Morgenausgabe 7Ir.135 A 65 ■ 4S.Zahrgang Wöchenlllch Ld P�.. monatlich Z.SO M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,22 M. einschließlich SO Pf. Postzeiwn gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- abonnemcn: 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen« oorlo ö.— M. Der„Vorwärts- erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit" Ferner„Frauenstimme". �Technik"„Blick in die Bücherwest". �Iugend-Dorwärts"u..Stadtdeilage* Vevttner Vvttsbtatt Eonnabend 21. März 1931 Groß-Äerlin IT Z�l'. Auswärts 15 ps. Die einfpalt. Nonpareillezeile 80 Pf. Neklamezeile 5,— NM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2ä Pf. Zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l2 Pi. Rabatt lt. Tons. Stellengesuche das erste Wort l5 Pf.. jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaden zählen fvr zwei Worte. Arbeitsmartl Zeile 60 Pf Familien- anzeigen Zeile40Pf. 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In seiner badischen Heimat, in die es ihn immer wieder zog, in Schlesien, wo er sein politisches Werk begann, in seinem fränkischen Wahlkreis, auf den er stolz war, und vor allem in der Reichshauptstadt, der Stätte seines großen Wirkens, trauern ungezählte Taufende um einen Menschen, den sie verehrten und liebten. Seine allen Kameraden, die in schwersten Zeiten Schulter an Schüller mit ihm kämpften, sie können es nicht fassen, daß Hermann Müller picht mehr ist... Auf dem Parteitag in Essen 1907 spricht ein hoch auf- geschossener junger Mann zu einem Antrag des Partei- Vorstandes über die Organisation der Nachrichtenvermittlung für die Sozialdemokratische Partei. Es ist der neue Partei- fekretär Hermann Müller, der im Jahre zuvor auf dem Mannheimer Parteitag— vier Monate nach seinem dreißigsten Geburtstag— in den Partsivorftand gewählt worden war. Er ist der weitaus Jüngste in diesem Kreis: nur der um fünf Jahre ällere E b e r t ist ihm im Alter einigermaßen nahe. Die andern— Bebel, Singer, Gerisch, Auer, Pfann- kuch und Molkenbuhr— sind ihm alle um Jahrzehnte voraus. Er kommt aus Görlitz, wo er sieben Jahre lang als Parteiredakteur, drei Jahre lang als Stadtverordneter ge- wirkt hat. Welchen besonderen Eigenschaften mag der junge Mann seinen raschen Aufstieg verdanken! Sein erstes öffenlliches Auftreten als Borstandsmitglied zeigt ihn keineswegs als einen hinreißenden Redner. Er spricht mit einer geradezu aufreizen- den Sachlichkeit über den Aufbau eines zentralen Büros für die Partcipresse. Ein anderer an seiner Stelle hätte vielleicht lockende Zu- kunftsbilder entworfen, die Phantasie der Hörer auf kommende ungeahnte Möglichkeiten hingelenkt, hätte vielleicht da und dort ein buntes Wortbild, eine klingende Wendung einfließen lassen und mit einer pathctisckien Schlußphrase geendet. Wer will es einem Drcißigjährigcli übelnehmen, wenn er es liebt, cm Ende seiner Rede brausenden Beifall zu hören? Aber diesem Dreißiger scheint der Beifall recht gleichgültig zu sein. Er bewirbt sich nicht um das Wohlwollen seiner Hörer, er verflicht auch nicht, ihnen die Mühe des ZuHörens zu er- leichtern. Er setzt bei ihnen genau denselben Fanatismus der Sa6)lichkeit voraus, der ihn selbst beseelt. Sie aber bemerken, daß bier einer spricht, dem es ernst ist. der die Sache kemit, der sie gründlichst bearbeitet und durchdacht hat, auf dessen Urteil man sich unbedingt verlassen kann. Selbstverständlich wird der Antrag angenommen. 1916 ist Aiüller Reichstagsabgcordneter. 1919 Außen- minister. 1920— knapp 44jährig— Reichskanzler der Republik, dann wieder Partei- und FraktionsvorsitzeuW und 1928 nochmals Reichskanzler und wieder Borsitzender der Partei und der Reichstagsfraktion. Wie hat er das geschafft? Dadurch, daß er genau der- selbe geblieben, als der er sich 1907 dem Parteitag gezeigt hat. Er hat sich mittlerweile gar nicht geändert, er hat nur ge- arbeitet— und, was in diesem Fall Arbeiten heißt, davon kann sich ein Durchschnittsmensch nicht leicht eine Vorstellung machen. Allerdings, die Arbeit wurde ihm leicht, fast spielend schien sein Hirn ungeheure Tatsachcnmassen festzuhalten, und nach zwölf, vierzehn Stunden Studieren. Verhandeln und Be- richten blieben nicht selten noch zwei oder mehr zur Gesellig- keit unter Freunden übrig. Dann sprudelten aus diesem un- crschöpflichcn Gedächtnis ebenso mühelos Histörchen aus der Geschichte der Partei wie eben zuvor noch Einzelbestimmungen aus verwickelten Staatsverträgen, aus Steuergesetzen oder aus neuen Llnträgen der Parteien zur Sozialfürsorge. Da war nichts gemacht, nichts gekünstelt, gab es keine Pose und keine Phrase, alles war schlicht und echt, wohlbedacht, folgerichtig und ehrlich. Diese Ehrlichkeit, diese unerbittliche Ehrlichkeit war vielleicht die stärkste seiner Kräfte, denn sie schaffte ihm das unbedingte, felsenfeste, durch nichts zu erschütternde B e r» trauen, mit dem die Partei zu ihm stand. In ihrer Jugend hatte die Partei das Glück gehabt, Pro- phetcn wie Bebel an ihre Spitze zu sehen, die mit der Flamme ihre Beredsamkeit das Dunkel ringsum erhellt hatten. Die Zeit nach dem Kriege aber brauchte nicht Pro- pheten, sondern Staatsmänner, nüchterne Wirklichkeits- menschen, vorsichtige Führer, die dem todwunden, geschlagenen Volk von den Schlachtfeldern den Weg in ein neues Friedens- land wiesen. Da waren Aufgaben zu lösen, die an die Fähig- keit zur Selbstentäußerung geradezu übermenschliche Anforde- rungen stellten. Hermann Müller hat selbst die historische Szene geschildert, wie er die goldene Feder liegen ließ und seinen Füllfederhalter aus. der Tasche zog, um das Doku- Trauersitzung der Fraktion. Tie sozialdemokrutifchc Reichstagsfraktion tritt heute V-j 1 2 Uhr vormittags zusammen, um das An- denken ihres dahingegangenen Führers zu ehren. ment von Versailles zu unterschreiben: nüchtern, illu- sionslos, sachlich— und doch mit der festen Zuversicht im Herzen, daß es einmal doch noch ganz anders werden wird. Für dieses Anderswerden hat er seine ganze ungeheure Kraft bis auf den letzten Rest hingegeben. Er hat den Kampf gegen die„Auslieferung der Kriegsverbrecher" gekämpft und damit in den Gewaltvertrug die erste Bresche geschlagen, er hat in seiner zweiten Kanzlerschaft die Herabsetzung der Reparationslasten und die vorzeitige Räumung des be- setzten Gebiets erreicht. In einem Lande mit echtem Nationalempfinden müßten alle Kreise und Parteien wetteifern, einem solchen Manne ein seiner würdiges Denkmal zu errichten. Hierzu- lande aber gibt es allzu viele, denen Klasseninteresse und Parteigeschäft nicht erlauben, die hingebungsvolle Arbeit und die sachlichen Erfolge eines Mannes anzuerkennen, der in ihren Augen ein„Marxist" und schon darum in nationaler Beziehung verdächtig ist. Ein Fanatiker der Sachlichkeit war Hermann Müller auch in der inneren Politik. Ueber das, was unter den ge- gebenen Umständen, in einer verwirrten Nachkriegszeit mög- lich war und wozu die Kraft der Partei reichte, gestattete er weder sich noch anderen irgendwelche Illusionen. So wurde er zum vorsichtigsten und gewissenhaftesten aller Parteiführer. Und mochte ihm auch manchmal der eine oder der andere grollen, weil er sich durch ihn in seinen Lieblingsvorstellungen gestört fühlte, so versagte doch keiner seinem ungeheuren Wissen, seinem durchdringenden Verstand und seiner unbe- dingten Lauterkeit die verdiente Hochachtung. Alle die ihn kannten, wußten, daß ihn nicht persönlicher Ehrgeiz trieb, sondern ein gewaltiger sachlicher Wille, dem er seine Persönlichkeit unterordnete bis zur Selbst- aufgäbe. Das Pathos, das man in seinen Reden vergeblich sucht, war über sein ganzes Leben gebreitet, denn es war ein Leben für die Arbeiterklasse, für die Demokratie und den Sozialismus. In der Geschichte der deutschen Republik und der deutschen Arbeiterbewegung steht die Gestall Hermann Müllers neben jener Friedrich Eberls dauernd und fest; je mehr sie den Kämpfen der Gegenwart entrückt sein wird, desto mehr wird sie gewinnen. Die Sozialdemokratische Partei Deutsch- lands aber senkt trauernd ihr Banner an der Bahre eines geliebten Führers, dessen Vorbild ihrer Jugend voranleuchtcn wird: schlicht und groß, furchtlos und treu! Hermann Müllers Werdegang. Hermann Müller wurde am 18. Mai 1876 in Mannheim a!s Sohn eine Fabrikdircktors geboren, der später nach Dresden verzog. Die hochbetagte Mutter lebt noch heute im Haushalt ihres Sohnes, der jetzt in der Blüte der Jahre dahingerafft wurde. In Mannheim und Dresden besuchte Hermann Müller das Giimnasium, uni dann in Frankfurt(Main) in die kaufmännische Lehre zu trete». Als Handlungsgehilfe arbeitete er zunächst in Franksurt, dann in Breslau. Schon damals war er eifriges Mitglied der Partei, der er sein ganzes ferneres Leben hindurch gedient hat. Als im Jahre 189g die innerparteiliche Auseinandersetzungen um den„Revisionismus" durch das neuerschienene kritische Buch Cduard B e r n st e i n s über die Theorie des Sozialismus neu belebt wurden, stand der damals drciundzwanzigjährige Hermann Müllcr. als Korreferent in der Brcslauer Parteiversammlung, um die arte Parteiausfassuug gegen die neuere zu verteidigen. Im Herbst des gleichen Jahres trat plötzlich die Notwendigkeit cmf, die Stelle eines Lokalredokteurs an der damals als KapfMatt txs Brestoacr Parteiblattes eri cremenden„Görlitzer Volkszeitung" neu zu besetzen. Der Geschästspthrcr des Breslauer Verlages schickte zu Hermann Müller, um ihm diese Stellung anzubieten. Nach Ztstündiger Bedenkzeit sagte Müller zu. So sahen wir ihn, in den Anfangen des dritten Lebensjcchrzehntes, zum sozialdemokratischen Journalisten werden, auf einem seiner südwcstdeutschen Heimat so wesensfremden Gebiet hart für die Ausbreitung der sozialistischen Idee wirkend. In Görlitz hatte er auch Gelegenheit, als Stadtver- ordnctcr sich in die Konnnunalwirtschaft einzuarbeiten. Auf Anregung Paul Singers, der ihn bei Versammlungen kennen und schätzen gelernt hatte, wurde Müller dann vom Mann- heimer Parteitag ISOti als Dreißigjähriger in den Parteivorstand gewählt, wo er gemeinsam mit Friedrich Cbert die„junge Garde" bildete, die hier neben den Alten: Bebel, Singer, Gerisch, Psonn- kuch, sich auf vorgeschobenen Posten für ihre größeren Jukunfts- aufgaben vorbereiten konnten. Der drohende Weltkrieg brachte Müller einen besonders schwierigen Auftrag: Er wurde Ende Juli 1914 nach Paris gesandt, um dort mit der Lcitlmg der französischen Sozialistenpartei über ein möglichst einheitliches Verhalten gegenüber der Kriegsgefahr zu unterhandeln. Die Ermordung Jean Jaures und die sich dann über- stürzenden Ereignisse zerschlugen alle Bemühungen. Als Müller aus Frankreich abreist«, war bereits die allgemeine Mobilmachung verfügt und nur unter Schwierigkeiten gelang es ihm noch, die Grenze zu überschreiten, ohne interniert zu werden. Auch während des Weltkrieges war Müller bemüht, die ab- gerissenen Fäden der sozialistischen Internationale wieder zu knüpfen. An der bekannten Stockholmer Konferenz van 1917»ahm er im Auftrage des Parteioorstandes teil. 1916 wählte ihn der da- malige Einzelwahlkreis Reichenbach- Neurode zum ersten Male als Nachsolger August Kühns in den Reichstag, dem er dann bis jetzt ununterbrochen angehörte. Nach Ausbruch der Revolution 1918 wurde er in den Berliner Pollzugsrat, später in den Zentralrat der Deutschen Republik b«- rufen. In die Verfassunggebende Nationaloersammlung von Weimar entsandte ihn der neugcbildete Bezirkswahlkreis Breslau. Als Vor- fitzender des Haushaltsausschusses der Nationaloersammlung war er on besonders verantwortlicher Stelle tälig, bis er, nach dem Rück- tritt des Kabinetts Scheidemann, im Sommer 1919 in die neu- geblldete Regierung Bauer als Außenminister eintrat. In dieser amtlichen Stellung hatte er die schwere Ausgabe, in Versailles de» sogenannten Friedensvertrag unterzeichnen zu müssen, eine Pflicht, die ihm den besonderen Haß der Nationalisten einbrachte. Die Be- schimpfungen, die dem srühcren Handlungsgehilfen noch bis.zu seinem letzten Leidenswege von den nationalistischen Landsknechten zugefügt wurden, haben ihn freilich nie an seiner klaren Linie selbst- aufopfernder Pslichterfüllung irrewerden lassen. Nach den Sommerwahlen von 192U, die im Gefolge des Kapp- Putschcs nötig wurden, trat Hermann Müller, damals schon Reichs- tanzler, von der Regierung zurück. Er hat sich nie nach einem Amte gedrängt, sondern ging als Reichskanzler a. D. wieder in sein altes Arbeitszimmer im Parteioorstand der Sozialdemokratie, wo man seine ungeheure Arbeitskraft als Vorsitzender und politischer Führer ebenso zu schätzen wußte wie seine Eigenschaften als Mensch. Erst die Wahl von 1928 brachte die Sozialdemokratie wieder zu leitender Stellung in der Reichsregierung. Und es war fast selbst- verständlich, daß Hermann Müller von ihr vorgeschlagen wurde, als es galt, dem Reichspräsidenten die Berufung eines Sozialdemokraten zum Kanzlsr zu empfehlen. Bald nach seiner damaligen Amtsüber- »ahme überfiel ihn auf einem Erholungsurlaub das bösartige Gallen- leiden, das seine Operation in der Heidelberger Klinik nötig machte. Di« Folgewirkungen dieses Leidens haben nun das tatenfrohe Leben .'ür uns alle zu früh beendet. Dce Geschichte der deutschen Revolution, die Hermami Müller im„Bücherkreis" erscheinen ließ, wird für immer ein Zeichen von der strengen Sachlichkeit sein, die diesen Mann auszeichneten. Es ist ein Erinnerungsbuch, in dem der Autor fast garnicht von sich selber, immer aber von den Dingen spricht, an deren Gestaltung er in hohem Maße mitbeteiligt war. Die Trauer des Reichstags. Löbes Rede im Rundfunk. Die heutige Sitzung des Reichstags wird um 1Z Uhr mit einer Trauerrede Lobes auf Hermann Müller eröffnet werden. Lobes Rede wird vom Rundfunk übertragen. Appell an die Regierungen. �um Ende der Genfer Konvention. Genf, Zv. März.(Eigenbericht.) Der Vorsitzende der Konferenz für die gemeinsame Wirtschasts- aktion, C o l t j n- H o l l a n d, hat nach dem Scheitern der Koniserenz der Presse eine Erklärung übergeben, in der er seinen Stand- punkt bezüglich der Fortsetzung des wirtschaftlichen Werkes des Völkerbundes darlegt. Er betont, daß nach feiner persönlichen Meinung«ine Kon- vcntion. die für eine begrenzte Pertode geschlossen sei, zu bestehen aufgehört habe, wenn sie nicht vor Ablauf ihre- voraus- gesehenen Termins in Kraft gesetzt worden sei, wie es geschehen sei. Auch wenn sich etwa im Laufe des Sommers eine Konferenz zu neuen Verhandlungen zusammenfände, könne die Konvention doch nicht sofort in Krae't gesetzt werden, da gewisse Staaten es ohne Zweifel für notwendig halten würden, die Konvention nochmals ratifizieren zu müssen und man müsse chnen die dazu not- wendige Zeit lassen. Darüber hinaus werde die Situation auf dem Gebiet der Zolltarife in einigen Monaten wahrscheinlich sehr ver- schieden von der im Augenblick des Abschlusses der Konvention fein. Jede neue Konferenz müsse mit der Beurteilung der Situation des Augenblicks beginnen. Das einzige, was das Curopa-Komitee auf seiner Maitagung zur Besserung dieses Zustandes tun könne, sei ein Appell an die Regierungen, sich an das Prinzip der Konvention zu halten, obwohl sie nicht in Kraft gesetzt werden konnte. Wenn sich die Rc- gierungen on diese Aufforderung hielten, könne man>das schlimmste vermeiden, nämlich die Kündigung der Handelsverträge. Unter dieser einzigen Bedingung sei noch Hoffnung, daß das Wirtlchatfswcrk des Völkerbundes weiter veriolgt werden könne. Unglücklicherweise gebe man sich nicht genügend Rechenschast darüber, daß die Schwierigkeiten, um die sich Europa streitet, einzig durch Zusammenarbeit gelöst werden können. Man gebe sich noch viel.zu viel der Illusion hin, daß di« Schwierig- leiten des Kontinents oder der Welt durch nationale Maßnahmen befeiiizt werden könnten. Militär verbietet RemWque-Jilm. Die Athener Polizei hat die Vorführung des Remarquc-FUms„Im Westen nichts Neues" unter- figt. Das Verbot ist aus den Generalstabschef der griechischen Armee zurückzuführen, der den Film für antimilitaristisch hält. Naziflucht in Bremen. Hakenkreuzser-Auszug aus der Bürgerschaft/ Oer Präsident legt sein Ami nieder Bremen, 2®. März. In der letzten Sitzung der Bremischen Bürgerschaft war es zu einem Zwischenfall gekommen, als ein nationalsozialistischer B ü r g e r v o r st e h e r die als die Partei des Landes- verrats und den früheren Reichspräsidenten Eberl als gerichts- notorischen Landesverräter bezeichnete. Der Geschäftsordmmgsaus- schuß hatte an die Führer der lteiden Fraktionen und den Präsiden- te» ein Schreiben geschickt, in dem eine gütliche Einigung als mög- lich bezeichnet wird, wenn die Beteiligten ihre Borwürfe mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehmen. Beide Fraktionsführer waren dazu auch bereit, während das na t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Bürgers cha f�s Mitglied Brand ablehnte. Der natio- nalsozialistische Präsident der Bürgerschaft, Konsul Bernhard, legte daraufhin in der Freitagsitzung nach einer Erklärung sein Amt nieder und verließ mit den anderen Nationalsozia- listen den Saal. Der Vizepräsident führte die Sitzung weiter. Thüringer Volkspariei gegen Krick-pirmasens. Weimar, 29. März.(Eigenbericht.) Die Tatsache, daß der bekannte Fememörder Schulz im Deutschen Nationaltheater in Weimar sprechen soll, hat die Deutsche Voltspartei veranlaßt, im Landtag einen An- trag einzubringen, indem die Landesregierung ersucht wird, das Deutsche Nationalthcater in Weimar künftig zu anderen als rein künstlerischen Zwecken nicht mehr zur Verfügung zu stellen und alle anders lautenden Beschlüsse aus früherer Zeit mit sofortiger Wir- kuna aufzuheben. Ausnahmen aus besonderen Gründen sollen nur zulassig sein, wenn sie vom Staats Ministerium beschlossen werden. Bittere Feindschast! Weimar, 29. März(Eigenbericht.) Der Geschäftsführer der Deutschen Volks- partei in Thüringen, der am Donnerstag einer natianalsozialisti- lchen Versammlung in Weimar beiwohnte, mußte auf Veranlassung der Nazisdas Versammlungslokal verlassen.