BERLIN Mittag 16. Mrz 1SZI 10 Pf. Nr. 126 B 63 48. LrscheinttSglich außerSvnntags. Zugleich Abendausgabe des„'BonrartS". Bezugspreis beide Ausgaben»»5 Pf. pro Woche,«,605)?. pi o Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWk�.Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 29? fftäfttfasfa Anzeigenpreis: Die tt«sxal»igeNvnpareiUeze>le 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Crmaßigun en nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärcs-Verlag G.m. b.H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält(ich da« SRcdj' der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor politischer Mord in Hamburg Kommunist von drei Hakenkreuzlern erschossen/ Einer der Mörder früher Polizist/ Organisierter Meuchelmord SOO Millionen für Berlin Amerikabanken gegen Gofina-Projekt/ Ein Gofortkredit von 75 Millionen Mark Hamburg. 16. März. Tas kommuuistiiche Bürgerschaftsmktglirb Henning ist in der Nacht zum Sonntag gegen 12.46 lchr in einem A u t o b u ä. der von Jollenspieker nach Hamburg fährt, kurz hinter Lchsenwärder erschossen worden. Henning befand sich in Begleitung seines Parteigenossen ssahnblcy. In Fiinfhauscn bestiegen drei Männer den CmnibuS. die zunächst ruhig Platz nahmen. Plötzlich er- hoben sie sich, zogen Pistolen hervor und riefen den Fahr- gasten zu:„Hände hoch!" Dann fragten sie Henning, ob er das kommunistische Bürgerschaftsmitglied Andre sei und forderten ihn auf. seine Papiere zu zeigen. AlS Henning hierauf seinen Namen nannte, erwiderten sie: „D ich suchen wir gerad e." Im gleichen Augenblick gaben sie eine Anzahl Schüsse auf Henning ab, sprangen alSdaun aus dem Wagen und schössen auch von draußen weiter in den Wagen hinein. Henning war sofort tot. Kine im Wagen befindliche Lehrerin erhielt zwei Beinschüsse. Die Täter entkamen im Tunkel. Ter Ermordete ist am 12. Lktober 1862 in Magdeburg geboren und gehörte seit 1628 der Hamburger Bürger- schaft an. Zwei Mörder stellen sich... Auch der dritte verhaftet. Hamburg. 16. März.(Eigenbericht.) Die Nachforschungen der Hamburger Kriminalpolizei nach den Mordbuben sind während des Sonntags in größtem Umfange aufgenommen und durchgeführt wor- den. Nachdem sich der Verdacht auf bestimmte Personen immer stärker verdichtet hatte, und als bereits alle zur Festnahme der Haupttäter erforderlichen Maßnahmen getroffen waren, st eilten sich zwei der Täter in der Nacht vom Sonntag zum Montag um 2.36 Uhr bei der Kriminalpolizei im Hamburger Stadthaus. Sie wiesen sich aus als der am 16. Februar 1666 in Seege- berg geborene ledige Albert Ernst Jansen und Ltto Ernst Heinrich Bammel, geboren am 27. Mai 1663 in Wittingen. Kreis Jfenberg(Preußen). Jausen war früher Polizeiwachtmeister und ist wegen national soziali st ischer Betätigung entlassen worden. Bammel ist Handlungsgehilfe. Am Sonntag fand in Zollenspieker im Lokal von Albers eine kommunistische Führcrbesprechung statt, tn der das Verhalten der Kommunisten bei einer späteren nationalsozialistischen Kundgebung in Geesthacht fest- gelegt werden sollte. Den Inhalt dieser Be- sprechung sollte ein in Zollenspieker bekanntes Mit- glied der Nationalsozialistischen Partei in Erfahrung bringen. In seinem Schutz waren die in Zollen- spieter nicht bekannten Mörder in das Lokal von Albers gegangen. Jansen sagt aus. daß»e Hen- ning für das Bllrgerschastsmitglied Andre gehalten habe und Plötzlich in sinnloser Wut auf Uzn geschossen hätte. Bammel will sich ohne U e b e r- legung an dieser Schießerei beteiligt haben. Beide bestreiten, daß eine Verabredung vorgelegen hätte. Die Burschen suchen sich also nach allen Regel« ihrer Partei herauszulügen. > H a m b u r g. 16. März. 1 Uhr mittags. Der dritte Täter des Attentats auf das kam- munistische Bürgcrschaftsmitglicd Henning. Hans Alois Höckmeyer. ist, wie die Polizei soeben mitteilt, im Stadt- teil St. Georg auf offener Straße festgenom- me» worden. Aus New V o r k liegt zu den Berliner Anleiheverhandlungen folgende wichtige WTB.-Meldung vor: Betreffs der Jinanjicrung der Berliner Städtischen Llektri- zitälswerkc A.-G. wird in Wallstreet ein Plan bekannt, der als Grundlage für die Berhandlungen mit der Stadt Berlin dieoea dürste und der die Errichtung einer mit 240 Millionen Mark Aktienkapital ausgestatteten Berliner Kraftwerke ZL-G. vorsieht. in die die Stadt ihre Elcklrizilälserzeugung und Bertellungs- anlagen einschließlich der Bewag, die best hen bleibt, einbringen soll. Die Aktien dieser Gesellschaft sind eingeteilt in 160 Mill. M. A-Aftien und 80 Mill. M. mit doppeltem Stimmrecht aus- gestatteten B-Akticn. Von den'A-Attien'sollen 80 Mill. M. durch ein unter Führung des New-Dorker Bankhauses Harris Fordes u. Co. stehendes Bankenkonsortium, 40 M:U. M. durch eine von I. Henry Schröder». Co. geführte europäische Bankengruppe und die restlichen 40 Mill. M. durch ein deutsches Banken- konsortium, bestehend /aus der Preußischen Staatsbank, der Reichs- Kredit-Geiellschast und anderen deutschen Banken, übernommen werden. Von den mit doppeltem Stimmrecht versehenen B-Aktien soll die Stodt Berlin kostenlos 30 Mill. M. erhalten, serner die Elektrowerke 2l.-G. und die Preußische Eicktrizitäts A.-G. je 25 Mill. M. gegen Barzahlung. Durch diese Aktienverteilunz bleiben von insgesamt 320 000 Stimmen 220 000, und damit die Kontrolle der Gesellschaft, in Deutschland, wobei der ö s s e n t l i ch« n 1) a n d durch den Besitz der 80 Mill. M. zweifachen Stimmrechts- aktien praktisch die Generolvcrsaminlungs Majorität verbleibt. Da die neue Gesellschaft auch die Schulden der Stadt gegenüber der Bewag in Höhe von etwa 277 Mill. M. übermhmen soll, fliehen der Stadt aus dieser Transaktion insgesamt etwa 5l7 Millionen Mark �u, davon 210 MillWncn Mark in bar. 30 Millionen Mark in R-Attien und der Rest durch Ablösung der Bewag-Schulden. Abgesehen hiee- von erhält die Stadt neben der Dimdende aus die B-Attien eine Konzessionsabgabe von 14 Millionen Mark jährlich, die später erheb- lich steigen dürste. In Erwartung eines Zustandekommens der Transaktion, bei der es sich bisher nur um einen Berhandlungs- Vorschlag handelt, hat das Bankenkonsortium der Stodt eine» Ueberbrückungskredit von 75 Millionen Mark angeboten. Diese Meldung bestätigt unsere Erwartungen über die erfolgreiche Perhandlungsführung Preußens und des Reichs mit den größten amerikanischen Bankgruppen. Das Projekt hat den Dorteil, daß die ftimmenmäßige Mehrheit für die öffentlich« Hand (Berlin, Preußen und Reich) gesichert wäre, besonders da erwartet werden kann, daß Preußen und Reich von den 40 Millionen Aktien, die das deutsche Bankkonfortium übernehmen soll, einen größeren Teil noch erwerben. Das Projekt ist auch kapitalmätzig g ü n ft i g e r als die bisher bekanntgewordenen Sofinovorfchläge: Berlin würde aus den projektierten Attienabgaben(die Aktien zu pari ge- rechnet) sofort 210 bis 250 Millionen Mark erhalten, während bei der Sofina kaum mehr als 160 Millionen Mark bald zur Verfügung stehen würden. Der überwiegend öffentliche Einfluß wäre auch bei der Bewag gesichert, da diese als Betriebsgefellschaft von der neuen Gesellschaft übernommen und aufrechterhalten würde. Begrüßens- wert wäre die sofortige Zurverfügungstellung von 75 Millionen kurz- fristiger Kredite: die Berliner Finanzen würden durch die Zahlung von besonderen Konzessionsabgaben ebenfalls in der Zukunft unter- stützt werden. Immerhin ist nicht zu verkennen, daß das neue Projekt doch weniger günstig für Berlin ist. als man erwarten durfte. Der private Einfluß wäre, wenn auch zersplittert, doch viel größer als es für Berlin und die deutsche Kraftwirtfchaft gewünscht werden darf. Das Projekt verlangt die allerernfteste Prüfung, wobei nicht außer acht zu lassen ist, daß die Zeit f ü r Berlin arbeitet, nachdem sich der deutsche Kredit im Ausland zunehmend bessert. Anti-Mordgesetz verlangt! .Der R e i ch s t a g hat bei Beginn seiner heutigen Sitzung beschlossen, am Ende der heuligen Tagesordnung einen A n- trag Breitscheid(Soz.) zu beraten, der die Reichs- rcgierung auffordert, eiu Gesetz vorzulegen, wonach die Aufforderung zum Mord w i r t s a m e r als jetzt b e st r a f t werden und die Möglichkeil des Her- kau fs von Waffen stark eingeschränkt werden soll, verbunden damit werden kommunistische Anträge, das verbot des Roten Zronlbundes und alle Demonstralions- verbote aufzuheben. � Bericht eines Augenzeugen. Hamburg, 16. Mörz Zu der Bluttat in einem Autobus der Linie Zollenspieker— Hamburg, der der kommunistische Bürgerfchastsabgeordnete Henning zum Opfer gefallen ist, berichten die Hamburger Morgenblätter weitere .Einzelheiten: Em Au-genzeugenbericht im„Homburger Fremdenblatt am Montags besagt, daß der Autobus Ochfcnwörder— Hamburg etwa mit 10 Personen besetzt'war. Auf der hinteren Sitzreihe hatten drei Männer Platz genommen, die auf der Station Fünfhaufcn eingestiegen waren. Bor ihnen saß der kommunistische Bürgerschaftsabgeordnete Henning uno sein Parteigenosse Eahnbley aus Altona, die von einer politischen Ber- sammlung in Zollenspieker kamen. Auf der langen Strecke von Annenhof nach Spadenland erhoben sich die drei hinzugekommenen Fahrgäste und riefen dem Autobusführer zu:„Halten ooer mir schießen!" Im gleichen Augenblick trachten auch bereits mehrere Schüsse. Henning wurde getroffen und sank bewußtlos einer neben ihm sitzenden Lehrerin in den Schoß. Die Lehrerin wurde von drei bis fünf Schüssen in die Beine getroffen. Hennings Begleiter Eahnbley warf sich nach den ersten Schüssen auf den Boden und stellte sich tot. Er erhielt lediglich einen ungefährlichen Streifschuß. Eine weitere Dame wurde durch einen Schuß am Dau- men verletzt. Di« drei Täter konnten in der Ausregung den Wagen verlassen und flüchten. Die verletzten Frauen sowie einige andere Passagiere verließen den Wagen, der daraufhin im schnei- sten Tempo weiterfuhr und aus der nächsten Polizeiwache Bericht erstattete. Es sollen insgesamt etwa 15 Schüsse abgefeuert worden sein. Dem Kontrolleur war es ausgefallen, daß die jungen Laute nicht selbst für sich bezahlt hatten, sondern daß ein Einwohner aus Ochsenwärder ihnen die Fahrt bis Homburg bezahlte. Außer oem getöteten Henning sind vier weitere Insassen des Autobus mehr oder minder schwer verletzt worden, dar- unter zwei Frauen und ein Kind. Die Nationalsozialistische Partei hat in Hamburg ihr wahres Gesicht enthüllt. Ihre Angehörigen haben in rascher Aufeinander- folge zwei politische Attentate oerübt. Das eine ist das Attentat auf den Regierungsrot Lassolly, der Täter ist ein national- soziall st ischer Polizeibeamter. Das andere ist die Er- mordung eines kommunistischen Führers durch eine organisierte nationalsozialistische Mörderbande. Der Führer der Mörderbande war ein wegen nationalsozialistischer Umtriebe entlassener Polizei- b e a m t e r. Diese Attentate eröffnen ernste Aussichten. Die Militärorgani- sation der Nationalsozialistischen Partei hat bisher den kleinen Bürgerkrieg auf der Straße geführt, indem sie, ebenso wie die Kommunisten, bandenmäßig politische Gegner übersieh Sie geht jetzt zum Einzelterror über, zum organisierten Asten- tat auf den politischen Gegner. Damit sind wir wieder in jei.e Periode der politischen Morde eingetreten, die Deutsch- land von 1019 bis 1022 durchmessen hall Die Mörder von damals stich die Kameraden der National- Wieder eine Familientragödie Baier und Kind durch Gas vergistet Zu seiner Wohnung in der 2 a SM NU der Str. IS Im Norden Berlins wurde am Sonnlagnaihmlklag der ZSjährige Hausdiener Karl Zander mll seinem Sjährigen Töchlerchen Ursula durch Gas vergiftel ausgesunden. Z. hat im herbst des vergangenen Jahres seine Frau, an der er mit großer Liebe hing, verloren. Schon wenige Tage nach dem Begräbnis versucht« der Mann aus Gram über den Tod seiner Frau durch Einnehmen einer größeren Meng« Veronaltabletten Selbstmord verüben. Damals wurde die Tat rechtzeitig entdeckt und Zander konnte gerettet werden. Er war von diesem Zeitpunkt an schwer- mutig. Am Sonntag holte Z. feine Sjährige Tochter, die in der Nach- barschaft In Pflege war, zu sich. Er löste die Verschlußschraube der Gasleitung und ging mit dem Kinde in den tödlichen Schlaf. * Zwei weitere Selb st morde sind auf die wirtschaftliche Not zurückzuführe». In seinem Geschäft in der Kastanicnallre 22 er- hängte sich an der Türangel der 57jährige Bandogist Hugo Nagel. Auf dieselbe Weise schied der ZLsährige Schauspieler Olaf S t o r m m seiner Wilmeredorfer Wohnimg aus dem Leben. Von Einbrechern niedergemacht Schwere Bluttat in Hamburg. Hamburg, lv. März. Als am Sonnlagnachmittag gegen SM Uhr die in der Hansa- straße in Hamburg wohnhasten älteren Eheleute B r ü n n l e i n von einem Ausgang heimkehrten, überraschten sie im ersten Stockwerk drei Einbrecher. Diese gaben sofort auf das Ehepaar mehrere Revolvcrfchüsse ab. Die Frau war sofort tot. Der 60 Jahre alte Ehemann erhielt einen Bauchschuß. Die Einbrecher ergriffen die Flucht, wurden jedoch von Ordnungspoli- zisten verfolgt. Einer der Verbrecher legte auf einen Beamten an. Ein anderer Beamter kam ihm jedoch zuvor und brachte ihm einen Schuß in die rechte Hand bei. Es gelang, einen der Burschen zu stellen und festzunehmen. Es handelt sich um eine» 30 Jahre alten angebSch in Wien geborenen Kellner Wagner. Daß es sich um Berufseinbrecher handelt, geht daraus hervor, daß dem Verhafteten nicht weniger als 20 Dietriche und 40 Schlüssel abgenommen wurden. Er will seine beiden Helfershelfer, oie entkoinmen sind, nicht kennen. Man fand bei ihm weiter Münzen, die ans einem Einbruch stam- mcn, und 230 M. in bor. Bier Artisten abgestürzt. Das Drahffeil gerissen. Paris, 16. März.(Eigenbericht.) Lei einer Zirkusvorstellung in Reims riß am Sonntag dos Drahtseil, an dem ein Trapez befestigt war, so daß die an dem Trapez arbeitenden vier deutschen Artisten aus 5 Meter höhe in die Manege stürzten. Zwei Artisten, Fräulein Brix und Fräulein Lindner, beide aus Breslau, erlitten Rippenbrüche und andere Verletzungen. Sie mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Ihr Zustand ist besorgniserregend.____ Gasbomben gegen Zuchthäusler. Ehikago, 16. März.(Eigenberichi.) Im Ioliet-Zuchthaus bei Chikago brach eine Revolte aus, die blutig niedergeschlagen wurde. Ein Sträfling wurde getötet, drei wurden schwer verletzt. Die Unterdrückung der Revolte, an der 1200 Sträflinge teilnahmen, erfolgte mit Maschinengewehren und Gasbomben. Lebenslänglich entschnapst. Kansas Eily, 16. März. Ein öSjährigcr Mann namens Butler, der dreimal wogen Der- gehens gegen das Prohibitionsgefetz vorbestraft war, wurde zu lebenslänglicher Gefängnis straf« verurteilt, weil man bei ihm einen Liter Schnaps gefunden hatte. sozialiften von heute. Soweit sie nicht landslüchtig sind, sind sie Mit- glieder der Nationalsozialistischen Partei. Wie damals existieren organisatorische Vorbereitungen der Nationalsozialistischen Partei, um Mörder der Verhaftung zu entziehen und über die Grenze zu bringen. Eine hetzerische Agitation, die Hitler selbst vor dem Reichsgericht treiben durste, stachelt zum Mord am politischen Gegner auf. Die Mordatmosphäre von damals ist wieder lebendig geworden. Die Attentate von Hamburg durchlöchern den E i d, den h i t l t r vor dem Reichsgericht in Leipzig geschworen hat. Ist das auch noch Legalität, wenn bewaffnete organisierte Mörderbanden aus politische Gegner losgeschickt werden? hier handelt es sich nicht mehr um Affekthandlungen, sondern um ganz kaltblütig durchgeführte politische Morde. Wie steht es mit der hitlerschen Behauptung,. daß kein Nationalsozialist bewaffnet fein darf? Diese Behauptung bezweck! nur, die Verantwortung von den intellektuellen Urhebern der nationalsozialistischen Vlüttaten abzuwälzen. Wenn nach geschehener Tat die Mörder von Hitler verleugnet werden, so oermag ein solcher Akt des bösen Gewissens keinerlei Verantwortung abzuwaschen! Die Verantwortung ruht auf der National- sozialistischen Partei, sie ruht auf der national» sozial! st ischen ReichstagssraktionI Dos find die Folgen des Ausscheidens der National» soziallsten aus dem Parlament! Sie haben den Boden der legalen politischen Betätigung verlassen. Sie haben mit revo- lutionären Gesten und Redensarten gespielt— ihre Anhänger aber machen Ernst! Sie handeln so, wie die Maulhelden von Führern reden. Die Hitler, Goebbels und Konsorten reden vom Köpfe- in-den-Sand-Rollen— die nationalsozialistischen SA.