BERLIN Donnerstag 19. Zebmar 1931 Erscheint tSglich außerSonntagt. Zugleich Abendauegabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, Z,K0M. pro Monat. Redaktiou und Expedition! Berlin SW 68, Lindeustr.s Wpf. Nr. S4 B 42 48. Jahrgang Anzeißenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheckkonlo: Borwärtt-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr. S7536. Fernsprecher- Dönhoff 292 bis 29? Auf den Spuren der Mörder Bevorstehende Haussuchungen wegen der Schüsse in Röntgental Zu der Untersuchung der nächtlichen Bluttat in Röntgenlal ist die Polizei einen erfolgversprechenden Schritt vorwärts ge. kommen. Es werden zur Zeil ganz bestimmte Spuren ver« folgt, die voraussichtlich bald zur Festnahme des Mörders und seiuer Mittäter sühreu dürften, ver verdacht verdichtet sich beso». ders gegen einen Manu, noch dem die Polizei zur Zeit eifrig kahndeL Nähere Angaben werden hierzu im Interesse der Nach. forschuugeu jedoch noch nicht gemacht. Bis in die späte Nacht hinein wurden von Dr. Braschwitz immer neue Zeugen verhört. In aller Früh« wurden heute die Verneh- »nun gen auf dem PoLzeiamt in Zepernick,»vo Dr. Draschlvitz jDct Vaiorl mit seinen Beamten fein Hauptquartier aufgeschlagen hat, fortgesetzt. Ganz allmählich schält sich nun ein objektives BiD> über den Hergang der Tat heraus. Es ist nicht ausgeschlossen, daß schon in den nach» sten Stunden an mehreren Stellen Haussuchungen vorgenom- itten werden. Zur weiteren Klärung des hinterhältigen Mordes ist gestern abend der Tatort noch einmal eingehend gesichtet worden, dabei haben sich noch wertvolle Fingerzeige ergeben.— Das Befinden des im Bernauer Kreistrankeichauz befindlichen Oberpostschaffners Rudolf Pohlmann ist nach der Operation den Umständen noch als befriedigend zu bezeichnen. Die Aerzte hoffen, daß er mit dem Leben davon kommen wird, falls nicht unvorhergesehene Kompli- kalionen hinzutreten. Höher geht die Verlogenheit nicht. Einem Ueberfall aus dem Hinterhalt sind im nationalsozialisti- sehen DerkehrLtokat„Edelweiß' in Röntgenlal drei Republikaner zum Opfer gefallen. Der eine von ihnen, der 6l jährige Maler Paul Arlt, ist den Verletzungen erlegen, die beiden anderen liegen schwer danieder. Di« Uebersallenen kamen von der Beerdi- gung unseres Genossen Broll, der auf dem Zahlabend der 128. Ab- teilung der Sozialdemokratischen Partei Berlins öinem Herzschlag erlag. E- ist einwandfrei festgestellt, daß es sich bei den Opfern um Republikaner, keineswegs um Anhänger Hitlers handelt. Der „V ö l t i s ch e Beobachter' vom 19. Februar schreibt: .Der inoskowitifchs Blutwahn. Am Dienstvgabend wurde auf das nationalsozialistische Verkehrslokal„Edelweiß'... ein Feuerübxrfall verübt.... Ein Nationalsozialist ist kurz nach der Einlieferunq ins Krankenhaus gestorben.... Die Ber- - liner Kriminalpolizei hmangeblichdie Suche nach den Tätern aufgenommen.' Höher geht's nicht. Die Wort«„Nationalsozialist' und„angcb- lich', die wir gesperrt wiedergegeben haben, beleuchten die nicht mehr zu steigernde Verlogenheit der Nationalsozialisten. MV. verklagt Nordwest. Haflbarmachvng wegen Lohndrnck. M« wir erfahre«», hat der Deutsch« Metallarbelkerverband beschlossen. den Arbeilgeberverband Nordwest gerichtlich hastbar zo wachen für die auf Veranlasiung. sedenfalls mit Hilfe der vereinigten Stahlwerke von Herrn Iarrez Inszenierte Kampagne zur herab- drückung der Löhne in Ruhrort-Meiderich um?0 Prozent, ver Deutsche MelaSarbeiteroerband steht mit dem Arbeitgsberverband Nordwest in Tarifvertrag und Ist nicht gewillt, einen Abbau der Tariflöhne zuzulassen...____....__ Wirth verteidigt Ulmzensur „Im Westen nichts Neues" verherrlicht den Krieg!!! Nach Erledigung verschiedener zurückgestellter kleiner Tages- ordimngspuokte begann der Ausschuß für den Reichshanshalt die Beratung de» Haushalls des Reich»mint st erium» des Innern mit einer ausführlichen Einleitung des Berichterstatters Dr. Schreiber(Z.). Für die Sozialdemokratie sprach der Abg. Sollmann: Die Kürzung der Fonds ist insofern ungleichmäßig und ungerecht erfolgt, als bei der Technischen Nothilfe nur 89 OOO M. gestrichen worden sind, während der Fonds zur Bekämpfung des Alkoholismus um 200000 M gekürzt wzzrde, der Fonds für E r z i« h u n g s b e i h i l f« n um 270 000 M.. der Fonds zur Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Zwecke um ISO 000 M. zur Förderung der Theaterkultur um ISO 000 M., zur Förderung der Wissenschaften um 450 000 M. Wir werden die Streichung von einigen 100 000 BL bei der Technischen NothUfe beantragen und die Ersparnisse für den Fonds zur Behebung der Notstände in ver deutschen Kunst und für Zwecke der studentischen Wirtschaftshilfe aufwenden. Diese wirtschaftliche Hilf« soll insbesondere hochbegabten Arbeiterkindern zugute kommen. Die Verhetzung der studentischen Jugend ist nicht nur«in« Folge ihrer Notlage und Verzweiflung, sondern auch des Versagens vieler Lehrer an den höheren Schulen und auf den Universitäten. Die bürgerlichen Mittelparteien haben die Folge dieser Verhetzung Agrarprogramm im Kabine«. Angeblich schon vollkommene llebereinstimmunq. Amtlich wird mitgeteilt: Anter dem Vorsitz des Reichskanzlers trat heute da, Reichskabinekl bei der Erörterung des Agrar- Programm, in die Spezialdebatte ein. Die Berawng. die morgen fortgesetzt werden soll, ergab in wesentlichen Fragen bereits vollkommene Uebereinstimmung. Mandaisverzichi Oeerbergs. Groteske in der Oeuischnaiionalen Partei. Ein Mittagsblatt bringt die Meldung, daß der deutschnationole Landtagsabgeordnete, Senatspräsident Dr. Deerberg, sein Mandat niederleg«. Im Büro des Landtagspräsidiums lag bis zur Stunde eine entsprechende Erklärung nicht vor, doch behauptet« sich das Gerücht sehr hartnäckig in den Wandelgängen des Landtags. Dr. Deerberg selbxr hotte heute vormittag eine Besprechung im Landtag, nach der er das Haus verließ. Sollte die Meldung sich bewahrheiten, so würde die Welt um eine Groteske ohnegleichen reicher sein. Ein Mann von persöhnlich untadelhaftem Ruf, Inhaber eines hohen richterlichen Amtes, wird aus seiner Partei herausgedrängt, weil er sich weigert, seinen Namen und sein richterliches Ansehen für einen ausgekochten Verleumderfeldzug herzugeben. Eine zahlenmäßig immerhin ansehnliche Fraktion läßt eins ihrer angesehensten und geistig hervorragendsten Mitglieder gehen— zur höheren Ehre des Winkelskribenten Moritz aus Zarnow, des Mannes mit dem deutschnotionalen Stimmzettel, dem sozial- demokratischen Mitgliodsbuch und der Mitarbeiterschaft an der ..Roten Fahne'. Das wäre dann allerdings ein deutliches Zeichen dafür, daß in der Partei der Hugenberglinge, daß unter den Rumpelstilzchen, den Knoll und Moritzen für anständig und sachlich arbeitend« Männer kein Platz mehr ist. Es wäre das sichtbarste und markanteste Bekenntnis des Herabsinkens einer ehemals sich„staatsbürgerlich' nenenden Partei zur reinen Hetz- und Verleumder. Organisation. * Eine spätere Meldung bestäkigt die Mandalsniederlegung i Deerberg». Danach hat Dr. Deerberg dem Fraktionsvorsihenden der Devtschnalionalen. Herrn v. winkerfeld. in einem Schreiben mit- geteilt, bah« sein Mandat niederlege. nicht rechtzeitig vorausgesehen. Schließlich sollen die Studenten erst zu Führern erzogen werden und sollen etwas lernen, sind aber nicht deswegen schon zu Führern berufen, weil sie„akademische Bürger' sind. Die Filmpolitik des Reichsminisleriums des Inner» und seiner Organe ist unglücklich. Der sozialdemokratische Pros pagandasilm durfte nicht verboten werden. Wenn die st ä r k st« Verfassungspartei gegen eine Partei operiert die mit allen Mitteln die Vernichtung dieses Staatswesens erstrebt, darf man ihr nicht durch ein F i l m v e r b o t in den Arm fallen. Das Verbot des Remarque-Films ist vor allem deswegen zu bedauern. weil dieser Film geeignet wäre, der verlogenen Kriegsromantik zu steuern, die man der Jugend einimpft. Cs wäre gut, wenn der Reichsmlnifter des Innern auch dem Gerede vom Bürgerkrieg entgegentreten würde, das nicht ernst ist, ober politisch und rmrtschastlich viel schadet. Nicht minder gefährlich sind die ständigen Forderungen auf Versassungsänderungen. die auf verfassungsmäßigem Wege nicht möglich find. Der Führer der Volkspartei, Dr. Dingeldey, verlangt eben erst wieder die Schaffung einer ersten Kammer, die Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten und der Reichsregierung und die Heraufsetzung des Wahlolters. Haben Sie das nicht alles schon einmal gehabt und einen halb absoluten König dazu? Es hat Ihnen nichts geholfen, als im Oktober und November 1918 die politischen Wogen über diese Einrichtung hinweggingen. Wir sollten uns endlich oon der Uebezschätzung von Verfassungsparagraphen frei- machen und mehr auf die realen Machtverhältnisse blicken. Man sollte überhaupt dem Reichsbanner für seine staatspolittsche Arbeit dankbar sein. So mancher Reichsbannermann zieht Sonntag nm Sonntag, oft nur mit einem Stück trockene» Brotes in der Tasche» hinaus aufs Land. Unerträglich ist die Art, wie Dr. Fr ick als deutscher Löndem minister gegen die Reichsautorität arbeitet. Sollmann oerliest zum Beweis Interpellationen, die Dr. Frick als Fraktionsführer der Nationalsozialisten unterzeichnet hat. In diesen Interpellationen wird der preußischen Regierung amtliche Bespitzelung Thüringens vorgeworfen. Es wird behauptet, daß die Regie» rungen der Nooemberparteien gröblichst die Verfassung verletzte« und den Nationalsozialisten im Kampfe gegen das„Untermenschen- tum' Hemmnisse bereiteten(Reichsinnenmimster Wirth ruft da- zwischen:„Solche Interpellationen sind jetzt nicht mehr möglicht') Das hindert aber nicht, daß Dr. F r i ck mit solchen Auffassungen weiter P o l i z« i m i n i st e r in Thüringen ist und die Reichs- autorität sich nicht gegen ihn durchsetzen kann. Eine Reichsreform ist dringend erforderlich. Abg. Stöcker(Komm.) wirst dem Reichsinnemninister vor. daß er ruhmtos vor Dr. Frick kapituliert habe. Abg. ßardorss(DBp.) ist dafür, daß das Wahlalter heraufgesetzt würde. Im übrigen sei es richtig, die jungen Leute sollten auf der Universität nicht Posttik treiben, sondern erst etwas lernen. T>ann ergriff der Reichsinnenminister Dr. Wirth das Wort und erörterte, welch ungeheurer Unsinn und welch schamlose Beschimpfung aus der kommunistischen Propaganda gegen die bestehende Kultur sichtbar werde. Im übrigen sei ein großer Unter- schied zwischen Freidenkern, die es schon immer gegeben habe, und mancher kommunistisch-radikaten Propaganda, die frei vom Denken sei. Der Minister meinte, ihm gefalle die Filmzensnr überhaupt nicht. Aber der Trickfilm der Sozialdemokratischen Partei habe die Frage der Zulassung des politischen Films aufgeworfen. Er machte nun zur Erklärung seines Standpunktes noch viele Worte, ohne dadurch verständlicher zu werden. Di« ganze Frage ist ihm» wie er sagte, überhaupt nur ein« kleine Sache,. Auch«n Pazifist»- scher Film wie der Remarque-Film muß an sich das Recht zur Auf« führung haben, ab« man könne darüber streiten, ob jen» Film nicht auch— den Krieg verherrliche! Abg. Frau Bahm-Schuch(Soz.) protestierte durch Zwischenruf« sehr energisch gegen solch« Meinungen._________ Diktatur ohne Diktator. Alfons wirv mit ihr fallen. Paris, IS. Februar.(Eigenbericht.) Die Kommentare der großen französischen Insormatioilspresse über d-ie Bildung der neuen Negierung in Spanien klingen außer- ordentlich zurückhaltend.„Es ist eine Regierung der Zwischen- l ö s u n g von den Kompromissen/ so schreibt der„Petit Parisien*. Der König habe zwar die Einberufung einer Nationalvcrsamarlung ongeordnet, er habe aber jede Beschränkung der Rechte der Krone abgelehnt Die Linkspresse dagegen scheut sich nicht, die Regierung Aznar als das zu bezeichnen, was sie wirklich ist: eine kaum oer- hüllte Diktatur.„Trotz aller schönen Worte— schreibt der ,Ouo- tidien"— erinnert diese Regierung nur allzusehr an Diktatur. zumal die eifrigsten Verteidiger der Freiheit und der Verfasiung immer noch im Gefängnis oder im Exil sitzen.