• Als der Geschäftsführer Dr. Köhler bemerkt wurde,»rächte gerade der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Haak wüste Bemerkungen gegen die Deutsch« Volkspartei. Sofort erhob sich der Gauleiter der Nationalsozialiften, Landtagsabgevrdneter Sauckel, und sagte nach dem Bericht des„Nationalsozialist": Wir haben die Ehre und das Vergnügen, Herrn Dr. Köhler von der Volkspartcr zu begrüßen.. Er macht sich hier Notizen. Ich bitte daher die CA.- Führer, ihn auf die höflich st e Zlrt und Weise hinaus- führen zu lassen." Dann schreibt der„Nationalsozialist" weiter:„Unter den erregten Rufen der Zuhörer, die auf die Stühle stiegen und ihrem Parteigenossen Sauckel Beifall klatschten und „Raus! Raus!" riefen, verließ der parteiamtliche Geschäfte- führer der Volkspartei das Lokal." Der Oisziplinbruch der Neun. Erklörung des Frattionsvorflandes.— Oer Parteitag soll sprechen! Bei der gestrigen Abstimmung über die erste Rate des Panzerschiffes L stimmten alle 180 anwesenden Bürgerlichen mit Ja. 103 Sozialdemokraten enthielten sich durch Abgabe -blauer Stimmkärten. 71 Abgeordnete stimmten mit Nein, davon 62 Kommunisten und— neun Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion, nämlich Graf- Leipzig, K u h n t- Chemnitz, Lettin ghaus- Westfalen, P o r- t u n e- Frankfurt a. M., Dr. R o s e n f e l d(Wahlkreis Thüringen), S e y d e w i tz- Zwickau, Dr. S i e m s e n- Thü» ringen, S t r ö b e l(Wahlkreis Chemnitz-Zwickau) und Z i e g l e r- Breslau. Zu diesem Borfall erläßt der Vorstand der Reichstags- fraktion folgende Erklärung: ver vorstaud der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ist zu der Feststellung gezwungen, daß neun Mitglieder der Fraktion trotz eindringlicher Warnung in der letzten Fraktion»- sihung bei der Abstimmung über die Schissebautca im Plenum des Reichstags gegen die Fraktion gestimmt haben. Der Fraktionsvorstand weist darauf hin. daß die Reichstagsfrakkion von einem absoluten Fraktiouszwang im Derkrauen auf die Disziplin der Fraktionsmitglieder Abstand genommen, einen Antrag auf Freigabe der Abstimmung aber mit großer Mehr- hell abgelehnt hak. Das verhalten der neun Fretllons- Mitglieder ividersprlchl der Tradition und der bisher geübten Disziplin. Der bevorstehende Parteitag wird sich mit diesem Vorgang zu beschäftigen haben. Seitdem es eine sozialdemokratische Fraktion des Reichs- tages gibt, ist Disziplin und Geschlossenheit bei der Abstimmung immer als höchstes Gesetz anerkannt worden. Infolgedessen war es nicht zulässig, daß ein Abgeordneter anders stimmte als die Fraktion, sofern ein Abgeordneter mit dem von einer Mehrheit gefaßten Beschluß nicht einoer- standen war, tonnte er sich der Abstimmung entziehen. Er durfte dies jedoch nur in einer Form tun, die nicht als eine Demonstration gegen die.Fraktion gedeutet werden tonnte. Bon dieser Möglichkeit, sich vor der Abstimmung zu ent- fernen, ist bei vielen Gelegenheiten— so auch gestern— Gebrauch gemacht worden. In Ausnahmefällen ist jedoch auch in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ein direkter Fraktionszwang für die Abstimmung beschlossen worden, durch den jedes Mitglied verpflichtet wurde, an der Ab- stimmung teilzunehmen und im Sinne der Mehrheit zu stimmen. Ein solcher Fall lag gestern nicht vor: den Frak- tionsmitgliedern war also gestattet, der Abstimmung fernzu- bleiben. Die Handhabung in der preußischen Landtags- f r a k k i o n weicht von der Uebung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ab. Dort gilt nämlich ein unbedingter Abstimmungszwang. Er bedeutet, daß sich alle Mit- alieder der Fraktion ohne Rücksicht auf ihre persönliche Meinung an der Abstimmung beteiligen müssen, und daß die Abstimmung auch in Uebcreinstimmung mit der Fraktion erfolgen muß. An der gestrigen Abstimmung im Reichstag n i ch t t e il- genommen haben folgende 18 Abgeordnete: Agnes (Düsseldorf), Arzt(Dresden), Aufhäuser(Berlin), Bergmann (Hamburg), Graupe(Zwickau), Krätzig(Dresden), Künstler (Berlin), Frau Kunert(Berlin), Litke(Berlin), Löwenstein (Berlin), Schirmer(Dresden), Frau Schreiber-Krieger(Ost- Hannover), Schumacher(Stuttgart), Frau Sender(Dresden), Stücklen(Chemnitz), Voigt(Thüringen), Frau Wurm (Thüringen). Die Abgeordneten Beims, Heilmann, Dietrich, Frölich und Grotewohl wohnten der Freitag-Sitzung des Reichstags entweder wegen Krankheit oder aus dringenden politischen Gründen nicht bei. Opfer kommunistischer Hetze. Vier Kommunisten wegen Aufruhr verurteilt. Hannover, 29. März.(Eigenbericht.) Das Erweiterte Schöffengericht Hannover verurteilte am Freitag vier Kommunisten wegen gemeinschaftlichen Zlufruhrs zu 6 Monaten Gefängnis. Ein jugendlicher Kommunist erhielt wegen des gleichen Delilts 2 Monate Gefängnis. Zwei kam- munistiichc Angeklagte wurden freigesprochen. . Zlin 28. November v. I. inszenierte die Leitung der KPD. in Hannover vor dem Arbeitsamt Erwerbslosenkrawalle, in deren Verlauf u. a. auch Frau Maria Reese eine Hetzrede hielt. Zahl- reiche Erwerbslose, die das Reichsbanneralizeichen trugen, wurden bei dieser Gelegenheit überfallen. Die Polizei wurde mit Steinen und Eisenstangen beworfen. Die Angeklagten waren an diesen Exzessen beteiligt. Es sind ausschließlich junge Leute, von denen der jüligstc zur Zeit der Tat nicht'einmal 1Z Jahre war. Di: anderen haben das 29. Lebensjahr gerade überschritten. Der Staatsanwalt betonte in seiner'Anklagerede, daß die Hauptschuldigen in der Redaktion des kommu- nistischen Organs von Hannover zu suchen seien. Cr sehe deshalb davon ab, Zuchthausstrafen zu beantragen. Seine An- klage stützte der Staatsanwalt fast ausschließlich auf das hiesig: KPD.-Blatt, das die Angeklagten durch seine großspurigen Bericht-: über die Vorfälle schwer belastet«. Kolgen eines Waffenfundes. Kommunistenverhaftungen in Thüringen. Erfurt. 29. März. In Verbindung mit einem vor einigen Wochen von der Kriminell- polizei in Erfurt gemochten größeren W a f s e n s u n d wurden in Zusammenarbeit mit der Landestriminalpolizeistelle Weimar wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Erfurt, Pößneck und Boilstädt(bei Gctho) insgesamt neun Personen.festgenommen. Sie sind sämtlich Funktionäre der KPD.— Ter Besitzer des Laubenzrundstücks in Erfurt, auf dem die Waffen gefunden wurden, hält sich oerborgen. Im Zusammenhang mit diesen Verhaftungen wurde heute in Erfurt eine polizeiliche Durchsuchung de» Gebäudes der Bezirksleitung der Kommunisti- schen Partei Groß-Thüriiy«ns vorgenommen. (Sie schwänzen auf ReSchskoften! Hakenkreuz- Oiätenschlucker, vie das Parlament nickt sehen. Der Reichstagspräsident Paul Löhe hat an die Redaktion ocs „Ocffentlichen Anzeigers für die Stadt Kreuznach" folgendes Schreiben gerichtet: „In einem Versammlung-bericht Ihrer Zeitung vom 9. März 1931 finde ich ewige, mich betreffende unrichtige Angaben des Abgeordneten Simon(Koblenz), die ich Sie freund- lichst zu berichtigen bitte. Es wird da in einer Versammlungsrede gesagt: „Die Diäten bekommt«in Abgeordneter nur, wenn er vor Beginn der Sitzung seinen Namen aus«inen ZetM schreibt. Dies: schwere Arbeit bringt ihm tägsich 29 M. ein. Da wir nicht im Reichstag sind»nd daher nicht unterschreiben können, ist es selbst- rxnsiändiich. daß wir keine Diäten beziehen. Alles andere ist ein übles Schwindelmanöver, das ausgeht von dem Kriegsdienstverweigerer Lobe." Dazu möchte ich, ohne aus die Beleidigungen und aus die sor- mellen Unrichtigkeiten einzugehen, nur bemerken, daß di« national- sozialistischen Abgeordneten am l. März 369 M. Diäten erhoben haben und nur den Verlust der zwölf Fehltage mit 249 M. trugen, aus die sie nach dem Gesetz keinen� Anspruch haben. Das ander« Geld, also für jeden Wgeardneten 369 M., ist ihnen von der Reichs- tagskasie ausgezahlt und von ihnen in Empfang genommen wor- den. Ebenso hat mir ihr Parteiführer Stöhr geschrieben, daß wir den Abgeordneten der Nationalsozialistischen Partei am 1. April kein« Fraktionsabzllge machen, sondern ihnen den Rest der Diäten wieder voll auszahlen sollen. Es kann also gar kein Zweifel dar- über sein, daß di« Herren alles das beziehen, worauf sie ein ge- setzliches Recht haben, obgleich sie an den Sitzungen selbst nicht teilnehme n." In Preußen„arbeiten" die Nazi-Abgeordnete« so: Sie reden nicht und tun auch sonst nichts. Sie tragen sich aber täglich in die Anwesenheitsliste ein. um ihre Diäten zu retten. Dann setzen sie sich ins Landtagsrestaurant und trinken ans das Wohl ihrer Wähler. Oos Rußiandgeschast. Bußland pumpt- die Beichsregierung soll garant'eren. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett nahm in feiner heutigen Sitzung den Bericht des stellvertretenden Reichswirtschafts- Ministers Über die Anträge entgegen, welche die Rußland- Delegation der deutschen Industrie in Vorfolg der von ihr in Moskau geführten Verhandlungen an die Reichsregierung gc- stellt hat. Die Anträge etstreck:» sich bekanntlich darauf, daß von den im Haushalt 1939/31 vorgesehenen G a r a n t i e e r m äch t i- g u n g e n Garantien in der bisher üblichen Weise gegeben werden. Die Reichsrcgierung wird die Beratungen darüber fortsetzen. Ein Notschrei an das Reich. Die Reichslnappschafi in Zahlungsschwierigkeiten. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags hat am Freitag ssine Beratungen über die Sanierung der knappschaftlichen Pcnsions- oersichcrung fortgesetzt. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei wandten sich in der Aussprache gegen einen weiteren Renten- abbau. Die Beratungen werden heute fortgesetzt. Die finanzielle Notlage der Reichsknappschaft hat sich außer- ordentlich verschärst. Es droht die Gefahr, daß die Pensionsoersich«- rung in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Der Vorstand der Reichs- knappschaft befaßte sich in seiner Sitzung am 20. März mit der Sach- läge. Nach sorgfältiger Prüfung der finanziellen Berhältnisse faßte er folgenden Beschluß: „Der Vorstand stellt fest, daß die Reichsknappschaft die für April dieses Jahres fälligen Pensionen und Gehälter aus eigenen Mitteln nur stark beschränkt auszahlen kann, falls es ihr nicht ge- lingt, weitere Zuschüsse vom Reich in ausreichender Höhe zu erhalten oder Lombardkredite zu bekommen. Er beauftragt daher die Verwaltung, mit der Reichsregierung zwecks Uebergabe weiterer Mittel sofort Fühlung zu nehmen, um die gegenwärtige Notlage der Reichsknappschaft überwinden und Not und Elend von Rentenempfängern abzuwenden." Dieser Beschluß ist eine eindringliche Mahnung an die Reichs- regierung, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um die drohende Zoh- lungsunfähigkeit der Reichsknappschaft abzuwenden, da sonst über ZjOOOO Invaliden, Witwen und Waisen in allerschwerste Notlag? versetzt werden! Vergilbte Grundsätze. Oer Stahlhelm erinnert sich wieder. Der Amtliche Preußisch« Pressedienst schreibt: Nachdem die Dundesleitung des Stahlhelms i» ihrem amtlichen Organ noch vor zwei Tagen pathetisch erklärt hatte:„Der Stahlhelm hat sich niemals auf den Boden den republikanischen £ t a a t s f 0 r m g e st e l l t.. ist die kleine Gedächtnisauf- frischung, die vom Amtlichen Preußischen Pressedienst ausgegangen üt, nicht erfolglos geblieben. Die Bundesleitung des Stahlhelms sieht sich nunmehr gezwungen zuzugeben, daß in der Tat in der Gründungszeit des Stahlhelms— also genau wie i>«r Amtliche Deutsche Pressedienst es erklärt hatte— Wcrbeflugblättsr in Magdeburg, der Zentrale des Stahlhelms, ausgegeben worden sind, in denen man sich vorbehaltlos zur republika- rifchen Staatsform und zum Völkerfrieden be- kannt hat. Natürlich fehlt es jetzt nicht an Motivierungen, um den vor der Oeffentlichkeit einwandfrei festgehaltenen Kurswechsel sehr wort- reich zu begründen. Gleichzeitig wird ein Zitat aus einem anderen Eründungsflugblatt gegeben, dabei aber gewissenhaft v e r> schwiegen, daß auch dieses zweit« Gründungsflugblatt, wie wir oerraten wollen, den Passus enthiest:„W ir stellen uns auf den Boden der Republik und stützen die Re- gierung mit allen unseren Kräften." Die dem Stahlhelm opferwillig sekundierende„Deutsche Zeitung" lsezeichnet in ihrer begreiflichen Verstimmung über die Enthüllung der republikanischan Vergangenheit des Stahlhelms das gestern zitierte Flugblatt als«nen„ve rgilbten" Aufruf. Es ist merk. viürdig, wie schnell Dokumente und Grundsätze vergilben, wenn man sie durch seine eigene Entwicklung später Lügen gestraft hat! Wird auch heute die Stahlhelmburidesleitvng noch behaupten wollen, daß der preußisch« Ministerpräsident im Landtagsausschuß die Unwahrheit über die Vergangenheit des Stahlhelms gesagt habe? Kaiholische Kirche gegen Giahlhelm. Eine Erklärung des Bischofs von Mainz. Mainz. 20. März. Das bischöfllche Ordinariat gibt folgende Bekanntmachung l eraus: Wir stehen den Wehroerbäirden ablehnend gegenüber, da sie in unser schon genug zerrissenes Volk einen neuen Gegensatz hinein- tragen. Wir wünschen nicht, daß dieser Gegensatz auch im Gotteshaus in Erscheinung trete. Deshalb können wir n i ch t g e st a t t c n. daß Stahlhelm er in Uniform dem Gottesdienst deiwohnen, wie wir dies aus demselben Grund« auch anderen Wehrverbänden mcht erlauben können. Nur wenn auswärtige Stahlhelmer in Uniform an einer Tagung teilnehmen und keine andere Kleidung bei sich tragen, können st« auch in Uniform ain Gottesdienst tallnehmen. dürfen aber nicht in geschlossenen Reihen mit Abzeichen und Fahnen in die Kirche einziehen. Di« katholische Geistlichkeit der Dekanate Kreuznach und Bingen veröftentlicht eine ähnliche Erklärung, in der es heißt: Nachdem die ch a u p t f ü h r« r des Stahlhelm auf der am Sonntag, dem 13. März, ftattgefui, denen Äreuznacher Tagung un- verhohlen dem von den deutschen Bischöfen als Irrlehre verurteilten Nationalsozialisn, us ihr« herzliche Sympathie bekundet und allen internationalen Mächten den Kampf angesagt haben, hat der Stalsthelm sein« weitanschauliche und religiöse Neutralität verlassen. Die Geistlichen der Dekanate Kreuznach und Bingen sehen sich verpflichtet, die gläubigen Katholiken auf die Aussprüche der Stahlhelmsührer aufmerksam zu machen. Die Geistlichen erheben entschiedenenProtest gegen die aus diesen Zlussprüchen hervorgehende, die Bindung der Katho- Uten an Rom und die internationalen Zlufgabcn und Verpflichtungen bekämpfende Tendenz des Stahlhelms. Oer Berliner Bischof gegen das Hakenkreuz. Die„Germania" von gestern abend meldet: Das Bischof- lichc Ordinariat in Berlin erklärt im Einvernehmen mit ixm hochmürdigsten Herrn Bischof von Berlin. Dr. Christian Schreiber, aus verschiedene Anfragen, daß es bezüglich feiner Stellung zum Nationalismus voll und ganz auf dem Baden der bischöflichen Erlasse von Breslau, Köln und Paderborn, sowie der bayerischen Bischöfe steht. Die in mehreren nationalsozialistischen Zeitungen veröffentlichte Antwort auf eine Einzelanfrage liegt um fiinf Monate zurück und machte die Crlaubtheit der Mitgliedschaft eines Katholiken bei der Nationalsozialistischen Partei ausdrücklich von grundsätzlichen Vor- aussetzungen abhängig. Eingehende und gewissenhafte Beobachtung und Prüfung der nationalsozialistifchen Entwicklung haben erwiesen, daß diese grundsätzlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind, zumal die nationalsozialistischen Führer»s unterlassen haben, die Stellung des Natianglsozialismus zur katho- tischen Kirch: zu klären und zu berichtigen. Die Heldenbude. Herr Direktor, man klaut Ihnen eine Heldenfigur! Französischer Diplomat angepöbelt Scharfe offiziöse Zurückweisung der Nazipreffe. WTL. teilt mit: Der„A n g r i f s" vom 20. d. M. Nr. 38 enthält schwere Verdächtigungen gegen den Presseattache der hie- jigen französischen Botschast, für die nicht der ge- ring st e Beweis angetreten wird. In diesem Artikel wird dann gesagt,„daß der Betreffende von allen Beschlüssen des Auswärtigen Amts, soweit sie Frankreich betreffen, vorher in Kenntnis gefetzt wird, um seine Meinung zu hören"., Diese Behauptung ist eine ebenso kindische wie gewissen- lose Verleumdung. Wenn der„Angriff" sich endlich darüber beschwert, daß den Genannten amtliche Persönlichkeiten empfangen, so wird hiermit festgestellt, daß die betreffenden Beamten dabei lediglich ihre dienstliche Pflicht erfüllen. » Das Goebbels-Organ ist zu diesem verleumderischen Vorstoß gegen den Professor H c s n a r d von der französischen Boffchaft in Berlin offenbar dadurch ermutigt worden, daß die amtlichen Stellen gegenüber zwei ähnlichen Attacken des„Völkischen V e- ob achter?" geschwiegen haben. Di« offiziös« Zurückweisung ist von einer erfeulichen Deutlichkeit, besser wäre es freilich gewesen, wenn sich die amtlichen Stellen früher dazu entschlossen hätten. Daß die Blätter Hillers und Goebbels bei dieser Gelegenheit obendrein die Lüge verbreiten, Professor Hesnard werde dauernd von Linkspolitikern, namentlich von Sozialdemokraten, über ver- trauliche Angelegenheiten der Reichhpolitik in landesverräterischer Weise informiert, gehört zum übrigen. Jedes Wort der Entgegnung wäre zu viel Ehre für die nationalsozialistischen Berleunider. Daß deutsch« Lintspolitiler gute Beziehungen zum französischen Presseattache unterhallen, ist eine Selbstverständlichkeit, zumal dieser das Vertrauen der französischen Linkspotttiker genießt. Dagegen ist Hesnard wiederholt in den letzten Jahren in sranzösischen nationalistischen Zeitungen und Zeitschriften scharf angegriffen worden, die ihm zum Vorwurf machten, daß er als Mann der Linken Briand fortgesetzt falsch informiere und in seiner„verhängnisvollen" Berständigunzs- Politik bestärke. Richtig ist. daß Hesnard dos persönliche Vertrauen Briands genießt und daß er insbesondere der Mittelsmann zwischen Briand und Stresemann war. Es gehört die abgrundtiefe politische Perversität und Verleumdungssucht der National- sozialisten dazu, aus einem sich vor aller Well abspielenden Verkehr zwischen deutschen Politikern und einem fremden Diplomaten sofort landesverräterische Absichten oder Wirkungen zu konstruieren. Darüber hinaus sei aber folgendes festgestellt: es ist ein i n t e r- nationaler Grundsatz anständiger Journalistik, Mitglieder fremder diplomatischer Missionen im eigenen Lands aus der Tagespolemik herauszulassen. Selbst Organe wie die Pariser„A c t i o n F r a n<: a i s e", hie vor keiner Beschimpfung politisch« Gegner zurückschrecken und ebenfalls überall.Landes- verrat" wittern, hallen sich an dieses selbstverständlich« Prinzip: nie tstt dort seit zehn Iahren auch nur ein« Silbe gegen ein Mit- glied der deutschen Botschast in Paris geschrieben worden Es blieb der N a z i p r e f f e vorbehallen, mit diesem Grundsatz aller Kulturländer zu brechen. Sie hat damit nur dokumentiert, daß sie jenseits aller Begriffe von politischem Anstand und Ernst steht. Der Weg zur Zollunion. Noch heute Bekanntgabe des deutsch« österreichischen Wirti'chastSvertrogeS. wie wir erfahren, wird noch heute iu Wien und Berlin gleich- zeilig die Bekanntgabe des Zwischen Dr. Schober und Dr. Eurtiu» abgeschlossenen wirlschaflsverlrages erfolgen, der der erste Schrill für Zollunion zwischen Oesterreich und Deutschlaad ist. Im Haupt- ausschuß des österreichischen Nationalrats hat Dr. Schober gestern bereits Bericht erstattet. An der Debatte beteiligten sich auch die Sozialdemokraten Bauer, Renner, Seih und Ellenbogen. Europaemigung über Zivillustfahri. Gehört nicht in den Abrüstungsvertrag. Genf. 20. März.