Morgenausgabe Nr. 83 A 42 4S.Iahrgang Wöchentlich LS Pf, monatlich 3.60 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Posrbestellgebühren. Auslands- odonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 5,— M. * Der„Vorwärts� erscheint wochentäg- tich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volt und Zeit" Ferner..Frauenstimme", „Technik",„Blick in die Bücherwelt", ,Iugend-Borwärts"u.„Stadtbeilage� P> BierUner VoMbia« Oonnersiag 1.9. Februar 1931 Groß-Äerlin 1O Pf. Auswärts 4Z Pf. Die e t n f p a l t t g e Nonparelllezell« 69 Pfennig. Reklame�eile ö.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen' das ettge» druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Won 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 69 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 49 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäst Lindenftraße S, wochentäglich von 8V» bis 17 Uhr. Jsntvalovgan dev Soziawemotvattfche« Vavtei Deuifchtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 lverniprcchcr: DönhofI 2V2— A7 Telegramm-Adr: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Bcrliil S7 536.— Bankkontos Bank der Arbeiter, Angestellten und Bcamlen, Lindenstr. 3, Dt. B. u.Disc.-Gcs.,Tcposiienk.,Jeri!laleiner Str. 65/66. Kechtsregierung in Spanien. Konzentrationsregierung aller monarchistischen Parteien. Madrid, 15. Jebruar. Die spanische Krise ist am Millwoch durch die Bildung eines K y n; e n trat l o n skab in ekts der Rechten und der monarchischen Liberalen einschließlich der Regionalisten unter Führung des Admirals Aznar beeodel worden. Folgende Minister haben sich zur Eidesleistung vor dem König in das Palais begeben: Präsidium und Marine: Admiral Aznar, unpolitisch Acußercs: Graf von Romanones, liberal Justiz: Marquis Alhucemas, liberal Finanz: ventosa, Regionalist und Freund des Finanz. mamies Combo Inneres: Marquis � o y o s, konservakiv, bisheriger Bürger- meister von Madrid Krieg: General Bereaguer, der bisherige Minister» Präsident, unpolitisch Verkehr: La C i e r v a, konservativ Arbeit: Herzog von Maura. konservativ Mirtschast: Gras jjon Bugalall, konservativ. Unklare Hiniergründe. Paris, 18. Februar.(Eigenbericht.) Spanien hat wieder eine neue Regierung, eine Re- gierung. die sich unter Führung des Admirals Aznar aus ollen Schattierungen der monarchistischen Parteien zusammensetzt und sich von dem Dikkoturkobinett des Generals Bereaguer nicht wesentlich unterscheidet. Bezeichnend für den Eharakter dieser kaum verhüllten Diktaturregierung ist die Totsache, daß General Be- renguer ihr als Kriegsmini st er angehört. Unter diesen Umständen nimmt man hier mit großer Skep» s i s eine amtliche Meldung aus Madrid zur Kenntnis, wonach sich die neue Regierung in konstitutionellem Sinne betätigen will. An. geblich will sie im März die Kommunalwahl e�i, im Mai die provinzialwohlen und im Juni die parla- mentswahlen ausschreiben. Das neue Parlament soll nach der amtlichen Verlauibarung volle Freiheit erhalten, die V e r. fassung in jeder gewünschten Richtung abzuändern. Auch sollen die wichtigsten von der Diktatur erlassenen Gesetze ausgehoben werden. Da die Zensur zur Zeit nur die Verbreitung der ossiziellen Rachrich'en gestattet, ist man hier über die Hintergründe der letzten Entwicklung in Spanien sowie über die Stimmung im Lande nicht unterrichtet, lleber die plötzliche Aenderung in der Haltung des Königs, der am Dienstag ein liberal- republi- konisches Kabinett bilden losten wollte, am Mittwoch aber ein monarchistisch. reaktionäres Kabinett bilden ließ, liegen zwei Auslegungen vor: Räch der einen Hobe Alfons den liberalen Politiker Guerra nur mit der ausgesprochenen Absicht mit der Regierungsbildung beauftragt, um ihn zu Fall zu bringen und so die liberal-republikanische Bewegung in den Augen der Oessent» lichkcil zu diskreditieren: nach der anderen sei der König angeblich zu bedeutenden Konzessionen an die Linke bereit gewesen, doch habe diese ihre Forderungen übertrieben. Inzwischen scheinen olle Maßnahmen getroffen zu werden, um die neue Regierung m i l G e w a t« am Ruder zu erhallen. Ein völlig überraschender Frontwechsel innerhalb von 48 Stunden. Wie ist er zu erklären? chaben etwa die Sozia- listen und Republikaner am entscheidenden Montag, als Sahchez Guerra betraut war und sich an ihre im Gefängnis sitzenden Führer mit der Bitte um Mitarbeit vergeblich wandte, einen Fehler begangen? 5)aben sie vielleicht die Stärke ihrer Position überschätzt, den Bogen über- spannt? Das läßt sich von Deutschland aus heute noch nicht entscheiden. Sicher ist, daß die Berufung Sanchez Guerras durch den König eine solche Demütigung für die Krone bedeutete, daß man deren Lage für verzweifelt halten konnte. Aber es scheint, daß die Monarchisten und die Kirche, die an der Erhaltung des Thrones am meisten interessiert ist, die vierundzwanzig Stunden, die Sanchez Guerra in ver- geblichen Verhandlungen mir den Gefangenen verlor, aus- genutzt haben, um den König wieder„aufzupumpen".' Jedenfalls war am Dienstagmittag Alfons XIII. ein ganz anderer Mann als tags zuvor. Als Sanchez Guerra ihm mitteilen mußte, daß die Bildung der erstrebten Links- regierung an der Weigerung der Sozialisten und Republikaner gescheitert wäre, wandte sich der König gar nicht mehr, wie man erwartete, an den noch weiter links stehenden Alvarez, sondern nur noch an zuverlässige Monarchisten: so ist das neue KabinettAznar entstanden. Davon, daß der König aus dem Lande gehen soll, um abzuwarten, wie das Volk über sein Schicksal entscheidet, ist keine Rede mehr. Allerdings wird wieder davon gesprochen, daß Wahlen zu einer verfassunggebenden National- Versammlung stattfinden, also zu einem Parlament, das dem Lande eine neue Verfassung geben soll, die, wenigstens theo- retisch, eine republikanische sein könnte. Nur mit dem großen Unterschied, daß es eine monarchistische und nicht eine oppositionell-republikanische Regierung sein wird, die diese Wahlen machen wird. Und dieser Unterschied darf leider in einem Lande nicht unterschätzt werden, wo die Volksbildung zum Teil noch sehr rückschrittlich ist, wo die demokratische Schulung und Tradition, besonders auf dem flachen Lande und in den Kleinstädten, fehlt, wo der Verwaltungsapparat und vor allem die Kirche überaus mächtig find. So könnte es zunächst scheinen/daß die Linke einen schweren Fehler gemacht hat, als sie die Gelegenheit zur Er- greifung der Macht zurückwies. Aber bevor man ein solches Urteil fällt, mühte man alle Elemente des Problems mit Be- stimmtheit kennen, aber manches ist zurzeit noch recht unklar. Andererseits muß man auch bis auf weiteres den Führern der republikanischen Lmken eine richtigere Einschätzung des tatsächlichen Kräfteverhältnisses und der Entwicklungsmöglich- leiten zutrauen, als sie dem ausländischen Beobachter im Augenblick möglich ist. Die Männer, die es abgelehnt haben, die Gefängniszelle mit dem Ministersessel zu tauschen, haben damit nicht nur eine heroische Haltung eingenommen, die auf die Massen des Volkes tiefen Eindruck machen dürfte, sie müssen auch fest davon überzeugt sein, daß ihnen der S i e g nicht mehrzu entreißen ist. Mögen sie sich nur nicht darin getäuscht haben, möge ihr stolzes„Nein" sich nicht später als eine heroische Torheit erweisen, möge der schlteßliche S i e g d e r R e p u b l i k, der in der Tat auf die Dauer nicht aufzuhalten ist, nicht mit schweren blutigen Opfern erkauft werden müssen, nachdem er nahe daran war, auf unblutige Weise, mit rein legalen Mitteln, errungen zu werden! Eines ist jedenfalls sicher: der König mag vorläufig durch die Bildung einer monarchistisch-reaktionären Regierung seinen Thron gerettet haben, die D y n a st i e ist u n- rettbar, und sei es nur, weil der taubstumme Thronfolger als Erbe nicht in Frage kommt. Wie lange sich Alfons XIII. noch halten wird, dürfte die Entwicklung schon der nächsten Zukunft zeigen, aber er wird bestimmt Alfons der Letzte gewesen sein t . Die Königin macht in Tendenzberichterstattung. London, 18. Februar.(Eigenbericht.) Die nack) Madrid zurückgekehrte Königin von Spanien tele- phonierte dem„Daily Erpreß", ihre Fahrt von der spanischen Grenze bis zur Hauptstadt habe einem Triumphzug geglichen: große Menschenmassen hätten sie aus den Siraßen und an allen Stationen, vor allem aber aus dem Madrider Bahnhof, begeistert begrüßt. Aber der Madrider Korrespondent des„Daily Expreß" meldet in der gleichen Ausgabe des Blattes, am Bahnhof hätten sich bei der Ankunft der Königin etwa 506 Personen aus de» vornehmen Familien Madrids eingefunden. „Massen".... »Mit deutschen Gewehren.. Paris, 18. Februar.(Eigenbericht.) In der auswärtigen Kommsssion der französischen Kayuner kam es am Dienstag bei der Aussprache über die Ereignisse in Spanien zu einem lebhaften Zwischenfall. Der baskisch« Abg. Pbornegaray behauptet« im Verlauf der Sitzung, daß Deutschland bei den Unruhen in Spanien eine große.Rollc gespielt habe. Die spanischen Revolutionäre seien alle mit deutschen Gewehren bewaffnet. Der sozia- listische Abg. Grumbach trat diesem Ammenmärchen«nt- schieden entgegen. Reichsbanner ruft! Morgen, Freitag, 20 Uhr, im Sportpalast, das republikanische Berlin zur Kundgebunsl Mitwirkende: Ansprache staatsmlnlsterGrimme„Sieben Jahre Reichsbanner!"— Ferner: Heinrich Witte vom Staatstheater, der Männerchor„Fichte-Qeorglnia 1879" und die vereinigten Spielmannszüge und Musikchöre des Reichsbanners.— Karten in den„Vorwärts"- Filialen und im Gaubüro des Reichsbanners, Sebastlanstra&e 37-38. Vom Zement bis zur Liieraiur. Die Koniroliarbeit des Rechnungshofes. Von Ruit Heim?. Der Rechnungshof des Deutschen Reiches hat eben feine Denkschrift und die Bemerkungen zur Reichs- haushaltsrechnung 1928 dem Reichstag zugehen. lassen.(Drucksache Nr. 688.) Dem Rechnungshof des Deutschen Reiches obliegt die Ueberwachung der gesamten Reichshaushaltsführung. Die Prüfung der Rechnungen durch den Rechnungshof hat sich darauf zu erstrecken: 1. ob der H a ü s h a l t s p l a n einschließlich der dazu- gehörigen Unterlagen eingehalten ist; 2. ob die einzelnen Rechnungsbeträge sachlich und rechnerisch in vorschriftsmäßiger Weise begrün- det und belegt sind; 3. ob bei der Gewinnung und Erhebung von Ein- nahmen sowie bei der Verwendung und V e r a u s- gabung von Reichsmittcln, ferner bei der Erwers bung, Benutzung und Veräußerung von Reichs- e i g e n t u m nach den bestehenden Gesetzen und Vorschriften unter Beachtung der maßgebenden Verwaltungsgrundsätze und unter Beobachtung der gebotenen Wirt- schaftlichkeit verfahren worden ist; 4. ob nicht Einrichtungen unterhalten, Stellen aufrecht- erhalten oder in sonstiger Weise Reichsmittel verausgabt wor- den find, die ohne Gefährdung des Verwaltungszwccks hätten eingeschränkt oder erspart werden können. Der Rechnungshof darf von den Behörden jede zur Prü- fung der Rechnungen und Nachweisungen oder sonst zur Ueberwachung der Wirtschaftsführung von ihm für crforder- lich erachtete Auskunft sowie die Einsendung von Büchern und Schriftstücken und die Vorlegung der Akten verlangen. Nach Prüfung der Rechnungen hat der Rechnungshof unter selbständiger und unbedingter Bcrant- m o r t l i ch k e i t einen Bericht zu erstatten, der an den Reichstag geht, mit dem Antrag, die Reichsregierung wegen der Reichshaushaltsrechnung zu entlasten. Vor wenigen Jahren benötigte der Rechnungshof nach Abschluß des Haushaltsjahres noch 47 Monate zur Erstattung seines Berichts. Sein Pericht zur Reichshaushaltsrechnung 1928 ist knapp 19 Monate nach Ablauf des Haushaltsjahres dem Reichstag vorgelegt worden. Für die Zukunft muß erreicht werden, daß die Denkschriften des Rechnungshofes zu den Haushaltsrechnungen ahne Nachträge so rechtzeitig dem Reichstag zugehen, daß ihm und im besonderen seinem 5. Ausschuß(Reichshaushalt) ein logischer und reibungsloser Kreislauf der Haushalts- beratung und politischparlamentorischen RechiGingsprüfung möglich wird. Dieser Zustbnd wird dann erreicht sein, wenn alljährlich die Denkschrift des Rechnungshofes über die Haus- Haltsrechnung des vorverzangenen Jahres so bald zur Beratung vorliegen, daß sich ini 5. Ausschuß(Reickshaushalt) und seinein Rechnungsunterausschuh die parlastientarische Prüfung der Haushaltsrechnung des abgelaufenen Rechnungsjahres organisch anschließen kann. Dann muß noch so viel Raum für die Erörterung über diese Rcchnungs- Prüfung im 5. Ausschuß(Reichshaushalt) bleiben, daß dieser sie vornehmen kann, ehe er mit der Beratung des nächst- jährigen Haushaltsplanes beginnt. Diesem Ziele konnte bis jetzt wesentlich nähergekommen werden, als noch vor wenigen Jahren auch nur zu hoffen war. Die jüngste Denkschrift des Rechnungs- Hofes zerfällt in zwei Teile. In einer allgemeinen grundsätzlichen Gesamtbetrachtung wird ge- zeigt, daß die bisherigen Jahresabschlüsse des Deutschen Reiches immer noch zu günstig waren, weil auch die schweben- den Schulden des Reiches als haushaltsmäßige Deckungs- mittel betrachtet wurden, während doch eine wirkliche Deckung aller Zlusgaben erst dann erreicht ist, wenn die schwebenden Schulden entweder getilgt oder in langfristige Anleihen um- gewandelt worden sind. In der Einzelberichterstattung über seine Prüfungstätigkeit führt der Rechnungshof tief in die Mängel der heutigen Geldbewirtschaftung durch die Behörden hinein. Für den Leser der Denk- schrist ist das ein Spaziergang durch alle Ressorts, bei dem es ihm ständig unbehaglicher zumute wird. Da �hat das Reichsgesundheitsamt aus dem Weinsteueraufkommen Mittel zur Ausführung Wissenschaft- licher Untersuchungen zur Verfügung gestellt bekommen. Zwanzig Flaschen Wein waren dazu nötig, aber beschafft wurden vierhundert 26er Graacher Himmelreich. Bei den iiom Relchsarbeitsministerium gegebenen umfangreichen und laufenden Siedlungskrediten ist gegenüber vielen Sicdlungsgesellschaften mit dein Reichsgeld nicht ausreichend sorgfältig verfahren worden. Bei der Beschaffung der o r t h o- pädifchen Hilfsmittel für die Kriegsver- letzten wurde durch eine Nachprüfung der von den Ortho pädiemechanikern und den orthopädischen Schuhmacher meistern geforderten Preise eine dauernde jährliche Minder ausgäbe von mchr als 1,2 Millionen Mark erreicht. Bei der Reichswehr wurde festgestellt, daß verschie- deutlich wieder verwendete pensionierte Offiziere ihr Gehalt bekamen, ohne daß die Pension ihnen angerechnet wurde Auch hier ist durch das Eingreifen des Rechnungshofes eine grundsätzliche Aenderung eingetreten. In eirwm Falle ist ver- anlaßt worden, daß zwei Offizieren, die durch Unachtsamkeit erhebliche Unterschlagungen bei einer Eskadronkasse nicht ver hinderten, jetzt monatlich SV M. vom Gehalt bis zur Deckung der Unterschlagung abgezogen erhalten. Bei den Militär- behärden ist man immer mehr dazu übergegangen, die Ka- fernen usw. durch Zivilpersonekl(Wach- und Schließgesell' schasten) bewachen zu lassen. Das kostet jetzt jährlich über 875 VVV M. Hier verlangt der Rechnungshof beschleunigte Aenderung. Besonders viel bedenkliche Mängel in der Bewirtschaftung des Reichsgeldes werden bei der Verwaltung der Reichs Wasserstraßen gefunden. In allzu vielen Fällen werden bei den Wasserbauämtern die notwendigen Be schaffungen ohne Ausschreibung vorgenommen. Ein Wasser- bauamt hatte seinen gesamten Bedarf an Metallwaren im Wege vieler kleiner Bestellungen, aber im Gesamtumfange von rund 70 vvv M. im Jahr- von zwei ortsansässigen Händlern freihändig bezogen. Als der Rechnungshof von den Handlern einen angemessenen Preisnachlaß forderte, gingen beide sofort darauf ein! Ein Wasserbauamt hat durch lange Jahre hindurch große Zementlieferungsverträge über 1V0VVV Tonnen auf die Art abgeschlossen, daß es dem Unternehmer den größten Teil des Geldes für feine Lieferungen im voraus zahlte. Bei den Landesfinanzämtern ist es üblich ge- worden, daß deren Leiter sich mehr oder weniger kostspielige Einrichtungen für ihre Zimmer, für Sitzungsräume usw. leisten. Häufig sind nicht nur die notwendigen Nachschlage- werke, sondern auch Bücher beschafft worden, die für den Dienst überhaupt nicht in Betracht kamen, zum Beispiel Bücher unterhaltenden Inhalts. Ein Finanzamtsprüsident hat sich noch ein halbes Jahr vor seinem Abgang infolge Er- reichung der Altersgrenze mit vielen Unkosten eine Dienst- Wohnung einrichten lassen und bezogen, um dann wieder aus- zuziehen. In einem anderen Falle ist ein großes Finanzamt in einem Gebäude untergebracht, das einem Lande gehört, von diesem aber an einen Unternehmer zur Vermietung gegen Pacht überlassen wurde. Der Pächter dieses landeseigenen Gebäudes hat die Räume an 3v Unternneter weitervermietet. Das Reich und das Laich— dem das Grundstück gehört!— zahlen insgesamt an diesen Pächter aber schon so viel Miete (IG) vvv M.), wie er selbst an dos Land als Pacht zu fxisten bat. Der Unternehmer Holl also bereits aus zwei von dreißig Mietern den ganzen von ihm zu zahlenden Pachtzins heraus! Der Vertrag läuft lecher iwch bis 19AZ. Die Reichsfinanzverwaltung hat zum Teil W o h n u n- gen für Beamte gebaut, die auch verwöhnten Ansprüchen gerecht werden. Selbstverständlich können die Beamten in diesen Wohnungen nicht die an sich dafür berechtigte Miete zahlen. Die Konsequenz ist, daß das Reich ein dauerndes Verlustgeschäft laufen hat. Das gill überdies für so manche anders Bcamtensiedlungcn ebenfalls, die von den Ministerien gebaut wurden.. Der Rechnungshof weist nach, daß das zahlenmäßige Er- gebnis seiner Prüfungstätigkeit für 1928 einmalige Er- sparnisse und Mehreinkommen in Höhe von 2 Millionen Mark und fortlaufend in Höhe von 2,1 Millionen Mark beträgt. Dazu kommen noch 7,8 Millionen Mark als einmalige Einnahme, die von Rcichsbehördcn zu viel ausgezahll oder von ihnen zu wenig erhoben worden waren. Reben dem zahlenmäßigen Ergebnis steht selbstverständlich noch die fach- liche Auswirkung der Prüfungen, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die Aufgabe der Rechnungsprüfung ist es nicht, das fest- zustellen, was in der Reichsverwallung gut und in Ordnung ist. Es gilt, die Mängel in der Verwaltung und Verausgabung des Reichsgeldcs aufzudecken. Das geschieht erfreulicherweise in zunehmendem Maße. Damit wird wieder der Finger auf eine offene Wunde gelegt. Es zeigt sich nämlich, daß allzu häufig Interessenten verstehen, vnberechtigterweise an Reichskassen heranzukommen, und daß es so manchem Beamten nicht gegeben ist, mit der nötigen Nüchternheit und Sicherheit über die Ausgaben des Deutschen Reiches mitzubestimmen. Mag die Zahl diese? in ihrem Können unzureichenden Beamten im Vergleich zu denjenigen vielen Tausenden von Beamten, die mustergültig ihre Arbeit leisten, auch noch so gering sein, der moralische und sachliche Schaden, der dem Deutschen Reiche dadurch erwächst, bleibt doch so groß, daß er ausgemerzt werden muß. Die Rechnungsprüfung ist dazu ein wirksames Mittel. Die richtige Stelle. Im Braunslk>wciger Landtag betonte iber üeutschnationate Fi- nanMinister. die ZZeruvaltung habe den Willen, ondcrrichtigen Stelle zu sparen. Beim Etat des nationalsozialislischen Volks- bildungsmimsters Franzen seien nicht weniger als 683 000 gespart worden. Lolk-childung— kann gespart werden.. Je dümmer das Volk. um so besser für die Hakenkreuzler! Generaldirektor Hitler. Hitler hat seinen Prioatautopark vermehrt. Er hat sich einen 1 VdlB.Mcrcedes-Benz zugelegt. In diesem Punkte ist er Goebbels endgültig über. Kostenpunkt: 44000 Mark. Zahlt Thyssen? Hitler hat Gorgen. Gegensatz zur Reichstagsfraktion.