* Die Regierung Aznar sei eine Diktatur ohne Diktator, so erklärt die radikale„Republique*. die sich und den Thron nur mit der Gewalt der Bajonette verteidige. Das„Oeuvre* fragt ziemlich respektlos, ob es dem Admiral Aznar gelingen werde, das Schifslein der spanischen Monarchie glücklich durch den Sturm der Revolution hin- durchzusieuern. Leon Blum sogt im„Populaire*. die Einrickstung der Republik in Spanien könne nur noch xine Frage von Wochen sein. Der König habe die Krone an die Diktatur Herraten. Es sei eine natürliche und gerechte Folge dieses Verrats, daß er zusammen init der Diktatur falle. Die Absichten der neuen Zfeqiernng. Madrid, 19. Februar. Der neu ernannt« Außenminift�b Graf R o m a n o n« s erklärte der Presse, daß die Regierung die Absicht habe, möglichst um- gehend eine außerparlamentarische Koni Mission zu bestellen und ihr die Vorarbeiten für eine Berfas sungsrefor in zu übertragen, die nach ihrer Genehmigung durch den Ministerrat dem König vorgelegt werden soll. Die Sozialdemokratische Partei und die mit ihr eng verbundene Allgemeine Arbeiter-Union haben ihre Exekutioausschiilse zur Stellungnahme zu der neuen Lage für Sonnabend zus.nn-nen- berufen. Soviel bis jetzt bekannt ist, wird das Regierungsprogramm zu- nächst Gemeindewahlen für den Monat März vorsehen, um dann darauf im Mai Prooinzwahlen folgen zu lassen, worauf wiederum für einige Zeit später, im Juni, die Wahlen für die v e r- s a f s u ngig e b e n de n Cortes ausgeschrieben werden. Die Monarchie als Hauptbestandteil der Verfassung wird n i ch t zur Aus- sprach« gestellt werden. Grzesinski und Friedrich II. In Vertretung von Or Goebbelsweiteraefchrieben von KlukS Gebrauchsanweisung für unsere Leser: Dr. Zofef Goebbels hak sich bemüßigt gefühlt, ans seine Art den Genossen Grzesinski mii Iridericus— nicht Otto Gebühr dem Großen— zu vergleichen. Er hak das auf seine, ihm nur eigene weise getan, hak jedoch ein? Reihe von Fehlern und versehen durchgehen lassen, weshalb unser Milarbeilec sich erlaubt hat. den Dr. Goebbels hier zu ergänzen. Ein wesentlicher Nachteil für Grzesinski ist. daß er nicht so gut französisch spricht, wie der große Fridericus, der indessen zum Ausgleich— Gerechtigkeit muß sein— die deutsch«Sprache nur mangelhaft beherrschte und sie als eine Sprache für Pferdeknechte und Kutscher bezeichnete. Ein weiterer Nachteil von Grzesinski ist, daß er noch kein politisches Testament gemacht hat. Er ist daher auch noch nicht in der Lage gewesen, die naturnotwendige Zugehörigkeit Elfaß-Lothringens zu Frankreich besonders unterstreichen zu können. Grzesinski hat auch nicht, wie weiland Fridericus, den Sag in den Mittelpunkt eines politischen Staats- Programms gestellt, daß Preußen, um mit Oesterreich fertig werden zu können, stetsund st ä n d i g auf ein gutes Verhältnis zu Frankreich bedacht sein muß. Noch schlimmer ist vielleicht, daß Grzesinski sich sein Leben lang um französische Philosophen und Schriftsteller wenig gekümmert hat und die Ansicht vertrat, daß deutschen Schriftstellern und Philosophen zunächst einmal geholfen werden müsse. Er hat auch«nicht, im Gegensatz zum großen König, über Lessing und Goethe abfällige Urteile gefällt. was zweifellos beweist, wie sehr Fridericus ihm über ist. Die Reche könnte noch weiter fortgesetzt werden. Vielleicht aber läßt Dr. Goebbels den Faden einmal bei sich weiterspinnen. Das wäre für ihn wie für seine Leser sicher nicht ohne Interesse. KpO.-Reklame für Hakenkreuz. Rodau um jeden preis. Leipzig, 19. Februar. Die Nationalsozialisten hatten für Mittwochabend im Stadtteil Volkmarsdorf eine Versammlung einberufen, in der der Landtags- abgeordnete Studentkowskl über„Weltkapitalismus und Marxismus* sprechen sollte. Da von den K o m m u n i st e n seit Togen an- gekündigt worden war, daß sie erzwingen würden, in der Ver- sammlung den Reichsiagsabgeordneten Rädel sprechen zu lassen/hatte die Polizei umfassende Vorkehrungen getroffen. Die Straße sor dem Versammlungslokal wurde von starken Polizeikräften, denen auch Scheinwerfer zur Verfügung standen, abgeriegelt. Alle Versammlungsteilnehmer wurden nach Waffen durchsucht, wobei auch einige feststehende Messer beschlagnahmt wurden. Die Der- sammluno verlies in völliger Ruhe ohne jeden Zwischenfall. Eine kommunistische Gegendemonstration wurde abgeleitet. Seine an- gekündigt« Rede hielt der kommunistische Reichstagsabgeordnete Rädel auf dem Volkmarsdorfer Markt. Größere Ansammlungen in den benachbarten Straßcnzügen wurden von der Polizei mehrfach zer- streut. Beim Abmarsch der SA.-Abteilungen sielen in der Wurzener Straße aus einer Seitenstraße heraus etwa fünf Schüsse, durch die jedoch niemand verletzt wurde. Die Täter sind unerkannt ent- kommen. Größere Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Die Heimannsche Bibliothek in Gefahr! Die am Ende des vergangenen Jahrhunderts vom Genossen Heimann gegründete Bibliothek und Lesehalle, zunächst in der Alexandrinenstraße, seit langer Zeit in der Adalbert- st r a ß e, ist vor der Gefahr, aufgehoben zu werden. Diele Bibliothek des Südostens von Berlin, die so vielen Arbeitern und Angestellten geradezu an das Herz gewachsen ist. soll gänzlich ein- gehen. Der Magistrat will nicht mehr die Mittel haben, um diese Bibliothek mit seiner Lesehall« aufrechterhallen zu können. Die Auflösung dieser Bibliothek, die nach dem Kriege vom Gründer der Stadt übergeben worden ist, bedeutete auch eine große Pietät- losigkell gegen den verdienten Stifter. Alle Bücher, die Heimann gestiftet hat, sollen in alle Winde Berlins verweht werden. Hassent- lich genügt dieser Marmruf, um das Weiterbestehen der allen Hell- mannschen Bibliothek und Lesehalle zu sichern. 9 Republikanische Sieben Zahre Reichsbanner sind gleich sieben Zahre unentwegten Kampfes für soziale Demvkra.iet wenn am Freitag und am Sonntag die Berliner Sameradschaslen und die im Reiche den Tag der Bundesgründung in würdiger Weise begehen, werden sie sich erueui der Talsache bewußt werden, daß der Kamps für demokratische Volks- rechte gesteigert werden muß. Aktiv sein! Das ist heule mehr denn je die Lesung des Tage». 3m ganzen Reiche haben dann auch Zehn- lausend« Kameraden den Beschluß des Bundesrates, besondere Schuhsormatiouen zu bilden, Folge geleistet. Schuhformaiioa— S ch u s o— ist gegründet. Und wenn am Sonntagnachmitlag der Bundesführer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Kamerad Otto h ö r s i n g- Magdeburg. Im Lustgarten den Appell über die Berliner Kameradschaften abnimmt, dann wird die Berliner Schuso sich zum ersten Mole als geschlossene Formation zeigen. Tag der Bundesgründung: Der 2 2. Februar 1924 in Magdeburg. Otto Hörsing und die Vertreter der republikanischen Parteien legen den Grundstein sür die Truppe, die das Fundament der republikanischen Staatsform bilden soll. Dem Gegner, der sich mehr denn je sicher fühlte, unsere Kundgebungen zu sprengen, wird das Handwerk gelegt. Mochten sie auch spotten, bald bekamen sie es zu fühlen, daß der„Papphelm* oder der„Holzhelm* «ine Schutzorganisation im wahrsten Sinne des Wortes wurde. In Massen erklärten die Republikaner ihren Beitritt, aus dem Auslande liesen Zustimmungserklärungen ein. und so wie im Reiche, wurden im Gaugebiet Berlin-Brandenburg Ortsgruppen geschaffen. Schon bei den M a i w a h l e n 1 9 2 4 traten die Berliner Reichsbanner- leute in Aktion: Die Zest der V-rjammlungssprengungen war ein für alle Male vorbeil Der„Papphelm" war aus Eisen! Die erste Verfassungsfeier veranstaltete das Berliner Reichsbanner am 19. August des gleichen Jahres. Volksfeste in allen Stadtteilen. Am Tage darauf der ge- waltige Aufmarsch auf dem Gendarmenmarkt. Während drinnen im Staatstheater die Spitzen der Behörden unter Führung des Reichs- Präsidenten Friedrich Ebert den Verfasiungstag feierten, staute sich draußen in den Abendstunden das uniformierte Heer, der Re- publikaner. Fackeln werden angezündet: Der weite Platz ist im Nu ein riesiges Flammenmeer. Dann der unvergeßliche Moment, als Friedrich Ebert aus die Freitreppe' tritt. Er dankt sür die Huldigung, die ihm das' Reichsbanner darbrachte. Denn ihm galt damals unser Fackelzug, ihm, dem damals schwer Leidenden, gegen den die Gegner in unverantwortlicher Weise glaubten hetzen zu dürfen. Und während der Rede Eberls rücken immer neue Züge von Republikanern an Eine Ehrung, wie sie wohl selten ein Mensch „Vorsorglich" gekündigt. Was der Sesamtverband zu dem Magistratepsan sagt Zu der neuen Sparverfügung des Magistrats, die eine neue Einsparung von 5 Proz. an den Personal- und Sachkosten Vorsicht, schreibt uns der Gesamtverband: Am 16. Februar haben ISlX) städtische Angestellte ihre Aündi- gung zum nächstliegenden Termin erhallen. In dieser Kündigungs- aktion sind die Dienststellen der Zeiitrale mit rund 200 und die der Bezirke mit rund 1399 Kündigungen beteiligt. Durch Annahme der sozialdemokratischen Dringlichkeitsanträg« in der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird der uunöllgea Erregung innerhalb der Augestellkenkreise ein Ende bereitet werden. Sollte wider Erwarten dem Dringlichkeitsantrage nicht stattgegeben werden, so wird sich der Magistrat mit den aus 1500 Klagen vor dem Arbeitsgericht resultierenden Fragen abfinden müssen. Daß nach Lage der Sache ein Zweisel an dem Ausgang der Pro- zesse nicht bestehen kann, dürste für jeden Sachkundigen klar sein, denn es ist unwahr, was die bürgerlich« Presse berichtete und wozu sie wahrscheinlich von einer bestimmten Stelle den Auftrag hatte, daß solche Kündigungen zu jedem Quartal und zum Ende eines jeden Etatjahres auch sonst ausgesprochen wurden. Wir vermögen das jetzig« Rezept, die Finanzen der Stadtge- meinde Berlin durch unüberlegte Abbaumoßnahmen zu sanieren, nicht gutzuheißen. Zwar hat der Magistrat in seiner Sißung am 4. Februar 1931 in einem Beschluß nichts von Abbaumoßnahmen gesprochen, er hat lediglich in seinem Beschlüsse Ersparnisse gefordert und den Betrieben der zentralen Verwaltung als auch den Bezirksämtern freigestellt, die Art der Ersparnisse in bestimmter Höhe selbst zu bestimmen. Da weder die Dienststellenleiter noch die Verwaltungen der Bezirksämter zu Ersparnissen in Sachausgaben angeblich nicht mehr in der Lage sind, glaubten sie mit einem radikalen Abbau dem Beschluß des Magistrats am leichtesten nach- kommen zu können, ohne an die Folgen zu denken, die ans einem solchen durch nichts zu rechtfertigenden Abbau sich für die Stadtver. waltung ergeben müßte. Bei Durchführung des geplanten Abbaues müßten wichtig«, den Interessen der Gesamtbevölkerung dienende Betriebszweige und auch ganze Betriebe geschloffen werden, denn ein Ersatz der gekündigten Angestellten durch Wohl- fahrtserwerbslose, an den man möglicherweise gedacht hat, sst für Aufrechterbaltung von Badeanstalten, Krankenabteilungen und anderen Betrieben«infacb undenkbar. Die Stadtverwaltung wird auch ihre geplante Maßnahme. 75 Broz. der Etatmittel für dje Gartenbauverwaltung zu streichen, revidieren müssen. Die gewollte Maßnahme in der Gartenbauverwaltung würde gleich- falls Hunderte von Arbeitern erwerbslos machen und der Bevölkerung die Möglichkeit dgr Benutzung gepflegter Grünanlagen nehmen. z Revowerkampf mii Hühnerdieben. Sin poliieibeamter ftsituer onaefckossen. Einen folgenschweren Zusammenstoß mit Geflügeldieben hatte dieBernauerPolizei auf dem Bernauer Bahnhof zu bestehen. Bon Biesenthal her war gemeldet worden, daß Geslügeldiebe auf dem Anmarsch zum Bernauer Bahnhof seien. Drei Beamte begaben sich sofort aus den Bahnhof, um die ankommenden Züge zu kontrollieren. Die Diebe pflegen nämlich dort umzusteigen, um den Vorortzug zum Bahnhos Gesundbrunnen zu erreichen. Aus dem einlaufenden Zgge stieg denn auch ein Mann, der einen biut- befleckten Rucksack auf dem Rücken trug. Er wurde angehalten und auf den Bahnsteig herausgebracht. Zur Durchsuchung sollt« er in das Stationsgebäude gebracht werden. Plötzlich aber drehte er sich nach dem begleitenden Beamten um und gab auf ihn zwei Schüsse ab. Der Beamte, der 36 Jahre alte Hauptwachtmeister Paul Thiele, wurde durch einen Schuß in die rechte Brustseite schwer verletzt und brach zusammen. Der Dieb flüchtet« über die Gleise und schoß auf die Bahnbeamten, die ihn oerfolgen wollten. 9 Arbeit in Berlin erfahren hat. Ein knappes Jahr später hatte dieser Kämpfer zu früh seine Augen sür immer geschlossen. Der Aufstieg der republika- Nischen Schutzorganisation ging unaufhaltsam vorwärts. Neue Orts- gruppen entstanden, Sportabteilungen wurden gegründet und die Reichsslagge durch Schassung von Wassersportabteilungen aus den Berliner Gewässern zur Gellung gebracht. Berlin erlebt Massen- ausmärsche: Auf dem historischen Gendcrmenmarkt nehmen noch oft die Reichsbannerleut« unter der Leitung des Kameraden Oberst Lang« zu mancher Kundgebung Aufstellung. Mehrere Gautage, so in Berlin, Kottbus, Frankfurt a. d. Oder und Brandenburg, vereinigen die Kameraden des großen Gaugebieis zu machtvollen Demonstrationen. Nach den Iahren der Aufwärtsentwicklung tritt in den Jahren 1929 und 1939 vorübergehend ein Stillstand ein. Aber nach den Hunger- wählen, am 14. September, erkennen welle Bevölkerungstreise die Gefahr, die ihnen droht. In Massen häufen sich die Bellrllts- erklärungen zum Reichsbanner. Jetzt wird auch die technische Aus- bildung mit allem Eifer in allen Teilen des Gaugebiets betrieben. Man hat erkannt, daß Disziplin und Einordnung sowie einheitliches Auftreten nach außen hin bis zur straffsten Vollendung durchgeführt werden muß. Daneben wird die vom ersten Gründungstage an be- triebene Landagitation nicht vernachläßigt. Wenn heute auch im kleinsten Dorfe die Reichssarben nichts mehr Fremdes sind, dann ist es nicht zuletzt ein Verdienst jener Reichsbannsrleute. die Sonntag für Sonntag hinauszogen, werbend für die Republik. Das Land- Proletariat begrüßte diese Schutztruppe auf das wärmste, während die Feudalherren umsonst auf Mittel und Wege sannen, den Pionier der republikanischen Parteien unschädlich zu machen. lieber 499 Ortsgruppen mustern wir im Gaugebiet, das 129 Spiellnannzüge und 42 Musitchöre, insgesamt. 