-Leute ober schießen! Die aktiven sanatisierten Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei, die sich nach dem Ausscheiden der Fraktion aus dem Reichs- tag schon mitten in der Revolution glaubten, werden durch die hol- tung ihrer Führer systematisch zu Wahnwitz und Verbrechen ge- drängt. Mit dem Ausmarsch aus dem Parlament hat es begonnen— mit dem organisierten verbrecherischen Meuchelmord hört es auf! Die sogenannte„nationale Opposition* hat in der vergangenen Woche verkünden lassen, daß mit dem Auszug aus dem Parlament ihre Kampfmittel nicht erschöpft feien. Da» scheint uns nach den Hamburger Erfahrungen auch der Fall zu sein, und der Meuchelmord scheint die neueste Waffe zu sein. Wenn diese Partei und ihre Angehörigen das Gesetz brechen, und wenn die Führer den Geführten einreden, es gebe kein Gesetz mehr. so muß das G e s c tz sich st a r k und lebendig erweisen. Es muß gezeigt werden, daß diese Partei und ihre Angehörigen unter dem Gesetz stehen. Die Beteiligung von Polizeibeamten an den beiden Hamburger Berbrechen muß die selbstverständliche Folge haben, daß die B e- a m t e n s ch a f t, vor allem aber die Polizei, aus das griind- lichst« von Mitgliedern und Mitläufern der Nationalsozialistischen Partei gesäubert wird. Daß Herr F r i ck in Thüringen und Herr Franzen in Braunschweig an der Spitze der Polizeiverwaltung stehen, erscheint nach den Hamburger Attentate» aufs neue als eine Ungeheuerlichkeit— rechtlich wie politisch. Di« Republik hat sich als zu schwach erwiesen, um dieser Ungeheuerlichkeit ein Ende zu machen. Um so gründlicher muß inPreußen Ordnung geschaffen werden— trotz dem Geschrei der Freunde der organssierten ham-- burger Mordbanditen! Gauleitung rückt ob... aber faselt von Lockspitzeln. Zu der Mordtat gibt die NGDZlP., Gau Hamburg, folgende Erklärung aus: ,D>ie Täter sind zur Zeit der Tat Mitglieder unserer Partei gewesen. Ihre Tat wird von uns auf das schärfst« oer» urteilt: sie haben sich damit aus unseren Reihen aus Grund der Anordnungen unseres Führers Adolf Hitler selbsttätig auegeschlossen. Die Gouleitung Hot, nachdem sse erfahren hatte, wer die Täter waren, josort die Polizei mit den Namen derselben bekannt gemacht und zwei dieser Täter veranlaßt, sich am Montagmorgen. 2.30 Uhr. freiwillig zu stellen, was auch geschehen ist. Der dritte Täter ist entkommen. Sein Name ist der Polizei ebenfalls mitgeteilt worden. Die besonders verabfcheuungs- würdige Art und Weise der Ausführung der Tat hat bei uns den Eindruck erweckt, daß die Täter durch Lockspitzel zu ihrer Tat veranlaßt worden sind.* Verbot des SA.-GeneralappeNs. Hamburg, 16. März.(Eigenbericht.) Amtlich wird mitgeteilt: Der von der Nationalsozialistischen Partei in Hamburg für morgen(Dienstag) bei Sagebiel angesetzt« Geaeralappell der Sturmabteilung der NSDAP, ist polizeilich verboten worden. Schon Blutrache? � Altona. 16. März. Zwei Angehörige der NSDWP. wurden gestern abend vor einem natiaialsoziokistischen Bersommlungslokal in der Enzbergerstraße durch Revoloerschüsse von unbekannten Tätern verletzt. Segen 23 Uhr betraten zwei Nationalsozialisten das Lokal mit der Mitteilung, daß auf der Straß« politische Gegner das Lokal beobachteten und belagerten. Als der Wirt darauf mit «inigen Gästen vor die Tür trat, um Ausschag zu halten, fielen ein paar Schüsse, von denen zwei Personen getroffen wurden. Di« Verletzten mußten sofort dem Krankenhaus zugeführt werden. Kommunisten, Borirupps derMordpest. Eberswalde. 16. März. Am Sonnabend und Soniriag veranstalteten Berliner und Eberswalder Kommunisten in Finow und Finowfurt mit dortigen Ortsangehörigen der KPD. mehrere Propagandaumzüge, die für den'kommunytischen Iugendtag zu Ostern in Berlin werben sollten Die Berliner waren in zwei Lastautos gekommen. Als am Sonntag ein Demonst�ationszug den Friedhof in Finowfurt verlassen hatte und in den Straßen des Ortes weiter demonstrierte, kam es zu einem f ch w e r e n Z u s a m m e n st o ß. Ein Betziner Privat- a u t o hatte infolge des Straßenschmutzes die Marschteilnehmer de- spritzt und war von den Demonstranten angehalten worden. Der Führer rourde bedroht und verprügelt und das Verdeck des Aulos mit Messern entzweigeschnitten. Als das in Finowfurt stationierte Polizeikommando mit den La>ü>- jägereibeamten eingriff, wurden die Beamten ebenfalls von. den Demonstranten angegriffen. Eine Anzahl Polizeibeamter wurde zu Boden geschlagen und von den Kommunisten schwer mißhandelt. Sie konnten sich nur mit dem Gummiknüppel der llebermacht erwehren. Erst als ein am Boden liegender Beamter einen Schreckschuß abgab, gelang es, die Meng« zu zerstreuen. Auf dem Wege von Finow nach Finowfurt kam es noch zu mehreren Zusammenstößen, bei denen wiederum der Gummiknüppel in Tätig- keit treten muht«. In Ebersivalde wurde der Haupträdelsführer Schaum berger aus Berlin festgenommen. Weiter erfolgten 16� Feststellungen wegen verbotenen Waffentragens. Bei dem Zusammenstoß in Finow wurden insgesamt 4 Polizeibeamte schwer verletzt. Am Montag wird die Oberstaatsanwaltschask Prenzlau die Untersuchung in Finorvfnrt und Eberswalde sortsührcn. Düsieldors, 16. März. Bei den März« Kundgebungen der KPD. kam es am Sonntag in den Nachmittagsstunden in einigen Straßen zu schweren Schlägereien zwischen KPD.- und Stahlhelmleuten. Eine Kruppe Kömmunisten, die aus der Allftadt zum Münsterplatz marschierte, kreuzte in dem Augenblick die Kaiserstraße. al? ein Straßenbahnwagen, aus dessen Vorderplattform einig« Stahl« h« l m l« u t« in U n i f o rm standen, an einer Haltestelle stand. Dt» Kommuni st en griffen dl« Stahlhelmleute an. Der einschreitende Polizeibeamt« wurde von den Kommunisten niedergeschlagen. Aus dem We'tsrmarsch trafen Kommunisten eine andere Gruppe Stahlhelmleute. C» entwickelte sich so- fort eine Schlägerei Sieben Stahlhelmleute wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Von den Verletzten befinden sich noch drei im Krankenhaus, die übrigen vier wurden nach Anlegung von Verbänden entlassen. Einig« an der Schlägerei Beteillgte wurden festgenommen. Wahlsieg in Zürich. SozialSemokratische Mehrheit im Ziathaus. Zürich, 1«. März.(Eigenbericht.) Die Zzommunalwahlen haben der Sozialdenrokratic einen glänzenden Sieg gebracht. Tie sozialdemokratischen Vertreter sind mit vergröstertcr Stimmenzahl wieder« gewählt worden. Ter bürgerliche Kampfkandidat, der den Bürgerlichen die Mehrheit in der Stadtexekntive zu- rückbringen sollte, hat nicht einmal die Hälfte der sozial- demokratische» Stimmenzahl erlangt. Im Gemeinde- Parlament haben die Sozialdemokrnten 4 Mandate er- obcrt und besitzen damit zum ersten Male die absolute Mehrheit, und zwar Ktt von 125 Mandaten. Die Kommunisten gewinnen 1 Mandat und steigen von 5 auf 0. Tie Bürgerlichen gehen von 61 auf 56 zurück. Das Befinden Hermann Müllers. Neue Hoffnungen. Das Befinden Hermann Millers war auch im Laufe des Heu- rigen Bormittags zufriedenstellend. Es war sowohl in subjektiver wie in objektiver Beziehung eine erhebliche Besserung fest- zustellen, die trotz noch nicht überwundener Krise zu neuen hoff- n u n g e n berechtigt. Ulbrichi machi„Empörung". Gr sucht Sp tzel im Reichsbanner. Ein Parteigenosse, der auch im Reichsbanner orgamfiert ist. stellt uns folgenden Brief zur Verfügung, den der koennnrnsstische Abg. Ulbricht an ihn gerichtet hat: Du bist uns als ehrlicher Kämpfer für den Sozialismus bekanni, obwohl du noch heute Mitglied der SPD. bist. Wir wissen, daß du mit vielen Maßnahmen deines Parteioorftandes nicht ein- oerstanden und ein eifriger Verfechter der proleto- rischen Einheitsfront bist. Diese deine Einstellung wird jet, nachdem der Parteivorstand der SPD., der bereits seit Bestehen die. Brümng-Regierung unterstützt und verteidigt, nun auch dieser Regierung die Mittel bewilligt für die Wehrformationen, die bereits mit Hochdruck auf die Niederschlagung der hungernden und oer- elenden Arbeiter gedrillt werden, noch wesentlich gestärkt worden sein. Wir nehmen an, daß du ein besonderes Interesse dafür hast, zu wissen, was sich in letzter Zeit an Reichstag zugetragen hat. Wir laden dich deshalb zu einer am Sonnabend, den 14. März 1S31, abends 6 Uhr, im Reichstagsgebäude— Saal 19— 1. Obergeschoß stattfindenden Besprechung«in. Ein Reichstagsabgeordnetor, der über die Vorgänge im Haus- hattsausfchuß genau informiert ist, wird über das Thema: Die Vorgänge imhaushaltsausschußbeiderBeroiung des Wehretats sprechen. Reichslagsfraktton der KPD. I. A.: W. Ulbricht. Man weiß nach diesen Vorbereitungen, was man von den „EntrüstunAs*rundgebungen zu halten hat, die in regelmäßigrr Folg« in der kommunistischen Presse verössenilichL werden. Herr Ulbricht mag sich auftragsgemäß große Mühe geben, NM die Soglaldemotratie zu zersetzen. Er darf sich aber beruhigen: Wir sind über die„Aktionen, der ÄPD. so gut unterrichtet, daß sein Bestreben, Spitzel in unsere Reihen zu züchten, von vornherein zur Ohmnacht verurteilt ist._ Gefosgschast für Schiele. Aus dem Wirkungsbereich des Herrn Fnck. Der Thüringer Landbund nahm am Sonntag in Gegenwart des Reichsernährungsministers eine Entschließung an, in der es heißt, daß die bisher von der Reichsregierung beabsichtigten Maß- nahmen, insbesondere was die Lastensenkung anbetrifft, zur Be- seitigung der Not der Landwirtschaft noch nicht genügten. Der thüringische Landbund werde Herrn Schiele jedoch im Ber- trauen auf sein« frühere zielbewußte Arbeit als Präsident des Reichs- landbundes weitere Gesolgschast leisten. Oer Erdrutsch in Savoyen. Zwei weitere Gemeinden gerSümt. Pari», 16. März. Die Loge im llnglücksgebiet von Chambery in den Savoyer Alpen hat auch im Lause des Sonntags keine Besserung erfahren. DieErdlnasscnsehenihrenvcrolchkendenwegfort. und alle Bemühungen, ihnen eine andere Richtung zn geben, um sse in ullbcwohale Gegenden abzuleiten, sind erfolglos geblieben. Zwei neue Gemeinden, diejenige von Motte en Banges sowie Pres de Faire, mußten im Laufe des Sonntags geräumt werden, da für die Bewohner Lebensgefahr besteht. Glücklicherweise hat die Schnelligkeit, mit der die Lawinen vordringen, erheblich nachgelassen. so daß die Reltungskolonnen ihre Arbeiten mit größerer Wirksamkeit und Umsicht durchführen können. Auch in anderen Gegenden Frankreichs haben sich durch die letzten lang anhaltenden Regenfälle Erdrutsche ereignet. die zum Teil erheblichen Schaden angerichtet haben. So wurde in der Nähe von Bordeaux der Verkehr auf mehreren Hauptstraßen lahmgelegt, da die großen Chausseen durch Erdmassen versperrt sind. Verschiedene Häuser sind ernstlich bedroht. Die große Landstraße von Montauban nach Bordeaux ist an drei Stellen vollkommen oerschüttet. In der Gemeinde von Moissac, die noch von den vor- jährigen Ueberschwemmungen her bekannt ist, stürzten bereits zwei Häuser ein, ohne glücklicherweise Menschenleben in Gefahr zu bringen. Geschäft« mit Nußland. Auch Kronkreich möchte sie haben. Moskau(über Sottmo), 16. März. Ter russische Botschafter in Paris. Dowgalewsiki. hat die Sowjetregierung benachrichtigt, daß eine Gruppe französischer Industrieller beabsichtige, im Verlaufe dieses Sommers Moskau zu besuchen. Tie Abordnung wird unter Leitung des Vorsitzenden des HauShaltsausschusses des französische» Senats, Elcmentel. stehen und mit den Führern der Sowjets Besprechungen haben. I» Paris konnte diese Meldung nicht bestStW werden. Raubüberfall auf Kinokasse Bier Mann überfallen Kinobeflher und rauben A60V Mar? (im schwerer Raubüberfall wurde in der Nacht zu Tonwtag kurz nach Mitternacht in» Norden Berlins verübt. Vier Männer, die einen SUnobesitzer überfielen und bedrohten, erbeuteten etwa 3 6 0 0 Mark. Nach längerer Verfolgung konnte einer der Täter fest- getumunen und der Kriminalpolizei eingeliefert werden. Im Hause Born hol in er Straß« 20 bewohnt den ersten Stock der 60 Jahre alte Äausmann Karl Thomas mit seiner Frau. Thomas ist Besitzer inehrercr Kinos. Jeden Abend pflegt er mit seiner Frau die Runde durch seine Theater zu machen und die Kasse in Empfang zu nehmen. Am Eonnadend waren die Eheleute zuletzt in dem Kino in der Badstraße 58. Kurz vor Mitternacht bestiegen Thomas und seine Frau eine Autodroschke, um nach Hause zu fahren. Frau Thomas hatte eine Aktentasche mit Geschäftspapieren und einen Stadtkoffer bei sich, der außer Pa- pieren 8900 Mark bares Geld enthielt. Als sie vor ihrem Wohnhause angelangt»voren, sahen sie, daß die Haustür offenstand. In der Tür bemerkten sie«inen Mann, der sie bat, nicht zuzu- schließen, das«erde er später selbst tun. Da auch die Treppen- beleuchtung brannte, dachten Thomas und feine Frau an nichts Arges. Sie stiegen zu ihrer Wohnung empor, als plötzlich hinter einem Vorsprung zwei Männer hervorkamen. Einer hielt dein Kaufmann eine Pistole auf die Brust und rief ihin zu: „Stehenbleiben oder ich schieße Dich nieder!" Sein Koinplize stürzte sich auf Frau Thomas und entriß der Erschrockenen die Akten- tos che und den Koffer. Cr mußt« beides nehmen, da er ja nicht wissen konnte, in welchem Behältnis sich das Geld befand. Auch der Mann, der an der Haustür gestanden hatte, kam hinzu und aus dem Flur noch ein vierter Räuber. Rachdem sie Tasche und Koffer an sich genommen hatten, m u ß tc das Ehepaar sich an die Wand stellen und sich ruhig verhalten. Mit der Beute stürmten die Räuber die Treppe hinunter und aus dem Hause hinaus. Thomas, ein großer kräftiger Mann, hatte sich schnell von dem Schrcckn erholt und eilte den Räubern nach. Aus einer Schreck- ichiißpistole, die er bei sich führte, gab er mehrere Zllarmschüsse ab. Auf der Straße trennten sich die Räuber und liescn nach ver- fchicdencn Richtungen. Awei, von denen der eine den Stadtkoffcr :rua, wandten sich.zu einem Laubengelände und entkamen, obwohl zwei Schupobeamte sie verfolgten. Der dritte eilte auf«in bereit st ehendes Motorrad zn und schwang sich auf die Muickine. Passanten wollten ihn am Fahren hindern, er bedrohte die �'ute aber mit der Waffe und so mußten sie zurückweichen, wenn sie ihr Leben nicht gefährden wollten. Zluch der Motorradler entkam. Der vierte Täter lief über den Fahrdamm ans eine Auto- d r o s ch k e zu, wo er von dem Chmiffeur und einem Schupo- beomten festgehalten wurde. Er wurde zum Polizeipräsidium ge- bracht und auf dem Raubdezernat entlarvt als ein berüchtigter Schwerverbrecher, der 29 Jahre alte ehemalige Schlosser Bruno Schulz. Wenn er auch seine Beteiligung an dem lieber- i.ill bestreitet, so ist er doch von Thomas und dessen Frau sowie von dem Chauffeur einwandfrei wiedererkannt worden. Schulz Hot bereits ein stark belastetes Konto. Im Jahre 1920 verübte er mit anderen den großen Geldraub im Finanz- a m t T e in p e l h o f, wo den Räubern über ZOO 000 Mark in die Hände fielen. Bis auf einen geringen Rest wurde die Beute damals aber wieder herbeigeschafft und die Täter hinter Schloß und Riegel gebracht. Schulz gelang es zweimal— aus der Stadtvogte! und aus Tegel— zu entweichen. Er wurde aber immer wieder aufgespürt und zurückgebracht..Zum drittemnal entwich er am 8. Januar dieses Jahres aus Glatz. Der Ueberfall war anscheinend eine vorbereitete und wohlüber- legte Angelcgenhest. Am Sonntag früh gegen 7 Uhr wurde auch der geraubte Stadtkoffer an der Hindenburgbrücke g c- I u n d e n. Die Räuber müssen ihn in größter Eile durchsucht haben. Es befanden sich darin, wie schon gesagt, auch Geschästspapiere. In der Hast haben die Räuber übersehen, daß zwischen die Papiere auch einiges Geld, zusammen 292.90 Mark, gerutscht waren. Sie haben demnach rund 3000 Mark erbeutet. Für die Wiederbeschaffung des geraubten Geldes und die Ermittlung der Täter ist eins hohe B e l o h n ung ausgesetzt. Mitteilungen von Personen, die etwas beobachtet haben, werden an dos Raubdezernat-'V 5 im Polizeipräsidium erbeten. Ein zweiter Raubüberfall. Ein weiterer Raubüberfall, der ebenfalls in der Rocht zu Tonntag verübt wurde, spielte sich in der Schöneberger Straße 6 in Mariendorf ab. Auf dem Grundstück wohnt der Molkereibesitzer E g g e r. Gegen 9 Uhr rief ein unbekannter Manu durch den Fernsprecher an und fragte, ob Egger zu Hause sei. Die Frau verneinte und ging bald darauf zu Bett, erw ichtc aber kurz nach 11 Uhr. Bor ihrem Bett standen zwei Männer, die Pistolen in den Händen hatten. Ihre Gesichter waren nicht maskiert und um nicht erkannt zu werdcn, ließen sie den Schein der Blend- laternen immer nach unten fallen. Frau Egger mußt« ausstehen und die Räuber verlangten die Herausgabe des Geldes. Die Frau mußte ein Schubfach im Busfet öffnen und die Räuber entnahmen ihm eine Zigarrenkiste. Die Fran wurde dann gefesselt und die Räuber entfernten sich Es gelang der Uebsrfallenen, mit den Zähnen den Knoten der Handfessel zu lösen. Die Räuber werdcn enttäuscht sein. Die Zigarrentiste enthielt 00 wertlose rot- gestempelt« Tousendmartschein«. Inflationsgeld und cm einziges goldenes Zwanzigmarkstück. 