BERLIN SIenstag 17. Mrz 1931 10 Pf. Nr. 128 B 64 48. Jahrgang Erscheint täglich»«lterSonntgg«. Aiigleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. proWoche,»,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW88, kindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297 Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile SM. Crmüßigun en nach Tarif. Poffscheekkonto: Vorwärrs-VerlagG.m.b.H� Berlin Nr. S? 6ZS.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Die Vorbereitung des Mordes Geständnis des Dritten: Von„sinnloser Wut" keine Spur! Hamburg. 17. Närz. Sie kriunualpalizeillche Vernehmung de» dritten an der Er- n'oedung de» kommunistischen Vürgerschoftsmilgliedes Henning beledigten Tälers, HSckmeyer, hat folgendes Ergebnis gehabt: HSckmeyer gibt au, von Zausen kurz hinler Ochsenwärder den Auf- trag erhalten zu haben, den Chauffeur zum halten zu bringen. Dos habe er mit vorgehaltener Pistole getan. Er hat gehört, dah Z a n f e n oder Dämmet die Kommunisten gefragt hat, ob einer vou ihnen Andre wäre, und daß Henning sich darauf mit seinem richtigen Damen genannt habe, höckmeyer gibt weiter au. dah er die Absicht gehabt habe, die Akten- lasche Hennings an sich zu bringen in der Annahme, dnsj in ihr wichtige» politisches Material enthalten fei. Er behauptet, nicht im wagen geschossen, sondern von draußen in den wagen HIneiugeschofsen zu haben. höckmeyer hat sich nach der Tat von seinen Mittätern getrennt und ist zu Fuß nach Hamburg gegangen, wo er sich bis gestern mittag verborgen hielt. Nachdem die polizeilichen Vernehmungen jetzt ab- geschlossen sind, sind die Täter dem Gericht zugeführt worden. Zu der gestrigen Mitteilung der hiesigen Gauleitung der Dativualsozialistischen Deutschen Arbelterpartci, datz sie die Damen der drei Täter der Polizeibehörde am Sonntagnach- mittag ausgegeben habe, stellt die Polizeibehörde sest, datz diese Mit- tcilung ihr nicht» Neues bedeutele, da ihr bereits mehrer« Stunden vor dem Anruf der Gauleitung der NSDAP, die Namen der Töter bekannt gewesen sind und alle Schritte zur Fcsinllhmc eingeleitet waren. Die Verantwortlichen. Goebbels reizt zum Morde auf... Die Mordtat semer Hamburger Parteigenossen hat Goebbels im„Angriff" als Eifersuchtsakt hinstellen lassen. Im übrigen aber rückt die hakenkreuzpresse in der Oefsentlichkeit von den Mördern ab, während der„Führer" selbst den Verteidiger bestellt und die Kosten für diesen übernimmt. Das Ableugnen der wirklichen Verantwortlich- kcit nutzt jedoch herzlich wenig. Es sei hier wieder einmal erinnert an die Tatsache, daß in den Hakenkreuzversammlungen nicht nur die Fememörder als Helden gefeiert werden, sondern daß der Dr. Goebbels erst vor ganz kurzer Zell so unverblümt wie nur möglich Terrorakte einzelner geradezu ange- kündigt und im voraus entschuldigt Hot. Wie erinnerlich, fand am 18. Januar dieses Jahres im Berliner Kriegeroereinshaus eine Hakenkreuzlerversammlung zuEhrendesFememörders Fahlbufch statt, in der der unvermeidliche Goebbels eine seiner Brandreden hielt. Dabei leistete er sich folgende Wendungen: Vielen geht der Umstellungsprozeß zu langsam: Sie mäch- ten ein Husaren st ück von uns. Wir yxrden uns aber nicht zu Unüberlegtheiten hinreißen lassen. Was wir tun können, wird getan, um die Massen zurückzuhalten, aber über seine Kraft kann niemand. Die Spannung und Empörung in unseren Reihen ist bis zur Siedehitze gestiegen. Die Zeit ist vorbei, wo man in Deutschland ungestraft über uns lügen könnte, heute siihlen sich davon Millionen Menschen betroffen. Vielleicht befindet sich darunter einmal einer, der seine persönliche Ehre identifiziert mit der Ehre der Partei und sie in der Weise, wie es ihm seine Ehre gebietet„wiederherstellt". Ich fordere nicht dazu auf, aber was der einzelne tut, können wir nicht kontrollieren. In der Abendausgabe des„Vorwärts", Nr. 28, vom 17. Januar, haben wir dieser Schamlosigkeit die Sätze angefügt: Herr Goebbels ist trotz allem intelligent genug, um zu wissen, daß die von ihm gebrauchte Wendung„Ich fordere nicht dazu auf, aber was der einzelne tut, können wir nicht kon- trollieren" ein« offene Aufforderung zur blutigen Gewall ist. Die Opfer, die daraufhin fallen, wird Goebbels auf sei« Sonto nehme«! Jetzt sind wieder Opfer gefallen. Herr Goebbels und seinesgleichen möchten sich von der Verantwortung drücken. Aber es soll Ihnen nicht gelingen: die Blutschuld von Hamburg bleibt an ihnen haften! » Di«.Deutsch« Zeitung", die dem Ehren-Moritz und ähnüchen Großfeuer bei Zeiß-Lkon Schwerer Schaden in den Gchönower Goerz-Werken/ Mehrere Verkehie I« den Goerz-Wcrke« in Tchönow, dicht vor de« Toren Berlins, brach heute mittag Feuer aus, das sich in kurzer Zeit zu einem Großfeuer cutwickelte. Samt- lichc Löschzüge der Berliner westlichen Bezirke eilten auf die 5. Alarmstufe an die Brandstätte. Die Goerzwerke, die dem bekannten Zeiß-Jkon- Konzern gehören, liegen etwa drei Kilometer östlich von Zehlendorf, unweit des Teltowkanals. In einem großen Gebäude der umfangreichen, sich über 100 Morgen erstreckenden Werke befindet sich das Lager für Zeiß-Spiegeltompen. Kurz nach 12 Uhr entstand in dem Raum aus noch unbekannter Ursache inmitten der Arbeitszeit Feuer. Die Flammen fanden an Verpackungsmaterialien und zum Versand bereitstehenden Kisten reiche Nahrung und griffen mit rasender Schnelligkeit um sich. Die Fabrikfeuerwehr trat sofort in Tätigkeit, bei der schnellen Ausdehnung des Brandes konnte sie aber wenig ausrichten und die Berliner Wehren mußten alarmiert werden. Unter Leitung des Branddirektors Pozdziech eilten sechs Züge zur Hilfeleistung herbei. Inzwischen hatte das Feuer auf zwei angrenzende hallen übergegriffen. Die Belegschaft des gefährdeten Gebäudes, das bald stark verqualmt war, hatte sich rechtzeitig in Sicher- heit bringen können. Lediglich eine Person mußt« durch die Rettungstrupps aus dem 3. Stockwerk ins Freie geholt werden. Mehrere Wehrlcute der Fabrikfeuerwehr erlitten bei den ersten Löschoersuchen leichte Verletzungen. Mit 12 Schlauchleitungen wurde das Feuermcer bekämpft; gegen 13.1S Uhr war der Brandherd eingekreist. Die Film- Fabrikation der Werke war glücklicherweise nicht gefährdet Der Schaden ist sehr hoch. Oer Tod am Bahnübergang. Lastwagenzug zertrümmert, 1 Toter, 2 Schwerverletzte. Diepholz, 17. März. Der Personenzug 71. Münster— Hamburg, fuhr heule morgen gegen H8 Uhr beim Uebergang der Provlnziallandstraßc Bremen— Osnabrück bei Stemshorn(kreis Diepholz) aus einen tastkraftwagenzug aus. der gerade die Gleise kreuzt. Der Schrankenwärter war vorher abgelöst worden und Halle die Schranke nicht geschloffen. Die Lokomotive erfaßte den Zugwagen und schleifte ihn ungefähr 20 Meter mit. Vou de« drei aus dem wagen befindlichen Personen wurde» ein Mann gekölel. zwei andere schwer verletzt. Da» Gleis Osnabrück— Bremen war bis mittags gesperrt. Der Betrieb wird ei«- gleisig aufrecht erhalten. hllfszug Osnabrück befindet sich an der Unfallstelle. Dampfer im Eis explodiert. 20 Mann ertrunken.— Ueberlebende treiben auf Eisschollen. New York, 17. März. lEigenbericht.) I« der Nähe vo« Horse-Jsla«d, nahe der Küste Ne«- fu«dla«ds, ging der amerikanische Walfischfänger „V i k i« g" nach einer heftigen Explosion unter. Bon der llOköpftgen Besatzung wurden nach de« bisher vor» liegenden Meldungen mindestens SV Personen ge- tötet. Zahlreiche Ueberlebende stürzten sich in daS eis» kalte Wasser um sich auf den Eisschollen zu retten. Die Regierung entsandte sofort eine Hilfsexpeditiou mit mehreren Aerzten zur UnglLcksstelle. An Bord des Schiffes befanden sich n. a. eine vierköpfige New-Uorker Filmexpeditiou und mehrere Passagiere. Bei der Explosion' geriet das Schiff in Brand, der an dem auf dem Dampfer befindlichen Robbenfett reichliche Nahrung fand. Bisher hat nur ein Teil der Mannschaft die Horse-Insel erreichen können. Ein anderer Teil befindet sich noch immer auf Eisschollen. Ein HUfsdampfer mit Aerzten und Krankenpflegerinnen an Bord ist unterwegs, dürft« aber kaum vor 24 Stunden dort eintreffen. Der Dampfer„Biking" war von der Paramount Film Company ge- chartert worden, um unter Leitung des Regisseurs Riffell einen Arttik-Film unter dem Titel„Der weiße Donner" zu drehen. Die Ueberlebende», die die Insel More Island erreichten, ver- mochten infolg« Erschöpfung keine zusammenhängende Aus- kunft zu geben. Sie haben beim Schein des brennenden Schiffes 8 bis 10 Meilen von Eisscholle zu Eisscholle springend zurücklegen müssen. Man vermutet, daß dabei noch viele Personen ums Leben gekommen sind. Ob die Schiffskatastrophe auf ein« Pulver» oder Kesselexplosion zurückzuführen ist, ist noch unbekannt. Biedermännern Assistentendienste leistet, zeigt die völlige B e r- rohung des„nationalen" Tons, rn dieser Rote zum Hamburger Mord: Da es sich hier um Angehörige der nationchen Bewegung und nicht etwa um Landesverräter, Sittlichkeilsverbrecher, Raubmörder, Willionenbetrüger oder ähnliche Vorkämpfer für Demokratie, Freiheit und Gleichheit handelt,... so ist das Wutgeschrei der jüdischen Presse natürlich ungeheuer groß. Diesem Erguß einer dreckigen„nationalen" Seele auch mir ein Wort hinzuzufügen, würde die Wirkung abschwächen. Besprechungen im Ministerium. Die Mordhehe ver Radikalen. Die Beratung des Stellvertretenden Reichsjustizministers Joel mit den Referenten dieses Ministeriums am heutigen Vormittag über ten gestrigen Reichstagsbeschluß bezog sich nur aus die rechtlichen Fragen. Der Reichstag hat eine Regierungsvorlage ge- fordert und diese muß nun ausgearbeitet werden. Es ist anzunehmen, daß die Konferenz der Innen- m i n i st e r am Mittwoch sich nicht nur mit der Bekämpfung der antiretigiüsen Agitation, sondern auch mit der M o r d h« tz e be- schäftigen wird. Altona. 17. März.(Eigenbericht.) Der Polizeipräsident von Altono-Wandsbeck hat Ver- sammlungen und Demonstrationen der Nationalsozia- listen und Kommunisten unter freiem Himmel sowie Umzüge bi« auf weiteres verboten. Das Verbot steht in unmittelbarem Ziisarnmenhartg mit den nationalsozialistischen und kornmumstlschen Bluttaten in Hamburg. Hermann Müllers Befinden. KrankbeiiSzustand noch äußerst ernst Der Zustand Hermann Müllers Ist nach wie vor als äußerst ernst zu bezeichnen, wenn auch gegenüber den ersten Nachtstunden eine geringfügige Besserung wahrnehmbar ist. Der kranke ist bei Bewußtsein. Ein Sommuniqus der be- handelnden Aerzle wird vorläufig nichk veröffentlicht werden. Um'A6 Uhr abends treten die Aerzte zu einer neuen Beratung zusammen. Geelennot der Erwerbslosen. Sozialdemokratie fordert Hilfsmaßnahmen. Im Reichstag begann heute mittag der vierte Tag der sozialpolitischen Debatte mit eindringlichen Hinweisen unserer Genossin Klara Bohm-Schuch auf die Not der sugend- lichenErwerbslosen, ihre materielle Not. ihre geistig-seelische Gedrücktheit und Ihre ungeheure Hoffnungslosigkeit. Die Reichsregierung wird dringend aufgefordert, die Maßnahmen, die für diese jugendlichen Erwerbslosen im Einvernehmen mit den gemeindlichen Jugendämtern getroffen worden sind, unter keinen Umständen wegen Mangels an finanziellen Mitteln einzuschenken, sondern im Gegenteil müssen alle zuständigen Stellen trachten, diese Einrichtungen über die Altersklassen van 14 bis 21 Jahren hinaus zu erweitern. Besonders muß auch auf die körperliche K r ä f t i- g u n g der jüngsten Erwerbslosen Bedacht genommen werden, zumal diese jungen Mensche» gleich au» der Schul» i» schwere Goebbels in Attentatsängsten KnaNerbsen als Bombe/ Briefe von �Sascha Rathan" und //Rosa Rosenbaum" Die folgend« Darstellung wird man leicht für«inen Arilscherz halten. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Reklame für den ruhmsüchtigen Neuro st heniker Josef Goebbels. Herr Goebbels, zu dessen Lebeneelement der Blut- und Grausam- kcitsrousch gehört, lebt entsprechend seiner Veranlagung in st ä n d i» g e r A n g st vor Attentaten und Angriffen auf seinen kostbaren Körper, weshalb er in seinen Reden mit kreischender Stimme droht, daß ein Judenpogrom von ungeheuersten Aus- maßen die Folge sein würde, falls ihm, dem großen Goebbels, auch nur ein Haar gekrümmt würde. Dieser pathologisch« Seelenzustand hat sich auch aus die Umgebung und Schutzwach«, die sich Goebbels nach typischer Despotenart hält, übertragen und zu dem folgenden geführt: Unter dem 39. Januar 1931 verlangte Goebbels vom Einwohner. Meldeamt des Polizeipräsidiums Sperrung seiner Anschrift, wegen der„aus seiner politischen Tätigkeit sich ergebenden Umständen". Es sei nicht erträglich, daß jedermann gegen eine Gebühr die Adresse des Herrn Goebbels erfahren könne. Der Polizeipräsident lehnte unter dem 19. Februar dieses Gesuch als unbegründet ab. Darauf erfolgte durch den Privatsekretär des Dr. Goebbels, den Grafen Schimmelmann(unter einem Grafim tut es der künftige Despot des Dritten Reiches nicht), ein erneutes Gesuch um Sperrung der Anschrift Diesmal wurde es damit begründet, daß Goebbels einen Drohbrief erhalten habe und daß sich auch in der Röhe der Privatwohnung des Dr. Goebbels „verdächtige Gruppen umherzudrücken pflegen, von denen wir annehmen zu können glauben, daß sie nichts Gutes im Schilde führen". Der beigefügte Drohbrief war unterzeichnet von einer— gänzlich unbekannten„Terroristischen Arbeitergruppe der Tat"(!!). Das Schreiben des Herrn Schimmelmann fährt. dann fort: Mr machen Sie ausdrücklich auf diese Dinge aufmerksam und stellen Ihnen anheim, soweit das zu Ihren Pflichte» gehört, ent- sprechend« Maßnahmen zu treffen. Wir haben bisher vrn der Organisation eines persönlichen Schutzes für Herrn Dr. Goebbels auf desien ausdrücklichem Wunsch abgesehen, würden aber, sollten die oben geschilderten Zustände sich weiter entwickeln, doch dazu schreiten müssen. Wir teilen Ihnen dieses mit, um bei eventuellen Weiterungen, die sich aus Terrorakten gegen Herrn Dr. Goebbels ergeben könnten, der Polizei gegenüber gedeckt zu sein. Als auf dieses und auf ein weiteres Angstschreiben vom 13. Februar der Polizeipräsident weiter kalt blieb, erhielt er unter dem 18. Februar den nachstehenden schönen Brief: Sehr geehrter Herr Grzesinski, wir kommen mit einer ungewöhnlichen Bitte. Hflr möchten gern für bestimmte Zwecke, die wir leider nicht schreiben können, denn Briefe sind Beweise, die Steglitzer Brioatadrcsse von dem Tlast-Vanditen Goebbels haben, und wenn es geht, auch die Privat. Telephonnummer. Wir hoffen, sehr geehrt w Herr Gr/estnski, daß Sie zwei treue» Republikanerinnen diesen Wunsch nicht unerfüllt lassen, denn es wird unserer Republik von großem Rotzen sein. Leider können wir uns unsere Briefe nicht nach Haus« schicken lasten, da unsere Eltern auch zu den Rast-Horden gehören. Wir möchten Sie daher bitten, die außerordentlschz Liebenswürdigkeit zu besttzen, den Brief unter: Vostlaoernd A. G. 107, Boftamt Sw. 29. zu schicken. Da wir geldlich noch auf unser« Eltern an?«- wiesen sind, müssen wir leider noch in dieser oerv-stetea Razi-Luft atmen. Man versucht, uns zu dieser arbeiteroerräterischen Idioten- Politik zu Überreden, doch sie schaffen es nie, denn wir haben den republikanischen Fahnen die unerschütterliche Treue geschworen. In der Hoffnung, daß wir noch dies« Woche, da die Zeit eilt, Bs- scheid bekommen, verbleiben wir mit vorzüglicher Hochachtung und Frei Heil. Sascha Rathan-Baruch und Rosa Rosenbaum. Selbst dieses Schreiben tonnte den Polizeipräsidenten nicht zu der Ueberzeugung bringen, daß das kostbare Leben des Herrn Goebbels sich m ernsthafter Gefahr befinde, zumal es jede Vor- stellungskraft übertraf, daß ausgerechnet die Ellern der Sascha Nathan und der Rosa Rosenbaum fanatische Nationalsozialisten sein könnten! Als auch dieses Mittel nicht verfing, sah sich Graf Schimmelmann zu folgender weiterer Attacke auf den Polizeipräsi- dentcn veranlaßt: SS. Februar. An die Abteilung IA des Polizeipräsidiums. Eilt sehr! Unter Bezugnahme auf mein? srüheren Schleiden übersende ich in der Anlag« Nr. 1 des zweiten Jahrgangs der Häuserblock- Zeitung„Roter Scheinwerfer", in der mit unoerkennbarer Absicht auf der ersten Seite unten links die Prioatanschrift von Dr. Goebbels bekanntgenmcht wird. Wir machen Si? noch einmal auf die voraussichtlichen Folgen aufmertjam, die die Tatsache zeitigen wird, daß Sie eine Sperrung der Privatanschrist des Dr. Goebbels nicht nur verzögert, sondern auch abgelehnt haben. Für die Folgen tragen Sie die alleinig« Verantwortung. Privatsekretariat Dr. Goebbels. Schimmelmann. Aber der Polizeipräsident blieb weiter hart. Und nun geschah folgendes: Am 13. März teille der nationalsozialistische Agitator Mainzhausen in einer össentlichen Nazikundgebuna in größter Erregung mit, daß„mittags um 1 Uhr auf unserenGoebbels eln'ruchloses Attentat verübt worden sei!" Die überwachen- den Beamten, denen hiervon nicht das mindeste belamll war, rapj?or- tierten sofort dem Polizeipräsidium, wo man von diesem Dorfall auch nichts wußte. Erst 24Stundenilachdemongeblichen Attentat rief ein Rodakteur des„Angriff" im Polizeipräsidium an und teilte mit, daß am vorhergehenden Tage bei Dr. Goebbels eine Postsendung, ausgegeben auf dem Postamt SW. 2 9(vgl. den Brief von Sascha Bornch und Rosa Rosenbaum) ein- getroffen sei. in der sich ein weißliches P u l v er befinde. Es sei anzunehmen, daß das Puloer zu einem Anschlag auf Dr. Goebbels dienen solle. Ein Beamter, der sofort im Büro von Dr. Goebbels erschien, fand außer harmlosen Knalliröschen— nur Rest« eines schwarzen Pulvers. Bon weißem Pulver war nicht die Spur zu sehen. Als der Beamte nun verlangte, die Bombe näher zu sehen, um sie untersuchen zu können, wurde ihm erklärt, daß— alle wesentlichen Bestandteile bereits vonde!:Reinema>hesrauausgetehrt worden feien! So werden Reklanieattentat« um Herrn Goebbels gespielt. während seine Anhänger draußen mit scharf geladenen Waffen Mord auf Mord verüben. Arbeit gekommen sind, ohne aber zum großen Teil einen Anspruch auf Erholungsurlaub gehabt zu haben. Eine Erhebung des Reicheausschusses der Deutschen Iugendverbände hat gezeigt, daß bei über 49 Proz. der davon Erfaßten eine tägliche Arbeits- zeit bis zu 16 Stunden zusammenkam, und das noch ohne Fericnurlaub!(Hört, hört! links.) Die Rednerin bat um Annahme unserer Anträge, die das Notwendige für die jugendlichen Erwerbs- losen sichern wollen und' die der Ausschuß bereits angenommen hat. Oer Kuliuseiat im tandiag. Nach Eröffnung der heutigen Plenarsitzung des Preußischen Landtags verlangte Abg. Schulz- Neukölln(Komm.) sofortige Erledigung eines Antrags seiner Freunde, der unter Hinweis auf die Reichstagsrede des Reichsinnenministers Wirth davon spricht, daß die kulturfaschistische Polllik Wirth» schärfste Unterdrückungs- maßnahmen gegen die proletarischen Freidenkerorganisationen zur Folge haben solle. Die besondere Beratung des kommunistischen Antrags scheitert am Einspruch der Sozialdemokraten, die der Meinung sind, die An- gelegenheit soll« beim Etat des Innenministers besprochen werden. Das Hau» beginnt die zweite Beratung des Kultus et als. Zunächst nehmen die Berichterstatter über die Ausschußberatungen das Wort. Der Hauptausschuß empfiehlt über 39 Anträge zur An- nahm«. Im Verlauf der Debatte hielt Minister Grimme eine größere programmatische Rede, auf die wir zurückkommen werden. �(Schulminister gegen(Schule. Franzens neueste Heldentaten. Vraunschweig, 17. März.(Eigenbericht.) Der Hakenkreuzminister Franzen hat setzt 17 dissidenti- s ch e n Hilfslehrern zum 31. März g e k ü n d ig t. Der Minister zerstört planmäßig die Schularbeit an den weltlichen Schulen in Braunschweig. So hatte eine Schule 39 Lehrkräfte. Von dieser Schule werden fünf festangestellte dissidentische Lehrer zum 31. März und drei dissidentische Hilfslehrer zum gleichen Tag« entlassen. Sechs Hilfslehrer, die an einer Ar- beitsgemeinschaft fürIunglehrer teilgenommen liatten, werden aufs Land versetzt, eine technische Lehrerin und eine Werkslehrerin werden entlassen, ein« technische Lehrerin wird pensioniert und ein Lehrer oersetzt. Don den 39 Lehrkräften dieser norzüglich geleiteten weltlichen Schul« bleiben also » u r 12 Lehrkräfte an der Schule, von denen neun eine Klasse leiten. Sa zerstört der Hakenkreuzler planmäßig eine Schulorganisation, die in ihrem Wert zu erfassen sein Denkcrhirn allerdings nicht ausreicht. Bomben gegen Kriegsministerinm. Vier Höllenmaschinen explodieren in Belgrad. Belgrad. 17. März. heule früh zwischen 5 and 7 Uhr explodierten hier im Re- csterungsviertel vier Höllenmaschinen. Eine von ihnen war an der Rückfront de, Sriegsministeriums ausgestellt, eine zweite an der gegenüberliegenden Kriegsakademie, die dritte am verkehr» Ministerium und die vierte beim Finanzministerium. .. Dtzxch die Explosionen so« ein Offizier gelötet und mehrere Passanten verletzt worden fein, der Sachschaden ist un- bedeutend. Diese HAlenmaschinenaoschläge im Zentrum der Stadt, deren Detonationen weikhip zu hören waren, erregen natürlich großes Aussehen, hoch herrscht in der Stadt Ruhe. Die Sfsenlllchcu Gebäude, an denen die Anschläge oerübt wurden, stehen unter Be- wachuug. Di« Polizei vermutet in diesen Anschlägen ein Werk von Kommunisten. Näheres über die Zusammenhänge kann indessen vorläufig noch nicht gesagt werden. Labourkritik an Wahlreform. Teilenthaltung bring« Regierung in die Mirdeiheit. London, 17. März. Die Regierung hat in den Ausschußberatungen über die Wahl- reformbill in der Montagsitzung des Unterhauses eine unerwartete Niederlage erlitten. Bei der Abstimmung über Paragraph 4 des Gesetzentwurfes, der die Abschaffung der UnioersitäisMahldezirk« er- klärt, blieb die Regierung mit 4 Stimmen in der Minderheit. Für die Annahme des Paragraphen stimmten 242, dagegen 246 Ab- geordnete. Die Niederlage der Regierung ist daraus zurückzuführen, daß 39 Unterhausmitglieder der Arbeiterpartei trotz Fraktionszwang zu der Abstimmung nicht erschienen waren. Zwei Abgeordnete der Arbeiterpartei stimmten außerdem gegen die Regierung. In den Reihen der Liberalen herrscht Uneinigkeit und elf Unterhausmttglieder gaben ihve Stimme gegen die Regierung ab, darunter Sir John Simon. Das Abstimmungsergebnis wurde von den Konservativen mit stürmischen Beifall aufgenommen, und Baldwin richtete an Maodonald die Frage, was die Regierung mit dem Gesetzentwurs weiter zu tun gedenke. Macdonald erklärt«, die Regierung wende ihr« Hallung zu der neu geschaffenen Lage bei Wiederaufnahm« der Beratungen über das Gesetz bekanntgeben. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Regierung der gestrigen Niederlage keine große Bedeutung beimessen und den Gesetzentwurf einfach sollen lassen wird. Die unmittelbar« Folg« der Niederlage dürfte sein, daß die Regierung setzt scharfe Maßnahmen gegen die- jenigen Mitglieder der Arbeiterpartei ergreifen wird, die den Partei- anordnungen nicht nachkommen und damit die Regierung in eine lritische Lage bringen. „Hand in Hand" rächt sich. Stunni auf ein NpO-Cofal. Eine schwere Schlägeret spielte sich in der vergangenen Rocht in einem Lokal in der wiclesstroße 4 5 in Nloabll ab. In der vergangenen Nacht, als die Schlußstunde herangerückt' war. hatten die meisten Gäste das Lokal bereits oerlassen. Plötzlich entstand aus der Straße vor der Tür ein Tumult und etwa 23 bis 39 Personen versuchten mit Gewalt in das Lokal einzudringen. Wie sich später ergab, waren es Mit- glieder des Vereins„i) a n d in Hand". Ein Polizeibsamter, der auf Streife war, sah den Auflauf, eilte hinzu und wollte den Trupp am Eindringen hindern. Die Männer umzingelte« ihn aber, und! bedrohten ihn. so daß er gezwungen war, vier Schreckschüsse abzu-: geben. Aus die Schüsse kamen ihm Kameraden vom 23. und, 24. Revier zu Hilfe, dl« die Stürmer zurücktrieben. Emigen war es I Oer Nazi-Eid ,Lega», legal- streng legal!* aber doch gelungen, in das Lokal hineinzukommen. Sie tippten die Theke um, warfen Stühle durch die Schaufensterscheiben und griffen den Wirt tätlich an. Mit Hilse der Polizei konnten die Tumulluanten endlich herausgetrieben werden. Elf Personen wurden festgenommen und zur Wache des 24. Reviers gebracht. Sie sind heut« dem Raub- dezernat eingeliefert worden. Sie entschuldigen ihr Vorgehen damit, daß in der Rocht zu Sonntag in dem Lokal eines ihrer Vereins- Mitglieder verprügelt worden sei. Retiunq aus Bergnoi. Zwei Siudenfen im Hochgebirge von F»lmleu*en geborgen Innsbruck, 17. März. Beim Abstieg von den Grubreisentürmen ftü�ee gestern nachmittag ein Innsbrucker Student etwa 15 Meter tief ab. Aus dem Haselekar arbeitende Mitglieder der Trencker-Filmgesellschaft hatten den Vorfall bemerkt. Einer Hilfsexpcdition gelang es nach 11 Uhr nachts in äußerst schwieriger Arbeit, den abgestürzten und rinen ihn begleitenden weiteren Studenten aus ihrer gefährlichen Loge zu befreien, wobei die Filmscheinwerser das Felsgebtet taghell erleuchteten. « Etichkanal zum Westhofen. G'aöi kaust Grundstücke am Siem-nSdomm. ver Magistrat läßt der Sladloerordnelenversammlung eine Dringlichkeilevorloge über den Ankauf eines Geländes von 48 113 Ouadralmeter am Siemencdamm— Ronnendamm In Eharlollenburg zugehen. Zu dieser Vorlage wird mitgeteilt, daß die beiderseits des Siemenrdamme» lieoenden Grundstücke für den geplanten Bau de» Stichk-nals Siemen, stad 1— w e st h a s e n benötigt werden. Die Besitzer der Grundstücke haben der Stadt chre Grundstück« in der Gesamtrgöße von 48 113 Quadratmeter zum Kauf angeboten. Da» Gelände liegt an regulierten Straßen. Der Gesamtprei? beträgt 894 662 M. Er wird in verschiedenen Raten, zum Teil durch Hingabe von Berliner Städtanleihe, bezahlt. Ein Restbetrag ist erst am 31. Dezember 1937 bzw. am 31. Dezember 1938 fällig. Bei der Beurteilung des Kaufpreises ist zu beachten, daß die Der- käufer an die Stadt in den Jahren 1913— 1915 rund 369 990 M. Straßenregulierungskosten gezahlt und 17 599 Quadratmeter Straßenland unentgeltlich abgetreten hoben. Kommunisten als Handlanger der Razis Kiel. 17. Mörz.(Eigenbericht.) Die Erregung über die Mordtat in Hamburg ist auch in Schleswig-Holstein überaus stark. Die Kommunisten haben in verschiedenen Stödten zu Demonstrationen ausgerufen, die in An- betracht der überaus zugespitzten Lage mit tällichen Auseinander- setzungen verbunden sind. In Neumünster kam es am Montag- atzend zu schweren Schlägereien, und in Elmshorn wurden sie nur dadurch vermieden, daß besonnene Elememe erfolgreich zur Ruhe mahnen konnten. Bezeichnend ist übrigens, daß sowohl Nationalsozialisten wie Kommunisten gemeinsam auf die Sozialdemokratt« schimpfen und ihr die intellektuelle Schuld an den Mordtaten zuzuschieben versuchen. Bolksbühnen-Premiere verschoben. Die Premiere des neuen Stückes der Volksbühne„Die zwei Adler" ist auf Montag verschoben worden. Tre'bende Mine gesichtet. Der schwedische Dampfer„W i s b y" entdeckte am Montag un- weit der Insel Gotland eine große treibende Min«. Den ichwc- dischen Meldungen zufolge soll es sich um eine Unterseemine aus dem Kriege handeln, die.sich losgerissen hat. Mehrere Kriegsschiffe haben die Euch« nach der Mine ausgenommen. Die alte„Preußen" wird abgewrackt. Mit dem Abwracken wird in einigen Wochen begonnen werden. Zum nachfolget des aus Rloekou abberufenen tschechoslowakischen Gcschäsisaügers Dr. Girsa ist der sozialdenwkralische Abgeordnete und frühere Minister Markowitsch ernannt worden. Oer Mord um die Versicherung Erster Tag im Mordprozeß Tetzner Regensbttrg, 17. März. Unter stärkstem Andrang des Publikums begann heute früh in Regensburg der Mordprozesi gegen das Ehepaar Kurt und EmmaTetzaer aus Leipzig wegen Mordes» Mordversuchs» V e r sich e r u u g s b e» truges und Beihilfe daz«. Da Regensburg keinen Schwurgerichtssaal besitzt» findet die Verhandlung in einem hergerichteten Zimmer des Landgerichts statt»» in dem in drangvoller Enge die Prozehbeteiligte», fünf Sachverständige und etwa 40 Pressevertreter sitzen und etwa 100 Zuhörer Kopf an Kopf stehe». Unter allgemeiner Bewegung wurden die beiden An- geklagten hereingeführt. Tetzner, dem die Handfesseln erst im Saal gelöst wurden, ist ein untersetzter, blasser, brünetter Mann von 26 Jahren. Aus dem dicken, etwas gedunsenen Gesicht blicken die Augen stechend und verschlagen. Frau Tetzner, die ein hellblaues Strickkleid trägt, ist eine 21jährige, ziemlich üppige Blondine. Sie blickt mit weit ausgerissenen Augen ziemlich verwirrt im Saal umher, während er scheinbar gelassen und uninteressiert dasitzt. Beide Angeklagten müssen mangels einer Anklagebank aus zwei getrennt var dem Richtertisch stehenden Stühlen Platz nehmen. Bon den fünf medizinischen Sachverständigen seien Prof. Kockel-Leipzig und Prof. Dr. Molitoris-Erlangen genannt. Unter den etwa 20 Zeugen erregt naturgemäß das Hauptinteresse der Schlossergesellc Alois Ortner aus München, den, wenn der Anschlag Tetzncrs auf ihn geglückt wäre, das Schicksal des armen, unbekannt gebliebenen Handwerksburschen ereilt hätte. Ortner ist als Nebenkläger zu- gelassen. Der Verhandlung wohnten im übrigen die Präsidenten des Landgerichts Regensburg und des Oberlandesgerichts Nürnberg bei. Die Geschworenenbank besteht aus einem Industriellen, zwei Gast- Wirten, einem Gewerkschaftssekretär und zwei Landwirte». Tetzners Werdegang. Es kam da im Tetzners Werdegang zur Sprache, seine Betätigung in einer Mafchinei�sabrik in Chemnitz, dann als Volontär in einem Bankgeschäft und schließlich als Reisender. Nach seiner Verheiratung lebte er zunächst bei seiner Schwiegermutter in Freiberg, wo dies« ein Feinkostgeschäst hatte und später siedelten sie nach Oschatz über, wv sie ein Kaffeegeschäft aufmachten. Hier starb die Mutter, eine Frau Georgi. Vors.: Mit dem Tode Ihrer Schwieger- mutter müssen wir uns noch etwas näher beschäftigen. Sie war schwer unterleibsleidend und deshalb hatten Sie beschlossen, sie noch rasch vor dem Tode zu versichern. Mit erhöhter Prämie wurde sie dann auch aufgenommen. Vier Wochen nach dem Abschluß der Versicherung ans 10 000 Mark haben Sie ihr dann zu einer Opera- tion geraten. T e tz n e r: Ich wußte, daß es sich bei ihr um dos letzte Stadium von Krebs handelte. Daraufhin haben wir ja auch die Versicherung abgeschlossen.(Bewegung.) Vors.: Das nennt man eigentlich Betrug. Zwei Tage nach der Operation starb Ihre Schwiegermutter dann an Herzschwäche. Sie haben 10000 Mark ausgezahlt bekommen und dos war Ihr Unglück, denn diese Summe oerführte Sie dazu, nun ein größeres Geschäft zu machen. Tetzner(leise): Jawohl, das war mein Unglück. Vors.: Sie sollen sich auch zu Ihrer Frau dahin geäußert haben, man könnte dasselbe mit Ihrer eigenen Mutter versuchen, und zwar mit 20 000 Mark. Tetzner: Das ist gelogen. Der Vorsitzende stellte dann fest, daß Tetzner nach dem Tode seiner Schwiegermutter über ein Gesamtvermögen von 31 000 HL oerfügte. Er taust« sich dann einen kleinen Opesl-Zwei- sitzer und übernahm eine Vertretung für den Münchener Pestalozzi- vertag für den Vertrieb von Unterrichtebüchern in Sachsen. Sein Geld war aber bald erschöpft und so reifte in ihm der Plan, s i ch auf andere Weise neue Mittel zu beschaffen, und zwar auf dem Wege des Dersicherimgsbetrugs. Ssiner Frau hob: er zunächst nur allgemeine Andeutungen gemacht und erst ollmäh- lich habe er ihr beigebracht, daß er seinen eigenen Tod vortäuschen wolle. Die Frau sei sehr energisch dagegen gewesen und aus diesem Grunde habe er ihr keine genaueren Andeutungen gemacht und habe sie verhältnismäßig im unklaren über seinen Plan gelassen Dann wurde festgestellt, daß Tehner in der Zelt vom 22. Oktober bis 6. Ilovemb r WO bei den versichernngegesellschaftea Nordstern. Allianz und Agrip. pina sich auf in-gesomt 113 000 TN. versichert und die ersten Prämien sosbrl bezahlt halte. Dann erzählle er, wie bei ihm der ganz« Plan in seinen Einzel- Helten entstanden sei. wie er seiner Frau gesagt habe, wenn sie etwas von ihm höre, die Papiere lägen da und da, sie müßte sofort die Versicherungen benachrichtigen. Vors.: Ihr« Frau soll Ihnen vprgehalten haben, Sie könnten doch auch ein« Leiche dazu nehmen und brauchten keinen Lebenden zu ermorden. Darauf wollen Sie geantwortet hoben-„Du hast ja einen Vogel. Bei so etwas muß man Blut sehen. 3m Kriege sind laufende ermo.det worden, da kommt es jetzt aus einen nicht mehr on."— T« tz n e r: Dem Sinn nach mag ich so etwas geäußert haben.