MorgenausgaSs Nr. 117 A 59 4S.Zahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeltungs- und 72 Pf.Postbestellgebührea. Auslands« obonnement 6,— M. nro Monat; für ijänbcr mit ermäßigtem Druckjachek» vorto ö.— M. * Der �Vorwärts" erfcheim wochentäg« lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme". „Technik".„Blick in die Bücherwelt", »Iugend'Vorwarts"u.»Stadtbellage" P> Aertiner Voltsblatt Mittwoch 11. März 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einsp alt. Nonpareillezeile 8V Pf. Reklamezeile 5,— RM.„Kleine Au- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulassig«pei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien« anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeiaenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen« täglich von 8V2 bis 17 Uhr. Der Verlag behatt sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Zentralovgan der sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoss SV2— M Telepramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonio: Berlins? 536.— Bankkonto: Bank derArbetter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Tt.B. u.Di?c.»Ges.,Depositcnk.,Jerusalcmcr Str. 65/66. Arbeitszeit und Lohn. Erhaltung des Lohnniveaus, Kürzung der Arbeitszeit gefordert. Der Bundesousschuß des ADGB. nahm am Dienstag im 3ito> liner Gew«rrschastsl)aus eingehend zur Arbeitszeit- und Lohnfrage Stellung. Seine Forderungen wurden in zwei ein. stiinmig angenommenen Entschließungen zusammengefaßt. Die Ent- schlicßung zur Arbeitszeitsrage lautet: „Der Bundesaueschuß erhebt erneut die Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit als einziges sofirl wirksames Mittel. um dem Fortschreiten der Arbeitslosigkeit Einhalt zu tun und die vorhandenen Arbeitslosen ollmählich nieder in nützliche Beschäfti- gung zu bringen. Er verpflichtet all« Gewerkschaft.« n und alle Mitglieder, mit größerem Nachdruck als bisher für die Der- wirklichung dieser, Forderung«inzutreten. Der Bundesausschuß erinnert daran, daß er bereits im Oktober 1930 die gesetzliche Einführung der 40slündigeii Arbeitswoche mit einem allgemeinen Zwang zur Einstellung neuer Arbeitskräfte im Ausmaß der Arbeitszeitverkürzung gefordert hat. Dies« Forde- rung hat zwar in der Oeffeiitlichkeit volle Beachtung gefunden und ist auch in einer Reihe von Einzelbetrieben durch Verständigung zwischen Arbeitern und Unternehmern praktisch durchge» führt worden. Di« Reichsregierung aber hat bisher nicht zu er- keimen gegeben, daß sie«inen«nisthaften Schritt zur allgemeinen Verkürzung der Arbeitszeit zu tun gedenkt. Indem der Bundesaiisschuß wiederholt auf die wirlschafiliche und seelische Rot der Milläanen Arbeitslosen verweist, lenkt er zugleich die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit darauf, daß die Entwicklung aus dem Arbeitsinarkt nicht nur eine vorübergehend«, sondern eine dauernde Verkürzung der Ar- beitszeit erfordert, um die Arbeitsgelegenheit selbst bei besserer Kon- junktur aus olle vorhandenen Arbeitskräfte gerecht zu verteilen. Aus diesem Grunde erhebt der Bmidesausschuß schärfsten Protest dagegen, daß bis in die jüngst« Zeit von den staatlichen Schlichtungsstellen Schiedssprüche gefällt und zwangsweise durch- geführt werden, die sogar eine Arbeitszeit über 48 Stun- den auch für die Zukunft festgelegt haben. Um so eindringlicher muß die Forderung an die Reichsregie- rung und an den Reichstag wiederholt werden, Baldigst ein neues Arbeitszeilgefeh zu schaffen, dos den Erfordernissen der Zeit«ntsprecheno die regel- mäßige Arbeitswoche auf 5 Tage oder 40 Stunden beschränkt.' Die Entschließung zur L o h n f r a g e hat folgenden Wortlaut: „Trotz aller Warnungen und Proteste der Gewerkschaften ist dem Drängen der Unternehmer entsprechend mit Hilfe des staat- lichen Schlichtungs-wangcs die Lohnsenkung in ungezählten Fällen durchgeführt worden� mit allen schlimmen Folgen, die von den Gewerkschaften immer vorausgesagt wurden. Statt der in Aus- ficht gestellten Belebung der Wirtschaft ist die Arbeitslosigkeit gerade infolge der Kanskraslvernichlnng erheblich weiter gestiegen. Die Unsicherheit der Existenz der Massen und die ungeheure Rot der Arlicitslcisen sind bedrohliche Gefahren für die Wirtschaft, für Staat und Gesellschaft geworden. Die Forderung der Gewerkschaften nach der Erlzaltung des Lohnniveaus liegt dagegen nicht allein im Interesse der Arbeiter- schast. Löhne und Gehälter sowie die Summen aus der Erwerbs- losen-, Krisen- und Wohlfahrtslinterstützung fließen unmittelbar und restlos in den Konsum zurück und bilden durch ihren Umlauf«inen beständigen Antrieb des wirtschaftlichen Lebens, namenUich aber die Grundtage der Existenz weiter Kreise der Handels- und Gc- werbetreibenden. Der Bundesausschuß erhebt deshalb erneut seine warnende Stimme und fordert sowohl von der Reichsregierung wie von ollen össsutlichen Gewalten, den bisherigen Druck auf die Löhne sofort einzustellen und statt dessen fortan der Arbeiterschaft gegenüber dem rücksichtslosen Unternehmertum den Schutz zu gewähren, den andere weniger gefährdeten Volksschichten für sich in Anspruch nehmen.' 4972 000 Arbeitsuchende Keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Räch dem Bericht der Reichsanstall waren bei sämtlichen Arbeilsämlern End« Februar 4 972 000 Arbeitsuchende vorhanden, also rund 1 9 0 0 0 weniger als am 15. Februar. hiervon wurden von der Arbeitsloseuoersicherung rund 2.5S Millionen und von der Krisensürsorge 908 000 Personen unterstützt. Die Entlastung der Arbeitslosenversicherung betrug gegenüber dem 15. Februar annähernd 13 000 Personen, wogegen in der Krisen- s ü r s o r g e eine Zunahme der Belastung um rund 4b 000 hauplunterstühungsempsänger festzustellen Ist. Znsgesamt wurden also Ende Februar von beiden llnterstühungselnrichtungeu Z>4 Mit- lionen Arbeitslose betreut. vle Zahl der von der kommunalen Wohlsahrtssür- sorge unlerslühlen Erwerbslosen betrug bereit» Ende Zanuar 850 000 Personen. Für Ende Februar liegen hier noch keine ge- nauen Ziffern vor. Zedoch kann die Zahl der Erwerbslosen, die Ende Februar Unterstützung nicht bezogen, aus mindestens 500 000 Personen geschäht werden, worunter natürlich auch die noch in der Wartezeit befindlichen Erwerbslosen zu zählen sind. Leichte Entspannung in Berlin. In der zweiten Februarhälfte ist die Zahl der Arbeit- suchenden im Bereich« des Arbeitsamtes Branden- bürg(Berlin, Brandenburg und Grenzmark) um 10e72Per- fönen zurückgegangen und umfaßt nunmehr 097 417 Arbeit- suchende. Der Rückgang entfiel fast ausschließlich aus Berlin allein. Innerhalb des Landesarbeitsamts betrug die Zahl der Arbeitsuchenden in der Reichshauptstadt 47S349, in der Provinz Brandenburg 203 990 und in der Provinz Grenzmark 18 072 Per- sonen. Von den 319 510 Hauptunterstützungsempsängcrn entfielen 182 777 und von den 130 040 Krisenunterstützten allein 104 700 Personen auf Berlin. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre war Ende Februar mit einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt noch nichtzu rechnen. In der Regel erreicht die winterliche Arbeitslosigkeit in der zweiten Februarhälfie ihren Höhepunkt, und die erst« salsonmäßige Entlastung pflegt erst im März einzutreten. Unglücklicherweise wird diese Entlastung in den ersten Märzwochen durch den setzt ein- getretenen Kälterückschlag sehr ungünstig beeinflußt. Der leichte Rückgang von 19 000 Arbeitsuchenden in der Berichtszeit ist wohl ausschließlich aus die regelmäßig einsetzend« Saison- belebung im Bekleidungsgewerbe zurückzuführen. Da dieser Industriezweig in Berlin besonders stark vertreten ist, prägt sich diese Saisonbelebung auf dem Berliner Arbeitsmarkt auch etwas schärfer aus als im Reich. Auch die auf das unablässige Drängen der Gewerkschaften nunmehr bei verschiedenen Groß- betrieben durchgeführte Arbeits st reckung dürfte in der Bc- richtszeit dazu beigetragen haben, daß endlich weitere Entlassungen abgebremst wurden. Krach in Thüringen. Ernste Differenzen zwischen den Regierungsparteien. * Weimar, 10. März(Eigenbericht). Zu letzter Zeit ist es wiederholt zu ernsten Differenzen zwischen den Regierungsparteien gekommen.' vorwiegend der Deutscheu volksparkei, dem Landbund und den Razis. Heute abend sollte eine iuterfraktlonelle. Besprechung zwischen den Regierungsparteien siatlsinden. um verschiedene Differenzen zu Nären, die sich bei der haushaltberatung ergeben hatten. Es kam aber nicht dazu. Bor Eintritt in die Berhand- l u n g e n beschwerten sich die Vertreter der Deutschen Bolkspartei über die Schreibweise des in Weimar erscheinenden„Rational- sozlalisi'. Sie erklärten, daß sie sich diese Schreibweise nicht mehr ge- fallen ließen. Es sei zwecklos, unter diesen Umständen weiter zu verhandeln. Die Vertreter der Deutscheu Volk»- partei verließen daraufhin das Sitzungszimmer und die Sitzung flog auf. Ob diese Art der„Erledigung von Differenzen" freilich weitergehend« Folgen haben wird, bleibt bei dem Tharakter der Volksparlei abzuwarten. Der Schießprügel. Am Dienstagmorgen wurden von der Polizei in Köin-Ehrenfclb acht Kommuni st en aus' dem Bett heraus verhaftet. Die Kommunisten hatten vor«inkzen Tagen einen Zusammenstoß mit Nationalsozialisten, in dessen Verlauf ein Nazi- Mann durch einen Pistolenschuß am Kopf schwer verletzt wurde. wenn der Remarque-Film im Reich freigegeben wird, kann er mich in Oesterreich vorgeführt werden. Die Gesellschaft hat diese Antwort von der Regierung erhalten. Krifis des Bürgertums. Geistiger Verfall/Einheitsfront nur in der Abwehr. Vau Wildslill Sollmann. Im Rahmen der diesjährigen stillen und sachlichen Etats» beratungen im Reichstag ist auch der Haushalt des Reichs- Ministeriums des Innern ohne Sensationen über die parla» mentarische Bühne gegangen. Dennoch boten die Reden zur Berfassungs- und zur Kulturpolitik des Reichs mancherlei, was nachdenklich stimmen muß. Den Anstoß zu großen gesetzgeberischen Aufgaben hat die Aussprache nicht gebracht. Die Reichsreform wurde, wie alle Jahre, beredet, ohne daß irgend jemand in den Fraktionen oder auf der Ministerbank mit bäldigen Entschlüssen rechnet. Um die Wahlreform, die neulich der Reichsrat ver- abschiedet hat, wurde ein wenig geplänkelt, abet aus allen Seiten des Hauses weiß man, daß ihre Aussichten gering sind. Der Gesetzentwurf bringt keinerlei so tief einschneidende Ber- änderungen, daß er die Struktur der Parteien und des Parla- ments bedeutend wandeln könnte. Die im Reichsrat be- schlossene Verringerung der Abgeordnetenzahl ist nicht un- bedenklich. Man darf nicht nur auf die eigentlich Parlaments- rische Tätigkeit der Abgeordneten blicken. Er wird in diesen krisenhaften Zeiten im Lande viel stärker in Anspruch ge- nommen als in geruhigen Friedensjahren. Jedenfalls ist es ein grober Widerspruch, durch eine Wahlreform die engere Verbindung von Gewählten und Wählern herbeiführen zu wollen und gleichzeitig weniger Abgeordnete wählen zu lassen. Die Abgeordneten eines stark verkleinerten Parlaments wer- den viel seltener als jetzt den Anforderungen nach Konferenzen und Vorträgenlm Lande gerecht werden können. Es hat seine guten' Gründe, wenn in allen parlamentarisch regierten Ländern die Zahl der Abgeordneten reichlich hoch ist, jeden- falls weit höher als die des Deutschen Reichstags. Nur infolge der zahlreichen Länderparlamente haben wir in Deutschland eine gewisse Inflation von Mandaten. Die von der Deutschen Volkspartei eingebrachten Anträge auf Heraufsetzung des Wahlalters. Errichtung einer Ersten Kammer und Stärkung der Macht des Reichs- Präsidenten haben zwar zunächst wenig Widerhall gc- funden. Man muß sich aber darüber klar sein, daß sie im Grunde den Wünschen aller bürgerlichen Parteien ohne Aus- nähme entsprechen. Gegen die Entziehung des Wahlrechts der Jugend frellich werden die Nationalsozialisten protestieren, aber nicht aus grundsätzlichen Erwägungen, sondern nur so- lange sie auf besonderen Zulauf von der Jugend' rechnen können. Die verfassungsändernden und daher einstweilen aussichtslosen Anträge der Deutschen Volkspartei zeigen die Richtung der gemeinsamen bürgerlichen Verfassungspolitit. Sie sind daher sehr ernst zu nehmen und werden früher oder später zu entscheidenden innerpolitischen Fragen werden. Kulturpolitisch steht eine nahezu geschlossene Front gegen die Sozialdemokratie. Nur bei einer sehr bescheidenen Entschließung, die von der Reichsregie- rung einen Gesetzentwurf verlangt, der die Feuer- bestattung der Erdbestattung gleichstellt, gingen ein paar bürgerliche Demokraten zu uns über. Daß aber in unserer Aktion gegen das Verbot des Films„Im Westen nichts Neues" nicht eine einzige bürgerliche Gruppe an unsere Seite trat, obwohl nicht wenige Abgeordnete der Mitte unseren Standpunkt teilen, zeigt, wie vorsichtig und zurückhaltend das gesamte Bürgertum zu allem steht, was nur entfernt als„Kulturbolschewismus" gedeutet werden könnte. Alle fühlen sie die g e i st i g e Krise, die als Folge der gesellschaftlichen Umschichtung und Zer- setzung alte Moralbegriffe und Rechtsformen erschüttert, vielleicht sogar vernichtet. Von einem Entgegenkommen an neue sittliche Maßstäbe ist aber auch außerhalb des Zentrums wenig oder nichts zu spüren. Es ist unfaßbar, wie man glaubt, über Erscheinungen, die Millionen Volksgenossen moralisch entwurzelt haben, hinwegpredigen zu können. Es grenzt an Blindheit, wie man sich leidenschaftlich über den„Kultur- bolschewismus", über unzweifelhafte kulturwidrige Ausschrei- tungen der Kommunisten und der Nationalsozialisten ent- rüstet, ohne jeden Versuch der eigenen Selbst» Prüfung und Selbstkritik. Schutz der ch r i st l i ch e n K u l t u r I Laut und einmütig klingt die Forderung. Aber wäre es nicht erste Pflicht ernster Christen, von der Tribüne des Reichstags auch einmal nach der S ch u l d nicht nur außerhalb, sondern auch inner- halb des Christentums zu suchen? Wäre es nicht an der Zeit, das Versagen christlicher Organisationen und Oer Junker vom Osten. Ostpreußen" muß Ostpreußen vor seinem Vertreter schuhen. Das Auftrsten des ostpreußischen Provmzvertreters Freiherrn von Goyl im Reichsrat hat nicht geringes Erstaunen bei allen hervorgerufen, die der Verhandlung über das Osthilsegesetz mit ynteresse folgten. Dieser deuts6>nationale Junker ist seit langem dafür bekannt, daß er den ländlichen Widerstand gegen preußische Hilfsmaßnahmen besonders gern sieht, daß er mindestens nichts tut,, um diesen Widerstand zu beheben. Im Reichs- rat hat dieser Gayl nun offen gegen das Ost Hilfegesetz demonstriert und sich schließlich der Stimme enthalten. Er fühlte sich so sehr als Parteivertreter der Deutschnationalen, daß er ganz vergaß, daß er als Vertreter der Gesamtprovinz in den Reichsrat gesandt wurde. Parleigeist schien ihm augenscheinlich wichtiger als der Gemeingeist, der ihn als bestellten Vertreter wenigstens zeitweilig beseelen sollt«. Dazu schreibt jetzt der„Amtliche Preußische Pressedienst": „Am Schluß der Debatte der Montagsitzung des Reichsrats verlas Herr von Gay! eine Erklärung des Inhalts, daß er es nicht verantworten könne, für das seiner Meinung nach unzulängliche Osthilsegesetz zu stimmen, und daß er sich deshalb zum Protest der Stimme enthalten werde. Dieses Verhalten des Herrn von Gayl erregte um so größeres Aufsehen, als der ostpreußische Vcr- treter bisher in keiner Ausschußsitzung des Reichs- rats zu erkennen gegeben hatte, daher in dieser Weise gege.n den Gesetzentwurf Stellung neh- men werde. Die Erregung unter den Bevollmächtigten zum Reichsrat'der meisten deutschen, Länder war infolge des Vorgehens des Herrn von Gayl außerordentlich groß. Man sagte sich, daß es bei einem Gesetz, das geschaffen werden solle, um O st preußen und den übrigen besonders gefährdeten Landesteilen zu helfen, zwecklos sei, eine Abstimmung vorzunehmen, wenn der ostpreußische Vertreter selbst das Gesetz als wertlos bezeichnete, weil eine Um- schuldungsaktion Ostpreußen angeblich nichts nütze, sondern andere Hilfsmittel angewandt werden müßten. Unter dem Ausfluß dieser Stimmung des Unwillens über das von Gaylsche Vorgehen stellte der Vertreter Bremens nunmehr den Antrag, die Abstimmung zu vertagen. Die E n t s ch e i du n g lag jetzt in der Hand der preußischen S t a a t s r e g i e r u n g. Hätte der preußische Stimmführcr, Staatssekretär Dr. W e i s m a n n, den Antrag auf Vertagung unterstützt, um Herrn von Gayl zu zeigen, wieweit er mit seiner Taktik käme, all die anderen deutschen Länder vor den Kopf zu stoßen, die ja schließlich nur zum Besten Ostpreußens und aus weitgehender gesamtdeutscher Solidarität für die Osthilse stimmen sollten, so wäre die Vertagung angenonmren worden und damit die Osthilf«, zum mindestens aber ihre Erledigung durch den Reichsrat noch in dieser Arbeiisperiode, aufs äußerste ge- f ä h r d e t gewesen. Im Osten weiß man aber, welche Nachteile und Krisen- Verschärfung auch nur eine Verzögerung mit sich bringen würde, ganz abgesehen von der panischen Stimmung, die sie im Osten er. MM' hätte, der große Hofsnungen auf dazcha'l'diF»'Inkrafttreten der Osthilfe setzt. Staatssekretär Dr. Weismann hat im.Inter- esse des deutschen Ostens darauf verzichtet, Herrn von Gayl öffenttich ms Unrecht zu setzen. Er wandte sich Zwar scharf und eindringlich gegen das völlig unverständliche und im Imeresse des deutschen Ostens im höchsten Grade abträgliche, noch dazu ganz unerwartete Vorgehen des Herrn von Gayl. setzte sich aber dann dafür ein, daß der bremische Antrag zurückgezogen und die Ab- stimmung sogleich vorgenommen würde. Entsprechend die- fem Wunsch der preußischen S t o a t s re g i« r u n g wurde dann verfahren und somit das Osthilsegesetz vor der Tor» pedierung durch den Vertreter Ostpreußens im Reichsrat geschützt. Nicht nur der Osten, sondern die gesamte deutsche Oesfentlichkeit. die die Sache der deutschen Ostmark als lhre eigene führt und die dem deutschen Osten unter allen Umständen geholfen sehen will. haben ein Anrecht daraus, klar und deutlich zu erfahren, was sich am Montag im Reichsrat ab- gespielt hat." Aus der Feststellung der preußischen Staatsregierung, daß Herr van Gayl von seiner Absicht, nicht für das Gesetz zu stimmen, während der Ausschußberatungen im Reichsrat kein Wort ver- lauten ließ, ist zu schließen, daß er anfänglich nicht gegen das Gesetz zu opponieren gedachte und erst nach Einwirk un- gen von deutschnationaler Seite gegenteiliger Mei- nung geworden ist. So ist Hugenbergs einziger Grundsatz, unter allen Umständen gegen jede Regierungsmaßnahme zu oppa- nieren, wieder einmal zü Ehren gekommen. Landbund gegen(Schiele. „Agrarvorlaqen und Osthilfe ungenügend." Die gestern abgehaltene Tagung des Bundesvorstandes des Reichslandbundes hat mit einem Sieg des radi» talen Flügels geendet. Nach dem vorliegenden Bericht hat der Bundesvorstand die Ausführungen des gcschäftssührenden Präsidenten, Grafen Kalckreuth, und die Maßnahmen, die dos Präsidium in Auswirkung der Kampfbeschlüsse vom diesjährigen Reichsland- bundtag ergriffen hat, gebilligt. Der Bundesvorstand erklärt ferner die seitdem bekarmtgewordenen Agraroorlagen sowie die Maßnahmen zur Osthilse für unzureichend. Besondere Kritik fordern die Nichtberücksichtigung der Landbundforderungen auf dem Gebiet der allgemeinen Lastensenkung und innerwirt- schaftlicher Maßnahmen, sowie das Fehlen jeder Garantie für so- sortige und ungeschmälerte Durchführung der Zollmahnahmen heraus. Den innerhalb und außerhalb der Regierung oerstärkt zu- tage getretenen agra�femdlichen Kräften gelte nach wie vor der schärfste Kampf des Reichslandbundes. Also alle Maßnahmen, die jetzt von der Brüning-Regierung unter stärkster Belastung des ganzen Volkes zur llntcr- stützung der Landwirtschaft durchgeführt wurden, und noch in Aus- fühyung begriffen sind, werden vvn dem Bundesvorstand des Reichs- landbundcs heruntergerissen. Dies ist ein glatter Sieg des radikalen Flügels Kalckreuth-Rohr und ein« schwere Nieder- läge S ch i e l e s. Damit find die Bemühungen des Reichs- crnährungsministers, die maßgebendes Teile des Reichslandbundes für seine Politik und damit die bei den Deutschnationalcn und Nationalsozialisten sitzenden Landbundparlamentaner zur Mitarbeit im Reichstag zu gcwiimen, völlig gescheitert. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die politische Entscheidung, die von den Radikalen in der Bundesvorstands- tagung gestern gesucht wurde, zunächst vertagt worden ist. Der Bundesvorstand hat hierzu erklärt, daß er ein« Einwirkung aufdi« Parteien bei den rein politischen Entscheidungen gegen- wärtig ablehne. Dieser Beschluß scheint dem Bundesvorstand schwer genug gefallen zu sein, jedoch hat er ihn mit Rücksicht auf den gemäßigten Flügel fasten müssen, wollte er die Ding« im Reichs landbund nicht jetzt schon zu einem offenen Bruch treib«». Aber diese notdürftige Kittung der durch den Reichsland-- bund gehenden Gegensätze dürfte nicht lange vorhalten. Es hat sich in den letzten Wochen immer deutlicher gezeigt, daß die auf ein« offene Katastrophenpolitik hinzielende Richtung Kalck- reuth-Rohr in den Kreisen der west- und süddeutschen Organisationen und auch in Brandenburg auf immer schärferen Widerstand stößt. Severins schützt die Verfassung. Angriffe der deutschnaiional-kommunistischen Einheitsfront abgewiesen. Fuhrer gegenüber Kapitalismus, Weltkrieg und Jmperialis- mus zu gestehen, statt nur über das„Versagen des Marxis- mus" etwas selbstgerecht zu moralisieren? Es wurde im Reichstag viel gegen die„Gottlosigkeit" geipcttert. Die Kommunisten gaben reichlich Anlaß dazu. Man neigt zwar zum Lächeln, wenn gerade die Deutsche Volks- Partei als Erbin des aufklärerischen und einst seicht atheistischen Liberalismus Anträge gegen die „.Internationale der Gottlosen" stellt, aber es ist nicht zu leugnen, daß kommunistische„Freidenker" sich ganz ordinäres und rohes Zeug leisten. Sehr erwünschtes Kampf- inaterial für Kulturreaktionäre, um die sozia- listische Erziehungspolitik ganz allgemein zu verdächtigen. Die wenigsten wissen ja, wie stark etwa ein sozialistischer Jugend- crzieher von dem großen Range Kurt Löwen st eins von den Rüpeleien etwa der kommunistischen„Gottlosenabende" geschieden ist. Der Vulgärkommunismus in Deutschland ist von aller Kultur verlassen. Wir Sozialdemokraten haben nach seiner Meinung religiöse Fimmel und sind Pfaffenknechte, weil w i r auch religiöse Ueberzeugung achten und tole- r i e r e n. Das aber ist stets sozialdemokratische Tradition ge- wesen. Die Kommunisten werden in den Reden und Schriften eines so radikalen Atheisten wie August Bebel scharfe Angriffe auf Religion und Kirche, nie aber eine der Flegeleien finden, die Kommunisten nicht nur im Lande, sondern auch im Reichstag sich gegen religiöse Menschen herausnehmen. Man durchsuche alle Werke von Rosa Luxemburg, und man wird auf keine Verhöhnung und Verspottung der Religiösen stoßen. Warum schweigt eigentlich die greise Clara Zetkin zu der durchaus unmarxistischen und unsagbar dummen Religionsaustreibung mit kommunistischen Kraft- ivorten? Die Erziehungsideale, die Clara Zetkin in Wort und Schrift jahrzehntelang in der Sozialdemokratie verfocht, wur- den in einem anderen Geiste und in einer anderen Sprache vertreten, als sie heute der greisen Abgeordneten von un- wissenden jungen Kommunisten in die Ohren gebrüllt werden. Der Reichs'Innenminister scheint diese„gottlose" Propaganda ernster zu nehmen als sie es verdient. Einige seiner Wendungen klangen so. als suche er nach Handhaben für besondere gesetzliche Bestimmungen gegen die „Gottlosenabend e". � Bestimmt wird die Sozialdemo- kratie, werden die religiösen Sozialisten und wir„Konkor- datsmarxisten" bei diesen„Kultur"übungen nicht weniger roh hergenommen als die Kirche und ihre Diener. Aber was sollen da verschärfte gesetzliche Bestimmungen helfen? Es wäre ein bitteres Armutszeugnis für die geistig und zahlenmäßig den Kommunisten so unendlich überlegenen christlichen Orga- nisationen, wenn ihr höchster Appell an den Staatsanwalt gerichtet wäre. Wir warnen, eine solche Gesetzgebung zu ver- suchen. Unsere Erfahrungen mit dem Gottesläfterungspara- graphen lehren uns, wie sehr irdisch und menschlich und gehässig und kleinlich es zugeht, wenn man„des Ewigen Ehre" durch Paragraphenschuster zu schützen sich vermißt. Die Sozialdemokratie wird in der Arbeiterklasse ein Schutzwall gegen die kommunistischen Verwüstungen sein, die im Grunde nichts anderes sind als ein haltloses Nachgeben andieZersetzungderKulturdurchdieKrisedes Kapitalismus und der kümmerliche Versuch, eine kul- turelle Weltenwende durch die Primitivität zu meistern. Die Sozialdemokratie wird aber mit derselben Energie denjenigen mehren, die etwa durch die Entfesselung eines B o l s ch e- wistenschrecks Aeußerungen einer freien und positiv ge- staltenden Kritik auch gegenüber religiösen Weltanschau- ungen unterbinden wollen. Hakenkreuz-I�ebeNion in Kiel. Vorstand der ganzen Nazi-Gruppe abgesägt Siel. 10. März.(Eigenbericht.) Hitlers Kommissar, der in Kiel Ordnung schassen sollte, hat den ganzen vorstand der hiesigen Tlaziorlsgruppe abgesägt. Di« gestürzten Größen, die sich übrigens weigern, für ihre Ainanzgebaruog Rechenschaft abzulegen, beriefen daraus- Inn eine Mitgliederversammlung ein, die jedoch durch die SA.- Kolonnen verhindert wurde. Man ließ einfach keinen Menschen in den Saal. Die Rebellion hat inzwischen auch noch die Schließung der Geschäfisslelle zur Folge gehabt. Innerhalb der Ortsgruppe und des ganzen Gaues Schleswig. Hol st ein tobt jcht ein erbitterter Kamps. in dem der Apparat aber siegreich bleibe« dürste. Die Parteiboozeu lassen olle Minen springen, um die Ihnen unbequemen Mitglieder los zu werden. Prügelei im Rathaus. Hitlergarden überfallen bayerische Volkeipartei. München, 10. März.(Eigenbericht.) Im M ü n ch c n e r Stadtrat kam es mn Dienstag zu einem wilden Handgemenge zwischen den Fraktionen der Nazis und der Bayerischen Volkspartei. Esser, der Führer der Hakentrcuzler, d-w als Frontdrückeberger und durch unverschämte Anpübelungcn Oskar von Millers(Deutsches Museum) bekannt ist, fühlte sich durch Ausführungen eines Stadtrats der Bayerischen Volksportei beleidigt. Er inszenierte deshalb mit seinen Gesinnungsgenossen sofort einen ungeheuren Tumult. Di« Nazis warfen mit Tintenfässern und Aschenbechern und stürzten sich schließlich mit den Fäusten auf ihre Gegner, so daß die Sitzung geschlossen werden mußte. Eine schwere Schlägerei provozierten die Nazis auch in einer sozialdemokratischen Versammlung in Kempten, in der Abg. Frölich-Weimar sprach. Als der zur Diskussion zugelassene Hatenkreuzler die ihm eingeräumte Redezeit wesentlich übcrschritetn hatte, wurde er ausgesordert. abzutreten. J,n gleichen Augenblick warfen die auf der Tribüne anwesenden Nazis Biergläser in den Saal. Bei dem dann einsetzenden Tinnull wurde mit zerkleinerten Tischen und Stühlen zugeschlagen, bis es dem Saalschutz des Reichsbanners gelang, die Rowdys hinauszu- werfen. Bon den ins Krankenhaus eingelieferten zehn Verletzten liegt einer mit schweren Kopfwunden danieder. Im Hauptausschuß des preußischen Landtags wurde am Dienstag der Etat üls Ministeriums des Innern behandelt. Dabei richteten die Kommunisten gemeinsam mit den Deutschnationalen unter Assistenz der Vvlksparteiler scharfe Angriffe gegen die Ver- w a I t u n g s- und Personalpolitik, die angeblich zu ein- fettig republikanisch sei. Abg. B u b e r t(Soz.) wies diese Angrisse besonders auf sgzioldemokratische Beamte scharf zurück. Er erinnerte daran, daß z. B. als der sozialdemokratische Landrat Schlucht- mann- Mülheim starb, die bürgerlichen Krelstagsabgeord- neten ihm einen Nachruf gewidmet haben, in dein sie von dem großen Vertrauen und der 5) o ch a ch t u n g sprachen, die er sich in seiner Amtsführung überall erworben habe. Auch der demokratische Abg. Falk(Köln) erinnerte die Kritiker an die einseitige Personalpolitik, die im alten Preußen getrieben wurde und an die noch einseitigere, die man jetzt in Thüringen und Braunschweig erlebe. Minister Severins ging auf die erhobenen Vorwürfe in kurzen Ausführungen«in, indem er erklärte: Wäre im früheren Staate eine solche.Erschütterung des Wirtschaftslebens,«ine solche Erbitterung des politischen Kampfez zu verzeichnen gewesen wie gegenwärtig,. dann wäre in noch viel einseitigerer Form im Obrigkeitzstaat, als es sowieso geschah, die Auswahl der Staats- beamtcn erfolgt. Der heutige Staat sei oft sogar noch zu milde und zu tolerant. Es käme daraus an, d-m Lande und dem Auslande zu zeigen, daß es in der B eo m t c n p o li t i k Preußens kein Schwanken gebe, daß der Beamtenapparat f e st g e f ü g t sei und von einem Zerfallen, einer Gefahr einer Auflehnung gegen die Politik der Staatsregierung gar keine Rede sein könne. Cr triebe .kein« Gesinnungsschnüffelei. Ab« er könne keine Dcamlen ernennen oder dulden, die sich nicht Verfassung und Gesehe zur Richtschnur ihres Verhaltens machten, sondern abhängig von Anordnungen ihrer Parteileitung wären. Auf den Hinweis eines Vorredners, daß die Nationalsozialisten in ihren Versammlungen häufig i n unerhörter Weise gegen Beamten hetzten, die ihren Dienst pflichtgemäß versähen, entgegnete der Minister, daß er die nachgeordneten Behörden angewiesen habe, dies nicht mehr zu dulden. Versammlungen mit Rednern, d'ic sich in vorhergehenden Versammlungen in Drohungen und Nötigungen gegen Beamte ergongen hätten, würden künftig als friedliche Ver- sammln nge»nicht mehr angesehen werden können. sie würden auf Grund der Verfassung verboten werden. Er sei nicht g e s o» n e n, so schloß Severing, auch nur einen Fuß breit staatlicher Autorität aufzugeben, sich d'c maßlosen Zügellosigkeiten im Kampf gegen den Staat und seine Beamte» mehr gefallen zu lassen. Das Gericht von Perleberg. �eichsbannermann darf nicht Schöffe fein! Perleberg. 10. März. Unter großem Andrang der Bevölkerung begann heute vor- mittag die Verhandlung des Erweiterten Schöffengerichts Wittenberge. dag Im Rachaussaale in Perleberg tagte, gegen die Teilnehmer an der So a Ischl acht, die anläßlich einer sozialdemokra- tischen Wahlversammlung am 11. September vorigen Jahres im hiesigen Hotel„Stadt Berlin" stattfand. Unter der Anklage stehen der Lehrer Georg 5loll und seine Ehefrau Erna Köll, der Zeichenlehrer Paul Wegner. der Glaser Erich Hobes und der Fleischer Albert Helweg, sämtlich aus Perle- berg und der Sozialdemokratie nahestehend, ferner der Student der Theologie Eberhard W i l d h a g« n aus Datlmin, der Mitglied der NSDAP, ist. Die Anklage lautet auf vor- s ä tz l t ch e Körperverletzung mittels gefahrlichen Werkzeuges. Während die Sozialdemokraten behaupten, die Nationalsozia- listen hätten eine planmäßige Sprengung der Ver- sammlung oerabredet, stellen die Nationalsozialisten dos entschieden in Abrede. Oberstaatsanwalt Iensch stellte bei Leginn der Verhandlung den Antrag, den Angeklagten W i l d h a g c n in eine O r d nu n g s- strafe von fünfzig Mark zu nehmen, weil er in der Uniform der NSDAP, erschienen sei. Der Angeklagte berief sich daraus, daß sein Anzug nur der Uniform ähnlich sei. Das Gericht wies darauf den Antrag des Oberstaatsanwaltes ab. Der Verteidiger des Nazimannes, Rechtsanwall Becker In Berlin, beantragte welter die Ausschließung des Schöffen W a g n e r- Pcrlcberg. well er dem Reichsbanner angehöre. Wagner erklärte sich nicht für befangen. Da» Gericht kam jedoch dem Antrag des Verleldig«» nach und berief den Kaufmann Otto Slrenh au» Wittenberge als Schöffen! Für die Verhandlungen sind drei Tag« w Atttffcht genommen. Die„Kreuz-Zeitung" geht ein. Da«! Iunkerorgan nicht mehr lebensfähig. Die„Smiz-Aeiütttg", das Organ der ehemaligen Konservativen und jetzigen Volksronservatioen um Gras Westarp, wird nach einer Meldung des„B. X." ihr Erscheinen zum 1. Juni einstellen. Allen Redakteuren med Mitarbeitern ist zu diesem Termin die Kündigung zugestellt worden. Mangel an Betriebsmitteln wird alz Grund für das Eingehen des Blattes angegeben. Mit der„Kreuz-Zeitung" verschwindet eine zwar nicht sympathische, aber historisch interessante Erscheinung aus der deutschen Zeitungswelt. In ihrer Geschichte verkörpert sich das Geschick der Klasse, der sie diente� das Geschick des preußischen Junker- t u m s. Von diesen' im Revolutionsja.hr 1848 begründet, um die demokratischen und liberalen Ideen der Zeit zu bekampsen, hat die „Kreuz-Zeitung" ein Wter von 83 Iahren erreicht. Ihr erster Schrift- leiter, der Obemgierungsrat Wagener, hat in seinen Erinnerungen geschildert, wie damals sine tiefe Mutlosigkeit durch die konservativen Reihen ging und wie die um Unterstützung der Zeitung An- gegangenen meist in der Art antworteten:„Ich will sür die Sache mittun, wenn es auch keinenZweck hat." Wer auf die Revolution folgte bald die finsterste Reaktionszeit und damit der AuMeg der „Kreuz-Zeitung". Zu ihren frühesten Mitarbeiterin hat Bismarck gehört, der im Jahre 1848 zur hyperroditalen Rechten zählte. Durch die Rcichsgründung geriet Bismarck später in hestigslen Konflikt mi! dem stockpreußischen Iunkerorgan, in dessen Kreisen man gegen die be-'che Einheit nach dem Motto kämpfte: Wir wollen Preußen bleiben, Der Teufel hol' das Treiben, Das Deulschiand fabriziert, Und Preußen ruiniert. Als die„Kreuz-Zeitung", genau wie das heute noch Methode der Rechten ist, Bismarck mit persönlichem Klatsch und Ber- ieunidungen zu Leibe ging, machte dieser seinem Zorn gegen sein früheres Leiborgan mit heftigen Worten Luft und titulierte die „Kreuz-Zeitung" als„das verlogen st e Blatt Deutsch- l a ii d s". Damit hatte Bismarck ziemlich recht Als besonderer Gipfel der Niedertracht wird das Komplott der„Kreuz-Zeitung" mit den Mein- eidzeugen Ohm und Gödsche gegen den aufrechten Demokraten Waldeck in der preußischen Geschichte unvergessen bleiben.„Ein Bubenstück, ersonnen, um einen Mann zu verderben", bezeichnet« es der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, mit dem er den Freispruch Waldecks beantragte. Auch Herr Wagener, der erste Redakteur der „Kreuz-Zeitung", endete recht unrühmlich. Nachdem Bismarck ihn in der Konslittszeit zu seinem intimen Mitarbeiter gemacht hatte, strauchelt« Wagener in der aus die Reichsgriindung folgenden „Gründerzeit". In einen üblen Eisenbahnkrach verwickelt— er hatte seine amtliche Stellung zu Spekulationszwecken mißbraucht—, mußte Wagener jäh von der Bildfiächc verschwüldeu, sin Beweis, daß Korruptionsskandale unter dem Kaiisercich ganz un» bekannt waren! Mit einem"späteren Chcfr«dakte>»r. dem Freiherrn von H o m m e r st e i n, hatte die.„Kreuz-Zeitung" noch schliimneres Miß- oeschick. Er vergriff sich an sremdeii Geldern und endete als Zucht- Häusler. Bis zur Revolution von 1918 hat die, Frenz- Zeitung" unentwegt junkerliche Politik gemacht und namentlich jede Reform des preußischen Dreiklassonwahlrecht? und der.fferrenhaus-Mumien- kaminer mit Erbitterung bekämpft. Roch den: 9. November ließ sie im ersten Schrecken ihren Wahlspruch„Mit Gott für König und Baterlond" vom Titelkops oerschwinden. Nach überstmidener Gefahr wurde sie wieder königstreu und gottesfürchtig. Aber ihre große Zeit war wie die Herrschaft der Iunkerkast« ein für allemal vorbei. Auch non der„nationalen Welle" der letzten Jahre tonnt« sie nicht prositteren. Demi wie die lftazts mit bewußt plebejischen Monieren sich bei den Massen anzumeiern, dazu war dos feudale Kastenorgan schlechterdings außerstande. Als Sprachrohr einer abgetanen, ver- ivesenden Herrenschicht, als Organ der nur noch aus dem Papier existierenden Konservativen Partei vegetierte die.Freuz-Zeitung" noch ein paar Jahre, bis ihr jetzt die handfeste Demagogie der Nazis gänzlich den Wind aus den Segeln genommen hat. Selbst der Faschismus kann mit der alten Aristokrotia nichts mehr anfallen. » Zum Schluß hat sich die gute„Kreuz-Zeitung" in ihrem Haß gegen alle Slawen noch mit unsinnigen„Enthüllungen" über den tschechoslowakischen Außenminister Dr. Benesch, die so voller falschen Namen usw. sind, daß bei einiger Sachkenntnis der Redaktion die Beherbergung dieses„Grubenhundes" unterblieben wäre. Landfnedensbruchprozeß in Kassel. Schwer vorbestrafie Komrnuniflen auf ver Anklagebank. Kassel, 10. März.(Eigenbericht.) Am Dienstag marschierten die 97 des Landfriedens- bruchs angeklagte» Kanununisten wiederum in geschlossenem Zuge vor das Gcrichtsgebäud«. Sie erreichten das Gebäude unbd>elligt. Im Berhandluiigsraum erwies sich, daß die Plätze sür die An- geklagten nicht ausreichten. Als die erforderlichen Stühle herbeige- schafft waren, trat das Gericht in die Verhandlung ein. Sie ergab zunächst� daß von den anwesenden 93 Angeklagten ein ganz er- heblicher Teil vorbestrast ist. Die meisten haben Ge- sänffnisstrasen wegen Diebstahls verbübt, mehrere sind jeooch auch weg«» schwerer Verbrechen mft Zuchthaus bestraft. Nur zum Teil gehören di« Angeklagten der KPDD. an. Fast olle aber sind Mitglieder des„AntifasiAstischen Zkampsbundes", einer ebenfalls kommunistischen Organisation. Der als Rädelsführer angeklagte politische Leiter des Kan'psbundcs erklärte im Verlauf seiner Vernehnmng. daß der .Kampsbund mit der Kornmunistischen Partei nicht identisch fei. Manche Mitglieder des Kampfbundes seien polltisch nicht orxanisieit. Die Fahrt des Bundes nach Grebenstein habe teineswegz den Zweck gehabt, die dortige nationalsozialistische Versammlung zu sprenge». Ais der Äompsbuud in Grebenstein eingetroffen sei, seien die Nationalsozialisten bereits im Ort gewesen. 10 bis IL Kampf.- bündler wären in den Saal gegangen, wo sie von Nationalsozialisten angerempelt wurden. Di« Schlägerei sei dann aus der Straße sort- gesetzt worden. In den Streit seien aber nur ganz wenig« Mit- glieker des Kampsbundez verwickelt gewesen. Die meisten hätten bei dem Lastauto gestanden. Im Verlauf de? VernelMung widerriefen fast alle An- geklagten ihre Aussagen. Anfänglich hatten st« angegeben. daß ihnen der Zweck der Fahrt nach G. vorher bekannt gewesen sei. Da stc dies« Angaben neuerdings bestreiten, sollen die Beamten des Polizeipräsidiums, die die ersten Vernehmunzzen geführt haben, als Zügen geladen werden. Auf Antrag der Verteidiger beschloß das Gericht mit Zustimmung des Staatsanwalts ferner, den in Haft befindlichen Leiter des Kampsbundes uns ein anderes noch in Haft befindliches Mitglied de, Kampsbunde, auf freien Fuß zu setzen. Das Gericht betont jedoch ausdrücklich, daß die Haftentlassung nicht bedeut.'. daß die beiden unschuldig sei«-. Seid umschlungen, Millionen! „Unsere Beziehungen zu Italien sind sehr herzlich. Durch den Besuch der Industriellen- Delegation in Moskau haben sich auch unsere Beziehungen zu Deutschland sehr gebessert." Molotow aus dem VI. allrussischen RSiekongreß. Mosley ausgeschloffen. Beschluß der Exekutive der Labour Party. London, 10. Marz.(Eigenbericht.) Die Exekutive der Labour Parly hat Mosley und seine ebenfalls aus der Parlainenisfratlion der Arbeiterpartei ausgetretenen Anhänger am Dienstag aus der Partei ausgeschlossen. Mosley und feine Freunde hatten bisher lediglich ihren Austritt aus der Parlaments f r a k t i o n der Labour Party erklärt. Aus der Labour Party auszuscheiden, lehnten sie vorerst aus wahltaktischen Gründen ab. Infolgedessen hat die Exekutive der Labour Party am Dienstag das Notwendige nachgeholt und Mosley und seine Freunde als der Mitgliedschaft in der Labour Party sür un- würdig erklärt. Dieser Beschluß wird de» lckolen Organisationen mit dem Zusah mitgeteilt werden, daß der Seitritt zur Mosley-Partei mit der Mitgliedschaft In die Labour Party unoerein- bar ist und automatisch den Ausschluß nach sich zieht. Baldwin gegen den Frieden von Delhi. Churchill seht sich bei de« Konservativen durch. London. 10. März.(Ligenbericht.) Bis vor einigen Tagen war die offiziell« konservativ« Partei und besonders ihr Führer Baldwin mit der Indienpolitik der Arbeiterregieruug völlig einverstanden. Hinter den Kulissen tobt« jedoch derKampfgegendenFriedensschlußinJndien. Der Wortsührer war Ehurchill, der auch in der Oeffentlichkeft von einer„Kapitulation Englands" sprach und für Indien ein Regime der starken Hand fordert«. Unterstützt wunde Churchill von den Zeitungskönigen. Am Dienstag ist Baldwin zum größten Erstaunen der Oeffenllichkcit in di« Churchill-Front eingeschwenkt. Im Namen der Parteiführung erklärte«r, die konservative Partei widersetze sich„im gegenwärtigen Augenblick" einer zweiten Indien- konferenz, wie sie in den Friedensbedingungen vorgesehen ist. I» langen Artikeln erörterte die Presse diesen sensationellen U m f a 1 1 Bai dw ins. In gleichem Sinne schlachtet ihn die Presse der Zeitungskönige gegen Baldwin aus. Daraufhin erfolgt« am Dienstag- nachmittag eine lange„Erklärung der Erklärung Baldwins", in der Gewicht gelegt wird auf die Wort«„im gegenwärtigen Augenblick", so daß die Haltung Baldwins wiederum unklar geworden ist. In der Abendstunde wurde schließlich«ine neu« Er- llärung abgegeben, in der sestgestellt wird, daß der von Baldwin bekanntgegeben« Beschluß von der Parteisührung bereits vor vierzehn Tagen gefaßt wurden und nur jetzt erst veröffentlicht worden sei. um di« Verhandlungen zwischen Gandhi und dem Dizekönig nicht zu stören. Alles in allem bleibt der Eindruck: Baldwin ist pnrgefallen. Welches nun aber die lonservatioe Jndienpolitik in Zukunft sein wird, ist undurchsichtig und wird sich wohl erst in dar großen Indien- debofte klären, die am Donnerstag im Unterhau» beginnen soll. Gnglanv hofft auf Abrüstungskonferenz. London, 10. März.