(Eigenbericht.) In einer Not« an das Bölkerbundssekretariat hat die deutsche Regierung den Antrag gestellt, auf die Tagesordnung des Rates im Mai die Frage der Schaffung einer besonderen Konoen- tion für die Zivil-Lustfahrt zu setzen. Der Konventionsentmurf der vorbereitenden Abrüstungskonferenz enthält die Borschrist der Veröffentlichung aller Zissern über zivil« Luftsahrt. Deutjchlaitd hat sich dagegen gewandt mit der Be- gründung, daß Angaben über zivile Luftfahrt nicht in eine rein militärische Konvention gehörten. Für sie müsse ein« eigene Beröffentlichung ziviler Natur erfolgen. Diese» Standpunkt Deutsch- lands wurde von verschiedenen Regierungen, unter anderem auch von den Vereinigten Staaten, geteilt und unterstützt. Mit dem Kammersptele. Noziire:„Die alte Eanaille?" So qullschsidel, wie man nach dem Titel erwartet, ist die fran- zösische Komödie ja nun leider nicht. Im Gegenteil, es handelt sich um das alle Thema von der Liebe des alternden Mannes, vom Autor ianft elegisch mit nützlichen Lebensweisheiten gespickt und vom Regisseur Eugen Roberts rettungslos zerdehnt. Aber wir dursten wenigstens Anton Edthofer endlich wieder in Berlin begrüßen, dessen unvergleichlich vornehme Kunst immer von neuem überrascht. vgr. jetzigen Antrag will Deutschland die Fragen der zivilen Luftfahrt noch v o r der Abrüstungskonferenz erledigen und sie damit aus der Abrüstungskonvention herausbringen. Neuer Linksblock in Krankreich? Zunächst ohne Sozialisten/ prösidentenwahbBorbereitung Paris. 20. März.(Eigenbericht.) Zahlreiche Abgeordnete der Linksparteien mit Ausnahme der Sozialisten und Kommunisten befaßten sich am Freitag mit der Möglichkeit der Errichtung eines Linksblacks zur Verteidigung demokratisch er Resormen uird zur Organisation des Friedens. Ein solcher Block würde für die bevor- stehenden Präsidentenwahlen und die nächsten K a in m e r- wählen von großer Bedeutung sein. Die sozialistische Fraktion wurde aufgefordert, sich an den weiteren Verhandlungen zu beteiligen. Aergarbeiier für Labour. Nachwahlsieg im Kohlengebiet. London. 20. Mörz.(Eigenbenchk.) Die Nachwahl von Ponkypridd(im Kohlcngebicl von Ijorl) ergab für den Labonrkandidaken Davics 12 Zig Stimmen Mehrheit gegen 6414 bei der letzten Wohl. Der liberale Kandidat erhielt 8368 Stimmen. Do» Ergebnis der Nachwahl ist ein Beweis dafür, daß die Bergarbeiter das vertrauen in die Lqbourregierung nicht ver- loren haben, obwohl die ihnen im Wahlkamps gegebenen Vcr- sprechungen bisher nicht erfüllt werden konnten. Die Schuldigen. In den„Führer» und Schulungsbriefen", die von der Organi- fationsleiiung der Hitlerpariei für die Funktionärs ausgegeben wer- den, heißt es: „Die naturgegeben« Feindschaft des Bauern gegen den Juden, feine Feindschaft gegen den Freimaurer als Judenknecht muß b I s zur Raserei aufgestachelt werden." Eine Partei, die solch« Anweisungen gibt, findet keinen Glauben, j wenn sie Mörder abschütteln will! Gegen die Llnfallversicherung. Ein neuer Keldzug des Unternehmertums. Nach seinen bisherigen Erfolgen auf dem Gebiete der Ver- boferung der Sozialversicherung und des Lohnabbaues hält das Unternehmertum die Zeit gekommen, auch die Invalidenversicherung und die Unfalloersicherung in den Bereich seiner„Reformen" ein- zubeziehen. Bon der Regierung, die sich um feine Schonzeit bemüht, erwartet es eher eine Begünstigung als eine Abwehr feiner Pläne. Der neueste Angriff des Unternehmertums gilt der'„Reform" der Unfallversicherung, wozu es bereits bestimmte„Bor- schlage" gemocht hat. Die„Gewerkschafts-Zeitung" veröffentlicht diese Borschläg« und beleuchtet ihr« Gemeingefährlichkeit iin einzelnen. Gefördert wird: t. Wegfall der Entschädigungen für Wegeunsälle, Z.Wegfall und Kürzung von Renten, Z. Beschränkung der Berussfürsorge. 4. teil- weife Aufhebung des Tages- und Aamiliengeldcs, S. erweiterte zwangsweise Absindungen, 6. ZNchrbelastung der Krankenkassen, 7. Beseitigung der Unentgeltlichkeit der Rechlspslege, S. Einführung der Anschlufzberusuug. Das Risiko auf dem Wege nach und von der Arbeitsstätte soll dem Arbeiter aufgebürdet werden, mit der Be- gründung daß„die Unternehmer rechtlich keinen Einjlug auf di« Verkehrsregelung und Verkehrsüberwachung und praktisch keinen wirksamen Einfluß auf das Verhalten der bei den Berufsgenossen- [chaften versicherten Personen im Verkehr haben". Eine.Rente soll erst dann gewährt werden, wenn durch den Unfall die Erwerbssähigkeit um mehr als ein Bicrtel gemindert ist. Di« Renten von 10 bis 20 Prozent sollen aufgehoben werden, auch die laufenden Renten in dieser chöhe, ohne die geringste Abfindung. Man glaubt, daß damit die 5?älste aller Renten beseitigt und— die Ber- ficherungsbehörden dadurch entlastet werden können, wofür sich auch der Senatspräsident beim Rcichsversicherungsamt Dr. B e h r e n d einsetzt. Daneben soll die Bestimmung fortfallen, daß Verletzte, die nicht länger als 13 Wochen erwerbsunfähig sind und auf Krankengeld aus der Krankenversicherung keinen Anspruch haben, für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit aus der Unfallversicherung Krankengeld bekommen. Mit solchen Bagatellfällen will man sich nicht mehr abgeben, das Wohlfahrtsamt mag hier eingreifen Den Vollrentnern und Schwerbeschädigten soll die Rente um ein paar Mark jährlich, etwa 40 und 80 Mark, erhöht werden, dafür aber alle anderen Renten gekürzt werden. Auch die Witwe» sollen schlechter gestellt werden, falls sie nicht selber dauernd invalide sind. Die Hinterbliebenenrenten sollen von höchstens vier auf drei Fünftel des Iahresarbeitsverdienstes herab- gefetzt werden und die einnialige Witwenbeihilfe beseitigt werden Die B e ru fs f ü r s o r g«, die nach Befeitigung der niedrigen Rente erst recht notwendig wäre, soll nur noch Schwerbeschädigten gewährt werden. Die Verletzten mit einer Erwerbsunfähigkeit unter 50 Proz., die meist selbst unter weit stärkerer Lohnkürzung, als sie ihre Erwerbsbeschräntung rechtfertigte, keine Arbeit finden, würden sich erfahrungsgemäß aus eigener Kraft helfen. Ist die teilweise Aufhebung des Tages- und Familiengeldes beim Weilerbe.zug von Arbeitsentgelt weniger erheblich, so um so mehr die Forderung einer erweiterten zwangsweisen Abfin- d u n g, ohne Zustimmung des Verletzten und— woraus es ankommt— hauptsächlich auf Kosten des Verletzten. Neben einer Ab- wälzung von Behandlungskosten auf die Krankenkassen, die anstatt für 8 Wochen für 13 Wochen aufkommen sollen, wird die Be- seitigung der unentgeltlichen Rechtspflege gs- fordert, so daß der Versicherte bei Einlegung der Berufung zunächst eine Gebühr von 5 Mark entrichten soll. Die Ausgabe von 5 Mark soll von Berufungen abschrecken, sie ist verfallen, wenn die Berufung abgewiesen wird. Die Rechtsmittel der Versicherten sollen noch dadurch beeinträchtigt werden, daß der Versicherungsträger sich einer Berufung des Versicherten anschließen und an seinen Bescheid nicht mehr gebunden sein soll. Anstatt die längst unzulänglichen Renten zu erhöhen, sollen die Ilnfallversicherten in jeder Weise benachteiligt werden. Der Angriff der Ilirternehmer auf die Unfallversicherung fordert den schärfsten Abwehrkampf der Bersicherten heraus. DasEcho des�eichsbahnfchiedsspruchs Protest der Berliner Eisenbahner. Die am 20. März 1931 in Berlin tagende ordentliche General- Versammlung der Ortsgruppe Berlin des Einheit?- Verbandes der Eisenbahner Deutschlands nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem am 19. März gefällten Schieds- fpruch auf Abbau der Löhne der Eisenbahner. Die Versammlung erhebt weiter P r o t e st dagegen, daß ausgerechnet ein Schlichter v o m A r b e i t S m i n i st c r b e st e l l t worden ist, der bereits durch feine Stellungnahme durch den Schiedsspruch für die Arbeitszeit- regelung für den Eiienbahiicr feine Unkenntnis über die Verhältnisse im Eisenbahnbetrieb bewiesen hat. .Da außer den S Prozent Lohnabbau die Eisenbahner schon durch die Feierschichten eine ungeheure Lohneinbuße erlitten haben, ist ein derartig weiterer Lohnabbau für die Eisenbahner u n- tragbar geworden. Die Geiieralversaminlung beauftragt den Hauptvorstand, beim Reichsarbeilsminifler dagegen Protest zu erheben, daß neben der verkürzten Arbeitszeit noch ein weiterer Lohnabbau fiir die Eisen- bahner diktiert worden ist. Die Versammlung erwartet von ihrer Verbandsleitung, daß sie sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln gegen diesen neuen Druck auf das Lohnniveau der Eisenbahner zur Wehr setzt. Rachahmensweries Beispiel. 40-Stund-ti-Woche in der„Duchdruckwerkstätte". Das Gros der deutschen Unternehmer sträubt sich noch immer gegen die Forderung der Gewerkschaften, zur Eindämmung der ungeheuren Arbeitslosigkeit die 40-StuiiÄen-Woche einzuführen. Im Unternehmcrlager, ganz besonders aber bei den TarifverhaMungen, wirft man den Gewerkschaften in mehr oder minder versteckter Form sogar vor, daß ihre Forderung gar nicht ernst gemeint sei und vorwiegend aus agitatonichen Gründen gestellt werde. Wie ernst es den Gewerkschaften und ihren Mitgliedern mit der Verwirklichung der Forderung der 40-St»ndcn-Woche ist, haben sie in letzter Zeit mehr als einmal praktisch bewiesen. Erinnert sei imr an die Einführung der Kurzarbeit in der Zigarettenindustrie bei einem teilweisen Lohn- ausglcich und an die Einführung der 40-Stunden-Woche in einer Anzahl von G e in e i n d e b e t r i e b e n u. a. auch in Berlin. In dieser Woche hat inr Buchdruckeroerband in Berlin ein neues Beispiel dafür geliefert, daß es sich bei den freien Gcwerk- schaften nicht um die Befriedigung eines lllgitatiOPdedürsnifses handelt, wenn sie im Interesse der Arbeitslosen die Einführung der 40-Stunden-Woche fordern. Durch eine Beroinbarung zwischen dem Betriebsrat der„Buch- druckwerkstättc" in Berlin, die dem Verband der Deutschen Buch- druckcr gehört, und der Gcschäftslcitung dieses Uiiternehnions ist ab 10. März die Arbeitszeil von 4b auf 40 Stunden verkürzt worden. Die 40stündigc Wochenorvcitszsit wird auf fünf Arbeits- tage mit je 8 Arbeitsstunden verleilt. Für die M a s ch i n e n s c tz.« r und für die Arbeiter der zweiten Schicht im M n I ch i ii e n s a a l ist die wöchentliche Arbeitszeit von 43'A auf 37'4 Stunde» verkürzt worden. Die„Buchdnickwerkstätte" verzichtet außerdem' auf die durch den verbindlich erklärten Schiedsspruch vom 2. Februar in Kraft getreten« Lohnkürzung um 0 Proz. Sie hat im Gegenteil die Verpflichtung übernommen, für die durch die Arbeitszeitverkürzung ausfallenden sechs Wochenarbeitsstunden 40 Proz. als Lohnausgleich zu vergüten, während die restlichen 60 Proz. von der Belegschaft getragen werden müssen. Schließlich hat sich die„Buchdruckwerkstätte" verpflichtet, für die den Beschäftigten zustehenden Urlaubszeiten den vor dieser Vereinbarung gezahlten V o l l w o ch e n l o h n zu vergüten. Durch den Abschluß dieser Vereinbarung wird nicht nur die Entlassung von Arbeitern vermieden, sondern werden freie Arbeitsplätze geschaffen, die mit arbeitslosen Buchdruckern, Setzern und Hilss- arbeitern besetzt worden sind. Der Buchdruckerverband l>at hier eine Vereinbarung getrossen, die den Grundsätze» entspricht, die von ollen Gewerk- schaften vor der Einleitung der großen Lohimbbauojfensioe ausgestellt worden sind. Die Gewerkschaften oerlangten damals fast ausnahmslos in richtiger Einschätzung der Kampfkraft der Arbeiter- schuft die Einführung der 40-Stulldcn-Wochc mit tcilweisom Lohnausgleich, um dadurch neue Arbeitsmöglichkeiten zu erfästießcn urti) auf diese Weise zu einer Wiederbelebung der Wirtschast beizutragen. Die Unternehmer haben mit Hilfe der staatlichen Schlichtungsinstanzen den umgekehrten Weg befchrillen. Sie setzten erst einen gründlichen Abbau der Löhne durch, was eine weitere Ver- Minderung der Kaufkraft und damst eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zur Folge hatte und gingen hinterher da,zu über, auch noch die Arbeitszeit willkürlich zu verkürze». Dadurch ist die Kaufkraft der breiten Massen noch mehr versiegt und der Wiederbelebung der Wirtschaft nicht im geringsten gedient worden. Es ist zu envartcn, daß das Beispiel der„Buchdruckwerkstätte" nicht nur in den übrigen cigenwirtschastlichen Betrieben der Arbeiterschaft Nachahmung findet, sondern endlich auch in größerem Umfange in der Privatittdustrie. Eine Lehrlingsordnung. Für die Maftschneiderei. In der Herren- und D a m e n m a ß s ch n e i d e r e i ist seit Iahren eine starke Uebersetzung von selbständigen Existenzen, 'Arbeitskräften und Lehrlingen zu verzeichnen. Während in beiden Branchen zusammen etwa 50 000 Gehilfen und Gehilfinnen beschäftigt werden, wurden bei der Berufs- und Betricbszählung 1925 rund 78 000 männlil� und weiblich« Lehrlinge gezählt. Die Lehrlingszüchterei verursacht« nicht nur einen viel zu großen, sondern auch einen schlechten Berussnachwuchs. Nach jahrelangen Bemühungen ist es dem Deutschen Be- kleidungsarbeiter-Berband gelungen, die Arbellgeber für eine einheitliche Lehrlingsordnung zu interessieren. Unter Mitwirkung des Handwerks- und Gewerbekammertagcs Hannover ist zwischen dem Reichsverband für>das deutsche Schneider- gewerbe uird den am Tarifvertrag beteiligten Arbcitnehmerorgani- sationen eine Lehrlingsovdnung vereinbart worden, die die Lehrzeit für die Damenschneiderei auf 3 Zahre, für die Herrenschneiderei auf 3'A Zahre festgesetzt. Die festgesetzte H ö ch st z a h l der Lehrlinge wird eine Minderung der Lehrlinge in nächster Zeit mit sich bringen. Für di« Aus- bildung der Lehrlinge sind bestimmte Lehrgänge mit fest- gesetzten Jahreszielen vorgesehen. Allen Lehrlingen ist unter Fort- Zahlung des Kostgeldes ein jährlicher Rlindesturlaub von einer Arbeitswoche zu gewähren. Zur Durchführung der Lehrlingsordnung werden örtliche Fach- a u s s ch ü s f e bei den Innungen und bezirkliche bei den Handwerks- kammern gebildet. Bei den Handwerkskammer-Bezirksfachausschüsien, die aus je sechs Meistsr- und Gesellenvertretern bestehen sollen, werden je drei von den beteiligten Organisationen und von den Ortsfachausschüssen besetzt. Die Träger dieser Lehrlingsordnung bilden einen Reichssachausschuß. Diese Neuordnung wird nicht nur mit den bisher unerträg- lich gewordenen Berhältnisien in der Maßschiicidc/ci aufräumen, sie bedeutet auch einen Erfolg aus dem Wege zum kommenden Berufs- ausbildungsgesetz. Erfolgslüge dsr 3RGO. Wie sie„abgewehrt" hat wo nichts mehr abzuwehren war. Die Unternehmer der Metallschlcifbctrieb« und Galvaniseur- anstaltcn kündigten der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen M«- tallarbeitcr-Verbandcs den Lohnvertrag. Am 10. März nahmen die im Deutschen Mctallaebeiter-Berband organisierten Berliner Metall- schleifer zu dieser Kündigung Stellung. Zu der Versammlung waren als Berufskollegen auch Mitglieder des kommunistischen„Einheits- Verbandes" eingeladen. Getreu ihrer Parole„den Streik zu führen" erschienen uiiier Leitung des„Führers" D o st weitere drei Man- ncn der RGO. Dieses Massenaufgebot der RGO.-Leute wollte nun etwa nicht tämpfen und„auf der ganzen Linie" streiken, sonder» jetzt, wo es Ernst werden sollte, setzte sich der„Führer" für einen tariflosen Zustand ein. Dieser Vorschlag wurde von den Versammelten gegen«ine Stimme abgelehnt. Nun beantragte der RGO.