BERLIN Vonaerstag 19. März 1931 lOPff. 71t. 1 32 B 56 48. Jahrgang ErsckeiattSgkichasßerS-nntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Donvän«'. B-iug«preis beide Ausgaben 86 Pf.»ro Woche.»r» Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW«8. Lindeustr.S Fernsprecher: Dönhoff 292—207 „Ibwasfa A»»etsen»ret«:Die einspaltigeNoapareilleieile 8o Pf., Reklameieile 5 M. Crmäßigun en nach Tarif. PoKscheckkonto: BorwärtS-Verlag G.m.b.H� Berlin Nr.«7 636.- Der Verla« behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vori Gchiffskatastwphe im Nordmeer Sieben Personen bei der Rettung ertrunken OerzslüF des europäischen Friedend ist die deulsch-französische Der- skändigung. Wäre es nicht längst an der J?it. Vertrauen und Ausgleich zwischen diese beiden Völker zu setzen? Schon Na- poleon hat in seinem politischen Testainent gesagt, daß kein Grund niehr lei für nationalen chah. Die Haltung des Ministers in der Angelegnheit der Ulmer Offiziere war selbstverständlich. Was wäre im alten Heer, ums würde im Dritten Reich gegen solche Jellen- bildung geschehen? Einer der Angeklagten hat dem Gericht gesagt: „So wie ich denken zwei Drittel aller Offiziere, was fallen wir sonst denken, wir haben doch sonst keine Ideale." Prirsen wir dieses Be- kenntnis, so müssen wir zugeben, daß das System schuld ist und zwar da» System Seeckt: Allein wichtig sei, daß der Soldat fest in der Hand des Führers sei, alles andere sei gleichgültig. Nein, wi« jeder Berus, hat auch der Soldat da« Recht, zu wissen, wofür er sich einsetzt.(Sehr wahr!) Heute kann er nicht mehr bloß Instrument des Führers sein, er braucht neben dem Vefch! auch Impulse aus dem Volk selbst, Verbundenheit mit den großen Zielen der Nationen. Staatsvolk und Staatsmacht müssen ein gemeinsames Ziel haben, müssen getragen sein van der gleichen lieberzeugung. Erhalten die Soldaten und Offiziere dieses Ideal nicht von der Republik, so träumen sie vom Glanz des Kaisertum», also von den Phrasen der RS. Darum ist es die Auf- gäbe, die Armee zu erziehen zur republikanischen Tradition, die in keiner Werse zurückzutreten braucht vor der monarchischen, die Mau.z, Ehre und Ruhm der Krone war, aber nicht der Masse und nicht des einfachen Wehnnannes. jS48, fast genau auf den Tag, standen königliche Tradition auf der einen, das Volk und feine Ideen aus der anderen Seite der Barrikaden. Das ist die große deutsche Tragik bis heute. Die große Auf- gäbe der Republik rst, die Einheit zu schaffen. In den Zeiten der Niederlage war dieser Zwiespalt immer besonders grüß, aber auch das Streben zur Einheit. Stein, Hardenberg und Scharnhorst erkannten dm Niedergang der Monarchie, suchten da« Volk im dritten Stand, die alten Generäle und Junker bildeten eine Einheitsfront gegen diese Männer. Als sie die Freiheitskämvfe geschlagen Halle», kam die Reaktion, die Errungenschaften wurden beseitigt, aber die Ideale blieben dem deutschen Volt erhalten und erwachten w�der in Männern wie L a s s a l I« und Friedrich Ebert. Man muß den Mut haben, diese Trtldition der Reichswehr mitzuteilen, sie mit diesen Idealen zu erfüllen. Ist es nicht 01, der Zeit, daß sich die Reichs- wehr erinnert, daß wir heute ähnlich« Zustände im Staat haben «le damals? Tritt nicht ein Mann auf, der an den„dritten Stand' von heute für den Staat appelliert? Die Reichswehr wird stark fein, wenn sie hinter sich hat die deutsche Arbeiterschaft, sie wird nichts fein ohne diese Stütze. So müssen wir die Wehrmacht der Republik mit der Erkenntnis ihrer hohen Berufs- pflicht erfüllen.(Beifall.) Abg. ßippenberger(Komm.) bezeichnete die Reichswehr als ein Kaderheer für mindestens 3 Millionen Mann und führt als Beweise die starken Waffen- und Munitionsanschafsungen, den Geheimfonds des Ministers im Betrage von 1 Million Mark, die großen Bestände schwarzer Waffen, von denen im Leipziger Diebstahlsprozeß die Rede war, schließlich auch eine Reihe Mobilmachungsformulare an, die er verlieft. Ter Verwalter der schwarzen Waffen m Leipzig sei der S ta hl h el mf ü h r e r Major a. D. Lud icke, Zwllcmoestellter der Reichswehr. Dann verliest der Redner aus amt- lichsm Material»in« inleressanle Geschichle des Exkönigs Ferdinand von Bulgarien. Danach hal dieser 19lZ als Bezahlung für den Einlrilt Bul- garicrs in den Krieg von der kaiserlichen Reichsregierung 25 Will. Mark erhallen. Obgleich bei der bekannkcn Gefchäsls- gewaadtheil dieses koburgers sicher anzunehmen ist, daß er die Riesensnmme nutzbringend angelegt ha«, hat er als Exkönig unter der Bedingung, daß sein Sohn und Nachfolger nichts davon erfahre, von der deukfchen Republik noch zweimal je 1 Miss. Mark erhalten sowie eine weitere Zahlung, deren höhe nicht angegeben wird. Schließlich hat er auch durch die persönliche Vorsprach« beim Reichs- Präsidenten eine dauernde Pension von der deutschen Republik verlangt. Die Reichsregierung habe zuerst 60000 Mark jährlich bewilligt, was Ferdinand als zu gering ablehnte. Dasselbe geschah, als die Reichsregierung 100 000 Mark jährlich be- willigt« und erst mit 120 000 M. jahrlich auf Lebenszeit habe sich Ferdinand zufrieden gegeben. Zur Zeit dieser Bewilligung sei Hilferding Finanzminister gewesen.(Wie wir hierzu mitteiken tonnen, hat Genosse Hilferding als Finanzminister mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun gehabt.— Red. d. ,.V.'.) Schließlich verlieft der kommunistische Redner ein langes Schreiben des im Ulmer Reichswehrprozeß vom Reichsgericht verurteilten L e u t- nants a. D. Scheringer, der sich vom Faschismus lossagt und sich der Kommunistischen Partei anschließt. Bei Schluß des Blattes spricht der Zentrumsabgeordnete Ersing. Ein zweites Opfer. Nie schweren Znsammenstöße in Düsseldorf. Düsseldorf, Ig. März. In dem amtlichen Bericht der Polizei über die bereits gemel- deten schweren Zusammenstöße heißt es u. a., daß die Demonstran- tcn zunächst mit schweren scharfkantigen Schotter- steinen auf die Polizeibeamten warsen. Dabei wurde ein Be- pmter im Gesicht schwer verletzt: er brach bewußtlos zusammen. Ein anderer Beamter, der ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde durch einen Messerstich in die rechte Hand erheblich verletzt. Als nun noch zwei weitere Beamte verletzt wurden und aus dem Zugs heraus Schüsse aus di« Beamten abgegeben wurden— die Geschosse wurden später gefunden—, sah sich der Führer des Abfptrr- kommandos genötigt, auch seinerseits den Befehl zum Schießen zu geben. Durch die abgegebenen Schüsse wurden sieben Angreifer verletzt, oavon drei schwer. Nunmehr ließen die Angreiser von den Boamten ab und zogen sich zurück. Durch die schnell herbeigerufene Reveitschast wurden di« anliegenden Straßen alsbald gesäubert. Einer der bei den gestrigen Tumulten verletzten Demonstranten ist im Laus« der Nacht im Städtischen Krankenhaus gestorben. Abends gegen 0 Uhr wurde im Hbfgarten ein Angehöriger der NSDAP, von zwei Leuten ilbetfallen. Sie brachten ihm einen Messerstich bei, durch den der Ueberfallene«ine blutende Verletzung Autounglück in Moabit E n Toter und vier Verletzte Auf der Kreuzung Virken- und Perleberger Straße in Moabit ereignete sich heute vormittag kurz nach 11 Uhr ein folgenschwerer Zusammenfloß zwischen zwei Geschäftelieser- 0 u t 0 s. Die Fahrzeuge prallten inso'ge zu hoher Geschwindigkeit mit ungeheurer Wucht aufeinander und wurden schwer beschädigt. Die Führer und Mitfahrer beider Wagen erlitten mehr oder minder schw.re veriehnngeu. Der eiwo SOjährlge Führer des einen An- glück-wogcns starb auf dem Transport zum Moabiter Krankenhaus. Zwei weitere Schweroerlehle fanden im selben Krankenhaus Aufnahme. Zwei Leichtverletzte konnten nach Anlegung von Notverbänden wieder enllossen werden. Die per- fona'iea des tödlich vermiglücklen waren bei Schluß de» Blattes noch nicht bekannt. Die Unfallstelle war mit Trümmern und Glassplittern dicht übersät. Der Verkehr wurde durch den Dorfall nahezu 30 Minuten lahmgelegt Von der Kriminalpolizei ist sofort ein« Unterstichung über die Schuldfroge eingeleitet worden. Es sind bereits mehrere Zeugcnvernehnmngen erfolgt. Fabrikbrand in der Nacht. Großfeuer in der Orachenstraße— Schwerer Wasterschaden Ein gefährlicher Fabrikbrand beschäsligle die Feuerwehr in der vergangenen Nacht mehrere Stunden lang in der Oranienstraße IIS. Kurz vor 1 Uhr wurde vom Nachtwächter im 1. und 2. Stock- werk des Fabrikquergebäudes Feuerschein bemerkt. Als die Feuer- wehr mit mehreren Zügen anrückte, stand ein Teil der in der 1. Etage befindlichen Kühlerfabrik und der dorüberliegendcn Maschinenfabrik im 2. Stockwerk bereits in hellen Flammen. Obgleich das Feuer an leichtbrennbaren Gegenständen reich« Nahrung fand, konnte der Brandherd durch starkes Wassergeben nach einstündiger Löschtätigkell eingekreist werden. Schweren Wasserschaden hat di« im Parterre unter dem Brandherd befindliche Schokoladensabrik «rlilten. Erhebliche Warenvorräte sind vernichtet worden. Das Feuer ist nach den bisherigen Ermittlungen offenbar im 2. Stockwerk ausgebrochen. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Ein großer Kellerbrand entstand heute vormittag gegen lv Uhr im Hause Lützowstroße 86. Es brannten Papiervqrräte, Heiz- Materialien und Holzoerschläge. Starker Qualm machte ein Bor- dringen der Löschmannschaften gegen den Brandherd zunächst un- möglich. Erst nach Eintreffen des Rettungswagens tonnte unter Zuhilsenohme von Schutzmasten ein« erfolgreiche Bekämpfung des Brandes vorgenommen werden. Echupo niedergeschlagen! Von Klebekoionne übersatten— Schwer verletzt ins Staatskrankenhaus gebracht. Ein besonders roher Ueberfall wnrde gestern nacht von einer kommunistischen klebekoloune ans einen Po lizeioberwachtm elfter des 82. Reviers verübt. Der Beamte war in Zivil und befand sich aus dem Nachhause- weg. Am Büschingplatz waxen etwa 10 ins 12 junge Burschen mit dem Ankleben von kommunistischen Plakaten beschäftigt. Plötzlich fielen sie über den Schupo, der ihnen wahrscheinlich bekannt war, her und schlugen mit S ch I a g r i n g e n so lange auf ihn ein. bis er blutüberströmt zu Boden sank. Dann erst ließen die Rohlinge von ihrem Opfer ab, flüchteten und entkamen unerkannt. Der schwer- oerletzte Schupo-Oberwochtmeistcr fand im Staatskrankenhaus in der Scharnhorststraße Aufnahme. im Gesicht daoontnig. Die sofort aufgenommenen Ermittelungen nach den Tätern sind bisher ohne Erfolg gewesen. Aus dem Oberbilker Markt wurden elf Personen festgenommen, die im Besitze von Hiebwaffen und Schotter st einen waren, wie sie auch b«im Angriff auf die Beamten m, der Eisen- bahmmt«rfiihrung Hüttenstraß« benutzt worden waren. Bei der Durchsuchung nach Waffen wurden bei einem der Festgenommenen Patronen vorgefunden, bei denen die Spitze nach Art der Dum- Dum-Gcschosse al>geknisf«n war. Die Fostgenoimr.enen wurden in Haft behalten. Sirafverfahren gegen dieTumulimacher Hamburg. 