BERLIN Soimabend 21. Zebwar 1931 10 Pf. Kr. sa B 44 48. Jahrgang Erscheint täglich auger Sonntaq». Zugle d) Adcitdai�gabe de»„Sorirärts*.®ejuq»prtie beide'Ausgaben 8SPf.»ro Woche..'iMiM. rro Monal Redaktion und Exredition. BerlinSWkS.kindenstr.S SfiaJaubgaße deA„ Anitigenvret«: Die einspaltige NonrareMeteUe »» Pf.. Reklameicile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftscheckkonl» Vorwärrs-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr.»?üSK. Fernsprecher: Döndoff 2S2 bi« 23? m.TiysskZssm KB Reichsbanner marschbereit! Alle Republikaner Berlins in den Lust» garten! Taft ist die Parole für de« morgigen Sonn» tag. Der historische Platz, der schon so viele gewaltige Abwehrkundgebungen der Berliner Arbeiterschaft gesehen hat. wird wieder eine grofte Kundgebung des republikanischen Berlin gegen Diktatur und Krieg er- leben. H ö r s i n g, der Führer des Reichsbanners, wird de» Appell über das neu organisierte, marschbereite Reichsbanner abnehmen. Ter Anmarsch der unisor» mierte« Reichsbannerformationen beginnt um 12.30 Uhr. Ter Polizeipräsident hat bekanntlich alle anderen Kundgebungen, die für den gleichen Tag im Lustgarten angekündigt worden sind, verboten. Den radcmwstigen Elementen, die scheinheilig unter der Mast« .der proletarischen„Einheitsfront" nur neue Zwietracht in die Rechen der Republikaner bringen wollen, sei noch einmal mit aller Deutlichkeit gesagt, doft jede Beeinträchtigung des Versammlungsrechts und jeder Versuch der Störung im keime erstickt werden wird! Es ist Pflichtjedes Sozialdemokraten, sich an dem Massenaufmarsch des Reichsbanners morgen im Lustgarten zu be- teiligeni Es gilt, für den demokratischen Doltsstaat zu werben, und den Gegnern der Republik wieder zu zeigen, daß alle diktatorischen MachtAelüste an der Entschlossenheit und Diszipliniertheit der republikanischen Front zerbrechen werden. Nachdem der Polizeipräsident jede andere Kundgebung und alle anderen Aufmärsche verboten hat, und das Reichsbanner keinen Zweifel darüber auskommen läßt, daß man sich gegen Störungen energisch zur Wehr setzen wird, sind die Nationalsozialisten und Kommunisten recht kleinlaut geworden. Immerhin sind Ttärungsversuche nicht ausgeschlossen, und wieder heißt es deshalb: Laßt euch nicht provozieren! Bei dem Aufmarsch genau zu beachten ist, daß der werte Platz vor dem Schloß allein für den Austnarsch der unisor- m i e r t e n Reichsbanncrkameraden freigehalten wird. Hier werden nebeneinander die Formotionen des Iungbanner, die Schutz- formationen und die Stammsormationen Ausstellung nehmen. Für alle N i ch t u n i s o r m i e r t e n ist der Zugang zum Lustgarten zwischen Dom und Notionalgalerie freigegeben. Die nlchtunlsormierteu Varleigenossen nehmen daher den Weg zum Lustgarten über die Kaiser-Friedrich-Brücke. Die Veranstaltung wird pünktlich um 15 Uhr beginnen. Zu gleicher Zeit finden im ganzen Gaugebiet und darüber hinaus überall im Reiche Bezirks- und Kreisappelle des Reichsbanners als Heer- schau der republikanischen Schutzgarde statt. Kabinett und Agrarfragen. Verhandlungen mit dem Keichsbankpräsidenten. Die agrarpolitischen Beratungen des Reichskabinells unter Borsitz des Reichskanzlers, an denen auch der inzwischen nach Berlin zurückgekehrte Reichsbankpräjident Dr. Luther teilnehmen konnte, wurden heute vormittag fortgesetzt. Im Vordergrund der heutigen Erörterung standen, wie amtlich mitgeteilt wird, vor allem die genossenschaftlichen Probleme, die gestern mit dem Reichsverband der deutschen landwirtschafllichen Genossenschaften in der Reichskonzlei ausführlich durchgesprochen waren. Für Anfang der nächsten Woche ist ein« eingehende Aussprache der zuständigen Stellen mit dem Ziel der Zlnsperbilligung in Aus- ficht genommen. Die agrarpolitischen Beratungen des Reichskabinetts werden Montag fortgesetzt. Südamerika im Aufruhr. 60 Tote m Peru.— Militärkomp ott in Argentinien. Jltm So tk, 21. Februar.(Eigenbericht.) Der am Freikag in der Hauptstadt Peru» ausgebrochene und schon nach kurzer Zeil niedergeschlagene Aufstand kostete 61 per- fönen das Leben. Di- Auffländifchen in Eallao ergaben sich erst nach hartnäckigen Strahenkömpfen. Mehrere unbeteiligte Zivilisten wurden durch verirrte kugeln getötet. Aehnliche beunruhigende Nochrichten kommen aus Paraguay und Argentinien. Die paraguayische Aufsläudischenschar besetzte noch kurzem Kampfe die Grenz- fiadt Villa Encarnacion und unterbrach sämtliche Verbindungen mit des übrigen' Landesteilev. •Die Qründungsfeier des Reichsbanners Unser Bild gibt«inen Blick in die Massenkundgebung des Reichs- bonners im Sportpalast. Heinrich W i t te vom Staatstheater feiert die schwarzrotgoldene Fahne in Versen Rothenfelders. Links: Preußischer Staatsminister Grimme vor dem Mikrophon. Kultur— Krickismus Wirth kämpft nach der falschen Seite Der Haushavsausschuß setz!« die allgemein« Aussprache über den Etat des Innenministers fort. Redn«r um Redner sprachen über Einzelheiten, äußerten Wünsche und machten Randbemerkungen. Zum ersten Mal« wurde es lebendig, als der Abg. Mumm(Chri.-Soz. Bolksd.) erklärt«, die freireligiös« Bewegung werde im Rundfunk— bevorzugt! Zwischenrufe von links her korrigierten jene Behauptungen eindeutig. Abg. Löwenstein(Soz.): Ein Reichsschulgesctz ist solange un- möglich, als die anderen Parteien in dieses Gesetz all das hinein- tragen wollen, was ihnen die Verfassung nicht gewährt hat. Die Sozialdemokratie Hütt ein Rejchsschulgeseg als einfachstes Rahmengesetz im engsten Anschluß an die Verfassung für möglich. Die gesamte Freidenkerbewegung als„Kultur- bolschewismus" zu bezeichnen ist völlig falsch. Die Freidenker- bewegung ist heute ein« starke, innerlich durchaus schöpferische Bewegung, die verlangen kann, daß sie wie jede ander« große'Welt- anschauungsgemeinschas» gewcrtet wird. Beim Film erwarten wir, daß eine gesetzliche Möglichkeit geschaffen wird, um die Fehlgriff« der letzten Zeit zu beseitigen. Wir bedauern, daß bei der Konferenz, die sich mit S ch u l o u f b a u und Berechtigungswesen zu beschäftigen gehabt hat, die Gewerkschaften unberücksichtigt gelassen worden sind, während Unternehmerverbände weitgehend vertreten waren und vor allen Dingen der Stadtschulrat Hertlake(Dresden) feinen gegen die Arbeiterschaft gerichteten Stand- punkt oertreten konnte. Jeder Schulaufbau und jede Iugendkultur, die nicht von den Massen der arbeitenden Jugend ausgeht, kann nur Stückwerk sein. Wir fordern, daß auf dieser Grundlag« die Bildungs- und Iugendproblem« erörtert werden, und nicht von der Vorzugsstellung der Regierenden. Minister Dr. Mrlh meinte, daß Strittigste für den Rundfunk sei die Derbreilung weltanschaulicher Veranstaltungen. Er werfe Freidenkertum und Radikalismus nicht in«inen Topf, aber die kommunistische Bekämpfung der Religion steigere sich mitunter zur Infamit. ' Zlbg. Sollmann(Soz.): Die von dem Reichsminister gerügte Rohett der kommunistischen Freidenkerpropaganda ist auch dumm, weil sie religiöse Menschen abstößt. Aber Roheiten kommen auch auf der kirchlichen Seite vor?, wenn sie auch in scheinbor gebildeten Formen sich betättgcn. Ist es nicht auch roh� wem man in den Kirchen Sozialdemokraten und freien Gewerkschaftlern nur um ihrer politischen Ueberzeugung willen die Tröstungen der Religion selbst am Grabe verweigert? Was halten Sie von den Roheiten des Kulturministers Dr. Frick, der eben erst wieder laut einem Bericht der„Allgemeinen Thüringi- scheu Landeszeitung' in Weimar vor den Jenaer Studenten das deutsche Volk als Heloten- und Kulivolk beschimpft hat und ferner sagte:„Was in Berlin noch sitze, könne man anstatt mit Rumpfparlament in Anbetracht seiner Scheu vor der Neuwahl auch noch einem anderen Körperteil kennzeichnen.' Wie lange wollen Sie sich das von diesen: Flegel noch gefallen lassen? Beinahe ist man versucht, zu verlangen, daß in Zukunft in Deutschland jeder, der Minister werden soll, ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorlegen muß.(Große Heiterkeit.) In derselben Rede hat Frick klar und d eullich den Reichsminister desInnern verhöhnt, indem er sagte, wenn das Rumpfparlament in Weimar tagen wolle, habe das Reich, nicht hineinzureden. Wie lange sieht die Reichsautorität diesen Provokationen noch zu? Der- selbe Frick redet von„Leistungsprinzip".(Allgemeine Zuruf«: Er leistet sich etwas!) Run schön. Ich frage den Minister, ob die nationalsozialisttschen und deutschnationalen Abgeordneten, die zugleich Beamte find und nichts leisten, als einen Sabotagestreik gegen das Vartament. weiter beurlaubt werden. sollen. Nach der Verfassung erhalten Beamte nur zur Ausübung ihrer Obliegenheit als Mitglied des Reichstags oder eines Landtags ohne weiteres Urlaub. Wenn diese Beamten erklären, sie nehmen am Parlament«ich» mehr teil, müssen sie in ihnn Dienst zurückkehren. Ein« Fi na»zip. rung des Sabotage st reiks gegen den Parlamentartsnnis durch Reich, Länder oi.er Gemeinden grenzt an Korruption. Ich forder« den Herrn Reichsminister aus, gegen diese Zustände dieselbe Energie aufzuwenden, die er heute gegen die äußerst« Link« ge» zeigt hat. Der Reichsinnenmister sprach zum Schluß der allgemeinen Aus- spräche noch über die Monopolmacht und Preispolitik der Tobis(Tonfilmkonzern). Sie führe zu unerträglichen Zuständen. Nach einer dann noch folgenden Auseinandersetzung zwischen Volks- parte! und Zentrum über Personalfragen wurde die allgemeine Aussprache geschlossen._ Kleinarbeit im Reichstag. Kriegslasten unk» Reichsschulden Der Reichstag erledigt« heute mittag den Kri.egs laste netat. Kommunistische Anträge venlangen, daß die Beiträge für die Repa- rationsoerpflichtungen des Reiches zur Erhöhung von Beihilfen aller Art verwandt werden. Die Anträge wurden selbstverständlich ab- gelehnt. Der Haushalt der Reichsschulden wurde ohne Debatte an- genommen: der Berichterstatter, Hrtler-Mann Reinhardt, war eben- sowenig anwesend wie der Hugenberg-Mann Laverrenz als Be- richlerstattvr zu dem darauffolgenden Pensionsetat. Ms erster Redner hierzu sprach der Kommunist Graes- Dresden. Nach ein paar Sätzen des Landvolkabgeordneten H ö n s e war die Beratung erschöpft, der Haushalt wurde angenommen und bereits um V-2 Uhr vertagte sich das Haus auf Montag, 3 Uhr: Kleine Vorlagen, dann Haushast des Ministeriums für Landwirtschast und Ernährung. Zu den Abstimmungen bei diesem Haushalt dürften die Hugenberg-Leute wieder erscheinen. Gelöle will— niederschlagen! Krastmeiertum eines LimonodenmanneS. Der Selterswasser- und Limonadenfabrikant Seldte, den das Offizierkorps a. D. des„Stahlhelm"' als sogenanten Ersten Bundes- sührer duldet, fühlt sich neuerdings immer wieder berufen, hohe Politik zu machen. So hat er jetzt im Herzogtum Franzens, in Braunschweig, geredet und dort, nach dem gewiß zuverlässigen Bericht der Tell-Union Hugenbergs, folgende Weisheiten verkündet: Die Hauptaufgabe des Stahlhelm sei es, eine geschlossene nationale Mauer zu errichten, an der die Linke zerschelle. Der Stahlhelm werde sich freuen., wenn die Kämpfe Hit- lers und Hugenbergs von vollem Erfolg gekrönt seien. Greise der Gegner, wie man hier in Braunschweig drohe. körperlich an und sollte die Landespolizei versagen, dann werde der Stahlhelm den Gegner niederschlagen, genau so. wie er dle Polen, wenn sie in wehrloses deutsches