MorgeuausgaVe Mtiwoch mfat. Z*TZ. 5SSÄ�:Ä!i5!S5:■ H M Ms WITZ m m Ii■■( �- Auswärts 15 Pf. .WAUA,» eoP,. voit,.?m!.»». und W W M IZ.»MM■■ Ms 7/■ 72 PI. Posld-tt-llgkdühttll. All«><-n!>» �MW ll�M! M M M M) � M M MM M IC M Sie«Inipalt. N-Npanm..«»« so Ps. obomiemer» k,— M. pro Mona»; für M M M M WI M M M Vj M // ReN-m-z-Il» S.— RM.„«leine«». Land« m» ennahigtem Dn-cks-che». WW> H H H■ B B B B B— � B zeigen" da, lettßedruckle Morl Zä Pf. w**X■■■ M Ml Mi■ 1 WWs Ii IL MkvP 4Mr vf" M, MMZW. Vevlinev Vvttsbiatt � �MZW Jentvalorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönboss 292—297 Telegramm-Adr.: Eozialdemokroi Berlin. Ltm die Bauarbeiterlöhne. 'iS Prozent Abbau droht! Die Löhne und Arbeitsbedingungen für rund eine Million Arbeiter der Bauindustrie werden in den nächsten Tagen geregelt. Heute beginnen zwischen den Tarif- Parteien die zentralen Berhandlungen über den Reichs- t a r i f v e r t r a g. In der nächsten Woche wird das Zentral- schiedsgcricht unter dem Vorsitz von drei vom Rcichsarbeits- minister emannten Unparteiischen in letzter Instanz über die Löhne zu entscheiden haben. Bisher liegen aus einer ganzen Reihe von Bezirken Schiedssprüche vor, die erkennen lassen, daß die Unternehmer und die amtlichen Schlichter jedes Augenmaß verloren haben für das, was möglich und erträglich ist. Um nur die jüngsten Schiedssprüche herauszugreifen: Am Montag und Dienstag wurden für die Tarifgebiete der Provinz Sachsen- Anhalt und Berlin Schiedssprüche gefällt, die die Löhne um 15 Prozent kürzen! Der nominale Stundenlohn in diesen Tarifgebieten variiert von 70 Pf. bis 1,31 Mark. Wie der Reichsarbeitsminister ganz richtig im Reichstag ausgeführt hat, kommt es nicht auf den Stundenlohn, sondern auf das Jahreseinkommen an, wenn man sich ein Bild über die Lohnhöhe machen will. Wie sieht es nun damit iin Baugewerbe aus? Wenn man jetzt von e�ner ersten und einer zweiten Lohnabbauwelle spricht — von dieser will Herr Dr. Stegerwold nichts wissen— so muß festgestellt werden, daß die Bauarbeiter nicht nur eine erste, sondern auch schon eine zweite und eine dritte Lohn- abbauwelle hinter sich haben. Nach einer Statistik des Deutschen Baugewerts- b u n d e s für feine Mitglieder arbeiteten diese im Durchschnitt im Jahre 1928 193K Stunden, im Jahre 1929 dagegen 1689 Stunden und im Jahre 1939 nur noch 1298 Stunden. Trotz der nominalen Lohnerhöhungen ging das durchschnitt- liche Jahreseinkommen der Bauarbeiter in diesen drei Jahren ständig zurück. 1928: 1866 M.. 1929: 1794 M., 1939: etwas über 1399 M. Der Lohnabbau war in den letzten drei Jahren also ein ganz gewaltiger, und wie die Dinge gegenwärtig liegen, muß man für 1931 voraussehen, daß die Löhne, auch wenn sie nominal nicht verändert werden, praktisch ganz erheblich zurückgehen werden. Es ist immer wieder das Märchen von den hohen Bau- arbeiterlöhnen erzählt worden, das leider nur ein Märchen ist, und das die vorstehenden Zahlen bereits widerlegen. Aber auch die scheinbar hohen Nominallöhne, die da mit Vorliebe zitiert werden, und die im Vergleich zu amerikanischen Bau- arbeiterlöhnen sehr bescheiden sind, auch diese Löhne be- schränken sich nur aus einen kleinen Bruchteil der Bau- arbeiter, während neunzig Prozent der Bauarbeiter Stundenlöhne— von dem Jahreseinkommen gar nicht zu reden— erhalten, die keineswegs höher sind als in den übri- gen Berufen. Auch das Märchen von der gemütlichen Arbeit des Maurers sollte endlich verschwinden. Im Jahre 1991 wurde aus Verlangen der Bauunternehmer in den Berliner Lohntarif eine Leistungsklausel aufgenom- mcn, wonach der Maurer täglich 5 99 Steine vermauern müsse, und zwar bei der damals üblichen neunstündigen Arbeitszeit. Diese Leistungsklausel war bis zum Jahre 1995 in Kraft. Heute vermauert der Berliner Maurer in acht- st ü n d i g e r Arbeitszeit 1199Steine! Die Leistung hat sich also mehr als verdoppelt, obwohl es hier natürlich ein laufendes Band trotz aller maschinellen Einrichtungen nicht gibt und geben kann. Man kann es ruhig aussprechen, daß der Arbeiter, wenn er das ganze Jahr beschäftigt wäre, eine derartige Leistung auf die Dauer physisch gar nicht aufzu- bringen in der Lage sein würde. Zu dieser dreimaligen Kürzung des Einkommens kommt insofern noch eine vierte, als bei der Reform der Arbeitslosen- Versicherung die Bauarbeiter während der Wintermonate auf die Unterstützungssätze der Krisenfürsorge zurückgesetzt wurden. Auch diese Kürzung ihrer Einnahmen muß berück- sichtigt werden. Ganz und gar halttos ist für die gesamte Bauindustrie das Gerede von der Konturrenz auf dem Weltmarkt. Dagegen versucht man durch allerlei Kunststückchen den An- teiVdcr Löhne a m Produkt im Baugewerbe als un- verhältnismäßig hoch hinzustellen und von der vierten oder vielmehr fünften Lohnsenkung eine wesentliche Senkung der Geftebungskosten und damit der Mieten zu erwarten. Nimmt man die reinen Baukosten, dann stellt sich der Anteil der Löhne aus etwa 33 Proz. Die reinen Bau- kosten such aber nur ein Teil, vielfach nur die Hälfte der Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Die politischen Besprechungen zwischen der Sozial- demotratie und der Reichzregierung, die in der vergangenen Woche zu keinem Abschluß gebracht worden sind, sind am Dienstag wieder aufgenommen worden. In erster Linie stehen die Erhöhung der Auffichts« ratsstcuer und die Erhöhung des Notopfers bei der Einkommensteuer zur Erörterung. Sie sind bereits vom Steuerausschuh des Reichstages beschlossen worden und stehen in der nächsten Woche im Plenum zur Beratung. Der Widerstand gegen beide Forderungen geht in erster Linie von der Deutschen Aolks- partes aus. Immerhin ist der Widerstand gegen die Aussichtsrats- steuer wesentlich geringer als gegen die Einkommcnstcur. In anderen Hermann Müllers Erkrankung. Oer Zustand unverändert ernst. Der im Befinden Hermann Müllers am Montag- abend eingetretene S ch w ä ch e z u st a n d. der auf einer Herzschwäche und einer Kreislauf st örung beruht. hielt auch den gestrigen Tag über an. so daß der Zustand als äußerst ernst bezeichnet werden muß. Nachdem in den Vormittagsstunden durch einige Stunden Schlaf eine ganz leichte Befferuag festzustellen war. trat in den fpäleu Nach- Mittagsstunden eine abermallgeStöruugimkreis- lauf des Patienten ein, wodurch der Montagabend eingetretene Zustand wieder herbeigeführt wurde. Das offi- zielte Dulletin des abendlichen Konsiliums lautet:..Das Befinden des Patienten ist unverändert ernst." bürgerlichen Parteien findet man Anhänger der Aufsichtsratssteuer, während die Bedenken gegen das Notopfer bei der Einkommen- steuer auch dort, wenn auch nicht im gleichen Maße wie bei der Volkspartei, vorhanden sistd. Die Reichsregicrung betom ebenfalls ihre Gegnerschaft gegen diese geplanten Steuererhöhungen, doch dürste ihr Widerstand nicht unüberwindbar sein, wenn es gelingt, entsprechende Beschlüsse des Reichstags ohne politische Komplikationen durchzusetzen. Große Meinungsverschiedenheiten bestehen aber auch noch bei der von der Reichsregierung gewünschten Ermächtigung zur selbständigen Festsetzung der Agrar- und Jndu» striezölle. Das Verlangen der Sozialdemokratie geht dahin. unter allen Umständen zu vermeiden, daß durch die Handhabung dieser Zollermächtigung eine Gefährdung der Handelsbeziehungen Deutschlands zu den auslöndilchen Mächten und vor allen Dingen eine Verteuerung der Lebenshaltung eintritt. Durch die Herab- jetzung der jetzt geltenden Weizenzölle und durch andere in der gleichen Richtung laufende Maßnahmen müsse daher eine jetzt drohende Brotverteuerung vermieden werden. Das ist angeblich auch die Absicht der Reichzregierung. lieber den Inhalt des Ermächtigungsgesetzes ober ließ sich bisher eine Ueberein- stimmung nicht erzielen. Dasselbe gilt von der Etatermächti» gesamten Baukosten. Dazu gehört nicht nur der Preis des Bodens, es kommen hinzu die Gewinne und Provisionen der Bodenhändler, Makler usw., die Aufwendungen für Gelände- erschließung, die allgemeinen Unkosten(Gebühren, Gerichts- kosten, Vermessungen, Steuern usw.), die Sonderkosten für die Anschlüsse an die Versorgungsleitungen, für Gartenanlagen usw., die Architektenhonorare, Bauzinsen, Geldbeschaffungs- kosten und schließlich die Gewinne der Bauherren, der Bau- stofflieferanten und der Bauunternehmer. Nach genauen Er- mittlungcn beträgt der Anteil der Löhne an den gesamten Baukosten zwischen 18 und 25 Proz., je nachdem, ob es sich um Flach- oder Hochbauten handelt. Gewiß ist es notwendig, daß nicht nur hygienisch ein- wandfreie, sondern auch billige Wohnungen gebaut wer- den. Das kann aber nicht dadurch geschehen, daß man die nun schon wiederholt abgebauten Löhne der Bauarbeiter noch- mals um 19 oder gar um 15 Proz. abbaut. Im Endeffekt würde das für die Miete n nur ganz unwesentlich ins Ge- wicht fallen. Eine Senkung der Gestehungskosten� ist notwen- dig und möglich. Hier kommt in erster Linie auch eine Vereinfachung des bürokratischen Ge- schäftsganges in Betracht, der bis zur Genehmigung einer Bauausführung zu durchlaufen ist. Ein Kapitel stir sich sind die B a u st o f f p r e i s e. Wemr sie auch in. den Wintermonaten stark gesunken sind, so be- ginnen sie bereits wieder anzuziehen. Wenn die Regierung Postschcckkomo: Berlin 37 536.— Bankkonio: BankdcrArbcilcr.Angeslelllcn und Beantten, Lindenstr. 3, Tl. B. u.Disc.-Ges.,Deposilcnk.,Jerusalcmcr Str. 65'GG. g u n g. die in erster Linie von der Deutschen Volkspartei oeptangt wird, durch die der Finanzminister zu größler Sparsamkeit vec- pslichtel sein soll. Gegen dieses Ziel bestehen bei der Sozialdema- trati.e keine Bedenken. Sie wünscht jedoch, daß diese Ermächtigung zu weiterer Sparsamkeit sich, lediglich aus die nicht gesetzlich ge- bundenen Ausgaben erstreckt, und daß die gesetzlich ge- Kunden en Verpflichtungen, also die Zuschüsse des Reichs zur Sozialversicherung, die Leistungen an die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, an die Kleinrentner, sowie die Krisensürsorye und die produktive Erwerbslosensürsorge ausdrücklich von der künftigen Sporaktion ausgenommen werden. Meinungsverschiedenheiten bestehen ferner über die Frage, ab der Reichstag entsprechend dem Wunsch der Reichsregierung sich bis Oktober oder November vertagen soll. Gegen diese Vcr- tagung auf ein halbes Jahr spricht die Tatsache, daß das zu einer Verschiebung wichtiger gesetzgeberischer Aufgaben führen würde, falls nicht die Regierung in der Zwischenzeit ohne dos Parlament die dringendsten Aufgaben erledigt. Da auch in anderen Parteien die Bedenken gegen eine so langfristige Vertagung des Reichstages geteilt werden, so dürfte man sich wohl daraus verständigen, wie auch in früheren Zellen dem Präsidenten des Reichstags die Er- mächtigung zu geben, den Reichstag, wenn ein Bedürfnis dazu vor- liegt und eine Mehrheit es wünscht, zusammenzuberufen. Die Osthilfe im Ausschuß. Der Ausschuß des Reichstages für Ostsragen beriet am Diene- tag die von der Regierung beantragten Osthilfegesetze. Eine ausgedehnt« Debatte entwickelte sich über das räumliche Geltungsgebiet der geplanten Mahnahmen. Abg. Stelling(Soz.) erklärte es für wünschenswert, den Geltungsbereich für die Osthilfemaßnahmen auf die Gebiete zu be- schränken, die durch neue Grenzziehung unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen worden snrd. Rur dadurch könne schlichlich auch eine fühlbare Hilse gewährleistet werden. Die sozialdemc- kratische Fraktion hat deshalb auch keine Erweiterungsanträge ge- stellt. Werden weitere Gebiete einbezogen, dann bedeutet dos zweifellos eine gewisse Gefährdung des ganzen Hilfswerkes. Bleibl es jedoch bei den weitergehenden Vorschlägen, dann müsse auch d'e Berücksichtigung der von Layern und Nicderschlesien geäußerten Wünsche in Erwägung gezogen werden. Im Verlaufe der Aussprache wandte sich der Abg. Dr. P f l e g c r von der Bayerischen Volkspartei gegen das Verhalten der Vertreter Ostpreußens im Rcichsrote, die, obwohl die vorgeschlagene Osthilse einen Aufwand von rund 1,9 Milliarden Mark erfordern wülld«, diese Hilfe als völlig ungenügend bezeichneten. Abg. Putz(Komm.) erklärte, daß die K o m m u n i st c n gegen das Gesetz stimmen werden. Abg. Tornow(Soz.) verlangt« Garantien, daß nur deutsche Landorbeiter beschäftigt werden. Bei der Beratung der landwirtschaftlichen Eni- schuldung wurde von den sozialdemokratischen Vertretern Stelling und Lasten gefordert, daß den kleinen und mittleren Bauern wir:» schaften geHolsen werden müsse. etwas für den Preisabbau tun will, dann hat sie hier Gelegenheit, besonders bei den Z e m e n t p r e i s c n, ihre Energie zu betätigen. Am stärksten verteuert wird vielleicht das Bauen durch die unerträglich hohen Finanzierungslastcn, die in die- fem Jahr noch besonders dadurch verteuert werden, daß zu einem großen Teil an Stelle der Hauszinssteuer der Privat- kredit treten wird. Wenn das I a h r e s.e i n k o m m e n der Bauarbeiter im Durchschnitt auf nicht ganz 1359 Mk. gesunken ist, und voraussichtlich in diesem Jahre noch tiefer sinken wird, dann ist es ein erschreckendes Zeugnis für den Mangel an sittlichem Verantwortungsbewußtsein, das sogenannte Unparteiische veranlaßt, diese Löhne noch weiter abzubauen. Praktisch kann doch nur die Folge sein, daß die Wohlfahrtslasten der Gemeinden damit noch weiter steigen. Wenn ein Bauarbeiter einen Lohn von 79, 89 oder 99 Pfennig die Stunde erhält, wenn er im ganzen Jahr nur, wie im Jahre 1939, insgesamt 1299 Stunden beschäftigt ist, dann ist es ganz ausgeschlosien, daß mit einem derartigen Lohn sich und seine Familie ernähren kann. Ein stärkerer Beschäftigungsgrad im Baugewerbe ist für das Jahr 1931 leider nicht zu erwarten. Eher ist zu be- fürchten, daß die Bautätigkeit noch geringer ivird. Aus alle- dem ergibt sich, daß der geplante Lohnabbau im Baugewerbe eine wirtschaftliche und soziale Unmöglich- lest ist. Steuern und Zölle. Sozialdemokraten und Reichsregierung verhandeln über die nächsten Aufgaben. Aufruhr in Nauen. Kommunistische Demonstranten als Messerhelden. Vor dem Rathaus in Nauen kam es gestern abend im Anschluß an eine kommunistische Demonstration zu schweren Ausschreitungen, wobei mehrere Polizeibeamte schwer verletzt wurden. Aus dem Rathausplatz hatte sich nach der Beendigung eines lommunistischen Umzuges«ine Menge von etwa 400 bis 500 Personen angesammelt. Der kommunistische Stadtverordnete Fenz erging sich in seiner Rede in wüsten Beschimpfungen gegen die Polizei. Nachdem Fenz etwa zehn Minuten lang gesprochen und die Menge gegen die auf dem Platz anwesenden Polizeibeamten aufgewiegelt hatte, wurde von dem leitenden Offizier die Räumung des Rathausplatzes angeoronet. Jetzt kam es zum offenen Aufruhr. Auf die Beamten wurde ein Steinbombardement eröffnet. Der Polizeimeister Schiller wurde von einer Schar junger Burschen umzingelt und durch einen Stich in das Genick niedergestreckt. Die wenigen Polizeibeamten mußten schließ- lich zur Dienstwaffe greifen, um sich die Gegner durch Schreck- schösse vom Leibe zu halten. Die Schüsse wurden aus der Menge erwidert, jedoch niemand getroffen. Drei weitere Polizei» bsamte erlitten durch Steinwürfe und Hieb« Kopfverletzungen. Die Ruhe konnte erst wiederhergestellt werden, als aus Pots- oam ein starkes Kommando der Schutzpolizei eintraf und die Straßen freimachte. Der schwerverletzt« Polizeimeister wurde zusammen mit drei anderen Personen, die im Verlaufe der Tumulte erhebliche Verletzungen davongetragen hatten, ins Kreiskrankenhaus gebracht. Eine Reihe von Demonstranten, darunter mehrere Kom- inunisten, sind festgenommen worden. Todesurieil in Spanien. Verteidiger wegen Majestätsbeleidigung verhastet. London, 17. März.(Eigenbericht.) Wie der Madrider Berichterstatter des„Daily Herald" mitteilt, verurteilte das Kriegsgericht in I a c a nach dreißig stündiger Beratung den Hauptmami Sedriles zum Tode und vier andere Offiziere zu lebenslänglichem Zuchthaus. Die Zensur »erbietet die Bekanntgabe des Urteils. Der Verteidiger von Sedriles,«in Hauptmann, wurde nach seiner Berteidigungsreve oer- h a f b« t, weil er unter Anspielung auf den König gesagt hat:„Es ist ungesetzlicher, gegen die Verfassung zu verstoßen als gegen den König, und solange jener, der die Verfassung außer Kraft ge- .setzt und die Diktatur errichtet hat, nicht bestraft ist, solange kann auch Kapitän Sedriles nicht verurteilt werden: Vom Pferdeknecht zum Peer. Der Aufstieg Stulls. London. 17. Marz. Unter den neuernanntcn Mitgliedern des brittschen Kabinetts befindet sich der Arbetterabgeordnete Henry Snell, der zum Par- lamentsunterftaatssekretär im Ministerium für Indien an Stelle des verstorbenen Earl of Russell ernannt wurde. Snell ist der erste Mann in der englischen Geschichte, der als Landarbeiter an- gefangen hat und Peer von England geworden ist. Seine Ellern waren Landarbeller in der Grafschaft Nottingham. Er besuchte die Dorfschule, und-studiert« � später- aus der Hochschule für Nattonal- ökonomie in London und auf der Universität Hechelberg. Er orbellete zuerst auf einem Gutshof, wurde dann Pferdeknecht, Schiffer, Briefträger und zeichnete sich dann als politischer und religiöser Redner aus. » Peer— vom lateinischen peres. d. h. Gleiche, abgeleitet— ist eine aus der frühgermanischen Zeit stammende gesellschaftliche Einrichtung. Sie beruht auf dem demokratischen Grundsatz der all- germanischen Volksgerichte, nach dem alle Teilnehmer am Gericht freie Männer und Mitglieder der Volksgenoffenschast fein muffen. In der Feudalzeit, in England, ging der Ausdruck Peer auf die unmittelbaren Lehensmannen des Königs über und wurde später auf die Mitglieder seines Großen Rates beschränkt. Heutzutage hat der Peerstttel nur noch historische Bedeutung: Rang und Titel und Sitz im Houfe of Lords. Die Berufung eines ehemaligen Landarbeiters zu dieser, in der .Hauptsache nur von den Großgrundbesitzern innegehabten„Würde" symbolisiert den Aufstieg der englischen Ärbeiterklaffe in einem Menschenaller zur Herrschaft im Staate. Cr ist revolutionär. wenn er sich auch in überlieferten englischen Formen vollzieht, Was Mussolini mit„Revision" meint: Erfüllung italienischer Kolonialansprüche. Rom. 17. März. Während der Kammerdebatte anläßlich der Beratung de; Budgets des Außeiuninistermms trat der Abgeordnete R e David für die italienischen Revisionsansprüche ein. Er betonte den pro- visori scheu Charakter der Kölonialmandate des Völkerbundes: die Mandatsmöchte versuchten, die Mandatsländer in B e s i tz u n- gen zu oerwandeln. Gegenüber den umfangreichen englischen und französischen Besitzungen dürfe man die Ansprüche Italiens nicht vergessen. Es fei bettüblich, daß Italien nicht einmal die im Londoner Pakt mit den Alliierten während des Weltkriegs fest- gefetzte Entschädigung durch Grenzberichtigungen seiner Kolonien bewilligt worden sei. Das zum Schaden Italiens schwer verletzte Gleichgewicht müsse wiederhergestellt werden, indem man Italien eines der Mandate über Syrien, Vtefopatamien oder Palästina verleihe. Europa inüffe die Rechte des neuen Italien anerkennen. Sämtlichen Solotänzern und'länzerinnen der Slaatsoper ist gekündigt worden. Bon der nächsten Spielzeit an hat das Ber- liner staatliche Ballettensemble keine Solotänzer mehr. Grund: Er- sparnis? Unmöglich, denn die winzigen Gagen der sieben in Be- tracht kommenden Künstler sind für den Opernetat ohne Bedeutung. Künstlerische Umstellung? Man munkell dergleichen, weiß aber nichts Genaues, da Herr von Laban schweigt. Jedenfalls steht die Tatsach« fest, daß die größte staatliche Bühne des Landes, das den modernen Tanz geschaffen hat, fein« Tanzgruppe abbaut und die Pflege dieser Kunstgattung anderen Stellen überläßt. Die englische Arbeilslosenjahl ist in der vergangenen Woche um rund 60 000 Personen gestiegen.. Außenminister henderson wird sich am kommenden Montag nach P a r is zu den Kommissionsverhandlungen des Briandschen Europa- planes begeben. Die lilauijchc Fremdherrschaft im Alemelland rächt sich an der Zeitung„Memeler Dampfboot" durch Ausweijung- aller seiner reichs- deutschen Angestellten. So ist es jetzt auch dem Expedienten K n o b- l i ch ergangen. Politik und Schule. Kultusminister Grimme über die Aufgaben der Erziehung. Die Berakuug des yanshaNs für das Ministerium für wissenschasl, Kunst und Volksbildung gab in der gestrigen Sitzung des preußischeu Landtags dem Minister Grimme Gelegenheil, in Beantwortung einer Reihe von großen An- fragen(ich grundsätzlich mit dem Thema Politik und Schule auseinanderzusehen. Minister Grimme führte unter anderem aus: Die große Anfrage der Volkspartei macht mir zum Vorwurf, daß ich versäumt habe, für den Tag der Reichsgründung.s- feier allgemein« Schulfeiern anzuordnen. Ganz abgesehen davon, daß ich meine persönliche Stellung dazu durch Teilnahme an der Reichsgründungsfeier im Reichstag zum Ausdruck brachte, durfte ich es dem verantwortlichen Ueberlegen der Schulleiter ge- ttost überlassen, in welcher Form sie dieses Tages in den Schulen gedenken wollten. Ich Hab« das für eibe Selbstoersländlichkeit ge- ! halten, denn schließlich gibt es nicht nur ein von der Rechten approbiertes Rakionalbewußlfein. Wenn wir dieses bedeutsame Ereignis deutscher Geschichte heute anders werten als die Millebenden, so teilt diese Epoche nur das Schicksal aller Zeitspannen, deren Sinn erst von dem Gesamt- oerlauf der Geschichte erfaßt wird. Jedenfalls hat oie Lehrerschaft ohne zentralistische Anordnung gewußt, was sie zu tun hatte. Auf die in diesem Zusammenhang kritisierten Frank- furter Vorfälle noch mal einzugehen, erübrigt sich nach meinen Ausführungen im Hauptausschuß. Ich stelle nur noch ein- mal fest, daß der Regierungspräsident in Frankfurt a. d. Over am Zustandekommen des Beschlusses der Regicrungsabieilung völlig un- beteiligt gewesen ist.