BERLIN Dienstag 24. Abwar 1931 erscheine t S g l i ch außer Sonnt Zugloch Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Trvedition: Berlin SW68,5indtnstr. 2!' SfuUaubgaße Jßi> 10 Pf. Jtr. 92 B 46 48. Jahrgang Anzetgenprei«: Die etnfpalttge Nonpareillezeil« SO Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwätts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. 87536. Fernsprecher'©f ttboff 292 bis 297 ■ Einstein unter preffezensur Sozialistische Kritik am Kapitalismus in Amerika unterdrückt Upton Sinclair schreibt uns: „Profestor Mbert Einstein besucht gerade jetzt Sudkalisornien. Alles, was er tut, sind Nachrichten: mag er nun etwas Neues Uber das Weltall entdecken, mag er eine �ilmoersuchsbühn« besuchen oder mag es seiner Frau mißglücken, für den Haushalt die g«. wünschten Teppich« zu bekommen. Ich glaubte, daß die Amerikaner sich vielleicht auch für die wirtschastepolitischen Ansichten des großen gelehrten interessieren könnten und bat ihn deshalb um Mit der piflole zu Hindenburg. Geistesgestörter verhastet/ Er wollte sich imprasidentenhaus erschießen. heule, etwa 11 Uhr vormitlags, irat durch einen Seiteneingang ein Mann in das Haus de, Reichspräsidenten an der wilhelmflroße ein und zog eine Repetierpistole aus der Tasche. Das wurde sogleich von Kriminalbeamten bemerkt, die Waffe weg. genommen und der Mann verhaftet. Er ist ein Ober- schlcfier namens Alois Sroll. Er hat angegeb'en. daß er sich selbst erschießen wollte. Man hat ihn aus, Polizeipräsidium gebrocht und vermutet, daß er geistesgestört isL An eine Atlentalsabsicht glaubt man nicht.. seine Ansichten über Militarismus und Kriegsgefahr, Ueberproduktion »ird Arbeitslosigkeit. Er antwortete freundlich. In der Annahme, «ine Neuigkeit von Bedeutung zu haben, telephonierte ich mit dem Vetreter der„A s s o c i a t e d P r eh' in Los Angeles. Er bat mich. ihm das Material telegraphisch zu übermitteln. Ich tat das. Em paar Stunden später rief ich wieder an und stellte fest, daß er beim Zentralbüro in New York angefragt und dl« Anweisung erhatten habe,„es nicht anzufassen". Ich drahtet- dann an die„N e w Y o r k T i m« s". die sich rühmt, . all« Nachrichten zu drucken, die man drucken darf": aber die„New York Times" interestierte sich für Einsteins Ansichten über Milita- rsmus und Kriegsgefahr. Ueberproduktion und Arbeitslosigkeit nicht. Die„United Preß Übernohn! daraufhin gern das Material, aber ließ aus Einstein« erster Antwort die entscheidend« Bezugnahme auf die sozialistischen Parteien aus."(Dieser Satz ist im nach- solgendeu fett gedruckt.) Die von Upton Sinclair gestellten und von Einstein beant- warteten Fragen, die die größte amerikanische Nachrichtenagentur zu verbreiten sich weigerte und die die zweitgrößte nur im Auszüge bracht«, lauten: Frage: Was ist nach Ihrer Meinung die Aufgabe der amerika- nischen Arbeiterschaft gegenüber der wachsenden Kriegs- und Rüstung sgefohr? Antwort: Die Bereinigten Staaten sind heute der mächtigste Weltstoat. Deshalb hängt der erfolgreiche Kampf geg«n Militoris- mus und Kriegsgefahr in hohem Maße von der Haltung ab, den die amerikanischen Bürger gegenüber diesen Problemen einnchmen> er hängt insbesondere von den sozialistischen Parteien ab. deren Inlereste an der aktiven Bekämpfung der Kriegsgesahr keines weiteren Beweise» bedars. Frag«: Wollen Sie den amenkanischen Arbeitern mitteilen, was Sie über dos Trauerspiel von Elend und Hungersnot in einem Lande mit einer derart gewaltigen Produktionskraft wie die USA. denken? Wie Sie wisien. können wir mehr Nahrungsmittel produ- zieren als absetzen, und wir lassen unsere Fabriken nur mit einem Teil ihrer Leistungsfähigkeit laufen: trotzdem fehlt es Millionen von Menschen an Nahrungsmitteln und notwendigsten Bedarfsartikeln. Antwort: Die heutige Weltmarktkrise ist meiner Meinung nach «in positiv« Beweis dafür, daß unser« Wirtfchastsorganifatwn— so. ■Mit man von etwa» derartigem heutzutage sprechen darf— die not» wendigen Erfordernisse nicht«füllt. Dies« Behauptung soll weniger «in« Anklage sein als ein Beweggrund für den Versuch, da- Wirt- schaftslebe« derart zu regeln, daß dos menschlich« Dasein nicht läuger wird. Albert Einstein. Sind es die Rönigenialer Mörder? Reue Festnahme und Haussuchungen Tie n&äftüdfe Bluttat In Röntgental scheint kurz vor der AnfklLrnng zu stehen. Wie im„Bor» wärts" bereits mitgeteilt, ist gestern in Röntgental ein Mitglied des kommunistischen„Ä a m p fb n n d es" fest- genommen worden, der im dringenden Verdacht der Täterschaft steht. Heute früh ist nun auch der Bruder des Verdächtigen festgenommen worden. Crs scheint aber, daß dieser junge Mann mit dem Ber» brechen direkt nichts zu tun hat, sondern sich nur der Be- günstiguug schuldig gemacht hat. KrimiiwlkomMssor Dr. Draschwitz, her Leiter der Zur Zeit in Zepernick sich aushaltenden Mordkommission, mußte unzählige Zeugenaussagen und hinweise versolgen, eh« er fast durch Zufall auf di« Spur des gestern Festgenommenen gelangte, besten Name jedoch im Interesse der' Untersuchung vorläufig noch geheimgehalten wird. Bei den Nachforschungen«rfuhr Dr. Braschwitz von einem Ueberfall auf einen Röntgentoler Einwohner, der am 12. Februar, also fünf Tage vor der Bluttat im Restaurant„Edelweiß", von Mitgliedern des sogenannten„Kampfbundes" niedergeschlagen und beraubt worden ist. Der Dorfall am 12. Februar weist in seinen Einzelheiten groß« Aehnlichkeit mit dem Fcuerüberfoll am 17. Fe- bruor auf. Am 12. Februar hielten der ,F a m p s b u n d" und am selben Abend die hak«nkreuzl«r im„Edelweiß" eine Bersammlung ob. In später Abendstunde wurde vom„Kampfbund" ein Aus- klärungstrupp zum Lokal./Edelweiß" gesandt. Unglücklicherweise verließ gerade in diesem Augenblick ein Röntgentoler Ein- wohner, der im Vorübergehen ein Glas Bier getrunken hatte, die Gaststätte. Der Aufklärungstrupp hielt den Mann für einen Na- tionalsozialist«n und folgte ihm heimlich. Plötzlich fielen die Bur- schen über den Mann her, schlugen ihn nieder und raubten ihn aus. Einer der Täler rief dem Ueberfalleneu noch zu:„Du Lump kommst aus dem„Edelweiß", dich müßte man kolfchießent" Der diese Drohung ausstieß, ist der inzwischen Festgenmnmen«. Goebbels Triumph Goebbels:»Seht,— seht: dos Reichsbanner wackeM* Zunächst bestritt er jede Beteiligung: als er aber dem Ueberfalleneu gegenübergestellt wurde, legte er ein Geständnis ab. Bei ein« Haussuchung entdeckten die Beamten in der Wohnung d« Eltern des Berhofteten an versteckter Stelle«ine geladen« Pistole. Es ist aber nicht die Waffe, aus der die Mord- geschoste abgefeuert wurden. Besonders belastend für den Fest- genommenen ist der Umstand, daß er bis zum Tag« der Verhängnis» vollen Schießerei noch«in« zweite Pistole besessen hat. Diese Waffe ist verschwunden und die Mordkommission setzt jetzt alles daran, den Verbleib dieser Waffe festzustellen. i)er Festgenommene ist als roh und g« w a l t ä t i g bekannt. Nach Lag« der Dinge ist zumindest mit seiner Mittäterschaft zu rechnen. Im Lauf« des heutigen Bormittags wurden noch mehrere Gegenüberstellungen und Haussuchungen vorgenommen. Kein Abbau bei der Stadt. Oer Magistrat nimmt die Kündigungen zurück. Im Haushaltsaus schuft der Stadtvcrord» netenversammlung wurde heute nach einer Er» kläruug des Magistratsvertreters Stadtsyudikus Lange folgender Beschluft gefaftt:' „Nach der Erklärung des Magistratsvcrtreters. daft die ausgesprochenen Kündigungen von Angestellten ge» nräft dem einmütige« Beschluft der Stadtverordueteuver« sammlung vom Ist. Februar ISZl zurückgenommen werden, wird der Teil der Anträge, der dies fordert, als erledigt betrachtet. Die Stadtverordnetenversamm- lung erwartet vom Magistrat die umgehende Bekannt» gäbe der Verfügung, die die Zurücknahme der Kündigungen ausspricht, und ferner, daft Maßnahmen, die die Angestellten betreffen, vorbereitet und durchgeführt werden im Einvernehmen mit den am Angestelltentarif beteiligten Gewerkschaften und den zu» ständigen Angestelltenräten." Nebel über Berlin. Am Dienstag früh war Verlin in einen dichten Nebel ein» gehüllt. Die Sicht war bis gegen 9 Uhr teilweise kaum drei Meßer weit. Der verkehr auf den Straßen konnte sich nur im Schneckentempo abwickeln. Alle Fahrzeuge, Straßenbahn- wogen, Aulobusse und Autos hatten Lichter geseht, deren Scheia sich ober nur schwer durch die dichte Nebelwand bohrte. Erfreu- llcherweise ist es zu schweren verkehrsunsällen nicht gekomme». E« ist lediglich ein Zusammenstoß zwischen einem Strahenbaho- wagen und einem Aulobus zu verzeichnen, bei dem zwei Personen leicht verletzt wurden. -di Die starken Nebelschwaden, die Berlin heute früh kurz noch 7 Uhr zeitweise in einen undurchdringlichen Schleier einhüllten, stnd ganz überraschend aufgetreten. Das Nebelmeer erstreckte sich jedoch nur über Berlin und seine nähere Umgebung. Die plötzliche Nebelbildung kann auf zwei Ursachen zurückgeführt werden. Einmal kann sie durch starke Wärmeausstrahlung, die zu einer starken Ab- kühlung der unteren Luftmassen geführt hat. herbeigeführt worden sein, zum anderen besteht die Möglichkeit, daß ein warmer und feuchter Luftkörper, der gegen die trockene und kalte Luft vorstieß, den Nebel hervorrief. Das Nebelmeer hatte nur eine geringe höhe, schon in etwa 50 Meter höh« zeigte sich ein ganz klarer Himmel. Da» Wetter in den nächsten Tagen soll weiterhin be, ständig und trocken bleiben. Nachts liegen dt« Temperaturen knapp unter null und tagsüber mehrer« Grobe über null Grab. H- Der plötzliche Befall der Reichshauptstadt mit dichtem Nebel zeigte hie sonderbarsten Erscheinungen. Während im Süden und Osten der Nebel strichw-is- so undprchstchtlich war. daß man kaum .,'iti Hand var den Augen sehen konnte, war er in den westlichen Außenbezirken, z. B. in Steglitz, in den Vormittagsstunden nicht zu spüren Er schnitt ungefähr in Schönebcrg-Friedenau ab. dagegen war am Rande von Steglitz der klar st e Sonnen- schein und weite Sicht. Man kann dieses Phänomen daraus wohl zurückführen, daß sich der Nebelschleier an den tiefer gelegenen Teilen länger hielt und hier besonders auch von den Häusern fest- gehalten wurde. Hakenkreuzler für Dolchstoß. Mussolinilakai verteidigt Italien« Krieg gegen Deutschland Aus dem Landkreis Siegen wird uns berichtet: Vor einigen Tagen fand in Laasphe eine sozialdemokratische Ver- s a m m l u n g statt, die sich mit der Verlogenheit der Hakenkreuzler befaßte. In der Diskussion versuchte der N az i a g i t.at o r Schnell aus Siegen die Freundschaft Hitlers mit den faschistischen Unterdrückern des deutschen Südtirol zu rechtfertigen. In feiner Jkalienbegeisterung ging er so weit, sogar den Abfall Italiens vom Dreibund und die Kriegsteilnahme Italiens auf feiten unserer Gegner zu verteidigen. Herr Schnell erklärte wörtlich: „Der Bruch des Dreibundvertrages im Jahre 1915 durch Italien ist von dessen Standpunkt aus unbedingt gerecht- fertigt. Man muß sich vergegenwärtigen, wie der österreichisch« Marschall Radetzki sein«rzeit in Oberitalien gehaust hat. Es ist vollkommen ungerechtsertigt, Italien einen Vorwurf daraus zu machen, daß es sein« Interessen auf selten der Entente sicherte.