Morgenausgabe Nr. 95 A 45 4S.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich Z.60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto S,— M. * Der«Sormörts* erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beiloge„Volk und Zeit" Ferner„Frauenstimme". „Technik".„Blick in die Bücherwelt", „Iugend-Dorwärts"u..Stodtbei!age� P- WWWy, Berliner Voltsblatt Donnerstag 26. Jebniar 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklameteile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen� das ettge- druckte Wort 23 Pfennig(zulässig zwei setigedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 13 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile �0 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von LV, bis 17 Ubr ÄSnteawrgcm der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 �crnsprechcri DönbofI 292— LS? Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonio: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dl. B. u.Disc.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str.(j5rt>S. Der Weg zur Partei. 30 ehemalige Kommunisten treten der sozialdemokratischen Partei bei. Die Aktivität der Sozialdemokratischen Partei führt neue Kämpfer in ihre Reihen. Eine geschlossene Gruppe von dreißig früheren Kommunisten, die sich nach dem Ausschluß aus der KPD. als unabhängige kommunistische Partei selbständig organisiert hatte, hat den Antrag gestellt, in die Sozialdemokratische Partei aufgenommen zu werden. Der Bezirksvorstand hat in seiner letzten Sitzung diesem .Antrag stattgegeben. Die zur Partei übergetretenen Genossen veröffentlichen eine Erklärung, die wir im folgenden wieder- geben. Erklärung! Die gut organisierten Vorstöße der Unternehmer zum Zwecke der Lohnhcrabsetznng, Verlängerung der Arbeitszeit, Abbau der Sozialgcscße usw. zeigen, daß die Arbeiterklasse alle Ursache hat, sich gegenüber den Klassengegnern in hoch st er Alarmbereit- scha st zu halten. Aus der Erkenntnis heraus, daß zur Abwehr des Angriffs auf die Lebenshaltung des Proletariats die Geschlossenheit der wirtschaftlichen proletarischen Organisationen eine unbedingte Not- wcndigkeit ist, haben wir uns gegen eine Politik gewandt, welche ein geschlossenes Handeln des klassenbewußten Proletariats ver- hindert und zur Zerschlagung(Spaltung) ihrer wirtschaftlichen Interessenvertretung führen mußte. In einer Zeit, in der es mehr denn je Aufgabe jedes marxistisch denkenden Arbeiters fein müßte, jede Zersplitterung, die immer eine Schwächung der Kampfkraft des Proletariats bedeutet, zu verhindern, geht die KPD. dazu über, durch Schaffung sogenannter revolutionärer Gewerkschastsorganisationen(NGO.) die freien Gewerkschaften zu spalten. Die offizielle KPD. hat bereits in den letzten Jahren durch ihre Agitation, die sozialdemokratische Arbeiter als Sozial- faschisten und somit als Teile der faschistischen Bewegung hinstellte. das Herausbilden einer Einheitsfront der Ar- beiterklasse verhindert und damit auch den National- sozialisten indirekt Hilfsdienste geleistet. Von dem Gedanken ausgehend, daß die Geschlossenheit derArbeiterklassedie wichtig st epolitischeGegen- wartsaufgabe ist, haben die Unterzeichner dieser Erklärung, die bisher der Gruppe der Unabhängigen Kommunisten angehörten, zunächst versucht, die aus der SPD. ausgeschlossene» oder ausgetretenen Gruppen zu einer politischen Organisation zu vereinigen. Der Lauf der Verhandlungen hat jedoch gezeigt, daß alle die Gruppen, die jede für sich freieste Diskussionsmöglichkeit in der KPD. verlangen, sich nicht dazu aufraffen können, durch ihren Zu- sammenschluß«ine Organisation zu schaffen, die diese Forderung freiester Aussprache über politische Streitfragen restlos erfüllt. Die akute faschistische Gefahr, der die Arbeiterklasse gegcirüber- steht, gestattet es nicht, daß sie ihre eigene Front durch dauernde Kämpf« einzelner Gruppen gegeneinander zermürbt, sie verlangt sowohl in der gewerkschaftlichen wie in der politischen Organisation ein geschlossenes Auftreten gegenüber dem Klassengegner. Deshalb kann dos Ziel des wirklichen prolelarischcn Kämpfers nur die Schaffung der einheitlichen proletarischen Organisation sein. Die KPD., die jede Mitbestimmung ihrer Mitglieder bei der Festsetzung der politischen Marschroute bewußt ausschaltet, die schon j durch ihre Organisationsform die Möglichkeit fruchtbarer politischer Diskussion unterbindet, die die geringste Abweichung von her gerade gültigen Parteilinie mit dem Ausschluß aus der Partei ahndet, kann dieses Sammel- decken nicht werden. Wir aber find der Ansicht, daß die Einheitlichkeit der gewerk- fchastlichen Organisation unbedingt erhallen, die Einheitlichkeit der polilischen Organisation mit allen Mitteln angestrebt werden muß, und glauben, daß wir in der Sozialdemokratischen parlei die Möglichkeil haben, für diese Ideen zu wirken. gez. Leh. Hermann, Stadtrat(politisch organisiert seit 7909): Raddah, Erich, M. d. L.(1919); hilmer, Richard, Sladtverord- »etcr(1906): Ob-adieck. Wilhelm. M.d.L.: Rosenthal. Frieda. Fürsorgerin(l9l8): Lücke, Karl. Stadtrat(1909): Voll mann, Karl, Maschinenführer(1918); Zagermann. Richard, Er"? dient (1911); Roth. Paul, Tischler(1909); Villmann-Rolh. Briedel. (1922); Eckertunsl, Fritz, Angestellter(1911); Vörner. Arthur. Werkzeugmacher(1919); Günther. Hermann, Maschinenbauer (1919); Weidt, Hermann, Dreher(1922); Schoodt, Karl, Metall- arbeiter(1919); Remschel, Rudolf, Fohrradschlosser(1922); Geisenberg, Ludwig, Buchhändler(191Z): Schlagner, Wilhelm, Arbeiter(1919); Böttcher, Else, Hausfrau(1919); Böttcher, Paul, Werkzeugmacher(1912); Schulz. Georg, Betriebsrat (1926); Pich'. Otto, Arbeiter(199S): Rode, Ernst, Betriebsrat (1929); Moldmann. Otto. Betriebsrat(1911); Radke, Ernst. Betriebsrat; Gurhki. Andreas, Hauswart(1919); Schrolh. Robert, Betriebsratsmitglied; Sandfaß, Arthur, Arbeiter; Bennewitz, Fritz, Arbeiter; Gnadt, Willi, Gsmerkschaftsangestellter(1919). Letz und R a d d a tz sind unbesoldete Stadträte im Ber- liner Magistrat, Lücke ist besoldeter Stadtrat in Neukölln, H i l m e r und Frieda R o s e n t h a l sind Stadtverordnete in Berlin. Der Landtagsabgeordnete O b e n d i e ck gehört organisatorisch nach Stettin. Diese dreißig Genossen haben den Weg zur wirtlichen Einheitsfront der Arbeiterschaft gefunden. Ihr Beispiel wird weiterwirken! Die neuesien Moskaupilger. Aorsig, Klöckner, Klohbach, Kotigen. Pfeffer, poenSgen. Die Herren von B o r s i g und Peter Klöckner. Klotz- b a ch und K ö t t g e n, Pfeffer und Poensgcn oerlassen dieser Tage ihr Vaterland, um für einige Zeit Gäste der Moskauer Sowjet- rcgierung zu sein. Borjig und Klöckner brauchen nicht weiter vor- gestellt zu werden. Klotzbach vertritt Krupp, Köttgcn den Sie- inens-Konzern, Pfeffer die AE G., Poensgen die Ber- einigtcnStahlwerke. Das ist sicher eine der interessantesten Reisegesellschosten, die die Welt jemals gesehen hat. Denn es ist so ziemlich das ganze deutsche Schwerindustrie- und Elektrokapital, das da um den Tisch eines einzigen Salonwagens sitzt. Und nicht weniger interessant als die Reisegesellschajt ist das Reiseziel. Der Kapitalismus fährt zum Bolschewismus auf Besuch, und Übermorgen werden auf dem Moskauer Bahnhof beide einander in den Armen liegen. Es wird gewiß ein glänzender Empfang werden, ein Einpfang, wie ihn— wir stellen das neidlos fest— Führer der sozialistischen Arbeiterbewegung gar nicht zu träumen wagen. Seit der russische Bolschewismus an der Macht ist, kann man ja stets die Beobachtung machen, daß er sich mit ausländischen Generälen und Kapitalisten viel besser versteht als mit Gewerkschaftsführern oder mit sozial- demokratischen Journalisten. Daß einer der sechs Moskaupilger. Herr Ernst Poensgen. gerade jetzt wieder S999 Arbeiter aus die Straße geworfen hat. daß er die Gewerkschaften zerschlagen will, um einer zwanzigprozentigen Lohnherobsg.ung den Weg frei zu machen, wird gewiß die Herz- lickikeit d �Zrmpianoes nicht im geringsten beeinträchtigen. Und äußere'� hott« Herr Poensgen erwidern, daß„seine'* Arbeiter immer noch freier wären und besser lebten pls die russischen. Einer solchen Antwort wird man sich gewiß nicht aussetzen wollen. Wir wollen nur hoffen, daß sich die selbstverständliche Höflich- keit, mit der Sowjetrußland sein« illustren Gäste empfängt, nicht überschlägt. Sonst kämen die Herren am Ende aus Rußland noch hochnäsiger zurück, alz sie dorthin gefahren sind. Wir haben auch gor nichts dagegen, daß die russischen Sowjet- gewaltigen mit den deutschen Kapitolgcwaltigen verhandeln, wünschen vielmehr dielen Verhandlungen den besten Erfolg. Nur zwei Bitten haben wir. Erstens, daß man deutsche Sozialdemokraten und Gewerkschafter in Zukunft nicht als„Verräter" verschreit, wenn auch sie mit Großunternehmern im Interesse der deutschen Arbeiter sachliche Berhandlungcn führen. Und zweitens, daß man den deutschen Arbeitern keine un- mittelbar bevorstehende„W e l t r e v o l u t i o n" vor- spiegelt, wenn man zur Stabilität der kapitalistischen Wirtschaft soviel Vertrauen hat, wie es die Sowjetführer durch den Empfang der sechs starken Männer aus Deutschland praktisch beweisen. 2. März, abends Z1/» Uhr, „Sportpalast", Potsdamer Straße 72; Preußischer Ministerpräsident Otto Braun/ Pietro Nenni, Italien (Verfasser des Buches„Todeskampf der Freiheit!") Einlaßkarten bei den Funktionären. Bezirksvorstand. Worauf es ankommt? Von Wilhelm Bittmann. „Die. sozialdemokratische Reichstagsfraktion sieht nach dem Ausgang der Reichstagswahlen in der Erhaltung der Demokratie, der Sicherung der Verfassung und dem Schutz des Parlamentarismus ihre erste Aufgabe." Mit den vorstehenden Worten begann die Erklärung der neugewähllen sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, in der sie bei ihrem ersten Zusammentreten am 3. Oktober 1930 die Parole für ihre Arbeit ausgegeben hat. Diese Parole wurde von der ganzen Partei im Reiche freudig begrüßt und sie hat die st ü r m i s ch e Ak t i v i t ä t ausgelöst, die seit Monaten die Partei durchflutet. Die Saboteure der Demokratie und des Parlaments find längst in die Defensive gedrängt. Ihre Flucht aus dem Reichstag nach ihrer Niederlage hat diese Tatsache vor In- und Ausland handgreiflich dargetan. Deutschnationale und Nationalsozialisten bemühen sich nachträglich vergebens, ihre Flucht als besonders kluges Parlamentsmanöver vor ihren enttäuschten Wählern zu rechtfertigen. Aus der Not möchten sie eine Tugend machen. Herr E v e r l i n g, der deutschnationale Fürstenanwalt, hat in der„Deutschen Zeitung" geprahlt, die Mittelparteien und die Sozialdemokratie seien wegen der Sicherung der Beschluß- fähigkeit an den Reichstag gefesselt, während die Rechte im Lande Versammlungen über Versammlungen abhalten könne. Armseliger Trost! Mitte und Sozialdemokratie können jeden Augenblick durch einfache Aenderung der Geschäftsordnung die Beschlußfähigkeitsziffer des Reichstags dergestalt neu fest- setzen, daß die Zahl der Parlamentsschwänzer dabei unberück- sichtigt bleibt. War doch vom Abgeordneten Koch-Weser schon im letzten Reichstag vorgeschlagen worden, den Reichstag bei Geschäftssttzungen schon dann für beschlußfähig zu erklären, wenn ein Viertel seiner Mitglieder anwesend ist. Wollen Mitte und Sozialdemokratie ihre Abgeordneten für die Ver- sammlungstätigkeit mehr freimachen, so haben sie es jederzeit in der Hand, die„Fesselung an den Reichstag" zu lockern. Herr Everling hat also zu früh frohlockt. Neuerdings wird der Exodus der Rechten gerühmt als Sprengpuloer, mit dem die Mittelparteien und die Sozial- demokratie auseinandergetrieben werden sollen. Dabei unter- stellt man der Sozialdemokratie die Torheit, daß sie g e m e i n- sam mit den Kommuni st en eine Mehrheit gegen die Mittelparteien in den Fragen der Sozialpolitik und der Wehrpolitik herbeiführen werde, so daß die Mittelparteien die davongelaufenen Rechtsparteien um Rückkehr und Hilfe anflehen müßten. Diese Spekulation unterschätzt die Intelli- genz der Sozialdemokratie, die sich bewußt ist, daß ihr zahlen- mäßiger Einfluß im Reichstag bei der Wahl am 14. Sep- tember 1930 bestimmt worden ist und daß die indirekte künst- liche Steigerung ihres Zahlengewichts durch den Exodus der Rechten keine wirkliche Macht st eigerung bedeutet. Sie wird sich also nicht auf das Glatteis einer sozialistisch- kommunistischen Scheinmehrheit locken lassen, selbst wenn die Kommunisten noch so sehr über„Berrat" zetern sollten. Die Arbeiternwssen, die getreu unserer Fraktions- und Partciparole in der Niederwerfung des Faschis- in u s das Gebot der Stunde sehen, sind nicht so töricht, sich von solchem kommunistischen Derratsgeschrei beirren zu lassen. Sie wissen, worauf es ankommt, daß die nachträglich konstruierte Taktik der Reaktion nur darauf gerichtet ist, die Regierung zu stürzen und sich selber in den Sattel zu setzen. Dieses Ziel der Reaktion zu vereiteln, sind die Massen zu jedem unvermeidbaren Opfer bereit, weil sie wissen, daß sie sonst vom Regen in die Traufe geraten würden. Gelänge es der Rechten, die Mittelparteien an sich zu reißen und über ihre Leichen zur Macht zu kommen, dann ade Arbeitslosen- schütz, ade Arbeiterschutz, ade Sozialpolitik, ade Konsumenten- schütz, ade Arbeiterrechte, ade staatsbürgerliche Freiheiten für die Arbeiterklasse! Daher werden die werktätigen Massen, die so stürmisch und leidenschaftlich mit steigender Erbitterung im Lande den Kampf gegen die Feinde der Demokratie führen, auf den neuesten Schwindel der Parlamentsschwänzer von der angeb- lichen sozialistisch-tommunistischen Reichstagsmehrheit nicht hereinfallen. Für sie ist und bleibt das A und O der prat- tischen Politik die Parole, die diesen Zeilen voransteht: die Erhaltung der Demokratie. Sicherung der Verfassung und der Schutz des Parlamentarismus. Was der deutschen Sozialdemokratie vor 68 Iahren bei ihrer Gründung von Ferdinand Lasalle als zu er- kämpfendes Ziel vor Augen gestellt, was in unerhört opfer- reichem Kampfe von mehr als zwei Proletariergenerationen errungen worden ist. das läßt sie sich nicht wieder rauben: das gleiche Recht für alle, auf dem Demokratie und ParlamentarislÄAS beruhen. Klingt es nicht wie ein mahnender Fanfarenstaß in die unmittelbare Gegenwart, wenn Laffalle in seinem.Lfsenen Antwortschreiben" vom 1. Mär? 1L63, der Geburtsstunde der Sozialdemokratie, den deutschen Arbeitern zuruft: „Das allgemeine und direkte Wahlrecht ist... nicht nur Ihr polirisches, es ist auch Ihr soziales Grundprinzip, die Grund- bedingung aller sozialen Hilfe... O r g a n i s i e r e n Sie sich... zu dem Zweck einer gesetzlichen und friedlichen, aber unermüdlichen. unablässigen Agitation für die Einführung des allgemeinen und direkten Wahlrechts... Pflanzen Sie diesen Ruf fort in jede Werkstatt, in jedes Dorf, in jede Hütte... Wieder- holen Sie täglich, unermüdlich dasselbe, wieder dasselbe, immer dasselbe! I? mehr es wiederholt wird, desto mehr greift es um sich, desto gewaltiger wächst seine Macht. Alle Kunst praktischer Erfolge besteht darin, alle Kraft zu jeder Zeit auf einen Punkt— au f de n wichtigsten Punkt— zu konzentrieren und nicht nach rechts noch links zu sehen. Blicken Sie nicht nach rechts noch links, seien Sie taub für alles, was nicht allgemeines und direktes Wahlrecht heißt...1" Dieser zündende Aufruf Lassalles, der die Sozialdemo- kratie ins Leben rief, galt damals der Erringung und gilt heute der Erhaltung des allgemeinen und direkten Wahlrechts, der Grundlage der Demokratie und des Par- lainentarismus. Der Kampf um die Erhaltung dieser Volks- rechte ist heute der wichtig st e Punkt, auf den alle Kräfte zu konzentrieren, dem gegen- über alle parlamentarischen Einzelfragen untergeordneter Natur sind. Blicken wir deshalb nicht nach rechts noch links, seien wir taub gegen alles, was nicht diesem Kampfe dient! Mit uns das Volk» mit uns der Sieg! Hitler höhnt Hindenburg. Aber Hugenberg versucht sich anzubiedern. Mit dem altgermanischen Führergedanken ist es bei den Gsrinanen von heute so eine Sache. Führer ist allzumal nur derjenige, der tut, was einem paßt. Macht er's anders, so ist er sehr schnell abgemeldet. So ist es auch dem alten Herrn van Hindenburg ergangen, der vor sechs Iahren von der gesamten„nationalen Opposition" auf den Schild gehoben worden war. Jetzt hat er in seiner Antwort auf den Brief des Herrn Wege öffentlich die Aufforderung an sie gerichtet. in den Reichstag zurückzukehren. Und was tun sie, die Lob- redner deutscher Mannestreue? Schnöde und schnippisch klingt das Echo aus München. Dort erklärte Hitler in öffentlicher Rede, daß der Reichs- Präsident den Brief gar nicht selber geschrieben habe. Hinden- bürg sei gar kein politischer Lento, sondern werde selbst ge- lenkt. Seine Stellungnahme nutze'�jcht dem deutschen Volk. sondern nur einer Regierung, die zu zwei Dritteln eine Politik mit dem Marxismus mache. Deshalb gelte auch hier das Wort:„Mitgegangen, mitgefangen." Die richtige Zitierung: „Mitgefangen— mitgchangen" unterließ Hiller offenbar in Erinnerung an das Pepublitschutzgesetz. Der Reichspräsident hoffe vergeblich, daß die nationale Opposition seine Politik retten werde, denn er dürfe nicht vergessen, daß diese Oppo- siiion überhaupt nur da sei, weil sie sich nicht die Wege Hindenburgs gegangen, sondern gegen ihn entstanden sei. Die Nationalsozialisten lehnten ein für allemal die Versuche des Reichspräsidenten ab. sich zum Hilfsdienst für die heutige Regierung heranziehen zu lassen. In der großen Versammlung erhob sich keine Stimme zugunsten des alten Führers. Alle jubelten dem neuen zu. So klein ist Hindenburg und so groß ist Hitler! Es ist doch eine schöne Sache um die alten deutschen lugenden, um Dankbarkeit und Treue! Während Hitler in München tobte, diplomatisiertc Hugenberg in Braunschweig. In einer Rede sagte er: Das Kabinett Brüning braucht die« Rechte. Aber es will ihr nicht die Führung der polltischen Geschäfte einräumen, die ihr zu- kommt. Es brauchte die Sozialdemokratie nicht, wenn es sich mit Rechts verständigen wollte. Aber es will den Einfluß der Sozial- dcmokratie aufrechterhalten, insbesondere in Preußen. Dies«igen- sinnige Versagen in der Stunde höchster Gefahr ist ein« geschichtliche Sünde. Der Brief Hindenburgs wird in der Regierungspressc als „Brück t" zu den Deutschnationalen gewertet. Ertönnte es in Verbindung mit einem entsprechenden Briefe an das Zentrum werden, der dazu beitrüge, die Bahn für die Rechte freizumachen. Wenn Herr Hugenberg von der Rechten spricht, so meint er damit natürlich nicht nur die drei Dutzend plus fünf Ab- geordneten, die feine Führerkunst von der Deutschnationalen Partei noch übrig gelassen hat, sondern auch die 108 Nationalsozialisten. Ueber' die aber oerfügt nicht er. sondern Hitler, und Hitler erklärt, daß die nicht dürfen, mag Hindenburg schreiben, was er will und an wen er will. Ein Hindcnburg-Brief nach Hugenbergs Diktat würde keine Brücke schaffen. Eher wäre er dazu geeignet, das, was in Deutschland an Ordnung noch vorhanden ist, zu Kleinholz zu verwandeln.