(Hört, hört! bei den Soz.) Daß es leider noch einer zentralen Anordnung für den versaffnngskag bedarf, haben gewiß nicht die Regierungsparteien verschuldet. Es ist grotesk, wenn dem Staat, dessen Verfassung von der Rechten her vor der Jugend madig gemacht wird, von derselben Seite vor- geworfen wird, daß solche Anordnungen notwendig sind.(Sehr wahr! bei den Soz.) Abgesehen von diesen Verfassungsfeiern sieht die Staatsregieruna von zentralen Anordnungen bei Schulfeiern ab und sie befindet sich damit keineswegs im Gegensaß zur Reichsregierung. Die Zurückhaltung der Reichsregierung wird begreiflich bei Lektüre der Rechtspresse, bei der die Liebe zum 18. Januar herhalten mußte, für die offene Abneigung gegen den 11. August.. Wenn es der Wunsch sein sollte, olle Geslhichlsklillerungen einer patriotischen Traklälchenlileralur. die in dieser Presse frisch aufgewärmt wurden, bei solchen Schul- feiern zu verwenden, dann wird es mir allerdings zweifelhaft, ob nicht doch«in Erlaß notwendig ist. Feiern in dieser Form unmöglich zu machen. Denn� dann würde es sich um eine parteivolitifche Beeinflussung der Schule handeln, die Verrat an d e r I u g e n 0 ist. Damit komme ich zur Beantwortung der deutschpatio- naken Anfrage über die Politische Betätigung der Schüler. An die Spitze diel'er meiner Ausführungen stelle ich die Lieber- zeugung, daß die E t h i k d e r E r.z! e h u n q üb er al ler Parteidoktrin, steht. Die Frag«, ob Politik in die Schule gehört, läßt stK nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Zwischen der Schuls und dem Leben ist kein« Brandmauer gezogen. Es ist einfach unmöglich, die Politik aus der Schule her» ausurkomplimentieren. Es kann sich nur darum bandeln, zu entscheiden, w i«. die in die Schule durch andere Kräfte«ingedrungene Politik erzieherisch aus?« wertet werden kann. Das kann nur der bedauern, der meint, doß die Schule von vornherein darauf verzichten sollt«, ein wesentliches Stück des die Jugend umflutenden Lebens mit der Jugend zusammen kennenzulernen. Die ScKile soll mehr tun, als bloße Kenntnisse zu vermitteln. Wer die Jugend erziehen will, muß das Ohr der Jugend haben, und wer chr Ohr haben will, muß ihr auf den Vtmrd sehen. Das soll nicht heißen, daß man ihr nach dem Munde redet. Aus eine Formel gebracht: Es handelt sich um poliliiche Bildung, nicht aber nm politische Beeinflussung! Man muß hier dem Takt des Lehrers um fo mehr verttauen, als sich politische Bildung kaum ohne politische Wertung vollziehen kann. Hierbei besteht immer die Möglichkeit des Mißtrauens, dem man aber bei jeder Ermächttguna ausgesetzt ist. An der Idee gemessen ist Lehrer sein nickt ein Amt. sondern ein Vorleben. Das hnt Minister B o e l i tz schon früher in einem Erlaß zum Ausdruck ge- bracht. Die Schule soll bem sunoen Menschen«ine Bor- stellung von den politischen Problemen und Fragestellungen unserer Zeit verschaffen, deren der Schüler von der höheren Schule um so nötiger bedarf, als ihm nickt, wie dem gleichaltrtgen. berufstätigen, jungen Menschen, durch den Existenzkamps politische Entscheidungen unmittelbar spürbar werden. Das scheint mir um so mehr notwendig, als der äugend immer wieder einoer-det wird, sie sei unsere letzte Hoffnung und berufen, das versagen der älteren Generation wieder gutzumachen. Der allgemeine Kampf um die Jugend macht viele jung« Meirichen sich selber interessant und verführt sie zu einer Ueber- Wertung ihres Könnens.(Sehr wahr! bei den«oz.) Jung sein ist zunächst nichts weiter als ein biologiscker Zustand, der an sich noch keine Leistung verbürgt. Politische Ziele sind nickt schon erreichbar durch Elan, Gesühlsimpuflie oder revolutionären Willensentschluß, sondern durch Bereitsckatt, dem Gegner durch Einsatz der gesamten Person mit klarem Koos Schritt für Schritt Terrain abzugewinnen. Die Jugend hat die Zielklarheit noch nicht sondern soll sie erst gewinnen. Wer ihr die Zusammenhänge offenbart, bildet sie, ohne sie politisch zu beeinflussen. Politik ist ihrem Wesen nach ein« unsugenvtiche Beschäftigung. Politik ist die Kunst des Möglichen. Gelingt es der Schule, das natürliche Bedürfnis der Jugend, sich in ihrem Wachstumprozeß auch die Welt der Politik zu assimilieren, dann hat sie nicht nur' eine staatspolitiscke Tat oetan. sondern ein sittliches Fundament für den künftigen volitflchen Kamvf geleqt. Als Mittel zu diesem Ziel gehört die Politik auch in die Sckule.. Aber die Sckule darf nicht untätig zusehen, wie diese Arbeit an der Jugend durchkreuzt wird von- Vereinen, deren Ziel es ist, die äugend um dos Recht der freien Meinungsfuche zu bringen. Schon Minister Boelitz hat hervorgehoben, daß die Schule die Zu- geHörigkeit von Schülern�zu staatsfeindlichen Organisationen nickt dulden kann. SeimErlaß gilt noch heute, und es ist selbst- verständlich, daß der Nationalsozialistische Schüler- b u n d in erster Linie darunter fällt. Es ist eine merkwürdige Ethik, die In den Satzungen eines nationaksozialistischen Schülerbundes zum Ausdruck kommt. Es heißt darin mannhaft:„Mutiges Bekennen zum Bund Ist. selbstverständlich"— und daran kann man seine Freude' haben. Diese Freude währt nur bis zum Komma. Dann heißt es weiter:„da Th üringen und B r o u nfch w e i g uns bei eoentu- ellen Verweisen aus politischen Gründen tatkräftig zur Seite stehen". Sollte-d a s. die Ethik der Dritten Reiches fein, wird es- Zeit, daß das moralisch Intakt gebliebene Dautschland. aü» seinem Hitler- ttmrm erwacht. INuliges Bekennen, weil einem nichts geschehen kann, das ist eine Schwächlingsethik, vor der wir die deutsche äugend bewahren wollen. Dann komme ich zur Beantwortung der sozialdemokratiz scheu Ansvage, die das Verhältnis von Politik und Hochschuljugend zum Gegenstand hat. Ich beschränke mich dabei aus allgemeine Be- merkungen. Ich bin der überwiegenden Mehrheit der deutschen Studenten die Erklärung schuldig, daß es immer nur kleine Gruppen von Studenten waren, die U n r u h e n in das akademische Leben getragen. die gehetzt, gelärmt und sich unqualifizierbar rüde be- nommen haben. Es war das unverantwortliche Treiben einer Minderheit, die statt der Klärung des Gehirns eine Politik der losen Schnauze treiben. Es handelt sich also bei den bekannten Ausschreitungen nicht um Vorfälle, die für die Gesinnung der Studenten- schast von heute typisch wären. Aber dieser Eindruck muh zum Schaden der Universitäten und Studenten entstehen. Noch erfreuen sich die Hochschulen trotz aller gelegentlichen politischen Unruhen gerade in den Kreisen, die ihnen sernstehen, insbesondere auch in der deutschen Arbeiterschaft, jener Hochachtung, die wir zu buchen haben als ein Ergebnis der Erziehungsarbeit, die die Schöpfer des deuischen Sozialismus an der deutschen Arbeiterschaft leisteten. Erst diese haben den Wert echter Wissenschast und den Respekt vor der Forschung in Kreise getragen, die sich aus eigener Anschauung kein Bild von der Bedeutung der Arbeit, die an den Universitäten geleistet wird, haben machen können. Würde es sich nur um überschäumende jugendliche Gefühls- ausbrüche handeln, um Unbesonnenheiten, die der Jugend eigen sind, könnte die Regierung darüber mit Humor hinwegsehen. Aber darum handelt es sich nicht. Es ist der Regierung gewiß nicht s Y m- pathisch, wenn in den Räumen, die der reinen Lehre dienen sollen, die äuhereGewaltdes Staates in Form der Polizei erscheinen muß. Der Staat darf nicht untätig zusehen, wenn eine Gruppe der Studentenschast in kiel sich an einem 70jährigen ehrwürdigen Vertreter der Wissenschaft vergreift oder die An- trittsvorlesung eines Professors deshalb stört, weil nnter seinen: Rektorat einem politisch andersdenkenden Staatsmann der Doktor ehrenhalber verliehen ist. Kein Staat kann das Verständnis für die Jugend soweit treiben, daß er diese dunklen Dinge ruhig weiterlaufen läßt. Gegen solche Ver- suche, das akademische Leben zu ruinieren und die Freiheit der Forschung zu untergraben, wird der Staat künftig mit allen Mitteln einschreiten, wenn es nötig ist auch mit der Polizei, die dann nicht Ho limachen wird vor der sogenannten Erterritorialitat der Hochschulen, die es nicht gibt. Die Idee der akademischen Freiheit setzt eine andere Idee voraus: die der Toleranz. Lehrsreiheit plus Hakenkreuzgesinnung gibt eine Gleichung, d-tt niemals aufgeht. Di« Ausführungen des Ministers wurden mit lebhaftem Beifall in der Mitte und bei den Sozialdemokraten ausgenommeu. In der dann folgenden Aussprache erklärte Abg. Rieyer-Magdeburg(Dnat.) man könne es der Jugend nicht' verdenken, wenn sie für den Reichsgründungstag mehr Be- geisterung aufbringt, als für den Verfassungstag. Kein. Schulleiter wisse mehr, ob er nattonale Feiern veranstalten darf oder nicht. In der Frage„Politik und schule" verlang« die Jugend offene Stellungnahme zu den Problemen, denn sie suche nach Idealen... Abg. König-potsdam(Soz.): Es ist nicht richtig, daß bei den Schullettern Unklarheit darüber bestanden haben kann, daß Reichsgründungsfeiern abgehalten wer- den sollten � Dazu hätte es also einer besonderen Anordnung Vicht bedurft. Wenn die Rechte jetzt kritisiert, daß«in« solche Anordnung nicht ergangen ist, dann wäre es unserer Meinung nach notwendig gewesen, nicht nur Feiern anzuordnen, sondern auch zu bestimmen. wie sie abgehalten werden sollen. Dann hätte man der Jugend nicht nur von der Kaiserprotlamation in Versailles erzählen dürfen, sondern von dem heroischen Kampf um die deutsche Einheit fett 1813. und daß die deutschen Fürsten das größte Hindernis für diese Einhett waren. Dann hätte man der Jugend auch klar machen müssen, daß E b e r t 1918 durch seine Tatkraft den Zerfall Deutschlands verhindert hat sicher hätte aber auch dann wieder die Rechte gegen euie solche Ver- ordnung opponiert.(Sehr wahr! bei den Soz.). Schule und Politik sind heute nicht mehr voneinander zu trennen. wenn man nicht Gefahr lausen will, die Jugend zu völlig weit- fremden Menschen zu erziehen. Der Unterricht soll lebeas- wahr(ein und deshalb muß die Schule alle Zusammenhänge des öffentlichen Lebens aufzeigen. Dabei darf sie auch nicht an der Hohlheit polttifcher Schlagworte vorübergehen. Dann wird die Jugend erkennen, was es mit dem Ruf nach dem„starken Mann" und mit dem„Versagen des parlamentarischen Systems" auf sich hat. Sie erhält damtt den Beweis, daß alle die Männer oer- sagt haben in den letzten zehn Jahren, die ihr als Führer angepriesen werden. Würde die Jugend auch in dem Geschichtsunterricht die Wirklichkeit setzen, würde sie den polittschen Phrasen nicht zum Opfer fallen(Sehr wahr! bei den Soz.). Die Aufsossuna, daß Sammelschulen nicht rechtlich begründet sind, bestreiten wir ganz entschieden. Es besteht keine Mög- lichkett sie abzuschaffen. Schließlich steht das verfassungsrechtlich gewährleistete Recht innerer Ueberzeogung über formale juristische Spitzfindigketten. Kein Reichsgericht� kann anders entscheiden. Die Verkürzung der Schuljahre auf den höheren Schulen billigen wtt. Wtt fragen: Wa» kann heute«in Bolksjchüler werden? nichts! 95 Prozent aller Schüler ist oer Ausstieg verschlossen. Dabei ist nicht die Schulbildung allein entscheidend. Leider sind wir durch die Not gezwungen, das Schulwesen umzuorganisieren. Unter allen Umstäitt>en muß ein« schärfere Austes« getroffen werden. Die energischen Maßnahmen der Regierung gegen die Staatsfeinde an den Hochschulen begrüßen wir und hoffen, daß sie Erfolg haben werden.(Beifall b. d. Soz.) Abg. Dr. Lauscher(Z.) steht in der gesteigerten Offensive durch die Kommunisten in kulturpolitischer Hinsicht nach dem Vorbilde Sowjetrußlands eins ernste Gefahr gegen die chnstlich-gennanische Kultur. Deshalb müsse der weltanschaulichen Zerklüftung Einhalt geboten werden. Das zügellose Treiben der Freidenkerverbande könne nicht weiter geduldet werden. Nach wie vor werde das Zen- ttum gegen die Uebertragung der Korporationsrechte an die Frei- denkerverbände sein, solange dies« die Meinung anderer nicht achteten. Abg. Dr. Ausländer(Kamm.) wendet sich scharf gegen die ge- forderten Mahnahmen gegen die Gottlosenverbände. Abg. Dr. Boelitz(D. Vp.) bedauert, daß der Minister nur die Großen Anfragen beantwortet, nicht aber über politisch« Fragen ge- sprachen hat. Di« einjährig« Tätigkeit des Ministers habe große Unruhe im Volke hervorgerufen. Das gelle besonders von der A b- schaffung der Reifeprüfung und des Vildungs- Privilegs. Dadurch würde die höhere Sckül« zerstört. In der Personalpolitik werde nach parteipolitischen Grundsätzen verfahren und Protestanten gegenüber Katholiken zurückgesetzt. Hierauf wttd die Debatte abgebrochen im,d aus Mit!- wach, 12. Uhr. vertagt. Auf der Tagesordnung stehen weiter wichtige Abstimmungen, u. a. über das Groß-Berlin-Gesetz. Echimpfboide int Llmherziehen. Severins ordnet verschärften Kamps an gegen politische Hausierer. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern in einem neuen Runderlaß das Verhalten der Polizei bei der Verfolgung von Fällen grober Beleidigung von Reichs- und Staatsregierung neu geregelt. Me überwachenden Polizsiorgane und ihre Mitglieder in öffentlichen Versammlungen haben sich bisher zumeist darauf beschränkt, über den einzelnen Vorfall in der üblichen Form schriftlich zu berichten.. Das habe zur Folge gehabt, daß ein solches Straf- verfahren sich monatelang hinziehe. Ein solches Verfahren verfehle feinen Zweck vollständig. De- zunehmenden Verrohung des Tones in öffentlichen Versattimlungen könne nur dann mit Erfolg entgegengetreten werden, wenn die zu chrer Verhinderung und Ahndung zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mittel entschlossen zur Anwendung gebracht würden. Es wird daher in dem Rund- erlaß darauf hingewiesen, daß bei allen öffentlichen Versammlungen dieser Art mit, besonderer Sorgfalt geprüft werden soll, ob die Voraussetzungen für ein polizeiliches Einschreiten gegen die Ver- sammlung als solche gegeben sind. Besonders macht der Minister daraus aufmerksam, daß bei Versammlungen, bei denen im voraus offenbar werde, daß es sich um eine unfriedliche Ver- a n st a l t u n g handle, diese nicht nur nach Beginn aufgelöst, fondern auch schon vorbeugend verboten werden könne. ' Ein besonders geeignetes Verfahren, gröbliche Beleidigungen, die als solche ohne weiteres erkennbar seien, möglichst auf der Stelle empfindlichst zu ahnden, biete ferner das im Z 212 des Strafgesetzbuches geregelte beschleunigte Verfahren. Nach dieser Vorschrift könne zur Hauptverhandlung geschritten weiden, wenn die Beschuldig- ten infolge einer vorläufigen Festnahme dem Ge- richt vorgeführt werden. In diesem Zusammenhange weist der Minister darauf hin, daß das bezeichnete Verfahren sich auch gegen Abgeordnete zur Anwendung bringen lasse. Dieses Verfahren nach§ 212 StGB, werde sich namentlich bei Wandcrrcdncrn empfehlen. In allen Fällen, in denen der Beschuldigte nach vorläufiger Festnahme dem Gericht vorgeführt wird, ersucht der Minister die örtlichen Polizeibehörden, mit größter Beschleunigung ihm unmittelbar fernmündlich oder drahtlich zu be- richten, um rechtzeitig die Stellung eines Strafantrages durch die Beteiligten herbeizuführen. Zum Zweck der B>weiscrhedung ersucht der Minister serner, dafür Sorge zu tragen, daß Polizei- beamte, die mit der Ueberwachung von öffentlichen Versammlungen betraut sind, entweder sofort kurzschriftlich genau mit- schreiben, oder alsbald nachher zu Papier bringen, damit sie später in der Lage feien, Inhalt und Wortlaut in der Haupt- Verhandlung mit Sicherheit zu beeiden. Verhandlung zu beeiden. Wirischast in der Wirtschastspariei. Eolossers Klage gegen Drewitz abgewiesen. Me 8. Zivilkammer am Landgericht III unter dem Vorsitz des Landgerichtedirektors Dr. Erahne hatte sich gestern mit der Eitt- scherdung einer Klage zu befasien, die Abg. Colosser gegen den Parteivorsitzenden Drewitz angestrengt hat. Er fordert die Unterlassung einer Reih« von Behauptungen, die gegen ihn infolge der bekannten Auseinandersetzungen innerhalb der Wirtfchaftepartei veröffentlicht worden sind. Gegenüber den Ausführungen des klägerifchen Anwalts bean- tragte der Vertreter des Beklagten, die Klage in vollem Umfange abzuweisen. Herr Colosser sei aus der Partei ausgeschlossen worden, darüber hätten sich die Parteizeitungen sachlich ausgelassen. Der Fall Colosser fei für die Wirtschaftspartei erledigt. Cs bestehe gor keine Gefahr mehr der Wiederholung jener Behauptungen. Außer- dem werde in der Klage gar nichts genau gesagt, welche Dehaup- hingen unterlassen werden sollten. Nach ziemlich scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Mi- den Parteien, bei denen auch Colosser selbst das Wort ergriff, wurde die Klage vom Gericht aus prozessualen Gründen zu- rückgewiesen, da sie einer ausreichenden Begründung entbehre! Die deutsch-polnifchen Veriräge. Ein Friedenswerk. Warschau. 17. März. Im Senat empfahl der Referentenbericht die Annahme des -k»7nd«ls Vertrages und des Liquidotionsabkommens mit Deutschland. &$»rtmtnifter Zaleski betonte, daß dies« Verträge via gerechter uud billiger Ausgleich der beiderseitigen llnlerefsen sind. Beim Liquidationsabkommen Hab« Polen finanziell gut ab- geschnitten, während Deutschland durch Cinstellung der Liquidationen Vorteile moralischer Natur und einen Prestigegewinn errungen habe. Der Minister betonte die große Bedeutung des t Handelsvertrages für die beiden Staaten und für die B c f r i« d u n g Europas. Die Ratifizierung ist mit überwiegender Mehrheit beschlossen worden._ Aiieniai aus Goebbels. Alarm und Erinnerung. Am Tag« nach dem Mo rda«schlag eines.Hamburger Nazipolizisten auf den ihn vernehmenden Vorgefstzten schrie das Goebbels-Blatt, er fei nur durch höchsteigene Kaltblütig- keit einem Attentat durch eine— Papprolle mit Kinderknall- / fröschen entgangen. Es ist schon lange her und Goebbelslein war>wch gai klein. als der„Slmplizifsimus" eines Tages mit einem stilvollen Titelbild des Meisters Th. Th. Heine erschien. Man sah Serenissimus, den Landesherrn, in seinem Rokokogarten. Vor ihm, tief katzbuckelnd, einen Briganten a la Fra Diavolo mtt Räuberhut und Maske, die rauchende Pistole in der Hand, doch unter dem Mantel die Hof- livree und unter dem Hut das Puderzöpfchen. In altertümlichen Lettern stand darunter etwa folgendes zu lesen: Gleichwie die Sonne am kirm-mento heller erstrahlel' wenn Gewitter mit Blitz und Donner sie verhüllet/ sind auch Allerhöchstem Ansehen ruchlose Anschläge sehr förderlich l San Altesse haben darum allergnädigst ein Attentstuw gegen höchst mich selbst zu ver- ordnev und dem Aiteotstorem den Charakter eines wirklichen Geheimen Attentatsrates zu verleihen geruhet. Massenhinrichlungcn iu China. In Kanton hat man eine kommunistische Berfchwörung unter, den chinesiichen■ Regierungstruppen aufgedeckt. In Swatau wurden 73 Offiziere und Mann- »-haften standrechtlich erschossen. 100 andere erwartet noch das gleiche Schicksal. M aus dem ÄSSAParadiese. Hitler stellt den Hamburger Mördern den Nazianwalt Krank II als Verteidiger. })i. Frank IT Cherub Hitler:«.Ich verstoße euch aus der Partei— in die Arme des pg. Rechtsanwalt Frank H!