19. März. Die Justizpresiestelle Hamburg teilt mit: Wegen der Vor- kommnisie in der gestrigen Bllrgerschastssitzung Ist von der Staats- anwaltschaft«in Strafverfahren gegen di« Beteiligten ein- geleitet. Kugenberg gegen Hindenburg. Die nationale Rechte hal einen anderen Reichsprasidenien- kandidaten. In einem meterlangen Interview mit dem Berliner Vertreter des „Popolo d'Jtalia" erklärt H u g e n b e r g, sich des Urteils über den — ihm sichtlich peinlichen— Beitritt Italiens zum Flottenpatt cnt- halten zu wollen, bezeichnete, sehr bescheiden, die Deutschnationale Volkspartei als historischen Grundstock der nationalen Opposition, und meinte, daß in den kommenden Preußenwahlen „der hoffentlich entscheidende Stoß geführt werden würde". Er fügte wörtlich hinzu: „Von wesentlicher Bedeutung wird auch der Ausgang der im nächsten Frühjahr stattfindenden Reichspräsidentenwahl sein. Da das von der Regierungspresse oerbreitete Gerücht, der Feldmarschall von Hindenburg werde sich nochmals zur Wahl stellen, wenig glaubwürdig ist, müsien wir schon jetzt unsere Vorbereitungen treffen. Ueber die Person des von der Rechten herauszustellenden Kandidaten möchte ich aus begreiflichen Gründen noch schweigen. Zusammengefaßt kann gesagt werden, daß das Jahr 1931 für die gesamte nationale Opposition ein entscheidender Abschnitt des Ringens um die deutsche Staatssührung ist." Sicheren Vernehmen nach ist der Gegenkandidat der nationalen Rechten gegen Hindenburg— der Abgeordnete Steuer, der junge Mann Hugenbergs aus Kassel. Herr Hugenberg selbst fühlt sich zu alt, um die Bürde des hohen Amtes auf si�» zu nehmen. Hugenberg in Derlegenheii. Die Sozialvemokratie macht ihm Kopffc�tterzen. Di« Hugenbergpresse sucht mit verlegenen Bemerkungen über die blamable Lage der„nationalen Opposition" hinwegzutäuschen. So erklärt der„Lokal- Anzeiger", daß durch den Beschluß der Sozialdemokratie, sich gegenüber Panzerschiff B der Stimm« zu ent- halten,„die Stellung Brünings sehr viel schwieriger geworden ist". Er könne sich nunmehr den sozialpolitischen Forderungen der Sozialdemokraten nicht entziehen: „Da nun Brüning und seine Mittelparteien mit der nationalen Rechten durchaus nicht verhandeln will, so erwägt man schon alle möglichen verzweifelten Mittclchen, um die untragbaren sozial- demokratischen Anträge doch noch zu Fall zu bringen. So denkt man an einen Einspruch des Reichsrats nach der Vertagung des Reichstags, wobei nur noch nicht sicher ist, ob man die Reichsrats- mehrheit dafür zufammenbekommt. So daran, ten Reichstag durch Auszug der Milteiport«!«n bei der Beschlußfassung über jene An- träge beschlußunfähig zu machen— das vielgeschmähte Beispiel der nationalen Opposition also zu wiederholen." Im gleichen Sinne meint der„Tag", daß die Sozioldemokrotle durch ihren gestrigen Beschluß sich nunmehr für di« Beherrschung des Reichskabmetts in den steuerlichen und agrarpolitischen Fragen völlig freie Hand geschaffen habe: „Die Macht, die die Sozialdemokraten im Restreichstag habe» iiiid die ain deutlvften die völlige Unterwerfung der Mitte unter den Willen der Marristen beweist, wollen die Sozialdemokraten jetzt offen zeigen. Sie künden zwar an. daß die Besprechungen über die schwebenden politischen und wirtschaftlichen Fragen fortgeführt werden. Sie überlassen di« Schwierigkeiten sreunUichst dem Reichskanzler... Dieser ist durch den gestrigen Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagssrattttm, der aus den ersten Blick erleichternd aussieht, in«ine sehr arg« politische Bedrängnis geraten." Das ganze Gerede zeigt nichts anderes als die grenzenlose Blamage der Hugenberger, die im Trott Hitlers aus dem Reichstag liefen und nun auf di« Stund« warten, da die Mitt«lparteien aus Angst etwa sie um ihre Rückkehr bäten. Ob und wann das geschieht, weiß man nicht. Einstweilen verrät die„Vosjische Zeltung", daß der„unglaublich geschickte" Beschluß der Sozialdemokratie den Ab- geordneten der Mitte, namentlich der Dolkspartel, auf die Nerven gegangen sei: es wäre ihnen lieber gewesen, wenn die Sozialdemo- kratle di« Krise gewählt und damit d«n Faschisten den Weg In die Regierung geöffnet hätte._ Gtaaisqericht gegen Krick-Pirmasens. Der Anschlag auf Tinz abgewehrt. Jena. 19. März.(Eigenbericht.) Heute hat der lhüringische Slaalsgerlchlshof in Zena das Land Thüringen verurleill, der hetmvolkshoch- f ch u l e T i 0 z die Mittel zu gewähren, die erforderlich sind, den Schulbelrteb im bisherigen Umfange und mit den bisherigen Erziehung?- und Lehrmitteln aufrechtzuerhalten. Die Borau-lagen des Verfahrens trägt das Land Thüringen. Damit ist nach einjähriger Prozeßdauer endlich das Schicksal der Heimoolkshochschule Tinz entschieden. Der Kursus- betrieb dürft« voraussichtlich am 15. April wieder aufgenommen werden können. Die Perhandlungen, die sich Mehrere Stunden hin- zogen, standen unter der Leitung des Präsidenten Dr. Becker. Die Urteilsformel entscheidet die Kernsrage im Sinne der Schule, ob dos Schulgeld von der Regierung beliebig erhöht werden könne. Obwohl sich im Prozeß nicht nnchweifen ließ, daß vor der Dcrftaatlichung auf Grund einer besonderen Vereinbarung die Schulgeldhöhe im Der- hältnis zu den Verpflegungskosten stand, Hot der Gerichtshof festgestellt, daß die bisherige Erhöhung die Aufrech terhal- tung der Schule unmöglich mache. Es wurde ausdrücklich anertannt, daß das Schulgeld nur so niedrig bemessen sein dürfe, daß der Arbeiter es aufbringen könne, da der Zweck der Schule fei, Minderbemittelten den Schulgong zu ermöglichen. Für die Erhöhung des Schulgeldes hat der Staotsgerichtshof Richtlinien aufgestellt, wonach, stch die Erhöhung nur im Rahmen der Der- pflegungsfätze halten dürfe, die im übrigen schon seit Iahren den Maßstab für di« Schulgeldhöh« gebildet haben. Damit ist dem An- trage der Schule in vollem Umfang« Rechnung getragen. Bei der zweiten Hauptfrage, wie weit der sachliche Aufwand der Schule gekürzt werden dürfe, hat das Gericht die rigorose und einseitig« Streichung durch di« Regierung als unzulässig abge- lehnt und nur in zwei unwesentlichen Punkten in Anbetracht der heutigen Notloge, also vorübergehend, die Streichung der Gastlehrerkosten und der Kosten für Schulreisen al, durchführbnr zugegeben. Di« gesamten Sachausgaben dürfen höchstens im Rahmen der übrigen behördlichen Einsparungen von etwa 10 Proz. gekürzt werden. Der Differenz betrag, etw- 30 000 M. für das Vorjahr, muß durch thüringischen Staatszuschuß gedeckt werden. Ueber die In den letzten Tagen erfolgte Auflösung des Verwnltimgsrats ist keine Entscheidung erfolgt. Aus Antrag der Regierung soll der hierauf bezügliche Klag«. antrag der Schule später verhandelt werden. Vorverleoung der Rundfunkhörssun�e' . Durch Vorverlegung des Rundfunkdreigespräches Draht- Iahn-Geyer über„Doppeloerdienertum und Arbeitslosigkeit" am Frettag, 20. Mörz, beginnt die unter Leitung von Gertrud Hanna stehende Rnndsunkhörstunde im Parteihaus, Lindenstroße 3. bereits um 18 Uhr! Der vräfidenl de- Danzlger vott-laaes, der So.zi-ldewokrat Julius Gehl hat lein Mandat niedergelegt, da der von ih n vor- genommen« Aiieschliiß des Nationalsozialisten Greiser, oer einen so- zioldcmokratischen Redner in der gemeinsten Weise unterbrach:n und die oelamt« sorialdemotrattsche Fraktion als„feig« Lumpen uvd Verbrecher beschiMpit hatte, von den bürgerlichen Par- teien aufgehoben wurde. Die DesavouieruNg des Präsidenten erfolgte durch die bürgerlichen Bartern, um die Unterstützung der Nazis für die gegenwärtige Mi'""'l,�•; ninn zu fich-rn Ser Mw in der Siargarder Straße Drei ehemalige Kürsorgezöglinge vor Gericht Vor de,n Landgericht I verantworten sich heute drei ehemalige Aürsorgezöglinge: der 24sährlge halubka wegen Mordes in Tateinheit mit Raub, der 22jährige M o h. r in g wegen Raubes mit lodeserfolg und der 2 0jährige Popp wegen Beihilfe. Gegenstand der Anklage ist das verbrechen vom 21. Dezember vorigen Zahres in der Slargarder Straße. Im Haufe Nr. 74 betrieben der 04jährige Karl R i e ck m a n n und feine 60jährige Frau Minna einen Zigarrenladen. Daneben befand sich die Wohnung, Stube und Küche. Der Zigarrenladen war gleich- zeitig Zahlstelle der Bank für Arbeiter, Angestellte und Beamte, Zahlstelle des Beerdigungsoereins„Pax* und eine Markenausgabe der Volksbühne. Die beiden Alten erfreuten sich bei der Nachbarschaft der größten Beliebtheit. In der Siargarder Straße befindet sich eine Reihe von Heimstätten, im.Haufe Nr. 74 selbst die„Her- berge der Gethsemanegen, einde". Auch verschiedene junge Burschen, die in diesen Herbergen Unterkunft suchen, gehörten zur Kundschaft der Eheleute Rieckmann. Gegen 9 Uhr des 21. De- zember, es war ein Sonntag, verlangte ein junger Bursche Einlaß: er wünsche Zigaretten zu kaufen. Während er mit Frau Riecknrann verhandelte, kam ein zweiter Bursche herbei, und bot gleichfalls um Zigaretten. Dann rief er plötzlich„Hände ho ch". Frau Rieck- mann glaubte, es fei bloß ein Scherz und lacht«. Aber schon merkte sie, daß die Burschen es ernst meinten, und schrie um Hilfe. Der später hinzugekommene Bursche— das war Halubka— ließ auf den Kopf der Alten feine Faust niedersausen, sein Opfer fiel zu Boden, er bearbeitete es mit seinen Stiefelabsätzen. Der alt« Rieck- mann, durch die Hilferufe seiner Frau aufgeschreckt, stieß auf den ersten IRurschen— es war Mohring—, und erhielt im nächsten Augenblick wuchtige Hiebe über den Kopf. Auch er brach zusammen. Mohring durchsuchte nun den Schreibtisch, nahm eine Zigarettentasche mit Geldscheinen an sich, raubte aus der Ladenkasse 10 M. und verlieh zusammen mst Halubka fluchtartig den Laden. Auf der Straße stand chr dritter Komplice, Popp. Schmiere. Mohring und Halubka oerfehlten ihn bei ihrer Flucht und trafen chn erst abends in einer Herberge in der Auguststrahe. Frau Rieckmann st a r b unmittelbar nach der Tot an ihren Verletzungen, der alte Rieckmann blieb am Leben. Die Täter hatten sich oerrechnet. Die Geldscheine in der Zigarrentasche waren alte, entwertete Scheine, die ganze Beute betrug 10 M. Für einen Teil des Geldes kaufte sich Mohring einen neuen Anzug— der alte war mit Blut beschmutzt— mit dem Rest des Geldes besuchten er und Popp ein Tanzvergnügen und Halubka ein Kino. Die Tat und die Täter. Die drei Angeklagten find im großen und ganzen geständig. Sie bestreiten aber mit aller Entschiedenheit, die Absicht gehabt zu haben, das Ehepaar Rieckmann zu tüten. Mohring war am 16. Dezember von auswärts, wo er auf einer Geflügelfarm ge° arbeitet hatte, nach Berlin gekommen und traf in dem Männerhospiz „ Friede nsheitr.