Morgenausgabe Nr. 109 A 35 4S.Zahrgang Wöchentlich VVPf� monatlich 3.60 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. «in'chließlich 60 Pf. Postzeitun ys- und 72 Pf. Poftbestellgebühren. Auslands« abonnement 6.— M. uro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksache»« vorto b.— M. ch Der.vorwärts' erscheint wocheMäg. lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im j�ande. mit dem Titel.Der Abend* Illustrierte Beiloge.Volk und Zeit* Ferner.Frauenstimme'. „Technik"..Blick in die Bücherwelt". „Iugend-Vorwärts'u.»Etadtbeilage� Berliner Volksblatt Kreilag 6. März 1931 Groß-Äerlin 16 Vf. Auswärts 15 pf. Die einspalt. Nonvnreillneile 80 Pf. Reklamezeile 5,— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Ta>if. Stellengesuche das erste Wort 15 Pst. jede» welte're Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile SO Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeiaenannahme im Hauptgeschäft Lindenstrahe 3. w ochen» täglich von 8>/2 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! JentvawLgan der SoziatdemoSvaMchen tfavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Verlin SW 68. Ltndenstr. 3 Fernsprecher: Dönboil LSL— R7 Tclcgramm-Adr: Sosialdcmokrai Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkomo: Berlin 37 SSK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u.Dik-c.-Gcs.,Deposlt«nk.,Jerusalcmer Str. KZ KK. Das Friedenswerk von Neu-Delhi. Die Hauptbedmgungen des Vertrages. Bombay. 3. Mäoz.(Eisenbericht.l Die Friedensbedingungen zwischen der englisch-indischen Regierung und dem allindi- scheu Kongrey sind am Donnerstag offiziell bc> kanutgegebeu worden. Die Hauptpunkte sind: Der allindische Kongresi zieht seine Auffordernng zum Boykott der Geseye zurück. Gleichzeitig hebt die Regierung die A u s n a h m r g e s e b e gegen die allindischc Bevölkerung auf. Der Feldzng gegen Steuern und Pachtzinsen wird eingestellt, ebenso der Boykott gegen die englischen Waren. Erlaubt bleibt die politische Propaganda und der Boykott gegen englische Kleider und gegen den Alkohol. Auch das Boykottpostenstehcn wird gestattet, sofern es friedlich und ohne Belästigung des Publikums und der öffentlichen Lrdnung geschieht. Gandhi verzichtet auf die Verfolgung jener Polizeipersonen, die sich Uebergriffe gegen die allindische Bewegung zuschulden kommen licsie». Zurückgegeben werden die infolge«tcuerstreiks b e- schlaguahmten Ländereien und Güter, soweit ste noch in de» Händen der Regierung sind. Alle noch ans- stehenden Geldstrafe» werden erlassen. Der Be- völkerung. vor allein den Armen und Besitzlosen in den Salzgebieten wird die Salzerzeugung zum eigenen Bedarf gestattet. Das Salzmonopol der Regierung bleibt jedoch aufrechterhatten. Die im Laufe des Boykott- seldzuges verhafteten und verurteilten Personen werden freigelassen und alle noch schwebenden Per- fahre» eingestellt. Der allindischc Kongreß be- teiligt sich an den Beratungen und Ausarbeitungen des in London begonnenen indischen Bcrfassungswerkcs. Protest gegen Hakenkreuzrichter. Neuer Naumburger Skandal.- Flucht eines Gerichisvorsihenden an die Oeffentu'chkeit. Raumburg, 5. März(Eigenbericht.) Mit dem Giehler-Prozeß«klomm im Oktober des Bor- jahres die Naumburger chakenkreuzjustiz den Gipfel ihrer Leistungen. Der Nationalsozialist G i e ß l e r, ein Student der Theologie, lxitte in Freyburg an der Unstrut in einer sozioidcmokratl- schen Versammlung dadurch das Signal zu einer blutigen Saal- fchlacht gegeben, daß er einem P o l i z e i b e a m t e n, der den geistesschwachen Abg. Hinkler des Preußischen Landtags aus dem Saal bringen wollte, von hinten mit einem Bierglas ins Genick schlug. Den Beamten, der ihn daraufhin verhaftete. faßte er nach der Gurgel und versuchte ihm den Gummi- knüppel zu entreißen. Nach einer skandalösen Verhandlung sprach das Große Schöffengericht Giehle rfrei. Trotz der entgegenstehenden Zeugeneide könne man einem Theologen die Tai -nicht zutrauen und der Griff nach der Gurgel und dem Gummi- knüppel sei im Stolpern geschehen, um Halt zu suchen. Die Sache. die zuerst einen Entrüstungs-, dann eine» Heiterteitsstunn im Ge- folge hatte, kam bei der Beratung des Justizetats auch im Preußi- schen Landtag zur Sprache. Da die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, beschäftigte sich gestern die Große Strafkammer mit der Angelegenheit. Die stundenlange Beweisaufnahme ergab im wesentlichen das gleiche Bild wie in der ersten Verhandlung. Aus Grund dieses eindeutigen Ergebnisses beantragte der Staatsanwalt sechs Mo- nate Gefängnis. Das Plädoyer des Betteidigers bestand im wesenllichen in einem Hinweis aufdieFolgen, dieeinsolches Urteil für den Theologie studierenden Ange- klagten haben würde. Worauf der Stoatsanwall sehr be- troffen erwiderte, dafür möge er sich bei dem Anstifter des Ganzen, dem Hauptschuldigen Hinkler, bedanken, der sich jetzt hinter seiner Immunität oerstecke. Aber der Appell des Verteidigers an das Stande sbewuhtfein der Akademiker war doch, wie das Urteil beweist, eine richtige Berech- Nung. Gießler wurde nur wegen Widerstandes zu zweihundert Mark Geldstrafe verurteilt und im übrigen freigesprochen. Die Mehrheit des Gerichts, so erklärte der Vorsitzende an Stelle jeder juristischen Bemäntelung, sei von der Schuld des Angeklagien überzeugt. Eine Verurteilung könne jedoch nur erfolgen, wenn nicht nur drei, sondern vi« Richter der sünsköpsigen Strafkammer für schuldig stimmen. Zwei d« Herren seien aber dazu nicht zu be- wegen gewesen, so daß man wohl oder übel trotz der eindeutigen Leweisaufnahme, soweit gefährliche Körperverletzung in Frage kam. aus Freispruch aus Mangel an Beweisen«kennen mußte. * Dieser skandalöseste aller Naumburger Prozesse endet damit, daß drei von fünf Richtern es öffentlich ablehnen, die öffentliche V«- antwortung für die Sorte von Rechtsprechung zu übernehmen, die zwei ihrer Kollegen belieben. Das ist ein durchaus erfreulicher Reinigimgsprozeß von innen heraus! Der Wehretat. Die Sattung der soziaidemokrastfchen Neichotagsfraktion. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschäftigte sich am Donnerstag mit der Haltung der Sozialdemokratie zu den schwebenden politischen Fragen, insbesondere der Haltung zum Wehretat und zum Bau des Panzerschiffes R. Sie wird ihre endgültige Haltung von den allgemeinen poli- tischen Erwägungen und von den Entscheidungen über die sozialpolitischen und finanzpolitischen Anträge der Sozial- demokratie abhängig machen. Krach im Neichslandsbund. (Schiele oder Hitler? Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" zeigt große Besorg- nisse um das Schicksal des Reichslandbundes. Sie sieht seine Spaltung herannahen: „Der Bundesvorstand des Relchslandbunde« wird am 10. März in Berlin zu einer Tagung zusammentreten, die sehr bedeutsamen Charakter tragen wird. Bon radikaler Seite wird der Versuch gemacht, den Reichslandbund möglichst ganz andernfalls aber„um« Abstoßung der oerständigungssüchtigen Elemente" aus die tattisch« Linie der Abstinenz- Parteien zu bringen. Wenn sich die gekennzeichneten Bemühungen in ihrem vollen vmfang auswirken— es wird nicht nur auf den Sturz de» dritte« Landbundpräsidentsn Lind, sondern auch aus die Bildung eines besonderen agrarischen Aktionsausschusses in der BölksbegehrensfroM und auf die schärfste Kampfstellung gegen Reichsernährungsminister Schiele hingearbeitet— dann wird die Spaltung der großen landwirtschaftlichen Berufsorganisation kaum noch zu umgehen sein. Eine Anzahl von Landbünden, besonders aus Süd-, West- und Mitteldeutschland, haben bereits zu erkennen gegeben, daß sie sich gegen«ine derartige einseitige Berwendung des Reichslandbundes zu parteipolitischen Zwecken wehren werden. Auch die neue Erklärung des Grasen K a l ck r« u t h, die sich scharf gegen die Schieleschen Vcrständigungsbemllhungen ausspricht. ist auf Widerspruch gestoßen." Auf eine kurze Formel gebracht, steht der Reichslandbund vor der Frage, ob er sich nach Schiele oder nach Hitler hin orientieren will. Neuwahl in der Türkei. Für Parlament und Präsident. Angora, 5. März. Die Nationalversammlung hat die Auflösung des Parlaments beschlossen. Die Neuwahl wird unverzüglich erfolgen. Vor dem Beschluß über die Auflösung setzte die Nationalversammlung die Abgeordnetendiäten von SM auf 3S0 türkische Pfund herab. Auf Grund der Verfassung macht die Neuwahl zum Parlament auch ein« Neuwahl des Präsidenten der Republik notwendig. Gerüchte b«. haupten. Mustafa Kemal wolle diesem Amt entsagen. Beamte als Nepublikfeinde Mißbrauchte Freiheiten. Vau vr. IVildolni Hoegner, M. d. R. Die Weimarer Verfassung hat die politische Bewegungs« freihett der Beamten gegenüber dem früheren Obrigkeitsstaot beträchtlich erweitert. Während im Bismarckschen Reiche der Beamte sich vielfach sogar zum jeweiligen Regierungskurse auch in seiner politischen Gesinnung und Betätigung bekennen mußte, ist in Artikel 130 Abs. II der Weimarer Verfassung dem Beamten ausdrücklich die Freiheit der politischen Ge- sinnung und die Vereinigungsfreihcit gewährleistet. Diese F r ei h e i t e n sind aber, wie so manche Grund- rechte der Verfassung, von den Beteiligten zuweilen erheb- lich mißverstanden morden. Heute erleben wir es lag- täglich, daß sich Beamte lebhaft in Parteien betätigen, die ihre republikfeindlichen Ziele durch das gesetzwidrige Mittel der Gewalt erreichen wollen. Beamte wirken als Agitatoren. ja als militärische Befehlshaber in Parteien mit, deren Be- streben es ist, den Staat von heute zu„ruinieren, zu zerfetzen, zu vernichten". Reichsbehörden und einzelne Landesbehörden sehen diesem Treiben ihrer Beamten untätig zu. sie scheinen es in türkischer Gelassenheit als Schicksal zu betrachten, das; der Staat gerade von jenen zugrunde gerichtet wird, die seine besonderen Verteidiger sein sollen. Diese Untätigkeit der vor- gesetzten Behörden gegenüber Ausschreitungen namenllich nationalsozialistischer Beamten ist n i ch t i n der b e st e h e n- denRechtslagebegründet. Die Beamten haben den Eid auf die Verfassung geleistet. Sie haben kein Recht, diesen Eid für unverbindlich zu halten, wie es die Herren Kohr und Poehner seinerzeit in Bayern getan haben. Auch in der Re- publik sind die Beamten den Trägern der jeweils geltenden Staatsordnung zu Treue und Gehorsam verpflichtet. In dieser besonderen Verpflichtung des Beamten liegen die Grenzen seiner politischen Bewegungsfreiheit. Das ist unbestritten. Ueber das Maß der Bewegungsfreiheit gehen aber die Mei- nungen m:seinander. Allgemein wird angenommen, daß der Beamte das Recht hat, sich innerlich zu jeder beliebigen politischen Richtung zu bekennen. Gedanken sind zollfrei. Sobald aber diese Ge- sinnung in der Außenwelt in Erscheinung tritt, sei es durch Aeußerungen oder Betätigungen, beginnt die Verantwortlich- keit des Beamten, greifen seine besonderen Amtspflichten ein. Aeußerungen und Betätigungen einer Meinung sind nicht mehr grundsätzlich frei, sie können gegen Straf- oder Disziplinargesetze verstoßen. So verlangt§ 10 des Reichs- beamtengesetzes, daß der Beamte durch sein gesamtes Ver- halten in und außer dem Amte der Achtung, die sein Beruf erfordert, sich würdig zeigen muß. Darüber hinaus hat das Reichsgesetz vom 21. Juli 1922 den Reichsbeamten besondere Verpflichtungen gegenüber der Republik auferlegt.. Diese Be- stimmungen könnten in den Händen entschlossener Reichs- behörden eine wirtsame Handhabe zur Bekämpfung staats- feindlicher Umtriebe innerhalb der Reichsbeamtenschaft sein. Leider werden sie innerhalb gewisser Reichsbehörden an- scheinend übersehen oder allzu schwachmütig angewandt. Da» bei hätte es solcher Destimnmngen, die bei den Ländern fehlen, gar nicht bedurft, um der Republik den nötigen Schutz gegen pflichtvergessene Beamte zu sichern. Schrifttum und Recht- sprechung sind sich nämlich darüber einig, daß der Beamte die ihm allgemein obliegende Pflicht zum achtungs- und ver- trauenswürdigen Verhalten verletzt, wenn er den bestebenden Staat, seine Einrichtungen, Organe und dergleichen beschimpft oder verächtlich macht. Ein Verstoß gegen das Strafgesetz braucht dabei noch gar nicht vorzuliegen. Eine Meinungsverschiedenheit ist im Schrifttum letzthin nur darüber entstanden, ob schon die Mitgliedschaft eines Be- amten bei einer auf den gewaltsamen Sturz des bestehenden Staates abzielenden Partei eine Verletzung seiner Dienst- pflichten darstellt. Der angesehene Staatsrechtslehrer An- schütz sieht(„Zeitschrift für badische Verwaltung und Ver- waltungsrechtspflege", Heft 1, Jahrg. 1931) die Teilnahme eines Beamten an einer Partei oder Vereinigung da m als Verstoß gegen die Beamtenpflichten an, wenn die Zwecke der Partei oder Vereinigung den Strafgesetzen zuwiderlaufen. Das ist nach seiner Meinung beiderNationalsozia- listischen Partei der Fall. Andere Schriftsteller wollen eine Dienstpflichtoerletzung des Beamten erst an- nehmen, wenn durch strafgerichtliches Urteil festgestellt ist. daß die Tätigkeit einer solchen Partei als strafbare Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens anzuk-hen ist. P�esse- nachrichten zufolge scheint dies der 4. Strafsenat des Reichs- gerichts nunmehr auch bezüglich der Tätigkeit der National- sozialistischen Partei angenommen zu haben. In der Tat lassen sich viele Aussprüche mitioniüsozialiftischer Führer nicht mehr als Ankündigung einer nur„geistigen" Revolution ver- stehen. In der ersten Ausgabe der von Dr. Goebbels heraus- gegebenen Druckschrift„Der Nozi-Sozi" befand sich z. B. folgende Stelle: „Wie aber wollt Ihr den Staat erobern?... Die Mehrheit werdet Ihr... nicht gewinnen. Die wird immer gegen Eni? sein und auf ihrer Seite wird der Staat mit allen seinen Machtmitteln stehen. Was dann?... Dann marschieren wir gegen diesen Staat ... aus Revolutionären des Wortes werden dann Revolutionäre der Tat. Dann machen wir Revolution! Dann jagen wir das Par- lament zum Teufel usw... Ein Sammlung ähnlich lautender Gewaltandrohun- gen hat der Ministerialdirigent Dr. Häntzschel im „Reichsverwaltungsblatt und Preußischen Verwaltungsblatt" (Nr. 32 vom 9. August 1930) zusammengestellt. Die Republik kann nicht warten, bis solche Drohungen verwirklicht sind. Der Einwand, die Nationalsozialisten seien eine parlamen- tarische Partei, deshalb könne man die Zugshörigkeit zu ihr niemand verbieten, geht fehl. Häntzschel bringt in seinem lehrreichen Aufsatz den Begriff der pseudoparlamentarischen Parteien, zu denen er auch die Nationalsozialisten zählt. Hitler selbst nennt(„Mein Kamps", S. 366) die nationaisozia- listische Bewegung.antiparlamentarisch und meint,„die Be- teiligung der Nationalsozialisten an einer solchen Institution kann nur den Sinn einer Tätigkeit zu deren Zertrümmerung besitzen". Der frühere Nationalsozialist Dr. Otto Straßer hat noch während seiner Zugehörigkeit zur Hitlerpartei in Heft 1 der„Nationalsozialistischen Monatshefte" vom 1. Juli 1930 geschrieben: „Die Wahlbeteiligung war ein taktisches Mittel... zur Heraus- holung bestimmter Vorteile für die Partei(Redefreiheit, Immunität. Freifahrkartc)." Solange sich die Nationalsozialisten zur Anwendung ge- waltsamer Mittel bei Durchsetzung ihrer Ziele bekennen, müssen sie sich gefallen lassen, daß der heutige Staat sie beim Worte nimmt und sich zur Wehr setzt. Die Freiheit kann auch in der Demokratie nicht so weit gehen, daß der Staat sich selbst aufgibt. Die Duldsamkeit republikanischer Staatsstellen gegen- über der Wühlarbeit nationalsozialistischer Beamter hat s ch o n genug Verwirrung gestiftet und beginnt staatsgefähr- lich zu werden. Soll nicht die republikanische Bevölkerung irre werden, müssen die Behörden endlich ihre Pflicht tun. Das kann ohne verbitternde Kleinlichkeit und mit jener weifen Mäßigung geschehen, die ein Zeichen überlegener Stärke ist. Hakenkreuzinfamie gegen Wels. Keine Verleumdung ist ihnen zu schmutzig! Wie die Lausbuben. Oer Hakenkrevzskandal im Bayerischen Landtag. München, 8. März.(Eigenbericht.) Der Hakenkreuzschimpfbold S t r« i ch e r. der sich im Bayerischen ?andtag unflätig benahm, hat in einem Schreiben an den Landtags- Präsidenten Abbitte getan. Die Streicherschen Unflätigkeilen hatten noch sin Rachspiol. Heber diesen Skandal hatten sich auch auf der Tribüne einige Journa- listen erregt und ihrem Ekel so laut Auedruck gegeben, daß der in der Röhe sitzende Berichterstatter des..Völkischen Beobachters" die Wort« ..Die Nazis benehmen sich wie Lausbuben" zu hören bekam. Der Hakenkreuzredakteur hatte darauf nichts eiligere» zu tun. als die Worte des Leiters der Bauernbund- Pressestelle dem Ab- geordneten Streicher zu hinterbringen In Begleitung des Abg. Wagner, der durch feine wüste Mordhetze gegen Strefe- mann berüchtigt geworden ist. stellte Streicher später den Journalisten vor der Tribüne Nach einem kurzen Wortwechsel fiel Wagner unver- mittelt mit Ohrfeigen über ihn her. Der dabei entstandenen Rauferei machte ein Bauernbundabgeordnster ein Ende, indem er die Hakenkreuzrowdys am Genick packte und zu Boden warf. Auch Kriminalbeamte mischten sich ein. Der Vorgang löst« große Aufregung im ganzen Henise aus. mit dem Ergebnis, daß das Landtagsprästdium unter Zuziehung des Äellestenrates eine hochnotpeinliche Untersuchung eingeleitet hat. Außerdem wird der Vorfall ein gerichtliches Nachspiel haben. Hiiler und Rädel. Der eine darf schwören, der andere nicht. Leipzig, 8. März. Im Leipziger Waffendiebstahlsprozeß fand heute die Ver- nehmung des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Rädel statt. Er erklärte, daß weder er noch ander« parteiamtjiche Stellen von dem Waffendiebstahl Kenntnis gehabt hätten. Der Reichsanwalt richtet« dann einige Fragen an den Zeugen «nd zitierte drei Flugblätter, für die der Zeuge Rädel selbst ver- antwortlich gezeichnet habe und in denen zum gewaltsamen Sturz der Verfassung aufgefordert worden sei. Es liege also der Verdacht vor, daß der Zeug« selbst der Vorbereitung zum Hochoerrat schuldig sei, wa» sein« Vereidigung ausschließen würde. Der Abgeordnete Rädel fowökst als auch di« Verteidigung beanstandeten die vorgelegten Fragen' als unzulässig. Im übrigen hätte das Gericht keine Bedenken gehabt, Adolf Hitler als Zeugen im R e i ch s w e h r p r o z e ß zu vereidigen, obwohl auch gegen ihn eine Voruntersuchung wegen Vorbereitung zum Hochverrat geschwebt habe. Nach kurzer Zwischenberotung er- klärt« j od och der Senat, daß die vom Reichsanwalt gestellten Fragen zulässig seien. Er beschloß, von einer Vereidigung des Reichstagsab geordneten Rädel abzusehen. Rechtsanwalt Dr. Löwenthal stellte darauf den Antrag auf Ver, uehmung des zweiten Bezirksleüers der KPD. des Gaues West- fachjen, Otto Voigt, zu demselben Beweisthema. Dieser Antrag wurde vom Gericht abgelehnt mit der Begründung, daß es trotz der Nichtvereidigung Rädels dessen Zeugenaussagen vollen Glauben schenke. Die Geesthacht« Unruhe». Die Voruntersuchung wegen der schweren Zufummenstöße.