Morgenausgabe Jtr. 103 A 52 4S.Ial?rgang Wöchentlich 3VPf� monaMch 3,90 3*, im voraus zahlbar, Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. PostzeUungs- und 72 Pf.Postbestellgedühren. Auslands- obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 5.— M. * Der �vorwärts' erscheint wochentäK- lich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der� Abend- Illustrierte Beiloge„Volk und Zeit- Ferner„Frauenstimme-» »Technik-,„Blick in die Dücherwelt-, „Iugend'Dorwärts-u.»EtadtbeUag«� �-f" W WW-G«. berliner Volksblatt Oienslag 3. Mörz 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf, Die einspalt. Nonpareillezeile 80 Pf. Reklame�eile S,— RM.„Kleine Anzeigen" das lettgedructte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf.. jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8V2 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentralorgan der SozialdemoSvatifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: DönbosI 292—297 Teleflrainm.Adr: So,iald«mokrat Berlin. Vorwärts-Berlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 sjZK.— Bankkonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B.n.DiZc.-Ges., Depvstlenk.,Jenlsalcmer Str. 83:66. Gegen Gewalt undLustizmord! Machtvolle Kundgebung der Berliner Sozialdemokratie. Die gestrige Kundgebung der Berliner Sozialdemokratie im Sportpalast zählt nach dem übereinstimmenden Urteil auch der erfahrensten Genossen zu der eindrucksvoll st en, die unsere Partei in der Reichshauptstadt jemals veranstaltet hat. Daß sie wegen Ueberfüllung polizeilich ge- sperrt werden mußte, war keine Ueberraschung, da die Ein- trittskarten durch die Funktionäre bereits seit mehreren Tagen restlos abgesetzt waren. Aber die Kampfes- st i m m u n g, die B e g e i st e r u n g der Massen beim Fahneneinmarsch der Delegationen von Arbeitersportlern und Arbeiterjugend, bei den Reden der drei Referenten, bei den prachtvollen Darbietungen der Arbeitersänger und endlich bei gemeinsamem Schlußgesang der Internationale, legten ein beredtes Zeugnis ab von dem glänzenden Schwung der gerade jetzt angesichts der faschistischen Drohung bei jung imd alt in der Berliner wie in der gesamten deutschen Sozial- dcmokratie herrscht. Mögen auch die Worte der italienischen Rede des Ge- nosicn Pietro Nennt nur von den wenigsten vor der Uebersetzung verstanden worden sein, allein schon die wunder- bar klangvolle Sprache hielt die Zuhörer in ihren Bann. Die nachträgliche Verdeutschung gab ihnen ein treffendes Bild von dem Werden des italienischen Faschismus, der sich in seinen Anfängen radikal gebürdete, um Arbeiterstimmen zu fangen, den aber die reaktionäre Bourgeoisie unterstützte, weil sie diese Demagogie sehr wohl durchschaute, dafür aber erkannte, daß sich der Faschismus sehr gut als Sturm- bock gegen das sozialistische Proletariat benutzen läßt. „Ganz wie bei uns" hat jeder Berliner Arbeiter sofort empfunden, zugleich aber die mahnende Warnung des Italieners beherzigt, aus den Fehlern der italienischen Sozialisten zu lernen und die Demokratie und den Parla- mentnrismus als Kampfmittel nicht zu unterschätzen. Die bolschewistische Form der Diktatur wurde sodann durch die Rede des russischen Genossen A b r a m o- witsch nicht weniger verurteilt als die faschistische in der Rede des Genossen Nenni. Helle Empörung, manchmal auch zorniges Gelächter löste die Aufdeckung der Sowjetlügen über die Menschewiki bei dem neuen schwindelhaften„Sabo- tage-Prozeß, sowie die Schilderung der infamen Methoden, mit denen jene„Geständnisse" erpreßt werden, auf denen dann diese Lügen aufgebaut werden. Mit Recht konnte Genosse Otto Wels feststellen, daß an diesem Abend die faschistische und die bolschewistische Dik- tatur, die so viel Berührungspunkte haben, gemeinsam aufder Anklagebank des internationalen Proletariats stehen. Starken Eindruck und stürmischen Beifall rief seine Erklärung hervor, daß der Lo r st a n d der deutschen Sozialdemokratie durch eidliche Aussagen vor deutschen Gerichten die Lügenhaftigkeit der auf sie Bezug nchn: enden Stellen der Mo skauer Anklageschrift beweisen und diese Bereitwilligkeit durch das Auswärtige Amt in Moskau offiziell mitteilen lassen werde. Die großindustriellen Geldgeber des deut- schen Faschismus weilen als Ehrengäste der Sowjet» regierung in Moskau. Mussolini hat als Geldgeber der österreichischen Heimwehrbewegung 2,5 Millionen Lire hergegeben— wieviel muß er sich erst die Unterstützung der Goebbels-Bewegung kosten lassen! So brachte unser Partei- Vorsitzender den Massen deutlich zum Bewußtsein, wie sich Faschismus und Bolschewismus gegenseitig unterstützen, um gemeinsam gegen die Sozialdemokratie anzurennen. Aber die Sozialdemokratie ist unerschüttert und un- erschütterlich. Sie marschiert, sie greift jetztan— das hat die imposante Kundgebung im Sportpalast überzeugend bewiesen! * Die Kameraden vom Reichsbanner Schwarz-Roi-Gold umsäumen das weiie Rund, unsere Turner und unsere Zugend, stürmisch bcgrüßi von den lausenden, die sich von ihren Plätzen erhoben haben, mar- schieren ein mit den roten Bannern der Areiheil. Die Freie Sport- und Musikvereinigung spiel«. Unsere lresflichen Arbeiiersänger bringen Kampflieder zu Gehör, von rotem Grunde aus aber mahnt das Bild eines Ermordelen, des Opfers italienischer Faschisten: G i a- como Maiteolki. Der Vorsitzende des Rezirksverbandes Groß-Verlin Franz Künstler begrüßt die Versammlung. Er heißt besonders willkommen den Sampfgefährten Matteottis Pietro Nenni, den die Berliner Sozialisten durch sein Buch„Todeskampf der Freiheit" kennen. In Nenni erblicken wir den Vertreter des von Mussolini geknechteten und gemarterten italienischen Proletariats. Im Winter 1926 mußte unser Freund über die Berge in die Schweiz fliehen, um das nackte Leben vor blutgierigen Schwarzhemden zu retten. Gerade jetzt, da bei uns Goebbels und Hitler der deutschen Arbeiterbewegung den Garaus machen wollen, fühlen die Berliner Proletarier sich den italienischen Genossen verbunden. Wir sagen Nenni: das deutsche Proletariat ist zum Kampf bereit und wird alle Opfer auf sich nehmen, nicht nur um sich selbst'zu schützen, sondern um der Internationale zu dienen. Au Abramowitsch gewendet, sagte Künstler:„In diesen Tagen haben wir internationalen Sozialdemokraten die ernst« Pflicht, der schwergeprüsten und verfolgten russischen Sozialdcmo- kratie Treue und Solidarität zu verkünden. Der Bolschewismus hat unzählige Menschen auf dem Gewissen. Aber ihr russischen Sozial- demokraten, die ihr unter Führung von Dan und Abramowitsch unter uns weilt, mögt euch nicht als Gäste, sondern als Brüder bei uns fühlen.(Stürmische Zustimmung.) Nach dieser Begrüßungs- anspräche nahm das Wort Genosse Pietro Nenni-Ztalien: Was ich in Deutschland erlebe, hat mir gezeigt, daß der deutsche Faschismus gegen Iihre Arbeiterschaft nicht ankommen wird. Sie sind stark genug, um den Feind aller Freiheit und Demokratie ab- zuwehren. Führende Kraft der europäischen Gegenrevolution ist der italienische Faschismus. Er führt den Klassenkampf des Be- s i tz e s und will die Arbeiterschaft hindern, sich aus ihrer Unter- drückung zu befreien. Es ist deshalb notwendig, daß man in ganz Europa die Methoden des Faschismus kennenlernt, der bald zehn Jahre Italien beherrscht um» über alle Mittel der staat- lichen Gewalt verfügt. In den ersten Jahren noch dem Kriege erlebie die italienische Sozialdemokratie einen riesigen Aufschwung. Man glaubte an die erlösende Macht des Sozialismus und wollte ihn realisieren. Vielleicht hat man auch in Kreisen der Partei gewisse Dinge wie die russische Revolution romantisch überschätzt und so Fehler begangen. Gleichwohl aber vollbrachte der italienische So- zialisinus starke positive Leistungen. Wir eroberten damals den A ch t st u nd e n t a g, die B et r i e b s r ä t e und den k o l- lektiven Arbeitsvertrag. Unsere Lohnkämpfe waren von Erfolg. Die Parte! zählte 2001000 eingetragene Mitglieder, die Ge- werkschaften über zwei Millionen. Wir waren im Parlament mit 160 Mandaten die stärkste Gruppe, in 2000 Kommunen hatten wir die Mehrheit. Unser Genossenschaftswesen hatte tief in die kapita- listische Ordnung eingegriffen. Aber es fehlte uns die k l a r e Z i e l- s e tz u n g, und die Fabrikbesetzung erwies sich als ein Fehler. Jäh- lings erkannte die bedrohte Bourgeoisie, welche Macht ihr gegen- überstand, und da erschien ihr als Retter di« faschistische Bewegung. Es war bei uns genau so, wie in Deutschland jetzt. Unlogischer Sozialismus, der radikaler schien als der wissenschastlich begründet« Marxismus, revoluttmiäres Phrasentmn und angrisssllistiger Nationalismus mischten sich ineinander. Für das Ohr des Unge- schütten war Mussolini oin wirkungsvollsten, weil er der lauteste Schreier war. Die Bourgeoisie aber nahm die Phrasen nichl ernst, genau so wenig wie eure kohlcnherren an der Ruhr die anlikapilalistischen Deklamationen Hitlers für bare Ztfünze nehmen. Das kapitalistische Bürgertum wußte, daß Mussolini der Träger ihres Klassenbewußtseins sein würde. Liberaler als die Liberalen, repu- blikanischer als die Republikaner, sozialistischer als die Sozialisten und nur die„altgewordenen Nachläufer von Karl Marx" beschimpfend, das war Mussolini vor der Machiergreisung. Und so sammelte er denn Bürgersöhnchen und junge Bauern, Deklassierte und Abenteurer, Landsknechte des zwanzigsten Jahrhunderts, die unter der Fahne des Nationalismus Weißgardisten des Kapitalismus wurden. Als dann der König sich für den Umsturz entschied und Mussolini im Staatswagen von Mailand nach Rom fuhr, hatte die Gewalt gesiegt. heule halten 300 000 Mann faschistischer Miliz wacht am Grabe der italienischen Freiheil. Die Gegner sind vogelfrei und der faschistischen Tscheka preisgegeben. Der Faschismus hat wie ein Heer fremder Eroberer sein Lager in Itqlien aufgeschlagen. Korruption und Entrechtung, Schieberherrschaft und bitter st e Not der Arbeit e�: herrschen. Es ist notwendig, daß die Arbeiterklasse der ganzen Welt die Fahne der Freiheit und Demokratie in sozialistischem Geiste hochhält und die demokratische Selbstverwaltung verwirklicht. Gerade bei Ihnen, deutsche Genossen, habe ich die Gewißheit, Freiheit und Recht werden Sieger bleiben. Wir werden den Faschismus überall zerschlagen. und mir werden den Tag erblicken, da diesseits und jenseits de? Grenzen nicht die Bajonette, sondern die roten Fahnen des Sizialis- mus stehen werden.(Stürmischer Beifall.) Nachdem noch Genosse Reventlow(Breslau) di« Rede unseres Freundes Nenni übersetzt hatte, spricht Genosse Abramowiisch-lKußland: Ich danke für die Möglichkeit, die man mir gab, hier von Ihnen über denMoskauerProzeßzu sprechen und eine verbrecherische Politik zu brandmarken. In dem Augenblick, wo die internationale Arbeiterklasse im Entscheidungskampf gegen den Faschismus steht, springt der Bolschewismus diesem seinem Verbündeten bei. In Moskau sitzen auf der Anklagebank vierzehn „gewesene Sozialdemokrate n", von denen zwölf 1920 die Partei verlassen und zwei niemals der Partei angehört haben. Man verhaflele sie. man erpreßte Geständnisse, man legte ihnen fertig- geschriebene Geständnisse zur Unterschrift vor! Die„Prawda"(Ge- nosse Wels ruft;„Die Wahrheit", Genosse Abramowitsch:.La, leider heißt„Prawda" Wahrheit") hat behauptet, daß ich 1928 in Moskau war. Sie nannte den Bahnhof, auf dem ich ankam, den Wagen, mit dem ich fuhr, das Hotel, wo ich die Koffer abstellte, die Reden und die Konferenzen, die ich abhielt. Ich bin seil 1920 nie in Rußland gewesen. Man schrieb, die deutsche Partei hätte mir 180000 Rubel zur Verfügung gestellt. Verginge einem nicht der Humor bei all dieser Tragik, so möchte ich den Genossen Wels bitten, es nachträglich zu tun. Das sowjetrussische Staatssystem läßt Berhöre am lausenden Band vornehmen, 21 bis 18 Stunden laiig. Die Untersuchungsrichter lösen sich ab, der Beschuldigte steht zwischendurch auf dem Korridor und darf sich nicht hinsetzen. Monatelang erhält er keine Nachricht, keine Bücher, keinen Besuch, leugnet"er, sperrt man ihn in den kalten Kerker, ohne Decke, ohne Matratze(Pfui-Rufe) oder den dunklen Kerker, ohne Acht, ohne Nahrung(erneute Psui-Rufe). Ge- fälschte Geständnisse legt man ihnen vor. Spitzel setzt man zu ihnen in die Zell«. Man sagt ihnen: Deine Frau, dein kleines Kind ist gestorben.(Anhaltende Bewegung.) Bis der gemarterte Mensch endlich gesteht, was man von ihm verlangt. Sie, Genossen, werden sagen: Emigranten übertreiben! Nein, das ist keine Uebec- treibung, das ist leider bezeugte Wahrheit. Bor einem Jahre sagte ich dem Genossen Künstler, daß in den Konzentrationslagern 100 000 Menschen säßen. Das war nicht ganz richtig. Nach dem Zeugnis eines sowjetfreundlichen Journalisten der„New Park Times" be- finden sich von 2 Millionen Eingekerkerten heule noch 1 Million in den Konzentrationslagern. Man beschuldigt uns in dem Moskauer Prozeß, Ausstand und Inter- vention gefördert zu haben. Ausgerechnet unser« Partei hat sich Jnterventionsgedanken entgegengesetzt. Wir haben jeden Plan dieser Art verworfen und bekämpft. Wir haben die sozialdemokratische Partei Rußlands inobilistert, um mit der Roten Armee gegen die weiße Intervention zu kämpfen. Der Sozialismus hat Rußland die Hand entgegengestreckt, um ohne Konterrevolution die Demokratie zu verwirklichen. Die Antwort ist dieser Foustschlag des Moskauer Prozesses. Leider muß ich es sagen: Der alle Zarismus war nichl so schlimm als der kommunistische Zarismus. Wir wurden verfolgt, in die Gefängnisse gesetzt und mit Hinrichtung bedroht. Aber man hat uns nicht verleumdet. Sie wissen, was Verleumdung ist. Eberl hat es erfahren. Die Schrift„Gesessette Justiz" beweist es, und der Umstand zeugt dafür, daß deutsche Sozial- demokraten auf die Schreibereien eines französischen Spions hin niedrigster Handlungen-beschuldigt werden. Die kommunistische In- quisition will uns moralisch und physisch vernichten. Slbcr es gibt ein höheres Gericht als das Oberste Gericht der Sowjet- republik. Das ist das Gericht des internationalen Proletariats. Hier gewinnen wir den Prozeß, wenn auch die vierzehn armen Menschen in Moskau verurteilt werden. Das internationale Proletariat kapi- tuiiert nicht vor einer ehrlosen Diktatur und weiß, daß Menschlichkeit triumphieren und das Ziel der Befreiung trotz aller Widerstände erreicht wird."(Stürmischer Beifall.) Sodann nimmt das Wort der Vorsitzende der-deutschen Sozial- demokrarie Otto Wels. „Wir alle sind aufs tt'esste erschüttert durch dos, was Nenni und Abramowitsch uns berichteten. Unsere Ohren wurden weit und unsere Augen hell. Gleichen sich nicht Faschismus und Nationalsozialismus?- Ja, man stellt Forderungen sozialen Inhalts auf, um sie nachher preiszugeben und die Arbeiterschaft zu oerraten. Faschismus und Bolschewismus werfen die Arbeiterschaft zurück. Diese Versammlung ist mehr als eine Kundgebung. Hier ist ein Forum der Unterdrückten. Und die wohlbcgründcten Anklagen, die wir horten, werden wir weiter verbreiten. Unser Kampf gegen den Faschismus, der nach dem 14. September in ganz Deutschland geführt wird, zeugt von unserem Willen. Als jetzt die Nationalsozialisten das Parlament verließen, meinten sie/wir würden zermürbt zurückbleiben. Sie haben unser Perantwortungsgefühl.unterschätzt, wir wissen. was wir der deutschen Demokratie schuldig sind.(Stürmischer Beifall.) wir wissen, daß wir durch ihre Erhaltung der Arbeiterklasse dienen. (Erneute stürmische Zustimmung.) Sorgen wir, dag der Auszug aus dem Parlament für die Nationalsozialisten ein umgekehrter Aventin wird. Die Nazis sagen, sie würden ins nächste Parlament mit 200 Mandaten einrücken. Vor dem 14. September erklärten sie, wenn wir 6l1 Mandate haben, was werden wir dann alles beginnen. Der einfache Wähler aber wird ihnea zurufen: Hundertsteben habt ihr gehabt und seid aus dem Parlament hinausgezogen. Braun- schweig ist ein Zeichen. Wenn nach einem rasenden Ausstieg ein Stillstand kommt, dann geht es bergab. Wir werden diesen Gegner schlagen mit den Waffen, die er gegen uns anwendet. Faschismus und Bolschewismus sind verbündet. Am 2 S. F e- b r u a r gab es, als Moskauhörige der Parole zu einem Welt- kompftaq gegen die Arbeitslosigkeit folgten, in Leipzig tote und verwundete Arbeiter. Am 2S. Februar fuhren Deutschlands Industriekapitäne noch Moskau. Gleichzeitig begann der Prozeß gegen die Genossen von der russischen Sozialdemokratie. Zu dem neuesten Schädlings- und Schwindeiprozeß, der darauf hinausläuft, die russische Sozialdemokratie, und mit ihr zugleich die Soziaiistische Internationale, in ihr vor allem aber die deutsche Sozialdemokratie zu infamieren, hat der deutsche Partei- vorstand ja bereits in der gesamten Presse eine Erklärung er- lasten. Ich bemerke: Bisher ist es dem„Sozialdemokratischen Pressedienst" und dem„Vorwärts" nicht möglich gewesen, die Ge- nehmigung der Sowjetregierung zu erlangen. Korre- spondenten nach Sowjetrußland zu entsenden. Zur Zeit werden die Vertreter der deutschen Schwer- indnstrie. die Herren von Borsig und Poensgen. mit größten Ehren in Rußland empfangen. Die Leute, denen die deutschen Kommunisten den schwersten Kampf androhen, sind Gäste der russischen Gewalt- haber. Wir verzichten auf solchen Empfang, und das fällt uns nicht schwer. Aber ich erkläre hiermit vor aller Welt im Namen aller Mitglieder des sozialdemokratischen Parteivorstandes: An dem Lügengebäude der verlogenen StaatsanwÄke, die gegen die russische Sozialdemokratie gegenwärtig am Werke sind, ist kein wahres Wort. Wir sind bereit, wie es im internationalen Rechtsoerfahren durchaus möglich ist, uns vor jedem deut- schen Gericht zu dem ganzen Fragenkomplex unter Eid in vollem Bewußtsein unserer Verantwortlichkeit zu äußern. Die Männer, die den sozialdemokratischen Parteioorstand bilden, bieten der Weltöffentlichkeit sicherlich eine stärkere Garantie für die Wahrheit ihrer Erklärung, als die durch jwuf oder Terror ge- preßten Zeugen der russischen Mordjustiz. Wir werden weiterhin das Auswärtige Amt er- suchen, durch die deutsche Vertretung in Moskau der rusfischen Regierung von dieser unserer Erklärung Kenntnis zu geben. < Stürmische Zustimmung.) In dem Prozeß, der gegenwärtig ge- rührt wird, wenden die bolschewistischen Diktatoren List, Lüge imd. Berschwoigen der Wahrheit an. unbekümmert darum, daß der verbrecherische Anschlag, jedermann klar. ist. Biel- leicht ladet man die Herren Borsig. Koettgen und Poensgen in eine Ehrenloge als Zuschauer ein. Die Herren werden ihre Freude daran haben, wie sie, die den Nationalsozialisten ihre Unterstützung leihen, die Bolschewisten gegen Sozialdemokraten vorgehen sehen. Aber ihre Pläne werden scheitern an der inter- nationalen Sozialdemokratie, die für Freiheit und Recht kämpft. (Stürmischer Beifall.) Begeistert wird das Hoch auf die Sozialdemokratie auf- genommen. Wieder singen unser« Arbeitersänger, die Internationale erklingt, stehend grüßen Tausende zum Abschied die roten Fahnen. Die Braunschweiger Wahlen. Von Otto Orote�ot»!, Braumdmeig. Das Bürgertum am Hitler-Vande. Bolksparteiliche Kritik an der Bolkspartei. Köln. 2. März.(Eigenbericht.) Die volksparteiliche„Kölnische Zeitung" nimmt dos Ergebnis der braunschrveigischen Gemeindewahlen zum Anlaß einer Kritik an dem Verhalten der Bolkspartei, die im Freistaat Lraunschweig mit den Nazis auf Gedeih und Verderb verbündet ist. Das Blatt schreibt:„Die Arbeitsgemein- schaft mit den Nationalsozialisten war an sich schon ein Fehler, aber nicht einmal der schlimmste. Viel schlimmer war, daß sich dos Bürgertum von Frenzen und seinen Anhängern politisch und wirtschaftlich— ähnlich wie in Thüringen— majorstieren ja tyrannisieren ließ. Es fehlt an Willen zur Selbstbehauptung. Statt dessen ließ man sich treiben: nun liegt die Quittung der Wählerschaft vor. Ob man endlich daraus lernen wird? Es ist wirklich die höchste Zeit!" Einschreiten gegen Stahlhelm. Ermittlungsverfahren gegen die Führer. Halle. 2. März. Der Generalstaatsanwalt in Berlin hat, wie soeben bekannt. gegen die Bundesführer des Stahlhelm Seldte und Duester- b e r g auf Grund des§ S Abs. 1 des Repubklkschutzgesetzes in Ver- bindung mit§ 20 des Reichspressegesetzes wegen des Aufrufes in der Stahlhelmzeitung Nr. 2 ein E r m i t t l u n g s o e r f a h r e n ein- geleitet. Der am 18. Iamiar erschienene Ausruf war die Einladung zum Volksbegehren. Zeilungsverbol im Rheinland. Die Kölner kommunistische Tages- Zeitung„Sozialistische Republik" ist vom Oberpräsidenten der Rhein- Provinz wegen Beschimpfung des Reichspräsidenten durch einen Artikel„Bittgang der Reformisten und Christen zum «tahlhelm-Hindenburg" aus die Dauer von zwei Wochen, und zw.ir vom 1. bis 15. März einschließlich, ver boten worden. Einslein— Ehrenhäupiling. Professor Einstein, der sich äugen- .blicklich in Ncu-Mexiko aushält, wurde vom Stamm Hopi-Indianer mit großem Gepränge zum Häuptling ernannt. Einwanderung fast völlig verboten. Das ameabmische Repräsentantenhaus hat die Regierungsiwrlag« angenommen, die die Ein- nranderung für die Dauer von zwei Iahren auf zehn Prozent der gegenwärtig zugelaffenen Kontingente beschränkt. Das Ergebnis der braunschweigischen Gemeinde- wählen stand im Mittelpunkt des politischen Interesses von ganz Deutschland. Mancher Republikaner, mancher Parteifreund mag enttäuscht die Zahlen gelesen haben, die der Wahlurne entstiegen sind. Um es vorweg zu sagen: w i r Braun schweizer Sozialdemokrat en sind zu- frieden! In einem Wahlkampf von unerhörter Schärfe, der an Intensität und Ausdehnung hinter keiner politischen Wahl großen Ausmaßes zurückstand, hielt die Sozialdemo- kratie im Trommelfeuer heftigster Angriffe ihren Bestand. Das Z i e l des Bürgertums und der Nazis war die Ber- nichtung des Marxismus. Es ist nicht erreicht. Zwar ist ein Teil unserer Wähler nach links abgewandert, weil er glaubte, im moskowitifchen Himmel Rettung vor Wirtschaft- lichem Elend und vor drückendster Rot zu finden, aber diese Wähler dürfen uns kaum verloren gehen. Wenn die Nebel politischer Demagogie fallen und der Sumpfboden Wirtschaft- licher Verelendung sich wieder in festen Boden verwandelt, werden diese Verirrten zu uns zurückfinden. Wir sehen sie nur darum mit Wehmut von uns scheiden, weil ihre kom- munistische Stimmenabgabe an vielen Stellen eine ver- nünftige Willensbildung verhindern wird. Am 14. September 1930 betrug die Zahl der fozialdemo- kratifchen Stimmen 126 972. Sie ist am 1. März 1931 auf 113114 zurückgegangen. Das ist ein Rückgang um 13 858. Von diesem Stimmenrückgang sind rund 5v(1() Stimmen durch die Kommunistische Partei aufgesogen, so daß ein tat- sächlicher Verlust von etwa 8800 Stimmen ver- bleibt. Ohne auf die zehnprozentige geringere Wahlbeteili- gung zu verweisen, ist dieser Verlust zu erklären durch die Tatsache, daß in vielen Orten durch Wegfall der Wahlen— weil man sich dort über die Zusammensetzung des Gemeinderates vorher einigte— ein Stimmenverlust eingetreten ist, der besonders für die Sozialdemokratie noch dadurch vermehrt wurde, daß in vielen Orten keine sozial- demokratischen Kandidatenlisten aufgestellt waren. Das ist besonders an solchen Orten der Fall gewesen, wo durch politischen oder wirtschaftlichen Terror die Eni- faltung der Partei durch eigene Kandidatenlisten unmög- lich war. In vielen Fällen sind aus diesen oder ähnlichen Gründen „neutrale Arbeiterlisten" aufgestellt, die bei der Berechnung der Stimmenzahlen naturgemäß außer Ansatz bleiben mußten. Da unter diesen Verhältnissen die Rechtsparteien und die Nazis so gut wie gar nicht zu leiden hatten, ergeben sich Einwirkungen auf die Zahlen- und Größenverhältnisse, unter denen allgemeine politische Wahlen nicht annähernd zu leiden haben. Es dürste darum auch kaum