� Sozialdemokratie«nd Fünfjahrplan Breitscheid brandmarkt kommunistische Agitproplügen. In der Reichstagssitzung am gestrigen Dienstag, über deren Beginn wir schon berichtet haben, sprach in der sörigesetzten Be- ratung des Haushalls des Reichsarbeitsministeriums Abg. Dr. WinfchuH(Staatsp.). der die Reallohnftotistik des In- ternationalen Arbeitsamtes als höchst irreführend bezeichnet; ihr ist der Trugschluß zuzuschreiben, daß der Reallohn der deutschen Arbeiter weit zurückbleibe hinter denen der anderen Länder. Der Geschäftsbericht des Deuffchnationalen 5) andi ung sgehilf eiwerbandes stellt das zutreffend fest. Da diese Genfer Statistik das Märchen von einem deutschen Lohndumping verbreitet, sollte das Arbeitsministerium ste nicht länger unterstützen. Abg. Frau Eitner(X). Bp.) verlangt größer« Fürsorge für die werdenden Mütter und Förderung der Müttererholungssmrsorge in Heimen. Abg. Thiel(D. Bp.): Im Genfer Arbeitsamt hat man, unbe- kümmert um die Weltkrise, die Gehälter um.20 Prozent erhöht. Dem hätte-das. Arbeitsministertmn widersprechen sollen. Einer neuer Antrug der Sozlaldemvkratea forder« SewlMguug von Z Millionen Mark für die Kinderspeisung uud Deckung aus der Taukiemesleuer. Abg. Funk(Komm.) macht die Bergbehörden und das Arbeits- nunisterurm für die jünastön Grubenkatastrophen verantwortlich. Ministeriallürektvr weigelk: Die Erhöhung der Gehälter in Genf ist die Folge des vom Völkerbund beschlossenen neuen Personalgesetzes. Abg. Schröter-Werseburg(Komm.) fordert Erhöhung der Mittel für die Wochenhilfe. Die Aussprache ist geschlossen. Di« Wstimmungen werden zu- rückgestellt. Es folgt die zweite Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes. Verbunden damit ist die Beratung zahlreicher Staotsoer- träge. Ausschußberichterstatter ist Dr. Schnee(D. Vp.). Reichsaußenminister Z)r. Curtius spricht über.Verwaltungsfragen. Im Auswärtigen Amt wird nach- drücklich gespart. Die Abbaumaßnahmen sind noch nicht adaeschlofsen. Das Schlagwort von dv Ueberbefetzung der deutschen Misstonen im Ausland ist nicht berechtigt. Immerhin wird auch da an einer Ver- besserung der Organisation weiter gearbeitet. Genau« Prüfung hat die im vorigen Jahr gegen die Verwaltung de« Auswärtigen Amtes erhobenen Borwärst als stark übertrieben erwiesen. Abg. Dr. Schreiber(Z.) steht allmählich eine sozial« Basis des Auswärtsgen Amtes aussteigen, nämlich in den Sozial atwches. Viel. leicht aber gelangen wir dahin, daß einmal jeder Beamte des Aus- wältigen Amtes«in Sozial- und Wirtschastsfach-mann fft. In der Minderheiteiurbteilung ist ein Nebeneinander, daß z. B. die Aus- landsdeutschem nicht wisse», an wen sse ssch zu wenden haben. Gegen die vielen Angriffe in Nugblättern usw. in der Wahlzeit aus das Auswärtige Ami hat dieses sich gor nicht gewehrt; das haben dann viele Abgeordnet« besorgen müssen, was kein Vergnügen war. Bei unserem Uebersluß au Sludeuteu köuute viel mehr sür die geistige Begründung unserer Minderheltenarb eil oetau werdeu: ebenso müßte unsere eigene so gerechke Mlnderheltenpolitik weil mehr iu der Well bekauukgemachl werdeu. Warum kümmern sich unser« Diplomaten so wenig um die deutschen Auslandsschulen? Italien, Polen und kleiner« Staaten fördern ihre Auslandsschulen ganz anders als wir.■ Abg. Slöcker(Kommh wiederholt die Moskauer Beschuldigungen der Sabotage und Interoentionsabsicht gegen die russische, und die deutsche Sozialdemokratie; die Sozialdemokraten widersprechen sofort in» lebhaften Zwischenrufen. Abg. Sachscnberg(Wirtschp.) führt aus, daß aus dem Rapallo- Vertrag nur Rußland Borteil gezogen habe, nicht ober Deüffch- land. Der Fünffahrplan wird wohl nicht scheitern, sein Gelingen bedroht unsere Wirtschaft, und zur Borbeugung müssen wir den Handelsvertrog kündigen, um ihn durch einen besseren zu ersetzen. Abg. Dr.' Schnee(D.Vp.) Kitt für Wiedererwerb deutscher Kolonien ein und gerät dabei in ein« Auseinandersetzung mit den Kommunisten. Der Komnrunist Heckert«rhätt einen Ordnungsruf, bedankt sich dafür beim Präsidenten und wird deshalb hinausgc- wiesen. Abg. Abel(Volksnat.) meint, das Auswärtig« Amt sei durch die Beschränktheit seiner Finanzmittel in der notwendigen Arbeit gehemmt. Abg. Dr. Reinhold(Staatsp.) wünscht noch vor der Sommer- pause Ratifizierung des Handelsvertrages mit Polen. Abq. Or. Breitfcheid(Gvz.): Herr Sachscnberg hat von einem italienischen Verrat beim FlottcnabköNüncn mit Frankreich und England gesprochen. Das konnte nur jemand sagen,' der ernstlich aus eine ewige Gegnerschaft zwischen Frankreich und Italien spekulierte und daraus Schlüsse auf eine deutsch-italienifche Zusammenarbeit gezogen hat.(Sehr gut! linksH lieber die inner« Apparatur des. Auswärtigen Amtes spricht man besser im Ausschuß. Auch wir wünschen weitestgehende Spar- samkeit, aber wir wünschen auch, daß die Gefahr einer Plutotratisie- rung des Auswärtigen Dienstes vermieden wird, die nur Anwänern mtt dem nötigen Geld den Eintritt in den auswärtigen Dienst er- möglichen würde. Ein Vorredner hat auch von gewissen Ka- nälcn gesprochen, durch die Indiskretionen vom Auswärtigen Amt zu sehr weit rechts stehenden Parteien gelangen. wir hallen es sür unabweislich, daß die jungen Anwärter zum heutigen Slaal erzogen werden. Es gilt unter den jungen Attaches geradezu als guter Ton. sich zur Rechten zu bekennen und diese Slaalsausfassung den Kollegen als die vornehmere und dem Diplomaten angepohlere zu bezeichnen. (Hört, Hort! links.) Man stellt bei den Prüfungen sehr hohe An- iorderungen, aber gerade:die nicht, daß die jungen Herren mis dem Boden des heutigen Staates zu stehen haben.(Sehr wahr! links.) Herr Sachsenberg hat Auskunst über die Ernennung des .Dr. Egon Wertheimsr. in. dst. Informationsabteilung de« Volker- Hundes verlangr und sich. darcwi berufen.. daß wir parteipolttffch« Motive bei solch-m Ernennungen ausgeschlossen sehen Völlen.� Das ist richtig, bedeutet aber nkchl, daß jemand deshalb, weil er Sozial» demokrat ist, weniger fähig und geeignet für eine solch« Stellung sein soll(Lebhaste Zustimmung links.) Wir wünschen, haß die deutschen Auslandsvertreter mtt den deutschen Schulen und Aolomen in enger Verbindung stehen. Solche Kolonien freilich, wie die in Mittel- unk» Südamerika, die seit 1914 nichts gelernt haben, die selbst bei offiziellen Feiern statt der Fahne der deutschen Republik die Kaistrilagge zeigen. solche Kolonien haben die Vertreter der deutschen Republik zu meiden. und Reichsgslder dürfen für diese Kolonien und ihre Veranstaltungen nicht oerwendet werden.(Lebh. Zustimmung links und in der Mitte.) Nach einem Antrag der Wirffchaftspartei sollen 100000 Mark für ein Preisausschreiben bewüligt werden, durch das eine besonders beweiskräftige Schritt über den Nachteil der deutschen Reparations- leistungen für Deutschland und für die ganze Well erlangt werden soll. Eine solcher Art preisgekrönte Schrift würde im Ausland als offiziöse Propaganda erscheinen und sich dadurch selbst um ihre Wirkung bringen. Ein zwetter Antrag der Wirtschastspartei will im Zusammenhang mit dem dsutfch-belgischen Handelsabkommen die Forderung nach Rück- erstattung von Eupen und Malmedy. erheben. Wir Sozialdemokraten haben die Loslrennung von Eupen und Walmedy immer als einen schweren politischen Fehler und als ein schwere» Unrecht gegen Deutschland erklärt. Eine Volks- absilmmung würde sicher sür die Rückkehr zum Reiche aussallen. Die gleichzeitige Erhebung dieser Forderung mit der Zustimmung zum Abkommen dürste nicht zum Erfolg beitragen. Gegen den An- ttag kann man aber nicht stimmen, und so nehmen wir ihn an. Die Kommunisten beantragen, dem Außenminister jetzt die Miß- bWguno für seine Rede vom 7. Februar auszusprechen, weil er dort das Reqt Deutschlands vertreten hat, wieder Kolonien erwerben zu wollen. Es scheint den Kommunisten erst jetzt das Verwersliche dieses Auftretens eingefallen zu sein.(Heiterkeit.) wir Sozialdemokralen sind gegen den Erwerb von Kolonien für Deutschlaud. vor allem deshalb, weil wir davon politisch« Verwicklungen fürchten, die wir nicht zu ertragen vermögen. Die Gegengründe Dr. Schnees können uns nicht überzeugen. Aber es ist etwas ganz anderes, für ei» Recht einzutreten und die Frage zu bejahen, c>b es nützlich ist, von ihm Gebrauch zu machen. Der Minister hat nichts anderes getan, als die Gleichberechtigung Deutsch-, lands mit den anderen Staaten zu vertreten. Das mißbilligen wir nicht. Den Hauptteil seiner Rede hat Herr Stöcker zu Angriffe» gegen uns benutzt; das muß er ja. Wir werden langsam abgehärtet und hören aus. Ihre Ausführungen ernst zu nehmen. Herr Stöcker hat wieder eimnol eine Resolutlvn vorgetragen, die der nichtösfcntliche Auswärtige Ausschuß gefaßt hat, und worin auf dem Gebiete der Abrüstung und der Sicherheit die volle Gleichberechtigung mit den anderen Ländern auch sür Deuffchland gefordert wird. Das bezeichnet Herr Slöcker als Forderung und Beginn der Ausrüstung. Dabei weiß er genau so wie alle, daß wir uns im Auswärligeu Ausschuh bei jeder Gelegenheit denen enlgeaenslellen. die ein Recht Deutschlands zur Aufrüstung fordern; aber aus agilalorischen Gründen hält Slöcker es für zweckmäßig, von diesem wissen keinen Gebrauch zu machen. (Sehr wahr!) Wir haben die Bemühungen der Herren Gras Westarp, von Seeckt usw. jedesmal als durchaus verfehlt bezeichnet, wir haben stets gesagt, daß die ganze Kraft unserer auswärtigen Polittk in den nächsten Monaten und Jahren darauf einzustellen ist, daß die anderen zur Abrüstung genöttgt werden. Wenn man freilich von vornherein es als ein Unrecht bezeichnet, für Deuffchland Gleichberechtigung auf diesem Gebiete zu fordern, so arbeitet man denjenigen in die Hände, die, wie der französische Äriegsniinister M a g i n o t in der Kammer auseinandergesetzt hat, der Auffassung sind, die besiegten Staaten und besonders Deutschland müßten fiir alle Zeiten auf dem Gebiete der Abrüstung strenger behandelt werden. als die Siegerstaaten. Wenn Herr Stöcker die Forderung der Gleichberechtigung alz Autrustungs- Propaganda hinstellt, so liescct er denjenigen Material, die nur nach Vorwänden suchen, nicht abzurüsten.(Lebh. Zustimmung.— Andauerndes Geschrei der Konnn.) Vielleicht ist Herr Stöcker sich nur nicht klar gewesen über die Tragwcste seiner Worte. Aber nun tonnen andere sich darauf berufen, daß Deutschland von den Nationalisten bis zu den Sozialdemokraten die Aufrüstung wolle und daraufhin die anderen eben nicht abrüsten.(Andauernde Zuruse der Komm.) Nun, wenn Schöpflin gemeint hat, das Zusammengehen mit Herrn Groener sei ihm angenehmer, alz. etwa nüt Herrn Stöcker, so wird er dafür seine Gründe gehabt haben.(Heiterkeit.) Herr Stöckcr hat auch unsere Zustimmung zmn Bau des Panzerkreuzers Ii vorwegge- nommcn. Zunächst hat meine Fraktion einen Entschluß auf diesem Gebiet noch nicht gefaßt. Wir haben die schwersten Bedenken gegen den Bau, sowohl allgemein politische wie finanzielle und soziale. Aber nicht benutzen kann man das Argument, daß der Bau dieses Schiffes unter den Begriff der Aufrüstung falle. welche Mehrhell immer den Vau dieses Schiffes beschliehen mag. er ist und bleibt nichts anderes als der Ersah für ein schon vor- handenes Schiff und bleibt damit durchaus im Rahmen der verfailler Vorschriften. (Gelächter der Komm.) Jin Gegensatz zur Rechten sind wir nicht der Meinung, daß unter allen Umständen die Verfailler Wehrvorschriften vollkommen ausgeschöpft werden müssen. Aber niemand im Ausland hat das Recht, Deutschland irgendeinen Vorwurf aus diesem Schiffbau zu machen, der sich im Rahmen des Verfailler Friedens hält: auch deshalb nicht, weil das Ausland bis heute die feierliche Abrüstungs- Verpflichtung von Versailles nicht ausgeführt hat. Der Bau des Panzerkreuzers B hat mit den» Problem der Abrüstung und Auf- rüstung nickt das geringste zu tun.(Lebh. Zustimmung.— Gelächter der Komm.) Welker hat Herr Stöcker versucht, durch Zndizien eine Mitwirkung der deutschen Sozialdemokratie bei angeblichen Sabotageversuchen gegen den russischen Fünfjahresplan und sogar bei Interventionsabsichten gegen Sowjetrußland zu beweisen. Zwei russische Ereignisse waren in der letzten Zeit von besonderem Interesse: der pompöse Empfang und die herrlich« Bewirtung der deutschen Industriellen, die wohl die Schlußfolgerung gestatten, daß die russischen Bolschewisten sobald die Weltrevolution nicht nach Deutschland tragen werden, da man doch nicht seine eigenen Geschäfts- freunde ruinieren will.(Heiterkeit.— Lärm der Komm.) Das andere Ereignis war jener Prozeß, der nach Stöcker die Mitschuld der deutschen Sozialdemokratie an angeblichen Sabotageakten in Ruß- land erwiesen haben soll. Wir kennen die Anklageschrift, wir haben auch die Zeugenaussagen vor- und rechtzeitig zugesandt erhalten. Darin steht auch, daß ich persönlich an Besprechungen über solche Sabotageakte teilgenommen hätte.(Heiterkeit.) Das ist nicht dümmer ats das übrig«. wir erklären, daß alles, was über Abramowilsch und über dle deutsche Sozialdemokratie dort behauptet und gesagt wird, nichts anderes als eine groteske Lüge ist. (Lebh. Zustimmung der Sog.) Wenn die Kommunisten glauben, noch etwas mehr darüber sagen zu können, so bitte ich sie, den Wider- fpruch aufzuklären, der zwischen den ganz unkontrollierbaren Aus- sagen der Angeklagten in Moskau und den Aussagen von Leuten besteht, die hier in Deutschland jeden Tag bereit sind, ihre Aussagen vor jedem Gericht unter Eid zu wiederholen.(Zuru? von den Komm.: Warum kommen sie nicht nach Rußland?) Weil sie nicht«schössen werden wollen!(Gelächter und Geschrei der Komm.) Wenn wir uns von den russischen Berhältnissen nicht so überzeugen können, wie Herr Sachsenberg und andere, denn Unter- snchungsreisen unserer Partei stoßen auf weit geringere Sympathie, so hoben wir durchaus den wünsch, daß der Aunfjahresplan gelinge, die russische Wirtschast und mit ihr die russischen Arbeiter sich in jeder weise erholen mögen. In der Erfüllung dieses Wunsches sehen wir keine internationale Gefahr. Ein Land, das sich wirtschaftlich nicht absperrt, kann aus die Dauer ein viel besserer Absatzmarkt für ausländische Waren werden und damit den deutschen Arbeitern viel mehr lüitzen als durch seinen heutigen Zustand. Deshalb wäre es töricht, wenn wir diese Tatsache nicht anerkennen würden. Wir haben den Eindruck, daß gewisse Leute die Aussichten auf eine Verwirklichung des Fünfjchresplans als große Gefahr hinstellen. um ihre Vorschläge zu einer irgendwie gearteten Abwehr. aklion gegen Rußland dahinter zu verstecken. Herr Sachsenberg hat das offen gesagt, soweit die Handelsvertrags- Politik in Betracht kommt. Andere sprechen von anderen Maßregeln. Wir aber warnen vor der Betrewng solcher Wege Alles, was in Rußland geschehen mag. und sehr vieles geschieht ohne unseren Beifall, kann uns nicht dazu bestimm-n, irgendeine Gemeinschaft mit Plänen einer Intervention in Rußland oder irgendwelcher Maßnahmen, die über das handelspolitisch Ueb- siche hinausgehen, gegen Rußland zu bilden. (Andauerndes Geschrei der Komm.) Ihnen paßt das nicht; Sie haben leinen größeren Wunsch, als beweisen zu können, daß wir deutschen Sozialdemokraten eine Intervention gegen Rußland wollten. Wir sind dazu nicht nur nicht bereit, wir warnen nachdrücklich das Aus- wärtige Amt imd alle sonst in Betracht kcrnunendcn Instanzen vor einer solchen Politik. Das Auswärtige Amt darf sich die Politik gegenüber Rußland von keinem anderen Ressort aus der Hand nehmen lassen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Wege der auswärkigen Politik, die wir gehen, sind vollständig im Einklang mit den besten sozialistischen Ueberliefe- rungen: diese Wege werden schließlich zum Segen Europas und zum Segen Deutschlands führen!(Lebh. Beifall der Soz.) Nach weiteren Reden der Abgg. Frau Dr. Maß(D. Vp.) und Dr. Jörissen(Wirtschp.) wendet sich Abg. Ivos(Z.) gegen die Be- Häuptlingen Stöckers. Abstimmungen. Der kommunisiffche Mißtrauensantrag gegen den Reichsaußen- minister Dr. Curtius wird gegen die Antragsteller abgelehnt. Ab- gelehnt wird auch der kommunistische Antrag aus Mißbilligung der Erklärung des Außenministers über ein«.koloniale Wiedcrbetäti- gung Deutschlands". Der Haushalt wird angenommen, die vcrschie- denen Staatsoerträge werden genehmigt. Die Entschließung der Wirtschaftsportei über Eupen-Malmedy wird angenommen. Es folgen di« Absiimmungen zum Hanshakt de» Reichsarbesis» 'Ministeriums. Bor der Abstimmung über den kommunistischen Mißtrauensantrag erklärt Abg. Köster(Wirtschp.), seine Fraktion lehne� den Mißtrauens» antrag ab, sie spreche damit nicht dem Minister Stegcrwald ihr un« cinocschränktcs Vertrauen aus, wolle ihm ober Gelegenheit geben, die schädliche Politik seiner Vorgänger wieder gutzumachen. In namentlicher Zlbstimnmng wird der i kommunistische Mißtrauensantrag gegen den Arbeilsminister mit 308 gegen 54 Knumunlstische Stimmen abgelehnt. Die kommunistischen Anträge werden sämtlich, zum Teil in nament- sicher Abstimmung, abgelehnt, so auch der Antrag, der Knappschaft 30 Millionen zu geben, nachdem Abg. Limbertz(«oz.) auf die ichwebenden Verhandlungen über einen sozialdemokratischen Antrag hingewiesen hatte, der das gleiche anstrebt. Die vielen Entschließungen des Ausschusses, die zum großen Teil auf sozialdemokratischen Antrag sozial« Verbcsserungen fordern, n>erden angenommen. Den sozialdemokratischen Antrag aus Bewilligung von drei Millionen für Kinderspeisung beanstandet der Volksparteller Ercmer dmnit, daß die darin vor- gesehene Deckung aus d«r Tantiemesteuererhöhung»och nicht gesitz- sich begründet sei, da diese Steuer noch nicht verabschiedet ist. Dem Sozialdemokraten Aushäuser bestätigt Präsident Löbc. daß solche Deckungsoorschläge schon wiederholt als ausreichend erachtet worden sind. Der Kommunist Torglcr erinnert daran, daß die bürger- lichen Parteien beim Wirtschaftsmimsterium über 700 000 M. zur Fortführung eines Bergbaues bewilligt haben, wofür man jetzt noch die Deckung sucht. Im Hammelsprung wird der Antrag Cremer auf Zurückstellung der Entscheidung bis zur dritten Lesung mit 178 gegen 139 Ctim- men abgelehnt und der sozialdemokratische Antrag selbst a n g c- nommcn. Nach Ankündigung des Präsidenten soll bis zur drstten Lesung«ine grundsätzliche Einigung über die Behandlung der Deckungsfrage herbeigeführt werden. Reaktionäre Anträge der Wirtschaftspartei werden abgelehnt. In verschiedenen Fällen, wo die Kommunisten allein für ihre An- träge stimmen, rufen sie:»Wels, wo bleibt der zweite Mann?" Da durch dieses Rufen Irrtümer bei den unzähligen Abstimmungen verschuldet werden können, ersucht der Präsident, diesen Witz zu unterlassen. Gegen 20 Uhr sind die Abstimmungen und der Haushalt er- ledigt. Das Haus oertagt sich auf heute Mittwoch, 13 Uhr: Haus- halt der Reichspost und Gesetz über mündelsicherc Papiere. (Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage.) Lerantwortlich für Politik: Dr. Citri ftrqtr; Wirtschaft: 9. Slinqrlhösrr: Dcwerkschaftsbrweauna: Z Steiner: Feuilleton: Dr. Zoh» Schitawoli: Lokales und Sonftiges: Krit, ltarsiSdt: Slniciacn: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Bcrlaa: Borwürto-Verlag© m. b. ß.. Berlin. Drnck: Borwärts-Buchdruckerei und Bcrlagsanstalt Paul Cinqer u. Ca.. Berlin 6 JB. 68, Linden strabe S. Sien«! Beilagen. Vmrkovf tawal) Vorrat■ M—j— abgab« VBrb«l>oH»ii Die Herstellung des FELINA-CORSELETS zeigen wir in unseren Häusern LEIPZIGER STRASSE und ALEXANDERPLATZ-an den Spezial- Korsett- Abteilungen im L Stock. 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T. 21,00 Feiina-Corseiet (Abb. 4), gut ausgearbeitete Charmeusebrust, seitlich zum � Oft Hoken, Rücken geschlossen\3//U Feiina-Hüfthalter (Abb. 5), für starke Figuren, extra starker Satindreil, verstärkte Magenpartie, Röckenschnürung, j- Ersolz für Mossarbeit.... O/OU Plastica-Hüfthalter (Abb. 6), mit Strickgummi- Q Oft teil u. Zwickel, hcrvorr. Sitz 0/ s U Sportgürtel (Abb.7), hochwertiger Bro- O Ci C chüestoff, seitlich z.Haken Spitz enbüstenh alter (Abb. 7V«Uganl. Form 0,95 Plastica-Carselet (Abb. 8), für«lark» Figur.n, mit eingearbeiteter Verstärkung besonders fest verarb., völliger �"7 XT Ersatz für Massarbeit.. I 4�,/ 0 Feiina- Corselet (Abb. 9),.l.jant.rErsche«, gutaus- gaarbeit.t. Charr.ut».— q,-. bnut, h.nrorragtndor Sitz 0, 7 U Felina-Hüfthalter [Abb. 10, lange, taillierte Form, seitlich zum Haken, sehr elegante Ver- j arbeitung................ 4,7� Büstenhalter (Abb. 10), für starke Figuron, g». futtertsr Atlas, mit ange- j irss arbeiteter Spitzenbrust.. 