__ Goebbels dementieri sich. Das gefälschte?ieichstagsstenogramm. In der Reichstagssitzunz vom 5. Februar hat Dr. Goebbels als Redner der nationalsozialistischen Fraktion folgendes ausgeführt: „Die nationalsozialistische Bewegung hat nicht die Wsicht, unter diesem Regiment aus ihrer sturen, eigensinnigen und trotzigen Oppositionsstellung herauszugehen." Vor einigen Tagen ist das gedruckte Stenogramm über diese Sitzung erschienen. Mit Erstaunen stellt man fest, daß Herr Dr. Goebbels das„sture" und„eigensinnige" gestrichen hat, so daß nur noch die„trotzige" Opposition übriggeblieben ist. Das tst ein neues Beispiel dafür, wie die Hakenkreuzler sich nachträglich herauszulügen suchen, wenn sie auf einer Dumncheit ertappt werden. Oder sind Herrn Dr. Goebbels etwa Bc- denken gekommen, durch den Gebrauch des Ausdrucks„stur" in zu enge Verwandtschaft zu dem„sturen" Hugenberg gebracht zu werden? Uebrigeirs hat die Fälschung des Stenogramms nichts genutzt. Denn da der nachfolgende Redner sich auf das„stur" ausdrücklich bezog, hat Goebbels seine Streichung umsonst vorgenormnen. Zweimal Schwindel entlarvt. Ein gefälschter Artikel und ein gefälschter Aufruf der Volksbeauftragten. tiakeulreuz unbeliebt. Der Nürnberger Stadtrat hat in ge- heimer Sitzung einen Antrag der NSDAP, abgelehnt, ihr im Sommer dieses Jahres zur Durchführung des Reichsparteitags der NSDAP, städtische Räume zu überlasten. In einem Artikel, der am 4. Januar lSZI in der nordamerikani- scheu Presse erschien, hatte Genosse Müller- Franken unter anderem darauf hingewiesen, daß die Sozialdemokratie und das Zentrum sich seit Beendigung des Weltkrieges für die Politik der moralischen Abrüstung eiogescht hallen. Der„völkische Beobachter" Halle das, wie der„Vorwärts" am Zl. Januar feststellte, in„moralische Entwaffnung Deutschland s" umgefälschl. Der„völkische Beobachter" gibt am 25. Februar die Einschaltung des Wortes Deutschland endlich zu. behauptet aber unter Berufung aus einen Artikel der in deutscher Sprache in Buenos Aires erscheinenden„Ca Plata-Zeilung" dazu ein Recht gehabt zu haben, denn Hermann Müller habe jetzt in der in Buenos Aires erscheinenden„Racion" ge- schrieben:„Mit der maralischen Abrüstung, die Erzberger so grundehrlich in die Wege geleitet habe, wäre es zu Ende und Deutschland würde wieder rüsten." Das ist eine neue Fälschung. Der Artikel der„Racion", ans den sich das auslandsdeulsche hehorgan in Buenos Aires beziehk, ist nämlich nur eine in Amerika vorgenommene Uebersehung des Zlrtikels vom 4. Januar aus dem Englischen ins Spanische. Znterestant ist übrigens, daß der„völkische Beobachter" behauptet, Hermann Müller verlästere den Freiheitswillen des erwachenden Deutschland als Kriegslreiberci gegen das Ausland. Ein amilich entlarvter Schwindel. Tor der letzten Reichstagswahl hatte Genosse Reichstags- abgeordneter Dittmann in einer Wahlversammlung in S t r i e g a u in Schlesien den vom deutschnationalen„Striegauer An- zeiger" nachgedruckten angeblichen Aufruf des Rats der Volksbeauftragten„An alle" vom S. November 1Sl8 als Schwindel bezeichnet. Am Tage vor der Wahl brachte das deutsch- nationale Natt einen Artikel„Und er ist doch echt", in dem es be- hauptete:„Nun, es wurde festgestellt: das Originalmanuskript zu diesem Ausruf befindet sich im Archiv des Reichsinnen- Ministeriums." Dittmann bekam das Blatt mit dieser Behauptung erst wachen- lang später zu Gesicht. Neuerdings hat das Blatt in einer Jahres- chromk diese Behauptung wieserholt. Darauf sandte Dittmann den „Striogcmer Anzeiger" vom 13./14. September 1S3ll an da? Reichsinnenministerium mit der Bitte um Mitteilung, ob sich«in solches Manuskript im Archiv des Ministeriums befinde. Auf diese Anfrage hat Genosse Dittmann nunmehr am 21. Februar 1931 folgende Antwort erhalten: „Unter Rückleitung der anliegenden Nr. 215 des„Striegauer Anzeigers" vom 13./14. September 1930 beehre ich mich mitzuteilen, daß nach den vorgenommenen Feststellungen weder im Reichsmini- sterium des Innern noch im Reichsarchio ein Originalmanuskript zu dem angeblichen Aufruf der Volksbeauftragten vorhanden ist. Ferner erlaube ich mir noch folgenoes zu bemerken: Unmöglich kann dieser Aufruf im damaligen Reichsamt des Innern oder einer anderen Zentralbehörde des Reichs auf Veranlassung des die Regie- rung führenden Rats der Volksbeauftragten(Eberl, Haafe, Scheidemann, Lcmdsberg, Dittmann, Barth) entstanden sein. Diesen Rat der Volksbeauftragten gab es am 9. November noch nicht. Der erste von ihm bekamit geworden« Aufruf datiert vom 12. November 1918 und hat ganz anderen Inhalt(z. vgl. Reichsgesetzbl. S. 1393). Die Aufrufe, welche am 9. November erlassen und in den beim Reichsarchiv gesammelten Zeitungen aus jener Zeit abgedruckt sind, stammen von Prinz Max von Baden(Thronverzicht), Ebert(Ueber- nähme der Reichskanzlergeschäfte und Antritt der neuen Regierung), von der Sozialdemokratischen Partei(Erfüllung ihrer Forderungen), vom Arbeiter- und Soldatenrat(Generalstreik). Schließlich gibt es noch einen von Eberl, Scheidemann und Landsberg unterzeich- neten Aufruf:„Volksgenossen!". Die Form des Aufrufs und die Anrede„An Alle" läßt vermuten, daß er den Ausrufen, welche die bolschewistischen Machthaber nach der siegreichen zweiten russischen Revolution im November 1917 erlassen haben, nachgeahmt ist. Er stellt eine ungewöhnlich plumpe Fälschung dar. gez. Dr. Wirth." Also weder im Reichsinnenministerium noch im Reichsarchiv ist etwas von dem gefälschten Aufruf bekannt, und er wird vom Reichsinnenmnüster Dr. Wirth als«ine„ungewöhnlich plumpe Fälschung" gebrandmarkt. Ueberall, wo er künftig wieder auftauchen sollte, können unser« Genossen ihn jetzt als amtlich entlarvten Schwindel kennzeichnen. Opfer der Komintern-parolen. Vier Tote, mehrere Schwerverletzte in Leipzig. Leipzig, 25. Februar. Im Lause des Willwach verkeilten kommunistische Partei- angehörige an mehreren Stellen der Stadl Handzettel, in denen ein Aktionskomitee zum Widerstand gegen das Demonstralionsverbol auffordert. Am Nachmittag hatten in zwei verschiedenen Lokalen Versammlungen slallgesunden, die reibungslos verlaufen waren. In einer dieser Versammlungen hatte Reichsiagsabgeordneler Rödel gesprochen. Nach Versammlungsschluß bildeten sich wiederholt Zusammenrottungen und schließlich ein Dcmonslralionszvg. der etwa 2000 Personen zählte. Alz sich dem Zug ein Pollzeikommando ent- gcgenstellle. wurde dieses mit Steinen beworfen und be- schössen, tzierbei wurden sechs Polizeibcamke durch S t e i u w ü r f e mehr oder weniger schwer oerletzt, während ein Beamter einen Streifschuß am Schenkel erhielt und bei einem anderen Beamten das Geschoß am Koppelschloß abprallte. Nunmehr machten die Beamten von der Schußwaffe Gebrauch hierbei wurde einer der Angreifer gelötet. Acht weitere wurden, vorwiegend schwer, verletzt. Drei dieser Schwerverletzten sind nach ihrer Einlicfcrung ins Krankenhan» gestorben. Mehrere verletzte befinden sich in Lebensgefahr. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch ein zwölfjähriger Knabe, der einen Steckschuß in die Schläfe erhielt, als er, in einer Haustür flehend, bei den Zusammenstößen zusah. Der sogenannte„Wclterwerbslosentag", zu dem die kom- munistische Internationale aufgerufen hatte, hat mit einem all- gemeinen Fiasko geendet. Die Millionenmassen der Erwerbslosen in der ganzen Welt sind den kommunistischen Parolen nicht gefolgt — nicht einmal die organisierten Mitglieder der kommunistischen Parteien. In Europa und Amerika ist es zu ernsthaften Zwischenfällen nirgends gekommen— mit Ausnahme von Leipzig. Daß dieser Zusammenstoß, soweit sich bisher überblicken läßt, der einzige ge- blieben ist, der Todesopfer gefordert hat, ist gewiß nicht das Der- dienst der Kommunisten, sondern der Arbeiterschaft, die von ihren Proootationsversuchen nichts wissen will. Ein Schwätzer. Max Hölz prophezeit in Sowjetrußland die �atediftatur in Oeuifchiand. Kowno, 25. Februar. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist der deutsche Kommunist Max Hölz in Swerdlowsk eingetroffen und hat in einer Rede angedeutet, daß er nach Berlin zurückreife. Max Hölz betonte, daß das deutsche Proletariat in diesem Augenblick in, Zeichen des Klossenlampfes steche und daß er als deutscher Kommunist jetzt in Deutschland sein müsse. Max Hölz versprach den russischen Arbeitern, daß es dem deutschen Proletariat unter der Führung der KPD. gelingen werde, die S o w j e t d i k t a t u r in Deutsch- land aufzurichten. Jahrgang �90?. Oer ganz richtige Frontsoidat vom Ho?enkreuz. Stuttgart, 25. Februar.(Eigenbericht.) Der nationalsozialistische Führer Jakob Mayer in Hcilbronn hatte den sozialoemokra tischen Redakteuren des„Ncckar-Echo", Reichstagsabgeordneten Ulrich und Stadtrat Lukas Müller, den Vorwurf gemacht, Landesverrat begangen zu haben, und war trotz schwerer Beleidigung vom Zlintsgericht Hcilbronn freigesprochen worden. Aus die von den Klägern eingelegte Berufung hat die Strafkammer diese- Urteil aufgehoben und den Angeklagten zu 399 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Begründung heißt es bezeichnenderweise, daß man von einer Gc- sängnisstrasc trotz der schweren Beleidigung abgesehen habe, weil der Angeklagte Mayer ein junger Mensch und ohne Zweifel eine politisch unreife Persönlichkeit sei. Er hatte bei Kriegsausbruch das Alter von sieben Iahren, ist also der rechte Mann, anderen Drückebergerei und Landesverrat während des Krieges vorzuwerfen und jetzt als Repräsentant des Front- solvatentums aufzutreten. Kranzens Ausreden. Er gibt zv, den pflichttreuen Veamten am Dienst verhindert zu haben. Vraunschweig, 25. Februar. Ueber die Hittcr-Wirtschaft in Braunschweig wird aus dem braunschweigischen Staatzlnimsterium, also im Auftrage des wegen seiner„Wahrheitsliebe" vom Oberlandesgericht angeprangerten Nazi Ministers Franzen, folgende Darstellung gegeben: ,In der Nacht zum Sonntag gegen 12 Uhr nahm der Palizeiminister Franzen Veranlassung, sich bei den Führern des am Börsenhotel eingesetzten Polivikommandos nach der Loge zu erkundigen, ferner darüber, wo die Gauleitung der NSDAP, untergebracht und wo Herr Hitler abgestiegen war. Beide Offiziere wiesen darauf hin, daß olles ruhig sei. Sie fragten den Minister, ob er gestatte, daß sie mit ihren Leuten zur Unterkunft abrückten, der Straßendienst könne durch einige Streifen versehen werden. Dr. Franzen erteilte seine Zustimmung und begab sich mit zur Unterkunft. Nach seiner Rückkehr wurde dem Minister am Börsenhotel mitgeteilt, daß ein P olize i- b e a m t« r in der Zwischenzeit ohne triftigen Gr und blank gezogen hätte. Am oonniagoormiltag hat der Minister zur Vermeidung weiterer Komplikationen veranlaßt, daß der betreffende Polizeioberwachtmeister au diesem Tage nicht zum Straßendienst herangezogen würde. Die Ermittlungen über den Vorfall sind noch nicht abgeschlossen. Mit wenigen Worten: Die Erklärung Franzens bestätigt unsere Darstellung vollkonmien. Franzen gibt zu, daß er o e r- anlaßt habe, den betreffenden P olize iwachtmeistcr nickst weiter zum Dienst heranzuziehen. Er versucht sich zum Schluß damit herauszureden, daß die„Ermittlungen über den Dorfall noch nicht abgeschlossen" seien. Er kann sich trösten: Auch die Ermittelung:n über ihn sind noch nicht abgeschlossen! Eine schwere Hakenkreuzschlappe. Gewattiger Stimmenverlust der Hitlerpartei. Königsberg, 25. Februar.(Eigenbericht). stlrn Sonutag fanden in Trcuburg die N c u- wa h l e n für das infolge Ungültigkeitsertlärung de:; vorigen Wahl aufgelöste Stadtparlament statt. Es erhielte« SPD......... 5bS Stimmen 4 Mandate Bahl......... 379. 2 NSDAP........ 667„ 4 KPD.....-... 369, 2 Wirtschaftspartei.... 189„ 1 Bürgerblock...... 160„ 1 Handwerker...... 113„ 0, Beamte und Angestellte.. 458_ 3 2 934 Stimmen 17 Mandate Per den Rcichstagswahlen erhielt die SPD. nur 503 Stimmen, konnte also ihre Stimme„zahl er- heblich steigern. Katastrophal ist der Nuctgang der Nazis, die bei der letzten Rcichstagswahl 1011 Stimmen erhielten. Hinzuzurechnen find" ihnen auch noch so ziemlich die 824 deutschnationalen Stimmen, deren Liste ungültig erklärt wurde. Also ein kolossaler Rückgang der Nationalsozialisten! Das amerikanische Repräsenlankenhan» nahm mit großer Mehr- heit einen verfassungsändernden Antrag an, der das Einberufungs- datum des Bimdeskoiigresses und die' Amtsübernahme des neuge- wählten Bundespräsidenten gleichzeitig aus den 4, Januar festsetzt, statt auf den 4. März. Die.Haltung des BÜndesscnats ist noch unbestimmt. Es handelt sich um einen Vorstoß gegen die Bestimmung, die zwischen Wahltag und dem ordentlichen Zusammentritt der neuen Bolksvcr- tretung mehr als ein Jahr verstreichen läßt. Gewiffenlose Schwänzer. Die Kriegsbeschädigten sollten warten. Schwerindustrie. �Aei entsprechender Arbeitsstreckung ließe sich die jetzige Belegschast durchhalten.� ».Dann entlassen wir! Durch die 40-Stunden-Woche wird die Arbeiterschast nur verweichlicht.� Hakenkreuzdebatte in Stuttgart. Der württembergische Staatspräsident gegen die Aationalsoziaiisten. Stuligarl. 23. Februar.(Eigenbericht.) Im Württembergischen Landtag begründete Abg. Stein« mayer am Mittwoch die sozialdemokratische Anfrage wegen des brutalen Ueberfalls von Reichsbanner- leuten durch chakenkreuzler in Stuttgart. Staatspräsident Bolz erwiderte hierauf, nachdem er vorher noch auf andere politische Fragen eingegangen war, die in der Debatte eine Rolle gespielt hatten, daß die Regierung die Entwicklung der einzelnen Bewegungen beobachte, über ihre Stärke im Bilde sei und für jeden Fall gerüstet dastehe. Wenn sie bisher eine gewisse Freiheit der Betätigung zugelassen habe, so geschah es aus dem Gefühl der Kraft, die Dinge meistern zu können. Infolge des Vorkommens von Ausschreitungen mit Waffen werden die Be- sucher von Versammlungen dort)>ci begründetem Vorliegen auf Waffen durchsucht. In einem Falle bestehe der Verdacht, daß die Waffen nach der Durchsuchung auf Schleichwegen in die Versammlung gebracht worden seien. Er beabsichtigte jetzt mit einem Verbot von Versammlungen und Umzügen unter freiem Himmel vorzugehen, da es so nicht weitergehen könne. Der Anmarsch geschlossener Formationen gefährde vielfach den fried- lichen Verlauf der Versammlungen. Bischer habe er Organisationen rechts und links geduldet. Er behalte sich aber vor, nachzuprüfen, ob ihr B e st a n d und ihre Tätigkeit nicht den Gesetzen zuwiderlaufen. Ein Verbot der Organisationen und des Uniformtragens überhaupt müßte, wenn es wirksam sein solle, ein- heitlich für das ganze Reich getroffen werden. Im Stuttgarter Fall möchte er sich zur Zeit auf die Schuldjrage nicht einlassen, da ihm noch kein eingehender Bericht vorliege. Den Borwurf, daß republikanisch gesinnten Beamten Schwierigkeiten bereitet würden, weise er zurück. Beamte, die sich extrem radikal betätigen wollten, würden rücksichtslos aus der Polizei hinaus- geworfen. Er Hab« die Gewißheit, daß seinen Befehlen jederzeit Folge geleistet werden würde. Zum Schluß wandte sich der Staatspräsident gegen die Nationalsozialisten selbst. Die Frage, ob der im Lande agitierende tschechoslowakische Staatsangehörige Magnus Werner nicht wegen Mißbrauchs des Gastrechts auszuweisen sei, werde von der Polizei geprüft werden. Er l�be das Vertrauen, daß die Bevölkerung eines Tages nach den nationalsozialistischen Sprechern gar nicht mehr hinhören würde, da die Nationalsozialisten nur alle anderen schlechtmachen und heru-üerreißen, aber gar nicht sagen können, was sie selbst eigentlich wollen. Von einer solchen Be- wegung werde sich das deutsche und ganz besonders das schwäbische Volk wieder abwenden. In der Sitzung des Kriegsbeschädigtenausschusses vom 23. Fe- bruar wurde eine große Anzahl von Petitionen pon Kriegsbeschä- digten und Kriegerhinterbliebenen erledigt. Am Schluß der Sitzung teilte der Vorsitzende Abg. Mumm(Chr.-So.z. V.) mit, daß er sich genötigt sehe, für Petitionen, die er Mitgliedern der deutsch- nationalen Fraktion und der Fraktion der National- s o z i a l i st e n zur Behandlung zugeschrieben hatte, Korreferenten aus anderen Fraktionen zu bestellen, damit die Behandlung der Wünsche der Gesuch st eller nicht Not leide. Abg. R o ß in a n n(Soz.) dankte dem Vorsitzenden für die im Interesse der Gcsuchsteller in Aussicht genommene Maßregel, bat jedoch, sie' dahin auszudehnen, daß alle noch im Btsitz von Mitgliedern der deutschnationalen Fraktion und der Nationalsozialisten Fraktion befindlichen Eingaben von Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen zurückgefordert und Mitgliedern anderer Fraktionen zu r B e a r b e itun g übergeben würden, denn es sei nicht angängig, daß Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene, die ihre letzte Hoffnung auf den Reichstag setzten, unter den politischen Manövern dieser Fraktionen leiden müßten. Er bitte außerdem um Feststellung, um wieviel Ein- gaben es sich handele, damit man die Mehrarbeit beurtellen könne, die anderen Fraktionen dadurch entstehe, daß sich eine große Zahl von Mitgliedern des Reichstages ihren gesetzlichen und vcr- fassungemäßigen Pflichten entziehe. Seine Freunde lehnten es ab, sich für die Uebernahme dieser Mehrarbeit in der Oeffentlichkeit auch noch als Diätenkassicrer für parlamentarische Faulenzerei de- schimpfen zu lassen. Der Vorsitzende sagte die Erfüllung dieses Wunsches zu. Novelle zum Lichispielgesetz. Oer Remarque-Zilm soll in geschlossenen Vorführungen ermöglicht werden. In einem Teil der Presse, so im„Dortmunder General- Anzeiger", wird die sozialdemokratisch« Reichstagsfraktion stark angegriffen, weil sie im Haushaltsausschuß de- Reichstags gegen den kommunistischen Antrag gestimmt hat, der von dem Reichsminister des Innern die sofortige Aufhebung des Verbots des Remarqus- Films fordert. Die Sozialdemokratie hat diesen Antrag abgelehnt. weil er sinnlos ist. Das Verbot des Remarque-Films beruht auf dem Urteil der Film-Oberprüfstell«, da- von einem Minister so wenig aufgehoben werden kann wie ein anderes Gerichtsurteil. Der tonnuunistische Antrag ist also lediglich auf Irreführung Un- wissender berechnet. Die sozialdemokratische Politik ist aus die V e r- änderung des Lichtspielgesetzes in einer Form ge- lichtet, die ermöglicht, daß der Remarque-Film wenigstens für Vor- stellungen im geschlossenen Kreise erlaubt wird. Der Fall Neichsgerichisrat Müller. Antwort des Staatssekretärs �ioel an den preußischen Iustizminister. Amtlich wird mitgeteilt: Auf das auch in der Presse oerössent- lichte Schreiben des preußischen Iuftizmimsters an den Reichs- minister der Justiz wegen des bekannten Briefes des Reichsgerichts- rats Dr. Georg Müller hat der Reichsjustizminister mit folgendem Schreiben geantwortet: „In der Bollversammlung des Reichstages vom 14. d. M. habe ich mit Bezug auf den im„Völkischen Beobachter" von demselben Tage abgedruckten Brief des Reichsgcrichtsrats Dr. Müller über das Buch„Gefesselte Justiz" nach) dem Stenographischen Bericht (Seite 1044) folgendes ausgeführt:„Es ist meine Ansicht, daß eine möglichst« Zurückhaltung der höchsten Richter des Reiches im politischen Tagcsstreit durchaus zweckmäßig ist. Wer an der böchsten Stelle der Justiz wirkt, soll sich bewußt sein, daß ihm damit auch Pflichten nach außen auferlegt sind, die von ihm ein« solche Zurückhaltung fordern." Unabhängig von dieser Erklärung und ohne deren Kenntnis hat bereits am 13. Februar 1031 der Vorsitzende des Richtervereins beim Reichsgericht, der von dem Brief durch die Veröffentlichung im„Völkischen Beobachter" Kenntnis erhalten hotte, ein Schreiben an mich gerichtet, in dem er ausführt: Im„Völkischen Beobachter" vom 14. d. M. ist ein Brief des Reichsgerichtsrats Dr. Müller veröffentlicht, in dem er zu dem Buche ,. Gefesselle Justiz" Stellung nimmt. Demgegenüber Halle ich als Vorsitzender des Richtervereins beim Reichsgericht mich verpflichtet zu erklären: Die Mitglieder des Reichsgerichts, wie sie im Richter- verein des Reichsgerichts vereinigt find, haben stets den Standpunkt vertreten, daß nicht nur aus der Rechtsprechung jede parteipolitisch« Stellungnahme selbstverständlich fern bleiben muß, sondern daß mich die einzelnen Mitglieder des höchsten Gerichtshofes in ihren öfsent- lichen, wenn auch privaten Asußerungen sich diejenige Zurückhaltung und Vorsicht auferlegen müssen, die ihr hohes Amt und dos Ver- trauen der Bevölkerung erheischen. Von diesem Gesichtspunkt aus kann ich die obengenannte Veröffentlichung nur bedauern." Diese Stellungnahme, die sich mit der von mir im Reichstag eingenommenen deckt, hat der Vorstand des Richtervereins beim Reichsgericht in seiner Sitzung vom 17. d. M. gebilligt; sie ist dem Reichsgerichtsrat Dr. Müller von dem Vorsitzenden des Richtervcreins zur Kenntnis gebracht worden. Hierdurch betrachte ich die Angelegenheit für die Reichsjustizoerwaltung als erledigt Weitere Maßnahmen kommen nach den Dorschnstcn des Gerichtsoerfassungsgesetzes nicht in Betracht. Da das Schreiben vom 21. 0. M. in der Presse veröffenllicht worden ist, werde ich dieses Schreiben gleichfalls der Presse bekanntgeben." Gesetzeniwürfe an den Reichstag. Wassenmißbrauch und Genfer Abkommen. Der vom Reichsrat bereits genehmigte Gesetzentwurf gegen Waffe nmi ßb rauch ist jetzt auch dem Reichstag zu- gegangen. Er erhebt die in der Notoerordnung des Rcichspräsiden- tcn vom Juli v. I. enthaltenen Bestimmungen, die den unberechtiz- ten Besitz von Hieb- und Stoßwaffen und das bewaffnete öffentliche Auftreten mit Strafe, und zwar im allgemeinen mit Gefängnis be- drohen»nd die nur bis Ende März d. I. Geltung haben sollten. zum Gesetz. » Der Reichswirtschafts' und der Reichsjinanzminister haben dem Reichstag jetzt den GesetzeiNvurf zugeleitet, ba die Zusti«. mung zum Genfer Handelsabkommen vom 2 4. Mörz lllZO ausspricht. Nach der dem Abkommen beige- gcbenen Begründung kommt von den Berpflichtungen, die Deutsch- land zu übernehmen hat, die größte Tragweite dem Verzicht auf die Kündigung der mit den anderen Teilnehmerstaaten abgeschlossenen Handelsverträge zu. Nicht ausgeschlossen ist die Aenderung bestehender vertraglicher Abreden im Wege der Vereinbarung, aller- ding- oorbchalllich des Kündigungsrcchtes betroffener dritter Staaten. Die weitere Verpflichtung, Zollerhöhungcn den Teil- nchmerstaaten vor ihrer Inkrastsetzung anzuzeigen und sich aus Ver- Handlungen über eine gütliche Verständigung einzulassen, kann, wie in der Begründung hervorgehoben wird, zu llnzuträglichkeiten kaum Anlaß geben, da jeder Staat in von ihm als dringend ange- sehenen Fällen berechtigt ist, von einer Voranzeige abzusehen mit der Folge, daß auch die Verhandlungspflicht entfällt. Das im Falle von Zollerhöhungen den betreffenden Staaten zustehende Kündi- gungsrecht ist daher die einzige unbedingt eintretend« Folge von Zollerhöhungen. g Henderson in Rom. Faschifienpresse stiilgestanden kommandiert. Rom, 23. Februar.(Eigenbericht.) ' Der englische Außenminister'Henderson und der erste Lord der Admiralität, Alexander, sind in Begleitung der Sachverständigen Eraigie am Mittwochabend, 19.45 Uhr, von Paris kommend, i n Rom eingetroffen. Sie wurden von Außenminister Grandi neben dem englischen Botschafter am Bahnhof empfangen und trafen die ersten Verabredungen für die wichtigen Verhandlungen, die für Donnerstagvormittag im Auswärtigen Amt angesetzt wurden. Die italienisch« Presse beschränkt sich im wesentlichen auf die spaltenlangen Kommentare der Pariser und Londoner Presse und ist selbst sehr zurückhaltend mit der Begründung, daß man den Tatsachen nicht vorgreifen dürfe. Im übrigen herrscht gegenüber den Londoner Gästen die Erwartung hoffnungsvoller Herzlichkeit vor. Keine englischen Konzessionen an Krankreich. London. 