Morgenausgabe Mittwoch Nr. 93 � � � � � 25. Februar 2931. .- rgmz DD��s®ro6.2crfii. 10 Pf. s-stasÄisa■!■«M U» I» U MMH» �. Auswärts Pf. eintchliehlich EOPf. Postzeiwngs. hrSÄH DW WW W»>. DW HB HH HB H A/ B9 Ml W■■■�■■l II»tz> Br/ MJ'Äv�rrr« Sänöcr mit ermaBiatci�Srurffa�cn« VW[W■■■■HB B B BD V 1 �-rH B■■ �Uv /M M�XDU' JBllEl B B d.-u«:« Aon 2S Ps-nniz1 �11 �B\ SR fcttgeiirutttt SSortc), jedes weitere Wort Lee»ZZonvSrts' ericheint wochentLg. MW! WM> �W, W» i // KSa 12 Pfennig. Ei-ll-ng-fuch- dos erst« lich zweimal. Sonnlogs und Montags' s X' R9 SBort 15 Pfennig, jede» weitere Wort einmal, die Adendausgabe für Verlin EsS& �iennig. Worte über 15 Buchstaben und im chandel mit dem Titel.Der �W/ Söhlen für zwei Worte. Arbeitsmortt Abend" Illustriert« Beilage.Boll».___.*d�äk tM»»' LeileSv Pfennig. Famillenanzeigen Zeile uud Zeit". Ferner.Frauenstimme", �WlX�EA4*/-«it Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt. 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Die französisch. englischen Flollenverhaud- lungen. die durch die Reise des Außenminisiers henderson und des Ersten Lords der Admiralilal Alexander nach Paris einen starken Anstoss erfahren haben, stehen unmitlelbar vor dem Abschluß. Am Dienslagvormittag verhandellen nur noch die Marinesachoer st ändigen der beiden Länder, ein Beweis dafür, daß man sich bis auf einige technische Details einig geworden ist. Tlach einem eiligen Frühstück am Quai d'Orsay traten die Sachverständigen erneut zu einer Sitzung zusammen, während Briand und henderson noch einige Augenblicke in iulirner Aussprache beieinander blieben, kurz vor 5 Uhr begann in der englischen Bot- schüft die als abschließend angekündigte Vollsitzung aller Verhandlung! leilnchmer. Der Kampf der letzten Stunde drehte sich, wie schon berichtet, in der Hauptsache um drei Punkte: Die Engländer versuchten die bereits auf tWOOl» Tonnen herabgeschraubt« Gesamttonnage der französischen Flotte noch um 10 bis 20 000 Tonnen zu vermindern. Auch verlangten sie, daß Frankreich für die Herabsetzung seiner U-Bootflotte% von 98 000 Tonnen auf rund 00 000 Tonnen sich keinen Ersatz in Torpedobooten und leichten Zerstörern zu schaffen suche. Endlich forderten sie den Verzicht auf den Bau des für dieses Jahr schon bewilligten 23 000-Tonnen. Panzerkreuzers. Im übrigen aber Hot man sich vor allem darüber geeinigt, daß Frankreich jetzt dem Londoner Flottenabkommen beitritt, allerdings unter der ausdrücklichen Berufung auf eine Garanticklausel, die ihm gestatten soll, sein« Seerüstungen zu erhöhen, falls Fünf Millionen arbeitslos. Oie Auswirkung des Lohnadbaus. Die neuen Arbeilslosenzlsfern der Reichsanstalt für Arbeilslojcnversicherung und Arbcilevcrmlttlung bedeuten noch keine Besser Uli g der Situation aus dem Arbeilsmackt. Die Belastung der Slrbeilslosenversichcrung, die im vorigen Derichlsabschnilt noch um rund 188 000 hauptunlerslühungs- empfängcr zugenommen Halle, ist bis zum 18. Februar um rund 4L 009 aus rund Z 502 000 gestiegen. Diese verhältnismäßig geringe Zunahme ist aus die„Resorm" der Arbeitslosenversicherung zurückzuführen. Zn dcr Krisensürsorge wurden am gleichen Stich- flog rund 861 000 hauplunlerstiilzuogscmpsanger gegenüber 811000 cm 31. tzanuar gezählt. von den verfügbaren Arbellsuchenden. die am 18. Februar bei den Arbeilsämlern eingetragen waren, waren rund 4991000 arbeitslos, rund 1600000 wehr als zur gleichen Zell Im Vorjahr. Trotz de» milden Winters ist also nicht die von den Unternehmern vorausgesagt« Abnahme der Arbeits- losigkeil als Folge der Lohnsenkung eingetreten, sondern— wie , vorauszusehen war— eine anßerordenlliche Verschärfung. Die Zunahme um rund 106 000 gegenüber dem 3l. Zanuar fällt zu Z.S Proz. den Saison-Auhcnbernsen zur Last, während in den übrigen B-russgruppen eine Zunahme um l.? proz. zu ver- zeichnen ist. 3n den Steinkohlen- wie in der Braunkohlenindustric hat sich der Absah verschlechtert. Entlassungen und starke Zunahme der Feierschichlrn. vor allem Ruhrgebiet, waren die Folge. Auch die Kaliindustrie ging z» Velriebseinschränkungen und zu Kurzarbeit über. Line leichte Entspannung des Arbeilsmarkles zeigte sich der Raison entsprechend mehrfach in der vekleidungzindnslrie, vor allem in der Konseklionsinduslrie Brandenburg und Schlesien. Abgeblitzte Demagogen. Anciestelltenfürsorae, vie keine ist. Der Borstand des Reichstags beschäftigte sich am Dienstag mit dem nationalsozialistischen Antrag, dem gesamten Personal des Reichstags für die Nachtsitzung vom 9. zum 10. Februar«ine Eatschadigung vo« je IS Mark zu gewähre«. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Italien versuchen würde, die jetzt noch bestehende Spanne von 150 000 Tonnen zwischen beiden Flotten zu vermindern. Italien scheint über die Pariser Verhandlungen nicht direkt auf dem laufenden gehalten worden zu sein. Trotzdem glaubten die englischen Unterhändler versichern zu können, daß es sich damit einverstanden erklären dürfte. Was nun aber die englischen Gegenleistungen an- geht, wie sie Frankreich aus seinen Konzessionen in der Sceabrüstimg erhofft hatte, so scheint man in Paris wieder einmal die Rechnung etwas voreilig gemacht zu haben. Wie verlautet, sollen sich die englischen Unterhändler recht unzugänglich gezeigt haben. Sie sollen sogar erklärt haben, daß Frankreich ihnen im Gegenteil dankbar sein müßte, weil es der englischen Vermittlung gelungen sei, den Flottenftreit mit Italien aus der Welt zu schaffen. Italien lenkt ein. Rom, 24. Februar.(Eigenbericht.) Der die Oesfentlichkeit überraschende Besuch dcs eng- tischen Außenministers in Paris wurde der römischen Regierung vorher auf dem diplomatischen Wege telephonisch angekündigt. Die italienische Presse, die bisher starr und heftig an den Forderungen nach völliger Gleichheit in der Flottenstärke mit Frankreich festhielt, hat am Dienstag zum erstenmal ihren Ton völlig geändert. Die Weisung von oben ist klar ersichtlich. Nach den Informationen des Korrespondenten des„Sozialistischen Pressedienst� ist ein wichtiger Umschwung eingetreten. Die Geneigtheit Italiens, mit Frankreich endlich zu«inem Abkommen in der Flottenfrage zu kommen, ist gewachsen. Man dürfte sogar den entscheidenden Schritt machen, zum erstenmal die Forderung nach völliger Gleichheit in der Flottenstärke fallen zu lassen. Natur- lich wird das nicht prinzipiell geschehen, aber tatsäch- l i ch. Der moralisch« Druck der Londoner Arbeiterregierung, die auf keinen Fall den Londoner Flottenpakt und die Abrüstungskonferenz zu Fall kommen lassen will, wirkt dabei ebenso stark mit wie die finanzielle Lage, die ein wahnwitziges Wettrüsten nicht erlaubt. Ist einmal dieser entscheidende Schritt getan, die Idee der Flottengkeichheit bis auf weiteres beiseite zu lassen, dann zeigen die jetzigen Verhandlungen darüber, ob Frankreich 130 000 Tonnen oder weniger an Uebergewicht über Italien in seiner Flottcnstärke erhält, nicht mehr unüberwindbare Schwierig- testen. Im Zeichen der Rüstungspause kann dann endlich die Ab- rüstungskoiiserenz zusammentreten, die nach den Worten henderson» über das künftig« Schicksal Europas entscheidet. Der Präsident teilte mit, daß der Antrag sich dadurch er- ledigt habe, daß der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenrat auf eine besondere Entschädigung verzichtet habe, da die den ein- zelnen erwachsenen besonderen Kosten wie für Nachtfahrt usw. bereits ersetzt worden seien. Der„Führer" im Thälmotrn-Kreis. Wegen Totschlag verurteilt. Slullgarl. 24. Februar.(Eigenbericht.) ikarl Foerstner, der Führer der kommunistischen „Arbeiterwehr" in Kannstatt, wurde vom Stuttgarter Schwurgericht wegen Totschlags zu 2 Iahren und 6 Monaten Gefängnis»erurteitt. Er hatte in der Nacht vom 5. zum 6. De- zember den Hausmeister Stumpp von der Realschule Kannstatt mit zwei Faustschlogcn an den Kopf so heftig zu Boden geschlagen, daß der Tod aus der Stelle eintrat. Stumpp war dem Foerstner und seinen Begleitern entgegengetreten, als sie Plakate am Schulhaus ankleben wollten. Foerstner erwies sich in der Verhandlung als ein Mann, der wegen Diebstahls, Körperverletzung und Nötigung schon schwere Strafen erlitten hat. Der Ge- richisarzt bezeichnete ihn als einen brutalenundzu schweren Zornesausbrüchen. geneigten Menschen. Einem solchen Mann übertragen die Kommunisten die Führung ihrer„Arbeiter- wchr!" Montag, 2. März, abends 77« Uhr, „Sportpalast", Potsdamer Straße 72: Otto Braun, S�rä-id.«. Pietro Nenni, Italien (Verfasser des Buches„Todeskampf der Freiheit!") Einlaßkarten bei den Funktionaren. Bezirksvorstand* Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkomo: Bank der Arbester, Angestellten und Beamten, Lindenstr.Z,Dt.B.».Di?c.-Ges.,Deposilenk.,JerulaIemer Str. 65/66. Gchieles Programm. Die Schwierigkeiten seiner Durchführung. Das von der Reichsregierung verabschiedete neue Agra» gesetzgebungswerk wurde am Dienstag vom Reichsernährungs- minister Schiele vor dem Reichstag erläutert. Im ersten Abschnitt des sechs Abschnitte unifassenden Agrarprogramms wird der schon bekannte Reichs- b e st e l l u n g s p l a n, d. h. die weitere Einschränkung des Roggen- und chaferanbaus und die Verwendung der frei ge- wordenen Flächen zur Ausdehnung des Weizen-, Gerste-, Feldfutter- und Hülsensruchtanbaus sowie die Ausdehnung der Grünlandwirtschaft dargelegt. Gegenüber dem Vorjahr ist durch die enorme Ueberhöhung der Weizenpreise der Roggen- anbau um eine halbe Million chektor eingeschränkt und dafür der Winterweizenanbau um 125000 Hektar ausgedehnt worden. Durch eine weitere Erhöhung der Weizenpreife(schon jetzt kostet der Zentner Weizen 6 M. mehr als der Roggen) will man nun erreichen, daß möglichst viel von der freigewordenen Roggenflächc mit Sommerweizen bestellt wird. Denn in dem Programm steht ausdrücklich, daß durch eine entsprechende Preispolitik ein privatwirtschaftlicher Anreiz für die Pro- duktionsumstellung geschaffen werden soll. Der zweite Abschnitt behandelt die Absatzverhält- nisse. Es ist in Aussicht genommen, zu dem Stadardisie- rungsgesetz und zum Milchgesetz Durchführungsbestimmungen zu erlassen. Auch ist in ihm von dem unmittelbar vor dem Abschluß stehenden Zusammenschluß der Zuckerinduftrie die Rede. Warum diese drei Gesetze bzw. die Durchführungs- bestimmungen noch einmal in dem neuen Agrarprogramm erwähnt sind, ist nicht recht ersichtlich, denn die Gesetze sind schon längst in Kraft und kein Mensch hat Herrn Schiele daran gehindert, die notwendigen Durchführungsbestimmun- gen zu treffen. Es wäre aber besser, anstatt andauernd von den notwendigen Verbesserungen des landwirtschaftlichen Ab- satzwesens, wie Standardisierung und Milchgesetz zu reden, endlich einmal etwas zu t u n. Auch sollen besondere Mittel vorgesehen werden zur Förderung der Kartoffeltrocknung, zur Unterbringung der überschüssigen Zuckermengen auf dem Wege der Verfütterung und zur stärkeren Anspannung des Brennrechts. Das letztere heißt wohl Erhöhung der Bei- Mischungsquote von Kartoffelspiritus zu Venzin, wodurch der Treibstoff verteuert und damit der Kraftwagenverkehr zum Nutzen der Schnapsbarone verteuert wird. Schließlich ist die Milchwirtschaft nicht vergessen, denn pasteurisierte Milch soll von der Umsatzsteuer befreit werden. Im dritten Kapitel des Agrarprogramms ist die De- einflussung des Verbrauchs behandelt. Die Verarbeiter von Kasein, Flachs und Zichorie sollen gezwungen werden, einen bestiinmten Prozentsatz deutscher Rohstosfe zu verbrauchen. Hoffentlich kommt es nicht so weit, daß man zwangsmäßig jedem Kaffeetrinker Zichorienbrühe gewaltsam einflößt. Den Absatz von deutschem Kasein brauchte man durch gesetzlichen Zwang gar nicht zu beeinflussen, wenn die Pro- duktionsmethoden verbessert würden, denn der Absatz ist nur deswegen so gering, weil deutsches Kasein gegenüber aus- ländischem von äußerst geringer Qualität ist. Um den Holz- a b f a tz zu heben, soll bei allen Bauten, die mit öffentlichen, insbesondere Hauszinssteuermitteln errichtet werden, grund- sätzlich nur heimisches Holz oerwandt werden. Der vierte Abschnitt ist der bedenklichste, denn durch ihn soll die Regierung ermächtigt werden, gleitende Zölle, die bisher nur für Getreide bestanden, für alle agrarischen Produkte, also Fleisch, Molkerei- Produkte, Eier, Hülsenfrüchte und die Erzeugnisse der Forst- Wirtschaft einzuführen. Dieses Ermächtigungszollsysiem soll sich nach Schiele bei den Getreidearten voll bewährt haben. Jeden- falls ist der Erfolg der, daß der Weizen, bei dem es sich be- sonders durch die Erhöhung der Zölle auf 25 M. je Doppel- zentner ausgewirkt hat, jetzt bereits im Rheinland 300 M. die Tonne kostet. Besonders bedenklich ist aber die Ausdehnung dieses Ermächtigungsgesetzes auf die Veredelungsprodukte und auf Obst und Gemüse, denn nur bei einigen dieser Waren kann die Reichsregierung die Zölle von sich aus erhöhen. Fast alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind in Handelsverträgen ge- Kunden, so Obst und Gemüse in den Handelsverträgen mit Frankreich, Jugoslawien, Italien, Belgien und Holland» Käse im Handelsvertrag mit Frankreich und der Schweiz, Eier im Handelsvertrag mit Italien und Jugoslawien, Holz im Handelsvertrag mit Oesterreich und Schweden. Entweder bedeutet also die Erhöhung der Zölle auf diese Waren Kündigung der Handelsverträge und Zollkrieg oder Verhandlungen mit diesen Staaten und Bewilligung von Einfuhrkontingenten. Denn sonst werden die Handelsoertragspartner kaum geneigt sein, einer Erhöhung der Zölle zuzustimmen. Eine Durchbrechung unseres ge- samten Handelsvertragssystems wäre damit verbunden. Die Gefahr wird etwas oermindert dadurch, daß nicht der Reichs- ernährungsminister allein ermächtigt wird, die Zölle zu er- höhen, sondern daß das R e i ch s k a b i n e t t diesen Beschluß fassen muß, so daß also auch die Industrieinteressen zur Gel- tung kommen werden. Im fünften Abschnitt wird die Regierung ermächtigt, das Emstihrschemsystem, das uns 104 Mill. Mark jährlich gekostet Einigung London— Paris. Henderson und Alexander nach Rom weiteraereist. hat, unter Einbeziehung von Holz zu verlängern. Im sechsten abschnitt befaßt[ich das Agrorprogrannn der Regierung mit besonderen Maßnahmen zur Ueberwindung der Saison schmankungen der Preise. Ob hierdurch etwas gebessert werden kann, ist sehr zweifelhaft, denn eine Regelung des Angebots kann nur durch die Zusammenfassung der landwirtschaftlichen Erzeuger in Genossenschaften erfolgen. Diese läßt sich aber nicht durch Gesetze erzwingen, sondern nur durch wachsende Einsicht der Landwirtschaft. «- So weitgehende Zollermächtigungen, wie sie dies Pro gramm vorsieht, find in der Hand einer jeden Regierung ein gefährliches handelspolitisches Instrument. Herr Schiel« hat in seiner Reichstagsrede Gedankengänge entwickelt, die mit dem bisherigen handelspolitischen Kurs des Reiches durchaus nicht übereinstimmen. Er ging so weit, daß er in seinen Aus führungen die Perspektive einer völligen Loslösung Deutsch- lands aus den weltwirtschaftlichen Zusammenhängen an- deutete und die Illusion oertrat, als könne Deutschland al, sich felbstversorgender Staat ohne Beziehungen zum Weltmarkt existieren. Man braucht nicht anzunehmen, daß die Handels- politischen Gesichtspunkte des Herrn Schiele zugleich den Ab sichten des gesamten Reichskabinetts entsprechen. Immerhin ist es Herrn Schiele in den schwierigen Beratungen des 5iabinetts gelungen, feine wesentlichsten Ermächtigungs- forderungen durchzusetzen trotz des großen Widerstandes, den ihm ein Teil der Kabinettsmitglieder entgegengesetzt hat. Die Ermächtigung soll dem Gefamtkabinett gegeben werden. Ob Herr Schiele im Kabinett seine Forderungen durchsetzen kann, wenn es um die Anwendung der Ermächtigung geht, das ist eine politische Tatfrage. Welche Absichten Herr Schiele im einzelnen oerfolgt und wozu er das Kabinett auf Grund der Ermächtigung glaubt ge winnen zu können, ist im Augenblick noch nicht erkennbar. Dem Reichstag liegt im Augenblick nur das allgemeine Er� mächtigungsverlangen vor. Nach der Begründung, die Herr Schiele diesem Verlangen gegeben hat, wird es sich hier um eine Entscheidung handeln, die von großer und entscheidender Bedeutung für die deutsche Handelspolitik wie für die deutsche Gesamtpolitik der nächsten Zeit sein wird. Es ist deshalb nicht zu erwarten, daß die Entscheidung des Reichstags dem Ver- langen des Reichsernährungsministers sofort auf dem Fuße folgen wird. Die Beratungen im Kabinett sind zwar abge- schloffen. Aber die wichtigen und entscheidenden Beratungen im Parlament werden nun erst beginnen müssen I :nI it I Die SA.-Wirischast in Braunschweig. Franz«» beschäftigt Schupo al« Straßenkehrer. Vraur.schweig. 24. Februar.(Eigenbericht.) Immer neue Einzekheiten über die Ausschaltung de? Polizei durchdie SA. Hitlers am vergangenen Sonnabend und Sonntag werden bekannt. Als ein Polizeibeamter aus einem Hakenkreuzzug-inen Rohling seststell«» wollte, der mit einem Haus jchlüssel einen Zuschauer verletzt hatte, wurde er bei dieser 5xlnMung von S A.- L e u t e n gehindert und mit Fußtritten traftiert Trotzdem gelang es dem Polizisten, den schuldigen SA.-Mann zu fassen. Hierauf trat der Abt-ilvngssührsr der SA. hinzu und er. klärte, der Mann dürfe nicht festgeNammen weichen� Minister Franz en habe Anweisung gegeben, daß keine Leute vorgeführt werden sollten. Einige ander-, wegen Prügelei fest. genommene SA.- Leute wurden nach einem telephonischen Anruf des Razi'Landtagspräsidenten Zörner freigelassen. Der..Bolksfteund' weist ferner darauf hin. daß am Montag- morgen, als die Stadt Braunschweig in einem unerhört schmutzigen Zustand von den Nazchorden verlassen worden war, die Schutzpolizeibeamten den dienstlichen Befehl er» hielten, dasStrohbeiseitezuschaffen, auf dem die Partei» freunde Franzens kampiert hatten. Heber die Teilnehmerzahl gehen die Schätzungen der eigenen Naziorgan« weit auseinander. Die brounschweigische Polizei hatte auf„ungefähr 7000" geschätzt. Das hannoversche Hitler-Organ schreibt von 10000. Goebbels im„An- griff" nmcht daraus 40 000 und der„Päkkische Beobachter" in München gar 60 000 Teilnehmer. Sparsamkeit am falschen Ende. Zuschuß für die Hochschule für Politik gestrichen. Noch während das Plenum tagte, begann der Haushaltausschuß wieder mit der mittags abgebrochenen Einzelberatung des Haus- Halts des Innern. Bald kam es zu einem auffälligen Beschluß. Abg. G e r e k e(Landvolt) beantragte die Streichung des gesamten Reichszuschusses(100 000 Mark) an die Hoch- schule für P o l i t it. Für die Sireichung stimmten mit dem Landvolk, den(EhrisHichSozialen und der Wirtschaftspartei die Bolksportei— mit Ausnahme des Abg. von Kardorff— und das Zentrum— mit Ausnahme des Abg. Dr. Schreiber. Der Vertreter des Zentralnachweistamte» für Krieger. grab er berichtete, daß in Frankreich noch tagtäglich Tot» gefunden wurdm Di« Finder erhalten«ine Prämie von S Mark. Sehr oft worden bei diesen Leichen noch Erkennungsmarken ge- fanden. Die Toten werden dann endgültig bestattet. Frau Böhm- Schuch(Soz.) fragt, ob aus den dörflichen Friedhöfen Flanderns immer noch Tote in die großen Sanmielfriedhöfe gebracht werden. Dazu wurde erklärt, daß dort, wo die Gräber von den Kommunen ordentlich gepflegt werden, die Toten nicht umgebettet würden. Beim Kapitel Filmoberprüs stell« sprach Frau Böhm- Schuch Über die eigenartige Zusammensetzung der Spruchkammer, die den Remarque-Film verboten.hat. Bei solchen Filmen wie „Frauenglllck— Frauennot" müßte auch eine Frau, die selbst Mutter ist. in die Spruchkammer berufen werden. Unerträglich sei die Hetz, und Kriegspropaganda, wie die der Ufa, die»er. oangene Weihnachten während der Feiertage als„Weihnachtsfreude für alle" Kriegsfilmbilder brachte. Äni übrigen mußte sofort das bestehende Lichtspielgesetz dahin geändert werden, daß öffentlich verbotene Filme in geschlossenen Gesellschaften aufgeführt werden können. Die Sozialdemokratie werbe im Plenum einen ent- sprechenden Antrag einbringen. Ein sozialdemokratischer Antrag, bei der Technischen Nothilse 100 000 Mark zu streichen, wurde nach eingehender Begründung durch den Abg. Sollmann angenommen. Abg. Sellmann erörlerke bei dem Repnbllkschuhfonds auch den Braunschweiger Polizciministerskandal, wo der staakenlose Aben- lcurer Hiller den oaklonalsozlalistischea Polizcimlnister angewiesen hak, einem Bolizeiivachlmeister die weitere Ausübung seiner Pflichten zu uukeriogen. Der Minister W i r t h erklärte, daß«r die Vorgänge bisher erst aus den Zeitungen kenne. Heute geh« an die braun- schweigische Regierung ein entsprechendes Schreiben ab. Sozialdemokratie und Landmirffchast. Reichstagsrede Tempels.— Schiele gegen Hitler-Hugenbergs Bauernverhehung. Im Reichstag begann die Dienstagnachmittagsstzung mit einer Protestrede des Abg. Ulbricht(Komm.) gegen das Demonstrationsverbot für den 25. Februar. Er verlangt sofortige Beratung eines Antrages, dieses Verbot auszuheben. Im übrigen, schließt der Redner, werden die Arbeitslosen am 25. so demonstrieren, daß die Herrschenden in ihren Palästen erzittern. Das Verlangen der Kommunisten scheiterte am Widerspruch aus der Mitte und rechts. Vor den nun folgenden Abstimmungen gibt Abg. Roßmann(Soz.) zum Verjorgungsetat folgende Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion zu einem KPD.