(Bewegung.) Meine Frau hatte immer Angst, sie hat mir auch gar nicht recht geantwortet auf das. was ich ihr sagt«. Vors.: Sie haben Ansang November in einer Chemnitzer Zeitung einen jungen Reisebegleiter.ge- sticht, der Ihnen ähneln sollte. Darauf hat sich ein gewisser Strobl gemeldet dem waren ober die Bedingungen zu schön und dceh lb schöpfte er Verdacht. Der Mann hatte wirklich ein« feine Nase. Ohne«ine Einschränkung schllderte dann Tetzner die Ausführung des Mordversuchs an Ortner. Am 21. November, als er von Hause mit der festen Absicht, die Tat auszuführen, abgefahren sei, habe Ortner hinter Plauen auf der Straße gestanden und ihm gewinkt, er solle ihn doch mit- nehmen, er wolle nach München zu seinen Eltern. Da habe ich gleich den Gedanken gehabt: den Mann könntest du dazu nehmen. Er fuhr mit ihm weiter und in Hos gab er ihm sogar noch Geld, er solle sich rasieren lassen, sich Kragen und Schlips kaufen, denn, so sagte der Angeklagte ganz ruhig, er mußte doch nachher einigermaßm wie ich selbst«urschen, wevn man ihn fand.(Große Bewegung.) Hinter Nürnberg, als es schon dunkel war, schritt er dann zur Tat. Zufällig trat gerade eine Motorpanne ein und da hielt ich die Ge- legenhcit für günstig, hielt an und sagt« Ortner. er solle unter den Wagen kriechen und Oei ablassen. Dann nahm ich den Wogenheber, und als er wieder vorkam, schlug Ich aus ihn ein und hielt Ihm dann noch einen Aelherlappeo vor. Ortner wehrte sich aber und schlug mit einem Sckiraubenschlüssel zurück. Schließlich floh er blutüberströmt in den V-rld. B o r s.: S-? geben also zu, Sie wollten Oriner töten? Tetzner: Ob ich ihn töten wollte, weiß ich nicht. Bors. (scharf): Aber Sie wollten ihn doch auf jeden Fall nachher ver- brennen, da ist es doch gleich, ob Sie ihn vorher täten oder nur de« täuben wollten. Weshalb haben Sie sich denn nachher nach der Rückkehr von Leipzig von Ihrer Frau Pfeffer geben lassen? Tetzner: Ich wollte dann den nächsten, den Ich bekam, durch den Pfeffer blenden und ihn dann anstecken. Vors.: Sie wollten ihn bei lebendigem Leibe verbrennen? Das ist koch entsetzlich. Sie sind doch kein Kind, sondern ein erwachsener Mann. Wie kamen Sie bloß auf solche furchtbaren Gedanken?(Große Bewegung.) Der Angeklagte schweigt. Die Mordanklage Dann äußerte sich Tetzner zu der eigentlichen Mord- anklage, wobei der Vorsitzende feststellte, daß seine heutige Dar- stellung in den wesentlichsten Punkten von seinen früheren An- gaben abwiche. Er sei am 2 6. November 1029 zum zweiten Male von Leipzig fortgefahren. Nachmittags hinter Bayreuth.fei plötzlich in der Kurv« ein Mann vor seinem Wagen aufgetaucht, er habe den Wagen nicht mehr hallen können, weil er ins Schleudern geriet, und er habe den Unbekannten entweder angefahren oder überfahren. Den am Loden Liegenden habe er in seinen Mantel gewickelt und aeben sich ins Auto geseht, weil er das Bestreben gehabt habe, den Unfall zu verheimlichen. Nach einigen Ktlometern habe der Mann aufgestöhnt, er habe er kannt, daß mit ihm nichts mehr zu machen sei, der schwer Verletzte sei dann plötzlich vom Sitz gerutscht und g e st o r b e u. Daraufhin habe er, Tetzner. die Leiche in den Notsitz gelegt und seine beiden Köster nach vorn genommen. Dann sei er weiter nach Nürnberg gefahren und habe sich hier in einer Gastwirtschaft etwa drei Stunden aufgehalten. Vors.: Sie wollen also behaupten, Sie hätten den Wagen mit der Leiche ruhig draußen stehen lassen, während Sic im Lokal sahen� T e tz n e r: Ja. Dann fuhr ich weiter und es kam mir der Gedanke, ich könnte doch diese Leiche verbrennen.— In diesem Zusammenhang bestritt der Ange'lagte sehr energisch den Borhalt des Borsitzenden, daß aus Grund van Zeugenaussagen der Verdacht bestehe. Tetzner Hab« hinter Nürnberg vor Hohenschambach längere Zeit in einem Walde angehalten. Der Angeklagte erklärte nur, er habe in Hohen- schambach getankt und habe sich dann vor Regensburg entschlossen, den Autounsall vorzutäuschen. Hinter Ellershausen sei er mit dem zweiten Gang früh um 1 Uhr gegen einen Kilometerstein gefahren, habe seine Koffer herausgenommen, die Kühlerhaube und den Tan? geöffnet, die Leiche aus den Notsitz geholt und sie ans Steuer geseht und dann eine Benzinbahn von vorn her das rechte Trittbrett nach hinten gegossen und angesteckt. Er habe geglaubt, es würde gleich eine Explosion erfolgen, aber das sei nicht der Fall gewesen. Das Feuer sei gar nicht so groß gewesen. Mit seinen Koffern sei er dann durch den Wald nach Regensburg gegangen und van dort nach München gefahren. Musik im Tonfilm Traurige Aegel— seltene-Ausnahmen Seit der Film tönend geworden, bildet die Musik, deren Be- schastunz und Aussuhrunz früher dem Filmtheater oblag, einen Teil der Produktion. Di« Musik ist nicht mehr auf die unzulänglichen Vehelssmethoden des Theaters angewiesen. Ei« muß nicht mehr wie einst dem fertigen Film hinterher und in der Eile immer über- stürzter Premierensoobereltungen angehängt werden, sondern, findet ihren Platz schon in der Anlage des geplanten Filmwerts, sie ent- steht zugleich mit diesem und besteht darin als unabänderlicher Be- standteil. Selbstverständlich bedeutet das nicht, daß fortan jeder Ton- film ein Mufitfilm zu sein habe. Wenn aber der T o n film zu einer neuen Kunst form entwickelt werden soll,— man möchte meinen, daß die Kunst, die wohl nicht ganz zufällig den Namen„Tonkunst" führt, die Musik, daran doch entscheidenden Anteil haben müßte. Wer selbst oeim stummen Film war sie nicht künstlerisch so be- deutungslos gewesen, wie es beim Tonfilm traurige Regel geworden. Diese Regel heißt Operette— und die Tonfilmoperette, auf deren Niveau wir im Kino heruntergekommen sind, steht noch tief unter dem Durchschnitt unserer Operettenbühnen. Es lohnt wirklich nicht, davon zu roden. Typisches Beispiel der letzten Wochen:„Ihre Hoheit befiehlt". Ein paar Schlager der herkömmlichsten Sorte, von Stimmen gesungen, die kein Berliner Theaterpublitum sich einen Wend lang zumuten ließe: ein bißchen Marsch- oder Tanzmusik, wo. die Handlung es erfordert: zwischendurch, wenn gerade nicht, geredet wird, ein paar Takte billigste Untermalung— das ist allei. Kein Wunder, daß mit solchen Musikmethoden die Unpopularitill des Tonfilms nicht überwunden wird. Eine Ausnahme: die oerfilmte„Dreigroschenoper, frei nach Brecht, Musik von Weill. Die Idee, einen ungewöhnlichen Erfolg der Bühne filmisch auszubeuten, mochte naheliegen. Auch on die Ausführung der Musik ist viel Mühe gewandt, klanglich ist die Wiedergabe überraschend gelungen. Ban der Originalpartitur ist das meist« untergebracht— doch fioilich, man spürt, daß es nur„unter- gebracht" ist. Ihre dramaturgische Verknüpfung ist nicht immer vom Rang Kurt Weills aufgeschwungen hat— wenn auch der Sellen, heitswert dieses Versuches größer ist als, alles in allem, sein Ge» lingen. Und eine Ausnahm« bildet das Gebiet des Kulturfilms. Zwei Beispiele des laufenden Spielplans:„Urwald-Sympho» n i e" und i m a t s ch a l". Zwei Expedllionsfilme, Erforschung des Amazonasgeb ietes, Bezwingung eines Himalayagipfels— stumme Aufnahmen, nachträglich durch Wort und Musik in Tonfilm umgewandelt. Hans Erdmann, theoretischer Vorkämpfer und erfahrener Praktiker der Filmmusik, hat die Bilder aus dem bra- silianifchen Urwald symphonisch untermall. Erstaunlich, wie ihm gelingt, die beklemmende, bedrückend« Atmosphäre der Tropen in Klang umzusetzen, in leise, gedämpfte Klänge. Aber sie scheinen gar zu leis« wiedergegeben, und lang« Strecken hindurch werden sie vom Wort des Sprechers übertönt. Doch das ist wiederum«in Miß» Verständnis, daß die Erfindung des Sprechsllms dazu da fei. jeden Voryang, der auf der Zemwand gezeigt wird, von erläuterndem Text begleiten zu lassen. Das erinnert an die Zeiten des Erklärers in den ersten Kinos; soll er im Tonfilm neu erstehen? Wolfgang Z e l l e r, oft bewährt als musikalischer Schilderer exotischer Landschaft, folgt der Internationalen Himalaya-Expeditton 1030 mit semer Begleitmusik durch die Wunder der indischen Ties- ebene in die Gletschcrhöhen des ewigen Schnees. Eine Stunde Musik, beinahe ohne umnillelbareu Anlaß, der sich aus dem ge- filmten Vorgang ergäbe: für den Äomponlsten ein schwieriger Gegen- stand, dies« Bilderfolge ohne �Handlung", ohne dramatische Ver- Wicklungen. Zeller bewältigt die Schwierigkeiten mit künstlerischsm Takt und gestalterischer Phantasie. Nicht auszudenken, was aus solch einem Film würde, wenn er einem ungeschickten Musiker in die Hände fiele. Selbstverständlich: der Film bleibt wesentlich Sache des Auges, auch der Tonfilm. Aber keiner, der als Zuschauer.m Kino sitzt, macht sich wohl klar, wie groß an dem Erlebnis, das ein glücklich, einzelne Nummern, stark im Einfall, bleiben als Einlagen| Film ihm vermittelt, der Anteil der Musik ist. Wie groß dieser fast ganz ohne Wirkung, und den aggressiven Ton dieser Musik findet unter den Sängern nur Ernst Busch. Immerhin, es war ein Schritt auswärts, daß die Industrie sich in die Höhe eines Musikers Anteil, zum Vorteil des Ganzen, zu fein vermöchte, darüber sollte man auch in Kreisen der Industrie sich endlich klar werden. Klaus Prinsshdm. ,OasMädchenmitdenE>chwefelhölzern� Kamera. Seitdem der Tonfüm über uns Herr geworden ist, sind d:e Banalitäten des Alltags oder die Kitschigkeiten der Operette Trumpf. Der stumme Film halle wenigstens hin und wieder Ausflüge in .andere Welten unternommen uns so wenigstens einige seiner über- ragenden Mögllchkellen erschlossen. Als einen begrüßenswerten Rück- schlag in jene Zeiten bewillkommnen wir den von der Deutschen Ge- sellschaft für Ton und Bild vorgeführten Traums.lm von Jean Renoir„Das Mädchen mll den Schwefelhölzern" mit der einzig- artigen Catharin« Heßling in der Hauptrolle Das Märchen# ganz ins Moderne gewandt. Die arme Kleine irrt in den Straßen der Großstadt herum und reizt ihre Begierde an den schönen Dingen dieser Well, die sie nur von ferne sieht. Lei- nahe hätte sich ein reicher junger Mann in st« verliebt, aber nun ist das alles nichts. Sie schläft in irgendeinem Winkel ein, wird vom Schnee zugedeckt und erlebt nun im Traum die aus der Wirklichkeit stammenden, aber in echtes Traumerleben umgesetzten Dinge. Hier ist der Regisseur und der Film ganz in seinem Clement. Di« Kleine sipell auf einmal«ine Rolle in der vornehmen Welt, der jung« Mann tritt mit ihr eine Wolkenreise an, er ist ihr Ritter, der sie gegen de» Tod verteidigt. Ein süßer schöner Tod ist das Ende ihres Wunsch- iraums: die Schneeflocken, die auf sie herniederfallen, verwandeln sich in weiße Rostnblätter. Bei all ihrer Natürlichkeit und Einfach- bell weiß Catharin« Heßling mit ihrem nur andeutenden Mienen- spiel den vielen Wandlungen ihrer Rolle gerecht zu werden. Außerdem wurden geboten Tonfilmstudien von Oscar F i s ch i n- g e r, worin er die Musik in abstrakte Formen umsetzt: Wilfried Basse versucht in seiner..Optik 1, 1" die Lichtreiz« der abend- lichen