-milchen Polizei und Kommunisten in Geesthacht, bei denen drei Polizisten durch Schüsse und Schläge verletzt und zwei Personen durch Schütze getötet wurden, ist ab. geschiossen. Di« Akten sind an die Staatsanwaltschast zur Ent- scheidung über die Erhebung der Anklage weitergeleitet. Die Vor- Untersuchung richtet« sich gegen 16 Angeklagte. Seine Amnestie in Spanien. Di« spanische Regierung läßt die Nachricht über die bevorstehende Haftentlassung sämtlicher politischen Gefangenen dementieren. Eine derartig« Entlassung komme bis auf weiteres nicht in Frag«. i Vor dem Amtsgericht Lerlin-Mittc fand gestern einer der üblichen nationalsozialistischen Verleumdungsprozetzc statt. In der„W e st f ä l i s ch e n Wacht" vom 3. Ottober konnte ina» einen Artikel mit der Ueberschrist„Fragmente zu einem republikanischen Adelskalender" lesen. Es wurde darin unter anderem vom Ge- Nossen Otto Wels behauptet, er habe vor langen Jahren 1660 Mark Parteigelder unterschlagen, die von seiner armen Mutter durch große Opfer abgezahlt worden seien. Dadurch sei Otto Wels qualifiziert, an der Spitze der Sozialdemokratischen Partei zu stehen. Genosse Wels hatte wegen dieses verleumderischen Geschreibsels gegen den verantwortlichen Redakteur der„Westfälischen Wacht", Piclum, Strafantrag wegen übler Nochred« gestellt. Für den abwesenden Angeklagten war gestern der national- sozialistische Verteidiger, Rechtsanwalt Kurt Becker, erschienen: Genosse Wels ließ sich durch Rechtsanwalt Otto Landsberg ver- treten. Der Versuch des Amtsgerichtsrats Bues, den Verteidiger des angeklagten Redakteurs zu einer Erklärung zu bewegen, daß dieser die Behauptung von der angeblichen Unterschlagung zurück- ustmie, blieben erfolglos. Rechtsanwalt Becker erklärte, daß die „Westfälische Wacht" mit ihrer Behauptung nur etwas wiederholt habe, was bereits früher in Büchern gestanden Izab«: der Neben- klüger l)abe dazu geschwiegen. Rechtsanwalt Landsbcrg erwiderte darauf, daß Wels von ähnlichen Behauptungen nie Kenntnis gehabt habe: hätte er von den Vorwürfen früher erfahren, er hätte längst Strafantrag gestellt. Das Gericht trat in die Verhandlung ein, verlas die in Frage kommende Stelle des Artikels und erteilte dem Verteidiger des Jlu- geklagten das Wort. Rechtsanwalt Becker erklärte darauf: Die Vorwürfe des Angeklagten beruhen nicht auf freier Er- f i n d u n g. Sie sind gemacht worden im Bewußtsein, nicht nur dem journalistischen Recht, sondern auch der journalistischen Pflicht zu genügen. Seit langen Jahren bestehen gegen Otto Wels die hier erhobenen Vorwürfe. Seine Parteifreunde haben die An- gclegenheit nicht vor das Gericht, gebracht, weil sie ihn schonen wollten. Sie haben ihn aber für unfähig erklärt, irgendwelche Posten der Partei zu bekleiden. Erst nach dem Kriege ist er trotzdem zu seiner hervorragenden Partei st ellung auf- gerückt. Im Jahre 1927 hat Alfred Rosenberg in seinem Buche„36 Novembcrköpse" die Behauptung von den unterschlagenen Geldern aufgestellt. Der Angeklagte muhte aimehmen, daß dem Nebenkläger"das Buch vorgelegen habe. Sein Schweigen mußte als Z u st i m m« n g aufgefaßt werden. Am 13. September 192? j hat der„B ö l k i s ch e Beobachter" gleichfalls die Vorgänge im Jahre 1966 erwähnt und behauptet, Wels habe als Führer der Tapezierergewerkschaft das Geld veruntreut. Jetzt soll der Wahr- heitsbeweis dafür angetreten werde»: der Angeklagte benenne als Zeugen den früheren sozialdemokratischen Reichs- tagsabgeordneten Georg Davidsohn, der die Partei- Verhältnisse genau kennt. Aus diese Auslassungen erwiderte Rechtsanwalt Otto Landsberg folgendes:„Ich bedauere, daß die Beweisanträge erst jetzt gestellt werden und daß die Verhandlung nun vertagt werden muß. Der nationalsozialistische» Presse wird dadurch die Möglichkeit gegeben, unwahre Gerüchte in die Welt zu setzen und sie für ihre Politik zu mißbrauchen. Ich erkläre deshalb, daß jede Bemerkung, die die vom'Angeklagten aujgeffetllen Behauptungen als wahr unterstellen sollte, zu einer neuen Beleidtgungskloge führen würde. An der Behauptung selbst Ist kein Wort wahr. Für den, der die Verhältnisse kennt, wirkt sie geradezu zwerchfellerschütternd. Die Mutter des Nebenklägers hat stets in größter Not gelebt und wurde von ihm unterstützt. Eine Summe von 1666 M. aufzutreiben, war sür sie geradezu ein Ding der Unmöglichkeit. Der Angeklagte befindet sich auch nn Irrtum, wenn er die Sache hier so darstellt, als hätte die Partei- karriere von Oto Wels erst nach dem Kriege begannen. Weis»«r bereits vor dem Kriege lange Jahre Parteisekretär und wurde. in Jahre ISIZin den Reichstag, 1913 auch in den P a r t k i- v o r st a n d gewählt. Wenn das wahr wäre, was hier von>>).» behauptet wird, so hätte er nie kandidieren können! Wels hat sich selbstverständlich nie an Parteigeldern vergrssfen. Georg David- söhn wird wenig erbaut sein, hier als Zeuge der Nationalsozialisten fungieren zu müssen. Was das Rosenbergsche Buch anbetrifft, so muß ich sagen, daß es auch mir völlig unbekannt war. Ich weiß nicht, ob auch mir die Ehre erwiesen worden ist, darin erwähnt zu sein: zu den Novemberköpfen gehörte ja auch ich. Ich bitle, den Termin zu vertagen, ich werde dem Gericht eine Anzahl Zeugen benennen, die in der Lag« sind, die Behauptung des Angeklagien zu widerlegen. Das Gericht beschließt, zu dem nächsten Termin sowohl Georg Daoidsohn als auch die von dem Nebenkläger noch zu nennenden Zeugen zu laden und den Nebenkläger selbst zur Anwesenhtit zu verpflichten. Der Hakentreuzredakteur kann benihigt sein: es wird ihm tüchtig heimgeleuchtet werdenl Die Ballade von der Leberwurst. Preisabbau bei Herrn Schneidewinb. Das war der Herr Reichstagsabgeordnete Karl Schneide- wind von der Wirtschaftspartet, Fleischermeister in Mühlheim bei Köln, der sang die Ballade von der billige» Leber- wurst auf der Tribüne des Reichstags. Was brauchen wir in Deutschland, namentlich in Köln, billiges Gefrierfleisch, bei uns Ist alles billiger und besser. Bei un, in Köln kauft man vorzüg- l i ch e s R i n d b r f e t t zu 3 6 P f. und b« st e W ü r st zu? 0 P t. das Pfund! Es ging ein Ruck durch die zuhörenden Reichstags. abgeordneten. Man sah das Ende aller Not in Deutschland vor sich. Sendboten mochten sich auf den Weg, uni das neue Kanaan. das Herr Schneidewind verheißen hatte, zu entdecken. Die„Rheinische Zeitung" in Köln schickt- schleunigst einen Mann zum Laden des Herrn Karl Schneidewind. Er kam mit Fett und Wurst zurück. Aber das Fett, schlechteste Qualität, kostete 46 Pf., und die Leberwurst 1,86 M. das Pfund! Seitdem grübelt man in Köln wie im Reichstag über dem Rätsel: Wie kommt es, dag die Wurst, die Herr Schneidewind in Berlin mit 26 Pf. anpreist, in Köln 1,86 M. tostet? Das zollfreie »Wieder verdirbt uns so ein Sozialist unser ganzes Kriegs- und Hehgefchäst/ Vandervelde über Versailles. Golidaniäi mit der deutschen Sozialdemokratie. Brüssel, 5. März.(Eigenbericht.) Die außenpolitische Debatte in der belgischen Kammer wurde am Donnerstag nachmittag fortgesetzt. Der frühere christlich- demokratische Mmisterprösident P o u l l e t betonte, daß er nie- m o l s die Regierung übernommen hätte, wenn er der Äussassung gewesen wäre, daß das belgisch-sranzösischc Militärabkommcn einem Bündnis gleichkomnie. Er sei davon überzeugt, daß dieses Bund- nis eines kleinen Landes mit einem mächtigen?iachbarn zu einem Verhältnis der Abhängigkeit führen müsse. Der sozialistische Führer Bandervelde hielt eine groß angelegte außenpolitische Rede, in der er. der Reihe nach zu den wichtigsten internationalen Fragen Stellung nahm. Dbschon er den guten Willen des gegenwärtigen Außenministers H y m a n s auf internationalem Gebiet anerkannte, wies Vander- velde auf den Widerspruch hin. der zwischen dessen Tätigkeit in Genf und der Politik der belgischen Regierung auf dem Gebiet des Zoll- wescns und der Rüstungen besteht Die Schutzzollpolitik, der auch die belgisch« Regierung Konzcssionen mache, sei zugleich auch eines der größten Hindernisse der europäischen Verständigung. Roch viel schlimmer sei ober die in den letzten Jahren von der belgischen Re- gicrung betriebene Aufrüstungspolitik. Belgien sei das einzige europäische Land, das heute mehr Geld für Rüstungszwecke ausgebe als lg 13. Aber auch eine ganze Anzahl anderer Länder steigerten chrc Rüstungen fortgesetzt, darunter namentlich Deutschland, Oesterreich, Italien und Frankreich, dessen Kolontalormee ollein größer sei als die ganze deutsche Reichswehr. Vandcrveldc benutzte die Gelegenheit, zugleich auf die außer- ordentlich schwierige Lage hinzuweisen, in der sich gerade jetzt die deutsche Sozialdemokratie befinde, die im Ausland besser gewürdigt zu werden verdiene, als es bis jetzt der Fall sei. Die deutsche Sozialdemokratie siehe vor der Frage, für den Reichswehretal und den Panzerkreuzer stimmen zu müssen oder wenigstens nicht dagegen zu stimmen, wenn sie nicht den Stur; der Regierung der Rkillelparteien herbeiführen und die Gefahr einer Rechlsregierung in Deutschland heraufbeschwören wolle. Die belgischen Sozialisten könnten der deutschen Sozioldemo- kratie die Dersichsruag ihrer Sympathie und Solldaritäl geben. wie auch ihre Entscheidung in dieser schwierigen Frage ausfallen möge. Denn die Sozialisten Belgiens wüßten, daß die Sache, die die deutsche Sozialdemokratie verteidige, die Sache der Demokratie und des Friedens sei. Vandcrvclde wandte sich dann dem belgisch-französischen M i l it ä r a b k o m m e n zu und begrüßte die Erklärungen Hymans und insbesondere, daß diese im Einvernehmen mit der französischen Regierung gemacht worden sind. Hätte es sickz bei diesem Abkommen um ein Bündnis gehandelt, dann hätten es die belgischen Sozialisten niemals unterstützt. Banderoclde erinnerte aber auch daran, daß seinerseits die Absicht bestand, dieses Ab- kommen durch ein englisch- belgisches Abkommen zu ergänzen. Dazu sei es nicht gekommen, und darum sei das belgisch-sranzösischc Abkommen unvollständig und einseitig, und mache das im Ausland, bestehende Mißtrauen durchaus begreiflich. Er kam dann zu L o c o r n o. Es sei schon richtig, daß Locarno Bcsprcchun- gen zwischen den Generalstäben der einzelnen Vertragsländer zu- lasse,, nur dürften diese Besprechungen nicht einseitig gegen ein be- stimmtes Vertragsland gerichtet sein, sondern im Geiste der gegen- seitigen Versicherung aller Vertragsteile bleiben. Am besten wäre e», wenn das belgisch-französische Rliliiärobkommen von beiden beteiligten Ländern gemeinsam als Überholl und für nichtig er- klärl würde. Vanderoclde machte fortfährend sehr wichtige Erklärungen zur Frage der Revision des versa iller verirages sowie zur Kricgsschuldfrage. Es gebe im Versailler Vertrag Bestimmungen, die das internationale Gewissen für richtig halte. Das sei namentlich die R ii ck k c h r E l s a ß- L o t h r i n g c u- zu Frankreich und die Unabhängigkeit Polens. Aber eine ganze Reihe anderer Bestimmungen könne nichl als gerecht anerkannt werden. Dazu gehörten insbesondere die lvegnahme der deulschen Kolonien, die Militärbestimmungen des Vertrages, die Regelung der Saarsrage, die Greuzbeslimmungen im Osten. Unter diesen Umständen dürfe man nicht, wie es Tardieu in der sranzö- fifcheu Kammer getan habe, den verlrag als unantastbar hinstellen oder sich von vornherein jedem friedlichen Revisionsoersuch widersehen. Was die K r< e g s s chu l df r ag e und die damit in Zi»- sammenhong gebrachte Abrüstungssroge anbetrifft, so wandte sich Vandervelde mit großer Schärfe gegen den französischen Kriegsminister M a g i n o t, der unter Hinweis auf Deutschlands Kriegsschuld in der Rüstungsfrage ein« verschiedene Behandlung für die schuldigen und unschuldigen Länder verlangte. Die deut- sehen Sozialdemokraten und Pazifisten hätten die unmittelbare Schuld des deutschen Kaisertums am Kriege freimütig an- erkannt und besonders was Belgien anbetrifft, habe sogar das kaiserliche Deutschland im Kriege selbst'die Per- antwortung zugegeben. Aber wer könne heule nach all den Veröffentlichungen noch behaupten, daß Deutschland) allein die Schuld am Kriege treffe. daß nicht auch andere Regierungen, wenigstens was die mittel- bare Ursache des Krieges betreffe, ebenfalls schuldig gewesen seien. Die Erklärung Vanderveldes wurde auf den Bänken der Regierungsmehrheit mit starkem Widerspruch aufgenommen, worauf von sozialistischer Seite ebenso energisch geantwortet wurde. Der frühere sozialistische Unterrichts- minister Huysmans rief:„Stellt euch doch nicht so Z�umni". Vandcrveldc schloß mit der Aufforderung an das belgische Kabinett und die anderen beteiligten Regierungen, sich hinsichtlich der Kriegs- schuldfrage nicht von einer«inseitigen Auffassung leiten zu lassen, denn dadurch würde der Erfolg der Abrüstungskonfercirz von lll?2 gefährdet. Ein Mißerfolg dieser Konferenz wäre ober geradezu eine Katastrophe für die europäische Verständigung. Di« Fortsetzung der Kriegsrüstungen müsse unfehlbar zu einem neuen Kriege führen, und ein neuer Krieg würde bald zu einem allgemeinen Bürgerkrieg ausarten, wo nicht Nation gegen Nation, sondern Klasse gegen Klaff« stünde. Wer das ver- meiden wolle, müsse ehrlich, nicht mir in Worten, sondern auch in Toten für die internationale gleichzeitige und kontrollierte Ab- rüstung einstehen. Die Rede Vanderveldes, die an einigen Stellen von den Rationalisten unterbrochen worden war, wurde von den Sozia- listen und einigen flämischen Abgeordneten mit starkem Beifall aufgenommen. Krakiion Mosley. Sechs Mann und ein Tory. Reben Mosleys Gattin hat jetzt auch der Abgeordnete und Se- kretär der Beamtenorganisationen W. I. Brown die Lobour- Party verlassen. Einschließlich des Ehepaares Mosley sind nunmehr sechs Abgeordnete aus der Labour-Party ausgeschieden: 6 von 280. Damit dürste der Zug zur Moslen-Porty von feiten der Arbeiterpartei erschöpft sein. Ein kümmerlicher Anfang. Bezeichnend ist die Austrittserklärung Browns an Mocdonold. Darin heißt es, er(Brown) werde zwar in der Außenpolitik stets die Regierung unterstützen, inner politisch müsse er jedoch gegen sie Front niachen. Deshalb schließe er sich Mosley an. Wenn dies vielleicht auch politischer b st m o r d sei, so falle"« ihm leichter als der Selbstmord an seiner innerpolitischcn lieber- zeugung. Von den Konservativen will der Abg. Allen seine Freunde verlassen und zu Mosley gehen. Allen ist aber bei seinen konservativen Wählern auf den gleichen Widerstand und auf dieselbe Empörung gestoßen, wie es den Abgeordneten der Mosley-Gruppe in der Arbeiterschaft und ihren Wahlkreisen ergangen ist. Wichtiger Rnndfunkvorlrog. Am Sonntag, dem 8. März, früh 8.23 Ilhr, spricht in der Landwirtschasllichcn Stunde Oberregierungs- rat A l b r e ch t vom Preußischen Landwirtschastsniinisterium über das Thema: Sozialer Aufstieg deutscher Land- arbeite? durch Siedlung.. Verringertes Reichsdefizit. Die Reichseinnahmen im Januar. Im Monat Januar stellten stA; die R e i ch s e i n n a h m e n im ordentlichen Haushalt auf 1l2IH gegen 650,6 Mill. Mk. im Dezember. Die beträchtliche Steigerung gegenüber dem Vormonat ist daraus'zurückzuführen, daß ini Januar Quartalszahlungen für wichtige Steuerarten, wie Umsatz- und Einkommensteuer, fällig wären. Die Ausgaben im Januar betrugen 983,5 Mill. Mk.. so daß sich nn Berichtsmonot eine Mchreinnahme van 140 Mill. M. ergibt. In den abgelausenen zehn Monaten des Rechnungs- jahres 1930/31(April bis März) stehen 9563,6 Mill. M. Zlus- gaben 8835,9 Mill. M. Einnahmen un ordentlichen Haus- halt gegenüber, so daß die Mehrausgab« 727,7 Mill. M. aus- macht. Der außerordentliche 5)au?halt ergab in der gleichen Zeit eine Gesamteinnahm« von 797,3 Mill. M., denen Ausgaben von 276,6 Mill. M. gegenüberstehen, so daß sich im lausenden Finanzjahr eine Mehreinnahme von 520,6 Mill. M. tm außerordent- liehen Haushalt ergibt, lieber 487 Mill. M. der Einnahmen im außerordentlichen Haushalt entfielen auf Anleihen. Unter Berücksichtigung des Fehlbetrages aus den Vorjahreis beläuft sich ün ordentlichen Haushalt das G c s a m t d e f i z i t auf 727,7 und im außerordentlichen Haushalt auf 251,1 Mill. M. Da/ Gcsamtdefizit im Reichs haushali betrug daher Ende I a n u a 993,8 Mill. M. gegenüber ll89.5 Mill. M. Ende Dezember 1930, so daß sich eine Erleichterung um annähernd 200 Mill. M. ergibt. Engtanö spart. London, 5. März.(Eigenbericht.) Die englische Regierung hat für dos Budgetjahr 1931 die Marineousgaben um insgesamt 2 418 779 Pfund Ster- ling(rund 50 Millionen Mark) gekürzt. Die Angst vor der Wahrheit. Es gibt keinen Ärest-titovsk-prozeß. Warschau, 5. März. Zur Verlegung des Bromberger Presieprozesses nach Thorn— weil das Bromberger Gericht die Zeugenvernehmung der Opfer von Brest Litowsk beschlossen hat!— oerweist die Opposüionspresse darauf, daß in Kottowitz etwa 15 Presseprozesse vom Burggericht selbst niedergeschlagen wurden aus Antrag des Staatsanwalts, welcher erklärt hatte, daß den angeklagten Redakteuren nicht nach- gewiesen werden könne, im Bewußtsein der Widerrechtlichkeit ge- handelt zu haben! Das Gericht hatte dem Antrag stattgegeben, wie- wohl der Angeklagte Redakteur der„Polxrnia* sofort erklärte, daß er, die Inkriminiert« Handlung im Bewußtsein ihrer Bedeutung begangen habe und den Wahrheitsbeweis, d. h. die Vernehmung der früheren Gefangenen von Brest, zuzulassen bitte.— Die Gefangenen von Brest haben von einer Anzeigecrstattung gegen ihre Follerer abgesehen, well sie in eigener Sache nicht als Zeugen vernommen werden könnten und das Verfahren am Ende ihnen selbst die Anklage wegen„Derächtlichmachung staatlicher Em- richtungen" hätte einbringen können. Deutsches Theater. Zuckmayer: Oer Hauptmann von Köpenick. Dramatische Bilderbogen von Glanz und Niedergang dieses närrischen Märtyrers, der das End« der alten WUhelmszeit mit her- bciführtc, obwohl er nur ein poßloser Zuchthäusler war. Heller. sprühend, vor allem Werner Kraust als Schuster und Haupt- mann. Großartige Leistung, die dem Stücke Erfolg gegen einige Unzufriedene verschaffte. dl. H. l Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) verantworllich für Politik:?r. ttart Kcqer: Wirtschaft:®. iU>»aeldit»; tSewrrischofl»t>cwraun«>: z Ttrioci! iZeuillcton: Dr. Job» Schikowoki: Lokale» rnch Sonstig«»: iZrist Sarstadt; Ani>cia«n: Th. Stock«: sämtlich in Berlin. Berlaa: Bormärto-Terlaa G m d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagoonstalt Paul Sinacr u. Co., Berlin SW 68, Linden stro Ii« Z. Sierzu Z Beila«e» und.Etadtdrilagc". WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Frisch. Fleisch Obst u. Gemüse Soxveit(P errat* tßfllige Hehensmittel U.-Orust n Q-* Pfund W.UA ohne Kn. Rinderkamm Schmorfleisch ohnPfuKnd 1-16 Roastbeef Knod}-'"� 0.96 Hammel-Vorderfl. 0.98 Gulasch 0.90 Liesen 0.62 Gebadetes.... Pfund 0.60 Rüdccnfelt b'B,,"Xnü 0.66 Kahler mildgas»lz.n, Pfund 0.88 Kalbskamm...Pfund 0.64 Kalbsbrust...Pfund 0.74 Kalbsnierenbraten 0.76 Kalbsschnitzel Pwnd 1.80 S-> 0.85 Kaiserschoten 1.15 1.30 Gemhdit.GemUse"ici*1' 0.84 CemUsht. Gemüse f«tn 1»20 Brüdispargel miiM.. 1.59 Sellerie■;> o-»- 0.38 0.55 Erdbeeren....... 1.20 Wein Pral» Kr' i Flasche, ohne Glas 1929 Oberhaardter Tisch w. 0.73 1928 Bornheim. Hähnchen 0.90 1928 HelziodicrBergTheinh. 1.10 1927 Dhroner Roterde sp iij. 1.70 1911 er EdalgewSchsa fainsr üincrwcin 1921 Rüdeihe.mer Geisel Wadislum bcholi 1.99 1921 Gun;eisbl. Bornpfcd Wachstjm bdimitt lazO 1921 Meüenh. Co!dberg Wächsium Muin 1.90 Waln und Spirituosen vom Fa� zu biiiigoa Proisan Tlr. 109• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 6. März 1931 unvernunfi im StadlpariamBnt. Die Bewag soll bauen— aber ohne Geld!— Die U-» Bahnbauten* 3a der geskrigen Sitzuag der Stadtverordneten ging es sehr rnhig zu. Bei den Radauparleien scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu iMben, daß es wenig Sinn hat. noch Kl-nnank in einem Parlament zu inszenieren, das durch die Verabschiedung des neuen Verlin. Gesetzes bald arbeitssähiger als bisher gemacht werden wird. 3m Mittelpunkt der Beratungen stand das Bauprogramm der Vcr- liner Städtischen Elektrizitätswerke A.-G.(Bewag), das einen Gesamtbedars von rund 58.5 Millionen Mark ausmacht. 3n der Versammlung sand sich eine große Mehrheit, die der Bewag be» slätlgte. daß im 3n»eresse der Wirtschaftlichkeit der Gesellschaft und im Hinblick auf den dauernd wachsenden Stromverbrauch ein maß. volles Bauprogramm durchgeführt werden muß. Aber im alrichen Atemzuge verweigerte eine andere Mehrheit der Bewag die Ermächtigung zur Aufnahme der notwendigen Gelder. Ein solcher Beschluß kann nur als u n s i n n i g bezeichnet werden. Allein die Sozialdemokralen und die Vertreter der Slaalsparlei wachten den Ansinn nicht mit, nachdem der soziotdemokratische Redner. Skadlvcrordneler Amberg. die Notwendigkeit der Durchsnhrnog des Bavprogramms nachgewiesen halte. Großes Interesse sand im swuse daneben noch die Beratung der Vorlage über die Soften der Untergrundbahnbauten. Berichterstatter über das Ergeb- v's der Beratung im Haushaltsausschuß war der sozialdcuiokralische Slodtverordnetc Schäfer. * Der Dorsteher. Genosse.haß, eröffnete die gestrige Sitzung der Stadtverordneten mit_ einem Nachruf aus den dieser Tage ver- storbcnen früheren Stadtverordneten Dr. D o v«(Dem.).— Cin Dringlichkeitkantraa der Wirtschoftspartei forderte die herab- fetzung der Lustbarkeitssteuer um die Hälfte: er wurde ohne Debatte dem Haushaltsausschuß überwiesen.