(Eigenbericht.) Am Dienstag begann im Unterhaus die Beratung des Heeresetats. Minister Tom Shaw bracht« das Budget mit einer Rede ein, in der er b« d a u« r t«, daß die Regierung nicht weitere Abstriche am Heeresetat vornehmen könne. Das sei nur nach einer erfolgreichen allgemeinen Abrüstungskonferenz möglich. In dieser Richtung werde die Regierung alle Kräfte mobilisieren, um dos englische Volk über die Abrüstung von den großen Heeneslasten befreien zu können. Wieder ein Filmverboi. „Das Lied vom Leben- darf nicht erklingen. In dieser Woche sollte ein neuer Granowski-Film�m Mozartsaal seine deutsche Uraufsührung erleben. Die Filmprüf stelle Berlin hat am Dienstag über die Zulassung verhandelt. Dabei ergab sich, daß drei von insgesamt vier Beisitzern-für die Zulassung stimmten, während der Vorsitzende und e i n Bei- sitzer die Genehmigung verweigerten. Diese beiden stützten sich aus das Gutachten des medizinischen Sachverständigen, Oberregierungsrat Dr. Haß vom Reichsgesundheitsamt, der die Vorführung eines Kaiserschnittes an einer Schwangeren beanstandete mit der Be- gründung, daß durch eine' solche Darbietung Frauen von der Bor- »ahme einer notwendigen Operation abgeschreckt werden könnten. Nachdem er von der Mehrheit der Beisitzer überstimmt wurde, erhob der Vorsitzende Einspruch bei der Oberprüsstelle, d>« nunmehr zu entscheiden hat. E» zeigte sich auch hier wieder, daß das„Gerichtsverfahren" der Prüfstelle vollkommen zu einer Farce wird, solang« die Möglich- keit besteht, daß der Vorsitzende jeden Beschluß der Kammer illusorisch machen kann. Finanzmmister Flandin will nicht gehen. Oer neue Korruptionsskandal zieht weitere Kreise. Paris, 10. März.(Eigenbericht.) Der Siandal der Eompagnie A e r o Postale läßt sich trotz des strengen Schweigcgebots der Regierung nicht mehr ersticken. Am Dienstag verlangt sogar der„Paris M i d i", der nicht selten als ofsiziös inspiriertes Organ auftritt, daß der schwer kompromittiert« F i n a n z m i n i st e r Flandtn seinen Posten oerläßt. Der Fall Flandin ist iiisbesondere darum so jtandalös, als der gegenwärtige Finanzminister einst als Sprecher der Opposition das Kabinett wteeg zu Fall gebracht hat. weil der Ackerbau- minister Boret sich unsauberer Preistreibereien am Getreidemarki schuldig gemacht hatte. Gleichzeitig aber hatte Flandin als Lohn sür diese Tot das Finanzministerium in der neuen Regierung verlangt, um so von einflußreichster Stelle aus der bankrotten Aero Postale z» Hilfe kommen zu können. Verzweifelt sträubt sich F ländin heute gegen seine Ausschiffung. Inzwischen hat er sogar gedroht, mehrer« seiner Mintsterkollegen wie den Marineminister Dumont, den Minister für öffentlich« Arbeiten Deltgn« und den Budgetmmtster Pie tri mit in den Abgrund zu reißen. Jedenfalls werden sich der Ministerpräsideitt Laval und sein Finanzmtnister Flandin über ihre künftige Haltung schnellstens entscheiden müssen. Schon hat die sozialistische Kammerfraktion einen neuen Vorstoß angekündigt, der trotz aller Vcrzweislungsmairäver keineswegs länger als bis zum Mittwochabend hinausgeschoben werden kann. Was nun endlich die Sanierung der Aero Postal« angeht, so scheint sich zu bestätigen, daß der Betrieb der Fluglinie nach Süd» amerika zwar mit allen Mitteln gesichert werden soll, daß aber d>e augenblickliche Konzessionsgesellschoft zur Liquidation gezwungen sein wird. Mit ihr dürft« die Bank Bouilloux-Loffonts, deren Inhaber der frühere Vizepräsident der Kammer und jetzige Bericht- erstatter über das Heeresbudget ist, zum Bankrott verur- teilt sein. Die Baseler Welibankpolitik. Kapitalsleitung und Erschließung der Anlagemärkte. Sasel. 10. März. Der Verwaltungsrat der BIZ. beschäftigte sich in längerer Be- rotung mit den grundlegenden Voraussetzungen für dt« Bcsierunz der allgemeinen Wirtfchoftsbedtngungen. Nach Mtttetlung der Bank« leitung bestand Etnstimmtgkett darüber, daß die Wtldererschließung der Anlagemärkle erforderlich ist, um die Umwandliung des lurzfristtgen in langfristiges Kapital zu erleichtern und das Kapital von den Märkten, an denen es nicht verwendet wird, nach solchen h i n z u l« i t e n, wo es für wünschenswert« wirtschaftliche Zwecke benötigt wird. Der Verwal- tungsrat war sich darüber einig, daß die BIZ. auf dieses Ziel hin- arbeiten und dazu anspornen müßte. Um die Bereittvilligkett zu betonen, derartige Kapitalbewegungen zu fördern, ist der Präsident des Berwaftungsrates ermächtigt worden, Schuldoer schrei- b u n g e n der gerade jetzt in Basel gegründeten Internationalen Bodenkredit-Bank zu zeichnen, deren Schuldverschreibungen in, Lause des März in der Schweiz ausgegeben werden sollen. Im Zusammenhang hiermit wurde der Bericht des mft dem Studium des Systems für die Finanzierung der m i t t« l s r i st i g e n Kredit e beauftragten Unterausschusses gebilligt und die für die Förde- rung der langfristigen Anlagen geeigneten Methoden erörtert. Ausgewiesen hat die Tschechosloivokel den reichsoeutschen Journalisten Kornhub« r, der in den„Leipziger N. N.". den„Mün- chener N. N." und anderen Blättern wüst gegen da» Land hetzt«, in dem er zu Gast war. Im„Hamb. Fremdenblatt" hat er dt« tschechische Revolution als ein« Kette gemeiner Verbrechen, somtt ihr« Führer at» Schwerverbrecher hingestellt. Gewerkschaffen in der Krise. Tagung des Bundesausschusses des AOGB. Der Bundesausschuß des 2IDGB. trat am 10. März im Berliner Gewerkschastshaus zu seiner 11. Sitzung zusammen. Der Vorsitzende, Genasse L e i p a r t, wies zu Leginn der Sitzung auf die Nationalsozialistische Propaganda gegen die Konsumvereine hin, der die Gewerkschaften in ihrer Presse entschieden entgegentreten sollten. Der Vorstand ist der Meinung, daß an der Arbeits ruhe am 1. Mai festgehalten werden soll, und zwar wie früher, überall dort, wo es ohne wirtschaftliche Schädigung möglich ist. Das Zentrum hat den Antrag gestellt, das Berufsaus- bfldungsgesetz, das alle Instanzen durchlaufen hat, erneut einzubringen. Auch die Sozialdemokratische Partei wird, einem Wunsche der Gewerkschaften entsprechend, die Verabschiedung des Gesetzes anregen. Der A f A- B u n d hat angeregt,«inen gemeinsamen Ausschuh zu bilden, der die sozialen Auswirkungen der Rationalisierung untersuchen soll. Der Bundesvorstand hat dieser Anregung zuge- stimmt. Außerdem hat der Bundesvorstand den Kollegen Furt- w ä n g l e r beauftragt, im Zusammenwirken mit den Ortsver- waltungen und Betriebsräten Betriebsbesichtigungen durchzuführen und Untersuchungen über die sozialen, wirtschaftlichen und psycholo- gischen Wirkungen der Rationalisierung vorzunehmen. Die Fest- Stellungen sollen sich zunächst aus Berliner Betriebe beschränken. L e i p a r t erörterte kurz das Verhältnis der Gewerkschaften zur Technischen Rothllfe. Der Bundesvorstand hält es gegenüber An> regungen von anderer Seite für richtig, an der bisherigen Stellung- nähme der Gewerkschaften fe st zuhalten und de» Beitritt von Mitgliedern zur Technischen Nothilse nicht zu empfehlen. Leipart kam dann aus die Broschüre der Kommunistischen Partei „Der Arbeiterverrat der Gewerkschaftsborizen" zu sprechen, gegen deren Verbreitung bekanntlich eine einstweilige Verfügung erwirkt worden ist. Das Pamphlet selbst ist so bedeutungslos, wie ähnliche Machwerke gleichen Ursprungs im letzten Jahrzehnt. Abschließend besprach Leipart die Vorbereitungen für den Kon- groß in Frankfurt, die sich natürlich mit der Krise und den Wegen zu ihrer Ueberwindung befassen muß. Die Forderungen, die der Vorstand erheben wird, sollen wiederum in einem Sammcl- werk, unter Unterstützung von Sachverständigen, eingehend bc- gründet werden. In der Aussprache über den Vorstandsbericht wies T h i e m i g(Fabrikarbeiterverband) auf die großen finanziellen Schwierigkeiten mancher Zahlstellen hin. Die O r t s a u s- f ch ü s s e müssen sich da, wo diese Schwierigkeiten bestehen, so weit einschränken, wie die Krise es erfordert. Leipart erwiderte, gewiß müssen die Ortsausschüsse sparen, ober andererseits müssen die Zahlstellen selbstverständlich die Bei- tröge für ihr« Mitglieder zahlen. Di« Einrichtungen der heutigen Ortsausschüsse, die im Interesse der Allgenieinheit liegen, die gemein- same Einrichtungen sind, dürfen unter keinen Umständen ausgelöst werden. Brandes erklärte sich niit der Absicht des Bundesvorstandes einverstanden, die Wirkungen der Rationalisierung zu untersuchen. Besonders bedauert er, daß die Aenderung des Namens der Kaiser-Wilhelm-Gcsellschoft sich nicht durchsetzen ließ. Simon(Schuhmacher) bedauert, daß trotz der nicht erfolgten Namensänderung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft noch«in Extra- beitrug für das Institut für Arbeitsphysiologie bewilligt worden fei. Er wies auf die großen Einnahmeausfälle der Zahlstellen wie der Zentralen hin, denen vermehrte Ausgaben gegenüberstehen. Die Untersuchung der Wirkung der Rationalisierung ist sehr zu begrüßen, sie sollte ober nicht auf Berlin beschränkt werden. Leipart entgegnete, daß die Beschränkung der Untersuchung über Rationalisierung auf Berlin nur vorläufig sei, um die Er- gebnisse zuerst einmal zu prüfen. Bezüglich der Beiträge an die Ortsausschüsse muß gelten, daß die Gesamtinteressen mindestens ebenso wichtig sind wie die Verbandsinteressen. Es muß nach geltendem Gewerkschaftsrecht für alle Mitglieder gezahlt werden. Dann können unter Umständen in Notfällen die Beiträg« herabgesetzt werden. Der Bundesausschuh nahm die Anregungen, die der Vorsitzende in seinem Bericht gegeben hatte, einstimmig an. Leipart erstattet« nunmehr Bericht über den Ausgang der Verhandlungen mit den Unternehmern, mit denen sich der Bundesausschuß in seiner letzten Tagung be- schäftigt hatte. Mit den christlichen und den chirsch�Dunckerschen Ge- werkschaften haben Verhandlungen staUgefunden. Die Spitzen- organisationen kommen zu dem Ergebnis, daß von einem starren Schematismus der Tarifverträge keine Rede fein könne. Die Unter- nehmer denken bei ihren Beschwenden ja auch gar nicht an die Tarif- oerträge im allgemeinen, sondern nur an die Lohnabkommen. Leipart wandte sich dann den Verhandlungen zu, die zu der g e- meinsamen Erklärung der Spitzenorganisationen führte, die bei der Besprechung der Gewerkschaften mit chindenburg dem Reichspräsidenten unterbreitet wurde. Der Reichskanzler Brüning hat erklärt, daß er die Besprechungen mit den Gcwerk- schaften fortsetzen würde. Der Bundesvorstand Hot sich auch mit dem Arbeitsbeschaffung?- Programm von ch ö r si n g beschäftigt. Zu einem Teil deckt sich sein Programm mit längst erhobenen Forderungen der Gewerkschaften. Zum anderen Teil ist es undurchführbar. Die Gewerkschaften können sich dal>er nicht auf den Boden dieses Programms stellen. Die Gewerkschaften haben zwar dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung erneut ihre Meinung gesagt, sich entschieden gegen den Lohnabbau gewendet und die Arbeitszeitverkürzung gefordert. Die Schwierigkeiten zur Durchführung der Arbeitszeitverkürzung sind nach Auffassung des Vorstandes keineswegs unüberwindlich. Die Oktobercntschließung hatte die Arbeitszeitverkürzung nur als Not- maßnahm« gefordert. Die neue Entschließung, die der Vorstand vorlegt, legt entscheidendes Gewicht darauf, daß eine dauernde Verkürzung der Arbeitszeit in Aussicht genommen werden müsse. Auch gegen den planmäßigen Lohnabbau muß der Bundes- auss-hiß wiederum Stellung nehmen. Im Zusammenhang damit müssen Verhandlungen des JGB. mit der International« der Bcraarbciter erwähnt werden, die sich mit der Arbeitszeitreaelung im Bergbau beschäftigen. Was als Ergebnis bei den Genfer Verhandlungen herauskommen wird, steht dahin. Eine Sonderregelung der Arbeitszeit für die Bergarbeiter mit einer Schlchtzert von mehr als 7 Stunden, würde jedoch dein Gedanken einer weitergehenden Verkürzung der Arbeitszeit Abbruch tun. Die Bergarbeiter müßten daher bei ihrer Forderung nach einer siebenstündigen Arbeitszelt beharren. Wels(Porteivorstand) bespricht kurz dos Programm von Hörsing. Das Programm wird voni Parteivorstand trotz der An- erkcnnung des großen und kraftvollen Führers des Reichsbanners in gleicher Weise beurteilt wie vom Bundesvorstand. Wels begrüßt den Schritt, den die Gewerkschaften bei Hindenburg unternommen haben. Ohne Zweifel hat diese unmittelbare Fühlungnahme auf Hindenburg, der sich ausrichtig bemüht hat, ein objektives Bild der Gesamtlag« zu gewinnen und die Interessen des Volks-ganzen Einzelinteressen überzuordnen, einen tiefen Eindruck gemacht. Es ist wichtig, Hindenburg nicht allein den Einflüssen der grünen Front zu überlassen, sondern ihm auch die Auffassung der Gewerkschaften und der Arbeiterschaft nahe- zubringen. Wels wies darauf hin, wie stark gerade die kleinen Handels- und Gewerbetreibenden an den Löhnen und den Unterstützungen der Arbeiterschaft interessiert sind. Dieser große Kundenkreis sichert die Existenz des kleinen Mittelstandes. Es muß immer wieder betont werden, in wie großem Umfange die Interessen beider Volksschichten in gleicher Richtung gehen. Brandes(Metallarbeiierverband) begrüßt gleichfalls die Be- sprechung mit Hindenburg. Er ging dann auf die Frage der Arbeitszeitverkürzung ein. Die Arbeitszeitverkürzung ist das Primäre. Sie gibt die Möglichkeit, den Lohn zu halten, für dessen Erhöhung die Gewerkschaft«« sich bei ansteigender Konjunktur mit nachhaltiger Energie einsetzen können. K r a u tz(Buchdruckerverband) ging auf die besonderen Ver- hällnisse seines Berufes ein. Dos Ziel der Regierung: keine Senkung der Reallöhne, wird durch keine parallele Prcisabbauaktion erreicht werden. Wozu überhaupt der staatliche Zwang in den Gewerben, wo die Gewerkschaften sich ohne Hilfeleistung des Staates an die Unternehmer behaupten würden? Einen Kampf gegen einen staat- lichen Schiedsspruch kann keine Gewerkschaft führen. Daher ist die Erbitterung über das Schlichtungswesen in allen Kreisen der Ar- beitcrschaft, besonders ober im graphischen Gewerbe, sehr groß. Schmidt(Bcrgarbeiterverband) erklärte sich einverstanden mit dem Vorschlag des Bundesvorstandes, die Arbeikszeikverkürzung nicht nur als Rolmahnahme, sondern als eine dauernde Regelung durchzuführen. Schmidt wies auf die Verhältnisse im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau hin, um auf die Schwierigkeiten der Durch- führung hinzuweisen. Eine Arbeitszeitverkürzung mit Lohnkürzung ist tragbarer als«ine Lohnkürzung ohne Arbeitszeitverkürzung. Sche ibek(Baugewerksbund) betont die starke Gemeinsamkeit der Interessen der Arbeiterschaft und des kleinen Mittelstandes, die schon Wels hervorgehoben hatte. Tost(Metallarbeiteroerband) hält es für dringend notwendig, auf die Arbeiterschaft einzuwirken, daß sie aus Gründen der S o l i« d a r i t ä t die Arbeitszeitverkürzung in den Vordergrund stellt. Von allen Rednern, die an der Aussprache teilnahmen, wurde einmütig die Auffassung vertreten, daß die Gewerkschaften in der l)eut!gen Situation nicht mit der ersolgsichercn Kraft vorgehen können, die sie unter anderen wirtschaitlichen Verhältnissen auf- bringen könnten. Aber die Rücksichtslosigkeit, mit der die Unter» nehmer die gegenwärtige Notlage der Arbeiterschaft und die selbst» verständlich verminderte Kampfkraft der Gewerkschaften ausnutzen und das vorhandene Elend steigern, diese brutale Macht polilik darf und soll ihnen nicht vergessen werden. Die Zeit wird kommen, in der die Gewerkschaften chren Gegnern beweisen werden, daß ihr Kampfeswille durch die jetzige Krise sich zwar nicht voll entfalten kann, daß er aber ungebrochen ist und zu gegebener Zeit die ganze Kraft der Organisationen einsetzen wird, um das verlorene Gelände wiederzugewinnen. Beim nächsten Punkt der Tagesordnung wird die Frage der Deziehungen der Gewerkschaften in M e m e l l a n d zu den deutschen Gewerkschaften erörtert. Leipart machte Mitteilungen über die Lage und die organisatorischen Verhältnisse der Gewerlschaften des Mcmel- landes. Fast alle dortigen Gewerkschaften hab«n sich zum Memel- ländischcn Gcwerkschastsbunde zusammengetan und bei diesem besteht nun das Bestreben, sich mit den deutschen Gewerkschaften enger zu verbinden. Diesem Wunsch könne dadurch Rechnung getragen werden. daß sich der Rlemelländische Gewerkschaslsbund dem ADGB. anschließt. der Bundesvorstand Wägt vor, daß der Bundesausschuß ihn er- mächtigt, mit den memelländischcn Gewerkschaften über eine solche Lösung zu verhandeln. Der Bundesausschuß stimmt diesem Vor- schlage zu. Leipart berichtet« ferner, daß der Bundesvorstand die Ver- ar.staltung eines Bauarbeitcrschutz-Kongrefses vor- schlägt. iMe internationale Bauausstellung bietet einen erwünschten Anlaß zu dem Kongreß. Die meisten der beteiligten Verbände haben dem Gedanken bereits zugestimmt. Leipart schloß die Sitzung mit einem Hinweis auf die wachsende Not der Massen und die Sorgen der Gewerk- schaften. In det schwersten Zeit müssen sich alle tätigen Menschen in der Bewegung chren ernsten Pflichten und der Größe ihrer Ausgaben doppelt bewußt fein. Die Eewerkschaslen haben trotz ollem keinen Anlaß zur Mutlosigkeit. Ihre Pflicht ist die Sorg« der Massen auf sich zu nehmen und die Schatten der Mutlosig- keit auch aus den Rechen der von stärkstem wirtschaftlichen Druck gequälten Arbeiterschaft zu bannen. Gegen zweiten Lohnabbau. Protest der Berliner Beamten und Angestellten. Welche ungeheure Empörung die„B e a n st a n d u n g" der Ge- hälter der Berliner Beamten und Angestellten durch den Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg in den Kreisen der Berliner städtischen Beamten und Angestellten hervorgerufen hat, zeigte die Funktionörkvnferenz, die olle freigewerkschaftlichen Berliner Beamten- und Angestelltenorganisationen zu gestern abend nach dem.,5?ackefchen Hof" einberufen hätten. Der große Versammlungssaal war schon lange vor Beginn der Protestvcrsammluitg zum bersten überfüllt. Referenten des Abends waren Genosse Soldes von der Rcichsgewerkschaft deutscher Kam- munalbcamten, Genosse Mehlig von der gleichen Organisation, der Mitglied des Gutachterausschusses zur Prüfung der Vorschläge des Oberpräsidente» ist, Genosse Zeitz vom ZdA., Genosse Rothe vom Werkmeister-Verband, Genosse Schmidt vom Gesamtoerband und Genosse T o m b r i n k vom Butab. Alle Referenten sührten den Versammelten zum Teil an prak- tischen Beispielen vor Augen, wie auf dem sogenannten Verwal- Wngsweg« ein neuer Abbau der Gehälter der Berliner städtischen Beamten und Angestellten durchgeführt werden soll. Zugleich bedeutet dieser Vorstoß aber einen ungeheuer- lichen Anschlag auf die Selb st Verwaltung der Vier- einhalbmillionenstadt Berlin. Der Oberpräsident stützt sich bei seinem Vorgehen zu Unrecht auf den Z 43 des Preußischen Besoldungs- gesetzes. Dieser 8 �3 bestimmt' nicht, daß die Berliner Beamten- besoldung schetnatisch der Besoldung der preußischen Beamten an- gepaßt werden soll, sondern, daß die besonderen örtlichen Verhältnisse bei der Besoldung der Kommunalbeamten und Angestellten berücksichtigt wenden müssen. Sonderbarerweise fällt es der Aufsichtsbehörde der Stadt Berlin erst ein, die„zu hohen Gehälter" der Berliner Beamten und Angestellten zu beanstanden, nachdem die Besoldungsordnung ungefähr drei- einhalb Jahre besteht. Diese späte Erkenntnis läßt die berechtigt« Vernnckung zu, daß mit dieser Aktion des Ob«rpräsidenten in die Front der Scharfmacher im deutschen Unternehmerlager ein- geschwenkt werden soll, die mit ollem Eifer die zweiie Lohn- und Gehallsabbauossensive vorbereiten. Daß sich der Vorstoß vornehmlich gegen die unteren und mittleren Beamten richtet, geht am deutlichsten daraus hervor, daß die Vorschläge des Oberpräsidente», neben dem Abbau der Ge- hälter der unteren und mittleren Beamten und anderen Ungeheuer- lichkeiten nach dem„berühmten" Vorbild der Reichsbahn-Leistungs- Zulagen einführen will, so daß für die oberen Beamten dabei noch ein« Erhöhung ihrer Bezüge herauskommen würde. Ebenso sonder- bar erscheint das Vorgehen des Oberpräsidenten, durch das die Stadt Berlin zur Sparsamkeit gezwungen werden soll, wenn man bedenkt, daß bei den Regierungen und Oberpräsidien auf 100 Bürobeamte 2 5 höhere Beamte entfallen, in Berlin jedoch auf die gleiche Zahl nur ein höherer Beamter. Von allen Rednern wurde an den G u t a ch t e ra u s s ch u ß, der zur Prüfung der Berliner Besoldungsordnung eingesetzt worden ist, und an die übrigen städtischen Körperschaften der dringende Appell gerichtet, alle Kräfte aufzubieten, unr diesen Anschlag auf die Existenz von 50 000 Beaniteii und Angestellten und die Selbstverwaltung ter Stadt Verlin zunichte zu machen. � Nach einer längeren Diskussion, in der die ungeheure Empörung der Beamten und Angestellten über �diesen Schritt des Oberpräsidenten zum Ausdruck kam, wurde einstimmig eine Entschließung im Sinne der Ausführungen des Referenten angenommen. protestderoberenVerwaltungsbeam�en Auch der Bund der oberen Verwaltungsbeamten der Stadt Berlin hat in feiner Mitgliederversammlung am Montag zu dem Vorgehen des Oberpräsidenten Stellung genommen. In der Entschließung, die dazu angenommen wurde, heißt es,„daß dem beabsichtigten Eingriff entgegen der Behauptung des Ober- Präsidenten— keine objektive Nachprüfung der tatsäch- lichen Verhältnisse vorangegangen ist: dies ergibt sich insbesondere aus der unterschiedlichen Bewertung gleichwerti- g e r Arbeit von Zentral- und von Bezirksbeamten: daß der be- absichtigte Eingriff des Oberpräsidenten sich als eine Rechts- beugung darstellt, die das Treueverhältnis des Beamten zu seiner Behörde auf eine untragbare Probe stellt. Der Bund fordert, daß die geltende Besoldungsordnung in ihrem jetzigen folgerichtigen Aufbau unangetastet bleibt. Der Bund begrüßt es, daß die Stadtverordnetenversammlung dieser Auf- sassung sofort e i n st i m m i g Ausdruck verliehen hat ui»d erwartet, daß auch Gutachterausschuß und Magistrat diese Forderung mit allem Nachdruck vertreten werden." Es hat geklappt. Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Syndizi im Verband bayerischer Metallindustrieller lassen durch Wolff folgende Meldung verbreiten: „M ü n ch e n, 10. März. Die vom Verband bayerischer Metall- industrieller in den bayerischen Großstädten gestern abend mit Ar- beitsschluß verhängte Aussperrung ist einheitlich durch- geführt worden und betrifft, wie gemeldet, rund 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen." Schneidig! Die Schlichterkammer baut die Löhne um 5'/i bis 6 Proz. ob. Dafür werden die Arbeiter a ternpo ausgesperrt. Hurra! Hurra! Hurra! Großer Sieg über die Arbeitskanaille! Die Herren würden gut tun, etwas weniger voreilig und vorlaut zu sein. Warten wir das End« ab. ,�reie G ewerkschafts-Lugend Verlin Heut«. Mirtwoch, Uhr. tagen i�ie Gruppen: Baumlchulenwcg: Jugendheim Ernstste. 16. Heiterer Abend.— Reukclln: Gruppenheim Berastr. 29. Hof.„Die Arbcitsdicnstpfttcht."— Eüdwcsteu: Stadt. Iuaendbcim Borckstr. 11. Fabrikgebäude. International« Gewcrkschaf'sbewegung: .England".— Flughaf«»: Iug.'ndbeün Neukölln, Flughafen st r. 68...Die Arbeits. losigteit und die E-ewerksckiaften."— Weihense«: Jugendheim Partstr. 36...Die Aufgaben der Betriebsräte."— Rordriag: Zugendheim Lonnenburger Str. 2rt. Liederabend.— Sdtöncbcig: Jugendheim Hauptstr. 15. Lichtbildervortrag: �Wien".— Humboldt: Jugendheim Graun- Ecke Lortzinqstraste. Byrtragsfort- sehung: Sturmvogel:„Flugtcchnif".— Tegel: Jugendheim Schöneberger Str. 4. „Lustiges Berlin."— Spandau: Zuacr.dheim Lindcnufer 1. Wir öffnen den Fragekastcn.— Iugendgruppe des Gesamtverbaudes: Jugendheim Engel- ufcr 24— 35. Aommunastictricbe: 20 Uhr Film- und Lichtbildervortrag.— Achtung! Volksbuhuen- Sondervorstellung am Conn-tag, 22. und 29. Marff. Ein. trittstarten zum Preise von 80 Pf. sind noch in der Iugendzentrale au haben. �uoendarupve vks�entra'verl'ande«! ver Anaeffellten Heute, Mittwoch, finden folaende Veranstaliunaen statt: Seiundbruunen: � Iuaenicheim Willdcnvwstr, 5. Eckallvlattenabend.— Reinickcadvrs: Inaandbelm Lindoncr Etr. 2< Baracke). Mar., feiet.— eharlattenburq: Iua.'iid- heim ii'oünenstr.•!. Eruvvenmltalirdeiocrscmmlunq.— SckSnebera: Iuaend- ticirn Lauptstr. 15 fHvfaebiinbe. Sachsen, immer). Auelvrachcabenb Uder vrole» torischc iZcstluItur.— Eck ör> beulet Berstadt: Iua-ndbcim der Schule Kastanien» aiiee A. Unsere Mädel baden das Wort.— Oberspree: Nladetichöneweidc, Berliner Sir. 31 lEchuic), Einäonq Kafselweederstrastc. Liederabend.— Rordost: Iuaendbeini Dan,iaer Str.(fci lBaiacke 3).„!?it arbeitende Iuoend und ibre Oraaii.iativn."— Stralau: Iuaendbrim der Schule Eostlcrstr. kl. Gruvven» bcsvrechuna.— SIeukclln: Iuacwdbeim Böbmisch« Str. 1—4...Es bliibt der Ilachs!"— Siidzst: Iuaenbbeini Wranaclftr. 128...Wir find binauspeaanaen, den Sonnenschein ,u fon.ac»". sZadrtenabrnb unter Lciluna von IfttR Ruoif.— Spandau: Inaenddeim Lindenufcr 1. Arbcitsacmcinschat:.Eiufiihruna in die so,ial.itische«edautenwelt" Leiter: Wilhelm Lcwinsli.— Potsdam SIowanXs: Iuacndlicrbrrae Ziomawcs, Priesterstraüe. Mustk- und Tan, abend.— Acpcnick: Iuaenddc in Tabiwiber Etr. 15 fEasanstalt. am Bahndok stävenick). Borlrag: .Körperpflege und Snmnastck im Lllllaa". Slcferentin Mar!l>a Polcmann.— Kart.'n ,nr Iugerdvorstelluna der Bollsbiidne am 22. und 29. Mär, find ,um Preise von 80 Bf. im Iugcndfclrctariat ,u baden. Bcrantworilich kür Politik: Dr. Eurt«Seyer: Wirtfchakt: S. Klingclböfet! Vcwerkschaftsdcweauna: I Steiucr: iZeuilleton: Dr. Job» schikowaki: Lokale» und Sonst'grs: grit, Karftädt: An, eigen: Tb. Elock«: sämtlich in Berlin. Bcrlag: Lorwärts-Berlag C5. m. d. S.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und BcrlagsanstaU Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Linden strast«& Hier,, 2 Beilage». Tlr.iiT* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 44. März 4934 dber Jho&efißeftßutsctier Die Letzten, die ihre Zeit überdauert haben. Neulich stand ich unier einer Schar Wartender, griedrichstraße (5cke Unter den Linden. Ungeduldig respektierte ich nervös das chalt der Lerkehrsampcl, und plötzlich Zwingt mich ein vielstimmges Gelächter, gewürzt mit Berliner Zlugcnbliekskalauern, die Ursache dieser Erheiterung zu ergründen. Eine Gruppe Jungens gmüsierte sich köstlich— und ich sah folgendes: Zln der Bordschwelle stand ein großer Mercedeswagen n»it allen Schikanen und neben ihm... eine Droschke— na, sagen wir siebenter Güte. Darüber also das Gelächter. Da stand nun plötzlich die Großstadtmaschine in mir sür ein paar Takte still. Bon dem vorsintflutlich anmuteichen Gefährt wanderte inein Blick zu dem alten Mann, der da in unförmige Bekleidungsstücke gewickelt, in der einen Hand die Zügel des teinpe- ramentloscn Rößleins hielt und in der anderen seine Peitsche. Und die zitterte. Bewegungslos blieb sein Großoatergesicht unter dem gewichsten Zylinder. Plötzlich einige kräftige Schimpfworte hinter thift. Er chrch den Kopf, sah, daß' die Durchfahrt frei ist... elegant schoß der Mercedes an ihm vorbei, und für kurze. Sekunden bo.l sich u icmen Blicken die gaftze Armseligkeit dieses'' einstmals so populären' Vehikels.'"''' i Und diese kurze Episode fiel mir wieder ein, als ich vor einigen Tage»'— es war ein bitter kalter Nachmittag— einen alten Droschkenkutscher sah, der vor seinem Wägelchen hin- und he» stampfte. Sein Pferdchen hing geknickt in den Strängen, und beide warteten... auf einen Fahrgast. Ich bot dem Alten ein warmes Getränk an, und in einer nahegelegenen Kneipe saß ich über eine Stunde mit ihm. Er fuhr mich nachher nach Hause. Was er mir zu sagen hatte? 45 Jahre auf dem Bock. „Lieba Herr, finwenfirzch Jahre bin ick Droschkenkutscha. Heute hin ick üba siebzch. Tauge zu nischt mehr. Ick kann nischt änderet Zweeundreisch Ferde ha' ick unta mein« Ziijel schabt, die da draußen, die Lotte... ick Hab' sc nach meine Frau jetauft, die schon zehn Jahre unta die Erde liecht... die Lotte wird woll ooch det letzte Fcrd sind, wat ick Hain werde. Ich Hab weita nischt mehr, als dieset Ferd. Fällts morgen um— na, denn muß ick ma noch hinlejen.'n neuet Ferd kann ick ma mch Wieda koofen. Und nu erst der.Winta. Sehn Se, lieba Herr, wer fährt mit uns schon im Winta?— Sie nicht... und andre ooch nich. Höchstens ecn Besoffna, und der macht sich'n Feetz draus. Aba wemchstcns Harn wa doch 'n paar Fennje oadicnt. Sehn Se, am ersten und zweeten Weih- nachtstach, da stand ick von frieh bis spät... und denn sind wo, die Lotte und ick, allcene heimjesahrn. Zwee Tage ohne Handjeld. Am nächsten Tach konnten wir beede nich mehr. Mußten eenen Tach Feiaabend machen. Denn det Stehen uff eenen Fleck is schlimma als eene Reise nach Potsdam, det jlooben Se man. Nee, sagen Se det nich, Herr, et jibt noch ne Menge, die jerne mit uns fahrn... aba, sie finden uns nich mehr in Berlin. Wir Frühling an der Bergstraße. Die ersten Mandelbäume blühen. Wcinhcim, Ii). März. Während in den Bergen noch zum Teil meterhoher Schnee liegt und auch noch weitere neue Schneefälle eingetreten sind, ist an der Bergstraße, zwischen Darmstadt und Heidelberg, jetzt der Früh- sing eingezogen. Trotz der nächtlichen Kälte, die auch in dieser vom Klima bevorzugten Gegend noch zu beobachten ist, haben in W e i n- heim an der Bergstraße an geschützten Stellen bereits die e r st e n Mandelbäumc zu bliihcn begonnen. Damit hat die Bergstrahe auch in diesem Jahre wieder bewiesen, daß sie die Stätte des ersten Frühlings in Deutschland ist. wern imma wenijer. Mir stehn üba Haupt mir noch an vallcicht zehn Stelln. Und wenn eena wirklich mit ne Droschke fahr» wül, denn muß a ne Stunde loofen, uin unsaeens uffzujabeln. Det is det!— Do fahrn sie lieba Auto. Ick kann det ooch ja keen vadeicken, Herr. Bloh... bloß... wenn man so Stunden jestanden hat, und allet looft an eenem oorüba, allet hats eilich... und die Autos schaffen's ja nich mehr ryechzebringen... und man steht imma noch... und wees nich... man möchte so jerne sagen:„Steijen Se doch ooch mal bei mir ein!" mächt man sagen... Lieba junga Herr, zehn Mark die Woche kost ma die Pangsiohn fürn Stall, von mir red ick ja schon janich, und am Ende der Woche... da hat man n i ch m a l d i e z e h n M a r k— und man putzt fein Wagen, stoobt sauba det Plüsch aus, wickst det Ledazeuch... schrubbt ant Ferd rum... det allet proper is... det kecna wat find... keen Dreck... und allet hat keen Zweck nich... allet nich... vor wat lebt man denn nu bloß noch?— Vor wat?— Ich bin dafor schon zu alt, Herr. Zu alt!— Ick kann nur warten... warte», bis valleicht Der Alte und sein Pferd. doch eena kommt. Et is bitta vor mir alten Mann. Denn man will doch wert tun, nich? Und et nutzt nischt.— In die Spree fahr», wär nich det schlechste... aba det Ferd, det Ferd, hängt ün Wassa am..Wagei� dranne' ngchha... kann nich lös... und vasaust wie'ne Katze im Sack...'ueö, lieba nich so. Liebck'noch warten, nich? Et is vorbei'mit uns, Herr. Et sind ja noch welche, die Mut ham, kämpfen wolln... aba... et is vorbeit! Bor paar Wochen hat mir und noch zwee andern die Polizei unsan besten Standplatz, den wa noch hatten, wechjenoimn. Wejen die Privatautos, sacht se, die da parken müssen. Fricdrichstraße, an die Leipzija. Und nun seh» Se ja sclba, wat mir is. Zllle drei Tage mal... eene Fuhre.— So kommt cens zu't andre.— Na, et dauat ja nich mehr lange. Det Priemen schmeckt eenen ooch nich mehr, Herr, und ick jloobe, bald... Nee, nee, Herr, kerne Lust nich. noch longa zu warten.— Ich tue wat ick kann, nur betteln tu ick nich. Die Hauptsache is, Lotte lebt, solange ich noch krauchen kann.— Dank ooch, Herr, ick freu mir imma, det sich ecner nich schämt, wenn a mit meine Droschke fährt. Wo sollt denn hin- jehn?... Ob Papendiecks auch fo vielen, so guten Spargel hoben? Sie glaubt es nicht: nach all dem, was die falsch gemacht haben. Aber sie drängt die kleine Schadenfreude aus ihrem Herzen, das heute so groß ist, daß sie es immerzu erregend in der Brust fühlt. Sie werden ja ihren Spargel bei Popen- dieck waschen dürfen, das ist nett von ihm, wenn er auch die Schuld trug an der ganzen Kalamität. Gleich nach dem Essen wird Andreas die erste Ladung mit dem Handwagen hinüber- fahren: oder nein: Anna Maschke soll ihn ja holen. Sie ist aber noch nicht da. Luise taucht sorgsam die Gabel in das brodelnde Wasser, die Spitzen gleiten leicht durch eine dicke Spargelstange. Sie fühlt die Annehmlichkeit dieser gleitenden Bewegung von den Fingern bis in den Ann hinauf, bis ins Herz hinein. Und sie nimmt die Spargel aus dem Wasser und läßt sie ab- tropfen. Und tut sie dann auf die gewärmten Teller. Und stellt sie auf den festlich gedeckten Tisch. Und ruft:„Andreas!" Und wie er eintritt, ist beiden zumute wie bei einer Weih- nachtsbeschcrung. Er hängt die Mütze nn den Haken. Streicht sich durchs borstige Haar, das im Stubbenland grau geworden ist. Setzt sich an seinen Platz. Sogt„Mahlzeit." Alles wie immer. Sieht auf den Teller. Greift zur Gabel und— Nein. Fängt nicht an zu essen. Die Erinnerungen, die Gedanken schießen aus seinem Gehirn wie draußen die Spargel aus seinem Sand. Da liegt es nun vor ihm. das.' Weiß ist es, ringelt sich durcheinander, Votier perlt darauf wie S-bweiß. Wie Schweiß... ach ja. Schweiß. Den hat es gekostet, das. Früher. in der Stadt, lag's an Festtagen neben dem Braten. Und war nichts Besonderes. Das ist's wohl heute auch noch nicht. Aber als man's pflanzte, haben Knollen drunten gesessen— und Käfer oben drauf und Kummer ringsumher, und man hat ihn immer verschluckt... und nun nicht Kummer runter- jchlucken, sondern Spargel... und der Wind heust vorm Fenster, Sand weht er an die Scheiben, und dies ist... also... der... erste... Spargel. Und darüber kann... man... sich... also... freuen... Und Andreas Korn steht schnell auf. geht ans Fenster. legt den Kopf aft die Scheibe und schluchzt. Schluchzt zum erstenmal, seit er im Stubbenland ist. Und am Tiscki warten seine Frau und sein Spargel. Und m'arum nur die Maschken noch nicht da ist. Und Gott sei Dank, daß der ganze Kram geregelt ist. Und es gibt also nichts zu heulen. Und der Sand will an seine Stirn, um sie zu kühlen. Aber die Scheibe läßt ihn nicht heran, sie macht das besser. Sie ist sehr kühl. Und die warmen Tränen lausen an ihr herunter. Immerzu. * „Und wenn's noch gewöhnliche zehn Hühner gewesen wären! Aber nein, es waren—" Anno Maschke macht eine Pause, in der sie schluchzt und schluchzt und sich klar wird, daß man das doch nicht sagen kann, das von der Liebe zu dem gackernden Viehzeug, weil man doch so viel allein ist, lächer- lich klänge das, also muß man was anderes sagen:„... es waren lauter echte Wyandottes, Herr Papendieck, und Sie müsien sie mir ersetzen! Aber Sie können sie ja gar nicht er- setzen—" „Wieso denn nicht?" sagt Friedrich Papendieck, ganz Würde und Güte und mit dem Rest von Lenes Mütterlichem hinter sich.„Ich kann alles ersetzen, liebe Frau Maschke, alles!" Dann jedoch besinnt er sich, daß ihm die zisternde, verschluchzte Frau, deren trauriger Buckel bei jedem Worte bebt, noch gar nicht gesagt hat, was er mit ihren Hühnern eigentlich zu tun hat. Gerade will er dos zum Ausdruck brin- gen— da schreit Anna Maschfe hysterisch aus:„Da ist er ja. das Luder, das Mordvieh das", und sie bückt sich und wirft einen Stein nach Rolfs Hinterteil, und Rolf rast aufjautend in seine Hütte. Das ist zu viel für Friedrich Papendieck. Alles hätte er erttagen, aber das nicht.„Erlauben Sie mal! Sie wollen doch nickt sagen, daß mein Rüde—" ..Rüde, jawohl, rüde, das ist er, da haben Sie recht! Zehn Hühner, meine ganzen zehn Hühner hat das Mistviech „Frau Maschke!" Papendieck ist jetzt fast so rot wie Anna. „Mein Hund ist kein Mistviech! Wenn Sie so einen Stamm- bäum bätten wie dieser schottische Schäferhund—" „Danke dafür!" schrett die Maschke.„Ich freste andern Leuten keine Hühner weg!" „Hühner? Rolf? Rolf und Hühner?" Papendieck ist per- plex. Er sinkt auf einen Hackeklotz.„Gefressen?" Er schüttelt sehr langsam den Kopf, mit schmerzlichem Lächeln.„Das enttäuscht mich tief von Ihnen, Frau Maschke. Mein Rüde ist hühnerfromm. Gott sei Dank." Anna lacht gellend aus.„Hühnerfromm, oho. hühnerfromm, jawoll! Also hühnerfromm nennt man das!" lind während des Lachens hat sie sich gesammelt.„Und ick) sage Ihnen, daß Ihre Töle heute nacht in meinen Hühnerstall ge- laufen ist und alle meine Hühner gewürgt hat, meine schönen Hühner, und daß Sie mir das ersetzen müssen oder ich gehe vors Gericht, vors Gericht gehe ich, das sage ich Ihnen!" Jetzt ist auch Papendieck gewaffnet.„So. Dann ver- gegen Sie. man nicht, die Tür zu Ihrem Hühnerstall zuzu- machen, ehe Sie aufs Gericht gehen! Nämlich, nämlich mein Hund ist kein Schlosser, verstehn Sie? Wenn Ihr Mann nicht immer Füsematenten mit seinem Motorrad im Kopfe hätte und lieber seine Türen verschließen täte—" „Was niein Mann macht, geht Sie en Dreck an! Meine Hühner will ich ersetzt haben, weiter nichts!" „Wenn Sie mir nachweisen, daß mein Hund durch die verschlossene Tür gesprungen ist— sofort." Inzwischen ist Lene hinzugekommen. Es hat sie keiner von beiden bemerkt. Nun aber will sie Frieden stiften.„Sieh mal, Vater, Herr Maschke ist vielleicht wieder in der Stadt gewesen—" Sie hat das nicht böse gemeint. Gar nicht. Aber sie hat in Anna Maschke eine Wunde aufgerissen, die durch den ganzen armen Körper hindurchgeht, mitten hindurch. Darum hebt Anna Maschke die Fäuste, und ihr Buckel hebt sich mit, das ist ihr egal— darum stolpert sie auf Lene zu und schreit: „Aha, ja, Sie. Sie— Sie gehören auch zu den Frauen- zimmern, die ihn verführen, meinen Paul, und dann wollen Sie einer armen Frau nicht einmal die Hühner ersetzen, aber ihr den Mann nehmen, das könnt ihr, ihr denkt vielleicht, weil ihr groß und gesund seid, aber ich spucke, spucke, spucke auf euch, und mein Mann auch, wenn er euch gehabt hat, wir spucken— unsere Hühner wollen wir baben, aar nichts weiter, und wenn mein Mann Geschäfte hat in der Stadt, dann ver- kauft er meine Schürzen und dann geht das keinen was an» und das andere ist alles ganz infame Lüge— und Frau Korn, jawoll, Frau Korn hat auch gesagt, daß Sie ein oller Däm- lack sind und nichts verstehen von der Landwirtschaft, nicht die Bohne, und daß Ihr sauberes Fräulein Tochter sich schminkt wie ne Berliner—"(Fortsetzung folgt.) Das arme Berlin. Und das Land mit zwei bis drei Pfund Fleisch zu Mittag. Die„Rote Fahne" bringt jetzt tagtäglich Briefe von Deutschen aus Rußland, die mitunter ganz märchenhafte Erzählungen enthalten. In dem letztverössentlichten Schreiben einer Frau Gertrud Werner aus Nadifchilinfk ist zu lesen: .. Wirklich liebe Frau H., hier leide» wir keine Not. Wir Deutschen können uns kaufen, was und soviel wir wollen. Es gibt hier genug an Wäsche und Stoffen zu taufen und ich habe inich auch bereits genügend eingedeckt, was ich in Berlin nicht konnte. Wir haben hier wirklich ein sorgenfreies Leben. Vor einigen Tagen haben wir Gänse bekommen, aber K l ik s s e, Fleisch loche ich jeden Tag zu Mittag 2 bis 3 Pfund. In Berlin muhte ich mit jedem Pfennig rechnen, was ich hier nicht brauche... Für wie viele Effer die gute Frau ihre 2 bis 3 Pfund Fleisch jeden Tag kocht, das geht aus dem Brief nicht hervor. Dafür erfahren wir aber, dah Max chölz jeden Mittag bei ihr zu Tisch gewesen ist. Eine Arbeiterfrau scheint Gertrud Werner nicht zu sein, denn sie hat eine sehr schöne' Dreizimmerwohnung, „alles elektrisch und Zentralheizung" und allen: was sonst sein kann. „Ost machen wir Frauen hier eine Schlitten partie oder wir gehen mit zur Jagd oder gehen des Abends ins Kino oder. in den Zirkus, kurz, Zeitvertreib gibt es genug..." Nu», wir haben noch nie daran gezweifelt, daß es auch in Sowjetrußland Menschen gibt, die wirklich ein sorgenfreies Leben führen. Doch scheint uns, es gibt auch dort sehr sehr viele andere, die weniger begeistert sind, mit denen der Bolschewismus eine derart geschmackvolle Reklame in Deutschland nicht für sich machen kann. Schuß im Klaffenzimmer. Gymnasiast spielt mit Waffe und verletzt sich selber. Nordhausen. 