Morgenausgabe Nr. 105 A 53 4S.Iahrgang WöchevMch 85 monatNch 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- vorto 5.— M. De?„Vorwärts- ericheint wochentäg- kich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Gondel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit" Ferner„Frauenstimme-, «Technik".„Blick in die Bücherwelt-, »Iugend-Lorwärts"u.«Etadtbeilage� Berliner Solksblatt Mittwoch 4, März 1931 Groß-Äerlin Iii pf. Auswäris 15 pf. Die einfpalL Nonparelllyei!« M Pf. Wcftamejeüe 5,— RM.„Kleine«» x......... weitere" ödort 12 Pf. Rabatt lt. Taus. Stellengesuche das erste Wort lS Pf� jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von S1/* bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentealorgan der«SozialdemoSvatikchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönbofs 292— 297 Telegramm-Adr: Sozialdemokral Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postschcckkonlo: Berlin 37 536.— Banttomo: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beaviien, Lindenstr.S. Dt. B.i».Diic.-Ges.,D«positenk., Jerusalemer Btt. 65/66. Oberbürgermeister noch im März? Bahn frei für Berlins Oberhaupt.— Am-IS. März Wahlausschuß. Nachdem der Gcmeindcausschuß des Preußischen Land- tages das neue Berlin-Gcsetz in dritter Lesung auge» »ommen und verabschiedet hat, wird der L a n d t a g schon am kommenden Sonnabend in die Beratung des Gesetzentwurfes eintreten. Man hofft, die Debatte noch am gleichen Tage beenden zu können, da einschneidende Abänderungen des Gntivurfs, der bekanntlich ei« Kompromiß nach schwierigsten Fraktionsverhandlungen dar- stellt, nicht zu erwarten sind. Ter Landtag wird sich dann auf eine Woche vertagen, so daß die entscheidende« Ab- stimmungen voraussichtlich am 17. März stattfinden werde«. Wie der„Vorwärts" erfährt, ist Stadtverordneten» Vorsteher Genosse Haß entschlossen, sich im Rathaus energisch für eine möglichst schnelle Herbeiführung der Neuwahl des Oberhauptes und der neuen Magistrats- Mitglieder einzusetzen. Der Vorsteher will den Wahl» a« s s ch u ß, dem LS Stadtverordnete, darunter sämtliche Fraktionsführer, angehören, bereits für den 18 März einberufen. « Nach de« neuen Gesetz soll der neue Magistrat aus dem Oberbürgermeister, zwei Bürgermeistern, neun be> soldetcn und sechs unbesoldeten Stadträten bestehen. Die bisherigen besoldeten Magistratsmftglieder bleiben im Amt. Das neue Gesetz soll am 1. A p r i l in Kraft treten. Bis dahin dürfte» auch die neuen leitenden Männer der Berliner Verwaltung gewählt sein. „Für Briand und den Frieden!" Erklärung Leon Blums.— Außenpolitische Kammerdebatte. Paris, Z. März(Eigenbericht.) Die Kammerdebatt« über den Etat des Auswärtigen Amts be- gann heute mst einem Bericht des Radikalen P a g a n o n. der sich für die Fortsetzung der internationalen Berständigung und gegen die Bildung rivalisierender Biiuduisgruppen aussprach. Auf eine Beschwerde des Kommunisten Cachin über die angebliche Ein- kreisung Rußlands antwortete Briand mit der kurzen Bemerkung, er könne nicht glauben, daß die Sowjets an Verfolgungswahn litten. Dann sprach der Sozialist Grumbach. Er bezeichnet« es als einen schweren Fehler des Vcrsailler Vertrags, die A l l« i n s ch u l d Deutschlands festzulegen. Darum sei es auch vom Kriegsminister Maginot höchst unangebracht gewesen, von Deutschland, zwölf Jahre nach Kriegsende, noch vom„Angreifer" zu sprechen. Es fei un- gerecht, Deutschland dauernd im Zustand der Ungleichheit zu halten, es müsse Aussicht auf volle Gleichberechtigung erhalten, und Frank- reich habe die unbedingte Pflicht, aus der Abrüstungskonferenz mit einem positiven Programm zu erscheinen. Briand oersicherte, Maginot habe alle Vorbereitungen zur Abrüstung aufrichtig unterstützt. Grumbach drang in ihn, ob die von Maginot gegebene Erklärung, die in Deutschland starte Erregung ausgelöst habe, von der ganzen Regierung getellt würde. Briand antwortete ausweichend, daß die Regierung in der Abrüstungspolitik völlig einig sei. Eine Aufrage des Nationalisten Pbarnegaray über das neue Flottenkompromiß zu beantworten, lehnte Briand energisch ab Dann hielt F r a n k l i n- B o u i l l o n die übliche Rede gegen Briand, dessen Verständigungspolitik nur Lüge und Heuchelei sei. Die deutsch-französische Versöhnung gehe auf Kosten Polens. Was gedenke Briand zu tun, fragte der Redner, uni der R e v i- sionstampagne in Deutschland zu begegnen? Außenministcr Briand antwortete mit der Frage, welche andere Politik er denn treiben solle. Er habe es auch schon mit der Gewalt versucht. Das Resultat war nicht befriedigend. Es gibt Schwierigkeiten und Gefahren, besonders seit den letzten Reichstagswahlen, aber man muß und kann sie beseitigen. Als Beispiel erwähnte Briand die glückliche Beilegung des deutsch-polnischen Minderheiten- streites. Den Anschluß Oesterreichs nannte er eine Gefahr, die weniger bedrohlich geworden, da sich Oesterreich seiner Nationalität bewußt geworden.(Oesterreich hat keine andere Nationalität als die deutsche: Red. d. V.) Die Revision der deutschen Ost- grenzen bezeichnete Briand als eine These, die man berechtigter- weise vertreten dürfte, was aber nicht heiße, daß Frankreich sie teile. Deutsch-französische Verständigung sei notwendig, damit sich die Menschheil nicht In immer neuen Schlachten zerfleische. „Weil ich fühle", sagte der Minister,„daß das französische Volk den Frieden will, habe ich den Mut gefunden, auch nach den Reichstagswahlen meine Politik fortzusetzen." Zwischen Italien und Frankreich sei nach langen Meinungsverschiedenheiten jetzt im Flottcnkompromiß ein Zusammenschluß zustandegekommen, hinter dem eine moralische Macht stelze. Kein Volk könne es heute mehr wagen, die Verantwortung für einen neuen Krieg zu über- nehmen. Lebe man deshalb schon im Frieden? Nein, es sei noch viel zu tun, aber schon seien große Fortschritte erreicht. Auf Franklin-Bouillons höhnische Entgegnung, Briand Hobe mit der Rheinlandräumung nichts anderes erreicht als die Hitler- Wahlen, antwortete Briand kurz und energisch, diese Art der Kritik sei rein negativ. Er habe aber positiv gearbeitet, wie die Flotteneinigung mit Italien beweise. Der radikale Führer H e r r i o t beglückwünschte sodann Briand zur Einigung mit Italien. Der sozialistische Führer L< o n Blum folgte mit der Erklärung: Manchmal hätte er Briand mehr Mut gewünscht, aber zwischen ihm und Franklin-Bouillon sei die Wahl nicht schwer:„Für Briand und den Frieden!" SO OVO Tonnen Gefrier sieisch Sozialdemokratischer Antraq im Reichstag angenommen. Der Reichstag hol gestern Artikel t des sozialdemokrali- scheu Entwurfs, der die zollfreie Einfuhr von 50 000 Tonnen Gesrierslelsch vorschreibt, im Hammelsprung mit 218 gegen 152 Stimmen angenommen. Für den Entwurf haben auch die meisten Slaalsparleiler und einige Zentrumsabgeordnete vom Gewerkschastsslügel gestimmt. 3n der darauffolgenden drillen Beratung wurde der Gesetzentwurf in namentlicher Abstimmung mit ZZZ gegen IIS Slim- men bei vier Enthalkungen angenommen. Durch die Annohme eines sozialdemokralischen Znilioiio- anlragcs wurde ferner das Brolgesel; wesentlich abgeändert. Der Beimischungszwong von Roggen zum Weizen- brol wird besziligl, ebenso die Beimischungsmöglichkeil von Kartosselmehl zum wciz-ngcböck und der Zwang zum Zeilhallen von Roggenbrot in Gaslställen. Die Ausinahlungsquole von Roggenmehl wird durch den Beschluß von 60 aus 70 proz. erhöhi. Die Verhandlungen über den Wehreiai. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und der Sozial. demokratie über den Wehrctat und über die sozialpolitischen und steuerpolitischen Fragen sind am Dienstag fortgesetzt worden. Sic > gestalteten sich aber nach wie vor recht schwierig, so daß die für Dienstagabend einberufen« Sitzung der sozialdemokratischen Relchstagssraktion lediglich einen Bericht über den Gang der Ver- Handlungen entgegennahm, Aussprache und Beschlüsse aber auf eine später« Sitzung vertagte, da die Verhandlungen noch fortgesetzt werden. Friede in Indien! Durch gegenseitige Konzessionen. Bombay, 3. März.(Eigenbericht.) Das Uebereinkommen zwischen dem allindischen Kongreß und der englisch-indischen Regierung ist von Gandhi und dem Bizekönig am Dienstag e n d» gültig abgeschlossen worden. Der indische Kongreß wird nicht vor etwa einem Jahre eröfsnet. Gandhi will den Feldzug gegen die Gr setze einstellen und die Aufforderung zur Ge- setzesübertretung zurückziehen. Die in London begonnene englisch-indische Konferenz wird in Indien fortgesetzt und der allindische Kongreß wird sich diesmal an den Beratungen beteiligen. Bei den Kreisralswahlen in den nordengllschen Kreisen Klamorgan und Monumouthshir« ist die Arbeiterpartei von 5J5 aus 57 Abgeordnete bzw. von 63 aus 64 Abgeordnete gestiegen. Zum Fall Mosley. Oer Exkronprinz der Arbeiterpartei. London, 3. März.(Eigenbericht.) Dezember 1918. Siegcsjubel in England und Neuwahl. Im Wahlkreis Harrow kämpft der von der Westfront zurmk- gekehrte 22jährige Offizier Sir Oswald Mosley als konservativer Kandidat. Reitet glänzende Attacken gegen die Liberalen und gegen die Arbeiterpartei und wird gewählt Sprößling altenglischen Landadels, der sich später mit der Tochter des ehemaligen indischen Vizekönigs und Außen- Ministers Lord Curzon verheiratet und neben seinen blenden- den geistigen Gaben die materiellen Güter turmhoch auf- schichtet. Einer der reichsten Leute Englands, einer der besten Redner Englands, der bereits durch feine äußere Erscheinung die Masten begeistert. 1923. Dem Siegesjubel ist in England die kalte Er- nüchterung gefolgt. Die Labour Party steht hoch im Kurs. Der Ruck nach links hat begonnen. Der im Krieg so verfolgte und geächtete Macdonald ist der Liebling des Volkes. Die bürgerliche Jugend strömt in die Arbeiterpartei. Auch Sir Oswald Mosley hat die konservative Politik satt bis obenhin. Er ist es außerdem dick, als Hammel hinter den Churchill und Chamberlain herzulaufen und in der grauen Mäste der Abgeordneten zu verschwinden. Er verläßt die Tories, macht �sich unabhängig und selbständig. Er wird nicht wiedergewählt und ist 1924 bei Macdonald und der Arbeiter« Partei. 1926. Nachwahl im Kreise Smethwick. Sir Oswald steht für die Labour Party, erobert das Mandat und kehrt unter dem Jubel der Arbeiterschaft in das Unterhaus zurück. Die Konservativen und sein Vater senden ihm Bannflüche nach. Drei Jahre später ist Mosley,„der Kronprinz der Arbeiter- Partei", Minister im Zwesten Labourkabinett. 1939. Die wirtschaftliche und politische Krise rüttelt auch an den Grundfesten des englischen Imperiums, erschüttert das Mutterland und die Kronländer. In Indien züngeln die Flammen haushoch, ins Ungemestene wächst die Arbeitslosig- teit, Gesetze und Maßnahmen, gestern Heilmittel, sind heute nur noch kleine unzureichende Pflaster. Das Staatsdefizit wächst, die Einnahmen werden geringer und gerinAer, der schier unerschöpfliche Born des Reichtums und des Geldes fließt dünner und dünner. Unzufriedenheit überall. Sozial und damit geistig beginnt es sich umzuschichten. Es kracht im Gebälk der Parteien, sie zersplittern sich innerlich in Fraktionen, Aufruhr gegen die Führer, die Jungen gegen die Alten, die Schutzzöllner gegen die Freihändler, Programme, Programme, Leitsätze, Artikel, Revolten gegen Baldwin, gegen Lloyd George, gegen Macdonald. Im Unterhaus stimmen Liberale mit den Konservativen gegen die eigene Re- gierung. Die Einheit des englischen Voltes, die G e- schlossenheit der Parteien ist dahin. Im Mutterland der Demokratie wird von Diktatur gesprochen. Lohnkämpfe, Streiks, Aussperrung, die Wähler ver- lieren das Vertrauen zur Politik, zu den Parteien, und es wächst der Glaube an den starken Mann. Es w ä ch st die Wirtschaftskrise und es steigt die Flut der Erwerbs- losigkeit. Von Kompromiß zu Kompromiß fristet die Re- gierung ihr mühseliges Dasein. Mit Kroch und einem Manifest neickäbt Sir Oswald Mosley das von Sturm und Oelleu hin- und hergeschleuderte Labourkabinett, springt ans leser, stellt sich vor die Massen der Kritiker und Unzufriedenen und zeigt ihnen lächelnd, den Industriellen, den Arbeitern, den Bauern, den Mittelständlern: das Universalrezept, ein Programm, geborgt aus Nationalis- mus und Sozialismus. Parteitag in Llandudno. Oswald Mosley steht aus der Tribüne. Lächelt zu dem Beifall, der ihn empfängt, spricht dann zehn Minuten und wird mit einer begeisterten Ovation cnllassen. Der Inhalt seiner Rede,? Es sind nur Andeutun- gen, nur Striche, dem kontinentalen Beobachter wohlbekannt. „Der englische Hitler", sagt man, und am nächsten Tage wiederholt es die Presse. Weil er nie den Sinn der Arbeiterbewegung verstanden hat, deshalb verstand er auch nicht den Sinn und Wert feiner Erfolge. Er hetzt ihn zu Tode. Neues Manifest gegen die Regierung, neue Angrisse gegen Macdonald und Snowden, er kann nicht warten, der Ehrgeiz jagt ihn, die bürgerliche Presse umschmeichelt ihn, allen voran die Zeitungs- könige Beaverbrook und Rothermere, die innerhalb der ton- servativen Partei um die Führung ringen und den gleichen Kamps gegen Baldwin führen wie Mosley gegen Macdonald. Inzwischen vermehren sich die wirtschaftlichen und politischen I Schwierigkeiten Englands. Es mehrt sich das Durcheinander Zuspitzung in England. Macdonald schlagt auf den Tisch.— Appell an die Wähler. in den bürgerlichen Parteien, es radikalisiert sich der linke Flügel der Labour-Party, die Lebensaussichten der Regierung Verden Ungewisser und ungewisser.„Das Parlament ist ver- altet", erschallt es deutlicher und deutlicher!„Nur eine Nationalregierung kann uns helfen!" sagt selbst der liberale Garvin im„Observer". Mosley attackiert in offener Parlamentssitzenug, Mosley attackiert in der Fraktion, Mosley attackiert in der Exekutive. Ohne Erfolg. Er ringt vergebens um die Parteiführung, und da geschieht es, daß er seiner ersten großen Alusion beraubt wird: die linksradckale Maxton-Eruppe, die ihn formell immer unterstützt hatte, rückt von ihm ab und isoliert ihn. Maxton und Mosley: das ist Feuer und Wasser. Maxton, der selbstlose treue Diener einer Idee und einer Bewegung. Mosley, dem Ideen und Bewe- gungen nur gelten, daß sie i h m dienen und i h n hochtragen. Mit wenigen, aus dem Bürgertum gekommenen Anhängern sieht sich Mosley plötzlich in der Arbeiterpartei allein. Biel- leicht noch viele Jahre zu warten, sich zu bescheiden, langsam und zäh zu ringen und zu arbeiten, das ist nicht seine Sache. Wartet nicht das Boll auf den Retter? Drauf und dran! Das Tischtuch mit der Labour-Party ist zerschnitten. Sir Oswald Mosley hat seine eigene Partei gegründet. Er will bei den nächsten Wahlen vierhundert Kandidaten ausrüsten und ins Feld schicken. Er wartet auf den Zuzug aus den Reihen der Arbeiterpartei, der Liberalen und der Konserva- tiven. Er ist jung, er ist reich, er ist begabt, und das Glück war immer mit ihm. Ein rasender Politiker, ein Mann des Ehrgeizes und des Tempos, der das Fließband auch in die Politik einführen möchte. Er vergißt, daß es in Eng- land nicht einmal das Wirtschaftsleben durchdrungen hat. Immerhin: das politische Gesicht Englands nimmt konti- nentale Formen an. Das Zweiparteiensystem scheint zu Ende, und immer deutlicher schält sich im Lande und in den Parteien der Charakter des Klassenkampfes heraus. Am stärksten hat das die Minderheitsregierung der Arbeiterpartei und die Labour-Party selbst zu spüren. Der Flugsand ver- weht, die bürgerlichen Illusionisten verlasien sie. Es ist kein Raum und kein angenehmer Aufenthalt mehr für einen Krön- prinzen. Der sucht sich ein eigenes Reich, wo er herrschen und diktieren kann. Weil es das große alte England nicht mehr sein kann, will er ein kleines altes schaffen, in dem. wie einst im Mai, der Schutzzöllner neben dem Arbeiter, der Groß- industrielle neben dem Bauern, neben dem Handwerker, neben dem Großagrarier, neben dem Citybaron friedlich beieinander grasen. Die Entwicklung— geht andere Wege. Mosley hat das Gesetz ihrer Bewegung nicht begriffen. Es sind schiechte Zeiten in der Politik für Könige, selbst für die aus dem Gcnieland und aus den Zeitungspalästen. Das liberale Eng- land, das Land der starken Persönlichkeiten, ist dahin. Mosley mird es erfahren und mit Rothermere und Beaverbrook noch sehr viel saures Brot essen müssen. In der Arbeiterpartei war er der sorgenlose Kronprinz. Er wird im eigenen Reich der beklagenswerte König sein. Ein„rauher Kämpfer". Äerr Kaufmann— Mitglied des Reichstags und Gauleiter der Nazis in Hamburg. Im Juli 1923 eröffnete der„Untersuchung»- und Schlichtungsausschuß der NSDAP." für den Bezirk Bergisch-Land/Niederrhern(Vorsitzender: Nektar Kratz, Rem. scheid) ein Verfahren gegen den jetzigen Reichstags- abgeordneten und Gauleiter der Nazis in Hamburg, Herrn Kaufmann. Diesem Verfahren lagen folgend« Be- schuldigungen zugrunde(wir zitieren aus der„Anklageschrift"): 1.»Kaufmann hat acht Jahre lang seinem großen politischen Vekanntenkreis wahrheitswidrig vorgelogen, er fei alter Frontsoldat." 