— lieber die Kosten der Llntergrundbahnbauten und die Ermächtigung für diese Zwecke referierte Stadto. Schäfer(Soz.). Der Haushaltsausschuß hat sich sehr eingehend mit der Vorlage beschäftigt. Die Koften gliedern sich in die reinen Baukosten, die 281 Millionen Mark betragen, in die Kosten für die»rund stücke in höhe von rund 25 Millionen Mark und in den Baukosten Zinsen dienst, der über 38 MMonen Mark enordert. Insgesamt erforderten die Untergrundbahnbauten also einen Aufwand von 351 Millionen Mark. Davon sind 128 Millionen Mark durch Anleilzen gedeckt, während die restlichen 225 Millionen Mark noch durch Anleihen auszubringen sind. Im Ausschuß war mit 11:11 Stimmen die vom Magistrat rackzgesuchte Ennächtigung zur Aufnahme von Anleihen abgelehnt worden: im Pleiimu beantragt« gestern die sozialdemo- k r a t i s ch e Fraktion die Wiederherstellung der Vorlage. So wurde denn auch beschlossen. Der Magistrat hat also die Ermächtigung bekommen. Im welteren Verlan f der Sitzung wurde die Zustimmung zum Lauprogramm der Städtischen Eleklrizitäkswerkc für einen Rachtrog zum Jahr 1929, für- 1838 uiid auch' für das Jahr 1831 in Gesamthöhe von über 82 Millionen Mark, wozu noch Kosten für Mundstücks, Werkzeug, und Iiwentaranschaffungen mit fast einer halben Mllion Mark kommen,«teilt Dos Zentrum, die Deutschnationalen. Lommunisten und Nationalsozialisten erklärten, der Vorlage nicht zu- stimmen zu können. Dabei' spielte sich Stadto. Slemiger(Dlwt.) rts der Hüter städtischen-Werkbesitzes auf, indem er beklagte, daß alles daraus hindeute, daß sich das Prioatkapital der stadtischen Werte bemächtigen wolle. Er vergaß nur eines, daß nänllich während der Inflation die Deutfchnalionolen zuerst b«e>t waren, d'e Werke zu verschachern, als sich das Privatkapita' darum be- mühte. Damals wie stets war es die Sozialdemokratie, die gegen die Rechte den städtischen Wcrkbesiß schützte. Sladtv. Amberg(Soz.) sagte den Deutschnationalen und de» Kommunisten einige bittere Wahrheiten. Im Auffichtsrat der Elektrizitätswerk« waren sich alle Parteien über das Bauprogramm einig, ja. den Kommunisten ging es sogar nicht weit genug. Die Notwendig- keit des in der Vorlage beschriebenen Vauorogramms haben im Aussichtsrar olle anerkannt: das hindert allerdings Herrn Schwenk von den Kommunisten nicht, setzt hier im Plemim dir Vorlage abzulehnen. Das liegt offenbar daran, daß man im Plenum nicht die Stadtverordneten reden läßt, die A u f s> ch t s- rate sind, sondern die Pa r te i p o l i ti t c r. Um den Elektrizt- täts werken das notwendige Bauprogramm zu sichern, hatten die Aufsichtsräte gefordert, daß die Werke von weiteren Abgaben an die Stadt verschont werden müssen. Allerdings sei zugegeben, daß im gegenwärtigen Augenblick das neue West werk bei Siemens st adt wohl nickst gebaut werden würbe: vor Jahren, als es in Angriff genommen wurde, war es dringend notwendig. Der Deuiichiwlionake Steinig« hat im Haushaltsausschuß erklärt, daß man die Siedlungen, die besonders an das neue Westlverk au- geschlossen w«den sollen, ohne Strom lassen müsse, lind cr gab auf Befragen zu. daß die Siedler dann eben bei der Petroleumlampe bleiben müßten. Das ist allerdings eine Politik, die die Sozialdemokraten nicht mit- machen könnten. Dem Zentrum blieb es vorbehalten, die Ein- stellung der Stromlieferung sür die Reklame- b e l e u ch t u n g zu fordern. Dabei ist jedem Kenner der Verhält- nisie bekannt, daß gerade die Reklamebeleuchtunq das beste Geschäft für die Elektrizitätswerke ist. Die Bewag auf dem höchsten Stand der Technik zu erhalten, sei die Absicht des Bauprogramms. Dieses oder ein noch größeres Programm(so wie es die Kommunisten forderten), könnt« aber nicht durchgeführt werden, wenn nach dem Willen der Kommunisten die Strompreise um 50 Proz. ermäßigt würden. Herrn Steiniger erinnerte Amberg �orh», daß er, Steiniger, es gewesen sei, dor im Jahre 1923 die Straßenbahn verschenken wollte. Aehn- lich verhiellen sich die Deuffchnationalen im Jahre 1924, als die städtischen Werke in Aktiengesellschaften umgewandelt wurden. Auch dainals erklärte der deutschnational« Redner, daß man die Werke an das Prioatkapital abgeben müßte. Zum Glück fft die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung unter Führung der Sozialdemokraten diesen Unkenrufen nicht gefolgt: die Werke haben sich gut entwickelt und, ob- wohl sie Zetzl unter der Mißgunst der PerhSituiss« leiden, werden sie sich auch weiter entwickeln. Selbstverfttmdsich werden die Sozialdemokraten dem Bauprogramm zustimmen.(Bravo bei den Soz.i Die Abstimmung ergab, wie bereits erwähnt, die Zu- stimmung der Versammlung zum Bauprogromm an sich. Abgelehnt wurde die Ermächtigung an den Magistrat, die restlichen Baukosten im Wege der Anleihen aufzubringen. Für die Ermächtigung stimmten nur Sozialdemoi roten und Demokraten, alle anderen Parteien dagegen. Man bewilligte also das Bauprogramm, versagte aber die Beschaffung der restlichen Mittel in höhe von 62 Millioneu Mark. Die Bilanz e n für die Städtische Oper AG-, die Strandbad Wann.see G.m.b.H. und für das Städtische Werk in Buch wurden gegen die Stimmen der Kommunisten gen« hm igt Die vper, sagte der Kommunist Klelne, sei«tu Bergnitgungsinstitnt für die Bourgeoisie, im Strandbad Wannsee lasse man Unterstützungsempfänger nicht ohne Eintrittsgeld hinein, deshalb lohne fetne Fraktan das alles ob.„Zur Kenntnis" genominsn wurden die Bilanzen der Berliner Straßenbahnbetriebs G. m. b. h., der E r h o l u n g s h e i m b e t r i e b s g e f e! l s ch a f t, der Berliner B r e n n st o ss° G« s e ll s cha st und der Stadt» guter G. m. b. h. Eine ganze Anzahl Anträge wurde dann noch erledigt lieber einen Antrag der Deutschnationalen, Wirtschaftsbetriebe der Stadt aufzulösen, wurde die Debatte auf nächsten Donnerstag vertagt * Die sozialdemokratisch« Fraktion hatte folgenden Dringlichkeitsantrag eingebracht, der mit großer Mehrheit angenommen wurde: Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin hat mit Schreiben vom 2- März 1931 eine Nachprüfung der Be- soldiingsordnung der Stadt Berlin angeordnet. Ein Gutachter» ausschuß soll mit größter Beschleunigung zu den Beanstandungen Stellung nehmen. Bei der Durchführung der auffichtsbehördlichen Maßnahmen würden erhebliche Gehaltskürzungen bei den B e am t e n und, da die Angestelltengehälter denen der Beamten angepaßt sind, auch der Angestellten eintreten. Mit Rücksicht darauf, daß die Besvldungsordmmg unter eingehender Würdigung der vielseitigen und verantwortungsvollen Tätigkeit der Gemeinde- beomten durch übereinstimmenden Beschluß von Magistrat und Stadwerordnetenversammlung zustande gekommen ist, ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat: 1. der Aufsichtsbehörde nochmals«indringlichst die Gründe vor Augen zu führen, die seinerzeit für die Gestaltung der Berliner Besoldungsordnung niaßgebend waren; 2. mit allem Nachdruck einer Verschlechterung der Besoldungsordnung entgegenzutreten und dabei 3. die durch die 3Z4 Jahr« zurückliegende Eingruppierung erworbenen Rechte der Beamtenschaft zu schützen. Vom Vmgbahnzug zu Tode geschleift. Aus der Ringbahn zwischen den Bahnhöfen Beusselstraße und Znngsernheide«eignete sich gestern nachmittag ein entsetzlicher Unglücksfall. Der zwölfjährige Schüler Heinrich G i e s e aus der Sickingen- straße 52, der zusammen mit mehreren Kindern auf dem Bahnkörper spielte, wurde von einein vorüberfahrendcn Ringbahnzug ersaht Das Kind wurde von dem Zug noch viele Meter mitgeschleift und dann den Bahndamm hinabgeschleudert Passanten nahmen sich sofort des schwerverletzten Jungen an und brachten ihn m das Moabiten Krankenhaus. Bei der Einiieferung war jedoch der Tod bereits eingetreten. Or. Friedrich Wolf in Berlin. Der soeben hastentlassene Stuttgarter Arzt Dr. Friedrich Wolf kommt Sonnabend nach Berlik und wird vor Merzten und Juristen sowie Pressevertretern über seinen Prozeß und über die Ab- tteibungsstrase im allgemeinen sprechen Die Diskussion wird im Plenarsaal des Herrenhauses, Leipziger Str. ö, Sonnabend, den 7. März, 19% Uhr, stattfinden. Eintritt nur gegen Porzeigen der Einladung oder eines Berufsauswetses. Als Redner sind vorgesehen: Dr. Friedrich Wolf, Stuttgart: Rechtsanwalt Dr. Apfel, Berlin? Dr. Crede, Celle-Berlin: Geh. Rat Prof. Dr. Dührssen. Zur Diskussion geladen sind: Sanirätsrat Dr. Vollmann, Pros. Dr. Grotjahn, OberreichsanwaU Dr. Ebermeyer, Frau Dr. Schwörer- Jalkowski. Ein« öffentliche Kundgebung am Sonntag, dem- 8. März, wo außer Dr. Friedrich Wolf namhafte Vertreter der Wissenschaft und Politik sprechen, findet ll Uhr vormittags im Stella-Palast, Köpenicker Straße, statt. Der„Kampfausschuß" bittet zur Verbreiterung sein« Aktion um Spenden an die Deutsche Bank und Tiscostto-Gesellschaft, Berlin Stadtzentrale Adt A.(Postscheckkonto BcrCm 1002) für Konto A u g u st Brandl. Kampfausschuß gegen§ 213 und für Verteidig una Dr. Friedrich Wolf«. Vereinfachte Zugabfertigung bei der S-Bahu. Nachdem bereits fest Ansang Dezember auf der Berlin« L-Bohn vor dem Abfahren der Züge nicht mehr„Zurückbleiben* gerufen und werktags bei den elektrischen Kurzzügen auf den Außenstraken die Triebwagenschaffner das Abfahrtszeichen geben, soll dies« nähme jetzt auch auf die Ring» und Stadtbahnhöfe ausgedehnt werden. Während die vereinsachte Abfertigung von Dienstag, dem 10. März ab in der Hauptsache auf die Ringbahnhöse ausgedehnt wird, soll am Dienstag, dem 31. März, die Einführung auf den Bahnhöfen der Stadtbahn erfolgen. Es ist November gewordeil. Die Spargelstouden werden abgemäht, zu grauen, strunkigen Haufen geschichtet und ver- bräunt. Papcndieck nimmts diesmal besonders gründlich. Im Vorjahr hat er gelocht über seinen rückständigen Nachbar Korn, als der die Kräuter anzündete.„Zusammentragen und faulen lasten und in den Dünger tun, das ist das richtige. Aber Korn läßt den guten Dung in Qualm aufgehen.'" Und Vapendiecks Hpargelkraitt war gefoult Und in den hohlen Stengeln Hutten die Spargelkäfer warm und wohnlich über- wintert. Papendieck war das Unglück vom Stubbcnland ge- worden. Heuer ober will er das Versäumte nachholen: zu spät, wie es seine Art ist Er schichtet die Hausen schön locker, damit > ja alles verbrenn«, und entzündet einen jeden sorgfältig, von mehreren Seiten zugleich: Korn freilich findet, daß cr bester daran täte� die„Landwirtschaftlichen Ratgeber" als Fidi- busse zu benutzen. Aber feine Mühe wird auch ohnedies belohnt: seine Feuer brennen alle auf, und sie brennen viel heller als die von Korns, die klein bleiben und qualmen. Es ist ja richtig, daß es mit diesen Feuern unigekehrt steht wie mit den Opferseuern van Koin und Abel: das niedere, qualmende, stinkende voll Korns' ist Gott wohlgefällig, da es davon zeugt, daß kräftige Pflanzen mit noch inmier frischem Grün verbrennen; in- dessen Papendiecks Kraut vertrocknet und verwelkt ist Papendieck kann das gar nicht begreifen. Wie ist er über sein Feld gegangen, Tag um Tag, und hat jede Pflanze angebettelt in seinen Gedanken um einen winzigen grünen Trieb, wie Korns ihn überall faitden und grüßten als ein äußeres Zeichen, daß die Wurzel stärker gewesen war als die Käfer, als ein leises Versprechen, daß die Pflanze kraftvoll treiben wollte im nächsten Jahr. Aber wie wenige Stauden unter den Papendieckschen haben neu gegrünt, obgleich Papendieck doch, wie er sich ausdrückt, immer eugros gearbeitet hat, mit Pflug und Mist und so, und Korns nur endetail mit den Händen... Papendieck hat indessen keine Lust, darüber nachzudenken, warum faule und welke Sachen soviel hennachen. wenn sie verbrennen: cr hat seinen Rüden mtigenommen, um ihn solche Gedanken verbellen zu lassen, wenn sie sich bemerkbar machen. Denn wirklich und wahrhaftig: Rolf bellt seit einiger Zeit, wenn er auch noch nicht beißt und vor jedem drohend erhobenen Zeigefinger, vor jeder unwillkürlichen Bewegung menschlicher Wesen in die dunkelste Ecke seiner Hütte kriecht. Aber den Zeigefinger seines Herrn, den hält er doch schon aus, und Papendieck ist sehr stolz auf diesen Erfolg, und jetzt, da cr von Feuer zu Feuer geht, umspringt ihn Rolf und bellt, daß es eine Freude ist: schnappt sogar manchmal spielerisch nach Papendiecks Hand. Und Friedrich Papcndieck ist ganz der Mann, um solche Kleinigkeiten als ein gutes Omen und als Grund zu guter Laune zu werten; kann er einen feigen Hund zum Bellen bringen, so kann er auch wohl einen faulen Boden zwingen, Frucht zu tragen. Nur ein Kerl muß man sein zu sowas, ein Kerl wie Friedrich Papendieck! Luise Korn weiß, daß sich Andreas durch diese Kraut- feuer gern an die Kartoffelfeuer in seiner Heimat erinnern läßt Im Borjahr hat er ihr davon erzählt:..... und dann haben wir Jungens Kartoffeln genommen, nicht zu große und nicht zu kleine, und haben sie in die Asche gelegt Und wenn wir sie nach einer Viertelstunde herausgenommen haben, dann waren sie gar gebraten, und sie haben geschmeckt.. ganz wunderbar haben sie geschmeckt: so müssen die Kartoffeln ge- schmeckt haben, als sie noch wild wuchsen drüben in Amerika, und wir sind uns dann vorgekommen wie Indianer am Lager- feuer..." Sie hat sich das gemerkt Und nun hat sie die größten von ihren Kartoffeln ausgewählt und in die Asche ihres größten Feuers gelegt. Dann ist sie, scheinbar versehentlich, mit dem Fuß in die Asche getreten und hat erstaunt gesagt: „Nanu, was ist denn das? Ein ganzes Jahr lang hat sie sich auf dieses kindliche Spiel gefreut: es ist schlimm, wenn man nicht alt werden kann. Andreas kann das aber auch nicht Er hat sich mit gekreuzten Beinen neben dem Feuer niedergelassen, hat neben sich aus Säcken einen Sitz geschichtet und Luisen darauf ge- drückt, und nun löst er sorgsam die schwarzkrustige Schale und h«ißt genießerisch in das zarte, bröcklige Fletsch und konmtt sich wie ein Indianer vor. In Luisens Seele hingegen erleuchten die Flammen ganz andere Ecken: Ecken, die sie nur selten in den groben Schuhen der Worte betritt, well das so hallt in ihr und sie ängstigt: heute aber kann sie nicht anders:„Ach ja, wir muffen doch dem lieben Gott dankbar sein, daß er uns von den Käfern ge- rettet hat" Anderas aber hat es jetzt mehr mit Winneton und kann Luisens religiöse Seite überhaupt nicht leiden.„Hör auf mit deinem lieben Gott! Eine Ungezieferspritze und Schweinfurtcr Grün mit Kalk, das hat uns gerettet!" „Ja", gibt Luise zu und stochert mit einem Zweig im Feuer,„die Spritze und das Gift und unser vieles Bücken und daß die Wurzeln noch Kraft genug hatten; sehr, sehr dankbar muffen wir dem lieben Gott sein." Jetzt wird er wütend.«Dein lieber Gott läßt ja die Käfer erst wachsen, die Aester! Liebet eure Feinde, sagt er! Soll ich vielleicht die Käfer abknutschen, he? Oder die Juden, die mich in diesen ganzen Mist hier reingebracht haben, he?" „Aber Andreas!" sagt Luise, die sich gerade un, gedreht hat und Herrn Schmitz« gesehen hat, der plötzlich hinter ihnen steht. „EntschuSigen Sie bitte", sagt Siegfried Schmitzer demütig,„ich kann nichts dafür, daß ich das gehört habe." Er wollte ganz was anderes, was richtigeres, was tapferes sagen: aber er kann es nicht. Andreas wieder ärgert nun gerade das, daß Schmitzer nichts anderes sagt. Er schweigt. Schmitzer entschuldigt sich weiter:„Ich bin bloß übers Feld gegangen, weil die Feuer so schön aussehen. Und well ich Ihnen erzählen wollte. daß—"— er hustet »Sie haben einen schlimmen Husten", sagt Luise.„Sie sollten Brusttee trinken." „Da hilft kein Brusttee", meint Herr Schmitz« leise. Run fühlt sich Andreas wie mit Ruten geschlagen.„Na. nichts für ungut. Hat ja nichts mit dem Persönlichen zu tun." Das klingt albern: er fühlt es und spricht schnell weiter: „Wenn Sie was zu erzählen haben, dann setzen Sie sich man erst. Wolln Sie ne Indianerkartoffel?" Herr Schmitzer pellt dankbar und sorgfältig an der Kar- toffel herum.„Ja, gestern war nämlich die Frau Mellenthin aus Banzenitz bei mir. die damals Ihr Land kaufen wollte." »Ja, sagt Andreas, froh, mied« grob sein zu können, „damals, als Sie mich zum Judenfeind gemacht haben mit Ihrem dummen Rat"(Fortsetzung folgt.) Man zahlt bargeldlos. Fast eine M.llion postschecktonten. „Zahlt bargeldlos!" fleht in de« Vaaken. in össenllichea Gebäuden, in den Bahnhöfen der llnlergrundbaha angeschlagen� Freilich: die Mehrzahl der Prioalperfoncn ist hierzu nicht in der Lage, weil sie lein Konto besihl, über das Zahlungen geleitet werden könnten. Gleichwohl weift der bargeldlose Zahlungsverkehr, der sich im modernen Gcfchäftsleben der Gegenwart zu einer unentbehrlichen Einrichtung entwickelt hat, bereits seit Jahnen«ine fortschreitende Entwicklung aus. so daß der gegenwartige Bestand an Postscheckkonten nur wenig von einer Millron entfernt ist. Die meisten Berufs- und Erwerbsgruppcn inachen von der mühe- und zeitsparenden Methode der Begleichung ihrer Verpflichtungen durch Postscheckanweisung Gebrauch. Am stärksten vertreten sind die Handels- und Verkehrsbetriebe und ähnliche Umernehurun- gen, auf die ,T79 70l1 oder rund 39 Proz. aller überhaupt vorhandc- nen Postscheckkonten entfallen. Abgesehen von den einzelneu selb- ständigen Handelsgewerbetrerbenden, die zur Erleichterung ihres Gsldverkehrs in starkem Ausmaße von der Institution des Post- scheckwescns Gebrauch machen, gehören neben den Buch-, Musi- kalien-undK un st Handlungen, die mit 9040 die Höchstzahl von Postscheckkonten innerhalb dieser Berufsgruppe aufweisen, vor allen Dingen die im Dienste des Geld-, Bank- und Börsen- wes«ns stehenden Firmen zu den treuesten Postscheckkunden. Neben Zritungs- und Zcitschriftcnverlegern(5713) sind weiterhin zahlreiche Zicistcherungsgesellschaften als Besitzer von Postscheckkonten ver- zeichnet,(5053). Unter den freien Berufen, in der Verwaltung und bei Behörden wächst die Zahl der Postscheckkonteninhaber von Jahr zu Jahr, so daß jetzt bereits mit 219 317 Kauten diese Berussgruppe d>e zweitstärkste Gruppe unter den Postscheckkunden darstellt (22,5 Proz. der Gesamtzahl). Aerzte(33 315), Rechtsanwälte(11347), Vereine, Verbände und Körperschaften aller Art(28 207) gehören schon seit langem zur Anhängerschor der bargeldlosen Zahlungsweise, der sich in steigendem Maße die Reichsbehörden(4273) sowie die Landes- und Provinzialbehörden(6673 bzw. 12531) anschließen. In der Industrie und im Handwerk endlich ist man sowohl im Großgcwerbe, d. h. auf seiten der Fabrikanten und son- stigen Industrieunternehmer, die über insgesamt 86 624 Konten ver- fügen, als auch im Kleingeiverb«(62 584 Postscheckkunden) von der Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs für das Geschäftsleben überzeugt, wie aus der starken Verbreitung der Postscheckkonten- Inhaber gerade innerhalb dieser Berufsgruppe hervorgeht. Ist(Lcarie ein Glücksspiel? Oer Prozeß wird bis zum Reichsgericht gehen. Zn dem großen Glück S'spiel-Prozeh gegen die Vorstände der„Geselligen Vereinigungen" am Zoo und am kursürsiendcnnm wurde unter Vorsitz von Land. gerichisdireklor Macard das llrieil verkündet. Die Angeklagten Borchardt und Dattner wurden wegen Beranstaltung öffentlichen Glückspiels zu 5000 refp. 2000 M. Geldstraf« verurteilt und die Augeklagten Freiherr v. T.ch.u�it.t b u r q und Bie r.ft.ste i n zu ze 3000 M. In der Ii r t e i4 g r-ü-n- du n-g führte der Vorsitzende aus, daß das Gericht grundsätzlich die Frage zu klären hatte, ob E carte an sich oder Ec arte mit Ehouette als Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel zu bewerten sei. Diese Frage müsse nach Ansicht des Gerichts dahingestellt bleiben. Auch derjenige, der es für ein Geschicklichkeitsspiel halte, müsse zu- geben, daß ungeheuer viele vom Aufall abhängende Faktoren mit- wirken und daß der Geschicklichkeit daher nur ein eng begren.zter �Raum bleibe. Eine Feststellung schlechterdings, ob das Grundspiel bereits ein Glücksspiel sei, wäre überhaupt nicht zu treisen. Es müsse immer latfrage bleiben, da die Möglichkeiten für die Art des Spieles und für die Berechnung durchaus verschieden wären. In beiocn Klubs wurde nun das Spiel gewohnheitsmäßig so betrieben, daß es.für die Mehrheit der Spieler ein Glücksspiel war. Do viele Herren nur ab und zu die Klubs besuchten, konnten sie die. Spielstarke ihres Gegners überhaupt nicht kennen, so daß man nicht annehmen dürfe, daß diese Spieler nur ihre Intelligenz erproben wollten. Falls Ecartä als Geschicklichkeitsspiel gespielt werden soll, so daß Gewinn und Verlust hauptsächlich von. der Ge- schicklichkeit des einzelnen Spielers abhängen, so wären hierbei fort- gefetzte Beratungen und Abstimmungen aller Mitspieler erforderlich, die hier nicht vorgelegen hätten. Der Vorsitzende sprach die Ansicht aus. daß dieser Prozeß alle Instanzen beschäftigen würde, damit das Reichsgericht endlich einmal eine �gmndsätz- liche Entscheidung zu diesem Streit fällen möge. Oer Lankwcher Handtaschen! auber. Acht Iahte Zuchthaus für versuchten Totschlag. Aan Sonntag,, dein 19. Januar d. I., wurde in der Marchand- siraße in'Lankwitz-Süd gegen 18. Uhr die 32jährige Frau Charlotte B. von einem Handtaschenräuber hinterrücks niedergeschossen. Der Täter flüchtet« mit seiner Beute und entkam. Die schwerverletzte Frau B. würde mit einem Lungenschuß in das Lankwitzer Kranken- haus gebracht. Der Tater sollte etwa 20 Jahre alt sein: aus seine Ergreifung wurde eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Jetzt stand, der Lankwitzer Handtaschenrüuber wegen schweren Raubes in Tateinheit mit versuchtem Mord vor deni Landgericht II. Es war nicht ein 20jühriger Bursche, sondern ein 34jähriger M a n n namens Schlswe. Seine Beute betrug nicht zehn, wie ursprünglich gesagt worden war, sondern bloß sechs Mark. Im Gegensatz zu den Räubern, die mau in Moabir fast täglich sieht, war Sch. kein un- beschriebenes Blatt mehr? sein Slrasregister zeigte sechs Vor- strafen, sämtlich wegen schweren Diebstahls, darunter eine Strafe von sechs Jahren Zuchthaus. Die letzte Strafe, ein Jahr Zuchthaus, hatte er im August 1929 verbüßt. Ansang dieses Jahres verließ er plötzlich Koblenz, wo er sich bei einer Schwester ausgehallen hotte. Als Reisegeld nahni er seinem Schwager 240 Mark ab.