2599 Mitglieder ausweist. Am kommenden Freitag werden die Reichsbannertaite in den Sportpalast einmarschieren, um den siebenten Gründungstag festlich zu begehen. Zwei Tage später, am Sonntag, nehmen die Berliner Formationen im Lustgarten unter der Leitung des Kameraden Neidhardt Aufstellung. Neben der Schufo wird das Iungbanner— Iungba— und die Stammformation— Stafo— aufmarschieren. Die frühere Gliederung der Organisation in aktive, passive und Jungbanner- nntglieder genügte nicht mehr. Und so wurden auf Beschluß des Bundesrats diese Formationen geschaffen, ine besondere Ausgaben zu erfüllen haben. Schufo und Stafo dürsten als die Kerntruppe de» Reichsbonners betrachtet werden. Zur gleichen Zeit, da Otto Hörsing im Lustgarten den Appell abnimmt, finden im Taugebiet und da�b«? hinaus im ganzen Reich besondere Bezirks- und Kreisnppelle statt. So gelang es ihm, zu entkommen. Der Zug hatte den Bahnhoi inzwischen oerlassen und die Meldung wurde schleunigst zum Bahn- Hof Gesundbrunnen, dem nächsten Hallepuntt, wellergegeben. Nach den Feststellungen in Bernau mußten sich noch zwei Helfershelfer des Revolverschützen im Zuge befinden. Bei der Kontrolle der Abteil« wurde aus Gesundbrunnen aber nur noch ein Mann ge- funden und festgenommen. Es ist ein 31 Jahre alter Robert K l i n g e r, der in der Mulackstraßc wohnen � will. Er hatte in seinem Rucksack noch 13 abgeschlachtete Hühner bei sich, die in Melchow gestohlen siird. Der Rucksack des geflüchteten Schützen enchiest 8 Hühner. Der verhaftete Klinger halle keine Masse bei sich Oberlandjäger erschossen. Vei der Verhastung eines lange gesuchten Verbrechers. Dessau. 19. Februar. Ein in Anhalt bekannter Verbrecher, PaulChwalinsti aus Wurflau(Kr. Kothen) erschoß heule früh den Oberlandsäger Pfeil, der ihn in seiner Wohnung verhaften wollte. Drei weitere Land- jäger warfen darauf Handgranaten nach Chawlinski, dem es dbsr infolge des dichten Nebels gelang, zu entkommen. Chwalinski. der bereits im vorigen Jahr einen Oberlandsäger zum Krupp«! geschlagen hat, wurde damals zu langjähriger Zuchthaus st rase verurteilt, doch gelang es ihm, aus der Slrasanstall zu entfliehen. Berliner Notar geflüchtet. Nach Unterschlagung von Stempelgeldern. Der Berliner Rechtsanwalt beim Kammergerichk und Notar Dr. Ludwig Galdberg. Unter den Linden 44. ist nach llnkerschlagung von Stempelgeldern, die er zu treuen Händen empfangen häkle, vor einigen Tagen aus Berlin geflüchiei. Dr. Goldberg Halle eine gut gehende Praxis und war besonders als Notar stark mit Grundstücksverträgen und Zivilprozessen be- schäftigt. Vor zwei Iahren begann sein« Verschuldung, weil ihm als Anwoll ein Fehler passiert war, für den er die Verantwortung übernehmen mutzte. Dr. Goldberg hatte für einen Mandanten eine W e ch s e l k l a g e durchzuführen, da ein Akzept in Höhe von 129 999 Mark zu Protest gegangen war. Bei dieser Wechselklage passierte ihm ein Formfehler, durch den die Klage hinfällig wurde. Infolgedessen hielt sich der Mandant an Dr. Galdberg und verlangte nun von ihm Schadenersatz in der vollen Höhe von 129 099 Mark. Dr. G., der persönlich kein Ver- mögen besaß und nur auf seine Tätigkeit angewiesen war, erreichte nach langen Verhandlungen, daß der Regreß, der gegen ihn geltend gemacht wurde, auf 49999 Mark eumäßigt wurde. Diese Summe war jedoch sofort aufzubringen. In seiner Not wandte sich Goldberg an Wucherer, die von ihm' ungewöhnlich hohe Zinsen''verlangten. Dr. Goldberg, der persönlich in her anspruchslosesten Weise lebte, mußte nun seine ganzen Einnahmen darauf verwenden, das geborgte Kapllal auszuzahlen und die Zinsen an den Fälligkeitsterminen aus- zubringen. Entsprechend der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gingen seine Einnahmen sell dem Herbst 1929 stark zurück und der Notar war schließlich nicht mehr in der Lage, seinen Verpflichtungen ordnungsmäßig nachzukommen. Er vergriff sich an den Stempelgebühren, die bei Abschluß der Notariatsverträge an ihn zu zahlen waren und die er den Finanzämtern hätte abliefern müssen. Bei einer Revision des Notariats durch die zuständigen Be- Hörden wurde das Fehles der Stempelgelder in Höhe von 7999 Mark entdeckt und Anzeige beim Präsidenten des Landgerichts l erstattet. Von hier aus ging die Sache an die Staatsanwaltschaft, die Pflicht- gemäß den Fall verfolgen muß. Dr. Ludwig Goldberg erlitt einen Nervenzusammenbruch und verließ vor einigen Tagen Berlin, nachdem er einem befreundeten Anwalt Generalvollmacht orteilt hatte. Bisher war es noch nicht möglich, eine Spur des Flüchtigen zu finden. Man rechnet damit, daß Dr. Goldberg in seiner Verzweiflung seinem Leben ein Ende gemocht hat. IDIOT. Das sind die„Inhaber der Immunität ohne Tadel*. „Unsere Immunität hat man uns geraubt, unsere Diäten schenken wir den Arbeitslosen/— proklamierte am 13. Februar der„Völkisch« Beobachter".„Die Fraktion der NSDAP, hat daher auch s o s o r i auf das unter diesen Umständen unwürdige Diätenkassteren verzichtet",— sogt dazu im Leiborgan der chakenkreuzler Herr S t ö h r: immerhin. der„sofortige Verzicht" aus etwas, was man zu einem Teil bereits verpulvert hat, was einem zum anderen Teil gar nicht gehört, mag zwar auf politische Kinder propagandistisch wirken, ist aber kein neues„Dessin". Das hat in einer schöneren Zeit, als es noch keine Nazis gab, bekanntlich schon der Fuchs so gehandhadt mit den allzu hoch hängenden Trauben. Auch Herr Rosenberg wird in diesem Kamps um die„demo- kratischen Belange" der Nazis mobil gemacht, mit einem Eifer, der seiner sonst so kühlen slawischen Art gar nicht entspricht, beklagt er sich anderntags über die„verschütl" gegangene Immunität. Wir sind unhöflich genug, ihn und seine Kollegen an die Rosenberg und die Feder von Anno dazumal zu erinnern: In seinem Buch.JDerdeutscheStaat"(dasselbe Erzeugms. das Hitler— der es ja schließlich wissen muh— als den Katechismus der Bewegung" bezeichnet) schreibt Feder, der Mann mit dem Programmkomplex, einige sehr er- götzliche Sachen über die Immunität von Abgeordneten: wir zitieren Hitlers neuer Mercedes Hitler:.Hundertundsünfzig 1*8!- Jeht kann mir Goebbels nicht mehr den Nana ablaufen!* Orchester- und Gesangsabende Konzertnotizen/ Von Klaus pringsheim Noch immer spreizt sich in Berlin jener lächerliche Snobismus, der den Wert eines Konzerts ausschließlich nach dem„Modermtäts"- Grad der aufgeführten Werke bemiht.' Aber das tonangeberische Getu der Modeschwätzer findet keinen Widerhall, wenn es durch künstlerische Taten widerlegt wird. Das Ereignis des S. Bruno- Walter-Konzerts, ein musikalisches Ereignis des Jahres, war— die große L-Dur-Sinfonie von Schubert. Mancher mag sie oft gehört haben: aber es war, als hätten wir sie so noch nie gehört, so überzeugend gestaltet, so dicht und gelockert zugleich in der Fülle ihres wunderbaren Reichtums an Musik. Auch von Bruno Walter nicht, der als Musiker wie kein Lebender dem innersten Wesen Schuberts nahe kommt: auch nicht vom Philharmonischen Orchester, dessen schlechthin vollkommene Leistung nicht laut genug gerühmt werden kann. Eine unvergeßliche Ausführung— für olle, die dabei waren. Vorher, als Novität, die erste Sinfonie des begabten jungen Russen Nikolai Lopatnikoff, ein versprechendes Wert, wenn auch noch unsicher in der stllistischen Haltung. Zwischen den Orchesterwerken Arien von Gluck und Bellini: Gelegenheit für Dusolina G i a n n i n i, Proben höchster Gesangskunst zu geben. Der Weg von der Sinfonie Erfmberts, der auch als Sinfoniker vom Lied kommt, zu den Liedern Gustav Mahlers, die der llrstosf seiner Sinfonien sind, ist nicht weit. Noch estunal ist es die Persönlichkeit Bruno Walters, die uns diesmal das Schubertische in Mahler nahebringt— an einem Abend der ausgezeichneten Konzert- sängerin C a h i e r. Außerordentlich, wie die Künstlerin, von Walter, der am Flügel sitzt, geführt, die Atmosphäre dieser Welt lebendig macht, einer Welt der rührenden, tindlich-heiteren, zart- versonnenen, innerlichsten Musik. Gäbe es von Mahler nur diese Wunderhorn-Lieder, nur Stücke wie dieses unsagbar tiefe, schöne Mstternachts-Lied, es wäre genug, daß sein Schaffen unvergessen bliebe. Bei Kleiber, im 4. Sinfoniekonzert der Lindenoper, das als Hauptnummer Beethovens 4. Sinfonie bringt, zwei ungleiche Neuheiten: ein„Divertimento militaire" von Leopold Mozart, dem Vater, das Kleiber für den Konzertgebrauch herausgegeben hat: reizvolle Klänge aus ferner Zeit, und dieser Klang der Trommeln und Pfeifen hat heute, wie es scheint, für manche Hörer wieder feinen besonderen Reiz. Und Margot Hinnenberg-Lesebre singt mit ihrem sympathischen, sicher geführten Sopran Franz Schreiers Orchefterliedcr„Vom ewigen Leben", die wir vor kurzem in einem Mittagskonzert der Volksbühne kennengelernt haben. Wieder ist es vor ollem der vielfältige Zauber des Klang- farbenspiels, durch den das Ohr gefesselt wird. Diese Meisterschaft einer Orchesterkunst, die Seelisches in Nuancen der Instrumentierung ausdrückt, ist heute fetten geworden. Erstaunlich und bedauerlich. daß der Opernkomponist Schreier aus dem Spielplan unserer Opern- bühnen ganz verschwunden ist. Im 7. Philharmonischen Konzert ein stilistisch buntes, doch in seiner Grundhaltung einheitliches Programm: Furt- w ä n g l e r, der Musiker der großen Ekstase, hat es ganz auf den Ton des Leichten, Beschwingten gestimmt. Den hat auch Ernst T o ch in seiner virtuos gearbeiteten„Kleinen Theatersuite", die zum ersten Male erklingt. Haydns D-Dur-S!nsonie(Nr. 104) und Franz Liszts 1. Ungarische Rhapsodie, für Klavier geschrieben und wohl nicht zu ihrem Vorteil für Orchester gesetzt, bilden den tonangebenden Auftakt und den effektvollen Ausklang des Abends. Und der feine Pianist Walter G i e f e k i n g entzückt die Hörer in Cesar Francks forma- listifch reizvollen„Sinfonischen Variationen" und in der„Burleske* von Richard Strauß, einem Iugendwerk, das, noch an klassisch- romantische Vorbilder angelehnt, den Komponisten des„Rosen- kaoalier" ahnen läßt. Don dem schönen Aufstieg, der in den Konzerten des Berliner i Sinfonieorchesters wahrzunehmen ist, konnte hier öfter» be» richtet werden. Er zeigt sich im guten Besuch des B a ch f a a l s nicht weniger als in dem hohen Niveau der Gefamlleistung, das unter dem ersten Dirigenten, Dr. Ernst K u n w a l d. erreicht wird. Man hörte letzten Sonntag eine Wiedergabe der 5. Sinfonie von Tschai- kowfky, die in der Tat die höchsten Ansprüche erfüllte und von den Hörern mit stürmischer Begeisterung aufgenommen wurde. Vorher spielte der junge Dorel H a n d m a n das L-Moll-Klavi«rkonzert von Beethoven mit einer Ueberlegenheit, geistigen und technischen Reife, die ihn für eine erste Stellung im Musikleben empfiehll. sie aus der von der Hitler-Partei aus gewissen und recht nahe- liegenden Gründen längst zurückgezogenen und mit„blutigen Arbeitergroschen" aufgetauften ersten Auflage: „Unser gesamtes öffentliches Leben steht heute geradezu unter dem Zeichen der Uiwerantwortlichkeit. Di« Abgeordneten sind für das, was sie tun und reden, unverantwortlich,— man nennt das immun. Ein verzweifeltes Wort, wenn man sich daran erinnert daß dieser Ausdruck au» der Heilkunde entnommen i ist, in der er besagt, daß ein Körper schon so von Giftstoffen durchtränkt ist, daß neu«indringende Gifte dem Körper viel weniger oder gar nicht schaden, während«in gesunder Körper daran zugrunde gehen würde... Mit dieser skaalllch santlio-' alerten Unverantworllichkeit wird der nationalsozialistische Staat gründlichst ausräumen."(Seite 17/18). Und an einer anderen Stelle: „Der nationalsozialistische Staat wird gerade von solchen Männarn(den Abgeordneten) schwerste Rechenschaft fordern, die Immunität muh ausgehoben werden, und mit rückwirkender Srasl werden sie sich für ihre Taten und Unterlassungen zu oerant- warten haben..."(iveite 65). Wir lassen ferner Herrn Rosenberg sprechen, der in der Nazipartet auch allerlei zu melden hat(„W esen. Grundsätze undZiele der NSDA P", erste Auflage): „Die Immunität der Angehöriaea der Parlaweole ist selbst. verständlich abzuschaffen."