MorMnausgabe 7lr. 133_ �, -�-��48. Jahrgang Pf., monatlich Z.60 M. � hlbar, Postbezug 4L2M. einschlietzliv) 6O Pf. Postzeitun as- und 72 Pf. Pos!........-' Wochentlut hn voraus I eins«!...... ssostbestellgebühren. Auslands- Dbonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- vovto S.— M. Der„DoLwäßrts� er-cheint wochentäg- lich zweima�Sonntags und Montags einmal, die Äbendausgade für B" und im Handel mit dem Titel � für Berlin .Der Abend" Illustrierte Beilage„Boll und Zeit" Ferner„Frauenstimme". �Technik".„Blick in die Dücherwelt", .Iugend.Dorwärts"u..Stadtbeilage" Kreitag 20. März 1931 Groß-Äerlin 10 Z)f. Auswärts il5 j>f. Die einspalt. Nonparetllezeile 8t) Pf. Meklamezeile 5,— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2b P� (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Ta'tf. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zelle 40 Pf Anzeioenannahm« im Hauptgeschäft Lindenslraße 3. wachen- täglich von 8Va bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Berliner Solksblatt Aentvakovsan der«SoziawemoSvatiLchen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönbofs 292—297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 539.— Bankkonto: Bank dcr Arbetler, Angestellten und Beamten, Lindcnstr. 3, Dt. B.u.Didc.»Ges..Dcposticnk., Jerusalemer Str. 95-66. Kritische Nacht Hermann Müllers. Bewußtlosigkeit und zunehmender Krästeverfatt. Der Zustand Hermann Müllers hat sich gestern abend noch Wetter verschlechtert. Da die Aerzte eine« starken Verfall des Patienten durch den allgemeinen Schwäche- zustand feststellten, wurde gegen 8 Uhr abends neben anderen Mafluahmcn eine Bluttransfusion vorge- nommen. Der Bericht, den die Aerzte am Abend ausgaben, lautet: Ter Zustand des Patienten ist äußerst kritisch. nachdem das Krankheitsbild heute abend noch durch eine Lungenentzündung kompliziert ist. Das Bewußt- sein deS Patienten ist größtenteils getrübt. IL Uhr nachts. Das Befinden Hermann Müllers ist um 12 Uhr nachts sehr schlecht. Tie Körperkräfte nehmen zusehends ab. Ter Patient ist bewußtlos. IS-Millionen-Kredit für Berlin. Auf der Grundlage eines verbesserten Bewag-planes. Der Magistrat der Stadt Berlin hat gestern in außer- ordentlicher und bewegter SiZung das Angebot eines 75-Millioncn- Kredites angenommen, das von den in- und ausländischen Banlengruppen für den Fall gemacht worden ist, daß die Stadt Berlin den hier mehrfach besprochenen Plan der Beteiligung des Privatkapitals unter Aufrechterhaltung des überwiegenden öfsent- lichen Einflusses in den städtischen Elektrizitätswerken annimmt. Die städtische Nachrichtenstolle teilt darüber folgendes mit: Ein unter Führung der Preußischen Siaalsbank lScehandlung) und der Reichskrcditgefcllschaft Zl.-G. stehendes Dankenkonsor- k i u m, dem die Deutsche Bank und Disconlogesellschaft. die Berliner Handelsgesellschaft, die Commerz- und Privalbank. die Darm- städter und Nationolbonk. die Dresdner Bank. Alendelssohn u. Co. und M. Tll. Marburg u. Co., für Amerika Harris, Fordes u. Co.. Otis u. Co.. J. h. Schröder Banking Corporation und die Chase lNalionalbauk. für England?. Henry Schröder u. Co.. für die Schweiz die Basler Handelsbank und für Holland Mendels. lohn u. Co., Amsterdam, und Tleederlandsche Handel-Maalschopplf. 3t. U.. angehören, Hai der Sladt Berlin einen Zwischenkredit von 75 Millionen Reichsmark zu einem Zinsfuß von 7� Prozent ewaeräoml. Die Sladt hat dem Bankenkonsortium zugesagt, mit ihm über einen Plan zur Derwertung der Städtischen Elek- trizilälsiperke zu verhandln, den das Bankenkonsortium ihr vorgelegt hat. Der Plan sieht im wesentlichen vor, daß eine neue Akliengesellschafl mil einem Kapital vcn 2iO Millionen Mark gegründet wird, in die die Berliner Städtischen Elektrizitätswerke und die im Besitz der Stadt befindlichen 15 Millionen Mark Bewag- Aktien eingcbrachk werden. Als Gegenwert fließt der Stadt der Erlös für die Aktien der neuen GcHIschasl zu: serner übernimmt die neue Gesellsstiasl die langfristige unverzinsliche Schuld der Stadl geaenüber der Bewag, die etwa 320 Millionen Mark beträgt, so daß der gesamte Kauspreis 5S0 Millionen Mark belraoeo würde. Die Aktien werden eingeteilt: nominell ISO Millionen �»Aktien. nominell SO Millionen I?-Aktien. echtere sollen doppeltes Stimmrecht haben. Die.�-Aktien sollen dem Privatkapital anaebotcn werden, die H-Aktien sollen von der Stadt Berlin, den Eleklrowerkcn A.'G. und der Preußischen Eleklriziläts-ANienqesell- schaft übernommen werden. Durch diese Regelung behält die öffentliche Hand die Führung. Die Stadt erhält eine Abgabe, die bei steigendem Gewinn entsprechend vergrößert wird. Der Sladt soll serner das Recht eingeräumt werden, die Anlagen nach Ablauf von 25 Zahren jederzeit zu ewem angemessenen Preise zurückzu- erwerben. Sowohl das Bankenkonsortium wie die Stadl hoben sich eine eingehende Prüfung sämtlicher Grundlagen der Transattion ausdrücklich vorbehalten. -o Die Annahme des 7Z-Millionen-Kr«dits bedeutet noch nicht die Annahme des Planes zur Umgründung und Teil- Privatisierung der Städtischen Elektnizitätswerke. Immerhin be- deutet sie eine Bindung. Wenn der Plan nicht angenommen wird, ist der Kredit im Mai wieder fällig. Der Plan hat einige nicht unerhebliche V e r b e s s e- r u n g e n erfahren. Die neue Gesellschaft würde auch 47 Millionen Ctadtschulden an die Bewag aus dem Jahre 1930' übernehmen, so daß sich der gesamte Kaufpreis von 513 auf 560 Millionen er- höhen würde. Es wird ein R ü ck ka n f s re ch t auf die Anlage» oder der Aktien vorgesehen bei gleichzeitiger Dioidendenbegrenzung, was einer Uebersteigerung des Kurswertes der Attien eine Grenz« setzt. Berlin erhält eine Abgabe vcn bis zu l6 Millionen jährlich (bisl>er 14) und außerdem eine 50 Proz. erreichende Beteiligung am Mehrgewinn. Der überwiegende öffentliche Ein- fluß wird durch Poolung des öifsntlicheu Aktienbesitzes(Berlin, Reich, Preußen) gesichert: der öffentliche Einfluß kann eventuell durch Aktienzukauf noch gestärkt werden. Die Stadt Berlin erhält den Vorstitz im A u f s i ch t s r a t. Di« Tärifpolitik würde cnt- scheidend von der Stadt Berlin beeinflußt. Trotz dieser Derbesserungen kann der Plan, wenn er zur Durch- führung käme, keine Freude auslösen. Die Akticnkäuser machen zwar keineswegs ein so glänzendes Geschält, wie es zunächst scheinen mag. Aus den zukünftigen Einnahmen der gemischtwirtschaftlichen Unternehmung würde die volle Steuerlast liegen, was mehrere Millionen ausmacht. Der Plan ist auch erheblich besser als das, was die belgische Sofina aus den Werken gemacht hätte: Dann!« Heinemann hätte den überwiegenden öffentlichen Einfluß nicht.zugelassen. Aber schon die Tcilprivatisierung ist, auch trotz des Rückkaufrechts, schmerzlich. Well aber durch Dr. Schachts katastrophale Drosielungspolitik und die deutsche Kreditschädigung im Ausland seit den Scptembcrwahlen kommunale Anlechen im Aus- land noch immer nicht unterzubringen sind, konnte kein anderer Borschlag als die Umgründung mit gleichzeitigem Aktienoerkauf ans private Ausland gemacht werden. Das ist Preußen und dem Reich ebenso ueuvillkommen wie der Stadt Berlin. Di« Entscheidung über den Plan ist von hoher Verant- w o r t l i ch k e i t. Verbesserungen und Sicherungen sind grundsätz- lich und nach alley Richtungen anzustreben. Dazu ist vielfache Gc- lcgenheit auch bei Ausarbeitung der Konzestionsoerträge gegeben. Dazu wird in Zukunft noch manches zu sagen sein. Schnellzug entgleist. Auf der Strecke Paris- Bordeaux.— Bisher 40 Tote und 50 verletzte. Paris, 19. März. Der Schnellzug Paris— Bordeaux, der die haupl- stadl um 19,32 Uhr verläßt, ist aus dem Lahnhos E l a m p e s, eine Stunde von Paris enlsernt, aus noch nicht bekannler Ursache entgleist. Bisher sollen zehn Tote und gegen 50Berlehle geborgen sein. Nähere Einzelheilen fehlen noch. 50 Tote? Wie die Rcuterngentvr aus Paris um Mitternacht mich London berichtet hat. spricht man davon, daß bei der Eisenbahulatastrophe fünfzig Personen ums Lebe» gekommen seien. Baldwin siegt über die Zeitungskönige. Die Nachwahl in Westurtister. London. 19. März(Eigenbericht). Bei der Nachwahl für den verstorbenen ehemaligen konser- vativen Kriegsminister Worthington Evcns im Londoner rein bürger- lichen Wahltreis W e st m i n st e r siegte der offizielle Kandidat der Konservativen Partei Duff Cooper mit 17 242 Stimmen gegen den Kandidaten der Zeitungskönige Beaverbrook und Rothermere, der nur 11 532 Stimmen erhielt. Die anderen Parteien hatten in dieser konservativen Hochburg keinen Kanoidaten aufgestellt und den Kampf zwischen den beiden konservativen Richtungen austragen lasten. Duss Coopers Sieg ist ein großer moralischer Erfolg für den um seinen Führer- Posten schwer kämpfenden Baldwin. Aus dem Memellaud ausgewiesen haben die Litauer weiter den Betriebsleiter Bukowski und den Maschinensetzer Ellwitz von der „Memelländischen Rundschau" in Heydekrug. Vom Dritten Zfcich. Von Dr. Wilhelm Hoegner, M. d. R. Die neuesten Hakenkreuzmorde zeigen mit en- 'chreckender Deutlichkeit, was die deutsche Arbeiterschaft zu erwarten hat. wenn der Faschismus in Deutschland zur Macht gelangen sollte. Die bayerischen- Ereignisse aus den Jahren 1920 bis 1924, von denen der München« Abgeordnete Hoegner hier einen kleinen Ausschnitt gibt, sollen Warnung und Signal zugleich sein: Warnung vor Sorg- losigkeit und Gleichgültigkeit, Signal zu erhöhter Aktivität und Kampfentschlossenheit! In weiten Kreisen der norddeutschen Arbeiterschaft hat man von den Auswirkungen einer ganz- oder halbfaschistischen Diktatur nur sehr unbestimmte Vorstellungen. Auch innerhalb der Sozialdemokratischen Partei scheint man vielfach der Mei- nung zu huldigen, es werde so schliimn nicht kommen, auch die faschistische Suppe werde nicht so heiß gegessen werden. wie sie gekocht sei. Solche Hoffnungen sind erklärlich in einem Lande, das den deutschen Rechtsradikalismus noch nicht eigentlich am Werke gesehen hat. In Preußen ist man durch die starke Regierung Braun-Severing politisch verwöhnt. Man kann es sich dort nur schwer vorstellen, daß die Aufbauarbeit der letzten zwölf Jahre mit dem Ucbergang der Staatsmacht auf eine rechtsaktioistische Regierung sofort in Frage gestellt wäre. Da ist es vielleicht zweckdienlich, gerade im jetzigen Augenblick daran zu erinnern, was die bayerische Arbeiter- schaft in den Jahren 1920 bis 1924 durchgemacht hat. Wir hatten in Bayern seit dem Kapp-Putsch bis Juni 1924 ausgesprochene Rechtsregierungen. Sie haben der nationalsozialistischen Bewegung im allgemeinen freien Lauf gelassen. Zahllosen nationalsozialistischen Ausschreitungen wurden von den Behörden durch die Finger gesehen. Die Jünger des Dritten Meiches konnten in bewaffneten Scharen durchs Land ziehen, auf„deutschen Tagen" Arbeiterwohnungen stürmen, Gewerkschaftler mißhandeln, in ihren Zeitungen eine unerhörte Mordhetze treiben, ohne daß ihnen wesentliches gc- schah. Sie wurden sogar als„Notpolizei" eingestellt und in Reichswehrkasernen militärisch für den Straßenkampf ausge- bildet. Republikaner waren nahezu schutzlos, vogelfrei. Eine rechtsradikale Pressemeute konnte dazu auffordern, den sozio- listischen Landtagsabgeordneten Gareis niederzuschlagen„wie «inen roten Hund". Wenige Tage darauf war er ermordet. Die Täter sind nie gefunden worden. Am 25. Oktober 1921 wurden aus dem südlichen Friedhof in München auf Erhard Auer Schüsse abgegeben. Die Polizei hat nichts herausge- bracht. Die Sozialdemokraten Timm und Saenger wurden auf offener Straße bedroht. Gegen die sozialdemokratische „Münchener Post" wurden immer wieder Handgranaten- anschlüge verübt. Nie wurde man der Urheber habhaft. Am 1. Mai 1923 marschierte Hitler mit seinen bewaff- neten Scharen in München auf, um die Arbeiter, die den 1. Mai feierten,„in den Straßen wie tolle Hunde nieder- zuschießen".(Amtlicher Bericht.) Die Justizverwaltung griff in das schwebende Berfahren ein und schob so die Bestrafung der Schuldigen hinaus. Als dann der H i t l e t- P u t s ch ge- scheitert war, verhängten die Gerichte so lächerliche Strafen. daß selbst die Presse der Bayerischen Volkspartei von einer bayerischen„Justizkatastrophe" schrieb. Zu Ende des Jahres 1923 war Bayern nach einem Worte des jetzigen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held zu einer„Unordnungszelle" ge- worden, in der kein anständiger Mensch seines Lebens mehr sicher war. Das waren aber nur die Begleiterscheinungen. Auch die Staatsgewalt selbst ging unmittelbar gegen die freie Arbeiterschaft vor. Am 26. September 1923 wurde in Bayern der Generalstaatskommissar v. Kohr eingesetzt. Sein Programm war:„Kampf dem Marxismus, Austragen der Gegensätze". In diesem Kampfe mißbrauchte er rücksichtslos die staatlichen Machtmittel, über die er unein- geschränkt gebot. Bereits am 29. September 1923 löste er die sozialdemokratischen Sicherheils- und Selbstschutzverbände auf, deren Vorhandensein seit geraumer Zeit ganz allein die Sprengung sozialdemokratischer Versamm- l u n g e n durch den nationalsozialistischen Terror verhindert hatte. Damit war unser V e r s a m m l u n g s w e s e n lahm- gelegt. Ueberflüssigerweise wurden auch noch ousdrstck- lich alle politischen Versammlungen verboten. Äit einer Anordnung vom 1. Oktober 1923 wurde der Streik und jede Störung und Heminung der Arbeit in den lebenswichtigen Betrieben bei Meidung von Zuchthaus- strafe verboten. Mit der gleichen Zuchthaus st rase wurde bedroht, wer einen Beamten, Angestellten oder Ar- beiter wegen seines Arbeitswillens, seiner vaterländischen oder proletarischen Gesinnung oder Betätigung oder wegen seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Wirtschafts- oder Berufsorganisation„beleidigte", bedrohte oder Wirtschaft- iich schädigte. Das war die Wiedereinführung des noch oon einer kaiserlichen Regierung aufgehobenen§ 153 der Gewerbeordnung in verschärfter Form. Das Republikschutzgesetz wurde außer Kraft gesetzt. Haftbefehle des Reichsgerichts gegen rechtsradikale üebelt'äter wurden einfach nicht vollzogen, Juden wahllos aus- gewiesen, die Reichswehr wurde aus Bayern„ver- pflichtet", d. h. zurMeuterei veranlaßt! Die Verbreitung vieler norddeutscher Blätter wurde polizeilich verhindert. Sozialdemokratische Zeitungen wurden aus nichtigstem Lorwänden wochenlang verboten, ihr Wiedererscheinen wurde nach faschistischem Muster von der Hinterlegung unerschwinglicher Kautionen abhängig gemacht, die bei der geringsten„Verfehlung" dem Staate verfallen sollten. Schließlich holte die Staatsmacht zu einem Vernich- lenden Schlage gegen die gesamte Sozial- Versicherung aus. In seiner wegen des Hitler-Putfches im Bürgerbräukeller nicht mehr zu Ende gehaltenen, aber in der„Bayerischen Staatszeitung" vom 9. November 1923 ver- öffentlichten Rede sprach der Generalstaatskommissar von einem„angeblich sozialen Versicherungswesen", bezeichnete es als„leeres Getriebe" und kündigte„gründlichste Umgestal tung" an. Auf ein Ultimatum der„Vaterländischen Ver- bände" verbot er ab 11. November 1923 alle„staatsgefähr- lichcn Druckschriften", namentlich alle Zeitungen und Zeitschriften der Sozialdemokratischen Partei. Zur Aburteilung der politischen Straftaten wurden Sondsrgerichte angekündigt. Das von den Rechtsverbänden geforderte Verbot der Sozialdemokratischen Partei stand vor der Tür. In jenen schweren Tagen hatten wir bayerischen Sozial demokraten noch die Hoffnung, daß das Reich es nicht zum äußersten kommen lassen und allenfalls die fteie Arbeiter- bewegung gegen Verfassungsbruch und Terror schützen würde. Diese Hoffnung hat uns damals aufrechterhalten und schließ- lich nicht getäuscht. Aber jene Vorgänge in Bayern lassen auch ahnen, w elches Schicksal der deutschen Arbeiter- schaft droht, wenn die Reichsgewalt in die Hände einer halb- oder nur viertelfafchisti- schen Regierung kommt. Dann würde der Todes- lampf der Freiheit auch in Deutschland beginnen. Deshalb müsien alle politischen Handlungen und Entscheidungen der Sozialdemokratie jetzt ohne Schwanken dem einen großen Ziel untergeordnet werden: Fernhaltung des Faschis- inus von der politischen Macht! Vom Hakenkreuz zum Gowjeisiern. Die Ulmer HakenkreuvOffiziere werden Kommunisten. Die Nationalsozialisten haben vor kurzem einen neuen Feldzug gegen den Reichswehrminister G r o e n e r eröffnet- weil er die Reichswehrleutnants oon Ulm hat prozessieren lasten. Das Berliner nationalsozialistische Blatt hat sich eben noch sehr kräftig für die verurteilten Reichswehr- leutnants ins Zeug gelegt. Gestern hat nun der kommunistische Reichstagsabgeord- nete Kippenberger im Reichstag eine Erklärung des ehe» maligen Reichswehrleutnants Scheringer verlesen, die den Nationalsozialisten böse aufstoßen wird Scheringer hat den Kommunisten eine echt n a t i o n a l b o l s ch e w ist i s ch e Programmerklärung zugestellt, in der er sich von Htiler und den Nationalsozialisten lossagt und sich z u r K o m m u n i st i- s ch e n Partei bekennt. Er schwärmt vom Bunde mit der Sowjetunion und der Zerschlagung des kapitalistischen Systems in Deutschland mit russischer Hilfe. Agitatorisch zugespitzt ist seine Verdammung der Hiller-Partei» der er folgendes vorwirft: „1. Sie haben sich im Laufe der letzten Monat« eindeutig vom Sozialismus losgesagt 2. Sie haben das Privateigentum heilig gesprochen 3. Sie haben bei innerpalitischen und wirtschaftlichen Ausein- ander setzungev die Interessen der Kapitalisten gegen die Jnteresten des Proletariats oertreten. 1 Sic haben keinem Kapitalisten ein Haar gekrümmt, ober den Terror gegen das Proletariat organisiert. S. Sie haben gegen die Zerreißung des Young-Planes ge- stimmt. 6. Sie haben die Verschuldung Deutschlanids an das internatio- nale Finanzkapital anerkannt. 7. Sie haben den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund verhindert. 8. Sie haben sich mit den Bürogeneralcn ins Einvernehmen gesetzt. l>. Sie haben innerhalb der eigenen Reihen einen Byzantinis- mus hochgezüchtet, der zum Himmel stinkt." Das ist ein gründlicher Frontwechsel— aber der Leutnant Scheringer ist nicht der erste, der zwischen der Hitler-Partei und der Stalin-Partei hin- und herpendelt! Für jenes instinktlose Bürgertum, das zur Zeit des Prozesses gegen die Ulmer Offiziere für die„nationalen Heldenjünglinge" schwärmte, ist diese Wandlung eine heilsame Lehre. Es hoffte insgeheim auf eine nationalsozialistische Revolte in der Reichs- wehr, und nun blickt es ins Gesicht des Bolschewisnuis! Wir sind gespannt, welchen Frontwechsel nun die Hitler- Partei den Ulmer Offizieren gegenüber vollziehen wird! -i- Wie aus rominuiüstischen Kreisen versichert wird, l)at Scheringer seinen Schritt im Einverständnis mit seinen Käme- raden Wen dt und Ludin unternommen. Zehn Lahre Wiederausbauarbeii. Der Reichspräsident hat zur Abstimmungsfeier in Oberschlesien folgeirden Aufruf erlassen: Am zehnten Jahrestage der Abstimmung in Oberfchlesien gedenkt das deutsche Volk in Dankbarkell der Treue derer, die in einer Zeit bitterer Not und schwerer Bedrängnis dos Bekenntnis zu ihrer deutschen Heimat abgelegt haben. Zehn Jahre harter und schwieriger Wiederaufbauarbeit sind gefolgt: sie waren getragen und gefördert von dem unbeirrbaren Bewußtsein der Pflichterfüllung, die dos sicherste Unterpfand für die Zukunft unseres Baterlandes ist. Zottunion mit Oesterreich. Diskussionen über ein wirtschastliches Mitteleuropa. Tie nächsten Tage und Wochen können übet die Durchführung einer sehr engen wirtschaftlichen Zu- sammenarbeit Deutschlands und Oesterreichs Ucbcr- raschungen bringen. Es ist in der Oesfentlichkeit durch- gesickert und die Preste bringt zuversichtliche Nachrichten darüber, daß dieser wirtschaftliche Zusammenschluß be- vorstehe und daß die Veröffentlichung eines Ver- tragos über diese Zusammenarbeit bald zu erwarten sei. Ueber den Weg sei man sich einig, der zu einer end- gültigen Zollunion der beide« deutschen Republiken führen werde. Wir können bestätigen, daß diese Er- Wartungen nicht unberechtigt find. Die Möglichkeit des Eintretens dieses hochbcdeuisamen Ereig- nisses ist es wahrscheinlich auch, die der in Wi«n versammelten Milleleuropäischen Wirtschaststagung einen besonderen Schwung verleiht. Diese Tagung ist von dem einzigen Gedanken getragen und wird immer wieder zum Ausdruck gebracht: daß man heraus müsse aus der durch die Friede n-diktate noch verschärften mittel- europäischen Wirtschaftsenge und daß die Schaffung eines mittel- europäischen Wirtschcstsgebiets nicht nur für die ihm angehörenden Staaten und Völker, sondern auch für Europa eine wirtschastliche und historische Notwendigkeit sei, durch di« jetzige Wirtschaftskrise nur noch unterstrichen Von besonderer Bedeutung ist auf der Wiener Tagung die Dis- kussion über die vorzugsweise handelspolitische Behandlung der an dem kommenden Mitteleuropa interessierten und beteiligten Staaten. Der jugoslawische Minister Dr. F r a n g e sch vertrat in seinem Referat den Gedanken einer innereuropäischen Handels- politischen Präferenz, die nach seiner Meinung seit dem Vorstoß der südosteuropäischen Staaten auf der Januarkonferenz des Völker- bundes stark an Boden gewonnen habe. Die südosteuropälschen Staaten hätten nicht Zeih auf die Verwirklichung des wirtschaftlichen Paneuropa zu warten. Der frühere österreichische Gesandte in Verlin, Riedl, der die altösterreichische Handelspolitik geleitet hat, referierte über regio- nale Handelsverträge zwischen den mitteleuropäischen Ländern in ihrem Verhätnis zur Frage der Meistbegünstigung: Die dabei beab- sichtigte Vorzugsbehandlung ch besonders für die europäische Landwirtschaft notwendig. Die Meistbegünstigungs- klausel ist, wie alle menschlichen Einrichtung er>, nichts Ewiges und Unabänderliches. Regionale Ausnahmen von der Rleistbegünstigung find eine unentbehrliche voraussehung für den engeren wirstchafllichen Zusammenschluß der mitteleuropäischen Staaten. Kündigungen von Handelsverträgen müssen nicht unbedingt erfolgen, da man mit Ländern, die die Meistbegünstigung besitzen die Anerkennung solcher Ausnahmen vereinbaren könne. Professor Dr. B a j k i t o- Belgrad sagte, daß man auch oline Rücksicht aus die westeuropäischen Staaten eine Polllik vollendeter Tatsachen treiben und einfach mit den Vorzugszöllen beginnen solle, wahr- scheinlich werde man im Frühjahr bereits in Mllteleuropa zwei solche Verträge erleben. * Es scheint uns notwendig, daß man zwischen der Frage der österreichisch-deutschen Zollunion und dem haltdelspolil i- scheu System der gebietlichen Präferenzoerträae streng unterscheidet. Eine solche Zollunion'würde für das herrschende System der Handelsverträge nicht unüberwindbarc Schwierigkeiten bringen. Die Durchbrechung des Meistbe- günstigungssystems dagegen, besonders wenn man eine Politik der vollendeten Tatsachen treiben würde, konnte in Europa ein handelspolitisches Chaos und damit das Gegenteil von dem bringen, was das Ziel einer mitteleuropäischen Wirtschaftsgemeinschaft sein sollte. Man würde auf diese Weise nur eine allgemeine Verschlechterung der europäischen Wirtschaftslage und nicht eine Besserung schaffen. Entschließung der Mitteleuropatagung. wie«. 19. März. In ihrer Schlußsitzung nahm die mllteleuropäisch- Wirt- schaftstagung einstimmig die vom Gesandten a. D. Riedl(Oesterreich) eingebrachte Entschließung an, die im wesentlichen besagt: „Die Versammlung ist überzeugt, daß die Herstellung enger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen so be- nachbarten Staaten, wie es die mitteleuropäischen Länder sind, eine wesentliche Forderung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung herbeisühren kann. Di« Wirtschaftstagung hält daher den Abschluß regionaler Wirtschaftsabkommen für dringend geboten, um eine mög- lichst enge Wirtschaftsgemeinschaft zwischen Mittel- und Südeuropa herbeizuführen. Da die handelspolitischen Bemühungen ohne Erjolg geblieben sind, werden die beteiligten Regierungen aufge- fordert, ungesäumt direkt über diese Fragen zu verhandeln." Ebenso einstimmig wurde ein Antrag Meiß(Tschechoslowakei) an- genommen, der die Bildung eines handelspolitischen O r g a n i- sationsausschusses oerlangt, dem Vertreter sämtlicher ai� der Tagung vertretenen Länder angehören sollen. In den Schlußworten kam Präsident T i l g n e r nochmals auf die Frage der Industrialisierung in den Agrarstaaten zu sprechen, während Gesandter Riedl als ein besonders wertvolles Ergebnis der Tagung bezeichnete, daß hier zum erstenmal ein offenes und eni- schiedenes Bekenntnis Deutschlands zum mittel- europäischen Problem abgegeben wurde. Präsident Tilgncr erklärte, daß die Einladung, die nächste Tagung in Budapest abzu- hatten, mll Dank zur Kenntnis genommen wurde. Naziflucht in Weimar. Ut u; ßni Die Aationalsozialisten verlassen den Hauptausschuß.— parlamentsstreil und Krach mit der Volkspartei. Weimar; 19. März.