BERLIN Mittwoch iL Mrz 1931 10 Pf. Ar. 1 1 8 B 59 48. Lahrgang Erscheint t S a l i ch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des»Vorwärts'. B zuaSxrcis beide Ausgaben hö Pf. pro Woche. ü.saM. pi o Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW sachlich liegt für sie keinerlei Veranlassung vor. gegenüber dem Panzerschiff S eine andere Stel- lmtg«inzuaehlnen. Bon allem anderen abgesehen erinnert sie Winter im März (Schnee und Kälie über ganz Mitteleuropa— München versinkt im(Schnee Das kalke Vinterwetler dieser ZNärztoge erstreckt sich zur Zeit über das ganze mitteleuropäische Festland. 3m bayerischen Allgäu ist die Schneehöhe infolge der anhaltenden Schneefälle der letzten Tage und besonders durch den Schneesturm ganz belröchl- llch gestiegen. Innerhalb kurzer Zeit find in der Gegend bei Kempten nicht weniger als sechs landwirtschaftlich« Aa- m e s e n durch die aus den Dächern lastenden Schaeemasscn eingestürzt. Die Temperaturen bewegen sich um zehn Grad unter Null. Auch in München ist neuerdings wieder reich. licher Schneesall eingetreten. München, 11. März. Am Dienstagabend um acht Ahr setzte aus» neue Schneesall «in und zwar in einer Stärke, wie überhaupt in diesem Minier noch nicht. Bis in die ersten Morgenstunden des heutigen Mittwoch schneite c» ohne Unterbrechung. Die Folge war, daß heute früh München förmlich in Schnee versunken schien. Eine beispiellose Erschwerung des ganzen Verkehrs trat ein. Die ersten Straßenbahnen konnten weist mir schritt- weis« verkehren, und an allen Haltestellen mußt« gehalten werden, um die Weichen und Gleise zu säubern. Die Autos kamen kaum noch vorwärts. Der Radfahrverkehr war überhaupt unmöglich. Die Straßenreinigung stand vor einer säst unmenschlichen Ausgabe. Noch in der Nacht wurden 56 Schnee- pflüge eingesetzt. Don früher Morgenstunde an waren 5999 Schneeräumer mit 2999 Absuhrkorreu an der Arbeit. Außer- dem hatte man über 159 Privatfuhrwerkc zur Abfuhr der Schnee- massen herangezogen. Auch der Bahnverkehr hatte schwer zu leiden. Der schweizerische Schnellzug traf mit drei Stunden Verspätung, der Pariser Schnellzug mit siebzig Minuten Verspätung, der Innsbrucker Schnellzug mit 49 Minuten Versgälung in München ein. Noch größer sind die VerkeHrsschwierigkeiten auf dem stachen Lande, wo in den Ortschaften selbst und auf den Straßen kaum noch ein Durch« kommen durch die Schneemasien möglich ist. Am Mittwoch vormittag klärte es sich auf, doch dürfte die Besserung nur vorübergehend sein. wlcn. 11. März. Seit etwa 5 Uhr srüh herrscht hier dichtes Schneetreiben. Der überraschend eingetretene Schneefall hat schon nach wenig», Stunden erhebliche Störung im Straßenbahnverkehr hervorgerufen. Baris. 11. März Aus fast allen Teilen Frankreichs, besonders aus den, Norden und dem Südosten, werden starke Schnee fäll« gemeldet. Die Hauptstadt bietet seit gestern unter einer dichte» Schneedecke ein ungewohntes Bild. In der Umgebung von Cherbourg liegt der Schnee Sst Zentimeter h»ch, i« Belfort macht der Schitec den Straßenbahn- und Omnibusoerkehr unmöglich.. Auf dem Elfäsfer Belchen erreicht der Schnee eine Höhe von 1H9 Mctdr.' Der Flugverkehr aus den bordwärts führenden Linien wird stark behindert. Aus verschiedenen Orten der Sllpen werden durch die Witterung hervprgerufene Felsstürze gemeldet. So lüften sich bei Bozels etwa 5999 Tonnen Felsmassen. Mehrere Häuser sind gefährdet. Bei Chatelard in Savoyen werden mehrere kleine Ortschaften von Erdrutschen bedroht. Di« in Bewegung geratene Fläch« umsaßt etwa 49 Hektar. Zahlreiche Häuser mußten von den Bewohnern geräumt werden. Zwei Gebäude sind bereits verschüttet. 50 Personen sind obdachlos. London, 11. März Die Kältewelle, die zur Zeit auch über England herrscht, hat 10 Todesopfer gefordert. In vielen Teilen des Landes sind zahl- reich« Dörfer und vrtschoflco völlig eingeschaell und von der Außen- well abgeschnitten, so daß teilweise sogar Nahrungsmittelmangel herrscht. ober an die Erklärung, die der.Herr Reichswehr mini st er bei der Beratung des vorjährigen Haushalts seines Ministeriums am 6. Mai 1939 in diessm Ausschuß abgegeben hat Der Herr Rcichswehrmimster stellte damals sest, daß er auf die Einsetzung einer ersten Rate für dos Panzerschiss B in Anbetracht der b e- sonders angespannten Haushaltslage verzichtet habe, nachdem vom Reichskabinctt in einer besoiüieren Entschlic- ßung festgelegt worden sei, daß mit dem Etat 1931 ein Schiffsbau- Ersatzplan, der auch den Ersatz der Linienschiffe enthalten sollte, vorgelegt würde. Die.Haushaltslage des Jahres 1931 ist noch angespannter, als die des Jahres 1939, und es wäre allo noch Zlnsicht der sozialdemokratischen Fraktion für die Regierung alle Veranlassung gegeben, auch diesmal auf die Inangriffnahme des Panzerkreuzers B zu verzichten. Wenn nun von feiten der Regierung und der bürgerlichen Parteien in diesem Zusammenhang auf die innerpolitische G e s o m t l a g e hingewiesen wird, so verschließt sich auch die sozial- demokratische Fraktion nicht der Erkenntnis, daß alle an der Auf- rkchterhaltung des demokratischen Regierungssystems und der Jb. wehr des Faschismus interessierten Parteien aus der gegenwärtigen Situation gewisse politische Schlußsolgerungen zu ziehen haben. Sie hat aber gerade deshalb unter allen Umständen das Recht, zu verlangen, daß, wenn überhaupt der Flotlenbau nach de» PlänenderRegicrung vorgenommen wird, zum mindesten die finanzielle Belastung, die durch das Flottenbauprogramm er- wächsp, durch eine eiusprccheixde Entlastung der arbeitenden Bc- völkerung ausgeglichen wird. Zu diesem Zweck wird sie bestimmtesteuerpolitisch« Anträge einbringen. und sie erwartet gleichzeitig ein Entgegen- kommen in ihren Forderungen auf sozial- politischem Gebiete. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann eine endgültige Stellungnahme der sozialdemokratischen Fraktion zu den angeforderten Schifssbauraten ersolgen. Wir werden uns deshalb bei der Abstimmung über die an- geforderte erste Rate für den Bau des Panzerschiffes B der Stimme enthalten Abg. Ersing erklärt als Sprecher des Zentrums, daß seine Partei dem Beginn des Baues des Panzerkreuzers B zustimmen würde. Im weiteren Verlaus der Debatte erllärtc der Volkspanetler H i tz m a n n, seine Fraktion werde jede neue Belastung des Besitzes oder Einkommens für den Panzerbau ablehnen. Abg. Kuhnl(Soz.) brachte Vorgänge aus Wilhelmschaven zur Sprache. Dort hotte man nationaksoziolistischen Arbeitern, die bei den Gemeinde, vahlen kandidiert hatten, aus Grund eines Erlasses gekündigt. Nach dem Ausfall der Wahlen seien die Kündigungen wieder rückgängig gemacht worden. wehrmlnlsler Groener erörterte zusammensasiend nochmals di: nach seiner Meinung ständig zunehmende Bedeutung der Ostsee. Er würde politisch ein toter Mann sein, wenn er von seinem bisher eingehaltenen Standpunkt zum Er-- neuerungsbau der Flotte abginge. Bei den Abstimmungen über den Etat wurden mit Ausnahme einer sozialdemokratischen Entschließung, die Ersparnisse bei drn Bauten schafft, alle Aenderungsanträge abgelehnt. Damit ist der Marineetat in der vorgelegten Form erledigt. Kauisky zum Moskauer Prozeß. „Wir sind alle einig in der Verurteilung von Lnterventionen und putschen." In der Mener„Arbeiterzeitung' erklärt Genosse Karl Kautsky, er sei seit jeher ein Gegner jeder bewaffneten Intervention und jeder Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes in Sowfetnißland gewesen. Meircungsverschiedeilheiten zwischen ihm und einigen seiner Freunde bestünden nur über die Frage, wie man sich verhalten soll, wenn ohne eigenes Auw» ein Aufstand in Rußland entstünde. Kautsky verweift auf«inen Artikel Oer ..Arbeiterzeitung', in dem die Hoffnung auf ein« Besserung der Wirtschaftslage und auf ein« friedliche Auflösung des Moskau r Terrors ausgesprochen war und schreibt dazu: „Dieser Weg, den Temrisutus zu Überwinden, wäre auch mir der sympathischste, doch scheint mir der Hinweis auf ihn gegenstände- los zu sein, weil ich es für ausgeschlossen halle, daß sich Rußland aus dem ökonomischen Zusammenbruch, den die bisherige bolschewistische Wirtschaft herbeigeführt hat. bei Fortgang dieses Systems jemals wieder zu wirtschaftlicher Blüte erhebt. Und das soll gar das Werk eines einzigen Jahres sein, des„entschaid.-nden' des Fünsjahresplanes! Aber Stalin strengt ja bereits all« die Riesenprozesse gegen die Ramsin und Gromann usw. nur zu dem Zwecke an, n« Die Waffendii Maschwengewehrschlöffer vor dem Schöffengericht Charlottenbvrg ! publiikaner bezeichnet sich mich d-er argentinische Staatsangehörige aus Galizien Hochhaus. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, daß der Nationalsozialist Hoppe ausgerechnet dem argem- tinischen Republikaner Hochhaus auf unredliche Weife erstandenes deutsches Waffengerät verkauft hat. Der Angeklagke Hoppe bestreitet die von ihm in der Voruntersuchung gemachten Aussagen: sie seien unter dem Drucke der Kriminalpolizei zustand« gekommen. Vo», Dörre habe er nicht 600 bis 800 Maschinengewehrschlöster, sondern nur 120 erhalten, und von dem Angeklagten Reimer nicht 1200, sondern 30 Stück: an Hochhaus Hab« er nicht 1200 Maschinen- gewehrschlösser, sondern nur 80 verkauft. Auch der Angeklagte Reimer will seine früheren Aussagen nicht mehr wahr haben. Er habe die Ersatzteile, die er von anderen Angeklagten erhielt, an Hoppe weiterverkauft in der Ueberzeugung, daß sie für die Firma Bosch u. Co. bestimmt seien, die im Auftrage der Be- Hörden gearbeitet haben und bei der Hopp« früher als Lager Verwalter tätig war. Im ganzen will er nickst mehr Äs 45 Stück an Hoppe verkauft haben. Wenn er seinerzeit die Zahl 1200 ge- nannt Hab«, so nur deshalb, um zu vermeiden, daß auch feine Frau verhaftet werde. Am ganzen Geschäft habe er nicht mehr als 120 W. verdient. Der Angeklagte Paetel machte es nicht anders als Hoppe und Reimer. Bei einer Gegenüberstellung mit Reimer hatte Paetel ganz ausführlich geschildert, wie er die 400 bis 500 Schlösser geliefert habe, heute behauptet er, Reimer im ganzen nur 25 Maschinengewehrschlösser verkauft zu haben, die er im Walde gesunden habe. Er ist von den Spandauer Werkstätten fristlos entlassen worden lind Hot gegen die Entlassung keinen Einspruch erhoben. Oie»befreundete Machte Zu einem Zwischenfall kam es be» der Dernehnuing des algentinifchen Staat sangichörigen Hochhaus. Er erklärte, daß ihm nur völlig unbrauchbare Ersatzteile geliefert worden seien, die erst durch Bearbeimnz wieder brauchbar gemacht werden kennten. Er könne nicht sagen, wieviel Maschinengewohrschlösser er von hopp? erhalten habe. Es werden wohl einige hundert gewesen sein. Aus die Frage des Beisitzers, an wen er diese Maschinengewehrschlöster weitergeliefert habe, erklärt« der Angeklagte Hochhaus, daß dies eine befreundete Macht gewesen sei. Der Staatsanwalt beantragt. diesen Fragenkomplex bis zum Schluß der Beweisaufnahme zurück- zustellen und dann evtl. die Oeffentlichkeit auszu» schließen. Die Verteidiger erklären, daß der Angeklagt« nicht die Absicht gehabt habe, diese Frage anzuschneiden: da dies setzt doch geschehen sei, müste ausdrücklich festzestellt werden, daß dies: Waffenlieferungen mit Wissen und Willen der Behörden vor sich gegangen feien. So seien einmal von der Polizei 500 Maschinen- gewehrsckzlöster, die von-Hochhaus geliefert werden sollten, beschlag- nahmt worden: aus die Intervention des Auswärti- gen Amtes feien sie dann wieder freigegeben worden. Ein oirderes Mal habe ein Kriminalbeamter mit Wissen seiner vorgesetzten Behörde den Wagen mit Waffenteilen bogieit-t. Das Gericht zieht sich zur Beratung über den Ausschluß der Oeffent- lichtest zurück. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende fol- genden Besehliiß: Das Gericht hält die Beantwortung der vom Beisitzer an dey Angeklagten Hochhaus gestellten Frage in diesem Augen- blick nicht für sachgemäß: der Beisitzer zielst die Frage zurück. Sündenböcke zu haben, auf die er die Volkswut über das Ausbleiben des wirtschaftlichen Ausschwungs astlenken könnt«, den der Fünfjahresplan vergeblich zu bringen sucht. Das sind die Fragen, die in unseren Reihen!n bezug auf Ruß- lemd diskutiert werden. Dabei darf ich wohl sage», daß mindestens innerhalb der m e n s ch e w i st i s ch e n Partei, die Mehrheit?- verhältniste für jede der beiden Fragen andere sind. Die Mehcheit steht wohl im Gegensatz zu mir auf dem Standpunkt, daß jeder Ausstand gegcn den Bo'schetvismus in Rußlaird gegenrevolutionär wirken müsse, nicht die Demokratie, sondern eine Art topitalistischen Faschismus bringen werde. Andererseits, soweit ich sehe, stimmt die große Mehrheit meiner menschewistischen Freunde nnt mir überein in der Ueberzeuaunz, daß der Fünfjahresplan not- wendlgerweise scheitern muß, daß nicht der Terror durch wirtschaftlichen Zlusschwung überwunden werden wird, sondern daß vielmehr größere Bewegungsfreiheit der Massen durch Demokrati- sierung des Staatswesens die unerläßliche Vorbedingung jeder wirt- schaftlichcn Erholung Rußlands ist. Sie unterscheiden sieh von mir nur durch die Art, wie wir uns das Kommen dieser Dcmokvatisie- rung vorstellen. Mit den Anklagen gegen die Menschewiken und unser« Inter- nationale, die bei den? jetzt abgeschlossenen Moskauer Prozeß er- hoben wurden, haben dies« Differenzen in unseren Reihen nichts zu tun. Denn, ich wiederhol« es. wir sind alle einig in der verurkeilnng von Znlerveulionen und Putschen. Für unsere politische Praxis in der jüngsten Vergangenheit und der Gsgenwart kommep dies« Differenzen überhaupt nicht in Betrachi, sie könnten erst Bedeutung gewinnen in dem Moment, in dem in Rußland ein großer Aufstand losbricht. Man kann mit einem solchen rechnen, nicht aber ihn vorbereiten. Alles Gerede über die Vorbereitung eines solchen oder einer Intervention ist freche, be- wußte Lüge der Anstifter des Moskauer Schairdproz sses. Diesen Lügen gegenüber gibt es nicht den mindesten Unterschied zwischen meinen Freunden Dan und Abramowitsch und mir.