4/0U Ar. 129* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 45. März 4931 Sturm suk Monbijou. Eine Erinnerung zum 18. März. Wer heute das Schlößchen Monbijou im Zentrum Ber� lins besucht, kann dort, wenn es ihni Spaß macht, im Hohenzollern- Mussum die Orden, Helme und Uniformen unserer verschiedenen Kursürsten und Könige bewundern. Am 18. März 1848 spielten sich beim Schlosse Monbijou Vorgänge ab, die, ohne besonderen Einfluß aus die Entwicklung des Kampfes zwischen Volk und Militär, doch dazu angetan sind, das Verhalten der Bürger, Arbeiter und Soldaten an dem historischen Tage zu kennzeichnen. Damals wohnte in Monbijou der sogenannte Marineprinz Adalbert von Preußen, außerdem diente das Schloß als Gewahrsam für Kumtschagc des Altertums. Im Hauptgebäude im Garten waren das Aegyptische Museum und eine Sammlung von deutschen Altertümern untergebracht. Der Konservator dieser Samm- lungen war ein würdiger Professor, Hotho mit Namen, wie die meisten Gelehrten seiner Zeit, ein biederer, bürgerlich demokratischer Mann, dem aber im Herzensgrund nichts so hoch und heilig war als der Schutz seiner Altertümer. Am kritischen 18. März war die Wache durch ein Kommando von 60 Mann Artillerie unter Befehl eines Leutnants von Reibnitz verstärkt worden. Als Hauptaufgabe war ibni freilich gegeben, weniger die Kunstschätze als die Wohnung Seiner Königlichen Hoheit zu beschützen. In den letzten Monaten war nun bei den Stadtverordneten zur Sprache gebracht, daß der linke Flügel des Gartenschlosscs Monbijou auf st ä d t i f ch e in G e- l ä n d e c r b a u t sei, wodurch die Verbindung mit der Oranienburger Straße erschwert wurde. Deshalb war der Antrag gestellt worden, den König zu bitten, daß er einen Teil des Schlosses abtragen lasse. Ein Bescheid war noch nicht erfolgt, und als sich am 18. nachmittags bei Beginn des scharfen Schießens in der Königstraßc eine Menge auf dem Monbijouplatz einfand, ward aufgefordert, kurzen Prozeß mit der Straßenerweitcrung zu machen und den auf Grund und Boden der Bürger stellenden Flügel des Schlosses, der doch nur eine „olle Gartenbudike* sei, abzutragen. Der wackere Professor eilte herbei, um seine Kunstschätze zu erhalten und bot zuerst dem jungen Leutnant sein« Unterstützung zur Beruhigung der Menge au. Herr von Reibnitz aber, ganz königli-b preußischer Leutnant, lehnt die guten Dienste eines Zivilisten ab. und erst auf Drängen des Gelehrten, daß doch die Erhaltung einer Sammlung von unschätzbaren Kunst- werten das allervordringlichste sei, gestattete er P r o f e s s o r H o t h o, zu der aufgeregten Menge zu sprechen. Dieser, im Vertrauen darauf, daß ihm, dem bekannten demokratischen Vertreter der Wissenschaft, vom Volke nichts geschehen würde, begab sich mit seinem Sohn mitten in die Menge; uiü) er tat recht daran. Kein Haar wurde gekrümmt. Einige Studenten, damals, ün Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen von heute, würdige Kämpfer der Freiheit, fanden sich bereit, zum Volke zu sprechen und es dringend zu bitten, die kostbaren Sammlungen zu erhalten. Die Masse iah die Not- wendigkcit sofort ein und verlangte nur eins, daß die Besatzung die Waffen ausliefere und den Garten verlasse. Alles schien in bester Ordnung, als, wie. so oft in der Geschichte der Revolutionen, ein un- üiorhergesehencr ZwischeNsäll eintrat. Man. sagt, daß. ein Stein gegen die Wache geworfen jeü Aber erwiesen ist dies nicht. Ku Itzum— während der Leutnant und der Professor verhandelten, ließ ohne Vefehl ein Unteroffizier Feuer geben; einem Arbeiter wurde die Hand zerschmettert, und ein Anwohner, der auf seinem Balkon stand, erhielt einen Schuß in die Backe. Das war für die Masse das Zeichen zum Sturm. Man drang gegen die Truppe vor. die Sammlung war in höchster Gefahr. Wieder war es nicht der Oisizier, sondern der Gelehrte, der die Rettung brachte. Mit den Studenten stellte er sich zwischen Volk und Militär und erreichte, daß der Leutnant mit streng- sten, weit vernehmbaren Worten dem Untcrossizier sein Verhalten verwies. Gleichzeitig erteilke er den Befehl, den Garten durch die Hintertür noch der Zicgelstraße zu zu verlassen und zur Kaserne zurückzukehren. Bewaffnete und Fackelträger durchsuchten den Garten nach Soldaten und Wafsen, der Professor, die Studenten, der Gärtner nud seine Gehilsen standen an den Eingängen zu den Räumen und riefen dem Volke zu:„N a t i o n a l e i g e n t u m, A l t e rft ü m e r!* Und damit der Humor nicht fehle, ereignete sich dieser Zwischenfall: Als an einer der Türen im Innern des Gartenschlosscs, hinter der man Soldaten versteckt glaubte, van der Menge heftig angeklopft wurde, trat eine hochbetagte Dame heraus und rief mit hohler Stimme und feierlichem Ernst:„?l l t e r t u m, n i ch t s w i c A l t e r- tum?* Ein Fackelträger, echter Berliner, beleuchtete die über- raschende Gestalt und sagte begütigend:„Legen Sie sich ruhig zu Bett, liebe Mumie, Achtung vor dem Altertum!* Die Kunstschätze und das anliegende Kupferstichkabinett waren gerettet, und in einer allen Chronik„Amtlich« Berichte und Mitteilungen über die Berliner Barrikadenkäinpse* steht der bezeichnende Satz: Sie(die Kunstschätze) blieben unter dem Schutz einiger wohlgesinnter Männer des Polles. Noch einmal zog in der Nacht ein Volkshans« mit Fackeln heran, wieder trat unser Prosesior vor und bat, den Führer sprechen zu können. Dies war ein mit einem Jiffanteriegewehr bewaffneter Handwerker. Der tapfere Hotho erklärte ruhig, daß hier schon alles getan und die Wache von den Bürgern genommen und besetzt sei. Er nwge mit seinen Leuten dahin ziehen, wo Hilfe not tue und noch ge kämpft werde. Der brave Mann ließ sich bedeuten und zog mit seiner Mannschaft weiter nach der Neuen Promenade. Eine kleine(Episode aus großer Zeit! Wer eine Episode, die, wie wenige, Verhalten und Einstellung der einzelnen Akteure im Revolutionsgeschehen von 1848 beleuchtet! Sladlverordneien■ Kleinarbeit. Masseneriedigung von Anträgen.- Beamtenanträge der Sozialdemokratie. 3n der gestrigen Stadtverordnekensitznng wurde wieder fleißig und schnell gearbeitet. Zahlreiche Anträge fanden ihre Erledigung, wichtige Beamlenanlräge der Sozial- demokraten wurden angenommen. Der Vor st eher. Genosse Haß, eröffnete die Sitzung mit einem Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Stadtverordneten L ü d i ck e(Dnat.), dcr eines der dienstältesten Mitglieder der Ver- sammlung war. Die im gestrigen„Abend* mitgeteilte Vorlage des Mogistrais wegen des Ankaufs von Gelände am Siemensdamm— Ronnendamm für den geplanten Bau des Stichtanals Siemcnsstadt— Westhase» wurde ohne Debatte einem Sonderausschuß überwiesen. Die Dring- lichkeit war im Aellestenrot von den Kommunisten bestritten worden. das Plenum war aber entgegengesetzter Ansicht.— In einem Antrag forderten die Deuffchnattönalen. daß, analog den Bestimmungen für die Aufnahme k acholischer Wohlfahrtsbetreuter in kacholiichen Krankeichäufern aucb die Ausnahme evangelischer Wohlsahrts- betreuter in evangelischen Krankenanstalten stattfindet. Die Volks- Partei hatte zu dem Thema auch einen Antrag eingebrocht. Die fofialdemokrotifche Fraktion setzte sich in einem A n t r a g dafür«in, daß von der Stadt Wohlfahrtsunterstützungsempiänger nickst in private Krankenanstalten eingewiesen werden, solang« noch in städtischen Anstalten Plätze frei sind. Die Deutschnationalen sehen in der bisherigen Praxis eine Behinderung der Kranken in der Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse. Genossin Dr. Irankenthal betonte, daß fedcr Kranke in jedem städtischen Krankenhaus die von ihm gewünschte religiöse Betreuung erfahren kann. Sie bat um Annahme des sozialdemokratischen Antrages. Der Stadtmedizinalrot Prof. De. von Origoleti tagte, eine.wcuherzige Berücksichtigung der Wünlchs'rel igiös In te re ist e r: e f bei der Atilnahme in konfiüsicmell orientierte Anstalten Zu.' Nach einer Debatte, in der die religiös interessierten Fraktionen stritten, beantragten die Bolksparteilcr sogar eine namentliche Abstimmung über die Anträge. Dcr sozial- demokratische Antrag wurde angenommen, die anderen abgelehnt. Zu den Rechten des Magistrais gehört es, Verträge Abzuschließen, ohne daß er gehalten ist, über jeden Vertrag der Stadt- vcrordnetenvcrsanmilung eine Borlage zu machen. Die sozialdemokratische Frakllon forderte Abänderung dieser Praxis. Beschlosjen wurde, daß der Magistrat über alle ltzerträgc, die Ber- pflichtungen der Stadt über 23 000 M. hinaus enthalten, oder die über das Etatjahr hinausgehen, dcr Versammlung Perzeichnisse vorzulegen hat. Bei Vorhaben, die Mittel über 30 000 M. erfordern, oder bei Vorhaben, die sich über mehrere Jahre erstrecken, soll dcr Magistrat der Versammlung die Gesamtkostcn und die voraussichi- lichc Dauer angeben. Schließlich soll der Magisttat Bürgschafts- Verträge nur nach Zustimmung durch die Stadtverordneten ab- schließen. Anträge über Anträge. In Erledigung eines Antrages des Zenttums ersuchte die Versammlung den Magistrat, dafür zu sorgen, daß die bestehenden Vorschriften für das Heizen der Schuleu auch in Zukunft beobachtet werden.(Der Magistrat hatte Sparinagnahmen angeordnet!) Heber einen Protestantrog dcr Kommunisten gegen eine ver- Minderung der Volksküchen wird die Vcrsamnlluna am Donnerstag abstimmen. Für die Hergabe der Turnhallen und dpr Sportplätze zu ermäßigten Benutzungsgebühren an die komnumistischei, Sportvereine setzte sich ein Antrag dcr kommunistischen Fraktion ein: in der Sitzung machte sich Stadto. Müller(Komm.) dafür stark, lieber diesen Aistrag sowie über einen Antrag der Sozialdcmo- kraten,� der den Magistrat ersucht, es zu unterlassen, daß jetzt von den«portvereinen für Turn-, Spiel-, Sportplätze und Wasser- grundslücke die Grundvermögcnssteur. die bisher mit dem Ziele der Niederschlagung gestundet war, nacherhobcn, wird, kommt ebenfalls erst am Donnerstag zur Abstimmung. Eine Debatte fand nicht statt. Schluß dcr Sitzung gegen 21 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesorduung nahm die Versammlung folgende Dringlichkeitsanträge der sozialdemokratischen Fraktton an:, 1. Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, den Magistrat zu ersuchen, der zur Freigabe von S te l le n b e s e tz u n ge n eingelegte» besonderen Gemischten Deputation(sechs Magistrats- mstglieoer und dcr Beamte stausschuß der Stadtvcrordnetcnversamm- lungi den Eiulpriich des Oberpräsideisten gegen die Besoldungs- srdnustg ustperzstglich zur Beratung des Gutachtens(unter Hinzuziehung der Organifationsvertrcter) zu überweisen. ?. Der Magistrat wird ersucht, beschleunigt dcr Stadtverordnete»- Versammlung die von ihr durch einstimmigen Beschluß geforderte Verfügung vorzulegen, durch die die A» g e st e l l t c n k ü n d i g u n- gen in der Zentrale und in den Bezirken aufgehoben werden sollten. 3. Einseitige Entscheidungen des Magistrats können den Personalbestand, wie er durch den Elar jeweilig begrenzt wird, nicht willkürlich verändern. Die Stadtverordnetenversammlung wolle be- schließen, den Magistrat zu ersuchen, in der Zeistrale und in den Bezirken Verringerungen ain derzeitigen Personal- bestand nicht vorzunehmen oder vornehmen zu lassen, ehe der Haushalt beraten worden ist. „Vielleicht dauerts auch zwanzig Minuten", fügt Papen- dieck wütend hinzu, stapft schräg über die Straße zur Bant und nimmt die Drehtür mit Wucht. Fünf, sechs Männer sitzen wartend im überheizten Vor- räum; ihre Mäntel dampfen. Ob die auch alle Hypotheken wollen? denkt er mißtrauisch und doch gestützt durch die ver- mutliche Schicksalsgenossenschaft. „Bitte sehr?" singt ein junger Mann hinter der Schalter- dank. Papendieck lehnt sich aus das glatte Holz und fragt in vertraulichem Tone:.Kann ich woll den Chef sprechen?" „Worum handelt sichs bitte sehr?* „Ach Gott— ich bin zufällig hier, das heißt geschäfte- halber, nicht wahr— und da wollte ich bloß mal so fragen, so nebenbei— ich habe da so was läuten hären wegen—" „Wegen bitte sehr?" kürzt dcr junge Mann die Pause. Papendieck spitzt die Lippen und sagt flötend, well ihm dos Gleichgültigkeit zu markieren scheint:„Wegen Hypotheken." In der Leere seines Innern hallt sein eigenes Wort wider wie ein Posaunenstoß, wie ein Donnerschlag... nun muh die Antwort kommen» die Entscheidung, dcr Urteilsspruch des jüngsten Gerichts... Hypotheken", echot der Tenor hinter der Bank säuselnd dem Donerschlag,„Sie meinen aus Mitteln der Stützungs- aktwn?" Papendieck fühlt sich nicken. Aber der Kops bleibt ihm unten, ist nicht wieder hinauf zu kriegen, nicht... wieder... hinauf. „Selbstverständlich", singt der Tenor,„können Sie selbst- verständlich haben. Wie war doch Ihr Name? Papendieck, Friedrich. Plantagenhesitzer. Post Schloßheide. Bitte, nehmen Sic Platz, ich werde Sie dem Herrn Direktor.. Papendieck. das brausende, läutende Etwas Friedrich Papendieck hockt lang, zerfranst, hager,„papendünn", wie Andreas Korn gewitzelt haben soll, zwischen den anderen, die dick und wohlgenährt aussehen.., das machen aber wohl bloß die Mäntel... er hätte doch lieber... es gibt Geld, Mensch. Papendieck, begreis das doch mal, Geld, also Spargel — übrigens die Lene, was die sagen wird, und erst die andern. Korns. Maschkes, hohoho— bums, auf geht die Tür. raus kommt einer, rein geht einer, bums, zu geht die Tür, Kinder, ist das Leben lustig, ja ja, die Welt ist schön, man muß sie nur verdrehn, ei ei ei Junge Junge Junge, Annemarie... Na, nu mal nicht pfeifen hier, Papendieck— er hält sich ängstlich den Mund zu. Dann lieber reden, nicht wahr? Papendieck fragt, läßt sich fragen, erzählt. Gute Regie- ning, was? Langsam, aber doch noch! Genau so wie der Sand im Stubbenland: langsam, aber dann pikfein! Gold- fand, wirklich, muß man sagen! Hypotheken brauche man aber doch? Lieber Himmel, bloß um es mitzunehmen(auf geht die Tür, zu geht die Tür, wieder hat einer Geld, gratuliere, Kollege!) Schließlich hat man ja auch ne Tochter nicht wahr? Immer Nachrücken, nur nicht drängeln, jeder kommt ran. immer ran an die Theke, an die Hypotheke, hahaha. hohoho-- „Herr Papendieck bitte!" Teufel, stand ja schon ne ganze Weile offen, die Tür! Hat gewartet auf ihn, der Herr Dirck- tor, die ivtützungsoktion, das Geld... „Also, Herr Papendieck. ich brauche Ihnen ja mahl nicht erst zu sagen, daß aus den Mitteln der Stützungsaktion nur Grundstücke, die nicht überlastet sind—" Papendieck sieht sich mit der Hand durch die Luft fahren: „Noch gar nicht belastet. Herr Direktor, nicht die Spur"— sein Denken ober stürmt inzwischen einen neuen Weg entlang: wieviel soll er denn eigentlich fordern? Fünftausend? Sechs, sieben, na sagen wir mal: zehn, wap? Kriegt man's, gut, kriegt man weniger, auch gut. nur nicht zu bescheiden, der Mann da am Schreibtisch"malt sowieso schon Nullen aufs Papier, rund und dick wie Mehlsäcke, kann der Braune ja gar nicht ziehn, so viel Geld, hoho... „Wieviel Morgen haben Sie denn, Herr Papendieck?" „Na, ich dachte: so zehntausend, Herr Direktor!" Der Direktor lächelt, witzelt liebreich:„Morgen, meine ich, nicht Quadratmeter!" „Hachso; tja: achtzehn. Herr Direktor!" „Achtzehn Hektar?" „Achtzehn Morgen! Sagten Sie nicht: Morgen?" Doch, natürlich hat„Morgen" gesagt und lächelt nun über sich selbst, der Direktor, oder worüber lächelt er sonst? Jetzt steht er sogar auf. ein höflicher Mensch, muß man zugeben, und sagt, und sagt, Papendieck, nimm dich mal zusammen und frag nochmal! ... und sagt, da könne er leider nicht dienen, die Hypo- theken könnten nur aus Grundstücke von zwanzig Morgen auswärts gegeben werden. Es hätte wohl ein Mißvcr- ständnis... „Hachso", sagt jemand, der eine Stimme hat wie Papendieck.„Ein Mißverständnis." „Tja, es tut mir wirklich sehr leid— ich verstehe: gerade die Not der kleinen Besitzer..." Es ist doch aber Plantagcnland. �. Meine Instruktionen... Man könnte ja noch zwei Morgen zukaufen, wenn man bloß erst das Geld hat, dann sind es doch zwanzig... Lachen jetzt sogar, nettes Lachen, und Achselzucken.,. es ist immer furchtbar, bis die Schulter rauf ist und wieder runter... Bums, die Tür geht auf, raus geht einer, rein geht einer, bums, die Tür geht zu, drin ist einer, draußen ist einer— draußen ist Friedrich Papendieck. Nicht, daß er bestürzt aussieht. Er lächelt: er schüttelt den Kops; weil es doch ein Mißverständnis gewesen ist. Mißoer- ständnissc sind doch komisch, nicht wobr: sind doch nicht ernst zu nehmen: hören doch morgen auf: müssen belächelt werden. „Aus Wicdcrsehn, Herr Papendieck*, singt der Tenor ins Rauschen dcr Drehtür. Wenn man nur wüßte, ob dos Miß- Verständnis drin geblieben ist, beim Direktor, oder mit raus- gegangen, mit Papendieck. Man müßte mit jemanden darüber spreffzen, denkt er, wie er über die Straße geht; langsam tut er das; an seinem Schatten sieht er, daß er schwankt; sieht er auch, wie entsetz- lich dünn er geworden ist. Aber dos Schwanken kommt wohl daher, daß die Mittagssonne den gefrorenen Dreck ein wenig aufgetaut hat. nun ist er zäh und klebrig und mühsam zu überschreiten. Hoffentlich srierts wieder; sonst wird man schwer vorwärtskommen mit dem Braunen, wenn man morgen wieder reinfährt. Das ist das Dümmste an diesem Mißver- ständnis: daß man morgen schon wieder hier sein muß. „Na", fragt drinnen der Wirt,„hat doch ziemlich lange gedauert, was? Haben Sie denn nun ihre Hypothek?" „In der Tasche gerade noch nicht", sagt Papendieck und kann lachen: obgleich ein Mißverständnis nicht zum Lachen ist; nur zum Lächeln „Na ja", sagt der Wirt,„natürlich— die Formalitäten." Er putzt seine Gläser weiter. (Fortsetzung folgt.) Tetzners Mordauto. Der Morder durch seine Frau und den Hauptzeugen schwer belastet. 3m Xtöner Mordprozeß wurde dann die Ehefrau Emma Tctzner vcriwmmen. St« erklärte schluchzend, daß sie mit ihrem Mann ganz gut gelebt habe und berichtet dann weiter, wie es zu der Aersicherung ihrer Mutter gekommen sei und wie sie im Anschluß an einen Motor- radunfall sehr viel mit den Nerrfdn zu tun gehabt Hab«, so daß ihre Willenskraftgeschwächt gewesen sei und sie allesgetzn habe, was ihr Mann von ihrperlangte. Vorsitzen- der:„Sst es richtig, daß 3hr Mann nach de»» Tode Ihrer Mutter den Vorschlag mochte, seine eigene Mutter imn aus 20 M M, zu versichern?� Frau Tetzner: ,�Za, wir wollten das tun. und wir wollten zu seiner Mutter ziehen. 3ch wollte es nicht, und ich habe ihm noch gesagt:„C? sterben nicht alle Menschen, die du verstcherst." Er aber antwortete mir: Mit 10- bis 15 000 M, bar Geld in der Tasche kann ich zu dem gelangen, was ich brauche. lchroß« Bewegung.) Vors.:„Wie haben Sie das verstanden?"' Frau T e tz n« r(weinend):„3ch habe angenommen, er wollte Gift besorge n."(Große Bewegung.) Vors.(sehr ernst und«in- dringlich):„3st das auch die Wahrheit, Frau Tetzner? Ihre Aussage ist von eine? furchtbaren Tragweite. Sie kann siir Ihren Mann, der er doch noch immer ist, außerordentlich schädlich sein. Ist es die Wahrheit?" Die Angeklagte nickt unter Tränen. Unter immer stärkerem Schluchzen schilderte Frau Tetzner dann, wie ihr Mann, immer gegen ihren Widerstand, die eigentliche Tat vorbereitet habe.