BERLIN Zrettag 6. Zliärz 1931 10 Pf. Jlr.ilO B 55 4». Lahrgang Ersck eist täglich»«terSoxuta«». Zugleich Abeudautgab« des.Vorwärt«". Bezugsorei« beide Ausgaben«S Pf- pro Woche,».eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSWkS.LindenAr.Z Fernsprecher: Dönhoff 2S2— 207 A n i e i g c n x r e i t: Die einspaltigeNonpartillejeile 80 Pf.. Reklameteile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkonto: Dvrwartt-Verlaz G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Aazis als Zeltenbauer GeHeimarbeit in den Betrieben- als Vertrauensleute der Llnternehmer Die Gaulettung der Hitler-Partei hat ei» streng vertrauliches Rundschreiben an ihre sämtlichen Ortsgruppen mit der Ueberschrist gerichtet„T i e Betriebe sind zu Hochburgen der Na- tionalsozialismus zu mache u". Darin wird folgender Plan über die Minierarbeit in den Betrieben entwickelt: Wenn freigemerkschaftliche Arbeiter Natlonalsoziatislen rverden, sollen sie n i ch t aus der Gewerkschaft austreten, sondern möglichst unauffällig für den Notionalsoziatlsmus wirken. Die Partei ernennt eine» freigewcrkschcmlich organisierten Natioimlsozialisten, .der vielleicht zu diesem Zweck« erst der Gewerkschaft beigetreten ist, zum Betriebsfunktionär. Es wird ihm zur Pflicht gemacht, sich zuerst das vertrauen des llnleruehmer» zu sichern. Dann muß es ihm aber auch geling«!, das Beximuen her Pelsg» ichaft zu erwerben. So muß der Betricbsftinktionär, obwohl selbst freigewerkschaftlich organisiert, mit hilse des Unternehmer» eine nationalsozialistische Zelle bilden und allmählich die freie Gewerk- schasl zersetzen. Erst wann der Zellenbauer eine gewisse Anzahl freie Gewerkschafter für den Nationalsozialismus gewonnen hat. soll er mit diesen zu einer„nationalen Gewerkschaft" übertreten. Dos .werde, so wird in dem Rundschreiben. offen gesagt, meistens auf ander« Arbeiter fo� wirken, daß sie mit übertreten. Sobald als niäglich werde dann«in nationales Gewertfchastsbüro er- richtet werden...., Die Betriebsfunttionärc will man durch-inen besonderen Lehr- gang fiir die Zersetzungsarbeit gegen die freien Gewerk- fchaften schulen. Jeder Betricbsfunktionär ist zugleich Vertrauens- mann für die NSDAP. Um die Betriebe van den freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern möglichst zu entblößen, sollen die Bctriebsfunktionäre sich mit den Unternehmern dahin verständigen, daß aus jeden sreiwerdendcn Arbeitsplatz möglichst ein Rationalsoziallst kommt. Wo sich das herumspreche, würden zahlreiche Arbeiter, schon um eine Stell« zu bekommen, der NSDAP, beitreten. Don erfolgreichen Be- triebsfunktionären wird in Aussicht gestellt, im kommenden Dritten Reich in den betreffenden Betrieben W i r t s ch a f t s k o m m i s f a r zu werden. Inzwischen hat aber die rheinische Aouleiwng der NSDAP- viel näher liegende Sorgen. Die Zersetzung in der bisherigen Hochburg Koblenz schreitet!n- folge toller Korruption fort. Unier den Augen des Reichstagsabge- ordnetcn Simon ist mit den Parteigeldern eine schlimme Wirtschast getrieben worden. Infolgedessen ist die Ortsgruppe Koblenz der Nationalsozialisten trotz aller Zuschüsse des syriodrich Christian, Prinz von Lippe, und anderer reicher Gönner s i n a n- ziell s o bankrott, daß sie nicht einmal ihren Musikzug mehr öfsentlich auftreten lassen kana. Diese musikalischen„rauhen Kämpfen" des Dritten Reichs lehnen nämlich ab. ohne entsprechende Bezahlung mit Trompeten und Trommeln die nötige Begeisterung in die SA. zu bringen. Da niemand aus dem Durcheiirander der Korruption des .Koblenzer Porteigejchofts noch hindurchkommen konnte, hat der Reichstagsabgeordnete Ley die Geschäftsbücher m Koblenz durch einen vereideten Sachverständigen prüfen lassen. Das Ergebnis ist für die Vorkämpfer der Reinigung Deutfch'ands vernichtend. Das. was man„Buchführung" nennt, entsprach nicht den ein- sachslca Bestimmungeu des handslegesetzbuch.'s, und nicht die geringste Sorgfalt war daraus verwendet worden. Icdcr Kausmannslchrling würde hinausfliegen, wenn er irgendeine Kladde so„führen" wollte, wie es die Vertrauensleute und Freunde der Reichstagsabgeordnet«, Ley und Simon getan hoben. Größere vereinnahmte Beträge waren nicht verbucht und fehlten tu der Kasse. Wie hoch diese Summen sind, wird nie festgestellt werden können. Iedensall» gehen sie aber in die Tausende. Der Geschöftosührer war entsprechend der Lehr« seines Meisters Feder für..Schwundgeld" Er haßte jeden Kassenbestand und verbrauchte den Mammon einfach „3 coato-Gehalt". Kassenabschlüsse wurden nicht gemacht Auch über Einkauf und Austrog« wurde kein Buch gesührt. Ebenso ließ das Wechselkonto all«» zu wünschen übrig. Der ganze Laden ist eine einzige stinkende Korruption. Die beidtn Auto? wurden nach Begeben privat benutzt. Brenn- und Schmierstoffe wurden in großen Mengen geliefert und bezahlt ohne jede Kontrolle, was damit geschehen ist. Der Lastwagen ist nachweisbar fürübcr13l1l)Kilomet«rprivat«rFahrten benutzt worden, da ein Kraftfahrer im Gegensatz zu seinem Direktor für genau« Buchführung gewesen ist. Er ist platt! Oingeldey:.Und das ist der Lohn dafür, daß ich Hobe so brav ziehen hel en!* Der beeidigte Sachverständige kommt zu dem Urteil, daß das Koblenzer Geschäft der Naziabgeordneten Ley und Simon unter grober Pflichtverletzung ohne die geringste Sorgsall und unter groben Verstößen gegen die gesetzlichen Bestimmungen verwaltet worden ist. Kein Wunder, daß sich Parteimitglieder, wie auch in diesem Falle an einen Sozialdcniokraten.mit dem Ersuchen gewendet haben, durch Veröfsentlichung dieser Zustände für Besserung zu sorgen. In der NSDAP, sei Kritik hoffnungslos, well es Meinungsfreiheiten nicht gebe. Die n a t i o n a l s o z t a l i st i- schen Gewährsleute haben diesem bekannten Sozialdemo- traten sowohl in dos vertrauliche Rundschreiben wie in das Original des Gutachtens eines beeidigten Buchfachverständigen Einsicht nehmen lassen. Schulz, der Paraderedner. .Jemevertreter" im Gerichtsurteil. Heut« findet im Sportpalost eine nationalsozialistisch« Dersamm- lung statt, in der als Redner der* bekannte„Fems-Vcrtreter" Oder- lentnant Schulz angekündigt wird. Thema der Sportpalastkund- oebiing ist„Die gefesselte Justiz". Oberleutnant o. D. Schulz'st wahrlich der richtig« Mann, über die Justiz zu sprechen, ist er doch selbst nicht nur Subjekt, sondern auch oft genug Objekt der Rechtsprechung gewesen. Es ist deshalb angebracht, aus dem in den beiden Fememordprozessen bekanntgewordenen und in der Oeffentlichkeit diskutierten Urteil über Schulz und Genossen einig« Feststellungen d«r Gericht« ins Gedächtnis der Oeffentlichleir zurückzurufen In dem Urteil des Schwurgerichts in Landsbcrg an der Warthe im Jahre ISAZ in der Strafsache Schibuhr und Ge- nossen. unter denen sich auch Oberleutnant Schulz bcsand. wurde Schulz zwar sreigesprochen. da seine Uebersührung durch die Beweis- ausnahm« nicht gelang. Das Gericht stellt aber ausdrücklich fest,„daß die juristisch« Freisprechung ihn lSchulz) van der mo'alischen Schuld an dem Tode eines Menschen keineswegs befreit. Zu ihm blickten die Angehörigen der Formation in Ehrfurcht und Bewunderung auf; trotzdem scheute er sich nicht, seinen Untergebenen die Ermordung eines Menschen nahezulegen und sich vertraute zu halten, von denen er wußte, daß sie bereit wareu, aus das leiseste, ja sogar aus ein vermutetes Zeicheu von ihm einen Mord zu begehen". In demselben Urteil heißt es von Schulz und seinen Käme- rcchcn:„Es war für sie ein besonderes Vergnügen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit den wehrlosen, zitternden, blutenden Kameraden zu mißhandeln und mit anzusehen, wie er sein Gehirn zerquält«, um immer neue Lügen als Antwort zu erfinden, die immer neu« Quälereien nach sich zogen." Herr Schulz, der jetzt in nationalsozialistischen Verjainnilungen als Redner auftritt und der wegen seiner Taten gerühmt wird, wie nach lg, Dezember 19Z3, wie ebenfalls ans Presseveröffeiülichumzen hervorgeht, soweit geistig und moralisch zusam menge« brachen, daß die Aerzte ihm in längeren Gutachten bescheinigten, daß er, Schulz, an A n g st z u st ä n d« n litte, pseudohalluzinatorische Erscheinungen habe, menschenscheu sei, kurz, ihn als eine Persönlichkeit bezeichneten, die eine Veränderung im paranoiden Äknne habal Mso noch im Dezember 192Z war Herr Schulz nach ärztTichem, damals durch di« Zeitungen zitiertem Zeugnis zumindest ander .Schwell« der G«i st« s t r a n t h e i t. Heute ist er Haupt« redner in nationalsozialistischen Spcrtpalastkundgebungcn! Serenissimus Adolf I. Hoheit verleiht Hoheitszeichen. Im Lelbblatt Adolf Hitlers finden wir diese prachwolle„Der« ari'nung": Zum Gedenktag des ersten ovfentlichen Auftretens der NSDAP, am 21. 2- 1920 in Miincheu ordne ich an: 1. Das bisher den Mitgliedern der Rsichsleijpng vorbehalten« Abzeichen(Hoheitsabzeichen der Bewegung) wirb künftighin von der gesamten SA. und SS.(Führer und Mann) getrogen.) 