� Popp, Halubka bewohnte in der Näh« ein Zimmer. Alle drei waren ohne Arbeit. Sie unterhielten sich des langen und des breiten darüber, wie man zu Weihnachten zu Geld kommen könnte; Mohring, der den Zizarrenladen der Eheleute Rieckmann als Zigarettenkäufer kannte, entwickelte den Plan, die Alten zu berauben. Als Frau Rieckmann zu schreien be-. gann, zog sie Halubka vom Stuhl herunter und forderte von ihr, während er sie mit dem Stiefel trat, sie solle sagen, wo sich das Geld befinde. Sie kam schließllch dem Verlangen Nach und gab als Aufbewahrungsort den Schreibtisch an. Als die Frau sich zu erheben versuchte, erhielt sie neue Schläge. Mohring bedroht« in der Stube den Ehemann Rieckmann mit der Pistole. Der Alte wei- gerte sich aber, das Geld herauszugeben, Morfch solle ihn doch erschießen. Die Angeklagten geben eine ausführliche Schilderung j ihres Werdeganges. Es ist die traurige Geschichte. M oh rings Vater ist im Krieg« gefallen, die Kinder mußten selber sehen, wee sie satt wurden. Der Junge kam in ein« Erziehungsanstalt, lernte Tischler, rückte aus, fuhr in der Well herum, fand Arbeit bei den Bauern, beging mehrere Diebstähle, erhiell Bewährungsfrist usw. Der Angeklagte Halubka war eines von zehn Kindern, Bater Zementarbeiter, die Mutter früh gestorben. Er wurde bei den Grauen Schwestern, in einem katholischen Erziehungsheim, unter- > gebracht, wurde nach feiner Rückkehr vom Later veranlaßt, den ! Haushall zu führen; ihm sagte das nicht zu. Sein Bruder besorgte ' ihm eine kaufmännische Lehrstelle, später entzweite er sich mit dem ! Vc ter, verkaufte seine Sachen, lebte in Mainz mll einem Homo- sexuellen zusammen, kehrte nach Berlin zurück, war bei Notstands- arbeiten beschäftigt und beging zusammen mit einem Freund einen Diebstahl. Der Angeklagte Popp ist ein uneheliches Kind. Seine Mutter sorgte sür ihn nicht, mißhandelte chn, hielt ihn zum Stehlen an. Er kam früh in ein Waisenhaus, lebte bald hier, bald bei der Mutter, flüchtete von dieser zur Großmutter, die ihn gern halle, und kam nach der Einsegnung in ein Geschäft als Haus- diener. Er ließ sich Unehrlichkeiten zuschulden kommen und kam schließlich in eine Fürsorgeonstall. Ein echter Völckers! Stvnvenlohn von 72 auf 64 Pfennig abgebaut. Osnabrück, 13. Mörz.(Eigenbericht.) Für die k l ö ck n er-W e r k e. Abteilung Stahlwerk und Gcorgsmarienhütke Osnabrück, wurde am Mittwoch unter dem Vorsitz des Schlichters Dr. Völckers ein Schiedsspruch gefällt, der den bisherigen Grundlohn voa72Ps. aufblvf. ermäßigt. Da» find 11,1 Proz. 3n den beiden in Frage kommenden werken sind ZOOS Arbeiter beschäfiigl. * Dieser Dr. Völckers ist mm wieder als Schlichter im Reichs- bahntonflikt ernannt. Er war es auch, der den Schiedsspruch fällt«, der die Eisenbahnarbester der Güterböden zur Sonntags- arbeit verpflichtete, ohne daß dafür ein Sonderzuschlag gezahlt zu werden braucht. Der Schiedsspruch war derart, daß er dann in freier Vereinbarung abgeändert, d. h. gemildert werden mußte. Dr. Völlers hat auch den berüchtigten Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie gefällt. Inzwischen ist der Lohnabbau, wie aus der vorstehenden Meldung und aus den bisher bekannten Schiedssprüchen für das Baugewerbe hervorgeht, noch verschärft worden. Wann wird der Reichsarbeitsminister endlich eine Anweisung an die Schlichter ergehen lassen, die dieser Kala- strophenpolitik EinHall gebietet? „Ein gewaltiger Sieg der NGO." Worüber man sich in der KPO. freut. Die„Rote Fahne" läßt sich aus Halle einen„gewaltigen Sieg der RGO." im Leunawerk melden. Allerdings sind die Zahlen, die sie veröffentlicht, falsch. Sie oermeidet es auch, die Zu- sammensetzungdes Betriebsrats mitzuteilen, sonst wäre es nämlich nicht möglich, mit großen- Lettern als Ueberschrift zu wählen:„Leuna wieder rot!" Der Betriebsrat setzt sich, wie uns aus Halle gemeldet wird, folgendermaßen zusammen: Freigewerk- schafter 11 Mandate(bisher 13), RTO. 9(9), Gelbe 1, Stahlhelm 1, Nazi 3(im Vorfahr war ein« gemeinsame Liste aufgestellt, die 4 Mandate erzielte), Christen 1(1). So sieht also der„große Sieg" der NGO. aus. Der Rückgang der Freige-werkschafter ist daraus zurückzuführen, daß in den letzten Monaten im H a n d w e r k e r b e tr i« b, der durchweg grst organisiert ist. große Entlassungen vor- genommen worden sind. Sowell die S t i m m e n z o h l« n in Betracht kommen,«hielten die Freigewertschaft« zum Arbeiterrat 3009 Stimmen(5093), die RCO. 3510(4763), die Christen 525(726), der Stahlhelm 462, die Nazi 1062, die Gelben 604(im Vorjahr auf der gemeinsamen Liste 2214). Zum Angestelltenrat wurden abgegeben für den AfA-Bimd 1043(1337) Stimmen, für den Gedag 860(748), sür den Gd2l. 287(434). Aus diesen Zahlen gelst hervor, daß sowohl bei den Arbeitern wie auch bei den Angestellten der Anteil d« Nationalsozia- listen, wenn auch nicht sehr stark, gestiegen ist. Diese Beobachtung kann man überall dort machen, wo die Kommunisten bisher die Vorherrschaft hatten, wie es bis zum Borjahr auch fm Leunawerk der FM gewesen ist. Es ist bezeichnend für die KPD., daß sie sich dar» üb« besonders freut. Don der Betriebsratswahl in Piesteritz, wo die KPD. einen Zusammenbruch erlill, weiß da» tommu» nistffch« Blatt allerdings nichts zu melden. Die„Opposition" in der BVG. Ein ungültiger Wahlvorschlag. Die Nazis erheben ein großes Geschrei darüber, daß ihre Bor» fchlagsliste zur Betriebsratswahl bei der BVG. vom Wahloorstand für ungültig erklärt worden ist. Sie versuchen den Anschein zu erwecken, als ob es im Ermesien des Wahlvorstandes läge, eingereichte Vorschlagslisten ganz eigenmächtig entweder anzu- erkennen oder abzulehnen. Sie wissen offenbar nicht, daß der Wahl- vorstand nach der Wahlordnung des Betrisbsrätegefetzes Vorschlags- listen nicht zulassen darf, die nicht ordnungsgemäß unteischricben find. Würde eme solche List« zugelassen werden, wäre die Wahl ungültig.* Es ist kaum anzuenhmen, daß die Nazis fo dumm sind, und nicht wissen, in welcher Form die Unterschriften der Listenführer vollzogen fein müssen. Es ist vielmehr anzunehmen, daß sie tie Formfehler, die zur Nichtanerkennung ihrer List« geführt haben, absichtlich begangen haben, um die Betriebsratswahl bei der BVG. zu einer neuen Hetze gegen die freien Gewerkschaften und die freigewerkfchafjlichen Betriebsräte, msbejondere ab« gegen den Vorsitzenden des Betriebs- und Arbeiterrats, Genossen Fl i e g e r. benutzen wollen. Die Nazis waren sich bestimmt darüb« klar, daß sie bei der Wahl sehr schlecht abschneiden würden. Diese Vermutung Uegt deshalb besonders nahe, weil sie alle Mihe hatten, die not- wendigen Kandidaten zusammenzubringen. Fast die Hälfte der von den Nazis vorgeschlagenen Kandidaten ist überhaupt nicht wählbar, sogar ihr Spitzenkandidat nicht. Nicht zuletzt scheuten sie stch wahrscheinlich, verantwortliche Arbeit leisten zu müssen, falls ihnen wider Erwarten doch einige Sitze im Betriebsrat zufallen sollten. Amüsant ist ein Vergleich zwischen der Beurteilung der Un- gülligkeitscrklärung der Nazilifte durch den„Angriff" und die„Rote Fahne". Während das Berliner Naziorgan behauptet, daß der Wahloorstand aus Angst vor dem Anwachsen der Nazis die Lifte sür ungültig erklärt habe, behauptet das Bertiner Sowjetorgan, daß der Wahlvorstand die Nazis damit vor einer Niederlage gerettet habe. Im übrigen haben die Kommmristen gar keine Veranlassung, über die Entscheidung des„SPD.-Wahlvorftandes" z>u geifern. Die Geistesverwandtschaft der Nazis und der Kommu- nisten dürfte doch vielmehr dazu führen, daß viele„entrechtete" Nazis ihre Stimme nunmehr der NGO. geben werden, so daß diese vielleicht vor der großen Pleite bewahrt wird. Das Gros der BVG.-Belegschaft steht diesem Ballspiel der Nazis und der NGO. jedenfalls gelassen zu. Es hat für keine der beiden Parteien, die die Bazillenträger der politischen Mordpest in Deutschland sind, etwas übrig. Das Personal der BVG. denkt mit Schaudern an die Zeit zurück, als es sich einmal von„revolutio- nären" Wirrkäpsen„führen" ließ. Das Gros der Belegschaft der BVG. hat den gehässigen politifchen Bruderstrett satt, der von Außen- stehenden in ihre Reihen getragen worden ist und wähli daher am 23. März die frelgew«kfchafll!che Liste 1! Lt.m die Löhne der Wasserbauarbeiier. Vom Gesamt verband wird uns geschrieben: In den VerHand- lungen am Dienstag, dem 17. März, wurde den Tariforganifationen nichr nur die Forderung einer Lohnkürzung um 8 Proz. unterbreitet, sondern obendrein noch Herabsetzungen sürUeberstunden und all« übrigen Lbertarislichen Zulagen verlangt. Eine Ber- kürzung der Arbeitszell bei gleichbleibenden Stundenlöhnen wurde von den Vertretern der beteiligten Restorts kurzerhand abgelehi::. Nach längeren Verhandlungen machten die Gewerkschafts- Vertreter Gegenvorschläge, die von den Regierungsvertretern zwar als geeignete Grundlag« zu weiteren Verhandlungen angesehen wurden, jedoch erst deren Rücksprache mit dem Reichsverkehrsminister notwendig machen. Die Verhandlungen wurden daraufhin vertagt. 20. Abk. Heute, Donnerstag,%8 Uhr, Lokal Stenzel, Schweden- stracke 13, Ausspracheabend der züngeren Parteigenossen. L-rantwortl. wr di« R-daklion: Setbttt gipft, Berlin:»n, eigen: U.»leite Berlin. Verlag: Vorwärt» Verla« G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co Berlin SW es. Lindensirakc z öier,u 1 Beilage. Donnerst.. 19 J. Staats-Cper Unter d. Linden 199. A.-V 20 Uhr Andre Cbfnier Ende 22»/» Uhr staais-Qper An Tlit: dir Bejutlit. 9 R.-S 20 Uhr Madame Bnflerliy Oeffentl. Kartenverkauf Kndfe g.ZZWUhr Donnersu, 19. 3. Stadt. Oper BismarcKstr. Turnus II 19«/! Uhr Die Afrikanerln Ende 23 Uhr Staatl. Sthaasph. (am Dendarmenmarkti 171 A.-V 20 Uhr Ifeaiiostflititrt Die MitsdKildigeiL Die Matrose von Ephesus Ende 22-/. Uhr MücbHisr-Mer.Hg. 20 Uhr Naihan der Welse •Ende gegen 23 Uhr GROSSES SCHAUoPIELHAUd Tägi. g Uhr. im weissen RBssl. Stg. nachm. 3Uhr Originalbesetzung billige Preise Rege: Erllc Charcil THEATER AM HOLLENDORFPLATZ DR. FRIEDRICH WOLF: CVANKAII s(§218)s GASTSPIEL OER 6BUPPE JUNGER SEHAUSPIELER LESER DES VORWÄRTS 80% Volüsbttluie Ttieater an BQIovpiatz. 8 Uhr Das Ulintermarchsn Staat!. Sdiiller-Tti 8 Uhr Naihan der We se 13 Täglich ölS DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFEN BACH THEATER IM ADHIRALSPAIÄST A Mim Ikeaier 8 Uhr Der Hauptmann von ROpenük v. Carl Zuckmayer Regie: Hein Hilpert Kammerspiele 8«/« Uhr Heilte letzte AutflHuungl Pariser Platz 13 von Vic ki Baum ligil: Gntif GründijMi Die Komödie SVi Uhr HoigeD zum 10D. Male: Die Fee m Franz Uoinar Regie; Stetig Hod. Lustspieinaus Tigltch 8«, Uhr DerLOgnsr u. die nonoo von Kart Qdtz CASiNO-THEATBR"«"» Lothringer Strafte 97. itieeiiiiiiiitiiiiMiiiiiuiiniiiHiMieiiiiiiniiiiiinw In ur noch bis 2. April 0 fliese sctiwlegerwater und das erstkl. bunte Programm! Samabsnl den t. RprO 1931 zum entrn Male „Er träumt von Jlse" Gnljchrin 1— 4 Prnonrn Fauteuil 1.23 M., Sessel 1.73 M. Sonstige Pr.: Parkett 73 Pf.. Rang 60 Pi Reichshallen- Theater Ahends Jaj Sonntag Dadim. ITTI Dte 3 Standen Lachen bei de „Stettiner" Nachm. ermäBIgte Preise Tel. Merkur 1247. Dönhoff- Brettl: Variete- 10 Nnouneni- Tau Carlen• 9 l! Hin. Zmti. 2819. Rauchen erlaubt. Younu Cktna. ntmean Com««. L«U» Wsrkmslsltr. 4 Phillipps. Karoiswna's, Darmande tsv. Traute Rose In der groBmn Operette v. KAJmin M MI Regie; Paul Reu Soanabcsd(T�l Plrl Von Montag bis Freitaf Abendpreise: Von 50 Pf. bis M 3.- Diebeiiebt.Familien-Nachmittage nur noch Im Mftrs Jeden Dienstafc. 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Hoffmeister, SO 36, Wionor Straße 20 seit 40 fahren am QCrlitzer Bahnhof Berliner nikTriO N a a k• 1 1 B. w Uhnatr. 