„Ich habe nie eingewilligt" schrie sie aus, und dabei blieb st« auch trotz aller Vorhalte des Vorsitzenden. Schließlich war aus ihrer unter fortwährendem Weinen gemachten Aussage herauszuhören, daß sie wohl gewußt habe, was ihr Mann vorhatte und daß sie auch wußte, wie sie sich nachher oerhalten sollte, daß sie Ihm aber niemals«ine direkt» Zusage gegeben habe. Es tan« dann zu weiteren Vorhaltungen und Au»«inander- setzungen über die Frage, ob die Frau die Tat ihres Mannes direkt und bewußt unterstützt oder nur stillschweigend gebilligt hat. Zu Beginn der Nachmittagssitzung wurde unter allgemeiner Spannung der hauptzeuge, der 25jährige Schlosser Alois Orlner aus München vernommen, auf den Tetzuer den ersten Uebersoll ausgeführt hatte. Der Zeug« hatte in Norddeutschland und zwar in Berlin gearbeitet, und wanderte über Sachsen nach Süddeutschland, um zu seinen Eltern nach München zurückzukehren. Am 21. November 1029 kurz vor ch o f gab er einem herankommenden kleinen Wogen, wie es die chandwerks- burschen immer tun. das Zeichen, daß er gern mitfahren wolle. Der Automobilist hielt auch an und lud Ihn ein, mitzufahren, stellt« sich unterwegs als ein Leipziger Kaufmann vor, der auch nach München wolle und behandelte ihn ungewöhnlich freundlich. Der Zeuge schilderte dann, wie Tetzner versuchte, ihn betrunken zu machen, indem er ihn freistellte, souicl zu trinken, wie er wolle. Kurz vor Ingolstadt bei dem Ort Geimersheim hielt Tetzner plötzlich an. stieg aus und sah nach den: Motor. Darauf forderte er muh Ortner aus, auszusteigen, legte ihm eins Decke neben den Wagen und sagte, er solle unter das Auto kriechen und Oel ablassen, was der Hand- werksburfche auch bereitwilligst tat. Nach vergeblichen Bemühungen, das Oel abzulassen, kroch Ortner wieder hervor. Als er mit dem Ober- törper wieder unter dem Wagen hervor war, bekam er plötzlich einen Schlag über die Schuster und im nächsten Moment einen furcht- barenHtebüberdenKopf. Nun merkte er, daß es um sein Leben ging. Es kam zu einem erbitterten Ringkampf zwischen ihm und dem auf ihm liegenden Tetzner, der sich vergeblich bemühte, seinem Opfer einen Aetherl-appen vor das Gesicht zu drücken. Endlich gelang es dem trotz des Blutverlustes noch ungeschwächtcn Handwertsburschen, seinen Angreifer durch einen Schlag mit dem Schraubenschlüssel abzuwehren, sich zu befreien und zu flüchten. Der unglückliche Mensch haste dann noch einen langen Leidensweg zurück- zulegen. Niemand wollte ihm, den in dem Kampf mit Tetzner schwer verletzten und blutüberströmten Handwerksburschen, Glauben schenken Selbst nicht der Gendarmertebeamt«. Erst im Ingolstädter Krankenhaus, wo er schon schwer darniederlag, wurde man auf ihn aufmerksam und vernahm ihn, als inzwischen die Nachricht gc- kommen war, daß bei Regensburg ein Mann mit dem Auto verbrannt war. Nun hatte nämlich die Polizei Verdacht geschöpft, daß diese beiden Fälle zusammenhängen könnten und schenkte den Angaben Ortners Glauben. Dann folgte hintereinander eine ganze Reche von Zeugen aus der Umgebung von Regensburg und von Ettershavsen, größtenteils Arbeiter, die in den frühen Morgenstunden des 37. November 1929 beim Kilometerstein ö das brennende Auto gefunden hatten. Die Aussagen gingen etwas auseinander, da st« alle zu ver- fchiedenen Zeitpunkten eingetroffen waren. Einige hatten in dem glühenden Wagen hinter dem Steuer einen formlosen Körper liegen sehen, de» sie zuerst für ein verbranntes Sitzpolster htetten. Erst bei näherer Betrachtung ergab es sich, daß man eine fürchterlich zugerichtete Leiche vor sich hatte, der Anne und Beine fehlten. Beim weiteren Nachforschen siel dann die Leiche halb aus dem Wagen heraus. Nach kurzer Vernchmung des Tantwärters Hochmeyer aus Hohenschamboch begab sich das Gericht mit ollen Prozeßbeteiligten und den Angeklagten in den Hof des Gerichtsgebäudes zur Desichligung des Mordaukos. da» die Numnier„III 51033" trägt. Das Auto ist nur noch ein äußerlich zusammenhastender Haufen von verrostetem Blech. An einem zum Vergleich herbeigchollcn Opel-Zweisitzer muht« Tetzncr erläutern, wie er den Wagen m Brand gesteckt hatte: er gab alle Erklärungen ruhig und gleichmütig ab. Dann wurde die Vechand- lung wieder fortgesetzt und zunächst die beiden Gendarmeriebeamtc» vernommen, die die ersten Feststellungen am Tatort getraffen haben Die Tragödie im Eismeer. Die„Biking" von Pulver auseinandergeriffen. Condon, 17. März. Die Explosionskatastrophs auf dem Robhenfänger„B i t i n g" scheint auf eine Unvorsichtigkeit beim Ausladen der Pulver- Vorräte zurückzuführen zu sein, die zu einer Eissprengung ge- braucht werden sollten. Ein Mann der Besatzung, der mit anderen die Ausladung des Pulvers besorgte, raucht« dabei ein« Pfeife, und es ist anzunehmen, daß«in Funk« oon der Pfeif« in die Pulver- Masse übersprang und diese zur Explosion bracht«. Das Hinterteil des Schisfes wurde durch die Gewalt der Explosion abge- rissen und alle Personen, die sich in den hier gelegenen Kabinen befanden, sowie die Heizer im Maschinenraum wurden ins Wasser g» schleudert und sofort getötet. Wie viele Personen den Tod gefunden haben, steht noch nicht fest. Die Heldin des Tages ist die lejährige Telegraphistin der Funkstation auf Horse Island, eine Miß O'Bartlett, die 24 Stunden auf ihrem Posten ausharrt«, die«rsten Nachrichten über die Katastrophe in die Welt hinaus- sandte lmd die Zlbsendung von Rettungsschiffen veranlaßt«. Bisher HS Mann gereiset. New Aork. 17. März. Aus St. Johns, Neufundland, wird gemeldet, daß die Zahl der Geretteten des Dampfers„Dikmg" sich auf IIS erhöht hat. Das Schicksal der übrigen ist unbekannt. Tiergarten macht sich schön. Schloßpark Lellevue vorläufig geschlossen. Nach dem Verschwinden der Schneedecke werden die Anlagen in der Gegend des Lulsendenkmals im Tiergarten für einig« Wochen gesperrt werden. In den dort befindlichen immergrünen Pflanzungen hat der starke Frost des Winters 1928/29 Schäden angerichtet, die nicht wieder ausheilen. Außerdem ist bei dem Alter und dem dichten Stande der dortigen Anpflaixzungeu ein teilweise stärkerer R ü ck s ch n i t t sowie Entfernung und Ersatz des absterben- den Unterholzes erforderlich. Die Anlagen sollen im wesentlichen in ihrer bisherigen Form wiederhergestellt werden. Di« gegenüber dem Denkmal beftndlich« groß« Pappelgruppe, deren Atters- «rjcheenungen sich neben Stammsäule in erheblicher Wipfeldürre bemerkbor machen, müßte zur Vermeidung von Gefahren für den Fußgängerverkehr im Tiergarten sehr stark gekröpft werden. Do ein« derartige Verstümmelung der Bäume mit Rücksicht auf den prächtigen Baumbestand der Umgebung sehr unschön wirken würde und ein befriedigender Dauerzustand damit doch nicht erreicht wird. fuilen die Baume im Einvernehmen mit der staatlichen Stelle für Nalurdenkinalpslege entsernt und durch Neuanpslanzungen ersetzt werden. Der Schloßpart Bektevue muß mit Rücksicht auf den infolge der Witterung slag« stark aufgeweicht«» Zustand der Wege im Interesse der Anpflanzungen sowie auch wegen Instandsetzung»- arbeiten bis auf weiteres für den Durchgangsverkehr geschlossen werden._ Brüning auf der Reichshandwerkswoche. Am Dienstagnachmtttag sprach bei der Festsitzung der RvichtHandwerkswoch« im Haus« der Berliner Handwerte-- lämmer in der Teltower Straß«, da? mit den Fahntit des Reiches f und. Preußens-geschmückt war, und im großen Saale die Banner des Berliner' Handwerks zeigte. Reichskanzler Dr. Brüning. Er ging in seiner Rede von der allgemeinen Not. des Vaterlandes ous.i betont« aber, daß neben den anderen Ständen auch das deutsche Handwerk fest entschlösse» sei, nicht zu verzagen und der Not Herr zu werden. Der Reichskanzler warnte vor einer Ueber- jpannung der Zollpolitik, wie sie von gewissen Kreisen angestrebt wird und betonte, daß eine Ankurbelung der Wirtschaft nur möglich sei, wenn von den Gewerbetreibenden jeder Art die Kraft des Verbrauchers richtig in Rechnung gestellt würde. Der Appell, in dieser Notzeit Opfer zu bringen, müsse sich an alle Schichten der Bevölkerung wenden, und er oertraue darauf, daß auch das Handwerk sich dieser Pflicht bewußt sein werde und nicht der S taa ts f« i ndlich k e it zum Opfer fall«. Die Rede des Reichskanzlers wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zugleich mit der Tagung der Reichehandwerkswoche wird der >.Retchsaueschuß für Sachwerterhaltung durch Anstrich" mit 15 Wagen einen großen Werbeumzug durch die Berliner Stadtbezirk« vor- nehmen, um die Bevölkerung auf die große Bedeutung der An- Wendung von Lacken und Farben hinzuweisen. Man hofft, auf diesem Wege dem gleichfalls voiv der Not der Zeit betroffenen Molergewer be Aufträge zu verschaffen und vor allem auch die Arbeitslosigkeit bei den Malergehtlsen zu vermindern. Ostern keine Kundgebungen. 3m Hinblick ans die blutigen Vorgänge bei dem vorjährigen Oftertreffen der kommunistischen Jugend in Leipzig hat der P o l i- zeipräsident von Berlin alle öffentlichen Kundgebungen unter freiem Himmel am 5. und K. April, also auch das Beichsjugend- treffen der Kommunistischen Partei in Berlin verboten. Versammlungen in geschlossenen Räumen werden von dem Verbot nicht betroffen. Georg Matthe» gxstorben. Iu Schöneberg ist vorgestern «lffer Genosse und Mitckrbeiter, der Abteilungsleiter in der Zettungs- fetzerei des„Vorwärts", Georg Matthes, einem Lungenlerden erlegen. Schon im vergangenen Jahre fürchteten fein« Freunde und Kollegen, daß Georg Matthes, der bis an die Grenze seiner Kräfte im Betrieb tätig war, den Keim des Todes in sich trage. Leider hat sich die Befürchtung als richtig erwiesen: er starb kurz vor seinem 40. Geburtstag. Schon als junger Mensch war Matches der Sozialdemokratischen Dartei und der freien Gewerkschaft beigetreten. und in seiner Mtlitärzett 1907 bis 1909 hatte er, der schon vorher am„Vorwärts" tätig gewesen war, deshalb mancherlei Schikanen zu erdulden. Von 1900 ab war er dann— bis auf die Krlegszett, in der er fast ohne Unterbrechung an der Front war— im „Vorwärts'-Haufe beschäftigt. Ein überzeugter Anhänger des sozio- listtschen Gedankens, ein immer fröhlicher, arbeits- und hilfsbereiter Mensch, so wird er in unserer Erinnerung fortleben. Vtatthes läßt eine Witwe zurück. Das Andenken des Arbeitskollegsn und Partei- genossen wird bei allen, die am„Porwärts" tätig find, m Ehren gehalten werden. goonaplao und Mrlschaflskelse. Im Rahmen eines Sonderoiends der .Deulschen Liga für Menscheniechte" am DonnerNag. dem 19. Mir». AN/. Uhr iin ReichSwtrlschastSrat. Bellevuesw. 15, stcdt daS Thema.Aoungplan mid LZ irisch aftskrile� zur Distuiston. Nack) einem«inteitenden Referat von Eduard Aeclerl« au» Chemnitz werden da» A-rt nehmen: Flau Toni Sender, M. d. R., Felix Stöffinger. Heinrich StrSbel. M. d. R. und Pros. Eeorz Bernhard. Gäste gegen Zahlung des Unkostenbeitrages willtomme«. Wieder Rundenjagden. Wilde Nacht im Sporipalati. Wie nun schon gewohnt, wurde. auch, die. gestrige Nachmittags- wertung in vollkommen ruhiger Weife ausgetrudelt. Die Spurterseen waren nacheinander van Kempen, Goebel, Piinenburg,-G<>«b«l,-oan Kempen, Thollembeek. Pijnenburg, Chmer, Dinale, Pijnenburg, und schließlich wieder»an Kempen und Pijnenburg. Am Abend waren Innenraum. Tribünen und Ränge wiederum gut besetzt. Di« Abendwertung selbst bestritt das nun auf zehn Mannschaften reduzierte Feld ohne sonderliche Aufregung: Dinale, Miethe, FaiÄet, Miethe, Pijnenburg und Thollembeek belegten die nicht im geringsten umkämpften ersten Plätze. Doch gleich im Anschluß an die Wertung begann der Tanz der Runden, von Marcillac angesagt. Tietz-Thollembeck, Schön-Pijnenburg und Goebel-Dinale boanrworteten diese Aufforderung damit, daß sie gegen das übrige Feld eine Runde ausholten. Ohne viel Müh« gelang das auch van Hevel-oan Buggenliout, gaudei-Marcillac. Kroll-Miethe und Ärüger-Funda. Die meiste» Runden Holle» Dinale-Goebel auf, die viermal eine Bahnlänge wettmachten und sich so von ihrem sechsten Platz eine Runde zurück hinter das Spitzenpaar Pijnenburg-Schön legten. Auch Rieger Maczinski konnten sich in diese Gruppe einreihen. Um 11 Uhr— das Rundenholen hält an— wird folgender Stand des Rennens bekannt: Spige: Piinenbiirg-Schön, eine Runde zurück Goebel-Dinale, Tietz-Thollembeek, Rieger-Maczynski, zwei Runden zurück Faudet-Marcillac, drei Runden zurück Krüger-Funda und Manthey-NIckel, fünf Runden zurück Kroll-Miethe, sieben Runden zurück van Ksmpen-Chn�r. van Hevel-van Bugghout. was muh der Mieter von der Notverordnung wiffen?—- Das Ende de» ZNIelerfchuhes?— Zu diesen Fragen veranstaltet der Mieterverein Charlottenburg im Reichsbund Deutscher Mieter e. B. am Donnerstag, dem 19. d. M.. 20 Uhr, in„Ahlerls Festsälen", Charlottenburg, Berliner Straße LL, Ecke Brauhosstraße(Großer Soal), und am Freitag, dem 20. d. M., 20 Uhr. in der Schulaula. Eharlottenburg, Sybelstraße 20/21, öffentliche Bersammlungen, in welchen der Bundcsvorsitzende, Volkswirt R. D. A. Fritz Dzieyk und Rechtsanwalt Dr. Georg Künkel sprechen werden. Der Berliner Rundfunk sollte endlich über den Dilettantismus hinaus sein, sein höchstes Glück darin zu� sehen, bekannte Romane der Wellliteratur auf das enge Maß von wendespielen zu reduzieren. Das ist«in lächerliches Veginneir, besonders wenn es sich um die epische, weitverzweigte Welt des Russen D o st o s c w s t i handelt. Was bei dieser Bearbeitung vielleicht sesseln kann, ist der«tosf. Aber der Stoff liegt bereits in endgültiger Fassung geformt vor und jede Bearbeitung zerstört die Form, und diese allein entscheidet über den künstlerischen Wert. Es bleibt tatsächlich eine kitschige Kolpovage übrig. Man fühlt nichts mehr von der seelischen Welle Dostojewskis, oon dem mystischen Untergrund der Personen und Situationen. Eine Sendung dieser Ari ist trotz einzelner guter Leistungen entschieden abzulehnen. Der Dialog Im Roman ist grund- verschieden von dem im Sendespiel, er steht m ganz anderen Zu- sammenhängen, er bedeutet«inen Höhepunkt in der epischen Er- Zählung, während er im Sendespiel all einiger Träger der Handlung »st. So ist diese Sendung eine Vergewalttgung des Lichters Dosto- jewski.— Schr schön das Ouvertürenkonzert unter der Leitung von Selmar M« i r o w i tz. der jedem Werk die eigene Form gibt, exakt im Rhythmischen ist und der Melodie stets zu ihrem Recht verhilft. — In der Aktuellen Abteilung spricht Dr. G r i e s e r über„Die gegenwärtige Lage der Reichsknappschait". Em kurzer Ausriß oon der wirtschaftlichen Lage und dem gefährlichen Beruf der B l/ r g- arbeite r. Ein instruktiver Vortrag. F. Sah. Kundgebung der Kriegsblinden. Der Bund erblindeter Krieger, der betnah« alle deutsche» Kriegsblinden umfaßt, deren Zahl sich auf ungefähr 5000 beläuft. benuhfe die Feier seine, läjährtge» Bestehen» zu rjnec eindrucksvollen Kundgebung für die Toten des Wellkrlrgcs - und über übo verilvrbenen deutschen Kriegsblinden. Der Reichspräsident, unter dessen Ehrenschirmherrschast hie Kundgebung stand, hatte ei» Begrüßungsschreiben gesandt. Außer dem Reichskanzler Dr. Brüning und dem Staatssekretär Dr. Gest, als Vertreter des Reichsarbeitsministers und Staatzsetrelär Dr. Sautter als Vertreter des Reichepostministeriums waren eine große Anzahl Vertreter und leitender Beamter der Reichs-, Länder- und KominuiwlbeHärdeii erschienen. Der Ehrenvorsigende des Bunde» Axel Bischof dankte den Ehrengästen für ihr Erscheinen und gab nach der Verlesung des Schreibens des. Reichspräsidenten dem ersten Bundesvorsißenden Dr. Peter Kl« in- Berlin das Wort zu einer zu Herzen gehenden Gedenk- und Feierrede. Er wies oui die Verbundeichell der Kriegsblinden mit den gefallenen Kamerad:» der Heimat im Vaterland und dem deutschen Volke hin und er- innert« an das groß« Opfer, das die Kriegsblinden mtt dem Ver- tust des Augenlichtes in treuer Pflichterfüllung für ihr« Ideo'e bringen mußten. Daraus erwachse aber auch für das deutsche Aalt die hohe Pflicht einer ausreichenden Versorgung der Kriegs- blinden, ihrer Frauen als treuer Pflegepersonen und ihrer Hinter- bliebenen. Ein hoher Prozentsatz der deutschen Kriegsblinden sei wieder in den verschiedensten Berufen in das Wirtschaftsleben zurück- gekehrt und beweise durch die Tat, daß auch durch ein noch so schweres Schicksal menschlicher Wille und Tatkraft nicht gebrochen werden können. So gäben die deutschen Kriegsblinden auch in dieser Hinsicht in ihrer Geschlossenheit, frei von allen parteipolitische» und religiösen Stteitigkellen, dem deutsche» Volk ein leuchtendes Vorbild. Hohe künstlerische Leistungen von Mitgliedern der Staatsoper Berlin umrahmten die einzigartig« Veranstaltung, Welleraussichten für Berlin: Fortdauer des beständigen Wetters mit Nachttrösten und meist schwachen östlichen Winden.— Für Deutschland: Beständiges, im ganzen heitere» Wetter mit oerbreitcten Nachtsrösten.__., Vortrage, Vereine undVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold'. TekSSktso-ll,: Brrlm S l«. S-b-llianlir sr-ZS Lok 2. Tr. Mittwoch, 18. Mär,. Paalow(Orisocr-ln). ISZ� Uhr Antreten Gk. s-llcchaft»l><>uz. Berliner Str. lfti. zur Märzf«i«r d-r SPT. Buichts. kleivuna. Btlichtveranslaiumg. Zrildrichgliain. toneraJndwft Warschau. 20 Utir Kamrraäs chafU-versammlunn Sei Becker, eäem. Salin, Swu>n-?>ach.-Elraäe. «ameradschakt» Andreas. VJ% Uhr Nameraiischaftsvcrlamniluua bei Echinid!, ffruchtstr. S&a. Erscheinen Pslicht. Bernau. Sievolutiansfeier her«DD. im Lokal.Dslksbaus Brllcoue". Anlaita 20 Uhr. Tis Namcraden beteiligen Illii in ginil mit Bunbesnabrl.— Donaersta«. 1». Mär». Sttqliji lOrtsnereint. 20 Uhr Kunttionärsibuna bei öchulz. Steglit». Birkbuschstr. 90.— Steil an, 20. afcäxi. P-en, lauer Berg. M> 20 Uhr' Babcn in bclairntcr Lahe. Wrbdtu».»-onrtobleilunn. Tonnerzta«, 19. März. Turnen sällr aus. Doiiir 30 Uhu Eitnin« de- Lachse. Lindomer Str. 29.— Ailmrnbois lOt'suetein). Domierstaq. 19. März, is>ll Uhr, Saalschutz im Viktoriasarten. Wilbelmsaue. — Rein'ckeudort tSittsvermnI. Sreitas. 20. März, 20 Uhr. Bsllsersamvilnnn im Bootshaus Trael.— Paukrw sIunabannerl. Mittwoch, 18. Mär».?UIe Aomeraben, dl« noch irsendwelch« Ausraitünseacsenilände siir coitr.toi brauchen, matden sich um 30 Uhr bei Straft, Detmold-r Et-. 53. ztrichabunb der nri«q,beschödiat«n.«riraatriloeh»« und Arieaerhiat»,. blitlwnra, Sau Berlin, Lrtosrupoa Norden 14. Donner�a«. 13. Mär». 20 Übe, SRUaliebnooeommüraq in den Easinofestsälen. Dapvelalle« 15. Jieferent; Gau» irirrtär Suktar Schwarz. Thema:.Der neu« Etat unv sein« Zluswirtuna auf die So»ialaesetzy«hun,�. Laadamanntchast b«r Echlemtnq.Kalsieiu«,»n Berlin 116921. Donner»toq. 20 Ubr, Dresdener©arten, Dresdener.Str. 45. aeschästliche Sitznna. Sonn. abend, 20 Uhr, in Bogel» Scsisälen. Brilckenstr. 2. Feier der 29. Stislungsfcstcs. „bor atizia kip ronio geoclo". 0rupo ltertio. Gruppe Osten: Donner»ia& Jugendheim. Am Ostbahohof 17, Zimmer 1: Gruppe Zentrum. Freitag. Mctal- arbeiter-Verbandshaus, Unienstraße 81-85. Portal III Sonntag, den iZ Märi; Wanderung Bernau-Uepnlusee. Treff: 8 Uhr L)ah-.ho( uesundbrunnen. Ctafen&uageii ffit dies« Rudri! find >» r l t» SB«S, Ltndensrratze 3. Parieinachn'chien/M� fürGroß-Verlin stet»»n da» Be>irI»I«K»uri« tSof,"-..... , S Stespe« reibt«, jn richten Achtung. Parteigenosse«? Die Siulatzkarten zu unserer nächsten Kundgebung am April im Sportpalast sind den Kassierern wieder zugestellt worden.— Gleichzeitig sind auch die Mai märten für 1931 den Kassierern bereits zugegangen.— Die politischen Vertrauensleute der Betriebe werden gebeten, die not- iver.digs Anzahl sofort bei ihren Abteilungskassierern abzuholen und eifrig zu vertreiben. �.21.: Alex Pagets. * Beginn aller Veranstaltungen 1S',s Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heute. Mittwoch. IS. März. ?. A«i«. fitctMjfrttctttwtfflmtnInng in de» Ar»fii>i»,d«II«». Ztitqliedsdoch als Avzwei« mttbri»««». 5. fiiciz. Di«»«amlHlfflatt«» ortt beut«»ra 1t US» M» Schmidt» Sesel- ichatt»hoo», z»»chtstr. 3«», noch d«m Aö�ll«n«n. Frieddos. Ui.«reis. Bild«n<>sou,sch»bfi»,m>o Schloditr. 27. S. jlbt. Slinntr;'Ärbestsgevieinschost.«Sentdiiier(Sit. 17. ffottfebutifl: Jlot. ün# UfUÄflHPtoMcQte". 0Z.«bt. Äbtelluiuissur.rtidnSrversommlun« b«i zwrbl«. Schreinerst«. z<. «.«bt. Versammlung dir Ordner bei I-nei-it. ffallc»dri-q-r Str. 74. dl.«bt. Ä! Udr de!«lad«, Landiernfir.«»-«1. Pildiingsgrupd« ifina-rer Vartei-ienosscn. Rescren-t: Schwer,«Runland). Di« vaMische und Wirt, fcherstlichc Situation nach tkrfüllumt des Fünfialnesplons. m.«bt. w Hit gusamuleniuntt der Arb-itsarmeinschaki Ul der z. Schul«, Maricndarfer De«. 128. und lR. Abt. 2S Übe»esellschastid«»». v-rliuer Str. 1«, Rii«,l«ier. Redner: Kottlied»«es«. MitwiNcnd«: Sinaetr«!».Zukunst', Sprach. qeir.rinlchast Rledcrschiudouse», Tambourchor R«ich»banu«r Ponlow. ein. tritt srei. 83.«bt.«btriluneisnrrsominlun» fällt beut« au». Darstondsfitiunei bei«Snii, Sadmische Str. 43— H. SL«dt. tslot K««s«.«eriSwt Str. TS(«s ha........... VaSsV___ aliedeiuersommluu-i. vortraa: J)ttt politisch»» Eonc'. Referent wird i» der Verloamluo» betonntqeqebeu. Morgen. Donnerstag. IS. März. t inä*.*» i«tnt tfll tederoerfo mmlumn im SoSesche» Hos, Roieutdoler Straße 4»- 4I. Dr. Theodor Kaubach:.Di« soschlftisch« Neiohr'. 13. trrei«. S» Uhr nehmen olle(Seuoficn an der Äundsebunz i» Lichltrnrvde bei Rohrmann, Prinzeifinuenftalsie. beil. 47.«dt.'20 Uhr DislusfionSOdeud hei«nouse, Marionnenploß 2Z. Bortrag Genosse Winner. b».«bt. Arbeitskreis junger Genossen,.-.niammeilkulrst Im Iuaeirdheim Flug' hafenstr.«i. Thema:..Proletarische Diktatur oder eogialoemotraiic". Zitsr- rent: Professor Denick«. »«.«bt. Arbritstreis junger Parteigenossen. 30 Uhr bei LSffler, Weichsel- Ecke Ossostraße. «bt. Rd»tge»t»l,ii»p»r»ie. 20 Uhr Mitgliederurrsoenmluna bei Meisel, Bahn- haffiraße. Bericht vom Begirtotoz. 5 rem envercmstalwngea. d. fireio. Vonnerstag, 1Z. MS«, lll'.r Uhr. i» Lokal Tadixr Slr. A>, Funk, tionärinnensshung. t. Krrio. Donnerstag, IS. MSr«. IVA U&r, bei Zkrfigcr, ffiTbranfti. I, Funk. tionSrinnenfibun«. Ii»,«dt. Donnerstog, 18. MärZ, 20 Uhr, bei Berner, Aiiuenicker Str. IZll, �peitrrrr Abend". Vortragender: San» Fuhrmann. vezirksausschuß für Arbelterwohlfahrt t.«tri». Donnerstag, IS. NSllti, fiteisauÄchuhssdung bei tk«»er. Sri««. ftraße 1, 1?!: Uhr. Arbeiter-Bildungsschule. Ptld»»q»tnrfuo Siemensstadt. Diese Boche findet unser Sursneobend wieder beut», Mittwoch, statt. Btr beginnen diesmal diinktlich» Uhr in der Schul. aula d«r 11. Semeiitdrschul« Sicmensstavt. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-verN». Gruppe Marto Demmning. Mittwoch trefsen fich alle Falken um 10 Uhr vor dem Iugendbeun Sdertnstroße. Besuch des Märigesnlleucn.Frirdhofeo. An, schließend fireisveranslaltung im Jugendheim. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei» Organisation| 38.