Land einbrechen sollten. aus die Pfoten klopfen werde. Schließlich fügte der sanfte Mann hinzu, er wolle die„rote Regierung" Preußens befestigen und habe dazu einen Zwei- jahresplan aufgestellt. Er wolle das ganze„alle System" befestigen:„wenn der Stahlhelm den Doung-Plan und den verjailler verlrag zerschlagen wolle, dann müsse das geschehen nicht durch eine schüchterneAnfrageeinesAußeuministers. sondern aus dem Willen des gesamten Volkes heraus, an den dann auch das Ausland glaube." Man sieht, daß der„Erste Bundesführer" und Wasserlieferant des Stahlhelms den Mund reichlich voll nimmt. Nur sollte er doch .langsam begriffen haben, daß es in der Politik wohl Scherben geben kann, daß aber weder Npung-Plan noch Versailler Aertrag, am allerwenigsten aber die Sozialdemokratie eine Wasserflafche ist, die man beliebig„zerschlagen" kann: selbst nicht wenn man einen Stahlhelm auf der Rockklappe trägt. Hitler und Herrenklub. ReinholöWulle gegen nationalsozialistischen Arbeiterbetrug. Reinhold W u lle, vor wenigen Jahren selber noch Führer der Rechtsradikalen im Reichstag, schreibt in seinen„Deutschen Nach- richten: „Im Herrenklub lauscht man und spendet Beifall den Ausführungen des Juden Dr. Georg Solmssen(geb. Samuelsohn?), über Normung(sprich Sozialisierung) der Land- Wirtschaft... In den Herrengesellschaften findet man auch„Führer" einer „Arbeiter"-Partei, so in Güstrow Anfang März 1929 den Reichsprogrammatiker der NSDAP.. Gottfried Feder, der sich dort ausführlich gegen eine Beteiligung der Arbeiter am Gewinn aus- sprach, dafür seien nur die Kreise um den Grafen Reventlow (Zeugen stehen zur Derfügungl). Und seitdem H e r r H i t l e r die Auswahl einer„neuen Herren- schichl" propagiert, die„die Herrschaft über die breite Mass« rück- sichtslos aufrechterhält und sichert"(s. auch Broschüre„Ministersessel oder Revolution?"), ist er natürlich derAbgottallerHerren- klubs und Herrengesellschaften, man will doch gerne zur«neuen Herrenschicht" gehören, man ist eben nun ein« Zeitlang „Nationalsozialist" und— Republikaner. Man findet gar nichts dabei, daß ihr nunmehriger Gesinnungsgenosse. Gregor Strasser. vom„Phrasendrusch aus wilhelminischer Mottenkiste" zu schreiben wagte, aber— man feiert Kaisers Geburtstag: Chorakterel?! —„Arbe!tcr"-Partei? Arme betrogene deutsch« Arbeiker!!!" Verhafiungen wegen H 218. Gchnststeller Or Friedrich Wolf und Aerzttn Zacobowih. Stuttgart. ZI. Februar. Der Stuttgarter Arzt Dr. Friedrich Wolf, der bekaonle Verfasser der Theaterstücke..Eyaukali" uod„Die Motroseu von Eattaro", ist vorgestern von der Polizei verhaftet worden. Er wird beschuldigt, sich gegen§ 218(Abtreibung». Paragraph) vergangen zu haben. Unter der gleichen Beschuldigung wurde gestern die Siullgarter Fachärztla für haulkrankheUca Frau Dr. Else Zacobowih-Slenle festgenommen. Zu der in Süddeutschland großes Aussehen machenden Der- Haftung wegen Vergehens gegen§ 218 weiß die liberale„Mirttem- .berger Zeitung" zu berichten, daß Dr. Wolf und die Aerztin im gegenseitigen Einverständnis gehandelt hätten. Dr. Wolf habe Frauen, die sich Hilfe suchend an ihn gewandt hätten, ein Zeugnis ausgestellt, wonach die Unterbrechung der Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen notwendig sei. Er. habe die Aerztin, die dann häufig Eingriffe vorgenommen habe, angewiesen. Da Wolf. und di« Aerztin Honorare angenommen haben sollen, werde ver- mutlich die Anklage wegen gewerbsmäßiger Abtreibung erhoben werden. Die Verteidigung hätten Rechtsanwalt Elsaß-Stuttgart und Dr. Apscl-Berlin übernommen. Lawine des Todes Ein Bauer und seine sieben Kinder im Schnee erstickt Innsbruck, 20. Februar. In dem im westlichen Osttirol gelegenen villgratener Tal hat sich bei I n n e r v i l l g» a t e n eine furchtbare Lawinen- katastrophe ereignet. Die Lawine ging von 2400 Meter höhe in die Tiefe, riß aus ihrem Wege drei bi» vier Mühlen nieder und erfaßte schließlich das hau» de» Bauern Zoses M eir, das vollkommen vernichtet wurde. Der Bauer selbst und seine sieben Kinder wurden getötet: die Muller konnte schwerverletzt geborgen werden, hier liegt wieder einmal eine ganz merkwürdige..Duplizität der Ereignisse" vor. dena am Tage vorher war im Kanlon Graubünden in der Schweiz die ganze Familie eines Gastwirtes gleichfalls einer Lawine zum Opfer gefallen. Zu dem schweren Lowinenunglück in Osttirol wird noch gemeldet: Der Bergbauernhof des Josef Meir liegt ungefähr 216 Kilometer hinter Innervillgraten einsam auf einer Höhe von 1400 Metern. Er war auch als Gast hos bekannt und von Touristen stark besucht. Auf dem Hofe lebten der Bauer mit seiner Frau und sieben Kindern. Am Freitag früh um 8.20 Uhr kam plötzlich aus dem Talgraben, an dessen Ausgang der Hof liegt, eine mächtige Lawine. In den letzten Tagen hatte es stark geschneit, doch hatte der Neuschnee aus der gefrorenen Unterlage keinen festen Halt, so daß er ins Rutschen kam und die Lawine bildete. Die Schneemassen stürzten über das Haus, das vollständig zerstört wurde. Die Frau wurde von den Schneemassen zur Seite geschleudert, so daß st« bald aufgefunden werden konnte; sie war schwer verletzt. Die Nachgrabungen wurden sofort ausgenommen. Bis zum Abend konnten dieLeichendesBauernundsechsseinerSinder geborgen werden, während das siebente Kind noch unter den Schnee- massen begraben liegt. Auch der gesamte Viehbestand wurde von der Lawine verschüttet._ Grubenkatafirophe im Westen. ZSiSher 25 Tote— 90 sollen nock eingefckloffen sein. Aachen, 21. Februar. Sonnabend morgen um 7.30 Uhr hat stch auf Grube ..Eschweiler Reserve" in Nothberg auf der S00-Meter-Sohle in der dritten Abteilung im Südflügel eine Schlagwetterexplosion ereignet. Betroffen sind hiervon drei Reviere mit insgesamt 8 0 Mann Belegschaft. Rettungsmannschaften der Nachbar- grabe„Maria" sind sofort eingesetzt worden und haben bisher 14 Tote und vier Schwerverletzte bergen können. Weitere 13 Bergleute— nach einer anderen Meldung find es sogar 90— sollen noch in der Grube eingeschlossen sein. Eine bei Redaktionsschluß kommende Meldung des Preußischen Handelsministe- r i u m s spricht allerdings von 2S getöteten Bergleuten. Der Grubensicherheitsdienst im preußischen Handelsministerium teilt mit, daß bei dem neuen Berg- Unglück auf der Zeche Eschweiler-Reserve bei Aachen 2S B e r g- leutet getötet. 4 schwer verletzt und 10 ins Trankenhaus gs- bracht worden sind. Die Untersuchung ist im Gaage. Die Baue sind bis aus einen, worin sich möglicherweis« noch drei Bergleute befinden, schon befahren worden und sind gasfrei, während die im Krankenhaus Liegenden an Gasvergiftung leiden. Die B e- legschaft, die insgesamt 2000 Mann beträgt, ist aus der Grube zurückgezogen worden. Die tägliche Förderung dieses Bergwerks beträgt etwa 3500 Tonnen Steinkohle. ' Oer Kanonier gemeingefährlich. Lnternierong in der Irrenanstalt Herzverge. Das Gutachten des Kreisarztes über den Geisteszustand des 38Iährigen„Erfinders" Johannes Lauktien. das heute morgen erstattet wurde, lautete in Abweichung der früheren Fest- stellungen der Kreisärzte dahin, daß Lauktien ein gemeingefährlicher Geisteskranker sei, und deshalb einer Anstalt überwiesen werden müsse. Infolgedessen ist L. heute bereits der Irrenanstalt Herzberge zur Internierung zugeführt worden. Zugunglück in Griechenland. 15 Tote und 50 Verletzte. Athen, tl. Februar. In der Nähe der Stadt L« o n t a r I o n stieß heute früh ein gemischter Personen- und Güterzug, der zwischen Kalomae(Kala- mala) am Messrnischen Golf und Tripolis in der Provinz Arkadhia verkehrt, mit einer aus entgegengesetzter Richtung kommenden Loko» Motive zusammen. Bei dem heftigen Zusammenstoß wurden beide Lokomotiven und vier Personenwagen vollständig zerstört. UnzefShr 50 Reisende wurden verletzt, darunter 15 schwer. Nach bisher unbestätigten Meldungen sollen 1ö Menschen dabei ums Leben gekommen fein. Straßenbahn rast in den Abarund. Athen. 21. Februar. Heute morgen ereignete stch in Athen ein schreckliches Straßen- bahnunglüch Infolge Versagens der Bremse rast« ein Straßenbahnwagen in der Nähe des Athener Stadion» die steil abschüssige und mit scharfen Kurven versehene Straße mit großer Geschwindigkeit herunter. Er entgleiste und zersprang in zwei Teile, wobei der eine Teil in den Fluß Ilissos stürzte, während der andere über dem Abhang hängen blieb. Als das Publikum das Versagen der Bremse bemerkte, bemächtigte sich seiner eine fürchterliche Panik, ohne daß es irgendeinem gelang, sich zu retten. Sämtliche Fahrgäste erlitten Verletzungen; sieben Per- s o n e n wurden schwer oerletzt. Erzieher als Hetzer. OieZöglinge vonStruweShof mußten feste Aititel schreiben Vor dem Arbeitsgericht fand heut« eine Verhandlung statt, die betrübliche Einblicke in di« Psychologie gewisser Erzieher bot. Solch ein Erzieher war Herr Schwanke. Ms fein« Haupiaus- gab« betrachtet« er es augenscheinlich, die ihm anvertrauten Zöglinge zum Artikelschveiben für ein kommunistisches Skandalblatt zu oeranlassen. Ein Artikel erschien am g. Ottober v. I. mit der Ueberschrift:„Aus der Prügelanstalt Struweshof", der andere Artikel am 29. Ottober, er trug die Ueberschrift:„Neuer Skandal in Struweshof". Wegen dieses Verhaltens ist Herr Schwanke fristlos entlassen worden. Darauf verklagte er die Stadt beim Arbeitsgericht. Zur heutigen Verhandlung waren u. a. die Stadträtin W e y l und Obermagistratsrat Dr. Knauth als Zeuge erschienen. Der Kläger Schwanke behauptete, zur Veröffentlichung der Artikel ge- schritten zu sein, nachdem seine Vorstellungen bei seinen Borg s tz- een, Obermagistratsrat Dr. Knauth und Frau Stad'rätin Weyl, er- f o jl g l o s geblieben seien. Er bestritt auch, seinen Zöglingen das Material zur Veröffentlichung geliefert zu haben, sondern bchaup«te, das Material von den Zöglingen erhalten zu haben. Der erste Artikel sei von den Zöglingen selbständig verfaßt worden. Di.s« seien es auch gewesen, die die Veröffentlichung in dem Kommunisten. Mali veroffsnilicht hätten. Demgegenüber erklärt der Vertreter der Stadt folgendes: Wenn der Kläger Mißstände in der Anstalt zu rügen gchabt hat'«,(o sei er verpflichtet gewesen, sich an seinen direkten Vorgesetzten, den Direktor von Struweshof, R a k e. zu wenden. Hät'e er kein Ge- hör gefunden, so wäre seine Pftickst gewesen, die nächsten Instanzen anzurufen: den Obermagistratsrat Dr. Knauth, die Stadträün Frau Weyl. den Bürgermeister Scholz und den Oberpräsidenten. Es könne unter Beweis gestellt werden, daß der Kläger sich an keine der ge- nannten Instanzen gewandt habe. Er wäre niemals fristlos ent- lassen worden, wenn er einen Artikel unter seinem Namen ver- ösfentlicht hätte. Was hat er aber in Wirklichkeit getan? Er hat, wie er selbst zu Protokoll gegeben hat. zwei Zöglingen Zet el zu- gesteckt und sie oeranlaßt.