2. Bon den nicht in der SA. oder in der SS. tätigen Mit- gliedern der Bewegung tragen das Hoheitsabzeichen künstig all« politischen Leiter von der Ortsgruppe aufwärts. Adolf Hitler. Stilvoll, schneidig, pyramidal! Ianz, wie weiland SM. sich räusperte und spuckte! Nur wird der Schwung der Verordnung durch di« prosaische Nachbemerkung gemildert: Der Rcichsschatzmeister teilt nämlich mit, daß das„Hoheitsabzeichen" des dritten Reiches von der„Reichszeuameifterei" für lumpige v>er Groschen oder 40 Pf. zu haben ist. Dadurch wird Hoheit Adolf I. zum billigen Jakob gestempelt. Und das sollte er sich in einer neuen Verordnung dringend verbitten... Curiius im roten Wien. Desuch und Anerkennung der Gemeinde-Wohnbauten. Der Reichsaußenminister und der Staatssekretär der Reichs» kanzlei sind von Wien zurückgekehrt. Sie haben dort vor ihrer Abreise einig« der großen städtischen Wohnhöfe und Sied- lungen besichtigt. Die Gäste äußerten sich wiederholt an er- kennend über die schönen modernen Anlagen: Reichsauße,»- minister Dr. Eurtius erbat mit lebhaftem Interesse näher« Mit- teilungen und Erklärungen über das System und die Durchführung des Wohnhausbaus der Gemeinde. Man wird den beiden Herren wohl nicht verschwiegen haben. daß der heftigste Kamps der„Antimarxisten" gegen die Bestreitung der Kosten dieser Anlagen durch die Wohnbau st e u e r und nicht durch Anleihen, sowie gegen die sehr niedrigen Mieten dieser Wohnungen geführt wird. Herr Eurtius kann fetzt seinen volksparteilichen Fraktion skollegen etwas von dem Werk d«r Wiener„Rathausmarxisten" erzählen. » Zu dem Besuch des Reichsaußenministers Eurtius in Wien wird von zuständig«! Stelle mitgeteilt, daß die dort«p Hihrteii wirrschafts- politisch«n Derhandlungen bcsonders darauf abzielen, neue handelspolitische Wege in Südostcuropa zu suchen. Es gilt insbesondere, die einzelnen Wirtschaftssysteme für die bevor- stehenden Handelsverträge einander anzugleichen und«inen neuen Organismus zu schaffen, der der jetzigen Lage entspricht. Auf dieser Linie liegen wie die deutsch-österreichischen Verhandlungen auch die jetzt in Wien begonnenen Wirtschastsverhondlungen zwischen land und Rumänien sowie Oesterreich und Ungarn. Eine Hitler-Blüte Oer Oberlehrer erregt Aegerttis Der Fall des Oberlehrers Holz, der durch gewisse undelikale Handlungen voa seinem Jenfier aus bei verschiedenen Iraueu Zahre hindurch öffentliches Aergernis erregte, könnte der Oefsenllichteil gleichgültig sein, wenn der Mann nicht zum Reichstags- abgeordneten der Ratioualsozialistischen Deut- scheu Arbeiterpartei gewählt worden wäre und nur unter dem Druck der Oesfenllichkeit sein Reichslagsmandat niedergelegt hätte, heute hatte sich diese Zierde der Nationalsozialisten vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten wegen Erregung öffentlichen Aergerniffes 500 Mark Geld- strafe: die eindeutigen Aussagen der Zeugen liehen keinen Zweifel daran, doh er die ihm zur Last gelegten Handlungen tatsächlich begangen habe. Das Gericht verurteilte den Oberlehrer Holz Wege» Erregung öffentlichen Aergerniffes in sechs Fällen zu 6 Monaten Gefängnis. In der ilrteilsbegründuitg führte der Dorfchend«. Amtsgericht- rat Burckhardt. u. a. aus: Es solle wohl zugegeben werden, daß in einer Großstadt um einen Menschen Gerücht« entstehen können, die keine tatsächlichen Unterlagen haben; besonders kann das unter Frauen tn einem Haus« geschehen. Der Angeklagt« behauptet, daß die gegen ihn ausgestellten Behauptungen durch politische Treibereien zu erklären seien. Die Beweisaufnahme hal gezeigt, daß von politischen Treibereien keine Rede sein kann, im Gegenteil, die Zeugin, die gegen den Angeklagten am aktivsten gewesen ist(gemeint ist die Portierfrou) ist rechts eingestellt. Es handelt« sich auch in diesen: Falle nicht um hausklatsch, um fahrlässige Behauptungen, die durch Klatsch weitergegeben worden sind, sondern um tatsächliche Wahrnehmungen. Er hat sich aber durch Nachsicht nicht von seinem Tun abhalten lassen. Der Angeklagte hätte aber das schon im Interesse seiner Partei nicht tun sollen. Für jeden der sechs Fälle— die übrigen Fälle sind bereits verjährt, ist eine Straje von je 6 Wochen«ingesetzt und aus diesen sechs Strafen«ine Gesamtstrafe von 6 Monaten gebildet worden. Gericht über den Lügenprozeß Die Moskauer Inquisition Die Auslandsdelegation der Menschewiki(Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands) hielt im„Vorwärts'-Gebäudc— übrigens nicht im Saal des Bezirksvorstandes— eine Pressekonferenz mit zahlreichen Bertretern der deutschen und der Auslandspresse ab, in der die Genosien Dan und Abromowitsch zunächst ihre Er- klärungen wiederholte», daß nämlich diese Partei ebenso wie die ganze Sozialistische Arbeiterinternationale stets jeden Gedanken an Schädlingsarbeit gegen den russischen Staat, seine Wirtschast, Technik, Wehrmacht, Volksernährung usw. von sich gewiesen und auf das Schärfste bekämpft haben und daß mit allen anderen Behauptungen und„Aussagen" in dem jetzigen Moskauer Prozeß besonders auch die zentrale Behauptung erlogen ist, Abromowitsch sei 1928 ins Moskau gewesen. Auf die Fragen der Pressevertreter, wie denn aber solche Aus- sagen der Angeklagten erklärt werden könnten, gaben Dan und Abromowitsch Ausklärvngen über die Methoden der Sowjetjustiz. durch welche der Perliaftete in dem GPU.-Kerker zermürbt und zu beliebigen Geständnissen gezwungen wird, die er auch in der Gerichtsverhandlung— bereits eingeschüchtert und demoralisiert— nicht zu widerlegen sich traut. In diesem Zu- sammenhang erwähnt Dan den Brief eines der Angeklagten, der an die Auslandsdelegation der Menschewiki gerichtet war und der GPU. in die Hände siel(dieser Brief- wird in der Anklageschrist zitiert). In diesem Brief wird von dem bereits eingeleiteten Prozeß berichtet, dem einerseits„Aufzeichnungen eines Irren" und andererseits „erpreßte Aussagen" zugrunde liegen. Der Briefschreiber wurde unmittelbar nach Absendung dieses Briefes verhaftet und gibt nun selbst ähnliche Aussagen ab, die er noch kurz vorher— in dem erwähnten Schreiben— als irrsinnige und erpreßte bezeichnet hati Dieser Angeklagte hat sich der Sozialdemokratischen Partei bereits vor dreißig Iahren ongeschlosien und war unter dem Zarismus öfters zu Gefängnis und Verbannung verurteilt. Die anwesenden Vertreter der kommunistischen Press« erkannten die Gefahr dieser Enthüllungen und unternahmen einen Ablenkungsversuch: durch zahlreich« Fragen wollten sie die Debatten zu einer parteipolitischen und taktischen Polemik machen. Dieser Versuch schlug jedoch fehl. Die für diesen Prozeß ganz be- langlose Fragen wie beispielsweise über das Verhalten der Menschewiki zu dem kürzlich erschienenen Buch von Kautsky, konnten bei den Anwesenden nicht den Eindruck der Enthüllungen über den Prozeß oerwischen, sie kamen immer wieker daraus zurück. Die Kommunisten bewiesen dabei mit aller Deutlichkeit, daß ihnen an der Feststellung der Wahrheit nichts liegt. Einer der Koinmunistan oersuchte Wramo witsch und Dan eines Doppelspiels zu überführen, weil die Menschewiki für die im Ramsin- Prozeß Angeklagten eingetreten seien.'Darauf sagte Abramowiisch: Unsere Stellungnahme zum Ramsin-Prozeß war dadurch bestimmt. daß wir auf der Anklogebauk unschuldige Leute sahen, die durch erzwungene Aussagen sich und ander« verleumdeten. Wir traten für die Wahrheit ein. so wie tn der Dreyfus- Affäre Sozialisten und Demokraten sich die Sache des unschuldig Verurteilten zu«igen machten! * Die„Rote Fahne" schlägt einen sowjelkinawürdigen Purzelbaum des Entzückens über den Berlauf dieser Konferenz. Die Freude kann man ihr lassen; das gehört auf dieselbe Linie wie die Berichte der Moskauer„Jswejtia" über den 2S. Februar, an dem ganz Berlin unter dem gewaltigen Druck der kommunistischen Demon- stration gestanden Hobe, von denen man in Berlin so gut wie gar nichts gemerkt hat. Ein„Protokoll", das die„Rote Fahne" ver- öffentlicht, hat den erlesenen Charakter, daß es die Krylenko-Fragen der Kommunisten ausführlich— die Antwort der Menschewiki aber gar nicht oder nur andeutungsweise widergibt. Aber die Meinungs- dittatur der deutschen Bolschewik! erstreckt sich dank der Demo- kratie nur aus ihre Leute! Erklärung des Genossen Garwy. Zu den Ausführungen des Angeklagten Teitelbaum Moskauer Prozeß erkläre ich folgendes: !. Seit dem letzten Parteikongreß vom Dezember lS17 gehöre ich dem Zentralkomitee der Sozialdemokratischen Arbeiter- parte! Rußlands nicht mehr an, auch war ich nie Mitglied der Auslandsvertretung der Partei in Berlin. 