-Führer, die Streikleitung paritätisch zusammenzusetzen. Dieses Verlangen wurde ebenfalls abgelehnt. Am 18. März ließ nun der„Einheitsvcrband" in der„Roten Fahne? die Mitteilung verbreiten, unler Führung der RGO. sei der Lohnabbau abgewehrt worden. Wie ist aber der wahre Sachverhalt? Am Tage nach der Streikabstimmung der im Deutschen Metallarbeiter-Berband organisierten Mctallschlcifer teilten die Arbeitgeber dem Mc- tallorbeitcr-Verband mit, daß die Abzüge vorläufig zurückgezogen werden. Der Arbeirgeber-Berband hat dann den Arbeitern in den Betrieben durch ein Flugblatt mitgeteilt, daß er den Schlich. tungsausschuß angerufen hat. Wenn der„Einheitsverband" glaubt, die Berliner Arbeiterschaft im allgemeinen und die Metallschleift? im besonderen derart be- lügm zu können, so wird er unter den Metallschlcisern wenig Glau- bige finden. Lohnpfändungen. Eine Folge der Lohnkürzungen. Wann soll die Schonzeit für die Arbeitnehmer kommen, damit sie die notwendigsten Anschassungen für den Haushalt machen und sich von ihren AbzaHlungsschulden freimachen können? Viele junge Ehepaare, die nur in teueren Neubauten eine Wohnung finden konnten, haben ihre-Wohnungseinrichtungen auf Abzahlung ge- nornmen. Die Ratenzahlungen wurden auf Grund ihres Einkommens berechnet und waren unter größten Einschränkungen und Entbeh- rungen möglich, solange das Lohneinkommen unverändert blieb. Der Lohnabbau hat alle Berechnungen über den Haufen geworfen. Für die Vertröstungen des Herrn Reichsarbeitsministers, daß es ja nicht auf den Nmninallohn, sondern auf den Reallohn ankomme, kann sich kein Arbeitnehmer etwas kaufen und die Verheißung des Preisabbaues als Ausglcich für den Lohnabbau hat sich als illusorisch erwiesen. Der Lohnobbau hat eingesetzt, der Preis- abbau ist ausgeblieben. Mit der Verschlechterung des Nominallohnes wurde auch der Reallohn verschlechtert. Hinzu kommt der Feldzug gegen die„D o p p e l o e r d i« n e r", der in seiner Berallgcmeine- rung gerade die jungen Ehepaare am schwersten trifft, deren geringes gemeinsames Einkommen knapp dazu ausreichte, ihren Lerpflich- hingen gerecht zu werden. Doch selbst in den Fällen, in denen sich die Familienexistenz nicht aus ein Einkommen beider Ehehälften gründete, sondern ledig- lich auf das Einkommen des Mannes, nimmt der Lohnabbau den Teil des Einkommens weg, der für Ratenzahlungen ver- einbart und bestimmt war. Wie sollen nun alle diese Abzahler ihren Verpflichtungen nachkommen? Sie können es nicht, trotz äußerster Einschränkung ihrer Lebenshaltung, trotz Zurückstellung der allernotweiidigsten Anschaffungen. Die Folge sind Klagen, Pro- zesse und Pfändungen, wodurch die kärgliche Existenz, die Arbeits- und Lebensfreude untergraben wird. Irgendwelche Rücksichten auf diese Verhällnisse werden bei dem schem otischen Lohnabbau nicht genommen, es wird verbindlich erklärt, vorausgehende Berbindlichkeiten unmöglich gemacht. Verschiedenen Behörden ist bekannt, daß die L a h n p f ä n- düngen bei Arbeitern, Ange st eilten und Beamten immer mehr zunehmen. Bei einzelnen Dienststellen sind schon 4 Proz. der Gehälter und Löhne vorgepfSndet. Mi: möralifchen Betrachtungen über den„Leichtsinn" der?lrdeitnehn>cr im allgemeinen und die Anschaffungen auf Abzahlung im besonderen kommt man den Tatsachen nicht bei. Noch weniger freilich durch den Lohnabbau. Schließlich handelt es sich hier auch nicht um private Angelegen- heilen der Bedrängten, deren Schicksal zuletzt bei der Öffentlichen Wohlfahrt hängen bleibt, sondern in hohem Grade mit um eine wirtschaftliche Angelegenheit, denn auch der Verkäufer ist an der glatten Abwicklung seiner Kreditgeschäft« interessiert und damit die Wirtschast. Im weiteren Verlauf der Lohnabbaupolitik wäre immerhin ans diese Verhältnisie einige Rücksicht zu nehmen. Die Hebung der Kauf! rast anstatt ihre Drosselung cricheint w e i t d r i n g l i ch e r als die Förderung der zweiten Periode der Bildung von Neukapital zur Zlnlag« in der Schweiz. Deshalb Schluß mit dem schematischen Abbau selbst der allerniedrigsten Löhne und Gehälter._ NeinebsraiswahlveiMaurerHOimmick Enttäuschung der RGO.-Leute. Die Betriebsratswahl bei der Buchdruckerei Mau/er u. Dimmick hatte folgendes Ergebnis: Eingeschriebene Wähler 222. abgegebene Stimmen 208, davon ungültig 14 Stimmen. Die RGO.-Liste I „iür Brot und Freiheit" bekam 0 0 Stimmen und damit zwei Mandate. Die f r c i g e w e r k s ch a f t l i ch e L i st e II dagegen erhielt 128 Stimmen und s ü n f Mandate. Die RGO. hatte nach ihrem ganzen Gebaren die Mehrheit bereits im Sack. Um so größer muß ihre Enttäuschung sein. Neiriebsratswahien bei Krupp. Essen. 20. Mörz.(Eigenbericht.) Seit der vorjährigen Wahl sind etwa 7000 Arbeiter entlassen worden. Dek Deutsche Metallarbeiter-Berband be- kam 4754 Stimmen(im Borjahre 7393), der Christliche Metall- arbeiter-Berband 4994(7374), die Gelben 1032(1084), di« Hirsch- Dunckerschen 109(205), die RGO. 3300(3084) und die National- sozialisten 070 Stimmen. Di« Wahlen zum Angestelltenrat ergaben für den A s A- Bund 1102 Stimmen. 5 Sitze(1308 Stimmen, 0 Sitze), für den GdA. 390 Stimmen, 2 Sitze(328 Stimmen. 1 Sitz), für die gelben Angeftelltenvorbände 140 Stimmen, keinen Sitz(321 Stimmen. 1 Sitz), für die Nationalsozialisten 1142 Stimmen, 5 Sitze(im vorigen Jahr keine), für den DHB. 910 Stimmen, 4 Sitze, für den Gedäg 439 Stimmen, 2 Sitze, und für den Verband der leitenden Angestellten 071 Stimmen, 3 Sitze(551 Stimmen, 2 Sitze). Gchneiderstreik in Wien. Wien. 20. März. Die Arbeiter der Unternehmungen der Vereinigung der Schncidersirmcn Wiens, etwa 15 00 bis 2000 an der Zahl, sind in den Streik getreien. Die Vereinigung der Schncidersirmen um- faßt 130 führende Herrenschncidcrgeschäft«. �reie Gewerkschafis-LuaenöNerlin Üeute,:nabce.d. 21. Mihi, fotosnöc Beranstaltuna«»: Sioifinnq' Besuch des MavMcK>U«ne»-zdedt>oirs. Steffen 16 Uhr Bezirk«imt Bren-lnuer Beta.— SDiotatn. eonnlofl. 2a. März. l.j Udt Bsllsbiihne»- Conbctootficihina:..chefeMchakt der Menschen recht«".— Sudirc il: 19 Ufit 9u- qcirtchtim Gciocikschaftschaus(Jiiqclufct 21—-75. Unsere Miidchen etcftaltcn Seit Abend aus.— Ditkrets: 19 Ulir Iuacnicheim Dieftelmeyerstr. S...Latscherboll." ~ Bordkreiz: 19 Ubr Iugcndbeim Weißens er, Parkflr. SS.„Winter ade." Abschluß dcr Win'ersalion.— Oberspree: 19� Ubr i �•. a•'' y■ i'-.. R Ü S S E L S H l! I M A M M' a''l'ist' Werscin Geld gut und sicher anlegen will, wer für den Kaufpreis den höchsten Gegenwert fordert, der wählt einen Opel 4 Zyl. 1,1 Ltr., ModcU 1931. Diese Konstruktion ist kein Experiment, sie ist seit Jahren erprobt, tausendfach bewährt and restlos anerkannt. Nichts wurde vernachlässigt, um einennicdrigenPrciszahaUcn. Nur durch die fabrikat orische und organisatorische Überlegenheit der größten A utomobüfabrik Deutschlands ist es möglich, so hohe Qualität für so wenig Geld zu bieten. Vergleichen Sie in allen Einzelheiten den Ihnen gebotenen Wert mit dem geforderten Preis, dann werden auch Sie Opel wählen. Ihr Opelhändler erwartet Sie zu einer unvcrbindlicben Probefahrt. Hohe Qualität- niedrige Preise gro ße Leistung- geringe Kosten I ZWEISITZER(offmi. � BM 1990 VIERSITZEB(offas)......... RM 2350 CABRIOLET(mit 2 Resavesäaea)». RM 2500 LfMOllSINB(nerüUig)......... RM 2700 LIEFERWAGEN........... RM 2400 F iu/faeh birtift» Preis»«6 Werk • ,PE R SO N' E NW A G E* N V l"a ST W A G.BN■ Gegen neue Bedrückungen Konsum�Genossenschafts-Generalversammlung ftrofecn. köqngn. Stlrdq« van 10 Pf, werden angenommen, die Mehrzahl der Kinder geh, wohl nicht üver 50 Pf. hinaus. Der Sinn dieses' Sparens wahrend der Schulzeit ist hauptsächlich der, daß ein- mal den �Eltern hie AnschaffungzLosten für Kleidung beim Austritt aus der Schule nicht sä schwer sollen, andererseits qbcr, wo die Per- KWnisfe günstiger liegen, den ins Leben tretende» Mädchen oder Lungen eine kleine Summe zur' Verfügung gestellt wird. Durch die Darbietung eines Sparkassenbuches sichert sich.nun die Kreissparkosse das Sparinteresse' all der die Schule Verlassenden. Sie können gleich ihr«partalenr in größerem Maße betätigen. Für die beschenkten Kinder ist es sicher ein Ansporn, auch weiterhin mit den geschenkten oder gar selbst verdienten Geldern hauszuhalten. Dient das der Vö!kerversöhnung? Man schreibt uns: Artikel 14S der Reichsverfassung sagt in seinem ersten Absaß:„In allen Schulen h't sittliche Bildung, staatsbürger- liche Gesinnung, persönliche und berufliche Tüchtigkeit im Geiste des deutschen Volkstums und der V ö l k e r v e r s ö h n u n g zu er- streben." Es ist vielleicht von Bedeutung, in diesem Zusammenhang auf zwei kurze Erlebnisse in Berliner Museen hinzuweisen. Eine Schulklasse besucht das Zeughaus. Im Lichihos stehen einige Feldgeschütze aus den: Weltkriege, die auf Grund der Bestimmungen des Vertrages von Versailles durch mehrfaches Anbohren-unbrauchbar gemacht sind. Ein älterer Mann tritt zu den Schülern und sagt:„Seht mal alles ist angebohrt. Solche Amstt hat die verfluchte Bande jetzt noch vor uns. Da müßt ihr später mal alles wieder gut machet: und unsere Feinde zusammenschlagen", und was dergleichen nationalistische Redewendungen mehr sind. Dem Pätentpatrioten, der ja selber aus dem Frontaller heraus ist, kann man es nicht vsrdeillen, wenn er die Kinder mit seinen verderblichen Ansichten verseucht. Der Lehrer aber hat auf Grund seines Eides auf die Verfassung die Pflicht, die ihm anvertrauten Kinder vor den Einflüssen des Hetzers zu schützen und diesem den Mund zu ver- bieten.• Im Museum für Meereskunde zählt die Heldentafel die deutschen Weltkriegsocrluste an Kriegsschiffen auf, und die lieber- schrist sagt:„Mit wehender Fahne vor dem Feind sanken..." Diese Inschrift muß Kriegs- und Schiifsjungenromantik wecken. Vielleicht fetzt das zuständige Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung eine Tafel daneben, in der angeführt wird, wieviel lunge Seeleute durch den Weltkrieg ums Leben gekommen oder-u Krüppeln geschossen worden sind. Nicht verschwomncene nationalistische Phrasen, sondern die Wahrheit über den Krieg tut unserer Schuljugend not! März-Gedenkfeier in Pankow. Unter dem Motto„Für Freiheit und Recht" veranstaltete die Pankower Sozialdemokratie eine gelungene Märzfeier. Der große Saal des Gefellschastshaisses war bis auf den letzten Platz gefüllt. Reichsbanner, Sprechchorgemeinlchait Mederschönfrmsen, Singetreis. Zukunft, Einzelsprecher und Genosse Reese als Redner ucreinigten sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den Revo- limonLgcdanken! Räch dem Einmarsch der roten und' schwarzrot- arldenen FahNen unter, den' Klängen des Tambourkorps des Pan- koiü-r Reichsbanners gab Freiligraths„Zeitgeist" den Grundgedanken der Feier an: Laßt der Freihest Banner hoch uns halten. Genosse Reese schlug in gedankentieser Rede die Brücke vom März 1Ä& bis ,;um Kampfjahr 1951. Bein: Gedenken aller gefallenen stgrg�fer'für zjreiJyii und Recht fsnlten sich unter TronunelMxbel die Fahnep. Der gemeinsam« Gesang„Brüder zur Sonne" bekräftigte das Gelöbnis, das begonnene Werk der Freiheitskämpfer fortzu- setzen.' Schälila nls„Fahnenschwur", gesungen vom Singekreis Zu- llmii. und Karl Hahns Sprechchor„Wir lieben unsere Fahne, uniere Fahpe ist rot!" lxiteten über zur Kampiparnl« 1931: Wo bleibt der zweite Mann? Mit einem Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie und di« sozialistische Internationa!« schloß die eindrucksvolle Feier mit dem gemeinsamen Gesang der Internationale. 437 von 1000 erwerbslos. In dar osithüringsichen Industriestadt Schmölln, wo die bekannten Steinnuhknopse hergestellt .Verden, leben zur Zeit von. 1000 Einivvlmern 437 aus Mitteln der ästemlicken Uniersstitzung. Das sind 43 ProzcM der Gesamt- bevLikeiung. Erster billiger Mörz- Sonnabend im Zoo. Am heutigen Sonn- abend, 21. Marz, kostet der Eintritt in den Zoologische» Garten non 2 Uhr nachmitrags ab nur 50 Pr. für Erwachsene und 25 Pj. iiir Kinder. Dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. .Das nrne Programm der Plaza steht dem der ersten Monats- hchste nicht nach. Weit über den Rohmen aller übrigen Dar- fuetungsn ragt die Waldemar-Orlando-Schleuderbreti-Truppc hin? aus, die dreifache Sallos in der Luft anssührt. Gerda und Esma- »est machen ihrem Namen: Wirdelwindlanzcr alle Ehre.. Rofchka- lus vollbringt auch eme averkrnn-nsweric Lesstung. wenn es ihm ackliygt, aus seinen Paketen, den Kops noch unten, ein« beträcht'iche Höhe zu erreichen. Hermann Leopold'!,, ein Wiener Humorist und Schlagerkomponsst, versteht sein Publikum und läßt singen, was da singen will. Ein hölländ-.sches Fischersextett unterhält mit See- nuinnsliedern und Ellerts und Co. jongllexsn mit Hüten, wobei die Hüte zuweilen noch auf eigenwillig» Touren gehen. 3m Lehrervereinshaus fand die Frühjahrs-Gencral. Versammlung der Konsumgenossenschast Verlin und Umgegend statt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete ein Vortrag des Geschäftsführers Paul Lange über die vermehrten Drangsalic- rungen, denen die Verbraucher in den letzten Monaten ausgesetzt wurden. Die Preisabbau-Aktion für die wichtig st en Nahrungsmittel kann, so führte Genosse Lange aus, als ab- getan gellen. Hat doch der Reichssinanzministcr Dietrich in einer Rede darauf hiirgewiesen, daß sich kein Staat der Well unabhängiger von den Preisen des Weltmarktes gemacht habe als Deutschland. Di« wiederum erhöhten Zölle für Getreide(der Roggen- zoll ist vor kurzem von 15 Mark auf 20 Mark je Doppelzentner gesteigert worden) haben dazu geführt, daß sich die Preise für Roggenmehl seit Oktober 1930 um 17 Prozent erhöht haben. Diese rein politische Preissteigerung rückt die Gefahr einer Prot- Preiserhöhung näher und ist ein Hohn aus die angeblicheu Ve- strebungen der Regierung, die Preise zu jeukeu. Die Konsumgenosienschasien werden nichts unversucht lassen, um Aufllärunz über die untragbare Zollgesetzzebung, die durch M i l- liard eng« schenke an die Landwirtschaft in Form der Oschilfe ergänzt wird, zu schaffen. Die allgemein« Verteuerung der wichtigsten gtabrungsmutel durch Zölle wird in raifhüerter Weiss gestützt durch Maßnahmen der Finanz, und Steuerbehörden, die darauf gerichtet sind, die preisregulierende Tätigtest der Konsum- vereine durch erhöhte Steuerbelastungen zu behindern. Der Gipfelpunkt der steuerlicheu Bedrückung ist in der Sonder- Umsatzsteuer zu erbllcken, die den Konsumgenossenschaften eine Dtehrlost van Prozent des Umsatzes aufbürdet, während große Teile des privaten Handels und Gewerbes von jeder Umsatzsteuer bestell sind. Diese unerhörten Vedrückungsmaßnahmen lassen es angezeigt erscheinen, die Genossen- schastssatzung einer Aenderung zu unierziehen. Der Generaloer- sammkunz lag eine Entschließung folgenden Wortlautes vor: „Die am IS. März 1931 tagende außerordentliche General- Versammlung der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend nimmt davon Kenntnis, daß Borstand und Aussichtsrat eine u m- fassende Ausklärungsarbeit unter den Mit- gliedern einlellen werden, um sie darüber zu unterrichten, warum die Lebensmittel in Deutschland irm soviel teuerer als auf dem Weltmärkte sind. Gleichzellig erwartet die Generalversammlung, daß Borstand und Aufsichtsrat alles tun. um jene Srniderumfatzfteuer wieder zu besellipen, durch die der Lebens- unterhall gerode für die ärmere Bevölkerung weiterhin ver- teuert wlld." Nach einer ausgiebig«: Aussprach«, die dem Genossen Katzen- stein Gelegenheit gab, kommunistischen U e b e r tr e ib u n- gc n elllgegeirzutrcten, wurde die. Eillschlicßung e i n st i m m ig an- geiwmmcn. Mit starker Dreiviertelmehrheit wurde wellerhin be- Vor einiger Zell begann die Berliner Funk stunde mll einer neuen Reihe„Querschnitt durch«ine Stadt". Den?kn- sang machte Greiiswald. Es folgt jetzt Magdeburg. Schon einige Mals waren in dieser Richtung Äersuche unternommen warten. aber sie schellerten, weil sie nur einen bildhasten Eindruck wiedergeben wollten, Impressionen vom Straßenleben, das bei der akustischen Wiedergabe nichts Charakteristisches bot. selbst in der Interpretation eines genialen Funkreporters. Es fehlte das lebende Bild. Jetzt ist eine Umstellung vorgenommen morden. Die Re- portage wird uillerstützt durch wirtschaftlich«, kommunale und hi- storisibe Erläuterungen. Die Funkstun-' e will nickst mehr allein ein akustisches Gomöld«. das immer fraglich bleibt, in mä gl übst voll- endeter Reproduktion geben, sondern tatsächlich den Querschnllt durch ein« Stadt. Eine Stadt ist die Zulamme.nsetzung aus allen mäg- lichcn Elementen, und die Funkstunde scheint sich zu sehr aus geschichtliche und kunstwissenschaftliche Erklärungen zu beschränken. Der Magdeburger Dom ist weniger interessant, mag«r auch nach so viele Stürme der Zeiten überdauert haben, als etwa die sozialen Wahlfohrteeinrichtungen der Stadt. Der Magdeburger Kirchenchor bietet wirklich nichts Charalteristisches. Es handelt sich bei dieser «tadtreportage beinahe um dieselben unwichtigen Dinge wie im Tonfilm. Warum wird immer wieder das Gleichbleibende betont? „Querschnitt durch«ine Stadt", das bedeutet nicht da? sorgfältige Abtalteti und Beschreiben der Oberfläche, die Erzählung von bild, lichen Schönhellen, die sich der Hörer doch nicht vo"st«llen kann. „Querschnitt durch eine Stadt" beißt die Seele des Gemeinwesens erfassen, und davon ist die Renovierung dieser Stadtreportaee noch weit eittfernt. Ueber das Dreigefpräch„D o p p« l v e rd i en« rtu m und Arbeitslosigkeit" wird an anderer Stelle ausführlich be- richtet werden. P. Sah. schlössen, dem§ 6 der Genassenschastssatzuna folgende Fassung zu geben:„Die Genossen haben nach dem Berhältnis der Kaufpreise, die sie im Laufe des Gefchästssahres für die von der Genossenschaft bezogenen Bedarfsgüter entrichtet haben(Umsatz), einen Reckst-- anspruch aus Gewährimg einer Rückvergütung, deren Höhe durch den Vorstand und den Aussichtsrat festgesetzt wird." Geschästsführer Genosse Schreiber erstattete sodann den H al b j a H r e s fa e r i ch t, dem zu entnehmen ist, daß der llmsatz in der ersten Hälfte des 32. Geschäftsjahres gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres eine Steigerung von 1,5 Prozent aufweist. Mengenmäßig ist die Umsatzerhöhung weit bedeutender, wie an einzelnen Beispielen dargetan wurde: Der Kartoffel- absatz ist von 143 000 auf 148 000 Zentner gestiegen, der wert- mäßige Erlös jedoch um 65 000 Mark gesunken: der Butter- umsatz nahm mengenmäßig um 13 8 Prozent zw Die Waren- Vermittlung der Genossenschast erfuhr eine Erwellerunz durch Errichtung von 10 Lebeusmiliel- und 8 FleischabIabeslelleu. Bon der wachsenden Anziehungskraft der Genossenschaft aus die Berbraucherschiclsten legt der stete M i t g l i sd e rz uga ng ein beredtes Zeugnis ab: die sechs Monate Juli bis Dezember 1930 zeitigten 16 250 Aufnahmen. Trotz aller wirtschafllichen Schwierigkeiten, denen der Großteil der Mitglieder unterworfen ist, zeigt die Anteilnahme an der Sporciirrichtung keine weseillliche Beeinträchtigung: die Spareinlagen erhöhten sich um 2>5 Millionen Mark aus 48 Mllljouen Mark. Der Redner schilderte eingehend die Preisbildung in der Genossen- schall, wobei er bedauerte, daß es durch Gerichtssillscheidungen den Genossenschaften verwahrt sei, durch Preisvergleiche zwischen Privat- Handel und Genossenschaft der Oefsenllichkell die Portelle der ge- nossenschaftlichen Warenvevmsttlung darzutun. Hervorzuheben. ist, daß nach statistischen Feststellungen 89 Artikel der Kousum-Geuosienschaft seit 3uü 1930 eine PrÄs- feukuug von 21 Prozent erfahren haben. Die Preissenkung könnte noch viel stärker in Er- scheinung treten, wenn die Genossenschaften nicht durch Zölle und ungerechte Sondersteuern daran gehindert würden. In der 2lus- spräche erfuhren zahlreiche Fragen durch den Geschästsführer Lange eine fachliche Beantwortung: mit Interesse wurde die Mitteilung entgegengenommen, daß die neue Bäckereiaulage in Spondau-Haselhorst die Broterzeugung aufgenommen hat. Bei den Wahlen von Delegierten zu den genossenschafllichen Tagungen ergab sich eine erdrückende Mehrheit für die Borschlags- liste der Gruppe Genossenschastsausbau: gewähll wurden für den Unteroerbandsiäg in Frankfurt(Oder) die Genossen Rübekohl, Walter und Knabe, für die Zeillraloerbandstagung in Mazde» bürg der Genosse Schuker und die Genossin M a t s ch k e. Ge- nosse Buchholz vom Aussichtsrat brachte der Generalversamm- lung den Bericht des Perbarcdsremsors zur Kenntnis: der Bericht spricht sich in anerkennender Weise über die Geschäftsführung drb gcnassenschaftllchen Verwaltungsorgane aus!' Soziologie und Marxismus. Zn der Arbeiksgcmeiuschask sozialdemo- kratischer Lehrer sührteu die Genossen 3. P. Mayer und Mark Abramowilsch eine kontradiktorische Dis- kussion über das Buch von Zll>ra«owilsch:„h a u p t p r o» blemc der Soziologie". Die Diskussion bewegte sich vor allen: um die Frage, ob es zulässig sei, die verschiedenen Wissenschaften von vornherein aus be- stimmte Zonen der zu ersorschenden Wirklichkell einzuschränken, die Wirklichlell der Welt und der Gesellschaft in„Stockwerke" oder Kästchen einzuteilen, die wenig mllemander zu Um haben. Genosse Mayer wies darauf hin. daß die Gesellschostserforschung des Marxismus nur von der Erforschung der Gcsomtgesellschaft ausgehen kann und nicht die Forschungsergebnisse in einzelnen„Stockwerken" einfach zusammenzählen kann. Auch die Schaffung eines uillerften „Stockwerks" der Gesellschaft, wofür Wramowllsch unter Berufung auf Marx die Technil ansieht, ist unzulässig. Nicht ganz be- gründet beruft sich hier Zlbramowitsch auf Marx, für den nicht die technischen Prodirktionskräfte, sondern die P r o d u k t i o n s v e r- h ä l t n l s s e, das heißt die Beziehungen der Menschen, die sie zum Zweck der Produktion eingehen(die Klossenverhältnisse) die letzte Ursach« alles gesellschaftlichen Geschehens bilden. Die Verschiebung von den Produkttonsverhällnissen auf die Produktionstechnik, di« Abramowilsch vornimmt, nötigt ihn zu einer unnötigen Kompli. zierung der Gesellschaftserforschung und zu einer Erfüllung der ue?itöliis Kieifiuagssüm iMeks usw. Wtnia fletroqen» flcoolUtaafbcmbe von. Millionörerl. A ernten. Anw-ilten. Eadelhakt billias Vrrise. Smpseh!