-Antrag ab: Die Ansprüche aus der Kriegsversorgung beruhen im wesentlichen aus gesetzlich festgelegten Rechtsansprüchen. Weder»ine Erhöhung noch eine Verminderung der Ansätze im Etat ist möglich ohne eine vorherige Veränderung des Reichsvcrsorgungsgesetz»». des Kriegs- personenschäde'ngesetzes. und der Pensionsgesctzc. Die Veränderung der Ansätze des Etats, auf die sich der kommunistische Antrag be- schränkt ist deshalb praktisch ohne jede Bedeutung. Da sich die sozialdemokratische Fraktion infolge der Verantwortung, di« sie gegenüber den Kriegsopfern empfindet, nicht den Vorwurf einer be- wußten Irreführung aussetzen möchte, lehnte sie den Antrag SOZ ab. Diese Haltung deckt sich mit der Stellung, die die Sozialdemokratie bereits Im Haushaltsauzschuß eingenommen hat. �(Gegenruf» der Kommunisten.) Der Haushalt wird in der Ausschußfassung angenommen, ebenso die weiteren, schon beratenen Haushalte. Es folgt der iommunistislye „Millionärsteuerantrag". Abg. Esser(Z.)— von den Kommunisten mit„Aha" und „Oberschieber" begrüßt— beantragt die lleberweisung an den Steuerausschuß. Abg. Or. Herft(Soz.) verweist auf die sozialdemokratischen Anträge vom 22. November und 5. Dezember, die«ine schärfere Besteuerung nach dem Verbrauch, der Spekulationsgewinne, der Aufsichtsratetantiemen und der hohen Ein- kommen vorschlagen. Hertz fährt fort: Der kommunistische Antrag geht zum Teil in der gleichen Richtung. Deshalb haben wir am 9. Dezember 1930 dem Antrag zugestimmt und nehmen wir heute die gleiche Haltung ein. Die sozialdemokratischen Anträge sind inzwischen dem Steuer- ausschuß überwiesen worden. Da andere Parteien auch eine Aus- schußberatung für den kommunistischen Antrag wünschen, und dadurch zugleich die sozialdemokratischen Anträge erledigt werden können, stimmen wir dem Antrag auf Ausschußberatung zu.(Beifall der Soz.— Lärm der Komm.) Ihr Geschrei gegen eine Ausschuß- beratung zeigt nur, daß es Ihnen mit Ihren Anträgen gar nicht Ernst ist.(Beifall der Soz.— Lärm bei den Komm.) Abg. Släcker(Komm.) behauptet, die Sozialdemokraten wollten sich vor der Abstimmung drücken und die jetzt vorhanden« sozial- demolrattsch-kommunistische Mehrheit nicht ausnützen. Nur wegen der Anwesenheit der Nationalsozialisten hätten die Sozialdemokraten am 9. Dezember v. I. im Gegensatz zu ihrer früheren Halmng für den Antrag gestimmt. Abg. Esser(Z.)— von den Kommunisten minutenlang durch lärmend» Zurufe Überschrien— hott den Antrag auf Ausschuh- beratung aufrecht, da die Verhältnisse zur-Beurteilung de» tommu- nisttschen Antrags sich feit dem 9. Dezember wesentlich verändert haben. Der Antrag Esser wird gegen die Stimmen der Kommunisten und unter deren anhaltendem Lärm angenommen. Darauf wird die zweite Beratung des Landwirtschafts- und Ernährungshaushalts fortgesetzt. Minister Schiele — vom Geschrei der Kommunisten und den Sprechchor„Unter- ernährunzsminister" begrüßt, wogegen Präsident Lobe mehrmals Mahnungen richtet— beginnt mit einer allgemeinen Einleitung. Da die Kommunisten wieder Ehöre veranstalten, schließt der Präsident di« Abgg. Grube und Bladdakena aus. Grube ruft beim Hinaus- gehen nochmals„Hungerminister" und wird dafür auf drei Sitzungen ausgeschlossen. Der Minister führt dann etwa au»: Nur durch Einreihung aller Berufsinteressen in eine politische Cinheitssront lann ein starler Wille und eine erfolgreich« Führung«rwachsen. 80 bis 90 Proz. unserer landwrtschaftlichen Erzeugnisse werden im Inland abgesetzt, also viel mehr als im Ausland, somit muß di« Ordnung und die Befestigung des Binnenmarktes der Förderung des Slußen- Handels vorausgehen, und wird diese erst ermöglichen. Das hat auch der Reichsaußenminister in Genf ausgesprochen. Ist e» nun ein Zufall, daß die Kosten der Arbeitslosigkeii, der Rohrungsmilleleinsuhr. der landwirlschafillchen Verschuldung und die Reparalionszahlen sich ungefähr decken? Helfen Sie die Landwirtschaft von der Vorherrschaft der Erport- und sozialpolitischen Interessen befreien. Es zeigen sich bereits sehr ernste Zeichen vom Erlahmen der Landwirtschaft, so in dem sehr starken Rückgang des Absatzes von Kunstdünger, von Elektrizität, von Kohle. Daraus erkennt man die Verflechtung der Industrie und des Binnenmarktes mit der Landwirtschaft. Die Bedrohung der Ernährungsgrundlage trifft alle. In den letzten Iahren haben wir Raubbau an unserem edelsten Gut getrieben: die Auslandsverschuldung unserer Landwirtschaft ist das stärkste Zeichen der Kopitalentziehung. Seit 10 Jahren ist nicht die nötige Sorgfall aufgewendet worden, besonders aver sell dem Kriseneinbruch von 1929 nicht. Dos Regierunasprogramm ist in engster Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Organisationen ausgearbeitet, die Haupt- aufgab« bei feiner Durchführung fällt den landwirtschaftlichen Ge- noßenschaften zu. Dann erst können Zollerhöhungen den richtigen Nutzen haben, wenn diese Organisationsarbeit vollendet ist und wenn neben den Steuer, und Sozial, auch die Zinslasten der Landwirtschaft gesenkt werden, die heute doppelt so hoch sind wie vor dem Kriege. Die Reichsversicherung wird die llnikialive zur Zinssenkung ergreifen und gemeinsam mit dem Hauptverband landwirtschaftlicher Genossenschaften vorgehen. Die Unpopularität kräftiger Agrarpolitik wird die Reichsregierung darin nicht beeinträchtigen. Gewissen Gegen- Meinungen im Konsumentenlager halte ich in rücksichtsloser Sachlichkeit entgegen, daß der Index der landwirtschaftlichen Produkte auf 107 Proz. steht, die Jndustrielöhn« und-waren aber auf 150 bis 160 Proz. Diesen Preisabbau sollte man der Landwirtschaft nach- machen. Die Spannung zwischen den Produzenten- und den Klein- Handelspreisen ist immerhin um ein Fünftel gesenkt worden. Die Landwirtschaft fordert nur das Unerläßliche. Die Arbeiterschaft hat sich schon bereit erklärt, für die Erhaltung der Laudwirtschask Opfer zu bringen. Wer kann angesichts der Wettkrise noch glauben, den Export durch Handelspolstische Mittel zu fördern? Bei 10 Millionen Erwerbslosen ist der Kampf um die Weltmärkte aussichtslos und die Echallung des eigenen Volkes, die Sicherung seiner Ernährung viel wichtiger. Exportieren wir unter dem Inlandspreis, so drücken wir— wie auch m der„Vossischen Zeitung" anerkannt worden ist—. das eigene Volt und schwächen den Binnenmarkt, dem wir eine ganz andere Bedeutung geben müssen als bisher. Natürlich kann von einer plötzlichen Abkehr von der Handels- vertragspoliilk keine Rede fein, zu Verhandlungen über die Aendcrung bestehender Handelsverträge ist die Reichsregieruog bereit, hierbei kündigt der Minister an. daß die Reichsregicrung vom Reichetag die Ermächtigung verlangen werde, von den Zollkarifsähcn abzuweichen. Das Regierungeprogramm— dessen Inhalt der Minister er- läutert— geht bis an die Grenze des heute Möglichen, enthält aber auch da» für die Landwirtschaft unerläßlich Notwendige, diese sieht darin, was sie erreichen kann, wenn sie entschlossen austritt. lln voller Einmütigkeit mit der„Grünen Front" führe ich mein Amt— olles andere ist Schwindel—(hört, hört!) und arbeiten wir im Kabinett unter der Leitung des Reichskanzlers. Ich verstehe die schweren Krankheitssymptome notleidender Volks- Massen, auch des Bauernstandes, aber weil ich die Gefahr eines Widerstreits zwischen Bauernschaft und Staat kenne, darum bleibe ich gegeir den Agrarradikalismus bei meiner positiven Politik und jage nicht nach unerreichbaren Zielen, di« in der Milchstraße oder sonstwo liegen. Beschimpfungen aus dem eigenen Freundes- kreis, parteipolitische Hetzereien werden mich nicht beeinflussen. (Beifall rechts.) Abg. Tempel(Soz.): Die Sozialdemokratie hat in all den Jahren, in denen man. ihr Verantwortung und Mitwirkung in der Gesetzgebung und am Staats- aufbau ermöglicht hat, sich bemüht, für die Landwirtschaft zu tun was möglich war. Wir haben das nicht getan, den Landwirten zuliebe, auch nicht in unseren parteipolttlschem Interesse, sondern, weil so gehandelt werde» mußte, unter deni ehernen Zwang der wirt- schaftlichen Notwendigkeit. Wenn auch die Landwirtschast nicht wie der Minister eben ausgeführt hat, schlechthin die Basis unseres ganzen Wirtschaftslebens ist. so stellt sie mit ihrer Produktion im Werle von etwa 15 Milliarden Mark im Jahr, und da sie 15 Millionen Menschen, einschließlich der Angehörigen, beschäftigt, fast ein Viertel der Gesamtbeoölkerung Deutschlands, einen der wesentlichsten Set- toren des ganzen Kreises unserer Wirtschast dar. Jede Verkümmerung oder Einschrumpfung dieses Sektors müßte vergiftend und zersetzend auf die ganze Volkswirtschaft wirken(Sehr richtig!) Der Weg der Auswanderung Ist den Notleidenden heute ver- sperrt. Um so notwendiger ist es, die Landwirtschaft instand zu setzen, ihre Bevölkerung weiter zu erhalten und diesenigen, die sich dem Strom von den Dörfern in die Stadt anschließen wollen, weiter an sich zu fesseln. Aus dem wohlverstandenen Interesse des Arbeits- Marktes hat die Arbeiterschaft und haben ihre Führer sich für eine positive Förderung der Landwirtschaft ausgesprochen, auch in den schweren Iahren der Not, was der Minister auch mit seinem Wort von den Opfern der Arbeiterschaft anerkannt hat. Der deulsche Arbeiter sieht ln dem Landpraletarler seinen Bruder. Auch dieser wird ausgebeutet, auch er leidet unter der Unordtmng unsere» Wirtschaftssystems und auch er fühlt das Unrecht unserer Gesellschaftsordnung Darum ist der industrielle Arbester bereit, seinem Bruder auf dem Lande auch mit eigenen Opfern zu helfen. Professor Dessauer lzat im September 1929 hier von der historischen Leistung der deutschen Sozialdemokratie für die Landwirtschast ge- sprachen. Wir haben von chr kein« Dankbarkeit erwartet, aber ein wenig mehr Sachlichkeit und Gerechtigkest haben wir allerdings erwartet.(Zustimmung der Soz.) Heute ist die deutsch« Volkswirtschaft zugunsten der Landwirtschaft mit Zöllen in der doppellen Höhe wie vor dem Kriege belastet. Reick. Länder. Gemeinden und Kommunolverbande lassen der delstschen Landwirtschaft an direkten und indirekten Subventionen 300 bis 400 Millionen Mark im Jahre zukommen. Auf der anderen Seite beträgt die gesamte Steuerleistung der Landwirtschaft in Reick, Länder und Gemeinden jährlich noch nicht 700 Millionen Mark Nack, den Notverordnungen werden sich d'ese Erträge noch weiter vermindern. Jedenfalls bekommt die Landwirtschaft eln Mehrfaches von dem, was sie selbst der vefsenllichkell leistet. Ich erheb« daraus keinen Vorwurf, sondern stelle das nur fest. Seit 100 Jahren ist für die Landwirtschaft nicht das getan und durch- gesetzt worden, was das jetzige und das unmittelbar vorhergegangene Reichskabinett für die Landwirtschaft getan hat.(Zustimmung.— Zuruf: Alte Versäumnisse gutgemacht!) Wer hat diese Versäumnisse begangen und in welcher Zeit? In den Jahren, in denen uns keinerlei Einfluß auf die Gesetzgebung eingeräumt war!(Lebhaite Zustimmung links.) Wenn also gegen uns der Vorwurf erhoben wird, als ob wir die Landwirtschost zugrunde richten wollten, so hat«ine solch« Behauptung mit Sachlichkest und mit Anstand nichts mehr zu tun. Der Minister Hot sich gegen die äußerste Rechte gewendet; es wäre gut gewesen, wenn er mit seiner Autorität auf dem Land« das schon sruher getan hätte. Wir wissen, daß der einzelne arme Teufel auf dem Land« das Produkt feiner Umgebung ist; seit dem Aufbau des neuen Staates steht«r unter dem Einfluß einer Pressehetze, die sich in den evangelischen Sonntagsblättern, den Kreisblättern. den landwirtschaftlichen Zeitungen austobt(Zuruf links: Hugenberg!) und die einfachen Leute glauben macht. Berlin könnte ihnen helfen. wollte aber nicht. Der kleine Mann auf dem Lande müßte ja ein geistiges Rückgrat von Eisen haben, um dieser ständigen Becinjlussung vichl zu unterliegen. Aber die berufenen Organisationen der Landwirtschaft und ein großer Teil ihrer Führer sind die Schuldigen. So hat»och jüngst aus einer Tagung des pommersthen Landbundes in Stettin Herr von Rohr- Demmm behauptet, daß auch die jetzige Regierung die Rettungsaktion für die Landwirtschaft bewußt sabotiere, und daß überhaupt niemals eine Regierung unter diesem System für die Landwirtschaft sein könne.(Hort, hört! und Entrüstungsruf« links und In der Mitte.) Der Minister hat mit ganzen Regimentern von Zahlen nachzu- weisen versucht, daß die Landwirtschast die Basis unserer Volks- Wirtschaft sei. Vom Standpunkt der gesamtwirtschaftlichen Interessen aus scheint uns, daß die Agrarwirtschaft in eine Sackgasse sich ver- rannt hat, weil sie von einem falschen Ausgangspunkt aus- gegangen ist. .sr'isiÄÄ'f pf,r«T,Äa 10 Milliarden Mark ans die ersteren. 5 Milliarden auf die "Nd-ttn. vaher ist ein Ausgmigspunk« falsch, von dem aus man unbedingt die Stützung der Gekretdepreise al» die Hauptaufgabe ansieht. Gegen die künstliche Erhöhung der Setreidcpreise wendet sich d!o Veredelungslndustn«, von ihrem Standpunkt aus mit Recht, und fordert zum Ausgleich einen entsprechenden Schutz für ihre Produklc. Do« muß uns in Gegensatz bringen zu fast allen Ländern rund um Deutschland und unsere Handelsbeziehungen gewallig schädigen. Unser Außenhandel im letzten Jahr hat 12 Milliarden Mark betragen. Der darin enthaltene Verlustexport betrifft größtenteils Zlgrar- Produkte, ist aber im ganzen nicht ausschlaggebend. Unsere Außen- bandelsbilanz war mit 1,8 Milliarden aktiv. Wir haben den enalischen Außenhandel überflügelt und di« Möglichkeit gehabt, in dieser Welt- trise 3 Millionen Industriearbeiter noch zu beschäftigen. Unser Außenhandel qlbk mehr Arbeltsmöglichkeit als d'e gesamte Agrarproduktion! Ein Berlust unseres Außenhandels würde für uns nicht weniger verderblich sein als die militärische Niederlage. Wir schließen uns den Warnungen an, die im Kabinett selbst erhoben worden sind. Eine Politik der künstlichen Uebersteigerung der Preise für imsere tierischen Produkts würde den Binnenmarkt zerstören. Wenn Eier, Butter, Fleisch und Milch noch teurer werden, so könnten selbst die nicht erwerbslosen Arbeiter nichts mehr kaufen: sie und erst recht die Erwerbslosen würden dann noch mehr Marganne ver- brauchen und sich aus Kartoffeln und Roggenbrot beschränken müssen. Sowohl die Uebercrhöhung der Getrcideprcisc wie der tierischen Produkte bringt uns in Wirtschastskämpse mit den Nachbarstaaten, schränkt die Kauskrast unserer Volksmasscn ein. verringert die Nach- frage aus dem inneren Markt und treibt uns ins Chaos. vor einer solchen Agrarpolitik warnen wir den Minister eindringlich. Dabei«rkennen wir an, bafc wir unserem Getreide- und Kartosselbau einen gewissen S ch u g gegen die katastrophalen Welt- Marktpreise, die zuin Teil aus politischen oder Ipekulatioen Gründen gemacht sind, geben müssen, wenn nicht unsere Bauern ruiniert werden sollen. Wir wenden uns aber gegen gewisse Maßnahmen in der Ausführung des Vermahlungs- und Beimischungszwanges, die zu Schikanen gegen die Verbraucher werden. Den Minister sollte es auch interessieren, daß in Thüringen Verbraucher, Verarbsiter und Regierung sich geeinigt haben, diese Bestimmungen nicht mehr zu befolgen! Die Verkoppelvnq der Drolgetreidepreise mil den Fullermittel- preisen hat die lehlercn derartig hinausgeirieben. daß zum Beispiel die dänische Schweinezucyl nur noch die halben Pro- duktionskosten der deutschen Schweinezucht auszuwenden braucht. Eine gewiste Absetzung der Futtermittel— von den Brotgetreide- preisen müßte erreicht werden. In der Milchwirtschast stecken Mil- liarden in Reservefonds, die zugunsten der Bauernschaft mobilisiert werden könnten. Das Molkereiwescn müßte durch Rationalisierung viel leistungsfähiger gemacht werden, ohne daß darum die Preise zu steigen brauchten. Die Milchkontrollvereine sollten im Interesse einer besseren Qualität der Milch gefördert und geleitet werden. Für die Geflügelhaltung ist eine Verbilllgung der Futtermittel unerläßlich. Jede Rationalisierung der Produktion und des Absatzes wird unsere Förderung finden. Wir freuen uns über die Fortschritte, die auf der„Grünen Woche" zu sehen waren. Der Anteil des Handels am Gesamtprodukt der Wirtschaft hat sich von lSlZ bis 1327 um 5 Milliarden Mark vergrößert— ein wirtschastsraum, den die Produzenten zum Teil zurückgewinnen müßten. In Nordwestdeutschland haben die Konsumvereine durch direkte Per- bindung mit den Produzenten sehr gute Erfolge erzielt. Die Bauern müssen sich von dem Wahn freimachen, als ob der Staat allein ihnen Helsen müßte und könnte: er kann nur die Selbsthilfe der Land- Wirtschaft unterstützen. Deutschland ist heute nicht mehr ein Land der Lauern und der Handwerker, sondern ein Land der Arbeiter und der Fabriken. Daher muß unsere Agrarwirlschast sich ausbauen aus einem gesunden Arbeitsmark». Rur wenn der Arbeiter kaufen kann, dann kann der Bauer verkaufen. Wir haben stets die enge Verflochtenheit der bäuerlichen und der Arbeiterinteresten erkannt und die Arbeiterschaft hat Verständnis dafür bewiesen: das sollten auch die Bauern und ihre Organisa- tionen tun. wenn sie den hundertsten Teil ihrer Energie in der Bekämpfung des neuen Staates und besonders unserer Porlei anwenden würden, um ihre Berufsgenossen darüber ouszuklören. so wäre schon viel gewonnen. Dem Mnistcr und dem Kabinett wünschen wir, daß sie gegenüber dem„Agrarradikalismus" und seinen Schwindelparolen festbleiben. Schicksalsfragen des deutschen Volkes dürfen nicht den demagogischen Bedürfnissen einer Clique von Führern des Landbundes ausgeliefert werden!(Lebhafter, an- hastender Be-isall der Soz.) Au? der wetteren Debatte sind dt« a nerten mmden Gedenkworte für dea verstorbeneu Zentrums- führet Herold hervorzuheben, die der Zentrumsabgeordnet« Plum-Trefeld an die Cr- innttung knüpfte, daß zum erfttn Mal« fest Jahrzehnten nicht mehr Herold für das Zentrum in der Landwirtschastsdeoatte sprach. Mit einer Rede des Abg. Meyer-Hannover(Deutsch-Hannov.) für das Regierungsprogramm schließt die Sitzung um IS Uhr. Zuvor war noch»in kommunistischer Antrag, am heutigen Mittwoch über die Aufhebung des§ 218 StGB, zu beraten und vi« Freilassung des In Stuttgart verhafteten Arztes und Dichters Dr. Friedrich Wolfs zu verlangen, abgelehnt worden. Fortsetzung der Landwirtschaftsdebatte heute, IS Uhr. Schmidt gegen Müller. Oer preußische Lustizmlnister gegen einen �eichelgerichisrai. Die schweren Angriffe des aktiven Reichsgerichts- rats Dr. Georg Müller gegen preußische Richter, die Müller im Zusammenhang mit seiner Zustimmung zu dem Moritzschen Pamphlet„Gefesselte Justiz" im„Völkischen Beob- achter" erhoben hat, haben den preußischen Justiz» minister Dr. Schmidt zu einem energischen Vorgehen ver- anlaßt. Der preußische Justizminister hat sich an den S t a a t s- sekretär Dr. Joel, den stellvertretenden Reichsjustiz- minister, gewandt und diesen um ein Einschreiten gegen den Reichsgerichtsrat Georg Müller gebeten. Das Schreiben des Justizministers, das wegen seiner Bedeutung dem preußi- schen Richtcrverein und dem Republikanischen Richterbund initgeteilt worden ist, lautet: "„Der in anliegendem Zeitungsausschnitt wiedergegebene Brief (des Reich-sevichtsrats Müller im„Bölkischen Beobachter"), der euch in der Plenarsitzung des Reichstags am 14. Februar 1931 er- wähnt worden ist, enthäll schwerst« Derunglimpfungen der reußischen Justizbehörden. Der Brief ist wiederum von dem Reichsgerichtsrat Georg Müller verfaßt, auf den ich bereits in meinem Schreiben vom 2. September 1920 die dorttgz Aufmerksamkeit zu lenken Veranlassung hatte."(An- merkung: Schon damals hatte Müller im Zusammenhang mst der Affäre K ö 1 l i n g- h o f f m a n n Slngriff« gegen Justiz und Der- wallung gerichtet, obwohl gegen Kalling damals schon ein Versahren wogen seiner falschen Behandlung der Sache Haas eingeleitet worden war). „Vorbehaltlich memer eigenen etwa zu ergreifenden Schritt« wäre ich für eine gefl. baldig« Mitteilung dankbar, ob und ge- gebenenfalls zu welchen Maßnahmen gegen den Verfasser das genannte Schreiben Ihnen Anlaß gegeben hat. Mit Rücksicht auf die Verbreitung, die der Brief des Reichs- gerichtsrats Dr. Müller durch Abdruck in der Preste gesunden und in Anbetracht der Erregung, die er in den Kreisen der mir unter- stellten Bcanitenfchost ausgelöst hat. habe ich geglaubt, eine Ab- schrift meines vorliegenden Schreibens den richterlichen Standesorganisationen zur Kenntnisnahme übersenden zu sollen." oen Vorstgenven ur».u c u. i u; c n--»Itylerounoes. tn einem Schreiben gebeten, der Deutsche Richterbund möge doch ..das Schreiben des Reichsgerichtsrats Müller nach Form und Inhalt gebührend würdigen und seine An- würfe gegen die preußischen Justizbehörden nachdrücklichst zu- mckweisen." Man darf gespannt sein, welche Schritte Reichs- gerichtstat Linz gegen seinen Kollegen Müller vom Reichs- gericht ergreifen wird. Aus Kranzens drittem Reich. Zn Braunschweig wird die Schutzpolizei von der Hitlerschen SA. arretiert. Heeresdebatte in Paris. Oer Berichterstatter als Zahlenkünstler.— Oer Kriegsminister gegen Gleich- berechtigung.— Hestige Kritiken der Linksopposition. Paris, 24. Februar.