� Oas Ergebnis der Nußlandfahri. Große Mehrbestellungen gegen langen Kredit versprochen. Die deutsche Jndustriedklezation ist aus Moskau zurückgekehrt: zugleich auch Generalkonsul Schlesinger von der Ostabteilung des Auswärtigen Amts, der in Mvstäu Besprechungen über die im Mai in Berlin bevorstehenden deutsch-russischen Schlichtungsverhandlungen geführt hat. Heute mittag berichten die deutschen Industriellen dem Reichskanzler Dr. Brüning und dem Reichsaußenminister Dr. Eurttus. Auf Grund der Moskauer Besprechungen wird die Sowjetregiening im laufenden Jahr für 300 Millionen Mark mehr Auströge als im Vorjahr in Deutschland unterbringen. Diese Austräge sollen zum 1. April d. I. vergeben werden. Da Rußland bereits eine Steigerung der Bestellungen in Deutschland im Jahre 1931 um 200 Millionen Mark im Vergleich zu 1930 vor- gesehen hatte, wird sich der Gesainwmfang der Sowjetausträge in Deutschland in diesem Jahr um 500 Millionen Mark höher stellen als im Borjahr. Was die K r c d i t f r a g e anbetrifft, so ist ange- ficht» der Größe der Auftrageobjekte eine gewisse Verlängerung der 5k?ediksrist«n in Ausficht genommen. Sowjet-Oiplomatifches. Der Mostauer Sowjet hat dem tschechoslawarischen Lsgationsrät Stil i p den Aufenthalt in Rußland als Privatperson ans drei Monat« gestattet. Dar erste Sekretär der Sowsetgesandtsehaft in Teheran, Tu n o r o w, der Generalkonsul Schaturow und zwei weitere Beamte sind nach Moskau berufen worden, um über ihre Tätigkeit Bericht zu erstatten. Es wird vermutet, daß die Beamten zur Opposition Beziehungen unterhalten haben Lügen-Gtein gegen Lobe! Ein Hugenberg«Journalist. Einen verlogenen Angriff auf den Reichstogspräsidenten Ge- nassen Löbe hat sich neuerdingz wieder Im„lag* Major a. D. von Stein geleistet, dem vor einigen Jahren wegen einer schweren Er- krankung Löbes der dienstälteste Vizepräsident des Reichstags wegen eines besonders gehässigen und verlogenen Artikels die Karte zur Iournalistentrrbüne entzogen hatte. Daß die erste Amtshandlung des wiederhergestellten Präsidenten darin bestand, jene Verfügung wieder auszuheben, hindert den ehrenwerten Herrn nicht, seine saubere Arbeit gegen ihn im„Tag* und In zahlreichen Provinz- blättern fortzusetzen. Unter der Ueberschrift„Das Ministergehalt des Reichstagspräsidenten* gibt er einen Bericht über die Verhandlungen zum Haushalt des Reichstags und stellt es als Verdienst der abwesenden Rechtsparteien hin, daß die Aufwands- enischädigung des Präsidenten um 50 Proz. gekürzt worden ist. Würde Herr Stein die Verhandlungen des Haushaltsausschusses auch nur mit einiger Ausmerksamkeit verfolgt haben, so hätte ihm als Parlamentsberichterstatter nicht entgehen dürfen, daß Löbe selbst im Haus Halteausschuß In der Sitzung vom 25. Februar 1931 einen entsprechenden Antrag gestellt hat, nachdem der Vorstand des Reichstags im Herbst vorigen Jahres es abgelehnt hatte, im Eni- wurf des Haushaltsplans dies« Anregung des Präsidenten zu be- rücksichligen. Der Antrag wurde vom Haushaitsausschuh an- genommen und vom Plenum am 6. März 1931 bestätigt. Das ist der einfache Tatbestand, wie er aus den Berichten des Haushaltsaus- schusses und des Plenums klar und unzweideutig hervorgeht. Was der Oeffentlichkeit aber nicht ohne weiteres bekannt sein dürfte, jeder- zeit aber einwandfrei nachgewiesen werden kann, ist, daß auch frühere Präsidenten des Reichstags bereits eine Auf- wandsentschädigung in Höhe der doppelten Entschädigung der Ab- geordneten bezogen haben, und daß die weitere Erhöhung auf das Vierfach« nicht nur ohne Zutun Löbes, sondern sogar gegen seinen Willen aus Antrag der bürgerlichen Parteien beschlossen worden ist, vergleiche die Drucksache des Reichstags Nr. 3152 der III. Wahl- Periode 1924, die als Antragsteller die Namen der Abgeordneten Graf v. Westarp, von Guärard, Dr. Scholz, Leicht und Fraktio- »en trägt. Und das Interessanteste an der Sache ist, daß die An» regung dazu von einem hervorragenden Mitglied der Deutsch- nationalen Volkspartei, dem früheren Abgeordneten Schultz(Bromberg), ausgegangen ist, der vor Einbringung de« Antrags Graf von Westarp in vertrautem Kreise sich für eine solch« Erhöhung eingesetzt hat. Ferner ist zu erwähnen, daß Löbe, obgleich der Borstand seinem Wunsch« um Herabsetzung der Aufwands- «ntschädigung auf die Hälfte nicht entsprochen hatte, seit dieser Vor- fiandesttzung. d. h. seit etwa einem halben Jahre nur noch die Hälfte der besonderen Entschädigung von de? Reichstagskasse abgehoben hat. mithin bereits praktisch im Jahre 1980 ausgeübt hat, was Haushaltsausschnß und Reichstag nunmehr erst für das Rechnungsjahr 1931, also vom 1. April 1931 ab, sörm- lieh besckzlossen haben. Herr Stein gibt sich wirklich ganz überflüssige Mühe. Die Welt kennt den Reichstogspräsidenten Löbe. Und wer etwas Zeit hat, sich auch mal mit den minder wichtigen Dingen zu beschäftigen, weiß auch, wer der Major Stein ist. Ein kleiner Bernfsverleumder, der bei Hugenberg in festem Gehält steht. Hitler als Prophet. Er hat die Flucht aas dem Reichstag vorausgesehen. Die„German! a* stellt heute fest, daß sich H i t l e r an seiner eigenen Partei alz Prophet bewährt hat. Nachdem er nämlich in seinem Buche„Mein Kamps* zunächst von den großen Schwierig- ketten erzählt,„die einzelnen Parteibetriebe der Kritik und dem Hin- einreden von soundso vielen Ausschußmitgliedern zu entziehen*, schreibt er wörtlich weiter: „Das beste Mittel, solche Ausschüsse, die nichts taten oder nur praktisch undurchsührbore Beschlüsse zusammenbrauten, unschädlich zu machen, war allerdings das, ihnen«ine wirkliche Arbeit zuzu- iveisen. Es war zum Lachen, wie lautlos sich dann solch ein Verein verflüchtigte und plötzlich ganz unauffindbar wurde. Ich gedachte dabei unserer größten derartigen Institution, des Reichstag, wie würden da plöMich alle v'eduslen wenn man ihnen nar stall dem Gerede elne wirkliche Arbeit zuwiese, und zwar eine Arbeil. die jeder einzelne dieser Schwadroneure unter See. fönlichster Verantwortung zu leisten hälie.* Di«„Germania* schreibt dazu:„Wunderbar hat sich Adolfs Weissagung erfüllt an seinen tapferen 107 Mannen im Reichstag, die sich alle„verflüchtigten* als es galt, an Stelle von Radon und Phrasen einmal wirklich praktische Arbeit zu leisten.* Sei lewei noch... Oie»KreiiZ'�eiitttiq* bleibt uns erhalten. Da»„Berliner Tageblatt* hat die Nachricht verbreitet, daß die „Kreuz-Zeitung* am 1. Juli ihr Erscheinen einstellen werde. Wie die.�Kreuz-Zeitung* jetzt mitteilt, entspricht dies« Nachricht nicht den Tatsachen. Ebensowenig richtig sei es, daß noch Verhandlungen mit einem anderen Rechtsblatt über eins Druckgemeinschaft unter Verzicht auf«ine eigene Redaltion geführt würden. Die„Kreuz- Zeitung* werde auch in Zukunft in gewohnter Weise und unter Wahrung ihrer vollkommenen politischen Solbständigkeit erscheinen. ckeuosfe Hermann Müller hat End« vergangener Woche einen Rückfall seines alten Leidens erlitten, der fein« llcberfübrung in eine Klinik notwendig mochte. Armer Bismarck! Gegen Adolf den Großen kann er nicht aufkommen. Es geht nichts über eine tüchlige Reklame? Di« Nazifühver lassen sie von ihren eigenen Blättern für sich ausführen. Wenn zum Beispiel der„Angriff* des Herrn Goebbels über das.zauberhafte, unnachahmlich« Goebbelelöcheln* schreibt, so hat jedermann den Ein- druck, daß hiermit der Gipsel--- vornehmer Zurückhaltung erklommen ist. In München wird die Gefahr, daß die Goebbelsreklame die Hitlerretlame überflügeln möchte, mit ernstem Augenrollen beob- achtet. Deshalb muß Hitlers„Völkischer Beobachter* jetzt aus eine.' dänischen Zeitschrift einen Artikel übernehmen, der den Vergleich zwischen Otto v. Bismarck und Adolf Hitler zieht. Na- türlich fällt dieser Vergleich total zuungunsten des Eisernen Kairz- lers aus, der sich mit dem brillanteren Osas nicht im mindesten messen kann. Wir zitieren: „Weniger durch die Umgebug bestimmt als Bismarck und ohne dessen«inseitig-polltische Einstellung gegenüber der Umwelt, besitzt Hitler eine größere Ur- sprünglichkeit. einen weiteren Blick und«in sei- ii eres Verständnis für Menschen und menschliche Verhält- nisse. Hitler, der in keiner Weis« an Festigkeit und Stärke hinter Bismarck zurücksteht(oergleiche seine Flucht im Auto am 9. No- vember 1923 mit der berühmten„Prellung des Armes*. Red. d. ,.V.*), würde zum Beispiel niemals ausgesprochen haben, daß die große Politik durch Blut und Eisen gemacht werh«.(Nämlich nach Hitlers Ansicht durch Phrasen. Red. d.„V.*)* Wir veröffentlichten jüngst jenen Schmeichlerbrief des Höslings und Reichskanzlers Fürsten Bülow, der— an Phili Eulenburg gerichtet— zur Kenntnis des Kaisers bestimmt war. Da hieß es bekanntlich:„Neben dem Großen Kurfürsten und dem alten Kaiser erscheint mir Wilhelm II. als der bedeutendste Hohenzoller, der je regiert hat.* Bülow war als Schmeichler eigentlich noch bescheiden. Er setzte Wilhelm nur neben sein« bedeutenderen Vorsahren. Hitler steht für die Nazi» bereits über Bismarck. Wir aber denken an das Ende, dos der gelobhudelte Wilhelm als Monarch nahm.... Aussperrung in Norwegen. �2500 papierarbeiier in Oslo betroffen. Oslo. 11. März. . Die Vermittlungsversuche im Arbeitskonflikt in der Papie, industri» wurden Dienstagnachmittag ergebnislos abgebrochen. Ll> Sonnabend werden daher 12500 Arbeiter ausgesperrt werden Finanznot der Landkreise. FenregeZung der Erwerbslosenh.lfe. Der Deutsch? Londkreistag hatte am Dienstagabend die Bertretcr der Preise geladen, um die Finanzlage der Kreise, Maßnahmen zur Abhilfe der Finanznot in den Kreisen und zur Neuregelung der Arbeitslosenhilfe zu besprechen. Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Dr. von S t e m- p e l, ging in seinen Ausführungen auf die katastrophale Entwick- lung der Wohlicchrtserwerbdosenfragen in den deutschen Landkreisen ein. Die kalaftrophale Entwicklung der Erwerbslosigkeit habe die mit Industrie stark durchfetzten Landkreise in große Finanzlchwierig- leiten gebracht. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslofen, die für die Landkreise in Betracht kommen, betrug am 31. August 1930 174 000, am 30. September 190 000, am 31. Oktober 213 000, am 30. November 247 000, am 31, Dezember 290 000, am 30. Januar 1931 bereits 325 000. Der monatliche Aufwand in den deutschen Landkreisen beträgt ungefähr 20 Millionen Mark. Da die Land- kreise auf die folgenschwere Entwicklung der Erwerbslosigkeit nicht in dem Maße vorbereitet waren, sind bereits SO bis 70 Landkreise an den Rand des Ruins gebrocht worden. Die Steuergesetzgebung der legten Jahr« hat hinsichtlich der Erschließung neuer Geldquellen mit Bezug auf die Landkreis« nicht Schritt gehalten mit dem Umsang der ihn«» übertragenen Aufgaben. Wachsenden finanziellen Anforderungen stehen sinkende Steuereinnahmen gegenüber. Die Rücklagen sind allmählich verbraucht. Bor allen Dingen die mit Industrie durch- setzten Landkreise schließen mit großen Fehlbeträgen ab. Die Land- kreis« sind Bezirksfürsorgeverbände und als solche Träger der Wohl- Der polnische Wahlterror. Hohenbirkener Exzesse vor Gericht. Die Allee lälU. Auf dem Berliner Kurfürstendamm ist mau jetzt dabei, die Bäume der Mittelalle« zu beseitigen. sahrtserwerbclosenlasten in der Höhe von 70 Proz. Während den Gemeinden neue Steuerquellen zugewiesen wurden, ist das bei den Landkreisen nur in ungenügendem Maße der Fall. Um diesen finanziellen Schwierigkeiten entgegenzutreten, hat der Lanokreietag einen Gesetzentwurf für die Erwerbs- losen hilf« ausgearbeitet. Es ist darin vor allen Ding«., eine Bedürftigkejtsprüsung vorgesehen, die unter Wegfall der Lohn- klaffen rein individuell und nach Richtsägen vor sich gehen soll. Die Durchführung der Fürsorge soll dagegen bei den Ar- beitsämtern liegen, da diese die ArSbitsvermittwng bei sich durchführen müssen. SÄbstnerständlich muh dt« kounnende Neu- reg«lung, l«i es durch Notverordnung, sei es durch Gesetz, im Ein- vernchmen mit den kommunalen Spitzenverbänden getroffen werden. An die Ausführungen des Präsidenten fhloß sich«ine all- g»m«in« Aussprache an, in deren Berlaus mtercssarcke Mit- tsilung«n über die Notlage in den einzelnen Kreisen gemacht wurden. Es stellte sich heraus, daß der im Verhältnis zu jeinsr Leistiiiigejähigteit am schwersten belastete Kreis der Landkreis Oppeln ist. Es folgen die Kreise R a t> b o r, Schweidnitz. Rcckiinghanfen, Königsberg /Pr., der Sieg- � reis, der Kreis Calbe, dann Waldenburg(Schief.) und Neustadt(Ov.) Aus dieser Aufstellung ergibt sich, daß einige Kreise Oberschlesiens im Berhältnis zu ihrer Leistunpsfählgkest von der Last der Wvh'fahrts- E.rwerbslpfcnsürsorge am schwersten betroffen sind, obwohl sie im Vergleich zu reicheren Kreisen verhältnismäßig weniger für die Erwerbslosen aufwenden._ Eine Kalenderausstellung. Im Buchdrucker-Gewerkfchastshaus kann man eine kleine instruktiv« Ausstellung von Kalendern sehen(Dreibund- straßc 5, U-Bahnhof Kreuzberg; Eintritt frei). Leider ist nicht alles zu loben und nicht einmal das Meiste: das Meiste ist entweder gut gemeint, aber in Druck oder Farbe und Ornament verschen, oder in fener unglücklich altmodischen Art geHallen, die einen Kalender durch Beifügung von farbig reproduzierten Bildern, Landschaften oder sonstigen Annehmlichkeiten glaubt zu.künstlerischem Wandschmuck" erhöben zu wüsten Einen Kalender aber drucktechnisch, farbig und ornamental rrchlig auf seine Unterlage zu montieren, daß er allseitig befriedigt und einen wirklich erfreulichen Zimmerschmuck darstellt. ist ein« schwere Kunst. Man sollte auf solche kleinen Dinge des 'Alltags mehr achtep und sich nur Gutes aushängen: ein Kalender, den man 3ft5 Tage anzuschauen hat, sollte bildend für de» Geschmack sein. Wie man es machen kann, zeigen ein paar Beispiele(leider sind sie nicht besonders herausgehoben, und es ist nicht ganz leicht, sie zu finden und die Gründe ihrer Oualllät zu schätzen). Durch gut« Anordnung der Schrift und der Farbe wirken die Kalender von Bendix Lemke und des.Kasseler Vastsblatts": durch vorzügliche Farbenornamente die Stuttgart«? Union(so nämlich darf man noch Ornamentik betreiben!): durch ein« in Schworzrotgold prächtig stilisierte Heraldik Gebr Feyl: durch gute Verbindung von Schrift und Photomontage Oertel u. Spörer. Reutlingen, und die Hänelsche Buchdruckerei in Magdeburg. Durchgängig anständig und mi besten Sinne modern gedruckt sind die ausgestellten Neusahrswunschkarten: manchmal klein« Meisterwerke der Setzerkunst. Allerdings ist die Aufgabe hier auch unvergleichlich einfacher. p. f. scb. Rybutk. 