« Taillenmäntel.söele- tots. nracts. Snio. kjni,z.©chrocfcn. iüat. Solen. Sooct-. ©ehpelze.©elcaen- hcitsläufe In neuer ©erdernbe. Brite. stcr Bep lohnend. ü'othrinaerttrafte 56, l Treppe. Rolen- thaler Vlat,_* Ben ig getrageni, Wintervaletdtz. Binternlsler Bur» slhennlitsr ssrack- anellne. gmokimmil. »ltci-.©«hrockaa,Ua«, OoifeHanjüSf. für ieds giaur pofler.S, Evetlalitat Nauch» ansüne. Svottbllliq. Halpern, Rosen. khaleritrabe 4. eine Treppe. Wenig getragen. teil« aus seide ae. arbeitete$ade'toJu iüae, K-ackanbla«. SmaltitaaiuUae. (Sehroaaitjüaa, BauKairtdae. ffruh» iahr«. und Soul" o-ermZvtel. hoSiel«.! gante neu« Mag- qarderobe ,u stau- nend biMgen'Prei- sen.©eteaenheits- iaps» in Kerren- wid SonlenpeltUNt. Sethbau« temuCi, Priruenstraste lOS. «in» Treppe«ein- fytjftKfj'hmtff*, Patentmatratie» Metallbetten, Auk> legematraken, Chaiselongue«. Wal. t-r.Stargarherstraße acktnehn. NeinLade.n Vernehme gediegene Wohn. möbel. Samerling, tilastanienallee 56. NnKbauiuhflsett� 90/—: Standuhren 75/-: Wasche. tchrSnte 20/- Rs«. senanswahl Zah. lungsenleichterung. KlllSist IliSlkUMAtt» Linlpiann«. Miptpiano« Lbe«. Ptano»- AILgel Riescnlaaer. Bech. Lein' BlLthner Steinwap. Schnjech. ten Satonoianos S75,-. 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Rcander» ft-ake 2 swak-t'-uen. bau.©lettrotechntt, Sochbau. Tiefbau. TIeinmet>tch'"l« Keitungstechnik' Alles Nähere; Sonntag, 22. ds. vor unserem Fenster und in dieser Zeitung. Es lohnt sich! nter dieser Devise veranstalten wir einen Wettbewerb, für den wir 12 000 Mark bereitgestellt haben. Technik mit einem besonderen sozkalpsychologifchen Sinn. In Wirk- lichkeit gründet er daher sein„System" nicht auf die wirklichen Be- Ziehungen der Menschen, sondern avf eine äußerst perschwpmmen« .Sozialpsychstlogie"_ Oer Mzi-Volksbeirug. Der S. Kreis hatte im Vilmersdorfer vikkoriagarteu -u einer öffentlichen Kundgebung aufgerufen, die außer- ordentlich gut besucht war. Da, Thema des Abends lautete: Der Volksbelrug der Zdationalsozialistem Genoff« Otjo Meier oerglich die Phraseologie der Faschisten mit ihnen Taten. Es ist das historisch« Verdienst her Sozialdemokratie, so sogt« der R«dner am Schluß s«in«r Ausführungen, den Fluch des Faschismus bisher vom deutschen Volt« f«rnig«halten zu haben. Genosse Reichstazsabgeordneter Dr. ch o eg n e r zeichnete ein ganz aus der Nähe gesehenes Charakterbild Adolf Hitlers. Was Hitler an Arroganz und Größenwahn genau nach seinem Vorbild Mussolini sich leiste, das trägt alle typischen Merkmale d«s Hysterikers. Als der Redner in einer satyrischen Wendung die Rolle der National- sozialistcn als Retter Deutschlands kennzeichnet«, die die Wechsel aus ihr« Versprechen noch nie eingelöst haben und auch nie einlösen werden, kam prompt aus dem Hintergrunde der Zurus:„Kann auch auf Stottern eingelöst werden!" Genosse Hoegner versichert« unter starkem Beifall der Versammlung: Nie und nimmer werden die Sozialdomokraten sich dareinfinden, den Nationalsozialisten die Staatsgewalt zu überlassen. An dem Wall, den die mächtig« Arbeiter- parte! und die Gewerkschaften bilden, werden sich die Nationalisten ihren Schädel einrennen! Auch hier, wie m jeder unserer Lffent- lichen Versammlung, richtet« der Versammlungsletter den dringenden Appell an anwesende Nationalsozialisten, auf die Rednertribüne zu kommen und die Argumente unserer Redner zu widerlegen. Aber die Herrschaften halten es porgezogen, schon vorher still und leise den Saal zu verlassen._ Arbeitslose Artisten spielen auf. In der Dag(Deutsche Artisten-GemeinschafH hat sich ein« Gruppe e n g a g e m e n t s l o s, r Artisten zusammengetan, dl« den Lokalinhabern gegen Ueberlassung des Saales ein abenhsüllen- des, abwechslungsreiches artistisches Programm bietet. Da ist hie Tanzattroktion und der Bauchredner, der Musikalclown, die ko- mische Akrobatennummer, der Hundedresseur und der Spaßmacher oertreten: gute, oft sogar ganz erstklassig« ArbeU, wie vor gar nicht allzu langer �jeit mit Riesenlettern an Groh-Varietes angekündigt war. aber d«r Rot der Zeit Tribut leisten muß: aus den zwei- vielleicht auch dreistelligen Gagenzisfern wurden einstellige Zahlen. Hunger tut weh! Bei ganz bescheidenem Eintrittspreis wird der Erlös dann unter der Artistenschar aufgeteilt, wochentags ist's bitter wenig, Sonnabends und Sonntags ein wenig besser. Meist legt der Lokalbesitzer auch einen kleinen Betrag zu, denn schließlich ist«» ja nicht sein Schaden, wenn das Publikum außer Konzert und Tanzgelegenheit auch noch ein ausgewachsenes Varietäprogrmnm zu sehen kriegt. Die Sonntagsyorstellung im Cyfä K«S. Neu« König, straß«. stieg vor fast ausperkaustem Hause, man lachte herzlichst Über Paul Rechellys launige Bauchrednerei. Otto Salzer verstand es trefflich, das Publikum hinters Licht zu führen, Melly SWch war«in fesches Wiener Wäfchermadk, Hiller u. Bert ein komisches Akrobatenduo. Dies« Notstandeoorstellungen finden außerdm■ im Krokodil, Frledrickstraß«, im Patais des Ostens und w einigen Außenbezirken statt. Allwöchentlich gibt es neues Programm und es wäre der wackeren Künsllerschaar zu wünschen, daß st« recht viel Erfolg hat und auf dies« Weise wenigstens ein wenig Elend ge> mildert wird._____ Der boxende Bär. Um chren in Polen und in Litauen wirtschafttich zusammen- gebrochenen Kollegen zu Helsen und ihnen die Rückkehr in die Hei- mat zu«möglichen, veranstalteten der Bund der Schau st«Uer und Fahrgeschöftsinhaber im..Saalbau Friedrichs, Hain"«in W o h l t ä t i g k« i t s f e st. Diese Solidarität, die man eigentlich in Reinkultur nur hei den„fahrenden Leuten" noch filmet. bracht» einen vollen Erfolg. Da wurden albe BunUsbrüder des Verbandes und die Banner der einzelnen Gruppen gefeiert, da gab es«in« reichlich« Tombola, die jeden LosInhaber zufriedenstellte: Musik, Gesänge und Vorträge wechselten. Der Clou des Abends aber war das erstmalige Austreten der„3 Walldorfs mit dem Värenboxkampf",«ine Schaustellernummer, die sich mit den besten artistischen Leistungen der Varietöbühnen messen kann. Meister Petz schien olle Regeln des Boxsportes zu beherrschen:«r erteilt« mit seinen behandschuhten Tahen Kinnhaken von der gleichen Güte, wie er imstande war, sie einzustecken. War er bei einem Gang der Besiegt«, so kam er beim Auszählen immer wieder vergnügt auf die Beine, während er bei dem k. o. seines menschlichen Partners ein vergnügtes Brummen hören ließ. Neuer Stadtverordneter. An Stelle der Genossin Dr. Kate Frankenthal, die infolg« Ableben« des Genossen Adolph Hosfmann Landtagsaboeordnet« wurde, tritt Genosse Paul Hennig. Kreis- leiter von Tiergarten, in die Stadtverordnetenversammlung ein, da Genosse Hädick« wegen seiner gleichzeitigen Wahl zum Magistrats- schulrat auf das Stadtverordnetsnmandat verzichtet hat. Für die Bezirksperfammlung Tiergarten rückt Genosse Friedrich Schlegel nach. Voriräge, Bereine undBerfammlungen. LA zi Reichsbanner„Schwarz-Rol Gold". ®« f 16 5' t s(i f II,• Siftlin£ i« Sfbafti(inftr 37— S8 t«! S. It Soantn«, a. März. SScften. Stfiufo des Rre'f« na» Briefe- I«n«. SIntiiiTfl folinfiof Brieselon» 16.05 UI>r. ffhotlcttenburn'Orts- verelni. Silmf« Nack, Briefelan«. Treffpunkt Uh« Batntof etarloltenbur«. Treptow fOrisvmin). 9 Ubr»jir ftpairjnieiKrlcfluna in«tltrslwf treffen auf dem ffpiebtvf.— Moni»«, 73. Mär,.«te«l>6 igu« Lankwitl. SO Ubr gu«. verfammlun« in Lehmann» ffeftfälen, Eanfpjifc, Rai s«r.WiK>elm-Strahe, Tempelhos ODrisperrini. Rurfusfortfehun« in der Turnhalle der 1. Gemeinde- fchuk«, Wanteuffelftr. 66. RepiSIn-Brii, t%. Raweradsckaft. 1. Rual. 20 Uhr Berfammlun« bei Schade!?»!», Weichfrlftr. 6.~ griedrjch-ha'n fDrtsnttein). Sannabend, 21. Mär,,«rohe, griihlinasfest im Spaldau am March-nbrunncn. Anfan« 26 Uhr. Eintrittspreis 1 M. Ramcraden benachbarter vrtsnrrelne find«inqriaden.-- Pankow(Ottsoewinl, Eonnadend, 21. Mär». Ramerad Bernhard Wolf ig nevftorden. Antreten löiZ Ubr im Rrematorium Bericht- strafe in Bunde-Nktbun«. �«uderriro«. Lonntaa. 22. Mä,, 19 Ubr BNicht. »rbeitshienfi im Bootshaus Wenbenfchlog. Atuncltmna Mr dl? ysterfahrt nach Slorkom schnellftrns an den Siudenvart. Reichsbnnd Deutscher Mieter, Mietern, rein Weihenfee. Montag. 23. Stärx, 28 Uhr, Rindl-Btau, Meih-nse«, Berliner Allee, auherordnitlich, General. persammlun«. Taasaordnuna: Protokoll, Eefchäftsbaricht, Neuwahl de, Bor- standes. Defchkuhfassun« Uber die«creinsfahuna, Bortraa des Lerrn«. Wolf über da» Theem,! Po'perprhnuna de, Kerrn Sieichsprlll>d«nt-N unh wir Mieter", Brrschi-iden,». Einirltt«ea-n Porzeigpna t>» Nttstlichshuche» dr« Beichsbunde- Deutsche, Mieter, Arbeiter.VbktinenteN'Donb, vrlm>rup»« BerNn, Bezirk Schnllorpark. Sann» abend, 21. März. 20 Uhr, im Schraderlaal, Malplaguetstr. 14— 1 s, Frühlina», fest unter Mitwlrlun« der VAZ.. Ardeitersporüer und-säuger und de» Ar» belterrezitator, P. Kpifmann. Eintrittspreis sa Di. Bund Entschiedener Dchulresermee. Pähaasalsche Ardeitmirmrinschaft a» Mon'aa, dem 23. März, JO* Uhr,«ochstr. 13..Di, hreiaetailte Schule- ein Auswe« aus unseren HckmlnAen"b Uhr Holtmanns Erzaiilunycn Ende Z21i Uhr Staatl. Sdiausph. Im CesitarniDBirkn. 173 A.-V 20 Lfhr Agamemnon Ende ZPk Uhr Wt.Mlet-Iwiet.WW. 20 Uhr OiaBakebrong des Ferdys Pistora Ende gegen 22'.« Uhr Tägl 2 Vorst». i u. B'd Uhr Barbarossa 91S6 Ksdin. 50 PI. bis 3 M.,' abends I bis 6 II. DolllüU.Bini« Dance Fehles Co. mit Esietle Maltern und w»lt»re) AltrakEqnen. 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Mar'. 17'., Ubr, im Nrema- toctum Setichlstraße hott. Ple Origverwaltaikg. Statt Karten. ffllr die eitlen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Mannes und uulekes gulen Baier» Karl Schulz sagen wir allen, die dem«euren Eni, fchlalenen das lekle Geleit gegeben haben, unseren innigsten Dank. tted»!« 3-t>»ia»od Kinder. Tlr. 135 ♦ 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 21. März 1931 Reaktionäre Llniversitäten. Demokratische Ltniversitätspotitik im Landtag gefordert. Im wcikrcn Lerlaufe der 2. Lesung des K u l t u r e t a l s im Landtag, üder deren Anfang wir bereits im gestrigen„Abend" berichteten, erklärte beim Abschnitt„höh-.'re Schulen" Ministe- rtaldirektor Iahnke, das Ministeriuni bedaure, dah durch die Sparniaßnahinen die Lehrer mit Arbeit belastet worden sind. In dieser Hinsicht habe das Kultusministerium gegenüber dem Nnairzmimster einen schweren Stand gehabt. Die nom Finanz- minister geforderten Sparuiastnahmen hätten einen Fortfall von 20i0 Lehrstellen bedeutet. Die IlnterrichtSverwaltung habe aber das schlimmste verhütet. Auf eine loinmunistische graste Anfrage er- tlört der Redner, daß der Berlmer Sludienrat R e s ch als Ober- studiendirettor nicht bestätigt worden ist, weil dieser zwar erklärt habe, daß er wohl seinen Pflichten als Direktor nachkommen werde, aber die Jugend der jetzigen Staatsforni nicht näher bringen könn-t Die Aussprache über den Abschnitt Universitäten er- öffnet Abg. Dr. Hosfmann-Münster(Dnat.s, der sich gegen die Aus- iiihruilgen des Ministers über randalierend« Studenten wendet. Die vom Minister gebrauchten scharfen Ausdrucke feien, auch wenn man die Ausschreitungen nicht billigt, keineswegs geeignet, Vertrauen zum Staat zu wecken. Die Universitätsbchörden wären selbst stark genug, solche Vorkommnisse zu unterdrücken. Die Studenten wollten am Staate mitarbeiten, verlangen aber eine Regierung, die wirtlich führt. An den Universitäten dürfe keine Massenbildung getrieben werden,- sie sollen keine Volkshochschulen sein. Abg. Dr. Nölting(Soz.): Die Ueberfüllung der Hochschulen ist eine gesellschaftliche Er- scheinung, denn dem von der Proletorisierung bedrohten Mittel- stand ist die Universität ein Instrument der sozialen. L>elbstbehaup- tung. Die Existenzunsicherheit drängt die Söhne des Mittelstandes über die Brück« der akademischen Prüsung. Dieser Zustand ist nicht dadurch zu heilen, daß man die Brücke verengt, d. h. die Prüfungen mechanisch erschwert. Erst wenn wir einen Gesellschostszustand haben, der jedem jungen Menschen ein Ziel und jedem alten Menschen einen Hafen gibt, wird die Ueberfüllung unserer Hochschulen nicht mehr vorhanden sein.(Sehr wahr! bei den Soz.) Dos Bcgabtenabitur sKiilturexamen) ist stärker als bisher in den Dienst der Aufgabe zu stellen, hervorragend tüchtige Menschen aus der Volkstiefe zur Hochschule zu bringen. Wenn oer Kultus- minister bei einein solchen Bestreben aus den auch heut« wieder laut gewordenen Kastengeist und Hcrrcndllnkel der Deutschnationalen stößt, so kann ihm eine solche Feindschaft nur eine Ehre bedeuten. Um ungeeignet« Elemente von den an sich schon überfüllten Hochschulen fernzuhalten, erscheint eine Eingangs Prüfung wünschenswert. die vor einem Prllfungssenat der Hochschule abzuhalten wäre. Grund- sätzlich wird den Fakultäten bei der Ernennung von Dozenten ein Vorschlagsrecht zugebilligt, dem das Berufungsrecht des Ministers gegenübersteht. Weil aber unsere Hochschulen troditionsbelastet und einseitig rechtsorientiert sind, so ist es wünschenswerk, daß ein energischer Kurs im Sinne einer demokratischen Auftockerung der Universitäten gesteuert wird. Die Achhing vor der„organischen Entwicklung" ist ost nur ein Deck- wort für reaktionäre Verkalkung. Reben der Forschungsleisbung der Universität ist ihre erzieherische und bildnerische Ausgabe stärker als bisher zu betonen und auch bei den Berufungen zu benick- sichtigen. Die Wiederherstellung der studentischen Selbstverwaltung, die heut« auf dem Wege der Einzeloerhandlung erstrebt wird, ist keines- wegs ein« besonders vordringliche Aufgabe! Unbedingt haben sich die Studenten aus den Voden der Minislerialverordnung vom Zahre 19Z7 zu stellen, die jeden rojsischc» Chauvinismus ausschließt. tSehr richtig! bei den Soz.) Der Schacher mit dem Ehrendoktor hat sich zu einem reincii Unwesen entwickelt. Bon 91t> Aussichtsrats- Mitgliedern großer Altiengejellschasten sind 200, d. h. 22 Proz. Ehrendoktor, so daß man richliger von einem Doktor Ii c> n u- raris causa statt honoris causa(ehrenhalber) sprechen sollte. (Große Heiterkeit.) Gegenüber der fortschreitenden Faschisierung der Hoch- schulen ist keine falsche Duldsamkeit am Platze. Die staatliche Toleranz gegen Raufbolde vom Hakenkreuz schädigt den republika- nischen Staat und seine Zllknnst. Wenn die Herren Studenten sich unbedingt den ochädel einhauen müssen, so soll ihnen der Land- wirtschastsminrster einen Naturschutzpark zur Verfügung stellen. (Gelächter.) In den Hochschulen aber sollen nicht friedliche Wanderer aus den Pfaden der Wissenschast von Wegelagerern überfallen werden, und Radau gehört nicht zum akademischen Studienplan. Die voin nationalsozialistischei, Klamauk verhetzte Studentenschast kommt dann am besten zur Ruhe, wenn der Minister feste Hand und feste Nerven behält.