(Eigenbericht.) Nach langen und ausdauernden Nachtsttzungen ist man am Dienstag>n der französischen Kammer bei der Diskussion des Kriegsbudgets angelangt. Schon bei dem Kommissionsbericht, der von dem Abg. Boullloux-Laffont erstattet wurde, kam es zu schweren Zwischenfällen. Hauptsächlich der sozio- listische Abg. Chousset unterbrach den Redner immer wieder durch empört« Zwischenrufe, wobei sich die g e s a in t e Link« der Forde- rung nach Herabsetzung der enormen Kriegsausgaben anschloß. Bouilloux-Laffont begann seine Ausführungen mit der Feststellung, daß heute die Sorg« der Landesverteidigung größer sein müsse denn je. Denn Deutschland hätte den Versailler Vertrag sehr gut gelesen und kein Mittel ungenützt gelassen, das feiner Landesverteidigung zugute kommen könnte. Frankreich verfüge nur noch über die Hälft» de» stehenden Heere, von 1914. während die Kriegsausgobxn um nwd �.8 Proz. herabgedrückt worden seien. Kein Land in Europa kann« Aehnliche»' ousweisem Frankreich ver- füge heute über 27Ü000 Mann;'Deutschland habe e, hingegen ein- schließlich der Schutzpolizei(!) berett» auf 259 000(!!) Mann gebracht, mit einer durchschnittlichen Dienstzett von sechs Jahren. Frankreich und Deutschland hielten sich heut« die Waage. und jede neu« Reduzierung fetten, Frankreichs müsi« glatt als Prämie für einen neuen Krieg angesehen werden. Hier kommt es zu neuen empörten Zurufen seiten» der So- z i a l i st e n. Bouilloux-Lasfont fährt ungestört fort und zitiert einen Satz von Steeg, wonach„der mächtigst« Reiz zu neuen Kriegen ein Land ohne Verteidigung" sei. Unter dem Jubel der Reaktion schließt der Berichterstatter damit, daß Frank« reichs freiwillige Abrüstung(!) leider kein Beispiel für andere Staaten mehr sei, sondern Versuchung. Die militärische Orga- nisation eines Landes sei noch immer die beste Garantie für den Frieden. Wieder wird der Redner von der Linken auf» heftigste unterbrochen. Chousset(Soz.) erklärt, daß Frankreich heute die ungeheure Summe vou 13 Milliarden Frank(über 3 Milliarden Mark!) für seine Rüstungen ausgebe und nicht 13 Milliarden, wie sie in dem geschickt frisierten Budget verzeichnet stünden. Hier greift der K r i e g s m i n i st e r M a g i n ot ein und bestreitet aufs entschiedenste, daß sich im französischen Budget versteckte Rüstungsausgaben befänden. Abg. Chousset blieb jedoch bei seiner Feststellung und forderte, daß von den Rüstungsausgaben große Abstriche gemacht würden. Der republikanisch. sozialisttsche Abg. Riffaterr» unterstrich die jährliche Erhöhung des Rüstungshaushalls und wies darauf hin, daß die französische Regierung vor dem vorbereitenden Ausschuß betont habe, daß die SIcherheiksbedinzungen schon jetzt eine Herabsetzung der Rüstungen zuließen. Der französische luiegshaushall stehe jedoch in direktem Gegensah zu diesen Erklärungen. Frankreich dürfe nicht mit einer doppelsinnigen Haltung nach Genf gehen. Es dürfe nicht mit einem Aug« nach dem Frieden und mit dem anderen nach dem Kriege schauen. Die französischen Rüstungsausgaben Höllen stch fest 1314 um 600 Proz. erhöhl. Außerdem habe man einen großen Teil der Rüstungsausgaben in anderen Haushalten versteckt. Man könne nicht verlangen, daß man in Genf unter diesen Umständen an eine Ehrlichkeit Frankreichs glaube. Dar sozialistische Abg. S p i n a j s e wies darauf hin, daß er gelegentlich eines Besuchs in Frankfurt keinen einzigen deutschen Soldaten gesehen habe. Er habe dagegen 30 000 junge Deutsche angetroffen, die eine Friedens- kundgebung veranstalteten. Deutschland habe ihm den Beweis dafür erbracht, daß die nationalsozialistischen Zeitungen Deutschlands und Frankreich die Warheil entstellten. Sodann ergriff Krlegsminister Maglnol das Wort. Die hohen Rüstungsausgaben schob der kriegsministcr auf das Konto der Erhöhung der Lebens haltungs- k o st e n. Er betonte in bezug auf die Abrüstung, daß Frankreich augenblicklich eine Herabsetzung seiner Rüstungsaus- gaben unmöglich vornehmen könne, wenn es nicht seine Sicher- heit gefährden wolle. Man müsse vielmehr zunächst an eine Reu- organislerung des Heeres gehen. Wenn Frankreich an den inter- nationalen Bemühungen zur Herabsetzung der Rüstungen teilnehme, so bedeute dies nicht, daß es seine Lebensinteressen preisgeben wolle. Frankreich bedrohe niemanden. Es wolle in Frieden und Sicherheit leben. Es könne außerdem nicht zugeben, daß man seiner bereits gemachten Riistungsherabsctzung keine Rechnung trage. Frankreich dürfe infolge seines guten Willens keine Einbuhe erleiden. Auf der bevorstehenden Abrüstungskonferenz dürfe man nicht von dem gegenwärtigen Rüstungsstand ausgehen.„Frankreich", so he- tonte Maginot mit erhobener Stimm«,„kann aus keinen Fall zu- geben, daß man die WililärNanscln de» versailler Vertrages preis- gebe: denn fein ganzes INilitärsystem begründe sich aus diesen Klauseln. Wenn man ein internationales Recht will, so darf man nicht alle Völker auf eine gleiche Stuf« stellen. Richtig ist vielmehr, daß die früheren Angreifer eine schärfere Begrenzung ihrer Rüstungen vornehmen, ol» dsc, die keinen Angriff unternommen haben ünd sich auch weigern, eichen solchen zu unternehmen. Unter diesen Vorbehalten(!) und unter der Bedingung«in« rigorosen internationalen Kontrolle wird Frankreich an allen Bemühungen teilnehmen, um die Genfer Ab- rüstungskonserenz zu einem günstigen Abschluß gelangen zu lassen." Der Radikal« D a l a d i e r übte heftig« Kritik an dem Bericht Bouilloux-Lasonto. Trotz höherer Ausgaben sei nach den Angaben des Berichterstatters die französische Armee weder mtt der englischen, noch mtt der ttalienischen und nicht einmal mit der deutschen zu vergleichen. Alles in allem errechnete er Rüstung»- ausgaben von insgesamt 16,4 Milliarden. Das französisch« Heer zähle, wenn man sämtliche Kolonialtruppen hinzuzähle. die ja mich an einem etwaigen europäischen Kriege tellnehmen würden, 356 000 Mann. Das entspreche ungefähr der Heeres- stärk« von 1912. Der einzige Uitterschied sei, daß jetzt 2 40 00 0 Berufssoldaten unter den Waffen stünden, gegenüber 140 000 im Jahre 1912. Seine andere Armee sei so stark, wie die französische Armee. Oas Martyrium Georgiens. Zehn Jahre neurussischer Gewaltherrschast. Am 25. Februar feiert Moskau das zehnjährige Jubiläum seiner Herrschaft in Georgien. Am 25. Februar 1921 sind die Sowjet- truppen in Tiflis, die Hauptstadt der freien, in blühender friedlicher Entwicklung stellenden, sozialdemokratisch regierten Republik Georgien ohne Kriegserklärung, unter schmählichem Ver- tragsbruch, eingedrungen und haben nach furchtbarem Schlachten das ganze Land besetzt und kurzerhand annektiert. Settdem üben die Bolschewiki, genau wie früher der Zarismus, der aber nicht „das volle Selbstbestiminungsrecht aller Volk«, einschließlich des Rechtes zur Lostrennung von Rußland", proklamiert hatte, die Fremdherrschaft über Georgien aus, sie stützen stch ausschließlich auf die russischen Truppen und lassen die georgischen Arbeiter und Bauern unt« dem bestialischsten Terror schmachten und verbluten. Zu diese« zehn Zahrcu haben sie mindesten, 7000 hervorragende Akänner Georgien» hingerichtet, vor allem die Mitglieder und Führer der georgischen Sozialdemokratie, die im Lande nach wie vor ungeheuren Einfluß genießt und di« für die Freiheit ihre» Volkes gegen die rot maskierten Imperialisten selbstaufopfernd kämpft, wie sie einst gegen den Zarismus ruhmvoll gekämpft hat. Die internationale Sozialdemokratie hat die Der- gewalligung des sozialistischen Georgiens von Zlnfang an mtt tiefster Entrüstung verfolgt und den Kampf für Georgiens Selbstbestinnnung und Freihett zu ihrer Ehrenpflicht erklärt. Mtt zynischer Offenheit Hot der Oberbolschewik Karl Radek auf der schnell gescheiterten Berliner Konferenz der drei Internationalen 1920 ausgesprochen. was der Hauptgrund der Annexion Georgiens war. Mtt der„Be- freiung" der— nach bolschewistischer Behauptung—„unterdrückten" Dolksmassen Georgiens tonnte Radek dieser Versammlung nicht kommen, in der georgische Volksflihrer anwesend waren und die furchtbare Wahrheit oerkündet hatten. Daraus antwortete Radek mtt der Frage:„Sollen wir unsere Lokomotiven mtt Resoluiionen heizen?" Die Naphthaschätze von Baku und die anderen natürlichen Reichtümer Kaukasiens waren der Antrieb—«in selten klarer Fall zum Beweis der Richttgtett materialistischer Geschichtsauffassung! Faschismus und Gewerkschasten. Diktatur ist das Ideal der Schwachen. Eine gemeinsame Plenaroersammlung des Orts- eusschusses des ADEB. und des AfA-Ortskartells beschäftigte sich am Montag w�t der n a t i o n a l s o z i a l i st> s che n r b c i t e r" b e w e g u n g. Der zweite Borsitzende des ZlDGB., Genosse Graßmnnn, untersuchte zunächst die Zusammensetzung der Zlnhängerschast dieser Auch-Arbeitcrpartei. Er zeigte, das; das Gros der Nazi-Anhängcr der wirtschaftlich zerrüttete Mittelstand, das Gelehrtenproletariat, sowie jung« Angestellte und Jungardeiter seien. Das Programm der NSDAP, sei an Demagogie kauin zu übertreffen. Während sie ein starkes autoritatives Zentralparlanient im Reiche fordert, Hot sie versucht, aus dem Reichstag eine Kaschemme zu machen. Mit deni E o z i a l i s ni u s hat die NSDAP., wie ihr Abg. Feder im Reichs- tag selbst erklärt Hot, nichts gemein. Feder verlangt unter anderem, daß an die Stelle der Sozialver- sicherung ein undurchsührbares Leibrentensystem gesetzt werden soll. Am besten dokumentiert sich sein„Sozialismus' in der Forderung nach Gewinnbeteiligung der Arbester. Diß Hitler sein Programm auf dem Wege der Diktatur durchsetzen will, ist nichts anderes als die Flucht vor der Verant- wortlichkeit Jede Diktatur ist das Ideal der Schwachen. Berantwortungsscheucn und politischen Abenteurer. Genosse Graßmann zitierte einen Artikel von Hans Held aus der nationalsozialistischen Zeitschrift„Der Meister", in dem Held fest- stellt, daß die Nazis im Interesse der Unternehmer die Gewerkschaften zerschlagen wollen. Daraus ist auch das Gewerkschastsprogramm der Nazis abgestellt. Für die moralische Reinheit, die von den Nazis in der Oefsentlichkeit pro- pagiert wird, ist die Mitteilung Dr. Wirths im Reichstage kenn- zeichnend, wonach sich ihm eingeschriebene Mitglieder der NSDAP. als Spitzel gegen Bezahlung angeboten haben. Genosse Graßmann wies auch auf die Zusammenhänge zwischen Faschisinus und k o mm u n> st ts che r Diktatur hin. Beide Flügel�arteien seien geistig eng miteinander verbunden, wes- halb es nicht verwunderlich fei, daß die Ueberläufer hin- und her- über gehen. Beide Parteien sehen in den Gewerk- schasten ihre größten Gegner und kämpfen mit allen Mitteln gegen die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokra- tische Partei. Genosse Graßmann schloß mit den Worten:„Die beste Sicherung gegen die nationalsozialistische Gefahr liegt in der Aktivierung auch des letzten Arbeiters für die Gewerkschaften und die Partei." Da die Haltung der Gewerkschaften zu den Nationalsozialisten ganz klar ist, verzichtete die Versammlung auf eine Aussprache. Folgen des Lohnabbaus. Die Arbeiierschast kann nicht mehr kaufen. In der Iahrcsbranchcnvcrsammlung der Herrenkonfektion s a r b e i t e r am Montag zeichnete der Bronchsnleiter Genosse Aide ein überaus trübes Bild von der Beschaftigungslage in diesem Zweig der Bekleidungsindustrie. Zu Ansang des Vorjahres hatte die allgemeine Wirtschaftskrise die Herrenkonfektion noch nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen wie alle übrigen Industrien. Im März umrcn lu Berlin auf dem Arbeitsnachweis lb72 und im April 1545 arbeitslose Arbeiterinnen und Arbeiter der Herrenkonfektion eingetragen. Dann schnellte die Arbeitslosenzahl von Monat zu Monat sprunghaft in die Höhe. Zu Ende des Berichtsjahres waren bereits 6368 Berufsangehörioe arbeitslos und im Januar dieses Jahres 7576! Dieser katastrophale Rückgang der Konjunktur, eine Folge des Lohnabbaues, wurde von den Unternehmern weidlich ausgenutzt, um auch die Elendslöhne der Konfektionsarbeiter zu drücken, durch Serienverschiebungen und sonstige Uingehungen des Tarifvertrages. Wo der Organisation solche Verstöße gegen den Tarifvertrag rechtzeitig mttgeteilt wurden, gelang es ihr fast überall. sie abzuwehren. Leider hat sich ein Teil der Berussangehörige» infolge des Druckes der wirtschaftlichen Verhältnisse bereitgesunden, cuf die Einhaltung der Tarisbestimmimaen zu verzichten. In finanzieller Hinsicht hat die Orgamsatian ihr möglichstes sür , bie erwerbslosen und kranken Mitglieder getan. Allein in den beiden letzten Quartalen des Berichtslahres wurden in Berlin außer der Weihnachtsuiiterstützung für die Ausgesteuerten und der üblichen Notstandsunterstützung über 73 330 Mark an Arbeitslosen- und Krankenunterstützung ausgezahlt. Derschiedene Kontrollen bei Zwischenmeistern haben gezeigt, daß hier noch heute oft b i s in die späten N a ch t st u n d e n g e- arbeitet wird, was der Organisation Veranlassung gegeben hat, die Eewerboaussicht dagegen mobil zu machen. Auch gegen die Frauen, die noch in der Konfektion tätig sind, obwohl ihre Männer in Arbeit stehen, muß die Organisatinn jetzt schärfer vor- gehen, angesichts der Tatsache, baß Tausende von erwerbslosen Fa- inilienvätern und ledigen Arbeiterinnen schon monatc- und jahrelang aus Arbeit warten. Die Organisation wird auch in diesem Jahr, das nicht viel besser zu werden scheint als das vorige, alles ausbieten, um ihre Mitglieder vor der größten Not und vor der Willkür der Unternehmer zu schützen In der Diskussion wurde an der Tätigkeit der Branchenlestung keine Kritik geübt. Das Vertrauen zu der Branchenteitung kon, am besten dadurch zum Ausdruck, daß die Versammlung gegen S Stimmen den Genossen 2llde zum Branchenleiter wieder- wählte, sowie gegen die gleiche Stinnnenzohl die Übrigen Mst- glieder der Branchenkommission, die alle der SPD. angehören. Eine mit Mühe und Not von der sogenannten„Opposition" zusammengebrachte Gegenliste verfiel durch Uebergang der Tagesordming der Ablehnung. Die Zwifchenmeister unier Druck. Auch die Z w i s ch e n m e i st e r der Berliner Bekleidung-- Industrie haben schwer unter der Wirtschaftskrise zu leiden. Teil- weise sind ihnen von den Fabrikanten die Stücklöhne bis zu 53Proz. gekürzt worden. Es gibt wohl einen Tarif, der die Fabrikanten verpflichtet. Stundenlöhne von 95 Pf. bis 4,53 Mk. zu zahlen, wovon die Werkstattarbeiterinnen»nd die Heimarbeiterinnen 45 bis 73 Pf. zu erhalten haben; aber die Fabrikanten halten sich einfach nicht mehr an diese tariflichen Abmachungen. So haben viele Zwischenmeister ihre Betriebe schließen müssen. Zu dieser Sachlage nahm am Montag eine überfüllte, vom Zen- tralverband der Lohngewerbetreibenden der Bekleidungsindustrie nach dem„Deutschen Hof" einberufene Versammlung Stellung. Der Referent H o ch s ch i l d legte die außerordentliche Notlage der Zwischenmeistcr dar und bemerkte, daß sich die Zwischenmeister für die Zukunft außerstands sehen, mit den Gewerkschaften noch Tarif- oerträge sür die Arbeiterinnen abzuschließen. Ueberhaupt seien die Zwischenmeister wahre Prügelknaben, die unter dem dop- pelten Druck der Fabrikanten und Gewerkschaften ständen. Der Zentralverband fordert deshalb zum mindesten eine Aenderung des Hausarbeitsgesetzcs; auch die Fabrikanten sollen zur Veranwortung bei den Lohnzahlungen an die Zwischen- meister unter Sicherung der Löhne für die Arbeiterinnen heran- gezogen werden. lieber diese sachlich vorgetragenen Forderungen zur Behebung der Not der Zwischenmeister läßt sich ebenso sachlich diskutieren. Die Diskussion artete zu einer unsachlichen Debatte gegen die Gewerk- schasten und insbesondere gegen die Sozialdemokratie aus, die doch wahrhaftig nicht für die Not der Zwischenmeister verantwortlich geniacht werden könne. Bei diesen Anwürfen überboten sich Stoß- trupps kommunistischer Erwerbsloser, die in dieser Versammlung gar nichts zu suchen hatten, aber das große Wort führten. Die Versammlungsleitung wies diese Beschunpsungen wohl sofort zurück. Den Versammelten, denen diese kommunistischen Redensorten jedoch zu gefallen schienen, sei gesagt, daß sich bisher noch jeder die Finger verbrannt hat, der sich mit irgendwelchem bolschewistischen Unfug einließ. Dulsberg kontra Vogler. Kurzarbeit zwecks Veueinstellungen. Frankfurt a. Main, 24. Februar. Bei den werken der 3. G. Farben Industrie 21.(5. im Groß- Fraokfurter Wirtschaftsgebiet ist bisher schon zur Vermeidung not- wendiger Entlassungen in gewissem Umfange Kurzarbeit durch'. geführt worden. Nunmehr soll diese Maßnahme weiter aus- gcdehat werden, um Neuein st ellungen von Arbeitern vornehmen zu können. Diese Maßnahme steht im angenehmen und ausfallenden Gegen- saß zu der Praxis der Vögler und Pocnsgen, die ein« Arbeitszeit von 54 bis 63 Stunden beibehalten, gleichzeitig aber Stillegungen vornehmen, um einen nochmaligen Lohnabbau zu erzwingen. Protest der Magistratsangestellten. Nur ein Kommunist tanzt aus der Reihe. Die freigewerkschaftlichen Angestclltenverbände hatten die An- gestellten der Sladt Berlin zu gestern nach der Stadthalle gerufen. um gegen die„vorsorglichen" Kündigungen von rund 1353 städtischen Angestellten protestierten. Wie im„Abend" bereits mitgeteilt, wird der Magistrat nach der Erklärung des Stadtsynditus Lange in der gestrigen Sitzung des Haushaltsausschusses die Kündigungen wieder zurücknehmen. Ueber 2303 Magistratsangestellte waren dem Ruf der Organisa- tion gefolgt. Genosse Zeitz vom ZdA. wandte sich im Namen aller freigewerkschaftlichen Angestelltenverbände scharf gegen diese Massen- kündiglingen, die in den Reihen der Angestellten eine ungeheure Er- regung hervorgerufen haben. Dem Mngistrai bieten sich viel bessere Sparmöglichkeiten, wenn er sich dazu aufrasscn könnte, die Zahl der Angestellten in den Wohlfahrtsämtern zu erhöhen, damit ein« gründlichere Prüfung der Gesuch« erfolgen kann» was bei dem ungenügenden Personalbestand heute einfach nicht möglich ist. Die dadurch entstehenden Mehrausgaben an Gehältern würden hundertfach wieder einkommen. Das gleiche trifft auch für die S t e u e r k a s s e n zu, deren ebenfalls unzureichender Personal- bestand es vielen Steuerscheuen ermöglicht, durch die Steuermaschen zu schlüpfen. Die Abwehr des Vorstoßes des Magistrats ist in erster Linie dem Zusammenwirken der freien Gewerkschaften mit der sozialdemokratischen Stadtverordneten- f r a k t i o n zu verdanken. Aus dieser Tatsache müßten aber endlich auch alle Magistratsongesteltten die Konsequenz ziehen. Die Vcr- sommlung nahm gegen die Stimmen eines kommunistischen Stadt- verordneten, der glcichsalls Magistrotsangestelltcr ist, eine Eni- schlicßung im Sinne der Ausführungen des Referenten an. Ein kommunistischer Versuch, nach Schluß der eindrucksvollen Kundgebung noch die bekannten RGO.-Parolcn vom Stapel zu lasten, fiel infolge des energischen Widerstandes der Versammlung kläglich ins Wasser. Angestellte der Metallindustrie! Wie zu erwarten, hat der VBMI. entsprechend seiner führenden Rolle innerhalb der Deutschen Arbeitgeberverbände nunmehr auch den Gehaltstarisvertrag für die Angestellten per 3l. März 1931 gekündigt. Wenn auch die Forderungen des Arbeitgeber- Verbandes im Kündigungsschreiben noch nicht enthalten sind, gehen wir wohl nicht seht in der Annahme, daß diese sich in dem„üblichen" Rahmen bewegen werden. Sobald nähere Unterlagen vorliegen, werden wir eine AfA.-Funktionärversammlung zur Stellungnahme einberufen. AsA.-welallkarlell. Zeulralverband der Angestellten ' Gottsurcht, Lange. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Snell. Deutscher Werkmeister-Verband. Jäger. Schiedsspruch in der Maßschneiderei. Natürlich Lohnabbau? In dem Lohn st reit der Maßschneiderei ist in We>- mar ein Schiedsspruch gefällt worden, der folgende Neu- regclung vorsieht: Die Löhne werden ab l. März um 6 Proz. herabgesetzt. Bis spätestens 1. Mai haben die Parteien über die Städtegruppeneinteilung Verhandlungen zu führen. Die Reu- regelung ist erstmalig am 31. Juli und dann laufend monatlich kündbar. Die Unternehmer hatten einen allgemeinen Lohnabbau um 15 Proz., Versetzung von 55 Städten in eine niedrigere Städte- gruppe, Abbau des Heimarbeiterzuschlags um 5 Proz. und Ein- führung von Doppeltarifen verlangt. Sie drohten ganz osfen, daß sie aus den Neuabschluß eines Vertrages verzichten würden, wenn sie ihre Forderungen nicht erfüllt bekämen..Los von jeder tarif- lichen Bindung", das war ihre Parole. Nicht bewilligt sind vor ollem die von ihnen geforderten Doppel- tarife. Der Hcimarbeiterzuschlag bleibt, und die Slädtcoruppierung ist Sonderoerhandlungen vorbehalten geblieben, in denen auch die Anträge auf Höherocrsetzung zur Entscheidung konimen werden. Internationale Kundgebung. Als Abschluß der Tagung des internationalen Beirats der Sek» tion Straßenbahner der Internationalen Transportarbeiter- Föderation, fand am Montag im Gewerkschastshaus eine imposante internationale Kundgebung statt. Der große Saal war reich mit Fahnen geschmückt. Wirkungsvolle Gcsangsoorträge des Neuköllner Sängerbundes letteten die Kundgebung ein. Genosse O r t m a n n begrüßte im Namen der Bezirks- und Ortsoerwaltung des Gesamtverbandes insbesondere die ausländischen Delegierten. Weigl, Oesterreich, stellte mit Genugtuung fest, daß es jetzt zu einer näheren internationalen Zusammenarbeit gekommen ist. Die österreichischen Arbetter fühlen sich eins mit den deutschen Arbeitern im Kampf gegen Faschismus und Kriegsgefahr. Ansprachen hielten ferner G a n t r o n, Frankreich, Rase, Tschechoslowakei, P e t e r s e, Niederland«, T r a y, Schweiz, und B o l l a e r, Belgien. Alle Redner bekundeten unter lebhafter Zu- stimmung oller Anwesenden den unerschütterlichen Willen der Ar- Keiler ihrer Länder zu gemeinsamer internationaler Zusammen- arbeit im Kampfe gegen die kapitalistischen Ausbeuter. Der Sekretär der JTF., Nathans, wies darauf hin, daß es unter den gegenwärtigen politischen Machtverhältnissen schwierig sein werde, das Programm der Konferenz zu verwirklichen. Mehr als zweieinhalb Millionen Arbeiter sind heute in der JTF. organi- siert, davon 173 333 Straßenbahner in 16 Ländern. Auch in dem faschistischen Italien ist es in letzter Zeit erfreulicherweise gelungen, die Organisation der Straßenbahner wieder aufzurichten. Reichssektionsleiter Kemptner besprach das Mindest- Programm, das in der zu Ende gegangenen Tagung festgelegt worden ist. Genosse O r t m a n n appellierte an die Straßenbahner, auch bei den kommenden Betriebsrätewahlen allen Zer- störungsversuchen entgegenzutreten. Mit dem gemeinsamen Gesang der International« endete die würdig verlaufen« Kundgebung. Achtung, Eisenbahner? lt tu», I» St.efeU �«ftsSle», S»l,m-rktM. 72. Ottiatcmlunq «n« im#ml)«it»BCtboiib der Stfcnbattnn»tRaniftrctcn«arteiqeiuiffta. laq'-s- otbnunq: 1. der Nr»lti»i>, 2. Reuwalil. 