angängig sein, das Ergebnis von Gemeindewahlen schematisch auf die Be- urteilung des tatsächlichen politischen Kräfteverhältnisses zu übertragen Die Vraunschweiger Gemeindewahlen dürfen gleichsam rur als ein Stimmungsbarometer ge- wertet werden. Wenn man das vorliegende Zahlenmaterial so wertet, dann ergib: sich besonders die Tatsache, daß die N a t i o n a l- s o z i a l i st e n ihren sprunghaften Aufschwung und ihren unnatürlichen Fettansatz, den man noch in den letzten Wahlen, wie in Bielefeld und Bremen beobachten konnte, in Braun- schweig eingebüßt haben. Darüber hinaus zeigen sogar die Wahlergebnisse aus vielen agrarischen Orten Stimmen- einbüßen bis zu 50 Proz. Obwohl also die Nazis noch in ihrer besten politischen Konjunktur leben, zeigt ihre Bewegung bereits eine Flatterhaftigkeit, die mit Recht ihren ganzen politischen Erfolg seit dem 14. September 1930 als einen politischen Inflationsgewinn erscheinen läßt. Darüber kann auch der nationalistische Gefaimstimmen- gewinn von 1681 Stimmen nicht hinwegtäuschen. Besonders eklatant dürfte sich aber bei den Wahlen in der Stadt Braun schweig gezeigt habe», daß die ganze Hitlerei nicht ein Problem der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiterschaft ist. sondern einzig und allein des deutschen Bürgertums. Der„marxistische" Wahlblock steht unerschüttert da, selbst wenn man von den weit günstigeren Zahlen des Jahres 1928 ausgeht. Wir zählten 1928 44 803 Stimmen für die Sozialdemokratie und 4324 Stimmen für die Kommunisten, zusammen also 49 127 marxistische Stimmen. Die R e i ch s t a g s w o h l vom 14. September 1930 brachte unter weit ungünstigeren Vor- aussetzungen eine Stimxnenzahl von 41 621 für die Sozialdemokratie, und 8828 für die Kommunisten, zusaminen also 50 449. Am 1. März zählte die Sozialdemokratie bei den Gemeindewahlen in der Stadt Braunschweig 37 672, die KPD. 12 236, das find zusammen also 49 908 Stimmen. Diese Entwicklung zeigt, daß ein Einbruch des Nationalsozialismus in das Lager des Marxismus in keiner Weise stattgefunden hat. Verheerend hat der Wahlausgang allerdings in den Reihen der bürgerlichen Parteien zugunsten der Nazis gewirkt. Mittelstand, Deutschnationale und Bolkspartei sind von 26 579 Stimmen auf 18 595 Stimmen g e- funken und haben damit einen Verlust von 7984 Stimmen zu verzeichnen. Das Beachtliche dabei ist jedoch, daß von diesen nahezu 8000 Stimmen nur ein ganz geringer Teil von den Nazis aufgesogen wurde. Das Bürgertum läuft seinen eigenen Parteien davon. Es traut dagegen den Marxistentötern vom Hakenkreuz bereits nicht mehr. Sie wählen nicht mehr Nazi. Die Nazis haben ihre Stimmen- zahl in der Stadt Braunschweig nur um 1788 gegenüber dem 14. September steigern können. Das hat seine besonderen Gründe, die nur aus dem braunschweigischen Lokalkolorit zu verstehen sind. Die Welsen haben vor einigen Monaten ihren politischen eigenen niedersächsischen Geist aufgegeben und in chrem Sterbehause die Parole:„W ä h l t Nazi!" ausgegeben. Das gleiche haben einige Tage vor der Wahl die Kleinrentnerorganisationcn, die bis dahin Voltsrechts- partei wählten, getan. Diese beiden Gruppen stellten den Nazis immerhin ein neues Wählerreservoir von rund 3000 Stimmen mühelos zur Verfügung. So entpuppt sich schließlich der kaum nennenswerte nationalsozialistische Stimmen. Zuwachs als. eine politische Leichenfledderei. Aehnlich wird es in einigen anderen Städten liegen, soweit Anhänger der beiden Gruppen vorhanden waren. Die Sozialdemokratie hat in diesem hartnäckigen ver- leumderischen Kampf allen bürgerlichen Parteien«in- schließlich der Nazis unerschütterlichen Stand ge- halten. Ob und inwiewest die eingetretene Verschiebung der eigenen Macht nach links politisch genutzt werden kann, muß die Zukunft lehren. Es steht allerdings zu befürchten, daß die zu den Kommunisten abgeschwommenen Wähler bald erkennen müssen, daß sie ihre Stimmen zweck- und wirkungslos abgegeben haben, denn die Koiiimunisten pflegen überall die Steigbügelhalter der Nazis zu fein. Oer Kampf um Berlins Werke. Oannie Heinemann wird heute sein privaiisierungsangeboi machen. Wie wir hören, wird Vannie heinemann. der Ehes des belgischen Sosinakonzerns. heute in Berlin einttsssen und ofsiziell sein Angebot zur Anlethebeschassung für Berlin machen. Er wird dabei auch seine Bedingungen hinsichtlich der sogenannten Sicherstellung der zu vermittelnden Anleihe festlegen, wir haben mehrfach ausführlich dargelegt, daß es sich hierbei um eine Privatisierungsaktion ganz großen Stiles Handell und daß Berlin ein Angebot nicht annehmen kann, da, die kommunale Berfügungsfreiheil über feine Werke und Tarife an- tastet. 5- Wir hoben heute zu Heinemanns Eintreffen in Berlin nur noch einige Bemerkungen zu machen. Sowohl der Sofma-Konzern als äuch die Elektro-Hintermänner Herneinanns in Deutschland und auch gewiss« deutsch« große Banken haben in den letzten Wochen und Monaten im Ausland« systematisch gegen den öffentlichen und besondere gegen den kommu- n a l e n Kredit gearbeitet. Es ist so weit gekommen, daß man, um die Privatisierungsabsichten zu fördern, offen erklärte, daß man den G eineiigen keine Anleihen ohne besonder« Sicher- Helten mehr geben dürfe Unoerhüllt wurden als solche Eiche- rungen kontrollierende Beteiligungen genannt, was die Absicht der Privatisierung ganz klar als den Zweck der Kreditschädigung er- kennen läßt. Ausländische Kapitalkreise schütteln be- reits über diese Art, den Prosit und das Eigenmteresse über das Gesamtiuteresse und über die nationale Würde zu stellen, den Kopf. Wir haben noch ein zweites festzustellen. Diese Methode, den deutschen Kredit, besonders den öffentlichen, im. Ausland zu ge- fährden und die Bedingung der Kapitalbeteiligung, also die Finanzkantrolle des Auslandes, zur Voraussetzung einer Slnleihegewährung zu machen, kann für die gesamte deutsche Wirtschast, auch die private, der Keim zu einem höchst gefährlichen Ue b e r s r c m d u n g s s y sie m werden. Ohne- hin bedeutet das Eindringen ausländischer Kapitalmächte in die deutsche Kraftwirtschaft, wie wir sie immer betont haben, die Kon- trolle über den Preis der elektrischen Ämst, von dem dl« deutsche Cxportfähigkeit zu einem guten Teil"abhängt. Wenn«s aber so kommen sollte, daß Reich, Staat und Gemeinden etwa siir> Anleihen. die sie für ihre Unternehmungen brauchen. Kapitaldetelligungen als Sicherheiten stellen müssen, dann steht auch die ganze deutsch« Industrie vor der glücklichen Aussicht, von den aus- länßischen Kapitalgebern bald auch nach dem Ausmaß der Kapitalbeteiligungen gefragt zu werden, wenn sie selbst Anleihen braucht. Wir wissen nicht, ob man bei den deutschen Banken, ob man in der deutschen Privatwirtschaft lchon bedacht hat, was solch« Konsequenzen der jetzigen Privatisierungskampagne für die Zukunft der deutschen Wirtschaft bedeuten. Heinemann und sein System, ebenso sein von ihm kopitalmäßig abhängiger Gehilfe in Deutschland, Generaldirektor Oliven, ist der Exponent solcher die Unabhängigkeit der deutschen Wirtschaft bedrohenden Kräfte. Je schneller und nachdrücklicher die Stadt Berlin den Angeboten der belgischen Sofina die Ablehnung folgen läßt, desto besser für Verlin und desto besser auch für die deutsche Wirtschast! Angebote von der Art, wie sie die Sofina machen kann, sind nicht mehr kaiifmänlscher, sondern politischer Natur. Krage und Aniwori. Schuhpolizei bei ver Beervigunc, ver ermordeten Reichs- vonnerl-ute. Die Teilnahm« von Pokzeibeamtm an der Beerdigung der in der Neujahrsnacht in Berlin erschossenen Reich-- bannerleute war von einem Landtagsabgeordneten der Wirt- schaftspartei zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage gemacht worden. Wie der Amtliche Preußische Poessedienst mitteilt, hat der Preußische Minister des Innern auf die Klemc Anfrage folgende Antwort ertailt:„Die Beerdigung der in der Neujahrs- nacht erschossenen Mitglieder des Reichsbanners kann ich nicht als eine p a rt e i p»Hti s che Veranstaltung betrachten." Berlin-Gesetz verabschiedet. Kompromißarbeit der Regierungsparteien. Im Berfossungsausschuh des Preußischen Landtages wurde am Montag das neu« Berlin-Gesetz nach dem unter den Mehrheitsparteien zustande gekommenen Kompromiß ohne wesentliche Versicherungen in dritter Lesung verabschiedet. Die Regierung hat das Kompromiß ebenfalls als vorläufige Notregelung angenommen. Seiner Verabschiedung im Plenum dürften kaum Schwierigkeiten entgegenstehen. Das Kompromiß sieht insbesondere eine Stärkung der Stellung des Oberbürgermeisters vor. In seiner chand liegt die Exekutive. Ihm ist ferner das Vorschlagsrecht für Veamtenerncnnungen zuerteilt. Neben die Stadtverordnetenoer- sammlung. der durch das Gesetz ein genau begrenzter Katalog von Befugnissen übertragen wird, und die nach wie vor von einem Stadtverordnetenoorsteher geleitet wird, tritt der Stadt- gemeindeausschuß unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters als Vertretungskörperschaft der Stadtverwaltung. Der Magistrat besteht aus dem Oberbürgermeister, 2 Bürgermeistern. 9 besoldeten und 6 unbesoldeten Mitgliedern. Die Wahlzeit der bisherigen un- besoldeten Magrstratsmitglieder erlischt mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes. Die besoldeten Magistratsmitglicder bleiben weiter im Amt. Die Bezirks Verfassung ist fast unverändert geblieben. Die Bezirksversammlungen tagen wieder unter dem Borsitz des Bezirksbürgermeisters, und nicht öftentlich. Die Bestimmung, daß, wenn ein Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung weder in der ersten noch in der zweiten Sitzung zu- stände kommt, der Stadtgemeindeausschuß den Beschluß fasten soll. wurde gestrichen. Annahm« fand eine geänderte Fassung dahin, daß die ehrenamtlichen unbesoldeten Stadträte sür jeden Tag der dienstlichen Inanspruchnahme«in Tagegeld in Höhe des Sitzungsgeldes der Stadtverordneten für eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung erhalten sollen. Zur Erhaltung der Einheitlichkeit der Verwaltung soll der Oberbürgermeister regel- mäßig gemeinsame Besprechungen des Magistrats mit den Bürgermeistern abhalten. Die Wahlzelt der un- besoldeten Mitglieder des Magistrats soll mit dem Inkrafttreten des Gesetzes enden. Das Gesetz soll am 31. März in Kraft treten. Die Vorlage wird am Sonnabend, dem 7. März, im Plemim zur zweiten und in der zweiten Hälfte des März zur dritten Be- ratung gestellt werden. Lucher gegen Schacht. Deutschland braucht Kredite.— Nazi-Wünfche führen zur Zuflation. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat gelegentlich der Leipziger Messe vor den in- und ausländischen Pressevertretern eine Rede ge- halten, die in mehrfacher Hinsicht bedeutsam ist. Luther betonte. daß er deutlich zu sprechen wünsche. Die gegenwärtige Not habe chren Grund nicht in Mängeln der Währung. Währungs- pläne, wie man sie heute volkstümlich zu machen versuche, seien alle miteinander Wege zu neuer Inslation. die uns endgültig ins Elend reißen würde. Die Machtmittel der Reichsbank zur Verhinderung einer Inflation reichten vollkommen aus. Heute drohen der Währung, abgesehen von den propagierten Experimenten, keinerlei Gefahr. Aber die Abwehr solcher Experimente könnte zur Folge haben, daß dos Wirtschastselend und die allgemeine Rot sich noch vergrößert. Zum Problenx der Reparationen bemerkte er, daß we politischen Zahlungen da» natürlich« Funktionieren der Marktwirt- ichoft schwer beeinträchtigen. Di« Erkenntnis, daß die deutschen Reparationsleistungen als politische Zahlungen die Grenzen der weltwirtschaftlichen Unschädlichkeit überschreiten und den markt- wirtschaftlichen Organismus der Welt immer mehr schädigen und untergraben, setze sich in steigendem Maße bei allen Sachverständigen durch. Deutschland brauche allgemein langfristiges und billiges Kapital, um die kurzfristig« Verschuldung, die cls„unsichtbare Besatzung"' uns wie ein Alpdruck lähme, durch eine langfristige Verschuldung abzulösen, und man brauche billiges Kapital, um die Ausfuhr zu steigern. In Amerika sei der Gedanke geprägt worden, es handele sich gar nicht mehr um die Frag«, ob Deutschland zahlen könne oder ob Deutschland zahlen solle. Welche politischen Entschlie- Hungen ober auch gefaßt werden würden, Deutschland werde sich immer von der Gesinnung eines ehrbaren Kaufmanns leften lasten. Heber den Stimmungen gegen den Poung-Plan dürfe nicht v e r- gessen werden, daß der Poung-Plan uns von fremder Besatzung und fremder Beaufsichtigung wichtiger Teile unseres Staatswesens freigemacht habe. Immer wieder müsse der verpflichtende Vertrogscharakter des Poung-Plans betont werden. Auf der einen Seite müste Deutschland seine Verpflichtungen deutlich aner- kennen! aber in untrennbarem Zusammenhang damit sei auch d-e Erfüllung der Verpflichtung der anderen Dertragspartner zu fordern. Deutschland gehe in gar k einerWeisemitdem Gedanken um, unter welchen Umständen auch immer, privatrechtlich begründete Zahlungen oder Zahlungen an Private einzustellen. Dazu gehöre auch der Zinsen- und Kapitaldienst für die Poung-Anleihe und für die Dawes-Anleihe. Das Wort Vtoratorium habe die irrige und irreführende Vorstellung hervorgerufen, als erstrebe Deutschland etwa» wie ein« Zahlungseinstellung. Der Reichsbankpräsident Dr. Luther dürfte Schachts Buch, zu dem wir im Wirtschaftstell dieser Ausgabe Stellung nehmen, vor semer Rede gekannt und es für notwendig geHallen haben, möglichen kredllschädigenden und gefährlichen politischen Wirkungen dieses Buches rechtzeitig entgegenzuwirken. Unter diesen Gesichts- punkten ist seine Stellungnahme besonders zum Reparationsproblem zu begrüßen. Dr. Schacht Ist gegenwärtig in Stockholm und hat gleich nach seiner Ankunft Pressevertreter empfangen. Wie immer im Ausland, war Schacht auch dort wieder vorsichtiger als in seinem großspurigen Buche, das bei Hugenberg und Hitler werben soll. Deutschland werde seine Schulden bezahlen können, wenn man ihm das Recht gebe zu arbeiten und Gelegenheit, Geld zu verdienen. An ein« Herabsetzung der Kriegsschulden dächten im Augenblick nur Idealisten, deren Einfluß nicht groß sei.(Meinte Schacht sich hier selber?) Wenn Deutschland wenigstens einen Teil seiner Kolonien zurückerhalte, würde ihm und auch der übrig?» Well genützt. Kriegsrai der Schwänzer. Hugenberg unterwirft sich Hitlers Kommando. Am Sonntag haben Vertreter der dsutschnationalen Reichstagsfraktion und der Nazis in Berkin«inen gemeinsamen Sriegzrit abgehallen und sich darüber unterhalten, wann sie wieder In den Reichstag zurückkehren sollen. Das Ergebnis der Gehcimkonftreuz war noch einer Mitteilung von deutschnationaler Seite„allgemeine Uebereinstimnmng in der Beurteilung der Loge und Einmütigkeit bezüglich der weiteren Maßnahmen'. Die Industriellen in Moskau Sie deutschen Industriellen:„Wer wird denn dort gefesselt abgeführt?� „Ach, das sind ein paar Sozialdemotraten, die wir anklagen und demnächst erschießen werden/'- Die Industriellen:„Bravo, hier gefällt es uns!� Labour im Flottenkampf. Küns-Mächte-Pakt schließt Wettrüsten aus. die„Sicherheitsklausel" aufnehmen, die England die Auf- rüstung erlaubte, falls Frankreich und Italien, die unge- bunden blieben, mit der Durchführung ihrer Wettbau- Programme ernst machten. In U-Booten, Zerstörern und Kreuzern war der europäische Rüstungsfriede gescheitert. Das vergangene Jahr war nun ausgefüllt vom Wettrüsten zwischen Frankreich und Italien. U-Boot nach U-Boot, 10 000- und b000-Tonnen-Kreuzer nach Kreuzer wurden auf Stapel gelegt und die Versuche der britiicheir Arbeiterregierung, dem Wettrüsten der beiden, die den Drei- mächtepakt gefährdeten, Einhalt zu tun scheiterten. Die französische Diplomatie fesselte die engische mit dem Köder einer möglichen späteren Zustimmung zum Drei- mächtepakt an die französische Landabrüstungspolitk. Die Labourregierung gab ihr zäl)es VermftUungsbemühen nicht auf, bis der Augenblick zur persönlichen Intervention des britischen Außenministers Henderson gekommen war. Er und der„Erste Lord der Admiralität" Alexander fuhren nach Paris, vereinborten ein Kompromiß zwischen England und Frankreich, brachten es nach Rom mÄ> erhielten dort die Zustimmung Iialiens. Paris, 2. März.(Eigenbericht.) Die englischen Unterhändler haben den seil Jahren andauernden Flotleasircit zwischen Frankreich und Italien durch ein Dreiländerabkommen beendet. Sie sind am Montag nach London zurückgekehrt. vorläufig ist der genaue Inhalt des Abkommens noch nicht bekannt. Es läßt sich jedoch schon aus der Schnelligkeit, mit der die endgültige Einigung erzielt werden konnte, schließen, daß an den ursprünglichen Ziffern keine einschneidenden Veränderungen vor- genommen worden sind. Frankreich wird sich also mit elner Flotte von bZ0 000 bis ö40 000 Tonnen, Italien mit einer Flotte von 480 000 bis 500 000 Tonnen begnügen. Seide Länder hoben sich gegenüber ihren noch aus der Londoner Konferenz vertretenen Forderungen beträchtliche Abstriche gefallen lassen und haben das Wettrüsten wenigstens bis 1938 eingestellt. Der englischen Arbeilerregiernng, die schon vor Jahresfrist die für unmöglich gehaltene Einigung mit Amerika erzielen konnte, lst es »cht also auch gelnugen, die beiden„lalewlschen Schwesternaklonen" zur Abrüstnbg zu bekehren. Wenn auch ewige über patriotische Blätter ln Paris gegen das Abkommen Sturm lausen, weil Vrland darin angeblich wieder einmal„das nationale Interesse" verraten haben soll, so zeigt sich doch die Mehrzahl der Blätter aufs höchste befriedtgt. 4 Die Abrüstungspolitik der britischen Labourpartei hat zu einem neuen, großen Erfolge geführt. Alle früheren Regie- rungen waren daran gescheitert, den R ü st u n g s f r i e d e n zur See abzuschließen: die einzige in Europa regie- rende Arbeiterpartei hat chn zustande gebracht. Frankreich und Italien sind dem Dreimächtevertrag England-Amerika- Iapan jetzt angeschlossen. Das Wettrüsten zwischen den fünf großen Seemächten ist bis 1936 und damit nach mensch- lichem Ermessen für die Dauer beendet und ein gewaltiger Stein des Anstoßes für die Weltabrüstungskonferenz 1931 aus dem Wege geräumt. Der Erfolg für den Frieden zur See ist der politischen Iniiiative, dem Führungswillen der organisierten Arbeiter- schaft entsprungeil. Er vollendet zur See das Werk, das die britische Arbeiterpartei alsbald nach Beginn chrer zweiten Regierungsperiode in die Hand nahm. Man erinnert sich noch, wie vor anderthalb Iahren Ramsay Macdonald als erster britischer Ministerpräsident über den Ozean fuhr und in persönlichen Berhandlungen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Hemmnisse zerschlug, die alle frühe- ren Regierungen verhindert hatten, dem Wettrüsten zur See, dem Kamps um die Suprematie auf den Weltmeeren ein Ende zu setzen. 1927 hatten England, Frankreich und Japan vergeblich versucht, dem Wettrüsten zwischen ihnen ein Ende zu machen: die englischen Konservativen gefährdeten ihr lriegs- erschöpftes Land, weil sie sich von derJdeologiedessee- beherrschenden Älbion nicht freimachen tonnten. Die 1929 von der Labourpartei nach London einberufene Kon- ferenz— sie begann unmittelbar nach der Haager Repara- tionsronferenz— führte zu einem Fünfmächtepaktfür die G r o ßk a m p s s ch i s s e: mit Ausnahme von je 70 000 Tonnen für Frankreich und Italien wurde vereinbart, daß keine Ersatzbauten mehr für Großkampf- schiffe begonnen werden sollten. Die Ungeheuer der See- schlacht, die Dreadnoughts der Vorkriegszeit, die Super- dreadnoughts des Weltkrieges sind seitdem zum Aus- st e r b e n v e r u r t e il t. Die Periode der großen Seeschlacht- flotten ist seitdem zu Ende. War das der Erfolg der Londoner Konferenz ge- wesen, so kam sie zu einem Teilerfolg, was die Kreuzer, Zerstörer und U-Boote anging. Hier gelang es Macdonalds zähem Vermittlungswillen nach monatelangem Kampf nur, das Wettrüsten zwischen den drei größten Seemächten aus- zuschließen: England und Amerika vereinbarten je 339 000 Tonnen, Japan 208 000 Tonnen Kreuzertonnage, ihre U-Boot-Zisfern wurden guf 53 000 Tonnen herabgedrückt. Frankreich aber und Italien waren zum Anschluß an diesen Dreimächtepakt nicht zu bewegen. Der Faschismus bestand auf der Parität mit Frankreich, das heißt. er wollte— da die französische Flotte auf dem Atlantik und dem Mittelmeer stationiert ist— durch den allgemeinen Gleichheitsanspruch die Ueberlegcicheit im Mittelmeer be- haupten. Frankreich verweigerte sie und wollte einem Ver- trage mit England nur gegen Zusicherungen auf dem Gebiet der Landrustungen beitreten. Die Arbeiterregierung lehnte das ab und mußte deshalb in den Dreimächteoertrag Die englischen Minister hatten den gunstigen Augenblick erfaßt: die Weltwirtschaftskrise, die die Staats- finanzen erschüttert, ist in die Rüstung spolitik ein- gebrochen. Italien, aber auch Frankreich drohte der finanzielle Atem auszugehen. Musiolini kommandierte seiner Presse Maul halten, gab bis 1936 den Gleichheitsanspruch auf und begnügte sich unter dem englischen Verhandlungsdrvck mit einer Flotte von etwa 480 000 Tonnen; Frankreich steckte seine Tonnagesordcnxng um über 100 000 Tonnen zurück und hat nun noch etwa 630 000 Tonnen Tonnage zugebilligt er- kalten. In U-Booten, Kreuzern und Zerstörern hat der Rüswngswettbewerb nunmehr aufgehört; jede Marine weiß jetzt von der anderen, wieviel sie bauen wird. Dos will- kürliche, den Frieden störende Wettrüsten ist zur See auf Jahre hinaus unterbunden. Die erste Etappe ist erreicht: die Seebauprogramme sind heruntergesetzt, die Seerüstungen der fünf Seemächte sind b e- gr.enzt worden. Der Kampf um die zweite Etappe, die Beschränkung der Rüstungen, ist damit eröffnet. Für Deutschland ist an dem Seerüstungsfriedcn Meierlei wichtig. Es kann nunmehr auf dem Gebiete der Seerüstungen eine aktive Abrüstungspolitik beginnen, Nicht minder bedeutsam ist, daß mit dem Ab- schluß des Fünfmächtepaktes der Kreuzer. Il-Boote und Zerstörer die französische Diplomatie das Mittel aus der Hand geschlagen ist, die englische in Landrüstu nasfragen auf ihrer Seite gegen Deutschland zu halten. Die englisch« Politik hat mft Entschiedenheit alle Gerüchte über Land- rüstungszusagen an Frankreich dementiert; sie hat sich mit Recht darauf berufen, daß sie Frankreich mft der Vermftt- lung in Rom selber einen Dienst geleistet hat, und der tage- lang unverhüllte Aerger des französischen Rationalismus über das Verhandlungsergebnis zeigt, daß vertraglich oder sonstwie bindende Zusagen von der britischen Arbeiterregierung abgelehnt worden sind. Mit ihrem aus dem Geiste der Iifternationale ent- standenen Seerüstungserfolg sind neue Chancen für eine deutsche Polftik des Rüstungsstiedens auf dem Lande und in der Luft entstanden. England würdigt den �abour- Erfolg. Rom. 2. März.(Eigenbericht.) Die gesamte englische Presse spendet der Arbeitemgierung und ihrem Außenkkinisker das höchste Lob über da» Mariaeabkommen zwischen Frankreich, Italien und England und vor allem über die französisch. italienische Verständigung. Selbst das Blatt des Herrn Beaverbrook schreibt am Montag in seinem Leitartikel:„Bravo, Arbeiterregierung. Me Varteien Großbritannien» lassen ihre häuslichen Streitigkeiten zurücktreten und vereinigen sich in ihrem Glückwunsch für die von Macdonald und Henderson aus dem delikatesten Gebiet der Internationalen Politik vollbrachte Leistong." Trevelyan. der vcroienstooll« englisch« lllUcrrichtsminist«r, ist zurückgetreten. Das Oberhaus lzatte sein Schulgesetz abgelehnt. Zu der Mosley-Gruppe hatte er kein« Beziehungen. Lee, Smiths, früher Dozent an der Londoner Handelshochschule, würbe zum Nachfolger ernannt, WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nidit zugesandt Frisch. Fleisch Obst u. Gemüse Sctveit(& Offert* OßSIKge Jßehensmittel Rinderhamm"p'ünd 0.82 Hammel-Vorderfl. 