BERLIN Mittwoch 4.ZKÄ? 1931 10 Pf. JIM 06 B 53 43. Jahrgang Erfchei»ttä«lkch-iißerSo»atagS. Zugleich Abendauegab« de«.Vorwärts. Bezugsrreij beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. S.S0M. pro Monat. Redaktion und Exoeditien; Berlin SW6S,!indenstr. s AnjtlgenoreU: Die einspaltige Nonpareillezeil« So Pf.. Reklamrieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Pvüschecktoato: VonvärtS-Verlag T. m.b.H� Berlin Nr. 87S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Brüning und Sozialdemokratie Die Verhandlungen im Reichstag Usber Verhandlungen der sozialdemokratischen Frattionsführer mit der Regierung und Beratungen der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion ist in der bürgerlichen Press« viel berichtet worden, w». von. wie üblich, das meist« falsch war. Dar ollem ist es falsch. die Ding« so darzustellen, alz ob von heute auf morgen groste Ent- scheidungen zu erwarten wären. Der Reichshaushaltsplan besindet sich in der zweiten Lesung, verschiedene Vorlagen, die Gegenstand von Konflikten werden könnten, haben den Reichstag noch gar nicht erreicht., Wenn auch dringend zu wünschen ist, daß das ganze Pensum noch in diesem Monat erledigt wird, so ist der Weg bis dahin noch ziemlich weit und unübersichtliche Jeden Tag können n« u e-E r e i g n i s s e eintreten, die zu neuen Beschlüssen zwingen. Bekanntlich besteht in diesem Reichstag, lo wie er am 14. Sep. temher v. I. gewählt ist, ein« stark« Mehrheit für alle mili» torischen und agrarischen Forderungen. Diese Mehr. heit ist aber nicht regierungsfähig, da die„nationale Opposition" in entscheidenden Fragen der Außen» wie der Innenpolitik etwas ganz anderes will als die Mitte. Die Mitte will Ordnung und Kontinuität, die Recht« ober Kladderadatschs Diktatur und außenpolitische Aden» txuer. Angesichts der gegebenen Kräfteverhältnisse war es nur natürlich, daß die Mitte die F ü h.r v n g in die chand bekam. Eine von ihr gebildete Regierung ober konnte nur von der Duldung der Flügel» Parteien leben; sie mußte von Fall zu Fall ihre Mehrheit dort nehmen, wo sie sie bekam. Durch den Zlusmarfch der lol ist der Regierung der Mitte die Möglichkeit genommen, sich fallweise— und dos kommt besonders für militärische und agrarische Forderungen in Betracht— auf die Rechte zu stützen. Sie kann nur mit der Sozialdemokratie Mehrheiten bilden, während die Sozialdemokratie sowohl mit der Mitte für di« Regierung oder mit den Kommunisten gegen die Regierung Mehrheiten bilden kann. Die sozioldemokratssch-kommu- nistijche Mehrheit ist freilich nur solange Mehrheit, als Hitler und Hugenberg, indem sie wegbleiben, ihr es erlauben. Außerdem ist sie ebenso unfähig, eine Regierung zu bilden, wie die Mehrheit von Zentrum bis zu den Nationalsozialisten. Diese ganz außerordentlichen Umstände bringen es mit sich, daß jetzt im Reichstag so gut wie jede sachliche Entscheidung zu einer politischen Entscheidung von größter Tragweite wird. Es handelt sich nicht mehr darum, wie sich die sozialdemokratische Frak- tion zu dieser oder jener Einzelfroqe stellt, sondern vor allem darum, welche weitergehenden politischen Folgen sich aus ihrer Haltung in Einzelfragen ergeben oder auch nicht ergeben werden. Bor ollem handelt es sich darum, ob die Regierung Brüning im Kanrpl der Sozialdemokratie zur Verteidigung der Demokratie gegen den Faschismus eine unentbehr- liche Barrikade ist, so daß man ihr auch aus sachlichem Gebiets Zu- geständniss« machen muß, um ihren Sturz und damit den Sieg der infamsten Arbeiterfeinde zu verhindern. Unter diesen Umständen wird wohl keine Seite auf überstürzte Beschlüsse drängen. Vor solchen Beschlüssen möchten wir warnen insbesondere, wenn sie von der Gegenseite kommen und die Ablehnung sozialdemokratischer Forderungen bedeuten, die mit Rück- ficht aus die ungeheure Finanz- und Wirtschaftsnot und im Interesse der am meisten Notleidenden erhoben wcrben. Wenn es Leute gibt, diz meinen, eine Forderung müsse ahne Rücksicht auf ihren Inhalt abgelehnt werden, wenn sie von Sozialdemokraten gestellt werde, so sst ihr Verhalten das von ungezogenen kleinen Kindern und nicht von verantwortungsbewußten Politikern. Die Regierung aber muß, wenn sie führen will, solche Zumutungen weit von sich wessen, sie muß auch dafür sorgen, daß nicht aus Konflikten zweiten Ranges politische Krisen ersten Ranges entstehen. Es gäbe keinen Anlaß, die Möglichkeit von Krisen überhaupt zu erörtern, wenn alle anderen beteiligten Faktoren ebenso vernünftig und verantwortungsbewußt wären wie die Sozialdemokraten- Di« nächsten Wochen werden zeigen, ob sie es sind. Klar sehen wird man voraussichtlich nicht schon heute oder morgen, sondern erst Ende Mär,. Die Unanznot der Gemeinden. Besprechungen zwischen Reich und Preußen. Wie die Telegraphen-Union erfährt, haben am Montag zwischen Vertretern der Reichsregierung und der preußischen Regierung Be» ratvngen über die Finanznot der Gemeinden stattgefunden. Bei diesen Beratungen waren u. a. der Reichskanzler, der Reichsfmanz. minister, Ministerpräsident Braun. Finanzminister Höpker- Aschffff und Innenminister Severing anwesend. Räuber in der Wohnung Wohnungsinhaber gefesselt— Oer Schmuck der Krau gestohlen Innerhalb eine» halben Iahres ist jetzt zum drillenmal ein Uebersall in einer Wohnung verübt worden, bei dem zweifellos jedesmal dieselbe Kolonne au der Arbeit war. In der vergangenen Itachl galt der Handstreich dem aus Warschau stammenden Kaufmann und Hauseigentümer Leon Reiner. mann, der mit seiner Frau in der Fasanenstraße ZS wohnt. Am Dienstagabend war das Ehepaar ausgegangen und kehrt« erst gegen 1 Uhr. nachts zurück., Gegen 41,i Uhr erwachte R. davon, daß ihm mit Blendlaternen ins Gesicht geleuchtet wurde. Er sah im Zimmer drei Männer stehen, die Masken vor den Gesichtern trugen und mit Revolvern bewaffnet waren Reiner» mann und seine Frau wurden ersucht, sich ganz ruhig zu verhalten und waren natürlich machtlos den Räubern ausgeliefert. Die Telephonleilung war, wie sich später ergab, zerschnitten. Auch ein« Derwandt«. die im Nebenraume schlief, wurde festgehalten. Um jeden Widerstand des Mannes unmöglich zu machen, rissen die Räuber eine Gardinenschnur ab und fesselten Reinermonn di« Hände, damit. Während einer der Räuber an den Betten stehen blieb, durchsuchten sein« beiden Komplizen alle Behältnisse und fanden schließlich den Schmuck der Frau. Ein Teil davon, den sie am Abend getragen hatte, lag noch auf dem Nachttisch, des anderen Aufbewahrungsort in einem Schrank mußte sie den Räubern zeigen. wil Iuwelen im werte von etwa 20 000 RL stopften sich die Räuber die Taschen voll. Unter ständigen Drohungen zogen sie sich dann zurück und entkamen ungehindert. Die Tochter des Pförtners Rausch, die ihr Zimmer in der Nähe des Hausflurs hat, war zufällig gegen SÜ Uhr munter geworden und sah aus der Treppe Lichtschein. Sie lief ans Fenster und bemerkte drei Männer, die schnell das Haus verließen und davonliefen. Dos waren, ohne daß sie es wußte, die Räuber. Gleich darauf hört« sie auch die Hilferufe aus der Wohnung der Uebersallenen. Reinermann war durch feine Frau, nachdem di« Räuber sich entsernl hatten, von den Fesseln befreit worden. Eine Scheibe des zum Hofe führenden Fensters wurde eingeschlagen und dadurch die Hausbewohner alarmiert. Da das Telephon in der Wohnung nicht zu benutzen war, mußte das Uebersollkom» m a n d o über eine andere Leitung angerufen werden. Inzwischen Firma Nazi Kozi „Wir sind so intensiv mit dem Vertrieb unserer Ver- leumdangsartikel beschäst, gt, daß wir keine Zeit haben, sie auch«och vor Gericht zu verantworten.� war aber soviel Zeit verstrichen, daß die Suche nach den Räubern erfolglos blieb. Nach der vorläufigen Besichtigung der Türschlösser durch die Kriminalpolizei ist keine Beschädigung daran zu finden. Es scheint also, daß die Täter im Besitz gut passender Nachschlüssel waren. Daß der Uebersall von langer Hand vor- bereitet war, steht außer Zweifel. Di« Räuber müssen über die Berhältirisse im Hause genau Bescheid gewußt und die Loge der Zimmer in der Wohnung gekannt haben. Vermutlich hatten sie vorher unbemerkt Abdrücke der Schlösser genommen und sich danach die Schlüssel angefertigt. Wie bereits erwähnt, scheint es sich um die gleich« Kolonne zu handeln, die in der Nacht zum 20. September v. I. den Holzgroß- kaufmann Alfons Spitzer und dessen Ehefrau in ihrer Wohnung in der Geisbergstrahe 41 üdsrfiek und mit Waffen in der Hand zur Herausgabe des Geldes und des Schmuckes zivonzen. Der zweite ähickich« Neberfall wurde bekanntlich in der Nacht zum 12. November auf die Witwe des Universitätsprofessors Dr. Pollok im Haufe B l u m e s h o f 1 5 ausgeführt. In beiden Fällen'vor die Beute sehr erheblich. Bei dem Uebersall auf Frau Pollak zeigten sich die Täter als merkwürdig rücksichtsvoll, da sie auf die Bitte der Frau alles vermieden, was das im Nebenzimmer schlafend« Kind hätte stören können. In ollen drei Fällen waren die Räuber nicht jugendliche Burschen, sonder» Leute, die man aus 30 bis 33 Jahre schätzt. Da sie immer maskiert waren, hat ihre Gesichter niemand gesehen. Ein besonderes Charakteristikum dieser Kolonne ist der Umstand, daß sie ganz unauffällig und leise arbeitet. In keinem der bekannt gewordenen.Fäll« haben Ueber. oder Unterwohner von den Vorgängen das geringste gehört. Don den Schmucksachen aus den früheren Ueberfällen ist trotz aller Nachforschungen niemals ein Stück aufgetaucht. Der Leiter des Raubdezernats, Kriminalkommissar Werneburg, ist mit feinen Beamten an den Tatort gefahren, um die Ermittelungen aufzu- nehmen. ch--— Das böse Gewissen. Die Kommunisten verheimlichen ihre eigenen Anträgt. Der Bencht der„Roten Fahne" über die gestrige Sitzung des Steuerausschusses des Reichstags ist außerordentlich interessant. Er unterschlägt die Rede des Abgeordneten Neubauer und verheimlicht auch den Aenderungsantrag der Kommunisten, den sie zur Vermögens- und Einkonmicnsteuer gestellt heben. Dieser Antrag hat folgenden Wortlaut: „Anträge Stöcker und Genossen betreffend Besteuerung der Vermögen. Dividenden. Aufsichtsratstantiemen und Einkommen über 50 000 Reichsmark.— Nr. 813 der Drucksachen. Nr. 6. Stöcker. Der Ausschuß wolle beschließen, beim Reichstag zu beantragen: Im Artikel 1, Absatz 1 den Wortlaut wie folgt zu ändern: Alle physischen Personen mit Vermögen über 500 000 Reichsmark werden einer einmaligen Steuer von 20 v. H. auf dieses Vermögen unterworfen. In Artikel I. Absatz 4 den Wortlaut wie folgt zu ändern: Alle physischen Perjonen mit Einkommen über 50 000 Reichsmark werden mit einer Sondersteuer in Höhe von 20 v. H. auf dieses Einkommen jährlich belegt." Die Ursache für dies« Totschweigetaktik der Kommu- nisten ist di« Tatsach«, daß durch ihren neuen Antrag die großen kapitalistischen Konzern« vollkomnien frei von der Sonder st euer werden. Nur nach di« Privateinkommen über 50 000 Mark und die Privotoermögen über 500 000 Mark sollen mit einem 20prozentigen Zuschlag belegt werden. Körperschaften aber, also Artiengesellfchaften, Gesellschaften mit beschränkter-Haftung sollen diesen Zusck�ag von 20 Proz. nicht zu zahlen haben. Würde dieser kommunistisch« Antrag angenommen werden, so würde selbst- verständlich sofort jede Privatperson ihr Unternehmen in eine juristische Person verwandeln, also«ine Aktiengesellschaft oder eine G. m. b. H. gründen, um st e u e r s r e i zu werden Anscheinend haben das die Kommunisten inzwischen selbst be- griffen und schämen sich[efet so sehr, daß sie es nicht wagen. ihre» neuesten Antrag zu veröffentlichen. Sozialpolitische Anre gungen. Die Verhandlungen im Hanshaltscmsschuß. Nach einer Stunde Abstimmungen begann im Reichshaushaltsausschuß die Beratung des Kapitels Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung im cha�shalt des Arbeits- Ministeriums. Abg. Gerlach(Soz.) stellte fest, daß die Krise einen Kon- siruktionsfehler der Arbeitsloscnversichcrugß ausgedeckt habe. Die derzeitige Dreiteilung in Arbeitslosenvvstcheruirg. Krisen- fürsorge und Wohlfahrtsunterstützung, wälze die Lasten zuletzt auf die Gemeinde. Hier müsse ein« Acnt�rung eintreten, weil damit auch in der Arbeitsvermittlung ein völliges Durcheinander ent- standen sei. Die Sozioldeinokratie hat«inen Gesetzentwurf vor- gelegt, der eine organische Zweiteilung der Arbeitslosen- Versicherung vorsieht. Das wäre«ine bessere Löstiug als die, einzeln« Gemeinden mit Subventionen vor dem Zusammenbruch zu schützen. ' Abg. Streusert(Soz.) bespricht Mängel der Landesarbeits- ämter, besonders in deren Personalpolltik. Heute werden in einzelnen Arbeitsämtern ungeheuer viele Ueberstunden geleistet, trotz des offiziellen Berbots. Auch die Warieräume siud in den Arbeits- ämtern alhzu oft unzureichend. Bei der Arbeitsvermittlung fehlt es ebenfalls an ausreichenden Kräften. Abg. Frau Bohm-Schuch(Soz.) verlangt, daß die Reichsregie- rimg die kommunalen Einrichtungen zugunsten jugendlicher Arbeitsloser mit unterstützt. Die Kinder- arbeit müsse endlich völlig ausgeschaltet werden. Der Ent- wurf eines Benissaiisbildungsgesetzes miiffe wieder vorgelegt werde»». Gin arbeitsunfähiger Senatspräfideni. Oer Mann der seelischen Erschütterungen. Am 21. Januar hat Genösse Heilmann im Landtag folgende kleine Anfrage eingebracht: Durch den Haushalt von 1929 ist beim Oberverwol- tungsgericht ein neuer neunter Senat einge- richtet worden, um eine Beschleunigung der Rechtspfleg« in den Disziplinarsachen der Kommunalbeamten herbeizuführen. Der erste Disziplinarsenat, der früher allein die Disziplinarsachen hatte, war so überlastet, daß die Erledigung der Disziplinarprozesse eine im Interesse der Rechtspflege, der angeschuldigten Beamten und der beteiligten Kommunen unerwünscht lange Zeit in Anspruch nahm. Ich frage nunmehr das Staatsministerium: 1. Hat durch die Bildung des neuen Senats eine B e fch l« u- n i g u n g der Rechtspflege in Disziplinarverfahren stattgefunden? 