— Er fleht trübe in die Zukunft. Aus der Fraktionssitzung der NSDAP, am 10. Februar d. I., in der bekanntlich der Exodus der Nationalsozialisten aus den Reichstag beschlossen worden ist, erfahren wir von best unter- richtete r Seite noch folgende Einzelheiten, die interessante Rückschlüsse gestatten auf die verworrenen Verhältnisse im Hitler- Lager und die Hintergründe der letzten Proklamation Hitlers an die ihm entgleitend« Partei. „Die Fraktion hatte am 10. Februar mit Einstimmigkeit nicht nur den Ausmarsch aus dem Reichstag beschlossen, sondern gleich- zeitig den Erlaß eines von Hitler zu unterzeichnenden„Moni- festes an das. deutsche Volk" und den Aufruf zum Zu- sammentritt des„Parlaments der nationalen Oppo- s i t i o n" in Weimar. In diesem Manifest sollte dargelegt werden, daß„auf parlamentarischem Wege eine Rettung des deutschen Volkes nicht in ehr möglich" wäre und daß das deutsche Volk sich deshalb nicht mehr in Richtung auf Berlin orientieren, sondern nach Weimar blicken solle, wo die „Vertreter des nationalen Deutschland im hohen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit über die Zukunft beschließen" werden. Der Reichstagsabgeordnete Rosenberg(Chefredakteur des „Völkischen Beobachter") wurde von der Fraktion beauftragt, diese Beschlüsse Herrn Hitler, der es auf telephonischen Anruf abgelehnt hatte, sofort nach Berlin zu kommen, zu unterbreiten. Rosenberg begab sich unverzüglich nach Berchtesgaden, vermochte jedoch die Genehmigung Hitlers für die Pläne der Frak» tion nicht zu erlangen. Sowohl den Gedanken des M a n i» festes, als auch ingbefonderc den Plan der Einberufung eines Rumpfparlaments nach Weimar lehnte Hitler strikte ab mit der Begründung, daß er hierdurch in Konflikr kommen müsse mit der Staatsgewalt: es nrüfse„jetzt alles unter- bleiben, was der Gcgpnfeite auch nur den geringsten Schein eines Anlasses geben könne, stine und der NSDAP, unbedingte Legalität, die er in Leipzig beschworen habe, in Zwezsel zu ziehen." Im übrigen sei ihm bekannt, daß man sowohl in Berlin, als auch — was ihn persönlich am meisten bedrück«— in München nur auf eine Gelegenheit warte, die NSDAP, zu verbieten, ihn selber aber aus Deutschland auszuweisen: nach Oesterreich könne er nicht und von Italien aus wäre«r außerstande, die Bewegung zu leiten. Schließlich beschäftige ihn der L o r st o ß des katholischen Klerus in Süddeutschland gegen die Nationalsozialisten erheblich mehr als das. was zur Zeit in Verlin geschieht. Nach wie vor gilt, daß die Nationalsozialisten und ihre Reichs- tagsfraktion ratlos sind und abwarten, was die anderen tun. In den Kreisen der Mitglieder jedoch steigt die Unzufriedenheit darüber. daß der scheinreoolutionären Geste vom 10. Februar keine reoolu- tionären Taten zu folgen scheinen." Heute wieder Reichstag. Sie Eiatsberatung geht weiter.- Aeltestenausfchuß und Schwänzer. Der Reichstag tritt heute um 3 Uhr wieder zusammen. Aus der Tagesordnung steht der Etat des Berkehrsminiftertums. Der Aeltestenaueschuß tritt bereits um 11 Uhr zusammen. Er wird sich mit der Frage der Wiedereinsetzung des Untersuchungs- ausschusscs für die Kriegsschuldfrage beschäftigen, den Geschäftsplan des Reichstages für die nächste Zeit festlegen und außerdem auf Anregung des staatsparteilichsn Abgeordneten Dr. Weber die durch den Auszug der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen strittig gewordene Frage untersuchen, ob die ausgezogenen Abgeordneten ohne Urlaubsgesuche dem Reichs- t a g fernbleiben können und ob sie nicht damit ihre Pflichten als Abgeordnete vernachlässigen. Dr. Weber hall« seinerzeit in einer Bollsitzung auf die Bestimmungen der Geschäfts- ordnung aufmerksam gemacht, wonach die'Abgeordneten ver- pflichtet sind, an den Arbeiten des Reichstages teilzunehmen und wonach ferner der Reichstag wohl Urlaubsgesuch« für längere Zeit, nicht aber auf unbestimmte Zeit erteilen könne. Bisher haben weder Nationalsozialisten noch Deutschnationale um Urlaub, nach- gesucht._ Einheitsfroniiakilk. Sin kommunistisches Manöver gegen das Reichsbanner. Die kommunistisch« Presse v«röffenUicht eine Aufforderung eines sogenannten„Aktionsausschusses gegen den Faschismus" an alle Kommunisten, sich an dem Aufmarsch des Berliner Reichsbanners im Lustgarten zu beteiligen. Dieser sogenannte Aktionsausschuß ist natürlich eine.kommunistische Nebenstelle. Man macht wieder einmal in„Einheüsfront"— im gleichen Atemzuge aber beschimpft man das Reichsbanner und feine Führer! Das Reichsbanner hat.bereits mehrfach gezeigt, daß es für diese Form komimmistischer Propaganda gänzlich unzugänglich ist. Der Versuch der Kommunisten, sich in die Lustgartenkundgebung einzudrängen wird kläglich scheitern. Die kommunistische Zumutung an das Rcickzsbanner aber, diese Kundgebung gegen die Feinde der Republit ziT einer Demonstration gegen die preußische Polizei zu machen, ruft«in donnerndes Gelächter bei allen Reichsbannerkamcraden hervor! Ein Hngenberg-Klaischweib. Die nationale Hintertreppe. Der deuffchuationale Reichstagsabgeordnete Fabrikant Wider hat in einer deutschnativnalen Versammlung in Stuttgart seine und seiner Freunde besondere Ausfassung der Ehrenhaftigkeit in folgenden Sätzen enthüllt: „Ich könnte mir vorstellen, daß Reichsbanner und Schutzpolizei in Preußen bereits zu einem Heereskörper verbunden sind, ich könnte mir vorstellen, daß Tausend« von Reichsbani«runisormen bereit iiegen, und daß bei den entscheidenden Kämpfen dieses republikanische Heer die Reichs- wehr in Schach zu halten imstande wäre. Ich könnte mir noch mehr vorstellen. Man ist mit Frankreich in diesen Jahren ja sehr intim geworden, ich könnte mir also I denken, daß die derzeitigen Machtinhaber unter Führung von I einem Breitschcid sich mit Frankreich st> gut stehen könnten, daß' im Falle innerer Unruhen Frankreich„zum Schutz« des Poung-Planes" gegen die nationale Beroegung in Deutschland einmarschieren könnte. Ich behaupte nichts, ich weiß nichts, aber ich könnte mir das vorstellen." Er könnte sich das alles vorstellen— aber er ist zu feige, zu seinen erbärmlichen Verlcuindungen zu stehen! So lästern Klatschweiber, die auf der Treppe einander zuflüstern: Ich weiß ja nichts und will auch nichts gesagt haben, ober...!,„ Ein seiner Mann, ein echt deutschnationaler Mann! Stadi Essen borgi bei Arbeitern! Zwangsanleihepläne einer Stadlverwaltung. Essen. 18. Februar. Die sich immer stärker auswirkende Wirischaftskrsse macht sich auch bei den Essener Finanzen bemerkbar. Zur teilweisen Deckung des Defizits beabsichtigt die. Verwaltung, bei den Beamten, An- gestellten und Arbeitern eine Anleihe dergestalt aus- zunehmen, daß von de.n Gehaltsbezügen eine be- stimmte Summe einbehalten werden soll, die, zu einem entsprechenden Satz verzinst, zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgezahlt werden soll. Härten sollen nach MögUchkeit vermieden werden. Zur Verwirklichung dieses Schrittes müßte erst die Zu- stimmung der maßgebenden Stellen eingeholt werden. Bei einem Abzug von 5 P r oz. kommt eine Aisseihe von etwa IBö Mit- lionen Mark in Betracht. Schöne Arbeiierverireier! Kommunisten sabotieren die Arbeitsgerichte. G Bei den Abstimmungen zum Iustizetat im preußischen Haus- hallausschuh ereignete sich am Mittwoch ein Zwischenfall, der wieder einmal zeigt, mit welcher Leichtsertigkett die Kommuinsten die van der Arbeiterklasse im jahrzchntelaugen Kampfe eroberten und fest- gehaltenen Positionen preisgeben. Zur Abstimmung stand ein An» trag der Wirtschaftspartei, der die Zulassung der Rechtsanwälte bei den Arbeit�erichten verlangt. Derartige Anträge pflegten von bürgerlicher Seit« auch in früheren Iahren regelmäßig gestellt und ebenso regelmäßig abgelehnt zu werden. In diesem Jahr aber fand der Antrag zur allgemeinen Ueberraschurig eine Mehrheit— denn die Kommunisten stimmten für die Zulassung der Rechtsanwälte. Nach dem Willen der Kommunsstsn wird es also lünstig so fem, daß dem seinen Lohn fordernden Arbeiter künftig der mit allen Wassern gewaschene Advokat seinem Unternehmer entgegen- tritt, der den Prozeß in die Läng« zieht, mit juristischen Kniffen den Arbeiter ermüdet, soundso oft oertagen läßt(wenn ein Anwalt erklärt, durch andere Sachen oerhindert zu fein, wird nämLch immer oertagt), bis der Arbeiter zermürbt ist. Verliert der Abester in- folge der juristischen Ileberlegeicheit des Unternehmeradvokaten den Prozeß, so darf er künftig auch noch die Kosten fiir den Rechtsanwalt des Unternehiners aufbringen. Alles nach dem Willen der komnm» nistrschen„Arbsiteroertreter".— Bisher war der Arbester, der sich durch seine Organisation kostenlos vertreten lassen konnte, vor Gerickst nicht schlechter gestellt als der Unternehmer. Der Haß der Kommunisten gegen die„Gewerkschaftsbonzen" droht jetzt diesen Zustand zuungunsten der Arbeiter zu beenden! Im Plenum wird die Sozialdemokratie über diesen Antrag namentliche Abstimmung verlangen. Es soll den kam- munistischen Unternehmern und Rechtsanwaltsfreunben nicht erspart bleiben, vor der Arbeiterschaft personlich Farbe zu belennen. Genosse HenUmann hatte recht, als er die Etatsrede des kommunistischen Rechtsanwalts Abg. Obuch mit den Worten charakterisierte:.Herr Obuch hat hier den Klassenkampf für die Rechts» anwält« geführt..ll" Der Galgen hat fein Opfer! Entflohen, gefangen, hingerichtet. Konstanllnopcl. 18. Februar. Der im Zusammenhang mst den Vorgängen in Menemen zum Tode oerurteilte Derwisch Hussein, der am Tage der Hin» richtung seiner Mitschuldigen entflohen war und gestern wieder oerhaftet wurde, ist heute srich bei Tagesanbruch durch den Strang hingerichtet worden. Der Filmschauspieler BZolhejm gestorben. Wie aus Hollywood gemeldet wird, ist der bekannte Filmschauspieler Louis Wolheim gestorben. Sein charakteristisches Gesicht, das an die antike Statue des Mannes mit»der eingeschlagenen Nase erinnerte, ist uns aus vielen Filmen bekannt. Seine letzte große Rolle war die des Sol- baten Katozinski, des rauhen, aber Ijerzensguten Kerls in dem Film „Im Westen nichts Neues". Die Insassen der deutschen Kinderstube dürfen diesen Film bekanntlich nicht sehen, well es ihren guten Ruf im Ausland gefährdet— in demselben Au-land dos Hirsen Film sehr genau kennt, ohne daß das deutsche Ansehen darunter gelitten Höste. ver Bruderkrieg in Mazedonien beendet. Der Bruderkrieg zwischen den Mazedoniern ist nach 2'�jähriger Dauer mit über lOO Todesopfern beendet worden Die Arbeiten eines neutralen Ausschusses fiir«ine�lussöhnuna wurden abgeschlossen, nachdem der Bruder des Protogerowisten, Perlitscheff. erklärt hatte, daß die Protoz«tow>sten den Kampf aufgeben und die Gruppen sich auf- losen wurden. 3m Hauptquartier der Imro!n Mazedonien wurden qlei�zeitifl zwischen Michailow und dem dorthin entführten Führer der Prvtagermvisten. Popchristeff. Verhandlungen qeführt. die eben- falls mit der Erklärung der Waffcnstreckung durch die Protogero- misten'endeten. Der.Friedensschluß umfaßt auch eine Amnestie sür die Unterworsenen. denen die Freiheit und das Leben als Privat- leute gewährleistet wird. Dem Abkommen Zuwiderhandelnde wer- de» als gemeine Verbrecher betrachtet, Verleumder wider besseres Wissen. Dr Oeerberg enthüllt das Treiben des Verleumders Morih Der deutschnationale Loräztagsabgcordnetc Dr. D e e r» b e r g. Senatspräsident am Kammergericht. hat der„Vossi- fchen Zeitung" folgende Darstellung über seine Ablehnung des Vcrleumderbuches des Moritz-Zarnow gegeben: „Am 27. Oktober vorigen Jahres rief Moritz-Zarnow bei mir an und machte mir von seinem Buch„Di« gefesselte Justiz", an dem er schrieb, Mitteilung. Er mißerte dabei:„Sie haben mir die Abfassung des Buches sehr erschwert, denn in den Untersuchungsausschüssen haben Sie mir sozusagen die Waffen aus der Hand geschlagen, weil Sie sich schützend vor die vreuhische Justizverwaltung und besonders vor den da- maligen Staatssekretär im preußischen Jusllzinimsterium, Fritze, g«. stellt haben." Ich hob« ihm am Telephon geantwortet, daß ich das für meine Pflicht als preußischer amtierender Rlchter gehalten habe. Zarnow sagte mir nun. daß er das Buch fertig habe und daß er mir einig« Auszüge zusenden werde. Ich hatte sogleich das Gefühl, der Mann will sich decken; falls er strafrechtlich verfolgt wird, will er s.ch aus mich berufen. Das Gefühl war, wie die Erfahrung gelehrt hat, voll berechtigt, denn er hat sich ja ebenso an den früheren Reichsger ich ts'° Präsidenten uui an den Reichsgerichtsrat Müller ge- wandt. Am nächsten Tage— 28. Oktober— erhielt ich die ge- druckten Auszüge, und ich schrieb ihm darauf sofort folgenden Brief: „In der Anlage füge ich die mir übersandten Schriftstücke wieder bei. Sie werden verstehen, wenn ich mir als amtierender Richter die gebotene Zurückhaltung auferlege. Wenn Sie Ihrem Erstaunen � über meine damalige Landtagsreoe Ausdruck geben, so darf ich folgendes hinzufügen: Ich hatte nach eingehender Prüfung des Materials die Feststellung tresten müssen, daß viele An- griffe auf die Justiz unhaltbar waren. Aus diesem Grunde fühle ich mich als gewissenhafter Parlamentarier ver- pflichtet, dieser Tatsache Ausdruck zu geben." Am 29. Oktober hat Moritz-Zarnow wieder bei mir angerufen. Da ich nicht zu Haufe war, rief ich ihn später selbst an und ging noch einmal telephonisch im Beisein von Zeugen auf die einzelnen Beschuldigungen ein, die ich wieder als nicht zutreffend er- klärte. Besonders nahm ich die Person des Staatssekretärs Fritze, eines Mannes, der 59 Iiahre ehrenvollen Beamtendienstes hinter sich hatte, Moritz gegenüber in Schutz. Ich teilte noch mit, daß ich im Justizministerium selbst alle Akten nachgeprüft habe und immer nur feststellen konnte, daß das Justizministerium korrekt verfahren ist und nie unrechtmäßig in schwebend» politische Verfahren eingegriffen hat." Hier ist ein Richter, der nach dem Grundsatz verfahren ist, daß der Wahrheit die Ehre gebührt. Die Darstellung Dr. Deer- bergs ist wichtig noch aus einem anderen Grunde. Sie beweist, daß Moritz wider besseres Wissen ver- leumdet hat. Trotz der Erklärungen des preußischen Justizministers haben sich weder Reichsgerichtsprüsident a. D. Simons noch Reichsgerichtsrat Müller erklärt, sie bilden nach wie vor die Aushängeschilder, mit denen die deutschnational- nationalsozialistische Lerleumderclique hausieren geht, die das Möritzschs Buch losgelassen hat. Herr D e e r b e r g hat sich den Haß der Verleumder zu- gezogen. Die deutschnatwnale Pressestelle teilt mit, daß sich die oeutschnationale Landtagssraktion am Montag mit der Angelegenheit befassen werde. Wir find sehr gespannt, ob sie etwas gegen einen ihrer Parteifreund« unternehmen wird, der es ablehnte, mit zu verleumden! Lords gegen<5chttwortage. Gegen Arbeiterpartei und Bischöfe abgelehnt. Loadon, 18. Februar.(Eigenbericht.) Das englisch« Oberhaus hat am Mittwoch das vom Unter- haus angenommene neu« Schulgesetz mit 168 gegen 22 Stimmen abgelehnt, obwohl sich vor ellem die Bischöfe aus erziehe- rischcn Gründen sehr energisch f ü r das Gesetz eingesetzt hatten. 2k- scnder» die Erhöhung des schulpflichtigen Zllters war von de» Suchen- Vertretern schr begrüßt worden. Mit dem Beschluß des Oberhauses ist der Regierung von den Lords wieder«in schwerer Knüppel zwischen die Beine geworfen worden. Ueberhaupt zeigt der Vorgang, wie eng begrenzt die Macht ones Arbeiterkabinetts ist, wenn es im Unterhaus keine zum Kampf gegen das Oberhaus entschlossene Mehrheit besitzt. Im Unterhaus begann am Miltwochnachmittag die zweite Lesung über die Krcditvorloge von 20 Millionen Pfund zur Er- höhung des Arbeitslosenfonds. GnowdenS Weg: Erbschastssteuern. eondon, 18. Februar.(Eigenbericht.) Die Rede Snowdens in der Dienstagsitzung der Fraktion der Labour Party wor eine Enttäuschung für alle Gegner des Finanzministers. Die bürgerliche Presse ist nach der teilweise vollständig falschen Auslegung der Unterhausrede Snow�ns sehr kleinlaut geworden. Snowden als Kronzeug« für den Abbau der Löhne und der Arbeitslosenunterstützung, dies« Freude ist im bürgerlichen Lager dahin. Die ausländischen Telegraphenbüros hatten die Unterhausrede des Finanzministers noch mehr entstellt, als es selbst der kon- sc�vativen Presse Engtands möglich gewesen ist. Hoffentlich sieht jetzt auch das Ausland, daß die englische Regierung in Dr. Eisenbart- Rezepten, wie Lohnverminderung und Abbau der sozialen Fürsorge, kein Heilmittel für die wirtschaftliche Genesung erkennen kann. Mit Resignation erklärt deshalb am Mittwoch die bürgerliche Presse Englands, Snowden denke also auch an neue Steuern zum Ausgleich des zwischen 40 und 50 Millionen Pfund Sterling betragenden Defizits. Da er die Industrie nicht neu belasten wolle. blieben nur weitere Erhöhungen der Abgaben von den großen Vermögen und eine Erweiterung der Erbschafts- fteuer übrig. Das deckt sich in der Tat mit den Worten des Finanzminifters. als er im Unterkzaus erklärte, es feien die stärksten Schultern, denen selbstverständlich die meisten- Lasten auferlegt werden müßten. Enttäuscht über Snowden sind aber auch sein« prinzipiellen Segner innerhalb der Labour Party: die un- abhängige Arbeiterpartei und die Mosley-Gruppe. Auch ihnen hat die Rede Snowdens den Wind aus den Segeln genommen. Di« erdrückende Mehrheit der Fraktion war m i t Snowdens Erklärungen zufrieden, fo daß der An- trag, die Diskussion zu einer zweiten Fraktionssitzung fortzusetzen, abgelehnt wurde. Es bleiot dem Fraklionsvorsitzendeii überlassen, die Finanzfrag« und das Arbeitslosenproblem an einem der nächsten Zöge noch einmal zur Debatte zu stelle». Spanien. Alfons versucht, sich auf Bajonette zu sehen. Lebensgefährliche Zollpolitik. Ein Agrarprogramm gegen die Vo�kswirtschast. Die Forderungen der grünen Front, die in großem Um- fange der Reichscrnährungsminister Schiele sich zu eigen gemacht hat und die im Rcichskabinett jetzt beraten werden, zeigen ein kaum noch zu überbietendes Dtaß von Berantwortungslosigkeit gegenüber den Interessen der deutschen Oesarntwirtschaft und der arbeitenden Bevölkerung. Sie verlangen nicht mehr und nicht weniger als die Auskündigung der wichtigsten Handelsverträg« mit unseren größten Kundenländern. Di« unoennerdliche Folge dieser Maßnahmen wäre die stärkste Gefährdung und Beeinträchtigung des deutschen Exports und eine unabsehbare Verschärfung der Arbeitslosig- k i i t in allen deutschen Exportindustrien. In einer Zeit des Lohnabbaues, der stärksten Einschrumpfung der Massenkauskraft und der furchtbarsten Massennot sollen die Zölle auf wichtigst« Agrarerzeugnisfe und Lebensmittel wie Vieh, Ileifch. Butter. Käse. Obst und Gemüse, sowie Südfrüchte erhöht werden, wodurch eine fühlbare Berteuerung der Lebenshaltung«intreten muß. Darüber hinaus wird«in« Erhöhung des Zolls für Holz(im Zeichen der Baukostensenkung!) verlangt. Di« Ermächtigung für die Handhabung der Getreidezölle soll nach dem Wunsch des Rcichscrnähnmgsimnisters weiter verlängert wer- den. darüber hinaus das Gleitzollsystem auch aus andere wichtige Agrarproduktc ausgedehnt werden, und. die Aussuhrprämien sollen in einer Periode der stärksten Zerrüttung der Außenmärkte nicht etwa abgebaut, sondern aus Hai er, Holz u. a. m. ausgebaut wecden. Diese maßlostn Forderungen der grünen Front und die Zoll- plane Schiele« stoßen auch iy den bürgerlichen Parteien und in der I n d u it r i e aus stärksten P r o t e st, die endlich erkannt haben, was für sie auf dem Spiel« steht. In den letzten Wochen sind der Reichsverband der Industrie, der Industrie- und