* Bei diesen Worten wurden selbst die Gesichter der nationolsozia- listischen Gefolgsleute des Herrn Schnell ziemlich lang. Die folgen- den sozialdemokratischen Redner nagelten diese Aeußerung fest. Nach dem nationalsozialistischen Reichstagsantrag, der Landesverrat in , Wort oder Schrift(wozu auch die Preisgabe deutscher Interessen rechnet) mit dem Tod« bestrast sehen will, hätte Heer Schnell seinen Kopf für das Dritte Reich bereits verwirkt! Oer Kampffonds der Geireidehändler. Hintergründe der Aktion gegen die Zstoagenstühnng. Die Sitzung des Reichstagsuntersuchungsausschusses über die Roggen st ützung am Montag brachte ein« Sensation. Es wurde festgestellt, daß der private Getreidehandel einen Kampf- f o nd s gebildet hat zur Korruption der öffentlichen Meinung in der Getreidewirtschaft. Run weiß man also endlich, aus welchen Mitteln und von welcher Seite der ungeheure Wust von Verleumdungen stammt, der wegen der Roggenstützung erhoben wird. Das Bemerkenswerteste an den Verhandlungen dieses Unter- suchungsausschusses ist nach wi« vor tüe Einheitsfront, die von den Deutschnationalen, den Sachverständigen hes privaten Handels, und den Kommuni st en gebildet wird. Solange die Nationalsozialisten noch da waren, befanden auch sie sich in dieser Einheitsfront. Auch in der Montagssitzung versuchten Deutschnationale und Kommunisten die Diskussion von dem eigentlichen Thema abzulenken. Sie wollten nachweisen, daß bei dem Erwerb de« Scheuer-Konzerns im Jahr« 1928 durch die öffentliche Hand öffentliche Gelder verschleudert worden wären. Die Ver- nehmung des Präsidenten Klepper von der Preußenkasse ergab jedoch wie eine krühere Untersuchung des preußischen Landtags die völlige Haltlosigkeit dieses Vorwurfs. Statt dessen teilt« ein Vertreter der Preußenkasse. der zugleich als Vertreter de? prsußtschen Regierung an der Sitzung teilnahm, mit. daß unmittelbar noch dem Erwerb des Konzerns durch die öffentlichen Institute der private Getreidehandel den oben erwähnten Kampffond» zusammengebracht habe. Haupt- beteiligte an der Verwaltung dieses Kampffonds feien die Herren Kommerzienrat Zielenziger und Herr Arthur Lehmann, die als besondere Sachverständige des Handels den ver- Handlungen des Untersuchungsausschusses beiwohnen. Herr Zielen- ziger gab di« Richtigkeit dieser Angaben zu. Bon Herrn Arthur Lehmann, der gegenwärtig geschäftsführendes Präsidialmitglied des Getrei-dehändler-Verbandes ist, wurde außerdem festgestellt daß er nach dem Erwerb des Scheuer-Konzerns Berhandlunzen über seinen Eintritt als Direktor geführt hat. Diese Verhandlungen seien aller- dings gescheitert wegen der unerfüllbaren Höh- der finanziellen Forderungen Lehmanns. Man wird nach diesen heiklen Feststellungen wohl fordern Minen, daß der Untersuchungsausschuß sich solche Sachverständige nicht länger gefallen lassen darf. Interessant ist allerding», daß nicht nur die Deutschnationalen sich im Ausschuß als die Vorkämpfer des .privaten Getrcidehandels betätigen, sondern fast noch mehr die Kam- inunisten. Ihre Arbeit erschöpft sich allein In der Stellung von Fragen, die ihnen vorher von den Händlern sorgsam aufgeschrieben worden sind. So sieht der Kampf der Kom- im, nisten gegen den Kapitalismus aus! Lustizskandal in Breslau. Sin angeklagter Hakenkrenzler darf sich passende dichter aussuchen. Kürzlich hatte sich(am 12. Februar) der nationalsozialistische Agitator Fritz Waldmann vor der Großen Strafkammer in Breslau zu verantworten. Waldmann war wegen Aufreizung zum Klassenhaß(er hotte ein unglaublich unflätiges Flugblatt gegen die Juden verbreiten lassen, in dem er diese mit Flöhen verglich) von dem Erweiterten Schöffengericht In Breslau zu 309 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Aber die Berufungsverhandlung mußte anfangs vertagt werden, weil Waldmann und fein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Berncr, die Mitglieder der Strafkammer, Landgerichtsdirektor Dr. S t e i n f e l d und Assessor Dr. S t a n n e r, als befangen ablehnten. Diese Befangenheit begründeten der Angeklagte und sein Verteidiger mit konfessionellen und Rasse- gründen. Dr. Steinfeld ist übrigens getauft. Die Crsatzkammer, die über diesen Einspruch zu entscheiden hatte, bestehend aus den Landgerichtsräten Franz, Zahn und Dobrzinsky, erkannte den Einwand als b e r e ch t i g t an, und es traten für die abgelehnten Richter der Landgerichtsrat Dr. von Wedemeier und Land- genchtsrat Hesse ein. Di« so zusammengesetzte Kammer hat dann den Angeklagten in der Berufung freigesprochen. Der Rilchopiöfldenk hat als Hilfe für die Opfer der Eschweiler Grubenkatostrophs aus seinem Disvofltionsfonds einen Betrog von 10 000 Mark bewilligt und dem Regierungspräsidenten in Aachen zur Verfügung gestellt. Stahlhelm überfällt Reichsbanner Schlägerei in Bad Bramstedt Kiel, 24. Februar.(Eigenbericht.) Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Reichsbanner- und Stahlhelmleuten kam es am Montagabend in Bad Bramstedt, wo das Reichsbanner einen Appell abhielt. Der Stahlhelm hatte seine Anhänger aus Neumünster und Kiel nach Bramstedt gebracht. Einige Iungbannerleute passierten einen der Schnellastwageii des Stahlhelms, von dem aus ihnen höhnische Zurufe gemocht wurden. Als die Iungbannerleute die Zurufe erwiderten, sprangen die Stahlhelmer vom Wagen und schlugen die Iungbannerleute zu Boden, denen später eine An- zahl Relchsbannerkameraden zu Hilfe eilte. Bei der sich anschließen- den Schlägerei wurde ein« große Anzahl von Verletzten, darunter sieben Schwerverletzte, gezähll. Den Stahlhelmern wurden durch di« Polizei verschiedene Stahlruten, Gummischläuche, Granat- keile, armdicke Stöcke ufw. abgenommen. Oemonstrationsverboi in Zittau. Die Folge der blutigen Zusammenstöße. Zittau, 24. Februar. Auf Grund der schweren potttischen Zusammenstöße des gestrigen Tages hat die hiesige Polizei mit sofortiger Wirkung für den Bezirk der Stadt und Amtshauptmannfchaft Zittau ein Demonstrationsverbot erlassen, das olle Versammlungen unter freiem Himmel, auch wenn sie als itmzüge, Kundgebungen, Demonstrationen usw. bezeichnet werden, sowie Ansammlungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen nach Artikel 123 Abs. 2 der Reichsoerfassung bis auf weiteres verbietet. Schwere Ausfchreiiungen in Duisburg. Ein Polizeibeamter durch Bauchschuß schwer verletzt. Duisburg. 24. Februar. Im Ausammenhang mit der heutigen Stadtverordnetenver- sommlung kam es in der Stadt an mehreren Stellen zu Zu» so m m« n rottunge n und Ausschreitungen. Schon vor Beginn der um v Uhr angesetzten StadtverordneiensiLung zeigten die Straßen besonders der inneren Stadt ein sehr lebhaftes Bild. Aus allen Richtungen zogen zusammenhanglose Trupps aus- wärtiger Demonstranten heran, die mehrmals versuchte� unter Absingen politischer Lieder in die Nähe des Rathauses zu gelangen. Die Polizei zeigte sich stets Herr der Situation und ver, mochte die Demonstranten abzudrängen. Am späten Abend mußte jedoch der Plötz vor dem Rathaus durch starke Polizeikommandos abgeriegelt werden, da die Lage bedrohlich wurde. Es kam dann zu Zusammenstößen und Anrempelungen. Ein Polizei- beamter wurde durch einen Bauchschuß schwer vev> letzt. Raufhandel mit Messerstichen. Das nennt man„Politik". SSln, 24. Februar.(Eigenbericht.) Am Sonnabendnachmittag kam es nach einer nationalfozia- listischen Beerdigung zu einem Zwischenfall mit Kommu» n i st e n. Als ein geschlossener Trupp Nationalsozialisten auf dem Rückweg vom Friedhof durch den Arbeitervorart Ehrenfeld marschierte, wurden sie an einer Straßeneck« von einem größeren Trupp Kommunisten überfallen. Mehrere Personen wurden ver- letzt, darunter ein Nationalsozialist durch einen M e s s e r st i ch. der die Lunge tras. Er mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Bersammlungsschlacht in Marburg. Marburg a. d. Lahn. 24. Februar. Bei einer von den Nationalsozialisten in Ockershaufen veranstalteten Werbeversammlung äußerte sich der Redoer über di» Rsichsbannerleute, die sich an der Kundgebung vom 22. Fe- bruar beteiligt hatten, worauf Zwischenrufe aus der Berfanun- lung ertönten. Darauf entwickelte sich zwischen Nationalsozialisten und politisch Andersdenkenden«ine Schlägerei, bei der es vier. zehn zum Teil schwer Verletzte gab. Eine Warnung an Schiele. Au« Freunbschofi kann Feindschaft werden. Der Vorsitzende de» Reichsverbandes der deutschen Industrie wandte sich bei der Feier des 25jährigen Bestehens der Niederländi- lchen Handelskammer in Köln schars gegen den Schiele-Kur». Cr erklärte, die Freundschaft zwischen Industrie und Landwirtschaft müsse ein End« nehmen und sich in Feindschaft verwandeln, wenn die deutsch« Landwirtschast den bisher eingeschlagenen Weg weiter ver- f»lge._ Oer Kulturwille der Arbeiterschast. Sozialdemokratische Forderungen zur Reichskultorpolitik. Der Ausschuß für den Reichshaushalt setzte heut« die Einzel- beratung über den Etat des Ministeriums des Innern fort. Beim Titel Deutsche Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung führte Dr. Moses(Soz.) aus: Auch di« Sozialdewokrati« erkennt die segensreiche Tätigtest der Deutschen Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung an, wünschte ober doch mehr al» bisher, daß die vom Standpunkte der Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes dringlichsten Auf- gaben unterstützt werden. Die Republik hat für die Wissenschaft unendlich mehr geleistet als das früher« Deutschland. Redner bittet, die von ihm angeregte Gemeinschaftsarbest über die Ursachen von Bergwerkskatastrophen beschleunigt zu sehen. Löwen st ein(Soz.) oerlangt, daß das Innenministerium nicht nur in Fragen der Wissenschast. sondern auch in Fragen der ollgemeinen Volksbildung, Erziehung und Schulung einer Reichs- kulturpolitit auf weit« Sicht di« Wege ebnet. Dazu gehört in erster Linie, daß da» gesamte Schulwesen au» seiner kostspieligen Verzettelung zur Vereinheitlichung, Vereinfachung und sozialen Gestaltung geführt wird. Es müsse ernsthaft die allgemeine Berufsschulpflicht durchgeführt werden und die Monopolstellung der Be- rechtigung der höheren und Mittelschulen dadurch gebrochen werden, daß auch Berufs- und Fachschulen entsprechende Berechtigung be- kommen. Das Ministerium muß sich an die Vorbereitung des 9. Schuljahres machen. Wir haben unsere Entschließungen gestellt, damst die Dinge von langer Hand gründlich vorbereitet werden, und wir erwarten, daß bei der Dorbereiwng dl« Gewerkschaften weitgehend herangezogen werden. Abg. Kardorss(D. Vp.) spricht gegen die Anträge der Sozialdemokratie, weil er davon eine Uniformierung fürchtet, es seien immer nur weniger Führer und nur wenige für das aka- demisch« Studium geeignet. Ministerialdirektor Pellengahr begrüßt die Anregungen der Sozialdemotratt« und erklärt, daß die mittlere Reife«in erster Schritt auf diesem Wege sei. Der Durchführung der Berufsschul- Pflicht ständen finanzielle Schwierigkeiten entgegen. Abg. Löwen st ein(Soz.): Wir Sozialdemokraten wollen durchaus nicht, daß die wissenschaftliche Anforderung herabgesetzt wird, aber wir wollen, daß die Auslese nicht nach dem Gesichtspunkt des Geldbeutels erfolge. Der Erfolg der Arbeiterabiturientenkurse in Neukölln beweist wieder, wieviel Möglichkeiten gerade in den arbeitenden Schichten gegeben sind. In der letzten Prüfung haben von 3g dieser Abiturienten 6 mit Auszeichnung, 14 mit Gut und die übrigen zwischen Gut und Genügend bestanden. Die mittler« Reife muß auch die Berufs- und Fachschulen mit einschließen. Man dürfe die Kultur Deutschlands nicht nur nach der Wissenschaft, sondern vor allen Dingen nach der Kulturhöh« seiner Arbesterfchast beurteilen. Die Arbeiter hätten«inen Anspruch darauf, daß die Berufsschulpflicht durchgeführt werde, selbst wenn sie Geld koste. l Zlbendblattes* gegen die Beamten und Offiziere der Heeresverwal- tung gemachten Vorwürfe über Mißstände bei Vergebung von Militärausträgen nicht aufrechterhalten könne und sie deshalb zurücknehme. Die Behauptungen hätten auf einem Irrtum beruht. Der angeklagte Redakteur Zucker erklärte seinerfests, daß er auf Grund der Hauptoerhandlung und der Erklärung seines Gewährsmannes Becker gleichfalls die in jenem Arttkel enthallenen Vorwürfe zurücknehme. Die Angeklagten übernehmen die Kosten des Verfahrens, der Dergleichstext muß binnen dreier Tag« im„S-Uhr-Abendblatt* abgedruckt werden. Der Staatsanwalt erklärt« daraus, daß er gegen den Vergleich nichts einzuwinden habe. Di« Houptoerhandlung Hab« ergeben, daß an den gegen die Heeresverwaltung erhobenen Vorwürfen nichts richtig fei. Die Heeresverwaltung habe keinen Grund, da» Tageslicht zu scheuen, es könne ruhig in ihre Tätigkeit hinein- geleuchtet werden.