2.„Um diese Lüg« glaubhast zu machen, hat Kaufmann so» michl mit dem„Eisernen Kreuz", als auch mit dem„Offiziers- Fliegerabzeichen" Ordensschwindel getrieben und diese Auszeichnungen, deren letztere nur für Tapferkeit vor dem Feinde verliehen wurde, bis in die letzten Jahre hinein in aller Oeffentlichkeit und ohne jede sachliche und persönlich« Berechtigung getragen." 3..Kaufmann nahm anläßlich der Wahlen vom November/ Dezember 1924 in seinem Familienstammbuch«ine Urkunden» f ä l s ch u n g vor, um dadurch«in Jahr älter zu erscheinen und sich hierdurch das passive Wahlrecht zu erschleichen. Zeuge: der Bruder des ehrenwerten Herrn Kaufmann, Alfred Kaufmann, zur Zeit wohnhaft in München, Hohenzollernstraße. — Es lag schwere Urkundenfälschung vor nach(j 267, Absatz 2, des Reichsstrafgesetzbuches: hier wird folgendes be- stimmt:„Wer in rechtswidriger Absicht.zum Zwecke der Täu- schemg inländisch« öffentliche Urkunden verfälscht und von der- selben zum Zwecke der Täuschung Gebrauch macht, wird mit Gefängnis bis zu S Jahren bestraft." 4..Kaufmann gab zwei Parteigenoffen gegenüber eine ehrenwörtliche Versicherung ob. diie sich späterhin als unwahr erwies." Nach Durchsicht der Akten und Prüfung des Tatbestandes kam der Untersuchungsausschuß am 22. Juli 1929 zu folgendem Urteil (wir zitieren wörtlich aus dem von Herrn Rektor Kratz als Vorsitzenden unterzeichneten Dokument): 1.„Es liegt«in Ehrenwortbruch des Pg. Kauf- mann vor." 2.„Ordcnsschwindel. Urkundenfälschung, doppelter Ehrenwortbruch sind erwiesen und zwingen den Untersuchungsausschuß, dem Herrn Kaufmann die Ehren haftigkelt für immer abzusprechen." 3.„Auf Grund der Richtlinien für die Untersuchungsausschüsse sR. L. vom Oktober 1928) Hot e� der USA. in Anbetracht des lückenlos vorliegenden Beweises nicht für erforder- Uch erachtet, den Pg. Kaufmann auch nur zu vernehmen."--- Das i st Herr Kaufmann! Das Parteigericht hat ihm die„Honorigkeit" auf Lebenszeit abgesprochen. Das sind die Helden des Dritten Reiches! Das sind die Männer, die angeblich gegen Lüge und Korruption und für die Reinheit der Nation, für Anständigkeit und„rassische Hochzucht" kämpfen! Herr Kaufmann mußte aus dem Bergischen Land verschwinden. Doch er fiel die Treppe hinauf: heute ist er Gau- leiter der Nazis in Hamburg und Mitglied des Reichstags von Httlers Gnaden. Ollo klempercr hat den preußischen Fiskus beim Arbeitsgericht oerklagt. Er verlangt, daß ihm noch Schließung der Kroll- Oper die Stellung eine« Generalmusikdirektors au der Berliner Staatsoper eingeräumt wird. London. 3. März.(Eigenbericht.) Nachdem alle versuche fehlgeschlagen sind, die Liberalen zu einem Verzicht ihrer Scharf macheranlrägc zum Gewert- schaftsgeseh zu bewegen, hat die Arbeilerregicrung am Dien». lagnachmillag die Kommissionsberatungen schließen lassen und das gesamte Gesetz zurückgezogen. Unter dem stürmischen Beifall der Mitglieder der Labour Party erklärte I o w i t l al» Vertreter des Kabinetts, der von der Kommission angenommene liberale Zusahantrag nehme der Arbeiterschaft selbst die Rechte, die sie seit 50 Jahren errungen habe. Unter diesen Umständen sei da» gesamte Gesetz wertlos und die Regierung lege keinen Wert aus eine weitere Beratuag. Um die gleiche Zeit hatte sich die Fraktion der Arbeiterpartei im Unterhaus versammelt. Macdonald streifte zunächst die geglückte Mission Hendersons in Paris und Rom sowie den nahen Friedensschluß in In d i e n, den die englischen Konservativen noch in letzter Stunde zu hintertreiben suchten. Uebergehend zur innerpolitischen Situation erklärte der Ministerpräsident, e» sei die Stunde gekommen, um der innenpolitischen Sabotage aller Arbeit der Labourregierung ein Ende zu bereiten. Auf der einen Seite die Lords, auf der anderen im Unterhau« die Liberale n. Sollen sie weiter sabotieren, soll das Volk regieren oder die Lord»? Als Macdonald seine Rede beendet hatte, brachte ihm die gesamte Fraktion eine stürmische Ovation. Wie der Korrespondent des„S o z. Pressedienstes" in London erfährt, wird die Regierung sämtliche von den Lords bisher sabotierten Gesetze, darunter die S ch u l v o r l lrig e mit der Cr- höhung des schulpflichtigen Alters und �der Elternunterstützung Eine Erklärung Schachts. Wer hat ihn in Stockholm zur Ordnung gerufen? Stockholm, 3. März. Vor Beginn seines Vortrages am 3. März hat Dr. Schacht folgend« Erklärung abgegeben: Es ist bekannt, daß ich die Einstellung der Reparationszahlungen für eine unerläßliche Voraussetzung für die Gesundung sowohl der deutschen wie der internationalen Wirtschaft Halle. Immer wieder verbreitet sich das Mißverständnis, als ob damit auch eine Einstellung der privaten Schuldenzahlungen Deutschlands verbunden sei. Ich möchte deshalb, wie ich es schon in Amerika getan habe, auch heute wieder erklären und unzweideutig fest- stellen, daß Deutschland alle seine privaten Schuldverpflichtungen erfüllen muh und wird. Diese Prioatverpflichtungen umfaffen alle von Banken, Äausleuten oder Prioatkapitalfften in Deutschland ge- liefyenen Beträge und alle von ihnen gekauften Wertpapiere ein- schließlich der sogenannten Joung-Zlnleihe. Herr Schacht hat P e ch. Immer wird er mißverstanden. So offenbar auch in der Pressebesprcchung(vorn 2. Februar, über die wir schon berichteten und die dem Vortrag in Stockholm voranging. Welche Gouvernante hat dieses enlänt terrible Deutschlands hier wieder zur Ordming rufen müssen? Krach-bum-bum-bum-bum! Kommunistisches Iugendvergnügen. Nach Berichten reästsstehender Zeitungen soll am Sonntag ein« Komnurn'.stenfeier in den Alhambra-Festsälen in folgender Szene ihren Höhepunkt gefunden haben. Eine„Rote Pionierin' trat aus die Bühne und schrie: .Auf wen wollen wir den ersten Schuß ab- geben?' Im Sprechchor antworteten die Bolschewisten:.Auf Hitler!" Hierauf kommandierte die Rote Ptomerin:.Krach- dum!„Auf wen den zweiten Schuß? Auf Goebbels'" Wiederum .Kommando: K r a ch- b u m 1„Den dritten Schuß? Auf Brüning! Krach-buml Und den vierten? Auf Severing! Krach- aufrechterhalten und unter die Parlamentsakte st e l l e n. Das bedeutet, daß nach Ablauf von zwei Zahrcn die von den Lords abgelehnteu Regierungsvorlagen ohne Debatte Rechtstrast erlange« und Gesetz sind. Dies soll auch mit der Wahl- r e f o r m geschehen, falls dos Oberhaus auch diese zurückweist. Auf Kompromisse wird sich die Regierung nicht«in- lassen. An Stelle des zurückgezogenen Gewerkschaft:;- ge setz es wird das Kabinett eine neue Vorloge einbringen, die den einfachen Wortlaut haben wird:„Daß im Jahre 1827 unter der konservativen Regierung beschloffene Ausnahmegesetz gegen die Gewerkschaften wird ausgehoben." Bisher hatte es Maedanald mit Kompromissen versucht, die erfolglos rvaren und mit Recht oder Unrecht Verwirrung und große Unzufriedenheit in das Lager der Arbeiterpartei gebracht haben. Die jetzt von Macdonald angekündigte neue Taktik wird, wenn sich die Liberalen nicht anders besinnen und keinen Selbstmord begehen wollen, den bisher unentwirrbaren politischen Knoten zer- hauen. Deshalb wird die Regierung die W a h l v o r l a g e, die eine Kompromißgabe an die Liberalen darstellt, nicht' zurückziehen. Das bedeutet, daß das Kabinett die Wahloorlage mit der Aufhebung des Antigewerkschaftsgesetzes und in allen von den Lords abgelehnten Vorlagen zu einer Einheit zusammenbindet. Entweder die Liberalen fechten mit der Regierung gegen das Oberhaus, indem sie die Regierung zwei Jahre im Amte hatten, damit die vom Ober- Haus abgelehnten Gesetze automatisch in Kraft treten, oder die Liberalen setzen die Regierung, wie bereit- in der Gewertschasts- frage und in dem Antrag zur Aufhebung des Antigcwerkschafts- gesetzes in die Minderheit. In diesem Falle bleibt nur der einzige Weg: d e r A p p e l l a n d i e W ä h l e r. dum! Und den sünsten? Auf Grzefinsti! Krach-bumI" Die letzten Wort« dieses Sprechchors lauteten:.Und noch einmal auf alle Gegner: Sperrfeuer Krach-bum»bum-bum!" Die Rechtspresse ruft nach Polizei. Wir aber meinen: Den Jungs muß es doch mächtig gut gehen, wenn sie noch an solchem F«z Gefallen finden. Bürgerliches. Die Verschämten und die Llnverschämten. Der„Völkische Beobachter" bringt— verschämt— ein Telegramm aus Braun schweig, deffen Schlußsatz so aussieht: Im ganzen stehen 17 Mandaten 14 sozialdemo- kratische und vier kommunistische gegenüber. An der weißen Stelle stand das Wort„bürgerlichen". Das ist im letzten Augenblick herausgestochen worden. Die„Braun- schweigische Landeszettung" jedoch hatte— unverschämt— die Parole ausgegeben, bürgerlich zu wählen, wobei deutschnational, volks- parteilich und nationalistisch„gleich gut" sei! Heißa, jucheia! Dingeldmndey! Das geht ja hoch her. Bin auch dabei! Der neue Präfidenk des Danziger Senats, Dr. Ziehm, ein Deutschnati analer, hat sich in Gens beim Völkerbund-- sekretariat vorgestellt. Nach Abschluß seiner Besprechungen erklärte er der Presse, daß der Meinungsaustausch sein Vertrauen zum Völkerbund gestärkt Hab«. Zu Sefio Zmolese bei Bologna wurde eine Versammlung von 79 Personen verhaftet, die ein« lokal« Organisation der antifaschistischen Konzentration gründen wollte. Die Versammlung war von einem faschistischen Spion verraten worden. Zwei Führer wurden im Gesängnis von Bologna vergeblich einer grausamen Tortur unterzogen, um sie zum Verrat ihrer Orgain- sation zu zwingen. „Die Weltbühue" druckt den Bericht eines Mannheimer Wattes über die Fett- und Wurstmodellierturfft eines Metzgersohnes ab und versicht ihn mit dem Titel:„SPD.-ftuttur. Das ausgeschnittene Watt ist die bürgerliche„Reue Badische Landes- zsuung". Sozialdemokratisches Organ in Mannheim ist fest Jahr- zehnten die„Volksstimme". Wahrheitstreu und gewiffenhast. aber tst„Die Wettbuhne", War Abramowiisch in Moskau? Krylenkos Lügengebäude ist zusammengebrochen. Wie bekannt, ist die ganze Anklage in Moskau aus der Reise aufgebaut, die Abramowiisch im Sommer 1928 nach Moskau gemacht haben soll. Mit dieser Reise steht und fällt der ganze Pro« zeß. Trotz der wiederholten Versicherungen der Angeklagten, die die Wahrheit ihrer ursprünglichen Aussagen in diesem Punkt immer wieder.beteuert haben und.die geiuiuesten Einzekhetten aus dem Aufendhalt des Genoffen Abramowitsch in Moskau noch in der letzten Sitzung des Gerichts vom Z. März angaben, ist es gelungen, die Behauptungen lückenlos zu widerlegen. Genoffe Abramowitsch hat gestern folgend« vor einem Notar in. Berlin abgegebene eidesstattliche Versicherung an den Obersten Gerichtshof in Moskau abgesandt::., Die Behauptungen der Auklageschrist in dem gegenwärtig in Moskau slaftfladenden Prozeß gegen 14 Angeklagte, daß ich im Sommer 1828 iu Moskau gewesen bin, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ich seit dem November 1820 ulemal» da» Gebiet der USSR. und insbesondere nicht die Stadt Moskau betreten habe, weder im Sommer 1828. noch zu irgend- eivem anderen Zeitpunkt. Insbesondere ist die von einigen An- getlagten gemachte Aussage vnwahr. daß ich in Moskau von Mitte I uli bis Ansang bzw. Mitte August 1828 gewesen bin. Wahr ist. daß ich die Zeit vom 26. Znni bis zum 26. Zoll 1828 ununterbrochen in Plan(Mecklenburg) in der Pension Mendenburg zugebracht Hache und vom 1. bi» zum 12. August iu Brüffel au dem Internationalen Sozialistischen Kongreß, dessen Präsidium ich angehörte, sowie an verschtedeuen Sitzungen der Organe der Sozialislischen Arbeiter-Inlernationale teilnahm. Dazu wollen wir bemerken, daß nach den Aussagen der Ange- klagten Scher, Saltind, Groman, Petunin und andere die wichtigsten Besprechunzen in Moskau mit Abramowiisch gerade in den letzten Tagen des Monats Juli und in den ersten Tagen des Monats August 1928 stattgefunden haben fallen. Die zweite Erklärung, die die Behauptung Abramowirjchs voll- auf bestätigt, stammt von dem Genosien Kurt Großmann, Sekretär der Deutschen Liga für Menschenrechte. Genosse Großmann schreibt: Ich erkläre hiermit, daß ich vom 12. bis 30. Iull 1328 in Pla»(Neckleuburg- Schwerin) auf Urlaub war. Ich wohnte mit dem Genossen Schwarz zusammen. Durch ihn lernte ich den Ge- noffeu Raphael Abramowitsch kennen, der sich zu der- selben Zeit in Plan(Mecklenburg) befand. Ich tonn bestätigen. daß Genosse Schwarz mit dem Seooffen Abramowitsch wähteud dieser Zeil fast täglich zusammen war. Kuri Großmann. Aussogen wi« diese würden in jedem ziniTlsterlen Land« genügen. um den Ankläger selbst zu einem Antrag auf Freisprechung und Einstellung des Verfahrens zu oeranlassen. Sowjstrußlond richtet, indem es diesen unmöglichen Prozeß fortsetzt, nicht die Menschewiki, sondern sich selbst! Moskauer Gerichisionfilm. Regisseur Krylenko. Moskau, über Kowno, 3. März.(TU) Der Prozeß gegen die angeblichen Menschewiki soll Anfang der nächsten Woche abgeschlossen werden. Es wird angenommen, daß mit mindestens zwei oder drei Todesurteilen zu rechnen fei. Den Propagandacharakter des Prozcsies beweist die Tatsach«, daß er vertonfilmt wird. Der Film soll dann später auch im Aus- land gezeigt werden. 50000 1 zollfreies Gefrierfleisch. Einfuhrgenehmigung vom Reichstag beschloffen— Schiele sagt unannehmbar. Der Reichstag gsncchmigte am gestrigen Dienstagnachinittag in zweiter Beratung den Haushalt des Reichsministeriums für Er- nährung und Landwirtschaft. Dabei wurde der komnumistische Miß- trauensantrag gegen Minister Schiel« mit 311 gegen 60 Stimmen abgelehnt. Angenommen wurde u. a. eine Entschließung der Ehrist- lichsozialen auf Förderung gärungsloser Früchteverwertung. Ab- gelehnt wurde mit 199 gegen 1SZ Stimmen bei einer EntHaftung die Entschließung der Wirtschaftspartei. wonach verbilligte Kredits und Förderungsmaßnahmen nur solchen stellen gewährt werden sollen, die keinerlei ausländische Produkte führen. Angenommen wird eine Entschließung der Volkspartei für Stadardisierung der landwirtschost- lichen Erzeugnisse, ebenso eine Entschließung der Wirtschaftspartei für Gewährung von Mitteln zur Bekämpfung der Lcberegelseuche und der Dasfelfliegenplag« sowie eine wettere Entschließung aus chilse für die Küsteniis cher Rügens, die durch die chcrbststürms geschädigt worden sind. Mit 201 gegen 171 Stimmen wird eine Entschließung! des Ausschusses abgelehnt, die den Gesamtplan für den Zins- i veidilligungszuschuß des Reiches erhöhen und auf zehn Jahre aus- dehnen will, angenommen wird statt dessen ein« s o z i a l d e m o- kra tisch« Entschließung, die die Ausdehnung auf zehn Jahre von dem Ergebnis der Prüfung des Einzelfalles abhängig macht. Angenommen wird die Entschließung des volkswirt>chaftlichen Ausschusses über Aenderung des Zinssatzes und des Tilgungsplans der Darlehen für Verbesserung von landwirtschaftlichem Boden unter der Bestiinmung, daß die durch Melioration erzielte Rentenerhöhung auf 1Z Jahre stsuersrei bleiben soll. Angenommen wird die Ausschußentschließung auf Niederschla- guug der kleineren Winzer tredite. Der sozialdemokratische Antrag, der das Brotgeseh praktisch aushebt, wird nach Ablehnung eines Londoolkantrage» ans nochmalige Ueberweisnng in zweiler und driller Beratung endgültig angenommen. Danach wird der Beimrschungszwang von Roggen.zum Weizenbrot beseitigt, ebenso die Beimischungsmöglichkeit von Kartoffelmehl zum Weizengebäck und der Zwang zum Feilhalten von Roggenbrot in den Gaststätten. Di« Ausmahlungsquote von Roggenmehl wird durch den Beschluß von 60 auf 70 erhöht. Ein kommunistischer Antrag, das aufgespeicherte Brotgetreide der ärmeren Bevölkerung zuzuführen, wird mit 318 gegen 66 Stimmen abgelehnt.(Pfui-Rufe der Kommunisten.) Es folgt die Nefprechung über die Wiederzulassung zottfreier Gefrie» fleischeinfuhr. Minister Schiele will zn dem vom Ausschuß vorgeschlagenen Gesetzentwurf Breitfcheid(Soz.) grundsätzlich Stellung nehmen.(Zu- rufe der Komm.: Was heißt grundlätzlich, wenn di« Arbeiter hun- gern?) Die vorgebrachten Gründe können diesen Gesetzentwurs nicht rechtfertigen. Die Fleischpreise sind wesentlich niedriger als vor dem Krieg. Endlich ist die Getreidewirtschaft halbwegs wieder in Ord- nung. aber dieses Gesetz würde die bäuerlich« Viehwirtschaft schwer schädigen und der ganzen Bauerirschutzpolitik der Regierung entgegen- wirken. Wir dürfen nicht dem einen Teil der minderbcmittetten Be- völkerung geben, indem wir dem anderen nehmen. Außerdem müssen wir die Einftchr aus dem Auslande verringern, wie Reichsbank- Präsident Dr. Lucher eben erst ausgeführt Hot. Die Annahme dieses Gesetz enkwurls ist für die Reichsregierung unmöglich. Der ü'lzwischen emgetretenenveftere Preisfalt des' Fleisches kann doch -Wr die Parteien, die seinerzeit für die AufLebung des Kontingents gestimmt haben, kein Grund sein, es wieder einzuführen. Abg. f>epp(Landv.) spricht im gleichen Sinne gegen den sozial- demokrofischen Antrag. Abg. Gerauer(Layer. Vp.) äußert sich gleichfalls gegen den Gesetzentwurf. Abg. höralc(Komm.) wirst dem Minister Schiele vor, mit dem Versprechen der Abgabe billigen Frischfleisches statt Gefrierfleisch den Reichstag belogen zu haben. Abg. Schneidewind(Wirtschp.) spricht im Sinne des Ministers gegen den Gesetzentwurf. Es gebe gemig Fleisch im L«ide, und es sei besser und billiger als das frühere zollfrei« Gefrierfleisch.