(Lebhafter Beifall bei den Soz. und in der Mitte.) Abg. Dr. Lau scher(Z.) wendet sich ebenfalls gegen die natio- nalistischen Treibereien an den Universitäten. Die Ueberfüllung sei ein soziologisches Problem: deshalb müsse mehr Wert auf die Tüchtig- keitsaustese gelegt werden. Zu der Aristokratie der Bildung sei jeder auf Grund seiner Fähigkeit nach demokratischen Grundsätzen berufen. Beim Abschnitt u n st" fordert Abg. Dr. Bahner(Staatsp.) Beobachtung der Notlage der bildenden Künstler. Es gelte, der lebendigen Kunst z» dienen und nicht nur den Museen. Angesichts der sinonziellen Lage niiiisc man bei der Krollopcr zu einer Vrreinsachung komme». Abg. Frau Oesterreicher(Soz.) setzte sich sehr energisch dafür ein, daß die sächlichen Ausgaben für Kunstzwecke, soweit sie nicht der Arbeitsbeschassung dienen, zugunsten der lebenden Künstler eingeschränkt werden sollen. In einer Zeit, wo 70 000 Musiker erwerbslos sind, wo 9ö Proz. der bildenden blünstler hungern, müßten alle erreichbaren Mittel für die Linderung dieser Roi Perwendiing finden. In der Umgebung des Ministers seien die Referate für antike Kunst, Schlöster und Gärte» verteilt, aber das Referats ürmodernebildendeKun st, das durch den Direktor der Nationalgalerie besetzt ist, nihc zur Zeit. Daran werde es liegen, dah dauernd die Mittel für alte Kunst bewilligt würden, während für die Mittel der lebenden Künstler keine Erhöhung durchzusetzen sei. Bezüglich der Ncuerössnung der Museen sei festzustellen, daß die Berliner Kritik außcrmdentlich milde geurtcilt hat, daß aber, hier von verantwortlicher Stelle gesagt werden muß, und zwar um ferneres Unglück zu verhindern, daß die Ausstellung der Sammlimt der Bildwerke der christlichen Epoche alles andere als voi bildlich ist. Drei köstliche Geschenle habe uns die Leitung dcr Nationalgalerie im fetzten Jahr übermittelt: die Neuordnung der Werke des Krön- prinzenpalais, das Rauch- und das Schinkel-Muscum. Für die volkstüinliche Kunst, für Ehargesang, Sprechchöre und Tanz wird endlich die Einsetzung von Mitteln gefordert, da diese proletarische Kunst den Beweis erbringt, daß die Sehnsucht der schassenden Masse von einem ganz starken künstlerischen Wollen getragen ist und die proletarische Geselligkeit heute viel höher steht als zur Kaiserzeit. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Buchhorn(D. Bp.) kritisiert die Tätigkeit der Staats- theater, die Verträge mit dem früheren Intendanten Ießner und dem Generalmusikdirektor Klemperer. In dieser Notzeit sei die Schauspielschule ein Luxus, und die Dichtcrakademie habe ihre Auf- gab« nicht erfüllt. Hierauf wird die Wciterberatung' auf Sonnabend 10 Uhr vertagt. Die Realsteuem der Kleinen. Mnanzdebatte im Reichstag. Nach der Erledigung des Wehretats bewilligte der Reichstag ani gestrigen Freitag einige zurückgestellte Kapitel des Haushalts für das Reichsernährungsniinisterium. In der fortgesetzten Aussprach« über das Reichsfinanzministcrium bekämpfte Abg. Dr. Schlittenbauer(Bayer. Vp.) die Steuererhöhungsan- träge der Sozialdemokraten. Auch Dr. Hilferding hat als Finanz- minister betont, daß die Wirtschaft Ruhe und Stabilität braucht. Wir warnen den Minister, den Finanzausgleich durch Notverordnung zu regeln. Gestern hat in einer Besprechung der Reichsbankpräsidcnt für die Hergabe von 185 Millionen Ueberbrückungskredit verlangt, daß die Krankcntassengeldcr bei der Reichsbank an- gelegt werden müssen.(Hört, hört!) Abg. Dr. Föhn-Vaden(Z.) spricht gegen Wirtschaftspessimismus und lehnt Steucrerhöhungen ab. Abg. Dr. Neubauer(Komm.) hält eins Rede gegen die Steuer- und Finanzpolitik aller anderen Parteien. Dem Zentrum wirst er dessen Gegnerschaft gegen den Millionürsteuerantrag vor, den Sozial- deniokratcn außerdem die Steigerung der Massensteuern zugunsten der Besitzsteuern, wobei er, einen scharfen Artikel Heinrich Ströbels ans dem„Klassenkampf" als Beweis anführt. Abg. Dr. Cremer(D. Bp.) behauptet gegen den Finanzminister, in der Beurteilung der Wirtschaftsaussichtcn recht behalten zu hoben, während Dr. Baad« sich nicht als so guter Prophet erwiesen habe. Dann befürwortet der Redner die Schaffung einer Art„Mistel- Regierungsrat" als Zwischengrad. Inzwischen ist der fällige Kommunistenantrag eingegangen, dem Finanzminister das Vertrauen des Reichstags zu entziehen.— Zur Debatte stehen auch Anträge auf Aenderung der Umsatzsteuer sowie ein sozialdemokratischer Antrag b et res send die Gebäudesteuer. Abg. Dr. Echte(Chrsoz.) wendet sich gegen die Demagogie, gegen die Steuerdrückeberger und gegen die Kapitaloerschiebung ins Aus- land, wogegen man allerdings mit Gesetzen nicht genug ausrichten könne. Man inuß auf den Konjunkwrumschwung hoffen, der das Geld wieder ins Inland bringt. Abg. Dr. Fischer-Köln(staatsp.) billigt die Erklärung des Mi- nisters. daß ein Beamter der Finanzverwaltung sich nicht zur Hetze gegen die Republik hinreißen lassen darf. Die richterlichen Beamten beim Reichsfinanzhof müssen den Reichsgerichtsräten wieder gleich- gestellt wrden. Wir verlangen Unabhängigkeit der Finanzgerichte. von der Ermächtigung zur Sleueramnestie sollte der Minister nur Gebrauch machen, wenn der damit erstrebte wirtschastlichc Erfolg gesichert ist. Wir erwarten baldige Vorlegung der Denkschrift über die Osscn- legung der Steuerlisten. Wird durch solches Verfahren das Steuer- auskoinmen wirksam erhöht, so können wir für seine Beibehaltung stimmen. Die Millionärstcuer ist unannehmbar.(Zuruf von den Kämm.: Wie steht es mit Ihren Aussichtsratsposten?) Ich bin stolz darauf, mit das Vertrauen vieler Gesellschaften durch ineine juristische Arbeit, nicht durch kapitalistischc Betätiaung erworben zu habe». Abg. Nolle(D.Hann.) tritt für die Senkung der Realsteuerii ein. Abg. Köster(Wirtschp.): Der Privatmann richtet seine Ausgaben nach seinen Einnahmen— hier beschließt man die Ausgabe» und sieht nachher zu, wie man sie durch Steuern ausbringt. Aber die große Mehrheit unseres Volkes steht ohne alle Resernn da und daruP, müssen die Schätzungen auf Mehrerträge versagen. Geht doch auch dcr Konsum zurück, es wird z. B. weniger und billiger geraucht. Die Gcmeindebiersteuer hat zu starkem Konsumrückgang um 30 Prozent und darüber geführt. (Zuruf des Staatssekretärs: Die Wirtschaftskrise!) Nein, es kommt der Zeitpunkt, wo der Konsument sagt: Das zahle ich nicht für das Produkt! Und wer sich abends an die Tasse Tee gewöhnt hat, kehrt nicht so leicht zum Bier zurück.(Zurufe links.) Die Abstinenten mögen das begrüßen, aber der Ertrag der Biersteuer wird um 100 Millionen hinter dem Boranschlag zurückbleiben. Die Schank- cerzehrsteuer ist unmoratisch, sie verführt notleidende Gastwirte zum Betrug.„ Abg. Kling-Schwaben(D. Bauernp.) befürwortet Steuererleich- terungen für die kleinen Landwirte. Gegen 19 Uhr vertagt das Haus die Weiterberätung auf heute, Sonnabend 12 Uhr: außerdem Haushaltsgesetz und dritte Lesuikg des sozialdemokratischen Gesetznitwurss, wonach verbotene Filme in geschlossenen Gesellschaften ungehindert vorgeführt werden können. Das Verleumderbuch vor Gericht j Rosleel Klage gegen die Verbreiter. Hannover, 20. März. Bvr dem hiesigen Erweiterten Schöffengericht hatte sich der ver- antwortliche Schriftleiter der hiesigen„Niederdeutschen Zeitung", Siebold, wegen Beleidigung des Oberpräsidenten der Provinz Hannover, Noske, zu veraniworlen. Siebold hatte den Zlbdruck von Kapiteln aus dem Buche„Gefesselte Justiz" vorgenommen. In einem dieser Kapitel war Noske in seiner früheren Eigenschaft als Reichswehrminister beschuldigt worden. Bekannten wie Sklarz usw. durch Austräge für das Schleiken von Festungen in der Nachkriegszeit Vorteile verschafft zu haben. Oberpräsident Noske hat in der„Niederdeutschen Zestung" diese Vorwürfe bereits berichtigt. In dcr Verhandlung am Freitag erklärte zunächst der Angeklagte, daß er den Wahrheitsbeweis nicht antreten könne, da sich das„Material" in den Händen des Verfassers des Buches befinde. Oberpräsident Noske war persönlich als Nebenkläger erschienen. Ehe er vernommen wurde, beantragte der Berteidiger Siebolds, die Vereidigung des Nebenklägers zunächst auszusetzen, da dieser in derselben'Angelegenheit noch vor anderen Gerichten werde aussagen müssen. Das Gericht zog sich zur Beratung über diesen Antrag zurück und beschloß, die Vereidigung vorzunehmen. Noske sagte dann aus, daß ihm Georg Sklarz bekannt und daß er auch mehrfach in seiner Wohnung gewesen sei, ohne daß lemals über Geschäfte gesprochen worden sei. Aber auch wenn das der Fall gewesen wäre, hätte er nichts dabei finden können, denn noch jent erschienen viele Fabrikanten und Vertreter bei ihm, um ihm ihre Erzeugnisse für Bedürfnisse der Provinz anzupreisen. In dem Falle Sklarz könne er jedoch mit aller Bestimmtheit erklären, mit Sklarz nicht über Geschäfte gesprochen zu haben: auch habe die Verwertung des Kriegsmaterials und die Schleifung der Festungen dem Wirtschasts Ministerium obgelegen. Schon früher habe er sich gegen diese Unterstellungen gewehrt. Das Gericht verurteilte den Redakteur des hugenbcrg-Blatles zu zwei Monaten Gefängnis. Das Gericht sah als erwiesen an, daß der Angeklagte das Kapitel abgedruckt hat, obwohl er, wie aus der Art seines Kommentars zu einer Berichtigung Noskes hervorging, von der Unwahrheit der Behauptung überzeugt war. Der Remarque-Film in Athen verboten. Die Athener Polizei hat die Vorfülxruna des Remarque-Films ,Lm Westen nichts Neues" in Athen untersagt. Das Verbot ist auf den G e n e r a l st a b s- ch e f der griechischen Armee zurückzuführen, der den Film für a n ti- militaristisch hält. Die Firma, die das Vorführungsrecht für den Film erworben hatte, wird gegen das Verbot Beschwerde ein- legen.' � Laudwirtschastsminister Thaller-Wien ist zurückgetreten, der bis- herige Präsident der Bundesbahnen, Dr. Dollfus, zu seinem Nachfolger ernannt. Thaller, ein Tiroler Bauer, bereitet eine Aus- Wanderungsaktion nach Paraguay vor. werden in der ganzenl Welt getragen, aber nur ■Deutschland in unserer ■■■Fabrik beraeslellt Aufgezehrte Notgroschen. Maffenarbeitslosigkeit und Spareinlagen/ Lahresbericht der Berliner Sparkasse Die Sparkasse der Stadt Berlin legt setzt ihren Jahresbericht und Geschästsabschluh siir 1930 vor. Wenn sich in der Entwicklung der Berliner Sparkasse die Folgen der Wirtschastskrise und Massenarbeitslosigkeit scharf ausprägen, so kommt dies nicht überraschend, denn weit mehr noch als im Reiche lastet der Druck der Erwerbslosigkeit auf den werktätigen Massen der Reichshauptstadt. Waren doch von etwa 1,8 Millionen berufs- tätiger Personen in Berlin Ende Dezember 487 000 Personen erwerbslos. Wenn bei diesen katastrophalen Verhältnissen im letzten Jahr immerhin noch ein Zuwachs an Spareinlagen zu verzeichnen ist, so versteht man, daß die Sparkassenleitung dieses Ergebnis unter Berücksichtigung der Gesamtlage noch als zufrieden- stellend bezeichnet. Allerdings hat der Zuwachs an Spareinlagen sich mit 46,3 Millionen auf rund die Hälfte des vorhergehenden Jahres verringert. So betrug der Reinzuwachs an Spareinlagen: 1928........ 111,3 Millionen Mark 1929........ 92.6 1930........ 46,5 Die gleiche rückläufige Entwicklung kommt bei den Sparbüchern zum Ausdruck, die 1928 noch einen Zuwachs von 201 047 Stück, 1929 einen solchen von 134 900 Stück aufzuweisen hatten, während im letzten Jahr nur 80 188 neue Sparer gewonnen wurden. Die von Monat zu Monat angewachsene Verschlechterung der Wirtschaftslage bei den breiten Massen der Berliner Bevölkerung spiegelt sich in dem Sparkassenbericht mit einer kaum zu über- treffenden Klarheit wider. Zunächst zeigt sich, daß das starke Ab- sinken des Spareinlagezuwachses nicht auf einen Rückgang der Ein- Zahlungen, sondern auf«ine sprunghafte Steigerung der Auszahlungen zurückzuführen ist. Je länger die Arbeitslosig- keit anhielt, um so mehr mußten die Notgroschen herhalten. So haben die Rückzahlungen im letzten Jahr 91 Proz. der Einzahlungen aus- gemacht, während das Verhältnis 1929 noch 76 Proz. und 1928 nur 61 Proz. betrug. Ferner zeigt sich, daß der E i n l a g e z u w a ch s sich fast ausschließlich auf die ersten fünf Monate des letzten Jahres beschränkte, während in den folgenden Monaten kaum noch eine Zunahme zu verzeichnen war. Slüch die Kata- strophenwahlen im September warfen ihren Schallen auf die Sparenkwicklung. denn im Oktober war nicht nur kein Zuwachs, sondern sogar ein merklicher Rückgang des Spare! nlagebe st andes.festzu- stellen. Die allgemeine politische Unruhe, in die der Wahlsieg der Radikalen das ganze Land gestürzt hatte, ließ natürlich Zehntausende um ihren Notgroschen fürchten.>, Das sehr starke Hin und Her von Ein- und Auszahlungen, welches Unruhe in die ganze Spareinlagenbewegung brachre, hat erklärlicherweise die Sparkassenverwaltung gezwungen, besondere Vorsichtsmaßnahmen sür eine unbedingte Flüssighaltung ihrer Kassen zu trcfsen. So sah sich auch die Sparkasie der Stadt Berlin im letzten Jahr gezwungen, das für die Berliner Grund- stückswirtschaft so wichtige Hypotheken geschäft erheblich ein- zuschränken. Die Ausleihung von Hypothekendarlehen, die nach elf- monatlicher Unterbrechung im Mai 1930 infolge der zunächst gün- stigen Entwicklung der Spareinlagenbestände von neuem ausge- nommen wurde, mußte bereits im Oktober infolge der bereits er- wähnten Gründe wieder«ingestellt werden. Immerhin wurden im Berichtsjahr noch 312 Hypotheken neu gegeben. Hiermit wurden 2219 Wohnungen erstellt gegenüber 3094 Wohnungen im vorher- gehenden Jahr. Im einzelnen zeigen die Betriebsergebnisse der Berliner Spar- kasie folgendes Bild: Der Gesamtumsatz stieg von 5,71 auf 5,öZ Milliarden, und die Bilanzsumme von 439 auf 498,8 Millionen Mark. Die aus- gewiesenen Betriebseinnahmen stellten sich im Berichtsjahr auf 11,4 gegen 8,07 Millionen, während der Betriebsüberschuß sich auf rund 334 000 gegen 340 379 Mark im Vorjahr beläuft. Wegen Wert- Minderung von Jnhaberpapieren wurden auf Wertpapiere 3,8 gegen 0,4 Millionen Abschreibungen vorgenommen. Vcrwaltungskosten haben sich zum Teil infolge Neueinstellung von Personal von 3,0 auf 5B Millionen erhöht. Die Zahl der insgesamt beschäftigten Beamten und Angestellten betrug Ende 1930 963 gegenüber 872 Personen im vorhergehenden Jahr. Diese Neueinstellungen waren Haupt- sächlich für die Bewältigung der Aufwertungsarbeiten erjorderlich die zur Zeit noch im Gange sind. Bekanntlich hat die Sparkasse der Stadt Berlin beschlossen, ihren A l t s p a r e r n aus der Vorkriegszeit eine Aufwertung in höhe von 17 Proz. zu gewähren. Dies« erhöhte Auswertung kommt auch denjenigen Altsparern zugute, die ihre Guthaben bereits ganz ausgezahlt er- halten haben. Diesen 600 000 Sparern wird der um 2 Proz. erhöht« Betrag ihrer Sparguthaben durch die Post zugesandt. Welche enorme Arbeit hierbei zu bewältigen ist, geht daraus hervor, daß insgesamt 1,2 Millionen Sparkonten neu zu berechnen sind. Die Rücklagen der Sparkasse betrugen im vergangenen Jahr rund 4 Millionen Mark und erhöhen sich jetzt durch Zuweisung aus dem Betriebsüberschuß sür 1930 auf insgesamt 4,33 Millionen Mark. Das find also, wie Ende 1929, rund 1 Proz. des Bestandes an Spareinlagen, gegen 1,2 Proz. im Jahr« 1928 und 4,2 Proz. im Jahre 1913. Die Arbeiternot in polen. Alles für das Militärbudget.— Auch dort mehr Lohnabbau als Preissenkung. Jedem Beobachter der Wirtschastslog« in Polen fällt die Ashnlichteit mit den VeUhältnissen in Deutschland ins Aug«. Gewiß beträgt die Zahl der?lrbeitslossn mit rund 350 000 nur einen Bruchteil der deutschen Arbeitslosen: im Verhältnis zur Gesamtzahl der polnischen Arbeiter inacht sie aber über ein Drittel aus. Eine weitere Achnlichkeit: Der neue Ha nd elsm i ni ste r Oberst Prystor(bekannt aus seiner bisherigen Tätigkeit als Sozialistenfresfer in den Krankenkassen- Verwaltungen) verkündete vor kurzem«inen„neuen Kurs", der auch der Arbeiterschaft„zugute" kommen soll. Preissenkung von Staats wegen war seine Parole, und er erklärte, daß die Rs- gierung über Mittel oerfügt, die Preissenkung zu erzwingen. Die .'Regierung widmete der Pr«isseniungs„aktion" drei Konferenzen: mit den Pressevertretern, mit den Wojewoden und Handelskammern und mit der Industrie. Pon Warschau aus verpflanzt« sich die Konserenzwelle strahlenförmig auch über die Provinz, und in den einzelnen Woiewodschaften besprach man sich über Preisprüfungs- tommissionen, Maximalpreise und behördliches Eingreifen. Aber all diese„Aktionen" haben bisher gar kein Resultat gehabt, und wcsent- lich die Lebensmittelpreise behielten großenteils den alten Preis- stand. Der einzige sichtbare Erfolg der Preissenkungsaktionen war der Lohnabbau. Auch hier besteht freilich eine gewisse und sehr traurige Aehn- llchkeit mit der offiziellen Preissenkungspolitik in Deutschland. In der polnischen Zinkindustrie waren trotz der Vcrdoppe- lung der Arbeitsintensivität von 1923 bis 1929 die Löhne s a st unverändert geblieben, jetzt erfolgte unter Mckwirkung der Regierung noch eine Kürzung um 7 Proz., und die Industriellen wollen «inen löprozentigen Lohnabbau. Daneben gehen(so z. B. in der Friedenshütt«) Einschränkungen der Belegschaft einher, gegen die der Demobilinachungskommissar' so gut wie ohnmächtig ist. So gelangen auch die polnischen Soziali st«n zu dem pessimistischen Urteil, daß zwar die Preisabbau„aktion" anscheinend im Sand« verläuft, dafür aber die Lohnabbauaktion,' die ernsthaft ist, alle Aussichten auf Erfolg hat.' Die soziale Lage in der Industrie sieht daher trostlos genug aus, und die gegenwärtige Regierung ist kaum willens, dagegen anzukämpfen. Natürlich will auch die polnische Regierung ans den Anleihen, die sie aufnimmt, gewiss« Beträge sür öffentliche Arbeiten auswerfen und hat in manchen Orten die Bautätigkeit vorübergehend belebt. Doch daß auch von dieser Seite keine durch- greifende Hilfe für die Arbeiterschaft kommen kann, ergibt sich aus der Gestaltung des neuen Budgets. Das Budget für 1931/32 ist nämlich, trotz der andauernden Wirt- schaststrise, nur um rund 3 Proz. geringer als das vorjährige und mit 2 8 Milliarden Zloty ausbalanciert. Die wichtigsten Ein- nahmepojilionen sind: direkte Steuern 721 Millionen, indirekte Steuern 186 Millionen, Zollgebühren 330 Millionen, Stempel- gebühren 190Millionen, Einnahmen aus den Monopolen 897Millionen, lOpro, entiger Stcuerzujchlag 106 Millionen Zloty. Nrft, hat aber der neue F i n a n z m i n i st c r— gleichfalls Oberst— Matuszeyi- ' il bei der Budgetberatung selbst hervorgehoben, daß im Jahre 1930 die Staatseinnahmen im BcrgkÄch mi» 1929 sich um rund 9, Proz. vermindert haben.