___ Die Krau im Dritten Reich. Eine überfüllte Frauenverfammlung fand m» Alantag w Friedrichshagen im Restaurant.Stadl- lheater* stall. Genossin Paula Surgah sprach über die Frage:»DleFrauimDritlenReich.* Di« Vortragende schilderte Oen Entwicklungsgang der soziaMi, sehen Frauenbewegung vom Obrigkeits- und Polizeistaat des ersten Reiches zur freien Republik. Der zwangsläufig Charakter der Ein- beziehung der Frau in die kapitalistische Produktion, verstärkt durch den Krieg, zerstörte die FmnUienverhältnisse uno zwang die Frau in die Klasienlampffront des arbeitenden Mannes. Diese Entwick- lung hat nur di« Sozialdemokratie erkamtt, die die politische Gleich- berechtigung für die Frauen erkämpfte, als die bürgerlich«»Frauen» bewegung* noch der Entwicklung blind gegenüberstand. Der Frau die erstritten«» Rechte wieder zu nehmen, wie es die Hitler-Bewegung will, heißt zu den Fesseln der kapitalistischen Ausbeutung, unter denen Mann und Frau in gleicher Weise leiden, noch den Rückschritt in mittelalterliche Zustände hinzu- fügen. Nicht die marxistische Bewegung zerstört die Famili«, sondern der Kapitalismus raubt den Ausgebeuteten das Heim, den Kindern di« Erzieherin und treibt die verheiratete Frau in Fabriken und Kontore. Ein Drittes Reich, an dem die Frauen ein Interesse haben sollen, kann nur die sozialistische Volksrepublik fein. die im Kampfe gegen den Nationalsozialismus errichtet werden wird. Hakenkreuzfreunde. Der nattonalsoziattstische„Angriff* veranstaltet ein Prelsaus» schreiben für Abonnentenwerbung. Die Preis« dafür hat er sich von einer Reihe kleinerer Fimen„stiften* lassen, die mit den Hakenkreuzlern sympathisieren. Unter den„Stiftern* befindet sich Seidenhaus Cords, Leipziger Straße. Die Sympathie für die Nationalsozialisten ist bei dieser Firma anscheinend erwacht, nachdem die Nationalsozialisten die Schaufenster eingeschlagen haben. Vergleich im Reichswehrprozeß. Sämtliche Vorwürfe werden zurückgenommen. In dem Prozeß de» Reichswehrministeriums gegen den In- Haber der Militäreffettenfirma Becker u. Co., Fritz Becker, und den Redakteur de».ch-Uhr-Abendblottes*. Zucker, wegen der be- rüchtigten 5000 Reichswehrsättel, kam heute ein Vergleich zustande. Der Angeklagte Becker erklärt, daß er noch dem Ergebnis. der Hauptoerhandlung, die von ihm in dem Artikel des»S-Uhr- Herr von Hippel gibt nach. Wie gemeldet wird, hat der Konflikt zwischen der Oststelle und der Preußischen Generallandschait(M u s se hl- K o n f l i t t) durch Verhandlungen in der vorigen Woche dadurch sein Ende gefunden. daß die Ostpreußische Generallandschast auf die Barrückzahlung der Landschostshypotheken in Versteigerungsfällen verzichtet Hot. Angestellientarif gekündigt. Der verband Berliner Melallindustrieller hol den(Sehallslarlf der Angeflelllen zum 31. Mär, gekündigt. Etwa 60 000 bis 70000 Angestellte werden davon betrosfe«. Vorkriegs-Fürstenbriese an«He Zarenfamilie wurden in Lenin» grad neuerdmg, gesunden; der Sowjetstaalsoerlog wird sie heraus» geben. Henderson in Paris. Gnignngsverhandlungen mit Frankreich vnd Italien. London, 24. Aebruar.(Eigenbericht.) Der englische tlußenminisier henderson nnd der Marineminister Alexander sind am Montagmorgen plSHNch in Be. gleilung von Cratgie nach pari, gereist. Paris. 24. Februar.(Eigenbericht.) Di« überraschende Auskunft des englischen Außenministers Henderson und des ersten Lords der Admiralität Alexander in Paris — beide hatten am Montag«ine dreistündige Konferenz am Quai d'Orsay mit Briand und dem französischen Marineminister— hat m der Pariser Press« Sensation hervorgerufen. Es ist der Schleier zerrissen worden, den die französisch« Diplomatie bisher über die enMch-franzSsifch-italienischen Flottenlompromißverhandlungen zu werfen sich bemüht hatte. Wie die Presse mitteilt, dürsten die Verhandlungen zur Fertig- stcllung eines Kompromisses wenigstens zwischen Frankreich lind England noch im Laufe des Dienstag zu Ende geführt werden. Nur noch einig« technisch« Hindernisse seien zu beseitigen. Die Engländer bemühten sich— so ineldet das„Echo de Poris"—, die französischen Fiottensorderungen die schon auf 640 000 Tonnen herabgeschraubt worden seien, noch weiter auf 620 000 Tonnen zu vermindern. Außerdem protestierten sie gegen den Vau eines französischen Panzerkreuzers von 23 000 Tonnen, der dazu bestinnm sei, den deutschen Panzerkreuzer„Preußen" zu übertreffen. Ein Re?ord-Kampfflugzeug. Loadov. 24. Februar.(Eigenbericht.) Die englischen Luftstreitkräfte sind um einen neuen Typ von Kampfflugzeugen reicher geworden. Es handelt sich um einen Einsitzer, der mit nicht weniger alz sechs Maschinen- gewahren ausgestattet ist, die gleichzeitig vom Piloten bedient werden können. Das Flugzeug ist ein Doppeldecker, besitzt einen luftgekühlten 460-?L-Motor und hat bei den Probeflügen«ine liiefchwindigkett von 194 Meilen in der Stunde(über ZOO Kilometer) erreicht.;.Ua... Mosley machi sich selbständig. Ggene Fraktion in Zlassicht genommen. London. 24. Februar.(Eigenbericht.) Sir Oswald Mosley beabsichtigt einen neuen Theatercoup. Er will mit seiner Gruppe aus der Parlaments- fraklion der Labour Party austreten und eine Kampagne im Lande veranstalten. Zeden Tag dieser Woche soll einer seiner Anhänger seinen Austrikl ankündigen. Die ganze AkNon ist aus eine«healralische Wirkung angelegt, wie groß die Gesolgschast Diosleys auf dessen neuesten Pfaden sein werde, ist nicht genau zu sagen, doch dürfte die Zahl seiner zuverlässigen Anhänger wesentlich geringer sein al» die der Unterzeichner seine, letzten Manifestes, die 17 betrug. „Madame Ruiiersty." Republitoper. Es ist viel Rührendes, ja Erschütterndes in der Tragödie der kleinen Japanerin, di« an ihrer Liebe zu einem amerikanischen Ma- rmeosfizier. an der Enttäuschung und Verzweiflung eine» kindlich- gläubigen Herzens zugrunde geht. Diel menschlich Echtes ist in dieses unecht«, brntal-raffinierte Stück verarbeitet. Sein« Wirkungen sichert i>en dieses(Semisch aus fraglos Glaubwürdigem und fragwürdigstem Theater. Das rührend Menschliche, das in der zweifelhasten Dichtung angelegt ist. wirb gewiffermaßen mißbraucht, unser Gefühl und Mit- gefüht zu gewinnen: wir vermögen nicht e« zurückzuziehen, es ist zu spät zu widerstehen, wenn das Frauenschicksal, an dem wir er- griffen teilnehmen, schließlich in di« Niederungen peinlichster Kino- di antatif gerät. Puccini, Musik, noch in, wer fesselnd in ihr ein exotischen Kolorit, reicht an zarten Nuancen des Ausdrucks, aber auch an gröberen Reizen und Effekten— diese Musik oerdichtet alles Atmosphärische und verstärkt die Wirkung im Guten und im Schlim» men. aber am Ende ist es doch mehr Nerven» als Gefühlswirkung gewesen. Im Arbeitsplan der Republikoper, aus der ein oberflächlich- schiefes Schlagwort die Aerliner„Experlmentier-Qper" gemacht hat, bedeutet„Madame Butterfly" in der Tat das erste Experin»ent: ein nicht ganz unbedenkliches Experiment auf dem Weg des Entgegen» kommens an angebliche Publikumsbedürfnisse, auf die bisher in diesem Hause wenig Rücksicht genommen werden mußte. Doch dam siicschmack, an den Puccini sich wendet, macht die Inszenierung kein Zugeständnis. Der klug« Regisseur, Hon« Eurjel, wahrt den Stil des Werks, versteht aber all seinen Gefahren der Rührseligkeit und Gefühlsoerlogenheit geschickt auszuweichen, das Spiel entwickelt sich in knappen Gesten und in natürlichster Bewegung. Und der Dirigent, Alexander v. Zemlinsky, weih als feiner, überlegener Musiker Puccini von seiner besten, sozusagen edelsten Seite-zu nehmen. Iarmila Rovotna in der Titelrolle macht den Abend zum künstlerischen Erlebnis. Und eine Ucberrafchung der junge Tcitschamerikaner Charles Kullmann, Bühnenneuling, wie es h-ißt, In der Caruso.Rolle des Link-rton. eine seltene Stimme und «ine verblüffende Spielbegabung. In den übrigen Hauptpartien Else Ruziczko. Ahlersmeyer, Peter». So wird die Aufführung, Zeugnis gewissenhaftester und bester Arbeit, ein großer, unbestrittc- »cr Erfolg. Dank dieser Anffichrung wirb„Madame Butterfly" zwischen„Figaro" und„Faistaff" ihren Dienst im Spielplan der Republikoper tun._ p. Neue, Laad in der Anlarkll» eakdeckl. Da» norwegische Aus- wärtige Amt erhielt ein« drabtiose Meldung von Kapitän Risser Larsen von der Norvegia-Expedition des Inhalts, daß von dem zu der Expedition gehörenden Seeflumeu« die Küstenlinie eines neuen Landes entdeckt worden fei. das sich von 70 Grad 30 Minuten iüd- sich und 24 Grad 15 Minuten östlich nach 68 Grad 40 Minuten'üd- sich und 33 Grad 30 Minuten östlich erstreckt. Di« norwegisch« Flagge wurde zusammen mit einer Besitznohmeerklärung abgeworfen und so das neu« Land für norwegisches Gebiet erklärt. Dos neue Gebiet hat den Namen Prinzessin Ragnhlld-Land er» halten. Di« neuentdeckte Küstenlim« liegt etwa 800 Kilometer süd. westlich von Enderby-Land in einem der am wenigsten erforschten Teile des Südpolargebiets. Afrika» erste llnlergcundbobn. Algier wird nach vor Marseille und Lyon die zweit« französisch« Stadt sein, die eine Untergrund- bahn erhält. St« wird die Stadt der Länge nach durchqueren. c«»t«»o»e der saponlichea Avskl-lwog. Tie tlutstellunz von«erken tuender sap-miiiä« Maler in der Akademl« der Könste. die b'sher von über ,:> 600 Personen besichtigt wurde, bleibt nur noch bis Sonntag emschlieslich geSfinet. Arfur Schnabel wird im V. Konzert der PoltSlübn» am Sounta, dem l. Mäu voimiliaa«'/.ILUHr Sonaten oon Brahms, Mozart und Leethoven zi»" Vortrag bringen. Hitlers feiges Mordgesindel Die Hakenkreuzbluttat von Stuttgart Stuttgart, 23. Februar.