0.90 Kalbskamm...Pfund 0.60 Kalbskotelett.. Pfund 1.20 Schweinerüd(en.Baud<0.74 Gehacktes---- Pfund 0.80 Liesen....... p«und 0.64 Rückenfett b,a,,er,,p9,'Und 0.64 OulaSCh gemischt.. Pfund 0*90 Pökelkamm... Pfund 0.98 Fr. Bratwurst'""S 1.10 NlerentalgJ�'yCd 1.75 Rinderleber g.fror., Pfd. 1,18 Efj- u. Kochäpfel 3"-f. 0.95 Kalif. Aepfel pfd. 0.38 0.48 Kailforn. Birnen Pfund 0.38 Zitronen outz.nd 0.300.38 Apfelsinen of>d. 0.45 0.60 Möhren gewasdi.n, Pfd. 0.06 Rot-, Weih.£Änn9d 0.08 Sellerie... Pwnd 0.06 0.09 Blumenkohl«»pf». an 0.30 Räucherwaren Bücklinge Pfund von an 0.28 Sprotten"n'O.SOKisidi. 0.36 Flundern Bund 0.28 Pfbn 0.38 Landieberwusst Pfund 0.85 Dampfwurst u. Fieudiw. 0.88 Leberwurst(uHaÄ� 1-10 Käse T». Fett Camembert"säadd.i 0.25 Dän. Schweizer'p!'"d 0.60 Limburger 0.48".Ä' 0.84 Tilsiter vollfeH, Pfd.von an 0.88 Holländer"�'p, und 0.92 Kokosfett 1-Pfund-Tafel. 0.40 Margarine Pfund 0.40 0.52 Tafelbutter Pfund 1.58 1.68 Wurstwaren "Kümmel- u- �"i�'nd 1 Leberwurst Ulnlefwum 1 Speck t!an 0.80 mager 1 Konserven Schnittbohn. ig». 0.35 0 Brechbohn. ig« 0.38 0 Spinaf0.39 Kohlrabi 0. ige. Erbsen 0.54 f»m 0 Gemisdif. Gemüse"fein"0 Karotten 0.42 s»schn. 0 Apfelmus........ 0 Pflaumen-Konfitüre 0 Aprikosen-Konfitüre 1. .25 .40 .10 Dos« .46 .48 .33 .85 .84 .25 60 90 10 Theater, Lichtspiele usw. Dienstag, 3 3 Staats-Oper Unter d. Linden 183. Aa-V 19»/, Uhr Eine NPdit In Venedig Ende 22 Uhr Staats-Oper Am Platz der Rtpablik. V-B. 19»«, Uhr Die Hodizeit des Figaro Oeffentl. Kartenverkauf Ende g. 23 Uhr Dienstag, 3. 3. Stadt, oper Bismarckstr Turnus IV 20 Uhr Tiefland Ende 22<'>Uhr Schauspfi, innenmarkti Staat). (am Genda: 157 A.-V. 20 Uhr Die Weber Enden. TZ'/iUtu W 8lsöbi. lenfr. 2819. Saudien Yoong China, Duncan Collies Lotte Werttmelster. Ira Mlitette und weitere Variefd-Neuheiten erlaubt. I lies. R teile itaati.iciiiller-Tlieoter.fliaritlig 20 Uhr Don Carlos Ende gegen 23 Uhr Tägl 2 ,Vorstj?,.| 5 Uv S».2 Uhr Barbarossa �256 lüdim. SO Pf. bis 3 M.. abends I bis G M. Oollie u. Billie Dance Fables Co. mit Estelle Mattern und weitare Attraktionen. VolhshUtine Theater am Bülowplalz. 8 hr Sesellsdiaft der Mensdienredite So. u Stg. 8 Uhr Hans Albers in Liliom Vorstadtlegende von Franz Molnar 3laatl.SdiillBr-Tli. 8 Uhr Don Carlos Staatsoper Am Pl.d Republik 7»/, Uhr Die Hodizeäl des Figaro Oeotscties iheaier Heute geschlossen! Donnerst, 5. März TLd Uhi Uraufführung Der Hauptmann von Köpcnidi v. Carl Zuckmayer üazta! Hain; Hilpert Kammerspiele K.. Uhr- Pariser Platz 13 von Vicki Baum Regie: Gustaf Gründge» Die Komödie S»� Uhr Die Fee van Franz Uoloar Regia: Stefan Hai. Volksbühne E. V.- S.Tanzmatinee Sonntag, den 8. Mfirz. vorm. UV. ilHr. im THeater cm Bfllovnlatz »Ms»!/««! Solo- und Duotänze Platzkarten zum Preise von 2.—, 3-— und 4— Mark bei Werlheim, Tietz, Bote und Bock sowie an der Kasse des Theaters am Bülowplalz(10-2 Uhr) Barnowsky- Thtater in der stresemannsir. n/4 Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhau» Täglich 8»/« Uhr Eine königliche Familie ncse -Thettier »f Dtz Hen r 8 15 Zum feizten Male fa 1 Tägl. S u. 81» Sonnt.'2. an S" E 4. Alex. R06A Nehm. 50 Pf—1 H, abds. 1-2 M g«"p"i Alwin Neuss Bu-Bar Affendressur, Heros, Kraftjongleur- Akt usw. '"Uhr CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. NMHIIIMIIIIIIIIIIIIJllllllliiliiiimilll II Ulli■■Ulli IllllllllllllUltl Nur noch bis Donnerstag OnBel Killin aus Nenruppfn Komische Oper 8'� Uhr Kleine Preise. Peppina unter perrinlidier Leitung des Komponisten Robert Stolz in der Premierenbesetzung Rose- Theater Gr.FraniiiansrSir.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 8 15 Uhr zum U-tz en Male: Ois sdiöne Helena Rurfilrstendamm- THeaier Bismarck 449 | 8 Uhr| Das schwache GeschiEcht v. Edouard Bourdet legis: Mai Relnbantt Piscator-BQIine (Wallner- Theaierl, A'ex. 4592-93. Täglich SV. Die Frau in Front Ab Fieitag Cyankali > wo speist man put und Ollllg? Nur Gross-Berlin Al«xand«rplatx Freilag, den». Mgrz zum I. Male 0 diese Schuflegeruater Guiscfaein 1— 4 Personen Fauteuii 1.25 M., Sessel 1,75 M. Berliner nihTriO M B U k ö I I O. w I.ahnstr 74/70.1 GROSSES SGHAIbPIELHAUo Tägl. 8 Uhr. im weissen ROSSl. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesttzung billige Preise Reg e: Erik ChareM. JjjW Taglich 6.» � DAS BLAUE MEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFEN BACH THEATER IM ADMIRALSPALAST -!« auch in 1 4� MONATSRATEN Reichshallen-Theater llbends|j_i Sonntag Nadimittig rm Uhr Stettiner Sänger Das neue Programm! Preis-Übbar Hum-PaitirftTSPf. ■ Bittel-ParksttfM. Onbestirsitz anii logri 1.50 H. Nachm. ermäßigte Preise! Volles Programm! Dßnhoff-Breftl: Varlete-Koaz.-Tanz CeDlsdieilli!l3llailii>ilei-lleM Achtung. Betrlehsrätet Sie Setriebsidte■ Zeitschrift Nr. 4 tli erschienen unb kann gegen Vorzeigung bet Legitimatwnslarte bes Setticbsrots-Ob- männes in unseren: Büro, Zimmer 5 tägüch bis 4 Uhr, Frrttags bis 7 Uhr. entgegengenommen werben. _ Die Ortsrerwalhing. PREISE BEDEUTE iv 0 HERABGESETZT SSECEL t Co. STRASSKSS ntetropol-Tiieater Mittwoch, 4 März, 7's Uhr Kaiman- Premiere Das Yeildten v Montmartre Gitta Alpnr. Annl UUrs. Kail ldken. Rldt. Waicemar a. G.. Ergon Bos o als Gast. Lustspieinaus Kurt Götz Täglich 8 Vi Uhr Der Lügner u. die nenne Neues Theater am Zoo— In B2b!ib.Zi)g. Stg 1.655* Hm auth bis 5. Hin I Täglich 88. Uhr Der gr. Lacherfolg! Das oftcntiicne Aergerms Preise I bis 8 M hKlofl-Iliealet »> Operette von Ks Im 4 n Premiere Mittwoch, den 4. Mftrz 8.15 Uhr In den Hauptrollen; Karl GOlllch, Edgar Kanlsch, Kurt MlkutsW, Lonl Pyrmont, Traute Rose. Hans Rose. Erich Wilde PreiMe von 50 Pf. bin M 3 Ab 4. März ellabendlich: f pD 1 e F a» e liingrifee" Das Pain lins! Fi ausnabtneweise nur Donnerstag u. Freitag 5.30 Uhr Gr. Frankfurter Str. 132 D-Babn Strausberger Plate Alexander 3422 und 3494 ätftjsrisrep Vorverkauf! Oeuisches Künsiler-Theai. Barbarossa 3937 8lh Uh' Riller BlanDarts adite Frau Renaissance Iheater Steinplatz 6780 7»Ä Uhr Deutsche Urauffflhrung Dannaus anerlanbl —Pr.O.SObis 13.SU— Theatsrl Westens Täglich S'V Uhi Schün ist die weit Franz Lchdrs Operetien-Erfolg Sonntag, nachni»fc3 billige Preise Sdilin ist die Welt Deolsdier Metallarbeiter-VeriiaDil Verwaltungsstelle Berlin Todesanieigen Den Mitgliedern zur Nachricht baß unser Kollege, b»r Arbeiter Wilhelm Kindsvater geb 8. Marz 1866, am 26. Februar gestorben ist. Die Einäscherung findet am Dien». tag. bem 8. März. 15 Uhr, im Kremo» tortum Baumschulenweg, Kiejholz. straße, statt. Am 1. März starb unser Kollege, ber Schlaffer »lax kaseball geb. 12 Dezember 1877. Die Einäscherung findet Mittwoch. den 4. März. 2» Uhr. im Kiemalo» rium Beriin. Derichtstraße, Halt. Rege Beteiligung wirb rrwartel. unsere Hsckruf Am 24 Februar starb Kollegin, die Arbeiterin Kopbie Rotecki Die Beerdigung hat bereits stall- gestinbeu. Ehre ihrem Andenke»! Die Ortaverwaltung;. KLEINE ANZEIGEN liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitmiiiiiiiiiiuiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiini Uebertchriftswort 25 Pf., Ttifwart 12 Pf. Wiederholungsrabalt: 10maI5 Proz, 20 mal oder 1000 Worte AbschluB 10 Proz. 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuche: Uoberschrlftswort 15 Pf.. Textwurt 10 Pf/ Anzeigen, welche tür die nächste Nummer oestimmt sind, müssen bis 4»/a Uhr nachmittags im Verlag. Lindenstr. 3, oder auch In sämtlichen Vorwärts- Filialen und -Ausgabestel en abgegeben sein l/erHSuie KlsidungssiiicKs. wasciiG usu). Kleines Theai. Wich 2 Tantellmtyn 7 Uhr 1 x ist keinmal 9 Uhr Liebe inroadern Traute Flamme Grete Reinwald Will Kaulmann, Heinz Klubcrtar.z Diensiag, 3. März Vh Uhr: Die schöne Alexandra Losstff. Sdollver. Fat, Tespemam. SUla Verband der Bndibinder und Paniervcrarüeiler Deufsdiiands Ortsverwaltung Berlin Todesanzeiqe Dm Milgiiebem znr Nachricht, daß unser Kollege, der Buchbinder Georg Vogt wohnhaft Kon busser Damm 7, ge- starben ist. Die Beerdigung nnket am Mittwoch: bem 4. März, nachmittags 3>? Uhr. aus bem Reuen Thomassriedhos. Neulälln, hermannstiaße, statt Ehre seinem Andenken! Um rege B-Ieiiigung ersticht Die OHsverwaltiing. Benin ariraaene Kavaiieegarderob» von Millionären. Aerzten. Anwätten. Fabelhafi billige Preise. Empfehle TaillenmänIel.Pale» tots. Fracks. Smo- kings. Eehrackan. zllae. Kaien. Sport-, Gehpelze. Gelegen. heiiskäuf» in neuer Garberobe. Weite. ster.Wea lohnend. Loiheinaerstraße 5«. i Treppe. Rosen. ihalee Plad BrandZiiicitz- veriiSafz msüfi Nebenbeenl»- ficblcrftellen (Planung). In Reichweii« Berliner Pororischnelluerkehr sieine 66 Minuten vom?.ei>rrum). 566 Onabralmetor Land s siarleSumusschichi) Kons mit Klein- tierstall. Erforber- lich 1666 bis 3666 M. 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Januar>931 unter Mitwirkung des Senalsprästdenten De. von Hagens a» Borsthenden, des Geh. Odetftnanztots Dr. Springer, des GefchästssLhrers Dr. Miffelmann, als Beisther, im Wege schriftlicher Entscheidung unter dem 26 Februar 1931 aus die Anrufung des früheren Slraßendahnongestellten Aidert Sommer in Ber.in-Neutsiln, Hcrßdergstr. 19, pertreten durch den Rechtsanwalt Paul Ernst Fraenkrl in Beriin E 2d, Dtrckscnstr. 4>, dahin en>sch:edcn: 1. die Hähe des Aufweriungs'aße« flle die den Angeilellten der ehemaligen Ruhe- gehaiistasse der Großen Berliner Straßendahn zurückzuerstattenden Be- träge wird auf 56 Proz lestgesetzt 2. Die Kosten des Perfahrens, soweit nicht Uder ste durch das Urleil de- W Reichswirtichaitsgerichis oom stiihle. komplett nur�nnlerricht, Kirkel. 696 M, Mäbelhaus Preisahban: 10"in. Osten, Andreas- Technische ?oajiv!?fi<'c®cn(Ptirotschule Dr. Markihall' Rnstermödel. Ausstellung Kgmer. ling, Kastanien- aller 56. 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Nach dem Inkrafttreten des deutschen Zlnleiheeblösuugsgcjehes i die Stadtverwaltung Dresden durch Eioreichung ge- äschter Altbesih- Nachweisungen bei der Aufwertung nicht unerheblich geschädigt worden, und zwar nach den vorläusigcn Feststellungen um etwa Z8 000 Mark. Insgesamt sind von den hauplbeteiiigten in etwa loa Fallen deutsche Stadt- und Provinz. Verwaltungen um insgesamt etwa 500 000 Mark geschädigt worden. Da die Spuren von Dresden noch Holland wiesen, wur- den Kriminalbeamte dorthin entsandt, die feststellen konnten, daß die Einreicher der Stücke zu einem Konsortium gehörten, dos unter er Führung eines in Amsterdam ansässigen Effektenmaklers stand. dieser hatte durch Vermittlung in Berlin wohnender Personen �roße Posten deutscher Sotdt- und Provinz iatanleihen— außer von Dresden und Leipzig auch von Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Rünster, Stuttgart und andere— aufkaufen und durch Mittels- -ersonen noch Holland bringen lassen. Dort wurden die Stücke als lltbcsitz, der bekanntlich höher aufgewertet wurde, asiert. Es wurden Nummernoerzeichnisf« und Erklärungen ange- ertigt. wonach die Papiere angeblich seit dem in Frag« kommenden Stichtag jm Besitze der Einreicher gewesen waren. Die Verzeichnisse wurden notariell beglaubigt. Alz Eigentümer'der Stück« fungierten di« Helfershelser des Maklers, ineist ältere Leute, die für ihr« Be- 'öiligkeii eine kleine Entschädigung erhielten. Unter irgendwelchen Vorwänden wurden die Papiere dann den verschiedenen deutschen Stadtverwallungen nachträglich zur Auswertung eingereicht. Hier- bei wurden abermals falsche Erklärungen, mitunter sogar eidesstattlich, abgegeben. U. a. hatte der Makler durch ein« Amsterdamer Druckerei sich ärztliche Attests ormulare drucken lassen, die von seinen Helfershelfern entsprechend ausgefüllt wurden, wonach der Einreicher schwer krank gewesen sei und deshalb feine Interessen nicht rechtzeitig habe wahrnehmen könne». Die Formu- lore wurden mit gefälschten Unterschriften den Stadtverwallungen vorgelegt. In einem Falle hatten die Betrüger einem Provinzial- verband einen Posten von 3 500 000 Papier mark Anleihe unter dem Borwand eingereicht, der Eigentümer sei in Indien gewesen und habe die Anmeldung der Papiere nicht recht- zeitig bewirken kömien. Fiel die Entscheidung der Sladwerwaltung ungünstig aus, so gingen die Betrüger sogar soweit, Beschwerde bei den zuständigen Spruchstellen«inzureichen. Soweit bis jetzt ermittelt werden konnte, hat der Hauptbeteiligte in etwa 100 Fällen deutsche Stadt- und Pro- oinzialverwaltungen betrogen und schätzungsweise einen Reingewinn von über einer halben Million Mark«rziell. Er hat kürzlich ohne Erfolg einen Selbstmord- versuch unternommen. Cr kommt sogar für weitere ähnliche Betrügereien gegenüber anderen ausländischen Staaten— China, Mexiko, Serbien, Rumänien— in Frage. Seiner Liebe unwert. Revolverüberfall eines verliebten Lungen. „Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu, und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei.'... Der neunzehnjährig« Volontär an einer Gußeisensabrik, Erich B.. Sohn eines Fabrikdirektor», lernte im Sommer 1028 die gleichaltrige Lotte B. kennen.„Er war wie«in großes Kind', sagte Lotte jetzt vor Gericht. Sie aber war ein ferttge» Weib. Eben erst hatte sie ihre Verlobung mit einem Schweden gelöst, nachdem sie Ihn mit einem anderen Schweden hintergangen und von diesem eine Teschlechtstrankhett er- halten hatte. Mit dieser Krankheit beschenkt« sie auch ihren neuen Freund. Es war aber seine erste große Liebe und die Krankheit tat dieser Lieb« keinen Abbruch. Er ließ sich und sie behandeln. Die Eitern des jungen Mädchens, Besitzer einer Fleischerei, später einer Bäckerei, waren gegen die neue Liebschaft ihrer Tochter: Der junge Keusch schien ihnen zu uph«deutend. Nach einem heftigen Streit .nit dem Vater, im Mal�lktLS.Log Lotte von ihren Eltern fort»nd mietet» sich ein.Zimmer. Von nun. an sorgte Grich' V. voll.itnd ganz für ihren Unterhalt. Sein Vater sucht« die Eltern des jungen Mädchen» aus: die ließen aber mit sich nicht sprechen. Lotte ver> kehrte setzt täglich im chause ihrer zukünftigen Schwiegereltern. Die jungen Leute hatten beretts Verlobungsringe ausgetauscht. Der Liebeshimmel blieb nicht unbewölkt. B. verfolgte sein« Braut mit unbegründeter Eifersucht. Er kannte ihren ersten Roman und die Quell« ihrer Krankheit, mit der sie auch ihn infiziert hatte. Er spürte ihre Ueberlegenhett als Weib, und fühlt« sich als Mann nicht sicher. Sie hatte ihre Launen. Es kam des öfteren zu Streitig- leiten, und wenn sie ihn ganz besonder» reizt«, auch zu Züchtigungen. Mit der Zell merkte sie, daß er ihr als Mann nicht genüge. So sagte sie zum Beispiel zu ihrer Wirtin:„Eines Tages packe ich meine Sachen und türme. Er tut sich dann noch etwas an!' Am 31. August v. I. kehrte sie tatsächlich zu ihren EUern zurück unter Hinterlassung ihre» Verlobungsringes. Von nun an lebt« sie mit ihrer Mutter in einem möblierten Zimmer und arbeitete beim Vater, der unterdes, in Friedenau eine Gastwirtschast erworben hatte. Zwischen den jungen Leuten fand jedoch eines Tages wieder ein« Ver- söhnung statt. Die Eltern durften aber nichts davon wissen. Obgleich wieder Braut, nahm Lotte ihre Verlobung von nun an überhaupt nicht mehr ernst. Sie lieh sich auch mll anderen'Männern ein. spielte in der Gastwirtschaft des Vaters die Animierdame, ignorierte die Verabredungen mit ihrem Verlobten. Dieser verging vor Eijersucht, wachte Nächte hindurch auf der Straße in der Nähe ihrer Wohnung, ging wie ein Schatten umher. Am 27. Oktober beschloß er, endgüttig Älaxhell zu schassen.. Mll der Piskvls seine» Vater» lu der Tasche lauerte er selucr... ' Kraut auf dem Flur des Hauses� in dem i sie«Johnfc. traf, und stellte sie zur Rede. Sie wollte nichts hören. Im nächsten AugenblickfieleinSchuß. Der Schütze slüchtete und erzählle einige Stunden später seinem Bekannten im Moka Esti, daß er seine Braut erschossen habe. Auf Veranlassung dieses Bekannten stellte sich V. der Polizei. Sein« Braut hatte einen gesöhrlichen Bauchschuß erhalten, blieb ober am Leben. In der Gerichtsverhandlung schien das Opfer des Angeklagten als Zeugin sehr versöhnlich gestimmt. Sie nahm einen großen Teil der Schuld an den Streitigkeiten auf sich und war der Ansicht, daß A. sie nicht habe töten, sondern nur erschrecken wollte. Der Eindruck, den man von den beiden jungen Leuten erhielt, war der, daß sie tatsächlich nicht zueinander paßten: sie will nun nichts mehr vo» ihm wissen: er liebt sie nach wie vor. Der Sachverständige schilderte den Angeklagten als unfertigen Menschen, der sowohl aus Grund seiner Charokteranlage als auch durch die ganzen Umstände zu seiner Affekthandlung kommen konnte. Das Landgericht II verurteilte den Angeklagten wegen geföhr licher Körperverletzung und unbefugten Waffenbesitzes zu 11 Monaten Gefängnis. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet, der Haftbefehl aufgehoben. Mieten drosseln den Preisabbau. ?iOM. fordert von der Reichsregierung Metsenwngsgeseh. In einer Sitzung des Gesamtvorftandes des Reichsbundes Deut- scher Mieter wurde eine Entschließung gefaßt, deren Wortlaut wir ungekürzt verössentlichen: Der am 1. März 1931 in Berlin versammelte G e j a m t v o r- stand des Reichsbundcs Deutscher Mieter e. �Z. stellt mit lebhaftestem Bedauern fest, daß nicht nur die erschreckend große Zahl der Erwerbslosen, sondern auch die überaus groß« Zahl der Kurzarbeiter und w«it darüber hinaus auch die durch den Gehali?- und Lohnabbau betroffenen Beamten und noch vollbeschäftigt;;» Angestellten und Arbeiter in immer größere Bedrängnis hinflchttich der Aufbringung ihrer Mietzahlungen geraten, weil die Mieten durch behördliche Maßnahmen weit über das Notwendige hinaus gesteigert worden sind Das trifft sowohl iür die Neu- Wohnungen, als mich für die A l t w o h n u n g e n zu. Soweit die Mieden seitens der unbemittelten Volksschicht?;! überhaupt noch erschwinglich sind, ist dies nur auf Kosten der zur Erhaltung der Ar- bellskrcrft unbedingt notwendigen Ernährung der Fall. Der Gesamt- vorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter fordert deshalb die sofortige Verabschiedung eines Nlieksenkungsgesehes, durch welches Ae überhöhten Mieten wieder auf den Aorlricgsstoiid zurückgeführt werden. Das ist um so dringender nötig, als der Sturz der Welt- Marktpreis« mit aller Deuttichkeit gezeigt hat, daß unser Preisniveau infolge irrtümlicher Auffassungen über den Stand unserer G?ld- cntwertung stark überhöht worden ist. Die Senkung der Mieten muß Rch auch aus die Mieten für Gewerberäume erstrecken. weil die immlltelbare Gefahr besteht, daß die vom Einzelhandel hier und dort— wenn auch nur w bescheidenem Maße— begonnenen Preissenkungen wieder rückgängig gemacht werden, wenn nicht ein: fühlbare Senkung der Geschäftsunkosten durch eine Senkung der Mieten erfolgt. Der Teil der Hauszins- st euer, der nicht für die Zwecke des Wohnungsbaues verwendet wird, muß in vollem Umfange zur Senkung der Mieten be- nutzt werden, der zur Zeit infolg« unzulänglicher Veranlagung-- Methoden zwar vom Mieter in den Vermieter gezahlt, vom Vermieter jedoch nicht an den Staat abgesührt wird. Der für die öffentlichen Haushalle entstehende Aussall muß durch eine stärkere steuerliä?? Belastung der großen Einkommen und der größeren Vermögen aus- gebracht werden. Der Gesamtoorstond richtet an die R e i ch s r e g i e r u n g, die einen fühlbaren Preisabbau zwar angekündigt, aber bisher nicht durchgeführt.hat, sowie an die politisch«! Parteien das dringende Ersuchen, die unbedingt notwendig« Wietsentimg im Interesse der Gesundung unserer Wirtschast und im Interesse der sozialen Gereift- tigkcit beschleunigt herbeizuführen. Einem Kämpfer des Fn'eöens. vi« Liga für Menschenrechte hatte ihr« Mitglieder und Freund« zu einer Gedenkseiexsürden Begründer der Liga, Kurt von Tepper-Laski. geladen. Vor dem überfüllten Auditorium im ehemaligen Herrenhaus sprach Graf Area von dem Mechchen und schilderte, wie Tepper-Laski, der den Krieg 1870 als Fähnrich mit- «-.-macht hatte, durch diesen Krieg zum Kämpfer des Friedens wurde. Es sei ihm wie allen Propheten ergangen, daß Aber Papendiecks Hand sinkt. Fingert ratlos die Westen- knöpfe au� und nieder. In seinen Mund drängt sich eine hilflose Entgegnung, die stöhnende Entgegnung eines Mannes, dem man das reinste Wollen befleckte: „Aber Lene— es ist doch alles bloß für dich.. Da sie schweigt, holt er den Roman aus der Abwasch- schüsiel und läßt ihn abtropfen. Nun darf, nun kann sie nicht weiterzetern. Nun darf sie höchstens noch überreden: „Vater, es hat doch keinen Zweck. Du kommst doch nicht durch hier. Es ist doch viel einfacher, wenn ich meine alte Stellung im Büro wieder annehme. Ich nehme dich mit nach Berlin. Komm. Gib es auf." „Lene", bringt er mühsam heraus,„du darfst so was nicht sagen. Du sagst das bloß, weil du nichts von der Landwirt- schaft verstehst, und von der Sporgelwirtschast besonders nichts. Die Spargelwirtschaft, siehst du, die ist so: zuerst ist sie bitter schwer; und nachher ist sie kinderleicht. Das bitter Schwere, die ersten Jahre: das soll für mich sein. Das Kinder- leichte— das sollst du dann haben. Verstehst du denn das nicht?" Nun könnte sie antworten, daß sie es gar nicht linder- leicht haben will. Daß sie arbeiten will, um leben zu können: leben aber, wie es ihr paßt. So. wie es Taufende von gleichgearteten Mädchen tun in Berlin. Daß dies Glück, das er sich da für sie ausgedacht hat, ein Glück für Landpomeranzen ist: nicht aber für das moderne Mädchen Lene Papendieck. Könnte man antworten, ja— wenn das verfluchte Mit- leid nicht wäre: die verfluchte Liebe zu dem allen Mann da. der gar nicht mehr schreiender Prolet ist. der ein armer, un- glückseliger Don Ouichote der Landwirtschaft ist. dem man helfen, den man streicheln muß über sein widerborstiges Haar. Das tut sie dann auch.