(Seite 36.) lind an einer anderen Stelle(Seite 35) redet er von den Ab- geordneten, die„unter dem Schutz der unsilllichen Immunität" stehen. „Jmmumtät" war somit für die Herren nur iolange etwas Verächtliches, als sie selbst sie nicht besaßen. Heute aber kämpfen sie mit kriegersschem Elan dafür: die Immunität sollt« ihnen gleichbedeutend sein mit Schimpffreiheit, dazu— wie im Falle F r a n z e n- Lohse— als Mittel dienen, um Abgcordnetenausweise an randa- liegende Parteifreunde auszuleihen, damit sie vor dem Zugriff der Polizei tunlichst geschützt werden. Unter dem Schutz der Demokratie wollen sie die Waffen schmieden zur Vernichtung der Demokratie! Da ihnen das nicht leicht gemacht wurde, schimpfen sie auf die Demokratie, die den Rittern ohne Tadel ihre kostbare Unverant- worllichkeit genommen hat._ Kommunisten stören Freidenkertundgebung. In einer stark besuchten Kundgebung des Deutschen Frei- den ker- Verbandes in den Mali-Festsälen in der Chaussee- strahe 305 in Mariendorf kam es gestern zu einem k o m m u- nistischen Störungsoersuch. Die Moskaujünger, die in größerer Zahl erschienen waren, begannen zu randalieren und ent- fesselten Tumult. Nach den Darbietungen des Sprechchors der Arbeiterjugend wurde das Licht plötzlich ausgeschaltet und«» kam zu einem Handgemenge. Der von unserer Partei stark vertreten« Ordnerdienst bracht« die Ruhestörer aus dem Saal, wo sie von der Polizei festgestellt und abgeführt wurden. Danach konnte die Ler- sammlung wieder ihren Fortgang nehmen. Der Referent Genosse Richter- Lichtenberg wies auf die schändlich« Roll« der Rcak- tionäre von links hin, die hier versuchen wollten, den Kampf gegen die Kirche zu diskreditieren. Er forderte alle Anwesenden auf, dazu beizutragen, mit geistigen Waffen auch diese Kefahr zu. überwinden. Drei der Hauptkrokeeler wurden festgenommen und der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums«ingeliefert. Prof. Dr. Röpke(Marburg an wählt. Pros. Röpke hat die Wahl angenommen. Gandhi hatte ein« zweite dreistündig« Unterredung mit dem Bizetönig von Indien. Asiatische Tanzkunst. Java und Indien. Ueber Wesen und Entwicklung des javanischen Tanzes, der uns in einer Matinee der Volksbühne erschütterte und erbaut«, gaben wiederholte Vorführungen und Vorträge des Tänzers I o d j a n a und seiner Gattin im Haus« der Trümpy-Schule wertvolle Auskunft. Uralt«, auf kultischem Boden erwachsene Pantomimen bilden die Grundlage der javanischen Tänze. Die pantomimischen Elemente werden im Laufe der Jahrhunderte zu reinen abstrakten Tanzformen veredelt. Der Geschmack der Fürsten wirkt im einzelnen auf die stilistische Gestallung ein, im ganzen aber geht die Entwick- lung ununterbrochen vonstatten. Es enffteht ein seiner und«in kräftiger Stil. Der letzt« kann„erhaben" oder„dämonisch" sein. Der männliche Tänzer darf gespreizt, der weibliche muß stets ge- schloffen gehen. Es bildet sich die Gewohnheit heraus, jeden Abschnitt eines Tanze? durch bestimmte Bewegungen des Hüsttuches zu be- tonen. Charakteristische Dewegungsarabesken der Finger- und Hand- gelenke, stark ausgeprägte Kopf- und Halsdrehungen werden gepflegt. So war es in ällesten Zeiten, so ist es noch heute. Der Javaner übt eine Kunst, die in seiner Heimat seit Jahr- Hunderten in ununterbrochener Tradition kulliviert wird. Was uns die Inderin M e n a k a bot, die mit ihrem Partner N i l k a n t a im Theater am No.llendorfplatz austrat, sind Tänze, die erst aus verschütteten alten Quellen zu neuem Leben erweckt und mehr oder weniger dem Geschmack von heute angepaßt wurden. Von der elementaren Wucht der javanischen Kunst scheidet sie eine Welt. Ihr Stil ist nicht europäisiert, aber er ist modernisiert. Nimmt, viel- leicht ungewollt, Rücksicht aus die Nerven der lebenden Generation Indiens. Iodjana tanzt für sich und für die Gotthell, Menaka und Nllkanta tanzen fürs Publikum. Wundervolle, uns neue Sprünge. Arm« und Beinschwünge und ein technisch unnachahmliches Finger- tremolo entzücken. Raffinierte erotische Wirkungen werden erstrebt und erreicht. Alles sehr fein, zierlich, duftig. Amüsierkunst im besten Sinne. Aber sicher nicht das Letzte und Höchste, was indische Tanz- kunst geben kann. Wir sehnen uns nach jenen„bewegungslosen" Tänzen der Natschmädchen, von denen Reisende berichten. Nach jener leisen Rhythmik flimmernder Gewänder, die die Seelen in Nirwana-Stimmung schaukelt. Denen der Eingeborene stundenlang zusieht, träumend, versunken, ohne zu ermüden. Weshalb häll man sie uns vor?.Jobn Schikowski. „Drei Tage Oebe." Gloria-palast. Ist nicht Hans A l b c r s ein ganz famoser Filmdarsteller, der den Berliner Typ hervorragend triff! seine Redeweise völlig be- herrscht, mil einem Wort knorke? Und ist nicht Käthe Dorsch die Vollendung des weichen, gefühlvollen Wiener Mädets? Das müßte einen erfolgreichen Film geben weim man diese beiden Dar- steller zusammenbrächte! So ähnlich haben die Veranstalter des neuen Films offenbar gedacht. Da sie etwas Uebriges tun wollten, holten sie sich ihr Manuskript acks den Kreisen der Literatur: Joe L e d e r e r ist der Lersasscr. Es sollt««in Film aus dem Alltags- leben werden und Heinz Hilpert hat in der Tat Bilder des Berliner Alltags in seinen Film aufgesangen. Die Wellen eines Transportaroeiters und eines Stubenmädchens schneiden sich. Es ergibt sich die gerühmte Liebe auf den ersten Blick. Das gute, brave Stubenmädchen verfällt völlig in Hörigkeit und tut willenlos, was Franz von ihr will. Sie geht mll ihm auf den Ball, sie gibt ihre Stellung auf, um mit ihm zu leben. Sie stiehjt ihrer Herrschaft einen wertvollen Ring, um ihm in besseren Kleidern besser zu ge- fallen. Aber er wirft die Diebin hinaus, und obwohl ihr das Glück hold ist und ihr 200 M. in den Schoß wirft, womit sie alles wieder gutmachen könnt«, stürzt sie sich in ihrer Angst aus dem Fenster. Franz hat ihr inzwischen längst verziehen, aber er konnte sie nicht mehr finden. Aus Furcht vor dem guten Ende ist man hier ms Gegentell ver- fallen und hat die Geschichte mit Gewall tragisch aufgepumpt. Da- durch wird die Handlung schließlich nicht nur schleppend und drückend, sondern Käthe Dorsch wird auch zu einem langen Martyrium ver- urteilt. Auch sonst gibt es mancherlei Befremdendes: eine seltsame Herrschaft, die arbeitend« Welt ist mit den Augen des Literaten ge- sehen, und dazu kommen Zugcständnisse an den landläufigen Film mit seiner Vorliebe für Eleganz und Bar. Man sühll die Absicht heraus, eine Art modernes Gegenstück zum Käthchen von Hellbronn zu schaffen, aber bei aller Kunst der Dorsch, die nur in der ersten Hälfte ihr« sonnige Natur zeigen kann wird die Figur nicht glaub- Haft. Hans Albers ist natürlich ganz in seinem Element. Die Figur des Liliom ist hier ins Berlinische übersetzt. Bei allem Drauf- gängertum und aller Keßheit ist er im Grunde doch ein guter Kerl. Unter den Nebenfiguren trllt nur Trude Berliner mehr hervor als verschlossene und rachsüchtige Geliebte. r. Ein Volksfilm aus Sibirien. In der Kamera.' Die kleine„Kamera" Unter den Linden scheint sich jetzt ganz dem Sowjetfilm widmen zu wollen. Sie bringt unter dem Titel „Jgdenbu, der große Säger", einen Film, der uns mit einem Jäger, und Fischervolk am Amur an der chinesischen Grenze bekanntmacht. Mit der Gründlichkeit und der Freude am einzelnen, die wir von den russischen Filmen her gewohnt sind, werden uns seine Sitten und Gebräuche, vor allem aber die Arbeit um den kärg- lichen Lebensunterhalt, daneben die Ausbeutung durch die chinesischen Schmuggler, die ihnen für etwas Schnaps und Munition die wert- vollsten Pelze abnehmen, vorgeführt. Es ist ein tongusifcher Volks- stamm, Udeche genannt. Das Hauptnahrungsmittel sind Fische aus dem Amur, die man zum eigenen Bedarf und für Tauschzwecke an der Luft trocknet. Wenn das Wetter ungünstig ist, verfaulen sie. Der Zauberer, der in voller Aktion auftritt, kann dann auch nicht helfen, und im Winter bricht eine allgemeine Hungersnot aus. Die Hand- lung wird dramatisch zugespitzt durch eine Liebeshandlung und die Wegführung einer jungen, schönen Frau durch die Chinesen und ihre Befreiung durch die russische Grenzwache. Zum Schluß erscheint Mütterchen Rußland mit einem Dampfer, der Lebensmittel und damit Rettung vor der Hungersnot bringt. Szenen aus dem Tier- leben(Tiger und Bären), interessante Landschafts- und Flußbilder umrahmen die Handlung. Der Film ist unter Heranziehung der ein- geborenen Bevölkerung hergestellt worden, was sich ja bei den Russen von selbst versteht. Das Liebespaar wird von zwei sehr schönen Menschen der Rasse dargestellt. Die Regie Bek-Nasorows ist alles Lobes wert, man hat den Eindruck völliger Echtheit. Voran gingen zwei russische Kleinfllme: ein Tricksilm„Die kleine Schraub«" und ein höchst charakteristischer Sittenfilm aus dem zaristischen Rußland nach Tschechows Novelle„Die gute Partie".— r. „Liebe auf Befehl." Marmorhauö. Um diesem Film besondere Bedeutung zu verleihen, fand sein« Premiere nachts im Capitol statt. Das Drehbuch ist nach der Komödie ,/vie Republik befiehlt" von Rudolf Lothar und Fritz Gottwald bearbeitet worden. Im Mittelpunkt steht der Attache, der die Gattin des Gesandten aus persönlicher Neigung liebt und die Gattin des Kriegsministers wegen des Wehrvertrages lieben muß. Man vermischt andauernd den Ehebruch mit diplomatischen Intrigen und sieht dabei Frauen in Gesellschaftskleidern und Männer in blitzenden Uniformen. Das ist auch für eine Komödie das Milieu, das vielen Menschen besonders gut gefällt. Johannes Riemann ist außerordentlich geeignet für die Rolle des Attaches: denn er spielt chn nicht übertrieben schneidig als Operettentenor, sondern als den gutmütigen großen Jungen, der in alle möglichen Sttuationen schliddert, die er dann dank seiner Ge- rissenheit vorzüglich meistert. Riemann führt gemeinsam mit Ernst L. Frank Regie, die gutes Theater bei schlechter Tonüber- tragung spielen läßt. Die Damen Olga Tschechow« und Tala Birell sind die verführerischen Frauen, die sich erfolgreich um den Attache und den Film bemühen. Arnold Korff und Hans Junker mann geben zwei Lebegreise. wie man sie nicht selten unter den oberen Zehntausend antrifft. Man ließ die Dar- steller richtige Theaterdialoge sprechen, was dos einzig angebrachte bei Tonfllmen dieses Genres ist. Da man dem Photographen Charles Stumar nicht allzu große Aufgaben stellte, schuf er sich selbst welche und suchte mit eigenartigen Apparalaufstellungen Auisehen zu machen. Dieses gelang ihm infolge der absonderlichen Perspektive, bei der National- Hymne, sonst nicht. e. b. KPO.gegen Konsumgenossenschast Ein Sturm der Empörung, der aber nicht ausbrach Die Betriebsrätewahlen stehen auch in diesem Jahre wieder im Zeichen des gehässigsten Kampfes aller(Bewerkschoftsfeinde gegen oie freien Gewerkschaften. Hinter der Einheitsfrontmaske der KPD. und ihrer REO. oerbirgt sich nur sehr dürftig die Ein- heitsfront der Gewerkschaftsgegner aller Schattie- rungen. Das zeigt« sich vor einigen Tagen ganz deutlich wieder bei der Konsumgenossenschaft Berlin. Im vorigen Jahre war auch in diesem Betriebe zur Betriebs- ratswahl eine sogenannte RGO.-List« aufgestellt worden. Die Kan- dwalen dieser Liste muhten entsprechend den Beschlüsien der freien Gewerkschaften aus ihren Verbänden ausgeschlossen und da- her auch bei der KGB.'e ntlasse n werden, da nach dem Tarif- oertrag dort nur Mitglieder der freien Gewerkschaf- ten beschäftigt werüen dürfen. In diesem Jahre sucht die KPD. wieder Dumme, d1« ihre Existenz auf dem Altar der KPD. opfern sollen. Mit der Auf- stellung einer„roten* Betriebsratslist« soll eine Kampagne gegen die Konfumgenossenschast cinggleitet werden, um ihr das gleiche Schicksal wie dem Halleschen Konsumverein zu bereiten. Das geht ganz klar aus dem Schreiben hervor, das die KPD.-BezirksUitung Berlin-Brandenburg an ihre bei der KGB. beschäftigten Mitglieder richtet« und in dem es zum Schluß heißt: „Schon die Maßregelung der 13 Betriebsratskandidaten im vorigen Jahre hat in Her Berliner Arbeiterschaft die größte Em- pörung ausgelöst. Diese Maßregelung hat sich auch geschäftlich gegendie Genossenschaft ausgewirkt. Die diesjährige Betriebsratswahl muß b e n u tzt werden, um einen Sturm der Empörung gegen die Willkür sozialfaschistischer Genosien- und 24 machen eine Glühbirne. Ziationalisierie Verufe. Das Arbeitsamt Berlm-Mitte hat Verzeichnisse der Berufsarten zusammengestellt, die durch ihre Fachabteilungcn vermittelt werden. Das Heft für die Metallindustrie zählt auf 43 dichtbedruckten Seiten diese Berufsarten auf: für Männer 72, für Frauen 23, jede einzelne wieder unterteilt in manchmal über zwei Dutzend Gruppen. Man bekommt beim Durchblättern des Bändchens«inen Bogriff davon, wie durch den Einzug der Ma- fchinen in den gesamten Fabrikationsprozeß und vor allem durch die Rationalisierung die Arbeit selbst des gelernten Facharbeiters auf inuner enger umgrenzte Bezirks beschränkt wurde, immer monotoner gestaltet, ünmer weiter abgerückt von dem Au- samnienhang mit dem Ganzen. 