(Heute wird es auch in Pole» mehr sein.)'Aus seinen eigenen Darlegungen geht»lso hervor, daß die erwähnte Ausgabenvcrkürzung nicht ausreichend sein wird. In dcn Sejm- dc brüten kehrt« das Wort vom„unrealen Budget" immer wieder, sowohl in der Red« des Bauernvertreters, äks des Vertreters der Nationaldemokraten, der Juden usw. Nicht anders wird das Budget auch von sozialistischen Kreisen betrachtet. Wenn aber, wie also wohl übereinstimmend angenommen wird, mit einem beträchtlichen Rückgang der Staatseinnahmen zu rechnen ist, so wächst die Wahrscheinlichkeit, daß die Regierung die entstehenden Lücken mit den Anlethegeldern stopfen, und vor allem am Militärbudget, dem die ganze Liebe der polnischen Reaktion gehört, nichts ändern wird. Zur Erleichterung der Wirtschaftskrise oder gar der Lage des Proletariats wird nichts übrig bleiben. E. H. Bierrentner fühlen sich bedroht! Brauer protestieren gegen die Bierfieuer. Das Braukapital IM die Zeit für gekom.nen, um eine groß- zügige Aktion gegen die Bicrsteuer zu eröffnen. Gestern hatte der Deutsche Brauerbund in Gemeinschaft mit den Gastwirten zu einer Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus geladen, wo in erster Linie„neutrale", nicht unmittelbar interessierte Kenner der Wirt- schast sprechen sollten. Die Rednerkette reichte von Herrn Oberfohren (deutschnational) bis zu Herrn Mosich(Hansabund, Stoatspartei)— Vertreter der Arbeitnehmer fehlten also, obwohl man ganz besonders soziale Gesichtspunkte, Rücksichten aus die Arbeitnehmerfchaft hervorzuheben sich bemühte. Der Bierabsatz ist vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 1930 um 20 Proz. gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das sei, sa wurde behauptet, ausschließlich die Folge der Biersteuer- erhöhunger». Nun war aber der Rückgang mit 21,2 Proz. im 3. Vierteljahr bedeutend höher als lm 4. Bierteljahr mit 17,7 Proz., obwohl die erste Erhöhung der Gemeindcbiersteuer sich erst ü» 4. Vierteljahr auswirken konnte. Die Erklärung ist sehr einfach: der Juli war kühl und regnerisch(an der Küste nur e i n Sommer- tag!), der August überwiegend regnerisch— das Wetter hat auf den Bierabsatz einen weit größeren Einfluß als eine Steuererhöhung! Im Januar 1931 betrug der Rückgang gegenüber Januar 1930 sogar 27 Proz. Woher diese Verstärkung des Rückgangs? Bon der Ermächtigung zur zweiten Erhöhung der Genreindebiersteuer ab 1. Jmmar 1931 haben erst ganz wenige Gemeinden Gebrauch ge- macht: dies« Steuererhöhung steht also noch aus. kann also nicht den Januarabsatz beeinflußt haben. Aber die katastrophal ge st legen« Arbeitslosigkeit, die schon in der zweiten Hälfte des Jahres 1930 sich auswirkte, ist der entscheiidende Grund. Für die besondere Konjunkturtheorie des Vrauerbundes haben wir gar kein Verständnis. Es ist zwar nicht uninteresiant, daß die Steuererhöhung in vollem Umfange abgewälzt, d. h. also daß der Preis endsprechend erhöht wurde(daß das„ohne jeden Zu- schlag" geschah, können wir auch nicht als Verdienst bezeichnen). Aber zu behaupten, daß der Bierabsatz unabhängig von der Kon- junktur, oder stark preisempjindiich fei, ist barer Unsinn, ein Wider- spruch in sich selbst. Wenn darüber geklagt wird, daß die Bier- steuer heute siebenmal so hoch wie vor dem Kriege sei, so darf man wohl die Tatsiiche anführen, daß in Großbritannien die Bier- steuer auf das Neunfache erhöht wurde— und schon 1913 mar die Belastung des englischen Bieres je Hektoliter um 44 Proz. höher als die des deutschen! Und die„Notlage" der Braumdustrie? Dividenden zwischen 10 und 20 Proz. sind die Regel: sie sind am höchsten unter allen Akticnunternehmen. Die Börse, der niemand übergroßen Optimis- mus nachsagen kann, bewertet den Durchschnitt der Brouereiakticii mit 143 Proz., während der Durchschnitt unter 100 liegt. Die Börse wenigstens scheint also wenig Furcht vor der„Notlage" zu haben. Aber wenn der Bierabsatz so preisempsindlich ist: vielleicht setze» die Brauereien den Preis gründlich herab, damit der Absatz steigt und die fixen Kosten sinken, damit wir eines Besseren belehrt iverden und alle von der Brauindustrie abhängigen Wirtschosts- zweige davon profitieren! Auch die wirklich geplagten Gastwirte! Zur Rede gestellt! Gegen die ständige Verleumdung der Konsumvereine. Dt» Berliner Konsumgenossenschaft hatte geKn- di«„Fleischer- Verbands.zeitung"(Fleischermeisterblatt) Klage wegen unlauteren Wettbewerbs angestrengt. Vor Gericht kam ein Vergleich zustande auf Grund folgender Erklärung des Beklagten: Die Beklagten geben zu. daß die ihnen von feiten der Klägerin gentachten Angaben den Rückschluß rechtfertigen, daß die Klägerin keinerlei Steuervorteile gegenüber den Klein- gewerbetreibenden genießt. Im übrigen legen die Beklagten Wert auf die Feststellung, daß die„Fleischer-Verbands-Zeitung" niemals bestritten hat, daß die gestosfelte Ilmsatzsteuer diejenigen Unternehmungen, deren Umsatz über 1 Million Mark hinausgeht— zu diesen Unternehmungen gehört auch die Klägerin— stark bc- Viel Pläne und ein Ziel. Wer baut nun wirklich die Tauern-Wafferkräfte aus? Bor zwei Jahren wurde ein großzügiger Pon der AEG. be- könnt, die Wasserkräfte der Hohen Tauern nach einem neuartigen Aersahren auszubauen und die Errichtung des größten Wasser- kraftwerks der Welt in Angriff zu nehmen. Das Verjähren besteht darin, die zahllosen Alperigewässer dieses gewaltigen Gc- birgsstocks in einer Höhe von etwas über 2000 Meter durch Hang» lanäle zu erfassen, zu sammeln und zur Betreibung von drei großen, nahe beieinander liegenden Wasserkraftwerken nutzbar zu machen. Die Leistungsfähigkeit dieser drei Werke sollt« im Endausbau etwa VA Millionen Kilowatt betragen: die tatsächlich« Elektrizitätserzeu- gung würde sich natürlich nach den Absatzmöglichkeiten richten. Als der Plan vor zwei Jahren bekannt wurde, hielt man eine Jahresarlieitsleistung von 6,6 Milliarden Kilowattstun- den sür möglich. Man rechnete also nnt einer Benutzungs- dauer, die fast dopeplt so groß ist wie di« gegenwärtige Durch- schnittsziffer der deutschen öffentlichen Elektrizitätswerke. 6,6 Mil- liorden Kilowattstunden wären nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge bereits mehr als doppelt so viel als die'gesamte österreichische Elektrizitätserzeugung überhaupt beträgt. Bald nach Bckanntuxvdcn dieser Pläne wurde von der AEG. gemeinsam mit dem österreichischen Bundesstaat Salzburg eine S tu d i e n g c s« l l s ch a f t gegründet und alz dann von dieser ein Probe-Hangkanal errichtet. Der Probebau sollte seststellen, ob in solcher Höhe das Wasser im Kanal unter den Gefrierpunkt sinkt und ob durch Lawinen- oder Steinschläge Schädigungen zu erwarten sind. Die Probearbeit war erfolgreich. Zlls Baudauer wurden 10 bis 12 Jahre genannt, als Kostenaufwand etwa 1 Milliarde Mark. Nachdem dieses Großprojekt anfing, greisbare Gestalt anzu- nehmen, wurden Konkurrenzprojette bekannt. Mitte 1929 hieß es, daß sich das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswerk, der Eiemens-Schuckert-Konzern und einige nahestehende Banken sür den Ausbau der w est tiroler Wasserkräfte interessieren. Die mögliche Arbeitsleistung sollte hier 40O Millionen Kilowattstunden betragen. Ansang 1930 tauchten dann neue Pro- jckte onf,.die aus den westtiroler Wasserkräften 1404 Millionen Kilowattsiiinden Elettrizitätserzeugung erzielen wallten. Im April wurde, wiederum in Verbindung mit Plänen der Siemens-Schuckeri- Werke, ein weiteres Projekt bekannt, wonach etwa 3300 Millionen Kilowattstunden in Westtirol erzeugt werden sollten. Inzwischen setzte die AEG. ihre Vorarbeiten fort und beteiligte sich unter cm- derem auch am Bau der Großglockner- Straße mit rund 3 Mil- lionen Mark. Im Spätsommer 1930 wurde«in weiteres Riesenprojekt be- lannt, das wiederum dcn Tauern-Wassercrästen galt. 4 bis 5 Milliarden Kilowattstunden jährlich sollten danach erzeugt werden. Hinter diesem zweiten Tauern- Projekt standen die Oester- teichischen Kraftwerke in Linz, die Züricher E l e k t r o b a n k, der Konzern Allgemeine Lokalbahn und Kraftwerke A.-K., sowie Siemens-Schuckert. Dieser Tage ist nun«ine neu« Studiengesell- schast gegründet worden, an der die Gruppe des Konzerns Oester- reichtjche Kraftwerke mit 51 Prozent und der S i e m e n s- K o n- zern mit 49 Prozent beteiligt sind. Ganz offenbar steht diese Gruppe in Konkurrenz zu der oben genannten Studicngcsellschast, an der die AEG. beteiligt ist. Interessant ist die trotzdem erfolgte offizielle Mitteilung, daß Verständigungsbestrcbungen zwischen ihr und der AEG.-Gruppe im Gange sind. Es handelt sich im übrigen bei dem Nebeneinander der beiden Studiengesellschasten nicht nur um einen weiteren Fall des be- kannten Konkurrenzkampfes zwischen Siemens ustd der AEG., sondern gleichzeitig um Widerstände österreicknschcr Kreise gegen das Tauern-Projekt des Staates Salzburg. Im Gegen- satz zum AEG.-Projekt sieht das Projekt der Oesterreichischen Kraft- werke di« Errichtung einer Reihe von dezentralisierten Kraft- werken vor. Tatsache ist jedenjalls, daß durch diese und andere Konkurrenz- motioe die Durchführung des Tauern-Projeits verzögert wird: che sich nicht die vcrschtcdsncn Jnteressentengruppzn über den endgültigen Plan geeinigt haben werden, dürfte auch die Frage, wie denn eigentlich das Projekt finanziert werden soll, noch nicht aufgeworfen werden können. Endlich weniger Schweine. Wie der� Amtliche Preußische Pressedienst miti/lt, HA das Preußische Statistische Landesamt das Ergebnis der Schwc'nc- zwiscbcnzählung vom 2. März bereits für den ganzc.i Slao! fest- gestellt. Das Ergebnis zeigt deutlich, daß der Höhepunkt dcr 'Aufwärtsentwicklung unserer Schweinehaltung überschritten ist und sich, wenn auch langsam, eine Einschränkung der Schweinehaltung bemerkbar macht. lastet. D« Beklagten verpflichten sich, dies« Erklärung in der „Fleischer-Verbands-Zeitung" zu veröffentliäzen. Es ist gut, doh die Konsumgenossenschaft Berlin den leicht- fertigen Schwätzereien und Aerdächtigungen offizieller Mittelstand- lerischer Organe auf solche Weise einen Riegel vorschiebt. Krachen im Oelitzsch-Gebälk. Zahlungseinstellung der Gewerbebank Hannover.- Mil« lionen Spargelder in Gefahr. Wieder hat eine genossenschaftliche Gewerbebank ihr« Schalter schließen müssen. Nach den verschiedentlichen Zusammenbrüchen in Südwestdeutschlond ist es diesmal die Gewerbebank channo- v er.«ine alte Genossenschaft, die ihre Zahlungen eingestellt hat. Diese Genosfenschaftsbairk hat noch im vergangenen Jahr bei einem ausgewiesenen Reingewinn von IM 000 M. eine Dividende von 8 Proz. verteilt, so daß also das Unternehmen scheinbar recht gut florierte. Der gänzlich überraschende Stützungsantrag dieser Genossenschaft bei dem Zentralinstitut der Schulze-Delitzschen Organisation, der Genossenschafts- abteilung der Dresdner Bank, kam daher wie sin Blitz aus heiterem Himmel. Daß die verantwortlichen Leiter der Gc- werbebank Hannover wegen ihrer Gefchäftsführnng ein schlechtes Gewissen hatten, beweist wohl die Tatsache klar genug, daß sie die Forderung des genossenschaftlichen Zentralinstituts auf eine Sonderrevision glattweg oerweigerten. Unter diesen Umständen mußten sich natürlich die Verhandlungen über eine Stützungsaktion zerschlagen. Man erinnert sich, daß auf der kürzlich in Berlin abgehaltenen Jahrestagung der gewerblichen Kreditgenossenschaften von dem Direktor d�r Dresdner Bank, Rapmund(Genossenschaftsabteilung), sehr nachdrücklich auf den Mißstand im gewerblichen Kreditgenosse»- schaftswesen hingewiesen wurde, das zugunsten hoher Di v i d e n d e n die Bildung von Eigenkapital vernachlässigt würde. Direktor Rapmund wies bei dieser Gelegenheit zugleich auf die Notwendigkeit einer möglichst großen finanziellen Flüssig- k e i t der Genossenschaftsbank hin. Die zusammengebrochene Gewerbebant in Hannover scheint, so- weit sich dies bisher beurteilen läßt, besonders auf diesem Ge- biet schwer gesündigt zu haben. So sind offenbar sehr hohe Kredite an die Gewerbebank A.-G., ein« eigene Gründung der Genossenschaft, ohne die notwendigen Sicherheiten gegeben worden, und das Einfrieren größerer Kreditsummen hat den Zusammenbruch herbeigeführt. Das Tragische an dieser Ange- legenheit ist, daß über fünf Millionen Spargslder, die bei dem Charakter dieser Genossenschaftsbank überwiegend aus kleinen Handwerker- und Händlerkreisen stammen, in Gefahr sind. Uebcr den Umfang der taffächlichen Berlust« läßt sich zur Zeit noch nichts Genaues sagen, jedoch wird der Zusammenbruch für die Mittelstandswirtschaft in Hannover schwere Folgen nach sich ziehen. Auch dos Ansehen der mittelständlerischen Kredit- genossenschaften hat durch diese unerfreuliche Affäre einen neue» schweren Schlag erhatten. Hannoversche Bodenkreditbank �2 proz. Dividende. In der Bilanzsitzung der Hannoverschen Bodenkreditbank, an der die Arbeiterbank beteiligt ist, wurde beschlossen, wie in den letzten sechs Jahren«ine Dividende von 12 Prozent zu' ver- ■f'teilen. Dio'EntwiSKlng der Bank im abgelaNfenen Geschäftsjahr war günstig.'Der Umlauf an Goldhypothekenpfandbriefen und Goldkominunalschuldverschreibungen nahm um rund 16 Mil- lionen zu. Die B i l a n z s u m m e stieg von 72 auf rund 89 Mil- lionen Mark. Die amerikanischen(Aoidvorräle erreichten nach den Mtteilun- gen der Schatzomtsbehördcn die Rekordhöhe von 4 6 85 Dollar- Millionen? das sind 42 Prozent des gesamten Weltgoldbestandes. Der Goldzuwachs im letzten Jahre betrögt 280 Dollormillionen. Der gesainte Papiergeldumlauf ist mit über 100 Prozent gedeckt. Die amerikanischen Goldbestände sind siebenmal größer als die Goldreserven der Bank von England. Starker Umsatzrückganq der Motorensabrik Heinrich kämper, DerliN'Marienselde. Der jetzt vorliegende Abschluß der Motoren- fabrik Heinrich Kämper A.-G. in Berlin-Marienfelde ist durch den ft arten Umsatzrückgang im letzten Jahr ungünstig bcein- flußt worden. Es wird nur«in kleiner Reingewinn von rund 34 000 Mark ausgewiesen, so daß eine Dividendenzahlung ausfällt. Im vergangenen Jahr zahlte die Gesellschaft ein« Dioi- dende von 7 Prozent aus, da der Betrieb 1929 einen überraschenden Aufschwung genommen hatte. Damals konnte der Umsatz um nahezu SO Prozent auf 2,25 Millionen Mark gesteigert werden, so daß die Gefellschaft sich.zum Ausbau der Werksanlagen ent- schloß. Nach günstigem Einsetzen des neuen Geschäftsjahres 1930 kam im Sommer ein schwerer Rückschlaa in den Auftragseingängen, der sich bis zum Jahresende noch erheblich verschärfte. Die Haupt- erzeugnisse der Gesellschaft sind� Antriebemotor« für Trecker, lond- wirtschaftliche Kraftmaschinen, Schiffsinotore und Dynamos. Femenlabfah bleibt schlecht. Schon im Januar hatte der Jimentabsatz in Deutschland mit nur 164 000 Tonnen noch gerade die Hälfte der Januarunisälzc von 1930 erreicht. Im Februar hat sich dieses ungünstige Bild wobl infolge der Schnee- und Frost. Periode noch weiter verschlechtert, denn bei einem Monats- absotz von 162 000 Tonnen sind die Zementumsätze gegenüber dem gleichen Monat des Borjohres auf weniger als SO Prozent gesunken. ver Beirat der Reichsmonopolverwallung für Branntwein hat einen Antrag auf Erhöhung des B r'e n n r e ch l s sür die landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien von 70 auf 80 Hundertteilc des regelmäßigen Breunrechtes abgelehnt. Reue Verschlechterung des französische» Außenhandels. Nach der Außenhandelsstatistik bclief sich die Einfuhr nach Frankreich in den beiden ersten Monaten des Jahres auf 9 460 383 Tonnen im Werte von 7 88 l 769 MO Franken, was gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Verminderung um 1 129 830 Tonnen im Werte von 1 685 290 000 Franken bedeutet. Die Ausfuhr bclies sich auf 5 033 667 Tonnen im Werte von 5 331 087 000 Franken und ist gegenüber dem gleichen Zeitraum �des Vorjahres um 1099 307 Tonnen im Werte von 2 408 202 000 Franken zurückgegangen. Erhöhung der niederländischen Zigarcltensleuer. Die nieder- ländische Zweite Kaimncr hat mit 55 gegen 17 Stimmen oen Gesetzentwurs zur Erhöhung der Tabaksteuer auf Zigaretten angenommen. Diese Steuer, die am 1. Juni d. I. für eine dreijährig« Periode in Kraft tritt, soll schätzungsweise 35 Millionen Gulden jährlich einbringen, die zur finanziellen Deckung notwendiger stckkitlicher Maßnohmen zur Milderung der Wirtschaftskrise o.'r- rvendct werden sollen. Siedlung und Arbeilsbeschassung. Zur Entlastung des Arbeits- Marktes ist eine stärkere Förderung der Siedlung zu wünschen. Man will also in Zukunft mehr als bisher Wchnstellen anlegen. die mit so viel Land versehen sind, daß wenigstens im Nebenberuf Gartenbau und Kleintierzucht betrieben werden können. Zur Klärung des Fragenkomplexes„Arbeiisiofigkeit und Siedlung" wird das Deutsche Archiv für Sie dt ungs wesen(Berlin NW. 6, Luifcnstraß« 27/2H) eine Tagung vom 25. bis 28. März itt der Technischen Hochschule veranstalten. Partemachrichten für Groß-Berlin flafeatamgeB fät di.s« Rubrik sind st-t- an da» Brjirk.slkratarla, •««lim LS«8. Liudaultraße 3. 2. Hos. 2 Trrvprn rrcht», zu richte» Beginn aller Veranstaltungen 19)8 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heule. Sonnabend, 21. März: 7. uab 4. fttei«. Juristische Svrechstunde non 17 bis 18 Ilbr im Iugrntihrim Rxslirsnstr. 4. Eclcqcnheit MM«irchcnaustritt! 117. Abt. B-richtipun». Referent nicht, wie angegeben, Dr. Hodann. sondern Dr. Keitann. 12Z. Abt. Setriliflunq an der vffcnllichcn Äundaebuna in Biesdorf. Trekfvunkt ISli! Uhr Dahnhof Äaulsdorf. Morgen. Sonntag, 22. März: 4.»rris. zilmveranftaltnna im„Slqfmm" erst um 11' j Uhr. Harten sind bei allen Be,irl»siihrern und bei Sf'Ol fttüflet, Prenzlauer Alre 144, ,n baten. Abrechnuni, fpäteften, Montaa, 28. März. 7. Ar«!». Zur Probeaustilhrima des fsoftspieis»Seid aemciht" treffen fich alle Mitwirkenden pünktlich 10 Uhr Aula der Sophie-Chaelottc-Cehulc, Scharren- Iteoh: 28. Die Iuaendwcihc fkbst findet am Eonniag, dem A. März, II Übe. IN der obiq«» Aula flolt. Eiulaäkartcn sind in alicn„Borwärls"- Spcditoinm zu 7ö uiiii jo Pf. für Kinder zu haben. 9. Krei». Am Sonntag. 13 Uhr. ncranstallet die Arbeiteriuacnd einen„So- z�aliftifchen IZestabend" im Niktoriasiartc», Wilhelmsauc 114, an dem alle Parteiqeuossen teilnehme». 85. Abt. Partcimikalicder beteiligen sich an der Zusiendweihe, Mariendorf, Lokal Mali, Chausseesir. 805, IV Uhr. 91. Abt. 9 Uhr tzluablattverbreituna. 147. Bezirk bei Odio. Onkel-Brllssa- Strasse 37. 148. Bezirk bei Keacl, Chousscestr. 189. 152. und 158. Bezirk bei Scharf,.iiarlemer Elr. 59. 