3.«qttfianqticqcnbetten. Alle Partei qcnossei,»rftfeinen»SntNich«ad mni-en eeq« Propaganda für die Per. iarnmlurq. Mitgliedsbuch und Parteibuch leqitimieren. Der Werbeausschud. Deutscher Bauqewerksbund, Bouqeroertschaft»erlin.«chiunq. Bauarbeiter. funltioniire! Ddnnerstog, IS Ufir. in Rlitms ssestlälen. untrrcr Wartensaas, Sascnheid« 1Z— IS, Gesamtmuktionorversammlunq, Alle Baudelegirrten, Weneral- vcrsammlunqsdeleqierten und tZacharuupenvorstand« erscheinen. Taacsardnung' 1.„Die allgemeine wirtschafi-volitisch« Lag« in Deutschland in B-rbindunq mit der Baumirtsllmlt". Nefcrcnt Prof. Dr. Niiitina. M d Zt � �r stand der Verhandlungen im Taugcm-rbe. Der Baugem'erls'chafts-orstand. Verband der Maler, fsreitag. 27. Februar. ISlh Uhr, im Berliner Wewer?. fchaftshan», Enqclufrr S4--2.>. Saal 4. Mitqliederoersammlun«. Borirag des Lantiaqsabgeordnetrn Wilhelm Nchg er.- Der Kampf gegen den Faschismus". Diskussion. Verschieden«». Erschernen irdes Verbandsmitqliedes erforderlich, Die Frauen unserer Berbandslolleqen„nd iiu dieser Beranstaltuna freundlichst einqeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitqliedsbuch kein ZZutritt. W SPD..B-triebssralti»n beim Bezirksamt P»ukow. Frei'aa 20 Uhr. � l'n Türkischen Reit, Vankow, Breite Str. 14. Wenosse San» Bau.r: M B„Unser Kamv! gegen den Faschismus", ig i« Mitglied.,»er SPD. vom Suibclattt Oberspre« der ASS. Wich.>' � g tige Beriainmlun« Freitag. 1« Uhr, in der Sei) illera locke Schiller- B B Promenade. Alle Seiiosscn inllssen erscheinen.' H I■' l i|[ 1-4-4+ 4-t-'r i i Freie Gewerkschafts-Luaend Berlin Heute. Mittwoch, 1S>4 Uhr, tagen die Wruppen: Baumfchuleumeq: ■W oullenShelM Ernstste. 1«. Unterha l tunqsabend,— NeuISZ»! Gruppen. —... beim Bergstr. 29. Kof. Arbeiterdichtiinq aus Schallpsatten— Sudraesten: Stadt. Iuq-ndh-iM Norckilr. u. Fabritqeba.id«, Wir lesen ooe aus der Kr.eas. Iltcratiie,— Flnahafeni Jugendheim Rcukolln. Fliigbafenstr S« Di- Arbeit-. dlentoflicht.— W-chcrsee: Jugendheim Parkftr. SC. Alfred Guiheit kommt mir der M.ckllm-u-,— Rordring- Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Lichtdilder. portrag:„Sin Sana durch die deutsche Senossenschaktsdewegunq".- s»»nebev,i Iuaendhcim Sauptstr. IS. Sozialismus und Kommunismus."— Sumboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lorhingsirahe. Unsere Mädels geslalten den Abend aus.— Tegel! Jugendheim Schmiewraer Str. 4. Walzerlednissc.— Spandau: Jugendheim Liirdenuier 1. Borirag:„Vorkämpfer der Gemerkschäftsberoeaung". — Zuqeadqrupp« de» Ses-mtoerbaudes! Iimmdheim Sno-Iufer 24— 2S. 90 Minn. KLrschuerei. ©.�»sendonipve deS?entra!vertandeS ver AnaesteNten Leute, Mittwoch finden folgende Peranslaltunacn statt: Sesuadbruoncn: . �legradheim Wllldenowstr. Z. Arbeitsgemeinschaft:„Einführung in di» faz>al, striche Gedankenwelt". Leiter: Wilhelm Cemmki.— Zieinickendvrs: Sugcndb-lm.L ndauer Str. 2«Barackel. Vortrag:„Unsere Feste»nd Feiern". Referent Alocrt Mangsse.— llha.lottcnbnrg: Jugendheim Rosinenstr. 4 Wir «den neue Lieder und Stegreifspiele.— S-iö--b«ra:?,>gendh-im Lmipistr 15 (Los. wachsenzimmer). Liederabend.— Schönhauser Dorstadt: Jugendheim Schul« Kaslanlenall« 81. Lustiges Monat dende. Leiter: L. Schulz.— Oberspree: Nie derschöneweidc. Berliner Str. R«Schulet. Eingang Sais-lwerderstrahe. Lese- abend.— Nordost: Jugendheim Dgnziger Str. 62< Baracke Z>. Politisch�atiri. scher Abend. Vortragend« Friedel Lall.— Stralau: Zugendheim der Sibule Gostlerstr. 61. Arber sqcmelnschaft:„Einfrihruna in die sozialistische Gedanken. weit. Leiter O.to Lamm.— Neukölln: Iugendlieim Böhmische Str 1— i Eck- Kairner Strohe. Vorbesprechung unserer Werbearbeit im April— Südost: Fuacndheim SSrangemt �-Ausspracheabend:„Gemeinschaftsleben in der RdA.-Zimend. Leiter Kurt Schaler.— Spandau: Iuaendbeim Lindcnukcr 1 Vortrag:..Einiges llder?uaendpsnchal°a-°". Referent Arth.,? Ra-Lw- P-t,� dam-Rowawes: Jugendheim Nowawcs, Priesterstrahe. Kurzreferate— Köpenick: Jugendheim Dahlwisier Str. 15 lGasanstalt am Bahnhof Köpenick,,«urz. reieratc.— Karten zur Iuaciidvoritclluna der Volksbühne am 22. und 29. Mär, sind zum Pren- oon«0 Pf. im Iugendsekretariat zu haben Verantwortlich für Politik: Dr. Eurt Gcge»; Airtschait: S.»li-gclhöser; Dewerkichailsdewegimg: I. St-i-er: Feuilleton:». S. Dötchee; Lokale» m �»'Üädt! Anzeigen: Th. Glsck«: sämtlich in Berlin. ! 7>orwarIs.Vcrlag G. m. b. L.. Verlin. Druck: Vorwärls-Buckdruckeret und Berlagsanstall Paul Singer u. Co.. Beölin(£W 68, Lindenstrake 2. _ Hierzu 2 Beilage». R. Mk. 1.10, 130 und 3.18, dls b«u» Tubdnpackuna Mk.1.-.. In Apotheken und Oteeertoa erhimicti sonst duroh Otto Reichel Barila SO, Elser behnctr.< 7!r. 93» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 25. Februar 4931 m sinsl Frau Beroiina thronte. Schon fallen die Gerüste von dem neuen achtstöckigen Bürohaus, das zwischen Bahn- Hof Alexanderplatz und Daren- Haus Tictz das ncueGcsicht desAlexanderplatzeszu formen deginnt. Bald wird diesem Bürohaus das zweite""" folgen, dos in rcckstem Winkel von der Königstraße zum P o- lizcipräfidium hin einen gewaltigen, weithin sichtbaren Block bilden wird. Die mclcn architektonischen Wandlungen, die der Alexanderplaß(der diesen Namen erst feit 18stZ fiihrt) mitgemacht hat, kann man sich auf bequeme Weise veranschaulichen: Im neuen II- B a h n h o f„Aterander- platz* sind als künstlerischer Schmuck sechs Bilder von der Staatlichen Porzellanmanuiak- tnr angebrackst. Da sehen wir: I7M,„Die Gegend am Königs- tor*. Wall und Graben, nach den strengen Regeln damaliger Festungsbaukunst angelegt, legen einen festen Ring um die innere Stadt. Durch ein breites Bor- seld, die„Contre Escarpe", getrennt, ziehen dann radial die Bor- ftadtstraßen in nordöstlicher und östlicher Richtung 1780: Auf der „Contre Escarpc* wird fröhlicher Ochsenmarkt abgehalten. Ein Biehhirt trennt zwei sich rangeliid« Ochsen, munter sprengt ein Reiter der wenige Jahre vorher erbauten Königsbrücks zu; sie befand sich unter der heutigen Stadtbahn, an der Kreuzung der Dircksenstraße. Die anschließenden Kolonnaden, von Gontard erbaut, zeigt das nächste Bild. Ein eleganter Vierspänner rollt über die nicht allzu breite Brücke, über die allerdings auch ein Ochse getrieben wird. Erst mit dem Bau des Warenhauses Wertheim verschwanden die Kolonuadcn im Jahre 1910. 18Z0: Dex W o bl in a r k t auf dem Aleranderplotz. Beschauliche Mittagssonne liegt aus dem recht klein- slödtisch anmutenden Platz. Gespanne bringen mächtige Wollballen heran, die auf der nahen Waage gewogen werden. Links im Linter- ärund das König städtische Theater, das 1828 an Stelle der Manufaktur der Gebrüder Lesse erbaut wurde und heute in seinen Ziesten einen Aschinger-Betriob beherbergt. Wo heute d-as im Rohbau fertige achtstöckige Bürohaus Hochsteigt, stand um die Wende des 18. Jahrhunderts das Laus des Meisters Tassasrt, der Schodows Neue Riesenhäuser wachsen Lehrer war. 1900; Berlin hat zwar noch keine Unkergnindbahn, aber die GMse;yr elektrischen Straßenbahn überqueren den Alexanderplatz, auf dem das Standbild der„Beroiina* mit stolzer Geste steht. Mit langer weißer Rauchfahne rollt ein Stadi- bahnzug über die Brücke in die hochqcwölbte Lalle. Reklameauf- fchriftcn wie„Taxameter*..Zahnklinik",„Photographisches Atelier* erinnern uns. daß wir uns nnt Riesenschritten dem Zeitalter de? Technik nähern. Leute mutet uns der Platz wie eine von schweren Erdbeben heimgesuchte Gegend an: das Läuscrviertcl vor der Gcorgcnkirche total wegrasiert. Längs des Durchbruches zur Großen Frankfurter Straße zum llntergang verurteilte Läufer mit leeren Fenstcrhöhlcn und gewaltigen Sprüngen. An der Landsberger Straße ebenfalls in Zluflofung begriffene, zu dem pulsierenden Per- lehr in traurigem Gegensatz stehende leere Behausungen. Unter dem Alexanderplotz die giganiische, hinnen kurzem vollendete Wühl- arbeit der Untergrundbautcn. Aber aus der Zerstörung heben sich schon jetzt die neuen Züge des modernen Alexanderplatzes, vielstöckige Bürohäuser, gerade breite Anssollstroßen, die Berlins lebendigstem Platze auch die zeitgemäße äußere Form geben werden. Polizeikoller in Neukölln. Schwere Gefängnisstrafe für einen Lknvsrbestrasten. Die zahlreichen politischen Zusammen slöhe, die sich im Dezember vorigen liahres fast tagtäglich in Reu- k ö l l n ereigneten, hotten vor dem Erweiterten Schöffengericht Reukölln unter dcni Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. G u h r a u e r ein Rachspiel. Wie erinnerlich, kam es damals'wiederholt zu A u s s ch r e i» tungen kommunistischer Erwerbsloser, die auch in einigen Fällen Gcschäste pkünderteii. Der Vorfall, der jetzt der Verhandlung zugrunde lag, halt« sich am 5. Dezember am Kot!- busser Damm ereignet, wo gegen der dauernden Zwischenfälle bereiis verstärkte Polizeistreifen postiert waren. Desseminaeachtet umzingelte ein aus etwa 20 Erwerbslosen bestehender Trupp einige Beamte und versuchte, sie niederzuschlagen. Unter den dauernden Letzruscn einer Frau:„Aus sie, los.!* drangen diq Erwerbslosen auf die Beamten ein. u>U>.bedrängten sie hart. Der lOjährig« Arbeiter, Kurt P. sprang einem der Beamten an die Kehle und warf ihn zu Boden. Von hinzueilender Verstärkung konnte der Polizist aus seiner gefährlichen Lage befreit und der Täter festgenommen werden. In der Verhandlung bestritt der Angeklagte P. jede strafbare Land- lung und beteuerte, daß er das Opfer einer Verwechslung geworden sei. Mit dem Staatsanwalt war das Gericht unter Vor- sitz von Landgerichtsdirektor Dr. Guhrauer aber anderer Mci- nung. Der Angeklagte, der bisher nicht vorbestraft ist, wmde wegen schweren Aufruhrs zu sechs Monaten Ge- f ä n g n i s verurteilt. Sptechchot für Prolelarische Feierstunden. Nächste Ucbungs- stunde am Freitag, dem 27. Februar. 191; Uhr, im Gesangssaal der Sophienschule, Weimneistarstr. 1K/l7. Student umgebracht. In seinem'Zimmer mit?iadiodraht gefesselt tot aufgesunden. London, L4. Februar. Ganz England wird augenblicklich durch einen höchst rätselhaften Mord in Aufregung versetzt. Am Montag früh fand man den Studenten Ellis in seinem Zimmer im Sidneh-Tussex-Eolleg in E a in- bridge tot auf. Sein Kopf war von der Stirn bi-s zum Kinn mit acht kunstvoll incinandcrgetnüpftcn Taschentüchern umbunden, die A r m e mit ebenfalls kunstvoll geknüpfte« Taschentüchern fest auf den Rücken gefesselt und die Unterschenkel mit den Wickel- gamaschen deck Studenten aneinandcrgeschnürt. Außerdem war der ganze Körper mit Radiodraht umwickelt und die Unterschenkel so zurückgebogen, daß der Eindruck entstand, daß der Ermordete rückwärts aufgehängt werde» sollte. Ta man nichts Verdächtiges im Eolleg vernommen hat, steht man vor einem vollkoinmene» Rätsel. Trauer über Eschweiler. Die Beisetzung der Opfer des Zechenunglücks. Eschweilcr, 24. Februar.(Eigenbericht.) Am Dienstagvormillag wurden hier die 32 Opfer des Zechenunglücks in der üblichen weife unter gewaltiger Teilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen. Es wurden verschiedene Ansprachen geHallen, in denen immer wieder die Versicherung wiederkehrte, daß tünslig mit allen Mitteln daran gearbeitet werden müsse, daß die Belegschaslen in den Bergwerken vor derartige» Katastrophen bewahrt bleiben müssen. Für den Be rgbaii i n d u stri ea rbe i t erverba n d sprach Engel- Hardt- Aachen. Alz Vertreter des Reichsarbeitsministeriums, des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers sprach Ministerialdirektor Dr. Gries er. Auch er hob hervor, daß es notwendig sei, alle erdenklichen Maßnahmen im Bergbau zu treffen, um in Zukun't derartig« Masscnunglücke zu verhindern. Nach dem Trauerakt setzte sich der Trauerzug, an der Spitze die Bergmannskapclle, in Bewegung. Aus zehn schwarz umflorten Leichenwagen wurden die Särge nach den Friedhöfen von Eschweilcr, Wcißweiler, Nothberg, Bergrath und Dürwiß zur Beerdigung gefahren., Neues Lawinenunglück! München, 24. Februar.(Eigenbericht.) 3m Roßsteingebict bei Lenggries; ereignete sich am Oicu-tag- nachmittag ein neuer Lawinensturz, der wieder einen Skifahrer. den Mechaniker Schreier aus München, unler sich begrub. Dem Gebirgsunsalldicnsl des Bolen Kreuzes gelang es noch nicht. den verschütteten zu bergen, so daß mit seinem Tod zu rechnen ist. Hohe Alarmstufe für die Gchupo. Entsprechend des verschärften Demonstrationsvcrbots des Polizei- Präsidenten für den heutigen Mittwoch wird sich die Berliner Schutzpolizei heute in besonderer Zl l a r in b e r e i t s ch a f t befinden. Die vier, von den Kommunisten ursprünglich in Aussicht genommenen Bersanmllungsplntze, darunter vor allem der L n st garten, sollen überwacht werden. Auch die Bannmeile wird heute verstärkten Schutz erhalten, um ein etwaiges Bordrinacn von Demonstranten bis zu den Parlamenten zu verhindern. Die Vorkehrungen der Polizei werden so umfassend sein, daß nach Ansicht der zuständigen Stellen ernstliche Befürchtungen über das Entstehen von größeren Zwischenfällen nicht gehegt werden. Schmitzer steht vor Lene und weist den Hund vor. Sein Herz klopft wie das des Tieres. Denn er versteht nichts von Hunden und hat diesen hier für fünf Mark vom Misthaufen weggekauft Aber es geht über Erwarten gut: Lene findet ihn hübsch: findet, daß er aussieht wie ein Fuchs: bezeichnet das schmutzige Gelb als Gold. Und läßt sich auch den Namen gern gefallen: Rolf: das klingt so tapfer, meint sie. Sie gehen zusammen auf das Stubbenland zu: gehen den Fußweg, der am See entlangführt. Das Wasser gibt sein letztes Blau an den Abend weg: es dunkelt schnell. Oer Wind vom Stubbenland schreitet hier unten sehr langsam: die Wellenkanten fliehen vor ihm her wie silberne Schlangen. „Abends war ich noch nie am See", sagt Lene.„Man legt sich ja früh hier schlafen: was soll man sonst tun?" „Es ist sehr schön am See", meint Schmitzer. „Ja, sogt Lene gleichgültig: wie man etwas bejaht, das man zugeben muß: das man ober nicht empfindet.„Weshalb bleiben Sie eigentlich so lange hier, Herr Schmitzer?" „Meiner Gesundheit wegen." „Sie sind krank?" ,3c. Lunge." Sie findet einen flüchtigen Laut des Mitleids und ver- abschiedet sich. Schnell verschwindet sie im Dunkel, hochbeinig. blond, den demütigen Hund mit sich ziehend in sein neues Geschick. Siegfried Schmitzer blickt ihr lange nach. Er hat sie schon rft gesehen, aber noch nie so; er weiß selbst nicht, was heute anders an ihr sieht: geschehen ist doch nichts, gar nichts. Biel- leicht kommt sie ihm blonder vor oder höher oder serner... oder vielleicht sieht er h-ut gar nicht, was sie ist, sondern was sie sein könnte. Er geht seinem Pavillon zu: einer, der bisher neben den Schicksalen stand, die aus Sand vom Stubbenland schießen wollen wie Spargel, und der sich nun dunkel mit hinein- gezogen fühlt in dies Schicksalswochstum wie jener Hunds Als er an die Grenze seines Besitzes kommt, find die Sterne hinter ziehenden Wolken verschwunden, und es weht kühl; ihm ist, als säße im Dunkel Sally Rasenbaum aus einem Stubben, und als flöge sein Kaftan im Wind. Stich mit dem Spaten. Druck mit der Hand. Einmal den Stich, einmal den Druck: das heißt ein Staude gepflanzt. Stich mit dem Spaten: Druck mit der Hand: siinftauscnd- mal Stich, fünftausendmal Druck: das heißt einen Morgen bepflanzt. Stich mit dem Spaten, Druck mit der Hand, sechzig- tausendmal Druck und Stich: das heißt zu Ende gepflanzt. Das hat man schon einmal getan: zu Ende gepflanzt. Bor zwei Monaten war's. lind es war alles umsonst. Und es muß alles nach einmal sein. Denn in dieser Nacht hat der Wind eine Wolke gebracht, eine von vielen: diese aber war so schwanger von Regen, daß sie zerbrach: daß nicht Tropfen sielen, sondern Ströme von Wasser. Es wäre ein bedenklich heftiger Regen gewesen für schwere Erde: es war ein Wolkenbruch für den Sand vom Stubbcnland. Sand verträgt nur Regen, der rieselt: nicht Regen, der rauscht. Regen, der donnert: der reißt Löcher in den Sand: kreiselt ein paarmal herum in den Löchern: sieht, daß er nicht in die Tiefe gelangt, und flutet ab. hinunter zum See. Daß eine junge, zarte Pflanze war in jedem der Löcher, arbeitend mit aller Krast ihrer Klauen, sich einzuklammern in den neuen Boden: dos hat er gar nicht bemerkt: sie ist mitgekrciselt und ausgewühlt worden und liegen geblieben am Rande der Furche, wenn das Land waagerecht war, oder am End« des Feldes erst, im Heidekraut, wenn das Land sich neigte. Es ist schlimm, dabeistehen zu müssen, wie das geschieht. im donnernden Dunkel, mit der Laterne in der Hand, und nicht Helsen zu können: weil es sechzigtausendmal zugleich geschieht. Aber es ist gut, daß man, wie Korns, erwacht ist vom Regen, daß man, trüber Ahnung voll, hinausgesehen hat auf das Feld: nun kann man durch die Furchen hasten und die Pflanzen sammeln und warm im Schuppen halten, daß der Frost der Frühe die Wurzeln nicht töte. Und wenn es dämmert— dann kann man von neuem pflanzen. Stich mit dem Spaten. Druck nnt der Hand. Einmal den Stich, einmal den Druck: das heißt zweimal gebückt. Stich mit dem Spaten, Druck mit der Lzand, sechzig- tausendmal Druck und Stich: dos heißt Blutblasen haben an den Händen, Blutsousen haben in Hirn und Ohr, Schmerzen haben in Brust und Rücken, Reißen haben in Wirbeln und Schenkels. Wenn man eiwa die Schuld trüge, wenn man schlecht ge- pflanzt hätte das erstemal: vielleicht fiele einem die Arbeit leichter. Aber nur eine Wolke ist die Ursache gewesen: irgend- eine dumme Wolke, und ein Wind, der sie brachte, und ein Sand, der nur Regen will, der rieselt: Regen nicht, der rauscht. Und wenn man etwa an Gott glaubte, man wäre übel dran: man müßte ihn beschimpfen mit derbsten Worten. Aber Korns schaffen schweigend. Selten blicken sie auf und hinüber zu Papendieck: wo bleibt der? Wenn sie ihn nicht finden, sinkt ihr Blick wieder zum Sand. Stich mit dem Spaten. Druck mit der Hand. Einhundertzwanzigtausendmal Druck und Stich: das heißt zweimal zu Ende gepflanzt. Tja, Papendieck! Wo bleibt Papendieck? Dumme Frage! Papendieck Hot Geburtstag! Sechzigsten, bitte schön! Soll papendieck an seinem sechzigsten Geburtstag viel- leicht im Sande herumkrabbeln und ein paar Spargelpflonzen nneder einsetzen, die sone Husche rausgepult hat? Soll Papen- dieck an seinem sechzigsten Geburtstag Rückenschinerzen kriegen und Blutblasen und was weiß ich noch? � 3 wo! Wird schon en Tag Zeit haben! Heute kommen Freunde aus Berlin, denen man imponieren muß! Wcnn's mit den Pferden was zu arbeiten gäbe: bitte sehr: aber mit den Händen? Bor denen? Nee! Papendieck hat Geburtstag, Papendieck bleibt zu Hause. Basta. Na, und was es alles zu zeigen gibt! Hat einem Leneken, das Prachtstück, nicht einen Hund geschenkt! Groß, schön, was Besonderes, züchten muß man die Rasse!„Stubbcnlandc'- Sandhund" müßte man sie nennen, weil Rolf so gell» ist! Eine ähnliche Hündin besorgen, damit man Welpen kriegt, mit den besten Rüden und Hündinnen weiter züchten, das bißchen Feigheit, das der Rüde Rolf noch aufweist, wegzüchten — ganz einfach! Uebrigens kann man die ihm auch weg- dressieren, sagt der Landwirtschaftliche Ratgeber, dem auch die Fachousdnicke wie Rüde und Welpe zu danken sind. (Fortsetzung folgt.) „Die Kugel war für mich!" Der Mann, der zu Hindenburg wollte. Dür wohnuiigslose Handlungsgehilfe Alois Broll, der gestern vormittag in das Büro des Reichspräsidenten im Reichspräsidenten- palais in der Wilhelmstraße eindrang und ein« scharfgeladen« Porabellumpistole zog, wurde nach erfolgter Festnahme dem zuständigen Kreisarzt zugeführt. Die Untersuchung hatte aber das tkrgebnis, daß Broll nicht alsgei st estrank erachtet wurde. (5r wurde dem Schlißdienst der Abteilung I A zugeführt. Bei der Vernehmung durch die Abteilung I A machte Broll, der 23 Jahre alt ist und aus Oberschlesien stammt, den Eindruck, als ob er anscheinend doch nicht ganz im Vollbesitz seiner Geisteskräfte ist, wenn auch der Kreisarzt eine Jnternierung abgelehnt und ihn als nicht gemeingefährlich bezeichnet hat. Er erklärte, daß ihm jegliche Attentatsabsicht auf den Reichspräsidenten völlig fern gelegen habe. Während des Polenanfstandes will er um seine Existenz ge- bracht warben sein und wollte nun in Berlin versuchen, seine Ent- schädigungsansprüche durchzusetzen, nachdem er zuletzt von der Kom- inission des Regierungspräsidenten in Oppeln mit seinen Eingaben abgewiesen worden war. Broll scheint der Ansicht zu sein, daß ihm durch die Behörden in seiner Versorgungsangelegeuheit Unrecht geschehen sei. In seiner Aktenmappe, in der er sämtliche Akten über seine Eingaben und die ablehnenden Bescheide der verschiedenen Amts- stellen mit sich führte, hatte er auch eine Reihe von Z e i t u n g s» ausschnitten über angebliche Mißstände und Unregel. Mäßigkeiten beim Reichzversorgungsomt. für die er die Regierung interessieren wollte. Am gestrigen Dienstagmittag will er angeblich die Kanzlei der Regierung gesucht haben, der er seine Anträge auf Entschädigung und Unterstützung unterbreiten wollte. Dabei fei er o.e r s e h« n t l i ch, da er im Rcgierungsviertel nicht Bescheid gewußt habe, in das Büro des Reichspräsi. denken in der Wilhelmstroße gekommen. Dem dort anwesenden Kriminalbeamten Hab« er seinen Fall unterbreitet. Als er aber wiederum abgewiesen worden sei, habe er. wie er angibt, selbst Schluß machen wallen. Unterredung mit Dr. Wolff. „Keine politischen, nur rechtliche Gesichtspunkte!" S t(i l< g a r t. 24. Februar.