23. Februar.(Eigenberichs.) In ausländischen Kreisen ist die Meinung aufgelauchl. die sron- zösisch-englische Einigung sei von England nur durch militärische Konzessionen erreicht worden, die für die kommenden Genfer Abrüstungsverhandlungen von großer Bedeutung wären. Dcmgegcn- über erfahren wir aus bester und zuverlässiger Quelle, daß diese .Städtische Oper. „Galathea*—„Lord Spleen" Zwei neue Werke, sehr ungleich an künstlerischem Gehalt. Erst das Wertvollere:„Galathea" von Walter Braunsels. Dann„Lord Spleen" von Mark Lothar, publikiimsgesällig, doch ohne tiefere Bedeutung. Großer Abend für Maria Joogün und den Dirigenten Fritz Stieory. Zum Schluß viel Beifall, verstärkt durch Clague, die mit unverschämter Zudringlichkeit arbeitet. St. P. Vermutungen den Tatsachen vollkommen widersprechen. Die Arbeitcrrcglerung denkt nicht daran, ein Flotkeuabkommen mit Frankreich und Italien durch militärische Kon- Zessionen zu erkaufen. Vor und während der Pariser Verhandlungen sei der verlrag der Land- und Luftstreitkräfte nicht mit einem einzigen Morte erwähnt worden. Gegen den polnischen Handelsvertrag. Schwere Angriffe im Sejm wegen der deutschen Agrarzölle. Marschau, 23. Februar.(Eigenbericht.) Im Sejm begann am Mittwoch die Ausschußbcratung über den deutschpolnischen Handelsvertrag. Unerwarteter- weise übte der Referent, ein Regicrungsabgeordnetcr, scharfe Kritik an dem Bertrag, der seiner Meinung noch unter den gegenwärtigen Umständen nicht die Vorteile der polnischen Wirtschast biete, die bei der Unterzeichnung zu erwarten waren. Zweifellos steht die Haltung des Referenten, wie auch von amtlicher Seite mitgeteilt wird, mit den angekündigten neuen Schiele- Zöllen in Zusammen- hang. Der Referent stellte aber nicht den Antrag auf Ablehnung der Regierungsvorlage, sondern behielt sich einen neuen Antrag auf Hinausschiebung des Ratifizierung stermins nach Einbringung beider Erklärungen durch die Regierung vor. Der Leiter der polnischen Handelsvertragsdelegation, Minister T w a r d o w s k i, der den Handelsvertrag mit dem verstorbenen Gesandten Rauscher paraphiert hatte, verteidigt«-sein Werk, dos keine Zollbindungen enthalte und nur auf kurze Frist bemessen sei und daher der gegenwärtigen Wirtschaftslage am besten gerecht werde. Ein Regierungsocrtretcr hielt daraus den Regierungsantrag noch formell aufrecht. Zwei nationaldemokratische Redner wandten sich gegen den Handelsvertrag, wobei sie besonder, auf die angeblichen Gefahren der Niederlassungsklausel hinwiesen, die eine starke Rückwanderung von Deutschen in die ehemals preußischen Teilgebiete ermögliche. Auch die Bvrteile des Handelsvertrages für Polen wurden von ihnen sehr stark angezweifelt. Ihnen schloß sich auch der Vertreter der oppositionellen polnischen Bauern» s r a t t i o n an, die die Vorteile des Vertrages für die polnische Landwirtschaft für so gering hält, daß/' sie dogegenzustimmen beabsichtigt.' Unter diesen Unsständcn ist es zweifelhaft, ob cs der Regierung gelingen wird, ihre Vorlage noch im Lause der kommenden Woche durchzubringen. Voraussichtlich dürste man hier die weitere Eni- wicklung der Schiele-Pläne abwarten, die die polnische nationalistische Presse schon jetzt zu einem neuen Feldzug gegen den Handelsvertrag ausbeutet. Maulaufreißer unerwünscht Die von der schwedischen Nationalsozialistischen Partei geplanten Massenkundgebungen in Stockholm unter Teilnahme von Hitler und Dr. S o e b b e l s dürsten nicht stattfinden. Der Polizeipräsident von Stockholm hat nämlich als Antwort auf ein Schreiben des Rcichsparteileiters der Nationolsozialister: mitgeteilt, daß die Partei nicht mit einer Genehmigung eines Ersuchens über die Teil- nahm« der oben genanten Ausländer rechnen kann. Das Arbeitslosenproblem. Die Gutachterkommission an der Arbeit. Das Wolsf-Vurcau melüd:„Die Gutachterkommission zur Arbeitslosen frage hielt am 2t. und 25 Februar im Reichsarbeitsministerium ihre 2. Sitzung ab. Zur Tagesordnung stand die Frage einer anderen Regelung der Arbeitszeit unter arbeitsmarktpolitische» Gesichtspunkten und die Frage der Doppelverdiener im Interesse der Freimachung von Ar- bcitsplätzcn. Zu beiden Fragen lagen der Gutachterkominission bestimmte Vor- schlage vor, die eingehend beraten worden sind. Die Beratung wurde jedoch noch nicht abgeschlossen. Sie wird in der folgenden Sitzung, die am 3., 4. und 5. Mörz stattfindet, fortgesetzt werden. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht auszerdcm die Frage der Arbeitsbeschaffung. Die Einsender von Vorschlagen zur Lösung der Arbeitslosen- fragen können angesichts der Fülle der Emsaniiungcn auf eine Einzelbeantwortung nicht rechnen. Soweit jemand Vorschlüge, die bisher in der Oeffsntlichkcit noch nicht erörtert wo»dm. sind, an die Gutachterkommission übermitteln will, soll er seine Vorschlage nicht an die einzelnen Mitglieder der Kommission, sondern an die Ge- schäftsstelle der Gutachterkommission, Berlin NW. 49. Echarnhorst- strasze 35, senden." Die Gutachterkommission ist aus dem richtigen Wege, wenn sie bei ihren Beratungen die Fragen der Arbeitszeit und der Arbeitsbeschaffung voranstellt. Wenn in der zweiten Januarhälstc und in der ersten Februarhülfte die Z u n a h in e der Arbeitslosen sich ganz wesentlich verlangsamt hat, so ist das zweifellos zum guten Teil auf die A r b« i t s st r: ck u n g zurüet- zusühren, die sich unter dem Druck der Gewerkschisten allmählich durchzusetzen beginnt. Das geht deutlich aus der Statistik des Allge- meinen Deutsthen Gewerpschcftsbundcs hervor. Eine Lösung der Krise ist eine Arbeitsstreckung frellich nicht. Sie könnte es sein, wenn diese Arbcitsstreckung mit Lohnausgleich, oder wenigstens mit t e i l w e i s c m Lohnaus- gleich verbunden wäre, wie es in dem bekannten Abkommen für die Zeitlohnarbcitcr der Zigarettenindustrie vorgesehen, ist. Die internationale Wirtschaftskrise geht in ihrer letzten Ursache zurück auf die austcror deutliche Steigerung der Produk- tivität, mit der die Steigerung des Konsums nicht gleichen Schritt gehallen hat. Zlls Kernproblem bleibt also eine A n- xassung der Arbeitszeit an den Zlbsatz und eine Steigerung des Verbrauchs. Daß man mit gekürzten Löhnen— auch bei gesunkenen Preisen— den Absatz nicht steigern kann und daß man bei der heute allgemeingültigen Arbeitszeit von 48 Stunden die Woche die Arbeitslosen nicht wieder in die Produktion einreihen kann, liegt aus der chand. Wenn die Unternehmer, besonders in Deutschland, sich gegen diese Binsenwahrheiten sträuben und die Dinge aus den Kops stellen, so hat das seine Ursache nicht darin, daß die deutschen Unter- nehmer die Tatachen, die zedem in die Augen springen, nicht sehen. Die Unternehmer haben zu hohem Zinsfuß rationalisiert Sie haben außerdem die Betriebe mit teurem Geld ausgebaut. Sie sind weiter finanziell belastet mit einem aufgeblähten Leitungsapparat, wo jeder einzelne ein Jahreseinkommen bezieht, das sich in fünf-, sechs- und siebenstelligen Zahlen ausdruckt. Das deutsche Unter- nehincrtum Höst es für erträglicher, an den Pfennigstundenlöhnen der Arbeiter und Angestellten, als an den Einkünften des Leitung?- apparates, den Zins- und Zwischcnhandelszewinnen zu sparen. Daß bei einer solchen Methode die Betrieb« immer unrentabler arbeiten und die öffentlichen Lasten immer drückender werden, wollen die Unternehmer und ihre Vertreter in ihrer großen Mehrheit noch immer nicht einsehen. Das ist aber kein Grund, unsere Wirtschaft ins Chaos versinken zu lassen. Die Frage der Doppelverdiener wird weit weniger als die der Arbeitsstreckung Gelegenheit geben zur Minderung der ?lrbeitslosenzghl— was keineswegs identisch ist mit Zurückdämmung der Wirtschaftskrise. Hier muß schon deshalb mit besonderer Vorsich! operiert werden, weil in den meisten Fällen es sich nicht um doppelte Verdienste, sondern nur um zwei halbe Verdienste handelt und weil die eigentlichen Doppelverdiener schon deshalb schwer zu fassen sind, da man den Söhnen und Töchtern nicht eim'ach die Möglichkeit nehmen darf, sich ihr Brot zu verdienen. Es sind vor allem die Pensionäre und Wartestandsbeamten, denen— bei einem festzusetzenden Existenzminimum unter Berücksichtigung der Familienvcr- hältnisse— der Zugang zum Erwerbsleben erschwert werden muh. Viel größere Bedeutung kommt der Frage der?l r b e i t s b e- s ch a f f u n g zu. Es ist hier schon wiederholt dargelegt worden, daß hierfür in allererster Linie die Aufstellung eines Wohnung?- b a u p r o g r a m m s in Frage kommt. Denn dabei handelt es sich um die Deckung eines auch sozial wichtigen dringenden Bc- d a r f s und um ein« für die Belebung der Wirtschaft entscheidenden Schlüsselindustrie. Man hüte sich aber vor Schaffung von Notwohnungen, sogenannte Kleinstwohnungen, die in zehn Jahren leer stehen werden und die auch unsozial und unmoralisch wirken. Gewiß gibt es hier finanzielle Schwierigkeiten zu überwinden. Zlber da es sich dabei um eine rentable Geldanlage handelt, dürften diese Schwierigkeiten zu überwinden sein. Tanfabschlüffe im Holzgewerbe. Trotz der Exbotage des Arbeitgeberverbandes. Der Abschluß der bezirklichen Tarifverträge im Holz- gcwerbe hat in den letzten Tagen neue Fortschritte ge- macht. In Hamburg, Bremen, Düsseldorf und Halle ist es zu B e r- einbarungen gekommen, bei denen im wesentlichen die Gel- tungsdauer des alten Manteltarifvertragcs verlängert und beim Lohn ein Abbau von etwa 5 bis 6 Pf. festgelegt wurde, d. h. also weniger, als die allgemeine Lohnabbauparole des Reichsarbeits- Ministeriums vorgesehen hatte. Die neuen Lohnabkommen laufen bis Ende September dieses Jahres, während der Mantclvertrag vielfach ohne jede Acnderung bis zum 15. Februar nächsten Jahres in Geltung bleibt. Zu dem Fortschritt der bezirklichen Tarifabschlüsse bemerkt die »H o l z a r b e i t e r z e i t u n g", der Gedanke des Tarifvertrages sei durchaus lebendig. Der Ausammenbruch des zentralen Vertrags könne ihm nichts anhaben. Schon bisher hätten verschieden« bezirk- iichc Tarifverträge bestanden und nun werde der Rest, der noch in dem mit dem Arbeilgeberoertrag abgeschlossenen Manteloertrag zusammengehalten worden sei, in Einzclverlräge aufgelöst. Selbst- verständlich sei ein einheitlicher Tarifvertrag, der im ganzen Reiche gelte, ein erstrebenswertes Ziel, aber diese Frage sei im Augenblick nicht aktuell. W i ch t.i g er als die Form und der räumliche Geltungsbereich des einzelnen Tarifvertrages sei sein m a t e- r i e l l e r I n h a l t. Es komme darauf an, schlechte Tarifverträge gu oermeiden und unter Berücksichtigung der für die Arbeiter- schaft so ungeheuer schwierigen Situation dürfe man auch be- ihaupten, daß das bis jetzt auch gelungen ist. Brauereiarbeiter zum Lohntarif. Hohe Dividenden trotz Konsumrückgang. Mit der Frag«, ob der Lohntarif für die Zlrbeitcr in den Berliner Brauereien zum 31. März gekündigt werden scll. beschäftigte sich am Sonntag eine stark besuchte Dersanmzlung der Brauereiarbeiter, die. im Verband der Nahrungsmittel- und Ge- tränkcarbeitcr organisiert sind. Genosse H o da p p erinnerte daran, daß d'c Funktionäre im Herbst v. I. auf Grund der allgemeinen Wirtschaftslage von einer Tarifkündigung 2l b st a n d genommen hatten. Die Lage ist seitdem nicht besser, sondern noch schlechter geworden. Gegen Ende 1929 waren zu Anfang dieses Jahres auf dem Arbeitsnachweis fast 500 erwerbslose Brauerciarbeiter eingetragen. Es bedurfte der größten Anstrengungen, um in der Zeit von Weihnachten bis jetzt weitere Entlassungen zu verhindern. Aus diesem Grunde muß die Organisationsleitung einpfehlen, von der Kündigung des Lohntarifes A b st a n d zu nehmen. Es muß vielmehr alles daran gesetzt werden, zu verhindern, daß die Brauunternehmer mit eventuellen Lohnabbauforderungen Erfolg haben. Ob die Unternehmer das Abkommen kündigen werden, steht noch nicht fest: Veranlassung dazu hätten sie jedenfalls nicht. Sie haben bis zur Mitte des Vorjahres noch eine glänzende Konjunktur gehabt. Eine Industrie, die noch in der Lage ist, Dividenden von 12 bis 24 Prozent zu zahlen, hat nicht die Verechttgung zum Lohnabbau. Em solcher Versuch wäre auch höchst unklug, da die Brauereien in der Hauptsache auf die Arbeiter als Kanfumenteu angewiesen sind. Der Rückgang des Vierkonsums in den letzten Monaten ist nicht allein auf die steuerlichen Belastungen, die übrigens restlos auf die Konfumenken abgewälzt wurden, zurückzuführen, son- dern auf die S ch w ä ch u n g der Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung durch den Lohnabbau. Sollten die Braminternehnisr dennoch dos Lohnabkommen kündigen, dann werden ihnen die Brauereiarbeitcr den f ch ä r f st e n Widerstand entgegensetzen. Ohne Kampf lassen sie sich keinen Pfennig Lohn abbauen. Genosse Schmitz wies nach, daß der Rückgang des Bierkonsums ini vorigen Jahr nicht 40 Prozent betrage, wie die Brauunternehmsr behaupten. Nach den Feststellungen der Organisation betrage der durchschnittliche Braurückgang im Branjahre 1930 gegenüber 1929 in Berlin 2,3 Prozent gegenüber 5,2 Prozent im Reich. Selbst im letzten Quartal 1930 ist der Branrnckgang nicht so erheblich gewesen, wie es die Brauereien allgemein darstellen. Die Genossenschaft s- brauerei Friedrichshagen z. B., deren Gefäzäftsiahr das Kalenderjahr ist, weist einschließlich der letzten sässechten drei Monate des Vorjahres einen Braurückgang von 6,21 Prozent aus. Weiter müsse in Rechnung gestellt werden, daß die Vranereien zurzeit mit einem derart verringerten Personalbestand auszukommen oxrsuchen, daß den im Betriebe Stehenden ungeheure'Arbeitsleistungen aufgebürdet werden. Nach«ingehender Aussprache beschloß die Versammlung gegen «ine Stimme, der allgemeinen Funktionärkonferenz der Berliner Brauerciarbeiter am Freitag dieser Woche zii empfehlen, von der Tarifkündigung Abstand zu nehmen. Geschlossene Froni der Gchuharbeiter. Einmütige Verurteilung der RGO. Mit dein ungeheuerlichen Anschlag der Schuh- industriellen auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen beschäf- tigte sich Montagabend eine Mitgliederversammlung der freigewerk- schafttich organisierten Berliner Schuhmacher. Der Bevollmächtigte Hörtz pflückte einige Blüten aus dem Abbaubukett heraus, das die Cchuhfabrikanten den Gewerkschaften überreicht haben, nachdem von ihnen der Reichstarifvertrag zum 31. März gekündigt worden war. Während die Gewertfäiaften auch in der Schuhindustrie die Einführung der 40-Stiindcn- Woche mit Lohnaus- gleich fordern, verlangen die Unternehmer das Recht, täglich, auch bei Kurzarbeit, eine Ucber stunde anordnen zu können, allerdings im Rahmen der 48-Stuirdenwoche. Der Ueber- stundenzufchlag dafür soll ober erst dann gezahlt werden, wenn die 48stündige Wochcnarbeit überfchritten wird. Die Schuhfabrikanten fordern weiter, daß verlorene Arbeitsstunden infolge des Verschuldens des Unternehmers bei Bezahlung des üblichen Ueberstundenzufchlages nachgeholt werden können. Di« A k k o r d a r b e i t e r, die vorüber- gehend in Zettlohn beschäftigt werden, sollen nach dem Wunsche der Unternehmer in Zukunft geringer bezahlt werden als bisher. Die Vergütung für Krankheitstage soll gänzlich wegfallen, ebenso sehen die Forderungen der Unternehmer ganz erhebliche Ver- fcküechterungen der U r l a u b s b e st i m m u n g e n vor. Die Ar- bciter sollen in zwei Gruppen, Facharbeiter und H i l s s- arbeiter, eingeteilt werden, so daß fortan etwa 95 Prozent der Schuharbeiter als„Hilfsarbeiter" beschäftigt und natürlich auch entsprechend geringer bezahlt werden würden. Di« Lohnkürzungen durch Umgruppierungen, allgemeinen Lohnabbau, Versetzung von Städten in niedrigere Städtegruppcn würden zwischen Iii und 51 Prozent betragen! An eine sriedliche Versläirdigung zwischen den Parteien, die zum ersten Male am 2 März zusammenkommen, ist kaum zu denken. Es gelte daher, alle Kräfte für eine entschiedene Abwehr zu nwbM- sieren. Die beste Abwehr sei der feste Zusammenschluß im Zentral- verband der Schuhmacher und die schärfste Zurückweisung der Pa- roten, die noch«ine wettere organisatorische Zersplitterung der Schuh- arbeiterschoft erstreben. In der Diskussion kam eine starke Empörung über das Vorgehen der Schuhfabrikanten zum Zlusdruck. Eine Entschließung, die sich für die Verkürzung der Arbeitszeit und die Stärkung der frei- gewerkschaftlichen Abwehrfront ausspricht, wurde einstimmig an- genommen. Im Anschluß hieran nahm die Versammlung nun eingehend zu dem Streik bei Leiser Stellung, der, wie Hörtz sagte, gezeigt hat, daß d i e NGO. nicht in der Lage ist, Wirtschasts- kämpfe zuführen.____ Generalaussperrung in Bayern. )n den Fleisthwarenfabriken. Der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkcarbciter schreibt uns: Seit vielen Jahren besteht ein Tarifoertrog mit Lohnabkommen für alle Fleischwarenfabriken in Bayern. Lange hat es gedauert, bis die Löhne als einigermaßen auskömmlich gelten konnten. Stets muhte der Landesschlichter entscheiden, und die Löhne für verbindlich erklären. Die Wirtschaftslage hat zwar die Fleischwarenindustrie auch nicht verschont, aber die sehr niedrigenViehpreise geben nicht nur allerbeste Ausgleichsmäglichkeiten, sondern auch gute Uebcrschüsse. Die Preise sür Fleijchwarenprodukte zeigen das recht deutlich. Trotzdem sollen die Löhne abgebaut werden. Der Spitzenlohn soll von 1,08 M. pro Stunde auf 0,90 M., also um 16,6 P r o z. herabgesetzt werden! Verhandlungen auch beim Landesschlichter scheiterten trotz allem Entgegenkommen. Jetzt haben die Fleischwareniabri kanten allen Beschäftigten g e- kündigt. Wer zu dem Lohndiktat der Fabrikanten arbeiten will, soll neueingestellt werden, andernsalls erfolgt die Aussperrung. Zuzug von Fleischergesellcn noch Bayern ist streng sernzuhaltcn. (Zrprefferpolitik. Das Landesarbeitsamt Rheinland hat in seinem Arbeitsmarklbericht für die erste Fcbruarhälite— die Arbeitsloscn- ziffer auf dem rheinischen Arbeitsmarkt beträgt für diese Berichts- Periode 584 000— den st i l l e g u n g s- und entlafsungs- freudigen Unternehmern folgendes ins Stammbuch geschrieben: „Allerdings waren auch in diesem Berichtsabschnitt die Anträge auf Entlassungen, Betriebsstillegungen und-einschränkungen wieder sehr zahlreich Wenn auch zugegeben ist. daß derartige Aniräg« ihre völlige Verechttgung haben können in unsicherer Geschäftslage. Kapitalmangel, bedrohten Kreditverhältmssen des Werkes und der- gleichen, so läßt doch die Tatsache, daß erfahrungsgemäß nur zu einem geringen Teil oder gar nicht von der erhaltenen Entlafsungs- befugnis Gebrauch gemacht wird, daraus schließen, daß sie nicht immer ein« nicht zu um gehende Notwendigkeit waren. Die Beunruhigung, die damit in die Wirtschaft und die Arbeiter- schaft getragen wird, trägt gewiß nicht zur Behebung des heute vorherrschenden Pessimismus bei." Das Unternehmertum spielt also zu einem guten Teil mit Stillegungsdrohungen und tritt auf den Nerven der Arbeiter und Angestellten herum, um sich durch Lohndruck einen Gewilistanteil zü verschaffen. „Faschismus und Gewerkschaften." Genosse Graßmann beanstandet die Stell« in unserem Be- richt über seinen Vortrag in der Plenarversammlung des Ortsans- schusses des ADGB., es sei die Flucht vor der Verantwortung, daß Hitler sein Programm aus dem Wege der Diktatur durch- setzen will. Graßmann führte in seiner Gegenüberstellung zwischen Demo- kratie und Diktatur aus, daß die Demokratie ihre Anhänger zum Verantwortungsbewußtsein erzieht, währen» umgekehrt die Diktatur in ihren Nachläufern keine Verantwortlichkeit aufkommen läßt. Mitglieder des Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verbandes! ..beut«, Tonaerstal,. IS Uhr. Zkuw-bl»et SilUttcituna tut»r-uulch-eiaer Stalle im Klubdaus, O�itgr. 2. Alle Betlei du nqmirbelter die Mitalicd der Be.udeuburpee Stalle M,. b�Mzn. fich uoll,-?li,». dieser M.umUu.« und stimmeu sur die Liste de, Deutlcken Betle>duna,arb«iten>erbande». Die SillaNeihtUfl. Z. Sil, Lehmann. 1 �"�"d de. Maler, ffteitaj, 27. gebruar. IS'A Uhr. im Ber. r" m Uner Gewcrtichaftshaue. Enaelufc? 24— LZ, Seal 4, Mitaliederver. M m sammlung. Vortrag des Landtaq-abqeordneten Wilhelm«rUaer:.De?& ß] Kampf«egen fcn �fänsntus. Diskussion. Verschiedenes. Erscheinen W m ,edes Vcrt.andsmltnl, des erforderlich. Die grauen unserer Verbands. � Freie Gewerklchafts-IuaendVerttn ßcutc. iTonnetstoq, M'r Uhr. tonen die©nineen: Stove» Ick: Zuaend» feiern unteren c>. Ociuttsto«.— schön- k««fet Soe: rUiqeiidfmm Jtcrtilr.[S Heimdelvrecknina.— Seinndbrunne»: uocndhc.m«nie Schule, Gatenburner Str. 2. Scictetafl.iitmnq.— SLdolten. ©riipocnwim JetoJennerflnr Str. 66 igeuerwehrhou»).»Ter ocooniCotocifdi« Stiifbau bes BDGB.— Zemvelhoi:©ruvvcnheint Lmeunt©ermaniastr. 4—« lemoonn©dtiftroRe).»Was ist S-noIi-mus?"- Roobit:?»aendhelm Lehrter Str. 16�-12..W:rtschop»demokrotle und Soitialrmnus."— Z!eu-Lichteir. deeq: Zuoendhe.m©unterftr. 44..Die Voroänne in SüNunr-ifo.'