(Eigenbericht.) Der gestern berichtet« Zusammen st ohzwischenNatio» nalsozialisten und Reichsbannerleuten, der in der Nacht zum Sonntag in Stuttgart in der Hauptstädter Straße statt- fand, hat sich alz ein ganz planmäßiger und vorbe» rciteter Ueberfall herausgestellt, den die Hakenkreuzler von ihrem in dieser Straße gelegenen Verkehrslolal aus aus ein« Gruppe Reichsbannerleut« unternommen Hobe», die von einer Veranstaltung des Republilanischen Studentenbundes kamen und in aller Ruhe nach Hause gingen. Di«„Schwäbische Tagwacht" gibt von dem Borsall folgenden Bericht: „Die Reichsbannerabtessung, etwa 50 Mann, die zum Schutze der erwähnten Versammlung ausgeboten waren, blieben vollkommen unbehelligt, solange sie geschlossen beisammen war. Nachdem sich die Abteilung aufgelöst und die Kameraden in einzelnen kleinen Trupps ihren Wohnungen zustrebten, wurde ein kleiner Trupp bei der T a n k st« l l e in der Häupsstädtsr Straße plötzlich von einer großen Uebermacht Braunhemden, die aus ihrem Lokal herausstürmten, überfallen und nnt Mordwerkzeugen aller Art mißhandelt. Ein Reichsbannerkamerad wurde durch Stiche so schwer verletzt, daß er aus dein Platze blieb. Die durch die Hilferufe aus einem nahe- gelegenen Lokal herbeigerufenen Kameraden wurden von den von drei Seiten anrückenden Nazileuten ebenfalls über» fallen und zu Boden geschlagen. Ein am Boden Liegender wurde von den Bestien in den Rücken und in den Hinterkopf gestochen, obwohl er zur Gegenwehr unfähig war. Inzwischen wurde von Reichsbannerseit« sowie auch einzelnen privaten Stellen das U c b e r f a l l k o in in a n d o alarmiert, das mit reichlicher Verspätung eintraf. Sofort wurde das Derkehrslokal der Nazis abgeriegelt und eine Durchsuchung auf Waffen vorgenommen, die ein überraschendes Ergebnis zeitigte. Ein« Unmenge von Hieb- und Stichwaffen wurden den Nazis abgenommen. Im besonderen waren es zahlreiche Kabelenden und Farrenschwänz«, die man sich zur Bearbeitung des Gegners zurecht gelegt halt«. Wie wohl organisiert der Ueberfall war. zeigt serner die Tatsache, daß ein Mann in Zioil in blauer Mütze, der bei der Tankstelle Aufstellung genommen hatte, den Ueberfall durch Pfeifensignal« leitete. Die benutzten Mordwertzeuge wurden auch in einem in der Nähe befindlichen Schacht, wo die Nationalsozialisten sie versteckt hatten, von städtischen Arbeitern gefunden und der Polizei übergeben. Daß der Ueberfall der Nationalsozialisten auf die wenigen Reichs- bannerkameraden planmäßig vorbereitet war, geht schon aus der Tassache hervor, daß unmittelbar nach dem ersten Ueberfall bereit» in verschiedenen Kraftwagen Nationalsozialisten zum Hauptstädter Hof, ihrem Verkehrslokal, gebracht wurden, diezurVerstärkung des Uebersalls herangezogen wurden, u. a. ein Lastkraftwagen mit 40 uniformierten SA.-Leuten, Obgleich zwei Wachtmeister vor dem Haupsstädter Hof standen, warfen die Nationalsozialisten von hier aus dauernd neues Menschen- material aus die Kampsstätt«. Daß dieser Ueberfall nicht mit dem Tod einiger Kameraden endete, ist nur dem Umstand zuzuschreiben, daß die wenigen aus der Wirtschaft herangeholten Kameraden mit fast übermenschlicher Kraft ihre Kameraden, auf denen die Nazis herumtrampelten, zu befreien versuchten." Di« sozialdemorkatische FraUnn des Württembergischen Landtag« hat diesen Bargang zum Gegenstand einer Großen An» j r a g e an den Staatspräsidenten und Innenminister Bolz gemacht, in der er gefragt wird:„ob cr willen» und in der Lage ist. dem gefährlichen Treiben der Nationalsozialisten alsbald«in Halt zu gebieten oder ob nach Lag« der Verhältnisse Abhilfe nur durch ein« nachdrückliche Selbsthilfe geschaffen werden kann" Dies« Interpellation wird voraussichtlich schon in der Dienstag-Sitzung des Landtag, zur Verhandlung kommen. Mordkommission alarmiert. ?6 jähriger Altersrentner tot avfgefunden. Heute mittag wurde die Kriminalpolizei nach dem Nordosten der Stadt alarmiert. Im Hause Marienburger Straße 47 bewohnt seit vielen Iahren der Rentenempfänger Wilhelm Hamann, ein Mann von 76 Jahren, im Erdgeschoß des Quergebäudes eine Behausung für sich allein. Den Hausbewohnern war es aus- gefallen, daß in den letzten Tagen der Greis nicht mehr zum Vor- schein kam. Der Pförtner öffnete deshalb am Dienstagnachmittag mit Gewalt die Wohnung und fand Hamann nur halb bekleidet tot vor dem Bette liegen. Ein hinzugezogener Arzt ent- deckte im Rücken des Toten«in« Verletzung, deren Ursache nicht ohne weiteres zu bestimmen war. Da mit der Möglichkeit eines Verbrechens gerechnet werden muß, wurde ein Kriminalbeamter der Inspektion A. zur Untersuchung entsandt. Nach den vorläufigen Feststellungen muß der Tdd schon vor«inigen Tagen«ingetreten sein. Geraubt ist in der Wohnung, soweit bisher ermittelt werden konnte. wahrscheinlich nicht». Die Untersuchung ist aufgenommen. Oer Fall Gertrud Frenzel. Der Streit um Gertrud F r e n z e l. der Tochter des früheren Sc» meindeoorstehers von Bornim bei Potsdam, der in erster und zweiter Instanz wegen Sittlichkeit« Verbrechens an seiner Tochter verurtellt wurde, geht weiter. Der bestellte Pfleger Dr. S t o p p e n b e ck hat das Mädchen in SüddeutschlanS unterbringen lassen, mn zu ver. hindern, daß sie mit ihren Angehörigen zusammenträfe. Die Mutter hatte letzthin ein Gesuch«ingereicht, die Tochter zu sehen. Dieses Gesuch ist vom Vormunds chastsgericht mit der Begründung ab» gelehnt worden, daß Bater und Mutter Frenze! das Sorgerecht für ihre Tochter Gertrud abgesprochen worden ist. Hierzu erklären die amtlichen Stellen, daß Frau Frsnzsl die mütterlichen Sorgerecht« entzogen wurden, weil sie sich um ihr« Tochter Gertrud nicht genügend gekümmert und sie vor den Verfehlungen des Vaters nicht geschützt habe. Demgegenüber macht die Vertretung der Frau Frenzel geltend, daß, solang« die Revision taufe, das Urteil der Potsdamer Kammer nicht rechts- k r ä f t i g sei. Weiter weist man von selten der Frau Frenzel darauf hin. daß di« Tochter dadurch, daß sie der Obhut des Dr. Stappenbeck übergeben sei, Gefahr laufe, mit den Freunden des Pflegers, Pfarrer Schenk und Frau Schenk, in Berührung zu kommen. Hier- durch sei eine Beeinflussung des Mädchens zugunsten der Pfarrer». leute und zum Schaden ihrer Eltern möglich und wahr- scheinlich. Frau Frenzel hat das Vormundschaftsgericht erneut um die Ge» nehmigung gebeten, ihre Tochter zu besuchen. Die Entscheidung hier- über wird in allernächster Zeit gefällt werden. Das Arbeitsgericht zieht um. Am Freitag und Sonnabend dieser Woche ist der ge. samt« Betrieb des Arbeitsgerichts in der Zimmerstraße und derPrinz-Albrecht-Strahegeschlofsen. auch die Stell« für Rechtsauskunft und Aufnahme von Klogen. An diesen Tagen geht der Umzug nach den neuen Räumen w der Wllhelmstr. 85 vor sich, wo die Tätigkeit des Arbeits- gerichts am Montag, dem 2. März, beginnt, mit Ausnahme der Kammern für Haucangestellte sowie für Arbeiter im Handels« und Derkehrsgewerbe, die einstweilen noch in der Zimmerstraße verbleiben. Mor:„Gesellschaft der Menschenrechle" Volksbühne Der Shakespearssch« Tonfall Georg Büchners, sein« balladen- haste Szenentechnik, sein dramatisch plastischer Wortschatz, vielleicht das merkwürdigste Kllnstlerteil, in dem vor bürgerlicher Langlebig- keit und Redseligkeit bewahrten Genie, das wollt« Franz Feodor Cfokor durch einen Akt der ästhetischen Vernunft nachahmen. Esokors eigene Dichtungen, houpssächlich seine Balladen, sind kräftige Stücke. Er lebte schon seit etwa zwei Jahrzehnten in dieser Formenwelt. So konnte er vom eigenen viel zuschießen: Talent und Ausdauer und literarische Liebhaberei. Das geheimnisvolle Genie mangelte ihm allerdings. Er nährte sich von der historischen Berühmtheit Büchners, der in vier stürmischen Iahren die vier Glücks, und Elendsmöglichkelten des Männerdaseins auskostet«: den Kampf der politischen Person. lichkeit, Beseeligung des liebenden Herzens, Glut des künstlerischen Schöpfers, die Erkenntnis des wissenschaftlichen Forscher», und der schließlich blutjung starb, well das sinnlose Schicksal niemals im, stand« scheint, ein so vollkommenes Geschöpf lange zu erhalten. Esokors Drama sst ein Zeitstück. Vieles Menschendasein wirbelt durcheinander. Da ein kurzer Theaterabend mächtig ausgefüllt wer- den soll, bleibt nicht viel Zeit, um den vielen Spielern und Gegen- spielern volle psychologisch« Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wer die Büchnersche Biographie nicht aktenmößig kennt, wird durch manches befremdet. Immerhin gibt es wenige, die darauf verzich» teten, den aufregenden Büchner-Roman zu studieren. Deshalb find die meisten entzückt, well Esokor sich so tapser zu den Rebellen stellt«, die uns teuer sind,«ell er die Schinder und Heuchler so un» barmherzig entlarvte, die wir verabscheuen bis in unser« Tage. In dem Drama macht der unglückliche Pfarrer Weidig den Knaben Wilhelm Liebknecht, seinen durch die Geschichte beglaubigten Neffen, zum Vertrauten seiner rührenden Menschenliebe. Indem wir diese lyrisch« Nebenszene miterleben, schwingt die Phantasie mit. Wir erinnern uns an alles, was Revolution, was sozialer Kamps, was Boshett der Reaktion war und sein kann. Csokor findet die Tendenz für die Zukunft, indem er sie aus der Vergangenheit schöpft. Hans Rodenberg war der Regisseur. Er wählte und bil- hete seine Darsteller mit Instinkt. Nur Hans Böhm, der den Büchner spielt«, hätte weicher und gewinnender sein können. Er sst «in kluger Künstler, aber die Uebergäng« von der Lyrik zum lauten Heldentum trifft er noch nicht. Dafür wurde man entschädigt durch prachtvolle Typen: Ernst Körchow, der Rebellenpastor Weidig, wurde oft der eigenttiche Held und Träger des Revolutionsge- dankens. Er war der rein« Aufrührer, den nichts umwirft, auch nicht die Körperfolter. Der Reaktionsteusel, der nie zu belehrende und für all« Zeit in feine Borniertheit eingesperrte Feind des Fort- schritts, sst Hermann S p e e l m a» s. Cr wurde ein famoser und taktvoller Charakteristiker. Er dämpste, wo der Dichter ins Ueber- treiben geriet. Er machte glaubhast, daß auch in der Menschenbestie noch«in armseliges Menichentum verborgen sst. Kurt Horwitz und Ernst Gins berg spielten die Spitzel, hartgesottene Spitz- bubcn. die sich moralisch dagegen wehren, daß sie ihr Gewissen nur verschachern. Obwohl sich der Dramatiker in ihrer schwarzep Seele selbst nicht ganz zurechtfindet, geben die Darsteller mehr, als di« Dichtung ihnen gab. In kleinen, aber schwierigen Rollen traten Josef D o h m e n und Leonhard Stecke! aus. Sie erreichen einen Grad der Wahrhaftigkeit, die auch vor dem Grotesken nicht zurück- schreckt. Die Frauenrollen wurden von dem Dichter dürftig be« dacht, und der Regisseur strich ihnen noch dos meiste weg. Rur Margarete M e l z« r fiel auf. Si« spielte die Braut des Genies. die den letzten Hauch des Büchnersche» Geistes aufzufangen hat. Si« durfte einig« Herzenstön« schenken. Esokors Stück ist reich on Einfällen. Es zerfällt auch manch- mal. Aber stets hilft di« Vorliebe des Zuschauers für den schönen Stoff, damit diese Schäden bald vergessen werdcn. öle» Iloahckork. Heine-Ehmng in Paris. Einer Einladung des republikanischen Pariser„Deutschen Klubs" folgend, hatten sich anläßlich des 75. Todestages von Heinrich Hein« am letzten Sonntag in Paris etwa 40 deutsche Republikaner imttags vor dem Montmartre-Frledhof eingefunden, mn gemeinsam einen Kranz am Grab« niederzulegen. Am Grab« wurden zwei kurze Gedenkreden gehalten, in denen auf den Kampf hingewiesen wurde, den der freie Dichter Heinrich Heine gegen den Änecht-zeist zu führen hatte. Dcn Krnnz, der am Grabe nirdcraelegt wurde- schmückt ein« große schwarzrotgoldene Schleis«, aus der imr di« Worte stehen:„Der Deutsche Klub§u Paris". Bolschewistischer Betrieb. Russische Handelsvertretung will keinen Betriebsrat. Auch die' diesjährigen Beteiebsratsuxchl-n stehen wieder im Zeichen des gehässigsten Kampfes der gewerkschaftsfeindlichen KPD. gegen die freien Gewerkschaften. Unausgesetzt werden die Arbeiter und Angestellten in der kommunistischen Presse aufgefordert, in allen Betrieben Vetriebsvertretungen zu wählen und bei den sogenannten Vetriebsratslisten jede politische Richtung, also auch die Nazis zu berücksichtigen. Mit diesen Ausforderungen soll der Airschein erweckt werden, als ob es der KPD. genau so darum zu tun ist wie den freien Gewerkschaften, daß in jedem Betrieb eine Be- triebsoertretung besteht. Wie unehrlich diese KPD.