10. März. Em aufjchcucrrcgcndcr Vorfall hat sich im hiesigen S l a a l- lichen Gymnasium zugetragen. Der Njährigc Schüler tians P. hatte einen Revolver mit in die Schule gebracht. Mährend des Unterrichts ging ein Schuß los, der p. selbst am Lein verletzte. Er wurde ins Krankenhaus und später in die elterliche Wohnung gebracht. P. sollte, wie verlautet, zu Ostern nicht versetzt werden; kürzlich soll er Drohungen gegen seinen Klassenlehrer ausgestoßen haben. Ob er etwa ein Attentat gegen den Lehrer oder einen Selbstmord plante, oder ob ein Unglücksfall vorliegt, steht noch nicht fest. Der Direktor des Gymnasiums läßt erklären, daß dem Vorgang keinerlei böse Absicht zugrunde gelegen habe. Die„Masse" sei ein kleines Taschentesching von 4 bis 5 Millimeter Kaliber. Der Schüler habe unvorsichtigenveise in der Tasche den chahn der Pistole gespannt und, da eine Sicherung an der Masse nicht vorhanden sei, habe sie sich bei einer Bewegung entladen. Die Polizei gibt auf Anfrage eine ähnliche Erklärung des Sachverhalts. Die Verletzung des Schülers hat sich als ungesährlich erwiesen. Immerhin wird nicht geleugnet werden können, daß auch ein °>-Millimeter-Geschoß gefährliche Wirlungen haben kann, und es ist bestimmt nicht mehr harmlos, wenn schon 17jährige Gymnastasten Schußwaffen mit zur Schule nehmen. Biedermanys polizei�otler. Er schimpfk und bleibt'strassos, Es war am 8. September vorigen Jahres. Auf dem Rollen- dcriplatz johlte der Nazi-Mob gegen den Renwrque-Film. Die Polizei säuberte den Platz von den Radauhorden. Die Jünglinge des„Dritten bleiches" flüchteten unter anderni auch in das Restau- rant Rotes Haus. Auf dem Podest des Roten Hauses stand ein Major a. D., herbeigelockt von dem Gejohle, ohne Hut und Ucber- zicher, und machte seiner nationalen Empörung Lust.„Das ist ja eine Schweinerei, die Polizei hat nicht das Recht, in den Rauin einzubringen. Pfui der Polizei dieses Systems." Ein Polizeimajvr, etwa 40 bis 50 Meter entfernt vom ilfa-Pavillon, sah und hörte deutlich den Major a. D. Zwei Schupobeamte hörten in etwa zehn Meter Entjernung die Worte„Schweinerei, Sauwirtschaft". Die Polizei ließ dem Major a. D. einen Straf- lxfehl in Höhe von 100 Mark wegen öffentlicher Beleidigung zu- gehen. Der Amtsgerichtsrat hatte'Zweifel, den Strafbefehl zu bs- ftätigen, und gab die Angelegenheit dem Schöffengericht weiter. Run hatte sich der Major a. D. Biedermann aar dem Schöffen- gericht Schöneberg zu oerantworten. Er bestrttt, die be- leidigenden Ausdrücke gebraucht zu haben. In seiner„gerechten Empörung über das Vorgehen der Polizei habe er sich mit seinem Nachbarn nur eine Kritik erlaubt". Die Polizeibeamten wiederholten ihre Aussagen. Ein Zeuge des Angeklagten wollte jedoch nichts Beleidigendes gehört haben. Angesichts der sich widersprechenden Aussagen gelangte das Gericht zu einem Freispruch. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem: Es fei nicht erwiesen, daß der Major a. D. Biedern, ann die ihm zur Last gelegten Ausdrücke gebraucht habe. Er Hab? sich höchstens ein« „bcrecistigte Kritik" gestattet über Maßnahmen der Polizei, die ihm unzweckmäßig erschienen. Bananenplaniage in Dahlem. Botanischer Garten rüstet für den Frühling. Im Botanischen Garten in Dahlem, der in seiner Aielseittgleit und Ausdehnung eine der bedeutendsten Anlagen der West ist, werden zurzeit in den Gewächshäusern große Umpflan- zungcn und Verbesserungen vorgenommen. Besonders das sehr be- liebte Bananenhaus, dessen Stauden alljährlich reise Früchte tragen, erfährt große gärtnerische Umarbeiten, damit die Pflanzen besser gedeihen können. In den Gewächshäusern blühen zur Zeit Kamelien, Azaleen, Rhododendron sowie verschieden« Orchideen, während draußen im Freigelände Schneeglöckchen und schon einige Leberblümchen in Blüte stehen. Sobald der Frost nachgelösten hat, werden im Frei. gelände die geographischen Anlagen neu hergerichtet. In diesem Jahre soll ein großes Lotusbecken im Freigelände er- richtet werdsn: die Ausführung weiterer Pläne muß dagegen aus finanziellen Gründen noch zurückgestellt werdsn. »Völkerbund und voltbsbewezung. Professor Dr. H Oetzsch spricht zu diesem Thema im Rahmen der Distirssionsabend« der Deutschen Liga für Völkerbund am Donnerstag, dem 12. März, abends 8 Uhr 30 in den Räumen Potsdamer Straße 103», II. Seine goldene Hochzeit begeht am 12. März em alter Abonnent de»»Vorwärts", der Tischler Otto B o t t m a n n mit seiner Frau. Aackin SO. Manteusfelstraße 14. So geht die Jugend zugrunde! Staatsanwalt protestiert gegen Hartherzigkeit und Roheit. vor dem Schnellrichter gelangten zwei Fälle zur Verhandlung. die den Staatsanwalt veranlaßten, statt gegen die An- geklagten, gegen die gleichgülkigc Oefseutlichkeii Stellung zu nehmen. In beiden Fällen handelkc es sich um Skraf. taten, die niemals begangen worden wären, wenn sich die nächsten Anverwandten nicht hartherzig und einige zufällig Beteiligte nicht ganz roh benommeck hätten. Besonders erschütternd zwr die Erzählung des wegen Sach- beichädigung angeklagten Waller H. Er ist von Berus Goldschmied, stammt von bürgerlichen Eltern ab und hat eine sorgfältige Erziehung genossen. Wegen einer Jugendtorheit mußte er das Elternhaus verlassen: von da ab geht es mit ihm - bergab. Anfangs filmet er Arbeit. Seit einem Jahr aber ist er auf öffentliche Unterstützungen uitd die Mildtätigkeit der Menschen . angewiesen. Vor einigen Tagen suchte er ein Siedlungshaus auf, um sich dort ein Stück Brot zu erbetteln. Da er drei Tage lang nichts gegessen hatte, setzte er sich aus die Stiege und wartete, bis jemand kommen würde. Tatsächlich erschien der Hausmeister, den der Anblick des totblassen 5). so mitleidig stimmte, daß er ihm genau angab, an welche Tür er klopfen solle uird wo er auf Entgegenkommen rechnen könne. H. befolgte diesen Rat. Hinter der angegebenen Tür, in der ein kleines Glasfenster angebracht war, erschien die Hausgehilfin. Ms er sein« Bitte vorbracht«, sing sie an zu lachen, holt« dann noch ein« Frau und beide Frauen machten sich über den völlig erschöpften Mann lustig. Daraus hob er die Faust und zertrümmert« verzweifelt die Scheibe. Man verständigte das Ueberfallkomnrando und er wurde verhaftet. Ebenso tragisch liegt d:r z w c i t e F a l l. Der 22iährige Willi G- lebte bis vor kurzem bei seinen Eltern, da er keine Arbeit finden konnte. Zu Hause herrschten unerquickliche Zustände, es ging allen von Tag zu Tag schlechter»nd so crklärie ihm plötzlich sein Vater:„Du bist alt genug, um dich selbst zu eich alten. Mach, daß du sofort wegkommst." G. trieb sich einige Wochen in Berlin herum, schlief, wo es sich traf und aß, was er gerade bekan,. Als es aber ln den letzten Tagen furchtbar lall wurde und an eine Uebernachwng im Freien nicht mehr zu denken war, war es mit semer Kraft zu Ende. Er fiel auf der Straße zusammen: aber kein Mensch kümmerte sich um ihn uird so faßte er den verzweifelten Entschluß, sich um jeden Preis das Geld für ein Nachtasyl zu verschaffen. Wie sinnlos sein Vor- haben war, ergab sich daraus, daß er unverzüglich in ein Waren- haus ging und dort von den nächstliegenden Tischen das nahm, was ihm in die Hände siel. Es war nicht viel: Zwei Paar Strümpfe und ein« Flasche Kölnisch Wasser. Daß er diese Gegenstände nirgends verkaufen könnte, daran dachte er überhaupi nicht. Aber so weit kam es gar nicht. Der Diebstahl wurde vom Abteilungsleiter bemerkt: dieser folgte dem ungesthickten Dieb und stellte ihn zur Rode. G. war so geschwächt vor Hunger, daß er nicht einmal den versuch unternahm, seine Tat abzuleugnen oder zu beschönigen. Wortlas gab er die Sachen zurück und ließ sich abführen. In seinem Plädoyer erklärte der Staatsanwalt:„Es fällt mir schwer, in einem solchen Falle die Anklage zu vertreten. Ich kann nur die Rabcneltern anprangern, die es über chr Herz bringen, ein Kind auf die Straße zu hetzen. Noch trauriger ist es aber, wenn Leute, die nicht misten, was Hunger ist, sich so roh uiii» gemein benehmen, wie in dem Falle H. Das Gericht begnügte sich bei G. mit der minimalen Straf« von 4 Tagen 5)ast. Dagegen wurde das Verfahren gegen H. eingestellt. Die ungewohnte menschlich-warme Art des Staatsanwalts verdient Beachtung und Anerkennung. Der Einzelrichter konnte dieser»orgejeichneten Spur folgen. Es handelte sich nur um Bagniellen, dem, niemani hatte ernstlich Schaden erlitten. Ruth im Glück. Ein bedenklicher dummer Streich endet mit Freispruch. Die achtzehnjährige Hausaiigeifelltc Ruch F. stand am Dienstag zum zweiten Mate vor dem Schöfsengerichk Charlottenburg. Ihr phantastischer Auszug aus der Wohnung ihrer Herrschaft, des russischen Grundstücksmaklers B. in der Präger Straße mit Iuwele« und Kleidern im werte von 120000 Mark am II. Dezember v. Z. ist noch in Erinnerung. Sie hatte damals den Koffer mit den entwendeten Sachen auf denr Bghnhof Alexanderplatz in Verwahrung gegoben, ein« Fahr- karte nach Breslau gelöst, wo sie zu Hause war und zunächst einen Abstecher nach Liegnitz gemacht, um dort ihren Freund,, einen jungen MÄchswehrsoidat autzchuchew. In Lieg Nitz, wurde.. steoerhazHer In der ersten Verhandlung im Februar bestritt sie irgendwelche Diebes- abfichien: sie habe mit ihrem Hausherrn B. in mtimen Beziehungen gestanden, war auf ihn eifersüchtig geworden,' habe ihm einen Schabernack spielen wollen und sei deshalb mit den Sachen losgezogen. Herr B. stellte irgendwelche Beziehungen zu der Achtzehn- jährigen unter Eid in Abrede. Die Sache schien reichlich unklar. Manches schien gegen die Wahrhaftigkeit der Zeugenaussage zu sprechen, insbesondere die Briefe der Angeklagten an ihren Freund, den Reichswehrsoldaten in Lietrnitz.„Deine Karte," hieß es in einem dieser Briefe,„ist mir wie ein Engel gekommen, denn sonst hätte ich ein« große Dummheit getan. Ich wäre vielleicht aus denr Leben gegangen. Ich möchte gern zu Weihnachten nach Hause... Die Frau wird verreisen, dann sind wir mit Ist(der Hausherr) allein und ich soll seine Geliebte sein. Ich habe solche Angst. Wenn ich nur wog könnte... Ich hasse ihn, ich kann aber nicht weg. Das Gericht beschloß seinerzeit, die Verhandlung zu vertagen und die Achtzehnjährige auf'ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. In der Verhandlung am Dienstag blieb die Angeklagte b»i chrcr ursprünglichen Behauptung. Sie schilderte mit vielen Einzel- Die Abendveranstaltung vom Deutschlandsender wurde aus Leipzig übernommen. Eine Hörfolge von Arno Schirokauer unter dem Titel„Das Meer der Entscheidungen". In der Einführung wurde gesagt, sie solle nicht der Unterhaltung, son- dern der Belehrung dienen. Doch so streng war es kaum gemeint. Es wurde auch Unterhaltung, im wesentlichen aber anschaulich ge- machte Kulturgeschichte der Mittelmeer staatrn. Gute Absicht, teilweise gutes Gelingen. Ein bißchen zuviel vom Derfasser gegeben, ein bißchen zuviel von der Regie dazu getan. Durch mehrstimmiges Sprechen entstand keine Steigerung, inndern Abschwöchung wesentlicher Stellen. Das Wort wurde ausgelöst, statt scharf pointiert. Uebrigens beherrscht« nur ein Teil der Sprecher ihre Rollen.— Von„Besuchen bei arbeitenden Frauen" berichtete Georg Wilhelm. Ohne zu wissen, daß der Bericht für die Oeffentlichkett bestimmt war, hatten sie ihm von ihrem Leben erzählt. So erhielt man ungeschminkte Bilder vom Lebenskampf dieser Werk- tätigen, die neben ihrer Berufsarbeit täglich ihren Hausfrauen- pflichten nachgehe» müssen und die trotzdem oit noch Zeit finden zur aktiven Teilnahme am politischen Leben. Ihre Arbeit ist meist monoton, fast immer sehr schlecht bezahlt. Wohl keine dieser Frauen würde mitverdienen, wenn das Einkommen des Mannes ausreichte, den Lebensbeidarf zu bestreiten. Ohne das Gefühl der Zugehörigkeit zu der großen Masse der Werktätigen wäre das Dasein für die meisten dieser Frauen unerträglich schwer. Die gewerkschatt- liche Organisation bietet ihnen aber mehr als nur einig« Sicherheit zur Entlohnung und Befestigung: sie führt sie zusammen mit Gleichgesinnten, mit Menschen, mit ähnlich Lebenden und ähnlich Strebenden wie tte selber. Deshalb ist gerabe auch für die«rwsrbs- tätige weibliche Jugend die gewerkschaftliche Organisation so wichtig. — lieber„Blindenturnen" sprach Hermann Jlgner. Er be- tonte, daß gerade für die Blinden, die ja meist Berufe ausüben. durch die sie zu sitzender Lebensweise gezwungen Verden, sportlich« Betättqnnq unerläßlich sei.— Unter dem Titel.Arbeit«. beschaffung und gewerbsmäßige S te l l e n v e r m i t t- luna" gab Regierung srat Dr. Walter Gase eine» Einblick in den bisherigen Wirkungskreis der gewerbsmäßigen Sielleiwermitilung. Dies« ist in den letzten Jahren beständig zurückgegangen: ihre Ber- mittlung erstreckte sich insgesamt nur auf etwa 10 Prvz. aller Arbeit- fachenden. Tes. heiten, wie Herr B. chr nachgestellt habe und wie zwischen ihm, und seiner Frau ihretwegen scharfe Auseinandersetzungen stattgefunden hätten. Als er am 1l. Dezember von einer anderen Frau telephonisch zu einem Rendezvous bestellt worden fei, habe sie aus Eifer- sucht beschlossen, mtt den Sachen loszuziehen. 15 Minuten noch dem Telephongespräch sei sie bereits weg gewesen. Tie Zeugen schienen die Angeklagt« Lügen zu strafen. Herr B. behauptete auch diesmal unter feinen, Eid, daß alles unwahr sei. Hatte also die Achtzehnjährige wirklich all die vielen Einzecheiton aus den Fingern gesogen? Hatte man es hier mit einer hysterischen Lügnerin zu tun, die aus sexueller Großmannssucht Märchen auf- tischte? Für eine sexuelle Auischneiher�i sprach viel«?. Die Lust zu fabulieren, mag sie von ihrer Mutter haben, dem, diese erzählte, als ihre Tochter erst 16 Jahre alt war. einmal einer Bekannten von einem Fllmdirektor, der ihr Töchterlein ehelichen wolle. Und Ruths frühere Herrschaft hatte die Mutter gesagt, ihr Töchterchen habe immer von den Kleidern der Frau B. geschwärmt: bis jetzt sei sie nur ein rleines Flittchen gewesen, nun werde sie einegroße Kokotte werden. Das Verdächtigste aber war, daß Ruch zehn Stunden vor ihrer Flucht aus dem Haus« der Herrschast an die Eltern«inen Brief geschrieben hatte, in der«s hieß, daß ihr Kartm, bereits abgeschickt und der Koffer unterwegs fei. Dr. Leppmann schilderte die Achtzehnjährige als über- spannte? Wesen mit hysterischem Einschlag, das chre Erlebnis- schilderungen auszuschmücken liebe. Einen krankhaften Geisteszustand zur Zeit der Tat könne er bei ihr nicht finden. Das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Schmitz war anderer Ansicht. Im Gegensatz zum Staatsanwall, der sechs Monate Gefängnis be- antragt«, sprach es die Angeklagte frei. Zwar bestehe der Verdacht, so heißt es ln der Begründung, daß sie in Aneiznungs- absichien die Sachen an sich genommen habe, die von ihr geschriebenen Briefe und manches andere ließen aber Zweifel an ihrem Geisteszustand aufkommen. An intime Beziehungen zu Herrn B. glaube das Gericht nicht. Ztaufrnbeffoll auf einen Greis. (Seiner sämtlichen Ersparnisse beraubt. In, Hause Brunnen st raße 38 im Norden Berlins be- wohnt der 73 Jahre alte Rentenempfänger Hermann Kabel im 3. Stock des Quergebüudes eine aus Stube und Küche bestehende Behausung sür sich allein. Nach und nach hatte sich der alte Mann etwas Geld zusammengespart, das er in einem Kommodenfach ver- wahrt«. In der vergangenen Nacht gegen 2)4 Uhr erwachte lsabel davon, daß in seiner Küche sremde Leute umhergingen. Er stand aus dem Bett auf und öjsnete gerade die Stubentür, als einer der Einbrecher sie heftig zurückschlug und so den Greis schwer am Kopse traf. Drei Diebe hatten sich unbemerkt eingeschlichen. Zwei fielen über den Rentenempfänger her, siießrn ihn auf das Bett und schlugen rücksichtlos auf ihn ein. Der dritte kramte alle Behältnisse durch und fand auch in der Konimode die 700 Mark erspartes Geld. Den hilflosen alten Mann ließen sie dann liegen und machten sich mit der Beute davon. Kabel war so mitgenommen, daß er nicht gleich um Hilse rusen oder die Verfolgung ausnehmen konnte. Andere Hausbewohner hatte» zwar das Gepolter ,n feiner Wohnung gehört, sich aber nichts Arges dabei gedacht. Erst am Morgen konnte Kabel Anzeige bei der Polizei erstatten. Er hat erhebliche Verletzungen an, Kopse und im Gesicht davongetragen und muhte auf Anraten eines Arztes nach den, Krankenhaus gebracht werden. Donnerstag keine Gtadiverorünetenfitzung. Am kommenden Dockner«tag wird der gestern verstorbene Stadtverordnete Iustizrat Dr. H ü d, ck« zu Grabe getragen. Aus Wunsch der deutschnattonalen Stadtvervrdnetenfraktlon hat der Htadtoerordnetenvorsteher Genosse Haß aus diesem Anlaß die sür Donnerstag vorgesehene Stadtverordnetenversammlung abgcfetz». Das Stadtparlament wird in dieser Woche nicht mehr, dafür in der nächsten Woche aber zweimal, am Dienstag und Donnerstag zu- sammentreten. Konferenz der politischen Zunwonärinnen Donnerstag, den 12. März 1931, 20(8) Uhr in den Mufikerfeslsölen. Berlin C. 25, Kaiser- Wilhelm- Slr. 29—31. Tagesordnung: 1. Aufstellung der Vorschläge zum Frauenausschuß. ?. Frauenvorschläge für die weiblichen Kandidaten des Reichspartei- tages.< 3. Bericht und Au�prache über Agitation und Organisation 4. Verschiedenes. Zutritt zu dieser Konferenz haben: 1. Die ersten und zweiten Kreisleiterinnen für Agitation. 2- Die ersten und zweiten Abteilungsleiterinnen für Agitation. 3. Je eine Delegierte aus jeder Abteilung. 4. Die weiblichen Mitglieder der Abteilüngs- und Kreisvorstände(darunter sind zu verstehen bei den Abteilüngs- vorständen die weiblichen Schriftführer, Kassierer, Vertreter der TAI., und bei den Kreisvorständen die weiblichen Beisitzer, Schrift- sichrer, Kassierer. 5. Di« wtiblichen Bezirks- und Stadtverordneten, Land- und Reichstagsobgeordceten Berlins. ♦ Zutritt ist nur gegen H«rzeiguitg des Mitgliedsbuches, der grünen Funktionärkarte(die den Funktionärinnen ausgehändigte Funttionärkarte für das Jahr 1930 gilt bis zum 1. April 1931) und des Mandats gestattet. Die delegierten Genossinnen haben zu dieser Konferenz gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches und des Mandats Zutritt. Die Türtontrolle hak der 1. Kreis-Witte. Das Frauenftkretanat. Das ZNärzprogramm des Sorfo-Kabarett» bringt eine unter- haltende Revue„Nebenbei bemerkt", in der sich Max Ehr- lich nall) Herzenslust austoben kann.. Er schmeißt den ganzen Laden und findet wirksame Unterstützung in Grete Weiser, Willi Schaeffers und Theo Lingen. Den Text schrieben Hellmuth Krüger und Karl Schnog. Im übrigen Teil vorzüglich Irene de Noiret. Der Chansonnier Schneider-Dunter, Kurt Karsten und Elli GliUner fanden den Beifall des Publikums. Die Confärenc« war bei Hell- muth Krüger in besten Händen. Vorsicht bei Ankauf einer Strickmaschine! Die Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie schreibt uns: Die in letzter Zeit viel angebotenen R u n d st r i ck m a s ch i n e n für den Haus- betrieb bringen erfahrungsgemäß nicht den Verdienst, der an- gegeben wird. Vor Ankauf einer solchen Maschine ist es ratsam, sich in allen Fragen durch die Strickereiabtcilung an der Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie, O 17, Warschauer Platz 6/8, beraten zu lassen. Auskünfte und Ratschläge werden kostenlos Dienstags von 18 bis 21 Uhr und Mittwochs und Donnerstags von 9 bis 14 Uhr gegeben. Ein neuer Strickerei- Lehrkursus beginnt am 8. April d. I. Anmeldungen werden jetzt schon entgegengenommen. Soziallstische Arbeiterjugend Groß-Berlin Owtoihrngm(Qr»lest JtaMT mr an SuacntfttrtMtl«! Zttna 65B 68. ttoSoiftMfc 3* heule, Mittwoch 19% Uhr. »e»tichoft»b>>»».«öllnischer Park, Zentrum: Urbrn Nöpcnickrr Str. WS.— Srsundbrunnr» H: ttTiriftianioftr. 38;„Vroaramm der NSDAP."— Gesund- brunnen, 9t. F.: Gottndutqcc Str. 2;„Was ist Sozialismus?"— Balkan: Besuch des Zablabend» bei Schulz, Hosetnunnstrabe.— Andrearnlatz: Brnumiv- strabe 1:.Lampf dem Schulfaschisu:us"'— Franksurter Viertel: ssrankfurtcr Aller 337:..Aliohal und Nikotin".— Petcrsburncr Viertel: Cbcrtnftr. 12: ...Kameradschaft, Freundschaft, Liebe".— Warschauer Viertel: Litauer Str. 13: Die Arbeitsaemein�ckiasr fallt aus.— Wannse«: Ctiarlottenstrastc:„Was macht der Reichs'aa?"— Wilmer-dors: Alle uickst vcrlauflcn»arten fiir die Ber. anstaltuua am 23. März nUtfscn beute unbedingt aboercäinct werden im Heim, Keller 1.— Tempelhos: Giibstrobe:„lsaschismus als internationale Erschetuuna". — Madlsdars: Melanchtboustrastc:„Die Parteien und ibre Zcitunacn". Werde bezirk Neukölln: SprechstuMen von 17� bis 10"; Ubr Sangbofcrstragc, Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gelchättsstetle;»erlin S l«. SebastianNr»7-38 Sok Z. Dr. Mittwoch. 11. März. Stcftlid ltzunftba): Der Seimabenb fällt aus. Dasttr Lichtbilbcrabend bei Cchellhaasc, Stealib. Schildhornstr. 15-. Lichtenbera iOntsvercin): IS tlbr Einäfckicruna unseres verunalticktcn Kameraden 'Zlrtur Sacier in Baumschulenwea. Bcteiliauna aller dienstfreien und crmerbs- losc» Kameraden ist Pflicht. Treffpunkt lö'-j tlhr am»abubof Baumschulen. wen.— Um 19 Ubr aeben zum Saalschub der SPD. die Kamcradsckiofteu Nummelsbura. Borboaen, Euswv Tenivel und Travcplab. Treffpunkt tu ibrcn Lokalen, Gustav Tempel au bekannter Ecke. Buudesklcidung. Erlcheine» Pflicht; — Donuerotaa, 12. Mär». Treptow(Otlsoortitt), Iunabanncr: 20 Ubr Orts- vereinsiuaendstbUlla Im Lokal des Kam. Man», Treptow,«iefhol,str. 20. Erscheinen Pflicht.