9000 M. geraubt. Solingen. 16. März. Zwei maskierte Räuber drangen in der vergangenen Rächt in die Abrechnungsstelle der städtischen Bahnen ein und zwangen die dort anwesenden Beamten mit vorgehaltenem Revolver, die Schlüssel zum Geldschrank ihnen auszuliefern. Dann knebelten und fesselte» sie die Beamten und raubten ans dem Tresor etwa 9000 Mark. Die beiden Räuber find etwa 25 Zahre alt. Einer von ihnen sprach französisch. Die Bühne als Ankläger. „Die Affäre Bailerjahn."* Kurz vor Weihnachten 1924 entdeckte die interalliierte Mllitär- koiürollkommission bei den Berlin-Karlsruher Industriewerken in Wittenau große Lager von Waffen. Im Januar wurde aus diesen Fund hin Köln nicht geräumt. Allerdings gaben für die weitere Besetzung andere wirtschaftliche Dinge den Ausschlag. Die Franzosen kannten schon lange dieses Lager und wollten es allein bei rechter Konjunktur ausheben, und viele Deutsche wußten ebenfalls von der Existenz. Der Verrat lag also in der Luft. Trotzdem mußte man einen Prügelknaben finden, denn der Konzern konnte vom Staat zur Verantwortung gezogen werden. Alls Opfer fiel schließlich der Oberlagerverwaller Walter Buller- jahn. Man konnte ihm nichts Stichhaltiges nachweisen, selbst der Reichsanwalt lehnte die Indizien ab. Aber da bestand«ine Aussag«, aus die die barbarische Verurteilung zu 15 Iahren Zuchthaus erfolgte. Eip Berliner Polizeilommissar beeidete, eine hohe, über jeden Ver- dacht erhabene Persönlichkeit, die nicht genannt werdcn durste, wisse. daß Lullerjahn der Verräter sei. Daraus fällte der 4. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig das Urteil, das jedem Rechtsempfinden ins Gesicht schlug. Dies geschah im Herbst 1923. Die unantastbare Persönlichkeit war Herr von Eontard, der Generaldirektor der Werke. Seitdem sitzt Bullerjahn im Brandenburger Zuchthaus. Wie im Falle Dreyfuß mußte jemand fallen, der nicht zu hoch stand. Diese Tatsachen verarbestet Felix Ziege in seinem dialogisierten Bericht„Die Affäre Bullerjahn", der am Sonntagvormittag im Deutschen Künstlertheater seine Uraufführung, ver- anstallet von der„Deutschen Liga für Menschenrechte". mit starkem Beifall erlebte. Das Theater, unmittelbarer und auf- rüttelnder in der Wirkung als jedes geschriebene Wort, wird zum Forum der Anklage. Ziege verzichtet auf jede künstlerische Durch- dringung des Stoffes, auf jede dramatische Gestaltung. Cr reiht Bild an Bild, um die Vorgänge, die zu dem skandalösen Urteil fichrten, zu rekonstruieren. jEs kommt ihm darauf an, den Stoff, geladen mit dramatischen Spannungen, dem Zuschauer zu unter- breiten, die Situation der Wahrhest gemäß darzustellen. Hierauf, aus der Situatton liegt der Akzent, die Menschen sind nichts weiter als Schachfiguren, die hin und her geschoben werden. Ziege will anklagen, hinweisen aus das Unrecht, das geschehen ist, an den Schlaf der Welt rühren. Das Theater ist Mittel zum Zweck, zu einem edlen Zweck, einem Menschen die Freiheit wiederzugeben und ihn zu rehabilitieren. Und in diesem Zeichen stand auch die Akifführung. Schauspieler verschiedener Berliner Bühnen taten sich in diesem Gedanken zu- summen. Sie spielten für die Idee der Befreiung. Ukiter der Regie Zi Udlers entsteht ei» gerundetes, festgefügtes Ensemble. Wiemann, Heinz und G i n s b e r g sind die"Träger der Hauptrollen. Die vielen anderen stellen in knappen Strichen lebend« Menschen aus die Bühne. Eingangs verlos Donath einen Dankesbrief Bullerjahns, der völlig unpathetisch von seinen Leiden berichtet«.__ F. Seh. „Krieg- Zrieden" im Kilm. Die„Deutsche Liga für unabhängigen Film" hatte die gute Idee, am Sonntag in ihrem Stammsitz in der„Roten Mühle'(Halens«) eine äußerst lehrreiche und wirksame Gegenüberstellung vorzuführen. Die ganze Sinnlosigkeit des Krieges sprang in die Augen in den Szenen aus„Westfront 1918". Der Wahnsinn dieses Lebens und Sterbens in den Unterständen konnte nicht eindringlicher eingeprägt werden. Dqnn aber kam das Gegen- beispiel: die Nützlichkeit und Schönheit der aufbauenden, gestaltenden Arbeit. Man sah da wieder die schon bekannten Bilder aus „Turksib", diesem herrlichen Russenfilm, der ein hohes Lied auf den Bau der Eisenbahn Turkestan— Sibirien ist und In unvergleichlichen Einzelbildern den Segen der Arbeit feiert. Als Urauf- führung wurde ferner der Film vom„Zuidersee" geboten, der die friedliche Gewinnung einer neuer. Provinz(7 Proz. des Gebiets und 10 Proz. der Anbaufläche) darstellt. Der Regisseur Joris I v e n s erzählte interessante Dinge von holländischen Pionier- filmen, die die aufbauende Arbest im Film« festhalten sollen und von Gewerkschafts- und anderen Gruppen beim Regisseur direkt:n Auf- trag gegeben werden. Der Niederländische Bougewerksbund hat ein ganzes Programm solcher Fllme, von denen die Landgewinnung im Zuidersee nur ein Teil ist. Die unermüdliche, ausdauernde Arbest an diesem großen Kulturwerk wird in all ihren Einzelheiten vor- geführt: man erlebt die großen Augenblicke, da ein ganzer Faschinen- wald ins Meer versenkt oder der erste große Damm geschlossen wird. Wir wollen noch viele solcher Fllme sehen, und wenn die deutschen Arbeiter bei wiederansteigender Konsunktur in di« Lage versetzt sind, sollten sie endlich daran gehen, durch ein« machtvolle Filmorganisation sich die Film« zu schaffen, die si« brauchen und die ein Dokument unserer Zeit werden könnten. I). 25 Jahre Alfred Beierle. Fast jeder von uns kennt ihn. Dom Dortragspodium, Film, Theater, Rundfunk, von der Schallplatte her und neuerdings vom Tonfilm. Alfred Beierl« übt seine Kunst überall aus, die heute reif und stark und menschlich im tiefsten Sinne geworden ist. Und unsere Kunst, well er seit Jahrzehnten zu uns gehört. Seine Gestaltungskraft ist ganz eng mit der Sehnsucht des Proletariats verbunden. Unvergeßlich bleibt er als Hinkemnnn in Tollers gleichnamigen Drama, als Zola in der„Affäre Dreizfus", als Verkünder von Jack London, den er der Arbeiterbewegung eigentlich erst bekannt gemacht hat. Seinen Weg begann er durch die erschütternde Wieder- gäbe der„Geschichten der sieben Gehängten" von Leonid Andrej««. Vorher war Beierle Schüler von Albert Steinrück und Emil Milan in der Rheinhardt-Schule. Sein Dater, ein kleiner Pianofabrilant, der an einer Erfindung für Klangveredelung und Tonschönheit zu- gründe ging, wollte ihn Beamter werden lassen. Beierle Ist in der ganzen Welt herumgekommen. Er kennt ihre guten und schlechten Seiten. Cr durchlebt sie mit ganzer Kraft und Immer wieder schöpferischem Geist. Am Sonntag feierte Alfred Beierle im Hotel Hehler— der ewige Vagabund hat kaum je eine eigene Wohnung besessen— sein 25iäl)riges Bühnenjubiläum. Während dieser Zeit ist ihm„nichts Menschliches" fremd geblieben. Beierle hat etnen wundervollen Optimismus. Auch dadurch Ist er unserer Zeit nötig, gehört er zu uns, die ihm Glück und Kraft wünschend die- Hand schüttiln.».«. Gin Stand— Gin Verband. llraufführang pftöbuS'palast. Mancher Spielsilm hat nicht solche Eindruckskraft und ist nicht sa geschickt gemacht, wie dieser Werbefilm. In schönen Bildern zeigt er die Entwicklung der Post. Unwillkürlich kommt einem der Gedanke aus: Ja, früher, da war das Reisen mü der Post recht romantisch und das Leben bei der Post selbst war sehr bequem. Aber da setzt im selben Slugenblick die unbedingt nötige historische Belehrung«in. War doch das Leben der Postboten usw. alles andere als angenehm. Die Derwallung schikanierte den kleinen Mann, wie, wo und wann sie konnte. Er war tatsächlich ein Staatsbürger zweiter Klasse. Und dieses geschichtliche Material haben der Rcichsvcrband Deutscher Post- u n d T e l c g r n p he n b e a m t e n, gemeinsam mit dem Excentric-Film Zorn u. Tillcr packend zusammengetragen. Der Weg zum Aufstieg des einzelnen und der Gleichberechtigung als Staatsbürger geht über die Maßregelung vieler, vieler Kollege». Darum wird in diesem Verbandsfilm sehr berechtigterweise die Jugend aus die Vergangenheit hingewiesei», um aus ihr zu lernen. Einst gab es überhaupt keine soziale Fürsorg«. Jetzt ist sie aus« gebaut. Jeden schweren Schicksalsschlag, von dem der einzelne be« troffen wird, versucht die Allgemeinheit nach Möglichkeit zu mildern. Ebenso sorgen gut eingerichtete Heime für die Erholungsuchenden. Wer lernfähig ist aber sieht aus dem Film, daß in der heutigen Zeit der wirtschaftlichen Umschichtung zähe Gewerkschaftsarbeit überhaupt nicht entbehrt werden kann. e. K Krinolinenpremiere in Paris. Die Neueinstudierung von Offenbachs„Pariser Lebe n". die dieser Tage im„Iheitre Mogodor" zu Paris im Kostüm der Zeit der Uraufführung in Szene ging, bildet das Ereignis der zu Ende gehenden Pariser Theaterspielzeit. Nicht minder freudig als die Aufführung selbst wurde es begrüßt, daß der Abend einen stilvollen Rahmen erhalten hatte. Bildeten doch die Logen im Proszenium und ersten Rang ein« Verlängerung der Bühne und ihres Milieus, denn Zuschauer und Zuschauerinnen, die sie besetzten, waren, in An« passung an die Bühnenbilder, in Kostümen der Mode des zweiten Kaiserreichs erschienen. So konnte man sich ein paar Stunden in das Jahr 1800 und das Palais Royal versetzt wähnen, wo Osfenbochs „Pariser Leben" zum ersten Male das Licht der Rampen erblickte. Ueberall sah man Damen in bauschigen Krinolinen in schillernden Farben mit kunstvoll aufgebauten Lockenfrisuren und Kopoiihütchen Und die Herren wetteiferten mit den Damen in stllechtcn Anzug«». Manche wirkten so echt, daß die Modelöwen der Pariser Salons jener Zeit in Fleisch und Blut wiedererstanden zu sein schienen. In der Zwischenpause entfaltete sich dann im Foyer des Theaters ein Treiben, in dem sich Altes und Neues in reizvoller Weise mischt«». Es herrschte der übermütige Ton imd die Stimmung, die sich van der Bühne auf den Zuschauerraum übertragen hatte. In dieser Well des Gemißtaumets ist man oder tut man von den wirklichen Sorgen unserer Zeit ganz unberührt. Man würde auch auf einem Vulkan noch bis zu feinem Ausbruch weiter cancanieren. Gedächtnisfeier für Otto Reutter. Im Wintergarten, an der Stätte, wo Otto Reutter einst s«i>« Triumph« feierte, veranstaltete die I n t er na t i o n a l e A r t i st e»» log««ine Geoächtnisfeier für ihn. Das Wintergartenorchester unter seinem Dirigenten Max Roth lsilete die Feier ein mit einem Satz aüs der unvollendeten Ü-Mvll-Sinfoni« von Franz Schustert. Dann ging der Bühnenvorhang empor und ans einem dunklen Hain unter strahlendem Sternenhimmel leuchtete dos Bild des Der- blichenen den Schauenden entgegen. Der Präsident der Internotto- nalen Artistcnlogc, Fossil, hielt ein« Gedenkrede aus de,, un- vergeßlichen Freund. Das deutsche Variete hat seinen Klassiker ver- loren. Unvergeßlich waren sein Aufstieg und seine Leistungen. Er war einer der fleißigsten Künstler von schöpferischem Geist. Seine Couplets sind Zeitgeschichte. Beispiellos ist«s, daß ein Künstler von solcher Eigenart 20 Jahre lang eine führende Rolle spielen tonnte. Er war ein ernster Mensch uno et» lachender Philosoph. Dann marschierten mit Willi Schacffers als Ansager an der Spitze auf: Georg Tucher, Hugo Fischer-Köppe, William Berner, Schorsch Ruselli, Wilhelm Bcndow, Alfred Stein, Peter Sachse. Erich Carow. Paul Westermeior und Peter Pfeiffer. Sie alle schufen mit Aue« schnitten aus Reutters Vorträgen ein Gesamtbild seines Schaffens. Der Grabstein des Königs llfla. Der an der hebräischen stni- versität in Jeimsalem tätige Archäologe Prof. Sukenik hat einen Stein mtt einer aramäischen Inschrift gesunden, die Angaben über den Ort der Beisetzung des jüdischen Königs Usia, des Sohnes Amazias(8 Jahrhunderte v. Chr.), enthält. Di« Internationale kalcuderresormkonfercnz und die vierte Weltvcrtehrstagung wird auf den 20. Oktober 1931 einberufen. Die Konferenz soll über die Festlegung der beweglichen Feiertage, yn« Ostern und Pfingsten iind über die Vereinfachung des Gregorianischen Kalenders Beschluß fassen. Sie wird durch einen Sachverständigen- ausschuh vorbereitet, der im Mai in Genf zusammentritt. Erich Wasmann, der Iesuitenpatcr, der sich durch seine Ameisen- forschungen einen Namen gemacht hat, ist 71 Jahre alt in einem hollandischen Kloster gestorben. Eharlotte Brelsch spricht Dienstag, 8 Uhr. im Meislerjaal, Nöthener Striche 38, an« Werke» Bruno Franks: Roinan, Szenen Lyrik. Ein« Schauspteler-Ikockilvorftellung von, A»n p h i t r y o n 30' mit Elisabeth Beigner findet Dienslag, abei ds kl. 48 Uhr in, Theater in oer Stresemann stich« statt. Karten Im Bczirksoerbaiid, Keithsir. 11. Dl« Srupoe langer Schauspieler gastiert aus kurze Jett ab 17. März Im Theater am Nollendorfplatz mit Friedrich WolsZ„Eyankali" 218). Amerlkanlscher Reichtum. Wie das Schatzamt auf Grund eine« vorläufigen Lerickles mitteilt, haben In den Bereinigten Staaten trotz des Börsenkrachs 504 Personen im Kalenderjahr 1929 ein "obreseinkommen von mehr ol? 1 Million Dollar versteuert. Das Gestmitbruttoeinkommen der Elinelperjonen und Körperfchaiten j betrug im Berichtsjahre 141'? Milliarden Dollar, das Gesamtnetto- I eil, kommen 35 Milliarden, Auw in die Jim gestürzt. Oie gefährliche Brücke bei Avolda. Apolda, 10, März. In der Nacht zum Sonntag stürzte an der als gefährlich be» kannten Pochebrücke eine Limousine in die Ilm. Der Wogen wurde von dem Kaufmann K u h n t aus Naumburg gefahren, ocsse» Leiche etwa 100 Meter von der Brücke entfernt in der Ilm ge- sunden wurde. An der gleichen Stelle sind schon mehrfach größere Autounfälle vorgekommen. So stürzt« im Sommer vorigen Jahres sin Autobus mit Ausflüglern infolg« der Unübersichtlichkeit der Streck« tn den Fluß, wobei vier Personon den Tod fanden und 8? andere verletzt wurden. Vierzehn Verletzte bei einem Zusammenstoß. Parts. 13, März. In der Nähe von Carcossone ereignete sich am Sonnabend ein schwerer Zusammciistoh zwischen einem Lostkrastwagen und ainein vollbesetzten Autobus. 