„Er hat mich nur als billige Arbeitskraft ausnutzen wollen", sagt er zu seiner Rechtfertigung. In Berlin war das Geld in einer Woche oerpulvert. Für 12 Mark kaufte er sich eine Pistole.„Well man sie mir preiswert.angeboten hatte. Ich wollte sie weiter verkaufen." Am 18. Januar befand er sich, unerwartet für sich selbst, in Lankwitz. „Was ich da jvollie weiß, ich nicht." Ecke Marchandstraße und M�riendprser Straße fragten ihn zwei Frauen nach dem Wsge.„Sie müssen noch ein Stückchen weiter gehen", sägte er. Die Frauen gingen weiter, Schlewe hinter ihnen her. Plötzlich rief er:.„Hände hoch!" Im nächsten Augenblick krachte schon ein Schuß. Schlewe ergriff die zur Erde gefallene Handtasche und lief davon. Am Nächsten Tage vertrank er sein ganzes Geld— die erbeuteten sechs Nazimamt em Gr„hat mit dem Kopf zu tui Der Nationalsozialist in Reinkultur, der am 10. Dezember o. I. die Zimmer, die er bewohnt hatte, mit Hakenkreuzen und den In- fchriften„Rache",„Deutschland erwache",„Heil Hitler" und ähnlichen Verzierungen verunreinigte, elf Fensterscheiben einschlug, drei Türfüllungen zersplitterte, Garderol'enspiegel zertrümmerte, sänu- liches Geschirr seiner Wirlsleute in Scherben schlug, Küchenfchvank und Stuhl kapuU machte,— dieser Nazi in Reinkultur, Vorbote des Dritten. Reiches, hatte sich vor dem-Schöffengericht Chor- loitenburg wogen Sachbeschädigung und Bedrohung zu verant- worteu. „Propaganda für das Dritie Reich", ineinte der Staatsanwalt. „Weniger Propaganda für das Dritte Reich", hieß es in der Urtells- begründuug,„als Aeußerungen eines prähistorischen Höhlen- bcwohners, eines Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, der sich auf das Niveau des vielumstrittenen Steinzeitalters zurückgeschraubt hat." Tresslicher koimto man den Nationalsozialisten nicht charakteri- sieren. Dieses nationalsozialistische Steinzeitgsschöxf mit Namen Graf stand mm vor dem Schösse ngericht und mußte sich verantworten. Plötzlich war diese ganze satte Raserei gar nicht böse gemeint: es war nur ein teutonischer Zornausbruch, weil seine horten Wirts- So tobte sich der Nazimann aus! bißchen dual. i" und schlägt alles Raputl, leute ihn vor Weihnachten mit Frau und Kind opf die Straße fetzten. Er habe„mit dem Kopfe zu tun" und dann wisse er nicht, wie es mit ihin fei. Wie verhielt es sich in Wirklichkeit'? Der brave Malermeister hatte im Jahre 1928 für billiges Gczd beim Buch- drucker H. in der Uhlandstraßc ein Leerzimmer bezow-n Anfangs ging alles gut, man vertrug sich, Frau H. verHals chrem Mieter mitunter auch zu Arbeit, sorgte, wenn die Eltern nicht zu Hause waren, für das zweijährige Kind, mit einem Worte, sie war eine gute Wirlin. Politische Auseinandersetzungen gab es nicht. Dann schaffte sich aber der Malermeister ein Verhältnis an, nernachläfli-gte seine Frau und gab ihr kein Wirtschaftsgeld. Er. der germanische Nationalsozialist, nannte seine Ehefrau.Mistsau" und„DreAsau". mißhandelte sie und warf sie aus dem Zimmer. Die Wirtsleiue nahmen sich ihrer an, räumten ihr und ihrem Kinde sogar eine Kammer ein. Das Verhältnis kostete Geld, es haperte auch mit der Ahbeit. Der Malermeister blieb mit der Miete im Rückstände. Da miflüel dem Nazi plötzlich die kommunistische Ueberzeugung seines Wirts— in Wirklichkeit ist er gar nicht Kommunist— brüllte zu jeder Zpges- und Nachtzeit.„Heil Hiller" aus Die Nachbarn de» schwerien sich über den ewigen Radau. Es blick nichts anderes übrig, als'den Helden durch eine gerichtliche Klage zur Räumung des Zumnsxs zu zwingen. Am 10. Dezember sollte er endlich hin- aus. Er stiehl die fürchterlichsten Drohungen aus Am Sonntagabend entdeckte Herr H. an Decke und Wänden des Wohnzimmers die Hakenkreuze, die Worte Mach«" und dergleichen mehr. Am nächsten Morgen war der Korridor bepinselt, am Abend auch die Jalousien von der Buchbruckerpi und die Wand: man las da:„SPD.-Strolch". „Lump" usw. Die Bedrohungen gingen weiter. H. rief das lieber- fallkommando an. Als am Dienstag der Gerichtsvollzieher erschien und die Möbel herauszutragen begann, wurde der Nazimann voll- kommen wild. Er schrie wieder etwas von„blauen Bohnen" und begann die Wohnung zu demolieren. Jedesmal wenn eine Fenster. scheide klirrte, rief er„Heil Hitter" und unten antworteten sein« Gesinnungsgenossen„Heil". Wegen der Beleidigungen hatte das Ehepaar H. überhaupt keinen Strafantrag gestellt„Ein Mann von so niedrigem moralischem Niveau kann uns nicht beleidigen." Der Staat samrnlt beantragte sechs Monate Gefängnis für Sachbeschädigung und Bedrohung. Das Gericht ließ diese nationalsozialistische Zierde mit drei Monaten Gefängnis billig wegkommen und billigte ihm sogar noch eine Bewährungsfrist zu unter der Bedingung, daß er seinen ge- schädigten Wirtsleuten 500 M. in Roten von 25 M. nwnallich ab- zahlt. Der Angeklagte versuchte, etwas abzuhandeln, dann besonn er sich eines Besseren und erklärte, das Urteil annchmen zu wollen. Mark und den Koblenzer Rest. Eine Katzenjammerstimmung über- siel ihn. Mittellos wie er war, sah er keinen Ausweg: vielleicht fürchtete er auch, sein Opfer würde im Polizeipräsidium seine Photo- graphie erkennen. Er stellte sich der Polizei. Die Belohnung von 500 Mark brauchte niemandem gezahlt zu werden.„Weshalb haben Sie sich gestellt", fragt ihn der Vorsitzende.„Weil ich ein Esel bin. Jetzt wissen Sie es genau." Diese Antwort beleuchtet schloglichtarllg die ganze Persönlichkeit des Angeklagten. Es ist ein verärgerter, verbitterter Mensch, der sein Leben verpfuscht sieht, und der sich in elner ständigen Trotzcinstellung zur- Gesellschaft und seinen Mit- menschen hineingerannt hat. Vielleicht ist er auch nicht mehr ganz in Ordnung. Als er lauter sprechen soll, meint er:„Donnerwetter, reizen Sie mich nicht. Ich bin doch kein Lautsprecher. Soll ich für das Gesindel im Zuhörerraum auspacken." Der Staatsanwalt beantragte für schweren Raub in Tateinheit mit versuchtem Mord zwölf Jahre Zuchthaus. Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten wegen räuberischer Erpressung, in Tateinheit mit versuchtem Totschlag zu acht Iahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Was soll man schließlich mit diesem Menschen anfangen? Radikale hauen und siechen sich. Auf dem Rummel in der K a st a n i e n a l l e e kam es gestern gegen 21 Uhr zu Zusammenstößen und Raufereien zwischen 'Nationalsozialisten und Kommuni st en. Nochdem der Platzmeister die Streitenden vom Rummel oerwiesen hatte, setzten sie die Prügelei auf der Straße fort. Da die Nationalsozialisten in der Uebermacht waren, alarmierten die kommunistischen Gegner ein Verkehrslokal ihrer Partei, aus dem Verstärkung heranrückte. Die Nationalsozialisten ergriffen die Flucht, wobei einer der Prügelhelden einen Dolch zog, in der Hitze des Geiechtcs aber einen Gesinnungs- genossen in den Unterleib traf. Als das Ueberfallkonmiando der Polizei erschien, war der Kampsplatz gesäubert, denn die Kam- munisten hatten den verwundeten Nationalsozialisten, den seine Freunde mit dem Stich im Bauch liegen ließen, inzwischen ob- Der Vortrag von Hermann M a a ß über„Die Lage der Jugend in Berlin", der Auftakt zu einem Zyklus, weist klar darauf hin, daß der größte Teil der Berliner Jugend im Erwerbs- leben tälig ist und daß eine Schicht, die nur Bcrgnügungen oder policische Extravaganzen kennt, eine Ausnahm« bedeuret. Dieser erste Vortrag zeigt noch nicht die ernste Arbeit der Jugend an sich iolbst außerhalb des Berufes, aber es bleibt erfreulich, wenn der Rundfunk eine große Hörerschaft auf das wahre, unentstellte Ge- sichi der Berliner Jugend ausmerksam macht, auf eine Jugend, die sonst von allerlei extremen Herrschaften für sich reklamiert wird und die nicht daran denkt, sich in verschiedenen politischen Utopien zu verliere». Es folgt eine Unterredung Professor Hans Reichen- b a ch s mit einer Studentin über das Thema„W a r u m st u- dieren wir Philosoph! e'?". Es ist eine kluge, geistreiche Unterhaltung, fast ein Stechen mit Silben, eine virtuose Be- hcrrfchung der Dialektik. Der Hörer erkennt die Wahrheit dieser Diskussion, aber er muß auch einsehen, daß unter den augenblick- lich gegebenen wirtschaftlichen und politischen Umständen kaum die Erfüllung eines rein wissenschosilich orientierten Studiums möglich ist. Die Philosophie ist für die Einzelstudien der Generalnenner, auf den die Erkenntnisse aufgehen. Doch wer fragt heute in der Wirt- schastskrise, da die meisten Studenten nicht einmal Zeit haben, ihre Berussstudien zu erledigen, noch danach? Dieses Problem kann nicht innerhalb des cngzezvzenen Rahmens erschöpfend erörtert werden.„Der Thespiskarren", die späte Abendunterhaltung, mittelt einen Ueberblick über die wandernden Tourneetheater der älteren Zeit, da Kainz und Matkowsky noch nicht als Stars alänzten. Anekdote reiht sich an Anekdote und an theaterwissenschastliche Betrachtungen. Längst Vergangenes taucht aus der Versenkung empor, und vielleicht erinnern sich allere Hörer noch an die Süßigkeit dieser Ding«. Es ist eine schön« Erinnerungsstunde. F. Sch. transportiert. Der Messerstecher wird als ein etwa SYjähriger großgewachsener Mensch geschildert. Radikale unter sich! Beschämendes tägliches Geschehen! Wen trifft die Schuld? Die Goebbels und N e u m a n n, die ihren Anhängern gern die Gewalt predigen und nachher Empörung vor- täuschen, wenn die Opfer blutend auf der Straße siegen. Lawinenschäden im Berner Oberland. Mehrere Dahnllnirn verschüttet. Basel, 5. März. Ans dem Veraer Oberland werden infolge des Tan. wetters und der starken Regengüsse der lchken Tage zahlreiche Lawinennlckergänge gemeldel. In der Nacht von Mittwoch aus Donnerstag hat am Brienzer See eine gewaltig« Lawine die Bahnlinie und die rechte Uferstraße oerschüttet. Bei Glarus hat eine Lawine drei Brücken weg- gerissen. In der Nähe von Ettn wurden durch zwei Lawinen die Gleise der Sernstal-Bahn verschüttet und der letzte Abend» zng Zwilchen den beiden Lawinen blockiert. Geheimnis um ein Brillantarmband. „Können Sie mir dies Armband reparieren-?" fragte eine Dame, die sich als Filmschaujpielerin ausgab, einen Juwelier im Zentrum der Sladt. Aus dem Platinarmband war nämlich«in Brillant ixrausgefallen. Der Juwelier sagte:„Selbswerständlich!", war aber sehr erstaunt, als die Kundin ihn fragte, ob sie, wenn sie das Stück verkaufte, wohl 100 Mark dafür bekäme. Der Kenner hatte nämlich gesehen, daß dieses Stück mindestens seine zehntausend Mark wert ist. Er schöpfte Verdacht und benachrichtigte die Kriminalpolizei. Den Beamten erzählt« die Filmschauspielerin bei ihrer Vernehmung. daß sie in einem Luxuslokal Unter den Linden in Gesellschaft eines Deutschamerikaners gewesen sei. Der Kavalier habe ihr zur Erinnerung an das Beisammensein das kostbare Armbond ver- ehrt. Ob das wahr ist. wird die Untersuchung ergeben. Dos Armband ist«in auffallendes Stück, es besteht aus starken Gliedern, die«inen Durchmesser von 1% Zentimeter haben, und ist über und über mtt Brillanten besetzt. Geschenkt oder nicht geschenkt,— in einer Zeit, da Taufende ohne Brot sind, mutet ein Armband von 10 000 Mark Wert, das gleichsam von Hand zu Hand wandert, r e ch t p e i n l i ch an. Zentraloerband der Arbeilsinvaliden und Witwen Deutschlands. Gau Groß-Berlin, Geschäftsstelle: Verlin W. 57, Bülowstr. 49. r. Stfl„ 1 Tr. Freitag, 6. März 1931: Reinickendorf-Weft. Volks- haus,«charnweberstr. 113. abends 7 Uhr: Kreuzberg II, Oranien» Festsäle, Oranienstr. 118, nachm. 5 Uhr: Baumsehulemvea. Haß. Baumichulenstr. 72, abends 6 Uhr: Tegel, Lokal Lehnhirdt. Berliner Str. 64, abends 6 Uhr: Prenzlauer Berg l. Lokal Hoffmanns Feit- säle, Schwedter Str. 23, nachm. 4 Uhr: Referentin: Kollegin Haß: Sonnabend, 7. März 1931: Kreu.zber» IV, Schulaula. Gneisenau- straße 7, nachm. 4 Uhr: Referent: Gauleiter Kolleg« Voigt. Schutz vor "4m? Ansteckung bei Grippe u. Erkältungsgefahr Von mehr als 14000 Ärzten begutachtet und empfohlen, Glu mit Jetzt 56 TtbUtien M 1.75. Feierstunde für die soziale �adiohilfe.\l Der Arbeiter- Radiobund Deutschlands hat schon � 'ut mehreren Jahren«ine soziale Rahiohilfe eingerichtet, die .�chwerb�e schädigten, Erwerbslosen. Sfsentlichen -l n st a l t e n usw. kostenlos, nur gegen Rückerstattung der Selbst- tosten, Empsangsapparate stellt und diese später betreut. Die Mi:- g lieber des Arbciter-Radiobundes sind in der Sosiolen Radiohilfe c hrenamtlich tätig. Da die Gesuche um kostenlose lleberlassung von Apparaten In der letzten Zeit aus materiellen Gründen nicht mehr 'u bewältigen sind, versucht die Soziale Radiohilfe, sich neue sinan- ielle Mittel zu schassen. Di« Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Radio- bundes veranstaltet deshalb am Sonntag, dem IS. März, vormittags 11 Uhr, im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Straße 120. eine Feierstunde für "ue Soziale Rad'ohilse. Es wirken mit: Gertrud Etsioldt, Toni van Eyck, Paul Grätz. Alfred Beierlc Die aktuelle Klemkunstbühne >md das Vach-Orchester des Deutschen Musikerverbande« unter Lei- lang von Dr. Wolfgang Herbert. Die Ansprache hall die Vorsitzende - er Arbeiterwohlfahrt Genossin Iuchocz. Karten zum Preise von 50 Pf. inllusioe Garderobe sind bei den Funktionären der Orts- gruppe erhältlich oder können unter Bärwald 5311(Freidenkerhaus) und Südring 1156 telephomsch bestellt werden. Theater, Lichtspiele usw. Wintergarten. An demselben Abend, an dem die Berliner Presse wie üblich vor der Bühne des Wintergartens zur kritischen Schau versammcll war. verhauchte im fernen Düsieldors einer jener Künstler/die mu bieser Varieteebühne aufs engste verwachsen waren, Otto ReiUier, iein Leben. Noch lagerte über dem gewaltigen Raum eine gewisse Melancholie in Erinnerung an den plötzlichen Abbruch des von arößtem Erfolg gekrönten Eodona-Gastfpiels. hervorgerufen durch den Todessturz der Lilian Leitzels, der Frau Alfredo Eodomis. in 'lopenhaasn, da trifft den Wintergarten ein neuer Verlust. Aber wie im Theater so auch im Varieree. Die Lücke srbließt sich. Ein anderer springt ein. Auf fliegt der Vorhang. Musik rauscht. Das Spiel geht weiter... Wer steht da? Wer bringt die Berliner zum Lachen an derselben Stelle, an der Otto Reutier die Tausende einst lachen machte und von nun an niemals wieder? Loire Wert- n« i st e r. die eine ganz kesse, eine ganz duste Berliner Nummer binlegt. Bravo. Lollc, es lebe dein Humor Berliner Färbung! Du reißt auch den Melancholischen aus seiner trüben Laune Ein wilder, Kller und tollkühner Kerl ist George Dormondo, der auf einem Einrah einen Betrunkenen mimt und dabei mit einer unglaublichen Sicherheit herumtost. Wild und toll agieren auch die 21 arabiick�n Springer, die heute noch, wie die fahrenden Gaukler vor IM Jahren iman sieht es auf allen Stichen), turmhobe vierstöckige Pyramiden bauen und rassige unübertrefsliche Sprinakünste e.invickeln Atemlos und gebannt sitzt man vor den mit tödlicher Sicherheit und mit höchster Eleganz ausgeführten vielfach variierten Handfto ichkünsten blutjunger Eiresen. Hingegen bieten die vier Philipps lmen äiißerst schwierigen und gefährlichen, aber trefflich ansbalaij- eierten Kopfsta ndalcichgewicht-akt. Auch die Kopfbalanccn M i- l e l t e s auf dem Trapez werden mit größter Sicherheit ausgeführt. Vom Programm grüßen wieder, wie vor drei Jahren, die graziösen Schwestern Karolewna, die ihre Tänze(tänzerisch nichts Neues) und ihre Körperfchönbeit ungemein wirksam durch Kostüme von höchster geschmacklicher Raffinesse zur Geltung bringen. Sehr 'i Ott und sehr schmissig im gehackten Rhythmus sind die Tonzburlesken hon Delfont und H c li d. Des Schollen Duncans Hunde- »amödie ist eigentlich eine kleine von den Hunden gespielte Tra- gödie. aber eine bisher noch nicht gesehen« von den prächtigen Tieren mit so großer spielerischer Hingabe gemimte Sache, daß das Haus Tranen lackst, und die braven Köter mit rauschendem Bestall aus- zeichnet.'_' Voriräge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz Rot-Gold'. SesSiS'tsNell»! Berlin S 14 Lkbaktianftr 37-3fc So' 2. Tr Jirci« DOfB. kiunobamirrkarneraden. die iüd an einer ZXierfabrt fil» noch rzür'Kicn beleiTwn wollen(flofttnpunlt 16 M l. meld-n tickt innaedend bei ibrein?i.aendfWrer. Äll« itbriaen?tuiiabannerkam-raden falirerr Altern nacki Laoon- tOftikirnderal. Die ZuaenSktilircr me'inn bem Kamera d-n •ro-j umoehend die?eilnel>m«r?al>l.— Zreitoa,«. Mär». Liidtcnbera. Bcr, g-inminnaen um 20 Ufic: Kameradtitakt Zorboaen bei Stöwer.?una.«Ecke -zeicrslraäe. Äamcradsiraft Nuimnelsdnra bei Brünn, SUrrtchmidtsir. 40. .< imeradickaft tSuiia» Temoel bei Ziodeoalt. Z'onnannrnstr. SS. Mitte, ö. Kanie. -rdlltakt?>t Udr Dutsaimnluna im itosrntbaler Sok. Kamcradsckxiit-anaeleaen. (leiten. Wilnrredoit titunabanneri 20 Ut>r Seimadend im ktugendlteim�Wil- nierodors. Beiereut: Kamerad Zavlowsii. Thema:.Sdrilnqo Krieaoplan", Sonnabend.?. Mär», lv Ubr eintreten»nm Auomaricki nack> Ertner. Bahnftoi irckimarnendori.— Sonnt»«, s. Mär». Mitte. 6. KarnctobWatt. 9 Ufte Kame- »adtckatrsversammliina fiel Sundert. Elia n er Str. 86— täi. Wintersnortadteilnn«. 0,% Udr Treffounkt Slitttuct 4>oV»£ibaI)nlKM. Isahrt nach Birtenwerdcr. AattertnortabteiUlutü Zu« Tegel. 16 1ll>r Mitqlicdervcrsanunlunä im Bootsbaus. iiÄfte willlomtueii._ Teuticher Stentnertmrb e. D. Defientlichc»undaebuna Donnersta». 12 Miir». '1 Ilbr. in den Kammeriälen. Berlin, Tcltowcr Str. 1—4, Ecke BeUc-Alliance- .Slrabe. Soelalista Eloerairt» Bloeio Groh. Berlin. Achwnq!'Alle Kameraden besuchen die Ai strelluna in der Andreoegraße 21. iSeiiffnet bis 6. Mär». 22 Ilbr, ffrci. int, zm Ilbr, Esveronto.Reierat dort. Eonntao. 8. Mär». Wanderuna nach Strausbera und dem ÜSnacrsce. Treffpuntt 8 Ilbr Babnbof Strausberg. MEPTER SEIT 75 JAHREN Hefters londerangebote Kalbfleisch.... la Rindsroaladen �■apienf lelwch., Kaßlep-SchnU. Oer P f u ti d von Mk. an O SO .... Mk. 1.85 . von Mk an O.OO Mk. O.OO Ciepitbelte tüchwelnskUfpe..,«.30 Fetter Speck.......... 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Sikla Sonntags 4 Uhr Kleine Preise Die schOnc Alexandra Reichshallen-Theater Iteuilj Ct) Sarnillg üsdraiittig fTTI Dir Stettiner Singer „Die Tiroier ans üem Kragperut** Pras-Hibaa: taiPiiiiitTiPf. ------------ Hittd-PafketttH. OnJiesttrah uml logen 1.50 M. Nachm. ermäBIgte Preise! BBnliott-8reHl:Vailetfe-Koiig.-Tang Inserate im Vorwärts bringen Erfolg! Bekanntmachung. Sic Gläubiger von solchen HqpotHeten. Grundschutden, Reniensdnilden und Real. lasten, die nach dem Aniwertungs- geseg aufgewertet find, deren Aufwertung aber im Srunbduch noch nicht«ingelragen Iii(f. B. von noch etngeiragenen Paviermarlrechten: aelöichten. infolge Bor- behalt« oder Rückwirkung ausgelebten Rechten; abgetretenen, für den ftüherett Gläubiger aufaewerleten Rechlenl, Haben den Antrag auf EtMtagung der Aul- Wertung des Rechts fpitieftens bis zum Abiauf des 81 Mär» iflSl bei dem ,u- lliindigcn Grundbuchamt zu Hellen. Wird der Antrag mdjt recht»eittg aestellt, so er- Nicht das autg wertete Recht am Grund» stück; soweit es noch tm Grundbuch ein- getragen ist, wird es von Amts wegen gelöscht Berlin, den 4. März IS31. Der DrSsidsuf dr»«Nttngerirltis verllu-mitte zugleich tm ZIamen der ZZräsideuteu der Cuudgrrlchke II und III verllu. JUERGENS Alexandorplatz Neu« K6nlg«tr. 43 wo speist nun gut und ülllls? aross"Berlin Aloxantfprplatx liftrgn von Wiese öle gehen prdzise ZorluOendweilie und Elnsediiang ss( eine Armband- oder Tasdiennitr das beste Geschenk I Coldene Damen-armbandmir to Steine, Schweizer Werk SO.— K. SUDerne Berrtn- annbnnilnDr 10. S».—. acrren-TastDcuEiu-........... von 5.50 an Paucude Etutcgaungs-Gesdienke tu allen Preislagen Zwei Jahre schrittliche Garantie r£a Tracerfeier findet am /Dienstag, dam 10. März, um 17 Ohr, im Krematbrium Baumscbuienweg statt, DtnHlverstopfung. 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Wiederholungsrabalt: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Warte Abschluß 10 Praz., 2000 Warte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz.' Stellengesuche: vberschrifts- wort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4l'* Uhr nachm. im Verlag, Undenstr. 