„Doch, ich verstehe schon. Väter- chen. Manchmal übertommts einen bloß so... Also wie ist das mit den Käfern?" Am frühen Nachmittag erscherni Papendieck bei Korns und rückt mit dem Vorschlag heraus, den Andreas nicht zu machen wagte: ob man die Spritze nicht zusammen kaufen könnte— sie geineinsam benützen und gemeinsam bezahlen? Das sagt Papendieck! Papendieck!! Er-fühlt selbst,� daß dies merkwürdig ist und Schadenfreude wecken kann'und irgendwie ein düsteres Symptom darstellt... Aber er denkt wieder an das beklommene Hocken auf den Plüschsofas der wohlhabenden Verwandten, jetzt in Berlin: an das Drucksen !md Nichtherausbringen der Bitte: leiht mir Geld; an die in falschen Wehtönen hinausgejammerten Ablehnungen: an den kläglichen Rest, der noch auf der Bank liegt. Es heißt also sparen: es geht fortan darum, wie man lebt, nicht mehr darum, was man vorstellt. Korns rinden sich schnell zu ihm auf dieser neuen gemein- sanien Basis der Armut. Dreißig, fünfunddreißig Mark hat man noch zu Hause. Man wollte eigentlich leben davon bis— ja, bis auf lange: weiß der Teufel, wovon man nun leben soll: aber auf den Aeckern fressen die Käfer die grüne Zukunft auf... nein, dies ist das Wichtigste! Papendieck hat bereits mit Maschke gesprochen. Maschke wird sich auch beteiligen. Er will sogar die Spritze mll dem Motorrad aus Berlin holen. Will die Nacht hindurch zurück- fahren: damit Ist ein ganzer Tag gewonnen. Sie gehen zu ihm hinüber. Er hat sich schon fertig ge- macht; schiebt gerade sein Motorrad aus dem Schuppen. Es richtet die beiden Alten unwillkürlich etwas auf, die Maschine zu sehen, die Maschine des Jüngeren. Sie sind Schicksals- geführten geworden, sie haben ein Bündnis geschlossen, sie be- ginnen einen Kampf, einen großen Kampf. Wie viele Bundesgenossen haben sie doch mit einem Male! Da ist das Benzin, das Maschke jetzt in den Behälter gießt: sie atmen den scharfen Geruch ein: es ist ihnen, als wäre schon der das Gift, das die Käfer töten wird. Da ist der Anlasser, auf den Maschkes Fuß nun tritt, da ist die Zündkerze, durch die jetzt der Funke in den Zylinder jagt, das Benzin trifft und knallend entzündet, da ist der Kolben, die Zdirbelwelle, das Rad... es rollt... da ist Maschkes Schutzbrille, daß ihm kein Sand die Augen verklebe, daß er den Weg sehe, den Rettungsweg. Sie blicken ihm lange nach: erlauschen gierig den Zwei- takt des Motors, indes wenige Meter neben ihnen die Zinn- oberroten stumm sich paaren, die Zahl sich breit macht. Wer wird Sieger sein: Zahl oder Tempo? Zeugung oder Explosion? Insekt oder Maschine? Same oder Gas... Viele tausend Käfer erzeugt die Stunde. Diele tausend Tropfen Benzin glucksen im Behälter. Werden von Kolben in Kammern gesaugt, werden eins mit Lust, werden Gas... werden, im Druck des rückrasenden Kolbens. Feuer, Knall, Kraft, werden Explosion, werfen die Kurbelwelle an, das Rad herum, werden Zentimeter zurückgelegten Weges... In zwei Zylinderkammern werden Tropfen zu Explosionen, viele Mole sekundlich: über vielen Tausenden von Explosionen sitzt der Mensch Maschke, rast hin über Millionen von Zentimetern, das ist: über Millionen von Käfern... Sand prasselt feindselig gegen das Glas seiner Brille, Stöße führen die Explosiv- neu gegen das Gleichgewicht seines Körpers, daß er liebt in ewigein Geschütteltwerden, Wind will ihm den Atem ab- pressen— und es liest der Mensch Maschke, lachend im Lärmen .ringsum, dem zitternden Zeiger ab: vü Kilometer. Daheim aber, im Stubbenland— daheim trommeln die Vorderbeine der Zinnoberroten leise und eindringlich aus den Kopsschild des Weibchens, breiten die Taster unten sich wall- lüstig auseinander, machen hundert Samenkörnchen den schmalen Leib trächtig mit hundert Eiern. Larven, Käfern... Daheim sitzen Papendieck und Lene, Korn und Luise am Rand ihres Feldes, am Rand ihres Verderbens, und rechnen aus Maschke, alle auf Maschke, auf die Zuverlässigkeit seiner Maschine und seines Herzens... Man sollte meinen, so eine vom Leben persönlich er- fundene Maschine, so ein Herz... das müßte ollen Regel- maßes, aller Exaktheit, aller Verläßlichkeit Krönung fein. Aber ob nun das Leben nicht fürs Exakte ist. oder ob im Exakten kein Leben drin steckt... jedenfalls geht das Maschken zum Beispiel mit seinem Herzen so: Wenn man abgestiegen ist in seiner alten Chausfeurkneipe, um das Rad unterzustellen: wenn man dann mit alten Be- kannten ein Gläschen trinkt, und die alten Bekannten sind respektvoll und beneiden einen um das Leben auf dem Lande und um den eigenen Besitz: wenn dann die eigene Usber- zeugung und die eigene Nase und der eigene Mund zustimmen und etwa so denken, riechen und sprecheu:„Jawoll, es is eine herrliche Luft da draußen, nich so schwer und laut und voll Bazilljen wie hier--" dann hat das Maschkcschs Herz seine Ueberzeuaung und seine Rase und seine Sprache für sich und meldet sich anders zu Worte oder vielmehr zu Gefühl, so etwa: Ach. du herrlicher Geruch nach abgestanaenem Bier und kalk- gewordenem Tabak, du herrlicher Straßenlärm von draußen, du ganze, alte, vertraute Kneipenheimat du... laß mich hierbleiben. Laß mich hierbleiben. Laß mich noch eins trinken. Gar nicht wieder raus hier. Nie wieder raus... (Fortsetzung folgt.) Was Bei Ergebnisse und Aussichten d< Zm Rahmen der Ausstellung der G e h a g im Archilekleu- Haus in der Wilhclmstrafje hielt Stadtrat(Scnojfc Iran; Czeminski einen Vortrag über„Ergebnisse und Aussichten des Berliner Wohnungsbaues". Es sei, so führte er aus, trotz größter Schwierigkeiten viel ge- leistet worden. Groß-Beriin habe in der Jnflotjonszeit 32 000 Wohnungen neu bereitgestellt und von 192-! bis 1930 mit öffentlichen Mitteln 133 000 Wohnungen geschaffen. Diese Wohnungszahl reiche zur Aufnahme der Einwohner einer Stadt wie Essen. Der Flachbau sei leider gegenüber dem Hochbau zurückgegangen. Die Groß- siedlungcn mit ihren Gemcinschaftsanlagen hätten dem Städtebild ein ganz neues Gepräge gegeben. Die Stadt habe über die ihr gesetzlich zustehenden Beträge zusätzliche Mittel zur Bersügung gestellt. Berlin habe sehr erhebliche Aufwendungen gemacht. 133 Millionen Mark seien für Bcrbilligung niobilisiert worden. 1� Millionen Mark habe man für zinsfreie Wohnungen für Kriegsblinde angewandt. Der Vorwurf, Berlin habe am Bedarf vorbeigebaut, sei falsch. Ernst zu nehmende Zeitungen Hütten von 30 000 oder 12 000 leerstehenden Neubauwohnungen gesprochen. Tatsächlich betrage die Zahl 1444. Gegen die Wohnungsnot habe man wirksam ge- kämpft, das Wohnungselend in den Altwohnungen aber leider nicht beseitigen können. In den Baukosten stehe Berlin nicht an er st er, sondern an zwölfter Stelle. Sein Bau- gcwerbe und seine Bauarbeiter seien qualifiziert. Viel ärger sei die Höbe des Zinses. Di« Verkürzung der Mittel aus Hauszinssteuern treffe Berlin schwer. Das Programm der Reichsregierung rühre zu einer Drosselung der Bauwirtschaft und ließe schwere Schäden be- fürchten. Die Aussichten für den Baumarkt seien für 1931 uner- freulich und trübe Die Situation sei ernst, nur durch Kreditaufnahme könnten die Schwierigkeiten behoben werden. Das Wichtigste fei, daß aus dem Ausglcichfonds Mittel zur Verfügung gestellt würden, sanft könne man die Lage nicht ernst genug beurteilen. Das neue Berlin! Aus dem Briefe eines ,.Vorwärts"-Lesers, der lange Zeit in Groß-Berlin gelebt hat, feit geraumer Zeit in einer unserer Wochen- endstationen residiert, sei folgendes zitiert: „Wannfee-Zehlendorf-Dahlem. Was ist das für eine Stadt geworden! Und was könnte noch alles geschehen, wenn Geld dazu da wäre, um wenigstens einen Teil der armen Arbeitslosen mit Verbesserungen des Gesamtblldes zu beschäftigen. Die 3000 deut- (in baute. - Berliner Wohnungsbaues. fchen Millwiiäre müßten zu einer Reichsresidenzsteuer herangezogen werden." Sehen wir von letzterem Gedanken ab, der bei dem bekannte» opferwilligen Charakter unserer Millionäre wohl keine Aussicht auf Durchführung hat, so liegt doch in den an- geführten Zeilen der beste Beweis für die fabelhafte Wirkung, welch« das moderne Berlin auf ein von der Kultur nicht ganz unbeeinflußtes Auge ausübt. Was schon verschiedentlich ausgesprochen, muß immer wiederholt werden: es ist eine Unterlassungssünde ersten Ranges, wenn Berlin nicht Gelegenheit nimmt, der übrigen Welt sein neues Gesicht zu zeigen. Man braucht nur zu denken, was in allen äußeren Teilen der Stadt an neuen Kulturwerten ge- schaffen wurde, um überzeugt zu sein, daß zum Beispiel eine b i l d- liche Vorführung durch Film alle Derkleinerer Berlins zum Verstummen bringen muß. Daß ein solcher Film auch für die Herbeiziehung der Fremden eine große Wirkung haben würde, steht wohl außer Zweifel. Es wäre eine Tat, wenn Berlin in diesem Sommer, der die B a u a u s ft e l l u n g sieht, ein bleibendes Zeugnis feiner bisherigen Entwicklung ablegen würde. 2000 Lilien am(Zngelbecken. Ein neuer Sportplatz in Hohenschönhausen. In Hohenschönhausen witch durch das Bezirksamt Mitte ein neuer 10 Hektar großer Sportplatz errichtet, der als Trainingsplatz gedacht ist und auch den Sportvereinen zur Verfügung gestellt werden wird. Die Arbeiten, mit denen bereits begonnen worden ist, werden mitHilfe vonWohlsahrtsarbeitern vorgenommen. Ferner lasten die Bezirke Mitte und Kreuzberg die gärtnerischen Anlagen im ehemaligen Luisen st ädtischea Kanal jetzt ebenfalls mit Hilfe von Wohlfahrtsarbeitern fertig- stellen. 2000 japanische Lilien unisäumen das Engelbecken und werden in diesem Sommer blühen. Das Kernstück der gesamten Anlage, dab große Becken selbst, dürfte jedoch in seinem jetzigen unfertigen Zustand noch verbleiben, da die Mittel zu einer neuen Betonierung und zur Beschaffung der Pflanzen noch nicht bereit» gestellt sind. Mit der Umgestaltung des Mariannenplatzes im Südosten Berlins wird dieser Tage begonnen. Das in der Mitte des Platzes stehende Denkmal des berühmten Mediziners Wilms soll in den Garten des gegenüberliegenden Bethanienkrankenhauses ver- legt werden. Auch die Verlegung des Feuerwehrdenkmals wird erwogen, da es die Aussicht auf die Anlagen wesentlich be- einträchtigt. er von der Notion verkannt war. Das Ideal der Menschlichkeit beherrschte dauernd sein ganzes Leben. Es trieb ihn besonders während des Krieges, trotz aller persönlichen Hemmnisse und Gefahren für den Frieden zu kämpfen, und diese Aufgabe erfüllte ihn ganz und gar. Daruni gründete er mit Gleichgesinnten den Bund Neues Vaterland, der Kriegsliga für Menschenrechte Seme Bemühungen, während des Kneges bereits 1913 den Frieden zu erstreben, waren leider erfolglos. Wärmstes Mitempfinden für alles Lebende und alles Leiden machte ihn zum außergewöhnlich erfolg- reichen Tierfreund. Otto L e h m a n n- R u ß b ü l d t schilderte die Bennihungen Tcpper-Laskis 1915 bei der Begegnung mit englischen Friedensfreunden im Haag und die Anbahnung eines Verftändigunzs- friedens.— T i l l a D u r i« u x rezitierte Verse Heinrich Heines. des Lieblingsdichters des Verstorbenen. Das Brunier-Onartctt um- rahmte die schlichte Feier mit Mendelsohnschcr und Mozartscher Musik. Spielklub im Gen'chissaal. Zwei große Spielerprozcsse in Moabii. ZNoabit steh! heute im Zeichen zweier großer Spielerprozesse, wie sie in früheren Jahren sehr häusig verhandelt morden. 3m großen Schwurgerichlejaal pruste heule die Sonderableilung des Schösfengerichls Berlin-ZIiilte unter Vorsitz von Landgcrichtsdireklor Dr. Ricard die Frage, ob E c a r t ä als Glücksspiel zu bewerten und zu verbieten sei. Zur Verhandlung hatten sich ungeheure Wosseu von Spielern eingesunden, die den Zuhörerraum im szandumdrehen bis aus den letzten Platz sülllen. Von der heutigen Verhandlung wird es abhängen, ob die bis- hcrige Praxis der Polizei, sämtliche Ecarteklubs zu verbieten, aufrechterhalten werden kann. Angeklagt find in dem einen Prozeß der Kaufmann Kurt B o r ch a r d t als Spieluntsrnehmer der„Ge- felligen Vereinigung am Zoo" in den Räumen Kantftraße 8, und in dein zweiten Prozeß Freiherr Schenk v. S ch m i t t b u r g als Spielunternehmer und der liouftnami Erich Bernstein als Spiel- lelter der„Gefelligen Bereinigung 5lurfürstc»dainni 1930" in den Räumen Kursürstenstraße 12. Der Angeklagte v. Schmittburg wird auch noch beschuldigt, das Glücksspiel gewerbsmäßig geduldet zu haben. Die Polizei hatte inr September vorigen Jahres beide Spiel- klubs aufgehoben und die Spidgeräte und Spielgelder beschlagnahmt. Das Spiel wird mit 32 Karten gespielt. Jeder Spieler muß sehen, mit den fünf Karten, die er erhält, mindestens drei Stiche zu machen, um zu gewimien. Im Laufe der Verhandlung wurde die Frage aufgeworfen, ob beim Ecartä bluffen möglich fei. Der Angeklagte Borchardt be- stritt das, weil die Polizeibeamten dauernd das Spiel kontrolliert und sich auch an den Beratungen der Spieler beteiligt hätten. Sehr drastisch schilderte er, wie der Klub ausgehoben worden fei. Man sei gerade bei der Beratung gewesen, an der auch Beamte teil- nahmen, als plötzlich sieben bis acht Kriminalbeamte eingedrungen wären und unter dem Ruf:„Hände hoch" Spielgelder und Spiel- gerate beschlagnahmt hätten. Um die Frage des Bluffcns zu klären, wurde dann am Gerichtstisch ein Ecartöspiel gemacht. Der Vor- sitzende, Landgerichtsdirektor Macard, und die Richter und Schöffen auf der einen Seite und der Angeklagte Borchardt und die Rechts- anwälte Dr. Julius Meyer l und Dr. Arthur Feld sowie die übrigen Angeklagten auf der anderen Seite machten die einzelnen Stichs. Es entstand dadurch ein großes Hin und Her, so doß sich schließlich aar nicht entscheiden lieg, wer überhaupt gewonnen habe. Auf die Vernehmung von Sachoerständigen wurde verzichtet, du der Vorsitzende der Meinung war, daß er, der Staatsanwalt und die Vcttejdiger, die schon an so vielen Spiderprozeffei; mitgewirkt hätteu, selbst fächverständig genug seien. i- LLeberfatt auf Ldea!-Baugenoffensichast. Durch die GeisteSgegenwarl eines Angestellten vereitelt. Ein dreister Uebersall wurde gegen 20 Vi Uhr aus die Büro- räume der Ideal- Baugenossenschaft in der Hanne- mannstraße 38 in Britz verübt. Drei Maskierte, die in einem Aulo vorgcsabren waren, drangen in die Räume und hielten das versonal mit schußbereiten Waffen in Schach. Dann verlanglcn sie die rzerausgabe des Sasjenbeslandes. 3n diesem Augenblick wollte ein Angestelltcr, der in einem Bebenzimmer weilie, den Raum be- Irden. Der Mann übersah sofort die Situalion. lief hinaus und alarmierte telcphonifch das Acbcrfallkommando. Als die Banditen dadurch ihre Festnahme befürchten muhten, flüchteten sie und fuhren in rasender Fahrt davon. „Hände hoch" in der �orckstraße. Ein dreister Raubübersall, der nur dank der Geistesgegenwart der Betroffenen mißglückte, wurde am Montagnachmittag gegen 4 Uhr in der N o r ck st x a ß e verübt. Das Haus Nr. 33 gehört einem Kaufmann in Warschau und wird venvaltet von dem Kaufmann O. R o s e it b e r g. Der Pfortner des Haufes in der Porck- stwße, der Pensionär A n t o n i k, hatte bereits die Mieten kassiert. Am Montagnachmittag kam Rosenberg wie immer, um das Geld in Empfang zu nehnien. In der Pförtnerwohnung waren außer ihn» Frau Antonik und ihr Sohn anwesend. Während man das Geld »och überzählte, wurde plötzlich die Tür aufgerissen. Zwei junge Burschen betraten das Ziminer und schrien die Anwesenden an:„Hände hoch!" Trotz des großen Schreckens ließen sich die Leute aber nicht einschüchtern, sondern riefen laut um H i l s e. Der Kaufmonn Rosenberg ergriff den ersten besten Gegen- iiond und warf ihn durch die Scheiben des zum Hofe führenden Fensters. Die Räuber, die befürchten»lochten, daß durch den Lärm Hausbewohner angelockt werden würden, stürmten aus der Tür hin- aus, ohne einen Piennig erbautet zu haben, und entkamen. Bade mit Lust schon im April! Freibad Müggelsee öffnet bereits am 1 April. Bereits am 1. April wird das Sirandbad Müggelsee seine Pforten öffnen, um seinen Besuchern Gelegenheit zu geben, schon zu diesem frühen Termin Luft- und Sonnenbäder zu nehmen. Zur Zeit wird mit Hochdruck an der weiteren Ausgestaltung des Bades gearbeitet. Die Forstverwaltung hat dem Bad ein 130 Meter langes und 75 Meter breites Freigelände zur Verfügung gestellt, auf dem zwei groß'd Tennisplätze und ein Kinder- s p i e l p l a tz mit Karussell errichtet werden. Ferner werden neue gärtnerische Anpflanzungen vorgenommen und überall Bänke zum Ausruhen amgeftellt. Die übrigen städtischen Bäder, wie Grünau, Wcndcnschloß, Seebad F r i e d r i ch s h o g e n usw., werden laut MagistratsMtWuß erst ani I. I» n i eröffnet werde'?. heute Ruadsuntvorttog:„Pressereseceril und Journalist." Aar dem Berliner Sender unterhatten sich heute um 18,35 Uhr der Pressechef der Berliner Polizei Dr. H a u b a ch und M. M. G ehrke. über das Thema„Pressereferent und Journalist". Zwischen zwei Männern. Liebhader sticht den Ehemann nieder. Ein blutiger Eisersuchtsstreil spielte sich gestern im Hause Zorndorfer Straße 57 ab. Der 26jährige Arbetter Kurt M. aus der Gubener Straße 5 hatte vor etwa zwei Jahren geheiratet, die Ehe war aber nicht glück- lich, und die Scheidungsklage wurde kürzlich eingeleitet. Der Mann versuchte mehrfach eine Aussöhnung herbeizuführen, er hatte damit jedoch keinen Erfolg. Gestern suchte Frau M. ibrq in der Zorn- darjer Straße wohnende Mutter auf. In der Wohnung befand sich noch ein 27sähnger Bruno R., mit dem die junge Frau eng befreundet war. Zlls es kurz« Zeit darauf klopft« und die junge Frau Mit dem Ruf nach Frieden endet das Hörspiel„D i e Totenfeier" des bayerischen Dichters Leo Weismantel. Warum Krieg? Warum Zerstörung? Warum nicht aufbauende Arbeit an der menschlichen Gefellschaft? So das Leitinotio der Dichtung, die a?n Sonntagabend im Berliner Sender die Urauf- führnng erlebte. Nach eiitem matten, sehr im Deklamatorischen ver- hafteten Anfang steigert sich das Werk zu starker ttnd erschütternder Wirkung. Im Verlauf des Spiels gewinn! die Sprache an Aus- druckskrast und Bildhaftigkeit. Der sakrale, wuchtige Rhythmus wird dem». Ende zu geschmeidiger und vibrierender. Die Mütter klagen an. Die Toten, die im Wellkrieg fielen, sprechen, verteidigen sich. Wofür starben sie? Diese Frag« wird nicht beantwortet, obgleich sich zwei scharf entgegengesetzte Anschauungen gegenüberstehen, und so löst Weisniantel das Problem mit dein Ruf nach Befriedung der Welt. Eine gradlinige, groß entworfene Komposition mit stilisiertem, über die Wirklichkeit erhobenen Vorgängen. Eine Dichtung, die keine tatsächlichen Lösungen bietet, die nur Fragen stellt oder an- deutet. Aber sie zeigt die Abkehr vom Kriege, sie predigt Verstehen und Menschlichkeit, und sie steht schon in rein sprachlicher Beziehung über dem Durchschititt des Hörspiels. Im Gegensatz zu der Gelragen- heit der Sprache stellt sich die Musik mit ihren zuckenden Dissonanzen. Vielleicht handelt es sich hier u?n einen beabsichtigten Gegensatz, der jedoch vom Hörer manchmal peinvoll cmpjunden wird. Alfred Brauns Regie unterstrich onsangs zu betont das Pathos und gerät ins Schleppen, erreicht aber am Schluß dramatisch packende Höhepunkte. Vor allem forest Braun für eine klare und durchdachte Behandlun, des Wortes. Ueberragend die Leistung Jlka Grünings. F. Sch. Der„Rückblick auf Platten" auf Ereignisse im Februar brachte iin letzten Abschnitt Aufnahmen von Reichstagssitzungen, Ausschnitte, die charakteristische Momente festgehalten hotten, nicht Großaufnahmen berühmter Namen und dekorativer Belanglosigkeiten. Da die Funkhörer leider nicht mit Hilse des Mikrophons direkt an wichtige?? Sitzungen teilnehmen dürfen, wäre es sehr zu wünschen, wenn Platte?iausnahmen davon, in größerem Ausinaße als es diesmal geschah— regelmäßig vorgeführt würden. Die Ausz?igskoinödie der nationalsozialistische» Truppe, die dos deutsche Volk iiiianzierei? muß, konute es nun wenigstens in einer Tonphotograpbi« miterleben. In wenigen Minuten wurde dadurchjnii höchst aufschlußreiches Bild vermittelt.—„W i e schreibe?? Sie ihre Stücke?" wurde Louis Vcrneuil in einem Jntermew von Paul Nikolaus gesragt. Verneuil antwortete klug und witzig mit eine?» Bericht über seine Erfahrungen als erfolgreicher Dramatiker und gab Einblicke in' die Bühi?entechnik. Mit graziöser Boshect charakterisierte und karikierte er die gegenwärtige Ueberinacht der Regie über die sozusagen nebe?t- sächlich gewordenen Bühnenautoren.— Im„Programm der aktuellen Abteilung" sprach Dr. Lenhofs über den„Gesundheitspaß", dessen Einführung ßu mancherlei Bedenken Anlaß gegeben hat. Er betonte, doß es sich dabei nur um ein„Gefundheitsstammbuch" handele, und es stets?sdcin freigestellt bleiben inüsse, ob er es führen wolle. Auf keinen Fall dürfe der Gesundheitspaß von Arbeiijuche?tden den Arbeitgebern vorgdcgk oder gar von diesen zur Einsichtnah?ne verlangt werden. Solche Lerwendv>?g würde ihn vollständig cnt- werten, da dann in diesem Paß natürlich nicht ein richtiges, sondern ein möglichst günstiges Konstitutionsbild von den meisten Inhabern erstrebt werden würde. T«. ahnungslos öffnete, sah sie plötzlich ihren Mann vor sich, der ihr heimlich gefolgt n>ar. M. stieß seine Frau beiseite und drang in die Wohnung ein. Zwischen den beiden Rivalen kam es zu einem er- bttterten Handgemenge, in dessen Verlaus der Freund der Frau den jungen Ehenlann durch mehrere Stiche lebens. gefährlich verletzte. M. fand i?n Krankenhaus am Friedrichshain Aufnahme, der Täter wurde festgenommen. Offenbar in einem Anfall von Geistesgestörtheit schlug gestern der Arbeiter D. aus Spandau, Planlage 9, fein« Frau Gertrud nieder und tträktierte sie solange mit Fußtritten, bis'sie bewußtlos liegen blieb/ Die Unglückliche wurde ins Spandauer Krankenhaus ge» bracht, wo sie bedenklich daniederliegt. Der Mann wurde fest- genommen und wird vermutlich einer Anstalt überwiesen werden. Das Land der Analphabeien. iO Millionen Nüssen können nicht lesen und nicht schreiben. Moskau(über Kowno), 2. März. Der Volkskommissar für Bildung, B u b n o w. der ehemakigs außerordentliche polttische Kommissar der Roten Armee, hat in einer Rede in Moskau erklärt, daß der Kampf gegen das An- a! p h a b e t e n t u m sich seinem Ende nähere. Nach bisherigen Mit- tcilungen soll es in Rußland noch sieben bis zehn Millionen Leute geben, die nicht schreiben und lesen können. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht erfolgt am 1. Januar 19-32. Die Sowjet» regierung hat mehrere hundert Millionen Rubel für die Volks» bildung zur Verfügung gestellt. Jugcnderholuugss6)iff„Baldur". Die Gesellschaft für Erholungs- und Heimstätten„Grüne Heimat" E. V. weist bei Beginn der Frühjahrssaison auf ihr im Jahre 1924?nit Unterstützung des preußischen' Mini» sterrums für Volkswohtfahrt, der Stadt Berlin so- wie?n«hrerer öffentlicher Körperschaften errichtetes Jugend»� «rholungsmotorschifs„Baldur" erneut hin. Dank der vorbildlichen Inneneinrichtung dieses Motorkabinenschiffes ist es möglich gewesen, bisher weit über 230 000 cschulkindern und Jugendlichen und über 100 000 Erwachsenen zu außerorde?ttlich billigen Fahrpreisen und Verpflegungssätzen die Wohltaten der Er. holung ii? Luft, Sonn«, Wasser und Wald, sowie die Kenntn?ise der engeren und weiteren Heiinat zu vermitteln. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, legt die Gesellschaft für Erholungs- und Heimstätten„Grüne Heimat", Berlin W. 9. Linkstr. 21. Wert daraus, schon jetzt die Verbindung mit allen denjenigen Kreisen und Organisationen, die im Laufe des Jahres geschlossene Fahrten mit de?n „Baidur" machen wollen, zwecks Aufstellung eines Fahrtenplans aufzunehmen. In Rücksicht aus die allgemeine Wirtschasts- und Finanznot wird es leider nicht möglich sein, den Wohlfahrtsanstalten das Schiff„Baldur"— wie bisher— kostenlos zur Verfügung.zu stellen.__ vermißt wird seit dem 22. Februar, abends 814 Uhr, die 33jährige nerventraitke Johanne Voigt, Charlottenburg. Krummestraße 87 I. bei Bohlmann. Die Vermißte, mittelblond und mit naturkraujcm Bubikopf, ist 1,70 Meter groß, schlank, bekleidet mit dunkelbraunem Mantel, dunkelblauem Kleid, hellen Strümpfen und wchuhen. Nachricht erbittet Frau Bohlmann, Charlottenburg, Krummestraße 87 l. Das Restaurant„Blaue Grotte" in Röntgeittal ist, wie uns be- richtigend mitgeteilt wird, kein kommunistisches Verkehrslokal. Die „Blaue Grotte" ist die einzig« Gaftstätte, die in der Ortschaft über einen großen Saal verfügt, der allen Vereinen und politischen Par- teien zur Verfügung steht. Erst am letzten Sonntag war der Saal voin Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zu einer großen Kundgebung gemietet worden. „Welche Forderungen ergeben sich aus der menschlichen Erb- lehre und Eugenik für die persönliche Lebensgestaltung?" Ueber dieses Thema wird Professor Hermann Muckermonn in einem von den Frauengruppen für soziale Arbeit veranstalteten Sozialen Abend am Mittwoch, dem 4. März 1931. 