(Eigenbericht.) lieber den Stand des Untersuchungsversahren» gegen Dr. Friedrich BJolff und Frau Dr. Zacobowih. Kienle wird dem„Vorwärts" gemeldet: Dr. Friedrich Wolff hat heute in einer Unterredung er- klärt, daß es nickst in seinem Sinne liege, daß aus dem ganzen Fall soviel Aufhebens gemacht werde. Er wolle die Angelegenheit nicht. auf das politische Gebiet schieben, sondern für sein Verhalten nur rechtlich« und menschliche Gesichtspunkte geltend machen. Der Untersuchungsrichter, dem für diesen Zweck eine chilse beigegeben wurde, beabsichtigt, die Untersuchung so rasch wie möglich zum Abschluß zu bringen. Der Antrag der Anwälte auf Nach- Prüfung der Rechtmäßigkeit des Haftbefehls ist heute«ingegangen und es dürfte Anfang der nächsten Woche über ihn entschieden werden. Ob die Untersuchung bis dahin schon soweit abgeschlossen ist, daß keine Kollusionsgefahr(Vcrabredungegefahr) zwischen den beiden Angeklagten und zwischen ihnen und den beteiligten Frauen und Mädchen mehr besteht, ist allerdings zweifelhaft. Sobald sie nicht mehr besteht, dürfte der Haftbefehl aufgehoben werden, da er wegen Fluchtgefahr kaum ausrecht erhalten werdew würde, Auwal von einer dritten Seile, es soll sich um eine Skrfögglmch- Aandluug handeln, entsprechende Sicherheit angeboten worden ist. In dem Termin dürfte auch die Frage der Haftfähizkeit von Friedrich Wolff geprüft werden. Generalvertreter gesucht! Riesenbetrugeprozeß in Moabit.—-170 Zeugen geladen. Vor dem Schöffengericht Schöneberg begann am Dienstag ein auf mehrere Wochen berechneter Prozeß wegen Betruges gegen den Kaufmann Wilhelm K u c z o r r a und sechs Mitangeklagte. Zu der Verhandlung sind 1 7 0 Z e u g e n aus allen Teilen Deutsch- lands geladen. Der Houptangeklagte Kuczorra, der flüchtig ist und steckbrieflich verfolgt wird, da er auch noch andere Straftaten begangen hat, betrieb Wn 1924 bis 1929 die Vergebung von Lizenzen für Reklameapparate. Zu diesem Zwecke gründete«r hinterein- ander vier verschieden« Firmen. Er suchte im In- und Ausland» Generalvertreter für ein aussichtsreiches Unternehmen mit sicherem Gewinn von 4l)vl)0 bis 50009 Mark. Zahlreiche Leute meldeten sich bei ihm, denen er�eine in den glänzendsten Farben geschilderte Rentabilitätsberechnung übersandte. Die Bewerber mußton Garantiesummen zahlen, meistens von mehreren 1000 Mark. Tatsächlich soll nach den Feststellungen der Anklage nicht einer der aujgestellten Reklameapparate Erfolge gebracht haben. Die sechs Mitangeklagten waren Geschäftsführer in den verschiedenen Unternehmungen des Angeklagten. NA(5.datfsjch nicht mehrDAC.nennen. Llrteil des Kammergerichls— Vollstreckung auSgeseht. ...In dem seit drei Iahren schwebenden Rechtsstreit des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs(ADAC.) gegen den republikanischen Deutschen Autoklub(DAE.) Hot das Kammergericht, nachdem zwei Urteile zugunsten des letzteren 5ilul's entschieden waren, nunmehr für den ADAC, crkamrt. Der Deutsche Autoklub wurde verurteilt, es zu unterlassen, de» Namen Deutscher Autoklub oder die Bezeichnung DAE. zu führen. Auf Antrag des Deutschen Autoklubs hat jedoch das Kammergericht zm- geordnet, daß die B o l l st r e ck u n g des Urteiis gegen eine Sicherheitsleistung von 5000 Mark zunächst ausgesetzt wird. Der DAE. hat gegen das Urteil noch das Rechtsmittel der Revision, über die das Reichsgericht entscheiden wird. Reichsbannermann in lebensgefahr. Ist dem Befinden des Reichsbannerkameraden Albert Fab isch, der am Mittwoch voriger Woche vor dem Rathaus in der Königslraße von dem nationalsozialistischen Mordbuben und Lock- spitze! Gerhard Ponte! angeschossen� wurde, fft eine Bar. schlimmerung eingetreten, so daß Fobisch inzwischen in eine Klinik in der Neuenburger Straße übergeführt werden mußt«. Der Armschuß, den der junge Reichsbanner.nann erlitten hat, schien 'anfänglich leichter Natur zu sein. Zwei Tage später stellten sich jedoch Komplikationen ein, die eine sofortige Knmkenhmisaufnahmc iwt- mendig machten. Der Täter Pantel befindet sich bekanntlich in Untersuchungshast. Kampf dem Krebs! Die Arbeit in Cäcilienhaus undCharite/ Aufklärung der Bevölkerung 3m Rahmen der Vortragsabende des Eäcilieu- Hauses sprach Professor L l u m e n t h a l über das von ihm geleitete Berliner Krebsinstitut. Es dient in erster Linie der Krebsforschung, aber nicht nur an Tieren und Pflanzen, sondern auch ganz besonders am krebs- krankem Menschen. Krebsdiagnostik, Krcbstherapie, Beziehungen zwischen Unfall und Krebs, Erblichkeit des Krebses, seine Jnsekliosi- tat, Einflüsse der sozialen Verhältnisse, Berufskrebse, Diät sind die Probleme, die im Krebsmstiwt bearbeitet werden. Zur Behandlung erhielt es vom Staat 130 Milligramm Radium und kaufte dazu das dem Radium gleichwertige, ober erheblich billigere M e s o- t h o r i u m, ca. 800 Milligramm. Geheimrat Blumenthal wies darauf hin, daß es eine völlige Verkcnnung der Tatsachen sei, wenn heute noch Krebskranke zum Zweck der Radiumbehandlung von ihren Aerzten ins Ausland geschickt werden, weil diese glauben, daß mit den zur Zeit nur geringen Mengen nicht bei sachverständiger An- wendung die gleichen Erfolge erzielt werden könnten, wie außerhalb Deutschlands. Er bemängelte aber weiter, daß zur Zeit sehr schlecht für die fortgeschrittenen Krebskranken gesorgt würde. Ihre Unter- bringung geschehe heute meist in den Siechenhäusern, wo es an Be- Handlungsmöglichkeit und Pflegeinrichtung genügender Art fehlt Man dürfe nicht davon sprechen, daß jeder Versuch zur Heilung oder Besserung bei diesen Kranken aussichtslos sei, denn das ist nicht nur unmenschlich, sondern entspricht auch nicht den Tatsachen. Blumenthal warnt zum Schluß seiner Ausführungen vor einer Zer- splitterung der Behandlungsmöglichkeit, Indem überall in Deutsch- land Radium angekauft werde und überall Krebsbehandlungsstellcn eingerichtet würden. Es genügten zwei oder drei große Zentralen und in jeder Provinz und in jedem Land«ine Unter- zentrale. Für die großen Zentralen reicht eine Menge von etwa 2 Gramm Radium bzw. radioaktiver Substanz, für die kleineren Unterzentralen 300— 400 Milligramm. Als nächster Redner sprach Professor Liebmann vom Cäcilienhans. Er erinnert daran, daß fest Gründung des Cäcilien- Hauses dort eine planmäßige Bekämpfung stattgefunden habe, indem die Anstalt, bevor ihr das Gramm Radium zur Ber- fügung stand, schon eine mit allen Mitteln der modernen Technik ausgestattete Räntgentiefcntherapie-Statian hatte. Die Anstalt konte in den sechs Jahren ihres Bestehens schon mehr als 2000 krebskranke Frauen behandeln, während die Bnmm'sche Klinik innerhalb von sechs Jahren nur 1104 und die Münchener Frauenklinik innerhalb von 16 Jahren nur 3000 krebskrank« Frauen z» behandeln ljattc. Aber nicht allein die Behandlung, sondern auch die Aufklärung der Bevölkerung wird planmäßig be- trieben. So wurden allein ijiehr als 500000 Merkblätter über Krebs an die Kassenmitglicdcr verteilt. Der dritte Redner, Dr. B e n d i x. Chefarzt beim Berliner Kajsenoerband, sprach über die Praxis der nachgehenden Fürsorge, die von ihm in den Räumen der Ambulatorien eingerichtet wurde. Er wies daraus hin, daß ganz besonders wirtschaftliche Fragen bei den Krebskranken geregelt werden müsse». Ferner ist zu einer planmäßigen Behandlung notwendig, daß die Krebskranken, ob sie versjchert oder Familienangehörige sind, von einer K a f s e n st e l l e aus betreut werden. „Muskeln rosten schneller als Eisen/* Bei den„Zugscharen" sprach Skoatssekrekär Genosse Dr. Slaudioger über die Einwirkung der Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit auf die 3 u g e n d. Rund eine Million Inzendliche sind arbeitslos, eine furcht- bar ernste Gefahr für unser Volk und unsere Wirtschast, lind zwar sind es die Achtzehn- bis Einundzwanzigjährigen, die besonders ge- fährdet sind, sie werden bei Eintritt der Krise nicht weiterbeschästigt, neue Lehrlinge ersetzen sie.„Muskeln rosten schneller als Eisen" zitierte Genosse Staudinger den Ausspruch eines Arbeiters, und jugendliche Muskeln rosten noch schneller. Lehrlinge, früher überhaupt nicht konjunkturdedroht, werden heute ebenfalls entlassen, und verlernen gewöhnlich alles, was sie in ein oder zwei Jahren gelernt haben. Durch den Geburteuausfall während des Krieges wird die Lage für die Jugend etwas besser werden. Aber sollen wir bis dahin die jugenÄichen Erwerbslosen sich selbst überlassen? Wenn der Ausstieg aus der Krise kommt, dürfen wir keinen Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften Hoden, und deswegen müssen wir die jugendlichen Erwerbslosen beruflich weiter- driden und sie vor den sozialen und seelischen Folgen der Arbeits- losigkeit schützen. Besser als Geld für Zuchthäuser ausgeben. fft es, der Jugend zu Helsen. Sie muß von ihrem Beruf aus gefaßt werden, tclne theoretische Schulung, sondern begriffliche. Die Hand- f e r t i g k e i t muß weitergebildet werden, sie muh wieder Materiol in die Hände bekommen. Minfftcrialrat Ziertmann sprach dann noch als Pädagoge und betonte ebenfalls die Notwendigkeit, die Jugend beruslich ansotz- fähig zu erhalten, wobei er alz besten Weg den der Berufsschule bezeichnete. Dann äußerten sich einige arbeitslos« Jugend- liche selbst zum Thema, und aus ihren Worten konnte man ent- nehmen, wie notwendig«ine Hilfe ist. Aus einer tiefen Verbitterung heraus stand man allen vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen mißtrauisch und beinahe feindselig gegenüber. Und aus allen Aenßerungen hörte man die Forderung, daß die T e ch n i k doch dem Arbeiter zugute kommen müßte und ihn nicht noch tiefer ins Elend stürzen sollte. Knndgefeun�en Karlshorst. Mittwoch, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Deulsches Haus, Stollenfelsstraße.- Thema: NaHonalsoiiallsmus. -t Redner: Carl Liike, M. d. R.,................ Cichtenberg, 117; Abt» Mittwoch, der» 25. Februar, lOV, Uhr, Lokal Stfidtisdi'es'Flubbad,- Köpenicker Chaussee 63a.— Thema: Streiflüge durch das drifte Reich. Redner: Max Sierers. Kaulsdorf/ 123. Abt. Freitag, den 27. Februar, 20 Uhr, Turnhalle. Adolfstrabe.— Thema:Nationalsoiialismus-Volks- betrug. Redner: Erich Kuttner. M. d. L. Mitte, 4. Abt. Freitag, den 27 Februar. lO'/jUhr. Vogels Festsfile, Brüdcenstr.2.— Thema: DasdrlfteReieh. Redner: Genosse Rifiel. M d.R.— Politisch-satirische Revue:.Wo bleibt der«weife Mann?"- Unkostenbeitrag 0,30 M., Erwerbslose Genossen frei. Volksgenossen! Erscheint in Massen! Helft den Faschismus bekämpfen! Das Fest der goldenen Hochzeil begeht heute unser alter treuer Genosse Albert Räder und seine Ehefrau Berta, Dänen- straße 3. Wir gratulieren herzlichst und wünschen beiden einen recht frohen Lebensabend. ikwtn Arbeiterjugend und Partei. Wie rege die Zusammenarbeit der Arbeiter- j u g e nd t r u p pe n mit den P a rt e i a bt« il u ng e n sich gerade in letzter Zeit besonders auch in Neukölln gestaltet hat, zeigte eine gemeinsame W« rb e v e r a n st a l t u n g der 91. Abt. mit den Arbeitcrjugendgruppsn 3 und 11 in Neukölln. Die Jugend gestaltete den Abend aus. In bunten Bildern wurde u. a. der Werßenberss-Aunnncl, das H i t l e r- G r o ß m a u l und verschiedene andere aktuelle Novitäten stressend karikiert. Sleußefft geschickt war die Einleitung des Abends durch zwei Bilder, die die Not der Jungarbeiter beleuchteten. Die Stimmung war vortrefflich und der vollbesetzte Saal spendete stürmischen Beifall. Gottsried Ben» und Oskar Loerke unterhielten sich über.Lite- rarifche Iugendeindrücke". Keine literarische Fachsimpeleit die Welt der geistig interessierten Jugend vor 25 Jahren wurde lebendig. Auch den wohlklingenden wenn auch nicht sehr geholt- vollen' Versen von Falke und Bierbonm hatten ihre Erfolge bei der Jugend chrer Gegenwart. Auf unvergleichlich höherem Niveau standen die Dichtungen von Liliencron und Dehme!. Es war gar nicht erstaunlich, daß Benn und Loerke bei diesem Zwiegespräch die Gemeinsamkeit ihres literarischen Iugendqeschnwcks entdeckten: alle, die zu jener Zeit mit jungen Herzen vor der Literatur ihrer Tage standen, wurden von dem gleichen geistigen Strom getragen, sür den der Mensch, das Iitdiniduin», Wegweiser sein sollte zum großen Meer Menschheit. Deshalb waren sür sie alle die Romane von Bang, Jacobsen, Kellermann, die von Dostojewski und Tolstoi Offen- barungen. Wie Benn mögen viele tiefe Eiirdrückc empfangen haben von Heckels„Welträtseln" und Bebels„Die Frau und der Sozio- lismus". wie Loerke mögen sie entzückt die dramatisdien Träume Maeterlinks und des jungen Hoffmannsthal, erschüttert Gorkis „Nachtasyl" auf der Bühne erlebt haben. Das Gespräch, das sich von WerturieLen über alle ezwälmten Werke fernhielt, zeigt« über- raschend deutlich ein Stück geistiger Entwicklung. Drei Namen, denen Benn und wohl auch Loerke wesentlichsten Einfluß auf dos litera- rffchs Schaffen der letzten drei Jahrzehnte zusprachen: die Brüder Heinrich und Thomas Mann, Carl Sternheim und Alfred. K er r.— Dos Berliner Abendkovzcrt brachte Handels weltliches Oratorium„L'Allegro iT Tensiroso et i! Moderatr/'. ein Wert, das recht wohl einer Funkaufführung zugänglich ist. Man hätte sich allerdings«tne etwas beschwingtere vorstellen können. Sehr vermißt« man wieder eine brauchbare Einführung- Wenn man die Hörer auf solche Werke vorbereiten will, genügen nicht «in paar flüchtige einfettend« Worte. Es ist notwendig, auf musikalische Formulierungen aufmerksam Zu machen, dos Ohr durch charakteristische Kostproben vorzubcreiien. Sltcr auch der Text muß allen nahegebracht werden.. Dafür- genügt. nicht eine unzureichende Inhaltsangabe.. b«sond«rs..ro«nn.es sichl.üm ein.dichterisch bedeuten» des.Werk handelt..,... Tes. Selbstmord eines Schupobcamten. In seiner Wohnung im der Selker straße 33 hat gestern der 43jährige Polizeihauptwachtmcistcr Hermann Brassou Selbstmord durch Erschießen verübt. Der Beamte, der auf dem 67. Revier beschäftigt war, litt seit einiger Jett uitter heftigen Nervenanfällen. Nachdem er gestern vom Arzt krank- geschrieben worden war, äußert« Brassau seiner Frau gegenüber. daß er an eine Heilung seines Leidens nicht mehr glauben kömie. Als die Frau in der Küche weilte, sd)oß sich der Kranke im Schlaf- zimmer aus seiner Dienstpistole eine Kugel ins Herz. Brassau hinter- läßt zwei unmündige Kinder. Speisung von 800 Erwerbslosen. Di« Zigarettenfabrik Iosetti wird für die Dauer von sechs Wochen täglich 800 langfristig Erwerbslose kostenlos speisen und ihnen außerdem wöchentlich dreimal eine Lebensmittelzugabe spenden. Die Speisung wird vom Montag, dem 23. Februar 1931, ab in den Ausgabestellen der städtischen Bolksspeisung in den Be- zirken Wedding, Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Lichtenberg und Neukölln durchgeführt werden. Dies« Br- zirke nehmen auch die Auswohl der Teilnehmer an dieser Speisung vor. „Ein seltsamer Patient." Im Kabarett der Komiker hat man sür Hans Moser den Sketch„Ein seltsamer Patient" ausgegraben, der dem Künstler Gelegenheit zur neuen Offenbarung seiner reifen Kunst in starker Weise bietet. Erst kürzlich konnten wir uns an der� stillen, reinen Komik Mosers im Zujammenspiel mit Hans W aß mann erfreuen. Das Programm hat sonst kaum eine Veränderung erfahren. Robiticheks Devise„Vergessen Sie das Lachen nicht!" erweist sich als erfolgreist) auf der galten Linie. Im Mittelpunkt des Abends steht wieder der„M o s ch i n« n m e n s ch",«ine tänzerische Glanzleistung Rudolf K n ö l l i n g s. „Schaffende ftändc". Dos Volksbildungsamt Prenzlauer Berg veranstaltet in Verbindung mir den Volksschulen des Verwaltungs- bezirks in den Räumen des Bezirksamts. Donziger Str 64 in der Zeit vom 1. bis 15. März 1931 eine Ausstellung„Schaffende Hand«', in der die Entwicklung des Zeichen» und Werkunterrichts demonstriert wird. Veflerauzsichtea für Berlin: Beständiaes, zeitweise hettercs Metter mit Nachtsrosten.— Für Deuffchlaad: Ueberau ruhiges Wetter ohne Niederschlage, verbreitete Nachtfröste: im Nordwesten wieder Bewältungszunahme. bat ein feftr oleKetttpe», nnlertattei«»» gZioaronun ftil Ben aWMt M- r, Zntomm.-Itwmclli. Dci toElübn« 3 t« M i II« t!««int I Jle.,.«2? r-u p'vduiiKct nck Qlslebendrr Kreisel cm Luft. j? � in?? w Sfiulktiirn euf hyn tftr&tclf bet Sonplrric, Stirn» uno Miiflelcolcncc Die»ifcnlcn Mccx>!pirua Siftcts tatycn atmiccknelnd in t fa 1 ervlil-r u blendcndcn Äüftiimcn mit den Omori Tlstcrs. Der melf* maniue irccficn Duncan tonunt nach iochreloncct mit cince firofetn©ruppe schottischer Schäferhunde. Die Krise im Bergbau. Ernste Arbeit gegen skrupellose Demagogie. Zu Beginn der Dienstagsitzung beantragte Abgeordneter S-Hrnidt-Hopke(Wp.). mit der zweiten Lesung des Bergetats einen Antrag seiner Fraktion zu ocrbinden, der die Stillegungen in D u i s b u r g- M e i d« r i ch betrifft. Der Antrag fordert Ein- Wirkung auf das Reich, die Tarifoerhältniffe elastischer zu gestalten, die Vertretungsbesugnisse der Gewerkschaften einzuschränken und Hausbesitzern wie Gewerbetreibenden weitgehende Steuererlasse als Ausgleich für die Schädigung durch die Stillegungen zu gewähren.(Unruhe links, Zurufe: Das war des Pudels Kern!) Abg. Leincrl(Soz.) widerspricht der Beratung des Antrages. weil er mit dem Vergelat nichts zu tun habe. Der Antrag kann also nicht auf die Tagesordnung kommen. In der fortgesetzten Aussprache über den Bergetat kritisiert Abg. Pohl(Volksrechtspartei) die Politik des Kohlensqndikats, die hohen Gehälter der Werksdirektoren und die rücksichtslosen Still- legungen. Abg. Dr. Falk(Staatsp.) schlieft sich den Beileidserkkärungen für die Opfer des Eschweilcr Unglücks an. Das Grubcnsicherheits- nmt müsse im Bunde mit der Wissenschast weitere Schutzinahnahmen ausfindig machen. Die Politik des Kohlensyndikats fordere in mehr als einer Beziehung zur Kritik heraus. Abg. Schmidl höpke(Wp.) greift die englische Arbeitcrregiening an, weil sie trotz der sozialistischen Internationale den deutschen Kohlenabsatz nicht fördere. Freilich habe auch Mussolini für die deutschen Kohlen keinen Finger gerührt. Schuld an der ganzen Wirtschaftsmisere sei der Marxismus. Der Redner versucht umständlich dar, zulegen, was er unter Marxismus versteht, bis der Präsident ihn zur Sache ruft. Abg. Liadner(Chr.-Soz. Bolksdienst) empfiehlt statt der Sub- ventionen für den Siegerländer Bergbau den Beimischungszwang für deutsches Erz. Abg. Otter(Soz.): Herr Abg. Schmidt-Höpke, bekanntlich Chefredakteur der„Deut- schcn Berg Werkszeitung" und hier im Hause Vertreter des kleinen Mittelstandes, hat wieder einmal«ins seiner üblichen Nazi- r e f« r a t e gehalten. Bor dem Kriege war die„Bcvgwerk-zcitung" immerhin ein Organ, dem man Sachlichkeit und Fachlichkett nicht absprechen konnte; heute konkurriert sie mit dem„Völkischen Beob- achter".?lls die„Deutsche Bergwertszeitung" bei einem Gruben- Unglück im Borjahr, dem 2711 Bergarbeiter zum Opfer fielen, unmittelbar hinter die Meldung von der Katastrophe die B«- merkung setzte, aus die Dividende werde das glücklicherweise keinen Einflusi haben, hat sie sich selbst charakterisiert und uns der Mühe überhoben, uns weiter mit Herrn Sckimidt-Hopke zu beschäftigen. Das deutsche Unternehmertum stand und steht auf dem Stand- punkt, datz wir aus der Krise nur durch Lohnsenkung heraus- kommen können. Wir glaube», dag unsere Produktionsstätten so ausgebaut sind, dos; sie für 100 Millionen Menschen Waren genug erzeugen können. Was fehlt, ist der Derb rauch, ist die Kauf- kraft. Di« Lohnsenkung verhindert totsächlich jede Ankurbelung der tvirl- schalt. Und genau sw wie in der allgemeinen Wirtschaft, ist es im Berg- bau. Dort sind im letzten Jahre rund 100 000 Bergarbeiter abgebaut worden. Das bedeutet einen Lohnausiall von 868 000 Mark und wiederum eine schwere Ei'butze an Kaufkraft. Aber wenn man die Herren der bürgerlichen Parteien hier reden hört. hat man beinahe den Eindruck, als sollten die arbeitslosen Berg- arbeitcr Sammellisten auslegen, um den armen Bergwerksbesitzern unter die Arme zu greisen.