Handelstag, die sächsische Industrie, die Niederrheinische Handelskanmrer usw. mit Entschiedenheit gegen die Fortsetzung einer maßlosen agrarischen Zollerhöhungspolitik und gegen den Kurswechsel in der Handelspolitik aufgetreten. Die Plärre Schieles haben auch das Reichswirtschaftsminifterium auf den Plan gerufen, das geradezu in 5» 0 5,-Rufen den beteiligten Reichsminiftcrien die drohenden Gefahren vor Zlugen geführt und. festgestellt hat, daß eine Berwirklichuirg der Schieleschen Pläne die schwerste S ch ä- d> g u n g unserer Industricwirtschaft zur Folge haben muß. Konslitle mit aller well!' Die Erhöhung der Zölle für landwirtschaftlich« Beredelungs- produkte, die weitere Heraufsetzung des Butterzolls, die Zollerhöhung für Käse, für Bieh und Fleisch, deren Zollsätze in zahlreichen Handelsverträgen gebunden sind, würden die schwersten Konflikte mit Dänemark, Schweden, Finnland und den Rand- st a a t e n hervorrufen. Die Lösung der Zollbindungen für Gemüse und Obst, die Weiteroerfolgung der Pläne auf Einführung eines Südfnichtmonvvols wird unvermeidlich Gegenssrahnahmen Italiens, Spaniens und auch Frankreichs nach sich ziehen. Bezeichnend für den Verhängnisvollen Kurs, zu dem die deutsche Handelspolitik durch die agrarischen Forderungen getrieben wird. rst die Forderung auf die Erhöhung des Schnittholzzolls: es ist noch nicht acht Tage her, daß ein geringer Abschlag der Holzzöll« durch Iirkrastirctcn des d e u t f ch- ö st« r r e i ch i s ch e.n Handels- Vertrages wirksam gcnwrden ist. Eine Erhöhung der Hokzzöll«, dazu Ausfuhrprämien für Höh, würde die Länder mit großem eigenem Hohüberschuß zu Gegen- und Slbwehrmaßnahmen treiben. Ueberblickt nran das gesamte Programm, so muß man fest- stelle», daß fast der ganze Kreis der europäischen Handelsbeziehungen durch die geforderte Aufhedung der Zollbindungen und die Zollerhöhungspläne in Mitleidenschaft ge- zogen würde. Die Länder, die durch die geplanten Matznahmen auf agrarpolitischen und zollpolitsschen Gebieten unmittelbar be- troffen würden, nahmen im letzten Jahr« etwa.für 6% Milliarden Mar! deutsche Ausfuhrwaren auf. Das bedeutet, daß mehr«ri» 1* Millionen Arbeiter mittelbor oder unmittelbar durch diese Exportmöglichkeiten Beschäftigung gefunden hatten und seht in ihrer Existenz bedroht werden. Die europäischen Absahgebiete, bereu veveferuagsmöglichkeU bei Verwirklichung der Pläne Schieles nnd der grünen Front sich wesentlich verschlechtern würden, nehmen etwa zwei Drittel des gesamten deutsch-europäischen Warenexports auf. Der deutsche Außen- Handel ist mit diesen Absatzgebieten mit etwa ZM- Milliarden Mark aktiv!, Diese Länder werden keineswegs, wie die schon jetzt bei der deutschen Regierung eingelaufenen Proteste zeigen, eine wettere agrarische Aufrüstung und Abriegelung Deutschlands kampflos hinnehmen. Belgien und Holland haben bereits geineinsam mit den nordischen Staaten einen handelspolitischen Black gebildet, der solidarisch gegen ein wetteres Zollaufrüsten auftreten würde. Die Boykottbewegung gegen deutsche Waren, die glücklicher- weise abgeflaut war, müßte unverzüglich neue Nahrung erl>alten. Die internationalen europäischen Bemühungen, wenigstens«ine Stabilisierung der Handelsverträge und der Zolle zu erreichen, würde damit durch das deutsche Verhalten eudgAlig zum Scheilecn gebracht sein. obwohl Dcutschlmid das allerstärkst« Interesse an dessen Zustande- kommen haben muß. Es muß geradezu für das Ausland un- verständlich wirken, daß, nachdem nun endlich dt« Ratifizierung des Zollwaffenstillftandsabkommens den deuifcken gesetzgebenden Körperschaften zuggleitet wird, ein derartiges handelspolitisches Der- nichtungsprograitzm zur Erörterung gestellt wird. Verbieten sich fo die zoll- und handclspolttifchen Forderungen des Rciä>seriräl)rungsministers für jede vernünftige ui>d verant- wortungsbewußte Wirtschaftspolitik wegen der mtt chnen verbun- denen Gefahren von selbst, so entbehren die Forderungen auch noch zumeist jeder inneren Berechtigung. Der agrarische Import ist im Jahr« 1930 infolge der deutschen Zoll- crhöhungs- und Abfperrungspolttik bereits um ein Sechstel zurückgegangen. Das Reichswirtschaftsministerium weist im einzelnen nach, daß z. B. die Einfuhr von Vieh, Fleisch und Fetten um 20 bis 30 P r o z. zurückgegangen' ist, für Butter ist feit der Erhöhung des Butterzolls im November vorigen Jahres gleichfalls ein fühlbarer mengenmäßiger Rückgang eingetreten. Die Emstchr an Gemüse, Obst und Südfrüchten stellt zum erheblichen Teil eine notwendige Einfuhr dar. Selbst vom landwirtschiftlitien Standpunkt aus find diese Forderungen und Pläne kein Wog zur Gesundung. ZZZenn der deutschen Ocfamtwirtfchaft nicht unabsehbrrer Schaden zugefügt werden soll, muß die Reichsregierung die Pläne grundsätzlich ablehnen. Auf diefcin Weg« wird der deutschen Wirt- schast nicht geholfen, sondern unermeßlicher Schaden zugefügt. Nauferei im Naiionalrai. Heimwehrabgeordnete greisen So,ialvemokroten an. Wien, 18. Februar.(Eigenbericht.) Im Rationalrat kam es am Mittwoch zu einem hef- ti.gen Zusammenstoß zwischen Sozialdemokraten und den Heimwehrabgeordneten, der schltzißlich in eine Rauferei ausartete. Als der steierische Sozialdemokrat Wallisch, der bei der Hetowehr schr verhaßt ist, well er nach dem 15. Juli 1927 in Bruck den Schutzbund gegen die Angriffe der Heimwchrputschisten organisierte, das Wort zur Etatsdebatte nehmen wollte, drängten die Heimwehmbgeordneten gegen die Rednertribüne vor. Es schien, als ob sie iWallisch mit Gewalt von der Tribüne hcruirtcrholen wollten. Die Sozialdemokraten eilten sofort zum Schutze von Wallifch herbei, worauf die Heimwehrler mit de n Fäusten gegen sie losgingen. Ein Heimwehrabgcordneter versetzte dem steierischen So- ziakdeinokraten Ebner einen Fußtritt und wollte ihm dann eine Ohrfeige geben. Die Folge war ein 5>andg«m«ngo. Schließlich er- griff ein Hoimwehrmaim von der Ministerbank em Timenfatz, um es auf die Sozialdemokraten zu schleudern. Der Handelsministcr hinderte ihn jedoch daran, indem er ihm das„Geschoß" aus der Hand riß. In dem Lärm unterbrach der Präsident die Bcrhand- lungen. In der neuen Sitzung sprach er sein Bedauern über den Vorfall aus. Dann konnte Wallisch seine Rede in Ruhe zu Ende führe». Neuer Kampf auf dem Zihein? Ltuiernehmer fordern zweite Lohnabbauwelle. Die Lohn- und Manteltarise sür die Rhein- schisfahrt, die bis zum 31 März 1931 laufen, sind uon den Reedern gekündigt worden. Noch sind zwar die Vorschläge, die die Reeder für die Zieugestaltung der Tarifverträge zu machen gedenken, im einzelnen unbekannt. Aber weder über die Grundtendenz, noch über die Ausmaße ihrer Forderungen herrscht ein Zweifel. Ihr« Versuche sind auf einen st a r k c n Ab- bau' der Lohne und Arbeitsbedingungen gerichtet. Neuerliche Aeußcrungen namhafter Reedcrvertreler— z. B. von dem Generaldirektor des Fcndelkonzerns Jaeger, auf einem Dis- kufsionsabend der Handelskammer Mannheim und gon dem General- direktor des Hanielkonzerns, Welker, bei einer Ansprache an Firmenjubilare— lassen das Ziel der Wirtschaftspolitik deutlich erkennen: Ungleichung der deutschen Lohnkostcn an die holländischen. Nüchtern zahlenmäßig ausgedrückt, be- deutet dos nichts anderes als die Forderung einer noch- m a l i g« n, und zwar 20prozentigcn Lohnsenkung. nachdem der Schiedsspruch vom 26. November 1939 schon einen 7prozentigen Lohnabbau gebracht hat Die Rheinreeder, durch direkte und indirekte Abhängigkeiten mit der Schwerindustrie an der Ruhr eng verknüpft, rechnen damit, daß die zermürbende Wirtschaftskrisis mit ihrer' furchtbaren Arbeitslosigkeit die innere Widerstandskraft der Echiffspersonale gc- brachen habe. Wenn auch vielleicht im November vorigen Jahres bei eimgen Gruppen der Binnenschiffer die Kampflust dicht groß mar. weil sie angesichts des Arbeitens der„Lohnguilloiine" des staat- lichen Schlichtungsapparates resignierten und den„normalen" Lohn- abbau als unvermeidlich ansahen— die neue Attacke der Reeder hat die Haltung des Personals in der Rhcinschiffahrt durchweg verändert. Die Zumutung weiterer großer Lcbcnshaltungskürzungcn hat eine maßlose Erbitterung ausgelöst, aus der ein entschlossener und einheitlicher Abwehrwillc erwächst. Schon der sechswöchige Abwehrkampf im Jahre 1928 hat nicht nur den Rheinreedereien und Rheinpartikulier-Schiffern, sondern mich der gesamten rheinischen Wirtschaft M i l l i o n e n v e r- l u st e gebracht. Die Rückwirkungen emes Streiks würden heute, wo wir uns inittcn in einer schweren Wirtschafisdepr�sion besindcn, katastrophale sein, zumal auch diesmal mit einer langen Dauer des Arbeitskampfes gerechnet werden mühte. Es bleibt unverständlich, wie die Rhcinreedcr, von denen manche den Anspruch erheben,„Führer der Wirtschaft" zu sein, so kurzsichtig sei» können, daß sie nicht auch die politischen Konsequenzen� ihrer überspannten Forderungen überblicken. Oder wollen sie gerade eine Stärkung des Radikalismüs? Die demokratische Republik wird sich solche gesährlichen Experimente nicht gcsallcn lassen können. Eine solche Einstellung ist von den Organen der staatlichen Lohnpolitik um so mehr zu erwarte», als die Begründung des Schiedsspruchs vom 26. November ausdrücklich betont, daß es sich bei der 7prozentigen Lohnsenkung„um ein wohlabgewogenes Er- gebnis handelt, das gerade noch soviel verantwortbar erscheint" Die wirtschaftlichen Verbältnisse der Arbeiterschaft haben sicks seit November 1930 nicht geändert, so daß also jeder weitere Lohnabbau— und sei er auch noch so gering— nach den Feststellungen des Novemberschiedsspruchs eine soziale Vcr- antwortungslosigkeit wäre. Aufgaben der Betriebsräte. Vorbereitung der Wahlen. Die Reichsbetriebsrätckonferenz des Gesamt- Verbandes wurde am Dienstag abgeschlossen. Die Aufgab« der Betriebsräte bei der Durchführung des Gefundheits- und Unfallschutzes wurde von dem ADGB.-Sekretär Sachs klar- yelegt. Lengersdorf, der Leiter der volkswirtschaftlichen Ab- teilung des Verbandes sprach über„Die Arbeiter in Staat und Wirtschaft". Eine fruchtbringende Mitwirkung der Arbeiterschaft bei der Eindämmung der Gefahren für Leib und Leben, so führte Sachs aus, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Betriebsräte auf diesem Gebiet ihren Mann stellen. Neben den Unfallgefahren— im Jahre 1929 ereigneten sich 167 060 schwere limd 9500 tödliche Unfälle— erhalten in neuerer Zeit die Gefährdungen der Gesundheit immer größere Bedeutung. Die Neuerungen der Technik, die neuen Arbeitsmethoden und die Verwendimg neuer Arbeitsstoffe haben neue, nur schwer feststellbare, vielfach unsicht- bare Erkrankungen hervorgerufen. Dieser schleichenden Ge- fährdung der Gesundheit nuiß besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hier liegt ebenfalls«ine Aufgabe des Betriebsrats. Betriebsrat, Belegschaft und Betriebsleitung sollen möglichst «gemeinschaftlich die Unfallgefahren bekämpfen und«indännnen. Erfahrungsgemäß ist natürlich die Förderimg der Unfallverhütung sehr stark von dem organisatorischen Verhältnis eines Betriebes abhängig. Lengersdor f gab zunächst eine Darstellung der schwierigen Lag« der Arbeiterschaft ini Obrigkeitsstaat der Vorkriegszeit und schilderte dann den Kampf der Unternehmer gegen den neugeschaf- senen Volksstaat. Nachdem das Unternehmertum erkannt l?abe, daß es in Gemeinde, Staat und Reich mittels des Stimmzettels keinen entscheidenden Sieg erringen könne, habe es die Aucharbeiter- bcwegung der Nazis ins Leben gerufen. Die Gewerkschaften müßten den Kampf gegen die nationalsozialistischen Büttel der Unternehmer auf der ganzen Linie ausnehmen und in dem gleichen Maß« wie die Partei aktivieren. Hierbei falle den Betriebsräten, als dem Vortrupp der Arbeitermassen eine besonder» wichtige Auf- gäbe zu. Die Bedeutung der organisatorischen Zusammenfassung der Bc- triebevertretungen im Gesamt-VerlKmd wurde von der Reichskon- ferenz in einer besonderen Entschließung hervorgehoben. Zur Betriebsratswahl selbst nahm die Reichskonfercnz ebenfalls ein« Entschließung an, worin ach die Schwere des Kampfes mit besonderem Nachdruck hingewiesen wird. Die Reichskonferenz, so heißt es in der Entschließung, erwartet von allen Funktionären und Betriebsvertretungsmitgliedern, daß ste die A g i- tation für die Wahlen in ihren Organisationsgebieten ganz energisch und mit aller Entschiedenheit betreiben. Die Belegschaften sind itber die Folgen, die sich aus der Besetzung der Betriebsvcrtretungen mit anderen als freigewerkfchoftlichen Per- tretcrn ergeben, bereits vor den Wahlen genügend aufzu- klären. Als Kandidaten dürfen nur f re i g e w e r k s ch a f t- liche Mitglieder auf die Vorschlagsliste gesetzt werden. Mit- gliedern, die sich auf Gegenlisten, sowie kommunistischen oder na- t-oiraisozialistischen Vorschlagslisten aufstellen lassen..., ist klarzu- machen, daß sie mit dem Ausschluß aus dem Verbände zu rechnen haben. Brauns über die Guiachierkommission. Lleber Thema wird nicht gesprochen. Der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns gab am Witt- woch im Rundfunk einige Aufklärungen über die Aufgabe der Eutachtcrkoni Mission zur Beratung des Arbeits- l o s e n p r o b l e m s. Die Kommission, betonte Brauns, lege großen Wert darauf, daß die Oeffentlichkeit ihre Aufgabe richtig sehe. Sie wolle daher rechtzeitig auf die Grenzen aufmerksam machen, die für ihre Arbeit gesteckt seien. Zlufgabe der Kommission könne es nicht sein, das Gesamtproblcm der Arbeitslosigkeit zu untersuchen und eine Gesamtlösung anzustreben. Für ihre Arbeit bestünden zwei große Gesichtspunkte. Der«ine liege in der Frage, ob sich in größerem Ausmaß als bisher zusätzlich« Arbeits- gelegenheit schaffen lasse, und welche Wege hierfür gangbar seien. In diesem Zusammenhang müßten also vor allem die Pro- blemc der produktiven Gestaltung der Arbeitslosenhilfe, ferner die Frag« der Arbeitszejtverkürzung, der Arbeitsfllrforge, der Pflicht- arbeit, des Arbeitsdienstes usw. erörtert werden. Die zweite Haupt- aufgab«, mit der sich die Kommission eingehend befassen solle, laute: Ist es notwendig, die drei Formen der Arbeitslosenhilfe, Arbeits- losenversicherung, Krisenunterstiitzung und öffentliche Fürsorge, mehr als bisher aufeinander abzustimmen und sie jede sür sich und ün Verhältnis zueinander stärker dem veränderten Risiko der Arbeits- losigkeit anzupassen? Also will die Kommission doch nochmals an der bereits ver- pfuschten Arbeitslosenversicherung.l>er»mpfufcheii? Zluherdem sich ernsthaft mit dem lächerlichen„Arbeitsdienst" befassen. Nebenher die Pflichtarbeit(!), die„Arbeitsfürsorge" die Arbeitsstrcckung und weiß der Himmel welche andere Prvbleme noch begutachten. Nur nicht dos„Gesamtproblem". Nur nicht eine„Gesamtlösung" vor- schlagen. Es soll also eine Eiterbeule mit einem Schönheits» pflästerchen kuriert werden._ Zarres' Gchnetlporirai. 65 Pf Stundenlohn sind zuviel— 4()00(K) M Gehalt nicht. Herr I a r r e s, einstmals Rcichspräsidcntenkandidat der Recht m — er hofft wähl, es wieder zu werden—, versuchi durch eine„IZr- abstimmung", die nur für die Oeffentlichkeit„geheim" ist, dem Tarif- vertrag den Garaus zu machen. Dazu schreibt der„Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften: Oberbürgermeister Jarres hat sich nie des besonderen Ver- trauens der Arbeitnehmer rühmen können. Durch seine gegen die Gewerkschaften gerichtete Hilfe, die er in einer bisher noch nie da- gewesenen Form der reaktionärsten Schwerindustrie leistet, bringt er sich auch noch um den Rest seines Kredits. Er mutet z. B. einem Wird er's schaffen? Duisburg-hamborn, 18. Februar. Bis heute abend 7 Uhr haben 3208 Arbeiter der Hlllte Ruhrorl- Meiderich auf das Schreiben des Oberbürgermeisters Dr. Jarres gc- anlworiet und sich bereit«rtlärt. zu den BedingungA, der Werks- leiwng die Arbeit fortzusetzen. Do verschiedene Schreiben der Stadt- Verwaltung wegen Wohnungsänderung zurückgekommen sind, hat die Stadt(!) heute diese Schreiben mit der berichtigten Wohnungs- angabe an die Arbeiter nochmals versandt und die Antwortsrist um einen Tag»verlängert, so daß sich erst morgen entscheidet, ob die nötige Stiiftnienzahl erreicht wird. -si Uns will scheinen, daß Herr Jarres der Stadt Duisburg da etwas aufholst, was dieser unter Umständen sehr teuer zu stehen kommen kann. Jedcnsalls l)ai sich Herr Jarres nunmehr endgültig entlarvt als Handlanger der Direktoren der Stahl- werke, die für sich Hunderttausende beanspruchen und dem Ar- beiter noch von den Hungerpscnnigen nehmen. 'toOOO Kraftwagen weniger in Berlin! Die�rastfahrer rechnen ab. Die Branche der Geschäfts- und Lastkraftwagenführer, Tank- warte Ulli des Garagepersonals im Gesamt-Vcrband hielt am Mon- tag jhre I a h r e s b r a n ch e n v e r f a ni m l u n g ab. Der Branchen- berater Genosse Buchert gab in seinem Geschäftsbericht einen allgemeinen Ueberblick über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auch auf die Kraftfahrer Berlins. Die„Rationalisierung" führte vielfach zum Abbau der Mitfahrer auf Geschäfts- und Lästkrastwagen. während gleichzeitig das Arbeits- penfiim der Chauffeure durch Bergrößeruug des zu beliefernden Kundenkreises aufs äußerste angespannt wurde. Dies führte in zahl- reichen Fällen zur Außerbetriebsetzung von Fahrzeugen. Während verheirateten Arbeiter mit einem Kinde zu, bei n e u n st ü n d i g e r A rb ei t für 133 M. monatlich zu schaffen. Nach Abzug der Sozial- beitrage bringt dieser nicht einmal mehr 110 M. nach 5)aiise. Gegen das Gehalt des Generaldirektors in Höhe von 400 000 M. hat Oberbürgermeister Jarres noch kein Wort gesagt. 5)err Jarres stürmt zum Gaudium der Jndustrieherrcn gegen dasgesetzlichv geschützt« tarifliche Verhältnis von über 200000 Ar- beitern an. Seine Aktion hat den Rahmen einer berechtigten und verständlichen Fürsorge des Kommunalpolitikers damit w e i t ü b e r- schritten. Auch wir würden gern die Stillegung des Werkes verhindert sehen. Aber nicht aus Kosten der schwersten Eristenz- schädigung van über einer Million mittelloser Menschen. tu den letzten Jahren m Berlin eine stet« Zunahme der Kraslsohr- zeuge zu verzeichnen war, ging die Zahl der Kraftwagen in Berlin nn dritten Quartal des Vorjahres um 9 000, und bis zu Ende des Jahres um etwa 12 000 zurück. Daraus erklärt sich die folgende Entwicklung auf dem Arbeits- markt der Berliner Kraftfahrer: End« 1928 waren in Berlin rund 1300 Kraftfahrer erwerbslos, Ende 1929 bereits 3600 und Ende 1930 dagegen weit über 6000. Die Gesamtzahl der Berliner Berufs- kraftfahrer beträgt etwa 4L 000. Trotz der gewaltigen Krise war es in der Branche möglich, in vier Gruppen bzw. Großbetrieben noch Lohnerhöhungen durchzusetzen, darunter in einem Falle von 3,30 M. pro Woche. Ebenso gelang es infolge der Rührigkeit der Funktionäre, der Branche 5 83 neue Mitglieder zuzuführen. Sehr scharf rechnete Genosse Buchert mit der RGO. ab, wobei er besonders auf den wilden Streik beiLeifer einging. Hier habe es sich gezeigt, daß diesen sogenannten Arbeitervertretern das Schicksal der Arbeiter völlig gleichgültig ist, wenn nur durch eine solche Aktion ihren dunklen Porteiziclen gedient werden katin. Buchort forderte in diesem Zusammenhang die Versammelten aus, in diesem Jahr die B e t r i c b s ra t s w a h l e n unter fcharfer Ab- lehnung der kommunistischen und n»tioiiqlsozialistischen„Einheits- front" durchzuführen und sich niitallcr Kraft für die frei- gewerkschaftlichen Kandidaten einzusetzen. Die Diskussion gestaltete sich zu einer wuchtigen Ab- rech nu n g mit der RGO. Zwei bei dem wilden Streik bei Leiser auf der Strecke gebliebene Kraftfahrer, die früher eifrige Ver- fechter der kommunistischen Ideen waren, übten an den RGO.