3, oderauch in sämtlichen Vorworts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein 22. Ziehungstag 5. Marz 1931 ?n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 jtt 25000 W. 98532 10«tumm« M 5000 931. 26515 7S406 206025 282750 382224 . U ftosinae ju 3000 9!!. 16415 94253 130764 26672t 307487 350173 376085# CO•rtiinne|» 2000 930 14792 65957 69047 73141 73582 108140 110291 111866 122322 134352 141213 145137 152827 154979153509 180388 182619. 234287 242149 245454 279025 286354 299445 300111 304395 305873 308800 316900 32S615 368740 106«'«IBinne m 1000 931. 27955 31129 35036 35850 44268 50221 52730 54356 59064 62738 69106 81 657 91244 95834> 06845 123884 128332 134628 143599 145127 151114 153090 I5S581 189004189613 223033 227065 251745 253089 252965 2681 21 272614 277089 279319 282214 283794 288400 307181 307376 212157 313042 320518324057 288402 275 334175 335966 344734 360257 364953 366927 385735 ..2»***>*«1" M 800«. 2834 4468 6407 11613 11768 16694 16665 21176 27312 28964 34828 35858 37928 46428 60261 84389 65461 57062 57999 64440 66349 87178 72463 72990 73594 75014 75221 7f52Le3?l!„89009 90480»222 1 93594 100182 100306 102234 118620 Z3?!8? 142767 144312 145678 147174 148392 148477 151278 '32300 154870 166643 158724 160091 162098 164280 165025 172841 1'S»70 183427 188626 195167 211749 211764 213227 219351 235063 238424 239822 240782 242455 247359 247864 250424 251 108 261200 404685 267755 27047b 272477 272486 277195 283187 293081 296773 300331 306381 306500 310097 314440 314556 319649 321231 322487 32255b 326274 335141 335294 337183 339858 340008 343993 345635 346-43 347282 349371 349482 351453 352648 360916 364040 364862 308559 374857 375154 380377 392118 303064 393740 394091 397060 398544 3n der heutigen Nachmitlagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4«-»Inn- jil 10000 W. 124431 344240 4 wewinns ,u 5000 M. 14S263 218069 1 6»«uiimc zu 3000 W. 2484 12653 19435 2 06 30 24871 48128 193636 367451 64®c»mnc 2000 M. 3286 16289 17954 25238 38399 40707 48558 84803 93875 104265 108758 112808 117652 127846�136774 168424 1 80370 250435 259856 265749 277272 288687 289640 300972 31 16C3 350182 352217 368261 376388 383830 388748 394616 98 tffroinnc m 1 000 M. 8848 1 1 839 29425 30352 40008 42380 47436 49387 52039 6I6I8 631 17 69678 69688 74967 77367 87484 90392 04500 96413 112314 119337 121835 122030 161439 ISbfiSl 157702 161007 181536 187112 III 149 205815 223135 210760 243152 247108 253527 277223 289379 298051 310829 320809 328888 334409 310456 355668 338543 360372 369006 391095 1 34»»Winne ,» 500 M. 2028 3661 6794 16202 23643 2S55S 30614 37629 43792 46751 47064 51359 75758 89111 93710 102694 108139 114723 127974 131647 138068 149630 163930 158947 168308168838 170712 171008 179040 182233 190949 197392 198122 201341 217797 218726 228399 231152 231983 232216 243315 251836 252216260520 262732 270160 277136 281175 288302 294216 295443 290066 300630 307509 308013 309432 328942 335227 338633 339716 347806 349953 363666 376725 376983 394294 394669 Im©eroinnrabc verblieben: 2 Prämien zu je 50000p, 8 Gewinne zu je 250U0, 32 zu je 10000, 104 zu je 5000, 256 zu je 3000, SWMMWWWWWW�' h 2206"»WWW 750 zu je 2Ü0CL 1362 ,u je iooa" 400 Mari. zu je 500, 6048 zu je DsDlsdin MlarbEiter-VeibaDd VerwaltunguicUe Berlin Todesanzeigen Pen Dülgltebctit zur Nachricht. daß unser Aollrg». der Monlenr Wilhelm �ieier am i MSrz gestorben Ist. Sie Ikinäschcrung findet Freitag, den S. MSr�. 10% Uljr, im Stccma- torium Berlin,(Serichtftraße, statt. Am t. März starb unser Kollege, der Nohrleger Karl Ließ gebaren am 25. Januar 1866. Sie Beerdigung findet Montag. den 9. MSrg. 14»', Uhr, non der Leichenhalle de» Neuköllner Gemeinde» sriedhof.s. Mariendorirr Weg. stolt. Eher ihrem Andenleu'. Rege Beteiligung wird erwartet. vi« Ortsrerwaltun;. Nach nieten Leide», aber doch pidtz. Ilch und unerwartet, verstarb am Dienstag, dem Z. März. 51/« Uhr. unser lieber guter Sohn, Bruder und Schwager Kurt Henke im AUer von 21 Iahren. Die tiesdetriibten Eltern Per-el. Henke and Frau Willy Henke Erleb Henke Martha Roedlich, geb. Henke Willy Rocdlidi Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 7. Marz. Ki'it Uhr, im Krematorium Derichlstroste statt. Dooluagung. Llllen Freunden und Kollegen, welche meinem lieben Bruder die letzte Ehre erwiesen, sage ich meinen herzlichsten Bant Mathilde Friedrich geb. Taneh. 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Beilage des Vsrwäris Freitag, 6. März 4934 Löhne und Konjunktur. Voll lLurt Heinlg. Ab März werden die jahreszeitliäien Vorgänge uuf eine Erleichterung des Arbeitsmarktes hinwirken. Institut für Konjunkturforschung om 6. März 1931. Zur Verringerung des Arbeitseinkommens wird vom Konjunktur- institut mitgeteilt, dos; es sich in den zurückliegenden Monaten erneut stark vermindert hat. Der Rückschlag des Arbeitseüikommcns hat neuerdings einen Umfang angenommen, wie er in den legten herzig Jahren nicht mehr zu verzeichnen war! Vier Gründe sind die Ursachen: 1. Die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit: 2. die Verdienstminderung durch Kurzarbeit: 3. der Abbau der übertariflichen Bezahlung: 4. die Senkung der Tariflöhne. Das Institut schätzt die materiellen Auswirkungen der eben ausgezählten vier Ursachen zur Verminderung des'Arbeitseinkommens aus viele Milliarden Mark. Gegenüber dem Jahre 1929 ist im Jahre 1930 allein aus Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ein Verlust an Ein- kommen zwischen 3,5 und 4 Milliarden Mark entstanden. Die Last der Arbeitslosigkeit ruht auch insofern auf der Kauf- traft der Arbeitnehmer, als sie eine Erhöhung der Beitragsleistungen zur Arbeitslosenversicherung von 3,5 auf 5,3 Pro- z e n t betragen. Bei den Beamten und Angestellten hat sich seit dem chcrbst 1930 das Einkommen durch die Rcichshilse vermindert. Zum Teil ist die Einkommcnsminderung zwar nur eine Einkommens- Verlagerung großen Stils, denn der Gesamtaufwand für die Unterstützungen der Arbeitslosenversicherung, der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtspflege der Erwerbslosen ist für 1930 mit annähernd 2,5 Milliarden Mark, wahrscheinlich mit sogar 3 Milliarden Mark zu veranschlagen. Dieses Geld kain den Aermsten der Armen— den Arbeitslosen—, zugute, und durch sie wirkten jene Geldmengen als Sozial- Rückversicherung des Mittel st andes. Während das Unternehmereinkommen nach dem Institut für Konjunkturforschung ebenso stark beeinflußt worden ist wie das Arbeitseinkommen, Hot das Vermöge nseinko in men das Jahr 1930 außerordentlich gut überstanden, wie die Einnahmen aus dem Steuerabzug vom Kapitalertrag zeigen. Diese lagen im vierten Vierteljahr 1930 noch um 13 Prozent über dem Vorjahr. Hierin äußert sich einmal die durch die Krisis wohl gehemmte, keines- wegs ober unterbrochene Vermögcnsbildung. Außerdem wird«ine große Reihe von diesen Einkommen von der Konjunktur überhaupt nicht berührt, weil sie aus langfristigen Bindungen beruhen. Auch die Politik stabiler Dividenden trägt dazu bei, daß das Bcrmögenseinkommen sich nicht vermindert hat. Ueber die Aussicht der Arbeitsverhältnisse schreibt dos„In- stitut", daß vom März, also von jetzt an, aus jahreszeitlichen Gründen mit einem Nochlassen der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist. weil nun in den Äußcnbcrufen die Arbeiten wieder aufgenommen werden können. Dabei ist aber zu beachten, daß die Belebung im Baugewerbe, da? die wichtigste Stütze für die saisonmäßige Entlastung bildet, in diesem Jahr möglicherweise geringer sein wird als in früheren Iahren, weil die Menge der Bauten dieses'Iahr sicherlich wesenllich geringer sein wird. Neben der saisonmäßigen Entlastung des Arbeitsmarktes, die man als sicheren Faktor einstellen kann, bleibt die Frage, ob außerdem noch eine k o n j u n fkü r e l l e Entlastung eintritt. Bei kritischer Beobachtung aller Tatsachen ist hier noch nicht ohne weiteres Optimismus am Platze. Auch dann, wenn eine erste Belebung der Produktion eintritt, bedeutet das nicht sofort Einstellung von Arbeits- kräfteiu Außerdem muß von der zunehmenden Produktion erst die Kurzarbeit aufgesaugt sein, ehe Arbeitercinstellungen er- folgen. Im übrigen ist auch darin dem Institut für Konjunkturforschung zuzustimmen, daß die ersten Anzeichen einer Konjunktur- b e l e b u n g sich überhaupt nicht in der Produktion bemerkbar machen. Sic tritt vielmehr auf den Märkten zutage, aus denen die Spekulation sich am deutlichsten offenbart. Die Börse istchas empfindlichste Konjunkturbarometer. Daneben gilt das für einige bärfen- mäßig organisierte Warenmärkte. Erst also, wenn sich auf dein Aktienmarkt und auf den Rohstossmärkten gewisie Belebungen zeigen, wäre dies als Auftakt der konjunkturellen Besserung zu betrachten, dem die Belebung der Produktion und weiterhin des Arbeitsmarktes erst in gewissem Abstand folgen würde. Zu beachten ist, daß tat- sächlich an der Börse im vergangenen Monat Februar der Gesamt- index aller Aktien um rund 10 Prozent gestiegen ist. Soweit Kon- junktur überhaupt im voraus abgeschätzt werden kann, scheint das „Institut" recht zu haben, wenn es annimmt, daß unter gün- st ig st en Umständen im Herbst 1931 eine deutliche konjunkturelle Verminderung der Arbeitslosigkeit erwartet werden darf. Die Sorgen der breiten Massen des Volke- bleiben also zur Zeit noch groß genug. Sie verlangen von allen verant- wortlichen Stellen soziales Verständnis und bedeuten nach wie vor harte soziale Auseinandersetzungen. Das Wichtigste ist, daß die verrückte und reaktionäre Idee der sogenannten zweiten Lohnabbau welle jetzt endgültig stirbt, sonst erstickt die Aus- ficht aus Auswärtsentwicklung in weiterer Verminderung des ohnedies schon am Tiefpunkt stehenden Arbeitseinkommens. Schweres Echiffahrtsjahr. Trohdem Hapag- und Lloyd-Otvidenden. Die schwer« Weltwirtschaftskrise hat die Entwicklung der Seeschiff- fahrt im letzten Jahre stark beeinflußt. Der allgemeine Rückgang des Welthandels brachte iwtwendigcrweif« eine zunehniendc Verschlechterung in der Ausnutzung des Frachtenschiffsramnes mit sich, die durch das schon vorhandene Ueberangebot an Frachtroum die Verhältnisse in der internationalen Seeschissahrt äußerst zuspitzte. Bei den jetzt vorliegenden ersten vier Abschlüssen deutscher Groß- reedereien kommt die Schifsohrtstrise auch deutlich zum Ausdruck. Zwar zahlen die beiden siihrenden Gruppen, die H a in b u r g- Amerika-Linie sHapag) und der Norddeutsche Lloyd in Bremen, die im vergangenen Jahre eine enge Jnteresjen- gemeinschaft abschlössen, eine Dividende von K Proz., doch muß die hierfür erforderliche Summe von 19,2 Millionen Mark aus der Reserve der amerikanischen Freigabegelder aufgebracht werden. Nach dem vorläufigen kurzen Abschlußbericht werden die A b s ch r e i- Hungen der Hapag-Lloyd-Union mit 47,2 Millionen Mark— also rund 7 Millionen Mark höher als im Vorjahre— angesetzt, für die Kprozentige Dividende 19.2 Millionen Mark beansprucht und für Sonderrücklagen bei der Hapag 24.6 Millionen Mark und bei dem Norddeutschen Lloyd 10 Millionen Mark zurückgestellt. Die Gesamtsumme, dl« für die Gewmovertcilung. Abschrrttnmgeu Vor dem Ende der Weltkrise. Das Konjunkturinstitut zur Wirtschaftslage. Das Institut für Konjunkturforschung hat wieder sein Urteil über die Wirtschaftsloge und wahrscheinliche Wirtschaftszukiinst abgegeben. In 0er Weltwirtschaft, wo Agrarkrise und Roh- stoffiiberproduktion sich verheerend ausgewirkt haben, wird allmäh- sich der Tiefpunkt erreicht. In Deutschland ist zunächst nur auf diejenige Erleichterung zu rechnen, die dos Frühjahr immer bringt. Hier wirkt sich der politische Rückschlag, der durch das Auf- treten der R a t i o na l f o z i a i i fte n jeit dem 14. September ein- getreten ist, noch sehr stark wirtschaftshemmend au-. Das gleiche gilt für dr« Monopol Preispolitik der Kartelle und be- sonders, von der Konsiimfeit« her, die Drosselung der Löhn« und Gehälter(vgl. den nebenstehenden Artikel von Kurt Hcinig). Das Institut schreibt zusammenfassend: Die Weltkonjunktur Ende Februar 4934. Die Welkwirtschaskskrise Hai sich im letzten Vierteljahr 1930 weiter v e r s ch ä r s t. Räumlich erreichte sie durch die Einbeziehung aller Volkswirtschaften ihr überhaupt mögliches Maximum. Die verlangjamungen im Rückgangstempo, die sich in der vorausgegangenen Periode, unter anderem in den Vereinigten Staaten von Amerika, zeigten, wurden durch beschleunigte Rückgänge abgelöst. Seit der Jahreswende scheint sich eine neue, in der Intensität abgeschwächte Rückgangselappe anzubahnen. Aus einigen Mcltrohstofsmärkten hat die vorratszonahme teils aufgehört, teils sich vermindert. Bei im ganzen noch abwärts gerichteter Tendenz ziehen einzelne RohsZHsprejse an. An den internationalen Aktienmärkten sehten sich seit Milte Januar im ganzen Kurserholungen durch. Dagegen sind Produktion und Umsähe noch immer rück- gängig. Wenngleich der weltwirlschastliche Konjunkturrückgang noch nicht abgeschlossen ist, so dürfte sich doch die Rückgangsintensitäl vermindern und eine Vereinzelung der Rückgänge Platz greifen. Damit besteht eine gewisse Aussicht, daß der Tiefpunkt der mellwirl- schastlichen Konjunktur in nicht ferner Zeil erreicht wird. Die Konjunktur in Deutschland Ende Februar 4934. Die Wirlschaftstäligkeit hat sich auf nahezu allen Gebieten weiter verringert. Produktion und Umsah sinken, die Be. schästigung nimmt ab. Die Zahl der Arbeitslosen ist aus süns Millionen gestiegen. Geringer Austrageeingang und sinkende Rohstofseinsuhr deuten auf einen anhaltenden Ticssland der Pla- nungen hin. Im Export macht sich die internationale Absahstockung in erhöhtem Maß geltend. Die Aussuhr, feit herbst 1929 rückgängig. sinkt weiter. Da sich die Wirtschaftslage der wichtigsten Abnehmerländer noch verschlechtert hat, dürste der Export der deutschen Industrie zunächst weiter gehemmt bleiben. Die Faktoren des Binnenmarktes liegen gleichermaßen ungünstig. Trotz des Liquidationsprozesses, zu dem der konjunk- lurabschwung geführt hat, hält die Verknappung an den Kreditmärkten an. Die Investitionstätigkeit, insbesondere aus dem Baumarkt, ist dadurch stark beeinträchtigt. Die Verbrauchs- güterindustricn stehen unter dem Druck eines stark verringerten Masseneinkvmmens. An Gegenkräften sind vorerst nur die Bedarsssiauungen gegeben. Veranlaßt durch sinkende Preise und Unsicherheit über die künstige Wirtschaftsentwicklung, ist die Nachfrage vielfach über das durch die objektiven Tatsachen gebotene Maß eingeschränkt wor- den. So dürften die eisernen Bestände des Handels angegriffen sein. In dem Maß, in dem die zur Zurückhaltung mahnenden Tatsachen an Wirksamkeit verlieren, müssen diese Nach- sragereserven ausgelöst werden, vielleicht ist die Belebung der internationalen Aktienmärkte und zum Teil auch der Weltrohstosf- märkte als erstes Anzeichen hierfür zu weiten. Die Voraussetzungen für eine schnelle lleberwindunq des gegenwärtigen Tiefstandes sind für Deutschland jedoch noch nicht gegeben. Ab März werden die jahreszeitlichen Vorgänge aus eine Erleichterung des Arbeitsmarktes hinwirken. Diese saison- mäßige Entlastung wird fürs erste aber schwerlich durch konjunkturelle Faktoren unterslühl werden. Nazis fördern Wirifchastsdrama. Aus bem Bericht wollen wir noch folgende für die Wirtschafts- krise besoirders charakteristische Zahlen hervorheben: 1928 — 100 gesetzt, ist vom November bis Januar die deutsche industrielle Produktion von 75,6 auf 70,9 Prag, weiter abgesunken. Im ganzen Jahre 1930 ergab sich«in Produktionsrückgang in der In- dustrie um 15 Proz., was einem Nettowert von 6 Milliarden Mark entspricht. Die Umsätze lagen im vierten Quartal ebenfalls um 6 Milliarden oder 18 Proz. unter denjenigen'der gleichen Zeit des Vorjahres. Wir hatten im Februar. 5 Millionen.Arbeitslose, was bei 21 Millionen Arbeitnehmern für jeden vierten das Schicksal der Erwerbslosigkeit bedeutet, und wenn man auf joden Arbeitslosen nur ein Familienmitglied rechnet, war jeder sechste bis siebenie Deutsche ohne Arbeitseinkommen. Wir haben dieses Drama immer in erster Linie auf die Weltwirtschaftskrise zurückgeführt, die ihr« Hauptursachen wioder in der agrarischen und industriellen Ucberpräduktion, in der spekulativen llebsrausdehnung zahlreicher Industrien und in der monopolistischen Preisbeeinsluisnng nach oben haben. Für Deutschland besteht aber kein Zweifel, daß es innerpolitische und inner- wirtschaftliche Ursachen gibt, die die Krise viel schwerer hoben werden lassen, als es aus der weltwirtschaftlichen Entwicklung nötig gewesen wäre. Ein« dieser innerdeutschen Ur- fachen ist das Auftreten der Nationalsozialisten in der Politik. Das Institut für Konsunkturforschung schreibt über die Zeit nach dem 14. September:„Die Entwicklung des deutschen Geld- markte- stand End« 1930 so wie im Januar und Februar 1930 im Gegensatz zu der Bewegung der wichtigsten ausländischen Geldmärkte.... Die Senkung der Geldsötze im Ausland bei gleich- zeitiger Steigerung der Zinsen in Deutschland hat die Spanne zwischen den ausländischen und den deutschen Sätzen erneut erhöht. Sie ist gegenwärtig beträchtlicher als jemals in den letzten vier Iahren." Im Ausland gingen seit dem 14. Scp- tember die Zinsen ganz den Kriienverhöltnissen entsprechend weiter nach unten: in Deutschland, wo sie hätten folgen müssen, gingen sie seit dem 14. September ruckweise nach oben, wofür es nur politische Gründe gibt. Die nach dem 14. September oer stärkte Kapital- flucht hat selbstverständlich die Zinssätze auch nach oben gedrückt. Die Folge war, daß die Devisenkurs« besonders der Kapital- sliichtlönder Holland und Schweiz gegen Deutschland so stark ge- stiegen sind, daß Deutschland immer mehr Devisen und Gold zum Schutze der Markrvährung verwenden mußt«. Noch wichtiger aber ist, daß der Preisdruck bei der Industr'i« sich zu- gunsten des Auslandes verschärfen mußte, und da das Ausland mit seiner Valuta billiger kauft, mußte auch die deutsche industrielle Konkurrenzfähigkeit im Ausland sich vor- schlechtern. Das Bauen wurde erheblich verteuert, statt ver- billigt, wie es in Krisenjeiten selbstverständlich wäre. Bon Sep- tember bis Dezember sind die Nettokosten«rststelligcr Hypotheken von 8,70 auf 8,97 Proz. gestiegen, statt um mindestens ebensoviel zu sinken. Pfandbriefe wurden in Mengen abgestoßen. Mit den Auslandskrediten war es zu End«. Im Monatsdurchschnitt des vierten Quartals 1930 kamen nur 4 Mil- lioncn Auslandskredit« nach Deutschland gegen 129 Millionen Mark im Durchschnitt der ersten drei Quartale! Im Ausland stürzten serner die Kurse der deutschen Dollaranleihcn. Aiub sie hätten in der Krise steigen müssen. Wenn man die gesunkenen Kurse berücksichtigt, er- hielten die amerikanischen Zlnlciheninhaber für 6 kprozentige preußische Dollaranleiheu Mitte Februar nicht weniger als 8.14 und für 6 kprozentige Kölner Stadtanleihen nicht weniger als 8,27 Proz. Billiges Äuslandskapital ist jetzt in Massen zu haben, aber nur nicht für Deutschland! Deutsche Sparkapitalien wurden entwertet, weil auch in Deutschland festverzinsliche Papiere, wie Pfandbriefe, Kommunal- und Jndustrieobligationen sowie Ländcranleihen, im Kurse gefallen sind, statt zu steigen. 7prozentige Psandbriefe stürzten vom 4. Juli bis 3. Oktober von 96k Proz. auf 92k Proz. und iKitien sich bis Mitte Februar erst auf 93 Proz. erholt, 8prozentige Kommunalschuldoerschreibungen sind in der gleichen Zeit von 97.2 aus 92,6 Proz. gestürzt und haben sich erst auf 93,5 Proz. erholt. 7prozentige Industrieobligationen sind sogar von 91,1 ans 80,4 Proz. gestürzt und haben sich erst auf 80,9 Proz. erholen können. Der Industriekredit wurde durch das Auf- treten der Nazis in der Politik also am aller« st ä r k st« n entwertet! Alle diese Wirtschaftsfolgen des 14. September haben selbst- verständlich auch die Zlrbeitslosigkeit in Deutschland sehr stark er- höht, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß mindestens eine halbe Million mehr Arbeitslose das Ergebnis des 14. September auf dem Arbeitsmarkt waren. Die Torheit der Wähler, die freilich durch die betrügerischen Versprechungen der Nationalsozialisten irregeführt worden sind, Hot also in katastrophaler Weise das Wirtschaftselcnd vergrößert. und Sonderrückftelluugen erforderlich ist. stellt sich aus lOl Mllionen Work. Hiervon werden 75 Millionen Mark durch Heranziehung der amerikanischen Frcigobegelder gedeckt, so daß ein Rest von 26 Millionen Mark verbleibt der als Rohgewinn der Hapag-Lloyd- Union im lehlen Jahr angesehen werden kann, niit dem allerdings nur wenig mehr als die Hälfte der Abschreibungen hätte gedeckt werden können. Die hapag, die weit mehr al» ihr früherer Bremer Konkurrent auf das Frachtengeschäst angewiesen ist, hat die Krise weit schärfer zu spüren bekommen. So geht aus der Mitteilung der Berwallung hervor, daß der erhebliche Aussall an Frachtgut auch durch die guten Ergebnisse des Pasiagiergeschäsls, insbesondere des Expreßdien st es des Norddeutschen Lloyd nicht ausgeglichen werden konnte. Danach hat sich also der Pendelverkehr der Riesendampser de» Norddeutschen Lloyd(Europa unb Bremen) sehr rentabel gestallet, ohne daß die Einigung der beiden Schisfahrtsriesen Im März vergangenen Jahres das schon In den leh'en Jahren feststellbare Ucbergewicht des Bremer Lloyd über die hapag sich in der Krise von l930 erheblich verstärkt hätte. Die w o e r m a n n. L i n i e A.