14 Personen wurden dabei zum Teil schwer verletzt Gtegerwalds Gonntagsrede Christliche Gewerkschaften führen Klage Herr Dr. Adam St egcr ujci l d hat es mit seiner Lohn- und Sozialpolitik als Rcichsarbeitsministcr dahin gebrocht, daß seine christlichen Gewerkschaften ihn längst nicht mehr ncrstchcn, so daß er jetzt Sonntag um Sonntag in der rheinisch-ivestfollschen Hochburg her Christlichen reden muß, um seine Maßnahmen rechtfertigen zu suchen, was ihm keineswegs leicht fällt. In Essen hatte der Bezirksverband des christlichen Gewerk- schaftsbundes zum gestrigen Sonntag eine Kundgebung im städtischen «yalbau veranstaltet. Der Vorsitzende des Bczirksverbandes, Brede mann, bezeichnete als Hauptzweck der Kund- g e b u n g, den Männern der Regierung den Blick zu schörscn für die Stimmung im Volke. Nach einer Polemik gegen den Teil der Schwerindustriel- l e n und Großagrarier, der mit dem Nationalsozia- lismu? politische Geschäfte machen zu können glaubt, schilderte Stegerwald die politische Situation oor und nach der letzten Reichs- tagswahl, um sich dann gegen die Agrarpolitik zu wenden, wie sie der Rcichslandbund betreibt. Ausgangspunkt der Rede des Reichsorbeitsininistcrs war ein Artikel von Dr. G r a u e r t in der„Rheinisch-Westsälischen Zeitung" gegen die Ausführungen Stegerwald- über das Tarif- und Schlichtungswesen im Haushalteausschuh des Reichstags. Anstatt aus der Scharfmocherei des Anwalts der Schwerindustriellen die gehörige Schtußfolgerung zu ziehen, kam Herr Stegerwald zu dem Schluß, daß er mit Dr. Grauert in der Frage der Arbeits- g e m c i n hch a f t übereinstimme, die u. a. Reformen gegen den übersetzten öffentlichen Verwaltungsapparat und den Vcr- tcilungsapparat der Privatwirtschaft durchsetzen müsse. Als gewerkschaftliche Zukunftsaufgabcn nannte Sieger- wald die Lösung der Arbeitsloscnsrage, der Lohnfrage und die Sanie- rung der Knappschaft. Solange er in der Regierung sei, werde an den Tarifverträgen nicht gerüttelt. Als fernere Zukunftsaufgaben nannte der Minister die Umwandlung der Tarisgemeinschosten in Selbflverwollungskörper. Arbeitszeit und viele andere Fragen könnten nur international angefaßt und geregelt werden. Eine Zwischenbemerkung: Die internationale Regelung der Arbeitszeit durch das Washingtoner Arbcitszeitabkom- m e n ist bisher immer noch daran gescheitert, daß trotz oller„mil- dernden" Auslegungskünste auch die deutsche Regierung sich weigert, dieses Abkommen zu ratifizieren. Wenn die einzelnen Regierungen der wichtigsten Industrieländer nicht wollen, wird der Hinweis auf die notwendige internationale Regelung der Arbeitszeit zur Ausrede, zur Vertröstung auf eine sehr ferne Zukunft. Die Arbeitszeitfrage ist eine sehr aktuelle Frage, zu der sie nicht etwa nur von den freien Gewerkschaften, sondern durch die Uebcrrationalisierung und die Wirtschaftskrise ge- stempelt purdc. Imbusch verlangte, daß das ganze Volk an dtn Opfern, die die Wirtschaftskrise fordere, mittragen müsse. Bisher seien die Opser einseitig von den Lohn- und Gehaltsempfängern gebracht worden. Ömbusch wandte sich-dsnn gegen Ausnutzung der Arbsitslotcn- Versicherung durch die Untcrnehnies. Em« beweglichere Gestaltung des Tarifwefens muffe abgelehnt werden, wenn sie sich nur- nach unten zuungunsten der Arbeitnehmer auswirke. Die K n o p p f ch a f t s o e r f i ch e r u n g, die durch die Eni- Wicklung der Dinge in eine Notlage gekommen fei, müsse erholten bleiben. Zu den Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern erklärt« Jmbusch, man würde gern mit den Unter- nehmcr» in freundschaftlicher Weise zusammenarbeiten, aber solange die andere Partei nicht wolle, sei an eine Zusammenarbeit nicht zu denken. Entlassungen in Oberschlefie.n Hüben wie drüben. Königshütte, 16. März. Nachdem olle Versuche, die Regierungsstellen zur Erteilung von Aufträgen an die leistungsfähige hiesig« Waggonfabrik zu be- wegen, gescheitert sind, sah sich der Demobilmachungskommissar ver- anlaßt, dem Antrag der Verwaltung entsprechend die E n t l a f s u n g von 268 Arbeitern zu genehmigen. Bis Ende April weroen nur noch Sst Mann mit der Aufarbeitung der Restaiiftröge beschäftigt sein. Es muß mit der völligen Stillegung der Fabrik gerechnet werden. Die Erbitterung darüber unter der Belegschaft ist mn so größer, als das polnische Eisenbahnministerium einen Auftrag auf 15 600 Waggons einer Warschauer Fabrik allein erteilt hat, die dadurch auf die Dauer von 16 Jahren mit Arbeit versorgt ist. Die Erbitterung scheint in diesem Fall« bei den Fabrikbesitzern größer zu sein als bei den Arbeitern. Wie es im polnischen Ost- Ob-rschlesicn aussieht, zeigt folgende Meldung: Kattowitz, 16. März. Heut« sind in der vftobcrschlesischen Schwerindustrie insgesamt 766 Arbeiter entlassen worden. Ferner ist heute von der Schwerindustrie beim Demobilmachungskommissar die Entlos- sung von weiteren 1166 Arbeitern beantragt worden. Durch diese. Entlassungen erhöht sich die Arbeiislosenziffcr in Ost-Ober- schlcsicn auf 67 666. Ein letzter Versuch. Vor dem Bergarbeiterstreit in Frankreich. Paris, 16. März.(Eigenbericht.) Che der von der Delegiertenvcrsammlung des französischen Grubenarbcitervcrbandes für den 36. März beschlossene General- st r e i k durchgefühlt wird, wollen die Grubenarbeitersyndikate noch einen letzten Versuch unternehmen, um die Grubengeselljchasten zu einer Rückgängigmachung der Lahnhcrabsetzungen zu bc- wegen. In diesem Sinne hat am Sonntag der Vorstand der Syn- dikate der nordfranzösischcn Grubenarbeiter in einer in Douai ob- gehaltenen Versammlung beschlassen, die Unternehmer um eine Unterredung zu ersuchen. Falls diese neuen Verhandlungen er- gebnislos verlaufen sollten, werden die nordfranzösischcn Gruben- arbeiter am 3 6. M ä r z i n d e n Streik treten. Die neuen Lohnsätze treten ab heute in Krast. In den mittel- und ostfranzösischen Grubenbezirken sind die Löhne bereits vor einiger- Zeit um b-his-M Proz. gesenkt rnortciz,. Der körn» m un i st is,ch« Grubcnarbciterocrband, der den streit für heute beschlossen hatte, hat sich imzwischen anders besonnen und fordert in einem von der„Humanitä" veröfsentlichten Ausruf jetzt gleichfalls zum Generalstreik sür den 3 6. März auf, um nicht, wie es in dem Ausruf heißt, durch eine Spaltung der Arbeiterklasse die Positäon der Unternehmer zu stärken. Man dflrHe den Tatsachen naher kommen, wenn man diesen Umsall der Kommunisten dadurch erklärt, daß ihr Sonderstreit im voraus zum Scheitern verurteilt war. «-Ooppewerdlenertum und Arbeitslosigkeit.� Unter der Leitung von Gertrud Hanna findet am Freitag, 26. März, 18 Uhr,«ine gemeinsame Rundfunkhör» stunde mit kritischer Aussprache im Vortragssaal, Lindenstraße 3, statt. Behandelt wird das Dreigespräch Dr. Jahn(Deutscher Ge- wcrkschaftsbund), Dr. Draht(Allgemeiner Deutscher Beamten- bund) und Anna Geyer über„Doppelverdienertum und Arbeits- lofigkeit". Dr Draht und Anna Geyer werden sofort vom Mikrophon zur Rundfunkhörstunde kommen und sich an der Aussprach« betei- ligen. Teilnehmerkarten kostenlos erhältlich: Buchhandlung Dietz. Lindenstr. 2, Arbciter-Radio-Bund(Bergmann 768), Porkstr. 14, Z. d. A., Hedemonnstroße 12. Massenbesuch auf der Kochkunstausstellung. Die Angliederung der Kochkunstausstellung an die 9. Reichs- gastwirtsmesse brachte den Hallen am Koiserdamm mit 25 666 Sonntagsbesuchern«ine Verdreifachung dez vorjährigen Er- gebnisses am gleichen Tage. Die am Sonntag gezeigten neuen Schaugerichte der Kochkunstausstellung, welche bis zun- 19. März täglich wechseln, fanden ebenso dos größte Interesse der Ausstel- lungsbesucher wie der vor Tausenden in der Funkhalle zum Aus- trag gekommene Preiskochwettbewerb, der am Sonntag unter Herren und Kindern ausgetragen wurde und am Montag einen interessanten Wettbewerb für Hausfrauen bringt. Wetter für Berlin: Nachts klar und halt, am Tage ziemlich heiter, in den Mittagsstunden mild.— Für Deutschland: Im größten Teil des Reiches beständiges, im ganzen helleres Wetter mit ver- breiteten Nachtfrösten. Nur im Nordosten noch veränderlich. Kiuräftmlc am Abend. Montag, 16. März. Berlin. Dr, Paul Frank: Medizinlscb-bygienlscbe Plaudcrel- Dr. Schmitz, Salzburg: Der Sinn der Erholuntr. Reportage von der Vcrsuchswirtschaft für Schweinehaltung.. Konzert. Jugendstunde. An den Grenzen des Lebens. Dr. Konrad Döring: Streifzug durch wenig bekannte Gebiete der Berliner Stadtverwaltung. Dr. Alfred Beyer: Schulung des Denkens. Mitteilungen des Arbeitsamtes. Interview. Unterhaltungskonzert, Der eiserne Schraubendampfer Hurricanc. Geschichten von Sigismund von Radeckf. Funk-Potpourri„Lanner-StrauD". Königswusterbausen. �Schulfunk. Heimatdichter Pommerns. Schulfunk. Schubert.(Schallplatten.) Kinderstunde. Für die reifere Jugend. Städtebilder: Nürnberg. Pädagogischer Funs: Heimatkunde am Ackerboden. ► Wilhelm Berger zum Gedächtnis. Dr Joh. Günther: Deutsch für Deutsche. Hoclischuliunk. Das Mittelmecr und die. großen Mächte. Englisch für Anfänger. praktische Fragen der.rrüiijabrsbcstcllung. -22.20 ÜcocVträgmig von Mrinchon..•-' Perantwortl. für btc NedaPisu: Scrbert Lep�re, Berlin: Anzeigen: Tb. Hlocke. Berlin. Berlaa: Vorwärts Verlan®. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei tmb�erlaqsanstalt Paul Singer Sc Co. Berlin SW 68. Lindenstrake 3. Kierzu 1 Beilage. 15.J0 15.40 16.05 16.30 17.30 17.50 15.15 18.40 18.45 19.10 >0.00 20.30 10.10 12.00 12.30 14.50 15.40 J6.00 17.30 18.00 18.30 I9.C0 19.30 'jtf.oef- ZlteaUr Ltdilspiele usw Mi.WIes'IÜMMIU 20 Uhr Die Bekehning des Ferdys Pistora _ Ende gegen 221'! Uhr »"•�CÄSINO-THEATER Lothringer Stroh« 37. ■■•(HiiHinniiniiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiuiiiniiiiiiiiiiytiiiiiiiiitnimiifiii Sic werden lachen noch und noch über den neuen Schlager 0 fliese ScnuilegeruSter Dazu das neue März- Programm! GnUcbeln 1-4 Personeti Fauteuil 1,25 AU, Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pt, Rang 60 PI. Relchshallen- Theater UiDds|T( Soutig Nidm. fVn Oto Da. lustige Marz-Programm der Stettiner" Populäre Pitist. Tel. MerlrarUU. Nachm. ermäßigte Preise, volles Programm! Dönhoff. Brettl: Tarhtt— Konzert— TidzI Kapelle Hans Siztm. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tägl, S Uhr. Im UielMM RMSI. Stg. nachm. 3Uhr Originalbesetzung billige Preise Regie: Erik Charell. VoiKsbtthne Theater am BQIovplatz. 8 Lhr Die matrosen von cattaro Staat!. Sdiiller-Th. 8 Uhr Die BekehruDO de., Ferdvs Pistora Staatsoper Am Pl.d Republik 7«'a Uhr Die HodizcU des Figaro Piscator-Bütine (Wallner- Theater) Alex. 4502.92, Täglich 8'- Cyankali von Fr Wolf. FDr Leser unserer Zeitung. Or.-Sessel stall S onr3N Parketl-F.. 4. 2., .. Z.'.SS hang.2.1». oiulsedes Kav5ller-71ie»l. Sarbsrosss 3937. 8'.? Uhr Ritler BtanBarls aAte Frau Renaissance* Theater Steinplatz 6780- S'i Uhr Durdtans nnerlaabl fc. Pr.C.EObls ia.5C-l I Kling-Tlieatir Täglich 8Vi Uhr Die sebdne Alexandra Losself, Sdullwer. Fut. Vespermani). Sikla Sonntags 4 Uhr Kleine Preise. Yiktaria und ihr Husar DeotsüiK iheaisr 8 Uhr Der Haaptmano van Röpenitk v. Carl Zuckmayer Regle: Heinz Hilpert Kammerspiele 8';. Uhr Pariser Platz 13 von i c k i Baum Regie: Castaf CröodgeBS Die Komödie 80. Uhr Die Fee «on Fraaz Malaar Regie: Stefan Hock. BaniovsItHDIiDen Tbeaier Ii der stresiniiinstr. . Uhr Amptiitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus P'4 Uhr, Eine königliche Familie Kleines Theat. Täglich SV« Uhr Dlg» Tsekechowa . im Liebe unmodern Will Kaufmann, Heinz Mubertanz. Sonntags 5 Uhr Lifibassihluminer kl Preise 1—4 M. Neues Theater ■— am ZOO mmmm UmBalinllno. StpLS554 Täglich 8>), Uhr Emmv Starm a. 6. Halifornlsdie FrQdile .sjusik. Komödie v MaHniisatViltyPngiT Traute Kose In der großen Operette v. Kalmin 44 isli w1 Regie: Paul Rose Sonntag[23 ggjgg Sonnabend|7"h"||10'u>&rl Von Montag bis Freitag Abendpreise: Von 50 Pf. bis M S.Di e bei iebt. Fam i I ien- Nach mittag« nur noch im MO-rs jeden Dienetagr« Mittwoch, Donnerstag:, Freitag: 5ÄO Dienstag:, 17. MArs, 5« Premiere „Madame Bonivard" Oer lustio« französische Schwank Preis«; Von SO Pf. ble M I.SO 20 Mlhnten Kaffeepaaae Kaffee und Kuchen 30 Pf. Programm u. Garderobe je 10 Pf. ROSE THEATER ötägiger Vorverkauf: 11—1 Uhr und 4— 9 Uhr. Alexander 3422 und 3494 Gr. Frankfurter Str. 132 U-Bahn Strausberger Platz TAgl. 2 Vorat— Tel.Weldendamm SMO. nachm. 4", Uhr: 30 Plg,— 1.50 Mk. aberdsOv� Uhr:30F1g.— 3__ Mk. | Sonntags 3 Vorst,: 2,|2, 5 S'lzU' Ah 16. Mtrz neues Programm! W'�er • Garten• f" I 8 Uhr. Zutr. 2619. Rsuthen rliuht. Yocnq China. Dnuutn Collies. Lottn WerkniBlslnr, 4 PhUllqps, Karolnwna's. normonag nsw. KurlflrstBnflaram- Theaier Bismarck 447 |�8JUhr�J Das schwache eeschiecnt v. Edouard Bourdet Regit; Maz Relnlunlt Lustspiemaus Täglich SUa Uhr Oer LUgner u. die Henna von Kurt Götz metropoMiieater Täglich 8'»Uhr Das Velldien v Montmartre Operette v. Kaiman Gltis Alpir. Annl Ahlen. Kail Ifihen. mm. waineraar a. G.. Eronn Bsstq als Gast. Sonnlag 4 Uhr Kleine Preise. Das Telidien v. Monimartre Komiscna oper 8hi Uhr Kleine Preise. Peppina ■Dtzr peniilidier Uihng 4r SonpooUltn Roben Stolz Ii 4tt Pnnltiultutiiiig meatem. 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OFFEHBACM THEATER IM ADHIRAISPAUST ElKe- Sänger btttus. tlr. i Ti14 Deutschland tückische Netze gestellt habe, ober Oesterreich-Ungarns„schikanöse Politik gegen Serbien" betrachtet«r mit gemischten Gefühlen, und gelegentlich geht ihm sogar ein Schimmer der Ahnung aus, daß die Habsburgische Monarchie durch den Einheitsdrang der Südslaven historisch in die gleiche Lage gebracht war wie zwischen l86l> und 1870 durch den Einheitsdrong der Deutschen und Italiener. Nimmt er weiter ganz richtig an. daß die Stellung Oesterreich-Ungarns auf dem Balkon zum größten Teil durch die Fehler der Wiener Ballplatzpolitik ver- darben worden war, so verwirft er den Leiter dieser Politik, den Grasen Leopold Berchtold, als„leichtsinnigen Kavalier", als einen„selbst sür österreichische Begriffe ungewöhnlich u n- fähigen Schwachmatikus", und besten Vorgehen gegen Serbien im Juli llll-t dünkt ihm eine„wahnwitzige Aktion". Er läßt auch keinen Zweifel, daß der Ballplatz damals unter ollen Umständen entschlossen war, den Krieg gegen Serbien vom Zaun zu brechen. Als Beweis führt er an. Prinz Stolberg, deutscher Botschaftsrat in Wien, habe Mitte Juli Berchtold gefragt, was denn sei, wenn Serbien alle österreichischen Forderungen annehme: darauf die lächelnde Antwort: falls wider alles Erwarten die serbische Regierung solche Forderungen schlucke,„bleibe eben nichts . anderes übrig, als auch nach der Annahme aller Forderungen Serbien so lange zu reize». bis Oesterreich di« Möglichkeit erhalte, in Serbien einzumarschieren". Daß di« Lenker der demschen Politik, weit entfernt, einen Welt- krieg zu wollen, ober unfähig,„die Schroffheit und Plumpheit der österreichischen Forderungen und Pläne" abzuwägen und noch un- fäh-ger, die unvermeidlichen Folgen der österreichischen„Straf- expedition gegen Serbien" zu überschauen, Wien einen Freibrief für sein wahnwitziges Vorgehen ausstellten, daß sie derart durch di« „Leichtfertigkeit und den Uebermut" Wilhelms und durch di« „täppisch« Ungesch'cklichkeit" Bethmanns und I a g o ws Deutsch- land in den Weltkrieg„hineinstolpern" ließen, macht D ü l o w ihnen zum herbsten Vorwurf. Mit Recht sagt«r: Im Hochsommer hotten wir noch am 2ö. Juli die Möglichkeit, den Krieg zu vermeiden. Wir brauchten nur in Wien zu erklären, daß wir unter keinen Umstän''en den Abbruch der Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien gestatteten, bevor wir selbst die serbische Antwort genau geprüft hätten. Aber: Nachdem wir ohne Zögern, vorbehaltlos unsere Zustimmung zu dem Strafverfahren Oeiterreichs gegen Serbien gegeben und dem Wiener Kabinett die Wohl der anzuwendende» Mittel überlassen hatten, glaubten sich die Oesterretcher unserer Rückendeckung absolut sicher und uns gegenüber an keine Rücksicht gebunden. Mit unserer Blankovollmacht rn der Tasche setzten sie sich an den Spiel- tisch, wo es leider nicht nur um ihr, sondern auch um unser Geld ging. Wir hotten ihnen ja von vornherein erlaubt, es gegenüber Serbien bis zum äußersten, bis zum Kriege mit allen seinen Konsequenzen, zu treiben. Das stimmt in unheimlichem Maße, aber«s war niemand anderes als der hier ja weise Urteilende, der während der Annexions- krise den Ballplatz zu forschem Losgehen auf dem Balkan ermunterte. Der Kanzler des Weltkriegs heißt wahrhaftig nicht nur Bethmann Hollweg! Nach Bülow, der Ihnen nahestand und sie kannte, versagten in den kritisehen Togen im Sommer 1914 wie während des Welt- kriegs alle ganz kläglich: der Kaiser, die drei Reichskanzler, die Staatssekretär«, die Unterstootssekretäre, die Botschafter erwiesen sich samt und sonders als ausgemachte Trottel. Aber wenn der Schreiber der„Denkwürdigkeiten" auch ,Hen allcrgröbsten Fehler der vier oder fünf Personen, die uns ins Verderben führten", darin erblickt, daß sie Beschlüsse von ungeheurer Trag- weite„in der Dunkelkammer des Auswärtigen Amts" faßten, ohne irgend jemand um Rat zu fragen, so sieht er doch nicht, daß«r damit über dos System, dos vier oder fünf Personen gestattete, ein Sechzigmillionenvolk ins Verderben zu reißen, über da» System der konstitutionell verbrämten halbabsolulen Monarchie den Stab bricht, denn zu diesem System, an dem er höchstens ein bißchen herumbosseln wollt«, sagte er jederzeit Ja und Arne«. Wo ihm nicht der Haß den Blick schärst, sieht er überhaupt nichts. Mag er den deutschen Spießbürger, Philister und Kannegießer besonders auf dem Strich haben, so ist er doch nur das etwas gclecktere Ur- Hill» dieses deutschen Spießbürgers, Philisters und Kannegießers. Sein« Völkerpsychologie?