- Strategen vernichtende Kritik. Von allen Versprechungen, die die RGO. oder KPD. den Streikenden hinsichtlich ihrer Unierstützung ge- macht haben, sei, so erklärten sie, nur die xine gehakten worden, nämlich eine einzige Speisung aus der berühmten JAH.-Suppcn- küche. Die Neuwahl der Branchenlcitung ergab die einstimmige Wiederwahl des Genossen Buchert sowie der übrigen alten Mit- glieder der Branchenleitung, die ohne Ausnahme der SPD. an-' gehören. Was macht die NGO.? Sie verleumdet Arbeiter. Aus Anlaß der bevorstehenden Betricbsratswahl bei der Firma Gossen wird in mehreren Artikeln in der„Roten Fahne" der Bctriebsratsvorsitzende der Firma, Genosse Stahl, in schamloser Weste verleumdet. In einem Bericht eines sogenannten„Arbeiter- korrespondcnten" werden die Arbeitsverhätlnisse bei der Firma geschildert. Da die Schilderung von Zlnsang bis Ende voller Lügen strotzt, ist es kaum möglich, daß ein Arbeiter aus dem Betrieb diesen Bericht geschrieben Hai Jedem Betriebsangehörigen ist bekannt, daß der Genosse Stahl in muster- gültiger Wfise die Interessen seine- Kollegen vertritt. Beweis da'ür ist, daß die Vc'cgschaft gegen zwei Stimmen dem Betriebsraiz- vorsitzenden, Genossen Stahl, das B e rt r a u e n. für feine fahre- lange Tätigkeit ausgesprochen hat. De» kommunistischen Arbeitern des Betriebes und den Betriebs- ratsmitgliedern ist weiter bekanirl, daß die Mitglieder des Betriebs- rats einschließlich des Genossen Stahl nur den Akkordverdienst ihrer Gruppe erzielen. Die Angabe, daß Genosie Stahl ein« höhere Be- Zahlung erhält, ist eine Lüge. Die Arbeiter der Firma Gossen werden trotz dieser Berleinndun- gen am Wahltage erst recht der freigewerkschastlichcn Liste ihre Stimme geben. Sobernheim sür die SA. Solidarität der Vanksürsten mit Hitler. Infolge des Mordes in der Hebbel st raße wurde der Bantangeftellte Hahn, Führer der» Nazizelle in der Commerz- und Privatbank verhaftet. Jetzt ist H. aus der Untersuchungshaft ent- lassen. Die Belegschaft der Bank, bei der H. sich durch seine Drohungen und Großsprechereien schon längst unbeliebt gemacht hatte, weigerte sich, mit dem unter Mordverdacht stehenden Nazi weiter zusammen zu arbeiten und forderte desien Entlastung. Die Bankfürsten der Commerz- und Privatbank, unter Leitung des Herrn Sobernheim, deren Zinsherrschaft die Nazis angeblich brechen wollen, entschieden sich aber sür den Nazi. Nach Herrn Solnissen rectc Salomonsohn, auch Herr Sobern- heim für Hitler! Ob das nun Reinrassigkeit ist, mag Herr Günther entscheiden. Klar ist jedenfalls, daß die Sobernheim und Solomon- fohn wissen, was sie an den Nazis haben. Jhre Köpfe sind be- stimmt nicht in Gefahr zu rollen. !?reieGewerkschafis-fugend Berlin Wahlen in den städiifthen Werken. Im Berliner Elektrizitätswerk hat die RGO. kerne„rote" Be- tricbsratslist« zusammengebracht. Um so mehr versucht sie in den städtischen Gas- und Lvasterwerken ihre„Eroberung" zu betreiben. Die Wahlen für die Wasserwerke gehen am Montag. dem 23. Februar, und den folgenden Togen vor sich. Für die frei- gewerkschafkliche Liste I muß bis dahin noch eifrig geworben werdenl Stchttisch» OSda». TPD..graN!»»»»«sam>«lu»a«ttitofl. 20 Mr.• W im Letal Kuiifiirich, gablonekislr. g. Zvichtia« Ta-nsordinw«. Mitgllrds- 1! Z buch jut JloutroBc milbrlnacu. f_ chfutt,?o»ncr»:a-i. NM. Ul>r. warn dir Krmnx-n:«ävn-ick- Iuarn?» bc»« Griiuaucr Str.:>. Lirdcrabend.- SSönhaubr Zar: Iuacnblicim iiciflt. 18. Ilnfrrr Rädels neben Berich, non der Mädchenarbeit.— (S<|iinBbtunncn: OuflenMieim, tänkr Schule, fiotrnburqcx Sir. 2, eitrrnabcud. Brinqt eure Eitern mit.- Eudastea: chrupprnbeim Sialärenberaer Slr.»'! llZcneewobrdausI. Bei„IIP lsaichinn— Tem?cll>as: Sruvvenbelin, Luteum »crnianiaslr. 4-S. Einaana rtidMiraSt. Bunicr Abend.— M»abi!: gnarud- beim Lchr'cr Str. IeI,rt unä Au kr streik.- Neu. Lichten der«, guBcnbbtim ffimitcrftc. 41. iVrtran:„Pan-Europa?-- Lichten dem, guaend- heim Laumtrake. an der Leginasirake...Ejniode» aus der Ärbeii-rjuqend- betveauuq.— Landabem«« Plai>: guaeudheim Dieftelmeaerstr. 5. Wir feietu flatnetxu.— ouflendänitjuc de« Verbandes der Rahrunqsmittel- und«deträute- arbener- sgmnasiaal. Neue Echönkauler Str. 4—3, III. Heitere Vorträae.— Iuaendqruppe des Eesamtxerbar.des, Zachoruppe Handelsqeiserde: N>1 Mr Iuaendheim Enaelufer 24-Lj. Ailmtmtlroq. @.�uoenstaruppe stes?entralverbanstes der Anaestellten /�annersian. finden ialaende BeransUiltnnaen Natt: Panlow- . V �berschrnk-nsen: guaendlzeim Eorschslr. 14 larohes Limmer! �inar. abend.— Lsten: Iuaendheim der Schule Lnaucr Str. 18. Abend emener Aus- nifloltuufl.— Trepiowi guaei'.dhc'm der Schule Bildeilbruchftr. 38 lLuaana non der Sraehstrahe in Tr-sl-n>>. Vorlraa-„Neiscerlednisse in Amerita", Zweiter Abend. Referenl: grih äSeiflclt.— Heute findet die Iuaendfunktirmärverlamm. Iunb um 20 Uhr im kleinen Sidunassaal unseres Verbandshaines statt.— Karten zur Iuaendvorgellun« der Volksbühne am 22. und 29. März lind Zu« Preise uon 80 Pf. iq, Juaendsekrelariat zu haben. Beranlwortlich für Politik: Dr. Sur« Geyer: Wirtschaft:«.«Ui-aelHösrr; Dcwcrllchoilsoewcauna: I. Steiner- Feuiüclo»: i». H. reicher: Lokales und Eonstieies: lse-t, florftobl; Anzeiftrn: Th. Glotft; sämtlich in Berlin. Berlaq: Vorwäris-Berlaq GmbH Berlin. Druck: Vorwärts-Buu'druckerei und Perlagsanslal: Paul Einaer'u.'qo- Berlin SW SS. LUrdegltrakr Z. Hierzu 2 Beilage» uud ,?raulnfti««c-. Nr. 53* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 49. Februar 4931 Die neuen Blutopfer. Zeu�envernelunun�em in Rdnigentfol, aber nodt keine Anhaitfsiounkie zur resisiellunä der Tttier. DU Ermittlungen der Politischen Polizei des Berliner Polizeipräsidiums zur Klärung der nächtlichen Bluttat in Röntgcnlal gc- ftaltcu sich besonders schwierig, da nur mangell,astc Anhaltspunkte sur die mulmaßlichen Töter vorhanden sind. Die weiteren Ilach- sorschungen sind Kriminalkommissar Dr. Braschwitz übertragen wor- den, der gestern bis in die späten Abendstunden hinein in Röntgental weilte und zahlreiche Zeugenvernehmungen vornahm. Nadfahrer waren die Täter. Wie bereits berichtet, sind von einem Einwohner, der gegenüber dem Lokal„Edelweiß" wohnt, mehrere Radsahrer beobachtet worden, die nach den bisherigen Ermittlungen wohl auch a l s Täter in Frage kommen. Einer der Verdächtigen sei ziemlich dicht an das Lokal herangeschlichen und habe in gebückter Haltung mehr- mals gescucrt. Nach dem feigen Ueberfall seien dann alle in N i ch- tung Zepernick vcrsch wundem Der Schütze soll etwa Meter groß gewesen sein; er trug Ballonmütze, Kniehose mit Gamaschen und Windjacke. Diese Beschreibung paßt beinahe auf jedes zweite Mitglied einer Organisation und darum dürste es nicht allzu leicht sein, auf die Spur des oder der Täter zu gelangen. Bis- her kann nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden, ob die Täter aus dem rechts- oder linksradikalen Lager stammen. Obgleich der getötete Maler A r l t sowie die beiden Verletzten P o h l m a» n und Schwebte politisch keiner Partei angehörten— auf jeden Fall handelt es sich um Bepublikaner—. steht es außer Zwcisel, daß die Tat wiederum politisch verhehlen radikalen Elementen zuzuschreiben ist. Vielleicht ist von den Hakcnkrcuzlern beobachtet worden, wie die kleine Gruppe, in der sich mehrere Sozialdemokraten befanden, das Lokal„Edelweiß" betreten haben und sich an einem Tisch nieder- ließen, an dem sie längere Zeit in anregender Unterhaltung ver- weilten. Vielleicht war das für die Banditen schon Grund genug, die fünf bis sechs Mann als unerwünschte Eindringlinge zu betrachten und ihnen„eins auszuwischen". Nach der anderen Seite wird vernucket. daß Linksradikalc die Täter waren, die bei Ausführung des Mordes glaubten, Hakenkrcuzler vor sich zu haben. Volle.Klarheit wird erst die Untersuchung der Polizei ergeben, und es ist nur zu wünschen, daß es ihr recht bald gelingt, der Mord- banditen habhaft zu werden. Im Befinden des schwerverletzten Oberpostichassners Pohl- mann, der im Bernauer Krciskrankenhaus daniederliegt, ist zwar eine kleine Besserung zu verzeichnen, doch wird der Zustand nach wie vor als sehr ernst bezeichnet. Dtc Kugel, die den Mrindbodcn durch- schlagen hat, konnte gestern nachmittag aps opcratwem Wege eni- ternt werden.— Die Leiche des Malers Ar l t cht inzwischen von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden; wahrscheinlich schon heute wird die Obduktion erfolgen. Todesschatien über Nönigenias. Röntgental ist in sieberliaster Erregung—, wer sind die Schu!- olgen an dem scheußlichen Mordüberfall in der Mittwochnacht, dem drei Menschenleben zun, Opfer sielen--? Bei M c i s e l, in der Bohnhofstraße, wo man noch die Kugelspuren vom 5. März 1930 sehen kann, sitzen die Parteigenossen und Rcichsbannerkmneradeii zu- sammcn. Wie eine schwere Last liegt die blutige Nacht van Röntgen- tal auf diesen Männern. Im„C d c l w e i ß", in dem schon wieder die Nazis dominieren, tippt man natürlich auf die Kommunisten. In den Wänden des Gastzimmers fitzen noch die E i n s ch ll s s«. Die erste Schicht ist weggeplatzt. Kalk rieselt zu Boden--. Und dort, jener belzagliche Tisch unweit des Fensters sieht säst wie der Stamm- trefspunlt der lokalen Honoratioren aus. Hier saßen die Ahnungs- losen, als der Verbrecher von draußen durch die Scheibe feuerte. Wie Schießscheiben im Hell der Gästestube, während der Mordbube seine Armeepistole, Modell 08, zog. Am Boden sieht man die Spuren einer Bierlache—, im Fallen hat der Maler Arlt sein Glas um- geworfen, als ihn die Kugel in die Stirn traf... Und das Un- heimliche—: sie stießen gerade auf das Leben an, die Unglücklichen, als der Tod mitten unter sie trat. Di« Politische Polizei arbeitet fieberhast. Zeugen werden ver- noimnen, ihre Aussagen an Ort und Stelle auf Glaubwürdigkeit und Präzision geprüft. Inzwischen kolportiert man Gerüchte, die, mit eigener Plzantajiebeigabe verziert. Zogleich weitergegeben werden. In den Abendstunden erzählen sich die Leute vor den Häusern, man habe den Mörder gesaßt. Einen Techniker angeblich. Zehn Minuten später weiß man, daß es nicht stimmt. Die Polizei solgt einer Fährte. Die Oetztaler Straße in Röntgental ist eine Straße des Todes geworden. Hier wohnten sie alle drei,— der getötete Arlt, der schwer um sein Leben ringende Pohlmann und Schwebta, dem dcr Arm zerrissen wurde.— Die Familie trauert um ihren Ernährer. Frau Pohlmonn weilt Tag und Nacht am Krankenlager ihres Mannes.— Alle sind sie fassungslos, keiner versteht, wie diese stillen, niemals Händel suchenden Menschen das mörderische Blei des un- bekannten Schützen treffen konnte. Und entsetzt und empört ballen sie die Hände und fragen an- klagend: Wer, wo ist der Täter? Nie alte Lügenhehe. Nationalsozialistische Vcrleumdungstaklik. Am 5. März 1930 veranstaltete» vom Lokal„Edelweiß" in Röntgental aus mordlüstcrne Hakenkrcuzler einen hinterhältigen Fcuerllberiall aus Republikaner und Reichsbannerleutc. Man beklagte einen Toten und drei Verletzte. Die Hakcnkreuzpresse wagte zu schreiben, daß diese Opfer auf das Konto der Republikaner zn setzen seien, die aufeinander geschossen hätten. Mit frecher Stirn bestritt man jede Schuld, bis die Untersuchung dcr Polizei das Gegenteil ergab und vom ordentlichen Gericht 13 National- s o z i a l i st c n wetzen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todes- erfolg und schwerem Landfriadensbruch unter Ablehnung einer Bc- währungstrist zu Gefängnisstrafe, i verurteilt würden. In der Nacht vom 31. Dezember 1930 zum 1. Januar 1931 wurden unsere Ge nossen Schneider und Gras in der Tiuseloudstraße niederge- knallt. Die natianalsozialistische Presse behauptete mit frecher Stirn, daß hieran keine Nationalsozialisten beteiligt seien, bis dann der von den Ortsgruppen der NSDAP, bis an die Grenze geschaffte Schütze K o l a tz verhaftet und als Nationalsozialist fest- gestellt wurde. Auch von den anderen Mördern der letzten Silvesternacht ist festgestellt, daß sie Nationalsozialisten sind. Darauf- hin behauptete man in nationalsozialistischen Kreisen, daß es sich um „Provokateure" gehandelt haben müsse. Am Dienstag sind in Röntgental drei Gäste durch Schüsse im gleichen Destaurant„Edelweiß" verletzt worden; einer von ihnen ist gestorben. Es handelt sich um Menschen, die einen alten sozial- demokratischen Gewerkschafttcr zur letzten Ruhe geleitet hatten. Die Opfer sind Republikaner oder politisch Indifserente. Was sagt der „Angriff" des Goebbels' dazu? „Wieder roter Meuchelmord in Röntgental. Wieder hat rotes Mordgesindel einen Fcuerübcrsall auf ein national- sozialistisches Lokal verüM. liniere Parteigenossen in Röntgental werden seit Jabren von marxistischen Banden terrorisiert, lieber- fälle aus e-A.-Leule häufen sich von Tag zu Tag. Unvergessen tsc dcr Reichsjammerübersall auf mehrere Parteigenossen, die außer- dem noch in die Gefängnisse geschickt wurden... Als man auf die Straße stürzte, waren die roten Mörder bereits entflohen. Diese neue marxistische Bluttat verliert auch von ihrer«chcußtichkeit und Gemeinheit nichts, weil sie die eigenen Leute traf statt dcr vo-r gesehenen Nationalsozialisten." Man kennt diese Melodie, man kennt diese Schande, man kennt diese verbrecherische Methode. Solange eine nationalsozialistische Bluttat nicht aufgeklärt ist, schreibt man frech:„Es sind Rote, Marxisten, Sozialdemokraten gewesen!" Ist sie aufgeklärt, ist fest- gestellt, daß Nationalsozialisten die Täter waren, sagt man:„Das waren Provokateure, die mit der Partei nichts zu tun haben." Werden die Verbrecher verurteilt, dann schimpft man über die Justiz der Republik und erklärt nach einiger Zeit, daß die national! ozialisti- jchen Missetäter„außerdem noch in die Gefängnisse geschickt wurden". Als die Schandtaten des Fememörders Heines die Oesscnt- lichkeit bewegten, schjoß ihn die Hitlerpartei aus. Als er begnadigt war, schickte sie ihn in den Reichstag. Das ist Hakenkreuzmoral... Sie Zeigt sich auch im neuen Falle Röntgental. Von Nazi niedergeschossen. KommumstischeNotttrupp6inderBezirk6vcrsammlung?Nitte Iii dcr B e z i r k s v e r s a in m l u n g Mitte, die bekanntlich im Berliner Rothaus tagt, kam es gestern bei einer Rede des kom- munistischen Stadtverordneten Dröll zu schweren T u in u l t e n. Dröll beschimpfte die Soziai-demokratie in ekelerregender Weise. Die Tribünen verlangten daraufhin stürmisch das Abtreten des kom- munistischen Redners. Der bürgerliche Lorsteherstellvertreter ver- suchte vergeblich, die Ruhe wieder lzerziistellen. Erst als Dröll die Rednertribüne verlassen hatte, trat vorübergehend Ruhe ein. Nach- dem die Sitzung wieder eröffnet war, wurde die Anweisung zur Räumung der Tribüne gegeben. Die Kommunisten, die ihre Rolltrapps aus verschiedenen Stadtteilen zusammengezogen hatten, schlugen aus diese Anordnung mit Guminiknüppeln aus andere Tribünenbesucher ein und worscn zwei Reichsbannerleutc auf die liefer gelegene Pressetribüne. Nachdem sie selbst über die Brüstung aus die Pressetribüne gespningeu waren, versuchte» sie, die beiden in den Sitzungssaal hinabzuwersen. Nur durch das Eingreifen der Ralhansdiener und dcr Pressevertreter wiirde d i e Ruhe wi e d c r h'erge stellt und die Tribünen konnten geräumt werden. Räch der Räumung dcr Tribünen spielte sich vor d c ip Rathaus in der K ö o i g fl r a ß e noch ein blutiger Borsall ab. Ein Hakenkrcuzler feuerte ohne jeden Grund aus Reichs- x bannerleutc zahlreiche Schüsse ab und verlclzlc den zwanzig- WUIIV/ � V* UUstLClüVIl iUllll, Cl 1*"'" ein Vermögen kosten; in jedem Jahrgang betont der Land wirtschaftliche Ratgeber mehrmals, daß man an Dung nicht sparen soll; und Papendieck besitzt fünfundzwanzig Jahrgänge. Heute ist er nicht allein mit seinen beiden prachtvollen, fetten Pferden; heute hat er zwei Weggenossen. Erstens die Frau von dem Maschke, der sich da nicht weit von ihm die Äaracke gebaut hat; zweitens eine Kuh. Die Kuh hat er eben in Ruppin auf dem Viehmarkt gekauft; die Frau von der Bahn mitzubringen, hat ihn der�Äiaschke gebeten. Eigentlich komisch von dem Mann, seine Frau nicht selbst abzuholen; wahrscheinlich aber will er ihr die Baracke noch ein bißchen gemütlicher machen, in oller Eile. Nun sitzt das Frauchen neben ihm, zitternd vor Frost, in einen ziemlich eleganten Mantel gehüllt und trotzdem häßlich anzusehen: denn sie hat einen Buckel, einen richtigen Buckel. Die vchultern liegen in dcr Höhe dcr Ohren; so tief sitzt der blasse,. schmale Kopf dazwischen. Wie man nur eine Frau mit einem Buckel heiraten kann? Und Papendieck fragt:„Sind Sie schon lange verheiratet?" „Rein", sagtjie mit grillenhaft zittriger Stimme,„erst, ein paar Wochen-" Papendieck, der seelisch aus Klumpfüßen geht, fragt seine Vermutung rücksichtslos heraus:„Dann hat ihr Mann die Baracke wohl von der Mitgift gebaut?" „Jawöhl", gibt die Grille zu, es klingt schmerzlich; nicht aber wegen des Wortes„Mitgift", das hat sie ganz über- hört, sondern wegeiz der„Baracke"; gewiß hat der große ekel- haste Mann da neben ihr einen Witz gemacht; gewiß hat Paul ein Haus gebaut, nicht eine Barocke. Wenn man weiß, roic schwer dreitausend Mark zusammenzusparen sind für eine bucklige kleine Schneiderin, dann weiß man auch, ein wie schönes Haus davon zn bauen sein muß. Und nun geht sie doch auf die Mitgiftgeschichte ein: „Mitglft habe ich keine, ich habe inir alles zusammen- gespart; ich schneidere nämlich." „Zllle Achtung", sagt Papendieck;„sehen Sie, das habe ich auch gemacht. Gespart, meine ich. Auch was ererbt, natürlich, von meiner Seligen, versteht sich. Die Hebung der Bolkswohlfahrt ist in hohem Maße vom Sparbetricb des einzelnen Staatsbürgers abhängig." Daß sie salbungsnoll schweigt, gefällt ihm; er ist voll Wohlwollen:„Wenn Sie schneidern, wird sich meine Lene freuen: die kann eine Schneiderin hier brauchen; die ist imnier fürs Elegante. Und Sie werden das Geld ja auch nötig haben in ihrer Barocke!" „Ach", sagte sie nur, es klingt, wie wenn Seide zerreißt; lind Papendieck kann weiterreden:„Sehen Sie, mein Nachbar Korn, auch so'n Laie in landwirtschaftlichen Dingen wie ihr Mann, der hat seine Frau allein hier lassen müssen und ist nach Berlin auf Arbeit gegangen. Die arme Frau ist ganz allein in dieser Einsamkeit; bedenken Sie mal, den ganzen Winter!" Sie schüttelt sich, Kälte steigt ovn ihren Fußspitzen bis in den Buckel hinauf; er ist zufrieden. Seine Peitsche streicht energisch über den breiten Rücken dcr. beiden Braunen:„Hü! Nur tüchtig düngen. Frau Maschke. dann kann so was nicht passieren. Es lostet ja natürlich Geld— aber wie gesagt: mir immer tüchtig düngen!" Sie sind angelangt an Maschkes Häuschen. Sehen Sie wohl, hätte sie am liebsten gesagt, es ist ein Häuschen, keine Baracke! Aber sie bedankt sich nur, und Maschke, der am Wege steht, auch, und Papendieck winkt ab:„Keine Ursache! Wenn inan mal Pferd und Wagen hat■•# Lcne, die ihn auf dem Hase erwartet, steht kopfschüttelnd dabei, wie er die neue Kuh in den Stall führt; sie jreut sich nicht so recht, hat überhaupt kein richtiges Interesse an der Landwirtschaft; na, wird sich mit der Zeit schon geben. „Ist sie nicht schön, so schwarz und weiß?" sucht er an Lene heranzukommen l „Sie sieht der Kuh. so ähnlich, die Korns hatten", sagte Lcne.„Es ist doch nicht etwa dieselbe?" Papendieck zuckt gleichaültig die riesigen Achseln.„Kann sein." Wie hatte doch der Viehhändler gesagt?