«bt. Am Sonnabend verfiarb nach schwerer kurier Krankheit unser Genosse Keime Borr im Alter von® Jahren. Ghre seinem Andenken.?».- «rdigung Donnerstag. 19. Mär,. Zentralsricdhsf Friedrichekelds, l-i Ishr. Kear Beteiligung wird erwartet. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin «fivsrndungm itr diele Kubrtt nrn» da» Zuornbiekreto-tm ?0»N0 SM»». rwdevfleo»«> Wooderlciterlooser«»» morgen, Donnerstag, W/t Uhr. im Vortragsiaal de- Porteioorstandee. Lindenftr. 3. S. Kos, 2 Treppen. Thema:„Pflanzen unv Tiere der Morl". Horte« ffit die Ivgeudoolksbühne om Sonnta», dem A. Mü«. IS Uhr, find im Sekretariat noch zu erhalten. Preis SV Pf. Heule. Mittwoch. lS. März. tSi/z Uhr: Gesuodbru»»»» lli Thriftianiastr. 38.„Sexuell« Frage«."— Andrea sploß: Bvommnstr. 1..Marxismus— Bolschewismus."— Fronksnrter Viertel: Franfsurter Allee 3W.„ProMinb««.*— Petersburger Piertel: Gberinfir.>2. „Jugend und Militarismus."— Hos«nb«ide: Brider Str. 2?. Tageovolitische Fragen.— Hottbusser Toi: Priher Str. 27. Tagespvlitschc Infarnigtion.- R«ichcnberger Piertel: Reichenberqer Lt. 80. Taqcspolltische Fragen.— Sud, PK»«« Bris,——--" „SPD. in MpWWWMsl....■______ D____..._________ »«berste. 20..Di« Staaten Suropa, und der Völkerbund."— Lichteotorg' Nord, Sunterstr. 44. Mär* 1848."— Mahlsdors: Nelanchtwnllrohl.„Ar. beitrrdichtung."—«ewerischastohono: Köllnischer Pari..Zentrum: Ueben t« Werkraiim her Schul««äpeniekr Str. 12S. Werbebrzirk Tiergarten: Sprcchchorprobe in der Waldenserstr. 20. Seebebezirl Neukbl»: Sprechstunde 17'4 Uhe Ganqhdfcrstroß«. Svrechchor.- vrabe 28 Ubr Konucr Straß«. Berbebczirk Schönebcrg: Wandevausschuß 2V Uhr bei Willy Rennau. Luit- poldfiraß« IS. Berti- bezirk Lichtenberg:«ll««btellungrn Iitilssen beute bis 20 Ubr dal- Material ö»r Kundgebung unbedingt abholen. P Ot** ( Thealet, Lickispiele usw.\ Tägl, 9>i. 813 Sannt. 1. in«» e 4. Ale»,«o« lobm.«»«'».-!»l.,-dö,. ,.Z ßI \ Hermonn Lcopoldi 4er berühmt« Witopr Humorist DMo-Inipae.[inaoofl i Snila usw. Traute Rose in der xraOan Operette v. Kilmln tt Refie: Paul Rom Die beliebteFamilien. 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Edouard Bourdct Regie; Mai Reinhardt Waichs hallen- Theater toids Iii Joutng Rata. ITTl M Das lasitgeHfirz-Programni der ,Ste!3iner(k Pipnlän Pieise. Tel. HcrhartZIT Nachm. crmälligie Preise. vdl!«s Programm Dönhoff- Brettl: Tvhti— loweit— Uni RipelliüMSbltv. Ceulsehss Kfinsller-Theat. Barbarossa 3937. S1,» Uhr Bitter Biaubans adi'fi Frau Renaissance Iheater Stcinplau 6780 S'i Uhr Durdiaus uoerlanbi - Pr, 0.50 bis 13.50" Danksagung Mr ba» pietch. und«Urdevoll, Arrangement der Trauerteier Ifir meine verstorbene lieb, Krau, unser» gut«, liehe Mutter, Schwiegrr. und Großmutter, grau Relene Stekke geb. MmU, Dolzigcr Str. Sä sagen wir Hiermit der Scschä tslciiung des Vallefcner. beltattungsvereins fow'c dem Redner tttr seine«rast, reichen und etndruiksvollen Warte, drn tiesemptundenllen Dank. Ferner danten wir Herzlichst d,n Senoifinncn und Genoffen der 3b.«dt. der SPD. sür ihr« eindnidsvolle T ilnahme. Kranz- und Viumenlpenden sowie den Sc, nassen Ullrich besonder» sur lein» Trost- und Danteswone. Desgleichen den Pewobnern de» Haufes Dolziger Str. 05 tiir Ihre warmcmpfundene Teilnahme. Htllobcrettschast und Blumenspenden sowie allen fibrigen Teilnehmern, Freunden und Bekannten für ihre Blumenspenden. In tiessier Trauer Otto UeCke, Familie bediele, Familie F. Noack Nach kuryem, schwerem Leiden entschlief heute ,»nft mein Innigetgellebter Mann, unser guter Vater, Bruder. Schwafier, Onkel und Schwiegersohn Bernhard Wolff im 57. Lebenslahre. Im Namen aller Ilinlerbliebenen lleta Wolflf geh Kriek Xorbert und Herbert Woltf Berlin-Pankow, den 16, Mirj t«l Breite StraSe 23 Die Trauarteier findet am ZI. Mi«, um 4 Uhr naöi. mittag« im Krematorium Oerlchtsirafie statt. Beueldsbesuche dankend verbeten. Winlfir Garten r | 8 15 Uhr, Zentr. 2811 Riudui erlaalit. Yonng Chine, lluDcno Collies, LstitVtftatliitr. 4 nuilpps. � Karoiewii»'». PorniBnflB usw. ''v-r CASINO-TBEATER»,i'uh' Lolhringer Straß» 87. I UM III II UKMI Ulli l| U Ullll Ulli IIIIIIIII Hill I tili IUI IIIIIIIIIIIIMIII Ulli Sic werden lachen noch und noch über den neuen Schlager 0 diese Schwiegervater Dazu das neue ,Mirz< Programni! GoUrtieln 1-4 Peromsen Eauteull IM M., Sessel iji M. Sons tlge Pr.- Parkelt 7i Pf. Rang 60 Pi THEATER AM NOUENDORFPUTZ OR. FRIEDRICH WOLF: CYANKMI =(§218)5 GASTsPIEL OER GRUPPE JUNGER SCHAUSPIELER«'s LESER DES VORWÄRTS 50 lYietropoi-Theatcr Täglich 8''» Uhr Das Veildien v Montmartre Operette v. Kaiman fiina Alper. Anr.l Aiiiers. Ken lOken, ftldt ValüBuiar o. 8.. Ergsn Bosig als Best. Sonnlag 4 Uhr Kleine Preise. Da« Veildien v. Nonlmarire Nenes Theater am Zoo w loBshiilLlgo. StpLSSS« Ab Freitag. 20. Mi r Täglich b' i Uhr VoioiitErsudiurig von.v.ejt Alsberg u Ott« Ernst Hesse Preise 1—8 Mark. ö.15 Wriauehemd VON ITHAKA MUSIK: J. OFFEN BACM THEATER IM ADMI RAIS PALAST „[iipng� Restaurant Berlins Lening-Tlieatw Tägüch 8"« Uhr Die schöne Alexandra Losatt. Sdullw«, FtIL an EUte-SAnder littteei.tlr.l Tltl-S'�Uhr n»r lustllt"«» Abend! Öonntoj» nrAa.äVjWr •raAÄ. Preis«. Plscalor-Böliflß (Wa'lner• Theater) Alex- 468�93. Täglich S'A" Des Kaisers Kuü Für User nosenr Zeitung. Or.-Sessel statt 6 nur3M Parkett-F..A.Z. .. 3 1.50 Ring„ Z. 1 H. Binowsk�BBtiDn TOttlBk in 6«i SlrtiiMinslr. 8-, yhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Oiraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Kemödianhauo 8','i Uhr Eine homgltciie Familie Kleines Theat. Täglich SV» Uhr Olga Tsche:howa in; Liebe unmodern Will Kaufmann, Heinz Klubertanz. Sonntags 5 Uhr Liebessthlummer Kl. Preise I— t iL Lustspieinaus Täglich 8-a Uhr Der Lügner u. die nenne von Kurt Götz Jiza-lff. Mirr verstarbt'naißh Vnrzem FTrankenlas-er der i.Vorsitzenie des Gesamtbetriehsrates der 1. Vorsitzende des Betriebsräte«■ der Zentralverwaltunpr Friedrirh-Karl- Ufer, Vertreter des Gesamtbetriebarates im Aufoichtsrat der AEG Bernhard Wolff Ein treuer Freund und lieber Kollege ________ Wir werden toin Andenken stets in Ehr im 57. Lebensjahre. i->t mit dein Verstorbenen dahiniregansen. Ehren halten. Der Detrietisrat der Zentrolverwaltung Friedridi-Rari-llfcr gez. Mühlmann, Huhn BesamidefrieDsrai der AEE gez. Rooch Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 21. Marz- 16 Uhr, im Krematorium Gorichtstraße statt. 2 J 844/29. In der Straffache gegen den echriftlcllcr Ruöolf Brandt In Perssn-Steglttz. Zimmer. mannstraße 34. wegen öffcntitchcr De- ieidigung ■ bat das Schöffengericht III in Riogde- bürg am 12. Dezember 1830 jllr Recht erkannt: Der«naellagte wird unter Belastung mit den Kosten des Bersahren, wegen Per- geheno gegen 8§ 185, 188 StGB, in Ver- bindung mit Z 20 des Retchsprcßgeseßcs begangen gegen den irühcrcn preußischen Mmister des Innem Grzefinst:, den -lolizeiprästdenten Zörgicdcl und die Be- amten der Abteilung 1A des Polizei» Präsidiums Berlm Z» einer Geidftraie von 300— dreihundert— Reichsmarl, hilf«» weife zu 30— dreißig— Tage» Kcfäng» nis. wovon 40— vierzig— Reichsmart durch die erlittene Haft verbüßt sind, verurteilt Dem früheren Minister Grzesinsli wird die Befugnis zugesprochen, den erkennen- den Teil des Urteils innerhalb eines Monats nach Zustellung einer Urteil--- ausscrtigung aus Kosten de» Angeilagten je einmal in der Magdeburger„Tribüne und dem Berliner.Dorwärts" zu per- öffentlichen. Olm>8 d. M, verstarb nach schwerem Krankenlager unser treuer Freund und lieber Genosse vernksrd Wölfl Pankow. Breite Straße 23 im 57. Lebensjahre Ehre ftttten Andenken; 129. Aht. Pankow Theater IWetieDt Heute 8 Uhr Premiere Gisela Werberirk Bei der Wirtin Bosenro! 5onntag Uhr Kleine Preise Komische opor S'-e Uhr Kleine Preise. Pepplna utei pmlolidtr Utug in Honpoiisln Roben Stolz I mme|[ Teppledbauo Call Lcs-ore, Berlin, seit 48 Iah. ren nur Orauiev- straßc 158. Zah- lungserlrichtcrung ohne Aufschlag. Spe» zialkatalog kostcn- krci.> WVSI llellüiliet stelallallieües'Mllil VervallungiSielle verlin Todes«nsc8g«n Den Riitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Dreher Lrnst Neumaim um 12. März gestorben ist. Die Einäscherung findet Mittwoch de» 18 März. IS Uhr, im Krema- tortum Wilmerodors statt. Am 14. März starb unser Kollege. der Schloffer Ksri Gering geboren 18. Juni 1888. Die Einäscherung findet Donners- tag. den 18. März, 18'> Uhr, im Krematorium Baumschnlenwog, Kies. Holzstraße, statt Am IS. März starb uns« Kollege, der Dreher Richard Fischer geb. 26. Februar 1885. Die Einäscherung findet am Frei- tag. dem 28 Mär,. 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraß« statt Ehre Chaam«rnbonfe»: Reg« Dotctligung erwartet 01« 0rtavor»aItavL. Patcatmatraßcn Metallbetten, Aus- lcgematraßen. Ehoiselongues.Kal. ter.Stargarderstraße achizihn. KeinLaden Preisabbau. Schlafzimmer, her« vorragendes Mo» dell. 180 breit, kom. plett585,—. Rossien, Zlordcn, Kastanien- alle» 57......... Preioadbau. Speisezimmer, Nußbaum. 200 breit. komplett 75:.—. Rossten, Norden, Kastanienallee 57. Vornehme gediegen« Wohn- Möbel. Kamerling. Skastanienollee 58. Kcrrenzimmer 280,; Glasvitrinen 75,-: Klubtische I8A0. Riesenaus- wähl. Zahlungs- erleichterung.' Am Vohabos che-. iuudbruvnen. Kai,,, männssch« Privat- schule vonP. Kassah. Berlin R. 20. Bad- straße 87. Fernsprecher: Kumboldt 223. April deain-. nen ll-, 4». 8- und I2,Monaislchr- gänqe ju sämtlichen Äaudelssächern. Kurzschrist, Maschinenschreiben und Forlbilduna.De, fisch und Fremdsprachen. Schönschreiben Feder Art. 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März 1871 auf dem Platz vor dem Pariser Rathaus das Zentralkomitee der Nationalgarde der zwei Tage zuvor gewählten Kommune feierlich die Macht übergab, umbrachte ein Orkan der Bc- geisterung dieses Bild. Zchntachende von Nationalgardisten auf- marschiert, Zehntausende von Arbeitern, von Frauen, von Kindern sich drängend, blitzend« Bajonette, flatternde rote Fahnen, Geschütz- saloen, von fünfzig Musikkapellen die Marseillaise gespielt, und alle- überdröhnend immer wieder aus unzähligen Kehlen der Schrei: Es lebe die Kommune! Den armen Teufeln, die aus ihren Vorstädten herbeigeströmt waren, kam es vor, als ständen sie vor den weit ge- öffneten Pforten des Tausendjährigen Reiches. Nun muhte sich alles, alles wenden! Aber so einheitlich die Begeisterung, so uneinheitlich und zer- splittert war nicht nur bei den Massen, sondern auch bei den Führern die Vorstellung von dein, was jetzt werden solle. Anders als bei den sorgfältig vorbereiteten, freilich jedesmal glatt gescheiterten Hand- streichen, die Anhänger Blanquis am 14. August und 31. Oktober vorigen und am 22. Januar dieses Jahres versucht hatten, gelangte das Pariser Volt am 18. März ganz unvorbereitet und ganz un- erwartet zur Macht. Das Pariser Volk— das war das Massen- aufgebot, das man während der Belagerung unter dem Namen Nationalgarde uniformiert, bewaffnet, eingeübt und ins Feuer geführt hatte: über 250 Bataillone, mehr als 300 000 Mann! Als nach viereinhalb Monaten, vom Hunger besiegt, die Stadt kapitulierte, mußte die Garnison, bis auf eine Sichcrheitstruppe, die Waffen strecken, die Nationalgarde behielt die ihren: ja, sie rettete, vor dem Einzug der Deutschen in einen beschränkten Teil von Paris, ganze Geschützparks vor dem Zugriff des Feindes und bestückte damit die Höhen von Montmartre und Bclleoillc. Da sich im Februar 215 Ba- taillone zu einer Föderation zusammenschlössen, stand hinter ihrem Zentralkomitee eine ansehnliche Macht: das Paris der Vorstädte und Massenviertel, gärend, grollend, fiebernd, zähneknirschend. Die nach- hallende Wut aus das Kaiserreich, die böse Enttäuschung über die „Regierung der nationalen Verteidigung', die Erinnerung än Hunger und Elend während der Belagerung, die Schmach der Kapitulation, die Furcht vor der Wiederkehr der Monorchie— all das mischte sich mit dem Zorn über die reaktionäre Nationalversammlung von Bordeaux, die mit Aufhebung des Moratoriums Legionen kleincr Geschäftsleute in den Bankerott trieb, die unbemittelten Mieter mtt der Exmittierung bedrohte, mtt Streichung des Tagessoldes von 1,50 Franken für die Nationalgarde vielen den letzten Bissen vom Munde riß, zu einer dumpf revolutionären Stimmung. Auf der anderen Lette stand als Chef der Exekutivgewalt der kaltherzige Thiers, der„ewige Bourgeois", bestrebt, sich bei der krautjunkerlichen Nationalversammlung einzuschmeicheln und nicht mit leeren Händen vor sie hinzutreten, wenn sie am 20. März von Bordeaux nach Versailles Übersiedelle. Um ihr„Ruhe und Ordming in Paris' auf silbernem Teller darzubieten, plante er die Entwaff- nung der Nationalgorde. Aber als am 18. März der Versuch, vor Tag und Tau die Geschütze vom Montmartre wegzuführen, an der Unzulänglichkeit der militärischen Maßregeln und am Widerstand des sich selbst alarmierenden Volkes schmählich schetterte und als m bedrohlicher Weife die Truppe sich mit der Menge verbrüderte, auf die sie schießen sollte, gab Thiers rasch entschlossen den Befehl, die Stadt Hals über Kopf zu räumen und verlegte die Regierung nach Ver- failles, um von dort Paris mit den Waffen wicderzuerobern. DaK Zentralkomitee, wider seinen Willen zum Herrn über eine .Zweimillioncnstadt geworden, fand sich schweren die neue Latze, als am Abend des 18. März vom Rathaus die rote Fahne wehte Und die Gasbeleuchtung der hohen Festtage strahlte. Statt, da das Verhallen von Thiers ganz offensichtlich auf den Bürgerkrieg abzielte, feine Uebermacht von 300 000 Mann und 2000 Geschützen zu nützen und Sturmkolonnen gegen Versailles anzusetzen, verharrte es. weil zur Uebernahme der Gewalt nicht berufen, in verderblicher Untätigkett und überließ alles der am 26. März zu wählenden Kommune. Kommune hieß Gemeinde oder Gemeinderat, und von den„Es- lebe-die-Kommune!-Rufern verbanden keineswegs alle den gleichen Begriff mit dem Wort. Für die einen steckte in der Sehnsucht nach der Kommune der Widerwille gegen die den Atem abschnürende zentralistifche Präfektenwirtschast, gewürzt durch die Erinnerung an die Gemeindeselbstoerwaltung im Mittelaller. Anderen schwebte bei der Losung Kommune die Idee Proudhons, die Weltrepublik als Föderation freier Gemeinden, vor. Viele entzündeten sich auch am Gedächtnis der revolutionären Pariser Kommune von 1792 und 1793, die den Kampf gegen den äußeren und inneren Feind beflügelt hatte. Die wenigsten aber brachten Kommune mit Kommunismus in Zu- sammenhang, denn noch herrschte trotz allen wirtschaftlichen Auf- schnnrngs der letzten Jahrzehnte in Paris die Werkstatt und nicht die Fabrik, das Kleinbürgertum und nicht das Proletariat vor, und so- weit sich eine Minderzahl aufgeweckter Arbeiter sozialistischen Gc- danken erschloß, hatte die Unklarheit Proudhons und Blanquis vor der Klarheit Marx' den Vorrang. Die Wahlen zur Koimnune spiegelten getreulich diese soziale und geistige Verfassung der Hauptstadt. Obwohl von 485 000 Wohlde- rechtigten an die 100 000, fast alle den begüterten Schichten zugc- hörig, nach Aushebung der Belagerung die Stadt verlosten hatten, entfielen von tun abgegebenen 229 000 Stimmen so viele auf die Bourgeoisie, daß fünfzehn der Gewählten eher zu Versailles als zu Paris hielten, und sechs zur bürgerlichen Linken zählten. Unter der revolutionären Drieviertelmchrheit von 65 Mitgliedern rechneten sich siebzehn zur Internationalen Arbeitcr-Zlssoziation, acht waren aus- gesprochene Blanquisten, elf gingen aus dem Zentralkomitee hervor. und der Rest setzte sich aus parteimäßig nicht gebundenen je nachdem proudhonistisch, blanquistisch oder jakobinisch schillernden Vorkämpfern gegen das Kaiserreich zusammen. War diese Versammlung ein Parlament der sozialistischen oder auch nur der sozialen Revolution? Die Eröffnungsansprache des Zllterspräsidenien Beslaq verriet ebensowenig davon wie das zehn Tage zuvor verkündete Pragramm Varlins, obwohl beide die Mitgliedskarte der Internationale in der Tasche trugen. Wirkliche Selbstverwaltung, Abschaffung der ver- haßten Polizeipräfektur, Recht der Nationalgorde, ihre Ofsizicr« selbst zu wählen, Ausrufung der Republik zur allein gülligcn und gefetz- lichen Regierungsform, Streichung der rückständigen Mieten, ein ge- rechtes Wechselgesetz, Fernhaltung der'Armee vom Pariser Gebiet— das waren die nicht allzu umftllrzlerischen Forderungen, und auch was sonst in den ersten Tagen Ausrufe der Kommune über die bevor- stehende Emanzipation der Arbeiter verlauten ließen, klang reichlich unbestimmt und verschwommen. Aber ob sich Zwiespall unter den Mitgliedern der Kommune auftat, als die sozialen und sozialistischen Gesichtspunkte mehr in den Vordergrund traten, in einem fühllen sich alle einig: in der Der- teidigung der Republik und im Widerstand gegen Versailles, wo alle verfchimmellen Erbkehrichtsintcressen zusammengefegt waren. So begann der ebenso erbitterte wie aussichtslose Kampf der großen Stadt gegen das flach« Land, denn darauf spitzte sich der Gegensatz im Grunde zu. Aber diesem heroischen Kampf folgte das zum Be- wußtsein seinör LaK' rrwachtä' Proletariat der ganzen Well mit an- gehaltenem Atem, ttt dem. dunklen und doch nicht irrigen Gefühl. daß es trotz allem dort, wo auf Barrikaden die rote Fahne wehte, um feine eigenste Sache geh«. lllax äiorlu:/ 8in'Kadctftück Ich will von mir selbst schreiben. Von meiner Heimatstadt Berlin will ich sagen. Von meinem Verhältnis zu der Stadt, in der ich lebe, will ich singen. Singen mit allen Winden. Ich bin 27 Jahre all, ich schneidere, ich bin Bekleidungsarbeiter, ich sorge für den Außenmenschen— für den Innenmenschen, wer sorgt für den? Die Zeitung. Und die Bücher. Und die Natur. In Berlin gibt es über 100 Zeitungen. Und es gibt 5000 Zeitschriften und Fachblätter. Natürlich kann ich nicht alle lesen. Auf- merksam und gründlich lese ich mein sozialistisches Leibblatt— und ebenso aufmerksam lese ich meine Verbandszeitung— und das Sprachorgan des Reichsbonners. Auf drei Säulen ruht das freie Berlin: Partei, Gewerkschaft, Reichsbanner! Diese drei Säulen tragen das Architrov— golden eingemeißelt steht drin dieses: Sozialismus! Berlins Wappen ist ein roter Bär, an seiner phrygischen Mütze trägt er die schwarzrotgoldene Kokarde. Ich spiele Geige, ich sing« mit der Nähmaschine— mein Bärchen tanze! Groß Berlin. 5 Millionen Einwohner. Berlin: eine der fünf Weltstädte, die 5 Millionen und mehr Einwohner haben. Wie heißen sie? Berlin, Paris, London, New Port, Tokio in Japan. Diese fünf Städte sind die Eckpfeiler der Well: wirtschaftlich, politisch und soziologisch und künstlerisch und wissenschaftlich geben sie der Welt den richtigen Schwung. Diese fünf Weltstädte sind es, die die Maschine der gesamten Menschheit in Atem halten. Berlin hat soviel Einwohner wie ein ganzes Land— der Freistaat Sachsen und Berlin zählen jedes 5 Millionen Menschen. Rot sind beide! Berlin ist das Herz Europas, vertehrspolitisch. Berlin ist der Kutscher Europas, der die Zügel de? europäischen Trabet und Renn- pserde in festen Händen hält. Berlin ist der Perpendikel Europas— vom Berliner Turm hört Europa die politisch« Uhr schlagen. Berlin— bemüht!— sich, sein« Uhr nach der Sonne zu stellen, meistens aber stellt Paris und London die Zeiger der europäischen Zentraluhr. Ja, das bessere Berlin schaut zur Sonne, das Berlin der Arbett, der Kunst und der Wissenschast. Das reiche Bcrlln ist anders. Berlin ist eine Industriestadt. Berlin hat zweierlei Klang, dies: Metall und Kleider! Dann produziert Berlin noch Möbel, Zigaretten und Bier.— Metall: Maschinen, Fahrzeuge, Elektrotechnik!— Frierst du? Bist du bloß, Deutschland? Berlin wärmt und kleidet dich gut. Jeder fünfte Mensch in Deutschland wird von Berlin mit Wäsche, Kleidern und Mänteln versorgt— das gill für die fabrikmäßige Produktion, für das Praktische und Kleidsame und Preis- werte gill das. In Berlin tanzen mehr als 200 000 berufliche Nadeln, schwi-schwa-schwinge, die Nähmaschine 200000 Bekleidungsproleten, Damen und Herren, Genossinnen und Genossen. 