Morgenausgabe Ttr. 131 A 66 4S. Jahrgang Wöchentlich 85 monatNch 3,60 Vt, im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. Postzelwngs- unb 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» abonnemem 6,— M. uro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» vorto 5.— M. De?„vorwärts' erfchetm wochenlLg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Verli» und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beiloge„Boll und Zeit" Ferner. Frauenstimme'» �Technik".„Blick in die Dücherwelt", »Iugend'Borwärts'u.»Sladtbeilage' Berliner Vowsblatt Oonnersiag 19, Marz 1931 Groß-Äerlin �0 Pf. Auswäris 15 pf. Die«Inf polt. Nonpareillezeile 80 Pf. Retkamezeile S.— NM.„Kleine �in- Keigen" das fettgedruckte Wort 2i Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte). ied-s weitere Won 12 Pf. Nabatt lt. Tauf. Stellengesuche das erste Won 15 Pf.. jede» weitere Won 10 Pf. Wone über > für zwei Worte. 15 Buchstaben zählen Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf anzeigen Zeile 40 Pf. 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Die Dcauftragteu der sozialdemokratischen Stadt- vcrordnelensraktioa ließen keinen Zweifel darüber, daß die Sozialdemokratie entschlossen ist. ihren Anspruch aus Stellung des obeisten Berliner Dcrwaiiungsbeamten geltend zu macheu. Sie läßt sich dabei nicht von kleinlichem Parteiinteresse leiten, sondern handelt im Znkeresse der werktätigen Berliner Vevölke- rang, die ein Recht daraus hat. die Reichshauplstadt in ihrem Sinne geleitet zu sehen. Die Parteiinstanzeu haben über die kau- didatensroge noch nicht entschieden, es braucht jedoch nicht ver- schwiegen zu»Verden, daß der Oberbürgermeister von Altona, Ge- nasse Max Brauer, ziemlich allgemein als ihr voraussichlllcher Kandidat genannt wird. Rachdein der Landtag da» neue Verlin-Geseß gestern verab- schiedel hat, hat der Stadtverordnetenvorsteher Genosse haß den au» 25 Stadtverordneten bestehenden M a h l o n s i ch v ß zu heute vormittag zusammengerufen. j Sehnsucht nach dem Reichstag. Die Parlamentsschwänzer kündigen ein Gastspiel an. Die Peirkmumtsschwänzer verspüren wieder Sehnsucht nach dem Reichstag. Sie fühlen allmählich, daß sie politisch nicht mehr eristieren, seitdem sie die Flucht ergriffen haben. Aber wie zurück- kehren, ohne wie begossene Pudel wieder einziehen zu müssen? Sie sind deshalb auf die Idee versallen, zunächst einmal ein Gastspiel zu geben. Sie lassen verlautbgren: „Von inittelparteilicher Seite ist im Reichstag verlangt worden. daß der polnische Handelsvertrag noch während des laufenden Tagungsabschnittes parlamemarisch verabschiedet werden soll. Ein Test der Regierungspresse hat sich diese Forde» rung zu eigen gemacht. Sollte der Plan verwirklicht werden, so würden die aus dem Reichstag ausgezogenen löl Abgeordneten geschlossen zu dieser Abstimmung erscheinen, um den gegen Ostmark und Landwirtschaft gerichteten vernichten- den Schlag abzuwehren. Sie werden alsdann den Reichstag wieder verlassen." Sie wollen sich mit einem Streich gegen die deutsche Wirtschast, gegen die Arbeitslosen, und gegen den Frieden wieder einführen. Daß das Ende des sechsjährigen Zollkriegs zur Wiederbelebung der Wirtschast und zur Hebung der Beschäftigung beitragen würde, ist klar, ja ebenso, daß damit eine politische Verbesserung der deutsch- polnischen Beziehungen eintreten würde. Das eine wie das andere aber wollen die Leute Hitlers und ihr ijugendergscher Anhang verhindern. Ihre Politik zielt auf wirtschaftliche und politische Kata- ftrophe ab. Zunächst aber wollen sie wieder zurück. Rur ein ganz klein wenig, nur zu einer Abstimmung— dann wollen sie wieder ver- schwinden. Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartosfeln! Der Wiedereinzug wird wunderbar schön sein! Wenn dazu aber gar noch ein neuer Ausmarsch kommt, erste Kopie des Ausmarsches Nummer eins, so wird das Schauspiel konkurrenzlos sein! Seine Akteure könnten sich von einem Zirkus engagieren lassen und dort ihre Darbietungen allabendlich vorführen— das wäre von dieser Abart von Reichstagsobgeordneten immer noch würdevoller, als wenn sie den Reichstag als Zirkus mißbrauchen! Goebbels ist noch bei Moidenhauer. Der Goebbelssche„Angriff" besprach gestern, am 18. März 1931, die Lage der Reichssinanzen. Ueberschrist:„Immer tiefer". Text: „Daß der ösfenttichc Haushalt am Ende diesz Rechnungsjahres, am 31. März, nicht ausgeglichen ist, sondern einen Fehl- betrag von rund einer Milliarde zeigt, wird selbst Herr Moldenhauer nicht inehr zu leugnen vermögen." „Mich laßt gefällig aus dem Spiele"— so wird Herr Molden» Hauer sagen—„ich habe seit Juni 1939 gottseidank nichts mehr damit zu tun, wenden Sie sich an Herrn D i e t r i ch." Da haben sie min Wahlagitation gemacht, haben im Reichstag gesessen, aber es hat sich noch nicht bis zu ihnen durchgesprochen, daß der Reichsfinanzminister, der u. a. für die Notverordnungen verant- wortlich zeichnet, Herr Dietrich ist. Werden die staunen, wenn sie wieder im Reichstag auftauchen! Es wird ihnen alles ganz neu sein, vor allen: aber Herr Dietrich! Müllers Befinden besser. 5m Besindcu des schwer erkrankten Genossen Hermann ?sl ü l l e r ist gestern gegen Abend eine leichte Besserung eingetreten, die zu neuen Hoffnungen berechtigt. Doch bleibt das Befinden des Patienten nach wie vor kritisch.# Sozialdemokratie und Regierung. Siörungsfeuer von rechts. Zum Zwecke der Hetze gegen die Sozialdemokratie ver- breitet hugenbergs TU. die Nachricht, die Verhandlungen der sozialdemokratischen Fraktionsvertreter init der Regierung feien völlig ergebnislos verlaufe», hugenbergs Presseapparat versucht einmal die Mitte gegen die Sozial- dcmokratic aufzuputschen, indem er versichert, die Regierung Brüning schwimme„im Schlepptau des Marxismus", und ein andermal die Sozialdemokratie gegen die Mitte, indem er behauptet, die Sozialdemokratie sei in völliger Abhängigkeit von der Regierung Brüning. Den wirklichen Stand der Verhandlungen schildert der„Sozialdemokratische Presse- dienst" wie"folgt: Di« in den letzten Tagen gepflogenen Besprechungen mit der Regierung habe bisher nur ein geringes positives Er- yebnis gehabt. Das Wichtigste ist die Verpflichtung der Reichs- rczierung. daß eine Erhöhung des Brotpreises, die durch das Steigen der Weizen- und Rozgenpreife droht, vermieden wird Es ist auch anzunehmen, daß der sozialdemokratische Antrag auf E r h ö h u n g d e r A u s s i ch t» r a t s st« u« r auf 29 Proz. und die'Bewilligung von 3 Millionen für Kinderspeisung die D�lduna der Regierung finden wirst, pi« Erhöhung des Notopfer» bei der�Einkonunenfteuer der höheren Eiicko-nruen wird jedoch nach wi« vor von der Regierung bekämpft. Wird sie im Reichstag von der Mehrheit aus Sozialdemokraten und Kommunisten beschlossen, so hängt ihre Verwirklichung schließlich davon ob, welche Haltung die Länder im Reichsrat zu diesem Versuch der Besserung ihrer Finanzen einnehmen werden. Die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat durch ihren gestrigen Beschluß gezeigt, daß sie weit davon entfernt ist, gegen die Regierung Brüning Bosheitspolitik zu treiben. Das muß für die Regierung ein Grund mehr fein, billigen Forderungen der Sozialdemokratie entgegenzu- kommen. Es wäre im höchsten Grade unpolitisch, wenn die Regierung einen Justament-Standpunkt einnehmen würde im Vertrauen darauf, daß die Sozialdemokratie— klüger als sie— es zu letzten Konsequenzen nicht kommen lassen werde. Die Sozialdemokratie hat gezeigt, daß sie sich ihrer Verantwortung bewußt ist— das ist eine Aufforderung an die Regierung, sich auch der ihren bewußt zu sein! Lloyd George fordert Kraktionsdisziplin. Und Tolerierung der Arbeiterregierung noch l'A. Jahr. Die Sitzung der Unlerhans-Fraktion der Liberalen am Miltwochabend nahm einen sensationellen Verlaus. LloydGeorge forderte für die Zukunft nicht nur strengste Fraktionsdisziplln darüber hinaus lhre Einwilligung dafür, daß die Arbeiterregierung mit Unterstützung der Liberalen noch weitere 18 Monate im Amte bleibe. Diese ultimative Forderung richtet sich gegen die zwölf Mann starke Simon-Grupp?, die wiederholt die Vereinbarungen zwischen Lioyd Gev.ge und Mardonald turchlccuzt hat. so beim Gewerkjchaslsgeseh und bei der ILahlresorm. Die Simon-Gruppe fleht jetzt vor der Alternative, entweder sich dem Willen des Führers zu füge» oder auszoscheidcn. Li« Entscheidung über den Antrag Lloyd George wird erst am nächsten Dienstag fallen. Keine panzerkreuz erkrift? Die Fraktion hat Stimmenthaltung beschlossen. heute beginnt im Reichstag die zweite Beratung des Wehretats. Die Fraktion hat gestern beschlossen, sich bei der Abstimmung über die erste Baurate des Panzerschiffes L und die letzte des Panzerschiffes A der Stimme zu ent» halten. Die Gründe, die zu diesem Beschluß geführt haben, sind kurz folgende: Am 14. September vergangenen Jahres hat das Volk einen Reichstag gewählt, dessen übergroße Mehrheit fürdenBauder geforderten Ersatzschiffe eintritt. Der Bau wird von der Mehrheit des Volkes gewollt: zum mindesten ist eine Volksmehrheit, die den Bau ablehnt, bei den Wahlen n i ch t. in Erscheinung getreten. Das Kräfteverhältnis im Reichstag vor und nach dem Auszug der Rechtsopposition zeigen folgende Zahlen: Rechtsopposition(zur Zeit abwesend). 1Z1 Bürgerliche Mitte....... 266 Sozialdemokraten....... 143 Kommunisten......... 77 Die bürgerliche Mitte ist geschlossen für den Bau. Mit der Rechtsopposition, die jeden Tag zurückkehren kann, hat sie 357 Stimmen, die übergroße Mehrheit. Solange die Rechtsopposition fehlt, ist die Sozialdemo- kratie zusammen mit den Kommunisten der Mitte um 14 Stimmen überlegen. Die sozialdemokratische Reichstags- fraktion stand vor der Frage, ob sie diese Mehrheit zu dem Versuch benutzen soll, eine Entscheidung von großer politischer Tragweitp herbeizuführen. Die Fraktion hat die Frage ver- neint. Ein Beschluß dieser mir vorübergehend vorhandenen Mehrheit gegen den Schiffsbau hätte den Bau keineswegs auf die Dauer verhindert, sondern bestenfalls nur eine kurze Ver- zögerung seines Beginnes herbeigeführt. Ein solcher Beschluß hätte aber auch, ohne sein eigentliches Ziel zu erreichen, eine politische Krise ausgelöst, die nicht der Sozialdemokratie und auch nicht den Kommunisten, sondern nur der faschistischen Rechtsopposition zugute gekommen wäre. Die ganze Spekulation Hugenbergs und Hitlers geht darauf aus. das demokratisch-parlamentarische Regierungssystem zu sabotieren und schließlich zu vernichten. Sie haben den Reichstag verlassen und lauern auf eine Gelegenheit, der Verfassung von Weimar einen tödlichen Schlag zu versetzen. Gegen diesen geplanten Anschlag auf den Staat hat sich»n Reichstag eine Abwehrfront zusammengefunden, die sich aus den verschiedensten Elementen zusammensetzt und deren Teile von den verschiedensten Motiven geleitet sind. Bei politischen Entscheidungen kommt es aber weniger auf die Motive an. als auf die tatsächliche Haltung. Das Vorhandensein einer solchen Abwehrfront— inag sie auch in einigen Teilen schwach und nur der sozialdemokratische Flügel unbedingt zuverlässig sein— ist im Kampfe gegen den Fa- schismus zweifellos ein Aktmum. Sie zum Einsturz zu brin» gen durch einen Beschluß, der einen Schiffsbau bestenfalls um ein Jahr, wahrscheinlich aber nur umeinpaarMonate verzögert, wäre kein politisches Meisterstück gewesen. Die Fraktion ist einmütig der Meinung, daß die Mehr- heit, die den Schiffbau will, unrecht hat. Sie verzichtet aber in diesem Falle darauf, die vorübergehende Abwesenheit eines Teiles dieser Mehrhest als entscheidenden Faktor in ihre Rechnung einzusetzen und sich auf den brüchigen Boden einer Mehrheit zu stellen, die in Wirklichkeit keine ist. Indem sie sich der Stimme enthält, stellt sie nur das Kräfteverhältnis wieder her, das durch den Ausfall derReichstagswahlen geschaffen worden ist. Der Beschluß der Fraktion wird eine Acnderung der Taktik unserer Feinde zur Folge haben. Bis jetzt hatten sie darauf spekuliert, daß die Sozialdemokratie durch Ablehnung des Panzerschiffs die Abwehrfront gegen den Faschismus zer- trümmern werde. Jetzt werden sie darauf spekulieren, daß Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei zu Richtung:.- kämpfen und Lähmung der Kampskraft nach außen führen werden. NationalsozialistenundKommunisten werden kein Mittel der Intrige scheuen, um dieses edle Ziel zu erreichen. Die Sozialdemokratische Partei kennt keinen Kadaver- gehoriam, wie er in jenen Parteien üblich ist. Sie anerkennt als Gegenstück der selbstverständlichen Pflicht der Disziplin auch das Recht der Kritik. Kein Sozialdemokrat wird jedoch s c in Recht zur Kritik in einer Weise benutzen wollen, die ihn wider Willen Sturm im Hamburger Parlament. Kommunistischer Angriff auf Rationalsozialisten. zu einem Helfer unserer schlimm st en und ge- fährlichsten Feinde macht. Kein Parteigenosse soll auch nur einen Augenblick ver- gessen. daß in dem Kampfe dieses Notjahres 1931 über Leben und Tod der Demokratie in Deutschland entschieden wird. Gäbe es nicht eine große, starke und einige Sozialdemokratie, so wäre der Triumph des Faschis« mus über Deutschland gewiß. Eine Knechtung der Arbeiter- klosse. wie sie auch das Kaiserreich nicht kannte, und über kurz oder lang der Untergang Europas in einem neuen Weltkrieg wäre die unvermeidliche Folge. Was die Reichstagsfraktion tut, tut sie aus tödlicher Feindschaft gegen den Faschismus und mit der Absicht, die von ihm drohenden Gefahren abzu- mehren. Ihr taktisches Verhalten in der Frage des Panzer- schiffs ist nichts als ein Schachzug im Kampfe gegen den Faschismus. Die Sozialdemokratische Partei erfüllt ihre historische Mission an der deutschen Arbeiterklasse, ihre Pflicht für den Frieden der Welt, indem sie. ohne sich in innere Auseinandersetzungen zu verlieren, in eiserner Ge- schlosscnheit ihren Kampf fortsetzt. Gegen die Mordhetze. Das Ergebnis der Ministerkonferenz. Amtlich wird mitgeteilt:„Die am Mittwoch unter dem Vorsitz des Rcichsinnemnmlsters Dr. Wirth tagende Konferenz der Polizciminister der größeren Länder beschäftigte sich mit der innenpolitischen Lage unter besonderer Berücksichtigung der antireligiösen Verhetzung und der politischen radikalen Strömungen. Die sehr eingehende Aussprache ergab die völlige Uebercinstimmung in der Auffassung, daß es notwendig sei, der ständig wachsenden Verhetzung und Ausschreitung in politischer und kultureller Hinsicht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutreten. Die festgestellte einmütige Auffassung der Länderminister wird die Grundlage einer alsbaldigen Aussprache des Reichsinncnministers beim Reichs- kanzler bilden." Es ist zu erwarten, daß die Reichsregierung schon in aller- nächster Zeit eine Verordnung mit wesentlichen Verschärfungen des Versa mmlungs- und Presserechts veröffentlicht. Die erforderlichen Vorarbeiten dazu sind bereits abgeschlossen. Sihung des �eichskabinetts. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett bc- jchästigte sich am Mittwoch mit der durch die Ablehnung des Genfer .Handelsabkommens geschaffenen handelspolitischen Lage. Des weiteren berichtete der Reichsinnenmmister Dr. Wirth über die Konferenz der Innenminister der größeren Länder, in der sich völlige 11 e b e r e i n st i m m u n g der Auffassungen ergab. Hakenkreuzhetze gegen Nrüning. Duisburg. 18. März. Eine öffentlich« nationalsoziollftifche Versammlung in Duisburg- wurde geslrn aufgelöst, als der Redner, der Reichstags- abgeordnet« von und zu Knefe.beck, im Verlaufe seiner Ausführungen den Reichstag und den Reichskanzler Brüning beleidigte und trotz der Aufforderung d?r Polizei es nicht unterließ, weitere Beleidigungen auszusprechen. Auch die nationalsozialfftische Versammlung in der städtischen Tonhalle, wo ebenfalls Reichstagsabgeordneter von und zu Knesebeck sprach, wurde ausgelöst. Hierbei wurden etwa zehn Personen wegen Tragens verbotener Uniformen zwangsgestellt. Hamburg, IS. März.