-Parole ist, zeigt am besten der Rechtsstreit, der nun schon seit Monaten zwischen dem Allgemeinen verband der Deutschen Bank- angestellten und der russischen Handelsvertretung in Berlin wegen der Bestellung e'nes Wahloorstandes geführt wird. Nach hartnäckiger Weigerung,«inen Wahl vorstand von sich aus zu bestellen, mußte der Handelsvertretung diese gesetz- liche Verpflichtung erst durch das Reichsarbeitsgericht besonders auf- erlegt werden. Das Reichsarbeitsgericht bestätigte das Urteil des Berliner Arbeitsgerichts, wonach die russische Handelsvertretung verpslichtet ist, zur Vorbereitung der Wahl eines Betriebsrats für die Angestellten, die nicht russische Staatsangehörige und nicht vom russischen Außenhandelskommissariat in den Betrieb entsandt sind, einen Wahlvorstand zu bestellen. Aber auch dieses Urteil versucht die russische Handelsvertretung illusorisch zu machen, wie heute vormittag eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht zeigte. Auf Grund der Entscheidung des Reichs- orbeitsgerichts hatte der Allgemeine Verband der Banlangestelltea beim Berliner Arbeitsgericht die Bestellung eines Wahlvorstandes beantragt. heute vormittag sollte der Vorsitzende der Kammer 13, Amts- gerichtsrat Dr. I a e n i ck e n, über diesen Antrag entscheiden. In letzter Minute war dem Gericht und dem Prozeßoertreter des Allgemeinen Verbandes mitgeteilt worden, daß die Handelsvertretung bereits«inen Wohloorstand bestellt habe, der Klage- antrqg also nach ihrer Auffassung hinfällig sei. Der Prozeßvertreter des Allgemeinen Verbandes, Dr. Ollen- d o r f, erhob jedoch Widerspruch gegen diese„Bestellung", da sie gegen die gesetzlichen Vorschriften verstoß«, wonach dazu die drei ä l t e st e n Arbeitnehmer des Betriebes genommen werden müssen, was hier nicht geschehen ist. Auf den Einwand des Vertreters der Handelsvertretung, daß die vierwöchige F r i st, die das Gesetz für die Bestellung des Wahloorstandes vorsieht, seit dein Reichsarbeitsgerichtsurteil noch nicht verstrichen fei, erwiderte Dr. O l l e n d o r f, daß dies« Frist schon bei Errichtung der russischen Handelsvertretung zu laufen an- gefangen Hobe, zum mindesten aber noch ihrer Verurteilung durch das Arbeitsgericht. Um die Winkelzüge der Handelsvertretung zu durchkreuzen, hatte er beantragt, drei vom Allgemeinen Verband vorgeschlagene Angestellte der Handelsvertretung als Wahloorstand zu bestellen. Infolge der juristischen Tüfteleien des Vertreters der russischen Handelsvertretung verkündete Amtsgerichtsrat Dr. Ja«. nicken im Anschluß an die Verhandlung noch kein Urteil; er will den Beschluß des Gerichts den Parteien schriftlich zu- stellen. Es ist zu erwarten, daß das Arbeitsgericht die russische Handels- Vertretung endlich dahin bringt, ihren deutschen Ange st«Ilten das gesetzliche Recht auf Wahl einer Vetriebsvertretung einzuräumen. Der Rechtsstreit beweist jedenfalls wieder einmal, daß die KPD. in ihren eigenen Betrieben den Arbeitern und Angestellten nicht ein- mal die Recht« einräumt, auf die sie einen gesetzlichen Anspruch haben, und sehr kleinlich und häßlich wird, wenn die Arbeiter und Angestellten trotzdem von ihren Rechten Gebrauch machen wollen. Soziale Theorie und Praxis stehen nirgends m größerem Widerspruch als bei der KPD. Darüber dürfen sich die Arbeiter und An- gestellten durch das Kriegxgeschrei der KPD. und ihrer RGO. bei den Betriebsrätewahlen nicht täuschen lassen. Mißtrauen gegen Larres. Abrechnung in der Duisburger Stadtverordnetensihang. Duisburg, 24. Februar. Am Montagabend fand in Duisburg eine außerordentliche Stadtoerordnctensitzung statt, die sich mit der Stillegung der Hütt« Ruhrort-Mcidcrich und vor allein mit der vermittlerlätigkeit des Oberbürgermeisters Vr. Zarres beschäftigte. Don den Kommunisten war ein Mißtrauensantrag gegen den Oberbürgermeister eingegangen. Dr. I a r r e s antwortete auf die ihm gemachten Vorwürfe, daß es sich für ihn darum gehandelt habe. das nackte Leben von Tausenden von Menschen zu retten. Er sei überzeugt, daß nach zwei Monaten eine zwanzigprozentige Ver- Minderung aller GeHölter komnien werde und daß dann eine starke Verminderung auch der oberen Gehälter eintrete. Der kommunistische Mißtrouensantrag verfiel der Ablehnung. Ein Antrag der Sozialdemokraten, der das Vor- gehen des Oberbürgermeisters mißbilligt und der ferner dem Oberbürgermeister das Mißtrauen der Versammlung ausspricht, wurde mit 30 gegen 24 Stimmen angenommen. Dafür stimmten die Kommunisten, Sozialdemokraten und ein Teck des Zentrums. Während der Stadtoerordnetensitzung versuchte eine größer« An- zahl von Demonstranten bis zum Rathaus vorzudringen, hierbei kam es mehrmals zu Zusammenstößen mit der Polizei. Aus der Menge fielen auch mehrere Schüsse. Ein junger Polizeibeamter erhielt einen Bauchschuß; er mußte in bedenk- lichem Zustande dem Krankenhaus zugeführt werden. Die Täter sind noch nicht ermittelt. (Stillegungsdrohung erledigt. Vereinigte Stahlwerke ziehen Kündigungen zurück. Essea, 24. Februar. Bei der jetzt zum Konzern der Bereinigten Stahlwerke ge- körenden Aktiengescllschast für Hüttenbetrieb in Meiderich war im Januar beim Stillegungskonmiissar dt« Cntlasfvng von 800 Arbeitern vorsorglich beantragt worden. Diese Ent> taffungen werden jedoch in dem beabsichtigten Umfange nicht zur Durchführung kommen. Di« Zahl der Entlassenen wird nur k 0 M a n n betragen._ Zeitungen, die nicht erscheinen. Arbeitseinstellung in der Suchdruckerei 71 Soll. Di« Belegschaft der Vuchdnickerei R. Boll G. m. b. h., Berlin. ist am Montag wegen Lohnstreit in einen Streik eingetreten.„Der Iungdeutfche und die„Fleischer-Berbandszeitung", deren Druck durch die Firma R. Boll erfolgt, können deshalb vor» läufig nicht erscheinen. Achtung. SPD.-Eisenbahner! Do»aerstaa, 26» Februar, Ist Uhr, in Draesela FestsSleu. HoUmarMkr. 72. Versammlung aller im» Eiit�eitsverband der Eisenbahner orqauifierten Partei. aeuossen. Bericht der Fraktw». Reumahl. Partcianqelegenherten, Di« Partei- aeuassea werben aebeten, pünktlich und*ahlreich wi erscheiaen und reae Pro- paqanda für die Bersammluaa*u entfalten. Mitgliedsbuch und Parteibuch legitimieren. Der Werbeauaschuh. vieilstsß, 24. Februar. B e r I i n. 16 05 Karl Senncwaldj Informationsauellen der Wirtschaftspresse. 16.30 Teemusik. 17.30 Dein täglicher Sport.(Dr. Hans Sippcl.) 17.50 Bücherstundc. Sport-Romane.(Mikrophon: Walter KauT.) 18.20 Karl Prohaska: Lieder.(Käthe Wegner-Peiscr, Sopran, und Adolf Fritze, Englisch-Horn; Flügel: Bürger.) 18.45 Prof. Dr. von Drygalsky, München: Geographie des Deutschtums 19.10 Interview der Woche. 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.30 Gespräch zwischen Gottfried Benn und Oskar Loerke. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Der ifeitere, der Melancholiker und der Maßvolle. Oratorium von G. F. Händel. Dir.: Dr. Ludwig Landshoff. 22.15 Josef Räuscher: Politische Zeitungsschau. Anschließend Wetter, Nachrichten und Sport. KOnigswusterhauseiL 16.00 Künstlerische Handarbeiten. 16.30 Leipzig; Konzert. 17.30 Dr. N. Feinberg: Deutsche Schicksale in Rußland. 18.00 Gedächtnisstunde für Dr. Adolf Köster. Einführende Worte; W.* C. Go- moll. Vorlesung: Eugen Klopfer und Käthe Mahr-Köster. 18.30 Dr. Richter: Hölderlin. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 Dr. Leo Engel: Die Preise im Großhandel. 20.00 Köln: Musikalisches Durcheinander. 22.00 Abendmeldungcn. Anschließend bis 24.00 Hamburg: Unterhaltungskonzert. Polenvorkräze an der Uaioerfltäl. Proseflor h o« tz s ch spricht über.Polens außenpolitische Stellung" am Diensma, dem 24. Fe- bruar 1931, 29 Uhr, im Universitätsnebengebäud«, Dorotheenstr. 6. Weiler für Verlin. Deständiges, zeitweise heiteres Wetter mit Nachtfrösten.— Für Deutschland. Ueberall ruhiges Wetter ohne Niederschläge, verbreitete Nachtfröste. Veraiitwortl. wr M» Redaplmr: Serlxrt Berli»: Zl-ucia-n: r».«lock«, Berlin. Bering: Bonvirls Bering®. m. b. 8., Berlin. Druck: Borwarts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SD 88, Lindenftraft« S. Stetjn 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeil vom 24. dl» 26. Februar KIHO-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 24. dl» 26. Februar Ksma Potsdamer Strafe 36 W. a 7, 9 Uhr S. 5, 7, 9 Uhr Hans in allen Gassen m H. Albers, C. Korn, B. Amann, M. Adalbert Rheinstrabe 14 KÄ.-El?he) W. S. 7, 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Wenn die Abrnd«locken Uoten Der Graf von Caglleotro mit Carl Gdtz, Conrad Vetdf Odcon, Pol» dam er Str. 75 W.S.7,9Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Die blonde Nachtigall mit Else Elster, Artnr Hell Turmstrabe 12 s 3�7.9 u Verlängert! Drei Tage Mltteiarreii mit Locic Englisch, Fritz»dmlz, M. Adalbert Alcxanderstr. 39-40 (Pattage) Den ganzen Tag geöffnet! 1000 Worte Dentsdi mit Pal und Paiadioa— Jugendl. haben Zutritt! E Westen j Prin)uS'Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr W S, 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7. 9 Uhr Der Mörder Dlmifrt Karamasoff (Nach Motiven von Dostojewskij mit Frifz Kortner, Anna Sfen Franziskaner ab!?!"™, Georgensiraße(Ecke FrledrichstraUe) II. Z. s, 8 und 11 Uhr: Tonbild; Meters nnd Hanford ani der Walze— Aflaniic Clfjr, Schönheitswettbewerb in BadekostÖmen 12. 3, 6 und 9 Uhr: Neueste Wochen, und Kaifnrschac (Wollt ihr jung bleiben?)— Rummel- platz der Liebe(Fahrendes Volk) 1. 4. 7 und 10 Uhr: Farhentonbild: Herrscher Im Urwald Kriminalfilm: Stimme ans«L Jenactt* Die Kamera 3. Unter den Linden 14 Verlängert! Uraufführung des Rossenfilms: Ig den hu, der grobe Jiger— Rae gnle Heirat— Die kleine Schraube > Moabit 1 At�iickrU Film- u. W a S.13 Uhr /vrrusnoi Dflhnc S.a.5Uhr Perleberger Straße 29 BOhnenscfaao Eros in Ketten(Sexualfilm) m. Mal, WesIt.KInn Wochenu 6.45, 9.05 W eU'AinO sonntags ab 4 45 \lt-Moabii 99 Tonoperette: Unter den Dächern von Port* mit Albert Prefeaa— Gr. Bciprogren > ChTlottenbu�-"b Kant-Lichtspiele Kamslr 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilm; Der Mörder Dtmltrl Kara- masott m. F. Kortner—- Tonbeipr. Schlüter-Theater Schiütcrstr. 