Morgenausgabe Nr. 87 A 44 4S.I, der militärische Führer der NSDAP, für Schlesien, Kremser. Heinz. genannt Hauen st ein, und der Berliner Vertreter des Hauen- stein. Zweck der Besprechung sollte die von Heinz-Hmienstein schon mehrfach propagierte Gründung eines schlesischen tselbst- s ch u tz e s sein. Heinz-Hauenstein erinnerte an die bekannte Kontra- verse zwischen der„Kr euz-Ze itu ng" und der„Germania" wegen des angeblichen Planes einer Errichtung eines von Deutsch-' land losgelösten oberschlesischen Puffer st aatess Heinz- Hauenstein behauptete, gegen diesen Plan mobilmachen zu wollen und mobilmachen zu müssen. Wir erfahren, daß die ersten Vorbesprechungen in dieser Sache bereits im Dezember vorigen Jahres in Breslau geführt worden sind; in erster Linie ist Houeisstein die treibende Kraft. - Der Wiener Presserichlcr verurteilte am Freitag den vergntwort- lichen Redakteur des Heimwchrblatles„Die Freiheit" wegen Ver» l e u m du n g des sozialdemokratischen Nationolrats Wal- lisch zu 1000 Schilling Geldstrafe. Das Heimwehrblatt halt« behauptet. Wallisch habe während der Rätediktotur in Ungarn Unschuldige hinrichten lassen und Diebstähle begangen. Die Be- hauptungen erwiesen sich als erlogen. Was dem Kläger als Dieb- stabl und Erpressung vargewarseii werde, seien Rcqnlrierungcn im Austrag der ungarischen Regierung gewesen. tz Ein frisch-fröhlicher Admiral. In Andalusien muß es regnen- und dann wird alles gut. London, 20. Februar.(Eigenbericht.) Der Madrider Korrespondent des.Daily Gerald* halte cm Freitag mit den, Ministerpräsidenten Aznar eine Unterredung. Ms ihre erste Ausgab« betrachtete die Regierung, so erklärte Aznar, die Stabilisierung der spanischen Währung. Die(Beineindewahlen sollen sofort ausgeschrieben worden, und das kommende Parlament müsse die Verfassung reformiere». Diese Reform solle sich auch auf das Gebiet der Sozialpolitik erstrecken. Die Universitäten würden wieder geöffnet. Di« Arbeitslosigkeit und vor allein die Hungersnot Andalusiens sei nur eine Folge der Dürre. Wenn in Andalusien der Regen komme, gebe es dort wieder Arbeit und alles werd« in Ordnung sein. Auch den Eisenbahnern, die sich ebenfalls in einer besonders ichweren Lage befinden, werde ge* halfen werden. Die Eisenbahngessllschaften müßten die versprochenen Lohnerhöhungen zahlen, und wenn es eines Tages der Etat der Gesellschaft«» nicht mehr vertrage, werde die Regierung sür die Eisenbahnen einspringen. Vor dem Wahlboykott der Republikaner sei es der Regierung nicht bange. Sie seien nur em kl» nee Häuslein, hätten nichts hinter sich, und alle anderen Rähler würden zur Urne kommen. Diese frisch-fröhlichen Erklärungen des Admirals Aznar werden am besten illustriert durch eine am Freitag im„Daily Expreß" er- schienene Unterredung des Madrider Vertreters dieses konservativen Blattes mit dem spanischen Ministerpräsidenten. Ihm gegenüber betonte der Ministerprästdent mit Stolz, er sei ein halbes Jahrhundert und sein ganzes Leben lang nichts anderes gewesen als e i n S e e m a n n. Er habe sich nie mit Politik beschästizt. ZUichsgenchis-Lmperialismus. Ein unmöglicher Beschluß. Der Vorstand des deutschen Anwaltvereins hat einen Beschluß gesaßt, der fordert, daß die sämtlichen obersten Gerichtshöfe des Reichs dem Reichsgericht in Leipzig angegliedert werden. Ge- dacht ist hier wohl hauptsächlich an das kommende R e i ch s v e r- waltungsgericht, aber auch an schon bestehende Gerichte, wie den Reichsfinanzhof, das Reichsversorgungs- gericht, das Reichswirtschaftsgericht usw. Gegen diesen Beschluß muß der schärfste Widerspruch erhoben werden. Cr ist einmal technisch undurchführbar, da er einen Gerichtshof von vielen Dutzend Senaten ersordern würde. Zudem scheint er von dem Bestreben diktiert worden zu sein, den Geist der Leipziger Rechtsprechung auf alle Gebiete unseres Rechts einwirken zu lassen. Wer sich die vielen Urteile des Reichsgerichts und des von ihm maßgebend besetzten Staaisgerichtshoss der letzten Zeit, nicht nur aus dem Gebiete des Strafrechts. vergegenwärtigt, die zu scharfer Kritik her- ausgefordert haben, wird leicht die Gründe erkennen, die zu diesem Beschluß geführt haben, und die zwingen, diesen Plan von vorn- herein abzulehnen. personalpolitik in Hinierpommern. Ein reaktionärer Büraermeister. An der Volksschule der Stadt R« u st e t t i n und an der städtischen Mittelschule sind zusammen etwa 60 Lehrpersonen tätig, darunter 2 in Worten zwei— Sozialdemokraten. Einer von diesen Heiden, derJ�hw e r.k r i eg s b es ch ä d ig t e Konrektor M e ri Z�e, bewarb sich um eine von der Stadt zu bsseßende Rektor- stelle an der Aolksschule. Der Bürgermeister L i s k«, Vor- fitzender der Schuldeputation, den Menz« persönlich aufsucht«, er- klärt« ihm mit dürren Worten, daß, obwohl alle Voraussetzungen für die Bekleidung des Amtes durch Menz» gegeben sind, er trotz- dem nicht in Frag« käme, weil die Stell« nur mit einem den Rechtsparteien Angehörenden besetzt würde. Unge- fähr wörtlich sagte der Ortsgewoltige:„Die Regierung schickt uns einen Sozialdemokraten nach dem andern hierher(die Wahrheit siehe oben); da müssen sie sich nicht wundern, wenn der Magistrat, in dem von den 9 Stimmen 7 den Rechtsparteien gehören, ihre Wahl ablehnt." Der Bürgermeister will also einen Parteibuch- b e a m t e n. Die gewerbsmäßige Giellenvermiiilung Das Neuregelungsgefeß im Ausschuß verabschiedet. Der soziale Ausschuß des Rci6)stags hat am Freitag, dem 20. Februar, das Gesetz über die Neuregelung der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung verabschiedet. Der sozialdemokratische Antrag, nach dem die gesamte gewerbliche Stellenvermittlung mit dem 51- März 1931 unter angemessener Entschädigung der Stellenoermitt- lcr ausgehoben werden soll, wurde wiederum gegen die Sozialdeino- traten und Kommunisten abgelehnt, die bürgerlichen Parteien be- schlössen, daß die Stellenvermittler wahlweise entweder Entschädi- gung erhalten oder den Betrieb bis zum Tod« des Inhabers weiter- führen dürfen. Für diejenigen Stellenvermittler, die ihren Betrieb erst nach dem Juni 1910 aufgemacht haben und nach der beschlossenen Aar- läge nicht weiterbestehen dürfen, wurde ein besonderer Härte- Paragraph angenommen, wonach sie in einzelnen Fällen Entschädi- gung bekommen können.___ 3- d 3 �öpelmann. Der schimpfende Studienrat soll vorgeführt werden. Der Studienrat Dr. Löpelmann, der den Innenminister Grzesinski einen„Judenbastard" und einen„lächerlichen Bonzen" genannt hatte, dafür vom Schöffengericht Schöneberg zu 300 Mark verurteilt und von der Strafkammer freigesprochen worden war, hat es auch gestern vorgezogen, der Großen Strafkammer des Land- gerichts II, die nach Aufhebung des freisprechenden Urteils durch das Reichsgericht die Sache noch einmal verhandeln sollte, fern- zubleiben. Schon am 6. Februar stand ein Termin an: schan damals war Herr Dr. Löpelmann nicht erschienen, das Gericht glaubte, eine Rechtfertigung für das Nichterscheinen des national- sozialistischen Studienrats in seiner Unabkömmlichkeit als Reichstags- abgeordneter erblicken zu können. Nun hat aber Herr Löpelmann den Reichstag verlasien. hat also Zeit genug, um den Termin wahr- zunehmen. Da er aber trotzdem nicht erschienen war. beantragte der Staatsanwalt, den Angeklagten zwangsweise vorführen zu lassen. Das Gericht erteilte diesem Antrage gc- mäh der Staatsanwaltschast den Auftrog, beim Reichstag die ent- sprechende Genehmigung zu dieser Zwangsmaßnahme einzuholen. viklalur über Krakau. Der Stadtrat von Krakau wurde auf- gelöst und an seiner Stelle ein Regierungskommisiar mit zwei Stell- Vertretern und einem Beirat, bestehend au« 60 Personen, ernannt. In dem neuen Stadtrat haben die Sozialisten keinen einzigen Vertreter. Hitlers Kalsiaffgarde Hitler:„Moralische Vorwürfe gegen Euer Privatleben weise ich mit aller Schärfe zurück Wir sind keine moralische Anstalt, sondern ein Bund rauher Kämpfer!"(Vgl. Erlaß Hitlers vom 3. Zebruar ckSM) Hitler spielt Bayernkönig. Größenwahn hinreichend vorhanden. München, 20. Februar.(Eigenbericht.) Hitler ist zur Zeit ausschließlich mit der Ziusfchmückung des Münchener Parteipalastes beschäftigt. Das beweist er durch die Aerösfentlichung eines Bandwurniartikels, der mit rund 900 Zeilen V/j Seiten seiner Zeikungsplantage füllt. Unter Beweih- räucherung seiner eigenen Person erzählt er dort zunächst zum soundsovielten Male die Ansänge der Münchener Hakenkreuzbewe- gung. Dann begründet er den Erwerb des Luxusbaues im Sinne des größenwahnsinnigen Bayernkönigs, der sich von Bismarck mit Millionen aus dem Rcptilienfonds subventionieren lieh, mit folgen- den Sätzen: „Die nationalsozialistische Bewegung ist«ine machtpolitische Er- scheinung und kann nicht verglichen werden mit den Wirtschafts- und Parlamentsparteicn unserer Mitte. Das Ziel ihres Kampfes und Ringens ist das unermeßlich Große, das sich auch rein äußerlich in einer überragenden Bedeutung jedermann klar zeigen muß." Die Notwendigkeit großer Räume begründet der Nazipapst niit der Einrichtung vieler WieMngen der Parte! für Organisation und Propaganda, komntt„dazu der mächtige Ausbau dar SA.- und SS.-Leitung". Ein anderer Teil der Partsigeschäfte soll künftighin noch in der bisherige,- Geschäftsstelle eines dreistöckigen Miethauses im nördlichen Stadtteil abgewickelt werden. Selbstverständlich be- findet sich„das Büro des Führers" Im neuen Staarspalast, der«ine Fahnenhallc, eine Standartcnhalle und einen Senatvrensaa! enthält. Dies werden angeblich die schönsten Räume sein,„künstlerisch glänzend ausgestattet" wobei„zum ersten Male seit dem griechischen Meander das Hakenkreuz als neues Ornament in verschiedenen Formen oerwendet worden tst. Auch große Marmortaseln mit große» Buchstaben tragen die Namen der vom Reichsbanner und Rot Front ermordeten SA.- und SS.-Kameradcn... Ucberhaupt wird der Bau ein Museum von Erinnerungen an die Kämpfe unserer Bewegung sein." Ueber den Kostenaufwand dieses Palastes, den der Nazipapst „Braunes Haus" getaust hat, macht er keine Angaben. Er spricht lediglich davon, daß er schon vor sechs Monaten angeordnet habe, „daß von allen seinen eigenen Versammlungen ein Mindestbetrag von 3000 bis 3000 Mark zur Ausschmückung des Parteihauses abgeliefert wird, die dadurch hereinzubringen sind, daß jeder Besucher, der nicht Parteimitglied ist, einen Eintrittspreis von 5 Mark zu be- zahlen hat". Hitler schließt seine Angaben mit dem Satz:„Wenn ich persönlich das Opfer bringen kann, in jeder solchen Versammlung bis zur eigenen Erschöpfung zu sprechen, dann müssen diejenigen, die bisher überhaupt noch kein Opfer für die Bewegung gebracht haben, jedesmal wenigstens 5 Mark zahlen. Wer das nicht will, braucht nicht zu kommen." Größenwahn in höchster Potenz... Wirklich keine moralische Anstalt! Sine Zierde der SA— immun gegen Bausschmiß. Wir veröffentlichten gestern einen geheimen Erlaß Hit- l e r s, in dem«s heißt, daß die SA. kein«„moralische Anstalt zur Erziehung von höheren Töchtern, sondern ein Verband rauher Kämpfe r" sei. Das Pnootleben der Nazis darf nach diesem Erlaß kein Gegenstand der Betrachtung sein. Was angesichts diese» Umstandes für Typen in führende Stellungen der Na» zis gelangen, geht aus der Beschwerde eines Nationalsozialisten an dos Gaubüro der NSDAP, für Berlin-Brandenburg über einen führenden SA.- Mann hervor. Darin heißt es: „Ms ich vor einiger Zeit beim Amtsgericht war, machte ich gelegentlich eines Besuches einer Verhandlung folgende Wahr- nehmung: Aus der Untersuchungshaft wurden der Parteigenosse£., seine E h e fr a u und die Wirts- trau vorgeführt. Die Anklage gegen diesen war wegen Zuhälterei, gegen seine Frau wegen gewerbsinäßiger Unzucht, gegen die Wirtsfrau wegen Kuppelei erhoben. Dos Urteil erging und sie wurden alle zu Gesängnisstrafen verurteilt. Es wurde in der Urteilsbegründung sestgeslellt, daß der Parteigenosse einer Einbrecher band« angehört und schon des öfteren wegen Diebstahls und Einbruchs verurteilt war. Deshalb mache ich die Parteileitung auf den Parteigenossen T. ousmcrtsam." Entsprechend dem'Hitler-Erlah ist der Zuhälter und Ein- b r e ch e r bis heute noch nicht aus der Nazi-Partei hinausgeworfen worden. Statt dessen aber dürfte der Anzeiger daran glauben müssen. Und so etwas soll Deutschland„erneuern"? Der Sieg von Zslington. GeschlagenerGegenkandiöatgratulieriArbeitergbgeordneten London, 20. Februar.(Eigenbericht.) Der Wahlsieg der Labour Party im Londoner Wahl- treis Islington ist groß und beachtenswert. Zwar zeigt die Er- sotzwahl wie alle vorhergehenden, daß der Stimmenrückgang der Arbeiterpartei größer ist als der Prozentsatz der bei den Nachwahlen stark oerminderten Wahlbeteiligung, dennoch darf die Labour Party mit ihrem Sieg sehr zufrieden sein. Der Erfolg wurde in einem Wahlkampf errungen, bei dem den Konservativen nickst nur der übliche Riessnpropagandaapparat zur Verfügung stand, sorcden diesmal auch die gesamte Londoner konservative Presse. Die Partei Baldwins war allerdings in zwei Lager gespalten: zwei konservative Kandidaten bekämpften sich. Dabei wurde der ossizielle konservative Kandidat von der Reichszollpartci durch den Kandidaten der Zeitungskönige überholt und geschlagen. Wenn die Arbeiterpartei in dieser sür sie ganz be- sonders ungünstigen Zeit das Mandat mit erhöhter Mehrheit be- haupten konnte, so ist ein solcher Erfolg beachtenswert und gibt der Labour Party neuen Auftrieb. Bei der Verkündigung des Wahlergebnisses kam es zu einer für die politische Kampfesart Englands charakteristischen Szene. Als der Wahlvorsteher den Sieg vo» Frau M annin g verkündete, kam der an zweiter Stelle stehend« Kandidat der Zcitungskönige, ein früherer Brigadegencral. auf die Arbeiterkandidatin zu, küßte s i e und beglückwünschte sie zu ihrem großen Erfolg. Neusüdwales stellt Zahlungen ein. Sydney, M.Februar(Eigenbericht.) Der auf dem revolutionären Flügel der Arbeiterpartei stehende Ministerpräsident Lang des Einzel st aates Neu- S ü d w a l e s hat cnischiedcn, daß die Rückzahlung der Staats- und Kominunalanleili«» einstweilen e i u z u st« l l e n sind. Es handelt sich vor allem um am 1. März von Neu-Süd wales fällige Zahlungen an London in Höhe von 100 000 Pfund. Allerdings ist die australische Zentralregierung staatsrechtlich für die Schulden der Einzelstaaten haftbar. Lang lehnt sich durch seinen Schritt gegen den Beschluß der Zcntralregierung sowie des australischen Bundesrates auf, die beide vor einigen Tagen die Zahlungseinstellung einmütig zurückwiesen. Der Beschluß ist zugleich eine Revolte gegen die große Mehrheit der australischen Arbeiterpartei, die ebenfalls eine von Lang beantragt« Inflation und Zahlungseinstcl- lung verworfen hat. Durch das eigenmächtige Vorgehen Lang« ist ein staatsrechtliches Problem ausgeworfen, das die Krise Australiens ebenso vftschärfen muß wie den Konflikt Innerhalb der Arbeiter- parte!. Aniifafchisiencoup in Genua. Flugblätter vom Auto auf die Straßen geworfen. Gens, 20. Februar(Eigenbericht). Ein mutiger V o r st o ß d e r Antifaschisten ist In Genua gelungen. Am Freitag tauchte dort ein Auto auf. das in rascher Fahrt durch die Straßen fuhr und dessen Insassen überall große Mengen antifaschistischer Flugblätter herauswarfen. Es waren dieselben Flugblätter, wie sie vor Monaten von dem Flieger Bassanesi über Mailand abgeworfen worden waren und in denen die Bevölkerimg über die wahre Lage Italiens aufgeklärt und aufgerufen wurde, sich gegen die faschistische Diktatur zu erheben. Milizsoldaten und Gendarmen feuerten wiederholt auf den Wagen, ohne ihn zu treffen. Er verschwand und blieb unaussiadbar. verweis sür Vucharin und Rykow. Das Politbüro der Partei sprach gegen Bucharin und Rykow«inen strengen Verweis dafür aus, daß sie trotz der Beschlüsse des Parteikongresses Propaganda gegen die Politik der Parteiz�ntrale führten und dadurch die Ein- l)«it der Partei gefährdeten. Das Politbüro erinnert sie daran, daß die Partei zu Repressalien greifen werde, wenn sie ihre Propa- ganda nicht einstellen sollten. putsch in Peru. Nach einem Putsch in der Hafenstadt Bellao flüchteten die„Verschwörer" in ein altes Fort und wurden fest- genommen. Wirtschasiliche Hitler«. Die Llniernehmer spielen verrückt. Auch die Zigarren- und die Ziegelfabrikanten •mbcn sich di« Zwanzig-Prozent-Parolc der Schwerindustriellen zu eigen gemacht. Die Narrheit und chewmungslosig- keit, die sich bisher unter der Fuhrung der chitlerbewegung in Deutschland aus politischem Gebiet ausgetobt haben, greifen also auch auf die Wirtschast über. Die Zigarrensabrikanten haben jahrzehntelang den zweifelhaften Ruf genossen, die j ch l e ch t c st e n Löhn« zu zahlen. Diesen Ruhin mächlcn sie nicht verlieren. Der Reichsvcrband deutscher Zigarrenherstellcr will zwar seine Lohnabbauanträge dem Tabak- arbeitervcrband erst bei den Verhandlungen, die am 3. März in Hainburg beginnen sollen, mitteilen, weil es ihm angeblich bis jetzt noch nicht möglich war, seine Tarifkoinmissionsmitglieder zusammen zu bekommen. Einige seiner Mitglieder haben jedoch bereits aus der Schule geplaudert und angedeutet, daß die Löhne in der Zigarreicherstellung um 20 Proz. gekürzt werden sollen. 