11. Marz. Unter außerordentlich starkem Andrang von Publikum und Pressevertreter» begann der Prozeß wegen der Exzesse am 19. Ro- veinber v. I. in H obenbirken gegen Deutsch«. An jenem Tage drangen spät abends Aufständische in die Wohnungen deutscher Be- wohner ein. Die Wohnungen wurden vollständig demoliert, die Wohnungeinhaber und ihre Angehörigen teilweise sehr schwer mißhandelt. Unter den An geklagten ist auch der Polizei- kam Mandant von Hohenbirken, Koncza, sowie der polnische Schulleiter Szyinonski.— Den Vorsitz führt Richter S t o- d o! l a k. Die Angeklagten bestreiten jede Schuld und versuchen ihr Alibi nachzuweisen. Polizeikommandout Konrza erklärt, daß ihm nichts von Genxlltakten der Hohenbirkener Aufständischen bekannt sei, diese hätten seinerzeit einen Umzug in Hohenbirken veranstaltet. der sehr ruhig verlaufen sei. Danach haben Umzugsteilnehmer darunter auch er(Koncza), eine Gastwirtschaft aufgesucht und dort bis 12 Uhr nachts gesessen, während die Gewaltakte angeblich zwischen Mll und �12 Uhr verübt worden seien. Koncza be- hauptet, die deutsche Minderheit in Hohenbirken habe starke Pro» paganda betrieben, die die polnische Bevölkerung in Auf- r« g u n g bringen mutzte. Außerdem sei die polnische Bevölkerung von Hohenbirken auch durch reich»- deuische hiklerleule an der Grenze wiederholt provoziert worden. Der Angeklagte Szymanski äußert sich in gleichem Sinuc. Die anderen Angeklagten geben an, mit den Minderheitsongehörigen im schönsten Einvernehmen gelebt zu haben. Als erster Zeuge wurde der SMvsfer Sollich vernommen. der seinerzeit den Mißhandlungen nur dadurch entronnen ist, daß er sich in einem unbewachten Augenblick durch das Fenster in den Stall flüchtete, wo er sich stundenlang nur mit dem Hemd bekleidet verbergen mußte. Die Namen der Täter hat dieser Zeuge aus einem Gespräch mit Dorftindern«rsalrren. Dem Zeugen S ch o l t y s find in feinem Wohnliaufe 77 Fensterscheiben zertrümmert worden. In die Küche wurden fünf Schüsse abgegeben: cin weiterer Schuß drang in das Schlafzimmer. Zu Mißverständnissen kommt es. ms der Vorsitzende die Frage nach der Höhe der Entschädigungsansprüche an- schneidet. Die Betroffenen hallen von« Deutschen Bollsbuich nach dem Uebsrfall Darlehn erhallen, die sie nach Regelung der Eill- lchädigungsfragen zurückzuzahlen haben. Mit der Aufrollung dieser Ding« wollt« di« Berlcidigung der Awgeklagien den, Gericht die Meiming aufdrängen, vaß die Opfer der Gewalltätigkeiten bezahlte Agenten des Deutschen Bolksbundes gewesen wären. Der Anwall der Nebenkläger, Dr. Zech enter, erhob dagegen Einspruch mit der Begründung, daß die Entschädigung»» frage in einen Zivilprozeß, nichr aber in diesen Skrmprözeß hu>° eingehöre. Das Gericht ließ seooch die Erörterung der Entfchädi- gungsfrag? zu. Der Gsrichtsvorsttzende griff immer sofort scharf ein, sobald die Angeklagten auf die Vorfälle am Wahltag selbst zu- rückkommen wollten, um darzutun, daß der Schulleiter Szymanfki die treibende Kraft der Deutschenhetz« gewesen sei. Dagegen konnte sich Szymanfki selbst recht ungeniert über olle diese Dinge aus- sprechen und das Verhallen der deutschen Minderheit als provo- zierend erklären. Den gejchädigteu Deutschen erklärte der Richter, daß man nicht über die Sauberkeit der Wahlen zu reden habe, sondern lediglich über die angeklagten Straflate«. Nur einer der bisher vernommenen sechs Zeugen konnte die Angeklagten bestimmt als Täter bezeichnen, der Zeuge N« u g e- b a u« r jedoch, dessen Schilderungen feiner Mißhandlung und der Zerstörung seiner Wohnung den denkbar stärksten Eindruck machte. will den Angeklagten Popello wiedererkennen. Der erste Polizei- kommandant von Hohenbirken. der am folgenden Tag« bei Reuge« bauer eine Besichtigung vornahm, äußerte sich zu ihm. diejenigen. die das gemacht hüllen, feien keine Menschen mehr, sondern Schweine. Die Zeugen bekundeten, daß fast in allen Fällen die Aufstündi» scher, sich den Zugang zu den Wohnungen verschafften, indem sie sich Äs P o k i z i st e n auegaben, serner, daß die Täter durchweg Leute waren, die schon ein« gewisse U e b u n g in Ueberfällen hallen. Be- sonders anmaßend benahm sich der Polizeikommandant Koncza: er trat im Kreuzverhör so aus, als wenn er am licbftcn als Kläger gegen die Nebenkläger aufgetreten wäre. Da die Zeugenvemehnwng sehr langsam vor sich geht und der Vorsitzende sehr gründlich dabei verfährt, miederhall auf schon vernommene Zeugen zurückgreift und deren Aussogen mit denen der nachfolgenden oergleicht, dürste der Prozeß mehrere Tag- daue-n. Wo sich die geringsten Bclaswngsmomente ergaben, beginnt so- fort ein Kreuzverhör des Gerichts und des Verteidigers. Der» einzell wurden die Angaben vor der Polizei nicht aufrecht- erhalten, offenbar aus Furcht vor neuem Terror. Die Mrainer fordern Reparation. Warschan. ll. März.(Ost-Expretz.) Di« Äerhandlungen Zwilchen den ostgnlizischen Ukrainern und der polnischen Regierung dauern noch an. Di« Ukrainer fordern Wiedergutmachung der bei der sogenannten Besriedung Ost- galiziens verursachten Schäden, Wiedereröffnung der geschlossenen ukrainischen Schulen und Freilassung der gefangenen Führer. Die Regierung erhebt weitgehende Gegenforderungen, darunter Zurückziehung der ukrainischen Minderheitsbeschwer- den in Genf. ,Mwa'd-Ginfonie." llfa-pavtllon. Da» unermeßliche Stromgebiet des Amazonas hat Film- expeditionen immer wiehsr gelockt. Bor einigen Jahren sahen wir den Filln des Herrn v. Düngern und inzwischen auch einige andere weniger wichtige. Jetzt wird au» dem Nachlaß des auf seiner Ex- pcdllion 1929 verstorbenen August B r ü ck n e r«in neuer Amazonen- film geboten, der neben manchem Bekannten vieles Neue vorführt. Di« G-brüder Eichhorn, Teilnehmer der Erpedition, haben mll Unterstützung von Georg E. F. Schulz aus dem riesigen Material einen handlichen Film gemacht. Urwald-Sinsonie— ja, das ist in der Tat der Eindruck dieses Films. Nur die einleitenden Kapitel sind der riesigen der Strom- mündung vorgelagerten Insel Marayo gewidmet. Wieder einmal wird die mörderische Bcrnichtungsjagd auf die Krokodile vorgeführt. wieder einmal sehen wir die Pyranhas.'die gefräßigsten aller Fische, bei der Arbeit, und wieder sausen die unübersehbaren Herden der Pferde und Rinder über die Steppen. Dann aber beginnt die Fahrt auf dem 5.500 Kilometer langen Strpm mll dem unübersehdaren Gewirr seiner Nebenflüsse: der Urwald tut sich auf. di« grüne Hölle diktiert ihre Gesetze. Rechts und links der Flüsse erheben sich dt« massigen Wälder. Wochen- und monatelang sieht der Reisend« nichts wie die schwere Monotonie dieser grünen Undurchdringlichkell. Aber In der tropischen Hitze entwickelt sich ein kribbelnde» Leben, fressen und gefressen werden ist das nie endend« Thema. Es ist das Der- dienst des Films, aus diesem quellenden Reichtum des Tierlebens höchst charakteristische und durch die vergrößernde Wiedergabetechnit sehr anschauliche Bilder darzubieten. Vogelfpmnen. Gottesanbeterinnen. nistende Kolibris, ein Thermiten jagender Ameisenbär, lang- armige Affen von höchster Klellersähigkeit, das Faullier, das sich nicht aus seiner stoischen Gemächlichkell bringen läßt— das sind nur einige Beispiel« aus dem Repertoire. Ganz große Klqsse sind die Bilder, di« die Blattschneiderameisen in ihrer Tätigkeit vorführen. Die gestorben« Stadt Makao» brellet ihre Ruinen willen im Urwald aus. Wechselnde Konfunkrur hat die Kautschukproduktion dort lahm» gelegt. Voran ging eine leichtere Kost: Herstellung des Porzellans und ein entzückender Tricksilm..Mickymaus in de? Eisregion" mit Ballett- szenen der Seehunde und Pinguinen. Eharli« Chaplins Empfang in Berlin war auch bereits zu sehen. Man empfand einigermaßen Mitleid mit dem Märtyyrertum des Ruhmes. k). Zweimal Orpheus. Im Rundsank. Es war wohl«ine etwas„literarische" Programmidee,«ine Spielerei für Gebildete—, diese Zusammenstellung von Claudio Monteverdis und Darius Milhauds„Orpheus". Der Rundfunk- Hörer gewinnt von der Handlung eines Bühnenwerkes, das ihm neu ist, genmuhii! nur ein blasses Bild; und das gerade, worauf es für die Beurteilung einer Oper vor allem ankommt— wie die ?lusgabe des Dramatikers erfaßt und bewältigt, der Stoff szenisch gestallet ist da» vermag sornem Ohr der Hindruck, den das Mikrophon übermillell, doch eben nur andeutend z» gehen. Ahr? stark und launlltelbar wirkt dar äußerst« Stilgegensatz dieser beiden Kompositionen, zwischen denen«ine Entwicklung von drei Jahr- Hunderten liegt- die Geschichte der Oper von ihren Anfängen bi» zur füngften Gegenwart. Daß MonteverdI ein. bahnbrechendes Genie einer nauen Kunstform gewelen, lehrt die �vdiistkgoschichte: sein erster Bor'oß auf dem Gebiet der Oper,„Orpheus", besteht als eines der ä/testen, berühmtesten BesspiÄe der Gattung. Es märe der Muh« wert, da- mll«inen Versuch auf einer unserer Opernbühiien zu machen. Gestern hörte inan einen Querschnitt daraus, schöne,«die Musik, in sorgfällig vorbereiteter Wiedergabe, nur zun, T«U in gar zu fei«» lich-brellem Tempo, das wohl auf Mißverständnis beruht Der Dirigent des Abends, Hermann Scherchen, ist ohne Zweifel heimischer beim modernen Franzosen Milhaud Diese knappen drei Akte—„Die Leiden des Orpheus"— sind gewissermaßen nur eine Skizze von Oper, eine straffe Folge kurzer Gefangsnuinmern, von Kammerorchester begleitet, stark in der Stimmung und inneren Spannung. Ein interessantes, fesselndes Werk und mit durchaus guten Kräften: Lotte Schöne und Gerhart H ü f ch in de» Haupt» Partien: eine ausgezeichnete Aufführung. ll.?. Obligatorischer Kulturfilm. Nach dem Beispiel des rumänischen Bildungsministeriums trägt sich nun auch das Unterrichtsnümstcrium der Tschechoslowakei mll der Absicht, den bereits im Jahre 1923 herausgegebenen Erlaß über Kulturfllmvorstellungcn zu erneuern und in die Praxis umzusetzen. Anlaß dazu gab eine Anfrage der deutschen Fraktion im Parlament. Mindestens zweimal im Monat sollen danach Besitzer von Lichtspiel- cheatern ,hre Etablisjements der öffentlichen Boltsdildung überlassen. Im Schulwesen spiell der Film bereits eine wichtige Rolle. Porallet mit dem Rundfunk soll er im Schulwesen in Zukunft«ine größere Bedeutung einnehmen. Die Schüler sollen mich mit der Herstellung optischer Geräte vertraut gemocht werden. Lugendpreis Deutscher Erzähler. Um den diesjährigen Jugmdpreis, der dem Verband« Deustcher Erzähler von der Deutschen Buch-Gemeinjchaft alljährlich in Höhe von 10000 Mark gestiftet und im Einoernelzinen mit dem preußischen Kultusministerium erteilt wird, haben sich für das letzte Ausschreiben «inundneunzig Schriftsteller unter dem vierzigsten Lebensjahr be- warben. Das Preisgericht, bestehend au» den Herren Hann» Martin Elster. Georg Engel, Oskar Loerk«, Julius Petersen, Jakob Schaffner. Hermann Stehr, Wilhelm Waetzoldt hat den Preis an Joseph Martin Bauer aus Dorfen in Oberbayern für seinen Siedler- roman„A ch t s i e d e l" erteilt. Das preisgekröMe Werk wird mm der Deutschen Buchgemeinschast veröffentlicht. 5» der Vreutziicke» Akademie der Mssenkchalle» tzndet beut- abend Vit Mr. der sechttc Ssfcntliche Vortrag ktalt. Brof Hess« tvrichl„Ukher die Grenzen de» VochstumS". SintrittAarten beim Piörtner, Unter de» Lindenbk. .U-ber A> omenergle- und ikiic ssreimachmig iprlcht Pros. Paul Kirch berger beule, 8 Udr, im»Bcrein von Freund,» der Treptow- Sternwalte', Gäste haben gegen Lösung einer Karle Zutritt, Zu der Arania hält TonnerStag. 8V. Uhr, im Hau« der Technik. Friedrich- firaste 110/112, Dr. Walter Beyer einen Lichlblldvortrag:„Bei den Kopfjägern aus Kormosa' „Srteg— frieden" lautet da« Tbcma der nächste« Peranilaltung der Deutlche» Liga für Unabhängigen Film am Sonntag, tt't Uir. in den Roten Möble, Kursilrilendamm>22. Zur Austitdrang gelangen Iori« Igen«' Film.Zuideriee' und Teile au«.Turtstb' in G«'enuberitellung«ll dem Äturmangiist au«.Deitsrpnt>Sl8' und 5lli»g«rüsUlng«rep,itag-n. Veechoorn Zyllv» in der vhilharmonia, In der yhtlbarmonie stnhel ein Peetbostn-Zyllii« de« Philharmpnnchen Orch«i>»r« unter Lernrnn oon Proi. iXuliu« Viüroct ilatt. In t«im Abenden werden fämlliche Suist-nlcn. terner die Missa e olemnis untrr Milwirlnng de» KIttellchen Cbor« und die weienil-chiien«lavier- und vlolinionmte Beelbovens auiuG'übii.