(Wider- sprach links.)* Bei aus in Köln gibt es vorzügliches Ochsenileisch für 30 Pfennig. (lebhaste Gegenrufe links), kommen Sie nur zu uns hin, jede Be- stellung wird ausgeführt. - Abg. Meyer zu Belm(D. Vp.) redet gleichfalls gegen den sozial- demokratischen Antrag, ebenso die Abgg. Meyer-Hannover(D.-Hann.) und Dr. Aehr(Bayer. Bauernbund). Abg. Bergmann sGoz.): Der Bezirksverein Berlin, der 16 Fleischerinnungen umsaht, hat in einem Rundschrelben das große Interesse an dem weiteren Bezug von zollfreiem Gesriersleisch betont, dessen halbes Pfund zu 3S und 10 Pfennig verkaust werden kann. Als einmütige Auffassung der 16 Fleischerinnungen wird, im Gegensatz zu Herrn Schneidewind, die Wiederherstellung des allen Einfuhrkontingents verlangt. Nach den Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung sind die Blehpreise zur Zeil sogar der unbeschrönkleu zollfreien®e- friersleischeinfuhr bedeutend höher gewesen, als nach der Ein- ' stellang dieser Einfuhr. And dasselbe gilt von dem verdienst der viehmäster. Gegenüber dem hier geäußerten Verlangen nach Veterinärpolizei- lichen Bestimmungen als Ersatz für Einfuhrverbote frage ich die Re» gierung, ob bei der Auslandsfleischbeschau irgendwelche Beanstan- düngen vorgekommen oder ob irgendwelche Erkrankungen durch Genuß von Gefrierfleisch festgestM worden sind. Di« Statistik be- weist, daß auch die Einfuhr fcon lebendem Schlachtvieh aus dem Aus» lande zur Zeit der zollfreien Gefrierfleisäseiniuhr erheblich größer war, als nachher; durch die Gefrierfleischeinfuhr ist also kein Druck auf die Fleisch- preise ausgeübt worden. was sich ja auch daraus erklärt, daß der Gefrierfleischpreis' sich nach ganz anderen Gründen bestimmt. Frischsleisch ist auch insofern kein Ersatz für Gefrierfleisch, weil die Mmderbemttteften Frischfleisch eben nicht kaufen können.(Sehr richtig! links.) Run sollen die Genossenschaften ein besonderes Geschäft bei der Gesrierfleischcinsuhr gemacht und die Sozialdemokratie ihren Antrag im Interesse der Genossenschaften eingebracht haben. Bei uns in Hamburg hatten die Genossenschaften 36 Proz. des Gefrierfleisches zur Verteilung erhalten, die anderen 66 Proz. echielt das Gewerbe. Im übrigen Reiche haben die Genosseufchafleu im vurchschuitt sogar nur 15 proz. zur Ver- teilung erhalten. Den großen Gewinn, den die Genossenschaften dabei gemach« haben, glaube ich. Ihnen schenken zu dürfen. Einig« Redner haben das Fehlen der äußersten Rechten bei der heutigen Entscheidung bedauert. Run. hie Deutschnationalen und die Rotionoliozialisten. die sich immer als die einzigen Retter der Land- Wirtschaft hinstellen, scheinen ihr» Argument« für nicht so wertvoll einzuschätzen, daß fie sie hier vorbringen müßten; vielleicht haben sie auch Bedenken gegen die starken lleberlrelbungeu der angeblichen Gefährdung der eandwlrkschast kett links.) Herr Schiele hat in einer früheren Sitzung erklärt, zwei Millionen Schweine würden infolge der Einstellung der Gefrier- fleifcheinfuhr mehr verzehrt als sonst. Ein anderer Redner hat schon von drei Millionen Schweinen gesprochen. Aber es kommt nichl aus die Zahl der Schweine an. sondern darauf, daß leider eine sehr große Zahl unserer Volksgenossen Schweinefleisch nicht kaufen kann. (Lebh. Zustimmung links.) Schweinefleisch kostet 80 bis 9Z Pfennig das Pfund, während Gefrierfleisch auf dem Weltmarkt 32� Pence, also 28 Pfennig, kostet und im deutschen Kleiiwerkouf für 16 bis 18 Pfennig abgegeben werden kann. Die deutsche Wissenschast hat in den letzten Jahren innner wieder erklärt, das deutsche Volk brauche eine bessere Fleischnahrung, also müssen wir sie ihm verschaffen. Im Januar dieses Iahren waren nur 31 proz. der Gewerkschasismilglieder Vollarbeiter, 19 proz. Kurzarbeiter und 17 Vroz. arbeitslos! Das beweist zur Genüge die Rotwendigkcil starker Aleischoerbilligung. Herr Hepp behauptet, unser Antrag entspringe nicht sachlichen, sondern politischen Gründen. Ich will diese Unterstellung nicht weiter kennzeichnen. Was aber die„nationalen Bedenken" des Herrn Hepp anbelangt, so haben Sie diese Bedenken nicht. wenn es flch um die Einwanderung ausländischer Landarbeiter handelt: da kann Ihnen das Kontingent nicht groß genug sein— aber gegen billige Aleischnahrung für die deutsche Industrie- bevölkerung haben Sie„nationale Bedenken". (Schr gut links.) Herrn Schneidewinb frage ich, wo das Ochsenseit für 30 und die Wurst für 20 Pfennig zu haben sind.(Pause.) Herr Schneidewind gibt darüber keine Auskunft, er stellt also Belzaup- tungen ohne Unterlage aus.(Hört! Hört! links.) Es wäre gut, wenn unser Kölner Parteiblatt seinen Losern mitteilte, daß bei Ihnen, Herr Schnoidewind, so billiges Fleisch zu haben ist.(Sehr gut! links.) Man hat hier behauptet, die Konsumenten seien zu wählerisch, sie verschmähten gewisse Fleischsonen und seien dadurch an der Ber- teuerung schuld. Run, bei uns in Hamburg wird seht viel Lunge und kaldannen gekauft: das gab es vor dem Kriege nicht, damals wurden diese Sorten al» Hundefuilcr für wenige Pfennige abgegebeni Wir protestieren ganz entschieden gegen derartige unwahre Beschuldi- gungen, die man gegen die Konsumenten schleudert, um die eigenen Verteuerungsmanöver zu verdecken. Die Auszahlung eines Teils der Arbeitslaseiiuntersttitzung in Naturalien würde praktisch nichts ändern, denn der größte Test dieser knappen Unterstützung wird ohnehin für Lebensmittel ausgegeben, während für Tertilwaren und Schuhe nichts übrig bleibt. Oder wollen Sie vielleicht behaupten, daß di« Arbeitslosen mit diesem Geld Brillanten kausen?(Heiterkeit links.) Wir sind nicht da, um Jnteressentenpolitik, sondern um Volkspolitik zu treiben!(Lebh. Beifall der Soz.) Abg. Arcybe(Wp.): Das Gesriersleisch könnte sich doch auch jeder Ministerialrat besorgen. Mit dem Antrag sollen den sozial- demokratischen Genossenschaften nur die früheren Millionengewinne aus dem Kontingent wieder verichafft werden.(Zurufe der Sozial- demokraten nageln diese Wiederholung der mehrfach wider- legten Behauptung fest.) Abg. Schneidewlnd(Wp.) bleibt dabei, daß in Köln und Kaisers- läutern die von ihm angegebenen billigen Waren zu haben seien. Das Gefrierfleisch habe man zn Köln für hie Polizeiküchen, also nicht für big. unbemrüelte Bevölkerung vermsnöet._ Damit schließt die Aussprache.— Ein Antrag de« Bolkskonser- vat'wen, die Einfuhrzitlassung auf den 1. Just d.J. zu verschieben, wird abgelehnt, ebenso der kommunistisch« Zlntrag aus 120 000 Tonnen Kontingent wird in namentlicher Abstimmung mit 316 gegen 68 Stimmen abgelehnt.(Pfui!-Rufe der KomH Artikel I des sozialdemokrakifchen Entwurf«(50000 Tonnen ab 1. Dezember 1930) wird im Hammelsprung mit 21S gegen 152 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Enkhallen hat sich der Abg. Dr. heuß(Siaalsp.), seine Parteigenossen Lemmer Hitlers Bannstrahl. Eine Ehrung für Oskar von Miller. Das Organ des Herrn Hitler veröffentlicht au der Spitze seiner Nummer vom 2. März einen Bannstrahl gegen einen Mann, der bisher in Deutschland noch etwas gegolten hat. Er gilt dem Schöpfer des Deutschen Museums«n München, Oskar von Miller. Der„Völkische Beobachter" pron- gert ihn folgendermaßen an: „Schon seit Jahren ist die Links st ellung des Schöpfers des Deutschen Museums kein Geheimnis. Die betonte Bevorzugung schwarzrotgelbor Symbole bei offiziellen Veranstaltungen und Fest- lichkeiten hat wiederholt unliebsames Aufsehen erregt. Wenig er- sreulich ist auch die merkwürdige Freundschaft mit dem Kriegsdienst- Verweigerer L ö b e, der seit 1930 bei der Jahrcsversanmilung des Deutschen Museums sogar als Ehrengast eingeladen war. Wir sehen hier, wie die Anbetung der Technik die ungeistige Bevor- zugung des Stofflichen von einer bedeutenden Persönlichkeit derart Besitz ergrissen hat, daß der richtige Wertmaßstab für die Beurteilung von Dingen, die sich materiell nicht eingliedern lassen, verlorengegangen zu sein scheint. Oscar von Miller ist für Hitler und die Seinen demnach der Typ ungeistiger Anbetung der Materie— Hitler aber und seine„rauhen Kämpfer", das find die wahren Vertreter deutscher Geistigkeit. Dem Schöpfer des Deutschen Museums ist es verschlossen, den subtilen Wendungen des Geistes dieser Leute ju folgen und ihre geistige Tiefe zu verstehen. Des- halb wird er auch mit Recht von ihnen in Acht und Bann getan. Fort mit den Technikern! Sie werden im dritten Reich nicht mehr gebraucht. Hitler macht das alles selbst, er hat die Pläne dafür schon in der Schublade liegen! und«olle» st»»cht horch che Erscheinen noch (cheiw. und die Schneider, Berlin, stimmen für den Eulwurf, ebenso Zenlrumsabgeordnelen Ersing und Schlack, im übrigen stimmen diese Parteien mtt der Volkspartei und der übrigen Rechten, soweit sie- anwesend ist, gegen das Gesetz. Die Artikel II und lll werden in einfacher Abstimmung angenommen, die namentliche Schlußabstimmung ergibt die Verabschiedung des Gesetzes mit 223 gegen 119 Stimmen bei 1 Enthaltungen. In namentlicher Abstimmung wird eine konmiunistifche Eni- schließung zur Osthilfe mft 305 gegen 68 Stimmen abgelehnt. Für eine Entschließung der Hakonkreuzler erheben sich unter lebhafter Heitertest nur die Kommunisten. Gegen 19)h Uhr vertagt sich das Haus auf heute, Mittwoch, 15 Uhr: Haushalt des Innenministeriums. Oer Fall Bullerjahn. Leutnant Jost kommt nicht nach Aachen. Der Fall Bullerjahn hat eine neue Komplikation erfahren. Mitte der Woche sollte der französische Leutnant Jost, der Hauptentlastungszeuge in der Affäre des zu 15 Jahren Zucht- lzaus verurteilten Lageroerwalters Bullerjahn, in Aachen mit Rechtsanwalt Rosenfeld, dem Verteidiger Bullerjahns. zusammentreffen. Es war ferner beabsichtigt, daß Jost gelegentlich dieser inoffiziellen Reise nach Deutschland von den Mtt- gliedern des zuständigen vierten Strafsenats des Reichsgerichts ver- nommen werden sollte. Die betreffenden Richter waren bereits bewogen worden, Mitte der Woche nach Aachen zu fahren. Leider kann aber die inoffizielle Vernehmung Josts in Aachen nicht stattfinden, Reichsgerichtsrat Schmitz teilt« In der Dienstagsitzung des»Leipziger Hochverratsprozesses gegen' 31 Kom- munisten, die sich gleichfalls vor den Mitgliedern des vierten Straf- senats zu verantworten haben, mit, daß die Vechandiung auf mehrere Tage unterbrochen werden müsse, well sich einig« Mit- glieder des erkennenden Senats zur Vernehmung Josts nach Aachen begeb«v müßten. Auf Grund dieser vorzeitigen öffentlichen Bekanntgab« des Planes an offizieller Stelle kann Leutnant Jost die Reise noch Aachen nun nicht antreten. Rechtsanwalt Rosenseld hat di« Mitglieder des vierten Strafsenats des Reichsgerichts zu seinem Bedauern ersuchen müssen, gleichfalls von der Reise nach Aachen Abstand zu nehmen. Es wird nun wieder der offiziell«, dafür aber lä n g er�e Weg gewählt werden müssen, um durch di« ■ Vernehmung, Josts die Aufklärung der ÄssKre Bullerjahn h«rh«I- zuführen." T. Das bayerische Lomdeswahlaeselz wurde am Dienstag vom Lynd- tag in seiner neuen Fassung beschlossen. Durck dos«eye Wahlgesetz werden die sogenannten Londesmandate besettiat. Es ist damit zu rechnen, daß der Bayerische Landtag spätestens im Herbst dieses Jahres neu gewählt wird. Von den sieben in der Pfalz neuerdings oerhosteten„S e p y r o> l i st e n" hat der Oberreichsanwalt nicht weniger als sechs wieder auf freien Fuß setzen lassen. Das Verfahren läuft jedoch weiter. Zienaiffance-Theater. preston(Sturgeö:„Durchaus unerlaubt". Selten hat es einen passenderen Tttel gegeben als„Durchaus unerlaubt" für diese aus Amerika importierte Komödie. Was uns in der banalen Liebesgefchicht« an kindischem Niedlichgetue zu- gemutet wird, Ist tatsächlich durchaus unerlaubt. Die Elaque war begeistert und rief die Hauptdarsteller Ltoio Pavanelli und Hilde Körber unermüdlich vor die Rampe. Dgr. Technischer Forifchriit in Gowjetrußland Zur künstige Prozesse werden künstliche Angeklagte(Seständnis-Automaten) hergestellt, die auf einfachen mechanischen Antrieb Geständnisse am laufenden Land produzieren. Man spart auf diese Seife die Begnadigung für gutes Verhalten. Reichsbahn wieder einmal voran. Natürlich in der Gozialreaktion Bekdimtlich hatte auch die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahnverwaltung Lohnbestimmungen zu dem Zwecke einer Lohnsenkung geküindigt. Während der Verhandlungen, die gestern gesührt wurden, schlugen die Vertreter der Reichsbahn einen Abbau der Löhne im Durchschnitt von 10 Proz vor! Räch den Forderungen der Rctchsbahnverwaltung sollen sich die Löhne aller über 24 Jahre alten Arbeiter in allen Lohngruppen und Ortsklassen um 7 Pfennig pro Stunde vermindern. Die Schichtlöhne, die Löhne der weiblichen und jugendlichen Arbeiter sollen sich entsprechend dem Schlüssel des Lohntariis ermäßigen. Außerdem sollen auch die sozialen Zulagen entsprechend der Arbeitszeit verkürzt werden. In dieser Richtung liegt auch eine wertere Forderung der Verwaltung, Schichtlohntabellen aus 48%' und ö 1 st ü n d> g e Wochenarbeitszeit berechnet, cinzu- sichren. Darüberhinaus oerlangt die Hauptverwalchng eine lim- stellung des Dienslstellenbetriebes für die Arbeiter des Ausbefserungs- Betriebes des elektrischen Bahnbetriebes. Zu eigentlichen Verhandlungen über diese Forderung ist es gestern jedoch nicht gekonimen. Die Vertreter der Organisationen erklärten, daß sie zu einer solchen Forderung selbst unmöglich Stellung nehmen könnten. Die Verhandlungen wurden dann auf nächste Woche Dienstag vertagt. Es ist als selbstverständlich anzusehen, daß die Gewerkschaften eine solche Forderung der Reichsbahnverwaltung rundweg a b- lehnen müssen. Es kann freilich nicht überraschen, die Reichsbahn- Verwaltung in den vordersten Reihen der größten Scharfmacher zu finden. Einer großen Anzahl der hier in Frage kommenden Ar- beiter ist schon seit vielen Monaten eine große Verminderung ihres Einkommens durch Einlegung von Feierschichten zugemutet worden. Würde der Lohnabbau zur Tatsache werden, danu ergäben sich ungeheure Verminderungen des Lohncinkommcns. Neugierig wären wir auf die Begründung dieser unglaub- lichen Zumutungen an die elend entlohnten Reichsbahnarbeiter. Hier kann doch von einer„internationalen Konkurrenz" wirklich nicht die Rede fein. Oder glaubt die Hauptverwaltung der Reichsbahn, sie müsse unbedingt die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft zu einem Musterbetrieb der Soznrlreoktion ausgestalten? Wie man aus den vorstehenden Mitteilungen ersieht, erstrebt die Hauptverwaltung die niedrigsten Löhne und die längste Arbeitszeit— jür die Arbeiter, nicht für die hohe Bürokratie. » Eine Konferenz in Dresden des Einheitsverbandes der Eisenbahner für den Reichsbahndirektionsbezirk Dresden(Sachsen) beschäftigte sich u. a. auch mit der von der Reichsbahnhauptoerwaltung Berlin erfolgte» Aufkündigung der Lohnbestimmungen. Nach einem Referat des Verbandsoorsißendcn Reichstagsabgeordnetcn Franz Scheffel brachte die Konserenz einmütig zum Ausdruck, daß die Eisen- bahner bereit seien, mit allen Kräften die Organisation im Abwehr- kämpfe gegen die von der Reichsbahn geplanten Lohnabbaumaß- nahmen zu unterstützen. Die an der Konferenz beteiligten Geschäftsführer der großen Ortsgruppen im Verbandsbezirke in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Reichenbach l 23., Riesa, Würzen, Plauenscher Grund, Zittau und Bischofswerda betonten in der Aussprach«, daß es völlig untragbar wäre, eine weitere Lohnoermin- derung insbesondere für die schlechtbezohllen Arbeitergruppen in Kauf zu nehmen. Die örtlichen Organisationen seien sich dessen be- wüßt, daß die Reichsbahn einen hartnäckigen Kamps um die Lohn- Herabsetzung führen wolle und gerade deshalb werden die Eisen- bahner dafür sorgen, den kommenden Auseinandersetzungen gerüstet gegenüberzustehen. Der Mensch und das Aktenbündel. Oer Tod nach der Entscheidung des Oberversicherungsamtes. „Mir ist ja nicht mehr zu Helsen, aber es gibt noch genug teidensgcnosien, denen diese Warnung vielleicht zugute kommt. Der lebende Mensch sollte mehr gelten als ein totes Zlkten- büodel voller Irrtümer, wir konnten uns ja nicht einmal über die Daten der Gutachten einigen, und dann wird ohne Prüfung der näheren Umstände geurteilt? Mehr veranl» wortuugsgesühl tut not." Eine Postkarte in Schreibmafchinenschrift, adressiert an das Oberversicherungsamt Berlin. Mit der Hand geschrieben nur der Rame der Wscnderin: Gustel W. Auf der Karte klebt eine Fünf- pfennigmarkc. llnabgestempelt. Denn Gustel W. hat die Karte nicht mehr abgeschickt. Sie hat die Karte geschrieben, unterschrieben, fron- kiert. Es gibt noch genug Leidensgenossen, denen diese Warnung vielleicht zugute konnnt. Deshalb hat sie die Karte geschrieben, bevor sie sich das Leben nahm. Am lö. Januar 1030 beantragte die damals ZOsähnge Privat- fckretärin und Buchhalterin Auguste W. bei dem Oberversicherungsamt Berlin Gewährung von Ruhegeld. Der behandelnde Kassenarzt bescheinigte 100 Proz. Berufs Unfähigkeit. Auf Veranlassung der Rcichsversicherungsanstolt für Angestellte wurde sie im Slugustc-Viktoria-Krankenbaus süns Tage beobachtet. Man entließ sie mit der Feststellung:„Sie ist noch gut in der Lage, jede mittclichwere Bürotätigkeit auszuüben. Ich schätze ihre Arbeits- fähigkeit auf noch mindestens 60 bis 70 Proz." Die gesundheitliche Vorgeschichte in diesem Gutachten berichtete: „1916 von der Reichsversicherungsanstalt wegen Nervenschwäche in Oppelsdorf. 