2. Weder im Frühling 1927 noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt habe ich mit Teitelbaum im„Vorwärts"-Gebäiite Bantangestelttcn zählen sich Im Anschluß an die Internationale Fachgruppenkonferenz der Bankangestellten wurde Donnerstag abend eine internationale Kundgebung im Lohrervereinshaus veranstaltet, die einen starken Besuch auswies. Zu den Berliner Bankangestellten sprachen hier die sührenden Vertreter der freigewerkschaftlichen ausländischen Bankangestelltenorganisationen A l l i n a- Wien, als Vorststender der Internationalen Fachgruppe, der Sekretär des Internationalen Bundes der Prioatangestellten, S in i t> Amsterdam, sowie die Ländervertreter van de P l a a s- Brüssel, M eller-Prag, P« d e r s e n- Kopenhagen, v. Z e i p e l- Stockholm, Dr. Hoch- borg-Warschau und die Genossin S ch i m in e rl- Wien- Alle ausländischen Vertreter vermittelten den Versammelten «inen kurzen Einblick in die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Bank- angestellten in chren Ländern, die je nach der organisatorischen Stärke besser oder schlechter sind als die der deutschen Bankange- stellten. Uebereinftiimnend betonten die Redner die Rotivendigkeil der Inlernationalen Zusammenarbeit in gewerkschaftlichen Fragen, insbesondere die Zusammenarbeit zwischen den freien Angestellten- und Arbeiterorganisationen sowohl aus internationaler als nationaler Grundlage. Mit der gleichen Entschiedenheit wandten sich die auslöirdischen Vertreter der Bankangestellten gegen alle die Bestrebungen, die darauf abzielen, die so dringend notwendige Einigkeit innerhalb der Arbeiter- und Angestelltenschast zu oerhindern bzw. sie wieder zu zerschlagen. Don allen Rednern wurde schließlich auch die Arbeit des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bank- angestellten aus lohn- und tarispolitischem Gebiet« anerkannt, die für die ausländischen Bankongestelltenorganisationen stets vor- bildlich und richtunggebend gewesen ist. Der starke Beiiall der Versammellen sowie die Wort« der Ver- bandsvorsitzcnden Marx und Emonts zeigten den Rednern, wie innig sich die deutsche freigewerkschastlich organisierte Bankange- stcllrenschaft mit ihren Kollegen jenseits der deutschen Grenzpfähle verbunden fühlt und wie überzeugt sie von der Notwendigkeit des internationalen Zusammenwirkens ist. Die Berliner Besoldungsordnung. Don der Aufsicktsdehörve beanstandet. Der Obcrpräsihent der Provinz Brandenburg und von Berlin hat eine Nachprüfung der Bezüge der Berliner Beamten und Ange- stellten gefordert. Gegen diese Absichten haben die jreien Gewerk- schasten Stellung genommen. In der gestrigen Sitzung der Stadt- verordnetenversammlung wurde ein Dringlichkeilsanirag der SPD.- Fraktion mit großer Mehrheit angenommen, der sich gegen die Ge- hallskürzungen bei den Beamten und Angestellten wendet. Der Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs und die Reichs- ge werkschaft Deutscher Kommunalbeamten haben gemeinsam mit den beteiligten ADB.-- und AsA-Berbänden ihre Funktionäre zu einer Protestkundgebung am Dienstag, dem 10. Mörz, nach dem Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 40/11, einberufen. Ausländische Arbeiter in Preußen. Nur langsamer Rückgang im letzten Jahr. Die Zahl der in Preußen beschästigten ausländischen Arbeiter hat sich im letzten Jahr weiterhin verringert. Sie betrug 185 780 Personen gegenüber rund 196 600 im vorhergehen- den Jahr und 201 500 Personen iin Jahre 1928. Vor dem Kriegs wurden in Preußen etwa 900 000 ausländische Arbeiter beschäiligt. Von den ausländischen Beschästigten in Preußen waren 45,7 Proz polnische Staatsangehörige, an zweiter Stelle folgen mi: 18,6 � Proz. Tschechoslowaken, und � an dritter Stelle Holländer mit 12,4 Pro,;. Der größere Teil dieser Arbeiter ist in nichtlandwirtschastlichen Betrieben tätig. Allerdings entfallen infolge der geringeren Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräste auf 100 Arbeiter in der Landwirtschaft immer noch 3,4 Ausländer, in nichtlandwirtschastlichen Betrieben dagegen nur 1,1 Proz. Die höchste Belegung von den einzelnen Provinzen wies Pommern mit 3,8 Proz. und Sachsen mit 3,4 Proz. ausländischer Arbeiter aus, während Berlin mit 0.6 Proz. den niedrigsten Stand hatte. Berücksichtigt man lediglich die landwirtschaftlichen Betriebe, so steht die Provinz Sachsen«it IZH Praz. An». läRhern an der Spitz«. Hier ist also jede achte landwirt» schastliche Arbeitskraft ein Ausländer.— In Anbetracht der katastrophalen Arbeitslosigkeit in Deuffchland muß die Zahl von über 185 000 ausländischen Arbeitskräften allein in Preußen noch als sehr hoch angesprochen werden, Oer Bergarbeiter-Abbau. Bei Hoesch-Köln-Neuessen 300 Mann überflüssig. Di« Hoesch- Köln- Neuessen A.-G. zeigt die Entlassung von 300 Bergarbeitern aus den Schachtanlagen Anna-Emrl, Karl. Emscher-Heinrich und Fritz an. Alz Grund für diese Maßnahme wird Absatzmangel angegeben. Im Saargebiet 2000 Mann. Die Saargrubon Verwaltung hat den Tariforganisationen im Bergbau mitgeteilt, daß sie die Grube Dilsburg sowie die Schächte Rudolf und Josef der Division Luisenthol still- legen wolle. Die bedrohte Belegschast zählt fast 2000 Mann. Die Gewerkschaften verlangen, daß die Belegschaften dieser von der Stillegung betrossenen Schachtanlagen auf anderen Gruben untergebracht werden. 5 Pfcnniq tätlich-» R Bücher jährlich. 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Der gewaltige Großtonfilm: Mordproieg Mary Dssgaa mit Nora Gregor, Arnold Korkt, Egon yon Jordan, Lade Doralne Beiprogramm Auf der Bühne; Inicmafionalc BOhnrnirtian SOdoxtan Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6J0 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7. 9 Uhr GroStonfilm: Afrika«prldit (Das Paradies der Hölle) Beiprogramm Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. 6 30 u.9 U Stg. 3. 5. 7. 9 U. 100 proz. Tonfilm: TingcLTangd mit FrUz Kampers, Braun, Verebcs Beiprogran — BOhneasdhan Neukölln Mercedes- Palast Hermannstraße 212. Ecke Jägerstraß» Werktags 63, Uhr, Sonntags 3 Uhr 100 proz. Tonfilm: Die FörderdirUfl mit Irene Elslnger Beiprogramm— Bühnensdsan ITiileiile Wochent 6.45, 9 u. AUKU1C sonnt. 3. 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 100 proz. Tonfilm: Der Mann, der feinen Mörder sndbl mit Heinz Rühmana Beiprogramm Excclsior Wochent. 645. 9 U. Sonntags 3, 5, 7, 9 U Kaiser-Friedrich-Straße>91 Großtonfilm Afrika sprlcbt(Das Paradies der Hölle)— Beiprogramm Stern, Hennanmtratze 49 Wochentags 6,45. 9. Sonntags 3, 5 7. 9 U. 100 pröz. Tonfilm: Afrika sprldif (Das Paradies der Hölle) Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 6.30, 9 ü. Sonntags ab 3 Uhr 100 proz. Tontilni: Förstercbristl mit Irene EUloger, Paul Rlcbtrr, Oskar Karlwcis, Adele Sandrock Beiprogramm— BQhaenscbau Frankenburg* Büh-e Große Frapkfurter Straße 74 W. 6, 9, Stg. ab 5 Uhr. Stg 3 Uhr Jugendv, Der Oroßtilm: Vier Federn Beiprogramm— Bühnen, ch«n Schwarzer Adler ü""« Woch. 5, 7. 8.45, Sonnig. 3, 5, 7. 8.45 Tonkrim:»türme über dem Mond- blane mit Leni RicfcnsfabL Tonbctprogramm— Jugendl. Zutr. Sternwarte- Treptow Sonnabd 4, S, Sonnt 4, 5 8 Uhn Italien. Vom ewigen Rom zu Siziliens Laraströmen(Film) Nordosten Prenzlauer Allee 56 W. 5.15. 7. 9.15. S. 3.15. 5. 7.15, 9.1 5 Uhr Sonntag S'/s Uhr Jggendvorstellung »türme über dem Montblanc Jugendliche haben Zutritt Flora-Lichtsp. Wo. 6.30, 9, Sbd. ab 5, Sonnt ab 3 Uhr. Tonfilm: Die Firma heiratet mit Char oltc Ander, Ida WfUt, Otkar Karl weis g Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wpchen gs. 630 U. Sbds 5, Stgs 3 U. Nur 4 Tage! IftOoror Kriminaltonfilm• Oer Weg nach Rio(Mädchcnhändlcrl mit Marl� Solvex, Kurt Gerron. Oskar Homolka. Mit einleitendem Vor iag— Beiprogramm Bühne: Akkoraeon-Vür.ooftea Luna-Palast Qr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm; Der Mörder Dimllrl Kara- maroff mit FriU Korlner Bühne: Prof. MendeUaon und seine 9 Cellisten- Lore Braon Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U� Stg. ab 3 U. Tonfilm: DrachenfOfer mit Harold Lloyd- WelRanf om den Mann m. Bebe Daniel*— Bühne:.Arcano' Viktoria-Liditbild-Th. Frankfurter Allee 43 Woch. 5. 7. ca 8.45, Stg. 3. 5, 7. 8.45 U. Oroßtonfilm:„Afrika spridsft*(Das Paradies der Hölle)— Tonbeiprogr. � Xantrum Babylon* am Bülowplaiz Wochentgs. 5. letzte 9.10, Sonntgs. ab 3 U. Komiker-Tonfilm: Zapfentfreldi mit Arno, Verebcs, Jankermann Varlclfsdiau sj Neu-lichtenbera W Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Woch 5.7,9 0. Stg ab3U Ifln proz. Tonfilm: Der falsche Feld- marsdsali btiek» Silly mit Viasta Bnrlan— Jugendliche hauen Zutr II Kino Busch sV&Ä AIi-Friednchsfelde 3 Hodizclismarftdi m. E. v. Stroheim Der Ti�cr mit CbarL Susa, H. Frank 6 Karlghorat M ranitol Wochemag: 7. 9 Uhr V-apilUl Sonnsbds 5, 7. 9 Uhr Am Bahnhof Sonntags 3. o, 7, 9 Uhr Afrika soriebf1 (Das Paradies der Hölle) Norden aillAmhrA Müllers traBe 136, Amamora Ecke Seestraße Wochent 5, 7, 9 U, Sonnt. 3, 5, 7. 9 U- Tonfilm; Die Fa*dhing«fee mit Annr Ablers. W. Janssen— Tonbeiprogr. Pharus-Liditspiclc Müllers tr. 142 W.5.7.9U, Stg.3,S.7.9U. 100 proz Tonfilm: Tänzerinnen für Südamerika gesucht mit OUa Barlo Beiprogramm Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3ViU. 3. Woche verlängert! Tonfilm; Die PriTatiekrelirin mit Brestart, Renale Müller Bühne Prater-Lichtspiel-Palast Kastanienalice 7-8 W. ab 6, Stgs. 4 U. Unsichtbare Fesseln mit Greta Garbo Achtung. Zug in Gefahr! Mit Ml ton Silis— Bühne: Doiljhottp Jazz, Tanz Mila-Palast BühS�S.» Schönhauser Allee 130 W.5, S. 3 U Skandal am Eva mit Henny Porten Beiprogramm— Bühnenschaa Pa n ko EI3 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 100 proz. Tonoperette: Der Bettel. stodent mit Jarmila Novokna. Frllz rdmlz. H. Picfaa- Ich zeige Dir Fanaowl— Jugendl haben Zutritt * T*a*1* Filmpalast Tegel Äf" Stgs. 2 U- Jgd.- Vorst. W.