— ssreitaa, 13. Rär». Friedrichs baill(Kameradschaft Meinel>: 20 Mir Kameradschaftsversammsuna Mcmcler Str. 13. Erscheine» Pflicht. Schäuebera-jsriedenau(Kameradschast Insel): 20 Ubr Eeneralvcrsammlmia. Referent Polizcihonptuianu W. Encke. Lichtenbera: Un> 20 Mir baden in ihren Lokalen Vcrsammluiui: Kameradschaft Rummclsbura, Travcplab. Gustaq Tempel und Boxbaaen. Erscheinen Pflicht.— Wassersportabteiluna, Zuq Ober- sprce: Alle Kameraden mit ihren Damen sind aus dem Japanischen Laterne». seit des Zuaes Havel am Sonnabend. 14. Mär»,'20M Uhr, in unserem Boots» Imus herzlich willkommen._ .Sturmnoacl". vrtsaruppc Tieraa rtrn Ebarlettcnbnrll. Mitwvch, 11. März, 20 Uhr, Verfammluna im Restaurant ,„3um Winterfeldt", GIcdrtfchstr. 4Z. Gäste willkommen. > onciellov Enalish Dcbating Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärzlehaus. Bülow- s trabe 104. Guttmannsaal: Dr. James Murphy, Dublin:.,An Irishmans Outlocst on Germany." «S�KREOTER inOIRnER Rein Ubersee* Zigarre und dach nur 1D£ darum dürfen nicht ntethoden Verwendung finden. die vnr 100 lahren modern waren. Es ist für den Raucher ganz gleichgültig, ob der Fabrikant au! seine Kosten kommt. Oer Käufer verlangt sein Recht an der Vetbilligung der Produktion. Wir führen unser Qeld.unsere Maschinen und unsere Organisation der Volkswirtschaft zu und beschäftigen bereits 1500 Tlrbeiter. Wir verarbeiten nur reine Ubersee Tabake und verlangen trotzdem nur 10 und 15 Pfg. für unsere einzig dastehenden Zigarren. Unsere Fabrik ist Deutschlands modernste Zigarrenfabrik. Dieser Vorteil und unsere günstigen Tabaketnkäule ermöglichen unsere aufsehenerregende Leistung. Zigarre• Huserwählle Ubersee-Tabake Qtes das Rezent: 5596 Havanna 1596 Brasil 2096 Java 10% Sumatra Sumatra-Umblatf Suraatra-Oeckblatf V g>ef er Lanier: JßoUctlßtl „Es ist ein fremder Hauch auf mir? Was soll das heißen— es ist ein fremder Hauch auf mir? Auf mir ist kein fremder Hauch. Gib mal'n Kuß auf Lottchen. In den ganzen vier Wochen, wo du in der Schweiz gewesen bist, hat mir keiner einen Kuß gegeben. Hier war nichts. Nein— hier war wirtlich nichts! Was hast du gleich gemerkt? Du hast gar nichts gleich gemerkt... och, Daddy! Ich bin dir so treu wie du mir. Nein— das heißt... also, ich bin dir wirklich treu! Du verliebst dich ja schon in jeden Refrain, wenn ein Frauenname drin vorkommt... ich bin dir treu... Gott sei Dank! Hier war nichts! ... Nur ein paarnial im Theater. Nein, billige Plätze— na, das«ine Mal in der Loge... Woher weißt du denn das? Was? Wie? Wer hat dir das erzählt? Na ja... das waren Plätze... durch Beziehungen... Natürlich war ich da mit einem Mann. Na, soll ich vielleicht mit einer Krankenschwester ins Theater... lieber Daddy, das war ganz Ijarmlos— vollkommen harmlos,... mach doch hier nicht m Kamorra oder Mafia oder was sie da in Korsika machen. In Sizilien— meinetwegen in Sizilien. Jedenfalls war das harmlos. Was haben sie dir denn erzählt? Was? 5)i«r war nichts. Das war... das ist... du kennst den Mann nicht. Na, das werd' ich doch nicht machen— wenn ich schon mit einem andern Mann ins Theater gehe, dann geh' ich doch nickst mit einem Mann, den du kennst. Bitte: ich Hab' dich noch nie konrpromittiert— Männer sind bo� so duselig, die nehme» einen: das Übel, wenn man schon was macht, daß es dann ein Berufskollege ist. Und wenn's kein Berufskollege ist, dann heißt es gleich: Fräulein Julie — man hat's wirklich nicht leicht! Also du kennst den Mann nicht! Du kennst ihn nicht. Ja— er kennt dich. Na, sei dock) froh, daß dich so viele Leute kennen— biste doch berühmt. Das war jeden- falls ganz harmlps. Total. Nachher waren wir noch essen. Aber sonst war nichts. Nichts. Nichts war. Der Mann... der Mann sitzt eben— ich Hab' ihn auch im Auto mitgenommen, weil er so nett neben einem im Auto sitzt, eine glänzende Bcglcitdoggc— so, hat das di« Reocntlow auch gesagt? Na, ich nenne das auch so. Aber nur als Begleitdogge. Der Mann sah glänzeird aus. Sech, das'st wahr. Einen wunderbaren Mund, so einen harten Mund— gib mal'n Kuß auf Lottchen, er war dumm. Es war nichts. Direkt dumm war er cigenllich nicht. Das ist ja... ich habe mich gar nicht in ihn verliebt; du weißt ganz genau, daß ich mich- bloß verliebe, wenn du dabei bist— damit du auch«in« Freude hast! Ein netter Mann— aber ich will ja die Kerls gar nicht imehr. Ich nicht. Ich will das überhaupt alles nicht mehr. Daddy. so nett hat er ja gar nicht ausgesehen. Außerdem küßt er gut. Na so — es war jedenfalls weiter nichts. Sag mal— was glaubst du eigentlich von mit? Glaubst du vielleicht von mir, was ich von dir glaub«? Du— das verbitt' ich mir! Ich bin treu. Daddy, der Mann... das war doch nur so eine Art Laune... Na ja, erst läßt du einen hier allein, und dann schreibst du nicht richtig und telephoniert hast du auch bloß einmal— und wenn eine Frau allein ist, dann ist sie viel alleincr als ihr Männer. Ich brauche gewiß keinen Mann... ich nicht. Den Hab' ich auch nicht gebraucht— das soll er sich bloß nicht ein- bilden! Ich dachte nur: I, dachte ich,— wie ich ihn so sah... Ich habe schon das erstemal gewußt, wie ich ihn sah— aber es war ja nichts. Nach dem Theater. Denn noch zwei Wochen lang. Nein. Ja. Nur Rosen und zweimal Konfekt und den kleinen Löwen aus Speckstein. Nein. Ich ihm meinen Hausschlüsiel? Bist wohl..! Ich Hab' ihm meinen Hausschlüssel doch nicht gegeben! Ich werde doch einem fremden Mann meinen Hausschlüssel nicht geben..! Daddy, ich habe für den Mann gar nichts empfunden— und er für mich auch nicht— das weißt du doch Weil er eben solch einen harten Mund hatte— und ganz schmale Lippen Well er früher Seemann war. Was? Auf dem Wannsee? Der Mann ist zur See gefahren— quf einem riesigen Schiff, ich habe den Namen vergessen, und er kann alle Kommandos, und er hat einen harten Mund. Ganz schmale Lippen. Mensch, der zählt ja nicht. Küßt aber gut. Daddy. wenn ich mich nicht so runter gefühlt hätte, dann wäre das ja auch gar nicht passiert... Es ist ja auch eigentlich nichts passiert— das zählt doch nicht. Was? In der Stadt. Nein — nicht bei ihm— wir haben zusammen in der Stadt gesessen. Er hat bezahlt— na, hast du das gesch'n! Soll ich vielleicht meine Bekanntschaften finanzieren... na, dos, ist doch! Es war über- Haupt nichts. Tätowiert! Der Mann ist doch nicht tätowiert! Der Mann hat eine ganz rein! Haut, er hat... Keine Detalls! Keine Details! Entweder ich soll erzählen, oder ich soll nicht erzählen. Bon mir wirst du über den Mann kein Wort hören. Daddy, hör' doch— wenn er nicht Seemannsmaat gewesen wäre, oder wie das heißt... Und ich wer' dir überhaupt was sagen: Erstens war überhaupt nichts, und zweitens kennst du den Mann nicht und drittens weil er Seemann war, und ich Hab' ihm gar nichts geschenkt, udn überhaupt: wie Paul Graetz immer sagt: Kaum hat man mal, dann ist man gleich-- Daddy! Daddy! Laß mal... was ist das hier? Was? Wie? Was ist das für ein Bild? Was ist das für eine Person? Wie? Was? Wo hast du die kennengelernt? Wie? In Luzcrn? Was? Hast du mit der Frau Ausflüge gemacht? In der Schweiz machen sie immer Ausflüge. Erzähl' mir doch nichts... Was? Das war nichts? Dos Ist eben ganz war andres. Na ja— mir gefällt manchmal ein Mann. Aber ihr-»? Ihr werft euch eben weg!' Alois moraih: 3)üs Ml�geweib Ich. Altton Pulke, geboren den 13. 3. 88 in Berlin, Sohn achtbarer Ellern, Kammersänger eines ehemals regierenden Fürsten- Hauses, zur Zeit wohnhaft in Steglitz, Rabaukestr. 103, vorn III. Etage links, klage hiermit den.Herrn Emil Meyer des gemeinen MduchÄrtltfdes an, den er chch zynischer! Wkis?. ck».chir verübt � Ich war stets ein- gkachtejcr Staatsbürger.und pünktlicher Steuerzahler. Als Sänger war ich berühmt- Nie gab es einen Tenor, der ein so göttlches Tremolo, selbst in den höchsten Lagen. Halle. Ich war ein glückliaft Schiff, beladen mit einem auskämm- liehen Einkommen, einer Frau, einem Sohn— beide zogen es leider nach zwei Jahren harmonisch verlaufener Ehe vor, das Zeitliche zu segnen— und einer nicht wertlosen Briefmarkensammlung. Während' des' Krieges diente ich bis zur Rangstufe eines G'c- freiten in einem preußischen Infanterieregiment. Es ist selbstverständlich, daß es mir hier gelang, das Wohlwollen meiner Herren Borgesetzten im reichsten Maße zu erringen. Ich hatte bald die Ehre, auf den Kasinoabcnden der Herren Offiziere als heiterer Stinnnungs- machet zu fungieren. Leider konnte ich mir als gemeiner Soldat nicht erlauben, die hohen Herren um Einstellung des Rauchens während meiner künstlerischen Vorträge zu bitten. Auch tranken mir die Herren zu häufig mit Kognak und diversen edlen Weinen zu. So kam es denn, daß ich nach drei Iahren schweren Frontdienstes meine göttliche Stimme verlor. Dennoch diente ich meinem Kaiser In Treue fest bis zum bitteren Ende. Ich beteure, daß ich zu dem Verlust des Krieges in keiner Weise beigetragen habe. Dann wurde ich Bankbeamter. Hier lernte ich Spekulation kennen. 1924 erkannte ich die Schmach dieses Gewerbes. Für den Rest meines Vermögens kaufte ich mir einen Zigarrenladen mit Wettannahme. Ich lebte solide und züchtig, und es ruhte Gottes Segen auf meinem Geschäft. Dank der angeführten Solidität und Züchtigkeit bekam ich eines Tages meine Stimme zurück. Körper- liches Mißgeschick, ich war zu dick geworden, ließ es nicht zu, meinen Beruf als Heldentenor wieder aufzunehmen. Mein Glück als Komiker zu versuchen, lehnte ich ab. Dafür halle ich eine zu hohe Auffassung von der Kunst Nach langem Suchen gelang es mir, eine Stellung als erster Tenor in dem Männerquartett'Eintracht" zu finden. Das Männerquartett„Eintracht" fang bei feierlichen Verbrennungen besserer Herrschaften in den hiesigen Krematorien tief- traurige Weisen. Mein Gehalt betrug 400 Mark den Monat. Dazu kamen reiche Gratifikationen, die von wohlhabenden Leuten, die dank meines göttlichen Tremolos in besonders schöne Rührung ver- fielen, zu spenden pflegten. Eine gut« nachahmungswerte An- gelegenheit. Den Zigarrenladen verkaufte ich mit Nutzen. Es kam mir einer Profanierung meiner hohen Kunst gleich, jetzt noch hinter einen: Ladentisch zu stehen und billige Tabake zu verkaufen. Die besseren Marken gingen in der Gegend ohnehin kaum. Uebrigens ließ das buch meine Zeit nicht zu. Dauernd mußte ich wegen meines Gesangsengagements das Geschäft vorübergehend schließen, da blieben die Kunden weg. Wie angedeutet, oerkaufte ich das Geschäft mit Nutzen. Es war eine betrübliche Gewohnheit meiner Kollegen, nach jedem absolvierten Gesang die nächste Kneipe zu frequentieren, um dort Alkohol in verschiedenen Mengen zu sich zu nehmen. Seit ich meinen Laden verkauft hatte, wurde meine Entschuldigung, keine Zeit zu haben, nicht mehr berücksichtigt. Aus Angst, meine Stellung zu verlieren, ging ich stetig mit und trank mit Maßen.-Später kam Kartenspiel und Würfeln dazu. Aber ich war glücklich. Die Ausübung metner heißgeliebten .Kunst war mein Lebensinhalt Ich sang mit jener Hingabe, die nur ernsten Künstlern eigen ist. Etwas, was ich weder bei dem zweiten Tenor, noch bei dem Bariton beobachten konnte. Von dem Bassisten ganz zu schweigen. Wie gesagt, trotz der vermaledeiten Trunksucht mckiner Kollegen, immer schade um das schöne Geld, blieb ich ein ernster Künstler, der immer nur das Edle im Auge behä't. Da geschah es, daß ich jenen Menschen treffen mußte, der mein Leben zerstörte. Es war der anfangs erwähnte Meyer. Meyer halle ich im Felde unter dem Namen„Meyer 4" kennen gelernt, und zpar bezelchnen�eriveifg in der Kantine» unseres Regiments.' Jetzt traf ich ihn in' elncr Kneipe.wieder. Wir kanten ins Gespräch. Er handle mit Korken, Schwimm- gürtcln und pharmazeutischen Artikeln. Es ginge ihm so. Nein, verheiratet sei er nicht. Was er an Liebe benotige, decke er im Freiverkehr. Was ich anfange. Ich erzählte ihm, daß ich gottlob ganz meiner edlen Kunst lebe. Der gewöhnliche Mensch verstand scheinbar nicht, meine derzeitige Tätigkeit genügend zu würdigen. Ich erzählte nun von den er- habenen Gefühlen, die ich jeweils bei den trauernden Hinterbliebenen auszulösen imstande sei. Wie die härtesten Männer zu schluchzen begännen, wenn ich zu tremulieren anhöbe. Ich war ganz im schwärmerischen Erzählen dahingeflossen, als sich der Meyer spontan auf die Schenkel schlug und eine rohe Lache ausstieß:„Joho, Sunny Boy", schrie er, sich biegeird vor Lachen,„dann bist du also ein Klageweib geworden!". Ich fuhr wie von einer Natter gebissen zusammen.„Was bin ich geworden?"„Ein Klageweib!"„Ein Klageweib?"„Na ja. du kennst doch die biblischen Klageweiber?— Na, wenn da jemand von den Kindern Israels in oie Iagdgefilde des großen Mannitou abgesegelt ist, versammeln sich die ganzen alten Weiber der Nachbar- schast in der Wohnung des Menschen, der sich nicht mehr dagegen wehren kann, und heben dort einen traurigen Sums an." Ich schwieg. Es war mir, als stieße mich jemand sacht, aber unbedingt von eincni schöngelegcnen Felsen in eine stinkende Kloake. „Aber die Geschichte mußt du doch kennen!"„Ja." Ich war blaß geworden, der kalte Schweiß stand mir auf der Stirn.„Herr Ober. bringen sie dem Herrn einen scharfen Schnaps." Meyer bestellt«� das lächelnd. Es kamen zwei Schnäpse.„Na. denn Prost, du altes Klageweib!" Mitten im Schluck traf mich diesmal sein„Klageweib". Da hiell's mich nicht. Ich brach zusammen. Ich weinte- wie ein Kind. Meine Kollegen kamen herzu. Was los sei? Nun erzählte diese zynische Bestie noch mal die Geschichte von den alten jüdischen Klageweibern. Ich dachte, meine Kollegen würden dem Rohling an die Kehle springen. Ja, ich wäre nicht erstaunt gewesen, wenn ihm einer dos Messer in die Brust gestoßen hätte. Aber was taten die unflätigen Menschen? Sie wieherten vor Lachen. Sie grunzten sich aus, während ich heulte. Ich schlich mich nach Hause. Ich wollte essen, aber nichts schmeckte mir. Dabei halle ich kaltes Eisbein. Ich legte mich ins Bett und weinte. Nächsten Tages sangen wir wieder. Das Krematorium war voller Menschen. Es war ein ganz vornehmer Mann, der da ver- branttt werden sollte. Erst sprach der Superintendent viel über die Güte des Verblichenen. Ich halle bisher nie zugehört, was da unten geredet wurde. Nie halle ich die schlechte Beleuchtung, die jedem Krematorium zu eigen scheim, empfunden. Man soll wohl nicht so klar sehen, wenn sich der Mensch in den Ofen schleicht. Immer war ich nur darauf bedacht gewesen, auf meinen Gesang hin den ersten großen Seufzer zu hören. Als der zweite Redner die Verdienste des Toten pries, wurde mir ganz ohne ersichtlichen Grund bang. Der dritte Redner schien ein Freund des Toten. Alle hatten den Mann gekannt. Und was hatte ich mit ihm zu tun? Ich bekam ja nur Geld für meine Traurigkell. „Mensch, so fang doch endlich an�s sagte der zweite Tenor,„wir wollen doch auch nach Hause."„Ja, selbstverständlich." So sang ich denn. Und es ging auch gut Als ich mitten in der Litanei von Schubert an Meister schönsten Stelle zu tremulieren ansetzte und bei der unten trauernden Gemeinde die erste große Rührung bezaim, suhlte ich, wie der Lassist den Bariton anstieß. Ich hörte ihn grienen:.Klageweib, vastehste!" sagte er. Das war der Dolchstoß. Ich mußte mich am Geländer der Empore festhalten, dann heulle ich los. Die drei Kollegen sprangen für mich ein Dennoch war es nicht unbemerkt geblieben. Der Krematoriumsvorstand sagt« zu unserem Agenten, er täte gut daran, nicht Leute singen zu lasten, die Verwandle des Toten wären. Gehcull würde unten. Oben müsse Sache Sache bleiben. Ich fühlte, es war um mich geschehen. Jedesmal, wenn ich meine Stimme.zum Tremolo ansetzte, heulle es aus allen Ecken: „Klageweib, Klageweib, Klageweib!" Unaufhörlich hämmerte es „Klageweib". Mir wurde gekündigt Ja, ich sehe es selbst ein, es geht nicht mehr mit mir, ich bin zerstört. Heute sang ich zum letzten Male. Ich habe mir jetzt die Pulsadern öffnen müflen, und das Blut kleckert zur Ende. Es kleckert:— Klack— Klack— Klageweib— Ich will nicht verbrannt werden! An meiner Leiche soll niemand singen. '.ßrahms und Beuerbach Johannes Brahms und Anselm Feuerbach, der große Komponist und der große Maler, weisen bei aller Gegensätzlichkeit ihres Natu- rells in ihrer Kunst gewisse wesensverwandt« Zug« auf. Ueber die interessanten Beziehungender beiden zueinander berichtet ein Aussag von Dr. Konrad Huscht« in der Monatsschrift„Die Kunst". Brahms lernt« den großen Maler im Jahre 1867 bei Klara Schumann in dein Baden-Badener Vorort Lichtentahl kennen und trat von da an mit einer feurigen Hingabe, die bei ihm selten war. für Feuerbach ein. Der Vermittler zwischen beiden war AUgeyer, ein aufopfernder Freund Feuerbachs und großer Verehrer Brahms', der sich später glücklich pries,„im Lichte dieses schönen Doppel- gestirns" sein Dasein verbracht zu haben. Brahms wußte den feder- gewandten Allgeyer zu bestimmen, einen großen Aufsatz über den gegen Gleichgültigkeit und Feindschaft schwer ringenden Künstler zu schreiben: weitere Aussätze folgten, und aus ihnen entstand dann di« Feuerbach-Biogrophie Allgeyers, die noch heul« das grundlegende Werk über den Meister ist. Doch nicht nur feinen Biographen reg« Brahms an, sondern er griff auch noch cMschiedener in Föüerbachs Leben ein. Durch ihn wurde der einflußreiche Schöpfer des„Oester- reichischen Museums", Hafrat von Eitelbcrger, für Feuerbachs Kunst gewonnen und dazu gedrängt, für die Berufung des Künstlers nach Wien sich einzusetzen. So erhiell denn, letzten Endes durch Brahms' Eingreifen, der Maler den glänzenden Ruf'als Professor nach Wien. über den er zunächst so glücklich war. Aber auch hier sollte die Tragik, die tief in seinem Wesen lag, sein Leben bald verdüstern. Brahnts, den Feuerbach in Wien sofort aufgesucht Holle, wollle sich von den: Freunde malen lassen, während er bis dahin hartnäckig derartige Anträge abgelehnt hatte. Die Sitzungen begannen, und mehr als einmal kletterte Brahms die vielen Treppen zu Feuerbachs Atelier hinauf. Da erzählte ihm der Künstler, daß er zunächst seine zwei großen Werke, das„Gattmahl des Plato" und die„Arno- zonenjchlacht", in Wien ansstcllen wolle. Brahms, der sich selbst so langsam bei dein wankelmütigen Wiener Publikum durchgesetzt hatte, wußte genau, daß man diese Gemälde nicht verstehen und ablehnen werde, und riet ihm, die Gunst der Wiener zunächst durch weniger schwere Werke zu gewinnen. Mit dieser wohlgemeinten Warnung aber hatte er die empfindliche Künstlerseele Feuerbachs verletzt. Er tvar auf Tage verstimmt und schrieb an die Mutter empört:„Brahms Hot mir wjeder einen Abend verdorben."