- auf Grund dieser Zettel di« Artikel zu schreiben. Das Gericht wies die Forderung des Klägers ob und erklärte ein« Beweisaufnahme für nicht erforderlich. Es habe zur fristlosen Entlassung eln triftiger Grund vorgelegen. Es sei der Stadt als Arbeitgeberin nach dem. was geschehen, nicht zuzumuten gewesen, das Dienstverhältnis mit dem Kläger fortzusetzen. geraten, daß er ins Westend-Krankenhaus gebracht werden mußte. Gleich nach seiner Aufnahm« erzählte er unter der Einwirkung des Alkohols, daß nicht sein Bruder, sondern er selbst den Mord an Schmoller begangen habe. Die Polizei stellte bereits einen Tag später, also am 1. Februar, fest, daß an der Erzählung des Chauffeurs nicht ein wahres Wort war*> Aus diesem Grunde bestand auch für die Beamten der Mordkommisston kein« Veran- lassung, stch weiter mit der Person des Chauffeurs zu befassen. Es wird ausdrücklich noch einmal darauf hingewiesen, daß der Artist Urban des Mordes völlig ützerführt Ist. Entgegen anders lautenden Meldungen teilt die Iustizpressestelle noch mit, daß Urban vor dem Untersuchungsrichter sein Geständnis weder eingeschränkt noch widerrufen hat.___ Schlägereien der lehien Nachi. Scharfe Schüsse aus einer Laubenkolonie. In S I e m e n s st o d t,-n der Gegend der Nonnendammallee, gerieten in der vergangenen Nacht Hakenkreuzler und Kommunisten an drei verschiedenen Stellen in eine Schlägerei. Ein Nationalsozialist mußte mit Stichverletzungen ins Spondauer Krankenhaus gebracht werden. Insgesamt wurden 19Beteiligte von der Polizei festgenommen. Bei der Verfolgung einiger Krakeeler wurden auf das Polizeiauto aus einer Laubenkolonie mehrere scharfe Schüsse abgegeben. Das Gelände wurde daraufhin sofort abgesucht und zwei Verdächtige verhastet. Falsche Gelbflbezichiigung. Auch der Bruder Urbans wollte Mörder sein. Ein Berliner willagsblall berichiet über eine sensationelle Wendung lm Mordsall Schmoller. Danach soll sich der Bruder des in Unlersnchungshaft befindlichen Artisten Urban, der Chauffeur Herber« Urban nach einem Selbstmordversuch des Mordes an dem Geschäfkrführer des Merceder-Palaftes in Neukölln bezichtigt haben. Herberl ll. liege aber noch veroehmuogs- un fähig im westend-krankeohous danieder, so daß weitere Einzelhellen noch nicht zu erhallen seien. Wie wir hierzu erfahren, Ist Herbert Urban am 13. Februar nach einer Bierreise mit mehreren Personen in eine Schlägerei I Oas Attentat in Wien. Die Täter; ehemalige albanische Offiziere. Meo, 21. Februar. Der albanische Staatsminister L i b o h o w o. der bei tem Attentat verletzt wurde, erzählt« über den Hergang des Attentats folgendes: Beim Verlassen des Theatergebäudes, als der König und sein Gefolge im Begriff waren, in das Auto einzusteigen, tauchte plötzlich ein Mann vor ihm auf. der in rascher Reihenfolge mehrere Schüsse abgab. Dieser Attentäter war von zwei anderen Personen, die ebenfalls aus dem Dunkel eines Pfeilers heraus auftauchten, flankiert, und auch dies« beiden eröffneten sofort in der Richtung des Autos das Feuer. Die Leiche des erschossenen Majors Topatoj. der seinen Verletzungen kurz nach dem Attentat erlag, wurde zunächst in der Oper aufgebahrt und, nachdem eine Gerichtskommisswn das Protokoll auspenommen hatte, nach dem Leichenhaus gebracht. Zu dem Mordanschlag aus König Zogu von Albanisn wtro noch bekannt, daß der ein« der osrhasteten Attentäter der Artillerietapitän Agi s kam i ist. der zweit« der Student G j e l o s s i. der ebenfalls albanischer Ofsiztar gewesen sein soll. Das Gerücht, daß mehr als zwei Personen verhaftet worden sind, ertlstand dadurch, daß das Feuer vom Gefolge Zogus erwidert wurde und im ersten Augen- blick zwischen den Schießenden kein Unterschied gemacht werden konnte. Der Hofministcr Libahova hat einen Steckschuß in den Fuß erhal'en. Die Untersuchung auf der Unfallstation ergab, daß die Verletzung leicht sei. Er wurde in«in Sanatorium übergeführt. Nazi-Maliitz freiqelossen. Da» gerichtliche verfahren gegen den Reichsdeutsche«. Haupt- mann a.D. vonMaltih. der die Mordbuben hauschke und Becker ualcrslühte und weilcrbefördcrte, wurde eingestellt. Er wird sofort aus freien Fuß gesetzt werden. Der tägliche Raubiiberfatt Sparkasse in Hohen-Aeuendorf um AV00 M. beraubt— Tater entkommen Die ununkerbrochene Reihe der Raubübersälle. die jeh» fast täglich die Millionenstadl alarmieren, scheial nicht abzureihen. Aus hohen-Reueodorf wird heute früh ein Raubübersall auf die Zweigstelle der Sparkasse des Kreises Riederbarnim gemeldet, bei dem den Räubern 3000 Mark in die Hände fielen. Sie entkamen mit einem Auto, das eine Berliner Rummer getragen haben soll. Die G i r o k a s s e I der Kreisspartasse liegt in der Friedrich- straße 6 in hohen-Neuendors. In so frühen Morgenstunden ist die tagsüber belebte Straße noch ziemlich still. Die Geschäftsräume der Kasse wurden, wie üblich, um Uhr geöffnet. Der Vorsteher Wichmann und ein Angestellter hatten bereits aus dem Tresor Geld genommen, um es für die ersten Zahlungen bereit zu haben. Auf feinem Zahltisch hatte er etwa 3000 Mark aufgebaut. Plötzlich wurde die zur Straße führende Tür aufgerissen. Zwei junge Burschen stürmten herein und forderten mit vor. gehaltenen Pistolen den Vorsteher und den Angestellten auf, die Hönde hochzuheben und an. die Wand zu treten. Der eine der Räuber hatte in jeder Hand ein« Pistole und hielt damit die beiden Beamten in Schach. Der andere, der nur eine Wasse hatte, legte sie auf den Tisch, ergriff eine Aktentasch«, die einem der Beamten gehörte und packte das bereit gelegte Geld hinein. Während sich das abspielte, betrat ein Kund« und darauf der B r i e f t r ä g e r den Raum. Der Räuber mit den zwei Pistolen forderte beide barsch auf, sich neben die Beamten zu stellen und sich ruhig zu verhalten. Als sein Kumpan sich des Geldes bemächtigt hatte, rief er dem anderen zu:„Fertig!", nahm auch seine Pistole vom Tisch und langsam rückwärts gehend, entfernten sich beide durch die Tür. Zwei Häuser von der Kasse entfernt stand mit laufendem Motor«in Auto. Die Räuber sprangen hinein und der dritte Mann. der am Steuer gesessen hatte, fuhr sofort los. Der Wagen schlug die Richtung nach Berlin ein. Die Angestellten der Kasse, der Kunde und der Briefträger liefen den Räubern auf die Straße nach, sahen aber nur noch den Wagen davonsausen. Sie wollten bemerkt haben, daß er eine Berliner Nummer trug und zwar I A 43 936. Ob die Ueberfallenen die Zisfern richtig erkannt haben, steht noch nicht fest. Es ist auch möglich, daß die Räuber eine falsche Nummer angebracht hatten. Andere Zeugen, die den Wogen vorher in der Straße hatten halten sehen, glauben, daß es eine dunkle Opel-Limousine war. Von der Polizei in Hohen-Neuendorf wurden sofort sämtliche an der Berliner Strecke liegend« Landposten benachrichtigt und auf das flüchtige Auto aufmerksam gemacht. Bisher ist aber noch keine Meldung eingegangen, daß es gesehen worden ist. Der Ueberfall hat nur wenige Minuten in Anspruch genommen. Dadurch, daß die Räuber nicht geschossen haben und ihre Kommandos einander leise zuriefen, konnte es geschehen, daß Leute, die im Neben- zimmer waren, von d«m ganzen Vorfall nichts. merkten. Die Räuber hatten nicht für nötig gehalten, sich zu maskieren. Elisabeth Vergner als �Ariane". Lapitol. Claude Anet, de? auch bei«ms in geivissen Kreisen populär gewordene französische Schriftsteller, schildert in seinem Roman „Ariane" eine russische Studentin in ihren? Liebesabenteuer mit einem Franzosen. Während für sie diese Liebe ein tief innerliches Erlebnis ist, nimmt der Franzose sie wie eine duftende Blume, die man pflückt und dann wegwirft. Sie spielt die in Liebessachen er- fahren« Frau, während sie in Wirklichkeit ein uirberührtes Mädchen ist, alles dem Geliebten zu Gefalle««. ZXese? erotische Roman mit psychologischen Einschlägen gestaltet den Wunschtraum eines Dichters, der die slawische Seele zu entdecken«neint uitf» in ihrer Süße schlürft. Paul C z i n n e r hat das Problem beibehalten m seinen« gleich- nanrigen Film, im übrigen aber die Handlung frei gestaltet. Das junge Mädchen ist zwar eine Russin, die, in Zürich aufgewachsen, in Berlin studiert. Aber von ihrem Russenrum wird weiter kein Gebrauch gemacht. Sehr nett setzt der Film ein mit der Abschluß. Prüfung Arianes, di« ihre Geistigkeit, mit der Lösung von dem Haus« ihrer Verwandten, die ihren Freiheitsdrang zeigt. Elisabeth Bergner sst erkoren, das Doppelleben dieses, sensiblen Mädchens zu spielen. Ihre Filmqualitäten hat sie in dem.Geiger von Florenz" und vor allem in„Nju" bewiesen(in diesem Kammerspiel war sie ganz ein zartes Stimmungswesen). Freilich auf der Bühne wirkt sie stärker und in diesem ihrem ersten Tonfilm klingt zudem manchmal iher Stimm« undeutlich und brüchig(liegt das an de? Apparatur?) und ihr feines Geficht offenbart sich in der Großaus» nähme, bedeckt mit einem Panzer von Schminke, wodurch es n«asken» h.ift wird. Aber sonst setzt sie alle ihr« Vorzüge ins Spiel. Wie zmi und zurückhaltend tritt pe dem schönen Mann gegenüber, der sie so rasch zu erobern weiß,«me pflegt sie dos Blümlein Lieb«, das Erlcbnisdrang ihr in die Hände gegeben hat. Sie ist die zitternde (Miebe, die die Unterbrechung ui«d gar erst dos bevorstehende Ei«de ihrer Liebe schon im voraus mit Schmerz erfüllt. Ihr Eroberer, den Rudolf F o r st e r nnt Noblesse, aber völliger Ahnungslosiekeit sür den Wert seiner Geliebten prachtvoll echt spielt, ist verwirrt und hilflos, als er schließlich die Wahrhat erfährt. Erst auf dem Bahnhof, als der Zug schon in Fahrt ist, besinnt er sich ur»d reißt si« zu sich ins Kupe«, sie. die eben noch verlassen und schinerzgsbeugt neben ihm stand. Dem Bedürsnis nach einem guten End« roird also im Gegensatz zum Roman Rechnung getrogen. T er Regisseur oersucht, das Seelendrama filmisch zu beleben. Ein.Konzertsaal wird mannigfach im Bilde erfaßt, es gibt einen Abstecher nach Italien und ein paar Szenen in Zürich. Aber das psychologisch« Problem bleibt auch so die Hauptsache, n>enn auch der psychologische Gehalt des Romans nicht erreicht«vird. V. Eine Nachi in Venedig. Lindenoper. Operette im Operntheater— es scheint heute die einzige Mög- lichteit, den musikalischen Ansprüchen gerecht zu werden, di« der Wiener„Klassiker" der Gattung, Johann Strauß, an die Operettenbühn« stellt. Gewiß, es wäre schade um die Musik dieser „Nacht in Benedig", deren Schöpfer immer«in wenig an heimlichem oder offenem Opernehrgeiz krankt«, schade darum, sie untergehen zu lassen oder den dafür unzulänglichen Kräften zu über- antworten, mit denen man sonst im heutigen Theater zu rechnen hätte. Und gewiß ist es«ine Freude, zu hören, wie Erich Kleiber, mit besonderer Liebe bei der vergnüglichen Sache, so etivas mit den Sängern und dem Orchester der Staatsoper macht. Aber die Mängel eines ungeOöhnlich schwachen Librettos, das dem Erfolg dieser Operette immer hinderlich war, können dadurch nicht auszeglichen werden, und die Zwitterhaftigkcit des Genre wird in einer so anspruchsvollen Ausführung doppelt fühlbor Die Linden- oper hat in der Tat ihr Bestes getan. Glänzend« Besetzung der Haupt ollen: Lotte Schön« und Helge Roswaeng«', daneben Tilly de G a r m o, Margarete Arndt-Ober, und als rettender Gast der Wiener Opernsänger H. Gallas dazu, von Prof. Leo P a s c t t! geschaffen, Bühnenbilder von verschwenderischer Schön- hcit. Im dritten Akt große Balletteinlag«. Biel Applaus. iE O. Dr. Oeerberg Zuviel des Guien. , Kabarettabend am Bülowvlatz Die Volksbühne überraschte ihre Mitglieder mit einem Kaborettabend. Es war wohl zum ersten Male, daß im Theater am Büiowplatz solche Kleinkunst als Abend- Veranstaltung geboten wurde. Man ging ein wenig skeptisch hin. Verlangen Kabarettdarbietungen nicht den intimen Rahmen eines unseriösen kleinen Raumes? Run saß man feierlich. Platz