2l) Proz. Lohnsenkung für den Zigarrenarbeiter! Dabei beträgt der Durchschnittsverdienst eines V o l l c r b e i t e r s in der Zigarrenindustrie noch nicht einmal 1200 M. im Jahr. Werden davon noch die 20 Proz. in Abzug gebracht, dann verbliebe ein Iahresdurchjchnittsverdienst von weniger als 960 M. Damit sollen die Zigarrenarbeiter und ihre Familien auskommen! Man möchte das Ganze für die Ausgeburt einer überhitzten Phantasie halten. Allein wer die Zigarrensabrikanten kennt, weiß, daß sie bei Lohndruck zu allem sähig sind. Sie wollen die durch das Tabaksteuergesetz geschaffenen Verhältnisse ausnutzen. Sie wollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: auf der einen Seite Gewicht und Fasion der Zigarre zu ihrem Vorteil ändern, bzw erhöhte Preise nehmen und auf der andern Seite die Löhne um 20 Pro;. kürzen. Sie glauben, ihren Anschlag leicht durchführen zu können, weil die A r b e i t s l o s i g k e i t die Zigarreirarbeiterschast b e s o n- ders schwer heimgesucht hat. Sie wissen, daß Ende Januar von der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft r u n d 70 Proz. arbeitslos waren. Trotz der gewiß für die Tabakarbeiter schwierigen Simation wird jedoch der Deutsche Tabak- orbeiterverband alles daransetzen, um den geplanten Lohn- abbau zu verhindern, lind daneben haben schließlich auch die Zigarrenraucher noch ein Wörtlein mitzusprechen. In der Z i e g c l i n d u st r i e un d G r o b k e r a in i k wollen die Unternehmer ebenfalls aufs Ganze gehen. Was sie 1930 an Ver- schlcchterungen nicht durchsetzen konnten, wollen sie dieses Jahr er- zwingen. Eine Reihe von Tarifverträgen ist bereits gekündigt Für Schlesien sind bereits Entscheidungen getroffen, die aber vom Reichsarbeitsminister noch nichr für verbindlich erklärt wurden, so daß dort in der Ziegelindustrie ein tarifloser Zustand herrscht. Die in den übrigen Bezirken bereits gepflogenen sreicn Verhandlungen sind fast alle infolge der maßlosen Forderungen der Unternehmer gescheitert. In S ch l e s w i g- H o l st e i n verlangen sie z. B. einen Abbau der Stunden- und Akkordlöhne u m 20 P r o z., ferner restlosen Abbau der Zuschläge für Ueberstunden und Sonntags- arbeit, Kürzung des U r l a u b s für Iahresarbeiter und völlige Beseitigung des Urlaubs für Saisonarbeiter. Im Erfurter Bezirk haben die Ziegcleibesitzer die gleichen Forderungen gestellt. Im Bezirk Gera haben die Unternehmer eine Kürzung des Spitzenstundenlohns von 80 auf 68 Pf. gefordert und im E i s e n a ch e r Bezirk eine solche von 7ä aus S5 Pf., also f a st 27 Proz.! Die Unternehmer glauben sich wohl schon im„Drillen Reich". Auch vom Standpunkt der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschast sind thre Absichten kmnplell verrückt. Aber man darf nick/t annehmen, daß ihnen die Vernunft sozusagen von selber kommen wird. Hier gill es für die Arbeiterschaft, sich r ü ck s i ch t s- loszurWehrzu setzen. Stärkung der Gewerkschaften und der Partei, geschlossene Front aus allen Gebieten, Disziplin und Eni- schlossenheit, anders sind die Unternehmer nicht zur Vernunft zu bringen. Lohnkürzung um 23 proz. gefordert. Breslau, 20. Februar. Der Verband Schlesischer Textilindustneller hat alle lohntarif- lichen Vereinbarungen zum 31. März 1931 gekündigt. Die Herren fordern für den Rcuabschluß der Lohntarife im wesentlichen: Senkung der Löhne auf den Stand vor dem Schiedsspruch von, 2. Mai 1928 also rund 2 3 Prozent Lohnabbau, ferner Beseitigung der Bestimmung, daß„bereits bestehende höhere Löhne nicht gekürzt werden", und schließlich Beseitigung der Bestimniung über Zahlung von Leistungszulagen an Handwerker. Die Verhandlungen hierüber sind für Ende Februar vorgesehen. Gescheiterte Aussperrung. Vereinbarungen im Holzgewerbe. Im deutschen Holzgcwcrbc sind sofort nach dem Scheitern der zentralem Verhandlungen in den einzelnen Bezirken von den Parteien Schritte zum Abschluß des schwebenden Tarifkonflikts unternommen worden. Diese beztrklichen Verhandlungen haben an uianchen Stellen überraschend schnell zu einer Ver- ständigung geführt, wobei die Arbeiter ein besseres Ergebnis herausgeholt haben, als sie wahrscheinlich bei den zentralen Verhandlungen erzielt hätten. So kam es in Bayern zu einer Vereinbarung, wodurch der Mantcllarif mit einigen unwesentlichen Veränderungen wieder in Kraft gesetzt und ein Lohnabbau von 6 Pf. sestgelezt wurde. Im Kölner Bezirk wurde die Geltung des bisherigen Manteloerlrages ohne jede Aenderung verlängert iznd ein Lohnabbau von S tb Proz. sestgelegt. In den beiden Fällen ist der Lohnabbau geringer als der, den man im Arbcitsministerium den Unter- nehmern angeboten halle! Für das Hani burger Gebiet beginnen rnn Sonnabend in Hamburg die Verhandlungen der Parteien, und für Bremen haben die Unternehmer die Gewerkschaften zu Montag geladen. Die Aussperrung ist überall im Abklingm. Die Zahl der Ausgesperrten fällt— alles in allem vielleicht noch rund 3000— nicht mehr ins Gewicht. An vielen Stellen haben die Unternehmer die Ausgesperrten wieder zu den alten Bedingungen in die Betriebe zurückgeholt oder nur einen verhältnismäßig geringen Lohnabbau vorgenommen. Dem Deutschen Holzarbeiter-Verband ist es im allgemeinen in den bezirklichen Verhandlungen gelungen, die von ihm eingeschlagene Linie zu halten. Jedenfalls hat sich gezeigt, daß auch im Holzgewerbe eine Verständigung möglich ist. Sie wird an noch mehr Stellen möglich werden» wenn sich auf Unter- nehmerseite einige Leute die Hörner etwas abgestoßen haben. Es muß gespalten werden! Selbstenttarvung ver RGO bei den Lithographen. Auch die Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe leiden unter einer nie gekannten Arbeitslosigkeit. Wie der Bor- sitzende der Mitgliedschaft Berlin des Verbandes der Lithographen und Steindrucker, Genosse H o f f m a n n, in der Generalversamm- lung am Donnerstag berichtete, ist diese Organisation im vorigen Jahr durch die ungeheure Arbeitslosigkeit ihrer Mitglieder vor kaum erfüllbare Aufgaben gestellt worden. Ende 1929 waren im Reichs- gebiet bei einer Mitgliedschaft von rund 21 000 fast 2700 Mitglieder arbeitslos, Ende 1930 dagegen bei etwa der gleichen Mitgliedschaft fast 6500, davon allein in Berlin über 1000. Die Organisation setzte alles daran, um die Arbeitslosen derart zu unterstützen, daß sie durch die Not nicht gezwungen werden, sich zu geringeren als den im Gewerbe üblichen Leistungslöhnen anzu- bieten. Durch die vorbildliche Opferwilligkeit der in Arbeit stehenden Verbandsmitgliedcr war es möglich, die Not der erwerbslosen Bc- rufsangehörigen erheblich zu mindern. Die praktische Soli- darität zwischen den Arbeitenden und Arbeitslosen hat sich wieder einmal als ein Kampfmittel bewährt, von dem sowohl die Gebenden als die Nehmenden Nutzen hatten. Diese« Solidarität ist es zu danken, daß es den Unternehmern im Steindruck- und Lithographie- gewerbe nicht gelungen ist, die Leistungslöhne abzubauen. Nach dem Lohnabbauschiedsspruch im Buchdruckgewerbe sind imnmehr aber auch die Unternehmer des Lithographie- und Chemiegraphiegewerbes an den Berbandsvorftand herangetreten, um über einen ähnlichen Lohnabbau auch in diesem Gewerbe zu verhandeln Der Verbandsvorstand hat jedoch darauf hingewiesen, daß er von seinen Mitgliedern keine Vollmacht habe, über den Ab- bau der Leistungs'öhne zu verhandeln, die der freien Vereinbarung in den einzelnen Betrieben unterliegen. Die Unternehmer haben sich mit diesem Bescheid, wenn auch mit oerhallener Wut, abfinden müssen Der M i t g l i e d e r b e st a n d hat sich in Berlin nicht ver- ändert; zu Ende des Berichtsjahres waren 5 065 Berufsangehörige organisiert. Der Lokalkassenbestand ist, wie der Kassierer Genosie G ragen mitteilte, gleichfalls stabil geblieben; er be- trug Ende 1930 rund 25 000 M. Die Diskussion war insofern recht interessant, als die„Oppo- sition", die auch in dieser Organisation schon seit einiger Zeit spukt, endlich einmal das Visier lüftete. Ihr Worfführcr erklärte frank und frei, daß die BGO. auch zur Spaltung dieser Organisation übergehen müsse, da es ihr nicht gelungen sei, sie von innen heraus in ihrem Sinne umzuformen. 2luf diese Erklärung festgenagelt, versuchte sie der Worfführcr der„Opposition" wieder abzuschwächen, doch gelang ihm dieser tat- tische Rückzug nur schlecht. Eine ellenlange Entschließung der„Oppo- sition" mit dem üblichen phrasenhaften Inhalt verfiel der Lächer- lichkeit und wurde mit erdrückender Mehrheit obge- lehnt. Helle Entrüstung rief das Spaltungsbekcnntnis des Oppositions- führers hervor. Fast einmütig stellte sich die Gencralocrsammlu.rg diesen Spaltungsaposteln entgegen und bekannte sich zur Amster- damer Gewcrkschaftsrichtung. Es war gut so, daß die„Opposition" i auch im Verband der Lithograpen und Steindrucker einmal Farbe bekannt hat, denn damit hat sie zugleich auch ihre bisher nur dunkle Rolle endgültig ausgespielt.> Oer Skandal des Arbeitsamts Südost. Kommt endlich Abhilf«? Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt auf eine Kleine Anfrage eines Ländtagsabgeordnetcn entnimmt, ist die gegenwärtige Unter- bringung des Arbeitsamtes Südost nach Mitteilungen des Rcichsarbeitsminifters vollkommen unzulänglich. Die Berliner städtische Baupolizei hat wiederholt sestgesiellt, daß die Räume feuergefährlich, für groß« Menschenansammlungen und zum dauernden Aufenthalt von Menschen ungeeignet sind. Seitens der Baupolizei wurde die Weiterbcnutzung der Räume nur noch für kurze Zeit zugestanden. Die Bemühungen der Reichs- anstatt, andere geeignete Räumlichkeiten durch Anmietung zu be- schaffen, sind fehlgeschlagen. Die Errichtung eines zweckenffprechen- den, anspruchslosen Neubaus ist daher nach Meinung des Reichs- arbcitsministers u n u ni g ä n g l i ch. Der preußischen Staatsregic- rung ist ein Eingreifen nicht möglich. ->- Aus dieser Antwort ergibt sich wohl die Bestätigung, daß das Arbeitsamt Südost eine öffentliche Gefahr bildet. Nicht aber, daß dies« Gefahr endlich und schnellstens beseitigt wird. Wartet man darauf, diß die Baupolizei einfach das 2lrbeitsamt Südost schließt? Oie Krise in der Maßschneiderei. Die!lnternehm«r im Angriff. In der Jahresbranchenversammlung der Herrenmaßschneider am Donnerstag gab der Branchcnleiter Genosse F au st- mann zunächst einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Branche im vorigen Jahr. Verheerend hat sich die allgemeine Wirt- schaftskrise auch für das Maßschneidergewerbe ausgewirkt. Für den Umfang der Krise im Maßschneidergewerbe sind folgende Vergleichs- zahlen aufschlußreich, die Genosse Faustmann gab: Mitte Februar vorigen Jahres waren in Berlin 3885 Maßschneider arbeitslos, zur gleichen Zeit des Jahres 1929 dagegen 2896. In der Pfingstwochs 1930 waren es 1991(1929— 939), in der letzten Slugustwoche des Vorjahres 4 441(3218), in der ersten Nooemberwoche des Berichts- jahres 3 257(1 673) und am Schluß des Berichtsjahres 4 750(2 819). Wenn es trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse durch den Streit vom 31. März bis 12. April gelang, alle Verschlcchterungs- anträge der Unternehmer zum Tarifvertrag abzuwehren und darüber hinaus noch eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde durchzusetzen, so ist das ein Beweis für die Stärke der Organisation, die auch in Krisenzeiten nicht versiegt. Erfreulich ist es gleichfalls, daß der Mitgliederbestand der Branchen trotz der ungeheuren Arbeitslosigkeit im Laufe des Berichtsjahres nur um 117 zurückgegangen ist. Die Versammlung brachte ihr Einverständnis mit der Tätigkeit der Branchenlcitung dadurch zum Ausdruck, daß sie nach kurzer Drskusiion den Genossen Faustmann gegen fünf Stimmen zum Branchenlefter wiederwählte, sowie die übrigen Mit- l glleder der Branchenleitung enffprechend den Vorschlägen de* I Funktionäre. Zum Schluß gab der Bevollmächtigte Lehmann noch einen eingehenden Bericht über die Verhandlungen mit den Unter- nehmern, die, im„Vorwärts" bereits ausführlich mitgeteilt, den Reichstarifvertrag für das Maßschneidergewerbe ge- kündigt und ganz ungeheuerliche Lohn abbau sorderun- gen gestellt haben. Mit Entrüstung nahm die Versammlung von den überspannten Forderungen der Unternehmer Kenntnis, über die nach dem Scheitern der direkten Verhandlungen am 21. Februar in Weimar unter Vorsitz eines vom Reichsarbeitsminister bestellten Schlichters wieder verhandelt wird. Auftakt zur Betriebsratswahl bei Borsig Die unsichtbare„Opposition". In gutbesuchter Betriebsversammlung sprach Genosse U r i ch am Mittwoch im Borsig-Kasino vor der Belegschaft der A. Borsig G.m.b.H., Tegel, über das Thema„Die Wirtschaftskrise und ihr« Auswirkung auf die Berliner Metallarbeiter". Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise, der unheilvolle Einfluß der Syndikate und Kartelle auf die Preisbildung, die billigen Exportpreise auf Kosten des Inlandsmarktes, die seit Jahren von den Unternehmern bc- tricbene Senkung der Löhne und Gehälter der Arbeiter und An- gestellten wurden an Hand packender Beispiele beleuchtet. An Hand des Berichtes von der letzten Generalversammlung des sich„Einheitsvcrband" nennenden kommunistischen Spaltpllze wurde nachgewiesen, daß dieses Vereinchen alles andere, nur kein« leistungs- sähige Kampsorganisation ist. Die Vcrwaltungskosten in dieser kom- munistischen Organisation betragen nach dem eigenen Bericht 35 Prozent; der Deutsche Mctallarbeiter-Verband kommt mit 12 Proz. aus. Ein Appell an alle, die den Gewerkschaften noch fernstehen, alles für den Ausbau der freien Gewerkschaften dranzusetzen, schloß den mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrag. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. In gedrängter Kürze gab G o e r tz, der Vorsitzende des Arbeiterrats, den Jahresbericht. Der große Arbeitsmangel, der zum Abbau von rund 2000 Kol- legen geführt habe, die Kurzarbeit bis herunter zu einem Tag(!) lasten schwer auf der Belegschaft. Die Reorganisation des Werkes hat die verheißenen Besierungcn für die Arbeiterschaft noch nicht gebracht. Mit dem Hinweis auf die kommende Betriebs- ratswahl wurde die ausgezeichnete Versammlung geschlosien. Bon der RGO. war weit und breit nichts zu merken. Hungerkuren für Musiker. Die Väderverwallungen bereiten die Saison �931 vor. In früheren Iahren wurden die Lohn- und Zlrbeitsbedingungen der MusikerindenKurkapellen zwischen dem Allgemeinen Deutschen Bädcrverband, dem Verband Deutscher Osffeebäder, dem Verband Deutscher Nordseebäder und dem Deutschen Musikerverband tarifvertraglich geregelt. Im vergangenen Jahr jedoch kam der Reichsbädcrtarifvertrag nur noch durch Schiedsspruch zu- stände. Inzwischen ist die Arbeitslosigkeit unter den Berufsinusttern «norm gestiegen. Die Kurverwaltungen bzw. Böderverbünde wollen das Ueberangebot ausnutzen, uin die Musikerlöhne abzubauen. Des- halb lehnen sie den Abschluß eines neuen Bädertarifvertrags für 1931 ab. Aus Aeußermigen von Vertretern der Bäderverbänd« und An- geboten der Kurverwaltungen wird ersichtlich, daß die vorjährigen Lohnsätze der Musiker. in den Kurkapellen um 30 bis 33)6 Proz. abgebaut werden solle». Die Badervcrbände wollen also einen Lohnabbaurekord aufstellen. Neben den i» den letzten Iahren ein- gerichteten billigere» Pauschalkuren für Kranke, wollen sie an- scheinend Hungerkuren für Musiker einrichten. Das Väderpublikum> weiß, wie teuer die Lebensverhältnisse in den Kur- orten sind; es wird sich am besten ausrechnen können, ob mit einem monatlichen Einkommen von 200 b i s 300 M. ein doppelter Haushalt zu führen ist. Von den Musikern der Kurkapellen sind 65 bis 70 Pro;, verheiratet: sie müssen also doppelten Haushalt führen. Daß die Musiker und ihre Berufsorganisation, der Deutsche Musikeroerbond, den geplanten Lohnabbau nicht ohne Kampf zulassen werden, ist selbstverständlich. In diesem Kampfe rechnen die Musiker auf die Unterstützung aller, die noch Verständnis dafür haben, daß ein Hungerdasein in einem Kur- und Badeort noch tausendmal bitterer ist als in einem Elendsviertel der Großstadt. Mnfiage-Woche im„Haus Neuerburg". Bei der Zigarettenfabrik„haus Neuerburg" in Trier wird am 1. litär; die fünftägige Arbeits ivochc eingeführt. Der Betrieb bleibt am Sonnabend vollkommen arbeitsfrei. Liberia verspricht Besserung. Gens, 20. Februar.(Eigenbencht.) Liberia hat am Freitag dem Völkerbund die Ratifizierung der vom Internationalen Arbeitsamt im Vorjahre ausgcarbeileten Konvention über die Beseitigung der Zwangs- arbeit mitgelcilt. Damit dürfte der Liberia-Kommission ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit vorweggenommen sein. Es fragt sich allerdings, ob die Konvention auch e i n g e h a l- ten werden wird, oder ob die Ratifizierung nur ein Schachzug der Regierung von Liberia ist. Eine genau« Kontrolle über die Durch- sührung der Konvention wird daher notwendig sein. Zevtralverbood der Schuhmacher. Mitnlicberversammluna am Montaa, dnn 23. Februar, 18 Uhr, in den ResidenZfeftsälen, Landsbcrqcr Ctr. ZI. Taaes- ordnung: KündiKima des Neichstarifvertrages. Der Leiser-Otreik unb seine Lehren. Mitgliedsausweis legitimiert. fftme Gewerkschaits-Ittaend Berlin Morac»,(Honnlon, CS ftcbcuac, folgend B-ranNaltunaen: jtrei« vbei- wrce: 20 Ulir Iuacnddr.m AdlerÄiof. Bismarckftr. I..Bkrlin. wie cz wcurt und lacht."— Oftlrei«: Iugendbeim Dicstilmcncrgr. 3. Laus- bubenaefchichten u. a von üans Reiman».— Slordtrci«: ig Ubr ßuacnddeim ätkiRenite, Parkltr. 