_J£r stellte- das PbZträt beiseite,»yd auch nlS daiiif die BeziehMgeu loiedcr irecken kannten und dieses CafS war auch der Ausgangspunkt der meisten Raubzüge. Es muß allerdings mit aller Schärfe betont werden, daß d'e zahllos und unbeaufsichtigt in jener Gegend herumstehenden Autos den Liehen ihr Handwerk geradezu Zum Kinderspiel erleichtern. Be- sonders in den nächtlichen Stunden Mit ihrer in bei, Neoenstraßen nur spärlichen Beleuchtung werden wertvolle Wagen ohne jede Sicherung stundenlang vor den Häusern stehengelaisen. Ein des Fahrens kundiger Mensch, der sich im Besitz eines Anlasserfchliissels befindet, der iiberall für wenige Pfennig käuflich zu erwerben ist, braucht sich nur einen der Wagen auszusuchen und vermag auf und davon zu fahren. Wieviel mehr noch ein fachmännisch vorgebildeter Dieb, der die Maschine bis ins Einzelste kennt. Die Autobesitzer mögen auf der anderen Seite einwenden, daß sie sich ihre Wagen nicht in die Tasche stecken können, wenn sie einen Besuch machen. Dieser Einwand hat seine Berechtigung, es liegt also an der Auto- industrie, für genügende und ausreichende Sicherung ihrer Erzeug- nisse Sorge zu tragen. In ihrer Blütezeit bestand die Kolonne„Olivaer Platz" aus l2 bis 15 Burschen. An eineni schönen Sonntag gelang ihr ihr letzter großer Schlag. Am verabredeten Treffpunkt hatten sich damals 9 Burschen eingefunden, von denen einige ihre Freundinnen mitgebracht hatten. Man brauchte nicht lange zu suchen, in kürzester Zeit waren die für den beabsichtigten Ausflug nach Nauen er- forderlichen drei Wagen gefunden. Der ein« Wagen kam jedoch nur bis zuni Kaiserdamm, hier war das Benzin zu Ende und so wurde er einfach stehen gelassen. Ein neuer Wagen war schnell gesunden und so konnte die Fahrt ungehindert bis Döberitz fortgesetzt werden. Hier ereignete sich eine zweite Panne, einer der Wagen hatte eine Kabelzündung und die Bande beschloß, nach Berlin zurückzukehren. Um den Wagen mit der Kabelzllndung kümmerte man sich nicht weiter Die Insassen stiegen um und beim Wenden fuhr der eine Fahrer so ungeschickt, daß er das lahmgelegte Auto hart streifte und dabei von seinem Wagen die offenstehende Tür abriß Man kam aber auch ohne diese Tür nach Berlin zurück. Kurz danach ereilte einen Teil der Kolonne das Schicksal: drei Mann konnten von Kriminalbeamten gesaßt werden. Bei den vielen Zu- sammcnstößen, die die Burschen auf ihren Irrfahrten hatten, bekamen die Besitzer die Wagen allerdings in einem jammernswerten Zu- stände zurück. Die Zahl der von der Kolonne„Olivaer Platz" vsr- übten Diebstähle war so groß, daß die Verhasteten nicht in der Lage waren, anzugeben, wieviele Autos sie in letzter Zeit entwendet hatten Die Aufgabe der Techniker. Das Publikum glaubt im allgemeinen, daß ein abgeschlossener Wagen nicht so leicht zu stehlen geht. Das ist ein großer Irrtum. Denn eine Unzahl von Wagen, welche Marken, wissen die Diebe genau, kann nur auf der einen Seite verschlossen werden, an der anderen Wagentür befindet sich lediglich ein von innen vorschieb- barer Riegel. Man braucht also nur durch das Fenster zu langen und den Riegel wegz'uscknel'en! Hat man sich dann noch vorher den notwendigen Kontaktschlüssel beschafft, der ins Armawren- brett gesteckt werden muß, uni den Stromkreis zu dem Anlasser zu schließen, dann kann man auf und davon in die weite Welt fahren. ! Geschickte Autofahrer, die ihre Maschine lclbst gründlich kennen, sind deshalb schon zum Selbstschutz übergegangen, da die Industrie auf dem Gebiete der Autosicherung versagt hat. Wer zum Beispiel auf unbewachten Landstrecken sein Auto längere Zeit stehen lassen muß, macht sich die Mühe und scbraubt die richtige Kerze heraus und eine falsche ein, dann kann ein Dieb lange suchen, bis er den Wagen in Gang bringt. Oder der Fahrer muß sich die Mühe machen, während der Dauer des unbeaufsichtigten Aufenthalts die Zündkabel zu den Kerzen zu verwechseln: auch hier müßte ein Dieb schon geraume Zeit herumbasteln, um die Kabel wieder in ihre richtige Lage zu bringen. Dann besteht noch eine Möglichkeit der Sicherung, nämlich die Ver- teilerscheibe jedesmal abzumontieren, die die Zündungen auf die ver- schiedenen Zyl'nder verteilt, um die Zündung zu regulieren. Aber alle diese Maßnahmen setzen voraus, daß man erst die Motorhaube öffnet und anfängt Motorenschlosser zu spielen. Da haben es die amerikanischen Autofahrer entschieden besser. Deren Wagen haben vielfach eine komplizierte, nur dem Besitzer bekannte und verständ- � liche Borrichtung die es erlaubt, das Nummernschild während des | Haltens senkrecht zu stellen. Nur mit außerordentlicher Mühe würde � ein Dieb, der- den Trick dieser Sicherung nicht kennt, das Nummern- � ichild wieder in die wagerechie Lage bringen. Jedenfalls weiß jeder Mensch in Amerika, daß ein Auto mit einem senkrecht stehenden Nuniruernschilö ein gestohlenes ist. Die ungezählten Autodiebstähle der letzten Zeit verstärken also nur die Mahnung an die deutschen Techniker, auch bei uns endlich eine brauchbare Sicherung für Autos zu schaffen. Auch die Kirche für„Aegersteuer". Berliner Etadtsynode will Kirchengeld erheben. Die Belfliner Stadt synod« hat bei der Beratung ihres Etats neben der üblichen Kirchensteuer die Einführung eines Kirchengeldes beschlossen, und zwar in einer Staffelung, die sich wie folgt auswirken soll: Bei 12 bis 499 M. Einkommensteuer 2 M., 499 bis 699 M. 4 M.. 699 bis 1999 M. 6 M.. von 1909 bis 19 999 M. 8 M. und über 19 999 M. Einkommensteuer 19 M. jährlich. Der Beschluß unterliegt noch der kirchen- und staatsaufsichtlichen Genehm,- gung. Die Kirchenbehörden erwarten, daß die Genehmigung nicht ausbierben wird, da die Kirchenzelderhebung nur beschlossen wurde, um die Aufnahm« einer Anleihe zu vermeiden. Von diesem Kirchen- geld werden die Bezirke Berlin, Schöneberg, Charlottenburg und die zu Wilmersdorf gehörende Kirchengemeind« der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche betroffen. Von dem Kirchengetd befreit sind die Ehefrauen, sowie sämtliche Personen, die der öffentlichen Fürsorge unterliegen. Man darf gespannt sein, was d i e Presse, die seinerzeit die Bürgersteuer der Reichsregierung als„Negersteuer" verächtlich zu machen suchte, zu der Sondcrsteuer der Synode sagen wird, die doch auch nichts anderes als eine Kopf- oder Negersteuer ist. Winter-Blumenschau., Die Deutsche Gartenbaugeselljchaft konnte für ihre Mitglieder keine wirksamere Propaganda machen als eine Aus- stellung deutscher Blumen, während draußen winterliche Kälte herrscht. Die Schau besindet sich Unter den Linden 79 und ist täglich bis zum 15. März von 19 bis 21 Uhr zu besichtigen. Die Besucher konnten sich auf einem Rundgang davon überzeugen, welchen Ausschwung die Zucht deutscher Winterblumen genommen hat. so daß die Anforderungen des einheimische» Marktes schon fast ganz befriedigt werden können. Aus verschiedenen Teilen Deutschlands haben Gärtnereien Kollektivausstellungen gesandt, z. B. Richard Besser aus Halberstadt(Hortensien und Begonien), Ernst Binnewies aus Alfeld a. d. Leine(Cyclamen), Paul Gabriel aus Hünern bei Breslau(Ciberarien), Schneider aus Crimmitschau(Franziseen), Stoldt aus Wandsbek bei Hamburg(ebensalls Cyclamen). Die Berliner Gärtner sind gut vertreten. Es gibt keine Blumenart, die man auf dieser Ausstellung nicht in wunderbaren Exemplaren finden könnte, vom Veilchen bis zur riesigen Calla, von der Forsythie bis zur Hortensie und Primel, dazu alle Modefabrikate: Orchideen und Kakteen. Auf der Galerie der Ausstellung hat die Gruppe Groß- Berlin des Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber Tisch- dekorationen und Blumengebinde ausgestellt. 22 Stunden Schneefall in der Schweiz liegen im Südwesten. Bern. 19. März. In der gesamten Schweiz schneit es seit Sonnabend abend, also seit 72 Stunden, ununterbrochen. In vielen Orten tragen die Fleischer und Bäckerburschen und die Postbote», da sie mit Fahr- rädern nicht mehr vorwärts kommen, mit Skiern die Waren uyd Postsendungen aus. Seit fünfzig Jahren ist ein solcher Schneesall um diese Jahreszeit noch nicht vorgekommen. Im Südwesten des Landes regnet es jedoch. Genosse Max Blankenburg, der vor einigen Tagen im Alter von 72 Jahren in Treptow verstorben war, wurde gestern im Krematorium Bauinjchulenweg bestattet. Ein zahlreiches Trauer- gefolge, vor allem aber seine Kollegen aus der„V o r w ä r t s"- Druckerei und die„alten Barden", wie die invalide gewordenen Kollegen des Buchdruckcrgewerbes heißen, hatten sich eingesunden. Genosse Wilhelm R i e s e b e ck vom Verband der Deutschen Buch- drucker rühmte den Dahingegangenen als Vorbild eines treuen Gc- werkschafts- und Parteikämpfers. Genosse H u h o ck von der „Vorwäts"-Druckerci widmete dem dahingegangenen Kollegen, der 46 Jahre ununterbrochen im„P o r w ä r t s"- B e t r i e b tätig gewesen war, letzten Dank und letzten Gruß. Chaplin in der Volksbühne. Er kommt unangemeldet und findet alles sehr schön. Gestern nachmittag gegen-5 Uhr hielt ein großes geschlossenes Auto am Bühneneingang des B o l k s b ü h n c n- T h c a t e r s am Bülowplatz. Ein junger Schauspieler ging gerade quer über die Straße, um seine neu besohlten Schuhe aus dem gegenüberliegenden Laden abzuholen. Aus dem Auto stieg ein Herr und rief dem jungen Mann zu:„Wir würden gern die Volksbühne besichtigen, ist das zu machen?"„Natürlich", erwiderte der Angeredete.„Gehen Sic ruhig rein." Ein kleiner schmächtiger Herr entstieg als zweiter dem Auto, der nahm die Melone ab. Sein Haar war ergraut, aber sein Gesicht hatte etwas Jungenhaftes.„Gehen Sie voran. Mr. Chaplin", sagte sein Begleiter, Herr Melnitz, aber auf englisch. Mr. Chaplin wollte dieses Thealer sehen, von dem er schon viel gehört hat und das ihm vor allem begeistert, weil es eine Bühne des Volkes, jenes Volkes ist, für das er seine Filme gemacht hat. Nie- mand wußte, daß er kam. Mr. Chaplin wurde bekannt mit Carlheinz Martin und Dr. Günther Starck. Di« beiden freuten sich über den gütigen, bescheidenen, kleinen Gast und zeigten ihm alles. Er war sehr neugierig. Er sah sich die Unterbühne-, die Drehbühne, den Kuppel Horizont und die Einteilung des Bühnenapparates genu an.„Beautiful"(wunderschön) sagte er«in über das andere Mal. In der Tiefe der Bühne und doch hoch, blieb er stehen. Er war er-schüttert, denn, die Bühne dieses Volkstheaters verwirklichte einen feiner Träum«: von der Höhe herab zu spielen und doch Mittelpunkt und auch für die Tiefe sichtbar zu sein. Er lief die Ränge entlano, sah von den Galerien zur Bühne hinunter, war ganz aufgeregt und strahlte.» Er sprach englisch und zwar sehr schnell: man verstand ihn nicht gut. Und doch war es so, als verstünde man jedes seiner Worte, und mehr noch: als wäre man schon lange mit ihm befreundet. Und weil er Güte ausstrahlte, gewann man ihn lieb. Ist(?cart6 Glücksspiel oder nicht? In dem großen G l ü ck s s p i e l p r o z e ß, der in der vorigen Woche vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhandelt wurde, haben die Verteidiger Berufung eingelegt. Das Schöffengericht hatte bekanntlich die Frage, ob Ecarte an sich als Glücksfpiel zu betrachten sei, in keiner Weise geklärt. Es soll nun der Prozeß bis zum Reichsgericht durchgeführt werden, damit angesichts des Vor- liegens verschiedenartig lautender Gerichtsentscheidungen endlich eine grundlegende Entscheidung des Reichsgerichts herbeigeführt werde, ob Ecartä im Rechtssinn« ein Glücksspiel oder ein Geschicklichkcits- spiel ist. Zuffb und Republik. Die Stellung der Jlibiz zur Republik sst in den lebten Tagen w der Oelfenllichkeit lcdbaft ciöilert worden. Zwei Sach- kenner werden aus einem Vortragsabend des Rcpiiblikaniichcn Richter bundcs, der am Donnerstag, dem 12. März löll, abends 8'/- Uhr im grohen Saal des ObcrvcrwallungSger chts Hardenbcrgstr. 81 slatlsindet, dazu daS Wort nehmen: Mini'lerialdtngenti.preuh Jullizminiilerium Dr. R os cnf eld.M.d L. und Ministerialdirigent im preuh. Jnnenministerinm Steinbrecher. Anschließend sprechen Erster Staatsanwrlt Dr. H o e g n e r. M. d. R., Dr. G r z i m e k, M. d. L. und ScnalSpräsidcnt i. R. Frey ni u t h. Ein- gcjührte Gäste und Freunde sind willkommen. Allgemeine Wetterlage. Die Luftdruckoerteilung über Mitteleuropa ist jetzt gleichförmig geworden. Die südliche Depression verflacht sich, doch scheint sich ein von ihr bis nach Polen reichender Ausläufer zu eineni selbständigen Störungsgebiet auszubilden. Auch die Nordmeerdeprcffio» scheint nach Nordosten an Raum zu gewinnen. Ein milder illdwestlicher Luslstrom kann sich aber aus ihrer Südseite nicht entwickeln, da das nordwestliche Hoch sehr stabil ist und setzt wieder nach aüden wächst. Die warme Balkanluft, die heute vorübergehend das südliche Schlesien erreichte und dort unter leichten Regenfälle» die Temperatur aus 2 Grad Wärme ansteigen ließ, kann unseren Bezirk infolge der Ausbildung der polnischen Störung nicht mehr erreichen. Unser Wetter wird vielmehr von dem von Westen vordringenden Lufidrnck- anstieg bestimmt werden. -l- welicraussichlen für Berlin: Langsame Bcwöltungsabiiahmc, Tcmperaluren nahe bei Null, nur noch unbedeutende Schneefälle.— Anr Deutschland: Im Süden und Osten noch Schneefälle, im übrig?:: Reiche wolkig, teilweise heiter, Temperaturen im ganze» wenig oerändert. WKMmm vMLUMM Versicherung und Bausparkassen. Was im Gesetzeniwurf der Regierung fehlt. Ms im Sommer 1929 der Frankfurter Lebensversicherungskonzern(Faoag) zusammenbrach, was nicht nur eine beispiellose Skondalaffäre auslöste, sondern auch zu heftigen wirtschaftlichen Cr- schütterungen führte, war man sich in der Oesfentlichkeit darüber einig, daß hier die Aufsicht über das private Versiche- rungswefen versagt Hab«. Di« Oesfentlichkeit, insbesondere die Sozialdemokratie, drängte aus eine grundlegende Reform dieser Aufsicht. Jetzt erst ist der Gesetzentwurf über die Reform der Versicherungsaufsicht an den Reichetag gelangt. In den Gesetzentwurf wurde auch die Regelung des Bauspartassenwesens hineingearbeitet. Auch diese Regelung ist schon längst fällig gewesen, auch sie schleppt sich schon ein Jahr lang durch die gesetzgebenden Instanzen, ehe sie jetzt den Reichstag erreichte. Der Inhalt des Ge- setzentwurfs ist im wesentlichen bekannt. Di« Aussicht über die privaten Versicherungsgesellschaften soll durch folgende Bestimmungen erweitert werden: 1. wird den Versicherungsgesellschaften eine jährlich regelmäßig stattfindende Pflichtrevision vorgeschrieben, die für die übrigen Aktiengesellschaften erst nach Inkrafttreten der Aktienrechtsreform in Frage kommen wirift 2. wird das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung zu einer periodischen Revision jeder einzelnen Versicherungsgesell- schaft verpflichtet, die allerdings mit der privaten Revision der Ge- fellschaften oereinigt werden kann; 3. ist zur Ueberwachung der vorschriftsmäßigen Anlag« des Prämienreservefonds der Lebensverstcherungsgesellschaften ein Treuhänder bei jeder Gesellschaft zu bestimmen; 4. wird die staatliche Aufsicht auf die bisher aufsichtsfreie Kraftfahrzeug, und Fahrradoersicherung ausge- dehnt und kann nach dem Ermessen des Aufsichtsamts auch auf die Abonnentenversicherung ausgedehnt werden. Völlig neu ist die Regelung des Baufparkasfenwefens. Sämtliche privaten Bausparkassen sollen der Beaufsichtigung durch das Reich s aufs i cht samt für Privatversicherung unterstellt werden. Auch lehnt sich die Regelung des Bauspartassenwesens stark an die des Versicherungswesens an: regelmäßig« Berichter- stattung an das Aufsichtsamt, jährliche Pflichtrevision, Bestellung eines Vertrauensmannes zur Ueberwachung der Zuteilung der Baudarlehen an die Baufparer, Bildung eines S a ch- verständigenbeirats beim Aufsichtsamt, Uebernahm« des größten Teils der Kosten der staatlichen Beaufsichtigung durch die Bausparkassen selbst. Wichtig ist noch die Bestimmung, daß die Bausparkassen nur die R« ch t s f o r m der Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf A'tien und Gesellschaften mit be- schränkter Haftung haben dürfen, also nicht bieder Genossen- s ch a f t e n, die bisher stark verbreitet war. Allerdings kann das Aüfsichtsanrt für die bereits bestehende Bausparkassen Ausnahmen zulassen. Die Regelung des Bausparkassenwesens soll erst am 1. Oktober 1930 in Kraft treten, die neuen Vorschriften über das Versicherungswesen bereits am 1. April. Di« Neuregelung der Versicherungsaufsicht und des Bau- sparkassenwesens, die der Gesetzentwurf vorsieht, bedeutet zweifellos gegenüber dem bisherigen Zustand einen wesentlichen Fortschritt. Trotzdem ist sie noch tu wichtigen Punkten verbesserungsbedürftig. Bei den Bestimmungen über das Versicherungswesen fehlt z. B. die Ausdehnung der Aufsicht auf die Transport, und Rück- Versicherung Dersicherungszweige, die, wie unliebsame Er- fahrungen der letzten Jahre bewiesen haben, genau so auftichts- bedürftig sind wie die übrigen Zweige der Versicherung. Selbst bei der Abonnentenversicherung, deren obligatorische Unter- stellung unter die Aufsicht der Reichswirtschaftsrat oerlangt hat, ist die Beaufsichtigung in das Ermessen des Aussichtsamts gestellt. Es fehlt weiter eine Modernisierung des Versicherungsbeirats nach den Grundsätzen der Reichsverfassung, wie sie von den Gewerk- schaften verlangt wurde. Und es fehlen schließlich, um uns nur auf die wichtigsten Mängel zu beschränken, soziale Schutzbestim- m u n g« n für die Arbeitnehmer der Versicherungsgesellschaften bei Fusionierungen, für die sich auch im Reichswirtschaftsrat«ine Mehr- heit ausgesprochen hat. Auch die Regelung des B a u sp a r k a ss e n w e se n s i st viel zu wenig weitgehend. Es haben sich auf diesem Gebiet arge Mißstände herausgebildet. Die Bausparer werden viel- fach von falschen Illusionen über die Opfer, die sie zu bringen haben, und über die voraussichtlichen Wartezeiten angelocki; üble Wettsparsystem« benachteiligen die kapitasschwachen Sparer zugunsten der starken Sparer usw. Deshalb verlangte der Reichs wirt- s ch a f t s r a t weitgehende Sicherungen gegen derartige Mißbräuche und die Einfügung von Vorschriften über die Höbe des Eigenkapitals, über Sicherungsreserven, über Sicherung der Bauspanbarlehen und über deren B-leihungshöhe, um das ganze Bausparkassenwesen auf eine solidere Grundlage zu stellen. Aber von allen diesen Anregungen hat die Reichgregie- rung nichts in ihren Entwurf übernommen, mit der Begrün- dung. daß die Entwicklung des Bausparkossenwesens noch zu sehr im Fluß sei, um schon weitgebeude materielle Regelungen zu ver- tragen. Mit anderen Worten: Erst müssen noch Taufende von Bau- sparern ihr Vermögen einbüßen, ehe man daraus die Lehre ziehen und die Bestimmungen über das Bausparkassenwesen verschärfen will! Bedauerlich ist auch, daß die Forderung des Reichswirtschafts- rats, im Bausparkassenbeirat die reinen Jnteressentenvertreter zu- rückzudrängen, unter den Tisch gefallen ist. Schließlich muß noch überlegt werden, ob sich die Ausnahmebestimmungen für die schon bestehenden Bausparkassen und die weitere Verspätung des Inkrafttretens der Regelung wirklich rechtfertigen lassen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Fort- schritte, die der neue Gesetzentwurf auf einem wichtigen Gebiete des Wirtschaftslebens bringt, zu begrüßen sind, daß er aber noch sehr viele Mängel enthält, für deren Ausmerzung der Reichstag zu sorgen haben wird. Das Ende der Emil-Heim'cke-AG. Das ganze Kapital verloren. In der außerordentlichen Generalversammlung wurde die Mit- teilung gemäß§ 240 Handelsgesetzbuch gemacht, daß das ganze Aktienkapital verloren sei. Das ist ein« bitter« Pille für die Aktionäre, die schon vor einem Jahre die Zusammenlegung des Kapitals im Verhältnis 4: 1(von 2 auf OL Mill. M.) zur Tilgung des Verlustes über sich ergehen lassen mußten. Damals durften sie aber nach den Mitteilungen der Berwaliung hoffen, daß die Gefell- schaft durch diese Sanierung wieder flott würde. Aber die Verluste sind tatsächlich viel größer gewesen und geworden als damals ausgewiesen wurde. Es scheint auch so, als ob aus der Kapitalerhöhung um 0,5 Mill. M.(die neuen Aktien wurden von einem Konsortium, d. h. also von den Gläubiger- danken, fest übernommen) der Gesellschaft keine neuen Mittel zu- geflossen seien. Zugegeben wurde von der jetzigen Verwaltung, daß ein Teil der Verluste nach der Sanierung aus Neugeschästen, wohl in Verbindung mit der Magdeburger Bau- und Credit A.-G., entstanden sind. Verschärft worden sei die Lage durch die Einschränkung der össentlichen Vaugelder seit Herbst 1930. Ob man die frühere Ver- waltung als schädensersatzpftichtig wird heranziehen können, hängt vom Ausgang des Anfechtungsprozesses gegen die Beschlüsse der letzten Generawersammlung ab. �eichsbank stark entlastet. Der Reichsbankausweis vom 7. März zeigt eine bemerkenswert starke Abdeckung von zum Februarende von der Reichsbank- kundschaft in Anspruch genommenen Krediten. Am stärksten war die Rückzahlung von Lombarddarlehen, die um 216,6 auf 84,6 Millionen sanken. Der Bestand an Handelswechseln verringerte sich um 136,9 auf 1842,3 Millionen, der Bestand an Reichsschatzwechseln um 31,7 aus 44,1 Mill. M. Di« Gelder auf Girokonto nahmen aber trotzdem um 23.5 aus 301,3 Mill. M. ab. Der Notenumlauf hat sich um 283,2 a>uf 4144,8 Mill, M. verringert(Abnahme der Rentenbankscheine um 37,9 Mllionen M.). Die Deckungsbestände nahmen zu; die Goidbestände blieben(Zunahme OL Mill.) mit 2285,4 Mill. M. fast unverändert, die Bestände an deckungsfähigen Devisen erhöhten sich aber um den erheblichen Betrag von 23,8 auf 189,4 Mill. M. Die Deckung der Noten durch Gold und Devisen zusammen stieg wieder von 55,3 auf 59,7 Prag., das ist die Hälfte mehr als die gesetzliche Vorschrift, Die starke Entlastung der Reichsbank wird man ebenso wie die Stärkung der Devisenbestände auf den Eingang des Leih- kredits für die Reichsbahnvorzugsaktien zurück- führen dürfen. Eine echte Erleichterung des Geldmarktes kommt wohl kaum in Frage._ petscheck-Dwidenden krisenfest. TNederlausiherKoh'enwerteA& WieOerlOPros Dividende Wie die zum Petscheck-Konzern gehörige„Eintracht'» Braunkohlenwerke A.-G., so kann auch die Hauptdomäne des Konzerns, die Niedsrlausitzer Kohlenwerte A.