2. W i e l a n g«.hat die Bearbeitung vom Tage des Eingangs bis zur Zustellung des Urteils an den Angeschuldigten durch- schnittlich gedauert? Z. Wieviel Sachen waren am 1. Januar 1931 vorhanden z) übcrjährige, b) deren Eingang mehr als sechs Monate zurücklag? ■1. Inwieweit ist die Arbeit des Senats dadurch verzögert ivorden, daß der Vorsitzende die Sachen allzulang« hinter s i ch hatte? S. Ist es zutreffend, daß eine Mehrheit der Senatsmitglieder oder der gesamte Senat dem Vorsitzenden Vorhaltungen darüber gemacht hat, daß durch ihn die Bearbeilluig der Sachen verzögert wurde? S. Hat der Vorsitzende des Senats einen zweimoimtigen Urlaub infolge nervöser Erschöpfung nicht durch Dienstgeschäste. soiedern durch außerdieustliche Betätigung in Anspruch genommen? 7. Wenn die Verzögerung sich bestätigt, welche Abhilfemaßnahmen Jinb in Aussicht genommen? Auf diese Anfrage hat der preußische Innenminister Severing folgende Antworc erteilt: Zu 1: 7:Äa. Z u 2: DucchschnitNich 13 bis l4 Monate. Zu 3: -) 35 Disziplinarsachen und 35 sonstige zur Zuständigkeit des Senats gehörige Verfahren(Emziehung der Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeugführer). b) 19 Disziplinarsachen und 12 sonstige verfahren. Zu 4 und 5: Ueber intern« Vorgänge innerhalb des Senats kann eine Auskunst nicht erteilt werden. (Stimmt also auch! Red. d.„V.") Zu 6: Der Senatspräsidei»t hat sich am 2 2. Dezember 1 939 bis Ende Februar 1931 krank gemeldet. Nach seinen eigenen Angaben ist sein krankhafter Zustand aus s ch w e r e seelische Erschütterungen persönlicher Art zu- rückzuführen. Zu 7: Organisatorische Veränderungen inner- halb des Senats und verschärfte Kontrolle seiner Arbeit.' Hierzu ist lediglich zu bemerken, daß es sich bei dem hier charakte- risierten arbeitsunfähigen Senatspräsidenten um— Herrn G r ü tz- n er handelt. Sein„durch schwere seelische Erschütterung ver- ürsachter krankhafter Zustand" hat. wie jüngst mitgeteilt, mit seinem Beitritt zur Nationalsoziali st ischen Pariei geendet. Hugenberg rust den Völkerbund. Aber nur für die Oeuiscken in— Lettland. Die lettische Regierung Z e l m i n ist durch«in von der S o z i a l- d e m o k r a t i e eingebrachtes Mißtrauensvotum gestürzt worden, nach etwas länger als zweijähriger Amtsführung. Die Re- gierung zog es vor, ihren Rücktritt schon vor der Abstimmung bekanntzugeben, da sie aus ein Vertrauensvotum nicht mehr rechnete: in der schrvochen Regierungsmehrheit spielle die deutsche Fraktion «in« wichtige Rolle. Da nun die Regierung und andere Mehrheit?- teile den von altersher deutschen Rigaer Dom zur Garnisontirche machen wollten, hatte die deutsch: Fraktion der Regierung das Vertrauen gekündigt. Diese Vorgänge werden in Hilgenbergs Parteikorrespondenz „Deutscher Schnelldienst" entsprechend aufgepulvert. Dann aber kommt die Perle: Andernfalls bleibt der deutschen Fraktion und der deutsch- baltischen Volksgemeinschaft die Möglichkeit, den Völkerbund an- zurufen und ihn zur Intervention zivecks Abwendung eines ilagramen Rechtsbruckes �u veranlassen. Schon die Bemühungen aber,.einen solchen Rechtsbruch durchzusetzen, müssen Zwangs- läufig die Beziehungen zwischen Deutschland und Lettland trüben. Die plötzlich auftretende Liebe der Hugenberg-Leute für den Völkerbund Ist auch als ein Zeichen der Zest zu werten. Sonst pflegt doch dieser Bund gerade in der Hugenberg-Presse in Grund und Boden verdammt zu werden. Jetzt plötzlich wird er als letzte Rechts- iirstanz der benachteiligten Deutschen gepriesen. Freilich einstweilen nur jür die baltischen Deutschen, nicht für die in Deutschland lebenden.. Krylenkos Geständnisfabrik Oer tägliche Lügenbericht Moskau. 4. Mörz.(MTV) Im Menfchewiken-Prozeß wurde heute der Angeklagte Rubin vernommen, der in dem Marx-Engels-Institut tätig rvar. Auch er bekannte sich schuldig im Sinne der Anklage und gab zu, daß er oertrauliche Briese der Auslandsdelegation der Menschewiken über die Fragen der Intervention, der Schädlings- tötigkeit und der Verbindung mit anderen konterrevolutionären Orga- nisationen im Institut aufbewahrt und sie dann vor seiner Ver- Haftung dem ehemalkgen Direktor des Instituts Rjasanosf zur Aufbewahrung übergeben habe. Rjasanosf, der um seine Zugehörigkeit zur Menschewiken-Organisation gewußt habe, hätte ihn und seinen Institutassistcnten vor der bevorstehenden Verhaftung gewarnt. In» weiteren Verlaufe der Verhandlung wurde nochmals der Angeklagte Scher vernommen. Er bekundete, daß in den Plenar- sitzungen des Unionbüros wiederholt der Beschluß gesaßt worden sei, durch aktive Schädlingslätigkeit den Aufbau der Industrie lahm- zulegen und die Kollektivierung der Landwirtschaft zu hintertreiben, wobei in dieser Beziehung die Rechtsopposition der Kommu- nistischen Partei der Sowjetunion allseitig unterstützt werden sollte. Der Zweck dieser Tätigkeit sei der Sturz der Sowjetmacht gewesen. Der Angeklagte S u ch a n o s f bestätigte die Aussagen Schees und gab die Zusammenhänge zwischen dem russischen Mensche- wismus und der 2. Internationale zu, die bereits 1925 auf dem Kongreß in Marseille eine Intervention ins Auge gefaßt Hab«, ohne sich allerdings durch eine ofsiziell« Erklöriing festzulegen. Andere Angeklagte bestätigten diese Aussage(Der seinerzeit veröffentlichte Marsciller Beschluß enthält die sckärfst: Kampfansage gegen alle Interventionspläne,-absichicn und-gedanken. Red. d.„V.".) Der als Zeuge vorgeladene Hauptangeklagte im Prozeß der Industriepartei, der ehemalige Professor Ramsin, legte eingehend die Verbindung der Industriepartei mit der menschewistischen Organisation dar. Don der Koordinierung der Schäd- lingsarbeit(!) 1928 bei der Aufftellung des Fünfjahreeplans gelangten nach der Zlussage Ramsins beide Organisationen 1929/39 zu einem politischen Block aus der Grundlage gemeinsamer Inter- ventionsoorbereitung und der Anerkennung der Notwendigkeik einer Mililärdiklainr. (Woroschtlow, wie wird dir da? Red. d.„V.".) Die Weisungen zur Schaffung des Blocks erhielt die Industriepartei vom Pariser Handels- und Jndustriekomitee, das Unionsdüro der Menschewiken von der Auslandsdelegation. Bei einer Zusammenkunft Ramsins in Paris mit Mitgliedern des Handelz» und Jndustriskoinitees 1928 empfahlen ihm diese, die Zusammenarbeit mit den Menschewiken zu erweitern und ihre Finanzierung aufzunehmen. Nach seiner Rück- kehr aus dem Ausland traf Ramsin mit Gromann zusammen und setzte ihn von den empfangenen Weisungen und von dem besonderen Iuteresie französischer Kreise an der Durchführung der Inter- oention im Jahre 1939 in Kenntnis. Zwischen der Industriepartei und dem Unionsbüro wurde ein« Arbeitetellung verabredet, und zwar sollte die Industrieparte: ihre Schädlingstätigkeit in den wichtigsten Industriegebieten konzentrieren, während das Unians- büro in den Planwirtschoftsinstitutionen, im Genosienschastswesen und im Handel arbeiten sollt«. Mit der dritten konserrennlutionären Gruppe Kondratijesf und Tschajanosf nahmen beide Organisationen engste Fühlung, wobei sie den Versuch machten,«in vereinigtes Zentrum aller drei Parteien zu schaffen. 1929 sank» eine Beratung der Führer der Industriepartei, Ramsins, Laritscheffs, Äalinnikofss u. a., mit den Lettern des Unionsbüros Gromann, Ginsburg u. a. statt, in der die Frage einer Verstärkung der Schädlingstäligkell und der Jnkerveollons- Vorbereitung behandelt wurde. Die Industriepartei finanzierte die tonterreoolutio- näre Tätigkeit der Menschewiken und leitete ihnen etwa 290 909 Rubel zu. Die Gelder wurden von Laritscheff persönlich Gromann über- geben, wobei die Aushändigung des Betrages einmal in Gegenwart Ramsins im Arbeitszimmer Gromanns in d«r Staatlichen Plan Wirtschaftskommission erfolgt«. Der Zeuge Ingenieur Laritschess. einer der Führer de? Industriepartei, berichtete ebenfalls eingehend über die gemeinsame konterrevolutionäre Arbeit der Industriepartei mit dem Unionsbüro und über die von ihm dem Groinann übermittelten Gelder. Angeklagter Gromann berichtet n. a. im Einvernehmen mit der Industriepartei bauten die Menschewiki ihre Schädlingstätigkeit aus und erstreckten sie auf das Gebiet der Unterwühlung der Wehrfähigkeit des Landes. Gromann betont, daß dies logisch aus dem allgemeinen Kurs der Menschewiki auf die I n t e r v« n- t i o n hin hervorging. Das llnionsbüro war sich bennißl, daß die Znlervenkion zv einer militärischen Diktatur führen werde, und es war damit still. schweigend einverstanden. Die ersten 50 999 Rubel zur Entwicklung von Schädlingstätigkeit erhielt Gromann von Ramsin 1929 im Arbeitzzimmer Laritschefss bei der Staatlichen Planwirtschastskommisfian, später erhielt er iveitere 159 999 Rubel.(Der Schwindel von Berliner Geldzufuhr scheint aufgegeben zu sein. Red. d.„B.".) Angeklagter G i n s b u r g, der die Aussagen Gromanns bestätigt, sagt aus, zwischen dem Unionsbüro und der Industriepartei habe eine Abmachung über die Verteilung der Schädlingstätigkeit auf die einzelnen Wirtschaftsgebiete bestanden. Angeklagter I o t u b o w i t s ch berichtet, daß die Menschewiki die Schädlingsarbeit vornehmlich auf dem Gebiete des Warenumsatzes, die Industriepartei in der Industrie, die Gruppe Kondrotieiv-Ts<*o- janofs in der Landwirtschaft und all« gemeinsam auf dem Ge> biete der Planarbeit durchführten., Angeklagter Scher, der über die Pläne zur Organisierung von Bauernaufständen berichtet, bekundet, daß dies« vornehmlich von der Gruppe Kondratjew-Tschasanoff geleitet werden sollten. * Die Hetze gegen den hinaufgeworfenen, ausgeschlosienen und von den Gcständnisaktordarbeitern beschuldigten Rjasanosf wird gesteigert: er soll auch angeklagt werden. Der Oberbolschewik ötretzkin fordert es in der„Prawda", da wird Krylenko nicht lange warten, um nicht etwa in Ungnade zu fallen. 3X Jteinridi S)ove, der langjährige Syndikus der Berliner Handelskammer und jreisinnig-sortjchrittliche Politiker, ist im Alter von 78 Iahren gestorben. Als Vizepräsident des Reichstags in der Kaiserzeit hat er mit seinem köstlichen Humor oft das Haus und die Leser der Parlamentsberichte erfreut. Razi-�egierung ohne Mehrheit. � Muß va nicht schicuniast aufgelöst werven? Lcaunschweig, 4. März.(Eigenbericht.) Di« bürgerlich-nalionalsozialistische Regierung K ü ch« n t h a l- Franzen hat nach dem vollständigen Ergebnis der Kommunalwahlen m» Lande Lraunschweig keine Mehrheit mehr. Eine Durchrechnung ergibt, daß, falls eine Landtags- wähl stattgesunden hätte, die Sozialdemokratie 17 wie bisher, die Kommunisten aber 3 Mandate statt 2 erhalten würden. Damit wäre ci« bürgerlich-nationaliftijche Mehrheit in» Lande Braunschweig wieder gebrochen. Die Nationalsozialisten haben also keine Ursache, über dos Wahlergebnis zu triuinphieren. 5 Monate haben genügt, inn die Stimmung in Braunschwcig umschlagen zu losten. Das Wolffsch« Telegraphenbüro hatte im Reich: ein«(nachträglich allerdings berichtigte) Meldung oerbreitet, daß die Wahlen in 9 qvn 13 braunschweigischen Landstädten, und zwar Harz'ourg, Blanteb- bürg, Ganderehern». Helmstedt, Holzminden, Königs! ittcr, Schoppen- stedt, Seesen und Wolfenbllttel eine nationalsozialistisch« Mehrheit erhalten hätten. In Wirklichkeit stellen in all den eb n auf- geführten Städten die Nazis nur eine oerschwindende Minderheit dar. Es ist nicht einmal sicher, ob die bürgerlichen Parteien gewillt sind, mit ihnen zusammen eine Mehrheitebildung einzugehen. Dagegen sieht fest, daß außer in der Stadt Braun- schweig Arbeitermehrheiten in den Städten Hassel. felde, Schöning«» und Eschershausen bestehen. Ebenfalls berichtigt werden muß das Ergebnis der Kreistags- ivahl im Kreise Blankenburg. Gegenüber den bisher.gen Meldungen erhält die Soziatdemokratlsche Partei nicht 4, sondern 5 Sitze, während die Kommunisten nur 1 statt 2 erhalten. Das Ki auf die Listen Verbindung der Sozialdemokratie mit der Staatspart, i zurückzuführen. Bittere Grkenninis. Die Deutsche Volkspariei Dr. Stresmionns, Scholzens und Dingeldeys— die verkrachte Erbin der früheren National- liberalen— hält durch ihre Mitwirkung die kulturlosen Haken- kreuzler smvohl in Thüringen wie in Braunschweig an, Ruder. Die Folge dieser Dienstbereitschaft ist die Auflösung der Dolkspartei, die völlig von den Hitlerleuten aufgesogen wird- Nach dem Braunschweiger Wahltag scheint es setzt auch bei den Volksporteilern langfmn zu dämmern. In der„Nationall. Eorrc- fpondenz", dem parteiamtlichen Nachrichtendienst, wird über den Wahlausgang vom Sonntag elegisch philosophiert: Die Nalionalsozialisten haben nicht die mariststischea parleien — Sozialisten und Kommunisten— besiegt, sondern die bürgerlichen Parleien schwer geschwächt. Bei allem Radikalismus, der aus den Ergebnissen hervor- leuchtet,»steine Oase geblieben: 159 Dörfer haben sich auf eine gemeinsame Kandidatenliste geeinigt, so daß sich eine ffle- meinderotswahl erübrigte Die Oase besteht für die„Volke'partei darin, daß überhaupt nicht gewählt werden braucht. Soweit ist es mit ihr trotz aller industriellen Unterstützung gekommen. Daß die Nazis mit ihrem wüsten T»nnult dl« bürgerliche Front aufsaugen, nicht die s o z i a l i st i s ch e. da« hat man außer. halb der Lolkspartei schon sehr viel früher entdeckt. Es schadet zwar nichts, wenn das endlich auch in der Reichsgeschäitsstelle der DVp. begriffen wird, aber wir fürchten, daß man aus der Erkenntnis keine nrch so naheliegenden Schlußfolgerungen ziehen wird. Die Fr ick und Franzen geben den Ton an, die Hugenbergz und Dingel- deyer haben zu tanzen!