(Heiterkeit.) Für Zechenzeitungen, die die Belegschaft ausemonderreitzcn und verhetzen sollen, chaben die Unternehmer innner noch Geld genug gehabt. Die L e istu ng des einzelnen Bergarbeiters ist gegenüber dem letzten Vor- kriegsjalire um volle SO Vroz. gestiegen. Angesichts dieser Tatsachen kann nur«ine Dertürzung der Arbeitszeit. kann nur dl« Fünftagewoche im Bergbau zu größeren Wicderein- itellungen führen. Die gestiegene Leistungsfähigkeit der deutschen Bergarbeiter ist bei den Lohnverhandllingen den Unternehmern stets ein Dorn im Auge. Die„Deutsche Bergwerkszeitung" hat daher den Dorschlag gemacht, in Zukunft den Leistungsessckt nicht nach Kopf und Schicht, sondern nach Pserdestärkcn zu berechnen.(Heiter- keit.) Da fällt mir ein, was ich einmal von einem Kameraden aus Qberfchlcsien gehört habe: wenn's nach den Unternehmern geht, sollen wir arbeiten wie ein Pferd und fresicn wie eine Ziege. (Große Heiterkeit.) Die schwerste Belastung des Bergbaus stellen die ungezähllen Millionen sür neue Schachlonlagen dar. die sofort nach der An. legung stillgelegt worden sind, nur um die Quote zu verhandeln. So ist z. B. dos Stickstoffwerk au? Moni C e n i s— Baukosten 25 Millionen— alsbald wieder stillgelegt worden. Das investierte Geld mußte natürlich verzinst werden, und die Mehr- belastung an�Zinsen sucht man bei den Löhnen wieder hcreinzube- kommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemakraten.) Herr von Waldthauscn lzat sich auf den Generaldirektor Dr. Vögler berufen, daß es mit den sozialen Lasten nicht so weitergehen könne. Herr Vögler oersteuert jährlich 330 000 M.(Zurufe links.) Was er nicht versteuert, kann ich nicht wissen. Aber ich spreche ihm das Recht ob, sich über die Höl>e der Beroarbeitcrlöhne aus- zuregen. Der S t a h l t r u st hat seit 192S 362 Millionen abgeschrieben.(Abg. Dr. v. Waldthausen: Aber nicht zum Vergnügen!) Rein, well er maßlos überkapitalisiert war und jetzt auf Kosten der Belegschaften saniert wird. Die ungeheueren Kapital- sehlleftungen der deutschen Industrieherren dürfen nicht aus Kosten der arbeitenden Massen ausgeglichen werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein ganzes Füllhorn von Unwahrheiten hat auch gestern wieder der kommunistische Redner Abg. S o b o tt k a über uns aus- geschüttet. Wegen unserer Zlichtbeleiligung am kommunistischen Vulschslreik der Bergorbeiter vom 2. Januar d. I. haben uns feie, Komnnrniston Streikbrecher und Berbrecher geschimpft. Aber es handelte sich gar nicht um einen wirtschasllichen Lohnkampi. sondern um eine rein kommunistische Parteiaktion. Ick; habe hier einen sechs Wocherl vor dem 1. Januar erlassenen Geheim befehl der kommunistischen Leitung in Berlin oder Moskau, betitelt„organisatorische Richtlinien zur Auslösung und Durchsühmng des großen Bergarbciterstreiks im Ruhrgcbict".(Zuruf bei der KPD.: Spitzel- arbeit!) Ich Hobe den Erlaß von einem waschechlcn Kommunisten, der in der Zentrale sitzt. (Hört! hört! und Hcfterkcft bei den Sozialdemokraten.) Darin sieht wörtlich, dos A und O der Bewegung sei die Erweiterung der RGO. zum roten Bergorbeiteroerband.(HörtI hört! bei den Sozialdcmo- traten. Zuruj der kommunistischen Abgeordneten Frau Lud ewig: Dos A und O ist die RGO.) RGO. heißt betannllich Riesen- Große-Ochsen.(Große Heiterkcft.) Als Zweck der Bewegung wird in dieser Anweisung ausdrücklich angegeben: großzügige Eni- larvungskampagne gegen die Gcwerkschaftsbürotrotic. Steigerung der Empörung über die schurtischcn sozialfaschistischen Berräter auf den Siedepunkt. Nicht auf die Verbesserung der Lebenslage der Bergarbeiter kam es Ihnen an, sondern lediglich auf neue Zer- splitterung. Das haben die Bergarbeiter längst erkannt, und sie werden die kommunistischen Zersplitterer in ihre Schranken weisen. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Straube(Dnat.) wendet sich gegen die Grubensicherheits- ausschüsse. Abg. harsch(Z.) polemisiert gegen Sabaftta. Die Herren im Bergbau müßten den Lebenserfordernissen der breiten Masse der Bergarbeiter mehr Rechnung tragen. Abg. Sobollka(Komm.) verwahrt sich gegen die Bezeichnung Feldgendarm: er sei etatsmäßiger Wachtmeister im Kriege gewesen. Die vom Abjj. Otter verlesene Anweisung sei keineswegs geheim, sondern habe in allen kommunistischen Parteiblättern gestanden. Abg. Jries-Siegen(Soz.): Ich leugne nicht, daß ich bei den Subventionen sür den Sieger- länder Erzbergbau führend gewesen bin. Wir haben dadurch 12 000 Bergleuten die Arbeitsgelegenheit aerettet, 4 Millionen Mark Erwerbslosenunterftützung gespart, 1,3 Millionen Lohnsteuer und sonstige Steuern mehr eingebracht, 2 Millionen Eisenbahnfrachten mehr gezahlt und Gemeinden und Kleingewerbetreibenden an Lahn und Dill die Lebcnsmöglichkeil erhalten. Gewiß ist diese Subvcn- ttonspolink grundsätzlich bedenklich. Gewiß würden wir sie nicht treiben, wenn wir in Reichstag und Landtag eine Mehrheit hätten, die die deutsche Eisenindustrie verpflichtete, die S Millionen deutsches Erz vor den 17 bis 18 Millionen Tonnen Erz aus Schweden. Spanien, Rcusundlond, Algier und Marokko zu verwenden; wenn wir eine Mehrheit hätten, die die Vergesellschaftung des Erzberg- baues und der Eisenindustrie zu beschließen bereit wäre. Aber diese Mehrheit besteht nicht, und so haben wir zwischen Stillegung oder Subvention zu wählen und haben mit Recht für Subvention ent- schieden. Dilbei sind wir uns völlig klar, daß es unpalriolisch von der deutschen Eisen, und Stahlindustrie ist, nicht von selbst vor allem das deutsche Erz zu nehmen. Wir wissen, daß die deutsche Eisenindustrio eine ungeheuere Fehl- j p e k u l o t i o n begangen hat, als sie riesenhaft große Zlbnahme- kontraktc mit Schweden bis 1010 unterzeichnete. Gerade wir im Siegerland klagen die Politik der deutschen Eisenindustriellen an: von ZZ Hochöfen 1S18 sind bei uns heute nur noch 7 in Betrieb. Die Stillegungsraserei und der Quoten. Handel hat ganze Gemeinden ruinierk. Aber mit Anklagen ist den Arbeitern nicht geholfen. Wir haben ihnen nach dem Maße unserer vollen Kraft Arbeitsgelegenheit und Lebensmöglichkeit gerettet.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Nach einigen weiteren Rednern wird in der achten Stunde die allgemeine Aussprache über den Bcrgetot beendet. Nächste Sitzung Mittwoch, 12 Uhr. Tagesordnung: Wahl des Vize- Präsidenten, Finanzausgleich. Soziallstische Arbeiterjugend Groß-Verliv WafotSunant fir dies« Jhidrll nur an da« gouendrefreioiiai Seefln«a. tlndcnflToe«> JtunbRCdunn der SPD. ältoitia«, 2. MSu, IS'i Uhr. im Sportpalast. An. sprach-n: Otto Braun, priuhischer Mimsterprastdcnt. Pietra Nurni, Berfassr- des Buckies„Todestamps der Freiheit". Karten M 30 Pf. für Zngci>»liche sind im Sekretariat erhältlich. Souderuorstelluna der PoNsitihae Sonntag, 22. März. IS Uhr:.Die Gesell- schast der PtcnschenrcäNe", ein Stück um fficora Büchner von Franz Theodor llsokor. Karten zu SO Pf. sind im Sekretariat erhältlich. Siuakrei»: Ptoraen. Donnerstag. 20 Mir. liehen. Lvun Willdenenvstr. 5. SSG.-Srnppcn! Der..Rote Schüler" Nr. 2 kann abflriioU werden. heute. Mttwoch. Uhr. Genttriichastsdan», SUffniföa Pa>I, Renten«; Probe. SZpenicker Str. IIS lWcftraimit.— Gesundbrunnen rj: Christianiastr. 3R:..Nordpolarschi chteu".— Bruimpiatz: Besuch der Mitsliederuersaimnluua der Zt. Abt., Säiönflieher Straße. Valtenpladi Nlliler Sir. 4-5: Lichtbilder:„Militarismus in her Karikatur".— Aranklurter Viertel: Besuch der Mitaliederversammluna der 33. Abt.— Petersbnraer Biertel:<1 bertvltr. 12: Kuuu> ristischer Abend.— Luisen. stobt: Wassertorsti. 0: Glaßbrenner-Abcnd.— Südwesten: Seim Lintenstr. 4: Funktionärstttung.— Liudeuhos: beim der Siedlung:„TintUhruna in den Sozialismus".- Schönebera: bauptstr. 13: Funttionärstdunq.— Wannsec: Schule Cdarlatiensteahe: Antrsaschistischer Abend.— Lichtenrade: Roonstrahe: „Taaespolitik".— Tempelbof: Gühstroße:„ffosckiismns als national« Gr. scheinnnq".— Bamnschnlenwea: kinoendversammluna im Lokal von Etreube!: „Bas haben wir von der Republik?"— UoUenbcr»: Sutsbof:„Wehrhaftiakeit oder Peuifiemns?"— Friedrichsboaen: Friedrichs!!. 37: Generalprobe...... Kauls» dors: Schule Ädolfstr. 23:„Sexualprvblem".— Lichteubera. Mitte: Scharirwebci. frrafte 39:»Das 0. Schuliahe".— Lichtende ra-Noed: Gulltsrstr. 44:.Communis. mies— Nationalsozioli-m»?".— Lichteuberq-Rordwest: Doiseftr. 23:„Wie lese ich ti« Ze.ituna?"— Rablsdorf: Relanchihonstraße:„Wander. und Zeltlebrn der SA?." SSG. Rcnkölln lllelteee):„Verfastunasfraqcn". Scrbebezirl Neukölln: Sprrchswnde von 174)— ISVi Uhr Baracke Dansbofcr, strafte: Cvrechckiorprobe 10', ö Uhr Kanner Strafte. 2. Dönemari.Ferknfohrcr: Lindenstr. 4. 20 Uhr Rusawmenknnst, Bisher. austamch._ Vorträge/Vereine undVersammwngen. Arbeit er-Abstineu te» Bund, vrisgruppe Berlin. Bezirk Rcinickenbars: Mittwoch, 2Z. Fobruar, 20 Uhr, weltliche Schul« Auauste-Viktovia�lllee. Referat des Genossen Etechert:„Bikaerliche oder proletarisch« Kultur".— Bezirk Fried. richsbaiu: Donnerstan. 26. Februar, 20 Uhr. weltliche Schule Diestelmeperstr. 5. Referat der Genossin Traut« Hodann:..Reiseerlebnisse aus Sowjetruftlanb". „Sturmvoael", Ortsatupuc ckbarlottenbura. Mittwoch. 26. Februar. 20 Uhr, im Restaurant„Zum Lstprcuftcn", Gharlolienbuto, Kaiscr-Fricdrich-Str. ZA wichtiae Dersammluna. Stenooeaphenperbard Stolz«. Schren, e. B. Das von der Deutschen Welle veranstaltet« Funkprobeschreiben am Danncrstao, 30. Februar, in der Reit von. 19% bis 20 Uhr, findet nicht nur für Rrichsknrzschriftler, sondern für Anhänaer aller Susteme statt. Stolzc�schrcvancr senden ihr« Arbeiten sEtenoarauun und Uebertraaunqk an die Geichättsstcll« des Stenographenverbandes Stolzc-Echren, BerLn G. 2. Breit« Sir. LI. ein. Vereiniquoa«hemalilier Krieaioefonacuer. Berliu-Süden. Donnerstan,. 26. Februar. LO�d Uhr, bei Krüaer, Grimmstr. I. Der Deutsche Republitairisck>e Reichsbund, der Deutkche Republikaniiche Studentenbund und der Deutsch« Republikauisehr Pladfiudorbuud liaben aeniein- som am Donncrstao. 30. Februar, 20 Uhr, im Sifmdert-Saal des Deutschen Rahnärztehauses, Berlin, DÜIowstr. IM(Nähe Ziollendorfplaftl ein« Vcran. staltuna. Hubertus Prinz zu LSwenstein spricht über„Wir Studentcu", Regle. runasasscssor Walter Zkolb Uber.LSrt die Iunaen" und Hans L. Reinike Uber „Wir Pfadfinder". Eintritt frei. Gäste willkommen. Geschäftsstelle: Berlin SS. II. Bernburaer Str. 1«. III. Kurfürst 6490. S«s«»f»alt für Sexnalreform. Donnerstaa, 26. Februar. 20 Uhr, spricht Dr. Hans Haustci» in der Schulausa Fricbrichstr. 126 über„Der Ursprunq der Sophili» in Europa". Eintritt M> Pf. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Alle Kameraden treffen sich am Boiks. trauertag, am Sonntag. 1. März, zum Gedenken der Gefallenen um 9 Vi Uhr im Borhof der neuen Snnagog«, Oranienburger Strafte. Der neue Opel, r/er Wagen von ausgeprägtem Charakter Der Wagen de* neuen Jahrzehnts 1 931-1 940! Zeit des sicli ständig steigernden Tem pos, � waclisender Anforderungen,- gesteigerter Leistungen! Opel führt— im Kampf um das Beste— mit seinem neuen 6 Zylinder für HM 3295.-1... Geschmeidig, elastisch, temperamentvoll und stark! Form gewordene Idee genialer Konstrukteure! Neu von Grund auf,- aber dos Resultat jahrelanger Studien, eingebender Versuche, rücksichtslosester Proben. 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III ��eiQßnmaenilieneuenOiiel-MoflßiieJßjGtztaalilcrAatojnoöiJÄüsstslluiigJallßLStanillS, uUlkliul llUÖululMil||•lLMlÖl»MLaseli£Osinfi,v.27.Ilbisl.EüDHöt8iÄtUöD,ParisßrPla!z.sowißifliiiisereflÄ!iss!ElJöß85liaUßiL EDUARD WINTER A.G., KURFÜRSTENDAMM 208 UND CICEROSTRASSE 34 •hifentmngf n für dies, Rubrik find»V IM stet» ,n da»?ezirk»setr»taril» >»»liu GW«b. Lindenstraß« Z. 2. 9of, 2 Zceuntu recht». jn richte» Mitgliederversammlungen und Zahlabende heuke, ZNikkwoch, 25. Februar, 19� Uhr. I. Abt. KaffmaititS ssefifiile, Tchlvcdlkr Str. 2S. Kons Turfi:„Im Somr? um Preufien".— fiuultionariiiiuui, eine Stunde vorder im gleichen Lokal. 8. Abt. 195/, 115: Mitaliedervcrsammlui!» im Äatioiialliof. Bitlowflr. 57. Genosse Biedermonn, M d. R,:„Wo sieden wir?"' 14. Abt. Swinemünder GefeDfdlaftedotis, Swinemünder Str. 42. Resereutiu Margarete Schenlalowskn. 55. Abt.«. Gruppe: Godenfchwöaer, Wollür. 99. 9. Gruppe: Reimer. Delniers- dorfcr Str. A. 19. Gruppe: RödriGt, Schloftstr. 58. tS. Abt. vrieger, Lesfingstr. 9. Arbeitskreis iunaer und neueinaetretencr Parteimitalteder. Genosse ssranken-Ieiss:„Kislorischer Mctcnializnms'. l*a. Abt. 20 Uhr Bukibirua, Rudower Strasse. Paul Buqdadn-Altono, M. d. L.: �tahldelm-Bolksbeaedren— es gebt um Preußen".— Vorher. 19 llhr, Vesprechung der Kreisdeleiiierten ebendort. 1*2. Abt. Lokal Streubel. Ausspracheabend für die iüngerrn Parteimitglieder. Tlicina:„Was toben sie denn von der Republik". 128. Adt. Gelelllcktostsbaus. Berliner Str. 192. Referent Otto Meier. R. d. L. — Vorher, 19 Uhr. wichtige Aorstand-ssssung mit den Bc/irkoführern. 131. Abt. Schllssenhaus, Rcsiden,str. 1. Engelbert Graf, M. d. R.t„Partei und Jugend". Donnerstag. 26. Februar. 4. See!». Ireie Schnlgemrinde, 19' i Übe, Schul« Dantigee Str. 23, Statut- »erfammlnng. Berichte. Wohl de, Vorstandes. Wahl der delegierten»nr Vcrtrrterpcrfnmnilung. Wahl der Delegierten aue Bunde»tagnng. Bekannt. gnbe»Fest der finnftanfend". 17. Srei». Bildung«! uslchuss: 29''. Ubr Snrsn»!„Mensch päd Maschine", Alexander Rosam, im Rathaus, Möllendarsftraße, Zimmer 11. 191. Abi. 29 llhr bei Man«. Kieshol./str. 21, Zusammenkunft der Illngrreu Parteimitglieder. Surt Zingelmaun: Lugend und Politik". in. Abt. 20 Uhr Lichtbildervortrag vom Konsum im„Alten Eicrhäuschen". Bieler, unter Mitwirkung des Gemischten Ehors Obersprce. Freitag, 27. Februar. ». fttei«. 19'/ Uhr SreisdelegiertcnnirsamnUtiUg bei Rabe, Fichiefir. i». Barstandsbericht. Borstandswnhlen. Ss?Ill!ZZilZZl!l»iS flis ZililZüZllZklii BMiigsariieit Vom Dienstag, dem 1. Märe ab ISgltdi, abends 8,15 Uhr im Theater in der KlosterstraBe: JUSTIZKRISE Zeitdrama von Carl Cred*(Verfasser von§ 218) Vorangspreis 90 Pfennig Die Plätze werden verlost Karten sind in unserem Büro. Undenstr. 3. 2. Hot. 2 Treppen, Im Büro des ADOS., Onskanell Berlin, Engelufer 24-25(Qewerkschaftshaus, im Vorderhaus), sowie bei den Parteifunktionären zu haben. Die Kreise besuchen die Vorstellung an folgenden Tagen: Prenzlauer Berg 3. März, Friedrichshain 4. März, Wedding 5. März, Kreuzberg- Char- lottenburg 7. März. Mitte-Tiergarten 8. März Spandau- Wilmersdorf- Zehlen- dorf 9. Marz, Schöneberg- Zehlendorf-Tempelhot 10. März, Keukölln 14. März, Treptow-Köpenick-Lichtenberg 12. März, WeiBensee-Pankow-ReinicKen- dorf Ii März. Frauerweranstaltungen. 4. Srci» Pren, lauer Berg, ffreäta«. 27. flcbruai. IS'p Uhr, bei Winser, Dinsstr. 40,?unktionärinncnssssung. 5. Abt. Donnerstag. 26 Iebruar, Besschtigunq der Gehag-Ausssellungt„Die Gehag-Wohnuna 1951", Berlin W. 8. Wilhelmfir. 92-CZ. Treffpunkt 17 Uhr vor dem Gebäude. 27. und 51. Abt. Donnerstag, 26. Iebruar, Bcsschtigung der Gehaa�Aus» flellungt„Die GehagzWohnuna 1051", Berlin B. 8. Wilhelmfir. 92—93. Treffpunkt 15 Uhr U-Bahn Schönhauser Alle« Ecke Kopenhagener Strasse. ssür die ZL Abt. findet Sonnabend, 28. isebruar. 20 Uhr, bei Soldschmidt, Srolpische Str. 50, ein gemütlichrs Beisammensein statt. 37. Abt. Donnerstag, 26. fsebruar, 17 llhr. Befichtiguna der Ausstellung de: Grehoa, Berlin W. 8, Wilhelmfir. 92—95. Trcfspunkt 17 Uhr vor dem Gebäude. 48. Abt. Donnerdtog. 26. Irdener, Vessehtianug der Gehag-Ausfi.'ssung, Berlin W. 8, Wilhelmfir. 92—05. Trcffpuntt 14 Uhr vor dem Gebäude. 98. Abt. Reulöln. Donnerstag. 26. Iehruar, Besichtigung der Gchaq-Bus- fiellung. Berlin W. 5. Wilhelmfir. 92—03. Treffpunkt 11 Uhr Bahnhof Kermannfirasse. II*. Abt. Lichtenbeeg. Donnrrstao. 26. Je binar, gemeinsamer Besuch der Gehag-Ausfielluug, Berlin W. 5. Wilhelmfir. 92—91. Treffpunkt 15 Uhr frankfurter Allee Ecke Möllcndorsstrasse. 123.«bt. kanlebsrs. Orr Branrnabente stnKet fmit. ÄUliuodi, JS. JWkM«, an bckomtter Stelle statt. IZZz. Abt. Kaulsdorf, Süd. Unser ssrauenabend findet erst am 5. llKär, statt. 138. Abt. Hcrm-dorf. Den Geuoissnnen>ur Kenntnis, dass noch der Arbeiter. wohlfahrisfissung eine kurge Besprechung der Kelsertunen für Agitation swltfindct. 13*. Abt. Tegel. Den Eenosssnncn nur Kenntnis,»ass Karten für die zentrale Beranstaltung am 2. März non der Genossin Scnle. Mar-ahner Etz. 4, abzuholen find. Bezirksausschuß für Arbeiierwohlfahrk. 5.»reis. Donnerstag. 26. Dcdruar, IH'/i Uhr. Verwaltu ngsgebäude. Müsser. firasse 146—147, Zimmer 421. Sssung des erweiterten Kreisausschusses: 20 Uhr Arbritsgemcinschoft der Fadtgrupve Zugendwohlfahrt. 15. kreis, fsreitag, 27. Isehruar. I9>A Uhr. Eissungszimmer 1. Rathaus. Dorffir. 42. Eidung der Arbciicrwohlfahrt mit Wdhlfahrtspftegern. Otto krebst „Soziale Gcrichishilfc". Arbeiker-Bildungsschule. 1. Keci». Kursus Dr. Mendelfohn wieder Donnerstag. 20 llhr. Weiumeistcr. firasse 10—17, Sophicnschulc. Reue üörcr lönnen noch teilnehmen. 02. Abt. Sicmrnsfiadt.Kaselhsrst. Der Bildungskursus findet am Mittwoch, 23. ssedruar, 20 Uhr, in her Schulaula der 11. Gcn'.ejudefchulc leine Tortlessung. Der zweite Abschnitt mit der Genossin Anna Äar'och. der an diesem Abend besinnt, hat zum Thema:„Kulturpolstik und gaschiomus". Die sozialifiisdteu Ziele und das Wesen des Sozialismus überhaupt, soll hei der Autzeigunq der ständigen Auseinandersessungen mit der Reaktion im Zusanunenhang mit den jtweiliaen ökonomischen Berhäl'nissen vor uns entwictelt werden. Berfiiumc darum lein Genosse diele iKeleaenheit. sich weitgehend Klarheit übe: unser grosses Ziel, das Sozialismus heisst, zu erringen. Arbeitsgemeinschaft der Sindcrsrcunde Graß-Berlin. Kreis Reukölln. Selfcrkieist Am Donnerstag ist um 20 Uhr in der Baracke Ganaboferstraße Kelserfitmng. Wir erwarten euch olle. 1 Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation I 38. Abt. Am 19. sscbrnar verstarb durch Herzschlag unser Genosse Otto Jochen, WilhelMeEtolze-Str. 37. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Mit:» wodi. 23.(sebruar, lö'n llhr, Georgcn.Kirchhof. Landsberger Allee. Reg: Beteiligung wird erwartet. ( I�isatsr, I„ic�t5pisls usw. ) Sai'\i. j IS/" � mj 4"� Mittwoch, 25. 2. Staats-Oper Unter d. Linden 177. A.-V. 20 Uhr Eine Nefflt In Tenefiia Ende n. 23 Uhr Staais-Oper Am Plati dir Rspoblft. V.-B. Uhr Die Hodizeit des Flsaro BttfufL RjdinretHcf Ende g. 25 Uhr Mittwoch, 25. 2. staut, oper Bismarckstr Turnus III 20 Uhr ülwminlliiziii! ealalhea tob Willer Bmitcls lord Spleen eil Jlsrk Utkir Ende 22' aUlir Staatl. Schaasph. lim ScBchncnnintl. 152 A.-V. 20 Uhr Die lonofrau von Orleans Ende 22-/« Uhr Mi.Zrliilles'IIieMMlU 20 Uhr Die Journalisten Ende gegen 23 Uhr Tägl 2 Vorstp. ■ S u.»>/z Uhr Barbarossa 0256 Nadmi. 50 Pf. bis z H.. shtnds t bis 6 M. 3 Jlndreu XlteA Utoberlo de TascoureUos, tUaidie& 9tay usrr. Tägl. S u. 015 üornl. 2, 3 0. 8» E 4. Alex. 8060 Nehm. 50 Pf.— 1 M., abds. 1-2 M. 4 Bronetts, Dollynoffs Jazz- und Tanz-Ravua Daunton-Shaw. 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Man 8 Lhr Hans Albers in Llliom Vorstadtlegende von Franz Molnar Staat!. Sdiiller-Ib. 8 Uhr. Die Journalisten. Theater am Schitthauordamm 8 Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper Am Pl.d. Republik 7-8 Uhr Die Hotfizell des Fidaro DßDtsöißs lUeatsr 8 Uhr Elisabeth von England von Fenl. Bnir.kiei Regie: Beim Hilpert Neues Theater am Zoo•» (nB8biih.Zoo. StpLS554 Täglich 8-1. Uhr Oer gr. Lacherfolg I Guido Thielscher Das Öffentliche Aergernls Preise I bis 8 M. Dectsebes KOnsller-Theal. Barbarossa 3937. 8--> Uhr Ritter Blaoliarts amte Frau Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8lf3 Lhr mos die Kuh milch gehen? l-Pr.OJO bis 13.69 J Kammerspiele S','« Uhr: Pariser Platz 13 von Vickl Baum *nli: livitjf CrSsilqm Die Komödie . s-l. UUr Die Fee m Franz Molnar Regie; Steten Hmk. RurfOrsiendamm Theater Bismarck 449 j 8 Uhr[ Das schwache Geschlecht v. Edouard Bourdct legi«; Nn Reinhardt Lustspiemaus Kurt GOtZ Täglich 8-1- Uhr Oer Lügner o. die nenne Piscator-BQbne (M'allner- Theater) Alex. 4592-93. letzte fontellingeiil SV. Uhr Die Frau in Front Komödie v. Glebow Sonntags II Uhr äondervortiellaag desFriedriib-Volf-Roniitei Cyankali meiropoi-iheater Täglich 8". Uhr schön ist die weit Operette von Lehär Biitunl Tauber. Ottlar Upar. Sdiatmd&rl 3|l3gf?cfiö.15 DAS DLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFF EMBACH THEATER IM AOMI RAISPALAST Reichshallen-Theater llbeiib 0 SMnlag Baimittaj|TT| Bhr Das wunderbare Febrtar-Programm der Stetflner sanger Populäre Preiset Nachm. ermäßigte Preise! Oönhof t• Brettl: Täglich das gute VarleK- und Kabarett-Programm' ianiowjkj- Bahnen T Dealer l» 8er Stritenanflslr. 8-'. Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Qiraudoux Inszenierung: Victor Barnowsk} Komödlonhau» 8','. Uhr Cocktail «in Kirl foilnoeller. Musik». Ralph Benatiky Theater d. Weiteoi Täglich SVi Franz leben Meisterarerk Der Zarewitsch Carla Carlsen, Wilii Thunls, v. Möllendorf Komische opor 8-, Uhr Kleine Preise. Peppina ntif iinailldzr Itilnj 4n eraiMisten Robert Stolz Ii ttr Pnniimbnttiiii: Rose- Theater fir.PrantIiui«rStr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 5.30 Uhr Das Partum meiner Frau 815 Uhr Die sdiöne Helena I eriim-Tiieatei Täglich 8V» Uhr Viktoria undfhrHusar Marjliiaefl.ttiiidij.l«� Kleines Iheat. Täglich 8V« Uhr Grete Reinwald in: Uebe-Hieri mit Will Kaufmann, Heinz Klubcrtanz Tbttl a. Ranb. Tor Sottlmlet Str.