- G.(West- und Südafrika) sowie die Deutsche Ostafrika-Linie bleiben für 1930 wieder dlvidcodentos. Der Betriebsgewinn von 2.6 gegen 3.3 Millionen Mark reichte auch bei dieser Zateresieugemeinschast ui ch 1 zur Deckung der Abschreiduageu aus, für die 300000 Mark ous der Reserve herangezogen werden mußten. In dem Bericht der Woermann-Linic heißt es. daß 1930 eins der schwersten Jahre für die Seeschissahrt gewesen sei. Der Asrikadienst wurde besonders durch den Preissturz der wichtigsten R o h st o s s e, wie Kakao. Oelfrüchtc usw.. ungünstig becinslußt, der die Kaufkraft der Eingeborenen scharf drosselte. Verschärste Absahschwierigkeiien im Bergbau Der Versand des Rheinisch-Westsälischen Kohlcnsyndikats ist im Februar weiter stark gesunken. Er stellte sich aus nur 191 000 Tonnen je Arbeitstag gegen 224 000 Tonnen bzw. 219 090 Tonnen in den beiden vorhergehenden Monaten. Der Absatzriickgang entfällt ziemlich gleichmäßig auf das bestrittene und unbestritten« Gebiet. Auch der Kaliabsah schrumpft zusammen. Die Abladungen des deutschen Kallsyndikats sind im Februar auf 1,54 gegen 2,02 Millionen Tonnen im Februar 1930 gesunken. Diese enormen Absatzverluste sind«ine Folge der Welt- agrarkris« und der sich daraus ergebenden Kauskraflvcrlust« sowie der Einschränkung der Anbauflächen. In den beiden ersten Monaten dieses Jahres ist der Kaliabsatz um f a st 30 P r o z. hinter den Verkäusen in der gleichen Zeit des Vorjahres zurückgedLebttt. Die Lehrlingsnot. Oer Geburtenausfatt in den Kn'egsjahren blieb wirkungslos. Die Vefurchwngsn aus der einen und die Erwartungen auf unserer Seit«, die sich an die Rückwirkungen de» Geburtenaus- falls während der vier ftnegsjahre hinsichllich der Gestalwnz des Lchrlingswcsens knüpften, find durch die Wirtschaftskrise gegenstands- los geworden. Der für die Jahre 19Z8 bis 1932 auf Grund des Ge- burtenausfalls errechnete Mangel an Lehrlingen ist nicht eingetreten, statt dessen«in Ueberangebot zugunsten der Unternehmer im allgemeinen und der Lehrlingshalter im besonderen. Von der Arbeitslosigkeit wird die Zugend am schwersten belrossen, ganz abgesehen von den Fällen, in denen der Vater samt seinem Sohlte oder gar Söhnen erwerbslos ist. Die körperlichen und geistigen Schäden, d't sich aus der Beschäftigungslosigkeit der Jugendlichen er- geben, sind unabsehbar. Doch selbst der Teil der Jugendlichen, der das„Glück* hatte, eine Lehrstelle zu finden und dessen Väter«rwerbs. los find, ist nicht zu beneiden. Das sogenannte Kostgeld, das die Innungen imd ihre Handwerkskammern schamhaft in Er- ziehungsbeihilse umbenannt haben— wodurch es nicht mehr geworden st't soll nach den Richtlinien der Berliner Hand- werksk.ammer mindestens betragen: im ersten Lehrjahr ö M. wöchent- I'ch, im zweiten Jahre 7 M.. im dritten 9 M. und im vierten Lehr- jähr l2 M. Von dieser„Erziehungsbeihilfe* sind 3 M. f ü r F a h r- geld aufzuwenden und wenn auch nur eine Mark steigend mit jedem Lehrjahre als Taschengeld zugestanden wird, dann bleibt Z M. bis zu 5 M. für Berufskleidung, Werkzeug, für Kleidung und Ernährm'g übrig. Dabei sind es heute nicht etwa nur die Vierzehnjährigen, die eine Lehrstelle suchen. Siebzehn- und Achtzehnjährige, die von den höheren Schulen abgehen, abgehen müssen, weil den Eltern die Mittel für die Weiterbildung fehlen, machen den aus den Gemeindeschulen kommen- den Bewerbern um eine Lehrstelle Konkurrenz. Viele Jungen müssen erst ein Jahr warten, bis eine Lehrstelle für sie frei wird. Doch was dann, wenn die Achtzehn, bis Einundzwanzigjährigen„aas- gelernt* haben? Dann werden sie mit guten Wünschen für ihr ferneres Fortkommen entlassen, aus die Straße gesetzt zu den übrigen Gelernten und Ungelernten. die zu Hund�ten und Tausenden die Arbeitsnachweise überlaufen. Ihr Platz wird von neuenLehrlingen besetzt, ihre Arbeitskraft ist dem Lehrherrn zu teuer geworden und nun fällt für sie auch noch die Crziehungsbeihilfe und damit auch ihr Taschen- geld sort. Bei dem riesigen Ueberangebot an Lehrlingen, das die Lehr- lingshalter bei weitem nicht aufnehmen können, selbst wenn ihnen keine Schranken dabei im Wege ständen, wie sie teilweise durch Tarisvertröge wie durch Verordnungen des preußischen Handels- Ministers gesetzt sind, hoben die Herren reichlich« Auswahl und können ihre Bedingungen stellen. Die früheren Warnungen der Ge- werkschasten an die Adresse der Eltern und Bormünder vor der Au- sührung zu dem einen oder anderen aussichtslosen Berus, die Mah- nungen zur Vorsicht bei der Auswahl der Lehrstelle oerhallen bei dem gegenwärtigen Ueberangebot an Lehrlingen vollständig. Mehr denn je wehren sich die Lchrherren und ihre Verbände gegendie.,Ein> Mischung* der Gewerkschaften bei der Regelung der Ar- beitsverhältnisse der Lehrlinge, der Arbeitszeit und des Urlaubs. Mit besonderer Genugtuung stellte eine Vollversammlung der Ber- liner Handwerkskammer in einer Entschließung fest, „daß die Gesetzgebung eine zwingende Vorschrift, nach welcher den Lehrlingen ein jährlicher Urlaub gewährt werden muß, nicht enthält*. Sie halle an ihrem Standpunkt fest, daß„derLehrvertrog ein Erziehungsvertrag* sei. Daher habe sie keine Möglich- keit und Halle es auch nicht für zweckdienlich, bestimmt« Richtlinien für einen Jahresurlaub der Lehrlinge zu erlassen, weil solche für den einzelnen Lehrmeister einen indirekten Eingriff in seine Rechte bc- deuten könnten. Die Verurteilung der sozialen Gesetzgebung in diesem Punkte bedarf keiner Unterstreichung. Vor wenigen Tagen wurde im Reichs- tag wieder einmal an die Vorlage des Bcrufsausblldungs- gefetzes erinnert, dessen Werdegang wahrlich kein Ruhmesblatt der deutschen Sozialgesetzgebung darstellt. Das Reichsarbeitsmini- sterium ist so stark mit dem Lohnabbau beschäftigt, daß es für die Schaffung von Schutzbestimmungen für die Lehrlinge und die jugend- lichen Arbeiter, die gerade jetzt besonders notwendig wären, keine Zeit zu haben scheint. Nicht einmal die naheliegende Fordenmg der Einführung des neunten Schuljahres die wenigstens den jüngsten Jahrgang der jugendlichen Erwerbslosen vcm der Straße fernhalten würde, kommt zur Durchführung. Die Wirkungen der Krise werden noch obendrein von der Recht- sprechung verstärkt, um die Gewerkschaften zu verhindern, bei der Regelung der Lehrlingsverhältnisse mitzuwirken. Das wird die Gewerkschaften natürlich nicht abhalten, immer wieder auf die not- wendig« Regelung zu dringen, und nach Ueberwindung der Krise wird ihnen auch der Erfolg nicht versagt bleiben. Die Nutznießer der Lehr- lingskrafte werden von ihrem bequemen und profitlichem Standpunkt abgedrängt werden. Eine Gesellschaft aber, die sich so wenig um die Not der Lehr- llnge und erwerbslosen Jugendlichen kümmert, si« ihren' Schicksal überläßt, hat das Recht verwirkt, im Brustton sittlicher Entrüstung sich abfällig zu äußern über unerfreuliche Folgeerscheiimngen ihrer Erziehungspolllik. ez. Oer Arbeitsmarks. Das Absinken des DeschäsiigungsgradeS. Di« Registrierung«, der Dyllarbellslose» und Kurzarbeller durch die«* A 3 O 1 9 e s J A 0 O J 19 3 0 1«, Auch das Baugewerbe, das gewähnlich im Hochsommer den höchsten Grad der Beschäftigung erreicht, ist von 90,3 im Jahre 1929 auf 61.9 im Jahr« 1930 gesunken und hat End« Januar 1931 mit 25 Proz. de» bisher nie registrierte» Tiesstand erreicht. Di« beiden Graphiken«rmahnen eindringlich daß angesichts «mir solchen katastrophalen Entwicklung de, Beschäftigungsgrades und der sich daraus ergebenden Arbellslosiokell in Deutschland e» unbedingt erforderlich ist, di» Arbeitszell zunächst in den wichtigsten Industriezweigen sofort abzukürzen und gleichzeitig dafür zu sorgen, daß dem Produktionspraeß. wenn auch ollmähstch immer mehr Arbeitslos« zugeführt werden. Die Verhandlungen im Vavgewerbe. Die Verhandlungen um einen Reichstarisoerkrag für Hoch.. veton- und Dl-fbaluubcile». die In dieser Woche sortgrsehl worden find, haben noch nicht zu einem endgültigen Ergebnis geführt. Sie werd«« in der drillen Märzwoche forlgeführl werden. Gegen die(Scharfmacherei. Erklärung des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Der Erweiterte Beirat des Deutschen Metallarbeiterocr- bandes nahm dieser Tage in Berlin zudenPlänenderVcharf- wacher auf tarispolitischem Gebiet Stellung. Er legt, wie aus einer von ihm angenowmenen Entschließung hervorgeht, gegen den neuen Versuch der eisenschaffenden Industrie, unter dem Druck der Androhung von Stillegungen die überaus niedrigen Tarifftunden- löhne um weitere 20 Prozent herabzusetzen, schärfste Per- wahrung ein. Der Uebersetzung industrieller Anlagen sei nicht durch Lohn- abbau, sondern durch systematische Schaffung zusätz- licher Arbeit zu begegnen. Der Versuch, die Tarifvertrög» Überhaupt beiseite zu schieben, niüsi« schwerste Erschütterungen des Volks- und Wirtschaftslebens hervorrufen. Don einer Abdingung lausender LohnoertrSg« könne kein« Rede sein. Die Torifswnden- löhne müßten angesichts ihr«» niedrigen Standes auch beim Slblauf des geltenden Lohnoertrages als unantastbar gellen. Um die Wiedeveinstellung der Arbeitslosen in die Produktion zu ermöglichen, fordert dar Beirat Verkürzung der Arbeilszeil auf 40 Vochenarbeilsstunden. iSchiedssprüche. die trotz der Masienorbestslosigkeit noch eine selbst 48 Stunden übersteigende Wochenarbeitszeit festlegten, seien ein Skandal. Einem solchen Skandal müsse von den zuständigen Instanzen schleunigst ein Ende gemacht werden. Die Lage der Nankangestellien. Internationale Iachgrupptnkonserenz. Am Mittwoch und Donnerstag tagt« in Berlin die Jnternqtio- nale Fachgruppenkonferenz der Bankangestellten, die im Jnternatlo. nalen Bund der Priva tongestellten zusammengeschlosien sind. Der- treten waren außer Deutschland die Tschechoslowakei, Oesterreich, Polen, Belgien. Holland, Dänemark und Schweden. Au» dem Bc- richt des Sekretärs. Aenosien Schmit, Amsterdam, ging her- vor, daß di- Fachgruppe der Bankangestellten im Internationalen Bunii der Prioatangestellten in 15 Ländern zur Zell 4 0 00 0 Mitglieder zähle. Er berichtete über einzeln« Maßnahmen des Internationalen Sekretariats zur Eingruppterung von Bankange- stelllenvorbänden in den Internationalen Bund und zur stärkeren organisatorischen Erfassung der Bankangestellten in den Ländern, wo da» Organisationsverhältnis noch schwach ist. Gut« Dienste habe bei der internationalen Werbearbeit eine Broschüre ..Zehn Zahr« Angeslelllensekrelarwl* geleistet, die in fünf Sprachen herausgegeben wurde. Am zweiten Tag« beschäftigte sich die Konserenz hauptsächlich mit der wirt- s schaftlichen Sag« der B antangestettte» bt hex»ai schiedsneu Ländern. Die Internationale gab Fragebogen aus zu? Untersuchung der Arbeitsbedingungen der Bankangestellten. Dies» Fragsdogen wurden in der Konferenz von den Vertretern der«in- zelnen Länder ausführlich ergänzt. Es wurde beschlossen, di« Frage» bogen zusammen mll den mündlichen Ergänzungen zu einem ge- druckten Bericht zusammenzufassen und ihn den einzelnen Verbänden zur Verfügung zu stellen. Im allgemeinen wurde die Tätcgkell des Internationalen Sekretariats anerkannt. Vom Vorsitzenden d«r Fach- gruppe, Genossen Allina, Wien, wurde zum Schluß zum Aus- druck gebracht, daß das Sekretariat in nächster Zeit vor allem be- müht sein werde, zu einer Verkürzung der Arbeitszeit in allen Ländern zu kommen, um damll den Abbau der Angestellten infolge der Rationalisierung wirksam zu bekämpfen. peinliche Feststellung. Trotz Lohndruck zunehmende Arbeitslosigkeit. Dem Unternehmertum ist die Tatsache höchst unbequem, daß trotzderLohndruckkampagnedieArbeitsIosigkeit nicht gemildert wird, der vorgeblich volkswirtschaftliche Zweck der Lohndrücker«! sich als verfehlt erweist. In„Ruhr und Rhein* wird dieser Wckschlutz als unberechtigt erklärt. Das saisonmäßig« Anwachsen der Arbeitslosigkeit könne nicht als Auswirkung der Lohnkürzung hin-' gestellt werden. Zum Beweis dafür wird außer der„üblichen Saisonerscheinung* die geradezu lächerliche Ausrede gebraucht, daß es sich bei der zunehmenden Arbeitslosigkeit„zum Teil vielleicht auch um Auswirlungen des Käuferstreiks* handle,„der durch die Uebertrelbungen der Preissenkungspro- p a g a n d a erzeugt wurde, wie überhaupt durch gewaltsame Preissenkungen(!) Unterschreitungen der Selbsttosten ent- stehen können, aus denen sich dann ebensalls Zusammenbrüche und Entlastungen ergeben*. In dieser hilflosen Verlegenheit um stichhaltige Gründe sucht „Ruhr und Rhein* seinen stärksten Trumps auszuspielen. Rück- schlösse auf die Auswirkung der Lohnsenkung seien überhaupt v e r- früht, weil die Herabsetzung der Tariflöhne erst begonnen habe. Die„G e w e r k s ch a f t s- Z e i t u n g* des ADGB. bezeuge dies durch den Satz, daß„die neu vereinbarten oder oktroyierten Loh»- säße meistens erst nach dem 1. Januar 1931 in Kraft" getreten sind. Nur der Bergbau, die Metallindustrie, das Holzgewerbe und die Papiererzeugung wiesen bis jetzt eine Lohnsenkung auf, in die die übrigen acht Jndustriegruppen noch nicht einbezogen seien. W i c aber steht's im Bergbau? Fast kein Tag vergeht ohne neue Stillegungsankündigungen. Erst in den Sommermonaten, nach Abschluß der Früh- jahrslohnkürzungen, sei ein Schluß darüber zulässig,„ob die Lohn- senkung In dem bis dahin erfolgten Ausmaße nach Tiefe und Breite ausreicht, um die Arbeitslosigkeit entscheidend zu beeinflussen*. Der Zynismus, in dem der krampfhafte vergebliche Versuch der Gegenbeweissührung sich austobt, ist kaum mehr zu übertreffen. Warten wir bis zum Sommer und weisen dann— unter Berücksichtigung des saisonmäßigen Rückgangs der Arbeitslosigkeit—«ment und mit verstärkten Argumenten nach, daß der Lohndruck eia verfehltes Mittel Ist. um den Arbeitsmarkl zu beleben, daß er vielmehr zu verschärftem.Läuferstreik* führen muß, dann ist dies für dos UnternehmertumeinGrund mehr, einen noch Tiefe und Breite weit stärkeren Lohndruck zu fordern, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Wir wollen, daß trotz der Lohnkürzungen der ArbeitGlssigkeit begegnet wird und fordern daher vor allem die Verkürzung der Arbeitszeit, um«inen Test der Arbeitslosen in zu bringen. Das Unternehmertum aber wehrt sich dagegen mit Händen und Füßen. Texiilarbeiier gegen weiieren Lohndruck. S6000 Arbeiter zum 14. März gekündigt. Die Unternehmer der münsterländische» Textiliitdilstrie sowie die des Bezirks Bielefeld, Herford und Gütersloh versuchen die Arbeiterlöhne—„dem Zuge der Zeit* folgend— noch weiter herabzuhrücken, trotzdem der„stille* Lohnabbau durch Vermehrung der Stühle und Herabsetzung der Akkordstücklöhne bereits mit oller Gründlichkeit durchgeführt wurde. Bei den auf Betreiben der Unternehmer eingeleiteten Schlich- tiingsverhandlungcn haben die gewerkschaftlichen Vertreter der ?lrb«ituehm«r gegen einen weiteren Lohndruck entschieden Einspruch erhoben, so daß die Verhandlungen ergebnislos oerliefen. Damit der Schlichter alsbald eingreift, haben die Unternehmer den öS 000 Arbeitern und Arbeiterinnen zum 14. Alärz da» Arbeits- Verhältnis gekündigt. Es bleibt nun abzuwarten, wie der Apparat mit Schieds- spruch und Verbindlichkeitserklärung funktioniert, d. h. ob man es fertig bringt, ohne Rücksicht auf den b e r e i t s e r f o l g t e n L o h n- druck in der Textilindustrie, den Unternehmern zu einer weitereu Schröpfung der Textilarbeiter und-arbeiterinnen zu verhelfen. Kurse im Werkmeister-Verband. Wie in den Vorjahren hält der Deutsche Werkmeister-Bcrband auch in diesem Jahr Kurse ob. die der Weiterbildung seiner Mitglieder auf arbeitsrechtlichem Gebiet dienen sollen, welche als Landesarbeitsrichter und Arbeits- richter tätig sind. Für die tn Berlin und der Provinz Brandenburg bestellten Landesarbeitsrichter und Arbeits richter findet der Kursus am Sonnabeno, dem 7. Piärz 1931, und am Sonntag, dem 8. März 1931, im Sitzungssaal der Ort-verwattung. Berlin W. 62, Kursürstenstr. III, I, statt. Dieser Kursus wird von Geißel. brecht, Düsteldors, geleitet. �reie Gewerffchafis-IuaendNerlin Zrelta«, IS'Z Ufic. iaesn Wc Kruppen: Sorttiag: Zua-irdiici?'. Lckml« Honnrnburzer Etr. 20. Unser« Seilintt TcIUei.— Äenro«»- Pia»: Krunpcnliran caniccte. 11, EN- Sobrechtitrafte. Keimbesprechune. �leftotum.— Luden: Etuacinfidm WasstrUustr. 9. r. pt. 8«lmbffpiecs Schulgrundstücks in Stralau ist dem Bezirksamt«in giinstjges Kaufangebat eines Grundstücks gemacht worden. Auf Vorschlag des Bezirksamts erklärt sich die Ver- »ammlung mit dem Ankauf des Grundstücks einverstanden. Eine Borlage des Bezirksamts über die Aenderung der Richtlinien für die Wohlfahrts« und Jugendkom Missionen, nach denen das Vorschlagsrecht der Bezirksoerordneten für die zu wählenden Chrenbeamten ausgehoben wird, gab Anlast zu einer ausgedehnten Debatte. Im Namen des Bezirksamts führte Bürgermeister Genosse Alielih aus, dost die den Bezirksoerordneten eingeräumte Befugnis, geeignete Personen als Ehrcnbeamie vorzuschlagen, sich in einer Weise ausgewirkt hat, die dem Telbswerwattungsgedanken schweren Schaden zugefügt hat. Die Bezirksverordneten einer bestinunten £raktion haben bei der Auswalil der für die Betreuung mit Ehren- ntern in Frage kommenden Personen jede Objektivität vermissen lassen. Nicht nur, dah rein politische Gesichtspunkte mastgebend waren, hat man häufig auch Leute vorgeschlagen, die wegen ehren- rühriger Vergehen mit erheblichen Borstrafen bedacht sind und die somit niemals als Berater van Notleidenden oder sonstigen Schutzsuchenden in Frage kommen können. Selbst die den vor- schlagenden Bezirksoerordneten erteilten Informationen über die Qualität solcher Personen, hat sie nicht veranlaßt, von ihren Vor- schlügen zurückzutreten. Andere geeignete Aorschläge wurden zurückge- wiesen. Da konnte es natürlich nicht ausbleiben, daß die gewissenhaft für das Wohl der Bürgerschaft arbeitenden Ehrenbeamten es adiehiien, mit derarticsen Personen zusammen zu arbeiten. Das bedeutet aber für die zu betreuenden Wohlsahrtsempfänger, für die hilfesuchenden Jugendlichen eine Gefährdung der sozialen Hilssmastnohinen der Stadt. Dasselbe Bild zeigt sich auch bei de» Borschlägen für Bezirks- Vorsteher und Schiedsmänner. Auch die Wohiiungsverhältnisse müssen bei der Betreuung mit einem Ehrenamt berücksichtigt werden. Aus diesen bisher bestandenen Mängeln heraus mußte endlich ein- mal eine Aenderung des bisherigen Zustandes eintreten. Stadtv. Genosse Hanse unterstrich die Ausführungen des Genossen Mielitz und führte eine Reihe von Einzelfällen an, in denen die Kom- nni nisten wegen schweren Einbruchs u. dgl. bestrafte Personen zu verantwortlichen Beratern der notleidenden Bevölkerung machen wallten. Bon besonderer Wichtigkeit war die Beantwortung einer kommunistischen Anfrage wegen der räumlich unzureichenden Säu g l i ng s f ü r s o r gest e l l e in der Mirbachstraste durch den Stadtrat Genossen Günther. Günther erklärte, daß das Bezirks- amt alles getan habe, um die unzulänglichen Anstände zu beseitigen. Die dritte Säuglingsfürsorgestelle am Markgrasendarnrn ist jetzt sertigestellt. Sobald uns der Magistrat die Mittel für die«rsor- derlichc Personalbesoldung zur Verfügung stellt, wird diese Für- sorgcstelle in Betrieb genommen werden. Dadurch wird fchon eine fühlbare Entlastung herbeigesichrt. Das Bezirksamt ist weiter de- müht, Räume für die Errichtung einer 4. Säuglingssürsorgestelle zu finden. Nach Kenntnisnahme kleinerer Dorlagen und der Beant- wortung unerheblicher Anfragen vertagte sich kurz nach 22 Uhr die Versammlung.— Wir wollen hoffen, dast sich ein Weg findet, um trotz Finanznot die nötigen Gelder für die Säuglingsfürsorge- stelle freizumachen. Ein nazifreundlicher Vorsteher. 