Großstadt in ihren mannigfachen Formen einzufangen. r. Ausstellung Kahrenkump. Ein Düsieldotfer Architekt baut in Berlin. ImArchitiktenhaus gibt dieBauweltmusterschau abermals eine vor- zllgliche Uebersicht über das Werk eines unserer lebenden Baumeister von Rang. C. Fahrenkamps. Dies ist für uns deshalb von besonderem Interesse, well die beiden geröhten Beuten, die gegenwärtig in Berlin entstehen, von ihm stammen: der Deutsche Dersicherungs- k o n z e r n am Fehrbelliner Platz und das Rhenania-Ossag-Hous an der Ecke Koiserin-Augusta-Ufer unir Bendlerstraße, für die Gegend an der Potsdamer Brücke von Bedeutung als beherrschender Blickfang über dem Landwehrkanal. Während das Berstchenmgsgebäude nur durch seine wohlgegliederten Flächen wirkt, seinem Charakter als Büro- und. Kartothekgebäude entsprechend, hat Fahrenkamps die aus- gezeichnete Lage des Rhenanio-Hauses, sein« Erstreckung zwischen drei Straßen und relativ freie Situation zu einer doppelten Staffelung von geistreicher Erfindung benutzt. Der Grundriß am Kanalufer schrägt sich treppenförmig durch Vorkragungen ab, und der Aufbau steigt ebenfalls treppenartig von fünf bis zu zehn Stock- werten(an der Bendlerstraße) an. Daß eine so günstige Gelegenheit wohl nicht vollkommen zu architektonischer Ausformung führen wird, liegt an dem«klettischen Charakter Fahrenkamps. Seine besten Seiten entfallet er in eleganter Innenausstattung» z. B. bei den aus- gezeichneten Luxushotels des Breitenbacher Hofs in Düsseldorf und des Park-Hotels in Bochum. Sein Außenbau befriedigt sellen restlos: vielleicht darum, weil er mehr im Gefolge als an der Spitze der heutigen Bauentwicklung zu finden ist. p. t. sei.. „Oer wahre Zaeob." primus-pa'ast und T tania Das schon so und so oft behandelle Thema von dem Kleinstadt- spießer, der, sobald er losgelassen wird, es in der Großstadt ziemlich toll treibt, ist blitzsauber auf neu gearbeitet worden. Der Regisseur Hans S t e i n h o f f nutzt alle die vielfälllgen menschlichen Verwirrungen und Irrungen, die das Drehbuch vor- zeichnet, für blendende Situationskomik aus. Nach Bühuenart be- müht er sich, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Dabei bleibt ihm von der ersten bis zur letzten Szene der Erfolg treu. Ralph Arthur Roberts und Felix B r e s s a r t, diese viel beschäftigten und viel gesehenen Komiker, spielen ihre Rollen derartig gut, daß sie zur Sensation werden. Hätte man andere Darsteller so oft in den sich doch schließlich immer gleich bleibenden komischen Rollen gesehen, dann würde man sie kaum mehr ertragen können. Aber Roberts und Bressart gestatten jede Rolle, zuweilen bis In die kleinsten Bewegungen hinein, wesentlich anders. Und Bressart könnte als Grotesktänzer wohl eine Nummer allein bestreiten. Paul H e n ck e l s ist glänzend als stocksteifer, für die Sittlichkeit geifernder Geheimrat. Man schüttelt sich förmlich vor Unbehagen, wenn man ihn ansieht. Die weibliche Hauptrolle spielt die schön« und auch tonfilmbegabte Anny A h l e r s. Im Primus-Palast laufen im Beiprogramm zwei allerliebste Zeichenfilme, die, obwohl sie gute Einfälle in ziemlich vielen Wieder- holungcn bringen, allgemein entzücken. e. b. 3« Alozart-S aal läuft ab beute der Cbarlie-Chaplin-gllm , P i l g r i«" zu volkstümliche» Eintrittspreisen. Oer entlassene Freiherr. Seine Schadenersahforderung wiederum abgewiesen. Seit Jahr und Tag schwebt eine arbeitsgerichtiiche Klage des Freiherrn von Mirbach gegen denVereinfürHindernis- rennen. Der adlig« Herr war Sekretär dieses Vereins gewesen, wurde bekanntlich fristtos enllassen, weil er, als einmal von dem vom Staate für ein Rennen gestifteten Preis der Repub ik die Rede nxir, durch eine äußerst unflätige Redensart seiner Mißachtung gegen den preußischen Landwirtschastsminister Ausdruck gegeben hatte. Mirbach hat wegen seiner Entlassung beim Arbeitsgericht geklagt und ist— wie wir seinerzeit berichtet haben— abgewiesen worden. Darauf hat er beim Landesarbeits- gericht Berufung eingelegt. Die grobe Ministerbeleidigung konnte der Kläger nicht bestreiten; er suchte sich aber dadurch zu entschuldigen, daß die betreffende Aeußerung im Laufe einer erregten Auseinandersetzung mit einer anderen Person gefallen sei. Seine Schadenersatzansprüche stützte der Kläger hauptsächlich darauf, daß seine Entlassung nicht ernst gemeint gewesen sei. jedenfalls habe er ange- nommen, daß seine„Stc.nd-.-sgenossen" in der Leitung des Vereins für Hindernisrennen die Beleidigung eines Ministers der Republik nicht als einen Entlossungsgrund ansehen würden. Sie würden vielleicht auch gar kein Aufhebens von dem Vorfall gemacht haben, wenn man nicht im preußischen Landwirtschaftsministerium hierüber ein e r n st c s W o r t mit dem Präsidenten des Vereins für Hinder- uisrennen, Graf Westphalen, geredet und darauf hingewiesen hotte, daß dein Verein die Erlaubnis zum Betrieb des Totalisotors entzogen werden könne, wenn er den riipel- haften Frcihcrrn weiter beschäftigen würde. Die fristlose Entlassung wurde zwar am 20. August 1929 ausgesprochen, aber der„fristlos Entlassene" bekam sein Gehalt bis Ende August aus- gezahlt und hat noch bis Mitte September Buch- führungsarliciten für den Verein ausgeführt. Aus alledem folgerte der Kläger, daß feine Entlassung nur ein zur Täu- lchuiig des Landwirtschafts Ministers v e r a n st a l- 'etcs Schein Manöver gewesen sei nnd daß er, wenn über die Geschichte Gras gewachsen sei, wieder in sein Amt eingesetzt werde. Als dann aber fein Posten doch durch einen anderen besetzt wurde, beschritt Mirbach den Kla.gewcg. Das Landesnrbestsgericht hat die Berufung des Klägers zurückgewiesen und damit anerkannt, daß die pöbelhaste Aeußerung über den Minister ein die fristlose Entlassung rechtfertigender wichtiger Grund ist. Metattfchiedssprüche in Oberschlesien. Gleiwiß, 17. März. Da die Schlichtungsoerhandlungcn in dem Lohn- und Tarifstreit der oberschlesischen Eisenhütten ergebnislos waren, wurde eine Schlichterkammer gebildet, die mehrere Schiedssprüche fällte. Das Grubenakkordabkommcn, die Einreihungsliste und das Arbeitszeit- abkommen wurden im wesentlichen umpcrändert wieder in Kraft gesetzt. In dem Arbcitszoitabkonnnen wurde vorgesehen, daß B e- triebseinschränkungen erst dann vorgenommen werden können, wenn geprüft ist, ob sich die Einschränkungen durch Ar» beitszcitverkürzung nicht vermeiden lassen. Ferner wurde das Lohnabkommen neu festgesetzt. Die Tariflöhne der Äkkordarbeiter bleiben unter Be» zuznechme auf die Kürzung der Akkordverdienste im Juli 1930 m»- neränderi. Die Löhne der Zeitlohnarbeiter wurden um 3 bis 4 Proz. gekürzt. Das Akkordabkommen und die Ein» reihungsiist« sollen entsprechend der Geltungsdauer des Manteltarifvertrags bis Ende Mai 1932, das Arbeitszeitabkommen und die Lohnregelung bis End« September 1931 gelten. Cm Schiedsspruch, derfich gewaschenhat Was den Bauarbeitern der pr ovinz Sachsen znqemutet wir d halle. 17. März. Die Schlichterkammer für das Baugewerbe der Provinz Sachsen und oen Freistaat Anhalt fällte einen Schiedsspruch, wonach die Löhne um 15 Proz. herabgesetzt werden. Die Sauderzulagen kommen vom 1. April ab In Wegfall. Das Abkommen läuft bis 2. März 1932. Die Arbetteroertreter haben diesen Schiedsspruch selbstverständ- lich abgelehnt. Unter dem Vorwand, billiger zu bauen, wollen die Bauunternehmer sich gesund machen. Oas Betriebsrisiko. Abwälzung auf die Arbeitslosenversicherung. Auf der Zeche Engelsburg ist in der Nacht zum 13. März ein Wassereinbruch passiert. Di« Zeche gehört zu den Vereinig- ten Stahlwerken, unrühmlichst bekannt durch ihr« sortgesetz- ten Stillegungsaktionen. Die Betriebsleitung der Zech« wurde an- gewiesen, der Arbeiterschaft von etwa 1900 Mann vorsorglich zu kündigen unter Berufung auf die arbeitsrechttichen Beftim- mungen, die vorsehen, daß die Kündigung ausgesprochen werden muß, wenn ein Betrieb länger als drei Tage still liegt.„Dadurch", besagt die Verlautbarung,„ist die sofortige Uebersührung der Be» l«gschost in die Arbeitslosenfürsorg« möglich." Es sei noch nicht zu übersehen, ab und wann die Wiederaufnahine des Betriebes er- folgen kann. Aussperrungsdrohung in England. Gegen 75 000 Arbeiter der keramischen Industrie. Nach loslündigen Verhandlungen sind die Lohnverhandlungen in der keramischen Industrie ergebnislos abgebrochen worden. Die Wahrscheinllchkeil. daß 75 000 Arbelker ansgesperri werden, hat sich damit wesentlich erhöhl. Es werden versuch« gemacht, die Verhandlungen fortzusetzen. Verstaatlichung des Bäckergewerbes. 7!ur vorübergehend als Maßnahme gegen Streik. Athen, l7. März. In Athen ist plätzlich ein allgemeiner Bäckerstreik ausgebrochen. Die Regierung hat jedoch die Brotocrsorgung der Hauptstadt da- durch sichergestellt, daß sie sämtliche Bäckereien beschlagnahmt hat. In Wien ist die Zahl der unterstützten Arbeitslosen m der erstep Hälfte des Rtonats März um 3175 auf 112 005 zurückge- gangen. Diese Zahl ist um 18 699 höher als im Borjahre. In Italien stieg die Zahl der Arbeitslosen im Februar von 729 612 aus 765 325. von denen 200 000 Unterstützung erhalten. Wovon loben die 565 000 Nichtuntarstützt«n? Zum französischen Grubenkonflikt. Ministerpräsident taval führt Besprechungen. Paris, 17. März.(Eigenbericht.) Angesichts oes vom französischen Vergarbeiterverband für den 30. März angekündigten Generalstreiks scheint sich jetzt die sran- zösische Regierung etwas tatkräftiger um die Beilegung des Lohnkonflikts im Kohlenbergbau zu bemühen. Ministerpräsident Looal Hot am Montagabend die Vertreter der nordfranzösischen Unternehmer und Arbeiter telephonisch aufgeforvert, in Douai z u einer gemeinsamen Besprechung zusammenzutreten, um die Frage der Arbeitslosigkeit und der Lohnherabsetzung zu prüfen. Die Vertreter der Unternehmer haben sich bereit erklärt, mtt den Delegierten der sozialistischen Gewerkschaften, aber nicht mit denen der kommunistischen Gewerkschaften zu verhandeln. 112. Abt. bei Stuxm in Berlin-Wilhelmshagen. Donnerstag 20 Uhr: Genosse Heydemann spricht über„Sozialismus und Ra- tionalsoziolisinus". Wetter für Berlin: Fortdauer des beständigen Wetters mit Nachtfrösten und meist schwachen östlichen Winden.—.für Deutschland: Beständiges, im ganzen heiteres Wetter mit verbreiteten Nachtsrösten. Dienstag, 17. März. Berlin. 15�0 Nora Patricia Morrow: Die Frau in den angelsäcbsisdicn Lindern. 15.40 Leopold Lehmann: Die sozialpol itisebe Bcdeutune der Arbeitsämter. 16.05 Ingenieur Boehmer: Eine Viertelstunde Technik. 16.30 Unterbaltungsrausik. 17.30 Jugendstunde.„Schulhandball.'* 17.50 Aktuelles. 18.15 Bücherstunde. Jugend In der Gegenwart. 18.45 Mitteilungen des Arbeitsamts. 18.50 Müll er- Ja husch: Wirtschafts-Rundschan. 19.15 Ouvertüren. 20.30 Fr. Engel: Einführende Worte. Anschließend: Der Idiot. Hörspiel nach dem Roman von Dostoicwskii. Königswusterbanten. 