ü. Stg. 4',< U. Großtonfilm Afrika sprich I)(Das Paradies der Hölle) Aegyptische Reise Beiprogramm _Welßensee Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 206—210 Tonfilm: Aschermittwoch m. Et. Holl Zimmer 107 Bühne: E. Holer Montag: Grodt, mit Uaae Haid Union-Theater Hauptstz.a W o. b'-j. SU:. 4'/*. b'i. S' f U Stg. 2 U. Jgd.-V MSblterle Zimmer mit Fritz»chn'z Zwischen 14 und 17 mit Ida.. IUI � Hennigcdorr> Filmpalast stg. Berliner Straße 59 Stg. 2U. Iiig.-Vorst. Großtonfilm: Afrika spricht I(Das Paradies der Hölle)— Beiprogramm ®el,a6e ÄppÄbiMÄ Freitag, 6. Marz 1931■r"."• V-V�-.�g, IMWÖI« Brei Monate Straßenbau Aus dem Leben eines Arbeiterstudenten Wenn man gerade seine Gebühren für das begonnene Semester bezahlt hat, bewegt einen schon die bange Frage, wovon bezahlst du sie das nächstemal? Wird man Arbeit finden, bezahlte Arbeit, die es einem ermöglicht, wieder ein Semester durchzuhalten? Mit Sorgen liest man niederschmetternde Berichte über die traurig« Lage am Arbeitsmarkt, man gedenkt aller früheren, nutzlosen Laufereien und Enttäuschungen, und böse Zweifel beschleichen das betümmerte Herz. Trotz allem entwirft man wieder seinen Schlachtplan. Mit den G e- suchen und Briefen wachst die Hoffming, mit den Absagen sinkt sie wieder, wie ein gut funktionierendes Darmnetcr. Wochen vergehen, die Ferien nähern sich, man wird innner sorgenvoller und nervöser, es ist ein aufreibendes Warten. Ja, wenn man Verbim düngen hätte! Aber so heißt es immer nur, gut deutsch ausgedrückt. „Mangels an Vakanzen.. oder„Laut Beschluß unserer Ii» rcltion... Werkstudenten nicht mchr eingestellt." ländlich...! Endlich nachdem man 20 Gesuche geschrieben und 12 Besuch: gemacht hat, als man sich schon fast in die Notwendigkeit gefügt hat, ein Semester aussetzen zu müsien, kommt eine erlösende Zusage. Wie einen lästigen Mantel schüttelt man die bange Sorge und würgende Angst von sich. Und, seltenes Glück, am nächsten Tage irifft noch eine Zusage ein: Hilfsarbeiter im Straßenbau! Was mm? Es ist keine leichte Wahl. Immer wieder wägt man das eine gegen das andere ab. Hier 0,68 Mark pro Stunde nam allen Abzügen, saubere, leichte Arbeit unter qualifizierten Arbeitern in einem großen Werk, Möglichkeit noch allerlei zu lernen: dort 0,92 Mark, aber schwere, äußerst dreckige, eintönige Arbeit. Räch einem kurzen Ueb erschlag der Finanzen fällt die Entscheidung leicht. ?ch melde mich als Straßenbauarbeiter. Auf dem Rück- wege bedrängen mich allerlei Gedanken. In allen möglichen Berufen habe ich mich ja schon herumgetrieben: als Kellner, als Provisions- Vertreter, als Bersicherungsakqursiteur, als Wcrkstattschreibcr. habe zwei Monat« lang bei einer großen Inventur täglich acht Stunden lang Lagertarten nachgerechnet und abgeschlossen: aber Straßenbau- arbcitcr, das ist etwas Neues! Werde ich der Arbeit gewachsen sein, werde ich es Überhaupt aushalten? Ich denke an das kommende Semester, das auch noch viel Kraft erfordert, und werde etwas besorgt. In dieser Slvwnung verstreichen die Tage. Dann, noch bevor ander« sorglose Aornmilitonen die bunte Mütze beiseite legen, lag« ich den Büchern„Lebewohl", suche meine älteste Kluft aus und öle eine »f.. Stunde lang die alten Äonnnihstiefel meines Baters. Am anderen _ Margen bin ich pünktlich um 7 Uhr in dem Tur rn de r alten Stadtmauer, der von nun an der ruhend« Punkt in.meiner Arbeit ist. Die ersten Dag«. Am ersten Tage werde ich mit einem älteren Kollegen, der ein bewegtes, arbeits- und stempelreiches Leben hinter sich hat, auf ein« der Umwallungsstraßen geschickt, um die Gosse zu reinigen. Es ist«in komisches Gefühl, mit dem Schubkärrchen durch die Straßen zu ziehen. Ich meine, alle Leute müßten mich angucken. Ich be- mühe mich, so geschickt als möglich mit dem mir ungewohnten Werk- zeug wie Schippe und Haue umzugehen. Nun bin ich in manuellen Tätigkeiten durchaus nicht ungeschickt, aber eine Schippe richtig an- fassen und rationell nüt ihr arbeiten, das habe ich e r st n a ch d r« i Wochen herausgehabt und bei der.Harre nach später. Es ist eben nicht damit getan, daß man seine mehr oder minder zarten Patsch- Händchen auf den Stiel legt. In den ersten Tagen gleich erfuhr ich wieder am eigenen Leibe. wie man heule noch in weiten Kreisen über den Arbeiter denkt und als was man ihn ansieht. So fragt« ich am ersten Tage einen besser gekleideten Herrn nach der Zeit. Zlber es muß ihm wohl peinlich gewesen sein, von einem Arbeiter, der die Gosse reinigt, angeredet zu werden: so ging er denn, ohne ein« Miene zu verziehen, stolz wie ein Spanier weiter. Wenige Tage darauf eiu Erlebnis, das man fast für nicht möglich halten sollte, das aber dach einen Einblick darin gibt, in welchem Sinne in gewissen Kreisen die Kinder erzogen werden. Ich hing also abends todmüde auf meinem Rad und stchr nach Haufe. Unterwegs kam ich an einem A u t o vorbei, rassige Limousine, in dem zwei Jungen von ungefähr sechs Jahren saßen. Plötzlich sah mich der eine vorbeifahren, steckte den Kops zum Fenster raus und spuckte mich an! Am ersten Freitag schleppten mich die Kollegen mit in ihre Stammkneipe. Ich hielt mich sür oerpilichtct, nun meinen„Ein- stand" zu geben. Aber energisches Abwehren. Die Leute wußten, daß ich mich schwer durchschlagen muß, und da hat auch der Ber- soffenste, so schwer es ihm wurde, doch gerne verzichtet. Dao Teere» fängt an. Bald fing dann d a s T e c r e n an. Die Arbeit war schwer, und hier zeigte sich, wie wenig ich noch konnte. Die Kollegen hatten zuerst ihre Last mit mir! Wie schwer die Arbeit war für einen, der es nicht gewohnt ist, zeigt folgende kleine Betrachtung. Wir leerten am arbeitsreichsten Tag sieben T c c r m a s ch i n c n. Ich hott« die Kannen zu tragen und auszugießen. Jede Maschine enthält Zö Kannen. Also trug ich an jenem Tage rund 2 50 Kannen, jede 10 Liter Teer von 180 Grad(bei der Bombenhitze damals) fassend. Jod« Kanne aber mußte ungefähr 12 Mkter weit getragen werden. Hinzu kommt, daß beim Teeren immer Ueberstunden gemacht werden müssen, so daß man unter Umständen zehn bis eli Stunden lang so hübsch angestrengt arbeitete. Während dieser Zeit ging ich morgens um!47 Uhr aus dem Haus« und kam abends meist um dieselbe Zeit wieder. Dann schlang man etwas Esten hinunter, warf einen Blick in die Zeitu,»g mck» fiel nur so ins Bett. Während solcher Zeiten vegetiertderArbeiter eben nur noch. Trotzdem ist das leeren beliebt, denn es gibt 2 0 Prozent Schmutzzulage und die Uebersllcnden fallen auch ins Gewicht. Die Schmutzzulage ist auch wohl oerdient, denn man sieht— besonders wenn ein« Maschine mal übergekocht ist— unglaublich dreckig aus. Mehrmals teerten wir umnitielbar vor der Universität. Das war für mich natürlich oit peinlich. Die Kollegen hatten dafür kein Verständnis. Sie betrachteten mich eben ganz als zu ihnen ge- hörig und kamen deshalb gar nicht aus den Gedanken, daß ich von anderen ob dieser Arbeit scheel angesehen werden könnte. Wir ver- gnügten uns iinnrer köstlich, wenn verschiedene Kommili- t a n c n mich wie ein Wundertier anstarrten und glaubten, einen Doppelgänger von mir entdeckt zu haben. „Tag, bist« stark?" Langsam ging die Teerzeit zu Ende und wir kamen ans Pia» nieren oder Regulieren. Darunter versteht man das Neuebnen ungepflasterter Siraßen und Plätze, eine Arbeit, bei der die Schippe das Hauptwerkzeug ist. Glatteis für Neulinge! Wir hatten gerade angefangen, da kam schon der erst«:„Sag', biste stark?"„Hau, un wie!"„Kannste mich mit dä Schöpp opheve?"„Enä, do bi jingk dach dä Still kapott!"„En dau bat kann mer, ich kann et, stell dich cns drap!" Treuherzig tat ich das auch.„Ei— nen Rrrr— uck". Mit affenartiger Geschwindigkeit zog er das Schippenblatt unter meinen Füßen weg undschonlagichda. Na, ich war im Bilde. Nach einiger Zeit schon kam der nächste: „Sag', biste stark?".Hau, un wie!".„Kannst« mich met dä Schöpp opheve?"„Ena, bat hau ich jrad noch nit jemacht, ävoer ich muh et ens versöcke— Einen Rrrr— uck!" Diesmal lag ein anderer mit verdutztem Gesicht am Boden. Daß man auch Unheil anrichten kann, zeigt folgendes Beispiel. Eines Marzens spritzten wir(eine beim Planieren höchst wichtige Sie wissen nicht, was Imponderabilien sind? Es ist seltsam, daß Impanderabilien in unser aller Leben eine sa große, oft unter- schätzte Rolle spielen und d« meisten Menschen"kaum mitzeu, was das Wart. zu bedeuten.ha.t. Laut.Lexikon such Imponderabilien u n a b w ä g b a r e S u b st a n z c». In der Physit versteht man darunter zahlenmäßig nicht feststellbar« Kräfte, die aus unbekannten Ursachen in Wirkung treten. Und im Sprachgebrauch dies und das und weiß Galt was.... Imponderabilien sind Bagatellen, Nichts«, Nebensagen, die g e g e n all« logische Boraussetzung de» Ausschlag geben: über Erwägungen der Politik, über Rechtsansprüche, über irgendwelche Forderungen oder Erwartungen im Leben. Imponderabilien sind launische kleine Teuselsdinger. die gegen jedwedes seriöses Kalkül die Welt auf den Kopf stellen, Berechnungen von Leuten mit ab- ' gründiger Bücherweisheit über den Hausen Wersen. Impondera- bilieu sind sozusagen das weibliche Element im Welt- geschehen, das Kapriolenhaste am Dasein, die Bocksprünge der Tatsachen, der Uebermut der Natur.— Das großmächtige Preußen hatte z. B.