17 Beginn; 5, 7, 9 Uhr Stg ab 3 Uhr: Jugend-Vorsteliung Tonlustspiel; Die zärtliehcn Verwandten mit F. Bressart, Panlsen, Ch. Ander. Robert,— Tonbeipro. Atrium ßeba-Palasl Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Sonnabend und Sonntags 5, 7, 9.15. Uhr Uraufführung, 100 proz. Tonfilm! Die Drelgroscfaenopcr mit Rudolf Förster, Carola Neber, Reinbold Schänzel, Fritz Rasp. Frei nach Brecht Musik. Weiil Tönendes Beiprogramm Titanla Schönebg. Hauptstraße 149 _ Stg.abj 100 proz. Tonfilm! Die Privatsekrelärln mit Renate Möller, Fellz Bressart Beiprogramm > Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7. 9. Sonnabds. Tönendes Beiprogr. Sonn;gs. ab 5 Uhr: Tonlustspiel: Der Hampelmann mit Max Hansen, Llcn Ocyers Gutes Beiprogramm a Bfaiit»» Titania-Palast SgÄ�Ü; Steglitz, SchioBstr.5, Ecke Gutsmuthssü Ein Aafa-Tonfilm: Stürme über dem Montblanc m.Lenl Riefenstahl, Ernst Udet, Friedr. KaySler, Maltas Wie- mann, A. Beierle, Regie: Dr. Arnold Frank— Tönendes Beiprugramm ä' XHIatmorf-Hltf> o»»• Wochentage 7, 9.1# Uhr ZrCil Sonntags 5, 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str. 50 Sonntag 2% Uhr: Jugendvorstellung Melodie de* Herzens m Dita Porto. W. Frtfaeh- MariendorF Ms» f 4 Martendorter Wochentg 1 Itt- L>1 Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz. Tonfilm! Zwei Menschen m. Charlotte Susa. Gast. Fröhlich Betprogramm— Jugendliche Zutritt TlVOh Berliner Str. 97 Beg. 5, 7, 9, Sonntags 3 Uhr: Jug.-Vorst 100 proz. Tonfilm; Ihre MaJesiSt die Liebe m- K, v, Nogy, R. A. Roberts Beiprogramm W«üdwestan W Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr 100 proz. Tonposse: Drei Tage Mlitel- arrest mit Lucie Englisch, Schulz, Bressart— Beiprogramm. Fox- Tonvoeha. Noch drei Tage verläng. Fflm-Paiast Kammersäle Teltower Str. I W. 5, 7, 9. Stg. ab 3 U. 1 00 proz. Tonfilm: Der Weg nach Rio mit Maria Sobreg, Kart Gerron Beiprogramm ■"—"■ Primus-Palast Am Hcrmannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo 6.45, U. Sonnt, ab 3 U. Ausstattungs-T onoperette: Die Marqnlse von Pompadour mit Anny Ahlers, Waller Jan kühn, Ida Wüst, Verebes, K. Gerron Beiprogramm Auf der Bühne; Internationale Bühnenschau Th. am Moritzplatz Beg.: Wochtg. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Tonlustspiel; Die Prtralsekrellrln mit Renale Müller, Felix Bressart Die Liebe vom Zigeuner stammt Mercedes- Palast Harmannstraße 212, Ecka Jggerstrafie Warktag» fite Uhr, Sonntags 3 Uhr Noch drei Tagel Großer Russenfilm: Feuere auber Ist Nacktheit nnslttlidi 7(Lachendes Leben)— 82.: Das r-Tage-Rennen mit Ehmer- Tietz. Lehmann- Wissel. Dorp-Nickel, Buse-Mietha, Gebrüder WMke, Krücke an«. Orth. Steuike- ICulniV Wochent 6.45. 9 U. nUKUK Sonnt. 3. 5, 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 100 proz. Tonfilm: Die PrlTalsekretgrte mit Renale MÜHer, Felix Bressart Tonhefprogramm ff v f f*. 1 c s c» Wochent. 6.45. 9 U. ■JJLCClMUr Sonntags 3, 5, 7, 9 U Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Ihre Majestöt die mit K. v. Nagy, F. Lederer Belprogrs Liebe Stern, Hcrmamutraße 49 Wochentags 6.45. 9, Sonntags 3, 5 7. 9 U. lOOproz. Tonfilm- Der Liebesarzt mit Harry Liedtke, Dlna Gratia, Fritz Schatz Beiprogramm Sternwarte— Treptow Mittwoch, 8 Uhr: Im Auto durch Amerika. Vortrag mit Lichtbildern. Donnerstag 8 U.: Silberkondor über Fenerland Worcloztsn' p ■»>�ly®f Um Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15, s. 3.15, 5. 7.15. 9.15 Uhr Tonfilm: 1914(Die letzten Tage vor dem Weltbrand) Bühnensciiaa Flora-Liditsp. Wo. 6.30, 9. Sbd. ab 5, Sonnt ab 3 Uhr. Tonfilm: Student seinp wenn die Veilchen blühn mit Franz Banmann Da« rote Schwert(Zerstörtes Glück) e o«t«B e Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochemgs. 6 30 U, Sbds. 5. Stgs 3 U. lOOproz. Tonfilm: Danton, der große Revolutionär mit Fritz Kortner, Lucie Mannhelm, Alexander Granach Dazu das tönende Beiprogramm Auf der Bühne: S erstklassige Variefö-Alfraktionen Luna-Palast Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm; Ihre MalcsKt die UcbemU KJUhe e. Nagy, Frau« Lederer Frankenburg, Große Frankfurter Straße 74 W. 6, 9. S- ab 5 Uhr. Stg 3 Uhr Jugendv Das indische Grabmal, f. u. IL Teil. Beide Teile in einer VorrteUun» Schwarzer Adler Woch. 5, 7. 8.45, Sonntg. 3, 5, 7, 8-45 lOOproz-Tonfilm. O.PrlvatiekicUrln mit Renale Müller, Felix Bressart Tönendes Beiprogramm Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab5LT.tSt2.ab3U. lOOproz Tonfilm: Danlon mit Fi Iis — Dühneiuchaa Kortner Beiprogr« Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5. 7. ca 8.45, Stg. 3. 3. 7. 8.45 U. Kriminaltonfilm; D. Tanz geht weiter mit WUb. Dielerle, Llssf Ama Tonbeiprogramm Babylon, am Bülowplaiz Wochentgs. 5, letzte 9.10, Sonntgs. ab 3 U- lOOproz. Tonfilm: Schachmalt mit Gerda Maurus, W, RUla, S. Arno Varief tschau W Weu-il«htetit»erg> Kosmos-Lichtspiele Lückstraße 70 Beginn? Tägl. 5. 7. 9 U. 100 proz. Tonposse: D. Firm« heiratet mit CherL Ander, Ralph A. Roberts Tonbeiprogramm « FrteetHchzteKta> Kino Busch Alt-Friednchsfelde 3 Beiprogramm Rose des Südens m. Mary Astor Der erste Kob m. A. Ondra, T. Bül « Wulüansc«■ Schloßpark FUm. Bühne Berliner Allee 206—210 Tonfilm:•Die Prfvatsekrctärin mit Renate Müller, Felix Bressart Tonhefprogramm— Bühacnschaa Hfüan« Alhambra Wochen». 5, 7. 9 U., Sonnt 3, 5, 7, 9 U 100 �r o r Toni ij mjShidcnf �jeVefUhen blühen m. F. Pharus-Lidhtspielc Müllerstr. 142 W.S,t,9U, Stg. 3,5, 7, 9U. Nock einmal auf nrielteiL Wunsch: lOOproz. Tonposse:» Tage Mittel- arresi— Tonbeiprogramm Pratcr-Lichispiel-Palost Kastanienallee 7-8 W. ab 5. Stgs 4 U. Wilde Orchideen m. Grete Garbo Pal n. Paiadion als Bankdircktoren Bühnenschan Mila-Palast Tonfilm Bühnenschap Schönhauser Alle« 130 W.5, S.3U. Tonfilm; Der Andere m. F. Kortner, H. George Belprogra Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3VjU. Tonfilm: Die PriTalsrtcreflrin mit Bressart, Renate Müller Bühnen schau ■* Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7«. 9, Stg. S, 7. 9 Nur 3 Tage! Gastspiel d. Wifm-Film: Filmatelier— BQ.; FUm Riguuugs. Wettbewerb- Die Wunder dea Films, mit Begleitvortrag � Nlectorsehanhamen p Film-Palast Anblasen Blankenburger Str. 4 So. 2,/j Jgd.-V. Wochtg 6�0, 9 U, So. 4.30, 6.45, 9 Kriminaltonkomödie; Einbrecher mit Liiian Harvey, W. Frilsch Reichhaltiges Belprogra Teflül Filmpalast Tegel strSSeh 2'" Stgs. 2 U. Jgd.- Vorst W. 6. Sig. 4»/s U Eine Freundin so goldig wie du mii A. Ondra,$. Arno« F. Bressart, Der singende Draht m- K. MeynArd Union-Theater Hauptstr.3 W 6, 8-,. Stg. 4V«, bUi. 8»;» a Stg- 2 U. Jgd.-V. Wellen d. Leidenschaft m. IIa Rinü Entterrt m. Richard Taimadge ■ Mannt gacl ort M Filmpalast stg. f l? Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-Vorsu Tonfilm: Koblhlesela Töchter mit Henny Porta«, Frite Kampes / ®eila«e SsvÄbkmd Dienstag. 24. Februar 1930 ijffliifeiMies Band Mraoklieit«md Kriminalist Der Arbeiter, der in der Schuhfabrik am laufenden Band orbeilst, legt in der gleichen Zeit, in der fein Ahnherr, der Schuster, ein Paar Stiefel fertigstellt«, an hunderte Stiesel mit chond an; blast dast er zum Entstehen jeder Fuhbekkeidung immer nur den einen Ale chcn Handgriff beiträgt. Er ist nicht mehr Handwerker, er ist auch eine andere Art von Fabrikproletarier als der Fabritprolctaricr in stehenden Betrieben. Sein« Arbeitsleistung ist ratio nali« fiert: er macht immer den gleichen Handgriff an der gleichen Station auf dem Weg des Produttes zur War«: und er muß diesen gleidhen Handgriff auch immer in der gleichen Zeitspanne mit dcm gleichen Kraft- und Aufmerkfamkeitsauswand machen. Das laufende Band erzwingt bestimmte, mit der Stoppuhr zu- gemessene Leistungen und denunziert rücksichtslos jeden Arbeiter, der nicht mitkommt, durch einen Klingelalarm oder durch Stillstand. So wird nicht viel Aufstchtspersonal benötigt, und doch gibt es kein« Pausen, keine Schlappheiten. Jeder Handgriff ist berechnet, jede Arbeitskraft bis zum letzten ausgenutzt. Zweimal innerhalb acht Stunden steht dos Band ein« Weile still,— Zeit zum Austreten— sonst rollt der gleiche Zwang zur gleichen Arbeit im gleichen Tempo unerbittlich weiter. Es ist im Grunde immer dasselbe, was auch am laufenden Bond produziert wird, ob es nun Schuhe oder Automobile oder Artikel der Elektroindustrie sind. Immer müssen die Augen auf das • bewegliche Werkstück am Wandertisch starren, immer mutz der Körper die g l e i ch c Kraft hergeben, immer muh der Geist den winzigen Kreis der gleichen Aufmerksamkeit um den gleichen Mittelpunkt sich drehen lassen. Unvergeßlich wird mir der Mann bleiben, den ich in einer Auto- Montagehalle ungefähr in der Mitte der 40 Meter langen rollenden Kette arbeiten sah. Er schraubt« mit einem motorgetriebenen Werk» zeug, dos an einer Kette von der Decke hing, Kotflügel an, und er , faß auf einem B ä n k ch e n. Das Äänkchen aber lief auf Rollen und es war ihm unter den Hintern geschnallt. Vielleicht blieb mir der Mann auch nur deshalb so genau in Erinnerung, weil ich ihn Feierabend machen sah. Als er aufstand, da hatte er die linke Schulter noch genau so hochgezogen, wie früher beim Arbeiten und auch seine Knie richteten sich nicht gerade und blieben eingedrückt, so daß er das festgeschnallte Bänkchen eigentlich auch weiter noch mit sich hätte herumtragen können. Die Steigerung der Produktion und des Profites durch Ein- führung des laufenden Bandes spiegelt sich in vielen Betrieds» staristiken, Enqueten, Denkschriften und Artikeln der einschlägigen Fachblätter. Die Steigerung der Unfälle�der körper- lichen und geistigen Erkrankungen und Schädigun- gen, die Senkung allgemein menschlicher Werte und Fähsgkciten durch die übermechonisiert«, angestrengte Arbeit ist nicht so klar ersaßt und in Ziffern festgelegt. W»» wird? Was wird aus den Menschen, die Jahre,— ein ganzes Arbeits- leben durch, alle ihre Krajt auf ein so kleines Teilgebiet ihrer körperlichen qnd geistigen Möglichkeiten zusammenziehen müssen? Wo bleibt da jener«wendige Facharbeitertyp*, den die Lehrlingswcrkstätten und Werkschulen der Großbetriebe mit'o schönen Worten propagieren? Wo bleibt die Freude an der Arbeit, die alle Klassenfriedlichen alz Erlösung von Erdennot und Un- Zufriedenheit anpreisen? Auf alle dies« Fragen hat Literatur, Kunst und Wissenschaft bisher noch recht wenige Antworten gegeben. Sicherlich ist mehr Tinte und Druckerschwärze über die«nivellierenden Tendenzen" des Marxismus, als über die nivellierenden Tendenzen des laufenden Bandes geflossen, obgleich das laufende Band sicherlich meßbarere und deutlichere Wirkungen auf die, die daran festgeschmiedet sind, ausübt, alz die dialektifch-materialistische Weltanschauung. Line r'mt'raxs Die erste mit einigem Zahlenmaterial gestützte medizinische Feststellung der gesundheitlichen Folgen dieser neuen Arbeits- weis« ist in Amerika, dem klassischen Land des lausenden Bandes, gemacht word«n und stammr von einem dort arbeitenden deutschen Arzt Dr. Moyer-Daxlanden.der sie ün Oktober 1930 in der französischen Zeitschrift„Monde"(Nr. ISS) publizierte. Diefe Arbeit stützt sich auf Umfragen in amerikanischen Groß, und Klein- betrieben und gibt erschreckende Aufschlüsse über die Steigerung der Unglücksfälle, über die