1921 Rippenfellentzündung und im Anschluß daran Bauchfellentzündung und Blinddarmentzündung. Im Lichterselder Krankenhaus wurde der Blinddarm operativ entfernt. Gleich noch der Entlastung aus dem Krankenhaus sollen sich Magenbeschwerden eingestellt haben. 1923 Lungenentzündung. Mai 1929 wegen Nervenschwäche und Neuralgie von der Reichsversicherungsanstalt in Kreischa. Seit März 1929 angeblich nicht mehr beruslich tätig ge- wesen. Sie hat damals ihre Stellung als Sekretärin wegen Krankheit aufgeben müssen." Soweit die Feststellungen in dem Gutachten. Aus der Zeit seit März liegen ärztliche Aufzeichnungen vor: Krank v o ni 27. 1 1. 29 bis 4. 3. 30. In dieser Zeit drei- niol von Vertrauensärzten der Barmer Ersatzkasse unter- sucht. Dann von der Kvankenkaste ausgesteuert. Auf Kosten des Wohlfahrtsamts Wilmersdorf weiter ärztlich behandelt. Wieder beschernigen vertrauensärztlich« Untersuchungen Arbeits- u n fä hi g k e i t. Als Berufshindernis gab Auguste W., die auch wegen verschie- dener innerer Leiden bchandelt wurde, Rückenschmerzen an. die nach etwa einsiündiger Beschäftigung ani Schreibtisch so quälend wurden, daß sie die Arbeit unterbrechen und mehrere Stunden in liegender Stellung ruhen mußte. Röntgenaufnahinen, von der Chirurgischen Abteilung der Charite gemach', zeigen, daß sich an den oberen vier Brustwirbeln Randzacken gebildet haben. Danach werden in der Charit« Einspritzungen und Diathermiebehandlungen vorgenommen, später Röntgen-Tiefenbestrahlungen. Am S. März 1930 hatte die Reichsversicherungsanstalt den Ruhe- gchaltsanspruch von Auguste W. abgelehnt. Dagegen erhob diese Einspruch. Amtliche Entscheidungen werden nicht immer sehr schnell getroffen. Am 13 Oktober schrieb Auguste W. an das Ober- versicherungsamt diesen Brief: „Unter Bezugnahme auf mein Schrelben vom 13. 9. gestalte ich mir, Ihnen einliegend in verschlossenem Umschlag ein Attest von Frl. Dr. Toni Haber, Berlin, sowie ein Schreiben von Herrn Professor Stahl von der Chirurgischen Klinik der Charite zu überreichen. Ich bitte Sie hierdurch nochmals dringend, in meiner Ruhegeld- foche nunmehr eine Entscheidung zu treffen. Die Sache läuft seit Januar d. I. und ich bin jetzt wirklich am Ende meiner Kräfte und meiner Mistel..." Am 10. Januar 1931 war Termin Am 3. Dezember hatte auf Antrag des Oberversicherungsamtes Berlin der Chefarzt des Krankenhauses Lankwitz Auguste W. untersucht. Er schreibt am Schluß seines Gutachtens:„Berufsunsähigkeit Üegt nicht vor. Die Ardeitssähigkeit des Frl. W. schätze ich, in Uebereinstiinmung mit dem ltzorgutachter Herrn Professor Huber(der untersuchende Arzt im August«.Mktorw-Krank«chaus), auf mindestens 60—70 Proz.* Das Gewicht der beiden Gutachten, von denen das zweite sich in wesentlichen Punkten ohne Nackuntersuchung auf das zehn Monate zurückliegende erste stützt, kann hier nicht beurteilt werden. Man kann nur die Tatsache festellen. daß die verschieden- sten Aerzte, dke Auguste W. behandelten, Vertrauensärzte von Krankenkassen una Wohlfahrtsstellen ihr« Arbeitsunfähig- keit bescheinigten und nur die beiden Vertrauensärzte des Oberversicherungsamtes gegenteiliger Ansicht waren. Man kann aber beurteilen, was es heißt, einen Menschen auf ein entscheidendes Urteil 11 Monate warten zu lasten. Die Frage:.Leben oder Tod?" bleibt offen. Elf Monat« lang droht das Todesurteil über Zluguste W. Darum wohl sieht ihre letzte Karte so korrekt und sachlich aus, die Unterschrift so klar. Die schlimmste Gewißheit selbst muß den, Ruhe bringen, den elf Monate Ungewißheit verzweifeln ließen. Auguste W., seit 21 Monaten infolge Krankheit steUungs- los, 51 Jahr« all, kann keiner Berufsarbeit mehr nachgehen. was gilt der lcbende Mensch, wenn er krank, all, arm ist? Formai war die Entscheidung des Oberversicherungsamtes«in- wandfrei. Di« Gutachten von Professor Huber und Chefarzt Dr. Silberstein bescheinigten 60— 70 Proz. Arbeitsfähigkeit. Zwar hätte trotzdem die Möglichkeit bestanven, mindestens ein« vorüber- gehende Berufsunfähigkeitsrentc zu bewilligen. Aber August« W. war für das Oberversicherungsamt nur das Aktenstück Nr A. V. 384/30. Täglich gehen heute Menschen, alte- und junge, aus dem Leben, .freiwillig", wie man besänftigend zu sagen pflegt, weil sie nicht langsam verhungern, nicht langsam im Elend absterben wollen. Manches Aktenbllndel, manche Personalienkarte, die in Winkeln ver- stauben uno chre Zeit erwarten, um eingestampft zu werden, könnten davon erzählen, wie an der Nummer, die sie tragen, ein Mensch zugrunde ging. „Der lebend« Mensch sollte mehr gelten als ein tote, Akten- bändet voller Irrtümer. Mehr 23erantwortungsgefüh1 tut not." Gemeinden als Lohndrücker. Es gibt noch nicht genug WohifahrtSunterstühte. Di« Lohntarifverträg« für die Gemeindebetriebe in Mittel- dcutschland, Thüringen, Pommern, Hessen- Nassau und den rheinischen Gemeinden sind von den Bezirksarbeitgeberoerbönden zum Zweck des Lohnabbaues zum 31. Mckrz gekündigt worden. Der Bezirksarbellgeberverband für rheinische Gemeinden fordert einen Lohnabbau von 8 Proz. Für d!« Pfalz sind die gekündigten Tarife bis zum 31. März 1932 verlängert worden. Am 1.?lpril d. I. werden jedoch die Löhne Hin 4 Proz., ab 1. September um weitere 2 Proz. gesenkt. Bei einer Verkürzung der Arbeitszeit ans 42 Stunden tritt keine Lohn- kürzung-in. Der Lohnabbanschiedsspruch für die Ostmark fleht«ine Kürzung von 4 bis 6 Proz. vor. Der Spruch wurde a b- gelehnt. Die Entscheidung darüber hat jetzt der Zentralausschuß. In der Lohnstreitsache der Stadt Köln tritt heute der Zentral- ausschuß wieder zusammen. Aufstieg im AfA-Nund iroh Krise. Oos AfA-Ortskartell TSZO. Das AfA-Ortskartell Berlin hielt am Montag im Gewerkschaftshaus feine Iahresvertreterversammlung ab. An Stelle des plötzlich-rkrankten geschäftsfllhrenden Vor- sitzenden Genossen Fla tau erstattete der ehrenamtliche Vorsitzende, Genosse Petersdorff, den Geschäftsbericht für das Jahr 1930. Da der Bericht den Vertretern des Ortskartells gedruckt vorlag. beschränkte er sich auf die Erläuterung einiger wichliger Abschnitte daraus. Insbesondere wies er auf die katastrophale Auswirkung der Wirtschaftskrise auf die Angestelltenschaft hin. In Berlin -eben etwa 6 Prozent ,der Sesamtbevölkerung Deutschlands, aber t4 Prozent aller deutschen Angestellten. Während in Deutschland cm Durchschnitt immer fünf Arbeiter einen Angestellten zum Nach. oar haben, kommt m Berlin schon aus zwei Arbeller ein Ange- stellt«. Daraus evSärt sich auch die erschreckende Tatsache, daß von oen rund 400 000 Angestellten, die End« 1930 in Deutschland ar, bertslos waren, allein auf Berlin etwa SV 000 entfielen. Diese ungeheure Arbeitslosigkeit erschwerte den Angestellt«»- gewerkschasten ihre Arbeit ungemein, zumal die Krise von den Unter- nehmern weidlich ausgenutzt wurde, die von den Gewerkschaften in den letzten Iahren erzielten Erfolge aus lohn- und tarifpolitischem Gebiet wieder illusorisch zu machen. Trotz dieser widrigen Umstände, die die Agitation stark hemmten, ist der Mitgliederbestand der freien Angestelltengewerkschaften Berlins im vorigen Jahr nicht nur stabil geblieben, sondern hat sich noch um 2364 auf 71 368 Mitglieder erhöht! Wie in den Jahren zuvor entfiel auch im Berichtsjahr auf die Jugendarbeit ein großer Teil der Gesamtarbeit der An- gcstelltenoerbände. Das Hauptaugenmerk wurde auf die Betreuung der erwerbslosen Jugendlichen gelegt. Für die Arbeit des AfA-Ortskartells auf wohnungspolitischen, Gebiet ist der A f A- H o f in Treptow ein sichtbares Symbol. Jedenfalls hat das AfA-Ortskartell in allen Stellen, aus die es einen Einsluß hat, versucht, die Interessen der Berliner Angestelltenschast wahrzunehmen. Die Arbeit der Spitzenkörperschaft der freigewerkschaftlichen Berliner Angestelltenverbände wurde von der Bertreterversammlung dadurch anerkannt, daß sie auf jede Diskussion über den Geschäfts- bericht verzichtete und e i n st i m m i g den Genosien Flatau als ge- schäftssührenden Vorsitzenden und den Genossen Petersdorff als ehrenamtlichen Vorsitzenden wiederwählte, desgleichen auch die übrigen Funttionäre im AfA-Ortskartell und in den befreundeten Organisationen. Gaswerke: Liste Llnfähigleit per«roten" Betriebsräte. Eine volle Seite der„Roten Fahne" wurde cm Dienstag zur Enthüllung der„Gasreformisten" verschwendet. Im Uebereiser passierte jedoch den Herrschasten das Mißgeschick, die Untätigkeit der roten Betriebsräte anzuprangern, wie es die„Gasreformisten" kaum wirksanier besorgen könnten. „Die Stiefel faulen an den Füßen" lautet ein« der Dalkenüberschristen. Sie bezieht sich auf Mängel der Baubuden in der R o h r n e ß a b t e i 1 u n g. Ist es nicht in erster Linie Sache des Betriebsrats, auf die Beseitigung solcher Mängel hinzuwirken? 'Was hat der bisherige ivetriebswt Gollnow. Borsitzender der Sicher- heitsabteilung und kommunistischer Betriebsrats- k a n d i d a t denn eigentlich getan, um die in der„Roten Fahne" aufgezählten Mißstände zu beseitigen? Er hat sich bis jetzt über- Haupt nichtdarumgekümmert. Seine eigenen Unterlasiungs- sünden sollen eine Empfehlung für seine Wiederwahl sein? Genau so verhüll es sich mit dem Kapitel.Hygiene in den städtischen Gaswerken". Der Umkleideraum soll zu klein sein, Sitzgelegenhell fehlen, Wa-schgelegenhelt zu gering sein usw. Sind diese Mißstände dein Betriebsratsvorsitzenden Weiuerl erst seit- dem bekannt, seitdem er wieder als kommunistischer Spitzenkandidat aufgestellt wurde? Der Mann, der der „Roten Fahne" das Material zur„Enthüllung" dieser Ding« geliefert hat. mußte es doch auch seinem„revolutionären" Genosien W e i n e r t, dem Betriebsrat, mitgeteill haben. Hat der Hern SpitzenkandLxit vorher keine Kenntnis von den Dingen gehabt und keine Luft, sich damit zu befassen? Urtd solche Leute markieren Betriebsrat? Sie sitzen im Glashaus, die Weinert und Gollnow! Trotzdem sie die Steine gegen die„Gasreformisten" au» der„Roten Fahne" werfen, sallen sie doch auf die„revolutionären" Betriebsröte zurück._ Lohnvereinbarung der Glaser. Die Fachgruppenleitung der Fachgruppe der Glaser im Deutschen Baugcwerksbund teill mll: Zwischen dem Arbeitgeberverband der Glasereien, der Glaser- Zwangsinnung Berlin, der Glaserinnung Charlottenburg einerseits und dem Deutschen Baugewerksbuuld, Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe der.Glaser, andererseits wurde in jreier 23ereinbarung fol- gendes Zlbkommcn getroffen: „Bis zum Zlbschkuß eines neuen Tarifvertrages, mindestens aber bis zum 31. März 1931, bleiben die Beslim-mungen des �alten Tarifvertrages mll den seitherigen Löhnen in Geltung." Durch diese Vereinbarung ist dem tariflosen Zustand ein Ende bereitet und die Bahn sür die Schaffung eines neuen Lohn- und Mantellarifes auf der Basis des allen Vertrages freigemocht. Do- durch hat sich der Streik bei den einzelnen Firmen erledigt. -» Die nächste Versammlung findet nicht am 16., sondern am 23. März in Saal 1 des Gewerkschastshaufes statt. SPD.-Fencnoedr. Donnerstag. 19 Uhr,»Schlssische brirnaf, Nene kW 13 Isrielcrickistr. t, BerlrauensmÄnnerlitung. Jode Wach« cnisendet«in- M PI dcftens einen Vertreter. �reieGewerkschafts-IuaendBerlin Heute, Mittwoch, IS'», Uhr, tagen M<©nippen; Vaumichutenweg: Jugendheim Ernst str. IS. Heimbesprechung.— Renlitla: Eiruppenhciiu Bergstr. A. pt. Heimbesprechung. Wir sprechen Ilber unsere Werbung. — Südwesten: Stadt. Jugendheim Porckftr. 11 sgabrikgebaudel. Leim» brspreüninq und Liederabend.— Mnghasen: Jugendheim Neukölln. iNughafen. ktrahe 68- Leimdesprechung. Aussprache über-Aaitatidn.— Weiheuseei Iii» ge iib beim Varkstr. 36. Seimbelprechuna. Verbandsbuch- und Seimausweis. kontrolle.— Zisrdring: Jugendheim wonnenburger Str. 20. Heimdesprechung. — Schönebeeg! Jugendheim Hauptsir. 15. Seiinbespreekuna. Wir singen neue Lieder.— Humboldt: Iugeudbejm©raun- Eck« Lorhinastrahe. Hefmbesprechung. VcrbandsbuchSontrolle.— Tegel: Iuoendheim Schöneberqer S>e. 4. Lein. deiprechung. Vuntcs Allerlei.—©pandau: Jugendheim Lindenufee 1. Heun- abend— Liederabend.— Zuqendgruppe de»©esnmtnerband««: Iuqendbeim Engelufer 24—35. Fachgruppe©iirtuerei: Lchtbilderportrag:.Eine ssabrt durch die Hei mall'. Mim:..Ich sahr' in ir; Welt".— Iugendgrnppe de» Deutschen Bekleidvnrrs-rbeitcrderbande,! Ecbastianstr. 37—36. ISlh Uhr gachabend für Kürschnerei. @FuoenSorvppe P«S?en radikaler politischer Parteien, die Machinationen gewisser opefu» tonten- und Industrie kreise könnten daraufhin geprüft worden. Dann würde der Zyklus an aktuellem Interesse gewinnen, Ein anderer Vortrag erregt ebenfalls- die Aufmerksamkett des Hörers. Amts» gerfchtsrat Dr. Peter Gleim spricht über die Kriegsblinden. Er vermittelt, einen Einblick in die Organisationen und zeigt die große. mühevolle Arbeit, die geleistet worden ist, um den Blinden eine ausreichende- Erfstenq zu schatten. Vorträge dieser Art sollten öfter gehalten werden. Rein instruttio sind die Ausführungen Dr. Grad- na u er»- über die- Bedeutung der Leipziger Messe. Abends«in Militärkonzert mit gutem, unterhattendem Progrcunm. F. Sch, Ein Oebeswerk für die Alten. In Schmargendorf, Berkaer Str. 3 2. hat die Jüdische Gemeinde zu Berfin für ihre Wien ein neues Heim geschaffen.. Das Haus bietet Raum für etwa 200 Insassen, helle. freundliche, kömfortaLle Zimmer'chit der Aussicht auf im Werden begriffene Grünflächen, gemütliche Gemeinschostsräume. Liegehallen und sin Dachgarten gewährleisten ein beschauliches Ruheplätzchen für Menschen, die nach einem Leben voll Arbeit und Mißhelligteiten des Schicksals endlich Frieden finden wolle,:. Der Eröffnungsfeier wohnten Polizeipräsident Grzesinski und andere Vertreter der Stadt Berlin, Mitglieder des Kuratoriums und der Bautommisston bei. Gemeindebaumeister Behr, der den Bau geschaffen, hielt oie Begrüßungsansprache, in der er all denen dankte, die direkt oder indirekt an der Schassung des Heimes mitgearbeitet haben, und wünscht« dem Haus, das in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Depression erstand, daß es auch noch bessere Zeiten erleben möge. Dann brachten der Heimdirektor und ein ärztlicher Vertreter der Bezirksfürsorge ihren Dank und ihre Wünsche zum Ausdruck, worauf die Schlüsselübergabe erfolgte. Gesangsoörträge umrahmten die hübsche Feier.___ Sprechchor für Brolelarische Feierstunden. Die Uebungsstunde findet heule, Mittwoch, abends 712 Uhr, im Gesanzsfaal der«ophien- schule, Weinmeisterstr. 16/17, statt. Gesunden. In der Versammlung im Sportpalast am Montag ist eine Dan, entasche gefunden worden. Abzuholen Lindenstraße 3, 2. Hof, 2 Tr., Zimmer 9. von 9 bis ö Uhr. welteranssichlea für Berlin: Zunächst noch ziemlich heiter, später langsam zunehmende Bewölkung, Temperaturen im ganzen wenig verändert.— Für Deutschland: Im Westen und Südwesten regnerisch mit Erwärmung, auch im mittleren Deutschland Wolkenaufzug, im Osten und Nordosten noch etwas unbeständig, ober nur noch un- bedeutende Niederschläge._ Vorfrage, Vereine undVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". OtfASMattdlf;»erlin S H S'baftianilr S7— 38£ol 2. Tr. RittW»ch, 4. MSr,. Mitt« cIunqba). 20 Uhr Turnhalle Albrechl. straft« 20. Zirraarten. 1.«amrrahschast. 20� Uhr Vrrsammlune bri Schmidt, Wiclekstr. 17. 2. Kameradschaft. 2» Udr Versammlung be!«vstcl. Pu'Iiftstr. 10. Spandau sOrtaverein). 20Vj Uhr Senrralvcrsammtuna tu Vachs Testsiilc, Bismarchilatl. Ohne Mitalicdsbuch seinen Einlaß.— Dvnucrataa, 5. Mär,. Paitkat» lOrtdverein). 20 Uhr Vallversaminluna im �Tdr!. scheu Zelt". Breite Str. 14. Referat de» Nomcraden«urt Seiuia, M. d. R. Eintritt nur nearn Mit«licdabuch. Aktive Kameraden in Bundeskleiduno. Saui'äter. 20 Uhr SanitistskUhrersiftuito im Gansi>iuna»saal.— zreitas,. 6. Mär». Prent' lauer Berg, ao Uhr Sitam« de« erweiterten Ortsvereinsvorstandes im bekannten Lakai. Ztrnubera. 