— Lichten. bee»: Iuo-Ndheim Laufs, an der Ccffinoftrofte. Snrtraq:..Meine-äSaljc'.— Landsbc-ger Zlast: Inorndheim"Ticftclmenetflt. 5. Lichtbilderimrtrao:.Die m-, ,n � � Zuoendqruppe de, Beebande, der Rohrnn«.. mittel- und©<-ranlearte,ter: Sitiunqs�ool. Neue SchönHouler Str 4— ü. Liederabend.— Inqendalnppe de, Deutschen Betleidunamirdeiier-Berbandes: Sedast'.onstr. 37�38. Bortraq:.Die heutiqe Wirtschaft�. .�uaendarupve öes�entraiverbandes der Anaestellten finden foinrnbc Veronstalinnqen statt: Pantow- .-i* to � Tuqcndheim©jjrichstr. 14 Iqroficä Simmrt)©ineo M-ns»en Weq«Ttiebtich Eber»._ Osten: guqendheim der Schüie Litauer Straße 18. Vortraa:»Die ,rrau und der Soiialismus". Referenlln �orc Bocma-- Treptow: Iuoenbhenn der Schule Wildeubruchstr. Z3 cZuoaro'nou der©roeßilrone in Treptow). Bunter Abend.— Starten Tut n n» äriaf�'Ä.22- m,b mn ,inb Prem 00n ÄlTgÄ Berontwortlich für Politik: Dr. ckurt©ener: Wirtfchott- a«Ii...».-»..- ©ewerkfchottsbewequnq: I. Steiner: geu.üeton- St ft DL!©» PotaU« und Sonstiges: F.1» Stotflnbi; Ameigeu- Th©l-cke� sbm.U© � BerM U'�rSußau'ÄSt's.n'o Dr�ck!'«o?m"?!s.»nchdruckere, und»ierlagsanftal! Paul Singer u.(To. Beta« SJä 68, Linbenstraße 3. Slcrz« 2 Beilage«. LeKone Zähne: Chlorodont �2� _ 2_______:__ 34 Pf. 90 Pf. DTr. 95* 45. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Donnerstag, 26. Februar-1934 Der Tod hielt auf den schienen. Sieben Jahre Zuchthaus Ittr den schuiedenzue-fliteniater. P renzlau, 25. Februar. DaS Prenzlauer Schwurgericht verkündete abends um 11 Uhr in dem Eisenbahnattcntatsprozeß gegen den Arbeiter Ernst L a d e w i g auS Berlin folgendes Urteil: Ter Angeklagte wird wegen vorfählicher Transportgefährdung in Tateinheit mit versuchtem Alord zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Zwei Monate und drei Wochen der Strafe gelten als durch die Untersuchungshaft verbüht. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem Angeklagten auf die Tauer von fünf Jahren aberkannt. * Sehr b e l a st e n d für den Angeklagten gestaltete sich die Lee- nehmung des Schlossers Dietrich aus Prenzlau, bei dessen Aus- sage der Angeklagte sichtlich nervös wurde und dem Zeugen ins Atert zu fallen versuchte, ohne die Aussühruirgen widerlegen zu können. Der Zeuge Dietrich erklärte:„Ich hatte in Berlin zu tun gehabt und fuhr mit dem Personenzug, der von Berlin über Ebers- walde nach Prenzlau geht. In Eberswalde stiegen die übrigen Mit- rcüeichen aus und Ladewig blieb mit mir allein. Wir unterhielten uns weiter und ich sprach die Befürchtung aus, daß der Winter uns noch allerlei Schlimmes brihgen würde, und daß es wvhrschein- lich auch Hitler nicht gelingen dürfte, die Zustände zu ändern. Darauf sagte der Angeklagte zu mir folgendes: „Hitler ist auch nur so ein..dooser" Bonze, der nichts machen kann. Ich bin dagegen in einer Organisation, von der Ihr sehr bald noch mehr hören werdet. Wir haben es uns zur Aosgabe gemacht, das Kapital und die Kapitalisten aller Länder zu erledigen. Wir haben in Berlin während des Metallarbeiterstrelkes die „Revolutionäre Gcwerkichaftsoppofition" ge- schaffen, der ich angchore." Der Zeuge untechiett sich dann mit dem AngöNagten Ladewig weiter und tn Seehausen habe sich dieser von ihm verabschiedet. Auf die Frage des Dietrich, was er denn in See- Hausen verloren habe, Hütt« der Angeklagte gelhchelt, ihm sein Paket »r.it Werkzeugen gezeigt und geantwortet:„Ich habe hier«ine Kleinigkeit zu erledigen." Borsitzender:„Haben Sie denn den An- geklagten gefragt, mit welchen Mitteln feine Organisation arbeite?" Zeug«:„Er hat nrir sehr lange Ausführungen gemacht u. a. auch gesagt, daß die Bewegungen in Indien und in Aegypten nur die Bor- boten größerer Bewegungen der Partei seien, der er angehöre." Angeklagter(Sehr nervös):„Herr Vorsitzender, das kann ich nninöglich olles gesagt haben, wenigstens besinne ich mich darauf nicht. Ich gehör« auch der„Revolutionären Gewerkschaitsopposition" nicht an." Borsitzender:.Kennen Sie denn überhaupt die „Revoiiltionäre Gcwerkfchastsopposllion?" Angeklagter:„Das wehl. Während des MetavZlrheiterstrcikes bin ich;: ja Wiederholt in Versammlungen"gewesekl/ in LeneN M Blldudg Let'RGO. auf- gefordert und auch näheres darüber besprochen worden ist. Ich bin aber nicht Mitglied der Rnb gebreitet, ein Laken, das sie abends wieder abzieht, und darunter ist es kalt geblieben wie zuvor — das weckt noch nicht. Dann hat, um Mittag meist, etwas wie ein ganz leichtes, wohliges Streicheln die Handbreit Erde durchdrungen, die über einem ist, und hat den Brust- panzer berührt; da hat es in diesem Brustponzcr leise ge- tnackt, und eines oder das andere der sechs Beine hat sich mühsam bewegt und gefunden, daß es noch klamm ist und noch warten muß. Nicht mehr lange freilich: die Bewegung der allerkleinsten Schöpfungsteilchen, die Wärme heißt, ist immer schneller, immer allgemeiner geworden, hat Sandkorn um Sandkorn angesteckt, ist Fingerbreite um Fingerbreite tiefer gedrungen,"hat auch die Moleküle des vermoderten Spargelstengels ergriffen, in dessen Höhlung man den Winter verbrachte, ist endlich auch in dem eigenen, kleinen und harten Jnfektenkörper eingezogen, und lzat sofort die Beine zum gemeinsamen Lausen und Schaufeln, den Brustpanzer zum Aufwärtsstemmen, den Kopf zum Bohren gebracht; eine Stunde lang müht man sich so, dann, als eben der im Herbst gefüllte Kraftspeicher restlos geleert ist, spielt rötlicher Sffrim- mer um die beiden Augenkugeln, weht Luft um die Fühler- enden: ein letzter Ruck, ein letztes Abrieseln von Sand: man ist oben, draußen und frei.(Fortsetzung folgt.) Dsrlln abzuhalten, wurden durch'»ordeugende Maßnahmen der Polizei zunächst im Keime erstickt. Insgesamt sind gegen �0l)"F est nahmen erfolgt. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß seitens der sogenannten Erwerbslosenausschüsie unternommene Bemühungen, die aus den Betrieben kommenden Arbeiter zu Demon- strationen zu veranlassen, erfolglos blieben. Geständnisse in Mntgental. Zwei der Verhafteten haben Schmiere gestanden. von den drei jungen Burschen, die in Röntgenlol. wie bereits berichtet, unter dem Verdacht festgenommen wurden, an dem �euerübcrsall aus das Lokal„Edelweiß" beteiligt gewesen zu sein, haben zwei von ihnen bereits ein Geständnis ab- gelegt. Sie gaben bei ihrer Vernehmung durch Dr. Braschwitz zu. daß sie in nächster Bähe des Tatortes„Schmiere gestanden" haben. Die Bachforschungen nach den beiden flüchtigen lioupltölern werden eifrig fortgesetzt. Bei allen handelt es sich um Btitgliedcr des antifaschistischen„kampsbundes". Bei den Tätern handelt es sich um den Arbeiter Rudolf Schiemann, Berlin, Brunnenftraße; Kurt Kuhnert, Berlin, Swinemünder Straße, 17 Jahre alt; Willi Rettigg, 19 Jahre alt aus Röntgenlol: Alfred Schulz, 17 Jahre alt, aus Röntgental. Nicht ergriffen wurden Rudolf Schiemann und Kurt Kuhnert, die bald nach der Tat flüchtig gegangen sind und sich verborgen halten. Mitteilungen über den Aufenthalt des Schiemann und Kuhnert werden unter Hinweis auf die ausgefeßte Belohnung von 1009 M. von jeder Polizeibehörde, insbesondere von der bearbeitenden Dienst- stelle des Polizeipräsidiums Berlin, Abteilung I A, Zimmer 249, Hausanrnf: Berölina 0023, Apparat-380, entgegengenommen. Schulgeld wird erhöht. Tkue Schvlgeldverteuerung für die städtischen Lehranstalten. Der Blagislral legt der Stadtverordnetenversammlung eine neue Schulgeldordnung vor, die mit dem 1. April 1931 in Kraft treten soll. Nach dem Schulgecldgesetz vom 18. Juli darf das Schulgeld an den höheren Lehranstalten den dritten Test der Kosten nicht über- steigen, die ein Schüler einer öst'emlichen höheren Schule jeweils durchschnittlich verursacht. Diese Dlirchschnittskostcn werden alljähr- lieb von dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sestgeseßt und betrugen bisher 7ä0 M. Dem Vernehmen nach sollen di« Kosten aber vom 1. April ab aus 720 herabgesetzt werden, so daß der Grundbetrag des Schulgeldes an den städtischen höheren Lehr- anstalten wie bisher 240 M. jährlich beträgt. Dagegen soll der Grundbetrag des Schulgeldes für die Mittelschulen von !>ö M. aus tle Hüllte des Schulgeldes an höheren Lehranstalten (120 M.) heraufgesetzt werden. Diese Erhöhung hält der Magistrat für notwendig, tun ein gerechteres Verhältnis zu dem Schulgeld au den höheren Lehranstalten zu erreichen und einem zu starken Andrang zu den Mittelschulen auf Kosten der höheren und Volksschulen vo rzu ben ge n. Neu aufgenommen sind die Bestimmungen über das Schulgeld für?luswärtlgc uitst-Misländer. Für die auswärtigen Schüler und SchOO-rimu'n soll ein..ZuIchvß von 25 Pro;, zu dein Schulgeld- grundbetrag geiordert werden. Es wird mit einer M e h r e i n n a h m e von 500 000 M. auf Gründ der neue» Schulgeldregelung gerechnet. Destraster Wahlschwindel! Stimmabgabe in Wahllckal und Kronkenhaus. INit einem 11> fl h l s ch iv i n d e l hotte sich das Schössen- gcricht vcrlin-TNitte-u beschäftigen. Es hatten sich der Ar- beitrr Ä. v.vd cin Blädche» Ä. ans der W e b e r st r a ß e j« verantworten. Die Angeklagten sind bereits wegen verschiedener Bergchen norbcstrost. G. gehört der K o in m u n i st i s ch e n Partei an. Für den Wahltag am l t. September erhielt die Ehefrau des An- geklagten einen St iinm schein sowie eine amtliche Benachrichtt- gung, daß. da ihre Eintragung in die Stimmliste nicht erfolgt mar, lue Aufnahme nunmehr im Nachtrag erfolgt sei. Diese Mittel- lu.ng hat her Ehemann sich nun zunutze gemacht und die K. veran- lgßt, ans den Namen seiner Ehefrau das Wahlrecht auszuüben. Da die Lifte den Vermerk„St.", d. h. S t i m m f ch e i n a u s g e st e l I t, trug, so fragte der Wahlvorsteher psiichtgcanäß nach dem Stimm- schein. Diesen konnte die K. jedoch nicht vorweisen und bestritt auch, eitteii solchen erhalten z» haben. Mißtrauisch geworden, richtete der Mahlvorstaad weitere Fragen über die Personalien der Frau G. an die K. Da sie keine erschöpfende Auskunft geben konnte, wurde sie zur Wahl nicht zugelassen. Doch bald daraus erschien sie mit dem Angeklagten G., der die K. als seine Frau vorstellte und in droheiidem Tone fragte, wie oft denn seine Frau noch im Wahl- -lokal erscheinen solle, um endlich von ihrem Wahlrecht Gebrauch inachen zu können. Da einer solchen Drohung in der Weberstraße eine größere Bedeutung beizumessen ist als in anderen Gegenden Berlins, so gestattete der Wahlvorsteher der falschen Frau G. die Ausübung des Wahlrechts. Sofort angestellte Ermittlungen er- gaben jedoch den bereits geschilderten Tatbestand. Die'Angeklagten ivaren geständig und beriefen sich darauf, lediglich aus Unkenntnis gehandelt zu haben. Staatsanwalt und Richter sahen die Sache sehr milde a». G. erhielt an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von einer Woche 7 0 M. Gelbst rase, die K. statt drei Tagen Gefängnis 30 M. Geldstrafe. Da die beiden Unterstlltzungsbezieher sind, hat soniit dos Wohlfahrtsamt des Bezirks Friedrichshain Gelegenheit, die Strafen für die Wahlfäljcher zu bezahlen.. i Verlorene lugend. Versuchter Einbruch, Raub. Totschlag. NBtigung, unbefugter Waffenbesitz. Vor dem Landgericht I standen sechsjungeMenschen; fünf von ihnen im Alter von 19 bis 22 Jahren, der sechste, vielfach vorbestraft, ein wenig älter. Den Verbindungsinann zwischen den jungen Leute spielte der 18jährige Markthelfer P. Von ihm stammten sämtliche„Annoncen". Unbestraft, in Diebesdingen unerfahren, beschränkte er sich in der Hauptsache aus seinen Familienkreis. Bei seiner 7Ijährigen Tante, die ihn sehr gern hatte und die er jeden Sonntag besuchte — er tut es auch heute noch— erbeuteten feine Komplizen etwa -2000 M. Das war im Mai. Im Juni ließ P. die Brüder Koch am frühen Morgen beim Gemüsehändler W. ein, bei dom er in Stellung war. Die beiden Burschen fielen über den Gemüsehändler her, versuchten ihm die Brieftasche zu entreißen. Der Mann schrie um Hilfe, P., der die Räuber eingelassen hotte, eilte herbei, die beiden Burschen ergrissen die Flucht. Der Uebersall war mißglückt; nun mußte Ps. Onkel ran, ein Schlächtermeister. Der eine der Brüder K. 'verschaffte sich als Kohlenmann Einlaß, packte die Hausangestellte am Kleide, warf das junge Mädchen, daß sich wehrte, gegen die Fenster- scheide, so daß sie Verletzungen davon trug, sie schrie um Hilfe, sprangausdeinFenstcr und veranlaßte die Verhaftung eines der Uöbeltäter. Der andere Bruder ging mit dem Revolver gegen die Polizeibcamtcn los, brachte einem Schupo- Wachtmeister eine' Bauchverletzung bei, dann bestieg er, den Chauffeur mit der Waffe drohend, ein Auto und raste mit dem befreiten Bruder davon. In der Untersuchungshaft zertrümmerten beide Brüder das Zelleniiwentar, der eine schnitt sich die Pulsadern auf und brachte sich, kaum vom Tode errettet, SticheamUnterarm bei; der andere Bruder schnitt sich den Unterleib auf und schluckte einen Kopierstist.. Vom Arzt über die Motive dieser Selbst- Mordversuche befragt, meinten die Brüder: Solch ein Leben Hai doch keinen Sinn. Hier stößt man auf die Kehrssite ihrer verbrecherischen Handlungen. Das Großstadtelend stellt die Kulisie zu diesen Taten. In Stube und Küche acht Personen. Der Vater vertrinkt den ganzen Wochenlohn, mißhandelt Mutter und Kinder. Eine Tante stirbt im Irrenhaus. Von Geburt aus psychisch abnorm, stößt der eine der Brüder sich vor der Tür seiner Braut einen Dolch in die Brust. Schon 19jährig, wird er in die Fürforgeanstalt Struveshof gesteckt, angeblich weil er gegen den Vater, der aus die Mitttcr mit dem Messer losgeht, Stellung nimmt. Er läuft davon, ernährt sich durch Diebstähle, wird in die Fürsorge zurückgebracht, ttirmt von neuem, begeht wieder Diebstähle und verbüßte eine vielmonatige Strafe in Plötzensee. Der andere Bruder, zuerst Kuhhirt auf dem Lande, dann Laufjunge, begeht kleine Unterschlagungen, kommt in den„Linden- h o f türmt, wird gefaßt, verbringt dreiviertel Jahr in der Anstalt Scheuen, tt'trmt von neuem, wird von den Eltern aufgenommen, braucht aber, um eine Arbeitsstelle anzunehmen, feine Papiere. Er begibt sich aufs Jugendamt und wird nach Struveshof gebracht. Hier laust er wieder davon, findet aber später Arbeit. So die beiden Brüder K. Der 22jährige Angeklagte H. wurde bei der Großmutter erzogen. Er arbeitete als Schweizer. Im Jahre 1928 stirbt die Großmutter, der Stiefvater nimmt ihn nicht auf. Er ist sich selbst überlassen, findet keine Arbeit und gerät auf Abwege. Arbeitslos war das letzte Jahr auch der„Annoncen"-Mann P. Auf dem Arbeitsnachweis traf, er feine früheren Schulkameraden, die Brüder K. Wie so oft wurde auch diesmal das Arbeitsamt zum Ausgangspunkt der gemeinsamen Missetaten. Der ältere Bruder, Otto K., oersuchte in der Verhandlung den jüngeren zu decken, dieser stand zweifellos unter dem Einfluß des andern. Das war auch die Ansicht des Gefängniswärters, der beide Brüder für psychisch stark von der Norm abweicheich erklärte. Das Landgericht I verurteilte die Angeklagten Otto K. zu sieben Jahren Gefängnis,, seinen Bruder Albert zu drei Jahren Gefängnis, den 18jährigen P. zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis. H. wurde zu zwei Jahren drei Monaten Gefängnis verurteilt, K. erhielt zwei Monate Gefängnis. Der Angeklagte M. wurde freigesprochen. Llrteil gegen den Äehördenschreck. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den Historien- und Kirchenmaler Schäfer, der am 22. Dezember vorigen Jahres sich mit einer Scheintodpistole und einem Gummi- knüppel Zutritt zum Arbeitsnnnister Stegerwald verschaffen wollt«, wegen Hausfriedensbruchs und unbefugten Waffenbesitzes zu einem Monat Gefängnis. In der Urteils- begründung führte der Borsitzende aus, daß Hausfriedensbruch im Gegensatz zur Auffassung des Angeklagten vorlieg«, da es unmöglich gestattet sein könne, daß Bürger sich gewaltsam Zutritt zu den höchsten Beamten des Reiches zu oerschaffen suchen. Der An- geklagte habe trotz der Aufforderung, das Gebäude zu verlassen, dies nicht getan. Strafmildernd kam sein zehnjähriger nervenzermürben- der Kampf um seine Reitte und um Arbeit in Betracht. Der Lersuch, sich gewaltsam Zutritt zu den höchsten Beamten zu verschaffen, scheint in dieser Zeit der schrecklichen Not sich zu einer Epidemie auszuwachfen. Heute findet unter anderm die VerHand- lung gegen der Oberfchlesier Alois Broll statt, der. mit der Waffe in der Hand, im Reichspräsidentenpalais verhaftet wurde. Ifiu n d g e b«■ n£ en Kaulsdorf, 123. Abt. Freitag, den 37. Februar, 20 Uhr. Turnhalle. Adolfslrahc.— Thema: NaHonalsoriaUsmus-VolVs- .... betrug. Redner: Erich.Kuttner, M.d.1- ■ Mitte, 4. Abf. Freilag, den 37 Februar, 19' z Uhr, Vogels FestsCIe. BrCcken»{r.2.- Thema: Dasd ritte Reich. Redner: Genosse Ritzel. M d.R.- Politisch-satirische Revue;, Wo bleibt der zweite Mann?**- Unkosfenbeitrag 0,30 M.. Erwerbslose Genossen frei. Blankenburg, Sonntag, den t. Mörz, 17 Uhr, Lokal Krug. Dorfsfr. 2. Thema: Wollen die Frauen den Bürgerkrieg? Rednerin: K/ilhe Kern.— Femer Hans Pletfner: Gegen Bürgerkrieg und Faschismus. Volksgenossen! Erscheint in Massen! Helft den Faschismus bekämpfen! Die Nationalsozialisten als Kn'egspartei In'einer gut besuchten Frauen verso m'ml u n g des Kreises Tiergarten in den Arminius-Festfälen in der Bremer Straße sprach Genossin Mathilde Wurm über„Die Gefahren eines neuen Krieges". Die Nationalsozialisten versprechen die Beseitigung des deutschen Elends durch einen„Freiheitskrieg", ohne sehen zu wollen, daß der Krieg das kapitalistische Mittel zur Lösung der kapitalistischen Gegensätze ist. Eine wirkliche Beseitigung der Gegensätze und des Massenelends wird damit ebensowenig bewirkt wie durch den letzten Krieg. Der Weltkrieg hat bewiesen, daß kein Krieg die Konkurrenz- streitigk-etten der Kapitalisten und die Uiffinnigkciten der kapitalisti- sehen Wirtschaft beseitigt, sondern Elend und 5)unger noch oerschärst. Den Frauen legt der Kapitalismus doppelte Lasten auf, und der Nationalsozialismus weicht vom kapitalistischen Wege nicht einen Finger breit ab. Rur die Sozialdemokratie kämpft gegen Krieg und Wirtschaftskrise, gegen Ausbeutung und Massenelend. Ihr müssen sich alle Frauen anschließen! Schnlmusik am Gesundbrunnen. Die Dlestcrweg-Obcrreaischule rief die Eltern ihrer Schüler, ihre Freunde und Göimer wieder zu einigen genußreichen und geselligen Stunden, zu einem Konzert in den Atlantic- Fcstsälen der Lichtburg zusammen, und wiederum konnten die Fest- räume die in Scharen herbeiströmenden Gaste nicht fassen! Eine Auswahl der schönsten flaffifchen Opernmelodien und einige andere erlesene Perlen ansprechender Orchestermusik wurden unter Leitung des Oberschullehrers Feist von Schulorchester und Schulchor, der durch den gemischten Chor von Advent verstärkt wurde, in meisterhafter Form vorgetragen und ernteten wohlverdienten, unein- geschränkten stürmischen Beifall. Der immer zündende, hinreißende Straußschc Walzer„An der schönen blauen Donau", von Chor uno Orchester gemeiiZsam vorgetragen, bildete den Beschluß und leitete über zum zweiten Teil des Abends, zum geselligen Tanz, der die Jugend, trotz beängstigender Enge und Fülle bis zur mittentä chllichen Stunde zitzammetchtett. Das Fest tau» ci(s, schöner Erfolg gebucht werden in dem Beftrcbcn, Schule und Eltern zusammenzuführen zur Förderung gemeinsamer Arbeit an unserer Jugend! Zelluloidexplosion in Erfurt. Vier Feuerwehrleute schwer verletzt. Erfurt, 25. Februar. Fn einer Zellttloidwarenfabrik entzündete sich am Mittwoehnarkpnittag durch eiueu etektrischen Fünft« etwa ein Zentner Zelluloid. Ans ganze Gebäude staub int Nu in dicken, gelben Rauchschwaden. und die Feuerwehr mußte mit Hilfe von Gasmasken arbeiten. Fn dem Augenblick» als sich einige F c n e r- Wehrleute in das brennende Gebäude begeben hatten. gab es eine starke Explosion, nnd eine haushohe Stichflamme schlug empor. Aicr Feuerwehrleute erlitten schwere Verletzungen. Ein Brand- meister wurde lebensgefährlich verletzt. Durch die Explosion wurde eine Wand eingedrückt und jämt- lichc Fensterscheiben zertrümmert. Nach harter Arbeit gelang eö der Feuerwehr, den Braud einzudämmen und die angrenzenden Gebäude zu schützen, in deneu sich teil- weise grosic Mengen gelösten Zelluloids befanden. Sie fallen uns immer wieder in den Rücken. Mehrere Parteigenossen aus dem städtischen Ledigenheim am Brunnenplatz schreiben dem„Vorwärts": Im Ledigenheim am Bruimenplatz wurden mit Genehmigung der Verwaltung mehrere Plakate, die zum Kampf gegen den Faschismus aufrufen, angebracht. Die Kommunisten, hie sich angeblich berufen fühlen, eine„Einheitsfront* gegen den Faschis- mus herzustellen, forderten von der Verwaltung die Entfernung der betreffenden Plakate, und drohten, sich an den deutschnationalen Stadtrat B e t h g e zu wenden. Herr B. hat schon einmal das An- bringen von Plakaten untersagt, und zwar: die Anzeige der Trauer- kundgebung für den verstorbenen Reichspräsidenten E b e r t. Wir fragen hiermit: Ist Herr B. berechtigt, so ohne weiteres das Be- festigen der Plakate einer staatsbcjahenden Organisation zu ver- bieten? Das Verhalten der Kommunisten im Ledigenheim ist cha- rakteristisch für die„Einheitsfront" gegen den Faschismus, wie ihn sich die Maulhelden vorstellen. Man läuft winselnd zu den D-utfch- nationalen. ■SB luxuHfpgrf arminarm! ie ias'.Biglich ilt. trlgbres lic niriti Volkshoicr' ohne Ruhe. Unberufene im Ledigenheim Charloitenburg. Eine stark, zum TcU wieder von Unbeteiligten besuchte Der- samwlung der Mieter des Charlottenburger„v o l k s h o t e l s" zeigte wieder zwei unerfreuliche Tolfacheu: Daß noch eine ganze Reihe begründeter Beschwerden der Mieter keine Abhilfe gesunden hat— dann aber auch, dah in diese wohlbegründelc Vc- i.iegung schwergeprüster Proletarier sich immer wieder Anbc- r u s e n e mischen, die nicht ernstlich Helsen, höchstens ihr eigenes Parleigefchöst an der Bot der Mieter zu machen suchen. Der Vorsitzende, der auch die linksradi°a!s Einstellung deutlich verriet, stellte noch einmal die seit vorigem Sommer erhobenen und erst zum Teil abgestellten Beschwerden zusamnren. Er betonte, dah die Forderung der Rücknahme der Kündigung einer Reihe Mieterausschuhmitglieder noch unerfüllt sei. Vielmelzr hat es die Verwaltung auf gerichtliche Emscheidung ankommen lassen, wobei das Amtsgericht die auf Ende Oktober geforderte Räumung aus den l. April hinausgeschoben hat und nun noch die Entscheidung des Landgerichts herbeigeführt werden soll.