36. Buntes goschinaslreiben und dcilrrc Lieder nie Laute. — Rordw-Zttreis: 20 Uhr Iuaciidhcim Turiner eicke Lcritraftr. Lichtbilder»«. Iran:..Einc Zahrl ins Wcl'all".— Süd-i-a: guqendhcim Nrulölln. Brra- stranr 29. Nrcieabend:„Sinter den Kulissen des Varietes"- Südkrei«: l» Uhr Iuqcndheim«ewerkschaftshous. Enaclufer 24—23. Gruppe Ciidolt und Gewcrtschaftshous an'laite» den Abend aus.— Zugeudaruppe de« Deutschen Bekleidungsarbeiter. Berdande«: Belichtiguna des Ardeiterschud-Muleums. Treff» Punkt 9% Uhr U-Bahnhof Nnie. Verantwortlich Mr Bolilik: Dr. Kurt S-ycr: Wirtschast: S. t>li-e.»lhös-r: vewrrifchailsbcwraunii: Z. Ttciner! geuillelon:«. S. Döichrr: Lokales und Sonstiges' Kr h»arftodt; Aiiiteiaen:. Td. Glocke! sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlaa G m. b. S.. Berlin Dru-t' Vorwärls.Vuä'druckcrel und Verlagsanstalt Paul Sinarr u. To Berlin EW KS. LindenslraKr». Sier,n 2 Beilagen. 7lr. 81• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 21. Februar 1931 Räuber in Boxerhänden. Wie der Wcifjensccr Bandit getagt wurde. Wie bereits kurz gemeldet, wurde gestern die 20 Zuhre alte Lulkchalterin Johanna Kapell, die in der Slubbcn- kammerftratze Z im Norden Berlins wohnt, in IVeifeensce ou> ossencr Strafe ü b e r s a l l e n. niedergeschlagen und schwer verleht. Die Täter halten es aus Lohngeider abgesehen, die dos junge Madchen von der Bank geholt halte. Dank der Geistesgegenwart der Uebcrfallenen erbeuteten sie jedoch nichts. Fräulein Kapell ist bei der Firma Jde in der Franz-Joses� Strafte 5/7 tätig. Di« tagsüber eingegangenen Gelder werden von den Kutschern des Abends in der Zentrale abgerechnet und fort- gebracht. Zur Auszahlung der Lohngclder, für die 1200 Mark erforderlich find, mußte Fräulein Kapell am Freitagmittag nach der Darmstädter Bank in der Berliner Allee 246 gehen. Sie erhielt dort 1266 Mark ausgehändigt, die sie in einer Aktentasche»er- n»ahrte. Für den Rückweg benutzte sie die Straßenbahn bis zur Rennbahnstraße und bog dann in die Franz-Josef-Stroße, die erst zum Teil bebaut ist, ein. Wenige hundert Meter vor dem Ziele wurde das junge Mädchen plötzlich mit einein schweren kantigen Gegenstand von hinten über den Kops geschlagen und brach bbitüberslrömt zusammen. Gleichzeitig versuchte man, ihr die Tasche mit dem Gelde zu entreißen. Das Mädchen hielt die Tasche mit dem Gelde krampfhaft fest und rief um Hilfe. Die beiden Täter flüchteten jetzt und wollten mit einer Taxe entkommen. Fräulein Kapell raffte sich aber auf und eilte ihnen unter Hilferufen nach. Die Räuber inußten befürchten, daß der Chauffeur sie doch nicht fahren würde-und sprangen deshalb auf der anderen Seite wieder zum Wagen hinaus und setzten die Flucht zu Fuß fort, stets verfolgt von der Ueberfallenen. Die Jagd ging bis zum Weißen See. Die Flüchtigen versuchten hier über eine k' a Meter hohe Mauer zu ent- kommen, gerieten aber einer Anzahl Borer in die Hände, die dort trainierten. Einer der Täter entschlüpfte, der zweite wurde von einem Boxer kampfunfähig gemacht. Er wurde noch der Wache des 271. Reviers gebracht und dort eingehend verhört. Der Festgenommene ist ein 30 Jahre alter Harry W i e ch- mann. Wie er angibt, lernte er auf dem Arbeitsnachweis in der Frankfurter Allac einen gewissen„Fred" kennen, der die Verhält- nisse bei der Färberei von Jde genau kannte und dort bereits einen räuberischen Ucbcrfall plante. Cr brauchte aber noch einen Helfers- Helfer und überredete Wiechinarm. sich ihm anzuschließen. W l c ch m a n n selbst bestreitet, dem Mädchen ein Leid angetan zu haben, und erklärt, daß Fred zugeschlagen habe. Der Verhaftete ist den? Raubde.zeniat eingeliefert worden, nach seinem entkommenen Kumpan wird noch gesucht. Die Überfallene Buchhalterin Hot so schwere Verletzungen davongetragen, daß sie nach dem Weißen- s c e r K r a n k e n h a u s e gebracht werden mußte. Das mutige Verhalten des jungen Mädchens, dem so übel mitgespielt wurde, verdient uneinaesck>ränktes Lob. Schreckschüsse im Reichstag. lüjähriger Kleinrentner wollte Aufmerksamkeit erregen. In der Wandelhalle des Reichstag» kam es gestern, kurz vor IS Uhr, zu einem ausregenden Iwischensall. Ein älterer Mann, der sich aus bisher noch ungeklärte Weise Eingang in das Reichstagsgebäude verschafst hatte, feuerte aus einer Pistole plötzlich drei Schüsse ab. Der frühere Innenminister und jetzige Oberbürgermeister von Dresden. Dr. Sülz, der in der Rühe de, Schützen stand, sprang sofort hinzu und hielt den Wann solange fest, bis ihn die herbeieilenden Reichslagsdiener in das Büro ab- führten. Ter Vorfall hatte im Augenblick zwar große Aufregung vcr- urfachk, stellte sich dann aber als ziemlich harmlos heraus. Die Waffe war nämlich eine Schreckschußpistole. Die Schüsse sollten lediglich dem Zweck dienen, Mitglieder des Reichstages auf dep greisen„Attentäter" aufmerksam zu machen. Wie von der Kriminalpolizei ermittelt wurde, handelt es sich um«inen 72jälzri- gen Rentner Georg Schmitt aus Unterwittighausen bei Würz- bürg. Schmitt, der sich in seiner Heimat trotz seines hohen Alters in der Klcinrentncrbewegung noch sehr aktiv betätigt haben soll. war vor einigen Tagen nach Berlin gekommen und im Hospiz „Albrechtshof" abgestiegen. Es war Schmitt bereits gelungen, mit einem Reichsminister zu sprechen und seine Wünsche vorzutragen. Offenbar um seinem Anliegen besonderen Nachdruck zu verleihen. feuerte der Greis dann die Schüsie in der Wandelhalle ab. Schmitt wurde von der Polizei vorläufig in Gewahrsam genommen. Da angenommen wird, daß er geistig nicht ganz normal ist, dürfte er von dem zuständigen Kreisarzt untersucht werden. Nach einer anderen Darstellung soll der Greis direkt auf Dr. Külz angelegt und dreimal geschossen hoben. Dr. Külz ging jedoch kaltblütig auf den Täter zu und hielt ihn fest. Nach seiner Festnahnre bat Schmitt den Abgeordneten um Entschuldigung. Versieigerungstheaier. Aniisemitischer Skandal im Jagdschloß Glienicke. Bei der gestrigen Dersteigerung des Friedrich Leopoldschen In- ventars im Jagdschloß Glienicke kam es. zu turbulenten. Szenen. Die Stimmung war schon, etwas gereizt,, da mehrere Auktiansbe- fucher mitgeteilt hatten, daß an einigen Möbeln, die zur Versteige- runz gelangten, Gerichtsvollziehersiegel klebten. Gegen S Uhr erschien ein Mann, der ein Abendblatt anbot, in dem von Verpfändungen im Schloß Glienicke die Rede war. Plötzlich erhob sich Herr Joseph und rief:„Raus mit dem Juden- blatt, raus mit ihm!" Die Auktion wurde unterbrochen, es ent- stand ein Riefenskandol, der Zeitungsverkäufer wurde derart be- drängt, daß er seine Tasche verlor. Es gelang ihm nur unter Mühe, das Schloß zu verlosten. Jetzt schrien auch mehrere an der Auktion beteiligte Kommissionäre:„Raus mit den Moste-Blättcrn. raus mit dem„8 Uhr-Abendblait", raus mit dem„Borwärts". Rur der „Lokal-Anzeiger" soll hier bleiben." Es ging sogar so weit, daß man einigen Personen, in denen man Zeitungsberichterstatter ver- mutete, die Ausuxise aus der Hand riß, um zu„kontrollieren", ob sie für die jüdische Presse arbeiten. Einer der Auktionsveronstalter rief:„Wer für Juden arbeitet, findet keinen Einlaß!" Dabei wäre zu erwähnen, daß Prinz Friedrich' Leopold die Bevsteigerung seines Glicnicker Inventars in die Hände von Juden gelegt hat. Der 5lohcnzollcrnprinz scheint sich also aps der Meinung der Leute, die seine Möbel kaufen, nicht viel zu machen. F.ff Nicht Zoo— sondern Nestaurationsbetrieb des Zoo? In der Ocffciitlichkeit wird die Krise, die der Restourations- betrieb des Zoo durchmacht, lebhaft erörtert. Der Richteingeweihte könnte glauben, daß hierdurch der Zoo selbst irgendwie in Mitleidenschaft gezogen wäre. Das ist nicht der Fall. Der Aktien-Verein des Zoologischen Gartens, der„Zoo", steht pekuniär auf sehr gefunden Füßen, und zwar nicht zuletzt dank dem regen Interesse, das jung und alt aus der Berliner Bevölkerung ihm stets zugewendet hat und zuwendet. Der Restourationsbetrieb des Zoo ist eine Pachtung, die sich zur Zeit in Händen des Herrn Hermann H e ß l e r besindct und als eine vmn 2lkticn-Verein des Zoologischen Gartens vollkommen unabhängige und selbständige Gesellschaft anzusehen ist Lawine begräbt ein Haus. Sieben Hausbewohner die Todesopfer. Basel, 20. Februar. An der Lukmanierstrafte in M e d e l s e r t al in Grau- bünden ereignet« sich ein schweres Lawinenunglück. O'ine niedergehende Lawine begrub in Platta den Gast- hos„Zur Po st" unter sich, der dvn dem alten Ehepaar Wenzig sowie den Familien seiner beiden Söhne bewohnt ist. Ter Gasthof wurde zum Teil eingedrückt, zum Teil wurde das Haus mit fortgerissen. Aus den Trümmern wurden sieben Leichen geborgen. Eine ganze Familie, Vater Mutter und vier Kinder im Alter von ein bis fünf Fahren wurde getötet, ferner die über KU Fahre alte G r o si m u t t er. Die Leiche» der beiden Frauen und der vier Kinder, die aneinander- gepreßt im Keller aufgefunden wurden, konnten bis zun« Mittag geborgen werden. Tie Leiche deS jungen Ehe- mannes Seraphim Weuzig wird noch unter de« Trüm- mern des Gasthofes„Zur Post" gesucht. Der Großvater Lvenzig sowie die anderen vier Fmnilicnmitglieder— das Haus war von insgesamt zwölf Menschen bewohnt — konnten sich, da sie teils im Stall, teils im untere» Stockwerk beschäftigt waren, noch rechtzeitig ins Freie flüchten oder fo zeitig geborgen werden, daß sie vor dem Tod« des Erstickens bewahrt wurden. Ter Gasthof„Zur Post" stand an einer Stelle, die im Winter stets von Lawinen gefährdet ist. Tie jetzt niedergr- gangenc Lawine hat den oberhalb des Hanfes befindlichen Lawinenbrechrr wie ein Streichholz geknickt. Oer umgestürzte Weihnachtsbaum. Ein„Sohn Gottes" vor Gericht. Bor dem Schöffengericht B e r l i n- M i t t e muhte sich wegen groben Unfugs in der Kirche der Zlljährige Rigocr Kaufmann Schulz verantworten. Etwa 25 Minuten vor Beginn des Margengottesdienftes am 1. Wcihnachtsfeiertog erschien im Dom ani Altar ein hagerer Mann mit langem Bart und glänzen- den Augen, erhob den Zeigefinger seiner rechten Hand und rief in die versammelte Gemeinde hinein: Es steht geschrieben, mein Haus soll«in Bethaus sein. Ihr habt es zu einer Mördergrube gemaast. Was hat hier der Tannenbaum mit Gott zu tun? Weg mit ihm aus Gottes Haus." Dann faßte der Mann den Tannenbaum und stürzte ihn um. Er wurde von den Domonggestellten festgenommen und an den wachthabenden Polizeibeamten abgeliefert. Das Schnell- gcricht hielt eine Untersuchung des Geisteszustandes des Mannes für erforderlich: er wurde für normal befunden und konnte also gestern von dem Schöffengericht Berlin-Mitte abgeurteilt werden. Der Angeklagte ist verheiratet und Vater zweier Kinder im Alter von 16 und 11 Jahren. Er lebte vor dem Kriege in Riga, nahm als preußischer Staatsangehöriger am Weltkrieg« teil, kehrte später nach Riga zurück und begann hier im Jahre 1.9,21 ein Ledcr- geschäst. Uebcr die Motive zu seiner Tat befragt, erzählte er fol- gendcs: Mach dem Kriege begann ich über vieles nachzudenken. Ich stichtc und fand: die Welt ist voll Lüge, daher der Krieg. Ich schloß mich den Baptisten an und glaubte nun die Wahrheit gefunden zu haben. Aber auch das war ein Irrtum. Anfang 1928 war ich dem Selbstmord nahe. Eines Nachts hatte ich ober ein Erlebnis. Ich fühlte mich als Abgesandter Gottes und ließ nun alles im Stich: Geschäft, Familie und Kinder. Ich war«in schlechtev Kaufmann, weil es mir nicht möglich war, zwei Herren zu dienen. In meinem Haufe wurde ich angefeindet, man verstand mich nicht, ich wurde wie ei» Ausgefwßcner behandelt. Im April vorigen Jahres kam ich für einige Tage nach Berlin. Von hier ging ich nach Pommern Es ist natürlich Unsinn, anzunehmen— und so weiter. Er hat sie vielleicht zu fest angebunden oder so. Das ist alles. Ueber ihm schreit es hell, katzenhaft: der Habicht, in den Fängen ein Huhn: Luise jammert vom Hofe her... Andreas tritt in sinnloser Wut gegen den Psahl, daß oben das Eisen klirrt, zertritt die Vogelleichen und schreit:„Ich verkaufe den Dreck! Den ganzen Dreck verkaufe ich!" Federn fallen, Hühnerfedern. Der Sieger ruft hell. An- dreas gebt dem Hofe zu. gebückt. Der Wind weht ihm Sand auf den Rücken. Ihm ist, als wäre der ganze Sand, die ganze Wildnis auf seinen Rücken geweht: als müsse er sie tragen. Er geht in die Küche, läßt die Mütze fallen, sinkt auf einen Stuhl und wiederholt, leise diesmal:„Ich verkaufe. Wir müssen verkaufen." Und dann, nach einem wehen Blick in Luises schreckhaft ausgerissene Augen: „Denn ich kann nicht mehr." So etwas wie ein Pavillon aus Holz und Dachpappe ent- steht da unten am See. wo die Arbeiter tötig sind. Dann, als Holz und Dach bunt gestrichen sind und recht schmuck aussehen, wird zu aller Erstaunen ein großes Schild auf zwei Pfähle gestellt:„Seebad Schloßheidc. Große und kleine Parzellen direkt am See. Näheres hier." Und endlich, lediglich mit einem Coupäkoffer und ein paar Decken bewehrt, erscheint Herr Sieg- fried Schnntzer. Man weiß, daß er die Zweifel, die seine Gläubiger in die Gülligkeit der Verkaufsbescheinigung an Maschk« gesetzt hatten, sehr einfach erledigt hat: ihrem Ver- treter hat er nahegelegt, sich das Land zu besehen: das ist ge- schehen. und es ist auf einen zweifelhaften Prozeß angesichts der relativen Geringwertigkeit des Streitobjektes verzichtet worden. Die etwa fünfundfünfzig Korgen hat er dann von Maschke zurückgekauft, wie es heißt: er durfte hinausziehen und dos Schild setzen lassen— wozu aber, weiß man nicht. Nur in Korns weckt es eine vage Hoffnung aus günstigen Ver- liurj auch ihres Landes; alle anderen lachen und halten das Unternehmen für verfehlt. Schmitzer lächelt merkwürdig, als Papendieck ihm das sagt, und erwähnt nur, daß er natürlich auch inseriert habe: und man werde ja sehen Was man sieht, zwei, drei Sonntage lang, sind Berliner mittleren Standes, die schwitzend ankommen, übellaunig schon wegen der weiten und umständlichen Bahnfahrt und des langen Fußrveges: dann das trostlose Land flüchtig überblicken, dos Inserat und seinen Verfasser verfluchen und unter Zurücklassung vielen Stullenpapiers fchnell wieder verschwin- den. Auch sie bleiben bald aus: Herr Schmitzer sammelt in einer Anwandlung von Pedanterie die Stullenpapicre zu- sammen, sitzt noch immer in seinem Pavillon, als längst die Vögel über den See nach Süden gesegelt sind mit langen Hälsen und breiten Flügeln und tiefem Ruf, und lächelt weiter. Es ist kein pfissiges Lächeln, auch kein frohes oder trauriges: es ist ein Lächeln, wie es Orientalen haben, die auf Fragen nach ihrer Zukunft zu antworten pflegen:„Wie Allah will." Trotzdem ist es gerade Herr Schmitzer, der den Siedlern vom Stubbenland zur großen Wegwende, der ihnen zum Schicksal wird. Das geschieht im Spätherbst, als ein Kutsch- wagen den Birkenweg hinaufkommt und, von ollen gesehen, vor Korns Haus hält. Die beiden schönen Pscrde lenkt eine bagere, noch junge Frau bäurischer Hertunst mit energischen Bewegungen. Im Wagen, quer über die Sitze gelegt, klirrt ein Pflug. Korns wallen verkaufen, das weiß man seit langem: dies ist eine Reflcktantin, dos ist allen klar: was aber soll der Pflug? Es ist eine andere Art von Pflug, als sie selbst haben und kennen: also auch für anderen Baden oder für eine andere Feldfrucht berechnet. Es ist sicher: die Frau will mit diesem Pflug den Boden prüfen: wozu hätte sie ihn sonst mitgebracht? Sie sehen Andreas Korn mit seinem Gast über den Hos gehen. Alle geben sich damit zufrieden, über kurz oder lang ihre Neugier gestillt zu sehen: irtir Siegfried Schmitzer nicht. Er ist ein schlechter Kaufmann unter Kaufleuten, gewiß, ist unter Kausleuten ein Bauer: unter Bauern ist er ein Kauf- mann. Er geht zu Maschke.„Bringen Sie Ihr Motorrad in Ordnung, Maschke, so schnell wie möglich. Es gibt was zu verdienen." „Viel?" „Vielleicht. Man kaim nicht wissen. Ich gehe zu Korns rauf, bin gleich wieder da. Bis dahin feien Sie fertig." Auf Korns Hof wagt er sich ohne Umschweife ans Ziel. „Kann ich Sie einen Augenblick allem sprechen, Herr Korn?" Andreas entschuldigt sich wütend bei der scharfäugig um sich blickenden Frau und folgt ihm ein Stück. „Herr Korn", sagt Schmitzer eindringlich,„nehmen Sie einen Rat von mir an. Sie wollen verkaufen, nicht wahr?" „Es geht Sie ein Dreck an, wenn ich verkaufen will. Ein- mal bin ich durch Sie reingefallen, zum zweitenmal—" „Ich will Ihnen ja nichts verkaufen, in will Ihnen einen Rat geben." Schmitzers Hände flattern vor Andreas wie Tauben vor ihrem Schlag, klammern sich endlich in den Rock- aufschlagen fest.