24 Arbeiterinnen stellen eine Glühbirne fertig, 24 Handgriffe, von denen jeder einzelne täglich acht Stunden lang, Wochen so. Monate, Jahre, manchmal vielleicht«in Menschenleben hindurch von einem Geschöpf ausgeführt wird. Es ist grauenvoll, sich auszudenken, wie der Ar- beitsrhythmus dabei jede persönlich« Bewegung ausschaltet, alles Denken unch. Fühlen, wie Frauen dabei umgesästiffen werden zu Rädern einer großen Produktionsmaschine. Hinter dieser Fabrik- arbeit lauert ein Alltagsleben, aufgebaut aus einem karhen Verdienst. Sorgen. Hausarbeit. Die Anzahl der„S ch l o s s e r b e r u f e* füllt fast fünf Selten> Aber hinter den meisten Gruppen mag doch noch eine eiwas lebendige Arbeit stehen. Nur wenigs Berufe scheinen noch dem Facharbeiter handwerkliche Befriedigung zu bieten: so die Gold- und Silberarbeit. Das Heft soll den Unternehmern die Möglichkeit bieten, rosch den für einen bestimmten Posten geeigneten Arbeiter zu finde«! in einer Kartothek des Arbeitsamtes werden sämtlich« Arbeitsuchenden nach Berussarten und Spezialisierung darin verzeichnet. Wohl dem Arbeitsuchenden, der es zu möglichst großer Vielseitigkeit gebracht hat; er kann noch am ehesten hoffen, trotz der beständigen Verände- rung in den Fabrikationsprazessen Beschäftigung zu finden. Oer Mut der NGO. Sie fürchten die Abrechnung. In der Sitzung des Arbeiterrats der BVG. am 13. Februar stellten die RGO.-Leute Schmirgal u. Co. den Antrag, der Arbeiterrat möge die Entlassung des in der Signalmeisterei 2 beschäftigen SA.- Führers Ho ff mann beschließen. Als Begründung wurde an- geführt, daß H. die RGO.-Arbeiter der Signalmeisterei 2 als Gannooen und Verbrecher hingestellt habe. Der Arbeiterratsvorfitzend« Flieger erklärte, daß der Arbefterrat zu einem solchen Beschluß keine Befugnis habe. Er könnte allenfalls Gewerkschaftsbürokrati« zu entfachen. Das wird dann gelingen, wenn wir für den Arbeiter- und Angestelltenrat v o l l st ä n d i g e L i st e n mit Ersatzleuten einreichen.- Dann wäre die Bürokratie g e z w u n- gen, etwa 30 Arbeiter und Angestellte zu maßregeln, was nicht ohne Einfluß auf die Berliner Arbeiterschaft bleiben würde. Di« Partei müßt« selbstverständlich in diesem Falle alles daran setzen, um durch die Solidarität der Genossenschaftsmitglieder oi« Maßregelung der roten Betriebsräte zu oerhindern oder rückgängig zu machen. Aus diesen Erwägungen heraus muß die BL. von jedem Genossen Bereitschaft zur Durchführung der Parteilaklik oerlangen. Sie erwartet, daß sich alle Genossen aus politischer Ueberzeugung und Disziplin zur Kandidatur für die Betriebsratswahl bereit finden.* Die in der KGB. beschäftigten Kommunisten haben aber ihrer Parteileitung den Gefallen nicht getan, ihre Existenz„zur Durch- führung der Parteitaktik* aufs Spiel zu setzen. Sie haben den Parteibefehl einfach nicht ausgeführt, wofür sie der Bann- strahl der Partei traf. Sie wurden aus der KPD. a u s g e- schlössen, weil sie das Interesse ihrer Gewertschaftsorganisation, der sie teilweise schon über 23 Jahre angehörten, höher stellten als das der KPD. Die KPD. wird sich noch ein bißchen gedulden müssen, bis der Konkursverwalter seine Hand auf die Berliner Konsum- genossenschaft legt. Das frivolste an der ganzen Aktion ist, daß man vom grünen Tisch der Parteileitung aus an Parteimitglieder einfach den Befehl ergehen läßt:„Ihr wüßt eure Entlassung provozieren, weil damit unseren Parteizielen gedient i st.* Diese Methode erinnert an die Zeit, wo man vom bombensicheren Unterstand aus Befehle erteilte, die Tausende von Menschen ins Verderben hetzten. beschliehen, dem Vorstand der BVG. die Entlassung des H. vor- zuschlagen. Dazu wäre jedoch zuerst festzustellen, ob H. die Beleidi- gungen der RGO.-Arbeiter während der Arbeitszeft ausgesprochen hat. Als Flieger die RGO.-Arbeiterräte fragte, ob sie dafür B e- weismäterial beibringen könnten, antwortete der RGO.-Mann A l b r e ch t, daß die Bedrohungen und Beleidigungen außer- halb der Arbeitszeit erfolgt seien. Mit zitternder Stimme schilderte Albrecht, wie die Anhänger der RGO. jetzt unter dem Nazi-Hoffinann zu leiden hätten. Als die Sitzung geschlossen war, kam das RGO.- Arbeiterratsmitglied D a rg u sch und bettelte geradezu winselnd, ihm doch den Antrag wiederzugeben. Anstatt nun über diese Blamage zu schweigen, bringt die „Rote Fahne* Nr. 39 einen von Verdrehungen strotzenden Bericht über die Arbeiterratssitzung, mit der Ueberschrift„SPD.-Betriebsrat schützt Naziprovokateure*. Es geht zur Vetriebsralswahl bei der BVG. Aus diesem Grunde ist anscheinend den RGO.-Leuten nicht ganz wohl. Sie fürchten offen- bar, daß die Nazis, denen sie das Bett gemacht haben, ihnen den Rang ablaufen würden. Früher hat die RGO. und die „Rote Fahne* oft behauptet, ihre Anhänger würden von den„Sozial- faschisten* bei der Direktion„denunziert*. Die SPD.-Arheiterräte der BVG. haben noch nie die Entlassung eines Ar- bsitskollegen v e rl.a n gt Die RGO.-Leute möchten jetzt die 'freigewerkschaftlichen Arbeiterräte als Denunzianten gebrauchen, weil sie selbst zu schlapp und zu feige sind, um mit einem einzigen Nazi-Mann fertig zu werden. Die Mitglieder der freien Gewerk- schaften bei der BVG. werden diesen„Helden* bei der Betriebsrats- wähl die richtige Anwort geben. Gireitbefchluß im Nergbau Krankreichs. Gegen jede Lohnsenkung. pari». IS. Februar. sEigenberichl.) Die außerordentliche Tagung der französischen Bergarbeiter- gewerkschasten in Paris hat sich am Mittwoch einstimmig für den Generalstreik ausgesprochen, um jede neue Lohusenkung zu verhindern. Allerdings soll dieses Mittel erst ergriffen werden, wenn alle anderen versagt haben. Die Bergarbeitergewerk- schoflen werden heute bei Miuisterpräsidenl Laval vorstellig und ihn zur Bermitllong auffordern. Am Nachmittag wird die Tagung sorlgeseßt werden. Um den Varloh« der fchlesifchen Landarbeiter. Di« Nachverhandlungen über dm Schiedsspruch für di« schlesische Landwirtschaft, der den bisherigen Barlohn nichr verändert, sind ergebnislos verlaufen. Di« Unternehmer laufen mir oller Macht Sturm gegen den Schiedsspruch, der für 399909 Arbeiter Bedeutung hat. Warum man auch den Landarbeitern, die ohnehin so fürchterlich schlecht bezahlt sind, den Lohn kürzen will, ist einfach unbegreiflich: denn das D e p u t a t, das in der Landarbeiterentlohnung sine große Rolle spielt, sststarkentwertet. Der Landarbefter erzielt heute für Kartoffeln, Getreide oder ein Schwein, wenn er diese Dinge zu Geld machen muß, bedeutend geringeren Erlös. Der Schiedsspruch, der den Barlohn Nicht verändert, ist angesichts dieser Sachlage nichts anderes als eine Selbstverständlichkeit. Hoffentlich auch für den Reichsarbeitsminister, bei dem jetzt die Entscheidung über den schlesischen Lohnstreit liegt._ Groß-Berliner Parteinachrichten. 101. Abt. Treptow. Die für heute, 29 Uhr, angekündigte Zu- samemnkunst jüngerer Parteimitglieder findet erst am 26. d. M. statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Wetter für Berlin: Größtenteils bewölkt, Tagestemperaturen über Null, südöstliche Winde.— Für Deutschland: In Westdeutsch- land Verschlechterung des Wetters, im Osten vielsoch Nachtfröste. vonnerstog: 19. Februar. Berlin. 16.05 Alfred Madcrno: Sage und verklunsenc Historie an der Adria. 16.30 1. Brahras: Ueder(Marga Moris-Schleeniüller, Sopran). 2. Arien von Giordano und Verdi(F. Scheidhauer. Tenor). 3. Uszt: Klavierstücke (Meta Hagedorn-Chevallcy, Klavier). 4. Rettich: Lieder(Marga Moris- Schlecrnüller). 5. Arien(Ferd. Schcidhaucr; Flügel: Wilh. Rettich). 17.30 Dr. UeberaJI erzählt 17.50 Prof. J. Petersen; Frau Rat Goethe.• 18.15 Hans Bauer liest aus eigenen Werken. 1S.30 Unterhaltungsmusik. 19.55 Arbeitsmarkt• 20.00 Frau Aja(zum 200. Geburtstag von Goethes Mutter). Mannskript: Kctty Katzenstein-Sutro. Ltg.: Edicf Koppen. 21.00 Greifswald. Qacrschnitt durch eine Stadt. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. KönigswusterbanseiL 16.00 Dr. Littraann: Der pädagogische Austausch Deutschlands mit dem Ausland. 17.30 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Schulrat Rösler: Siebenbürgen. 18.30 Min.-Rat Joachim: Aus der Praxis des Arbeitsrechts. 19t 00 Ing. K. Dörffel: Landwirtschaft und Maschinen. 19.30 etwa Breslau: Heitere Abendmusik. 20.30 Prof. Dr. Karl von Noordcn: Moderne Crnähnmf, 21.10 Mühlacker:„Der Wunderdoktor." Gewdmau»z»s 5. Klasse 36. Preußisch-Süddeutsche Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogen» Numnier sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und II 0. Ziehungstog 18. Februar 1931 In der Heuligen Rachinittagsziehung wurden Gewinne über 499 2)1. gezogen 2 Sevin»- tu 25000 90. 149190 2 OcBiim« tu 10000 SO. 346S45 14«Sauinn. tu 5000 90. 863 5626 27968 118070 202683 236036 395794 26 OoBinn« SU 3000 90. 4479 6713 14579 46237 130180 136760 187258 216506 244013 252646 279588 376813 385292 34»esinai tu 2000 90. 6465 55100 60438 73222 106358 128464 143933 234431 2S734I 267375 310964 327480 340473 341364384322 389400 397554 96 U.minn. tu 1000 90. 16082 36783 41620 46860 46942 83745 60991 66958 73531 88425 92273 108217 109882 124597 125034 130968 135418 137879 147679 165503 175390 178629 193965 201979 209907 213580 221157 221257 221597 226626 234852 236275 241902 243210 244519 261475 273920 274268 277737 280212 303857 308744 321063 338138 359926 379193 389945 390133 178©ctoinn» tu 500 90. 3781 6580 12536 13894 14019 14851 16107 23930 25090 27044 30506 34218 36433 39839 42870 46587 47161 49741 53731 6863364388 65377 67892 68654 70175 70787 72030 7548076341 8020381028 90002 100024 109496 113675 113818 126764 135606 137900 150620 163126 165127 168100 169000171203 176148 182514 189120 192913 217402 219829 220254 224427 224845. 225505 226809 232357 236320 240374 244016 244602 254344 268426 260466 261201 261365 262671 268807 279826 283240 287519 296314 299876 299754 304525 309080 310589 311354 313078 314187 344719 348288 354156 357763 371241 371395 374719 392398 392902 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je Ü90009, 2 Gewinn« zu je 5990f9, 2 zu je 399900, 6 zu je 75000, 4 zu je 59909. 22 zu je 25000, 122 ,u je 10000, 334 zu je 5000, 678 zu je 8000, 2066 zu je 2000, 4122 zu je 1000. 6642 zu je 600, 20074 zu je 400 Mark. Verantwortl. für bit Ziebaktion: Steint Stpat, Berti»: Anzeige»: Tb.»locke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag.. Verlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanltalt Paul Singer& Cs. Berlin SB 88, Lindenftrafie 3. Sinz» 1 Beilage. aUz Lidtlsptele usw| -Ii-J-> ymrm'i. Donnerst. 19 2 Staats-Oper Unter d. Linden 171. A.-V 20 Ohr Spiel oder Enitt Pblovier rame Die VerlDtnumlici der Laieme Ende n 22 uhr Staats-Oper Arn Platz der Repuhük. 20—22 Uhr 4. Sinf-Konzert Kapelle du Stutoptr Ltj. OttoRlemperH Donnerst. 19. 2. stam opar Bismarckstr Turnus II 20 Uhr Die[DtlDhrnog aus dem Wl tndeJZ'A Uhr Staat). Itm Ctnlarmtnmarlt). 147 A.-V. 20 Uhr Gustav Adolf (DirZllsttingiKrlig) Ende n. 22'» U. M.WIes'MekMIA 20 Uhr Sdierz. Saure, Ironie and liefere Bedeunnd ■rnde gegen 22'» Uhr GROSSES SGHAUsPiELHAUö Tagt. 8 Uhr. Im UlSiSSen R93M. Stg. nachm. 3 Uhr Originarbestuung billlee Pre s» Re*•: Erik Chart)). PtASTA I Tiql. S u.«15 Sonnt, z, i■. s u E 4. Alex. 8066 Nehm. BOPf.— 1 M., abdt. 1-2 M. 4 Bronotta, Oollynoffa Jas»- und Tanz-Revue t Daunion- Show. Krame- Famllia und weitere Attraktionen Ä* BamvskHllbnii TDenier Ii der Streiraausu. bVt Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Ciraudoux Inszenierung: Victor Baraoviky KemOdlankaue &k Uhr Cocktail «oo Kail Vallnodlor. Msrtf.btpiaaitäT Täglich Pf» Uhr schon ist die weit Operette von Lehir Biduni Tnlxr. Üittjj Upjr. ühntrnijnrl Lusispwinaus Kurt aotz Täglich SVj Uhr Oer Logner u. die nenne fHffmf VoiKsbUhne Huitor ui BOlroplalz. 8 Uhr Hans Albers in Liliom von Frani Molnar Regio ihrlBtiu Martin Staat!. Sdiiller-Tb. 8 Öhr Sdierz, Satire. Ironie u. tiefere Bedeutimg Theater am SchinDauerdamm 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Oeultdies Ilteatei 8 Uhr Elisabeth von Enoiand von Fcrd Bruckner Regio; Beim Hilgert Kammerspiele SV-Uhr Pariser Platz 13 von V/icki Baum Rtgii: Gustaf Grnadgtn Die KomSdie 8>/t Uhr Die Fee loo Franz Molnar Regio: Stofao Hei | Tigl 2 Vorm?. • o.»>4 Uhr | Barbarossa 023« IhdnB. SU Pf. bb 1 M. ahuilt t bis 6 E 3 Andreu Meel Roberto de VajtconeeÜaM, Vlaidie<£. 