20 Uhr, im Pcstalozzi-Fröbel. Haus I, Karl-Schrader-Straße 7/8, sprechen. Gklarebprozeß in Frage gestellt? Max Sklarek wurde verhandiungsunfahrg. I» dem vor dem Amtsgericht Chart ottcnburg -chwebenden Verfahren gegen Max Sklarek wegen ruhe- 't ö r e n d e n L ä r in s hatte Rechtsanwalt Dr. Julius Meyer I sich geweigert, ohne Anwesenheit seines Mandanten zu oerhandeln, da dieser erkrankt und nicht in der Lage sei, seinem Verteidiger In- sormationen zu geben. Der Antrag der Staatsanwaltschart, ohne Mar Sklarek aus Grund von§ 232 StPrO. zu verhaiideln, ist nunmehr durch Beschluß vorn 9. Februar mit einer Begründung abgelehnt worden, die für den weiteren Verlaus der ganzen Sklarek- Angelegenheit von weittragender Bedeutung sein dürfte. Der Beschluß erklärt, daß die Weigerung des Rechtsanwalts Dr. Julius Meyer I, ohne den Angeklagten zu verhandeln, berech- Hot sei und daß ein Versahren auf Grund des§ 232 nicht in Frage ? Zinnie. Nach dem Gutachten des Strafmcdizinalrats Dr. Fromme vom 29. Januar 1931 beständen bei dem Ange- klagten Max Sklarek derartig schwere Krankheits- c r s ch e i n u n g e n, daß man ihm nicht zumuten könne, vor Gericht ■u erscheinen. Zwingen könne man ihn nicht, seinen Verteidiger zu informieren und diesen ohne seine Anwesenheit verhandeln zu lassen. d 232 setze ein nicht genügend entschuldigtes Ausbleiben voraus. Es fei das ein„Ungehorsamsoerfahren", wie es in Theorie und Praxis unstreitig festgestellt sei. Da dem Angeklagten die Entschuldigung seiner Krankheit zur Seite stehe, komme ein Verfahren nach 3232 nicht in Frage. Falls die Strafkammer in dem großen Sklaret-Prozeß dieser Auffassung des Amtsgerichts beitreten sollte, ist nicht abzusehen, wie das Verfahren durchgeführt werden soll. Die Einschulung für die Ausbanschulen köllnisches Gymnasium und kaempssihule findet am Montag, dem 9. März, 9 Uhr, statt. Meldungen können noch beim Direktor, Berlin S. 14, Jnselstraße 2/5, abgegeben werden. In Frage kommen tüchtige und fleißige Schüler der Volksschulen, die zu Ostern die Versetzung in die 1. Klasse erreichen oder die Volksschule absowiert Häven! sie werden in die Untertertia eingeschult und könne» in sechs Jahren entweder den Weg zur Reifeprüfung cuics humanistischen Gymna- sinms, eines Realgymnasiums oder einer O b e r r e a l- schule(Englisch, Französisch, Mathematik und Naturwissenschaften) machen. Ä U e Prüfungen berechtigen zumHochschul- H e s u ch.«chüler, die das erste Jahr einer Aufbauklasie an der Volksschule erfolgreich zurückgelegt haben, können in die Obertertia ausgenommen werden und in fünf Jahren zur Reifeprüfung kommen. Mit Wirtschastsbeihilfen, Fahrkosten und freien Lehrmitteln wird nach Möglichkeit geholfen. Gegen die Kulturreaktion, gegen den Abtreibungsparagraphen— für Friedrich Wolfs! Unter diesem Titel veranstaltet die„Deutsche Liga für Menschenrechte E. V." der„Verein sozialistischer Aerzte", der Gesamtverband der Arbeitnehiner, die Sozialistische Studentenschaft > nd eine Anzahl scxualreformerischer Verbünde am Donnerstag, dem 3. Mär?, abends 8 Uhr>n Klienis Festsälen,.olh!irch, Steglih, Lolfte nifchc Sirahc 15, 18 Uhr.— Charlottenburg: Lokal Träfe, Kantfir. 51, 18 Uhr.— Tiergarten l: Lokal ArminiusftMäle Bremer Str. 72, 15 Uhr.— Weistenfec: Schulaula, Wilhelmftr. 42, 15 Uhr.— Adlershof, Lokal Schmidtbauer, Bismarck» strafte 74. 19 Uhr.— Tempclhof: Lokal Vinqcr, Dorfftraftc, 18 Uhr.— Ober- fchönewelde: Lokal Bereinsklaufe, Frischen. Ecke Luisenstraftc. 18 Uhr.— Wilmersdorf: Lokal Albert, Eliiwlstr. 37«, Ecke Pfalsburgcr Strafte, 17 Uhr. Bortraa:»Der Kamin um den Bentcnabbau". Rcichsbund der Urieasbeschädiaten, Kriegsteilnehmer und Kricgcrhinter- bliebcnen, vrisgrugpe Süden. Versammlung Mittwoch. 20 Uhr. bei lSliesinq, Wassertorftr. 08.— Ortsgruppe Nord Ott 4. Mitgliedervcrfammluna Dienstag. 20 Uhr, llnionsfeftsäle, Greikswalder Etr. 222. Der B-rlioer Fither-Club übt jeden Dienstag. 20 M> Uhr, im Clubhau». Ohmftr. 2. Deutsch« Fricdcn»gesclllchaft. Lichtenberg, Lokal Wegner. Frankfurter Allee 230. Orffentliche Vcrsammluna Mittwoch, 20 Uhr. Besercnt: Küster-Berlin. Thema:.Lal-ntreu� und Stahlhelm sind Deutschlands Untergang". Freie Aus» spräche für.Kcgner. Gardinen bei Grünfeld. Eine Fülle hübscher Neuheiten auf dem Gebiete der Fenster- dekoration zeigt die Firmo Grünseld in ihrem Hause Leipziger Straße; endgültig hat sich wieder die leichte, licht-, l u f t- und waschechte Gardine durchgefetzt, die aus bedruckten Vollen und bedruckten Kunstseiden gearbeitet ist. Mit der Leichtig- kell des Stoffmaterials geht naturgemäß auch die Verarbellunq gleichen Schrllt und es entsteht so bei aller Einfachhelt ein äußerst gefälliger Fensterschmuck, der sich der klaren Linie der neuzeitlichen Wohnräum« völlig anpaßt. Es werden über 69 Gardinemnodelle gezeigt, die neben der Bielfeitigkell der Verarbellung und des oer- wendeten Stoffmaterials auch entsprechende Abstufungen in der Preisgestaltung bieten; der Not der Zeit entsprechend wird auf die Herstellung preiswerter War« besonderer Wert gelegt. Wer von Berlin spriehikennJ auch die Lindenpassage, die sich Jetzi in modernem Gewände präsentiert An ihrem Eingang sirahii ein Name, der" heute noch volkstümlicher als früh er- alle Ra uch er immer wieder erinn eri an JtosoMimJtuno Berlins m mstgemuctde CigoreÜe%/. Bnheikpackungifh I Mlenbec*: Xielic, Keick, gefuvtclltevl Den amerikanischen Charakter kann man in der New Aorker Untergrundbahn, jenem eisernen Labyrinth und Menschenvielfraß, kennen lernen, dos schon so oft das Erstaunen der Europäer erregt ha». Die in der Untergrundbahn angeschlagenen Reklamen sind«in osfenes Bück) der amerikanischen Psychologie. Daß ein großer Teil der Reklamen Mttel gegen chusten und CrkSltung anbietet, hängt mit dem unter großen Gegensätzen leideiiden Klima der Stadt.�rsannnen: und unter der Tatsache, daß im Winter alle chäujer, alle Räume, selbit die Bedürfnisanstalten (die unter dein gesitteten Namen Rauchsakon, smokiax roorn, ein ab. wegiges Leben führen) bis Kur Greiwe der Erträglichkeit überheizt sind. Der Wind, der dir, New florier Wanderer, noch einem Fahr- ikchlsall aus den, Dachgarten deines 5)otels in Nase und Lungen schlägt, fft so kalt und herzlos, wie es die Lebensbedingungen der ersten Airsiedler der Halbinsel Manhattan gewesen sein mögen. Denn auch die Dachgärten, die im Winter mit Glas abgeschlossen sind und in denen die Palmen in goldverzierten Kübeln von Kalisornien träunien, sind schrecklich überheizt, und der schnelle U ebergang von solcher Bullenhitze zum eisigen Saoannemvind hat schon manchem das Leben gekostet. Die Lungenenizünduiig ist die häufigste Erkrankung der New-Torker. In jedem Untergrundbahmoagen verkündet dir«in Doktor, er habe das Allheitnrittel gegen Husten und Schnupsen gesunden; und es ist merkwürdig, der New-Aorker, ich habe das schon einmal festgestellt, ist ein gläubiger Mensch: anstatt die Ileberhitze abzustellen und den Neger, der die Zentralheizung betreibt, durch einen vernünftigen Menschen zu ersetzen, kauft er Bonbons und Tröpfchen wid Geträntlein in merkwürdigen bunten Packungen. Ich sah die Reklame einer Astrologin, die sich für hellsichtig in allen'Angelegenheiten der Liebe, des Geldes und der Gesundheit erklärte. Da der New-Borker, wie gesagt, gar nicht i>«r bos« Rationalist ist, als den man ihn verschrien Hot, wird, ich bin davon überzeugt, diese Zukunftskasfeetonte großen Erfolg nrft ihren Weissagungen haben. Denn sie hat die wesentlichsten Schmerzens. punkte der Amerikaner gefunden und richtig anfgezähli: die Liebe, den Gcldsack und die Gesundheck. Man hat über die Liebe in Anecrika so unendlich viel dummes Zeug geschrieben, daß es mir hier ein Herzensbedürfnis ist, einmal zu sagen, daß sie sich im wesentlichen nicht von der Liebe in Europa untevjcheidct. Ich meine darin, woraus es ankommt. Alles andere erklärt sich durch die hiesigen sehr beschränkten Rounwerchältnisse. Die Liebenden wissen nicht, wo sie sich lieben sollen: das ist die ganze Frage. Die Tatsache, daß sie schließlich in höchster Not zmn Automobil als einer Art fahrbaren Liebeslmibe gegriffen haben, ist eine gute Ersinämng, und man darf sie ihnen hoch anrechnen. Die Frag« der Liebe ist in Amerika auf« allererste mit der Geldfrage verbunden. Aus zwei Gründen: erstens, weit die Amerikanerin, wenn sie schon heiratet(sie stellt sich dabei, als ver- liere sie ihre Freiheit), ihre wirtschaftliche Lage verbesiern will. Die Astrologin wird dem fragenden Girl also die Zukunft imbeäringt in der Weise entschleiern muffen, daß sie ihm versichert,«in Millionär wart« auf sie. Und zweitens, weil der Mann, wenn er heiratet, die Sicherheit haben muß, eine Stellung zu bekommen, die die Unkosten einer Ehe aufbringen kam». Der Boy also, der die Astralogin be- fragt, wird nicht nur das Aussehen feiner zukünftigen Frau wissen wollen; sondern auch, wie. sein Job beschassen Ist, ob er sich»er- bessern läßt, ob er mit ihm einmal Direktor werden kann usw. Die Ehe, die Verwirklichung der Liebe in der grauen Wirk- lichkeit, kann in Amerika nur ganz kurze Zeit romantisch betrieben we»Ken,snäm!ich nur in der Zeit des Honigmondes, der ht viel«, amerikanischen Romanen eiste so große Rolle spielt. Sowie aber beb'Honigmond vorbei rst. präsentiert der Wirt des Apartment- hause» seine erste Rechnung, und die ist nach unseren Begriffe» schrecklich gesalzen. In einem Wohnhaus oder Zlpartmenchaus tostet das einfachste Flat, eure Zweizinrinerwohnung, 20 Dollars in der Wach«, das sind im Monat nach unseren Begriffen 320 bis 350 M. Die Bedienung wird besonders berechnet und die Frage der Tips, der Trinkgelder, spielt in Amerika eine außerordentlich große Rolle, so groß, daß die Klubs, die einzigen Anstalten, in denen man nach europäischer Vorstellung behaglich wohneck kann, zu ihrem ersten Grundsatz gemacht haben: keine Tips. Der junge Ehemann, der so schrecklich zahlen muß, wird durch die Erinnerung an die Zeit des Honigmondes nicht immer über die Wirtlichkeit hinwegzebracht. Er laust zur Astrologin(dieser ach so gläubige Mensch) und fragt, ob er vielleicht ein« anspruchsvolle Frau geheiratet habe oder gar«inen Goldgräber, einen Golddigger, jenen Frauentyp, der es im Kino zur fähr gefragten Stellung eine, „Vamps"(Vampirs) gebracht hat und dessen Haupteigenschaft darin bestehen muß. dem Mann In herzloser Weise das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sonst ist es dem Kinopublikum uninteressani und man pfeift den Vamp aus wie einen Stier in der Arena, der die Maiadoren nicht annehmen will. Im ollgemeinen gibt es die Vamps wirklich nur im Kino, und die Sibill« kann ihren Boy beruhigen. Er hat gar keinen Vamp geheiratet, sondern ein« normale Amerikanerin, der es feit ihrer Jugend beigebracht worden ist, daß der Mann soviel Geld zu schaffen hat, wie sie es für richtig hält. Diese Frau, di« in einem mittleren College den Begriff der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mißverstanden hat, denkt gar nicht an einen Hermelimnantel, so wie er bei jeder wahlhabenden Amerikanerin selbstverständlich ist. Vor zehn Jahren hätte sie sich noch mit einem kleinen Ford begnügt, mit einer jener„Lizzis", wie man sie jetzt noch hin und wieder als ürtvegliche Museumsstücke durch die Straßen wackeln sieht. Heute wünscht sie natürlich einen besseren Wagen. Ferner wünscht sie sich Radio und Taschengeld, um mit ihrer Freundin wöchentlich Loews Orisntal Schau besuchen zu können. Das sollte Fritz oder Max oder Fred oder Bert oder Ernest eigentlich schaffen können, so wie er gebaut ist. Keineswegs denkt sie daran, sich von ihm scheiden zu lassen und ihn auf Lebenszeit wegen grausamer Behandlung zu einer Geldstrafe verurteilen zu lassen. Nein, sie liebt ihren Mann: sie ist eine jener anständigen Amerikanerinnen, denen man hier aus Tritt lirtd Schritt begegnet und die vielleicht die einzigen wirklichen Kameradschaftsgattinnen der Well sind. Wenn Fritz es nicht schafft oder Max oder Bert oder Fredie, wird sie vielleicht wieder arbeiten bei der Old Reliable und Tire Compagnie als Sekretärin wie früher. Aber Max oder Fred oder Bertis muß gesund bleiben und deshalb verweist ihn die Zukunftstante auf Doktor Pelhams Mottenpulver, genannt das beste Mittel in der Welt gegen Schwächeamälle und Müdigkeit. Doktor Pelham ist nicht nur ein großer Weiser, sondern er steht mich mit unserer Astrologin in direkter Geschaits- Verbindung, und wenn jemand aus ihre Empichlung bei ihn, vorspricht. bekommt sie die Halste des Honorars. Das weiß Mar allerding» nicht. 8hrich Qaedechens: 3}ߥ SlSV'O�S� Elke Rissen klammerte sich plötzlich eng an ihren Vater und zeigte mit der Hand aufgeregt nach den Fischteichen:„Da, da, hast du ihn gesehen?" rief dos langaufgeschossen« Mädel, dessen semmel- blonder Scheffel schon bis an die Schuller des ollen Forellenfischers ragte. Der olle Nissen sagte nur:„Ja, das war er, der Königs- fischer!" Dann faßte«r die Dorn um dos Handgelenk und zog sie mit ms Haus, denn«s war kühl, so früh am Morgen. Elke aber schaute vom Fenster des kleinen Fischbruthauses nach der Stelle, Ivo der grünblau goldene Lichtstreif verschwunden war. * Der olle Nissen hatte sich vor den Arbeitstisch gefetzt und kramte in Erinnerungen. Vierzig Jahre war es her! Wie ein Land- streicher hatte er unten in der Essel hinter einem Goröllblock der wildschäumenden Ahr gesessen und gewartet, wohl stundenlang. Noch heute schien ihm die Zeit ein« Ewigkeit. Er wollte ihn fangen, ihi� den Einsiodler, den Heimischen, Argwöhnischen, aber der Stein traf jedesmal vorbei. Mit hellpfeifendem Tiet-tiet-tiet war der ungestüme Geselle, dessen glitzernde Farbenpracht ihn lockte, immer wieder vontbergeschossen. Nichts weiter kannte Nissen danials von ihm als den schrillen Pfiff und den funkelnden Streif über weiß- kämmigem Wasser. Jahr« später erfuhr er mehr. Durch Zufall fand er eines Tages in der Sanldwaud des steil abfallenden Ufers die rattenlochähnluh« Niströhre, die zu dem Nest führte, doch konnte dieses niemanö erreichen, denn Boote gab es auf der wilden Ahr nicht, und vom Ufer aus wagte kaum jemand hicft, meckerte ein paar vertrauliche dünne Laute und war wieder in der Mhre verschwunden. Er aber saß still aus seinem Ast und schaute unverwandt aufs Wasser. Prächtig leuchteten fein« krebs- roten Füße, wuchtig saß sein mächtiger Kopf mit dem gewalligen Schnabel auf dem kleinem, gut spatzcngrahen Körper. Da— plumps, war er im Wasser. Mit einem Fisch im Schnabel tauchte er wieder auf. Im Nu laß er auf dem trockenen Aestchcn im Weidengewirr, warf den Schnabel hoch, den Fisch in die Längs- richtung des Schnabels und eine Beule lief ihm über die Kch'e. Das wiederhatte sich zwei», drei-, fünfmal. Ein andermal, schon piepsten die Jungen im Gebüsch, sah Nissen, wie sein Eisvogel hinter einem anderen wütend herschoh und sich auf ihn stürzte. Es gab einen heftigen Kampf. Seitdem wußte der Lllte, vaß kaum ein Bogel zänkischer ist als dieser glitzernde Geselle: denn jener Bogel, den er da mit Schnabelhieben lmktlerte, war— sein Weibchen. Er. der Fraßneidische, duldete setzt, wo die Jungen aufgezogen waren, keinen anoeren»ichr neben sich, nicht einmal sein Ehegesponst. Wie Fremde waren sie von nun an zueinander den ganzen Herbst und Winter hindurch, bis sie im Frühjahr wieder dieselbe Rohre bezogen. Da wagte sich der junge Nissen doch einmal bis an die Röhre heran. Es stank nach Fiscd, aber sehen konnte man nichts; die Röhre war sicher einen Meter tief. Später erfuhr er, so eine Röhre sei am End« kesselartig verbreitert, und da baue das Weibchen ganz im Dunkeln das Nest. Aber nicht wie andere Vögel aus Federn und kleinen Zweigen, sondern den nach der Neströhre zu fassen, den» das Ufer bing über. Da tauchte Eisvögeln ginge es wie den Eulen, sie speien alle unverdauliche Nah 7.-........—' v--. imng wieder aus und aus di«ien ouszefpienen Fischgräten baue auch der gleißende Geselle wieder auf. Mit zappeligem, schwer fälligem Flug kam er angeschnurrt und flatterte nach dem taten Ast einer WÄe. keuchte ein paar spitze, heiströ Locktöne, das Weibchen kam aus dar Riströhre, flog auf einen Ast neben ihn, schüttelte sich, dickfederplustig. schnappt« nach dem Fisch, den er im Schnabsl eife Wlöbus: 3)er3lemarque des SOiährigen �Krieges Das Pseudonym eines jungen, bis vor kurzem unbekannten Dichters ist heute zum Symbol geworden. Um den Namen Remarque scharen sich Millionen von Menschen in allen Ländern der Erde, die das Kriegserlebnis wahr und ungeschminkt, frei von kiffchiger Romantik und Verlogenheit sehen wollen. Durch diesen Zusammen- klang ungezählter in einem gemeinsamen Erlebnis, einer gemein« sarn«» seelischen Haltung wurde der Name Remarque weltbekannt. Ein einzelner sprach aus, was Millionen i» der Seele brannte. Aber der Remarque-Film ist in Deutschland und Oesterreich ver- boten. In Thüringen ist die Lektüre des Buches„Im Westen nichts Neues" in den Lehranstalten untersagt. Man wirfi dem Verfasser Unwahrhaftigkeit. übertriebene Schilderung des Krieges vor, mehr noch, man beschuldigt ihn, er ziehe da» Heer und seine Vertreter herab und schädige Deutschlands Ansehen in der Welt. Remarque ist der Prellbock zweier Weltanschauungen geworden. Aber was im zwanzigsten Jahrhundert alz schädlich, als herab- setzend und tendenziös verboten wurde, das hat bereits im Dreißig» jährigen Krieg der Schultheiß von Renchen im badischen Schwarz- wald, Christoffel von Grimmelshausen, auszusprechen gewagt, allerdings unter einem Pseudonym. Und daß keine Zensur und kein Verbot sich an ihn gewandt haben, das ist wohl nur darin begründet, daß fein Buch„Der abenteuerlich« Simpli- zissimns" im allgemeinen nur von Studenten in Exomensnölen durchgepeitscht wird. Es ist also weit weniger gefährlich als das Buch Remarques, denn das deutsche Volk kennt es nicht... In ungezählten LUeraturgeschichten ist zu lesen, daß der„Simpli- zisstmus" ein naturgetreues, wahrhaftiges Bild der kulturellen Ber- hältnisse im Deutschland des Dreißigjährigen Krieges gezeichnet habe. Man müßte darin also Antwort auf die Frage finden: Wie sieht der Krieg wirklich aus, wie hat er gewirkt auf die Generation, die damals aufwuchs, welches sind die geistigen und seelischen Spuren gewesen, di« er hinterließ? Aber vergeblich sucht man nach der großen sttt- lichen Erneuerung, die nach einem dreißigjährigen Stahlbad doch ganz besonders liesgehend geioesen sein müßte, nach der Auslese gesullder, heltenhastcr Männlichkeit, da der Krieg doch gerade das Morsche, Krankhafte, Unmännliche hinweggefegt haben müßt«. Verbrechen überfluten das Land, Roheit, Gemeinheit, entsetzliche Un- wissenheil, Aberglaube machen sich breit, der Mensch ist unter das Tier herabgesunken. Grimmelshausen' erzählt da» nicht etwa im Ton sittlicher Entrüstung, sondern einfach als eine Selbstverständ- lichkeff, die im Zeitalter eines Krieges nicht anders möglich ist. Denn der Remarque des Dreißigjährigen Krieges hat, genau wie sein Nachfolger, begriffen, daß seine Menschen ja nichts anderes gelernt haben, als Schießen und Töten, daß sie an Stelle eines Sitten- gefetzes das Prinzip der Selbsterhaltung und Selbstbehauptung zu setzen gewohnt sind.� Was im Kriege oberstes Gesetze für sie war. das wurde auch ini Frieden Richtschnur ihrer Handlungen. Remarque gibt nur einen winzigen Ausschnfft, nämlich die Sein« Zettspann« zwischen Krieg und Heimkehr. Grimmelshausen aber channt seinen Rahmen um das ganze menschliche Leben. Er gestaltet das Schicksal eines Menschen, das völlig«ingeschlossen ist in«inen jahrzehntelangen Krieg. Von Kindheit an erlebt„Simplizisstmus" Grausamkeiten furcht erlichftcr Art. Schmutz, Verwilderung, Verelen- dung, gerstigen Tiefstand, und sein Lebensschicksal wirbell ihn hin und her, auf und ob, in tollem Durcheinander, in Vergnügungen, Sauf- gelage, Genuß, Verschwendung und in tiefste Armut, Selbstbesinnung, Einsamkeit und Frömmigkeit. Weltjlucht und bewußter ltzerzicht auf aktive Mitarbeit In Deutschland— das ist das Fazit dieses Lebens, auf das der Krieg seine Spuren geprägt hat. Nmplizrssiinus ver- bringt sein« letzten Lebensjahr« auf einer einsamen Insel und ver- zichtet darauf, nach Europa zurückzukehren. Denn wie die Heim- gekehrten des Weltkrieges, die Remarque in seinen! zweiten Buch „Der Weg zurück" schildert, wie sie jede Verbindung mit dem Leben verloren hoben, wie sie sich überall fremd, ausgestoßen und Heimat- los fühlen, so ist auch der Mensch des Dreißigjährigen Krieges ent- wurzelt, lebensfroh, einsam. Man hat Remarque den Vorwurf gemacht, er habe die Schrecken des Schlachtfeldes aus Sensationsluft übertrieben. Aber Grimmels- Hausens Darstellung steht ihm an furchtbarer Realistik nicht nach. In erbarmungslosen, grellen, schreienden Farben mall er die Scheuß- lichkeiten der Verwundungen und des Sterbens, die Verzweiflung und den Wahnsinn der Schlacht. Roch eine weitere Parallele, einen scllsamen Anklang an«in Kriegsbuch unserer Zell, das ebenfalls weltbekannt ist. enthüll der Simplizsssimus. Wie der Tscheche Jaroslaw Hasek seinen braven Soldaten Schwejk unverletzt durch den Krieg schreiten läßt, der olles mit Gleichmut von sich abschüttelt, so stellt auch Grimmelshausen seinen Simplizissimus zeitweise als Narren dar, der sich als Kalb und Esel traktieren läßt, wenn er auch gerade in dieser Rolle besonders bittere Wohrheiien ausspricht. Die Gegner Remarques,-die Film und Buch abgelehnt haben. bezeichnen die Hoffnung auf«inen vernünftigen Ausgleich unter de» Völkern, auf Völkerbund und Weltfrieden oft als romantische Idee des Sozialismus, der aus- seiner Schwäche heraus die Männlichkeit und das Heldentum in der Welt töten wolle: Es ist vielleicht die erschütterndste Stelle dieses Kriegsbuches aus dem siebzehnten Jahr- hundert, wie mitten in Elend, Schmutz und Verkommenheit ein irrer Landstreicher austritt, der wie ein« seltsam« Vision seinen Glauben an einen endgültigen Völkerfrieden ausspricht. Wie ein Prophet kündigt er«ine Zell an. in der alle Nationen einen Böllerbund bilden. der alle Streitigkeiten schlichten wird. Mitten aus tiefften Wirren des Dreißigjährigen Krieges ertönt di« Stimme der Menschlichkeit, die Selinsucht noch Frieden. Vielleicht haben zur Zell des Dreißigjährigen Krieges nur wenige die Bedeutung dieses Buches- begriffen und seinen Sinn verstanden. Heute aber ist manches, was damals ferner Zukunftstraum schien, bcreffs verwirklicht. Die Stimme der Menschlichkeff roar mächtiger als der Krieg, sie tönt« durch Jahrhundert« und über Generationen. Keine Knebelung, fein« Zenlnr, kein Verbot kann sie zum Schwelgen bringen. sich dos Weibchen dann die transtinkend« Eisvogekwbzge. s�yige Tage später ereignelc sich etwas Eigenartig«». E« war ein großer Eisvogel auf den aus Beute lotternden geschossen, ffrieb ihn gegen das Ufer, bedeckt« ihn nät Schnabelhieb m: der kleiiie stürzte blutüberströmt in den Fluß, und die Wellen nahmen ihn mit sich fort. Der größere ober macht« sich an da, Weibchen heran, das ihn umflatterte. Auf einmal aber stürzte sich diese» auf ihn und hqckt« ihn in di« Augen, so daß«r weichen und irgendwo elend umkommen muht«. Sieg sst nicht immer Glück! * Elk« Nissen war inzwischen wieder zu den Fischte ich«» geschtichcn. .Sie ging um die Großbrutteiche herum, nach der Stelle, wo das alte Bachbett lag und die Kopfweiden standen. Da war auf einmal der alte Nissen hinter ihr und lachte:„Hier suchst du ihn? Er ist schon lange wieder bei den Teichen. Da sitzt er wie schlafend, fast den halben Tag." Sie gingen zurück und deutlich sah Elke den Eis- vogel auf einem Pfahl sitzen, von dem er sein Luginswosser hielt. Wie prächtig sah doch der Geselle cm». Die Schultern und Flüg I schimmerten meergrün, die Oberseite leuchtete türkisblau, die Unter- feite war nußbraun. Für die Fische sah er von unten aus wie ein wclkhängendes Blatt, für sein« Feind« in der Luft, den jagenden Sperber uni) den kretfenden Weih, aber hatte er die Farbe des Wassers an himmelblauen Tagen. Einmol sprachen sie über den Namen dieses wunderlichen Gr- selten...Ja," sagte der Alte,„das ist ein fraglich Ding. Es gibt Leute, di« sag«», er heiße so, weil er im Winter das Eis aushackt, um zu seinem Futter, den Fischen, gelangen zu können. Andere meinen, weil er sich im Winter an den gefrorene» Bächen und Seen aufhält und den Fsschern nachfliegt, wenn sie Lustlöcher in das Eis schlagen. Ich glaube,«s ist noch etwas anderes dabei. Es gibt viele Eisvogetorten, über zweihunoert, doch die meisten leben in wärmeren Windern. wo es kein Eis gibt. Ich glaube, wir wüsscn seinen Namen von der blauen Farbe seines Gefieders ableiten, dem» die Silbe Eis bezeichnet« vordem in unserer Sprache einmal den Begriff blau, wie in Eisen, Eisenbart. Jfegrimm. Und„Bla»- vogel" ist kein« schlecht« Bezeichnung für diesen Bogel, bei dem blau die Hauptfarbe des Gefieders ist. Sin Jubitäum des J�lalin Um di« Jahreswende 1780/81 gelang«s dem französischen Chemiker Chabaneau zum erstenmal, das Platin in Barren herzu- stellen und es danach zu einem begehrten Handelsartikel zu machen. Denn obwohl Platin bereits früher bekannt und entdeckt gewesen ist, erfreute es sich keineswegs befonverer Wertschätzung. Erst vor hundert Jahren, um 1830, begründete der Engländer Wollaston, der das Schweißen dieses Edelmetalls lehrte, di« c eigentlich: Platin- inonstri«. Auch nach dem größten Platinfund aller Zeffen bci Nischni-Nowgorod im Jahre 1830, der einen 12 Kilogramm schweren Wumpen darstellt«, war di« Nachfrage noch Platin noch sehr gering. und die russische Regierung ließ zur Verwendung ihrer Borräte aus Platin Münzen prägen, die jedoch niemanö oerpffichtet war anzunehmen. Später mußte der Plotinrubel wieder aus dem Ver- kehr gezogen werden und erst im Jahre 1858 trat ein schnelles Steigen der Platinpreisc ein und von da an b-gam» der Siegezzug des kostbarsten aller Edelmetalle. B-ra-Uwortlich füt DoMik: Dr. Curt««i)«; WirlsSaii:«.