74/7U (Beilage Donnerstag, 19. März 1931 SivAbnid SfiaJoukäafa to+uytifik Veranstaltungen für Erwerbslose Von Senator Neumann, Hamburg Im Febnmrheft der„Sozialistischen Bildung" fordert der Sekretär des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit. Richard Weimann, in einem„Seelische Nothilf« für die Erwerbslosen" benannten Artikel umfassende Maßnahmen für die Erwerbslosen auch auf kulturellem Gebiete. Weimann betont richtig, daß für den Arbeitslosen neben den materiellen Schwierig- leiten es besonders die seelische Bedrückung längerer Arbeitslosigkeit ist, die Gefahren für den Arbeitslosen selbst und Staat und Gesellschaft in sich birgt. Bor allem ist es die Hoffnungslosigkeit, die dem Erwerbslosen jeden Glaube» an das Leben und die Menschheit zu rauben, die auch den Glauben an sich selbst zu töten vermag. die den Arbeitslosen vor sich selbst als überflüssig und als ein wertloses. unnützes Glied der menschlichen Gesellschaft erscheinen läßt. Dem entgegenzuwirken empfiehlt Weimann neben der Betäti- gung des Erwerbslosen als Funktionär in den Organisationen seine Ersasiung durch Schulungs- und Ferienkurse und planmäßige Durchführung von kulturellen Veranstaltungen. Ohne staatliche Hilse werden, so sagt Weimann, diese Beranstallungen jedoch auf die Dauer nicht durchzuführen sein. Di« Frage der seelischen Not für die Er- werbslosen sei so brennend geworden, daß die öffentlichen Stellen unbedingt irgendwie eingreifen müßten. Der Reichsausschuß hat ge- meinsam mit der Bildungszentrale des Allgemeinen Deutschen Gc- werlschaftsbundes eine Aktion«ingeleftet, die dahin geht, die Reichs- regicrung und den Reichstag zu veranlassen,«inen größeren Fonds bereitzustellen, um regelmäßig bildende Veranstaltungen für Er- wcrbslose durchzuführen. Diese Eingabe ging auch den Regierungen iömtlicher Länder zu, mit der Aufforderung, die Aktion zu unter- stützen und Mittel für die Erwerbslosenhilfe bereitzustellen. Besonders betont wird die Notwendigkeit von Maßnahmen zugunsten erwerbsloser Jugendlicher durch berufliche Bildungsmaßnahmen, Er- Weiterung der Berufsschulpflicht und Ermöglichung des Besuchs all- gemeiner Bildungsveranstaltungen, wie Volkshochschulkurse, Frei- Zeiten und ähnlich« geschlossene Lehrgänge. Erfreulicherweise wird darüber hinausgehend ausgeführt, t«b, so begrüßenswert die Maß- nahmen für die erwerbslos« Jugend sind, die Not der Er. wachse neu nicht übersehen weiden dürfe, betrage doch der Anteil der jugendlichen Erwerbslosen bis zmn 2l. Lebensjahr nur etwa IN Proz. der Erwerbslosen überhaupt. Für das groß« Heer der älteren Erwerbslosen aber sei bisher so gut wie nichts geschehen. Diese Aufgab« sei durch das Reich und die Länder zu erfüllen. In Frage kämen in erster Linie örtliche Veranstaltungen, an denen die erwerbslosen Massen mit ihren Angehörigen teilnehmen können, und zwar in erster Lim« Darbietungen unterhaltender und künst- lerischcr Art. Den in der Eingabe an die Reichsregicrung gemochten Aus- führungen wird jeder Sozial- und Kommunalpolitiker seine An- erkennung und Unterstützung nicht versagen. Die bisher von den Organisationen und staatlichen Stellen getroffenen Einrichtungen genügen bei weitem nicht, um dem dringenden Bedürfnis auch nur einigermaßen zu entsprechen. Zudem«rstrecken sich bisher diese Maß- nahmen vornehmlich auf die Erfassung der jugendlichen Erwerbs- loicu. So begrüßenswert diese besondere Berücksichtigung der fugend- lichen Erwerbslosen auch ist, so darf doch bei dem katastrophalen Ausmaß der Erwerbslosigkeit der von ihr gleichermaßen arg be- drückt« erwachsen« Erwerbslos« nicht vergessen werden. Nicht nur stellen die erwachsenen Erwerbslosen den weit größeren Anteil an der Zahl der Erwerbslosen, sie bedrückt durchweg nicht nur die Sorg« für die eigene Person, sondern in erhöhtem Maß« die Sorge für ihnen anvertraute Familienangehörige, gerade unter ihnen führen di« Auswirkung«» oft monatelanger Untätigkeit und Ver- dienstlosigkeit im Familienleben und ihren Beziehungen zur Gesell- schoft zu verheerenden Folgen. Dem erwachsenen Erwerbs» losen ist daher künftig bgs zu treffenden kultu- rcllen Veranstaltungen weitgehendere Beachtung zu schenken. In Hamburg haben wir in dieser Beziehung im vergangenen Winterhalbjahr einige Erfahrungen sammeln können. Seit November liiZÜ werden hier neben den von der Volkshochschule durch- geführten E r w« rb s l o se n k u r s« n und den durch das Amt für Leibesübungen auf verschiedenen Sportplätzen der Stadt geführten sportlichen Betätigungen auch kulturell« Veranstaltungen allgemeinbildender und unter- haltender Art für Erwachsen« getroffen. Die Ver- anstaltungen erfreuen sich eines außerordentlichen Zuspruchs. Di« größten Säle reichen nicht aus, um der Nachfrage auch nur einiger- maßen zu genügen. Mit Abschluß des Winterhalbjahres wird vor- aussichtlich bei rund 65 Veranstaltungen außer Kinovor- stellungen ein« Besucherzahl von etwa 86 OW Erwerbslosen zu verzeichnen sein. Es haben bisher stattgefunden, oder sind vorgesehen, volkstümlich« und Sinfoniekonzerte, Aufführungen wert- voller hoch- und plattdeuffcher Bühmnkunst, Märchenaufführungen für Kinder der Erwerbslosen, Chorkonzert« und Volksliederebende, Rezitationsabend« mit Bühnenkünstlern und Rezitatoren, kabaretti- stisch« Veranstaltungen und Darbietungen anerkannter Artisten. Für die Ausführung haben sich mehrfach das Philharmonische Orchester, die Künstler und di« Orchester der hiesigen Rundsunksendegesellschaft, beliebte Bühnen- und Sprechkünstler, di« Chöre d«s Deutschen Arbeitersängerbundes, der Hamburger Lehrergesangvcrein. das Stadttheater, das Ernst-Drucker-Theater, di« Niederdeutsche Bühne und die Gemeinnützig« Schaubühne zur Verfügung gestellt. Mit ihnen wurden Sonderveranstaltungen durchgeführt. Neuerdings stellt das Filmtheater der Kulturfilmgesellschaft Urania täalich eine An- zahl von Plätzen für Erwerbslose zur Verfügung. Sie alle fanden sich, al» an sie der Ruf erging, auch den erwerbslosen Volksgenossen mit ihrer Kunst zu dienen, sofort bereit, uneigennützig, ja oft unter Aufwendung eigener Mittel, am gemeinsamen Werk mitzuarbeiten. Auch di« Saalbesitzer stellten ihre Räume gegen Erstattung der entstehenden Unkosten bereit. So war es möglich, mit sehr g e- ringen Mitteln, die zum Teil noch aus Spenden ent- nommen werden konnten, ein wichtiges Werk anzugreif«« und ein« gute Idee in die Tat umzusetzen. Der Anfang ist gemacht. Ueberall regen sich Kräfte, am weiteren Ausbau und an der Ausgestaltung des von sozialer Ver- ontwortung und dem Willen zur aktiven Solidarität getragenen nei'on Zweiges sozialer Fürsorge mitzuarbeiten. Reich und Länder können und dürfen nicht beisefte stehen. In dieser Zeft Wirtschaft- lichen Tiefstande», der gar zu leicht die in Jahrzehnten mühseligen Kampfes um' VaSsbildung und Bvlkskuttur errungenen Werte zum Opfer fallen können, haben gerade sie als Sachwalter des Volks- staate» alle» daran zu setzen, der Zersetzung und der Zerstörung wichtigen Volksgutes entgegen zu wirken. Laschistenftbeln vlütenlese aus italienischen Schulbüchern »Der Duce liebt die Kinder und die Kinder sieben den Duce." Hunderttausende von ABC-Schützen werden in nächster Zeit diesen Satz zuerst mühsam zusammenstottern und später durch reichliche Wiederholung auswendig lernen. Es ist der erste Satz der neuen faschistisch«» Les«fibel, die in sämtlichen italienischen Elementarschulen alle anderen Bücher ersetzen wiro. Schon das Umschlagbild zeigt zwei„Balillas"(Mitglieder der faschistischen Kindergruppe»), die den Arm zum.römischen Gruß" erheben. Das faschistische Rutenbündel und die italienische Flagge gehören zu den ersten Bildern, die die kleinen Les«r des Buches zu sahen bekommen. Im übrigen wimm«ll das ganze Buch von Fahnen. Rutenbündeln, Gewehren und Soldaten. Die Uebungssätze für Kinder, die noch nicht einmal alle Buchstaben des Alphabets kennen, sehen so aus: „Für di« italienischen Flieger cia, eia, olatä!"„Die Balillas grüßen die Fahne aus römische Art. Für Italien eia, cia, alalal".Der Alpenjäger liebt seine Berge und fürchtet nie- manden."»Unser Herrscher ist Viktor Emanuel. Es lebe der Königl Es lebe Mussolinil Die Fahne flattert im schönen Sonnenschein, wir wollen sie auf römssche Art grüßen." Wenn die Kleinen alle Buchstaben lesen können, werden ihnen die Erlebnisse der beiden faschistischen Musterkiirder Bruno und Mariolina vorgesetzt. Bruno und Mariolina haben keine ander« Sehnsucht, als Mitglieder der faschistischen ftindcrgruppen zu werden. Bruno sagt zu seiner Mutter: »Nächstes Jahr werde ich endlich acht Jahre alt. Dann kann ich die Balilla-Uniform tragen. Dauert es noch lange bis zum nächsten Johr«, Mama?" „Ein Jahr hat zwölf Monat«, mein Leber Junge", erwidert di« Heldcninutter,»du kennst ja ihre Namen: Januar, Februar, März..." Die Famiti« Brunos und Mariolinas ist eine faschistssch« Muster- familie. Der Dater läuft ständig im schwarzen Heind herum und hält Lobreden aus das faschistische Regime. Die Mutter sorgt dafür, daß ihr Sohn di« Balilla-Uniform schon vor dem achten Geburtstag anziehen darf, und der Großvater singt, wenn er nicht gerade feine Pfeife raucht, die Faschiftenhymne»Giovinezza, giovinezza!" (»Jugend, Jugend...") Zu Weihnachten bekommt Bruno Bleisoldaten, feine Schwester Mariolina Pupp«n. Di« Kinder streiten sich: »Ich verstehe nicht, weshalb die Mädchen so gern mit Puppen spielen. Wenn«s noch Soldaten wären!" sagt verächtlich Bruno. »Ich verstehe nicht, weshalb die Jungen so gern mit Soldaten spielen. Wenn es noch Puppen wären!" lautet die prompte Retour- kutsch« der Schwester. Aber di« wacker« Großmutter, die mindestens geistig auch«in schwarzes Hemd trägt, weiß den Streit zu schlichten: »Kinder, zankt euch nicht, es geht olles, wie es gehen muß. Du, kleiner Generol sei nicht so stolz! Wenn die Mädchen nicht so sehr für die Puppen wären, dann hättest du nicht soviel Soldaten zum Kriegführcn. Demi die Soldaten stnd die Kinder der Puppen." Kanonenfuttertheorie und sexuelle Aufklärung in einem Stück. Kann man mehr verlangen? Bruno führt in seiner freien Zeit immer Krieg. In Ennang«- lung eines Feindes verfolgt«r die Hauskatze mft wütendem Geschrei. »Borwärts, Soldaten! Marsch, marsch! Es leb« Italien! Tod dem Feind«! A lala, Alalal" Zur Belohnung für sein« Tapferkeit darf er am 24. Mai, dem Tage der italienischen Kriegserklärung an Oesterreich, die Balilla- Uniform anziehen. Seine Mutter weiß, was st« dem Duce schuldig ist und bringt rasch einen neuen Sohn zur Welt. Bruno hat nur eine Sorge: »Wenn das Brüderchen nun groß wird, dann wird es mir meine Balilla-Uniform wegnehmen wollen." Aber der Großvater beruhigt den Enkel:»Keine Bange! Bis dahin bist du doch längst A v a n g u a r d i st a." Verfasser des Buches ist eine Frau: Oronzina Ouercia Tanzarella. Ein Name, den keiner kennt. Slber wir kennen di« Versasserin des Lehrbuches für die nächste Klasse. Sie heißt Grazia Deledda und hat vor einigen Jahren den Nobelpreis für Literatur erholten! Und was kann man da alles fiirven: Einer der faschistischen Musterknaben, di« inzwischen olle Ba- Ullas geworden stnd, erzählt von einer»Wallfahrt" nach dem Ge- burtshaus Mussolinis in Predappio: »Es ist eines der armseligen, aber malerischen Häuschen mit abgebröckelten Mauern, wie man sie in kleinen Dörfern überoll fleht. Aber uns erscheinen die Stufen, die zum Eingang hinauf- führen, wie dieStufenvoreinerKirch«. Mit religiöser Andacht betreten wir das Zimmer, in dem Er geboren wurde. Als wir das Häuschen verlassen, ist uns, als ob wir bessere Meirschen geworden sind...." Eine kitschige und verlogen« Beschreibung des..Morsches na'ch Rom" füllt einen großen Teil des für achtjährige Kinder bestimmten Buches. Besonders schön ist folgend« Stelle: .... In der Nähe befand sich ein Haus, in dem komm»- ni stisch« Landarbeiter wohnten. Es waren sehr böse Menschern Sie hatten kein« Lust zum Arbeiten und sagten, die Besitzer wollten sie nur ausbeuten. Dabei ist es doch so— merkt euch dos gut, lieb« Kinder!