«14 Solisten wirien u a. mit: Fran Pros. Frieda Kwast�Hadapp, Georg Bertram. Säcllie Reich, Hansi Krcudberg. Beginn Dienötag. den 17. März, 8 Uhr. Enlrilt l Mari. Im Groheu Schouspielhau» veranüattet D a s o S Belg Sonntag, mittag« 12 Uhr, fem dieejähria,« zweite« Iazz-Aonzeet. Lleberfalle auf Frauen Mi Motorrad aus Handtaschenraub- Täter soeben verhastet Räch läugerea Beobachtungen gelang es jetzt der kriminal' paNzei. zwei junge Burschen sc st zunehmen, die plan- mätzig«od mit lleberleguug daraus ausgingen, alleinstehende Frauen zu berauben. Die Berhaslelen sind ein 27 Jahre alter Zimmermann Wilhelm Slelngräber uud ein 2Z Jahre alter Willy Schassner. Beide wurden in ihren Wohnungen im Osten Verlin» sesl genommen. Räch einigem Leugnen legten sie ein Ge- fiSudnis ab. während Schassner noch unbeslrasl ist, hat der andere schon allerlei aus dem Kerbholz. Er scheint auch der versührer ge- wcsen zu sein. 3» den letzten Wolfen wurden kurz hintereinander mehrere alleingehende Frauen uberfallen und zwar solche, die in Markthallen Stände haben. Die Regelmatzigkeit, mit der die Uebersälle ausgc- führt wurden, bestätigt« di« Zlnnahmc, datz es sich um die Arbeit einer bestimmten Kolonne handeln müsse. Die Uebersalleiwn hatten stets in der Nähe einen zweiten Mann mit einem brounlackiertvn Motorrad bereitstehen sehen, das den Räuber zur Flucht auf- nahm. Sie hatten den Eindruck, daß der Fahrer etwas verwachsen sein müsse. Hierdurch waren die ersten Anhaltspunkte gegeben. Man beobachtete die Umgebung der Markthallen und stieß zunächst auf Schaffner. Folgte man ihm, so ergab sich, daß er sich öfter mit Steingröber in Lokalen in der Nähe des Schlesijchen Bahnhofes traf. Als die Beamten sich von der Richtigkeit ihrer Be- obachtungen überzeugt hatten, griffc» sie zu und nahmen beide fest. Räch ihrem Geständnis wollen die D erlisteten nur in drei Fällen „gearbeiict" haben. Stcingräber hatte dos Woher und Wohin der I Frauen ausgekundschaftet. In der Rühe der Hallen trafen sie sich. ließen den Frauen eine Viertelstunde Lorsprung und verfolgten sie auf dem Rade. Den ersten U eberfall führten sie an der Kreuzung der Frieden st rahe und der Pappelallee aus. Der zweite wurde in der Tresckowstraße in Lichtenberg, der dritte in der Zossen er Straße verübt. Steingräber ging mit roher Ge- walt vor. Er fiel die Frauen hinterrücks an. schlug sie zu Boden und versuchte, ihnen die Handtaschen zu entreißen. In keinem her drei Fälle, die die beiden zugeben, ist es Sleingräber ober gelungen, sich der Taschen zu bemächtigen. Die Frauen schrien laut um Hilfe. Passanten wurden aufmerksam und wteingräber niußre flüchten. Für die juei«ripohmcn Fälle sind die beiden Räuber durch die Bekundungen der Betroffenen und der Zeugen überführt. Andere Uebersälle leugnen sie noch. Die Untersuchung wird weitergeführt. Neuer Lleberfall in Dahlem. Die' Uebersälle auf Dahlemer Gebiet wollen kein Ende nehmen. Kurz nach 12 Uhr sind in der vergangenen Nacht wieder zwei Frauen angefallen worden. Es sind eine Musiklehrerin und ihre Bekannte aus der Hähnelstraße 7 in Schöneberg. Sie gingen die Königin-Luisc-Straße entlang, als sie von zwei Männern Plötz- lich angehalten und mit vorgehaltenen Revolvern auf- gefoidert wurden, die Handtaschen herauszugeben. Da weit und breit niemand zu sehen war, der ihnen hätte zu Hilfe kommen können, mußten sie der Drohung Folge leisten. Die Räuber f l ü ch- teten mit den Taschen und entkamen. Die Aussperrung in Bayern. Metallarbeiter fordern Verbindlichkeitserklärunq. München. 11. März. Seil Dlenskag sind 40 000 Metallarbeiter ausgesperrt, weil den Industriellen der Lohnabbau-Schiedsspruch mit 6 Broz. nicht weit genug ging. Am Oienstagnachmiltag tagte In München eine von rund 2000 Personen besuchte Versammlung des Deutschen Metall- atbeiter-verbaudes.in der über die Lohnverhandlungen gesprochen wurde. Die Versammlung stimmte einem Antrag einmütig zu. wonach der Schiedsspruch angenommen und für verbindlich erklärt werden soll. Oer Konflikt in der Holzindustrie. Keine Annäherung in Verlin. Seit dem Spätsommer des vorigen Jahres besteht bekanntlich für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Holz- industri« eine tarifnertragliche Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingungen nicht mehr. Zille Bemühungen des Holzorbeiterver- bandes, zu einem neuen. Bertogsabschluß zu kommen, scheiterten einmal an der Ford«r»mg der Unternehmer auf Verschlechterungen der bisherigen Vertragsbestimmungen, zum anderen aber an dem Organisotionsstreit im Unternehmerlager selbst. Bor einigen Tagen ist nun wieder einmal vor dem Schlich- tungsausschuß verhandelt worden über die beiderseitigen An- träge des Holzorbeiterverbondes und der Unternehmerorganisationen. Di« Verhandlungen führten wiederum nicht zu einem Ergebnis, da die Unternehmer daraus bestanden, die Ferien- und andere Arbeits- bedingungen ganz erheblich zu verschlechten'. Ebenso hartnäckig be- standen sie auf der Forderung, die Lohnender Berliner Holzarbeiter um läund mehr Prvz. abzubauen. Am Donnerstag wird sich nunmehr die Schlichtungs- kammer mit dem Tarifftreit in der Berliner Holzindustrie be- fassen. Ob die Schlichtungskammer infolge der großen Dissermzen zwischen den Parteien, die. sich naturgemäß auch in der Kammer zeigen werden, überhaupt zu einem Schiedsspruch kommen wird, erscheint nach Lage der Dinge sehr fraglich. „Zm Sommer an die Ostsee." Eine große Werbeaktion. Sehr schön, nur wer wird es sich leisten können? Dieses Jahr soll neben vielen anderen auch ein„Ostsee-Jahr" werden. So möchten es die vielen Städte und Kurorte an den Ostseeküsten Deutschlands und der anderen Länder. Und wer möchte einer freund- lichen Einladung, die immer nur kurzen Sommerserien fern von Berlin am Meere zu verbringen, nicht folgen? Wenn nur das Portemonnaie leistungsfähig genug wäre. So ober werden in diesem Jahre wieder viele Berliner sich mit dem Wannsee als„Ostfee-Crfatz" begnügen müssen. Bei einer Wcrbeveranstaltung, zu der der Internationale Ausschuß für das Ostseejabr 1031 in das Haus der Deutschen Presse eingeladen hatten, wußte eine groß« Anzahl von Rednern aus dem Ostsegebiete die Schönheit und den Wert eines Erholungsauienchaltes an der Ostse verlockend zu schilderm Aus der Fülle der Darlegungen fei hier kurz wiedergegeben, daß der Direktor der Nordischen Gesell- schast Timm über die geplante Aktion zu berichten wußte. Das Oftseejahr ist ein« Angelegenheit der Derkehrsarganisation und Der- kehrswerbung. Auf Anregung der Nordischen Gefellschast in. Lübeck hoben sich die Länder. Städte und Bäder der Ostsee in dem Bewußt- sein zusau'mcngcfünden, daß sie alle zu einem einheitlichen Verkehrs- gebiet.gehörcn. Und daß es daher notwendig ist, eine einheitliche Vor- kchrspoliiik zu treiben. Die Ostfes ist für weite Kreise des deutschen Volkes eins der billigsten und wirksamsten Erholungsgebiete. Man will in diesem Jahre etwa 200 Veranstaltungen„Rund um die Ostsee" inszenieren. Am Himmelfahrtstag soll dos Osrsee- jähr feierlich in Lübeck eröffnet werden. Man will sich an der Ostsee in internationaler Zusammenarbeit und unter Ausschaltung oller kleinlichen Konkurrenz durch Eigenhilfe selbst einen Lebens- räum als'zukünftiges großes europäisches Erholungs- und Reise- gebiet schassen. Segelflieger Hirth über New 8ork. New Jork. U. März. Der bekannte Segelstieger Wolfs Hirth führte einen auf- sehenerregenden Segetslug über de» Dächer» der HS»ser New Jorks am Rivcrstde Drive und der 164. Straße ans. Er stieg nachmittags avf. schraubte sich zu einer Höhe von etwa 300 Meter hoch und segelte über eine Stunde über den Häusern. Da die Umgebung während der Flugdauer polizeilich abgesperrt nnirde, ging Htrth vorsichtig nieder, obwohl er weit länger hätte in der Lu't bleiben können. Der Flug fand ml B«is-in von Tausenden von Zuschauern, Berichterstattern und Filmleuten statt. Maffenklage gegen die Reichsbahn. Oie Kläger abgewiesen. In der arbdtsgerichilichen Klage gegen die Reichsbahn, woüber wir in Nr. 113 des„Vorwärts" berichtet haben, wurde heute das U r t e ll verkündet. In der Klage handelt es sich bekanntlich darum, daß die Wäger Bezahlung der von der venvalUuig der Reich, bahn eig-nmählig angeordaeien Feiei. schichten fordern. Die Kläger beriefen sich auf den Tarifvertrag, der die regelmäßige Arbeitszeit auf acht Stunden täglich oder 48 Stunden in der Woche festsetzt. Sie bestritten der Reichsbahn das Recht, aus eigener Machtvoll- kvmwenheit die Arbeitszeit und demgemäß auch den Lohn zu kürzen. Das Arbeitsgericht hat auf Abweisung der Klage erkannt. Die vom Slmtsgerichtsrat Richter verkündet« Urteils- begründung nimmt Bezug auf die hier in Frag« kommenden Bestimmungen de s T a r i f o e r t r a g« s und führt aus. daß diese einer Verkürzung der ArbeUsze'.k»ich« cnlg-genstcnde». Wenn die regelmäßige Arbeitszeit auf acht Stunden täglich oder 48 Stun- den in der Woche festgesetzt sei, so könne man doch annehmen(!), daß Ausnahmen von der Regel nach dem Willen oer Tarifparteien zulässig sein sollen. Ausnahmen seien ja hinsichtlich der Ueberarbeit unter gewissen Voraussetzungen tatsächlich zu- gelassen. Also könne auch eine Ausnahme hinsichtlich einer vcr- kürznng der regelmäßige» Arbeitszeit nicht als Verstoß gegen den Tarifoerlrog angeschen werden. Zwar sage der Tarifvertrag nichts über die Verkürzung der Arbeits- zeit. Hieran hätten di« Tariiparteien nicht gedacht, denn der Tarif- vertrag fei in einer Zeit aufsteigender Konjunktur abgeschlossen. Er verhindere aber nicht, daß in Zeiten schlechter Konjunkwr die regelmäßige Arbeitszeit verkürzt werden könne. Zu diesem Urteil ist.zu sagen, daß die Einlegung von Feier- schichten an sich nicht unzulässig ist, das haben ja die Gewerkschaften dadurch anerkannt, daß sie mit der Reichsbahn über diese An- gelegenhcrt verhandelt und Feierschichten— allerdings in geringerer Zahl als verlangt wurde— zugestanden haben. Es handelt sich also darum, ob die Reichsbahn, nachdem eine Verftändi- gung mit den Gewerkschaften nicht zustandegekommen war, aus eigener Machtvollkommenheit Feierschichten in der ihr genehmen Zahl anordnen du rite. Dos halten wir unbedingt für unzulässig. Denn, wenn von einer durch Torisoertrag fest- gesetzten Regel Ausnahmen gemocht werden sollen, dann darf das nicht einseilig, sondern nur im Einvernehmen beider Tarisparteien geschehen. Gegen diesen Grundsatz hat die Reichsbahnverwoltung verstoßen. Vostelkurse des Arbeiter-Radiobvndes. Der Arbeiter. Radiobund will technische Kenntnisse der Arbeiterschaft ver- Mitteln durch seine Basteljchule. Am Donnerstag, dem 12. März. beginnt ein Kursus, der vom Technischen Reichsousfchuh geleitet wird und' sich in 26 Wochen mit den Fächern Elektrotechnik 23. Radiotechnik 25, Mathematik 20 Und Basteltechnik 8 Stunden, zusammen 78 Stunden, befaßt. Nach Beendigung des Unterrichts wird von der Schulleitung und der Technischen Reichsleitung des ARB. je nach der erzielten Leistung ei» Befähigungsnachweis für die Tätigkeit als technischer Leiter und Referent im ARB. erteilt Der Kursus findet in der 162. Gemeinbeschule, Dcmziger Straße 23, Physikzimmer Nr. 38, Donnerstags 19 Uhr, statt. Wetter für Berlin: Teils wolkig, teils heiter, ohne nennenswerte Niederschläge, nachts kalt, Tagestemperaturen nahe bei Rull.— Für Veulschland: Im Süden und Osten noch Schneefälle, im übrigen Reiche»»echselnd bewölkt, fast überall Froftwetter anhaltend. VeranUvortl. kür die Redal�iori:$tticxt Setiin; anzeigen; ti. Setiin. Bei lag: ZZorwätt» Setlcg®. nt. b. K.. Sellin. Dtnck: Satwatts Du». ftiudettt und Setlagaanstalt Soul Ginget& E».. Sellin GW 68, Llndenftrak- 3. Hierzu 1 Beilage, [li. Xltealet. Ltdtlsptcle usw. --»»-- I IL TSql. B... SU Saui.2. 3«. 8" E 4, Alex. 8066 Nehm. 50 Pf.-I M., abds. 1-2 M. Bu-Bu■&£»£"* Peler Plet, DaiOrismal RaynoBde Rien, Birtayiartett usw. GROSSES SCHAUSPIELHAUo Tägi. s Uhr. im weüun uul. Regle: Erik Charell. Sonnta». den 15. Miirr. 12 Uhr vorm. pooniaresDaiosB iaHszc�Unee Preise von M ATS— iSO. VolKsMUiiie Ttiutr 23i Bülavplafi. 8 i hr sieseilsdiait der Mensaenrediie So. Ii Stg. 8 Uhr Hans Albers in Liliom Vorstadtlegende von FranrMolnar Slaall.Sdiiller-Tl!. 8 Uhr Die BekehraoD des Predy Plslora Tiisater am Sttüfnuiuardamm 8 Uhr Der Donaplear Staatsoper Am Pl.d Republik 8 Uhr Die Umaiis metropoMheater Täglich 8"« Uhr Das Veildieo v. Montmartre Operette v. Kaiman sma älaar. Anal Ablers, Kail idben. Rlib. Valdeaar a. s, Ergna Bong als Bast. Sonniag 4 Uhr Kleine Preise. Der VenclfflüMllcr. Deuttflies Theater 8 Uhr Der Hanpfmann von Röpenlik v. Carl Zuckmayer Itigii:(iiiaz Hilpert Kammerspiele 8V» Uhn Pariser Platz 13 von Vicki Baum 8t;ie: Olltlf Grlulgns Die Homödfe SV, Uhr Die Fee wa rrasz Molnar Scgi?: Sief» 8»4. Täglich DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J, OFFCHBACM THEATER IM ADMIRALSPAIAST Komische Oper 8-, Uhr Kleine Preise. Peppina uhr HnWier Liitrej das Aomptslihg Robert Stolz Ii dar Pranierukrsainiii Barnovskj-gitiiffl Tbtaitr la dar Strntmaaaiir. M', Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung; Victor Barnovsky Kemfidienhauo S'/i Uhr Elf» honigliche Familie CASINO-THEATEB Lothringer Strohe$7. ■«•RiitiimifilimmiKnmiiMnnRminntiimtimiiinimiinMtimi Sie werden lachen noch und noch über den neuen Schlager 0 fliese Schwiegervater Dazu das»ene AUrz• Programm! Gntschri« 1-4 Personca Fauteuil 1.25 M, Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett.75 Pf. Rang 60 PI. Rose- Theater Br.rraaktin«rStMä2 Tel. Alex 3422 u. 3494 i30 Uhr Das Partum meiner Frau 8 15 Ui'-r Die Merl Weiteos Täglich SV« Uhr schon ist die weit Franz Lehärs Operetten-ErfQl« Sonnlag, nachm.>13 billige Preise SftiitstdteVell dm jfaüikntefäm-JtaMe».Jtatoaeit 1TEIK FRIEDRICHSTRASSE 96 AM BAHNHOF' \i/i nf' Berliner nihTriO N•■ k• 1 1■. w Lahnz tt. 74/7U <8cilage Mittwoch, 11. März 1931 SsrAbonT «toi'giiWt Begegnungen mit einer Mutter Dem Andenken Isabella Matteotti/ von fhippo Tura« Unter dem Titel ,,r«val)etla Motteotti ist tot* nerössentlicht ,A7 a ß i b c r t a*. dos Wochenblatt der onNsosckiistricl)en Kon- vntratwn in seiner Nummer vom S. Februar folgende Erinne- nmqen aus der Feder unseres alten Genossen F i l i p p o T u r a t i, des Seniors der italienischen Sozialdemokratie. Naturlich ist die Todesnachricht aus Italien auf geheimem Weg eingetroffen. Denn keine Zeitung hatte dort soviel Freiheit oder soviel Mut, den Hingang der alten Mutter des Mär- tyrers zu melden. Gr sie Degegnung. Meine erste Erimierung an Isabella Matteotti datiert unmittelbar aus den Togen nach dem grauenvollen Verbrechen. lKan mußte damals schon, wer die Schandtat ausgeheckt, wer sie vorbereitet und begünstigt hotte und wie sie ausgeführt wurde. Ich besuchte täglich die Witwe des Märtyrers. Ich hotte die (Empfindung, als erfüllte ich damit einen unausgesprochenen Auftrag des Dahingegangenen, indem ich mich um sie kümmerte, mich ver- sicherte, daß sie noch lebte und bei Verstand war, denn in den ersten Tagen fürchtete ich, sie würde Selbstmord begehen oder wahnsinnig werden. Wie oft sah ich sie in dem kleinen Zimmerchen ihrer bescheidenen Wohnung im vierten Stock in der Via P i s a n e l l i sich erwartungsvoll zitternd aus den, Fenster Hermisnengen, als ob sie immer noch an ein Wunder, an die Wiederkehr ihres Gatten glaubte. Ach, sie wußte nur zu mit, daß er nicht mehr käme, trotz de» zynischen Versprechens des Urhebers des Mordes, der gewagt hatte, ihr zu sagen,„er hoffe, ihn ihr lebend zurückzugeben". Wie ost fühlte ich da? Verlange», sie vom Fenster wegzuziehen und ihr Mut zu, zusprechen. Weniger um il>retwiUen, für die das Leben von nun an doch nur ein stetes Martyrium bedeuten würde, als um ihrer 5i i n d e r willen, denen man die feige Ermordung ihres Baters verschwiegen hatte(und noch jahrelang oeischwiegf und die nicht binnen wenigen Tagen zu Doppelwaisen werden sollten. Und eines Tages fand ich Frau Delia nicht allein. In einer Ecke des kleinen Zinnners faß nahe der Eingangstür eine Frau, mager, klein, weißhaarig, das Gesicht voll Runzeln, bleich, unbeweglich, gespen st ifch Es war nicht schwer, zu erraten, wer sie war, auch wenn die große Aehnlichkeit mit dem armen Geopferten es mir nicht gesagt hätte. Eine Aelmlichkeit, die incht oberilächiich war, sondern tiefer lag. eine Aehnlichkeit, die -wischen einem fleischlosen Skelett und einem jungen, lcbaidigen Menschen bestehen kann. , Das war seine Mutter. 