*Iiu««ISöfet; Eew-rlschaktsSewiguila: 3. 6Wn«ti ffmUIeton;®r. z-l>» Schlk-w««: L-kalcs und S-nIii«,: gr!»*». ei«<*i färntlUft In«etlin. Zwr!i>Srt».V,rIan©, nt. ä«Iln.®ra(f; Vor«!ir«,.Bu!tidrucker»l »n» SetTaeaatiftBl)"Beul einfltt u.«o.. Berlin SD.«. L'idenltraße Z. Sierz» 2 Beil»«-». Nr. 103* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag- 3. März 1931 Kulturdebatte im Michstag. Nede des Genoffen Schreck.— Volks- und Wirtfchastspartei wünschen Verfassungsänderung. In? Reichstag begann am gestrigen Montagnachmittag di« »weile Beratung des Haushalts für das Rcichsministerium des Innern mit einer Rede des Abg. Dr. Schreiber(Z.): Er weist die Hetz« der Rechten, so des deutschnationalen Abg. D o« h r i n g im Sportpalast, gegen den Katholizismus zurück, dem man die Reichsregierung an die Rock- schoß« hänge. Mit dieser Hege ist das Eintreten Hugenbergs und anderer für die Autorität nicht zu»«reinbaren. Wer das Pro!«- tariat dem Staat entfremdet, erschüttert die Grundlagen des Staates. Daher sollte man nicht den„Marxismus" zum politischen Schlagwort machen, sondern zwischen positiver und negativer Stellung x zum Staat unterscheiden. Di« den Saal hier fluchtartig verlassen, haben k«in Recht, vergessen zu machen, daß große Teile der deutschen Arbeiterschaft die verant- wortungsvolle Politik des Wiederaufbaus mitgemacht haben. Es kommt heute nicht so sehr daraus an, Kampfruf« für die literarisch- künstlerische Freiheit auszustoßen, als dem Mißbrauch dieser Frei. hcit zu steuern. Der Redner spricht dann gegen die kommunistische Agitation. Unter lärmenden Gegenrufen der Kommunisten ocr- langt der Redner staatliches Eingreifen gegen kommunistische Kirchenhetze und drolst mit Nichtvcrlängerung des Rapallo-Dcrtragcs bei Fort- seßung dieser russischen Invasion. Gewiss« Reparaturen an der Reichsoerfassung werden irotwendig sein, vor ollem muß die Regierung stabiler werden. Das Parlament muß den Mut zu größerer Verantwortung haben, um Notverordnungen überflüssig zu machen und dadurch sein Ansehen zu befestigen. Abg. Schreck-Bielefeld(Soz.): In dieser Zeit der Not und der Zersetzung muß zur öffent- lichen Wohlfahrkspflegc die aktive persönlich« Hilfe treten, ober mir, wenn eine starke Sozialdemokratie an der Gestaltung der inner- politischen Verhüllnisse mitwirkt, ist die Garantie dafür gegeben, daß so verfahren wird und der politische Irrsinn herabgemindert wird, der jetzt im Lande sein Unwesen treibt. Politik und Kpltur gehören zusammen, die Schädigung der Kultur bedroht die Grundlagen des Staates. In der letzten Zeit ist der Ruf nach Führern laut geworden und besonders mich im Lager der bürgerlichen Mitte. Es berührt aber eigenartig, erst jemanden zum Führer zu bestimmen, der die Peichslcilung in die Hand nimmt und hinterher ihm die Gefolgschaft zu versagen, namentlich dann, wenn dieser erkorene Führer zur lleberzeugung gekommen ist, daß die Verfassung trotz allem, was nian an ihr auszusetzen hat, doch die realen Machtverhältnisse bezeichnet. In demselben Augenblick sehen wir viel«, die diesen Führer er- koren haben, unzufrieden werden, wenn sie an die seit zwölf Jahren so stetige preußische Politik denken.� Diese stetige Politik Preußens ist ein Beweis dafür, daß aus der Tief« des Volkes Führer empor- gestiegen sind, die nicht nur den Jiueressen ihrer eigenen Partei Rechnung tragen, sondern im Gesamtinteress« des Staates ihre Pflicht erfüllen. Wir danken unseren Freunden, die sich un? die Führung Preußens so hohe politische Verdienst« erworben haben, und wir würden es durchaus liegrllßen, wenn auch in der deutschen Republik dies« Festigkeit der Führung vorhanden wäre. Wir sind überzeugt, daß unentschiedene Haltung nur dazu beitragen kann, die zersetzenden Kräfte zu fördern, während im Gegenteil eine cnl- schiedenc Haltung ein Kraft.zentrum im Innern schafft und nach außen hin das deutsche Ansehen fördert. Demgegenüber fällt die kleinliche Polilik, die in den Ländern Thüringen und Braun- schweig belieb! wird. ganz ab. Wenn dort Minister mit der Wahrheit aus gespanntem Fuße leben, wenn sie Polizeibeamte an der Ausführung ihres pflichtgemäßen Eintretens für die staatliche Autorität hindern, wenn sie kulturelle Einrichtungen abbauen, so ist all das im Gegensatz zu einer Politik, die im Interesse der deutschen Republik und des deutschen Ansehens liegt. Auch die Wahlen in Braunschweig geben ein« Bestätigung dafür, daß mck der ständig wachsenden Selbstbe- sinnung auch die Kraft der politischen Selbstbestimmung wächst. (Höhnische Zurufe der Kommunisten.) Die Schlagkraft der Ar. beiterNasse wird nicht dadurch gefördert, daß die sogenannten Kommunisten nichts anderes tun. als die Jlr- bellerklasse uneinig zu machen, und mit einem großen Mund- werk vorzutäuschen, als ob sie clwas von Wirtschast und Volilik verständen. während sie in Wahrheit gar nichts wissen.(Sehr wahr!) Die Deutsche Polkspartei tut jetzt so. als ob sie di« Reichsreform be- sonders stark vorwärtsbringen wolle. Da erinnern wir daran, daß die Sozialdemokratie nicht erst in der Nachkriegszeit, sondern schon von jeher sich für die Sammlung der Kräfte im Reich eingesetzt hat. Neben Bismarck war es der Jude Ferdinand Lassall«, der schon vor Jahrzehnten dieses Programm versochten hat— und wir alle seit- her— als einer Vorbedingung für die Vereinigten Staaten von Europa. Wie ober hat>nan uns Sozialdemokraten verspottet, weil wir an diesen großen Ideen festgehalten haben! Wir sind über- zeugt, daß die Voraussetzungen für ein starke» deutsches Volkstum nicht da- durch begünstigt werden, wenn man immer wieder betont, die Verfassung hätte verschiedene Mängel. Auch dem Wahlrecht wird dos nachgesagt. Aber es ist eine Bedin- gung zur Zufanmienfassung der Boikskräfle. daß kein Volksteil das Gefühl haben kann, durch die Verfassung und das Wahlrecht irgend- wie zurückgesetzt und entrechtet zu sein. Gerade für die Heranzie- hung der Jugend zur staatsbürgerlichen Gesinnung ist das van der größten Wichtigkeit, und�ohne die Jugend werden wir dieses Ziel nicht erreichen können.(Sehr wahr!) Darum sollten unsere Stu- deuten an den höheren und Hochschulen mit der Verfassung, dem Wesen und dein Sinn der Demokratie vertraut gemacht werden. Geschähe das in ausreichendem Maße, dann wurden sie sich nicht das Hakenkreuz zum Abzeichen wählen. Gerade in dieser Zeit, wo ungeheure Schoren von Erwerbslosen aus der Arbeit herausge- rissen sind, sollten Reich und Länder in Verbindung mit den großen Kulturorganisationen auch der Arbeiterschaft sich diese Schulung der Jugend in ihrem eigensten Interesse angelegen sein lassen und auf diese Weise dazu beitragen, daß diese jungen Menschen die Hossnung an sich selbst und an ihrer Zukunft nicht verlieren. Der kommunistischen Agitation ist entgegenzuhalten, daß mir der eine bessere Zukunst gestalten kann, der durch Teilnahme an den Ausgaben der Gegenwart die Kräfte dafür in sich entwickelt. Nur die verderbliche� Wirkung der Fernhaltung und des Abseitsstohens vom beutigen Staat hat dazu führen können, daß politische Gon.z- und Halbidioten zu Volksvertretern gewählt werden.(Heiterkeit.) Der Notschrei, der aus der Auflösung und Zersetzung unseres Volkes kommt, darf nicht überhört werden, es muß durch Förderung der großen Kulturarbeit, die die Arbeiterorganisationen leisten, die Selbsthilfe der werktätigen Massen ermöglicht werden. Gerade in dieser Zeit dürfen die Kulturfonds nicht vermindert und muß bei ihrer Vermehrung absolute Parität angewendet werden. Das freie Wort muß geschützt, den Arbeitersängern materielle Förderung zuteil werden. Auch d'e Arbeilcrjugendorganisation verdient für ihr umfassendes kulturelles Streben Anerkennung, ebenso wie die Arbeitersport- organisationen und Kutlurvereine der Unterstützung vollauf würdig sind. Wir verlangen, daß der Rundfunk großzügig geleitet und von allem kleinlichen Getue freigehalten wird. Warum soll der Deutsche nicht ertragen können, daß ihm eine andere Meinung als die seimgs vorgetragen werde. Dabei ist er vor dem Radau jener Leute, die in Versammlungen und mich hier(zu den Kommunisten, die fortgesetzt Zwischenruf« machen) eine andere Meinung nicht ruhig anhören können, geschützt, und außerdem kann er, wenn es ihm nicht paßt, den Hörer hinlegen. Nur durch Toleranz kann der Rundfunk wirklich in den Dienst der kulturellen Volkserziehung gestellt werden.(Sehr richtig! links.) Wenn mein Vorredner Schutz gegen den Kulturbolschewismus verlangt, so liegt die beste Abwehr gegen vergiftende Hetze in dem moralischen Ausbau. Aber täuschen wir uns nicht darüber, daß das Anwachsen des sogenannten Kultur- bolschewisnnis auch darauf zurückzuführen ist, daß im Bürgertum eine ungeheure Zersetzung besteht: sie äußert sich zum Beispiel in der Unterwürsigkeii unter die Hakenkreuzlerische Demagogie und in der unqualifizierten Kampfesweise bürgerlicher Richtungen untereinander. Gegen die persönliche Kampfesrveise im politischen Leben, in der Presse und in Versammlungen müßte überhaupt Front gemacht werden. Schließlich trägt die Kirche auch selbst nicht geringe Schuld an den antichristlichen Bestrebungen dadurch, daß sie die von der Kirche Abgefallenen als moralisch minderwertig hinstellt, zum Beispiel ihnen die Sakramente verweigert und der- gleichen mehr. Ganz unbegreiflich ist das Verbot des Trickfilms vom dritten Reich und auf das schärfste verurteilen wir auch das verbot des Films „Zm Westen nichts Neues". Wir können uns des Verdachtes nicht erwehren, daß diese Kammer der Oberprllsstelle nicht ordnungsmäßig zusammengesetzt war. Die Presie Hot man nicht zugelassen, weil sie angeblich über die Ber- Handlung vor der ersten Instanz nicht objektiv berichtet habe! In Wahrheit ist das Verbot eine Verbeugung vor dem Gassenterror, gegen den die Staatsgewalt sich nicht durchgesetzt hat. Man be- hauptet, daß der Film das deutsche Ansehen schädig«, aber wohl niemals ist durch einen Film das �deutsche Ansehen so geschädigt worden, wie durch dieses Verbot.(Sehr wahr!) Himmelsstöße hat es in allen Armeen gegeben, nicht nur in der deutschen. In seiner großziigigen Anlage und seiner nackten Wahrl>astigkeit kann aber dieser Fllm nur Sympathien für die deutschen Weltkriegssoldatcn im Auslande werben. Man hat daran Anstoß genommen, daß junge Soldaten die Nerven verlieren, zu weinen anfangen und nach der Mutter rufen. Wer sich darüber entrüstet, der weiß entweder nicht, daß solche Aeußerungen der Angst und des Schreckens auch im bür- gerlichen Leben vorkommen, oder er ist ein Heuchler.(Sehr gut! links.) Der Reichsinnenminister sollte dahin wirken, daß wahr- heitsgemäße Gutachten vorgelegt werden, die zu einer Aufhebung des Verbotes führen: er kann das um so mehr tun, als die Zen- trumspresi« von dem Verbot stark abgerückt ist. Zehntausende Deutsche, die an den Grenzen wohnen, jähren ins Ausland, um diesen Film zu sehen und lasten deutsches Geld dort. Gerade dieser Film und ähnliche, die ihm vielleicht folgen, müßten der deutschen Jugend vorgeführt werde??, damit sie das fürchterliche Elend des Krieges auf diese un- blutige Weis« kennenlernt. Wir setzen uns nach wie vor dafür ein, daß die kulturellen Auf- gäbe?? des Reiches unvermindert erfüllt werden, ui?d daß jede Mei- nluig und jede kulturelle Bestrebung den Schlitz der Verfassung ge- niMt, daß aber auch jeder die Krasl des Staates zu fühlen bekomlnt, der glaubt, gegen diesen Staat mit Gewalt vorgehen zu kö??nen. Kulturelle lllid inenschlichc Solidarität und die Kraft der Ideen, von deren Richtigkeit wir überzeugt sind, wird unser Volk zuln Glück des Sozialismus führen!(Lebhafter Beifall der Soz.) Abg. v. kordorff(D. Vp.) bezeichnet es als den größten Schwiw del, lvenn die Nationalsozialisten und Deutschnationalen ihren Aus- zug danlit begründen, daß sie inundtot gemacht wordei? seien. Er verliest dann zahlreiche unparteiische und beleidige??de Ausdrücke aus der letzten Rcichstagsrcdc des Abg. Dr. Frank II, um zu beweisen, daß die Nationalsozialisten von dem Präsidenten Löbe mit weitgehendster Nachsicht behandelt worden sind. Es uxrr vielleicht richtig, daß Präsident Löbe nicht nnt Disziplinarstrafen vorgegangen ist, er ist nun mal ein kinderlieber Herr.(Heiterkeit.) Aber wir werden uns überlegen müssen, ob wir ilicht, falls die Herren zurückkehren sollten, gegen solche Beschimpfungen wieder mit Strenge vorgehen sollten. Wenn erst ein paarlnal in solchen Fällen der Ausschluß ersolgt, dairn wird ein besserer Ton i?n Parlameirt wieder aufkommen. Wir bedauern, daß durch das Erfordernis der Zlvei- drittelmehrheit fast jeder Fortschritt in der Weimarer Verfassung verbaut ist. Wir wollen, daß der Reichspräsident gleichzeitig preußischer Staatspräsident wird und daß das Wahlalter herausgesetzt wird. Wir brauche?? a?ich eine Zweite.Ka?n?ner, die durcha??? kein« reaktiv- nöre Einrichtung zu sein braucht. Wir brauchen eine Verstärkung der Macht des Reichspräsidenten in der Richtung, daß die Regie- runigsmacht stabiler rvird. Die Art und Weise, wie die preußischen Landratsämter besetzt werden, führt dazu, daß in Ostpreußen die Verwaltung vollständig stockt. Beim Remarque-Film teile ich die Gründe, die den Minister bewogen haben, gegen die össentliche Vorführung aufzutreten. Ein zu weitgehender Pazifismus kann in unserern Volke leicht den letzten Wehrwillen ertöten. Schließlich ist a?>ch die Ruhe und Ordnung aus der Straße mehr wert, als die Frage, ob dieser oder jener Film gezeigt wird.(Zurufe links:„Also doch Verbeugung vor der Straße!") Mir ist eine strenge Zensur sympathischer, als die Ze??sur durch den Terror der Straße. Wir sehen ja auch a??f den Sprechbühnen, wie sich eine Schinutzwelle über unser Volk ergießt. Ein Stück wie„Das schwache Geschlecht" ist das schamloseste, was ich je auf der Bühne gesehen Hab«. Wir werden die Regierung in der Abwehr der Bürgerkriegsbestrebungen unterstützen. Bon den Sozialdemokraten ist eine Entfchließurrg eingegangen, die vertanzt, daß alle Reichs, Staats- und Gemeindebeamten, die zur Ausübung ihrer Obliegenheiten als Reichstagsmitglleder he- urlatibt sind, zum Dienst herangezogen werden, sofern sie ihre Ob- licgenheiten als Abgeordnete nicht erfüllen. Abg. Pehold(Wp.) betont, daß er am Remarqe-Film nichts gefunden hat, was das Verbot verlairgt, daß aber die Staotsautori- tät fordert, ein einmal ausgesprochenes Verbot auch anzuerkennen. Das Verbot des sozialdemokratischen Trickfilms ist anaesichts der politischen Hochspannung zu verstehen. Zu bedauern ist, daß ein Reichsschulgesetz zur Zeit nicht geschaffen iverden kann. Eine Wahlrcform ist unannehmbar, wenn sie nicht auch die Erhöhung des Wahlallers bringt. Auf die Technische Nothilfe kann angesichts der Kämpfe in der Ar- beiterschaft iminer noch nicht verzichtet werden. Abg. D. Mumm(Christl.-Soz.) spricht unter lebhasten Gegen- rufen der Kommunisten der Polizei Dank aus für ihre selbstauf- opfernde Haltung bei Straßendemonstrationen, besonders links- radikaler. Er wünscht ebensolche kirchlichen Verfastnngsänderungen wie Abg. v. Kardorff und Schutz der kirchlichen Feiertage. Aus- ländische Filme, die das deutsche Ansehen schädigen, sollten auch nach Ausmerzung dieser Stellen für die Vorführung in Deutsch- land nicht zugelassen iverden. Der Redner verliest Berichte über die Kirchenverfolgung:n Rußland und hält den protestierenden Kommunisten entgegen, daß sie seine früheren Angaben darüber nicht widerlegen konnten. Abg. Dr. Külz(Staatsp.) verlangt Aufrechterhaltung der Staats- autorität unter Hinweis auf die täglichen Versammlungsschlachten. Als er von denen spricht, die Gott sei Dank den Reichstag verlassen haben, ruft ein vorlauter Kommunist:„Wir gehen auch bald!" Andere Konimuntsten fallen rasch mit Zurufen ein, um diesen über- eilten Ausruf vergessen zu machen. Die Reichsreform bezeichnet der Redner als eine Frage des Wollens, die Eigenstaatlichkeit der Länder als ein Aeberbleibsel der monarchischen Zeit. Den Remarque-Film hätle er nicht verboten, wenn es auch befremde, daß der Dichter die ihn so beheinschenden Erlebnisi« der Verfilmung preisgegeben habe. Wenn aber die Gass« Zensur ausüben kann, so wäre es aus mit Deutschland als Kulturstaot. Gegen 19 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf hem«, Dienstag, 15 Uhr? vorher Abstimmungen zum Landwirtschastsetat und sozialdemokratischer Antrag betr. Gefrierfleischeinsuhr. Ztuifat*4***# wKmmwrw** im bringen wir eine n< ySJ* V ENVER BE\ EinhsUsPachung die Irofe Billigkeil jeden anspruchsvollen Raucher neue ZigareUe BEY VALUTA dick und rund 0/m. befriedigen wird Herr Schacht Gegen den„Marxismus", gegen Neich Herrn Schachts n«ues Buch„Das Ende der Reparationen", das Herrn Hugenberq zuerst zur „Verwertung" überlassen wurde, ist jetzt auch sür die öffentliche Besprechung frei. Fcuilletonistisch bearbeitete Lebensbeschreibungen historischer Perjönlichkeiten sind die große literarische Mode unserer Zeit. Wenn nach 30 bis 40 Jahren noch einmal eine solche Mode cnt- stehen wird, so wird ein künftiger Emil Ludwig schwerlich eine verlockendere Aufgabe als die Lebensbeschreibung von Herrn Schacht haben. Nicht deshalb, weil man Herrn Schacht als eine große Persönlichkeit einschätzen würde; man wird vielmehr mit großer Mühe und oielleicht vergeblich nach den Gründen suchen, warum dieser Mann eine Zeitlang eine so große Rolle in der deutschen Politik spielen konnte. Die Persönlichkeit von Schacht wird aber wegen ihrer Wandlungsfähigkeit und UnberechenbarlM zweifelsohne einen sehr dankbaren Stoff für ein histort* schcs Feuilleton bieten. Wir müssen uns heute mit Herrn Schacht unter anderen Gesichtspunkten befassen—, momentan vor allem im Zusammenhang mit seinem neuen Buch„Das Ende der R e p a r a t i o n e n". Es ist aber auch in diesem Zusammenhang notwendig, aus der Vergangenheit von Herrn Schacht einiges noch einmal in Erinnerung zu bringen. Herr Schacht hat dem„Lokal-Anzeiger" fein Buch zum Vor- abdruck einiger Partien zur Verfügung gestellt, was für feine gegen- wärtige politische Einstellung kennzeichnend ist. Cr hält es auch für geschmackvoll, sich in seinem Buch des Jargons der Hugenberg- und der nationalsozialistischen Presse zu bedienen und alles, was ihm nicht gefällt, als„marxistisch" zu bezeichnen und als die Schuld des„marxistischen Systems" darzustellen. Dieses System habe das ganze Unglück Deutschlands in der Nachkriegszeit verschuldet.„Die innerpolitische Folge des verlorenen Krieges— erzählt Herr Schacht (S. 176)— war, daß durch die Revolution vom November 1018 eine Parteischicht ans Ruder geriet, die in keiner Weise auf die Verteidigung der national-wirtschaftlichen Interessen eingestellt war, sondern zunächst den engen Triumph auskostete, ihre sozialen Parteitheorien, von denen sie das Glück der Menschheit er- hoffte, durch die Ergreifung der innerpolitischen Macht in Deutsch- land verwirklichen zu können." Es ist aber nicht gelungen, diese Theorie zu verwirklichen.„Die Träume von der�Ver- st a a t l i ch u n g der Produktion, die in den Köpfen der fozialisti- schen Theoretiker spukten, wurden schon in den allerersten Mo- unten nach der Revolution zu Wasser." Es ist nicht unsere Absicht, hier die Geschichte der RevoluKons- Periode zu untersuchen. Nach diesen Aeußerungen von Herrn Schacht ist aber die Frage berechtigt: Was tat Herr Schacht in der damaligen Zeit? Welche Weisheiten könnte man von seiner warnenden Stimme vernehmen? Die Frage ist ganz leicht zu bsantroorten, weilt„Dr. Hjalmar Schacht, Bankdirektor", den am 16. November 1918 erlassenen Aufruf zur Gründung der Demokratischen Partei unterschrieben hat, in welchem es unter anderem hieß:„Die Zelt erfordert die Gestaltung einer neuen sozialen und Wirtschaft- lichea Politik. Sie erfordert, für monopolistisch entwickelte Wirtschaftsgebiete die Idee der Sozialifleruog aufzunehmen..."(!) And an einer anderen Stelle de? Aufrufs wird unter den aot- wendige» Maßnahmen„die internationale Durchführung eines söziaWischen ZMndesiprogramms"(!) von Schacht gefordert. Sotchs Träume spukten damals im Kopf von Herrn Schacht! Jetzt spukt allerdings in feinem Kopf etwas ganz anderes, und «in künftiger Emil Ludwig wird fem Vergnügen daran finden, die Einstellung von Herrn Schacht im Jahre 1931 seinen späteren Wandlungen gegenüberstellen zu können. Wir sind überzeugt, daß Herrn Schacht von seinen wertvollen Charakterzügen fein« un- eingeschränkte Wandlungsfähigkeit erhalten bleibt und daß er sich «rnnral auch mit seinen heutigen Freunden oerkrachen wird. Man darf von vornherein auf sein«„Enthüllungen" über Hugenberg ge- spannt sein. Jetzt ist es noch nicht so weit, und Herr Schacht be- mstht sich in seinem Buch um die„Enthüllungen" über die deutschen Regierungen, namentlich über die Regierung.Hermann Müller, die er als„sozialdemokratische Regierung" schlechthin be- .zeichnet. Er stützt sich dabei auf die Wiedergab« der vertrouKchen Besprechungen und der Briefe sowie auf die Behauptungen, die er ohne Angab« der Quellen aufstellt. Seine Schilderung kann deshalb nur von jemandem nachgeprüft und nötigenfalls korrigiert werden, der selbst bei allen Verhandlungen dabei war. Der am meisten von Sckiachl angegriffene Plann, Strese- mann, lebt nicht mehr. Herr Schacht betont auch in seinem Buch, daß er.aus freier Entschließung und im vollen Bewußtsein seiner Verantwort- lichkeit den Ioung-Plan unterzeichnet" hat(S. 100). Er versucht aber dann nicht weniger nachzuweisen, als daß die Be- schlüsse der zweiten Haager Konferenz eine vollkomme neDer- fäljchung des Uoug-Plans bedeuten. Wörtlich sagt er, daß „die Tatsache, daß der völlig auf eine wirtschaftliche Abwicklung eingestellte Aoung-Plan im Haag mit dieser Sanktionsklausel be- lastet worden ist, doch den Todesstoß für den Poung-Plan be- beute"(S. 130). Von dieser Sanktivnsklausel, devsn Sinn und Be- deutung Herr Schacht völlig schief und mit tendenziösen lieber- treibungen darstellt, war sicherlich niemand in Deutschland begeistert. So, wie sie angenommen worden ist, bedeutet sie ober keine Beein- trochtigung des Voung-Plans, was Herr Schacht selbst indirekt zu- gibt, wenn er schreibt(S. 100); es ist„nicht nur sachlich un- richtig, sondern auch taktisch falsch, die Revisions-, Abänderung» und Beendigungsmöglichkeiten, die im Poung-Plan enthalten sind, zu unterschätzen". Und er wirst dem Kabinett Müller»nd dem nachfolgenden Kabinett vor, daß sie diese Möglichkeiten nicht beachteten. Das könnte und sollte— nach Schacht— also nach der Aunahin« der Santtionsklaujel geschehen. Also war diese Klausei kein„Todesstoß für den Poung-Plan", dessen wertvollc Eigenschaften nach Schacht nicht unterschätzt werden dürfen. An diesem entscheidenden Punkt erweist Schacht selbst die ganz« „vernichtende" Kritik, mit der er den größeren Teil seines Buches ausfüllt, als eine große Seifenblase. Herr Schacht nünmt in seinem Buch zu einer solck)«n Menge von Fragen Stellung, daß es schier unmöglich ist, m einem Zeitungs- ortikel auch nur aus einen wesentlichen Teil seiner Theorien und tatsächlichen Darstellungen einzugehen. Das meiste ist auch gar nicht ny». ö�err Schacht wiederholt mit größter Ausführlichkeit ziemlich alles. was er schon früher geaen die öffentliche Wirtschaft, über die Ausländsanleihen, über die Kolonien usw. mehr als einmal gesagt hat. nur noch viel stärker agitatorisch zugespitzt und vielleicht noch weniger sachlich begründet. Es werden, was wir gern anerkennen, auch manche richtige Gedanken ausgesprochen. Zum Beispiel:„Es ist als Ankläger. Regierungen und— den Kapitalismus! eine völlige Unmöglichkeit, den Doung-Plan lediglich als eine von Deutschland übernommene Zahlungsverpflichtung anzusehen, sich aber über die wirtschaftlichen Vorbedingungen, die der Ioung-Plan aufgestellt hat, einfach hinwegzusetzen."