151. und 155. Bezirk bei Eiinthcr. Chaussee- strasse 48. 15V. bis 159. Bezirk bei Tvisiram, Bllraersir. 48—49. 198. und 198-. Abt. Köpenick. Kranzuicderlcnuna für die Opfer des Kapp- Plüsches 9 Uhr auf dem Friedhof, Rudswer Strasse. 122., 122.1.. 123., 1231., 124., 124i. Abi. Besichtiquna des Altersheims in Biesdorf. Trcffpunk! 15 Uhr vor dem Altersheim. Für die Kaulsdorfer Genossen Treffen 14 Uhr Lokal Hühner. SPD.-Freidenker-Zraktlon Groß-Berlin. Di« Genossen beteiligen sich Montag, 23. März. 19U Ahr, im grossen Saal der Kammerfäle, Teltowcr Str. 1—4 fSallcfchcs Tor), a>>. der ftatkfindendcn Knnbgebnna. Thema:„Der Papst und die Ehe". Referenten: Dr. Ricmann. Leipzig, und Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Unksftenbeirraa 2» Pf. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grosz-Berlin. Sprechchaeprob« zur Iv-Iabres-Feicr am Sonntaa, dem 22. März, in der Schul« Donziger Sir. 28. 9 Uhr!(nicht 19 Uhr!) Reftfalkenlnger Stanmuhle bei Paderborn. Die Anmeldunaen der Reit- fallen uird Helfer habe» bis zum 28. Mär, zu erfolaen. Tcilnchmcraebühr etwa 4« M. Das Laacr findet vom 4. bis 81. Juli statt. Kreis Mitte. Heute Keeisfalkenratssissuna 18 Uhr im Iuaendheim Waisen- strasse 18. Morae», Eonnlaa. bctciliaen sich olle Gruppen des Kreises an her Uedungsstund« des Sprechchors zur Iv-Ialncs-Feier in der Danziaer Str. 25 (weltliche Schule), lv Uhr. Die Gruppen treffen sich wie folgt: Fliss Wille um 9 Uhr galteneltr. 15 Pf. Fahrgeld mitbringen. Matkcotli und Pavpclpjass 9 Uhr Rote Ecke. Srnsi Toller 9 Uhr Falkenecke. Zechdenieke: Sirasse. Huao Saale und S. Liebkneel-.t 9 Uhr Bllschingvlob.— Ginrpe Mattcotli: Der Karnavalsabend am Sonniaa föllr aus. Krci» Reinickendorf: Heute. Sonnabend. 19 Uhr, Kreishelfersidung in der Scholle. Die für Sonntaa anaelcssi« Fahrt muss wegen der Probe zur fv-Iahrcs- Feier ausfallen. Nächster Termin wird rechtzeilig bekanntgegeben. Gruppe Maria Demmning. Sonntag, 22. März. 18 Uhr. im Iuaendheim Cbertpstr. 12 l-Zahresfeier der Gruppe verbunden mit einer Ausstellung. Mi!- wirtende u. o. Streichorchester der TAI. Kreis Fricdrichshain. Festrede Ge» nofssn Emma Dölss. Freunds und Parteigenossen herzlichst willkommen. Ein- tritt frei. Kreis Reukölla. Alle Gruppen schicken die Bildungsobleute zu einer Sibunq heut«. Sonnabend, 1« Uhr, in die Baracke Ganghoferstrassc. Sehr wichtig, Porbercitung der Maifeier. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 82. Abt. Xlnfet lanmähri-ste'r Genosse Sßaul Hestert ist am Dkenstag inc Alter von 72 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Sonnabend. dem 21. März. 13 Uhr, auf dem Parkfricdhof üidjtcr» falde-Siid statt. Wir bitten um reae Beieiliauncf. 1W. Abt. Unser Genosse Hans SRintf, Kisstnaenstr. 2. ist am 18. Mär* ver. starben. Gäre seinem Andenken. Beer diffung Eonnabend. 21. März, 11'� Uhr, auf dem 3. Gemoinde-srirdbof, Ech'önbol�cr Hcidc. t Iugenduolkabühne:„Gesellschaft der Me»fch>e»rcchtr" wird am Sonntag, dem 99. März, 13 Uhr. im Theater am Bllloivplass nochmals gespielt. Karlen -um Preise ron 89 Pf. im Sekretariat. heute, Sonnabend, 21. ZNärz. Nerlölln Villi Jugendheim Trcplower Str. 9«. Probe zur Werbefeier um I7i) Uhr.— Besten: Treffpunkt zur Feier Moabit I 181) Uhr Bahnhof Blllowftrasse.— Wilmcrodors: Wcrdrvrranstaltnna im Bikloriaaorten. Wil- hclmsaue 114, 18 Uhr.— Moabit l: Märzfeier 29 Uhr im Äleisi-Ln-eum, Levehowstr. 2. Eintritt 89 Pf. Werbe bezirk Tiergarten: Sprechch-orieilnrhiner 18 Uhr Klcifl-Lpzeuin. Werbebeziri Reuksil»: 19', Uhr Ordneruersammlung in der Kanner, Strasse. Berbebrzirk Prenzlauer Berg: 29 Uhr Ailterenturfus Danziger Str. 92. „Die Elemente der kapila listischen Wirtschaft." Werbebezirk Westen: 19'> Uhr Aerbcdezirksvorsiandssitiung Rossnenstr. 4. Stecichorchesler Srass-Berli«: 181� Uhr Treffpunkt aller Spieler am Süd- rinaang des Bahnhof Slralau-Nnmmrlsdurg zur Teilnahme an den Brran- ftaltunaen in Erkner und Fangschleufc. Notenständer mitbringen. Arbeitskreis Abraham: 1915 Uhr. Acbcitcrbildungsfchulc Lindensir. 8, II. Hof, 2 Treppen.„Landwirtschaft, Agrarkrise und Arbeitersckmfl." Morgen, Sonntag. 22. IRarz. Reukölln IX: s�ebtt. Treffpunkt 7 Uhr Balinho? Hermann strafe. 7t) Pf. Abends Heimabend Kanncr Strf, rundem Körper, schnccweiftcm Seidenfell, in den Gelenken zart rosafarben. Seine zwei großen Augen waren sehnsüchtig ver- schleiert, und auf seiner Stirn waren die Haare so regelmäßig gekräuselt, als käme er soeben aus einem Pariser Frisiersalon. Furchtbarer Zorn packte mich. Bon allem abgesehen, ärgerte mich schon, daß dieser alte Esel oder besser dieser alte Ochse nicht einmal versuchte, einen neuen Trick zu erfinden, sondern mit drei- tausend Jahren alten Kunststllckchen prahlte. Mir das, der ich die gesamte mythologische Bildung im kleinen Finger habe! Ich sprang aus dem Busch und schrie ihn an: „Mach dich davon, du unzüchtiges Aas! Christus strafe dich!" Bei dem Zauberwort Christus brüllte der Stier laut auf, als hätte ihn der Matador mit einer Klinge an der Kehle getroffen, wankte, zitterte in allen Gliedern, stürzte zu Boden und verschwand im gleichen Augenblick mit Haut und Haaren. An seiner Stelle stand ungezwungen und freundlich lächelnd, als wäre nichts vor- gefallen, unser lieber Wirt Zeus. Er trat auf uns zu und sagte: „Damit meine schöne, kleine Anhängcrin sich nicht langweilt, brachte ich hier ein paar bunte Kiesel! Damit kann sie spielen!" Er warf Nathalie ein Handvoll farbiger Steinchen in den Schaft: Aber meine Augen flimmerten, als ich einige davon näher betrachtete: Es waren lauter ausgewählte Smaragde, Saphire, Rubine und Diamanten, die nicht nur einem deklassierten Griechen- aott, sondern selbst einem Maharadscha Ehre gemacht hätten. Ich schrie zornig:„Ich brauche Ihre schnöden Geschenke nicht. Nehmen Sie das sofort zurück!"(Einer der Zuhörer kicherte:„Du gabst es ihm wieder? Ist das wahr?' würde ich ja anders handeln...") Lokitsch erwiderte leise:„Heute Nathalie jedoch packte die Steine mit brennenden Augen und preßte sie an ihren Busen. Erschrocken flüsterte sie:„Ich gebe sie nicht her. Auf keinen Fall. Sie gehören mir, Zeus hat sie für mich mitgebracht." Ich keuchte heiser:„Komm, Nathalie, komm sofort! Wir ver» lasten diesen verfluchten Ort. Gehen wir nach Griechenland unh laß uns dort glücklich sein!" Sie begann zu schluchzen und stampfte trotzig mit den Füftchea die mythologische Erde:„Nein, ich gehe nicht. Ich will hier bleiben. Ich habe genug von der ganzen Bummelei." Ich fah Zeus an. Er stand mit hervorgcreckter Brust und frechem Lächeln da. Nathalie sank an seine Brust. Da gab ich mein Spiel verloren und machte inich auf die Socken. Wer weift, ob er nicht seine Verwandlungskünst« an mir probieren wollte. Ich lief schnaufend und würgend, wie ein waidwundcs Wild immer den Hügel hinän, mit beiden Händen den goldenen Helm festhaltend. Gedachte ich doch, ihn in Griechenland zu versilbern und dann als I.-Klaste-Passagier heimzugclangen. Aber mit diesem Helm geschah ein Wunder, das ich mir bis heute nicht erklären kann. Je weiter ich, nachdem ich den Paß er- klommen hatte, die Berge herabstieg, um so mehr verblaßte der Helm, wurde brüchig, der goldene Glanz wurde stumpf, seine metallische Festigkeit lieft nach, und als ich das erste griechische Städtchen erreicht l)atte— es hieß, wenn ich mich recht erinnere. Ganaios—, da war nur noch ein einfaches Stoffkäppchen übrig, mit Ohrenklappen, wie es die Holzfäller im Winter zu tragen pflegen. („Na, das ist aber denn doch sehr unwahrscheinlich", riefen alle. Aber Lokitsch erwiderte mit Siegermiene:„Zufällig habe ich die Kappe heute noch. Wenn ihr es nicht glaube» wollt, kann ich sie das nächste Mal mitbringen!") kllebersetit von Socher.Masocki.) uu..Heiiniger: der Oelfelder Hätten Sie vielleicht Lust, in einen tausend Meter tiefen Brunnen hineinzustarren, aus dessen schwarzem Schlund«ine schwarze, stinkende Springflut Rohöl jeden Augenblick lichtwärts drängt? Kaum! Und möchten Sie vielleicht neben einem Behälter Wache stehen, der 220 Kilogramm Nitro-Glyzerin, einen der gefähr- lichsten Sprengstoffe, enthält? Wohl auch nicht. John Larkin,«in alter amerikanischer Oelbohrer, hat diese Lebensaufgabe. Daft er heute noch das Licht der Sonne erblickt, deucht einem schier oerwunderlich. Sein Dasein besteht aus einer Kette lebensgefährlicher, sensationeller Abenteuer. Er steht aber mcht allein da, sondern teilt das Schicksal mit Zehn lausenden. Viele müssen ihr Leben lassen, wenn die Petroleumqucllen in Brand ge- raten oder die Behälter explodieren. Es kommt auch vor, daft die Arbeiter in den plötzlich heimtückisch hervorsprudelnden Fluten des Petroleums ertrinken... John Larkin war damit beschäftigt, einen Brunnen zu reparieren, der nur periodisch funktionierte. Die Arbeit bestand darin, Behälter mit Nitro-Glyzerin zu süllen und sie hinunter- zuwindcn, wo die Oelquellen sind. Waren sie bis zu einem gewissen Grade heruntergesackt, so warf Larkin Metallteile gegen den Be- hälter, woraus dieser explodierte. Ein kritischer Augenblick, wenn die Feuerbündel aus der Tiefe heroorfchosten, wenn es qualmte, polterte und brüllte— die Sprache des Brunnens—, und oben sah Larkin zu, daft er sich schleunigst rettete,— ein Wunder, daft er es oermochte, gleichfalls ein Wunder, daft nicht alles miteinander explo- dierte. Nachdem die Quell« mit einem halben Dutzend Spreng- lädungen versehen war, die in ihren Eingeweiden rumorten, wirkte das Pulver, und hervor brach ein dicker, schwarzer Strom— eine halbe Stunde lang. Dieses Manöver wiederholte sich den lieben, langen Tag. ja, Monat für Monat, bis die Quelle entleert war und der Mann sich an ein« neue begab. Kann man sich einen gefähr- lichcren Berus denken? In Kansas wurde einmal ein Mann auf einen Stahltank montiert, der neun Millionen Liter Erdöl faßte. Mit seinem Werk- zeug in der Hand schlich er über das Dach des Tanks. Plötzlich schoft eine Feuersäule in den Himmel, und die Erde bebte. Mach- dem sich endlich der Rauch verzogen hatte, fand man in einiger Entfernung ein zerfetztes Stückchen Schuh— vom Manne aber war keine Spur zu entdecken. Erklärung: Trotz des vorsichtigen Beschreitens 4)alie der Arbeiter doch noch zu hart auf einen Nagel getreten, lo das; ein Fllnkchen aufsprühte und Ursache des großen Brandes wurde. Das ist e i n e Erklärung. Eine andere ist das Gas. Die ungeheuren Oclmengen, die sich im Innern der Erde fortwälze'», wie die Flüsse auf der Erdoberfläche, entwickeln ungeheure Mengen Gas, die mit unwiderstehlicher Kraft einen Gegendruck erzeugen. In Pennsylvanien arbeiteten eines Tages einige Männer an einem neuen Bohrturm, als ein unterirdisches Donnergetöse wie ein eingeschlossener Zyklon vernehmlich wurde. Im nächsten Augen- blick wirbelten die Menschen, der zersplitterte Turm und das Werk- zeug in der Luft herum, eingehüllt in eine schwarze, stinkende Gas- ivolkc.— Schwerverletzt« und tote Arbeiter waren das Ergebnis dieser Katastrophe. Auf sämtlichen Erdölterritorien der Welt spielen sich täglich derartige Dramen ab, die in den Tageszeitungen nur in einer kurzen Notiz erwähnt werden. Einige dieser Katastrophen jedoch gehen in die Geschichte über, so zum Beispiel die von Maricopa in Zentral- kalifornien im Jahre 1gl>8. Die llniongesellschafl wollte ein Bohrlock) von S Meiern Tiefe noch um 2(X) Meter verlängern. Mitten während der Arbeit fingen die Gasmassen an zu singen und der Oesfnung zuzutreiben. In der nächsten Sekunde waren die Gebäude des Bohrturmes in Atome verwandelt, während die Gasmasien die Luft in weitem Umkreis verpesteten, so daft Tausende von Menschen schreckgcpeitscht die Flucht ergriffen. Aber das war nur der Anfang! Das Rohöl kam heraufgewälzt, kohlschwarz und dampfend, worauf die Arbeiter herbeiströmten, um es in die Reservoire zu leiten Diese Arbeit wurde jedoch schnell unterbrochen, denn im nächsten Augen- blick drängten die zusammengepreftten Oelmassen so elementar her- vor, daft die Springflut des rasenden Oels dreihundert Fuß gegen den blauen Himmel Kaliforniens stieg und eine scharf umgrenzte. schwarze Maise bildete, die dann wieder mit Donnergetöse zur Erde stürzte. Alles flüchtete, und erst noch Stunden begannen die Arbeiten von neuem, das Oel in die Reservoire zu leiten. Man verbuchte damals einen Derlusi von zwanzig Millionen Liter, bevor es gelang, die Massen endlich einzudämmen. Derart zehren Feuers- brünste an den Quellen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel»chlugen die Flammen eines schönen Tages aus einer alten Quelle im �Staate Kansas. Trotz aller Versuche währte der Brand vier Tage— das brennende Oel bildete wahre Flüsse, und zwischendurch wirbelten die unheimlichen Gasflannnen empor. Man entschlaft sich, den Fahrstuhl mit einer Kanone abzuschießen, um Platz für eine Bedeckung der Quelle zu schassen. Die Kanone wurde oorgefahren. aber erst nach einer halbtägigen Beschießung glückte es, das Eisengcstell� zu zersplittern. Sehr gefahrvoll gestaltete sich auch die Arbeit, ein dickes Stahldoch über den Brunnen zu rollen, und— jo unglaublich es auch klingen mag— es glückt« den unerschrockcnen Männern, die Stahlbedeckung an ihren Platz zu bringen. Der Preis dieser Müh« war allerdings nur der. daß das Feuer eine halbe Stund« long in Schach gehalten wurde. Dann schössen die Flammen wieder empor. Das Dach war zerschmolzen. Erst nach vier Tagen wurde man Herr der Situation. Die Arbeit in den Oelfeldern ist reich an gewaltigen, katostro- phalen und verschiedenartigen Erlebnissen. Einmal hatte sich die Spitze eines Bohrers auf dem Grund« eines 335 Meter tiefen Brunnens in Texas festgehakt. Dieser Fehler muftte unbedingt be- seitigt werden, weil das Oel sonst keinen Ausweg gefunden hätte. Der Vorarbeiter sah plötzlich einen Negerjungen neben sich, der dem Schauspiel interessiert zusah.„Ich biete dir zwanzig Dollar, wenn du hinabsteigst und die Sache in Ordnung bringstl"—„Dreißig!" sagte der schlagfertige Negcrjunge.—„Meinetwegen!" Der Neger- junge entkleidete sich seiner dürftigen Fetzen: man band ihm die Füße zusammen und wand ihn mit dem Kopfe nach unten in die Tiefe hinab. Sechs Minuten lang blieb der Junge unten, aber der Versuch miftglückt« Man wand ihn wieder hinauf.„Vierzig Dollar!" sagte der Vorarbeiter und zeigte in die Quelle hinunter. „Fünfzig!" war die prompte Antwort des Negerjungcn. Dabei blieb's. Erneut lieft man ihn hinab. Man hörte ihn prusten und stöhnen— schließlich gab er ein Signal, daft man ihn hochwinden solle— triefend von Oelschlamm flüsterte er:„Alles in Ordnung!" Er verdiente seine fünfzig Dollar— Rockeseller aber vier Millionen! •j)ns WeHerfühten Empfiiidsam« Menschen spüren einen schroffen Wetterwechsel manchmal schon tagelang in den Gliedern und besonders schwere Gewitter künden sich bei ihnen vorher durch Mattigkeit, Gereizt- heit, nervöse, deprimierte, ja, melancholische Stimmungen an. Nach der elektrischen Entladung, nach einem Regenfall, fühlen solche Menschen sich plötzlich wie befreit und neugestärkti sie leben förnt- lich wieder auf. Bisher hat man diese seltsame Abhängigkeit animalischer Wesen — bei Tieren ist sie oft noch viel augenfälliger als beim Menschen— auf den Wechsel des Luftdrucks und der Feuchtigkeit zurückgeführt, es läßt sich aber beweisen, daß die Feuchtigkeit nur relativ wenig, der Luftdruck fast gar keinen Einsluft aus diese Erscheinungen hak, da sie gar nicht parallel auftreten. Räch einem Gewitter Z. B. verschwindet die Nervosität momentan, während der Luftdruck sich nur langsam ändert, und umgekehrt treten die Deprcssionserschei- »ungen, respektive das Stechen in den Narben des Kriegc invaliden oder im Gich'.fuft des Großvaters(bekanntlich ebenfalls sehr emp- sindsam« Wetterpropheten) auf, noch che der Wittcrungsum-chl.:g eintritt. Stach den neuesten Untersuchungen durch Prof. Dorna u. a. sind es denn auch nicht Lustdruck und Feuchtigkeitsgehalk, sondern vielmehr die Schwankungen der elektrischen Ladung in der Luft, welche den Körper und besonders das Nervensystem so stark beeinflussen. Der Körper ist ständig von Strömen durchflössen, wobei die Spannungsdifferenz, die zum Strom führt, dadurch entsteht, daft die elektromagnetischen Kraftlinien in der Nähe des Kopfes zahlreicher austreten als an den Füften. Besonderen Aufschluß über das Ver- halten unseres Körpers im elektrischen Strom verdanken wir den neueren Forschungen der Kolloid-Chemie, die sich mit den elektrischen Erscheinungen der kleinsten in einer Flüssigkeit verteilten Teilchen beschäftigt. Auch das Blut ist eine sogenannte kolloidale Flüssigkeit; unter dem Einjlnft elektrischer Ström« ballen sich die Teilchen zu- sammen, ntan könnte sagen, das Blut„verdickt" sich. Eine ganz ähnliche Erscheinung tritt übrigens bei Gewitter bekanntlich in der Milch auf, die zuerst flockig, dann„sauer" wird, was allerdings mit der elektrischen Ladung der Lust nur indirekt zusammenhängt, in- sofern diese die Bildung von Salpetersäure bewirkt, die nun ihrer- seits die Gerinnung hervorruft. Jetzt begreisen wir die Gewitteremviindlichkeit vieler Menschen, die nicht nur seelisch bedingt ist, sondern ihre sehr reale physi» kalische Ursache hat. Sie bedeutet allem Zlnschein nach nichts anderes, als daß diese Menschen unter dem Einfluß jener großen elektrischen Spannungen stehen, die das Gewitter ausmachen. Die Spannnngsdifseren zwischen Erd- und Luftelektrizität beträgt o s t HunderttausendcvonVolt. Auch bei anderen Naturerscheiiuingen, z. B. Vulkanausbrüchen, treten, wie Dr. L. Albert in„Wissen und Fortschritt" betont, vorher elektrische Spannungen auf, welch« sich bei Tier und Mensch be- merkbssr machen. Tagelang vor dem letzten großen Ausbruch des Mont Pelc flüchteten Hunderte von Tieren, während die dort an- wesenden Vulkan-Sachverständigen einen Ausbruch für unwahrschein- lich hielten— ein Beweis dafür, daft der tierische Körper noch mehr als der menschliche einen überaus empfindlichen Wetter- und Un- Wetterpropheten darstellt. L. H. Der höchst? Staudamm der Erde ist der Arrowrootdamm in Idaho(Bereinigte Staaten). Er ist 320 Meter lang und 106 Meter hoch.