«. tcjl 8S Uhr auch Sonnt uchm. 3. Uhr Elile- JWnaer Nla immer «w tro c Brtoin EaoloseLaclittgrm* 8 1 gat ond billig 7 Nur Gross-Borf in ATwxandorplatx L-Juergem Alcxondcrplatz Neue Könlgslr. laiier Qulttnngs-.labtit- u Seklamejitrken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. fertigt seit 45 jähr als SpczUUMt Conrad Nlllcr Leiizif• Stkkeuditx Nur nodt 7 Tage! 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Februar starb unser Kollege, der Dreher August Nischan Di« Einäscherung hat beretts statt- gefunden. Ehre ihre« Andenken! VI« Ortsveewnltunx. Im Anscfiluss an unsere VeransTalfung.im Zauberreicti derKüctienfee* M»» grosses muhkü ßolkti n-Zimd 4-?UtJf. Alle prominenten Waschmaschinen in voBem Betrieb. Erfrischungen wie bisher: Radium Schokolade.Burkbraun und Vitamin-Keks�aulchen" Dazu ein entzödendes Hutschenreuther Gedeck im Geschenkkarton für zusammen Mk.1.75 ttaddalzl — Berlin W8,LeipziflerStr.l22-123— Gewbmallszug s. Klasse ZK. Pttubtsch-ELddeuksche Elaats-Ldlterie. Obne Gewähr Nachdruck verboten -—----- Auf jede gezogene Stummer sind zwei gleich boh« Gewinne gesellen, nud zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I oud II 14. Ziehungslog 24, gebmar 1931 Sn�bcr heutigen. Bormlltagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 V-»m»e p> 10000 W. 23312 K ,» 5000 VL 18145 180036 209210 »«>>>--»» 2000 W. 2009 28502 3 2864 4322S S3S32 S13S7 SS0SS IIOSSO 112325 197S3S 26,28? eewiwi» ia 2000 9n. 12032 14145 21247 28540 32374 48343 f 9300 52064 62839 758° 1 82808 83878 88762 99773 100702 112323 '22266 132066 134185 143982 149182 265490 286786 290525 317689 oiorifi d4075ö �990 M. 14301 19130 24475 31311 32912 43244 �,78528 81179 86058 99183 100783 106666 111062 111291 '24881 129962 134691 139260 151689 153822 157753 161588 161855 '84320 16o151 184524 184618 189625 201029 203303 212006217462 244522 272105 276439 278001 280524 280786 286017 298510 333367 334511 348122 348348 364209 362414 338390 385175 389845 390222 390882 394032 399014 399568 .'64«NwhMi« ,u 000 M. 8629 12788 17720 19883 20565 25394 31244 5B9l3 50222 46888 49084 8' 753 60359 61177 68079 79619 85232„8458L863'2 90170 91 351 96753 108682 1,0696 121238 122960 130262 131397 143374 143772 146661 148271 161060 164193169764 171858 172226 172693 183016 19,782 209909 210081 215933 218681 224327 229952 235375 239323 246835 252640.18516 259095 268345 270654 279753 282220 288936 293645 302347 309003 312041 319943 320450 320524 327487 337647 338734 341894 343263 348831 350148 358637 363772 367805 368610 372276 372476 379590 382277 385887 335092 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. g-zvgen 6 v-wünie i» 10000 All 14489 152956 240437 6 etkmitt z» 5000 HL 10770 290337 381373 .«„!Ä�?SteÄiu-.3000®- 8495 91228 103673 137932 178505 191025 199288 247944 346201 48»«an»«»b 2000 At. 26331 44085 55825 67497 101889 102356 125099 206134 209126 240059 243892 248971 256062 258913 267281 276066 296058 320964 323397 343407 347542 373242 383430 393144 84««an*n«>» 1000 M. 7811 11314 20816 26982 49733 56117 91450 111446 114900 118814 127392 140099 150368 151963 164231 174405 183695 ,93814 198855 208619 215651 229575 231246 245056 260416 267040 274950 279805 279962 293973 310485 310528 310803 326274 331637 338690 351539 360177 365741 387655 393279 399753 1 70 S«w>na«>u 500 M. 2284 2462 5299 6125 8224 16553 13014 27271 28282 34777 36129 39295 42333 42661 45083 45954 54862 56349 59965 66151 69781 72297 81357 85341 91186 100275 111134 1 1 34 1 3 114309 1 13312 121351 121798 12I9I3 122388 123239 1504 18 1 59536 165765 167837 168267 173276 175546 180814 187956 191123 208393 2033,34 208709 219946 220297 228241 239149 245099 249159 253772 253812 273010 273191 275017 278999 280477 268775 289559 290382 293897 294375 296445 298008 301440 314210 320527 330916 331092 340724 342144 347006 359367 332155 363647 364291 372889 376248 387016 390939 398333 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000. 5 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 300000. 4 zu je 75000. L zu je 50000, 22 zu je 25000, 84 zu je 10000, 234 zu je 5000, 520 zu je 3000. 1SL8 zu je 3000, 3110 zu je 1000. 4036 zu je 600, 1405C zu je 400 MarZ KLEINE ANZEIGEN tnmimiHniiMitnntmiiKiinHiitminmiiuiimiiiiimiminiiiittniniiniHiiiinuiiuiu Preise: über sehr iftiwort 25 PL, Textwort 12 Pf. Wiederhoiungsrobatft 10 mal 5 Froz.» 20 mal oder 1000 Wort» Abschluß 10 Fror., 2000 Wort» 15 Proz., 4000 Wort» 20 Proz.- Stellengesuch»; Oberschriftswort 15 Ff., Textwort 10 Pf,/ Anzeigen, welch» für di» nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 41/; Uhr nachm. Im Verlag, Undenstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein | vepHame| Teppichhau» Emil Lesbore, Irr» Ii», seit 1882 nur Oranicnstrassc 158. Zahlunascrleicht:. rung ohne Au!» sdilaa. Neuer Kala» log kofiensrei.« ErgZazuagsmöbel. Schränke. Betten, Bibliotheken. Schreibt ische. Pol, stermobel, Sland- uhren, Büfetts, Bilrinen, Ruhe. betten. Grosse Aus- wohl! Billige Preise! Möbelhaus Osten. 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Im Jahre 1927 wurden an Gemüse über den Markt(also ohne die Selbstversorgung) herangezogen: !> t je Kovf der städt.BerSIIerunz 1L6 Millionen Tonnen aus dem Inlands. 34 0,35 Millionen Tonnen aus dem Auslände. 9 Kg zus 1,71 Millionen Tonnen......... 43 Kg Bon der Gesamtverbrauchsmenge an Gemüse hat somit das Inland vier Fünftel und das Ausland ein Fünftel geliefert. Diese Intellsätze von 1927 waren auch im Jahre 1930 wieder erreicht. Die Auslandsware hat indessen im großen Durchschnitt je 100 Kilogramm N>n do pp ebten Wert der Inlandsware. Nach dem Geldwerte gerechnet, entfallen daher von den Gemllseumsätzen nur zwei Drittel auf das Inland und immerhin«in volles Drittel auf das Ausland. Für die Gemüseeinfuhr sind dementsprechend im Durchschnitt der letzten fünf Jahre rund 113 Millionen Mark an das Ausland gezahlt worden Diese Einfuhr ha� nun den Absatz unserer heimischen Erzeugnisse erschwert; ebenso die Lage der Mehrzahl der deutschen Gemüsegärtncr. Im Vergleich zur Vorkriegszeit ist die Gemüse- einfuh(nach Abzug von 20 Proz. für Warenschwund) um etwa W Proz.— rund 110 000 Tonnen auf insgesamt rund 350 000 Tonnen gestiegen Der Wert je 100 Kilogramm Einfuhrware liegt im Durchschnitt der Jahre 1926/30 gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1911/13 um 60 Proz. höher. Diese Wertzunahme ist, abgc- ichen von der Geldentwertung, begründet dadurch, daß die Ein- fuhrsteigerung ganz überwiegend auf die höher- wertigcn Gemüse entfällt. Die Einfuhr von Tomaten ist vier- bis fünfmal höher als vor dem Kriegs, die Einfuhr von B l u m e n k o h l hat sich verdoppelt, die Einsuhr von Rosenkohl und Wirsing, ferner van Salat und Spinat hat sich jedenfalls um wenigstens ein Fünftel gehoben i genaue Vergleichszahlcn liegen nicht vor). In dieser Zunahme der Einfuhr an den höherwertigen Gemüsen spiegeln sich V e r s ch i e- düngen in der Nachfrage der Verbraucher nach den einzelnen Gemüsen wieder. Eine entsprechende Umstellung der Inlandsproduktion ist nun zwar in einem gewissen Umfange erfolgt, indessen stehen einer bedeutsamen Ausdehnung unserer Erzeugung von feineren Gemüsen ünir namentlich unserer Blumenkohl- und Tomatenproduktion Hinder- nijs« im Wege. Der Dorsprung der Niederlande Hinsicht- bch ihrer Ausstattung mit Glashäusern und ihrer hervorragenden Absatzorganisatlon wäre nur mit außerordentlichen Mitteln, der Vorsprung Italiens und Frankreichs hinsichtlich ihres s u b t r o p i- schen Klimas ist aller Loraussicht nach überhaupt nicht einzu- holen. Die Inlands erzeugung an Blumenkohl und Tomaten deckt nur etwa ein viertel des Vedarss. hohe Einfuhrzölle aus Blumenkohl und Tomaten zu legen, ist bei dieser Versorgungsbilanz nicht möglich und auch für Gurken, von denen das Inland nur rund drei Fünftel liefert, muß ein hoher Zoll abgelehnt werden. Dagegen wären bei den grünen Bohnen und Erbsen, beim Salat und Spinat, sowie beim Spargel— d. h. Ge- inüsearten, die das Inland in ausreichender Menge erzeugt, die das klimatisch bevorzugte Ausland jedoch vor der Inlandsernte zu Spitzen- preisen auf den deutschen Markt bringt— vom Bersorgungs- st a n d p u n k t höhere Zölle leichter zu ertragen. Sie würden nur einen Luxuskonsum treffen; und überdies verschlechtert diese Einfuhr die Wirtschaftlichkeit des Anbaues dieser Gemüse im Inland«. Indesien fallen diese Einfuhren im Rahmen der Gesamteinfuhren doch nur wenig ins Gewicht— es handelt sich um ein Achtel der Mengen und knapp ein Fünftel der Einfuhr- werte— und selbst ihre völlige Aufhebung kann die Gesamtlage des deutschen Gemüsebaues nur in sehr bescheidenem Umfange verbessern. Ernst aber könnten die handelspolitischen Folgen für Deutschland auch hier sein. Daher kann die Förderung unseres Ge- müsebaues nicht in erster Linie durch die Mittel der Zoll- und Außen- Handelspolitik erreicht werden, sondern die Selbsthilfemaßnahmen der Erzeuger müssen im Vordergrund stehen. Diese Selbsthilfemaßnahmen sind, wie es auch beretts bisher geschehen ist, vom Staat weitmögiichst zu unterstützen. Die Lage des deutschen Gemüsebaues kann bedeutend er» leichtert werden durch planmäßige Förderung einheitlicher Prvduktionszentren, dies bedeutet Massenanbau einiger weniger Kulturen in den geeignetsten Gegenden, durch Steigerung der Luolität der Erzeugnisse(rationelle Bodenbearbei- tung und Düngung so wie. S orte naus wähl), durch Ausbau der L a g e r m ö g l i ch k e i t« n für haltbarer« Gemüse, durch Typisierung und Standardisierung der einzelnen Erzeugnisse, ferner durch Schaffung modern st er Absatzorganisat»o- n e n und Verkürzung des Weges zwischen Produzent und Konsument und nicht zuletzt durch wissenschaftliche Marktbeobachttmg und Markt« erforschung. Eine solche rationell« Förderung des heimischen Gemüsebaues liegt auch im Intereffe der D e r b r a» ch« r. Der Gemüsebau bedarf besonders zahlreicher Arbeitskräfte, kann alfo zur Milderung der Arbeitslosigkeit beitragen. Auf der letzten„Grünen Woche" war anschaulich dargestellt, daß auf ein chektar gärtnerisch genutzte Fläche 5,1 erwachsene Personen gegen nur 1,9 auf anderer landwirt- schaftlich genutzter Fläche beschäftigt werden und ferner, daß zur Bearbeitung einer Fläche von ein Hektar im Gemüsebau 1654.3 Arbeitstage, in der Landwirtschaft aber nur 61,3 Arbeitstag« notwendig find! Gerade dies« günstigen Möglichkeiten wären durch kurzsichtige und eindeutige Anwendung des Zollin st ruments nicht zu erreichen. Noch mehr Arbeitslose. Enttäuschung in Berlin und Brandenburg.— Frofiwetter als Ursache. Die leise hostmrng. daß die in der zweiten Zanuarhälste ein- geireteve Berringerimg der Zahl der Arbeitsuchenden um rund 2400 Personen für Berlin und Brandenburg eine Wendung zum Besierea nedeulet. Ist enttäuscht worden. Das Landesarbeitsaml Brandenburg meldet, daß sich die Zahl der Arbeitsuchenden in Einem Bezirk vom 1. bis 15. Februar wieder um 2 5 4 2 2, also recht l-ckrächtlich vermehrt hat. Als hauptnrsache sei das anhaltende Froskwctter anzusehen, das insbesondere auch die Landwirtsrhast bei der Zlachftage nach Arbeitskräften hinderte. Auch im Baugewerbe hat ans den gleichen Gründen die Belastung des Arbeitsmarkles znge- nowmen. Da» gleiche gilt aber auch für die BerNner Metallindustrie: nur bei der Autoindnstric zeigte sich eine leichte saisorunäßigc Bele- bung. Bai den Angeslelltenberusen hat sich die tage weiter vor- fchlcchterk, nicht zuletzt durch den Abbau der für die Weißen Wochen cingestellken Aushilfskräfte. Die Zahl der Arbeitsuchenden erHöhle sich in Brandenburg ans 708 089. Davon kamen aus Berlin 486 676 gegen rund 467 000 Ende üaanar. hauptunlerstühungsempsänger waren Z21914. in der Krisenfürsorgc waren 12S712 Personen. Held-Krancke endgültig pleite! Der Aufsichtsrat derIndustriebauHeldu-Francke A.-G bat beschließen niüssen, beim zuständigen Gericht den Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens zu stellen. Tie .Zahlungen sind eingestellt. Damit hat die Ende vorigen Jahres mit soviel Theatralik vorgenommene Sanierung mit einem völligen Fiasko geendet. Man erinnert sich, daß damals die übelsten Vilanzierungsmethoden offenbar wurden, die jahrelang die schlimmste Verlust Wirtschaft eines äußerlich glänzenden Unternehmens verbargen. Damals kündigte auch der jetzige Großaktionär, der Sachverständige des Stahlhelms, Dr. L ü b b e r t von der A.-G. f ü r Verkehrswesen, ein« Schadcnsersatzklage gegen den früheren Besitzer der Industriebau-Aktien, Ludwig Katzenellenbogen vom Schulcheiß-Ostwerke-Konzern, an, ohne daß man weiteres in- zwischen erfahren hätte.< Jetzt hat sich herausgestellt, daß Dr. Lübbert die Entwicklung-- Möglichkeiten der Industriebau weit überschätzt und die Sonic- rung mit ungenügenden Mitteln unternommen Hot. Da die Schuldner wider Erwarten(!) schlecht gezahlt haben, da der Baumarkt koin« Besserung auswies, fei der von den Banken ein- geräumte Sanierungskredit, der inzwischen sogar erhöht worden sei, erschöpft ohne daß die Gesellschaft wieder flott geworden sei. Denn Dr. Lübbert beim Aktienkauf übers Ohr gehauen wurde, so hat fr sedenfall? bei der Sanierung nicht sehr viel Weitblick bewiesen. Da für die A.-G. für Verkehrswesen neu« Verluste aus der Zahlungseinstellung bei Industriebau entstehen werden, ist der Kurs ihrer Aktien in den letzten Tagen erheblich gefallen, gestern sogar gestrichen gewesen. Baumarkt im Januar weiter verschlechtert. Halbierter Zementabsah. Di« Lage am Baumarkt verschärfte sich im Januar nach den Feststellungen des Baugewerksbundes weiter. Die Arbeitslosigkeit ist von 64V Proz. auf 72,9 Prag, gesttegen. Die Zahl der in Arbeit stehenden Bauarbeiter ist um fast �40 Proz. geringer als im Vorjahr und bleibt sogar um noch mehr als 20 Proz. hinter derjenigen des so außergewöhnlich kallen Januar 1929 zurück. Auf dem Land« sind die Befchästigungsverhältnisse noch trostloser als in den Städten. Wenn man es im Frühjahr nicht zu einer Krise von noch nie gesehenem Ausmaß kommen lassen will, wird nichts anderes übrigbleiben, als die übereilte Fortnahm« von Hauszins st«uermittcln wieder rückgängig zu machen oder dem Baumarkt aus anderen Quellen dreistellige Milliönenbcträge zu Dorzugszinfen zur Verfügung zu stellen. Die ganz außerordentlich schlechte Lage der Dauwirtschait läßt sich besonders deutlich daran erkennen, daß der Absatz der Zement- industrie im Januar 1931 auf 164 000 Tonnen gefallen ist und sich somit gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres, der einen Vor- fand von 313 000 Tonnen bracht«, fast genau halbiert hat. Büfsing-AAG. in Slbing. Obwohl die Stadt E l b i n g hohe Kredite hergegeben hatte. ist die Automobilfabrik K o m n i ck A G., E l b i n g, in Konkurs gegangen. Jetzt hat das eingige Unternehmen, das in Deutschland etwas für die Zusammenfassung der zersplitterten Lastwagen- Produktion tut, die B ü s s i n g- R A G. Vereinigte Nutz- kraft wagen AG., Braunschweig, mft der Stadt Elbing einen Vertrag abgeschlossen, wonach sie etwa die Hälfte des bis- herigen Kombick-Werkes übernimmt. Sie wird darin eine große Reparatur- und M o n t a g c w c r k st a t t für ihre eigenen Fabrikate errichten, zugleich übernimmt sie die Fabrikation von Komnick-Ersatzteilen, damit die zahlreichen Besitzer von Komnick-Lastwagen und-Traktoren beliefert werden können. Die Büssing-RAG., in der seit dem 1. Januar- die L a st- wagenproduktion von Büssing und der Nationalen Auto- mobll-Gesellschast vereinigt ist. dürft« sehr billig zu diesem neuen Betrieb gekommen sein, da die Stadt Elbing froh sein muß. wenn sie einen Teil der geopferten Gelder wieder hereinbekomm?: äußerem muß ihr die Errichtung dieser neuen Werkstatt aus Gründen der Arbeitsmarktpolitik sehr erwünscht sein. Für Büssing- NLG. ist natürlich die Gewinnung einer Produkttonsstätte i m Osten außerordentlich wertvoll; da diese nur als Montage- «erkpatt geplant ist, wird dadurch«ine bessere Beschästigimg der übrigen Betrieb«, die die Einzelteile fürElbing liefern werden, ermöglicht werden. Die Vormachtstellung von Vüfsing-NAG. im deutschen Lastwagenbau wird dadurch noch gestärkt. Dies Unternehmen unterhält zur Zeit Werke in folgenden Städten: Braun- s ch e i g(Büssing), Berlin- Schöneweide(RAG.), Aachen (früher Mannesmann-Mulag), Chemnitz(früher Presto), Leipzig(früher Dux), wozu jetzt noch Elbing kommt. Aber man darf nicht vergessen, daß damit immer erst herzlich wenig für die Zusammenfassung der deutschen Zlutomobilsabrikation getan ist. Erhöhter Karstadt-Amsah. Die Rudolph Karstadt A.-G. weist für das am 31. Ianuar beendete vierte Quartal des Geschäftsjahres 1930/31 einen Umsah von 120V will IN.(drittes Quartal 94,8 will.) aus. Damit hak sich der Gesamtjahresumsah von 403,2 aus 409,8 will. M. erhöht. Die Umsahsteigerung ist aber allein bei den Einhcitspreisläden(Epo), deren Zahl sich erhöhte, eingetreten-, aus sie entfallen 98,5 will. M. (im Vorjahre nur 74.4 will.) vom Gefamlumsalz. Der Umsah der waren- und Kaufhäuser ist also, trotz der Erössnung des Hauses in Reukölln, von 328,8 auf 311 will. M.. um etwa 5 Prozent, zurückgegangen. Da aber gegenüber dem Vorjahre ein nicht unerheblicher Preisrückgang zu verzeichnen ist, so dürste sich mengenmäßig der Umsah der waren- und Kaufhäuser aus der höhe des Vorjahres gehalten haben. Noch höhere Llmsätze bei Tietz-Köln. Der Umsah der waren- und kaufhonser der Leonhard Tietz A..S. hat sich von 190 Will, wart im Iahre 1929 aus 205 will. Work im Iahre 1930, also um 15 will. Mark oder 8 proz., erhöht. Die Umsah- steigerung ist auf die Erössnung neuer Häuser zurückzuführen. In den angeführten Zahlen fehlen aber die llmsahzissern der Tiehscheu- Einheilspreisläden(Ehape), die vermutlich wie bei Karstadt eine größere Umsahsleigerung als die Warenhäuser aufzuweisen haben. Nahrung ist wichtiger als Meidung. Einzelhandel und Wirtschastskrise.— Kleinerer llmsah, Lager- und Kostenabbau. Der Umsatz des dautfchen Ein.zflllzaiidels ist nach den Mi!» tcilungen der Forschungsstelle für den.Handel im Jahre 1930 um etwa 9 Proz. niedriger alz im Vorjahr gewesen. Gegen Ende des Jahres ist eine stark über den Durchschnitt hinaus- gehende Verschlechterung des Umsatzes eingetreten: im Oktober be- trug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 15,9, im November 22,8 und im Dezember 15,4 Proz. Dabei hat die Z u r ü ck h a l- tun der Käufer in Erwartung des Preisabbaus ein« wefcnt- liche Rolle gespielt. Ein Teil des errechneten Umsatzrückganges geht auf die Preissenkung und auf den Uebcrgang zu Waren geringerer Qualität zurück Verhältnismäßig günstig hat, weil das Essen in der Not dos Wichtigste bleibt, der Lebensmittel Handel abgeschnitten; bei Ihm betrug der Rückgang nur 6.7 Proz., während er bei Be- kleidung, Schuhen, Hausrat usw. etwa 11 Proz. erreichte. Bei den Textilwaren sind die Rückgänge bei H e r r e n- und K n oben- kleidung doppelt so groß gewesen als bei Damen- und Mädchenkleidung. Sehr interessant ist, daß bei Schuhen ein Rück- gang um mehr als 11 Proz., bei Lever kein Rückgang festgestellt wurde; wenn kein« rteuen Schuhe gekauft werden können, �müssen die alten repariert werden! Sportartikel, Schallplotten' wiesen naturgemäß noch viel stärkeren Rückgang auf. Aus diesem Umsatzrückgang hat sich der Handel sehr schnell in seiner Einkaufs- und Lagerpolitik eingestellt. Zwelsel- los ist eine Verkleinerung der Lagerhaltung ein- getreten. Die Kosten sind erst im Lause des Jahres geringer geworden. Während die Gesamtkosten des Jahres 1930 nur um 1,5 Proz. nte- driger als im Vorjahre waren, erreichte der Rückgang im Dezember doch schon 7,7 Proz., blieb allerdings— was unvermeidlich ist— hinter dem Umsatzrückgang von 15,4 Proz. stark zurück. Auch die sogenannten fixen Kosten(die für gewöhnlich unabhängig vom Umsatz sind) sind gesunken. Daß diese knscnhaste Entwicklung der Umsatzziffer die Zahl der Konkurse und Vcrglcichsvcrfahre-n wesentlich erhöhte, ist nur natürlich. Schwankungen der Fleischhan öelsspanne. Nach dem Wochenbericht der R e i ch S f o r s ch u n g S st e l l e für landwirtschaftliches Marktwesen sind die Vieh- und Großhandels- preise für Schweine-, Kalb- und Hammelfleisch in der Woche zum 22. Februar gestiegen. In den Kleinhandelspreisen haben sich zu- gleich frühere Preissenkungen im Graßhondel jetzt etwas weiter aus- gewirkt. Infolgedessen ist die_in der Woche zum 15. Februar besonders hohe Preisspanne bei Schweine-, Kalb- und Hammelfleisch wieder zurückgegangen, während sie bei Rindfleisch stabil blieb. Die Spanne zwischen den Groß, und Kleinhandelspreisen hat sich insgesamt gegenüber der Vorwoche von 24,4 mif 20,4 Pf. wieder verringert. Die kohlenkonjunktur im Ianuar. �»i Rheinisch-Wefffälischen Steinkohlensyndikat ist im Ianuar die Förderung von 8,50 auf 8,45 Millionen Tonnen gesunken, die arbeitstägliche Förderung ist gegenüber Dezember von 347 016 auf 331573 Tonnen zurück- pegangen. Der Cesamtabsatz wird mtt 3,72 Millionen Tonnen(gegen 5,80 Millionen im Dezember) angegeben; davon gingen 2,98 Mil- lionen Tonnen(2,88) nach dem bestrittenen und 2,73 Millionen Tonnen nach dem unbestrittenen Gebiet. Der Kredit|ür die Eleklrifizierunq der Strecke Augsburg— Stuttgart. Die Firmen Siemens, AEG.. Bergmann und Brown- Booeri. die bekannttich die Elektrifizierung der«trecke'Augsburg— Sluttgart ausführen werden, haben jetzl einen mehrjährigen Kredit in Höh« von etwa 50 Millionen Mark erhallen. Zu den trcditgeben- den Banken gehören die Schweizerische Kreditanstalt, die Stockholmer Enzkidbank, Warburg u. Co. und Mendelssohn. Der Zinssatz soll 7,5 Proz. betragen. papierdivideudea im hartmann-konzern. Di« Auffichtsräte der Dresdener Chroms- und Kunstdruckpapierknbnk A.