„Die sadistische Grausamkeit der Fron- zösen",„die kalte Hört« der Engländer", der Pole„der unverbesser- liche, geboren« und gefährlichste Gegner des Deutschtunis"— am Hakenkreuzstommtifch zu Treptow an der Tollense lstirt man es so auchl Auf derselben Höhe steht Bülow» Verständnis für die Sozialdemokratie: Seichtbeuteleien und nichts anderes, roos er hier verzapft! Wenn er gar dein Abgeordneten Ha ose den Blödsinn in den Mund legt: „Wir wenden die Armee untergraben, um die Weltrevolution in Gang zu bringen", wenn er die Kieler Matrosenmeuterei vom Juli 1917„planmäßig seit langem von der USP. vorbereitet" sein läßt, wenn er von der„russischen Nihilistin" Rosa Luxemburg oder dem„landfremden, golizischen Abenteurer" Kurt E> s n e r schwafelt, wenn er einen hundertmal richtig gestellten Satz aus dem „Vorwärts" wieder in verleumderischer Weise onsührt, so verleugnet sich eben der einstige Protektor des berüchtigten„Reichs- Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie", des„Reichslügen- Verbandes" nicht. Aber woher sollt« ein Bülow auch das Derständnis für die Sozialdemokratie oder für die treibenden Kräfte der Zeit überhaupt beziehen? Trotz oller Bildungsmätzchen, trotz allen Schieleiis nach dem Beifall der Bourgeoisie, trotz alle» Kokettierens mit„modernen" Schlagworten, blieb er ein Junker, wenn er sich auch mühte, den Stallgeruch durch reichlich verspritztes Parfüm zu vertreiben. Als Junker glaubte er nicht an den Geist, sondern nur an die Macht. Das ofsenbarte nichts deutlicher als ein« Unterredung, die er m Rom mit dem General des Jesuitenordens hatte. Als der ihm dar- legte,„daß am Ende die Ideen immer stärker seien als alle materiellen Kräfte", stand Bernhard Bülow ob dieser Lektion maßlos verblüfft: um es nicht nach feinem Vorbild durch ein Zitat aus Schiller, Goethe, Virgil oder Homer, sondern volkstümlich äüs- zudrücken: ihm blieb die Spucke weg! Kenn. Wendel. sDas 3>orf Sine ioSBiologlfche Siudie/ Ton Studolf Stimmer In der Lebensgemeinschaft des Dorfes überschneiden sich di« Zeiten und ihre sozialen Verhältnisse. Der„K n e ch t"— erst die Arbeit des LandarbeiterverDondes hat menschenwürdigere Bezeichnungen zur Geltung gebracht— wie der„gnädige Herr" sind auch heute noch Zlusdruck alter Abhängigkeit, die vor ollem im Osten Deutschlands ihren mittelalterlichen Eharakter kaum verloren hat. Der alte Herrensitz- ist zumeist Sinnbild für die Lebens- ottfpriiche und die Lebenshaltung des letzteren: um ihn der schöne Park, die sonnige Gepflegtheit großer Gärten, in denen saubere, so gut genährte als„erzogene" Herrenkinder spielen dürfen. Das Bewußtsein sozialen Elends in unmittelbarer Nähe scheint durch die Gartenhecken nicht zu dringen. Der Verkehr mit dem Wirtschoftshos und den„Leuten" geht durch Mittelspersonen, den Inspektor, den S ch a s f c r— ost genug mit der nötigen ob- weisenden Grobheit ausgestattet, die es ihnen erlaubt, unangenehme Wünsche und Forderungen schon durch ihr Gebaren zur Hälfte zu unterdrücken. Selbst ost schlecht bezahlt, sind diese Mittler doch er- gebene Diener des Herrn, glauben sich ihm durch Strenge nach unten angenehm und unentbehrlich zu machen und bilden innerhalb des Dorfes eine gesonderte Schicht, die Ansprüche auf einen eigenen Stammtisch im Wirtshaus, auf eine Art gesellschostlich-abgeschlossener Zusammengehörigkeit und den nötigen Respekt seitens der Leute niemals ausgeben würde. Aus dem Alltag moiriert diele strenge Scheidung ungehindert und unbewußt in den Sonntag. Pflichtgemäß sticht jeder, der irgend kann, die K i r ch.e auf. Man würde lein Fehlen uncm- genehm vermerken, wo er doch seinen bestimmten Platz hat. Der Geistliche, in den Jahren des Amtes innerhalb eines oft trostlosen Bezirkes ledetn geworden, hält ewig wiederkehrend die gleichen Dvedigten: die übermüdeten Pfarrkinder werden immer wieder dabei einschlafen und der gnädige Herr mit Familie wird nicht immer, aber dann, wenn es unerläßlich ist, in der vom Volk ge- trennten Loge der Gutsherrfchoft erscheinen, wo in einem oerschließbaren Schränkchen gleich Bibel und Gesangbuch aus- bewahrt werden, da man sie bei entsprechend großem„Segen" zu Hause nicht braucht. Das Leben des L a n d p r o l e t a r' e r s ist harte, mülzevolle Arbeit, die wenig Raum für die Fordeningen der Zivilisation, noch »»eniger sür Bildung und Kulwr übrig läßt. Wie sich der arbeits- gewohnte Rücken auf dem Felde beugt, so zwingt sich der Racken unter das Joch jahrhundertealter Fron. Man fühlt sich ab- h ä n g i g, weil di« Lage nicht rasch.zum Belferen verändert werden tann, weil man intellektuell hilflos ist und steckt im Gefühl eigener Schwäche manche Demütigung wie selbstverständlich ein. Um so stärker wird dann ungewohnte Liebenswürdigkeit von oben— etwa zu Wahlzeiten— alz große Gnade empfangen. Auch der Herr scheint an diesen Zustand gewöhnt: einem jahrzehntelang dienenden Landarbeiter in Schlesien wurde zum„Jubiläum"«in alter Leierkasten mit drei Blechplatten geschenkt. Der Guts- Herr hatte dabei ausdrücklich naehgesncht, das beabsichtigte Ehrengeschenk der Gemeinde in Höhe von 59 Mark nicht zu bewilligen, da er eine„besondere Anerkennung" vorhabe. Bei der kritischen Besprechung des Vorfalls äußerte der Redakteur eines Landbundorgans nach, man dürfe den Wert solcher„Geschenke" nicht verkennen: die Leute hätten daran oft eine kindliche Freude. Sehr häusig kann man auch die Auswirkung der eigenen Minder- einschötzung bei Wahlversammlungen beobachten. Abge» sehen davon, daß die Landarbeiter nur zögernd in den Saal kommen, daß es flüsternd reihum geht, wenn ,Hie Herrn von..." ..oer auch nur die Inspektoren da sind, wagen sich die Landproleten kaum an einen Tisch, der zufällig gedeckt ist. Wer diesen frei- willigen Verzicht auf die kleinen schmückenden Werte des Lebens nicht dulden und seine Arbeitskameraden aufrütteln will, wird noch zu leicht zum„Hetzer" gestempelt und kommt in den Ruf geheimer Bundesgenossenschaft mit der wenig beliebten Stadt, die„ihre G e- werkschaftssekretäre hier herousschickt. damit ss« 11 n- frieden stiften: denn die leben ja davon, daß Haß ist zwischen den Arbeitern und den Herrn." Im Gehöft des Bauern, der selbst hart arbeiten muß, wird sich der soziale Unterschied stärker verwischen. Der Mann der Scholle ist konservativ, Neuerungen selten gewogen. Das Geld- verdienen wird ihm sauer und damit das Ausgeben schwer. Die Arbeitskräfte sollen hergeben, was sie können und möglichst wenig kosten. Leute vor dem Untergang zu retten, die einem dafür nicht irgendwie direkte Arbeit leisten, wäre gar ein absurder Gedanke. Daß die S o zi a l p o l i t i k, die Sorge sür die Armen und Alten in einer solchen Gemeinde erheblich ins Stocken gerät, ist v erstand- lich: denn mit seiner Bertreterwürde bringt der Bauer auch die geschilderte Einstellung mit in den Gemeinderat. Und gegen hart- »äckige Dickschädel ist schwer zu kämpfen. Wo die Industrie Ausläufer in ein Dorf schickt, Vierden die alten Abhängigkeiten stärker gelockert. Sie ftellh das Verhältnis des Kampfes zwischen Arbeit und Kapital Ilarer hi,>ius, weil jede verhüllende Vorstellung von Gnade und Abhängigkeit dabei versogt. Ich tue meine Arbeit— man kommt ohne mich besonders in Zeiten des Hochdrucks schlecht aus—, ich werde bezahlt und wenn die Arbeit nachläßt, auch wieder gekündigt. Diese einfachen Tatsachen' schaffen Selbstbewußtsein Wo man erkennt, daß der Gegenpart außer der Nutzung der Arbeitskrast herzlich wenig persönlich« Interessen am Arbeiter hat und daß man im Grunde mit sich selbst gestellt ist, wachsen auch das Selbstbewußtsein und dos Zusammen- aehörigkettsgesül)l. Selbstoerstänölich, daß die Organisation als Störung des alten patriarchalischen Verhält- nifses empfunden und wütend bekämpft wird: der Landarbeiter ist oft nicht in der Lage, Druckmitteln zu widerstehen und die un- beirrbar bleiben, büßen es mit langer Arbeitsiasigleit und mancherlei wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Vielleicht, daß die Jugend den därflichen Alltag noch am leichtesten erträgt: ihr bleibt als Ventil vieler Wünsche wenigstens der Sonntagnachmittag, den die mitschasfenden Landarbcitersrouen benühen müssen, um das Notdürftigste an Hausholtsarbeit— vor ollem das Ausbessern der Kleidung— vorzunehmen. Dann kann die Tanzmusik nicht mehr verlocken, nach der das Jungvolk oft weit über Land geht oder radelt. Und von den Junten hat dieser oder jener doch die Hoffnung, der Eintönigkeit und Eng? einmal zu entrinnen, das Mädchen zum Dienst in die Stadt, der Bursche unter günstigen Arbeitsverhältnissen ebenfalls in reg- lomere Bezirke, wenn sich nur irgendetwas bietet. So wandern die lebendigsten Kräfte immer wieder ab: die Lebensverhältnisse auf dem Lande sind eigentlich die schwerste Sünde gegen den„nationalen Geist", roetchen die Herren so im Mind« führen und dann durch die Beschäftigung ausländischer Wanderarbeiter betätigen, nicht nur, weil ihr« Taktik die heimischen verdrängt, sondern auch weil jene anspruchsloser und billiger sind. Aber auch aus dem eigenen Volk wachsen der beschei- denen Menschen immer wieder genug nach Das Elend der Dorfschule ist immer noch vorhanden. Sie wird in unzähligen Fällen unzulängliche, veraltete Räume innehaben: ihr Unterricht umfaßt Knaben und Mädchen aller Altersstufen immer noch zu- gleich, wenigstens solange, als man konfessionelle Tennnng sür wichtiger hält, als eine leidlich gute Ausbildung. Neben die Anforderungen der Schule treten die der Arbeit: sie bleibt dem Landproletenkinde aus der nieist sehr zahlreichen Famiii« selten er- spart. Erst wer diese Verhältni'i« einmal sah und auch das longsame Tempo ihrer Wandlung beobachtet hat, weiß die unerhörte Arbeit richtig einzuschätzen, die ein Lands unge leistet, der sich etwa vom Schüler des„Pantinengymnastums" zum Arbeiterführer emporgearbeitet hat. Diese Unsumme von Fleiß und Energie be- weist nicht nur, daß im Proletariat selbst unter ungünstigsten Ver- Hältnissen hervorragende Kräfte stecken, sondern sie sollte auch manchen Schwätzer mit dem Schulwissen und dem Doktortitel etwas respektvoller über die Männer aus dcm Volk« denken und rede» lehren. Uns aber vermögen diele Besspiele in dem Glauben zu festigen, daß die Befreiung des Dostes nur von ihm selbst und oft in ihren besten Kräften e«s der liefe kommen kann. WAS DER TAG BRINGT iBinimiiiwiiwBtiiunii»«i!Biiim!nminnTTmwniiiiiiniiiiiiimiiniiiiiiaiiiiuiauiuiiiiiiiniaiiiiiiMmni8iiiimM»i«iiiiHiiitiiMiniiiiinwii«aiiiin!ii.«iiinvn.i-ii.u ERZÄHLT VON YORICK Chaplin der Falsche Zu Charlie Chaplins Besuch m Curopa uiw besorchcrs zu der lärmeirden Art, m der er gefeiert Wird, läßt sich manches bemerken. Man kann das alles geschmacklos finden: kann es ober auch als er- sreulich betrachten, daß hier einem Chaplin oerdicntermatzen das zuteil wird, was einem Amanullah ohne weiteres zugestanden wurde: und in jedem Fall braucht man darum an der überragenden Kunst des Gefeierten nicht irre zu werden. Auf das, was die Masse in ihm sieht und von ihn, erwartet, auf die psychologischen Untergründe der Begeisterung wirft aber ein Borsoll ein bezeichnendes Licht, der sich in London abspielte. Dort fand im Neuen Dominiontheater die Urauffüh- rung der„S t a d t l i ch t e r' statt. Es regnet« in Strömen. Trotz- dem waren Tausonde von Menschen auf dem Platz vor dem Theater. Sie wollten Chaplin sehen, den richtigen Menschen Chaplin, der ja der Uraufführung beiwohnen wollt« und mithin hier vorbeifahren mußte. Endlich, noch anderthalb Stunden, ein« Autodroschk«. Mühsam unrd sie durch die aufgeregte Meng« gesteuert: hält vor dem Portal. Und heraus steigt, all den Köpfen auf gereckten Hölsen sichtbor werdend, wie er die Freitreppe erklettert: Charlie. Alles an ihm ist Charlie. Das schwarze Bürstenbärtchen. Der steife Hut. Die Hosen, die unvergeßlichen Schuhe, das elegant her- umgcwirbelte Stöckchen. Schrei um Schrei,«ine Vielfalt von Schreiern ruft ihn an aus der Meng«: �Charlie! CholTie!" Chaplin löß: sich rühren. Cr wendet sich zu d«r Menge, lüftet den Hut, verbeugt sich dankend. Die Pholographen knipsen. Dann ist der große Augenblick vorbei. Charlic verschwindet im Theater. Und es ist niemanden' die Unwohrscheinlichkeit der Tatsache aufgefallen, daß hier der lebendige Chaplin, der zu Banketten ge- laden« und im besten Hotel abgestiegene und von einem Gefolge von Sekretären und Btteenten umgebene Mr. Charles Chap- man— daß der genau so aussehen soll wie der arme, verhungerte, lächerliche Charlie des Film». Wenn es ober doch jemandem auf- gefallen fein sollte, dann hat er sich wahrscheinlich gefreut über diesen famosen Einfall des großen Charlie, zur Aufführung seines Films in„feinem" Kostüm zu erscheinen: und Hot ebenfall« die verblüffende Unwohrscheinlichkeit dieser Ankunft in einsamer Autodroschke nicht bemerkt. Nein, es denkt niemand daran— bis zufällig ein Page aus dem Innern vor die Tür tritt und erstaunt erklärt, Mr. Chaplin sitze doch längst in seiner Loge-... Hierauf stiegt der falsche Chaplin ans dem Theater hinaus und wird beinahe gelyncht. Das ist humorlos und ungerecht— ebenso wi« seine anschließend« Verhaftung: und leider hat man nicht gehört, daß dar richtige Charlie sich für den seelenverwandten PfeuOochapün verwendet hat.... Im Zeichen des Pantoffels In einem hessischen Dorf« gibt es zwei leidenschaftlich« Lotterie- rotten. Beide Ehemänner, beide gesegnet mit einer besseren Hälft«, die das Lottcriespiel für ein« unnütze und aussichtslos« Geldausgabe hält. Nach vielen Iahren. in denen sich«ine Niete an die ar&ere reiht, unterliegen die Männer im Kampf und versprechen reumütig, nie wieder zu spielen. Aber Hoffnung und Spielleidenschast sind größer als der Wille zum Worthalten: heimlich kaufen sich beide gemeinsam für die letzte Ziehung der Preußisch-Süddeutscher, doch wieder ein Los. Und(das Laben liebt solche Zufälle)— und dies Los gewinnt. Gewinnt den HauptpreisI Das aber ist noch nicht die letzte Pointe. Die bringt erst die Tatsache, daß die beiden Ehemännvr ihren Frauen au» Furcht vor Straf« dos glücklich« Ereignis längere Zeit hindurch nicht mitzuteilen wagen. Dann haben es die Frauen durch andere erfahren. Die Strafe soll milde aus« gefallen fein. Im Dorf aber ist man sich darüber einig, daß Man- nern, vi« so energische Frauen haben, eine klein« finanzielle Eni« schädigung durchaus zu gönnen ist! Der weiße Pierrot Maskenball der Baronin de-L. in Paris. Reichgeschmückt» Masken, reichbesetztes Büfett. Musik, Wärme, Tanz, Trank. Draußen, wo die Automobile der Geladenen in langer Reihe warten, viele Stunden lang, Frost. Die Chausseure frieren: erleuchtete Fenster wärmen nicht. Delikatessen, die andere Leute«sie« und trinken, ebenfalls nicht. Plötzlich geht«in Tuscheln. Ratschlagen. Lachen von Auto zu Auto. Entfernt sich einer der Chauffeure für eine halbe Stunde. Zurück kommt«in weißer Pierrot. Er wird anstandslos eingelassen, als er in den Polast tritt. Der weiße Pierrat läßt ältliche und jüngliche Damen, die thit umschwärmen, unberücksichtigt. Cr sucht und findet ohne Zeitverlult das Büfett. Respektable Mengen von Speisen und Getränken ver- schwinden vom Tisch, ehe er sich wieder entfernt Nicht für lange Zeit- Nach fünf Minuten ist or wieder heran und ißt und trinkt von neuem. Als auf solch« Art das halb« Büfett erledigt Ist, fällt er einem der Gäste auf. Der folgt ihm unauffällig. In den Autos sitzen und liegen selig lächelnd die Chauffeure. Sie sind alle satt und nicht mehr durstig und frieren nicht mehr. Und sie können es ertragen, daß dem weißen Pierrot der Zutritt zum Büfett minmchr verboten wird. � Amerikanische Sorgen Die Verfechter der Trockenlegung haben ihre Front bedeutend verbreitert— oder richtiger die Front oerjenigan Dinge, die von chnen befehdet werden. Alles, was mit dem Alkohol nur entfernt zusammenhängt, greifen sie an. Jetzt haben s>« herausbekoinmen, daß die amerikanische Nationalhymne, daß das nahezu heilige Lied vom Stern- und Streifenbanner nichts anderes ist als «in alte» englisches Trinklied, das in Kaschemmen und Hasen kneipen z» Haus« war: und sie fordern, daß diese alkoholische Hymne sofort abgeschafft und durch ein trockeneres Lies , ersetzt werde. Ueberhaupt machen die Hystoriter dem Nationalbeinuhtsein viel Kopszerbrechen. So ist da ein neues Buch über Abraham Liu- e oln erschienen. Abraham Lincoln ist der Abgott sein«? Lölkes. gilt als Extrakt und Darbild aller avsdenlbaren Tugsnoen. Sein neuer Biograph Edgar Lee Masters indes bringt Beweise fürs gerade Gegenteil- Nach ihm war Lincoln nicht sonderlich klug, abor gewissenlos. Er war ein Streber und stammt« aus schlechter, ja aus einer Berbrecherjamilie. Er hatte kleinbürgerliche Henmiun- gen. Er war jaul und gesinnungslos. Er heiratet« seine Fvou nur uni chrcs Geldes willen und macht« nur durch dies Geld Karriere. Er war herzlos, ungebildet und ungepflegt. Es steht nicht fest, ob er sich je gewaschen Hot.