— Auch die Rückzahlung der unbMigerweise von einem Teil der Mieter er- hobenen Beiträge zu den cherstellungskoftsn ist erst zum Teil und immer auf besonderen Antrag der meist schreibunzewandten Bewohner erfolgt.— Mit besonderem Nachdruck und großer Er- bitterung aber wurde die Entfernung des Hausinspek- tors. der offenbar für jeden anderen Beruf eher als für diese Stellung geeignet ist. gefordert. In der mehrstündigen Ansfprachc, die teilweise durch Ein- mischunz unbeteiligter kommunistischer Elemente sehr stürmisch r-rlief, wurden die Anklagen von einer Reihe Heimbewohner bestätigt und ergänzt. Sehr bemerkenswert war die manchen Draht- ziehern sicher nicht angenehme Mitteilung eines früheren Mieterrats, daß zur Zelt der Amtstätigkeit unseres Genossen Paul Hirsch, der volle» soziales Verstäuduts bewiesen habe, solche Alißstände oicht bestanden. Gegenüber verantwortungslosen Ratgebern, die die bisher erzielten unleugbaren, wenngleich unzureichenden Erfolge als nichts hinstellten und den tollen Gedanten eines„Mieter- st r e i k S", d. h. Wohmmgsbenutzung ohne Mietezahlung und An- kommenlassen auf die gerichtliche Räumung, predigten, betonten die Sozioldemokr-aten Czarli ns Ii, Katz en st ei n und Henkel das starke Interesse der Partei i. an der 1908 unter Mitwirkung der Sozialdemokratie geschaffenen Einrichtung und an der Abstellung aller begründeten Beschwerden. Sie zeigten aber auch, dah bereits, trotz des Widerstandes der bürgerlichen Mehrheit, die Durchgreifen- des verhindert hat, eine Reihe Verbesserungen aui dem Wege über die Bezirksversammlling erzielt worden sind: so die Verminderung der Kündigungen, die Rückzahlung zahlreiche«? Aus- b-iferungsbeiträge, die Abschaffung des Fahrradstandgeldes und des Schliehgeldes sowie die gerade jetzt voin Bezirksamt genehmigte neue Hausordnung, die fast alle Forderungen der Mieter erfüllt, und den Mieterausschuh anerkennt. Dieser Weg des Ausammenwirkens zwischen der Mieterschost und den für ihre Rechte eintretenden Gemeindevertretern sei der einzige zuverlässige zur Beseitigung auch der noch bestehenden Mißstände. Nach einem tollen Kricgstonz des kommunistischen B. V. Fieber mit der Auf- hetzung zum Mieterstreik und der Zusicherung der„Unterstützung durch die KPD." warnte Genosse Katzenstein noch einmal:„Die KPD. wird Ihnen nicht helfen. Sie hat bisher nur Nieder- lagen organisiert. Immer hat das Proletariat die Rar- schlüge der Kommunisten teuer bezahlen müssen." Ohne Widerspruch wurde«ine E n ts chli e h ung angenommen mit den Forderungen: 1. Zurücknahme der noch bestehenden Äündi- gungen.— 2. Keine Kündgiung ohne Zustimmung des Mieteraus- fchustcs.— 3. Rückzahlung der noch ausstehenden Herstellungs- beitrüge ohne besonderen Antrag.— 4. Entsernung des Haus» injpektors. Die Neuwahl des Mieterausschusses wurde auf eine weitere Versammlung verschoben. Hoffevtlich wird diese. wie die übrigen, den berechtigten Forderungen, der Mieler dienenden Zu- sammenkünfte nicht als„öffentliche", jedem Lärmnzacher zugängliche Versammlung veranstaltet werden. Die Not der Proletarier, die genötigt sind, die Räume des Ledigenheims als Zuflucht zu benutzen, insbesondere der zahlreichen dort lebenden Arbeitsinvaliden ist zu ernst, um als Sensation unreifer Burschen oder als Agitations- mittel unverantwortlicher Demagogen oder sonstiger Interessenten zu dienen.- Bittig, billig! Soviel Preiswertes, noch nicht Dagewesenes, nicht Wieder- uhrendes, rücksichtslos Herabgesetztes, halb Lerfchenttes, wie es heute u kaufen gibt! Da lost ein Mann ruf den anderen ob, bald heiht es Inventur, bald Weihe Woche, Schulbeginn, Konfirmation und >vas es der Gelegen lzeitcn noch mehr gibt, die auch deni mageren Geldbeutel irgendein kleines Kaufgebot diktieren. Heute zieht nur eines:„billig"; früher mußte man: billig ist teuer! Heute weih man es auch, aber man will es nicht wissen. Da liegen aus den Aiisstelltischen gigantische Gebirge der jeweils inserierten Ware, durchwühlt, befühlt und heißbegehrt von einer nicht cndenwollenden weiblichen P i l g e r s ch a r. Die Preis, Ziffern wirken chlorofonnierend auf die Masse, besonders wenn sie noch nicht mal eine Mark erreichen. .Zugegeben, daß es oft„Ladenhüter" sind, die durch ein unmodern gewordenes Dasein oder durch wenig gain�bare, ganz kleine oder 'tanz große Weiten wenig Äblotzmöglichkeit bieten ukid darum der Gewinn an der Ware vom Unternehmer längst abgeschrieben ist, man muß sich trotzdem wundern. Und eben dieses maßlos« Staunen über die läufmännische Hexerei steigert sich im Käufergehirn zur Psychose. Wo die meisten Menschen stehen und wühlen und drängeln und zerren, da gesellt man sich dazu und macht mit; dann ichiebt man hocherfreut mit dem billigen Stück heimwärts. Und die Kehrseite der Medaille? Kaufmann und Menschenfreund sind nr-ei etwas konträre Begriff« und es ist unschwer zu erraten, wie die billigen Preis« Zustandekommen. Immer und ewig auf dem Rücken der Arbeitnehmer. Besonders eiltgegentamnmnd: .äwischenme ister— Lohngcwerbetveibsnd« nennen sie sich, Lohn- drücfer nennen w i r sie— übernehmen Arbeit zu wahren Hunde- lohnen. Hervorragendes aus dem Gebiete der Lo hn s ch i n d e r« i wird in der Plauener Gegend geleistet, man braucht aber gor nicht <"nmal so weit zu sehen, sondern ganz dicht bei uns, an der Pe ri- pherie Berlins kam, man das„System" auch treffen. Damit recht viel geschafft wird, näht man mit der Z weinadelmaschine oder, wie ihr populärer Name ist. mit der„heißen Nadel'; wenn da mal de? Faden reißt, braucht man niijst lange trennen, die Ebose löst sich ganz von-selbst in zwei Teile. Oberbeamier und Hauswirt. Man schreibt uns:' Was ein richtiger,„geschäftstüchtiger" Hauswirt ist, der macht auch in unserer jetzigen dreckigen Zeit imch die besten Geschäfte: Einer jene? Parasiten, die aus der lldotlage der anderen Kapital irhlagsn, auf daß ihr Bankkonto blühe und geheilze, ist Herr N, seines Zeichens Reichsbohnobcrrot.'im Nebenberuf Haus- wirt. Sein ertragreiches Objekt liegt in Berlin SO.. Reichcnberger Straße, und zu feinen Mieten zählt unter anderen der arbeitslose Landarbeiter R-, der mit Frau und zwei kleinen Kindern eine H o l z b a r a ck« bewohnt, die als eine Art Oucrgebäude im Hof des Hauses steht. Für diese komfortable Wobngelegenheit hat er die statt- liche MictevonZoMark. ursprünglich waren es sogar 60 Mark, zu entrichten. Der Mann ist laut ärztlichem Befund 70 Pro;, arbeits- unfähig, er leidet an einer schweren Kopfverletzung, die er sich bei der Arbeit zuzog, außerdem brach er sich dabei den Arm und mit der nötigen Muskelkraft ist es für immer vorbei: er kann nur noch leichte Arbeit verrichten, aber wo all die Gesunden und Kräftigen vergebens suchen, wie soll da ein Dreivierrelinvalide Arbeitsgelegenheit haben? Das störte den Hauswirt aber nicht, auch nicht, dah die ijolzbud» keinerlei Beleuchtung aufweift und die Menschen bei der Petroleumlampe sitzen, daß der Kohlenverbrauch ein ungeheuerer ist. daß keinerlei Kochgelegenheit vorhanden und die Leute sich selbst eine kleine primitive Kochmaschine anschaffen mußten. Im übrigen verkehrt der Reichsbahnoberrat mit seinen Mietern nur per Postscheckkonto, aus das sie die Miete einzuzahlen die Ehre haben. Aon 80" Mark Unterstützung mit vier Mann zu leben und hiervon SV Mark für Miete zu verausgaben, ist ein kleines Rechencrempcl und wenn auch das Wohlfahrtsamt einen Miotszuschuß gewährt, so werden dafür von der Unterstützung 30 Pro;, in Abzug gebracht. Oberbeamter und Hauswirt zu sein, ist immerhin eine ganz einträgliche Sache.__ Adolf Schmidt. Mitglied des Vorstandes der Berliner Gtädtifchsn Gaswerk» und Ehrenbürger der Technischen Hochschule zu Berlin, feiert«� fernen 60.� G eh u rt s ta g. Adolf Schmidt geho' gehört zu den prominentesten Köpfen der Gascnduftrie "'', dciitichen Wirtschaft des höchsten ichen Bereinigung Deutscher Gas-. und erst süt sich in den Kreiden der deutschen Wirtschaft des höchsten Anjshens. In de? Wirts- werke A.-G.(Gaskotssyndikat) gehört Schmidt dem Vorstand des Aussichtsrats und den Organen fast aller mit diesem Syndikat verbundenen Nebenproduktengcsellschaften an. Gcdenklosel für van ffjoff. Der Magistrat Berlin wird für den bekannten Chemiker Professor. Dr. Iacobus Henricus van t'Hoff aus Anlaß seines 20. Todestages am 1. März d. I. eine Gedenk- ta f e l an dem Hause Lietzenburger Str. 41/42(Ecke UhlaMtr. 38) in Berlin-Charlottcnburg anbringen lassen. Van t'Hoff war neben Die klagenousnahmestelle des Arbeilsgerichls in der Zimmer- strahe bleibt auch wahrend des Umzuges des Arbeitsgerichts, ent- gegen unserer ersten Mitteilung, geöffnet. „Leben und Lernen in der Monlefsorischule." Sonnabend, den 28. Februar, 20 Uhr. Bortrag mit Lichtbädern„Leben und Lernen in der Montesiorischnle". Redner ist der Schullecker Ernst Bulowa. Der Bortrag findet statt in Dahlem. Illisstr. 1—5. am Untergrund- bahnhos Dahlem-Dorf. Eintritt frei! liebrr..die gescllschasNich« und rech'llche Beden hing der öffentlichen wirf. schalt' jprcchen beute. abeiidK SUbr. im«itzungSsaat des Deutichen Metall- arbeilerverbandoS. Alte Jakobstraxe, Ecke(Sttschiner Strahe. die Genossen G cwerlschaslSjckieläie Tr WalterPabI und Rechtsanwalt Dr. Franz Reumann im Rahmen einer Veranstaltung der Vereinigung fozialdemo- lralischer Juristen. Jür Surt von Tepper.casN veranstaltet die.Deutsch« Liga für Menschen. rechte" am kommenden Sonntag, dem l.März, im ehimaligen Herrenhaus tFestlaal). Leipziger Str. 3, oormiltogS 11,30 Ubr, eine Gedenkfeier. Karten find unentgeltlich in der©eschästsstelle der.Liga", Monbijoupiatz 10, Eingang t, 3 Dr. zu haben._ Allgemeine Weiterlage. ©wolksni»».© heirnr.Ohalbbedeckr ® wolkig,•bedeckteR�eri�Graupaln -Sdin�Nebol�Gewirtec�Vin-lstitie Kate Kühl fang„Moritaten und hochtragische Bal- lade ii", wie man sie einst zu Leierkästen auf Jahrmäkteu hören konnte. Schaurig-fchöne Bilder machten damals den Zuhörern die traurigen Geschichten und ihre Moral besonders anschaulich. Bei diesen Rundfunkvorträgen versuchte Rudolf Stemmle, durch seine Konserence den Hörern etwas von dieser versunkenen Welt bild- hast zu machen: aber er steht ihr wohl selber zu fern. Desto leben- diger wirkte der Gesang von Kote Kühl. Alles, was an echter Senti- Mentalität und verlogener Gefühlsduselei in diesen Liedern ruht, wußte sie zu erwecken. Allan Grays musitalische Bearbeckung hatte den Charakter der Lieder gut erfaßt und ihm den Ohren unserer Zeit zugänglich gemacht.— Aus Leipzig übernahm der Deutschlandsendcr ein Hörspiel von Martin Kunath„G c s ä n g n i s s o n a t e". Das Werk ist keine Dichtung. Die Sprache wirkte papieren und zmn Teck sogar kitschig; besonders schlimm waren die breit ausgespon- nenen Monologe, die seelische Vorgänge in sehr naiver Weife zu schildern oersuchten. Auch die Handlung ist weder eigenartig erfunden noch gestaltet. Aber es ging hier um Menschliches; der Verfasser wollte um Verständnis werben für die seelischen Qualen der Gefangenen Das war gewiß ein menschlich schönes Ziel und eine etwas schärfer sichtende Regie wäre wahrscheinlich imstande gewesen, das Hörspiel vielen Hörern nahezubringen. Tes. Der Hochdruckrücken, der sich gestern vom Ozean über Mittel- europa nach Rußland erstreckte, hat sich nach Süden verlagert. Gleichzeckig ist das neue allantische Tief bis nach Skandinavien vor- gedrungen. Dadurch haben die Winde in Deutschland auf wcslliche Richtungen gedreht, und eine merkliche Milderung herbeigeführt. Am Mittwochabend war der. Himmel in ganz Deutschland trübe; vielfach siel Regen. Di« Temperaturen lagen dabei überall über dem Gestier- punkt, im Westen bis zu 4 Grad Wärme, lieber England dringen noch wärmere Liiflniajien ostwärts vor, so dah die Temperatur zunächst noch wecker ansteigen wird lieber Schottland ist ober wieder polare Luit erschienen, die dann einen erneuten Temperaturrü-fgang bringen dürfte. Wetterausfichten für Berlin: Meist starkar bewölkt, noch etwas . ren, Temperaturen weiter onstoigeiiS.— Für Deutschland: Pe, westtichün Winden und größtenteils siärker bewölktem Himmel im ganzen Reiche noch etwas milder, vielfach seichte Niederschläge. 2000 000 erwarten WUBEKtAM* 2 080 800 genießen kür 10 Pfennig: denn SSjährige Erfahrung und jahrzehntelange Stndienarbeit gaben EL 10 den ansgezeiehneten Seschmaeh.— Übermorgen wird die iah! der Genießer rerrielfaeht sein, well wir morgen das Geheimnis lüften. Jlndreasllagy: d6S*föißlt&01fä1fjlS Jlus den Erstählungen des IHilofch Xokil/ch Wie soll ich euch die Wallstreet in New Jork beschreiben? Als chatte ein verrückter Baumeister an den Rändern eines krummen eckigen Feldweges beiderseits Häusersamen verstreut. Jedes davon wuchs nach seinem privaten Pech oder Glück auf: wenn ein Körnchen unter einen Ziegelstein geriet, ging es gerade nur auf, wenn eins auf einen Dunghaufen fiel, schoß es wie verrückt in den Himmel: jetzt sind da fünfzig Stock hohe Häufer neben Palästen und Kirchen, die ihren Nachbarn kaum bis zum Knie reichen. In der komischeu Perspektive der Höhe neigen sich die Hausriefen zueinander, als wollten sie sich stützen: unlen herrscht Dämmerung, aber oben auf den Dächern und Zinnen der Häuser strahlt Licht zum Zeichen, daß Tag ist und die Sonne scheint. Und diese ganze verrückte Gegend zittert und bebt ununterbrochen, als schüttle sie. das Fieber, denn oben in schwindelnder Höhe und unten in und auf der Erde dröhnen Züge entlang, und über den glattgeschlifsenen Asphalt rasen Autos, Omnibusse und Passanten. So sieht die Wallstreet aus. Ich stand mit leerem Bauch, leeren Taschen, planlos an der Steinmauer eines Wolkenkratzers hängend, um vom Strom nicht er- griffen zu werden. Ich stand mit schlotternden Knien, schwindelndem Hirn, hörte den Lärm, das verrückte Tempo flitzte an meinen wirren Augen vorbei, ich konnte nicht mehr mit, denn mir fehlten die Bein« und der Glaube. Selbst hier, während ich an die Wand ge- drückt stand, rannte von Zeit zu Zeit ein Uebereifriger mich an: ohne auch nur Muck zu sagen, tobte er weiter, die Spur seines Ellbogens in meiner Seite zurücklassend, ähnlich wie die Springflut ihre Spur im Ufersand läßt. Ich hatte das Gefühl, unbarmherzig zerstampft zu werden, wenn ich mich weiter vorwagte. Einmal lief ein langer, ausgemergelter, bebrillter Pankee an mir. vorbei. Zufällig sah er mich an, ich bemerkte auch, daß sein Blick an mir haften blieb. Der Schwung seiner Bewegungen trieb ihn noch ein Stück weiter, dann aber stoppte er, lehrte um, trat zu mir und ergriff, ohne zu grüßen, meinen Puls, Einen Augen- blick prüft« er ihn und nickte dann: „Ihr Puls ist etwas longsam, aber weich und gleichmäßig." Ich wollte ihm gerade für diese Anerkennung danken, aber er winkte nur, ich sollte ihn nicht stören. Aufmerksam und abwägend tastete er mich ab, ich erschrak bereits ernstlich beim Gedanken, er wolle mich vielleicht pfundweise aufkaufen, aber er sprach wieder mit soviel Wärme, wie ein Pankee bestenfalls ausbringen kann: „Sie sind abgemagert» aber ihr Knochengerüst ist fehlerlos. Tadelloser Lnrsttorb, breite Schultern, Allright!" Vermutlich wollte er mich zu schwerer körperlicher Arbeit dingen. Mr sollte es recht fein. Ich zwang ein selbstbewußtes Lächeln auf mein Gesicht und wollte ihn beruhigen: er werde sich nicht in mir täuschen. Aber ich kam wieder nicht zu Wort. Er schrie mich trocken cm: „Hungrig, was?" Ich antworteie mit der Unmittelbarkeit, die eine solche Frage erheischte. Er faßte mich unter und schleppte mich wie ein Raubvogel in eine Bar. Ihr könnt mir glauben, daß ich mich nicht sehr sträubte. Dort begann er mich mit hunderterlei Kleinigkeiten zu füttern, alle waren von verschiedener Farbe und Form, schmeckten jedoch in gleicher Weise salzig.(Hier kicherte ein Zuhörer: „Na» da hattest du dir einen feinen Kavalier aufgegabcltl Du könntest ja wissen, du Trottel, daß in den omenkanischcn Bars die gesalzenen Mätzchen gratis abgegeben werden, her. Getränke wegen!" Milosch Lokitfch entgegnete einfältig: „Das ist es gerade! Das Salz mußte ich fressen, die Getränke ober soff er!") Während ich nach Herzenslust einpackte, starrte er mir in den 'Mund und brmnmte zufrieden vor sich hin: „Ein herrliches Gebiß! Das ist wichtig!"(... ihr braucht mich nicht so anzusehen, denn ich hatte damals Zähne wie«in Bär! Erst später wurden sie mir im Albanentrieg zum Teil weggeschossen!) Als mein Magen stippcvoll war, sagte er: „Jetzt kommen Sie mit! Wir gehen in mein Sprechzimmer!" Der List eines Wolkenkratzers spie uns ins siebzehnte Stockwerk hinauf. Dort war sein ärztliches Sprechzimmer. Das war gleich ersichtlich aus den vielen schreienden Plakaten, die an seiner Tür hingen, und die den Zweck hatten, den eintretenden Patienten sein unbegrenztes Heilvermögen einzuhämmern. Auch der Ordinations- räum steckre voll verschiedenartiger komplizierter, geheimer Apparate, denn in Amerika heilen die Aerzte bekanntermaßen mechanisch. Er hieß mich setzen, probierte meinen Kniereslex aus, fragte nach meiner Bergangenheit, ob ich nicht etwa häßlich« Krankheiten gehabt habe, und es uuu, ihm anzumerken, daß er mit allem sehr zufrieden war. In meinem.zerquälten Hirn überlegte ich tausenderlei Möglichkeiten: Was zum Teufel wollt« er eigentlich von mir. Endlich klärte er mich auf: „Es handelt sich um«in gutes Geschäft. Sie können zehn- tausend Dollar verdienen." Langsam, um die Wirkung seiner Worte noch zu steigern, steckte er sich«ine Havanna an, und als er sah, daß meine Gier groß war, und meine Nasenflügel den Rauch andächtig beschnupperten, meinte er gutmütig: „Ich biete Ihnen absichtlich keine an. Nikotin wäre schädlich für ihre Gesundheit... Es handelt sich dai?um, daß Mr. Cartcl, der Bleitönig, der reichste Mann in den Staaten, sehr schlecht in Form ist. Die Bleikampaqne, die er letzthin an der New-Vorker Börse leitete, hat ihn fürchterlich mitgenommen. Er gewann dabei zwei- hundert Millionen Dollar, verlor jedoch seine Gesundheit. Obwohl er erst sechsundachtzig Jahre alt ist, für einen Millionär überhaupt kein Alter. Ich suche gerade in seinem Auftrag einen tadellos ge- simdcn Menschen, dem ich für angemessene» Preis einen Liter Blut für ihn abkaufen würde." Ich sprang entsetzt auf. „Sie wollen mein Blut aussaugen?" „Blödsinn! Wenn Mr. Eartel sich zu ernähren wünscht, stehen ihm sämtlich« Kalorien der Welt zur Berfügung. Aber sein Organis- ums ist schon zu verbraucht dazu, Nahrung in Blut umzuwandeln. Ich will also mit Hilfe eines Patentverfahrens, das meine Erfindung ist. das Biut eines gesunden jungen Mannes in seine Adern fließen lassen. Und ich finde Sie in jeder Beziehung geeignet für diesen Zweck. Ich bin also geneigt, von Ihnen einen Liter Blut zu er- werben. Ich zahle pro Kubikzentimeter zehn Dollar, das macht zehn- kausend Dollar. Aber es ist möglich, daß ich auch mehr kaufe, das werden wir später sehen. Ich schnitt eine häßliche Grimasse. Einerseits sah ich die zehn- tausend Dollar, in meiner damaligen Lage ein sehr angenehmer An- blick, aber andererseits sah ich mein Blut aus den gcössneten Adern springen, und das verdarb mir die Freude am Ganzen. Der Arzt bemerkte mein Zögern und bemühte sich, mich zu über- jjeugen. Er erklärte mir, daß ich, wenn auch sonst ein armer Teufel, wenigstens drei Liter in mir hätte, wenn nicht mehr, und mir mindestens zwei übrigblieben, wenn ich«inen verkaufte. Das fei nicht viel, aber wenn ich mir für die zehntausend Dollar eine feine, kleine Farm in Kalifornien kaufte, könne ich soviel Blut sammeln, daß es für den schönsten Schlagsuß der Welt reichte. Wenn ich hingegen mich hier in New Dork noch weiter herumtriebe, ohne Geld und Arbeit, würde ich mein Blut allmählich auch los, ohne Geld dafür zu erhallen, und erreichte schließlich bestenfalls, daß ich auf Kosten der Allgemeinheit bestattet würde. Das war die reine Wahrheit. Ich schlug also'ein. In wenigen Augenblicken hatte ich mich auch mit der Nee befreundet. Schließlich war nichts dabei. Der Artist läßt sich seine Muskeln bezahlen, Tauber seine Stiinmfäden, und ich mein Blut. Das ist alles. Ich spürte so- gar noch'ein klein wenig Eitelkeit, weil mein Blut so hoch taxiert wurde. Ich dachte, ich würde gleich einen kleineu Vorschuß erhallen, und improvisiert« auch gleich ein nettes Programm für die Nacht, denn ich hatte auf dem Broadway eine ganze Reihe Bumslokale entdeckt, die ich gern einmal beaugenscheinigt hätte. Aber daraus wurde nichts. Der Doktor setzte mir auseinander, daß ich mich drei Tage lang un- bedingt in erhöhtem Maße ernähren müsse» und solange bei ihm bliebe. Er könne mich auf keinen Fall allein lassen, um mich nicht der Gefahr auszusetzen, eine Krankheit aufzugabeln.