-G.- Heidenau und der Papicrlabrik Krapp itz A.-G-B-ftin haben be- schlössen, für 1930 den Gsnerolverlomn-lua-ren Div'fenten van 7 gegen- S Prozent, im Boriahr vm.z-schte'?;,. Der flunftfeideahfofi der Bctnbctg 2t.-Or ist im Äejchäftsjahr 1929/30 natürlich n 1 ch? v m, wie es in Nr. 89 unteres Blattes unter „Ein Eingeständnis!" hieß, sondern a u f, 4*,5 Will. Mark(Vorjahr 53 Mill. Mark) zurückgegangen. Gerdiand: Heimweh i wiWarlef aal... Junge L-n'te w.,ndern nachts durch di« trjchrerfettli hohen, fahlen Bahnhofshallen, starren in die Wirrnis der Gleise, stirdieren mit einer «rbissenen Eindringtickikeit die Anschlagtafeln und setzen sich in die Wartesäle und warten. Jung« Leute schlendern vereinzelt, einsam an den Bahnsteigen vorbei, das Toppen ihrer Schritte hallt wider von den gläsernen Wänden... Sie lieben diese stillen, unheänlich- ruhigen Nachtstunden der gigantischen Bahnhöfe in der steinernen Stadt. Immer wieder treibt es sie her mit vehementer Gewalt. Sie bleiben aber nicht lange. Sie hocken, bewacht von einer grenzenlasen Einsamkeit, vor einer Tasse fettiger Brühe, einem Glase schalen Biers. Sie gehen bald, die jungen Leute, gehen mit einem Kopfschütteln über sich selbst... Sie sind Kausleute, Stenotypistinnen, Schau- spieler oder Arbeiter, sie stehen im Erwerbsleben, und dies Leben rührt sie hart an, verschont sie nicht mit seiner zermürbenden Hast. Sie bewohnen möblierte Stuben mit Plüschmöbeln und Nippes- figuren auf der Kommode, sie haben«ins Kinofreundin oder einen Sonnabendnachmiltags-Ausgehfreund, sie haben Tänzpartner oder besuchen heftig und ungestüm politische Aersammlungen, Deshalb haben sie teine Zeit zum Grübeln, für Heimweh. Sie packe» das Leben tüchtig an, und ihre Briefe an»zu Haufe' sind geladen mit Zuversicht, oollgepumpt inst Ziertrauen und Hoffnung, gesättigt von Tattraft und Energien. Ja. ihre Brief«... Da fitzen sie feierabends in der möblierten Stube, irgendwo krakeelt ein Grammoplwn eine öde Gassenhauerlitanei, nebenan keift «in altes Weib, ein Baby jammert, und jenseits des Hofs, hinter einer knallgelben"Gardine, bewegen sich die Schatten von Liebenden. Sie aber sind ganz allein. Die Trostlosigkeit des aussichtslosen Daseins überfällt sie in solchen Stunden, und sie nehmen Pcipier und I Feder und Tinte und schreiben an die Eltern und Freunde in der Heimat, an die Geschwister und an den Pfarrer.„Mir geht es nach wie vor gut...„Wenn nur der Dienst weniger anstrengend wäre... Aber ich trage mich ja mit der Absicht..." Und dann, mitten beim Briejschreiben, ist es plötzlich wieder da! Es steht am Tisch, und es liegt wie Moder über den guten Stücken der Steuersekretärswstwe. Es ist da, es grinst herab von den namenlos fremden Familienbildern an der Nankeirtapete, es krakeelt blechern und raffelnde aus dem fremden Grammophon. Es drückt dem jungen Menschen den Hut auf den Kopf, wirst ihm den Mantel über, es ist da und faßt ihn an der Hand, es führt ihn die Treppen hinab, die Strasse hinaus, gerodeswegs in die Bahnhofshalle. Was denn? Das hermweh! Sie sitzen nachts an den gedeckten Tischen der Wartesäle erster und zweiter Klasse. Ans den Tischen stehen Prehglnsvasen mit lächerlichen Poplerblumen... Die Oberkellner bewegen sich wie auf- gezogene, automatisch betriebene Wachsfiguren. Es ist ganz still, unheimlich still, der nächste Zug laust erst in einer Stunde ein... Das Bonbonsräulein lächelt traurig. Aber diese Stille tut den jungen Leuten wohl. Sie denken daran, daß sie ja nur in einen Zug zu steige» brauchen, morgen oder in einer Woche oder in einem Jahr, um nach Hause zu kommen.. Und plötzlich tauchen wieder Aktendeckel vor ihnen auf, Kladden oder Kulissen, Gesichter der Ehess und Kollegen. Dann gehen sie kops- schüttelnd über ihre„sentimentalen Anwandlungen' heim, in ihre Stube, in der ein angefangener Brief liegt, den man sofort zcr- reißt... ./»ra» Rettbut der fein ffiier trank „Ick» lebe,' sagte der Mann, der sein Bier trank und mst dieser Anrede unsere Bekanntschaft eröffnete,„aber— wissen Sie auch, daß ich ebensogut tot sein könnte?' „Nein, wie sollt' ich das wissen?' antwortete ich. Wir standen uns in einer Stehbierhalle gegenüber. „Doch,"' sagte er. Dann schwieg er für eine Weile. Und begann wieder: „Das ist«in« Eigentümlichkeit iwm Gsriästsvollzieher.' sagte er, , daß alle Leute, die mit ihm zu tun haben, ihn ernst... und alle Leute, die nichts mit ihm zu dm haben, ihn komisch nehmen.' „Das Ist richtig.' „Ja," sagte er.„Ich habe nämlich ein kleines Mädel, fünf Jahre, und'ne Frau. Dos nebenbei. Wie nun der Gerichtsvollzieher kam. war uns allen klar, daß der große Dreh kommen muhte, sonst— Gashahn. Sie kennen doch die Sache mit dem großen Dreh? Es gibt Menschen, bei denen kommt er rmnier, und es gibt andere, bei denen kommt er nie. Ich hatte nämlich einen Papierladen, das war ein komischer Laden, müssen Sie wissen. Entweder bei uns in der Gegend schreiben die Leute keine Briefe... oder die besch.... Wirtschaftslage überhaupt. Also der Laden hatte den Dreh in der verkehrten Richtung gemacht. Da»ruhte nun ein Doppeldreh kommen, um ihn wieder richtig zu kriegen— den Laden. Zuerst ging ich auf die Wohlfahrtsbehörde, aber das mit der Wahkk.rhrts- behörde dauerte oasig lange, Herr, und die Beamten sagen: Innnec der Reihe nach.. i Da haben sie recht, ich würde e» schließlich genau so machen. Wissen Sie. ein Wohlfahrtsbeamter, der feine Sache mit Gefühl anfaßt, der muß ja nach vierzehn Tagen'ne Leiche fein. Also auf die Leute da könnt' Ich nicht warten. Da ging ich mm zur Darlehnskasse, wozu is sie da, Hab' ich zu meiner Frau gesagt, wen, keiner sie benutzen will. Nicht? Den Laden hatte ich noch, müssen Sie wissen, aber es wurde darin nischt verkauft, er war sozusagen geschlossen. Ein Brotgeschäst wollt' ich nun ausinochen, Herr, denn Brot essen die Leute auch bei uns in der Gegend, wemr sie auch keine Briefe schreiben. Ich Hab' an's Vaterunser gedacht, da steht schon geschrieben: Unser täglich Brot... und das ist richtig. Aber daß ich zur Darlehenskasse gegangen bin, das war am Ende wieder ganz falsch gewesen. Dies stellte sich ober erst nachher heraus. Nämlich die Wohlfohrtsbehörd« legte nun einfach mein« Akt.' beiseite, weil ich imn ja anderweitig versorgt werden sollte. Versorgt»verde», ja... Für die einigen hundert Mark, die ich haben wollte, mußte ich zuerst einen Bürgen beschafson. Ick) kannte aber köi.ien— und erst nach eineinhalb Monaten kam ich an einen Mann, der sich zu verniinstigcn Bedingungen bereit erklärte. Seine Bedingungen lvaren aber nur deshalb so vernünftig, weil er selber immer besoffen war. Nüchterne Leute haben dagegen nun wieder verrückte Bedingungen... es'st nichts vollkomnien auf Erden, Herr... Meine Sache kam jeden- falls richtig in Fluß. Die Darlehenskasse sagte endlich Amen, und statt des Gashahns lvurde min der Laden aufgemacht. Zuerst an eiirein Freitogabend, von halb, sieben bis sieben. Ich»sollte mich bloß erst auf den Schreck vorbereiten, bloß mal sehen, ob wohl inner- halb einer halben Siunde ein Kunde käme. Herr, in dieser halben Stunde haste ich einen größeren Umsatz als in den» Papierladen, seligen Andenkens,»vöhreird eines Monats. Ich kannte gar nicht dran glauben, daß dos mein eigener Laden war. in den mst einem 'Mal so viele Leute kainen. Ich hotte, das muh ich schon sagen/'ne »nächtige Airgst vcr soviel Glück. Am Sonnabend»rwßte sogar meine Schivägerin mithelfen beirr» Bedienen, so strömte«s bei uns herein: wir hatten'n Umsatz von hundertfiinfzig Mark... An einem Tag! Was sagen Sie? Bei solchen Zeichen»md Wundern muß der Meusch natürlih seine Ueberzeugung ändern, denn radikal, Herr, sind wir Geschäfts- leiste nur, wenn wir unglücklich sind. Ich trat in eine andere politische Partei ein; ich spendete was für die Heilsarmee... Ich sah vier Engel niit z».'sainmengewachsenein Gesäß posaunend zun» Himmel brausen, die bliesen in alle vier Richtungen über die Erde: drei Menschen— gerettet!. Ja, gerettet, Herr. Wie der Protladen so'ne Woche in Betrieb is, kommt ein Schreiben von der Darlehenskasse an, ich sollte mal gleich Hinkammen 'u Herrn Obemgieniugsrar Sound/o. Na, ich denn auch hin und ahne nichts Gutes. Ein schlechtes Gewissen hatte ich nicht— aber rvenn Beamte einen gewöhnlichen Menschen einladen, daß er sie besuchen soll, da kommt niemals was Besonderes oci heraus. Richtig. kaum bin ich da, gibt es Krach- Angeschnauzt haben sie mich— jawohl, niit Posaunen aus allen vier Richtungen, aber das wiven keine Enocl, die bliesen. Sie brüllten mir zu. daß ich ihr Vertrauern mißbraucht hätte, daß ich... Wieso, meine Herren? frage ich ganz nihig.— Da kam nun heraus, daß ich mein Darlehen, die drei- hundert Mark, zu Unrecht erhalten hätte— weil ich nämlich in Wirk- lichkeit noch nicht an der Reihe gewesen wäre. Aber da war irgendwo unter den Akten noch ein Namensvetter von mir, den ich gar nicht kenn«, Sie hatten mich allst» venvechfett. Und ich hätte von Rechts wegen noch Zwei oder drei Monate warten iniissen— nicht auf das Geld, sondern erst einmal aus Bescheid. Zivci oder drei Monate, Herr... wo wären ich, meine Frau und»nein Mädel da wohl cemesen... Aber nun hatte ich ja mein Geld dahin, der Laden tvar in Betrieb, jawohl,»seil die Bsamten einen so schönen Bockmist gemacht hatten und mich mit meinem Namensvetter verwechselt... Das heißt, wie ich die Sache ansah, war das gar kern Bock:mst, oder.: was dem einen sein Lockmist»st, das»st dem andern sein Gold. Aber mir wlirdc. als ich den Jularnmenhanz begnsf, ganz anders, Herr... ganz flau, ganz'komisch zu Mut wurde»nir. Was waren d-ao sür zusällige Unsständc, nickst? denen ich mein Glück nun verdankte. Ick) ersuchte den Herrn Obcrrcgierungsrat denn auch, einzusehen, daß durch diesen zufälligen Fehler in seinem Bürsbürie'o drei Menschen ain Leben geblieben waren: und ich ersuchte ihn, sich selber und seinen Beamten keine Vorwürfe weiter deswegen zu »»achcn, sondern sich lieber über diese Sache zu freuen. Und da ich das ganze besch.... Darlehen in wenigen Monaten ja lcreits ab- bezahlt haben würde, so kä,r»- ja keiner zu Schaden. Nich? Aber dar Mann kannte das nicht kapieren. Herr—:vorum, »veiß ich nicht. Er schin»pste weiter, und dann ging ich noch Haus. Ich war gerade In diesen T-igrit ganz nah daran gewesen, wieder in die Kirche einzutreten,»veil mir der große Dreh wie eine Fügung Gottes«rsthienen mor; meine Frau hotte sogar eine» Extravers für die lieben guten Beamten an der Darlchenzkasse im Nachtgebet »«einer Kleinen eingelegt... Na. ich bin nicht in die Kirche rein- gsgangen und meine Frau hat den Bers wieder gestrichen. 'n komischer Fall, nich? Wäre alles bei der Kasse richtig und seinen Weg gegangen, dann hätte In diesen Tagen wohl'ne kleine Notiz in der Zeitung gestanden: Schreckliche Faimlientragödie eines Papierwarenhändlers»vegen Rahrunassovgen.— Nun steht vielleicht so'ne kletne Notiz in irgend'nein Blatt, die sich auf meinen Nomens- vetter bezieht— Sie wissen doch, das ist der, der noch drei Monate anstatt meiner warte»» soll. Irrtümlicherweise bin ich noch an» Leben und trinke mein Bier. Ich darf gar nicht lange über die Sache»»»»d an meinen Rainensvettor denken, ich bin immer, gleich ganz ver- datiert. Ihnen kommt dos olles vielleicht gar nicht so merk- würdig vor? Na. Prosit.'__ Peter Panojf:, &afching in fibirifchen Wäldern Jedesmal, wenn die Faschlngs-Epideinie im Februar bei uns ausbricht, hört sie nicht auf. bevor der ganze Kontinent radikal an- gesteckt ist. Erst bei den letzten Ansiedlungen an»er ural-sivirischen Grenze macht sie halt und kann nicht lveiter. Da liegen nahe bei- einander drei, vier tschudisch-permjakssche Dörfer. Dicht hinter diesen Dörfern noch Norden und Osten beginnt das großartigste Wald-. meer, das man sich denken kann. Es breitet sich noch Ztorden bis zu den Tundren der Samoseden. nach Osten zum Ural hin durch den entlegenen Tslherdsilnschen Kreis des Gouvernements Perm. Weltvergessen kleben die Dorschen om Rande dieses blauen Ozean?. aber auch da tobt dl« Fasttmcht-Sllmmung ebenso stark, ja, vielleicht noch stärker als bei»ms. Die ungebändigte Wildheit dieser mir an Lraga und Wodka denkenden Kinder einer harten Natur ist gepaart mit Gutim'itigkeit, Lebensfreude urrd mit einer allgenioinen Verunnüchterung, die für unsere Begrlsfe direkt unniöglich ist. Ob- wohl die hier Mitte Februar übliche Temperatur von minus 30 Grad nicht gerade angenehm ist»nid man di«„Festlokole' nicht besonders glanzvoll nennen kann, sind diese Permjakon und Tschuden in der Faschingszeit resttos glücklich. Z»v«i Tage vor der Maslemlza lFastnacht) kehren die Männer aus dem Wolde, wo sie im Holzfchlag arbeiten, heim. Schon unter- »vegs gelingt es ihnen, sich gründlich zu betrinken. Wem» sie in solchem wackligen, linsauberen und stark verräucherten Zustand die geheiligte Türschwelle ihrer Behoirstmg betreten, werden sie oft von der haussraii mit den üblichen Worten„Waldgeist' oder„Du drei- mal Verfluchter" begrüßt. Bei uns wäre eine solche Titulierung eine grobe Beschimpfung, dort klingt sie wie eine Liebkosung, denn man darf nicht vergessen: hier regieren die Frauen,»veil Männer und Pferde dauernd im Wald« sind. Wenn die erste zärttiche Begrüßung überstanden ist. beginnt der Ehemann Toilette zu machen. Dies« besteht aus einem Dampf« bad und dauert gewöhnlich bis zum Abend. Dann geht es aber im Lauftempo noch der Schonkbud«. Die hier überaus starte Braga — eine Art Gebräu aus Gerstenmolz und Hopfen— wird von den Weibern unaushörtjch kredenzt, dazu tauchen Batterien von Wodka. flaschen auf. Nach einer Welle beginnen die Weiber zu tanzen. Es ist ein fast unl)eimliches Bild, wie die kleinen, häßlichen, alten Ge- schöpfe in Fest-Schomschurka»md Sarafan auf den Lindenbast- schuhen plump hüpfen, ein seliges Lächeln auf den tierischen Zügen, den Takt mit geschwungener Faust morteei*. Aus ihren heiswn Kehlen dringen seltsame Lieder, deren drastische Plastik man kaum beschreib«« kann. Dies« Weiber können sich nicht genug tun«n den gewagtesten Bocksprüngen. Alle Augenblicke segelt mit stark ver- schoben ein Schwerpunkt ein neuer Festgenosse herein. Schließlich «in letztes Taumeln und der eine oder di« ander« stürzt nieder. Dann schleift man st« an den Beinen in«inen Winkel und Tanz und Gesang gehen»veiter. Während die..reifer« Jugend' sich in derartigen Blocksberg- szenen ergötzt, feiert die junge Generation abseits ihren Faschingsball. In der größten Izbä(Wohnstube) des Dorfes drängen sich die tanzlustigen Mädchen zusammen. Auf den Bänken sitzen Kavaliere im Schafspelz, hohen Filzstiefeln und zottiger Pelzmütze— Riesenkette. Die Mädchen eröffnen den Tanz. Sie schreiten in, Reigen, Im Gänsemarsch hintereinander und singen wohlklingende, träume- risch monotone Lieder. Bon den Ofenbrettern schauen die kleinen, sehr niedlichen Kinder wie Engelsköpfchen ans die Eruxichsenen her- ab. Dann tritt der Reihe nach je«in Bursche in die Mitte des Reigens ein und bleibt auf einem Schemel stehen. Die Mädchen reichen im Vorbeigehen dem Burschen ihre bunten Kopstücher, singen und loben ihn so lange, lös er einer jeden mit einem Kuß das Tuch wiedergibt. An, Tage der Müsleintza legen die jungen Leute mn steilen Abhang des Dorfes ein« eigenartige Rutschbahn an. Wie ein Eisen- bahngleis lmifen, parallel aneinandergelegt, dünne Kiefernstämme auf dem Boden entlang, di« an der Oberseite entrindet und durch Uebergieße» mit Wasser spiegelglatt gefroren sind. Aus:««in Glci? tritt ein Bursche und ein Mädck)«!», die Fußspitzen einander zu- gekehrt,»eichen sich dl« Hand und sausen aus den glatten klangen gleitend mit S6)nellzugsgeschwindigk«t talab. Oesters werden hei solcher Gelegenheit Am»« und Füße gebrochen. Es gehört große Hebung zu diesem Wagestück, das mit der größten Kühnheit Immer und immer wieder ausgeführt wird. In de». Pausen trinkt man skiicheiiweis« Wodka und« ißt Sajgä, eine», etwas übelriechenden, gedörrten Fisch au» der Petschora, mit Bliny und Schangy, ein:»» wolstichnieckenden pusferartigen Gerstengebäck. Die Konjunktur der Feiertage nütze», an» meisten die handeltreibenden Tataren aus. die gruppenweise hierher kommen, um den betrunkenen Bauern ihr« nicht ganz eimvandsreien Pferde zum Kauf anzubieten. Diese Kinder Mohammeds sind lustig und aus- gelassen und trinken besoi�rs gern, wenn sie sich fern von der Zuchtrute des gestrengen Mollah befinden. Mohammedaner»»»d Christen springen vergnügt zu de» schmissigen Klängen der hur- monika nnd stampfen die Nationaitänz« Trepak und Kamärinsk». Der eisige Wird geht bi» ans Mark, die Nc»j« brennt wie Feuer, und um den Schnurrbart legt sich der dicke Reis wie Blei, ober niemaird will sich zurückziehen. Am Sonntag ksl der letzt« Akt der MiÄenitza— das Spazier- rcnnjahren auf der Dorsstrahe. Di« Beleuchtung bei der langen Dämmerung mst den Reflexen auf den violett getönten Schi»ee- flächen, nacht diese Fahrten sehr reizvoll. Ein- und Zweispänner voll Burschen und Mädchen fahren die Dorsstmße ans und ab und singen aus voller Kohle:„Ach. du Winter. Winterchen, w.nst gar kalt.' Den nächsten Tag nennt man„reiner Montag', denn olles �dämpft sich in den Badeiniben und reinigt Leib»md Seele. Die Faschmgcpidemie ist aus und es beginnen nun die großen Fasten und die strenge Arbeit. Wlenfdi und Vlenfchenaffe In der ärztlichen Gesellschaft für SeruolwisUmschu't und Konstitutio.'.slehre hielt Dr. Hans Weinert. Potsdam,«inen Vortrag über seine Forschungen aus dem Gebiete der Abstammungslehre, die demnächst in einer größeren Arbeit vcrösicnttlchl werde». Au?- gehend von der Ausfossung haeckels, der sich noch sehr vorsichtig über die Rühe der Veruwndtschaft zwischen Mcnschenassen und Mensch ausdrückte, stellte er zunächst fest, daß he»it« diese nahe Ver- »vandtschast als durchaus erwiesen angesehen wevden müsse. Während kurz vor dem Kriege allgemein die Ansicht von Klaatsch verirelei» wnrde, daß die verschiedeiien menschlichen Rassen auf verschiedene Affenarten zuriickzusühreii seien, daß also eine mehrmalige 'Menschwerdung an verschiedenen Stelle» der Erde statt- gefunden habe, kommt Dr. Weinert zu dem Ergebnis, daß die Menschwerdung einmalig gewesen sei und die Rassen sich später entwickelt hätten. Seine llnterstichungen gingen daraus hn>, sestzustellen, ob etwa«ine engere Veruxnidtschast des Menschen mit einer bestimmten Affenart bestehe. Um dieses festzustellen, suchte er nach einem Merkmal, das zwei Eigenschaften aufweist: l. es darf als Organ keine Funktion erfüllen, wie etwa Arm oder Fuß, ein solches könnte bei Umweltsveränderungen Abänderungen er- fahren haben: 2. es muß, wem, die Träger der Erbeigenschaiien (Chromosomen) einmal uingestaliet sind, ohne Ausnahm« immer wieder auftreten. Ein solches Merkmal fand er in der Stirnhöhle über dem Nasenbein(sim» frontalis). Diese Sttrnhöhl« bildet sich beim Menschen erst in der Entwicklungszeit. Sie findet sich nicht bei Gibbon und Orang-UImig, die damit aus der unmittelbar zum Mensck)«»» gehörigen Reihe ausscheiden, sie tritt aber aus beim Gorilla und Schimpansen. Die FoN'chungen gingen dahin, zu prüfen, ab noch engere Beziehungen einer dieser beiden Affenarten zum Menschen miehzuweisen sind. Auch dafür ergaben sich All- baltspunkte. Die Verlegung der Augen von der seitlichen Stellung, durch die das Tier zwei Bilder der Außenwelt aufnimmt, nach vorn ermöglicht es den, Menschen,«in einheitliches Bild zu gewinnen. So»vichtig diese Umformung für dl« Entwicklung der Intelligenz war, so förderlich tvar es andererseits, daß sie nicht so »veit ging,»vie bei den Menschenaffen, die darin den Menschen überholt und damit dos Blickfeld eingeengt haben. Bei Prüfung der Augcnstellung ergibt sich, daß der Orang-Utang durch die nahe Stellung seiner Augen als unmittelbarer Verwandter des Menschen ausscheidet(Index der Inorbitalbreit« 13), dem Menschen näher steht der Gorilla(Inorbitalbrcite 33): ihm am nächsten der Schimpanse(I. 23. der Mensch 24). Die Zahl ist beim Gorilla so hoch,»veil da die Größenverhältnisse mitsprechen. Bestätigt»Verden diese Feststellungen»veiter durch eine Gegenüberstellung der Samen- Sellen. Die des Schimpansen sind bei IMOsacher Vergrößerung»och nicht"oii denen des Menschen.zu unterscheiden. Auch eine Vlut- »mtcrsuchung ergab»veitgehende Uebereinsti nunung. Dr. Weinert ist der Ansicht, daß das fehlende Glied zwischen Assen und Mensch. »wch früher Abzweigung des Orang und späterer des Gorilla als gemeinsame Stanlniceform von Schimpanse und Mensch zu suchen sei, und er glaubt weiter, daß es bereits vorliege im Pithekanthropus, dem Affenmenschen von Java, der lange Zelt als noch nicht lnenschliche Form beurteilt wurde. Dieser Schädel ist ezarakterisiert durch große Länge bei geriiiger höhe. Der später gefunden« Pekingschödel(Sinanthropus) sei nahezu von gleicher »form, ober in der höhe bereits etwas darüber hinaus und nähere sich damit der Form des Reandertalmenschen. So ergäbe sich in den Schädelformen ein« Linie vom Pithekanthropus itber den Sinanthropus zum Neandertaler.>larla Krischt.