_ Oer verjüngie Aazs-Abgeordneie. Nazi-Kausmann, der Mann mit dem doppelten Geburtedatum In unserer Morgenausgabe wurde mitgeteilt, daß ein„Unter- stichungs- und Schlichtungsausschuß der NSDAP." dem Reichstags- abgeordneten und Gauleiter Kaufmann eine Reih« von Schwindelei«», darunter auch Fälschung seiner Geburts- Urkunde, um«in Jahr aller zu erscheinen und das passive Wahlrecht zu erschleich«», bescheinigt hat. Dieser Borwurf findet eine überraschende Bestätigung, wenn man im gedruckt«» Lebenslauf des Herrn Kaufmann folgendes liest: Im Landtogshandbuch für 1928: geboren 19. Ottober 1899 zu Krefeld. Im Reichstagshandbuch für 1939: geboren 10. Ottober 1900 zu Krefeld. Herr Kaufmann hat also das Glück, von Wahl zu Wahl� jünger zu werden. Jeder Naziabgeordnet« fein eigener Stewachl Curtius in Wien. Unzerreißbare Geme.ns�mkeit. Wien, 4. März.(Eigenbericht.) Auf die herzlichen Reden des Bundeskanzlers Dr. E n d e r und ha Außenministers Dr. Schober bei einem großen Empfang, bei dem auch Nationalratspräsident E l d e r s ch und Bürgermeister Seist zugegen waren, antwortete Reichsaußenininister Dr. Eurtius ». o.: Ich bin Dolmetscher aller Deutschen im Reich«, wenn ich erwdere, daß wir uns st a m m e s e i n s imt Ihnen fühlen, feit unserem Zusammenbruch in den Zeiten der großen deutschen Not stärker als je zuvor, daß unsere Empfindungen iunerer Verbundenheit mit unseren ösler- reichischen Brüdern unzerreißbar verwurzelt, fest und herzlich sind und daß wir den festen Willen haben, unsere Gemeinschaft immer weiter zu oertiefen. Als uns vor einem Jahr Ihr damaliger Bundeskanzler Dr. Schober besuchte, bin ich mit ihm einig geworden in der Ueber- zeugung, daß die Weg«, welche das deutsche Volk in Oesterreich und im Reiche in eine glücklichere Zukunft führen sollen, von den Regierungen in treuer Weggenossenschaft beschritten werden müssen. Die Gemeinsamkeit unserer Geschichte und unseres Schicksals, der Grundkräfte und Ideal« unseres Volkes, die Gemein- samteit der Ziele und Wege der Staatsmänner drängen immer, stärker zur Gestaltung. Di« Ungleichung unserer Ein-! richrungen, der Austausch und Ausgleich auf den Gebieten von Recht und Kultur, Handel und Verkehr macht erfreuliche Fortschritte. Wir werden unablässig an der F o r t j ü h r u n g dieser gemeinsamen Aufgaben zusammenwirken. Darüber hinaus weih sich die Reichsregierung eins mit der politischen Grundeinstellung der österreichischen Regierung in der entschlossenen Verfolgung einer Politik des Friedens auf der Grund- läge der Gerechtigkeit und der Gleichberechtigung. Beide Regierungen hoben sich zu diesem Zweck nach gegen- seitigew Einvernehmen in den Dienst umsassender Zusammenarbeit der Völker gestellt, eine Aufgabe, die neben tiefgreifenden Reformen im Inneren der Länder zur Ueberwindung der Nöte unserer Zeit erforderlich ist. Wir verfolgen in diesem Rahmen naturgemäß in erster Linie die Inter- essen unserer beiden Länder und sind entschlossen, all« Möglichkeiten auszuschöpfen, um unsere Wirtschafts- und unsere soziale Lage zu verbessern. So hoffem wir, die das Schicksal in das Herz Europas gestellt hat. ein Beispiel zu geben für eine Entwicklung ver- traue isvoller Zusammenarbeit, die nationaler Verantwortung cnt- sprick und zugleich der Wiedergcsundung Europas und dem Frieden der Welt dient. Otto Mutter gestorben. Der wann, der drei Jahrzehnte lang das Publikum des großen deutscheu Variete» zum Lachen gebracht hat, Otto R e u l t e r, ist soeben in Düsseldors, wo er an dem dortigen Apollovarietö ein Gastspiel absolvierte, einem Herzschlag plötzlich erlegen. Der Künstler hat ein Alter von Kl Jahren erreicht. Otto Reutter stammte aus d«r kleinen altmörttschen Kreisstadt Gardelegen und so wie er sein Heimatstädtchen stets in freund- licher Erinnerung behielt, wahrte auch sie ihren berühmten Sohn' die Treue. Als in der Inslotionezeit die deutschen Städte und Städtchen dazu übergingen, sich eigenes Notgeld zu drucken, ehrt«, Gardelegen Reutter dadurch, daß sie sein Porträt auf einem der Geldscheine setzen ließ. Reutter revanchiert« sich, indem er eines seiner selbstgemachten Couplets In dem behaglichen Refrain aus- klingen ließ: �. wie bei uns in Garblezen!" Dadurch wurde seine stille Heimatstadt in ganz Deutschland genannt. Der Berliner Konnprobleme des Tonfilms Von Rudolf Meißner Das durch den stummen Filin bereits erpeichte Bild- i Niveau hat sich beim Tonfilm zugunsten des Tons gesenkt. Diese> Entwicklung ist nur natürlich; donkbar für dos Neu«, für die Se»-' sation, schenkte man dem Neuen, der Sensation U>.' gawz« Aufmerksamkeit, komponierte Filmmusik und Sichtet« Dialog, lieh etwa Richard Tauber in Großaufnahme sechs Arien singen und kümmerte sich nicht darum, daß die die sechs Arten umschnörkelnden Motive und Bilder als stummer Film glatt unter den Tisch gefallen wären. Schließlich gelangte nran mit der„Affäre Dreysus".zu einer gc-, wissen Höchstleistung, die, wenn sie auch als Bildstrsifen sauber war, so sehr aus dem W o rt ruhte, daß man das Werk fast ohne Verlust durch Radio hätte geben können.(Die Filme„Abschied*, „Der Blaue Engel",„ölous les toits de Paris",„Der Mörder Dimilri Karamososf" bewahrten als einzige Ausnahmen das Gleich- gewicht.) Inzwischen hat sich die Konjunktur der„Filme um des Tones willen" etwas müde gehetzt, Sichtung und Ausblick werden Bedürfnis. Der stumme Film litt an zu starker Belastung durch literarische Elemente. E? war sein Irrtum, die Weltliteratur abzugrasen, die Weltgeschichte aus Anekdotisches hin zu sieben, es war ein Irrtum, immer nur Handlung zu silmen, Handlung um jeoen Preis. Denn es war Verkennung der Darstellungsmittel: der Film ist primär nicht Erzählung, nicht Roman, sondern Bild kunstwerk. Typisch charakterisierte sich die billige Anlehnung an die Belletristik durch die Notwendigkeit langer Titel, und immer schon gehörten zene ganz seltenen stummen Filme, die völlig ohne Titel auskamen, zu den cindrucksstärksten. Erst der Tonsilm verfügt über ein literarisches Ausdrucksmittel: den Dialog. Die Amerikaner sollen deshalb gleich im ersten Tonfilmjahr ihre Bühnenstücke in Filme transponiert haben, und zwar ohne viel Verwandlung. Auch ver Sprechsilw hat seine ureigenen Lebensbedingungen und kann durch das Ueber- gewicht der gesprochenen Handlung vergewaltigt werden. Er soll nicht ein durch lebende Bilder bloß illustriertes Hörspiel sein, sondern die ästhetischen Gesetze der Bildersolge haben durchaus Vorwurf und Gestaltung des Filmwerks mitzubestimmen. Es sei hier nicht solchen Filmen das Wort geredet, vi« auf die Darstellung von Vorgängen verzichten. Lyrische Filme würden sehr bald lang- weilen.(Beispiel: Eisensteins Pariser Film„Sehnsucht", der trotz hinreißend schöner Bilder keinen Erfolg zu erzielen vermochte.) Da- gegen sollte sich der Film in höherem Maße als bisher solchen Bor- gängen zuwenden, die sich von selbst der bildlichen Darstellung ausdrängen.. Man denke etwa an den Bau einer Eisenbahn(„Türk- sib"), an die Erlebnisse eines Chauffeurs in der Weltstadt, an den Jahreskreislauf der Arbeit auf vem Acker, oder ober auch an phon- tastische Vorgänge, exotisch« Märchen und Utopisches. Wesentlich für die Entwicklung des Tonfilms i>t das Problem der formalen Verschmelzung von Optischem und Akusti- schem zu einer Ganzheit. Wenn ein und dasselbe zweimal gesagt wird, einmal durch dos optische und einmal durch das akustische Mittel, wird der Zuschauer und-Hörer ermüdet, er empfängt die Eindrücke in primitivster Weis« dick ausgetragen und seiner eigenen Pha» taste bleibt kein Spielraum. Bezeichnend« Beispiele hierfür bietet der Film..Das Land das Lächelns". Da wird einem, um nur kurz ein Beispiel zu nennen, drei-, viermal das Applaudieren einer Gartengesellschast in Bild und Ton vorgeführt. Bas Bild — es ist immer ungefähr dasselbe und sowieso schon schlecht ge- stellt— wird natürlich schon beim zw.'iten Male als Störung cnipfimden. Woraus es ankommt, ist also dies: die beiden Ausdrucks- mittel des Tonfilms haben nicht einander B e g l c i t motive zu liefern (wie dem stummen Film die untermalend« Musik), sie haben sich gegenseitig zu ergänzen. Um die formale Ergänzung des Optischen und Akustischen zu ermöglichen, muß sich der Verfasser der Dialog« und der Komponist der Filmmusik schließlich vergegenwärtigen, daß der Film eine Art Mosaik ist, ähnlich der Photomontage.(Der Photomonteur fügt die Bilöausschnitte räumlich aneinander, der Filmregisseur zeitlich.) Der tönende Teil des Films Hot also ebenfalls den Charakter des Mosaiks anzustreben. Dom Prinzip der optisch-akustischen Ueberschneidungen aus« gsbeno, führt ein einfacher Weg zum Surrealismus, der im Bereiche des stummen Films nur als muliges Experiment ousge- taucht ist und sich dann rasch wieder in die Literatur zurückgezogen hat: die Bildersolge tastet die Jdeenassoziation ab, die das gesprochene Wort auslöst. Oft kam es vor, daß sich der Film von der bildenden Kunst Wert« lieh, die er gor nicht brauchen kann. Es ist Spielerei, die Photographie durch technische Tricks so zu bearbeiten, daß sie wie ein impressionistisches Gemälv« aussieht. Und zur Gestaltung des Irrationalen hat es der Film nicht nötig, mit expressionistisch gemalten Dekorationen zu arbeiten. Die Regisseur« wissen. welche MöeZichkeitcn in der Photographie selbst latent sind: Er- zielung magischer Wirkung mittels der Negative, ausschweifendes Phantasieren Nüttels Aneinanderkopicren widerstrebender Motive, Verwendung der Froschperspektive, ver Zeitlupe, mikroskopischer Vergrößerungen, bewußte Verwendung von Störung aller Art aus dem chemischen Entwicklungswege der Photographie im Dienste der künstlerischen Gestaltung. Di« ausschließliche Herstellung von Tonsilmen entspricht nicht dem allgemeinen Bedürsnis. In den großen Städten, wo man sich gute Orchester holten kann, wird vi« mechanische Musik immer ein zweitklassiger Genuß sein. Auch dann noch, wenn sich der Ton» silin sein« eigene, die Klongforbenveräiiderung berücksichtigende In- strumentierung leisten wird. Der Sprechsilm hat dem Musiktonsilm zwar voraus, daß das gesprochene Wort in seiner größeren Geistig- keit und Abstraktheit von oen Eingriffen des mechanischen Prozesses kaum entwertet wird. Aber die höchst erreichbare Vollkommenheit des Sprechfilms wäre kein Anlaß, den stummen Film zu beerdigen. Denn es kommt keim Kunstwerk leßlich nicht aus die Vielheit der Darftellungs mittel an. Im Gegenteil: das mit einem«in- zigen Mittel überzeugend Dargestellte übt, wenn auch nicht die be- rauschcndste, so doch die intensivste Wirkung aus. Wintergarten hat Reutter bekannt, groß und berühmt gemacht. Hier trat«r ISSS zum erstenmal aus, hier hatte er im vergangenen Johr als Sechzigsähriger noch einmal groß« Triumpfe. Und doch, wer damals ernsthast und kritisch nicht nur aus ihn, sondern auch aus das Publikum sah, der merkt«, daß seine Zeit vorbei war. Seinem Humor lag nicht das Scharfe, das sozial und politisch An- klägevisch». er sang, mimte und ulkte für das gut zahlende und gui gelaunt« Parkett und dort saßen auch seine begeistertsten Freund«, die ihm bis zulegt die Treue hiellen. Seine große Zeit war vor dem Kriege. Nachher hatte es den Anschein, als ob er verärgert und grollend in Gardelegen, wo er Haus und Grundstück hotte, bleiben wollt«. Aber dann stand er doch wieder Jahr für Jahr auf der Bühne des Wintergartens. In dem ersten Johr der Republik merkte man es ihm und seinen Couplelts deutlich cm, daß er sich mit der „neuen Zeit" nicht abgefunden hatte. Manchmal konnte er dann nach links recht bissig sein. Aber das gab sich später. Reutter war der letzte aus der Reihe der glänzend honorierten großen deutschen Darietehumariften._ Oer indische Friedensschluß. Seate Llnierzeichnung. Neu-Delhi. 4. Mörz. Die zwichen Gandhi und dem Pizekönig erzielte Einigung hat im Kongreß große Befriedigung hervorgerufen. Der Vollzug-- auischuß der Soaraj-Partei wird in seiner heutigen Nachmittags- sitzung das Abkommen endgültig annehmen und der Becke- pung des Zivilen Ungeho-stnns ein Ende machen. Die Unterzeich- nunz des Avlommens wird heute nachmittag folgen. Der Vollzugs- ausickpiß wird dem Vizekönig seine Anerkennung aussprechen und in dieser Weise die Bande zwischen Großbritannien md Indien s e st i z e n. Wirklich„Durchaus unerlaubt". tlrausführung im �enaissonc"TH«ater. Dreiaktige Komödie aus Amerika. Erster Akt: eine alkohol- freie Nachtbar, in der es natürlich Alkohol gibt. Der Witz an dieser Angelegenheit geht für Deutschland verloren. Ein berühmter Tenor nimmt einem jungen Mann aus der Provinz die Braut weg. Der zweite Akt spielt in der Junggesellenwohnung des Tenors, in der sich die junge Dame von ihm die Unschuld rauben lassen will, was aber aus verschiedenen, vom Verfasser nicht ganz klar erfaßten Gründen nicht gelingt. Im dritten Akt entsteht beinahe eine trogische Verwicklung, indem die junge Dame fürchtet, schließlich doch in den Hafen der spießigen Ehe mit dem Jüngling vom Lande einlaufen zu müssen. Aber— dem Himmel sei Dank— das dappx end bleibt nicht aus: der berühmte Tenor entschließt sich, sie zu heiraten. An diesem zum Auswachsen langwelligen Theaterabend gibt es wenigstens«inen Gewinn: man erfährt wieder einmal, mit was iür kindischen Geschichten sich der Amerikaner auf der Bühne zu- frieden gibü Der Regisseur Forster Larrinaga trägt nicht das geringste dazu bei, Leben in die Bude zu bringen. Mit behäbiger Behaglich- keit läßt er die Iungmädchenbuchgeschickt« zur Verzweiflung der Zuschauer abrollen. Die Sensation des Abends soll dos Austreten des Filmschauspielers Livio Pavanelli werden, der durch sein schönes Gebiß und seine famose Figur die Sympathien des Publikums zu gewinnen sucht. Er übernimmt sich in der Lebhaftig- keit seiner Gesten und im koketten Spiel seiner Augen. Aus den naiven Teil der Zuschauerschast wirkt er dadurch, daß er deutsch nur radebrecht. Seine Partnerin Hilde K ö r b e r ist noch nie so farblos und temperamentlos gewesen wie gestern. Friedrich Kayßler ist dazu verdammt, langweilige Moralpauken zu halten: Hans B r a u s e w e t t e r ist der einzige, der die Lochmuskeln— als komiscker Liebhaber vom Lande— anregt. Herr Direktor Klein begeht übrigens den taktischen Fehler, den Premierenapplaus von demselben Oberclaqueur herauskitzeln zu lassen, der sckon vor ocW Tagen Im Deutschen Künstlertheater einem schlechten Stück zum Sieg verholfen hat. Etnzt Degner, Oer Fall Klemperer. Der Generalmusikdirektor der Krolloper.. Otto Klemperer, hat den preußischen Fiskus beim zuständigen Arbeitsgericht verklagt. Er will festgestellt wissen, daß ihm. falls die Krolloper geschlossen wird, die Stellung eines leitenden Generalmusikdirektors an einer Berliner Staatsoper(d. h. der Lindonaper) zustehe. Dazu wird von zuständiger preußischer Stelle erklärt, daß das Vorgehen Klemperers im Kultusministerium Ueberraschung hervor- gerufen hat. Noch vor wenigen Tagen sei mit Klemperer ein« Erörterung über seinen Vertrag für Mitte dieser Woche anberaumt worden. In dem Vertrag zwischen dem preußischen Staat und Klem- perer sei die Bestimmung enthalten, daß Klemperer unter Umstand:» an der Lindenopcr tätig sein soll«: das bedeute aber nicht, daß Klemperer noch Schließung der Krolloper zum leitenden General- Musikdirektor in der Lindenoper ernannt werde. Klemperer wolle nun mit seiner Klage anscheinend den Versuch machen, als leitender Generalmusikdirektor an der Lindenoper sestangejtellt zu werden. Die Not der Pressemitarbeiter. Die Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des Schutz- Verbandes Deutscher Schrift st eller hat sich mll der durch den Setzerstreik in Königsberg für«ine Reihe von Pressemit- arbeitern herbeigeführten Notlag« besaßt und dabei festgestellt, daß die Betroffenen von keiner Seite, vor allem auch nicht von den Ber- legem, Unterstützungen erhielten. In einer diesen Fall erörternden Entschließung, die einstimmig angenommen wurde, wird zur St«!