(das— und vieles j andere— veranlaßtc Bismarck von Jmponderobilien der Politik zu sprechen) niiamechibare Rechtsansprüche gegenüber einem winzige» deutschen Kleinstaat— aber? Die preußischen Rechtsvertreter konnten die Ansprüche nicht geltend machen, weil... Weil? Aus diesem Kleinstaat stammte I. M. die Kaiserin! Oder: die deutschen Bombardiere» mit weittragenden Großgeschützen tresssicher Paris, machen mit ihren U-Booten die Weltmeere unsicher, in der Meinung, damit ihr« Feinde zu deprimieren. Im Gegenteil wurden dadurch schlummernde Kräfte wach, an die der deutsche General niemals dachte. Oder: Oesterreich hatte zu meiner Jugendzeit einen (reaktionären) Kultusminister namens Gautsch, ein strenger, ein tief gelehrter, ein die Lehrer unerbittlich aufpeitschender Mann. Hals er uns varan, sa wie er es dachte? Im Gegenteil: das Studium wurde uns vergällt, und wir lernten nichts, die Bücher wurden uns zum Uebcrdruß. Während der a u st r a l i s ch e „Minister oi e d u c a t i o n"(ebenfalls zu meiner Zeit), der groteskerweise kaum richtig lesen und schreiben konnte, das Unter- richtswejcn durch seine konziliante Haltung, durch seinen Mangel an Pedanterie zu einer Art Blüte brachte. .Durch welche Lapalien ist nicht die Weltgeschichte beeinslußt worden.... KleopotrasRase spielt darin ein« hervorragende Rolle und die Magenentleerung eines kleinen Bogels, die einem bislang siegreichen Tatarengeneral das Aug« verklebte, so daß er stürzt« mitsamt feinem Reiche. Welche Ucberraschungen erleben wir in dieser demokratischen Zeit bei Volksabstimmungen! Geht's immer nach Logik und Gerechtigkeit? Wer will alle Kräfte berechnen, die am Werte sind? Ueberall auf der Welt haben Imponderabilien ihre Hand im Spiele. Irgend ein Verbrecher gewinnt die Gunst des Publikums, ver- dient sie vielleicht nicht im geringsten. Ein anderer armer kleiner Sünder rennt überall gegen starre Wände, das Publikum dreht den Daumen nach unten: was da heißt, richtet ihn streng, ihr Richter. Sympathiefragen sind Fragen nach imponderabilen Kräften. Sex appeal, das moderne Schlagwort, was besagt es anders, als daß jemand eine unerklärliche Anziehungskraft ausübt auf das ander« Geschlecht. Man macht«inen Plan, sitzt und kalkuliert, alles wird in Rech- nung gestellt, woran man irgend denken kann— und zum Schluß geht die«ach« dennoch schief. Eventuell denkt man an gar nichts, handelt„blindlings", schätzt allezeit natürlich die imponderabilen Kräfte richtig ein, die am Werke sind— und hat Erfolg. Wissen Tie. was Kolotd Chemie ist? Jedenfalls kennen Angelegenheit) ein neues Stück. Einer hält vorne den Schlauch und spritzt, und ich drehe den Hydranten auf und zu und kuppele den Schlauch ab, wenn Fuhrwerke kommen. Ich passe nicht recht auf und drehe e i n m a l z u f r ü h auf und unglücklicherweise muß gerade eine alte Tante vorbeikommen, der der eiskalte, armdicke Strahl genau am Hals ins Kleid hinein zischt. Der Schreck fuhr mir in alle Glieder, und doch konnte keiner dos Lachen richtig verkneifen. Das tagelange Bangen ob einer Beschwerde war zum Glück über» flüssig. Es kam keine. Regentage. Als sich meine Ferienzeit dem Ende näherte, kamen Regen» tage. Bis dahin Haie ich Glück gehabt, aber min ging es los. Morgens wenn ich fortging, waren Kleider und Schuhe noch klatsch» naß vom Vortage. Etwas Widerliches, in das nasse Zeug zu kriechen. Dazu eine scheußliche Arbeit, die manchmal ekelhast stinkende, ver- iandete Gosse aus einer der Uirnvallungsstraßen wieder freizumachen. Stellenweise mußte man jeden Zentimeter mühsam mit der Haue er» kämpfen. Bei jedem Bücken und Zuschlagen lies einem dann das Bächlein hinten im Nacken wieder etwa? tiefer runter. War man mal auf Stunden trocken geworden, so ging es bestimmt kurz vor Feierabend um so heftiger los. Diese sieben Regentage liehen mich den Mut ganz verlieren. Zlm liebsten hätte ich aufgehört. Der Winter nahte schließlich und mit ihm das Ende unserer Arbeitszeit. Gemeinsam wurden wir Hilfsarbeiter ent- lassen. Zusammen gingen wir. Zwei dem Elend entgegen, ich in dem frohen Bewußtsein, wieder ein Semester geschasit zu haben und mir neue 5trait aus meiner Klasie geholt zu haben für unseren Vorposten an der Hochlchul« im Kampf um den Sozialismus. Leise aber nagte mir am Herzen die Sorge um all die vielen anderen Semester und das Geld, das sie kosten würden. Hans Huma. Sie photographische Emulsionen. Nun: e? ist nicht möglich. zweimal eine Emulsion mit genau denselben Eigenschaften, derselben Empfindlichkeit herznstetlen. Es Handels sich bei der Koloid Chemie, um einmal mehr oder weniger umrühren, auskochen und dergleichen. Kleinigkeiten, d. h. Imponderabilien.... genau, wie bei Ihrer Haushaltsküche. Eierkuchen geraten immer anders, auch wenn Sie Ihnen die gleiche Frau aus de» genau gleichen Substanzen mit demselben Lächeln vorsetzt. Man kann es nie varaussage», wie eine Speis«„gelingt", und olles, was man Ihnen in den sauft nicht weit» berühmten Beiiiner Restaurants dagegen sagt, ist plem plcm. Die Güte des Bieres ist, wie man weih, zum Teil durch das Wasser bedingt. Ein berühmter Straßburgcr Brauer wollte (Geschäft ist Geschäft) sein A-I-@:bräij in Paris herstellen und ließ, damit ja rftas kostbare Roß nichts an Güte oder Wohlgeschmack einbüße, das Wasser aus Straßburg kommen. Hm. Was ober das „Gruber Bier" anlangte, hergestellt vom selben Hopsen, Malz, Bier und Wasser, so schmeckte das, der Teufel hole die Imponderabilien. in Paris ganz anders, als in Straßburg, es war da A I Und dort B III. Kennen Sie die Sorgen eines Schneiders, ich meine eines wirklichen Modeküustlers? Sie mögen Geschmack und Geschick haben. so viel sie wallen: es läßt sich nie mit Gewißheit voraussagen, wie ein Stück„sitzt", wie es kleidet. Ein Hütchen, in der Hand, mag ein Gedicht sein— aus dem unrechten Kopf ist es eine Tragödie. und niemand, außer der Verkäuferin, könnte, ohne zu Erröten, das Gegenteil behaupten. Eine Mode, aus Paris lanciert, mag „ziehen"— eventuell aber tut N e w D o r k nicht mit.— Stimmung: sie kommt, sie geht, und die dazu engagierte„Stimmungskanone" kann meist nichts dazu. Immer schaffens die stimmungbewirkenden Imponderabilien. Wagen Sie sie, messen Sie sie: dann sind Sie morgen Millionär. Wie wird ein Theaterstück aufgenommen, ein Buch, eine Rede, eine Schauspielerin, ein Ballettbcinchen: welcher Kenner will das voraussagen!— Gehen Sie zu einem Mode- Musterzeichner, oder besser zu einem Käufer dieser Muster. Er zahlt sa und so viel Paiischale— eins von den Mustern wird, vielleicht, einschlagen, die anderen kann er wegwerfen. Man lehnt sie aus unbestimmbaren Gründe» heute ab— und nimmt sie aus noch unbestimmbareren Gründen übermorgen au. Man spricht da von ,Hazard"-Spielen. Wissenschaftlich ge- Nammen gibt es keinen„Zufall", sondern nur eine Kaujalreih«. Ursach« und Wirkung. Wenn Sie sie kalkulieren können, fahren Sie sofort nach Zapott. Mein Freund Jogues, der lange Zelt „Millionenstudien" machte, kommt soeben mit seinem„unfehlbaren" System von dort zurück— um«ine Hoffming ärmer. Man kann In�ponderabilien nicht messen, man kann sie nicht wägen: aber es kann sie wittern, wer eine feine Rose hat. Sie zu leugnen, wäre törichte Pedanterie. Wie sagt Goethe? Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn: was ihr nicht tastet steht euch ineilenieru, was ihr nicht saßt, das schlt euch ganz und gor, was ihr nicht rechnet, glaubt ibr, sei nicht wahr, was ihr nicht wägt, hat für euch kern Gewicht, was ihr nicht münzt, das. meint chr, gelte nicht. Pedanterie ist ein Mangel weniger an Weitsicht als an Ilmsicht. Es treten in diesem komplizierten Leben meistens mehrere Kausal- reihen in Aktion, und gerade in dem er die eine bis in ihre letzten Schleichwege verfolgt, läßt der Gelehrte eine airder« außer acht. Daher die Karikaturen auf seine Geistesabwesenheit, und daher der berühmt« Satz: Die Operation ist gelungen, aber der Patient ist tot. Er ist an Imponderabilien gestorben. Nichts Geheimnisvolles, Mystisches haftet den Dingerchen an— nachher, nachdem das Malheur geschehen, weiß man Bescheid und rauft sich die Haare. Darum: Achtung aus die Imponderabilien! Imponderabiiien Illustrationen eines Begriffes<- Von Heinrich Hemmer 'Radio aus allov Wolf Menscbenacbichsttle im ilciitct- Wsnn mnn abends am Radio sitzt und die iiand am Kouden- sctor dreht, dann rasen im Lautsprecher die Sender Europas vor- ober. Die Hand dreht an einvm Knopf, zentinieterlairg. und das Ohr hört Europa. Es springt d«r Laut von Land zu Land, von Stadt zu Stadt über taufende Kilometer hintveA. Memchen lachen, singen, spielen und weinen im Slether. Die Wellen tragen Sprachen und Töne der ganzen Welt. Di« Welt wird klein. Grenzen schrumpfen zusammen---- Stimmen, die sonst in einem Räume verklingen würden, dringen in die Atmo- spare, tragen Nicuschlichc Worte in die kleinste Kammer, zu den Einsamsten. Oft hört man sekundenlang auf einer Welle ein Menschenschick- sal, dann scheint dos Lachen und Singen von einem anderen Sen- der zu verstummen... Europa sendet! Hallo, hallo... Attention... Allo... Achtung... Die Tanz- musiken beginnen. Es spielen di« Saxophone und Vonjos auf der Londoner Welle. Es singen die �lgeuncrgeigen aus Budapest. Schmelzend flötet jemand aus Madrid. Die Walzer erklingen aus Asten. In dieses Konzert dsr Fröhlichkeit tönt auf einmal die Stnnine... „Achtung, Tagesnachrichten.. ernst und langsam spricht die Stimme van einer Welle weiter:„Heute verübte der Arbeitslose K. mit semer Frau und drei Kindern Selbstmord durch Gasvergif- tung...