7' Ich näherte mich ihr zqghäst. süßte ihr die Hand, uwonnte sie.; sprechen vermochte ich nicht. Sie murmelte in ihrem venetianijchcn f Dialekt eich paar DankeSworft dafür, daß ich mich ihrer Schwieger- tocister angenommen. Sie weinte nicht, sie verzog keine Miene, sie schien wie ver st einer t. Ich wußte, daß sie seit langem Witwe, lange Giaeomo ihre beiden anderen Söhne verloren hatte. Sie war in dein großen Haus in F r a t t a ganz allein geblieben... Giaeomo hotte sie seit mehreren Iahren nur mehr selten und insgeheim sehen, hatte sich mit ihr nur an versteckten Orten treffen können, denn von seinem geliebten Polesino hielten ihn die Tohesdrohungen der Prätormner fern. Aber sie wußte doch wenigstens, daß ihr Letzigeborener atmete, leWe, kämpfte. Und jetzt war alles zu Ende. Ter antikcn Niobe gleich mar sie ihrer drei Söhne beraubt. Sie war nun selbst nicht mehr als eine lebende Krabstätte. Meine Vefuche in der Via Pifanelli wurden jetzt seltener. Eine kurz« Unterredung mit ihr hatte mir gezeigt, daß diese Frau eine starke, hariköpsig«, sichere Natur war und daß sie bei der Witwe und den Waisen gut- Wacht hallen würde. Das zweitemas... Das zweiiemol sah ich sie in F r a t t a P o l e s i n a. Vier Monate noch dem Verbot des Leichenbegängnisses in Rom führten wir ihr die kläglichen Reste ihres armen Entschmundenen zu, die wir den Füchsen der Ouartarello nach hotten entreißen können. Die Identifizierung war in einem ländlichen Kirchlein des Agro erfolgt. Von dem schrecklich versiiiinmollen Körper waren ieft nur mehr die Gebeine da. das Gesicht war fast ganz fleischlos und zerstört, dennoch antwortete ich aus die Frage des Richters, ohne cinen Moment zu zögern: ja. er ist's. Tatsächlich sah er sich selbst nicht mehr ähnlich. In merkwür- biger und eindrucksvoller Weste erinnerte er jedoch sstftst an seine Mutter. Die beiden Skelette zeugten füreinander. Ich. werde die Reife nachts neben der Bahre nie vergessen. Ms man den Sorg von dem Landfriedhof zu dem-infamen Bahnhof brachte, von wo wir abreisen sollten, hotten sich nur einige Dutzend Freunde eingefunden, die man in der Eile verständigt hatte. Dorm war als Vertreter des Senats ein aller General er- schienen, Z u p p e l l i, der sichtlich bewegt war. Und von fern« stand der Abgeordnete R o s c o, der Präsident der faschistischen Kammer Niemand sprach mit ihm, niemand grüßte ihn. Nirgends eine Spur, auch nicht in der Umgebung, von Squadristen oder von Schive.rzhemden. In dem Augenblick, als man den Sarg in den dazu bestimmten Eisenbahnwagen hob, liei einer der unseren mit fester Stimme: „Alle auf die Knie!"— er sollte später feine Treue mit einer langen Verbannung auf die Inseln büßen— und alle, zuerst der alle General, knieten nieder. Nur der Abgeordnete Roseo beugte sich mir halb, als wäre er unentschieden und müßt« sich Zwang antun, als ob er«oyte und könnt« nicht. Die moralische Steifheit war stärker als seine Heuchelei. Zum Glück war Frau Lelia nicht unter uns. Entweder war sie plötzlich erkrankt oder ihre Kraft hatte versagt. So blieb ihr da? lange und peinvolle Warten auf dem Bahnhof von Bologna erspart. Der Zutrift war dem Publikum auf das strengste verboten. Di« Geleise waren von einer Horde von Schwarzhemden besetzt, die bis an die Zähne bewaffnet, lachend und johlend unseren Wagen umgaben und in zynischer Weise den Toten und dessen Traucrgelette bsschiivptten. Man konnte aus ihren Reihen den Zurui hören: ».Das ist der erste, andere werden folgen." Es schien mir, als hätte ich die Menictcheit noch nie so tief gesunken gesehen. Von ferne grüßte eine verschüchterte Gruppe von Eisenbahnern. indem sie ihre Kappen süfieten und furchtsam um sich blickten. In Polesina. Als dann beim Morgengrauen in dem kirchhofftillen kleinen Flecken der Sarg auf den Armen einiger Kameraden vom Bahnhof ins Haus getragen wurde, war das kleine Gemach im Erdgeschoß schon in eine Trauerkapelle verwandelt worden. Gleich darauf erschien mit wankenden Schritten, von den Um- stehenden anstvoll erwartet, Frau Jsabella. Wir sahen sie gleich einer Wahnsinnigen sich auf den Sorg stürzen, wie ein« Wölfin, der man ihr Junges getötet. Und indem sie sich an den Sarg klammerte, so als wollte sie ihn nie mehr hergeben, brach sie in ein Geheul aus, in dem sie die Dtörder verfluchte. Wir hörten ihre Verwünschungen, die ich olle zu wiederholen nicht das.Herz habe.„Sie haben mir ihn getötet, diese Mörder, diese Mörder! Sie waren es? O mein Giaeomo, jie haben mir ihn getötet!" Und ohne Furcht schrie sie die Nomen der Mörder hinaus in jener heiligen Imntuniiät, die mir für sie galt. Wir mußten sie anfasien und mit Gewalt los- reißen, um sie in den Garten zu führen, wo die letzten Schreie der Erschöpften in der Nacht verhallten. Damals schien es mir, als ob dieser Schatten eines Menschen, liiefe Frau, die ihre Kinder und sich selbst überlebt hatte, diese Lebendig-Tote, diese Lebendig-Begrabene in ihrer Person, ohne es zu wissen, das ebenso gemordete Italien verkörpere. Selbst ein Shakespeare hat nichts geschrieben, was größer, schrecklicher, erschütternder gewesen wäre. Nachher begruben wir ihn schweigend jn jenem provisorischen Grabe, das so sehr bewacht, so viel bedroht und später so entweiht werden sollt«. Frau Velia kam erst abends in ihren Trauer- kleidem, die sie nie mehr ablegte imd die der Präfekt von R o- vigo als eine so unuerlchamte Provokation bettochiete, daß er die Trägerin auf Befehl seines Chefs dafür mit Drohungen über- hcuifte. Seit mehr als sechs Iahren wird sie, die ewig Gefangene, mit ihren Waisen unaushörlich beleidigt, beschimpft, werden ihr unaus- gesetzt Fallen gestellt. ?lber seit jenem Tag hotte sich zwischen den beiden Frauen ein Band geknüpft, nicht nur wie zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter, sondern so fest wie zwischen Mutier und Tochter. Und wieder mar es die Alle gewesen, die die Jung- getröstet und erhoben hotte. Hatte sie mir doch damals, alz ich Abschied nahm, mit zitternder Stimme gesagt, und dabei sah ich sie dos erstemal weinen:„Äum- niern Sie sich vor allem nur um die arme Velia. Ich— ich kann vielleicht noch wellerleb-n, ich habe mein Gütchen, meine Arbeiten zu besorgen, meine Pächter zu überwachen... Aber sie, sie ist die Unglücklichere. Sie hat olles verloren. Denken Sie nicht an mich, denken Sie mir an die arme Velia." Im Zetel) en der Faschisten... Heute durfte sich endlich Jsabella Matteotti mit ihrem Gioconw unter der Erde wiedervereinigen. Aber sie durste nicht hoffen, daß das etwa die ewige Ruhe für sie bedeute. Fürchtet man doch noch immer selbst dos Gespenst des Toten viel zu sehr. Das, was man in Italien in merkwürdiger Beschönigung die„Regierung" nennt, Hat heute den Einwohnern von Frotta oerboten, den Sarg der armen Frau zu geleiten. Die Zei- ttingen durfte keine Todesanzeige verösientlichen. Bis zum Schluß wurde dieser Leichnam wie eine Provokation bettachiet. Die sterblichen Hüllen der beiden weihen nicht zur Ruhe kommen. Noch heute widerhallt ganz Italien von der Verherrlichung des Verbrechens. Und die Henker, obgleich sie zillern, atmen noch und freuen sich des Lebens.(U ebersetzt von l-uise KantsViz-.) Der FebrlKarDeller in USA. Krinsche BernerKungen europäischer Beobachier Di« deutsche Literatur über Amerika war bis vor kurzem ein begeistertes Ja. Jetzt, wo der Zusammenbruch der Prasperity arme und reiche Länder fast in eine/ Linie gerückt hat. hat der Respekt vor Amerika, dLr. jm Grunde immer Mr. der Respekt vor der Macht des Dollars war," ein«?«insichtigen Kritik Platz gemacht." Die neuere Literatur über Amerika bringt zum Ausdruck, daß die Prosperität der amerikanischen Wirtschaft auf einer Ausbeutung großer Teile der amerikanischen Bevölkerung berichte: der Farmer, der Fremden und der Arbeiter. Unter ollen Legenden über Amerika war keine weniger berechtigt., als die vom Wohlstand der Arbeiterschaft. Selbst im Jahre 1920, in dem eine gewisse Lohn- inslation herrschte, verdienten 83 Proz. der erwerbsmäßig Beschäi- tigten weniger als 1009 Dollar jährlich, das waren aber damals dem Realwert noch nicht weniger als 4200. sondern gut gerechnet nur weniger als 3000 Mark. Die Lag« der amerikanischen Arbeiter- schast kann aber schon deswegen nicht einheitlich gewertet werden, weil die ungelernten Arbeiter von der Statistik kaum erfaßt werden können und das Fehlen eines Schutzes vor Arbeitslosigkeit weder eine brauchbare Statistik noch zuverlässige Angaben über die Lohn und Lebensverhöltnisie eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung Zuläßt, Mit um so größerem Interesse lernen wir durch ein Buch von Jürgen und Morguerite Kuczynski:„Der Fabrik- arbeite? in der amerikanischen Wirtschaft"(Verlag C. L. Hirschseld, Leipzigs die soziale Lage des Fabrikarbeiter- Proletariats der Vereinigten Staaten kennen. Jürgen und Mar- guerite.Kurzinski haben das hervorragende statistische Material, da? in den amerikanische» Gewerkschaften vorhanden ist, für eine klare. knappe und überzeugende Darstellung der gewerkscha'ttichen Haupt- Probleme benutzt. Ihr Buch ist eine Leistung, die den Verfassern einen Platz unter den modernen Statistikern sichert. Die sozialökonomische Stellung des Fabrikarbeiters wird durch die Tatsache charakterisiert, daß seine Ka u s k r a f t nicht im gleichen Grade wie das Gesamtprodukt der Fabrikation gestiegen, sondern daß sie zurückgeblieben ist. Der Jndez zeigt eine relative Verelendung gegenüber dem Gesamtprodukt der Wirtschaft an. Trotz der Steigerung der Reallöhne in den letzten Iahren ist das Einkommen des Fabrikarbeiterns noch so niedrig, daß der Lohn nicht ausreicht, die Hälfte dessen zu bestreiten, was nach den Ani- fasiungen der amerikanischen Nationalökonomie ein geiundes und anständiges Familienleben ist. Die Kapitel über die Arbeitszeit und die Produktivität des einzelnen Arbeiters lasten erkennen, daß noch immer die Hälfte der Arbeiter länger als 8 Siunden täglich arbeitet, und daß nur ein geringer Teil der organisierten Ardeiter zu der Fünftogewoch« gelangt, die durch die Rationalisierung der Industrie gefordert wird. Di« Produktivität des Arbeiters steigt von Jahr zu Jahr. Aber die Organisation der Produktion ist, wie die Verfaster feststellen, weit davon entfernt, auch nur im kapitalisti- schen Sinn ideal zu sein. Ueberhaupt ist es für die Bereinigten Staaten kennzeichnend, daß die organisatorische und soziologische Form der kapitalistischen Produktion weit hinter ihrer technischen Modernität zurückgeblieben ist. Charakteristisch dafür sind die Disferenzen zwischen der Lage der Arbetterschast in den verschiedenen Teilen der Union. Im Süden wohnen die Fabrikarbeiter noch in Fabrik dörfern, die dem Unternehmer gehören. Dadurch wird er in die Lage versetzt, die Familie als Ganzes zu kontrollieren und sie wie Sklaven zu be- handeln. Schickt zum Beispiel ein Arbeiter seine Tochter in die nächst« Stadt in die Schule, so droht ihm die Fabrik mit Kündigung seiner Räum«, falls feine Tochter nicht sofort zurückkehrt und sich mit ihrem Los einer Fabrikarbeiterin ohne Schulbildung bescheidei. Kundigimg Der Räume ist aber identisch mit Kündigung der Stellung auf der Plantage oder in der ländlich gelegenen Fabriß da es airdere Räume und andere Arbeit für diese Arbeiterfamilie im gleichen Orte nicht gibt. Die Industrie ist im Süden des Landes erst-seit 20 Iahren im Werden, entwickelt sich aber bedeutsam infolge der Ausbeutungs Möglichkeiten, die der amerikanische Kapi- takist gegenüber den Neger» u»d den„armen Weißen" besitzt Aus alle» diesen Gründen ergibt sich eine Disiereyz der Löhne, die größer ist'ÄS in irgendeineni Laitde der Welt.'Selbst linker gx- lernten Arbeitern gibt es Unterschiede von 100 bis 300 Prozent. Dadurch entsteht eine A r b e i t e r a r i st o k r o t i c, die eine Cnt- Wicklung des Gesamtproletariats zum Klassenkampf verhindert. Diese Arbeiter glauben dem amerikanischen Kapitalisten näher zu stehen als dem Proleiuriat der ungelernten Arbeiter, der Landarbeitcrschoft und den sogenannten Farbigen. Wenn auch eine Kooperation der amerikanischen Gewerkschaften mit den notleidenden Fannern viel- fach betätigt worden ist, so geht doch die Linie des Klassenkampfes nicht einheitlich durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sondern vertikal durch die Landschaft, sie scheidet die Stadt von den Farmern. Ist auch das Leben des amerikanischen Arbeiters so differenziert. daß mir wenige Gruppen durch eine einheitliche Darstelluirg ersaßt werden köitnen. so ist doch das Leben in den Fabriken vielfach i anders, als matt es sich in Europa vorstellt. Deswegen ist dos Buch � von Interesse, in fcci» H. D u b r« u i l, heute Vorstaridsmitglied des Gesamtverbondes der freien Gewerkschaften Frankreichs, seine Er- sahrungen als Metallarbeiter in Amerika