- lung der Ppessemitarbeiter grundsätzlich gefordert, daß„der uner- träglichc Zustand, daß ein Berufsstand von den Errungenschaften des modernen Arbeitsichulzes ausgeschlossen ist, beseitigt werden muß". „Die schöne Alexandra." Leffing-Th»ater. „Ein Stück mit Mukik in drei Akten von Eugen Rinteln und Alfred B r i e g e r Mussk von Kurt Z o r l i g." Biel mehr ist über diese neue Operette des Lessing-Theaters nicht zu sagen. Ihr Vorzug: sie will nicht viel mehr scheinen, als sie cst. Ein Nicht» von Handlung wird nicht zur dramatischen Begebenheit ausgebauscht. Die paar Gesangsnummern spreizen sich nicht als Saisonschlager. Die„berühmte Sängerin" Alexandra Peirowna, für eine Nacht in ein verlorenes Provinzhotel verschlagen, hat ein flüchtiges Abenteuer mit einem kleinen Dichterling. Nqch bevor er begreift. daß alles vorüber ist, reist sie ab. Keine Vorwicklungen. Nur wenig Personen auf der Bühne; kein Chor, kein Ballett, keine Aufmachung. Eine Kammeroperette, sozusagen ein intime» Spiel: doch leer, banal, ohne Reiz der Intimität. Eine ganz kleine Sache: ober langweilig. Für etwas Belustigung sorgt der Gretesktänzer Curt Fuß. Mary L o s s e f, stimmlich begabt, sieht hübsch aus. Edith S ch o l l w e r ist munter. Curt Vespermann hat im Kamps mit einer un- möglichen Rcllc erheiternde Momente. In einer Nebenfigur läßt Fcrry S t kl a menschliche Echtheit spüren. Saubere Regie. Ein Theaterabend für bescheidene Ansprüche. K P. Filmindustrie und Almkritik. Der Streit zwischen d«r Filmindustrie und der Berliner Film» ktttik ist jetzt durch eine Vereinbaning beendet worden, die die Spitzenorganisation der Deutschen Filmindustrie mit dem Verband dr« Berliner Filmkritiker getrossen hat. Die Vereinbarung lautet: die im Oktober 1930 bekanntgegebene Verlautbarung über die Film- kvitik war kein Beschluß der Spitzenorganisation, sondern«in Bericht. der nur Stimmen aus der Versammiuug wiedergab. Stach der Gründung des Verbandes der Berliner Filmkritiker steht die Spitzen- organisation nicht mehr auf lem früher eingenommenen Standpun't. begrüßt vielmehr die Gründung und ist entschlossen, in Zukunit Fragen, die die Fümkritik der Berliner Tagespoesse betreffen, mit dem Verband der Berliner Filmkritiker zu verhandeln. Di« Au»|t«»tmg hon» poelüg uii!> seine Schule wird in der Punschchen ttkedemic der Künste Sonnabend, 19 Uqr. eröhnet. In der Urania ipricht Fieiiag, 8'<- Ubr. im Hau» der Technik Ob.-Jng. Kramatzst über„Die photographtsche Etsmichiuiz der Planeten''. 3m Bluleuni iür ZI kurkvnde iprechen Mittwoch. 4.: Prof. Vabpacheim üher:.Die eseltiiichen Föch?" G Ubr!; Dr. Hecht über:.Eine Studienreste nach dem Lahoga-Zec und Karelien' Uhr). Zutritt unenlgeillich. Ein zweit» Arbei'slolen-Sonzert unter Mitwirknna von ca. AX) arbeit»- loten Muiilern und ca. 150 SUilflllednn de««eilmei Sleizlechor« findet am Sanntaa. millnn» 1- Ubr, in der StSNischen Over statt Die«'eilmer aibeiisloiei, SerusSmnfitrr baben den Beweis ihier!.'e fiuiinSiäbillkeil beiell» im ersten Nonzert oebrncht. Da» K nzeil am S. MZrz diri.neren Paul V r a i i a ch iin'' Dr. Kurt o i tl ij e r. EinIrlllZkaitcn von 50 Pf. 8i» 3 M. an den»tajsen der �oiädtiichen Oper, Berthcim, JozaUdeudank. Tirh. Kaufhan» dc» NestcnS. Karttod!. Eine Tribüne für Verleumdungen Oeutschnationaler Keldzug gegen Reichsintereffen Dos ganze Interesse der Deutschnationalen an der Unter- suchung der R o g g e n st ü tz u n g besteht offensichtlich nur darin, den Sozialdemokraten Bande durch konsequente Verleumdungen zu belasten. Jetzt hat im Preußischen Landtag der Abg. Wmterfeldt einen Agrarantrag gestellt, der unter anderem die preußische Rc- xierung ersucht, auf die Rdchsregieruiig einzuwirken, ,chcn durch den Untersuchungsausschuß des Reichstages schwer belasteten Reich-- getreidekommissar, Ministerialdirektor Dr. Baade, aus allen mit dem Ernöhrungsministcrium umnittelbar und mittelbar zusamrnsn- hängenden Stellungen zu entfernen." Diese Verleumdung ist den Deutfchnationolen nicht gelungen. Im Untersuchungsausschuß des Reichstags für die Roggcnstützung hat heute der Vorsitzende Dr. Weber auf diese unglaub- lichen Unterstellungen der Deulschnntionolen hingewiesen und unter Zustimuning des Ausschusses erklärt, daß bisher durch den Untersuchungsausschuß eine Belastung des Reichskommissars Dr. Baabe in keiner Form festgestellt worden ist. Auch ein LlntersuchungSausfchuß! Räch welcher Methode der dcutschnationale Herr Stubbendorff und seine Freunde im Untersuchungsausschuß arbeitet, geht aus jolgcnden Episoden aus dem Ausschuß hervor: „Abg. Stnbbcndorss(Dnat.): Ist Ihnen eine Fälschung der Bilanzen einiger Mühlen bekannt geworden? Z e ug e: Ich muß nachdrücklich bestreiten, daß, während ich Auffichtsratsoorsitzendcr war, bis zun: Oktober 1i>28, derartige Fälschungen vorgekommen sind." Herr Stubbendorff behauptete dann glatt, es wären Bilanz- sälschungen vorgekommen. Staatssekretär o. D. ch a g e d o r n sagte aus, er sei an den Verhandlungen über die Uebernahme der(BJC. nicht direkt beteiligt gewesen. Der Bericht besagt nun: Aus dem Zuhörerraum meldet« sich während der Ver- nehmung des Staatssekretärs a. D. chagedorn ein Getreide- Händler Reihner mit der Bitte, diese Aussagen richtig- stellen zu dürfen. R e i ß n c r wurde vom Vorsitzenden als sachverständiger vereidigt. Er teilte dann mit, Staatssekretär a. D. Hagedorn habe seinerzeit ein Essen im E s p la n a d e- H o t e l ver- onstaltct, zu dem die späteren Käufer des Scheucr-Konzerns, die Vertreter der Rentenbank und der Preußenkasse geladen waren, darunter auch Präsident Klepper und Keheimrat Kießler. Direktor S ch a u b von der Preußcnkassc: Ich bitte Herrn Reißner, der hier als Sachverständiger geschworen hat, doch un- parteiisch auszusagen, und ihm die bestimmte Frage vorzulegen, oh das Essen, von dem er spricht, mit dem Verkauf der(BJC. in Zusammenhang gestanden hat. R ei ßner: Das Diner, das ich meine, hat etwa zwei bis drei Monate vor Abschluß des Geschäftes stattgesunden. Ich bin zufällig im Esplanade gewesen und habe die Herren dort in einem besonderen Raum gesehen. B o r f.: Dos sind aber doch so vage Dinge. Reißner: Es mag ja Zufall sein, mir ist aber ausgefallen, daß Herr Staatssekretär Hagedorn dabei war.(Lochen.) Vors.: Wenn Sie keine genauere Kenntnis van den Dingen haben, dann muß ich Sie doch darauf aufmerksam machxir, daß Sic dann doch nicht unter Ihrem Sachverständigen- e id an dieser Stell« behaupten können/ daß dieses Essen mit dem Verkauf des Aktie npat�tes in irgendeiner B e z i e h u n g ft e h t. Ich bitte Sic, doch vorsichtiger zu sein. Sic sollen als Sachverständiger unter Ihrem Eid doch nicht Ver- mutungen zu Protokoll geben, die nicht nachprüfbar sind. Dazu können wir als Ausschuß uns nicht hergeben. Auf weitere Fragen des Abg. F r e y b e(Wp.) erklärte der Vorsitzende, der Ausschuß dürse nicht dazu benutzt werden, unkontrollierbare Gerüchte zu verbreiten und An- würfen gegen alle möglichen Persönlichkeiten eine Tribüne zu schaffen. Dieser„Sachverständige", der unter Eid dreist Ver- leum düngen in die Welt setzt, ist indes nicht der einzige, der den Ausschuß als Tribüne für Anwürfe benutzt! Der Bericht besagt weiter: Als Abg. S t u b b e n d o r f f die nochmalige Ladung des Direktors Hirsch verlangt und erklärt, die Angabc. daß Direktor H i r s ch im Auslande sei, treffe nicht zu, erklärt Bors. Dr. Weber: Direktor Hirsch sei doch im Auslände. Es gehe nicht an, daß hier in Form von Anträgen allen möglichen Menschen etwas angehängt werde. Abg. Stubbendorff: Als Direktor Baade behauptete, Direktor Hirsch sei im Auslande, war er auch im Inlande. Vo r f. Dr. Weber: Nein, auch da war er im Auslande, was sollen denn diese Verleumdungen? Direktor Hirsch ist wegen seiner Geschäfte fortwährend im Auslände. Abg. Stubbendorff: Ich verwahre mich gegen den Aus- druck„Vcrleuindung".(Zuruf o. d. Soz.: Dieser Ausdruck war durchaus berechtigt.) B o rf. Dr. Weber: Die Herren wissen schon, was ich damit sagen will. Wir gehen jetzt endlich zu unserer Hauptaufgabe zurück, nämlich zur Untersuchung der Roggenstützungsaktion. So geht es lustig zu in diesem Ausschuß. Interessenten und skrupellose Vcrleumdungspolitikcr suchen dort nach Kräften, anderen mit Lügen die Ehre abzuschneiden' Die Neichsbahn-Gehalier. Mitteilungen des Zieichsverkehrsministers. Nachdem die Sozialdemokraten mehr als ein Jahr auf Antwort auf ihre Frage im.Reichstag wegen der Bezüge der hohen Beamten der Deutschen Reichsbahn hat warten müssen, sind jetzt vom Reichsverkchrsminister in einem Sonderausschuß des Reichstage- Mitteilungen hierüber gemacht worden. Bor einer inzwischen staitgcfundenen Gehaltskürzung erhielt der Generaldirektor der Deutschen Rcich->bohiigcsellschast ein Gesamtgeholt von l22<1<)Y M. und freie Dienstwohnung. Dieses Gehalt fetzt« sich zusammen aus 48 GX) M. ruhegehaltsfähigem Gehalt, aus 25 000 M. Sonderzulage, 24 000 M. Dienstaufwondsgeld und nochmals 25 000 M. Soicherzulage, auf Grund besonderer Gc- nehmigung durch den Derwaltungsrat. Der ständige Stelloenreter des Generaldirektors 7 8 0 00 M. Die sieben Vorstandsmitglieder der Reichsbahngesellschaft 45500 bis 60000 M. Die Abteilungsleiter der Reichsbahngesellschaft 26 660 M- durchschnittlich. Fünfzehn Präsidenten der Rcichsbohndirektion über 20 000 M. und freie Wohnung, 15 von ihnen 24 000 M. und freie Wohnung und einer 21 400 M. und frei« Wohnung. Die Leiter der vier Zcntrelämter der Reichsbahn 25 000 bis 20 000 M. jährlich. 28 Bizepräfidentcn der Rcichsbahndirektionen 16 000 bis 21000 M. Die 95 Abteilungsleiter der Rcichsbahndirektionen und schließ. lich auch die.hervorragend bewährten Mitglieder der Reichsbahn- direktionen" Iahresgchälter von 14 000 bis 19 000 M. Inzwischen, so betont die Reichsbqhnvcrwoltung, sei allerdings ein« bedeutende Kürzung dieser Gehälter eingetreten. Di« Kür- zung beträgt bei den höchsten Gehältern 2 0 Pro;., bei den niedri. gcren 0 P r o z. In s.Kräst getreten' ist dlesd Kürzung aber erst am 1.'Februar 1031. Bis zu diesem Tage Hot also Herr Dorpmüller 122 000 M. bekommen. Er hätte sie vermutlich heute noch, wenn nicht die erneut eingebrachte sozialdemokratisch« Entschließung die Deutsche Reichsbahngesellschaft unter Druck gesetzt hätte. Trotzdem hat es noch lange genug gedauert. Heute betrogen die Bezüge des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn immer noch 97 600 M. neben freier Wohnung, er erhält also über das Dreifache der Bezüge eines Reichsministers. Der p«n- sionsberechtigte Teil seines Gehcklts ist von unerhörter Höhe. Der stellvertretende Direktor erhält heute 62 400 M.. die Vorftandsmit- gliedcr durchschnittlich 45 000 M. usw., also jeder von diesen Herren mehr als«in omlierender Reichsminister. Eine Pensionsberechtigung bei solchen Gehältern läßt sich überhaupt nicht rechtfertigen. Auch die privat« Industrie oerbindet, wenn sie solche Gehälter bezahlt, keine Pensionsberechtigung mit ihnen. Festnahme eines Giraßenraubers. Oer Frauenschreck von Zehlendorf dingfest gemacht. lln Zehlendorf gelaug es gestern endlich, einen sehr gefährlichen Slroßenräubcr dingfest zu machen. Wiederholt sind in der letzten Zeit i» dem weitläufig gebouten Zehlcndorf, dessen Straßen zum Teil schlecht beleuchtet sind, allein gehende Frauen angegriffen und ihrer Hand- taschen beraubt worden, ohne daß der Räuber gesoht wurde. Am Dienstagabend wurde eine Frau Margarete St., die den Wold- Hüterps ad in der Gehag-Großsiedlung entlangging, von dem Burschen angefallen. Sie segle sich aber heftig zur Wehr und rief laut um Hilfe. So mußte der Kerl von ihr ablassen und flüchtete, ohne etwa? erbeutet zu haben. Kurze Zeit darauf versuchte derselbe Räuber einen Einbruch in ein Einfamilienhaus. An dem Hause in der S ch l i e f s e n st r a h e schob er ein Schiebescnstcr in die Höhe und wollte einsteigen. Die Hausbewohner hatten aber das Geräusch gehört und benachrichtigten die Polizei, die den Em- dringling festnahm. Aus dem Revier befand sich die vorher über- sallene Frau St., um Anzeige zu erstatten. Sie erkannte in dem Verhafteten sofort den Attentäter wieder. Der Verbrecher, ein gewisser 24 Jahre oller Willy Wontcrra, der im Januar aus der Slrafanstalt Tegel emwichc» war, konnte nicht mehr leugnen und mußte den verjuchlcn Raub zugeben. Am Montagabend wurde eine Frau Irene Z. aus der Alfen-- st r a ß c in Zehlendorf ebenfalls überfallen. Frau Z. hatte gerade den Untergrundbahnhof Krumme Lank« verlassen, als sie von dem Wegelagerer zu Boden geschlagen und gewürgt wurde. Trotzdem der Räuber auf die Hilferufe sofort verfolgt wurde, entkam er mit der Handtasche, die 70 Mark bares Geld enthielt. Auch für diesen Ilcbcrfall kommt Wontcrra als Töler in Frag«: die Beraubte hat ihn bei der Gegenüberstellung wiedererkannt. Nach feiner Flucht aus Tegel hat sich W. zuerst in Herbergen aufgehalten, ist dann ober noch Zchlendorf gegangen, wo er die Gegend von früheren Einbrüche>, her kannte. Außer den beiden erwähnten Ucbersällen und dem versuchten Einbruch hat er in Zchlendorf sicherlich noch mehr verübt. -ISjähriger stirbt auf den Schienen. Selbstmorv avs Furcht vor dem Examen. <5 ö r li h. 4. März. ©eitern abend wurde von dem Personal cinez©ukerzuge» aus den©leisen der Bahnstrecke Zittau— Görlitz die Leich« eines jungen Mannes gefunden. Nach den polizeilichen Feststellungen handelt es sich nm die Leiche eines lSjährlgen Schülers, der kurz vor dem Abiturientencxomen stand, und wahrscheinlich aus Furcht vor dem Ausgang der Prüfung Selbstmord beging. Im Sireii erschlagen. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm ein Streit, der sich zwischen zwei Buchdruckern in einem Lokal in der Zimmer- straße entspann. Wegen einer geringsügigcn Meinungsverschiedenheck war der Buchdrucker Artur Sch. aus der Urbanstraßc mit fernem 26jährigcn Kollegen Hans B. aus Reinickendorf in einen Wortwechsel geraten. Auf der Straße wurde der Streit später fortgesetzt und B. ichlug Sch. im Verlause eines Handgemenges nieder. Sch- hotte dabei eine scheinbar nur ungefährliche Kopfverletzung erlitten. Als er feine Wohnung auffuchen wollte, brach er jedoch im Treppenhaus ohnmächtig zusammen. Ein hinzugerusener Arzt stellte jetzt einen schweren Schädelbruch fest und ordnete die Ueberführung ins Ilrbonkrankenhous an. Dort ist Sch. bald nach seiner Aufnahme gestorben. Der Täter ist sestgcnommen und dein Richter vorgeführt worden. Die„Schwarze Fahne", das Organ der Landvolkbewegung in Liegnitz und in den Nachbarkreisen ist vom Oberpräsidenten zu Breslau für die Dauer eines Vierteljahres o« r b o t e n worden. Berantwor!!. klle ö!« Redaktion: Lertert ttpdr«, Berlin: Anzeigen: T>. Slockr. Berlin. Berla«: Borwilrt» Verlan i9. m. b. S.. Berlin. Truck: Vorwäris Bucki- »ruckerei und Berlassanitalt Paul Sinner& Co Berlin SW SS. Lindenkrake Z. Hieran I Beilas e. i lägt. S u. | Sonai.2. S«. 8» E 4. Alex. 8066 Nehm. SOPt-1 II., abds. 1-2 M q«"p"i Alwin Neuss ßu-Bu, Affendressur, Hero», Kraftjongleur- Akt usw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS ragi.&uhr. im uieissea rsui. Stg. nathm. 3Lhr Orijinalbesetzung billige Preise Regie: Erik Charell Winter -Garten' 1>! III». Mr. 2811 taudmi trbglrt. YntuiB China, Dnncan tnlllas. Lotte Werkmelstar, 4 PMlilpps. Karolevpp's, Ponponde ns«. DAS BLAUE UEMD VON ITHAKA HUSIK: J. OFFEN BACH lZMWZA THEATER IM APMl nese -Theater 8.15 übr Premiere Cl 99llll Operette ron Kalmio In den Hauptrollen: KbiI GQIIIch. Edgar Kanlsch, Kurt Mlkultki, Loni Pyrmont. Traut« Rom, Hans Rom, Erich Wild« Prelae von 60 Pf. bis M 3 Ah 4. Marz•Uabondllrh: ,,D te PaachlnKsfee" ausnahmsweise nur Donnerstag u. Freitag 5.30 Uhr Gr. Frankfiiptcr Str. 132 C-Balip Straueberger Plate Alexander 3422- und 3,494 BtMgrifEer Vorverkauf: Restaurant zam Alexandriner Inhaber: Hart Wolter*«lexandrlnenstrafte 31 a Säle and V ereln« t Immer für OraanUafionen and Vereine Voikshllhne Tbiittr ui Wlwplitz. 8 Uhr Das UlinternMen So. u Stg. 8 Uhr flans Albers in Liliom Vorstadtlegende von FranrMoInar StutLWilltr-n. 8',. Uhr Nathan der We.se Staatsoper Am Pl.d Republik 7Uj Uhr Louise RBrlflrslendanin- Theater Bismarck 449 [TThT] aignutu der WiatwtiiHe Das schwache anschiecht v. Edouard Bourdet ligit: Mai Btintenlt Unter Mitwirkung von Maria Mililer I Preise nicht er bübt Otulsehes lUnstler-Theal. Barbarossa 3937. 8'/- Uhr Ritter Slanbarts adite Fran Renaissance- Tbeafer Steinplatz 6780 8V« Uhr Dnrdiaos anetlaobt Wr.OJObis 13je-J Komische oper 8'* Uhr Kleine Preise. Peppina unter pentandtr littoi; des lonpnista Robert Stoli Ii dir Pmrlimtenlraai Rose-Theater 6r.rraaUaiitrStT.i32 Tel. Ale* 3422 u 349« 8.15 17. Premiere Die Kleines Theat. Täglich SV4 Uhr Uebe onmodem Grete Reinwald Win Kaufmann, Htloz Mubertanz EUte-saMer Ksltbta. Str. 8 TlfL 8i«Chr Der lasttjenfe Abend! Sonntags naelKi.31/;Ukr ermiß. Preise. hMLIM riMMy) Restaurant Berlins U.MLI Oeittd)» Theaur Heute geschlossen! Donnerst, 5 Märr TVs Uhi Uraufführung Der Hauptmann von Röpeniik v. Carl Zuckmayer lijii; Biisl Hilpert Kammerspiele 8','« Uhr Pariser Platz 13 von Vicki Baum bgl«: CnW Grdodim Die Komödie 8V« Uhr Die Fee m Franz Molnar H13»; StifuHiA. Alexanderplatz Mau« K6nlf«tr,48| 0 diese Schwiegervaiep Gniscizcia 1— 4 Personen Fauteuii 1,25 Sessel 1�5 M. Sinimnie Wäsche Gardinen Kanthaus Emil Moses Nadii. BlrkeDStr.29(Eike Poiutzsir.) Reichshallen-Theater »deich|T| Sonntig Hadmitlag Uhr Stettiner SSnger Das neue Programm 1 Preis-Ubhau: HunParketnsPf. Mittil-Paikitt t M. Onlustimtz ono Logen 1,50 M. Nachm. ermäSigte Preise!| Volles Programm! Dgnbon-Brettl: Variets-Konz.-Tenz EM#!» Arnold Scholz | O-Biho HiioiaDDplstuKassiilltülc 108-U Elitetag I fir. Boch&ieriesi 1 7 Kapeilen, Neue Dekorationen Bayr. Bedienung 1 Einlaß: W oc h e n ta g s 6 Uhr Donnerstags: | CR. SCHVEIMESCBUCHTER Seilage Mittwoch, 4. Marz 1931 VprÄbpnö \uyhDwrik Hctßcti tßleinfteCdi �afnt nach Hos.§tadhßa Der Kalkbrennsr 3gnaj Knlcslawcc mar mit oor den Kopf geschlagen. Dreißig Jahre Halle er Tag um Tag, Nacht um Nacht, Schicht um ochicht, Ofen für Ofen Kalk gebrannt. Wie oft mar er 24 36 Stunden am Ofen geblieben! So halte ihn seine Arbeit in Anspruch genommen, daß ihm keine Zeit blieb, sich nach einein Weib umzuschauen. Allerdings, der Verdienst hätte auch nicht für eine Familie gelangt. Früher— wie lange ist es denn schon her?— halte er eineinhalb Kranen Tagesverdienst, noch 1918 waren es knapp LöO Dinare, die er zum Wochenende ausbezahlt erhielt. Die Hälfte des Geldes wanderte ins Wirtshaus und in die Tabaktrafik. Ein Kalkbrenner hat Durst. Der heiße O'en! lind ein rechter Mann rauchtl Für Nahrung und Kleidung— er ist bescheiden— hat es stets gereicht... Nun soll es auf ein- mal aus sein? Nicht zum glauben! Aber der Chef hatte es ihm gesagt. Der Betrieb wird stillgelegt. Die Transportkosten sind zu hoch. Kein Ofen wird mehr angezündet Gewiß, man hatte ihm angetragen, mitzuziehen nach jenem Bos. Gradiska— der Teufel weiß, wo das Nest eigentlich liegt! Irgendwo hinter Zagreb mußte es sein. Dort könnte er weiterschassen. Für das Reisegeld habe er selbst auszukommen! Ja das Reisegeld! Kein Parastülk klimperte in seinen Taschen. Aber hin zur neuen Arbeitsstelle wollte er. Das stand iest. Wie sollte er leben ohne die großen runden Ofen? Er liebte die Kalkosen mit ihren rotbrodelnden Fenstern, die wie riesenhafte glühende Augen in die Landschaft starren und ihr ein schreckhaftes Bild verleihen. Die Kalkosen sind seine Welt. Er muß sie haben. Außerdem: der Chef braucht ihn!... Jgnaz Knicslawcc ist ein einsälliger Mann. Hasb dösend, träumerisch, wie von ferne gelenkt war er mechanisch hinabgestiegen ins Tal, nach Zidani most. Lange - stand er oberst der Wagenbrücke und blickte mit leeren Augen aus die Eisenbahnbrücke urrter chm. Da ratterten in einem fort Züge mit Menschen, die Geld besigen für eine Fahrkarte. Wieviel, halle der Stationsvorsteher gesagt, kostet eine Fahrkart« nach Bos. Gradiska? 126 Dinare? lieber zweihundert Kilometer sind es? Zweihundert Kilometer... wie soll er das schassen? Die Füße schmerzten ihm schon jetzt. Dabei war er nur von seinem Gebirgs- liest einige Stunden gestiegen! Ja... das Bündel!... Auf einmal wurde sein Blick starr. Da... unter der Bahn- brücke, auf der S a v e, kennen Flöße geschwommen, eins, zwei, drei, vier, fünf! Starke Männer regierten sie scheinbar mühelos. Floß... Save... Bos. Gradiska... an der Save, hatte der Chef gesagt, schoß es ihm durch den Kopf. Er schlug sich an die Stirn und eilte in schnellem Entschluß über die Brücke, kroch unter einem Geländer weg, rutschte den Damm hinunter zum Fluß, den Floßleuten riwas zurufend.. Die schrien zurück, deuteten nach hinten. Cr überlegte. llnd trabte, dann� stromauf... . Endlich, noch zwei Stunden Marsch, war er am Anlegeplatz der Saveflöße, die, von L j u b l j a n a konnnend, bis Belgrad hinunterfahren. Ohne weiteres wollten ihn die Flößer mitnehmen. Er kann einen Mann ersetzen. Abwechselnd können sie ruhen, wenn er mit der Ruderstange führt. So kam es, daß Jgnaz Knicslawec, der Kalklirenner aus dem Gebirgsdorf, als Flößer auf der Save fuhr. Anfangs war ihm, der nie bisher auf dem Wasser gefahren war, unangeiiehm zumute. Er fürchtete, das hölzerne Ding könne jede Minute auseinander- reißen. Aengstlich schaute er sich um... Bald jedoch forderte die Arbeit sein« ganze Aufmerksamkeit. Und nach einigen Stunden war ihm, als habe er in feinem Leben nichts anderes getan, als die Rudcrstange geführt. Seine Kameraden waren kein« Un> menschen. Gebirgsftößer lassen sich gerne helfen: sie Helsen aber auch jederzeit. Jgnaz Anicslawec ruhte abwechselnd mit den anderen auf einem Spänehaufcn unter einem Bretterverschlag, ge- schützt vor den stechenden Sonnenstrahlen und vor den noch löftigeren Schnaken. Während des Ruderdienstes erfuhr Jgnaz Knicslawec von dem Manne an der zweiten Stange, einem gesprächigen Krainer, allerhand Dinge, von denen er nie gehört. Daß ein Saveflößer tausend Dinar— welch eine Summe!— für eine Fahrt erhält, wollte er nicht glauben. Und als der Mann weiter erzählte, diese Bezahlung haben die Flößer nur der Geschlossenheit in ihrer Organisation zu verdanken, venimtet« er, der Kamerad flunkere ihm etwas vor. Trotzdem sog er begierig die Worte des anderen ein: Worte von den Rechten der Arbeiterschaft, vom Wunsche nach dem Achtstundentag irnd anderem mehr. Jgnaz Knies- lawcc staunte. Um was sich die Leute alles kümmern? Er hatte stets mir den Kunnner, nachzudenken, wie die Schulden beim Wirt beglichen werden, ohne daß er vsrdürstet. Lohnforderungen, Arbeitskämpfc... gewiß, er hatte so von fern etwas gehört. Aber nachgedacht, nein! Wozu denn!? Und doch mußte man über diese Ding« nachdenken! Ter Flößer sagt es! Jawohl!... Währenddessen glitt das Folß auf den reißenden Fluten der grünen Save hin. Ortschaften blieben zurück. Da waren Hopfen- sclder. Aus hohe Stangen kletterten grüne Ranken. Die Häuser waren ulkig zweckentsprechend: mit hohen spitzen Giebeln, die lustig« Räume bergen zum Höpsenttocknen. Ringsum breite Veranden, die voll hingen von Bohnenschoten.,, Dann... aus saftigen Userwiesen weideten fette Schafe und platzeuirige Kühe. Auf Bergen reihten sich Torrassenweinberge. Winzerhäuschen wechselten mit kleinen Kapellen. Züge überholten das Floß. Und Autos mit schreienden, gestikulierenden Marktweibern in lachend bunter Kleidung. Das Floß wurde hin- und hergcrisscn. Auf und nieder. In allen Fugen krachte es. Die Bretter— das Floß brachte Langholz und mehr nach Bretter nach Belgrad— bogen sich und rutschten. Die Flößer hatten alle Hände voll zu tun. Erst vor Zagreb, der schönen Hauptstadt Sloweniens, wurden die Wasser ruhiger. Das Flußbett verbreiterte sich. Boote und kleine Ewer mit Steinen und Marktwaren wurden aufwärts getreitelt. Wieder hieß es auipassen. Die Saoc hat tückische, totlaufende Nebenarm«. Breit floß der Fluß in weill: Ebenen. Die Berge traten.zurück. Maisscldcr— aha! Daher kommt der Polenta!, Kachle Jgnaz Knicslawcc— weit und breit! Jetzt lzackte das Floß! Eine Untiefe? Brrr... das war eine Sandbank!... Wo ist das Ufer?... Ueberall, soweit das Auge reicht, Sumpf, Schilf, hohe harte Gräser. Hart arbeiteten die Männer. Die Save ist wild. Im Oberlaus reißend. Stromschnellen, Engen, Felsblöcke. Im Mittel- und Untcrlous lauern Untiefen, Sandbänke, Sümpfe. Nebenarme täuschen. Das Wasser fließt ab- wechselnd ruhig und schnell. Bei Sisak mündet die dunkle Kulpa, die das hellgrüne Kaltwasser der Save häßlich färbt. Die Fahrt ermüdete. Es wurde Nacht. Wieder kamen Berge rechts näher. Gegen Mitternacht klatschten Sie Rudcrftangen zum letzten Male ins mondbeschienene Wasser. Stumpf stieß das Floß an die Anlegestelle bei Bos. G r a d i s l o. Di« Steuerleute sprangen an Land. Sic wollten sich ausruhen für den zweiten Tell ihrer Fahrt. Jgnaz Knicslawec verabschiedete sich mit Dankesworten. Er wanderte in die Nacht, ein anderer, nun wissender Mensch, sich einen Schlafplatz zu suchen. Nächsten Tages sah man ihn fragen nach dem neuen Arbeitsplatz an den Kolköfen. WeiqeU - Bin Sndianct üßet Sfidianct Wahres und Unwahres, Gmes und Böses haben Legende und Literatur um die Indianer gewoben. Ihr« Kampieszeit ist vorüber. Sie sind sehhast geworden, werden hundertprozentige Amerikaner und genießen jetzt den Vorzug, deshalb vom heutigen Amerika gehätschelt zu werden. Jndianervcrwandtschast adelt, Negerverwandtschaft führt zum Ausschluß aus der guten Gesellschaft. Es war nicht immer so. Es gab eine Zeit— sie liegt kaum 26 bis 46 Jahre hinter uns—, da war ein« Rothaut geringwertiger als ein Stück