„Herr Korn, ich beschwöre Sie: wenn diese Frau nicht kaufen will— verkaufen Sie, um jeden Preis, Wenn sie kaufen will— verkaufen Sie nicht." „Sie sind verrückt. Lassen Sie mich los." „Geben Sie Ihr Glück nicht aus der Hand, Herr Korn. Warten Sie wenigstens, bis ich wiederkommen und Ihnen Bescheid gebe." „Was für'n Bescheid?" „Was die Frau mit dem Boden tun will." „Was geht das mich an?" „Was die kann, können Sie auch. Sie will doch mit dem Ding da probepflügen?" „Ja. Aber aus der kriegen Sie nichts heraus. Die redet nichts." „Meine Sorge, Herr Korn. Zögern Sie die Sache zwei Stunden hinaus." „Ich bleibe ja doch nicht hier. Ich hab's satt. Aber warten will ich meinetwegen. Und jetzt lassen Sie mich-los!" Während Schmitzer gehorsam dem Tor zugeht, liest er mit einem Seitenblick die Aufschrift auf der fremden Kutsche. „Maschke! Fahren Sic, so schnell Sie können, nach Banzenitz bei Beelitz. Erkundigen Sie sich, was der Besitzer Mellenthien dort hauptsächlich anbaut, und kommen Sic sofort zurück. Sosart, und hin und her, so schnell es geht!" Maschke hat begriffen, Maschke ist klug und fährt wie der Teufel, wenn's sein muß. Di« Frau pflügt inzwischen mit ihren Pferden und ihrem Pflug eine tiefe Furche in Korns Acker. In der Stube, wo Andreas mit der Frenidcn verhandelt. sitzt Luise am Fenster und sieht krampfhaft hinaus: sie kann trotzdem nicht verbergen, daß sie geweint hat. Warum macht ihr Mann nur so viele Winkelzüge? Er soll froh sein, daß jemand da ist, der kaufen will. Er soll einschlagen— dann ist alles auf einmal vorbei. Aber Airdreas streitet erregt um den Einzelwert nebensächlichen Inventars. (Fortsetzung folgt.) Ulli) fand Aufnahme bei Glaubansfchwestern. Ich bediente vier Detschaftci, sammelte um neue Gläubige und die Schwestern sam- Hielten für mich Geld, davon lebte ich. Etwa zwölf Tage vor Weihnachten kam ich Nach Berlin. Schon in Stettin wurde es mir klar, daß ich das„Zentrum" treffen müsse. Die Christen von beute sind ja gar keine Christen. Sie nennen sich nur so. Auch der Weihnachtsbaum Hot nichts mit Christenlehre zu tun; es ist bloß ein heidnischer Brauch. Ich ging durch die Straßen Ber- lins, sah die Menschen handeln und schachern und da reifte in mir der Gedanke, ähnlich wie Christus die Schacherer aus dem Tempel gejagt hat, den Weihnachtsbaum im Dom umzustürzen. Ich kam mir wie David vor, der gegen den Riefen Goliath den Stein warf. Ich mußte meine göttlich« Sendung erfüllen. So begab ich mich in den Dom und stürzte hier den Weihnachtsbaum um. Der Angeklagte schilderte ausführlich sein Glaubensbekenntnis und seine inneren Kämpfe. Er schweifte immer wieder ab und war nur mit größter Mühe zu der Darstellung der äußeren Be- gebenheiten der Tat zurückzuführen. Das Gericht verurtellt« den seltsamen Heiligen zu 3 Monaten Gefängnis, rechnete ihm die Untersuchungshaft an und billigte ihm auf den Rest der Strafe Bewähningsfrist zu. Raufbold im Gerichtssaal. Der Zörgicbel-Attentäter zum zweiten Mal verurteilt. Die Große Strafkammer des Landgerichts I oerurteilte gestern nach kurzer Beratung den 21jährigen Kommunisten Hermann Hen brich, der am 7. November v. I. in der Berufungsver- Handlung gegen die Kommunisten Schwarz und Wilke den Polizei- Präsidenten Z ö r g i e b e l einen Schlag versetzt hat, an Stelle der von der ersten Instanz festgesetzten 5 Monate Gefängnis zu vier Monaten und ein« Woche Gefängnis. Mit diesem Urteil hat das K o m m u n i st e n t h e a t e r Hof- fcntlich sein Ende gefunden. In der gestrigen Verhandlung lehnt« das Gericht nach mehr als einstündiger Beratung sämtliche Anträge der Verteidigung ab: die in der Verhandlung gestellten Anträge n»egen ihrer Unerheblichkeit für die Schuldfrage, die Vernehmung der von der Verteidigung geladenen 67 Zeugen wegen des in dieser Ladung zu erblickenden Verschleppungsversuches: der Verteidiger, erklärte das Gericht, sei sich als rechtskundige Person desien wohl bewußt, daß durch die von ihm angebotenen Beweise in keiner Weise bewiesen werden könne, daß Zörgiebel ein„Arbeiter- Mörder" ist. Nach Ablehnung sämtlicher Beweisanträge fand die Gerichts- verhandluirg sehr schnell ihren Abschluß. Zörgiebel bestätigte, daß er von dem Angeklagten geschlagen worden sei, aus sämtlich« übrigen Zeugen verzichtete sowohl der Staatsanwall als auch der Ver- leidiger. Die kommunistischen Zeugen, äußerst ungehalten darüber, daß sie nun doch nicht vernommen werden sollen, konnten nur mit Mühe dazu bewogen werden, das Gerichtsgebäude zu verlassen und hielten sich schadlos, indem sie außerhalb des Gebäudes einen „Dcmonstrationszug" formten. Es ist nur zu begrüßen, daß Dr. Litten mit seiner beabsichtigten politischen Demonstration im Gcrichtssaal ebensowenig«Glück hatte, wie Dr. Apfel. Vielleicht »ergeht beiden in Zukunft die Lust, die deutsche Justiz für die Agi- tationszwecke der Kommunistischen Partei zu mißbrauchen. Evangelische Kirche und Friede. Zu der evangelischen Kirche darf nlchl mehr über de» Frieden gesprochen werden. Das war wieder einmal der Eindruck, den die Teilnehmer an einer Gemeindeversammlung der Philipp- Melanchlhon- Kirche in Neukölln mit nach Hause nahmen. Pfarrer Müller-Schlvmk« aus Tenipelhof hatte einen Vortrag icher„Religiöse Erziehung innerhalb der Familie" gehalten, in dem er die eigentlichen Probleme dieses Themas sehr ooifichttg streifte. In der Aussprache betonte Genosse Pfarrer Rackwitz- Neukölln, daß jeder Versuch einer christlichen Erziehung scheitern müßte, wenn die erwachsenen Christen selbst die Forderungen Jesu nicht ernst nähmen. Während diese Ausführungen noch mit leisem Murren angehört wurden, kam es zum offenen Krach, als Genosse Rackwitz weiter darauf hinwies, daß die Erziehung zur Friedensarbeit, zum Pazifismus, ein unentbehrlicher Bestandteil christlicher Erziehung sei. Hier unterbrach der Leiter der Versammlung, Pfarrer S. Schultz-Neukölln, den Redner und forderte ihn auf, zur Sache zu sprechen und nicht„sozialdemokratische Lehr- jätzc" vorzutragen. Auf den Einwand, daß es sich nicht um sozial- demokratische Lehren, sondern um klare Forderungen des Evangeliums handele, wurde Pfarrer Rackwitz in der Versammlung seiner eigenen Gemeinde das Wort entzogen, und die Der- sammlung trotz des Protestes zahlreicher Zuhörer ohne Schlußwort des Referenten und ohne Beachtung der Wortmeldungen zur Ge- fchäftsordnung geschlossen. Ver Bund religiöser Sozialisten, Landesver- band Preußen, der uns dies« Schilderung übergibt, bemerkt hierzu: Wie lange werden die Proletarier, die in den meisten Kirchengemeinden des Berliner Nordens und Ostens die große Mehrzahl bilden, diesen Geist in der Kirche noch dulden? Der erste Teil der Hörspieldichtung„Der letzte Akt" von Hans Kyser erlebt im Berliner Sender feine Uraufführung. Die Trilogie behandcll die hundert Tage nach der Flucht Napoleons von Elba. Hier reicht die Handlung bis zum Eintreffen der Nachricht auf!�n Wiener Kongreß. Kyfer sucht eine neue Form des Hör- fpiels. Di« Szenen sind kurz. Sie sollen nur Charakteristisches geben und zeigen die Dummheit, Befchräicktheit und Bosheit der Groden auf dieser Fürstenversaminlung, sie zeigen auch die Frag- Würdigkeit eines Diktators, selbst wenn es ein Napoleon ist. Sie werden durch eine Conference in Berse verbunden. Di« Rolle des Conferenciers übernimmt die Zeit. Zuerst wirkt diese Form wie eine Berlegenhcitslösung, die über das Problem von Zeit und Ort im Hörspiel hinweghelfen soll. Aber es kommt Kt,scr nicht darauf an, ein historisch echtes Porträt zu liefern, sondern von ihr aus die Gegenwart �u belichten und Parallelen zu ziehen. Zu diesem Zweck sind die Zeit und die lustige Person eingeführt. Are Reden sind die Hauptsache. Der letzt« Akt? Nein, denn dieses Spiel geht endlos weiter. War der Weltkrieg der letzte Akt? Kyser versucht der Geschichte die Schminke ab, zuwaschen und die Gesichter in ihrer Wahrheit zu zeichnen. Kyser kommt zu dem Resullat: alles Schwin- del, alles Pos«, alles Theater! Während die Mächtigen tanzen und sich vergnügen, verhungern die anderen oder lassen sich auf den Schlachtfeldern zerfleischen. Was sich wandelt, sind nur die Namen und die Titel, Pessimismus ist dos Zeichen dieser Dichtung. Kyser führt Regie. Sie ist sehr exakt und gejeill m der Beiiaiidlung des Wortes, F. Seh, Als vor wenigen Wochen Lichtenberg die Eröffnung der U-Bahn-Berbindung mit dem Alexanderplatz feierte, dürfte wohl kaum einer der Anwesenden daran gedacht haben, daß der Preis von 25 Pf. für die Fahrt gewissermaßen ein historischer sei: vor etwa 40 Iahren fuhr die Neue Berliner Pferdebahn vom Spittelmarkt nach Lichten- berg für 25 Pf. Ein Merkmal für die Miesmacher, die alles Gute für umsonst haben wollen! Der ländliche Charakter jener Ost- gegend war allerdings schon damals im Verschwinden und ein 18I2 erschienener„Vorortführer" schildert bereits„Berlins g e- waltige Hand": hier der Zentralviehhof, dort die neue Wasser- Hebestation, weiterhin die einer Stadt gleichende neue Irrenanstalt und endlich die hochragende Kuppel der Bcgräbnistirche des städti- schen Zentralfriedhofes. Letzterer spielt als Ruhestätte vieler unserer Führer eine Rolle in unserer Parteigeschichtc. Und noch eine besondere Verbindung zwischen dem werk- tätigen Volk und Lichtenberg besteht: in der R i tt e r g u t st r a ß e, die an die agrarische Vergangenheit des Ortes erinnert, erhebt sich der Bau des Konsumvereins, jener mustergültigen Ein- richtung, die unsere Frauen und Mütter im Lebenskämpfe stützt. Das in seinem, ersten Wachstum dem reinen Nützlichkeitsstand- punkt huldigende Berlin hat auf Lichtenberg stark abgefärbt und die Frankfurter Allee, die eine Prachtftroßc hätte werden können, ist doch nur ein« breite Geschäftsstraße geworden. Man merkt es dem Straßenlebe» an, daß in diesem Viertel die Arbeit und der Arbeiter zu Hause sind. Für den Besuch des eigentlichen Lichtenberg und von Friedrichsfclde hat freilich nun die U-Bahn «ine Entlastung jenes Straßenzuges gebracht. Auch wir benutzen den Weg„unten durch", um zu den Reizen dieses Bezirks zu gelange». Es find dies der Stadtpark, der Schloßpark Friedrichsfelde und der Schloßpark Biesdorf, das zum Bezirk Lichtenberg gehört und dessen Name in letzter Zeit des öfteren genannt wurde. Namentlich der Park von Friedrichsfelde ist ein Juwel— einst von dem bekannten„Marine-Direktor" Raule angelegt, hat er im Laufe der Jahrhunderte sich prächttg ent- wickelt und bildet mit den ihn durchziehenden Wasserläufen einen stimmungsvollen Rahmen zu dem beinahe zweihundert Jahre alten Schloß. Daß Sport und Jugendpflege durch unsere Genossen kräftig gefördert worden sind, ist selbstverständlich. Einer Er- scheinung auf diesem Gebiete möchten wir speziell gedenken: es ist die Waldcrholungsstätt« Ravenstein, nördlich von Friedrichshagen gelegen. Ein richtiges Märchenschloß, am murmeln- den Bach gelagert und rings von Grün umgebe»— ein Jung- brunnen. der den Stadtkindern Gesundheit und Heiterkeit des Herzens verleiht. Die benachbarten Außenbezirke Kaulsdorf und Mahlsdorf sind sehenswerte Leistungen des Neu- Berlinischen Klcin- Agrariertums. Abteilung 109 Friedrichshagen! Montag, den 23. Februar, 20 Uhr, Im Lokal Stadttbeater am Marktplatz: Seilen«. frauenversammM Et spricht Genottin Paula K u r g a£ Ober das Thema: „Die Frau im drillen Reich". Nicht Pole, nicht Deutscher. Die Tragik eines ordentlichen Mannes. „Der Fall entbehrt nicht einer gewissen Tragik", meinte mit Recht der Staatsanwalt vor dem Schöffengericht Verliu-ZNitte. Es war die Tragik eines Mannes, der zwischen den Rationen steht, nicht Deutscher und nicht Pole ist. Franz GrA, wurde, als. Luid deutscher ElternFn der Umgebung von Posen gehöpen, M.�.fur'sem ,deüHches Väterland als Kriegs- freiwilliger aii«r West- und Ostfront, gekämpft' und in russischer Gefangeüschast den Stichtag für die Option versäumt, ist Deutscher durch seine Muttersprache und Zugehörigkettsgefllhl zu Deutschland, formell aber Pole. Die Besonderheiten des tragischen Falles, die diesen deutschen Polen wegen schwerer Urkundenfäl- schung. Betruges und intellektueller Urkunden- f ä l s ch u n g auf die Anklagebank brachten, wollen erzählt fein. Bor dein Kriege lebte Erz. mit seinen Eltern, geborenen Posenern, in Westfalen. Am 20. April 1915 rückte er als Kriegs- freiwilliger ins Heer ein, 1917 geriet er in russische Gefangenschaft. Erst im Oktober 1920 kehrte er nach Deutschland zu seinen Eltern in Westfalen zurück. 1922 verzogen scmc Eltern nach Posen. 1923 fuhr er zu ihnen auf einige Monate zu Besuch, wurde aber zum polnische» Militär eingezogen und desertierte. In Rattbor überschritt er die deutsche Grenze, arbeitete zuerst unangemeldet auf einem Gute als Melker, dann auf einem anderen Gute, und als er sich hier polizeilich anmelden mußte, nannte er sich Robert Pekuhl, erhielt seinen Polizeianmeldeschein und war settdem nicht mehr Franz Grz., sondern der deutsche Staatsangehörige Pckul. Als solcher erhiett er seine Invaliden- und Steuerkarte, und als er arbeitslos wurde, auch feine Erwerbslofenunierstützung. Als Pekul verbüßte er zwei kurze Strafen wegen Betteln? und Landstreichens. Von einer Frau, mit der er eine feste Wohnung in Berlin hatte, bekäm er ein Kind. Da er die Mutter seines Kindes heiraten wollte und aus Posen seinen Geburtsschein benöttgte, erschien er vor ewigen Tagen bei der Polizei und schenkte reinen Wein über seine Person ein. Er wurde verhaftet und vors Schncllschöffengericht gebracht. Zu seiner Rechtfertigung erklärte der Mann, er habe nie- mals für Polen optiert und deshalb angenommen, er sei deutscher Staatsangehöriger Natürlich war das falsch. Er ist Pole, weil er nicht für Deutschland optiert hatte. Er wußte das, sonst hätte er nicht unter fremdem Namen zu leben brauchen. Der Fall wird aber dadurch nicht minder tragisch. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Das Gericht sprach Franz Grz. von der Anklage des Betruges frei, da er einen Anspruch auf Erwerbslosenunterstiitzung gehabt habe, und»er- urteilte ihn wegen Urkundenfälschung z,, zwei Wochen Gefängnis. Die Frage der Bewährungsfrist blieb ossen: der Haftbefehl wurde aufgehoben. War die Verhaftung dieses Mannes, der mit Frau und Kind feste Wohnung hat, überhaupt erforderlich? Nm die Heimannsche Bibliothek. Wir werden vom Bezirksamt Mickte um die Aufnahme des Folgenden gebeten: In der Ausgabe des„Abend" vom 19. Februar befindet sich unter der Ucberschrift„Die Heimannsche Bibliochek in Gefahr" die Mitteilung, daß beabsichtigt sei, die Bücherei„aufzuheben" Dazu wäre zu sagen: Ob während der Zell der schwersten wirtschaftlichen Rot die'Notwendigkeit gegeben sein wird, diese Bücherei vorübergehend zu schließen, wird im Rahmen der gesainten Sparmaßnahmen zu erwägen sein. Gegen eine Aufhebung wird das Bezirksamt unter allen Umständen Stellung nehmen. Wenn eine Reduzierung der Büchereien im Bezirk Mitte notwendig ist, so wird eher erwogen werden, die Heimannsche Bibliothek durch die Hinzunahme der früheren Bib-leo- thekderGesellschoftfürethis che Kultur zu vergrößern und die kleine Bibliothek in der Rungestrahe-u schließen. Billiger Sonnabend im Zoo. Am heutigen Sonnabend, 21. Fe- bruar, kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten von 2 Uhr nachmittags ab nur 50 Pf. jür Erwachseire und 25 Pf. für Kinder, ebenso im Aquarium. Oer durchlöcherte Meterschuh. Achtung bei Wohnungstausch! vom l. April d. I. ab treten, wie wir dem.Meterschutz" entnehmen, verschiedene einschneidende Bestimmungen in der Wohnungswirtschaft in Kraft. Nach der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 sind Wohnungen, die(für Berlin) ein« Friedensmicte von 1800 Mark und mehr ausweisen, dann vom Mieterschutz-- und Reichs- Mietengesetz ausgenommen, wenn ein Bertrag über sie neu nach dem 1. April 1931 abgeschlossen wird: ebenso Wohnungen in Neu- bauten, auch mit öffenttichcn, insbesondere Hcwszinssteuermitteli', ohne Rücksicht auf die Höhe der Mieten. Diese Hcrausnalzme aus dem Mieterschutz gilt nur dann nicht, wenn im Falle eines Tausches die Mieter in die beiderseitigen Mietverträge eintreten. Es ist alsn beim Tausch nach dem 1. April 1931 streng darauf zu achten, daß keine neucn Mietverträge abgeschlossen werden, sondern der Tausch- partner lsdigiich üi den Vertrag seines Vorgängers eintriit. Niir in diesem Falle erhäll er sich dem Schütz des Mieterschntzgesetzes imd des Reichsmietengesctzes. Durch die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 ist vom 1. April 1931 ab auch die Wahl der gesetzlichen Miete an Stell? einer vertraglich vereinbarten Miete stark einge- schränkt. Visher konnte in jedem Mietverhällnis über Wohnräume jeder Vcrtragsteil die gesetzliche Miete an Stelle der vertrag- lichen Miete wählen, was eine wirksame Handhabe gegen Miet- n-ucher, wenigstens bei langfristigen Verträgen, war. Eine Reihe von Bestimmungen, die nur im Sinne des Vermietevschutzes und nicht des Mieterschutzes lauten, deren Ausführung hier aber zu wen führen würde, heben dieses Recht des Mieterss teilweis« auf. Es ist darum notwendig, daß jeder Mieter, der eine von der gesetzlichen Miete abweiclzende vertraglich? Vereinbarung l>at oder zu einer vcc- traglich vereinbarten, insbesondere höheren Friodensmiete wohnt, es sich jetzt noch überlegt, ob er nicht an Stelle dieser vertraglichen Vereinbarung die gesetzlich« Miete wälzll. Dies kann aber ohne Einschränkung nur noch bis zum 31. März 1931 dergestalt geschehen, daß bis zu diesem Tage die schriftliche Erklärung(„an Stelle der vertraglich vereinbarten Miete wähle ich die gesetzliche Miete des Z 1 RMG.") bei dem Vermieter eingeangen ist. Di« Ausstellung von Arbeiten des Laicnkunstkursus im T r e p- tower Rathaus bleibt am heuttgen Sonnabend bis abends K'8 Uhr geöffnet. Seinen 80. Geburtstag begeht am 21. Februar em alter und treuer Abonneitt unseres Blattes, Karl R o ch l i tz, Lichtenberg, Jungstr. 2. Rochlii; war schon Lesor des„Sozialdemokraten", dcr „Freien Presse" usw. Dem Jubilar unsere besten Glückwünsche! Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin ainsendunqen für diese Nvbrss nur an d«e ZusendsesrelMesOs. Neelin SW 68. CinDtnfftaSe J! Sassir«».«ves»s heute, pünktlich I9Vj Uhr, im Zilgcudheim LindcnNr. 