an Platz gedrängt, in dem ausverkauften Haus Die„Katakombe" hatte di« meisten künstlerischen Kräfte für diesen Abend gestellt, vor allem den ConsSreneicr Werner Fink. Ihm und der— den Volts- bühnenmitgliedern aus der„Dreigroschenoper" bekannten— Lewis-Ruth-Band oblag es, den Kontakt mit dem Massen» pubsttum herzustellen. Und das Erstaunliche geschah: alle lachten. Oer deutschnaiionale Abg. Senatepräsident Or. O e e r b e r g ist von dem Verleumderbuch „Seiesselte Zustiz�abacrück?. Seine eigenepartei veransta tet nun ein Kesseltreiben gegen ihn. „Steinigt ihn, er weigert sich, unsere Verleumdungen m,i seinem liichtertalar ,u decken" alle klatschten, Fink schwatzte, stolperte seine Erklärungen heraus, die sich um Unwesentliches zu mühen scheinen und die wie im Nebenher geistvoll, witzig und manchmal sogar boshaft Zeitgeschehen und Zeitereignisse beleuchten. Er bereitete die Stimmung zur richtigen Aufnahme der einzelnen Darbietungen, die im ersten TeU des Abends nicht eine einzig« Niete brachten. Da trieb Cläre B a u r o s s nach Max K o l p e s Vorschrift politische Gymnastik, Annemarie Haas« weinte als letzte Haarnadel im' Potsdamer Stil dem verschwundenen Wilhelm nach und produzierte sich als Bretllkünstlerin im Stil vor 25 Jahren, und die„Katakombe" schickte ihren Stab mit kleinen Szenen und Einzel- Vorträgen ins Treffen. Eine Darbietung schien die ander« zu über- bieten, well jede ein neues Thema geistvoll anschlug. Im zweiten Teil zeigte das Programm nicht mehr so deullich eine aufsteigende Linie. Tanzdarbietungen von Oda von Holten und eine Szene von Cläre B a u r o f s waren sogar ausgesprochen schwach. Auch der Einakter von Courteline„Der Stamm- g a st", der zum Schluß des Abends gezeigt wurde, war ziemlich belanglos und wurde nur durch das sehr witzige Spiel getragen. Aber der erste Teil des Abends füllte ohne Pause zwei Stunden: mit ihm allein wäre der Abend schon fast zu bestreiten gewesen. Fügt man gar«ine witzige Abschlußszen'e an, so hat man ein sicherlich ausreichendes Programm. Vielleicht erfreut man das Publikum, das sich an diesem Kabarettabend sichtbar und hörbar gut unter- hielt, gelegentlich wieder mit einer so verbesserten Auflage. _ Tes. Wissenschaft und Ltnsug. Gefährliche Graphologie. Psych ochiroloaie klin«t sehr medizinisch und gelehrt, trotz der etwas anrüchigen Worthälfte„Chirologie"— Handlesekunst. Julius Spier aber erklärt, daß feine Wissenschaft mit dieser alten Zigeunerkunst, die Charakter und Schicksalsweg aus der 5)and deuten wolle, nichts zu tun habe. Das Ist eigentlich auch selbstverständlich: denn sonst hätte die 2 e s s!n g- H o ch s ch u l e geringen Arund ge- habt, Spier zu Vortrögen über seine Psychochirologie einzuladen. Spier erklärte, daß das Linienbild der Hände einen Persönlichkeits- ausdruck darstelle. Es verändere sich beim Erwachsenen zwar nicht in den grundlegenden Zeichen, wohl aber im Gesamtausdruck, je nachdem, wie ein Mensch Eindrücke. Erlebnisse med Einflüsse erfährt und oerarbeitet. Nicht tatsächlich« Geschehnisse, wohl aber«inen tiefen Eindruck, wenn dieser davon zurückgeblieben ist, glaubt Spier aus den Händen herauslesen zu können. Ist das tatsächlich der Fall— pid eine Anzahl Mediziner sind bereits dieser Ausafssung—, so wäre die Psychochirologie eine wichtige Grundlage vor allem für psychoanalytische Behandlungen, vielleicht sogar eine wertvolle Kon- trolle für deren Erfolg. Auch Schriftproben und unter Umständen ihre graphologischen Deutungen sind ja schon vielen Nervenärzten ein« wesentlich« Er- gönzung zum Gesamtbild eines Patienten und seines Leidens. Nervöse und seelische Störungen eines Menschen drücken ohne Frage seinem Schriftbild ihren Stempel aus. Vielleicht liegt auf rein medizinischem Gebiet überhaupt die wissenschaftliche Zukunft der Graphologie. Im übrigen aber ist si« zwar augenblicklich sehr modern. trotzdeiN jedoch recht anfechtbar. Daß vereinzelt ein genialer Klara Zils-Eckstein. Im Süden, wo sie Erholung von schwerer Krankheit sucht«, ist Genossin Clara Zils-Eckstein aus Breslau gestorben. In ihr ver> liert die Gesamtpartei eine der leidenschaftlichsten Kämpferinnen sür die Gleichberechtigung der Frau. Aus einfachsten Aerhällnissen stammend, hatte sie sich ein außerordentliches Maß von Allgemem- wissen angeeignet, das sie befähigte, weit über den engen Kreis der Berufsarbeit hinaus zu blicken und politisch-wirtschaslüche Dinge in großem Rahmen zu sehen. Genossin Zils war eine der ersten Frauensekretärinnen der Partei, fand nach dem Krieg zunächst in dem Kreise Ienchow ein Arbeitsfeld und ging später als Bezirks- sekretärin nach Breslau, wo sie mit großem Ersolze arbeitete. Nach ihrer Verheiratung gab sie die Anstellung auf, arbeitete aber ehren- amtlich mit gleichem Eifer weiter. Als unbesoldete Stadträtin konnte sie sich mit großer Liebe auf dem Gebiete der Kommunalpolitik be- tätigen. Eine schwere, langwierige Nierenerkrankung hat sie leider in der letzten Zeit schwer gehindert. Ihr Tod läßt eine Lücke in der sozialdemokratischen Frauenbewegung klafsen. Graphologe aus der Schrift wirklich einige Grundzüge der Person- lichkeit herauslesen kann, mag feststehen. Heute aber vermehren sich die„Graphologen" wie Pilze nach dem Regen, und ihre Wissenschaft- lich in keiner Weise fundierten„Gutachten" werden leider von vielen Unternehmern vor der Anstellung von Personal eingeholt Welchen Unfug solche Auskünfte oft bedeuten und welches Unheil sie an- richten, darüber können besonders die Angestelltengewerkschaften Aus- kunft geben. Es war deshalb ein böser Mißgriff von der„U r o n i a", di« doch eine Art naturrundlicher Volkshochschule darstellen will, Martha G o l d b e r g einen Vortrag„Graphologie für jeden" halten zu lassen, der in ziemlich primitiver Form einen Ueberblj/ über graphologische Grundbegriffe gab und der für graphologische Gut- achten vor Personaleinstellung Propaganda machen wollte.— U. England und der Remarque-Film. llederraschung und Bedauern wegen des deutschen Verbots. Das Verbot des Remarque-Films in Deutschland hat in England eine neu« Konjunkturwelle sür diesen Film hervor- gerufen, die sich über alle Städte und Dörfer erstreckt.„Im Westen nichts Neues" erlebt heute in England eine im vergangenen Jahre kaum geahnte Steigerung der Besuchsziffern. Gleichzeitig hat das deutsche Berbot den Protest und den Unwillen der führenden Schichten Englands hervorgerufen. Das prägt sich deutlich aus in der nachstehenden von 16 englischen Abgeordneten und Kriegs- teilnehmen« unterzeichneten Erklärung: „Die unterzeichneten Abgeordneten und Kriegsteilnehmer haben den Film„Im Westen nichts Neues" unzensiert gesehen und haben mit Ueberraschung und Bedauern vernommen, daß dieser Film in Deutschland verboten worden ist. Dieser Film ist für uns weit davon entfernt, das Ansehen und die Ehre Deutschlands zu schädigen oder herabzusetzen. Durch diesen Film erleben wir erst deutlich den heroischen Kampf, den das deutsche Boll gegen eine über- wältigende Uebermacht geführt hat. Der Film hat uns so recht zu erkennen gegeben, wie die deutschen Soldaten das gleich« zu er- leiden hatten wie wir. Nach unserer Ansicht hat der Film viel dazu beigetragen, den Geist der Kameradschaft und di« gegenseitig« Achtung zwischen jenen zu stärken, die auf den Schlachtfeldern des Krieges gegeneinander gejochten haben." Unterschrieben sst diese Erklärung von folgenden Abgeordneten und aktiven Kriegsteilnehmern, die zum Teil als einfache Soldaten in den Schützengräben lagen, zum Teil hohe militärische Stellen während des Krieges innehatten: Hall(ehemaliger Kapitän), Simons(Vertreter des Bundes der ehemaligen Kriegsteilnehmer: im Kriege verurteilt wegen antimilitaristischer Propaganda), Cecil l'E st ränge Malone(ehemaliger Oberst und Flugsachverstän« diger beim interalliierten Kriegsrat), Ernst Brown. Sheperd, Hopkins, Henderson(sozialistischer Abgeordneter und Sohn des Außenministers), Forgan, Glaffey. Granville, M o r l e y, Oliver B a l d w i n(sozialistischer Abgeordneter und Sohn des konfervatwen Führers Baldwin), T h u r t l e(Abgeord- neter der Fronssoldaten von 1918), Hörrabin, Kennquorthy (sozialsstifcher Abgeordneter und ehemals aktiver Flottenkapitän und Mitglied des britischen Admiralstabes), R. S. F o u n g. Ein Werk über Wilhelm Liebknecht. Briefe des„Alten" werden oesucht. Wir erhalten mit der Bitte um Abdruck folgenden Ausruf: Di« unterzeichneten Nachkommen Wilhelm Lieb« knechts beschäftigen sich mit der Vorbereitung emer Wissenschaft» lichen Biographie Wilhelm Liebknechts und einer Publikation seiner Schriften und Briese. Wilhelm Liebknecht führte, wie sein Nachlaß zeigt, während mehr als einem halben Jahrhundert bis zu seinem Lebensend« eine ganz außerordentlich ausgezeichnete international« Korrespondenz. Sicherlich befinden sich viele Briefe von ihm in dem Besitz der noch lebenden Korrespondenten oder deren Nachkam- men. Das in unserem Besitz befindliche und in össemlichen Archiven ausbewahrte Ouellenmaterial würde wesentlich durch die Briefe oder Dokumente, die sich, zerstreut in privatem Besitz, noch sicherlich in großem Maße erhalten haben, ergänzt werden. Wir wenden uns daher an alle diejenigen, die handschriftliche Materialien von und über Wilhelm Liebknech, be- sitzen, vor ollen« an die Besitzer semer Briese, mit' der Bitte, uns über diese Materialien Mitteilung zu machen und uns die Erlaub- nis und die Möglichkeit zu geben, diese Materialien einzusehen und von ihnen photographische Aufnahmen zu machen. Das einfachste Verfahren wäre, das Material uns zuzusenden. Wir verpflichten uns, es in kürzester Zeit im Original in aller Ordnung zurückzu- erstatte««. Sollten an die eventuelle Veröffentlichung gewiss« Be- dingungen und Borbehalte geknüpft sein, so bitten wir, uns gleich- zellig auch darüber Mitteilung zu machen. Wilhelm Liebknechts Leben umfaßt ein großes Stück der deutschen und der internationalen Arbeiterbewegung. Wir dürfen mit Recht auf die Unterstützung all derjenigen rechnen, die«in wissenschaftliches I n t e r« s s e an der Geschichte der deusschen und der internat'onalen Arbeiterbewegung haben und insbesondere auf die Unterstützung seitens der Personen, die mit Wilhelm Liebknecht in persönlichem oder brieflichem Verkehr standen. All« Zusendungen uird Zuschriften in dieser Angelegenheit bitten wir, versehen mit dem Vermerk„privat", zu richten an das Büro der Rechtsanwälte Th. und Dr. Wilhelm Liebknecht, Berlin N. 4. Chausseestr. 