-Er nahm seinen Beruf bitterernst und wollte dem Milliardär makellose Ware liesern. Ick) wurde regelrecht eingekerkert, in das kleine Zinimerchen neben dein Ordinationsraum. Uebcrhaupt sind die Zimnier in New Pork so klein, wie bei uns«in Schweinestall, und ich sühlt« mich auch darin so wie ein junges Schwein, das gemästet werden soll. Ich mußte schon früh am Morgen mit der Nahrungsaufnahme be- ginnen, dann wurde ich von komischen Maschinen massiert und mein« sämtlichen Glieder separat behandelt. Und nach jeder Mahlzeit mußte ich ein ganzes Arsenal von Pulvern und Tropfen verschlucken. Ein Wunder, das sich mein Magen darin zurechtfand. Aber ich muß zu- geben, daß sich nach drei Tagen so rund war wie eine Mastsau. Diese drei Tage waren auch gerade ausreichend, mich in diesen Seelcnzustand hineinzusindcn. Ich hätte schon nichts mehr dagegen gehabt, wenn es ewig so geblieben wäre. Ich fühlte mich wie eine Haremsdame, deren tägliche Sorge nur darin besteht, ihren Körper mit Marzipan und Dultschas rund zu kriegen, ihre Haut zu salben und den Sultan auf diese Weise zu erwarten. In meinem Hirn entspann sich ein unklarer Geschästsplan, ich wollte einen Bluthendcl .» izros eröffnen, später würde ich mit vielen Gehilfen arbeiten, wenn ich erst älter wäre und entsprechend verdient hätte, müßte ich eben ausschließlich mit dem Blut anderer handeln... Nachdem die drei Tage oerstrick/en waren, stiegen wir in ein Auto. Es war auf den ersten Blick leicht zji erkennen, daß dieser Wagen nicht dem Doktor, sondern dem Bleikönig gehörte. Es war ein richtiger Waggon, innen mit allem Komfort ausgestattet. Es gab darin Betten, einen Schreibtisch, ein« Bibliothek, ja sogar eine nelie, kleine Küche. So wahr ich lebe! Es ist eben kein Unsinn, wenn man Dollqrmilliardär ist. Der Doktor erzählt«, das Mr. Carte! seinen Landsitz bewohnte, unweit von New Uork. Aber ich kannte bereits die amerikanischen Matze und es überraschte mich nicht, als das Auto zwei Tage und zwei Nächte lang unentwegt durch das Land jauste, ehe wir hin- kamen. Am Ende des zweiten Tages kamen wir bereits durch ein« voll- komnien verwilderte Gegend. Keine Stadt, kein Dorf, nicht einmal verstreute Farmen gab es, nur Wälder, Wälder überall. Aber die Straß« war asphalliert und glatt wie ein Spiegel. Nicht nur unsere, auf der wir fuhren, auch die Nebenstraßen, die rechts lind links ins Dickicht verschwanden, waren mit Asphalt- bedeckt. Diese Beobachtimg teilte ich auch dem Doktor mit, aber er erwidert« trocken: „Das ist kein Wald, dos ist Mr. Cartels Privatpark." Selbst mit meinen mangelhaften botanischen Kenntnissen konnte ich feststellen, daß der Park aus lauter edlen Eichen, Platanen und Pinien bestand, ja wir begegneten auch der königlichen Zeder häufig. Ich wollte dem Doktor zeigen, daß auch ich kein kompleller Idiot sei, ich erwähnte also mit wissender Miene, daß wir, nach den Bäumen zu schließen, uns ziemlich weit im Süden befinden mochten. Aber er spuckte nur verächtlich in weitem Bogen den Saft seines Kautabaks von sich und erwiderte kühl, das Gegenteil sei wahr, denn wir führen nordwärts, nahe der kanadischen Grenz«. Alle diese seltenen Bäume seien auf Mr. Carters Befehl samt ihrer Mutter- erde aus Kalifornien gebracht und hier eingepflanzt worden. Jetzt schien es mir natürlich unbegreiflich, wie die Bäume in diesem rauhen Klima so prächtig fortleben konnten. Aber auch dieses Geheimnis löst« sich bald. Auf Schritt und Tritt blitzte das dunkle Wasser verzweigter Kanäle aus dem Dickicht hervor, und diese Kanäle dampften in der frischen Morgenlust wie seuerspcicude Krater. Auf den Wasserspiegeln blühten herrliche ägyptische Nymphäen. Der Schlüssel des Geheimnisses war gefunden: es gab hier woriiie Quellen, und sie bedingten den tropischen Charakter der Gegend. Aber der Doktor fuhr mir wieder über den Mund: „Hier gibt es keinerlei Naturquellen. Auf Mr. Cartels Befehl wird aus einein zentralen Reservoir unentwegt heißes Wasser durch die ganze Gegend geleitet. Darum gibt es hier auch im Winter keinen Frost." Erst jetzt sah ich mich voll Staunen und Entsetzen in diesem Park um. Alles gab es hier: Gebirge, Höhlen, Teiche, Sümpfe, Schluchten:� alle wirksamen Tricks der Natur, die sonst der Zufall hier und dort ausstreut, waren auf einem Hausen zu finden— aus Mr. Cartels Befehl. Wir jagten mindestens eine Stunde lang durch diesen Park, ehe wir das Kastell erreichten. (Schluß folgt.) £rna ttüfing: Sechs Stefanien ei'ftarren Plötzlich war er krank geworden, er, der große Elefant des Zirkus Straßburger. Jahre hindurch hatte der Elefant treu gedient. In jungen Jahren war er in den Zirkus gekoimneri, hatte sich ein- gesullden in diese Weit voll Pnruhe imd Lichterglanz, voll Stall- geruch, Menschengelächter uick> Beifallsrauschen. Er hatte wohl kein Erinnern mehr an SckLingpslanzen und Elesantengras und Bäume, denn der Manegesand und das schwere Holziivduim des El« sänke n- sralles waren seine Heimat geworden. Auf ihn war Verlaß. Herrchen und er dirigierten die ganz: Elefantengruppe, er war der Spitzenelcsant. Das heißt, er war der Oberkommandierende im Elejcuttcnstall, er war der Bordermann m der Manege. Er wußte, Elefanten sind schwere Jungen und darum war er es, der vor jeder Reise erst die Eisenbahnwagen vorsichtig mit seinem Rüssel abtastete, um sie auf diese Weise zu untersuchen, ob sie auch für Elefantengewicht geeignet seien. In jedem neue» Stall aber befühlte er aus das genaueste das Podium, ob es genügend stabil wäre. In der Manege sorgte er für Ruhe und Ordnung. Wie einmal seine nervöse Kollegin von einem nicht richtig eingestellten Schein- iverfcr geblendet wurde, stellte er sich, ois ob er für ein Denkmal Modell stände, auf seine Tonne, rückte den mächtigen Leib in das grelle Scheimvetferlicht und blickt« zufrieden drein, als genösse er leftbarste künstliche Höhensonne. Soiort ahmte seine Kollegin sein Benehmen nach, der Beleuchter stellte geschwind den Scheinwerfer richtig ein und das Publikum bemerkte kaum die Störung. Als«in andermal ein junger, noch etwas verspielter Elefant ein vorwitzig in Pistennckhe gehaltenes Programm an sich nahm, bekam der Unartige sofort erncn leisen Schlag mit dein Rüssel, das bedeutete: „In der Manege ist man nicht ich und neugierig, hier ist man nur wohlerzogener Zirluselesant." Und nun war er krank. Cr kümmerte sttt) nicht niehr um seine Kollegen, er hob nicht bettelnd den Rüssel hoch, wenn Herrchen kam, er zerrte an seinen Ketten: denn er halte nur das Bestreben, sich abzüsoiideru von den andern. Das ist ein Urinslinkt, nach dem das Tier handelt, wenn es ans Sterben gelft. Man stellte den Elefanten ollein, Tag und Nacht wachte irgendein besorgter Mensch bei ihm. Alle möglichen Zirkushausmittel wurden ausprobiert, der Elefant gesundete nicht. Sein Kops schwoll dick an. Obwohl der Zirkus in Schweden reiste, rief man telegraphisch einen berühmten deutschen Tierarzt herbei, der Erfahrung mit Ele- santcn hatte. Der Mann ließ alles stehen und liegen und flog sofort mit dem nächsten Pa'sogiersluqzeug nach Schweden. Er kannte das Tier, er kannte überhaupt jeden Elejanten, der irgendwo in Europa in einem Zoologischen Garten stand oder mit eineni Zirkus reiste. Ausgedunsen kauerte der Elefant aus dem Podium. Der Arzt hoffte durch eine Operativ» Rettung bringen zu können. Da stapste der Elefant noch einmal in die Manege. Er sah sich nach den Elefantenkameraden um, stutzte ob des Alleinseins und ieine kleinen trüben Augen wurde» groß. Mit dem Rüssel betastele er die Piste, er blickte in die Manege, er sah in den leeren, unheimlich großen Zuschauerraum und er fühlte:„Ich kann nicht mehr arbeiten." Aus seine Weise nahm er Abschied voni Zirkus. Herrchen tröstete ihn. schmeichelte den kranken Koloß und gut- mutig ließ der sich festeln und legte sich freiwillig. Dos Herz war schon schwach, es ertrug keinerlei Aufregungen mehr und der Elefant starb am Herzschlag während der Operation. Er wurde seziert und der Arzt erkannt«, das große Tier»vor an Tuberkulose gestorben. Draußen spiette bereits die Zirkuskapelle, um den Abendgästen einen freundlichen Empfang zu bereiten und in der Manege lag noch der tote Elesant. Aber die Vorstellung findet statt, mag hinter der Zettl- mwand und in den einzelnen Wohnwagen passieren, was da will. Di« Arbettsetefanten wurde» in die Manege beordert, sie sollten ihren toten Kameraden herausziehen. Die Arb«uselesonten sind die Umsicht selbst. Sie rangieren b«im Verladen fast selbständig die Eisenbahnwagen, sie ziehen die Käsige der Raubtiere und die rollen- den Behausungen der Menschen.- Sie schieben nnauftällig und in unorschütkrstcher föt&i'Ne.gaüj« Zirkusstadt zusärstmSn. Mögen Güterbahnhose für einen Zirkustransport noch so ungünstig liegen. mag der Boden, auf dem«in Zirkus ersteht, noch so uneben sein, so daß die Raupenschlepper ihn erst glätten müssen, in all der ver- wirrenden Geschäftigkeit geht der Arbcstselefant seinen Weg. Seme einzige Bitte scheint zu sein:„Herrchen störe mich nicht, zeige mir nur, was ich tun soll." lind wirklich, der Elefant beherrscht jede Situanon. Nun kamen die Arbeitselefanten in die Manege. Sie waren im Geschirr, �ie wußten, sie sollten arbeiten. Aber keiner zog an, keiner ließ die Stricke seines Geschirrs festmachen c»i dem Leichnam seines Freundes. Man versuchte es mit einem Eiesanten nach dem anderen. aber sechs Elesantcn erstarrten im Schreck. Kein gütiges Zureden half. Sie standen wie die Mauern. Sie waren nicht zu bewege». auch nur einen Schritt näher an den Toten heranzugehen. Kein kluger Mensch jedoch untersteht sich. em?n Elefanten zu reizen. Man beruhigte die Tiere, nun, führte sie ab. Daun schleppten dreißig Menschen unter Aechzen und Mühe den toten Elefanten aus der Manege. Abends hingegen, als die Musik spielte und ein prächtiger Sternenhimmel über dem schwedischen Siudtchen stano, kamen die Eiesanten ruhig in die Manege. Hatten sie ihr Grauen bereits ver- «essen oder trieb sie ihr Pftichtbemußtsein? WunUgetverbliclie emailarbeilen Di- uralte Emailletechnik tähl sich nach dem üblichen Leriahrcn in drei Arten eniteilcn. Emaillieren kann man überhaupt bc- zeichnen als die Kunst/ verschiedenfarbige Glasarten unier Hitze auf einen Kupfergrund aufzuschmelzen. Das erste, typisch als byzan- tinische Methode bezeichnete Verfahren bestand darin, die Zeichnung mit Hilfe von schmalen Gold- oder Silberbrücken bzw. Rändern auf den Kupfergrund abzugrenzen und die so entstandenen Zwischenräume mit den gepulverten und angefeuchteten Emaillcsormen aus- zufüllen. Nach dieser Methode wurde daher jedes Feld, innerhalb seiner eigenen scharf abgegrenzten Wälle, das heißt innerhalb seiner eigenen Umrandung verschmolzen.-Jede Forni sah also gewisser- maßen in ihrer eigenen Zelle, genannt Cloison, woher die Mechode den Namen Cloisonnäarbeit erhielt. Die Oberfläche wurde danach sorgfältig mit Bimsstein poliert und mit Holzkohlcnpulver ge- reinigt. Bei der zweiten Methode benutzte man keine auf- geschmolzenen Goldränder zur Herstellung der Zellen, sondern man hlimmerle auf dem Kupsergrund Höhlungen zur Ausnahme der Schmelzflüsse aus, die daher durch die stehengebliebene» Ränder der Zellen am gegenseitigen Verschmelzen verhindert wurden Diese Arbeit nennt man Champleve. Sie isü in vielen guicn Stücken erhalten. Die dritte Art der Emailletechnik ist verhältnismäßig niodcrn. Benn Arbeiten nach ihr werden die Eniaill-sarben feucht aufgetragen, gewissermaßen ausgemalt, und das fertige Stück hat. wie zum Beispiel die Arbeiten der hervorragenden Künstler von Limogcs beweisen, oll den Glanz, die Flüssigkeit und dekorative Wirkung von Oelgemälden. m>, �,eue der chemischen Elemente. Die Trennung in Metolle und Metalloide oder Nichtmetalle entspricht heute dem Stande der Wincnjchajt nicht mehr. Man kennt letzt vier Gruppe» von E lciiientcii, und zwar: 1. Ebelgaic, die Elettronen weder aufnehmen noch abgeben: dazu gehören z. B. Helium, Argon, Neon. 2. Metalle, die leicht Elektronen abgeben. 3. Amphatere, die Elektronen leicht abgeben und ausnehmen, z. B. Äohienstoft 4. Binder, die Elektronru emzustmgeu suchen, wie Scwerstoft. Stickstoff. Ehlvr usw. 3lr. 95• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 26. Februar 4934 Empörende Siemens-Demagogie Herr C. K. von Siemens soll sich sein Lehrgeld zurückzahlen lassen. In t>cn gestrigen Genercrlversaminluirgen der Siemens und Halsk« A.?G. und der Siemens-Schuckert-Werke A.-G. wurden die Dividenden von 1-t Proz. für Halste und von TA Proz. für Schuckcrt beschlossen. Ein« sehr unersreulicheBegleitersche�inung dieser Generalversammlung war eine Rede des Herrn Karl Friedrich von Siemens, die ein Höchstmaß an Kurzsichtigkeit und empörender Demagogie darstellt. Herr von Siemens halte mit Recht das Be- wußtsein, daß er angesichts der Lohnpolitik, die unter seiner Führung in Berlin gemacht wird, die hohen Gewinne und Dividenden im Siemens-Konzern vor der Oessentlichkeit rechtfertigen müsse. Er benützte die Gelegenheit aber auch, um Theorien zu verzapfen, bei denen man sich wirtlich fragen muß, ob dieser Wirtjchaftssührer nicht in der Tat sich sein Lehrgeld zurückzahlen müßte. Zur 14prazentigen Dividende von Siemens u. Halste sagte Herr von Siemens, daß man mit der stabil gehaltenen Dividende die Aktionäre befriedigen wollte, O die nicht wegen der Kursspekulation, sondern wegen der Rente Siemens-Aktien erwerben und daß man sich bemühen müsse, diejenigen nicht zu enttäuschen,„die uns ihr Geld zur Verwertung gegeben haben". Was Herr Siemens hier ausspricht, ist für kapitalistische Gehirne nichts Ueberraschendes. Es bedeutet nur, daß Wirtschastssührer wie Siemens bemüht sind und es für richtig halten, den Aktionären eine möglichst hohe Dividende zu g a r a n- t i e r e n. Empörend wird aber«ine Haltung durch die Kehrseite dieser Prositpolitik. Ihre nackte Konsequenz besteht nämlich darin, daß, wenn man auch in einer Wirtschaftskrise den Aktionären um jeden Preis eine Dividendcngaranti« zu geben bemüht ist, daß dann «in ganz systematischer Lohndruck unoerineidlich ist. Herr von Siemens hat sich nun in der Gcneralversampllung bemüht, für diese Konsequenz eine besondere Theorie auszu- stellen, statt ehrlich die Absicht des Lohndrucks als Konsequenz der gewollten Dividendengarantie in einer Wirtschaftskrise zuzugestehen, was jedem Wirtschastssührer, der es ehrlich meint, gut anstehen würde. Herr von Siemens wollt« dieses Lob nicht verdienen. Lohn- und Profittheorie des Herrn von Siemens. „Der Industrielle hat das größte Interesse", so beteuert Herr von Siemens,„an ausreichenden, ja holten Gehältern und Löhnen des in abhängiger Stellung befindlichen weitüberwiegenden Teiles der erwerbstätigen Bevölkerung. Man hat nicht bedacht und auch keine Warnungen gehört, daß hohe Ausgaben der öfsent- lichen Hand, die doch der Verbesserung des Lebensstandards des Volkes dienen sollen und die Abnahme der Sorge durch den Staat für das Wohl des einzelnen in Not und Alter bezwecken, ein« sehr starke Drosselung des baren Einkommens der arbeiten- den Bevölkerung bedeuten müssen. Für die Preiskalkulation ist es unerheblich, unter welchem Konto die Ausgaben entstehen, ob sie als Steuern, soziale Ausgaben oder als Lohn verbucht werden. AllAx die Summe, nicht die Unterteilung ist maßgebend, hohe Staats- und Sozialausgaben bedeuten niedrige Löhne, das ist ein Gesetz, gegen das kein Theoretiker, Sozial- oder sonstiger Politiker handeln kann, ohne daß diejenigen darunter am stärksten zu leiden haben, in deren vermeintlichem Interesi« dieser unnatürliche Zwang der Wirtschaft auferlegt wird." Für Herrn von Siemens gibt es bei der Steigerung der öffent- Ausgaben keine Reparationen, keine I n d u st r i e- subventionen, nicht die riesenhaften Aufwendungen für die Landwirtschaft, nicht die die F e h l i n v e st i t i o n e n in der In- dustri« fördernden erheblichen Steuererleichterungen, auch nicht die Kapitalverschleudening bei den Unternehmern, über die die Groß- banken Herrn Siemens wohl ausklären könnten: alle Nöte in der deutschen Wirtschaft sind für Herrn von Siemens der gewerkschaft- lichen Lohnpolitik bzw. der Lohn- und Sozialpolitik überhaupt zu verdanken. Das sägt Herr von Siemens, nachdem sich die Gewinne seines Konzerns auf das Mehrfache erhö-ht haben(warum wird übrigens über die Steuern in den Siemensbilanzen nichts mit- neteilt?) und nachdem Herr von Siemens gerade ausgeführt hat, daß er für seinen Betrieb, gleichviel ob Konjunktur oder Krise herrscht, die Stabilität des Profits wünscht! Das sagt Herr von Siemens, nachdem heute der ,800-Millionen-Umsatz mit 113 000 Arbeitern bewältigt wind, während er für einen SOO-Millionen-Umsatz noch 112 000 Arbeiter brauchte, das sagt er nach einem Abbau von 24 000 Arbeitern mid Angestellten in derselben Zeit, in der man die Divi- dcnde auf 14 Proz. stabilisiert! Im letzten Geschäftsbericht ist festgestellt worden, daß der L o h n a n t e i l bei Siemens st ä n d i g g e s u n k c n ist: aus unseren obigen Angaben ergibt sich, daß sich die Arbeitsleistung der Beleg- schaften in wenigen Jahren um 30 bis 60 Proz. erhöht hat. Was aus diesen Mehrleistungen der geschundenen Belegschaften sich an Wert- erhöhung ergibt, das darf um keinen Preis in sozialen Leistungen des Staates, das darf um keinen Preis in besseren Arbeitsbedingungen zum Ausdruck komnien, daß muß der Stabilität der Dividende, das inuß den Aktionären, von denen die Siemens-Familien selbst die größten sind, zur Verfügung gehalten werden! Herr von Siemens bringt es fertig, die alte Lohnfonds- theorie wieder aufzuwärmen, die auf der Annahme beruht, daß Löhn« und Kapital immer in einem festen Verhältnis zueinander stehen. merkk gar nicht die Brutalität, mit der er sie anwendet, wenn er den Aktionären auch unter Krisenoerhältnissen den alten Prosit, den Arbeitern und Angestellten, aber nicht nur schlechtere Arbeitsbedingungen, sondern auch, und zwar im Ingenieur- und kaufmännischen Büro wie auch in den Fabriken, eine kaum mehr zu übersteigernde Aus- b e u t u n g der Arbeitskrast zuweist. Daran ändern auch die lächcr- lichen Beispiele nichts, mit denen er vor seinen beifallsfreudigen dioidendengesättigten Aktionären fein« lächerliche Theorie glaubte schmackhaft machen zu können. Im übrigen ist festzuhalten, daß auch Herr von Siemens die Fehlinvestitionen in der deutschen Industrie b e st ä t i g t. Er führte aus, daß die Produktionsstätten in Deutsch- land weit mehr alz ausreichend für den in der nächsten Zukunft vorhandenen normalen Bedarf seien und daß manches Kapitel in Steinen und Eisen, womit Fabrikanlagen gemeint sind, brach liegen bleiben müsse. Bemerkenswert ist auch noch ein« Feststellung über die G e- hälter der Direktoren. Gegenüber der von anderer Seite ausgesprochenen Behauptung, die 23 Direktoren bezögen\2A Millionen Mark, bemerkte Herr von Siemens, daß die Gesamtbezüge der Vorstände, und zwar Ge h a l t u n o Tantieme, im Jahre 1928/29 im Konzern und in den zu 100 Proz. beherrschten Unter- geselljchasten nur 1,23 Proz. der Gesamtlohn- und Gehaltssumme i ausgemacht hoben. Wir erlauben uns, obwohl Herr von Siemens dieses Prozentverhältnis nennt, das bei 300 Millionen Löhnen und Gehältern nur 3,73 Millionen für 23 Direktoren ausmachen würde, das heißt pro Kopf 130 000 Mark, solange an diesen Angaben zu zweifeln, bis uns die Richtigkeit nachgewiesen wird. Die preußische Wohnungsbaubank Sehr günstige Entwicklung der preußischen Landespfandbriefanstalt. Die Preußisch« Landespfandbriefanstalt, deren 28.4 Millionen Kapital mit 27,1 Millionen in der Hand des preußischen Staates liegt, und die in erster Linie der langfristigen Kapital- beschaffung im Kleinwohnungsbau dient, meldet für 1930 einen neuen starken Aufstieg. Der Hypothekenbestand vermehrt« sich von 161 auf 250 Millionen, die Kommunaldarlehen nahmen von 26 auf 34 Mill. Mark zu. Der Umlauf an Pfand- briesen und Kommunalobligationen hat sich— nach Abzug der eigenen Bestände von 7,13 Mill.— von 181,2 auf 289,7 Mill. Mark, also um rund 36 Proz. in einem Jahr erhöht. Die Einnahmen aus den entsprechenden Zinsen sind von 12,79 aus 20,38 Mill. gestiegen. Auf der Ausgabenseite ver- mehrten sich die Verwaltungskosten durch die Ausdehnung des Be- tricbes von 1,07 auf 1,33 Mill. Mark. Bei dem Reingewinn zeigt sich allerdings eine Steigerung nur von 2,38 auf 2,34 Mill., woraus zu schließen ist, daß vor Ausweisung der Einnahmen Reserven gebildet worden sind, die man in der Bilanz bei dem Posten sonstige Kreditoren buchen darf, die von 10 auf 12,9 Mill. erhöht sind. Als Dividende werden die für gemeinnützige Institute nach oben begrenzten 3 Proz. an die durchweg öffentlichen Aktiv- näre verteilt, was einem Betrage von 1,42 Mill. entspricht. Zum Reservefonds kommen 0,97 Millionen. Der Geschäftsbericht stellt fest, daß mit dem Steigen der Arbeitslosigkeit eine weitere Verringerung der Vachsrage nach Wohnungen eingetreten ist. Besonders in großen Znduskrie- städlen sei auch heute der vorhandene Wohnungsbcdars noch immer nicht gedeckt.