—, daß der Besitzer mehr arbeitet als alle, ohne daß er sich dessen rühmt." In diesem Ton hat die unwürdige Nobelpreisträgcrin ein ganzes Buch zusammengeschrieben, dos mit«iner B erHerr. lichung des Krieges endet. Nicht viel anders sind die Bücher für die übrigen Klassen aus- gefallen. Mit der rühmlichen Ausnahm« eines Professors für Mathematik und Naturwissenschaften, der sich von jeder Entstellung ferngehalten hat, ist der gesamte Lehrstoff faschfftisch verdreht und durchseucht. Man steht, was der italienischen Jugend hier geboten wird, ist der Faschismus 166 Proz.: Gewalt und Krieg nicht als letzter Aus- weg, sondern als höchstes Prinzip eines Systems. Walter Galdfrt. Heilerziehung Oos Problem des psgchopathischen Kindes Das Problem der Erziehung gesstig zurückgebliebener Kinder ist, wenn auch nicht leicht, so doch viel einfacher zu lösen als das der Erziehung psychopathischer(im Gefühls- und Willens- leben gestörter) Kinder. Das liegt daran, daß alles Anormal« m der Sphäre des Intellektes viel leichter zu erkennen sst als in der undurchdringlichen Spare der Seele. Sogar die ganz ungebildete aber mit sogenanntem gesunden Menschenverstand ausgestattete Mutter kann erkennen, ob ihr Kind für sein Alter intellektuell«nt- sprechend entwickelt ist. Ganz anders dagegen verhält es sich bei Störungen und Abnormitäten des Gefühls- und Willens- lebens. Di« seelischen Ertrankungen des Kindes in ihren mannig- fachen Abstufungen und Nuancen können von einem Laien kaum erkannt werden. Denn dazu gehört mehr als gesunder Menschen- oerstand und allgemeine Bildung: dazu gehört fachliche Schulung und große» psychologisches Verständnis. Was jedoch ganz allgemein auffällt und erkannt wird, das sind die Symptome oder Auswirkungen dieser seelischen Erkrankungen. Diese Symptome können so sein, daß nur die Kinder selbst darunter leidem Sie können aber auch Formen annehmen, die für die Um- weit unangenehm, ja untragbar werden, wenn sie gegen die herrschende Sitte und Gesellschaftsordnung verstoßen. Denn viele Formen der Verwahrlosung und des sogenannten Verbrechertums sind nur Auswirkungen seelischer Disharmonie oder Erkankung. Es hat lange gedauert, bis man aufhörte, alle diese Kinder für ihre Taten zu verurteilen und sie blindlings zu strafen. Heute setzt sich allmählich die Anschauung durch, daß es hier gilt. Kranke zu heilen und nicht, Entgleist« zu strafem Wenn es aber dem Heilpädagogen, dem Fürsorger und Jugendrichter selbst- verständlich ist, diesen Standpunkt zu vertreten und danach seine Erziehungs- und Besserungsmaßnahmen zu richten, so ist es den Eltern nicht immer klar, daß sie ihre mißratenen, ungezogenen und „verbrecherischen" Kinder in erster Linie als krank zu betrachten haben. Manche Eltern werden sich sogar in diesem Punkte kaum beeinflussen lassen, denn es ist ihnen, so seltsam es kling«» mag, lieber, ihr Kind fei ungezogen und mißraten, als nicht normal oder seelisch krank. Das kommt aus einer sehr verbreiteten irrigen Meinung, daß Psychopathie nichts anderes bedeute als B e r- rückts«im Sie wollen lieber Schädlinge als Irr« zu Kindern haben. Bei einem Schulschwänzer, einem Lügner, Ausreißer und Dieb hat man doch wenigstens, solange er noch jung ist, Hoffnung, ihn erziehen und bessern zu können. Aber einen Irren, einen seelisch Kranken zu heilen, halten sie für kaum mögsich. W«nn auch dies« Anschauung heute keine allgemein« mehr ist, so ist es doch notwendig, alle denkenden Eltern und Erzieher darüber aufMklären, daß die seelischen Störungen dieser Kinder selten als Geisteskrankheit zu bezeichnen sind. Der Prozentsatz der wirklich Geisteskranken und daher schwer Heilbar«, ist«nt« den schwierigen und verwahrlosten Kirch«» ver- hältnismäßig gering. Zum Unterschied von den Geisteskranken, die sich in ihrem Wahnsystem wohl fühlen, sind ihre Störungen derart, daß sie im Zwiespalt mit sich und der Umwelt leben. Sie haben oft eine ihrem Alter und ihrer Entwicklung entsprechende richtige Beziehung zur Realität und ihren Anforderungen, was bei Geisteskranken niemals der Fall ist. Die Geisteskrankheit verändert völlig das Bild d«r Persönlichkeit: die seelischen Störungen da- gegen der Psychopathen ergeben kein so auffallendes Bild, sondern äußern sich ntehr als fein«, kaum merklich« Verschiebungen der seelischen Harmonie. Natürlich können die seelischen Störungen auch sehr ernster und tiefliegender Natur sein; sie sind jedoch fast immer sowohl in der Entstehung als auch in der Aus- Wirkung von den Geistesstörungen wesensoerschieden. Was für uns hter wichtig erscheint, ist— für diesmal— nicht, was man tun kann, um das Entstehen seelischer Störungen zu ver- «neiden: dafür lassen sich in diesem Rahmen kaum wirksame Rezepte geben. Es handelt sich vielmehr darum, Eltern und Erziehern die Angst vor diesen Dingen zu nehmen und ihnen zu sagen, daß die seelischen Störungen der Psychopachen mft wenigen Ausnahmen heilbar sind. Die Methode der Heilung muß sich nur immer nach der Art der Schwierigkeit richten. Wenn man, anstatt sich mit der Folge oder Auswirkung der seelischen Störung zu beschäftigen, die Ursachen, die ttef in der Seele wurzeln, auf- decken und beeinfluss«n wird, dann wird so manches den Eltern und der Gesellschaft verlorengegangene Kind wiedergewonnen werden. Um diese Erkenntnis führen heute die Bertteler der fortschrittlichen Pädagogik und Iugendwohlfahrt einen lebhaften Kampf. Der Steg wird das gesamte Problem der Erziehung und Besserung schwer erziehbarer und straffälliger Jugendlicher seiner Lösung näher bringen. Es werden dann vielleicht noch so manche Vorurteile fallen müssen: wo aber das kritiklose Vorurteil fällt, kommt der Fortschritt. Die Eltern sind die ersten, dei verpflichtet ssnd, ihren Kindern zu Helsen. Si« können um so eher, als sie meist auch selbst an der Entstehung der Schwierigketten mitbeteiligt stnd. Es gibt heute in Deutschland viel« Möglichkeiten, psychopathischen Kindern zu helfen. Außer den vielen private» und den aus den verschiedensten Interessengemeinschaften hervorgegangenen B e- ratungs stellen für Heilerziehung(Derband der Krankenkassen, Deutscher Verein für Betreuung jugendlicher Psychopathen, Psychoanalytisches Ambulatorium, Beratungsstelle des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Beratungsstelle des Verein» für Jndividualpsychologie usw.) hat heute fast jedes Jugendamt ei« Beratungsstelle für schwer erziehbare Kinder. In den Beratungsstellen arbeite» aus dem Gebiet« der Heilerziehung erfahrene Fürsorger und Aerzte, auch sind den Beratungsstellen olle Mittel und Wege einer wirksamen Hilfe bekannt. Dr. Maria Faaebeader. Der Gireit bei Ullstein. Dele�digung� Prozeß vor Sem Amtsgericht Berlrn« Mitte Der Streit im Hause Ullstein zieht immer weitere Kreise. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte standen sich heute wieder einmal der frühere Chefredalteur der„Vossischen Zeitung", Georg Bernhard, als Kläger und Dr. Franz Ullstein und der Journalist Bornstein als Bellagte. Der Kläger wirft den Beklagten sowohl formelle Beleidigung als auch üble Nach- rede vor. Die Prwacheleidignngsklage geht auf den Zivilprozeß des Dr. Franz Ullstein gegen das Haus Ullstein zurück. Dr. Frenz Ull- stoin war von dem Pcsten eines Generaldirektors des Haufes Ullstein enthoben worden, weil er die inzwischen auch von ihm wieder geschieden« ehemalige Frau Rofi GrSfenberg geheiratet hatte und diese sich, nach Meinung Bernhards, unzulässige Eingriffe in die Redaktion erlaubt«. Dazu kam die Mitteilung, daß der Nam« der Frau Ullftein-terüfenberg in gewissen französischen Geheimakten in einer Weis« erwähnt sei, daß es den Mitinhabern des Hauses Ullstein und dem leitenden Redakteur des Ullftein-Nachrichtendienstes, Bern« Die völkische Schule in Berka Oer Thüringische Landtag verweigerte dieser Schöpfung jtirfa die Mittel. Das Zkätsel der Entwicklung Der heutige(Stand des problemes Aus Einladung des Monistenblindes sprach gestern abend der Wiener Biologe Dr. von Bertalanssy über„den heutigen Stand des Entwickln ngsproblems". Jenseits allen Zweifels— so führte er aus— steht der Gedan'e der Entwicklung I selbst, die theoretisch erschlossene Wirklichkett ist. Unentschieden da- gegen ist noch immer die alle Strettfrage nach Ursache und Berlaui der organischen Entwicklung im einzelnen Zu deren Beant- wortung bieten sich die drei großen Theoriengebäude des D a r w l- nismus, des Lamarckismus und der Mutationslehre an. Gerade unser größeres Wissen, das wir dem Aufschwung der Bererbungewissenschasten verdanken, bewahrt uns davor, uns einer dieser so bestechenden Theorien allzu voreilig und kritisch anzuschließen und lehrt uns ein hohes Maß von Skepsis gegenüber den allen Zauberformeln van der„Allmacht der Naturzüchtung' oder der„Ber- erbung erworbener Eigenschaften". Gegen Darwins Lehre von der Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl machten sich seit Jahrzehnten schwerwiegende Einwände gellend, etwa der, daß die Organisationshöhe aus der Nützlichkeit nicht erklärt werden kann, oder der. daß die ganze Theorie auf das Vorhandensein fortgesetzter erblicher Veränderungen basiert ist. während die exatt« Forschung immer nur sprunghaft« Ber« änderungen aufwies. Der wichtigste Einwand aber wäre wohl der, daß man nicht einzusehen vermag, auf welche Weise jene zufälligen, richwngslosen, winzigen Erbabänderungen fick zu einem Vorteil für die Erhaltung des Individuums steigern sollen. Nicht weniger stichhaltigen Einwänden unterliegt die einst io enthusiastisch verteidigte Lehre Lamorcks, der die Entwicklung nicht auf zufällige Auslese zurückführt, sondern annimmt: vermehrter Gebrauch eines Organs bildet dieses aus, Nichtgebrauch läßt es ver« kümmern. Diese Lehre steht und fällt mit der Annahm« der„Ver- „Jehi müssen wir die bargeldlose Aufnordung einführen." hard, zweckmäßiger erschien, daß der neu« Gatte dieser Frau nicht als Generaldirektor des Hauses Ullstein auftrete. Franz Ullstein strengt« wezen der plötzlichen Abberufung von seinem Amt« Zivil- klage an und erhob weitere Klagen aus Unterlassung der seine— inzwischen wieder von ihm geschiedenen— Frau betreffenden Be« hauptungen. In Verbindung mit diesen Zioilprozessen sind von den Parteien eine Reih« Schriftsätze an das Gericht eingereicht worden. Zum Teil sind sie auch als Rundschreiben oerschickt Dr. Fraizj Ullstein vclöfsentlichte außerdem im Tagebuch einen Artikel..Die Autoren des Üllstein-Roman«�, der Georg Bernhard Anlaß zu seiner Privat« klage gab. Di« üble Nachred« erblickt er in der Behauptung, er hätte bewußt ein« falsch« Behauptung über