Wild, und man erjagte sie, wie Schödling« der Stepp« Diese Zell hat der Sioux-Häuptling Standhafter Bär II noch miterlebt. Don ihr erzählt er in seinem Buch«, das deutsch unter dem Titel ,.M.e in Volk, die S i o u x' bei Strecker u. Schroeder in Stuttgort erschienen ist, in dem er versucht, das Bild über die Indianer im �allgemeinen und seinen Stamm— die Siour— im besonderen richtig zu zeichnen� Irrtümer auszuklarcn, anzuklagen, wo es nötig ist-,/,•*•■••••.' T.'' Waren denn die Indianer von vornherein Feinds der Weißen? Standhofter Bär erzählt: „In meinen Togen(1868 geboren) war es keine Ehr«, sondern eine Schande, wenn ein Sioux einen Weißen tötete, denn man lehrte uns, daß die Bleichgesichter viel schwächer seien als wir. Es war daher keine tapfere Tat, einen Weißen zu töten." Wie kindlich einfach liegt oft die Ursache eines sogenannten „Indianerübersalls": „— Späher kamen und meldeten, daß eine riesenhofte Schlange über die Prärie krieche. Es war der e r st e E i s« n b a h n z u g der Union Pacific Railrvad. Für die Indianer war dieses Ereignis eine große Sehenswürdigkeit. Kurze Zeit danach hielten einig« unserer Krieger erschöpft und OHcfartH. J)a& fiiücß im CLCtai? Herbstsanne lag über den sibirischen Berggipfeln des Altai. Die T ornensträucher hatten sich oersärbt und gaben den gewaltigen Felsen ein farbenprächtiges Aussehen. An der sich in ihrem granitenen Bett ivölzenden Buchdama ritten drei junge Deutsche entlang und freuten sich an der bunten, weiten Natur. Bergauf und bergab ging ihr Ritt. Durch das Stampfen der Pferdchufe wurde manche? Wiefel aus den Träumen seines Mittagsschlases aufgeschreckt und versuchte, scmen Balg in schilfigem Graz.zu verbergen. Aus engem, felsigem Pfade kamen sie durch ein Dorf, in dem die Dorfschönen von den Burschen zum Tanz gefuhrt wurden. Ein frohes Bild bot sich ihnen auf der breiten, grünen Dorfstraße. Noch den Melodien einer Hand- Harmonika drehten die Burschen die Mädchen, deren Gewänder im Winde flatterten. Die Stimmung brachte der Sonntag und— nicht zu vergessen— das Honigbier, der russisch« Svnntagstropfen. Lange sahen die Reiter dem Treiben zu, ober sie mußten wetten Bi? zum Abend waren noch einig« Werst auf Pferderücken zu bezooingen. Bevor die Nacht, die kein« Dämmerung kennt, hereinbrach, er- reichten sie eine Muhle, die abseits des reißenden Gebirgsstromes an einem stillen Bache lag. Diesen Ort hielten sie für ein geeignetes Quartier:«r machte auf sie einen sauberen, netten Eindruck. Es wir nicht nur eine Mehlmühle, sondern mit ihr verbunden ein kleines Sägewerk, mit einem primitiven Horizontalgatter ausgerüstet, das in dortiger Gegend recht modern wirkte. „Guten Abend, Frau Müllerin", riefen die drei Kameraden und traten über die Schwell«,„hier ist wohl Platz für ein« Nachtruhe und«in brodelnder Samowar mit dem nötigen Essen." „Kommt nur herein!" erwiderte die Frau in freundlichem Ton« und hieß sie willkommen. Bold sang der Samowar sein altes Lied. Di« Hausfrau legte einig« Eier in seinen wassergefüllten Messingleib, damit sie gleich- zettig mitkochen sollten. Mit einem leisen„Guten Abend" erschien Svlga, die Tochter der Müllerin,«inen Rahmen Wabenhonig in den Händen. Ein Lächeln verbrettete sich über die Gesichter der Gäste, mochte es nun die Freud« über den Honig oder über den unerwarteten Anblick des jungen Mädchens sein. Mit großem Behagen schlürften sie den Tee und strichen mit dem Holzlässel den Honig ous dem Rahmen. Nur zu rasch verging die Essenszeit, und da? zarte Wesen, das gar nicht in diese rauhe Umgebung hineinzupassen schien, war ihren Augen entrückt. Doch bald erfüllten Balalaikaklänge und ein« Mädchenstimm« den Raum. Im Kamin knisterten die Holzscheite und warten ihr Licht auf die Sängerin. Ihr blondes Haar leuchtete und unter dunklen Brauen strahlte ein smaragdgrünes Augenpaar. Traumverloren lauschien die jungen Männer: die russischen Melodien hatten si« erfaßt und ließen das Schwere zurück. Mitten im Spiel brach das Mädchen ab und fragte:„Wißt ihr nicht«inen tüchtigen Mann für mich, der das Werk meines Vaters fortführen kann?" Die Männer blickten erstaunt auf und schwiegen lange. Schließ- lich faßte sich der älteste der Gäste.„Wähle einen von uns", ant- wartete er.„Wer deiner Wahl unterliegt, bleibt hier." Wieder wurde es still im Raum. Nur das Holz im Kamin knisterte. Eine Glutwelle schoß in das Antlitz der Russin. Kindlich Höngen ihre Worte:„Den da... den jüngsten..." Sie griff zum Instrument und sang leise Lieder, wie sie nur ein Menschenkind singen kann, das in der Natur lebt. Dem rauhen Weltgefüge entrissen, ruhten die Blick« des Auserwählten auf dem Mädchen: fern lag die Heimat— war hier das Glück? Aus solchen Gedanken rief ihn die Müllerin:.Ich erkenne dich an, mein Sohn, aber komm in einem Jahr« wieder. Du mußt erst unser« Heimatsprache besser kennen und sehen, wie es dir unter un» behagt." Der Gesang brach ab. Die letzten Tön« verklangen. Man ging zur Ruh«. Voll innerer Unruh« wälzten sich zwei Menschen aus ihren Lagern: der Eindruck des Abends war in ihnen wach und ließ ihr« Gedanken nicht rasten. Dann kam der Morgen und mahnte zum Aufbruch. Drei Deutsch« schieden von einer gosttichen Stätte. „Einen guten Weg wünsche ich dir", sagte zum Abschied das Mädchen.„Auf Wiedersehen" sagte es nicht, und auch der jung« Deutsch« vermied da» Wort. durstig bei der Eisenbahnstation an und baten um Wasser. Der weiße Beamte verjagte sie. Seine Haltung erboste die Sioux. Es wurde Kriegsrat gehalten und beschlossen, etwas gegen die Weihen zu unternehmen. Meine Mutter griff nach einer kurzstieligen Axt und folgte den Kriegern. Meine Mutter hackte die Schwellen durch, und die Männer schleppten die Trümmer fort. Die Leute auf dem Eisen- bahnzug verlachten, verhöhnten und verspotteten ihre Dersolger, die si« nicht einzuholen vermochten. So entging ihren Blicken die Beschädigung der Strecke. Der Zug entgleiste und wurde zer- trümmert. Es war ein Lastzug. Wieviel lieber zogen die Indianer gegeneinander. Das war ein Kampf gegen einen gleichwertigen Feind, einen Gegner. den man ebenso liebte, wenn Tradition und Gesetz es nicht verboten hätten;": .ZM Kamps mit den Pawnccs, den die Siour herheiiührten. erschlugen sie viele Hunderte ihrer Feinde. Die Gefangenen waren in einem Zell untergebracht worden. Am nächsten Tag wünschten wir Jungen sie zu sehen. Wir durchquerten unser Darf, das ungefähr eine Meile lang war, und begaben uns zu den Pawnecs. Unter ihnen befand sich ein großer, schlanker Jüngling, mit dem wir sehr gern gespielt hätten, um ihn be- rühren zu können. Dies wäre für uns die erste Gelegenheit gewesen. einen Feind zu berühren. So rieten wir ihm zu, er möge aus dem Zelt kommen und uns zeigen, wie schnell er lausen könne. Da er aber verwundet mar, konnte er keine große Geschwindigkeit entwickeln. Es befriedigte uns jedoch vollkommen, ihn bei dieser Ge- legenheit berührt zu haben." Den Gegner zu berühren, ihn nicht zu töten, ist ehrenvoller als jeder Todeskampf—(o mir Barbaren): „Höre, mein Sohn!" sprach mein Vater,„auf diesem Knegszug sollst du deine K a m p f t it ch t i g k e i t beweisen, sollst eine tapfere Tat vollbringen oder auf dem Sch�achtseld sterben. In der vorher- gehenden Nacht werde ich dich in L?e unmittelbare Nähe des feind- lichen Lagers bringen. Ich mache meine Kriegshaube so, daß sie auf deinen Kopf paßt und werde mich freuen zu sehen, wie du sie trägst und wie du dein Pferd direkt in das Lager der Feind« rettest. Früh am Morgen wirst du jemand aus einem der Zclic treten sehen. Berühre den Mann mit deinem Stock, dann reite durch das Lager, so schnell du kannst. Ich werde hinter dir sein. Wenn du durch das Dorf gelangst, ohne verletzt zu werden, wirst du der jüngste Mann sein, der solch eine Tat zustande brachte. Dann will ich stolz sein auf dich. Bei diesem Ritt sollst du keine Waffe bei dir haben, sondern mir einen Stock, einen gewöhnlichen Hvlzstock. Ist der Feind bereit, dich zu töten(was er immer ist) und du fällst in seine Hände, erhalte deinen Mut, denn ich will dich als Held sterben sehen und werde bei dir sein, mein Sohn." Wie entsetzlich waren die Jndianermassaker, die die Weißen aus Mißverständnis dieser Sitten oder aus Bosheit onrichtetcn.„Stond- haftcr Bär" erzählt von einem solchen Kampfe: „Unter den Indianern befand sich ein Junge, dessen Verstand nicht ganz in Ordnung war. Er sprach mitunter verworrene Sätze. und kein Mensch nahm ernst, was der Halbblöde sagte Solche Leute sollten in krisenhaften Zeiten bewacht und in sicherem Gewahrsam gehalten werden. Der Junge stand inmitten der Indianer, die von den Soldaten entwaffnet und bewacht wurden. Das sah er und begriff anscheinend nicht, warum sich niemand widersetzte. Sa sprach er ununterbrochen auf sie ein:„Gebt eure Waffen nicht her! Ich schieße! Ich schieße!" Sie hörten nicht aus ihn. Ein Soldat trat auch an ihn heran, um ihm Messer und Flipie abzunehmen. Blitzschnell riß er die Büchs« in die Höhe und schoß den Soldaten nieder. Im nächsten Augenblick erscholl der Befehl „Feuer!" und das Gemetzel begann. In den Chroniken der Weißen wird behauptet, daß viele Soldaten erschossen wurden. Das stimmt. Aber sie wurden von den eigenen Leuten getötet: denn kein einziges Gewehr hotten die Indianer mehr im Besitz, als der Kommandant zu schießen befahl." Das Buch ist eine unerschöpflich« Fundgrube für das Kennen- lernen eines Volkes, dos wie kaum ein anderes der Erde die Phantasie der Jugend begeistert, nicht zu Unrecht begeistert, wie „Standhafter Bär" zeigt. Kleine föelwacMlmigen: "Der fferp Verfreier Sic Berliner Litfaßsäulen kündigen, auf den üblichen groß- purigen und erfreuliche Finanzvcrhältnisse verratenden Plakaten, eine neue Naziversammlung a». Außer dem unvermeidlichen -Herrn Goebbels wird Herr Schulz auf ihr sprechen... Herr Schulz, der Fememörder. Aber„Fememörder': das ist ein anzügliches Wort, es erinnert an Blut- und Todesqual, an brechende Augen und erstarrende Lippen eines unglücklichen Opfers. Es macht den Nazis nichts aus, wenn ihre Partei von Mördern frequentiert wird: indessen haben sie es sich nicht ab- gewöhnen können, gegen das Wort„Mörder" eine gewisie Anti- pathie zu empfinden. Bis vor kurzem bevorzugten sie deshalb für jene Subjekte in ihren Reihen, die Kameradenblut auf dem Gewissen hatten, das Wort„Richter":„F e m e r i ch t e r" anstatt Fememörder. Aber in ihrer neuesten Ankündigung sind sie auch davon abgegangen und aus Herrn Schulz ist ein„Fe m e v e r t r e t e r" geworden. Ein Wort, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muh, denn es ist ein unheimlich packendes, unheimlich charakterisierendes Wort. das man nicht erfinden kann, eines, auf das der Böswillige nicht kommt, eines, das aus einer Geistesoerfosiung heraus geboren wird, die man entweder hat oder nicht hat Vertreter ist vornehmlich ein Begriff der Kaufmanns- spräche. Der Herr Vertreter naht mit dem Musterkoffer und höflicher Verbeugung, offeriert Textilerzeugnisse, Staubsauger, Näh- Maschinen, harzer Käse. In seiner Iackettasche schlummert das Auftragsbuch, hinter ihm steht der Fabrikant, dem er dient Und nun der Femevertreter": Die Wirren der Nachkriegsjahre verschlugen Herren mit gutbürgerlicher Koosmichgesinnung in die Femebranche: und die Femebranche nahm sie nun, wort- und sinn- gemäß, als Vertreter. Es ist ein gutes und schönes Wort, das die Nazis mit dem„Femevertreter" geprägt haben, ein Wort, dessen wunderbare Formulierung die ganze nationalsozialistische Welt- anschauung bloßlegt: die Weltanschauung der blutrünstigen Heringsbändiger. bl. L. Gapooe soll THemoiren schreiben A l E a p o n e, die Banditemnajestät von Ehikaga, der Mann, der eine recht stattliche Anzahl Menschenleben auf dem Gewissen hat, ohne sich selbst die Hände niit Blut zu beschmutzen(das machen die fürstlich bezahlten Unterbanditen), hat jetzt einen Vorschlag von einem großen Zeitungslonzern bekommen: er soll für einige Blätter nüt Millionenouflage seine Memoiren schreiben. Honorar— zwei Millionen Dollar! Die Zeitungen, für die man Eapone gewinnen wollte, sind äußerst sittenstrenge, fromme puritanische Blätter. Am Sonntag stehen in ihnen a» Stelle politischer Leitartikel fromme Worte eines bekannten Predigers. Unbarmherzig wird in den Blättern jeder angeprangert, der einen kleinen Schritt von dem geraden Weg der Babbitkirche gewagt hat. Wehe dem, der betrunken gefunden wurde! Diese Zeitungen zermahlen seine Existenz. Aber Abdruck der Memoiren des Königs der Schmuggler? Mit Wonne! Geschäft ist Geschäft. Auch das immer moralische Hollywood will Capones Sp!:l im Film mit Millionen aufwiegen. Die Arbeitslosigkeit steigt in Amerika. Für die Mil- lionen hungernder Menschen sind Sammlungen unter dem amerikanischen Bürgertum veranstaltet worden. Sie haben keine großen Summen gebracht, denn, so schreibt die bürgerliche Presse, die Geld- leute haben— kein Geld! Uebrigens hat Mr. Eapone dos Angebot abgelehnt. Sein Geschäst scheint trotz der schlechten Zeiten rentabel zu sein. X. G. Stullenverbäufev und. Steuerbuch „Fünfzig Mark Belohnung dem. der nachweist, daß ich nicht reine Naturbutter oerwende!