— Der Europäer neigt zu der nüchternen Annohme, daß Lincoln weder solch cin Engel, wie man hl-h.-r an- nahm, gewesen sein kamt, noch solch ein Teufel, wi« Moster» nun behauptet. Es leuchtet ihm aber ein, daß Master» als Lincolns große Gabe, die ihm die Herzen des Volkes gewann, feinen Humor anführt.... Einen Lichtblick i» dies« düsteren Dürge bringt allem die par- jährig« Ehestatistik von Hollywood. Danoch sind in dieser Filmstadt zum erstenmal mehr Filmstars verheiratet als geschieden worden: 47 Eheschließungen stehen gegen 37 Ehescheidungen. Ex lebe d>e Moral! Und imr einige Kenner versichern, daß cs J93i wieder umgekehrt kommen werde. öerl/jn sendet: flbluellm fPeaebielungen Der Wunsch der Hörer, durch den Rundfunk Tagessragen«r- lämort zu hören und über aktuelle Vorgänge und Probleme infor- iniart zu warben, ist fahr begreiflich. Jeder Sender bemüht sich denn auch,„aktuell" zu sein, mit einer mehr oder weniger großen Gruppe seiner Darbietungen an di« Togesgcfchehnisse zu rühren, die er für wichtig oder interessant hält. Die Auswahl, die hier getroffen wird, charakterisiert zu einem wesentlichen Teil die geistige Einstellung des Senders. Die Funkftund« beweist eine erfreulich klare Erkenntnis der Bedeutung dieses Programmteils und mindestens den guten Willen, ihn entsprechend zu entwickeln. Dem Arbeitslosen- Problem hat sie«inen ganzen Zyklus eingeräumt, in dem es aus den verschiedensten volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Per- spektiven betrachtet wird. In der vergangenen Woche waren wir schon beim 15. Vortrag angelangt. Man mochte zu einzelnen Dar- kegunzen in dieser Reihe stehen wie man wollte, jede bedeutete ein« für die gesamte Vortragssolge nicht unwesentliche Beleuchtung dieses Themas, dessen Aktualität sa leider heute unumstritten ist. Aber eine solche Vortragssolge hat für manche Hörer«inen ab- schreckend wissenschaftlichen Anstrich. Sie fürchten Darlegungen. denen zu folgen si« nicht imstand« sind, und schalten infolgedessen den Vortrag gor nickst ein, oder si« haben zufällig«inen abgehört, der ihnen minda« interessant, schwer verständlich, vielleicht auch ihren grundsätzlichen Anschauungen zuwiderlaufend war, und sie schließen non dieser«inen Veranstaltung auf die übrigen. Dies« sicherlich unbe- rechiigte Ablehnung kann natürlich kein Argumerst gegen solche Vor- trogsreihen darstellen. Es ist sür die Behandlung eines so wichtigen Problems, wie es die ArbeUslosigkeit heute darstellt, sogar sehr zweck- mäßig, den geistigen Zusammenhang der Vorträge zu betonen, d.i es d e n Funkteilnehmern dos Abhören erleichtert, die tiefer in den gesamten Fragenkomplex eindringen möchte». Aber es ist zu begrüßen, daß Teilgebiete des Arbeits- lose n Problems noch außerdem behandelt werden, in minder wissenschaftlicher Aufmachung, unter Titeln, die das Allgemein- i ulstresse wecken! Der Bottrag von Anna Geyer über„Die »erheiratete berufstätige Frau" fand durch die Formu- lierung seines Titels sicherlich Hörer, die eine sehr voneiuander ob- weichende Einstellung zu dem Thema haben, und die sackstiche und klare Auseinandersetzung, die sich zwar auf statistische Zahlen stützt«, diese aber nie in erdrückender Fülle verwandte, enttäuschte wahr- fcheinlich keinen von ihnen und regte manchen zu ernsthafterem Nach- denken an. Die„Besuche bei arbeitenden Frauen", von denen Georg Wilhelm erzählte, waren ebenfalls cin Beitrog zum Problem der heutigen Arbeitsnot. Denen, die noch nicht gelernt haben, Massenschicksal aus nüchternen Zahlenangaben zu lesen und als erdrückend« Summe von Einzelschicksalen zu empfinden, wurden zum Verständnis der allgemeinen Zusammenhänge typisch« Einzel» fälle gezeigt. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn in solchen sür die verschiedenariige Aufnahmesähigkeit der Hörer gestuften Darlegungen systematisch wichtige Tagesfrogen behandelt würden. Ob man der bildenden Kunst ein« wesentliche praktische Unterstützung angedeihcn läßt, wenn man auf ihr« zeitgenössischen Vertreter und deren Werk im Rahmen eines locker gefügten Zyklus hinweist, ist fraglich- Man will mit dieser Veranstaltung dach gerade Kunstinteresse dort W«ck«n, wo«s bisher allzufest schlummerte. EinzeloortrSg«, die wirkungsvoll angekündigt sind, dürften dafür im allgemeinen wirksamer sein, well der kunstfremkxz Hörer ihnen mit geringeren Hsmmungen gegenübersteht und in ihnen— mit Recht »der Unrecht— weniger Kunstwissenschaft als lebendig« Anschaulich- kcit vermutet. Es sollten in diesen Vorträgen übrigens nur solche Menschen sprechen, denen die bildende Kunst zum klaren Gefühls- eriebnis wird. Mit Schilderungen und Beschreibungen läßt sie sich dem Hörer ebo sowenig lebendig machen wi« durch verschwommenen Enthusiasmus. Pollends gewarnt fei aber davor, das Person« ! i ch e d e s£ iTn st l e r s- soweit«s nicht ein wesentlicher Te,l seines Werkes wurde, in bisse Vorträge zu bringen, wie das bei früheren , ähnlichen Veranstaltungen bisweilen geschah. Neugierig sein darf man vorläufig noch auf die„Reportage vom A l l t a g". Daß sie diesmal dem Phantom Charlie Chaplin geopfert wurde, kann man nicht übel nehmen. Ein Phontom wäre für die Funkhörer Chaplin zwar auf jeden Fall ge- biieben. da er stolz und bescheiden sich durch kein noch so verlockendes Angebot je bestechen ließ, eine redend« Sensation zu werden, sondern sür das Publikum cin stummer Künstler bleiben will- Aber Alfred Braun hätte von dem Menschen Chaplin, der als Zuschauer einer Bühnenhandlung folgt, dach vielleicht manches aussagen können, was das Verständnis für den Künstler Chaplin erweitert hätte. Da Chaplin im Theater aber nicht erschien, wurde aus der„Reportage vom Alltag" kein« Chaplin-Hörskizze, sondern eine Reportage von einem Theaterabend aus der Perspektive des Schnürbodens. Es flößte Respekt ein, was Braun in dieser sicherlich sehr improvisierten Veranstaltung zu geben verstand. Er hat einen genialen Instinkt für das Wesentlich« einer Situation. Fast immer— auch wenn er sich nicht, wie diesmal, auf sehr vertrautem Boden bewegt— spürt man, wie er dem Erlebnis, über das er berichten soll, zugehörig wird. Das gibt feinen Reportagen die natürliche Anschaulichkeit: der Hörer braucht die Dinge und Geschehnisse nicht nachzudenken, er kann sie miterleben. Alfred Braun war in Berlin deshalb bisher auch der einzig«, dessen Spottrcportagen und-interviews nicht nur fporllichen Fachleuten oder Sportfanotrkern etwas gaben. Wenn er ein Sportmilieu schildette, so spiegelten sich die Menschen darin: wenn er einen Sportler interviewte, so sah man die Umwelt, die den Menschen formte und Seine Entwicklung bestimmte. Die Funtstunde sollte sich bemühen, Sportreportagc-n wieder auf dieses Niveau zu heben und— nicht nur in der Sportberichterstattung— aus alle» zu verzichten, was nur dem Sensationsbedürfnis dient. Man muß anerkennen, daß sie von der primitiven Aktualität der Frlmwacheiifchauen doch schon recht deutlich abgerückt ist und in ihren Bildern der Tagesvorgänge Tiefen nicht zu oerdecken, sondern aufzu- zeigen bestrebt ist. Die Uebertragung wichtiger Reich stagssitzungen bieibt für die Hörer noch immer eive sehr ferne Hosfnung. Immerhin dursten si« kürzlich ein paar Ausschnitte aus dem Reichstag aus dem Umweg über Sehallplattenaufnahmen erleben. Jeder politisch inter- essiertc, also jeder geistig reife Funkhörer, mußte dafür dankbar sein, die Vertreter des Volkes bei ihrer Arbeit für das Volk belauschen zu können, wenn auch nur wenige Minuten lang. Eine besonders dekorative Aufnahme zeigte den wirtlich„klangvollen", von, Horst- Aesssl-Lied begleiteten Auszug der Nazis in der Nachtsitzung vom 0. zum 10. Februar. Und darüber ist nun der nationalsozialistische „Angriff" so döse, daß er irnt ebenso kernigen wie unzutreffenden Beschuldigungen gegen di« Funtstunde vom Leder zieht. Der Erfolg ist ein« Klage der beschuldigten Direktoren gegen den„Angriff" Der Zorn der Nationalsozialisten über«in originalgetreues Hörbild ihrer Reichstags„orbeit" ist jedenfalls ebenso amüsant wie aufschlußreich: er beweist, daß sie selber sich sehr klar darüber sind, wie sehr ihr Bestand bei den nächsten Wahlen bedroht wäre, wenn ihre Wähier ihrem Wirken in den Parlamenten beiwohnen könnten. Tc-.. ßrchms Werleben*) Die schönsten Naturckundestunden meuier Schülerzeit waren doch di«. in den«, mein damaliger Lehrer ans Brehms Tierleben vorlas: aus der ersten Auslage wohlgemerkt! Darin steckte etwas von dem geheimnisvollen Zauber der fremden Länder, von dem abenteuer- lichen Lichte des schwarzen Erdteils und der tropischen Urwälder. Wohl alle, di« dies Werk eines Mannes, der wirtlich Forscher und Schriftsteller in einem war, kannten, werden es tief bedauert haben, wie von Auflage zu Auflage sich der Brehm veränderte, wie aus dem Lolksbuch« allmählich etwas ganz anderes wurde, wie die Bearbeiter cs immer„wissenschaftlicher", aber auch immer lang- w« i l i g e r ma ästen. In der letzten, vienen Auflag«, ist schließlich von dem alten Brehm nfcht mehr viel übrig geblieben. Die neue Reclam-Ausgabe ist dah«r mit Recht auf die alt« Fassung zurückgegangen. Wohl hat Nemnann das wirklich Ueberhcstte ausgeschieden und manches Neu« hinzugefügt: ober nur da, wo es nötig war. Die Zusätze sind besonders gekennzeichnet. In dieser' Ausgabe kann man wirklich wieder lesen und unsere Jugend hat wieder ein fesselndes, spannendes Werk, in dem das Schmökern auch eine Inner« Bereicherung bietet. Besonders wertvoll ist die Berücksichtigung der modernen Tierpsychologie. Leider sind die letzten beiden Bände(Insekten, TOedere Tiere) den anderen sechs nicht gleichwertig. Diese stammten schon in der ersten Auslage nicht von Brehm selbst. Man kann dem Bearbeiter keinen Vorwurf daraus machen, daß«r hier die ungeheure Menge der neuesten Forschungsergebnisse nicht überblickt. Das kann kein einzelner Mensch für das ganze Tierreich leisten. Doch hätte er dies« letzten beiden Bände Spestalisten übertragen sollen. Die Bilder sind gut. Besonders die Tierphotvgraphien. vr. K. Lewin. Heinrich Xerfeh:„tMammcrfdiläge*. Heinrich Lersch dichtete während des Krieges die berühmt ge- wordenen Verse, die mit der Feststellung endeten,, daß„ein jeder Toter des Bruders Angesicht trägt", und er schuf viele schöne andere, das Grauen des Krieges visionär gestaltende und oon Menschenliebe durchpulste Gedicht» dazu: ohne oder doch zu einer eindeutigen Ab- lehnung der Institution Krieg zu gelangen. Aehnlich liegt es mit seinem neuesten Werk, einem Roman, da? den Titel.Tiammerschläge" sühtt(Adols-Sponholz-Derlag). Lersch hat alle Auswirtungen des Kapitalismus am eigenen Leibe erfahren und er legt Zeugnis davon ab: weicht aber vor den letzten Konsequenzen zurück. Der Dichter *) Jubiläumsausgabe in 8 Bänden. Herausgegeben von Carl W. Neu mann. Mit gl Farbentajeln und ILO schwarzen Doppel- bildtafeln. Jeder Band etwa 500 Seiten. Verlag Reclam, Leipzig. Preis 6 M. je Band. schildert sein« Jugendjahre... die Jugendjahr« eines Arbeiters. eines Kesselschmiedes. Es ist von hartem Schuften in dem Buch die Rede, oon verrußten Kesselwänden, glühheißen Fcuergängen, schmerzenden Rücken. Dampf und Schweiß. Zuerst ist Lersch in der Schmiede seines Vaters tätig. Außerordentlich lebendig wird die Atmosphäre eines tloinen Betriebes gestaltet. Aber das Familien- leben ist nicht zum besten. Es treibt Lersch in die Fern«. Er landet aus großen Werken, und jetzt kommt die Politik in den Roman. Die Freigewerkschaftler. die Hirsch-Dunckerschen. die Christen bemühen sich um den jungen Arbeiter.' Lersch ist gegen Kapital und Aus- beutung. mit starten, massiven Worten sogar und einem ehrlichen Herzen. Aber er ist auch ein guter Katholik und meint, sich bei seinem Gottglauben nicht entschließen zu sollen, den„Roten" bei- zutreten. Der Sozialist kann hier jelbstverständlich Lersch nicht bei- pflichten: ober es kommt bei der Beurteilung des Wertes eines Romans nicht allein aufs Beipflichten an. sondern auch aufs Kennen- lernen: und gerade die freigewerkschaflliche Agitation kann aus Lerschs Schilderung seiner Gefühle manchen Hinweis erhallen. Dann wandert Lersch weller. Ins Ausland. Treibt sich auf Landstraßen und in Herbergen herum. Schließlich kehrt er zur väterlichen Schmiede zurück. Mit einer etwas mystischen Apotheose der Arbeit schließt das Werk. kläns Bauer. foechistvagen des Tages Tarttvevivag und ßbesebeidung Ein« verheiratete Angestellte mit einem Kind, deren Ehe aber geschieden war, forderte nach Ausgabe einer kaufmännischen Stellung Nachzahlung eines Aprozentigen Verheirateten- und ebensolchen K i n d e r z u s ch l a g s, der ihr nach dem Tarifvertrag zustünde. Das Landesarbeitsgericht hat die Klage ahge- wiesen, das Reichsarbeitsgericht aber diese Entscheidung ausgehoben und zurückverwiesen. Dabei führt das Reichsarbeitsgericht aus:„In dem betreffende» Tarifvettrag wird der Zuschlag ver- heirateten weiblichen Angestellten versagt, deren Ehemänner tätig sind. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß hiermit nur die zurzeit oerheirateten weiblichen Angestellten gemeint sind und Nicht diejenigen, deren Ehe gelöst ist."