3ug l. 20 Uhr Mitaliederversammlun« bei Seehak. Billlba h- Aleris-Str. S. Bericht von dec Generalversammluna. Erscheinen Pflicht. Zgeifte». se« sOr-»verein). 20 Uhr Mitgliederverlammlunq im»Berliner Las-, Bortrai, Kamerad Orsoleck. Funktionäre ,9 Uhr. «rbeitaaemeiaschast sotialdrmalratischer Lehrer,»rrisarn»»« Berlia-Ben. kill». Tonnrrstaa, 19 Uhr, Genosse«arsen,«arl-Marr-SchuIc:„Schulwesen in Rußland"._ Zevtralverbaab der«rdeitainvaliben»ad Witwe» Kcatschlaad, Mittwoch. t. Märt. Echönebera: Lokal Groß. Nalseoffriedrich-Str. 9, n Uhr. D Rainuten. dorf-Oit: Lokal«lähu. R-siden»Nr 81. 18 Uhr.— Eharlottenbura: Lokal Baum- aarten, Anadacher Str. 58, 18 Uhr.— Niederschönhouse»: Lokal Thomella. Ber- Unet Str. 88, 18 Uhr.— Pr«n»lau«r B-r? l: Lokal Slieele. Svv-Nhaa«n« S-rafte 71, 16 Uhr. L«ch»mau»sch»st bei Schleawia-Balsieiner ,» Belli, C882).. Mär,. SEH Uhr. UN weiften Saal dar Unionafeftsiil», Srrisswalder Str. 221—223. i onriello» Enellsh U.ba Ii x titio Mittwoch, 20 Uhr. �ahnarrtehaus. BOlow- straB« IM, Cuttmannual: Mr. J. Bulrnan Smith, M A.:.Personality.- Oer Strafvollzug in Preußen. Was deutschnationale Frauen von Gefängnissen erzählen. Der Preußische Lanötaq setzte am Dienstag die zweite Lesung des I u st i z h o u s h a l t s fort. Abg. Dr. Kriege(DVp.) gibt dein Abgeordneten Heidnann darin Recht, daß Strafen für Verleumdungen oft in keinem Verhältnis zur Schwere der«straftat stehen. Widersprechen müsse er aber Heil- manns Ausführungen in bezug auf die Abischaffung der Todesstrafe. Wenn Mordtaten nicht eine dem Volksempfinden entsprechende Sühne fänden, müsse man mit Lynchjustiz rechnen. Wg. Dr. ponsick(Landvolkp.) erklärt, seine Anhänger seien für die Todesstrafe und halten das Gerede von Fehlurteilen und Justizmorden für sentimentalen Quatsch oder verlogene Demagogie. Abg. haasc-Liegnih(Wp.) verlangt freie Wahl des Gerichts- Vollziehers. Iustizminister Dr. Schmidt äußert sich hierauf über den Strafvoll) Er erklärt, daß fangenen ein« geringe beweise die IZUg. nach der Auswertung der bisher gemachten Erfahrungen im Kammer- gerichtsdezirk numneJhr die Trennung der Gefangenenkategorien auch auf die anderen Bezirke übernommen werden soll. Es habe an Kritik nicht gefehlt. So fei behauptet worden, daß das neue Verfahren des«Strafvollzuges in Stufen den Gefangenen das Leben angenehm mache und die Gefangenen korrumpier«, weil sie zur Heuchelei erzogen würden. Hierbei sähe die kritisierende Oeffentlichkeit immer nur die Hasterleichterungen, die für die Ge- fangenen der zweiten und dritten Stufe in Betracht kommen. Welch l von Gefangenen solche Hafterleichterungen genieße, tsache, daß oon 30 000 Gefangenen über 30000 weniger als 9 Monate Strafe verbüßen. Diese kämen für den Strafvollzug in Stufen überhaupt nicht in Betracht, der erst mit Strafen von längerer Dauer beginne. Von den übrigbleibend-n 10 000 sind es im ganzen 3000 Gefangene, die für die Versetzung m Etuje Z oder 3 in Frage kommen. Das fei weder Gefühlsduselei noch Sentimentalität.— Man«denke nicht daran, Schwerverbrecher zu verhätscheln. Es handele sich um echte Humanität dem- lenigen gegenüber, die guten Willens sind und umkehren wollen. Der Minister erklärt weiter, daß für eine solche Behandlung der Gefangen en, die sich nach der Persönlichkeit richten müsse, auch g e- fchultes Auffichtspersonal vorhanden sein muß. Man habe deshalb«in« große Zahl von Nachschulungslchrgängen ein- gerichtet. Auch die Ausbildung der oberen Strafanstaltsbeamten sei neu geregelt. Die Ausbildungszeit für die Laufbahn als Straf- anstaüsinfpektor soll künftig drei Jahre betragen und der Anwärter muß bei der Staatsanwalrschast, beim Jugendgericht, beim Vormund» fchaftsgencht, bei den Strafgerichten und beim Beauftragten für Gnadenfachen arbeiten. Außerdem werde er bei der Polizei und im ' rtsdienst beschäftigt. Dadurch sollen den Anwärtern durch ig die Verhältnisse des sozialen Lebens näher praktisch« Anschauung_________„ gebracht werden. Am Schlüsse der Ausbildung soll dann ein Lehr- die notwendi-gen Chara-ttereiHen� chasten und Fähigkeiten besitzt, WC Gefangenen gerecht und besonnen zu behandeln. Um die Gefangenen gesund und arbeitsfähig zu erhalten, sei die Verpflegung nach dem Stande der ärztlichen Wissenschaft«ingerichtet. Dabei müsi« auch für eine gewisse Abwechslung gesorgt werden. Ebenso sei die Sorge für kranke Gefangene ein« Selbstverständkich- ksit. Außerdem bemühe man sich, das Anstaltsschulwesen auszubauen. Auch die Seelsorge habe eine sehr bedeutungsvolle Aufgabe. Naturgemäß kitten die Arbeitsbetriebe der Anstalten unter Einwirkung der Ärise an Arbeitsmangel. Hier bemüht« man sich, durch Uebernähme von.«Ttaatsaustrogew ausgleichend zu-wirken,.(BeifallTinks..vn�»n der Mitte!). Abg. Frau Mehlis(Dnat.) erklärt, der moderne Strafvollzug arte in Gefühlsduselei aus. Im Volke sehe man heute die G e- (ängniffe als Stätten des Vergnügens an. Abg. Leltcrhaus lZ.) begrüßt den ftufenweisen Strafvollzug, der mit den Witzblattkarikaturen vom sidelen Gefängnis und mit„Ge- fangenenpaläslen" nichts zu tun Hab«. Disziplin dürfe niemals in Schikanen ausarten. Dre Zeit der Kerkermeister und Folterknecht« sei vorbei. Unter Bezugnahme auf dos Buch von Jstrati kritisierte er die Zustände in den Gesängnissen von Sowjetrußland. Abg. Kasper(Komm.) wendet sich gegen die Angrisse aus den nissischen Strafvollzug durch den Vorredner. Jstrati fei als früherer Konmmnift derselbe Verräter wie Karl Kautsky. Abg. Eichhoff(DVp) kann sich der Kritik des Abg. Heilmann an Fehlurteilen und zu niedriger Strafbemessung bei Urteilen über Verleumdungen nicht anschließen. Häufig würden die Richter durch die Beisitzer überstimmt. Das zeige u. a. sehr deutlich die Vegründung des Freispruches vor dem Halleichen Gericht in dem scharf kritisierten Fall der Belerdtgung des Ministerpräsidenten Otto Braun. Für die Pevsonalpolitik habe der Mnister im Ausschuß die Grundsätze der Dolkspartei als richtig anerkannt. Diese wolle nunmehr abwarten, ob danach künftig gehandelt wird «WS Abg. Meyer-Hersord(D. Vp.) kritisiert Borführungen im Zucht- s zu Celle und fordert in Zukunft Zensur der D« Zm Anschluß daran bespricht er Beamtenftagen. Abg. Frau Helfers(Soz.): Darbietungen. milde aus- m einen Er- lrncr Frauen- gefängnisses in der Barnimstraße) der Strafvollzug in Stufen das richtige ist. Dabei muß aber auch gesagt werden, daß dieser modernisierte Strafvollzug zu Losten der Beamten geht, dl« durch ihn unverhältnismäßig mehr in Anspruch genommen werden. Man darf nicht übersehen, daß heute 39 Proz. Beamte in den Etrai- anstalten weniger tätig sind als früher. Ilm diese Beamten fiir diesen komplfticrteren Dienst vorzubereiten sind Äusbildungskurje notwendig. Der jetzt angestrebte Erziehung sstraifvollzug darf n>it dem früheren Dergeltungsvollzug nicht auf eine Stufe gestellt werden. Der immer wiederkehrenden Forderung nach Gemein- schastshaft kann man nicht fymvathifch gegenüberstehen. Gemeinschaft wird vielfach erst durch den Ersichrungs» austausch unter den Gefangenen zur Brutstätte von Verbrechen. abgesehen davon, daß die Gememschastshaft auch erhöhte An- rderungen an die Beamten stellt. Für die Einzelhost muß ober Beschäftigung der Gefangenen gute, wertvoll« Arbeit zur Bar- stehen. Damit kann gute Vorarbeit für die Zeit nach der Entlassung geleistet werden. Die Fürsorge für die Strafgefangenen nach der Entlassung muß eine staatliche Aufgabe sein und sie darf nicht erst mit dem Tage der Entlassung einsetzen. Die private und freie Für- sorg« kann immöglich die ihr gestellten Aufgaben erfüllen und letzten Endes müßte der Staat doch dazu das Geld gelben. Frau Mehlis von den Deutschnationalen steht dem Problem des Strafvollzugs ganz weltfremd gegemiber.(Sehr wahr! bei den Soz.)«sie will in den Gesängnissen nur die gerstliche Seelsorge zu- lassen. Dabei übersieht man völlig die ungerechte Behandlung«der dissidentischen Gefangenen. Wir haben deshalb auch in diesen: Jahre beantragt, für die Dissidenten in den Gefängnissen Cr- bauunqsstunden einzurichten. Mehr aber als Seelforg« scheine» uns für Gefängnisse gute Pä«dagoaen notwendig zu sein. Die Aeußerung der Frau Mehlis über die Frauenarbeit in den Gefängnissen war ein« Herabsetzung der Frauenarbeit überhaupt. Aber sie hierüber aufzuklären und zu belehren wäre.ein Versuch am untauglichen Objekt.(Beifall b. d. Soz.) Hierauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch. 12 Uhr. ordnung: Steuergesetze, Einzelberatung der Titel des Haushalts. Die Gteueranträge im Ausschuß. Kommunisten wollen Großkonzerne begünstigen. Im Steoerausschuß des Reichtags stand am Dienstag außer den sozialdemokratischen Anträgen auf Erhöhung der Aufstchterats- und Einkommensteuer auch der kommunistische Millionärs st euerantrag zur Aus- spräche. Dabei vollzogen die Kommuni st en eine Schwenkung, die größtes Aufsehen erregte. Ihr Millionärssteuerantrag sah vor, daß alte Vermögen über eine halbe Million Mark mit einer zwanzigprozentigen Steuer belastet werden sollten. Plötzlich stellten sie den Antrag, daß nur die Einzelpersonen mit einem Vermögen über 500 000 M. betroffen werden sollen, aber nicht die Körperschasten. Die großen Konzerne, wie die Vereinigten Stahlwerte A.-G., der Siemens-Konzern, die A. E. G., die I. G. Farbenindustrie und alle anderen großen Aktiengesellschaften sollen also steuerfrei sein. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese Schwenkung der Kommunisten aus Befehl von Moskau er- folgt ist, und in unmittelbarem Zusammenhange steht mit den engen Beziehungen, die die russischen Sowjetmachthaber jetzt mit der deutschen Großindustrie angeknüpft haben. Schon zu Beginn der Sitzung des Steuerausschusses hatte der Reichsfinanzminister Dietrich erklärt, daß der kommunistische An- trag in der vorgelegten Fassung technisch und sachlich undurchführbar sei. Dietrich wandte sich aber auch gegen die sozialdemokratischen Anträge, weil in der gegen- wärtigen Wirtschaftsnot jede Verschärfung des Steuerdrucks geeignet fei, eine Besierung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu verhindern. Abg. Dr. herh fSoj.) trat Dietrich entgegen und wies daraus hin, daß die finanzielle Si- tuation des Reiches leider derart sei, daß es auch bei der aller- größten Sparsamkeit nicht ohne große Sorgen der Zukunft«nt- gegenscchen könne: Die soz-aldemokratischen Anträge sollen die Finanzlage bessern, vor allem die vorhandenen Lücken im Besitz st«uersy st em ausfüllen. Zu einer Zeit, in der für die uuterea Schichteu die Steuer- fasteu in den lelzten eineinhalb Jahren um mehr als eiae ZNil- liarde Reichsmark erhöhl worden sind, kann man an den De- sitzende« und an den in Wohlstand Lebenden nicht vorbeigehen. Was die Zuschläge zur Aufsichtsrats st euer betrifft, so darf man nicht vergessen, daß kein Einkommen so mühelos ver- dient wird, wie die Aufstchlsrotsbezüge. Und wenn tatsächsich die Besteuerung der Slussichtsratsbezüge dazu führen würde, daß ihre Ausschüttung geringer würde oder ganz ixrschwändc, so würde das nur zu begrüßen fem. Denn gerade die Vernachlässigung der Ak- tionör« durch die Aktiengesellschaften, die wohl große Aufsichtsrats- tantiemen, aber kleine Dividenden zahlten, bildet einen der Gründe zahlen soll, ein anderer Privatbesitz mit 490 000 M. aber keinen Pfennig? Aehnlich unzulänglich sei der kommunistische Antrag auch in seinen übrigen Teilen. Bei der E i n k o m m e n st c u e r z. B. würden nach dem kommunistischen Antrag bei Einkommen von 50 000 iL!, den: Steuerpflichtigen 28 000 M., demjenigen aber, der 49 000 M. Einkommen hat, 38000 M. verbleiben. Eine derart widersinnige Gesetzgebung kann man von uns nicht verlangen. Die Debatte wurde schließlich abgebrochen. S«e soll nach der Erledigung des Kroftsahrzeugstcuergcsetzes fortgesetzt werden. Hasetidung«« fit diese Rubel? sind >« t l i» SB 88. Lindenltr-tze 3, partemachnchten MM für Groß-Berlin stet«_ an_ du Bezirkssekretartol :. Hol, 2 Treoven reckt,,»u tickte o. für die Verödung des Effektenmarktes. Auch die Verschärfung der Besteuerung der Spekulationsgewinne ist gerecht- fertigt, da die Gewinn«, die aus Börsengeschäften erzielt werden, nicht günstiger behandelt weiden dürfen als Einkommen, die aus Arbeit stammen. Schließlich soll ein alter Wunsch steuerlicher Ge- rechtigkeit erfüllt werden, die Besteuerung nach dem Ver- brauch, wenn ein Einkommen nicht nachweisbar ist. Solange jemand leistungsfähig genug ist, sich aus seinem Vermögen die Mittel zu beschaffen, um in Wohlstand leben zu können, so lange erscheint er auch leistungsfähig genug, seinen Teil zu den ollgemeinen Staats- tasten beizutragen. Abg. Dr. Fähr(Z.) erklärte, wen die Kommunisten die Ver- abschiedung ihres Antrages ohne jede Debatte verlangten, so habe sich schon jetzt gezeigt, daß das Verlangen nach einer Aus- s�chußberatung mehr als berechtigt erscheine. Die Stellungnahme des Reichsfinanzministers habe bereits die Kommu- nisten veranlaßt, ihren„Millionärsteuerantrag" ganz wejentlich einzuschränken und die Darlegungen des konrnrunistischen Vertreters hätten weitere Zweifel wach weiden lassen. Besser und klarer sei die Sache dadurch in keiner Wesse geworden, im Gegenteil, die Zweifel und Bedenken häuften sich. Abg. Dr. Tieubauer(Komm.) habe erklärt, die Millionär st euer solle nicht von heute aus morgen erhoben werden, damit die Steuerpflichtigen. sich darauf einrichten können. Der Gesetzentwurf der Kommunisten enthalte hierüber keinerlei Bestimmungen, er müsse also notwendigerweise ergänzt werden.- Di« Kommunisten müßten sagen, wann, in welchen Raten, in welchem Zeitraum die Millionärsteucr erhoben werden soll. Sonst sei das Gesetz überhaupt unausführbar Die Kommunisten hätten jetzt ihren Antrag eingeschränkt dahin, daß die Vermögensabgabe in Höhe von 20 Proz. bei Vermögen über 500000 Mark nur von physischen Personen, nicht aber von juristischen erhoben werden solle». Domlk würden nach dem Willen der kommuuistra gerade die größten Vermögen von der Abgabe bestell. So würden alle Gosells chaftsb etrieb e und gerade die leistungssahigsten freigelassen. Die Vermögensabgabe werde z. B. nicht erhoben von I. G Farben, von vielen Konzernen und vertrusteten Betrieben, deren hohe Gehälter für ihre Generaldirektoren vielfach so großes Aergernis bereitet«. Diese alle sollten nach der neuerlichen Em- schränkung des kommunistischen Antrages nicht betrosfen werden. Dagegen aber die Privatbetriebe. Das habe eine so unglaublich ungerechte Behandlung zur Folge, daß zweifeltos alle Be- triebe dieser Art. die noch im Privatbesitz seien, zusammenbrechen müßten, und auch noch von den Konzernen und Trusts ausgesogen würden. Ein« weiter« Wirkung sei, daß ein Privatbetrieb mit einem Bermögensstand von 500 000 M. ein« Abgabe von 100000 M. bc- Beginn aller Veranstaltungen lSs- Uhr, sosern keine besondere Zeil- angobe!—(KV.= Kreisvorstand-) heute. Mittwoch, den 4. März: 2.«tti«. tm Mr B«.ürt»»rrfammlu»q Bockum«? Str.«. Z.*«i» ffricdrichobain. Billetts«cur Dorstellunq ,.3ufti»lrife" stick Iicutt cckeick im Bottatiin des Tbeaters in der«losterstraße bei den. Abteilung�. lassierern und Bildunctsobleuten nock m bctben. 11»reis. 18% Uhr Fraltionsfitzuna mit Börg«rd«»utietten im Reuen Ratbau«, Zimmer 1«. 18.»»ei«. Diese Bache leiue B»rsta>ck»fit,uug. Mautaa, 9. Mär,,»reirfuul. tiauarvrrsatumluug. 1».»teis. Bickunasaussckust. Sitcuup Eck labst». 27, I. 17. Abt. ssreidenkeruenosseu Neffen sich 20 Uhr bei Schreiber, Triftstr. 62, ,ue michtiaen ZufaimnenJirnft. Bartei- und Lerbandsbuch legitimiert. 27. Abt. Bereinistun« der jungen»cnalfcn. Mittwach im Bolksweisehaus Eleim. strafte 35:.Das BirtidjcftOT teeramm der Nationalsozialisten". Genosse Auerbach. 81. Abt. Dildungskreis iiingerer Parteigenossen um 20 Illir bei«labe, Hand. sernstr. 60—61 Ealomon Schwarz:„ffUnnalitesptem" lffdrtsetlung)..Die wirtschaftlichen und valitischen«xmseqtienzen des Planes." 88. Abt. Junge Genossen treffe» stch in der 6. Schule. Marieickvrfer Weg. zur Arbeitsgemeinschaft. 127. Abt. Funkttonitrssbuna fällt heute aus. Morgen. Donnerstag. 5. März: 4. uud 5.«rei».»?.. Sitzung z» Ahe Schmidts«esellfchastsbau». zeucht. strotz« ZSj. 12.»Mi«. 20 llhr Uebnnqsabend de« Sptechchor» i» Steglitz, Zugeudbeim Albrechtstratze. 3. Abt. Saal S des Geweris äulktshaus cs wichtige zunltietnärsttzun«. 8. Abt. 19 Uhr engere Borstatckssswma. 20 Uhr zunktianärsstztrng und«rris. delegiert« bei Brandis. Stralauer Etr. 10. 26. Abt. Der fiir den 5. Mär, geplante Ausfvracheobend wird auf den 19. Mär, verlegt. 2«. Abt. 26 Uhr bei Steche, Metzer Str. 28, Vorstand ssstzung mit drei Gruwe»- teilern. 27. Abt. Zreidenkergenossen treffen stch Donnerstoa(nicht ssreilaa) bei Ufer!, Gleimftr. 56, Mr wichtigen Besprechung. 82. Abt. 20 Ubr bei«romphaidt, PauI-StnaewStt. 