wiedergibt. Sein Bnck) heißt„Arbeiter in US A." und ist im Bibliographischen Institut (Leipzig) erschienen. Dubreuil war 15 Monat« in verschiedenen Fabriken tätig, er bereifte das Land unter den gleichen Bedingungen wie ein amerikanischer Arbeiter, und da er selbst in Frankreich bis zu seinem ,10. Lebensjahr Metallarbeiter war, ist er wohl in der Läge, die Derhältniste Frankreichs mit denen Amerikas zu ver- gleiche». Die politischen Folgen, die Dubreuil aus seine» Erfahrungen zieht, weichen wesentlich von der Aufsaslung dar europäischen Gewerkschafter über die Lage der Arbeiterschaft in Amerika ab. Sein Buch enthält aber so viele hübsche Beobachtun- gen, daß es als Material über das Leben in der amerikanischen Fabrik, unabhängig von den politischen Folgerungen des Autors, seinen Wert behält. Bemerkenswert ist feine Feststellung, daß in Amerika keineswegs mehr oder gar„wilder" gearbeitet wird als ist Europa. Die amerikanischen Arbeiter sind durch die Waschine verwähnt und lehnen eine große Anzahl Unbequemlichletten und Lastest ab, die der französische Arbeiter als selbstverständlich hinnimmt. Man hetzt sich drüben weniger ab, das Tempo ist nicht ein Tempp des, Menschen, sondern der Moschine.'Aller Optimismus von Dubreuil ist aber nicht imstande, die nackten statistischen Tot- fachen zu verändern, die Jürgen und Morguerite Kuezynski in ihrem Buch festgehalten hoben. �ciix StissinKer. Gefahren für Raucher. Der Direktor der Pachologisch-Anatomischen Abteilung des Hindenburg-Krankenhauses in Zehlendorf(Berlin), Dr. Karl P l e n g e, hat zu der Frage Stellung genommen, inwieweit Nikotin die Gefäßwände schädigt. Nickrt selten sterben starke Raucher plötzlich inmitten ihrer Berussarbeit. Die Sektion der Leiche zeigt dann satt regelmäßig, daß erhebliche Verändern nge» in der WarS» derjenigen Schlagadern norliegen, die den Herz» muskel kronzartig umgeben. Es handelt sich um zwei Kranz- kchlagadern, die von der Aorta abgehen und auf ihrem Wege um und durch den Herzmuskel das Herz ernähren. Merkwürdigerweise findet sich keine Arterienverkalkung in anderen Gebieten des Gefäß- fystems, ja ost ist sogar die Aorta völlig gesund Auch die Rierey- arterien zeigen keinerlei Veränderung. Das Nikotin ist bekanntermaßen ein starkes Gefäßkrampfgift. Die ausgelösten Störungen bringen nach und nach auch dauernde anatomische Veränderungen am Herzmuskel selbst, wie in den Kranzschlagadern zustande. Wen» es in den betroffenen Gesäßen zur Bluttropf bildung(d. h. Thrombosen) kommt, tritt häufig plötzlicher Tod ein. t' Klftime Befrcicftfsrzi�ezi 2>le Heiluxtgsiol eines Kindes Der»lsjährige F. S). aus Berlin hat den sechsjährigen H. I. aus dem Wasser gerottet. Dafür erhielt er vom Berliner Polizeipräsidenten eine Uhr geschenkt. Ein kleiner Junge hat einen noch kleineren vor dem Ertrinken gerettet. Er ist belobt worden, hat eine briefliche Anerkennung aus dem Publikum und vom„Verein für Inhaber von Rettungsmedaillen"' erhallen. Der Schuldirektor hat ein Belobigungsschreiben der Polizei in der Klaffe verlesen und zu guter Legt ist er vom Polizeipräsidenten mit einer goldenen Armbanduhr ausgezeichnet worden. Er ist interviewt, photographiert, sein Bild in die Zellun- gen gebrocht worden. Er ist ein Held. Er hat sein Leben auss Spiel gefegt für eine RcUungstat. Seine Muller ist stolz aus ihn. Hat er sein Leben auss Spiel gesetzt? In Wirklichkell vielleicht, in seinem Bewußtsein im Augenblick des Entschlusses gewiß nicht. Der Steg war— wie hinterher ausgemessen worden— anderthalb Meter hoch. Fritz ist gewohnt, in der Badeanstoll vier Meter hoch vom Brell herabzuspringen. Da versteht er sa auch zu schwimmen und zu tauchen. Im Bewußtsein Fritzens war keine Gefahr vorhanden. Sein« Tat war im Moment der Zlusführung nicht verknüpft mit irgendeinem Gedanken, irgendeiner Borstellung oder Ahnung eines Ristkos für sein Leben. Wenn auch das Hochwasser drei Meter tief war, die Tat war ihm selbstverständlich.„Ich Hab' mir jarnischt dabei gedacht." Nur daß er den Kleinen herausholen mußt«, der nicht schwimmen tonnte und ertrunken wäre. Auch hinterher macht er selbst nichts aus der Tat. Um so mehr die anderen. Und die Hilfsbereitschaft, die im Kind« eins schöne Selbstverständlichkeit, ein Ausdruck feiner Selbststchcrhcit und Lebenstüchtigkeit war, ivird nun aus der Unbewußtheit des Impulses herausgehoben, vor ihn hingestellt als etwas Ungewöhnliches, worauf er stolz zu sein hat. was ihn hinaushebt über die andern, ihm den Anspruch erworben hat auf eine Sonderstellung unter Groß und Klein— die eines Helden. Roch gibt er sich bescheiden, freut sich kindlich über An- ertonnungs- und Belobigungsschreiben und die Uhr mit der In- schrfft:„In Anerkennung" usw.. ist kindlich stolz daraus. Dia Uhr liegt im Schrank aufgehoben. Er soll sie nicht tragen, bevor er erwachsen ist, wollen die Eltern und das ist gut. Aber unterdes wird sie samt den Schreiben von Mutter heroorgeholl. um sie in Fritzens Gegenwart dem Interviewer als Beweise für des Knaben Heldentnt vorgelegt zu werden. Fritz selbst wird aus seiner bc- scheiden«» und verlegenen Reserve aufgescheucht und darf in ziemlich wohlgosetztem Berliner Dialekt eine Schilderung des Vorganges. seines Eindruckes auf ihn selbst und auf die anderen und seine Anschauung von der ganzen Sache zum besten geben. Alles schließt mit Fritzens Betrachtung, daß die Jungen, die ihn am anderen Tag« beim Spiel im Walde einen Schubs versetzten, daß er den stellen Abhang hinuntcrslog und den Arm brach, die dann einfach davon- liefen, ohne ihm zu Hilfe zu kommen, zwar nicht feig sind, aber „keine Ieislesjegenwart" besitzen,„n i s ch t im Kopp haben. Und ohne was in' Kopp— na. ich weiß es nicht— bei die Zeiten". Nun. Fritz schätz! sich bereits bedeutend ein, will mir scheinen. Wenn nun Fritz das schöne Interview mllsamt den Porträts— auf dem einen mit seiner Muller— zu Gesichte bekäme und läse— welche Folgen könnte dieses für feine Selbsteinschätzung. für die fernere Entwicklung seines Charakters, für seine Einstellung zu den übrigen Mensch?» zeitigen! Könnte nicht eine Ueberschätzung seiner selbst, eine Ueberhebllchkeit, mit der Zeit daraus erwachsen, ein« Geringschätzung anderer? Er möchte vielleicht gar zu wörtlich dem„Vacin für Inhaber von de Rottungsmedaille" entgegenwachsen, „in den ick rinkommc. wenn ick aller hin", wie er schon jetzt freudig berichtet. In jedem Fchlc kommt einem wohl die Frag«, ob nicht dvrch Aufhebung der Selbstverständlichkeit und allzu reichliche Be- tonung die impulsive Tat des lebenstüchtigen Kindes ihres schönsten Wertes entkleidet worden ist— eben die Selbstverständlichkeit. S. R. Tentilnxwecben Immer wieder muß man es zeigen, wie die Herren von Rechts den Tonfilm zu einem politischen Instrument machen. Beinah jedes Bich, jede Melodie ihrer Produktion zkell darauf. den Zuschauer zu beeinsluffen. Wie cinst die Wochenschau, so ist jetzt die„TonfUmwoche" her nnlllärbegeisterten Herren FUmindustrlellen«in wichtiges politisches Werbemittel ihrer„Ideen". Man sehe sich die„Tonfllmwochen" an. Die Bilder haben seit einiger Zeit anscheinend nur den Zweck, den Militarismus populär zu machen! Für die soziale Not ist da kein Platz. Die Kolonnen Hungernder sieht man nicht. Die„Stempelstellen" werden von den ?ipparaturcn Hugenbcrgs nicht besucht! Aber jede kleine Parade char einem Balkan für st en wird lang und breit gezeigt. Die Tonfllrnwochen wollen das Lehen zeigen! Wie Arbeitslose auf eln Stückchen Brot in New Dort warten, zeigt man natürlich nicht! Jede« Tanzturnier in Miami wird aber herrlich hin- gelegt. Kein Manöver ohne Toirsilm. Wo der Raoetzkymarsch ertönt, da stehen die Apparat«. Mit Wonne zeigt man Kanonen, die feuern. Maschinengewehre die knattern. Kommandorufe gellen durch das Kino. Angewidert wenden sich Männer im Kiiw ab. Männer, die einst selbst hinter den Kanonen standen, zucken zusarnmcir, verstehen es nicht, wie man Mordwerkzeugs zu Kinosternen machen kann. Vorproben für neues Blutvergießen werden in den Tonsilm- wachen verherrlicht. Und man sieht In den Kinos Jungs, Kinder, sitzen, die bei den schönen Märschen lustig mitpseisen und deren Augen beim Anblick der Uniformen zu glänzen beginnen... Auf diese Jugend, die nicht sah. wie Millionen Menschen von anderen Mitmenschen erschlagen wurden, haben es die Herren von, Film abgesehen. Deshalb werden im Tonfilm olle Königshochzetten ge- zeigt in oll ihrem Prunk und mit einem leisen Unterhon:„Das haben wir nicht!" Nie aber zeigt man. wie Arbsitermaffsn in Budapest oder Bukarest van schönuniformierten Männern ouseinanderzeschyssen werden! Für da» Geld seiner zahlenden Kunden schickt Herr Hugenberg seine Tonsilmleute in Europa umher und läßt Bilderchen für seine politischen Zwecke machen. Muß do» lein, daß Republikaner ihr Geld dazu hergeben und sich die Tonsilmwochcn des Herrn Hugen- berg ansehen?' X. G, ■ Siwas Uber Beugenemssagen In einem Siedlungsgelände be! Berlin betreibt eine Frau einen kleinen Vorkost Handel, aus dem die Siedler ihren Bs- darf an Lebensmitteln entnehmen. Hin und wieder wurde von den Siedlern auch mal nach Wein gefragt Als daher eines Tages«in W e i n r e i f« n d e r bei ihr erschien, wollte sie einige Flaschen Wein bestellen. Der Reisend« redete ihr jedoch zu. gleich eine größere Menge zu nehmen, sie könne doch ihren Umsatz steigern, wenn sie mehrere Sorten zur Auswahl hätte. Aber die Frau wehrte energisch ab. mit dem Bemerken, daß ihr Kundenkreis ein sehr beschränkter sei, und sie in ihrem kleinen Laden aus großen Umsatz nicht rechnen könne. Run machte ihr der Reisende den Vorschlag, den Wein in Kommission zu nehmen, dann würde sie eine größere Auswahl vorrätig haben und brauche nur die Mengen zu bezahlen, die sie tatsächlich verkauft habe. Dies leuchtete der Frau ein, und sie bestellte nun verschiedene Sorten im Betrage von 350 Mark. Sie unterschrieb auch einen Bestellschein, ohne ihn— wie das leider so häufig geschieht— genau durchzulesen. Nach einiger Zeit wurde sie von der Weinsirma zurZahlung des ganzen Betrages ausgefordert. Sie verweigert« die Zahlung, da sie erst einen kleinen Test der Kommissionsware verkauft habe. Hierauf wurde ihr eine Klage auf Zahlung von AN Mark zugestellt. Im Prozeß legte die Klägerin den Bestellschein vor. in dem nichts von tommissionsweiser Ueberlasiung des Weines oermerkt war, und benannte ihren Reisenden als Zeugen dafür, daß der Wein f e st gekaust war. Die Beklagte konnte dagegeg zwei Zeugen be- nennen, die zufällig bei den Verhandlungen mit dem Reisenden in ihrem Laden zugegen gewesen waren, alles mit angehört hatten, und sich sogar bei der Au-wahl der Weine mit ihrem Rat beteiligt hatten. Es war ein Beamter und eine Frau aus der Nachbarschaft All« drei Zeugen bekundeten nun das, was jede Partei t» Gr Wissen gestellt hatte, so daß dem Zeugnis des Reisenden die Be- kundungen des Beamten und der Frau in schroffem Wider- s p r u ch gegenüber standen Es war nun Zlufgab« des Richters zu prüfen, welchem Zeugnis er die größere Beweiskraft beimessen müsse. Zunächst stand der Aussage des Reifenden das Bedenken entgegen, daß er ja bei der Firma angestellt, und vielleicht am günstigen Ausgange des Rechtsstreites ein Interesse hatte. Dies Bedenken konnte die Klägerin zerstreuen, indem sie ihren Vertrag mit dem Reisenden vorlegte. Hier war ausdrücklich gesagt, daß der Reisende seine Provision bei Abschluß eines Gefchäsis ausgezahlt erhalte, und diese auch nicht zurück zu zahlen habe, falls Schwierigkeiten mü dem Abnehmer entständen, die Ware etwa nicht bezahlt würde, oder von der Firma zurückgenommen werden müsse. Hieraus ging also hervor. daß der Reisende kein Interesse daran hatte, etwa entgegen der Wahrheit eine der Klägerin günstige Aussage zu machen. Er mußte daher— ebenso wie die beiden anderen Zeugen— auf seine Aussage vereidigt werden. Trotzdem kam der Richter zur Abweisung der Klage. Be! Berücksichtigung aller Umstände erschienen ihm die Be- kundungen der beiden von der Beklagten benannten Zeugen durchaus überzeugend. Eine Weinbestellung von ZöL Mark hätte gar nicht in den Rahmen dieses kleinen Vorkostgeschäfts hinein gepaßt, die Der- mutung, daß der Wein nur kommissionsweise bestellt war, erschien durch die Bekundungen der beiden ganz unbeteiligten Zeugen als voll erwiesen. Für deren Richtigkeit sprach die innere Wahrscheinlich- k e i t, nicht«wa der Ausspruch Goethes, den er mit vollem Bedacht dem Teufel in den Mund legi:„Durch zweier Zeugen Mund wird allerwegs die Wahrheit kund." Marxaretlie Falke meid. Chajes: Soziale[Hygiene Prof. Dr. B. C Hajes weit verbreitetes„Kompendium der sozialen Hygiene" Fischers medizinisch« Buchhandlung H. Kornfeld, 3. Aufl., Leipzig 1931) ist jetzt nach gründlicher Neu- besuch eitlinz»ach sieben Iahren wieder aufgelegt worden. Es ist durch Berücksichtigung neuen Gesetzesmaterials und durch Ausnahme neuer statistischer Zählungsergebnisie auf den bestmöglichen Stand der Gegenwart gebracht worden. Da trotz Vermehrung des Inhalts der handliche Umfang eines Kompendiums und die alte Einteilung des Stoffes gewahrt worden ist. ist es damit«m die erste Stelle gerückt. Der svzialärztliche Praktiker, Sozialbeomte, Sozialpolitiker und all«, die sich dafür ausbilden, werden danach greisen. Da Verfasser jedes Problem sehr kritisch und umsichtig behandelt, wird das Buch für den Lernenden viel Anre-iz zu vertieftem Studium geben. Nur an einer Stelle ist die Darstelluna etwas mager ge- blieben, beim Abschnitt über die soziale Hygiene der Ernährung. Di« fast ausschließliche Beziehung auf die sieben Gebote der beiden amtlichen Vertreter Äestner und Änipping wich den ernst- zunehmenden Strömungen in der Entwicklung unserer heutigen Ernährungslehre wenig gerecht. Ferner vermißt man unter den Pclkskrankheflen, welche in sozial-patholozifcher Hinsicht von Bedeutung sind, diebösartigen G e s ch w u l st e. Hier hätte hinter Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten und Alkoholismus ein neues Kapitel einzeschaliu werden müsien, in dem vielleicht auch noch die Ansätze zu kooperativer Bekämpfung anderer Leiden(wie etwa Diabetikersürjorge oder Rheumabekämpfung) Platz gefunden hätten. Zehn Seiten mehr hätten der streng be- achteten Handlichkeit des Buches hier mehr genützt als geschadet. H. Adam. Siegfried �rebitfeh: Word im Hebel Siegfried Trebitsch, der Shaw-Ucbersetzer, hat einen Roman im S. Fischer-Verlaz erscheinen lassen, den er„Mord i m Nebel" nennt, ein Titel, der zunächst ganz wörtlich zu oerstchen ist. Ein aus«in« Bergnüzunzsresse begriffener junger Mann tötet, im dicksten Dunst des Londoner Nabels, zum größtvn Teile aus Versehen im>d Fahrlässigkeit, zum kleineren aus der triebhaften Aui- wallunz einiger jähzorniger Sekunden heraus, ein. wie er später durch die Zeitung erfährt, junges Mädchen, eine Teestubenangestellte. Der jung« Mann wird, eigentlich wider seinen Willen, von der irdi- scheu Gerechtigteit nicht gefaßt, hat aber all« Höllenqualen des bösen Gewisiens zu bestehen. Einmal lernt er da, in einem verrissenen Lckal, eine Blumeiwerköuferin kennen und es entwickelt sich aus dieser Bekanntschaft«in« große leidenschaftZich« Liebe, die mit Heirat endet, nachdem sich herausgestellt hat. daß die Geliebt« die Zwillings- schwester der Getöteten ist. Die Voraussetzunzen des Romans sind etws dürftig: Der Mord ist nicht recht glaubhaft gemacht und es heißt de» Zufall etwas stark strapazieren, wenn man ihm zumutet, daß er zwei in so merk- würdigen Beziehungen zueinander stehende Menschen zusammenführ:. Immerhin hat Trebitschs Vision, daß der Mörder sich mit dem Spiegelbild seines Opfers und damit, ins Mystisch« erweitert, mit diesem selbst, zu verschmelzen vermag, etwas Packendcs und Faszinierendes und etwa die Augenblicke, in denen der junge Mann der geliebten Frau den Mord offenbart, haben den Atemschlag kosmischer Fügung. Nanz Lauer. Rätsel-Ecke des„Abend 6i Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Norwegischer Schriftsteller: 5. Handzeich- nung: 9. Blum«! 