Zunahme von Erkrankungen der inneren Organ«, über das drohende Anwachsen der Geisteskrankheiten. Bei allen seinen Untersuchungen, das bemerkt Dr. Mayer-Dax- landen ausdrücklich, ist es ihm kaum gelungen, jene Schäden, die die Arbeitsfähigkeit nicht unmittelbar beeinflussen, zahlenmäßig zu er- fassen, für- die sogenannten„kleinen Schäden", die er als Arzt dauernd beobachten konnte, ist in Amerika keine Versicherung, keine Krankenkasse zuständig. Erst wenn das Leiden arbeitshemmend wird, geht es in die auch heute noch sehr lückenhaft« und verfälschte Statistik ein. Erxelml«»« Nur selbstgesammeltes Zahlenmaterial gibt Mayer-Doxlanden die Möglichkeit, auch diese«kleinen Schäden" nachzuweisen. So trugen zum Beispiel von 1200 Arbeiterinnen einer Fabrik beim Ein- tritt 312 Brillen auf der Nase. NacheinemJahr Arbeit am laufenden Band waren es 731 Brillenträgerinnen geworden. Werden dies« Augen, die unaushörlich dem bewegten Werkstück folgen müssen, nach vier oder fünf oder sechs Iahren überhaupt noch andere Entfernungen messen können als die Drei- vierielmeier zum Wandertilch?. Zahllos sind auch die Veränderungen undEntartun- gen de? Gelenke, Muskeln und Knochen, di-' die Arbeit an der rollenden Kette mit sich bringt. Nur ein destimmter Körper- teil arbeitet, ganze Partien des Körpers find lahingelegt. ojt in groteske Stellungen gepreßt: daß dabei die Körper deformiert und krumm werden, die nicht gebrauchten Glieder und Muskeln ver- kümmern müssen, leuchtet ein. Em und dieselbe Arbeit ständig mit der linke» Hand BuszefüW. zwingt den Menschen dann«„ch mit der linken Hand ,zu esjen. mit der linlen Haid alle jene Griff« aus- zuführen, die er, bei normaler Arbeit, mit beiden oder mit der Rechten machen würde. Die Muskulatur des Arbeitsarmes ent- wickelt sich zu außergewöhnlicher Stärk«, der andere Arin bildet sich zurück, schrumpft ein. So entsteht de? menschliche Automat, der Roboter, der viel weniger Fehler macht als der denkende Arbeiter, der sich gegen die Normung ouflehnt und seine Intelligenz bei der Arbeit zu Hilfe nehmen will. In Amerika wählt man von vornherein die Arbeite? für das laufende Band aus den rückständigsten Volts- schichten und Nationen, aber auch da nach dauert es 12 bis 30 Monate, bis die menschliche Maschine nicht mehr revoltiert, bis sie sich so weit reduziert hat, die gepeitschte Monotonie dieser Arbeit zu ertragen. Zu ertragen? Für die Neurologen und Psychiater gibt es einen Ueberfluß an Material zur Konstatierung eines ganz neuen nervösen Krankheitsbildes, das häuftg bis zu richtigem Irresein sich steigert, und dos unter dem Namen„industrielle Nervenerkrankung" fast immer aui die Arbeit am laufen. den Vand zurückzuführen ist. Das menschliche Nervensystem scheint aller Rotionalisicruna zum Trotz dem nicht aus die Dauer gewachsen zu sein. Es macht nicht mit, wenn die Arbeit ihres Sinnes, des Produktiven. Schöpferischen, so ganz entkleidet wird. Der produktive Sinn einer Arbeit aber, die in eine Anzahl kleiner Brüche unterabge- teilt wird, um unendliche Male in Gestalt von hunderttausendcn gleichen Bewegungen vom Arbeiter wiederholt zu werden, ist für den einzelnen nicht mehr zu«rfafien. I'ord�ritiiKen Dr. Mayer-Daxlanden schlägt zur Vermeidung ganz un- absehbarer Schäden an der geistigen und körperlichen Volkszesundheit als erste dringendste Hilfe vor:.Häufige Erholungspausen, besiere In Mahlow, an der Strecke Berlin— Zossen, liegt das Bundeskrankenhaus des«Deutschen Bundes der Vereine für Gesundheitspflege und arzneilos« Heilweise". Das Haus ist 1927: eröffnet worden und hat seinen Namen erhalten nach dem öfter- reichisch-schlesischen Bauern Prießnitz, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch Heilbehandlungen in seinem Heimatsorte Gräfenberg sich berühmt und auch in der Schulmedizin unsterblich gemacht hat(Prießnitz-Umschlag). Prießnitz war nicht der Vater, sondern nur einer der Großen der Naturheillehre. Sein Name ist Programm. Er war kein gebildeter Mediziner, sondern Laie. Man würde fehlgehen, wenn man heut« annähme, die Natur- örzte seien all« nur Laien oder gor Pfuscher. Ihre Heillehre ist heute offiziell anerkannt und wird den Studenten vorgetragen in Jena durch Prof. Klein, in Berlin durch Prof. Schönen berger, der für das Eröffnungsjahr des Prießnitz- Hauses die ärztliche Oberleitung übernahm. Eine nicht geringe Zahl von Aerztcn ist zusammengeschlossen im„Aerzteverein für physikalisch-diätetisch« Therapie(Naturkeilkunde)". Auch der jetzig« Leiter des Hauses in Mahlow ist ein Arzt: Dr. Alfred B r a u ch l«. Dennoch stellt sich mancher, der als Kranker durch andere von dieser Heillehre hört, die bange Frage: Sind es nicht einseitige Fanatiker, in deren Händ« ich mich da begeben soll? Hören wir, was nun Herr Dr. Brauchte vor der Besichtigung j�s Kranken- Hauses vortrug. Die Naturheillehre unterscheidet zwischen Krankheit und Leiden. Krankheit ist die Summe der Abwehrtätigkeiten des Organis- mus gegen Störunaen von innen oder außen, die ihn aus dem körperlich-feelifchen Gleichgewicht bringen. Die Abwehrtätig- k e i t e n bestehen in Fieber, Entzündung oder gesteigerter Aus- scheidung, die als Anzeichen einer sinnvollen Leistung der Natur vom Arzt nicht etwa unterdrückt weiden dürfen(durch Arzneien), vielmehr gegebenenfalls noch unterstützt werden müssen. Unter Valixe der Gebnrfenregelnns: Abnahme der �äng;lmlbe natürlich« Folge der von mancher Seite nocb immer stark bekämpften Geburtenregelung kann man im Interesse eines gssunden Nachwuchses, also im allgemeinen nationalen Interesse nur begrüßen. St. Hygiene der Werkstätten, größeren Arbeitsschutz, sportliche Be- tötigurig, geistige Anregung, sorgfältigste körperlich« Pflege. Vor allem aber, worauf ja auch schon die Erwerbslosenstatistiken von einer anderen Seite her als allein vernünftigen Ausweg hinweisen, ist die Verkürzung des Arbeitstages nötig. Wenn man den richtigen Zeitpunkt zur Vernunft versäumt, so wird man ei» Geschlecht degenerierter Neurastheniker heranzüchten, die für jeden Staat ein« erschütternde Gefahr bedeuten; eine wesent- ljch größere Gefahr noch als heute schon ist das Ansteigen der Kriminalstät, das sicherlich auch mit der zunehmenden Mechanisierung der Arbeit zusammenhängt. Gerade kraftvolle, geistig beweglichere Individuen treibt der falsche Kollektivismus der entnervenden, geist- und Persönlichkeits» tötenden, viel zu lange andauernden Zwangsarbeit zur Flucht ins Verbrechen. Ein Wiener Psychiater, Dr. Saubers, kam in Amerika zu der Erkenntnis, daß„einer der Gründe für, das Anwachsen des Verbrechertums in einem letzten Versuch des Individuums zu er- blicken ist, dos sich gegen den Kollektivismus, gegen die M e ch a n i- s i e r u n g und Verdurchschnittlichung des Maschinen« Zeitalters wehrt und die ihm gesetzten Schranken durchbricht." Di« Arbeit am lausenden Band stellt einen Fortschritt der Produktion dar. Technisch« Fortschritte sollen und können nicht rückgängig gemocht werden. Aber man muß sie der L e i st u n g s- fähigkeit des m e n schl l che n Organismus anpassen. Aiftf Stunden Arbeit am laufenden Vand sind untragbar und müssen in kürzerer oder längerer Zeit zu einer wesentlichen Verschlechterung der Volkszesundheit führen. Es gibt Arbeitskräfte genug. Man teile die Arbeit fo ein, daß jeder davon leben kann und keiner daran verkrüppelt! Eeor« Sctwzrr. Leiden dagegen versteht der Noturarzt die Summe der Aussalls- «rscheinungen. Mangelzustände oder Narben im Organismus, die i entweder als Folge überftandener Krankheiten oder als ursprüng- liche Leiden auftreten. Bei der Behandlung hat der?taturorzt je nach dem Zustand des Patienten verschiedene Aufgaben. Zunächst meist eine All- g e m« i n b e h a nd i p n g, d. h. besonders zusammengesetzte oder auch beschränkte Ernährung(evtl. Fasten), Sorg« für gründliche Entleerung, Förderung der Ausscheidungen, allgemeine Pflege durch Baden in Wasser, Luft, Sonne. Es gibt drei Kost formen:. reine Rohkost, reine vegetarische Kost, gemischt« Kost. Ferner wird unterschieden zwischen Schonungs. und Reizbehandlung. Ist eine Reizbehandlung angezeigt, so stehen Sonn«, Licht, Lust, Wärme, Kälte, Wasser, Erde, Bewegung, Massag« zur Verfügung. In anderen Fällen wieder wird der Patient mehr seelisch beeinflußt werden müssen, vor ollem bei einigen Leiden, di« durch Zlblentung der Aufmerksamkeit von ihm, sei es willen-mäßig oder suggestiv, bis zur Arbeits- und Genußfähigkeit überwunden werden können(seelische Ueberwindung). Der zuletzt angegebene Weg wird gangbar gemacht durch Entspannungszustände, in denen der Arzt durch Eingebung von„Heilgedanken" nicht nur eine Tieien- Wirkung auf seelische, sondern auch auf körperliche Vorgänge erzielt (Massensuggestion). Für rein seelische Gleichgewichts- störungen stehen dem Noturarzt, je nachdem sie im Unter- bewußtsein oder im Bewußtsein ihren Schwerpunkt haben, Psycho- analyse, Individualpsychologi« und Suggestion zur Auswahl, oder, wenn möglich. Beranlassung sozialer Veränderungen. Sollten Patienten in lebensbedrohlichem Zustande ins Haus gebracht werden, oder sollten sonst helfende Eingriff« dringend notwendig sein, so muß auch der Naturarzt vorübergehend zu den Mitteln greifen, die zunächst einmal das Leben retten. Auf Befragen erklärt« Dr. Brauchle, daß in seinem Hause solche Maß» nahmen nur selten notwendig seien. Im übrigen lehne er ein- festigen Fanatismus nur um des Prinzips willen ab. Schaut man sich nun im Prießnitz-Hause etwas um, so fällt.zu- nächst auf, daß das Haus ein flaches Dach hat, dos zu einem Sonnenbad ausgebaut ist. Die Fenster der kleinen und großen Krankenzimmer sind so groß, daß sie fast die ganz« Wand ein- nehmen. Also Licht und Luft, wie es auch Dosquet forderte. Das Haus hat siebzig Betten, befindet sich aber in ständiger Ver- größerung. Im letzten Jahre wurde«in isoliert gelegenes Wald- haus mit Einzelzimmer» und Liegebalkons eröffnet, so daß nun- mehr auch Kranke mit akuten ansteckenden Krankheiten Aufnahme finden können. Das ansehnliche Stück Wold, das zum Grundstück gehört, ist mit Luftbädern und Liegehallen ausgestattet. Im Haus befindet sich ein kleiner Operotionsraum, ein Röntgenzimmer und selbstverständlich reichlich Raum zum Baden. Im ganzen gesehen macht das Haus mehr den ange- nehmen Eindruck eines Erholungsheimes, als den bedrückenden eines Krankenhauses. Sehen wir die Liste der anderthalbtausend Kranken drirch, die dieses Haus feit feiner Eröffnung besucht haben, so.zeigt sich, daß es nicht nur Leichtkranke, sondern oft gerade solche waren. die, nirgendwo Heilung findend, schließlich in schwerkrankem Zu- stand« nach Mahlow kamen. Di« Statistik des Hauses, veröffentlicht in der Januarnummer der Zeitschrift„Der Arzt"(Verlag: Lebens» kunst— Heilkunst', Berlin), zeigt 1,73 Proz. Todesfälle und 4,97 Proz. ungeheilt Entlassene. Mögen sich die Gelehrten über die Richtigkeit und Grenzen de? Natu?h<.'illehren streiten, jeder Laie wird einsehen, daß«s mehr bedeutet,'sich mit Körper und Geist am Gesundwerden unter Leitung eines Arztes zu beteiligen, als nur eine M?djzin zu schlucken oder sich operieren zu lassen, sonst aber im alten Schlendrian weiterzu- leben. Das Prießnitz-Haus ist nickst