3tey usrr. dim£reuiAmte Tam-Tiaifez u. TMoxdt STEINHEIER FRIEDRICHSTRASSE 96 AM BAHNHOF* (Beilage Donnerstag, 19. Februar 1930 SivAbmd v xbi iuy*u>t£rü Pf 676 in der Hölle von Cayenne Aus der Niederschrift eines Flüchtlings u Das französische Sträflingsschiff„La M a r t i n i e r e" hat 676 Schweroerbrecher übernommen, die nach der BerHrecherkolonie Cayenne abgeschoben werden. Unter den Deportierten befindet sich auch ein Deutscher, der Ende vergangenen Jahres einen Pariser Waffenhondler erschossen Hot.(Zeitungsmeldung aus Paris,) Die Verlagsdruckerei„Volksfreund G. m. b. S)." Karlsruhe veröffentlicht die Aufzeichnungen des ehemaligen Fremdenlegionärs Alois N o l d. Das Buch führt mit Recht den Titel„Die Halle von Cayenne'. Di« Erlebnisse des Legionärs in der franzö- fischen Sträflingskolonie in Cayenne stehen im Mittelpunkt der Schilderung. Durch die Hinterlist eines Werbers in die Fremden- legion geraten, findet Nold sich nach zweimaliger Flucht bei den Marokkanern und nimmt am Kampf der Rifkabylen gegen die Franzosen teil. Nach Zusammenbruch des Aufftondes in französische Gefangenschaft geraten, wird er zu 26 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und zur Verbüßung seiner«Arafe nach Französisch-Guayana(Südamerika) in die Verbrecherkolonie Cayenne transportiert. Am Malariasieber erkrankt kommt er dort an und muß sofort in das„Krankenhaus" eingeliefert werden. Wie es hier aussieht, ist grauenhaft genug. Im„Krankenhaus". „Im oberen Stockwerk des Hauses", so erzählt Nold,„bezogen wir einen Unterschlupf. In einem mit 3 6 Betten bestellten Saal. Im Nu lagen wir, 36 Mann, im Adamskostüm auf diesen angeblichen Schlafftellen." Neben ihm zwei arm« Teufel im Fieber- mahn halluzinierend, die meisten zu Skeletten abgemagert. Fürchterlicher Gestank benimmt den Atem. Die Stroh- und Seegrassäck«, halbverfault, strömen wahre Stalluftwolken aus. Und dann die Nacht. Kaum ist die tropische Finsternis herein- gebrochen, schwirren V a m p y r e, fledermausartige Untiere, so groß wie«ine geballte Faust, herein, beißen sich an den Körpern der Kranken fest und saugen ihnendasBlutausdenAd« r n. „Hör ich nicht Röcheln? Ich halte meinen Atem an und ver- nehme, daß rechts und links die Leidensgenossen kämpfen: mit dem Tode! Meine Nerven halten'? nimmer länger aus. Ich spüre heiße Blutwellen durch meinen Körper jagen. Das Fieber hat auch mich gepackt. Ich tobe mit mezyen Leidensgefährten um die Wette. Endlich gegen Morgen wird es bester. Mein Kopf ist klar, das Fieber hat nachgelösten. Nur die Stich- und Bißwunden der Vampire und 'Moskitos schmerzen wie brennendes Feuer. Jetzt fallen mir meine Schlafnachbarn«in. Ich dreh mich zu ihnen hin. Nackt liegen sie auf den Betten. Die Züge starr! Der Mund ist geöfsnet! Tot! Nach acht Tagen Aufenthalts im Hospital sind nur noch zwei Lebende in dem Raum: Nold und ein allerer Korsikaner. Beide genesen und werden zunächst in das G e f an gen e nba g e r übergeführt. Auch hier ähnlich« Zustände. Er ist erlöst, als er nach kurzer Zeit in dos 12 Kilometer weiter gelegene W o l d l a g e r St. M a u r i c« zu Hol,zfällerarbeiten geschickt wird. Ein Viertel Liter Kaffee am Morgen, dann unter glühender Tropensonne und in dunstiger Sumpfatrnosphäre fünf Stunden Arbell. Zwei Meter Holz sollen in dieser Zell bearbellet sein. Tin V i e r Le l Meter bewältigt Nold. Der Erfolg: das Abendessen wird ihm vorenthalten. Einige Wochen unter diesen Bedingungen, und Nold bricht wieder zusammen. Malaria! Rücktransport ins„Kranken- baus". lind wieder dasselbe Grauen! Die Todesspritze. „Wir gelangten in den Hof der Krantenanstalt. Welch«in Jammer war hier zu sehen! Di« armen Teufel? Wie Gespenster schleichen da vier über den Hof. Di« Zehen fehlen ihnen. Di« Wunden sind offen, zerfressen, angefault. Auf der rechten Selle vor der äußersten Baracke sitzen auf einer kleinen Bank drei arme Opfer der brutalen Behandlung. Abgemagert, bucklig und teilnahmslos senken sie ihre Köpfe, sie sind blind Trichinen sollen die Schuld tragen. Trichinen! Mag sein! Und die französischen Henkersknechte!" Ja, dies« französischen Beamten! Wenn auch nur die Hälfte von dem wahr wäre, was Nold anführt, es bliebe noch minier schlimm genug. Nachts wieder der Kampf mit den Vampyrcn und Mos- kitos. Ein Tag vergeht, ohne daß sich auch nur ein Krankenwärter sehen ließe. Und am zweiten Tag—.„hast du Franken?"— trill ein Sanitäter an sein Bett. Nun, gegen gutes Geld gabs Medikamente und einige Pflege, sonst— Do liegt neben Nold ein Franzose und jammert. Ihm fehlen beide Beine, aber niemand hilft ihm.„Ja, um Gotteswillen. hoben Sie kein Geld?"—„2 66 6 Franken" die Antwort. Aber: Die Krankenwärter kommen. Mit scheinheiliger Teilnahme fragen sie den Annen:„hast du große Schmerzen? Wir wollen • dir helfen und dir eine Spritz« geben; morgen früh bist du uns dankbar." Vor Haß schaut er die Wärter an:„B« i c u ch k a n n man oerrecken, wenn man will. Ihr seid ebenso schlecht wie die Aerzte. Nein, ihr seid noch schlimmer, ihr konmit jetzt nur, um mir mein Geld zustehlen, ihr Vampyre." Da werscit sich die Unmenschen über ihn und verabfolgen ihm mit Gewalt eine Spritze. Eine Todcsspritze! Mörder! hätte ich den vertierten Menschen zuschreien mögen! Hohnlächelnd ver- lassen die Sanitäter den Saal. Ich rufe den jungen Franzosen an, aber stumm liegt er aus seiner Pritsche. Er gibt mir keine Antwort mehr. Gern bätte ich mit ihm gesprochen, auch wegen der 2 6 6 6 F r a n k c n. Ii, seinem Bett waren sie nicht mehr. Am nächsten Morgen nach einer durchfieberten Nacht bringen die hinterlistigen, habgierigen Krankenwärter den Kaffee. Ein ekel- Haftes Gefüff! Sie haben eine Tragbahre dabei, um den kleinen Franzmann abzuholen. Er war g e st o r b e n! Sie wußten es. trotzdem sie ihn noch nicht gesehen hatten. Ihr Mittel lmttc ge- wirkt. In der Leichenhalle schnitten sie ihm d r n Bauch auf und holten aus dem Magen die 2666 Franken her- aus.. Nun hatten sie dos Geld— die Leichenickänder. Und der dritte im Bunde, der Arzt, stellte bei dem durch die Injektion getötete« armen Kerl Schlaganfall fest." Wie bei Nolds erstem Kran kenhau saufenthall sterben auch jetzt täglich Leute. Auf natürlich« Weif« oder künstlich, iügt Nold hinm. Und alles das wird in die?oi?', helle gkjchleijt, Bauch aufgchchl'tzt und jort in die Grube. Kulturdünger? Drei Woche« so. Dann vierzehn Tage als Genesender auf der «chreck-s-tasel St. Loseph und ob m d« Urwald zu» Straßenbau. Urwald, Sumpf und seichte Seen bilden da- Terrain der werdenden Straße. 1883 wurde der Bau begonnen, seit-14 Jahren baute man an dieser Anlage und glücklich 44 Kilometer waren hergesteilt. Tic Hölle. „44 Baujahre! Und tausende Sträfling« haben dabei ihr Leben lassen müssen. Ihre Leichen schlummern in den Schlingerwurzeln der Sümpfe. Tägliche ja stündlich(?) hauchen solch arme Menschen- skelette ihr Leben aus und werden in irgendeinen' Graben oder Sumpf versenkt. Stumpfsinnig läßt uns all dies Geschehen. Die unmenschliche Behandlung macht keinen Eindruck mehr auf uns. Gleichgültig sehen wir zu, wie mit den Leichen der zu Tode ge- follerten Strafgefangenen umgegangen wird... Wir sind ja auch keine Menschen mehr, sehen vielmehr wie Tiere aus. Die Haare auf dem Kopf und im Gesicht langaewachscn, die Lippen auf- gesprungen, so stehen die meisten von uns da und glotzen auf die Baume, halten Ausschau nach wilden Bananen. Kleidungsstücke haben wir so gut wie keine mehr an. Die mei st anarbeiten völlig nackt, Schuhe oder Strümpfe kennen wir überhaupt nicht mehr, was für uns das schlimmste ist." Fluchtpläne werden in Nold reif. Allmählich weiht er acht andere Deutsche in seine Pläne ein. Nach einen, Viertel- jähr wird ein Lebensmtttelboot gekapert, der Aufsichtsbeaintc nieder- geschlagen, die Proviantämter werden geplündert und los geht es 56 Kilometer flußabwärts, dem Meere zu. Soweit alles ganz gut. Auf offenem Meer jedoch Spielball von Stürmen, hält sich das Boot notdürftig sechs Tage, wird auf ein Riff geschleudert und das Meer spell die Abenteurer wieder an Land, wo sie einer G e n d a r- m e r i e st r e i f e in die Hände fallen, um in das Gefangenenlager zurückgeliefert zu werden. Flucht durch den Urwald. Das Gericht ist verhältnismäßig gnädig. 36 Tage Gesang- n i s bei Wasser und Brot, und das Elendsleben des Sträflings bei einem Viertelliter Kaffee des Morgens und halbem Esten am Abend beginnt von neuem. Nein, dos halte ans, wer will, Nold nicht? Flucht durch den Urwald sein neuer Plan. Bis»ur Grenz«, zur holländischen Kolonie Guayana, sind etwa 466 Kilo- meter. Am 12. Oktober 1927 bricht die Kavalkade, die Nold um sich versau, melt hat(wieder neun Mann), drei Flaschen Koch- salz und drei Schachteln Streichhölzer als eisernen Bestand, aus. Durch Dschungel und Urwald geht es. Bananen Kokos- nüsse und Datteln einzige Nahrung. Am 21. Tage ist der Grenzfluß Maroni erreicht. Auf schwankendein Bombusfloß geht es flußabwärts. Begegnung mit einer Polizei- Patrouille von zwei Mann.„Hände hoch!" Uyd fertig zum Schuß. legt ihr Kanu am Floß an. Die Häscher werden„erledigt", und ihre Leichen versinken im Fluß, den Krokodilen zum Fraß. Nun schleunigst hinüber auf holländisches Gebiet. Di« Nahrung wird, nun man Schußwaffen hat, reichhalliger. Affen, Perl- Hühner und Wildschweine ergänzen sie. Doch die Stim- mung wird immer trüber, zumal iin Laufe der Dschungelflucht drei Kameraden der Malaria zum Opfer fallen. Vollkommen vertiert die anderen. Nackt, stumpfsinnig, gleichgültig wanken sie dahin. „Und immer träger unser ohnedies schon n, i s e- rables Zusammengehörigkeitsgefühl" Da, am 49 Tage, Rauch in der Ferne. Die erste Menschen- s i e d l u n g seit dem Ausbruch ist erreicht. Buschncger sind es, die hier Hausen. Aber imnierhin Menschen. Ei» Tag Ruhe, und die entronnenen Sträflinge werden in die nächste Plantage eines Weißen und weiter zum deutschen Konsulat in Paramaribo be- fördert: wieder Menschen unter Menschen. Ii. 1. Der Tag ohne Uhr Arn Fenster geschrieben/ Von Heinrich Hemmer Der Steppenwanderer braucht keine Uhr, er Nest die Zeit vom Himmelszelt ab. Ich gucke hinunter, aber nicht nach der Westen- tasch«: mein Zifferblatt ist der sternförmige Platz vorm Hause. Ueber diesen läßt das Monster-Uhrwerk: Groß-Berlin genau wie die be- rühmte Straßburger Münsteruhr Stund« für Stunde seine Figu- rinen marschieren........ Schon am gmuetüten Morgen... Schon am grauenden Morgen hat es begonnen, das groß« Defile der Sklaven des Götzen Chronos. Ich seh« sie nach allen Himmels- richtungen ziehen, unhörbare Beinpaare, denn die Straßen kreuzen sich bis auf das Rondell. Aber während ich angesichts dieses Riesen- zisfernblattes, dieser Menschenuhr zeitlos leb«, sind sie, die mir die Zeit anzeigen, immer um die Zeit besorgt. Sie blicke» gequält nach ihrem Taschenchronometer: jetzt möchten sie seine unerbittlichen Zeit- zeiger anhatten, dann möchten sie sie wetterschieben, in den langen Stunden: und wenn sie auch nicht nach dem kleinen runden Ding sehen, das sie an eine Kette hängen(eine Kette, an der sie selber hängen), die Zett sitzt ihnen im Mark der Knochen. Sie kommen nicht los davon. Oh Chronos! Wieviel Uhr ist es? Es muß gegen sieben gehen, denn sie schreiten gemessen aus, solide treten sie auf, die Vorbeimarschierenden lind ihre leeren Hände hängen vorläufig noch in wohltueittier Schlapp- heit herab: zum Anpacken bereite, vom Anpacken breite Existenz- kämpserhände... Trapp, trapp, die Arbeiterorme«, ja es geht bestimmt gegen sieben. Wie die Zeit vergeht: jetzt mengen sich wesentlich zgrtere, unter reinen Schürzen pflichtschuldig ttippelnd«(manchmal sehr nett trippelnde) Beinchen dazwischen, und die dazu gehörigen(nicht minder abgearbeiteten) Hände tragen Schrippenkörbchen und Milch- k ä n n ch e n, rasch, rasch, wie die Zeit vergeht, schon wieder halb acht...(ober Minnaaa!) Hochbetrieb. Aber jetzt zchl's richtig los. Hochbettieb... Aktentaschen- läufer. Sie tteten viel unsicherer auf, diese Beinpaare. ES siegt etwas Gehemmtes in chrer Art. Ja, ja, ich verstehe: die Furcht vor dem gleichmäßigen Trott: der neu« Tag ist doch wiederum der alte Tag. Und, Donnerwetter, schon wieder so spät. Ihre Berne krümmen sich zum Sturmlauf auf den U-Vahn-Trichter. Das Damoklesschwert der Kündigung hängt über diese Chronos- sklaven mit dem baumelnden Symbol der Ordnung und Bildung: die Aktentasche. Typisch-Berlin, unumgänglich... und was ist eigent- sich drin... Stullen? Beinchen, Strümpfchen, Köfferchen in allen Forben: wetten, da liegt eine Büroschürze drin, neben einer Puderquaste und sonstigen... ach, und sie scheinen derselben Sorge hingegeben, wenn auch die Augen leuchten und der Mund lächelt.