(Eigenbericht.) Am Miltwochnachmitlag, 1b Uhr. sollte die Sitzung der Ham- burger Bürgerschaft mit einem Nachruf für den von Nationalsozialisten ermordeten kommunistischen Abgeordneten Henning eingeleitet werden. Ehe der Präsident mit dem Nachruf beginnen konnte, begaben sich einige kommunistische Abgeordnete aus die rechte Seile des Hauses, wo die drei natioualfozia- listischen Abgeordneten sitzen. Die Kommunisten sielen plötzlich über die Nationalsozialisten her und schlugen mit Jäusten auf sie ein. Es entspann sich eine wüste Schlägerei, bei der Dculschuolionale und volksparteilcr die Kommunisten und Nationalsozialisten von- einander zu trennen versuchten. Dadurch wurde das Kampsgetümmel nur noch bedrohlicher. Erst nach einigen Minuten konnte die Schlägerei durch herbeigerufene Polizeibeamte unterbrochen werden. Allmählich beruhigte sich dann das Haus. Die kommunistischen Zlbgeordncten, die die Selbstjustiz inszeniert hatten, wurden aus einen Monat von den Arbeiten der Bürgerschaft ausgeschlossen. Präsident Leuterih richtete dann in seinem Nachruf für den ermordeten Abgeordneten eine scharfe Anklage gegen die Gewalt- Politiker und die Forderung an den Staat, den Schuh der Staats- bürger zu gewährleisten. Er rief auf zur Stärkung der Front aller anständigen Menschen, um über die Gewalttaten hinwegzukommen, die Deutschland in den Abgrund führen müssen. Eine Senatserklärung. Nach Erledigung einiger Kleiner Anfragen und vor Beginn der Etatsberatung nahm sodann Senatspräsident Bürger- meister Roß das Wort zu einer Senatserklärung, in der es heißt: Die beiden politischen Bluttaten, die Hamburg in den letzten Tagen erlebt hat und die jeden, der sich gesundes sittliches Empfinden bewahrt hat, mit Empörung erfüllen, beweisen den Grad der Verhetzung, der durch zügellose Kampfmethoden erreicht wird. Wenn auch für beide Fälle allein die Nationalsozialistische Partei die moralische verani- worlung trägt. eine Verantwortung, die ihr durch keine taktischen Manöver ihrer Führer abgenommen werden kann, so ist doch für die ganze politische Atmosphäre, die solche Taten ermöglicht, selbstoerständlich die Maß- losigkeit kommunistischer Demagogie mitoerantwort- sich. Daß eine Partei, wie die Natwnalsozialiftische, die soviel von Vaterland und nationaler Würde spricht, Seite an Seite mit den Kommunisten an der Zertrümmerung der Autorität des Staates kämpft, das bleibt nur dem begreiflich, der in diesem Kampf nichts anderes steht als den brutalen Willen zur Macht. Es muß in diesem Augenblick gejagt werden, daß kein Zweifel darüber bestehen kann, daß die Deuffche Republik zu fest begründet ist. um durch solche Bc- wegungen gefährdet zu werden. Es täusche sich niemand darüber, daß der Staat von Weimar nicht in Gefahr ist, talnpflos preisgegeben zu werden. Die Republik ist weder wehrlos noch schwach, aber sie war bisher allzu langmütig. Beschämend ist es, die Versuche zu sehen, die Verantwortung zu verlagern. verantwortlich für die Bluttaten sind allein diejenigen, die nicht durch ehrliche Mitarbeit bemüht sind, die Not der Gegenwart zu überwinden. Solchen zerstörenden Kräften setzen wir die Staatsgesinnung gegen- über und wir werden, wenn es notwendig ist, auch diejenigen zu erfassen wissen, die als Mitläufer oder geheime Nutznießer die zu bekämpfenden Bewegungen unterstützen. In dieser Zeit heißt es: Wer nicht für den Staat ist, d'er ist wider ihn, und wer wider den Staat ist, gegen den ist auch der Staat. Ziele dieses Kampfbundes befragt, erklärte: Der Kampfbund sür deutsche Kultur kämpfe gegen marxistische und bolschewistische Zer- setzungserscheinungen. Mit Marxisten ließ« sich über Fragen der Kultur überhaupt nicht unterhalten. Diese Aeußerungen Fricks riefen auf der Linken einen Sturm der Entrüstung hervor. Als er von feiten der SPD. schließlich gefragt wurde, ob er wisse, was Marxismus sei und ob er schon einmal ein Buch von Karl Marx in der Hand gehabt habe, antwortete Frick, das sei nicht notwendig, er beurteile den Marxismus noch der Praxis. Daraufhin stellten die sozialdemokratischen Vertreter fest, daß Frick zugestanden habe, noch nie«in Buch von Karl Marx gelesen zu haben, sich aber trotzdem Urteile über den Marxismus erlaube. Jetzt stand Frick wutentbrannt aus und oerließ dns Sitzungszimmer. Er ging unter Rufen wie: Frick rückt ab nach Pirmasens in die Etappe. Die Kündigung der Sosoiänzer. Zur Kündigung der Solotänzer an der Staatsoper erfahren wir noch folgendes: Es handelt sich nicht um eine dejinitiv« Entlassung. Die Künstler können iin Engagement bleiben, wenn sie bereit sind auf ihre„Monopolstellung" als Solisten zu verzichten r nd sich dem Tänzerkorps einzuordnen. Damit wären allerdings die entsprechenden Kürzungen ihrer Gagen verbunden. Das kon- traktliche„Monopol" der Solctänzer besteht vor allem darin, daß diese eben mir als Solotänzer beschäftigt werden dürsen. Da aber Solotänzer in Opern wenig� Verwendung finden, so glaubt man fürderhin ganz auf sie verzichten zu können. Selbständige Ballett- aufführungen. wie sie früher im Opernhaus regeln, äßig stattfanden, werden jetzt nicht mehr veranstaltet, da sie große Kosten verursachen und wenig einbringen. Der moderne Tanz ist eine deuffche Schöpfung. Seine Pflege wäre Ehrenpflicht der größten deuffchen Opernbühne, der Berliner Staatsoper. Die gegenwärtige Situation ist besonders schwierig. Die Zahl der Kenner, Anhänger und Verehrer des neuen Tanzstils wächst zwar von Jahr zu Jahr, aber sie ist heute vielleicht nach nicht groß genug, um Unternehmungen, wie regelmäßige Vallettauffüh- rungen, finanziell sicher zu tragen. Zuschüsse sind vonnötcn. Diese zu leisten, ist die Staatsoper am ehesten imstande. Man brauchte nur ein weniges an den Kosten für die Musik zu sparen. Die Gagen für die sieben Solotänzer, denen man jetzt gekündigt hat, betragen zusammen noch nicht halb soviel wie die Gage eines Tenors! Der moralisch« Schaden, der durch diese Kündigungen angc- richtet wird, ist unberechenbar. Wenn die Berliner Staalsoper mit solchen, Beispiel vorangeht, was soll man von den Opern in der Provinz erwarten? Sie jubeln den Mördern zu! Sie Dresdener Hakenkreuzzeitunq verboten. Dresden. 18. März. Wie vom Presseamt des Polizeipräsidiums Dresden mitgetsllt wird, ist die hiesige nationalsozialistische Tageszeitung„D e r Freiheitskampf" wegen ausdrücklicher Billigung der von einem Polizeiwachtmeister in Hamburg bei einem Re- gierungsrat der dortigen Polizeibehörde begangenen Gewalttätig- ketten auf Grund der Bestimmung des§ 5 Absatz 1 Ziffer 4 des Gesetzes zum Schutze der Republik aus die Dauer von vier Wochen, und zwar vom 13. März bis einschließlich 1ö. April 1931 verboten. Blutiger Zusammenstoß in Nüffeldors. Ein Totcr, mehrere Äerletzte. Düsseldorf, 18. März. Vei einer Kundgebung von Kommunisten und Erwerbslosen kam es in der Nähe des Äolksgartens zu cirrem Zusammenstoß zwischen de« Demo« st ran- t e n und der Polizei. Es sind hierbei auch einige Schüsse gefallen. Zwei Polizeibeamtc« und einige Demonstranlen wurden verletzt. Ei« Demonstrant ist seinen Verletzungen erlegen, einer der beiden Polizeibeamten ist schwer verletzt. Bürgerliche Hiilerknechte. Schimpffreiheit ist ihr Programm. Danzig, 18. März.(Eigenbericht.) Der Präsident des Danziger Volkstags, Genosse Julius Gehl, hat fein Amt niedergelegt, da die von ihm vorgenommene Aus- s-hließung des Nazis G r e i f« r, der in der unflätigsten Weife einen sozialdemokratischen Redner unterbrochen und die gcsanite sozial- demokratische Fraktion als„feige Lumpen und Verbrecher" be- schimpft hatte, von den bürgerlichen Mehrheitspartcien auf- gehoben wurde! Die bürgerlichen Parteien desavouierten die Ord- nungsmaßnahmc des Präsidenten, um sich die weitere Unter- st ü tz u n g der Nazis für ihre Minderheitsregierung zu erhalten. Der Arbeilerabgeordnete 3ames Stewart ist im Alter von öS Jahren an, Dienstagabend in London einem Herzschlag erlegen. Stewart war in seiner schollischen Heimat in Glasgow gewählt worden. Von Berus Barbier, schloß er sich in seiner Jugend der Keir Hardic an. mit der er zufcinm-cn die schottische Arbeiterpartei gründete. Groß-Berlin-Geseh angenommen. Vertrag zwischen Staat und Krolloper wieder durch Obstruktion verhindert. Der Preußisch« Landlag erledigte am Mittwoch zunächst die Abstimmungen zum 3 u st i z e t a k und zum Groß- Berliner Gesetz. Beide wurden nach den Beschlüssen der zuständigen Au». schösse angenommen. Hingegen scheiterte der vertrag zwischen Staat und Srollopec erneut au der Obstruktion dar vereinigten Feinde der Republik, der Rechtsparteien und Kommunisten; e» fehlten sechs Stimmen an der Veschlußfählgkett. Im übrigen setzte das Haus die Beratung.des Kultus» « t a t s fort. Aus der Debatte ragte eine Rede unserer G« n ö s s i n Wellmann heraus, die zahlreiche Zeugnisse für die lebhafte Teilnahme der CDüngel eschen Geistlichkeit an der natümalsozialistischsn Propaganda beibracht«. Ein Staatsvertrag mit dieser Kirche sei für die Sozialdemokratie nur dann annehmbar, wenn sie sich ehr- lich der geltenden Staatsform der Republik annähere. Heber die aktuell politischen Frag«, hinausweisend zeigte Genossin Wellmann, wie sehr der Geist des Ehristentums in der nationalsozialistischen Demagogie verfälscht wird: sie erläutert« die inner« geistig« Der- Äundenheit der christlichen und der soziallistischen Ideale und End- ziele und schloß mit der Mahnung an die Gläubigen: Religio., verpflichtet. Der Zentrumsabgeordnete Linneborn knüpfte an die jüngsten Kundgebungen des katholischen Episkopats gegen die Nationalsozialisten an und entwickelte den Gedanken, daß der No» tionalsozialismus vom Zentrum nicht nur politisch bekämpft werde. sondern auch vom katholisch-vÄigiösen Standpunkt aus Irrtum und Sünde sei. Er forderte ein« geschlossene Front gegen die rüdsn und brutalen Kampfmethoden der Nationalsozialisten und Kommunisten. Die übrige Debatte war bedeutungslos. Während Linnebarns Red« erschienen die schari angegriffenen Nationalsozialisten im Sitzungssaal, die man seit drei Monaten bei der politischen Arbeit im Landtag nicht gesehen hat.(Daß man sie vermißt hätte, wäre falsch ausgedrückt.) Das gab den Kommunisten Gelegenheit zu herz- lichsn Begrüßung szurufen etwa der Art: �Heut gibt's keine Diäten!" .Was wollt ihr denn hier?".Ihr habt wohl eine Fahrkarten wieder verpumpt, daß ihr nicht oerreffen könnt.".Ihr seid ja alle chloroformiert!" Aber die Rationaksozialisten schwiegen weiter. Offen- bar hat ein Befehl aus München ihnen ein Schloß vors Maul gelegt. ANgemeines Oemonstrationsverbot. Eine Verfügung des Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident teilt mit: Tie in dem Demon- strationsverbot vom 10. Dezember 1930 zugelassenen Ausnahmen für Demonstrationen im Lustgarten, auf der Treptower Spielwiese, im Humboldthain und der Jungfernheide find aufgehoben worden. Fortan sind alle Versammlungen unter freiem Himmel und Umzüge im gesamten Lrtspolizcibezirk Berlin ausnahmslos verboten. Wie wir dazu erfahren, fallen unter dieses Verbot auch die von den Kommunisten für Freitag, 20. März, und Montag, 23. März, geplanten Kundgebungen im Lustgarten.> x- Frick-Oammerung. Etatstitel für Schultze-Naumburg abgelehnt.- Frick flüchtet Weimar, 18. März.(Eigenbericht.) In, Haushaltsausschuß des Thüringer Land» tags wurden am Mittwoch auf Antrag der Volkspartei die Mittel für die völkische Heimats chul« in Bad Berka abgelehnt. Die Mittel sür die staatlichen Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk in Weimar wur- den ebenfalls nicht bewilligt. Im Verlauf der Aussprache über die Kunstschule wurde von allen Parteien an der Eröffnungsfeier gelegentlich ver Amtsübcr- nähme durch den Nationalsozialisten Schultz«- Naumburg als Schulleiter scharfe Kritik geübt. Die Feier war parteipolitisch aufgezogen. Eine Abteilung Hakentreuzler war in Naziuniform mit der Hakenkreuzfahn« erschienen. Der Abg. W i tz m a n n (Volkspartei) erklärt dazu, daß er die Feier verlassen habe. Der Abg. L i n k m a n n(Wirtschp.) führte aus, daß auch er fortgegangen wäre, wenn er nicht als Redner vorgesehen gewesen wäre. Der Raziministcr Frick suchte die Sache so darzustellen, als ob eine nationalsozialistische Studentengruppe in ihren Uniformen erschienen sei, was von den volkspartellichen Abgeordnete» entschieden bc- stritten wurde. In der Debatte wurde ferner festgestellt, daß der sogenannte ,.K a m p f b u n 0 für deutsche Kultur" von Frick Mittel er- hallen hat, die an sich nur für künstlerische und wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stehen. Der Kampfbund ist eine ausge- sprochene Hakenkreuzorganifation. Frick, über die Goebbels Angsttraum. 66 erscheinen dem um die Geheimhaltung seiner Privatanschrist Zitternden im Traume die Gestalten der Ztasa Z�osenbaum und der Sascha Nathan-Baruch, um den tieferschrockenen Helden zu schachten? Kilmoberprüfstelle sieht rot. Eine literarische Fälschung als Verbotsbegründung. Genosse Erich Kuttner, der den„Film- und Lichtbilddienst" »er der Filinoberprüfstelle vertrat, schreibt uns: „Wie der„Abend" berichtete, ist der sozialdemoiratische Agitationsfilm„Ins Dritte Reick)" von der Filinoberprüfstelle zwar zu- gelassen worden, aber erst nach einer Reihe geradezu sinnloser Ver- stmnmelungen. Als das Tollst« erwähnte der„Abend" die Strei- chung einer allegorischen, die Republik verherrlichenden Figur. Die inzwischen den Antragstellern zugegangene schriftliche Aus- fcrtigung begründet diesen Zensurstrich mit folgenden Sätzen: Aus Grund des vorgcscknlderten Fehlgrisjs von Exekutive und Rechtspflege greift in den Bildstreifen die allegorische Gestalt der Republik ein, die, mit Jakobinermütze und roter Fahne be- wehrt, erscheint und den unschuldigen Gefangenen aus dem Gefängnis befreit. Die Kammer war der Auffassung, daß hierdurch in dem Beschauer der Eindruck erweckt werde, als be- dürfe es erst einer neuen Republik, um derartige Miß. stände in der gegenwärtigen Republik zu beseitigen und Unschul- dia« vor dem Gefängnis zu bewahren. Eine solche Dar- stellung fft der gegenwärtigen Staajsform abträg- lich und daher ebenfalls geeignst, die öffentliche Ordnung zu ge» fährden.� � Hierzu fft zu sagen: Die„Begründüng" spricht von lauter Dinge«, die der Bildstreifen gar nicht enthält. Der Arbeiter wird von der Republik nicht aus dem Gefänginis befreit. Vielmehr spielt sich im Film folgendes ab: Auf der Priffche des Gefängnisses schläft der Arbeiter ein. beginnt vom Dritten Reich zu träumen, aus der Troumwolk« fallen Haken- kreuze herab, dies« setzen sich aneinander und bilden um den Arbeiter einen Käfig, der die deuilühe Inschrift„Drittes Reich" trägt. während die Gefängniszelle verschwindet. Der gesesseU« im Käfig „Drittes Reich" liegende Arbeiter wird von seinen Widersachern verspottet, und nunmehr er st erscheint die symbolische Gestalt der Republik, die nicht den Arbeiter aus dem Gefängnis be- freit, sondern den käsig mit der Inschrift„Drittes Reich" zer- trümmert. Die Begründung fälscht also den Inhalt des Films in einen nicht vorhandenen um, um das Verbot einer Verherrlichung der jetzigen Republik zu rechtfertigen! Ebenso uniwahrhaftig ist auch in der Verbotsbegründung die Be- schrcibung der symbolischen Gestalt. Wie ein« Frau mit einer Joko» binermütze„bewehrt" sein kann, soll ganz dahingestellt bleiben. Eins aber möge uns die Film-Oberprllfftclle erklären: Wie in einen: schwarzweiß gezeichneten Film die Füm-O b erp rüfftclle ein« rote Fahne entdecken konnte?! Die Fahne der hier schon wieder- gegebenen Figur der Republik fft ein grauangetöntes Feld, das in weißen, schwarz umränderten Buchstaben die Inschrift „Freier V o l k s st a a t" trägt. Was ist nun hier rot? Man kann nur annehmen-, daß die Zensoren der Film-Oberprüfftells »rot gesehen" haben. Jedenfalls ist ein« Zensur, so schwer sie schon an sich zu ertragen fft. vollends unerträglich, wenn sie sich ungestraft erlauben darf, zum Zweck« der Begründung eines an sich immotivisrten Derbches den Inhalt des von ihr zensierten Bildstreifens gröblich zu ver- fälschen und Tatbestände zu konstruieren, die im Film gar nicht enthalten sind. Dies getan zu haben, werfen wir der Film-Ober- prüfstelle hiermit öffentlich vor und sind bereit, vor jeder zuständigen Stelle den Beweis zu erbringen, daß das Verbot des Republik- synrbols durch eine Fälschung begründet worden ist." Die Vorfälle von Vikolaiken. Unberechtigte polnische Vorwürfe. Wegen der Vorfälle in Nikolaiken hatte der Verband pol- »ijcher Schulosreine Deutschlands vor mehr als einem Jahr und vor einigen Wochen in Eingaben an den preußffchen Innenminister Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. Die ausführliche Antwort des Ministers verweist darauf, daß jene Vorfälle Gegenstand einer viellägigen Verhandlung vor dem Schöffengericht in Marienburg gebildet haben. Der Polenverband hat in einer Eingabe vom 6. Februar 1931 zugegeben, durch seine Zulassung als Neben- '.lägcr„die allgemeine politische Lage im Kreise Stuhm und beson- dcrs in Nikolaiken zur Klarlegung der eigentlichen Dlotive für die Vorfälle" fesfftellen zu lassen, insbesondere auch ob und üuviewcit die Ausschreitungen gegen die polnische Minderheit durch das Auf- treten des Landrats Dr. Zimmer und die beiden Polizeibeamten beeinflußt worden sind. Das Schöffengericht hat auf Grund mehr- jacher Gerichtsbeschlüsse abgelehnt, über den Rohmen der zur Ab- urteilung stehenden Vorfälle hinaus auf die politischen Verhältnisse res Kreises Stuhm näher einzugehen. Der Polenverbond beantragt nun ein Disziplinarverfahren gegen den Landrat. Nach dem Urteil oes Schöffengerichts Marienburg vom 7.112. Januar 1931„sind durch das Ergebnis der Beweisaufnahme die Behauptungen des Nebenklägers über die Natur der Ausschreitung vom 29. Oktober 1939 einwandfrei widerlegt". Es heißt dort:„Es steht fest, daß die Angeklagten Gottfchewfki und Cholevius allein für ihre Taten ver- antmortlich sind. Es hat kein organisierter Foldzuz gegen die polnische Minderheit stattgefungen." Der polnische Rlinderheikeschullehrer hewner hat nklärl. er bade niemals eine feindselige Stimmung der deutschen Bevolte- rung gegen sich wahrgenommen: die deutschen Lehrer hätten ihn als Kollegen freundschaftlich behandelt, auch die Behörden hatten ihn immer zu seiner vollsten Zufriedenheit behandelt. Die Gemeindevertretung Nikolaikens einschließlich des der polnischen Minderheit angehörigen Gemeindevorstehers und anderer Polen bat einstimmig erklärt, daß„nach ihrer Ueberzeugung die Vorfälle keineswegs ihren Ursprung in Polenfeindlichkeit der deutschen Bevölkerung und der Behörden haben, daß die Gemeindevertretung vielmehr glaube, daß persönliche und private Rachsucht der Grund ist". Der Vertreter der polnischen Fraktion im Kreistag i-nd Vorsttze-cher des Verbandes der Iugendverein« im Weichselgau, Besitzer L e n g a, hat am 29. Dezember 1939 sich ausdrücklich dahin geäußert,„daß er nickst hinter dem Presiefeldzug gegen den Landrat in Stuhm wegen der Borfälle in Nikolaiken stehe und auch den Zln- irag auf Abberufung des Landrats nicht veranlaßt habe". Die erst- genannten beiden Erklärungen hat der Reichsminister des Aus- -oärtigen bei dem Völkerbundsrat am 21. Januar 1931 in Genf widerspruchslos bekanntgegeben. Räch all dem liegt kein Grund zu einem Vorgehen gegen den Landrat vor: auch fft dos Berufungsurteil noch nicht ergangen. Die Anträge gegen die Landjägereibeamten sind dem Regierungsprösi- dcnten in Marienwerder zugestellt worden, der dafür zuständig ist. tlnruhen in po'en. Warschau. 