12. Bezirk— Eteglih. Die Bezirksversammlung Steglitz stand vollkommen unter dem Eindruck, daß sie das lctztemal öffentlich tagte. Das ging auch aus den Anträgen hervor. Jede Partei wollte noch einmal nach außen hin glänzen bei der Wahrnehmung der Interessen der Bürger- schart. Als dann gar ein Kommunist mit großem Stimmaufwand protestieren wollte gegen die Beschlüsse des Geineindeausschusses im Preußischen Landtag, verließen die Deutschnationalen mit Anhang den Sitzungssaal und die Versammlung wurde beschlußunfähig. Daraus geht hervor, daß die Deutschnationalen mit dieser GejetzLS- änderunz einverstanden sind, im Gegensatz zu den Reden ihrer Vertreter im Parlament und zu den Berichten in den Zeitungen. Es sei also hiermit sestgcstellt, daß die Bezirksverstuninlung sich selbst in ihrer Mehrheit ausgehoben hat. Zu bedauern ist nur der Herr Vorsteher; denn dieser arme Mann hat izun wirklich keine Ausgabe mehr. Auch er wind arbeitslos. Hat er doch so gern die Geschäfte geführt, ohne das geringste davon zu Isiiren, wenn Nazis in unverschämter Weise sozialdemokratische Vertreter beschimpften und be- leidigtcn. Es sei noch besonders hervorgehoben, daß in der letzten Sitzung, als man beantragte, die Hennannstraße injSüdende in Hünefcldstraße umzutaufen, die Anregung kam, diese Straße Rosa- Luxcin-burg-Straße zu nennen, weil diese Vorkämpferin der Arbeiterbewegung jahrelang dort gewohnt hat. Unter dem, Schutze des Herrn Vorstehers durfte sich da der Nazi Engel die gemeinsten Anpöbelungen der Linksparteien erlauben. Ordnungsrufe bekam nur ein Komimlnist. von den gemeinen Aeußerungen des Herrn Engel nahm der Vorsteher keine Voliz. So kann man wohl am Schluß dieser Periode hoffen und wünschen, daß die Bczirksoer- fammlung in Zukunft sich weniger Reden anhört, dafür aber mehr praktische Arbeit für den Bezirk Steglitz leistet. Zu erwähnen ist, daß in der Drake st ratze in Lichterselde an der Ecke der Ring- und Curtius st ratze eine Stratzendammverbrcitenmq vorgenommen wird. Gleichzeitig soll an der Stützmauer am Platz vor der Kirche eine Wartehalle errichtet werden/ Dem Bcrkewf bzw. dem Tausch von kleinen Terlgrundstücken wurde zugestimnit. Um der Endhaltestelle der Straßenbahnlinien 61 und 88 in der Bismarck- straße in Steglitz den verkehrshinderndcn Charakter zu nehmen, ist eine gemischte Deputation zusammengesetzt worden, die zu einem Entwurf bezüglich einer Gleisschleife in der Nähe des Stadtparks Stellung nehmen soll. Biel umstritten wurde die Neuregelung bzw. UrnstelllMg des Kranold-Marktes in Lankwitz. Die Vorlage lag mir zur Kenntnisnahme aus. Die Nazis verlangte» dann, daß in allen Lesehallen des Bezirks zwei Zeitungen ihrer Partei ausgelegt werden. Dagegen wendet sich mit Recht das Amt, und es kam. wie es immer ist, wenn die Nazis etwas in Bewegung setzen, die Re- aktion in Bewegung, und so wurde beschlossen, daß in Zukunft in den Lesehallen keine Tageszeitungen zum Ausliegen gelangen. Da- für stimmte, wie es sich versteht, die gesamte Recht«. Ein Antrag, in Zukunft für Schülerwanderungen mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, wurde angenommen. Zugestinnnt wurde mich dem Antrag, im Jahre 1932 erneut Mittel üir den Schulneubau in der Erlen- straße in den Etat einzusetzen. Mit einem Antrag, wonach die Abfertigung von Erwerbslosen im Räume fikt die Säuglingspflege vorgenommen werden soll, holten sich die Kommunisten eine verdiente Niederlage. Sie benutzten die Tatsach«, daß mite? Genosse L« i m b a ch Dezernent für das Gesundheitsamt ist, und sprachen von allen möglichen Zuständen und übertrieben«nig« Lokalschwierigkeiten, die ihnen als langsährige. Bezirksvsrovdnete ebenso bekannt sind wie der übrigen Versammlung, um zu sagen, es liege eine Pflichtverletzung vor. Unsere Genossen blieben chnen nichts schuldig. Der Antrag wurde gegen 4 Stimmen abgelehnt. Sonst ging es, wie üblich, heiter zu, bis sich die Versammlung durch Be- schlußunsähigkeit selbst auflöste._ Die neuen Hanszinssteuer-Nichilinten. Das soeben erschienene Heft 5 der vom Verband sozialer Bau- betriebe herausgegebenen„Sozialen Bauwirtschasr enthAt die neuen für Preußen gültigen Hauszins st«uerrichtlinien im Wortlaut und auszugsweise die Bayern, Baden und Hambuog betreffenden Richtlinien. Ein weiterer Aussatz des Genossen Viktor R o a ck betrifft das von der Sozialdemokratie eingebrachte Wohnheimstättengesetz, durch das die Gemeinden zur >8 odenvorrats Wirtschaft verpflichtet werden sollen, um Gekr�rde für Wohnheimstätten und andere gemeipnützige Zwecke unter Ausschaltung der Bodenspekulation zur Versitzung stellen zu können. Besonders wichtig sind in diesem Gesetzeatwurf die Be- stimmungen über die Enteignung und Entschädigung. Sonntaq der Käthe Kollwitz-Ausstellung. Die Käthe-�ollwitz-Ausstellung. die dos Volks- b i l d u n g s a m t Gedding im großen Saal des Bc- zirksamts Wedding, MMerstraße 146(am Lcopoldplatz�, veranstaltet. ist nur noch bis einschjießlich Sonntag, dem 8. März, täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Eintritt frei für jedermann. Die Ausstellung erfreut sich eines außerordentlich starken Bejsuches, sie hat vor allem das Interesse der Arbeiterschaft gefunden. Mit Genug- luung darf auch festgestellt werden, daß zahlreiche Schulen, ins- besondere die weltlichen Schulen, in Sonderführungen durch die An-- stellnng die große und tiefe j�mst der Käthe Kollwitz auf die älteren Schüler und Schülerinnen Hachen wirken lassen. Am Freitag um 19'� Uhr findet eine Sondersüchrung für die Arbeiterjugend und om Sonnabend um 19� Uhr cim' Führung für d« partcigenössischcn Flauen der Kreise Wedding und Witte statt. „Unser Programm in Wort und Bild/' Bei der Parteiagitation ist das kürzlich im Dietz-Perlag erschienene, reich und interessant illustriert« Heft.Unser Pro- gramm in Wort und Bild" ein guter Helfer. Uebeyall im Reiche ist diese volkstümliche Ausgabe des Heidelberger Parteiprogramms begrüßt worden. Der Absatz steigt von Woche zu Woche. Auch in Berlin ist der Absatz gut. So konMe die Dietz-Buchhandlung in der Lindenstraße in den letzten Tagen bereits über 1009 Exemplare verkaufen. Wer dem MillionGcheere der Sozialdemokraten neue Kampfgenossen zuführen will, kaufe ssch für 90 Pfennig das Programm der Partei. Die 20. weltliche Schule. Walde marstr. 77, veranstovet eine Ausstellung von Schülerarbeilen in der Zeit vom 7. bis 9. März. hlöSETZ(Mtnift mi Losgeworfen........... Ffm.0,88 Sdiweineblatt........ m 0,82 Schweinekamm idarMen. ohne Beilage................... Pfd Wj�W Sdi weinekotelettpfd.ToiiO,96.o Kassier ntid....... Pfd. tob 0,88» Rückenfetf br.tt,.. 6ch*.,PM. 0,66 Eisbein mit Spltcbcia. p«. Pfd. 0,58 Hammelvorderfl.Pfd.T0,98.B Suppenfleisch... Pfd. tob 0,70.» Roastbeef obTieKBeelL,Pfd.T.1 ,38.n Schmorfleisch 1,16 Roulade................. pfd.1.28 Rinderbacke ebn. k», tu. 0,50 Rinderlunge............ tu. 0,38 Rinderherz............. ptd. 0,54 Euter...................... m 0,28 Schweinekopf<». bmim, ptd. 0,40 Gefrierfleisch Rlnderleber........... Pfd. 0,88 Hammelvorderfleisdi0 � Hammeirücken...... tu. 0,70 Hammelkeulen....... pm. 0,78 Suppenfleisch...Pfd. tob 0,64.» Schmorfleisch ob. kb.. Pfd. 1,08 Preise nur Frelfag und Sonnabend. Mengcnabgebe vorbeholten. Verkauf soweit Vorrat, Waren sind vom Versand ausgeschlossen. Die Zusendung von Lebensmlltcln erfolgt bei Wurstwaren Sülze............... Pfd. 0,48 Speck wurst........ ptd. 0,78 Damp{wurst...... Pfd. 0,88 Fleischwursf....... Pfd. 0,88 Landleberwur$l..pfd. 0,88 Housm.Leberwurj|p((i.0,95 ]agd wurst......... Pfd. 1,04 Mettwurst n.cb Braonsehw. Art.. Pfd. 1 ,03 Wien. Würstchen Pfd. 1,08 Sdiinkenpolnisdie pu. 1.1 8 Feine Leberwurst ptd. 1,20 Knoblauchwurst Pfd. t,25 Zervelafu. Salamip«. t,38 Zervelati.Pottd.rm. Pfd. 1,50 {(.Teewurst....... ptd, 1,40 jf.Teewursf fiob...Pfd. 1,50 Filet wurst.......... ptd. 1,50 Schinkenplockwurst im Fcttdam.......... Pld. 1,53 Speck ton... ptd. vo» 0,82.» Speck■.ger, Pfd. tob 1,08.» Schinkenspeck..ptd. 1,48 Mussschinken... ptd. 1,75 Obst Tafelbirnen w, puo,«, 0,38 Apfelsinen..... 4Pfd. 0,78 Blutapfelsinen 4 ptd. 0,92 Jaffa-Orangen 3 ptd. 0,98 Fafelapfel"?« 0.38. 0,48 Bananen....... a Pfd. 0,78 Ananas frisch, ph.t. 0,68» Zitronen....... Dutzend 0,36 Tomaten........... ph. 0,48 Almeria-Weln...Pfd. 0,68 Käse und Fette Camembert 8oh»bt«i0.20 Harzer.... i-pfd. p�»t 0,35 Emmenlhaler•(, Port. 0,60 Limburger«>»;,...ptd. 0,46 Briekäse Toinett.,.Pid. 0,86 Sleinbuschervoiif, Pfd. 0,88 Tilsiter voiifett...... Pfd.0,88 Edamer voiifett....Pfd. 0,92 Holländer ToUf«tt,Pfd. 0,92 Münster voufstt.... Pfd. 0,98 Blockkäse Emmenthal. Art, 80»/» Pfd. 0,98 Schweizer niiMt, pic». 1, 1 8» Molkereibutler..ptd. 1,50 Tafelbutter....... pfd. 1,58 Dänische Butler.. Pfd. 1,78 Margarine........ Pfd. 0,40 Kokosfett.......... Pfd. 0,40 Rohsdimalz dut, ph. 0,58 Bralensdimalz... ph. 0,64 Fische *Seelachs o.K,f.t,PH.0,22 'Sdiellfisch«. i,i.|, pm. 0,22 'Kabeljau o.K..f.j., Pfd. 0,26 'Rolbars........... ph.0,32 'Kabeljaufilet.,..ph.0,44 *Leb.Karp{enpfj.v. 0,92» 'Zander gefr., f. g., ph. 0,36 *)■ allen Hlniern luaaer tndreutlr. Räucherwaren Bücklinge..Pfd. von 0,26 an Seelachs gertuchert,PH. 0,48 Fischrogen g»....ph. 0,44 Rochen gcrluobert, Pfd. 0,60 c___ Brutto f. Xctto,.__ dprollen Kiste c». i Pld. 0,32 Sardinen. ir Marke„Hertie14, Dose von 0,43 an Porlug. Olsardinen 5 Portionsdoeen 0,95 Fischmarinade'i.domOJS Zur Konfirmafion: Bowlen- u.Tafelweine Preise ohne Flasche 1929 er Oberhaardfer MalKamvncrcr..... 1929er Cdenkobener Gerech............. 1929er Treiser Casfel oder Treppchen... 1929er Win deshelmer In den Felsen.... Montagna-Rotwein oder Tarresona... 1929er WIMInger Mosel................... 1929 er Liebfraumllch, ereto Qn&litit..... 1925 er Senheimer Lay Mosel............. 1929er Brauneberger Riesling............ 1923 er Crlauer Nafurro'wein............. Orlg. Insel Samos oder Sonnengartncr 1927er Zelfinger Engeisberg.............. 1927er Wlnkcler Hasensprung.......... U FL :>0.85 10 FL 8,00 ;}0J95 9,00 ■ 1>10 10, so >1,25 12,00 . 1,45 14,00 :)i,so is.oo :)2,25 21,00 Unseic Speziaimt: Deutsdier*** Weinbrand ]amaica- Rum-Verschnitt<0°,.......... Liter [4,60 Rhelnpf Slzer Weisswein, zur Bowle.... Ltr. 0,8b 5 Ltr. 4,00 Vorzüglicher Rotwein.................. Ltr. 1,Of) 5 Ltr. 4.75 Roter süsser Johannlsbcerweln, I.Qual.. Ltr. 0,85 5 Ltr. 4,00 Sonneng iirfner, vor?. ö?L FrühBtftckswein, Ltr. 1,60 5 Ltr. 7,50 Fleisch und lelchtverderbHcti« Bestellung von 3,00 Mark an. Backartikel und ' Kolonialwaren Auszugmehl 5•Pfund-Beutel*»*5, 1,43 Äuszugmehl iom, pm». 0,27 u Karloffelmehl.... Pfd. 0,16 Mandeln UMBd-kitt. p« 1.40 Sultaninen tu. von 0.42»u Korinthen..Pfd.Ton 0,42» Zitronat............ tu. 1.10 Orangeat......... ph. 0,95 Maispuder........ Pfd. 0,32 Kokosraspel..... Pfd. 0,48 Vanillezucker« p»k. 0,24 Slangenvanllle im oiu 0,18 0,35 0.50 Backobst... Pfd. tob 0,40» Aprikosen........ e«. 0,70 Birnen.............. wi 0,55 Viktoria-Erbsen Pfd. 0,16 Linsen.............. pm- 0,16 Weisse Bohnen Pfd. 0.16 Tee los«..... Pfd. tou 3,80» Kaffee...... Pfd. tou 1,90» Gemüse Blumenkohl Kopf t. 0,30» Rhabarber Bund t. 0,38» Möhren gewMcbeu, Pfd. 0,06 Kohlrüben........ ph. 0,05 Sellerie.......... spm. 0,25 Schwarzwurzeln Pfd. 0,22 Grünkohl......... ph. 0,10 Roikohl............ Pü 0,08 Wirsingkohl...... ph. 0,08 Weisskohl........ Pfd. 0,06 Pfd. 58 Hühner g«fror*n...........Pfd. tob 0.92. Suppenhühner* qa h>»ell............... mTMWjZ74« Konserven � Karotten p»etaitfMi.....0J25 Kohlrabi................0,33 Schnittbohnen......0,35 Junge Erbsen........ 0,54 Erbsen«ftuud»._ mit Kurotten...................... 0,58 Klalne junge Karotten.... 0,74 Pfefferllnge............ 1,30 Rote Rüben............ 0,52 Preisseibeeren...... 0,75 Pflaumen°w.e steH..... 0,78 Sauerkirschen mit Stein.......................... Q 52 Ananas z Seil«»)«»..>1, Dose 0, 52 Austeedem- Lerlmz Sensation: Unzen grosser Serien-Verkauf Nr.109.4S. Jahrgang 3.<�01*111111�$ Freitag, 6. März 1931 Der Vertrag mit de? Volksbühne. Das Schicksal der Krotloper vor dem Landtag. Im Preußischen Landtag dicht« man am Donnerstag über den R e st des Justiz c tot s, die Beratung der einzelnen Titel, rasch himuegzurmnnien. Aber die Kommunisten nahmen zu jeder einzelnen Etatposition das Wort und trugen sämtliche ihnen bekannt gewordenen Einzelfälle der Rechtsprechung und namentlich der Ge- sängnisverwaltungen noch eimnal vor. Rur durch energische Schluß- antrage der Mehrheit kmn man schließlich überhaupt mit dem Etat zu Rande. Ein Aussühningsgeseß zum Reichsgesetz über die Bereinigung der Grundbücher und ein weiteres preußisches Gesetz über die generelle Aushebung veralteter Polizeistrasgesetze janden ohne wesentliche Debatte in zweiter und dritter Lesung Annahme. Dann kam der Landtag endlich zur Fortsetzung der Beratung des Vertrages zwischen Staat und Volksbühne, die- am 19. Dezember vorigen Jahres abgebrochen worden war. Es handelt sich bekanntlich darum, daß die Belastung des Etats durch Theaterzuschüsse von Jahr zu Jahr größer geworden ist und die Regierung nun keinen anderen Ausweg mehr sieht, als die Oper am Platz der Republik(Krolloper) zu schließen. Dazu muß sie sich mit der Volksbühne verständigen, die ein Vertrags- mäßiges Recht auf Weiterbestehen der Krolloper noch für inehr als 20 Jahre hat. Die Entschädigung der Volksbühne er- folgt durch Uebcrlossung von Plätzen in der Lmdenoper in geringem Umfang und durch eine Barcutschädigung von 100(XXI M. jährlich. insgesamt 1 V; Millionen. Gerade die Parteien, die bei der vor- jährigen Cratberatung am heftigsten aus Schließung der Krollopcr unter der Parole der Sparsamkeit gedrängt haben. Deutschnationale und Wirtschastspartei, lehnen jetzt den Vertrag ab. Sie haben sogar einen Untersuchungsausschuß darüber beantragt, wie das Vertrag-oerhältnis zwischen Staat und Volksbühne sich vosi 1919 an bis jetzt entwickelt habe. Natürlich ist ihr Treiben reine Demagogie. ihr vorgeschütztes Interesse für die soziale Kunstpflege in der Volks- opcr nichts als Theater. Denn genau vor einem Jahre haben sie genau umgekehrt geredet. Die Entscheidung über den Vertrag wird am Freitag zusammen mit der endgültigen Entscheidung über die preußischen Steuern im Jahre 1931 fallen. Gegen diese Verschiebung der Entscheidung auf den Freitag pro- testierte nur die kommunistiiche Fraktion mit einer denkwürdigen Begründung: Herr von O l d e n b u r g- Ja n u sch au säße aus der Tribüne, und der Landtag sei es dem alten Deutschnationalen schuldig, die Beratungen, für die er sich otsenbar inieressiere, fortzusetzen. Man muß gestehen, daß der Kommunist Schulz-Neu- kölln, der dies vortrug, gegenüber den Deutschnationalen ein aus- merksamer und höflicher Mann ist. Ilnseniiunzia für di?s«?!»brik sind Berli» SB»», Lind«»str»be Z. § parteinachrichten fueGroß-Berlin Allgemeine Wetterlage. siel« an da» Bizirrilekretaelal 2. Hos, 2 Zre«»c» recht», zo richten Achtung! Tie.«asstcrcr, die noch in diesem Quartal Bei- tragsmarlen benötigen, werde» dringend gebeten, diese unbedingt bis zum st. Mär.; zu bestellen, weil es nicht möglich ist, nach dem 30. März noch Marten zu verschicken. Die Abre�hnuug der(«tttrittskmUru zum SPorlpalast muß spOestens bis zum 14. Marz erfolgt sesti. I. A.: Alex Pa ge l». -» B«gi>m aller Veranstattungen IstVj Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heute, Zreitag, V. Marz: I».«dt. Br�iilsrülirer richne» vi» bnitr Karirn vom Cporwakift und der Afnovorsirllun!, ad. 17. Adt. ffunttirnärliituuii bei Iuro.'N». Barlnliossaslr. Ii», iO. Abt. Die Kit deute im Siestuurant iSrama!!« ieilqei-die Beriainmluuq des ÄerirtQ muri u>us:ändc halber am selben Zoll«»ur selben zeit bei Slflbrr, Zlubeu». Elle Eanoualtralle. sdattsiuden. Abt. jlrelsveriretrr ireffeu sich cine halb« Stunde vor Beginn beo Atel«, »ertrcterlages. II». Abt..Uusar Beg" ist unbedingt beut« r«m Se>u>!sea Sroppler abzubolcn. � che�thliche2, Tunklionärftsiun«. Abt. 20 Uhr, Vofni..Zur Sinae". erweiterte Borsigudssitzung. »2.»ad»3. Abt. 13 Uhr treffen sich alle �reiseniersuntliouiir- und Lelfer bei Silnvn. Vcrthclsdorfer Sir. 9. »i. Abt. �unktümärsihunq. I!t Uhr SunkÜonüNnneusitlunq br! Schräder, Stein- mehstr. 62., 117. Abt. 18 Uhr Mnab'aUoerbrritunq im Lokal Siewrri. Nanl. Erle Schiller. sirasie, auch lür Reu�üchlenberg.. 3 taucnoeranff allung. 4. Abi. Sannabeich. 7. MSrz. 19 Uhr(nicht ju Uhr>. Besichtigung der»ärhc. ftoüwi k* AiidJt dl u u«, Mvllcrstt. 11Ü(neue» Xailyaiis). Dr. Äurt �reyer. ffafjrixtlniibim: U-Baha d'.a Leopo'.dplatz: Straßenbahn: 27. 28,«8. ArbeiterZildungsschule. Prenzlauer«erg. Der Kursu»«bramowitsch Mllt henit. sTr-itag. 0. März, puß. Nächster Kursusabenb am tij. Märg. S.Mänz'iS�abds. ©wvIUenlos,® heiter. O hsUbcdachi ® vwlln.«.aunaoend. 7. illiarz.»leiohi-Ifcrnihrt nach Tressen IS-- Mir Schlesitchcr frtnbc!, Eingang lzruehtsirgsi.. Stofitn fl! qeto. Schlafen und ftatl« IAj chtar.. Bauen. { Sterbetafel der Groß- berliner vartei- Organisation! 25. Abt. Unser lieber, iunger venofse Nurt»enie ist verschieden. Ehre seinem Andenken. Dt« Einäscherung findet am Sonnabend, dem 7 Mär,. IBÜ Uhr. ine fttenmtorium Seruhtstrah« statt. Reg« Beteiligung wird gewünscht. Abgesehen vom Nordwesten des Reiches herrschte ani Donners- tag in ganz Deutschland trockenes, heiteres und ziemlich kaltes Wetter, das sich besonders durch große Durchsichtigkeit der Lust auszeichnete. In Westdeutschland stieg das Thernwmeter bis auf ü Grad Celsius, während im übrigen Reiche die Temperaturen vielfach auch ani Tage unter Null blieben. Das jkaiidinavische Hoch- druckaebiet verstärkt sich zur Jeit noch weiter, während über West- und Mitteleuropa Drucksall vor sich geht. Dadurch wird sich der kontinentale Luslstrom nach unserem Gebiet noch verstärken. Eine wesentliche Aenoerung des bestehenden Witterungscharakters wird damit jedoch nicht eintreten. Ivelterausjichlen für Verlin. Fortdauer des trockenen und be- stäiidia«!i Witterungscharakters, nachts wieder sehr kalt.— Für Deutschland. Im größten Teil des Reiches trockenes und ziemlich kaltes Wetter, nachts mäßiger bis strenger Frost, mir im Nordosten etwos veränderlich. Sozialistische Arbeiterjugend Sroß-Serlio rkinsev bongen sile diese JhibrtJ am m NX Zugeubs-fr-M-««. ZleeNn Ä7B 68. Twdensiegt» 3 StecithorcheNce Geosi Berlin! M-rgtll. Ib-/, Uhr. Michtvrob«, Lorhiug. Elke Grguustraüe fSesundbruuncn, U-Bahnhof Äoliastraiscl. Ableilungsmilgliederversammlungen heute, Freilag. 19 lö Uhr Weißens««! Parfstr. S8.- Wörther PI»»: Äastan!cnallcc 82.— Andre»«- »laß: Brvmmostr. ä.— Zeildrichshai»! Tiestelmeverstr..'>— ä.— Siralguer Biereel:(Softlctltr. 61.— Bgrschguci Viertel: Litauer Str. 18.— Schöne- borg 1: Kauptsir. 15.— Ehorlotteuburg: Nosineusir. 4.— Eßarlottcnbueq.Büd: Evethosir. u.— Lankwitz: Sämle.— Lichters cid«: Lichi-rse!d«.West. illdiid!!. ilcaftc 14a.— Steg! ig Us Zinnminailcaf'.r, Ziurnrer 26.— sZigrieudors>: Borfftr. 7.— Mgrierdors IT:..Daheim".— Baumschulen weg: Einstllr. 16.— A-hg»»i»thol: Ra'haus.— Schäneweidc: Berlin-r Str. 21.— Treptow: Elsem. strasie Z.— Söpeni-k 11: Dahlueiher Sir. 15.— Zicn-Lichtrnberg: Sauifstrasie. — Lichienberg-R-rdmest» Tvsicstr..2.- Buchhol,: Berliner Str. 1». Aekonaplgß: Eltsabeihkirchsir. in.»Aua dem Arbeilebereick» eines Zeiiungs. revortcro."— Sewerlschostghan»:.gSveuicker ölr.!»2. Bericht von bei Eeuergi. uersgmmluug.—»ölluiicher Pgri: Wgäenstr. 18...SmvielrusUaud.'— Noseu. lhaler Vorstadt: irsssabethkirilfstr. 1!>.„Mr.rri-muo."- Zoutrum: Landsberger Straße 50...Nomeradschastsebe.'�— Arnimplaß: Canttenburger Sir. 20. Tuges- Politik.— Ar»»wa>b«r Blaß I: Rastenburger Str. 10...Staar', I. Teil.— «aliau: Maudelstr. 2. Werbeabcnd.— T-lkplaß II: Sonneuburgrr Str. 20, Z.!!. ..»amseadschaff. Zreundschait, Liebe."— Aelmholßplaß: Tcn.uqer Str.«2. B. 2. „Arb-itcfüichttma."— Sohcnichäuhausent ssreieuwaidcr Sir. O...Reichohau>- hastsvlan 1361."-- Human nulan: Gleimllrasie. Bericht von der Genevalver- sammlung.— irr»»Niirt«r Viertel: srranssurier Allee 007...Wir und die Ge. werksäxtstsjtigend."— P«ter,bur«er Viertel: Ebcrtnstr. 12.—..Prolctarischa N-gnkbeiie»."— Warschauer Biersel sR..?.): Litauer ötr. 16..Arbeite, varteieu IM Auoianh."— Ssident Vorchsir. 11..Geschichte de, SPD.". I. Teil. Schönebrrq V: Sauvtstr. 15. Siadtoadend— charloitenburg-Rotd(B..,v.>: iiatserin-Auaulla-Allec 971'.„?as.gommun'stischc Biguisest.' Witmerodoef sAclicre): Wilhelmsaue 12.7..Heidelberg!, Pngramiu."— Neukölln 1: Sander. C-te Hgbeechtftrgsie. Arheitsgcmeiuschgft.— Aculijsln II: Steiuutehstr. 91 Ar- k�"cAciu-!nschott.— Renkolln IV(R.--?.s: Äannc, Slrasir. Hordenabend. Neukölln 111 sAeliere):»ZNS...Die Bekämpsuna der Erwerbslosigkeit."- Reulöllu VM: Aütli-Setiule...Arbeiterführer."— Oieuiöln IX: Schicrkesir. 4s. Eliiführungsabend.— Zriedrichsfelb«: Eunterstr. 44...Siohcrncr Luftverlehr." —»anlodorf: Adoltsir. 25.„Literatur."