(Eitzenbericht) Die Nationalsozialisten haben am Donnerstag ihre IRitarbeit im haushallsausschuß des Thüringer Landtags eingestellt vor der Donnerskagnachmiktagssitzung des Ausschusses gaben sie folgende Cr- klärung ob: „Nachdem die Abgeordneten der Deutschen Dolkspartei in den letzten Tagen im Haushallsausschuß entgegengesetzt den Ab- mackpmgen im interfraktionellen Ausschuß mll den Oppositions» Parteien in Fragen der Äutturpoliiit gegen die Regierung gestimmt und sich offen bei der Kritik der linken Parteien an dem Aolksbildungs- und Innenminister Frick auf die Seit» der marxisti» sähen Oppositionspartei geschlagen haben, ist eine weitere Mit- a r b e i t im Haushallsausschuß an den Etatberatungen den national- sozialistischen Abgeordneten unmöglich gemacht Die nattonal- sozialistischen Abgeordneten werden an den Etatberatungen nicht mehr teilnehmen und beHallen sich für die Verabschiedung des Etats im Landtag Anträge unter besonderer Berücksichtigung des Kullur- und Wohlfahrtsetat» vor." Als die Erklärung verlesen war, oerliehen die Nazis das Sitzungszimmer. Die Verhandlungen wurden daraufhin auf kurze Zell unterbrochen. In der n«u«n Sitzung ließ die Deutsche Bokkspartei durch den Abgeordneten Knittel folgende Gegen- erklärung abgeben: ,T>ie nationalsozialistisch« Erklärung ist ein politisches Verlegen- heitsprodukt hervorgegangen aus dem Erstaunen, daß gegenüber der lauten und rücksichtslosen, in fast allen Fällen unberechtigten Kritik di« Angegriffenen sich zu einer Gegenwehr anschickten, die der Partei- politischen Agitation, der Nationalsozialisten wirksam entgegentritt. Di« Kritik an der nationalsozialistischen Polllik steht allerdings zu dem Eigenlob, das Minister Frick und die nationalsozialistische Frat- tion sich selbst in reichlichem Maße gespendet haben, in scharfem Gegensatz und dadurch wird das nervöse Ausweichen durch den Zlus- zug aus dem Ausschuß erklärt Di» Deutsch« Bolkepartei wird in der Nazierklärung scharf angegriffen als Urheberin des Auszuge«. Die Deutsche Volkspartei läßt sich nicht durch andere an der Arbeit für Staat und Volk abHallen und versteht es nicht, wie man dadurch vaterländische Arbell leisten will. Die Verantwortung für den Aus- zug lehnt die Deutsch« Volkspartei für sich ab und überläßt sie den Nationalsozialisten allein." Knittel ergänzte die parteiofiizielle Erklärung erläuternd wie folgt: Wenn in der Erklärung der Nationalsozialisten davon dl« Rede sei, daß das Verhallen der Deutschen Volkspartei zur Kullurpolttik gegen die interfraktionellen Abmachungen verstoße, so sei da» er- stunken und erlogen. Man brauch« vielleicht für Nozwersamznwngen Stoff. Da» Volt müsie doch reich sein an minderwertigen Gütern. daß es Abend für Abend solches Zeug über sich ergehen last«. Der Volkspartei sei es außerordentlich schwer gefallen, Frick zu wählen. Jetzt führe dieser Mann aus dem Hintergrunde ein« Kampagne gegen di« Deutsche Volkspartei. Das ist doch noch Zerknirschung! Wo hat es schon solche Musterangeklagten gegeben? Di« Berliner Ausgabe der„Prawda" trägt zu dem Prozeß gegen die Menschewisten noch Schlußworte der Angeklagten nach, die wir gern« getreu nach dem Text der„Roten Fahne" übernehmen, da sie das Bild der heuchlerischen Komödie vollenden. Also sprachen laut offiziellem Bericht die Musterangetlagten: Scher sogt in seinem.letzten Wort: Vor fünfundzwanzig Iahren stand ich vor Gericht, vor dem zaristischen Gericht, und er- wartete mein Todesurteil für die Teilnahme an dem Moskauer Dezenrberaufstand von 19VS. Wer damals war der erwartete Tod für mich nicht schwer, jetzt habe ich ein ganz anderes Gefühl. Bitter ist der Tod mit dem Stempel eines Verräters an der Arbeiterklasse. S u ch a n o w sagt: Mit allen Fasern meiner Seele fühle ich, daß ich jahrelang nicht gesehen habe, was Millionen so einfach und klar gesehen und begriffen Hadem Ich werde oerschwinden mll dem Gefühl des Höstes gegenüber den Iahren meiner Arbeit im Unionsbüro. Bis zum letzten Atemzug werde ich verfluchen die Sozialdemokratie, di« Partei der Schädlinge und Interventionisten. Iakubowitfch erklärt: Ich bitte nicht um Gnade. Ich werde sterben mll dem Bewußtsein, daß ich in den letzten Togen meines Lebens e t w a s G r o ß« s für die Arbeiterklast« erfüllt Hab«. Ich half auf diesem Prozeß die konterrevolutionäre Rolle der Sozialdemokratie entlarven. Wir können nach ergänzend hinzufügen: Nach Beendigung seines Schlußwortes spuckt« jeder Angeklagte sich selber ms Gesicht! Sogar diese physisch unmögliche Handlung ließ sich in der Atmosphär» der Krylenkoschen Prozeßregie ohne Schwierigkeit vollziehen. Oer Mann, dem geholfen werden kann.. Ein Verleger für eine Verlevmdung gesucht. Ein Herr von Strantz. Wirklicher Rat, in Berlin- Friedenau wohnhaft, hat, bekannten Beispielen folgend, seine„Mc- motten" geschrieben. Er sucht nun einen Verlag dafür und bietet sie an als„aus eigener Erfahrung als Diplomat und natio- nalpolitifcher Führer" stammend. Als besonders zugkräftig für jeden Verleger preist er sie an mit einem bisher noch nie gelungenen „Beweis": Ich beweise den bezahlten Sriegwmat der Sozialdemokratie und die Friedcnsabsicht der amerikanichsen Armee...." Es ist traurig, daß«in so geniale» Werk keinen Verleger findet und der Autor es ausbietcn mutz Wie saures Bier.. Aber dem Manne kann geholfen werden: Wir bieten ihm hiermll an, den „Beweis" für den bezahlten Kriegsoerrat der Sozialdemokratie vor der vollen Oesfentlichkeit im„Vorwärts" selbst zu führen. Wir sind überzeugt, daß er keine wirkungsvollere Tribüne für seine „Beweisführung" finden kann. Also heraus mit den Beweisen! Oer Schwurzeuge. Das Dresdener Naziblatt wurde wegen Der- herriichung der Hamburger Morde verboten. „Immer nur scharf hetzen- Hiiler wird schon unsere Unschuld beschwören!" Kirchen- und Echuldebatte. Maktionärer Haß gegen Kuliusminister Grimme. Die Parlamente halten jetzt, um die Ctatberatungen zu fördern, Dauersitzungen ab. In einer solchen weit ausgedehnten Sitzung des Landtages wurde am Donnerstag die Kirchendebatte beendet und das Aolksfchulwefen erörtert. Aus der Aussprache über die kirchlichen Fragen ist«ine Rede des Berliner Pfarrers Graue von der Staatspartei hervor- zuHeben, der der sozialdemokratischen Redncrin. der Genossin Well- mann, ehrlich zugab. Hätz das evangelisch« Kirchenregi, ment nach autzen hin von deutschnationalem Par- teir«giment schwer zu unterschetd«» ist. Grau« er- hofft Besserung von regerer innerkirchlicher Arbeit derjenigen So- ziaAsmokraten, die her Kirch« angehören. Er hob mit Ifocht hervor, daß es gelungen ist, hio BsttrSge des Staat«, für dt« Kirche um wssintlich. Betrog« zu kürzan. Dielleicht noch benwrkennwerter war«ine Prvgrommreb« de» Abgeordneten Kliesch vom C h r istl> ch-S o z i alen Volk,' h i« n st. Dieses neumtstandeve, im Landtag noch fthmach vertreten» .«vangellsche Zentrum" leugnet nicht, daß dio evangelische Kirch«politlschundsozialo«rsagthat.Ja. die Männer vom Bolksdienst geben sogar zu. daß Ehrist« nüm' und kapitalistische Wirtschaftsordnung nicht unbedingt wesensverbunden sein müssen, In dieser Zeit der Diesenmassenarbeitxlosigkeit erscheint sogar ihnen die Wirtschaftsordnung mehr als Satans- denn als Gptteswerk. Aber auf der anderen Seite sind sie rein religiös orientiert und bekämpfen di« SoziaQemokrati« wegen ihrer Anerkennung der grundsätzlichen Gleichberechtigung der Freidenker. Endlich oertiefte sich noch der alle GrafoonPosadowsky in die Frag« des Verhällnissez von Kirche und Staat. Er ging dabei von den sächsischen Kaisern aus, um für die Gegenwart zu dem Ergebnis zu gelangen, daß die unter Otto Braun abgeschlossenen Klrchcnverträge der Kirche in keinem Punkte mehr geben, als die Berfassung ihnen ohnedies zugebilllgt hat. Zu dem gleichen Resultat sind wir auf etwas einfacher« Methode schon früher gelangt. In der Polksschuldeballe zeigte Genosse Doht-BIelefeld die Erschwerung der Volksbildungsarbeit durch die Wirtschaftsiwt in ganzem Umfang« auf. Dabei unterstrich er mit rückhaltloser Anerkennung die Arbeit des Genossen Grimme alz eines wahren Volks- biwungsmimsters. Di« Aussprache drehte sich in der Hauptsach« um den Lahrer, abbau. das freiwillig« neunte Schuljahr und den letzten Zensuren» erlaß, der die Noten über Betrogen und Ausmertsamkeit beseitigt, Dabei üb erbaten sich Deutschnotianal», Polksparteller und Wirtschafts» parteiler im Haß gegen Fortschritt und DolttbAutng. Nur kein« Durchbrechung de» BildungsprlMegs. nur kein» Aufstiegsmöglichkeit für Voltsschüler, nur kein« modern« Pädagogik war der Refrain ihrer Reden. Am tollsten trieb es dabei Herr Dr. Schmitz. Hüpke, der wirtschastsparteiliche Ehefred akleur der schweriitdustriell««„Deutschen Bergwerkszeitung", die bekanntlich zum Tode der 300 Bergleute von Alsdorf die gemütvolle Bemerkung macht«. d>« zwölfprozentig, Dividende sei dadurch nicht gefährdet. Dieser Mann. ein lebendes Beispiel dafür, wie in der heutigen Schulversossunz völlig Unbegabte zu akademischen Graden gelangen, suchte trampf, hast nach Schimpfworten gegen den Kultusminister Grimm«. Wir möchten annehmen, daß er mit der Bezeichnung„kullurellar General- sekremr der Sozialdemokratischen Partei" ihn zwar hat kränke» wollen: aber wir bezweifeln, daß sich Grimm« und die Sozial- demokratie dadurch besonders beleidigt fühlen. Am Freitag Fortsetzung: Höheres Schulwesen und Universitäten. Geschichte eines Kurswechsels. Oer einstmals republikanische Stahlhelm. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Der Preußische Ministerpräsident hatte im Landtagsausschuß darauf hingewiesen, daß der Stahlhelm in seiner Erstlingszeit republikanisch gewesen sei und alle Frontsoldaten habe zusarmnensassen wollen. Darob ent- rüstete Ableugnung bei rechtsradikalen Zeitungen. Auf eine weitere Anfrage des Amtlichen Preußischen Pressedienstes, die auf die Er- kundung der Meinung nicht nur dieser Blätter, sondern der aktiv legitimiertcn Stahlhelmbundesleitung hinausging, erfolgt nunmehr mit begrüßenswerter Klarheit die amtliche Antwort der B u n d e s l e i t u n g. Sie besagt, wenn man den sachlichen Kern aus einigen ihn umhüllenden Unfreundlichkeiten und für die Agi- tation berechneten großen Worten herausschält: Der Stahlhelm sei vom ersten Tage an einer der k schärfsten Krutker dieser Republik gewesen: eine andersgeartete Republik, nämlich eine autoritäre und wehrhafte Republik altrömischen Stils, hätte er vielleicht anders gewertet, ober die hätten di« Sogialdemo- kraien verhindert. Wörtlich wird weiter gesagt: „Der Stahlhelm hat sich nieinals auf dm Boden der rcpiubli- konischen Staatsform gestellt und tonnt« das bei seiner Grün- imng schon deshalb nicht tun, weil damals im Dezember J918 eine Staatsform überhaupt nicht vorhanden war, sondern ledig- lich ein Chaos." Das erklärt also amtlich die Bundesleitung! Es scheint, daß das„Ehaos" damals nicht nur im Staate herrschte, sondern heute noch im Archiv der Stahchelm-Bundesleiwng, Sonst mühten alle Magdeburger Herren nämlich wiessen, daß dokumentarisches Material aus der Gründungszeit des Stahlhelm besagt, daß er als republikanisch« Frontsoldatenvereinigung gegründet worden ist. Um dem aus die Wahrung„traditioneller Belache" so stolzen Stahlhelm dazu zu oerhelsen, wenigstens seine eigene Tradition kennen zu lernen, für die er ein so kurzes Ge- dächtnis und ein so schlechtes Archiv hat, veröffentlichen wir nach- folgend nur eines aus den Gründungsflugblättern des Magde- burger Stahlhelm in seinem markantesten Teil, mit dem Hinzu- fügen, daß nicht etwa nur Abschriften, fächern die Originale, zum Teil noch hachschristlich korrigiert von den Gründern, vor- Hachen sich. .Wir stellm uns rückhalllos aus den Boden der neuen Zeit für die Regierung und treten mit allen Kräften für sie ein! wir bekennen uns zur republikanischen Staotssorm! Wir lehnen jede Form der Klassenherrschast oder Diktatur ab, denn sie vertieft die Spaltung der Nation, in der wir die Ursache alles Uebels sehen. Wir, die wir den Krieg jahrelang kennen lernten, wir ersehnen dauernden Frieden uch oerdammenundverwerfenjedenDölkerhaß. Aber � wir glauben der Menschheit am besten dienen zu können als treue Söhne unseres Volkes."» Wir glauben nicht, daß diese Stikprobe aus der Grüchungszeit des Stahlhelm aus einem Werbeflugblatt, mit dem zur Gründung de» Stalhelm aufgefordert wurde, uch das an di« damals zurück- strömmden Soldatenmassen verteill worden ist, großer Kommentare bedarf. Die Gründer de» Stahlhelm hatten in der Tat damals klaren Verstach genug, zu erkennet!, daß eine Wi-dergoburt Deutsch- lach» nach der grauenhaften Ausblutung uch Auspowerung durch den Krieg nur in der republikanischen Staatsform uch durch ein starkes uch ehrliches Bekenntnis zum Frieden möglich war. Sie waren desHall» die ersten, die sich auf den.,B--d«n der neuen Zelt" stellt«», uch sie traten sogar.rückhaltlos" für di« Regierung ew, die damals— Anfang 1910— ret» soziallstfsch war! SU gebrauchten sogar dos Dort von der„Meiöchhek", dem man heute in Stahlhelmkretfeu so gern einen„pagifistisch-schwächlichnr" Bei» gefchmock verlaiht. vor allem ober wenden st« sich scharf— berechtigt scharf— gegen Dölkerchaß uch rosrben für den Fried«» Wie man trotz dieser Beteuerung der Friedensliebe jetzt nach» trägllch glauben machen will, eine Republik altrömifchen Stil? ge- meint zu haben, bleibt unerfichlich. Denn selbst Schultnaben wissen, daß die römische Republik gsnou so eroberungssüchtig und„im- perialistisch" war wie das römische Kalserreich. Üm Gründungsaufrus: Bekemtinis zur Republik und zum Völkerfrioden— heut«: RspuMikhaß und Militarismus! Ist da» kein Kurswechsel? Oder war enva der Gründung». aufruf nicht ehrlich gemeint? Kleine Vorlagen im Reichsrat. Zustimmung zu den letzten Zieichdtagsbeschlüssen. Der Reichsrat erledigte am Donnerstagnochmittag eine große Anzahl kleiner Vorlagen. Eine Reihe von Gesetzentwürfen, die der Reichstag soeben an- genommen hat, verabschiedete der Reichsrat endgültig, darunter das Genfer Handelsabkommen und das Gesetz über die Ent- schädigung d«r gewerbsmäßigen Stellenvermittler. Zur Entschädigung dieser VernMler genehmigte der Reichsrat gleichzeitig eine Ausführungsverordnung, wonach bei der Entschädigung der ordentliche Rechtsweg ausgeschlossen ist. Gleichzeitig wird bestimmt, welche Nachweise für die Entschädigung beizubringen sind. Abwehr gegen Reattiou.- Oie KPO. in Braunschweig uuterstützt die Sozialdemokratie Vraullschmetg, IS. März. Die Stadlverordnetenoerfammlung trat gestern zum erstenmal nach den Kommunalwohlen vom 1. März zusammen. Stadwexord» neter Böhme gab namens der Kommunisten die Erklärung ab, daß diese sich mit van Sozialdemokraten über«in« Reihe von Punkten geeinigt hätten. Demgemäß würden sie dafür sorgen, daß kein Nationalsozialist tn da» Prä- sidium komme, und daß die Mehrheit in den Ausschüssen von Kom, munssten und Sozialdemokraten besetzt werde. Zum ersten Bor- sitzenden wurde der sozialdemokratisch« Stadtoerordmte R i e k e wiedergewählt. Stellvertreter wurden der Kommunist Böhme und der Sozialdemokrat Warneke. Zu Stadträten wurden gewählt ein Bürgerlicher, zwei Nationalsozialisten, drei Sozial- demokraten, ein Kommunsst. Auch im Aeltestenrat haben enl- sprechend dem Wahlausgang vom 1. März Sozialdemokraten mid Kommunisten die Mehrheit._ Maderheitenvcrfolguvg. In der jetzt rumänischen, bis ISIS ungariscken Stadt Grohwardein wurden nachts die Redaktionen zweier madjarischen Blätter vollständig demoliert. Man oermutet als Täter rumänische Radoustudenken. Der badischc kommunistisch« tondlagsabgeordnele Bock ist in Basel anläßlich bor Mörzseier der Roten Hllse, wo er referieren sollte, verhastet und nach Baden zurückgebracht worden. Die oene ZsugNnle Berlin— München— Rom werden Reichs- nevlehrsminifter v. Guerard und Ministerialdirektor Brandenburg im ersten Flugzeug 0iej«r Strecke erLfsnen. Weingariner-Oreyms vor der Kammer Protest gegen die Kapitulation der Regierung. pari». IS. Marz.(Eigenbericht.) In der Kammer kam es heute abend zu einer Debatte Üb« den Fall Weingart ner und dos Stück„Die Affäre Dreyfus" au» Anlaß der Festsetzung des Datums für die über beide Angelegenheiten eingebrachten Jnrerpellationen. Als erster Interpellant nahm der Abgeordnete der Unabhängigen Linken Guervvt da» Wort, der der Regierung vorwarf, st« Hab« vor den Feinden der Ordnung, den Eomelots du Roi und den patrwtischea Jugendverbänden, kapituliert, indem fie das Auftreten Wein» g artner» und die weiter« Aufführung der„Affäre Dreyfus" unter- sagt Hab«. Auch die Polizei fei leider gegenüber diesen Horden ohnmächtig. In ähnlichem Sinn« äußert« sich der soziale R«- puKikaner Planche, der in tz«m Borg«h«n der Nationalisten ein Wiederausleben de» faschistischen Thauvtui»mus erblickt. Der Sozialist Loequi wies vor ollem darauf hin, daß die Haltung der französischen Regierung zu Repressalien gegen- über im Ausland auftretenden französischen Künstlern führ« könnte. Dann ergriff herriot das Wort, der die Absetzung des Stückes„Die Assär« Dreyfus" für als etwas Unerhörte» in einem Land« bezeichnete, da, stets für die Gedankenfreiheit gekämpft habe. Auch di« in bezug auf Weingortner getroffen« Maßnahme fei unverantwortlich: sie entstelle das wahre Gesicht der Nation und gebe Frankreich in d«n Augen der ganzen W«ll«inen Anschein von Lächerlichkeit. Ministerpräsident Laval bemerkte in Zwischenrufen, daß die Regierung niemals di« Aufführung der„Affäre Dreyfus" noch dos Austreten Weingortner» verboten Hab«, worauf Herriol erwiderte, das sei vielleicht richtig, aber die Regierung habe erklärt, st« könne kein» Ber antwortung für die Aufrechterhaltung tzer Ordnung übernehmen. Schließlich sprach der nationalistische Abgeordnet« laillivger. der mit lächerlichen Ar- gumenten seine Haltung im Falle Weingortner zu rechtfertigen ver- sucht«. - Mtniflerprösideul Laval antwortete dem Interpellanten, indem er erklärte, die Regierung Hab« dem Direktor des Theater« bz«. des Orck)«st«rs„nur" an- ge raten, auf di« Aufführung des Stückes oder da» Auf- treten Weingortner» zu verzichten, da Unruhen zu befürchten seien. Sie habe sich setzt eines besseren besonnen und nichts mehr gegen di« Aufführung des Stückes und das Auftreten Weingortner s sin- zuweiüien. Sie würde mit allen Mitteln für dt« Aufracht- «rhaltung tzer Ruhe im Theater und beim Konzert sorgen. Der Abgeordnete Planche hielt dies» Erklärungen de» Minister. Präsidenten für nicht au»reich«nd und verlangt« di» s o f o r» Hg e B«spr«chung der vorliegenden Interpellation. Laval trat diesem Antrage entgegen und forderte dl« Kammer auf, di« Inter- pellation vorläufig zu vertagen. Mit 321 gegen 256 Stimmen kom die Kammer dem Wunsche der Regierung nach. Am Schlüsse der Sitzung wurde beschloss«n. den Antrag dar so- zialistischen Fraktion, den Finanzminister F l a n d i n vor den Unter suchungsausschuß der Kommer zu stellen, der zuständigen Kam- Mission zu überweisen._ Oie Krise der Liberale». Ihr Zlusaong ist für die Zukonff Macdonalds entstbeidend. London. 19. März.(Eigenbericht.) La» gesamt« politische Interesse konzentriert sich augenblicklich auf tn« schwer» Krise, m de? sich die liberal« Partei be- findet. Di« Entscheidung soll am kommenden Dienstag tn der liberalen Parlamentsfraktton fallen. Auch die kiberal« Presse hält das Ausscheiden derSimon-Gruppe für die einzig mög- sich« Lösung zur Wiederherstellung der liberalen Parteidisziplin. Sir John Simon fehlte am Mittwoch in der Fraktionssitzung. Die»nt- scheidend« Frage ist ihm jedoch gestellt, und er wird am Dienstag der Antwort nicht ausweichen können. Lloyd George glaubt, mit der von der Rechtsgruppe gesäuberten liberalen Fraktion sein« Politik einig und geschlossen durchsetzen zu können. Die Ergebnisse der letzten Unterhaussitzungen haben gezeigt, daß die jetzige liberale Partei weder ein gegebene» Versprechen einHallen, noch ein« stetig« Politik verfechten kann. Sie ist ein so u n s i ch« r e r politischer Faktor geworden, daß vor allem die A r b e t t» r- r« gierung von ihr ein« bestimmt« Auekunst und die Klärung der politischen Lage o e r l a n g t. Es wird sich am Dienstag.. zeigen, ob es in Zukunft«ine geschlossene liberale Fraktion gibt»der drei liberale Splitter, von denen jeder Politik auf eigen» Faust treibt. Da die Arbeiterregierung aus di« liberal« Ulsterstützung an- «Wielen ist, wird di« Dienstagsitzung dieser Partei zugleich ent- scheidend sei» für'die künftig««nglssch« Politik. Nieder mit pilsudski! Große Kundgebungen in Posen. Warschau, 19. März, l Eigenbericht.) Am heutigen Namenstag Joseph Pilsudskis werden überall Militarparaden veranstaltet. Beflaggt werden zumeist nur die öffentlichen Gebäude. Man versuchte. ».Massenhuldigungen" zu erzwingen. Alle Zchulkinder. Beamte und die Landbevölkerung wurden in den letzten Tage« unter Androhung von Strafen gezwungen,„herz- Itche" Postkartengrütze nach Warschau zu senden. Mit de« eigens hierfür hergestellten ftarte» wurde ein schwunghafter Handel getrieben. Posen. 19. März. Am Namenstag-Vorabend Joseph Pilsudskis gab es für die ganze Garnison einen Zapfenstreich vor dem Stadttheater. Ungeheure Menschcnmassen umsäumten den Platz. Die Musik spielte mir religiös« Lieder und vermied es. die„Legionen-Brigade* zu spielen. Aber beim Abmarsch intonierte die Kapelle die Hymne der Legionen. In diesem Augenblick begann eine gewaltige Gegenkundgebung der überwiegend nationaldemokratisch gesinnten Bevölkerung. Di« Massen stimmten die deutschenseindliche„Rata" an und übertönten die Ka- pelle. Große Umzüge formierten sich, und durch alle Straßen zogen die Massen, um gegen Marschall Pilsudski, gegen Brest-Litowsk und die„Sanierungs'parteien zu demonstrieren. Die Demonstranten marschierten vor die Wohnung des Generals H a l l e r und brachten aus ihn Hochrufe aus. Es herrschte große Eregung. Auch in den Kaffeehäusern wurden pilsudstiseindliche Kundgebungen laut. Die Polizei griff energisch ein und versuchte die Demonstranten zu zer- streuen, was ihr aber imr vorübergehend gelang. Dabei wurden einige Personen verletzt und einige Anführer vcr- haftet. Oer boykottierte Koltermeister. Warschau, 19. März. Der Sportklub„Polonia" in Przemysl wählte alle Regimentskommandeure der Garrnson Przemysl zu Ehrenmitgliedern. Nur der Kommandeur des 38. Infanterieregiments wurde nicht gewählt— Oberst Kostck-Biernazki, der Kerkenneister von Brest-Litowsk. pilsudski verlößt Madeira. Warschau, 19. März.(Eigenbericht.) Ein polnischer Torpedobootzerstörer fährt nach Madeira, von wo aus Pilsudski eine längere Mittelmeerreise mit Stationen in Aegypten und Polästina antreten wird. Er soll vor kurzem Grippe gehabt haben. Oer Konflikt bei Ltllfleins. Ein Prozeß bis in die Nacht. Der Prozeß Bernhard gegen Dr. Ullstein dauert« gestern bis in die Nachtstunden. Er gestaltete sich zuweilen äußerst stürmisch, Der Vorsitzende hotte seine Mühe, die Prozeßbeteiligten zu überschreien, mitunter sprachen sie mit erhobener Stimme in einer Weise durchemanier, daß man überhaupt nicht glaubte, sich in einer Gerichtsverhandlung zu befinden. Zu der Klage selbst äußerte sich Dr. U l l st e i n dahin, er habe seiner Ansicht nach mit Recht dem Kläger Bernhard den Vorwurf gemacht, dieser l/abe aus persönlichen Gründen die Kampagne gegen sein« Frau«röffnct. Dr. Bernhard habe, ohne die ihm zur Kennt- Iiis gebrachten französischen Akten auf ihre Richtigkeit zu prüfen, seine Frau der Spionage verdächtigt. Professor Georg Bernhard erwiderte hierauf, die Bchaup- tungen des Beklagten seien von Anfang bis zu Ende falsch. Er Hobe nie irgendwelche Recherchen vorgenommen und auch niemon- den aus dem Berlage hinausdrängen wollen. Im Gegentell habe er f ü r Dr. Ullstein gekämpft und ihn von seiner Frau befreien wollen. Er habe auch niemals behauptet, daß der Spionagevcr- dacht gegen Frau Rosi Ullstein berechtigt fei. sich mich nicht mit der Frag« beschäftigt, ob die Angaben in den Akten richtig seien oder nicht. Tatsache sei, daß die französische Regierung Akten über Frau Rosi Ullstein sichre. Wenn die französische Regierung dieses Material gegen die„Vossische Zeitung" benutzt hätte, wäre ihm, dem Chefredakteur, der Vorwurf gemacht worden,«r habe davon gewußt und nichts unternommen. Den Separatisten Mathes habe er. Bernhard, bis zum April v.J. überhaupt nicht gekannt. Ms er ihtn J>ann bei einer Gelegenheit vorgestellt worden sei, habe er das nicht vermeiden können. Zur Frage des Spionageverdachts wurde nach Eintritt in die Beweisaufnahme als erst« Zeugin Frau Rosi U l l st« i n selbst vernommen. Sic erNärte auf die Frage des Vorsitzenden und der Parteien, daß ihr nie mikgefallen sei. den Beobachtungen der Poll- tischen Polizei in Paris unterstanden zu haben. Sie habe auch nie Beziehungen unterhalten, die sie in den Geruch hätten bringen können, Agentin gegen Deutschland zu sein. Sie habe auch nie Material irgendeiner Regierung zur V«rfügung gestellt, auch nicht als deutsche Agentin gegen Frankreich oder als franzö- sische Agentin gegen Deutschland oder der französischen Regierung über den Aufbau der Sowjetannee. Sie sei auch nie von der sran- zösischen Regierung ausgewiesen worden und es fei auch nicht wahr/ daß es einem hohen franzö sifchen Beainten gelungen sei, den Aus- weisebefchl rückgängig zu machen und daß er ihr irgendein dies- bezügliches Dossier gezeigt habe. Wie die Akten entstanden seien, könne sie nicht sagen. Sic würde sie aber gern vorgelegt sehen. Das Gericht beschäftigte sich auch mit dem Anteil, den der An- geklagte Bornstein, Rodakteur des„Tagebiich", an der Abfassung des Schriftsatzes der Rechtsanwälte des Dr. Ullstein hatte. Es wurde festgestellt, daß Bornstein aus Veranlassung des Dr. Uli- st e i n Frau Rosi Ullstein in Bühlerhöhe aufgesucht, von ihr In- formattonen erhallen, dies« verarbeitet und als Material den Anwälten überreicht habe. Diese Notizen sind dann teils mit in den Schriftsatz der Rechtsanwälte hineingcnommen worden. Für diese Arbeit hat Bor«stein von Dr. illlstein einHonorar erhalten. Frau Rost Ullstein erklärte, daß bei dem Besuch des Angeklagten Bornstein in Bühlerhöhe keine Rede davon gewesen sei, daß er die von ihr erlangten Informationen für einen Schrisl- satz vcrwenden sollte: es hieß, er wolle sie publizistisch ver- werten. Die Vernehmung der Zeugen wurde bis in die späten Nachtstunden fortgesetzt. Sie drücken sich gemeinsam! ' Borsührangsbefehle gegen?i«ichstagsabge ordnete. Kassel, 19. März.