18. März.(Eigenbericht.) Mehrere hundert Arbeitslose zogen in Sjetstce vor das Rat- baue, um die Auszahlung von Unterstützungen zu verlangen. Schließlich besetzten sie das Rathaus. Als die Polizei eingriff. letzten sich die Arbeitslosen zur Wehr, so daß es zu einer blutigen Auseinandersetzung kam Vier Arbeiter und drei Polizisten wurden schwer verletzt. Erst verleumden— dann kneifen. sftn kommunistischer Michstagsabsieordneier genau so feige wie Goedvels. Ein tapferer Mann ist der kommunistische Reichstogsabgeordnete Hein. Im Jahre 1929 zeichnete er ein Flugblatt verantwortlich, in welchem der Vorsitzend« der hiesigen Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes, Genosse Max U r i ch, auf das unflätigste beschimpft wurde. Bis zur Auflösung des Reichstags verkroch er sich mit Erfolg hinter seiner Immunität. Erst nach Ausläsung des Reichstags war es deshalb möglich, die Eröffnung des Hauptoerfahrens herbeizuführen. Der Hauptoerhandlungstcrmin wurde auf den 12. September 1930, also zwei Tage vor der Neuwahl des Reichstags, anberaumt. In diesem Termin war Hein nicht erschienen. Er hoffte offenbar nach der Neuwahl des Reichstags sich wieder mit Erfolg hinter seiner Immunität verschanzen zu können. Der Reichstag durchkreuzte diese Absicht und erteilte nunmehr die Genehmigung zur Durchführung der Strafverfolgung, und es wurde »euer Termin auf den 11. März 1931 anberaumt. In diesem Termin war Hein wiederum nicht erschienen. Statt seiner kam ein Entschuldigungsschreiben, wonach er sich auf einer längeren Agitationsreise als Reichstagsabgeordneter außerhalb Berlins be- finde. Das Gericht mußte deshalb den Termin erneut auf den 18. März 1931 oertagen, ordnete jedoch auf Antrag des Rechts- befftandes des Genossen Urich, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg, die polizeiliche Vorführung Heins zum neuen Termin en. In diesem dritten Termin war Hein wiederum nicht erschienen. Der mit der Vorführung beauftragte Polizeibeamte teilte mit, daß Hein nicht auffindbar sei und sich angeblich in B u k a r e st (Rumänien) aushalle. Genosie Dr. Weinberg war in der Lage, die Versicherungen von sieben Arbeitern vorzulegen, aus denen sich ergab, daß Hein am letzten Terminstage, an dem er sich nach seiner Angabe außerhalb Berlins auf einer Agitationsreise befunden haben will, vormittags in einer Versammlung in Berlin-Weißensee und nachmlltags in einer Versammlung in Berlin-Reinickendors anwesend gewesen ist, so daß seine damalige Entschuldigung völlig aus den Fingern ge- sogen war. Dem Gericht blieb leider nichts anderes übrig, als einen neuen Termin gegen den tapferen Reichstagsabgeordneten auf den 30. März anzuberaumen und zu diesem abermals die polizeiliche Vor- führung des Angeklagten zu beschließen. Ueber den Antrag, den Angeklagten in Untersuchungshaft zu nehmen, da auf andere Weise sein Erscheinen im Termin nicht zu erzwingen ist, wird das Gericht noch Beschluß fassen. Der bisherige Verlauf dieses Prozesses ist ein Schulbeispiel für die kommunistische Taklik. zunächst Ehrenmänner zu beschimpfen und sich als dann der Verantwortung hierfür aus jede Weise zu entziehen. Dieses Verhallen muß auch dem verhetztesten kommunistischen Ar- beiter beweisen, daß die Vorwürfe gegen den Genossen Urich völlig aus den Fingern gesogen sind! worowsti» Mörder gestorben. Der Schweizer Canradi, der vor Jahren in Gens den russischen Diplomaten Worowiki ermordet hatte, vom Schwurgericht unter dem Eindruck russischer Terrvrschilderung freigesprochen wurde und dann unter dem Namen Conrad Docn in die'französische Fremdenlegion eingetreten war, ist gestorben. Nochmals die Stellenvermittlung. Es bleibt bei der Aushebung. Nachdem das Plenum des Reichstags entsprechend dem sozial- demokratischen Antrag die Aufhebung der gewerbs- mäßigen Stellenvermittlung zum 1. April unter ange- messener Entschädigung der Stellenvermittlcr beschlossen hatte, wurde auf Einspruch des Reichsfinanzministers der Haushallsausschuß heute nochmals mit der Angelegenheit befaßt. Staatssekretär Schäsfer stellte sich auf den Stand- punkt, daß die aus dem sozialdemokratischen Antrag entstehende Eni- Ichädigungssumme eine Mehrausgabe gegenüber dem Etatsvor- anschlag bedeute, für die durch die Antragsteller Deckung besorgt werden müsse. Abg. A u f h ä u s e r(Soz.) wandte sich entschieden dagegen, daß hier der neue§ 48 s der Geschäftsordnung zur Anwendung komme. Es handle sich um eine gesetzliche Verpflichtung des Reichs, die durch das Arbeitsvermittlungsgesctz von 1927 be- gründet ist. Wenn es die Reichsregierung verabsäumt habe, Mittel für die gesetzlich vorgeschriebene Entschädigung in den Etat einzustellen, so könne für diese Versäumnis der Regierung nicht seine Partei verantwortlich gemacht werden. Die zur Entschädigung erforderlichen Millel müßten vielmehr vom Reichsfinanzminister nachträglich in den Ergänzungsetat eingestellt werden. Es entspann sich eine längere Debatte über die Auslegung der Geschäftsordnung, bei der auch die Redner der übrigen Parteien amrkannten, daß die Rcichsregierung die rechtzeitige Klärung der Frage verabsäumt hätte In den folgenden Abstimmungen wurden nach Ablehnung abweichender Vorschläge die Beschlüsse aus zwciterLesung mit 14 gegen 11 Stimmen erneut bestätigt. Arbeiier und Siudettien. Eiserne Eolidarität. An der Technischen Hochschule Wien ist den sozialistischen Studenten das Anschlagen ihrer Mitteilungen verwehrt, weshalb sie mit Erlaubnis der Gemeinde eine hölzerne Anschlagsäule vor dem Gebäude errichteten. Bei den jüngsten Krawallen wurde diese Säule gestcchlen und verbrannt. Diese Faschistentot hat allgemeine Eni- rüstung erregt und sogar Rektor Jung, sonst ein warmer Freund der.�Hakinger", mußte den Brandstiftern Worte der Mißbilligung ausspreckzen. Von dem ongeküiGigten Disziplinarverfahren gegen die Uebelläter hat man bis heute freilich nichts gehört. Der Oesterreichische Metallarbeiteroerband hat der Sozialistischen Studentenschaft der Wiener Technik einen neuen Kiosk aus Eisen mit einem Betonfundamcnt gebaut. Vor der staunenden Hörerschaft wurde der eiserne Kiosk durch Verlesung eines Schreibens des Obmannes der Metallarbeiter. Rattonalrat Janetschek, vom Vorsitzenden der Sozialistischen Studentenschaft an der Technischen Hochschule, canck int?. Walter H itz i n g e r eröffnet. Der eiserne Kiosk wird den soziakiftischen Studenten, so wie der alte es durch zwei Jahre war, ein Mittel im Kampfe gegen die Hochschulreaktion sein. Der Brief der Gewerkschaft lautet: An die Sozialistische Studentenschaft an der Technischen Hochschule in Wien. Werte Genossen! Der Metall- und Bergarbeiterverband Oesterreichs widmet den sozialistischen Studenten, welchen anläßlich der Wahlen in die Studentenkammer ihr« Ankündigungssäule vernichtet wurde, eine solche aus Eisen und hofft, daß diese dem rcakffonören Zlnsturm ebenso slandhallen wird, wie es bisher der sozialistffchen Studentenorganisation möglich gewesen ist. Dieses Geschenk im Zeichen der Solidarität soll die Genossen in Zukunft anspornen, ihre Organisation so auszubauen, daß sie im- stände ist. allen reaktionären Umtrieben Widerstand entgegenzusetzen. R. Nachtnebel, Sekretär. Johann Janetschek, Obmann. Gandhis Exportplan. Auslandstextilien ins Ausland! Bombay, 18. März. Gandhi hat einen Plan ausgearbeitet, der den in Betracht tommenden Textilkaufleuten ermöglichen soll, ihre Bestände an ausländischen Textilien außerhalb des Landes abzusetzen und durch indische Gewebe zu ersetzen. Gandhi schlägt die Gründung einer Gesellschaft mit einem Kapital von 137 000 Pfund Sterling vor, die die ausländischen Textilien auf Risiko ihrer Be- s i tz e r nach ausländischen Märkten exportieren soll. Der durch die Kosten der Wiederausfuhr entstehende Verlust soll vom Rational- kongreß anteilmäßig umgelegt werden. Spinnereibesitzer aus verschiedenen Gegenden Indiens(die natürlich gegen AuslandSwore sind) haben bereits mit Gandhi über diesen Plan beraten und>hn in seinen wesentlichsten Grumdgü-gen gebilligt. Terror im Aurland. Bei der Untersuchung einer vierten Bombe in Belgrad, die man in einem Müllkasten gefunden halte, ist der Major Rekoloff schwer verletzt worden und seither gestorben.— Der Japaner Nobuiato S a l o gab der Polizei an, den Sowjet- Handelsbeirot A n l k« j e w deshalb niedergeschossen zu haben, weil die Bolschewistenmg ihn um sein Eigentum im Slmur-Gebiet ge- bracht hat. Berlins Besoldungsordnung bleibt Gukachierausfchuß gegen Oberpräfideni. Der Gulachkerousschuh für die städtische öesoldungsordnung hak den Entwurf eines schriftlichen Gulachleav dnrchberaten. Er hat sich grundjählich für Erhaltung der bestehenden Berliner Sc- soldungsordnung ausgesprochen. Nachdem die städtiickzen Beamten bereits eine 6pro,;ent>ge Gc- haUskürzung erlitten haben, will der Oberpräsidcnt als Kommunolaufsichtsbehörde eine weitere Gehaltssenkung für die Berliner Beamten herbeiführen. Der Oberpräsi- dent beruft sich auf eine Bestimmung des preußischen Besoldungsgesetzes, wonach die Besoldungen der Kommu- nalbeamten den Gehältern der Staatsbeamten in den Gnind�ügen angepaßt sein müssen. Er behauptet, daß die Stadl Berlin über die staatlichen Gehälter hinausgegangen ist. Deshalb verlangt er eine cheruntergruppierung und Anpassung an einzelne in seiner Verfügung genau bezeichnete staatliche Besoldungsgruppen. Nach de» gesetzlichen Bestiirmüingen kann an der fonnalrecht- lichc» Möglichkeit, eine solche Abänderung der Berliner Gehälter zu verlangen, nicht gezweifelt werden. Eine ander«, wichtigere Frage ist aber, ob das Verlange» des Oberpräsidenten i n h a l t- lich gerechtfertigt ist. In dieser Beziehung muß von vorn- herein stutzig machen, daß der Oberpräsidcnt selbst es unter- lassen hat, seine Verfügung auch nur in einem einzigen Punkte zu begründen. Er verlangt die Anpassung bestimmter städtischer Besoldungsgruppen an von ihm genau bc, zeichnete staatliche Be- soidungsgruppen. Nach den Bestimmungen des Gesetzes ist ein solches Verlangen nur berechtigt, wenn die städtischen Beamten die gleiche Tätigkeit ausüben wie die staatlichen Beamten, mit denen sie gleichgestellt werden sollen. Es kommt also darauf an, die dienstlichen Funktionen der städtischen Beamten genau zu untersuchen imd zu prüfen, welche Staatsbeamtengruppe die gleichen oder ähnliche dienstliche Ausgaben hat. Diese Prüfung hat der Oberpräsident in seiner Verfügung vollkommen unterlassen: er hat sich damit begnügt, einfach die Gleichheit von Beamtengruppen zu behaupten und demgemäß die Gleichstellung zu verlangen. Der größte Teil der Berliner Beamten und Angestellten ist keineswegs besser besoldet als die entsprechenden Staatsbeamten. Wenn man sich die Sache so leicht macht, daß man einfach eine Gleichstellung auf Grund der städtischen Amts-Bereichnung her- beiführen will, ohne die Aints-Täligkeit zu berücksichtigen, dann erscheint allerdings das Verlangen des Obcrpräfidenten zum Teil gerechtfertigt. Aber die sogenannten Amtsbezeichnungen sind ja nur sehr grobe Anhaltspunkte für die Funktionen des betrcf- senden Arbeitnehmers und «wf die Funktionen kommt es nach der Absicht des Gesetzgebers ausschließlich an. Wir haben in der Stadtgemeinde Berlin prozentual sehr viel weniger böl>ere Beamte als durchschnittlich in den Stadwerwal- hingen. Daraus ergibt sich logisch, daß leitende Ausgaben auch auf mittlere Beamte übertragen sind, und das wirkt sich selbstverständlich auch wieder in einer größeren Selb- ständigkeit und Verantwortlichkeit der mittleren und unteren städri- schen Beamtengrupen aus. Bei den Angestellten ist die Lage gar nicht anders. Bei dieser tatsächlichen Situation verlangt das Gesetz selbst nicht, daß man sich ausschließlich nach den Amtsbezeichnungen richtet, sondern es ordnet im Gegenteil die Berücksichtigung der dienstlichen Tätigkeit u nd nicht der A m t s b e z e i ch- nun gen an. Aus dielem Grunde hat auch die Berliner Stadt- verordnetenversammlung aus Antrag der SPD.- Fraktion den Magistrat aufgefordert, die Besoldung der städtischen Beamten zu verteidigen. Aussperrungsende in Bayern. Abgewehrter Llnternehmerangriff. München,!8. März. Die Verhandlungen im Konflikt in der bayerischen Metallindu- strie haben heut« abend nach 7 Uhr mit einem Schiedsspruch geendet. Der Schiedsspruch wurde mit folgenden Abänderungen ge- gen den vorherigen für verbindlich erklärt: l. Die Laufzeit er- streckt sich bis 30. September 1331. 2. Die Lohnregelung erfolgt mit Wirkung vom 18. März 1931. Von diesem Tage an werden die gülligen Löhne und Akkordbasen um S,S Prozent ermäßigt. Die laufenden Stücklöhne und Zeitakkorde ermäßigen sich um 5,5 bis 7 Proz. 3. Die Arbeitsaufnahme erfolgt umgehend. Maßregelungen dürfen nicht vorgenomnren werden. Die Aus- sperrung gilt nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. Di« bisher erworbenen Rechte bleiben gewahrt. ifc Der Schiedsspruch im wesentlichen ist ein« Wiederholung des ersten Schiedsspruchs, gegen den die Aussperrung erfolgte. Der wesentlichste Unterschied ist die Aufnahme der Formel, daß Maß- regelungcn nicht stallfinden dürfen und daß das Arbeitsverhältnis nicht als unterbrochen gilt. Damit ist den Unternehmern die Mög- lichkell genommen, unter den Arbeitern„auszusieben". Das hallen die bayerischen Metallindustriellen billiger haben können. Be>it. Es verkohlst sich nicht, des langen und breiten über die ebenso abwegigen wie sellsamen„Argumente", die die Bauunternehmer zur Begründung ihrer Forderungen vorbrachten, einzugehen. Es war bei den Verhandlungen viel vom„Opfsrbringen" die Rede, was die Unternehmer jedesmal so verstanden, daß nur die Bau- a r b e i t e r Opfer zu bringen hätten. Genosie Krause erklärte hierzu unter einmütiger Zustimmung der Vers immlung, daß die Bau- crbc tcr nicht daran denken, einseitig diese Opfer zu tragen. Der Spruch selbst ist ein Hohn. Ab 1. April soll der Stunden- lohn eines Facharbeiters 1,39 M., eines Tieslvnrarbellers 0,85 Mk. und der eines Hilfsarbeiters 1,98 M. betragen. Di« Arbeits. zeit bleibt unverändert, über die Ortsklasseneinteilung soll nochmals gesondert verhandelt werden. Dieser Spruch lieferte gleichzeitig den Beweis, daß der Sonderoorsitzcnde mit g e- bundener Marschroute zur Verhandlung gekommen war, wie sich dies schon aus der ganzen VerHandlungsart ergeben hatte. Formal ist der Gang der Dinge nun folgender: Innerhalb von sechs Tagen muß zu dem Spruch Stellung genommen werden. Dann wird der Lohnkonflikt Ende März die zentral« Schieds- stelle beschäftigen. Zu dem neuen Spruch werden die Berliner Bauarbeiterfunktionäre am 28. März, nachmillags um 3 Uhr, in Kliems Festsälen in der Hasenheide Stellung nehmen. Wird auch der zweite Spruch abgelehnt, dann entscheidet der Reichs- arbeitsminister. Der Vorstand der Baugewertschaft Berlin erklärte aber schon gestern abend vor den Funktionären:„Wir werden alles tim, um die Verbindlichkeitserklärung zu verhindern. Wir werden darüber hinaus auch nicht unsere Unterschrift unter einen derartigen, verbindlich erklärten Vertrag setzen. Wir sind