„Wenn trotzdem Vermietungsschwierigkeiten in ein- zelnen Fällen bestehen, so sind sie ein Beweis für die wirtschaftliche Hot der Bevölkerung, deren Einkommen zur Bestreitung des Wiet- aufwandes nicht ausreicht." Die fetzt noch benötigten Wohnungen müßten einfacher und billiger gebaut werden, um die Miete«ragbar zu gestalten. Eine weitere Erhöhung der Alf mieten sei bei der augenblicklichen Lage nicht vertretbar und die Differenz zwischen Alt- und Veubaumieten könnte nur durch Senkung der letzteren herbeigesührt werden. Es sei für die Zukunft von erheblicher Be- deutung, die eingetretene Baukostensenkung durch weitere Maßnahmen zu sichern. Wenn dann gesagt ivird. daß dazu auch eine Anpassung der baugewerblichen Löhne gehört, so sind wir der Meinung, daß ein staatliches Institut derartige Bemerkungen den privaten Bauunternehmern Überlasjen kann, die ohnehin nicht auf den Mund gefallen sind. Bemerkenswert ist die positive E i n st e l l u n g der Preu- ßischen Landespfandbriesanstalt zum � siebenprozentigen Pfandbrief. Daß es im vergangenen Jahre nicht gelungen sei, den achtprozentigen Pfandbrief ganz aufzugeben, sei in der politischen Entwicklung begründet, die Mitte des Jahres nicht vorauszusehen gewesen sei. Es bestehe ein dringendes Inter- esse daoan, den siebenprozentigen Pfandbrief aufrechtzuerhalten. Das ist auch unsere Meinung. Die Schuld dafür aber, daß der sieben- prozentige Pfandbrief überhaupt bedroht werden konnte, tragen die Nationalsoziali st en und deren Eintreten in die Politik, der überhaupt den Kredit in Deutschland um 2 Proz. verteuert hat. Mit Sicherheit würde heute schon ein 6'.�-- oder 6prozentiger Pfand- bries in Deutschland bestehen und im Au-land sehr gut obegesctzt werden, wenn die nationalsozialistische Welle nicht die katastrophale kreditverteuerung auch auf dem langfristigen Markt herbei- geführt hätte. Die Mieten könnten für jedes Prozent, um das der kiypolhekar- kredit auf Dauer verbilligt würde, allgemein um 10 Proz. gesenkt werden. Das Auftreten der Nationalsozialisten hat auch diese ver- billigung verhindert. So wirkt sich das Eintreten der National- sozialisten in die Politik aus. Wir sind der Meinung, daß ein öffentliches Pfandbriefinstitut derartige Dinge auch selbst feststellen und mit Zahlen belegen dürste. Das ist mindestens ebenso wichtig für die Ausklärung der Ocffent- lichkeit über die Entwicklung in der Wohnungs- und Bauwirtschaft wie die durchaus wertvollen Ausführungen, die sonst im Geschäfts- bericht der Preußischen Landespfandbriefanstalt zu lesen sind. Wenn es gegen Steuer-, Sozial- und Lohnpolitik geht, nehmen die entsprechenden Privatunternehmunaen auch kein Blatt vor den Mund, und wir glauben, daß staatliche Institute zu einer ent- sprechenden Kritik nicht zu gut sein brauchen. Die Arbeit der Preußischen Landespfandbriefanstalt galt auch 1930 in erster Linie dem Kleinwohnungsbau. Bis Ende 1930 wurden insgesamt 67 427 Wohnungen finanziert, von denen auf Wohnungen mit Küche und ein bis drei Zimmern 87 Proz. entfallen und auf Wohnungen mit ein bis zwei Zimmern 37 Proz. Die Summe der Z w i f ch e n k r e d i t« ist gegen das Vorjahr in der Bilanz von 41 auf 11 Millionen zurückgegangen, obwohl die Kreditgewährung während des ganzen Jahres mit 76 Mill. noch fast um 3 Mill. Mark höher war. Für das Baujahr 1931 sind also offenbar weniger Zwischenkredite zur Verfügung gestellt worden, was die Erwartungen für die B a u k o n j u n k t u r nicht ver- Hestern kann. Tiefstand der Dsteichsbankkrediie. Nach dem Reichsbankauswcis zum 23. Februar ist der Bestand an Handelswechseln um 83,5 auf 1323,6 Millionen gesunken, Reichsschatzweckstel waren ausverkauft. Die Lombard- darlehen nahmen um 13 auf 83,3 Millionen zu, was wohl mit dem diesmal nur fünftägigen Abstand des Ausweistages vom Monats. ende, d. h. mit den Ultimovorbereitnngen der Banken zusammenhängt. Aus dem gleichen Grunde wird sich auch die Zunahme der fremden Gelder auf Girokonto um 131,2 auf 401,3 Millionen er- klären. Der Notenumlauf verringerte sich weiter um 192,9 auf 3704,4 Millionen einen abnorm niedrigen Stand. Die Goldbestände sind um 11,3 auf 2263,6 Millionen vermehrt, die Deckungsdevisen haben sich um 3,7 aus 173,4 Millionen verringert. IyFURDAMEN: schwarz, braun, Lack und feinfarbig �Jl FÜR HERREN: schwarz, braun und Lack Hto�deS:<\Chuhe In Berlin eigene Verkaufssfellen an allen Hauptverkehrspunkten Die N o tc n d e cku n g hat sich weiter von 62,5 auf 65,9 Pro�, das ist fast zwei Drittel mehr als die gesetzliche Deckung, verbessert. Dieser Ausweis zeigt eine retard mäßige Unter- beschästigung der Reichsbank. Sie hängt zweifellos entscheidend mit der zusammengeschruinpsten Wirtschaftstätigkeit zusammen, er- klärt sich aber auch daraus, daß die dritte Februarwoche ohnehin für die Reichsbank einen saison mäßigen Tiefstand der Gr- schäfte bringt. Oeffentliche Hand rettet Stahlwerk. Die Sanierung der Döhlcner Gußstahlwerke beschlossen. Die am Mittwoch in Dresden stattgefundene Gencralver- sammln ng der Sächsischen Gußstahlwerke Döhlen genehmigte die Sanierung des Unternehmens. Der Verlust von rund 3,4 Millionen Mark wird teils aus Rücklagen, teils aus der Sanierung gedeckt. Die Versammlung beschloß einstimmig, die Sanierung durch Zusammenlegung der Aktien im Verhältnis von 4: 1 von 8,8 auf 2,2 Millionen Mark und die Wiedererhöhung des Kapitals um 3,8 auf ki Millionen Mark. An dem neuen Kapital beteiligt sich in der .ftauptfache der sächsische Staat mit 2,4 und die Stadt Frei- t a l mit 1 Million Mark, um nicht etwa 1000 Arbeiter mit ihren Familien der Erwerbslosigkeit anheimfallen zu lassen. Das neue Kapital steht bereits zur Verfügung. Der Sitz der Gesellschaft wurde nach Freital verlegt. Der Vor- sitzende teilte noch mit, daß gegenwärtig die Beschäftigung schlecht sei. Man werde aber künftig an Zinsen und Abschreibungen sparen können. In diesem Sinne hält der Vorsitzend« auch eine Senkung der Steuern und der Löhne für notwendig. Damit dürfte der Vorsitzende sich das Wohlgefallen der drei Vertreter der rheinisch-westsäiischen Schwerindustrie erworben haben, die neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden. Als Vertreter der sächsischen Re- gierung wurde Geheimrat Florey in den Aufsichtsrat gewählt. Eine neue Bonpleite. Bausirma Carl Koerner stellt Sie Zahlungen ein. Die Krise scheint die längst fällige Bereinigung der deut- schen Bauindustrie herbeizuführen. Jetzt, da die privaten Auf- träge geringer geworden sind, da vor allen Dingen die öffent- l i ch e n Mittel für öffentliche Bauten und zur Förderung des Wohnungsbaues stark verknappt sind, wird offenbar, wie unsolide die Finanzierungsmethoden vieler Baufirmen sind. So scheint auch die jetzt in Schwierigkeiten geratene Baufirma Carl Koerner, Berlin, immer neue Bauten in Angriff genommen zu haben mit Mitteln, die für die Finanzierung früher begonnener und fertig- gestellter Bauten bestimmt waren. Die Firma Koerner hat sich hauptsächlich am Berliner Woh- nungsbau beteiligt. Da aber die Reichsregierung einen Teil der Hauszinssteuermittel, die früher für den Wohnungsbau verwandt wurden, zur Senkung der Real steuern bestimmt hat, kann auch die Berliner Wohnuugsfürsorge in diesem Jahre nur erheblich geringere Summen, die über das ganze Jahr gestreckt werden müssen, als Vauzuschüss« zu teilen. Offenbar hat man aber bei Koerner mit einer Zuteilurrg in der alten Höhe und zu früheren Zeitpunkten gerechnet und sich deshalb an neuen Bauvorhaben übernommen. Reue Kredite hat sie nicht bekommen, zumal ihre ausstehenden Forderungen recht unsicher zu sein scheinen. So sind ihr bei einer angeblichen Forderung von 260 OCK) Mark gegen die städtische gemeinnützige Gesellschaft„P r i m u s" von einem Schiedsgericht nur 130 000 Mark zugesprochen worden. Der II m s a tz im Geschästsjahr 1930 soll 25 Millionen Mark betragen haben. Die Firma gibt ihre Passiva mit 2,6 Millionen Mark an, denen Zkktiva in Höhe von 1,3 Millionen Mark gegenüberständen. Die Kredite der Bänke sind voll gesichert Die Zwerg- sirma in Bütow(Pommern) soll einen Auftragsbestand von 2 Millionen Mark hoben, dessen Finanzierung durch Staatsmittel gesichert sei. Bankzufammenbruch in Berlin. Di« private Berliner Bankfrrma Carsch u. Co. hat ihre Iah- Imrgen oingestcllt, nachdem nach einer Erklärung der Firma- an- haltende Abhebungen der Kundschaft dazu gezwungen haben. Bei ruhiger Abwicklung hofft man die Verpflichtungen voll erfüllen zu können. Die Firma Carsch u. Co. war industriell ziemlich stark tätig, u. a. bei der Berliner Wäschcfabrik vorm. Ritter, der Reiß u. Martin A.-G. Berlin, der Bayerischen Hartsteininduftric München, den Gummiwerken Elbe, der Thcrmos A.-G., der Stein- gutwcrke Ludwig Wessel-Bonn und der Dolovit Vasalt A.-G.-Köln. Die Geschäfte in der Großkonfektton. Nach der Umsatzstatistik des Verbandes Deutscher Damen- und Mädchen mäntel-Fabrrkanten für das Jahr 1930 betrug der Gesamtumsatz von 178 Firmen dieses Jndu- striezweiges 239,8 Millionen Mark(gegenüber 298 und 342,4 Mil- lionen in den beiden Vorjahren). Beim Vergleich der Umsätze von 175 Firmen, die sowohl 1929 als auch 1930 Derbandsmitglicder waren, ergibt sich ein durchschnittlicher Umsatzrückgang um 8,6 Prozent. Am stärksten war der Umsatzrückgang in den Größenklassen der Firmen von 100 000 bis 300 000 sowie von 500 ODO bis 1 Million Mark Jahresumsatz(minus 20 bis 231- Pro,;.), om geringsten in der Größenklasse 2 bis 4 Millionen Mark Jahresumsatz(minus 2,2 Proz): die Größenklasse 1 bis 2 Millionen Mark Jahresumsatz konnte sogar den Umsatz etwas erhöhen. Der Export in der Großkonfektion hat gegenüber dem Vor- jähre mit SIL Millionen um fast 7 Proz. z u g e n o nr m e n. Er betrug in den Jahren 1927 bis 1929 jeweils 51,4, 53,5 und 48,4 Millionen Mark, blieb also innerhalb der letzten vier Jahre ziemlich stabil.' � Reserven statt Dividende. Daß die Höhe der Dividenden schon längst nicht mehr ein Maßstab für die G-ewinne der Akticngesell- schaften sind, ist offenes Geheimnis. Auch die A k t i e n g e s c l l- schaft für chemische Produkte vor mal» H. Scheide- mandcl. Berlin, zieht es vor, von der Verteilung einer Dividende„in Anbetracht der nnübersichtlichen, schwierigen Wirtschafts- läge" abzusehen, obwohl der Reingewinn des Jahres 1929/30 von 0,73 Millionen Mark(Vorjahr 1,27 Millionen) die Wieder- Verteilung von 5 Proz. Dividende auf dos 10-Millionei,-Kapital zu- aelassen hätte. Der Reingewinn ist auch nur mit Hilfe crböhter Abschreibungen und reichlicher Rückstellungen durch Unter- bewertung der Warenvorräte so niedrig errechnet worden. Zahlen über da» Radio. Roch einer Peröfsentlichunq der ,M e w"Z o r k T i m e s" sind in der ganzen Welt 2 4 Millionen Radioapparate in Gebrauch, davon nicht weniger als 10.5 Millionen oder 45 Prozent in den Vereinigten Staaten. In Europa find gerade die Hälft«, in Amerika etwas mehr als die Hälfte der Apparate Retzanschlußoeräte. Detektorapparate sind nur in Rußland und in der Türkei stärker verbreitet. Die Rundfunkgebühr beträgt im Durchschnitt 13 bis 18 Mark, in Frankreich nur 39 Cents oder 7 Pfennig(!). in der Türkei aber 185 Mark! Der W e r t d e r Anlagen aller Rundsunkstationcn wird aus 122 Millionen Mark geschätzt. In der Ausfuhr von Madiogeräten stehen die Ver- einigten Staaten mit einer Ausfuhr von säst 100 Millionen Mark im Jahre 1929 an der Spitze.. Vernünftige Agrarpolitik? Z�eichsiagsrede des Genoffen Nobbert. Die Mittwochsitzung des Reichstags begann mit einer heftigen Rede des Abg. Schröter-Merseburg(Komm.) gegen die Verhinderung der Umzüge, die seil?« Partei am gleichen Tage veranstalten wollte. Am Widerspruch rechts scheitert das Verlangen, Anträge gegen das Demonstrationsoerbot und für Arbcitsbejchasfuiig auf die Tages- ordnung zu setzen. In der fortgesetzten Haushaltsdebatte über Ernährung und Landwirtschaft spricht Abg. Renken(Chrsoz.) im Sinne des Ministers Schiele- für Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Interessen in erster Linie. Abg. Freybe(Wp.) warnt vor sozialistischen Tendenzen in der Wirtschaftspolitik. Wer die freie Wirtschaft wolle, müsse jeden Staatssozialismus ablehnen. Wir haben nie etwas vom Staat be- kommen oder genommen.(Lebh. Widerspruch links.) Abg. Dr. Fehr(Bayr. Bauernbund) erkennt an, daß der sozial- demokratische Redner Tempel nicht in landwirtefeindlichem Sinn gesprochen hat. Wenn man die Agrarzolle als Suboenrionierung der Landwirtschaft hinstellt, so würde die gleiche Betrachtungsweise bei den Jndustriezöllcn zu dem Ergebnis führen, daß jeder Käufer eines deutschen Autos dieser Industrie 1500 Mark Subvention gibt und jeder Anzugkäuser die deutsche Textilindustrie subventioniert. Trotz der deutschen Zölle sind unsere Lebensmittelpreise nicht höher, viel- fach sogar niedriger als in Moskau, New Dort und Prag.(Der Redner verliest entsprechende Vergleichszahlen.) Die Reichssuboen- tionen für die Landwirtschaft betragen nur 36 Millionen in diesem Haushalt. Di« USA. stellen durch das Farmergesetz den Landwirten hunderte Millionen zur Versügung, so machen es sast alle Länder, auch die Demokratien Schweiz und Dänemark. Die Landwirtschrft würde gern auf alle Subventionen verzichten, wenn man nur ihre Wirtschaftlichkeit wiederherstelle. Wir müssen anerkennen und dürfen mcht vergessen, daß die Sozialdemokratische Partei vor zwei Jahren ihr früheres Dogma unbedingter Gegnerschaft gegen Agrarzölle und unbedingten Festhaltens am Freihandel aiiigegcben und für den Schutz der Landwirtschaft gestimmt hat..(Zurufe links: Wobei es nicht' entscheidend ist, ob das Dogma für alle Zeit aufgegeben worden ist.) Abg. hörnte(Komm.) wendet sich gegen die Behauptungen von einem fühlbaren Preissturz der Lebensinittel und weist aus den amtlichen Wirtschaftsberichten nach, daß dieser Preisabbau besten- falls 50 Pf. pro Woche und Familie bedeutet bei 8 Mark Lohn- reduktion. Der Weizenpreis wird künstlich auf der dreifachen höhe des Preises viel besseren Weizens au» Kanada und USA. im Hamburger Freihasen gehalten. Unter heftigen Angriffen auf die Sozialdemokratie und die GEG. bespricht der Redner die Angelegenheit der Gesriersleiicheinsuhr und der Verbilligung von Frischfleisch für Unbemittelte. Des Ministers Worten über den Bauernstand und gegen die Landslucht halt der Redner das Elend der Kleinbauern, de» Pacht- und Steuerdruck ent- gegen und dem wiederum den russischen Fünfjahrplan, der das Heil bringe. Abg. Weier zu Lelm(D. Vp.) spricht die Zustrminunq seiner Fraktion zum Programm des Ministers Schiele aus, behält ihr aber die Entscheidung vor, bis die Vorlagen eingebracht sind; der Redner äußert sich gejejen ein Reichsinonopol aus Südfrüchte. Abg. hillebraud- Schlesien(D. Bp.) betont das Verständnis seiger bäuerlichen Berufsgenossen und weist aus deren Notlage hin. deren Steigerung nur die Arbeitslosigkeit vergrößern würde. Zum Beweis dafür, daß Zölle nicht Preissieigerunq nach sich ziehen, beruft sich der Redner auf die Roggsnstüyungsfchvift des Sozialdemokraten Dr. Baad«: danach ist der Brotpreis trotz mehrfacher Zollerhöhung in der.gleichen Zeft erheblich zurückgegangen. Di« Prersbafis, unter der wir uns- hier 1928 unter«iizeni. sozialdeiuvkrattfchen-Reichskanzler geeinigt haben, müßte endlich erreicht werden: Entgegen dem„Vorwärts" vom 22. dieses Monats erklärt der Redner, daß der Antrag feiner Partei nicht den Großgrundbesitzern helfen solle, die ja selbst Brennereien haben, sondern den Bauern die 'Abnahme der Kartoffeln zu Brennerei, und Industriezwecken sichern solle, was in einem solchen Rekordkartosfeljahr wie 1930 unekläßlich sei. Zum Schluß bekämpft der Redner den Handelsvertrag mil Polen wegen der davon drohenden Masseneinfuhr billiger«chweine. Der russische Fünfjahrplan rückt dem Zeitpunkt nahe, wo russische Industriewaren zu ebensolchen Schleuderpreisen expor- tiert werden wie jetzt schon russische Landescrzeugnijse. 4 Abg. Oobbert(Soz.): Die agrarischen Forderungen, die der Minister als Agrcrr- radikalismus bezeichnet hat. können höchstens von einem kleinen Jirteressentenhaufen in Deutschland gebilligr werden, aber sonst von niemand im deutschen Bolk. Mit den deutschen Expoitintercsseir wäre eine Handelspolitik, wie sie gewisse Anträge der Rechten erstreben. nicht vereinbar. Wenn wir die Genfer Konvention zum Gesetz erheben wollen, können wir eine derartige Politik nicht mit- machen. Eine Agrarpolitik, die nicht auch dcn Interessen der Ver- brauchermassen dienen will, wird das deutsche Bolk nicht für sich gewinnen, und sie wird dem Berbraucher auch nicht Verständnis sür die Landwirtschaft beibringen. Die Reden aus der„Grüneu Woche", aehalken im Geist ost- clbischer Reaktion, zeigen eine Richtung, von der die Landwirtc abzurücken allen Grund haben. Politik der arbeitenden Bauern stellen wir in den Vordergrund gemäß unserem Agrarprogramm. Minister S ch i« le hat die Herabsetzung der Zinslasten als not-. wendig bezeichnet. Dem stimmen wir zu. In welcher Richtung will der Minister diese Verhandlungen mit den Kreditgenossenschaften führen, welches konkrete Ziel hat er vor Augen? Will die Regierung alle Energie anwenden, um diese Zinsknechtschaft zu brechen? Sie kann es, denn sie hat die Machtmittel, nur mag sie bloß nicht die Verhandlungen allzu lange hinziehen! 90 bis 100 Millionen sind nach Darstellung der preußischen Zentralgenossenschastskasse erjorder- lich, um die landwirtschaftlichen Genossenschaften zu sanieren. Da hätte man sich doch die Arbeitergenoflenschafteu zum Vorbild nchmeu sollen, die ohne jede Hilfe aus öfsentlichen Mitteln sich entwickelt und. erhalten haben. Die deutschen Landarbeiter werden heute nicht entsprechend ihrer hochqualifizierten Arbeit bezahlt— sie haben einen vollberechtigten Anspruch auf besseren Lohn. Man vergesse bei der Hilft sür das Land diese Arbeiter mit ihrer so langen Arbeitszeit nichr! (Sehr wahr! links.) Die Erwerbslosenunterstützung für einen Land- arbeiter mit einer dreiköpfigen Familie beträgt 12 Mark wöchentlich, sein Arbeitseinkommen 17 bis 18 Mark— da kann natürlich die Landarbeit nicht sehr starken Zuzug haben. Ohne die deutsche Sozialpolitik aber wäre die Sauskrail der arbeitslosen Masjen so gering, daß die Landwirtschaft noch viel weniger Absatz siuden würde als jetzt. Da sollten gewisse Landwirte doch die geradezu infame Hetz« gegen die Sozialpolitik einstellen!(Lebhafte Zrisrimmung links.) Von„Subventionen" an die Soziatoersicherung kann doch kein Vernünftiger sprechen, diese dienen doch nur der Ausrechl- erhaltung wenigstens eines bescheidenen Lebensniueaus der Volksgenossen. Verschärfung der einseitig landwirtschastlichen Politik würde den Absatz landwirtschaftlicher Produkte steigern. Gegenüber den sozialpolitischen Absichten des Ministers unter- streichen wir die Einwände des Reichswirtschastsministeriums, des Reichsverbandes der Deutschen Industrie u. a. nr.: die Exportmöglrch- leiten dürfen nicht durch«inseitige Agrarzollpotitik verschüttet werden, es bleibt uns keine andere Wahl, als eine Agrarpolitik zu treiben, die mit Exporlsörderung vereinbar ist. (Sehr richtig! links.) Darüber sollten Sie(nach rechts) die Lauern aufklaren, die man so tief gegen den neuen Staat, die Republik, und uns verhetz! hat. Gegenüber Dr. F e h r stelle ich fest, daß schon Karl Marx und Friedrich Engels nicht grnndsätztich und ausschließlich Freihandelsanhänger waren. Wir richten uns da noch den augenblicklichen Notwendigkeiten und wünschen eine Wirtschaftspolitik wie unter der Regierung Müller, natürlich mit Anpassung der damals geplanten Preise an die heutigen Verhältnisie. Der Wirtschastspartei werden die Landwirte nicht verhehlen können, daß der Weg vom Produzenten zum Verbraucher heule zu long ist. Die Gedanken der Planwirtschaft werden sich durchsetzen, sie gewinnen in dieser Zeit Anhang und der Miftelitand wird sehen müssen, in der planmäßig geordneten Wirtschaft seinen Platz einzunehmen. M In Rußland spricht man von.revolutionärem Opportunismus". As aber(zum Abg. Hornle) areifen hier die GEG. an, weil sie seinerzeit billiges Fleisch für die Aermsten gesichert hat! So tief sich diese Kommunisten in ihre: Kampsezweise schon gesunken! Wir gehen den Weg unserer oolkswlrlschaitlich orientierten gesunden Bauernpolilik weiter. Wir wollen dafür sorgen, daß dazu geeignete Bauernföhne Land bekommen und zwar dort, wo eine Bodenreform notwendig ist wie im Osten— ohne daß deswegen der Großbetrieb beseitigt wird, der seine bestimmte Funktion hat. Diese Bauern- Politik liegt auch im Interesse des Industrieproletariats. Wir fordern die Berücksichtigung unserer, im Reichstag und in der Presse vor- gebrachten Kritik. Geschieht das nicht, dann fürchten wir Schlimmes für die gesamte deutsche Bolkswirischaft: da wir aber ihr Bestes wollen, vertreten wir die Politik, die von den sozialistischen Theoretikern und Praktikern vorgezcichnet ist.