— In diesem Prozeß spielt« serner die Frage eine Rolle, was unter einem eigenen Haus- stand zu verstehen sei: demi der Tarifvertrag sprach Familien- Mlagen nur solchen �verheirateten Angestellten" auch nach Lösung der Che zu. die einen eigenen Hausstand führten. Das Landes- arbellsgericht hat da» für die klagend« Angestellte verneint, da sie sich mll ihrem Kinde tagsüber bei ihren Eltern aufhalte und dort verpflegt werde. Das Reich-arbeitsgericht stellt dagegen fest, daß es sich nur um da- Mittagessen handele und erklärt weiter:..Das Landesarbeitsgencht hat auch di« Bedeutung der eigenen Hausstands- führung Im Sinne der tariflichen Bestimmungen verkannt. Ein eigener Hausstand im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches Ist nach der allgemeinen Lebeusaufsassung dann gegeben, wenn eine eigene Wohnung zum Mittelpunkt der Beziehungen des Lebens des Wohnungsivhabers gemacht wird." Dr. Cunitla Strierner. Montag 16. März 1931 Nr. 126 48. Jahrgang Zigarre am laufenden Band In langen Reihen stehen die Zigarrenmaschinen in den Fabriksälen Die Moschine beginnt sich jetzt einer Fabrikation anzunehmen, die bisher gewissermaßen als das Privileg der Handarbeit galt— der Zigarrenher st ellung. Der unausbleibliche Kamps Mischen Handarbeit und Maschinenarbeit wird hier wohl nicht so erbittert ausgesochtcn werden wie auf anderen Gebieten. Ganz wird man aus die Handgearbeitete Zigarre von Qualität nicht verzichten können und dann fordert auch die Aigarrenmaschine— sie arbeitet in der ersten Phase des Arbeitsganges in eine Rille gelegt: sie wandern unter ein Rad, werden zusammengepreßt und dann von einem Messer für die vorgesehene Zigorrenlänge zugeschnitten. Dann fallen diese inzwischen gerundeten„Füller" auf eine Stahlfinger- Vorrichtung, die dafür sorgt, daß jeder Füller gleichmäßig dick und schwer ist. Do» Umblatt wird nun aus«ine durchlöcherte Metallplatte gelegt, die das Blatt ansaugt. Die darüber besindliche Stanze senkt sich aus das Blatt, saugt es hoch und schneidet hierbei das vor- gesehene Format. Der Sauger legt nun das Blatt auf ein Gummi- band, auf das vorher der gleichmäßig abgewogene Füller gefallen ist und da» Umblatt wickelt sich um den Füller von links noch rechts. Die Zigarre hat jetzt bereits die Zigarrenform, ist ober noch ohne Deckblatt. Das Deckblatt wird ebenso wie vorher das Umblatt auf «ine durchlöchert« Stanz« gelegt, auf der es die vorgeschriebene Größe erhält. Wiederum wird von einem Sauger das Blatt hochgehoben und diesmal von einer Nadel zwischen zwei Rollern um die Zigarre gewickelt. Schließlich wird die Zigarre zur Glättung der Form noch einmal um einen Zylinder gerollt. Sie fällt aus der Maschine, wird von einer Arbeiterin auf ihr Aussehen geprüft und in Formkästen ausgeschichtet. Der F01U«b«k wird in die Maschine transportiert als Halbautomat so viel Hände zur Regulierung ihrer Mechanis- men. daß der handwerklich geschulte Zigarrcnmacher nicht entbehrt werden kann. An einer Maschine der Krenter Zigarrenwcrke in Döbeln, die die amerikanische Zigarrenmaschine zum ersten Male in Deutschland in großem Stile zur Anwendung bringen, arbetten vier msibliche Hilfskräfte. Die kompliziert« Zurichtung des Tabak- material»(Sortieren. Anfeuchten, Entrippen) kann ohnedies nur durch Handarbeit geschehen. Der Arbeitsvorgang bei Patlerfons Zigarrsnrollmafchinen ist in groß«» Zügen beschrieben, etwa folgender: Der geschnitten« und automatisch genau abgewogene Tabak wird Die Zigarre erhält da» Deckblatt Der Glühringmotor Er arbeilet mit Benzin und SchwerSIcn Die Wahl des Motors ist heute die am meisten umstrittene Frage de« ganzen Nutzkraftwogenbetriebes. Dem mit Benzin. Benzol und deren Gemischen angetriebenen Vergasermotor steht als Kon- kurrent der in neuester Zeit erheblich verbesserte Diesel Motor gegenüber, dessen Betriebsstoff das billige Gasöl ist. Zweifellos nimmt für den Großkroftwagen die Bedeutung der Diesclmafchine ständig zu, doch wird es vielfach unangenehm empfunden, daß sie auf das ausländische Gasöl angewiesen ist und daß die Bedienung, Wartung und Instandsetzung den meisten aus Derbrennungsmotoren eingestellten Chauffeuren Schwierigkeiten macht. Krupp in Essen baut jetzt sogenannte Glühringmotorcn. deren Hauptvorteil darin besteht, daß sie beliebig mit L«icht- oder Schwerölen, also mit Benzin, Benzol, Gasöl und sogar mit Stein- kohlen- und Braunkohlenteeröl betrieben werden können. Es handelt sich hier um normale Leichtölvergasermotoren mit einer i» Kon- struktion und Arbeitsweise einfachen Zusatzvorrichtung, die dos Schweröl im Zylinder so umformt, daß es ohne erhöhten Druck genau wie ein Leichtöl entzündet wird und arbeitet. Die Vorrichtung besteht im wesentlichen aus plattenförmigen Einsätzen(Glührmgen). die im Oberteil des Verdichtungsraums bei alle» Zylindern ein- gebaut sind. Die Glühringe besitzen Oesfnungen, die dem Ver- dichtungshub genau angepaßt und so gelegt sind, daß die mchtver- dampften Brennstoffteilchen erst den Glühring überstreichen müsse« und aus ihm vcrdampsen, bevor das Gemisch durch die Oeffnung in den Hubraum gelangt. Der Betriebsbeginn des Glühringmotors erfolgt stets mit Leichtöl: sowie der Glühring noch kurzem Benzinbetriet« soweit vorgewärmt ist, daß der Betrieb mit Schweröl aufgenommen! werden kann, erfolgt selbsttätig die Umschaltung aus Schweröl vermittels eines Wärmereglers(Thermostaten). Durch Zsrstäubungs- Vorrichtungen wird das angesaugt« Schweröl zu kleinsten Tröpfchen vernebelt und strömt durch dos Einlaßventil, mit Luft vermischt, ii» den Zylinder, wo es vom Glühring völlig verdampft wird Nach Ablauf des jetzt folgenden Verbrennungshubs wird durch Zündkerze das Gemisch entzündet, worauf sich Arbeits- und Auspuffhub an- schließen. Wird der Motor durch Stillstand oder längeren Leerlnnk zu kalt, so erfolgt wieder selbsttätig Umschaltung auf Leichtöl. Genfer Autosalon. Geus, im März.(Eigenbericht) Saum daß die Berliner Ausstellung ihr Ende erreicht hatte, ist die internationale Automobilindustrie schon wieder in der Völkerbundsstadt versaimnelt. Daß es da nichts aufregend Neues gibt, siegt auf der Hand. Fast alles hat man schon in Berlin »der anderwärts gesehen. Gerade für Deutschland ist die Schweiz deshalb so wichtig, weil wir hier unseren Absatz ständig vergrößern konnten. Und das sogar in diesem Land, das im Gelde schwimmt, aber nicht weiß, was es damit anfangen soll. Bor allem haben die Zlmerikaner eine mächtige Abfoyeinbuße erlitten. Grund dafür: USA.' erhebt jetzt höhere Zölle aus Schweizer Waren, deshalb grollt man hier den Vankees. Frank- reich. Italien und Deutschland konnten im vorigen Jahre ihren Absatz in Personen, und Lastwagen steigern, etwas auch die Eng- länder, während außer Amerika auch Belgien und Oesterreich nach- gelassen haben. In Adler, Hanomag, Maybach, Horch, Mercedes-Benz, Opel und S t o e w e r ist Deutschland aus- gezeichnet auf dem Genfer Salon oertreten. Man kann dem übrigen Ausland hier durchaus die Stirn bieten. Martinis Produktion, die als einzig« hier Personenwagen bauen(Lizenz Wanderer), ist mini- mal und spiest gar keine Rolle. Anders bei den N u tz f a h r z e u g e n. Hier liefert die Schweizer Industrie mustergültige und erstklassige Arbeit. Man braucht sich tri# die Stände von Saurer. Berns. Brozincevic(FBW) und Ardenz anzusehen. Saurer mst einem neuea Sechsrah-Fahrgestell mit nur einer Hinterachse. Ferner inst einem DiesA-Schnelläufer- e'.nem Vierzylinder, der bei 2400 Touren 55 PS. leistet. Arbenz mst einer ganz neuen Bremse, die sehr wenig Kraft erfordert. Hier haben die Deutschen schon einen schwereren Stand, wenn auch nicht oer- schwiegen werden soll, daß beispielsweise der Merodes-Benz-Dtesel- motor auch in der Schweiz seine Freunde findet. Dann die Motorräder. Sie hatten sa in Berlin leider ganz gefehlt. Die Engländer haben einen starken Rückgang in der Liefe- luno nach der Schweiz auszuweisen. Deutschland dagegen ein« Stei- «erung, r* sieht jetzt zweiter Stelle. allerduiAs w««st rund einem Drittel der engsischen Quote. Was A r d i e, B M W., D K W„ NSU. und Triumph zeigen, kann sich iehen lassen. Ganz neu ist die ö00er Puch, Zweizylinder-Zweitakt-Doppeltolbenmotor. Auch recht preiswert. Von der Schweizer Industrie steht wie immer Motosacoche an der Spitze. Unübertreffliche Präzisionsarbeit, aber nur geringe Produktion. Noch geringer bei Condor und den anderen. Also ist man auch bei Motorrädern stark auf Import angewiesen: das sollten sich auch andere deutsch« Motorradfirmen merken. Fritr Wittekind. Elektrischer Klein-Lötkolben Für den Werkzeugkasten im Haute fehlte nodx immer der einfache, billige und leichte elektrische Lötkolben, denn mit den üblichen Kolben zu arbeiten, ist nicht jedermann» Sadie. Nun ist für diese Zroecke, oho für den Bastler, insbesondere für die Rundfunkbastler ein kleiner und besonders billiger Lötkolben geschaffen morden, der nur 115 Gramm miegt, aber recht leistungsfähig ist. Entsprechend seinen besonderen Zroedcen ist bei seiner Konstruktion alle» oermieden, mos ihn teuer machen könnte. Er hat daher auch keinen besonderen Griff, sondern mird etma so gahandhabi wie ein beeonders großer Füllfederhalter. Wegen dieser seiner Einfachheit hat der Spitzkolben auch den anspruchslosen Namen„Löt- patrone'" erhalten. Mittels Stecker, Leiiungssdmur und Sicherheit sf astung ist der kleine Apparat, der nur soviel Strom me drei Glühlampen braucht, mit der Bansleitung, verbunden, Neuer Spredimaschinenmotor Das Aufziehen des Federwerks der Sprechmaschine wird heute von jedem als lästig empfunden, und fast jeder Schollplattenfreurid hat die Absicht, seinen Apparat mit einem elektrischen An« trieb auszurüsten. Di« Sprechmaschinenmotoren sind in den letzten Jahren so billig geworden: für 50 M.. ja sogar für«inen noch ge- ringe ren Betrag erhält nion bereit» einen recht guten Motor. Teuer mird die Umänderung mir durch die notwendige Einbauarbeit, oft ist sie ober auch gar nickst möglich, da der Raum nicht ausreicht. wie z. B- bei KofferspreckMoschinen. Einen Ausweg bietet hier der Motor im Plattenteller.' Es handest sich um einen sehr flachen Elektromotor, der zwar nicht unmittelbar im Plattenteller. wohl aber in einem sehr flachen Untersatz zu diesem untergebracht ist. Der Motor mit Plattenteller ist nicht höher, als etwa drei Zentimeter. Dieser neue Motor ist außerdem so konstruiert, daß ein Einbau überhaupt nicht vorgenommen zu werden braucht, man stellt den Motor nur aus die Sprechmaschine, von der man den Teller abnahm. Jeder Apparat mit Federwerk kann hierdurch also im Handumdrehen in«inen solchen mit elektrischem Aistrieb umgewandelt werden, und jedes Kofsergrannnophon kann man zn Haus« von der Lichtleitung aus lausen lassen. Der Motor ist ein sehr moderner Kalle ktotmotor, der mit ein« gebautem Regulator und Hochsrequenzstörschutz versehen ist, der die Entstehung von Rundsunkstörungen verhindert. Damit der«iek- irische Tonabnehmer, der bei dieser Konstruktion dem eigeittlicheit Elektromotor natürlich näher kommt, als bei der üblichen, durch die Kraftlinien des Motors nicht beeinflußt wird, befindet sich in dem Leichtmetallplattenteller eine Einlage aus hochwertigem Dynamo- blech, die die Kraftlinien sauber abschirmt, so daß irgendein Brumm- ton beim Betrieb des Motors aus dem Weckstelstromnetz nicht zu hören ist. Kampf dem Lärm Bereits vor dreißig Iahren wurde in Deutschland die B e- kämpsung des Lärmes als eine Kulwrmoßnahme planmäßig ausgebaut, ging aber im„Lärm" des Krieges unter und gewann erst neuerdings wieder Gestalt und werbende Kraft. Nun hat der Verein deutscher Ingenieure eine wissenschastliche Arbeitsgemeinschaft unter dem Nomen„Fachausschyß für Lärmmjnderung" unter dem Vorsitz von Präsident Prof. Dr. Wogner, Direktor des Heinrich-Hertz-Instituts für Schwingungsforschung an der Technischen Hochschul« zu Berlin, gebildet und in mehreren Sitzungen«inen Plan ausgestellt. Das weit« Arbeitsgebiet wird betreut von den Arbeitsausschüssen für Physik, Medizin. Bautechnik, Maschinen- technit. Rechtslage und Verwaltung, Erziehung und Aufklärung und schließlich Finanzierung. Durch diesen Zusammenschluß soll eine Grundlage für die gemeinsame Bearbeitung des Lärmproblems durch Behörden und Vertreter aller an der Lärmbekämpfung interessierten Kreise geschaffen werden. Vor allem will der Fachausschuß richtung- weisend vorgehen, damit die Technik den Weg der Selbsthilf« be- schreiten kann, um Eingriffen der Behörden vorzubeugen. Der Fach-» ausschuß wird auch auf der diesjährigen Bauausstellung mit Vor-. führungen und zusammenfassenden Darstellungen vertreten sein. Romar-Flugboot für Frankreich Das kürzlich von den Rohrboch-Werken in Berlin nach d«m Seeflughafen Travemünde transportierte Großflugboot »Ro h r dach. Rom ar" ist dort aufmontiert und zu Wasser ge- bracht warben. Di« ersten Probeflüge unter Führung de» Flug« kapitäns Steindorff zeigten sowohl in bezug auf Geschwindigkeit als auch Tragfähigkeit wesentliche Verhesierungen gegenüber den Eigen- schasten der im Besitz der Deutschen Luft-Hansa befindlichen Romor- Flugboote. Das Eroßflugboot wird im Anschluß an die Abnahme- slüge von Travemünde aus nach seinem französischen Lestimmungs- haswl. voraussichtlich St. Ropbaei«sa Mittelmeer, fliege» Arbeitersport am Sonntag „Hellas" hat viele Freunde und zeigt guten Sport ' Das schöne Tonntagswctter hatte dein Schwimm fest des A r b« i t e r- T ch w i m m v e r e i n s„Kellas" in der Badeanstalt 0 in der Gerichtstrahe keinen Abbruch getan:„Parkett" und Tribünen waren dicht an dicht besetzt von beifallsfreudigen Zuschauern, die zu den erklärten Freunden des Arbeiterwassersports gehören. Unzweifel- I>aft hat sich der junge Verein„Hellas" durch emsige Arbeit und her- varragende Leistungen die Anerkennung nicht nur bei den Arbeiter- fportlern, sondern auch bei seinen zuschauenden Freunden erworben. Im Programm wurde dem Nachwuchs des Vereins Gelegenheit gegeben, zu zeigen, daß die Funktionäre des Vereins qan?« Arbeit an der ihnen anvertrauten Jugend zu leisten verstehen. In den Well- kämpfen standen sich meist die Mannschaften der freien Schwimmer Groß-Berlin und di« des festgebcndcn Vereins gegenüber. Die Eröffnungsstasette der Jugend über lOXäll Meter brachte einen Ileberraschungssieg der Mannschaft des Schwimmvcreins Freiheit. Nur mit 2 Meter Dariprung kann Hellas in der 10X100 Meter' jk r a u l st a f e t t e Graß-Berlin den sehr oft fraglichen Sieg entreißen. Auch in der G r o ß e n L a g« n st o s e t t e f!X100 Meter muß Graß-Berlin, durch Trsatz bedeutend geschwächt, die Ueberlegenheit Hellas anerkennen. Die weibliche Jugend- Logen st nfcttc 3X50 Meter schwimmt Groß- Verlin in guter Zeit und glänzender Manier von Anfang bis Ende zum Sieg. Zu einem spannenden Kamps gestaltet« sich die 10X100 Meter B r u st st o f s e l für Männer. Abwechselnd führen Hellas und Graß-Berlin, wogegen Eharlottenburg erst bei den letzten Schwimmern Terrain gewinnen kann. Hellas ist auch hier der verdiente Sieger. Ein Kür- springen zeigte, daß man auch in Hellas dem Kunstspringen Bc- achtung schenkt. Im Wasserballspiel hatte der Bundesmeister Eharlottenburg wenig Mühe, gegen Hellas l mit 13: 2 Toren Sieger zu bleiben. Beim Jugendspicl Freiheit gegen Hellas kannte Freiheit mit 0: 2 Toren den Sieg für sich buchen. Er�ffiilmasswfrtte lOxriO Meier für güßfitb: I. Zrf iijrit 5:38,4 Min.: — ixllü- b-.inz Min.— Erstlchwimmrn, 50 Mctrr, Mädchcn: 1. Nokahn I:(iO Min.: b) Knaben: 1. Seift 1:01 Min.— Ennunlrrunasschwimmcn, 25 MiUer,•) Miidchfn.MÜckcnrrauI: 1. Sfeubtrt 24,4€rl.: h) Jhtobcn-StuflfrauT; I. Slini« 15,5 Eck.— Wcibl. guarifb-Laarnstaff Nf 3X50 Mftrr: 1.(Srog-Bfrlin 1 2:1L2I Min.: 2. SeIlo-> 2:17/1 Min.— Miinnl. Iuarnb.Vruiisiblnimmfn- 100 Mricr. H 14—1« galirf: 1. Kubnfct 1I38L Min.: d) 15—18 Zobrc: 1.«iff. /orlawskr 1:34,4 Min.— Kranlslaffllf. 10x100 MfNr für Männer: 1. Hellas 11:21 Z Min.: 2.(Srofi.Sf rlirt 12:25.2 Min.— Wfibl. BrustltoffNf. 10X30 Mftcr: 1.(Btoft-Serlin 8 5:7 Min.: 2, Scclin 12 9:10 Min.— Männer-Kroulsiaietie. 4X30 Mfler, Klage C; 1.(bron-ScxIitt II 2:1« Min.: 2.(Sroft-Scrliit I 2:10,3 Min.— Lagensiakfinc. 8X100 Meter: J. Hellas 10:33.2 Min.: 2.®roö- Serlin 10:49,7 Min.— Kinde rkchwiinmen intern, 50 Meier, a) Mäbchen. Brüll: 1. Neubert 53 Sei.; b) Knaben, Stuft: I. Saureb 50 Sek.: r) Knaben. Kraul: 1. Zinüner 37,4 Sa.— Srultstaiette, 10X100 Meter siir Männer: 1. Hellas 13 Min.: 2. Grok. Berlin 15:1,9 Min.