uns über die Konferenzen im klaren. Die Unternehmer sollen auch nicht auf die Zersplitterung der Bauarbeiter rechnen: der Deutsche Baugewerksbund ist stark genug, mn den Unternehmern die Freude über diesen Spruch gehörig zu versalzen." Es gab der großen Empörung der Funktionäre Ausdruck, daß nach dem Bericht ein Kollege einfach Uebcrgang zur Tages- ordn u ng beantragte, was die Versammlung i n st i m m i g be- schloß. Dieser Spruch ist und bleibt für die Berliner Bauarbeiter völlig undiskutabel. Lohnkonflikt in der Süßwarenindustrie. D.r Arbeiter soll bluten. Der Arbeitgeberverband der Schokoladen- und Zucker- zvaren-Jndu strie kündigte am 31. Januar die Lohnsätze. Diese sind auf der Grundlage eines Reichstarifcs für das ganze Reich in Lohnstufen geregelt. /3n den Verhandlungen verlangten die Unternehmer 19 Proz. Lohnabbau. Dazu kündigten sie noch den M a n t« l t a r i f, der zum 31. Juli mit dieser Kündigung abgelaufen wäre. Die Verhandlungen mit dem Verband der Rahrungsmittel- und Getränkearbeiter führten zu keinem Resultat. Die Unternehmer senkten ihre Forderungen auf 3, dann 8 und 7 Proz. Als letztes Angebot verlangten sie 4 Proz. Lohnabbau .für die Männer und 6 Proz. Lohnabbau für die Arbeiterinnen. Nach den tariflichen Vorschriften soll als unparteiischer Schlich- ter das Reichsarbeitsminifterium angerufen werden. Di« Unter- nehmer kündigten unter Protest der Arbeitervcrtreter an, die Löhne, wenn bis zum 1. April noch kein endgültiger Schiedsspruch vorliegen sollte, von sich mis zu senken. In der Versammlung der organisierten Kollegcnschaft, die von der Ortsgruppe Berlin des Verbandes der Nahrungsmittel« und Getränkearbeiter einberufen war, wurde das Verhalten der Unter- nehmer scharf krstisiert. Seil IM Jahren sind die Preise für Kakaobohnen, Zucker, Mandeln, Nüsse und dgl. ständig er- heblich gefallen. Gerade von den Fabrikanten, die von der Kaufkraft der arbeitenden Massen leben und ständig die Verdienste von den verbilligten Rohstcsfci: eingesteckt haben und ssch an Kurz- arbeit und Abbau übcrtariflicher Löhne enorm schadlos gehalten haben, hätte man etwas mehr Vernunft erwartest Gehaltskonfliki in der MetaNindustrie. Noch keine Entscheivunq. Die für Dienstag festgesetzten Seblichtungsverhandlungen im Gehaltskonflikt in der Berliner?Netallindu strie haben, trotzdem sie von nachmittags 3 Uhr bis 1 Uhr nachts dauerten, zu einem Ergehnis nicht geführt. Sie werden am Donnerstag nächster Woche sartgesetzt. In der zu gestern abend nach dem E e we r tscha f tshcnis einberufe- rrni AsA-Funktionärkonicrenz beschränkte sich demzufolge Genosse Günther vom Butab auf eine kurze Berichterstattung über die Verhandlungen, die der Kamnierbcratung vorausgingen. Die Argumente waren im wesentlichen auf beiden Seiten die gleichen wie bei den Parteiverhandlungen der vorigen Woche. Beide Parteien hielten an ihren Forderungen fest. Der VBMJ verlangte nach wie vor einen 2l b b a u der Gehälter um min- bestens 8 Proz. ab 1. April: die Gewerkschafisvertreter dagegen setzten sich mit allir Entschiedenheit für die unveränderte Verlängerung des Gehaltstorifvertrages ein. Die Metall- industriellen operierten u. a. wieder mit dem Sinken des Indeitz der Lebenshaltungskosten, um damit ihrer Abbauforbenmg eine theoretische Grundlage zu geben. Sie mußten ssch van den Gewerkschaftsvertretern daran erinnern lassen, daß dos Steigen der Jnder.zahl bei der Gehaltsbewogung der Berliner Metallangestellten im Frühjahr l929 von dem Schlichtungsausschvß nicht beachtet und das damals von den Angestellten gekündigte Gchaltsabkommcn trotz der Dcrteuenmg der Lebenshaltung un- verändert verlängert wurde. Wester wurde mis die Tatsache, die auch den Metallindustriellen bekannt sein dürfte, hingewiesen, daß in der Indexzahl nicht die Erhöhung der Zlusgaben durch neue Steuern, Sozialoer- jicherungsbeiträge usw. zum Ausdruck komme. Nicht zuletzt wurde auf die Steigerung der Arbeitsintensität ver- wiesen, die gerade jetzt nach der Einführung der Kurzarbest zu ver- zeichnen ist und die in dieser Verbindung schon einen erheblichen GeHallsabbau bedeute. Welchen Eindruck die Argumente der Vertreter beider Parteien ans das Schiedsgericht gemocht haben, wird die Entscheidung zeigen, die von ihm in der nächsten Woche getrosfen werden soll. Die Funktionärkonfcrenz muhte angesichts der noch völlig ungeklärten Lage davon Abstand nehmen, irgendwelche Beschlüsse zu fassen. Sie werden am nächsten Donrersiag in einer neuen Funktionär- konferenz gefaßt werden, über deren Stattsinden die Funktionäre des AiA-Metalltartells noch durch den„Vorwärts" unterrichtet werden. Durcheinander in derLustizverwaiiung. In keiner Verwaltung geht es bei den Angestellten so drunter und drüber wie im Bereiche der preußischen Justiz- Verwaltung. Von 12 500 Justizangestellten ist etwa nur der vierte Teil gewerkschaftlich organisiert. Ein anderer Teil läuft einer wilden Sonderorganssation(Frankfurt a. M) nach. Andere Angestellte wieder erwarten ihr Heil von der kommunistifelzen REO, die sich hier unter der Firnw„Gehalts- und Lohnkonimission" auf- getan hat. Aber auch die Nationalsozialisten mit„Betriebszellen" fehlen nicht. Für die Neuwahl des Hauptbetriebsrats beim xveußischen Justizministerium am Freitag liegen beim Hauptwahl- vorstand neben einer freigewerkfchaftlichen Arbeiter- liste— Liste Nr. 4— sieben Angestelltenlisten vor! Justizangestellte, denen an einer weiteren Förderung ihrer Rechtsansprüche, der Verbesserung ihrer arbeitsrechttichen und wirtschaftlichen Lage, insbesondere ober an einer ordnungsmäßigen Durchführung des für sie geltenden Preußischen Angestellteistarif- Vertrags gelegen ist und die auch im kommenden Jahre eine ziel- bewußte und sachverständige Interessenvertretung beim Justizministerium wünschen, verweigern Kommunisten, Nazis und gewert- schastsseindlichen Sonderbündlern, aber selbstverständlich auch den in der preußischen Justizverwaltung völlig bedeutungslosen Der- bänden wie GdÄ., DHV., RdBü., VwA. usw. die Eef stgschaft. Sie wählen dafür geschlossen die Liste der zielbewußten Sachlichkeit: Vorschlagsliste Nr. 1, Zentralverband der Angestellten(Westphal— Denmlich— Christ— Sackersdorf). Verbindliche Schiedssprüche. München. 18. März.(Eigenbericht.) Der Lohnstreit in der bayerischen Textilindu- strie ist beendet. Für die nordbayerischen Betriebe wurde ein Schiedsspruch, der für die Zestlohnarbester vier Prozent, für die Akkordarbeiter sechs Prozent Lohnabbau vorsieht, für verbindlich erklärt. � Für die füd ba y e ri sche Gruppe unterbreitete der Vertreter der Staatsregicrung den Par- teien an Stelle eines Schiedsspruches einen rechtsverbindlichen Vor- schlag, demzufolge von der sechs bzw. achtprozentigen Lohnsenkung. wie sie der Schiedsspruch ursprünglich vorsah, die Zestlohnzuschläge sämtlichen Branchen ausgenommen sind. Ferner wnrd« der Beginn der Lohnsenkung vom 3. auf den 19. März verlegt. Achtung. Fliesenleger! Die im„Vorwärts" vom l2. März ver- öffentlichtc Sperre gegen die Firma Bauhandel. F e d o r Schweizer u. Co., die Zwischenmeister betreffend, wurde zur Zufriedenheit unserer Kollegen beigelegt. Ilm Mißverständ- nissen vorzubeugen, fügen wir»rgänzend hinzu, daß die bei der Firma Bauhandel unmittelbar Beschäftigten immer in den Genuß ihrer tariflichen Rechte gekommen sind. Vm:gewerkschast Berlin, Fachgruppenleiwng der Fliesenleger. ®t*U(6n Sottlee-, Tapeiieree.»nd P«rtesc»illc'.v«ria»d kOrtRXNvaltuna Derlinl. Ledcrworenbmnche: Veriammlune am greiwa um IS Übe in Bäckers gcstfäleu, Weberstr. 17. Bericht von den Mantel, und Lohntarifvcrhandlunacn und Atltimmunfl. Deutscher Banaemerl-bn-d, JMontppe dee DSpfer. Morgen, 17� Ulir. im aroken Saal des Scwcrkschoitsbauses, knqclufer 24—25, Mitaliederverfamm- iun«. Dortraa und Aussvrach« Über den ArbeitznachMeis und Erlcdiauiur der Anirdae. Einlas, nur aeaen vorjeiquna des MitgliedsduSies. Sorocit die Kolleaen noch keinen neuen Tarifver:ea« baden, wird derselbe dort ausaeaeben. Di« gacharnvpenlcituna. fid�reieGewertschafts-Iuaend Berlin beute. Douuerstao. lOVj Uhr. tagen die Gruppen: llkpeniS: guaend- beim Grünauer Str. 5. Distip'ponsabend: Krwerkschaftllche grau'!:.— Schönbauie« Zar: Juaendbeim Tiechstr. Die Bilduna-orbcit des ADHB.— Eciuudbrnnueu: Juaeudiieim Bot« Schul«. Goteuburaee i5tr. o. Seiterei: Abend.— Eidosteu: Gruppe nbeim Reichenberqer Str. 6ö cz-uer- webrliau»). Die MSdels a eftalten einen literaischen Abend aus.— Tcmpelbof: Grupoenbeim. Sriacirat Germania llr. 4 n. Eingang Gdtiftrage. Berlin, mie es weint und locht.— Moabit: Juaendbeim Lebrter Str. 18— I«. Seiterer Abend. — Reu. Lichtenberg: Juaendbeim Gunterftr. 4t. Wir gestalten den Abend selbst aus.— Lichtenberg: Zuoendbeim Soufeftrafte, an der Lesffngftrobe. Bode- abend.— Landsberger Plag: guaendbeim Dieftelmenerstr. s. Arbeitsdi'nst» Pflicht und Gswerkschasien.— Staaken: Gnippeuiieim 17. BoZofchule Staal-u. cdartrnstadt. Nirchplafi. Berliner Sumor.— Jugendarnpp« d-, Beibande,»er Rabruuasmittel» und Sctiänlcarbciter. Siwiuasfaal Neue Schönhauser Str. 4'5. Seimabend.— Zogen dgrnppe de« Sefamtperbardes: Zugendheim UrtvU ufer 24—25. Landelsaeweibe: 1914 Kit.„Der Bon eines Schickes in Lichtbild uni» ffitnt."— Zugerdgrnpp« be« Deutsche» Baugcwerkobnnde«: Sroßbreren- straf, e 96. Maurer: Jeden Donnrrstaa, 19 Uhr, Bau. und Zeicherabenü. @�,uoendoruvpe vr«!?-nssa!verliandes ver Anaesiellt-n Acut«, DonntVtQq. finden �laer.de Beransta.ltunemna Utitrsien in Bund«s?leidnna?mn Eaalschutl in Lichtenrade. Nonlollv- ,-»»> ♦,____... i.et■*rr._ A i— ry•.»»». Tä TT*.siT?x*-5 Art-AAr*!»!» svci'rt Dem na tfiniceieTt IN r u,un T--- r;— BcHt MunfttimnctV. t9Vi Uhr PMchwutretcn Turnholl« Marlendarfu Ä'ia, m--— Morschtiepäck.— Freitag, 20. Mär,. Tterhartrll-(3iinflbonntrt. it. Heimobenh- find«!-««nemson« mit..�u» Wsstrn. stuit. Brnach ri-Äiguna heachtcn. WÜmeredori c�irnhbanner). R Uhr guo.nhh.iin W'l JR'.i" oll-M �ua Moabit. :iKLr» n'TTt«a-M>- v'«»— richOipäck.- Ftciiofl, 20. Mär,. SUtjori.i Imsbenh- finh«i Ottn.iusain mit Kuh Westr ta-(SLnflSonntri ' m. flfttt. P.noch. 71(TA.Uu Nfl Oeuulicu- i——- h-lmraue 123. Temp.lhof«Kom.rahschastl, 20 Uhr Mitoirrdern-rsommlun« bei 'liomm»s>uno.— S.rm.lwrs«SomeradslhortV grritoq, 20, März, 10 Uhr, Vf» niorlch zur Bolluersommlu nq noch Trocl. Treffpunkt Schillhef. Arbeiter-Samariler-Vund e. V.. Kolonne Berlin. EcichäfteKell«: R. 24, Kr. Kamburqer Str. 20. Tri.: v 1 Norden 3340. Unser«! Mitalichern ,ur pefällioru Tenirrni,, doh imolae des _ kUinIilerabends die GefckiäftsOelle am Tonnersta», dem 10. März, bis m Uhr, und om. Freitos, dem 20. März, bis 17 Uhr. geäffuet ist. Arhriter.Bblkincntcnhnnd, vrtegruppe Berlin. Dvnuerstoa, Id. März. De» -irissruvpe Norden. 20 Uhr im Jugendheim Gerichiftr. 12-1-13, Zndustrieheuo, 2. Qaergebäub«, M. 0>ed!cht.' non Sri* Beinert.— Bezirk ssruvpe Echillerpork. iO'H Uhr im Schroderiool. Malploouetftr. 14-1« A'.ferenien� Ms. Painlk«ol- tuiio:..Di« llldilche Freiheitobemegung". und lSenoffc Koheifel:„Ernc w'.chr'ge ünlturforderuns".— Bezirksgruppc Fricdrichshoin besucht geschlossen d e Per- -mflol'una der Gruppe Echillerpork.- Feitag. 20. Mär,. B-,!rksgrupp« Brenz. !o»er Berg. 20 Uhr im Coif Burgfrieden, Don.zigcr Str. 24. Genosse per,- txxgr»Sazioliss«che Jugendbewegung�...... Tmttscher Feiedensbund. Tonnerstgg. 10. März. 20 Uhr, im Beiwuront IVptU'cholk. Dclle.tlll ance.Ploh 8. Serr Dr. Anselm Buest spricht über:„K.�G- Wclls: Offen« Berfchwärung und dos Problem der Weltoerstoodiaung". Gäste wiMcmllnen. RciAebnub Deutscher Mieter, Be,irk Schänebrrg. Am 23. März Sffentliche Versommluim iär Mieter und Gewerbe� retdende im Nesiouroirt töelm, Schöne, Hera. Bardarassostr. 8. 20 Uhr. Thema:..«onunt endlich die Mietsenkung?" Berliuer Mordoliucnvcreinignng.Nordische Tlänge>003". Uebiingsssunden leden Donnerstag um 2044 Uhr im Deitauranj Burmeisser, Berlin Zi.. Am- ilamer Str. W. Gäste, auch Damen, willkommen. Landsmaunschaft der Schleswig. Kolsteiuer ,» Berlin. Geschäftsstelle S. 14, Brinüenftr.«1. Sonnabend. 21. März, 30 Uhr. in Bogels Festsälen. Brllck-n, strahs 2. Feier des 89. Stlfwngafestes._•_. Irterefleugemeinichait bot OUeiossedlervereioigunae». Olktenkliche Siedler» nmfacualuaa Sannadeud. lOH Itfrt, svriz>t in Berliu-Adlershof, Bismarck- strafte. STeftaurant Lehmgrllbner. S?rr Arnold Gohr über:'»Sutschädigungslose Giueignuna evtl, de» ganzen Grundstückes". SprLcblllud.lue kin tiiti dpesOe,«"..»eetsnzs toke plsce on ever> Dbunsazv bt nme o'cloek in the restaurant.Stephanplatz",\'W 21. Stendaler Str 12— Topies and dedates of gcneral intereit. Ouests— Ladies and Genflcmen- are cordiaily welcome, OeffentflicBie Kundgebungen Rahnsdor'« Donnerstag, den 19. März, 20 Uhr, Lo al Sturm, Wilhelmshagen, Wilheimslr.— Thema: Soziallsmus und Nationalsozialismus.— Redner; Max Heydemann. Lichtenrade. Donnerstag, den 19. März, 19'/-. Uhr. Lokal Rohrmann.— Thema: Friede, Freiheit, Brot— nickt durch nationalsozialistische Diktatur.— nur durdi Demokratie. Redner: Jockel Meter 9. Kreis Wiimersdor?. Donnerstag, den 19. März. 20 Uhr, im Y k'oragarten, Wilhelmsaue 114/115.- Thema: Der Volks» betrug der Nationalsozialisten Redner: Staatsanwalt Dr. Hoegner. M d. R. und Otto Meter. M. d. L. 3. Kreis Weddirg. Freitag, den 20. März, 19'/, Uhr, in den Atlantic-Festsälen. Lichtburg, am Bhf Gesundbrunnen. Behmstr Thema: Nationalsozialismus— Volksbetrug.— Redner Sick Kuttner, M. d L, Johannes Stelling, M. d. R. Biesdorf. Sonnabend, den 21. März, 19V, Uhr. Sdvillcrsäle. KönigsfraSe 120.— Thema: Nationalsozialismus— Volksbetrug.— Redner: Jockel Meier. Bohnsdorf. Sonnabend, den 21. März. 20 Uhr. Lokal Heimann. ' Waltersdorfrr Strafce 100.— Thema: Gegen den Faschismus.— R-dner: Max Heydemann. Volksgenossen, erscheint in Massen! Helft den Faschismus bekämpfen! ttntrnbnngen fü« diese Rubrik find B( 1 1 i a SB 68, Lindenurgße 3. parteinachrichten für Groß-Bertin stet, an Do* Bezirkssekretarigi 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richte» Achtung, Abteilungsleiter f Die neuen Funkiionärkarien für das Zahr ISZt sind im Bezirks sekrelariat, eindenstr. Z. 2. hos, 2 Treppen. Genossen, die die Zunktionärkarlen abholen, müssen dn leilungsleiker legilimieri sein. vezirks- Zimmer 5, erhälllich.— den Ab- Beginn aller Veranstaltungen 1SJ4 Uhr, sofern keine besoudere Zeitangabe! »undgedua« am Montag, dem 23. Mär,, im g rohen Saal der Kammer. lülf, Tcltower Str. 1—< sHallesche» Tor). Thema:.Der Papst und d-e CSC. Rckercaten: Dr. Riemann, Leipzig, Clara Bohm-Schuch, M. b. 9L Stellung. nähme znr Che-Crzyllika des Barstes, sei»« Ansicht«der den Schuh des leimenden Lebens, Cberesorm»nb Gottesglauhen. Ualaitenbeitrag 29 Pf. Relchsarbc'tegemeinschaft Treigelftigcr Verbände, Oriskartell Berlin. Bund der Atheisten— Deutscher Monisteudnnd— Areireligizse Gemeinde. Deutscher ssrcidcukervcrbard C. B. heule. Donnerstag. 13. März: «5. Abt. Die Bezirksillh-er lad'n umgehend zur Bessiht'gvng der.Vorwärts". Buchdri-ckcrei am Sonnabend, dem A. März, 15% Uhr, ein. Treffpunkt L'N-denftr. 3, L Löf. »8. Abt. Tunktionäriihung bei Teich, klnefebeckstr. 13,). 108. Abt. Tunktionärsshung bei Stlppekobl» Schönerlinder Str. s. Morgen. Freitag. 20. März: t. Kreis. Trrismitglieder Versammlung im Kachcsche» Dos. Roseuthaler Strafte 40-41. Dr. Tbeodor Laubach:»Die saschistisch« Gefahr�. iDersammlung sindet am Trritag. nicht am, Donnerstag, statt.) 6. Kreis. OB.-Sizung mit Abteilungsleitern bei Ärilgr, Grimmstr. 1. 10.»reis. ÄB.-Sihung in Köpenick. Katier�Zilhelm�Str. 8, Lokal Gisrrcr.— Bildungsausschnft. Der HI. Abschnit» unsere» Biidungslursus mit dem Thema:..Me Arbeiterklasse im politischen Agmpf beginnt 20 Uhr im Bgrierhastn. StWonftr."W. Reue Teiluehuur können sich noch melden. 17. Sreis. Treie Schulaemeinde. Ortsgruppe Berlin, Lichtenberg. Mitglieder- neriammiung um 20 Ubr in der Aula der stnabcnmistelschule. Blarkt- strafte 12. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Bortrag:»Die Svarwaft- nghm-n der Stadt Berlin und ihre Auswirkung auf die SchuK ischul- freund Malina). 3. Berfchiedeues. 30. Abb Fiinkt�onärssbung an bekannter Stelle. 31. Abt. 20 Uhr Arbeitskreis iUngercr und neu zur Partei aekommener Mitglieder. Ouiammenkunst bei Goldichmidi, Stolpisch« Str. OS. 34. Abt ssunksdnärsthuna mit strrisvcrtoetern ho! Seidlih, Romrirtener Str. 7. Stellungnahme zum Bezirkstag. 38. Abt. 10 Ilbr Lorstandoüftung, 30 Uhr Tunltionännftung bei Bgrtusch. Trieben str. 88. 84. Abt. Alle Genossen beteiligen ssch gn der Wcrbeveranstaltung der singend bei Lehmann. Äaiser-Wilhelnr�z'r. 20—31. Gleichzeitig daselbst Ausgabe der Hgndzetrel fitr die Loegner-stmidgebung. 01. Abt. Bon den Dezirlsioialen ans.iAugblattperbreitung. 130a. Abt. Botrag Uber:.Gemeinwirtfchgftiiches Bauen" von Geiwsse Dr. Karl Brockschmidt um 20 Uhr im Reftaurgnt Schollenkrug. Sonnabend. 