121. Berlin, den 17. Februar 1931. Theodor Liebknecht. Dr. Wilhelm Liebknecht. Paul LItdt licit am 0"., SO'/� Uhr. Iwan Hetlbuts biltorilcheS Zibauiviel»Indische Freiheit, die Wandlung de« M a, baima Gandhi- im Humboldt-Sauj, Ktopsiockstraße SS(nahe Stadt. bahnhos Tiergarten). Beranstalter: Verein der Inder in Zentral- Europa. Kampf dem Faschismus! Internationale Kundgebung der Kraftfahrer Anlaß/ich der Tagung des Kraftfahrerbeirats der Unlerualio- nUlen Transportarbeiterföderation in Berlin veranstaltete gestern abend der Ge>am!verbond um Gewerkschaftehaus eine intsrnational« kraflsahrerkundgebung. die zu einem wuchtigen Bekenntnis für den Weltfrieden und die Demokratie wurde. Es sprachen zu den organi- sterten Berliner Kraftfahrern der Vorsitzende des Internationalen Kraftfahrerbeirats, Genosse F o r st n e r-Wien, sowie die Deleg er ten Robinson- England, Roman- Prag, G a u t r o n» Frank- reich und Mord- Schweden. Die ausländischen Redner schilderten zunächst kurz die wir:- schaftlichen Verhältnisie in chren Ländern, wobei besonders der Ge- nosse Roman ein erschütterndes Bild der elenden Lag« der tschcchi schon Kraf fohrer zeichnete, die im wahrsten Sinn« des Wortes Hungerleider sind. In der Tschechoslowakei, wo es acht Au.o- mobilfabnken gibt, gelten heute noch die Kraftfahroorschrif- ten aus dem Jahre 1995, die z. B. auf offener Landstraße eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern zulassen. Für die Polizei sind die Kraf!fahrer richtiges Freiwild. Um die Geldstrafen zu bezahlen, die für die geringfügigst« Uebertretu g 239 Kronen betragen, müssen die Kraftfahrer mehr als einen Wochen- lohn in Höhe von 1S9 bis 299 Kronen hinterlegen. Nachdem sich die tschechischen Kraftfahrer in letzter Zeit einigermaßen gut organisiert haben, besteht endlich die Aussicht, daß dies« für das Kraftfahr- gewerbe vorsintflutlichen Bestimmungen vom Parlament verbessert werden... Genosse Roman und alle anderen Redner brachten zum Aus- druck, daß das ausländische Proletariat mit Spannung und Bewunderung den Kampf der deutschen Arbeiter gegen den Faschismus verfolgt. Alle ausländischen Arbeiter hoffen zuversichtlich, daß es der kampferprobten deutschen Arbeiterschost gelingen wird, di« Ge- fahr, die dem Weltsrieden und der Demokratie durch den Faschis- mus droht, abzuwenden. Einen besonders eindringlichen Appell richtete Genosse F o r st n e r- Wien an die deutschen Arbeiter. Drei Tage faschistischer Diktatur würden die Arbeiter weiter zurück- werfen, als Jahrzehnte gewerkschaftlicher Arbeit sie wieder vor- wärt? bringen könnten. In Oesterreich ha! es die Slrbeiterschaft dahin gebracht, daß die Faschisten.den Marsch nach Wien" aufgegeben h'ben. Die österroichischen Arbeiter sino cer festen Ueberzcugung. daß sie mit dem Faschismus bald ganz fertig werden wenn es der deut- schen Arbeiterschasr gelingt,- die faschistische Bewegung in I ihrem Lande auss Haupt zu schlagen. Genosse Ortmann legte unter dem donnernden Beifall der ' Versammlung dos Gelöbnis ab, daß di« deutschen Gewerk- schaften olles daran setzen werden, diese Hoffnungen der Arbeits- l briider im Ausland nicht zu enttäuschen. Die deuischen Gewerkschaften werden gemeinsam mi der Sozial- demokratischen parke! den Faschismus mit aller Macht bekämpfen. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung und dem gemeinsamen Gesang der Internationale wurde die eindrucksvolle Kundgebung geschlossen, die durch Gesangsdarbietungen des Neuköllner Sängerchors stimmungsvoll umrahmt wurde. Niedriger hängen! Die Ohnmacht der NGO. Da das Geschäft in den eigenen Läden der kommunisKsch-ge- wcrtschastlichen Sonderorganisationen nicht in Gang kommt, zumal diese„roien Verbände" den Arbeitern außer den üblichen„reoowtio- nären" Redensarten nicht das geringste bieten können, soll ein t u r m p l a n" helfen, der in den nächsten Monaten Hundert- tausend« neu« Mitglieder bringen und in der Zukunft Millionen erfassen soll. Ein Franz Dahlem deutet in der„Roten Fahne" atr, wie dieser Plan aussieht: verstärkte Beschimpfung der Gewerkschasten, Insbe- sondere der Gewerkschostsführer, Berstärkung der inneren Fraktionsarbeit im ADGB.,„bis seine Verbände ausgehöhlt" sind. Mit Hilfe der sozialdemokratischen Führer sei eg den KapLaEsten gelungen, großen Testen der Arbeiterschaft die Löhne herabzudrücken. Die Büros der Gewerkschaften„sind heute zu Streikbrechervermitt- lungsstelleu geworden, wo Streikbrecherkolonnen, bewaffnete Knuppelgarden, schwarze Listen für den Unternehmer zusammengestellt werden". Als besonderer Trumpf wird in diesem„Swrniplan" der „Roten Fahne"(vom 21. Fobruas) der folgende Sag als Zitat wiedergegeben, den istoso Luxemburg auf dem Gründungskongreß des Spartakusbundes ausgesprochen haben soll: „Wir können es ruhig aussprechen, daß die deutschen Gewerk- fchaflsführer die infamsten und größ.en Halunken sind, die in der Well gelebt haben." Dieser Ohnmachtswutausbruch der„roten Verbänd«"-Macher zeigt das durch und durch ge werts chaftsseindliche Treiben der KPD. in grellem Lichte. In dem Augenblick, in dem di« deutschen Ge- werkschaftssührer dl« freien Gewerkschaften an Moskau ausliefern, sich zu Mamelucken Moskaus herabwürdigen ließen, würden sie in der„Roten Fahne" als Helden gefeiert, wie Fritz Heckert oder Leute wie Dahlem. Wenn die KPD. je in die Lage käme, einen Führer der freien Gewerkschaften in ihrer Presse zu loben, anstatt mit Schmutz zu bewerfen, dann hätte er seine Rolle ausgespielt und wäre das, als was ihn die„Rote Fahne" beschimpft. In den nächsten Gewerkschaftsversammlungen wie in den Be- triebsoersammlungen, die sich mit den Betriebsrotswahlen beschäs- tigen, werden unsere Gewerkschaftsgenossen der„Opposition" das Halunkenz Hat um di« Ohren hauen. Im übrigen gehen die Gewerkschaften ihren Weg und lassen die„Ehrenmänner" der KPD. westers chimpfen. Einftweilige Verfügung. Gegen eine kommunistische Gemeinheit. Der Vorsitzende des ADGB.. Genosse LH. Leipart, hat in Gemeinschaft mst zehn Berbandsoorsitzenden ein« einstweilig« Ber. sügung gegen den Kommunisten Ernst Schneller und den kommu- nistischen Internationalen Arbeiter-Berlag GmbH., Berlin C2S, die Broschüre:„Der Arbeiterverrat der Gewerkschaftsbonzen":n dem Umschlag zu verbreiten, in dem sie vertrieben wird. Auf dem Umschlag dieser Groschen-Sudelschrift sind di« Köpfe von Leipart, Graßmann, Schumann, Brandes, Scheffel, Tornow, Simon- Nürnberg, Bernhard. Brey, Feinhals und H u s e m a n n- Bochum photozraphisch wiedergegeben, die Buchstaben ADGB. hervorgehoben und das Ganze mit dem an anderer Stelle erwähnten Zitat von Rosa Luxem- bürg.gewürzt". Die„Rote Fahne" sucht i)ie einstweilige Verfügung gegen die kommunistisch« Niederträchtigkeit zur Reklame für ihre Broschüre auszuschlachten und den Abscheu vor dieser Mache in Angst davor umzufälschen. Wäre die Behauptung des Blostes richtig, daß dies« KPD.- Broschüre„eine gewaltige Verbreitung unter den Gewertschafts- Mitgliedern gefunden hat, dann könnte dies den Gewerkschafts- genossen nur recht sein. Denn jeder Gewerkschaftsgenosse, der diese Beschimpfung der Gewerkschaftsführer in die Hand bekommt, weiß dann besser als vorher die verwerfliche Kampfesweise der KPD. gegen die freien Gewerkschaften zu jpürdigen und dagegen Stellung zu nehmen. Lohnkündigung der Reichsbahn. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat den am Cohnlarifoerlrag betelliglen Gewerkschaften die§8 4 und 5 des Cohnlarisverlrages zum 1. April gekündigt. Diese beiden Paragraphen regeln die Lohnhöhe. Die Reichsbahn wird die Gewerkschaften zu Verhandlungen demnächst einladen. Oer MetaNiarifftreit in Krefeld. Llnternehmer wollen S proz. Lohnkürzung. Krefeld, 21. Februar. Trotz rnehrrvöchiger Verhandlungen, Schiedssprüchen und Nach- Verhandlungen ist der Tarifstrost in der Krefelder Metallindustrie bisher noch nicht zum Abschluß gekommen. Die Unternehmer haben den Schiedsspruch mit geringerer Lohnkürzung abgelehnt und so einen tariflosen Zustand geschaffen. Jetzt sind sie dazu übergegangen, den Arbeitern die einzelnen Arbeitsverträge zu kündigen. Sie ver- langen die Anerkennung einer Sprozentigen Lohnsenkung. Das ReichsarbeUsministeriuni hat nunmehr erneut die Parteien zu einer Besprechung auf Dienstag, dem 24. Februar, nach Berlin geladen. Kleine Alexanderstraße 288, erwirkt, wonach diesen verboten wird, i von 6 Proz. vorsieht. Textilarbeiterlöhne um 6 proz.„ermäßigt". Schiedsspruch für die Lausiher Tuchindusirie. kotlbus, 21. Februar. Arn Freitag wurde in später Stunde ein Schiedsspruch für die Lausitz« Tuchindustrie gefällt, der die strittigen Fragen des Mantel- torifs und der Arbestszeit vegett und ab 5. März eine Lohnkürzung Theater der Woche. Vom 22. Februar bis 2. März. Volksbühne. Theater am BiUamplah: 22.. 28.. 1. Liliom. 23., 34., 25., 26., 2. Gesellschaft der Menschenrechte. 1., IIVH Uhr: V Stanacrt: Artur Schnabel. Staatstheater. Gtaateoper Unter den Linden: 22., 25. Sine Nacht in Venedig. 23. Meisier. Imfllr. 24. Troubadour. 26. Carmen. 27. Sintonie-Ztomert. 28. Palestrina. 1 gliegende Solländct, 2. Aida._„ Staatsoper am Plan der Republik: 22., 25. Lochzeit des Kiaar». 23., 26.. l Madame Butterfln. 24. ssidelio. 27. Di« verkauit« Braut. 2«. Louise. 2. Der Barbier von Sevilla.„,. S.ädtisckc Oper: 22. Turandvt. 23. Lochzeit de, isiqaro. 24. MaÄenball. 25., 28. Ca'.aihea. Lord Spleen. 26. Asrikanerin. 27. Sosca. L Tannhauser 2. Troubadour. S aotlii, es Sckauspielh-N»: 22. 26.. l.. 2. Gustav Adolf. 23. Liebes Leid und Lust. 24. Die Weber. 25. Die Iunatrau von Orleans. 27. Brenz Friedrich von 5omburg. 28. Nathan der Werse..., Staailiche» S<' illcr.Thca.er: 22., 1., 2. Scher,. Satire, Ironie und teeler« Bedeutun«. 23. Leer Dot.or haben Sie ,u estcn? 24. Don Carlos. 25.. 28. Die Journalisten. 26. Clav. 27. Der Traum,«in Leben. Theater mit festem Spielplan: Theater am Selisstnne-damm: Die Luadralur des kreise».— kurfürstrn. dau.m-Tbea.er: Das schwache Geschlecht.— Dentis es Tbea'cr: Clisabe'h von England.— So merspiclc: Pariser Blast lZ.— Tie Komödie: Die ssee— Theater in der Strcsc.anustrastc: Amphiirr.on 38.— Sroste» Schaulpieihnns: Im weißen.. iiss'l.- Theater des Westcue: Der Zarewitsch.- Relson.The-ter! Sie werden von uns deren.— komisch.« Oper: Bcppina.— Deatschc, knnklcr. Theater: u.iltcr Blauuar s achte grau.— R-naissa! er-Thenter: Muß die Kuh Milch geben??— Leasing. Tbra.er: Bikioria und ihr Lusar.— Mrtropol. Theater: Schön ist die Welt.— Nene» Theater am goo: Das Sfientlich» ilcrgernis.— Die Triläae: Liebe, Mord und Ailokol. kleiae, Theater: Liebe— unmodern.- Wall..«r.The-i-t«Bieeator-Mihuei: grau in gronb- Rose. Theater: Die schöne Lelena— Casiao-Theater: Onkel Kllda au- R>u. ruvvin.— Wit.tcrgarien, Plaza, Ecala: Internationales Bariete.— Reich». hallen- Theater: Steil. ner Sänger.- Theater am kottbalier T-r: Clite.Säiuier. Theater mit wechselndem Spielplan: kamedienhans: Bis 25. Cocktail Ab 26. Gin« könialich« gamilie.- Thea er in der«losterstraßc: Ehen weed.'n im Simmel qeschloss.'n 26 und 2. Maria Stuart.— S.'loßparl.Theaier Stealist: Bis 24. Die deutschen Klein. stadtcr. Ab 2$. Wiederaufnahme beantragt. NachmittagsveranstaltungA»: Lolksdahae. Theater am Bülowplast: 22.. 1. Das Wintermärchen.— Theater in der Ttrcse.uauastraßc: l.. Sturm im Wasserglas.— Kamädieabau»: 1. Cot tail.— Großes Schauspielhaus: 22.. 1. Im weißen RZIPI.— Theatee de. Westeas: 22.. 1. Ter fari witsch.— Retsan.Theater: 22.. I. Sie werden von un- hören.—«-mische Oper: 22., l. Bevvina.— Deutsch«»«»»ftler-Theater: 22. Zum goldene» Anker.— Lessing.Theater: 22., 1. Viktoria und>br Lusar.- Metropol. Theater: 22.. 1. Schön ist di« Welt.— Nene» Theater am goo: 22. Sw.enskomöd.e.— Wallner.Ziheater lBiscatoe-Bühael: 22 Mond von links. — Rose-Theater: 24. bis 27. Das Parfüm meiner grau. 1., 44-6 und 1734 Uhr: Die schöne Lelena.— Theater in der Klosterstraß«! 22., l., IS Uhr: Alchen. brödel: 17 Uhr: Der fröhlich« Weinberg. 2g. Maria Stuart. 25., 28. Aschen. brödel. 26. Wilhelm Zell.— Sckloßaork.Theater Steglist: 22. grau Solle.— Wintergarten:.22., 28., 1. Internationale» Bariet«.