(Eigenbericht.) Vor dem erweiterten Schöffengericht in Kassel hatte sich heute der koinmunistische Reichstagsabgeordnete Ernst Lohagen aus Kastel wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu vcrant- warten. Lohagen hatte anläßlich einer Hungcrdemonstration der Erwerbslosen mit dem Mitangeklagten kommumstischcn Agitator Sippel zu Gewalttätigkeiten aufgereizt. Lohagen uxir mehrere Male vom Schöffengericht geladen worden, ohne jedoch jemals zu er- scheinen. Diesmal hatte er sich wie früher damit entschuldigt, er könne wegen Ucberlastung mit Arbeit nicht erscheinen. Der Brief datiert vom 10. März, dem Tage, am dem Lohagen von, Reichstags- Präsidium aus 30 Tage von den Sitzungen ausgeschlosten wurde. Das Schöffengericht erläßt zum nächsten noch zu bestimmenden Termin einen Vorführungsbesehl. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete G o t t s r i« d Feder hate sich ebenfalls wegen Vergehens gegen das Republik- schutzgesetz zu verantworten. Er hotte in der Stadthalle in Kastel eine Wahlversammlung veronstaUst, in der er die Republik mit einem rachitischen Kinde verglichen hatte. Der heutige Termin war der vierte, zu dem Feder nicht erschienen war. Sein Verteidiger machte geltend, daß er aus grundsätzlichen Erwägungen nicht erscheine, da er vom Reichstage noch kein« offizielle Mitteilung über die Aufhebung seiner Immunität erhalten l�b«. Es liegt dem Gericht ein Erlaß des preußischen Iustizministers vor mit der Mit- teilung, daß der Reichstag die Immunität totsää)tich ausgehoben habe. Das Gericht beschloß infolgedessen einen Vorführungsbesehl gegen Feder, der sich zur Zeit in Steiermark befindet. Newaffneie Hitlertruppe verhafiei. pitters Waffenverbot in der Praxis. Esse«, 19. März, lvlgenbericht.) Dad Polizeipräsidiuin Recklinghause« teilt mit:„I« bce Nacht zum Tonnerstag, kurz nach«vtttternacht, fiele» auf der Zechenkolonie Nordstern einige Schüsse. Eine Polizeistreife, die der Schußrichtung nachging, sah aus der Straße eine große Anzahl von Personen, die eine andere Gruppe Männer verfolgte,«on einem der Verfolger wurden Hornsignale abgegeben. Nach Erscheinen der Polizeistreife verschwanden die betreffenden Personen in benachbarte Häuser. Das in- zwischen alarmierte Uebcrfallkommando nahm Durch- suchungen vor und fand in einer Wohnung 19 und in einer anderen 41 Mann vor, ferner fand man Zaun- latten. Pflastersteine. Gummischläuche, mehrere große Messer und armdicke Spazierstöcke. Von den Gummi- schläuchen waren einige mit Eisen beschlagen und einer der Spazierstöcke war ebenfalls gefährlich, weil er mit dickem Draht umwickelt war. Inzwischen war von einem Werkinvaliden der Polizei angezeigt worden, daß er in der in Frage kommenden Nacht von etwa 8 bis 10 Mann mit dem Rufe„Hände hoch!" überfallen worden war. Sämtliche 37 Personen, die Anhänger der NSDAP. sind, sind unter dem dringenden Verdacht des Land» friedensbruches vorläufig festgenommen und mittels Kraftwagen dem Polszeiamt Buer zugeführt worden, wo ihr« eingehende Vernehmung erfolgt. Tie polizeiliche Untersuchung ist im Gange." Gegen flsegende Schlägerkolonnen. Verbot von Llmziigen aus Krastwagen in der Provinz Hannover. Hannover, 19. März. Der Oberpräsident der Provinz Hannover hat am heutigen Tage, veranlaßt durch die zahlreichen Ausschreitungen, die dadurch entstanden sind, daß zu politischen Veranstaltungen und Verfemun- hingen aus anderen Orten Kampftrupps unter der Finna von Schiitzstasseln herangesahren worden sind, eine Polizeiverordnung erlassen, die ein Verbot von öffentlichen Umzügen und Transporten auf Lastkraftwagen und Kraft- o m n i b u s s e n enthält. In einer* für die Polizeibeamten bestimmten Instruktion sagt der Oberpräsident: Die Polizeiverordnung stellt selbstverständlich weder einen Eingriff in die Vcrsaminlungssreiheit noch in die ordentlichen Verhältnisse dar. Sie bezweckt lediglich, dem unHall- baren Zustande«in Ende zu machen, der dadurch entstanden ist, daß zu politischen Versammlungen und Veranstaltungen, die sonst in der Regel ui, zweifelhaft friedlich verlausen würden, ortsfremde Stoßtrupps herangesahren werden. Mi diese Trupps für die örtlichen Polizeiverivaltungen vielfach vollkommen überraschend ankommen, konnten ausreicheirde vorbeugende Maßnahmen zum Schutze von Ruhe und Ordnung häufig nicht mehr getroffen werden. Umzüge und Transporte von politischen Gruppen sind von den Polizeibeamten und den Landjägern durchaus sicher van harmlosen Fahrten dadurch zu unterscheiden, daß sie als Ziel in der Regel politische Versammlungen oder polllische Kundgebungen haben. Die Persönlichkeiten der Tellnehmer an solchen Fahrten sind künftig sämtlich festzustellen, damit die Bestrafung durchgeführt werden kann. Das verbotswidrig benutzte Fahrzeug ist in jedem Falle so s i ch e r z u st el l e n, daß ein« Fortsetzung der verbotenen Handlung, dos heißt die Heimfahrt, damit u n- möglich gemacht wird. �Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Berantwortlich für Politik: Dr. Cnrt Srqer: Wirtschaft: 9. Illi«a«ll>öser: >ftsd«i».',,>,ng: Fr. feftloin; Fcnillrlon Dr. Job» Schilowoli, Lokales: und Eonftiaes: Friz Karstadt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlan: Vorwärts-Verlaq® m b. i.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdrucker«! und Bcrlogsanstalt Paul Sinqer u. Ca.. Berlin SW 68, EindcnfttaSt 3. Hierzu 3 Beilage» und.Stodtbeilage'. WERTHEIM«iR Scu>Qft(Dovratt Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leidrf verderbliche Artikel werden nidit zugesandt Heh&nsvnvitel Frisch« Fleisch Wurstwaren Konserven � Obst u. Gemüse Suppenfieisdi..Pfund 0.68 Rinderkamm'p™ d 0.82 Schmorfleisch ohnpfUKn'd 1-14 Roastbeef 0.96°�'f.38 Hausmach.-SQIze pm. 0.52 Hannov. Rotwurst Pfd. 0.70 Dampfwurst.lÄJhE 0.88 Bockwurst Wl*np"'nd 1.08 Leberwursf'ÄÄ 1.10 Jagd-, Kümmelwurst 1.25 Holsfelner L'uÄnd 1.38 Leberwurst LTfn.iwu«! 1.40 Teewurst 1.45 grob* 1.55 Königsfr., Rosenthaler Str., Morlteplafp Berliner Mettwurst 1.10 Bierwurst..... Pfund 1.30 Gehacktes.... Pfund 0.75 Gulasch 0.90 Liesen 0.64 RückenfeH"""""�0.64 Hammel.Vorderfl. 0.94 Schweinerücken.i£ud>0.78 Schweines chink..KU.nmm0.86 Kahler mud g*«»lr»n, pfuno 0.88 kr. Bratwurst 1.10 krisch. Eisbein ��"0.60 Kalbskamm...Pfund 0.68 Kalbsbrust u RUdV*rund 0.76 Kalbskeule gfAVffi! 0.88 Räucherwaren 0.26 P Ii nm 1.2 5 S}elnbuschervoiif.�«.0.88 Sprotten �„'0.35 Kistch. 0.38 Dorsch 0.38 v, _______ Dose Schnittbohnen 0.38 0.46 Brechbohnen. 0.38 0.48 Sdm.-u.Bredi-Bohnenl 0.54 Spinat 0.36 Kohlrabi 0.33 Gemüse-Erbsen... 0.46 Erbsen 1.10 0.64 Gemitdtt. Gemüse».«« 0.60 Gemisdit.Gernuse"�*''0.84 Sellerie v, o°.» 0.38 0.55 Senfgurken....... 0.72 Bruchspargel ohn« xspf« 1. 3 5 Stangenspargel m" 1.65 Käse u* Fett Kolonlalwasrcn Camembert säadiu'iuw 0.25 Harzerkäse.. Ki,i-»>.n 0.48 Dän. Schweizer'pl!"d 0.80 Limburger 0.46 � 0.84 Flundern grode. Pfd.».«n 0.40 Margarine, Xvkeitett 0.40 Tafelbutter Pfund 1.58 1.68 Dän. Buffer— Pfund 1 JW am Bruchreis..... Pfund 0.1 5 Tafelreis Pfund»„».:« 0.20 Haferflocken.. Pfund 0.22 Eiere zurück 3. Dinale-Goebel 351 Punkte, 4. Ricger-Maczynski 143 Punkt«. Drei Runden zurück 3. Krüger-Funda 212 Punkte, 6. Manthey-Nickel 183 Punkte, 7- Faudet-Marcillac 143 Punkte. Fünf Runden zurück 8. van Kempen-Ehmer 353 Punkte, 9. van Hevel-van Buggenhout 143 Punkte. In den 145 Sttinden wurden insgesamt 3244 Kilometer zurückgelegt. wägen. Genosse Katzenstein konnte feststellen, daß es eine weltliche Schule ist, in der— selbst nach Meinung des Stadtv. Dr. Bamberg— ein vorbildlicher Psvkchrsunterrilht stattfindet. Den Kommunisten sagte Katzenstein, daß man ihren Angaben über Sowjetrußland keinen Glauben schenke, da bekanntlich in Rußland die meisten verwahrlosten Kinder aus der Straße herumlungern müssen. (Geheul bei den Kommunisten.) Der demokratische Antrag wurde dem Haushalteausschuß überwiesen. Der öffentlichen, um 21 Uhr beendeten Sitzung schloß sich eine geheim« an. Genossin Dr. Käte Frankenthal hat ihr Stadtverordneten- mandat niedergelegt, nachdem sie an Stelle des Genössen Adolf H o f f m a n n in den L a n d r a g eingetreten ist. Listennach- solger für Genossin Frankenthal ist Genosse Rektor H ä d i ck e. Auch Gcholtz verzichtet. Bürgermeister S ch o l tz hat dem Vorsitzenden der Fraktion der Deutschen Volkspartei, dem Stadtv. Schwarz, mitgeteilt, daß er nicht beabsichtige, für die Wahl des Oberbürgermeisters zu kan- didiercn, und demgemäß gebeten, von seiner Präsentation Abstand zu nehmen._ Vom Hungeriod bedroht. Die Schiffbrüchigen der»Viking" in höchster Not. New p o r k, 19. ZNärz. Die Regierung von Reusundland hat die Besahungen der Hilss- schiffe, die infolge der Eisverhällnisse horse 3slands nicht erreichen können, aufgefordert, den Versuch zu unternehmen, die Eisbarriere vor horse 3sland zu Fuß zu überqueren, da die Schiffbrüchigen und die Bewohner der 3nsel in unmittelbarer Gefahr schweben. Hungers zu sterben. Das hilssschiss Sagona, das fünf See- nieilen vor horse 3slond im Eise festsitzt, soll als Lazareltschiss dienen. Der bekannte amerikanische Flieger Bert Bolchen, der Admiral Byrd auf seinem transatlantischen Flug und dem Flug' über den Südpol begleitete, wird sich an der Suche nach den Vermißten der„viking" beteiligen, die. wie man vermutet, zum Teil aus Eisschollen ab- gelrieben sind. Ein lebensmüdes Mädchen. psychopathin springt in den Londwehrkanal. Das Schöneberger Ufer in unmittelbarer Nähe der Pots- damer Brücke war gestern der Schauplatz eines überaus aufregenden Vorfalles. Ein Mädchen kletterte vor dem Hause Schöneberger Ufer 25 plötzlich über das Geländer der an dieser Stelle sehr steil abfallenden 6 Meter hohen Bäschkmg und sprang in den Land- wehrkanal. Der gerade vorübergehende 19jährige Kaufmann Fritz Frankel aus Hermsdorf sprang der Lebensmüden in voller Kleidung nach imd es gelang ihm, die jugendliche Selbstmörderin zu fassen-und so- lange über Wasser zu halten, bis mehrere Polizei- heg inte den Rettungskahn losgemacht l)atten und Retter undGe- rettete aufnahmen. Das zunächst unbekannte Mädchen, das in das Elisabeth-Krankenhaus gebracht wurde, wurde schließlich als eine 27 Jahre alte Elisabeth Sch. aus der Frankfurter Allee ermtttell. Das Mädchen, das zuerst für eine zwölf- bis fünfzehnjährige Schülerin gehalten wurde, ist eine schwere Psychopath in und in der körperlichen Entwicklung zurückgeblieben. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß sie noch das Aussehen«3 n e s Kindes hat. Osterkonzerk des Reichsbanners. � Das Musitkorps des Orts- Vereins Neukölln-Britz, Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, veranstaltet am Sonntag, dem 5. April 1931, 17.39 Uhr(1. Osterseiertag), in Kliems Festsälen im Rahmen eines Osterkonzerts eine Musik- und Variete-Revue. Anschließend Tanz. Eintrittskarten zu 1 M. sind bei allen Funktionären erhältlich. Nun, da er nüchtern ist und genau weiß, was in der Bank geschah, daß der Direktor recht hat, daß die Unterstützung eben darum gerade bei zwanzig Morgen anfängt, weil er bloß achtzehn hat, und daß die zwei fehlenden Morgen Platz bieten für einen ganzen Friedhof voll solcher nutzlosen Existenzen wie Friedrich Papendieck— nu weiß er auch, daß er morgen nicht wieder zurückfährt: daß er diesen Weg zum letztenmal fährt. Er sieht ihn sich darum ganz genau an, damit er später von ihm erzählen kann, da, wo er hinfahren wird, in Berlin oder— oder-- jedenfalls ist es ein ekelhaft öder Weg, schwarze Kiefern rechts und links, und bloß, wo Dörfer kommen, werden es Birken, die Heller find und auch nachts leuchten, und an den Kreuzungen rauschen die Pappeln wie Bäche— wie wenn nicht noch olles gefroren wäre, trotz dem Frühling, jawohl, diesem Miststück von einem Frühling, der den Spargel erfrieren läßt und anständige Menschen ver- hungern... Verhungern, das ist es, glatt verhungern. Er wird ohne Geld nach Haufe kommen, die Lene wird vielleicht noch zwanzig Mark haben, nein, sechzehn Mark vierzig, drei Mark sechzig kostet die Rückreise— das wird reichen— warte mal, Papendieck— also das wird reichen vier— sagen wir: fünf Tage— na und dann? Na. und dann? Hä? Die Tatsache, daß die Verwandten dreitausend so langsam zusammen- geliehene Mark durch den Gerichtsvollzieher eintreiben lassen wollen, erscheint ganz bedeutungslos gegenüber der anderen Tatfache, daß man verhungern soll. Aber man wird nicht verhungern. Nu gerade nicht. Papen- dieck haut dem Pferd eine über. Gibts kein besseres Leben, fo gibts doch vielleicht einen besseren Tod. Oder jedenfalls «inen schnelleren. Jedenfalls kann Papendieck krepieren, wänn's ihm paßt: schon morgen, schon heute, aus dieser Fahrt schon, hoho— ganz wie er will. Wieder schlägt er auf das Pferd— aber das geht nicht schneller. Fst zu mager. Früher hatte man mal zwei fette Belgier: früher hatte man auch selber noch Fett. Vorbei. Papendünn. Hat ja auch wirklich deine Eile heute. Wirklich nicht. Denn das Ende, nicht wahr, das Ende von dieser Fahrt und überhaupt von allem— das ist ja klar. Das hat man sich ungefähr so zu denken— und Friedrich Papendieck ver- fällt in seine alte, kindliche und eitle Gewohnheit, sich alles gedruckt vorzustellen: Ein Opfer seines Berufes wurde das frühere geschätzte Mitglied unseres Betriebes, Herr Karl Friedrich Papendieck. Nein. Beruf— das sagt zu wenig. Zu wirkungslos. Liest kein Hund. Ein Opfer seines Idealismus vielleicht...? Richtig. Ein Opfer seines Idealismus. Das gefällt ihm einige Zeit. Er sieht ordentlich die Matrizen ans der Setz- Maschine rollen, halbfett, und sich zusammenfügen. Jdealis- mus... hatte er immer gern gelesen, das Wort. Also weiter: Bei der Heimfahrt von einer gesellschaftlichen Reise geriet � geriet— infolge durchgehenden Pferdes— unmöglich! Die Schindmähre und durchgehen! Also besser: Infolge der bis zur Unkenntlichkeit vereisten Chaussee der Wagen ins Rutschen und Herr P. unter die Räder, wodurch er zermalmt... Brrr! Papendieck schüttelt es. Sonst ganz gut. Aber zermalmt keinesfalls. Die 5kälte wird überhaupt unerträglich auf dem Wagen, die Beine sind schon steif, der Bart knistert: Papendieck steigt ab. Geht neben dem Wagen her. Beginnt sich einstweilen mit dem Nachsatz zu beschäftigen: „Ob ein Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, ließ sich nicht feststellen. Papendieck weiß nicht, woher ihm dieser Nachsatz kommt. Aber er gefällt ihm. Er klingt so— so listig. Friedrich Papendieck macht ein ganz listiges Gesicht. Schlagzeile also mit Fragezeichen, Fragenzeichen gibt immer Spannung: Erfroren? „Brrrl"�sagt Papendieck plötzlich. Der Weg biegt um. Sein erstes Spargelfeld beginnt hier. In fünf Minuten ist er im Stubbenland. Erst mal halten. Ausruhen. Bloß ausruhen mal eben. Fragezeichen? Wozu überhaupt das Fragezeichen? Ein Geheimnis kann man doch wenigstens mitnehmen, nicht wahr? Schon— Lenes wegen... Papendieck schluckt, ganz gerührt, schluckt hinunter, sagt laut:„Also einfach„erfroren".' Punkt. Basta." Das will er sich noch mal überlegen. Er fetzt sich an den Feldrand: ist so schlapp. Das Pferd beginnt nach vorjährigem Heidekraut zu stöbern, zieht dabei den Wagen ab und zu ein Stückchen weiter. Der Wind beißt jetzt plötzlich mit tausend winzigen, scharfen Zähnen: das ist der Sand, Papendiecks Sand, den der Wind seinem Besitzer höhnisch ins Gesicht wirft... Man kann nicht nachdenken bei soviel peitschendem Sand. Papendieck legt sich in einen der tiefen Gräben auf den Rücken: hier ist es geradezu warm. Hier muß man schlafen können, in so einer Furche, nur nicht ins Haus jetzt, in die Stube, wo man schlaflos ist... Erfroren im Sande. Ein Opfer der Kälte. Ein Opfer des Sandes. Ja, wahrhaftig, so muß es heißen, so ist es richtig: ein Opfer des Sandes— ein Opfer— haha— des — Sandes... Papendieck schluckt. Ein Begräbnis wird man auf diese Weise übrigens auch haben können, denkt ein Nerv da oben im Schädel, indessen die Kehle schluckt und plötzlich alle Sterne, die noch eben im Samt gesteckt haben, kalt und spitz wie Nadeln, zutraulich blinzeln— zutraulich und listig... Das kommt wohl nur vom Wasser, das in den Augen ist. Aber warum heulen? Es liegt sich gut hier. Ach du Sand, du harter, weicher Sand vom Stubbenland... Friedrich Papendieck schläft ein. * Rolf liegt in seines Hütte und schläft nicht: er wimmert leise, in langgezogenen, klagenden Piepstönen. Nicht, daß ihn fröre. Friedrich Papendieck hat eine doppelte Lage Dach- pappe rings um die Hütte genagelt, und Rolf hat noch seinen Winterpelz: nicht, daß er hart läge: Papendieck hat frisches, reichliches Stroh in die Hütte getan: nicht, daß ihn hungerte: Papendieck hat Reis, Knochen und Hundekuchen in verschwen- derischer Fülle vor die Hütte gelegt. Aber daß die Feigheit wieder aufwacht, die Feigheit und die Traurigkeit, die man nun mal seit seiner verprügelten Kindheit tief in der Hunde- seele sitzen hat und nicht wieder los wird: das hat Papeildieck nicht ändern können, als er heute morgen ohne Rolf wegfuhr: an wen nun sich anschmeicheln, wem nun die Pfoten auf die breite Brust legen, um sich da Mut zu holen? Früher hat man gejault in solchen Nächten: in langen, von der Tiefe zur Höhe und wieder zur Tiefe gleitenden Cellotönen gejault: aber das liebt Papendieck nicht, das darf mithin Rolf nicht, das hat man endlich begriffen. Und also piepst man nur, mäusegleich und würdelos, und zittert, und spitzt die Ohren mehr aus Angst, als aus Wachsamkeit,(Fortsetzung folgt.) Kur wahre Kultur? Erfolgreiche Arbeit zur Bekämpfung des Rauschgiftes. Die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Alkohol- gegner(Asa) hielt soeben ihre diesjährige Hauptversammlung ab, die leider nicht so gut besucht war wie in den Vorjahren, da viele chr angehörige Parlamentarier durch die zurzeit anstehenden un- gewöhnlich Wichligen parlamentarischen Arbeiten und Beratungen am Kommen verhindert waren. Die Versammlung wurde von dem zweiten Vorsitzenden Ge- Nossen Tempel geleitet. Stadtcrrzt Genosse Dr. Drucker, der Geschästsfiihrer der Asa, gab den Bericht über das dritte Geschäfts- jähr. Große Aktionen find nicht unternommen, die Arbeiten jedoch wirksam und erfolgreich weitergeführt worden. Eingeleitet wurde das Geschäftsjahr mit jener eindrucksvollen Kundgebung im Herren Haufe, auf der die Rede des Genossen Severin g durch Rundfunk übertragen wurde. Sämtliche Reden wurden dann in einer Broschüre zusammengefaßt, die nahezu ausverkauft ist. Besonders erfolgreich erwies sich ein Wochenendkursus für sozialdemokratische Lehrer und Lehrerinnen in Lübbenau. Die Nachrichtentorrespondenz ist nicht so schr von der Presse als von den Organisationen ausgenommen und benutzt worden. Während die Beziehungen zu den G e w e r k s chä s t e n sich ständig bessern, sind fie zu den Arbeitersportlern leider noch sehr locker. Ausgezeichnet war das Zusammen- arbeiten mit den Krankenkassen, von denen eine An- zahl Führer auch persönliche Mitglieder stnd. Die beiden a l k o h o l- freien Gaststätten haben sich gut entwickelt. Einige Vor- schriften des Schankstättengesetzes haben sich ungünstig ausgewirkt. Das Verbot des glasweisen Ausschanks von Spirituosen wird durch Verkauf ganz kleiner Flaschen umgangen. Die als äußerste Grenze bezeichnete I-Uhr-Polizsistunde wird vielfach als Regelfall genommen. Die Reichstagsfraktion wird sich zu gegebener Zeit mit diesen Dingen beschästigen müssen. Ein Werbefilm wird vorbereitet. Die Kasse ist in bester Ordnung. Es war möglich, im abgelaufenen Geschästsjahr eine Anzahl so- zialistischer Kulturorganisationen zu unterstützen. Den in der Aus- spräche vom Genossen Höh eiset gegebenen Anregungen, auch die Polizeibeamten über die Schäden des Alkohols zu unter- richten und der Gefahr einer Verkleinerung des Fonds im Reichs- innemninisterium zur Bekämpfung des Alkoholismus zu begegnen, wurde Beachtung zugesagt. Die Vorstandswahl ergab Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, der sich zusammensetzt aus den Genossen Severing(erster Vorsitzender), Tempel(zweiter Vorsitzender), Dr. med. Drucker(Geschäftsfichrer), Minister Grinnne, Professor Grotjahn, Marie Juchacz, Th. Kretzschmar, Dr. K. Löwenstein, Toni Pfülf, Wilhelm Sollmann und Machilde Wurm. Voraus ging den geschäftlichen Beratungen ein tief schürfender Vortrag des Genossen Sanitätsrat Dr. Iuliusburger über Psychologie und Soziologie des Alikoholismus, in dein sich der Redner mit den Theorien Freuds auseinandersetzte und stark, eindrucksvoll und überzeugend die Unmöglichkeit der Trennung von Körper, Seele und Geist betonte. Trotzdem müsse man Freud als einen ganz großen und starken Anreger betrachten, an dem kein moderner Psychologe, der ernst genoinmen werden wolle, vorüber könne. An der Aussprache beteiligten sich die Ge- nassen Professor Grotjahn und Pastor Franke. Llrteil gegen die Mordbuben. �3 Jahre Zuchthaus für den HauptangeNagten. Im Prozeß gegen die drei jungen Burschen, die am ?l. Dezember v. I. die Frau de» Zigarrenhändlers Rickmana ge- tölel, den Ehemann Rickmann schwer verletzl und die Kasse aus- geplündert haben, wurde von dem eandgericht I der hauplangeklagle H a l u b k a wegen schweren gemeinschastlichen Raubes mit Todes- erfolg, in Tateinheit mit Tolschlag. schwerer Körperverletzung zu IZZahrcnZuchlhaus und 10 Zahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Der Angeklagte R! o h r i n g erhielt »vegen gemeinschaftlichen Raubes mit Todeserfolg in Taleinheil mit gefährlicher Körperverletzung 10 Zohre Zuchthaus, 10 Zahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, der Augeklagte hopp wegen Beihilfe 1 Iahr 6 Monate Gefängnis. Das Gericht ist also den Strafanträgen das Staatsanwalts nicht gefolgt, der gegen Halubka lebenslängliches Zuchthaus, gegen Moh- ring 12 Jahre Zuchthaus und gegen Popp 4 Jahre Zuchthaus be- antragt hatte. Mit Recht hatte das Verbrechen in der Stargarder Straße größte Empörung hervorgerufen. Der Ehemann Rickmann ist zwar mit dem Leben davongekommen, leidet aber heute noch an der Gehirnerschütterung, die ihm Mohrings Kinnhaken verursacht hatte. Die Verteidigung aber betonte gleichsalls mit Recht, daß auch die soziale Seite dieses Verbrechens wie überhaupt jedes anderen, mit zu berücksichtigen sei. Und in der Tat, die Einblicke. die man in dieser Beziehung während der Verhandlung erhielt. waren erschütternd. Unglaublich, in welchem sittengesährdenden Milieu die arbeitslose Jugend heutzutage lebt. In dem Heime, in dem sie übernachteten, gehörte„ein Ding drehen" zum ständigen Gesprächsstoff. Die Angeklagten erzählten ihren Schlafgenossen von ihren Absichten, zeigten einen Revolver herum, machten gar kein 5)ehl daraus, daß sie ein Ding zu drehen beabsichtigten und waren überzeugt, daß niemand sie verraten würde. Das Gericht konnte selbstverständlich nicht unberücksichtigt lassen, wie die Angeklagten zu der Tat gekommen waren. Eine traurige Kindheit, schlimme häusliche Verhältnisse. Arbeitslosigkeit und di« seelische Not der heutigen Jugend. Zwei von den Angeklagten waren uneheliche Kinder und Halubka erfuhr erst im Alter von 19 Jahren� daß er nicht Sohn seines Baters ist. Die fürchterliche Tat sollte eine neue Warnung sein für die arbeitslose Jugend in ihrer unermeßlichen seelischen Not viel mehr zu tun, als heute geschieht.» Freie Schulgemeinde Lichtenberg. Die Versammlung der Freien Schulgemeinde Lichtenberg findet nicht heute, sondern am Montag, dem 23. März 1931, statt. Verkehrsrückgang bei t»r Reichsbahn. Die Reichsbahn be- fördert« auf der Berliner L-Bahn im Monat Februar dieses Jahres 31-231 497 Personen. Gegen Februar 1939 mit 36 934 651 Personen ergibt sich ein Iahresrückgang von 13,3 Prozent. Musik bannt Not Selbsthilfe der arbeitslosen Musiker** Appell an die Oeffentlichkeit Für erwerbslos« Musiker Verdienstmpglichkeiten zu schaffen, ist immer noch leichter als für andere Berstf«. Ein Konzert, noch dazu wenn es hohes künstlerisches Niveau hat, kann als„Helfer in der Not" manchmal ein ganz schönes Stück Geld