21. März: 9«. Abt. Abteilnagsacrgnügeu in Becher« Gesellschgstshau«, Brih, Chaussee- strafte 97. MitMirle--be: Berli-«r Ult-Tria. Arbeiterjugend. Zestauiprache! Carl Litle. M. d. R. Tauz. Ciutritt 1 M. Sonntag, 22. März: tt. Treis. Tugendweibc im Lakai Mali, Marieuborf, Chausseestr. 30Z. 10 Uhr. Mitwirkende: Licbermann-Qoartett, Paukewer Sxrechgemeiuschaft, Volk». ch.or Tempclhos.ZNgeieubori. Weiheredc: Bruuo Lösche, starte» bei alle» Tunktiauäre» erhältlich. Abrechnung der Cintrittskort«« kurz aar der Bar. anftoltiuifl. Montag. 23. März: 19. st reis. Sikung des Arrisbildungsausichusses um 20 Uhr im Türk wichen .stelt. Pankom, Breite Straft«. Hauptthrma: Maistier. Dieasatg. 24. März:>' II. ftretc Vorauzeiche. Aula Beiziger Cckr Cisruacher Strafte ässeatliche staab- gebuug gegen den Faschismus. Red»««: Carl Litte. Zst. d. ZU Arbeitsgemeinschaft der kinderfreuude Grost-Lerlin. Gruppe Seifteusee. Treitaa..20. Mär». 20 Uhr, aeichensaal der woltlichnn Schule Pärkstrafte. eiternnersauunlunq im Restsalkeugruppen. Die Leiser werden gebeten, das fertige Bastelmgterial von isreiiag, 20. März, bis einichlieftlrch Montag. 38. März, mit dem Kenn- wort„Restialkenarbeit". zur Zentrale, Lindenstr. 3, zu bringen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 10. Abt. Unser Genosse Bichard Tischer ist am Sonntag Im Alter von 46 Zabren perswrbrn. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Treilog. dem 30. März. 18 Uhr. im Ar. matorium Gerichtstrafte statt. Um rege Beteiligung bittet der Abieilungsvorstand. 21. Abt. Unser Igngiähriger Tunkt'onär, Genosse Kranz. Bollsroft. Koch» städter Str. 3, ist im Alter von 64 fahren verstorben. Ehre seinem And-nkrn. Einäscherung Sonnadcnd. 21. März, 1814 Uhr, im strcmatorium GerichBtrafte. Wir bitten um rege Beteiligung. 41. AbU Unser Genosse Kermonn Söbnel ist verstorben. Ehre seinem An» denken. Einäscherung heute, Ibid Uhr, Aremotorium Gerichtstrgfte. Wir bitten um rege Beteiligung. 80. AbU Unser langsähriger Genosse Georg Matth«-, Bubensstr. 96, ist nach langem Lechen verstorben. Ehre seinem Andenk-n. Einäscherung Sonnabend, 21. März, 1 41 j Uhr, Aremotorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin SinsendunaeA für diese Rubrik nur an das �uaendVeeraeia» Berlin 6*. CindenftrofiF* Zuqer.huolk«bilbn«. Vorstellung am 29. März um 1ö Uhr. Karten sinb im Sekretariat zu haben. heute. Donnerstag. 19. März, 19% Uhr: Banderlcitcrkonlcrcn, im Bortragsiaal des Tarchiporstandes. Lindenstr. Z, ll. Löf 2 Treppen. Ahema.: �V7fcn.zen und Tier« der Mark". Arukmpluft: Sonnenburac? Str. 20. �Die deutsche �richsversassuna." 7- ssallviaK U Lornienburffsr Str. 30. �Arbai tsdi�nstpflicht."— GchSv�auser Dorstadt: SonnLnburaeT Str. 20.„Verufserlebnisse."— Kottbusser Tor: Briste:: Strasse 27.„Be�riebsräteqesest."— Süssesten: L:nd«nstr. 4. �Soz'ai'st�naesest." — SSG. Westen: 17� Ubr r osinenstr. 4. �Volitische und soziale Äevolut'onen." —- Westend: Sportplast Wcst-'nd..Die V trägt man entweder einen kleinen, vorn aufgeschlagenen Hut o/er | di« neuartigen Conaticrs, größere flache Hüte mit einaekn'fjter Krempe im selben Farbton wie das Meid. Schotten- und Kc.ro- muster in Wolle für Röcke in Verbindung mst eincm gleirf-farbiaen Schal und einer unifarbenen Jack« geben ein flottes Straßcnkoftüm ab. Daneben als ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht dos herrenartia gearbeitete Lecken Neid mit farbiger, sportlicher, oder weißer, leicht garnierter Bluse: die RocNänge blieb uriverändeit, für die Strafte zeigt sie Drciviertellänge, für den Nachmittag und Abend fallen die duftigen, reich verarbeiteten Stoffe long zu Baden. Die Nachmittagskleidung bevorzugt schwarz, marineblau und auch etwas braun, die Kleider find schlicht, dabei aber doch recht kapriziös mit flotten Bolerojäckchen, irgendeiner besonders pfiffia ausgedachten Aermelgarnitur ufw. ausgearbeitet. Der Mode der kurzen Arnnet und langen Handschuhe hat ein incseniöfes Schneldergehirn durch einen Aermeihandschuh, der Aermel und Handschub in«nein darstellt und bloß aufgezogen wird, gut obacholstn. Lustig wirkte ein zerlegbarer Abendhut mst weißem Koos und schwarzem, ganz breitem Ranch je nach Belieben ist er großer Abendhut oder, nimwt man den lof« aufgesetzten Rand ab. dann bleibt eine m-iize. eng anliegende Kappe als zweite Garnitur zurück. Der(BirH in Taillenhöhe ist geblieben, eqal, ob man die in den Rock gesteckte Bluse oder die über den Rock fallende Iäckchcnblufc trägt. Sonde rveckaus und Vorführung der �Felna'-ko�s'tbHerstellnnq findet in den Häusern der Firma Hermann T.ietz: Leipziger Straße und Zllexanderplotz. statt. Moderne Spezialmaschinen sind ausgestellt, an denen die Herstellung des Korsetts, vom Zuschnitt bis zum fertigen Stück, gezeigt wird. Ungarisch in der Berlitz Schoost„'Alles läßt sich einmal ver. werten", sagt der helle Berliner,„vielleicht auch die ungarische Sprache,, zumal ich sie umsonst erlernen kann." Und so ist das An- gcbot der Berlitz Schoo! zur Teilnahme an einem Frei-- kurfus in Ungarisch auf«ine ganz ungeahnt starke Nachfrage gestoßen: man rechnete mit etwa 20 bis 30 Teilnehmern und es meldeten sich— 500! Wovon die Hülste angenommen, die übrigen für einen späteren Termin zurückgestellt wurden: die Schülers chait !st eine kunterbunte Gesellschaft, sowohl in beziig aus Alter wie auf Berufsmllieu, iast 50 Proz. der Teilnehmer sind Erwerbslose, die ihre unsreiwilligs Freizeit nutzbringend anwenden wollen in der Hofimmg, die Sprache doch noch irgendwie verwerten zu können: daneben sind es vielfach deutsche Frauen, die einer Ungarn geheiratet haben, und deren Kinder, Chauffeure, Aerzt«, Pädagogen. Zur An- spornung des Lerneifers dieser immerhin schwierigen Sprache hat die ungarische Gesandtschaft Preis« gestiftet. Die Kursdauer ist bei zwei Stunden wöchentlich für ein Jahr berechnest Die Berlitz School, die am ständigen Ausbau des Sprachunterrichts arbeitet, will damit zeigen, daß sie sich nicht nur den Unterricht der gang- baren Sprachen angelegen sein läßst Für das nächste Jähr ist s spantscher Sprachunterricht vorgesehen. Vatentmateabe» Metgllbetten. Aul- legemgirghen. Thgsselonguez.Wgl. ter.Stergardersseafte achtzehn. AeinLgden Bornehme gediegene Wohn- .. Möbel,«amersing, drea-strafte 4T und«„ftanseiinllec öS. Madgilirafte a-»I-. buchen 120.-:«sei- Nicker Bahnhof) verschränke 4Z.—: Straemlu. der billige genüber Marlihalle. ! Mguske.AL-beu i ab eigener Tobrlk ohne Zwischenhandel ! direkt.an Private. j Berliner Klliben. mödes- tznduftrie. , Greifswalderstr 140, aegrllndei 1S01. Ta- drikgebäude, 8— 12. Aleiander 4001. Teilzahluug ge. (taflet___ Tischte r«ss«. Jlftnet. Clsässerltr. 5. Schön« Schlakzüimier von 473,- an. lAer Sveltezimitier kam. plett Zo».-. 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Wegner: Jluf der Saramenenklmge einit iijr den Hamstn, den gpldcnen Wüstenwind? Glaubt nicht, daß et mit Feuer und Blut kommt, drohend wie ein Gewitter. Sein Leib ist mit Sonne gepanzert, sein Antlitz eine strahlende Lüge. Der Himmel ist em frühlingszartes Blau, das M«er wiegt lächelnd seine blütenweißen Schaumkronen— und doch ist die» alles furchtbarer als die Hölle. Das Thermometer zeigte zweiundfünfzig Grad im Schatten, als Leonore und ich mit unserer wüstengelben Zlrdiemaschine, dem „weißen Fuchs*, hinter Haifa das Ufer des Meeres erreichten. Am Wege stand ein junger christlicher Araber, der uns seine Dienste an- bot, und ich nahm.Kloses" zu unserer Hilfe hinten mit auf den Sitz unseres Motorrades, das wir von cinem Teil des Gepäck» befreit hatten. Der heiße Wind leckte uns wie eine Flamme über das Geficht, der tödliche Wind, der irgendwo jenseits des Jordan aus den unendlichen Steppen des Hauran kommt und alle Dinge mit feinem fanatischen Atem anbläst. Die einzige Straße, die Haifa mit dem alten Akko der Äreuz- ritter oerbindet, ist der Strand des Meeres selber. Wind und Sand haben sie gebildet. In weitgeschwungenem Bogen läuft sie um die strahlende Bucht herum, schmal wie die blitzende Klinge eines Sarazenensäbels, mit Haifas gelben Häusern, seinen sonnen- glitzernden Fenstern als diamantenbesetzten Griff und mit den weißen Felsenklippen von Akko als Spitze, die fern in das schäumende Meer sticht. Schon nach wenigen Minuten schaufelt« dos flachgebaute Gestell unseres Beiwagens den Meeressand auf. Tief sanken die Räder in die in den Strand gegraben« Wagenspur. Jener peinliche Augen- blick war gekommen, wo das Rad der Maschine ohnmächtig um sich selber rast. Hände und Spaten begonnen ihre Tätigkeit, die auf- gehäuften Sandmassen beiseite zu scharren. Wir nahmen„Fakir*, unseren Kinoapparat, heraus, um unseren Kampf mit dem Sande zu filmen. Es war zwölf Uhr mittags. Leonore stöhnte, chr Gesicht glühte unter ihrem Tropenhut in einer beängstigenden Röte, als müßte sie jeden Augenblick. unter der Hitze zu Boden sinken. Die weiße Landschaft glänzte in der Sonne wie Schnee. Ein paar Palmen, trostlos und blätterarm, erhoben abseits wie eine Schar von Bettler ihre verkrüppelten Leiber über den Dünen. Die Räder mahlten im Sand. Von Schweiß triefend, drängten die Arbeiter einer jüdischen Oelsabrik am Strande zur Mittagspause, rissen ihre Kittel herab und stürzten sich besinnungslos ins Meer. Wir traten in die Trink- stube eines fliegenden Händlers vor der Fabrik und liehen uns ein Glas mit Fruchtwasser reichen. Als wir wieder aufsaßen, waren Sattel und Polster glühend geworden wie ein Plättbrett, daß wir vor Schmerzen hochfuhren Kühlere Luft begann in der Bewegung unsere Sttrnen zu streifen. Bald spritzte das Wasier. bald der Sand unter unseren Rädern auf. Das heiße Herz der Maschine unter mir klopfte, der kochende Wind fuhr von oben gegen meine Brust, nahm mir den Tropenhut vom Kops und warf ihn ins Meer. Wir fischten ihn wieder und begannen die Fahrt von neuem Unter mir dampften die Zylinder. Ich geriet in Gefahr, mir äst ihrem glühenden Eisen die nockten Waden oder die Füße zn versengen, die nur in Halbschuhen steckten. Erstaunt sieht' man in solchen Augenblicken, was die dünn« Metallschale, die menschliche Kunst geformt hat. zu ertragen vermag, wenn die Glut der Ex- plosionen zunimmt, das Werk mit Sand verunreinigt ist,, mit ran. zigem Oel geschmiert, das man irgendwo in der Bretterbude eines Arabers in diesem fremden Land« gekauft hat, während von außen der glühende Kuß des Windes ihr neu« Hitze zuführt. Zuweisen liefen frische Wehen rotbraunen Sandes wie die rostigen Scharten auf einer Messerklinge quer über unseren Weg in das Meer. Einen Fußbreit zu weit links mußton wir in den vom Wasser gelockerten Meeresgrund einsinken, einen Fußbreit zu weit rechts uns im losen Dünensand festfahren. Schneller! Schneller! Der Wagen schlug hoch, das Wasser rauschte, der Araber lachte. Leonore schrie auf vor Furcht. Aber im gleichen Augenblick hatten wir.den schmalen Lauf unserer Klinge wiedergewonnen, auf der wir mit verdoppelter Ge- schwindigkeit wie aus einer Rennbahn dahinsausten. Wir sehnten uns noch der Kühle der Stadt, jedes Langjomerfahren hieß Stecken- bleiben, eine neue Verlängerung der unerträglichen Qual unter diesem wilden brennenden Himmel. Um zwei Uhr mittags vor den Mauern von Akko fanden wir die weiten Friedhöfe vor der Stadt von Scharen muhammedamscher Frauen und Kinder besetzt. Kopf an Kopf kauerten sie in ihren schwarzen Tüchern wie Schare» von Toten zwischen den weißen Steinen der Gräber. Aber kein Gesicht schien voll Trouer zu sein. Man hatte Zeltwände und Leinentücher gegen die glühende Sonne von Grabstein zu Grabstein gespannt. Man schmauste, trank Tee: zwei Wächter gingen mit Knüppeln umher, um die Neu- gierigen zu vertreiben. Karussellschoukeln, die Holzkästen mit Kindern bepackt, drehten sich schwindelnd in der Luft. Musik erklang. Welches seltsame Voltsfeft wurde hier gefeiert? Als wir durch den gewundenen Gang des Stadttores in die alte Festung einsuhreir. fanden wir die Stadt leer von Frauen. Nur Männer saßen plaudernd und Domino spielend, den langen Schlauch der Wasserpfeife im Mund, im Schatten der Platanen vor den über- füllten Kaffeehäusern. Vor dem Schanktisch des ersten Linwnadenverkäufers hielten wir an. Große Eisblöcke schwammen in einem grünen See von Zitronensaft, der eine ganze Glastonne füllte. Man feierte dos griechische Osterfest. An diesem Tage verlassen i» Akko, dem selt- samen, dem dreitausendjöhrigen Akko, dieser fanatischsten Stadt der Kreuzfahrer und Sarazenen, der Stadt des Talmuds, Napoleons. Ibrahim Paschas und Behoh Ullahs alle muhammedanischen Kinder »nd Frauen den Ort, um nach altem Gesetz für die Daner eines Tages die Stadt allein den dreitausend Christen zu überlassen. Tief unter den Mauern der Festung nahmen die finsteren Räume eines vielbogigc» Kellergewöibes uns und unsere Ardie- Maschine auf. Eine Wanncsbrust an Stärke übertreffend, er- inncrten uns die Mauern daran, daß sie die Jahrhunderte überdauert Hatten. Wir wußten nicht, wem ihr« feuchte, nach der Glut de» Sonnenhimmels fast eisige Kühle im Augenblick wohler tat, unserem von der Hitze pochenden Blut oder dem fiebernden Herzschlag unsere» Motor», der sogleich in ihrem Schatten«inschlief. Dunkel Schlaf, Kühle. Ein? Stunde später standen wir draußen am Hasen auf den allen Mauern der Festung, um deren spitze Felsenzunge in der Tiefe das M«er spült. Eine Schar von Gefangenen kam über die Zugbrücke herab. Ihre schmugigen gelben Kleider waren mit dunkken Streifen gefleckt wie das gelbe Fell der Hyänen. Di« schmal» Treppe hinauf, durch den Staubdunst der Jahr- hunderte, klommen wir auf die Spitz» de» Turme». Die Sonne, schwach und müde geworden, stand schon tief über dem Meep. Vor uns, hinter dem blühenden Garten erhob die weiße Moschee Dschesar Paschas die silberne Nadel ihres Minaretts. Und wieder sahen wir dahinter mtt ihrer wilden Kichnheit über dem M«ere geschwungen, die strahlende Klinge der Brust, über die wir gekommen waren, im Wendlicht blitzen. Jetzt trat ein Mollah vor uns auf das Minarett der Moschee. Er hielt eine rote Fahne in der Hand, streckte sie noch Osten, nach Westen, nach Norden, nach Süden aus und rief: .„Herbei zum Gebete! Der Abend naht. Gott ist groß. Gott ist groß, und Muhammcd ist der Gesandte Gottes. Herbei zum Gebete!* Es war das Zeichen, daß die Frauen und Kinder der Gläubigen in die Stadt zurückkehren sollten. Der Tag des Osterfestes der Christen war vorüber. Wieder siel mein Blick hinter ihm auf die helle Klinge des Weges, die langsam zu erbleichen begann und mir schien, daß sie so scharf war wie das geschwungen«, von der sinkenden Soime ipie mtt Blutflecken bedeckte Messer«ili«s Henkers, das wir mit seiner perlenbesetzten Schönheit uns an den Hals gelegt haben, um uns selber zu würgen. Experimente mit Jtffen Motte JnlelUgens feflgeStelH Die Frage der Intelligenz bei Menschen und Tieren der ver- schiedenartigen Stärke und Qualität ist«in Problem, das die mo- dernen Wissenschaftler— vor allem die Naturwissenschaftler— besonders stark beschäftigt. Di« Versuch« Wolfgang Köhlers, über di« in den wissenschaftlichen Zeitschrift«» ausführlich berichtet wurde, haben ergeben, daß es unter den Affen genau wie unter den Men- scheu Intelligenzen verschiedenen Grades, Genies und Schwach- sinnig« gibt. Wolfgang Löhler beobachtete einen Schimpansen bei folgender Tätigkeit. Als einmal eine Banane außerhalb des Käfigs lag»nd auch mtt den vier Bambusrohren nicht erreicht werden konnte, die sich im Käfig befanden, nahm der ein« der Schimpansen zwei Rohre und steckte das kleinere in das größer« und mit diesem verlängerten Rohr konnte er sich in den Besitz der Banane sehen. Köhler wieder- hotte kurze Zeit daraus die Versuche mit den Bambusrohren, aber der Affe blickte nur in die Oefsnung des größeren und warf dann beide fort, ohne zu oerfuchen. die beiden zusammenzusetzen. Das größere Bambusrohr war nämlich so abgeschnitten, daß es gerade mit einem Knoten endete, der das Einführen des dünneren Bambus- rohres unmöglich machte. Solche Beobachtungen find, soweit si>? vov ernsthaften Wissenschaftlern gemacht werden, natürlich außerordemlich überraschend und verleiten dazu, wettgehende Schlüsse auf die Intelligenz dieser Tiere zu ziehen. Anderersetts aber muß man sich darüber klar sein, daß solche Beobachtungen noch keineswegs einwandfreie Folgerungen zulassen, da die Beweggründe, die wir dem Handeln der Tiere unterschieben, zwar unserer Art zu denken entspringen, aber deshalb durchaus nicht mtt den wirklichen Gründen identisch sein müssen, d«,,das Tier»>c �. Besonders geschickt und intelligent zeigten sich nach Köhlers Versuchen die Schimpansen auch bei der Berwendunz anderen Wo-- terial» zur Erlangung der gewünschten Nahrung. E» wurden irgend- welche Leckerhissen so hoch im Käfig angebracht, daß sie von den Schimpansen auch aus dam Klettecweg« nicht erreicht werden konnten: Allmählich lernten nun