— Wasserbolllpiel: 3u(ttnb: grribrit araen Hellas«: 2 Tore. Männer: Cbotwttenburn«eiren Hellas 1 13: 2 Tore. Die �Vasserdallserie Möwe— �Jlnion S: 6 Der Steg von Möwe über eine allerdings crsatzgeschwächts Sieben von Union bedeutet immerhin eine kleine Ueberraschung. Union warf im flachen Wasser mu der Ball ging an die Möwe- Verteidigung verloren. Einige beiderseitige Torbesuche verliefen infolge, ausmerksamer Verteidigerarbeit ergebnislos. Union gelang ts dann trog klarer schostnunerischcr Unterlegcnheit, mit Glück, einen Fcblcr des Möwetorwarts nützend, das 1. Tor zu erzielen. DnPch taktisch unkluge Abwehr eines Weitschusses mußte sich der Tor- freher von Union kurz darauf ebenfalls geschlagen bekennen.' Der schon bekannte Fehler der Möwemannschaft, den Gegenspieler nicht genügend abzudecken, kostete ihnen zwei weitere Tore bis zur Pause. Dogegen glänzte Möwe mit einem teilweise sehr gutem Zuspiel, in| dem sich besonders rechter Verteidiger, Verbinder und Mittelstürmer euszcichncten. Eine saubere Arbeit zwischen erst- und letztgenannten brachte Möwe zur Pause aus 2: 3 heran. In der 2. Halbzeit setzte sich Möwes Schnelligkeit ontscheidend durch, bei allen sechs erzielten Toren- der zweiten Spielhälftc waren es schnelle Durchbrüche von Verteidigung und Verbindungsmann, di« den Erfolg sicherstellten. Union oerstand es dagegen, durch taktisch kluges Spiel drei zählbar« Erfolge zu erzielen. Möwe hat in diesem Spiel eine klein« Ver- besserung erkennen lassen, die aber erst dann recht zur Geltung kommen wird, wenn der Hliuptsehler der Mannschaft, die wichtige Deckungsarbeit zu vernachlässigen, ausgemerzt ist. Feste und Feiern Märzgedentcen der FTGB./„Moabit" 9 Jahre alt Zu einer überaus eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich die gestrige Mürzseier der Freien Turncrjchast Groß- Berlin. Di« FTGB. hat es immer ausgezeichnet verstanden, ihrer Sache eine eigene Not« zu geben und so überraschte sie mich diesmal wieder mit einer sehr eindrucksvollen, neuzeitlicher Festkultur entsprechenden Bühnenousstattung.„Das heilige Feuer", symbolisch auf der Bühne in einer Schale brennend, von Martha John eindruckevoll rezitiert, kennzetchniete gleich zu Beginn den Charakter der Veranstaltung. Ernste Gesänge, abwechselnd mit Rezitationen, bildeten den übrigen Rohmen. Zleußcrst wirksam die Zeitbilder, bei denen die„herrlichen Zeiten" in ausgezeichneten Gruppenbildern in Erinnerung gerufen wurden.'Als der Vorsitzende Kasel zu einer kurzen Rede dos Wort ergriff, wies er darauf hin, daß trotz aller Stürm« die FTGB. seit 1910 einen unaufhaltsamen Aufstieg zu verzeichnen Hot. Die große Berliner Arbeitersportvereinigung lehnt jede Vereins- meieret ab, alle vereinigt der Gedanke und das Ziel der gewalttgcn 'Arbeitcr-Sportinternationale. In dem Appell.Durch Kampf zum Sozialismus" klang die Rede Kofels aus. Das Ebert-Manz-Quartett leitete mit fröhlichen Weisen zum zweiten Teil des Abends über. Vorführungen der Bereinsrieg« wurden mit starkem Bei toll ausgenommen. Di« Begeisterung der Massen, die den großen Saal des Lehrervereinshouses bis auf den leisten Platz füllten, fand ihren Höhepunkt, als die„Susi", die Sozialistische Arbeiter- Sportinternati anale, intoniert wurde und der Komponist Prosesior Rosebery d'Argulo den Taktstock führte. Den Text dichtete Fritz Wildung. Der seit neun Iahren bestehende A r b e i t« r s p o r t v« r e i n Moabit veranstaltete am Sonntag im„Ticrgarten-Hos"«ine Gründungsfeier, die einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Als die reichhaltige Vortragsfolge begann, war der groß« Saal schon von Freunden der Arbcitersporiler überfüllt. Ileberall sah man frische und frohe Gesichter, man fühlt« sich wohl im Kreise dieser großen, durch Weltansch»niun� und sportlichen Kameradschaftsgeist zusammengehaltenen Familie. Das Programm wurde mit Darbte- hingen des Jungen Chors, Barren- und Pserdturnen der Kreisriege, Freiübungen und Reigen der Mädchen bestritten. Man sah ganz hervorragende Leistungen, die dem Sportverein Moabit das beste Zeugnis ausstellten. Auch dos Berliner lllktrio erntete mit seinen politischen Satiren reichen Beifall. Im Anschluß an di« Vortrags- folge fand ein großer Festball statt. Die Serie im Geräteturnen In den letzten S.e.r i e yg.e r ät.e.w e tt k ä m p fest zeigte die Frei« Turnerschaft Groß-Berlin-Lichtenderg wieder Ihre"starke Ueber- legenheib. Mit �63: 423 Punkten kannte sie die Mannschaft des Bezirks Spandau der Freien Turnerschaft Groß-Berlin schlagen. Damit hat sich Lichtenberg mm endgültig einen Platz im Endkampf gegen den Sportverein Moabit gesichert. Wer aus diesem Tressen die Punkte für sich buchen wird, kann noch nicht vorausgesagt werden. Der Endkampf ist ans den 10. April festgesetzt.— FTGB- Osten muhte sich im Wettstreit mit der Freien Sportvereinigung Nowowes«ine Niederlag« gefallen lassen. Mit 314:491 Punkten konnte Nowawes den Sieg für sich buchen. Am Freitag, 20. März, Betrieh beim Sechs~Tage~Reimen Sdidn-Pijnenburg meistern alles Auch dieses Sechstagerennen wird für die Veranstalter ein nicht mageres Geschäftchen worden, obwohl die„berühmte" Sonnabend- nacht nicht, wie sonst gewohnt, ausverkauft war. Für die Leirung ein klarer Wink, sich auf den Boden oerfninstiger Preispolitik zu bewegen! Daß dann über schlechten Besuch nicht geklagt werden braucht, bewies der Sonntagnackynitrag, der ermäßigte Eintrittspreise vorsah und das große Haus füllte. Die Ereignisse? Nun, im Anschluß an die 10-Uhr-Wertung am Sonnabend ging, wie bereits am Sonnlag erwähnt, eine unerhört wuchtige Jagerei los, in deren Verlauf die bisherigen Spitzen- reiter Goebel-Dinale sich das Hinzugesellen Schön- Pis» n e n b u rg gefallen lassen mußten. Da in der Zielgeraden viele Jahrer durch Reifenschaden zu Fall kamen, gab es zum Absuchen der Bahn eine kurz« Neutralisation, während der auf der Fahrsläche emige Nägcs gesunden wurden. Doch dann ging die Hätz weiter. Ilm s412 Uhr stellte Rausch angeblich wegen einer Knie- Verletzung di« Weiterfahrt ein. Sein Partner Hürtgen blieb Ersatzmann. Trotz einer horten Jagerei wußten Goebel-Dinale und«chön-Pijnenburg stets die sichrcnde Pofirion zu halten: dann und wann rückte ein Paar für kurze Zeit zu ihnen auf, um bald wieder zurückzufallen. Die Spurts der 2-Uhr-Wertung sahen Pisnenburg, Goebel, wieder Pijnenburg und Goebel. Buggenhoift und van Kempen in Front. Durchgreifenderes sollte sich für den Rest der Nacht nicht ereignen. Einig« Prämien sorgten für etwas Belebung. Buggenhout, Faifdet, Schön, Nieger und van Kempen behaupteten sich in der 4- U h r- W e r t n n g. Kämpfe am Sonnfagnachmiffag Das Haus konnte glänzenden Besuch ausweisen und die Akteure »uaren recht in Stimmung, fingen an zu jagen, stießen immer wieber vor, ohne allerdings den Spitzenreitern etwas anhaben zu können. Ja, Schön-PisnenSuig und Goebel-Dinale waren stets mit von der Parti«, auch van Kempen-Ehmer gingen neben Tietz- Thollembeet mehr aus sich heraus. Die Spurts der beiden Nach- mittagswertungen fielen an: Boucheron, Funda, Lehmann, Schön, Fandet, van Kempen, van Kempen. Pijnenburg, van Kempen, Pisnenburg, van Kempen und Goebel. Mit dem Stand sah es so ous: Spitze: D-nale-Goebel: 2. Schon-Pijnenburg: 2 Runden zurück: 3. Rieger-Maczynski: 4 R u v d e n zurück: 4. Thollefnbeet-Tietz: 3. Preuß-Resiger. 3 Runden zurück: 6. van Kempen-Ehmer; 7. Krüger-Funda; 8. Manthey-Nicket; 0. Kroll-Mieche; Z Rtiuoc» zurück: 10. Faudet-Marcillac; 10 Runden zurück: 11. van Hevel-van Buggenhout; 11 Rundenzurück: 12. Dorn-Lehmann; 1 7 R u n- den zurück: 13. Boucheron-Wolke. Nach Rausch oersch wanden Sonntagabend Boucheron und später der ermattet« R e s l g e r von der Bahn. Nach einigem Hin und Her, bei dem die geschästliche Seite ein« komische Rolle gespielt haben soll, gab man Hürtgen und Wolke zusammen. Blieb das Feld bis zur 10-Uhr-Wertung ruhig, so ging es noch Beendigung der Wertung, die in den sechs Spurts Pijnenburg, Dinale, wieder Pijnenburg, Preuß, Schön und van Buggenhout als Erste sah, mit einem neuen Tanz los. Schön-Pijnenburg stellten mit großer Stärke ihr Können wieder einmal unter Beweis. Das war ein Toben und Schreien auf der Bahn und immer wieder waren es die Lachsfarbenen, die nicht Ruhe geben woll:«n, die nicht daran dachten, nachzulassen und alles niederkanterten, was sich ihnen ent- gezcnstellf«. Umsonst das ehrenvoll« Bemühen Goebel-Dinales nichts einzubüßen. Aufopfernd di« zeitweilige Doppelorbeit Dinalez, der bei jeder Ablösung seinen crwas müden Partner stark nach vorn mitriß. Dach dann hatte es di« dcutfch-holländische Verbindung gegen das gesamt« Feld geschafft. Die von allen Seiten favorisierte Mannschaft van Kempen- E h m e r lag noch diesen Kämpfen elf Runden zurück! Völlig abgekämpft zog das Feld bis zur 7-Uhr-Wertung seine Kreise. Die Spurts holten sich Krüger, van Kempen, van Buggenhout, Schön, von Kempen und Buggenhout. Von der 4- U h r- W« r t u n g gab es noch einige Borstöh«, die keine sonderliche Veränderungen er- gaben. Faudet-Moreillac und Manthey-Nickel machten eine ihrer Berlustrunden gut. Die Punktsieger: Dinale, Faudel, van Kempen, Dinale, Dorn und van Kempen. Stand des Rennens nach 56 Stunden(1423 Kilometer): 1. Schön-Pijnenburg 127 P.; zwei Runden zurück: 2. Dinale- Goebel 134; drei Runden zurück: 3. Rieger-Maczynski 31: sechs Runden zurück: 4. Krüder-Funda 53, 3. Thollembeek- Tietz 49: sieben Runden zurück: 6. Kroll-Miethe 44. 7. Manthey-Nickel 43: elf Runden zurück: 8. P. van Kempen- Ehmer 98: 9. Faudet-Mareillac 33:vierzehnRundenzurück: 10. Hürtgen-B. Wölk« 32; sechzehn Runden zurück: 11. van Heoel-Bncigenhout30: siebzebnRunden zurück: 12. Lehmann- Dorn 50 P. Preuß Ersatzmann. Dorn-Lehmann. die um siebzehn Runden pirückliegen, werden bei Beginn der Neutralisation, 6 klhr, aus dem Rennen genommen. Z0 Uhr. werden in der Männer-V-Klass« d!« Manitschaf!«« btr MSD.» Osten 2 gegen Arbeitersportverein Schöneberg in Berlin, Straß- mannstraßc 6. und die Mannschaften des Arbeitersportvereins Moabit gegen Frei« Sportvereinigung Nowawes, Friedrich-Kirch-Platz. aui« einandertresfen.__ Blinde turnen Ihr erstes Sportfest gelang gut Wie weit das Berständnis von der Notwendigkeit der Pflege der Leibesübungen in weiten Volkskreisen Wurzeln gefaßt Hot, be° wies auch das am Sonnlagvormittag in der Elisabeth-Turnholle abgel�iltene Schauturnen des Blindensportvereins von 1928. Hoch erfreulich ist die Feststellung, daß der Sport auch von den erblindeten Volksgenossen als ein Mittel freudiger, gesunder und angenehmer Körpcrbetätigung empfunden wird, lieber den Sport urteilt ein Blinder auf dem Festprogramm wie folgt: „Die meisten Sehenden werden sich keine rechte Borstellung von unserer sportlichen Betötignng machen können. Freilich sind ihr eng« Grenzen gezogen, trotzdem bleibt auch für uns noch genügend Bewegungsmöglichteit übrig. Der größte Teil der Blindenberuse erfordert sitzende Beschäftigung. Da ist es für uns eine Wohltot, unseren Körper durch die Gymnastik recken und strecken zu können. Das Geräteturnen und die Leichtathletik fördern uns in der Sicher- hell und Gewandheit im Beruf und auf der Straße. Ein« besonder« Freude ist für uns das Schwimmen, da es eine Erfrischung des Körpers und eine gründliche Ansarbeittmg der Lungen bedeutet. Durch sportliche Betätigung haben wir nicht nur körperliche Stärkung, sondern auch geistig« wie scelich« Anregung. Wir ver- gesscn unser Schicksal auf Stunden, und verlassen mit gestärktem Lebensmut unsere Xumabcndc. Der Sommer bringt uns Erholung durch Wanderungen, die wir trotz unserer Blindheit durchführen." Die Veranstaltung begann mit dem flotten Einmarsch der Sportlerinnen und Sportler nach dem Lied«„Wann wir schreiten". Daraus begrüßt der Vorsitzende Rosenboum die dicht gedrängt sitzenden Zuschauer. Das dreifache„Frei Heil!" wird von den Arbeiterspor'tlern besonders brüderlich empfunden weiden. Stadt- inedizinolrat von Drigalski, Studiendirektor Niep«! und Direktor Picht als Vertreter der Stadt, des Rcichsverbandes der Blinden so- wie der Blindenanstalt wünschen der Vevanstaltung in warmen Worten guten Erfolg. Mit verblüffender Sicherheit, die von rcgel- mäßiger Hebung zeugte, führten nun Sportlerinen und Sportler abwechselnd Ausschnitt« aus ihren Uebungsbetrieb vor. Die Frauen zeigten zunächst gutausgeführte Gymnastik. Dann sah man von den Männern Wurf- und Stoßübungen mit Medizinbällen. Fast konnte man annehmen, es sind Sehende, so sicher bewegten sich die Teil- nehmer in der Turnhalle. Barren- und Pferdturnen der Männer sowie Uebungen der Sportlerinnen an den Schwebekanten folgten. Einige heiter« Wettkampsspiele sorgten für Abwechslung. Baden- Übungen der Sportler, Hechtrollen über Partner und geschickt aus- geführte lebende Tanks zeugten ferner von regelmäßigem Training. Die Sporllerinnen ließen sodann mit Singspielen di« gutgelungene Veranstaltung ausklingen. Reicher Beifall belohnte stets die Teil- nehmer für ihre anerkennenswerten Leistungen. Als Zeichen guter Kameradschaft und Solidarität fiel die gegen- seitige Hilfe bei der Wiederfindung der Riegcnplätze nach der Hebung angenehm auf. Wenn die Gymnastik anstatt nach Klopfzeichen noch Musik wie bei den Zlrbeitersporttern gemacht würde, dürste sich die Hebungsfreude sicher noch steigern. Auch ein„Dirt Track"-Rcnnen Querfeldeinrennen der Motorradfahrer Dos 4. Querfeldeinrennen der Vereinigung Deutscher Motorrennfahrer wurde zu einer ebenso inter- cssantcn wie schwierigen Prüfung. Die zweimal zu durchfahrende 1,3 Kilometer lange Berg- und Flachstrecke im Forst bei Schild- Horn war durch Schnee und Sonne fast grundlos geworden, teilweise war der Schlamm 30 Zentimeter tief. Manche Maschine fraß sich fest und diejenigen Fahrer, die über Dirttrack-Praxis ver- fügen, waren im Vorteil. Die Leistungen waren sehr unterschiedlich, standen jedoch auf anerkennenswerter Höhe. Zahlreiche Sturze verliefen harmlos. Geradezu fabelhaft ftfhr der Berliner Helmuth Ryll, der auf 500 ecm Simbeftm ein Stnndenmittel von 37 Kilometer herausholte und damit allen seinen Gegnern bei weitem den Rang ablief. Er gewann auch das Rennen der 330-eem-Klasse aus AIS. Don 26 Konkurrenten erreichten mir 11 das Ziel. Einzelergebnisse: Bis 17 5 ccm: 1. Bach(Wolther) 13:04,2(zwei gestartet, einer am Ziel): bis 250 cem: 1. Mu- schalla(Ariel) 7:01; 2. Kiescwelter(Puch) 7:17,3: 3. Günther (Schtiha) 8:47: acht gestartet vier am Ziel. Bis 350 ccm: 1. Ryll (AIS.) 3:27,4: 2. Hcnsch(Zündapp) 5:30,4; 3. Tuch/nhagcn(Züib dapp) 3:56: acht gestartet, fünf am Ziel. Bis 3 00 cem; 1. Ryll (Sunbeam) 4 32, 2; sechs gestartet, einer am Ziel. Kanusport in der Hasenheide Der Märkische Kreis des Deutschen Kanuoerbandes zeichnet wieder verantwortlich für eine Kanusportaus» st e l l u n g, die am Sonnabend in der N« u e n Welt in der Hasenheid« eröffnet wurde und bis zum 19 März bestehen l leibt. Es ist ein« reine Firmenausslellung: was die diversen Faltboot- und Kamiweriten aber ausgestellt haben, erschöpft völlig den Aufgaben» kreis dieses Wirtschaftszweiges. Fahrzeuge in ollen Arten-und Ausstattungen, vom billigsten bis zum teuersten, Kleinmotorb'otc mit leichten, billigen Maschinen, Zelte, Außen- und Seitenbordmowrcn und Zubehör vom Korkenzieher für alkoholfreien Fruchtsaft bis zum Klappbett und noch weitergehendem Paddessportkomfort. V am Konuverband selbst sieht man in einem verstohlenen Winkel einige Photographien. Modelle und Statistiken. Deutsche kuHdallelf versagt in Paris Dem ersten Zusammentreffen der beiden Nationalmannschaften von Deutschland und Frankreich am Sonntag im Pariser Stade Colombes wurde von deutscher Seite ein riesiges Interesse entgegengebracht, doch wurden die deutschen Sportbegeisterten, die eigens nach Paris gefahren waren, stark enttäuscht, da Frankreich nüt 1: 0 den Sieg davontragen konnte. Dieser einzige Erfolg während des ganzen Kampfes war noch dazu ein Eigentor des'S rechten Läufers Münzenberg nach viertelstündiger Spieldauer. Mit 50 000 Zuschauern war das Stade Eolombes ausverkauft. , 5Milät««rfultur. Set fite Montan voraekfiene MufSootttan fallt au». Kabr-Ätiffrl. Da» bfLanntr �p«ztafk»au3 kür Äport', Zaab-. Auu>-, Stfit-. «»rursin-fef bfr giraia HclfNf Bäfir. A-rfin. cpittefinorft 7. bat feine Preise der bernimn«eidrooHten«auffrakt eaiiorechend bebeutenb eanäSiflt. 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