einbringen. Dissen Gedanken in die Tat umgesetzt zu haben, ist das Per- dienst des freigewerkschaftlichen Deutschen Musikers er- bau des und seiner Funktionäre. Das Arbeitsamt wirkte bei der Sache mit, ihm tonnte es nur recht sein, das grenzentose Elend der Berliner Berufsmusiker wenigstens etwas gemildert zu sehen. Und so stellte man ein Orchester von 299 Mann zusammen, alles erst- klasflge Musiker mit Hochschulbildung, Künstler, die erwerbslos und untätig aus der Straße liegen und so ersahren, daß Kunst zwar Gunst, aber darum noch lange nicht Brot bringt. Intendant Dr. Kurt Singer gab das Städtische Opernhaus bereitwilligst her, die Ge- neralmusikdirekloren Dr. S t> e d r y und B r e i s a ch waren von den Funktionären der Stadtoper bald gewonnen, Professor Leonid Kreutzer und der Aerztechor, st« alle übernahmen ohne Eni- schädigung die Mitwirkung, und so stiegen am 15. Februar und am 8. März die ersten Konzerte des Monster-Orchesters von 290 arbeitslosen Musikern. Alle hatten die Freude, ein brechend volles Haus zu finden. Es ist nicht zu viel gesagt: Man sah es den Spielern an, daß sie mit höchster Hingabe musizierten, denn schließlich kommt ein Geiger,«in Bläser noch schneller aus der Hebung als ein anderer Erwerbsloser. Groß war bei den ersten Konzerten der sinanzielle Erfolg, für den einzelnen allerdings nicht, wenn auch das Fahrgeld für die Proben das Arbeitsamt bezahlte, aber trotzdem— etwas ist besser als nichts. Mechanisch auf Schallplatten konservierte Musik, der Tonfilm, Auslönderkapellen, nach Feierabend arbeitende Beamtemnusiker, Militärkapellen, Liebhaberorchester lasten den Verussmustker, selbst den besten, routiniertesten brotlos werden. Als Hugenberg die Ufa-Theater auf den Tonfilm umstellte, wurden in Berlin allein 459 Musiker erwerbslos; in Deutschland sind von 60 000 Berufsmusikern nicht weniger als siebzig Prozent ohne Arbeit! Deshalb ist der Appell, der mit solchen Arbeitslosenkonzerten an das öffentliche Gewissen gerichtet wird, von größter Bedeutung. Nicht allein, daß di« Not der Musiker erkannt wird, es wird auch bewiesen, daß arbeitslos sein noch lang« nicht heißt, künstlerisch leistungsunsähig zu sein. Und schließlich schadet es auch nicht, wenn Stadt, Staat und Reich immer wieder veranlaßt werden, dort, wo chr Einfluß maßgebend ist, auf die Beschäftigung von arbeitslosen Berufsmusikern zu dringen. Ist das schon in allen Ratskellern, Konzerthallen, aus allen amtlichen Feiernder Fall? Dieser Tage erst istder Zivilberussmusiker- kapelle im Charlottenburger Ratskeller deshalb gekündigt worden, weil sie in Verhandlungen mit dem Oekonom dafür eintreten wollte, daß einer sogenannten uniformierten Militärkapelle das Musizieren im Ratskeller untersagt wird. Genosse P r i e tz« l vom Deutschen Musiker-Berband streift« dies« Fragen kurz in einer Ansprache beim zweiten Konzert am 8. März. Er forderte Verständnis und Solidarität für die arbeitslosen Musiker, dankte aber auch in ihrem Namen für den Ersolg der ersten Kon- zerte. Wer Bedarf an Musik jeder Art hat, der wende sich an den Deutschen Musiker-Berband in der Kommandantenstraße 64, wo er kostenlos von Fachleuten beraten wird. Der DMV. wird tünst- lerisch hochwertige Konzerte arbeitsloser Berufsmustker an folgenden Tagen oeranstalren: 27. März und am Korfreitag in der„Neuen Welt", Dirigent Goldschmidt; 8. April Hochschule für Musik Char- loUerrburg, Dirigent Generalmusikdirektor Kleiber, Solist Pro- fessor Kulenkamp(Klavier); 19. April Matinee bei Kroll: 23. April Philharmonie, Dirigent Dr. Zander, Solist Professor Busch(Violine). Daneben hören die Rundfunkteilnehmer öfter, als sie es wissen, ar- beislose Berufsmustker im Rundfunk— übrigens auch ein Erfolg des„Appells an das öffentliche Gewissen" durch den Deutschen Musiker-Berband. „Luxusappariements." Der Hausgewaltige des Hauses Verlin R, Milastraß« 4, stt kein Unmensch, er läßt mit sich roden: diese„großzügige Ader" ist nur leider erst zu entdecken, wenn seine Mieter, die er ganz nach Be- lieben oft und in verschiedener Höhe steigert, ansangen, un- gemütlich zu werden. Im Hause Milastraße 4 sind insbesondere die Bewohner des Quergebäudes in wohnlicher Beziehung wirklich nicht aus Rasen gebettet: das Haus beherbergt eine große Fabrik, die den ganzen Hof mit Fuhrwerken vollräumt, oft sind die Hausbewohner gezwungen, buchstäblich unter den Wagen durchzukriechen. Di« Hof- szeneri« ist weiter durch eine große M i st k u t e oerschönt. Die meisten Wohnungen haben überhaupt kein Licht, sind dafür zum Ausgleich infolge ihrer allzu freien Lage h u n d e k a l t und nur sehr schwer zu erheizen. Trotzdem findet der Herr Hauswirt, daß er aus diesen.Luxusappartements" noch zu wenig heraushast und bedroht und bedrängt die Hausbewohner unaus- gesetzt mit M i e t e st« i g e r u n g. Aus Beschwerden und Klagen wird überhaupt nicht reagiert, dagegen hat jeder, der mit ihm in Zwist lebt, bei einer zufälligen Begegnung allerlei hübsche Redensarten zu gewärtigen. Ein Gelähmter, der küm- merlich von seiner Rente lebt und um Ermäßigung einkam, wurde :rotz günstiger Erledigung seines Gesuchs monatelang mit der Herabsetzung der Miete hingehallen. Beschwerden beim Wirt oder den zuständigen Stellen oerlausen im Sande. Dabei zittert und zagt noch jeder, wenn er sich allzu unbeliebt macht, indem er sein gutes Recht oerlangt, auch noch aus diesem„Paradies" hinaus- gegraust zu werden. Wann wird dieser qualvolle Kamps zwischen Hauswirt und Vermieter endlich sein Ende nehmen? Schöffe im Bezirksamt. Verzweiflungstat eines arbeitslosen Familienvaters. Zu einem heftigen Auftritt kau, es gestern«ms der wohlsahrts- stelle des Bezirksamtes Kreuzberg in der porckstr. 11. Der 27 Zahre alte Arbeiter Antou E. aus der Zosseuer Straße war hier in Begleitung seiner Frau und seines Kindes erschienen. Er legte den Bries eines Arztes vor. aus Grund dessen er um eine pflege- zutage für Frau und Kind ersuchte, von den Beamten wurde ihm vorgehalten, daß er für seine Frau Arbelislosenunlerstühung bezogen habe, die ihm nicht zugestanden habe.(£» kam deshalb zu einem heftigen Streit. Zu seiner Erregung griff<£. die Beamten tätlich an und sollte aus den Dieosträumen entfernt werden. Er widersehte sich und zog plötzlich eine Scheintodptskole aus der Tasche und gab mehrere Schüsse gegen die Zimmerdecke ab. Er geriet hierauf m einen Ringkampf mit dem 30 Jahre alten Angestellten Hans Hildebrondt, den er mit dem Revolverknaus mehrmals auf den Kopf schlug. Ein Amtsbote, der hinzukam, schlug C. mit einem Stuhlbein ebenfalls über den Kopf, und so konnte der Arbeiter überwältigt werden. Es gelang ihm aber, sich loszureißen und aus dem Haus« zu flüchten. Auf die Hilferufe wurde er von Polizeibeamten auf der Straße festgenom- men. Die Verletzungen des Angestellten Hildebrandt sind gering- fügig. Er konnte nach Anlegung eines Verbandes nach Haus: gehen. C. wurde nach seiner Vernehmung auf der Pqlizei wieder entlassen. * Ein anderer Vorfall, der auch«ine Verzweiflungstat darstellt, ereignete sich am Donnerstagvormittag ayf dem Wohlfahrtsamt in der Chausseestr. 42, im Norden Berlins. Auch hier lagen Differenzen wegen Arbeitslosenunterstützung zugrunde. Eine 19 Jahre alt« Arbeiterin Liesbeth H e i n i ck e aus der Choriner Str. 79 sturste sich, ehe man sie daran hindern konnte, aus einem Fenster im zweiten Stock auf den Hos hinab. Mit einer Verstauchung des Beckens mußte sie in das Lazarus-Krantenhaus gebracht werden. Erdrutfchkatastrophe in der Schweiz. Wälber flürzen zusammen.- Fünf Dörfer bedroht. Im Amtsbezirk Schwarzenburg sind gewaltige E r d m a s s e n langsam aber ständig Im Fortrutschen begriffen, so daß eine schwere Katastrophe befürchtet wird. Es handelt sich um ein großes w al d g e b i e t und um vier Besitzungen, die vernichtet werden. Bereits Mittwochnachmittag wurden an verschiedenen Stellen tiefe Erdrillen festgestellt. Der Balkon eines Hauses stürzte plötzlich ab. Die Einwohner eines Dorfes mußten in größter Eile Gebäude und Ställe räumen. Infolge der tiefen Schneedecke ist es den Behörden noch nicht möglich gewesen, sich ein Bild von der tatsächlich drohenden Gefahr zu machen. Ein« weitere Ausdehnung des Erdrutsches würde fünf im Tale der Schwarzwasser I liegenden Dörfer bedrohen. Im Erdrutschgebiet bieten uralte Staatswälder einen trostlosen Anblick. Mächtige Tannen sind gestürzt. Tiefe Erdrisse machen das Befahren der Gegend unmöglich. Sämtliche umliegenden Dörfer sind ge- räumt worden. Wieder Gaalfchlacht! Za einer Raziversammlung in der Frankfurter Allee Z1Z kam es gestern abend wieder einmal zu einer schweren Schlägerei zwischen Hatenkreuzlern und Kommunisten. Zahlreiche Fensler- und Türscheiben wurden durch ein Stelnbombardemeol zertrümmert. Riehrere an der Schlägerei Beteiligte sowie ein polizeibeamler er- litten Verletzungen. Zwei haupträdelsführcr wurden festgenommen und der politischen Polizei übergeben. Neue Flugzeugkatastrophe. Rom. 19. März.(Eigenbericht.) Der bekannteste Flieger Italiens, Maddalena, wurde am Donnerstag bei Marino di Pisa mit zwei Begleitern das Opfer einer Flugzeugkatastrophe. Maddalena, der mit seinen Begleitern in einem Wasserslugzeug ausgestiegen war. stürzte kurz nach dem Start aus bisher noch unbekamüen Gründen ab. Er und seine beiden Begleiter verunglückten tödlich. Nelchsgericht bestätigt Todesurteil. Am 22. November vorigen Jahres verurteilte das Schwurgericht in Schneidemühl den Fischereipächter Baginski wegen Raubmordes an dem Viehhändler Lasch aus Chemnitz zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Wegen Beihilfe zu diesem Verbrechen wurde vom gleichen G.'richt der Landwirt Libuda zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Beide hatten gegen das Urteil Revision eingelegt. Der zweite Strafsenat des Reichsgerichts hat jetzt die Revisionen verworfen Haftbefehl gegen Kommnnist Zkenz. Der Kaufmann Fenz, der Führer der Ortsgruppe Nauen der KPD. und Stadtverordnete von Nauen, wurde gestern dem Per- nehmungsrichter in Spandau vorgeführt unter der Beschuldigung, führend an den Zusammenstößen zwischen Polizei und Kommunisten in Nauen am Abend des 17 März beteiligt gewesen zu sein. Der Vernehmungsrichter des Amtsgenchts Spandau hat gegen Fenz Haftbefehl wegen schweren Aufruhrs in Tateinheit mit schwerem Landfriedensbruch erlassen. Das schwere Aulounglück in Moabll konnte bisher noch nicht weiter geklärt werdert, da der schwerverletzte Führer des einen Unglückswagens, der 39jährige Paul K l a t t aus der Mindener Straße 2, und der gleichfalls schwerverletzte ö2jährige Arbeiter Otto Zahn aus der Küstriner Str. 11 noch nicht vernehmungs- sähig sind. Der bei dem Unfall Getötete ist ein 45jähriger Arbeiter Franz T h,« u e r k a u f f aus der Erasmusstr. 16. Bratensoße För Fleischreatc, Klops, Leber, Nieren, Hackbraten, Bratwurst usw., kür fleischlose Mahlzeiten und für Spezialsoßen wie Tomaten-, Sahnen- u. Sardellensoße. Ein herrliches Hilfsmittel für Hausfrauen t " 1 Würfel-y, Liter,* Vatersorgen! � Berlin als Vormund 192� Von Jahr zu Jahr tieigt die Zahl der Kinder, denen Berlin als Vormund dient, für die es gleichsam an die Stelle der Eltern tritt. Die Bezirksjugendämter als Amtsoormund betreuen diese Kinder in fürsorgerischer und insbesondere in gesundheitlicher und erzieherischer Hinsicht; sie sind auch gesetzliche Vertreter dieser Kinder. Die Ausübung der oor- mundschaftlidien Obliegenheiten ist 75 Stadtoormündern übertragen. Jährlich kommen rund 8000 in Berlin neugeborene uneheliche Kinder unter Vormundschaft. Bei 3300 dieser Kinder wird die Vaterschaft und Unterhaltspflicht freiwillig in vollstreckbarer Urkunde auf dem Jugendamt an- erkannt. Es müssen jährlidi 3500 Prozesse wegen Feststellung der Vaterschaft und Unterhaltspflidit geführt und außerdem jährlich 16 000 Termine bei den Berliner Amtsgerichten Di® Städtischen Bezirks-Jugendämter führten Vormundschaften und Pflegschatten am 1. Juli 37820 4923 SS 342 wahrgenommen werden. Die eingezogenen Unterhaltsgelder betragen jährlich rund 10 Millionen Mark. Die Partei wächst! � Weiter voran! Zahlen über den Aufstieg Die Berliner Kreisvertreter berichten wie die Versammlung der Srelsvertceler im S. kreis zeigte, ist die Parteiarbeit auch im Kreis Friedrichshain erfolgreich gewesen. Zum Eingang seine« Jaliresberichis gedachte der Kreisvorsitzende Genosse Buchmann der verstorbenen S7 Parteimitglieder. Im übrigen haben die letzten Monate bewiesen, daß die Aktivität der Parteigenossinnen und-genossen auch im Friedrichshain durch die politischen Ergebnisse der Wahl vom 14. September sehr g e- st e i g« r t worden ist. Aber auch frühere Kundgebungen und Der- anstaltungen hatten schon beachtungsvollen WiderHoll gesunden. Hervorzuheben sind dabei die Gedenkfeier für die Märzgefallenen, die Maifeiern, die Antikriegsdemonstration im August und die Kundgebung gegen den Faschismus im Saall'au Friedrichshain am 8. Dezember, in der Genosse L ö b« sprach. Ebenso solchen die zahl- reichen zentralen Veranstaltungen stärkst« Beteiligung. Sehr rege war die W a h l a r b e i t im Bezirk, in deren Mittelpunkt zu>el riesige Stratzenkundgebungen standen. Jugend und Reichs- b a n n e r taten sich dabei besonders hervor. Welchen Widerhall die ganze Agitationstätigkett nach außen wechte, ergibt der Aufstieg der Mitgliederbewegunq. Im Laufe des Jahres 1930 stieg' die Ziffer von 5441 auf 6113, davon sind fast 25 Prvz. weibliche Mitglieder. Auch die Jugend ist gut vertreten. 995 Neuaufnahmen sind in diesem Jahre zu verzeichnen. Beim Kassenbericht tonnte besonders auf die Opferwilligkeit der Mitgliedschaft bei Wahlen usw. hingewiessn werden. Sehr gut hat sich die Frauenarbeit in Leseobenden. bei Besichtigungen und in der Arbeitern� hlfahrt entwickelt. 44 weibliche Funktionäre wirken m den 7 Abteilungen des Kreises. In 78 wohlfahrtskommissionen arbeiten über 400 Genossinnen und Genossen. Die sozial« Vcr- elendunq un Osten wird deutlich in der Bearbeitung von rund 15 000 Angelegenheiten in diesem Kreise. Don der Tätiakeit der Arbeiterwohlfahrt sind u. a. die Nähabende im Heim Brommy- straße 1(Freitags von 18— 22 Uhr) erwähnenswert, in denen wirt- ichaftlich schlecht gestellte Genossinnen die notwendigen Neu- und Ausbesserungsarbeiten an ihrer Kleidung vornehmen können. Besondere Beachtung bedarf die Jugend- und B l l d u n g s- arbeit. Die Kinderfreundebewegung hat eine sechste Gruppe ge- bildet. Insgesamt such jetzt fast 400 Kinder und Eltern zur Mit- arbeit gewonnen. 4 Helfer und 48 Kinder konnten mit in die Zeltlager Munster und Thuner«ee(Schweiz) gesandt werdcn. Die Mitgliedern nähme bei der SAJ. beträgt 10 Proz. Die Bildungs- orbeit hat unter der Leitung des Genossen Iabczynski einen vorzüglichen Fortschritt zu verzeichnen. Anschließend gab Genosse John einen sehr instruktiven Bericht aus der Pressekommission. Für die Wahlen zum Kreisvorstaird lagen die Vorschläge der Abteilungen vor, die zum TeU eine Um- besetzung wünschten. Jedoch setzt« sich die Auffassung durchs daß in der jetzigen kritischen politischen Situation besser die alte Besetzung einbehalten wird. Es wurden gewähtt als Vorsitzende B u ch m a n n und P u c a l t a, als Kassierer B e y und G r ü n l e r, als Schrift- führer L a w s und Seifert, als Beisitzer Frau Re n s ch, Günther, Ullrich und Kühl, als Frauenvertreterinnen die Genossinnen W e n g e l s und Grötzinger. I 730 neue Genossen im Kreis Mitte. Auf dem Kreisvertretertag des 1. Kreises trug den Jahresbericht Genosse Riese vor. Di« Partei ist trotz allen! Ansturm g e- wachsen. 737 Mitglieder, darunter 215 Frauen, sind gewonnen worden, so daß am 1. Januar 1931 3309 Männer und 1177 Frauen, also 4486 Mitglieder vorhanden waren. Es wäre eine Freud«, den Bericht der Frauen, gegeben von der Genossin G e r st m a n n. zu hören. Man stellte fest: die Frauen werden aktiv. Jugend und Kindersreunde wachsen, doch wirkt sich hier die wirtschaftlich« Not recht fühlbar aus. Finanziell muh hier der Kreis mehr helfen. Die Wohlfahrt hatte im Kreise etwa fiOO Fälle Jugendgerichtspflege zu bearbeiten neben tausende aNo«- meiner Hilfen. Aus dem Reichsbanner- Bericht klang flute Gemeinschaftsarbeit heraus. Bei der N e u w a h l wurden gewählt zum 1. Vorsitzenden Genosse Riese, 2. Vorsitzender Genosse Bernau, 1. Kassierer Genosse Nagel, 1. Schriftführer Genosse Nuß, 1. Frauenleiterm Genossin Frida Gerstmann, als Beisitzer die Genossen Moldenhauer, Schmahl, Rothenburger, Hoffmann, Brendel, Lewandowski. Llnsere Arbeit im xoten Wedding. Auf dem Kreisvertretertag der Weddinqer Sozialdemokraten erstattete der erste Vorsitzende, Genosse Otto Frank, den Jahres« bericht Er gab einen Ueberblick über die augenblickliche trürks+aft- liche und politische Lage und erklärte dann: Neben der Werbung neuer Mitglieder für die Partei ist die Stärkung der Schutzorgani- sction der deutschen Republik, nämlich des Reichsbanners, eine der wichtigsten Aufgaben. Die Auflösung der„Vereinigung der Iungsozialiston" ist auf die' Bewegungen im ganzen Reiche zurück- zuführen. Trotz aller Schwierigkeiten ist es möglich gewesen, den Mit- gliederbestand des Kreises von 6800 auf weit über 7000 zu erhöhen. Seit Bestehen der Kreisorganisation in der jetzigen Forin ist da- der größte Aufschwung, den unser Bezirk zu verzeichnen hat; ein Zeichen, daß wir auf dem roten Wedding ein großes Reservoir mr unsere Agitation haben. Es kann daher nicht schwer sollen, dem Ruf nach dem„zweiten Mann" zu entsprechen.— Die vom Kreis eingerichtete A u s k u n f t st e ll e in der„Vorwärts"« Spedition Utrechter Straße erfreut sich steigenden Zuspruchs aus allen Schichten der Bevölkerung. So wurde sie seit ihrem Be- stehen(1. März 1930) bis zum Ende des Jahres von 368 Personen an 82 Tagen aufgesucht. Es gelang, viele von diesen als Genossen und.,Vorwärts"-Ahonnenten zu gewinnen. Wir kommen weiter vorwärts, wenn jeder einzelne Genosse sich mit größter Begeisterung für unsere Sache einsetzt. Wo ein Wille.ist. da ist a"ch ein Weg. Genosse H a b e r st r o h gab den Kassenbericht. Der Kreisvorstand wurde mtt geringen Ausnahmen wiedergewählt. In seinem Schlußwort wies der Vorsitzende darauf hin, daß die Partei in ihrer Schlag- und Werbekraft auch weiterhin nicht ein- büßen werde, wenn wir einig und geschlossen dastehen. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die deutsche und die internationale Sozialdemokratie schloß die Delegiertenversannnlung. Starkes Anwachsen auch in Lichtenberg. In der Kreisvertrcterverfamnilung des 17. Kreises konnte der Vorsitzende Genosse Thurm in seinem Jahresbericht gleichfalls ron einem erfreulichen Wachstum der Partei Mitteilung machen. Trotz der Wirtschaftskrise und der mtt den schofelsten Mitteln er- folgten Angriffe unserer Gegner von rechts und links hat der Kreis noch einen Gewinn von 728 Mitgliedern und 526„vorwärts". Lefeni 1930 zu verzeichnen. In den letzten drei Jahren hat sich die Partei im kreise Lichtenberg nahezu oerdoppelt. Der rastlose Eiser unserer Funktionäre sorgte dafür, daß all« Versammlungen überfüllt und die Dcnwnstrationen stets eine außerordentlich starke Beteiligung auf- wiesen. Wenn wir in Lichtenberg trotz aller Mühen Sei der letzten Wahl auch eine Schlappe erlitten, so gibt diss« Tatsache den Genossen im 17. Kreis zum Kleinmut keinerlei Anlaß. Sie geloben oielinehr, restlos der Parole: Wo bleibt der zweite Mann und Lekvttt Herz und Nerven Eurer Kinder! Gebt ihnen KAFFEE HA« Das sroße Paket Kaffee Haa letzt nur noch RH das kleine 81 Pffa. GROSSDESTILLATION Prinzessinnenstrasse 17 Ritter- Ecks Brandenburgstr. Warum gerade S�einmeizbrod? Es ist ein aus gewaschenem und enthülstem Getreide hergestelltes Vollkornbrot Besondere l. GutaV erdaulichkelt durch d entf emteHokf asorsdiicht ------ 2. Mineral stoffreich, da d. Aleuronzellen vorband« sind Vorzüge; 3. Sehr vitaminreich, da die Gesamtkeimlinf« Substanz enthalten ist 4» Appetitanregend u. von hervorragend, Wohl- gesdimack durch einen Spezial-Backprozeh Allelait« Herstellert Wittler-Brot-Fabriken, Berlin N 65 Warsl Häuser Bauer Moabiter Halle Stand 259-263 ,24« Stand 259-263 der zweite Sefert Fol?« zu«eben. Erfreulich ist die Verfün. fiunn in der Partei; die SAJ. schreitet rüstig vorwärts. Aber auch in den anderen Ausschüssen und Kommissionen herrscht reges Leben. Unsere vornehmste Ausgabe soll es zur Zeit in den Abtei- lunqen sein, das schwere Los unserer Arbeitslosen nach Kräften zu mildern. Wenn uns das gelingt, wird es in Lichtenberg init der Partei noch besser vorwärts gehen. Nach dem Kassenbericht, voin Genossen La a h i q erstattet, schlieszt die Kreiskasse in Einnahine und Ausgabe mit 2842,16 Mark ab. Die Geschlossenheit, Einigkeit und Stärke der Parteiorganisation im Kreise Lichtenberg erhellt wohl am besten daraus, daß der bisherige Kreisvorstand ohne Debatte einstimmig wiedergewählt wurde. Es fungieren als Vor- sitzender Fritz Thurm, Stellvertreter Willi Peters; Schrist- sichrer P. I e n s ch und L. Iünemann; Kassierer O. L a a tz i g und R. L e n z n e r. In die Preßkommission wurde wiederum Genossq O. Witzle delegiert. Skandal in Pankow. Llngloubiiche Zustände an der Oberrealschule. Zu einer erregten Schuldebatte führte im Pankower Be- zirksparlament eine sozialdemokratische Anfrage über den an die O b c r r e a l s ch u l e oersetzten Studiendirektor. Das B e- z i r k s a m t teilt dazu mit, daß gegen den Direktor das förmliche Disziplinarverfahren eröffnet sei, mit dem Ziel der Dienstentlassung. Er hat S ch ü l« r g e l d e r für sich verwendet, außerdem ist das Konkursverfahren über sein Vermögen verhängt worden. Es be- steht jedoch einige Gewißheit, daß die Stadt Berlin dabei nicht ge- schädigt ist. Die Anstatt ist damit wieder ohne Leiter. Vor Jahres- frist wurden zwei Studienräte durch Eingreifen des Provinzial- schulkollegiums vom Dienste suspendiert, weil sie geduldet hatten, daß in Aufsätzen die sinnlosesten und widerwärtigsten B e- s ch i m p f u n g e n der Republik und ihrer Einrichtungen enthalten waren. Nach kurzer Zeil wurde ihnen wieder ihr volles Gehalt zugebilllgl, ohne daß sie"Dienste leisten brauchen. Diese Herren werden nun also noch für ihr-Verhalten belohnt! Der deutsch- nationale Herr Peters tobte im Namen des Elternbeirats gegen die Maßnahmen der Behörden und lobte dies« Lehrer als besonders geeignet für die Oberrealschule. Die deutschnaüonale Fraktion hatte ig einer Anfrage des Bezirksamts aufgefordert, der sozialistischen Schüleroeineinschaft das Jugendhstm zu entziehen, da dieser Schüler- bund in einem Flugblatt zu einer öffentlichen Versammlung auf- gefordert haben soll und damit die Politik in die Schule getragen habe. Das Bezirksamt hat denn auch-dem Verein ongekünd'gt, im Wiederholungsfalle die Benutzung des Jugendheims zu entziehen. Das Bezirksamt klammert sich an die Form des Flugblattes und übersieht dabei, daß die republikanisch gesinnten STchiiler in der Oberrealschule unerhört durch Lehrer und Schüler bedrängt werden und so zu dieser Abwehr gegriffen haben. Minister Grimme sagt zum Thema„Politik und Schule":„Es handelt sich um politische Bildung, nicht ober um politische Beeinflussung." Ist es nun taktvoll in diesem Sinne, wenn Lehrer an dieser nattonalisttsch verseuchten Anstalt erklären:>Wasfenl''aqen ist attnermanisches Recht", oder wenn sie in widerlichster Weise konfessionelle Ber- Hebung Eeiben? Wie sollen sich Schüler schützen, wenn ein Lehrer erlkärt, Bebels Werk„Die Frau und der Sozialismus" sei kam- pletter Blödsinn? Andere Pädagogen sprechen in ihrer nationa- listilchen Verhetzung von anderen Böltern nur als„gelbes Un- geziefer".„Aantees",„Elite-Pollaifeu" usw. Die wenigen staats- treuen Lehrer, deren..politische B i l.d u n g" gern anerkannt sein soll, haben gegenüber ihren nationalistisch verseuchten Kollegen einen schweren Stand. Wochenlang hing am schwarzen Brett der Zettel:„Wähl Nätionälsozialisten Liste 9." Aborte, Tische und Bänke sind be- schmiert mit nationalistischen Bemerkungen. Wehrt sich die rernibli- i«Mch?..SchAerschaft dageg�p, dann heißt ap,. es, werde... Poliffk-Iä feix Schul�a.Zragen., Es wm;' bezeichnend M He M'tschnatioMeü. däßb.si�'zü ihrer Anfrage, sucht däs Wölk nä�chech Hav.dtl"ste.l des- wegen den Vorichußlorbsep zu' der sozi'äldsmokratischen Änfrage genommen? Werden nunmehr das Bezirksamt, die zentrale Schu�v-rwaltung und das Brovinzialschulkollegium so eingreifen, daß sich endlich wieder ruhige, vernünftige Zustände einstellen können? Das Fest der Goldenen Hochzeit feiert heute das Ehepaar h ä h n e r, Mohlsdorf, Friedrichstrahe 130. Unseren herzlichsten Glückwunsch! Aus der Arbe Müllabfuhr und Oeutschnationale. 9. Bezirk— Wilmersdorf. Di« letzte Dezirksversammlunv unter dem bisherigen Gesetz für die Verwaltung Groß-Berlins beschäftigte sich mit der Vorlag« betr. Verlegung der Straßenbahngleise aus dem K u r f ü r st e n d a m:n auf den Reitweg der Mittelanlogc anläßlich der notwendig ge- wordenen Auswechselung dieser Gleisanlagen. So hsdauerlich es ist, daß der anmutige Schmuck der Doppelreihe von Linden auf dies« Weise fällt, so konnten sich die Bezirksvertreter der Notwendig- keit der geplanten Maßnahme im Hinblick aus die Verkehrssicherheit nicht verschließen, und die Vorlage wurde angenommen.