angeblich» Spionage» t ä t l g k e i t der Frau Ullstein in die Welt gesetzt. Zu Beginn der Verhandlungen oersuchte Amtsgerichtsrat Bues. einen Vergleich zwischen den Parteien herbeizuführen! er berief sich dabei auf Unterhaltungen, die er bereits früher mit den Vertretern der Parteien geführt hat. Rechisonwalt Otto Lande- b e r g ist als Vertreter Bernhards der Ansicht, daß ohne VerHand- lung und ohne Vernehmung wenigstens einer Reihe von Zeugen eine Grundlage zum Vergleich nicht gefunden werden könne. Dr. Franz U l l st« i n erklärt sich seinerseits zu einem Vergleich bereit, falle Bernhard«In« Erklärung abgeben würde, daß er die Frau Ullstein-Gräferfberg zu Unrecht der Spionage bezichtigt habe. Georg Bernhard erklärt«, er Hab« die Frau des Beklagten Dr. Ullstein nie„verfolgt", vielmehr selbst sell Monaten unter den gegen ihn veröffentlichten Beleidigungen Unendliches gelitten. Nun müßte damit ein Ende gemacht werden. Cr habe sich au» Rücksicht auf das Haus Ullstein bis setzt die größte Zurückhaltung auferlegt, verlange aber jetzt, daß die Tatsachen m öffentlicher Verhandlung festgelegt würden. Der Angeklagte Bornstein erklärt sich mit einem Berglcich-In« verstanden unter der Bedingung, daß Prof. Bernhard an Frau Rosi Ullstein einen Brief des Inhalts richtet, daß der Vorwurf der Spionage gegen sie falsch sell Die Vergleichsverhandlungen sind gescheitert. Es wind deshalb In die Verhandlung eingetreten, die noch andauerll erbung erworbener Eigenschaften', für die aber bisher noch nicht ein einziger vollgültiger Beweis erbracht worden ist. So hat denn die M u t n t i o n s l e h r e heute die größten Chancen, und sie ist es auch, die durch die erst vor wenigen Wochen veröffentlichten, bahnbrechenden Untersuchungen von Victor I o l l o s- Dahlem eine große Stütze erhielt. Theoretisch schien es seit langem klar, daß man dem Rätsel der Entwicklung nur dann aus die Spur kommen könnte, wenn es gelänge, ein„gerichtete" Entwicklung ermöglichendes Prinzip zur Erklärung heranzuziehen. Durch immer wiederholte Einwirkung höherer Temperaturen während eines bestimmten Larvenstadiums gelang es nun, t ü n st» l i ch e Erbabänderungen in einer ganz bestimmten Rich- tung zu erzielen: Dunkelrotäugige Fliegen wurden zu hellrot- äugigen, zu gelbäugigen, bis weitere Wärmeeinwirkung schließlich zum extremsten Fall, zur völligen Weitzäugigkeit der Fliegen führte. Niemals gab es einen Rückschlag, stete verlief die Entwicklung unter dem Einfluß des fortwirkenden und wiederholten Außenweltrcizes in der gleichen Richtung. Dieser Nachweis gerichteten Mutierens" bedeutet einen grund- sätzlichen Fortschritt, ist doch endlich ein bisher vermißtes Prinzip in der Entwicklungslehre gefunden worden— ein Prinzip, das nicht durch geheimnisvolle innere Bedingungen und Wandlungen des Keimplasmas, sondern durch Veränderung allgemeiner Außenwelt- saktoren gegeben sst. Damit ist der Schleier der Maja'wenigstens an einer Stelle gelüftet, wenn wir auch, wie der Vortragends nachdrücklichst betont, noch weit davon entfernt sind, die„große Entwicklung", das Aufsteigen von der„Amöbe zum Menschen", damit schon voll zu be- greifen. Vorläufig jedenfalls bleibt uns nur übrig,„Höherentwick- lung" als einen in sich autonomen und nicht durch Anpassung per» nrsachten Prozeß, als Grundmerkmol des organischen Lebens über- Haupt, aufzufassen. Dr. Lily BmLerg. Schließung des Rheingold. Jährliche llnterbilonz von lOOOOO Mark. wieder ist ei« großer, bekannler Berliner Rcstaurolionebelrieb In finanziellen Schwierigkeilen. Es Handell sich um da» Weinhaus Rheingold am Potsdamer Platz, das dekannllich zum A s ch i o g e r- Konzern gehört, wie wir erfahren, hat der verwallungsral der Aschinger A.-G. beschlossen, den Betrieb de» weiohause» Rheingold wegen der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage zum 30. April stillzulegen. Talsoche ist. daß da» Weinhaus Rhelngold schon sei» Zahren, wenn nicht mit Unlerbiianz, so doch ohne Gewinn arbeilet. Der letzte Abschluß weist eine tatsächliche llnterbilonz von 700 000 w. aus. Wie wir weiter erfahren, beabsichtigt der Afchinger-Konzern, den Betrieb zunächst für einige Zeit zu schließen, um das Personal zu entlassen. Zur Entlassung würden etwa 300 Personen kommen, die zum Teil schon vor dem Kriege im Wein- Haus Rheingold beschäftigt Maren Im Afchinger-Konzern will man offenbar eine„Verjüngung" des Personals durchführen und nach der Entlassung, etwa im Herbst, den Betrieb wieder eröffnen. Man trögt sich dabei mit der Absicht einer Umstellung des gesamten Betriebes. Der Führer des Zaca-Aufstandes. der vom Kriegsgericht zum Tod« verurteilt worden war, Ist vom spanischen König begnadigt worden. Die Begnadigung erfolgte unter dein Druck der sozialisti- schen Gewcrkschasten. Sie hatten für den Fall, daß die Beguadi- gung nicht erfolgen sollte, für Freitag den Generalstreik angekündigt. „David Golder." Ein Meisterwerk der französischen Mlmkunst. Ein Film, der in Frankreich großes Aufsehen gemacht hat, wurde uns von der Deutsch-Französtschm Gesellschaft zusammen mit der Tobis in einer Sondervorstellung des C a p i t o l s geboten. „David Golder", der auch als Buch in Frankreich ein großer Erfolg war, ist die Tragödie des Reichtums. Der häßliche, alte, jüdische Börsenmann, der es zu großem Reichtum gebracht hat, ist das Opfer seines Geldstrebens geworden. Er ist abgebraucht, törper- lich erschüttert, niemand liebt ihn. Die eigene Frau, die ihn ganz offen mit einem anderen betrügt, die«igen« Tochter, die mit ihm spielt, um immer mehr Geld aus ihm herauszulocken, sie alle nutzen ihn nur aus. Als Mensch eristiert er gar nicht für sie, sondern nur als Geldquelle. Er zieht sich, da er sich nicht länger für die Parasiten hergeben will, völlig vom Leben zurück, und erst die Not seiner Tochter treibt ihn zu neuen großen Unternehmungen an. Cr Ichließt mit der Sowsetregierung einen großen Petroleumvertrag ob Urt!) stirbt auf der Heimreise von Ruhland mitten in dem jüdischen Milieu seiner Kindheit. Ein junger Jude, der nach Paris will, wird sein Erbe und Testamentsvollstrecker. Der Roman und im Anschluß an ihn der Film setzen die große Linie der französischen Literatur seit Balzac fort. Er greift mitten aus dem Leben ein Vroblem heraus, das in allen Jahrzehnten wiederkehrt, aber er gibt ihm die momentanst« Zuspitzung und den unmittelbarsten„Ausdruck" Der Regisseur Duvioier findet für den Stoff die kongeniale Filmform. Alles ist weit und groß in diesem Film, nichts ist Mittelmaß und verbrauchtes Klischee. Das mondäne Leben der im Reichtum degenerierenden Schicht(hier in Biorritz) ist noch nie so eingefangen worden. Der Film schreckt auch vor keiner Kühnheit zurück: die Auseinandersetzung auf Leben und Tod zwischen dem todkranken Mann und seiner Frau, die ihn eben erst bestohlen bat und ihn rücksichtslos martert. Seht wirklich bis zum Aeußersten. Dazwischen gibt es herrliche Bilder der Pyrenäen- landschoft und ruhiger Landarbeit. Die Darsteller sind auf der Höhe der Aufgabe, nirgends ist seichte Parodie, wozu da? Milieu anreizen kömite, sondern überall echtes Leben, wenn auch In seinen Ent- nrtungserscheinungen. Vor allem gibt Harry Baur dem David Golder das Format und die Größe, die unsere Anteilnahme bedingt. „David G o l d e r" wirkte auch in der französischen Sprache auf dos deutsch« Publikum nachhaltig. D, „Bei der Wirtin Rosenrot." Theater des Westens. Bier Bilder aus Alt-Prag von Paul Knepler. Dazu Musik von Leo Ascher. Kein« Operette, eher Volksstück vom allen Schlag. Mit Gemüt und Humor. Mit volkstümlichen Figuren aus jener kleinbürgerlich-jüdischen Welt, die ein Stück des alten Oesterreich gewesen fft. Unter tätiger Mithilfe eines prinzlichen Studenten, der sich in die Tochter der Wirtin„Zur goldenen Gans" verliebt, droht Alt-Prag in Mt-Hetdelberg umzuschlagen. Aber Herz und Verstand der Mutter, dazu der Mutterwitz Ihrer Rasse, retten die Familien- ehr« und zugleich die Tradition dieses harmlos-netten Thcatergenres, dos keine erotischen Errtgleisungen duldet. Bon beträchtlicher Horm- lcstgkeit ist auch die Musik, die populäre Marsch- und Tonztypen i bevorzugt und kitschiger Operettenrasfiniertheit konsequent ausweicht. � Saubere Aufführung, ein freundlkcher Abend— aber beinahe zum j künstlerischen Ereignis wird er durch Gisela W e r b e z t r k. In der paradoxen Kunst, zugleich abstoßend und liebenswert zu sein, hat diese wunderbare Schauspielerin nicht ihresgleichen: ihre Jargon- komik ist durch Persönlichkeit fublimiert. K. P. Die Zukunft der Schauspielschulen. Di« Krise der staatlichen Schauspielschulen in Berlin wird die Zusammenfassung der wesentlichen Schauspielschulen beschleunigen. Durch den Tod Berthold Heids ist auch die Reinhardt-Schule ihres Leiters beraubt worden, und die Weitersührung des Betriebes wird wesentlich bereits von dem Gesichtspunkt einer möglichen Zusammen- legung der Reinhardtschul« mit der staatlichen Schauspielschule ge- leitet. Die Vorbesprechungen darüber stnd schön im Gange. Dazu loMnit, daß auch die einzelnen Klassen, die zur Zelt vernmlst sind, leinen Neuen Lehrer bekommen sollen, weil man schon setzl damit rechnet, daß man einen Teil des Lehrerperjonals der staatlichen Schauspielschule in die neue Reinhardtschul« mit hinübernehmen muß. In diese m Zusammenlzairge wird auch davon gesprochen, daß möglicherweise auch die Jlka-Grüning-Schule in die neue Kombi» natiön Mit«ingeschlossen werden soll. Sfc Die paritätische Schulstell« des Deutschen Bühnenver- eins und der Genossenschaft Deutscher Bühnenan» gehörigen hat von dem Antrag im Preußischen Landtag, die Staatliche Schauspielschule in Berlin stillzulegen, mit der größten Besorgnis Kenntnis genommen. Di« Verhältnisse an den deutschen Bühnen erfordern dringend eine staatliche Führung des Theater- Unterrichtes, und die Erhaltung der ersten staatlichen Schauspielschule Ist die wichtigste und dringendste Voraus- setzung für die Förderung und Gesundung des deutschen Theaters und die Regelung seines Nachwuchses. Käthe Kollwih in Reutötln. Sonntag fand die Eröffnungsfeier der Käthe-Kollwitz-Ausstellung im Gesangssaal der Mädchenmillelschule, Donaustraße 120, statt. Die Feier wurde eingeleitet durch musikalische Darbietungen der Volks- Musikschule: ein wirkungsvoller Chor mit Orchesterbegleitung, eine Komposition zu dem Gedicht von Heinrich Lersch: Heilige Flamme. Danach begrüßte der Vorsitzende des Volksbildungsamtes. Stadtrat Dr. Löwensteln, die Anwesenden, insbesondere Frau Käthe Kollwitz. Eine Schülerin der Käthe-Kollwitz-Schule dankte der Künstlerin dafür, daß sie der Schul« gestallet hatte, den Namen Köche- Kollwitz-Schule zu führen und überreichte als Gruß der Schule einen weißen Fliederstkauß. Nachdem Dr. Adolf Bchne in großen Linien das schöpferische Werk der Käthe Kollwitz gedeutet hatte, wurde die Ausstellung besichtigt. Diese Ausstellung gewährt zurzeit die umfassendste Schau über das Gesamtwert der großen Künstlerin. Sie ist den Schulen vor- mittags von 10 bis 13 Uhr zugänglich, für jedermann in den Nach- Mittagsstunden von 14 bis 18 Uhr, Organisationen und kunst- interessierte Kreis« können nach vorheriger Vereinbarung mit dem Volksöildungsamt Neukölln(1" 2 0011, Ltg. 24) in der Zeit von 18 bis 22 Uhr die Ausstellung besichtigen. Auch an den Sonntcfoen können Besichtigungen und Führungen in der angegebenen Zeit stattfinden. Der Film„Das Lied vom Leben" für die OeffenlNchkell verboten. Die Oberprüfstelle hat am Mittwoch den Granowsti-Fllm„Das Lied vom Leben" für öffentliche Vorführungen verboten. Zugelassen ist der Film lediglich für geschlossene Veranstaltungen von Aerzten und Medizinbeflissenen. Der kurzen Begründung des Beschlusses ist zu entnehmen, daß das Verbot der öffentlichen Vorführung in erster Linie«rfölgt«, weil die Kammer in dem Film Uberraschenderweis« «ine„Herobwürdigungder Ehe' erblickt.