89, Borstand est tzuug. 35. Abt. ZUnfionSr. und«reisoertreiersstzuna bei Lemble, Schreinerstr.?8. 38. Abt. Busch, Tilstter Etr 27, ffunktionÄrsttztlna. 58. Abt. Borstands, und ffundticinärsttzuna im Lokal(sranzeu, Salckreuthftr. 5. 89. Ab«. 2» Uhr»reis lunger Parteiaenossen im Lokal»uhlisch. Lvbrechtstr. 82. S«. Abt. 20 Uhr hei LäMer, Weichsel. Elke üssastratze. jsortsetzuna der Ar. beitsgemeinschast Torborstt.Die Ursachen der Spaltung der Arbeiterklasse". 115. Abt. Lokal Etäber. ffunkdionärsttzung. 12«. Abt. 20 Uhr Funktionärs, tzimg bei.Schwarz. 128. Abt. BIlbuugsfammissson! Nächste Sitzung 20 Uhr bei»emmnitz, Hönower Strasse 72. 13.»eei«. Frei tag. 6. Märtz. Kreisdelegiertenversammlung in der Baracke der 8. Eoneiickeschule, am Bahnhof Marieickors. Frauenveranstaltung. 8.»eei,. ffreitag. 6. März, 20 Uhr, stunltionärinnensitzung bei Bielenfeld, Uhlatck. Ecke Giwtzelsttatze. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. �_ Zaheesoersammluug der«rbeiteewahlsahet am ffrettoa. dem 6. März, i:"h?. Niederschöneweide. Schule Berliner Strasse. Bericht und Neuwahl. Nefera-: Das Sälickial der Ausaesteuerten". Sonosssn Minna Dodenhagen. 7.»rel«. ffreitaa. 8. März, 19% Uhr, Rathaus, Zimmer 3, Bktenbefprechunq. Aussprache übet„Binterhitfc". 16.»tet«. ssreilag, 6. März. 20 Uhr, kleiner Eoal des Restaurants Lilcke». park, Zehlendars, ssilmveranstaltungt„Die Mutter"...Der Ammenhos." Refr. tot: Dr. Magnus.— Sprechstunde der Arbeite rwahlfahrt Zeblendors ieten' Donnerstag von 17 bis 19 Ubr bei Zander, Zehlendvrf, Sven.Hcdin-Str.-7l.» 17.»reis, ffreitag, 6. Mär,. 1? Uhr. Grsangssaal des' Refartnanmnasttnns Lichtenberg. Parkaue, Kursus:„Die Tätigkeit des Laienrichters. Assessor Lehmann. 29. Keei». fZrelwa. 6. März, 20 Uhr, Heese, Re!nickendorf--West, Berliner Strasse 73, Sitzung aller Wohlfahrispsleger. Otto Krebs. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, Lezirksgruppe Berlin. ___ Thontag, 8. März. Old ssellaw-Loge, Alte Zakobftrasse 128, geselliger Abend. .:??' i»»a« Chor. Zriedl Hall, Tanzkapelle,««ginn 18 llhr. Ein. tritt 1 M. einschliesslich S teure»nd Tanz,»arten stnd zu haben bei den»reis. »blenttn und beim»assterrr, Genossen Zung, Ncnföll». Hcrmannstr. l». Elternbeiräte. Des vallsbildnnwlamt Prenzlane« Berg veranitaltet im Sitzungssaal Dan- ztger Str. 88«ine Ausstellung van volfaschularbeiten l.Sckaffeude Hände"). geassnet bi« zum 15. Räes täglich non 18 61« 21 Ilde, ssührung für unsere Elternbeiräte durch Genossen Richard Schröter am Freitag, de» 8. März. l» Uhr, und Montag, 9. März, 29 Uhr, und Do»uer»tag, 12. Mär,. 20 Uhr. Arbeiter-Bildungsschule. Wochcneuhknriu, Sonnabend, 7 Mär,, 1914 Uhr. und Sanulag, 8. Mär,. 10 Uhr wird Genosse Dr. Arkordls Gurland im Varttagosaal der Arbeiter- bildmtgsschule. Lindenstr. 3, II. Hof, 2 Treppen, Zimmer 11, das Thema:„Po. litischrr Radikalismus"(isaichismus— Bolschewismus) behandeln. Teilnehmet unserer Kurse und andere parteigenösstsäle Interessenten stnd eingeladen. Un- koiten entstehen nicht. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groß-Berlin. »eei«»reN,b«eg. Treffpunkt ,ur Resttalkenkrrisfahrl nach Erkner am San». tag, dem 3. Rät,. 8s4 Uhr, Schlestschcr Bahnhos. 60 Pf. und Trinkbecher mitbringen. »r«i» Zriedrickohain. Alle sralken des»reises stnd spätestens um 17)8 llhr in den Andreasfestsälen, Andreasstt. 21. Alle Gruppenabende fallen aus. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 3. Abt. Am 18. Mär, verstarb im 78. Lebensiabr unser Genosse Paul Merck, Duckower Str. 6. Ebre seinem Andeuten. Beerdiung Donnerstag, IV/t Uhr, Gemeindefriedhof isriedrichsfelde. Um rege Beietligttna wird gebeten. 83. Abt. Unser lieber alter Genosse Theodor Sorge, DUrerste. 20a, ist Mi uns uneewariei aus dem Leben geschieden. Einäscherung Donnerstag, 5. Mär>. 12 lldr, Krematorium Wilmersdorf. Um rege Beteiligung wird gebeten. 107. Abt. Genosse Karl König ist im 57. Lebenssahre verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 5. März. 17 Uhr, Bauntschulenweg. Die Parteigenossen werden gebeten,.zahlreich ,u erscheinen. 118. Abt. Die Genossin Anna Mohr. Connlagstt. 3, ist plötzlich verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherungsfeier Mittwoch. 4. März, 15 Uhr. Krematorium Baumichtiienweg Zahlreiche Beteiligung wird erbeten. N Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin diniabunatn fflr diese Ttudrif nur« das �ucnOffkrttörUi Berlin GW«A. �wdenilrat» H Strrich-echeftee Gross. Berlin: PfNchtprobc heule. IStt llhr, Danziger Str.«2. Altersheim. Abteilungsmitgliedervcrsammlungen heute, 19 Vi Uhr: Geinndbrnnuen II: Chrtitianiastr. 38.— Gesundbrunnen(91.-ff.): Goien. bu�ger Srr. 2.— Kohrnsckönbauien: Dinqelstädter Strasse.— Luifenftadt: Kosser.orstr. 9.— Linde hos: Heim der Siedlung.- Wanuscet Ebarlotten. ftrass«.— Licktenuh«: Raonstrasse.— Tempethos: Gossstrasse.— Zriedei-s, Hägen: Rnrtviehflj. 87.- ssriehrickrilh«! Gunterstr. 48.-»aul.dori: Adolfftr. 25. - Lichtenherg.Rttte: Scharnwederftr 2?.— Licktenberg.Nord: Gunterstr. 48.— Mohlsdorf: Mekanchthonstrasse. <4 Semerlichaitshaus.»öllnlicker Boel, Zentrum: Uebcn Köpenicker Str. 125 ~ Westen: Genlhiner Str. 17. Zimmer 6.. 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Alex. 806fi Nehm. 50Pf.— 1 M., abds. 1-2 M. g«."p"i Alwin Neuss Ba-Ba. Affendressur, Heros, Kraftjongleur- Akt usw. Äa 8 Obi. Zentr. 2811 Saudim ertutiL Toono Cblna, Doncan Collies. Lotte vettnelster. 4 pnniipps, Karolevoa's, Donronde usw. ) Capitol ) Karlshorst am Bahnhof eröffnet heute f— 7 und 9 Uhr: irlha sprlchl Wochentags 7 und 9 Uhr Sonnabends 5, 7 und 9 Uhr CASINO-THEATER Lothrintfer Sfrahr 57 MiimnmiiniiiriiiniiiiKiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiittMttnidiinumimiui Nur nocta bis Donnerstag OnBel Mann ans Weunipp'n Freitag, den 6 März zum I. Male 0 diese Schwiegerväter Gutscfacin 1— 4 Personen Fauteuii 1�5 M.. Sessel 1,75 M. liROSSEü SCHAUoPlELHAUo rag), g Uhr. im weissen Rdssi. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesttzung billiee Pre se Reg c: Erik Charell. �flägfkhö.15 DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFEHBACH THEATER IM ÄDMIRALSPAIAST nese -Theater 8.15 Uhr Premiere h« ff Operette von Kai min In den Hauptrollen; Karl GOlllch, Edgar Kanlich, Kart Mikulskl, Lonl Pyrmont. Traute Rose, Hans Rosa. Erich Wilde Preliie von 50 Pf. bla M 8 Ab 4. März allabendlich: „D t« FasehluarBfce" Das Palm men fian ausnahmsweise nur Donnerstag u. Freitag 5.30 Uhr Gr. Frankfurter Str. 132 U-Babn Strausberger Plata Alezander 3422 und 3404 BtAjrlarer Vorverkauf! MUMM grgnugmgf- Rgstauiiant Berl i ns BETRIEB 41t KEMPIHSKlO VoiKsbUhne Tbulr am BOIavplatz. 8 Uhr Das Mrmarchen äo. u Stg. 8 Uhr Hans Albers in Liliom Vorstadtlegende von Franz Molnar itaatl. Miller-Iii. 8-/. Uhr Nafhan der We se Staatsoper Am Pl.d Republik 7Vg Uhr Louise metropoi-meater Heute Vb Uhr Kaiman' Premiere Das Veildien v Montmartre Gltis Alnar. Anal Adlers. Kail lüden. Bldi. Waldemar a. 6., Ergon Bosig als fiasl. OeDttdiei rueaiei Heute geschlossen! Donnerst, 5 März TVi Uhi Uraufführung Der Hauptmann von ROpeniik v. Carl Zuckmayer tqii: leint Hilpert Rammerspiele 8'/« Uhr Pariser Platz 13 von Vicki Baum bgit; Cnlaf CrUiigeit Die Komödie SV* Uhr Die Fee vsa Franz Molnar Regie; Zielen HmL Xurtflrslendamm- Theater Bismarck 449 | S Uhr| znpnsteo de; Wnlerdille Das schwache Geschlecht v. Edouard Bourdet Regie; Mai Reinlunlt Unter Mitwirkung von Maria Müller Preise nicht erhöht. Meid. Westeos Täglich 8V» Uhr Schön ist die weit Franz Lehärs Opetetien-Erfolg Sonntag, nachm. V»3 billige Preise Sdiön ist die Well Nenes Theater »» am Zoo w liaBiliiih.203. StpLCSSt luriioäbisS. Härzl Täglich 81/. Uhr Der gr. lacherfolg! Des Oltentiiche Aergernis Preise I bis 8 M OeDlsehes IQnsller-Theai. Barbarossa 3937 V's Uh- Rillet Blaubarts adite Frau Renaissance- Theater Steinplatz 6780 «Vi Uhr Durdiaiu anerlaabt Upr.OJObis 13.51 J PIscator-BOhne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Täglich SV* Die Frau in Front Ab Freitag Cyankali Lustspielhaus Kurl GOtz Täglich 8V> Uhr Der Lflgner u. die Nonne Komische Oper g'i Uhr Kleine Preise. Peppina ailtt Mniaiidm Urhrag Bs Roagnisfii) Robert Stolz in Bt Pnnlimbtstfmij fiamowt�-iOliaeD Tbdaitr la let StresaiMdosii. h<. Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung; Victor Barnowsky Komödienhaus Täglich 8>i. Uht Eine königliche Familie Sonntags 3, 5, 7 und 9 Uhr UM#™ Arnold Scholz O-Batis Htinisiinplalz. Hasen iMiile 108-14 Eiltetagl Gr. BocHbieriest 7 Kapellen, Neue Dekorationen. Bayr. Bedienung ElnlaB: WochentagsftUhr. Donnerstags: CR. SCBVEIRESCHUCHTEN. Berliner|IIk-TriO N e U k 0 1 1 R. w Lahnstr 74J7ÖJ Deotsdier Metaiiaitieiler-Teilianil Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige ®m aKltflfiebecn gut Nachricht. boS unfer StoUegt, her Äitmsure Paul Merk am I. Mäcg gtftocheu ifi. Ehre seine» Andenle»! Die Beerdigung findet am Douners- tag, dem b. Märg. 11,15 Uhr, von der Leichenhalle des Friedrichsfelder Kirch- Hofes au» ifait. Rege Beieiiigung wird e nvariet. Die OrtSTerwaltanir, a J. 1730,30 Strafsache gegen den Rroistagsabgeorbnefen Sut orbelter Willi Echolg tu Luckenwaide. Trenenbrietzener Strohe 4a geboren am 21 Ottober 1889, wegen Deietdiaung. Dos Schöffengericht in Luckenwolde Hai am 6 Dcjembec 1930 für Recht erkannt: Der Anqetiagfe wird weaen Beietdiaung tu einer Sefänqnisüraie von einem Monat und gu den Kosten des Bertahrens ver- urteilt. Dem beleidigten Ministerprafi- denten Dr. Braun wi,d die Beiugni? tugeiprochen. binnen 2 Monaten nach Zustellung des rechlskeöitigen Urteils den enischeidenden Teil desselben au! Kosten des Berurfeiifen durch einmalige Ree öffenütchung fm Deeiiner„Borwäri,- im Berliner„Bolfsecho- und in der Lucken- waider.Bolfswachf bc'anntgumochen. Das Urteil ist vollstreckbar. Potsdam, den 1 Miirg 1331. See OberflaatsanioalL Das Beste zu liefern bleibt mein Prinzip! 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März lSZI In der heutigen Vormillagsziehung wurden Gewinne über 490 M. gezogen 2««min« ,v 25000 fflt. 54885 2»«winn, ,u 10000<30. 250415 6®coinn« ja 5000®L 157409 245172 27203t 18««a>inn.,u 3000 M. 13387 21702 49917 66488 80393 106708 227605 269793 285969 SO»-winn. ,a 2000 M. 23072 23627 43853 81424 104978 140615 150939 156307 158931 173968 175042 178605 190368 195677 195748 204528 212447 252940 255991 270275 291957 31 1653 312830 327317 333488 341353 358505 333813 383612 391762 126 S-winn, ,a 1000 J!. 7425 14350 16447 1 9588 38883 44873 50589 51394 54422 57910 62976 64169 64629 75362 76819 84787 8886 1 936079397799556 104594 132348 136771 1481 53 149009 156072 161558 178667 180086 212824 214261 220506 244476 245358 257905 261994 274824 277225 280581 280631 291635 292422 304473 304915 305073 308048 309916 314709 321013 330294 332356 335847 353173 3o3331 359997 360256 360657 360849 363269 363598 386344 388024 390478 174 S-Winn« ,o 500 M. 1148 2686 8352 14146 41249 41949 45466 58885 65452 67932 68679 70721 72787 72877 72971 83797 87067 97623 112642 119810 II 9823 1 29356 142158 142621 149726 153748 158184 157822 160327 160624 163269 163749 166075 171055176202 177419 173163 130178 135220 133735 190632 216617 222805226033 2271 38 229437 230031 231979 232465 236120 244943 253713 253767 255095 257240 253068 2621 15 266645 274003 276012 263383 290940 293089 295460 296462 299743 302265 304798 305099 308311 313180 324013 338444 340019 340164 343747 347318 348930 356004 380330 360522 361987 363005 373038 381526 385746 389783 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 S-Winn« ja 300000 HL 206167 2®«»um« ja 50000 HL 1 74749 4®«nten«»a 1 0000 stB. 10877 147447 14»tBinac aa 3000 an. 132710 152205 296181 306354 312641 327675 339292 44»«toinnt au 2000 M. 5607 9868 51996 61643 74619 77311 89002 160592 168626 181966 199834 219049 224647 261208 263072 275762 280341 281781 293000 298956 329043 340950 118 V-Winn« ja 1000 M. 342 3147 15950 22644 22947 28217 33284 35944 36714 39331 41450 45131 56595 62810 65576 70984 75860 79685 82618 87223 103363 123619 124240 132506 134143 138895 146372 154842 176441 189351 139358 208053 211397 21 3808 21512» 21 7922 228340 230389 231303 232794 264389 270172 280543 232040 282943 290715 292730 322755 224183 326683 227073 227261 333525 340945 341904 353737 372363 283347 391725 156 Gewinn« an 500 M. 3716 9200 10224 153S1 22805 25637 392 19 43803 49592 53244 65376 66221 68021 69394 72602 76S52 88402 89541 99367 103857 113233 113970 122517 124352 127026 127708 133406 137671 138589 149061 150901 150991 158394 170637170776 174391 185931 195182 197101 202650 209520 216644 219543 223019 225429 227672 232365 243435 249226 254002 256676 264661 269261 270219 271845 272002 294705 307524 310996 312402 313993 315384 320364 330091 336176 342568 343856 346958 347740 243092 263101 369710 272282 274407 277S64 220616 384905 391917 Im Gewinnrads verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je SOOOO). 2 zu je 75000, 12 zu je 25000, 44 zu je 10000, 134 zu je 5000, 314 zu je 3000, 976 zu je 200a 1774 zu je 1000, 2906 zu je 500, 8950 zu je 400 Mark. KLEINE ANZEIGEN iiiiiinuiiiiiiHiiiiiiiiiniuuuiiiumiiniiiiiiiiHiniiiiiiiuiiiiiiniiiiUiiiiiiiiuiüimiiimiuiiiuiiiiiiiHitiwniiiiiuiitiiuniifii Preise; überschrlfttwort 2s Pfennig« Textwort 12 Pfennig Wiederholungsrabott: 10 mol 5 Prot-, 20 mal oder 1000 Worte Absehlufi 10 Pror-, 200u Worte 15Proz.# 4000 Worte 20 Fror. ✓ Stellen gesuchei Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4,/j Uhr nachm. im Verlag, linden&tr. 3, oder auch in samtl. Vorwarts-Rlialen und-Ausgabesfellen abgegeben sein «Milii| T-ninchhav« «mif Lei»r«. Berlin, feit 49 Iah- ccn nur Ocanifu- strafte ZSS. Sah- lunasctlcidifctunq ohncBuffchlafl. SpC' .,iallata.Ioa tosten. frei._• Kinde rwaacn. moderne Gondel, billiq. Rühle, Schul. strafte SS._® fllDSik- Insirumtati Sintpianas, Mietrnanos über. aus vreiswerl. Pianofabrik LinZ. Brunneiistrafte 35• iHauigesuctiB 3-dnaedisie, Biaiinabsälle. Lueckfiidcr.?inn. meialle, Silber. schineige. Doldschmel. m-, geeei. 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AG.— wird dem WTB.» >?ondelsdienst mitgeteilt: <5s wird zur Zell davon abgesehen, der Stadl Berlin einen verhandln ngsvorschlag über die Konsolidierung ihrer kurzfristigen Schulden in Verbindung mit dem Bewag- Geschäst zu machen. Es ioil obgewarlel werden, ob es der Preag mit ihrem Projekt gelingt, di? obigen Zwecke ihrerseits zu erreichen, da die Gessürel-Loewe AG. c; nicht sür richtig erachtet, die von der Presse als aussichtsreich (.'zeichneten Verhandlungen der Preag zu stören. Die Gessürsl-ßoewe AG-, die diese Erklärung abgegeben hat, bandelt«m Austrag des belgischen S of i n a» K o n z e r n s. Der Entschluß, akzianarten und nicht zu stören, ist vernünftig und l egt im deutschen Iizteresse. Absichten wie die der Sosina sind eine » alitische Unmöglichkeit und dürfen in Deutschland nicht Schule machen. In diesem Sinne wird der Entschluß auch auf weiteste »reise in Deutschland beruhigend wirken. Natürlich verzichtet c Sosina damit noch nicht auf ihre Absichten, was schon die Formulierung der Erklärung erkennen läßt. Das wird man be- achten müssen. Die preußischen Verhandlungen nehmen einen günstigen Fortgang. Die Kreditschädigung im Ausland. Die allmähliche innerpolitische Festigung in Deutschland hat auf den ausländischen Märkten eine langsame, aber sichere Er- holung deutscher Dollaranleihen herbeigeführt. Gegen Jahresanfang waren 7prozentige deutsch« Dollaranleihen End« Fe- bruar in New Tack von 86,7 aus 94.7, in Amsterdam von 84,3 aus 903 Proz. erholt. OZ'-prozentige deutsche Dollaranleihen waren im Kurse von Ii ja auf 81.0 bzw. von 74,2 aus 82,4 Proze. verbessert. Di« Joung-Anleihe war in New Nock von 71,1 auf 78,7 und in Paris von 74.6 auf 86 Proz. gestiegen. Diese Entwicklung ist sehr erfreulich. Sie ist ein Ausdruck dafür, daß besonders der deutsche öffentlich« Kredit im Ausland keineswegs als bedroht angesehen werden muß. Um so depri» mierender mußte im Auslände wie im Inland« die undestreit- bare Tatsache wirken, daß es privatwirtschastliche deutsche Kreise waren, die im Zuge ihrer Gewinn» und Privatisierungsobsichten den öffentlichen und besonders den kommunalen Kredit Deutschlands in Dsrhandlungen und in Privatbriesen heruntersprachen und herunterschrieben. Wir haben gestern darauf hingewiesen, daß das besonder» auch bei Gelegenheit der Berliner Anleiheverhandlungen geschehen ist. Schlechte Stickstoffbilanz. Sinkend« Aussuhr/ Wachsende Vorrat«/ Die Agrarkrise/ vas Wettkartell. Im Söhre 1930 betrug der Wert der deutschen E h e m i k a l i e n- ausfuhr 1183 Millionen Mark, das sind fast 200 Millionen Mark weniger als im Jahre 1929. In dieser Ziffer sind die von 87 auf '2 Millionen gesunkenen Neparationssachlieserungen'(hauptsächlich Stickstoff) mitinbegnsfen. In den letzten Jahren entfiel aus Stick- r o s s allein etwa der vierte Teil der Chemicausfuhr. Der > iickgang der deutschen Stickstosfausfuhr hat bei der Senkung der Eliemieausfuhr besonders mitgewirkt. Im Jahre 1929 wurden noch 244 000 Tonnen Reinstickswss im Lerte von 260 Millionen Mark ausgeführt, 1930 dagegen nur noch rund 160 000 Tonnen im Werte von 176 Millionen 'tark. Der wertmäßig« Rückgang beträgt rund 86 Millionen Mark. Der größte Teil dieser Schrumpfung ist auf den onhalienden Rück- ockng der Aussuhr von schwefelsaurem Ammoniak.zurück- cfühtcn, wo sich folgende Entwicklung zeigt(Remstickstossgelzalt ctrva ein Fünftel der Mengen): Jahr 1928 1929 1930 In 1000 Tonnen 837 727 464 In Millionen Mark 162 134 87 Der anhaltende Rückgang dieser Ausfuhr ist teilweise eine Folge der planmäßig sich verringernden Reparationssach- lieserungen nach Frankreich. Die Aussuhr von s-lzweselsaurem Arnnurniak nach Frankreich aus Rcparationskonto ist von 199 000 Tonnen 1928 auf 122000 Tonnen 1929 und etwa 50000 Tonnen 1930 zusammengeschrumpft. Im übrigen spiegeln die starken Aus- iihrrückgäuge für Slickswfs nicht nur die Agrarkrise in fast ollen ßändern der Welt wieder, sondern auch Zluswirkungen des gesteigerten internationalen Wettbewerbs in der Stickstoff- Versorgung. Die deutsche Stick st offeinfuhr ist, soweit es sich um Chilesalpeter handelt, von etwa 130 000 1929 auf 80000 Tonnen 1930 zurückgegangen. Andereoseits ist die Kalkstickstofseinsuhr aus Norwegen, die früher so gut wie überhaupt nicht vorhanden war, aus 13000 Tonnen angewachsen, ferner die Einfuhr von schwefelsaurem Ammoniak aus Polen und Belgien— stüher fast gleich Null— aus nahezu 45 000 Tonnen. Diese Entwicklung hat zu einer erheblichen Vermehrung der Stick st offoorräte geführt. Gemessen an der Stickstost- crzeugung des vorcmfgegaugencn Düngejahres betrugen dies« Vor- röte im Jahre 1928: 26 Proz., im Jahre 1930 dagegen bereits 40 Proz. Alle diese die Gesiuntmarktlage stark verändernden Tatsachen werden bei den kommenden Berhandlungen über das europäische Stickst offkartell von entscheidender Bedeutung sein. Das im vergangenen Sommer zustandegekommene Kartell hat ja bekanntlich keinen endgültigen Charakter, sondern läuft zunächst nur auf ein Jahr. In absehbarer Zeil sind neue Verhandlungen erforderlich. Teilweise ist der Gesomtabsatz so stark zurückgegangen, daß die erzeugenden Unternehmungen hiervon stark in Mitleidenschaft ge- zogen sind Die Stick st ofswerke A.