„Es ist ganz gut. daß sie in der Gegend bleibt." Einen Augenblick lang ist ein Verdacht in Lene wach: will ihr Boter sich rächen an Korn? Auf diese Art? Aber dann weiß sie: er ist zu dickhäutig dazu. Er sagt die Wahrheit: er hat gar nicht darüber nachgedacht. Sie weiß das— gut. Aber Konis...? Sie schüttelt wieder den Kopf und geht langsam ins Haus. Jni ungewohnten Stalle brüllt die Kuh. Die Anna Maschke verbringt viele Abende bei Luise Korn— lange Abende, denn der Wiulcr hat die Tage in Schnee vergraben, daß sie nur eben den Kopf herausstecken und gleich wieder versinken, kaum daß sie kamen. Luise und Anna sind zwei ganz verschiedene Frauen, und sie tun eigent- lich auch nur ihre Einsamkeiten zusammen, und ein ganz klein wenig auch ihre Klatschlust; Andreas.Korn arbeitel in Berlin, und Paul Maschke ist mel in der Kreisstadt. Sie haben sich bald nach Annas Ankunft kennengelernt durch einen Vorfall, dcr bis heute oft ihren Gesprächsstoss bildet. Luise ist zu Anna hinübergekommen, rot und naß van Schmerz und Zorn:„Ich möchte nur ihren Mann bitte, i, daß er unsere Liese— daß er die Kuh wieder zu Papendieck hin- überbringt; sie hat sich in ihren— in unseren Stall verlaufen; und ich— ich kann es doch nicht!" Nein, sie konnte es wirklich nicht. Der dummen Redens- art von damals wegen konnte man sich freilich nicht wieder ankucken, aber man brauchte nicht Zorn gegeneinander im Herzen zu haben; der Sache mit der Kuh wegen wiederum konnte man sich ruhig grüßen, es kam auch gerade dadurch wieder dazu, denn Lene erschien und entschuldigte sich; aber der Schmerz und der Zorn und der Stich im Herzen, das wurde man nun nicht wieder los, die Feindschaft von innen, die blieb. Warum das so war, das wußte man eigent- lich nicht; ober es war so, das stand fest, lind Luise erzählt der Anna Maschke zum dritten Male, wie Andreas die Kuh extra bis zur Kreisstadt gebracht hatte, damit nicht Papendieck sie bekam, damit man sich nicht zu Tode grämen und schämen mußte... Es verschlägt nichts, daß Anna vorwiegend auf Lcne Papendieck schimpft, die Luise eigentlich ganz gern mag.„Mit Pelz will sie das Kleid besetzt haben, das Fräulein Papendieck; ich möchte wissen, wozu das Fräulein Papendieck im Kuhstall den Pelzbesatz benötigt; na. mir kann es ja gleich fein, wenn Fräulein Papendiecks Geschmack so schlecht ist.. Und doch ist es eigentlich kein Haß gegen Lcne persönlich; es ist ein Haß, den Anna in ihrem annseligen, verbuckelten Schneiderinnen- dasein all den Glatten. Hohen, Schlanken entgegengebracht hatte, die sie gegen Geld elegant zn machen gezwungen wor, elegant für Theaterbesuche. Spaziergänge, Autofahrten, und sie saß zu Hause und nähte, die Nähmaschine dröhnte dumpf auf und verschwang wie eine dunkle, in ewigem Gleichmaß heran- rollende und abflutende Woge, und der Himmel sal) durch die blinden Scheiben, zum Weinen blau...(Forts, folgt.) verhindert den Massenabbau! uertemier maglsiralsbeschiun/ Heule Entscheidung imsiadiDarlamenl jähngea ZuvgbiinnerangehSrigen Albert g. aus der affer Straffe durch einen Arms ck) uff schwer. Der läter wurde verhaftet. Der schiegwütige Nazi soll sich unter den Tribünenbesuchern be- runden haben, die um 20 Uhr das Rathaus verlassen nwßten. Der Lursche, ein wahnungsloser 22jähriger Gerhard Pantel, ging vor dein Rathaus auf und ab. Als zwei Rcichsbannerleute, die auf einen Stadtverordneten warteten, in feine Nähe kainen, rief der Pantel plötzlich:„Stehen bleiben oder ich fchiefze!" Seine Drohung fetzte er auch sogleich in die Tat um. Cr zog eine Pistole hervor und feuerte acht Schüsse auf die völlig überraschten Reichs- bminerleute ab. Eine Kugel traf den neunzehnjährigen Albert F. in den linken Arm, die übrigen Geschosse gingen glücklicherweise fehl. Der Vurfche versuchte zu entkommen, ein Potizeibenniter eilte jedoch hinter den Flüchtigen her und brachte ihn durch einen Schreckschuh aus seiner Dienstpistale zum Stehen. Pantel wurde später der politischen Polizei übergeben. Abwehrkampf der Mieterschast. Im groffen Saale des Nordischen hoss. Invaliden. straffe, fand eine Versammlung der Ableilungs Mieter- Vertreter und der sonst im Miet- und Wohnungswesen tätigen Parteigenossen statt.„ Der Vorsitzende des Bezirksmieterausschusses Laudgerichtsdirektor Ernst Rüben erstattete den Jahresbericht, verbunden mit einer Stellungnahme zu der durch die Bniningsche Nowerordnung geschaffenen Lage. Der Jahresbericht zeigte die große Arbeit, die der Ausschuß im Berichtsjahre geleistet hat. Wir müssen uns dar- über klar sein, führte Genosse Rüben aus, daß gewiss« Forderungen nach dem heutigen Kräfteverhältnis nicht durchführbar find. In der Mieterbcwegung ist eine Stagnation eingetreten. Eine stärkere Agitation unter den Mietern ist nicht in dem Maße betrieben worden, wie sie notwendig gewesen märe. Es wird der Arbeiterschaft por- läufig nicht möglich sein, draußen im Grünen ein Eigenheim zu be- sitzen. Roch lange werden die Mietskasernen erhallen bleiben, sie sind eben schneller gebaut als beseitigt. Deswegen müssen die Rechte der AUwohnungsnrieter mehr noch als bisher wahrgenommen werden. Den Kampf um ein soziales Mietrecht müssen wir mehr in den Vordergrund unserer Arbeit rücken. Wenn der sozialdemokralische Einsluff nicht bald wieder stärker wird, ist ein Teil des vlielerschuheg nicht mehr zu retten. Den Hausbesitzern geht es heute unter der Zwangswirtschaft besser als früher. Besonders die Arbeiterhäuser bringen heute mehr ein. Kaum war bekannt geworden, daß das Wohnungsmangelgesctz fallen sollte, wurde auch schon nach dem Abbau der verhaßten Wohnungsämter geschrien. Aber jetzt müssen sich die Woh- nungsäinter endlich einmal mehr um die Instandhaltung der Woh- uungcn kümmern und dem Verfall vieler Allwohnungen entgegen- arbeiten. Die Einschränkung der Zubilligung des Ersatzraumes öffnet demagogischen Umtrieben Tür und Tor. Hier muh unbedingt das möglichste zur Verbesserung getan werden. Mit der Beseitigung der Loisnbcisitzer bei Mietsgerichten ist ein wichtiges demokratisches Prinzip verletzt worden. Die immer stärkere Durchdringung der Justiz mit Laienrichtern wird auch hier hintertrieben. Nach der Not- Verordnung ist es heute nicht mehr möglich, daß, wenn man ein Jahr eine Wohnung inne hat, für die zuviel Miete gezahlt wurde, dann noch die gesetzliche Miete festgestellt werden kann. Eine oft vn- gerechtfertigt hohe Miete muß weiter gezahlt werden und di« Haus- besitzermacht ist wiederhergestellt. Im Reichstag ist von unseren Genossen bereits ein weitgehender Antrag auf Schassung eines sozialen Miel- und wohnrechles eingebracht worden. Aber wenn es uns nicht gelingt, die Zahl der sozuiidemolratijchen Reichstagsabgeordneten wesentlich zu erhöhen, wird dieser Antrag keine Mehrheit finden. Wir müssen wieder wie beim Kampf um die Hirtsieser-Lerordmmg die Wähler der rechtsgerichteten Parteien rebellisch machen und mit allen Kräften die Realisierung, dieses An- träges betreiben. Zum Borsitzenden des Bezirksmieterausschusses wurde wiederum der Genosse Landgerichtsdirektor Ernst Rüben gewählt. Neu in den Slusschuß wurden u. a. die Genossen Gramse vom Dresdener Mietcrbund und Thüle vom Reichsbund Deutscher Mieter gewählt. Selbstmordversuch eines Genatspräsidenten. Der 63jährige Eenatspräsident i. R. Wolter von U k k a nf t i versuchte sich gestern im Arbeitszimmer feiner Wohnung in der Berliner Str. 161 in Eharfottenburg zu erschießen. Durch einen Schuß in die fechte Schläfe bracht« er sich eine lebens, gefährliche Verletzung bei. Der Lebensmüde fand im Wlmersdorfer Krankenhaus in der Achenbachstraße Aufnahme. An seinen, Auskommen wird gezweifelt. Von liklanski war früher Senatspräsident am Obervorwaltungsgericht; ein schweres Leiden zwang ihn vorzettig, sich vom Aint zurückzuziehen. In einem Anfall von Schwermut dürfte er gestern zur Waffe gegriffen haben. Zwei tödliche Unfälle. Auf den, Güterbahnhof Neukölln-Trcptow ereignete sich am Mittwoch, unwell der Einfahrt Kirchhofstraß«, ein tödlicher Unfall. Beim Reinigen einer Weiche überhörte der Aushilfsweichen- wärter Paul H o f f m a n n aus der Jungstr. 17 in Lichtenberg den heranrollenden Waggon eines Rangierzuges. H. wurde von dem Güterumgen erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Als Kollegen - hinzueiltsn, konnten sie den Verunglückten nur noch als Leiche bergen.— Vor dem Hause Dundesratsufer S wurde gestern der 13jährige Schüler Kurt Schröder aus der Elberfelder Str. 3 von einem Lieferauto überfahren und auf der Stelle getötet. falsche Behauptung eines«tadtverordnetc». Genosse Dr. Kurt Löwßnsteiii bittet uns um Veröffentlichung folgender Zeilen:„Nach dem stenographischen Bericht der Siodl- rmrardnctenversammlmig vom 15. Januar 1331, Seit« 43, hat der kommunistische Stadtverordnete Schub ring behauptet, Ich soll gesagt haben:„daß man in dieser Situation gar nicht anders könne, als den so.zialdemokrotische» dissiücntischen Junglehrarn den Rat zu gaben, wieder in die Kirche einzutreten". Da diese Bemerkung von den Kommunisten ist der öffentlichen Agitation mehrfach mißbraucht worden ist, bitte ich bekanntzugeben, daß ich weder jemals einen derartigen Rat gegeben lzahe, noch die Erteilung eines solchen Rates für gut hallen würde." „Der Iasagcc" in der Schule. Als erste Berliner Schul« führte die W a l te r- Ra t h« n a u- S ch u l e, llieukölln, Brecht-Weills Schu-oper„Der.Jasager" an vier Abenden aus Darsteller, Chor und Orchester(mit Ausnahme der„Mutter" und der Bläser) waren aussckticßlich jetzige Schüler der Anstalt. Unter Leitung Siegfried Günthers sangen und spielten alle Beteiligten mit starker Hingabc an die Sache. Die von Tag zu Tag erschreckend anwachsende Fi- n a n z n o t der Ncichshauptstadt— zur Zeit rechnet man bereits mit einem Defizit von über 100 Millwnen Mark bei einem dauernden Anwachsen der Wohl- fahrtslasten und stetem Rückgang der Steuer- eingänge— hat den Magistrat zu einer neuen Sparverfügung veranlaßt, die unter den städtischen Angestellten und Arbeitern größte Unruhe ausgelöst hat. Der Magistrat hat beschlossen, die für das Rechnungsjahr 1031 angesetzten Personal- und Sach- ausgaben um 5 Proz. zu senke n. Entsprechende Verfügungen an die Zentralverwaltungen und Bezirksämter wurden sofort erlassen. Den Bezirksämtern war anheimgestellt worden, an Stelle der P c r s o n a l m i t t e l die Ansätze für sächliche Ausgaben ihres Haushaltsplanes zu kürzen. Da die endgültig« Entscheidung über die Art der Kürzungen erst im Laufe des nächsten Monats möglich ist, wurden von den einzelnen Verwaltungsstellen zahlreiche „vorsorgliche" Kündigungen von Arbeitern und Angestellten ausgesprochen. In einigen sozialdemokratisch gc- leiteten Bezirksämtern, so in den Bezirken Prenzlauer Berg und W e d d i n g, hat man allerdings trotzdem keine Kündigungen ausgesprochen, weil die verantwortlichen sozialdemokratischen Bürger- meister glaubten, eine solche Maßnahme im Interesse der Ausrcchl- crhallung einer ordnungsgemäßen Verwaltung nicht verantworten zu können. Sofort nach Bekanntwerden des folgenschweren, leider ohne vorhergehende Verständigung mit den Gewerkschaften und dem Gesamtbetriebsrat er- folgten Magistratsbeschlusses Hut die sozialdeinokratische Rathausfraktion cnt- scheidend eingegriffen. Der„Vorwärts" hat bereits gestern früh den Wortlaut der von den Sozialdemokraten im Stadtparlament eingebrachten Dringlichkeitsanträge veröffentlicht, die vom Magistral die sofortige Einstellung weiterer Sündigungen und die Zurückziehung der bisher ausgesprochenen Kündigungen verlangen. In der Heu- t i g e n Sitzung des Stadtparlaments werden die sozialdemokratischen Stadtverordneten R o g a tz und Krause die Dringlichkeitsanträge begründen. Es ist zu hoffen, daß sich«ine breite Mehrheit hinter die sozialdemokratischen Forderungen stellen wird. Die Notmaßnahme des Magistrats, deren Aufhebung wegen ihrer Undurchführbarkeit dringend verlangt werden muß, be- leuchtet wieder schlaglichtartig die schwierige Situation, in der sich nicht nur die Reichshauptstadt, sondern fast alle deutschen Gemeinden befinden. Sie zeigt von neuem, wie dringend eine Entlastung der Kommunen von den ungeheuren, jeden Etatplan über den �Haufen Aiteniai gegen �emarque-Film. Ein Film„Im Westen nichts Neues� verbrannt. Amsterdam. 18. Februar. In der Nacht zum Mittwoch ist eine unbekannte Person in das Mhambra-Lichlspieltheoter in Enschede an der deutschen Grenz« eingedrungen und hat den Film„Im Westen nichts?! e u e s", der in diesen, Theater schon einige Wochen ausgeführt wird, v« r- b ra nn t. Aus ollen Teilen Wostdeutschlands und Westfalens kann,, Taufende von deutschen Besuchern, um den Remargu«- FUm zu scheu. Etwa gegen zwei Uhr morgens sah ein Fußgäitgcr Rauch auf dem Theatergvundstück aufsteigen. Er benachrichtigte di» Polizei. Man fand in dem Hof des Theaters die Reste des durch den Brand vernichteten Films ,Lni Westen nichts Neues". Der Täter ist durch ein Fenster in das Theater eingedrungen, hat aus dem Vorführraum den Film entwendet und dann auf dem Hof verbrannt. Obgleich noch keine genauen Anhaltspunkte vorhanden find, nimmt die Polizei an, daß ein National- s oz i alt st der Täter ist. Ei« ungetreuer Steuersckrctär. Der 27 Jahre olle Stcuersckretär H e i u r i 6) beim Landes- finanzamt Berlin hatte wiederHoll, obwohl«r dazu nicht berechtigt war. Steuergelder in Empfang genommen und dies« Gelder unter- schlagen. Um seine Unterschlagungen zu verdecken, n, achte er falsche Buchungen. 25 000 Mark sind uau ihm unterschlagen worden, während die Falschbuchungen bereits einen Betrag von 70 000 Mark werfenden Wohlfahrtslasten ist. Aus dieser Notloge heraus ist es verständlich, wenn der Magistrat kein Mittel u, Versucht lassen will, die Zahlungsfähigkeit der Stadl Berlin unter allen Umständen aufrechtzuerhalten. Nur scheint uns der mit dem letzten Beschluß begangene Weg ganz und gar nicht der richtige zu sein. Bon Jahr zu Lahr sind die Arbesten in den einzelnen städtischen Büros und Dienststellen angewachsen: eine hin unD wieder erfolgte Personalverstärkung vermochte die gesteigerten Arbeits- onsprüche nicht auszugleichen. Berantwartungsbawußte leitende Kommunalbeamte sehen deshalb ohne die Gefährdung einer ord- „ungsgemäßen Erledigung der Bcvwallungsarbcit keine Atüglichkeil, Eiissparungcn am Personaletat vorzunehmen. Die Verfügung des Magistrats muß revidiert werden, weil sich zeigt, daß eine praktische Durchführung unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnen würde. Schafft Radau Geld? Eine Arbeiterfrau schreibt dem„Aorwärts": Im Rundfunk, in den Tageszeitungen und an den Anschlag- säulen wird zu Spenden für die Berliner Winterhilfe auf- gefordert. Die Verteilung der eingegangenen Spenden wird in Form von Ernährungsgeld von den freien Wohlfahrt�orgamsationcn vorgenommen, zu diesen Organisationen gehört auch der Bezirks- ausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschutz. ?!ach den aufgestellte», Richtlinien sollen nur noch lang- fristige Erwerbslose mit kinderreicher Familie Berück- sichtigung finden. Von den einzelnen Organisationen siiii nun Sprechstunden zur Stellung der Anträge eingerichtet worden. Auch die Arbeitcrwohlfahrt hat in den einzelne» Verwaltungs- bezirken von Groß-Berlin diese Sprechstunde,», so auch im Verwaltungsbezirk Kreuzberg. Daß die Funktionärinnen der Arbeiterwohlfahrt auch nach diesen ausgestellten Richllinien ihre Eni- scheidungen zu treffen haben, ist den Erwerbslosen, die trotz des langanhaltenden Elends ihre klare Urteilskraft behalten haben, einleuchtend. Aber wie überall so auch hier, suchen radau- lustige Elemente und durch die Phrasen der kommunistischen Parolen irregeleitete Mensche» im trüben zu fischen. Ernährungsgeld wird erst nach erfolgter Recherche ausgehändigt. Glauben denn die Radaumacher, daß durch Beschimpfungen und Beleidigiingen ehrenamtlich tätiger Arbeiterfrauen den Erwerbslosen geHolsen werden kann. Wir Arbeiterfrauen wissen, daß die Hetzer den darbenden Arbeitern gar nicht helfen w ollem Sie suchen Dumme und finden sie auch in dieser Zeit der?!ot. Aber die Drahtzieher sollen sich verrechnet haben; wir Arbeiterfrauen lassen uns durch derartiges nicht provozieren, sondern werden nack) wie vor im Interesse der erwerbslosen Arbeiterschaft unsere Arbeit erledigen. ausweisen. Das Schöffengericht Charlottenburg oerurteilt« Heinrich wegen fortgesetzter Amtsuntcrschlagung In Tateinheit mit fortgesetzter gewinnsüchtiger Urkundenfälschung im Amte zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehroerlust. Heinrich,. dem die Strafe zu hoch erschien, legt« gegen das Urteil Be- rufung eist. Dl« zweite große Strafkammer beim Landgericht III unter Borsitz des Landgerichtsdirellors Dr. Siegert verwarf ober die Berufung des Stcucrsckretärs kosteupslichtig,(a daß es bei dem erstinstanzlichen Urteil verbleibt. Neue Reichsbaukuotcn zu IQ Reichsmark. Ii! den nächsten Tagen werden auf Gruich des Bankgcf'-tzes pom 30. August 1921 neue Reichsbanl noten zu 10 Reichs- mark in den Berkehr gegeben werdem Sie sind 7,£>><15 Zentimeter groß und auf leicht blaugrün gefärbtem Papier hergestellt. Be! der Durchsicht zeigt das Papier von der Vorderseite aus gesehen, links auf dem Schaurande ein Kopfwosser- zeichen(Albr. Dan. Thaer) und im bedruckten Felde als weiter es Wasserzeichen die große Wertzahl„10". Ueber den rechten Teil des Schaurandes, bis in das Druckbild hineinreichend, läuft ein etwa 2 Zentimeter breiter, mit orangeroten und grünen Fasern belegter Streifen. * Die Reichspost gibt eine neue Briefmarke im Werte von vier Pfennig heraus, die für Drucksachen bis zu 20 Gramm vom 1. Mörz ab gilt. Die Marke ist hellblau, zeigt das Bildnis des Reichspräsidenten und wird wie hie bisherigen Marken in Bogen und Rollen hergestellt. Die Autoschau Oes Kleinauto ist l In den Ausstellungshallen am kaiscrdomm findet nach über zweijähriger Pause in der Zeit vom 19. Februar bis zum 1. März eine Inlernaliouale Automobil- ausstellnng stall. Sie ist täglich von lo bis 20 Ahe geöffnet. Wenn heute früh der letzte Handwerker die Hallen verlassen haben wird, hat Berlin wieder eine Autoschau, die hinsichtlich der gezeigten Fabrikat« mit allen i» letzter Zeit abgehaltenen ausländischen Autoausstcllungen bestimmt in Wettbewerb treten kann. Räumlich ist sie beschränker als die bisherigen: Die Molorradindustrie fehlt. Was aber in der alten und der neuen Auto halle zusammengebracht Purde, gibt einen guten Ueberblick über die Entwicklung und den augenblicklichen Stand der Automobiliechmk und— was die Hauptsache sein dürfte— über die Preispolitik der Firmen. � Oer Volkswagen marschiert? Der früher stets erhobene Ruf nach dem bilfigeit, guten Volkswagen, dem Wogen für den Massenabsatz, hat Kanftruveure und Hörsteler veranlaßt, mehr als bisher dem kleinen Automobil ihr Augenmerk zuzuwenden. Wenn heute schon Wagen für 1460 Mark angeboten werden(Goliath-Dreiradwugen), wenn Opel den billigsten Zweisitzer in erstklassigem äußerem Gewände für 1990 Mark her- stellt, VKVV einen Vorderradamriebwagen für 1685 Mark zeigt und auch Hanomag und.BMV richtige Autos unter der 2500-Mar?- Grenz« bauen, so ist eben gegen die Zeit vor zwei, drei Jahrea ein am knnbturm. 