— Lichtenberg-Riitc: Schvrntseber. strafte 29. Die voliaixu. ».kein ä IViälzkäffee Jui- eben Dar Kathreiner- Mroma I W bringen wir eine neue ZigareUe ENVERBEV VALUTA EinheUs Packung dick und rund 0/m. die iföfe Billiabeö jeden aospruchsvollea Raucher hßifißdiflen wird Jl, Soriifch: Cflft II" (Schluß.) III. CiUseße» ergriff Umsun-Eu, als die Tur vor ihr ins Schloß fiel. Sie war nie bestraft worden, niemals machte man mit ihr folch« Scherze und sie koimie nicht begreifen, was da vor sich ging. Im Sarai war es dunkel und feucht: aus der Eck« drang ein Rascheln an ihr L'hr. Sic hatte oft die riesigen braunen Ratten über den chof huschen gesehen: wahrscheinlich Hotren sie hier ihr Loch. Sie erschrak und rief nach der Mutter, aber die Mutter ant- wartete nickst und sie hörte den bekannten Schritt sich entfernen. Ilmsun-Eu zog an der Tür, aber sie war verfchlosien Da ver- stand sie. daß man sie verlassen hatte. Di« Verzweiflung erfaßte in einem Aiigenblick ihr ganzes kleines Wefen. Sie schrie und weinte vor der verschlossenen Tür, hieb mit ihren kleinen Fäusten dagegen los, versuchte durch eine schmale Spalte zwischen den Brettern der Wand durchzuschauen und rief flehentlich um Hilfe. Alles war umsonst. Di« Mutter kehrte nicht zurück, tote, drückende Stille lag draußen. Bald wurde sie müde vor Tränen und die Stimme heiser, der Rücken ichmerzte sie. Sie hockte nieder und schlief schluchzend ein. Ihr Schlas war unruhig und qualvoll. Sie träumte, daß Ratten aus ihrem Loch herauskämen, von von allen Seiten umringten und die Zähne bleckten. Sie rief um Hilfe, da kam der Nachbaresel und jagte die Ratten auseinander, schlug aber Umsun-Eu mit dem Hchwanz, weil sie und die Rachbarkinder ihn geneckt hakten. Dann verschwand der Esel und an seiner Stelle erschien der alte zerlump'e Derwisch, den sie eimnal mit dem Markt gesehen hatte: er wand sich in Krämpfen und verdrehte die Augen. S'e erwachte, kalten Schweiß ans der Stirn, sprang auf. weinte und rief nach der Mutter, bis sie ermattet wieder aus die Erde fiel. Die Gedanken verwirrten sich In ihr, sie konnte nicht mehr die schrecklichen Träume von der Wirklichkeit unterscheiden. So verstrich der erste Tag ihrer Gesangenschaft. Am Abend horte sie aus dem Winkel die Stimme der Mutter ruien. Sie kroch hm, aber der Winkel war leer, nur ihre Hönde spürten plötzlich etwas warmes und weiches. Das waren Gerstenfladen. Umsun- Eu fühlte Hunger und atz die Fladen auf. ohne nachzudenken, wo- her sie gekommen waren. Aber dann spürte sie sofort die Anwesen- heit eines anderen Menschen hinter der Wand. Räch den Atem- zügen erkannte sie die Mutler. �Da begann sie wieder zu weinen und die Wmid mit ihren hilflose» Fingern zu kratzen. Die Mutter flüsterte. Umsu»-Eu verstand die Worte nickst, aber die Zärtlich- feit, die in der bekannten Stimm: lag, erregte und tröstete sie zu- gleich.� ..Schlaf, schlaf, ich lege mich auch hier nieder!* sagte endlich die Mutter laut und das Kind hörte, wie sich die Mutter wirklich draußen an der Mauer des Sarais niederlegte. Es schien ihm, als fühlte es die gewohnte Wärme, d'e vom Leib der Mutter aus- strahlte. Da beruhigte sie sich, legte sich hin und schlief augenblick- lieb ein. In der Nacht hob sie im Schlaf oft den Ann, um die Mutter, wie sie es nnmer getan hatte, zu umarmen, aber die Hand traf mir etwas Hartes, Kaltes und Fremdes. Den nächsten Tag verbrachte Umsun-Eu wieder gequält durch ' Angst, Einsamkeit und Träne». Gegen Abend kam die Mutter, brachte das Essen und lagerte sich au der Außenwand des Cefäng- nisies Diesmal weinte Umsun-Eu nicht mehr,.sie war auch nicht mehr so ausgeregt und die beiden sprachen lange miteinander durch die Svalte. durch die das Eisen in die Kammer gestoßen wurde. Die Mutter erzählte, daß ein alter böser Ries« aus den Sandwüsten um.das Dprs herumstre'chc, die kleinen Kiizider packe, und., mit. sich forttrage: dgrum habe sie sie hier verhorgeiu Die Mutter bat Umsun-Eu still zu sein, nickst zu weinen und nicht zu schreien, ver- sprach viel Rosinen und Nüsse zu bringen und um Umsun-Eu cnd- gültig zu berubigen. gab sie ihr eine Strähn« ihrer Haare zu halten. Umfun-Eu wickelte sie um den Finger und schlief ein. In der Früh, als es aufwachte, fühlte das Kind die Haare am Finger und dachte mit Freude, daß die Mutter nach immer hier sein müsie. Aber auf sein Rufen antwortete niemand: um das Kind nicht zu wecken, hotte chch die Mutter die Strähne aus dem Kopfe gerissen, als sie in der Früh« hatte weggehen müssen. Die Tage flössen nun dahin, einer nach dem anderen. Allmählich begann Umsun-Eu sich an das schwere Leben im Dunkel des Sarais zu gewählten. Sie war iii einem Alter, da die Erinnerungen an die Vergangenheit noch keinen testen Platz im Bewußtsein«in- nehmen: die Vorstellung, daß es hinter den Mauern ihres Kerkers noch ein anderes Lebe» geben müsie, erlosch nach und nach in ihr. Immer seltener erinnerte sie sich an die früheren Tage, und die Personen und Dinge, die einst um sie gewesen waren, verloren die ihnen eigentümlichen Züge. Sic erriet stets den Atem der Mutter, wenn sie in der Näh« war, sie war aber nickst mehr imstande, sich das Gesicht der Mutter vorzustellen. Manchmal— sehr selten— dachte sie an die Sonn«, an die Bäume, die Steppen und die Berge, deren Schnecgipsel sie einst in der Ferne leuchten sah. Aber diese Bilder waren unklar und verschwommen. Sie hätte nickst mehr sagen können, wodurch sich«in Kamel von einem Hund unterscheidet, wenn sie auch noch dunkel von ihrer Cristenz wußte: sie halt« ver- geilen, wie die Menjehen angezogen sind, wie sie gehen, wie die Pferde lausen und das Wasser aus den Quellen sprudelt. Wenn nicht b:e nächtlichen Gespräche mit der Mutter gewesen wären, hätte sie auch die menschliche Sprtiche rasch verlernt. Der Kreis ihrer Jnteresien wurde inmier enger. Sie lebte wie ein Maulwurf in ihrem dunklen Loch. Ungeziefer bedeckte sie. Der zerbissene und zerkratzte Körper war mit Schmutzkruiten und Ausschlägen übersät. Sie litt, dachte ober keinen Augenblick daran, daß sie sich waschen könnt«. Eimnal wurde sie von einer Ratte gebissen. Dem Instinkt gehorchend, ver- klebte sie die Wuiide mit Erde und als die Mutter ihr einen Ver- band gab, wußte sie lang: nicht, was sie damit hätte tun sollen. ' Wen�i sie essen wollte, kroch sie in den Winkel und fand dort immer etwas auf der Erde liegen. IImsun-Eli war mit ihrem Leben zu- frieden und nur die wilde Angst vor dem Ungeheuer aus den Sand- wülten blieb in ihr wach. Sie entwickelte sich physisch, während sie geistig von Tag zu Tag tiefer sank. Allabendlich kam die Mutter zum Sarai, breitete ihre Decke aus und ließ sich nieder. Ans der Wand war jetzt ein kleines viereckiges Loch herausgeschnitten, durch das man einen Wasierknig reichen tonnte. Bei Tage schob Tilau einen großen schweren Stein vor das Loch. Die Mutter räumte den Stein mit Mühe zur Seite, ergriff die ausgestreckte Hand Umsnn-Eus und bedeckte sie mit ihren Küssen. Sie weint« nicht mehr. Di« Oefsnunq war viel zu Nein, als daß sie im Dunkel das Gesicht der Tochter hätte sehen können. Sie streichelte es nur und bemübte sich tastend.zu erkennen, ob sich die Züge verwandelten. Aber sie lond weder die Geschwülste auf der Stirn noch die Glatze und auch dos Gesicht schien nicht ver- ändert: ober die trockenen Krusten zeugten Mit fürckter.Ichcr Ge- wißbeit vom zerstörenden Prozeß der fluchbeladenen Krankheit. Sie glättete die. Schläfe des Kindes, und.legt« dann die Finger auf ihr eigene» Gesicht, ihre Lippen, um selbst krank zu werden. Ihre alte der£eprafluch Angst vor der Krankheit war erstorben, ein anderes Gefühl trat an dessen Stolle: die Hofsnung, daß sie selbst angesteckt würde und dann zusammen mit dem Kinde im Sarai leben könnte. Alltäglich sah sie in den winzigen Spiegel und suchte»ach den Verhängnis- vollen Flecken. Aber der Aussatz höhnte ihrer und schonte sie. Kaum war der Abend, gekommen, ging sie wieder zum Sarai, küßte das Händchen, das sich ihr entgegenstreckte, drückte ihr Gesicht an die Qeffnung in der Wand und vermischte ihren Atem ntit der unreinen Luft, die lem Munde des Kindes entströmte... So' slossen die Tage dahin und aus ihnen wurden Monate,.aus Monaten— Jahre... IV. Im März wurde auf der Straße zum Dorfe Tfchuju-Tola in der Nähe von Samarkand die Leiche eines Unbekannten gefunden. Aus Samarkand fuhren zu«* gerichtlichen Obduktion der Leiche ein llnterfiichuilgsrichter, ein Gerichtsarzt und ein Moskauer Iourna- list, der«uf der Suche nach exotischer Reportage durch die Oasen der Sandwüsten Turkestans reifte. S'e kehrten im Hause des Dorsvmstebers Kabil Ehadscha ein und vorbrachten hier den ganzen Tag über Akten und Protokollen. Gegen Abend, da die Hitze nachgelassen hatte, trat der Richter mit dem Journalisten in den Hof, um ein wenig frische Lust zu schöpsen. Sie setzten sich auf einen niedrigen Wagen, der vor einem Sarai stand, als von innen ein lauter Aufschrei des Schreckens ertönte. „Was ist das?* rief der Uittersuchungsrichter und sprang aus. Drinnen wurde es sosort still. Der Journalist ging zur Tür und rüttelte an dem Schloß. Hinter der Tür lief jemand aufgeregt keuchend auf und ab. Der R'ckter rief den Wirt herbei und befahl, die Tür auszu- schließen. Tilau Kabil Ehadscha wurde bleich wie das leinene Hemd das er zu Ehren der Gaste anoe.-ogen batte. „Wozu?* sagte er und faltete bittend. die Hände auf der Brust. ..Wozu aufmachen? Man kann nicht aufmachen____ Ein kranker Mensch, ein verrückter Menich____ Der Richter berief die Nachbarn als Zeugen und sprenate mit ihrer Hilfe die Tür. llmfun-Eu wurde herausgeführt, fast nackt, OWpp 3>ymoir: ff S5ff" 1 New Dort ist nicht Amerika. Noch nicht Amerika— oder schon nicht mehr Amerika. Es hängt davon ob. wie man es anfaßr. In Amerika wohnen Amerikaner: in New Dork— ja wer wohnt denn eigentlich in New Dork? Deutsche, 5zolländer. Franzosen, Iren, Schotten, Italiener, Rüsten, Juden, Ungarn, Tartaren, Armenier, Türken, Chinesen und— Neger. Einst hieß New Dork— New Amsterdam. Die Gegend zwischen der 125. und der 150. Straße zwischen Lenox und 5. Avenue hieß einmal Haarlem, jetzt Harlem. Da wvhnten Holländer, die mit Europa nicht zufrieden waren(oder Europa nicht mit ihnen). Später kamen Neger nach New Dort, vom Süden, in kleinen Gruppen— „arme Kröten*, die den langen Weg auf der Landstraß« zu Fuß zurückgelegt hoben... 1___.....-. Nicht gerade freundlich wurden diese Neger von dem kalten New Amsterdam begrüßt. Es waren Sklaven oder Hälbsklaoe:� die auf ihrer eigenen schwarzen Haul den schweren Druck des Rassen- Unterschieds spürten.- Es ist in allen Ländern und zu allen Zeiten für die Menschen oerlockend gewesen, ein Prinzip des Unterschieds der Rosten oder der Religionen oder Klassen einzuführen und diesen Unterschied möglichst streng zu hüten, erst als Tradition und dann als Idee, und zugleich ihn möglichst auszunützen. Die schwarze Farbe der Neger wurde mit der Zeit heller, ver- wandelte sich in Braun und auch— was jetzt gar nicht seilen ist— in Weih. Das bedeutet Einmischung des„Weißen* Blutes: aus Negern wurden Mulatten und Quadronen usw. Trotzdem werden sie noch immer bis heutigen Tages für Nigger gerechnet. Ihre Haut mag so blaß und weiß sein, wie sie will. Nie verzeiht der Amen- tar.cr dem Neger seine Abstammung. Nie tommt der Neger(oder Mischling) heraus aus seinem Kreis, aus seinem Ghetto. Das New-Porker Neger-Ghetto Harlem hat eine Bevölkerung von ungefähr einer Biertelmillion farbiger Menschen(colour-eck people). Man erzählt, und zwar inii Recht, daß das schwarze Harlem als Resultat einer geschickten Terröinspekulation entstanden sei. Man wollte das Vorurteil der Weißen gegen die Schwarzen ökonomisch ausnutzen. Um die Presse zu drücken, ließen ein paar Spekulanten und Hausbesitzer Zieger als Mieler in ihre Wohnungen herein. Ein Neger im Haus genügt, um all« weißen Einwohner zu vertreiben. Die Europäer verkauften ihre Häuser und Grundstücke zu billigen Preisen und flohen. An ihrer Äott kamen die Neger, die Preise stiegen wieder, das Geschäft war gemacht und Harlem war entstanden. In dieser Gegend ist olles schwarz oder eigentlich mehr braun und bräunlich. Der schwarze Bäcker verkaust nur Schwarzen Brot, ein schwarzer Rechtsanwalt und ein schwarzer Notar wachen über pünktliche Erfüllung der Gerechtigkeit. Briefträger. Zahnarzt, Poli- zist, Pfarrer, Schauspieler, Restourateur— olles schwarz. Kein Europäer wohnt in diesem Stadtviertel. Die weiße Bevölkerung von New Dork— wie übrigens in ollen Oststaaten— verhält sich zu den Farbigen mehr oder weniger tolerant. Von Gewalt oder Grausamkeit kann hier überhaupt keine Red« sei». Es ist mehr ein stiller schweigsamer Antagonismus. Die Nigger sind geduldet, wenn schon nicht erwünscht. Sie haben ver- standen, sich nützlich zu machen, besonders zu der Zeit, als USA. plötzlich aus ihrer isolierten Stellung heraustraten und sich in den Weltkrieg stürzten. In den Oststaalen sitzen die Neger in demselben Wagen der Untergrundbahn mit den anderen Fahrgästen, in den Südstaalen ist das nicht gestattet. In Philadelphia. 2 Stunden von New Bork, putzt ein Weißer einem Neger die Schuhe. Vor Gericht In New Dort sah ich einen Neger-Rechtsanwalt, der gegen einen weißen Advokaten sehr geschickt auftrat, seinen Prozeß gewinnen. Aber die Schwarzen dürfen nicht an demselben Strand wie die Weißen baden, und falls ein Neger die Frechheit(oder Dummheit) hätte, in ein weißes Restaurant hineinzugehen, so würde er nicht hinausgeschmissen, o nein,, das nicht!— aber auch nicht bedient. Der Kellner hat eben einfach keine Zeit für.einen schwarzen Gast, oder— das kann auch passieren: der Eindringling wird mit heißer Suppe Übergossen. Dann versteht«r den zarten Wink, und geht. Mit einem Nigzer sich auf der Straße zu zeigen, ist riskant, man läuft Gefahr, daß einem Schimpstvorte nachgerufen werden. Auch gibt der Weiße dem Schwarzen keine Hand. Bor ein paar Jahren hatte der Neger Guilpin als Schauspieler großen Erfolg, er spielte die Titelrolle in OMeills Stück„Emperor Jones*. Aber als man ihn bei«nem großen Bankett der Bühneogenossenfchaft feiern schmutzig und abstoßend. Man konnte kaum erkennen, daß sie ecn menschliches Wesen war. Der ganze Körper war mit eiternden, übesriechcnden, blusigen Geschwüren besät: die emzündeten Augen tränten: die Haar« auf dem Kopf liebten in einem widerlichen Knäuel.- Sie war mager wie ein Skelett und klein wie eni Zwerg. Um so auffallender war der Ausdruck ihres alten, runzeligen Ge sichtes. Das Tageslicht blendete si«. Sie schrie auf vor Schmerz und bedeckte die Augen mit den Händen. In ihrem Sarai war sie immer umhergekrochen und hatte das Geizen verlernt. Ihre dünnen Beine trugen sie nicht, man mußte sie stützen. Sie gab unklare Laute von sich und ihr Gesicht lzatte einen maßlos erschreckten, stumpfsiimigen Ausdruck. „Wann hat man sie hineingesetzt?* fragte der Richter. Tilau blickt« zur Erde und antwortete nicht. Die Mutter begann zu er- zählen und sich zu erinnern und es stellte sich heraus, daß das vor 21 Iahren geschehen war. Sie betrat ihr Gefängnis als ein Kind und verließ«s als eine kranke alte Frau. Man wusch sie und gab ihr reine Kleider. Um die Ansteckung nicht zu verbreiten, verbrannte man die Fetzen, die ihr am Leib gehangen hatten. Der Arzt schickte alle aus dem Zimmer und de- gann die Untersuchung. .„Da haben Se Ihre Exotik!* sagte der Rechter zum Moskauer Journalisten. D'efer antwortete nicht. Er war damtt beschäiligt, seine Kleider mit Kölner Wasser zu bespritzen. Auch sein Geflht, Hals und Hände befeuchtete er damit. „Bemühen Si« sich nicht*, sagte höhnisch der Arzt, der auf der Schwelle erschienen war,„sie hat keinen Aussatz, sie hat Peßj. das ist eine hiesige Krankhett. Es ist nur leicht mit Lepra zu ver- wechseln, weil dabei auch weiße Flecke auftreten, ist aber absolut nicht ansteckend." „Ist es tödlich?* swote der Journalist. Er hatte die Flasche mit Kölner Wasser auf den Tisch gestellt und zückte rasch sein No- tizbuch. „Ebenso wie etwa Schuppen in den Haaren.* „Das Hecht... dann... mein Gott..., dos ist ja entsetzlich! Sie glauben also...* „Ickz glaube nichts", sagte der Arzt, wurde p'ätzlich rot und schrie:„Lossen Sie mich endlich in Ruhe. Scheren Sie sich zum Teufel!* Er trat ans Fenster, stand dort lange, trommelte mit den Fingern auf dem Glas und seufzte. <ÄUS tcin Russischen überfeti i»n Alcxander IZerschenkrvn.) [i liello fflarlem wollte, da weigerten sich die Hälfte der anwesenden Schauspieler, mit ihm an demselben Tisch zu sitzen. Harlem hat sein eigenes Leben. Sehr geschickt revidierte Zci- tungen beschäftigen sich hier mit den Problemen, die der ganzen Negerrasse am Herzen liegen. Zerstreut über die ganz« Welt be- trachten alle Neger von Amerika, von Afrika oder anderen Ers- teilen Harlem als ihr geistiges und kulturelles Zentrum. Nach Harlem zu kommen und dort die Frecheit zu genießm, das ist der Traum jedes Niggers. Jetzt freilich träumen die Neger einen noch größeren, noch schöneren Traum, er heißt: Afrika für die Schwarzen. Dieser Traum weist freilich in eine fern«, zauberhafte Zukunst. Harlem aber ist Wirklichkeit, ist Gegenwart. Immer lächelnd, mit blitzenden, weißen Zähnen, freundlich, höflich, Immer.»u Spaß und Scherz berett, exsckxint der ReKis. sz, dem itobenden Msnschonkessel der amerikanischen Großstädte.- Hü>r als Kellner, Portier, Hotel- und Eisenbahndiener, dort als Tänzer, Sänger, Iazzfpieler— verkörpert der schwarze Halbsremdling die Mischung der Werktagsarbeit mit dem Vergnügen. Diese große» Kinder, die braunen und schwarzen menschlichen Blumen der kalten eisernen Stadt sind die einzigen, die den Ruf der Wälder, Flüsse und Wüsten noch- in sich bewahrt haben. Sie verstehen ehrlich zu singen, naiv zu tanzen, beseelt zu spielen und kindisch zu träumen. Und das ist es, was auf viele Europäer so reizvoll und verlockend wirkt. Harlem hat schwarze Nachtlokale, Cases und Restanrams, die gern von Weißen besucht werden. Unien iu der Küche schassen der Koch, die Köchin, Tellerwäscher, Heizer, Träger, alles Schwarze. Oben sind die weißen Gäste, die in ihren schönen Wagen von Man- hattan gekommen sind. Braun« Tänzerinnen, schwarze Sänger und Musiker schaffen die nötige Atmosphäre. Manchmal erscheint hier auch ein reichgewordener Neger, mit dem aber die weißen Millio- näre nicht busineß machen. Denn es heißt zwar, das Kapital sei international, gewiß, aber nicht interrassig. Mit Erstaunen habe ich von Negern den Namen Puschkin ge- kört. Dieser große russische Dichter, die„Sonne russischer Poesie". die Verkörperung der slawischen Seele, hat tatsächlich Negerblut in den Adern gehabt,«eine Großmutter war die Tochter des Neger« Annibalus, des hundertprozentigen schwarzen Dieners Peters des Großen, den Puschkin oft erwähnt. Und noch aus einen zweiten weltberühmten eigenen Dichter ist Harlem stolz: auf den Franzosen Dumas. Abex Harlem hat auch moderne sunge Dichter, die der eigenen Rasi« dienen, wie Langston Hughes, Me-Kay, Toomer u. a. Sie schreiben englisch und ihre Gedichte enthüllen dos. was unter dem ewig.freundlichen, kindlich-aufrichtigen Lächeln des amerikanischen Neger- verborgen ist. Sin neues dtielentier Das Berliner Museum für Naturkunde besitzt aus dem Ertrag der Expeditionen, die in der Vorkriegszeit nach Deutsch- Oftasrika ins Tendaguru-Gebin entsandt wurden, die Skelette ko- lossaler Dinosaurier, von denen bisher nur zwei in der Schau- sarnmlung aufgebaut waren. Dazu ist nun ein neues Dinosaurier- itclett gekommen, eines von der Gattung Dieraeasaurus, eines der gewaltigsten Landtiere, die je auf der Erde gelebt haben. Dabei ist diese noch die tleinste Gattung: sie ist nur aus den Tcndazuru- Schichte» Ostafrikas bekannt und dort in zw«! Arten vertreten, einer älteren, schwerer gebauten, die zu Ehren des um das Zustandekommen der Expedition hoch verdienten Mcdizinalrats Dr. Hansemann be- nannt wurde, und einer jüngeren, zierlicheren. Das ausgestellte Skelett gehört, wie Pros. Dr. Werner Janensch in den„Forschungen und Forsschrttlen* berichtet, zur älteren Art. Es ist schreitend mit etwas herabgejenktem Hals ausgestellt und hat die' ungeheuerliche Länge van 15.18 Meter, die graßie Höhe von 3,16 Meter. Ausgestattet ist es mit kurzem Hals, kurzem hohen Rumps und sehr langem Schwanz. Di« beiden vorderen Gliedmaßen sind wesentliä) kürzer als die hinteren. Neben den beiden im Museum bereits vor- handenen Skeletten, dem stachelbewehrten Kentrurufaurus und den, räuberischen, schnellfüßigen Elaphrasaurus. der nur zwei Verne be- sitzt, ist nun mit dem Dicrasvsaunis als drittem Dinoiaurier-Typus der Tendaguru-Fauna einer der gewaltigen Sauropoden öffentlich sichtbar gemacht worden, von denen in den kommenden Iahren nach weit größere Sielette anderer Gattungen aufgestellt werden sollen.