80 000 Näherinnen j und Näher sind Heimarbeiter— verstreut über diese Riesenstadt, die aus 10 000 Schloten schmaucht und opfert, die mit ihren Turbinen schnurrt wie ein spinnender blinzelnder Kater— elektrisch blinzell Berlin Nacht für Nacht auf zu den Mondwolken und zu den Sternen. Die Bekleidungsarbetter sind ein Kranz,«in Rotmohnkranz am Haupte des modischen Berlins, blaue Schleifen sind die Farbe des Dellgefühls— auf den Kranzschleifen steht: Freiheit. Friede, Freude. Sozial« Welt—« flammender Schrift! Wer tu Berlin als Be- kleidungsarbeiter nicht dem freien Verbände angehört, den erkennst du am schiefen Blick— sein inneres Gewisien schaut nicht gerade. Prüft die Genossen! Und zeigt ihnen den Kompaß— nach dem das Kleiderschiff gut durch die Well steuert. Der Magnetpunlt der wirklichen Wirtschaftswelt ist immer die Gemeinschaft, der So- ziolismusl Wer nach dem Profttkompah fährt— der führt ein Sklaven- oder Piratenschiff. Das uierke sich der, den es angeht. Meine Nadel ist ein Schwert, ein Spieß, ein Pfeil— meine Brust ist mein Schild, der Griff meines Schildes ist mein ehrliches Wort. Singe, Berlin, du mein Berlin der treuen Arbeit. Schöpfungslicder! Berlin, eine Arbeitsstadt, natürlich auch eine Geldstadt. Wo Arbett ist, da ist Geld. Meistens aber ist das Geld in verkehrten Händen, nicht immer, die Anfänge einer sozialen Geldwirtschait sind da: Groß-Konsum, Bant der Arbeiter, soziale Vcrsorgungskasscn! Berlin, die Arbeitsstadt. die Geldstadt, die Handelsstadt. Berlin, die Reichshauptstadt und das Preußenherz, Berlin, die Regierungs- und Beamtenstadt. Berlin, die Kunststadt, die gelehrte Stadt und die Vergnügungsstadt. Aber alles wächst auf dem Fundament der Arbeit, Hand und Hirn sind es— die Berlin in seiner Vielselttgkeit in der glücklichen Schwebe halten. Auch die 350„Gotteshäuser" in Berlin, auch die leben von der Flamme der Arbeit. Aus jeder Altar- kerze brennt als goldenes Herz der Fleiß der Proleten. Die Opfer- fever der Götter wurden zu allen Zeiten vom Volke geschürt— wer züchtete die Rinder? Wer produziert das Geld? Wer pflückt die Weiherauchkräuter? Und wer ward sonst noch manchmal an den Opserscuern geschmort? Wotan verrät nix. Aber ich sage es, der Nadel-Max, an den Opferfeuern schmorte manchmal der Volksbraten selbst— Jungfrauen und Jünglinge, heil Wotan und Konsorten. Pfeife und blase, mein Stunn— wir sind im März! . Berlin ist auch eine Hafenstadt. Hamburgs Hafen hat im Jahre 16 Millionen Tonnen Seeverkebr, Berlins'Kanalhofen entsrachten und verfrachten alle Jahr 8 Millionen Tonnen Güter. Kohle, Holz, Baustoffe. Lebensmittel und industrielle Rohstoffe. Ich habe nie den weiteren Umkreis von Berlin verlassen— und doch bin ich in der ganzen Welt daheim, wiederum sag« ich es: durch die Zeitung! Und durch die Bücher. Auch durch die Museen Bilder. Skulpturen, Archäologie, Völker- und Naturkunde, alles schenken mir die Museen. In 100 Bibliotheken kann ich lesen Die Staatsbibliothek wartet darauf, daß ich ihre 2 Millionen Bände durchforsche. Alles was an Kunst und Wisienschast und Soziologie in Berlin ausgespeichert ist, gehört mir— wird durch mich belebt: wenn :ch richrige Auslese treffe, dann entgeht mir nichts— auf die große Linie> kommt es an, auf das Wesentliche, auf den Lebens- und Wellennerv, nicht auf die Verästelung kommt es an. Nadelchen, tanze auf deinem Silberfuß, singe mit 8em stählernen Mündchen— ich bin der luftige Schneider. Ich spiele Zirkus, Mädel Berlin reitet mir am Buckel. Hoppla, wir springen! Berlin, 60 Theater. 15 000 Studentinnen— sind auch Studenten dabei. Blondes, schwarzes, grünes, gelbes, rotes und blaues Studier- volk— aus aller Well, aus allen polttischen Farbtöpsen. Berlin, die Dergnügungsstadt. setze du die Narrenkappe..Geld' ans— und all« menschlichen Paradiese öffnen sich dir nachts» Berlin— tanze du mtt blonden, brünetten oder schwarzen Engeln, alle sind sie jung und schön, Tanzpaläste gibt es genug— nur setze du die goldene Schellenkappe„Geld" auf. Während das Geld tanz-, brennen im Gaswerk die Feuer, fleißige Arbeiter reißen nöchllich die Straßen auf und legen sie neu, der Denker mißt den Lauf der Gestirne. Berlin ist doppelt— oben und unten— die ganze Well ist doppelt— Verdiener und Verprasscr. Berlin, ein Mischmasch von Rassen. Urberlin: Slawen, Wenden, Teutsche, Holländer, Franzosen, Böhmen— alles kam in den großen Völkerpott— und was sich herauskristallisierte, das war«in glück- licher Glanz— die Bluts- und Rasienmischung zeugen das Höhere, das mehr Verstehende, das im Gefühle Wertvollere und Reichere. Auch ein Schuß jüdischen Blutes hat Berlin gut getan— die lüdiiche Intelligenz, die alte Kultur der Juden, der praktische Sinn, das gute Familienleben der Juden— eine glückliche Beimischung des Groh-Berliner Blutes. Berlin ist, wie alle Weltstädte, ein Magnet aller Rassen und Kulturen. Hier wird geschmolzen! Berlin als Fremdcnstadt. Berlin hat 30 000 Hotelbetten, in ihnen schlafen alljährlich 2 Millionen Fremde, mitsamt der Brieftasche. Berlin. Die Ilmgegend. Seen und Wälder laden mich Sonntags zu Gaste. Mit der Nadelgenossin tanze ich auf dem weißen Parkett der sandigen märkischen Heide, die rotstämmigen Kiefern spielen Harse, der Wachholdcrbaum crzähll uns Märchen. Zwei Mutterstädte. Kölln(lateinisch, Coloms, neue Kolonie) und Berlin treten ums Jahr 1250 in die geschriebene Geschichte. Kölln, Berlin, schöne Schwestern.„Berlin", das Wort ist wendischen Ur- sprungs, auf deutsch etwa, Herzin!" Berlin— Herzin. Auch ich habe mein Herz in Berlin verloren, aber ich weiß nicht, wer es fand— Mädel, melde dich, hoffentlich biste'ne Prinzessin von der Rädel, 'ne liebe kleine Kollegin von der Ni-Nah-Nähmoschine! Berlin im Mittelalter, eine stolze Stadt im Hansabund. Eine freie Stadt. Aber die Gefahr kommt— aus Schwaben, die Zollern sind die Gefahr. Der Kurfürst Friedrich Eisenzahn baut in Kölln- Berlin fein Zwingvolk, eine Trutzburg, eine Fronburg. Aus ist es mit Berlins Freiheit— die Zollern herrschen absolutistisch. Der Bürger revoltiert, der„Berliner Unwille", der Aufruhr gegen den Knüppel der Zollern, Anno 1448. Schwarzes Blut erstickt den Frcihcitstricb. Anno 1848, genau 400 Jahre später— der Märzeu- sturm wirft den Zollern die absolutistische Krone vom Haupte. Und 1918— na, das habt ihr ja olle selbst erlebt— adjes! berliner lUär&erinnerung... Mir gegenüber sitzt eine würdige Dame, Tochter eines jener begeisterten Kämpfer der Märztag« von 1848. Keine Sozialdemo kratin, und mich ihr Vater, d«r in den Märzkämpfen das schwarz- rotgoldene Panier im Herzen ttmg, hat später den Weg zur So- zialdemokratie nicht gefunden. Aber das Herz dieses Maschinen- bauers S i c g r: st, der bis zu seinem Tode der bürgerlich-fortschritt- lichen Bewegung anhing, schlug für di« Freiheit, er war ein Idcw list der Dolksrecht« im schönsten Sinn« des Wortes. Mein Gegenüber erzählt:„Was uns mein Vater von 1848 be- richtet hat! Damals tagte man heimlich in oerfchlosienen Lokalen (sie weiß nicht, wo später unter dem Sozialistengesetz unsere Vor- kämpfer tagen mußten). Aber als der Kampf losging, da war mein Vater mit an der Spitze, und beim Sturm auf das Ber- liner Zeughaus mar er es. der die Waffen an das Volk ver- teilte. Und als dann die Opfer gezählt wurden, da sammelten alle und stellten Eimer aus die Straß« und Büchsen, in die das Geld für die Angehörigen der Toten und für die Gefangenen geworfen wurde. Nachher mußte Vater auf die Festung nach Graudenz. Er war zu vier Jahren verurteilt, und die preußische Regierung ließ ihm mit. teilen, daß sie ihm zwei Jahr« schenken würde,.wenn er aus fedc politische Tätigkeit verzichte., Mein'Vaker hat-W'n gesagt, wüt deshalb bin ich auch auf meinen Vater so stolz. Ein reaktionäres Blatt wagte es damals zu sagen, daß die Gesinnungsfreunde für die An- gehörigen der revolutionären Kämpfer nicht gesorgt hätten. Da war es unter anderem gerade mein Bater, der dieses Blatt zwang, feine Lüge einzugestehen. Bis zum Schluß feines Lebens hat mein Vater für Freiheit und Demokratie gekämpft, und wenn er heute uoch lebte, dann würde er sicher für Schwarzrotgold und für die Repu- blik eintreten." Bor vierzig Jahren(1891) ist der alte Siegrist, wie er bei seinen Freunden hieß, gestorben. Wir Sozialdemokraten haben die Traditionen von 1848, die das Bürgertum fallen lieh, aufgenommen. Wir sind die bewußten Nachfahren der Freiheitskämpfer des deut- schcn Sturmjahrcs. Und darum ist vielleicht auch die schlichte Er- Zählung, die uns die Tochter eines Mannes bot, der damals in vor- derfter Linie stand, wert, am Gedenktage der Märzrvolutton ver- öfsentlicht zu werden._ H. D. Sind Walzen mufikalifch? Viele Kaßenfreund« behaupten, ihre Lieblingsttere seien inusi- kalisch. Dr. P. Panosf erzählt nun im„Kosmos' folgende Fälle: „Ich besaß einen gewöhnlichen, aber sehr klugen Kater, der fünf Jahre bei uns hauste und mem täglicher Zuhörer im Musikzinuner war. Er wußte ganz genau, wann ich zu musizieren pflegte, stellte sich zur gewohnten Stunde vor die Türe des Musikzimmers und bat leise um Einlaß. Ich spielte ihm oft eine bestimmte lustige Weise, die er scheinbar ganz besonders liebte: denn so oft er sie hörte, legte er sich auf seinen Lieblingsplatz, ein leeres Violinetui, das offen auf dem Flügel hingestellt war, und' schnurrte behaglich. Nun wollte der Zufall, daß wir weit auf dem Lande umziehen muhten. Piro, so hieß der Kater, bekam ein« besonders für ihn hergerichtete Wohnkiste und machte den Umzug mit sichtlicher Un- ruhe mit. Kaum im neuen Landhaus angelangt, machte jemand un- vorsichtigerweise die Tür seiner Kiste auf, und im Nu war Piro ivcg. Wir suchten ihn tagelang vergebens. Er war verschollen. und niemand van der Nachbarschaft hat weit und breit van ihm«ina Spur gefunden. Wir hatten Piro schon längst aufgegeben, als ich eines Abends nach etwa acht Monaten fett seinem Verschwinden aus einen verwilderten Kater im Garten stieß. Das Tier lies davon, machte aber nach einer Weil« hast und blieb in einer gewissen Eni- fcrnung stehen. Als ich vorsichtig nach ihm rief, gab er zögernd ein Zeichen von sich, kam aber nicht näher. Ich verfnchte schließlich mit dem zutraulichen„Piro", und das half: der Kater näherte sich langsam. Für mich war es klar, daß dos Tier unser verschollener Kater war. Ick) brachte ihn mit Mühe und Not ins Haus herein. aber beruhigen wollte er sich nicht und versuchte immer wieder weg- zulausen. Da kam mir plötzlich seine musitalisch« Neigung in den Sinn, und ich begann die bekannte Weise zu spielen. Er wurde eist ganz still, dann schaute er mich fragend an und sprang schließlich mtt einem gewaltigen Sag zu mir, freudig miauend. Seitdem hat er seine Schüchternheit und sein verwildert« Wesen völlig auf- gegeben und wurde wieder der alte gemütliche Piro.— Eine alte 'Katze liebte besonders Violinmusif. Während ich spielte, kletterte sie ganz vorsichtig an mir hoch und legte sich leise fchmirrend auf meine rechte Schulter. Sobald ich niit dem Spiel aufhörte, wollte sie nicht mehr bei mir bleiben. Die Katzen lieben neben Klavier- musik besonders auch Flötenklänge. Es ist drollig zu beobachten, wie sie dem Klang der Flöte folgen, freudig.niauen und dem Spieler mtt ihrem Katzenbuckel streicheln. Natürlich find« sich auch TLnperrnnente, di« für Musik weniger empfänglich find.' 3lr. 129• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 18. März 1931 Dresdener Bank gibt 6 Prozent Aazis drücken Deutschlands Kredit auf das Niveau primitiver Völker. Mit dein jetzt vorliegenden Geschäftsbericht der Dresdner Bank berichtet die erste eigentliche private Großbank über das Krisenjahr ISJb. Als Dividende gibt es bei der Dresdner— wie zwischen den Banken vereinbart— auch die 4 Proz. weniger als im Vorjahr; nämlich 6 statt 40 Proz. A e u ß e i�e E r p a n!: o n und eine gewisse innere Schrumpfung sind charakteristisch für die Dresdner Bank. Der Umsatz ist von 248 auf 273 Milliarden gestiegen, wozu der Erwerb der Ostbank für Handel und Gewerbe (früher Hugenberg) und einiger anderer kleinerer Banken bei- getragen hat. Das Personal hat sich von 8020 auf 8003 erhöht, die Liquidität der flüssigen Mittel ist aber von 38,3 auf 34,0 Proz. ge- funken. Die Kontenzahl ist von 338 300 auf 337 900 gestiegen. Ende 1930 1929 1928 1927 in Millionen. Mark Kreditoren..... 2 220 2 276 2112 1 644 Akzepte...... 165 89 86 96 Wechsel und Schecks...516 562 307 � 411 Noltrogulhaben... 189 300 310 227 Reports und Lombards 31 57 114 86 Vorjchüsse auf Waren. 479 397 379 211 Schuldner.... 1 116 1 003 869 803 Wertpap. und Kons. Abt. 33 63 46 39 Am Ziffernwerk der Bilanz sind die Verschiebungen interessant: in ihnen drückt sich am deutlichsten die Wirkung des Krisenjahres aus Gesamtkreditoren sind um 56 Millionen, das sind 4 Proz., zurückgegangen: well aber die ertragreiche Warenbevor» ichussung um rund 80 Millionen Mark stieg, gleichzeitig bei den— wohl auch hier erheblich eingefrcrenen— Schuldnern eine Steigerung um 113 Millionen erfolgte und das ebenfalls ertragreiche Wechselgeschäft nur um 46 Millionen Mark zurückging, round c der in den Akzepten zum Aurdruck koinmende E i g e n l r e d I t(Stei- gerung von 89 auf 163 Millionen) bemerkenswert stark ange- spannt. Das auffälligste ist die Verringerung c>er sage- nannten Nostroguthaben, der wichtigsten Flüssigkcitsreferve, von 300 auf 189 Millionen oder fast um 40 Proz. Es war ein vißchen kühn zu behaupten, wie es geschehen ist, daß in den angestiegenen Schuldnern ein Ausgleich für die Verringerung der Flüfsigkeits- reserven zu erblicken seil Der Umsatzsteigerung enkfprichk keine Gewinnsteigerung. Die ausgewiesenen Gesamteinnahmen— ohne Vortrag— sind von 77,8 aus 76,5 Millionen gesunken. Diesem Rückgang um 1,3 Millionen Mark steht aber ein doppelt so starker Rückgang um 2,6 Millionen Mark bei den Handlungsunkosten gegen- über(Senkung von 59,8 auf 57,2 Millionen) und ein Rückgang der Steuerleistung von 7,17 auf 6,92 Millionen Mark. Trotz verringerter Gesamtgewinne kann durch die Veschneidung der Tantiemen und Gratifikationen aus Kosten der Angestellten prak- tisch noch ein um 1,5 Millionen höherer Reingewinn als Z929 ausgewiesen werden(13,00 gegen 11,42 Millionen), der nur um 6 Millionen niedriger erscheint, weil man 6.0 Millionen zu Abschreibungen auf das Effekten- und Beteiligungskonto verwendet. Wenn man auch berücksichtigen muß. daß besonders die Dresdner Bank durch ihre Beteiligungen am Pfandbnefgeschäst reichlich oerdient, und wenn das lautende Jahr auch noch einiges hinsichtlich der eingefrorenen Kredite vielleicht«n unliebsamer Weise klarstellen wird, so inuß maii doch das Bankenjohr 1930 für die Dresdner Bank als im ganzen g ü n st i g bezeichnen und die Bankangestellten sollen daraus ihre Konsequenzen ziehen. Die allgemeinen Ausführungen im Geschäftsbericht stehen dies- mal nicht auf besonderer Höhe. Wenn man für die Krise Ueber- Produktion und Ueberinoeststion in Amerika verantwortlich macht, für Europa und Deutschland aber auf den„tragi- scheu Konflikt zwischen den wirtschastlichen und politischen Faktoren' hinweist und sagt, daß in e r st e r Linie„auherwirtschastliche' Be- weggründe und Umstände hier entscheidend waren, so ist das, wir sind höflich, zum mindesten nicht vollständig. Ueberausdehnung. Fehlinvestitionen auch unter Verantwortung der Banken, eine durch die Mitschuld der Banken zerstörte Börse waren in Deutschland sür die Krise mindestens ebenso verantwortlich wie in USA. Immer- hin läßt die Dresdner Bank es gelten, daß der 14. September eine bis dahin verhältnismäßig günstige Lage sehr verschlechtert hat. Für Kapitalflucht ins Ausland und für Kapstaliuflündigimgen durch das Ausland ist die Angabe charakteristisch, daß die Kreditoren der Dresdner Bank von Juni bis Ende. Dezember 1930 von 2021 auf 1726 Millionen zurückgegangen sind(die davon unabhängigen Rembaurskredite für die Warenbevorschussung nicht gerechnet), und daß das erste Halbjahr geschäftlich sehr gut war, das zweit« Halb- johr dagegen alle bis dahin erzielten Erfolge umgeschmissen hat. Was die Höhe der dem Ausland zu vergütenden Zinsen anlangt, so sei Deutschland„gegenwärtig auf die Stufe viel primitiverer Kulturen und Wirtschaften' herab- gedrückt worden. Ein neues vernichtendes Urteil für das Auftreten der Nationalsozialisten in der deutschen Politik. Bemerkenswert war auch die von uns gelegentlich ge- machte und hier bestätigte Feststellung, daß in den letzten Woche» kurzfristige Zluslandskredite wieder zufließen und geflüchtetes Kopital zurückzukehren beginnt. Nicht bemerkenswert war dos Bekenntnis auch der Leitung der Dresdner Dank zu dem Hansa- bund-Kalauer, daß man endlich die Wirtschaft freigeben soll. Ernste Leute sollten solche sinnlose Deklamationen unterlassen. Die Leitung der Dresdner Bank ist doch nicht von gestern. Giedlungserfolge in Preußen. Das Arbeitsprogramm für-LSSiL- Der frische Zug, ber die SieÄungspolitik des preußischen Land- Wirtschaftsministeriums unter dem neuen Siedlungsressortchef, Mi- msterialdirektvr Dr. Bollert, durchweht, ist unverkennbar. In einer vom Landwirtschastsminister D r. Steiger ein- berufenen Besprechung, die der Minister durch wertvolle Diskusstons- bemerkungen bereicherte, gab Dr. Bollert einen umfassenden ileb erblick über die Entwicklung der ländlichen Neusiedlimg in Preußen seit 1923, deren Ergebnis durchaus erfreulich ist. Während 1923 das gesamte Neusiedlungsergebnis mit 1487 Stellen und 14 433 Hektar besiedelter Flüche abschloß, konnte im letzten Jahre mik 7477 Stellen und 82 Zlö Hektar die Leistung um das Fünffache gesteigert werden. Unter der Voraussetzung, daß die Siedlungsmittel im laufenden Jahr in dem vorgesehenen Umfang fließen, wird 1931 mit einem Gesamtergebnis von 10000 neuen Stellen ge- rechnet. Das Schwergewicht der Siedlung liegt nach wie vor in den Großgrundbesitzdi st ritten des Ostens, vor allem in Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Daneben tritt auch die Provinz Schleswig-Holstein als Sieilungsgebiet stark hervor. Die letzten fünf Jahre haben den Beweis erbracht, daß die preußische L a n d e s k u l t u r v e r w a l t u n g anpas- fungsfähig genug war, um den wirtschaftlichen Notwendig- kciten in der Form und dem Verfahren der Siedlung genügend Rechnung zu tragen. Insbesondere hat die immer fühlbarere Entblößung der Siedlungsinteressenten von Kapital zur Anzahlung auf größere Stellen eine beweglichere und tielseitige Stellen- bildung erforderlich gemacht. So sind neben die Stellen von 13 bis 20 Hektar und die Arbeiterstellen bis zu 2 Hektar mehr und mehr die kleineren und größeren Kuhbauern- oder Einspänner- stellen von 4 bis 8 Hektar getreten. Erfreulich ist, daß sich Dr. Bollert besonders warm für die Ansiedlung von Landarbeilern einsetzte, die er als Siedler aus Kuhbauernstellen(4 bis 8 Hektar) für ganz vorzüglich geeignet bezeichnet. Der Referent wies in diesem Zusammenhang durchaus zutrcfsend auch darauf hin, daß auf diesem Wege auch das drängende Problem der arbeitslosen Land- arbeiter wenigstens zum Teil gelöst würde. Es sei gelungen, die durch die Austeilung von Gütern erwerbslos und heimatlos ge- wordenen Landarbeiter größtenteils anzusiedeln und dies ost unter Aufwendung erheblicher Mittel durch die Siedlungsträger. Eine der wichtigsten Fragen, wenn nicht überhaupt die e n t- scheidende, sür die künftige Wirtschaftlichkeit der Siedlungs- stelle, ist die K o st e n f r a g s. Die Entwicklung am ländlichen Gütermarkt hat es in letzter Zeit mit sich gebracht, daß die Bodcnpreise für guke Objekte erheblich zurückgingen und daß unter dem Druck der La ndes k u lt u r v e r wo l- tung daneben auch mittelbar« Preisjenlungen dadurch erreicht wurden, daß wertvoller« Objekte besiedelt wurden. Auch die hohen Baukosten für die Siodlergehöfte konnten gesenkt werden. Dies ist einmal durch die konjunkturelle Scn- kung der Baukosten allgemein erreicht worden, darüber hinaus aber noch durch zweckmäßige Beschränkung der Baugrößen gefördert worden. Es muß als ein bodeutender Erfolg anerkannt werden, daß die Baukosten gegen IS2ö/Z7 um 25 bis 40 Proz. gefenkk werden konnten. So kostet heute eine 60lMorgen-Stelle(15 Hektar) statt 21— 25 000 Mark nur nach 14— 16 000 Mark. In diesem Jahr wird man in den östlichen Provinzen sogar ausreichende Bauten für so- genannte Familiennahrungen in Höhe von 7—9000 Mark finden. Daß bei aller Anwendung von Sparsamkeit weder die B a u q u a- l i t ä t noch die betriebswirtschaftliche Zweckmäßig- teit leiden darf, liegt auf der 5iand Die Zlnliegersiedlung. also die Bcrgrößerung schon bo stehender Kleinbauernstellen, die mir einen Bruchteil der für Neusiedlung erforderlichen Mittel beansprucht, hat nach den. Rück- gang bis 1929 im letzten Lahr wieder einen Aufschwung von 2985 Fällen mit 4779 Hektar auf 3138 Fälle mit 10 137 Hektar Anlicgerland genommen. Aussallend stark war die Steigerung dieser Siedlungen in Ostpreußen, wo zur Finanzierung dieser Abverkäufe besondere Mittel in der Ostpreußenhilse vorgesehen waren. In der neuen O skh i l s e a k ti o n ist diese Sondcrfinanzierung der Anliegersiedlung im Rahmen der Umschuldungsaktion auf das ganze Ost hilfegebiet.ausgedehnt worden. In beschränktem Umfang können auch notwendige Zubauten auf Anliegerstellen aus Osthilfemitteln finanziert werden. Für die Neusiedlung sind neben den ordentlichen Siedlungskrediten jährlich 23 Millionen in der Ost- Hilfe vorgesehen. Die Erfplge Preußens auf dem Gebiete der ländlichen Siedlung sind richtunggebend. An dieser Tatsache ändern auch einzelne Mißerfolge und Fehlgriffe nichts. Das«marxistisch ver- feuchte" Preußen hat hier ein Sultnrwerk geschaffen. das erst in späterer Zeit Früchte tragen wird. Daß die preußische Sicdlungeorbeil aber aus gesundem Fundament aufgebaut ist, beweist die Tatsache, daß ungeachtet der schweren Agra-trise neun Zehntel der Siedler ihre in dieser Zeit sehr drückenden Zinsoerpslichtungen erfüllt haben und aus 1000 Siedlerstellen nur ein Zusammenbruch entfällt. Endlich Oiskonlsenkung in Gicht? OerGeiomarkt weiter oebefsert/ Stark entiastsleÜecksbank Der Wochenausweis der Reichsbank vom 14. März zeigte wieder eine bemerkenswert geringe Inanspruchnahme der Reichsbankkredite. Die Wechfeibestände hoben uin 213,9 auf 1626,4 Mill. M. abgenommen, die Banken haben 41,1 Mist. M. Schatzwechsel von der Reichsbank zurückgekauft lBeftand nur noch 3.0 Mill. M.) und die Lombarddarlehen haben sich(Monalsmitte!) nur um 6,7 auf 91,3 A!iU. M. vzrmchrl. Das Konto der fremden Gelder zeigt mit 265,9 Mill. M eine Abnahnic um 35,4 Mill. M. Der Notenumlauf ging um 176,8 onf 3968,0 Mill. M. zurück. Die Goldbestände blieben mit 2256,2 Mill. M.