4. Alle Kassierer müssen teilnclimen. Streichorchester SroK-Berliu: Pflickstprobe heute, 18 Uhr, im Seim Larkiug- Ecke Sraunstrahearts".Druckerci. 17 Uhr Balte»- plah. 18 Uhr Lindenstr. S.— Siralauer Wertes: Besichtiauna der„Vorwärts-- Druckerei. 17 Uhr Lindenstr. 3. II. Lot.— Äollbuflor To«: Brihcr St. 27—30. Belprechuna der Seneralvcrsainmlnna.— Luisenstadt: Wasscrwrstr. 9, Lichl» bild-r:„Eine Wandern»« durch Italien".— Lichtenbara-Rord: Eunterstr. 44. �unttioniirsihuua.-«uckcholii: 20 Uhr„Rate Ecke", ji-emotoriumsiithruna.— Brih: Mor«e» ssohrt ,ur Krampe. 7 Uhr Zahn. Ecke Rudower Etrahr. Wcrbrbezirk Ti-raartrn: Beaiuu dcr Arbeitsacmrinschalt. IS Uhr Lehrter Slraßc 13—19. «criKbeärf Pren, lauer B-rg: Zusammenkunft aller Del-g>«rlcn 20 Uhr Daiuifler Str.«iL, B. Z, zgerbebesirt Reuköllu: Werbsbe�rk-funktionärversallwllun« fällt aus. Häßlich gefärbten Zahnbelag beseitigt man wie folgt: Stüäen Sie einen Strang Chlorodvnt- Zahnpaste aus die trockene �wrodont- Zahnbürste(Svezialbllrsie mit gWniem VorstenschnV), bürsten i??5F S ,na� ollen.Seilen auch von unten nach oben, tauchen Sie erst sitzt die Bürste in Wasser und spülen Sie mit Chwrodont-Mundwasscr unier Gurgeln grundlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen! Der mitz. fartene Zsshnbelag ist verschwunden und ein herrliches Gefühl der Frische bleibt zurück. Versuchen Sie es zunächst mit einer Tube Ehwrodont- Zahnpaste zu 64 Pf. Verlangen Sie aber echt CHIorodont und wetsin Sie. iebea Erjatz dafür zurück.' Llnsoziale Zieichsbahnwirtschast. Reichsiagsrede(Scheffels.— Sozialdemokratie fordert Westhilfe. Im Reichstag teilte zu Beginn der Freitagsitzung Präsident Lobe mit, datz der Abg G r o e f- Thüringen(Dnat) um Urlaub wegen ..dringender Geschäfte" ersucht hat. Diesem Gesuch wird unter fröhlichem Gelächter über die Begründung— Mzepräsident Graes ist auf Hugenbergs Gebot mit davongelaufen— nicht widersprochen.— Darauf wird die zweite Beratung des Derkehrsetats fortgesetzt. Abg. Groß(3-) erkennt die Arbeit der Verkehrswerbung an und wünscht ihren Ausbau. Wie für den Wasserstratzenbau sollte auch für die Bahnerhaltung durch Kredite Arbeit geschaffen werden, ebenso für den Bahnsicherungsdienst. Ein weiterer Personalabbau ist bei der gewaltigen Anspannung des Personals nicht möglich; höchst ungerecht ist die Anstelluagssperre für die über 40 Jahre alten. Dieses unerhörte Dekret verletzt Treu und Glaube», der Minister sollte seine Aufhebung veranlassen. Feierschichten wurden unter Bruch des Tarifvertrages diktiert. Der Redner mißbilligt dann den Schenker-Vertrag. Abg. Scheffel(Soz.): Der Abschluß des Schenker-Dcrtrags ohne Zustimmung, ja ohne Verständigung des Reichsverkehrsministers durch die Reichsbahn und ohne'Fühlungnahme mit den beteiligten Organisationen war ein starkes Stück. Man kann verstehen, daß in der Wirtschaft starke Miß- stjmmung darüber herrscht. Aber die Reichsbahn hak seit Jahren ohne Rücksicht aus Reichstag und Regierung gegen das Personal Maßnahmen getrossen, die von weil größerer Bedeutung waren, gegen die sich aber eine solche Regung der wirkschast nicht bemerkbar gemacht hat. Gegenüber dem Inhalt des Schenker-Vertrages legen wir uns in der Beurteilung Zurückhaltung auf, es scheinen auch Fortschritte darin enthalten zu sein. Ist es war, daß die Firma Schenker der Reichs- bahn 28 Millionen Mark schuldet? In letzter Linie wird das Reichs- bohngericht die Rechtsfragen zu entscheiden haben. Ich fürchte, daß die Entschließungen der verschiedencn Fraktionen oder auch des Der- ichrsausschusses nichts nützen werden. Der konununistische Abgeordnete Chwolek hat mit viel Lungen- lraft und Temperament, ober ohne jedes sachliche Argument ge- '"rochen. Er hat mir nachgesagt, ich wäre in Frack und Zylinder zur Gratulation bei Herrn Dorpmüller angetreten. Das ist nicht wahr. (Ahg. T o r g l e r(Konrm.): Es war ein Gehrock!— Heiterkeit.) Auch das nicht; im übrigen ist eine Geburtstagsgratulaiion ein blaßer Akt der Höflichkeit, und an unserer gegnerischen Stellung zueinander wird dadurch nicht das allernündest« geändert. Herr Chwalek hat mich auch einen Dorpmüller-Knecht geheißen. Ich bin weder ciu Dorpmüller-Knecht noch ein Slalin-Knechl, dazu fehlt mir die Eharaklerlofigteit dieser Herren! In den Berwaltungsrat der Reichsbahn ist als neues Mitglied Freiherr v. Wilnwwski berufen worden, Mitinhaber der Firma Krupp und Schwager des.Herrn Krupp von Bohlen und Halbach. Der Berwaltungsrat enthält nun so viele Vertreter maß- ackert der Industr�iwerk?, die als Liescronten der Reichsbahn in Frage kommen, daß man zweifeln kann, ob die sittlichen Kräfte dieser Herren so stark sind, daß die volkswirtschaftlichen Interessen der Reichsbahn gewahrt bleiben. Der verwoltungsrat ist heule sozusagen schon eine Spihenorgani- sation der deutschen Industrie. fZchr gut! links.) Das Reichsbahngesetz verlangt von den Mit- gliedern des Berwalwngsrats Kenntnis des Wirtschaftslebens oder Fachkenntnis des Eisenbahnwesen". Sind denn diese Eigenschasten ein Privilegium der Industriesührer? Man würde diese Kenntnisse lehr wohl auch bei Vertretern des Personals antreffen.(Zustimmung links.) Di« schlechte Finanzlage der Reichsbahn ist nicht n»r durch die Wirtschaftskrise hervorgerufen. Man dors nicht vergessen, daß die Reichsbahn an Reparation und sonstigen Lasten 1,3 Milliarden Mark jährlich aufbringen muß, während die deutschen Eisenbahnen unter den noch viel günstigeren Umständen vor dem Krieg« einen Ueberschuß mm einer Milliarde abgeworfen haben. An der immer fühlbareren Autokonkurrenz ist die Reichsbahn nicht unschuldig, wenn sie auch heute noch Abhilfe schreit. Bei der Erneuerung des Kraftwagen- steuergesetzes wird es möglich sein, ihr ein« Entlastung zu verschassen. Allerschärssten Widerstand aber sehen wir der Art entgegen, in der die Reichsbahn ihre Ausgaben auf kosten des Personals senkt. Unter schnödem Tarifbruch hat man Feierschichten für mehr als 30Y0M Arbeiter eingeführt, während 120000 Arbeiter S4 bis 57 Stunden wöchentlich arbeiten müssen, zum großen Teil sogar für 7Z Pfennig die Stunde. Wo die Arbeiter daraus nicht eingegangen sind, bat man sie rücksichtslos gekündigt.(Hört, hört! links.) So sehr wir verstehen, daß bei der Notwendigkeit zu sparen sogar Di- rektionen aufgelöst werden, so wenig erscheint uns manche Auflösung begründet, z. B. die in Magdeburg. Es werden mich Sparmaßnahmen getroffen, mit denen gar keine wirkliche Ersparnis erzielt wird. So z. B., wenn im letzten Geschäslsjahr 45 000 Arbeiter eingespart worden sind. die Zahl der oberen Beamten aber von ZZ50 im Jahre 1925 auf 3404 im Jahre 1926 gestiegen ist. Das ist weder gerecht noch notwendig. Dazu kommt noch für die Unterbeamten und Hilssbeamten zu ihren schlechten Existenz- bedingungen die Anstellungs- und Bcsörderungssperre für alle über 40 Jahre.- Wir erheben Einspruch gegen eine derartige Personal- polstik, die erfahren« und noch vollkommen diensttaugliche Beamte trotz oft jahrzehntelangem Dienst zurücksetzt. Man hat vorgeschrieben, daß beim Arbeiterabbau die weniger Leistungsfähigen zuerst entlassen werden sollen, und zwar solche mit irgendwelchen Gcbreckicn, solche, die häufiger krank sind, und unter den weniger lllutzbringenden werden sogar auch die Kriegsbeschädigte» genannt! (Hört, hört! links.) Was die Reichsbahn vielleicht damit erspart, büßt sie an der Betriebssicherheit durch Verwendung von weniger erfahrenen Beamten ein und muß die Allzemeinhest wiederum in Form von Arbeitslosenunterstützung und Subventionen an Betriebe aufbringen. Zur Bekämpfung der Wirlschoslskrise hätte die Reichsbahn bestimm« mehr kun können. Wir erwarten vom Minister, daß er in Zukunft nnt größerer Energie gegen all diese Mißstände bei der Reichsbahn einschreitet. So zum Leijpiei müßt« man die Elettxisizieruuz der Strecken Mnnchen-Stuttgart u. a., wobei 10 000 Arbeiter und Beamte für zwei Jahre Beschäftigung finden könnten, unbedingt fortsetzen. Die Reichs- bahn als größter Betrieb Deutschlands muß so geführt werden, wie man das billig von einem öfsentlichcn Betrieb dieser Größe und Bedeutung verlangen kann.(Lebhafter Beifall der Soz.) Reichsoerkehrsminister v. Guerard kündigt zu einem Antrag R i p p e l(Chrsoz.) an, daß er über die Gehälter der leitenden Be- ainten der Reichsbahn am Montag im Interfraktionellen Ausschuß sprechen werde. Die Leistungszulagen bei der Reichsbahn Halle ich nach Form und Art für unerträglich. (Beifall.) Uebcr den Bau des Rügendammes sind die Verhandlungen mii Preußen leider nur langsam vorwärts gekommen. Wenn Preußen zu lange zögert, werde» wir den Eisenbahn- dämm bauen. Das Kraftsohrzeug ist heute nicht nur durch die Steuer, sondern auch durch die Brennstoffzölle, die Mineralölaus- gleichssteuer und durch den Beimischungszwang belastet. Es ist ein Irrtum des Abg. Groß, daß eine Ueberrumpelung mit dem Schenker- Vertrag nicht vorliege. 1924 hat allerdings Herr von Siemens dem damaligen Generaldiretor Oeser ein solches Projekt entwickelt. Dieser Plan ist aber diesmal entschieden abgelehnt worden.(Hört, hört!) Abg. helmertch(Bayer. Vp.) wünscht u. o., daß der Minister die Lebensmittelpreise in den Bahnhöfen strenger kontrollieren lasse, und daß Schmutz- und Schundliteratur aus den Bahnhofsbuchhond- lungen rücksichtslos verbannt, eventuell der Vertrag mit den Buch- Handlungen nicht erneuert werde. Abg. Dr. Meyer-Hannooer(D.-Honn.): Die Reichsbahn hat nichts dagegen, daß Kleinbohnen gebaut werden, gibt ihnen dann aber keine Lcbensmöglichkeit. Das ist so wie vor dem Kriege, als man politischen vereinen zwar die Veranstaltung von Bällen erlaubte, aber Damen den Besuch verbot! (Heiterkeit.) Der Redner bringt Mißstände in der Ufererhaltung und Ktistenschissahrt vor und fordert die Reichsbahn zu größerer Rücksicht aus die Wirtschaft auf. Abg. Ehwalek(Komm.) begründet Anträge zugunsten des Reichs- bahnpersonals. Abg. Haag(Landvolk) fordert Fertigstellung der vielen an- gefangenen Eisenbahnlinien. Die Wegelasten der Gemeinden sind durch die übermäßige Beanspruchung der Straßen durch den ge- steigerten Krostwogenoerkehr unerträglich hoch geworden. Der- billigte Sondertaris« für Obst und Wein sind nötig. Die Lufthansa könnte sich auch in den Dienst des deutschen Edelobstabsotzcs stellen. Aus eine Frage des Abg. Dr. Schreiber(Z.) erwidert Reichsverkehrsminister v. Guerard. daß wegen des Mangels an Mitteln die Prüfungsmöglichkciten an der Versuchsanstalt den modernen Anforderungen nicht genügen können. Der Etat wird angenommen, dazu verschieden« Entschließungen, so eine sozialdemokratische aus Vorlegung einer Zu- sammenstellung der höheren Gehälter und der Leistungszulagen bei der Reichsbahn. Einstimmig angenommen wird eine Entschließung Dr. Breitscheid(Soz.) auf Einführung von verbilligten Fünstagearbeiterwochentarten auf der Reichsbahn. Zum Schenker-Dertrag wird die Entschließung Groß(Z.) aus Prüfung der Rechtslage angenommen: alle übrigen hierzu gestellten Anträge werden dem Verkehrsausschuß überwiesen. Annahme findet auch eine kommunistische Entschließung zugunsten kostenfreier Beförderung aller Schwerkriegs- und Schwerunfallsbeschädigten in der Polster- klosse.... �__ Verabschiedet wird in ciusachcr Abstimmung gegen die Kommunisten und die Landoolksraklion die Acnderung des vressegesehes. wonach immune Abgeordnete nicht verantwortliche Redakteure fein können.— Es folgt der Kriegslastenelal. Abg. Kitzel(Soz.): Nur 10 Millionen sind im außerordentlichen Haushalt zur Unterstützung der besetzt gewesenen Gebiete im Westen vorgesehen. Aber bei der jetzigen Finanzlage ist es unsicher, ob dieser Betrag wirtlich ausgezahlt werden kann. Bon den 5 Millionen des Haushalts stehen nur 2,3 Millionen zur Verfügung. Gegen die Osthilfe sagen wir kein Wort und erkennen ihre Notwendigkeit vollkommen an, aber der Westen hat ausgiebig« Hilfe nicht weniger nötig. Durch den sogenannten Friedensvertrag von Versailles und durch die langjährige Besetz» ng, sowie durch die Zallbestimmiingen hat die Industrie dieses Gebietes einen großen Teil ihrer Absatzmöglich- leiten verloren und kann sie sobald nicht wiedergewinnen. Mit Jubelfeiern und Donksagungen ist dieser schweren Not nicht abzu- helfen. Viel« Gemeinden sind am Erliegen. Die Arbeiterschasl verlangt keinen Dank dafür, daß sie dieses Gebiet dem Reich erhallen hol. (Sehr wahr! links.) Aber sie verlangt Gerechtigkeit auch für den Westen. Gegenüber einem Reichsdurchschnitt von 57 Mark pro Kops in der Einkommen- und Körperschastssteuer beträgt dieser Anteil im Landesfinanzamtsbezirk Trier nur l4 Mark, der Durchschnitts- betrog der Reichsumsatzsteuer nur 6 gegen lö Mark usw. Infolge- delsen sind die Gemeinden zu ungeheurer Erhöhung ihrer, besonders der Realsteuern gezwungen. Die Gewerbebetriebe sind außerordentlich zurückgegangen, die Handwerksbetriebe allein um 5000.(Hört. hört!) Der Weinbau Ist in besonders schlimmer Lage. Die Städte Mainz, Worms usw. stehen vor der Unmöglichkeit, ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ausgaben zu erfüllen! die gesamten Reichssteuer- einnahmen reichen in vielen Gemeinden nicht aus, um die Kosten der Wohlfahrtspflege zu bestreiten. Die Zwangsvollstreckungen häufen sich gewaltig. Die beteiligten Länder können nicht helfen, am wenigsten Hessen, von dem 25,5 Proz. des Gebietes mit 36,1 Proz. der Bevölkerung besetzt waren. Die hakenkreuzler benutzen die Zeit ihrer Versäumnis der Reich? tagssihunqen, um der Bevölkerung de» beseht gewesenen Gebietes unerfüllbare Versprechungen zu machen. Dabei weiß jeder, daß. wenn die Rationalsozialisten in Deutsthland zur Herrschaft kämen, der Westen zuerst die bittersten Ersahrungen machen müßte, zuerst in tiefste Rot und Elend gestürzt würde. Wie die Nationalsozialisten sofort nach dem Abzug der Besatzung in ihren braunen 5)enidcn hingekommen sind und Exzesse verübt haben, so Hetzen sie heute, während sie sich von der politischen Arbeit hier im Reichstage drücken.(Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Die Kommunisten machen es sich leicht: sie beantragen Aufwendung großer Mittel und schlagen als Deckung vor, die Repa- ratümszahlungen einzustellen.(Heiterkeit.) Warum so bescheiden, warum nicht noch«in paar Milliarden mehr Deckung� Solchen Unsinn machen wir nicht mit. Den Finanzminister aber bitten w.r dringend, die schwere Not des Westens nicht zu übersehen, sondern durch Veräußerung oder Beleihung von Reicheeigekitum die not- wendigen Mittel, vor allem die S'cberung der veranschlagten 10 Mil- lianen zu bcschaiicn.(Lebhafte Zustimmung.) Um ISVt Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf heute Sonnabend 12 Uhr. Allgemeine Wetterlage. 20.Fcdn töS�bds. O wolkenlos, O heiter, O halbbedeokf » wolkig,•bsdeckt'Regen�Gracpeln :Srftnes,=H8bel,T-Gewittrc@Win!lsfille Die milden meditiranen Luftmassen, die in den letzten beiden Tagen dem südöstlichen Europa ausfallend hohe Tagestemperaturen gebracht hatten, haben sich am Freitag weiter noch Nordwesten aus- gedehnt. Im Staat Sachsen und im südlichen Schlesien wurden mittags infolgedessen 9 bis 10 Grad Wärme erreicht. In Ungarn stieg das Thermometer sogar auf 14 bis 15 Grad im Schatten. Im übrigen Deutschland war es größtenteils neblig trübe; es war dabei selbst mittags mit 0 bis 2 Grad recht kühl. Das Tiefdruckgebiet über dem Nordmcer wandert weiter nach Nordosten. Zunächst dürste mir der Nordwesten des Reiches in den Bereich des ozeanischen Luftstromes auf der Südseite des Tiefs kommen. Die kalten arkti- scheu Luftmassen, die aus der Rückseite der Depression in breitem Strome nach Süden vorstoßen, werden in den nächsten beiden Togen auch langsam aus unseren Bezirk Einfluß bekommen. Wetteraussichton für Berlin. Zeitweise heiter, bei ansteigenden Tagestempcratlircn, kein« nennenswerten Niederschläge.— Für Deulschland. Im Nordwesten Uebergang z» unbeständigem, aber milderem Wetter, im übrigen Reich ziemlich heiter, stellemveisc aber nebelig, in den Tagesstunden relativ inild. riasiadmig«- für diel« Rubrik sind ■(( 1 i■ SB U, Lindcastrahe 3, stet« an da, Bezirk-sekretari-t 2. Hos, S Trevven rechts, zn richte». 5. Jhal». Deutscher ssreideukerverbant. SaSIfftUPPtn 12 bis 14 und 37. Ldnn- tafl, 32. fttStuat, BeranstaltunK!„ffitji Senn tan bei beit ipriiwitaMr. 17 Uhr Audrsasfestsit!«. Ändreosftr. 21. Eintritt BO Pf.«tnftkiiiestlich itani und ötcuern. Ueberschuft bekoimut SAZ. und Äinderfreundc. Kirchen- austritt kann»olUoaeh uterden. Ausweise uiltbrinnen. 7. und 8.»reis, gurisrischc Sprcchstuilde sendet aui(Somiobcub, dem 21. fff- bruar, von 17—18 Uhr, im Jugend beim Rolinenstr. 4 statt. Selenrnbeit »um Kirchenanstritt. 18. Rtei». gonntög, 10 lll>r, itefien sich die Kursusteisncbmcr in der Sorhall« bfs Museums für B olkerkunde, Sttefcmannftt. 120. Genosse Tr. Miinich führt. heule, Sonnabend. 21. Februar. 37. Abt. 20 Ahr I>d Thunack, Wielantlstr. 4. Funkbio nLrsißunp. 95. Abt. Aeszirkssiihrcr holen von 18 bis IS Ahr von Äcil, PrlNil-Landffery« Straffe 38, w'l6)tines Material ab. Besprechung. Arbeilsgemeinschast der Kindcrfreunde Groh-Berlin. Keci, Rcukölln. Die Teilnehmert Genosse Hans Morr Uber:.Die 21 dacht des Arbeiters als Konsument". Gaste willkommen. Uecieeligiöse Gemeinde. Souniag. 