(Was wird aus der abraten Adjustierung und dem ganzen blitzblonksauberen Persönchen, was wird, wenn er diesen Ersten kündigt, der Herr Chef, oder den nächsten. Schnell: sie rennen in Endspurt, es geht gegen a.ch t. Bcstiiuntt gegen acht: von unten kommt ein blauer Schwärm gezogen, der sich am Rondell frohgemut nach allen Himmelsrichtungen zieht. Tragt ihr denn lauter Gratulationen und Liebesbriefe aus.. oder sind es nicht vielmehr Konkursansagen und Mahn- schreiben, von denen eure Tasche geschwollen ist, ihr sehr ge- losten schreitende.Herren... ja. ja, ich nerstebe. man ist im Dienst. Jetzt kommen kleine, schwache, dünne Beinchen, die sich aber mtt einer den Großen unbekannten Freiheit bewegen, wohl der Zeit gehorchend, aber Chronossklaoen sind sie nicht... sie werden es erst: diekünftigeGeneration. Den Scheitel hat wohl Mutt, gezogen, welche selbe auch das schöne Futterpaket zurechtgemacht hat. das man noch genau fo in der Hand hätt. wie es aeaeben wurde. Krrrrr: der Chef hat sich auf feine Bügelfattenbein« gemacht und steigt in das schnarrende Auto... oder war's der Bürovorsteher: neun Uhr ist's auf olle Fälle durch. Die U-Bahn, die den ganzen Morgen wie eine Riesenschlange nur geschluckt und geschluckt hat, spett jetzt schon langsam wieder aus. De« Herr, Stadt» reisenden Lehmann samt Musterkoffer... und dergleichen mehr. Lehmann blickt sich hm: war vielleicht schon früher einer da? Geschäfte? mies! Herr Lehmann kämpft mit Ladenbesitzern, die mif Kunden kämpfen, die zu kämpfen hahen. Der halbe Bprmittag vorbei... Der halbe Vormittag ist vorbei: weil, nachdem sie die, Wohnung in Ordnung gebrocht, die kleineHaus f r o u einkaufen geht: mit Wichskedertafche öder Netz, in dem dann nebst einem Kohlkopf Apfel- finen aufleuchten werden, wenn sie vollgepackt und alles im Kopfe noch nachkalkulierend wieder über mein"Zifferblatt zurückkommt. Aber auf diesem ruht jetzt die Sonne— und auch Kinder» Mädchen ruhen; auf den grünen Bänken ums Rondell, die soviel hören und zu erzählen hätten. Und wo bis jetzt nur«ine einzige alte Frühaufsteherin mit ihrem Hündchen und ihrer Zettung gesessen hatte, der der Postbote dort die Post abliefert. Sie sitzt das ganze Jahr über stets auf der sonnigsten Bank. Sie beschreibt wie die Sonne«inen Bogen. Sie zeigt mir die Jahres» zeiten, die gute, alte Fee. Jetzt sind alle Bänke voll: Kindermädchen, Schwestern. und dazu gesellt sich, was sich an Männern in sehr frühem oder spätem Alter auf Partbänke setzt, was dort einen Anhang hat oder (im Frühjahrs vom springenden Brunnen und den strahlenden Blumen oder Augen angezogen, ein wenig vom heutigen Lebens- tempo verpusten, dem Götzen Chronos ein Schnippchen schlagen will. Mutti erscheint um zwölf, einen Feldherrnblick herumschweifen lassend: in Begleitung einer im vorgerückten Spielalter stehenden Tochter und ihrer ihrcthalber sehr freundlich behandeltest Freundin. Pause. Zwei weißkittelige Mittagspause ntäubchen kommen sich auf die leer werdenden Plätze setzend und packen Stullen aus. Ueberall setzen sich junge Leute hin und schlagen in Freiheitsbedürfnis die Beine übereinander. Rauch wird in die Luft geblasen, weil einem fo viele Dinge Lust sind, die man tun mutz. Rondellrunden folgen. Und jetzt ist Berlin, wo wie in keiner anderen Großstadt in „Schichten" gegessen wird, die Zett, drei Stunden, aus den. Fugen. Vier Uhr wird mir durch ein I n d i a n e r g e.h e u l der unreiferen lllochbarjugend angezeigt, die«inen Sturm auf den Sand- tasten des Platzes eröffnet. Wenn die U-Bahn allerhand ortsfremde Leute ausfpeit, die ratlos vor dem Rondell stehe« und wie Buridans Esel, der nicht cheiß. ob er sich zum rechten oder linken Futtertrog neigen soll, in der Mitte zu verhungern drohen. geht die Uhr aus fünf zu. Die Rückwanderung beginnt. Das ist ein scharf gekennzeichneter Tagesabschnitt. Die Rück» Wanderung beginnt: die U-Bahn schluckt wieder, aber viel un- regelmäßiger, die Figurinen haben es satt, für den Götzen Chronos herumzutanzen. Die Zeit, die auf ihnen lastete, jetzt wollen sie sie vergessen, bäumen sich gegen die zeitliche Begrenzung ihres Tuns auf, suchen einander, klamniern sich aneinander. Es entwickelt sich ein stets wachsender G c s e l l i g t e i t s t r i e b. Die Cafe- und die Kneiptüre geht auf und zu. Bei den Zeitungszeberuffen stehen einige und warten: Herrleins und Fräuleins, die nicht zusammengehören. Parkbekanntschaften werden leichthm geschlossen, die weiß Gott wie enden. Es ist gesorgt dafür, daß sie nicht zu glücklich werden, die dem bösen Geist Chronos Entronnenen, die einander suchen und denen das morgige Z c i t s ch e m a schon wieder in den Knochen liegt. Nochmal ist ein Höhepunkt zwischen Laden- und Torschluß. Ich sehe die Mädchen, die Hund« auf» Trottoir und leider(o saubere» Berlin) nicht zur Gosse führen. Sehe Al>endNeider unter kurzen Mänteln aufleuchten. Das K i n o t o r schluckt und speit. Konzert- gänger ziehen(Kopf hoch) zur ll-Bahn. Cafemusiker gehen sich in der Kneipe von ihrer Knechtschaft erholen. Immer sche ich die Zett, fühle ich die Macht de? Götzen Chronos Trotzdem ich keine Uhr habe. Aus den Generalversammlungen Freie Schwimmer Grofj-Berlin für Partei und Gewerkschaften i)ic Freien Schwimmer Groß-Berlin hielten kürzlich .re G e n e r a l o e r s n m m l u n g ab. Zlus den Berichten bei Borstandes war zu ersehen, daß der Verein trotz Krisen und der für einen Schwimmoerein geradezu katastrophalen Witterungsoerhält- nisse des Sommers im Berichtsjahre eine gute Entwicklung zu verzeichnen hat Ilg Mitglieder wurden gewonnen, der Verein zählt heute 1758 Mitglieder. Durch Schullingsarbeit und mit der Beteiligung an den vom 1. Kreis durchgeführten Kurse wurden für alle Gebiete des Schwimmsports und des Rettungswesens tüchtige Funktionäre her- angebildet. 328 Nichtschwimmer lernten durch den Berein schwim- men, auf allen schwiminsportlichen Veranstaltungen erzielten die Freien Schwimmer die besten Resultate. Der Verein verfügt über eine leistungsfähige Wettkampfmannschaft, über 14 Wasserballmann- schasten, die im letzten Jahre an 252 Wasserspielen beteiligt waren. Von den Frauen und Mädchen wurden besonders das Pufhballsipel und das Reigenschwimmen gepflegt. Die gewaltige Arbeit des Ver- eins kommt im Besuch der Uebungsstunden zum Ausdruck. Ins- gesamt wurden auf den Uebungsabenden 86 157 Mlt- g l i e d e r gezählt. Besondere Aufmerksamkeit widmete der Verein dem Rettungsschwimmen. An den meisten Strandbädern übten die Freien Schwimmer den Rettungsdienst aus, sie konnten i n 5 3 Fällen ledenrettend eingreifen. Auch die Jugendarbeit wurde gepflegt Außer den Schwimmnbungsstunden werden regelmäßig in JugenAheimen belehrende und unterhaltende Abende durch- geführt, an denen 5339 Jugendliche sich beteiligten. Schachabende, Singstunden und Deranstallungen kiütureller Natur vereinigten 19 666 Mitglieder. Die Diskussion zeigte, daß die Mitglieder die Arbeit des Vor- flandes vollauf anerkannten, was sich auch in der einstimmigen Wiederwahl des Vorstandes ausdrückte. Im Anschluß an die Wahl nahm der Vorsitzende Völker zum Verhältnis des Vereins zur Partei und zu den Gewerkschaften Stellung. Volker erklärte: Nach oll den Geschehnissen muß und soll betont werden, daß, nachdem die Opposstion kein Hehl aus ihrer Zugehörigkeit und Unterstützung der KPD. macht, wir erst reckst kein Hehl zu machen brauchen aus unserer Stellung zur Sozialdemokratischen Partei. Es soll ganz klar ausgesprochen sein, daß wir uns eng mit der Sozialdemokratie unddenFreien Gewerkschaften verbunden fühlen, daß wir nirgends fehlen wollen, wenn wir von ihnen gerufen werden. Wir hoben alle Ursache, mit diesen beiden Körperschaften zusamnienzugehen und auf dem Posten zu sein, denn die Zell ist ernst und die Stunde vielleicht näher, als mancher glaubt, wo wir zur Verteidigung der in jahrzehntelanger Arbeit ausgebauten Arbeiterbewegung und damit der Arbestersport- bewegung im besonderen gerufen werden. Einmütig und geschlossen stehen die Freien SchwimmerzurParteiundzudenGcwerkschaften, well sie erkannt haben, daß nur in der Zusammenarbeit mit ihnen die Arbosterklasse die schwere Zeit überwinden wird. Die Tagung der Wasser fahr er Auf der Generalversammlung der Ruderer und Kanu- fahrer im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und-Sportbundes gab Szumann den Bericht. Die Wosserfahrer haben im letzten Jahre einen kolossalen Ausschwung zu verzeichnen. Die Sparte im 1. Kreis hat jetzt 2199 Mitglieder, das bedeutet einen Zuwachs im letzten Jahr von 499 Mitgliedern. An Fahrzeugen sind aufzuweisen: 256 Ruder-, 459 Paddel-, 229 Fall-, 19 Motorboote, außerdem noch etwa 39 Segelboote, Segelkanus und andere Mischboote.- Zwei Vereine, der skanuvcrein Sturuwogel und die Freien Wasserfahrer Aufwärts, haben sich neu dem Verband angeschlossen. Die aus dem Deutschen Wasiersportverband ausgeschiedenen Reichs- bannerwasiersportabteUungen führen Verhandlungen mst der _ Sparte, der Anschluß dürfte demnächst erfolgen Die sportlichen Veranstaltungen. Waldläufe, Regatten und Dauerrudern standen auf gutem sportlichem Niveau. Im letzten Jahre wurden offizielle Beteiligungen an Parteiveranstoltun- gen erstmalig mit gutem Erfolg durchgeführt, ein Zeichen guter Disziplin. Besonders Hervorzuheben sind die Wahlpropagandaauffahrten am 7. September v I. Di« Dberspree- vereine bstdeten mit etwa 249 Booten ein« ansehnliche Flotte durch den Landwehrkanal, während die Hovelvereine mit etwa 59 Booten d:e Havel zwischen Spandau und Potsdam und etwa 49 Boote zwischen Spandau und Heiligensee demonstrierten. Alle Boote hatten Transparente mst der Ausschrift:„Wähll Liste 1*. Große Entrüstung löste die geplante Steuerschikane gegen die Wasser- Iportoereine aus. Eine Protestresolution wurde einstimmig angenommen. Ebenso«ine solche, die sich gegen den Wasserzins wendete. Für das kommende Jahr sind folgende sportliche Deranstal- tungen geplant: 14. Mai Werberegatta in Brandenburg a. d. H., 5. Juli Rastregatta in Grünau, 4. Oktober Dauerrudern uiid Paddeln Bootshaus vorwärts— Köpenick— Bootshaus Vorwärts. Der Vor- stand wurde mit einigen Ausnahmen einstimmig wiedergewählt. Vorsitzender ist wie bisher Walter Szumann, Siedlung Britz, Par- chimer Allee 84. Das Haus am Uedersee wird von den Naturfreunden gehalten Auch die Naturfreundebewegung wird schwer durch die Wirtschaftskrise beroffen. so berichtete der Vorsitzende Franz M a s p f u h l in fernen Ausführungen, trotzdem ist es möglich ge- wesen, die Mitgliederzahl um 259 zu steigern, was in dieser Zeit von einer guten Werbekraft der Organisation zeugt. Besonders die Jugend zeigte sich bei allen Veranstaltungen sehr aktiv. Kernpunkt der Debatte wurde das Uederseehaus, auf dem gegenwärtig 35 999 Mark befristete Schulden lasten. Vereinzelt wurde von Diskussionsrednern gesagt, daß man sich bei diesem Bau oerkalkuliert Hab«, daß ein einfaches, schlichtes Wairderheim auch genügt hätte, daß das jetzige Haus zu vornehm für die Naturfreunde sei und ähnliches mehr. Diese Auffassungen wurden scharf widerlegt, vor allem solle der Arbeiter seine verdammte Bedürfnislosigkeit aufgeben, denn auch der Werktätige hat ein Recht auf Hygiene: der Bau am Uedersee ist eine Kultur- tat. die sich sehen lassen kann. Für die Erhallung dieses Baues haben die Naturfreund« alles einzusetzen, bei diesem Appell an den Geldbeutel des einzelnen offenbart sich erst der wirkliche Idealismus Selbstverständlich wird auf Erwerbslose und Minderbemittelte Rück- sicht genommen, aber wer materiell helfen kann, soll es ouch tun. Der Vau des Uederseeliauses ist von der Generaloersammlung be- schlössen worden, deshalb muß diese auch in einer wirtschaftlich schwereren Zell zu einem Ausweg kommen, die Gesamtmstzliedschaft hat die Verantwortung dafür. Beschlossen wurde, einen Jahresextrabeitrag von vier Mark zu erheben, auf wirtschaftlich Schwache soll dabei Rücksicht genommen werden. Dagegen rmrrd« ein wester- gehender Antrag auf Dorlehensttlgung durch die Mstgliedschaft ab- gelehnt, dafür werden aber„Bausteine"' ausgegeben, ditz durch die Mitglieder oertrieben werden sollen. Ein neues Statut, daß der Reichsleitung ein Besitzrecht am Uederseehaus verbrieft, wurde an- genominen. Es wurde wester beschlossen, daß arbeitslose Mitglieder die gleichen Hüttengebühren zahlen wie Jugendlich« und daß das Frei- körpergelände vergrößert werden soll, auf der Land- zunge darf an Sonntagen künfttg kein Zell mehr aufgeschlagen werden, um diesen Platz nicht zu sehr einzuengen. Als Obleute für die Berliner Natursreunde wurden wiedergewähll M a z p f u h l und Schupp a, auch sonst wurde der olle Vorstand im wofent- lichen wiedergewählt. Fast 699 Mitglieder waren aus der Generalversammlung an- wesend. ein Beweis für das Interesse der Naturfreundemstglieder an ihre Organisation und deren Ausbau. Dm die Boxmeistersdiaften. Internationale Regelung in Aussicht. In London haben vor