— Eine böse Absuhr hosten sich die Rechtsparteiler mit ihrer An- frag« best. Ueberführung der Wilmersdorfer Müllabfuhr:n die zentrale Verwaltung. Gar zu gern möchte man die Sorge für dieses wichtige Gebiet der Hygiene wieder wie früher— in den so sehnlich herbeigewünschten manchesterlichen Zeiten— einigen Privatunternehmern übertragen und stimmte ein beweg- liches Klagelied an über angebliche Korruptions- und Defizitwirt- schaft in diesem städtischen Regiebetriebe. Lang und länger wurden die Gesichter der Ans rager, als ihnen über die Tätigkeit eines ihnen politisch nahestehenden ehemaligen Stadtrates und eines auch zu ihrer Richtung zählenden Direktors der städtischen Müllabfuhr in diesem Zusammenhange recht u n a n- genehme Wahrheiten vorgehalten wurden und— betroffen verstummten sie.— Endlich wurde in einem D r i n g ffi ch t e i t s a it t r a g von unserer Seite der berechtigten Beschwerde seitens der städtischen Arbeitnehmer darüber Ausdruck gegeben, daß eine Anord- nung des Magistrats aus die Durchführung von Einsparungsmaß- nahmen für das neue Rechnungsjahr seitens des Bezirksamtes so ausgelegt wurde, daß diese Einsparung auf Kosten umfangreicher Entlassungen der Angestellten und Arbeiter unter Einschluß solcher, die bereits ein« lange Reche von Jahren in städtischen Diensten sind, vorgenommen werden sollte. Nach einer Erklärung des Bezirks- bürgermeisters sind die Kündigungen nunmehr— bis auf einen ge- ringen Teil— zurückgenommen worden.— Mit dieser letzten Sitzung dürfte unter einen kommunalpoliti- schen Zeitabschnitt unseres Nerwastungsbezirks ein Schlußstrich ge- zogen werden. Hoffentlich führen die Bestimmungen der kommen- den„Verwaltungsreform Groß-Berlins" die Wirksamkeit der Be- zirksversammlunq noch mehr als bisher auf das Maß tatsächlicher Verwattungsarbeit zum Wohle der Wilmersdorfcr Bevölkerung hin! Wieder Polizei im Dachaus. i9 Bezirk— Pankow. In der letzten Pankower Bezirksversammlung kam es wieder zu T u m u l t s z e n e n. Bereits bei der Besprechung einer Anfrage der kommunistffchen Fraktion über angeblich verzögerte Vehand- lungen von Anträgen durch das Wohlfahrtsamt, bei der Stadtrat Genosse Gütig die unwahren Behauptungen der Beschwerdeführer richtig stellte, lärmten die zahlreichen kommunistischen Tribünen- besuchcr, so daß der Vorsteher die Sitzung unterbrechen und den Hauptschreier von der Zjribüne verweisen muhte. Nachdem die Verhandlungen unter fortwährenden Störungen sortgelührt wur- den, kam es zum ausgesprochenen Tumult, als der Vertreter der Nationalsozialisten.zu einem Antrage der Kommunisten bezüglich der Besckjaffung von Mitteln von Nofftandsarbeiten sprechen wollte. Der Nazimann wurde von der kommunistischen Fraktion als euch von den Tr.ibünenbesuchern mit erregten Zurufen, die sich auf den Hamburger Mord fall bezogen, am Reden zu hindern ver- sucht.- Es drohs�l/-T?8V1 ich k e �e-n?fuekom>ncni'.Ei» MitgKed der kommunistischen Fraktion wurde nack?.. wiederholtem Ordnungs- «ff aus dem Saal yerwiefeni Er-gfiig jedoch erst, als Polizei im Saal erschien, die dann auch einen Teil der Tribüne räumte. Die Tagesordnung konnte, dann zu Ende geführt werden, lieber die Besprechung einer sozialdemokratischen Anfrag« be- züglich der Zustände an der O b e r re a l s chu l e wird an anderer Stelle berichtet. Der Vorlage des Bezirksamtes betreffend die An- stellunq eines Magistratsschulrates wurde zugestimmt. Damit ist der Rektor der 13. Volksschule in Buch, Herr Ambelang, ge- wählt. Ferner gelangte ein Antrag der sozialdemokratischen Frak- tion zur Annahm«, wonach zum Zweck« der Arbeits- it der Bezirke. befchaffung für die Arbeitslos«» der Mogistrat ersucht werden soll, Mittel für die erste Pflasterung von Straßen in neu» besiedelten Gegenden vorschußweise zur Verfügung zu stellen. Die Mittel sollen aber nur gegeben werden, wenn mindestens 50 Proz. der Anlieger sich zur Zahlung der Pflasterkosten bereitfinden. Zur Borbereitüng dieser Arbeiten ist das Planum der Straßen(Ab- und Auftragen der Erde) baldigst in Angriff zu nehmen, damit die er forderlichen Leitungen(Wasser, Gas, Elektrizität usw.) verlegt werden können. Ferner gelangte ein Dringlichkeiteantrag der Sozialdemokraten zur Annahm«, daß die Bürgersteige in der Clausthaler Straße umgehend ausgebessert werden sollen. In der Begründung unserer Anträge sagte Genosse A m b e r g den Kam- munisten so treffend die Wahrheit, daß sie mit den üblichen Schimpf- kanonaden über ihn und die Fraktion herfielen. Wer die besten Ausführungen scheinen zwecklos; in jeder Situation werden die Kommunisten versuchen, sachliche, im Interesse der Arbeitslosen liegende Verhandlungen zu stören und lediglich ihrer Agitation dienstbar zu machen. Die sozialdemokratischen Anträge waren aber so durchschlagend begründet, daß sie fast e i n st i m m i g, auch mit den stimmen der Kommunisten, angenommen wurden. Jugendweihe; Ein Metallarbeiter schreibt dem„Vorwärts": Froh und stolz gehen die jungen Menschenkinder im neuen fest. lichen Gewand einher, nach allen Seiten sich umsehend, fühlen sie doch die Blicke chrer Mitmenschen auf sich gerichtet. Roch ist das Herz voll, von tausend Hoffnungen, noch schwärmen sie in Zukunft-- träumen und Plänen, wie sie einst ihr Leben gestalten wollen. Doch sie betreten alle ein Schiff, das sie hinausfährt auf den Ozean des Lebens, das dort draußen tobt und schwer zu kämpfen hat. Mancher wird den jungen Menschen Führer sein wollen und manchen werden sie ablehnen, um aus eigener Erfahrung zu lernen. Doch heute, am Tage der Jugendweihe denken sie daran noch nicht. Heute fühlen sie sich frei von den Fesseln der Schule, fühlen sie sich g l e i ch- berechtigt mit den Erwachsenen. Und das ist gut so! Frei und mutig sollen sie ihren Weg gehen. An ihrer Seite marschieren Männer und Frauen, gewiß, daß die Jungen zu ihnen gehören und helfen werden, die Reihen fester zu schließen. Funkftunde im Dienst der Winterhilfe. Die Funkswnde veranstaltet zugunsten der Berstne? Winter- hilse am Mittwoch, dem 25. März, 20 Uhr, im Berliner Sportpalast em großes Konzert. Das Konzert gliedert sich in drei Teile. Für den Opernteil haben sich Mafalda Salvatim, Emanuel List, Marttn Oehmann, Eornelis Bronsgeest, Hildegard Gajewska und Deszö Ernster zur Verfügung gestellt. Den Opernteil dirigiert Generalmusikdirektor Leo Blech. Di« Eintrittspreise betragen 1 M., 2 M. und Z M. Die Karten sind im Vorverkauf erhältlich an sämtlichen Theaterkassen und Filialen der Firmen A. Wertheim und Bot« u. Bock, in allen dem Reichsverband Deutscher Funkhändler ongehörigen, durch Pla- kotaushang gekennzeichneten Geschäften, sowie im.„Haus des Rundfunks" Charlottenburg S, Masurenallee. Der Gesamtertrag fließt ungekürzt der Berliner Winterhilfe zu. Pfarrer Dleler spricht im AntUSriegsmnsenm. Oeffenffiche- Frei- tag-Borträge im V..Internationalen. Aati-Kri« gs musenm, Parochialstr. 29(5 Minuten vom Polizeipräsidium). Freitag, de» 20. März, 20 Uhr, spricht Pfarrer Bleier über: Christentum und Krieg. Untostenbeitrag 30 Pf. Leibesübungen in der Fontane. Schule. Am Sonntag, dem 22. März 1931, vormittags 11 Uhr, wird in Verbindung mit dem Stadtamt für Leibesübungen und der Deputation für Schulwesen die Fontane-Schule im Roxy-Palost, Derlin-Fricdenou. Haupfftr. 78/79, einen Ausschnitt aus ihrem Unterricht und Uebungs- betrieb neuzettlicher Leibesübungen geben. konfiturenkonserven weine u.spirituosen Kolonialwaren Olsardinen.. 5 Dosen an 0.95 Portug. Olsardinen. 2 Ds. 0.85 Brieslinge in Öl-Tom____ Ds. 0.60 Fettheringe in Tom. Ds. 0.75, 0.55 Pilchards in Tom....... Ds. 1.1 0 Makrelenfilet in Tom...Ds. 0.55 Seelachs, geschnitt. Ds. 0.85, 0.55 Fischrriarinadeniur.i)!.iU5,/jUr.0.48 Essiggewörzgurken Vs Ds, 0.60 Mixed-Pickles....... 1/3 D* 0.70 Heringssalat m. May. VjPM. 0.40 la Mayonnaise.....>/, Pfd. 0.45 Fettbücklinge........ Pfd. 0.26 Sprotten ca. 1 Pfd.- Kistchen 0.38 Seelachs, geräuchert.. Pfd. 0.45 Keksringe............ Pfd. 0.50 Kaff.-Gebäck, hlb. m.Sch. Pfd. 0.90 Herrenkringel........ Pfd. 1.00 Kokosmakronen...... Pfd. 1.00 Baumkuchenspitzen.. Pfd. 1.80 Bonbon-Mischung.... Pfd. 0.50 Brustkaramellen..... Pfd. 0.50 Schmelz-Borke....... Pfd. 1.00 Nuß-Pralinen-Mischg.Pfd. 1.00 Vollm.jSchmelzRelief Pfd. 1.20 Burgm. Kakao......... Pfd. 1.00 Burgm. Creme-Schokol. 3 Tost. 0.50 Burgm. Pralinen____ 500 gr 1.00 Marzipan-Eier..... 6 Stück 0,25 Dragee-Eier, bunt..... Pfd. 0.50 WURSTWAREN OBST UND GEMUSE Sülze.................. Pfd. 0.48 Speckwurst..........Pfd. 0.72 Dampfwurst.......... Pfd. 0.88 Jagdwurst............ Pfd. 0.98 Kleine BraunsdiweigerPfd 0.98 Feine Leberwurst....Pfd. 1.18 Hausmacher-Leberw. Pfd. 0.82 Berliner Mettwurst.. Pfd. 0.95 Teewurst, grob, od. fein Pfd. 1.45 Filetwurst............ Pfd. 1.48 Schinkenspeck........ Pfd. 1.48 Schinkenecken....... Pfd. 0.95 Landschinken VfU-Gz-Pfd. 1.75 Cervelat u. Salami.. Pfd. 1.38 Gek. Schinken.....'/« Pfd. 0.48 Apfelsinen......... 3 Pfd. 0.72 Blutapfelsinen...... 3 Pfd. 0.85 Jaffa-Apfelsinen...2 Pfd. 0.75 Zitronen.......... Dtr. an 0.32 Amerik.Tafeläpfelpfd.O.48,0.38 Amerik.Tafelbirnenpfd an 0.38 Blumenkohl....... Kopf an 0.25 Rotkohl.............. Pfd. 0.14 Wirsingkohl........... Pfd. 0.12 Rhabarber...ca. 2 Pfd.-Bd. 0.38 Salatgurken.. Stüde an 0,40 Malta-Kartoffeln... 3 Pfd. 0.58 Frische Fische zu den billigsten Preisen zu, außergewöhnlich billigen Preisen Karotten geschn...... Vi Di. 0.25 Jg. Schnittbohnen.. Vi Ds. 0.35 Jg. Brechbohnen Ds. 0.38 Brechbohnen I...... Vi Ds 0.54 Wachsbohnen...... 1/1 D»- 0.48 Spinat.............. Vi Ds. 0.38 Kohlrabi.......... v.ViDs. 0.33 Gemüse-Erbsen..... Vi Ds. 0.46 Jg. Erbsen, mittelfein Vi Ds- 0.64 Jg. Erbsen fein....... Vi Ds. 0.85 Kaiserschoten....... V, Ds. 1.15 Gem. Gemüse...... Vi Ds. 0.66 Gem. Gemüse fein.»/, Ds. 1.20 Erbsen mit Ko rotten.. Vi Ds. 0.56 Brechsporgel mittel.. Vi Ds. 1.55 Brechsporgel dünn..'/, Ds 1.25 Spargelköpfe grün mitt. Vi Ds. 1.50 Stangenspargel dünn ViDs, 1.50 Prinzeßbohnen mittel V, Ds. 0.80 Prinzeßbohnen extra VtDs. 1.60 Junge Karotten_____'/i Ds 0.48 Tomatenpuree....... 3 Ds. 0.20 Reineclauden....... 1/1 Ds 0.95 Preißelbeeren..... V, Ds. 0.95 Rate Beete........ Vi Ds. 0.50 Kirschen mit Stein....V, Ds. 0.95 Birnen Vz Frucht....... Vi Ds 1.05 Pfirsiche zur Bowle.. Vi D$ 0.98 Aprikosen Vz Frucht.. V, Ds. 0.98 Johannisbeeren.... Vi Ds 1.20 Gem. Früchte 9 Fr....'/j Ds. 1.25 KA Frkf. Apfelwein Ltr. 0.62 5ltr. 3.00 Bowlenwein..Ltr. 0.75, 5 Ltr. 3.50 Wintringer... Ltr. 1.20, 5 Ltr. 5.75 Liebfraumilch Ltr. 1.25, 5 Ltr. 6.00 Tarragona... Ltr. 1.00, 5 Ltr. 4.75 Sornas....... Ltr. 1.15, 5 Ltr. 5.50 Malaga...... Ltr. 1.20, 5 Ltr. 5.75 Wermut...... Ltr. 1.10, 5 Ltr. 5.25 Johannisbeerwein Ltr. 0.75 6 Lt. 3.50 Utiel(Span. Rotw.) Ltr. 0.95 5 Lt. 4.50 Fruchtschaumwein m. Steuer Fl. 125 Traubensekt Sdil.Wodienh.m.St.FI. 3. 75 23er Grand Beaujolais m. Fl. 2.30 24er HautSauternes m. Fl. 3.00 Alter Wacholder 1 Ltr. m. FI. 4.30 Auszugmehl 4Vf Pfd.BeutL 1.00 Wien. Auszugmehl... Pfd. 0.26 Kartoffelmehl......... Pfd. 0.16 Weizen-Puder....... Pfd. 0.40 Sultaninen, Korinthen an Pfd 0.42 Zitronat.............. Pfd. 1.10 Mandeln bitter und süß Pfd. 1.40 Orangeat............. Pfd. 0.95 Aprikosen......... an Pfd. 0.70 Birnen.............. an Pfd. 0.80 PRaumen.......... an Pfd. 0.25 Backobst........... an Pfd. 0.38 Burma-Reis........... Pfd. 0.20 Eier-Bandnudeln..... Pfd 0.44 Eier-Figurennudeln.. Pfd. 0.50 GEFLÜGEL u.WILD BUTTER UND KÄSE Suppenhühner____ an Pfd. 1.02 Wolgahühner..... an Pfd. 0.90 Poulets gefr........... Pfd. 1.08 Enten.............. an Pfd. 1.10 Suppentauben... Stck. an 0.80 Hirschbraten....... an Pfd. 1.15 Hirschkeule........ an Pfd. 1.15 Hirschrücken..... an Pfd. 1.05 Wildschweinkeule an Pfd 1.10 Wildragout........... Pfd. 0.36 Kaninchen i. Fell.. an Stück 0.98 Hasen gestr.,ausgew. Pfd. an 0.70 Gänse, gefroren, billigst Deutsche Tafelbutter der dänisch gleichwertig Pfd. 1.68 KA-LE-M0BEL tut EitoSrln dn Aiettttlrt» Xilnft lengyll AUSSTELLUNG IM VERKAUFSKELLER Molkereibutter....... Pfd. 1.54 Tafelbutter....... Pfd. 1.68, 1.58 Bratenschmalz....... Pfd. 0.64 Rohschmalz.......... Pfd. 0.58 Margarine, Cocosfett Pfd. 0.40 Finn. Schweizervollfett Pfd. 1.18 Geheimratskäse----- Pfd. 1.20 Edam.u.Holländ.40%PI4. 0.92 Edam.u. Holländ.200 0 Pfä. 0.66 Stangenkäse... 20% Pfd. 0.40 Vollf. Briekäse....... Pfd. 0.86 Camembert vollfett 2 Schtl. 0.25 Tilsiter o. Rd, 20% Pfd.-Pak. 0.60 Harzer Käse____ Pfd.-Pak. 0.35 Frische Eier 10 Stück.. an 0.68 L«lchtv»rd«rbll€h« War« Ist vom Versand ausgeschlossen Zusendung nur bei Bestellung von Mk. 9.00 an NEU: FLEISCH-VER SA NDWAGEN U. BÄK N Hl 6 f HERmaNNPLAU- DER K A R S T A O T■ B A H N H O F ftr.lSS* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 20. März 4934 Schluß mit dem Lohnabbau! Alarmierende Ziffern der Konsumvereine über des Elend der Massen. Die Wochenumsaherhebuag des Zenlralverbondes deutscher Sonsumvereiuc für den Monat Februar 1931 erstreckte sich aus die Zeit von, Z. bis 28. Februar. DasErgebaisdcr Erhebung ist bedeutend ungünstiger ausgefallen als in den Vormonaten. Der Rückgang des wochenumsahes je Mitglied der dem Zentralverband angeschlossenen deutschen Konsumgenossen- schoflen hat in den vier Februarwochen einen Umfang angenommen. wie er nicht überall erwartet worden ist. Und doch ist dieses starke Abgleiten des Umsatzes verständlich. Ze länger der Arbeitsmarkt in dem jetzigen Ausmoh belastet bleibt, desto mehr leiden auch die Haushaltungen der in den Konsumgenossenschaften vereinigten Verbraucher unter der immer gröher werdenden Kauskrostschwächung. Die Spargroschen der Verbraucher schmelzen zusammen, die veein- tächtigung ihrer Lebenshaltung nimmt schärfere Formen an und der Umfang ihres Bedarfs verkleinert sich zwangsläufig immer mehr. Der für den Monat Februar ermittelte durchschnittliche Mocheu- umsah der Konsumgenossenschaslsmitglieder liegt mit 7,1ö M. gegen L,80 M. um fast 19 proz. unter dem IVochenumsah des gleichen Monats im Vorjahre. Die größte Umfaheinbuße ist wiederum in Sachsen eingetreten. Die Verbrauchergebiele. In denen in der Vergangenheit die Umsah- enlwickluug am kraftvollsten vorwärts gelrieben wurde, erleben jetzt den stärksten Rückschlag. Zn den Vormonaten ist mit einer gewissen Berechliauag daraus verwiesen worden, dah der gegenüber der gleichen Zeit des Vor. jahres eingetretene llmsahrückgang zu einem nennenswerten Teil aus die in der Zwischenzeit erfolgte Senkung der Preise zu. rückzuführen sei. Dieser Hinweis ist zwar auch bei der Betrachtung des llmsatzergeboisses für d'n Monat Februar 1931 berechtigt, doch ist seine Wirkung im Hinblick aus die große Umsatzminderung von 19 Proz. nicht mehr durchschlagend. Das Ergebnis der Wochen- Umsatzerhebung für den Monat Februar 1931 läßt vielmehr auch aus einen durchaus spürbaren Rückschlag der konsumgenosscnschajt- lichen Mengenumsätze schließen. Diese Entwicklung ist hochbedenklich, am allerwenigsten noch für die Konsumvereine selbst, am stärksten für die Gesamtwirtschas». Die Kaufkraft des Znncnmarktes trocknet aus. Der übertriebene Lohnabbau rächt sich an der Gesamtwirtschast. Es ist höchste Zeit: Schluß mit dem Lohnabbau! Stahlproduttion steigt. Tiefpuntt der Eisenkrise überschritten? Die Produktionsziffern der Stahlwerte in Deutschland für den Monat Februar, die jetzt die Zeitschrift„Stahl und Eisen" veröffentlicht, bringen zum erstenmal seit 1929 ein merkliches A n- st eigen der arbeitstäglichen Leistungen. Insgesamt stellte sich die Rohstahlproduktion im Februar auf 7.39 633 gegen 773 378 Tonnen. Da jedoch im Februar nur an 24 gegenüber 26 Tagen im Januar gearbeitet wurde, hat sich die a r b« i t s t ä g l ich« Produktion im iBc- richtsmonat von 29 733 auf 3l 651 Tonnen oder um 6.4 Prozent erhöht. Auch bei den Wolzwerlen ist eine be- merkenswerte Besserung festzustellen. D�e Gesamtproduktion ergab im Februar 527 436 gegen 539 692 Tomum Walzwerkcerzeugnisse, während die arbeitstägliche Produttion um an- nähernd 6 Prozent von 20 757 ouf 21977 Tonnen stieg. Es wäre natürlich verfrüht, aus dieser Besserung weitgehende Schlüsse zu ziehen. Da jedoch die nächsten Monate schon aus saifon» mäßigen Gründen auch für die Srahl- und Eisenwerte eine we i- tere Belebung bringen werden, so scheint im Februar doch der Tiefpunkt der gegenwärtigen Eisenkrise überwunden zu sein. Besserung auch im Verkehr. In der ersten Märzwoche sind bei der Deutschen Reichs- bahn-Gesellschaft 659 079 gegen 645 692 Güterwagen in der Bor- woche gestellt woiden.?luf den Arbeitstag berechnet stellt« sich der Wagenbedarf in der Berichtswoche auf 199 847 gegen 197 615 Waggons in der Vorwoche. Bemerkenswert ist, dah mit der Besserung in der ersten Märzwoche zum erstenmal seit Mo- naten die sehr große Spanne zwischen der arbeitstäglichen Wagen- gestellung im Vorjahr und dem laufenden Jahr unter 29 909 Wag- gons gesunken ist. Roch im Januar wurden mi Vorjahr je Ar- b e i t s t a g rund 24 999 Wagen, Ansang Februar rund 22 900 Wagen, Mitte Februar rund 20 009 Wagen von der Wirtschaft mehr angefordert, während in der ersten Märzwoche die Spanne sich oirf 18 999 Wagen arbeitstöglich verringert hat. Gas, Waffer, Krast. * Die internationale VersorgungSwirtschast. Die Fragen der Versorgung der Bevölkerung mit Gas. Wasser und Elektrizität stehen wieder im Mittelpunkt des Interesses. Zur rechten Zeit erscheint als Nummer 4 der Schriftenreihe des Gesamt- Verbandes eine Arbeit von Joses Orlvpp und Karl Hausse über„Die internationale Gas-, Elektriziläts- und Wasserwirtschaft" (Verlagsanstalt Courier G. n>. b. H., 71 Seiten und 2 Karten!. Diese Schrist unteknimmt es mit Erfolg, ouf knappstem Raum die Versorgungswirtschaft aller Länder zur Darstellung zu bringen. Es zeigt sich, daß selbst in den Ländern, in denen Prioatkapi- talisten unbestritten die Belieferung mit Gas, Wasser und Elektrizität(natürlich mit sehr hohen Gewinnen) In Händen halten, so z. B. in den romanischen Ländern und den Vereinigten Staaten, neuerdings die Bestrebungen sehr stark sind, den öffentlichen Einfluß zu verstärken. Die Tarife zu vergleichen, ist ja schon in Deutschland nahezu unmöglich: ein internationaler Ber- gleich scheitert aber daran, daß in einigen Ländern die Tarife als Mittel zur Indirekten Besteuerung gebraucht werden, in anderen Ländern nicht. Wenn z. 33. die Tarife in Wien bedeutend niedriger als die in Berlin find, so liegt das daran, daß die Wiener Werke keine Abgaben an die Stadtkasse zu leisten haben. Die Angaben über Deutschland sind naturgemäß ausführ- licher als die über die anderen Länder. Das Problem der Fern« g a s o c r s o r g u n g ist als besonders wichtig an die Spitze gestellt worden Orlopp und Haufie kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, daß hentz da? Zechcn-Fernoas infolge der hohen Leitungskosten und der Summen für die Abschreibung der stillgelegten Werke mit dem vou großen loumillnolm Werken«zeugten Gas nützt konkurrie- Handwerk und Arbeiterschaff. Gedanken zur �eichshandwerkswoche von einem Berliner Schneidermeister. Die Reichshandwerkswoche ist eröffnet und läuft. Viele schöne Reden hörte'man bei der Erössming. Doch etwas ver- mißte der ausinerösame Beobachter, und das war die Auseinander- fetzung mit dem Kapitalismus. 3Son allen Seiten, und auch der„Vorwärts" hat dies getan. wird der Reichshandwerkswoctze ein guter Erfolg gewünscht. Und der Erfolg wäre ja auch zu begrüßen. Sind doch immerhin etwa 8 Millionen Menschen am Hatzdwerk direkt oder indirekt bc- tciligt. Aber, und das Ist der haken, wo soll der Erfolg denn herkommen? Immer und immer wieder habe ich nur diese Frag« vorgelegt. Gewiß, es ist richtig und kaufmännisch gehandelt, auch in Zellen der Rot die Reklame nicht zu vernachlässigen. Doch fehlen nicht fast olle Voraussetzungen für Reklameerfolq? Man muß sich von vvrichcrein darüber im klaren sein: Hand- werksprodukte setzen Individualität und Qualität vor- aus. Hierdurch unterscheiden sie sich von der industriellen Massen- Produktion und sind deshalb erheblich teurer als diese. Em Volk, das sich mit Individualität und Qualität umgeben will und soll, muß also über einen gewissen Wohlstand verfügen und muß ein entsprechendes Einkommen haben, um kostspieligeren Neigungen iolgen zu können. Run finden wir zwar in Deutschland noch eine Menge reiche Leute, sogar noch schwerreiche darunter, aber die große Masje ist arm: Elend und Not herrschen heute überall. Wer noch verdient, dem ist durch Lohn- und Gehaltskürzung die Lebenshaltung derart erschwert, daß es zum großen Teil mit dem Erwerb von Oualitätsprodukten einfach vorbei ist. Ja, viele Lohn- cmpfänger, und das muß deutlich erkannt werden, vegetieren bloß noch. Damit ist auch der Erfolg einer Werbewoche für das Handwerk im voraus bestimmt. Die große Blasse des Handwerks, wenige Schichten ausgenommen, verelendet heute trotz Handwerkerwoche immer mehr. Wenn Herr Dr. Brüning behauptet, das Handwerk habe schon Schwereres durchgemacht und sich trotzdem behauptet, so ist dies mrr bedingt richtig. Die Zeiten um 1899— 1914 waren für das Hand- ivcrk günstiger als dieses Jahr der Reichehandwerkswoche. Um dies zu beweisen, braucht man kein großer Nationalökonom zu sein: em Blick auf die Einkonirnenstatistik genügt. Dem Handwerker geht es wie dem Künstler, dem Wissenschast- ler rtm.; seine Produkte sind veräußerlich, wenn Kauskrast vor- handen ist. Kaufkraft und. Wohlstand der brellen ZRosse bedeuten Absatz, Arbeit und Wohlstand auch für das Gros der Handwerts- meister. Fehlen sie bei den Massen, dann ist auch das Handwerk rn Not. Hier zeigt sich auch deutlich, wie zweischneidig jeder Lohnabbau wirkt Man hat es den„Marxisten" gegönnt, daß man ihnen end- lich mal beikommen konnte: Kleinbürgertum und Kapitalisten gingen brüderlich Arm in Arm dabei. Aber schon heute sind manchem Hanbwerksmeistcr die Augen aufgegangen. Wie viele wissen heute weder aus noch ein, weil sie nichts mehr verkaufen können. Glauben diese immer noch, daß der Lohnabbau ei» Segen war? Niemand kann der Reichshandwerkswochs sehnlicher einen Erfolg wünschen als ich selbst. Aber ich fürchte, alle die gute Arbeit wird nutzlos vertan sein. Die Zellen für die Proletarisierung des Handwerks sind heute leider ganz besonders günstig. Dagegen Hilst auch der Meistertitel nicht. Wenn die Substanz weggefressen ist. w.