* Diese Wort« durchschneiden den Aether, die Ton.Musiten ober klingen weiter! Man hört Uebertragiuigen aus den Luxuslokalen der Hauptstädte Europas. Im Lautsprecher klingen lachende Menschenstimmen und Gläser. Tanzende plaudern und das Mi- krophon trägt ihre Sorglosigkeit hinaus über Länder... Wahrend das Ohr immer noch die Wort« hört:„Der Arbeits- lose.. Auch im Aether hört man es: Not und Luxus, auf zwei Wellen nebeneinander! Xgtluin Gurdu?. Öle kmxe Welle Als vor Iahren der Rundfunk erstand, fanden sich viele Men- schen, die in ihrer Begeisterung für das neue Wunder der Technik so weit gingen, dotz sie nicht nur hören, sondern auch senden wollten. Um diesen begeisterten Amoteur-,.Radioten" ihre„Spielereien"' nicht zu nehmen, gab man ihnen in USA. die kurzen Wcl- l e n frei. Ans diesen konnten sie nach Herzenslust sunken, ohne den Unterhaltungsrundfunk zu stören. Damals dachte niemand daran, datz man damit dsr Radiotechnik ein neues ungeheures G«- biet erschloß! Die Amateure„spielten" und bastelten und sieh« da, was stellten sie fest?! Daß»um mit der kurzen Welle riesengroße Strecken mit minimaler Energie überbrücken lonn! Wenn man heut« von Erdteil zu Erdteil, über Ozeane hinweg, auf Entfernungen von vielen taufend Kilometern sprechen kann, wenn das menschliche Wort.durch den Aether von Deutschland nach Siam und von England nach Z�pstralien klingt, dann ist das nur der kurzen Welle zu verdanken, deren Cr- forschunz zum größten Teil Verdienst der Amateure ist. Heute ist die kurze Welle eins der wichtigsten Gebiete der Radioiechnik. Die Welt hat ihre Wichtigkeit erkannt. Wistanschaftlor forschen an ihr. Riesig« Kurzwellensender sind in der ganzen Welt erbaut worden. Aber immer noch sitzen in allen Ländern begeisterte Menschen an kleinen schwachen, billigen Kurzwellensendern und funken von Europa noch Afrika und von Amerika nach Asien. Spielen und erfinden wichtige Berbesierungen! Spielen und Helsen oft Menschen in Rot mit den kleinen selbstgebastelten Sendern. Man kann nicht olle Fälle von Heldentaten der Kurzwellen- amateure erzählen. Aber alle wisien, daß auch Nobile seine Rettung einem russischen Amateur zu verdanken hat. Wie Mt sind SOS.-Rufe von Schissen in höchster Not durch Amateure aufgefangen und an die richtige Stelle weitergegeben worden. Wenn nmn abends auf die kurzen Wellen am Empfänger schaltet, dann wimmelt es im Aether von Amateuren der ganzen Welt. Sie unterhalten sich, keine Entfernung ist ihnen.zu groß, keine Sprachschwicrigkeiten, denn international ist ihr Code. Die Rufzeichen der ganzen Welt kann man höre», nur Deutsch- lands Zei che n fehlen beinah ganz. Denn Amateurkurz- wellensender Drivater sind in Deutschland streng verboten! Rur mit größter Mühe ist eine Sendelizonz zu exHalten. Für Privat- Personen ist es ganz unmöglich. Als vielleicht einziges Land Eu- xapas hat Deutschland solche Äurzwellsnbestimmungcn. Man sagt, dies« Kurzwellengesetze seien aus Betreiben des Reichswehrmimste- liums aus„militärischen" Gründen geschaffen worden. Große Mi- litärstaaten Europas kennen aber solche Bestimmungen nicht! Um politischen Mißbrauch von Kurzwellensendern zu vermei- den, könnte man ja«ine besondere Ueberwachungshehörde schaffen. Jedenfalls dapf Deutschland vor anderen Zulturstoaten mcht zurück- bleiben, denn es handelt sich hier nicht um die Spielereien oiniger Leute, sondern um den Weg zu neuem technischen Fortschritt. Empfang iny THonaf Februar Die atmosphärischen Verhältnisse im Monat Februar waren so veränterlich. wie es eben die Weiterlag« war. Während an einem Tag« die Störungen im Lautsprecher ganz unheimlich waren und die atmosphärischen Störungen mir so knatterten, konnte man schon einen Tag darauf wundervollen Fernempfang ohne jede Störung erzielen. Feststellen konnte man die wachsende Lautstärke der meisten europäischen Sender. Man kann heute schon mit schwächeren Geräten in Berlin Sender empfangen, die noch vor kurzem unhörbar waren. Das ist aus die große Verstärkung de» Sendernetzes zurückzuführen. Durch die Dergröherung der Energien der Sender ist dsr europäische Rundfunkempfang ganz ent- schieden besser geworden. Sender, die über kleinere Energien ver- fügen, rauchen vollkommen unter. Die deutschen Sender sind beinahe ato überlagert. Leipzig wird immer noch von einem Schweden(Hoerby!) überschrien. Breslau und Gleiwitz leiden unter ständigen Fadings. So ergeht c» auch Langenberg, wenn die Lautstärke dieser Welle auch sehr gut ist. Der neue deutsche Großsender M ü h l a ck e r ist jetzt sehr gut zu empfangen. Die Mpdulatiqn dieses Senders ist außergewöhn. sich. Die Lautstärke ist, abgesehen von den Fadings, so groß, daß man den Sender in Berlin bei guter Antenne mit dem einfacksten Emn'gnoer bören kann. Mübiacker wä'-e einer der beLen Seriber E'-�opa?, wenn er e'ne gündiaere Welle bekommen könnte Die Näbe des Senders London Regional macht sich sehr unangenehm liemerkbnr. Beide Sender stören sich gegenseitig. Radio Algier. da» noch vor kurzem in ganz Europa herrlich zu empiangen war, ist jetzt von Miihlacker vollkommen überdeckt. Die skandinavischen Sender Kalundborg(Kopenhagen), M o ta l a(Schweden), und Oslo sind sehr gut zu empfangen. Der Empfang dieser Skandinavier sowie der anderen schwedischen Sender(auf Welle unter?0l>) ist immer sauber, laut und ungestört. Rur Kalundborg wird am Tage vom deutschen Polizeifunkseicher gestört. Warschau auf Welle 1412 ist sehr laut aber nicht rein zck hören, anscheinend durch Ueberlagerung von dem TU.-Sender. K o t t o w, tz ist nur zu hören, wenn Witzleben Funkstille hat, dam, ist der Empfang sehr gut. Die russischen Sender Mos- kau WZSPS., Leningrad, Moskau Komintern, Charkow und Kiew sind außerordentlich laut zu empfangen. t Unter den französischen Sendern ist am besten Stroßburg zu hören, ein in programmatischer und technischer Hinsicht wunder- voller Sender. Mit„nur" 17 Kilowatt ist dieser Sender bester zu empfangen alz mancher Ztz-Kilowatt-Senter. Dieser Sender, desten Welle ganz in der Nähe des Senders von Mühlackcr liegt, hat beinah gar keinen Fading! Der Empfang von Radio Tou- laufe ist sehr viel bester geworden. Der Empfang der starten englischen und tschechischen Sender(London l und II, Prag, Brünn, Kaschau, Preßburg) ist meistens sehr gut, wenn auch der Empfang Roms, Turins, Brüssels und Budapests viel bester ist. Alles in allem war der Februar ein guter Radiomanot. Die typischen Aetherstörungen des Frühlings machten sich noch nicht bemerkbar.-.vs. Wir bßrlen... Am Sonntag hörte man auf allen deutschen Wellen Trauer- feiern zum Andenken an die Millionen Toten des Weltkrieges. Der Sprecher des Londoner Rundfunksenders sprach vor � dem Abendprogramm«nkge worin« Worie de» Bekleide? fät Deutschland und schloß dann mit den Worten:„Mögen nie mehr Kananensolven und Todesschreie durch Europa gellen!" Aus einem Boden, der schon viele Kämpf« sah, steht der Rund- junksender Straßburg. Die Programme dieser Radiostanon stehen im Dienste des Friedens und der Bölkerversöhming. Deutsch und Französisch sind gleichberechtigte Sprachen. Demi che Musik und Literatur werden bevor, zugt. Die Scndegejellschost läßt Bor- tröge zur Besserung der deutschsranzösischm Beziehungen halten. Bravo, Strasburg PTT! Gute Hörspiele werden jetzl, genau so wie Theaterstücke, in Fremdsprachen übersetzt. Das Hörspiel„John D. erobert die Welt" von Friedrich Wolf wurde diese Wache mit großem Erfolg am Kopenhagener Mikrophon ausgeführt. Auch in Frank- reich. Italien und England sind schon Hörspiele aus dem Deutschen gespielt worden. Die deutsche Rundsunkstunde in Prag bringt jetzt auch sehr oft besondere Arbeiterprogramme in deutscher Sprache. Der Brüsseler Sender bringt Programme der Sozia» listischcn Hörerorgamsation. Diese Darbietungen stehen künstle- risch auf höchstem Niveau. Während des Abendprogramms nes der Ansager des Lon- doner Rundfunks die Bitte eines Arztes in de» Aether:.