19. männlicher Vorname: 11. Ansiandspflicht: 13. Artikel: Ih. Fanggerät: 17. männlicher Vorname: 19. Volk m Asien: 21. Dasein-, Z-T Metalldolzen: 21 Tatkraft: 26. Ruhepause: 27. Tiergarten: 28. deutscher Badeort: 29. Gesangsstück: 31. chemischer Grundstoff: 33. Abzugsröhre: 36. Stadt in Frankreich: ZA Quellfluß der Weser: Z9. arientalische Kopfbedeckung: Ist. weiblicher Vorname: 13. Stadt in Belgien: 44. Planet; 46. Kriegegott: 48. bekannter Theaterleiter; 49. Rechnungsabzug: 50. exotischer Nadelbaum.— Senkrecht: 1. Weibliches Stück Rotwild; 2. weibliches Schwein; 3. Europäer: 4. Edelgas: 5. Salzsiederei: 6. Begleiterscheinung einer Erplosion: 7. sapanische Münze: 8. Drama von Goethe: 10. Faser- stöft: 12. Staat in MiUelanierika: 11 Beleidigung: 16. geographische Bezeichnung; 18. Nachlisch: 20. Figur aus dem N b«l»ngenl!ed: 22. ßiilsensrucht: 24. Pöbel: 25. Mal bei Fußball: 29. männlicher Lorname: 30. Fluß im Harz. 32. Raum unter dem Dach; 31 Hochland In Asien; 35. Stadt in Indien: 37. Fl'ch tn Schieswia.Ho'lt-in: 38. preußischer General t; 41. U eher bleib sest. 48. neunte Klasse einer höheren Schule: 43. Stadt in Brasilien; 47. Inselbewohner Europas.«kr. B siten'artenrä sel. f KEGINE ILSE F. BISGRIMBERG| Durch Ilmstellen der Buchstaben eriahren wir den Wohnort der Dom«..•»d. uwamamraMÄmMiwwaaiMumflinnjmimiminramijainmi'uiiaBU» Gilbenraisel Au? den Silben: an aus be bel bi bob oe de ds d«««b«c fun g« gen gi ha> jew ie la land lein mo no nez om os pin rg rq rab rat re rett ja sä schub st ster tai te te ü ul wa wand za sind 20 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, eine Mahnung der Sozialdemokratischen Partei croeben. Die einzelnen Wärter bedeuten: 1 Monateerde: 2 reicher Mann: 3. Wafs«: 4. Apostel der Eskimo»: 3. jüd. Priester; 6. Verzögerung; 7. Beamter: 8. Gewebe: 9. Naturerscheinung; 10. Verzeichnis; 11. Auoenglas; 12. russischer Dichter; 13. Feuer- wcrkskörper: 14. abget. Männername: 15. Krankenhaus; 16. Wasser- vogel; 17. Mundart: 18. Wüste: 19. Windart; 20. Gefährt. xr. Fütträtsel. Die Buchstaben aacaeeeegbkkl oprrrrsstvw» sind derartig einzusetzen. daß Wörter folgender Bedeutung ent- stehen. Waagerecht: I. Stadt in Estland 2. Bühnenspiel 3 Grundsäße im objektiven Sinn 4 Kleiner Mensch 3. Vögel.— Bei richtiger Lösung ergeben die gekennzeichneten Felder den Namen einer sehr oerbreiteten Tageszeitung. F. s. Auslösungen in der nächsten Rätselecke. Auslösungen der lehnen Rätselecke Magisches Kreuzworträtsel. Die erste Ziffer be- deutet waagerecht, die Ziffer in Klammern senkrecht: 1.(1.) Neger; 4.(4.) Tulpe; 7.(11.) Emu; 8.(2.) Georg: 9.(5.) Lampe; 10.(3.) Regen: 12.(6.) Ebene: 14.(14.) Duell; 17.(17.) Halle; 20.(15.) Erika; 21.(18.) Laube: 22.(13.) Nil: 23(16.) Liane; 24.(19.) Ebcrt. Silbenrätsel: 1. Dattel: 2. Zndigo: 3. Erich; 4. Siede- Punkt: 3. Erwin: 6. eausanne: 7. Bordüre; 8. Sozialist: 9. Trefe- bürg; 10. Bufle; 11. Esau: 12. Halle: 13. Erlangen: 14. Rhemsberg: 13. Rarität: 18. Sattel: 17. Churchill: 18. Hagebutte: 19. Usedom: 20. Jlumte; 21. Gcdeck. 22. Irene: 23. Stenographie.— Die Selbstbeherrschung ist hie Wurzel aller Tugenden. Botanisches: 1. Vekaraonle; Z. Fi-chsie; A Erika; 4. Fiinerhut; 8. Flieder: 6 Edelweiß; 7. Reseda; 8. Cili?: 9. Zmmevgrün; 10. Narzisse; 11 Gt orgine: 12. Enzian.— Pfeff�- linge, Kreuz und quer: 1—2 Sprottau. 1—6 Sprotten, 2—5 Tauben. 3—4 Benyo. 3— 7 Benzin. 4—5 Ncra, 4—6 Noten. 5— 3 Raben, 5—6 Raten, 5—8 Rosen. 7— 8 Zirsten. 8—8 Sensen. 9—6 Hasen. 9— 10 Hagel, 3—10 Bcnzel, 10—6 Gesten. 7— 10 Fische F ü l l k r e u z r ä t l e l: 1. Dogma: 2. Organ;•*>. Magie; 4. Angel. 30 Jahre Freier Segler- Verband Ein bemerkenswertes Jubiläum im Arbeitersport 3n diejeu lagen feietf der„Jrcie Segler-Verband- fein Mähriges Bestehen: VW vor den Toren unserer Relchshaupt- stadl. am Rummelxburger See. an dessen westlichem Ufer das allbekannle Reslaurant der ww. Schonerl liegt— dort stand die wiege des Arbeiter-Segelsporks. Als dir Favoriten de» Rummelsburger Sees waren die�Fralernisierlen" west und beeil befnnnl, die 1891 den Segel-Club �cmemilas"' bildeien und sich damil von dem feudalen Segelsport lossagten, in besten Reihen doch nur„hohe und höchste herrschaslen- als standexgemüh belrachlel wurden. Im Jahre 1901 wurde erneut der Versuch zur Gründung einer Arbeiterseglerorganisation unlcrnoinmen, nachdem vorhergehend« Ver- suche gescheitert waren, ver Erfolg blieb dieemal nicht aus, und am S. März 1001 gab sich der..Berliner W e t t s e g e l- V e r« band-, dem der SC. Fraternitas und die Freie Vereinigung der Tourcnfegler Grünau angehorten, seine Verfassung. Damit war eine neue Organisation geschassen, die sich bewußt auf den Voden der Arbeiterbewegung stellte und in der auch die..kleinen Leute- den schönen Segelsport ausüben komiten. Fraternitas und die Touren- segler blieben alleinig« Mitglieder des Berliner Wettsegel-Verbandes: aber sie hielten wie die Kletten zusammen und veranstalteten bereits am 1Z. Zun! 1901 die erste Wettfahrt aus der Dahme mit dem Start von der eckten Brigg„Marie-, einem alten Segelschiff. das in ein Restaurant umgebaut war. Heute erhebt sich am daiualigen Startplatz das Sportdenkmal. Dies« erste Regatta war von 21 Booten beschickt, die natürlich einiges Aussehen unter den hoch- feudalen Seglern erregten. Ein herzliches Verhältnis bestand zu der Zeit zwischen den im BWV. zusainmengeschlossenen beiden Segelvereinen und den anderen Arbeitersporttern: Radfahrerbund„Solidarität-, Arbeiter-AtHleten, Turnern und Ruderern. Es ist bemerkenswert, dah iin Jahre 1002 am Müggelsee ein Arbsster-Sportfest stattfand, an dem sich die vor- genannten Organisationen beteiligten. Im Jahre 1005 gesellten sich zu den beiden bestehenden Arbeitersegler-Bereinen der„Verein Berliner Segler- und der„SB. Wendenschloß-. Der„Derein Berliner Segler- schwamm bereits ein Jahr später im bürgerlichen Fahrwasser. Die noch übriggebliebenen Vereine bildeten den BWL. bis nach dem Kriege. Im Jahre 1920 trat der Segel-Club 1893 dem BWV. bei, ebenfalls die Tourensegler-Vercinigung Tegel, die!m Jahre 1011 gegründet wurde, während des Krieges aber vorübergehend ihre Tor« schloß, dann aber sich erfolgreich entwickelte. Durch Werbe- nuffätze in der Arbeiterpresse wurde mich im Reick)« agitiert, und bereits 1021 knüpften auswärtig« Vereine Beziehungen zur Arbeiter- ftglerorgantfation an. Der etwas„örtliche- Name„Berliner Weit- lezel-Dcrband- wurde demzufolge In„Freier Wettsegel-Derband- und dann In„Freier Segler-Verband- umgeändert. 1925 fand der erste Seglerlag in Berlin statt, aus dem die Delegierten der dem FSV. angeschlosienen 11 Dereine lwrtmcn waren. Auf diesem Seglertage wurde die Aenderung der Verband-flagg«— bisher der rote Ball im weiße» Fell»— wegen ihrer Identität mft der japanischen Handelsflagge beschl äsen Ihre heutige Form ist: Rote Flagg«, darin cm weißes, rhombusfönniges Feld, in dessen Milte der rote Ball schwebt. Besonder» cws den östlichen Gewässern Berlins hat die Flagge der Arbeitersegler sich längst das Feld erobert. Bon besonderer Wichtigkeit ist der im Jahre 1925 erfolgte Anschluß des Freien Segler-Bcrbaudes an die Zentralkommisfion für Arbeitersport und Körperpfleg«. Daß die Werbearbeit bis zum heutigen Tage nicht geruht hat, zeigte der am 31. Januar und 1. Februar d. I. in Berlin statt- gefundene Derbandstag. 12 vereine mit 2öZZ Mitgliedern, denen ein Material von 11öS Segel- und 299 Molorbooleo zur Verfügung steht, hatten ihr« Delegierten entsandt. Der 7. Seglertag begrüßte den FSB. als Jubilar: 30 Jahre, von 1901 bis 1931, Hot er für die Idee des Arbeitersegelsports gekämpft und eine stattlich« Flotte unter seinem Stander vereinigt. Aus den kleinsten Ansängen ist eine achtunggebietende Organisation geworden, die sür die Disziolin der Segler Vorbildliches geleistet hat. Dabei ist gedacht an die Heraus- gäbe der Führerscheine, die nach einer Prüfung in der Theorie und Praxis des Segelns sowie Kenntnis der polizeilichen Beitimmungen auf dem Wasser erlangt werden können. Das Haupitätigkeitsgebiet der Arbeitersegler erstreckt sich insbesondere aus Wettsahrten, von denen in jedem Jahre sieben stattsind en. In den letzten Iahren beteiligten sich an den Regatten durchschnittlich über 200 Boa!«. Neben dem Wettsegeln wird naturgemäß auch das W a n d e r- und Seesegeln gepflegt. Der Heranziehung der Zugend zum Segestporl wird natürlich besonderes Interesse entgegengebracht. Di« bestehende Iugendabteilung des FSV. zählt annähernd 300 Jugendliche. Da besonderer Wert daraus gelegt wird, daß jeder Segler des Schwimmens kundig ist, wurde eine Schwimmabteilung ge- schössen, die sich eines zohlreichen Zuspruchs ersreut. Leider setzen die beschränkten Verhältnisse in den Hallenbädern der Auedednung dieses Sportzweigcs eine Grenze. Die im FSV. vorhandenen Motorboote sind in einer Motoroootabteilung zusammengefaßt, die es als ihre Aufgabe betrachtet, zünftige Motorbootfahrer heran- zubilden, die nicht in der Rücksichtslosigkeit gegen ihre Genosten der anderen Fakultäten«ine besondere Leistung erblicken. Die Zeitschrift des Freien Segler-Verbandes ist„Der Freie Segler-. Einer unermüdlichen Werbetätigkeit ist es gelungen, den schönen Segelsport auch der arbeitenden Klasse zu erschließen und für die Gesundung des arbeitenden Menschen an Körper und Geist zu sorgen. Der weiteren Auebreitimg werden leider durch dt« hohen steuerlichen Lasten Schranken gesetzt. Besonders die unge- rechtfertigten Abgaben an die Fischerei, die ihre Forderungen auf ein alles Privileg aus der Raubrillerzett herlettet, bilden einen starken Hemmschuh in der Entwicklung nicht nur des Segelsports. sondern des gesamten Wasiersport». Es Ist zu wünschen, daß sich die Vertreter der Arbeiterschaft in den Parlamenten dafür einsetzen, daß alle ungerechtfertigten Abgaben verschwinden, um den Organisationen, die drei Jahrzehnt« für den Arbeitersport kämpfen, nicht den Lebensfaden abzuschneiden. Wenn auch der FSV. gegenüber den anderen Sportarten nur Verhältnis- mähig klein an Zahl ist, was in seiner besonderen Eigenart begründet ist, glaubt er doch seinen bescheidenen Anteil an der gesamten Eni- Wicklung des Arbeitersports zu haben. Möge die Zell nicht mehr fern fein, wo auch der letzte Arbeitersegler sich zur Flagge des Freien Segler-Verbandcs bekennt? � Das Programm der Olympiade Fast zwei Wochen lang(18. bis 27. Juli) wird die Stadt Wien, der Ort der Zwesten Arbeitersportinternattonalr, unter dem Eindruck der großen Zusammenkunst der Arbeitersportler aus der ganzen Welt stehen. Das in den letzten Tagen befchlostene überaus viel- festige Programm wird selbst dem Fleißigsten nicht die Mgllchkeit geben, alle Veranstallungm zu besuchen. Dar Auftakt d«s Festes wird da» Eintreffen der Kinder zum Welt k indertag am 18. Juli bilden. Der folgende Sonntag wird ganz den Kindern gehören. Vormittags werden oi« Klein' n auf dem Rathausplatz aufmarschieren, um 11 Uhr findet im Apollo- tmo die ossiziell« Erössnungeieier statt. Am Nachmittag ist ein Kinderturn- und Sporlsest aus dem Gralrennplotz vorgesehen. An diesem„Tag der Kinder- finden auch in der ganzen Imernationil« örtlich Kindersportfest« mst den Kindern statt, die nicht nach Wien ialiren können. Der Montag und der Dienstag sind für Aurflügs imb für die letzten Vorbereitungen der Olympiade reserviert. Milt» wochabend finden in den Wiener Bezirken Umzüge und ein große» Sängerionzert vor dem Rathaus statt. Am Donnerstag beginnen auf allen Plötzen die Weit- kämpf«. Abends marschieren die Wettkämpfer in der 5?aupt- kampstwhn aus. Im Mustkveveinssaal findet am gleichen Abend ein Chorkonzert statt. Das Rathaus und dar Hochstrah'brunnen werden a« diesem Tage festlich beleuchtet. Dos Quer-durch-Wicn- Laufen steht am Freitag im Vordergnind. Abends werden die Wiener Turne? den Gästen im Rohmen eines Körpcnschulungs- abends ihr Können zeigen, gleichzeitig wird im Apollokino ein« Akademie stattfinden und außerdem veranstalten die Bezirke noch