die Schttnpanfen ganz von selbst durch Auf- einanderstellen von zwei Kisten oder gar von dreien und schließlich von vier Kisten an die Leckerbissen heranzukommen. Bersuche mtt einem dreijährigen Knaben, die der amerikanische Professor Wertes anstellte, ergaben keineswegs ein so günstiges Resultat, obwohl man dos Kind mehr als ein dutzendmal auf die richtige Lösung zu bringen versuchte, kam es doch niemals«ruf di« Idee, die zwei Kisten, die es leicht handhaben konnte, übereinander zu türmen, um so zu dem gewünschten Gegenstand zu gelangen. Bei anderen Kindern wieder- um gelang das Experimeitt ohne jede Schwierigkeit. Ohne Frage ist di« Verwendung von vier Kisten zur Erreichung eines bestimmten Gegenstandes«in Zeichen hoher Intelligenz. Eine ander« Frage ist es aber, ob es sich hier um mehr mstinttmäßige Handlungen oder um bewußt« Ueberlogungen, um Erkenntnis des Zusammenhanges von Mittel und Zweck,' handelt. lieber ein anderes interessantes Experiment von Wolfg.mz Köhler berichtet Professor Edgar James Swift, der Leiter der psycho- logischen Fakultät an der Washington-Umversität in St. Louis. Köhler hängte«ine Banane an die Decke eines Zimmer, dessen Tür auf den Korridor führte. In diesem Korridor stand eine Letter, die man jedoch vo»n Experimentierzimmer aus nicht sehen konnte, aber vorher hatte man den Affen die Müglichkett gegeben, auf dem Korri- dor auf der Leiter zu spielen. Der erste Versuch, nun die Assen zu bewegen, aus eigener Initiativ« die Leiter zu benutzen, schlug fehl. Die Schimpansen versuchten zwar, einer auf den anderen zu klettern, um di« Frucht zu erreichen, aber keiner erinnerte sich der Leiter. Erst als man einen der gescheitesten von den Schinwanftn wieder aus den Korridor geführt und an di« Leiter gebracht hatte, begriff er offenbar die Bedeutung des Hilfsmittel» und nachdem er nochmals vergeblich versucht hatte, durch Sprünge vom Rücken seiner Kameraden aus die Banane zu erreichen, verschwand er plötzlich und kehrt« mit der Leiter wieder, um auf diese Weis« di« Banane zu erlangen. Dieses Experiment wurde später mit gleichem Erfolge in ande-m Form wiederholt. Dies« Versuche Köhlers /zeigten in der Toi In- lelligenzhandlungen der Schimpansen, die schwerlich anders als durch sorgfältige Ueberlegungen erklärt werden können. Erwin Dahl. 3>er SEaubenraJd Wer heute am frühen Morgen, als Lunkelhett und Licht sich noch stritten, ms Frei« ttot, konnte aus manchen Anzeichen, die nur der in der Natur lebend« Mensch zu deuten weiß, die Gewißheit cnt- nehmen: Heul« wird es ein strahstndcr Sonnenwintertag. Kein Sturm trübte den Aufenthalt im Freien, schneeweiß lagen Straßen und Felder, glatte Gefährlichkeit unter dem nächtlichen Neuschnee bergend. Und in wenigen Stunden offenbarte sich die Winter- schönheit im Sonnenlicht: Die Stämme des Waldes leuchteten rot ongetüncht, der Watteschnee auf den kleinen Tannen am Straßen- hang lachte uns fröhlich an: faß zu: wirf uns deiner Liebsten ins Gesicht. Wie— sie ist noch nicht aufgestanden. Rein.— Ach so— Ausgegangen. Das wird«ine fröhliche Heimkehr sein. Und die Schnecwichttcin hatten richtig prophezeit: gegen die dichte Wold- masse, hier und da weiß und rot gesprenkelt, stand die Liebste und gab dem Zanberwald das volle Leben. Und die Schneebälle jausten hin und her. Ach. wie wenig gehört dazu, um glücklich und fröhlich zu sein... Leider nur auf«in« kurze Zett mtt der Sonne verschwindet auch das Leben und Stille herrscht wieder in der Natur. Laut Dodau.. Hau» Sachs, der �Schuhmacher und Poet dazu*, soll ein großer Katzenfreund gewesen sein- Er wurde' ottch von einem Zeitgenckssen mtt einer Katze aus dem Pull gemalt. 3n einem Bienenkorb befinden sich im Sommer etwa 40000 bis 50 000 Bienen. 3t. 3>robH: Eduard ffiaUsBer Jlus den crflen SEeHen der freireligiösen Bewegung Durch die Erfindung der Dampfmaschine und den Bau der Eisen- bahnen erfuhr das Wirtschafts- und Verkehrsleben eine geradezu revolutionäre Umgestaltung. In dem min beginnenden Zeitalter der Technik vermochte sich die Romantik in ihrer führenden Stellung nicht mehr zu behaupten. Rein Positives und Tatsächliches wurde Grund- läge des menschlichen Denkens. Bon dieser neugeistigen Einstellung tonnte selbstverständlich auch der Kirchenglaube nicht unberührt bleiben. Wissenschost und Kritik erschütterten auch innerhalb der evangelischen Landeskirche viele dogmatische Grundlagen, die bis dahin allgemein anerkannt wurden. Die Hauptführer dieser religiösen Bewegung waren Uhlich. Wislicenus und B a l tz e r. Durch ihren Austritt aus der Landeskirche und durch Gründung„Frei- religiöser Gemeinden* legten sie den Grundstein zu dem späteren Freidenkertum. Der Freiheitswill« auf kirchlich-religiösem Gebiete wirkte sich auch im politischen Leben aus. So ist es nicht zufällig, daß die eben genannten Männer 1848 auch Führer der politischen greiheits- bewegung wurden. Eduard B a ltz e r. am 24. Oktober t8l4 zu Hohenleine ge- boren, war fett 1842 Hospitalprediger' in Delitzsch. Wegen seiner Be- teiligung an der„lichtsreundlichen Bewegung* wurde seine Wahl zum Prediger in Halle und später in Nordhauson nicht bestätigt. Er trat deshalb aus der Kirche aus und gründete am 5. Januar 1847 zu Nordhausen eine„Freie Gemeinde*, der er bis 1881 vorstano Zeit und Ort waren seinem Wirken günstig. Auch in der näheren und weiteren Umgebung fand er begeisterte Anhänger. Besonders in dem jüdhorzer braunschweigischcii Orte Zorge, wo sich staatliche, für die damalige Zett umjongreiche Hütten- und Bergwerks- betriebe befanden und wo in der neugcgründeten Maschinensabrik auch der Lokomotivbau bereits in hoher Blüte stand, fielen die Ge- danken Baltzers auf fruchtbaren Boden. Zahlreiche Einwohner schlössen sich der Nordhäuser Gemeinde an. Sie ließen es sich nicht verdrießen, am Sonntag den wetten, beschwerlichen Weg nach Nord- hausen zu unternehmen, um den Worten ihres Meisters zu lauschen. Einer der eifrigsten Anhänger und glühendsten Verehrer Baltzers war der Zorgcr Lehrer Kantor Thorhaucr..Er mar ein relchhegabter, fortschrittlich gesinnier Mann und wertgeschätzter Berater und Führer seiner Gemeinde. Aus sein« Einladung erschien Baltzer am Sonntag, dem 6. August 1848, in Zorge, um hier öfsenttich über die religiöse und politische Befreiung zu sprechen. Auf seiner Fahrt berührte er das im Kreis« Hohenstein gelegene Städtchen Ellrich. Hier hatten sein« Freunde im Gasthaus zum Kronprinz für die Zett des Vor- mittagsgottesdlenste» eine öffentliche polltische Kundgebung vor- berottet, die ruhig und friedlich verlief. An der nahen braunschweigischcn Landesgrenze hotten sich in- zwischen zahlreiche Zorger Einwohner und die festtich gcschmückie Schuljugend gemeinsam mit dem Kantor Thorhauer eingefunden, um den gefeierten Gast zu empfangen. Unter Glockengeläute vollzog sich der Einzug in den Ort. Laut tönten Jubel und Begelsterung, als Baltzer unter freiem Himmel auf dem Marktplatz in erregten und bewogten Worten zu dor Menge sprach. In zwei ossenen Wagen verließen die Nordhäuser am'Nack)- mittag wieder den Ort. Frohgelaunt über ihren sichtlichen Erfolg fuhren sie singend durch das Ellricher Stadttor. Dadurch erregten sie die Ausmorksomkeit der Freunde, aber auch der Widersacher. Aus den offenen Türen der Häuser liefen jung und alt herbei, um den beiden Wagen zu folgen. Lebhafte Huldigungen und btttende Zuruse bewogen Baltzer, vor dem„Kronprinzen* wieder haltzumachen Die Gelegenheit, hier sür die Sache der Freiheit nochmals zu werbcn, erschien günstig. Bereit» nach kurzer Zeit war bot Saal überfüllt. Die kirchlichen und politischen Feinde Baltzers waren inzwischen nicht untätig gewesen. Da sie sich vorwiegend aus den besitzenden und einflußreichen Kreisen der Stadt rekrutierten, so war es ihnen nicht schwer, Elemente für sich zu gewinnen, die fähig und bereit waren, den Gegner durch rohe Gewalt aus dem Felde zp schlagen. Einnige Freunde Baltzers, die an der Saoltür Wache hielten, er- kannten die Gefahr,' und versuchten die anjtürmenden verdächtigen Gesellen zurückzudrängen. Es war vergeblich! Auf der Straße hatte sich bereits ein blutiger Kampf entsponnen und auch im Saal sah man schon erhobene Fäuste, in denen gezückte Messer blinkten. Die Freunde Baltzer», die unbewaffnet waren, wurden bald in di« Flucht geschlagen. Bis zum letzten Augenblick versuchte Baltzer die Rasenden zur Vernunft zu bringen und dos Unglück zn bannen. Es half ihm nichts! Wie wilde Tiere stürzten sich sein« sonattschen Gegner über ihn her. Die wenigen städtischen Polizeibeamtcn standen dem Kampfe machtlos gegenüber. Durch Trommelschlag wurde schnell die Bürgerwehr aufgeboten. Ihr gelang e», den Aufruhr einzudämmen und den aus vielen Wunden blutenden, fast bewußtlosen Baltzer zu befreien und auf das Rathau» in Sicherheit zu bringen. Daß er bald wieder genas und keinen dauernden Schaden an seiner Gesund- heit nahm, hatte er lediglich seiner starken Natur zu verdanken. Die Haupträdeleführer wurden schnell ermittelt und bereits am nächsten Tage nach Nordhausen zur Untersuchungshaft abgeführt. Nun verbreitete sich Schrecken und Entsetzen im reaktionären Lager! Diejenigen, di« versucht hatten, ernste Freiheitsbesirebungen wahrhafter Menschenfreund««rbarmungs- und rücksichtslos nieder- zuknüppeln, zitterten und barmten, als sie ihr« persönliche Freiheit gefährdet sahen. Oberprediger Rebelung wandt« sich an Baltzer mtt dem Ersuchen. er möge sich in seiner..vielvermögenden Stellung als Abgeordneter der Nationalversammlung* dafür verwenden, daß tn« verhafteten Ellricher Bürger ihr« Freiheit wieder erlangten. Baltzer beantwortete dieses Schreiben nicht. Neber die meisten Schuldigen würden in erster und zweiter Instanz schwere Gefängnis- und Zuchthausstrass» verhängt. Verbüßt aber hatten sie sie nicht! S» erfolgte»übt nur die Innigliche Begnadigung, sondern auch der Erlaß sämUlchi'r Gerichtskosten! Der Zorger Kantor Thorhauer, der Baltzer mit Glockengeläut empfangen hotte, mußte seinen geliebten Wirkung»- kreis verlassen-- er wurde strafversetztl Tlr. 131• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag. 19. März 1931 Ende des Zollwaffenstillstandes. Was wird aus dem deutsch-polmschen Handelsvertrag? „Wer Jahr« Wirtschaftsarbeit des Völkerbundes sind heute verlarcn", so sagte gestern der Präsident Colijn zuni Abschluß der Genfer Zollsriedenskonserenz. Der Weg zur europäischen Wirtschastsverständigung ist zwcisel- los ein sehr dorniger und schwieriger. Man hört wohl tagtäglich von neuen Bekenntnissen zu der notwendigen Verständigung i andererseits aber nehmen die Absperrmaßnahmen und Zoll- »usrüstungen immer weiteren Umsang an. Auch den Bemühungen des Völkerbundes, hier wsiterzukonmien, ist der Erfolg o e r s a g t geblieben. Die erste internationale Konvention zum Ab- bau der chandelshemmnisse, die eine Aufhebung der Ein- und Aus- iuhrocrbot« vorsah, ist infolge des Nichtbeitriits Polens und der Tschechoslowakei überhaupt nicht wirksam geworden. Die Internationale Handelskonvention, die eine Stabilisierung der Handelsverträge und den sogenannten Kleinen Jollwasfenstill- stand erreichen wollte, hat nunmehr auch Schiffbruch erlitten. Die Rakisikation dieser Konvention hat sich auherordentlich lange verzögert, woran die deutsche Regierung eine gewisse Nlitschuld trägt. Nach der ursprünglichen Vereinbarung sollen die Länder, die der Konvention beitreten, zunächst nur bis.zum 1. April 19Z1 an die vorgesehenen Verpflichtungen gebunden sein, falls bis dahin nicht die Konvention in Kraft gesetzt worden ist. Neichtor, endlich Deutschland die Konvention verabschieden wollte, wurde aus die Initiativ« der Holländer hin eine internationale Konferenz nach Gens ein- berufen, mit dem Ziel, die Inkraftsetzung des Handeleabkommens bis zum I. April lbZk, also noch in letzter Stund«, zu bc- wirken. Dieser Zweck kannte nicht erreicht werden. Nach � langem Hm mtd Her ist schließlich ein Schwßprotokoll ausgesetzt worden, das feststellt, daß die Konferenz nicht in der Lage ist. die I �Handelskonvention in Kraft zu fetzen: die Frage, ob nian in einem späteren Zeitpunkt auf dos Abkommen zurückkommen könne, bleibt offen. Das bederitet zwar noch kein endgültiges Begrab- nis des Zollsriedcns: es besteht immerhin noch die Möglichkeit, später auf das Abkommen zurückzukommen. Allerdings sind die Aussichten hlcrsrir gering. Im Schatten der Genfer Konvention mußten sich di« europäischen Länder zoll- und handelspolitisch eine gewiss« Zurückhaltung auserlegen, um nicht den Vorwurf einer Sabotage der Konvention auf sich zu laden. Dies« Hemmungen fallen jetzt weg. Andererseits erhält der Protektionismus durch die Weltkrise neue Nahrung. Berücksichtigt man diese beiden Faktoren, so sieht man erst, welche Gefahr dem zoll, und handelspolitischen Frieden durch das Scheitern der Konvention droht. Di« oeränderte Situation zwingt felbstoerständtich die einzelnen Regierungen zu größerer Derantroortnng bei ihren Entscheidungen. Verantwortungstosiglcit auf diesem Gebiet und Nachgeben gegen- über dem Pratoltionismns bedeuten nichts anderes als«ine weitere Zerreißung der europäischen Wirtschaft und lwmit eine Verschärfung der Wirtschaftskrise. Es verlohnt sich schau eine näh re Untersuchung, um sestzu- stellen, wer für das Scheitern der Handelskonvention oerant- wörtlich zu machen ist. Fest steht, daß Oesterreich, Ungarn und auch Rumänien in Rücksicht auf den beabsichtigten Umbau ihrer haubelspalitischen Beziehungen ül'erhaupt nicht der Stern« vention beitreten wollten. Auch bei Frankreich uich England uwrei» Neigung und Sympathie zu vermissen. England sollte mit dem Abkommen die Verpflichtung übernehmen, aus die Einführung von Schutzzöllen, aber auch aus die Erhöhung allgemeiner Finanzzölle zu verzichten. Anscheinend wollte die englische Regierung diese Vcr- pfiichtung nicht ohne weiteres übernehmen. Dazu kamen Verftim- mungen zahlreicher Länder, die aus das Zollaufrüsten im ver- gangenen Jahr zurückzuführen sind. In jedem Fall erwies es sich als ein großer Fehler(hier ist Deutichland auch beteiligt), daß man die Ratifikation des Abkommens ein Jahr verschleppte. Die Jnkrast- setzung war ursprünglich im Sommer bzw. Sjerbst 1930 geplant. Damals wäre sie auf geringeren Widerstand gestoßen als heute, wo di« Weltwirtschaftskrise auf dem Höhepunkt ist. Die deutsche Zoll- und handelspoliiik hat olle Veranlassung. sich auf die neue Situation in rationeller Weife einzustellen. Di« Regierung hat die Pflicht, sich imter allen Umständen den ufer- loien agrarischen Zollwünfckien entgegenzustemmen. Sie darf nicht durch neue Zollerhöhungen oder durch Verhandlungen über �ic Aushebung van Zollbindungen neue Unruhe in unlcre Erportbezichmi- gen tragen Angesichts eines Arbeitslosenheeres von fünf Millionen Menschen ist es unverantwortlich, wenn durch eine uiwcrnünstiqe Zoll- und Handelspolitik die Arbeitsmöglichkeiten durch Export- jabotage weiter beeinträchtigt würden. Nicht Gefährdung, loirdern Festigungund Ausbau unserer Handelsver- träge muß das handelspolitische Ziel der Regierung sein. Die Frage des deutsch-polnischen Handelsvertrags ist von dem Scheitern der Genfer Konvention völlig unabhängig. I» diesem Zusammenhang muß darauf verwiefen ivcrdrn, daß sich die Regierung bald über das d e u t s ch- p o l n l s ch e Handelsabkommen schlüssig werden muß. Nach sechs Iahren Zoll- krieg ist es an der Zeit, daß endlich wieder ein normaler Handelsverkehr zwischen Deutfchiand»tri» Polen hergeltellt wird, wenn auch das Einlenken Polens auf gewisse sichtbare Nachteile des Zollkriegs — die polnische Ausfuhr nach Deutschland ist stärker zurückgegangen als die Ausfuhr deutscher Waren nach Polen— zurückzuführen ist. Wenn teilweife noiil auch politische Schwierigkeiten hier eine Rolle spielen, so bleibt doch dos starte Interesse der deutschen Volkswirtschaft an einer Wiederherstellung normaler Wirtschastsbeziehungen zu Polen bestehen. Im Augenblick fallen allerdings gewisse Kottzessianen, die an Polen gemocht werden müßten, insbekondere das Einfuhrkontingent für polnische Kohle, doppelt ins Gewicht Man koim jedoch an den Interessen der loeitervcrarbeitenden Jnixisirien und insbesan- der« an dem Jntere'se der ostdeutschen Industrie an ertcichterten Exportmöglichkeiten nach Polen nickst vorbeigehen. Wir glauben daher, daß, nachdem durch Polen die Ratifikation vollzogen wurde, mich Deutschland die notwendigen Schritte zu ergreifen Hot. Warum, Herr Minister? Soll man billig oder teuer einlaufen? Der preußische Minister für Handel u'id Gewerbe hat auf«in« kleine Anfrage, die sich mit der Verwendung ausländischer Koh'.e bei kommunalen Gasanstalten befaßte, folgende Antwort erteilt: ..Der Staalsregierung ist bekannt, daß eine Reihe kommunaler Gasanstalten in erheblichem Urninge ausländische Kohle perwenden. D>« Staatsregierung wird wie bicher im Rahmen der gegebenen gesetzlichen Möglichkeiten aus eine Abstellung dieses Miß- stände« hinwirken.". Warum, Herr Minister, ist es eigentlich ein Mißstand, wenn öffentliche Gaswerke ihre Kohlen so billig cinkausen als nur möglich? Warum, Herr Minister, ist es kein Mißstand, wenn Privatunternehmungen dos tun? Slarke Zunahme der ArbeilsloliqkeU In England. Die Zahl der Arbeitslosen erreichte am 9. März die Rekordzohl von 2 091 737; das sind 5 7 103 Arbeitslose mehr alz in der V o r w a ch e und 1 127 930 mehr als im Vorjahre. kapiialistiiche Ruhlondpilgcr auch aus Frankreich. Nach Mel« düngen ans Paris wird im Sommer d. I. eine Delegation führender französischer Industrieller Nußland besuchen. Führer der Delegation wird der frühere Finonzmiiiister und jetzige Vorsitzende des Finanzausschusses des Seirats E l e m c n t e l sein. Wird es jetzt wieder besser? Die Verfchlechierung des Arbeiismarkies ist im Kebruar zum Gtitlstand gekommen Im Vergleich mit Ende Januar machte sich bei den Ver- bänden des ADGB. im Februar in» der Saisongrupp« ein weiterer Rückgang der Beschäftigung fühlbar, aber i n d e r Kon- junkturgruppe ist zum ersten Male seit August 1929 keine Verschlechterung eingetreten. tfeiv:U tagcatn 1929/30 in dir in der zu- in d«: in der Asajanttnt- Saison,(am.