�jur Bluüibertragung an einem Schwerkranken wird sostm an gesunder junger Mann gesucht!" Stach einer Stunde teilte der Sprecher mit, daß sich 46 Leute zur Dersügung gestellt hätten. Rundfunk im Dienste der Menschlichkeit! Die polnischen Sender stellen ihr« Antennen in den Dienst des Militarismus. Wir hörten militärische Ausbildungs- kurse für Zivilpersonen aus Warschau. zBuch Jlrlhur Jfolilfcjier:„£ä gcfcfiaft fn Sterlin" Bor etwa zwei Iahren erschien im S. Fischer-Berlag das Buch H o l i t s ch« r s„Es geschah in Moskau", das erste in einer auf drei Romane berechneten Serie, die eine Bilanz der augenblicklichen Situation aufstellen soll. Es war ein Querschnitt aus Moskau, durch die Struktur der Sowjetrepublik,«her eine Reportage als ein Roman. Diesem Werk ist setzt das zweite gefolgt unter dem TUsl „Es geschah in Berlin". Die Vorgänge spielen sich in kurz zurückliegender Zeit ob. Wieder»st dieselbe Form gewählt. Hoiitschcr betrachtet die Well und kritisiert sie schon allein durch die Aue wähl des Stoffes. Seine Person verbindet d>e einzelnen, unabbängig voneinander ver- laufenden Ereignisse. Er ist eine Art von Kanserencier, der Per- sonen und Dinge erklärt, intern«r ihre Verknüpfungen aufzudecken sucht. Holitscher, ein liebevoller und exakter Gestalter der Oberfläche, ein Reporter großen Stils, dringt aber bis zum Sitz der Mechanik vor, er enchüllt auch das Denken der Menschen, ihren seelischen Apparat, ihre Haltung Ler Well gegenüber. Diese Menschen stehen nun. obgleich sie scharf ausgeprägte Cha- rakteoe sind, nicht isoliert, gewissermaßen w einem lusileeren Raum da. Sie bleiben vielmehr mit ihrer Umwelt verbunden, sie stehen in Beziehung zu dem kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Hintergrund, sie sind seine Exponenten. Geschöpfe einer bestimmten Zeit. nur unter diesen einmaligen Umständen denkbar. Aber der Aus- schnitt, den Holitscher für eine Zeitkrttik wählt, erscheint als zu klein geraten. Er ergibt noch kein Bild von Berlin, er vermittelt nur das Porträt gewisser besitzender Schichten. Woraus kommt es Holitscher an? Zu ossenbaren. welche Kräfte die Maschine treiben und wie diese Energien beschossen sind Der- glichen mit der Dorkricgszeit, hat sich in der Aufteilung der effektiven Macht wenig geändert. Die Vlacht gehört nach wie vor dem Kapital. Holitscher läßt darüber einen Adligen und ehemaligen(Bardeofftzier, der in die Wirtschaft himibergewcheselt ist, sprechen. Die Menschen des Befehlens, ehemals im Heer, sitzen nun in der Großindustrie. Sie wisten, wo Erfolg. Brutalität und Größe zu finden sind. Hier liegt aber auch die Triebkraft für einen neuen Krieg, wenn dieser Krieg zur Verbestcrung einer Konjunktur beitrogen kann. Sind die Allen in diesem Kreis völlig festgelegt in ihrer Zielstrebigkeit, so erscheint di« großbürgerliche, plutokratische Jugend dekadent� Sie glaubt im Leben zu stehen und redet über das Leben nur in Schlag- warten. Edelkommunisten und Salonnationalisten. die schreiben und dichten, well der Geldschrank des Herrn Papa sehr groß ist. Ent- wurzelle, die sich überall und nirgends heimisch fühlen. Das Buch ist«in« Kritik am Sein dieser Besitzenden, gleich- gültig, ob sie Deutsche oder Ausländer sind, und darüber hinaus eine Kritik am Besitz überhaupt. Um aber zu einem großen, zeitkritischen Werk zu werden, fehlt ihm die umspannende Weite. Proletariat und Kleinbürgertum werden nicht gestaltet. Rlon spricht nur über sie. Eine Ironie über das Führe rtum llingt hindurch, eine Ironie, die an manchen Stellen den unpolitischen Menschen vexrät, der nicht mit den Tatlachen rechnen will. Ausdecken einer bestimmten Geistes- mtä Lebenshaltung bei den sogenannten Möchtigen der Wirlschait. ein Aurdücken in der nur feststellenden Form der Reportage bleiben das Verdienst dieses Buches, auch wenn sie nicht alle Elemente organisch zusammen- füge». siclix Scbcrrct. PU/f DEN KLEINGÄRTNER Der Kleintierhof im März. Der März bringt den Kleintierballern gegenüber den verflossenen Wintcrmonaten ein wesentliches Mehr an Arbeit; denn überall in den Ställen wird in Kürze Zuwachs erwartet. Im Kaninchen st all gelten die End« des Monats und Anfang Aprll geborenen jungen Tiere für die besten des ganzen Jahres. Sie lasten sich ausgezeichnet für die Zucht verwenden. Natürlich müssen sie deshalb auch besonders gut und sorgsam ge- pflegt werden. Der Stall darf weder zugig noch feucht sein. Die Mutter-Häsinnen dürfen nicht zuviel Junge großziehen, wenn der Wurf nicht verkümmern soll. Sind mehrere Würse zur gleichen Zeit erfolgt, so kann man diese untereinander in der Weise aus- gleichen, daß man den Häsinnen, die weniger Jung« zur Welt ge- bracht haben, einige von den anderen dazugibt. Im allgemeinen kann man fünf Junge von einer Häsin großziehen lasten. Niemals aber mehr als sechs. Mit dem Futter spare man in den erston Monaten nicht. Im Ziegenstall, wo setzt das Lammen losgeht, flehen die Tiere trocken. An schönen Tagen laste man sie des Mittags etwas ins Freie, damit sie sich ein wenig Bewegung machen können. Bei der Geburt der jungen Lämmer ist lediglich daraus zu achten. daß die Nachgeburt sofort entfernt wird, damit die Mutter-Zieg« diese nicht ausfrißt. Die Jungen siird mit Stroh trocken zu reiben. Schon am nächsten Tag kann man eventuell daran gehen, die Lämmer an den Trinknapf zu gewöhnen. Ende des Monats, wenn hier und da schon Hecken und Büsche anfangen auszutreiben, sammle man das erste junge Grün sorgfältig und bringe es den Ziagen. Auf dem Geflügelhof ist die Brutzeit herangekommen. Die Eier werden deshalb zweckmäßig mit Daten versehen, damit man nicht ans Versehen den Glucken alte Eier unterlegt. März- brüten sind besonders für die mittelschweren Rasten sehr zu emp- fehlen. Glucken, die man» nicht setzen will, haben Im Legestall n'chts mehr zu suchen und werden von den anderen Tieren abgesondert, bis sich ihre Brutbist gelegt hat. Da der März im allgemeinen der Monat ist, in dem die meisten Eier gelegt werden, so müssen die Nester tadellos in Ordnung sein. Die etwa noch vorhandenen alten sind wegen des Ungeziefers unverzüglich zu oerbrennen und durch neue zu ersetzen und diese gelegentlich von innen und außen mit frischer Kalkmilch zu bestreichen. Wenn man dies tut und gleichzettig auch di« einzelnen Hennen durch Einpudern mit Insektenpulver usw. desinfiziert, wird da» Ungeziefer im Hühnerstall sich nicht gar zu sehr zum Schaden des Geflügelhallers verbreiten. Die jungen Küken sind vor Näst«, Kätt« med Mick» zu schützen und nach Möglichkeit den Sonnenstrahlen auszusetzen. Etwa? Grünfutter sollte ihnen sckon in den ersten Tagen feingewiegt Zur Verfügung stehen. Das gilt auch für die kleinen Gänse» und Entenküken. Auf dem Taubenboden, wo die einzelnen Paare tüchtig brüten, muß öfters nach dem Rechten gesehen werden, ohne daß dadurch eine Beunruhigung der Tiere entsteht. Sind die Jungen geschlüpft, so empfiehlt es sich, ihnen nach ungefähr zehn Tagen Fuhringe anzutun, damit man später weiß, aus welchen Britten sie stammen. G. L. Einpflanzen der Buschrosen. Ost steht man Bulchrosen, in die Erde oder ln Töpfe gepflanzt, bei denen die Aervdelungsstelle über dem Erdboden liegt. Natur- gemäß fetzt sich der Boden nach nach dem Einpflanzen und Regen und Gießen tragen gleichfalls dazu bei. daß der Erdboden sich senkt. Man sieht dann entweder aus dem Topf« oder der Erde ein un- schönes Wurzelgsslmpp hervorstehen. Es empfiehlt sich daher, beim Eintopsen bzw. Einpflanzen darauf zu achten, daß die Beredewngs- stelle gut in den Boden hineinkommt. Auch bei strnkem Frost ist sie hierdurch bester geschützt. Wie soll ein Obstbaum sein? Die deutschen Baumschulenbesitzer haben den verständigen Ent- schluß gefotzi, Leitsätze über die Qualität ihrer Ware auszustellen und dieselben dem Publikum zugänglich zu machen. Danitt wird wieder ein großer Schritt zur Besettiaung der sogenannten Ge- hemmist« in der Gärtnerei getan. Gerade für den Anfänger unter den Kleingärtnern wird es willkommen sein, an der Hand der er- lassencn Bestimmungen zu kontrollieren, ob die ihm gelieserten Bäume und Sträucher den Qualttätsvorschrisien entsprechen. Wir geben zunächst einmal die Mitteilungen über Obstbäume, und zwar werden unterschieden O b st h o ch st ä in m e, O b st m i t t e l st ä m m c und Busch bäume. Der Obsthochstamm nmß gutes Wurzel- vermögen und geraden, fehlerfreien Stamm mit l«tt bis 260 Zenti- meter Stammhöhe haben. Di- Krone kann ein- bis dreijährig sein und muß einschließlich des durchgehenden geraden Mitteltriedes fünf Kronentriebe haben. Die letztjährigen Iahrestriebe der Krone .?'ne betvesjende Sorte normale Länge ausweisen. Bei einjährigen Kronenoeredlungeu gilt ein« Krone mit mindestens drei normalen Trieben als e r st c Q u a li t ä t. Alle Kopfoered- langen müssen gut verwachsen sein. Süßkirschen müssen aus hellrindigen Sämlingen der hell- und k l e i n f r ü ch- tigen wilden Vogelkirsche(ktt. avium) stehen, sosern nichts anderes ausdrücklich angegeben»st. Die handelsübliche Stammstärke für erste Qualität ist 7 bis 8 Zentimeter Stammumfang, die anderen Stärken sind 8 bis 9. g bis 10. 10 bis IS Zentimeter. Der Stamm- umfang wird l Meter über dem Boden gemestcn. Bei_ Obstmittelstämmen(Halbstämmen) beträgt die «tammhöhe 125 bis 130 Zentimeter, die Stammumjong wird auf halber Höhe gemessen. Di« hondelsübkiche Stammstättc für erste Qualität ist 6 b's 7 Zentimeter. Bon B u I ch h ä u m« n(Niederstämmen) wird gesagt: Alle K« r n o b st h ä u m« müsten aus Zwergunterlage veredelt sein, sofern nichts anderes vereinbart ist. Auf Verlangen ist die Unterlage in der Rechnung anzugeben. Bei Pfirsichen muß die Unterlog« angegeben werden. Stommhöh« etwa 40 Zentimeter nicht unter 35 Zentimeter. Ein guter Buschbamn soll fünf Aeste«in- schließlich Leittrieb haben. Die Bäume müßen den Sorten entsprechend wüchsig sein. •ARBEimUTUSSSALL Alle Bezirke im Beirieb Am kommenden Sonntog sind zum erstenmal in der neuen Tcrie alle Bezirke im Spielöetrieb. In der Kreisklasse stehen sich in Lichtenberg. Sportplatz Kynaststraße, Lichtenberg I und Eintracht- Reinickendorf gegenüber. Die Lichtenberger dürften wenig Mühe haben, gegen die Eintrachlleute zu gewinnen Butob erhält auf dem Sportplatz in der Secburger Straße in Spandau den Bezirksmeister des 4 Bezirkes. Luckenwalde V, zu Besuch. Auf dem gleichen Platz treffen Spandau 25 und Pankow aufeinander. In beiden Spielen sollten die Gäste die Punkte mit nach Haufe nehmen. Wcihensee erwartet im Stadion am Faulen See die Mannschaft aus Trebbin. Die Trebbiner haben erjt vor 14 Tagen im Spiel gegen Karow bewiesen, daß sie nicht zu unterschätzen sind. In der Wuhlheide treffen Oberfpree und ASD. Neukölln auf- einander. Britz 88 erhält auf ihrem Sportplatz in Britz. Trefeburger ii'cr, Lichtenberg II zum Gegner. Hoppegarten fährt zu Herzfcldc FTGB-Osten spielt in Hohenschönhausen gegen Wncker-Storckow.