ü mchts oder zu wenig verkaust wird, ist der tüchtigste Meister und Könner eben ein Prolet Es heißt also den wahren Feind des Handwerks zu er- kennen und ihm zu Leibe zu gehen. Der ärgste Feind des Handwerks ist aber die eigene kurz- sichtigkeil. Zuerst müssen wir unser« eigene Lage verstehen lernen. Wir müssen einsehen lernen, daß es ein Unsinn ist, sich gegen die wirt- schaftliche Entwicklung stemmen zu wollen. Daher müssen wir den engstirnigen Kampf gegen Kaufhäuser und Konsum- vereine als unnütze Kraft- und Geldverschwendung einstellen. Wir sind Anhänger des Pnoateigentums: deshalb müssen wir gestatten, daß auch jeder andere mit seinem Eigentum machen kann, was er will. Das gilt auch für die Verbraucher. Als Handwerker schließt man sich ja auch Genossenschaften an. ÜVaruin verdenkt man dies dem Arbeiter? Die Meinung, daß der Arbeller Aus- beutungsobjekt für jeden ist, ist grundfalsch. Weiter ist es falsch, sich als Puffer zwrschen Kapital und Arbeit zu betrachten. Solange sich der Handwerksmeister dazu ge« brauchen läßt, sitzt der Kapllolist im trockenen und kann seine Aus- saugunqspolitik und Wirts choftsdiktatur unbehelligt fortsetzen. Diese Handlangerdien st e sind eines freien und ftandesbewiihten Handwerkers nicht würdig. Sehen wir uns nämlich die Herren Kapitalisten etwas näher an, so erkennt man bald, daß gerade diese mit ihrer hemmungslosen und planlosen Wirifchaftspolllik an unserem graufanren Elend am meisten schuld sind. Aber auch unser« Führer müssen wir uns ansehen, zumal in welchen politischen Lagern sie sich herumtreiben. Wir wissen doch genau, daß. wenn man Rindfleisch mil Himbeerwasser kochl, dies für Zunge und Magen kein Labsal bedeutet. Soll es aber ctwas taugen, wenn ein Handwerlervertreter sich in diesem, 5er andere sich in jenem politischen Lager herunllreibt, niemals ober dort, wo Handwerkerinteressen wirklich wahrgenommen werden können? Die politische Suppe, die da gebraut wird, ist jedem, nur nicht dem Handwerker,' bekömmlich Wer sich von Herrn Drewitz einsangen laßt, macht ihn stark für die Interessen des Hausbesitzes. Man deute an höhere Mieten, an die Heraus- nahm« der gewerblichen Räume aus dem Reichsmietengesetz usw. Bis heute hat die offizielle Politik der Handwerk-verbände praktisch nur den kapitalislilchen Feiirden des Handwerks Nutzen gebracht. Von der ZufaMmenarbell mit der organisierten Arbeiterschaft halten die Führer das Handwerk ganz bewußt fern. Dabei gi't der Kampf der Arbeiter wirklich den Kapitalisten und Groß- agrariern, den Ausbeutern und Unterdrückern des wirtschaftlich Schwachen, und die Arbeiterschaft allein kann auch dem Handwerk- Hilfe bringen. Ist die Macht des Kapitals erst einmal gebrochen, dann kann das Kapllal die innere und äußere Polstik, Finanzen und Gefetzgebung nicht mehr so maßgebend beeinflußen wie bisher, dann, und erst dann, ihr Handwerksmeister, gibt es auch für euch Licht und Luft. Sorgt deshalb dafür, daß eure Führer aus den Parteien, die offenkundig eure Unterdrücker sind, endlich ver- schwinden Sollten die Gedanken bei der Masse der Handwerker und Kol- legen Eingang finden, so wäre das für die Reichshandwerks- wochedergrößteErfolg. L. ren könne. Pläne für Ferngasversorgung sind auch in Belgien, Holland und England in der Ausführung begriffen; überall gehen diese Pläne von der Schwerindustrie aus, die ohne Rücksicht aus die Verbraucher Bas Monopol erstreben. Besonderes Interesse verdienen die beiden Abschnitt« über die internationale Berslechtung der Elektrizitätswirt» s ch a f t. Di« Abgabe von elektrischem Strom an fremde Länder, also der Stromexport, nrncht insgesamt nur ein Prozent der Welt- ftromproduktion aus. Für zwei Länder aber hat der Stromexport heut« schon große lyedeutting: Die Schweiz exportiert 25 Proz. ihrer Produktion und Kanada 19 Proz. In dem Abschnitt über die finanziellen Verflechtungen wird gezeigt, daß die beiden deutschen Großunternehmen AEG. und Siemens zunächst lediglich den Absatz zur besseren Beschästigung ihrer Anlagen finanzierten: daß erst später, mit dem wachsenden Geschöstskrcis und der steigenden Rentabllität der gegründeten Unternehmen, selbständig« Finanzierungsgesellschaften errichtet wurden, deren Ein- fluß allmählich die gesamte europäische Elektrowirtschaft durchdrang. Die Vormacht des deutschen Elektrokapitals in der internationalen Elektrizllätswirtschast wurde durch den Krieg he» festigt. In die Jahre nach dem Kriege fällt das Zlufsteigen der bel- gischen Sofina: die jüngste Etappe der Entwicklung wird durch das Vordringen des amerikanischen Elektrokapitals gekennzeichnet. Preisumschwung am Welimarkt? Wie das Koiljunkturinstllut in seinem letzten Wochenbericht feststellt, hat seit der Jahreswende der Preissturz auf den Weltroh st ossmärkten«ine nachhaltige Unterbrechung er- fahren. Auf den verschiedensten Rohstoffmärkten, wie Getreide, Metall, Gummi und Wolle haben sich leichte Preis st«ige- rungen durchsetze» können, und das Konjunktur! nstttut wirft die Frag« auf, ob dies bereits Anzeichen für einen allgemeinen Preisumschwung sein könnte. Es wird sestgestellt, daß sich der Rückgang des Konsums verlangsamt habe und teilweise bereits das Minimum er- reicht sei. Vielfach müßten schon bei geringem ZZerbrauch neue Eindeckungen erfolgen, da die Bestände im Handel während des letzten Jahres sehr stark abgebaut worden wären. Auch scheint sich die Meinung durchzusetzen, daß der gegenwärtige Preistiefstand bei den Rohstoffen nicht noch weiter unterschritten wird. Sind also hier verschiedene Voraussetzungen— wozu auch noch die Pro- duktionsdrosselung auf mehreren Gebieten tritt— für einen Prcis- umfchwung geschaffen, so glaubt das Konjunkturinstitilli doch nicht. daß die Rohstoffpreise im ganzen schon in nächster Zell über den jetzigen Stand hinaus steigen könnten. Jedenfalls sei an die Wiederherstellung des Preisniveaus von ISN nicht zu denken. Bedürfiige Aktionäre. Bremer Volandmühle zahlt aus sozialen Erwägungen Tv pro,. Oivivende.. Der Geschäftsbericht der Bremer Rolandmühl« ist auch diesmal wieder mit Klagen angefüllt. Das letzte Geschäftsjahr war nach den Erklärungen der Verwaltung voll von Hemmungen und Widerwärtigkeiten. Ii» einzelnen wird scharfe Kritik an der Getreidepolitik der Regierung geübt, so an dem bis auf 89 Proz.«rhihten Vcrmahlungszwang für Weizen, den Zoll- «rhöhungen und dem Brotgesetz. Trotz oller Klagen über den Rückgang des Umsatzes und der ZZerfckzlechterung der Geschäftslage zahlt die Gesellschaft jedoch wie» der eine hohe Dividende von 19 Proz. wie im Vorjahr«. Dieser überraschend hohe Dividendenvorschlog wird von der Ber- waltung damll begründet, daß sich unter den Aktionären des Ilmer- iichmens eine große Anzahl Kleinaktionäre befänden, denen man aus sozialen Gründen diese respettabl« Gewinnausschüttung zugebilligt habe. Die Kleinaktwnäre in Deutschland, die van den Berwalttmgen der Aktiengesellschasten seit Jahr und Tag olles andere als zart angefaßt wurden, werden wahrscheinlich diese Mit» teilung des Bremer Unternehmens als eine Enge leb ot» s ch a f t ansehen. Uns scheint aber, daß zwischen einer gesunden Rücksicht auf die Interesicn der Kleinaktionäre»nd einer zehn» prozentigen Dividende in einem Krisenjahr doch immer noch ein ganz gewaltiger Unterschied besteht. Amerikas Benzinbilanz. Die Vorräte an Mineralölen allein 20 mal größer als der Verbrauch Deutschlands. Nach Mittellungen des amerikanischen Bureau of Mines stieg im Laufe des Jahres 1939 der Benzinverbrauch in den Ber- einigten Staaten um 5,2 Proz., der Benzinexport um 5,3 Proz., während die Produktion nur wenig über der des Jahres 1929 lag. Die Vorräte an Benzin und anderen Erdöl- erzeug nissen, dl« in den Vereinigten Staaten Ende 1939 lagerten, haben sich trotz des etwas erhöhten Verbrauchs gegenüber Ende 1929 nur unwesentlich verringert: sie betrugen knapp 66 Mil- lionen Faß, etwa 23 Millionen Faß weniger als Ende 1929. Dieser Vorrat entspricht gewlchtsmößig ausgedrückt einer Menge von etwa 85 bis 99 Millionen Tonnen oder fast drei Viertel der gesamten Erd- ölförderung der Vereinigten Staaten. Der deutsche Verbrauch an Mineralölerzeugnisscn kann aus etwa 4 Mlllioucn Tonne» geschätzt werden, beträgt also im Laufe eines ganzen Jahres noch nicht ein Zwanzigstel der in de» Bereinigten Staaten nicht absetzbaren Vorräte. Jlndreas ftegy: :(Mes« Olymp in der Verbannung Geschichte erzählte Milosch Lokiffch seinen Freunden.) Mazedonien ist ein merkwürdiges Land. Eine Tal- mulds, in der sich von den umliegenden Bergen die verschiedensten Völker vermengten. Es gibt hier Serben, Bulgaren, Albanen, Dalmatiner, Montenegriner. Wallachen, Griechen, Zinzaren, Malis- soren, Mirditen. ja sogar richtige Althcbräer, die nicht vorher die ganze Welt umwandert hatten, sondern nach der Zerstörung Jerusalems direkt hierher verschlagen wurden. Und über diesem Völkergebräu herrschte dazumal noch der Türke. Und der Türke verstand sich daraus, zu herrschen, solange man ihn liest. Alle ertragreichen Ländereien sind Eigentum irgend- eines Pascha; sein Palast steht dort inmisten von Kasernen im Hügelland, mit herrlichen Selamliks und Haremliks. Und durch die schmalen Gassen der Städte sprengte der Türke hoch zu Roh in dem bunten Gedränge, und der Fußgänger mußte selbst dafür sorgen, den chufen der Araberpfsrde zu entgehen, genau so wie heute den Autos. Seit Jahrtausenden war es Brauch geworden, daß die Völker, die zu einer tüchtigen Keilerei Lust bekamen, sich in diesem Land« zum Kampf verabredeten. Hier hatten sich bereits die Griechen, Römer, Kreuzfahrer, Moslemin, ja hier hatte selbst Johann Hunyadl gestritten. Freilich, seit die türkischen Eroberer sich aus- gebreitet hatten, ging das Kriegspielen nur mehr>m geheimen vor sich. Dazu dienten die Komitatschiorgonisationen. Die Bulgaren und die Serben uisterhiellen eigene Organisationen; das Ziel beider war: die Befreiung Mazedoniens aus der türkischen Knechtschaft. Aber beide achteten scharf darauf, daß das Verdienst der Befreiung ausschließlich das chre werde. Zu jener Zeit tippelte ich aus Konstantinopel zu Fuß heim gegen Budapest. Ich hatte nicht einen Kreuzer in der Tasche. (Hier bemerkte einer der Zuhörer anerkennend: „Siehst du, Freundchen, das schätze ich an dir, daß du immer so ohne Heller bleiben kannst, wo es dir doch ein leichtes wäre, dir eine Handvoll Goldstücke in die Tasche zu lügen." Milosch Lokitsch errötete und erwiderte selbstbewußt: „Ntemalsl Nie würde ich Gold gegen eine Lüge eintauschen!") In Uesküb ließ ich mich selbst von den serbischen Komitatschi anwerben. Das tat ich aus zwei Gründen. Erstens aus Patriosts- mu«, denn es fiel mir ein, daß mein Ahnherr unter Kaiser Joseph II. hier von dieser Erde noch Ungarn flüchtete vor der türkischen Gewaltherrschast. Zweitens, weil mir die sechzig Dinare gerade recht kamen, die den Komitatschis monatlich aus dem Geheimfonds verabreicht werden. Das ist ein Haufen Gchd in einem Bettlerland, wo man für vier Dinar eine ganze komplette Ziege kaufen kann. Ich will euch nicht mit meiner Komitotschitötigkeit langweilen. Ich wollt« übrigens gar nicht davon erzählen. Aber ohne Un- bescheidenheit kann ich ruhig sagen, daß ich, wenn von mir anver- trauten Revolvern, Bomben und Brandfackeln die Rede war, meine Sache genau so gut mochte wie jeder andere. Ja. es gelang mir. ein« Bombe in der Toreinfahrt des Palastes, der dem Pascha von Uesküb gehörte, so gut zu placieren, daß mir mein Vorgesetzter von selbst riet, für einige Zelt von hier zu verschwinden. Er empfahl mir einen kleinen Ort im südlichen Teil Mazedoniens an der griechischen Grenze, der, soweit ich mich «rinern kann, etwa Gürgbüli hieß. Wenn ich untertags schlief und nacht» wanderte, tonnte ich den Ort in drei Tagen erreichen. Er »ersah mich mit einem Empsehlungz schreiten an einen unserer bainaen Anhänger, den Kaufmann Kogirsmpitsch Radmni?. SürghM war«in richtigss türkisches Dorf: Lauter flache, klein» Hqkzhävser. die sich am Rande ein», Marmorfelsene anÄnaicher an- klammerten, um nicht in die Schlucht abzurutschen. Ich ging schon so sehr kn meinem Komstatschigewerbe mtf, daß ich mkt der Zunge schnalzte, als ich den Ort»rbückte. Dieses Dorf war wunderbarer ..Stoff": mit einem einzigen Streichholz konnte man dos Ganze an- zünhen. Es war spät am Abend, als ich bei Bozusowttsch anklopfte. Er war zwar ein orthtÄoxer Serbe, hatte jedoch türkisch«• Lebens- gewohnhelten angenommen wie jedermann in dieser Gegend. Er führt« mich in sein schönste? Gemach, hieß mich auf einem niederen Ruhebett Platz nehmen, verbeugte sich tief und berührte mit feiner Hand Stirn und Herz. Ich tat dasselbe, um ihm zu zeigen, daß er es mit einem Gentlaincn comm« il kaut zu tun hat, der weiß, was sich schickt. Dann klatschte er in die Hände, worauf seine Frau und sein» Tochter in» Zimmer traten. Beide hatten seiden« Pumphosen an, niedlich« gestickte Westen, die«in« brachte den Mokka, die ander« kandierte Frücht«. Um die Wahrheit zu sagen, wäre mir ein guter Hammelbraten gelegener gekommen; al» ich aber das Mädchen ansah, vergaß ich plöglich, daß ich überhaupt einen Magen besaß. Ich hatte noch nie in meinem Leben ein so biegsames, weiß- häutige», schwarzäugiges Wunder gesehen. Und wie sie dort stand, mst gesenktem Kopf, in gehorsamem Schweigen, schien sie mir so bekümmert, daß sich schier mein Herz zusammenpreßte. Frühmorgens, als ich nach kräftigem Schlaf die Augen aufschlug, stand das Mädchen wieder neben meinem Bett. In einer Hanl, hielt.sie«in» groß« kupfern« Wafchschüsiel und eine Wasserkaraffe. m der anderen«in gestreiftes Frottierhandtuch und wartet» mst sanfter Geduld, wer weist wi« lange schon, daß ich die Augen auf- schlug. Aber jene herzbeklemmende Traurigkeit war auch jetzt m ihren Augen und erstickt« alle meine leichtfertigen Sedanken im Keim. Während ich mich wusch und ankleidete, fragte ich sie aus, wcs- halb si« denn so traurig sei. Ei« erzählte, daß man in diesem Jahr« sie al« Odafisk« für den Harem des Paschas von Prizrend ovsarwohlt Hab«, und gerade am heutigen Nachmittag««in Agha erwartet wurde, um sie fehlerlos von ihren Eltern zu übernehmen. Di« Pest in den dicken Bauch des Paschas. Ich schwor mir zu. daß»r von dieser Frucht nicht esien würde. Ich fragte das Mädchen: „Und was sagt dein Voter dazu?" , Das Mädchen— sie hieß Nathalie— antwortete meinend; „Mein Vater freut sich darüber, weil dos ganze Dorf ihn darum beneidet!" Seht, dieser Alte mar ein wilder serbischer Patnot, Mitglied der geheimen antitürlischen Verbindung, aber er empfand Freuds dabei, feine Tochter dem Pascha ins Bett zu geben, weil das, wie man heute sagt, sein« soziale Geltung erhöhte. „Paß auf, sagt« ich zu Nathalie, mach dir für Nachmittag ein kleines Bündel zurecht, mst wenig Kleidern und viel Proviant. Dann wart« geduldig, ich will dich vor dem Pascha erretten!" Für mich war das ganze ein Kürderspiel. Nach dem Essen begann das Dorf plötzlich von vier Seiten zu brennen, und wahrend die Einwohner kopflos aus den kleinen Holzhütten sprangen wie Mäuse au» den Löchern, nahm ich Nathalie bei der Hand und spaziert« mit ihr gemütlich in die Berge. Nicht emmal die Hund« bellten un» nach. Wir gingen immer bergan. Di« unerbittlich« Sonne Maze- domen», die ihr oll« aus den illustrierten Zeitschriften kennt, brannte un» im Rücken, die glühenden Marinorfelsen sengten unsere Füße durch die Stieselfohlen hindurch, aber al» ich hinuntersah, entschädigt« mich dt« Glückseligkeit für unsere Leiden: da» ganz« Dorf brannte wie eine Kerze. Auch das Gewissen plagt« mich nicht; es mar ein dürftiges, schmutziges Dorf, und ich tonnte mst Recht darauf hoffen, daß man an seiner Stelle hygienischere Wohnungen bauen würde. Und außsüdem war Nathalie an meiner Seit«. Die Arme marschierte in treuer Ergebenheit neben mir, unter einem mächtigen Bündel gebeugt. Natürlich oersuchte ich— ritterlich, wie ich nun einmal bin,— ihr die Last abzunehmen, aber sie gestattete es nicht um die Welt. Sie hatte von ihrer Mutter«ine gute mazedonische Er- ziehung erhalten; in Mazedonien pflegen die Frauen die Lasten zu schleppen,— daß Gvit ihnen diese liebe Gewohnheit erhalten möge'. Ich rechnete damit, daß wir bald Griechenland erreichen müßten, aber vorläufig machte es den Eindruck, als nähme diese tote Marmorwildnis kein Ende. Und auch Nathaliens treue, blinde Zuversicht begann In traurige Resignation umzuschlagen. Wortlos, mit gebeugtem Kopf, ging sie neben mir, und manchmal lief eine dicke Träne über ihre Wangen. Wir waren schon tief im Nachmittag, als diese häßliche Welt ein häßliches Ende nahm. Wir standen gerade auf einem Berggrat und sahen plötzlich in«in Tal hinab, das wie ein paradiesischer Garten war: schwerbeladene Obstbäume, dichte Weingärten, tief- grüne Wiesen und das wellige Band eines blauen Bächleins. Und zu meiner großen Freude blitzten zwischen den Bäumen sreundliche wejß« Häuser hervor, und aus vielen Rauchfängen kräuselten Rauch- sahnen gegen den Himmel, zum Zeichen, daß für irgendwen Abendbrote gerichtet wurden. In unserer Nähe lag ein dunkelhäutiger Kerl auf dem Bauch und flötet« versunken irgendein eintöniges Lied auf einer Syringe aus Rohr. Ich rief ihn an: „He Freund, wie heißt dieses Dorf?" Der Kerl erstaunte so über unseren Anblick, daß ihm die Flöte entfiel:„Reo Olympos." Der neue Olymp! Das war freilich ein ziemlich prätentiöser Name für so ein kleines Dorf, aber ich wunderte mich nicht darüber. Es fiel mir ein, daß ich mich in Griechenland befand, wo ein Zwerg- Haftes Geschlecht in de» Fußtapfen erlauchter Borfahren zu gehen versucht. „Könnt» ich hier ein Nachtlager fretornmen?* fvagk ich Der Jung« stotterte erschrocken: „Das weiß ich nicht! Das weiß wir der ttüe.' „Welcher Alle?" „Na, Zeus, wer denn sonst, nwi» Sater!" Nun, mein« Herren, ihr kennt mich ja und wißt, daß ich in dieser bunten Welt bereits so mancherlei erlebt hob«, aber ich muß sagen, daß mir so ein Ding denn doch noch nicht vorgekommen war. Ich fiel ob dieser Antwott fast aus den Hintern, faßte mich aber und brüllte den Jungen an: „Wer soll dein Vater sein?" Der Junge schluchzte:„Ich Hab es doch gesagt— Zeus! Wer soll denn hier anders Vater sein!" Jetzt erst sah ich mir den Burschen genauer an; Eine Tunika aus schmuddeligem gelben Tuch war seine ganze Bekleidung, und von seinen Ledersandalen baumelten rechts und links zwei Gänse- slllgelchen herab. Ich fragt« ihn mißtrauisch;„Wie heißt du, Kerl?" Er erwidert« einfach:„Ich bin Hermes, der Götterboy." Hilfsbereit hatte er Nathalie das Bündel abgenommen, um es weiterzuschleppen. Aber jetzt riß ich es Ihm schnell wieder aus der Hand. Es fiel mir ein, daß dieser Hermes nebenbei sowohl der Gott der Kausleute wie der Gott der Diebe war, und Nathalie hatte in der Eil« außer Proviant und Wäsche auch noch etwas Schmuck in das Bündel verschnürt. Ich befahl ihm, uns zu Zeus zu führen. Hermes warf einen enttäuschten Blick aus das Bündel, dann ging er uns voran in das Dorf. Wir folgten ihm. Seitwärts auf einer Wiese graste eine Rinderherd«, bewacht von einem gutgewachsenen Burschen. Er war noch spärlicher bc- kleidet als Hermes; nur mit einem Stück Leinwand, und auch das baumelle ihm vom Rücken herab. Und der unverschämte Kerl drehte sich nicht einmal um, als er uns erblickte, sondern betrachtete Nathalie auf das intensioste. Hermes rief ihn, fröhlich zu;.Kvoc. Phoebus!" Tatsächlich war es Phoebus Apollon, der Sonnengott. Aber er war ziemlich verdrcckt, er sah aus wie ein heruntergekommener Aristokrat. Bei Nathaliens Anblick erwachte seine gemeine Lust!o offensichtlich, daß ich meine Schritte beschleunigte. (Schluß folgt.) gerharl 9ierrmaun lliosiar: SBu*&ode gehelmi Es handelt sich um ein Lied, das an den Ufern der Wolga leble. Seit Jahrhunderten vermutlich; jedenfalls fo lange, wie aus- gemergelie Schtfferknechte die Kähne den Fluß hinauftreidelten. Im Rhythmus ihrer Schritte, in diesen: schweren und ruckhasten Rhythmus sangen sie das Lied ihrer Arbeit;„He uchn jem— he uchn jem..." Jahrhunderte long. An den Ufern der Wolga. Es ging nie weg von dem Wasser, dem es einmal entstiegen war. Dann kam em« Revoüttion. Sie schuf neue Herrscher, neues Volk— sie schuf auch Emigranten. Den Emigranten ging es schlecht in den fremden Ländern. Sie mußten verdiene u, aus jede Art. Well si« einem künstlerisch begabten Volke entstammten, viel« von ihnen Musik oder Molerei cäer deren lockerstes Bündnis: Kabarett. Si« trieben es mst den Stostsn. die ihnen ihr Schicksal und ihre Heimat bot«. Einer von ihnen entsann sich de» Lied«, da» hiö Treidler her yfyjga in seinen Kinherjahren gesungen hatten. Er macht»»in» ernst» Szene daraus, von lnr«r hösst». daß sie alle Emigranten rühren werde. Die Szene nannte«„Di» Wolga- schleppe?" und führt« si» auf. Er hatte 91 wenig gehofft. Diese Tzene. welche dt« fürchterlich« Arbeltssron der Schisserknecht« zeigte, eingefangen in ein Bild und ein Lied— die» Kunstwerk rthtt« nicht nur die Emigranten. Es ergriff jeden, der es sah. dann auch jeden, der dos Lied nur hört«. Es machte das Kabarett„Blauer Vogel" berühmt. Es machte Sänger und Schallplattenfabrikanten und Notenverleger reich. Auch die Chöre der Emigranten griffen es auf. Sie fangen es schön und kunstvoll. Sie fingen ganz leffe an, als ob die Knechte ganz von fern kämen; wurden sehr laut, als ob sie vorüber zögen; und wieder leise, und verstummten ganz. Fast niemand kam daraus, daß diese Art eigentlich»in bißchen ausgemacht war und nicht ganz vereinbar mst der Schlichtheit� eines Volksliedes. Bielleicht waren es darum so wenige, weil die Eintrittspreis« zu diesen Konzerten nicht sehr billig waren und weil darum eine galtst andere Schicht das Lied hörte,«in« Schicht, die nie in die Verlegenheit gekommen war und kommen würde, ein solches Lied der lstot singen zu müssen. Gerade bei dieser Schicht aber hatte da» Lied ein- ganze Mode heroorgerusen: die russisch« Mode; si« trat seuchenartig auf. Da» Wolgaschlepper-Lied erklang in jedem Tanzlolal, erklang von jeder Kapell«, ich Hab« e» selbst für Trompete gehört; das Publikum war sehr gerührt. Was kommen mußte, kam; die Parodie. Eines Tages konnie mm, es in einer ironisch gehaltenen Revue mit neuem Text hören. Statt„He uchn jem" sang man„Nuos-Schuhkrem". Im ganzen h>ß e? jetzt so: Nuos-Schuhkrem, Nuos-Etiefelkrem Ist der� allerbeste Schuhkrem, Nuos-Schuhkrem... Putzt die Zühänehe mit Ioool. Für die Haharehs nur Ldol! � Wir brauchen MaggU Traget Hautanal Kutirvhohcüen... kukirolen Sie... So o?rhallle es. Man kann nicht sagen, daß der Text bchmidars gsistoall aar. Aber er war mehr:«r war treffend. Er deckt» da» Modemästis«. da» Kramp.h�k der Russenseuche auf. Sr;e-st». daß ei» hebnatlo, gewordene? Lied leicht auch sinulos wird. Daß»in Arbeiterlied vor bepelzten Snob» stch leicht proststmert. Er traf d-mnoch nicht das Lied, das in sich ja schön btleb und«cht. Er traf un». Wir HM«n stiÜ, aber mir nahmen un« vor, un» nicht mehr bei dwser Mode ertappen zu lasten. Wenn wir e» w Cafe» oder irgend«» hörten. ichwteg-n wir nicht mehr, solchen, schoatzten wester ad« lächellen überlegen. Dieser Tag« nun. im März, hört man wieder vom Lied« der Wolgaschlepper. In einem großen Berliner Variete wird«s ge- spielt. Einer der dort wirkenden Artisten kann es nicht entbehren. Er läßt nämlich sew« drollige Hundegruppe danach tanzen... So ungerecht ist die Well. Wir sind geschmacklos, und«in Lied bl-ibt auf der Strecke. Wir sind die Lächerlichen, und das Lied wird zu Tod« gehetzt. Es stirbt, und unsere LacherLMest bleibt; bleibt ewig. Irgendwo aber an den Usern d-r Wolga treideln wohl noch heute arni« Schiffer in furchtbarer Arbeit d!« Kähne ltromaus, und st« singen dabei dos Lied ihrer Arbest; si« wissen nicht, daß es im fernen Westen eine Mode war und nun lange tot sttt Dort, in seiner Heimat, wird es wohl das Litt» sein, da» bleibt. So lange bleibt, bis es mst Recht stirbt; das wird dann fein, roenn andere Wittschastsoerhöltniste die Armut befestigt haben w-rden, von der es erzählt. Und dann wird auch die Lächerlichkeit tot sein, die ein schönes Lied in den Scheintod Hetzen kann. Die Martenbilder Jeder Aarteuspieler wird sich schon einmal über die merkwürdigen Figuren gewundert haben, die uns auf unseren Karten entgegen» blicken. Es sind die Zeugen ferner Dergangenhest aus den Tagen der Entstehung unserer Kartenspiel«, die sich hier noch in visier« Gegenwart gerettet haben. Interessant« Mitteilungen über diese Ge- schichte unserer Kartenbilder«nthäll eine soeben in England er- schienen« umfastend« Darstellung des Kartenspiels von Gurncy Benham. Dieser Gelehrte wendet sich gegen die oft vertretene Auf- fossung, daß da» Kartenspiel au» dem Orient zu un» gekommen oder gar von einem wahnsinnigen französischen König zu seiner Unter- Haltung erfunden worden stt. Er vertritt die Anschauung, daß da» Kartenspiel selbständig in unserer Kultur aufkam, als durch den Holzschnitt die Möglichkeit«,, zur Vervielfältigung d-r Bilder und zu «mer verhältnismäßig billigen Herstellung gegeben waren. Nur dadurch wurde die Verbreitung des Spiels ermöglicht. Ein Spiel von 7S..Tarwt-Karten", dessen Ursprung dunkel ist, kam bereit» im IS. Jahrhundert in Italien auf, und aus dieser Zeit stammen ja auch die ersten deutschen Kartenbilder. Zweifellos wurden zunächst wirtlich« Herrscher und Herrscherinnen aus den Karten dargestellt. Der Herzkönig wurde unter dem Bilde Karl» des Großen gegeben, während die Herzkönigin, die auf französischen Spielen Judith heißt, viellcicht eine Gattin des ersten Kaisers de» heiligen römischen Reich«, deutscher Nation, vielleicht aber auch tu biblische Bestall war. Von all diesen Figuren ist der Herzbube am interessantesten, denn sein Ursprung wird von dem Leutnant der Jungfrau von Orleans, La Hir«, hergeleitet, einem kühnen Gascogner, um den sich gegen Ende des 1ö. Jahrhunderts«ine blühend« Legend« gebildet hatte. Das Zeichen, da» wir heute Pik nennen, bedeutete ursprünglich da» Schwert, und der Schwertkönig war auf den öllesten französischen Kartenspielen David, die Königin Pallas Athene. Auf diesen französischen Spielen erschein* auch zuerst„Karo", da» l einen Pflasterziegel bedeutete. Unter diesem Zeichen wurden die Städtebauer und die Geldmonner dargestellt, und als Karo-König erscheint merkwürdigervoeise zuerst Juliu» Cäsar. Die Kartenbilder haben im Laufe der•IßOjährigen Geschichte der Karten vielfache Abwandlungen erfahren, die häufig geschichtliche Ereignisse widerspiegeln. So wurden z. V. in der französischen Revolution die Konige durch„Weise" ersetzt, unter denen neben dem antiken Volon auch der modern« Rousscau erscheint; an die Stelle der Königinnen traten die„Tugenden". D!