-G. in Waldenburg befinden sich bekanntlich in großen finariziellen Schwierigkeiten, die Stickstofsanlage Moni Cents wurde von der I. G. Farben vorläufig stillgelegt, die R u h r ch e m i e A.- G. hat ihre Produktion stark gedrosielt und arbeitet mit wachsenden Verluste». Das ß e u n a- w e r k der I. G Forben setzte im Oktober die Arbeitszeit von 66 auf 48 Stunden und kürzlich auf 42 Stunden wöcb entlich herab. Im Ammoniakrverk Merseburg(I.S. Farben) wurde Ende November die 40.Swnden-Arbestswoche eingeführt. Andererseits sind die Preise teilweise infolge der internotio- nalen Preisbindung bisher mir in geringem Umfang gesenkt worden. Scharfe Geldmarktspannung. ?ie»ch6ballk zum Zebrnarende stark in Anspruch geuommen. Der Reilbsbankausweis zum 28. Februar zeigt eine für die gegenwärtige Wirtschaftskrise auffallend starke Inanspruchnahme der Reichsbankkredit«. Die Wechsolbestände haben ils der letzten Februar- mache um 4633 auf 1979,2 Millionen, die ßombarddarlehen um J 1 53 auf 301,2 Millionen zugenommen. In das Portefeuille der Reichsbank sind 75,7 Millionen Mark Reichsschatzwechsel von den Banken zurückverkaust worden. Aus diesen drei Konten zeigen sich Anforderungen von Reichsbankkrediten ün Betrage von 746,2 Mll- lionen oder fast% Milliarden Mark, das ist mehr und iast ebensoviel wie 1930 und 1929 unter viel günstigeren Wirtschifrs- «iten. Die fremden Gelder aus dem Girokonto, die aus 324,8 Mil- lionen abnahmen, wurden mit 763 Millionen in Anspruch genommen. Da die ohnehin gedrosselte Baiiwirtschaft kaum schon in Gang gekommen und die ßandwirtschaft kaum schon erhebliche Ansprüche gestellt haben wird, wird man die in der Reichsbankentwicklung zum Ausdruck kommende scharfe Anspannung des Geldmarktes auf andere Grunde zurückführen müssen. Kapitalflucht und ausländische Kredit- lündigungen dürsten sich gegenwärtig nicht ungewöhnlich stark aus- wirken. Die bester« Börscnversastung dürste zwar etwas Geld binden, aber die Ansponnung nicht entfernt erklären. So wird man in erster Linie daran denken müssen, daß das erhebliche Ausmaß der eingefrorenen Bankkredite sich zum Februarende stärker ausgewirkt hat, zumal die Dauer und die Stärke der Krise die Flott- machung früher gewährter Kredite zunehmend erschweren. Daß die Inanspruchnahme der Reichsbank dabei unter gewissem Zwang erfolgte, darauf läßt die besondere Höhe der rediskontierten Wechsel 'chließen. Der Februar hat nur 28 Tage, die Banken konnten zwei Tage Zinsen gewinnen, man hat also sicher soviel ßombard- darlehen in Anspruch genommen wie möglich: unter diesen Um- ständen müssen die hohen Wechselverköuse an die Reichsbank be- sonders überraschen. Der Notenumlauf stieg um 728,6 aus 4428,0 Willinnen, der an Remenbankschelnei, erhöhte sich um t9,S auf 439,4 Millionen. Li« Notendeckung hat sich relativ weiter verbessert. Die Goldbestände stiegen um 19,4 auf 2286,1 Millionen, die Bestände 09 deckungsföhigen Devisen nahmen um nur 93 auf 1663 Millionen ab. Absolut ergab sich natürlich ein prozentmäßiger Rückgang im Deckungsverhältnis. Di« Notendsckung durch Gold und Devisen zusammen verringerte sich von 66,9 aus 563 Prozent, was dem günstigen Stande zum gleichen Zeitpunkt der beiden letzten Jahr« wieder etwas entspricht. GegenZollerhöhung und Gondersteuer. Protest t>e(f Verbandes ostdeutscher Konsumvereine. Vorstand und Aufsichtsrat des Verbandes o st deutscher Konsumvereine hoben in ihrer Konferenz vom 2. März 1931 zu her Getrsidezollpolitik Stellung genommen, durch die die ßebens mittelpreise in Deutschland weit über dem Welt- Marktpreise gehalten werden. Die Konserenz wendet sich dagegen, daß nun durch weitere Zollerhöhungen auch die sonstigen landwirtschaftlichen Produkte im Preise in die Höhe getrieben werden sollen. Im scharfen Gegensatz zu diesem zugunsten der Großland- wirke getrossenen Maßnahmen steht die Tatsache, daß die ärmere und arbeitslose Bevölkerung, soweit sie in den Konsumvereinen organisiert ist, durch eine besondere Umsatzsteuer belastet wird Die Konferenz richtet an die gesetzgebenden Körperschaften das dringende Ersuchen, diese Ausnahmebesteuerung der ärmeren Verbraucher als- bald zu beseitigen. Amerikanisches Konjunkiurbaromeier. Die Lage im amerikanischen Groß- und Zwischen- Handel hat sich gebessert. Di« Automobilher st elllung betrug im Januar vorigen Jahres 234 600 Wagen. Im Dezember war sie auf 97 500 zusammenge schrumpft, sie stieg im Januar 1931 aus 139 590«tück. Sowohl General Motors als auch Ford be- richten über steigenden Absatz. Infolgedessen und auch wegen der großen Gas- und Oelrohrbouten nimmt der Bedarf an Stahl weiterhin zu. Auch T e x t i l fabriken berichten jetzt über stärkeren Umsatz. Ferner ist die W a g« n g e st e l l u n g bei den ameriko. nischen Eisenbahngesellschosten wieder im- Steigen begriffen. Schlechter Kalkabsah. D« Kalk ab saß war im letzten Liertelsabr 1930 etwa«in Drittel niedriger als im letzten Bierleljahr 1929— der Absatz von Branntkalk ging mm 0.9 Millionen Tonnen auf 0.« Mllionen Tonnen, der von»oHcffourem Kalk von 0,2 aus 0,1 Millwncn Tonnen, der von Rohsteinen von 0,9 auf 0,6 Millionen Tonnen zurück. Da das Baugewerbe in diesem Jahre sehr langsam in Tätig- keit kommt, haben die Monate Januar und Februar keine Besserung gebracht. Daß Schwerin du st rie und chemische Industrie so geringen Bedarf haben, ist ein Zeichen dafür, daß noch keinerlei Besserung der Konjunkturlage erwartet wird, ßediglich die ß a n d- Wirtschaft hat etwas stärker gekauft. Die Kalkpreise haben nach Mitteilungen der Industrie die Selbstkostengrenze erreicht. Infolge des geringLn Umsatzes seien die festen Kosten je Produkteinheit gestiegen, io daß weiter« Preissenkungen nicht folgen könnten. Eine geforderte Regulierung der Preise nach oben darf nicht erfolgen, da olles unterbleiben muß, was eine Absatzbelebung von Baustoffen und eine Vcrbilligung des Bauens hindern kann. Wichtigkeit des Maschinenbaus. Die Vorkrlegsstellung auf dem Weltmarkt wieder erreicht. Dem vierten Heft des Jahrgangs 1931 der Zeiffchrist .M o s cht.««nb au* entnehmen wir folgende Darlegungen über die Bedeutung der Maschineninduftri« für die deutsche Volkswut- schSst: In der Oeffentlichkest und in der Wirtschaftspolitik spielt die Eisen schassende Industrie mit ihren etwa 300 000 Ar» beitern eine überragende Rolle, dank ihrer in wenigen Trusten und Konzernen zusammengeballten Macht. Und doch beschäftigt die Eisen verarbeitende Industrie sechsmal soviel Ar- beitskräfte, der Maschinenbau allein rund 700 000 hochqualifizierte Facharbeiter. Für die Entwicklung von Handels- und Zahlungs» bilanz ist die M a s ch i n e n a u s s u h r von geradezu aucs tzlag» gebender Bedeutung geworden; sie macht mehr als 13 Proz. der ge- samten industriellen Aussuhr aus. Interessant sind auch die Zahlen für den Anteil, den die einzelnen Jndustriegruppen am i n d u» striellen Ausfuhrüberschuß haben: Der Maschinen» bau war am industriellen Aussuhrüberschuß mit fast 18 Proz. beteiligt; die anderen Ausfuhrindustrien folgen in w e.i t c m Ab- stand, die chemische Fertigindustrie mit 11, die Textilindustrie mit 10,6, die Elektroindustrie mit 7 und die Großeisenindustrie mit nur 5,6 Proz. Der Bedarf des W e l t m a r kt e s an Maschinen wird zu 29 Proz. von der deutschen Industrie gedeckt—, der Anteils- fa tz von 1913 ist wieder erreicht! Deuffchland steht damit hinter den Vereinigten Staaten(33 Proz.) an zweiter Stelle vor England(18 Proz.), während es vor dem Krieg« an erster Stelle stand; aber der Anteil der Vereinigten Staaten ist nur auf Kosten Englands so stark gewachsen. Lluch durch diele Zahlen wird bewiesen, daß die I n d u st r i a l i s i« r u n g der lieber- seeländer die Fertigwarenansftihr der Industrieländer nicht hemmt. nur in ihrer Zusammensetzung ändert. Und wie hat der deutsche Maschinenbau diese Stellung aus dem Weltmarkt erreicht? Ein Teil der hohen Maschinenaussuhr ist Rotausfuhr; i>i« rücksichtslose Belastung des Binnenmarktes rächt sich auch am Iniandsabsatz der Maschinenindustrie. Zu einem großen Teil aber ist der Erfolg auf dem Weltmarkt„auf den er- frischenden internatbn.nlen Wettbewerb* zurückzuführen. Angesichts der allseitigen hemmungslosen Zollforderungen, die nur zur wirtschaftlichen Isolierung Deutschlands führen können, bc- grüßen wir die handelspolitische Einstellung des Maschinenbaues, der„mit Entschiedenheit alle Bestrebungen auf Errichtung immer höherer zollpolitischer Schranken zwischen den Staaten ab- lehnt, die bedauerlicherweis« gerade heute in verstärktem Maße im In- und Auslände auftauche».* Krisenfeste Dividenden. Bremer Woll-Kämmerei hat gut verdient und sckisÄt bezahlt Die Verwaltungen der deutschen Aktiengesellschaften baden. nachdem sie jahrelang der großen Ma sse der Aktionäre mit Hilfe von Stimmrechts- und Vorzugsaktien eine mehr als schlechte Behandlung zuteil werden ließen, entdeckt, daß die Aktionäre „pfleglich* zu behandeln seien— die Dividende scheint neuer- dings ein„Rühr-mich-nkcht-an" geworden zu sein. Dafür sieht man sich dann genötigt, unter dem Zwang der Krise die ßöhne herabzudrücken. Die Bremer Woll- Kämmerei betreibt in der Haupt- fache die ßohnwäscherei und ßohnkämmerei von Wolle. Soweit sie im Auftrage von anderen Unternehmen arbeitet, hat sie also keinen Anteil am Risiko des Wollpreises. Und tp sie gegen Ende des Geschästsjahres 1930 sogar mehr ßohnausträge als zur gleichen Zeit des Vorjahres hatte, hat sie— in der Krise überraschend— sogar mit etwas größerem Gewinn im Jahre 1930 als im Vorjahre gearbeitet(Reingewinn 1,1 Millionen Mark). 2lber dieser Reingewinn ist erzielt worden auf Kostender Ar b e i t e r- scha st, die sich einen sechsprozentigen Lohnabbau gefallen lasten mußt«; man hätte ja sonst nicht wieder die gleiche Dividend« von 10 Proz. auf das 10-Millionen-Kapital verteilen können! Außerdem hat man für Neuanlogen etwa 03 Millionen Mark auigewandt, die natürlich auch verdient worden stnd. Die Abschreibungen sind allerdings von 0,8 auf 0,6 Millionen Mark ermäßigt worden und machen etwa 5 Proz. der gesamten Zlnlagewertc aus. Der Wert des Lagers, der vorsichtig errechnet sei, wird(bei ge- junkenen Wollpreisen) mit 4,4 gegen 3,1 Millionen Mark stark erhöht angegeben. Die Schuldner sind von 3.4 auf 2,9 Millionen Mark zurückgegangen, während der Gegenposten Gläubiger aus der Passivseite von 4,3 auf 43 Millionen Mark gestiegen ist. Es ist also eine ziemliche Anspannung der Bilanz eingetreten. Iniernaiionale Dodettfredichon?. Das Bankhaus Mendelssohn macht nicht mit. Wie wir erfahren, ist das Bankhaus Mendelssohn u. Co., Berlin, sehr ungehalten darüber, daß es in der Erklärung der Gemeinschaftsgruppe der deutschen Hypochekenbanken über die Gründung der Jnternattonolen Bodenkreditbank, über die wir gestern berichteten, als Gründer mit aufgeführt worden ist. Mendelssohn u. Co. legt Wert auf die Feststellung, daß es an der Gründung n i ch> beteiligt sei. Vena das wirtlich der Fall ist, woran zu zweifeln kein Anlaß besticht, so muß man sich fragen, wie ein derartiger auffallender .Fehlet' in den Erklärungen der Gemeinschaftsgruppe passieren tonnte. Bielkeicht äußert sich die Leitung der Gemein» schoftsgruppc darüber. Stöbert fäudzinfki: 3)ie SteU 8m Slurmroman 1. Buä). Verdammnis. 1. Ä a p i 1 c f. THeodor Schreck erwachte im Bett< immer geschrch das nicht hier), drehte sich um rmb fand die Hellblond« neben sich. Das war gegen die Verabredung, soviel er sich entsann, sollte es die Dunkelblonde fein. Richtig gesagt sollte es überhaupt keine sein, da« hatte er sich norgestcrn geschworen. Auch mit der Uhr stimmte es nicht, zu spät zum Kolleg, zu früh zum Frühschoppen. Er sprang behende in die Kleider(er besaß im Weithochsprung die Sportmeister- schast) und enteilte dem Zinnner und der beginnenden Rede der Bettgenossin ins Freie. 2. Kapitel. Hier fand sich alles in bester Ordnung: Maifonn» und was dazu gehört. Er lief drei Kilometer Langstreckenlauf, warf sich dann ins Gros und schrieb wütend an seiner Doktorarbeit sechs Zeilen, geriet unversehens in seinen Roman hinein, nahm dieses Mannskript hervor und förderte zehn Druckseiten. Alsdann eilte er im Marathonlauf zum Frühschoppen, hielt hier eine glänzende Rede für Trockenlegung der älteren Semester, trank 18 Schoppen und schwor seinem Leibflichs Fritz Unruh endgültig Besserung zu. 3. Kapitel. Denn dieser war von der Burschenschaft als Retter des eminent begabten, aber sehr liederlichen Theodor Schreck bestellt worden und mit dessen Ueberführung ins honette Philistertum. Fräulein Agnes Unruh, Schwester des obigen. Haustochter und Tennisspielerin, 26 Jahre, sollte dabei helfe». Fünf Wochen hin- durch lebt« Theodor als Anachoret und büffelte zum Staatsexamen. Seine schriftlich« Houptarbeit wurde demgemäß als vorzüglich ge- priesen und versprach ein ebensolches mündliches Examen. Da aber wurde seine Novelle in einer bedeutenden Wochenschrift gedruckt iend sogar honoriert. 4. Kapitel. Die Folge davon waren sechs Wochen Baccha- nalien, ein durchgefallenes, weil verschlafenes Examen. Exmittierung ums seiner longwöchigen Wohnung, Bußbrieft und-predigten, endgültige Betehrung Nr. 7. S. Kapitel. Des weiteren seine zwangsweise Verlobung mit Fräulein Agnes, Stellung unter Famiüenaufsicht und Bewährungs- frist. In einem unbewachten Augenblick schrieb er eine Novelle nieder und schickte sie an rfne Zeitschrift. Als sie herauskam und Aufsehen erregt«, beschloß der Foinilietmil, diesen Rückfall in die Liederlichkeit dem Sünder geheunzchallen, kauft« alle Exemplare des Blattes im Umkreis auf und behielt das Honorar für geliefertes Mittagessen«im K. Kapitel. Daher bestand er glänzend sei Examen als Philo- log« und trat ins Sakrament der Ehe ein ain.?. April ll>22, vor- mittags ll Uhr°iü. 2. Vach. Die Veltuag. 1. Ka pike). Ja, diese Hefte, Hefte, Heftel Was sich Primaner eigentlich unter Douifchauffatz vorstellen! Aber schön ist es doch! Frau Agnes kam hinein:„Du solltest doch an deinem Roman schreiben. Theo. Denk' mal, wir haben am Ersten den Wechsel für Pater zu zahlen!"—„Sofort, Agnes, sofort!"—„Ja. sofort sagst du immer! Du bist undankbar gegen mich und meine Fannliei wir haben dich doch gerettet, ohne uns wärst du jetzt verkommen und sin Stromer." Z: Kapitel.„Sofort! Ich habe das Manuskript."