«onjnnttur. Saiian- men Gruppe Gruppe Gruppe Gruppe Arbeitslose: EndeRovemb. 20.0 51,1 „ Dezemb 24,3 64,3 „ Januar. 25,8 72,8. „ Februar 25,8 74,7 Kurzarbeiter: Ende Novemb. 18,5 3,4 „ Dezemb. 19,5 2,7 „ Januar. 22,6 2.3 Februar 23,1 2,2 . iU- summe» 26,3 31,8 34.5 34,8 15,6 16,3 18,8 19,2 10,2 12,8 14,2 15,0 8,6 9.4 12,6 15.1 28.6 51,1 55,5 59,5 ZI 3,5 2,2 2,0 13,8 Proz. 20,3. 22,2„ 23,7. 7.3. 8.2, 10,6. 12,5. 3m vergleich mit den vormonaken sowie mik demselben Monat des Vorjahre» ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmorkt Im Februar 1331 als günstig zu belrochten. Dennoch ivare es voreilig, aus dem Stillstand in der Konjunkturgnippe weitgehende Schlüsse über einen vollzogenen Umschwung auf dein Arbeitsmarkt zu ziehen. Die Lage bleibt' trostlos, die Entwicklungstendenzen lassen sich kaum schon über- blicken. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Konjunkturgruppe ist unverändert geblieben, weil im Februar den Entlassungen in verschiedenen Industrien die Neueinstellungen in den anderen De- rufen die Waage hielten. Eine neue, allerdings nicht sehr starke Verschlechterung war festzustellen im Bergbau, in der Glasindustrie, chemischen Industrie, Lederindustrie, Holzindustrie, Zucker- und Konserven- Industrie, sowie im Organisationsbereich des Gesamtoerbandes. Don 100 Gewerkschastsmitgliedern Unter den genannten Industriezweigen dürfte mir in der Zucker- und Konservenindustrie im Februar eine saisonübliche Verschlechterung eingetreten sein, in den übrigen Bernsen handelt es sich dagegen um einen weiteren konjunkturellen Rückga:wj. Eine zum Teil nicht u'n erhebliche Erholung ist fest- zustellen im Bekleidungsgewerbe, unter den Hutarbeitern, in der Schuh- und Tabakindustris. Dies alles sind Berufe, die im Früh- jähr auf saisonübliche Belebung zu rechnen pflegen, oder unter dem Einfluß besonderer, vom allgemeinen Konjunkturverlauf unab- hängiger Faktoren stehen(Tabakindustrie!). Von 100 Gewerkschaftsmitgliedern waren arbcUsIos standen in Nur arbeit Bekleidungsarbeiter Hutarbeiter... Schuhinacher... Sattler..... Tabakarbeiter.. Ende Dez. 37,6 46,1" 30,3 47.7 42,9 Ende Jan. 39,4 41,2 32,1 50,9 58,6 Ende ffebr 37,8 38,0 30,0 50,3 50,2 Ende Dez. 25.3 30,8 56,6 22,3 10,7 Ende Ja». 25,1 31,8 55,2 22,0 18,6 Ende Febr. 22,5 27,1 46,3 20,2 10,5 In der Metall» und Textilindustrie waren die Auf- sehwungssakioren vielleicht etwas stärker als die Dcpressionskräste. Aber der Beschäftigungsgrad dieser beiden Industrien bleibt immer noch außerordentlich schlecht. Sehr uneinheitlich war die Entwick- lung im Vervielfältigungsgcwerbe, was für die gesamte Wirtschaftslage charakteristisch ist Bon 100 Gewerkschastsmitgliederu Meiallcnbeiter Textitnrdritcr Buchdrucker. Buchbinder. Die Arbeits st reck ung wies im Febniar einen nur be- scheidenen Fortschritt auf. Eine zielbewußte Verkürzung der Arbeltszeit zur Berklinderung von Entlassungen und Einstellimg neuer Arbeitskräfte war festzustellen In der Porzellan industrie(wo di« Zahl der Kurzarbeiter von 34,6 Proz. auf 37,4 Proz. gestiegen ist. dasür aber die Zahl der Vollarbellslosen von 31 Proz. auf 20,6 Proz. gesenkt wurde), unker den Buchbindern, in der Zucker- industrie und im Organisationsbereich des Gesomtverbandes. tVI. Woytinsfcy. In Berlin eifene Verkauf Mtellen an allen Hanptverkehrspunkten. DSgler lernt nichts dazu. Aus der Generalversammlung des Ruhrmontantrusts. Dr. Vogler hat in der Generalversammlung der Bereinigten Stahlwerte A.-G. das Fiasko der unzureichenden Ten- tung der Eisenpreise zugegeben: Die Preissenkungen haben keine Absatzbelebung gebracht, in den Büchern fehlen die sonst vor- handencn Frühjahrs- und Sommeraufträg«. Dr. Vogler mußte ferner zugeben, daß Deutschland für seine Bevölkerung nur dann ausreichend Arbeit haben kann, wenn der Binnenmarkt auch für die Eisenindustrie ähnliche Verbrauchszisfern aufweise wie das Ausland. Hot Dr. Vogler darauf an die Brust geichlagen und gesagt, mir müssen die Preise sofort weiter senken, und wir müsien unsere deutschen Eisenverbraucher ebenso billig beliefern, wie das Ausland das tut? Das hat Dr. Bögler nicht getan. Dr. Vogler hat wieder den Ladenhüter hervorgeholt, daß„die" 5lonkurrenzlönder im Westen und Osten um 3l> bis 20 Proz. niedrigere Löhne hätten. 30 bis 20 Proz. war immer falsch! Belgien und Frankreick) haben dazu ihre Löhne aufgebaut, Belgien und Frankreich wären glücklich, wenn sie wie Deutschland darauf hinweisen könnten, daß ihre Lohn- und Gehaltskosten pro Tonne Stahl von 1922 bis 1929 von 7,17 M. auf 2,22 M. gesunken sind! Warum aber exemplifiziert Dr. Bögler wieder auf die Löhne? Weil Dr. Bögler eine Ausrede braucht für das Fiasko der Preispolitik und weil Dr. Bögler die Oeffsntlichkeit irreleiten will über die Absicht der Schwerindustrie, die in der Krise relativ so stark steigenden fixen Kosten von den Arbeitern bezahlen zu lassen und die Kosten aus den Quotenkämpfen und die Verluste aus den unerhört verschwenderischen Erzlieferungsoerträgen auf die Arbeiter abzuwälzen. Freilich, darf Dr. Bögler das sagen? Natürlich nicht. Oeffent- lichleit, Schlichter und Negierung sollen aber nicht getäuscht werden, und darum sagen wir es. Die Rußlandgeschäste. Llm die Sicherheit der Kinanzierung. Ueber das Zustandekommen des deutschen Jndustrievertrages mit Sowjetrußland erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Di« russische Regierung hatte an 18 Großindustrielle in Deutsch- land die Einladung zu Verhandlungen in Moskau gerichtet, deren Zweck die Abstellung verschiedener Mißstände in dem bisherigen deutsch-russischen Wirtschaftsverkehr sein sollte. Bei dieser Gelegenheit brachten die Russen ihr bekanntes Bestellungsprogramm von Z00 Millionen Mark in Borschlag, dessen Durchführung sie je- doch von längerfristigen Krediten als bisher abhängig inachten. Stach längeren Verhandlungen erklärten sich die deutschen In- dustriellen bereit, die russischen Borschläge unter der Boraussetzung einer finanziellen Sicherung durch«ine Reichsbürg- schaft anzunehmen. Wie bei den bisherigen Russenaufträgen sollen das Reich und die Länder 70 Prozent als Ausfallbürg- schaft übernehmen. Die Bürgschaft geht mit 40 Prozent zu Lasten de» Reiches und mit 30 Proz. zu Lasten der Länder. Die schwebenden Verpsllchwngen der Russen für nicht ab- gerechnete Bestellungen würden sich ahne die neuen ZOO-Aillionen. Aufträge im Laufe dieses Jahres auf etwa 720 Millionen Mark erhöhen und einschließlich der jetzt zur Debatte stehenden Beste!« Inngen ein« Milliarde Mark erreichen. Dannt würden also die Bürgschastsverpflichtungen des Reiches im laufenden Jahr auf 220 bis 400 Millionen Mark steigen. Die an den Verhandlungen beteiligten Reichsressorts sind der Ansicht, daß an der Ausfallbürgschaft des Reiches die für den Ar- bestsmarkt bedeutungsvollen Aufträge nicht scheitern dürften, sind aber der Meinung, daß bei dieser Massierung des Risikos in«inem Land« auch Rückstellungen im Etat für etwa eintretende Ausfälle vorgenommen werden müßten. Der diesem Zweck bisher dienend« Fonds ist gänzlich unzureichend, und wenn auch in diesen Fonds die zweiprozentige Prämie der Industrie für die übernommene Bürgschaft stießt, so genüge dies doch nicht ent- fsrnt. Um eventuellen Ausfällen gegenüber gewappnet zu sein, müsse schon ein Rückstellungssonds von 60 bis 70 Millionen vor- Händen sein. Amerikas Außenhandelsverlusie it9AV Mehr als alle europäischen Länder haben die Ver- «inigten Staaten in ihrem Außenhandel die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zu spüren bekommen. Die Vereinigten Staaten sind in erheblichem Umfange noch innner Rohstoff- und Agrar- exporteur. Kupfer. Baumwolle, Getreide, Erdöl, Erdölprodukte und ähnliche Stoff« waren aber heftigsten Preisstürzen ausgesetzt. Ferner geht der weitaus größte Teil der amerikanischen Fertigwarenaus- fuhr nach Kanada sowie nach jüd- und mittel amerikanischen Ländern, d. h. nach Gebieten, deren Kaufkraft infolge des Preistief. standes für alle Rohstoffe, mit denen sie die Welt versorgen, stark zurückgegangen ist. Gegenüber 1929 ist der gesamte Warenaußenhandel der Ver» einigten Staaten im Jahre 1930 um nicht weniger als 2738 Mil- Konen Dollar, d. h. um 11J4 Milliarden Mark zusammengeschrumpft. Die Einfuhr ging von 18.2 auf 12,8, die Ausfuhr von 22 auf 16,2 Milliarden Mark zurück. Der Aus- fuhrüberfchuß der Vereinigten Staaten war auch im ver- gangenen Jahr dennoch sehr beträchtlich, beim er betrug immerhin 3,28 Milliarden Mark gegenüber 3,24 Milliarden Mark im Jahre 1929._ 9 Prozent Dividende der Bremer Atlaswerke. Di« Breiner Atlaswerke A.-G., die in erster Linie Maschinen und Zubehörteile für den Schiffbau liefert, hat trotz der internationalen Arbeitsnöte im Schiffbau auch im letzten Jahr wieder ein« 9prozentige Dividende herausgewirtfchaftet. Der Betriebs- gewinn erhöhte sich gegenüber 1929 von 3,42 auf 3,26 Mil- lionen Mark und der Reingewsiin hält sich mit rund 453 000 M. fast auf der Höhe des Vorjahres, obwohl die Abschreibungen um rund 32 Proz. auf über 412 000 M. heraufgeschraubt wurden. Auf der Generalversammlung der Gesellschaft wurde mitgeteilt, daß die Atlas- werke auch jetzt noch für eine Reihe von Monaten mit Aufträgen versehen sind und daß der Auftragsmangel in- folge fehlender deutscher Bestellungen durch ein befriedigendes Aus- landsgefchäft wettgemacht werden konnte. Gewerbetreibende und Sozialdemokratie. Zu diesem Thema hatte der Genosse Wissell auf der Verbandstagung des E i n h e i t s. verbände? der Handel- und Gewerbetreibenden und freien Bc- rufe gesprochen. Der Vortrag ist jetzt als Broschüre im Berlog Handel und Gewerbe, Leipzig, erschienen. Wissell hat in diesem Vortrag die grundsätzliche Stellungnahm e der Sozialdemokratie zum Handel und Gewerbe unter besonderer Berücksichtigung des Handwerks klargelegt. Er hat mit seinen Ausführungen die immer wiederkehrenden Märchen über die „Todfeindichast der Sozialdemokratie" gegenüber dem Handel und Gewerbe sowie dem Handwerk widerlegt. Am Montag, dem 16. März, verschied sanft nach langem, mit überaus großer Geduld ertragenen Leiden mein unvergeßlicher herzensguter Mann, mein lieber Sohn und Schwiegersohn, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Georg Matthe* im 46. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Frau k. Maithes, geb. Mittelstadt. Sehöneberg, Ilubensstr. 96. DieEinäschernng findet am Sonnabend, dem 2t. März. nachmittags 20, Uhr. ira Krematorium Wilmersdorf, Berliner Str. 101, statt. Unser allseits verehrter und geschätzter Mitarbeiter und Kollege, der Abteilungsleiter unserer Zcitungssetzorei Georg Matthe* ist am Montag, dem 16. März, nach langer, scliwerer Krankheit im Alter von fast 46 Jahren verstorben. Ein Mann von hervorragender Intelligenz, mit ausgesprochenem Gerechtigkeitssinn hat seine Augen für immer geschlossen, um nunmehr als charaktervolles Vorbild ira Andenken seiner Mitarbeiter fortzuleben. Infolge seines immer freundlichen. lebensfrohen Wesens, seiner Geradheit und Offenherzigkeit erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Gestützt auf seine reichen Erfahrungen und auf das Vertrauen seiner Berufskollegen vertrat er als Funktionär unseres Betriebes in schwersten Zeiten mustergültig die Interess en unserer Belegschaft, ohne dabei die geschäftlichen Notwendigkeiten außer acht zu lassen. Auch später als Abteilungsleiter blieb er stet« der schlichte Kollege, ein bereitwilliger Helfer und Berater allen, die sich»n ihn wandten. Einer unserer Besten ist in ihm d»hingegangen. Berlin, den 18 Mär« 1931. QeschfifUleltiins und Personal der VerwSrts Suchdruckcrel Xrauerfeier: Sonnabend, den 21. März, 140', übr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 101. Nach kurzem, schwerem Krankenlager verstarb nnerwartet am 16. März unser Kollege Bernhard Wolfff im Alter von 57[ahren. Der Verstorbene war als Fachffruppen- leiier der Meullindustrlc und Mitglied der Ortsverwaltung in allen wichtigen Funktionen der Organisa lon für die Interessen der Mhgliedschaft unermüdlich bis zu seinem Ableben tätig. Sein Tod bedeutet für die freigewerkschaftliche Angestellten- bewegung, insbesondere für aen Zentra, verband der Angestellten. einen unersetzlichen Verlust Seine treue, jederzeit opferbereite Mitarbeit sichert ihm ein dauerndes Gedenken Zentralverhand der Angestellten Ortsgruppe Groß-BerUn Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 21 März, 16 Uhr im Krematorium GerichtsuaBe statt Zahlreiche Beteiligung wird erwartet DeoMier Marlieiter-Uiii Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den aiiitfliiebern zur Nachricht. boS unier Kollege, der Dreher HmU Blomentbal fleh. 19 StUfluß 18Ö9, am 16 März gcflotbcn Iß. Die Einäichermtfl findet Sonn» adend, den 21. Märt. IN-, Uhr, im Krematorium Baumschulenwefl, Klef- hoitßraße, Itatt. Reg« Tetriliflunfl wird erwartet. Nachruf Am 2. Märt starb unser Kollege, der Melallschieifer Wilii Neamann Am 12. März stard unsere Kollegin, die Arbeiterin Else Großkopf Die Beisetzungen haben bereits stattgesunden. Ehre Ihrem Auden-enl vir Ortsverwaltung. ZtmungSttankenlasse derZnnung vereinigter Droschken- besitzrr Groß-Äerlins. Di« vom Ausschutz am S. Zanuar 1931 beschlogene 5. Satzungsänderung betreffend die S| 3, 4. 5 12, 14, 25. 39 lind 6H üt vom Oberversicherungsamt Berlin ge- nehmiflt worden. Die Satzungsändernng befindet sich im Druck und tß In den nächßen Tagen im Kassenlotal erhLIllich Berlin, den Iff März 1931. SW. 61, Belle-Allianre-Eir. 16 Der Votitaa». I.A.: Eugen Sattel, Borsitzender »eMMMM-Miiil «chtnng: Achtung t ueruftltungsmiiglieder! Freitag, de» 20. Mir, 1931, keine Slbnug »er Mittleren Verwaltung, da Defichti- nng der Sternwarte. vi« Oriorerwaltanil. tettern Daueiheilung! Eigenes System. Fachtastünt G Naeckel, bcrlia. Dahlmannstraße 24. Ecke Kur- iürstendamm. Sprechst. 3— 7. Prosp. frei. s ■ Sit ••fSi-IKS: Feinster Dessert-Apfelwein, süß....... Liter | Johannis- und Stachelbeerwein, süß...... Echter ital. Vino Yermouth,»Marke Special"„ Echter Tarragona„Special" un verschnitten.„ Echter Pepsinwein für Kranke.... 1/2„ Echter Malaga„Special" un verschnitten...» Echter Tasano„Mach mich fröhlich"....» Echter Insel Sa mos„Edel"........„ Nordhiiaser Branntwein-Aqnavit......» Feinster Weinbrand Verschnitt.......» Feinster echter Weinbrand„Masue".....» 0.72 0.35 1.15 1.20 1.25 1.36 1.80 1.80 3.20 3.60 4.40 Prima Pfälzer Weißwein........»•'Vi Fl- O-T 5 Prima roter Tischwein........... Vi FL O.T5 29er Liebfranmilch-Nlerstelnrr etc...... V, FL 0,95 Echte rote Bordeauxweine......'/1 FL von 1.20 Pri ma weißer Bordeaux„25er Entre deuxMers" Vi FL 1.50 Echter feinst, w. 