11 Uhr. Pappelallee 15. Vortrag hez aerrn P. Rogal:»Der Hefter". Harmonium: Menuett aus der Sinfonie cs.jur iMo.iart). Gäste willkommen. «und Deutscher Bodenrcformer. Adolf Damaschke hält Montag, 23. Fe. bruar, 20 Uhr. in der Lairdwlrtschaftlichrn Hochschnsr. gnvalidenstr. 42, Hör. snak l tRähe S'ektiner Bahnhof), im sZreien voltswirtschasllichen Seminar den 2. Vortrag:„Wege Zur Ucbcrwindung der Arbeüslastgkcit" ab. Gälte will» konime». Blind entschiedener Schnlressrmer. Pädagogische Arbeüsgemeinschast anr Moniag, 23. IZebrnar, Uhr, Kochstr. 13. Thema:..Lebensverllingung und ssllhrung" svon Blumentlial). tzederman» willkommen. Ilnkostenbritraq erbetc». Deutsch. Za panische Kesellschast und da«!Zapan.Znftitut. Mittwoch. 25. ffe. bruar, 20 Uhr. im Roswitha.Saal lDeutsiber Linieuu>»EIuh). Berlin. Liiftow. Plaft 15. Professor Dr. Richard Goldschmidt, Direktor des Kaiser-Wilhelm- Znstituts für Biologie, spricht über:„Allerlei Biologisches aus Japan". Eintritt frei. Gäste willkommen. Eishoetegmettlpiel« in Brouulage. Am Sonnabend, dem 21. isebruar, nachmittag», utid am Sonntag, dem 22. flebruar, finden in Braunlage qrofte Eie.hockcvwettkämpfe statt. An den Wettkämpfen stnd beteiligt der Nord- deutsche Eissportvcrbond und eine Berliner Mannschaft. Es spielt der Etrglifter Schlittsä)ub-Club von 1027 e. B. gegen den Altonaer Schlitlschlihläufer-Zlerein von ldit! und den Hamburger Eisians. Verein oon 1022 um einen Wandervokal, der voll den Pensionen. Hotels und Sanatorien von Braunlage gestiftet ist. Di« Sisoerdällnisse stnd m Dra Imlage hervorragend. \ Theater, Lichtspiele usw. ) ( W'�er - Garten• S 15 Ohr. Ztntr. 2819. Kaudien erlaubt. 7 Alfredos—„Arcano** Oolfnoffs— 3 Cressos und weitere intemationale Variatb- Stars. Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 4undPJSLJhr 4 Uhr kleine Pr. CASINO-THEATER Lothringer SSrafie 57. iitiiiiiiiiiiiiiiiiinHtiiiiitniin Trotz des groß o Erfolges nur bis 8. März OnHel Bliftn ans McBruppin Tägl 2 Vorsts- S u. SV: Uhr Barbarossa 9256 Nadia SO PL bis 3 M.. abends 1 bis 6 M. 3 Jlndreu-Xivel Soberto de Tasroucello*, Wlaidie& Jtay um. VlAZA I Tägl. S u. Bin sobnl. 2, i i. 8" E 4. Alax. 8066 Nehm. 50 Pf.— 1 M., abds. 12 M. 4 Bronetts, Oollynoffs Jazz- und Tanz-Ravua Daunion-Shaw. Kremo- Familie und woltar« Attraktlonan GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tägl. 8 Uhr. im weJswn RSaxL Stg. nachm. 3 Uhr Originalbcsctzung billige Preise Regie: Erik Charcll. BETRIEB*»V KEMPINSKinL? mmw Arnold Scholz 1 B-Sahn Beimannjlalz. Hasenheide 108-11 bp. BockDieriest und Orosser fllpegbali 7 Kapeilen, Neue Dekorationen Bayr. Bedienung EinlaB: W o c h e n t a g s 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. 8 Uhr [ans Albei in Liliom 8 Uhr Nadhan Staatsoper l.d.Republjji 7 Uhr Die Stumme von Portlcl Theater d. Westens Täglich 8lk Franz Lehars Heisterwcrk Oer Zarewitscti Carla Carlsen, Wil i Thunis, v Möllendorf Sonntags»V-a Uhr Zarewilsdi billige Preise. Neues Theater ..... in am Zoo Mm ArnBahnluZoo. StpLESSl Täglich 8V. Uhr Oer gr. Lacherfolg Guido Thleiscuor Das Oftentnche aergernis Preise I bis 8 M. and ein crstkl. baotes Programm! Montage den 9. März zun 1. Male 0 diese Schwiegervater Gnlsdbein 1— 4 Personen Fauteuil 1.25 M.. Sessel 1,75 M. Sonstige Pr. Parkett 75 Pf.. Rang 60 P». Reichshallen-Theater Uends|T| Sonntag Naduiittag ITiTI Blu Das wunderbare Februar-Programm der Stettiner sanger Populäre Preise! Nachm. ermäßigte Preise Dönhoff- Brettl: Täglich das gute Variete- und Kabarett-Programni! Berliner VVlk'TriO N e U k 0 i I B. Lahnstr. 74775.1 Deotsehes Iflnstier-Theai. Barbarossa 3937. 8Vj Uhr Ritter Blaoharts adite Frau Renaissance- Theater Steinplatz 6780 8Va Uhr muß die Kuh milcn geben? UPr.(I.SObis 13.50 J OeotsAes Mer 8 Uhr Elisabeth von England von Fcrd BrncRoet Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele 8Vi Uhr- Pariser Platz 13 von v'icki Baum Rqis: Gustaf GrOndgcns Tneat a. Kottb. Tor Rotlbuler®tr.6. Tägl. 8Ü Uhr auch So. nt. nchm. Z'kUbr ttUs- SLnger «1» immer de»«r» e Elf Ol: I EncitoeeLachstOrmc ab Lager u/eilbiech-, Stahl- u.Betontiau(en jeder Art. Angeb. u Prosp. kostenl Gebr Jldienbadi Wefdenao Sieg Eisen- und Wellblechwerke— Postfach 38b „Int. Automobil-Ausstellung Berlin, Stand 1000. Freigelände"! Die Komödie SVi Uhr Die Fee von Franz Molnar Regie: Stefan Hotk. metropol-Theater Täglich 8V» Uhr schön ist die weit Operette von Lehär Ritbard Tauber. Biliar llpar. Sdiötzendorl Sonntag nadim. 4 Uhr Sdifin ist die Welt Kleine Preise Rurfilrstendamm Idealer Bismarck 449 8 Uhr""! Das schwache Geschlecht v. Edouard Bourdet Regie: Max Reinhardt Rose- Thealer fir.FrniiklnrterStr.i32 Tel.Alex 3422 u 3494 7 Uhr und 10.15 Uhr Die sdiooe Helena Bamowsky- Bühnen Tbeaicr In itei Stresemannsn. 8V. Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus 8Va Uhr Cocktail von Rarl Tollmoeiler. Minikr. Ralph Benatzky Lustspteihaus Kurt Götz Täglich S1� Uhr Der Lugner u. die honne Komische oper 8V> Uhr Kleine Preise. Peppina untBr persönlidier Leitaug dis Romponistea Robert Stolz in der Premierenbesetzung Piscator-Bälme (Wallner- Theater) Alex. 45Q2-93. SV* Uhr Die Frau in Front Komödie v. Glebow Kleines Theat. Täglich SV. Uhr Grete Reiowald in: liolie-uömöilEfD mit Will Kaufmann,| Heinz Klubertanz leulno-Tlieater täglich 8'.'. Uhr Sonntags 4 und S'.BI Viktoria undihrHusar Harylosseff.niiscby.loeff Sonntags 4 Uhr Viktoria und ihr tiusar billige Pieise „Tausend Einfälle und Witze sich, alles trirbeU un'l sprüh»", so schreibt „Die Weltstadt44 über „Die schöne Helena" im ROSE THEATER Groß« Frankfurtsr Straß« 132 BlUrtlktss« AIci.3422u.3494 „DU Operette fand begeisterte Aufnahme" (Welt am Montag) „Der Beifall war enorm"(8 Uhr Abendblatt) Wochentags Beginn 815 ü. Sounabds. 7 U. u. 1015 Uhr Sonntags 250. 5«5 u. 9 Uhr Preise tob 50 Pf. bis 3 M Achtung:! Familien- Nachmittage Jeden Dienstag, Mittwoch. Donnerstag. Freitag 5,30 Uhr Lustspiel von Le« Len« Preise von 30 Pf.b. 1.50 U 20 Minuten Kaffeepause Kaffee mit Kuchen 30 Pf. 7 tfigiger Vorverkauf, täglich von IT— 1 Uhr vorm. und von 4— 9 Uhr abends Betienjeniedern alle orten Baumniolliuaren billig und dauerhaft bei Ed. Hoffmeister, SO 36, Wiener Straße 30 seit 40 Jahren am GSrlitzer Bahnhof Denftdier Metallarbeiter-IbM Vcrcaltungsslelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern gttr Nachricht. daß unser Kollege, der Former lleirnsmi Jäschfee 59 Jahre alt. am 15. gtbraot gestochen ist. Ehre seine« Anheitfen! Sie Einäschecunq findet Moniag, den 23. Fcdcuac, 20 Uhr. im Kremo- ioriumlstraße statt. Rege Beteiligung erwartet Via OrtsTcrwaUnns. Gewinnauszug 5.«lasse ZS. Preubisch-Eiiddeulsche Etaats-Lottene. Ohne Gewähr Nachdruck verdoken Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesalleo. und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in de« beiden Abteilungen l und ll II. Ziehungstag 20. Februar 1931 Sn der heutigen Bornnitagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne ,n 1 0000 HL 304852 362826 14 Gewinn- jb 5000 M. 56941 76250 102984 118207 158013 320375 375088 14«eBinntin 3000 M. 84853 98629 124145 155282 179378 288145 327634 52 Gewinn» ,a 2000 M. 24461 37595 58529 76505 79477 63312 100397 115549 117937 118033 125058 131919 140502 148077152547 171620 1841 48 1 93909 206487 223421 230103 233532 275419 343217 359026 367394 102 Gewinn- tu 1000 M. 6280 16852 28966 36452 38709 40995 41824 48055 48246 58593 61001 62073 68527 79289 79513 87071 134479 139208 140987 149563 168288 169985 195383 202492 211771 235491 236737 237820 239418 250722 252119 255265 274584 300728 307754 310103 317953 328815 338327 346093 347179 350879 350915369518 373467 375149 375772 378272 392688 392957 393917 198 Gewinn, nt 600 HL 8867 17091 21442 21834 25626 31396 36289 38830 45796 49071 50274 67490 58501 59349 60638 64024 64069 66854 63753 723SS 76460 67004 37052 93100 95746 97792 106135 109510 113106 118111 118179 118379 129776 140444 I 42995 143441 147497 1 49751 150589 151288 152293 153449 156261 I5S477 161514 168179 163153 188443 189202 190195 191615 191676 191372 195416 197581 197912 205813 210393 216563 219178 225784 227287 229121 230085 234198 234434 236987 244710 245963 246373 243853 249187 255413 270415 271463 230238 282097 294525 296985 306162 310014 320203 325100 325105 334257 339243 344471 348472 35126! 352639 354956 356387 360880 384973 387282 390214 382359 396801 397438 -Große Trauring-Fabrik verkauft fugenlose Trauringe direkt an Private fiteine A ttzeigen wirkungsvoll und billig Uberschrrftswort 25 Pf., Texfwort 12 Pf./ Wiederholungsrabott: 10 mal S'h. 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10�. 2000 Worte 15V, 4000 Worte 20 V Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf.. Textwort TO Pf. Annahme durch den Verlag, Lindenstr. 3(49 bis 5 Uhrj, und sämtliche Vorwärts Filialen u. Ausgabestellen uerKame Linoleum. SVn.at, Aolonlestr.9. Pichelsmerherbrand. Verlaufe Beiboot. Eiche- aellinkert, dicht. Preis 73 M. vull.Mo'or, a PS, S gnlinder, wie neu. lomvlelt 593,—. Stcnlik, Schiine» berflerftrofie 14. Aufgang nt. I. IS Bistige Teuoiche WebleHlet- Teppich« Ausnahuiepreile ca. 2x3 17,— . 2X3 14.— . 2 X 3 23,- . 2X3 35.- . 2,AX3,A 23.— Hleldungsstociu. tuasctie usw. . 3X4 3g.— . S:<4.52.- „ 3 X 4 83,- » 3X4 Uö.- Tepplchhaus Nörner. Potsdamer Straße 2Sa * Eetileg gratis Garantieschein. 1 R in g 333 gestempelt an» S bis 8 Mk 1, S8.5_ leichi s.SO 1 58.5_ mittel 12.- I. 585. Schwei 14.80 1_ 903_ leichi lö.so 1. 900_ mitte, 21.50 i 000 schwei 28.- jes. geschützt Bravleren grelle seien z. mitnehmen Artillenesireite au Passanei Sit. 12 Kon&eim Damm Hermann Wiese* Standuhren 95�-, Melallbe». 1 ftdlen 33,00.fiah- j lungsetleichtetung - Namerlina. Rafio. ■ nienallee 36. I 500«tenpdeden. ' Ptimadoppelleitiaer ! Salin. SchnIVardfie I 160/210 11,50 M. 1 an. florft u Eo. 1 Andteasstrane 42. Wenig getragen« Winlervaletots. Winterulster. Bu?> fchennlfter. IVrack antüge. Emolinaam »üae.Oi-hrodan�ige,..- fiackeitantUae, litr tbedpei». Wenig gelroqeue Raoaliergarderobe von Millionliren. Aerztrn. Anwälten. fsabelhal! billige Preise. Emviehle Taill?iimän!e1,Paic> totsV ffracks. Smo� lings.(bedroikan- ,iiae. Losen. Sport. Gelegen sede Sinur valfend! beitsklufe in neuer Spcjidlitöt Bauch, ifiarderobe. Weite- an.iilge. Spottbillig, der Weg lohnend. Lothringeritrafie 36. 1 Treppe. Bosen thalcr Dlah___' Winter- Domcnmäntel. Umiua. Eingelvcr kauf gu billigen!sa> btikpreisen. Tamcit mäntellabrik Schra ge. Berlin E, Klo- Iterfirafie 09. 2.Etage. Benig getragen» !1alfcltan.,uge. Mle. stots. Ulster. Pracht. oolle Sainmgatn. augilge. Smokingan- und Damenpelzen. ,üge. Selegenheits- Leihhaus Lowicki. käuse iu neuen Prinzensttafie 103.. Lerrengardetoden. eine Treppe Kein» Brillanten. Uhren. Halpern, Rosen Ihalerstrase 4. eine Treppe.__ Benig getragen, teils aus Seide ge. otbeitelc, ersikiasstgr Ialkettanzllge. Frack- onzitge, Smokingan. ziigc.Gehtockan�iige, Bauchanzila». Ulster und Paletots hoch. elegante neue lfiar» derob. ,u fiau» uend biMgcn Prei> sc». Selegenheits kaufe in Herren Lombard wäre._ «erleih bochelegan'er Gesell- schafts-Anzüge Leiä haus Lowick!. Priu» »enlkrafi« 103___ Tomen- Mäntel Inventurausverkauf Au ftaunenewert billigen Prellen ab Montag, den 3. Ja» nuar. LeipAigcr. sttaüe 97—98. Goldwaten Au Spot' preisen. Lcibbaus -Volenihaler Tor. Linirnstrafie 2031204 Ecke Bofenthaler. strafie.«einr Low bardware. MSVel Patentmatrahcn Metallbettcn, Auf. Ikgematrohen, Ehaii'clongues.Wal. tcr.Stargarderstrake achlAebn. KeinLaden MnftermSbcl. Ausstellung Kamer. liug. Kastanien- allcc 56. Rufibaum» bllsctt: Siand. uhren 75,—: Wäsche. schränke 20.—. Rie. senausmahl. Iah. lungserlcichterung. Gleiser. Alerandrrplatt. Möbclkatalog Nr. 33 gratis. AnNrideschrSnk« Rustbaum, ILO breit. 200 RM.. verkauft Tischlerei, Langrstrafic 53, Ja- brikgebäude 2 Tr. Achtung! Rpdel.Schraaet! nur KaItan>enalle«4Z14S! Sanderwochenl vi» AwanAialte» diese» Ronai»! Preise bis Au SO Pro.,, herab. geseht!— Jeder mufi Angreifen.— «..s.»,» Einige Beispiele: englisches Speise. Mo- Aimmer. Äaufafifd)- mit Ä�NtÄV »u�Gla�l �' �»K Ä Mor.k �„j�Glasm.' Zlldofim �Skolikeel strofie 25. Sochbahn �r'enAsmmcÄfi� Kottbufser Tor.» v"tcnAimincr-75, lNZIFUsttStll» Glriser, gute Möbel. Alcgan. herplatz. Möbelhaus Stein. Beinbetgswrg 24, verkauft ,�zei°wctl Sch'a'» N"ner473,— Sveite,'mmcr375.—. Ankleideschränke mit Svieae! 100,— Nufibaumdüfr't. Küchen Polster. waren. Iahlungs. �Küchen. komplett, lästert und weist/ 53�-. Nustbaum- Schränke 83�-.> Erlra-Angebot iai eleganten, polierten SveikcAimmern— 1 alles au halben: Preisen. Günstige1 Gelegenheit für Kassakäufcr— auch Zahlung». Linkpiano», überaus preiswert Pianoiabrik Link. Brunnrnitrasie 35�' Pianos- Iii, gel Rirsrnlaaer. Bech. stein. Blüthncr Steiuwan, Säiwech. tcn, Salonviano» 273.—. 300.—. 425.—, gebrauchte Abend- roth. Potsdamer- stroste 74_ Mietpiano», monatlich 6�- an. Känia. Bodiumer, ktrast« 27._ Schrankapparatr! iabelbaft im Ton. Saroplwn» und LolAreionanA. Sei» iene Geleaenbeit. auch kleinste Rairn- Aahlung. Pirtlch. Strrlikrrstrafie 47. Lumboltt ödö2_' Svrrchmaichincu. Drösttr Auswahl Berlins Koffer- avvaratr 12.—: 15.-: Ä>.-: Schianlavvarate »Ztimstzcniiisn Littaner Nähmaschinen,Blitz. schnellnäher. Der. senkbare, schrank» Modelle, Special- Nähmaschinen, auch wenig aebrauchie, bequeme Teil.rah' lunq. viele Vcr. kaussstellen. t�en» trale Söchstestr. 3S. E. o StzöniafUkbl 510. | Falirrafler Aiesonauswahl. Grstklafstae Ma«en. räder, Wiirterpreise. monatlich 10,—. Schlawe, Wein. meisterstrafte vier. irw Rinbcrrädcr,*,50; 13,—: LO,-;. Machnow, Wesn» meisterstra�e IU IlKSIIIgKSIlMl Iahngebilse, Ptatinalisälle Löt. Ainn. Blei, Queck. sildcr.SilberschmelAe GoldlchmelAerei Ehristionai. Kiive. nickctsiraste 30. Kaltestelle Adalbrr!. Vraste.____" Glühftrumpialche kaust Bllimel. El» säfierstraste 23». n.ll ItSFlNOM Möblierte, Botbcr.Aimmrr.«Irk. trifches Licht. Bad. 3S,—. an Partei- aeuostensinnens per- mir'«! Glancrt, Bornbolmcrstr. 76. vorn IL.© |u)o stiingz a■»cn| erleichteruna.•» erleichteruna. Kanaricuroller, «»eanra»«,™.� JätfclÄ&iet.j~ Tischovvoeat. w-- Vut 1»«mer, Küche. - 0'• Ittzfirastc 3.___ S jiorribot, Socife. . kommcr. gegen>wei Kanarienbähn«. � Zimmer mit alei» Zuchtweibchen. Bo. chcm.�Iibebör Ol. gclbauct billig, ferten schtiftllch UN. .�uchlaufgabe. Gie, /tee D. Boewärts. witz, Nostitzsttatzc/ iiltale Wilheluie. havenersttatze 46. G 13�-: 20.-. Mach- now. Beinmeistet- fitaste 14 Schwechteupiano und wundervoller islügel 140,—. Boich., AT. Pankow, Gärschstt.A l neununddrristig. 7lr 87• 48. Zahraang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 21 Februar 1Y31 Spaniens Wirtschaft. Ein schlimmes Erbe der wankenden Monarchie für die zukünstige Republik. Spanien ist ein Agrarland, tn dem inehr als die Hälfte seiner 22,5 Millionen Einwohner in der Landwirtschaft tätig ist. Ein Drittel der Ausfuhr besteh: aus Getreide, und die Biehwirtfchaft liefert etwa 2S Proz. des Exports. Dazu kommen Oliven, Wein. Kartoffeln, Zwiebeln und Südfrüchte aller Art, wie Orangen, Zi- tronen, Mandeln, Granatäpfel, Feigen, Trauben und Kastanien. Spanien liefert 50 Proz. der Weltproduktion an Oliven, und von seiner Orangenernte gehen mehr als neun Zehntel ins Ausland. 'Aber es ist eine sehr rückständige Landwirt schast, die das alles hervorbringt. Die Betriebstechnik ist wenig fortgeschritten, die Bewässerungsanlagen unzureichend und der Hektarertrag des Bodens dementsprechend niedrig. 