(Seite 242.) Dieser Ge- danke setzt freilich voraus, daß der Doung-Plan keinen Todesstoß erlitten hat, ist aber zweifelsohne richtig. „Aiarxistische" Angriffe gegen den Kapitalismus. Am meisten haben uns aber im Buche von Schacht seine An- klagen gegen den Kapitalismus gefreut. Man könnte manchmal den Eindruck haben, daß Herr Schacht den marxistischen „Vorwärts" zitiert. Wir unterschreiben zum Beispiel mit beiden Händen seine Feststellung(Seite 243): „Ein Kapitalismus, der nicht imstande ist, die Arbeitermassen in der Welt zu ernähren, hat keinerlei Existenz- berechtigung." Und sehr interessant ist auch der danachsolgende Satz: „Die schwere Schuld, die das kapitalistische System auf sich geladen hat, beruht in seiner Verbindnng mit der imperialistischen und militaristischen Gewaltpolitik." Ausgezeichnet! Das ist zwar nicht die einzige, aber wirklich eine groß« Schuld des Kapitalismus. Wir holten diese Schuld für die notwendige Folge der kapitalistischen Entwicklung, und wir ver- stehen jetzt auch ganz gut, warum Herr Schacht seinerzeit„die internationale Durchführung eines sozialistischen Mindestprogramms forderte. Nur ist Schacht nicht ganz konsequent. Zu der imperialistischen Gewaltpolitik gehört doch auch die Kolomalpolitik, für die Herr Schacht auch in seinem Buch eine so große Liebe zeigt. Offenbar ist Kolontalpolitik für ihn eine mystische Angelegenheit. Er behauptet wiederholt, daß Deutschland Kolonien sür den Bezug der Rohstosse braucht, daß„in den deutschen Kolonien... ein ausreichendes Feld für den Rohstofibezug gegeben war", verrät aber mit keinem Wort, was das alles für Rohstoffe waren und welche Gebiete mit welchen Rohstoffquellen jetzt für Deutschland als Kolonien in Betracht kommen. Wenn er konkreter wird, so spricht er in diesem Zusammenyang vo-n der l ot h r i n g is ch e n Eisenerzbasis! Das Wichtige Bankgründung. „Zulernalionale Bodenkreditbank" in Basel. Haute wird in Basel eine wichtige internationale Gründung erfolgen. Sechs führende Schweizer Banken, von Amerika die Chase National-Bank, von England die Higginson u. Co. und die Helbert, Wagg u. Co., von Frankreich das Bankhaus Lagard Freres u. Ei«, und die Filiale Higginson u. Co., Paris, von Schweden Kreuger u. Toll sowie die Skandinaoiska, endlich von Deutschland die vier O-Banken, Reichskrcdit A.-G., Mendelsohn, Warburg, die Kreugersche Unionbank, Fraeirkel u. Simon, sowie die Deutsche Aentralbodentrsdit A.>G.(Gemeinschaftsgruppe) haben die.�International« Bodenkreditbank" mit einem Kapital von 25 Millionen Schweizer Franken gegründet, die zugleich den fran- zösischen Namen„Credit Fonder laternational" und den englischen Namen„Tüe Internaflonal Mortgage Bank" trägt. Die deutsche Gruppe fit mit SO Proz. am Aktienkapital, da» anläßlich der Grun- düng mit 5 Millionen Franken eingezahlt wird, beteiligt die fror:. zösische mit 10 Proz. Die Bank hat das Zehnfache ihres Aktien- kapital? an Obligationen, also 2L0 MUlionen Franken, ausgegeben. Der Zweck der Gründung ist in erster Linie der Verkauf deutscher Pfandbriefe und deutscher Kommunal- obligationen im Ausland. Man denkt dabei teme höher ver- zinslichen als fiebenprozentige Pfandbriefe und Obligationen ins Ausland zu verkaufen und auch die Wege vorzubereiten, höher ver- zmsliche Anleihen in modriger verzinsliche umzuwandeln. Die Bank will in allernächster Zeit bereits mit der Emission eigener Obli- gationen beginnen. Wenn die Bank erfolgreich arbeitet, liegt der Vorteil für Deutschland auf der Hand. Die Möglichkeit, billigeres Kapital auch in respektablen Mengen nach Deutschland zu bringen, ist zweifellos gegeben. Daß die internationalen Gründer der Bank dabei in erster Linie an ihren Vorteil denken, ist selbstoerständlich, aber auch un- vermeidlich. Das Ziel wie der begrüßenswerte Zweck dabei ist der internationale Kapitalausgleich, der gegenwärtig durch inner- politische Moment« zuungunsten Deutschlands gehemmt ist, die aber gerade durch ein starkes internationales Banktonsortium, das seine Unterschristen und seinen Kredit.zur Verfügung stellt, in ihrer Aus- Wirkung gemildert werden können. Es ist kein Zweifel, daß Deutsch- lands Wiedererhowng aus der Wirtschaftskrise sehr stark von zusätzlicher Kapitaleinsuhr abhängt. Erfreulich ist dabei die Einschaltung des französfichen Kapital mackts. Auf der anderen Seite muß freilich gefordert werden, daß bei der beabsichtigten Um- Wandlung kurzfristiger kommunaler Schulden in langfristige der von den deutschen Banken so gerne ausgeübte Privatisie- rungsdruckauf kommunale Verwaltungen beiseite gelassen wird. Die europäische Agrarkrediibank. Die Borarbeiten zur Gründung der von Loucheur geforderten europäischen Agrarkreditbank sind, wie Sauerwein im„Matt n" berichtet, schon weit gediehen. Die Statuten der neuen Bank seien bereits bis auf wenige Einzelheiten fertiggestellt. Sofort nach der Zustimmung der Finanzabteilung des Völlerbundes werde das neue Institut seine Tätigkeit ausnehmen. Zu seinem Sitz werde voraussichtlich nicht Basel, sondern Zürich oder Amsterdam gewählt werden. Verfchleuderier russischer loggen. Di« Russen haben sich gezwungen gesehen, ihren in Rotter- dam lagernden Roggen kurzerhand zu verkaufen. Es handelt sich dabei um ein direkt wahnsinniges Geschäft, das auch dadurch bemerkenswert ist, daß sich die Russen glattweg unter die Führung eines internationalen Handelskonfortiums begeben und ihrer Eni- fchlußfreiheit entäußern. Insgesamt dürften die verknusten Mengen 135 OOOIonnen beiragen. Dieser Roggen wurde seinerzeit aus englischen Schissen vom Schwarzen Meer nach Rotterdom gebracht, ohne daß man Aussicht hatte, diesen Roggen m'Rotterdam zu verkaufen. Dann wurde der Roggen beliehen. Nachdem die Preise weiter gesunken sind, entschloß man sich zum Verkauf. Käufer ist ein holländisch- deutsches Konsortium von Getreidehändlern. Die Russen haben pro Doppelzentner 3,47 Gulden oder noch nicht 6 Mark erhalten. Berechnet man für Frachten, Zinsen, Versicherung usw. pro Doppelzentner IJS Gulden, so erzielten die Russen für ihren Roggen pro Doppelzentner«inen Preis von etwa 2 Gulden oder 3.40 Mark! Der Roggen fit also geradezu herausgeworfen worden, während klingt so unwahrscheinlich, daß wir die betreffende Stelle(Seile 168) wörtlich zitieren müssen: „Was Deutschland fehlt, sind Kolonialgebiete für seinen Rohstoffb ezn g und Absatzmärkte sür seine Faori- täte. Konnte es vorher, als es noch über eigene koloniale Roh- stoffgebiete verfügte, seine Rohstofsankäuse aus diesen durch Kredllinanspruchnahm« in seiner eigenen Währung finanzieren, so muß es heute Valutakredllc in Anspruch nehmen. Di« ganzen Außenhandelsbeziehungen im Import und Export sind somit auf eine außerordentlich schwankende Basis gestellt, und jede ökono- mische oder politische Störung in seinen ausländischen Beziehungen beeinflußt die Handelsbilanz Deutschlands sofort erheblich. Der Rückgang der deutschen Aussuhr von Walzwerkserzeuomssen sind ein typisches Beispiel, wie sehr der V e r l u st der lothringischen E i s e n r r z b a si s die deutsche Industrie geschädigt hat." Wir wollen die Berechtigung des Beispieles nicht prüfen. Was hat es aber mit den Kolonien zu tun? In welchen Kolonien kann Deutschland den Ersatz für die lothringische Eisenerzbasis er- halten?! Herr Schacht würde vielleicht antworten, daß man zwar keine neue Eisenerzbasis, dafür aber andere wertvolle Rohstoffquellen erhalten könne. Warum wird er aber nicht deullich genug, wem, er von„der Rückgewinnung eigener Rohstoffquellen" spricht? Es bleibt sein Geheimnis, welche Rohstoffe er dabei meint. Wir wollen unsere Ausführungen aber nicht mit diesem Frage- zeichen abschließen und geben mit uneingeschränkter Zustimmung noch eine ausgezeichnete Stelle(Seite 213) aus seinem Buche wieder, die uns noch einmal an die sozialistische Vergangenheit Schachts erinnert: „Rund 15 Millionen Erwerbslose sind auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen und zehren an de» finanziellen und wirtschaftlichen Reserven der Industrieländer. In Rußland, China und Indien sterben Millionen von Menschen an Hungersnot, während in den großen Getreideproduktionsländcrn ein Teil der Ernte verkommt. Niemals ist die U n f ä h i g k e i r der wirtschaftlichen Führer der kapital: st ischen Welt so deutlich zutage getreten wie gegenwärtig. Wundert sich da noch jemand, daß eine allgemeine Erbitterung in den breiten Bevölkeningsschichten fast aller Länder sich gellend macht, die in sozialistischen, kommunistischen und bolschewistischen Reaktionen Ausdruck sucht?" Herr Schacht kann also sehr gut„marxistisch" redenl Nur schade, schade, daß er nicht aus seiner Erkenntnis des Bankrotts des kapitalistischen Systems klare praktische Konsequenzen gezogen. sondern das ganze Buch geschrieben hat. um der schlimmsten k a p i t a l i st i s ch e n N e a k t i o n und— insgeheim— dem dritten Reich zu dienen. in Ruhland Millionen hungern. Außerdem hoben sich die Russen verpflichtet, drei Monate hindurch keinen werteren Roggen zu verkaufen, um der kapitalistischen Roggenspekulation nicht das Geschäft zu verderben._ Lebenshaliungsindex 138,8 Prozent. Das Reichs statistische Amt teilt mit: Die Reichsindexzisfer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung. Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstiger Bedarf) belies sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Februar auf 138,8 gegenüber 140,4 im Vormonat. Sie fit somit weiter zurückgegangen. An dem Rückgang sind die Bsdarssgruppen Ernährung. Bellerdung und sonstiger Bedarf beteiligt, und zwar sind zurückgegangen die Index. ziffer für Ernährung um 1,9 auf 131/1, für Bekleidung um 1.2 aus 144,7, für sonstigen Bedarf um OL auf 186,7 Proz. Indexziffer für Wohnu ng ist mü 131,8 Progr, ha für Heizung und Beleuchtung mit 150,4 Proz. unverändert geblieben. In der Gruppe Ernährung sind hauptsächlich die Presse für Fleisch und Fleischwaren, für Eier, Hülsenfrüchte sowie Kakao und Vohnenkassto gesunken. Dagegen sind die Preise für Gemüse und Kartoffeln wohl unter dem Einfluß der Jahreszeit weiter gestiegen. Die Presse für Butter haben im Reichsdurchschnitt ebenfall« angezogen. Handelskammern zur Wirischastslage. Nach dem Handelskamnrerbericht de« preußischen Handelsministi:- riums für den Monat Februar weist die Lage immer noch keine bestimmten Anzeichen für eine Besserung aus. Allerdings zeige sich in den einzelnen Zweigen der Textilindustrie eine gewis'e Belebung. Auch die wachsende Widerstandsfähigkeit der Börse habe zu einer gewissen Belebung geführt. Was wird mii den Schweinen? Die iiefsten preise kommen noch. Wie an jedem Monatsende berichtet das Institut für Landwirt- schafliiche Marktforschung Berlin in den„Blättern für Land- wirtschaftliche Marktforschung" auch jetzt über ein- gehende Untersuchungen der aktuellsten Absatzgebiets. Dem Februar- hest entnehmen wir ouszugswefi'e das folgende Ergebnis einer Untersuchung über die Zukunft des Schwe'memarkts: Der außerordentliche Tiefstand der Weltgetreide» preise ist auch von großer Bedeutung sür das zukünftige Schweine» Preisniveau am internationalen Markt. Im Durchschnitt der Jahre 1925/29 kostete in Dänemark Futtergetreide rund 19 M. je 100 Kilo- gramm; im gleichen Zeitraum betrug der Schweinepreis 134 M. je 100 Kilogramm, also etwa das Siebenfache des Futtergetreidepresses. Dieses durchschnittliche Verhältnis zwischen den Marktpressen sür Schweine und Getreide von 7: 1 kann als Kalkulationsbasis für die Abschätzung des für die Zuknnft zu erwartenden durchschnittlichen Schweinepreisniveaus am internationalen Markt dienen, denn es dürste die Prcisbeziehungen zwischen Futter- und Schweinepreis zu- treffend zum Ausdruck bringen. Würde man von dem gegenwärtigen Tiefstand der Weltgctreidc- presse von rund 80 M. je Tonne Futtergetreide ausgehen, so käme man— unter Annahm« des bisherigen durchschnittlichen Preisver- hältnisses von 7:1— zu Schweinepreisen von nicht ein- mal 60 M. je 100 Kilogramm. Der Preisstand von 80 M. je Tonne Getreide dürfte aber kaum sür einen so langen Zeitraum Geltung behalten, daß sich das durchschnittliche Schweinepreisniveou — ebenfalls für einen längeren Zeitraum gerechnet— auf einen der- artigen Tiefstand einstellen würde. Nicht ausgeschlossen, sondern sogar wahrscheinlrch rst indessen, daß im laufenden Jahr ein derartiger Preisstand für Schweine am internationalen' Markt erreicht wird. Für den deutschen Markt kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, daß die Schwcineprefie im Jahre 1931 wahrschein- lich niedriger liegen weiden als in irgendeinem Jahr feit der Währungsstabilisicrung. Wann der zu erwartende Tiesstand der «schweinepreis« von einer nachhaltigen Erhöhung abgelöst werden wird, läßt sich vorerst noch nicht übersehen und hängt nicht zuletzt auch von dem diesjährigen Ernteausfall ab. Immerhin ist anzunehmen, daß das?lngebot im Lause des Erntefahrcs 1931/32 am größten sein wird. Rechtzeitige Kursänderung! Abbau der Arbeiiszeit und nicht des Lohnes tut not. i Das Evangelium des Lohnabbaus hat nicht mehr so oial Gläubig« wie vor einem halben Jahr. Die Beratungen des Haus- Haltsausschusses über den Etat des Rcichsarbeitsministeriums haben gezeigt, daß die Zahl der Zweisler im Wachsen ist. Die kritischen Bedenken gegenüber den vom Reiäisarbeitsminister bisher zur Be- kbmpsung der Arbeitslosigkeit eingeschlagenen Kurs melden sich stärker Der Ruf nach Arbeitszeitverkürzung wird stürmischer. Der Arbeitsminister erbittet sich zunächst noch eine Frist bis zum Frühjahr. Einstweilen will er seinen Lohnabbau erst noch zum Ab- schlug bringen. Auch die Arbeiter der Reichsbahn, Reichspost, der Reichs- und Staatsverwaltungen usw. sollen erst noch dran glauben. Unterdessen wird es Mai. Vielleicht zeigt sich dann doch eine Besserung, vielleicht geschieht ein Wunder. Wenn nicht, dann soll in der Arbeitszeitfrage ein Experiment gewagt werden. „Kurswechsel" also frühestens im Frühzahr! Von den Gewerkschaften ist von Anfang an niemals die Arbeits- Zeitverkürzung als«in A l l h e i l m i t t« l gegen die Arbeitslosigkeit empfohlen worden. Es gibt verschiedene beachtenswerte Hilfsmöglich- keilen, und dazu gehört zweifellos die Arbeitszeitverkürzung. Sie ist möglich und sie bringt Hilfe. Sie ist eine bittere Medzin, und niemand will sie schlucken, die Unternehmer nicht und mich unsere Kommunisten nicht, weil sie für die Arbeitslosen kein Opfer zu bringen bereit sind Sic schimpfen auf den„Lohnabbitu durch Arbeitszeit- Verkürzung". Sie verlangen mutig die 40-Shinden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Wie immer ist ihnen die Taube auf dem Dach lieber als der Spatz in der Hand. Mit Arbeitszeitverkürzung ist natürlich nichts mehr anzufangen, wenn man die Löhne bereits auf die Höhe der Arbeitslosenunter- stützung heruntergeschraubt hat. Auch ist zu bedenken, daß die Kurz- arbeit bereits sehr kräftig zugenommen hat. Trotz alledem muh jedoch in der Arbeitszeitfrage etwas geschehen. Die Erkenntnis, daß in einer Feit ungeheurer Maschinisierung der Wirtschaft entweder eine ent- sprechende Steigerung des Verbrauchs oder aber eine Verkürzung der Arbeitszeit oder wahrscheinlich beides eintreten muß, ist tief in das Bolksbewußtsein eingedrungen. Der Reichsarbeitsminister hat sich daher auch für alle Fälle einen Rückzug aus seiner Lohnabbaupolitik gesichert. Er hat aber den Unternehmern mit Arbeitszeitverkürzung nur gedroht, wie er ihnen auch in der Frage des Preisabbaus nur gedroht hat. Und wenn die Herren nicht Vernunft annehmen? Dann— profitieren natürlich die Rechts-undLinksbolschewisten auch weiter- hin an dem allgemeinen Elend, und anlehnungsbedürftige Parteien, wie z. B. die Deutsche Volkspartei, spielen dann weiter mit dem Gedanken, zusammen mit den Nationalsozialisten eine Regierung zu schaffen, die gegen die sreiorganisierte Arbeiterschaft Kurs nehmen soll. Die Politik des Zaudern? ist eine teure Politik. Man hätte vom Reichsarbeitsminister, nachdem ihm seine politischen Freunde in der Bayerischen Volkspartei im Haushaltsausschuß selbst gesagt haben, daß die an den Lohnabbau geknüpften Erwartungen nicht eingetroffen seien, schon etwas mehr Entschlußkraft erwarten dürfen. Die Situation ist doch klar. Der Preisabbau war ein« Pleite, der Lohnabbau war ebenfalls«ine Pleite.— soweit damit der A r b e i t s in a r k t angekurbelt werden sollte. Niemand glaubt mehr daran, daß wir auf diesen Wegen ins Freie kommen. Die Gefahr, daß die Preise wieder an- ziehen, ist unleugbar. Was unter diesen Umständen noch'von einem Lohnabbau erwartet werden soll, von dem sich der Reichsarbeitz- minister nicht trennen will, weil auch er von der Parole des Abbaus der Gestehungskosten sich hypnotisieren ließ, ist ein unlösbares Rätsel. Die Arbeiterschaft hat das Lohnabbauexperiment mit großer Selbstbeherrschung über sich ergehen lassen. Man soll aber diese Selbstbeherrschung nicht auf eine zu harte Probe stellen. Mit Ministererklärungen läßt sich weder der hungrige Magen noch die Verzweiflungsstimmung der Arbeitslosen beruhigen. Den Radi- kaKsmus bekämpft man nicht mit langen Reden, sondern nur mit ent- schlossenen Taten, che es zu diesen z u s p ä t ist. l Nordwest blufft schon wieder! Rahmenvertrag gekündigt. Der Arbeitgeberverband Nordwest läßt durch das Wolff Büro folgende Meldung verbreiten: „Das auf der Essener Konferenz der Nordwestlichen Gruppe mit den Vertretern der Metallarbeitergewcrkschaften angekündigte Schreiben, wonach die Arbeitgeber ihre Absicht kundtun, den Rahmentarisvertrag für die Nordwestliche Gruppe zum 1. April zu kündigen, ist heute bei den Gewerkschaften eingegangen." Man nimmt das gebührend zur Kenntnis. Aber nachgerade dürft« sich der D l u f f, mit dem die Schwerindustriellen mit Vorliebe arbeiten, abstumpfen. Hxrr Poensgen genießt gegenwärtig dr« Gastfreundschaft Stalins, wahrscheinlich um zu lernen, wie man die Diktatur handhabt. Da wir vorläufig m Deutschland noch unter der nsrsluchten Demokratie leben, ist die Lohndillatur noch etwas ge- h-lmmt. Daran wird der Bstiff mit der Kündigung des Rahmen» . n�rkragz gar xüchÄ öndncn. Aber mÄvroird jetzt©elegeicheii haben, die TchweriNdustrieven nöi die bestimmte Frage zu stellen, warum sie nicht die Arbeits» Zeit auf 40 Stunden verkürzen, statt Werke stillzulegsn. Und wie sie den Skandal einer Arbeitszeit bis zu 60 Stunden die Woche vereinbaren können mir einer Arbeitslosen- zahl von fünf Millionen. Der Bluff Nuhrori-Meiderich. Di« Stillegung der Hütte Ruhrort» Meiderich war. wie die Gewerkschaften von Ansang an betont hatten, eine von vornherein beschlossene Sache. Den Beweis dafür liefert die Zehschrist„D e r R i n g", der mit den führenden Männern des industriellen Wesens in engem Kontakt steht. Sie sagt:„Noch Informationen, die uns geworden sind, war die Stillegung des Werkes von vornherein beschlossen. Da die Eisenenquete festgestellt hatte, daß die deutsche Stahlproduktion übersetzt sei, jiihlte daher auch das Wirtjchoitsministerium sich nicht bemüßigt, sich für die AufrechterHaltung des Wertes einzusetzen, so daß von den drei Faktoren, die für eine Aufrechterhaltung des Betriebes in Frag« gekommen wären, allein zwei, nämlich der Staat und die Unter- nehmer. g a r n i ch t d i« A b j i ch t h a t t e n, dos Werk aufrechtzu- erhalten." Die Fünfiage-Woche marschiert. Ailerdingö mit Lohn?ür,ung. halle o. d. S.. 2. Mär.z. In freier Vereinbarung wurde am Sonnabend ein Kurz- arbeitsabtommen für Angestellt« für die chemische Industrie Mitteldeutschladnz(Sektion 5d. umfassend die Gebiete Provinz Sachsen, Anhalt, Thüringen) irrit Geltung bis 30. September getroffen. Di« Kündigungsfrist für die Einführung von Kurzarbeit mit Kehaltskür-ung beträgt 4 Wochen, und zwar immer zum Monatsersden. Dos neue Abkommen ist bereits mit dem 1. März in Kraft getreten. Di« Merseburger Leunawerke haben auf Grund einer neuen Vereinbarung die Kurzarbeit für Angestellte in Form einer wöchentlichen Feierschicht unter entsprechender Gehaltskürzung cingejührt. Wie Grießmeyer Präsident wurde. Wo bleibt das Selbstverwaltungsrecht? Durch Reichsratsbeschluß wurde der Ministerialrat Dr. Grießmey-r zum Präsidenten der Reichsvcrsicherungsanstalt für Angestellte ernannt. Vor kurzem beschäftigte sich nun der Aerwal- t u n g s r a t der R s A. mit der durch die Selbstbenennung des neuen Präsidenten geichaffenen Situation. Der neue Präsident wurde bekanntlich vor wenigen Tagen auf Vorschlag des Reichsrats(der Vorschlag erfolgte mit einer Stimm« Mehrheit) gegen das Votum der Selbstverwaltungskörperfchaft vom Reichspräsidenten ernannt. Der V-rw-ltungsrat faßte ein- stimmig die folgende Entschließung: „Die Nicktbcachtung de s einstimmigen Vor- schlags des Lerwaltungsrots bei der Ernennung des Präsidenten der Reichsverjicherungsanstaft beweist die Notwendiglelt der Stärkung des S el b st»« r«o lt u n g, r echt». Aus diesem Grunde weist der Verwaltungsrat erneut mit Rachdruck auf den gemeinsam mit dem Direktorium im Mai 1029 gemachten Vor- schlag der Abänderung des 8 100 des ABG. hin. Dieser Vorschlag lautet wie folgt: „Grundsätzlich fordert das Direktorium, daß der Präsident und die anderen beamteten Direktoriumsmitglieder vom Derwal- t u n g s r a t bestellt werden. Mindestens aber ist zu fordern, daß der Präsident und jedes andere beamtete Mitglied des Direktoriums auf Einzelvorschlag des Verwaltungsrats vom Reichs- Präsidenten ernannt werde." Der Verroaltungsrat schließt sich dem an. Er wünscht grundsätz- lich die lebenslängliche Anstellung unbeschadet einer Probezeit. Wie sich der„Giahlhelm" betäiigt. Als Bund der Fronsoldaten. In einem Rimdschvelben der Geschäftsstelle W e rdau de» „SmhlhÄmS"«n die Ü nternehmtt heißt eis- „Du SrahlhelMi Bund der Fromsoldalen,. Ortsgruppe Dexdau. Hai zu? Zeit 66 erwerbslos« Kameraden, und.es ist unsere Pflicht. diesen Kamerad ei: bei ihren Bemühunzen um Arbelt behilflich zu sein. Deshalb bitten wir auch Sie, uns bei Erfüllung dieser Stahl- Hestn-Pfkicht zu unterstützen und unsere Kameraden besonders zu berücksichtigen, sobald Sie Arbeiter obei kaufmännische bzw. technische Angestellte einstellen. Wir glauben, daß auch Sie in Anbetracht der innerpolftischen Loge Wert auf nationale Arbeitskräfte legen. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, unsere von Ihnen eingestellten Kameroden zu tadelloser Arbeftsleistung anzuhalten. Sollten Ihnen aus dem Arbeftsverhältnis eines unserer Käme raden einmal irgendwelche MißHelligkeiten entstehen, so bitten wir Sie, uns davon Mitteilung zu machen, damit auch wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen können. Für die schon in Ihrem Betrieb beschäftigten Stahlhelm-Kame raden wären wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie 1. bei etwaigen Einschränkungen soweit als möglich unsere Kameraden weiter beschästigen würden, 2. bei etwaigen Differenzen bzw. einer Unzufriedenheit mit der Arbeitsleistung eines unserer Käme raden auch uns davon benachrichtigen würden. Wir würden dann auf den Kameraden erzieherisch einwirken bzw. gegen ihn einschreiten, da wir außerordentlichen Wert darauf legen, daß unsere Kameraden als nationale Zlrbeitcr vorbildlich auch in ihren Leistungen sind." Ganz abgesehen davon, daß hier der Stahlhelm sich in gesetz widriger Weis« als Arbeitsoermittler austut, ist der Inhalt des Schreibens bezeichnend für den„kameradschaftlichen" Geist, der da gepflegt wird. Als angeblich„nationale" Arbeiter stehen die Stahl hclmer unter scharfer Kontrolle. Die Unternehmer werden nachdrücklich gebeten, die„KaiAcraden" zu denunzieren, die irgendwie aufzumucken wogen. Wir schlagen daher dem Stahlhelm vor. der sich„Bund der Frontsoldaten" nennt, sich künftig zu nennen: Stahl hrlm, Bund der Fron soldatcn. Zum Schuh der Berussmusiker. Die Tätigkeit der Militärmusiker. In den Bestimmungen des Reichswehrministers über die außerdienstliche öffentliche Musiktätigkeit der Militärmusiker ist angeordnet worden, daß die Genehmigung zum Musizieren nur dann erteilt wexden darf, wenn nach dein pslichtinäßigen Ermessen der Komman- deure berechtigte Interessen geeigneter Zivilberufs musiker dadurch nicht geschädigt werden. Um dies einwandfrei feststellen zu können, sind nach dieser Anordnung unparteiische Behöroen oder Persönlichkeiten(Bürgermeistereien, Ortsoorsteher, Polizei, Landrat usw.) um eine gutachtlich« Aeußerung zu bitten. Wenn auch anzunehmen ist, daß die für das Gutachten in Aus- ficht genommenen Behörden über die wirtschaftlichen Verhältnisse ihres Amtsbezirks im allgemeinen unterrichtet sind, so werden ihnen doch in der Regel die besonderen Verhältnisse der Zivitberufsmusiker nicht so bekannt sein, daß st« ohne weiteres bestätigen können, die Interessen geeigneter Zivilberufsmusiker würden durch das beabsichtigte Musizieren nicht geschädigt werden. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt, ersucht daher der preußische Mini st er des Innern in einem Rundcrlaß die Londräte und örtlichen Polizeiverwalter, vor der Abgab« des Gutachtens kurzer» Hand bei dem zuständigen Arbeitsamt anzufragen. Den Se» metndebehörden wird empfohlen, schon im Hinblick aus dl« ständig steigende Zahl 0er Wohlfahrtserwerbsjlosen, ebenso zu verfahren. AEG. Orchester sagt Mitwirkung ab. Zu der Zuschrift des Deutschen Musikerverbandes über die Heranziehung des AEG.-Orchesters zu einem Kirchenkonzert erhalten wir von dem Orchester eine lange Zuschrift, der wir folgernde Aus- führunge» entnehmen: Unsere Gemeinschaft schließt ein gewerbliches Musizieren grund- sätzlich aus, so daß von einem„Nebenverdienst" keine Rede sein kann. Die Mitwirkung unseres Orchcstervereins bei dem Kirchenkonzert der Eo. Lutherischen Gemeinde im November vorigen Jahres erfolgte gegen Rückerstattung der baren Auslagen. Irgendeine Bergütnng für die Tätigkeit an unsere Mitglieder ist nicht gezahlt worden. Wir hatten di �Verpflichtung gern übernommen, um unseren Mitgliedern, die lediglich aus Liebhaberei musizieren, Gelegenheit zum Stuldium von Werken mft Chor zu geben, die sich uns nach dem lediglich auf Instrumentalmusik eingestellten Wirkungskreis unserer Gemeinschaft selten bietet. Unsere Mitglieder sind für ihre Liebhaberei durch berufene Könner vorgebildet und stehen größtenteils noch unter ständiger Kontrolle ihrer Lehrer, die dem Berussmnsikerstand angehören. Wir beschäftigen außerdem auch ständig einen musikalischen Leiter, der Berufsmusiker ist, bieten jungen Vcrufskünstlern die Möglichkeit, in unseren Reihen kostenlos Studien zu machen usw. Außerdem ist der Materialverbrauch an Instrumenten und besonders Noten nicht außer acht zu lassen, sowie die Zahlungen, die wir vertragsgemäß an die Aufführungsrechtsgesellschaften(auch Berufsorganisation) zur Förderung der Musikkultur leisten. Schließlich werden unsere Mft- glieder durch das Selbststudium am Werk in bester Form auf den Besuch von Konzerten der Bcrufsmusiker vorbereitet, wie ja auch ein großer Teil unserer Mitglieder im Besitze von Konzertabonne- msifts ist. Wir haben das größte Interesse an einer recht aus- giobigen Mufitlätigkeft aller, besonders natürlich der Berufsmusiker. Um unsere Aufrichtigkeit in jeder Beziehung zu dokumentieren, haben wir sofort nach Kenntnis des Einspruches des„Deutschen Musikerverbandes" die Mitwirkung zu vom Konzert der Süd- gemeinde am 19. April 1931, die ebenfalls nur gegen Erstattung der Barauslagcn erfolgen sollte, abgesagt. Aufruf an die Lungen. Veranstaltung der Geverkschastsjugend. Im Film- und Bftdamt der Stadt Berlin wurde der freien Ge- werkschaftsjugend der Film„Lohnbuchhalter Kremke" vor- geführt. Symbol der Entmenschlichung der Arbeit: gewaltige Maschinen, phantastische Träum«, die eiserne Wirklichkeit wurden, kreisen im unerbittlich gleichen Rhythmus, stoßen ihre Hebel vor, ziehen sie zurück, bohren, formen, denken, sind Herrscher in menschen- jeer gewordenen Büros und Fabriksalen. Lohnbuchhalter Kramts ist, wie viele andere Arbeitskollegen, von solcher Maschine ver- drängt, durch ein Fünftel ihrer Arbeitskraft ersetzt worden. Tausend andere. Hunderttausende, Millionen, fünf Millionen heute, teilen sein Berufsschicksal. Fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland! Nicht fünf Millionen Kremke-! doch immer noch vielzuoieke seiner Art, die nicht erkennen, daß sie die Macht l)aben über die werte- schaffenden Maschinen, wenn sie sich imr mit allm ihren Arbeits- genossen verbinden, gemeinsam mft allen vorwärts marschieren, die Welt dem Menschen, der Menschheft zu erobern. Dazu sollte diese Veranstaltung die Gewerkschastsjugend ermahnen. Friedet Hall sprach Dichtungen, verzweifelte Aufschreie, Anklagen, di« sie erschüttert als Ankläger vertrat. Die musikalischen Darbietungen des Abends brachte die Kapelle Schaebethal. Gaswerkarbsiier vor die Kroui! Heut« und morgen wählen die Arbeiter der ftildt'jchen Gaswerke ihre Betriebsräte. Natürlich versucht die KPD. auch hier die Zersetzung und Zerreißung der Arbeiterschaft. Leider findet sie Handlanger, die allerdings besser töten, im stillen Kämmerlein ihre Sünden zu büßen. Die Belegschaft wird jedenfalls gut daran tun, die Weinat, Neidhardt, Gollnow und Genossen gehörig abfallen zu lassen. Dank der geschickren und energischen Taktik des Gesamt- Verbandes ist es bisher gelungen, in Berlin in den städttschen Werken den Lohnabbau abzuwenden und statt dessen eine Arbeitszeitoerkürzung einzuführen. Hunderten, vielleichft Tausenden ist dadurch das Elend der Arbeitslosigkeit erspart geblieben, ja, es konnten sogar N e u c i n st e l l u n g e n vorge- nommen werden. Gegen diese erfolgreiche Arbeit der freien Gewcrl- schaften wird die RGO. auch in der Zukunft erfolglos anrennen, wenn die Belegschaft der städtischen Gaswerke heute und morgen dir sreigewerkschostlichc Liste 1 wählt. �reieGewerkfchafis-Iuaend Berlin ömte, Tirnsto«, 1 9" j Uhr. feren die ötinw: Swirtewt(Bniroen- ll«im. Schule Wildenbruchstr. lcl—»4 lÄort�imAicr). bcimiesrrechuuq. Mdr�qcdankr».— Zrinlsurtcr All«: Stadt. Juaendheim. Litauer Strafte 18. Seimbesprechung.— Lichtenbergt liuqendbeim lvosseitr. 22. Keim. tefprechung.— R«n»Licht«aberg: Iugenblieini Gunterstr.-14. Hciinbeivrechunq. Iugenicheun Riedeuschvneweidc. Berliner Str.?.l. Seiinbrsprcchung. Lieder- abenK.— Adlersboi! Jugendheim Bismarchsir. 1. Wir Miid»»» dir cSrunve Dchönpiveide.— Wedding! Jugendheim WMdenowstr. 3, II. Keimbesprechuna. Kampfliedgrabend.— Oltende: Jugendheim»arlshorst, Treskomallec 44 lSant. Schulet. Seunbcsprcchung. Berbandsbuchlontrolle. @Fuaendaruvpe SessZentralverbandes der Angestellten Seute, Dienstag, finden folgende Beraitsialtungen ftait: Rordweft: Jugendheim Lehrier Str. 18— Iii. Vortrag:„Neue Zeit— neue Menschen". Referent: Artur Rochom.— Lichtenberg! Jugendheim Gunlcrslr. 44. Abend eigener Ausgcstoltung.— Osten: Wir besuchen die Versammlung des Werbebe�irls.— Der Sprech, und Bewegungschor halt an jedem Dienstag ab 20 Uhr in der Schule Baruther Str. 20 feine Aebungsabendc ah.— Karten zur Jugendvorftellung der Volksdiidn« am 22. und 2S. Märe find aum Preise von 80 Pf. im Iuqendsekretariat au haben. vI— allerlei Sorten Mchmjfte gibt's, abernur einen Kathr ein er/ Den fristen- mit kn Silk«Harrer kneipp"/ Der Schalt marists/ Aus der Partei. Nothilfe für die Erwerbslosen. Neben den schwerwieoeniden Fragen der wirtschaftlichen Ver- sorgung der Millionen von Erwerbslosen rückt mehr und mehr die Frag« in den Vordergrund, wie den Erwerbslosen, namentlich den Jugendlichen, über die furchtbare seelische Depression hinweggeholfen werden kann. Im neuesten Heft der �Sozialistischen Bil- d u n g" äußert sich darüber Richard Weimann in einem Artikel„Seelische Nothilfe für die Erwerbslosen", in dem detaillierte Angaben über die bisherige Tätigkeit der ver- schiedenen Organisationen auf dem Gebiet der Erwerbslosenschulung und wichtige Hinweise auf die Möglichkeiten gegeben werden, um im Verein mit staatlichen und kommunalen Behörden Schulunzs- kurse und unterhaltende Veranstaltungen für die Erwerbslosen zu organisieren. Im Anschluß daran wird auch der Text der Eingabe veröffentlicht, die von verschiedenen Organisationen an die Reichs- regierung gerichtet worden ist, In Artikeln von W. T i e t g e n s und W, Spengemanns werden die Zustände in den Hochschulen und höheren Schulen geschildert und die Ursachen aufgedeckt, die diese In- stitutionen zu Gefahrenzentrcn für die Republik und die Arbeiter- bewegung gemacht haben. O, Friedländer setzt sich in einem Artikel„Der Mythus des Herrn Rosenberg" mit der programmati- schen Schrift des nationalsozialistischen„Theoretikers" auseinander, — Wichtig für Bildungsfunktionäre sind die„P r og r a m m v o r- schlüge für die Maifeier" von W. Häncl und die„Pro- grannne für Partei- und Jugendweihe" von R, Gärtner, Aus der Beilage„Sozialistische Erziehung" sei vor allem der Artikel von R. Revenllow„Die faschistische Volks- schule in Italien" herausgehoben, in dem die geistigen und seelischen Verwüstungen geschildert werden, die die faschistische Schulpolitik.n Italien angerichtet hat, Die„Sozialistische Bildung" ist mit ihren Beilagen„Bücher- warte" und„Sozialistische Erziehung" zum, Preise von 1,50 Mark für das Bierteljahr durch die Post, die Buchhandlung Dietz, Linden- straße 2 sowie durch alle„Vorivärts"-Speditionen zu beziehen. Eingclnummern kosten 75 Pfennig. Uiusendmigen für diese Rubrik sind Berlin GW 68. Lindenstrahe 3, parieinachn'chien /wm fürGroß-Nerlin stet» an da» Bezlri»s«tr»tar>a> 2. Hot, 2 Treppen reibt», ja rtchtea Beginn aller Veranstaltungen 19 � Uhr. sofern keine besondere Zeil- yngabe!—(KV.~ Kreisvorsland.) heule, Dienstag, 3. ZNarz: S. Stnis. lO1'j Uhr f ntitm stV,, 20'/, Uhr KV. mit Abk!lana»leitern und Kafsterern im Lolal Kroifj, Holftciaisch« Str.«0. 9. Abt. DejirtsMhrer.«nd Vorftanbc-fitutn« nickst heute, sondern erst Ton- netätafl, 5. Miirj, im flcnann: er, fiotal. 11. Abt. Shcatcrtoctcn„SuftUttife" jmn 8. März beim Genossen Hanwel, Beusselstr, 9. 12. Abt. Svoripalast-Ginlrittstarten umarhend abreckinen. Alle erwerbslosen Mitolicdcr, die noch keine„Winterhilfe" erhielten, melden sich dort ebenfalls. Morgen, Millwoch, 4. März: 2. Kreis. Achinna, ZeitunnskommisnonI Sihnna in der Spedition Wilhelms- bavener Str. 41 Z. Krei». Karten fllr Th-ater Klosterstrvh« bis Mittwoch abrechnen bei Simanowsti, Miillerstr. 141. 5. Abt. 20 Uhr bei Lnkaicheroski, Georaenkirchstr. R, lsunktionärsttnina mit Kreistonsdelcaierten. 8. Abt. 20 Uhr Zusammenkunft der Jüngeren im Iuqcndheim Genthin« Strasse 17, Qnernebände III, Zimmer 6.„Die Kartcllpraris." 17. Abt. 20 Uhr Zusammenkunft junaer Dartrimitalieder im Lokal Loeffjt, Tegeler Str. 50. Referent: Gjarnccki. Jg. Abt. 19 Uhr Vorstand sstssun« W Sartukch, ffriebenfte. St. iMH Ar fftmi tionärsshnna ebendort. Bezirk 189» muss zur Abrechnung der Kalender erscheinen. 49. Abt. 20 Ubr lsunktionärsthunq bei Kcufner. Saaelbcrg« Str. 20». 51. Abt. Tunktionörfissuno fällt rvcqen Kreisversammluna au». Dafür 18. Mär?. 1» Uhr, Lokal Iamin. Sophk-Charlotte-Slr. 88. Die Kreisvertrelcr sind eingcladeu. 82. Abt. 20 Uhr irunkkionärsihuna bei Schellhask, Ahornstr. 15». 85. Abt. 20 Uhr bei Ouaudt, Molikrstr. 51, Kunkiionärsissuna. 84. Abt. 20 Uhr bei Lehmann, Kaikr-Wilheim-Str. 29-illl. ssunitionärsthung, 84. Abt. 20 Uhr bei Lehmann, Kaikr.Wilhelm-Str. 29—31, lZunktionärsissung. 93. Abt. i nicht 33. Abt.). Arbeitskreis junaer Genossen! Zusammenkunft nicht am 5. März, sondern erst am 12. März. 98. Abt. Arbeitsarmeinschaft junger Genossen in d« Lcscballe Rogat- Ecke Ilscstrasse: Sartoch. 99». Abt. 20 Uhr Lall« am Sufcisen, Zmommcnkunft des politischen Arbeits- kreifcs. SZortsessmig der Arbeitsaemeiirfcholt:»Sozialistisch« Wirtschafts» fragen". �' 102. Abt.]0% Uhr bei Loss lsunktwnärssssung. 188». Abt. lsunkiionärsihunq inuss umständehalber Donnerstag, 5. März, 20 Uhr, bei Schulz, Bahnhofstr. 34. stattfinden suicht Mittwoch). * Kolonie Alpcnberg«. Zahlabend Donnerstag, 5. März, 20 Uhr, bei Klemm«, Alpenschlösschen, Genosse Willn Wolfs spricht über die politische Lage. Frauenveranslaltungen. 14. Kreis. Mittivoch, 4. März, 19!� Uhr, an bcfamvtcc Stelle JfunfHonärüitten- fitumfl. 18. Kreis. An der Besichtiquna des. Säualinaskrankenhaufes am 4. März. 17 Uhr, beteiligen sich nur die Genossinnen in Hohenschönhausen und der Buschallee. ftüc die übrigen Genossinnen der Abteilung Weißen see wird eine 2. Besichticruna anaeseßt. 124a. Abt. Traue nabend am Donnerstag, dem 5. März findet im Lokal Draber(nicht Dietz), Uhlandstraste, ftait. 136. Abt. Donncrstaa, o. März. 20 Uhr, in der Baracke Lindauer Straße Dis« kutierabend. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. ZWDZZ ? 4-kt-t�t--4-I i ,i I 4 W B 2. Kreis Tierqarten. Donnerstag, 5. März, 19� Uhr, Patzenhafer. M � Strom- Ecke Turmstraße. Tilmvorführuna:„Der Tmmenhof" und„Der M W Weg einer Prolctarierin". Referat Paula Kurqaß:„Refornr der Tür» ß? � soraeerzjehuna". M' Arbciksgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Berlin. Kreisleitcrsissang wird vorverlegt auf fsreitog. 8. März, 20 Uhr, Geschäfts» stelle, lieber die Tageeordnuua erfolgt Rundschreiben. Vorbereitung der Zehniahrcsscicr. Kclscrbewegungschor l Leiser der Kreise Neukölln, Krcuzberg. ssrirdrichshaiu, Treptow, Tempelhos, Köpenick). Am lsrei» tag, dem 8. März, 20 Uhr, Schule Neukölln, Donaustrasse. Tpreck>ck,or. Leiser, Rote und Iungfalken der Kresse Mitte, Vrenzlau« Derg. Webding. Weissense«, Pankow. Uebungsshinden Sonntag. 8. Mär», 10 Uhr, Schule Danziaer Str. 23. Vastetlursus. Taaunasortänderung! Cinbct statt am Donn«»ta«. dein 5. Mörz, Schule Neukölln. Weiseste. 20. Unterqrundbahnbof Boddinstrasse. Achtung, Reftfalken Groh. Berlins! lslötenkursus beaimrt am Kreitag, dem 8. Mörz, in der Schule Kaikr-lsrkdrich-Str. 4 sSermonnplah). 17—19 Uhr. Nachmcldunaen für neue lslötenbcstellungrn werden dort entgegengenommen. Schlusstermiu Zreiiag, 13. März. A Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Lerlio Glnsendunqen für diese Hübest nur an da» slugendtetretaela». Aerltn GW 59. rindenüroüe 3 Streichorchester Gross-Berlin: Pflichtprobe morgen, Mittwoch, INb Uhr, Altersheim Daiiziger Str. 62. Sonderoorstellung der Volksbühne am 22. März. 15 Uhr. Karten zu 80 Pf. sind noch erhältlich. Abkeilungsmikgliederversammlungen heule, Uhr: Gewerkschaftshans! Köpenickec Str. 92.— Kölluischer Park: Waisenstr. 18. — Oranirnburger Tor: Tieckstr. 18.— Rosrnthalcr Porstadt: Elisabethkirch- strassr 19.— Zentrum: Landsberger Str. 50— Bninnenplah: Pankstr. 20—22. — Gelundbrunnen I: Eotcnburqer Str. 2.— Lochplah: Genchtstr. 12—13.— Lumboldthain: Putbussrr Str. 3.— Leopoldplah: Utrecht« Strasse.— Schiller. park: Schön ingftr. 17.— Wedding: Willdenowstr. 5.— Wedding sR.-lr.): Willdenowstr. 5.— Sedding-Notd: See- Ecke Turiner Strasse.— Arnimplast: Sonnenburqer Str. 20.— Kelmbolhplah: Danziqer Str. 82.— Sumonnplag: Eletmstrasse.— Sasenheide: Wassertorstr. 9.— Süden: Aorckstr. 11.— Schöne- bcra III, IV, V: Hauptstr. 15.— Charlottenburg-Nord: Olbersstrasse.— Siemens- stadt: n. Volksschule.— Stegliss I: Atbrcchtstr. 47.— Brih: Ehausseestr. 48.— Neukölln Iz Sauber- Ach, Lob techkst lasse.— ttedtla Di atetumestte. Ii-» Lichte rfelbe: AIH rechtste. 47».— Reulöll» IV: Kann« Strasse.— Neukölln vre Treptower Str.»5.— Neukölln VUI: NtMistrasse.— Neukölln IJ: Schierke. strasse 44.— Köpenick I: Grünckuer Skr. 5.— Korlshorst: Treskowalle« 44.— Serwsdors: Roonstrass«.— Wittenau: Lauptstr. 13.— RicdcrschönhauseU: Linbenstr. 47.— Pankow l: Kissingenstr. 48. * Arlouaplass: Tlisabrthlirchstr. 19.„Girtstehung des Kapitalismus."— Köpenick« Viertel: Wrangeistt. 128...Die Zrau und der Sozialismus."— Rrichenberger Viertel: Reichenberger Str. 80...Vom Lehrlinqsoerein zur SAZ.", II. Teil.— Stealih II: Kuultionärühung beim Genossen ffelaenhauer. Saiden. bergstr. 6.— Reukölln III: Zicthenstr. 58. Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln TI: Zlughafeustr. 85. B«ickst von der Seueralvcrsammluna.— Schöneweibe: Ber- liner Str. 3l...Seruellc Fragen."— Köpenick ll: Dahlwisser Str. 19.»Radio- und Schallplattenabend." SSE. Pankow: Kisiinaenstr. 48. Kurzreferate. Werbebezirk Tiergarten: Erwerbslose! Morgen, 10 Uhr. Zusammenkunft. Lehrter Str. 18. Eewinnauozug 5. Klasse 36. Preußisch-Südbeutsche Skaaks-Lotterle. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus sebe gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen! und II IS. Ziehungstag L. März 1931 In der heutigen Vormiltagsziehung wurden Gewinne über ckOO M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 DI. 22446 342059 2»-Winne ju 5000 SS. 55079 22 Gewinn« ,u 3000 W. 30435 53680 69432 87756 137594 138637 261741 235516 267100 329453 342881 60 Gewinn« zu 2000 M. 1 755 9570 1 7200 49623 51 878 73791 1 00062 106197 115394 147835 152791 184049 203216 211747 212544 224725 231430 264041 270004 31 1589 318812 322669 337043 342885 370496 372537 374792 383781 388399 396073 120 Gewinn« ,n 1000 M. 3814 9472 12230 15165 16009 19968 22476 44196 44602 51516 51912 56628 59036 60314 6S2S7 S3444 103112 105592 111017 137765 142402 153636 167S2I 136214 1 90496 201175 201781 207127 203023 209654 213221 217830 223623 227261 242340 251343 251653 259992 275986 285657 289326 290058 290450 294683 305982 31 1266 321642 332669 341493 346186 350708 358325 359120 359560 360928 370551 377144 381205 381382 382954 200 Gewinne ,n 500 M. 9381 11337 11348 13743 14607 23619 30015 34741 36915 37128 38043 39261 39491 39970 43582 46779 60147 64925 72718 88615 94422 100036 108152 103364 112745 115034 115565 117958 11 9267 126400 126814 133138 133441 134430134879 135426 135546 140750 142470 143193 145158 153142 154343161236 166990 1 67748 1 67808 1 67921 168117 1 71639 1 73480 1 78527 1 85845 1 85999 189012 189958 201454 202392 208769 211043 211487216370 220712 224229 232157 235027 248783 249409 249896 253741 255082 256019 258802 264572 266465 271009 272326 272773 273230 274297 275272 276108 278099 278962 281228 284208 292774 294000 305809 309351 310600 311876 317538 321557 335784 340306 356864 371654 382725 388460 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinn« über 400 3JL gezogen 6 Gewinn« IN 10000 M. 193601 249333 282522 10 Gewinne ,u 5000 M. 225299 297341 327903 356957 964697 20 Gewinne m 3000 M. 57136 1 5 1 626 237665 248433 2621 31 273126 366536 370465 393561 396595 50 Gewinne ,u 2000 M. 1781 25832 29707 49329 64603 88357 91724 112174 115359 201398 205533 221870 230322 278185 283991 290932 294533 307203 308450 320664 324065 325586 366423 385155 391521 62 Gewinn-„i 1000 M. 13316 14135 26129 29221 30990 40463 40787 46534 50464 51595 66733 76354 32173 96207 125254 130735 159404 162310 163207 182157 190777 203946 233011 259415 262844 264085 285223 312658 351694 332331 397770 134 Gewinne ,n 500 M. 852 9391 18695 16974 26144 21780 28197 28424 34976 59083 60677 62593 71267 73259 74075 65560 S43S3 94473 99297 104750 110302 120546 122434 132316 134414 148218 143325 163464 192433 204919 213095 226251 227457 229361 230132 233990 236332 241283 242639 249049 256361 257200 260809 261666 267203 270516 270829 2755SI 235778 2SI871 293S6I 303930 307656 303601 303685 336440 333693 344SI3 344804 365586 366778 368541 369298 379529 384362 386360 392661 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 300000. 2 zu je 75000, 2 zu je 60000, 14 zu je 25000, 50 ju je 10000, 140 zu f« 5000, 346 zu je 8000, 1080 zu je 2000, 2018 zu je 1000, 3238 zu je 500, 9086 zu je 400 Mark. fiflnse 58 gefroren..... Pfd. von Pf. WolgahuhnerT"0,92a Frisdies Fleisch Kalbskamrno.BeiUp).Pfd.r. 0.6V»n Kalbsbrust......... Pta. ton 0,68»n Kalbsrücken....... Pti von 0,68»n Schweinebaudio. Beilage, Pfd. 0,74 Schweinesdiinken m» g«i«. Pfd. 0,84 Schweinekamm aBeiiage,pid. 0,88 Schweineschu|to. Beiisge, Pfd. 0,88 Schweinekolelelt Pfd. ton 0,90an Rückenfett bratfertig...... Pfd. 0,64 Kassler mild........ Pfd. TON 0,88an Eisbein m. Spitzbein, gepOk.,P(d. 0,58 Schweineköpfe m. Backe, Pfd. 0,40 Hammelvorder|l.ö«fr.,Pid.r. 0,58 an Schweineleber gefroren.. Pfd. 0,78 FisdiCj Räucherwaren 'Kabeljau i e. k,.... ptd. 0,28 *Schelllisch to............Pfd. 0,22 'Rotbars................... Pfd. 0,32 'Kabeljaufilel........... Pfd. 0,46 'Grüne Heringe....... 3 Pfd. 0,42 'Zander gefr............... Pfd. 0.36 Bücklinge.................. Pfd. 0,28 Scheltfisch geriachert...... Pfd. 0,40 Sprotten lose.............. Pfd. 0,30 * In alle» Hllusem taiier«ndreasstriess. Preise nur Dienstag und mtlwoch. Plengenabgabe vorbehalten. Verllaut sowtli Vorrai. Fleisch und lelclitverderbllche Waren sind vom Versand ausgeschlossen. Die Zusendung von Lebensmitteln erfolgt bei Bestellung von S,00 Mark an, Vorzügliche Konserven ENORM BILLIG! Karotten geschnitten...............i/ivose 0j25 Berliner Allerlei....... 0,66 Leipziger Allerlei..... ,.00»» 0,68 Gemischtes Gemüse 1,20 Spinat II..............................,.Do« 0,39 Kohlrabi In Babelbon, wtt 6rtln....iüvo»e 0,33 Jg. Schnittbohnen I...�vo» 0,54 Jg. Brechbohnen I..... 0,54 Stangenbohnen......... 0,75 Pfefferlinge.................. 1,30 Stachelbeeren............ � 0,72 Pflaumen ob.. 8..,°.............../1dc.,0,72 Heidelbeeren........... 0,78 Preisseibeeren............ 0,78 Sauerkirschen wit-�n....,.� 0,92 B i r n e n halb« Fracht....................'üDom 1,05 Singapore-Ananas..(I dc* 0,92 Erdbeeren......................., v.. 1,18 Ausserdem EIER 58 10 Stflck....... von an Bockartikel Äuszugmehl|-ptd!"«tdli35, 1,45 Äuszugmehl to«», Pfd. von 0>27an Korinthen.......... pii von 0I42an Sultaninen......... pii von 0,42« Mandeln»n»«, pid. 1,40 wttarl.öO Zitronat.................... Pfd. 1,10 Käse und Fette Tilsiter vollfet«....... Pfd. von 0,88 aa Holländer vollfett, Pfd. von 0,92an • Molkeretbutter......... Pfd. 1,50 Dänische Butler......... Pfd. 1,78 Margarineod. Kokosfett Pfd. 0,40 Dänisches Schmalz..... Pfd. 0,58 Wurstwaren Speck fett........... Pfivoa O.SOau Sülzwurst«............... ptd. 0.78 Landleberwurst......... Pfd. 0,85 Dampjwurst.............. pm. 0.88 Zervelat oder Salami...ptd. 1.38 Gemüse und Obst Blumenkohl...... Kopf von 0,30an Schwarzwurzeln...... 2 Pfd. 0,45 Möhren gevaaeben........ Pfd. 0,06 Amerik. Aepfel..Pfd. 0,38, 0.48 Kalif. Tafelbirnen....... Pfd. 0,38 Apfelsinen.............. 4 Pfd. 0.82 Serlen-VerkauS \