10.10 Schulfunk. 11..AI Lehrgang für praktische Landwirte. 12.00 Heimattänze und Märsche. 15.10 Paul Kachc: Ratschläge für den Gartenfreund. 15.40 Kindcrstundc. Märchen und Geschichten erzählt von Margot Danigcr: „Der kleine Zeitungsiungc"—..Die neugierige Straßenbahn**. 16.00 Frauenstundc. Ursula Scherz und Willara Wauer: Künstlerische Handarbeiten. Porzellanmalerei.(Vorbesprechung.) 16.30 Von Leipzig: Konzert. 17-30 Stadtrat Bongard: Der kulturpolitische Kampf des Saarvolkee. 18.00 �r. Nik. Feinberg: Deutsche Schicksale in Rußland. 18.30 Dr. Erich Rinner: Erwerbsloseniiilfc und Gemeindenot 19.00 Lektor Grander, Gertrud van Eysercn: Französisch für Anfänger. 19.20 Gedanken zur Zeit Fritz Naphtali und Prot Ludwig Bernhard: Kapita- lismus oder Sozialismus. M.OO— 22.20 Uebertraeiuifr von Berlin. 22.20 Jos. Räuscher: Politische Zeituussschaa. Anschließend bis 24.00 Von Hambun: Aus Singspiel nnd Operette, äScTonlmortl. für Me 9»(bo!fion;»ertcit Eepcte, Berlin: an»eigen: äCh. Sl-Se. Berlin. Verlag: Vorrnärt- Verlag©. m. b. S.. Berlin. D�ck:«nrmdets Bud». htudetei und Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin EW 68,„utheultrake 3. Hierzu 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 17. bis 19. März K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 17. bis 19. März msm Potsdamer Strafe 35 W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Verlängert: Stürme über dem Moniblanc Für Jugendliche freigegeben! Rheinstrafje 14 Kelche, W. 5.15 Uhr S. 3.15 Uhr Fat and Patachon im Prater(6 lustige Akte)— Eine Woche unter Apachen mit Harry Plel Odeon, Potsdam er Str. 75 W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7. 9 Uhr Tingel-Tangel, ein Tonfilm-Lustspiel mit Elisabeth Pinafeff« Ernst Verebc«, Fritz Kampers« Kalla Sierna Turm strafe 12 sw.�u Tonfilm-Posse: Die Firma heiratet mit Charlotte Ander, R. A. Roberts, Oskar Karl weih Alexanderstr. 39-40 (Pattage) Den ganzen Tag geöffnet! Boykott(Primanerehre) mit Lil Dagover, Theodor Loos, Roll v.Gotb g Westen» Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr S. ab 3.15 thr Uraufführung! Tonfilmschwank: Der wahre Jakob mit Anny Ahlen, Felix Breuarf, Ralph A. Robert» �*~~7riedI7etIstiiicit',,— p Franziskaner abTtfu™, Georgensiraße(Ecke FriedrichsiraBe) 11, 2, 5. 8 und 11 Uhr Gefährliche Grübchen, ein lustiges Spiel mii Laura la Plante u. au Tonfilm: ttalleit auf dem Meeresgründe 12, 3, 6 und 9 Uhr: Der Grat von Monte Christo(L und U. Teil—- Ncneste Wochen- und Knlxarschao W MoaDif> FUm- o. W a. 6J0 Uhr /VitU�nOI Kühne S. ab 5 Uhr Perl«berge r Mraße 29 Bühnenschae Lncregla Borgla mit Alb. Basser- — Spiei' mir da« Lied JÜgeuDcr Welt-Kino Alt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Aschermittwoch mit Ereigne Holt, Hans Slüwe, Cläre Rommer Beiprogramm W_ ChariottÄnburS'-� Kant-Lichtspiele Kant sir M(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilm; Drei Tage Liebe mit Hans Albers, Käthe Dorsch Gnies Beiprogramm > wHmcrsdorf Atrium Bob.-p.iMt Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe Sonnabend u Sonntags 430,6.45, 9.15 Uhr Uraufführung, 100 proz. Tonfilral Die Drelgrosdicnoper mit Rudolf Forder, Carola Neber, Reinhold SdhOnzel, Frllz Rasp. Frei nach Brecht Musis. Weill TSnende. Beiprogramm Schlüter-Theater Schlüterstr. 7 Beginn; 5. 7, 9 Uhr Stg ab 3 Uhr; Jugend-Vorstellung Unierwelf mit Charlie Chaplin Lust Tonfilm; Dolly macht Karriere mit Dolly Haa», A. Abel, C. Gerron g_ Schöneönrg Titania Schönebg. ste'Ibi HauptstraBe 149 Großtonfiim: Die Firma belralel— Beiprogramm Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7,9, Sbd., So. 5, 7. 9 Ufa-Tonfilm: Die.ingende Stadl mit }an Kiepura. Br. Helm TSnende« Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt! » Steglitz> Titania-Palast skthwu. Steglitz, SchloBstr.S, Ecke Qutsmuthsstr. Uraufführung! Toolnstspielr Der wahre Jakob mit Anny Ahlen, Ralph A. Robert*, Felix Breuarf, Panl Henkel. Gate. Beiprogramm W lehlenderf-Mitte" fc "1 Wochentags 7. 9.10 Uht Sonntags 5. 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str. SO Stg Z 80 Jugendv Oer Madchenhlndler ▼. Rio mit Maria tolveg. O. Homalka. O. Marlon MarlenderF f i Mariendorier Wochen ig. I ia-lal Lidtlspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz Tonfilm! Rosenmoniag mit Llen Dcyen, Mathias Wiemann— Beiprogramm Tivoli Berliner Str. 97 Beg. 5, 7, 9, Sonntags 3 Uhr: Jug.-Vorst 100 proz. Tonfilm: Slfirme Aber dem Montblanc m L. Rietcnstahl, E. Udet Beiprogramm g»lldweataw � Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. Sa ab 3 Uhr KriminaltonL D. gestohlene Gesicht mit Max Adalbert— Beiprogr. Tonwoche Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W. SJO, Stg. 330 U. 100 proz Tonfilm; Schalten d. Manege mit Liane Held, Walter Rllla Gute« Beiprogramm »»"«'«"■ Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo 6.15, U, Sonnt ah 3 U. Nur drei Tage! Das groBe Tonlustspiel; Liebe auf Befehl m. O. Ttdrechowa, Job, Riemann Beiprogramm Auf der Bühne: Lotte WerdnneU er Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Ton-Sprechfilm: Er oder Ich m. H. Fiel Gates Beiprogr amm W Weukailn j Mercedes- Palast HermannstraSe 212, Ecke Jägerstraße Werktags bti Uhr, Sonntags 3 Uhr 100 proz. Tonfiim; Grade in seinem Tonfilm mit Liane Haid Beiprogramm Bühnenschaa Kukuk Wochent 6.45, 9 U. Sonnt. 3, 5, 7, 0 U. Kotthussei Damm 92 Großtonfiim Afrika cp rieht(Das Paradies der Hülle)— Beiprogramm pwe>f>|cirtr Wochent 6.45. 9 U. CXCCISlOr Sonntags 3, 5, 7. 9 U Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm; Drai Tage Liehe m- Haas Albert, Kühe Dorsch Beiprogri Stern, Hermamulrahe 49 Wochentags 6,45, 9, Sonntags 3, 5 7, 9 U. 100 proz Tonfilm; Z Tage Liebe mit Hans A Ibers. Küthe Dorsch, Trade Berliner— Beiprogramm >»Udostnn...... p Filmcck Skalitzer StraBe. am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags; 6.30 and 9 Uhr Sonntags: 3. 5. 7. 9 Uhr Tonfilm: Die PriTalsckrellrin mit Renale Mtlller, Bressart Bühnenschaa Luisen-Theater Kelchen berger Str. 34 AniW.«30 a. 9U Stg. 3, S, 7. 9 U. 100 proz Tonfilm: Ein Made! von der Reeper bahn m. Olga Tschechowa Beiprogramm- Bfihnenschan Stella-Palast Köpenicker Stmße 11—14 Wochtgs. 6-30, 9 U. Sonntags ab 3 Uhr 100 proz. Tonfilm: Stürme über dem Montblanc mit Lcni Riefenstahl, Ernst Udet, Sepp Rist, Friedrich Kaytlcr Beiprogramm— Jugend! hab. Zutritt Sternwarte— Treptow Mittwoch 8 Uhr, Donnerstag 8 Uhr; Eine Fathsf.gd aal Sdiaceschahcn darchs Engadin(Film) „Elysium Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15. S. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Uhr Eine Frcandln, so goldig wie da mit Felbc Bressart, Anny Ond Arno— Tönende Wochen sehen Bühne: Max Ehrlich Fiora-Lichtsp. Wo. 6.30, 9. Sbd. ab 5, Sonnt ab 3 Uhr. Zum 2 Mall Tonfilm: Die Privat- sekretärin m. R. Möller, F. Brezsart Beiprogramm Germania-Palast Frankfurter AUae 314 Woehentga. 680 U. Sbds. 5, Stg«. 3 U. Tonfilm; Achtung Ansfr allen I Achlang Asien! Das Doppelgesicht des Ostens.(Ein Colin- Roft-Film) Beiprogramm— Jugendliehe haben Zutritt *____ D_I--4 Woch ab ä Uhr Luna-r aiasi stg. ab 3 uhr Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Geld auf der«räche mit G. Alexander Krlmlnalreporler y.Cbllcago— Bü. Frankenburg, n"? Bühne Große Frankfurter Straße 74 W. 6, 9, Stg. ab 5 Uhr. Stg 3 Uhr Jugendv 100 proz. Tonfilm: Da* Uebesliad mit R. Müller, Frölich Bühnenschaa Schwarzer Adler Woch. S, 7. 8.45, Sonnig. 3. 5, 7. 8 45 Großtonf.: Afrika spricht I Paradies der Hölle— Tonbeiprogramm Nenesle Wachenschan Nordan AlkssrnKwa Müllerstraße 136, Amamnra Ecke Seestraßt Wochent 5, 7. 9 U. Sonnt 3, 5. 7. 9 U. Tonfilm: Stürme über d. Montblanc mit Lenl Riefenslahl— Tonbeipr. Bis einschl. Mittwoch verlängert! Pharus-Licfatspiele MOIIerStr. 142 W.5.7.9U, Slg. 3.5,7, 9U. 100 proz. Tonfilm: Schneider Wlbbcls mit Panl Hcnkeb\ RelchhalL Beipr.- Jugendl. Zutrit Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U., Stg. ab 3 U. Tonfilm: Stfirmc über d, Montblanc mit Lenl Riefemiahl Beiprogramm— Bühnenschaa Viktoria Lichtbild Tb. Frankfurter Allee 48 Woch. 5. 7, ca 8.45. Stg. 3, 5. 7, 8.45 U Großtonfiim: Stürme über d. Montblanc m L. Riefenslahl, Udel, Rlsl Tonbclprogramm— Jugendl. Zutr. Zentrum Babylon, am Bfilowplalz Wochentags 5 U, Sonntags 3, letzte 9.10 U. 100 proz. Tonfilm: Schalten der Manege mit Liane Haid, Trade Berliner Bühne; Varlelt Kosmos-Lichtspiele LDckstr. 70 Woch 5. 7, 9 U. Stg 5, 7, 9 U 100 proz Tonoperette: KalterlfclKfacn mit Liane Haid. W. Janssen Kampf mit dem Drachen mit Bressart— Tonbclprogramm »•> Prieelrlchsrelde Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Die goldene Pciische m Dor. Maekall Phantome des Glücks m. Karina Bell Beiprogri WhIBMISM Schloßpark Fflm- Böhne Berliner Allee 20fr— 210 Tonfilm: W«r nnd Söhne mit BUtecr- Monge'« und die TSnseii» Toabctprogramm Prater-Licfatspiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 6. Stgs 4 U. Hahn im Korbe mit Schänzel Wenn die Abendglodcen Linien Bühne: Vorlelö Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W 5, S. 21ß U. Stürme über dem Montblanc Tonbeipt ogramm Jugendliche bähen Zutritt Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7. 9 Tonfilm: Stürme Ober d Montblanc mit Lcni Riefenstahl, Ernst Udet Beiprogramm— Jugendliche Zutritt � Hla«lei-tch6nh«uinn P Film-Palast Blankenburger Str. � Sonnt. 2Vs Jgd.-V Wochent, 6J0. 8 45, Sonnt 4 30, 6 45, 9 U. Tonfilm Die Marcinlse». Pompadour mit A Ahlers, Jankahn Beiprogramm • o Filmpalast Tegel suS"?®'" Stgs. 2 U. Jgd.- Vorst W. 6. Stg. 4>,c U. Tonfilm; Die Privalsekrellrin mit Renale Müller, Felix Bressert Toabeiprogr.(Auf ,Tobis"-Apparat) Union-Theater Hauptstr.3 W 6. 8-a. Stg. 41/«, Vit. S'U U Stg. 2 U Jgd.-V. Teufel Im Herzen iMenschen am Meer)- Meister der Welt Filmpalast Stg, JK&a Berliner Straße 59 Stg. 2 u. jug.