— Der pmge Mensch lehnt seine Wange— er lehnt« seine Wange also— lehnt«—. Sosort! Alles so fort und weg! Das ging doch früher ganz anders in der Studentenbude damals mft Mimi, Lim, Tutti und der roten Martha!—„Hör mal. Agnes, ob du nicht eine Flasche Wein?— Es würde mit der Schreiberei vielleicht etwas besser gähn!" —„Wein? Aber Mann! Wo denkst du hin. Hab« ich dich dämm OM dem Sumpfe gezogen? Nein, solang« ich für dich verantwortlich bin tmd deine Linder!" 3. Kapitel. Der Roman wurde fertig und gedruckt. Zwar nur kn einem deutschnationalon christlichen Qmrdfomikiensonntazs- blätichen. ober gegen ein gutes Honorar. Daher konnte fich Frau Agnes ein neues Kleid kaufen, der Schwiegervater fein« Schulden bezahlen und die Schwägerin«ine Badereise macheji. Weil er doch von ihnen gerettet worden ivar. Außerdem gab es«ine große Gc- setischaft. Da durfte der Studicnrat auch Wein trinken. Denn es wurde aufs Wohl von Frau Agnes und deren Familie, die einen hervorragenden Schriftsteller sür die Literatur aus dem Sumpfe gerettet hatte, angestoßen. 4. Kapitel. Ja, Theodor Schreck war eigentlich unglaublich glücklich. Eine sichere Karriere, eine verständige, wohltemperierte Frau, ball» zwei reftende Kinder und sechs mollige Zimmer mit Staubsauger und Dienstmädchen. Jeden Morgen:„Hast du auch gut geschlafen?", dazu zwei Pillen Vsophilantokanthus wegen der Adern, zehn Minuten Müllern wegen Bauches, um 9.18 Uhr Horaz, 10.30 Deutsch Operprima, jeden Mittag eine Verdauungszigarre, i Uhr Nachhilfestunden mit Rasieren, 6 Uhr Spazieren inklusive Tran- spirieren, 7 Uhr Abendbrat und daran anschließend Trautes Heim Glück allein mit Radio. 8 Uhr dichterische Inspiration bei Tee und Gebäck, dann Strümpsestopfen und Schulpräparationen, 9.30 Uhr Berbaüungzrezukierung.— Z. Kapitel. Jeden Soimabeud sovr lix, jeden Sonntagvor- mitag Bad mit Hemdwechsel, jeden Freitag von. 10 Uhr bis 12 Mi- «uten nach 10 offizielle Liebesstunde, jeden zweiten Sonntag Kirch- gang, jeden Sonntagmittag Besuch bei den Schwiegereltern, jeden Sonntag nach dem Ersten Klubabend mit Tanz, jedes Vierteljahr Dienstbotenwechsel, jedes zweite Jahr einmal Hebammenbesuch, jedes dritte Jahr Alterszulage, jeden 2. Ottober Erkällungsurlaub mit Aspirin, jede Weihnachten Urlaub für die Weihnachtskneipe in der Burschenschait mit Hausschlüssel, jeden Ersten 100 Mark auf die Spartass« und jeden Sonnabendmorgen Erinnerungsandacht an die Rettungsaktion aus dem Sumpf moralischer Verkommenheit. 6. Kapitel. Und dann war ja wohl noch zuletzt der Tod da. mit Sarg, Graboed« und Nachrufen. Doch der ist nicht zu fürchten, denn eigentlich ist der Tod doch nur da. wo Leben einmal gewesen ist. 3. Buch. Das Lebca. 1. Kapitel. Diesen letzten Satz prägte Theodor, als er auf der Straße Fräulein Dr. Lonny Riedel traf, zweite Tochter des Medizinalrats Dr. Riedel, hier, Hindenburgstraße 7. Weshalb dieses Treffen geschah, obgleich Frau Agnes sich mit der Familie wegen eines zu stark modernen Kleides von Fräulein Lonm) erzürnt hatte, wird ewig unbegreiflich bleiben. 2. Kapitel. Aber sie trafen sich leider wieder, zuerst immer zu- dann auffällig um 2.15 Uhr mittags. So daß Herr Studienrat zu Frau Agnes Schrecks Schreck wiederholt das Mittagessen ver- spätete wegen fortgesetzter Konferenzen. 3. K a p i t e l. lind am 1. August 1929 kani Herr Theodor Schreck überhaupt nicht zum Mittagessen, dagegen Fron Agnes in große Er- regung. Auch am Nachmittag war er nicht vorhanden und nirgends zu finden. Ebensowenig gelang es dem Schukdiener Herrn Weiß- brod und auch der Polizei nicht am nächsten Tage. Eben dasselbe aelchah in der Familie Riedel mit Fräulein Lonny. Man fand die beiden nicht. 4. K a p i t e l. Es war auch ganz unmöglich, weil sich Herr Schreck selber nicht wiederfand, als er drei Tage darauf in Monte Verita im Lago maggiore bei Frau Airoli erwachte, das..Haft du auch gut geschlafen?" ausblieb und die Pille Dsophylantokanthus auch mchl da war, statt chrer ober Fräulein Dr. Lonny Riedel nebenan. 3. K a pi t« l. Er sucht« auch nicht werter noch sich, sondern setzt« sich an den Tisch und schrieb einen Roman. Und stieg dann mit Fräulein Lonny aus die Berge und nach-Italien hniein; und beide tranken viel Wein, schweren und leichten und ebensolche Küsse, so daß sie immer trunken waren und nicht wußten woher. 6. Kapitels Dos toten sie so lange, bi» sie kein Geld mehr hatten, sondern Sckxttden bei der Wirtin Frau Airoli in Monte verita. Da machte er seine Bücher und auch Verse, ungereimt wie ihr Leben. Es kamen auch noch etliche unangenehme Dinge, z. B. ein Brief: Kehre zurück, wir werden oersuchen, dir zu verzeihen. 7. K a p i t e l. Er aber versuchte nicht, zu verzeihen, sondern lebte weiter, denn er hatte sieben Jahre Leben nachzuholen. Um diese zu finanzieren, schickte er sein« Bücher zu Verlegern, die wenig abnahmen und noch weniger bezahlten. Cadlich aber kam die große Stunde, sein größter Roma» wurde angenommen und reichlich honoriert, aber das nützte ilstn nicht viel»nd der Lonny auch nicht. denn beide waren eben selig entschlafen ohne polizeiliche Erlaubnis: das hohe Honorar ging an grau Agnes. Sie fand im Rachlaß ein Gedicht, das ihr sein« vollstäirdig« Verkommenheit bewies: Selbstmörder. Notiz in Tageblatt: Gestern hat Herr Müller zwei Leichen gesunden Im Oberteich, sie waren zusammengebunden, Mann und Frau, im Alter so gegen Dreißig, Sie trugen mar einen Bleistift bei sich Und eine Nagelschere. Näheres einzufehn Im Pokizeibüro. Zimmer 6, von acht bis zehn. Der Herr Pforr er: Ja. Schwestern und Brüder im Herren seht, Wohin der Weg her Unzucht geht. Dies Paar, es sprach der Sitte Hohn, Und es erfuhr dafür des Teufels Lohn. Die Frau Bürgermeister: Die Fälle der Unmoral sich schrecklich mehren. Wir müssen noch intensiver bessern und bekehren, Und das ist Sache vom Frauenverein. Ich berufe sofort eine Sitzung ein. Der Stammtisch: Das Weib war eigentlich ganz sejch und nett, Wie geschaffen für ein außereheliches Rott. Bloß die Sache dann init dem Mord— Na Prost drauf! Pik As hier, fahren wir fort. Die Mutter: Ja. Kind, sie stich von Gott verdammt, Sie waren ohne Standesamt. Untersnchungsarzt: Zum Teufel! Herz und Lunge uich Gehirn und alles ist normal, Das ist nun doch Blödsinn— allemal. Untersuchungsrichter: Ein Verbrechen kommt also nicht in Betracht. Dagegen Erregung äff sittlichen Slergernisses. 8 8. Ich: Ja, Theodor Schreck und Lonny, mir ist's klar: Tod kann doch nur sein, wenn einmal Leben war. l wurde,«H, dunkles Kapitel der AUdiz«: die zahlkolen menthol- haltigen Schnupfenpulevr und Schnupfensalben bringen zumal durch ihre kühlende und luftschoffende Wirkung wohl Erleichterung, aber sie packen da« Uebel nicht an der Wurzel. Ebenso üben die zahl- losen soli.zylhaltigen Fiebermittel zwar— besonders beim Schnupfen- fieber— einen wohltuenden Einfluh aus da» Allgemeinbefinden aus, aber sie vermögen die eigentliche Ursache, die Crkällungs- bakterien, nicht zu treflen. Auch das seit«inigen Jahren berühmt geworden« Verfahren, den Schnupfen durch schluckweises Trinken einer ganz schwachen Jadlösung(A bis 1 Tropfen Jodtinktur auf ein Glas Wasser) zu verhüten oder zu bekämpfen, wirkt erfahrnngs- gemäß sehr unterschiedlich. Um so wichtiger ist es also, daß man den Üebeltäteru. den trankmachenden Mikroben, den Boden entziehe, und dazu gehört vor allem«ine vernünftig« Abhärtung. Wer immer und immer wieder von Erkältungen heinigesucht wird, sollte noch«in übriges tun und— natürlich in einer Zeit, in der er frei von Erkältung ist— eine regelrechte Reizkur zur Erhöhung der Widerstandskraft durchmachen. Zu diesem Zweck haben sich täglich« kurzdauernde liebergießungen oder Abwaschungen des ganzen Körpers, besonders der Brust und des Rückens, mit kaltem Walser am besten bewährt: sie fallen nicht länger als 1- bis 1 Minute dauern und von kräftigem Frottieren gefolgt fein. Am besten schließt inan jeweils körperliche Bewegung an solche Kaltwasser-Anwendimg an: die wohltuende Wirkung wird gar bald empftmden, sobald man sich einmal an den angendlicklichen Schrecken, den eine solche Kalt- wasser-Uebcrgiehung, besonders bei empfindlichen Menichen, hervorruft, gewöhnt hat. Aber gerade auf dem plötzlichen lläiiereiz beruh! der roiderstandssördernde Erfolg! Qelimdh&UMche Statfc für UMärss Wie dasStlavier erfunden wurde Das Klavier ist keineswegs so alt, wie die Liebhaber dieses In- siruments vielfach ineinen: denn es enlstand erst zu Beginn des l8. Iah rhu Udert. Bis dahin kannte man mir das Klavichord und die Klavizlmbek, beides Instrumente, die ähnlich gebraucht wurde» wie unsere heutigen Klaviere. Das Klavichord war ein mit Saiten bespanntes Musitgerät, das ebenialls durch Tastendruck zum Tönen gebracht wurde. Die Töne der Klavizinchcl hingegen waren an den Hinteren Teilen der Tasten bescstigtcn Federkiele kurz über die gespannten Sailen strichen. Bei der Klavizimbel hingeggen waren an den Hinteren Teilen der Tosten keine Federkiele, sondern sogenannt« Springer angebrocht, die beim Riederdrücken der Tosten in die Höhe schnellten und die Saiten von unten her anrissen und zum Klingen brachten. Beide Jnstrume.ii? waren allgemein sehr deliebt. Die berühmtesten Sänger und Sänge- rinnen der damaligen Zeit ließen sich bei ihren Vorträgen aus ihnen begieilen und Komponisten öorn Range eines Johann Sebastian Bach komponierten hier und da Musikstücke für sie. Da geschah es. daß der berühmte Jnstrumentenmachrr und Ver- nxilter der Mediceischen Musikinstrumenteiisammlung Ehristo- fori im Jahre 1719 einem Konzert des deutschen Musikers Panta- lernt Heben st reit im Palast« des Herzogs von Medici in Padua beiwohnte und das merkwürdige Instrument, das dar Deutsche .„Hacke brett" nannte, kennen lernt«. Dieses Hockebrett war ein« mft vielen Saiten bespannte kleine Holzplatte. Schlug man, wie Hebensireft es tat, mit kleinen Holzhämmerchen, deren Köpse mit Lederloppchen umwickelt waren, aus die Saiten, so konnte rmm dadurch eine seltsam liebliche Musik erzeugen. Das bracht« nun Cdristofori auf den Gedanken, am Ende dir Klavizimbeltaslen solch« kleinen, mft Leder umwickelten Holzhämmer- chen anzubringen, die dann durch Ausschlagen aus die Satten bald schönere Töne hervorbringen sollten als die bisherigen Springer der Klavizimbel. Cine besondere Vorrichtung sorgt« dafür, daß tzia. Hämmerchen nach dem Aufschlagen sofort wieder in die Höhe schnell- ten: denn anderenfalls hätten ja die Saften nicht klingen fönnerr. Der Herzog von Medici, der«in großer Musikfreund war, ftuan- zierte nun die geniale Idee Ehrsstoforis, der dann auch tatsächlich nach zahlreichen vargeblichcn Versuchen!>n Jahre 1720 das erste Hammerklavier erfand.— Leider blieb der von dem Erfinder erhoffte Erfolg aus: denn niemand wollt« nach des Herzogs Tode ettnas von dem neuartigen Instrument wissen. Ehristoforis Nirm« siel der Bergessenheft anhei», und wer weiß, lnas ans seiner Erfindung geworden wäre, wenn nicht der berühmte Dresdener Orgeibaukunstler G a t t s r i e d Silbermann ste aufgegriffen, vervollkommnet und zum Allgc- meingut der Menschheit gemacht hätte. Auch Silbermanns Hammerklavier fand zunächst nur wenig Beifall: denn selbst I. S. Bach, dem es zur Prüfung und Begiii- achtung zur Verfügung gestellt wurde, konnte sich nicht dafür bc- geistern. Aber schließlich segle sich die Erfindung trotz allem durch und wurde nach verschiedenen weiteren Verbesserungen zu dem, was sie heute ist. Dos erste Hammerklavier, das Ehristofori im Auftrage seines Herzogs im Lahr« 1720 konstruiert«, steht iin Metropolitan-Mufeum in New Vork. während sich das zweite, 172b erbaut«, im Orivai- besitz eines Florentiner Sammlers befindet. Auch das Hockebret! Hebenftreus ist erhasten geblieben und ist heute Eigenwm i>«r russi- ichen Famin« Wobitlchento. deren Mitglieder sich als direkte Nach- kommen Hebenstrefts betrachien.(jonbard Brod:. Wenu die ersten warmen Frühlingstage den Menschen erfreuen, so pflegt er auch sogleich übermütig zu werden und das Winterzeug vorzeitig beiscile zu legen, worauf denn meist pünktlich die Strafe in Form einer mehr odcr minder heftigen Erkältung folgt. Ganz besonders solche Menschen, die der Beruf zum Aufenthalt in geschlossenen Räumen zwingt, oder die die Widerstandskräfte ihres Körpers nicht durch zweckmäßig« Abhältung gestärkt haben, sind solchen Erkältungskrankheiten ausgesetzt. Zumal in den großen Städten bilden sie eine solche Selbstverständlichkeit wie das tägliche Brot, und in manchen Familien sind sie so unausrottbar zu Hause, daß man mit Recht geftagt hat, ob es bei dem hohen Stand: der heutigen ärztlichen Wisseuschaft denn wirklich notwendig fei, daß wir „auf das ganze Leben berechnet— sechs Jahre lang gurgeln, in- halieren und mit verquollenem, verblödetem Kopf uns schneuzen". Die Frage hat ihr« Berechtigung: aber man darf eines nicht ver- gessen: eine geringfügige Ertrankung, die von den meisten nicht einmal als eigentliche Krankheit angesehen wird, braucht deshalb durchaus nicht etwa leichter vom Arzte zu beheben sein als«ine ernste, das Leben bedrohende. Im Gegenteil: während eine lebens- gefährliche Blinddarmeiüzündung, eine bedrohliche, etwa durch Ver- letzung entstandene Blutung usw. vom Arzte in weitaus der Mehr, zahl der Fälle zum Guten gewendet werden kann, steht der Jünger Aeskulaps einem handfesten Schnupfen so gut wie machtlos gegenüber. Das hängt zum guten Teil damft zusammen, daß mau eigentlich nicht einmal ganz genau weiß, wie denn eigentlich ein Schnupfen zustand« kommt. Am verbrettetsten ist heute unier den Forschern die Meinung, daß ihn Mikrobe» hervorrufen, die sich entweder schon vorher im Körper aufhielten oder durch Mund, Nase und Rachenhöhle eindringen, sobald ein Sinken der natürlichen Widerstandsfähigkeit ihnen dies gestattet. Das ist der Fall, wenn eine Schädlichkeit, z. B. ein starker Temperaturunterschied, de» Menschen trifft. Besonders groß wird die Gefahr, wenn etwa kalter Luftzug die normale Scinveißverdunstunq der Haut steigert und so eine übermäßige Abkühlung bewirkt. Wir alle wissen ja. was ein solcher..Zug" bedeutet, und jeder sucht ihn darum ängstlich zu meiden. Denn wenn die natürliche Widerstandskraft, der eigentliche Herr im Haufe des Körpers, weg ist. so tanzen die Mäuse aus dem Tisch: d. h. die Keime, die sich bis dahin nicht mucksen durften, de- ginnen nun ihre gefährliche Tätigkeit, dringen in die Schleimhäute ein. versetzen sie in jenen unliebsamen katarrhalischen Reizznftand. der den Befallenen bald durch ständige, dünnflüssige Nasenabsonde- rungen. bald durch verstopfende und die Nasenatmung behindernde Ansammlung zähen Schleims belästigl. Aber nick: nur örtdche Schädigungen verursacken die Crkällungserregcr: sie sondern auch giftige Stojje in den allgemeinen Säftestrom ab, und die Folge ist jenes nur allzu betanute, mft Kopfjchn, erzen einhergehende allge- mein« Krankheitsgefühl sowie das eigentliche Schnupfenfieber. Die Behandlung des Schnupfens ist, wie oben schon gejagt ein Zifch, der feine Sangen aufhängt Ein ganz sonderbarer Kauz ist ei» afrikanischer Sühwaiserfiich. der polzeeniropsis abbreviala, zu deutsch„der abgestutzt« Bielstock- ler", heißt. Er wird S bis 8 Zentimeter lang und ist olivbraun | bis kupferfarben. Es ist bekannt, daß die Brutpfleg« bei den Fischen zum Teil sehr nachlässig, zum Teil aber auch sehr sorgfältig betrieben wird. Ganz eigenartig macht e» unser kleiner Afrikaner. Sind nämlich die Eier qelegt. so klebt er sie mft einer schleimigen Abson- derung an bie linterlitte der Blätter van Wasserpflanzen. Räch Lerlaitt von 2 bis 4 Togen schlüpfen die Jungen aus. bleiben ober noch lange Zeil hängen und werden vom Barer versorgt»nd Ire» bewacht. Diese eieenariig« Methode hat ihren guten Grund. Di« Flüsse. in denen dieser afrikanische Fisch lebt, haben viel Schlamm obge- lagert, der bei ber geringsten Bewegung in dichten Wolken auf- steigt und die jüngeren, empfindlicheren Fischchen ersticken könnt«. Dagegen schützt der besorgte Fischvater seine Jungen, indem er sie im Schutz der Blattpslanzen aushängt und de» Boden unter dem Nest sorgfältig von allem Schmutz reinigt. weibliche Aerzte in Deutschland. Wir haben heul« 45 332 Aerzte und Aerztinnen in Deutschland: letztere haben wir 2502 gegenüber 82 im Jahre 1909. In Preußen sind 1309 Frauen als Aerzte tätig. davon<76 in Berlin. In Bayern wirken 282. in Sachsen 147, in Baden 107 und in Württemberg 89 weibliche Aerzte. Die Zahl der Aerztinnen dürfte berelt» in der nächsten Zeit bedeutend zunehmen, denn es studierten� ini Wintersemester 1929/30 rund 3500 Frauen Medizin, Am meisten Medizinerinnen hat die ilnioersftät Berlin mit 602 Studierendem an zweiter Stelle folgt München mft 414. Bonn mit 262 und Freiburg mft 249. Bezeichnend ist. daß die meisten dieser kunstigen Aerzfinnen aus düraerlichen Kreisen stammen. «