-G. ihre hohe Vorjahrsdividende von lO Proz. aufrechterhalten. Die. auch durch die schwer« Kohlentrise des letzten Jahres uner- schütterte Dividendenstabilität der führenden Braunkohlenkonzerne im Lausitzer Revier sind ein Beweis dafür, in welchem Umfang dies« Unternehmen in den vorhergehenden fetten Konjunkturjahren Ge- winne Hamstern konnten. Andererseits wirkte sich in den Betrieben durch Belegschafts- abbau und Produktionseinschränkung die Krise mit voller Wucht aus. So ging die Kohlenförderung von 7,8 auf 6,8 Millionen Tonnen, also um fast 13 Proz. zurück, und die Brikettproduttidn verringerte sich um 11,6 Proz. auf 2,4 Millionen Tonnen. Neben den hohen Gewinnen hat aber auch die Kapitalbildung bei diesem Petscheck-Unternehmen nicht die geringste Einbuße erlitten. Rund 5 Millionen Mark wurden im Berichtsjahr neu in die Anlagen ge- steckt und aus laufenden Gewinnen„über Betrieb' bezahlt. Durch die hohen Abschreibungen von 4,82 Millionen Mark sind die Reu- anlagen sogleich fast restlos abgeschrieben worden. Aus die g e- förderte Tonne Rohkohle umgerechnet, erreichen die Ab- schreibungen bei Petscheck 70 P f. und brechen damit im Lausttzer Revier auch den letzten, von der.Ilse' aufgestellten Abschreibungs- rekord. Aber weder die glänzenden Gewinne noch die unverminderte Bildung von Neukapital hindern die Verwaltung am Abdrehen der alten Walze, daß Soziallasten und die hohen Löhn« ihr jeglichm Rationalisierungserfolg nähmen. Eisenpreise herunter! Eingabe 0er Schrotthändler beim ZieichswirtschastS« Ministerium. Der Reichsverband freier Schrotthändler Deutschlands fetzt sich für eine wettere Senkung der Eisenpreise ein, und zwar mit folgender Begründung: Die Eisenpreispolitik vor dem Krieg war immer so orientiert, daß der Stabeisenpreis das Doppelte des Kernschrottpreises frei Werk ausmachte. Gegenüber der Vorkriegs- zeit ergibt sich nun folgende Entwicklung: Eckironprcis lKernschrotO Etabelsen Frachlbafis frei Werl Sitzeinland-Weftsaten Oberhaiisen pro Tonne In Mark 1913......... 56— 108,50 1927......... 60,69 134,— 19 8......... 55,61 139,— 1929......... 6U.59 141,— Im Jahre 1913 machte der Stabeifenprsis nicht ganz das Dop- pelte des Schrottpreises aus. In der Nachkriegszeit sehen wir daß sich der Eiscnpreis immer weiter vom Schrottpreis entfernt. Aus- schlaggebend ist hier die M o n o p o 1 p r e i s p o l i t i k der Eisenindustrie. Man zwingt die Verbraucher, einen höheren Preis zu bezahlen als das Ausland ihn anlegt. Man legt dem Inland ein« Eisen st euer auf. Wenn sich das Derhältnis zwischen Schrottpreis und Eisenpreis in der Nachkriegszeit gegenüber dem Vor- kriegsverhältnis völlig verschoben hat, dann ist das die Auswirkung der Kartellpolittk. Ohne diese Auswirkungen wäre die Ausrecht- «rhaltung des Lortricgsoerhättnisses zwischen Schrott- und Eisen- preisen durchaus möglich, wie die Exportpreise deutlich zeigen. Schrotlpreto Stabeisln-Erportprets prb Tonne in Marl 38,— ftel Werk Rheinland- lveslf. 80,— sab Antwerpen 40.— frei oberschlesischem Werk 93,— für Russenauftröge Wenn die deutsche Eisenindustrie den Russen Elsen für 93 M. pro Tonne liefern kann und wenn die deutsch« Eisenindustrie ab Antwerpen Eisen für 80 M. verkauft, dann ist zu verlangen, daß der heute noch so überhöht« Preis im Inland« schleunigst reduziert wird. Eine solche Reduzierung muß eine Belebung des Marktes mit sich bringen._ ZG-Karben in Zialien. Ein V'teiligungsvertrac, m>t dem Montecatini-Konzern. Nach mehrwöchigen Verhandlungen zwischen der JG.-Farben einerseits, dem führenden italienischen Chemie- und Metallkonzern Montecatini und der italienischen Färb st offgesell- schaft A c n a andererseits ist ein Uebereinkommen getroffen war- den, wonach sich di« beiden erstgenannten Konzern« am Kapital der zahlungsunfähig gewordenen Acna beteiligen. Die Acna, die bisher ein Aktienkapttal von 126 Millionen Lire gehabt hat. hat nicht nur dieses Aktienkapital, sondern auch einen Teil seiner Forderungen endgültig verirren. 125 Millionen Lire des Altien- tapttals werden endgültig gestrichen und von oem neuen Kapital, das 60 Millionen Lire bet�gen wird, werden 31 Millionen von Montecatini und 29 Millionen von der IG.-Farben übernommen werden. In deutsche Währung umgerechnet, beträgt die Beteiligung der IG.-Farben 6,40 Millionen Mark. Wahrscheinlich wird auch eine lveitere italienische Farbstosfgesellschaft, di« Lom- bardische Chemiegesellschaft B! a n ch i in Mailand, die der JG.- Farben nahesteht, in die neue Kombination einbezogen werden, so daß dann d.r weitaus größte Teil der itallensschen Farben- und Farbstoffherstellung von Montecatini und IG.-Farben kontrolliert wird. Eine Einbeziehung dieser Gesellschaften in das deutsch- schweizerisch-sranzösische Farbstoffsyndikat ist damit praktisch bereits gesichert. (kosinroggen nur noch mit Karioffelflocken. Die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft teilt mit, daß ab 10. März Eosinroggen nur noch in Verbindung mit der gleichen Menge Kartofselflocken abgegeben wird. Gleichzeitig wird der Abgabepreis für Eosinroggen auf 190, für Kartofselflocken auf 180 Mark für die Tonne festgesetzt, also um 5 bzw. 10 Mark erhöht. Diese Entwicklung ist nach der Steigerung Ser Roggenpreise wenig verwunderlich, angesichts des Absinken? der Schweine- preise aber bedauerlich. Es ist nicht ausgeschlossen, daß wir in diesem Jahre noch zu einer Roggenknappheit für den menschlichen Brotbedarf kommen. Das sollte bei der Roggenpolitik rechtzeitig berücksichtigt werden. 1,5 Milliarden Maschinenexport. Mengenausfuh? 1930 noch gestiegen. Nach dem Bericht des„Maschinenbau' hat sich im vierten Vierteljahr 1930 die Ausfuhr deutscher Maschinennach dem Ruckgang im zweiten und dritten Bierteljahr verhältnismäßig jchr gut gehalten. Mit rund 182 000 Tonnen und einem Wert von 334 Millionen Mark blieb der Ausfuhrwert nur um 2 Proz. hinter dem dritten Vierteljahr zurück und lag niengenmäßig noch um 1 Proz. über den Ziffern des vorhergehenden Quartals. Dagegen verringerte sich die Maschineneinfuhr im Berichtsquartal wertmäßig um 14 und gewichtsmäßig sogar um 24 Proz. Das Gesamtergebnis des deutschen Maschinenaußen- Handels umsaßt im letzten Jahr eineAusfuhrvonl429Mil- l i o n e n und eine Einsuhr von 135 Millionen Mark. Die deutsche Maschinenausfuhr, die den wichtigsten Aktivposten des deutschen ist also um annähernd 1,3 Millionen Mark Die Entwicklung in den letzten vier Iahren Exporthandels darstellt, höher als die Einfuhr. stellte sich wie folgt: 1927 1928 1929 1930 Einfuhr m Mill. M. , 173 , 197 . 173 . 135 Ausfuhr in Mill. M 960 1169 14 8 1429 Während also der Wellhandel im letzten Jahr infolg« der schweren Krise ganz allgemein stark zusammengeschrumpft ist und im besonderen auch der Maschinenexport der anderen großen Ausfuhr- länder wie Großbritannien und Vereinigte Staaten von Amerika sich um 20 bis 25 Proz. verringert hat, ist es dem deutschen Maschinenbau trotz des starken Preisdrucke» aus dem Weltmarkt gelungen, seine Ausfuhr 1930 auch dem Werte nach völlig auf der Höhe des vorhergehenden Jahres zu holten. Dieses glänzende Ergebnis ist, darüber ist kein Zweifel, in allererster Linie auf die durch die Rationalisierung ständig g e- steigerten Leistungen der deutschen Metall- a r b e i t e r zurückzuführen. Nichtsdestoweniger halten die deutschen Metallindustriellen, wie jetzt das Vorgehen der Unternehmer in Bayern zeigt, an dem unmöglichen Standpunkt fest, die Mehr- leistungen ihrer Arbeiter durch Lohnabbau zu bestrafen. Arbeitsnot der Bremer Werften. Die Deutsche Schiffs- und. Maschinenbau A.-G. in Bremen(Deschimag) weist sür 1929/30 einen kleinew Reiiiigewinn von rund 31 500 M. aus, während im vorhergchenden Jahr« i n Verlust von 7L Millionen zu verzeichnen war, der zu einer scharfen Sanierung des Unternehmens führte. Nach dem Geschäftsbericht war das Reparatuvgejchäft im Berichtsjahr durchaus befrisdigend, was hauplsächlich auf größere aus- ländische Aufträge zurückzuführen ist. Den Schiffbaubetrieben fehlten dagegen Neubauaufträge fast völlig, und die erhallenen Aufträge litten unter äußerst geldrückten Preisen. Der Rückschlag in der Beschäftigung dieser größten Bremer Werst zeigt sich darin, daß im Berichtsjahr nur 46 425 Bruttoregistertonnen ferttogestellt wurden gegenüber 112 720 Tonnen im vorhergehenden Jahre. Am Ende des Betriebsjahres verblieben im September an Neubauaufträgen nur 36 242.gegen 60 782 Tonnen im Borjahre. Anfang 1930 stellte sich die Gesamtbelegschaft auf knapp 6000 Mann, Mitte 1930 auf nur 3653 Mann und zum Jahresende allerdings wieder auf 6494 Mann. In guten Zeiten fanden in den Betrieben der Deschimag wett über 16 000 Mann Belegschaft Arbeit. VW [3 � empor. Dauuen. Sie hie für einem Tag unserer Ggarettert-FVobuktron. natwcnxifjqeu. Packixziqen. tlbereinaru�cr un�5re stciqert �boirrut fa.sl nock am. g„g 1.- // YO/jC/�oIs die hocfiste Berggruppe Europas �'• s•-yV.:>••.•• ' Ä'"'■%.:■.■ f y> y.'''■:..-iv,■.<.'• \ersackerr Bie �>ie„Kurmark" uru> Sic staunen, uukt mehr uher h'w r-r./r aageheuren Zijierrt UWV I/'T T öcs Vcrhraxucks CIGAR ETTEN r er da, geb. PreuB .» Bin.-KöpenicK. Bcrl nerStr 2 Einsendungen für blefe Rubrik stnd B C c 1 1 B SW 68. Linden, traße z. stets»n das?e»irf»Ietretnrta; i. Hof, 2 Treonen redzfs. zu richten Beginn aNer Veranstaltungen 1 9% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule. Millwoch, 11. März, in nachslehendea Lokalen. z.«bt. Lohann, Brütcrstr. 1«. 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Berlin". 91. Abt. Veraschfobhishe. starlsaartenstr. 6— 11. Stadtrat stark Schneider, !k lmvoetraa;.Wir klagen an". »8.«bt. s. Schule, Mariendorfer Weg. Major Leinrich:>P»N,el und Publikum". 10Ö.«bt. Lokal Puppert. Neuköllner Strohe. Stadtrat Emil Wuicko:.Da» Eeseh Eroh-Berlin". 163. Abt. Zahladevde in allen Bezirken in den bekannten Lokalen. 111. Abt. 20 Uhr, Pekera':.Die wivtfchoftlichen und sozialen Interessen her kaufmännischen und technisd-en Anaestellten und Boomten in her Nepublit". Beirren; Dr. Draht. Sekretär des«Haemeinen Deutschen Beaintendundes. Lokal: Daul Seimann, Waltersdorfer Str. 100. 123. Abt. Umständehalber wird d'e Abteilungsversammluna vom 11. auf den 18. Mär, verlegt Notiz erscheint noch. 131.«bt. Sanssouci, Nordend. staiser-Wilhelm�Str. 64. Paul Zippe!;.Sozial. oeestcheruna". 134.«bt. 18 Ubr Borstandsstäun« mit stimtllchen Iunktwnären bei Gkviert. am Bahnhof. Eichwalbe. Um 20 Uhr Mitgliederversainmwna bei Lindner. Bericht vom Unterbezirksparteitaa. Morgen, Donnerstag. 1?. Marz. 12. streis. 20 Uhr Jugendheim Stegliä. Albrechtstrah«. Svvechchorübun«. 17. ikreis. Bildungsauslchirh: Kursus.Mensch und Maschine", Rathaus. Möllendorfftrahr, Zimmer dl 5t. Abt. 20 Uhr Neuer Ratskeller, Turmz immer. Mitgliedenoersammlun». Sans Plettner:.Zur politischen Loge". 85.«bt. 1. Bezirk: Werbeabend bei Pinger, Dorsstr. 50. Erich stnttner, M. d.«.:.«efestelte Justiz". tz. Abt. Arbeitskreis der Jüngeren: Lokal Schauer, Treptower Str 90. Dr. Mänchen:..Sowietruhlaivd". 107. Abt.(Semeinfchaftshaus der Gartenstadt, Mi'aliederverfainmlung. Ker. mann Sarnifch. M. d. L.:„Das neue Geseb Groh. Berlin". Partei. anaelegenheiten und Perschled'nes.— ikunktionäre finde» stch 19 Übe.ein. 139. Abt. Tegel. Schnlzendorf, Leiligenl«, Stedluna am Babnhof Keiliaenfee. 20 Uhr Mitgliederoeesammluno im Lokal Beck, Reu-Keiligense«, am glmz- vlah. Maraarrte SNcnfalow'kq:.ieraiienrechte in Gefahr!" Auch die Frauen der Genosten stnd herzlich eingeladen. Freilag. 13. März. 11.»reis. 2« Uhr Lokal Pieadilll ifrühei Wilbelmahofl, Ebee,strahe. streis. vertretertaa. Di« alten Mandate behalten Gültigkeit. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte ist vorzuzeigen. Frauenveranstaltung. Aht.«öntgental. Donnerstag. 12. Mär», 20 Uhr, bei Reisel, Dahnhosftr. 76. Referentin Elfriede Roneck:„Ernstes und Seiteres". Vezirksausschusz für Arbeiterwohlfahrt 4. streis. Mittwoch. 11. Mär», UM Uhr. treffen stch die Seifer der Ardriter- Wohlfahrt an bekannter Stelle. Arbeilerbildungsschule. Sprechchor für Proletarffche Fef erstunden: Die Uebungostunde an diesem Donnerstag fällt aus. Nächst« Uebungsftund« Sonntag, 15. Mär». 10 Uhr, in der Arbeiferdildungsfchule, Lindenstr. 3, 2. Sos, t Tr. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. strei» Neukölln: Der Sjngetrcis Ivird ab morgen, Mifkwoch. wie folgt ein- «eteUt: von 16-17 Uhr Nelifalken, 17-18 Uhr Jung, und Note Falken. 18—19 Uhr Ehororbeifsaemclnschaff. Tempelhof: Iungfalkengruppo lagt heute nicht. Wir treffen un» mit den Roten Falken Donnersttg. 16!- Uhr, U-Bahn Ningbahnftrastc, zum Singechor. 30 Pf. Fahrgeld mitbringen. Tonksagung Für die legte Ehre die meinem lieben Mann erwieten wurde, tage ich allen leinen Freunden und Be- tonnten. leinen stollegen vom Wohl- lahrlsämt Fried ichshatn. iowie den Genossen der SPD meinen tiei- getithlten Dank. Im Namen der Sinterbtiebenen /okarr» Trrlmer Gterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 36. Abt. Unser alter Genosse Otto Glasow ist verstorben. Ehr- seinem Andenk-n! Einäschcruna Donnerstag, 12. März, lllth Uhr, Krematorium Eerichtstrasse. Um rege Beteiligung bittet die Adteilungslcitung. 136. Abt. Unser Genosse Karl N i c g al ist vcrstorbrn. Ehre seinem Andenk'n! Beerdigung morgen, Donnerstag, 12. März, um 15 Uhr, auf dem Städtischen Friedhot in Neinickendors-West, Sumboldtstroge. Wir bitten um recht rege Beteiligung. KLEINE ANZEKEN nmiiimiiiiuimiiiiiiiiiiimiiiiuumiuiiimmimiiimiiii Ueb«r*chrifUwort25Pf., Taitwart 12Pf. W ederholungsrabatttlOmalöProz, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz. 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuche: Ueberschriftswort 15 Pf„ Textwort 10 Pf/ Anzeigen, welche iür die nächste Nummer oeslimmt sind, müssen bis 4�/, Uhr nachmittags Im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch In sämtlichen Vorwärts-Filialen und -Ausgabestel en abgegeben sein ueritöüie| ITiayigesuciiel Teppichhan» Emil Leso-re. Berlin, seit 49 Fah- ren nur Oranien- strafte 158. Z-h. lungserleichteruug ohne Aufschlag. Spe- zialkataw« kosten- frei.' Zahngedlsse, Platinabkällr. Oueckstlber. Zinn- Metalle, Silber- schmelze. Goldschmel- zorei. Christionat, stövenickerstrafte 39. Salteftelle Adalbert. strafte. st-chherdel eiserne. Sa», stöhle jeder Art, Bade- einrichtung, Teil- zohlung. Wasch- kesscl. Oefen aller Art. Die alte Spe. ziallabrik Semmter u. Blenberg A.-S.. Dresden erstr. 98/100 Frühjahrshüie bei Wertheim. Die Frühjahrsm.ode bringt diesmol kleine und nroße Hutformen in schwarz, blau unld braun. Zum Kostüm unb Mantel behauptet sich nach wie vor die enganliegende randlos« Kappe: man sieht hier sehr hübsche Modelle in einfarbigen und ssemustevten Geflechten, vielfach auch vorn« mit Rips oder Crepe de Chine garniert, was die Kleidfamkett und den besseren Hutsitz unterstreicht. Zum Kleid trägt man kleinere Glocken aus den verschiedenartigsten schmiegsamen Geflechten: aus Fantasieborten, Spiit, Velour-toule(Sommervelour aus Sirohzeflecht). Eine neuartig« Hutform, Canotier, zeigt Glocken- form mit eingckniffler Krampe ähnlich dem längst vergessenen „Girarvi-Hut": in Verlin hießen sie„Potsdam". Eine schlichte, herb wirkende Kopfbedeckung, wie sie früher SttflSdamen bevorzugten: der Kontrast zu dem kecken Gesicht irgendeines flotten Mamiequins wird sich ganz lustig machen. Für den Abend wachsen sich die Glockensormen zu wahren Rissengebilden aus, die schwingenden Flügeln gleich das Gesicht beschatten. Um die wende des Jahrhunderts war der. 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März 1931 Ln der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 4UV!IU. gezogen 4 tNlninnt ja 25000 M. 215876 228090 2»ewinn« ju 10000 M. 361269 6»«Wien, zu 5000 M. 162008 201389 364789 16»«wiim« m 3000 M. 82290 157870 218220 219283 281061 285921 365916 382546 50 UetDinne zu 2000 W. 2919 9895 13441 17863 57655 72878 86086 111559 120457 179905 201590 207587 227275 287188 289236 317765 318936 339488 341209 356719 357428 357685 362700 372111 381542 104®«chine»u 1000 W. 5259 20294 21432 64022 65770 67006 75392 84478 99462 109650 109680 115205 122877 123204>23294 I32S45 136846 152355 154950 161826 162670 177416 134242 197479199833 207747 213344 230403 233300 242470 253443 257620 259116259175 265920 266114 266231 277423 273511 233519 285209 287693 295047 301025 305440 321305 321497 326351 350046 361332 391100 392878 1 33 S-winne ,u 500 M. 358 4207 5543 5707 14245 20882 24082 25439 27199 31337 34273 43315 48422 54075 59917 61403 63950 70895 74302 77831 81607 83718 85661 89739 94642 95031 95228 115474 128600 130155 140201 141718 144944 155862 156285156723 158830 162067 172204 174340 187014 190121 190465 190854 193562 194623 199742 204300 222425 223447 227524 229722 230710231226 236586 238610 241351 241706 241854 259601 260042 260217265427 269283 272232 273950 274990 278064 278496 282580 293113 293269 298511 300090 300766 300835 306727 312284 312662 322089 334938 336219 337861 347504 351776 354591 358823 360625 360881 380212 380764 383774 389307 394441 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2»«toinne zu 25000 M. 24343 2 Vevinne zu 1 0000 M. 44635 8»etninne zu 5000 71f. 117957 260640 322843 333711 16 Beminne zu 3000 W. 33802 44383 124644 158776 174084 174221 286520 298119 48 Beminnc zu 2000 M. 19507 20753 28439 28467 113492 119370 155988 159794 174677 201654 201861 206860 237657 241105 244727 251526 269681 275403 308327 327925 361709 372985 380661 382666 80-Winne zu 1000 911. 11538 20022 30833 34508 43733 68793 72056 76551 30719 105356 106433 113230 126477 149351 150556 155562 160753 172327 137134 138933 212437 224855 239135245027 246762 253791 254575 262413 268501 277085 282657 310275 313219 322035 336667 336333 339662 340343 341348 330000 132 ammne zu 500 M. 2288 14351 44336 50488 54498 55612 60776 64227 68122 79741 80184 82145 82781 88484 100934 120833 121192 133904 140367 149538 151030 152969 159665 161467 164144 173897 174783 190813 195514 195551 198454 199892 201071 202171 206017 208061 210309 210727 212937 217052 226507 227298 237901 238448 238825 241596 244030 257678 260141 261680 262212 266456 273265 273564 280335 281387 283069 285512 285532 286510 288339 292141 297436 297968 306234 316523 317365 321594 323421 325802 332020 333360 335151 339919 340459 341688 343244 350459 357618 363075 367923 370161 379530 380597 382147 334081 385024 391500 393094 394468 397430 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 5ÜOOOO, 2 Geioitine ju je 25900, 20 zu je 10000, 40 zu je 5000, 06 zu je 3000, 322 zu je 2000, 564 zu je 1000. 886 zu je 500, 2854 zu je 400 Mark. «riOKfWCflAfT ßEfiLIN U.UMGEGrfND T.G.n B.U Fleischwaren Frisdics Sdiwfincllcisdi Kotelett..... pfd ab l.OD Kamm n. Schaft... Ptd 0.95 Schulterblatt.... Pfd. 0.85 Bauch....... Pfd. 0.80 Rifckenfett..... pm 0.70 liesen....... pfd 0.65 Frisdics Rindflclsfli Rouladen.. Pfd 1.30 1.40 Schmorfleisch o.Kn. Pfd. 1.20 1.30 Goulasch... Pfd. 1.00 1.15 Roastbeef... pm l.oo 1.10 Fehlrippe...... pfd. 0.9) Querrippe... Pfd 0.70 0.85 Schabefleisch. pfd 1.20 Gehacktes... pfd 0.80 Frisdics Naslhalftfletsdi Pid 1.20 1.30 Kenie, Rücken I u. Brnstspitze I Brnst, Kamm n. Blatt pfd 1.15 1.25 Gcfricr-Hainniflllciscli I Keule u. Rücken... ptd 0.7o Dicke Rippe..... Pfd. 0.65 Dünnnng..... Pfd 0.55 Fetter Speck deutscher. ptd 0.96 Magerer Speck... Pfd. 1.24 Fristties Hammelfleisdi pfd 1.15 1.25 ptd 1.05 1.15 Pfd 0.95 1.05 Keule n. Rücken Dicke Rippe.. Oünnung... Gefrier- Bhdficisdi Rouladen...... pfd 1.15 Schmorfleisch o. Kn... Pfd. 1.05 Goulasch....... Pfd. 0.90 Roastbeef...... ptd. o.90 Fehlrippe...... pfd 0.75 Querrippe...... pfd 0.60 Beachten Sie bitte auch unsere bedeutend herabgesetzten Thüringer...... pfd 1.00 Preßwurst...... pfd O.SO Sächs. Blutwurst.. pfd 0.80 Fr. Blut- u, Leberwurst Pfd. 0.60 Wurstpreise Landieberwurst... Pfd. 1.00 Feine Leberwurst.. Pfd 1.6 Berliner Mettwurst pfd 1.20 1.60 Braunschweiger.. pfd 1.60 aus genossenschaftlicher Eigenproduktion um 10% ermäßigt Gemüsekonserven Junge Schnitt- und Brechbohnen 2 Pfd.-Dose 48 Pt. 30 Pf. Junge Schnitt- und Brechbohnen I 2-Pfd-Dose 65 Pf. 38 Pf. Kaiserschoten........... 2-Pfd-Dose 150 Pf. 80 Pf. Junge Erbsen m.geschn. Karotten 2-Pfd-Dose 70 Pf. 40 Pt. Gemüse-Erbsen........... 2-Pfd-Dose 58 Pf. 35 Pf, Karotten, geschnitten....... 2 Pfd-Dose 45 Pf. 28 Pf. Leipziger Allerlei(mit Spargel u. Morcheln) 2-Pfd-Dose 80 Pf 46 Pf. Spinat I, dick eingekocht......... 2-Pfd.-Dose 55 Pt. 30 Pf. Stangenspargel, mittelstark.. 2-Pfd Dose 200 Pf. 140 Pf. Stangenspargel, 50/60 er.... 2-Pfd.-Dose 225 Pf. 120 Pf. Brechspargel, mittel....... 2-Pfd. Dose 230 Pf 130 Pf. Spargelabschnitte......... 2-Pfd.-Dosei65Pf. 90 Pf. Obstkonserven ApfeimUS aus geschälten Früchten..... 2-Pfd.-Dose 80 Pf. 48 Pf. Erdbeeren.............. 2-Pfd Dose isopf. 95 Pf. Pfirsiche, halbe Frucht..... 2-Pfd-Dose 195 Pf. 105 Pf. Pflaumen, halbe Frucht...... 2-Pfd-Dose 85 Pf. 50 Pf. Pflaumen, ganze Frucht...... 2 pfd-Dose 70 Pf. 40 Pf Kirschen mit Stein......... 2-Pfd.-Dose 105 Pt. 55 Pf. Kirschen ohne Stein........ 2-Pfd.-Dosei20 Pf 65 Pf. Tomatenpüree........... 2-Pfd.-Dose 90 Pf 50 Pf. Die markanten Vorzüge der GEG-Konserven sind: Sorgf äitige AusSese— Gute FüSEung