« herrschende Mode ist cbensall» von Einfluß gewesen, und so manche Kartenspiel« bilden heute«ine wichtige Quelle für die Geschichte der Tracht. Xebende fßnhferien aus der Ursteil Der anuwikanisch« Geolog« Dr. Charles Äpmann hat im Ge- stein des Kambriums Laimzellen einzelliger Organismen gefunden. die»ach ihrer Loge in der Erdrinde viele Millionen Jahre in ab- soluter Absperrung oon der atmosphärischen Luft sich befunden haben. Lipmaim hat auch Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um«ins Anstedlunz oon Bakterien aus der Luft auf der zu untersuchenden Steinprobe gänzlich unmöglich zu machen. Trotzdem konnte der Forscher dann, nachdem er auf den Steinen au» dem Kambrium einen Nährboden für Batterien geschossen hatte, durch das Mikro- stop einzellige, pflanzlich« Organismen in unzählbarer Menge fest- stellen. Dazu mit) jetzt von sachkundiger Seit« miigeteill, daß auch in den Steinkohlengruben des Ruhrgebitte lebensfähige Batterien in den tiefsten erreichbaren Flözen unter 1000 Meter mst Sicherheit nachgewiesen werden könnten. Daß auch im Urgestein Bakterien vorkommen können, ist durchaus wahrscheinlich. Dagegen ist es durchaus möglich, daß unter den jetzt auf der Erde herrschenden Bedingungen bestimmte Bakterien in da» in der Tiefe lagernd« Material hineinwachsen, denn die meisten Gesteine sind porö, und wasserdurchlässig. Die Wohlfahrts-Enverbslosen. Das erste Ergebnis ihrer Zählung./ Eine Etaiistik des Elends. Die ausgesteuerten Erwerbslosen überläßt man den Gemeinden, denen es auch überlasten blieb, sie zu zählen. Die für viele Gc. meindsn unerträgliche Belastung durch die Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen neben den sonstigen Wohlsahrtsunterstutzten drängt dazu, irgendeinen Ausweg zu finden, um die Gemeinden zu entlasten. Zunächst also machte sich eine genaue Zählung der Wohlsahrts- erwerbslosen notwendig, die durch ein« Entschließung des Reichsrats seit August 1930 vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsver- mittlung und Arbeitslosenversicherung in die Wege geleitet wurde. Erst die Zahlen der Haupwnteistützungsempsänger, der Krisen, und der Wohlsahrtsunterstutzten zusammengenommen ergeben ein voll- ständiges Bild der unterstützten Arbeitslosen in Deutschland. Als Wohlfahrtserwerbslose gelten arbeitsfähige, aber unfreiwillig arbeitslos gewordene Persoven, die I. in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisensürsorgc ausgesteuert sind, 2. eine Amvartschast aus beide Unterstützungsarten noch nicht erworben haben und 3. solche, die durch die wirtschaftliche Entwicklung aus ihrer bisherigen Tätigkeit als selbständige Erwerbs- tätige ausgeschieden und erwerbslos geworden sind Die Durchführung dieser mit vielfachen Schwierigkeiten ver- knüpften, aber sehr wichtigen Zählung konnte nur langsam vor sich gehen, zumal die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland gerade in den letzten Monaten allen beteiligten Stellen überaus große Arbeitslast brachte. Run liegen die ersten zahlenmäßigen Ergebnisse sür die Zeit von Ende September 1930 bis Anfang Februar 1931 vor. Sie sind überaus ungünstig, insbesondere wenn man die Be- lastung durch die außerordentlich große Zahl der Arbeitslosen be- rücksichtigt. Wie aus der Graplstk ersichtlich, steht Berlin mit 29,83 Wohlfahrlserwerbslosen von je 1000 Einwohnern an der Spihe. Nicht miicher mißlich ist die Lage in Sachsen, Anhalt, cham- bürg und. den anderen Ländern. Wenn indessen dies« prozentualen Zahlen für einige andere Länder auch nicht so groß sind, so ergibt sich aus der Gegenüberstellung der letzten Zahienergebniste mit den Reichsbahn-Echiedsspruch. Die Löhne Der Reichsbahnarbeiter um 6 pro, gekürzt. 3m Lohnstreil zwischen der Deutschen Reichsbahn. Gesellschaft »ad den Eiseubahnergewerkschaflen wurde gestern abend ein Schied»' sprach gefällt. Der Schiedsspruch kürzt dl- Lohubezüge der Reich». bahnarbeiter um durchschnittlich 6 proz. Den Varleleu wurde vom Schlichter eine Erklarungssrist bi, zum Montag. dem 23. März 1831, gesetzt. Di« 6 Proz. Lohnabbau verteilen sich in folgend« Weise: Der Erauenzus chlag im Betrag, von dwi Pfennigen fällt fort Außerdem wird der Lohn in den Lohngruppen 1 bi» S um drei Pfennig, in den Lohngruppen 4 und 5 um zwei Pfennig uich in den Lohngruppen«bisLumernenPfennigse Stunde gekürzt. � Schädigungen der Versicherten. Durch Veitragsunterfchlagung von Unternehmern. Die Spitzenorgantfationen der Gew rkschoften haben in emem gemeinsamen Schreiben an den Reichsarbestsminister Maß« nahmenzum Schutzder Versicherten gegen Schädigungen aus Beitvagsunterschlagungen van Uirternahmer» gefordert. Sie schlagen vor, in die RDO. eine Bestimmung aufzunehmen, wonach in Fällen unbilliger Härte die Landesversicherungsanstalten einem Der- sicherten diejenigen Kalenderwochen als Beitragswochen an- rechnen sollen, für die dem Versicherten sein Beitragsanteil vom Unternehmer am Lohn abgezogen, aber ohne Verschulden des Versicherten nicht für die Versicherimg verwandt wurde. Voraussetzung für die Anrechnung wäre, daß die Landesversicherungsanstalt inner« halbzweiJahren nach Ablauf der Fälligkeit der Beiträg« vom Rückstand Kenntnis erhalten hat,«ine Beitreibung jedoch ergebnis- los blieb. Durch Beitragsunterfchlagungen wird in der Rentenversicherung' der Versichert« selbst geschadigl! denn«s gehen ihm dadurch, obwohl er regelmäßig Beiträge geleistet hat. die aus dies« Beiträg» begründeten Steigerungssätze im Rentenfall ver- loren. Die von den Gewerkschaften geforderten Schutzmaßnahmen sind gerade jetzt in der Krisenzeit notwendig, weil sich die Lerlustfäll« stark häufen. GchuhmacherlöHne um 5,26 proz. gekürzt. Der Tarifkonftikt beigelegt. Räch dreitägigen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium kam es unter dem Vorsitz des Regierungsrats Doberstsin zu einem Schiedsspruch, der eme Lohnkürzung von 3,26 Proz. bedeutet. Di« zahlreichen Anträge der Unternehmer zur Verschlechterung der Bestimmungen des Manteliarifvertragz konnten abgewehrt werden. ersten Aufstellungen für den 30. September 1930, daß inzwischen die Wahlfahrtserwerbslosigkeit wie folgt gestiegen ist: In Schaumburg-Lippe um 147,9 Proz., in Lippe um 119,3 Proz., in Mecklenburg-Strelitz um 95,4 Proz., in DeufcscViland 19 31 in B c T 1 j n 3 a c>i s e n A n Ii al t Hamburg Hessen P I» e vi ß« n B ra uns cKw« i f ThUrinfen l, ü l> e e> B r e tn e n Bayern MecVlinb irp|'Stre]ih( Baden 0 1 d e n b u r Lippe M«ebl» ne vir4-Seil werin S cb» mnb ur f" L i p p e Württemberg (?«.«« 19.74 wl9..» a 16.>> KS 19.6' ■ m.i« ■ 1 H.IS 73.7» Ei Auf j e 1000 n w olnn e r Mecklenburg-Schwerin um 87,4 Proz., in Württemberg um 65,8 Proz., in Sachsen um 57,9 Proz., in Alten- bürg um 56,3 Proz., in Bremen um 54,0 Proz., in Braun- schweig um 53,8 Proz., in Thüringen um 52,3 Proz. usw. Bemerkenswert ist, daß die ländlichen Bezirksfüvsorgoverbände, die mehr als die Hälfte der Reichsbovölkerung(58,6 Proz.) umfassen, nur etwa«in Drittel aller Wohljahrtserweibslosen betreuen, während die Großstädte 50,5 Proz. aller Wohlfahrtserwerbslosen zu unterstützen haben, obwohl sie nur 29,4 Proz. der Reichsbevölke- rung bilden. Eine überaus traurige Elcndsstatistik, die zu den allerernstesten Besorgnissen Anlaß gibt, da vor der Hand leider keine Aussicht besteht, daß die Lage des deutschen Arbeitsmorktes sich bald so wesentlich gebessert hat, daß auf dem Wege der Arbeitsbeschaffung die dringend erforderliche Entlastung der Länder und Gemeinden erfolgt. Der Schiedsspruch wurde von beiden Parteien an» genommen. Die Laufdauer des neuen Manteltarisoertrags wurde auf 1)4 Jahr, die des Lohntarifs auf% Jahr jestgesetzt. Schiedsspruch sür die Herrenkonfektion. Unter dem Vorsitz des Schlicht«? Brahm wurde nach drei- tägiger Berhandlung ein Schiedsspruch zum Reichstarif gefällt, wonach sich die Löhne der Konfektionsarbeiterschaft von 4—6 Proz. verringern, für die Zuschneider um 6 Proz. Im Wanteltaris sind keine Verschlechterungen eingetreten. Dagegen sind in der Ferien. onwendung und in den Extraarbeiten eine Reiste Aenderungen erfolgt.__ Märzseier des Gesamtverbandes. Der Gesamtverbond veranstaltete im SaaLbau Frlodrichshain ein« eindrucksvoll« Märzfei«. Der riesig« Saal war Ä erfüllt. In den Dängen stauten sich die Menschen. Bon Wänden und Podium leuchtet« das Rot der Fahnen«us grüner Girlonden�mrahmung. Das große Konzertorcheskr desDeutschenMusiker-Perbandes unter seinem Dirigenten Arthur Zander und der Neuköllner Sängerchor unter seinem Dirigenten H. Schreiber sorgten für musikalische Darbietungen, die in Auswahl und Ausführung dieser Gedenkfeier würdig waren. Zündende Verse sprach Albert Florath vom Staatstheater. Genosse Emil D i t t m« r hielt die Gedenkrede. Er gab eine Rückschau auf die Geschichte der Revolutionen, die mit der großen Erhebung des Bürgertums gegen Adel und Kirche im Jahre 1789 in Frankreich begann. Auch die Zlrbeiterschajt, die 1848 für die Freiheit des Volkes kämpfte, konnte ihren Sieg noch nicht ausnutzen: denn sie war noch nicht geeint. Erst eine kraftvolle Gemeinschaft der Werktätigen vermag die errungene Freiheit auch festzuhalten. Dessen muß sich heut« jeder bewußt sein, der zur deutschen Republik steht. Die Reaktion versucht auch jetzt wieder das Werk der Arbeiter- schaft zu zerstören-, nur eine geschlossene Arbeitnehmer» front tonn es schützen. Mit musikalischen Darbietungen, die der ernsten Feier einen hoffnungsfrohen Ausklang gaben, schloß die Veranstaltung. Nazis als Kälscher entlarvt. Dorficht bei den Veiriebsratswahlen! Mit welchen Mitteln die Nazis arbeiten, um bei den Betriebs- rät«wählen Einfluß zu gewinnen, ist kürzlich im Werk Leoer» tus«n der Z. 0. Farben aufgedeckt worden. Wie M der Nr. 12 des Organs dos Fabrikarbeitec-Verbandes.„Der Proletarier', mitgeteilt wird, hatten auch hier die Nazis ein« Betriebsrotslifte sin- gereicht. Wie groß ihr Anhang in diesem Werk ist, geht schon daraus hervor, daß sie mit Mühe und?!ot nur kaum die Hälfte der erforder- lichen Berriebslandidaten und deren Stellvsrtret« zusammenbringen konnten. Aber auch diese Liste der Kandidaten mar zum größten Teil noch zusammeng schwindelt. Bei d« Prüfung der Zustimmungserklärungen wurde nämlich festgestellt, daß ein erheblicher Teil der Unterschriften der Kandidaten gefälscht war. Selbst die Unterschriften der drei Listeosührer stellten sich als gefälscht heraus. Da die Nazis für das gesamte Reichsgebiet Richtlinien iür ihre Wühlerei in den Betrieben herausgegeben haben, ist es nicht ausgeschlossen, daß auch diese Betrugsmonöver auf Grund von Nicht- linien erfolgen. Den Wahworständen in allen Orten und in allen Betrieben, wo Nazilisten aufgestellt werden, ist daher dringend zu raten, die Unterichristen aus den Kandidatenlisten der Nazis genau daraufl>>n zu prüfen, ob sie echt oder gefälscht sind. Betriebsratswahlergebniffe. Au« der Metallindustrie im Reich. Nur freigcwcrkschastliche Listen wurden in folgen- den Betrieden eingereicht: In Bernburg bei der Finna W. Siedersleben u. To. mit 153 Arbeiteni und 51 Angestellten sowie bei der Firma Kcilmann u. Bö'cker, die 127 Arbeiicr und 25 Angestellte beschäftigt. In Einswarden-Nordenham bei den Norddeutschen Seekabelwcrken mit 320 Arbeitern, bei der Frerichswcrft mit 365 Arbeitern, bei der Schiffswerft Kühring in Hammclmardcn- Brake mit 85 Beschäftigten und der Brater Werft mit 35 B> schästigten. In Göppingen bei den Firmen Gebrüder Vöhrmger, 730 Arbeiter und 176 Angestellte: Dellino u. Co., 154 Arbeiter und 20 Angestellte: Württembcrgische Metall warensabrit, 422 Arbeiter und 118 Angestellte: Gebr. Märtliu u. Co., 768 Arbeiter uns 152 Angestellte: W. Speiser, 261 Arbeiter und 36 Angestellte, und Dentzki u. Co., Eislingen, 160 Arbeiter und 40 Angestellte. In Schwenningen bei Gebr. Junghans, Uhrenfabrik(163 Arbeiter und 5 Angestellte) und Müller u. Schienker, Uhrenfabrik A.-G. (340 Arbeiter und 30 Angestellte).) In Me u s e l w i tz, Fürst Bismarck in Zippendorf, erhielt die Liste der freien Gewerkschaften 576 Stimmen und 7 Sitze, die Liste der RGO. 133 Stimmen und 1 Sitz im Bi- triebsrat. Außerdem entfällt aus jede Liste ein Ergünzungsmitglied zum Arbeiterrat. Eine Liste der Gelben erhielt 3 5 Stimmen. auf welche kein Mandat entfiel. Die Gruppe der A n g e st c l l t e n lMte nur eine freigewertschaftliche Vorschlagsliste ein- gereicht. In diesem Betrieb sind bescististigt 843 Arbeiter und 7? An- gestellte. Bei den Wa h l e n im Kraftwerk Z s ch o r i e w i tz, Ditter- feld, mit 694 beschäftigten Arbeitern enrfielen bel der Betriebsrats- wähl auf die s r e i g k w s r k f ch a f t l i ch e B o r s ch l n g s l i st e 393 Stimmen und 5 Mandate., ans die Liste der NGO. 166 Stimmen und 2 Mandate. Eine Nationale Einheitsliste erl>ie!t 43 Stimmen und kein Mandat. 2lus die irrige meri ichmtlichc Vorschlagsliste entfallen außerdem 2 Ergänzungsmitglieder zum Arbeiterrat. Bei den Panther-Werkeu in Braunschweig mit 173 Wahl- berechtigten erhielt die Liste der freien Gewerkschaften 86 Stimmen und 4 Sitze, die Lift« der NGO. 40 Stimmen und 1 Sitz und die Naziliste mit 21 Stimmen 1 Sitz als Ergänzungsmit- glied zum Arbeiterrat. In J e n a bei C. A. Schietrumpf u. Co. A.- 0. erhielt'm Jahre 1930 die fveigewerlfchaftliche Vorschlagsliste 61 Stimmen und 2 Sitz«. tüe'smc RGv. 110 Stimm«« und 3 Sitze. Diesmal SKirfce n u" «in« fr«lgew«rkschaftl!che Po rf ch l a g« l i s/�" gereicht und öhne Stimmabgabe gewählt. Bei fett Uhrenfabrik Dh. E Haller m Schwenningen mit 769 Arbeitern und 65 Angestellten erhielt die Liste der freien Gewerkschaften 408 Stimmen und 6 Mandate, die �ista der RGO. 212 Stimmen und 3 Mandate. Außerdem entfiel auf jede Liste ein Ergänzungsimtglied zum Arbeiterrat. Vei der Uhrenfabrik Kienzl« mit 1042 Arbeitern und 128 Angestellten erhielt die Liste der freien G e w e rk-s ch a s t e n 559 Stimmen. auf die List« dar RGO. entfielen 215 Stimmen und auf die des christlichen Verbandes 75 Stimmen. Di« freien Gewerkschaften erhielten 7 Mandate im Betriebsrat, die REO. 2 Mandate. Außer- dem erhielt die Liste der RGO. und der Christen(welche in: Be- lriebsrat nicht vertreten sind) je 1 Ergänzungsmitgiied zum Arbeiter- rat.— Bei der W ü r tt e m b e r g i f che n Uhrenfabrik mit 137 Arbeitern erhielten die freien Gewerkschaften 56 Stimmen und 4 Mandate, die RGO. 25 Stimmen und 1 Mandat. Das Ange- stelltenmandat im Betriebsrat fiel dem A f A- B u n d zu. Bei der Firma Schuler in Göppingen mit 730 Arbeitern und 190 Angestellten erhielten die freien Gewerkschaften 8,. die Christen 1 Sitz Im Betriebsrat. RGO.-Leute als Märtyrer. Wie die„Maßregelung in der Turbine" aussieht. Der Arbeiterrat der AEG.-Turbin« schreibt uns: In der ,.Rot«n Fahne" vom 19. März war zu lesen, daß in der„Turbine" vier REO.-Leute gemaßregelt worden seien, darunter ein Betriebsratskandidot der KPD. Nun ist leider Tot- fache, daß in der„Turbine" immer noch Arbeiter wegen Ar- b«it»mang«l entlassen werden müssen. Der ein« der vier Cut- lassenen, der angebliche Betriebsratskandidot der RGO., konnte schon deshalb nicht als solcher bekannt sein, weil die RGO. ihre Kandidatenliste erst tn einer Versammlung a m 18. M a r z ausgestellt, die Liste aber bis heute noch nicht einge- reicht hat. Der Einspruch des Arbeiters, der angeblich als Betriebs- bringen wir eine neue ZigareUe ENVER BEY VALUTA EinheUsPacßung dich und rund q/m die trotz BUGgfeeli jeden anspruchsvollen Raucher befriedigen wird ratskandidat gemaßregelt sein soll, ist vom Arbeiterrat der Turbine einstimmig abgelehnt worÄen, das heißt, auch die REO.» Arbeiterräte stimmten nicht für den Einspruch von S)., der erst etwa ein Qahr im Betrieb, 29 Jahre alt und ledig ist. Die Belegschaft der Turbine ist straff gewerkschaftlich organisiert, hat also ein paar RGO.-Leute im Betrieb wirtlich nicht zu fürchten. Sie weiß aber, daß bis zur Betriebsratswahl von der NGO. noch mancher Schmu izkübcl über die Freigcwerkfchafter ausgegossen wer- den wird, um bei der Wahl überhaupt Stimmen zu erhalten. Die Belegschaft zieht daraus die Konsequenzen, und wählt bei der Betriebsratswahl geschlossen die Liste der freien Gewcrk- fchaften. Aufruf des Landarbeiter-Verbandes. Abwehr gegen die„revolutionäre Opposition". Der BerbanÄsvorswnd des Deutschen Landarbeiter�Berbandes fordert die Verbandsmitglieder in einem Aufruf auf. die revolutio- näre Gewerkfchaftsopposition(NGO.) zu meiden. Als Ableger der RGO. in der Landwirtschaft wird der sogenannte Land- und Forstarbeiter-Berchand und als Organ dieser Gründung„Der Land- und Forstarbeiter" genannt. In dem Aufruf heißt es unter anderem, daß das Vorgehen der Kommunisten nicht scharf genug verurteilt werden kann. Es wird als ein« neue Versündigung an der Arbeiterdewegung und als eine Besorgung der Geschäfte des Unternehmertums und der Reaktion bezeichnet. Dabei wird daraus hingewiesen, daß gerade der jetzige Augenblick stärkste Geschlossenheit und unbedingtes Zusammenstehen verlangt. Zu dem, was die Kcmvmu- nisten sich jetzt erlauben, könne nicht geschwiegen werden. Der Mit- gliedschaft wird zur unbedingten Pflicht gemacht, sich unter keinen Umständen mit der RGO. und ihrem Land- und Forstorbeiter- verband einzulassen. Wer es dennoch tut, so schließt der Aufruf, hat. den sosortigen Ausschluß aus dem Verband zu gewärtigen und damit auch den Verlust sämtlicher erworbenen Rechte. Wir haben das Vertrauen zu den gewerkschaftlich organisierten Landarbeitern, daß sie die Mahnung der Leitung des Deutschen Londarbeiter-Verbandes ohne Rücksicht auf das Geschrei der RGO. und ihrer Helfershelfer befolgen. Oer �eversunfug. Selbst Kleinmeister verüben ihn. Bor etwa Jahresfrist beschäftigten wir uns im Zusammenhang mit der organisatorischen Zersplitterung der Berliner Optikergehilfen auch mit dem Optiker Herrn Lech eck, Müllerstr. 175, weil er seinen Gehilsen einen ungewöhnlich geringen Lohn zahlte. Herr Leweck sandte uns damals eine„Berichtigung", in der er u. a. sein „soziales Empfinden" für die Arbeiterschaft betonte. Anscheinend ist dieses soziale Empfinden Herrn Leweck inzwischen wieder abhanden gekommen. Bor einiger Zeit bekam er mit verschiedenen Krankenkassen Disfe- renzen wegen der Belieferung von Kassenpatienten mit Brillen. Um die angeblich unberechtigten Vorwürfe der Krankenkassen zu ent- kräften, legte er seinem Optikergehilsen einen von ihm oersaßten Revers vor, worin dieser ihm bescheinigen sollte, daß die Kassen- patlenten im Laden stets so bedient worden seien, daß sie keinen Anlaß zu Beschwerden gehabt hätten. In einem zweiten Revers oerlangte er von dem Gehilfen die Bestätigung, daß in seiner W e r k st a t t einwandfrei gearbeitet und auch einwandfreies Material verwertet werde. Der vorwiegend in der Werkstatt tätige Gehilfe hatte keine Bedenken, den Revers über die Werkstatt- arbeit zu unterschreiben. Den Revers über die Bedienung der Ladcnkundschast getraute er sich jedoch nicht zu unter- zeichnen. Seiner Auffassung nach enthielt dieser Revers fachliche Un- richtigkeiten uizd war auch juristisch so kompliziert abgefaßt, daß er die Unterschrist darunter mit seinem Wahrheitsempsinden nicht ver- einbaren zu können glaubte. Die Verweigerung dieser Unterschrift beantwortete Herr Leweck jedoch mit der Entlassung des Gehilfen. Nicht genug mit der Entlassung schrieb er in die für das Arbeitsamt bestimmte Entlassungsbescheinigung den zwar konfusen ober bezeichnenden Satz: „Außer verschiedenes wegen Verweigerung einer notwendigen Unterschrift fristlos entlassen." Das hatte zur Folge, daß dem Gehilfen die Arbeitslosen- unter st ützung für acht Wochen gesperrt wurde. Das Ausstellen einer derartigen Entlossungsbescheinigung, über deren Folgen für den Gehilfen sich Herr Leweck bestimmt klar war, verriet wirklich nicht das von ihm vor einem Jahr behauptete„soziale Empfinden". Der Entlassene muß erst das Arbeitsgericht in Anspruch nehmen, um eine regelrechte Cntlassungsbeschcinigung zu erhalten. Der Gehilfe war keineswegs verpflichtet, die Stilübungen seines Prinzipals mit seinem Namen zu decken. Die Krankenkassen, deren Lieferant Herr Leweck ist, sollten ihm bedeuten, daß auf diese Weise den Beschwerden ihrer Mitglieder nicht abgeholfen wird., Rur freigewerkfchastliche Listen. In sämtlichen Betrieben der Reichswehrverwaltung in Dresden sowie bei den Zoll- und Finanzämtern sind zu den bevorstehenden Betriebsratswahlen von den Arbeitern nur freigewerischaftliche Listen eingereicht worden. Das gleiche gilt für sämtliche Betrieb« innerhalb der sächsischen Staats- Verwaltung. Die großen Betriebe der Technischen Hochschule, der Polizeiwirtschaftsämter, Polizeiwerkstätten sowie der Landesver- stcherungsanstalt wählen nur freigewerkschaftlich. Verhandlungen in Krankreichs Bergbau. Paris, 19. März.(Eigenbericht.) In D o u a i haben am Donnerstag die Verhandlungen zwischen den Vertretern der nordfranzöfischen Bergarbeiter und der Bergwertsgesellschasten über die Rückgängigmachung der Lohnherabsetzungen begonnen. Die Bertreter der Unternehmer erklärten, daß eine Herabsetzung der Löhne notwendig sei, uni die durch die ausländische Konkurrenz hervorgerufene Absatzkrise zu bekämpfen� und daß auch die Löhne der deutschen, englischen und belgischen Grubenarbeiter um drei bis 5 Proz. verkürzt worden seien. Die Arbeitervertreter wiesen darauf hin, daß die gegen- wättigen Lebenshaltungskosten eine Verringerung der Löhne nicht rechtfertigen. Die Berhandlungen dauern an. Nergarbeiier fordern Künf-Tage-Woche Ein« Bergarbeiterkonferenz in Mähris ch-O st rau(Tschecho» slowokei) hat sich für die Einführung der Fünf- Tag�f- Arbeite- woche bei ungekürztem Lohn ausgesprochen. Im Ostrauer Revier sollen 3090 Bergarbeiter entlassen werden. Entschluß der englischen Bergarbeiter. London. IS. März. Die Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter hat beschlossen, die Fortsetzung des Spread-ooer-Systems nach dem 31, März, dem Zeitpunkt des Ablaufs des jetzigen Abkommen, nicht zuzugeft-chsn. Seidenbanöwirker und Gummibandwirker. Die Firma W. u. G. Keßler. Fabrik für Telephon- und Radioschnüre, Mechanische Seidenbandweberei, Berlin SO. 36. Elisabethufer 19, wollte die Löhne der Seidenband- und Gumnv- bandwirker, die zur Zeit 1.05 M. betragen, auf die verkürzten. Löhne von Barmen, nämlich ans 65 Pf. respektive auf 76.5 Pf. hovobse�en und bei den Frauen«inen 6— 7prozentigen Abzug vornehmen. so daß diese zum Teil noch unter den Barmer Tarif entlohnt werden sollten. Die gesamte Belegschaft ist gegen diesen Lohnraub in den Streik getreten. Die Kolleginnen und Kollegen im Land werden vor Zuzug nach Berlin gewarnt. Deutscher Textilarbeiter-Berband. Ortsvcrwaltnng Berlin. Der Schlichter für den Bezirk Brandenburg hat sein Büro von Wilhelmstr. 18 nach Berlin W 9. Potsdamer Str. 136/3 7, o. II. oerlegt. Fast 2000 Unterstützungssätze umfaßt die Arbeitslosenversicherung, die, zumal durch die Notverordnung, allmählich zu einer Spezialwissenschast geworden ist. Die Gewerkschaftssunktionär« und die Arbeüersekrctäre werden daher die Herausgabe einer Übersicht- lichen To belle begrüßen über die gesamten Unterstützungssätze der Arbeitslosenversicherung einschließlich der Saison- und Krisen- Unterstützung, die jetzt im Verlage von Max Lichtwitz, Berlin SM. 19. Neue Grünstr. 30, erschienen ist. Orgamsationspreis 75 Ps., bei Sammelbestellungen 50 Pf._ # Freie Gewerkfchafis-Iugenö Berlin Seute. ffwitefl, 19 Vi Übt, taaen l>ie«nivvcn: Satbrin«: Juaknb- beim. Schul« Sonnenburaer Str. 20. Recht»«6 DNichte» ut btt Berufsschule.— Kerxlunplali: Cruppenbeim Eanbetfir. 11, Sie 60 brecht- präge, flriminolmeien.— Lüden:©ruppcnbeim Wossertorltr. 9, v. pt. Seiter er Abend.— Cbo'Iottcndur«;?u«eudbeim Spreepr. 30. Die Mädchen»e galten den Abend aus.— zeppelinplali: Iunendbeim Turiner Eck« Seestrag« lEinaanq Turiner Strafte). Warum Oberpritfstelle und ffilinzenfur?—«dlerahof: ffimppcnbcim Adlersliss. Bismarckstr. 1. ,3n Mutterl's Stttb'I.* SoHstäna».— R»d»>ckendoel.vst: Iuaentchrim Lindauer Straft« fBaeacken). Berlin, wie es meint und lacht.— Znaendaruppc de» Verbände» der Raier: Sn»elufer 24—2?. Saal 2. Rrtaliederpersommluna. @IuoenVaruppe 0es3entrolverbondes der Anqestellten Heut«, ssreitaa, finden folaende Berangaltunae» gatt: Südwest: In» aenbbeim Norcksir. 11 ß. Haf. Queraebäude, 1 Treppe, Iinunct 5), Bunter Abend.— Norden: Iuaenbbeim Lorftinaftr. 19. Märzfeier. Die Ansprache bitlt Dr. Mai Schlüte.— Heute bat die Sparta bteiluna im n ruften Siftunassaal des Berbandsliauses ihre zusaumlenkunft.— Heule kämmt die Bbotoarbeitsaemeinschaft um 20 Übe im Zuaendmarttraum unseres Verbands» liaufes zusammen. OZieK-Kcwniiümei» Sdiokoladen-Osferhasen st. 0,05, 0.10. 0,20, 0.25. 0,50. 1.00 Dessert-Eier....stück 0,05, 0,10 Dragee-EierflSat.,ca«uitl>;4rid. 0, 15 Kokos-Makronen....ia tu. 0,50 Teegebäck............. f.PM. 0.50 Blätterteig-Brezeln% tu. 0,50 Russisches Brot.......>u m 0,45 StbS-*•ISdioko!ade...,«)1pf«L 0,50 Volli£i,iefISdiokolade..«(.seir.Erba 0,44 Karotten gMehsittan....... 0,25 Brechbohnen I.......... 0,54 JungeSdinitbohnen.... 0,35 Birnen v, rmcht............ 1,05 Birnen% Proch».............. 0,95 Sauerkirschen ob», stein 1,15 Sauerkirschen mit stein.. 0,92 Preisseibeeren........... 0,85 Sing.-Ananas s Scherben... 0,92 ■ Weine 1929 er Ober haar dfer Mal-) kammerer................ I Vi 1929 er Cdenkobener" rech................ I fl ü,8o 10 Fl. 8,00 160 Alter Gold-Malaga........ Orlg. Insel Samot........1 Vi 1928 er Mcrstci.-ier Domtal t FL 1928er Casel. Qoldriesllnq JlOPl. 15,00 Ssudak, Krimweln, V|FL1#25, 10FL 12,00 Aluschta, Denirtwein. VlF1.1tSOf 10 FL 14,00 Roter süsser johannls* Ltr. 5 Ltr. beerwein................. Of75 3,50 RhelnptSIzer Wclsiweln.. 0,85 a,09 Mo ntaqna- Rotwein Roter Tarragona. 1929 erWInüesh.:n d. 1929 er Obermoscler f.......;i> fi. g.oo Preise ohne Flasche! Weisse Wachskernseife, Friscbgavieht «OO-g-Dopp.-Eieg. 0,15 bSO-g* Block 0,25 1000-g-Eseg. 0,75 Hellgelbe Kernselfe garantleitreinFriachgewicbt aX)-g.Dopp.-Eiog.O,IO 330-g-Blook 0,16 lOOO-g-Eieg. 0,48 Dalli-BIQtenflocken Ckypre, Flieder, Kölnischwasser, Lavendel, vorzüglich zur HaaTwäsche and für Seide o. Wolle,'/i-Pid.