(Umgekehrt hatte der Vorsitzende der unteren Kammer angenommen, daß es sich hier um freie Eben handle.) Der Regisseur Granowski beobsschtigt nun- mehr den Film einer Bearbeitung zu unterziehen und von neuem der Filmprüsstelle vorzulegen. Vros. Aloldenhauer. der frühere ReichSminilltt, wurde znm Honorar» vrosesfor in der Faiuliät sür Allgemeine Wissenschasten der Technlichen Hochschule Berlin ernannt. „Orpheus INeaylM", Tanzdiama von Felix Emme!, datgeslellt i>on der Tänze' giupve 1980 in der Choreonapdie und unier Lebung von Margaret« Ballmann wird erlimaiig in Berlin im Rahmen de: 1. dieSIädrlgen Tanz- moiinee der PoikSbllhne gezeigt werden, die Sonntag, vorm. tlft, Nbr Im Theater am Bülowplatz statiflndet. Einlahkarien iouch für Richlmiiglieder) 4, 3, 2 M. bei Werl heim, TIetz, Boie U. Bock und an der Kasse de» Thcaier« am Bülowplajj. Da««UpjelsllchtoblaeN der kloallichcn Museen, das bisher um 8 Uhr geschlossen wurde, soll tlinsiig rnick in den Abendssunden zugänglich gemacht werden. Solang« die kfllstiliche Beleuchtung noch nicht seiliggestellt ist, soll während der helleren Jahreszeit, oll» etwa vom 1. Älai an, da» Kabinelt au mehreren Nochenlagen wenigsten» bi» zum Sinirlil der Dunkelheit geäffnei bleiben. Auf dem«esellschastsabend der Deutschen Sunt gemelnschai« bei Kroll am Sonnaber d Wirten hervorragende künstlerische Kräiie mit. wle R tred vraun, Cornelis Vron»gecN, Paul Krach, Karl Jäten, Käibe Jöken-König. Agne» Schulz-Lichierfcld, serner ckilgenie Nitolasewa, die erste Soloiänzcrin der Slaatsoper, die norwenstch« Tänzerin Helga Norman und da» Tänze, paar Adelheid Beeck und Rols Arco. Für die Tombola haben zahlreiche Maler und Bildhauer werivolle Werke zur Beifügung gestellt. 3» der 1 ronia spricht Freitag, B'l, Mir, Im Hau» der Technll der Dtiettor der Hygiene AkadeM'e Dresden, Prof. Walter WeiSbach, über da» Thema:.Arbeit. Sport. Gesundheit". Lehrgänge der Stoa llchen yauplstelle iür den wlftenschnfiltchen Anlerricht finden auch im lonrmenden Sommer balbjahr statt Der Nachdruck ist aus die praiiiick-tkchnische Arbeit der KdrsuSteilnehmer gelegt. Nähere Auskünfte Berlin 53 35. Potsdamer Straße liO(vom 1. AprU ab: NW 40. Invaliden- straße 57;6i) Seht sie euch an— die Leute aus dem bürgerlichen Sportlagerl -asie die von interessierter Seite so oft betonte politische„Netn icatilät" der bürgerlichen Sportvereine aussieht, zeigen zwei Bei- spiele aus der letzten Zeit. Der bürgerliche Schwimmvereip in Verden a. d. Aller, der sich vor zehn Jahren von der Deutschen Turnerschast abgesplittert hatte, löste sich in seiner Hauptversamm- lung am 20. Januar 1931 auf und beschloß, sein Vereins- oermögen dem Stahlhelm zu überweisen. Der Stahlhelm ist bekanntlich unpolitisch!— Als 1930 der Bremer Bund für Leibesübungen(Spitzenorganijation des bücger- lichen Sport in Bremen) es absehnte, an der staatlichen Bersassungsfeier keilzunehmen, ivurd« dos in der Oefsentlichkeit aus den l5insluß her Nationalsozialisten zurückgeführt. Daß diese Annahme zutressend war, bewies hie letzte Sitzung der staatlichen Behörde für Leibesübungen in Bremen. In ihr war die Wahl des Rechnungeführers wieder vorzunehmen, Diesen Posten hatte bisher ein Funktionär aus dem Arbeiter sportlager inne- gehabt. Ohne Vorbehalt stimmten die zwei Vertreter des Bundes für Leibesübungen für den Nazi- h a u p t m a n n a. D. W e i g a n d I Bor drei Jahren standen die Vertreter der Bremer bürgerlichen Sportorganisationen unter dem Einfluß der Hausbesitzer, und jetzt stehen sie unter dem Einfluß der Nationalspzialisten. Hie Bremer Arbeiterspprtler beantworten diese Entwicklung im anderen Sportlager mit einem erhöhte» Wcrbeunternehmen. Frick verbietet sportliche Betätigung Die neueste Tat des Kullurbringers für ein drittes deutsches Reich, des nationalsozialistischen thüringischen Jnnemninisters Frick, ist eine Verordnung vom 14. März, nach der ab Sonntag. IS. März, an den Sonntagpormitlagen bis K12 Uhr keine sportlichen Wettkämpfe stattfinden dürfen. Die Geraer Polizei« direktion zum Beispiel hat die Sportvereinsleitungen sofort am 15. März früh davon in Kenntnis gesetzt. Polizeistreifen haben am Vormittag die Seroer Sportplötze abgesucht und selbst einzelnen Sportlern das Training verboten. Und das nennt sich Kultur- spftschritt als Vorbote des dritten deutschen Reiches! Den Kanonen alles- den Arbeitslosen nichts! Wer die Spesen bei den bürgerlichen Fußball- vereinen erhält, das können am besten die Leute beurteilen, die mitten im Setriebe des Deutschen gußballbundes stehen und in deren Händen ein gutes Teil der Fäden aus den Vereinen zw sammenläuft. Zu diesen Leuten gehört auch Herr v. Mengden, der Hauptschristleiter des westdeutschen amtlichen Blattes vom Deut- schen Fußballhund und der Deutschen Sportbehörde, v. Mengden schreibt in Nr. g des„FstL.�: „Die sozialen Taten ereignen sich immer bei den Spielen der ersten Mannschaften. Den Jugendlichen, denen das Elend aus allen Flicken abgetragener Anzüge lquert. werden n i ch t e! n- mal warmer Kasfee wahrend der Halbzeit, geschweige Schinkenstullen nach dem spiel serviert: für die unteren Mannschaften kommt das ebensowenig in pirage, bei ihnen denkt auch keiner daran, den aus ethischen Gründen so sehr zu ver- antwortenden Zujchuß zur Arbeitslosenunter- st ü tz u n g bereitzuhalten. All diese an sich so durchschlagkrästigen Argumente gelten nur für eine gewisse kleine Gruppe von Spie- lern-- weil diese etwas leisten! Unserem Erachten nach gibt es auch im Sport und gerade in ihm einen sozialen Imperativ. Aber die Pflicht, Kameraden zu helfen, hört da nicht auf, wo es mit per Zugehörigkeit zu ersten Mannschaften xi>, Ende hat." Die Spieler der unteren Mannschaften sind schön dumm, daß sie sich solche Verhältnisi« gefallen lassen, Sie mögen den DFB,- Vereinen den Rücken kehren. Vor dem Ende Tietxw-Thollembeek in der Spitzengruppe Heute abend um 11 Uhr geht das 23. Berliner Sechs- lageren N«n zu Ende, nachdem die Fahrer in der letzten Stunde alle zehn Bunden«in» Wertung bestritten haben werden. Jn der letzten Nacht ging es etwa» lebhafter als in der süflften zu. Das bemerkenswerteste Ergebnis ist das Aufrücken der Mannschaft Tietz-Thollembeek in die Spitzengruppe. Die vorherigen Kämpfe änderten trotz der Rundengewinn« nichts am Stand des Rennens. So holten u. a. nach 11 Uhr die um drei Ver- lustrunden fahrenden Foubet-Morcillac, Krüger-Funda, Mamhey- Nickel und die mit sechs Runden Rückstand im Pennen liegenden van Kempen-Ehmer gemeinsam eine Runde auf. Gleich daraus er- ziellen auch vqn Hevel-oan Buggenhout diesen„Gewinn". Alles völlig belanglose Rundengewinne, die noch dazu vom Publikum hei- fällig ausgenommen wurden. Um 1 Uhr stellt« Kroll infolge seiner beim Kuroenrutsch zugezogenen Knieverletzungen die Weiter- fahrt ein. Miethe bleibt Ersatzmann. Die Spurtenden der L-Uhr-Weptung waren: van Boggenhout, van Kempen, van Kempen, Pijnenburg, Fandet und van Kempen. Bis zur 4- U h r- W e r t u n g ereignete sich nichts mehr. Auch einige Prämien permochten das öde Rundenziehen wenig zu unter- brechen. Stochdem pon Buggenhout, Manthey, Faudet, von Kempen, van Kempen und Ehmer in den Spurts als erste da- Ziel passiert hotten, erwischte Tietz einen günstigen Augenblick zum Ausreißen. Nickst lange währte es und der Rundengewinn war vollzogen: Äetz- Thollembeek sind nun mit in der Spitzengruppe'. Der Stand des Rennens ist folgender: 1. Pijnenhurg» Schön 289, 2. Tietz-Thollembeek 123: eine Runde zurück: 3. Dinale-Goebel 283, 4. Rieger-Maczynski 105: drei Runden zurück: 3. Krüger-Funda 163, 6. Manthey-Nickel 132, 7. Fapdet- Marcillac 119; vier Runden zurück: 8, vqn KempemEhmer 272: fünf Runden zurück: 9. van Hevel-oan Buggenhout 106 Punkte. Bei Eintritt der Bormittagsneutralisation um 6 Uhr früh hatte das Feld 2989 Kilometer zurückgelegt. Pistulla— Europameister! Knapper Punktsieg des Deutschen Der deutsche Boxsport hat zum zweiten Male einen Europa- meister in seinen Reihen. Ernst P i st u l l a schlug in der Nacht zum Donnerstag in Valencia im Titellampf den spanischen Meister M a r t i n e z und eroberte sich damst den Titel. Aus Weltmeister Max Schmeling folgte also Ernst Pistulla als zweiter deutscher Europameister im Halbschwergewicht. Schmeling schlug 1923 in Berlin den Italiener Bonaglia in der ersten Rund« l. o. Mehr als 33 000 Zuschauer hielten am Mittwoch abend die ge- räumige Stierkampfarena in Valencia bis auf den letzten Platz besetzt, als Pistulla und der Spanier Martinez in den Ring kletterten. Für den Spanier gab es sofort Beifall. In der Ecke Pistullas leitete Breitensträter die letzten Vorbereitungen. Als der französische Ringrichter Scheman den Kampf beginnen lieh, war Martinez mir echt südlichem Temperament sofort an seinem Gegner, ohne den Deutschen jedoch wirkungsvoll treffen zu können. Allmählich stellte sich aber Pistulla aus Martinez ein und konnte einige Male Wirkung«- voll kontern. Heftiger Schlagaustausch belebte die ersten Runden, dann wurde der Kamps zeitweilig monoton. Nach acht Runden wäre das Treffen unentschieden zu geben gewesen, wen» auch Pistulla me�st defensiv boxte. Nach und nach machte sich aber doch das bessepe boxerische Können von Pistulla be- merkbar. Bon der neunten Runde ab bekam der Deutsche Oberwasser und war in den drei letzten der 13 Runden sogar deutlich überlegen. Totenstill wurde es, als der Schlußgong ertönte. Dann hob Scheman den Arm des Deutschen und erklärte ihn zum Sieger nach Punkten. Ein ohrenbetäubendes Pfeiskonzert setzte ein, die Menge protestierte gegen das zweifellos richtige Urteil. Als Martinez schließlich den Ring oerließ, mußte ihn die Polizei vor den allzu stürmischen Beifallsbezeugungen seiner Landsleute schützen. Waldlauf m Hennsdort Am Sonntag, 22. März, treffen sich die Läufcrinnen und Läuser der zur f. Gruppe gehörenden Vereine in Hermsdors an der Nordbahn. Als neue Bereine werden sich an dem Laus beteiligen: Freie Sportvereinigung Niederschönhausen, ASV. Wedding, Volks« spart Wedding u u. Vom Bezirk Hermsdors der FTGB. als gast- gebendem Verein sind alle Vorbereitungen gatrofsen, so daß in diesem Orte eine wiikungsvolle Propaganda für den Arbeitersport gezeigt werden kann. Boginn des Laufes ist um 14 Uhr an der Schule Freiherr-von-Stein-Straße. Die nachsolgend benannten Straßen werden durchlaufen: Roon-, Kaiser-, Bismarckstraße bis Watdterrasfen, dann durch Waldgebiet zurück durch die Bismarck« stvaß« bis zur Schul« Frechcrr-oon-Stein, Straße. AI» Abschluß der Beranftaktung wird eine Feier im Vereinsheim der FTGB.