1927 betrug er im Durchschnitt eiwa 9 Doppelzentner gegen 11—19 Doppclzentner in Deutschland. Eine der Hauptursachen dieser Zustände ist die Verteilung des Bodens. Die Regel ist Kleinpacht bei Großgrundbesitz: aus. gedehnte Latifundien, die nochlässig bewirtschaftet werden, in Anda- lusien und Castilien, Zwergbetriebe im Nordwesten— beides ist gleich unrationell In den Provinzen mit Grundbüchern wurden 6,(56 Mil- nonen Betriebe mit 18 Millionen Hektar Fläche gezählt. Davon sind ö Millionen Betriebe„unter 1 Hektar" mst einer Gesamt- fläche von insgesamt bloß 2,1 Millionen Hektar. Daneben 299 Be- triebe in der Klasse über 3999 Hektar. Die Lage der Arbeiter. Industrie gibt es vornehmlich in der Gegend von Barcelona und im Nordwesten des Landes. Sie beschäftigt ungefähr ein Viertel der Erwerbstätigen des Landes und gründet sich in erster Linie auf natürliche Bodenschätze: Eisen, Kupfer, Blei und Quecks 'Über. Daneben beschäftigt die T e x i i l industrie etwa 2ö Proz. der Arbeiter, auch die B a u industrie hat einen größeren Umfang. Der Reallohn der Arbeiter ist außerordentlich niedrig. Er be- trägt nach der Statistik des Internationalen Arbestsamts 19 im Per- gleich zu 199 in Großbritannien und 73 in Deutschland. Der Geld- lohn beträgt im Durchschnitt etwa an die 39 Peseten(etwa 22 Ac.) die Woche, doch sind die Lebenshaltungskosten etwas niedriger als in Deutschland. Wirklich katastrophal ist der Standard der Land- arbeite r. In Andalusien bewegen sich die Tagelöhne zwischen 3 Peseten für Frauen bis höchstens 6 Peseten für Männer. Der schnelle Verfall der Währung— die Peseta hat über ein Drittel ihres Wertes eingebüßt— hat die Inlandspreise ständig erhöht, aber die Löhne sind nicht in demselben Viag gestiegen, ist doch zuweilen die Regierung selbst gegen die Lohnforderungen der Arbeiter aufgetreten. Im abgelaufenen Jahr ist die Zahl der Streiks auf 327 gestiegen gegen nur 199 im Jahre 1929. Scheinkonjunktur durch Währuugsverfall. Da in der Inflation die Inlandspreise nie so rasch steigen wie der Wechselturs sinkt, wirkt der Währungsverfall wie eine Erportprämie, und die Handelsbilanz oerbesiert sich, d. h. während der Export steigt, füllt die Einfuhr. Das war der vor- läufig« Ausweg aus dem Gestrüpp von Schutzzöllen, Einfuhr- verbaten, Subventionen und der Devisenzwangswirtschaft, die die Diktatur errichtet und die Regierung Bcrenguer im wesentliä�n fortgeführt hat. Das im November 1926 eingesetzte„C o m i t e Regulator" hatte eine sehr weitgehende Oberaufsicht über die gesamte Industrie und zum Teil Einfluß auch auf ihre Dispositio- nen. Mit dieser bürokratischen Verwaltung wurden umfangreiche öffentliche Austräge für die Prioatindustrie verbunden. Die Aus- gaben dieses Apparates erreichten sehr bald ein Maß, das mittelbar zur Inflation und Geldentwertung führte. Die Staatsschuld erreichte einen Umfang von 21 Proz der ordentlichen Ausgaben, das Militärbudget wurde mst der stastlichen Summe von 699 Mil- lionen Peseten dotiert. Zu alledem kamen dann die bösen wirtschaftlichen Folgen der politischen Verhältnisse: Die gefährdete Monarchie verlor das Vertrauen der Finanzmöchte, und das Kapital floh ins Ausland. Jedes Zeichen der polstifchen Unruhe— zuletzt der Ausstand von Iaca— brachten ein neuerliches Absinken der Währung. Aber auch diese durch die Inflation hervorgerufene Schein- kcnjunktur der Industrie hat in der letzten Zest bedenklich noch- gelassen, die öffentlichen Aufträge wurden stark eingeschränkt, und auch der ausländische Absatz sinkt. Die Lage der Landwirtschaft ist womöglich noch schlechter als in anderen Ländern. So würde die halbfaschistische spanische Monarchie ihren republi- kanische» Nachfolgern ein arg zerrüttetes Erbe überlassen, das in Ordnung zu bringen große Muhe erfordern wird. Die preise der Konsumvereine. Ein Ernährungsindex des Zentralverbandes. Der Zentraloerband deutscher Konsumvereine hat inzwischen aus den Preisdebatten der verflossenen Monate die Lehre gezogen und ist daran gegangen, einen Eernährungsindex aufzustellen, der ja für den konsumgeiwssenschastllchen Warenverkehr in erster Linie in Frage kommt. Danach soll der k o n s u m g e n o s s e n s ch a j t l i ch e Preisstand für jeden Monat erinittelt werden. Die Erhebung wird bis auf das Jahr 1926 zurückgreife». Bis auf westeres muß allerdings die Feststellung des konfumgenossenschaft- lichen Index nach den nicht mehr zeitgemäßen Erhebungsgrundsätzen erfolgen, die für den Ernährungsindex des Reichsstatistifchen Amtes gelten. Im übrigen wird der Index der Genossenschaft auf den „konsumgenossenschaftlichen Einkaufskorb" zu- xeschnstten. Das Netz der berichtenden Konsumgenossenschaften ist entsprechend dem Aufbau der für die Ausstellung des amtlichen Ernährung?- index vorgesehenen Berichterstattung gleichmäßig über die städtische Bevölkerung des Deutschen Reiches oerteilt. Sowohl die Großstädte als auch die Mittelstädte und Kleinstädte sind in einem dem amtlichen Aufbau gleich, zustellenden Verhältnis an der Bericht- Erstattung betelligt. ZM Feststellung des tonsumgenossenschastlichen Ernährungsindex wirtf�liiiächst für die Bezirke der Berichtsstcllen der durchschnittliche Preisstand der wichtigsten Bedarfsgüter, die bei der Berechnung des amtlichen Ernährungsinder als Grundlage dienen(Brot, Mühlenerzeugnisse, Hülsenfrüchte. Kartoffeln, Fleischwaren. Fette. Käs-, Eier. Milch, Zucker. Kassee. Kakao, Salz, Heringe usw.) ermittelt. Die Berechnung der Bedarfsgüter- preise im Reichsdurchschnitt erfolgt auf Grund der von allen Berichtsstellen gemeldeten Preisermittlungsergebnisie. Unter Be- Nutzung der Reichsdurchschnittspreise wird der Wert des„Einkaufs- korbes", dessen Inhalt dem normalen Vierwochenbedarf einer Arbeiterfamilie(zwei Erwaclsiene und drei Kinder im Alter von 11, 7 und Wz Iahren), entsprechen soll, errechnet. Der Wert des„Ein- taufskorbes" bildet dann die Grundzahl zur Feststellung des Er- nährungslndex. Die vom Zentrolvsrband deutscher Konsumvereine vorgenommene Erhebung und Berechnung für die Jahre 1926 bis 1939 und für den Monat Januar 1931 sind bereits abgeschlossen. Das E r g e b- nis ist aus der folgenden Gegenüberstellung des amtlichen und des konsumgenossenschastlichen Ernährungsindex zu ersehen: amtlicher (1913— KO) im Durchschnitt des Jahres 1926... im Durchschnitt des Jahres 1927.... im Durchschnitt des Iabres 1928.... im Durchschnitt des Jahres 1929.... im Durchichnitt des Jahres 1930.... im Durchschnitt des Monats Januar 1931 Crnährungsindex koniim?' aenoffen- sctfaft'icher (1923=.00) 114,1 99,1 151,9 101,5 152,3 102,2 154.5 102,0 142,9 95,4 133.5 90,5 Vom Jahre 1926 bis zum Jahre 1931 ist der vom Stotistischen Reichsamt errechnet« Ernährungsindex von 111,4 auf 133p. also um 19,9 Punkte oder 7.5 Proz. gesunken Im gleichen Zeitraum ging der konsumgenossenschaftliche Ernährungsindex um 8,6 Punkte oder um 8.7 Proz. zurück Die Konsumgenossenschaften des Zentral- Verbandes haben also in den letzten fünf Jahren ihre Preise für die wichtigsten Massenbedorfsgüter ineinemgrößerenUmfange gesenkt als der an den amtlichen Preisstonderhebungen beteiligte« privat« Lebensniittkleinzeihandel. Die vorteilhafte Preisbildung der Konjumgenoffenschaften des Zentraloerbandes— die von den sachlich urteilenden Winschoftskreisen stets anerkannt worden ist— gewinnt durch die vorstehende Fest- stellung eine verstärkte'Beweiskraft. Die Gegenüberstellung läßt jedoch noch ein« weitere sehr wichtig« Tatsache erkennen. Während der konsumgenossenschaftliche Index in den drei Iahren von 1926 bis 1928 nur um 3,1 Punkte oder reichlich 3 Proz. stieg, erhöhte sich der amlliche Ernährungsindex in diesen drei Iahren um 7.9 Punkte oder um 3,5 Proz. Und obwohl im Jahr« 1929 der konsumgenossen- schaftliche Index trotz der geringen Steigerung in den Vorjahren um 9,2 Punkte zurückging, stieg der amtliche»Index in dem gleichen Jahre um weitere 2,2 Punkte oder um 1,1 Proz. Di« Bergleichung zwischen der Entwicklung des amtlichen i:nd des konsumgenossenschaftliäien Ernährungsindex wird erleichtert, wenn der amtliche Index(dessen Grundzahl mit 199 für das Jahr 1913 errechnet wurde) und der konsumgenossenichaftliche Index (dessen Grundzahl mit 199 für das Jahr 1925 gilt) unter Z u- grundelegung eines einheitlichen Nenners (1926— 100) umgerechnet werden. Diese Umrechnung ergibt das nachstehende Bild: Ernährungsindex ionslim» amtlicher oeriassen» Ichastlicher im Durchschnitt des Jahres 1926.... 199,9 199,9 im Durchschnitt des Jahres 1927.... 195,2 192,4 im Durchschnitt des Jahres 1928.... 105,2 103,1 im Durchschnitt des Jahres 1929.... 197,9 192,9 im Durchschnitt des Jahres 1939.... 99,9 96 3 im Durchschnitt des Monats Januar 1931. 92,5 91,3 Diese Gegenüberstellung beweist sehr deutlich, wie unangebracht das Geschrei der Konsumgenossenschaftsgegner über das angebliche Zurückbleiben der konsumgenossenschaftlichen Preissenkung war. Eine Durchrechnung ergibt, daß die Lebensmittelpreise im Einzelhandel im Durchschnitt der Jahre 1927, 1928 und 1929 um 3 P r o z. höher gelegen haben als die Preise der dem Zentrolverband deutscher Konsumvereine angeschlossenen Zlonsumgenossenschasten. Daran ändern auch Rabattgewährungen nichts, denn die Konsumvereine zahlen ja noch eine garantierte Rückvergütung von 4 Proz. Die Konsumvereine im Januar. Nach dem Ianuarbericht des Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine ergab sich pro Kops und Woche der Mitglieder gegenüber Dezember(Weihnachtsmonat) der erwartete Rückgang von 9.13 M auf 7,28 M Gegenüber dem Januar vorigen Jahres ist ein Rückgang um 92 Pf. zu verzeichnen: der wöchentliche Pro-Kops-Umsatz von 7,28 M. im diesjährigen Januar ist der niedrigste Januarumsatz seit 1928. Der Tiefpunkt in der durch die Krise rückgängigen Umsatzentwicklung der Konsumvereine scheint erreicht zu sein. Im Vergleich zum Vorjahr war der Um- satz im Juli 1939 um.3 Pro;., im August um 8 Pro;., im Sep- tember um 9 Pro;., im Oktober und November um je 13 Proz. und im Dezember um 13,5 Proz.-urückgegangen Der limsatz- rückgang im Januar betrug nur noch 12,9 Pro.;., Io daß sich die Umsatzoerminderung nicht mehr sorigesetzt hat Der Zentralverband stellt mit Recht fest, daß der Rückgang des Umsatzes zu einem nicht geringen Umfange auf die Senkung der Preise in den Konsumvereinen zurückzuführen ist: dazu kommen natürlich die kaufkraftdrosselnden Zluswirkunzen der Arbeits- losigkest und des Lohnabbaues bei den Mitgliedern. Aus Oer KainnOuftn«. Rückläufiger Absah- Dividenden- Finanzqesckäste. Nach Mitteilungen des Deutschen Kalisyndikats ist der Versand der Kaliwerke im Jahre 1939 etwa 3 bis 1 Proz. n i e d r i- g e r als im Jahre 1929 gewesen: er belies sich aus 13.57 Millionen Doppelzentner Reinkali gegenüber 11,01 Mill. Doppelzentner im Vorjahr. Allerdings sind in diesen Ziffern die aus den Export- l ä g e r n des Syndikats befindlichen Mengen, die gestiegen sein dürften, mit enthalten. In den ersten Monaten des Jahres 1931 da- gegen ist der Absatz stark zurückgegangen. Im Januar 1931 wurden nur 1,16 Mill. Doppelzentner gegen 1,86 Mill. Doppelzentner Reinkali im Januar 1939 abgesetzt: für Februar wird der Rückgang gegenüber dem Februar des Vorjahres auf mindestens 599 996 Doppelzentner geschätzt. Die Lage der Kaliindustrie wird auf Grund dieser Absagziffern von den großen Kali-Konzernen sehr verschieden beurteilt. Bei der Entscheidung über die Dividende für das Jahr 19 3 9(das bei dem geringen Absatzrückgang zweifellos hohe Ge- winne brachte) hat nun die Verwaltung des W i n t e r s h a l l- Konzerns auf den starken Aussall des neuen Jahres hingewiesen und die Dividende stark herabgesetzt, von 12 bis 8 Proz. Der Salz- detfurth-Konzern will anscheinend die weitere Entwicklung abwarten: die Bilanzsigungen finden erst im März stall. Sehr viel optimistischer ist der B u r b a ch- K o n z e r n. Die Burbach- K aliwerke- A.-G. wird wieder 12 Proz. Dividende verteilen. In den Bilanzziffern kommen die Finanzgeschäfte vom November vorigen Jahres, durch die der Konzern-Aufbau etwas durchsichtiger, wenn auch nicht durchsichtig gestaltet wurde, zum Ausdruck. Die Schuldner erscheinen nur noch mit 26 Mill. M. gegenüber 141,27 Mill. M. im Vorjahre, nachdem die Schulden der Gewerkschaft Bur'bach(196 Mill., M.) gegen Uebergab« des halben Aktienkapitals der Bürbach Kali-Werke A.-G (62,5 Mill. M.) aufgerechnet worden sind. Das Aktienkapital ist zugleich von 129 Mill. auf 79 Mill. M. herabgesetzt worden. Die Verschachtelung der Konzern-Gesellschaften ist aber noch nicht beseitigt— die Tochtergesellschaft der Burbach-Kali-Wsrke, die Hauptverwaltung des Burbach- Konzerns G.in.b.H, besitzt nämlich noch 9,25 Mill. M. oder 13 Proz. des Kali-Werk- Kapstals. Die Kali-Werke A.-G. besitzt nunmehr 1799 der 5999 Kuxe der Gewerkschaft Bürbach: bis aus 399 sind olle Kuxe von ibren Be- sitzern gegen Kali-Werke-Aktien eingetauscht worden. Das B e- teiligungskonto der Kali-Werke ist damit von 11,9 auf 51 Mill. M. erhöht. Das Anlagckonto zeigt nur geringen(aus- gewiesenen!) Zuwachs, von 73 auf 75,1 Mill. M- Für die Finanz- und M a ch t p o l i t i k der Kali-Konzerne von Bedeutung kann eine erst jetzt bekanntwerdende Beteiligung des Wintershall-Konzerns werden. Wir haben schon gestern auf die Finanzgeschästc innerhalb des Konzerns des Bankhauses Ephraim Meyer u. Sohn, Hannover, hingewiesen. Vom Kapital der Holdinggesellschaft des Bankhauses Meyer, der H a n n o- verschen Industrie A.-G., in Höhe vo» 8 Mill. M. besitzt, an- geblich schon fest längerer Zeit, der Wintershall-Konzern 25 Proz. Daß damit das Kali-Kapital in die E l e k t r o! n d u st rä e — die Hannoversche Industrie A.-G., ist beteiligt an den Lüden- scheider Metallunternehmen und an Voigt u. Hässner, Frankfurt am Main— eindringen will, ist wenig wahrscheinlich. Aber die Hanno- versche Holdinggesellschaft besitzt auch verschiedene Kali Papiere, darunter Kuxe der Gewerkschaft Burbach, und der Herr des Hauses Meyer, G u m p e l, sitzt im Aussichtsrat der Burbach-Kali-Werke A.-G. Es ist also anzunehmen, daß der Wintershall-Konzern a u f diesem Wege Einsluß auf den großen Rivalen, den Burbach- Konzern, zu gewinnen sucht. Wachsende Verluste der�uhrgas A-G. Der Ruhrgas A.-G., die im Jahre 1926 mst vollen Segeln und Hoffnungen auf das Ziel einer zentralen Ferngasversorgung Deutschlands von den Ruhrzechen aus losgegangen ist, geht es gar nicht gut. Die Gesamtgasabgabe hat sich 1939 zwar aus 797 Millionen Kubikmeter erhöht, davon kommen aber nur 139 Millionen auf die Belieferung von Gemeinden und kommunalen Gasanstalten, dagegen 379 Millionen auf die Industriebelieferung, die der Ruhrgas A-G. sowieso sicher war. Noch bitterer als um die Erfolge in der Gaswirtschaft sieht es in den Finanzen aus. Es wird gemeldet, daß das Jahr 1939 voraussichtlich mit einer nicht unerheblichen Erhöhung des vorjährigen Ver- l u st e s von 3,58 Millionen abschließen wird, und daß die Ruhr- gas A.-G. erst in einigen Jahren in der Lage fein wird, rentabel zu arbeiten und effektive Gewinn« zu erzielen. Die wilden Konkurrenzangebote zur Unterminierung der öffentlichen Gasversorgung sind der Ruhrgas A.-G. also sehr schlecht bekommen. Auf den Kommentar zu den erhöhten Verlusten darf man gespannt sein. Sinkende Fleischpreise /steigendepreisspannen Aus der letzten Verösfentlichung der Reichsforschungs- stelle für landwirtschaftliches Marktwesen zeigt sich von neuem. daß bei sinkenden Fleischpreisen es den Fleischern keineswegs ein- fällt, auch entsprechend die Spanne herabzusetzen. In der Woche vom 8. zum 15. Februar ist der durchschnittliche Fleifchprcis im preis von 196,4 auf 95,1 Pfennig gesunken. Di« Handelsspanne zwischen Groß- und Kleinhandelspreis dagegen hat sich von 22,3 auf 24,1 Pfennig erhöht. Den Konsumenten kommt also die Verbilligung im Großhandel nicht voll zugute. Gegenüber dem Monat. Oktober ist der durchschnittliche Pfund- preis von 196,4 auf 95.1 Pfennig gesungen. Die.Handelsspanne zwischen Groß- und Kleinhandelspreis ist einige Monate lang van 21,3 aus 2?ch Pfennig heruntergegangen, hat sich aber zum 15. Fe- bruar wieder auf 21,1, also über den Ottoberstand hin- aus, g e st e i g e r t. . Von der berühmten Fleifchoerbilligung u» 5 Pfennig, die eine Verringerung der Fleischspanne, alio ein Opfer der Fleischer sein sollle. ist also nichts mehr übrig. Die jetzige Fleisch- verbMigung ist nur noch eine Folge der dem Landwirt zugsmuteten Opfer Das Ende der Bernb. ötaewer A.-G. LteXin. D o inciirsacheii Sanierungsversuche babcn dies alte ll»t?rnehnici> nicht zu reiten vermocht. Es ist ein Opier der Ueberietz-na der Rä'' maschincrv und Fahrradinduiieie cemort'en. die nur durch die Sti!I leoung einiger Werke-u beseitige» ist Dazu kam noch mit der Ver- lchärsung k>er Krise ein starkre Absafirückgana, so daß im Jahre 1939 ein neuer Verlust von 1,85 Millionen Mark entstanden ist. Do sich der G e s a m t v e r l u st somit aus 2.36 Millionen Mark erhöbt hat(Aktienkapital 1.57 Millionen Mark), beschloß die außer- ordentliche Generalversammlung die Auslösung der Gefellsch-ift. CjäSte aus dem WeUenraum? "Von Willy Mey Es ist bekannt, batz nian erst seit wenig mehr als hundert Iahren a'issenschastlich an die Existenz von Meteortten glaubt: vor dieser Zeit aalten alle noch so glaubwürdig protokollierten und von ernsten und wahrheitsliebenden Männern beeideten Berichte über„vom Himmel gefallene Steine" als eitel Lug und Trug und Selbst- touschung. Chladni hieh der Mann, der dann die Wahrheit der Steinfällc nachwies und er hatte noch das Glück, daß gleich nach Erscheinen seines Buches in Frankreich ein gewaltiger Steinhagel niederging, der seine Ansichten bestätigte, Inzwischen hat man also gewaltig unigelernt,— die Meteoriten- sammlungen unserer großen Museen sind vollkräftige Beweise da- für. Der Laie, der vor einer solchen Sammlung steht, hat aber fiir gewöhnlich seinen tiefoerheimlichten Herzenswunsch nur halb er- füllt. Daß im Weltraum Steinbrocken aller Größen herumfliegen, ron kosmischem Staub bis zu ganzen Weltkörpern, nun, das weiß man ja. Die Frag«, die der Laie zu stellen pflegt(auch der Fach- inann, aber bei dem ist das aus einer Art wissenschaftlicher Scham heraus noch mehr überwuchert von allen möglichen andere n Gedanken), geht auf etwas anderes, auf die„Brüder im Welten- rauin", bescheidener ausgedrückt: auf das Leben im Weltall. Wenn doch, so lautet die aus diesem Wunsch geborene Frage, doch einmal etwas anderes vom Himmel fallen würde als nur solche Meteor- steine. Ob denn die Wissenschaft so gar nichts vom fernen Leben im All wisse. Die Wissenschaft ist solcher Frage gegenüber in Verlegenheit. Sie unterscheidet Stein-, Eisen- und Glasmeteoriten, weiter kann sie an greifbaren Dingen nichts erzählen. Sie weiß auch noch, daß aller Voraussicht nach irdische Lebewesen, wenn man sie auf den Mars oder zur Venus bringt, dort wohl weiterleben würden, daß das auf den äußeren Planeten oder auf dem luftlosen Monde unserer Erde und auf dem ebenfalls �lustlosen„Sonnemnonde" Merkur nicht der Fall sein würde. Sie kann ferner, und in teUweisem Widerspruch zu dieser Darlegung berichten, daß man mit dem Spektroskop in den Atnwsphären der beiden äußersten Planeten