'IlllsfVI SfwwIrVI Mvllm sehr merklicher Preisabbau eingetreten. Wäre nicht die Unterhaltung eines Wagens hinsichtlich Garagen-, Steuer- und Berstcherungskosten immer noch unverhÄtiiivmäßig hoch, mancher Motorradfahrer wäre schon zum sichereren und bequemeren Wagen übergegangen. An der Industrie liegt es jedenfalls kaum noch. In fast verwirrender Fülle bieten sich billige, mitllere und teuerste Automobile dar. Prachtwagen, fast zu schade zum Fahren, haben wieder di« altbekannten Firmen ausgestellt: Ein Riesenwagcn mit einem Ableger der im Zeppelin-Luftschifs verwandten 12-Zl)linder- Motoren leistet 200 LS. Für einen ebenso starken Wagen einer anderen Fabrik muß man 41 000 Mark anlegen. Bei diesen Autos ist das letzte an äußerem und innerem Komfort, an Betriebs- und Fahrsicherheit und an Fonnenschönheit vorhanden. Für die„Schlcute" zeigen viele Firmen S ch ni t t in o d c l le aller Arten. Hier zeigt sich das arbeitende Innere des Motors bis in die kleinsten Einzelheiten, dort hat man sogar ein ganzes Chassis mit dem lausenden Motor u», die Längsachse drehbar aufgehängt. Licht-, Hupensignale locken Besucher an. große Lastwagen stellen sich breitspurig zur Schau, elektrische Fahrdrahtomnibujse haben die Aus- stattung von Klubräumen. Unter den(Aroßraumwagen be- anfprucht ein Fünf achser für 300 Zentner Ladegewicht be- londeres Interesse. Ausländische Wagen(Franlrckch, Italien, Tschecho, slowakei, Amerika u. a.) stehe» in schwerster Konkurrenz mit den deutschen, Werkzeugmaschinen, Zubehör vom Benzin, Oel, über den Winker bis zum„Bordradio" vervollständigen die auch für den Nichtbesitznid-n interessante Ausstellung. Sozialistische Siudenien demonstrieren. Mit t>tr Ardeiterschast gegen den Faschismus. Die sozialistische Sludenlcnschaft Berlins zeigte in einer imposanten Kundgebung im Ü r p h e u m. dafj sie sich in dem Kamps gegen den Zaschis- mus an die Seile der sozialdemokratischen'Arbeiterschaft stellt. Zu den amvesenden Studenten sprach Reichstagsäbgeordneier Gcnosic Dr. Mierendorfs: Die Studentenschaft lebt in einer fchmercn Notlage, die so groß geworden ist,»daß man bereits von ciucr Proletarisierung reden kann. Damit spekulieren die Nazis, denn sie glauben, daß sie, wenn sie die jungen Studenten bei ihrer Notlog« packen, Erfolg haben werden. Die allgemeine Notlage stellen sie als die Bilanz der Nepublik hin, und große Teile aka- demifchen Bürgertums stimmen diesen Darlegungen vollkommen kritiklos zu. Aber wenn die Nazis heute vom Bankerott reden, dann müssen wir ihnen doch sagen, daß die wahren Bankerotteure 1l>l8 noch ch o l l a n d und Schweden geflohen sind. Wann so weite Kreise der Studentenschaft sich den Nazis ange- schlössen haben, dann nur, well sie die 19lK verloren gegangene gesellschaftliche Porrcchtsstellung wieder erlangen wollen. Den Stu« deuten, die dem romantischen„nationalen Sozialismus" nachlaufen, müssen wir sagen, daß es nur cineu, den Sozialismus von Karl Marx gibt. Aber wer sich von den Studenten dem proletarischen Sozialismus anschließt, muß den geistigen Hochmut ablegen und als sein« vornehmste Pflicht ansehen, die Kenntnisse, die er aus Gruhd seiner bevorzugten Stellung sich aneignen konnte, � dem Proletariat zur Verfügung zu stellen. Eine Kampfansage an die Nationalsozialisten. In oiner überfüllten Versammlung sprach in der 6. Abteilung der Berliner Sozialdemokratie Reichstagsobgeordneter Genosse Dr. Moses in den„S ch w e d t e r F e st s ä l e n" über das Thema des Tages:„Gegen Faschismus und Krieg, eine Kampfansage gegen die Nazis!" Genosse Moses hatte es leicht, an Hand von Tatsachenmaterial nachzuweisen, was die Nationalsozialisten versprachen und was sie nachher einlösen. Der Nationalsozialismus ist auf hohler De- n, a g o g i« ausgebaut, seine Versprechungen sind leere Phrasen, seine Ankündigungen eines kommenden glücklichen„Dritten Reiches" ein Tiiuschungsversuch gegenüber der Wahlerjchost. Die national- sozialistische Partei sührt ihren Namen zu Unrecht. Sie ist ein Stoß- trupp der R e a k t i o n, die ihren Rückhalt vor allem in den Hoch. schulen findet. 1931 ist für alle freiheitlich Gesinnten ein Schick- lalsjohr ün Komps« für Deüwtratle und Sozialismus im fieges- gewissen Streiten gegen Faschismus und Reaktion. Da heißt es für uns Sozialdemokraten, alle Kraft« anzuspannen und in starker Ab- mehrfcont zusammenzustehen gegen alle Vorstöße der Hakcntnmzlc?, Well auf unserer Seite die Kraft der Idee ist, wird auch bei uns der Sieg fein! Die Aussührungen des Genossen Moses fanden stürmischen Beifall. Es sei vermerkt, daß ein junger Kommunist seine Partslsreunldo wegen ihrer Aerstörungsarbeii gegen die Gewerkschaften tadelte. Der Gesang der„Internationale" schloß die ftundgebung.__ Billige Winterreise nach Oberbayern. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet in der Zell vom Z. bis 15. März 1931 eine billige Winter- reise nach Oberbayern. Bierzehn Tage Erholung und E nt s pa n n u n a in absolut staubfreie! Luft mit Gelegenhell zum iWdein und Skisahren und sogar Skikursen für Anfänger, Im Ra i n t a l c r Hos, einem dem Metallarbeiterverband München gebärigenr Heim, das 1000 Meter hoch gelegen und bichaglich aus- gestattet ist(Zimmer mit fließendem Wasser, Zentralheizung) wird Aufenthalt genommen. Die Kosten der vierzehntägigen Reise be- »ragen einschließlich Hin- und Rückfahrt ab Berlin. Verpflegung und UillitJunst nur 152 M. Anmeldungen sind möglichst umgebend an den llieichsaitssäzuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW- 6«, Llndcnstr. 3, zu richten. Märkisches«chulkuriosum. Ein Schukkuriosum wird aus Beelitz berichtet. Die dortige Mittelschule voird von neun Schülern besucht, die van sechs Lehrern unterrichtet werden. Es ist leider nicht möglich, die Lehrer abzuberufen, da sie sich nur als Mittelschullehrer und nicht als Volksschullehrer beschäftigen zu lassen brauchen. Die Stadtverordneten haben jetzt eine Kommission eingesetzt, die bei der Regierung vorstellig werden soll, um diesem unhaltbaren Zustand ein. Ende zu machen. parteinachnchten� sürGroß-Nerlin veUenMeve Kimdgelrang 1. Kreis-Mitte. Donnerstag, 19. Februar, lO'/eUbr, in denGermanfa- Sälen, Chausseestrafce 110. Redner: Staalsanwall Dr. Hoegner. »Der Vomsbefrng der Nallonalsozialislen" Männer und Frauen, helft den Faschismus bekämpfen! Erscheint in Hassen 1 Arbeiter-LUdungsschule. «. Bteie kr«u,b«»g- Die{Tortfrfemtfl des Kursus:„Die»eistiaen Strönmugen in der sozialistischen Bewegung- der Genom» Dr. Marie Tordorst beginnt erst am Freitag, den, L7. Februar. l».*wi» iiedlenbors. Der für Freitag norgesebcnc Kursus des Genossen Dr. Manchen iibcr:„EawietruKIand" beginnt am Montag, dem 23. Februar, va Uhr, und znxie im Restaurant„Woldhau»", Eoandanee Etr. so. Am Fisch» talgrund. Einige TeUnchmcr können sich noch am Kursusabeud melden. 'Arbeitsgemeinschaft der llinderfrennde Groß-Verlin. Kreis Friedrichshain. Donnerstag. 1!>. Februar, Kreistnrnabend für Rote Falken und Iungfalken, Turnballe Schule Koovenstr. Iii- Sonnabend. 21. Fe. bruar, 18—!»>!■',• Uhr, Probeauostellung im Seim Lilaucr Str. 18. Alle Gruppen schicken ihr Material. Krei» Seukölln. Helferkreis. Heute, 20 Uhr. in der Barocke Sanghofer. strassc, ist Fortschuug de, Hilferkursuz. Wir erwarte» alle. Unsere Mustzicr. iüindr findet«NN Sonntag, beut 2S. Febnior, 17 Uhr, rm Eoalbou Bergstroüe statt. Wir laden dazu unsere Eltern und die SAg. ein. Eintritt 10 und 23 Bs. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Il-senduageu für diel« Rubrik lind «« r I«» SS«S. LindeoUrohe 3. stet» an da» Betirissekretarlai .. Hol. 2 Treppen recht», zu richte» Gestohlen wurde das Mitgliedsbuch des Genossen Herbert George, wohnhaft Jmmanuelkirchstraße 2 bei Langer.— Sollte versucht werden, dieses Buch als Ausweis zu benutzen, dann ist es anzuhalten und der Vorzeiger festzustellen. I. A.: Alex Pagets. i* 1.»Mi» Prenzlauer Berg. Kursus Dr. Gurland:„Klassenkampf um den Alltag". Dannerswg, 19. Februar, Bczirlsamt. Danzigrr Str. lil, 2» Uhr. «.»rei» Krenzberq. Freitag. 2a. Februar, 1» Uhr. Kreisvocstand mit Ab« t'ilungsl-Nern bei Krilacr. SrimmNr. 1. II. Krei» Schöneberg. Dienstag, 2t. Februar,»9>„ Uhr,«rciivertretcrtag im Eeselllch->t»hau» de» Beste»,. Hauptstrahc. Mitgliedsbuch und Delegierten« karte ist am Einaona oorzuzeigen. It.»reis Neulölln. Freitag, 29. Februar, WA Uhr, erweiterter Krrlsvorstand in alier Besch»»» an bckannicr Stelle. heute. Donnerstag. Ig. Februar: Uli. Abt. Treptow. 29 Uhr gufammenlunft iiingcrer Parteimitglieder. Portrag: „Fugend und Partei". Relcrent: Kurt Zingelmann. Morgen. Freitag. 20. Februar: IZ. Abt. Ig'; Uhr Porstandssshung brim Genossen Hartwig. Puictavlah 7, vorn» Treppen. uo. Abt. l» Uhr Funktionarlltiunq b-i Pobst, Lhchener Str. 1V3. SS.«bt. 19 Uhr Borstandsühuna bei Bartusch, Friedenstr. 88.«nf»li-h-»d 29 Uhr Funktlonärfthung. Sämtliche Kalender müssen bei der Abrechnung mitgebracht werde». 192. Abt. Banmschnlcnweg. Das für Freilag angeseht« Frcikonzert muh wegen der Rrichstannerkundgebung auf Mittwoch, t. März. 30 Uhr. verlegt werden vokal Faltenhagen, Reue Krugallce. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und � Lehrerinnen Deutschlands, Lezirksgruppe Verlin. Gencralaersammlupg Montag, 2Z. Februar. Alt« Ialodftr. 128.«eqian Iblr Uhr. Httmwrecht haben nur die Mitglied», die wenigsten, hj, DItpder Beitrag gezahlt haben. 1«. Abt. Unser langlähriger Geimsse Otto Köppc. Echeringstr.». ist noch kurzer Krankheit perswrbe». Ehre seinem Anbeuten. Beerdigung Freitag, 29. Februar, lv Uhr. Alte» Paulsfricdhof. Seestr. 12!. Eozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Ginsendunaen lör dies« Ztubrst na: an da« Zuaendsttretarlat Zterlin GW SS. rindeng-aße z Wonderleiterkonscrenz heute, WA Uhr, im Bortragssaal des Parteivorstand es. LIndenstr, 3. Theo Wicchert spricht über:„Die Bedeuiung von Sviel »nd Sport für unsere Organisation". Anschliessend Filmvorführung. Alle Wanderleiter müssen erscheinen. �Filmnachmittag heut«, 15 Uhr, für alle erwerbslosen Genossinnen und Ge- nosscn im Filinsaal de» Pgrteivorftande». SW.. Lindenstr. 3, ll. Hof, Z Treppe». Es laufen folgende Filme: Kchre wieder, Afrika. Bustex Keaton an der Börse. Die vasenpsot». «afstcrerkursu» Sonnabend, 21. Februar, 19V» Uhr, im Jugendheim Linden« strvsse t. Alle Kgsssercr müssen erscheine». heule. Donnerstag. 19, Februar, 19� Uhr: Oranienburger Tor: 19 Uhr vor dem Heim.— Norden: Lorssing« Ecke Gwunstrasse.„Demokrallc in Sowlrlrussland."— Aenswalder Platt TU Rasten- burger Str. 18.„EcklZ. und Reichsdanner."— Falkplah': Sonnenbtirger Strasse 20.„Bürgerliche Iugendorganisalionen."— Nordosten II: Donzigc: Strasse 92. Kurl-Eisner-Abend.. Prenzlauer Borstadt: Gleimslr.:!z-.l5. Rezitationsabend,— Schönhauser Borftadt: Sonnendurgcr Str. 20.„Unser erstes proletarisches Musterprogramm: Das Radio." Hasenheide: Wassertor- Itrasse 9. Probe.— Kattbusser Tat! Brisser Str. 27. 50.„Rund um Huoenderg." jr Südwesten: Lindenstr. 4...Geschichte der Arbeiterbewegung" sUtopistcn). Besteud tR.,F.)l Sportplatt Westend,„Warum SAH.?"— Laukwiss: 19 Uhr Bahnhos Lankwitz. Beknch dr Freidcnkerveranslastuna.— Steglitz I» Albrecht- strage 47. Ueben.— Fehlendors: Bdlkoschule Schliefsenftrasse.„Kameradschofts. ehe. Rcinickeudorf-West: Ecidelstr. 1.„Was ist Sozialismus?"- Tegel: Bahnhofstr. IS.„Weslnilb bin ich in der SAI.?" Wittenau: Sauptstr. 13. „Die deutsche Minderheit in Polen." SSS. Weste«: Roünenstr. 4. 17ZZ Uhr.„Orao nlsalion der Gcwcrkslhaften." Werbe bezirk Mitte: Wir beteiligen UNS geschlossen an der Kundgebung der Parte: in den Germaniasölen, Cbausseestr. 110, Wcrbebezirl Tiergarte»: Kursus fällt aus. Beteiligung an der Kundgebung der Parte: im«esevfchastshau». «erbebe, i� Sebdiag: Turiner Ecke Secsttasse. ArbeUskrei». Werbebsz:-« Peenzlauer Berg: Tambourkaplle. Ueben. All- Genossen, die im B-ntz- von Instrumenten sind, müssen erscheinen unb die Instrum-iii- mitbringen. Wcrbebezirk Osten: Werbebezirksmitglicberocrsammlunq in Schmidts Gefell- sckiaftshaus, Fnich'sttoss». Thema:„Dritte, Reich, Eowi-tstern pder saziale Temokralte?" Mitgliedsbücher mitbringen. Werbebezirk Reuköll»: Zusammenkunft der Eeneralpersammlunzsdeleiriertcn im Parlcibürp.______ Voriräge, Vereine undDersammlungen. Veichsbanncr..Schwarz-Rot-Goll»". G-fchättsstel,»: Berlin£ 14 S'baNi-nftr 37-3» So' 2. Dr Sauvarstavd. 3» der Svortvalastkundgebung erfolgt da» Antreten 19'; Uhr im Sportpalast in Richtung zur Bühne kreismeis, wie folgt: Krei» Osten: Parkett, linke Seile: Kreis Norden: Parkett, rechte Seite: Kreis Osten: l. Rang: Ortspcreine Fricdrichshain und Lichtenberg lmle Seite: Mitte und Köpenick rechie Seite: Krei» Süden: 2. Rang: Krcu.chcra und Treptow linke Seite: Neukölln und Tcgipelhaf rechte Seite.— Dannerstag, 19. Fedrnar. Mitte lOrtsverein). 19 Uhr Saalschutz bei der SPD..Bersain»ll«ng in den Germaniasälcn, Chausscestrasse. Gdarlottenburg sOrtsverolnI. 20 Uhr Generalvcrsanimlu»» im„Eden-Palast". Ruderriegc. Zll Uhr Gencralvcrsamni- lunq im Gaubüro.— Freitag, 2«. Februar. Steglitz lOrtsverelnl. llbr Antrei«» in Biindcsklcidung zinc Gründungsscier bei Schulz, Biribuschstr. 90. Abfahrt pünktlich l8.40 Uhr. Tcmpelhof lOilsvereinl. ld!» Uhr Pflichtantretep. Bahnhof Tempelhof. Nackzzügler I9V« Uhr Eportpalast. Pankow lOrtsverelnl. JjÄ Uhr U-Bahnhof Biuetaltross« in Bundeokleidnng. Pflichtveranstaltung. Wasserspsttabteilung. Tl'A Uhr Antreten sämtlichcr Kameraden in Rudertracht ::: der Borhalle des Sportpalastes zur Probe, Alle übrigen Kanicroden trete» bei ihren Ortsvereiiwn an.— Sonaabead. 21- Februar. Rudcrricg«. Ab 20 Uhr Kostinrudern in Stralau. Tunnelstrosse.— ReuISIn-Btitz kOrlsverciiil. Dou« nerstag. 19. Februar, 20 Uhr. technischer Pflichtdienst. Turnhalle Warieichorscr Weg,— Reinickenchoef'z U. Staati. Scbiller-Theater.Oiarlt&g 20 Uhr SOierz. Satire, Ironie und Meiere Bedeuinnft Ende gegen 22> z Uhi Winter ■Carlen- >- Uhr. Zentr. 2019. Haddien erlaubt. 7 Alfred«*—„Arcen«" Dolinoff*— 3 Cr«**«« und weitere internationale farietd- Stars. Tägl 2 Vorstg. 5 u.»>2 Uhr Barbarossa 9256 m. 50 PI. bis 3 M.. abends I bis 6 M. 3 Jtndreu Xitel Jtoberlo de TusrourcVos, tflaidic&'Jtajj tum. VolKsbUbne Theater an Bülowplatz. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von Franz Molnai KegierKarl Reine Martin Staatl. Sdiiller-Tb. 8 Uhrr Sdierz. Satire, Ironie u. liefere Bedeutung Theater am Schinhauerdamm 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Piscalor-PUiDe (Wallner-Thealer) Alex. 4592-93- S'/a Uhr Die Frau in Front Komödie v. Glebow Täglich S'.« Uhr sctifin ist die Welt Operette von Lehir Richard Tauber. Giltnr Alpar, Sdiötzendort PLAZA I Tägl. 5 u. 015 Souni. 2, S o. a'• E 4. Alex. 8066 Nehm. 50 Pf.— 1 M., abds. 1-2 M. 4 ßronetts, Oollynoffs Jaxae- und Tanz-Revue Dounton- Shaw. Kremo- Familie und weitere Attraktionen •Vi � CAStNO-THEATER SV« Uhr Lothringer Strafe 37. niniinuniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiuiiiiiiMutinMiiiKin Man lacht Tranen Ober Direktor Hans Berg in dem neuen Schlager OnBel Etthn aus Neuruppln DeDtJdißj Ttieaier 8 Uhr Elisabeth von Engiand tod Fem. ßrockner Regie: Heinz Hilpert Dazu cio neuer bunter Teil. GnlrdheLn 1— 4 Personen Fauteuil 1325 M., Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.; Parkelt 75 PI.. Rang 60 PI. Reichshallen-Theater Äbeiids IX) Sanntag Hadunitlag mi Bbr Das wunderbare Fehruar-Programro der steltiner sangen Populäre Preise! Nachm. ermäßigte Preise! Oönhoft- Brettl: Täglich dag g te Varleti- und Kabarett-Programml Kammerspiele 8'U Uhr; Pariser Platz 13 von Vicki Baum Rszh: Gajtsf Ghmdgios äantotfsky- Bot! nett Tboaler in der StreseiDamisti. 8Va Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Vicior Barnowsky Komödienhau* SV. Uhr Cocktail von Karl VcUmoeller. Musik r. Ralph Eeoatdiy GROSSES SCHAUSPIELHAUo Tägi. s Uhr. im weissen nessl. Stg. nachm, 3Uhr Originalbesetzung billige Preise Regie: Erik Charell. Berliner Illh-Tr iO N e U k 8 1 1 R. w Labnstr. 74(75.3 mamm Arnold Scholz D-Babu HtrinanDplalz.Hasi9heide 108-t4| GROSSES Die Komödie SV« Uhr Die Fee vm Franz Molnar Ragte: Stefan Hoch. Kurtürslendamni- TheatGr Bismarck 449 DAS BLAUE HEMD � VOhf ITHAkA � OP6Rtl TE tN 3 AKTEN Hiulk: Jacques Off enbach Dar große Erfolg Tat lieh 6.15 Uhr Plätze M 1— bis M 8.— Vorverkauf ab 10 Uhr cäfl. •ernsprcch.: MERKUR 9901 THEATER IM AOMI RAIS PALAST II | 8 Uhr[ Das schwache Geschlecht r. Edouard Bourdei Regie: Mai Reiubardt Mrl Weiteos Täglich 8V« Franz Lebars Meisterwerk Der Zarewitscli Anni Ahlers, Horsten, von Möllendorf Lustspietnaus Kurt Götz Täglich 8% Uhr Der Lügner u. die nenne Deutsches Xansller-Theat. Barbarossa 3937. 81;« Uhr Ritter BlauParts atme Frau Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8'i Uhr mua die Kuh Milch gehen? Pr.0.50 bis 13.50-I Rose-Theater Br.FriiikinrterSir.i32 TeI.Alex.3422u.3494 530 Uhr Das Partum metner Frau 815 Uhr Die sdiöoo Helena ,/ i Äuck bis zu 12 Moaatsraien MsckZsKz 8gr!inlV8.LeitKigerStr. 122-123 Lesiino• Täglich 8>/a Uhr Magst uudS:<< Uhr Viktoria undihrHusar Marylusself.Ousdij.LoaH Kleines Theat. Täglich•8'.'« Ulli" Grete Rein valit in: Lielie-UBiiioilern mit Will Kaufmann. Heinz Muherlanz Komische Oper S'.'a Uhr Kleine Preise. Peppina ontir p«r$5nlidtir leitaitg dn R<>fflponisl?n Robert Stolz Ii der Prwititibtsflrmg Neues Theater am Zoo— )(OiBabflb.Zao.$tpL6354 Täglich 89« Uhr Oer gr. Lacheriolgl W'iedcrauftreten Guido Thielscher Das otfentltche Aergernts Preise I bis 8 M. Ideal, a. Kons. Tor «otlbuler 6it, S. lägt. 85 Uhe auch Soünt uchm. 5, Uhr llile- samter wie immer der fm e Ertoi 1 1 En: logeL'eSttUrnn wo idm« min■ sei und MlllgT Hur Qross-Berttn Alaxandarplatx und Cr. Schweineschlachlenl 7 Kapellen, Neue Dekorationen,! Bayr. Bedienung Einlaß: Wochentagsö ühr,| Sonntags 4 Uhr. RMMMtlMA-W« Achtung! Achtung! veriualtungsmltglleder! Frelta-, den 20. ffebrnar 1931, abends Uhr. Sitzung»er Mittlere» Verwaltung. Die OrisTervatthme. Deotsdier Metallarbeiter-TeM Verwaltungsstelle Berlin Nachruf Den Mitgliedern gut Nachricht. daß unser Kolleg-, der Arbeiter .loh. Mantler am 12. Februar geftorhen ist Am 9. Februar starb unser Kollege, der Former Willi Thälmann Am lO.Februar starb unser Kollege. der Walzer «Josef Slany Ehre ihrem Andenke» I Die Beisetzungen haben bereits stalt» gcsanden. Die Dittsxeewrnltunx. Gcwinnsuzzus S. Älasie ZK. Prcubisch-Süddeullche SldaK-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck vcrövie» Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 9. Ziehungslag 38. Februar 3931 3n der heutigen Vormillog?z!ebung wurden Gewinne über 4M M. gezogen 6»etouine ,» 10000 M. 210284 3381 10 336137 10»fBirnf in 5000 M. 12389 25320 126907 147781 149115* 20 fflemiun» in 3000«i. 30820 109103 118153 120004-143690 147234 159172 235378 241142 321806 58 Äetoinne)tt 2000 917. 28725 61112 52886 56917 61437 76721 82909 131034 141547 184855 196201 197148 236168 247729 255818 261862 267751 270482 296786 304359 313288 315970 327596 333569 339676 353606 366011 369930 394289 120©etmnnc ,u 1000 M. 2665 31 89 14285 33722 40956 42221 47590 47697 54431 71649 86342 67167 98815 100406 106404 1 14491 117449 125996 127605 132434 1426S2 149398 154344 158936 170601 179889 134707 194575 196705 197719 208684 220382 225382 228508239462 243616 247115 248574 250553 257944 270974 281205 2864 4 0 30271 I 314529 318382 322588 324373 324759 336524 337801 344958 348471 350566 356098 358162 359471 371858 383643 385081 166•esnnne ,n 500 M. 2073 3486 13079 22788 22889 25705 35224 53700 67446 58607 62562 84086 88306 89602 90183 104877 105552 110226 112151 134212 134834 140622 148267 153900 159S00 160211 165402 165821 176250 181753 183070 189704 191430 191658 193357 195406 197378 197646 206229 210207 213776 216049 216346 216408 222050 223452 225049 228562 228933 237930 245071 246279 250305 253357 256151 257211 262370 264004 265242 269895 279245 2821 36 285328 287854 288212 291923 293343 305345 314380 316221 317117 317824 328001 334206 335511 354791 357897 365188 366757371174 374389 377130 383302 „Tausend Einfslle und Witze jagen sich. Alles wirbelt und 8prrihtM, so schreibt „Die Weltstadt" über „Die schöne Helena" im ROSE THEATER Große Frankfurter StraBe 132 BUirttkasse A.Iex.3422 u.3494 „Die Operette fand begeistert« Aufnahme" (Welt Mm Montau) „Der Beifall mar enorm"(8 Uhr Abendblitt) Wochentags Beginn 815 U. Sonnabds. 