einigen Tagen bedeutsame Be- sprechungen zwischen den Führern der großen i n t e r n a t i o- nalen Boxsport-Verbände stattgefunden, die von dem eng- tischen Board of Control angeregt waren, und an denen auch der Präsident der National Boxing Association teilnahm, in der die Kommissionen von mehr als 39 amerikanischen Staaten vereinigt sind, mst Ausnahme von New Port. Es wurde beschlossen, Mitte Aprst in London eine westere Konferenz abzuhalten, zu der auch eine Delegation der Internationalen Box-Union erscheinen wird. Diese drei Verbände, in welchen mit wenigen Ausnahmen die box- sporttreibenden Länder der ganzen West zusammengeschlossen sind, wollen künftig in sportlichen Angelegenheiten und Fragen inter- nationaler Bedeutung zusammengehen. Die Zusammenarbeit wird sich in erster Linie auf die Welt- Meisterschaften erstrecken, die nicht länger eine Domäne der Amerikaner blechen sollen. Der Präsident des amerikanischen Nationalverbandes hat jetzt schon zugesagt, daß künftig bei Vergebung der Meisterschaften die vom englischen Bord und der Jbu ernannten Bewerber mitberücksichtigt werden sollen. Ferner werden die Ver- bände künftig energisch dagegen protestieren, wenn ein Unternehmer einen Kampf als Wellmeisterschaft deklariert, der diese Bezeichnung nicht verdient. Diese Drohung ist sichtlich gegen New Pork ge- richtet, das in verschiedenen Klassen seine eigenen Weltmeister hat. Die gemeinsame Feststellung der Weltmeister soll jetzt so vor sich gehen, daß di« beiden europäischen Verbände in bestimmten Zestabständen dem amerikanischen Verband Listen der qualifizierten Bewerber jeder Gewichtsklasse einreichen: die amerikanische Ver- einigung wird dann die bestempfohlenen mit denjenigen zusammen- bringen, die von ihr für die Ausscheidungen bzw. das Dorfinale ausersehen sind. Von der Schaffung eines„Welt-Boxverbandes" war, wie von anderer Seite mitgeteilt, kAne Rede: bei einzelnen Verbände be- halten ihre Selbständigkeit und bleiben für ihren Bereich, was sie sind und was sie waren: sportliche Kontroll- und Aussichtsorgane. Auch ihre Machtmittel werden in keiner Weise beschränkt. Das Zu- sammenarbeiten der großen Verbände wird sich zunächst dahin aus- wirken, daß europäische Boxer von Klasse künftig mehr als bisher bei der Vergebung von Weltmeistertiteln herangezogen' werden, ein erstreben: wertes Ziel auch für die deutschen Boxer. Arheiter-Voxer im Ring Dem Ruf der dänischen Arbeitersportleitung folgend, startet« die erst« Boxmannschast des Braun schweizer Vereins für Volkssport zum Länder-Boxrückkampf in Kopenhagen. Der erste Kampfabend brachte«in Unentschieden l8: 8), den zweiten Start be- endeten die Braunschweiger mit einem Punktsieg von 11: 5. Auch das dritte und letzte Treffen in Roskilde konnte dl« Braunschweiger Mannschaft mst 14: 2 Punkten für sich entscheiden.— Di« über gute Kräfte verfügende VFV.-Mannschaft aus Braunschweig tonnte gleich nach ihrer Dänemarkreise im Kampf um die n o r d- deutsch« Boxmeisterschast den Sportverein„Fichte"- Flensburg mst 19:6 Puntten schlagen und sich somit die Meisterschaft sichern.— Die Bundesmeistermannschaft im Boxen Sparta I-Hannover schlug im Städtekampf Hannover— Magdeburg die Gäste aus Magdeburg mit 11 5 Punkten.— Bei den Internationalen Arbester-Boxkämpfen in Bielefeld startete im Schwergewichtstresfen der Europameister Kleßberg(Riga) gegen den zweiten Bundesmeister W i e s b r o ck(Hameln). Nach fünf Stunden äußerst wechselvollen Kämpfens trennten die Kampf- richter die Gegner mst einem Unentschieden. Letzter Eissport im Sportpalast An den letzten Tagen der dieswinterlachen Eissport- saison im Sportpalast geht es noch einmal hoch her. Zu- nächst ist am 22. und 23. Februar eine zweitägige Veranstaltung vorgesehen, in deren Rahmen auch die Berliner Kunstlauf- m e i st c r s ch o s t e n zur Durchführung gelangen. Die Pflichtübungen beginnen am Sonntag um 12 Uhr, dos Kürlaufen ist für 19,39 Uhr angesetzt. Im Anschluß an die Kunstlaufen, zu denen die beste Ber- liner Klasse gemeldet hat, finden ab 29,15 Uhr internationale Eishockeywettspiele statt. Im ersten Spiel stehen sich die ungarische Nationalmannschaft und die erste Garnitur des Berliner Schlittfchuh-Club gegenüber, das zweite Spiel bestreitet eine hauptsächlich aus Davoser Spielern bestehende Schweizer Mannschaft gegen die Reserven des Schlittschuh-Club. Am Montag, dem 23. Februar, spielen dann ebenfalls ab 29,15 Uhr die Schweiz gegen Berliner Schlittschuh-Club I und Ungarn gegen Schlittschuh-Club II. Den Höhepunkt und Abschluß der Eissportsaison im>Sportpalast bilden dann vom 27. Februar bis 1, März die Weltmeister- schaften im Eiskun st laufen für Herren, Damen und Paare lowie das Eishockeyturier um den Europa-Pokal. an dem der Weltmeister Kanada der Europameister Oesterreich, die Tschechoslowakei und die deutsche Nationalmannschoit teilnehmen. Die Eishockeyspiele finden an allen drei Abenden statt, dse Zest- «inteilung für die Kunstlauf-Weltmeisterschaften ist folgende: 28. Februar, 21,39 Uhr: Pflichtübungen der Damen: 29 Uhr: West- Meisterschaft im Paarlaufen: 1. März: 21,39 Uhr: Pflichtübungen der Herren: 11 Uhr: Kürlaufen der Damen und Herren. „Volksspork weddiag<£. V.". Der größte Berein des Arbeiter- Turn- und Sportbundes rm Stadtteil Wedding unterhält Abtei- lungen für alle Altersklassen. Der arbeitenden Bevölkerung beiderlei Geschlechts ist Gelegenheit gegeben, an nachstehenden Uebungs- stätten im Kreise Gleichgesinnter die Pflege des Körpers und Geistes zu treiben: 1. Männer-Abteilung: Turnhalle Lütticher Str. 4. Frei- tags 29— 22 Uhr. 2. Männer-(Alters-) Abteilung: Turnhalle Müller- Ecke Triftstraß«. Freitags 29— 22 Uhr. 1 Frauen-Abteilung: Turnhalle Pankstr. 18. Donnerstags 29— 22 Uhr. 2. Frauen- Abteilung(über 25 Jahre): Turnhalle Pankstr. 18. Dienstags 29 bis 22 Uhr. Sport-Abteilung(Männer und Jugend): Turnhalle Pankstr. 18. Freitags 29—22 Uhr. Sport-Abteilung(Frauen): Turnhalle Pankstr. 18. Montags 29— 22 Uhr. Knaben-Abteilung: Turnhalle Müller- Ecke Triftstroße. Dienstags und Freitags 18 bis 29 Uhr. 1. Mädchen-Abteilung: Turnhalle Pankstr. 18. Mon- tags und Donnerstags 18—29 Uhr. 2. Mädchen-Abteilung: Turn- halle Müller- Ecke Triststraße. Montags und Freitags 18— 29 Uhr. Sportplatz: Städtischer Sportplatz Volkspark Rehberge. Badean- stall: Städtische Badeanstalt Gerichtstraße. Vereinslokal: Otto Saath, Lynarstr. 19. am Sporrplotz. Besonderen Wert legt der Verein auf die Zugehörigkeit von Partei- und Gewerkschaftsmitgliedern. Nähere Auskunft durch die Geschäftsstelle: Richard Toppel, Berlin-Reinickendorf-Ost, Luisen- weg 18. Telephon: v g(Reinickendorf) 9688. r-uristrn-erei».Die SohtifrennSt", Zentral« Wien. OctaatttVP« Berlin: Sonne bend, 21. göbruar, 20 Ul>r. Mmabeno in der Echu'aula Leordow- straßi 1-3:.Sonne über Vi, Dal»". Eintritt SO«f., Iuarndtch« 80 Dl.- Rmtoa,!0. grbrnar, SO Uhr. Abt. Sharlo'trnbnrg: Sorerstr. 80: Unter. l>altnnasabent>.— Iuarndaruvpe Lumboldlhain: Dout- ade Wielen ltrah«:.Erb- aefchicktllch« Plailbtr.iien".— l?altbootabteil»nq: kiobanniostr. 1b: Satirisch« Bortriia«.— Abt. Südosten: Br.ttr Str. 21.— Abt. Srcp oin: Elsenftr..1; .SdtoEsntu»'.— Abt. Binetavlati: Üorhina- Eck« Sraunstraüe.— Montau, 23. jfehtuat, SO Uhr. Dbotoaemrinschalt: kiobanniostr. 1Z: Dortraa:»Nacht- auknahwr»".— Malze mriirsibakt: Branarlstr. 128.— Esperanto: Tilst'er Straft« 4.— gahrtl» SaRatag. 22. Uehrnar. Abt. Treptow: KLnigowufter- Hausen— Düfter See.— Abt. Weddinq�hesundbrunnen: Alt-Land-bera. Treff, ottnlt 7% Uhr Bhf. Weddinq.— Abt. Tirraarten: Erlner— Stdrips««. 8 Udr Elia lau- Runimelsbura.— Abt. Mitr«: Buch— Kaulodorf. 7JS Uhr S lettiner Borortbahnhof.— Isaltbootabt.: Strausberg— Erlner.— Abt. Friedriche Hain: Spandau— Niimerfchanoe. 8 Uhr Aler.— Abt. Eharlottendurg: Strausberg— Erlner. 8.20 Uhr Schle fescher Bahnhof. Wasserlpoes-parte 1. 5 reis, 1. Bejirl- Deerinn bei Lehrstund« hn Bollsoad Lichtenberg, Huhrrtiisstraft«, Sonntoa. 22. lsedriiar, 0 Uhr. Arbritor-Nad. und«rasifahrer.Bund.Solidarität". Am 10. fhebruar. 19 Uhr. findet bei Märker, Mariendorf, Kurfürsten. Ecke Seftllftenstrafte, eine Eründunsspersammluna statt. Bildung einer bundestrruen Motorfohrcr- abteiluna in Martendorf. Freie Kanu-llai«» Sroft-Berlin, r.«. Abt. Vberspe«: Freitag. 20. Februar, 20 Uhr, Titeung. Sonnabend, 21. Februar. 10 Uhr. Uebungsftund« iot Restaurant»Sur Eiche", Neukölln, IIa f-r-Fri«drlch- Ecke Saaleftraft«. Sonntag, 22. Febniar, Arbeitsdienst im Bootshaus.— Abt. Kasel: Sonntag. 22. Februar, Wanderung durch den Falkenhagener Forst. Treffpunkt Uhr Endhaltestelle der Linie ist Spandau, Iohannissttft. 21. Februar: Beteiligung an der Uedungsstunde. Freie Ruderer und stonulohrer. 1. streis. Di« Mitalieder der eingelnen Bereine, die im Sportpalast in der Staffel mitlaufe», treffen ßch �mn Training Freitag, 20. Februar. 20 Uhr, Turnhalle Pankstr. 17—18. Drole«(Bfft.). Eefchäflsstelle: Karl»iendaum, SS. 80, Raunnnftr. 8. Alex 2S33. Aenderung der Uebungsstätten und Feiten beachten: Südost. aruvp«. Iungmädehenabteilung. Jeden Dienstag und Donnerstag um 20 Uhr Waldemarftr. 77.— Ostgrnppe. Jeden Dienstag und Freitag Enbener Str. 58. 171b Uhr die Linder fIungen und Mädel): 10H Uhr die Jugendlichen und Männer. Jeden Mittwoch um 20 Uhr Friedenftr. 81 die älteren weiblichen Mitglieder. Feden Freilag ebenda 20 Uhr die Altersriege» lMänner).— Nordgruppe: Jeden Dienstag und Freitag um 18 llhr in der unteren Salle. Lütticher Str.«, die Sinder. Für die Jugendlichen und Erwachsenen wird demnächst dl« Uebunasstätte bekannigemocht. Airfrage» an Rudolf Iulke, R. 6ö, Liebeirwalder Str. 12. 0 0 Dedding 8070. In der Segend der Schönhauser Allee, vorausstchtlich in der Gleimftrafte. wird demnächst edenfall» eine Siuder- abteiluna eröffnet. Anmeldungen daiu und auch von Erwachsene» und Jugend- lichen beiderlei Geschlechts für ihre Abteilungen, die folgen werden, nimmt die Geschäftsstelle entgegen. Spiel- und Sportoeoeinignng Vbrrspree 28. Leute aufterordenkliche Ber, etnsstftunq um 20 Uhr bei Sachs, Oberfchäneweide, Echillerpromenade 2. Gäste und neue Mitglieder willkommen. Flagge schwarzwciljrot gilt sagt der Reidisverkehrsminister Der Deutsche Rudeiverband. der Deutsche Sezlerverband und der Deutsche Motor-Jocht- verband wollten vom Reich ihr« Derbandsflaggen be- hördlich anerkannt haben, um nicht unter den Zwang der polizeilichen Numerierung ihrer Boot« auf dem Rhein zu fallen. Der Reichsverkchrsminister v. Guärard hat dies Ersuchen mit Schreiben vom 26. Januar 1931 abgelehnt. In der Begründung schreibt der Reichsverkehrsminister: „Die Flagge des Deutschen Segleroerbandes und di« Flagge des Deutschen Motor-Iachtverbandes haben beide die frühere Reichsflagge zur Grundlage. Die Flagge des Deutschen Ruderverdandes weist «inen in den Farben schwarzweißrot gehaltenen Adlerschild auf. Dafür, daß der schwarzweißrote Adlerschild nicht zufällig diese Farben hat, beziehe ich mich aus die Verhandlungen des Deutschen Rudertages in Dresden vom 21. Oktober 1928, auf welchem der von dem Vorstand beantragt« goldgelbe Grund des Adler- schildes ausdrücklich in einen weißen umgewandelt wurde, damit jeder Eindruck einer Anlehnung an die verfassungsmäßigen Reichssarben vermieden, und die Tradition der schwarzweiß- roleu Farben aufrech! erhallen blieb. Ich bedaure es lebhaft, daß es die großen Eportverbände nicht unterlassen haben, in der Be- flaggung ihrer Fahrzeug« eine Stellungnahme gegen den heutigen Staat und die von ihm geführten Farben zum Ausdruck zu bringen und in die Sportbewegung politische Momente hineingelrageu haben, welche dem Sport ferngehalten werden müßten. Wenn der Deutsche Seglerverband, der Deutsche Motcr�iachwerband und der Deutsche Ruderverband ihre Verbandsflaggen beibehalten wollen, und trotzdem auf eine Befreiung vom Nummernzwang Wert legen, so müssen sie neben der Flagg««in Erkennungszeichen führen, das be- hördlich als Ersatz der Nummer anerkannt werden kann. Die Wahl der Kennzeichen und ihrer Farben überlasse ich der Arbeitszemein- schast und ihren Verbänden. Ich mache aber darauf aufmerksam, daß ich kein Kennzeichen als Ersatz der durch die Rheinschisfahrts- polizeiverordnung vorgeschriebenen Nummern zulassen kann, das nicht den polizeilichen Bedürfnissen nach sichtbarer Kenntlichmachung entspricht oder als Stellungnahme gegen den heutigen Staat oder sein Symbol gedeutet werden könnte.' Diese Absuhr durch den Reichsverkehrsminister haben sich die reaktionären Verbände durch ihr Verhalten der republikanischen Staoksform gegenüber redlich verdient. Diese Gesellschaft, die dem Arbeitersport stets politische Motive für sein handeln unterschiebt, ist jetzt einmal in der unzweideutigsten Form mit der eigenen Waffe geschlagen worden.