Uranus und Neptun (vom Pluto weiß man außer seiner Existenz ja nichts) das geheim- nisvolle Blattgrün oder Chlorophyll entdeckt haben will. Das ist aber unsicher, ebenso wie die berühmten und eine Zeitlang viel- besprochenen Marskanäl«, von denen man jetzt annimmt, daß sie überhaupt nur auf optischer Täuschung beruhen. Das größte Parade- pferd in dieser Hinsicht ist noch die von dem großen amerikanischen Astronomen Pickering beglaubigte Tatsache, daß auf dem Monde an manchen Stellen sich die Gesteinsarbe regelmäßig mit den Mond- tagen ändert(das könnte Pflanzenwuchs sein) und daß im Mond- krater Eratosthenes wandernde graue Flecke existieren, für die die einzige Erklärung, die wir uns denken können, wandernde In- fektenheere nach Slrt der irdischen Heuschreckenschwärme sind. Gerade für den Mond hätte man das, wenn es stimmt, am aller- wenigsten geglaubt, denn man kennt ihn zu genau, um ihm in dieser Hinsicht zu viel zuzutrauen. Man darf zwar nicht vergessen, daß das Leben als solches sehr viel aushält. Arrhenius, der verstorbene genial« schwedische Physiker, hat nachgewiesen, daß Bazillensporen die Weltraumkälte überstehen können, er baute auf dieser Basis seine berühmte Theorie der Panspermie(Allbesamtheit) auf, nach welcher solche kältefesten Bazillcnsporcn in den Lusthüllen belebter Planeten emporgewirbelt werden, dort vom Lichtdruck der Sonne erfaßt und durch den Raum zu anderen Weltkörpcrn getrieben werden können. Auf dieser Theorie wurde von einem deutschen Dichter, von Kurd Laßwitz, ein Roman aufgebaut,„Sternentau, die Pflanze vom Neptunsmond", in welchem durch solch Zusammenwirken des Licht- drucks der Sonne mit anderen Kräften die Sporen einer Pflanze des Neptunsmondes zur Erde gebracht werden. Und jetzt kommt ein Forscher, Dr. Desiderius Papp in Wien, mit einem Buche„Was lebt auf den Sternen" und spricht offen seine Meinung aus, daß nämlich das Thema dieses Romans schon Wirklichkeit geworden sei. Mit anderen Worten: daß es auf der Erde buchstäblich Lebewesen von anderen Planeten gäbe. Natürlich sind es die Bazillen, und zwar Bazillen, die sofort auffallen. Nicht sehr durch ihr Acußeres, das ist so, wie man es auch bei unseren einheimischen Bazillen hat. kleine Stäbchen und eiförmige Körperchen, kleine Korkenzieherspiralen und sonstige Formen, jedes Buch über Mikroskopie zeigt solche Bilder. Was diese Bakterien auffällig macht, das ist ihre Konstitution, ihre An- pafsung an Lebensverhältnisse, die auf der Erde nur ganz selten vor- kommen. Man kann sich ja ungefähr vorstellen, an welche Be- dingungen sich irdische Wesen anpassen können. Sie können an ein Freiluflleben gewöhnt sein wie die Seevögel, an unterirdisches Vegetieren wie Regenwurm und Maulwurf, an heiße Sonne und Wüste wie der Wüstenfuchs, an Polarnacht und Eis und Schnee wie der Polarfuchs. Das sind alles hübsche, aber doch nur übliche Leistungen im Kampf ums Dasein. Es ist nur eine Steigerung, wenn man von mikroskopischen Wesen hört, die unterirdisch in Steinkohlenflözen leben. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn man plötzlich von Bazillen erfährt, denen der Sauerstoff der Luft, das Lebenselcment aller irdischen Wesen, ein tödliches Gift ist. Es sind sogar mehrere Sorten(auch Krankheitserreger darunter), die sonst unglaublich lebenszäh sind, trifft sie ein Hauch Luft, dann ist es nach kürzester Frist mit ihnen aus. Das kann keine irdische Anpassung sein, denn sie hat keinen Grund. Man kann sich denken, daß ein Wüstentier sich an ein wasserkofez Leben gewöhnen kann, es wäre aber«in Un- Sinn, den man der Natur nicht zutrauen kann, wenn ein(olchcj Wüstentier die Anpassung au Wasserlosigkeft soweit triebe, daß es eingeht, wenn es von einem Regen auch nur bespritzt wird. Dieses Tier würde den Regen vielleicht nicht lieben, aber das ist doch ein kleiner Unterschied gegen den Tod. Diese sauerstoffeindlichen Bakterien lieben ihrerseits die Kohlen- säure, well es auch solche auf der Erde gibt, vermögen sie hier überhaupt nur zu dauern, ihre Heimat ist eben umgekehrt organi- siert als die Erde.— wenn wir diese fremde Welt kennen würden, dann würden wir sie für tot halten. Andere Bakterien gibt es, die noch viel kräftigere Giftgase lieben, der Methanbazillus schwärmt für Sumpfgas, der Thiobazillus für Schwefel, der Cyanbazillus sogar für Blausäure. Für die irdischen Lebewesen nahin man bisher als Bedingung ihres Gedeihens vier Grundnotwendigkeiten an: Lust. Wasser, Wärme und Licht. Alle diese Bakterien zeigen, daß sie das meiste oder alles davon entbehren können. Einiges davon könnte man zur Not als Anpassung an einen extremen Sonderfall ansehen,— so, wie die Algen, die in 8» Grad heißen vulkanischen Quellen leben,— olles zusammen führt aber über das Irdische hinaus, die Summe dieser Extreme ergibt die Norm für eine fremd« Well, in der der Mensch nur mit Hilfe seiner Technik vorübergehend leben und forschen dürste.— Nach allem ist die Idee, daß wir hier aus unserer Erde Gäsie aus dem Weltenraum haben, wahrscheinlich geworden. Man wird diese Bakterien nun ja mit ganz anderen Augen ansehen. Was bis- her mehr als Kuriosum berichtet worden ist, wird eine wichtige Forschungstatsache werden. Und wer weiß, wenn man erst ernstlich danach sucht, wieviel sich dann noch finden wird, wovon man keine Ahnung hatte. �Bedeutung und Verhreilung des Siddif fiten Das Jiddische, in der Literatur schon lange in Blüte, ist auch als T h c a t e r s p r a ch e in den letzten Iahren immer mehr in Hebung gekommen, wie gelegentliche Gastspielreisen ostjüdijcher Truppen beweisen. Auf der Bühne erinnert das zu Unrecht gering- fchätzig behandelte Idiom an die Elsässer Dialektstücke der Stoskopf uird Bastian. In der Tat ist das Jiddische in der Grundlage eine oberdeutsche Mundart, der alemannischen, schweizerijch-eljässischcn Färbung verwandt, aber stark mit slawischen und hebräischen Brocken durchsetzt. Als im Mittelaller am Oberrhein die Iudenversolgungen einsetzten(übrigens nicht nur in Deutschland, sondern in ähnlicher Weise auch in Frankreich, Spanien und England), folgte die der Brunncnvergiftung und Hostiensthändung bezichtigte jüdische Bevölkerung des Rheingebiets in Scharen der Einladung slawischer, namentlich polnischer Fürsten und nahm m die neuen östlichen Sied- lungsgebicte die herkömmliche deutsche Sprache mit. Das oberrheinische und rheinfränkische Land ist somit die eigentliche Heimat des Jiddischen, das in der östlichen Abgeschlossenheit von den Wandlungen zum Neuhochdeutschen seit Luther weniger ersaßt wurde und in mittelhochdeutschen Formen bcharcte. Eine Sonderausstellung gelegentlich der Jährt aufendfcicr der Rheinlands in Köln gab vor drei Iahren Kunde von der Wattderungs- und Sprachgeschichte der rheinländisch.'ii Juden, die in Köln bereits für das Jahr 331, als« schon zur römischen Zeit, nachgewiesen sind, und die später auch nach zeitweiliger Vertreibung immer wieder zu- gelassen und zurückgerufen wurden, da man sie unter der Herrschaft des kanonischen Rechts für das Wirtschaftsleben nicht entbehren konnte. Erstaunlich ist die Zähigkeit und Treue, mit der das in elender Wirtschaftslage vegetierend« Ostfudenörm seine überlieferte deutsche Mundart, die übrigens geschrieben und gedruckt sich meist in hebrä- ischen Lettern kundgibt, festgehalten Hai. Selbstverständlich hat der Dialekt auch den Kontakt mit der neuen deutschen Literatur ver mittelt, wie wir u. a. aus den Erinnerungen Rosa Luxemburgs wissen, in deren Baterhause Goethe, Schiller, Lessing und andere Klassiker nicht fehlien.- AuguH Sirindberg: 3)ie Stärkere In Genf wohnt eine Frau 1., die eine Zeitung herausgibt, ge- nannt„Die Vereinigten Staaten von Europa". Der Gedanke einer europäischen Bundesrepublik ist ein Erbe der Saint-Simomsten. Napoleon III., der Sozialist war, bevor er Kaiser wurde, hatte die vereinigten Staaten von Europa auf seinem Programm. Ais er Eugenie Maria de Montijo heiratete, die stärker als er war, änderte er sein Programm. Frau 1 hall an ihrem fest. Sie war verheitratct mit ciyem alte» Soint-Simonisten. Die Ehe war kinderlos geblieben. Frau I., die Idealistin ist, hält es für niedrig, den Haushall zu besorgen. Der Mann, der Literat ist, kocht das Essen und besorgt die Wohnung. Der Mann sieht nichts Niedriges darin. Aber er wird lächerlich Das Lächerliche liegt ja nicht darin, daß er tut, was die Frau sonst zu tun pflegt, sondern darin, daß er es allein tut. Wenn beide es tun. wird keiner lächerlich. � Jetzt soll der Mann tot sein. Aber andere sagen, er sei nach Amerika ausgewandert. Diese Ehe scheint also keine Ehe geworden zu sein. Keine wirkliche Ehe, da die Gatten keine Kinder bekamen. Freien Spielraum zu einer Novelle gibt diese halb bekannte Geschichte. Der Stoff kann von allen Gesichtspunkten gedeutet werden. Ich habe versucht, mehr Material zu erhalten, aber leider vergeblich. Erlag der Mann dem Gelächter? Fand er seine Stellung un- haltbar? Glaubte er sich gedemütigt? Wer weiß? Als Victor Hugo begraben wurde, stand eine einsame Droschke an der Porte Maillot, bereit, in die Prozession einzurücken. Es war ein Einspänner, ärmlich aussehend, ein solcher, in dem man einen Betrunkenen oder Erkrankten fortschafft. Auf deni Kutschbock war eine Art Obelisk errichtet, schwarz be- zagen, mit einem Kranz aus Fichtenzwcigen und Blumen verziert. In dem Kranz stand ein Vers von Victor Hugo geschrieben. In der Droschke saßen zwei ältere Frauen und ein Mann, dieser auf dem Rücksitz. Die Frauen hiellen«ine groß« Fahne, deren Tuch sie im Winde flattern ließen. Da war«ine Landschaft gemall, in der Vertreter von allen Völkern der Erde standen, einander die Hand reichend. Darüber war in Gold geschrieben: La. Republique Universelle. Darunter ein 3krs von Hugo an die Universalrepublik. Alle, die vorbeigingen, Blusen wie Gehröcke, Dekorierte wie Un- dekorierte, Frauen wie Männer, blieben pflichtschuldig stehen, um über das Schauspiel zu lachen. Wer nicht lachen wollte, der mußte, um seine Ehre und seine Intelligenz zu retten. Aber die beiden Frauen hiellen die Fahne hoch, dann und wann ein« Erklärung abgebend, ernst, freundlich, ohne Bosk)eit oder Eifer. Sahen sie das Lachen nicht? Doch, das konnte ihnen nicht enk- gehen. Aber sie hatten wohl nichts anderes erwartet. Deshalb erstaunten sie nicht, erzürnten sich nicht. An die Zukunft stellten sie wohl ideale Forderungen, doch an die Zeitgenossen schienen sie durch- aus keine zu stellen. Aber der Mann auf dem Rücksitz sah das Lachey! Deshalb wand er sich wie ein Sünder am Schandpfahl. Warum war er so feige? Ich dachte an Frau T. War s i e es, welche die Fahne hielt? War es ihr Mann, der sich versteckte? Dann dachte ich an Napoleon III. Wenn er jetzt gelebt und gesehen hätte, wie man die Utopie seiner Jugend auf einer Flaggen- stanze hißte, in der Prozession für den Verfasser von„Napoleon dem Weinen". Dann wäre Eugenie Maria de Montijo aus der Avenue de la Grande Armöe gekommen und Frau.TT. in der Droschke begegnet. (Wenn es Frau X. war!) „Du hast die Idee meines Ludwig gestohlen," hätte sie gesagt. Dann hätte Frau X. geantwortet: „Er wagt sie ja nicht zu tragen, der Tropf! Er hat Angst vor dir! Deshalb tue ich es! Betrachte diesen armseligen Mann, der dort auf dem Rücksitz bebt und zittert. Schön« Helden, muß ich sagen! Warum redet man vom schwachen Geschlecht?" „Davon sprach Ludwig nie! Er wußte sehr wohl, daß in der Geschichte stehen müsse: Eugenie I., 1833— 70, statt Napoleon III., 1852—70." „Warum will man uns Frauen kein«tinunrecht geben?" „Was sollen wir Frauen mit Stimmrecht? Wir haben ja ab- solutes Veto! Der Kaiser war der unbedeutendste im ganzen Kaiser- tum: er befaß weder Stimmrecht noch Veto! Ich besaß wenigstens dies!" „Ja, da« war schlimm, daß Sie das Veto damals besaßen!" „Gut oder schlimm. Mann oder Weib, der Stärkere herrscht!" „Augenblicklich bin ich es," ruft Frau X. und schwenkt die Fahne. Da ruft die Polizei: „La Republique Universelle!" Und die Universalrepublik rückt in die Prozession, zwischen Mum Ruderklub und einein Gesangverein, unter Sport eingestellt. Aber die Kaiserin wird nicht aufgerufen, denn sie weilt in Chiselhurst, wo sie Bonapartisten empfängt, die für das dritte Kaiser- tum agitieren. Rh« beut Stafitel atetttOflen mn 8. ScherinaZ Di« ostjüdische Massenwanderung nach Amerika hat dem Jiddi- scheu auch in der neuen Welt eine Heimstätte bereitet. Merkwürdig, auch unter dem nivellierenden Einfluß der englischen Wellspraä)« hält sich das Jiddische überraschend gut, namentlich in New �orf, wo gegen zwei Milllanen Ostjuden wohnen und wo heute der Dialekt eine groß« periodische Presse, eigene Theater und dergleichen hat entstehen lassen. Unnötig.zu sagen, ooß die Verwandtschaft des Jiddischen mit dem Deutschen oiesein und der alten Heimat manche Dorreile bringt. Dies« offenbaren sich wirtschaftlich und wissen- schaftlich, durch Erleichterung des deutschen Exporthandels, durch Ver- breitung des wissenschaftlichen und schöngeistigen deurschen Buches, nicht zuletzt auch durch die Ausstrahlung der soziapaittischen Litera- tur, seitdein der Emanzipationskampf der Arbeiterklasse ans Werken deietscher Sprache feine besten Waffen holt. Unsere Alldeutschen und Rationalisten sprechen gern von„deut- scher Wellgellung", die sie sich nicht anders denken können, als auf Waffengewalt und Kriegsmacht beruhend. Das Jiddische wird von ihnen natürlich mit Hohn abgetan. Nur wenn die Not groß und zwingend ist, dann«riwiert man sich auch dieser oerachteten Sprache, wie Ludendorsss berühiiller Aufruf.An die Irdden in Paulen" be- weift, der für alle Zeiten das Rosa-Gegenstück zur blauen Brille bleiben wird. IL D. :Die aullralilche llachligull lletUe iTlrlba lieg! im Sterben Die in der internationalen Bühnenwell als„ouftralifche Nachti- gall" gefeierte Diva hat man in Deutschland nur als Äonzertsätigerin kennengelernt. Und auch als solche ist sie vorn Hören wohl nur der älteren Generation iWaimt, während ihr Name sonst vor allem als Patin der Cisspeise„Pfirsich-Melba" jortlebt. Mit Joseph Joachim, dem Mtnieister der Violine, mit dem zusammen die Melda jahrzehntelang den Mittelpunkt dar Londoner musikalischen Season bildet«, trat sie wiederholt auch in Berlin auf. Ihre wahre Be- deulung liegt indessen in ihrem Wirten auf der Bühne, wo sie als Königin des Koloraturgesanges 40 Jahre lang unerhört« Triumphe feierte, bis sie 1l>2b, im Vollbesitz ihrer stimmlichen Mittel, von der Bühne schied. Ihr bürgerlicher Name ist Helen Porter Mitchell, seit ihrer Verheiratung Armstrong. Den Bühnennamen Melba wählte sie in Erinnerung an Melbourne, wo sie am IS. Mai 1861 geboren wurde. Gegen den Willen des Paters betrat sie. nachdem sie bei der Marchesi in Paris ihre Gesangsstudien vollendet hatte, zum erstenmal in Brüssel als„Gilda" die Bühne, und der rauschende Erfolg dieses Debüts setzte sich dann in Loufcm und Poris fort. Sie fang dann au allen größeren Bühnen derHWelt: ihre Stimm« erlitt im Laufe der Jahrzehnt« auch nicht die geringste Einbuße. Die Meiba war aber nicht nur die sieggewohnte Primadonna, sondern auch eine Frau, die durch Liebenswürdigkeit die Herzen zu gewinnen wußte. Ihre ungeheuren Einkünfte gestatteten ihr eine unbegrenzte Wohltätigkeit. So wandert« sie durch die Welt, um prächtig zu singen und zugleich verschwenderisch Gutes zu tun. Es versteht sich von selbst, daß eine Berühmthell wie die Meiba mit allen Größen des Tages zusamnientraf. Gern berichtete sie über ihre Bekanntschaft mit Oscar Wilde, der häufig bei ihr zu Gaste war. und niit dein sie ein letztes Zusammentreffen in Paris halle. Bei einem Spaziergang wurde sie von einem heruntergekommen aus- sehenden Individuum angesprochen Die Sängerin wich entsetzt zu- rück:„Ich bin Oscar Wilde", bemerkte der Freinde,„und ich werde jetzt etwas Entsetzliches tun. Ich werde Sie um etwas Geld bitten." Die Diva gab ihm den Inhalt ihrer Tasche, 200 Franken, und eistfloh, erfüllt von Mitleid und Scham. Das kürzeste Drama. Der geistreiche französisch« Dramatiker Tr i st a n B e r n a r d hat jetzt das kürzeste Drama geschrieben, das die Weltliteratur bisher wohl aufzuweisen Hot. Er teilt in der „Comoedia" dieses Miniaturmeisterwert mit, das er als„Expreß- Drama" bezeichnet und das den Titel„Der Geächtete" führt. Per- sancn: Labourin, der Geächtete: Mclaneau, der Gebirgsbexvohner. Die Szene spielt in einem Bauernhaus, in einem Gebirge gelegen, in einiger Entfernung von der Grenze. Es ist'Nacht. Der Stürm rast. Der Regen tromnielt gegen die Fenster. Möloneau. der Ge- birgler, sitzt am Feuer. Es klopft. Schweige». Es klopft wieder. Melaneau entschließt sich, zu öffnen. Herein tritt Labourin, der Geächtet«, vom Regen durchnäßt, mit Schmutz bedeckt. Er spricht mit mühsamer, halblauter Stimme. Labourin:„Wer du auch seiest, habe Mitleid mit einem Berfolgten. Aus meinen Köpf ist ein Preis gesetzt..." Melaneau(interessiert):„Wieviel?"(Labourin rasch ab. Vorhang.) Die Zunahme der Lebeasdauer. In der letzten Zeit hat die Abnahm« der Sterblichkeit wie in den meisten europäischen Ländern, so auch in Deutschland weitere Fortschritte gemacht. Während die ourchschnittllche Lebensdauer in dem Zeitraum vor 1901 bis 1310 für Frauen 48 Jahre und für Männer 44 Jahrs betrug, werden die Frauen im Durchschmtt heute etwa 38 Jahre. die Männer etwa 57 Jahr« alt.