7 U. u. 1015 Uhr Sonntags 230, RiS O Uhr Preise von RO Pf. bis 3 M Ktäne Anzeigen, wivkungsv&U und btUtg ÜVcrichrkHnmwrt 75 Fl., 17 Fl./ Wi*W*rta«(uftatPwb«tt: 10 mml SV 70 mol oder lOOO Worte Abichiw« 10* 2000 Worf« 15*. 4000 Warte 70* Stallangagwcfca: UFarKHrlfttwort 15 Ff.. Tenfwcrt 10 Ff. AwnaKene«kurth dem Vortag. hnäen-Ar. 3(',» ki» 5 Uhr; und vomtl.cha Vor-firt» Fillole-n u. AutgobesteMen uerkauie ]t A e h t u n k 1 Familien- Nachmittage| Jeden Dienstag. Mittwoch. Donnerstag. 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Beilage des Vorwärts Donnerstag. 49 Februar 4934 Jünfjahrespläne in aller Welt. Kapitalistische Gtaatsregierungen in Führung/ Freie Wirtschaft? Keine Spur! Wir berichteten dieser Tage über einen umfangreichen Fünf jahresplan Rumäniens, der die Heranziehung von Auslands kapital in Höhe von etwa 8t> Milliarden Lei, das sind rund 2 Mit liarden Mark, zur Hebung wichtiger rumänischer Wirtschaftszweige! vorsieht; auf sorstwirtschoftlichem Gebiet, für die Zucker- und die Petroleumerzeugung, den Ausbau der Wasserwege, für das Fischerei- nxsen, für den Ausbau der Elektrlzitätswirtschaft sollen umfangreiche Monopole vergeben werden, auch die landwirtschaftliche industrielle Erzeugung soll vergrößert und stärker rationalisiert werden. Es ist kein Zufall, daß die Meldungen über langfrifitge Arbeits- plane teils zur Milderung der Ki-ch�rauswirkung, teils ober auch zur Veknmpfung ihrer Ursachen heute allenthalben austauchen. Dieser Tage kam die Meldung, daß die türkische Regierung einen Fünfjahresplan zum Ausbau des türkischen Straßennetzes aus- gearbeitet hat, wofür einzelne Teile in den nächsten Monaten zur Ausschreibung kommen sollen. In Aegypten, wo ein großer Teil der Baumwollanbauer wie der Baumwollhändler durch den internationalen Rre'ssturz der Baumwolle ruiniert ist, hat die Regierurig es zunächst mit einem Vorschuß in Höhe von ungefähr 50 Millionen Mark versucht, der jedoch den Baumwollbauern nur wenig Nutzen gebracht hat. Zur- zeit werden von der Regierung tiefergreisende Pläne ausgearbeitet, einerseits zur allgemeinen Senkung der Gestehungskosten, wozu die Senkung der Pachtzinsen, die Ermäßigung der Bewässerungs- abgaben, die Verbilligung der Fracht- und Lagerkosten usw. gehören; a'idererselts ist die Regierung bemüht durch mann'aiache Vorteile die Landwirte zu bewegen, statt der Baumwolle Südfrüchte anzu- bauen. In Jugoslawien will die Regierung im Rahmen einer ffampfmaßnahm« gegen die Arbeitslosigkeit große Straßenbau, und Meliorationsarbeiten durchführen, ebenfalls auf Grund eines lang- fristigen Programms. Auch Frankreich führt zurzeit«inen unstallenden Fünf- jnhresplan durch. Hier handelt es sich um langfristige Bauvorhaben, teilweise zu dem Zweck, einen Teil der überschüssigen französische» Kapitalbildung im Inlands zu investieren. Der Kostenaufwand ist zunächst mit 17 Milliarden Franken, d. h. nicht ganz 3 Milliarden Mark, vorgesehen. Geplant ist der Ausbau des Straßennetzes und der Schisfahrtswege, der Bau neuer Wafferwerke, die Beschleunigung der Elektrifizierung insbesondere aus dem flachen Lande, Schul- bauten, Errichtung und Erweiterung von Häsen usw. Der Staat soll die erforderlichen Summen als Anleihe aufnehmen und zunächst von sich aus verzinsen. Die Vergebung der Arbeiten soll aueschließ- l'ch der französischen Industrie vorbehalten bleiben. Durch diesen Fünfjahresplan hat die Krise insofern«inen Strich gemacht, als infolge rückgängiger Steuereinnahmen der Staat die erforderliche Zinszahlung nur in geringerem Umfang auf sich nehmen möchte. Als erste Rate dieses Fünfjahresplans ist daher zunächst nur ein« bescheiden« Summe«ingesetzt und dieser Tage bewilligt worden, nämlich 670 Millionen Franken, a!so knapp 115 Millionen Mark. Immerhin ist dadurch die Durchführung dieses großen Plans nur etwas verzögert worden, und von einem Verzicht auf diese lang- fristigen Maßnahmen ist keine Red«. Parallel hierzu läuft ein langfristiger Ausbauplon für die französischen Kolonien, für den der französische Staat Anleihen im Betrage von 5 Milliarden Franken(über 966 Millionen Mark) garantieren soll. Mit der Auflegung der ersten großen Anleihe auf Grund dieses Plans wird in kürzester Zeit begonnen werden. Auch h'er werden alle Lieferungen aus- fchiifßl'ch französischen Industriellen zufallen. All diese Fllnfjahrespläne haben mit irgendwelchen sozialistischen planwirtschaftlichen Maßnahmen nichts zu tun; in keinem Fall ging die Initiative hierzu von den sozaliftischen Parteien aus. Vielmehr sind überall die bürgerlichen Politiker selber zu der Einsicht gekommen, daß unter Führung des Staates große langfristige Wirtschaftsarbeiten durchgeführt werden müssen, nachdem die Hoffnung auf das freie Spiel der kapitalistsschen Kräfte versagt hat. Die Betriebsversicherung bei Opel. Kein sozialpolitischer Fortfchriii. Die Firma Opel hat mit der L ebenso« rsiherungsgefcllfchaft Phönix in'Wen für ihre Belegschaft eine Gruppenlcbens- Versicherung auf folgender Grundlag« abgeschlossen: Jeder Arbeitnehmer, der an der Verficherunq teilnehmen will, zahlt eine Monatsprämie von 1,25 M. und zwar unabhängig von seinem Alter. Darüber hinaus zahlt auch die Firma 75 Pfennig pro Monat. Di« Gesamtprämi« soll nur etwa ein Drittel der üblichen Prämie bei Lebensversicherungen betragen. Der Versicherungsbetrag, der von der Versicherunqsgeiellscbaft bei Ein- tritt des Rersicherungsfalles zu bezahlen ist, beträgt 2 5 6 6 M. für den einzelnen Arbeitnehmer bzw. seine Hinterbliebenen. Diese Ve- dingungen gelten aber— und hier steckt der Pferdefuß— nur, wenn der Arbeitnehmer während der ganzen Bersicherungsdauer den Betrieb der Firma nicht verläßt(Krankheitsfällc sowie Beurlaubunaen und zeit- weist Entlassungen— auch Streiks?— bis ni 6 Monaten ausgenommen). Wird hingegen während der Bersicherungsdauer sein Arbeitsverhältnis zur Firma gelöst, so verfallen alle ein- oe-ahlten Prämien, und der Arbeitnehner bat nur das Recht, privat eine neu- Lebensoersicherung zu den gleichen Be- dingunaen abzuschließen wie jeder andere, nur ohne Untersuchung seines.Gesundheitszuftandez. Diese Konzession ist so gut wie be- deutungslos, zumal es ja schon eine ganze Reihe von Lebensoersiche- rungen ohne ärztliche Untersuchung gibt. Opel hat dank seiner Verflechtung mit der amerikanischen Industrie dieses System der Betriebslebensoerficherung von Amerika übernommen. Dort mag seine Verbreitung viel- leicht zu verstehen sein als kärglicher Ersatz für die dort fehlende Sozialversicherung. Für Deutschland hingegen ist dieses System entschieden abzulehnen Zugegeben, daß die Belastung des Arbeitnehmers mit Prämien r-icht übermäßig hoch ist. lo ist doch auch— ausgenommen vielleicht für Arbeitnehmer in höhcrem Alter— seine Aussicht, in den Genuß der Versicherungssumme zu gelangen, sehr gering. Denn wieviel Arbeiter oder Angestellte haben angesichts der immer wieder- kehrenden Perioden der Massenarbeitslosigkeit Aussicht, zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahre lang bei einer Firma beschäftigt zu bleiben? Andererseits ist das Unternehmerintere�se an dem Abschluß einer solchen Versicherung unverkennbar. Der Unter- nchmcr wird zwar mit einer— wahrscheinlich im Einzelsall eben- falls minimalen— Lohnzulaae für jeden versichzrungsw'lligen Arbeitnehmer belastet, er erkauft sich aber damit eine starke Bindung des Arbeitnehmers. n den Betrieb, ohne daß dem Unternehmer eine gleich« Bindung auferlegt würde. Heute, bei 5 Millionen Arbeitslosen, denen er sich nicht zugesellen möchte, spürt der Arbeitnehmer diese Bindung natürlich nicht Daraus erklärt sich wohl auch die starke Beteiligung der Belegschaft an der neuen Ver- sicherung. Aber wenn sich die Konjunktur wieder bessern und ein Wechsel der Beschäftigung wieder ins Bereich der Möglichkeit gerückt sein wird, wird er die Bindung um so stärker spüren. Ob und wie weit schließlich bei der Eitzführung dieser Vcrsiche- rung der Gedanke mitgespielt hat, einen Trskbtz für dieSozial- Versicherung in der Forni einer der Unternehniereinstellung viel syinpathischeren Betriebsversicherung vorzubereiten, möge dahin- gestellt bleiben. Von den hier Beteiligten wird es bestritten. Die Arbeiterschaft hat, ob solche Nebenabsichten bestehen mögen oder nicht, auf keinen Fall einen Grund, sich mit der neuen Bctriebsversicherung, die für sie materiell höchst ungünstig ist und sie in ihrer Bewegungsfreiheit aufs schwerste beengt, zu befreunden. Großbankleiter am rundenTisch Teeunterhaltung oder vernünstige Zusammenarbeit? Die Finanzwelt hat eine neue kleine Sensation. Wie gemeldet wird, wollen die Leiter der Berliner Großbanken, genannt werden zunächst die Deutsche Bank und Diskontogesellschast, Danat, Dresdener, Commerz und Privat, sich wöchentlichzusammcn- setzen und gemeinsame Sorgen besprechen. Wir hören, daß man sich zwar auch schon in der Vergangenheit gelegentlich gesprochen hat, daß man aber der in der Zukunft beabsichtigten Regelmäßig- keit der Zusammenkünfte doch eine gewisse besonder« Bedeutung zumesien darf. Der unmittelbare Anlaß für die neue Liebe der Groß- bankleiter für den runden Tisch dürfte die Dividendenfrage für 19 36 gewesen sein. Es ist bekannt, daß woh: alle Berliner Großbanken ihr« Dividenden um etwa ein Drittel herabsetzen werden. Es ist wichtig, daß man sich dabei gegenseitig vor Ileberraschungen sichert, und es ist verständlich, daß sich die Großbanken deshalb ins Benehmen setzen. Neben diesem einmaligen Anlaß bestehen freilich noch eine ganze Menge Gründe, die es auchvolkswirtschaft- lich zweckmäßig erscheinen lassen, daß die Großbanken nicht so wild nebeneinander herkutschieren, wie es in der Vergangenheit geschehen ist. Es ist«ine Tatsache, daß die von den Großbanken gewährten Kredite in erheblichem Umfang eingefroren sind und daß die Großbanken bei der Betrachtung des Schadens sich davon über- zeugen werden, daß derselbe Kunde bei den Großbanken mehrfach'n der Kreide steht. Das hätte sich sicher vermeiden lassen, wenn in der Kreditgewährung eine gewiss« Fühlung bestanden hätte. Die riesigen Fehlleitungen von Kapital, die«ine der wichtigsten Ursachen der innerdeutsckzen Wirtschaftskrise sind, hängen mit diesem Neben-, Ueber. und Durcheinander der Kreditgewährung recht eng zusammen. Außerdem haben dl« Banken ernste Sorg« um ihre eigenen E f f e k t e n b e st ä n d e, d. h um ihre Beteiligungen an der Industrie. Dieses Konto hängt wieder aufs engste mit der Kreditgewährung zusammen— und umgekehrt—, und es wäre durchaus vernünftig, wenn man auch in der B e t e> l! g u n g s- Politik dafür sorgen wollte, Fehlarbeit und Fehlleitungen zu ver- meiden. Schließlich werden die Dummheiten der Großbankleiter von der gesamten Voltswirtschaft sehr teuer bezahlt, und es würde wirklich nichts schaden, wenn die Großbankleiter wenigstens in der Zukunft zur Vermeidung von Kapitaldumm Helten rechtzeitig miteinander reden würden. In diesem Sinne möchten wir das an- gekündigte Zusammenarbeiten der privaten Finanzmächte begrüßen. HöchsteZeiisürdasBausparkassengeseh! Neue Berwässerunq der Etaatskontrolle! Es ist nahezu ein Jahr her, seit der Gesetzentwurf über das Depot- und Depositengesetz fertiggestellt wurde, der einen Abschnitt über die Regelung des Bausparkassenwescns enthielt. Der Gesetzentwurf hat auch schon vor Monaten den Reichswirtschaftsrat und den Reichsrat passiert, ist aber bis heute dem Reichstag nicht zugelestet worden. Inzwischen verlautet, daß die Regierung die Regelung des Bausporkassenwesens vom Depot- und Depositengesetz. entwurf abtrennen will, um eine beschleunigte Erledigung der Bau- sparkassenregelung zu sichern. Aber auch darauf wird man wohl noch warten müssen. Die endgültige Regelung des Bausparkassen- wesens verträgt jedoch keinen Aufschub mehr. Man denke nur an den üblen Reklomeunfug vieler, insbesondere der der Nationalsozialisten nahestehenden Bausparkassen, die mit der Anpreisung„zinsloser" Baukredite den Sparern das Geld aus der Tasche zu locken versuche». Inzwischen hat der R e i ch s v e r b a n d deutscher Bauspar- lassen, in dem em Teil der Bausparkassen organisiert ist,«in« Denkschrift herausgegeben, die Abänderungsvorschläge zum Gesetzentwurf der Regierung enthält. Natürlich zielen die Bor- schlage der Bausparkassenorganisation darauf ab, die staatliche Aufsicht über das Bausparkassenwesen, die der Gesetzentwurf deni Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung in die Hand geben will, zu lockern und sie mehr oder weniger durch Selbstverwaltungs- organe der Bausparkassen zu ersetzen. Nach den Erfahrungen, die bis jetzt schon mit verschiedenen Bausparkassen gemacht wurden, wird man einer Lockerung der staatlichen Aussicht keineswegs zustimmen können, im Gegenteil ihre Verschärfung durch Ein- fügung strenger materieller Aussichtsvorschriften in das Gesetz an- streben müssen. Ebenso ist der Vorschlag der Bausparkassenorgani- sation, die G e n o s s e n s ch a f t s f o r m für Bausparkassen zuzu- lassen, abzulehnen. Auch die Organisationen der Genossen- schaften stehen diesem Vorschlag mit guten Gründen ablehnend gegenüber. Im ganzen ist festzustellen: die Regelung des Bausparkassen- wesens ist äußerst dringlich, gegenüber dem Gesetzentwurf der Regierung können nur Verschärfungen, nicht aber Milderungen in Frage kommen. Außeilung der Waggonwelt. Sonderabmachunaen zwischen Deutschland und Frankreich. Die im vorigen Jahre abgeschlossene vorläufige Berein- barung über das Internationale Waggonkartell hat jetzt zum Abschluß eines besonderen deutsch-französtschcn Abkommens und damit zu einer endgültigen Verlängerung des Inter- nationalen Waggonkartells bis End« 1931 geführt. Die Quoten verteilen sich auf die einzelnen Länder wie folgt: Belgien 34,6 Proz., Deutschland 28 8 Proz., Frankreich 13,9 Proz., Italien 16,5 Proz.; der Rest entfällt auf die Tschechoslowakei. Ungarn, Oesterreich und die Schweiz. England ist dem Kartell nicht beigetreten, da man sich über die Belieferung der Märkte der englischen Kolonien und Dominions nicht einigen konnte. Don Fall zu Fall, d. h. also, wenn die englische Industrie mit dem Kartell um einen bestimmten Auftrag konkurriert, soll«ine Verständigung zwischen beiden an- gestrebt werden. Die w i ch t i g st e Kartellbestimmung ist wie bei dei Inter- nationaten Eisen- �und Stahlkartellen der Schutz des inneren Marktes, der damit stets der heimischen Industrie vorbehalten bleibt. Diese Bestimmung ist für d>e deutsche Waggonindustri« nachteilig deshalb, weil sie bisher sehr stark für die Belieferung des französischen Marktes(z. T. durch Reparationsaufträge) be- schäftigt war Obwohl die deutsch« Industrie infolge der geringen Reichsbahnaufträge im Jnlandsgeschäft schlecht beschäftigt, die französische Industrie zur gleichen Zeit aber so gut beschäftigt ist, daß sie ihre Exportaufträge nur mit Mühe ausführen konnte(oder den Außenseitern des Kartells überließ), hat die deutsche Industrie keine Erhöhung ihrer(schon jetzt überschrittenen) Exportquote erreichen können. Dafür ist man übereingekommen, daß die deutsche Industrie unter bestimmten Umständen einen Teil der fran- zösischen Aufträge erhalten soll. Auslandsaufträge(die quotenmäßig Frankreich zufallen müßten) erhält Deutschland dann, wenn die fran- zösische Industrie im Inland so gut beschäftigt ist, daß sie die Auslandsaufträge nicht ausführen kann. Außerdem wird Deutsch- land an den französischen Inlandsaufträgen beteiligt in einer Höhe, die von der Menge der Aufträge und von dem Beschäftigungsgrad der deutschen Industrie ab- hängt. Im günstigsten Falle kann sich aus dieser Regelung eine Er- h ö h u n g der deutschen Quote um 6 Proz. ergeben Ungewiß ist, ob die deutsche Industrie auch in der F i n a n z i e- rung der ihr übertragenen Aufträge unterstützt werden wird, sei es, daß die französische Industrie von sich aus Kredit vermittelt, sei es, daß man innerhalb des Waggonkartells ein internationales Finanzierungsinstiwt schafft. Auf jeden Fall bleibt die deutsch-sranzösische Abmachung ein neuer interessanter Versuch fruchtbarer Zusammenarbeit. Reichsbahn sördert Arbeiislostgkeii. Wo bleiben die Austräge für den Eisenbohi sianalbau? Aus den Kreisen der Arbeiter der Eisenbahnsignal-Bauanstalten, d. h. derjenigen Firmen, welche die Teile für die Sicherung des Eisenbahnwesens herstellen, geht uns die Mitteilung zu, daß diese Finnen mit großen Entlassungen vorgehen und be- absichtigen, die Betriebe aus Mangel an Aufträgen zu schließen. Wie ist diese Tatsache in Einklang zu bringen mit der gegen- über der Oeffentlichkeit abgegebenen Erklärung der Reichs- bahnleitung, daß die Reichsbahn die Maßnahmen der Reichs- regierung unterstützen und Austräge herausgeben will? Hier werden Facharbeiter, die in jahrelanger Ausbildung herangebildet worden sind, brotlos gemacht, obgleich der Verkehr die planmäßige Erneuerung der Sicherungseinrichtungen dringend erfordert. Kurzarbeit wurde schon im letzten Quartal des vergangenen Jahres eingeführt, jedoch nur für die Ardeiter. Das technische Per- sonal, welches sich ebenfalls nur aus Spezialisten zusammensetzt, war in dieser Zeit noch mit Projekten über und über beschäftigt, ein Zeichen für die Notwendigkeit der Arbeiten— und jetzt soll kein Bedarf vorhanden sein? -10,40 Mtliarden Spareinlagen. Ende Dezember 1936 erhöhten sich die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen auf 16,46 Milliarden Mark gegen 16,26 Mil- liarden Ende November 1936. Gegen Ende 1929(9,62 Milliarden) ist«ine Vermehrung um 1,38 Milliarden«ingetreten. Ende 1928 wurden 6,99 Milliarden, Ende 1924 nur 595 Millionen Mark Spar- einlagen festgestellt. Im alten Reichsgebiet gab es Ende 1913 Spareinlagen im Betrage von 19,69 Milliarden Mark, so daß im neuen Reich 7 Jahre nach der Inflation erst wieder die runde 5)älste der Vorkriegszeit erreicht ist. Siemens legi ein neues Ostsee-Kabel. Der Siemens u. Halske A.