- Beutel 0,25 V, Flch-Benlel 0,45 „Hertie-Blütenweiss" hervorragendes selbsttitiges Waschmittel........... 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Lose f,70 Blitzblank............................ 3 Pakeie 0,25 Wundermop Imprflgniert, in Dose.............. 0,95 Feinsoda.......................... 2-Pld-Paket 0,12 Mop-Politur hervorragende Qnslitit Sämisdi- Fensterleder St. 0�5 1,45 1,93 2,851 Biechkaune 230 g 0,70 300 g 1 20 1000 g Z,Z0 Nr. 133» 48. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Freitag, 2S März 1931 Sozialpolitik und Michsmarine Außerdem Panzerkreuzerdebatte. In der Reichswehrdebatte des Reichstags, deren Beginn unsere Leser bereits kennen, sprach am gestrigen Dannerstagnachmitlag nach dem kommunistischen Redner Abg. Ersing Er führte aus, daß alle Versuchs der Nsoz., in der Reichswehr Einslutz zu gewinnen, an dem entschlossenen Willen des Reichstags und der Reichsregierung scheitern werden. Die Er- kenntnis, daß die Reichswehr gegen jede Ordnungsstorung von rechts oder links gleich verläßlich ist, hat die Nsoz. veranlaht, ihre Drohung, aus die Stratze zu gehen, nicht zu verwirklichen. Ein Volk, das aus seine Wehrmacht verzichtet, gibt sich selbst auf. Das Material zu kriegshetzerischen Reden, wie der Maginols, liefern solche Zeitungen wie„Das andere Deutschland", die vor- geben, dem Frieden zu dienen und von der Deutschen Friedens- gesellschaft finanziert werden. (chört, hört!) Dadurch hindert diese Gesellschaft die deutsch-franzü- suche Verständigung und gefährdet den Weltsrieden. Wir hoffen. daß die Siegerstaaten den Abriistungsreden endlich auch Taten folgen lasse», sonst wird die Abrüstungskonferenz ein schwarzer Tag für den Völkerbund, den Frieden und Europa werden. sBeifall.) Abg. hinhmann(D. Vp.): Wenn die Staatsmacht noch Dr. Leber sich mit dem«taatsvolk eins fühlen soll, dann mutz erst ein- mal ein Staatsvolk da fein, was aber noch nicht der Fall ist. Die Staatssorm ist veränderlich und kann da Nim nicht das Ideal des Heeres sein. Nur Macht und Ehre des Staates können dieses Ideal sein. Es ist nicht zu verstehen, warum die Sozialdemokraten sich nicht offen zum Bau des Panzerkreuzers B bekennen. sondern diese Notwendigkeit zmn Objekt eines politischen Handels machen. Zwischendurch wird um 14 Uhr das Gesetz über die Entschädi- gung der gewerbsmäßigen Stellenvermittler erledigt. Ein Antrag der bürgerlichen Parteien auf� Wiederherstellung der Regierunzsvor- läge wird mit 1Z6 gegen 144 Stimmen abgelehnt und die Fassung der Zwesten Lesung verabschiedet. Danach haben alle gewerbsmäßigen Stellenoermsttler bis zum 3l>. Juni 1931 ihren Betrieb gegen Eist- schädigung einzustellen. Abg. Sachsenberg(Wirtschp.) weist gleich den Vorrednern die Rede Maginots zurück. Durch das englisch-franzöfisch-italienifchc Flottenabkommen wird die Seeaufrüstung nur etwas eingeschränkt, damst desto mehr Luftaufrüstung getrieben werden kann. Italien macht dabei ein sehr gutes Geschäft. Die deutschen Marineersatz- bauten dürfen nicht in jedem Jahr zu einem neuen politischen Streit führen Die Sozialdeniokrotep sollten sich für diese Ersatzbauteit er- klären. Wenn Dr. Leber die Großen von 1813: Stein Scharnhorst und Hardenberg den heistigen Sozialdemokraten gleichsetzt, weil beides Revolutionäre feien, so. steht, das in keinem Verhältnis zur Bedcu- tung der Sozialdemokratie ini deutschen Geistesleben von heute. Es hat viel einsichtigere Sozialdemokraten gegeben, als Dr. Leber, vor allem Friedrich Ebert, der mit dem Deutschlandlied der Reichswehr und dem Volk wejt mehr gegeben hat, als das Zdeal, dos Dr. Leber - ihnen zumutet,-- 5-< DE Wegnahme*bcr schwarz weistrvten Flagge waö'die schliiiunste Sünde. Abg. v. Lindeiner-Wildau(Volkskons.) betont die Notweiidigkeit, in dem innerlich so zerrissenen Deutschland die Reichswehr als ein- ziges positives Stoatselsment über den Parteien zu halten. Für Deutschland sind meme Kameraden im Kriege gefallen und für Staatsgeist und Staatswillen hat Friedrich Ebert gearbeitet. tmd Noske hat als. Rxichswehpininister gefragt, ob es nicht an der Zeit sei, den Klassenkampf gegen die Unterdrücker des deutschen Volkes aufzunehmen und Versöhnung nach innen zu predigen. Ein kommunistischer Antrag auf Entziehung des Vertrauens für Minister Groener wird rechts mit Heiterkeit entgegengenommen. Abg. Döbrich(Landvolk) spricht dem Minister Dank aus, besonders auch für dje Erklärung, Ostpreußen immer schützen. zu wollen. -Die Redner der Staatspartei und der Bayerischen Volkspartei treten für die Erhaltung der Ueberparteilichkeit und Staatstreue der Reichswehr sowie für den Panzerlreuzerbau B ein. Ein christlich- sozialer Redner weist ebenso wie die Vorredner die Ausführungen Maginots zurück, fordert Gleichheit im Rüstungsrecht, wenn nicht alle abrüsten: die. Zweifel der Christlichsozialen an der Richtigkeit des Vorgehens gegen die Ulmer Offiziere sind durch den Beitritt Scheringers zur KPD. und den ihn ankündigenden Brief behoben. Der „jungdeutsche Volksnatiorrale* Bornen, ann wärmt die alte Sache mit der Mahraun-Denkschrift auf: Minister Geßler habe da- mals unrecht getan. Abg. Kuhnt(Soz): Herr von Seeckt hat im Ausschuß„kameradschastliche Aus- tragung" mit den Ulmer Offizieren empfohlen. Der Dank dafür war, daß Goebbels schrieb, die nationale Jugend müsse es ablehnen, von einem verknöcherten Vertreter des alten Systems Ratschläge cnigegenzuiiehmeli, und es fei eine Unverschämtheit von einem General, der am Zusammenbruch mitschuldig fei, sich wieder als Führer aufzuspielen. Jedermann weiß, daß diese jungen Offiziere andauernd gelogen haben. Trotzdem werden sie als nationale Helden gefeiert. Scherinqer hak, wie sein Brief zeigi, wenigstens erkannt, daß das Dritte Reich noch in weiter Ferne liegt und es vielleicht schneller möglich ist, in der Roten Armee weiterzukommen. (Heiterkeit.— Lärm der Kommunisten.) Wenn Offiziere mit Links- radikalen solche Verbindungen unterhalten hätten, dann wären sid zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden. Vis in die letzten Tage hinein haben wir von Vorgängen gehört, die nicht gerade eine Säuberung der Reichswehr und Reichsrnanne von staatsfeindlichen Elementen beweisen. Bei der Gemeindewahl in Rüstringen kondi- dierten einige Arbeiter auf der Nazi-List«. Sie wurden gekündigt, aber gleich nach der Wahl wieder eingestellt.(Hört, hört! linke.) Das war Angst vor der eigenen Courage. Am Toten- sonntag wollten die Kommunisten aus dem Wilhelmshaoener Marine- friedbas einen Kranz mit roter Schleife niederlegen: sie hatten bei der Verwaltung um die Erlaubnis gebeten, die ihnen ver- weiqert wurde. Aber ein Kranz der Nationalsozialisten mit einem großen Hakenkreuz blieb mehrere Tage unbeanstandet liegen. Aus ein« Anfrage hat das Kommando erklärt, das Gesuch der Kommunisten mußte man ablehnen: die Rakional- sozialisten ober hätten kein Gesuch einaereichl, so konnte man es einfach nicht ablehnen. (Heiterkeit.) Das Ministerium hat die Nichtcntfernung des Kranzes schärfstens getadelt, und dem Friedhofswärter ist eine Rüge erteilt worden. Da werden wohl aber auch Habere verantwortlich gewesen Ein.(Sehr wahr! links.) Soldaten müssen, um heiraten zu dürfen, die Genehmigung dazu einholen. Diese Genehmigung ist versagt worden, weil verwandte der Braut im verdacht slaatsseindlicher Gesinnung ständen. Ein Soldat hat infolgedessen das Verlöbnis ausgelöst..(Hört, hört! links.) Was soll diese Gesinnungsschnüffelei? Die Brüder der Erz- bcrger-Mörder Killinger und Tillessen z. B. sind doch hohe Offiziere in der Reichsmarine!(Sehr gut! links.) Der Redner verlongt dann nachdrücklich unter Hinweis auf den vom Ausschuß angenommenen Antrag seiner Fraktion, daß den An- gehörigen der Reichswehr und der Reichsmarine die Ausübung anderer Berufe zum Schaden dieser Berussangehörigcn untersagt und nicht,, langer verabschiede!, Ofslzicre und ZNstiÄiriwqnrlr mit aus-chf köwwltchen Pensionen daneben Noch als Zivilangestellte der Heeresverwaltung beschäftigt werden. Weiter fordert er, daß endlich die 48-Swndcn-Woche in den Reichswehrbetrieben eingeführt, die teilweise sogar recht schmutzig betriebene Konkürrenz der Militärkapellen gegen die Zivilmusikcr eingestellt werden.(Beifall der Soz.) Reich swehrminister Groener verweist dazu auf seine Erklärungen im Ausschuß und spricht dann nochmals über die Schiffersatzbauten. Er bedauert, dgß der Ersatz überaus veralteter Kriegsschiffe immer wieder zur politischen Streit- frage gemacht werde, die die Gemüter erhitze, die Verabschiedung des Wehretats gefährde und sogar weitgehende politische Folgen habe. Sogar der nicht sehr generöse Versailler Vertrag erkennt diese Notwendigkeit an. Da ich meine Forderung nicht aus politischen Gründen gestellt lpibe, kann ich sie auch nicht, wie man verlangt hat, aus politischen Rücksichten zurückstellen. Nach ollem, was vorangegangen ist, könnte ich bei einer Ab- lehnung des Baues nicht an meinem Platze bleiben. Eine aktionsfähige, wenn auch kleine deutsche Flotte ist von ganz entscheidender Bedeutung für unsere Stellung in der Ostsee, wobei ich gar nicht an kriegerische Ereignisse denke. Wir. würden im Rahmen von Versailles nicht«ine Kanone und nicht ein MG. für die Landrüstung gewinnen, wenn wir die Schiffe nicht bauen. Panzerschiff B bedeulek einen Zuwachs für die tandesverteidi- gung, den wir auf keine andere Weise gewinnen können. Es ist absurd, dieses Schiff als besonders gefährlich und als«in Hindernis für die Abrüstung der anderen zu betrachten. Nach dem französisch-italienisch-britischen Flottennbkoinmcn werden am Jahres- schluß 1936 haben: England eine Gesamttonnage von 1 137 299, Frankreich 679 723, Italien 441 256, Deutschland aber, man wogt es- kaum auszusprechen, 194 999 Tonnen. Dem Etat ist der Schiffersatzbauplan beigefügt. Rur durch plan- mähigen Ersatzbau kann die Marine leistungsfähig erhalten bleiben. , Abq. Hünlich(Soz.) wird von den Kommunisten mit allerhand Zurufen empfangen und antwortet ihnen sofort: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat endgültig beschlossen, wie im'Ausschuß so auch im Plemrm sich der Stimme bei der Panzerschifsbäurate zu enthalten. Zuruf« der Kommunisten: Das bedeutet Zustimmung.) Sie sind die letzten, die sich darüber aufregen dürfen. Wenn es sich um russische Rüstungen handelt, sind Sie die rüstungebegeistertsten Lenke, die es überhaupt geben kann. (Zurufe der Kommunisten: Aber nicht für die Bourgeoisie.) Di« Mitleilungen des Ministers will ich noch dahin ergänzen, daß Ende 1936 die sowjetrussisch« Flotte an Tonnage, Armierung usw. vier- mal größer sein wird als die deutsche.(Bravo! bei den Komnni» nisten.— Heiterkeit.) Die Panzer schifte A und B sind weder Wunder an Leistmigsfähigkeit, noch sind es natürlich Spielzeuge: sie leisten nach ihrer Größe und Armierung das, was man mit?8-Zenti meter- Kanonen und 19 999 Tonnen leisten kann. Das Panzerschiff A ersetzt das 1993 gebaute Linienschiff„Preußen", das sieben Jahre über seinem Höchstaller ist und nach dem Krieg überhaupt nicht mehr in Dienst gestellt werden konnte. Panzerschiff B ersetzt das 1994 gebaute Linienschiff„Lothringen". Dem Herrn Minister antworte ich. daß die Differenz zwischen uns nicht so sehr wegen des Laues der Ersahschssse besteht, als über das Tempo dieser Lauten. (Lärmende Zurufe der Kommunisten.) Wir meinen, daß diese« Tempo langsamer sein sollte.(Die Kommunisten erinnern den Redner an den sozialdemokratischen Wahlaufruf 1928.) Wenn wir uns hier über frühere Wahlausruse unterhalten wollen, dann koimt« ich Ihnen auch ganz interessante Vorhaltungen machen(Rufe der Kommunisten: Bitte schön!) Aber dazu reicht leider meine Redezeit nicht aus. Für die Stimmung in der Marine ist die Ausrechterhaltung der Disziplin von größter Bedeutung. Damit steht aber mcht im Ein- klang, wenn Admiral Tillessen, der höchste Warincossizier in Wilhelmshaven. eine Stahlhelmausstellung besucht und sich dann aus einen zu- sölligen Spaziergang ausredet, wie seinerzeit Ludendorfs beim Kapp-Pulsch. (Sehr wahr! links.).. Die Rätschläge des s Herrn Sächsenberg. kÄpM wir ab, zumal"sie chorü einem'so pölitisch.' wendigen styh' geschäfks- iüchtigeü Herrn kommen, wie Herr SächMberg sich all« Tage aufs neue erweist. Man versteht mich wohl schon.(Znstimmnng.) Der Redner bespricht dann den Mangel sozialpolitischer Erkenntnis in der Reichsmarineverwaltung, der sich in Lohn- und Arbeitszeitfragen immer wieder zeigt, und empfiehlt die sozialdemokratischen Anträge, u. a. solche, daß keine niedrigeren Löhne als bei der Reichspost.ge, zahlt werben sollen Di« Behandlung der Arbeiter m den Reichs- marinebetrieben läßt noch zu wünschen übrig. So hat man tu Swinemünd« Gespräche über Politik und Verbandsangelegenheiten verboten, als ob man nicht einen Betriebsrat hätte, mit dem man über solche Dinge verhandeln kann. Derartige Verordnungen von oben herab sind ganz im alten Geist gehalten. Den Kommunisten hält der Redner die ungeheuer scharfen russischen Strafbestimmungen gegen den Verrat militärischer Ge- beimnisse vor, gegen die die deutschen Bestimmungen beinah« als Kinderspiel bezeichnet werden könnten. Auch das unberechtigte Tragen bcr_ Sowjetorden wird hart bestraft: da würden sich z. B. manche NS.-Abgeordnete in Rußland kaum wohl fühlen. Sehr gut! links.) Schließlich verweist Abg. Hünlich noch darauf, daß entgegen den kommunistischen Behauptungen die russische Sozial- Politik hinter der deutschen.well zu-ückbleibt.(Zustimmung der Soz.) Di« Beratung wird abgebrochen.— Das Gesetz über Zoll- änderungen wird nach einer Rede des Kommunisten'Hörnlein dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen Um 19 Uhr vertagt sich das Haus auf heute, Freitag, 19 Uhr: Wehretat und allgemeine Finanzoerwaltung. Unssro usus Frühjahrs- kollektion übertrumpft alles Dagewesene durch Preiswürdigkeit, Qualität und Reichtum in Farben und Modellen Mod. Trotteur- SpangenschuheA 90 togobraun.. 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Sven Hodin, der allzeit Deutschfreundliche, schloh seine Aus- führungen mit einem herzlichen Wunsch für Deutschlands Auf- stieg.— In der Veranstaltung„Wovon man spricht" behandelte Dr. Arnold Hahn den Versicherungsbetrug. Wichtig für die Be- Handlung des Themas wäre es gewesen, wenn der Vortragende auch deutlich gemacht hätte, wie der Wunsch mancher Versicherungs» anstallen, bisweilen zu Versicherungsbedingungen führt, die den Ver- sicherungsbetrug geradezu herausfordern.— Dr. Hans Lebede behandelte das Thema.Massikertod". Cr warf die Frage auf, ob die klassischen Dramen heute noch lebensfähig sind, ob vor allem ihre Bühnenausführung noch Erfolg oerspricht. Sehr viele werden die Ansicht des Vortragenden teilen, daß klassische Bühnenwerke, wenn man sie von allzu belastendem Wortballast befreit, auch heute noch sehr bühnenwirksam sein können, daß dagegen gewaltsame ,, Modem- sierung", die die Werte auf eine ihnen nicht zugehörige Basis um- lagern will, nur selten zum Erfolg führt.— In der Jugendstunde behandelte Waller E sch b a ch„Arbeits- und Berufsverhältnisse". Wir stoßen vor! Die Offensive geht weiter. Alle Kreise der Berliner Sozialdemokratie melden starken Zustrom neuer Mitkämpfer. Reihe auch dudich ein! * Wir kämpfen auch für dich! Deine Zeitung ist die Zeitung der Arbeit, der „VORWÄRTS" Seine Ausführungen, die um Verständnis für die berufstätige Jugend warben, wandten sich allerdings weniger an die Jugend selber als an Eltern und Erzieher.— Ein schönes Chorkonzert wurde von der Arbeitsgemeinschaft Vollschor Reinickendorf und gemischter Chor„Liederquell", Niederneuendorf, unter Leitung von M. H a b e r- l a nd geboten.— Besonders ergiebig war diesmal die„Stunde der Unbekannten". Diese Veranstaltung wird noch besonders behandelt werden. Tcs. Wekteraussichken für Berlin: Heiter und trocken mit wetterer Erwärmung.— Für Deutschland: Im Westen langsame Bewölkungs- unahme bei wenig veränderten Temperaturen; im Osten und Mittel- utschland Heller, am Tage wellerer Temperaturanstieg. L de Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold'. elI'!»(tlin 6 14. S«baNianNr 37-38 So« 2. Tr. Zrcitaa. 20. SRän. SSrtbina(Oc'smttin). ISts Übe Antreten Atlantic-Cäle, Bebmttrage, am Bahnhof Seiundbrnnne», in Bun- destleiduna.nun SaalichuK. Lichteaber« lOrtsverein). 20 Uhr liabcn Bersamm. lungen in den brianntcu Lokalen: Kameradschokt Gustav Tempel und Rummels. bura. Die fiir Micdrichsfcidc anpesc�te Vcrfammlun« fällt aus. Nomeradichatt Dorbaaen: Die iedwöchiae Si�una fällt aus. Dafür Sonnabend. 21. Mär�, bei Stäbcr, Iuna- Ecks Oderstrage, 20 Uhr. Märzfcier. Reinickendorf5 LESER DES VORWÄRTS 50% haÖMnd bnugun� Restaurant Berlins GROSSEM SCHAUoPlELHAUu ragt, s Uhr. im weissen nossi. Slg. nachm 3 Uhr OrigmalbeSetzung nillige Preise Ree e: Erik Char-ll Reichshallen- Theater Abends|_8 1 Soniteg(iadnn. fTTl Obt 3 Stunden Lachen bei de „Stettiner" Nachm. ermäBigte Preise Tel. Merkur 12 7 Winfer ★ uarrenA 8.15 Uhr- Zb.28IS- Raodien erlanbt Toung China> Lotte Ulekme'stsr Duncan Co'iles» äormonde Hann ans 29 uiostensonne usw. Sonnabend and Somtag je 2 fontelinngen 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Pr. 8 Uhr Das 8 Uhr Die Thaatar am scninoauerdamm 8 Uhr ttallenisdie Nadit Staatsoper Am Pl.d Republik 70, Uhr Die Hodizell des Fidaro Oeonoies meaier 8 Uhr Der Hauptmann von KOpenlik v. Carl Zuckmayer Regie; Heinz Hilpert Ptscator-BQhne (Wallner- Theaier) Ale*. 4S<>?-<>Z. Täglich 8>/. Des Kaisers Kuli Für leset unserer Zeitnng OL-Sesscl stitt S iinr3 H. Partett-f.. 8.2.. .. 3. 1.58 Hing. 2. t M. Kammerspiele Ph Uhr Heute zin ersten Male Diese alte Canaillel ng Fernand Hnzibre Regia; Engen RabcrL Bühnenbilder: Ernst Schotte Komische oper 8>1 Uhr Kleine Preise. Reppina entn ntninlldnr Uitiug dn Komponirten Robert Stolz ig dtr Pmnlcngbeitnge Die Komödie 8i/i Uhr Heute letzte luffOhnrng! Zum 100. Male: Die Fee eon Franz uotnar Regie; Sleian Hndl. Kurtürstendamm- Theater Bismarck 449 QsThTj oas schwache Geschlecht v. Edouard ßourdet Regie; Mai Reinlrardl Lustspiemaus Täglich su, Uhr Oer Lügner u. die nenne von Kurt Götz OeDtsebes Hßnsller-The*!. Barbarossa 3937 S»/, Uhr Ritter Blauliarts adite Frau Renaissance* Tbeater Sleinplatz 6780 80, Ubr Dardians unerlaobi - Pr('.SO bis 13.51"» Kleines Theat. Täglich 8'/, Uhr Olga Tsebezfeova in: Liebe unmodern Will Kaufmann, Heinz Klubertanz. Sonntags 5 Uhr Uebessdtiiimmer kl Preise I— 4 M. BarnowsKj- Hahlen Theater in dei Streseinannsit. si/i Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Qiraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus 8>/< Uhr Eine Königliche Familie OOnhofr- Brettl Vaiici6- 10 Nammern- Taus metropoMheater Täglich 8"« Uhr Das Velldten v Montmartre Operette». Ka man Gitta Alper. Anm Ahlers, Kail lOken, BUH. Waiüeraar a. 0., Crgon bos.g als Gast. Sonntag 4 Uhr Kleine Preise Das vetldien v. Flonimartre Neues Theater am Zoo" Am BaiinlLloo. StjL 8554 Täglich 8>:« Uhr VMIlMMW von Ma* Alsberg u Otto Ernst Hesse Preise i— s Mark. meaterd. Westens Täglich 81/4 Uhr Qlsela Werbezlrk Bei der Wirtin Rosenrot Sonntag>»3 Uhr Kleine Preise Viktona und ihr hasai Traute Rose In der großen Operette v. KAlmAn f»1 ieFiitt" Reale; Paul Rom lOüh'rl Sonnabend Von Montag bu Frmtag Is�-I Abendpreise: Von 50 Pf. bis M 3 Die beliebt. Famiiien-Nachmittafe nur noob Im MUrs jeden Dlenatajr« Mittwoch* Donnerstag:, Freitag: 530 „Madame Bonivard" Der lustige französische Schwenk Preise: Von 30 Pf. bis M 1.50 20 Minuten Kaffeepanec Kaffee und Kuchen 30 Pf. Programm u. Garderobe je 10 Pf. ROSE THEATER Otäglger Vorverkauf: 11—1 Uhr und 4— 0 Uhr. Alexander 3422 und 3494 Gr. Frankfurter Str. 132 U-Bahn Strausberger Platz DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK; J. OFFEHBACH THEATER 1H ADHIRALSPAIÄST Täglich 81/4 Uhr Die schöne Alexandra lotsilf, Sdnllwsr, FuB, VesiKnuaiu. Sikla Dlte-ssater Isttfesss. Str. 0 IUI. Si,«vhr laatlaate Abend I Sonntags iachsL3V?8hr ermiß. Preise. Am dJiitmjod), dem 18 MSrz. verschied im 70. Lebensjahre nach schweren Leiden unser lieber Baler, Schwieger» vater und Großvater �Vilkelm Freitnx Die trauern den Hinterbliebenen Berlin dt 20, den 19. Mär, 1»31 Soldiner Sirahe 106 Die Beerdiguna findet am Sonn- adend. dem 21 Mär,, nachm 4 Uhr. von der Salle de, Sophien-Friedhotes, Freienwatder Strabe. aus statt MMu Meialiariieiter-lfeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitpliabetn zur Nachricht. datz unfer Kollege, der Dreher Ronrai! Nill am 18 Mär, gestorben ist. Die Einä cherung finSat Montag. den 28. Mär,. 9», Uhr, im Kremu- lorium Berlin. GertchiftraZe. statt. Um 18. Mär, starb tmfet Kollege, der Schtelfer llerni. DreMchneiäer grd 3 Mär, 1860 Dt« Beerdigung findet Momag, den 23 Mär,. iZ»/, Uhr. von der Leichenhalle de» Georgen»Kirchhoies in Wethenie«. Röickestraße, aus statt. Ehre Ihrem Sudenkeu Reg« Beteiligung wird erwartet. Die Dersveewatlunx. Fleischwaren Frlsflics Rindtlclsfli Frlsflics Sdiwcincflctsdi Kotelett..... Pfd. ab 0.95 Kamm n. Schuft... ptd 0.90 Schinken m. b..... pfd 0.85 Schniterblatt.... pfd. 0.85 Bauch....... Pfd. 0.78 Böckenfett..... ptd 0.68 Liesen....... 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Di, Abteilunaen 77, 78, 7S holen Koiidzetlel zur»sfcnilichen«und. aebuna h«ltr nockmittaa au« der Epeditlon, Belziher Etrahe, ab. Llchteuber«.!>r«i« Sckulqemieinde. Sihuaa erst Montaa, 2Z. März. St.«bt. 18 Uhr Fluablaitverbreituna von den betannten Bezirtslotale»«»,. Morgen, Sonnabend. 2t. MSrz: ». Abt. Bezlrtsflibrer rechnen»inotarten bis Sonnabend, Zt Ubr. wit«b- trilunaskaisierer ab. 87. Abt. Dhunack, Wielandstr,«, ssunktionLrstwna. «. Abt. AbteilunasoeranSae» I» Becker» chetellsckaftoba»«,»rt». ckdausse«. strah« S7. Mitwirkend«: Berliner Ulk-Trio, Arbeiteriugend. Aicherdem Tanz. Aeswnsprack«: Carl S'tke, M. d. R. Ciutritt t M. •». Abt. Schulaula C Hanls-estr. lZ»— ig? Märzseier. Svrechchor,»»t»,a,a«»«ia. tckast, stonzert, Rezitationen, Anwrack«: st-the«er». 117. Abt. Mitali edervcrsammlnna im Lokal Städtische» Mnbbad, stöveaicker Chaussee. Stadlarzt Dr. Sodann:.Da» werdende Geschlecht�. Die Kranen sind aanz besonders einaeladen. IZZa. Abt. 20 Uhr Lokal Iägerheun Mtgliederversammlm»». Dr. Hans Cohn: „Rur politischen Lage". � 14. Xrei». Ordner» und Obleutesitmna Sonntag, SB. Mir», 10 Uhr. bei Sckireiber. Klughafensir. 6. 24. Abt. Billetts zur Kilmneranstalwn« am Sonntag, dem 22. März, sind nur bei den Bezirksfiibrern erhältlich. Beginn Ui4 Uhr. Di« Gruppe ntiihrer werde» gebeten, diese Billett» unbedingt Eonnabend, 21. März, bi» 20 Uhr, beim Abteilungsiallierer abzurechnen. Frauenveranstaltung. l«. Abt. Sonnabend. Zl. Mär». 2» Uhr, bei»rilger. HuMenstr.»4, Krilhling». festen der Krauen. Di« Genossen sind dazu eingeladen. Dezlrksausschust für Arbeiterwohlfahrl 1. ltrei». Sonnabend. 21. März, l« Uhr. Besichtigung des Bodelschwinah. Hause, und der Serberae des Gewerkfchaftshouses am Engeluser 19. Treffpunkt por der Tür. Arbeiter-Llldungsschule. 10.»res» Köpenick. Kursus Dr. Artadil(Surland:.Der Arbeiter und der neu- Staat". Der dritte Abschni't:.Die Arbeiter im politischen Kampf" lxgtnnt heute. Kreitag, pllwkilich 20 Uhr. in den Bäumen der Bibliothek Köpenick, Schlohstr. 27. vorn 1 Treppe. Körqebllhr 1 M Rentralkursu» Kurgass:.Die grau in Wirtschaft und Politlk� fällt heute aus. Kortsetiung am Kreitag, dem 27. März. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreuade Groh-Derlin. »rei» Renk'.ll». All» Gruppen schicken die Btldunasobleut« zu einer Sitlung um tuen, Somiabend, 10 Uhr, Baracke SangboierstraKe. Vorbereitung der Maifrier. imiiiHiiiniiiminminiiiMtiiiimiiiHiuiiuiinniiiiiiumi Ueberschriftswort 29 T«Ktw*rt 12 Pf. W ederhoiungsrabait; lOmal 5 Proz, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz. 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuche: Uoberschriftswort 15 Pf.. Textwurt 10 Pf ✓ Anzeigen, welche iür die nächste Nummer oestimmt sindj müssen bis 4�/, Uhr nachmittags isn Verlag, Lindenstr. 3, oder auch fn sämtlichen Vorwärts• Filialen und •Ausgabestel en abgegeben sein ________ E«il Lef. vre. lnus:K- insirumsDts Linkpia»»,, Mietviauos über. 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Unsere Genossin Gertrud Wehnert ist verstorben. Ehr« Ihrem Andenken. Einäscherung Sonnabend, 21. März. 171b Uhr. Krematorium Gericht. stroste. Wir bitten um recht reg« Beteiliauna. 03. Abt. Am Dienst««, dem 1« März, oerstarb im Alter von 2» Iahrrn unser treuer Genosse Artur WUnscher. Di« Beerdigung findet beut- um 15 Uhr auf dem Thomasfriedhof, Sermannstraste, statt. 129. Abt. Bernhard Wolff. unser lanaiährtaer treuer Genosse und Treund, ist nach schwerem Leiden und kurzem Krankenlager verstorben. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Einäscherung Eonnabrnd. A. März, 15 Uhr. Krematorium Gerichtstraste. Um recht rege Beteiligung wird gebeten. Ausstellung bei Teppich-Äurfch. CEk* reichholtist« uni» steschmockvolle Ausst«ll»mq bietet Toppich'Bursch in der Spandauer Straße. 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