-Vorst Mittwoch und Donnerstag: Tonfilm: Dfe PrlvatsekrctSrtn mit R. Müller Beiprogramm Beilage Dienstag, 17. März 1931 SivMm Q.'J„,.insil6, dnarU Wie steht es mit H AK8? | 2A8 und soziale Hygiene § 218 uni) soziale Hygiene sind zivei Begrisse, die sich fast gegenseitig ausschließen. Denn der Sozialhygieniker, der ge- naues über die Auswirkung dieses Paragraphen aussagen will, kann es nicht, weil durch das bestehende Geseg jede wissenschaftlich zuverlässige Erhebung von Zahlen mit einem Schleier des Ge- Heimen umgeben ist. Wenn auch das Gesamtproblem in Dunkel gehüllt bleibt, so haben doch einige Aerzte und Statistiker versucht, aus Umwegen heranzukommen und wenigstens qualitativ über das Wirken dieser Volksgeißcl etwas zu erfahren. So Hot z. B. Sigismund Peller in seiner Arbeit„Fehlgeburt und Bevölkerungsfrage"(Hippokrates-Bücher für Aerzte, Band 5, Stuttgart 1930) sehr beachtliche Schlüsse aus seinen sehr vorsichtig und kritisch erworbenen Ergebnisjen gezogen. Er hat nämlich festgestellt: „Die Ausbreitung des Abortes hat im leisten Dezennium vor dem Kriege bei de» mehr Geschwängerten weit größere Fortschritte gemacht, als bei Frauen, die erst am Beginn ihrer generativen Tätigkeit gestanden sind. In der dem Krieg folgenden Zeit breitet« sich dagegen der Abortus nur bei den ein» bis viermal Geschwängerten— und zwar sehr rasch unter den ein- ccher zweimal Geschwängerten— aus. Bei den Verheirateten, die ein- oder zweimal konzipiert hoben, hat sich c«r Kreis der Abortierenden in diesen wenigen Jahren ver- doppelt, bei den Ledigen verdoppelt bis verdreifacht." Im weiteren Verlauf seiner vorbildlichen statistischen Schätzung stellt Verfasser fest, daß in den ersten Nachkriegsjahren die Zahl der Aborte— entgegen allgemeiner Annahme— nicht größer war als in den letzten Vorkriegsjahren. Die.Schlüsse, die daraus zu ziehen sind, gelten zwar zunächst nur für den Ort der Untersuchung(Wien): es lassen sich aber kaum Gründe finden, ihr« Geltung nicht auch für Deutschland zuzulassen. Es ist seltsam, daß die Bedeutung dieser Festellungen in sachlichen Diskussionen bisher nicht in das richtige Licht gerückt worden sind. Es bedeutet nämlich nicht mehr und nicht weniger, als daß der 8 218, der früher«inen ganz be- stimmten bevölkerungspolitischen Zweck und Sinn hatte, sich unter der Hand der Gesetzgeber in sein Gegenteil verkehrt hat. Wenn nämlich immer mehr die jüngeren Frauen durch die Folgen der Abtreibung unfruchtbar gemacht werden— was früher erst der Fall war, wem: sie vier bis fünf Kinder geboren hatten— und so ihre„bevölkerungspolitische Aufgabe" oer- licrcn, so ist daran nur dieser Paragraph schuld. In Aerstekreisen ist die Ansicht so gut wie allgemein vertreten (wenn auch beileibe nicht„offiziell"),.daß eine Abtreibung unter den Kautelen wissenschaftlicher Durchtsllhrung keine Gestmdheits- gefahr schwerer Art darstellt(wenigstens bis zum dritten Monat). In Rußland, wo bekanntlich die Abtreibung unter gewissen Bedingungen freigegeben ist, sagt ein Bericht aus der zweiten gynä- kologischen Klinik des Moskauer Gesundheitsamtes, daß ein« Gefahr tödlichen Ausgongs bei vollkommener Operotiansausführung im Krankenhaus so gut wie gor nicht besteht. Jene jungen Frauen werden also bei uns durch den Paragraphen daran gehindert, später, wenn es für sie wirtschaftlich erträglich ist, noch einmal ein Kind zu bekommen. Es ist also höchstwahrscheinlich, daß wir bei der Entwickl-ung zur gegenwärtigen Situation eher ein An- steigen, als ein weiteres Absinken der Geburtenziffer zu erwarten haben, wenn die Abtreibung unter gewissen Be- dingungen freigegeben würde. Noch in anderer Hinsicht hat sich nach dem Kriege bei uns die Situation in der Bevölkerungsfrage verändert, was statistisch eben- so schwer zu erfassen, aber doch indirekt zu erschließen ist. Es hat n»r mittelbar etwas mit dem 8 218 zu tun, ist aber sozialhygienisch für das Geburtenproblem ebenso, wichtig. S. P e l l e r sagt es mit folgenden Worten: „Das Geburtenmanko nach dem Kriege resultiert vor allem aus der bessereu und umsichtigeren Schwangerschaftoerhütung. In den ersten fünf Nachkriegsjahren, in denen man allgemein an eine stark« Vermehrung der Abtreibungen glaubte, war die Zahl der Aborte nicht größer als in den letzten Vorkriegsjahren, in denen die seit Beginn dieses Jahrhunderts rasch ansteigende Abortuswelle vorläufig für lange Zeit ein Maximum erreicht hat. Wer aus populationistischen Gründen in der Fehlgeburt den Feind von Staat und Volk sieht und sich der Verfolgung dieses Feindes, nicht aber der„Bekämpfung" der Präoen» t i o n widmet, befindet sich auf falscher Fährte." Das ist heute allemein die vorherrschende Ansicht. E r n st Kahn, der mit seinem Buch„Der internationale Ge- b u r t e n st r e i k"(Verlag Sozietätsdrückerei Frankfurt a. M.) in Wirtschaftskreisen viel Beachtung gefunden hat, stellt auch den Krieg als Wendepunkt in der Bevölkerungsfrage hin, indem er sagt: „Dabei scheint der Krieg nicht nur zeitlich, sondern auch kausal die ausschlaggebende Rolle zu spielen. Denn in der Etappe wie im Schützengraben wurde das gesamte mannbare Volk wie nie zuvor durcheinandergewürselt und ein praktischer Auf- klärungsunterricht größten Stiles geleistet." So wird auch dementsprechend der§ 218 jetzt in Deutschland meist in Verbindung mit 8 t84 des Strafgesetzbuches genannt, in dem die Anpreisung und Zur-Schau-Stellung von P r ä-v e n t i v- mittel» verboten ist. Auch dieser Paragraph wird heute selbst in der Kleinstadt in gleichem Maße übertreten wie jeder andere. Wir nähern uns damit endlich den anglo-omerikanifchen Anschauungen, in denen schon lange auf die Unterweisung oer breiten Massen im Gebrauch von Verhütungsmitteln das Haupt- gewicht im Kampfe um die Geburtenkontrolle gelegt wird. In den USA. bestehen SO anerkannte Beratungsstellen. In England be- günstigt auch Kirche und Hochadel die„Control", was der Gesetzes- antrag von Lord B o o k m a st e r vor Jahren im Oberhaus beweist, der sich dagegen wandte, daß nur den Reichen die Ausübung der Verhütung möglich sei. Auch in Deutschland wird die Diskussion über die Konzeptions- Verhütung jetzt öffentlichen Charakter, annehmen, wie die Ankündi- gung eines Referats von Prof. F ra e n ke l- Breslau zum kom- Menden Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie zeigt (im Mai in Frankfurt a. M.). Es wäre jedoch bedauerllch, wenn dadurch die allgemeine Aufmerksamkeit vom 8 218 abgelenkt werden sollte. Denn sozialhygienisch gesehen bleibt einer der größten Schädlinge an der Volksgssundheit, was durch Verhaftungen und Monstreprozesse nicht etwa verhindert, sondern nur noch verschlim- mert wird. Es muß immer wieder festgehalten werden, daß eine Aenderung des Paragraphen nicht mit der Freigabe der Abtreibung verbunden ist. Auch in Rußland liegen die Ding« nicht so, was hier oft vergessen wird. Die Abtreibung ist vom Arzt und auch vom Sozialpolitiker gesehen, oft ein Ausweg, bleibt aber im ganzen gesehen«in Uebel, das zweckmäßig nicht ohne bestimmte Be- dingungen legalisiert werden darf. Die Zulasiung ganz bestimmter sozialer und medizinischer Ja- dikationen ist erst dann recht eigentlich praktikabel, wenn in der ganzen Geschlechterfrage«in« freiere, kräftigere Luft weht. Es ist kein Anlaß, heute im allgemeinen am„W illen zum Kinde" zu zweifeln. Wohl ober ist Anlaß zu zweifeln, ob der Grad des Bewußtseins in der Geschlechterfrage so hoch liegt, daß man all- gemein von„bewußtem Zeugungswillen" reden darf. Andernfalls stehen wir, sozial gesehen, immer noch vor der Notwendigkeit erstens eines Schutzes vor Ausbeutung Willenloser, zweitens eines Schutzes wirtschaftlich Schwacher, aber gesundheitlich Vollkräftiger, deren wirtschaftlich Schwacher. Mit einem Wort: Die Besserung der wirtschaftlichen Lebensbedingungen kann auch sozialhygienisch nicht von anderen Forderungen getrennt werden, Hier beginnt die politische Frage. Hein- A.dam. Klrelie und Sehwaugei*8cliafts< inil ei'hreelinng Das strenge Vorgehen der Behörden gegen den Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf wegen seines Vergehens gegen den Paragraphen 219 wird wohl manchem Anbeter vergangener Zeiten als noch zu milde erscheinen: denn allgemein ist in Laienkreisen die Llnsicht verbreitet, das Mittelalter sei gegen„Verbrecher" widcr das keimende Leben ungleich strenger, ja vielleicht sogar mit dem Scheiterhaufen vorgegangen. Wie weit gcsehlti Die katholisch« Kirche etwa, jene Macht, die heute am entschiedensten gegen jede mildernde Reform des Unglücksparagraphen sich stellt, hat von den neunzehn Jahrhunderten ihres bisherigen Bestandes rund achtzehn- einhalb Jahrhunderte hindurch die Abtreibung in jenen Grenzen sür zulässig erNärt, die beispielsweise heute in der extrem sreiheit- lichen Zlbtreibungsgesetzgebung Sowjetrußlands festgelegt find. War es doch erst die Bulle Pius IX. vom 12. Oktober 1869, die die Abtreibung unter allen Umständen zur Sünde stempelte und bedingungslos verbot. Uebcr die Haltung, die die Kirche vor jenem erst sechzig Jahre zurückliegenden schicksalsschweren Tage einnnhm, werden wir jetzt durch Prof. Julius Wolf belehrt, den Berliner Stcaiswisscnschaster und Bevölkerungspolitiker. Kürzlich hat Wolf eins kleine, ungemein gedankenreich« Broschüre, betitelt„M uttcr oder Embryo?"(bei Carl Hey- mann, Berlin 1930) erscheinen lassen, in der er das ganz« Problem Wo stehen die Aerzte? Der Fall des Stuttgarter Arztes Dr. F r i e d r i ch W o l f f zeigt wieder einmal in aller Oesfeutlichkcit, was denen, die sich mit dem Problem beschästigen, seit langem kein Geheimnis ist: daß trotz des 8 218 die Unterbrechung der Schwangerschaft allgemein üblich ist. Es richtet sich deshalb von selbst, wenn der Deutsche Zlerztevereinsbund, die offizielle Vertretung der Aerzteschaft, trotz dieser Sachlage, die auch ihm bekannt ist, an den Straftechtz- ausschuß die hier folgende Eingabe richtet: Deutscher Potsdam, den 14. Februar 1931 Aerztevereinsbund. Echützenstr. 10 An den Strafrechtsausschuß z. Hd. von Herrn Geheimrat Prof. Dr. Kahl B e r l i n R W. Reichstag Betr. Strafrechtsresorm: Unterbrechung der Schwangerschaft. Die unterzeichneten Spitzenverbände der deutschen Aerzteschaft haben Kenntnis von der Eingabe Beriiper Zlerztinnen zum 8 218 des bisherigen Strafgesetzbuchs erhalten. Sie halten die znr Begründung ihrer Anträge gegebenen Erläuterungen in keiner Weise für beweiskräftig und nehmen daher Veranlassung, folgende Entschließung des GeschSstsausschusses des Deutschen Acrztcvercinsbundcs zur Kenntnis zu geben: „Gegenüber der verstärkten Agitation für die Freigab« der Abtreibung, wie sie mit vielfach irreführenden Mitteln in Per- samnrlungen, in der Presse, im Film und neuerdings auch auf der Buhne, betrieben wird, hält es der Geschäftsausschuß des Deutschen Slei-ztevereinsbueches erneut für feine Pflickt, nachdrücklichst zu be- tonen, daß füx t�n Arzt in erster Linie öi« Erhaltung auch de- keimenden Lebens berufliches Gebot ist. Eine Unterbrechung Her Schwangerschaft, die nwner mit gewisse« Schabt- gungen, häufig mkt Lebensgefahr für die Schwangere verknüpft ist, kommt für die Aerzte nur in Betracht wegen ernster GesaHrcn für Gesuiidheit und Leben der Schwangeren. Die Zlnerkennung der sogenannten„sozialen Indikation" wäre bei der Derschwommenheit und Dehnbarkeit dieses Begriffes praktisch gleichbedeutend mit der Freigabe der Abtreibung, vor der aus oft bewnten ärztlichen, sittlichen nnd bevölkerungstheorctischen Gründen aufs entschiedenste gewarnt iverden muß. Wohl aber ist vom ärztlichen Standpunkt a»s immer wieder eine erhebliche Verstärkung oller staatlichen und fürsorgerrschen Maßnohmen zu verlangen, die geeignet sind, den„Willen zum Kinde" zu fördern." Gerade die in Rußland gemachten Erfahrungen beweisen zunehmend, daß die Legalisierung der Abtreibung trotz strenger siaat- licher Kontrollmaßnahmen die Abortseuche noch verstärkt und die In- anspruchnahme der Kurpfiischer in keiner Weise ausschaltet, so daß dort ärztlicherseits mit einer Verschärfung der gesetzlichen Vor- schriften im Sinne strengerer Jnditationsstellung gerechnet wird. Daß in Deutschland mit seinen ganz anders gearteten Verhältnisien in einer Zeit katastrophalen Geburtenrückgangs bei weiterem Abbau aller Hemmungen sehr bald ganz unhaltbare Zustande entstehen müßten, erscheint den ärztlichen Spitzenvrrbändcn nicht zweifelhaft. Sie erwartet daher aus das bestinnnteste, daß bei der gesetzlichen Neuregelung der Abtreibungsfrage der Auffassung des ganz über- wiegenden Teiles der deutschen Aerzteschaft Rechnung getragen und den Aer.zten nicht zugemutet wird, andere als gesundheitliche Erwä- gungen bei der Unterbrechung der Schwangerschaft wallen zu lassen. Deutscher Aerztevereinsbund. Verband der Aerzt« Deutschlands kHartmannbuird). Der Vorsitzende: gez. Dr. Stauder. (Seh. San.