— Weitere Spiele: Zehdenick gegen Eintracht. Vorwärts gegen Saxonia, Karow 2 gegen Weißensee 2, Oderberg gegen Schwedt, Freienwalde ->>:geii Dannenberg. Neuenhogen gegen Alt>Glictzen, Cladow gegen Ketzin, Brieselang gegen Eintracht, Nauen gegen Potsdam, Nowawes gegen Brandenburg, Haoelberg gegen Kyritz, Pritzwal? gegen Perle- berg, Friedenau gegen Wilmersdorf. 2. Mannschaften: Obersprec gegen ASB. Neukölln. Britz 88 gegen Lichtenberg II. Hcrzfeldc gegen Hoppegarten, Osten gegen Storkom, Eiche 2 gegen Wildau 1, Lichtenberg I gegen Schweifsterne 1, Kagel 1 gegen Eiche 1b, Minerna 2 gegen Wacker 30, Friedersdorf gegen Storkow 3. Selchow gegen Deuts ch-Wuster- hausen, Z-Hdenick gegen Templin 1, Wansdorf gegen Lychen l, Pankow 3 gegen Pankow 2. Cladow gegen Knoblauch, Brieselang regen Eintracht Z, Nauen gegen Potsdam 3, Nowawes gegen Brandenburg, Werder gegen Drewitz I, Butab gegen Caputh, Potsdam gegen Sokohl, Charlottenburg gegen Staaken, Fohrde gegen Jeserig, Fohrde 2 gegen Trechwitz. Altbensdorf gegen Grebs, Schollene gegen Premnitz, Haoelberg gegen Kyritz, Warnsdorf gegen Wittenberge, Perleberg gegen Wittenberg« 5.— Iugendmann- schajten: Minerva gegen Lichtenberg Ii, Nowawes gegen Britz 88. Lichtenberg I gegen ASB. Neukölln, Nowawes 1 gegen Wilmers- darf, Werder gegen Brandenburg. Minerva 2 gegen Vorwärts- Wcdding. Beginn der Spiel«: Erste Männermannschaften: 15 Uhr, zweite Männermannschaften: 13,15 Uhr, Iugendmann- säxnten: 10,30 Uhr. Fußl-allabteiloag Karow sucht zum Sonntag. 8. März, spiel- starken Gegner auf eigenem Platz. Anfragen: heute ab 20 Uhr unter Tel.-Nr. Buch 8248. «Leipzig-Berlin" Dos Fußballspiel morgen im Sportpalast Nachdem gestern abgehaltenen Probespiel steht nunmehr die Berliner Mannschaft für das Fußballspiel„Leipzig gegen D c r l i»�, das auf dem H a l l e n f p o r t f e st der Arbeiter- fportlcr im Sportpalast morgen abend ausgetragen wird, fest. Die Hintermannschaft mit Gruber im Tor und Bieleck und Mehlberg alz Verleidiger ist gut eingespielt. In der Stürmerreihe läuft der hervorrägende Techniker Wudtte, links splell der Ihm ebenbürtige Harms von der Freien Lehrersportveremigung. Der rechte Stürmer- polten ist mit Kleiber von Lichtenberg I besetzt. Leipzigs Mannschaft lyit den Berlinern gegenüber den Vorteil, daß sie schon längere Zeit in der Biindesfußballklasie zusammenspielt. Ihre stärksten Stützen dürsten die drei Spieler des Leipziger Gruppcnmelsters „Südwest- fein. Als Sieger aus dem Fußballspiel dürste die Mann- schast hervorgehen, die sich am schnellsten mit den Bodenverhältmsten k.»«portpalost abfindet. Schiedsrichter ist Holtfoth. Hier die Mannschostsausflellung. DarmNZdt Guliballrtnal Cchuman»(EUdweM P,tsche(■äCmolnirrt »rumwer Echilde ldstvorstadt' Sewze lLtldweN) «ZstliK: Sdü tBora!Irts-Hü!>) Harm?...„ Lud»« Stltiiei(Lichtmb-rg I) tlZrri» Srhrrr-sport-Beremigung) ».I.-r(Wnßmserl Mthlbcrg .. Smb«(SSeib-nt») t5rsatz I SLhar lS>ch»«nb,rg t) all. Um des„VORWXBTt" An Peter J. Oestergaard» Verlag. BerllnaSchooeberg, Ich löse die Preisfrage ia folgender Weise: Das HindumädAen hat Nr., Die Beduinin hat Nr,, Oft Japanerin hat Nr. Die nordafrikanisAe Negerin hat Nr.. Die Grönländerin hat Nr. Die Indianerin haONr. (Fallt Zeitschrift nicht oewünscht« Nachstehendes durchstreichen) Ich bestelle hiermit die illustrierte Wochenschrift „Welt und Wissen".wöchentlich ein Heft ru 50 Pf frei Haus auf ein Vierteljahr. Falls Abbestellung 5 Wochen ror Quartalsschluß ▼on mit nicht erfolgt, wünsche ich Ae Zeitschritt weiter m beziehen. Ich erhalte alle Vierte jähre gegen Et» stattung von 50 Pf. Versandkoaten einen abgeschlossenen Band bis zu 400 Setton Onfang nach eigener Wahl aus der »«Welt und Wiesen"« Haus-Blbllothek gratis Erfüllungsort: Berlin. Schöneberg Oft:_____ Poststation:.„. Sftaflk u. Nr.; Voran im Arbelier-Sdiie�sporil J)' schoftsbericht des Vorfi�enden Brumirfki zeigte ein Bild der guten (iintwicklung des Vereins im Sinne der bundestreuen Arbeitersport- bewegung. Trotz wiederholter Säuberungsaktionen ist es möglich gewesen, nicht nur die Mitgliederzohlen zu holten, sondern zu ver- dreifachen. Der Äleinkoliberschießstond der Abteilung Mitte, er- richtet durch den Arbeitsdienst der Mitglieder, ermöglicht dem Verein aus Grund seiner sinnreichen Konstruktion einen idealen Schieftsport- betrieb. Es werden Abteilungen für das Kleinkaliber-, Pistolen-, Zimmerstiitzen- und Bogenschicftcn für weibliche sowie männliche Mitglieder unterhalten. Genossen die Interesse und Freude am Schießsport haben, sind jederzeit auch als Gäste angenehm. Auskunft auf alle Anfragen erteilt die Geschäftsstelle Stefan Brumirski, Äommandantenstr. 77; Merkur 7752. Vergebung von Turnhallen! Für die Turnhallen aller Schul- galtungen in den Bezirken Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzbcrg ist die Benutzungserlaubnis mit Ende Mörz 1�31 erloschen. Anträge für das Sommerhalbjahr sind umgehend mit dem Vermerk„Sommer 1931" an die betreffend: Schule einzureichen Die hierzu nötigen Zlntragssormulare sind kostenlos von der Kartell-Geschäftsstellc: Robert Dchlschläger, Berlin R. 65, Nazarethkirchstraße 46(IV) zu haben. Fechten im Arbeitersport! Die Freie Sport- und Schützcn-Ver- einigung. Mitglied des Arbciter-Turn- und Sportbundes, die neben der Spartabteäwng eine Abteilung für Kleinkaliber- und Pistolen- schießen unterhält, cröfsnct jetzt eine Fechtriege für weibliche und männliche Mitglieder. Anhänger dieses Sportes, die gewillt find, Sportsechter zu werden, geben ihre Anschrift an die Geschäfts- stelle: Steian Brumirsfli, Verlin SW. 19, Kommandantcnstr. 77. Merkur 7752. SSS. SÄTMifffmit,«. L. öifeuna TicnMou, 30. Idkal-Ktoale. SeureHn, M-ir-tchstr. 14. Mi»uaend lllö Udr. Männer Zst Ulir, bei ch. Mihing, Neukölln, Wrileftr. 8(U 2, 0720). Käste michlommen. Ztartell Prenzlauer Verst. Die sistuna ist auf Diensiaq, 10. Wärz, ZO Uhr, hei Otto Pohlow, Schönhauser Allee 1.56 lnahe Ecke Odrrbcracr S� raste), ver- Icstt. Ausstabs der Auswe'ie für cheneraloersammluna lNathaus). Tcuristelluerci-„Die Naturfreunde", Zentrale Wien, greitaa, 8. Mär», 2» Uhr. Abt. Sbarlatteuburst: Epreestr. Z0. Geschäftliches und Einstfana.— chumtolbtbain lllustendqruppcu Pank- Eck- Wielenstrcstc. Wandern und Schauen im grsthiahr.— lZaltchvotahteiluna: Iohannisstr. IZ. Geschäftliches.— Abt. Brist: EfiaufTeestr. 48. Geschäftliches.- Abt. Südost: Brister Str. 27. Schlich. tunasauslchust< Lohnabbau).— Abt. Treptom: ENenstr..8. Bunter Abend.— Abt. Lichtenrade: 19' z Ubr bei Ochlam. Bahnhof» Ecke Gslststrahe. Bunter Abend. Abt. Bineiavlast: Lorstina» Ecke Graunstrastc.- Photostcmoinlchakt, Abt. Osten: granifurtcr Allee 307.— Pho'oacmeinfchst-l. 9lbt. Neukölln: Bera- straste 29.— Montag, 9. Mörz, 20 Uhr. Photostem einfchakt:?ohaninsstr. lö. Bom Arbeitsfeld der Naturfrcundkphoiostiaphen. Gäste Willkommen.— Malst cmeinlchaft: Wranaelstr. 128.— Elperonto: Tilstter S'r. 4.— Abt. Rord-n: Sonntost gahrt nach Zrohnau-Hennistsdarl. Treffpunkt 9 Uhr Borortbahnsteig. kreitox, 6. März. Berlin. 16.05 Dr. Paul Laven:„Das tiefste Erlebnis im Sport'4. 16.30 Tee-Musik. 17.15 Das neue Buch. 17.25„Reise durch unsere Stube.'4(Friedrich Wendel.) 17.45 Pastor Paul Braune:„Friedrich von Bodelschwingh.•• 18.15 Prof. Dr. Friedrich Dessauer:„Wirtschaftsgefahren— Wirtschaftshoff* nungen." 18.45 Unterhaltungsmusik. 19.45 Wovon man spricht. 20.15 Philharmonie: Sinfoniekonzart. Dir.: Oskar Fried. 1. Bela Bartök: Zwei Rhapsodien für Violine und Orchester(Erstaufführung).(Maurits van den Berg, Violine.) 2. Gustav Mahlcr: Sinfonie Nr. 9(Funkorchcstcr). 22.00 Wetter, Nachrichten und Sport. Könicswustcrhausen. 16.00 Schulrai Georg Wolff und Oswald Meyer: Schulunc der Beobachtuns im Volksschulunterricht. 16.30 Lcipzie: Konzert. 17.30 Dr. Kurt Zarek: Arnchka-Böcher. 18.00 Dr. Verhein: Praktische Crfahryn�en mit der Arbeitszeitverkürzung. 18.30 Srbik: Gesamtdeutsche Geschichtsauffassung:. 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Acrzte. 19.30 Dr. med- Scheumann: Arbeiterfamilie und Vererbung. 20.00 Ausstellungshalle in Bielefeld: Feier zum 100. Geburtstag Bodelschwinghs, 21.00 Köln:„Ruhm". 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten.. &3ezirß JZorden-Cften Bevor Sie kaufen besichtigen Sie meine Ausstellung Zahlungserleicht6rung ohne Aufschlag, bei Kassa 50/o [R. 219 JULIUS KIWII.,r$