nur ein Krankenhaus, zu dem der Patient Vertrauen hat, sondern auch eine Gesundheit»- schule, aus der jeder wertvolle Gedanken mit heraus in seine all- tägliche Umwelt nimmt: die Bereitschaft, solch« Gedanken'aufzunehmen und in die Tat umschcn, ist zurzeit in breiten Srefisen groß. Hoinr Adam. Wa* will N atnr liei Ikiiiide? He�ucli Im Malilower Prleßnitzhau** Die Not der Sportvereine behandelt der Reidistagsausscfauf; Der Reichstagsausschuß zur Förderung der Leibesübungen, dessen Vorsitzender wieder der sozialdeino- kratische Reichstagsabgeordnete Schreck ist tagte kürzlich das erste- mal nach den Reichstagswahlen, um Stellung zu nehmen zu Leibes- Übungen und Haushalte in Reich und Gemeinden und zu Rechts- fragen. Den Spitzenoerbände» der Sportler war Gelegenheit ge- geben, bestimmte Wünsch« zu äußern, die sie bei der Etataufstellung berücksichtigt wissen möchten. Der Vorsitzende konnte einleitend mitteilen, daß die parlamen- tarischen Mitglieder des Ausschusses bereits oersucht haben, den in den Eingaben geäußerten Wünschen der Spitzenoerbände gerecht zu werden. Verhandlungen finden im Ministerium des Innern statt, es herrscht die Neigung den Sportfonds wieder zu erhöhen. Von den Vertretern der Spitzenoerbände wurde die durch die Krise entstandene Not der Sportvereine dargelegt, durch Erhebungen ist festgestellt, daß in den Vereinen 30 bis 3 5 Pro z. der Mitglieder arbeitslos sind, die Zahl der erwerbslosen Jugendlichen von 18 bis 21 Jahren beträgt ins- gesamt rund 600 000 Erwerbslose. Die Not der Zell wirkt sich schlagartig auf die Verein« au», die die mit großer Mühe er- richteten Dereinsanlagen kaum noch unterhalten können. Auch die Schulungsarbeit der Verbände leidet unter der Finanznot. zumal nicht nur das Reich und die Länder, sondern auch die Gemeinden und össentlichen Körperschaften die Beihllsen für den Sport wesent- lich herabgesetzt haben. Trotz der Krise ist ein Anwachsen der Sportbewegung festzustellen, das Leben dieser Bewegung muß er- hakten bleiben, deshalb sollte es vornehmste Pflicht des Reiches sein, gerade in dieser schweren Zell durch die Untersiützung des Sportes beizutragen, ein gesundes Menschengeschlecht heranzubilden. Von den Kommunisten versuchten die Abgeordneten Grube und Schumann unter falscher Darlegung der Berliner Verhält- nisse eine Lanze für die kommunistischen Sportler zu brechen und den Reichstagsausschuß zu veranlassen, eine Entschließung gegen den Berliner Magistrat anzunehmen. Oberturnrat P r e u ß, der vom Berliner Magistrat zugegen war, tonnte richtigstellen, daß die kommunistischen Sportler vom preußischen Wohlfahrts- minister als' staatsfeindlich erklärt sind, demzufolge ist es dem Berliner Magistrat nicht gestattet, die Kommunisten bevor- zugt zu behandeln Ucber die Entschließung wurde nicht abgestimmt, da der Reichstagsausschuß interfraktionell ist und keine Beschlüsse fassen kann. Zuständig für die Beschwerden der Kommunisten ist der preußische Landtagsausschuß, der sich jedoch schon vor längerer Zell im Sinne des Wohlfahrtsministers entschieden Hot. Am Schluß der Sitzung konnte der Borsitzende Schreck zu- sammenfassend zum Ausdruck bringen, daß der Notschrei der Sport- spitzenverbände die Behörden veranlassen sollte, ernsthaft der Sportbewegung zu helfen. Di« Einrichtungen der Sportverbände und Vereine müßten aufrechterhalten bleiben. Durch Kurse kann be- sonders die erwerbslose Jugend von der Straße geholt werden. In vielen Gegenden Deutschlands sind bereits Sportkurfe für Erwerbslos« mit gutem Erfolg abgehalten worden. Es muß den erwerbslosen Jugendlichen die Möglichkeit gegeben sein, in ihrer freien Zeit sich zu beschästigen, Spartkurse zu deren Tell- nehmern allerdings keine Verpflichtung besteht, sind hierfür das best« Mittel. Di« Abgeordneten sollen sich deshalb in ihren Frak- tionen dafür einsetzen, daß die sportlichen Interessen vom Reich und ollen in Betracht kommenden Körperschaften in der besten Weise gewahrt werden. Ausl niach3 Kommunistischer Zahlenzauber In ein«? der letzten Nummern der Moskauer„Tfrtavaba' waren Zahlen üb« den Mitgliederstand der Kommunistlschen Partei Deutschlands und ihrer verschiedenen Anhängsel zu lesen. Darunter befand sich auch der„R o t-- S p o r t b u n d". desien MUgliedeczahl mtt 73108 angegeben wurde, wozu noch etwa 10 000 Kinder ge- rechnet werden, die in der Hauptsache sich in Berlin befinden. Nun wissen wir, daß die KPD. Meisterin in der Aufstellung von Massen auf dem Papier ist. Wir dürfen annehmen, daß in den Berichten, die für Moskau bestimmt sind, die Zahlen soweit nach oben abgerundet sind, wie das irgendwie angängig ist. Ein krasses Beispiel dafür, wie es gemacht wird, hörten wir vor einigen Tagen aus dem Munde eines kommunistischen Mitgliedes des Reichstages, das in einer Ausschußsitzung die Mitgliederzahl des Vereins„Fichte� nach d« Aufsaugung der übrigen KPD.-Sport- oereine mll 40 000 angab, während es die Mitgliederzahlen der bundestreuen Vereine auf 9000 bezifferte. Der Gewährsmann des Abgeordneten, an dessen Gutgläubigkell wir nicht zweifeln, hat der bundestreuen Bewegung nicht wenig« als 18000 Mitglieder stibitzt und sie Fichte zugezahlt. Rechnet man diese Zahl zurück, dann bleiben bei„Fichte"' noch 22 000, wobei auch noch die Embryos mitgezählt sein dürften. Aehnlich so dürften die Zahlen, dje den Artikel der„Prawda" zieren, zustand« gekommen sein. Bei der Wertung dies« Zahlen ist außerdem zu beachten, daß die kommunistischen Organisationen sich noch well mehr überschneiden, als das bei anderen Bereinigungen der Fall ist. Der waschechte Linienmaun muß überall dabei sein, wo irgendein Gebilde mll unaussprechlichem Namen aus der Taufe gehoben wird. Er zählt daher auch ein halbes Dutzend- mal in den.Massenorganisationen" der KPD. mll. Wenn man bedenkt, daß zu den Rotsportlern große Teste der aufgelösten tom- munistischen Wehrorganisationen gestoßen sind, dann wirken selbst diese auffrisiertcn Zahlen mehr als kläglich. Die deutschen Arbeiter- sportverbände, die trotz der Krise auch im letzten Jahre gute Fort- schritte gemacht haben, können über das Geschrei des kleinen „roten" Gernegroß zur Tagesordnung übergehen. Vor dem Eishockeysdilui? Auch am Montag hatten sich in der Potsdamer Straße nur ver- hältnismäßig wenig Zuschauer eingefunden. Sportlich bot der Abend weit mehr als erwartet. In beiden Spielen gab es recht gut« Leistungen. Das meiste Interesse beanspruchte die Begegnung zwischen dem EHE. Davos und der ersten Garnitur des Berliner Schlittschuhklubs. Die Schweizer liegten verdient durch ihre bessere Gesamtleistung mit 2:1(1:0, 1:0, 0:1). Beide Tor« er- zielte Eattini, für den Berliner Schlittschuhklub war im letzten Drittel durch Nachschub Jänecke erfolgreich. Ungarns Nationalmannschaft fertigte die Reserven des Schlittfchuhklubs mit 4.0(1:0, 2:0, 1: 0) ab. Auf Rollen in Neukölln Hometralner'Rcnnen im Mcrocdes-Palast Drei Wochen trennen uns noch von dem Beginn des 25. Berliner Sechstagerennens, das als Jublläumsrennen ein« erstklassige Besetzung haben soll. Ob die Leitung des Sportpalastes ein Klasse- fsld zusammenzubringen bemüht ist, ist nicht bekannt. Jedenfalls sind bis heute Namen etwa startender Fahr« noch nicht in die Oeffent- lichkell gedrungen. Bor der Jubiläumsschlacht steigen noch zwei oder drei wellere radsportliche Veranstaltungen: die hinzugerechnet«geben die Dauer der zweiten Wintersaison. Erst Anfang März kann mit dem Einbau der Bahn in den Sportpalast begonnen werden, so daß die Trainingsmöglichkeiten der Fahrer für die einzelnen Deranftallungen nicht sehr groß sind. Und da ist es nur zu verstehen, wenn Berlin« Fahrer ein Angebot des Mercedes- Palastes in Neukölln. Hometrainer-Rennen im Rahmen d« Bühnenlchau zu bestretten, gern annehmen. Bieten doch die Rollen-Reimen immerhin einigen Ersatz für das fehlende Bahnttaining. So sind also Bus«, Miethc, Tietz, Ehm«, die Ge- brüd« Wolke, Lehmann, Wisiel, Dorn und Nickel hier eingezogen, um in flotter Weise die verschiedenen Kämpfe auszutragen. Und damit der Besucher in den, wenn auch kurzen.„Genuß" regelrechter Sechstagestimmung kommt, gibt e» allabendlich— bis zum 26. Februar—«in Mannschaftsrennen üb« IL Minuten, da, mll Wer- tungen gewürzt ist. Das.Akurvenpublikum" im Parkett tut eifrig mit. Die im Sechstagerennen ach.so beliebten„Anfeuerungen des Feldes" fehlen nicht, und damll die Regie recht gut klappt, hat der Mercedes-Palast ein übriges getan und— Krücke als Stim- mungsmacher verpflichtet... Schließlich will noch der Kurbel- mann am Dienstag unk» Donnerstag einige Momente dieser Rollen- kämpf« mll der Tonfilmapparatur«infangen. Ra, denn also los, he. he, h«l Resultate vom Geräteturnen Pom Gerillewellurnen des 1. Kreises im Arbeiier-Turn- und Sportbund am Sonntag in der Zentrollurnhalls Prinzenstraße, über das wir im gestrigen.Abend" kurz berichteten, bringen wir im folgenden die Einzelergebnisse: Minneuib-rft»?«! 1.«oton fSIWB.Oftcn), 237 fünfte 2. MiebNe 234 Kunltc; 3. STUbmcI tgTVB-SIU-n», 23) Punkt«.— .(ton«no6«ifhifc: 1.,), 334 Punkt«: 2. S(Ii»nfeU)ct DriNd 228 Punkt«: 8. En«elM!tte) und Sin»-i8) je 212 Punkt«. — gr««ctli«. Totintrstoo, 28, ffedruar, 20 Übt. Punkelkammet Wassettoriir. 0. ,!T»bI«n)«tbütunq d«im Plottrnentwickeln. Pb. fchrodriwetfabten." gteitaa, 27. gebtuot, 20 Übt,- Iugendh-im, Lindenstr, 4, Miianedetoetsammluna. Tourtstenoenein kie«aturfrennd»". Zentral««i«».»jenataa, 24.{febtnot, 20 Uhr.»dt. Ktiedrich-baiu: granlfurtrt«llee A,7!„Jon Minaeu bis Hameln fLIchtbild»).—«dt. Friedenau: tifsenbachei Str. 5».— Zlbt. N-l!. kölln, Iusendaruppe: Fluohafenslr. 08.— Zbt. Mitte: IobannisNt. 16:„3 Iabte abt. Mitte(Ernstes und Seiterez).—-Abt, Bebdina-Sesundbrunnen: Bill- denowstr. 6: Lumot.— Abt. Humboldtbain: Willdenowstt 3: Gtuvven» ftaqen.— Nalutkunblich« Äbt.:»l'obanni-ltt. 12- a-beilsabend.— Pboio. (Umcinichaft Abt, Mitte: SolxsnnTftr. 15.- Mittwoch. 2S. tzebniat, 20 Üb«. Iuaenbntuppe Osten: gtankfntler Allee 307:«eschäkllich«».— Doun-relao. 20. Rebtuat, 20 Ilde. Abt. Lichirnbeta: Suntetstt, 44.— Abt. Licht-nt-dc: 19K Übt bei Dtblam, Babnbof. Ecke Solbsttant: Scichäftllchrs.— Sire-ch- otcheftet: 19—21 Übt bei SBeiSenbetfltt, gttiligtatbstt.#, vorn 1 It.— ffianbo- ttn,notch-st-t: Zobanntestr. 12, 19-21 Uht,— PIn>i««-m-imck>aki Abt. Nardtn: Pank. Ecke Wi-s-nsttabe:„stleinfilmvboioatapdie",— Abt, Pren, lauer«era: lanziaet Str. 82, Baracke II: Bunter Abend. lPnstrumcnte und Li«dtrb!>chet mitbrinarn.)— Abt, Elldwtstrn: Potckstt. Iii Mädelabend.— Abt. Neukölln: Mustk- und Sesanqabend, Böhmische Str. 1—4.— Abt, Tieraarten: Ltbtttr Strafte 18— 19; Eefchäftliches.— Abt. Evandau: Lindrnufer 1.-- Abt. Weiften- l««: Pistorlusstr. 2t. lllenorzg, 24 2 Staats-Oper Unter d. Linden 176. A.-V 20 Uhr Der Troubadour Ende 22's Uhr staats-oper Sonnt. 2. Sn a« E 4. Alex. 8066 Nehm. 50 Pf.— 1 M., abds. 1-2 M. 4 Bronetta, Oollynoff. Jau- und Tanz-Ravua Daunion- Shaw. Kremo- Familie und waltara Attraktionen jjUrSgfkh Sl$ DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFEN BACH THEATER IM ÄDMIRALSPALAST mim „ ugungJ Rerfaiiant Berlins BETRIEB.«JA KEMPIHSKlti? äab bmihmte Tänx-Tfaffu. TüdmeU JTEBNMEIEIt FRIEDRICHSTRASSE 96 AM