— Plaza. Seala: Internationales Barietd.— Reichehallen.Theater: 22., 1. Stetirner Sänger.— Theter am Kvttbusser Tor: 22., l. Elite-Sänger. Erstausführungen der Woche: Montag. Republikoper: Madame Bulterkli,.— Bdlksbühne: Gesellschaft der Menschenrcch'e.— Mittwach. Städtische Oper: Galothca, Lord Spleen.— Schloßpark. Theater:� Wiederau»nähme beantragt.— Donnerstag, komödicnhaus: Ein« königliche gamili«.— Sonnabend, Lcssiag. Theater: Die schöne Alerandra. Pfarrer Genasse Dleier spricht morgen, Sonntagabend 6 Uhr, in der Trinitatiskirche in Charlottenburg, über„Glauben au sich selbst". Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt, aber nur einzelne leichte Niederschläge, Tagestemperaluren über Null, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden Fortdauer des trüben Wetters, im Norden mehr oerätiderlicher Witterungscharakter, im Osten vielfach Nachtfröste. ideculaonusjug 5. Klasse 36. Preußisch-Süddeutsche Staats-Lotteri«. Ohne Gewähr-•,' Nachdruck verboten Auf jede gezcgene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesallen, und zwar je einer aus die Los« gleicher Nummer in den beide» Abteilungen l und II 11. Ziehungstag 29. Februar 1931 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 499 M. gezogen 2 Eetoiaa, ,n 10000 M. 105024 12 Gewinne zu 5000 M. 80676 128954 169645 162251 264330 346011 14 Gewinn- zu 3000 W. 103654 123457 179315 181 255 190024 202412 255747 36 Gewinne ,n 2000 W. 17619 83448 142138 204710 21)685 214721 214847 221867 225755 261760 261859 277006 330940 346411 356096 �701 On stflgfldd gQg7QQ 86 Gewinne zu 1 000 M. 3542 11126 13200 34861 39208 57335 74406 83601 98363 99351 101078 105748 114320 122584 139255 141418 157037 163399 165489 171228 172141 182105 183246 197433 198029 214941 239707 240996 251344 256428 270867 288586 295554 296658 298994 305837 330241 333236 337258 339837 382459394912 399609 1 36 Gewinne ,u 500 M. 21936 2421 9 25303 33626 34063 39110 43986 45147 45199 43110 49353 50823 55310 S2752 65953 66730 93127 102214 107772 121594 126I5S 132194 I433S1 146609156159 174359 174396 176303 180369 164467 185508 191639 194745209956 210312 214591 235827 250657 260013 267963 270646 272002 272467 273956 276453 276337 283358 237911 293249 293258 296195 297473 297931 302120 302592 302802 305891 311278 326657 332268 342838 364112 366464 378015 378404 390432 392622 396432 Im(Seroinnrabe verblieben: 2 Prämien zn je 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 300000. 4 zu je 76000, 4 zu je 50000, 22 zu je 25000, 110 zu je 10000, 286 zu je 5000, 612 zu je 3000, 1886 zu je 2000, 3690 zu je 1000, 6910 zu je 500, 17934 zu je 400 KOark Berantwoetl. für die Redaktion: Lerberi L«p»r».»erlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Bnrwärts Buch. druckerei und Derlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 66, Lindensiraße 2. Hierzu I Beilage. Msins geliebte Frau, mein treues ter Frennd. mein tapferer Kamerad in guten und bösen Tagen Klara Zils-Eckstein ist in der Nacht zum 20, Februar in Montana- Vermala gestorben. Ihre Beisetzung wird in Breslau erfolgen. Von Beileidsbesuchen bitte ich abzusehen. Breslau, 20. Februar 1931. Ernst Eckstein, E�-"1---„ s»»e��a älet Ltdtlsptele usw J GROSSES SCHAUaPiElHAUa Tägl. 8 Uhr. Im UlSlSMN ROSSl. 1 Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesetrung | billiee Pre.se Reg e; Erik Charell. I Tfigi. 5 U.«15 ionni. 2. i a.»" E 4. Alex. 8066 Nehm 60 Pf.— I M., abds. t-2M 4 Bronatts, Oollynoffs tmzz- und Tanz-Revu« Dounton-Show. Kremo- Fomili» und waltara Attrakttonan Lustspiemaus KUPtGÖtZ Täglich SVs Uhr Der Lügner u. die nenne Url Westeas Täglich SVe Fmn Irtan Htlslirwtrt Der Zarewitsch Carla Carlsen, WIM Thunis, V MöMendorf Sonntags 1 j3 Uhr Zarewllsdi billig* Priise. Sonnab., 21 2. Staats-Oper Unter d. Linden 173. A.-V IVA Uhr Tosca Ende g 22 Uhr Slaats-Oper An Plitz ia Ripoblit. V.-B. 19 Uhr Die stumme von Portio MfotL lUrtniitkaif Ende n.2lViUhr Sonnab., 21.2. Stadt. Oper Blsmarckstr Turnus II 20 Uhr Der Troubadour Ende 221/2 Uhr I. Sdiauspt!. l ick Cendiraeram: 149 A.-V. 20 Uhr Mann Ist Mann Ende 22�i Uhr Mi.Sibiller-IMr.Qiarltlig. 151/«— ITVt Uhr besonders ermäßigte Preise dirr Ooktar, iiabea Sil vi eay.' 20—22°.'« Uhr natnas aar uitita. VoiKsbtmne Ttieala im BaiowplJtz. 8 Uhr Rans Albers in Liliom Staatl. tdiiller-Tli. 8 Uhr NaUmn der Weise Staatsoper Am PI. d Republik 7 Uhr Die Stumme von Portlcl Sonntag, d. 22. Februar nachmittags ,2 Uhr metropoMhoater Täglich 8"i Uhr schon ist die weit Operene von Lehlr Bitod Tauiaf, Qittar Iis»). Sdiüllepilori Ssnnbg aadrai. 4 ülu Sfflön ist die well Kleine Preise. äcß Mhi/i/nis läm-Tiaifce. n HaLmdt , STBINMBiaiS 1 FRIEDRICHSTRASSE 96 AM BAHNHOF* föeilcBge Sonnnabend, 21. Februar 1930 ZprÄblmS Am* tnfi&thfü Wunder der Sinne Merkwürdiges ÜUS dem Leben der Insekten/ Text und Zeichnungen von H.V. fiyan Die Insekten stellen die Tiergruppe dor, der rjom Menschen cm wenigsten Beachnmg geschenkt wird. Nicht nur Gleichgültigkeit, sondern in vielen Fällen sogar Abscheu bringt man diesen kleinen Lebewesen entgegen. Und doch sind sie interessanter als die meisten Säugetiere und Vögel. Bewundert man schon bei den Tieren der Wildnis, bei Hirschen, Katzenarten. Wölfen und vielen anderen Ge- schöpfen, eine erstaunliche Schärfe der Sinne, so wird der, der sich mit dem Leben der Insekten besaht, finden, daß bei all den ge- Pillendreher bei der Arbeit nannten Tieren die Sinnesorgan« bei weitem nicht so verfeinert sind wie bei den Schmetterlingen, Käfern und anderen Insekten. Der berühmte Schmetterlingsforscher I. H. F a b r e suchte in der Umgebung seines Wohnortes drei Jahre lang nach der dort sehr seltenen Raupe des E i ch e n s p i n n e r s. Endlich fand er «in Exemplar, das er weiterzog, bis aus der Puppe ein Weibchen schlüpfte. Fabre setzte es etwa fünf Meter vom offenen Fenster entfernt ins Zimmer unter ein Drahtgeslecht. Im Zeitraum von drei Tagen fanden sich sechzig Männchen dieser so seltenen Schmetterlingsart im Zimmer«in, offenbar durch den Geruch des brünstigen Weibchens angezogen. Die fast unoochellbare Fähig» keit, derart minimale Luftreize auf weite Entfernungen wahrzu- nehmen, erprobte F o r e l, indem er mit einem Weibchen des Na cht Pfauenauges an einem Tag« zwischen halb elf Uhr vormittags bis fünf Uhr nachmittags aus den w«'t vor der Stadt liegenden Wäldern 127 Männchen derselben Art in sein« Woh» nung lockte. Und doch ist die dabei verströmte Witterung, also Duft» menge uno-starke, io minimal, daß selbst, wenn fünfzig Nacht- psauenaugenweibchen beieinander sind, die menschliche Nase einen Geruch nicht wahrnimmt. Die Erklärung für dieses Phänomen liegt darin, daß die Falter aus ihren. Fühlern und Mundtastern „R i e ch k« g« l* haben. Demoll hat festgestellt, daß auf einem solchen Riechkegel etwa dreißigtausend Geruchsgruben sich befinden. Di« Spinner und Spanner nehmen im Gegensatz zu anderen Schmetterlingen nach dem Ausschlüpfen aus der Puppe bis zu ihrem Ende kein« Nahrung mehr auf. Da sie somit nicht wie andere Cepidoptexen auf den Futterpflanzen sich zusammen- finden, muß der überaus feine Geruchssinn das Männchen zu dem Weibchen führen. Nicht nur der Geruchssinn, auch'die anderen Sinne und In- stinkte sind bei den Insekten, außerordentlich ausgebildet. Unter den Ameisen besonders gibt es Arten, bei deren Betrachtung man sich sragt, ob hier wirklich nur Leistungen der Sinne und des In- ß'A. täi.:*/, Wasserspinne mit Taucherglocke fünftes vorliegen, oder ob diese Tier« nicht doch über ein gewisies Maß von Verstand verfügen. Es gibt in Ceylon, auf Java,-m Kongogebiet, in Brasilien und Australien sogenannte Weber- am eisen, die Nester aus Baumblättern z llammenleimen. ohne daß man wußte, wie sie dieses Kunststück fertig bringen, da sie leinen derartigen Klebstoff zu bereiten verstehen. In neuester Zeit wurde von mehreren Forschern das Rätsel gelöst. Den Klebstoff produzieren nämlich die Larven der Ameisen mit ihren Ober» kieferdrüsen, und sie werden eigens von den Ameisen beim Nestbau verwendet. Diese halten sie mit den Mandibeln fest und drücken sie abwechselnd gegen die Ränder der beiden zu verbinden- den Blattstücke. Dabei scheiden die Larven aus stark entwickelten Spinndrüsen eine papierähnliche Masse aus, die rasch trocknet und die so behandelten Blätter tadellos zu einem Stück vereinigt. Di« Geschicklichkeit dieser Ameisen geht so weit, daß sogar zu weit von- einander entfernt« Blattränder zusammengezogen und zusammen- geklebt werden. Dazu saßt ein« zweite Ameise die erst«, welch« die Larve mit ihren Kiefern hält. Unter Umständen schließt sich der zweiten eine. weitere Kameradin an, so daß Ketten von fünf bis sechs Ameisen vorkommen sollen, die das an der Spitze vorangehaltene Klebeglied bis auf die andere Seite der zu leimen- den Spalte hinüberreichen. Ein« andere, sehr verbreitete Ameijenart ist di« Honig- a m e i s e. Diese Gattung überfüttert einen Teil ihrer Arbeiterinnen derartig, daß der Hinterleib ungeheuer anschwillt. Die mit Honig gefütterten Tiere hängen in einem Raum« des Baues mtt den Beinen an der Decke, die gewattigen Hinterleibkugeln nach unten. Diese Arbeiterinnen sind die„H o n i g t ö p s t", von denen die an- deren Ameisen in der nahrungsarmen Zeit leben. Eine andere Art legt in den Tiefen ihres Baues- wohlgeordnet« Beete mit keinen Pflänzchen an, die ebenfalls zur Nahrung dienen. Sehr viele Arten der Ameisen halten Sklaven, die für sie arbeiten müssen. Diese Sklaven gehören meist einer kleineren Art an und werden als Puppen geraubt. Hausttere haben die meisten Ameisen- rossen. Blattläuse, die wie Kühe gemolken werden, auch einen Käfer, der, im Gegensatz zu den meisten anderen Insekten, im Bau geduldet wird, weil er di« Säuberungspolizei darstellt, indem \\ Ä ik. Mordwespe, ihren Legestachel durch Holz bohrend er olle schädlichen Pilze und was im Ameisenstaat abfällt, auffrißt. Ein Stamm hat auch seine Feuerwehr. Sowie sich ein Vogel oder ein anderer Puppenräuber dem Bau nähert, fährt die frei- willige Feuerwehr auf. Die Tier« drehen dem Störenfried den Hinterleib zu und spritzen ihm ein« scharf« ätzende Flüssigkeit ins Gesicht, die den Angreifer«in« kurze Zeit blendet und ihn in die Flucht treibt. Sehr eigenartig ist auch die Arbeit des Skarabäus oder Pillendrehers. Dieser schöne Käfer, der den alten Aegyptern heilig war und von ihnen in vielen Exemplaren in Stein geschnitten und den Toten in die Gräber mitgegeben wurde, formt sich aus Dung Kugeln. Rollt sie, indem er sie mit den Hinterbeinen schiebt, an eine geeignete Stell« und vergräbt sie dann. Er kriecht unter di« Pille und lcharrt solange die Erde unter ihr fort, bis die Kugel ollmählich versinkt und immer tiefer in di« Erde vergraben wird. Ist die nötige Tief« erreicht, bohrt der Käser seinen Lege- stach«! in die Pille und beschickt sie mit einem Ei. Aus diefem Ei entwickelt sich die Larve für. den neuen Käfer. Bis die Larve zum Käfer wird, ernährt sie sich von der Dungkugel. Dos sieht wirklich nach Voraussicht aus, ist aber— nach den Naturwissenschaftlern— doch nur ein instinktmäßiger Zug, der sich im Laufe des betrefsenden Tiergeschlechtes zu einer praktischen, aber doch mechanischen Gewohnheit entwickelt hat. Roch eigenartiger sorgt die Mordwespe für ihre Nach- kommenschaft. Dieses Infekt sucht sich ein« Raupe, welch« sie mit mehreren Stichen ihres Giftstachels lähmt. Dann stellt sie sich in einer reitähnlichen Stellung über die Raup«, faßt sie mit ihren Mandibeln hinter dem Kopf und schleift sie mit großer Kraft- anstrengung Ruck für Ruck an eine Stelle, wo sie ein E r d I o ch gräbt. Dahinein wird d!