-Rat. der Schwangerschaftsunterbrechung zergliedert und es von sozial- wirtschafts- und kulturpolitischer Warte ebenso wie unter bio- logischem, ethischem und historischem Gesichtswinkel betrachtet. Wolf erinnert an die Jndisserenz der frühchristlichen Kirche, an die freien Auffassungen des Kirchenjchrisistellers Tertullian und des Kirchenvaters Hieronymus und endlich an das bedeutsam« Wort, das die auch heute noch höchste Autorllät der christlichen Theologie. der heilige Augustinus, vor mehr als fünfzehnhundert Jahren verkündete:„Die heilige Schrift wollte die Handlung(der Abtreibung) deswegen nicht als Menschen in ord betrachtet wissen, weil in einem Körper ohne Empfindung nicht«ine lebendige Seele wohnen kann." lind der sroinme Kaiser Justinian nahm in sein Pandekten- recht gar den Satz auf:„Vor der Geburt ist die Frucht ein Teil der Fvau bzw. ihres Leibes." Ist das nicht der nämliche Gedanke, den heute der„frivole" Franzose Victor Margueritte der modernen Frau mit den Worten zuruft:„Dein Körper gehört dir!"? Später sah die Kirche den Zeitpunkt, da Gott dem Fötus eine Seele einhaucht für Knaben mit dem vierzigsten, für Mädchen mit dem achtzigsten Tage der Schwangcvschast der Mutter als ge- kommen. Da aber das Geschlecht des Fötus in diesem frühen Stadium nicht feststellbar erschien, wurde allgemein der acht- z i g st e Tag als Termin für die Annohms der Beseelung fest- gesetzt. An diesem Standpunkt— so sagt Professor Wolf— hielt die Kirche dann fast ein volles Jahrtausend lang fest. Wenn heute die Sowjetrepublik die Unterbrechung der Schwanger- schast sür straffrei erklärt, sofern sie von sachkundiger Seite vor Ablauf des dritten Monates vorgenommen wird, so steht dieses Gesetz mit den soeben dargelegten Aussassungcn der Kirä�e fast restlos in Einklang. Drei Mo mite sind ja neunzig Tage! An einem reichen historischen Material zeigt Wolf, daß auch der Standpunkt des deutschen Rechtes in der Frage der Schwanger- fchaftsunterbrechung lange Zeit hindurch ungleich liberaler gewesen Ici, als er heute ist. Jahrhunderte lang galt der Abortus dcm welt- lichen Recht als reine Privatangelegenheit.„Nickst früher als im sechzehnten Jahrhundert vollzieht sich die Aufnahme der Ab t r e! b u n g in die Strafgesetzbuch e r." Aber auch dann noch wurde lange Zeit zwischen bc- seeltem und unbeseeltem Fötus unterschieden und angenommen, die Boseclimg erfolge erst nach einer Schwangerschaftsdauer von viereinhalb Monaten.„Erst dcm achtzehnten Jahrhundert war es vorbehalten, die Schwangerschaft in allen Stadien gleich zu behau- deln. Der wirtliche Strafgrund ivar jetzt das Recht des Staates auf Nachwuchs. Aus der Not der Politik wurde die Tugendsatzung des menschlichen und göttlichen Rechte s." Mit dem an die Spitze seines Buches gestellten A bände- rungs antrag des deutschen 8 218 fordert Prof. Wolf eigent- lich lveit weniger, als die katholische Kirche und das dcuische Recht nach vor bis vor kurzem gewährten. Er verlangt Straffreiheit für die von fachmönnischcr Seite durchgeführte Schwangerschaftsunter- brechung nur für die ersten drei Monate und nur In Fällen reduzierter Gcbärsähigkest, eugenisch»nerwünsckstcn Nachwuchses sowie bei wirtschaftlicher Bedrängnis. Er stellt sest, daß das Wtreibungsverbot lediglich den Pfuschabortus begünstige, der nicht nur alljährlich Tausend« von Todesopfern fordert, sondern auch mehr Lebenskeim« vernichtet, als das strenge Gesetz zu retten vermag. Denn, wie ärztliche Feststellungen ergaben, zieht die kunstgerecht durchgeführte Schwangerschaftsunterbrechung nur in drei Fällen von hundert dauernde Unfruchtbarkeit der Frau nach sich, der Pfiischabortus dagegen in dreißig Fällen. Dr. Fred Alstern. Schon— Pijnenburg bleiben vom Alle andern rücken auf durch Rundenfahrerei Bei Eintritt der Vormittagsneutralisation um 6 Uhr früh— das Feld hatte 1g79 Kilometer zurückgelegt— logen noch immer Schön-Pijnenburg allein in Führung. Die Nundenholerei, die sich gestern im Verlauf der 10-UHr. Abendwertung in übler Weife auswirkte, konnte nur den«inen Sinn haben, das weit auseinanderliegcnde Feld zufammenzufchieben. Das ist dann auch gelungen. Ob das Publikum dabei auf feine Kosten gekommen ist, bleibt dahingestellt. Jedenfalls haben die schwächeren Paare ihr Verlustkonto bedeutend verringern können. So kam os, daß Rieger-Maczinski, wie wir bereits im Morgenblatt mitteilten, sich um nur eine Runde zurück, hinter dos Spitzenpaar Pijnenburg-Schön legen konnten. ohne allerdings diese Position die Nacht hindurch halten zu können. Tietz-Thollembeek, Krüger-Funda und Manthey-Nickel hatten mehr „Glück" in der Placierung. Auch van Kempen--Ehmer liegen jetzt „nur" noch acht Runden zurück. Im Mittelpunkt dieser Sechstageoeranstaltung stehen unzweifel- Haft Schön-Pijnenburg, deren Stärke eben den schwächeren Mann- schaften das schließlich anödende Rundenaufholen ermöglichte. Die deutsch-holländische Verbindung weiß genau, was sie oder besser was sie n i ch t zu fürchten hat. Um das unter Beweis zu stellen, dcmon- strierte sie ja auch einige Mal« überlegene Vorstöße Die Ergebnisse der beiden Nachtwertungen: Pijnenburg, oan Kempen. Pijnenburg, van Kempen, Pijnenburg, van Kempen, van Kempen, Pijnenburg, oan Kempen, Pijnenburg, van Kempen und Pijnenburg. Stand des Rennens war nach 80 Stunden: l. Schön- Pijnenburg 195: eine Runde zurück: 2. Tietz-Thollembeek 73: zwei Runden zurück: Z. Krüger-Funda 94; 4. Manthey- Nickel 88; 3- Rieger-Maczynfki 71: drei Runden zurück: 6. Dinale-Goebel 178; 7. Faudet-Marcillac 69-, fünf Runden zurück: 8. Kroll-Miethe 56: acht Runde n zurück: 9. van Kempen-Ehmer 137: 10. van cheoel-oan Buggenhout 71. B. W ol ke-ch ü r t g e n, die mit neun Runden am weitesten im Rückstand waren, wurden morgens aus dem Rennen genommen. Aus den Boxringen Pisfulla in Spanien Ganz Valencia steht im Banne des Kampfes um die Europameisterschaft im Halbschwergewicht. Das Erscheinen des deutschen Meisters Ernst P i st u l l a und seines Managers und Trainers chans Breiten st räter Häven das Interesse bis zum Höhepunkt gesteigert. Pistulla konnte erst später mit dem Training beginnen, da eine Geschwulst am Kopf erst aus- geheilt werden mußte. Er ist jedoch jetzt wieder ganz auf der Höhe und sieht den Ereignissen mit Vertrauen und Ruhe entgegen Der amerikanische BeranstaUer Jeff Dickson, der in Barcelona«ärt»". e. B. Mittwoch. 18. Mär,. Baden mit bin ffreien Schwtmm-rn Erog. Berlin. Stabtbab Milte. Sartenltrag«. Treii- vunlt 20 llbr Badeanstalt. Isucithnuctcin„Die Ratnrsren-dl'. Z-atral« Wien, vrt�rn»»« Beel»: Mlt'wach, 18. Mär,. 20 Ubr. lNär,s-iir in Bogels Kegfälen. Brtlck'wftr. 2. Mär�ntwicklung. Ncvolutlonsgodankrn. Muslt, Gesang, R«, Nationen, öprechchor. Unkost-nbeltrag ZO Bf.(Säfte w lltommen.— Dien-tag. 17. Rar,. 20 Ubr. Abt. Filobrlchsbalit: Rtanffuctcc Allee 307:»Ada Ivb Holtmann"(St. M. Schültel — Abt. Sricbcnou: Offcnbocbcr 6't. 5a: Satire.— Abt. Lumbo.btbain: Wlu- benowstr. 5:..Zleues aus Nalabrlaluta".— Abt. Sorben: Lonnendurger Str. 20: »Marr und die Arbelterbrwrgung".— StulbUn, Arbeltslrelo der Jünger n: äluglmfenftr.«:.gür odcr gegen ckbriftentum und Äirrfec".— SaturtvnMidtC Abteilung: Sobannisftt. 15;»Aus der niederen Tierwelt�.— Bbotogemeinichait Ad-. Mi'tc Lobannisftr. 15.— Abt. Wedding-lLelundbrunnrn: Willd-now- strafte.5: llnterbaitnnn-.abenb.-- Donoerstaa, ID. Mär,, 2A Ubr. Abt. Licht rn- berg: Gunlerstr. Ii: Llegreifsviele.— Ab!. NrukZlln: BSbnrlsch« Str. 1—4; .Neue tuffiMt Literatur".— Waadolinowränrller: 19—21 Ubr?ol>annrt. firnfte 15.— Ab:. Dreruilauer Berg: Daiyiger Str. 62. Baracke II: D'.sluwo rz. abend.— Streichorchefter: 19—21 Ubr bei Werfte nberger. �reiiigratbltr. 9. vorn 1 Trevve.— Abt. Südwest: Porckstr. U: Gingeabeud.— Abt. T'.lrgarten: Dir Abend fällt au».— AoU Svanbau: Liudcnufer 1.— Abt. Weiftensee: Piswr us- ftrafte 24.— Achtung! Treffen aller radfabrenb«» Naturfreunde am Sonn» tag. 22. Mar,.. Kiel: Lantchiwl Meiftner-bos..Zentraltreffpunkt: See- eck: Milllerftraft«, 8H Ubr. B»,lrtmretfvuntt: Oranienvlaft i««nsumi-nd Märchen. brunnen. lZrlebrichsbain. um 7Z4 llbr. Boilifport Neutölu-Brig. Knmnaftiigrmwe. Männer: Mit'wvch. 18. Mär>. l9Vi Ubr. obere Leffing-Halle. Wir üdcn ,um Arbeitersängeofeft. Stärkste B(- teiligung«rforberlich.— BoIUlanjobcnb aller ffraurn- und Zungmädchenabte!- lungen Mittwoch, 18. Mär,. 20 Ubr. Turnballc Nätbe-Nollwig-Schul«. am Richard- plag.—»ere>n»lrbrltu-dc nicht am 21. Mar,, sondern Eannabenb, 28. Mär,. 19 Ubr. obere Lefsinn-Hallc. Anschlieftend T-chnik-rnbung de! Srirger. ASS.. Verein für Leichtatbleitt. Handball, Hocken Trainingstage für Männer und Jugend: Dienstag« 29 Ubr Neukölln. Beifeftr. 20. ffreitags 30 Ub- Treptow. Neu« ilrugallce 19. Die Frauenabteilung trainiert Kreiiags 20 Ubr Neukölln, Beiseftr. 20. Am Be,!rkswalblans in Bohnsdorf am kommenden Sonntag Beteiligung aller Mügiieber. Treffpunkt 13Vi Ubr-Bcbnbnf Grüna». ZTWB. 75 Uht Die Mann des Sifildcsois Ende g.ZZti Uht Dienstag, 17. 3. Stadl Oper Bismarcksir Turnus I 20 Uhr fiaialbea Lord Spleen Ende g. 22"» U. Staats-Oper «■ Platz 4« RroWik. V-R 20 Uhr Hadame Bafierfiy OaftnIL larlnnrUat Eride|J2r>Utu 169 A.-V 20 Uhr Ende 22". Uhr Staat). Süiiller-Ttieattr.Qianttig 20 Uhr Die Bekehrmg des Ferdjs Pistora Ende gegen 22>- Uhr I Täqi. B u. BU $0001. 2. 5 II. 0» E 4. Alex. 8066 Nehm. 50 P«.— I M., abda. 1-2 M. Hermann Leopoldi der berflhmte Wiener Humorist Orludo-Tneiu. Etnnoff& CtrJa unr. VoiKsnatme Tbaltr in BtHowiliti. 8 Uhr Haas Albers in Liliorn itaatLSAiller-Ih. 8 Uhr Die Beke&rong des Ferdvs Pistora Staatsoper Am PI. d Republik 8 Uhr Nadame Bnilerfiy fheaterd. Westeot Heute 8