Festabend«. Der Sonnabend bringt das Quer-durch-Wien-Schwim- men und das Festspiel im Stadion. Sonntagvonnsttag wird der Festzug der Arbeitersportler über den Ring mar- schieren, der Nachmittag gehört den Massenfreiübungen und den Schlußtämpsen, der Abend bringt einen Wiener Musikabend im Musikoereinssach und schließlich den unvermeidlichen Abschied von der Donaustadt. Die Stadt der Olympiade Wiens bestens organisiert« Arbeiterschaft sichert von vornherein für da» Olympiatreffen innigste Verbundenheit und So'idarität mit den zu Gast«eilenden Klassengenossen. DI« internationalen Gäste werden Gelegenhell haben, die Errungenschaften der roten Gemeiich« zu besichtigen. Wien Hot heute von etwa 600 000 sozial- demokratischen Wählern 5 00 0 00 Menschen in der Sozial- demokratischen Partei organisiert. Darunter sind 2000 Studenten, 80 Prosessoren und 13000 Kleingewerbetreibende. Selbst 210000 Frauen zählen als Mitglieder der Partei. Alles das war nur erreichbar durch ein Pnoletariat, da, nicht zerrissen und gespalten ist. Man versieht es aber auch. Kommunolpolitir zu trei- ben. Man Holl dort etwas, wo auch wirtlich«was zu holen ist. Sckpckspei sangen, Lehrmistelsrelheit für 300 000 Kinder, grundlegen- der Kampf gegen die Tuberkulose und vor allein Bäder- und Woh- nungsdau lassen das Werk der Sozialdemokraten erkennen. Seit 1023 wurden 50 000 Wohnungen zu billigem Mietpreis geschasjen. Lichtenbergs Fr cundschattskampf Ringkämpfe bundestreuer Athleten Einen Freundschaststampf im Mannschastsringen rrug gestoru der Kreismelstervereln„Lichtenberg- Friedrichs. feld« VI' gegen eine ausgezeichnet kombinierte Mannschaft der bundestreuen Athletlk-Bereine Tegel. Sparta und Alt- Wedding aus. Die Staffel vermochte sich gegen die stets in guter Form startende Meislermonnschaft nicht durchzusetzen: nicht ein Tressen verloren die Lichtenberg«, ein Beweis dafür, daß der Ausgang der Kämpfe um den Titel eines Meisters im 1. Kreis kein Zufallsergebnis war. Die leichten Klassen gefielen wieder durch Ihre Schnelligkeit. In den Einladungskämpfen der Jugendlichen siegte Roll (Lg.) über Tiefte(cp.) in der ersten Minute und H. Binder(LF.) über den Tegeler Pirasch nach etwa» längerer Zell: Siegcsmund (Ö&.) und Iefkp(T.) rangen nhne.eln Ergebnis. Im Bantamgewicht starteten Borchort(LF.) und Lorenz(AW.) Di« beiden ausgezeichneten Gegner ergänzten sich bestens und wandten so zl«m- ktch all, Griffe an. Da» Kampfgericht gab hier«in Unentschieden. Der Lichtenberger W. Binder bezwang den Federgewichtler Hansa nach 1.50 Minuten. Der ehrgeizige P. Binder(LF.) braucht« etwas längere Zest. um den Tegeler Dabbel mst einer blitzschnellen Krawatte zu legen. Ringzeit: 5.35 Minuten. Die größer« Routine des Leichtgewichtlers Burkhardt(LF.) siegle über Putzke(T.) in der merten Minute durch Eindrücken der Brücke. Ueber die größere Kraft de« Tegeler» Hilldebrandt siegte Wsttkamm» feiner« Technik schon nach 1 Minuten. Das interessante Kämpfen der Halbschweren Walloschek(LF.) gegen Rosenträter(T) endete bereits nach 3.30 Minuten mst einer Schulterniederlage des Tegelers. lieber die volle Rin'gzest ging das Tressen der Schwersten, Kreklow(LF.) gegen Bröcker(AW.): von Ansang bis zum Schluß gab es ein flottes. hartes Kämpfen. Die Zeit war zu kurz, um dies« krastnollc Be- gegung Im Ergebnis umzumünzen. Den Abschluß bildeten wieder drei Iugendkämpfe, die. wie olle Kämpfe, flotte Musik begleitete.— Aber da« nächste Mal wird pünktlich angefangen! Märzfcicr der FTGB! Am Sonntag, 15. März, wird die Freie Turnerschast Groß- Berlin mst einer Saalveransialtung auswarten, die in Ihrer Art als einzigartig bezeichnet werden kann- Das Programm bringt u. o. Rezitationen von Martha John und neue Gesänge de» Ebert-Manz. Ouartett». Unter dem Motiv„M ä r z f e i e r- sind die Darbietungen in proletarisch-sreiheitlichem Sinn« gehalten, mst denen auch auf kulturellem Gebiete die Freie Turnerschast Groß- Berlin sich Anerkennung erwerben wird. Das FTGB.> Orchester wird den Progrommtell der Veranstaltung musikalisch umrahmen. Der Eintrittspreis von einer Mark steht in keinem Verhältnis zu dem Gebotenen. Die Feier ist im L e h r e r v e r e i n» h a u s am , Alexanderplag und beginnt um 17 Uhr. Einlaß 16 Uhr. Karten i in der Eeschästsstell« des Vereins. Berlin NO. IL. Lichtenberger ' Straße 8(Telephon Königstadt 3656) und an her Abendkasse, Querfeldeinfahren bei �Soli* Die Rennsahrerabteilung Berlin de» Arbeiter-Rah» und Krastsahrerbundes„Solidarität- beschließt die Winter- saison Sontag, 15. März, mst einem Querseldeinsahren. Während sonst alle Straßenrennen auf Chausseen ausgefahren werden, geht diesmal die Fahrt durch Feld und Wald, auf ge- pflegten und ungepflegten Wegen. Während sonst das Stahlroß seinen Reiter trägt, ist es beim Querseideinsohren meist umgekehrt; «in Teil der Strecke, so viele Feldwege, Wiesen und Anhöhen müssen auf Schusters Rappen zurückgelegt werden. Aber gerade dadurch gewinnt das Rennen an Interesse. Ostmals fällt der Sieg dem» jenigen zu, der nicht nur schnell fahren, sondern noch schneller laufen kann. Das Gelände liegt bei S ch ö n e r l i n d e. Zur Teilnahme sind alle Bundesmilglicder Groß-Berlins und der umliegenden Orts» gruppen berechtigt.— Anmeldungen bei Kowalke, Berlin. Stresemannstr. 58 und bei Schreiber, S. 50, Lachmannstr. 4. Start in Berlin am Sonntag, 15 März, früh 7 Uhr: Königstor. Sommel- start in Schönerlinde, Restaurant Schützenhaus, 0 Uhr. Gäste willkommen. Lin Blinden'Schauiurnen Aus«inen Aueglerch vor den schädigenden Einflüssen der Bs» rufsarbeit, wie ihn sich der Sehende durch Sport und Leibesübungen zu schaffen wußte, mußte der Blind« verzichten, denn man war zunächst froh, seinen Drang nach Betätigung befriedigen zu können. Nur zu bald fühlte der Blinde aber selbst die Lücke und in seinem Bestreben, sie auszusüllen, griff er zur Selbsthllsc. So entstand im Jahr« 1028 der Berliner B l i n d e n s p o rt v« r« i n, de? seitdem unter Leitung des Turn- und Sportlehrers am Reinicken» dorfer Gymnasium B r e i t k o p f, im stillen gewirkt hat. Wenn zu Beginn auch manch« Schwierigkeit zu überwinden war, so haben die guten Erfolge, die in der verhältnismäßig kurzen Zeit erzielt wurden, den Blindenfportvereln epinutigt, am Sonntag. 15. Mörz, durch ein Schauturnen für sein« Sache zu werben. Jeder, der Interesse an der Sache der Leibesübung der Blinden hat und mithelfen will, sei willkommen und fordere von der Ge- schäftsstell« de» Blindensportvereins. P. Rosenbaum. Berlin N. 3. Ruppiner Str. 37, eine Einladung. Die Vorführung findet in der Turnhalle des Königstädtischen Gymnasiums, Elisabethstr. 57. vor» mittags 10� Uhr statt. Bezirksriegenkcgcln im AKB. Di« am Sonntag abgehaltene Gauvorstands- und Techniker- sitzung des Arbelter-Kegler-Bundes hat den Beschluß gesaßt, das diesiährig« Bezirksriegenkegeln am Sonntag. 15. März, 11 Uhr, im Keglerheim Sawade, Spandau, Schömvalder Straße 08/99, am Freirag. 3. April, und Sonntag, 26. April, in noch näher zu bezeichnenden Lokalen abzuhalten. Die ersten zwei Kämpfe gehen mit je 100 Kugeln in die Vollen, im letzten Kampf. dem 200--Kug«l-Kampf, starten die 30 Kegler, die als die Best«» sich qualifiziert haben. Anschriften an den Gautechniker Willi Schick, Spandau, Hamburger Srraße 119, sofort einsenden. Tanzabend„Wie einst im Tfiai". Dir Neuköllner Dolkslauzschar, die Mstglied der Arbestsgemeinschast proletarischer Voltstanzkreise und des Arbeiter-Turn- und-Sportbundes ist, veranstaltet Freitag. 13. März, 20 Uhr, im Orpheum, Hasenheide, ein Volkstanzfest, ver» bunden mit Sondervorsührungen„Wie einst im Mai-, Tänze der Großeltern und Eltern. Alle am Tanz Interessierten sind herzlichst eingeladen. Eintritt 70 Pf. Die Frage der Forbenphotographie gelost? Immer wieder werden Mitteilungen über die endgüttige Lösung der Phowgrophi« in natürlichen Farben gemacht. Aber alle Verfahren haben sich entweder als zu teuer erwiesen oder die Resultate entsprachen nicht den Erwartungen. Der Wirklichkeit am nächsten kommt Immer noch die Farbenrosterplatte. Ueber diese und die Umsetzung aller Farben in Schwarz-Weiß-Wert« spricht Max Schiele unter dem Thema„Die Farben- und die panchromatische Platte- in der Freien Foto» Vereinigung Berlin(ALB.) am Donnerstag, 12. März, 20 Uhr, im Physitsaal der weltlichen Schule, Pank- Ecke Wielenstraße. Heute Eislaufbetrieb der Arbeitcrsportler Die Eisläufer und Eishockeyspieler de» Arbeiter-Iur». und -Sporlbvnde» üben heute im Volkspart Rkoriendors. Eishockeyspiel VSc.-0string gegen FTGB.-Rordring. Beginn 191? Uhr. Frei»£«Itft»at(aSm»Uli» C. B. ftutaRmmFIlnfie Donneunaa. 12. V irj(. 20 Übe:(ütuept Soeben bei cadyc, Lindow, e®!t. 26. LiAtMIbctoetlea«:.38 it dcm SKt®. in die weile SBetl".(Bioope Nordosten bei Gchddel. Pren.-laise« Alle« 83.®rünifcuiH,»»ei[niiimIuna. Säfte njiutommcn. SRoninj, 16. üRöm» ifunffonärtonftreiw Jtur Linde", Uferst r. 18. 51®*.,»e*itl Lichte»», lg. Tonnersls», 13. März, 20 Übt, gnnitionßo» fiftunn im Bereinslolal.— y«nube»irl. STonnctsta«, 13. Mär,. 20 llfir., Mjj» oticbcroecfflmotluim im goN.nfteiner. ilaldcnftrinftc.«. Anfchlieftend Generoi» oerfonunlun« der Louaenossenfchaf:. 5Mle Ho nn- Union aioft.OSciIi*«.«. Tonnctslcft, 12. Mär». 20 Übe. Voll» nertemmluno im Mrftenbof, ftäpcnulet Sic. 137. foMdjoceii vom'.Trstett SiyIer.Zerbond spricht über die neuen Steuern für Vochi. nnd Wufleranu-d- stllile und über den Nummernnwvnn. Gäste willlommen. ASS. Nenlilll». Leichtoldlete»! MMwoch. 30 Übt.•ffialtet'SalScnaa�SchuI«, BoddinflraZe. Vorher. 18 Übt, Rinäctablellunn. ronncto'on, 30 Uhr Zun». mädchenadteilung. ffteilos. 20 Uhr, SRäintttcbteiUirn, vorher, 18 Uhr, Rinben» abtttltma. «es.. ftotftnoWeilanei. Sihuna 11. Mär». WH Uhr. bei Jufchlnt, Lichte«» bet«. Inleressenten milltonnn« n. fr f%D Mittwoch, 11. März. 0 e r 1 1 n. 16.10 Zum lOOlihnccn ToilcMat von Matthlsson. 16.40 L. v Wohl liest«os elcenen Werken.< 17.00 OroBcs Sehausplelhoos; DritUtcntag. 18.00 K. Lubinski;„Mensche« Jenseits»er Pyrenäen". 18.2S Anna Geyer: Die verheiratet« benifslltfge Frau 18.45 Miltellqnccn des Arbeitsamtes. 18.50 Tanzabend. 21.30 Tages- oqd Sportnachricbten. 2130 Gustav DauberL Ein Ouerscboitt durch seine Wtrtta. MnmjsMptt Emst W Frelfilar. Ltg.: Edle! Käppes. 22.15 Wsttor-, Tagep-«od Sporttadhrlchten. Ansehllcjend: AbaoUuqterjialtuW. Köqitawuaterhaoien. 16.00 runkpzdagoglsehe Arbeltseemelnscbalt. 14.30 Hamburg: Konzert. 17Jo Volkslied In Osteuropa. 18.00 Amsel; Lehrgang(ür ElnheltskunachrlH. 15.30 Dr. C. D. Marcus: Skandinavien In dar WeKlltentur. 10.00 Ing. Kunze: Organlsatlonsforme« der Beamterhownsrung 10.20 VJn.-Rat Joachim; Aus der Prari« des Arbeltsrrch s. 20.00 Rathaus Friedenau: Posener Abend. 2115 Hamburg; Heiterer Abend. 72.15 Wetter, VachricbteB, Sport Explosionsgefahr bei der Reichsbahn. Das erschreckende Elend der Eisenbahner. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn hat mit dem Antrag, die Löhne der Eisenbahner noch weiter abzubauen, die Lunte an einem Pulverfaß in Brand ge st eckt. Das geht aus allen Beschlüssen der Eisenbahner hervor. Ans der Menge der In- jchriften geben wir auszugsweise nur zwei Beschlüsse wieder, weil sie durch Zahlen dos erschreckende Elend der Eisen- bahnarbeiter aufzeigen. In einem Beschluß der Ortsgruppenleiterkonfercnz des Einhcitsverbandes des Bezirks Halle heißt es: „Im Sammer 1930 erhielt ein Bahnunterhaltungsorbeiter in der Ortsklasse E, Wirtschaftsgebiet I, bei einer Soziolzulage von pro Tag 0,54 M., einem Gcdingeüberverdienst von 30 Proz. und einem Ueberstundenzuschlag von 23 Proz. für die 49. bis 54. Arbeits- stunde— einen Bruttolohn von wöchentlich 42,(p; M. Nach der Einjührung der Kurzarbeit senkte sich der Wochenverdienst im Monat März 1031 auf 2 5,24 M., und von diesem Betrag« will die Reichsbahn-Gescllschaft noch einen Abzug von wöchentlich 2,84 Mk. vornehmen. Die Ortsgruppenleiter erklären, daß die Kollegen an der Grenze ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit angekommen sind. Sie begrüßen daher die für den Sonntag, den 15. März 1931, nach Leipzig einberufene Kampfkonferenz der Bezirke Sachsen und Halle a. d. S., wo die zur Abwehr der Provokationen der Reichsbohn-lAesellschaft notwendigen Beschlüsse zu fasten sind." In einem Beschluß der Ortsgruppe Bremerhaven des Einheit-- Verbandes heißt es: „Infolge der Verkürzung der Arbeitszeit von S auf 8 Stunden haben wir für die ein« Stunde an Lohn und Ueberstundenprozente «ine Lohneinbuße von mindestens 13 Proz. Durch dt« Einkegung der Feterschtchte» ist unfer Verdienst«och weit«-, erheblich unter das Existenzminimum gesunken, Für dm Monat Februar haben verheiratete Bahnunterhallungsarbeiter 101,50 2U. Cohn ausbezahlt erhalten. Trotz Verkürzung der Arbeitszeit und Einlegung von Feier« schichten werden von uns noch immerweitereLeiftungs- steigerungen verlangt. Da keine neuen Arbeitskräfte eingestellt worden sind, Hot die Reichsbahn-ltzesellschost infolg« der Feierschichten und Arbeitszeitverkürzung erheblich weniger Ausgaben für den Löhn zu machen. Solang« die Reichsbahn-Gesellschaft den leitenden Beamten«in Mehrfaches an Gehalt bezahlt wie ein Reichsminister erhält, solang« jährlich etwa 25 Millionen Mark an Leistungszulagen verpulvert werden und jährlich große Summen für Teno, Bahnfchutz und Werkfporwereine veraus- gabt werden, kann von einer finanziellen Notlag« der Reichsbahn- Gesellschaft nicht gesprochen werden: weil sie bestinnnte Gruppen erheblich über den Reichsmaßstab bevorzugt und auf der anderen Seit« bei ihren Arbeitern im Rcichsmaßstab betrachtet di« schlechtesten Löhn« zahlt. f. töeßäfte-Jbiföigftv �r4 föezitü füden-Wejien Fritz Muth Buttergroßhandluns Filialen in allen Stadtteilen B.15�1 Klischees Galraooplastlsche Warkstütien K-G.Baum&Co. SWÖ8. Alle jakobstrafte 144 Telephon: Dönhoff 890— 891 C. Kartseil, V/äsche-Verleih Telephon; Maritzpl. 918. S 42, FOratenstr 20 Wäsche aller Art � Gute Beschaf fentaeit. kulante Bedinton'en! 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