— Achtung! Stullen mit guter Butter und verschiedenen Belägen: deo Sorten Wurst, Käse usw. nur 10 P s." Ein junger Bursche in weißer Schürze, mit einem Wäschekorb befrachtet, hat diese beiden Schilder umgehängt, hier und da ver- kaust er eine Stulle. Bis ein biederer Mann auf ihn zugeht und seine B l e ch m a r l e zückt:„Ausweis bitte!" Der Slullenverkäufer hat kein Steuerbuch Der Kriminalbeamte verbietet den Handel. Ich habe nur schon seit langem vorgenommen zu beschreiben. wie es ist, wenn einen hungert Ich habe oft genug gehungert und bin zuständig, die Gesühle der Hungrigen auszuzeichnen: dieses wie Ausgedörrtsetn, der dumpfe Schmerz, der sich in Hüften und Knie einsrlßt, das Bohren im Kopf, diese nxihnsinnige Lust, irgend- welchen Leuten, die einem gar nichts getan haben, ins Gesicht zu ichlagen, diese brennende, wühlende Wut aus jeden und alles... Diese Gefühle überwucherten dann das kühle Denken bei mir, so daß es unmöglich war, sachlich zu registrieren. Wenn man Geld hat und hungert, dann zeigen sich diese Symptome nicht. Es ist auch umnüglich, daß jemand, der nie merklich gehungert hat, nachzufühlen imstande ist. wie dem zu Mute ist, der hungert. Der Satte entsetzt sich, wenn er liest, daß D ebstähle begangen worden sind und daß Obdachlose einen Raubübersall ausgeführt hohen: i ch kann verstehen, daß jemand ans Hunger mordet Aber ich kann nicht verstehen, daß man dem Stullenverkäufer, einem(wie ich erfragte) Wohlfahrt.» empfänger, untersagt, sich auf halbwegs anständige Weise«inen einigermaßen auskömmlichen Verdienst zu beschaffen. Ich habe die Steuerbücher von Rasierklingevhändlern gesehen, die einen Umsatz von 4M Mark Im halben Jahr« gehabt hatten. Was sollen da Steuerbücher und andere behördliche Ouernägeleien, seihst auf die Gefahr hin. daß der Straßenliandel überhand nähme und den Ver» kehr störte� Wir sind Menschen, die hungern und nicht stehlen. Rück- sichten schuldig! epr. Arbeiter und tMerulur Es ist eine kleine, dichtbevölkerte Straße, in der ich wohne und xivß gewurden bin. Die grauen Häuserfronten haben ihr bestimmtes Gesicht, jeder hat seinen Platz, und Veränderungen werden sofort be- merkt. Ein Eckgeschäst, zu dem Srusen hereinführen, war lange Jahre ein Schneiderladen. Der Inhaher oerzog, es war Sommer, und es wurde von einem Unternehiimngslustigen eine Eisdiele daraus geniacht. Doch die Kinder mit ihren 5 oder 10 Pfennigen konnten das Kapital nicht verzinsen und nach zwei Monaten prangte ein Schilt»: Leihbibliothek". Der Mann hatte sich umgestellt. Eine klein« Schaufenstersckeih« zeigte die Umschläge der angepriesenen Bücher Von Courte-Mahler über Frank Allan zum mondänen Weib. Einige Frauen und halbwüchsige Burschen waren die Kunden Doch die so geringe Einschätzung des Publikums rächte sich. Nach 10 Wochen nahm der Inhaber sein Firmenschild ab: er war pleite' Zwei Tage später hantierte ein Maler in dem Laden, pinselte freundliche Farben über graue Wände und das Wort„Leih- b i b l i o t h e k". Saubere Regale wurden aufgestellt. Kisten kamen, imd tags darauf war m dem Geschäft ein buntschillerndes Reih-und- Glied-Stehen von Büchern, die sich selbst anpriesen. Da standen alle die Arbeuen von Schriftstellern, die wert waren, gelesen zu werden, die etwas mitzuteilen hatten. Mancher Arbeiter und seine Frau empfing hier, durch fachkundige Bedienung gefördert, die erste Offenbarung des Wortes, das zum Nachdenken zwingt. Gewiß, es ist schwer, denn nicht jeder hat die 10 bis 40 Pfennig Leihgebühr, Erwerbslose müssen haushalten, doch auch hier gibt es Wege, tatsächlich nur Wege, die Freude bereiten, Die kurzen Strecken zu den Partei- oder Gewerkschajtsbibiio- theken müßte ein jeder kennen. Eine Fülle van Matertal. das darauf wartet, verstanden zu werden, harrt deiner! Doch auch denen, für die diese Strecken zu weit sind, ein kurzer Weg. Die Bezirksbüchereien der Stadt Berlin! Sie werden sicher alle gleichmäßig beschickt Bon emer werde ick erzählen. Es ist die am Wedding in der Raveneftraße. 3000 Leser tauschen in einem Zeitraum vmi 14 Sagen die ausgeliehenen Bücher mn und wählen aufs neue unter dem Bestand von 11000 Romanen, Resse», Ge« schichts- und Studienbüchern. Zwei Drittel der Leser sind Arbeiter, der Rest: Angestellte, rentenbeziehend« Frauen und Männer. Die Einschreibegebühr ist gering, für Erwerbslose und Rentner sret Ich will einiges aufzählen von dem. was ich in den letzten Monaten bekam: Marx: Briefe an Kugelmann: Bob: Bernarb Shaw: Kurt Eisner: Welt werde froh: Sinclair Lewis: Babbit; !)r. weck. Mehring: Marx' Geschichte; Upton Sinclair:: Die goldene Kette. H, G. Wells: Kautsky: Marx' Lehre: Adler: Engels ms Denker: Knut Hamsun: Emil Ludwig: Thomas Mann: Löns: Bonsels: Arno holz: Klabund: Max Barchel. Wunderbare Reisen und die anderen unzähligen wertvolle» Romanautoren der'Neuzeit Immer größer wird der Leserkreis, und daran kann man erkennen, wie notwendig es ist, derartige Bildungsmöglichkeiten aus- zubauen und zu fördern. Die Not ist zu groß, und gerade darum muß der Geist wachgehalten werden, damit er nickt ganz einschläft Wissen ist Macht! Literatur schärst den Geist! Wir stehen im Kampf und müssen gewappnet sein. GedKei. £ Buch Äe» Wger Jean M a rt e t, Elemenceaus Sekretär. Autor des Buches „Elemenceau spricht.. teilt weitere Gespräche, die er mit dem „Vater des Sieges" gepflogen hat, in einem neuen Buche mit, das den Titel führt„Der Tiger" und bei Ernst Rowohlt erschienen ist Diese Gespräche stammen aus der letzten Lebensperiode Elemenceaus, aus jenen Monaten, in denen der schon dem Tode Verfallene, der Achlundachtzigjährige, noch einmal zur Feder griff, um durch ein Buch, das er„Grancksurs et misdres d'une victoire" nannte,„Glanz und Elend eines Sieges", in die große französische Politik cinzu- greifen: als Ankläger und Beschwörer. Elemenceau kennt am Spätabend seines Lebens nur eine einzige Melodie: Der Versailler Verlrag, das Meisterwert meines Lebens, wird von Unfähigen heute sabotiert! Unfaßbar für ihn, daß man auf die Auslieferung der deutschen Kriegsschuldigen verzichtet hat, daß tie Kontrollkommissionen 1923 abgeschafft worden sind, un° saßbar Locarno und Thoiry. Bnand, Poincarö: das ist für ihn eine „Bande", er sieht in ihnen Zerstückelcr und Erniedriger Frankreichs, er oermeidet es am zehnten Jahrestage des Waffenstillstandes, ihnen zu begegnen, die Dcputiertenkammer wünscht er von der Seine weg- geschwemmt Trotzdem ist Elemenceau auch in seinem letzten Lebensjahr keineswegs einfach eine französische Ausgabe dessen, was inon in Deutschland einen sturen Bock nennt Es ist seltsam und für deutsche Begriffe unheimlich, wie dieser merkwürdige Mann, der in der Frage des europäischen Zusammenlebens mit allem sanatischen Starrsinn und aller verknöcherten Engherzigkeit eines beschräntlen Greises immer nur zu kneifen weiß: Sicherheit gegen die Bochesl. in anderen Fragen wundervollen Zynismus, weltweite Weisheit und über- legenste Skepsis funkeln läßt. Rein, Kalk hat dieser Kämpfer für Dreysus, dieser erklärte Acheist, dieser Freund der Künste, bis zuletzt nicht angesetzt Sicher sagt man sogar zu viel, wenn man ihn einen Militari sie» nennt. Er haßt den Krieg als solchen und sieht im„Frontgelst" nur einen Rotbehels. Während des Krieges sehnt er dessen Ende herbei: Nicht nur des Sieges, auch des Endes wegen.„Ich würde mich entehrt fühlen, wenn ich zugegeben hätte, daß der Krieg einen Tag länger gedauert hätte, als es notwendig war." Einmal unterhalten sich Elemenceau und Martet über die Geschichte der Menschen schlechthin. Elemenceau kommt auf die Giftgase zu sprechen:„Die Schweinereien, die es jetzt gibt... Von diesem mörderischen Zeug genügt eine Fingerspitze voll, um ganze Städte zu vernichten. Wissen und Geist haben sich nicht parallel entwickelt. DI« Menschen sind wie Affen, die Jupiter den Blitz geraubt haben." Der Apostel der ortho- doxen Auslegung des Versailler Vertrags als Freund der Mensch- lichkeit! Und man kann nicht einmal sagen, daß hier ein Wider- spruch vorläge: sondern nur ein Fleischgewovdensein jenes höllischen Wertes, das anempfiehtt, zum Kriege zu rüsten, wenn man den Frieden will. tl-ms Lauer. Unfer JiUma Den Freunden der Wetterkunde wird in der bekannten Tamm- lung„Wissenschaft und Bildung"(Quelle und Meyer, Leipzig) ein kleines, aber inhaltsreiches Buch dargeboten: Karl K n o ch „Klima und Klimaschwankungcn".(Nr. 269, 120 S.. mit mehreren Karten und Diagrammen, Ganzl. IchO M.) Es ist dem Verfasser, Professor am Meteorologischen Institut in Berlin, ge- lungen, in großen Zügen den umfangreichen Stoff der allgemeinen und speziellen Klimakunde zu«nlwickeln. In den folgenden Ab- schnitten über die Klimaschwankungen lernen wir die Theorien über die periodsschen Klimaänderungen kennen und ihr« Bedeutung für die Wirtschaft und das Wohlbesinden der Menschen. Wird unser Klima ungünstiger? Gehen»ir langsam einer neuen Eiszeit und damit einer Katastrophe entgegen? Wie kommt die Wettervorher- sage zustande und welchen Einfluß hat das Wetter auf die Gesund- hell des Menschen? Diese Fragen und ander« werden in der Arbelt Knoche behandelt, die einen guten Ucberblick über den Stand dieser Wissenschaft eine Fülle wertvollen Materials in anschaulicher Dar- stellung bringt und eine sichere Grundlage zum Weiterstudium in der aufgeführten Fachliteratur ist. W. Tietgens. Hechts fragen des Tages Fruu und Ebebrucb Unser Eheschcidungsrecht ist bekanntlich eine seltsam« Mischung aus alten, ällercn und ganz veralteten Paragraphen: Daher kommt es neben der Peinlichkeit und Widerwärtigkeit des Verfahrens bei Ehebruchsprozessen oft zu geradezu grotesken Fessstellungen, mit denen der gesunde Menschenverstand nichts anzufangen weiß. Im vorliegenden Fall strengte ein Ehemann Beleidigungsklage gegen den Liebhaber seiner Frau an. Er wrnt« abgewiesen: denn Ehebruch mit einer oerheirateten Frau wird nur dann bestralt, wenn der betroffene Ehemann nach erfolgter Scheidung Strafantrag gegen den Ehebrecher und seine frühere Gattin stellt. Diese Fassung soll nachträgliche Racheakte eines vielleicht längst wieder oersöhnten Ehepaares gegen den jetzt unbequem gewordenen Dritten verhüten. In dem neuen Entwurf zur Strafgefetzresorm ist dagegen ein« Erhöhung des Strafmaßes für Ehebrecher vor- gesehen(bis zu einem Jahr Gefängnis). Bei Ehebruch des Mannes gilt übrigens das gleich«: denn unser Eherecht, darin fortschrittlicher als zum Beispiel das französische oder englisch«, stellt Mann und Frau hier rechtlich gleich. Die Beleidigungsklage wurde also abgewiesen, da sie, wie es in der Urteilsbegründung hieß, bei Eidbruch nur statthaft sei, wenn besonder««hrenkrönkende Umstände vorlägen oder— und hier kommt das Seltsame!— wenn die Frau am Ehebruch nicht schuldig sei. so daß der Mann keinen Scheidungsgrund habe. In diesem Falle gelle auch die Ehefrau als beleidigt und könne sich der Klage anschließen. Sie tat das hier auch sofort im Berusungs« verfahren, wo beide Eheleute wieder mit der gleichen Begründung wie in erster Instanz abgewiesen wurden. Wieder wurde indessen grundsätzlich die Möglichkell eines„unschuldigen" Ehebruchs zugegeben. Schade nur, daß das Gericht nicht näher erläutert«, was es sich darunter vorstellt«. Or. Camills Stismcr. 6t HätsehEcke des„Abend «iuiiniuiiiiiniiiiMiiiiiiiiiauiittiui:]i!!i-iiiniiinis!nKiininmiiniiimtinmttiiiiinNuimuiiuiiiiiiiuiiiiintinti»ramiumnimitiniii!iiiiiimiitiiiitiiiiiinuiiiii]iimnuiiiinmiiunr Maoisches Kreuzworträtsel Die erste Ziffer be- deutet waagerecht, die Ziffer in Klommern senkrecht: t.(1.) Men- schenrasse:4(4) Blume; 7(11) Siraußart: b (?) männlicher Vor- name: 9.(2) Belcuch- tungsgegenstand'.IO l3) Naturerscheinung: 12. (6> Flachland: 14(14) Zweikamps: 17(17.) deutsche Stadt; 20(15.) weidlicher Vorname 21. (18.) Gartenhäuschen: 22.(13) Fluß in Aegypten: 23 o n hat eine Anzahl Boote ausgestellt, mit allem Inventar ausgerüstet, darunter den großen Vierer»Friedrich Eberl", der besonder» dem Mannschaftssport dient. Mannschasts spart, Breiten- arbeit, Kollektivarbeit an Stelle des Indioidualsportes: das ist überhaupt das Leitmotiv der ganzen Ausstellung. Ueberall sieht man an Geräten, graphischen Darstellungen, Bildern, Modellen, wie in den Arbeitersportvereinen alles auf die Zusammen- arbeit der Mitglieder abgestellt ist. Ob es beim Rriderverein..Bor- w S r t s", bei den Freien F a l t b o o t f a h r e r n, bei der Sozialistischen Arbeiterjugend, bei den Natur- freunden, bei den Mitgliedern der Freien Schwimmer Groß-Berlin, Abteilung Friedrichshain, ist, überall steht die bewußt geleistete sozialistische Kulturarbeit im Vordergrund. Die„Land"sportvereine sind nicht minder rührig gewesen. Eine gute Schau bietet der Arbeiter-Rad- und-Kraftfahrerbund„Soli- darität", der neben Organisatorischem die Erzeugnisse der eigenen Fahrradfabrik„Frisch Auf" in Gestalt von Rädern und Motorrädern ausstellt. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin hat durch ihre Abteilungen Osten und Stralau das zu zeigen, was in ihr Betätigungsgebiet fällt: Sportgeräte, Photos aus dem Vereins- und Uebungsleben, Feste, Sportveronstollungen. Der neue Verein »Prolet" ist ebenfalls in einer Koje vertreten, ferner die S ch o ch> spieler, Tennis Rot, der Arbeiter-Turnverlag, die E s p« r a n t i st e n der R a d i o b u n d, der mit einer Laut- sprecheranlage Unterhaltungsmusik bietet. Aus sein ZOsähriges Be- stehen weist der Freie Seglerverband In einer besonders entsprechend auegestatteten Koje hin. Im Vorräume zeigt der „Sturmvogel" ein ausgewachsenes Segelflugzeug, im Sslbstbau hergestellt, und das Reichsbanner wirbt um die Republikaner. Schließlich hat noch der Vorband deutscher Jugendherbergen ein instruktives Modell seiner Herberge Brunoldhaus am Werbellinfee herbeigeschafft. Vertretertag Zer Verkehrs wacht In Anwesenheit der Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, des preußischen Wohlfohrtsministcriums und des Ministeriums für Handel und Gewerbe sowie des Staatskommissars für dos Rettungs- wesen, des Statistischen Roichsamt», der Industvie- und.Handels- kammer, des Vereins deutscher Ingenieure und anderer Verbände hielt die Deutsche Verkehrswacht einen Vctretertag ab. Nach der Begrüßungeonsprache ergriff Professor Dr. Wolfs» Halle dos Wort zu dem Thema:„Die Notwendigkeit einer Reichs- v e r k c h r s u n f a l l st a t i ft i k. Die materielle Natwendigkeit dieser Statistik werde belegt durch die Tatsache, daß aus'91 Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern im Deutschen Reich im Jahre 1928 rund 198 400 Fahrzeuge an Straßenunsällen bcteiügt waren und daß weiterhin auf je 100 000 Einwohner 273 verletzte und rund 10 getötete Personen trafen. Dr. G i« rli chs- Köln sprach über„Masseuproblem und Verkehrs- sicherheit". Heber„Auwmvbiibeleuchtung und Verkehrssicherheit" äußerte sich anschließend Dr. Born- Berlin. Er behandelt« zu- nächst die wichtigsten Problome der AutomobUbeleuchtung und gab Richtlinien für die Erhöhung der Verkehrssicherheit für Automobi- listen und Nichtautomobilisten. Eine wichtige Ergänzung der Be- leuchtung der Kraftfahrzeuge sei die gute Beleuchtung der Verkehrsweg«, der Verkehrszeichen, der Bahnübergänge. Als' letzte Redner Redner äußerte sich Lehrer Heise- Duisburg zu dem Thema „Durch Verkehrserziehung zur Verkehrssicherheit". Di« Tatsache, daß jährlich über 50 000 Menschen im Straßenverkehr verunglücken, verlange«ine Verkehrserziehung, und zwar durch Mitarbeit oller Staatsbürger. Mit einem Film„Gesahren des Verkehrs" der Ver- kehrswacht Duisburg wurde der öffentliche Teil der Vertretertagung geschiossen. Arbeiter Foiogilde.' Mtt neuen, zielbewußten Programmaus- gaben geht die Berliner Arbeiter-Fotogilde, die am 27. Februar ihre ordentliche Mitgliederversammlung abhielt, an ihre Arbeit. Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat findet ein theoretischer Vor- trags- und Ausspracheabend im Jugendheim, Lindenstr. 4, statt neben den praktischen Arbcitsabeirden in den Fotoräumen der Gilde im Jugendheim Wassertorstr. 9. Vortragsabende: Die Kleinkamera (13. März), Fotopapiere(27. März), Fotoobjektive(10. April). orthochromatische— panchromatische Platten(24. April), Aufziehen von Fotos(8 Mai), Tonen und Färben(22. Mai). Fotofahrt nach Bernau(8. März, Treffpunkt dort am Dahnhof 9 Uhr). Besondere Sportaufnahmen: Sprung und Tanz(12. April vorm.). Alles Nähere durch Mar Müller, Neukölln, Steinmetzstr. 53; Telephon: Reukölln 9158."_ Dl« Stele lueoerschalj Wilmet-Äors sucht mir Stärluna der ffuftdoDadteiluim Partei- und ßnnerf[cl)aftsmitqr«.i>cc und Reichsdanucrlameradrn. SiHunn der Männrrabtelluna Sreitags. 20 Uhr, bei Wolter, Westfälische Elke Echmeiünihcr Etrah« in Kalensce: der guarrdabteiluna MiUivochs, 20 Uhr, im Iuacndhcim Wilhelmsaue. Rur Eriinduna einer EchiUerabteiluna werden die Eltern«edete». ihre Knaben am Mittwoch Ins Jugendheim»u schicken. STS«. üecilsmtlnltntt Seilte, Mittwoch, 30 V. Uhr. Nack'daden hn Stadl« bad Eutchtstrahe. fttüiaa, 6. Mä«. 30 Uhr. Werhencraustalluna ist der Kartella uegcllnn«, Pndreas-Scltsäle. Sonntag, h, März, Arbcltsdienst auf dem vclästde. «SE. Seul«. MUwach, Monotsnerlammluna bei Lehnigk, Mühlenstrahe. Ponncretag. S. März, Training Männer und Jugend 18 Uhr im Sportpalast. Rteitog,«. Mär», Sallentraining Männer»nd Inacnd, Turnhalle Neue Krug. allee 10. ltrei« galtbaotsahrer Berlin,«.«. Tonneratag.!>. März, 20 Uhr. Ru« lamme Stkunft..tdackefcher Löf", Nolentbaler Str. 11. Montag, 9. März, Selbst, bauerverlammluna...Rur Linde", Uferstr. IS. IZreier Körperkulturttei» grenzbeeg. Srute, Mittwoch. 19 Uhr. Nacktbaden. Ltodtbad Krcuzbcrg, Taerwaldstraße. Donnerstag, S. März, IS?» Uhr. aisfter- ordentliche Lauv oersammlung, Schule Diefsrnbaä ssr. 01. Volkssport Renkölln-Brih. Tonnerotag. 5. März. Generalprobe im Sportpalast. Stiftet Teilnehmer Abfahrt U-Vah» Grenzallee Ig>/, Uhr, Nesilöllnor Teilnehmer U-Bahn Nathans 19V» Uhr. März-Mitteilungsdlatt, Ausgabe in allen Abteilungen, auch bei allen Kindern. »SoltdaritS!"-Krastsahr,t. Beranstaltungen Sonntag. 8, März. Abt. Norden: Riel am Start 18 UKr Secstr. 63. Abt. griedrichshoin: Lirschgarten lBaldbcrg). 18 UKr Landsberger Vlcft.— Berfammlungen finden statt: Abt. Norden: Rreimg, 6. Marz. 20 Uhr, Eceltr. 62, Abi. Eharlottenburg: grei'ag. 6. März, 20 Uhr, Wilmersdorfer Ctr. 21. Abt. grledrichshatn: Tonnerstag. 5. März. 20 Uhr, Rortuna-Säle, Strausberger Str. Z.— Alle KralUahrer cr- scheinen Sonnabend, 7. März, zum Gausaalrcst, Neue Welt. Sos-nhcidc. Rtele Wasterfahree.Aufwärts", e. V. Tonnerstaa, 5. März, 18 Vi Uhr. bei Reustner. See. Ecke Maivlaguetstrastc, Slftung des Borstande, und der Bau- und Rtnaiutommtlilon. Um 30 Uhr Monatsverlaminluna ebenda. Auster der Tagesordnung Portrag des Genossen Goostkreuz Uber„Wasscrpolizeiljcht Bor- schritten". Gäste und Sumpathisterende herzlich eingeladen. Recie B ho lv Vereinigung Berlin. Tonnereta«. 5. März. 20 Uhr, Weltliche Schule, Bank- Ecke Wiesenstrastc, Bbysilzimmer, Bholovortrag. Arbeitee-Photo-Gtlde Berlin. Tonncrs'ag- 6. März. 20 Uhr. Wolfrrtor. st roste 9, Dunkcliasnmerabcnd. Sonntag. S. März. B hat» fahrt nach Bernau. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Bernau. Nuderverein SoUegia. RVeilog, 6. März, bei Ihunak, Vortrag über Rrci- denkerfragcn im Arbeilerlport. Baukalsengeneralverlamnilung Rreiiag- 18. März. Kastcnrudcrn für Anfänger bei Borwärls 19 Uhr, für Mannschatten 20 Uhr, in Tiergarten jeden Sonnabend, Neuaufnahmen grcitags 20 Uhr bei Thunai. Ehariot'eiiburg, Wielandltr. 4. Kortcllbezitk Weistenfee. Tonnersiaa, Z. März, A Uhr, Sitzung bei Peter». Mittwoch, 4. Mörz. Berlin. 16.05 Akiueilc Adlelluiist. 16.30 Lelpzics Sereneden und Humoresken. 17.30 Doktor Ueberau ertfthlt 17.50 Max Rescer; I. Uebeshymnus. 2. Vier Lieder(Johanna Cgli. Alt: FlOgel: Julius Bürger). 18.15 Meilfron: Rechtsfragen des Tages. 18.45 Arnold SehAnberg(Diskussion).(Sprecher: Prof. Arnold Schönberg, Dr. Heinrich Strobel, Dr Eberhard Preußner.) 19.10 Bunte Stunde. 20,40 Johann Sebastian Bach: Sonate E-Dnr(Georg Kniestädt, Violine, und Walter Kaenipier, Flügel). ?1.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10„Das Kabinett des Edgar Allan Poe"«Juerschni» durch Poes Werke). ManuskrlptzusammenxtelJung: Ernst Brlngolf und Hans Oeorg Brenner. Musik: Walter Oronostay. T,fg-: Edlsf Xöppen 22.10 Wetter., Tages- und Soortnachi lohten. Ansehließend Tfnxrousik. 0 30 Berlln-Wltalebtn; N'achttnasik- KSnlgswusterbattsea. 16.00 Dr. Karl Wünburger: Volks-, Kultur- und Berufalcutule. 16.30 Hamburg: Konrert 17.30 Dr. Panofl: Das Volksllad im osteuropäischen Raum. 16 00 Prof Dr. Amsel: Lehrgang für Clnheltskurzacbrilt. 18.30 Dr. Karl David Marcus: Skandinavien In der Weltliteratur. 19.00 Zollkommissar Harjbeeher: Der Zollbeamte. 19.20 Pnd. Dr. M. H. Bonn und Partner: Vorherrschaft des Staates»der der Wirtschaft? 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Hamburg;„Die Nummer llurt." 22.15 Wetter. Nacbrlehten. Sport. Kein Tarifvertrag für Lehrlinge Reichsarbeiisgen'cht schützt die Ltniernehmer gegen Gewerkschaften Die Berliner Schlosse rzwangsinnung und andere Arbeitgeberocrbönde haben mit dem Deutschen Metallarbeiter- verband am 21. August 1923 einen bis 31. März 1331 lausenden Manteltarisuertrag und einen bis 30. September 1930 lausenden Itohntarifvcrtrag abgeschlossen. Der Geltungsbereich des Mantel- iarisvertrags erstreckt sich nach seincin 8 1 aus die gewerblichen Ar- bester in den dem vertragschliehenden Arbeitgeberverband angc- jchllossenen Betrieben, ausschließlich der Lehrlinge. Am 10. Dezember 1929 beantragte der Deutsche Metallarbeiter- verband bei dein Schlichhingsausschuß Berlin die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens zum Zwecke des Abschlusses eines Tarifver- trags, durch den die Arbeitszeit und der Urlaubsanspruch der Lehrlinge im Melallgewerbe geregelt werden sollte. Die Unternehmer erklärten, daß das Borgehen des Metall- arbeiteroerbandes sich als ein Eingriff in ein bestehen- des Vertragsverhältnis darstelle, weil sich ans§ 1 des Mainteltarifoertrags die vertragliche Derpslichtung der Tarif Parteien ergebe, daß bis zun, 31. März 1931 Denkschrift über die Lohnfrage. Herrn Etegerwalv zum Studium dringend empfohlen. Anläßlich der Beratungen des Arbeitslosenaus- schuf ses und des Dcrwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamts über die Frage der Arbeitslosigkeit konnten an- gesichts der Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeirgebern und Arbeitnehmern Vorschläge über die Lohnfrag« im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit nicht angenommen werden. Den Berawngen lag über di« Lohnsrage eine Denkschrift von Professor<3. B. ch. C ol e von der Universität Oxford zugrunde, di« zu sehr bemerkenswerten Ergebnissen lommt. Professor Cole bekämpft di« Auffassung, wonach die g«g«n- ivänigs ftrif« auf zu hohe Löhn« zurückzuführen sei und erinnert daran, daß gegenwärtig genügend war«, aber keine ausreichende Kaufkraft vorhanden ist. Angesichts des Reichtums an Gütern bedürfe die Welt offensichtlich einer Steigerung der Einkommen und nicht einer Senkung. Der Wunsch, die Löhne herabzusetzen, entspreche einem schlecht die'Angelegenheit der Lehrlinge au» der tartflichen Regelung herauszunehmen sind. Die Untcrnehnicrverbänöe klagten daher auf Feststel- l u n g, daß die Parteien verpflichtet seien, sür die Dauer des bis zum 31. März 1931 laufenden Tarifvertrags über die Verhältnisse der gewerblichen Lehftinge keine tarijoertra glichen Be- stimmungen zu treffen. Das Arbeitsgericht wies die Kläger ab. Di« klagenden Unternehmerverbünde legten Berufung ein und das Landes- arbeitsgerrcht in Berlin entschied zu ihren Gunsten. Gegen dieses Urteil legte der Deutsche Metallarbeitoroerbond Revision ein beim Reichsarbeitsgcricht. Dieses wies jedoch die Revision zurück und kam den Unternehmern wieder einmal zu Hilfe. Der Metollarbeiterverband habe sich verpflichtet, für die Daner des laufenden Tarifvertrags über die gewerblichen Lehrling« keine tarifoertraglichen Bestimmungen zu tr eifert und dieser Pflicht hafte der Beklagte nochkommen müssen.(RAG. 360/30.) verstandenen wirtschaftlichen Ralionalismu». der glaube, durch Her- Absetzung der Produktionskosten auf Kosten seiner Weftbeioerber leben zu können. Da aber die anderen in der Lag« seien, dasgleicheSpielzu spielen, würde die Krise dadurch verschärft. Es dürfe auch nicht vergessen werden, daß die Senkung der Lohnsätze einen mierwünfchten Einfluß auf den inneren Markt ausübe, während ihre Wirkung auf den Exportmarkt sehr problematisch sei»»cd vom Verhalten der Konkurrenten abhänge. In keinem Wirtschaftssystem würde es sich empfehlen, in erster, sondern erst in allrrletzler Linie die Produktionskosten durch Lohn- abbau zu senken. Ol'e Enitassungen im Ziuhrbergbau. Die Friedr. Krupp A.-G. Hot beim Erillegungskommissar Betriebseinschränkungen auf den Zechen Hannover und Hon- nibal in Bochum angezeigt. Zur Entlassung kommen 2 30 Arbeiter und sechs Angestellte. Die Gewerkschaft Konftanrin der Große will den Betrieb auf den Zechen Konstantin der Große I/II und X/XI ein- schränken. Hier kommen 2 2 0 Arbeiter zur Entlassung. Zlseder Hütte und peiuer Walzwerk. Ttowr Tarifverirag mit 8 pro;. Lohnkürzung. r Haanover. 4. März. Di« in dem Vorvertrag vom 24. Februar vorgesehenen Ber- Handlungen zur endgültigen Neuregelung der Lohn- und Arbeits- bedingungen für die Ilseder Hütte und das Peiner Walzwerk sind zum Abschluß gelangt. Der neue Tarifvertrog ist auf der Grund- lag« des Schiedsspruches vom 12. November 1930 mit Wirkung vom 1. November v. I. und einer Lohnkürzung um 8 Proz. zustande gekommen._ Einigung aus 5% Prozent. Ja den Sladbach-?iheydter Kleiderfobnken. Die van dem Arbcitgeberverband der Kleiderfabrikcn von Gladbach-Rheydt und Umgebung gekündigten Lohntorifc sind noch Verhandlungen mit dem Vorfiizenden des Schlichtungsausschuffes erneuert worden. In freier Vereinbarung einigten sich der Arbeitgeber- verband und die Gewerkschaften auf«inen Lohnabbau von Proz. Die neuen Lohnsätze gelten ab 1. März und sind bis 31. August d. 2. unkündbar. Mißglückter Aazi-Einbruchsversuch. DetriebSratswahl bei der?iei'chskrafisprit-G. m. b. H. Nachdem di« Vorbereitungen zur Neuwahl des Betriebsrates durch Aufstellung einer freigewcrkschasllichcn List« in diesem seil Zs4 Iahren bestehenden Betriebe getrosten waren, meldeten sich die Nazis. Sie produzierten anonym Sudeleien gegen den bisherigen Vorsitzenden des Betriebsrates und gegen den Gewerkfchaftsver- treter Buchert, die als käufliche Subjekte verdächtigt und als Verräter beschimpft wurden. Zweck der Hebung war, gegen die Gc- werkschaftsliste zu hetzen, der eigene, neue Listen gegenübergestellt werden sollten. In der Vollverlammlung der Belegschaft wurden diese hinterhältigen Meihoden der Nazis gehörig gebrandmarkt, mit dem Er- folg, daß sie keine eigene Liste zusammenbrachten und die srei- gewerkschaftliche Liste in diesem Betriebe mit 70 Prozent gewerk- schafllich organisierter Arbeiter als gewählt gilt. Wetter für Verlin: Zunehmende Bewölkung ohne wesentliche Niederschläge, Temperaturen wenig oerändert.— Für Deutschland: Im Süden trübes Tauwetter bis Niederschläge, im Norden trocken und wenig Temperawroeränderung. ?7k s>cr b»eanntkn Tosiftätte»ZirZxmrant»um«Xtroabtin«*, Äl-ranSriivv. ftroge 373. geben noch noch«ne vor meine Verelns»lN>mer für Orcanisationr» und Verein«»ur««sallinen Verfügunq. Gerücht, es sei ein Vcrkebrzlosal der Rnzie, trifft nicht»n. 4- MMWss-Jbtsäger (&ezir& füden-Wefien Bruno Fleisdier BandagUt Berlin SO. 16, Köpenldier Sir. 9&£ (Nahe Brück en-, Neaaderstrobc) Werketatt für Kanitglteder, Leibbinden, Brudibänder, PlattfuHeinlagen, Krampfader« trfimpfe. Lieferant der KrankenkaMen Berlins u. Umgegend Im Damenfacfa: Frau Fleischer Groft- Destillation August Schulz„ Dresdener 5 trabe 135£ Koiibusscr Tor mnMrt Gegen Infektion In allen einschlägigen Geschäften erhältlich Cäi1Pi€l$die.Z�.cr Haus. u. Küchengeräte— Werkzeuge SW68, Lindenstraße 107;; Tel.: Dönhoff 3070 euttu&M HcMr BJLkJ. BM.-MiMiirg s Saptiie- Charlotte-strafle 15 An SAhntwl Wettend/ C 4. Wiih. 3225-26 Gebr. 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