« lebende, aber völlig gelähmte Raupe versenkt. Dann heftet die Wespe« i n E i oberflächlich an ihr Opfer und verläßt die Röhre. Aber fetzt beginnt erst die eigentlich« Arbeit. Erst wird da? Loch mit Erde zugeschüttet, bis es mit dem Boden in einer Ebene ist, dann nimmt die Mordwespe einen Stein in die Lorde.füß« und planiert damit die Erde so gut, daß kein noch so argwöhnisches Auge die Gruft mit dem armen gelähmten Gefangenen darin entdeckt. Wochenlang bleibt die Raupe bewegungz. los am Leben, bis aus dem Ei der Mordwespe«ine Larve schlüpft. Dies hungrige Wesen frißt die Raupe bei lebendigem Leibe auf, um zur Wespe zu werden und sich aus seinem Kerker zu befreisn. Das Verblüffendste aber leistet eine andere Unterart der Wespen. Dies Geschöpf ist mtt einem unvorstellbar feinen Tastsinn ausge- Die„Topfe" der Honigameisen stattet. Die Wespe läuft an Aesten entlang, um Puppen, die im Holz sitzen, aufzuspüren. Mit ihren wunderbar empfind- samen Fühlern beklopft sie die Rinde. Plötzlich bleibt das Insekt stehen. Drei bis vier Zentimeter unter ihm ist ein Bohrgang. Immer die Fühler bewegend tastet sich der Wünschel. rutengänger diesen Gang entlang, um auf einmal wiederum stehen zu bleibem Die Wespe fühlt, sie steht gerade über der Puppe. Nun hat dieses Tier am Hinterleib, waagerecht vom Körper abstehend etwas, was man bei f'üchtigem Hinsehen für einen etwa sechs Zentimeter langen Stachel halten würde. Es ist aber ein außerordentlich feiner Bohrer, welcher in zwei. Schutzhüllen liegt! Die Wespe biegt ihren Hinterleib hoch richtet, während di« beiden Scheiden stehen bleiben,.den Bohrer, nach unten und setzt ihn an das Holz. Und jetzt dringt dieses außer» ordentlich zarte Werkzeug in stundenlanger Arbeit durch das horte Holz, mehrere Zentimeter tief bis zu dem Holz- schädling vor. Der Bohrer, der zugleich L e g e st a ch e l ist. sticht in die Puppe, und durch dieses unendlich dünne Rohr gelangt da» Ei d«r Wespe in den Körper des Holzwurmes. Auch hier dient dem werdenden Insekt die Puppe zur Nahrung. Wunderbar muten uns auch die Gewohnheiten der Spinnen an. Unsere Haus, und Kreuzspinnen mit ihrer Fadens�innerei zu Iagdzwecken kennt federmann. In Brasilien lebt«ine An, von den Eingeborenen„Die mit dem tragbaren Iagdnetz* genannt, die eine Art dreieckiges Gespinstjegel in frühester Morgen- stunde bis zur Zeit des Sonnenaufganges aufstellt. Dann beißt sie di« Haltetoue ab, rollt das Ganze wie ein Tuch zusammen, um es in ihren Winkel zu schleppen, die Beute herauszuholen und nach der Mahlzeit bis zum nächsten„Fischzuge" zu schlafen.-Reizvoll weiß sich die W a s s e r s p i n n e eine, Taucherglocke für ihre Lebensweise zu bedienen.. Sie spinnt ein unten offenes, tuppel- förmiges Wohngehäuse an einem Pflanzenstengel unter Wasser, wo» bei sie in silberglänzender Blase an dem behaarten Hinterleib immer wieder ein„Tröpfchen" Luft mttnimmt, mit der allmählich das Gespinst gefüllt wird. In dieser Luftglocke wohnt das Tier, vor allen Gefahren geschützt, und führt von da aus seine Raubzüge aus. Noch raffinierter gelangt die Spinne Misumena» nepenthicola im Indischen Archipel zu ihrer Beute. Sie lebt Mordwespe, eine betäubte Raupe fortschleifend in den krugförmigen, blütenartigen Erweiterungen der fleisch- fressenden Komen-Pflanze(Xepevtb?» In der Boden- slüssigkeit werden die«infliezenden Insekten festgehalten. Die Spinn« hat vn sichtig, um nicht selbef festzukleben, bis zum Grund der Blüte ihre Strickletter gespannt, an der sie nun hinaus- und hinunter, steigen und sich ihren Bedarf an Futter holen kann.' Arbeiter-Rascnspiclc Handball und Hockey am Sonntag um kommenden Sonntag wird di« Hockeygemeinde nun hoffent- uL) wieder zum Spielen kommen, nachdem an zwei Sonntagen die Plätze spielunfähig waren. In der Gruppe � finden folgende Paarungen statt: Der Sportverein Moabit empfängt den VfL.- Ostring um 1ö.3t> Uhr im Tiergarten(Schiedsrichter Mariendorf).— FTGV.-Mariendorf und Pankow treffen sich um 12.30 Uhr im Voltspark Mariendorf(Schiedsrichter Moabit).— Tennis-Rot und ASC. spielen um 14.15 Uhr aus dem Platz Ost, Laskerstratze(Schieds- richter Neukölln).— Moabit hat bestimmt an Spielstärk« gewonnen, es wird dem Gruppenführer Ostring einen Sieg recht schwer machen. Im anderen Spiel dürften die Marienborfer die Niederlage vom Herbst bestimmt ausgleichen und Tennis-Rot wird sich den Sieg vom ASC. kaum streitig machen lassen. In der G r u p p e L spielen: Volkssport-Neukölln-Britz und FTGB.-Pankow 2 um S Uhr im Neuköllner Stadion: Tennis-Rot 2 und ASC. 2 um 9.30 Uhr auf Platz Osten und«ine sehr interessante Paarung findet um 10 Uhr auf dem Wasiersportplatz Plötzensee statt, der Arbeitersportklub Berlin-Wedding und VfL.-Ostring 2 sind die Gegner(Schiedsrichter Tennis-Rot 1). Gruppe C: SV.-Moabit 2 gegen VfL.-Ostring 3 um 14 Uhr, Tiergarten: FTGB.-Mariendorf 2 gegen Tennis-Rot um 14.30 Uhr in Mariendorf. Volkspark. In der Frauengrupp« spielen: Temris-Rot 1 gegen FTGB.-Pankow um 16 Uhr und Tennis-Rot 2 gegen VfL.-Ostring um 13 Uhr, Platz Ost. Die Spiele auf dem liergarkensporkplah fallen aus. da der Platz nicht spielfähig ist. Die Spiele am Sonntag In der 1. K l a s s e, Abteilung A, spielen Velten gegen Köpenick um 13.30 Uhr in Velten und FTGB.-Nordring gegen Volkssport- Wedding um 12.30 Uhr auf dem Platz in der Schönhauser Allee. In der Abteilung L beginnen beide Spiele um 16 Uhr. Es spielen Nowowes gegen Volkssport-Neukölln in Nowowes und Hennigsdorf gegen FTGB.-Smen in Hennigsdorf. Bei allen vier Spielen sind die Gäste sicher die Sieger. In der Frauen klaffe sind die Spiel«: Nowawes gegen FTGB.-Often in Nowawes: Köpenick gegen Kaulsdorf um 14 Uhr in Köpenick, Wende istchloßstr. 1; Lichtenberg gegen Südost um 10 Uhr in der kynaststraß«: Adlershof gegen Baumschulenweg um 14 Uhr in Adlershof. 2. Bezirk: Nordring gegen Reinickendorf- West um 13 Uhr auf dem Exer und Volkssport-Wedding 2 gegen Moabit um 14 Uhr im Dolkspart Rehberge. 4. Bezirk: Volkssport- Wcdding gegen Schöneberg um 14.30 Uhr im Volkspark Rehberge: Süden gegen Volkssport-Neukölln um 9 Uhr in Friedenau, Offen- bacher Straße, und Luckenwalde, 2. Abt.. gegen 1. Abt. in Lucken- walde. Die übrigen Spiele sind: 2. Klasse: Teltow gegen Berlin 12; Friedenau 2 gegen Zossen 1; Wilmersdorf 1 gegen Neukölln 2; Norden 3 gegen Nordring-Sportler: Rosenthal gegen Nordost: Kauls- darf gegen Erkner: FTGB.-Oberspre« gegen Wildau: ASC. gegen Strausberg. 3. Klaffe: Rehfelde gegen Müncheberg: Schwant« 1 gegen Reinickendorf-West 2; Neuruppin gegen Sokol: Marwitz gegen Nordost 2: Nowawes 2 gegen Nauen: Nowawes 3 gegen Siemens- stadt: Luckenwalde-Sportler gegen Luck«nwolde-Turn4r: Ruhlsdorf gegen Treuenbrietzen und Spcrenbsrg gegen Wannsee. Gesell- schafts spiele der.Männer: Berlin 12 II gegen Schwimm- Union; Teltow gegen Kanu: Wedding 3 gegen Möw«: Wedding 3 gegen Fichte: Charlottenburg-Schwimmer gegen Tennis-Rot; Witten- berge gegen Weddipg 2: Studenten gegen Sokol: Nordring 3 gegen Sportklub 1930: Bötzow gegen Zkleingärtner; Bernau gegen ZdA.; Friedrichsfelde 1 gegen Tegel 2: Fichtenau 1 gegen Mahlsdorf 2; Kanu 2 gegen Schweifsterne 1: Proles 1 gegen Lankwitz 2. Frauen: Schönow gegen Norden 1: Hennigsdorf gegen Volskssport-Neukölln; Berlin 12 gegen Stralau. Die Tagung der ZK. Wichtige Beschlüsse zur sportpolitischen Frage Die Jentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege hielt dieser Tage in Berlin ihre Jahres- s i tz u n g ab, die sich neben der Entgegennahm« des Jahresberichts mit sehr wichtigen Fragen der sportpolitischen Lage zu befassen hotte. Es wurde Stellung genommen zu den Kürzungen der Mittel in den Haushaltsplänen des Reichs und der Länder: die da- gegen im Verein mit den bürgerlichen Spitzenverbänden unter- nommenen Schritte wurden gut geheißen. Scharfer Protest wurde gegen die rücksichtslose Eintreibung der Grundoer- mägens st euer auf Spiel- und Sportplätze durch einige Städte, besonders der Stadt Berlin, erhoben. Eine solche Steuerpolitik müßte zur Erdrosselung der Vereine mit eigenen Platzanlagen führen. Die Maßnahmen des Reichswehrmini st er i um s, das den von chm für politisch erklärten Vereinen di« Uebungsstätten ent- zieht, wurden als sportfeindlich und staatsschädigend bezeichnet. Ein Wehrministerium, das die Jugend des Volkes aus formalen Gründen an der sportlichen Betätigung hindere, verdiene nicht seinen Namen. Di« mit viel prahlerischem Geschrei ins Leben gerufene k o m- munistische Gegenbewegung hat«in« Schwächung der Arbeitersportbewegung nicht zur Folge gehabt. Das beste Bei- spiel gibt dafür Berlin, wo in allen Stadtteilen die zunächst durch die Spaltung geschwächten Verein« jetzt eine weit höhere Mitglieder- zahl aufweisen als vor der Spaltung. Nicht weniger als sechs groß« Vereine hoben den Weg zu ihren Bünden zurückgefunden. Dasselbe kann von dem arg bedrängten Bezirk Hall« gesagt werden. Ueberall hat die kommunistische Well« sich totgelaufen. Der Sitzung lagen eine ganze Reihe Aufnohmegesuche von den verschiedensten Verbänden vor. Es wurde grundsätzlich be- schlössen, die noch außerhalb der ZK. stehenden Verbände in irgend- einer Form zu erfassen und das Büro mit der Ausarbeitung einer Vorlage für die nächste Sitzung beauftragt. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Arbeiterolympiad« in Wien ein. lieber die Wintersportolympiade konnte berichtet werden, daß sie in ollen ihren Teilen glänzend gelungen ist. Leider hat die Veranstaltung ein junges Menschenleben gekostet: der jung« deutsch-tschechischc Arbeitersportler Schwarz ist infolg« des ungewöhnlich hohen Schneefalls in den Bergen verunglückt und an den Folgen gestorben. Für die große Olympiade in Wien werden olle Vorbereitungen getroffen. Die Sonderzüge werden vom Touristenverein ,.Die Naturfreunde" ein- gerichtet: der Verkehr mit Fahr- und Motorrädern wird dem Arbeiterrad- und Krastfahrerbund„Solidarität" übertragen. Der Bootsoerkehr liegt dem Arbeiter-Turn- und Sportbund ob. Die Zahl der deutschen Wettkämpfer beträgt rund 400. Dem Kartell an der Uebcrgangsstelle in Passau wird ein Zuschuß für die Einrichtung einer Uebernochtungsstelle gewährt. Es dürfen nur solche Reisende betreut werden, die eine Festkarte vorzeigen können. Vor Tippeleien und wilden Radfahrerwanderungen nach Wien wird dringend ge- warnt. Di« Wettkämpfer erhalten neben dem Fahrgeld einen ent- sprechenden Verpslegungszuschuß. Für die sonstigen aktiven Teil- nehmer an der Veranstaltung können Zuschüsse leider nicht gewährt werden. In Wien ist für billige Verpflegung bestens gesorgt. Der für den Besuch neben dem Fahrgeld und dem Festbeilrag aufzu- wendende Betrag für den Ausenthalt am Festort beträgt täglich 4 M. Die Sitzung beschäftigte sich weiter mit der Neuordnung der Deutschen Hoch schul« für Leibesübungen und kam zu dem Ergebnis, daß nach der endgültigen Gestaltung der Satzungen für die Mitarbeit der Arbeitersportverbänd« an diesem Institut kein Raum ist. Die jetzt erfolgte Regelung kann mir als ein Provisorium betrachtet werden._ Gegen den Faschismus Die Vorstände der Berliner Arbeitersportvereine nahmen nach einem Vortrag des Eefchöftsführers der Zentral- kommifsion für Arbeitersport und Körperpflege. Wildung, über: „Ter Arbeitersport und die politische Situation" folgende Ent- schLestung einstimmig an: ..Die Vorständekonfevenz der Berliner Arbeitersportler emp- fehlen allen in ihren Vereinen zusammengesästollenen Arbeitern, sich einzureihen in den Abwehr kämpf der Arbeiterklasse gegen den Kulturzerstörer Faschismus. Es gilt, die Errunienschgften der Revolution zu erhalten und auszubauen. Bei diefem Kampf darf niemand abseits stehen, nur die Geschlossenheit oerbirgt den Erfolg. Der Kampf muß gemeinsam mit d«n freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei unter Entfallung aller Kräfte geführt werden." Nach Mitteilungen Oehlschlägers über die Vorbereitungen zur Olympiade in Wien und einem kurzen Vortrag Bartelmanns über die B«ihllfensrage, wurden unter Verschiedenem kleine Anfragen erledigt. Aus den Boxringen In den Spichernsälcn- Haymann unierliegt in Stodcholm Bon den gestrigen Kämpfen im Ständigen Ring in den Spichernsälen nahmen allein drei«inen unentschiedenen Ausgang. Im einleitenden Treffen wurde der„Dauertänzer" Erich K o h l e r über Schäfer- Dortmund Sieger durch Disqualifikation des Westdeutschen in der fünften Runde. Schäfer erlaubte sich mehr- fach„souls", die den Ringrichter schon früher zum Abbruch des Kampfes hätten Veranlassung geben sollen. Im Weltergewicht hatte B o g u h n- Berlin den Barmer W ommelsd orf als Gegner. Oer Berliner dominierte in den meisten Runden. Lediglich in d«r siebenten Runde konnte Wommelsdorf überraschend einen Schlag anbringen, der Loguhn für kurze Zeit auf die Bretter warf. Die Begegnung endete unentschieden. Hölzl-Hamm war D i eck- mann- Berlin technisch zeitweise überlegen, muhte aber selbst so- viel nehnien, daß ein kleiner Punktplus zum Siegs nicht ausreichte. oehr flott verlief das Treffen der Federgewichte Stein gegen B a r t n e ck. Unentschieden lautete auch hier das Urteil. Am Freitag, 27. Februar, bringt der Spichernring abermals ein ganz hevorragendes Programm, für das bisher der deutsche Meister im Weltergewicht Gustav Ed er. der deutsche Meister im Leichtgewicht Walter H e i n i s ch und der Examateurmeister im Mittelgewicht Seelig, der sein Debüt als Professional sofort zu einem Siege gestaltete, verpflichtet sind. Beginn 20.15 Uhr. >» Der frühere deutsche Schwergewichtsboxmcister Ludwig Hay- mann stellte sich am Freitag im ausverkauften Stockholmer Zirkus dem starken Schweden Nils Ramm zum Kampf. Ramm führte das Treffen dank größerer Schnelligkeit und seiner aus- gezeichneten Rechten in jeder Runde und hatte den deutschen Ex- meister in der zweiten und in der siebenten Runde am Rand der k.-o.-N!«derlage. Haymann konnte sich in den Pausen immer wieder gut erholen, verlor aber hoch nach Punkten. Czerätewetturnen in der Zentralturnhalle Der 1. Kreis des Arbeiter-Turn. und Sportbundes hält morgen. Sonntag, um 14 Uhr, in der Zentralturnhall«, Prinzenftroße 70, sein diesjähriges Kreiswetturnen ab. In allen Gruppen werden di« besten Geräteturner antreten; es sind zahlreiche Meldungen eingelaufen. Der Uebende an den Geräten weiß, was ihm das Turnen bedeutet, denn Mut, Gewandheit, Ausdauer, Geschicklichkeit und Kraft sind hier vereint, wie in keiner anderen Sportart, deshalb behmiptet auch das Turnen seinen Platz. Gäste herzlich willkommen. Sport am Sonntag Arbeiterschach Morgen, Sonntag, 10 Uhr, wird in der E-Gruppe der Freien Arbeiter-Schoch-Vereinigung Groß-Berlin die sechste Runde gespielt. Es spielen solgende Abteilunasmannschasten: Garten- platz gegen Friodrichshain 2 bei Kukorski, Feldstr. 3: Osten gegen WedUng bei Boja, Gubener Str. 19. Faltbootausstellung. Morgen. Sonntag, 10 Uhr. eröffnet die Faltbootabteilung des TV.„Die Naturfreunde" in der Geschäfts- stell«, Iohannisstraße 13, ihre Ausstellung. Sie ist bis zum 1. März, täglich von 10 bis 19 Uhr, geöffnet. Der Eintritt ist frei. Jeden Abend. 20 Uhr, findet ein Lichtbildervortrag statt.(Außer Dienstag.) lUintertrabrennen zu Ruhleben. Die Trabrennbahn R.chleb«n wartet morgen. 13.30 Uhr, wieder mit einem stark besetzten und interessanten Programm auf. Fußballkompf vresden-verlin. Auf dem Preußenplatz auf dem Tempelhoser Feld stehen sich morgen um 13 Uhr die repräsentativen bürgerlichen Fußballmannschaften von Berlin und Dresden gegen- über. Ein Lehrfilm für die Ausbildung von Segelfliegen». Der Deutsche Luftfahrtverband, Berlin, Blumeshof 17, hat zusammen mit der Segelfwgschule Grünau einen Lehrsllm herstellen lassen. Der Bildstreifen ist für die Lehrgänge zur Ausbildung von Segelfliegern geeignet. Näher« Auskunft erteilt auf Wunsch di« obengenannte Geschäftsstelle.___ Radfahrcr.Solidarität". Sourrn für Sonntaa, 22. ssebruar. 1. Abt.- Wintcrmäichenfohrt, Start 12�4 Uhr Iannomidbriicke.— 2. Abt.: Sirsch» «orten. Stört 13 Uhr Z ohd«. Dtekkendachftl. 33.— 3. Abt.: Sitfdwoclcn(Seit- restaurontl, Start IS Uhr Mariannenplat,.— 9. Abt.: Sdlöntnxilbf. Start 13 Uhr Triftstr. 63.— Abt. Kricdrtchohoiü: Bau. und Berlehremuseum, In- valrbiustraöe, E'art 10 Uhr vor bim Museum.— Abt. Neukölln: Ziel am Start. Stört 13 Uhr fcobenaollfCRPlaft.— Abt. Moabit: Wiuterftihrt, Start 13 Uhr Wlclefstr. 17.— Abt. Reinickeubork: Besichtiftun« der K'wcrtsckaits- schule Bernau. S'art 7*4 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Rennfahrer Berlin» Mitte: Miiaaelheim, Start s Uhr Bahnhof Treptow.— Savflioe Beranftaltnn. gen in dee Woche vom 22. bis 28. Februar. Abt. Zriedrichshain: 2t. Februar, 20 Uhr. Iuaendheim Ederinftr. 12, Lichtbild« rvoriraa:„Der Militarismus in der Karikatur", Eenoffe Behrens.— Abt. Neukölln: 25. fsebruar, 1914 Uhr, Spiel- und Lcfcaber.d im Jugendheim Flughafenftr.«8.— Abt. Schönebera: 24. und 27. Februar, 20 Uhr. Saalfahren. Schule Tnnpelhoter Wea.— Abt. Reinickendorf: 21. Februar, 20 Uhr, Jugendheim vindauer Strafte.— Ahr Stealift-L'chlcrfelde: 2S. Zedruar. 20 Uhr, Kraftsahreroerfammluna, Stealift. Birkbufchstr. 90. 27. ssebruar. 20 Uhr. Saalfahren, Schule Eteplift, Friesen. strafte 3— 4.- Adt. Wilmersdorf: 23. Februar, 20 Uhr, Saalfahren, Turnhalle Sohleiuer Strafte.— Abt. Weiftenfee: 23. und 26. Februar, 19>4 Uhr. Saal» fahren, Turnhalle Gustav-Adolt-Strafte.— Abt. Mahlsdorl: 26. Sebruor. 20 Mir, Saalfahren bei Anders, Bahnhofstrafte.— Abt. klaulsdorf: 27. izebruar 20 Uhr, Saalfahren bei Elcherich. Alt-staul-dorf S3.— Rennfahrer Berlin-Mitte: iL. ssebruar. lSl4 Uhr, Badeabend Etadtbad Gartenstr. 6.— Rennfahrer: 26. Iebruar Sallentraininz. stöpenicker Skr. 123. 3u allen Leranftaltunacn sind Gaste aern aesehen, Steuaufnahiuen in den Abtclwnasstftunaen. äZGB. Abrecknnna aller tiafstcrer in der Gcf4 bis 2114 Uhr. Donnerstags 20 Uhr Turnhalle Realaumnastum Parkaue. aegenllber Rathaus Lichtenbera. ASB. Reukölln. Leichtathleten: Sonntag. 22. ffebruar, Walblauktraining Reukölluer S'adion. Treffpunkt Sst4 Uhr bei Ovpermann. Emier Strafte. «ampfrichServereinigunfl. Leichtathleten: Dienstag, 24. Februar, 20 Uhr, Siftun«.«reisgeschäftsstelle. Eifa ff« r Str.«6-«. Tagesordnung: Sollen. fportfest. „Schatten der Manege." Universum. Ein schlechter Sriminaltonfilm wird dadurch nicht gut, daß man ihn in ein Zirkusmilieu verpflanzt! Das kommt, trotzdem F r> g Falken stein und Paula Busch(der es durch ihre Geburt ermöglicht ist, im Zirkus eine Rolle zu spielen) das Manuskripr geschrieben haben, sehr schlecht dabei weg. Damit ein rachsüchtiger Bruder auf einen vielliebenden Lebemann einen Revolverschuß abgibt, braucht man doch wirklich nicht erst Elefanten, Pferde, Löwen usw. zu bemühen. Die Schauspieler haben eigentlich weiter nichts zu tun, als den Beifall entgegenzunehmen für die Arbeit, die von Artisten geleistet wurde. Sobald die Darsteller selbst spielen, verfälschen sie das Milieu restlos. Liane Haid ist ein Modepüppchen und kein« Zirkusdirettorin, Oskar Marion steht als Dompteur bei einer Raubtierfütterung dem Stallpersonal im Wege. Walter R i l l a kommt mit einem derartig wütenden Gesicht in die Manege, als ob er einen Menschenfresser imitieren w.ll und keinen Kunstschützen und Trude Berliner wirkt stocksteis als Stehendretterin. Es wird nachgerade Zeit, daß man endlich einmal aufräumt mit oll dieser Berlogenhett, mit der man dos Artistenmilieu umspinnt. Aus den ArtistW gingen sür den Film so gute Darsteller hervor wie Chaplin, Harold Lloyd und Buster Keaton. Wann wird sich die Industrie revanchieren und mal einen anständigen Artistenfilm herausbringen? e. b. u Sonnabend, 21. Febrnar. Berlin. 16.05 Untcrfaaltmgsmusik. 17.45 Zehn Miouten rUm. 17.55 Heitere Chöre. 18.15 Verlesung der Thesen der um 18.25 stattfindenden Diskussion. 18.20 Schallplatten. 18.25 Thesen-Diskussion. Otto Landsberg, M. d. R.. und Senatspräsident Dr. Rudolf Scheiter, M. d. R.: Für und gegen Abschalfnng des Eides. 19.05 OrcheslerkonrerL 20.00„Wir standen vor Verdun"(zum 15. Jahrestag des Beginns der Offensive). Manuskript-Zusammenstellung untfUg.: Cdiel Köppen. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10..Das Finale." Dir.: Seiniar Meyrovltz. Funkorchesler. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30; Oper am Platz der Republik: Opernball der Staatsoper. Königsvusterhausen. 16.00 Prof. Emil Fader: Der Mensch in der bildenden Kunst 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Hellmut; Entwicklungsmöglichkelten des Autos. 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.30 Dr. Th. Wlegand: Neue Ausgrabungen In Pergamon. 19.00 Waller Bauer: Der Leuna-Arbeiter. 19.30 Stille Stunde; Die kleine Stadt 20.00 Köln; Lustiger Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonntag, 22. Febrnar. Berlin. 7 00 Funkgymnastik. Frühkonzert 8.00 Für den Landwirt. 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 10.45 Aus Magdeburg. Prof. Tandler. Wien: Das Weltbild des Arztes. 12.00 Konzert 14.30„Die Störenfriede." Ein musikalisches Kindheitserlebnis von Werner Türk, gespielt von Kindern. Ltg.; Lisa Tetzner. 15.05 Klaviervorträge. 1. Marz: Albumblait 2. Suk: Humoreske. 3. de Sivtrac: En Tartan; 4. Schuihofl; Chanson, 5. Castelnuovo-Tedesco: Alt-Wien. Walzer.(Rudolf Macudzinski. Flügel.) 15.25 Alte Kammerduefte.(Marietta und Martha Amstad. Cembalo: Alice Ehlers.) 15.45 Programm der Aktuellen Abteilung. 16.40 Populäres Orchesterkonzert. 18.15 Felix Hollaender:„Von 7 bis 8 In der Untergrand". 18.45 Unbekannter Jazz. Neue Folge.(Sprecher: Hans Winge.) 19.45 Sportnachrichten./ 20.00.iDer lachende Welse." Quer durch Wilhelm Busch. Musik: Allan Qray. Ltg.: Köppen. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchesterkonzert 22.05 Wetter, Nachrichten und Sport Tanzmusik. König s w Osterhausen. 7.06 Hamburg; Halenkonzert 11.00 Schallplatten. 13.00 Breslah: Konzert 14,00 Dr Borghorst- Vom Schicksal unserer Abllnrlenltn. 18.00 Chefredakteur Freund: Der Redakteur. 18.30 Dr. Artar Berger: Afrika spricht. Ein Kultur- Oder Sensationsfilm? 19.00 Robert Henseling: Stunde mit den Steraen. 19.30 Cläre Schmld-Romherg: Waldemar Bonseis zum 56. Oeburtstag, 20.00—22.15 Lieber tragung von Hamburg.