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IST Neukölln: BcrlinerStr.12 u-Hermannst 37 Schönebelg: Kolonnenstraße 9 Steglitz: Schloßstraße 121 Moabit; Wiisnacker Straße 3$ Moabit: Gotzkowskystraße 31 Spandau: Potsdamer Straße 23 Weißensee: Berliner Allee 247 Tempelhof: Berliner Straße 152 Pankow; Wollacistiaßc 98 Lichtenberg: Wismarplatz I Oberschöneweide: Wilhelm inenhofstraße 40 Frankfurt(Oder), Richtstraße 72| Rathenow, Dunckerstraße 29 Küstrin, Landsberger Straße 4 und Berliner Straße 19 I Brandenburg(Havel), Hauptstraße 38 Oranienburg, Berliner Str. x| Angermünde, Berliner Str. 23 Grik, fites Spezi, algescbäft seiner;Art_' in ganz Deutschland Hesciiäfts&ericiit der üresdner Bank für 193® Die Krise der Wcltim<»ch*it hat sidi im Jahre 1930 forfgesetzt nnd Kapii ____ WWWvAW__ H__________ DWW____ WWWW--- Mangel an Kaulkraft bei Märksier Anspannung der Stenerkräfte für Bc- zahlnng der Sdiulden und sonstigen Lasten aus dem Kriegi' ! last|fanz Europas geschwächt. Die Zusammendrüngi dien Volkes auf einem von der Natur nicht sehr be hdiafi 7ast Jfanz Europas geschwnchL Die Zusammendrangung des verarmten deutschen Volkes auf einem von der Natur nicht sehr begünstigten und in seinen Grenzen noch mehr als vorher zerrissenen Gebiete, die durch die neue politische Grenzziehung verursachte Lösung der natürlichen Zusammen hiinge innerhalb der europäischen'Wirtschaft, die Abtrennung Rußlands von dem kapitalistischen Westen, wärcu allein geeignet gewesen, die notwendige Erholung nach dem Kriege zu" erschweren. Dazu kommen noch die Reparationen, die Deutschland bei fallenden Warenpreisen und steigendem Goldwert«in- erlräglich belasten, die natürliche Kapitalverfeilung innerhalb der Weltwirtschaft hindeiö uptf die deutsche Ausfuhr unter starkem Druck halten. Man erkennt, in welchem Maße in den aufgetretenen Funktionsstörungen, die grofien- . i____ l___ i"*_--*_____ 1__ r.l: � 1__ iv. v.*2 Tf, �4—:—.«.«:, J.�.�1--...—lt.. teils auf außcrwirischaftlidie Beweggründe � und Umstände zurückgehen, die politischen, sozialen und wirtschaftlichen UnausgcglichenheiteD zwischen den Völkern znm Ausdruck kommen, und wie wichtig es ist, den tragischen Konflikt zwischen den wirtsÄhaftlichen und politischen Faktoreu, die heute miteinander ringen, zu lösen. Wenn auch Deutschland wegen seiner Fehler auf dem Gebiete der Finanz- und Sozialpolitik nnd der herrschenden Kapitnlnöt von der Millkonjunktur besonders nart betroffen werden mußte, so Konnte man doch die Aussichten für eine Echnellcrc�Ueberwmdun«: der Schwierigkeiten am Anfang des Jahres M das vom niednjrrn Zinsfuß und den Prcis- lur eine ßchncllcrc Leberwmdunar 1930 gerade für Deutschland, dai.-------------- Senkungen auf dem Weltmarkt in stärkstem Ausmaß hätte Nutzen ziehen können, günstiger beurteilen als für andere Länder. Aber die politische Krise., die im Sommer in der Arbeitsunfähigkeit des Reichstages nnd in seiner Auflösung sichtbaren Ausdruck fand und mit dem Wahlergebnis vom 14. September ihren Gipfelpunkt erreichte, hat diese vcrhälfnismanig günstige Lage vcrsch'echtert, indem nunmehr die Kreditwürdigkeit des Einzelnen wie der gesamten Wirtschaft vorwiegend unter politischen Gesichtspunkten betrachtet und dadurch die Unternehmungslust so gut wie ausgeschaltet wurde. Der politische Radikalismus hat seine Agitation vor allem auf der Arbeitslosigkeit nnd Not der werktätigen Bevölkerung, aber auch der geistigen Arbeiter, aufgebaut. In dieser Entwicklung wird das cleuisdie L'chen'Öikcrungspioblem in toller Schärfe sichtbar. E* bleibt eine der vordringlichsten, im Jahre nicht gelösten Aufgaben, der Arbeitslosigkeit praktisch zu Leibe m gehen. Dies kann, solange sie eine Konjönkturerscheir.npg ist und nicht auf Fehlern im Aufbau der Arbeitslosenversicherung selbst beruht, zum Teil, wie T»ci- itpiqte gezeigt haben, durch Verkürzung der Arbeitswoche und einsprechende Minderung des Wochenlohnes zugleich geschehen. Gelingt es, die Arbeitslosigkeit herab zudrücken, so ergeben sich dadurch so craeblidic Erzparmssc an sozialen Lasten, nicht nur für Unternehmer und Arbeiterschaft, sondern hauptsächlich für die öffenilichen Etats, daß eine Stcuercntlastnng und damit eine Vermehrung der Kapitalneubildung ermöglicht werden kann. Daß wir nur aus Ersparnissen en öffentlichem Verbrauch unsere Kapitalnot wirksam bekämpfen können, nachdem fast 50% des Volkseinkommens direkt oder indirekt der öffentliche Bedarf in Anspruch nimmt, braucht hier nicht mehr hervorgehoben 5(u werden- Es muß aber auch darauf hingewiesen werden, daß die deutsche Wirtschaft vorläufig noch mit dem Kredit, den sie in der Welt genießt, steht und fallt, und daß wir in einer Aufbauperiode leben, in der dieser Kredit geschützt und vor unbedachten Handlungen und Aeufterungen behütet werden muß. Es sind bei der hohen Vollkommenheit unserer Industrie. bf.i dem Stande unserer Technik und dem Geschick und Fleiß untrer Bevölkerung lediglich politische Hemmungen, die, uns, was die Höhe der an das Ausland zu vergütenden Zinsen anlangt, gegenwärtig auf die Stufe viel nrimitherer Kulturen und Wirtschaften herabdrücken. Deutschlands Kredit bedarf, dies hat auch das Jahr 19."?0 wieder bewiesen, in der inneren und äußeren Politik einer ruhigen und zielbewußten Führung, die sich die Pflege des inneren Marktes ebenso angelegen sein lassen muß wie die Handclsbo- rie.hungen zu unseren Abnehmern, und vor allem auf eine enge Fühlung mit den westlichen Kapitalmächten Wert legt Eine Ueberw induug unserer Kapital- not und der mit ihr zusammenhängenden Arbeitslosigkeit ist abseits von diesem Wege nicht möglich. Der Schnitt, der das Jahr 1930 in einen zwar unter der Weltkrise leidenden. aber politisch beruhigten und einen von politischen Leidenschaften und Befürchtungen beunruhigten Teil zerlegt, geht auch durch die Tätigkeit der B*nk«n. Wir profitierten im ersten Semester von dem flüssigen Geldmarkt. Audi war die Tendenz des Publikums, durch Umwandlung der Spareinlagen bei den Geldinstituten in fest verzinsliche Werfe die Rendite zu erhöben, besonders günstig für die Placierung von Pfandbriefen der großen Hypothoken- institute. zu denen unsere Bank ihre Beziehungen gerade in den letzten Jahren erheblich ausgestaltet hat. Wir konnten auch unserer Kundschaft, solange die Geldflürsigkcit anhielt, mit ausreichenden Krediten zur Seite stehen und damit dem Wirtschaftsleben in seiner Krise gute Dienste leisten. Im zweiten Teil des Jahres ging nicht nur das Plgcicningsgeschaft sehr rasch zuriidc, es trafen auch an den Börse» starke Kursverluste ein. die überall schädigend einwirkten, sowie eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage, die in dem Ansteigen der Konkurswelle ihren Ausdrude fand. E> kann unter diesen I mstündeu nicht rerwunderu, daß die Ergebnis« unserer Bank im zweiten Semester hinter denen des ersten stark zu rück- hltebeh und rieh diese Entwicklung auch im Erträgnis des ganzen Cesch'ifts- jahrc« ausdruckte, obwohl umtairmäßig das Jahr 1030 eine weitere Steigerung von 247.8 Milliarden RM auf 274,9 Milliarden RM aufwies. Die Anzahl der in unserem Betriebe beschäftigten Beamten belief sich Ende 1930 einschüefllidi der von ans übernommenen Angestellten der Bank firm« Beinhold Stedcner in Hall«, des Rathenower Bankverein* in Rathenow sowie des Brandenburger Bankverein» iq Brandenburg auf 6065 gegen$020 Ende 1929. Von den uns nabesiebenden Banken wird die Deutsche Orienlbank für das Ge*62, der Stenern mit......... RM 6 917 773.59 und nach einer Abschreibung auf Effekten- und Konsortial-Kouto von.. RM 6 000 000.— RM 70 191,641.27 vorbleibt ein Reingewinn von..... RM 7 000 475.— dessen Verteilung wir wie folgt vorschlagen: Zuweisung zum Pensiousfond»..- 4% Dividende auf RM 100 000 000.- RM 300 000.— RM 4 000 000— RM 4 300 000— RM 2 700 473.— Tantieme an den Aufsichtsrat.... RM 162 162.— 3% Superdividcnde auf RM 100 000 000.— HM 2 000 000.— > ertrug............ RM RM 2 700 473— D r e* d t b, im Mär?. 1931. Der Vorstand Walther Frisch. Herbert M. Gutmann. Wilhelm Kleemann. Georg Mosier. Henry Nathan. Panl Schmidt-Bränden. Nazitreiben in der Reichspost. Keststettungen im Reichstag. In der gestrigen Reichstagssitzung berichtete Reichspostnrinister Schätzet u. a. auch über die Vermehrung der Kurpvellensender. Die Zahl der Rundjunkteilnehmer ist 1930 um etwa 300 000 aus 3.K Mit- lionen gestiegen. Der Beseitigung von Rundfunkstörungen wird größte Aufmerksamkeit zugewendet. Die Automatisierung des Telephons und das Fernsprechnetz sind stark erweitert worden. Durch Aufträge von über 210 Millionen Mark hat die Reichspost 54 000 Arbeitern und Angestellten der Industrie längerdauernde Beschäftig gung gesichert. Abg Biedermann(Soz.) fordert.zunächst, daß die verschiedenen Hausdruckereien von Reichs- bchörden zugunsten der Reichs d ruckerei aufgelassen werden, damit die Reichsdruckerei alle Reichsdrpcksachen herstellt. Anzuerkennen ist, daß die Reichspost nicht so rücksichtslos Entlassungen vorgenommen hat, wie andere Betriebe. Wir wünschen dl« Uebernahme einer Anzahl Beamten ans dem Greirzzolldienst in die Reichspost. Wenn auch die Einkommens- Verhältnisse der mittleren und unteren Beamten nicht so sind, daß sie nicht dazu verdienen müßten, so erfordert schon der Anstand, daß In einer Zeit unbeschreiblicher Verelendung mancher Berufe, z. B. der Musiker, in Amt und Gehalt stehende Beamte nicht auch noch diese Berufe ausübe». Deutschland hak die höchsten Rundfunkgebühren. Wenn auch das Verlangen nach Herabsetzung bei dem ständigen Zu- wachs und bei der Notwendigkeit immer neuer kostspieliger Ma- schinen nicht oick Aussicht hat, so sollte man die Gebührenfreiheit, die gewissen Arbeitslosen, Kleinrentnern usw. gewährt worden ist, noch erweitern, besonders auf die Ausgesteuerten. Gerade im Rsichspostbetrieb wird die Agitation der Haken- kreuzler unter Duldung und Förderung der mittleren und höheren Aufsichtsbeomten in skandalöser Weise betrieben. Auffallend viele Posthelser sind unler jenen Leuten, die ans den Straßen friedliche Bürger niederschlage,!, auf sie einstechen und schießen. Einer dieser Burschen hat sich geäußert:„Was kann mir schon passieren, ich kann lsizchstens zu einem änderen Postamt oersetzt werdenl"(Hört, hört!) Auf verschiedenen Postämtern werden republikanische Beamte, die sich gegen die Hakenkreuzlerei wehren. boykottiert. Ein Amtsvorsteher tritt morgens mit dem Ruf„Heil Hitler!" ins Amt. Auf den Protest der Republikaner erklärt er, das fei ein Scherz. Der Oberpostrat Meier in Oldenburg Hot mit seinem Namen und Dienstgrad zwei inatzlos heftige Zeitungsartikel gegen die Regierung veröffentlicht. Er ist darauf„itrasoersetzt" worden, nämlich von Oldenburg in die viel größere Stadt Düsseldorf, und wie er dann mitteilt«, hatte er sich seit langem um diesen Düffel- dorfer Posten beworben.(Hört, hört! links.) Bei solchen„Skrasocrsehungeu" mit Beförderung und Gehalts- erhöhungcn braucht man sich über das verhalten vieler oberen und miitlereu Bcamien nicht zu wundern. (Sehr wahr! links.) In der NS.-Fraklion des Reichstags find drei Oberposträte. Der eine von ihnen, Ienke, hat in Ders-auunluugeu die ungeheuerlichsten Beschimpfungen ausgestoßen. Der Reichzpost- minister hat dazu nur erklärt, er habe die versassungsmäßigen Rechte der Beamten zu schützen. Aber er hat auch dafür zu sorgen, daß für das Gehalt der gehobenen mittleren und oberen Beamten entsprechend« Arbeit geleistet wird. Wenn aber eine ganze Anzahl dieser Beamten Gauleiter- und aickwre hohe Posten bei den National- soziaiisten bekleiden, dann sind sie offenbar amtlich nicht genug beschäftigt.(Sehr wahr! linke.) Ein zweiter dieser Abgeordneten ist Herr Sprenger. Als die Vorwürfe gegen ihn wegen des un- rechtmäßigen Diätenbezugs für ein« Berwalkungsratssitzung bei der Reichspost erhoben wurden, veräsfenilichte der Reichspostminister eine Erklärung, daß diese Vorwürfe gegen Sprenger nicht stimmten. Darin bestritt der Minister zu Unrecht selbst das, was Spreiuzer hier zugeben hat müsien. Glaubt der Herr Minister, sich mit dieser Güte und Rachsicht die Aufenthaltserlaubnis im Dritten Reich erwirken zu können? Der Redner bespricht u. a. den schon veröffentlichten Fall der Aufsichtsdame Z u g b a u in vom Berliner Fernsprechamt Bergmann. die einen Annis zur Herbeiholung des Uebers.illkommandos gegen eine Naziaktion sofort danach dem Goebbels mitqeteill hat. Am 3. d. M. ist dieser Tatbestaich dein Reichspostminister brieflich mit- geteilt worden. Erst 10 Tage später hat der Minister uns er- klärt, daß er am Tage vorher einen Beamten mit der Untersuchung beauftragt hat. Jetzt erfahren wir, daß diese Dame, die schon früher einmal wegen Begünstigung der Rationalsozialisten angezeigt worden ist, an das Postscheckam! versetzt worden ist!(Hört, hört! links.) Mit dieser Art wird der Minister die verfasiungsrnähigen Ansprüche des Volkes nicht erfüllen. Cs geht um die wichtigsien Grundsätze, es muß mit größter Energie durchgegrisseu werden, wenn nicht die ganze Znstitution in allerfchlimmster Weise geschädigt werden soll. Beamte, die ihre Pflicht derartig verletzen, gehören nichi in den Dienst. In dem schweren Kampf', den die Deutsch« Republik gegen ihr« Todfeinde führt, muß auch der Minister an seinem Platz das feine tun!(Lebhaste Zustimmung links) Abg. siampfschulle(Z.) schließt sich de? Forderung an, daß der politischen Verhetzung nn Posiwesen ein Ende gemacht werde. Die öffentlichen Schimpsreden von Reichsbeamten wie Sprenger dürfen nicht ohne Folgen für solche Lei'tc bleiben. Zlbg. lorgler(Komm.): 40 Millionen kostet die Gebühren- senkung bei den Großbetrieben, man will sie durch Lohnabbau bei den Arbeitern einbringen. Die Rundfunkgebühr wäre mit 1.25 Mark ; noch hoch genug. Nach einer Rede des Abg. Schwarzer(Bayer. Bp.) antwortet Minister Schätze! den Rednern der Linken: Die Beamten haben den Eid der Treue auf die Verfassung geschworen. Das Ministerium verfolgt energisch olle Fälle von Verstößen gegen diesen Eid und gegen die Dienst- pflichten. Die hier vorgebrachten Behauptungen sind aber noch keine Beweise, und daher muß ich sie als bedauerliche Perallgenieinerunaen und Uebertreibungen bezeichnen. Der Fall der Beamtin vom Berliner Fernsprechamt Bergmann ist in Untersuchung. Da? Disziplinar» verfahren wird in Gang gesetzt werden, aber ich muß den Ausgang abwarten. Bewahrheilen sich die Beschuldigungen, sür die bis heule ein Beweis nicht vorliegt, dann werden selbstverständlich die erforderlichen gesetzmäßigen Konsequenzen rücksichtslos gezogen werden. Der Minister sucht nachzuweisen daß er nicht zugui.sten des Abg. Sprenger(Nfoz.) ausgetreten sei: die einzelnen Angaben des Ministers werden jedoch von dem Abg. Bieder in nnn(Soz.) stark bestritten. Der Haushalt wird dewilligt und dazu Ausschußemschiießinigen angenommen. Um 18 Uhr vertagt sich das Haus auf heute, Donnerstag, 10 Uhr: Wehretat. » Der Bericht über den Beginn der Dienskigsttzlmq im„Abend" vom gleichen Tage ist ixihin zu berichtigen, daß Geiiosftn Elora Bohm-Schuch gesagt hat:„Nach den Erhebungen des Reichsans- schusfes deutscher Jugendverbän/d«. die sich über 145 000 Jugendliche unter 18 Iahren erstreckte, arbeiteten noch 4J Prozent'(nicht 40 Prozent, wie im„Abend" stand) mehr als 00 Stunden die Woche(nicht 18 Stunden am Tage) und nach einer Erhebung der- selben Organisation bekam jeder Vierte keinen Urlaub." Die große \ Vberrasebaingf iiii* alle Hausfrauen Belm Kauf ron I Pfand Sanella mit Ctatscheiii V» F'feimS(ein halbes Pfuud}€21* ATIS Sie haben weiter nichts zu tun, als daß Sie den Gutschein hier unten ausschneiden und damit zu Ihrem Kaufmann gehen. Dieses großzügige Angebot wird Sie durch die Ware selbst davon überzeugen, daß hier für einen zeitgemäß niedrigen Preis etwas ganz Erstklassiges geboten wird. 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A C\ g früher 2,00-8,00, Land, Um du Weib— Flammen ans der Tiefe Renard, Er— Ein Mens ob unter den Mikroben Rock-Stein, Unter der Fremdherrschaft Sdtätzler-Perasinl, Der Prinzeuspioler Segur, Die nnrollkommene Ehe Sinclair, Präsident der D.8.A. Stein, Der Triumph des Leben« Szekely, Melodie des Herzens Veronar, Mimi Biuette Wenden, Uilliardlre Wothe, Goldjiger— Die Siegerin— Heide- zanber— Ragna Swendburg— Mechthild vom Wörth— Und doch Zapp, Lilien auf dem Felde Versanciabteliungz Berlin SW 19, Leipziger Strasse S dir ift licht Bestellungen werden prompt erledig?. Bei Aufträgen nach auswärts vergüten wir für je 20 M. 80 Pf., die nur für Porto bxw. Verpackung in Anrechnung gebracht werden. Versand nur gegen Nachnahme oder gegen vorherige Einsendung des Rech nangsbetrages. 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Wothe, Hallig Höge- Lawine- Polarhexe- Sonnenjansfer 2,85' Jeder Band Ganzleinenband BrandenfelSj Tonta Jette- BoienekS Kbobin Galsworthy, Jenseits Glaeser, Jahrgang 1902 Hauptmann, Die Insel der groeoen Mutter Keller, Waldwinter— Marie Heinrich Klabund, Borgia Sdinltzler, Traum and Schicksal, 7 KotoI>: Thiess, Die Verdammten Voss, Alpentragüdie Wittner, Die Geschieh te der kleinen Fliege. Ein Heine-Roman Wohlbrück, Da» golden» Bett Zweig, Novellen um Kdaadia Lassen Sie sich umgehend unseren soeben erschienenen Gelisen Katalog (Verseiehnts im Preise herabgesetzter Bücher und Musikalien) kostenlos zustellen. Unser gelber Katalog enthält ca.. 900 Büchertitel zu so billigen Preisen, dass Sie darüber staunen werden. Theater, Lichtspiele usw. ) W ( Donnerst., 19 3. Staats-Oper Unter d. Linden 199. A.-V. 20 Uhr Andre CheniCr Ende 72lk Uhr Donnerst, 19.5. Stadt, opar Bjsmarckstt. Turnus II 19>k Uhr Die Arrlkauerln Ende 23 Uhr 9 15 Ohr. Zislr. 2019. Oiüch» crlul Yoiido China. Doncnn Collies. 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