(Lebhafter Beisoll der Soz.) Nach einer Rede des Abg. Bcck-Oppeln(Z.), der u. a. behauptet, die versumpften Wiesen schrien geradezu schon zum Himmel(Heiter- keil), wird die Weitcrderatung um 20.15 Uhr aus heute, Donnerstag. 12 Uhr, vertagt. Oer Iustizetat im Landtag. Zuftizmmister Schmidt gegen die Verleumderclique. Der Landtag nahm am Mittwoch zunächst einen Antrag der Deurschnaticmalen, Natronalsozialisten und der Wirtschastspartei an. der die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Nachprüfung über die Beteiligung der Preußenkasse au der„Kölnischen Volks- Zeitung" oder dem„Kölner Lokolonzeiger" verlangt. Die Unter- suchung wird dem Untersuchungsausschuß für die Preußenkasse überwiesen. Hierauf wurde an Stell« des verstorbenen Vize- Präsidenten Dr. W i e m e r(D. Vp.) ein neuer Vizepräsident gewählt. Die Wahl erfolgt mit oerdeckten Stimmzetteln durch Namensaufruf. Es haben Stimmen erholten die Abgg. o. E y n e r n(D. Vp.) 256, Kasper(Komm.) 29 und fünf weitere Abgeordnete je eine Stimme. Damit ist Abg. o. E y n e r n gewählt. Er nimmt die Wahl an. Es folgt die zweite Lesung des Finanzausgleichs- g c s c tz c s. Abg. Szillot(Soz.) erklärt als Berichterstatter, daß der Entwurf Abänderungsvvrschläge füx vier Gesetze zusammengefaßt enthält. Eine Aenderung der relativen Garami« habe der Ausschuß abgelehnt. Es sei nicht für zweckmäßig erachtet worden, wegen einiger Ee- meinden Aenderungen vorzunehmen, die für alle übrigen eine Kürzung der Ueberweisung von 1 Proz. bedeutet hätte.— Der Ausschuß hat auch abgelehm, dcn Magistraten das olleinige Recht zur Einführung neuer Äommunalsteuern zu geben. Abg. Dr. v. kries(Dnat.) lehnt den Entwurf in der vor- geschlagenen Form ab. Trotz der Ablehnung der Abandcrungs- anlräae seiner Fraktion betrachte er dieselben als Porbereftungsarbeft. Abg. Sloft(Z.) stimmt sür seine Fraktion dcn, Entwurf zu. Slbg. v. Eynern(D.. Dp.) hält die Durchführung eines end- gültigen preußischen Finanzausgleiches ohne Rücksicht auf das Reich jetzt nicht für möglich. Abg. teinerl(Soz.): Wir werden den Entwurf in der Ausschußsassung annehmen mid alle Abänderungsanträge ablehnen. Wenn wir Abstand ge- nommen haben, einen Antrag auf Aendorung der relativen Garantie zu stellen, so deshalb, weil er doch abgelehm wird. Trotzdem steht zu erwarten, daß mit der endgültigen Regelung des Reichssinonz- ausgleichs auch in Preußen hie Grundlagen der relotiocn Garantie geändert werden. Leider können wir die Bürgersteuer nicht beseitige", wie dos ein kommunistischer Antrag will. Preußen ist zu ihrer Emführvi'-- durch die Reichsiwtvcrordnung gezwungen. Wir wünschen aber, dag über den in der Reichsnotoerordnung festgelegten Mindestsatz nicht hinausgegangen wird. Zur Emlastung der Gemeinden muß Preußen dafür sorge", daß aus dein Wege der Reichsgesetzgebung die Kosten für die Wohlfahrtserwcrbslosen in der Hauptsache vom Reiche ge- tragen werden. SAbstverständlich kann mit diesem Gesetz die Rot der Gemeinden nicht befestigt werden. Dos kann auch nicht geschehen durch immer weitergehende Srärkung der Aufsichtsinstonzen, die schließlich zur völligen Ausgabe der Selbstverwaltung führen muß. Die baldige Schaffung eines Reichsfinanzausgleichs kann erst für Preußen dauernd dft Grundlagen für die Finanzgebarung sichern. Abg. Becker- Wilmersdorf(Komm.) lehnt den Enlwurf unter heftigen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie ab. Roch einigen weiteren Rednern wiM die Vorlage in der Aus- schußfafsung angenommen. Es folgt die zweite Lesung des Zusiizetats. - Abg. Dr. Grzimek(Staatsp.) erstattet Bericht über die Ausschuß-, Verhandlungen und hebt insbesondere die Zunahme der Zivilsachen k�roor. Zustizm'nister Or. Schm'dt: Die Zahl der Rechtstudiercnden ist seit 1929 wieder zurück- gegongen, aber noch immer 85 Proz. größer als vor dem Krieo. Die Zahl der Resercndare und Assessoren ist noch immer im Steiocir begriffen. Die Aussichten auf Erlangung einer Lebensstellung im Justizdienst sind außerordentlich schlecht. Ich kann deshalb vor der Heräufsetzung der Allersgrenze der Richter nur erneut warnen.(Sehr gut! fiats.) Die soziale Zusanmiensetzung des i u r t st! s ch e n N a ch- Wuchses entspricht noch keineswegs unseren Wünschen; immerhin ist die Zahl der Arbeitersöhne langsam gestiegen. Auch der Anwalt- stand ist wirtschaftlich gegenwärtig schwer bedroht: die Zahl der Anwälte ist um 40 Proz. höher als vor dem Kriege. Obwohl zahl- reiche Anwälte auf die Einnahme aus Armemnandoten angewiesen sind, war die Herabsetzung dieser Gebühren notwendig. Durch die Notverordnungen wird die Zahl der Landsjenchtsprazeffe um etwa 16 Proz. vermindert werden. Trotzdem bleibt ihre Arbeitsbelastung wesentlich höher als vor dem Kriege. Der Umzug des Arbeitsgerichts Berlin in angemessene Räume kann jetzt endlich erfolgen. An der Echafsung eines Amtsgerichts und eines einheitlichen Landgerichts für Berlin wird fleißig gearbeitet. In der S t r a f r c ch t s p j l e g e wirken sich die schweren wirtschaftlichen Nöte nicht einmal so stark aus wie die außerordentliche Verrohung des politischen Kampfes. Zusammenstöße radikalpokitischer Gegner und Beschimpfungen des Staates und seiner Organe haben in gewaltigem Ausmaß Züge- nommen. Die Strafrechtspflege wird neuerdings auch aus Kreisen der Rechtsparteien heftig kritisiert. Im Hauptausschuß bestand jedoch Uebereinslimmung. daß der weitaus größte Teil der Tätigkeit unserer Gerichte sich in völlig reibungsloser, klarer ObjektivitÄ vollzieht. (Sehr wahr! in der Mitte.) Nur in Einzelsällen könnten Zweifel an wirklicher innerer Unparteilichkeit des Gerichts entstehen; aber hier darf man nicht vergessen, daß der Anteil der Laienrichter am einzelnen Urteil nicht festzustellen ist. ?m ganzen stehk die preußische Rechtspflege nicht nur aus achtbarem, sonder aus hohem Niveau: sie ist fleißig, fach- und rechtskundig. pslichklreu, unparteiisch und gerecht. Die Justizverwaltung hat in Uebereinstimmung mit einer über- wältiqenden Mehrheit des Hauses die verfasiungsmäßige Unab- hängigkeft der Richter stets geschützt und geachtet. Auf der anderen Seite ist es ihr verfasiungsmäßiges Recht, durch die Staatsanwälte die Voraussetzungen für einen guten und gerechten Richterspruch schassen z» lassen. Ebenso wird sie sich nicht davon abbringen lassen, an ofscnsichtlichen Mängeln maßvolle Kritik zu üben. Bereits im Hauptausschuß ist sestgestellt worden, daß die in dem Buch„Gefesselte I u st i z" erhobenen Vorwürfe durchweg un- richtig und entstellt sind.(Hört, hört! links und in der Mitte.) Einmütig sind die Mitglieder des Hauptausschusses von dieser Schmähschrift mit aller Entschiedenheit abgerückt und haben so dem Verfasser eine Absage erteilt, wie sie deullicher und voll- ständiger ihm nicht hätte zuteil werden können.(Sehr wahr!) Diese Mitglieder des Hauptausschusses, auch der inzwischen aus dem Hause ausgeschiedene Senatspräsident Dr. Deerberg(Bewegung) sind sämtlich ausgezeichnete Sachkenner, die die preußische Justiz der letzten Jahre genauestens verfolgt haben. Sie alle haben ohne leben Widerspruch ein vernichtendes Urteil über dies« Schrift und ihren Verfasser abgegeben und bestätigt, daß dieses Buch wegen seiner bewußten Entstellungen und Unwahrheften keinerlei Beachtung verdient.(Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Die überparteiliche Notgenicinschcst aller derer, die in diesem Hause sachliche und praktische Arbeit an der Justiz als unserem wertvollsten Kulturgut leiste» wollen, möge auch fernerhin Bestand haben und gemeinsam ankämpfen gegen die Sorgen und Nöte der Justiz, die in der Not der Zeit leider recht drückend geworden sind. (Bravo! im Zentrum und links.) Bon Regierungsvcrtretern werden einige Große Anfragen be- antwortet. Auf eine sozialdemokratische Interpellation wird mit- geteilt, daß das Ministerium auf größten Nachdruck und rascheste Beschleunigung in der Verfolgung der Ausschreitungen der extrem Radikalen hinarbeite. Auch Ungebühr vor Gericht solle wirksamer als bisher zurückgewiesen werden. Eine weitere Interpellation über die I u st i z im Ober- landesgerichtsbezirk Naumburg wird dahin beant- wartet, daß die Rechtsprechung eii�elner Gerichte dieses Bezirk» seit geraumer Zeit Gegenstand besonderer Aufmerksam» keit der Justizverwaltung sei. In eingchender Aus- spräche mit dem Oberlandesgerichtspräsidenten fei festgestellt worden, daß einzeln? anfechtbare Urleile nicht den Schluß auf ein« staats- feindliche Eiasiellunz. der Richter diese». Oberlandesgerichtsbezirk, rechtfertigten.>;•.■ Eine Anfrage der Deutschnationalen wird dahin beantwortet, daß kein Zweifel daran bestehe, daß bei dem Magdeburger Mardfoll Helling der verurteilte Schröder her allein Schuldige sei und ein begründeter Verdacht gegen Haas nicht bestehe. Oberprästdent Hörsing habe nur eingegnsfen, weil die dringende, später bestätigt« Vermutung bestand, dan der Uirtersuchungsrichter Hoffmann und Kriminalkommissar Tenholt eine falsche Spur verfolgten. Für eine erneute Untersuchung der Angelegenheit läge keinerlei Anhalt vor. Die Weiterbcratung wird auf Donnerstag, 12 Uhr. vertagt. 7. Itrel»— Charloitenburg Heute, Donnerstag, den 26. Februar. 19.50 Uhr Im»Türkischen Zelt', Charlotienburg. Berliner Strabe 58: OefffenUiche Frauenversammlung Die Reichstagsabgeordnete Mathilde Wurm spricht über:• Die Frau Im„Dritten Reich'1 partemachnchten Einsendungen für diese Zlndrik sind »er««» 6S tt. Lindenitrxh« 3. fürGroß-Berlin stet, an da, Bejiriisekretaricu ü. S>of, 2 Trenren recht,. ,» richten Heute. Donnerstag. 26. Februar: 2. ttrei«. Kursus sfaSicm 19% Uf)t im Lakai Röstel. Putlidstr. 10. 14. ItnU. 19% Uhr Si-ciMtritcictDcrfnmuüung, Poisozesälen. Bergstrahe. Zahnradericht, Reuniahlen. 22. Abt. 19% Uhr Sechschulbrauere!. See. Ecke Amrmner Sirahe, Mitglieder- uersammiuug. Partrag des Eenassen Dr. Otto llricdländer. 29. Adt. Di« nichtuertausien Karten z»r Kundgebung gm 2. Mars Rnö bis heute, Donnerstag, 21 Uhr, beim AbteilungÄaiiiercr abzuliefern. »2. Abt. Dteglij,.'20 Ubr Ucbungsobend des Evrecbchors Steglid im Jugend. heim Albrecbtstrahr, am Stadtvarl. 193. Abt. 19% Ubr Büraervaei. Wc-bkovsstraS?, Müglicderversammlung. San» Barer:.Gegen die Nads'. Vorteibucki am Eaateingang norleaen. 127. Abi. Bedrk Weih« Taube: 2» Udr Rezttat'onoabend im LolaI Ruhig, Dingetstiidt«, Str. 95. Vertragender Sans Schader. ZKorgen. Freitag. 27. Februar: 11.»rei,. 2« Ubr»artburgichul«, lehter Xursnsabend Dr. Ott» isriedländer: .Segen den ffafcbiamus". 15. Sit!». 20 Uhr Se»ein!ck>aft»bau», Kallenberg bei Srünan. Kreisvertreter. »ersanvvlnng. Indilorscicr und Reuwablen. Sreisoerstau» und Ab- teilung�eiter um 19 Uhr. 29. Kreis. Alle Kunltionäre beteiligen sich an dem Snrsn» der Senolsi» Silbe Kern am 27. Kedrnar und 9. SRötj, 20 Uhr, in der Renen Schul«. Wittenau. Sauptstraßc. Sreisobleute der Zeitungskommission Grojj-Berlin. 19% Mdr Borwärts-Sans, Lindenftr. 3, 1. Kol. parterre link», Jurist! ich- Speechfinnde, Sihnng. Einheilsverband der Handel- und Gewerbetreibenden und freien Berufe, Ortsgruppe Berlin. 29 Uhr Soiel Alriandeiplatc, Alexauderstr. 49, Werbcuecsoiranluug:.Die Lcben,frageu der Selbständigen'. * 11. Abt. 19% Uhr gemeinsamer Sah labend bei Biedersttah, Emdener Ecke Waldensc-rsrrane. 29. Abt. 20 Uhr bei Beinlich, Weißenburger Str. 1, tztinkttonärsibung mit Kreisvertretern. 99u. Abt. 20 Ubr liftse Bclprcchuna aller in der Woblfabrisarbeit stehenden Genossen und Mitglieder der Arbciicrmohlsahrt im Büro der„Einfa", Salle am Kufeise» 104. Abt. Sreiodeleglerte treffen ssch 19% Uhr Grünauer Bahnsteig zur gemein- samen ffali et noch ssalkenbcrg. 124. Abt. Dartcigenossen beteiligen sich an her vssentlichen Kilndgebnna in Kaulsdors, Turnhalle Adolfstrahe. Trefrvuntt 19 Uhr Bhf. Mahlsdorf. Soanabknd, 2S. Februar: lZ. Krei». Im Rahmen des Kommunalpolitiscben Kursus Besichtigung des Obdachldsenasg!». Treftnunkt Uhr Ringbhf. Tcmpelbos und 4% Uhr Aingbhs. S«l>t>nhauser Allee. Abhärabend 1'% Uhr im Vortnig�ael des Bgrieivorstanhes. Lindenstr. 2, 2. Sof, 2 Tr., unter Leitung des Genossen Dr. Bütor Engelhardt. lStreitgelorüch zwischen Ernst Toller und Millir gm Rundfunk.) Karten im Bildungsausschusi, Lindenstr. 3, und Bultchgndlung Dseh. Lindenstr. 2. Ohne Kart« kein Einlast. Frauenveranstaltllngen. 2. Kreis Tiergarten. sZreitag, 27. Dcbruar. A Uhr, bei Stein. Solsteiner Ufer 37, Zunktio nörinncnsihung. 5. Seei« ltveugdeeg. fsreitag, V. Februar, 18% Uhr, �unktionSrinnenststung im kleinen Sistungssoal bei Rabe, Tichicstr. 29. 4. Abt. Sonnabend. 28. Zcdruor, Brstchttming der„Gehag'-lllusstellung, Berlin V. 8. Wtlhelmstr. 93—93. Treffpunkt 16 Uhr rot dem Gebäude. 8. Abt. Donnerstag, 26. Stlwuat, Besuch der Grhag-Ausstcllung, Wilhelm- strafte»2—93. vrn 1Z Ubr. 20. Abt. lZrettgg. 27. Zebtuat, Bosich: igung der Gchgg. Ausstellung. Trefs. vunkt 14 Uhr vor dem Gebäude in der WiLiclmstr. 92—03. Mit der Untergrundbahn bi» Kaiierhok fahren. 28. Abt. ssrettva. 27. sfebruar, 18 Uhr, Besicht ianng dcr Sehag-Ausstelluug. . Trefspunft 173t Uhr vor dem. Eingang WMelm't?� SS— N. Eintritt sv«. 99. Adt. Alt-Brin. ssreitag. 37. ssehruar, Äll'ichstigana der Gehag-Zlusslellsng. Treffpunkt 10 Udr vor dem Gebäude in den Wilhelmstr. 92—03. 130. Abt. Reinickendorf-Ost. Donnerstag. 26. sssbruar, 20 Uhr, tn der Lin- daner Strafte, nach der Doblfobrtssiftung, Besprechung der Seiferinnen. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. 17. Kr«!», ssreitag. 2!7. Tebruar, 19 Uhr. ssortseftuna des Schulungskursus im Gefangssgal des Reformonmnastnms Lichstenberg, Parkaue. Rcfcrentin Ge- irofsin Scdwig Wachenhoim, M. d. L. Achtung. ZZLrlorgeriluncu)! Donnerstag. 26. Februar. 20 Uhr, im grasten Kontra gosoal des Zentralverbgnde» der Angestellten. Sedeingnnftr. 12. Poe- trag des Genossen Ministerialrat Dr. Hans Maicr, Dresden, Uber»Die Für. sorgepflichtoerordnung". ilrbeiter-Bildungsfchule. 5. See!» Friebrichsdain. ssortleftung des Kursus Tadian:.Weltwirtschaft� am Freitag, 27. Februar, 29 Uhr, in der Schule Petersburger Str. 4. Arbeitateei» Bernstein. Nächster Ausspracheabend gm Sonnabend. 28. ssc» bruar, 19% Ahr. im Jugendheim Tilsiter Str. 4— 3. Thema:„Die Tartei in Koalition und Opposition". Sozialistische Studentenschaft. Ortsgruppe Bertin. «nfterardenUicbe MitgUederucrsammlnng heute, Donnerstag. 26. Februar. 20 Uhr, eiftungssaal de, Partcinorst-ndes, Lindenstr. Z. Wichtige Tages- ordnnng. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grofz-Berlin. Zentrale: Morgen, Freitag, 20 Uhr, Gnmcmstikkursus mit Martin Gleisner. Rcukblln. Donaustrafte. Daselbst 1. Probe des Lelfcrbewegungschorrs zur lO-Iahres-Keier. Alle interessierten üclfer werden gebeten, zu crsllicincu. Kreis Krenzberg. Jeden Somiobrnd von 18—20 Uhr Porckstr. 11 Buchbesprechung tNoigungsarbeil).— Kante, Donnerstag, 18-20 und 29—22 Uhr. .Bunter Abend". Eltern und Freunde sind herzlich eingeladen. Programm 23 Pfennig., Srei» Zriedrrchsbaw. Seilte, Donnerstag, sind alle Nestfalken des Kreises 16'/, Ubr Sochbohnhoi Warschauer Brücke. 10 Pf. lsahrgcld mitbringen. Turn. schuhe und Gomnastilanziig nicht vergessen. Anschlieftcnd 20 Uhr Kreisror- standssiftung im gleichen Heim, ssreitgg, 18 Ubr, Rotc-Falken-Krrizpcrsgmm- long, Jugendheim Litauer Str. 18. Krei» Neukölln: Heut«, Donnerstag, um 20 Uhr, in her Baracke Ean.q» hoferftrafte. Lelfersidung. Gruppcnbcricht«. Inftrumeniglkreis fällt heute ans. Geiger für Kreuzberg tresfeu sich am Uebur.geort uni 1.7% Uhr. Nestsglken. geiger gehen»m 17 Uhr zur Rütlischirle. SozialWche Arbeiterjugend Groß- Berlin «nsendnngen für»lese Zstcbrtt nur an do« Zuaeudlelreta-ior elerltn GW SS. ktn.dengrüSe s Achtung! Die für Sonnabend. 28. Februar, angesehte Fnuttionöepirsamm» lnng findet umständehalber nicht statt. Kundgebung der SPD. Moittag, 2. März, 19% uhr� im Sportpalast. An- sprachen: Otto Braun, preuftischer Ministerpräsident, Bcctro Rcnni. Berfasser des Buches»Todeskampf der ssrcihcit'. Karten zu 30 Pf. sind im Sekretariat zu haben. Gruppeufahncn sind mitzubringen. Sanderuorstellung der Bolksbühse, 22. Marz, 1? Ubr:»Die Gesellschaft dcr Menschenrechte", ein Stück um Georg Bstckmcr von Drang Theodor Clokor. Karten zu 80 Pf. sind im Sekretariat erhältlich. SS».-Gruppen:„Der Rote Schüler" Nr. 2 kann abgeholt werden. Singireiz: Heute, 19% Uhr. Ueben im Heim ZSIIidrnowstr. 5. Heute, Donnerstag, I9z,!> Ahr. Norden? Lorfting- Ecke Eraunstrofte:..Friedrich Ebertz Wirken".— Bens- walder Plast U: Raftrnburger Str. lsi: Mitgliederversammlung.— Balhm: �nnktionärversammlung bei Köhler, Bhf. Weifteniee.— Zollviost I: Sonnen, burger Str. 20:»Di« Arbeitersport-Internationale".— Nordosten II: Danziger Strafte 63:„Wie benehme ich nach aus lrahrt?"— Kottbusser Tor: Britzer Strafte 27—30:„Tagespolitik".— Südwesten: Lindensir. 4; Ananst-Bebel-Gedenk» feiet.— schöncbcrg HI: Hauvtstr. ir>: ssriedricki-Ebert-Gedenk frier.— Westend, 9t F.: Sportplatz Westend:..Organisatorisch« Fragen".— Tegel: Bechnhofstr. lö: ssriedrich-Sbert-Gehächtnisflier.— Wittenau: Hauvtstr. 13:»Heitere Stund:» im Betrieb".— Neukölln IV: Schierkestr. 44: Probe. SS®. Westen: Rosinenstr. 4, 17% Uhr:„Protetarrslhe Dichtung". Werbedezi rl Tiergarte»: W..B..Lorssandssist»ng mit Generaloersammlungs» delegierten 20 Ubr beim Genossen Sckilegel, Iagowstr. 4>,. Werbe bezirl Reuiollo: Bildungsan»sch«ftsi>zung, Parteibüro. Werde bezirt Prruzlauer Berg: Erwerbslose: Alle oorgeincriten Genossen treffen sich 16 Ubr Damciger Strafte— Prenzlauer Allee lNormgluhr) zum Bestich einer Siadtprrprdncteitsistung. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schmarz-Rot-Gold'. Geschäktestelle: Berlin S 14. Sebaftianstr 37—38. Sok i. Tr. Lichtenberg iQrtsvercinl: Freitag, 27. Tebriiar. 19 Uhr, gehen die Kameradschaften Kgulzdorf, Mahlsdorf und Karlshorst zum Soa!- schuft der SPD. in Bundeskleidung. All« Übrigen Sameradlchgften haben-jm 20 Uhr Beriammlungrn in ihren Lokalen. Kameradschaft Triebrichsfel-.!? 20 Uhr Gene raloersauimluna mit Borslandswahl bei Schwarz. Eapriviollee.— Schäueweide Zohauaisthal: Sonnabend, 28. Februar. 2�"�'�"V�Vw'fl«1>S"ll'"/'Vl>H'y�"ll>"/Vl"lll"yN*'MI�S""� � Donnerst� 26 2. Staats-Oper Unter d. Linden 178. A.-V. 19>/> Uhr Carmen "Ende 23 Uhr Staats-Oper An Plstz der Repabtik. 3. R.-S. 20 Uhr Madame Buflerfiy Gefleatl. Kartenverkauf Ende g. 22'/. Uhr Donnerst., 26. 2. staut. Oper Bismarckstr. Turnus III IWe Uhr Die Afrikauerin Ende 23 Uhr Staatl. Schaaspti. (an Gcndamianarkll. 153. A.-V. 20 Uhr Gustav Adolf (Der 30 jährige Krieg) Ende 22'/- Uhr Mi.Scbillet'Tlieater.Qiarltbg. 20 Uhr CL A VIGO Ende gegen 22V< Uhr Tägl 2 Vorstg. S u. 8'/« Uhr Barbarossa 9256 Hedim. SO Pf. bis 3 M., aheods 1 bis 0 M. lernt 3 rage 3 Andren Xieel Stoberlo de Taseoueellot, IHaidie& Stay u.tir. W'n»«r »Garten- 15 Ohr. Zentr. 2019. KeudieD erlaubt 7 Alfredos—„Arcano" Dolinoffs— 3 Cressos und weitere igtematiooale Variete-Stars. I p|/ Aza I lägt. 5 ii. SIS Soirat. 3, 3 0. 8» E 4, Alex. 8066 Nehm. SOPf.— 1 M., abds. 1-2 M. Nur noch 3 Taoel 4 Bronetts, Oollynoffs Jazz- und Tanz-Revue Daunton-Shaw. Kremo- Familie und weitere Attraktionen Sarnowsky- Bahnen Theater In der Stresemannslr. «'/. Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaue 8Va Uhr Cocktail von Kail Vollmueller. Musiii«.Ralph Denatzk) Deulsches Xfinsller-Theal. Barbarossa 3937. 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Reppina unter persönlicher Leitung des Komponisten Robert Stolz in der Premierenbesehung Kleines Tlieat. Täglich 8V« Uhr Grefe Reinwald in: LiBöe-uomoflGin niit Will Kaufmann, Heinz hlubertanz metropol-Itteater Täglich 8«. Uhr schön ist die weit Operette von Lehär Bichard Tauber, Mar Alpar. Sthülzendcrf Piscator-BQluie (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Litzis Vontelluagenl SV» Uhr Die Frau in Front Komödie v. Glebow Sonntags 11 Uhr Sondervorstellung desfriedridi-Wolf-Koinitse Cyankali WM MM 8 Uhr Elisabeth von Enoland von Fern. Bruckner Regie; Heinz Hilpert Kantmerspiele SV» Uhn Pariser Platz 13 von Vicki Baum Regie; Gustaf Crflndgens Die Komödie SV« Uhr Die Fee tou Franz Holnar Regie: Stefan Hudt. Rurfflrstendamm- Theater Bismarck 449 8 Uhr� Das schwache Geschlecht V. Edouard Bourdet Regie; Max Reinhardt Rose- Thealer Gr. FninlilnrlerSlr.132 Tel. Alex 3422 u. 3494 5J0 Uhr Das Partom metner Frau 8 15 Uhr Lustspiemaus Kurt GQtZ Täglich 8>Ä Uhr Oer Lugner a. die nenne MM>1. 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Die OrUverwaltung, Verüanfl der BoGlilnder und Papierverarbelter Deatsdilands Ortsverwaltung Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Beschneidei Karl Binder Lichtenberg, Scharmvcbersttaße 18, gc- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Eon»- abend, dem 28. Februar, nachmittags V-5 Uhr. im Krematorium Baum» ichulcnweg statt. Um rege Beteiligung ersucht Die GrtiwervaUnng. OMMMMM-sMlI Achtung Z Achtung! uerurallungsnilviisdeT.' Freitag, den 27. Februar, leine Sitzung der Mitttercu Berwaltung. Die Auszahlung der Liquidatiauen er» folgt nachmittags w der Feit von 4 bis nid s Uhr beim liegen Schmidt. Die OiitvcrwaUnng. Mein Kautabak schmeckt mir doch am besten! 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