- Hermsdors die Teilnehmer zusammenführen. Tum Stadteschwimmhampk Berlin— Magdeburg— Leipzig Wie wir schon mitteiUen, werden sich Berlins Arbeiter- Schwnmner am Sonntag mit ihren Leipziger und Magde, b u r g e r Genossen ein«» hochmteresianten Städtetamps liefern. Ein« Beurteilung über den voraussichtlichen Ausgang des Kampfes ist nicht leicht, alle drei Städte nehmen ein« gute Stellung im Schwimmsport ein. Ein« Durchsicht de? Weltkämpf« gibt jedoch einige Fingeazeige. Da ist zunächst die einleitende 10 X ö0-Meter-Araulstasfel, deren End« zwischen Leipzig und Berlin liegen wird. Im Frauenbrust- schwimmen, 100 Meter, hat Leipzig Aussichten, knapp gegen Berlin siegreich zu fein. Allerdings starten hier ebenso wie im 100-Metsr- Frauen-Kraulschw'lmmen von jeder Stadt zwei Schwimmerinnen, deren Plazierung gemeinsam bewertet wird. In der Männerlagcn- staffel 8 X 100 Meier sollt« Berlin mit Larsprunz siegreich bleiben, ebenso in der großen Männerkraulschwellstaffel über 80, 100, 180, 200, 130, 100, 30 Meter, m der der Sieg sogar sehr überzeugend werden dürfte, da Berlin über ein« ganze Reihe tüchtiger Kraul- schm immer verfügt. Im Springen der Männer kann man Magde- bürg Chancen zusprechen, während das Kraulschwimmen der Frauen über 100 Meter ein« sichere Beute Berlins fein wird. Die dann splgende Wännerhrpstschwolkstafsel 30, 100, 200, 100, 30 Meker kann man dagegen als völlig offen bezeichnen. Viel Interesse wird den Wasserballspielen entgegengebracht werden, bei denen zwei Ausw.chl- mannschasten Berlins gegen Leipzig und Magdeburg, antreten werden. Man erwartet in Heiden Spielen Berlins Vertreter siegreich. Umrahmt und unterbrochen werde» die einzelnen Konkurrenzen durch intern« Vorführlmgen und Wettkämpse Berliner Dereine, was bestimmt eine wertvoll« Bereicherung des ohnehin großartigen Programms bedeuten rpird. Zusammenfassend kann gesagt sein, daß Berlin einen knappen Sieg erzielen dürft«, allerdings darf nicht außer acht gelassen werden, daß auch Leipzig und Magdeburg fleißig für diesen Kampf geübt haben, ein« Ueberraschunz also nicht aus- geschlossen ist. Ein Besuch des Festes ist allen Freunden der Arboiterschwi.mmer zu empfehlen. Es findet in der prächtigen Schwimmhalle des Stadtbades Mitte in der Gartenstrahe statt. Beginn 15 Uhr. Eintritt 60 Pf. und 1 M. Die Republik kracht D«r lommunistisch« Allerroestsverein„Ficht e" hat mit seiner Wandersporte, die ihm«inst zu neuem Aufschwung verholfen hatte, picht viel Glück gehabt. Es waren da einige Leute drin, die sich eine» eigenen Kopf bewahrt hatten. Nuntiat Fichte sich eine richtige Psadflndergruppe zugelegt und hofft, mit diesem bürgerlichen Speck junge Mäuse zu sangen. Natürlich mutz so«ine Gruppe auch ihre Zeitung haben. Darin werden allerlei erbaulich« Ge- schichten von der sowjetrussischen Herrlichkeit erzählt. Auch Komso- Molzenbriefe aus Moskau fehlen nicht. Daneben muß natürlich«in wenig auf die deutsche Republik gehetzt werden, und das besorgt man recht nett in Reklameversen für die„Junge Garde*, das Organ der lommunistischen Jugend. Das geht so: „Denn unsere jung« Garde, Di« lxiegt lein Bonze tot Trotz Hitlers Kriegsparad« Und Seoerings Verbot. Sie wird jetzt Tageszeitung, Di« Republik» kracht, Den» unsere junge Garde Kämpft für die Sowjetmacht." Und sowas schimpft, daß die Republik ihm kein Geld geben will! Ostprcu£cnfahii des ADAC Aus einem gewogten Versuch im Jahre 1923, aus Matorrädem innerhalb von vier Tagen die ganz« Provinz Ostpreußen z« durchstreifen, hat sich in steliger Forteirtwicklung eine Veranstaltung herausgebildet, die am 1. und. 2. Mai zum 7. Male stattfindend. heute das größte motorsportliche Ereignis des deutschen Ostens dar» stellt. Der Gau 8a des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs als Ausrichter der vom Gesamtklub ausgezogenen Veranstaltung, ist eifrig mit den Vorbereitungen beschäftigt, um der Fahrt wieder den gewohnten großen Erfolg zu sichern. Zwar stellt die Prüfung, deren Fahrstrecke gegen früher um das Doppelte angestiegen ist, keine Zerreißprobe dar, dajür wendet sie stch in erster Linie an den Fahrer selbst. Er lall hier unter Beweis stellen, daß in seiner Hand über lange Strecken auch ohne Führerwechsel � beträgt dach dre in zwei Tagen zu bewältigende Gesamtentsernung 1400 Kilometer•— das Kraftfahrzeug«in absolut pünktliches und zuverlässiges Verkehrs- mittel ist._ Ausbau der AHA- Autohilfe Di« gemeinnützige Unternehmung„A H A- A u t a h i l f e" baut ihr Netz immer mehr meb mehr aus, so daß sie in der letzten Zeit die Strecke von Hamburg über Lübeck nach Travemünde dem Ver- kehr übergeben konnte. Augenblicklich wird die Streck« Berlin— Eberswalde über Eberswälds hinaus bis Stettin gebaut und am 24. d. M. in Benutzung genommen. Anfang April werden einige Strecken im Freistaat Sachsen begonnen, und zwar Halle— Leipzig— Dresden, Dresden— Chemnitz und Chemnitz— Leipzig. Auf der Auto- mobilausstellunz konnte die AHA-Autohilfe gute Erfolg« buchen. Sie gewann während der Dauer der Ausstellung über 70 AboMenten und etwa 30 Interessenten, von denen sich nachträglich auch noch mehrere zum Abonnement entschlossen. Sinder-Werbeiurnen in Pankow. Freitag. 20 März. 18 Uhr. werden in der Turnhalle Schönholzer Straß« 10(Fernheizwerk) die Kinder der Fr«!«» Turnerschast Graß-Berstn. Bezirk Pankow, für ihren Turnbetrieb werben. Sie werden zeigen, wie es auf ihren Turnabenden zugeht, wie sie fröhlich sind und wie sie sich bemühen. ihren Körper zu schulen. Si» laden aste Eltern und ihre Kinder herzlich ein. heraussordervogskämpf» im Ringe«. Um den Arbeiterath laien eine Kampfmöglichteit zu geben, veranstalten die Berliner Bexeine Herausforderungsringkämpfe. Für seine kampfstärksten Ringer hat der Sportoerein„Tegel 1899" die Besten aus den Vereinen„Alt- Wedding" und.Lichtenberg-Friedrichsfelde 04* für emen Kamps- abend verpflichtet. Am Freitag 19,30 Uhr, treffen in der Humboldt Hochschule in Tegel, Graf-Roedern-Kprso. di« Gegner aufeinander. Schüler ringen im Monnschaflskomps. Die beiden Schülermannschaften der bundeetreuen Arbester.Alhletenoereine„Alt- Wedding" und„Tegel" stehen sich heute abend in der Turnhalle Utrechter Straße im Monnschaftsringen gegenüber. Beginn der Kämpfe 19,30 Uhr. Der Tauristcnvereia„Di« Mkurfreunhe", Reisebüro, teilt mit. daß die Prospekte aller Ferienreisen der Naturfreunde, die im „Abend" vom Mittwoch angezeigt wurden, durch das Reisebüro, 91. 24. Iohannisstraße 14—15, zu haben sind. V»orta!i«ilvm> Sottrico. Surto«, 30 Uhr. Strfarnmhm««3er Sorfe-i- fpiel« im Bezirk»!« tal. Scrpiiins hie«vieler her l. MamllÄaft milficn weg-» de» Sciel» in tpiihus erscheine», RS6®.,©efie». Heut« SnmnaftilaSenli fite«Be l» der xurnd-Be Äulmec ctr. Irv Der"Rnbciucwin ,««n»ärt»" Berlin, t. O. nimmt n»Ä mäiueliche Mit- glieder Wer 18 Söhre auf. Parieiaeno-lsen und GeroeMhaftslaBegen h-rh.'n lefit Sefegenheit, im S'udern onsgehtütt jui werden. OLurfuirft erteilt®uftüu SUitfet, Verlin-Weikeasee. Slennbahnftr, 33. fttei« fienu'U»!»» teroh. Berlin, c.«.«16t Ohetfpeee: ffteita«, 20. MZr,, 30 Übe. Sitiung,„Sur eiche»1, SmlSfin. Sa ier-zeiedrich. Ecke Saaleflroftc. «dt Havel! So NN tag, 22. März,«rbcitäbicr.fi im BooUbeus. Sfloieftäni« sind noch frei. Mi'nkieder, auch ohne Boot, werd-n aufgenvunnen. zeutralanfchriit! Hri» ffiraf, Berlin, SieimÄnbocfer Str. M. ftinbctlciiet im«rbeiter-Tur». und Svvrtbun». Am 21. und 23. Mär» findet in der NrelSgeschäftestille die»aagu»-! der Be»!r!-. und Grupunikinpe feitet sigtt. Beginn eümnadend, 11 Uhr. Sann'ag, 8 Uhr, nur für Betiiz. und©tuptwntir.ictlcHct in der Turnhalle Bauchestrone. Anschliechcub. 11 Übt, SitWjng. 3u der Tagung am Eannadend in der Areisgeschäftastelle sind gntee- «sfieeie»uftelassen. Touriftenveeei»„Sie Ziaturseeinde", zentrale Wien. Freitaa, tD. Mär», 2« Uhr. Abt. Ebarlattenbura: epreeftt. 30:„Der Film für un»".— RoItbooL. obteilunq: Iabannidstr. 15:„Uclcubskihrtf 1",«bt Br(»: Schaulseestr. IN: Singgbend.— Iugendgruppe Hninbvldibain: Bq»l- Elte PieienftraKe: Bunttr Abend.— Abt. Treptow: Elsen str. 3:„Bon der Häbie»um Sieinbaus" tLichi- bildeti.— Abt. Lichienrade: 1911 Übt bei Deblam, Balinlidi- Säe(Eottiftrasie: SebiirBcimiten.Jietctote.— Abt. Vineiaplatz: Lortiinft- Eck« Stounsttasie.— Abt. Silbofltn: Btisiet Str. 27:„Siitflebirno und Bedeutung der Spart, und Nulturbewegunft".— Phoiogemetnfchast Abt. Osten: Rrankfurter Allee 307.— Bbetoqrmeinfchflft Abt. Neukölln: Beegste 29.- Montag, 23. Mär», 20 Uhr. Bbo'ogemeinschaft: Iobanniestr. 15:„Dämmerung, und Nachtaufnahmen- tWett» bewerbt.— Ralgemeinschaft: Braivgelstr. 128,— Achtung! Sonntag, 22. Mär», Treffen oller rodlobrenden Natursreunbe. Siel: Lanbbeim Meisinersbaf. zentral- tre-ffuunk!: See. Ecke Miillersteasie. 816 Uhr, Ve,!rlstreffp unkte: OconicnpIoR (Roirfuml, Märchendrunnrn. Rriedttchschoin. 7V6 llbr. Sgriell llje AebeUetlvott und Nörperpslege,»«»irt 15, Zrcvtow, veranstaltet am kommenden Sonntag. 32. Mär». 16 Ubr, eine graste Werbeveranftaltung unter Mitwirkung sämtlichlt angeschlossenen Bereine. tcammergericht Segen«Ziehte" Soeben erfahren wir, haß das preußische Sammergerichl verlin als höchste Znstanz in einer Klagesache grundsätzlicher valur zwischen dem kommunistischen Spartverein F i ch t c. Berlin und dem Arbeiter- Turn- und Sportbund zugunsten des Bundes entschieden hat. Es ging in der Klage darum. ot> der Arbeiter Turn- und Sportbuad S. v., Sitz Leipzig, der Rechlsnach- folger des 1893 in Sera gegründeten Bundes ist, oder ob er einen neuen Bund darstellt. Das letztere behauptete Fichte und besiri t, daß der Ev.-Bund das Recht habe. Fichte zu verbieten, sich öffentlich aus P lokalen usw. noch als Mitglied des 1893 gegründeten Bundes zu bezeichaen. Dos Sammergericht hat gegen Fichte ent- schieden. Donnerstag, tS. Mörz. Berjin. 15.30 Dolly Mintz:..Spaziergang durch Riga". 15.40 Dr. Lcbede: Klassikertod. 16.05 Böcherstunde. Fraucnlcbcn. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Jugendstunde. Arbeits- und BerutsverhäKnisse. 17.50 Stunde der Unbekannten. 18.40 Chorgcsänge. 19.00 Von Stockholm: Sven ffedin: Die Ergebnisse meiner letzten Ostaslen- Expedition. 19.30 Dr. Josei Räusclier: Politische Zcitungsschau. 19.45 Unterhaltungsmusik. 20.20 Wovon man spricht 20.45 Orchesterkonzert. 22.00 Letzte Stunde vom Sechstagerennen im Berliner Sportpalast Königswusterhausen. 9.00 Von Hamburg: Schulfunk. Auf einer Schiffswerft. 10.1Q Schulfunk. In einer Qroßmühlc. 15.00 Kinderstunde.,.Frühling kommt." 15.45 Frauenstunde. 16.00 Praktische Beispiele aus dem Bildungsplan der Aufbauklassen. 17.3Q Prof. McrsmanH: Hayimusik 18.00 Prqf. Dr. Fr. Metz, Innsbruck: Deutsches Land and Volk in Sädtlrol. 18-30 Prof. Dr. Atzler: Arbeitsphysiologie and Lebenserfolg. 19.30 Landwirtschaft. 20.00 Von Leipzig:„Karten, Klatsch und Kaffeesatz'*. 21.00 Von Köln; Sinfoniekonzert._ Bellet für Berlin: Fortgesetzt heiter, am Tage mild.— Für Deutschland: Ueberall beständiges Wetter, namentlich, im Osten und Süden noch Nachtfröste.