-G. ist von der dänischen Staatstelegraphenoerwaliung ein Auftrag auf Lieferung und Ver» legung eines Fernsprechkabels erteilt worden. Dieses neue See- k a b e l soll die dänische Insel B o r n h o l m(44 666 Einwohner), ftlnid zwar den Hauptort Roenne mit der südschwedischen Stadt Pst ad verbinden. Es wird eine Länge von 67 Kilomeern haben und die Führung von zehn Ferngesprächen gleichzeitig ge- statten. Die Verlegung des Kabels wird bereits im Laufe dieses Sommers erfolgen. Qoelhes IMluUerals Srmieherm Zu ihrem 200. Qeburtsiag Die neueren Bücher, die über den Weimarer Dichter Goeche erscheinen, reden von recht großen. Leuten als seine Vorsahren: Da ist väterlicherseits des Rat Goethe in Frankfurt a. M.. ein großer Mann, der sehr viel Geld verdient, so daß es gar nicht so genau darauf ankommt, was der knapp 17jährige Sohn später in Leipzig an der Hochschule verbraucht! Goethes Vater war Kaiserlicher Rat zu Frankfurt, aber dessen Vater schon war ein einfacher Mann, ein Schneidermeister aus Thüringen, er hieß Friedrich Georg Goethe, ward 16S7 in Artern geboren und zog, da das kleine Nest ihn nicht ernähren konnte, in die damalige„Großstadt" Frankfurt, wo ein Handwerker immer besseres Auskommen hatte. Damit war die Linie Goethe nach Frankfurt verpflanzt, väterlicherseits. Des Schneiders Vater aber, der Hans Christian Goethe, war auch kein Rat des Kaisers, um Gotteswillen nicht, em gan,z armer, ein- facher Hufschmied ist es gewesen, löSS in Artern zuerst genannt, in Sangerhausen geboren. Seine Schmiedewerkstätte in Artern ist uns im Bilde erhalten, eine ganz erbärmliche Hütte ist es gewesen, darinnen hat er mühsam von früh 4 Uhr bis in die Nacht hinein gehämmert und ganz mühsam sein Brot verdient. Der Kaiserlicher Rat in Frankfurt hatte es natürlich besser. Der älteste Vdrfahre der Mutter Goethes ist Gg. Weber in Weikersheima(Tauber), der weiter nichts war wie ein einfacher Bauer. Er lebte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, damals gab es nur Bauern und ein paar Handwerker in unserem Lande, weiter nichts. Hundert Jahre später ist aber dessen Urenkel schon ein Advokat, der fünf Kinder hat und als ältester davon wird 1633 in Frankfurt Johann Wolfgang geboren, der Vater unserer Katharina Elisabeth, die Goethes Mutter wird. Die Leute hießen Weber, aber der Advokat ließ eines Tages seinen Namen lateinisch umschreiben und sich Textor nennen, das war damals so Sitte, und die reichen und„gelahrten" Leute wollten keine so gewöhnlichen Namen haben„wie das Volk", und die Gesetzesbestimmungen ge- statteten diesen Leuten ihre Namensumänderung. Für Geld ist schon in allen Jahrhunderten alles gemacht worden und die Kreise, die „oben" saßen, haben für sich immer Vorteile und Vorrechte als selbstverständlich betrachtet. Da brauchen wir nur an diese Namens- änderung zu erinnern. So entstammt atlso Goethes Mutter richtig gesehen, der deutschen Bauernsa milie Weber, aber in gelehrten Büchern werdet ihr nur von der Familie Textor, von Professoren und Advokaten lesen! Arme, arbeitende Vorfahren läßt man ebdn in der zünftigen Wissenschaft weg,„sie interessieren nicht mehr!". Nun wird man über Goethes Mutier, die Frau Katharina Elisabeth Textor, geb. am 13. Februar 1731(also vor zwei Jahrhunderten), gestorben, hochbetagt am 13. September 1838. aller- loi schöne Abhandlungen zu ihrem 203. Geburtstag schreiben, wird sie als gelehrte und gutbürgerliche Frau hinstellen. Wie das immer geschieht bei solchen Anlässen. Aber lassen wir doch die Wirklichkeit reden und setzen einen Bericht hierher aus der Zeit von Goethes Mutter, der da wörtlich lautet: „Wie ich jung war, wußte man von all den Verfeinerungen nichts, so wenig man von dem Staate(gemeint ist die vornehme Kleidung) etwas wußte, zu dem man setzt die Kinder gewöhnt. Man ließ uns lesen, lernen und schreiben, und übrigens hatten wir alle Freiheit und Freuden der ersten Jahre. Wir vermengten uns mit Kindern vom geringen Stand, ohne daß es unsere Sitten verderbt hätte. Wir durften wild sein, und die Mutter fürchtete nicht für unseren Anzug, wir hatten keine Falbalas zu zerreißen, keine Blonden zu verschmutzen, keine Bänder zu ver- derben, unsere leinenen Kleidchen waren bald gewaschen. Keine hagere Deutsch-Französin zog hinter uns her, ließ ihren bösen Humor an uns aus und prätendierte(befohl) etwa, wir sollen so steif, so eitel, so albern thun wie sie. Es wird mir immer übel, die klonen Mißgeburten in der Allee auf und ab treiben zu sehen. Nicht anders siehts aus, als wenn ein Kerl in der Messe seine Hunde und Affen mit Reifröcken und Fantangen mit der Peitsche vor sich her in Ordnung und auf zwei Beinen hält und es ihnen mit derben Schlägen gesegnet, wenn die Natur wiederkehrt und sie Lust kriegen, einmal aus allen Vieren zu trappeln... Mein Vater hat weder Schande an mir in der großen Welt erlebt, noch hat er sich über mein häßlich' Leben zu beklagen. Ich sage dir, die Kinderschuhe treten sich von selbst aus, wenn sie einem zu eng werden, und wenn ein Weib Menschenoerstand hat, kann sie sich in alles fügen. Gewiß! Die besten, die ich unter unserem Geschlechi habe kennen lernen, waren eben, auf deren Erziehung man am wenigsten gewendet lMte... Euere Kenntnisie, Eure Talente, das ist eben das verfluchte Zeug, das euch entweder nichts hilft oder euch gar unglücklich macht. Wir wußten von all der Firlefanzerei nichts: wir tappelten unser Liedchen, unser Menuet auf dem Klavier und sangen und tanzten dazu." Man muß immer berücksichtigen, daß Goethes Mutter die Tochter eines Juristen war. also auch zu den„höheren Kreisen" zählte, die sich damals schon herausnehmen dursten, von den„Kindern des geringen Stands" zu reden, der die Sitten oerderben sollte! Mit 17 Jahren heiratete sie den um 21 Jahre älteren Kaiserlichen Rat I. Caspar Goethe, also da war sie, äußerlich gesehen,„ganz hoch oben!". Aber Frau Mutter Goethe blieb immer eine schlichte, ein- fache, bescheidene, zufriedene Frau, wie es oben zu lesen steht. M« Well nahm es ihr übel, daß sie nicht französisch sprechen konnte, dos war damals wichtig für die„Gebildeten". Wichtiger wie die deutsche Sprache. Das war die Vaterlandsliebe vor zwei Jahrhunderten! Die Mutter Goethe machte sich Zeit ihres Lebens nichts daraus, daß sie die Sprache der Gallier nicht verstand. Sie ist eine sehr alte Frau m ihrer Einfachheit geworden, und der große Rat Goethe in Weimar hatte seine Freude an seiner Mutter! Goethe liebte seine Mutter in aller Ehrlichkeit. Goethe hatte einen Sohn Zlugust, der mit der Großmutter auch manchen Brief wechselte. Und da ist es sehr wichtig, was die Groß- mutier aus Frankfurt,— sie wurde zu Lebzeiten immer Frau Aja genannt— im Juli 1798 an ihren Enkel nach Weimar schrieb. Dringen wir es doch wörtlich- „Ich schäme mich nicht, zu bekennen, daß Du mehr von diesen Sachen, die von großen Nutzen sind, weißt, als die Großmutter.— Wenn ich so gerne schriebe wie Du, so könnte ich Dir erzählen, wie elend die Kinder zu meiner Zeit erzogen wurden,— danke Du Gott und Deinen lieben Eltern, die Dich alles Nützliche und Schöne so gründlich sehen und beurteilen lernen,— daß mehrere, die diejes Glück nicht haben, im dreißigsten Jahre noch alles vor Unwisienheit anstaunen wie die Kuh ein neues Thor..." Daß es auch jetzt nach 233 Jahren immer noch Kühe gibt, die die neuen Tore anstaunen müssen, dafür hat man gesorgt. Aber diese Kühe kommen oft auch ifen den höchsten Schulen unserer Zeit, wo sie nichts gelernt haben, aber glauben, alles zu können! W. Heimann. Spaniens SchreckensmeH In Spanien hat die Entscheidungsstunde geschlagen. Wird der König seine Krone verlieren, wird er sie durch Zugeständnisse retten können? In jedem Fall ist die Zeit des Absolutismus in Spanien vorbei. Das Land, von dem Europa Namen und Begriff des Liberalismus übernommen hat, muß als letzter europäischer Groß- staat die Auseinandersetzung des Voltswillens mit der unbeschränkten Königsmacht durchführen. Jenseits der Pyrenäen beginnt ein Land, das anders als Europa ist. Zurückgeblieben— behauptet das überhebliche Borurteil des Europäers. Der Streit uin politische Ziele, über die sich das übrige Europa fast schon wieder hinaus entwickelt hat, darf aber nicht ver- geffen lassen, daß Spanien von jeher um seine Konstttution kämpft Ja, die ganze spanische Geschichte ist im Innern ein unaufhörlicher Kampf des Bürgergeistes und Freiheitswillens mit der Krone, an- gefangen bei Karl I., dem deutschen Kaiser Karl V., der nach dem Aufstand des Juan de Padilla den Städten die politische Freiheit nahm und die Cortes völlig in den Hintergrund schob. Hundert Jahre später, unter Philipp IV., tobte zehnjähriger Bürgerkrieg in Katalonien, Andalusien und anderwärts. Unter dem ersten Bourbon, Philipp V., verlor die Nation ihre letzten Verfassungsrechte: die Pro- oinzen, die sich für den Gegenkönig Karl erhoben hatten, wurden wie eroberte Länder behandelt. Der letzte Reichstag ward in Kastilien 1713 abgehalten. Die Verfassung des Jahres 1812, unter Herrschast des Königs Joseph Bonaparte gegeben, wurde das Ideal des europäischen Liberalismus. Sie war radikaler als die radikalste ihrer Zeit. König Ferdinand VII., der nach dem bonaparttstischen Zwischenspiel wieder zurückkehrte, hatte diese Konstttution nicht anerkennen wollen. Das führte zu einer Revolution, die über ein Jahrzehnt hindurch dauerte und an Furchtbarkeit sogar die Schreckenszeit der französischen über- traf. Das Spanien von 1819 war in zwei Parteien gespalten: die „Liberales", auch Josephinos(nach Jospeh Bonaparte) genannt, und die„Serviles", die Königstreuen. Das Signal zur Revolution gab, wie im letzten Dezemberputsch, das Militär, das die Wiederherstellung der Berfassung von 1812 verlangte. Der Major Franca von damals war der Jngenieuroberst Ouiroga. Die Revolution brellete sich rasch aus, und der König mußte die Konstitution genehmigen. Aber die er- hoffte Beruhigung trat nicht ein. Als in Madrid der Domherr Don Vinnesa wegen seines gegenrevolutionären Aufrufs„eines wahren Spaniers an feine Natton" zu zehn Jahren Galeere ver- Jofef und diarl Capek:«/l®*lfl©ISI*cllS6 In die Dachkammer, wo der Kaplan Chrodegang— der immer einmal im Jahr, am heiligen Abend, gereinigt und in die Gemächer der Herrschaft hivabgetragen wurde, um den Gästen als der Täufer und Erzieher von bereits historischen Borvätern gezeigt zu werden— seine rheumatrschcn Tage verbrachte, von den Dienstmädchen mit Brei gefüttert und mit heißen Ziegeln und mit Watte betreut, in diese Dachkammer begab sich die kleine Gesellschaft, die gekommen war, den Kaplan zu seinem Geburtstag, dem hundertzwanzigsten, zu beglückwünschen. Es waren dies: Lonelius, der Palastportier, mit weißem Bort und der Schönheit eines Königs; Payens, Kammerdiener: Francois Sisko, Kammerdiener: Albinet Solar, Kammerdiener: sämlliche betagt, mit glattrasierten Wangen, aschfarbenen Backenbärten und verwelkten Mienen: Mister Francis Smuts, englischer Schneider mit bänglichem Blick; Cantory, Lakai, mit Backenbart; Herr Jzak, weiß, Küchenverwalter. „Hochwllrden", sprach der matte Sisko,„es ist mir eine Ehre, Ihnen die� Glückwünsche und die Huldigung der gesamten Diener- schaft und' der dem erlauchten Haufe unserer erhabenen Herrschaft Zlngehörigen zu verdolmetschen." Kaplan Chrodegang erzitterte, runzligen Blickes und aus zcr- kneteten Mundwinkeln speichelnd. .�eiliger Patriarch", sprach Sisko ergriffen,„was du gesehen, beklagen wir. nicht sehen zu können; und nun siehst du nicht und hörst nicht, und siehst bloß, was nicht mehr ist, Gott segne dich!" „Die Welt hat sich oerwandell", sprach der kalte Payens.„Ich bin all und sehe nicht gern, was ich sehe Ich bin vierhundert Jahre alt, denn wir sind erblich. Ich habe im Mutterleib gedient und habe gedient, solange ich im Vater war: und meine Eltern haben in meinen Großeltern gedient, ehe sie noch geboren wurden: und meine Großeltern wurden von dienenden Vätern und dienenden Müttern gezeugt. Bierhundert Jahr habe ich in meinen Vorfahren .gedient und morgen verlasse ich den herrschaftlichen Dienst. Denn ich will nicht mehr sehen, was jetzt zu sehen ist." „Was jetzt zu sehen ist: Die Menschen sind einander gleich ge- worden", äußerte Albinet Solar.„Es ist nicht mehr unehrenhaft, kein Edelmann zu sein, und di« Welt hat sich verändert, und es ist nicht ehrenvoll genug, einer zu sein; und schon nahen die Zeiten, wo es ehrenvoll sein wird, keiner zu sein. Und ich verlasse dieses Haus, denn es ist nicht ehrenvoll für mich, jenen zu dienen, die nicht mehr die Herren sind." „Ich will nicht mehr sehen, was jetzt geschieht", wiederholte Payens leise.„Baron P. ist in Kladno National-Sozialist. Der edle Ritter T. ist Füllknecht im Brauhaus. Fürsten werden Vor- sitzende von Weinhändlervereinen. Ihrer Durchlaucht, die Kon»- tesse Sch., ist Amme geworden. Himmel, sehe- ich recht? Deim ich blicke durch Tränen." „Wir weinen, durch die Korridore der Ahnen wandelnd", fügte Albinet hinzu.„Es gibt keine Erhabenheit mehr. Meine Vor- fahren haben das Schwert um des Herren Hüften gegürtet; und ich gürte ihm das Bruchband um und schäme mich. Aber ich verlasse bereits diess Hausp-denn es ist nicht gut für mich. Bürgerlichen zu dienen: voll Ekel verlasse ich dieses Haus!" „Wie war es doch?" träumte der grübelnde Sisko.„Ich sehe erhabene Kavalkaden: und das Bäuerlein, auf dem Acker robotend, richtete sich auf, um dem goldenen Wagen der Kavaliere nachzu- blicken. Denn man kann nur das ehren, was glänzt und mächtig ist." „Oh, ihr schwachen, demokratischen Augen. Ihr habt, was euch gebührt: denn es glänzt nichts als der Schweiß und das Messing der Maschinen, ihr habt, was euch gebührt, denn ihr hobt nichts, was euch blendete." „Ihr Hals war rot, wenn sie aus dem Kampfe kamen", träumte Sisko,„und die Brust der edlen Duellanten war rot wie des Erzbifchofs Handschuhe; und ihre Macht war purpurn wie des Königs Mantel. Aber ich sehe nichts Rotes mehr." „Schweig, Sisko", sprach Albinet Solar,„sind die Fahnen der Versammlungen und die Krawatten der Wortemacher nicht rot genug? Schweig Sisko, heute brauchen die Menschen keinen anderen Purpur." „O, Sisko, genug", jammerte Payens.„Wir nähren uns von Tränen, vor den Bildern der Ahnen uns neigend. Indes unsere Herren sich vergessen, indem sie sich in Heutige und Zeitgenossen verwandeln, sind wir Tradition und unangetastetes Erbe verUieben. Wir sind historisch, o Sisko, denn alles Erhabene ist Urvergangen- hell und unzellgemäßes Erbe... O Sisko, noch haben unsere Livreen das Gold und den Prunk aller Zeiten: und unsere Gesichter sind hundertjährig und gleichen den Wappen. Und wen« unser Ahne unserem Herrn begegnete, er würde sein allzu bürgerliches Aussehen oerachten. Genug, Sisko, Wir allein haben das Ansehen und die Größe der alten Zeit bewahrt. Dir sind traditionell. Wir sind historisch, wir sind gewesen." Kaplan Chrodegang Hüstelle. Und:„Wir sind die letzten Aristokraten", endigte Herr Cantory. (B««chtiate Uedertraguna een Otto Dick.) urteilt wurde, forderten liberale Agitatoren das Volk auf, den Kerker zu erbrechen und Vinnesa zu ermorden Das war das Signal zum Bürgerkrieg. Drei Parteien warben um die Volksgunst: die ultraliberalen Communeros. die gemäßigten Konstitutionellen und die ultrarealtionärs„Elaubenspartei". Zum Unglück für das Land schwankte der König ziellos zwischen diesen Gruppen hin und her. Die Folge war Anarchie in der Provinz, offener Aufruhr in Malnrid. Die Königstreuen bildeten Banden; eine„Glaubensarmee" errichtete in den katalanischen Gcbirgs- schluchten vorübergehend sogar eine Regentschaft für den„unfreien König". Die Cortes drohten Ferdinand VII. ebenfalls eins Regent- schaft an, wenn er sich nicht von seinen reaktionären Ratgebern be- freie. Ais ein Gardebataillon von der Nationalmiliz gesprengt und niedergemetzelt wurde, mußte der König die Mörder seiner eigenen Garde loben. Der Bürgerkrieg tobte von einem Ende Spaniens zum anderen. Spanisch war die wilde Leidenschaft, mit der dieser Kampf aus beiden Seiten geführt wurde. An der Spitze der Glaubensarmee ritt ein Trappistenmönch Antonio mit gezogenem Säbel. Als kein Ausweg meh� aus diesem Chaos schien, beauftragten die europäischen Mächte Frankreich mit der Jnteroention— noch bestand die heilige Allianz, und Rußland konnte allen Ernstes bc- teuern,„ein unglücklicher Monarch und eins der ersten Völker Europas müsse dem schändlichen Joch entrissen werden". Spanjen bestrllt natürlich das Recht zum Eingreifen. Aber das Land befand sich in völliger Auflösung. Unzählig waren die Parteien. Der Einmarsch der französischen Arme« steigert« die Kampfeswut zur Siedehitze. Es war ein Krieg ohne Gnade, am erbittertsten geführt zwischen Spanier und Spanier, so daß die Behörden die Franzosen beschworen, den Greueln ein Ende zu machen. Die Mönche von Malaga wurden auf ein Schiff geschafft und ihrem Geschick überlasien— keiner wurde mehr gesehen. Eine Partei brannte der anderen die Häuser nieder. Der König wurde von Madrid nach Sevilla und von dort nach Tadix gebracht; in der Hauptstadt brach ein Gemetzel aus. dem erst die Franzosen ein Ende machten. Eine neue Regentschrft wurde eingesetzt, und eine säzarfe Gegenrevolution begann. Die Volkswut richtet« sich gegen die reichen Kaufieute, die liberal waren und nun in Schoren stehen. Dann wurde auch Cadix von der Jnterventionsarmse genommen. Die Cortes lösten sich" auf. Ihre Generäle flohen oder wurden hin- gerichtet. Es folgte«ine Zell der schärfsten Reaktion. Nachts sang man feierliche Grablieder vor den Häusern der Liberalen. Aber beruhigt wurde das Land nicht. Geldnot, Hunger, Teuerung suchten Spanien heim. Der König war nur aus der Vormundschaft der Liberalen in die der Reaktion übergegangen. Jedermann suhlte die Unhaltbarkeit der Zustände. Noch lange, nachdem dl« Franzosen das Land verlassen hatten, tobte der Ausruhr, der sich in den dreißiger Jahren in dem endlosen, mit unerhörter Grausamkeit geführten Kar- listenkrieg fortsetzte, in dem es nicht so sehr um den Zwist zwischen dem König und seiner Nachfolgerin einerseits und seinem Bruder Don Carlos andererseits als um den Kampf zwischen Freiheit und Absolutismus ging._ Eine Auto-Expedition quer durch Asien. Eine französische Krait- wagen-Expedltion, die Asien durchqueren will, begibt sich jetzt nach Beirut, uni von dort ihre Reise anzutreten. Die von dem Autoinobil- fabrikanten Citroen organisierte Unternehmung besteht aus sieben schweren Lastkraftwagen mit Ranpenrädern und sechs leichteren Wagen. Ein großer Stab von Gelehrten, Geologen, Archäologen und Naturforschern ist der Expedition beigegeben, an der auch der Maler Alexander Jakowlefs teilnimmt. Ein besonderer Wagen führt eine vollständige Radiostation mit, deren Reichweite sich auf 23 333 Kilometer erstreckt und die mit den Hauptstationen Asiens, Europas und Amerikas in ständiger Berührung bleiben soll. Zwei weitere Wagen enthalten eine vollständige Ausrüstung für Aufnahmen von stummen und Tonsilmen. Ein anderer Wagen führt eine elektrisch ausgerüstete Küche, und noch ein anderer ist als Krankenwagen mit allen notwendigen Einrichtungen versehen. Die Reise soll in drei Etappen vor sich gehen: von Beirut nach Peking, von dort nach Saigon und von Saigon nach Beirut. Die erste Etappe führt über das Irak, Persien. Oft-Turkestan, die Wüste Gobi und Ordos in der Mongolei. Man hofft, Peking im September zu erreichen und Ende November in Saigon einzutreffen. Der letzte Teil der Reise führt dann über Slam, Birma, Indien, Persien und Aarabicn und dürste erst in der zweiten- Hälfte 1332 beendet sein. wie man Fieber messen soll. Daß die gewöhnliche Methode der Temperaturmessung des menjchlichen Körpers nicht genügt, betont H, Zimmermann in der Münchener„Medizinischen Wochenschrift". Die Achselmessung hat die meisten Fehlerguellen. aber auch bei Messung im Darm wird nur auf Krankheitsursachen hingewiesen, die sich auf den Unterleib beschränken. Der Gelehrte schlägt dab-r eine gleichzeitige Messung an einem Ort der gesteiaerten Wärme- erzeugung. dem Darm, und einem Ort der Wärmeabgabe, dem Mund vor: nur aus diese Weise ist eine echte Regulationsstörung der ganzen Körpertemperatur sestzustellen, (£iu seltsamer halbafte lebt auf Malagaskar, wo man ihn vor 153 Jahren zum ersten Male gesehen hat. Vor dieser Zeit ahnte niemand etwas von der Existenz des Tieres, des sogenannten Finger- äffen, dessen Maul einem Papageienschnabel ähnell. Das Tier ist dadurch merkwürdig, daß es sich nur. in völliger Dunkelhell wohl- fühlt. Bei dem geringsten Lichtschein ergreift ee entjetzt die Flucht.