Sonstina(Lo Bücheler-Oerlin). 4. Italienische Volkslieder(Else Agathe Hölzer: Elügel: 1. Bürger), 15.10 L. Spitzer: Weltstadlerlebnisse eines Reporters. 15.35 Unterhaltungsmusik. 16.55 Heinrich Heine.(Ein Ooerschnltt zum TS. Todestag.) Manuskript: Alfred Wol/ensteln. Ltg.: Edlel Kdppen. 17.53 Clavichord-Cembalo.(Eine Oegenfiberztellutig. Einleitende Worte; Kurt Westphal.) I. Gerherd Schwarz spielt Werke von Ph. E. Bach(Clavichord). 2. Anna Linde spielt Werke von J. S. Bach(Cembalo). 18.25 Programm der Aktuellen Abteilung. 16.80 Sportnachrichten. 19.00„Perlchole", Operette von J. Odenbach. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. AnscblleDend bis 0-30; Tanzmusik. Kftnlgswusterhauset. 7J30 Hamburg: Hafenkonzert. 11.30 Rektor Fr. Buchholg: Von der Volksschnlo las Leben. i 12.00 Kßnlgsbarg: Konzert 18.00 Wilhelm Loof: AI« Farmarbelter In Dakota. ; 18,30 Hacs Kyser; Schlelarmachar.. 19.00 Für und wfdar varUo.(vr Alfons Panne« und Martin Miehlar.) | 19.33 Else Jcihannsen-Wagcsr: Goethes Mutter. 20.00 Philharmonie: Volkstümliche» Orchestarkonsert(Philharm. Orchester.) 1 22.15-0-30: Uebertragnnt von Berlle.