— Zunahme 0,8 Mill. M.— fast unverändert, die d e ck u n g s f ä h i g e m Devisen stiegen wieder uin 19,7 auf 209,1 Mill. M. an. Die Rotendeckuna durch Gold und Devisen erhöhte sich von 39,7 auf 62,9 Proz., das sind tftft 60 Proz. mehr als die gesetzliche Borschrist. Es wäre natürlich erfreulich, wenn die Inanspruchnahme der Reichsbank nicht ab-, sondern zugenoinmen hätte: könnte man doch dann auf mehr Wirtschaftskrcdite und einen Wirtschaftsauffchwung schließen. Aber es ist kein Zweifel(und das verbessert die Aus- ficht für einen Wirtschaftsauffchwung). daß die Eni- lastung der Reichsbank einer wesentlichen Erleichterung des Geld- Marktes Ausdruck gibt, die heute mit einiger Sicherheit auf den Zu- fluß von Auslandsgeldent und auf den Rückfluß von geflüchteten Kapitalien zurückgeführt werden kann., Beides muß auf den Geld- und Kapitalpreis günstig wirken. Da die Reichsbank währungsmäßigwiederfehr stark ist, sollte die Reichsbankleitung allen Ernstes jetzt prüfen, ob sie nicht bald durch eine Diskontsenkung der-Wirtichaftsbelebung einen Anreiz geben kann. Die zunehmende innerpolitische Gesundung, die wesentlich der besonnenen und agitatorische Wirkungen ver- schmähenden Politik der Sozialdemokratie zu danken ist. das nicht zuletzt dadurch wieder wachsende Vertrauen im Aus- lande, lassen den Zeitpunkt für eine Diskontsenkung, mit der ruhig auch etwas riskiert werden dürfte, als günstig erfcheinen. Leipziger Messe bessert Maschinenbau. Der Verein Deutschest Maschine nbauanst alten sagt über den Monat Februar, daß sich die Lage der Maschinen- industrie hinsichtlich der Anfragen und Aufträge des In- und Aus- landes nicht wesentlich gebessert habe. Immerhin zetgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit zum erstenmal feit einer Reihe»pn Monaten, eine Besserung um eine halbe Stunde. Ein- zelne Auftragserhöhungen, meist durch Auslandsaufträge, werden für Kraitmaschinen, Walzwerksonlagen, Krane, Zerkleinerungs- und Aufbereitungsmaschinen und Apparate gemeldet. Die Leipziger Technische Messe sei befriedigender verlaufen, als man er- wartet halte. Der Umfang der sofort getätigten Verkäufe war in- folge der günstigen Preisstellung bemerkenswert. Hohe Kalidividenden. Die Sonderkonjunktur des Kalibergbaues in Deutschland findet in den fast unverändert hohen Gewinnabschlüssen der führenden Konzerne für das Betriebsjahr 1930 ihren Aus» druck. Wie der Bürbach- Kcuzzsrn und die Wintershall- Gruppz, deren Abschlüsse bereits heraus sind, erfreut auch der Salz- Dstfurt-Konzern tcine Aktionäre mit fast unverändert hohem Rein- gewinn von 4.39 Millionen, aus dem wieder eine Dividende von 13 Prozent ausgeschüttet wird. Die zum Konzern ge- hörenden Kaliwerke Aschersleben halten bei einem etwas erhöhten Reingewinn von 2,47 Millionen Mark gleichfalls ihre Vor- jahrsdividende von 10 Prozent aufrecht, und auch die Gruppe Westeregeln zahlt wieder 10 Prozent. Bilanzen und Ge- fchäftsberichte dieses Konzerns liegen noch nicht vor. Philipps gegen Tclcfunken. Wie die Berliner Filiale des Philipps-Konzerns mitteilt, hat das Kartellgericht eine wichtige Ent- fcheiduttg gefällt. Lorenz und Philipps hatten sich an das Kartell- gericht gewandt mit der Begründung, daß der im März 1930 er- gangen« Schiedsspruch in Sachen Lorenz-Telefunken. der den Lcr» lrag Lorenz-Telefunken dahin auslegte, daß eine Beliefermtg der Deutschen Philipps G. m. b. H. unzulässig ist, eine im Sinne der 1 Kartellverordnung unzulässig« Sperre bedeutet. Der Bescheid des :.Kartellgerichts vom 16. Marz 1931 versagt die Einwilligung des Kartellgsrichts und verbietet die Soerre der Deutschen Philipps G. m. b. H. auf dem Apvaralegebiet. Nach der Auffassung von Philipps darf nun für die Zuhtnst Telefunten weder Lorenz noch den Funk- verbandsfirmeii umerfagen, die Deutsche Philipps-Geselljchaft mit Rundfuntempfangsapparaien zu beliefern. Große Rntionalifierungsgewinne bei der Schuhfabrik Heß. Die M. u. L. Heß-Schuhfabrik in Erfurt hat in dem am 30. September beendeten Gefchäftsjadr 1929/30 trotz der allgemeinen fchwierigeit Verhältnisse ganz bedeutende Ratioualisierungsgewinne erzielen können. Bei einem von 2,71 aus 2,84 Millionen Mark er- höhlen Rohgewinn gelang es dem Unternehmen, einen um 30 P r o z. gestiegenen Reingewinn von fast 400 000 Mark auszu- tveifen. Trotz des starken Preisabbaus Zur Lederschuhe konnte das. Wert neben einer mengenmäßigen Umfatzsteigerung auch feinen wertmäßigen Umsatz erhöhen. Die Dividende wind erst der Generalversammlung von der Verwaltung in Vorschlag gebracht: im vergangenen Jahr wurden auf das 6-Millionen-Äapital 4 Proz. ausgezahlt. Herr Schachk als Ankläger. Herrn Schachts neues Buch„Das Ende der Reparationen", das wir unter obiger Ueberfchrift in Nr. 103 des„Vorwärts" einer Kritik unterzogen, ist im Verlag von Gerhard Staling, Oldenburg, erschienen. Ein„christlicher Tendenzbetrieb". Die niedrigsten Löhne— Kreigewerkschaste« auf dem Index. ootr. Derein der Berliner Buchdrucker wird uwi geschrieben; Der Graphische �entroloerband und der ebenso „christliche" Guten bergbund. die zusammen in Berlin etwas über 500 Mitglieder haben, sind fest einiger Zeit in Berlin auf den jfang vdn„christlichen" Seelen. Seit etwa einem halben Jahr ist in der„Germania" ein neuer Direktor, em Herr Rein- Hardt, tätig. Sein Vorgänger war zwar auch kz!n Areund bist . freien Gewerkschasten, er respektierte aber den Buchdruckeptarif Herr Reinhardt hingegen glaubte, mit Hilfe der„Christlichen" di« Angehörigen der freien Gewerkschaften im Betriebe langsam ab- schiachten zu können. Nachdem ihm die Hilse des Gutenl'crgbundes zugesagt war, entdeckte er in der „Germania" den„Tendenzbeirieb" und kündigte am 9. Januar acht freigewcrkfchaftlich Organisterte, angeblich wegen Arbeitsmongel, obgleich bald darauf Heber- stunden verlangt wurden. Herr Reinhardt gab zu, daß nach der Anciennstät und dem Betriebsrat egesep wohl„Christliche" an der Reihe seien, aber sein« Kundschaft würde deren Entlassung nicht verstehen, solange Frcigewertschaster im Betriebe sind. Aus welckcn Auftraggebern besteht nun die Kundschaft der Germania? Außer„Germania" und„Märkische Volkszeltung" werden her- gestellt:„Äysfhauser". ,F)auptkrieger-Berband",„Steuer-Rundschau". „Reichsbahn",„Leineweber",.„Karstadt" usw. In Aussicht stehen: Medizinische Well",„Die Äunstseide",„Der Jungdeutsche". Es ist kaum anzunehmen, daß diese Auftraggeber für di« Herstellung ihrer Arbeiten dieser„christlichen" Tendenz huldigen. Außerdem geht di«„Germania" bei ihrer Kundenwerbung durchaus nicht immer „christlich" vor. Hat sie z. V. bei einem Angebot auf die Herstellung der„Gesundheit", dem Organ des Krankenkasienverbandes, nickst den bisherigen Herstellungspreis mn ein Bedeutendes unterboten? Den gekündigten Buchdruckern wurde vor dem Schiedsgericht der Buchdrucker einstimmig M« Maßregelung zuerkannt. Die Firma hatte den§ 1 des Deut'chen Luchdruckertarifs verletzt. Dem Verlangen auf Wiederein st ellung gab die Firma nicht statt, eine Beschwerde beim Prmzipalsvcrein war ergebnislos. Der Arbciterrat der„Germania", der aus 4 Christlichen und 3 Freigewertschaftern bestand, gab dein Einspruch der Ge- kündigten nicht statt! In der Klage gegen die Mitglieder des Arbeitcrrats wegen Dcrlsjzung des§ 84 Abs. l und 4 d«s Be- triebsrätegesetzes fanden Termine am 31. Januar und 17. Februar statt Die Kläger wurden abgewiesen mit der mündlich gegebenen Kegrüirdung, der Zlrbe'llerrat habe den Angaben der Firma Glauben schenken können. Die schriftliche Begründung nuch wohl sehr schwierig sein, denn erst gestern sind Urteil und Begründung eingegangen. Jetzt schwoll natürlich der Finna der Kanmr. Am Freitag. 27 Februar, wurde neun Verbands» Mitgliedern in einem gleichtaitenden Schreiben gekündigt, zu dem Zweck,„eine Vereinbarung hinsichtlich der bisher gewährten ü bertarlflichen Zulag« zu treffen". Es wurde ein Lohuabbau der überlarifllcheu Aulagen vou 1 Mark bis 6,50 Mark verlangt— oder Entlassung am 6. März. Die Organisation verhandelle mit der Firma am b. März. Die Firma erklärte den Lohnabbau als„Lohnausgleich". und es sei.>ein Zufall, daß in dieser Abteilung nur Frei» gewirtschofter beschäftigt werden". Den Gutendergbündlern kann man kaum etwas abziehen, da diese, mit Ausnahme der Ma- schinensetzer. so niedrig bezahll werten, daß zum Abziehen kaum etwas übrig bleibt. Die„Germania" zahll überhaupt die m i i e- rabelsten Löhne in Berlin. Trotzdem kam auf Verlangen des Vertreters der Christlichen ein Abkommen zustande, nach dem die Atfgelegenhest um«in« Wych« oertagt wurde. Direktor Reinhardt gab die Erklärung ab. daß für die Woche vom 6. bis 13. März keinerlei Kündigungen und keinerlei weitere Ankündigungen von Lohnabbau erfolgen sollten. Troß dieses Versprechens wurde am Frettag, dem 6. März. wiederum drei MUgliedern der freien Gewerkschaften gekündigt. Di« Empörung war groß über diesen Wortbruch, und es bedurfte des ganzen Einflusses der Vertrauensleute, um die sofortige Arbeits- niederlegung zu verhindern. Direktor Reinhardt war aus ielepho- nisckzcn Anruf am Sonnabend, dem 7. März, niäst zu erreichen und am Montag darauf angeblich krank. Die elf Gekündigten verließen am 13. März ihre langjährge Arbeitsstätte, und die übrigen Freigemerkfchafter kündigten ordnungsgemäß ihr« Stellung zum 20. März. Wenn einzelne, wie z. B.«img« Maschinensetzer, sich diesem Vorgehen nicht anschlösse» und sich dadurch zu Heloten der„Christlichen" machen, so ist das ihre Sack)«. Die Freigswerkschoster haben be- kündet, daß sie mit ihrer Ehre nicht Schindluder treiben lassest und lieber die Konsequenzen ziehen. Wir halten es unter unserer Würde, dem„Deutschen", der die vorstehend geschilderten Tatsachen oerdreht, eine Berichtigmig zuzu- schicken. In dieser Aidgelegeicheit ist das letzte Wort nock) nicht ge- sprochen. Die Berliner Kollegenschaft wird aus dem Verh Ilten des Guten- bergbundes di« nötigen Konsequenzen ziehen und seinen Mitgliedern überall die richtige Antwort erteilen. Das böse Beispiel. Lohn, und Arbeits, eitpolitik der ZieichSrealerung. Im Reichsfiuanzmsnistsrium begonnen am DienSlag die Sah» vqth audlpngen fvr die Reichsarbeitar. D» R�fe» run-Vveatreter schlugen einen L-ohnabbau um S P'roz. oor. Di« Vertreter der Gewerkschasten antworteten daraus, daß für sie in Anbetracht dar an sich schon niädrigen Lohns der Reichflärbeitqt auch nur«In Pfennig Lohnkürzung untragbar s«>> S«e machton«inen Gegenvorschlag, dessen Kernstück in der Forderung auf sofortig« und unbedingte Einführung der 43-Stunden-Woch-e hesteht. Dl« Arbeitszeitverkürzung bedeute in Verbindung mit den erhöhten sozialen Peurogen der letzten Jahre für den Reichsarbeiter ohnehin schon«in« Senkung der Bezüge um einen Betrag, der dem Abbau der Bcamtenbesoldung mn 6 Proz. gleichkomme. Die Organisotionsvertrcter begründeten ihren Standpunkt ganz besonders auch mit der Feststellung, daß auf der«inen Seit« die ganz« Lohnsenkung keine Besserung der Wiftschaitslag« herbeigeführt Hab«, auf der tmberen Seite aber eine Erhöhung verschiedener Lebensmittelpreise bereits zu verzeichnen sei. Tie Vertreter der Re- gicrung erklärten daraufhin, sie könnten, da die Anträge der Gewerk- schalten«inen sehr starten allgemeinen wirtschaftspolitischon Einschlag hätten, ohne vorherige E'mholuilg neuer Jstftruttionen nicht weiter oerhandeln. Die Verhandlungen wurden daher zunächst oertagt. Sie werden voraussichtlich Mitte der kommenden Woche fortgesetzt. Llnmoralischer Lohnabbau. „Grobzugige" Grobhänvler. Auch der Berliner Großhandel ist nunmehr zum Ge. neralongriff auf die Löhn« seiner Arbeiter übergegangen. Es ge- nÄgt« dem Arbeitgeberverbaird des Berliner Arohhandess noch nicht. daß die noch als einigermaßen erträglich anzusehenden Löhn« im Lebensmittel, und Kasfeegroßhandel sowie im Papier» und Pappen- grcßhandel bis zu 4 Proz. gesenkt wurden. Di« Großhändler verlangen setzt auch für di« Branchen einen Lohnabbau, in denen di« Löhne beschämend niedrig sind. So fordern fi« z. B für die Branche Leder, und Schuhgroßho nd«l, wo ein Spitzenlob n von 43 M. gezahll wird,«inen Lohnabbau um 10 Proz. Die gleich« Forderung erheben sie für den Fells.- und Häutehandel, wo der Spitzenlohn 40 M. beträgt! Im Glas- und Keramikgroßhandel, der feinen Arbellern «ine» Höchstlohn von 42-50 M. zahll. soll ebenfalls ein„wefent- licher", von den Üntirnehmern noch nicht näher bezeichneter Lohn. abdau durchs-sühn werden: D« Ardellern im Elsenkurz. charengr ö ßhKndet will man den jetzigen Lohn- von 41 bis 43 M. gleichsah„qicheMch" kurzqn. Dld Bsrharrdlunaen in ollen �«fen Branchen sind ergeh uislos vsrlmffSn» da e'? weder die lPewerkschaftsoertreter noch die Handel-arbeller auf sich nehmen kennten, aus das Anstnnsn der Unternehmer näher einzugehen. Auch der Lohntarif für den Textilgroßhandel, der einen Sphenlohn COn 43 M. vorsieht, ist von den Unternehmern zum Zweck« des Lichnodbvues gekündigt worden, desgleichen auch für dqn Kurz-, Galanterie», und Spielwarengroß. Handel und den Elektrogroßhckndel. In dielen Branchen sind noch keine Verhandlungen geführt worden. Da» Vorgehen des Arbeitgeberverbandes des Großhandels ge- rod« gegenüber den Ardeitern dieser Branchen zeigt mit aller Deut- lichkeit, daß sich die Unternehmer bei ihren Llchnabbouforderungen von wirtschaftlichen Bermmfigründen überhaupt nicht leiten lassen. Sie fragen nicht danach, oh es den Arbeitern bei ihren jetzigen Löhnen überhaupt noch möglich ist. sich und ihre Familien einiger- motzen notdürftig zu ernähren. Sie überschen auch völlig, daß sie mit ihrem maßlosen Lohnabbau die Arbeiter schließlich zur U n» ehrlichteit anreizen, hie infolge chres unzureichenden Ter- dienstes kein« andere Möglichkeit mehr scheu, sich vor dem Der- hungern zu bewahren. Der Lohnabbau ist schon nicht mehr als Pfychcsse zu bezeichnen, fondern als ein verb rech erifch e» Mittel zur Demoralisierung der Arbeiterschaft. Schon wieder Bölckers! Schlichter im �eichsbahnkonssiitt. Das RMchearbeitemimsteriums hat für di« Beilegung des Lohn- konflitts bei der Reichsbahn Dr. L ö l ck e r»- Bremen zmn Schlichter besteltt. D« Schlichtungsverhandlungen beginne» am Donnerstag nachmittag 2 Uhr. Di« Eisenknchnewrganisationcn haben mit diesem Schlichter bei den Verhandlungen über di« Arbeitszeit di« schlechiesten Ersahrungen gemacht. Es kam damals bei den B-rhandlungen.zu einem Kon- fli kt. in d«n sogar der Arbellsminister eingreifen mußte. Unter diesen Umständen ist es geradezu«ine Brüskierung. wenn das Reichs- arbeitsministe rium nun abermals Herrn Völckers zum Schlichter für den Tarifftreit be» der Reichsbahn ernannt hat. Bein'ebsratswahl bei Otis. Rückgang der KPO. Lei der Wahl in den Otis-Aufzugsverken G.m.b.H.. Berlin, im Jahre 1929 bekam bis KPD. 234 Arbellerstimmsn, im Jahre 1930 noch 232. diesmal aber, allerdings bei stark verminderter Belegschaft noch 95 Stimmen. Di« freigewerkschaftliche Lifte erhielt 1929: 128 Stimmen, 1930: 194, jetzt HS Stimmen. Im Jahre 1929 hatte die KPD. die Mehrheit, die sie mißbrauchte, indem sie den„Sozialfaschisten" keinen Posten im Ar- belter- und Betriebsrot einräumte. Iw folgenden Jahr« hatte sich das Verhältins von ö zu 3 in 4.zu 4 Sitzen im Arbeiterrat ver- wandelt. Die KPD. stellt« den Obmann und erhielten— durch Los— den Posten des zweite» Schriftführers. Im Betriebsrat hatten wir 1930 keinen Posten, da der GdA.-Angestelllenrat sich für die KPD. entschied! Nach der jüngsten Wahl scheidet die KPD. aus, sowohl aus dem Arbeiterrat wie aus dem Betriebsrat. Bei den Angestellten erhielt die freigewerkschaftliche Liste 1929 zwei Sitze, 1930 joier, der GdA. zwei, diesmal AfA. und GdA. je einen Sitz._ Wann wirb damit endlich Schluß gemacht? Esse», 17. März.(Eigenbereicht.) Im Verlauf der am Dienstag zwischen dem Arbeitgeberverband Ziordwest und den Angestelltenoerbänden geführten Verhandlung«!« forderten die Unternehmer zum Zwecke der„Senkung der Selbst- tostenpreise" einen weiteren Gehaltsabbau von l 5 P r o z. Dt« Angestelltenoerbänd« erklärten nach kurzer Bs- rctung, auf der von den Unternehmern vorgeschlagenen Basis nicht verhandeln zu können. Der Konflikt gelangt nunmehr vor den Schlichter. Bestellte Arbeit. Moskau, 17. März.(Ost-Expreß.) Die„Prawdo" berichtet über einen Brief, den a r b« i j s l o s e Metallarbeiter aus Berlin" an den Verband der Metall- arbeiter der Sowjetunion gesandt haben. In dem Brief heißt es: Die Berliner Arbeitslosen hätten von den neuen Bestellungen für die Ausrüstung der Sowjetir�iustrie erfahren und sie begrüßen diese Förderung des Fünfjahrcsplanes. Sie würden ihren Kampf gegen den Kapitalismus nicht aufgeben, selbst wenn sie dank diesen Be- stellungen Arbeit erhalten sollten. >» Vorläufig stehen di« Aufträg« noch in weiter Fern«. Sie hängen davon ab, ob man der Sowjetregierung die Aufträge auf lange Sicht pumpen kann und will. Aber« i n Auftrag ist bereits ausgeführt:«in Brief von„deutschen Arbeitern". Allerdings wird der in bar und im voraus bezahlt— an die KPD. Spontaner Streit im englischen Bergbau. London. 17. März. sEigenbericht.) Trotz des Beschkusses der Südwaliser Bergarbellerkonferqnz. einstweilen die friedlichen Wege zur Verhinderung des Lohnabbaus zu erschöpfen, sind am Dienstag etwa 5 0 00 Grubenarbeiter in den Streit getreten. Die Verhandlungen zur Beseitigung des Lvhnabbauschlcdsspruchs sind im Gange. AfLL-Fiinkt Irma ix der Met» ll i«drrstrie! Kttv«. MsUew», ihi Utlt, im S«m-i4sch«st»h«»,, L-sel-t« 24—45,«ttl«: „-----.... flSe* de» _______ reit bei SaBamrtr.fflrji nrJ* bat«ebs .., JefiSbrtfulliian eowritn» llliMSre. Die aitRNeb« bc<«Nil-! »S Uti Ahr im alrtchm« bat äWirJiitutq bei eor- iix beilimmt 仫 t'lef inJtn aü««f3- VetvWIetftilg treflm fi» ber-ite am Jbmfaatjwtmmra. AM-WetellaritH.. »ei tiefhsfictii oven der DVD.*«ir«6«mi SSiwrbrm. Denneisia«, S Ai 20 Ißt, Lotol Will. ESiiineber«. Mattlii-fiittbe»Sit Zcnbeiuxbcnb. .�Udenvorupve ves �eiKra verdanpe« ver Anoest eilten Äent«. MUNiw».«indcn fnlaanb« Be«n>galtmia«n statt: S-'innb» bnutn«»: Auarnbbrtm Willlnn�wstr. 5. Di« Märzuvolutian 1848.— Ariaickrr.darf:"uaeuabeim Lindau, r Str. 2»Barackli. Lariraa: �iätbe Äoll» irijt— K«inrick> 310,— W'l 9ünftlct bt, ardiiiendt» SaTca". Stcfrrrnt; Albert Manag«.— Cba'latf'cbnrfl; Zua,ndb«i>n ITsfincnBt. 4. Bortra«:»Der rOil. und seine(dtanet". Siiicum: Abrislian Miibl,— Hutaarbrra: Zu- amdbeiln vauvtstr. 15(t.o'a-däud«. iSaifr'cniiitBmtt). Liibjtabcrb.— D+in- bnnict Boiftatt: Znaendbrim bei Sckul» Ratio nie naHte 81.«otitaft:-SU fftau in der ötmcrifSaff. Sicrcrentin: Dura B«nla.— Cbtifpttt: Ritdtrsckiijnf weide, Scrliner Sir. 51(SAnl«),«irtaana SaffcImerdctittoSe. Aebcits- aunrinfftafl:»PinfUbrnna In dir fosialiOlfii« Dtdanl'nioci«". Leiter: Wil- Lcminrfi.— Starb»«: finaendbtim Tonjiact o't. 82 iCaxatfc Z) Mar«. (IcfaDcnroftiet,— Stralau: Zuaaiidbtim Ut Silvlt ffaStufir. 61. OTätjfiüfat«. Sottcoacnbc: fftibtl Kall.— HrnkZAnr Zuaaidlxlm BSbrniffb» Str. 1—4.?»» traa: Dinier den Rnckssen drs ffiTtan". iRcfeitni: Rurt Titd.k«.— Sido«: Ztm-ndbciin Wranarlstr. 128. SrumxnbtfnraKuna.—' Spauban: Zuarnbbcim Lindtnnfrr 1. Isabrirntrlebniss«.— Pairdaui-Row-rn«»: Znaenbbctdcra« Nawawei, Vrirsterftraßi. Siärrfiiar.—«äpemick: Zuarnbbrim Toblmllift citaS, IS lSasanftalt a» Bafinbof RbvenM. Arbci'saemeinsHaft:.Ein- fUbruna in di, faiialiittfäc(BcbanUntotlt*. 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